Archiv der Kategorie: Kultur

Kann man Robotern Moral beibringen?

Bild: 4ever.eu bearb.: bb

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Vernunft, Entscheidungsfähigkeit, Urteilskraft – wie viel von diesen menschlichen Kompetenzen lässt sich auf Roboter übertragen? Maschinen könnten durchaus ähnlich wie ein Mensch handeln, sie seien “Quasi-Akteure”, sagt die Philosophin Janina Sombetzki.


Janina Sombetzki im Gespräch mit Liane von Billerbeck|Deutschlandradio Kultur

In Köln findet derzeit das Internationale Festival der Philosophie “phil.COLOGNE” statt. Dort wird die Kieler Philosophin Janina Sombetzki einen Vortrag zum Thema Roboterethik halten.

Maschinen könnten durchaus ähnlich “wie ein Mensch” handeln, sie seien als “Quasi-Akteure” zu betrachten, sagte Sombetzki im Deutschlandradio Kultur. Bestimmte menschliche Fähigkeiten und Kompetenzen ließen sich in äquivalenter Weise auf Maschinen übertragen, etwa Urteilskraft, Entscheidungsfähigkeit, Vernunft oder Autonomie.

“So dass man nicht sagen muss: Maschinen haben Autonomie, Maschinen haben  Verantwortung. Sondern sie tragen etwas vergleichsweise Ähnliches. Sie funktionieren in einer ähnlichen Weise wie Menschen. Und sie werden in Situationen zum Einsatz gebracht, in denen eben vorher auch Menschen handelten und immer noch handeln.”

Bei der Diskussion um Roboterethik sei das Verständnis von Autonomie von zentraler Bedeutung, meinte Sombetzki. Viele Kritiker definierten Autonomie ausschließlich als das Fehlen von äußeren Gründen. Dem sei eine andere Definition von Autonomie “im starken Sinne” entgegenzusetzen:

“Autonomie ist überall dort, wo wir unserem Handeln Gründe setzen. Bei Menschen ist das relativ einfach, da sagt man: wie kommen wir zu unseren guten Gründen? Durch Erziehung beispielsweise, durch Bildung, durch Kommunikation. Und bei Maschinen müssten wir dann sagen: Die guten Gründe stellen sozusagen die Programmierung dar.”

Aufgabe der Wissenschaftler sei es, den Diskurs über die Roboterethik in die Öffentlichkeit zu tragen. Dabei gehe es besonders um moralische und ethische Fragen:

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Kirchenzeitung entschuldigt sich für Homo-Kritik – ändert nichts

Bild: bpb.de

Bild: bpb.de

Der Chefredakteur der Kirchenzeitung des Erzbistums Köln, Robert Boecker, hat sich für einen Artikel entschuldigt, in dem Homosexuelle mit Dieben verglichen werden. Auch Kardinal Rainer Maria Woelki ging auf Distanz.


pro Medienmagazin

In dem strittigen Text hatte der Verfasser die Forderung des Zentralkomittees der Katholiken (ZdK) nach einer „Wertschätzung für gleichgeschlechtliche Partnerschaften, deren Segnung eingeschlossen“, kritisiert.

Eines der Argumente war der Vergleich Homosexueller mit Dieben: „Die Zahl der Einbrüche und Diebstähle steigt Jahr für Jahr, während immer weniger Täter überführt werden können. So erleben viele Menschen heute ihre Lebenswirklichkeit“, heißt es in dem Kommentar, der am Montag auch von der Webseite der Kirchenzeitung entfernt wurde. „Wer etwas mitgehen lässt, muss sich anscheinend keiner Schuld bewusst sein. Machen doch alle. Damit die Zahlen nicht weiter stören, dringen wir darauf, dass Diebstahl nicht mehr bestraft wird und dass die Täter zu loben sind, weil sie vielleicht für die Playstation ihrer Kinder oder für eine Aufmerksamkeit für ihre Partnerin auf Beutezug gehen. Solches Handeln müsste die Gesellschaft eigentlich wertschätzen.“

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Dänemark: Moderator tötet Kaninchen während Radiosendung

Das Kaninchen Allan wurde während der Live-Sendung getötet. / Bild: (c) Screenshot/Facebook-Seite von Radio24syv

Der Sender wollte mit der Aktion auf die grausamen Methoden der Agrarwirtschaft aufmerksam machen. Im Studio kam es zu einem Tumult.


Die Presse

Die Tötung eines Kaninchens während einer Radio-Sendung hat in Dänemark für Aufsehen gesorgt. Der Sender Radio24syv rechtfertigte die Aktion am Dienstag im Kurznachrichtendienst Twitter: “Wir haben es nicht um der Unterhaltung willen getan.” Tausende Tiere würden täglich getötet, damit Menschen sie essen könnten. Es gehe darum, auf die grausamen Methoden der Agrarwirtschaft aufmerksam zu machen.

Moderator Asger Juhl, hatte das junge Kaninchen namens Allan am Montag während der Sendung mit mehreren Schlägen mit einer Luftpumpe auf den Kopf getötet. Damit habe die “Heuchelei” der Dänen beim Tierschutz entlarvt werden sollen, twitterte der Sender.

Im Studio kam es zu einem Tumult, als Reality-Showstar und Tierrechteaktivistin Linse Kessler versuchte, das Kaninchen zu retten und Juhl durch das Studio jagte, bevor sie es verlassen musste. Auf ihrer Facebook-Seite schrieb Kessler, sie hätte das Tier fassen und Juhl entwinden können, habe aber gefürchtet, dass es dadurch noch größeren Schaden erlitten hätte.

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Wie muslimische Karikaturisten den IS bekämpfen

Karikatur von Osama Hajjaj

Muslime hätten keinen Humor, Satire sei ihnen fremd. So ein weit verbreitetes Klischee. Dass das nicht stimmt, zeigen die vielen arabischen Karikaturisten, die sich bissig gegen den sogenannten Islamischen Staat richten. Humor ist ihre ultimative Waffe gegen den Terror


Von Katharina Pfannkuch|Cicero

Terroristen, Kämpfer, Dschihadisten – von Begriffen wie diesen für Mitglieder des sogenannten Islamischen Staates (IS) hält Osama Hajjaj nichts. Für den Jordanier sind die Anhänger der Terrorgruppe, die auf realen und virtuellen Schlachtfeldern für den selbsternannten Kalifen Abu Bakr Al-Baghdadi zu Felde ziehen, nur eins: „Feiglinge“. Ein Wort, aus dem Verachtung spricht. Für die Zerstörungswut des IS, für seine Vereinnahmung islamischer Symbole und für seine Brutalität.

Doch Hajjaj wäre nicht der, der er ist, wenn er dem IS nur mit Worten begegnen würde: Der 41-jährige Karikaturist macht den IS immer wieder zum Thema seiner Zeichnungen. „Ich will diese Leute bloßstellen“, erklärt Hajjaj, „und klar machen, dass der IS nicht den Islam repräsentiert.”

Dafür greift er zu einfachen, aber wirkungsvollen Bildern: Da knien fünf Geiseln mit gebeugtem Haupt vor vermummten, ganz in Schwarz gekleideten IS-Anhängern. Vier von ihnen halten Messer in den Händen, einer verliest einen Text. Es ist das mittlerweile auf zynische Weise klassisch anmutende Szenario der Hinrichtungsvideos, die der IS unermüdlich veröffentlicht. Die Körper der knienden Geiseln jedoch bilden in arabischer Schrift das Wort „Islam“. Nicht nur die Vereinnahmung der Religion wird hier sichtbar, Hajjaj stellt auch die muslimischen Opfer des IS in den Fokus, die in der medialen Öffentlichkeit oft untergehen.

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Digital Anthropologists Explore What It Means to Be a Human in a Dataverse

Image: DaC3

Image: DaC3

Hannah Redler wants to examine how humans own and control their information within a dataverse. “We wanted to look at the human at the centre of all the technology and data,” she told me. “It isn’t just about being tech-savvy, but about how technology affects us in our everyday lives.”


By Emiko Jozuka|MOTHERBOARD

Redler is the curator in residence for the Data as Culture 3 exhibit, currently on show at the UK’s Open Data Institute, which promotes public engagement with open data. For this year’s exhibit, titled “Data Anthropologies,” current artists in residence Alison Craighead and Jon Thomson are showing documentary-led artworks that focus on how humans are dealing with an increasingly data-dense digital environment.

The duo’s past and most recent works, based on freely available data, are dotted around ODI’s office space. Inside the reception area, you’ll glimpse “Six Years of Monday,” featuring an alternative, split-screen view onto a series of time-lapse recordings of the weather. The images come from a collection of footage painstakingly taken by a Scottish man from his window every Monday from 6 AM to 6 PM since 2006 in the Scottish Kingdom of Fife.

Venture further into the office, and you’ll see an older piece from 2004 called “Decorative Newsfeed” that shows a series of live news headlines rotating like digital snakes around a screen. “Corruption” features a frame from a corrupt video file on a photographic lightbox, and “Voyager” offers a curiously analogue take on the first man-made probe to venture into our solar system. The piece is a woodblock print displaying a selection of then UN secretary general’s greeting messages to the roaming probe.

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Happy Towel Day

all3dp.com

 

Forget Jesus on Toast. There’s a Humanist in a Tomato

Image: Friendly Atheist

I had given up on this whole atheism thing after Christians kept finding Jesus on their toast.

But Redditor Masaharta found the Humanist symbol in a tomato and now the whole world makes sense again!


By Hemant Mehta|Friendly Atheist

It’s a sign that Humanists love fruits.

Or vegetables.

Screw it, I can never remember. But I’m sure it means we should all go vegetarian or something.

After all, we can’t forget the sign from the watermelon.

Aufruf: Gegen die Hexenjagd auf Peter Singer!

Wir wollen hier Peter Singers Ethik nicht im Einzelnen verteidigen – Kritik daran finden wir legitim – den Aufruf des Aktionsbündnisses ‚Kein Forum für Peter Singer‘ halten wir jedoch für niveaulos und inakzeptabel.

Die Hexenjagd auf Peter Singer ist nicht progressiv!

Dieser Aufruf versucht Peter Singers Beitrag zum (Präferenz-)Utilitarismus und zur Tierethik mit dem Vorwurf der Behindertenfeindlichkeit komplett zu negieren, rückt ihn dabei in die Nähe von Naziverbrechern und fordert schließlich, ihm das Recht auf Redefreiheit und auf die Verbreitung (offenbar aller) seiner Ideen zu entziehen (Zitat: Leute wie Peter Singer „sollten ihre Ideen nicht öffentlich verbreiten können“.) Es wird unterstellt, Singer würde Positionen vertreten, die inhaltlich in der Nähe der „Ideologie und Praxis […] des Nationalsozialismus“ anzusiedeln wären. Eine Unterstützerin des Peter-Singer-Bashings fordert: „Der Typ gehört an die wand und weg knallen. Fertig“. Wir halten das alles für reichlich überzogen. Ob man Singer einen Preis für sein Engagement für Tierleidverminderung verleihen sollte, darüber kann man streiten, aber eine emotionalisierte Hexenjagd zu veranstalten halten wir nicht für progressiv und auch nicht für links. Wir finden es ist durchaus rechtfertigbar, Veranstaltungen mit rein hetzerischer Absicht zu stören und zu verhindern – Peter Singer ist aber kein Nazi, sondern ein analytischer Moralphilosoph. Der analytischen Moralphilosophie geht es aber eben nicht einfach um politische Bekenntnisse, sondern sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch selbstverständliche Dinge zu hinterfragen. In einer Gesellschaft, die dies nicht aushält und die nicht akzeptieren kann, dass Andersdenkende ihre Meinung äußern dürfen, wollen wir nicht leben. Stattdessen muss eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Singers Ethik stattfinden, die mehr zu bieten hat, als dekontextualisierte Zitate, die vermeintlich für sich selbst sprechen. Dabei den Problemhintergrund, vor dem Singer schreibt, überhaupt nicht zu berücksichtigen, sondern mit Sätzen wie: „Wir haben ja nichts gegen Tierschutz, aber…“ abzutun, scheint uns methodisch fraglich.

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Dante Alighieri: Der einzige Zeuge

Dante Alighieri, hineingestellt in die Motive seiner „Göttlichen Komödie“. So malte es 1465 Domenico di Michelino (1417-1491) in der Kathedrale Santa Maria del Fiore in Florenz. Foto: Imago

Zu seinem 750. Geburtstag eine Erinnerung an Dante Alighieri, Autor der Bauanleitung für ein christliches Universum und rasch entschlossener Richter über die Toten.


Von Arno Widmann|Frankfurter Rundschau

Dante ist kein Autor zum Lesen. Er ist es schon darum nicht, weil er vor 750 Jahren – im Sternzeichen des Zwilling, also irgendwann zwischen dem 22. Mai und dem 21. Juni – geboren wurde. Es muss sehr viel erklärt werden, um Lesern über diesen Abstand hinüber zu helfen.

Man liest Dante nicht, man studiert ihn

Aber Dante war schon seinen Zeitgenossen ein schwer zu entziffernder Autor. Gar zu viel stopfte er in seine Verse. Er hat darum gerne das Genre der Selbstinterpretation gepflegt, also ausführliche Kommentare zu seinen eigenen Gedichten vorgelegt. Die dienten allerdings nicht dazu, das Verständnis zu erleichtern, sondern sie multiplizierten die Verständnismöglichkeiten. Wenn ein Gedicht an eine Geliebte dahingehend erläutert wird, dass mit der Geliebten die Philosophie gemeint sei, dann explodiert jedes Wort darin und zerfällt in sehr viele neue Bedeutungen. Was das für Übersetzungen bedeutet, kann sich jeder ausmalen. Wer Dante auf Deutsch lesen möchte, dem ist zu empfehlen, mehrere Übersetzungen nebeneinander zu legen. Bei der „Göttlichen Komödie“ etwa die Übersetzungen von Kurt Flasch (S. Fischer Verlag) und die bei Reclam erschienene von Hartmut Köhler.

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Luz von „Charlie Hebdo“:Er lehrt die Mörder das Zeichnen

Selbstporträt des Künstlers unter Personenschutz: Luz, ©VERLAG

Ein Mann zeichnet sich frei: Der Karikaturist Luz hat den Anschlag auf „Charlie Hebdo“ überlebt. In seinem Buch „Catharsis“ dokumentiert er seine Trauer um die ermordeten Freunde.


Von Jürg Altwegg|Frankfurter Allgemeine

Eines Tages ist mir das Zeichnen abhandengekommen, zusammen mit einer Handvoll lieber Freunde“: Es ist der erste Satz des neuen Buchs von Luz, „Catharsis“ ist sein Titel. Der Autor erzählt vom Attentat des 7. Januar, der sein Geburtstag ist, dem er sein Überleben verdankt. Er kam zu spät in die Redaktionskonferenz.

Am Abend dieses Tages, 18 Uhr, befindet er sich im berühmten Pariser Kommissariat am Quai des Orfèvres. Hier beginnt „Catharsis“. Luz soll schildern, was er gesehen hat. Es fehlen ihm die Worte, er leiht sich vom Polizisten ein Blatt Papier. Und zeichnet – einen Kreis, zwei Kreise. Immer wieder. Daraus werden Augen. Ein Augenpaar. Am Schluss bevölkern viele Strichmännchen mit übergroßen Augen die Seite: „Um ehrlich zu sein, ich habe nicht viel gesehen.“

Das Männchen mit den großen Augen

Das Strichmännchen ist auf dem Umschlag, der Titel verweist auf die Psychoanalyse und die griechische Tragödie. Es ist keine Abrechnung mit dem religiösen Fanatismus. Luz erzählt von der Polizei, die ihn auch noch auf der Toilette und im Bett schützt. Von seinen Albträumen. Den Anspruch, den nun die ganze Welt an ihn richtet, zeichnet er als Vampir. Seinen Angstgefühlen gibt er den Namen Ginette. Mit Anspielungen auf Marilyn Monroe im Bett mit Mister President variiert er seinen Geburtstag. Wie wird er sein verspätetes Erscheinen entschuldigen? Mit einer Magenverstimmung nach einem Essen im indischen Restaurant. In früheren Jahren musste der Chinese herhalten.

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Wie digitale Transparenz die Welt verändert

Hauptplatine eines Rechners.

Hauptplatine eines Rechners.

So paradox es klingt: Die Entwicklung des Lebens im urzeitlichen Ozean kann uns einiges über die Zukunft unserer Gesellschaft lehren. Da im Zeitalter der digitalen Vernetzung kein Geheimnis mehr sicher ist, stehen wir an der Schwelle einer Epoche, die das Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatleben ganz neu definieren muss.


Von Daniel C. Dennett und Deb Roy|Spektrum.de

Vor rund 543 Millionen Jahren ereignete sich die so genannte kambrische Explosion: eine spektakuläre Häufung biologischer Innovationen. Binnen weniger Millionen Jahre – nach geologischen Maßstäben fast augenblicklich – entwickelten Lebewesen völlig neue Körperformen, neue Organe, neue Strategien für Angriff und Verteidigung. Die Evolutionsbiologen streiten noch über die Ursache dieser erstaunlichen Welle von Neuerungen. Aber eine besonders überzeugende Hypothese des Zoologen Andrew Parker von der University of Oxford besagt, dass Licht der Auslöser war. Parker zufolge wurden damals die seichten Ozeane und die Atmosphäre durch plötzliche chemische Veränderungen viel lichtdurchlässiger. Zu jener Zeit gab es nur in den Meeren tierisches Leben, und sobald Sonnenlicht das Wasser durchdrang, wurde Sehkraft zum entscheidenden Evolutionsvorteil. Zugleich mit der rapiden Entwicklung von Augen entstanden auch entsprechend angepasste Verhaltensformen und weitere körperliche Besonderheiten.

Während zuvor alle Wahrnehmungen nur die nächste Nähe erfassten – durch direkten Kontakt oder durch Gespür für chemische Konzentrationsänderungen oder Druckwellen –, konnten Tiere nun auch entfernte Objekte identifizieren und verfolgen. Raubtiere schwammen gezielt auf ihre Beute zu; diese konnte sehen, dass sich Feinde näherten, und die Flucht ergreifen. Fortbewegung verläuft langsam und unsicher, solange sie nicht von Augen geleitet wird, und Augen sind nutzlos, wenn man sich nicht bewegen kann. Darum entwickelten sich Wahrnehmung und Bewegung parallel. Diese Koevolution war ein Hauptgrund für die Entstehung der heutigen Artenvielfalt.

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Der israelische Regisseur Eran Riklis zu »Mein Herz tanzt«

Bild:ND

Mit »Die syrische Braut« und »Lemon Tree« hat sich der israelische Regisseur Eran Riklis hat einen Namen gemacht. Die Parabel »Mein Herz tanzt« basiert auf der Autobiografie des in den USA lebenden Haaretz-Kolummnisten Sayed Kashua » Tanzende Araber«. Er erzählt von der inneren Zerrissenheit des hochbegabten Eyad , der als einziger Palästinenser eine Eliteschule in Israel besucht. Seine große Liebe zu einer Mitschülerin jüdischen Glaubens scheitert an beiden Elternhäusern. Als er vor den Trümmern seines Lebens steht, muss er seine Wurzeln hinter sich lassen.


Von Katharina Dockhorn|ND

Was treibt Sie an, dem Thema des schwierigen Zusammenlebens der Religionen in Israel treu zu bleiben?
Es wird im israelischen Kino tot geschwiegen. Mein Lebensthema bleibt das schwierige Miteinander von Juden und Arabern in Israel, das sich dem großen Themenkomplex des Verhältnisses Israels zur arabischen Welt einfügt. Zugleich habe ich den Eindruck, dass diese autobiographische Geschichte universell ist. Ein türkischstämmiges Kind in Berlin oder ein arabischstämmiges in den Pariser Vorstädten steht vor ähnlichen Herausforderungen.

Die Integration der arabischen Bevölkerung in Israel scheint weitaus schwieriger als in anderen Ländern?
Meine arabischen Nachbarn leben 20km von mir entfernt. Gefühlt sind es 200.000. Ich habe den Film in einer Kleinstadt gedreht, die 25km von meinem Haus im Zentrum von Tel Aviv entfernt ist. Im Alltag bleibt jeder unter sich. Das trifft auch auf uns Juden zu. Ich treffe selten orthodoxe Juden in Tel Aviv. Sie leben in ihren Vierteln, wo es keine Kinos gibt.

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Pressefreiheit: “Herr Erdogan, werden Sie uns jetzt verbannen?

Foto: AP Ein türkischer Polizist sichert während einer AKP-Veranstaltung in Istanbul zwei Plakate, die den Gründer der türkischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk (l.), und den türkischen Staatspräsidenten, Recep Tayyip Erdogan, (l.) zeigen

Staatspräsident Erdogan hat die türkische Dogan-Mediengruppe scharf kritisiert. Deren Zeitung “Hürriyet” antwortet jetzt mit einem offenen Brief. Und der beinhaltet harsche Kritik.


Von Deniz Yücel|DIE WELT

“Falls Sie beabsichtigen, uns einzuschüchtern, damit wir keinen Gebrauch machen von unserem verfassungsmäßigen Recht auf Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und Kritikfreiheit, dann sollten Sie wissen: Wir werden diese Freiheiten furchtlos verteidigen.” Wenn in der westlichen Welt in den vergangenen Jahren von Journalisten solch feierlich-kämpferische Bekenntnisse zu hören waren, waren die Adressaten meist islamistische Terroristen.

Die zitierte Passage aus einem offenen Brief der Tageszeitung “Hürriyet” jedoch wendet sich nicht an irgendwelche Dschihadisten, sondern an das Staatsoberhaupt eines Landes, das Teil der westlichen Welt sein will: an Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei. Und Anlass des Ganzen sind keine Anschläge, sondern eine Rede Erdogans, der in diesen Tagen als oberster Wahlkämpfer der Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung unterwegs ist.

Dabei hat die Zeitung den Ärger des Präsidenten mit einem Thema auf sich gezogen, das auf den ersten Blick nichts mit der Türkei zu tun hat: “Die Welt geschockt: Todesurteil für einen mit 52 Prozent gewählten Präsidenten”, lautete die Überschrift einer Meldung zum Urteil gegen den ehemaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi.

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Dodo Toka darf Dieter Nuhr “Hassprediger” nennen

Foto: pa/dpa Scheiterte vor Gericht gegen einen scharfen Kritiker: Comedian Dieter Nuhr

Der Kabarettist Dieter Nuhr nimmt in seinem Programm auch Islamisten aufs Korn. Ein Muslim bezeichnete ihn deshalb als “Hassprediger”. Ein Gericht entschied nun: Das muss sich Nuhr gefallen lassen.


DIE WELT

Der Kabarettist Dieter Nuhr muss es hinnehmen, aufgrund seiner öffentlichen Kritik am Islam als “Hassprediger” bezeichnet zu werden. Laut einem Bericht der “Neuen Osnabrücker Zeitung” unterlag Nuhr vor dem Landgericht Stuttgart mit dem Versuch, gegen einen Mann aus Osnabrück eine Abmahnung und Unterlassungserklärung durchzusetzen.

Der türkischstämmige Unternehmer Erhat Toka hatte im Herbst 2014 zu einer Demonstration gegen ein Gastspiel Nuhrs in Osnabrück aufgerufen. Um Stimmung gegen Nuhr zu machen, hatte er diesen als “Hassprediger” bezeichnet. Zudem hatte er Porträtfotos von Nuhr in Verbotsschilder montiert und im Internet verbreitet. Letzteres muss er künftig unter Androhung eines Ordnungsgeldes unterlassen.

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Juden und Christen müssen Kopfsteuer an IS zahlen

Bild: nationalreview.com

Bild: nationalreview.com

Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) hat ein offizielles Formular für die Erhebung einer „Kopfsteuer“ von Juden und Christen erstellt. Das berichtet das Institut für Islamfragen der Evangelischen Allianz in Deutschland, Österreich und der Schweiz (Bonn).


kath.net

Danach hat die gegen IS gerichtete Internetseite http://www.raqqa.sl.com dieses „Tribut-Formular“ veröffentlicht. Das Dokument soll eines von zwölf Gesetzen sein, die IS im Februar 2015 speziell für Christen in ihrem Machtbereich erlassen habe. IS warne darin: „Wer diese Gesetze nicht beachtet, wird als Feind behandelt.“ Ein wohlhabender Christ müsse an IS eine Schutzgeldsumme im Gegenwert von 13 Gramm puren Goldes zahlen – gegenwärtig etwa 440 Euro. Ein Christ aus der Mittelschicht zahle die Hälfte und ein armer ein Viertel dieses Betrages. Der Zeitraum, für den das Schutzgeld erhoben wird, wurde in dem genannten Dokument nicht genannt. Wie das Institut für Islamfragen erläutert, werden Juden und Christen durch die Entrichtung der Kopfsteuer (arabisch Jizya) zu „Schutzbefohlenen“; sie bleiben zwar Bürger zweiter Klasse, genießen aber prinzipiell den Schutz ihres Lebens und ihres Eigentums sowie eine gewisse Autonomie in zivilrechtlichen Belangen.

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“Charlie Hebdo”: Mohammed-Zeichner Luz schmeißt hin

Mohammed-Zeichner “Luz” gibt auf | Getty

Viereinhalb Monate nach dem blutigen Anschlag auf das französische Satiremagazin “Charlie Hebdo” hat dessen Zeichner Luz seinen Ausstieg aus der Redaktion angekündigt.


The Huffington Post

Das ist eine sehr persönliche Entscheidung”, sagte er in einem Interview der Zeitung “Libération”. Luz ist eins der bekanntesten überlebenden Redaktionsmitglieder. Er zeichnete das Titelbild der ersten Ausgabe nach dem islamistischen Anschlag, das einen weinenden Propheten Mohammed zeigte.

“Jeder Redaktionsschluss ist eine Folter”

Der Zeichner – mit bürgerlichem Namen Renald Luzier – will das Magazin im September verlassen. “Wenn ich abhaue, dann weil es schwierig für mich ist, über das Tagesgeschehen zu arbeiten”, sagte er. Es fehlten Zeichner für die anstehende Arbeit. “Jeder Redaktionsschluss ist eine Folter, weil die anderen nicht mehr da sind.”

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Rapper Shahin Najafi: Das gefährliche Lachen über den Islam

Der iranische Rapper Shahin Najafi auf einem Auftritt in Berlin. (imago / David Heerde)

Der im deutschen Exil lebende iranische Rapper Shahin Najafi gilt als Blasphemiker. Er hat religiöse Gefühle im Iran verletzt, so sehen es zumindest einige Gläubige dort. Deshalb ist sein Leben in Gefahr – und das seiner Fans auch.


Von Antje Stiebitz|Deutschlandradio Kultur

Auf der Hülle der CD ist die Hand Fatimas abgebildet. Im islamischen Volksglauben Nordafrikas und des Nahen Ostens gilt sie als Schutzsymbol. Doch diese Hand, messingfarben auf schwarzem Grund, streckt nicht alle fünf Finger in die Luft, sondern nur – den Mittelfinger. Die Botschaft:

“Das ist eine Antwort. Das ist nach drei Jahren eine Antwort, das heißt ich bin immer noch scharf, ich bin immer noch dabei und ich fahre noch. Sie können mich nicht einschüchtern, sie können mich nicht stoppen.”

Nach drei Jahren hat der iranische Musiker Shahin Najafi erneut ein Album herausgebracht, das religiöse Themen anfasst, sie dreht und wendet, mal spielerisch, mal ironisch, immer vielschichtig. Und dass, obwohl er bereits vor drei Jahren in seiner Heimat Hass auf sich zog. Damals sprachen iranische Rechtsgelehrte gleich viermal eine tödliche Fatwa gegen ihn aus. Seitdem wird der Sänger als Abtrünniger angesehen und der Mord an ihm gilt als legitimiert.

Anfang Mai erscheint seine neue CD und es dauert nicht lange und Shahriyar Ahadi, der Freund und Manager Shahin Najafis, findet in seinem E-Mail-Account Morddrohungen aus dem Iran. Sie erinnern an die vor drei Jahren ausgesprochenen Fatwas und bieten demjenigen, der Shahin Najafi umbringt viel Geld. Neu ist, dass sich der Zorn nicht nur auf den Musiker richtet, sondern auch auf seine Fans. So heißt es in einer der Mails:

“Diesmal werden wir keine Ausreden akzeptieren und wir können auch niemanden verschonen. Nicht diesen Blasphemiker, nicht den Ticketverkäufer seiner Konzerte, nicht seinen Organisator, und auch nicht den Besucher seiner Konzerte und seine Fans im Internet.”

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Historiker: “Wir sind mehr der Antike verpflichtet als dem Christentum”

foto: reuters / yannis behrakis Die Akropolis in Athen: “Von diesem griechischen Erbe zehrt und lebt unser Republikanismus”, sagt der deutsche Althistoriker Egon Flaig: “Und solange wir an ihm festhalten, kann die Religion nicht das Fundament unserer politischen Ordnung sein.

Europa und Griechenland? Krise! Dabei verbindet sie mehr, als viele ahnen, sagt Egon Flaig


Interview | Lisa Nimmervoll|derStandard.at

STANDARD: Sie fordern in Ihrem Buch “Gegen den Strom”, die EU, die Sie für “ein Meisterwerk technokratischer Bankrotteure” halten, “muss aufgelöst werden”. Warum und was kommt danach?

Flaig: Die EU ist kein demokratisches Gebilde – es gibt kein europäisches Parlament, keine gleichen Wahlen. Die EU ist nicht entstanden als politische Union aus dem gemeinsamen Willen der Völker, sondern aus einer Wirtschaftsgemeinschaft. Das war ein schwerwiegender Konstruktionsfehler, denn eine Wirtschaftsgemeinschaft verbindet die Menschen als Wirtschaftssubjekte, und als solche sind sie tendenziell Konkurrenten: Sie sind zufrieden, solange die ökonomische Gemeinschaft Gewinne abwirft; sie werden unzufrieden, wenn es nicht mehr so gut läuft und wenn plötzlich von Lastenausgleich die Rede ist. Und sie werden zu Feinden, wenn nicht Gewinne, sondern Verluste umverteilt werden sollen. Genau das bekommen wir jetzt zu sehen. Richtig wäre gewesen, ein Vereinigtes Europa als politische Gemeinschaft zu gründen. In der steht man füreinander ein, weil man zusammengehören will. Das tut man nicht in einer Wirtschaftsgemeinschaft. Zusammengehörigkeit fällt in die politische Dimension.

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Syrien: Armee schlägt IS-Kämpfer bei Palmyra zurück

Kämpfe um die Antikenstadt Palmyra: Die Oasenstadt ist berühmt wegen ihrer zahlreichen Ruinen aus antiker Zeit. Sie wurden 2013 von der Unesco auf die Liste bedrohter Weltkulturstätten gesetzt (Foto: AFP)

  • Kämpfe nahe der antiken Oasenstadt Palmyra.
  • Die Oase in der zentralsyrischen Wüste zählt seit 1980 zum Weltkulturerbe.
  • Syrische Armee schlägt IS-Kämpfer nahe den Ausgrabungen zurück.
  • Unterdessen wurden sechs wegen Anschlägen verurteilte Islamisten in Ägypten gehenkt.

Süddeutsche.de

Eins der Highlights früherer Besuche Syriens war Palmyra: Baal-Tempel, Triumphbogen, von Kolonnaden gesäumte Straßen und weitere imposante Bauten griechisch-römischer und persischer Baukunst machten die ehemalige Handelsmetropole der legendären Königin Zenobia vor dem syrischen Bürgerkrieg zum beliebten Touristenziel. Dieser kulturelle Brennpunkt für den gesamten Orient ist auch nach Einschätzung von Archäologen und Kulturwissenschaftlern wahrlich etwas ganz Besonderes.

Die Ruinen der Oase gehören seit 1980 offiziell zum Unesco-Weltkulturerbe. Laut der UN-Kulturorganisation ist sie eine Stätte von “überragendem universellem Wert” und eine der bedeutendsten Komplexe antiker Bauten im Nahen Osten.

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Was darf Satire eigentlich so alles?

Dem würde wahrscheinlich sogar die deutsche Bundeskanzlerin als Ex-DDR-Mädchen zustimmen. Denn in der DDR schätzte man den “Tucho” — Kurt Tucholsky — mehr noch als im Westen


Von Tom Appleton|TELEPOLIS

Und das war seine berühmte Antwort gewesen auf die Frage: “Was darf die Satire?” — “Alles”. Aber klar, hätte Tucho bis in die DDR überlebt, wäre sein Selbstmord weniger zweifelhaft ausgefallen. Oder man hätte die “reaktionäre Sau” bald in den Westen abgeschoben und seine Schriften — naja, sie wurden ja eh bei Rowohlt verlegt. Nur in der DDR hätte man sie dann nicht mehr lesen dürfen.

Also “alles” durfte die Satire, wie Tucho gemeint hatte, aber die Kulturverwalter meinten das sicher mit dem Zusatz “alles — mit Maßen” — oder “mit historischer Perspektive”. Soll heißen, Kritik an Weimar und Hitler-Berlin, ja. Aber dann nicht mehr an Ulbricht-Berlin.

Da waren schon die Brechtschen Suffisantismen zum Volksaufstand vom 17. Juni 1953 — “Wäre es da / Nicht doch einfacher, die Regierung / Löste das Volk auf und / Wählte ein anderes?”— ein bisschen “gewagt”.

Im Sozialismus Marke DDR gab es Satire jeweils nur mit dem ausgelassenen Text. Bekanntes Beispiel der Nina Hagen-Song. “Micha, mein Micha”, singt sie. Dann singt sie NICHT: “Du Blödmann! Du hast in der Drogerie die Kondome gekauft, aber” — und dann singt sie wieder: “Du hast den Farbfilm vergessen” — und singt wieder nicht: “Und ohne den können wir der lieben Verwandtschaft nicht verklickern, dass unser Urlaub am Baggersee ganz moralisch und züchtig verlief.”

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