Leonardo da Vincis genialer Panzer hatte 16 Geschütze

Universalgenie der Renaissance. Leonardo da Vinci(1452-1619) im Selbstportät. Quelle: picture alliance/Luisa Ricciar
Universalgenie der Renaissance. Leonardo da Vinci(1452-1619) im Selbstportät. Quelle: picture alliance/Luisa Ricciar
Er war nicht nur ein großer Künstler, sondern auch ein Militärtechniker. Leonardo da Vinci entwarf rollende Geschütze und eine Art Maschinengewehr. Den Triumph seiner Grundidee erlebte er noch.

Von Berthold Seewald | DIE WELT

Sein Name steht für die perfekte Verbindung von genialer Kunst und bahnbrechender Wissenschaft. Schon den Zeitgenossen galt Leonardo da Vinci (1452–1519) als Inbegriff eines Universalgelehrten, der das letzte Abendmal Christi ebenso formvollendet gestalten konnte wie den Palast eines Königs oder die Müllabfuhr von Mailand. Aber als italienischer Intellektueller der Renaissance wusste Leonardo seinen Marktwert auch durch Beiträge zu der dunklen Seite jener Epoche zu erhöhen: Mit einer Fülle von Kriegsgeräten faszinierte er seine Auftraggeber, die den Beginn der Neuzeit vor allem mit endlosen Kriegen begleiteten. Sogar ein Panzer gehörte zu seinen gefürchteten Konstruktionen.

Dass der Schöpfer der „Mona Lisa“ sich mit mörderischen Waffen beschäftigte, mag seine heutigen Bewunderer verblüffen. Zu seiner Zeit war es eher ein Ausweis von pragmatischer Intelligenz. Die bewies der Sohn eines Notars und einer Magd oder Sklavin, der in Florenz früh sein Talent als Maler hatte ausbilden können, als er sich 1482 nicht – wie viele seiner Freunde – um die Gunst des verschwenderischen Papstes Sixtus IV. bemühte, sondern sich bei den Sforza, den Herren Mailands, bewarb. Die waren zum einen mit den Medici von Florenz verbündet, zum anderen an militärischer Unterstützung im Kampf gegen Venedig interessiert. In seinem Bewerbungsschreiben versprach Leonardo, diese zu liefern.

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Facebook-„Haha“: Wenn über tote Flüchtlinge gelacht wird

Eine Meldung bei NTV über den Suizid eines Flüchtlings hält bei über 440
Eine Meldung bei NTV über den Suizid eines Flüchtlings hält bei über 440 „Haha“-Reaktionen
Das soziale Netzwerk bietet neben dem „Gefällt mir“ auch andere Reaktionen auf Beiträge an, die für Hass missbraucht werden

Von Fabian Schmid | derStandard.at

Ein Schiffsunglück im Mittelmeer, bei dem mehr als 500 Flüchtlinge ertrunken sind: Das finden hunderte Facebook-Nutzer lustig. Zumindest erwecken sie diesen Eindruck, indem sie als Reaktion auf die Nachricht ein lachendes Emoji auswählen. Egal, ob auf der Facebook-Seite der „Bild“-Zeitung, auf „Russia Today“ oder bei der „Zeit im Bild“: Die von Facebook als „Haha“ betitelten Reaktionen finden sich bei vielen Meldungen über Todesfälle von Flüchtlingen. Ein Facebook-Beitrag von NTV über den Suizid eines 17-jährigen Asylwerbers hält nach wie vor bei über 440 lachenden Smileys.

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Korruption und die Politik der schwarzen Null

Grafik: TP
Grafik: TP
Der Journalist Jürgen Roth schildert in seinem Buch Schmutzige Demokratie den Zerfall der politischen Kultur und das Erstarken des Rechtspopulismus innerhalb der EU.

Von Reinhard Jellen | TELEPOLIS

Herr Roth, Sie beschreiben in Ihrem Buch den Prozess der Entfremdung der Bürger von der liberalen Demokratie. Was hat sich in den letzten 20 Jahren so verändert, dass dieser Zustand ganz einfach konstatiert werden muss?
Jürgen Roth: Mit dem von mir beschriebenen Prozess der Entfremdung der Bürger von der liberalen multikulturellen Demokratie ist es wie mit der Klimaerwärmung. Sie begann schleichend, zeigte jedoch in den letzten Jahren immer häufiger ihre katastrophalen Auswirkungen (insbesondere für die Ärmsten) – bis es zu spät war, noch etwas zu verändern.
Die Gründe für die Entfremdung der Bürger liegen natürlich auf der Hand. Verantwortlich sind die Verfechter der globalen neoliberalen Wirtschaftsordnung, die dieses System in den letzten zwanzig Jahren immer gnadenloser durchgepeitscht hatten und die jetzt Autoritarismus, Nationalismus und Rassismus als weiteres Treibmittel für die Stabilisierung ihrer Macht einsetzen, auch wenn dabei das liberale demokratische System zerstört wird.

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Was, wenn wir kein Fleisch mehr essen würden?

Themenbild. Bild: 4ever.eu
Themenbild. Bild: 4ever.eu
Um unser Essen wird zunehmend wie über Religion diskutiert: fleischlastig, vegetarisch oder doch gleich vegan? Doch was würde das für uns und die Erde bedeuten?

Von Vince Ebert | Spektrum.de

Das Thema Ernährung ist ja in den letzten Jahren zu einer fast schon religiösen Bewegung geworden. Ich kenne Leute, die halten das Jüngste Gericht für eine Kochshow. Viele Veganer und Vegetarier verurteilen mit teilweise missionarischem Eifer die von ihnen verachteten Fleischesser: „Jaja, du zahlst zwar 20 Euro für ein Stück Bio-Rinderfilet – aber ich möchte nicht wissen, wie wenig von dem Geld bei dem Tier selbst ankommt …“

Aber Scherz beiseite. Tatsächlich sind ihre Anliegen im Kern durchaus berechtigt. Seit Jahren nimmt in wohlhabenden Gesellschaften der Fleischkonsum dramatische Ausmaße an. Die exzessive Viehzucht belastet in vielerlei Hinsicht die Natur, von der ethischen Komponente der Massentierhaltung gar nicht erst zu sprechen. Und gleichzeitig ist klar, dass wir uns inzwischen ohne gesundheitliche Einschränkungen fleischlos ernähren könnten.

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Umweltministerin verbietet Fleisch und Fisch für ihre Gäste

Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)
Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)
Das Ministerium von Barbara Hendricks serviert seinen Gästen seit Februar nur noch vegetarische Speisen. Die Behörde müsse schließlich Vorbild sein. Ernährungsminister Schmidt kritisiert die Regelung.

DIE WELT

Nicht Fisch, nicht Fleisch: Gäste des Bundesumweltministeriums (BMUB) werden auf Anweisung von Ministerin Barbara Hendricks (SPD) seit Anfang Februar nur noch vegetarisch verköstigt. Das berichtet die „Bild“-Zeitung.

Demnach erhielten die Abteilungsleiter per E-Mail eine entsprechende Aufforderung. „Dienstleister/Caterer, die Veranstaltungen des BMUB beliefern, … verwenden weder Fisch oder Fischprodukte noch Fleisch oder aus Fleisch hergestellte Produkte“, zitierte die Zeitung.

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Der Umbau von Deutschland

Federführend am Leitfaden: Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz / picture alliance
Federführend am Leitfaden: Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz / picture alliance
Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat zum Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft einen Leitfaden veröffentlicht. Darin steht, wie sich die Linke offenbar die Zukunft vorstellt: Deutschland soll zu einer transformatorischen Siedlungsregion in der Mitte Europas werden

Von Alexander Grau | Cicero

„Niemand ist neutral“, so steht es in dem „Leitbild und Agenda für die Einwanderungsgesellschaft“ genannten Opus, das die Friedrich-Ebert-Stiftung diese Woche vorgelegt hat. Nehmen wir es vorweg: Zumindest dieser Satz ist wahr.

Denn was die Autoren unter dem Vorsitz von Aydan Özoguz, Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, zusammengeschrieben haben, ist ein besonders aufschlussreiches Kompendium dessen, wie sich die politische Linke die Zukunft vorstellt. Um es vorwegzunehmen: Man will Deutschland umbauen und zwar gründlich.

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Inside Wikipedia’s Attempt to Use Artificial Intelligence to Combat Harassment

Image: MOTHERBOARD
Image: MOTHERBOARD
A range of tactics are going to be needed to solve Wikipedia’s problem with harassment.

By Sarah Smellie | MOTHERBOARD

Despite its noble goals, Wikipedia is notorious for harassment among its editors. Now, research from tech incubator Jigsaw and the Wikimedia Foundation is looking at how artificial intelligence can help stop the trolls.

The research project, called Detox, began last year and used machine learning methods to flag comments that contain personal attacks. The researchers looked at 14 years of Wikipedia comments for patterns in abusive behaviour. Detox is part of Jigsaw’s Conversation AI project, which aims to build open-source AI tools for web forums and social media platforms to use in the fight against online harassment.

The algorithm could determine the probability of a given comment being a personal attack as reliably as a team of three human moderators

A paper published last week on the arXiv preprint server by the Detox team offers the first look at how Wikimedia is using AI to study harassment on the platform. It suggests that abusive comments aren’t the domain of any specific group of trolls, and that diverse tactics are going to be needed to combat them on Wikipedia.

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Zwischen Political Correctness und alternativen Fakten

„Freedom of Speech“ von Ahdieh Ashram (flickr)
„Freedom of Speech“ von Ahdieh Ashram (flickr)
Debattenkultur heute. In wichtigen gesellschaftlichen Debatten ist das Sprechen miteinander einem Sprechen gegeneinander gewichen.

Von Felix Kruppa | Richard-Dawkins-Foundation

Nicht nur Verschwörungstheorien und Szenarien des Weltunterganges zeichnende Rechte, sondern auch linke Vertreter der Political Correctness, leisten durch das Übergehen von Fakten der politischen und gesellschaftlichen Lagerbildung Vorschub.

Experiment

Inwieweit würden Sie den einzelnen Aussagen zustimmen?

  1. Ideologien sind Systeme von Überzeugungen, die sich vor Kritik immunisieren, und darauf abzielen, Werte und Normen allgemeingültig durchzusetzen.
  2. Werte und Normen allgemeingültig durchzusetzen und sich dabei vor Kritik zu immunisieren, resultiert (historisch oft) in gefährlichen Konsequenzen.
    3. Monotheistische Religionen sind Ideologien
    4. Monotheistische Religionen sind gefährlich
    5. Das Christentum ist gefährlich
    6. Der Islam ist gefährlich.

Ich gehe davon aus, dass viele Leser den ersten Aussagen zustimmen, mit der Bejahung jeder weiteren Aussage (insbesondere Nr. 6) aber größere Schwierigkeiten haben. Wichtig ist vor allem, dass man die erste Definition von „Ideologie“ für sich annehmen kann. Der Begriff ist terminologisch schwer zu fassen, dürfte in der obigen Definition aber zumindest dem impliziten Wortverständnis vieler Menschen entsprechen. Alle weiteren Aussagen sind Extensionen (das ist die Menge der Gegenstände, die unter einen Begriff fallen) des Begriffes „Ideologie“. Und zwar weil monotheistische Religionen Intensionen bzw. Merkmale aufweisen, aufgrund derer sie als ideologisch bezeichnet werden können.

Gemeinsam haben sie die Merkmale meiner Arbeitsdefinition von „Ideologie“, die aus ihrem dogmatischen Charakter resultieren. Keine dieser Religionen kommt z.B. ohne das Dogma, also ohne unumstößlichen Wahrheitsanspruch aus. Auch benutzen sie einen metaphysischen Bezugsrahmen, um daraus gesellschaftliche Normen abzuleiten, die zudem für alle Zeiten gültig sein sollen. Infolgedessen sind also alle monotheistischen Religionen ideologisch. Mal abgesehen davon, dass es religiöse Narrative und Strömungen gibt, die mal mehr und mal weniger dogmatisch sind. Sie alle eint jedoch der absolute Wahrheitsanspruch. Hoch problematisch sind gerade deshalb Passagen in den „heiligen Schriften“, die zur Gewalt oder sogar Mord aufrufen. Die Zahl derer, die im Namen des Christentums oder des Islams töteten, ist groß. Je mehr Menschen eine Ideologie als Legitimationsgrundlage für die Anwendung von Gewalt benutzen (können), desto gefährlicher ist sie.

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Fan-Aktion verhöhnt Dresdner Bombenopfer: FC St. Pauli entschuldigt sich

 Auf den Rängen des Millerntor-Stadions: Ein Spruchband gegen den deutschen Opfer-Mythos gerät zur Verhöhnung der Opfer der Bombenangriffe auf Dresden © Picture Alliance
Auf den Rängen des Millerntor-Stadions: Ein Spruchband gegen den deutschen Opfer-Mythos gerät zur Verhöhnung der Opfer der Bombenangriffe auf Dresden © Picture Alliance
Dieser Protest ging gründlich daneben: Beim Spiel gegen Dynamo Dresden wollten Fans des FC St. Pauli ein Zeichen gegen den deutschen Opfer-Mythos setzen. Doch durch die Wortwahl wurden die Bombenopfer von Dresden verhöhnt. Der Kiez-Club reagierte.

stern.de

Der FC St. Pauli hat sich für ein verunglimpfendes Transparent seiner Fans beim Zweitliga-Konkurrenten Dynamo Dresden entschuldigt. Anhänger des Hamburger Fußball-Clubs hatten am Sonntag am Rande des Spiels beider Vereine die Aufschrift „Schon eure Großeltern haben für Dresden gebrannt“ und „Gegen den doitschen Opfermythos“ gezeigt. An diesem Montag jähren sich die Bombenangriffe auf die sächsische Stadt zum 72. Mal. Die Bombardierung hatte seinerzeit einen verheerenden Feuersturm ausgelöst, in dem bis zu 25.000 Menschen ums Leben kamen.

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Was bedeutet das Böhmermann-Urteil für deutsche Satire?

 Mit ihrer Entscheidung gaben die Richter einer Klage des türkischen Präsidenten in Teilen statt. (Foto: dpa)
Mit ihrer Entscheidung gaben die Richter einer Klage des türkischen Präsidenten in Teilen statt. (Foto: dpa)
  • Strittige Passagen mit sexuellem Bezug und sonstigen Schmähungen bleiben verboten. So lautet die Entscheidung des Hamburger Landgerichts im Zivilverfahren gegen Jan Böhmermann.
  • Mit ihrer Entscheidung bleiben die Richter ihrer Linie treu. Im April hatten sie das Gedicht bereits in Teilen verboten.
  • Böhmermanns Anwalt Christian Schertz bedauert die Entscheidugn: „Offenbar war die Kammer von ihrer eigenen Vorentscheidung gefangen und hat leider die Frage der Kunstfreiheit nicht genügend berücksichtigt.“

Von Annette Ramelsberger, Carolin Gasteiger | Süddeutsche.de

Jan Böhmermann darf strittige Teile seines Schmähgedichts nicht weiter verbreiten. Das verkündete das Hamburger Landgericht am Freitag.

Demzufolge ist es dem Satiriker untersagt, Passagen mit sexuellem Bezug und sonstigen Schmähungen zu wiederholen. Sonstige harmlosere Passagen sind laut der Entscheidung im Hauptsacheverfahren aber weiterhin erlaubt, etwa die Zeile: „Sackdoof, feige und verklemmt / Ist Erdoğan der Präsident.“

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Nächste Runde im Fall Erdoğan gegen Böhmermann

Screenshot: youtube
Screenshot: youtube
  • Das Hamburger Landgericht fällt an diesem Freitag ein Urteil im zivilrechtlichen Verfahren gegen Jan Böhmermann.
  • Es geht um die Frage, ob der Satiriker sein Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Erdoğan weiter verbreiten darf.
  • Der Fall könnte vor das Bundesverfassungsgericht gehen.

Von Carolin Gasteiger | Süddeutsche.de

Eigentlich geht es nur um eine Frage: Darf Jan Böhmermann sein Schmähgedicht weiter vortragen – oder nicht?

Darüber entscheidet das Hamburger Landgericht an diesem Freitag. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan strebt ein komplettes Verbot des Gedichts an, das der ZDF-Satiriker Ende März vergangenen Jahres in seiner Sendung vorgetragen hatte. Das Verfahren in Hamburg ist das letzte noch laufende in der Causa Böhmermann, nachdem die Staatsanwaltschaft Mainz Anfang Oktober alle strafrechtlichen Ermittlungen eingestellt hatte. Strafbare Handlungen seien „nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachzuweisen“ gewesen, hieß es in der Begründung, über die Erdoğans deutscher Anwalt Michael-Hubertus von Sprenger „in hohem Maße erstaunt“ war. Eine Beschwerde Sprengers wurde von der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz zurückgewiesen.

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„Charlie Hebdo“: Kopf-ab-Satire

Merkel enthauptet Schulz: Das aktuelle Titelblatt der deutschen Ausgabe der französischen Satire-Zeitschrift
Merkel enthauptet Schulz: Das aktuelle Titelblatt der deutschen Ausgabe der französischen Satire-Zeitschrift“ „Charlie Hebdo“.Foto: dpa
Angela Merkel hält abgeschnittenen Kopf von Martin Schulz: Das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ will sich mit einem provokanten Cover mit dem „Spiegel“ solidarisieren

Von Joachim Huber | DER TAGESSPIEGEL

Deutet sich da ein blutiger Trend an? Auf dem Cover der aktuellen deutschen Ausgabe des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ ist Bundeskanzlerin Angela Merkel als Karikatur zu sehen, ein blutiges Messer in der einen Hand, den abgetrennten Kopf des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz in der anderen. Nach Meinung der Redaktion ein Akt der Solidarität. Das Motiv greift das umstrittene Titelbild des aktuellen „Spiegel“ auf, das US-Präsident Donald Trump in ähnlicher Pose zeigt, den Kopf der Freiheitsstatue hochhaltend. Sich an den „Spiegel“-Titel anzulehnen, sei eine Geste des Respekts gegenüber den Kollegen in Hamburg, sagte die Chefredakteurin der deutschen „Charlie Hebdo“-Ausgabe, die unter dem Pseudonym Minka Schneider auftritt. „Was uns am meisten schockiert hat, war das negative Echo darauf“, sagte Schneider. „Wir finden diese Titelseite ziemlich gut.“

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„Katholiken und Protestanten lachen unterschiedlich“

DerverzweifelteJesusDer Katholik lacht mit dem Bauch, der Protestant mit dem Kopf – davon ist der bayerische Schauspieler Michael Lerchenberg überzeugt. Der 63-Jährige sagt, dass man diesen Unterschied auch hören kann.

katholisch.de

Michael Lerchenberg, Schauspieler und Intendant der Luisenburg-Festspiele, kann nach eigenen Worten zwischen einem katholischen und einem evangelischen Lacher unterscheiden. Der Katholik lache mit dem Bauch, der Protestant mit dem Kopf, sagte Lerchenberg am Mittwoch. Während der katholische Mensch Kunst und Kultur einfach genieße, wolle der evangelische immer noch einen Mehrwert, „quasi einen intellektuellen Zugewinn“.

Zu dieser Erkenntnis sei er im Laufe seines Schauspieler- und Intendantenlebens gekommen, erklärte Lerchenberg. Auch beim Publikum in Wunsiedel werde dies deutlich. Zwar sei die oberfränkische Kreisstadt vorwiegend evangelisch, doch die katholische Oberpfalz eben nicht weit entfernt. Lerchenbergs seit 2004 währende Intendantenzeit auf der Luisenburg endet in diesem Jahr. Als Schauspieler ist er dort zum Abschluss in der Produktion „Der Theatermacher“ von Thomas Bernhard in der Titelrolle zu sehen.

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Warum die Freiheitsstatue als Muslimin geboren wurde

usaMuslimBan? Das Symbol amerikanischer Freiheit selbst ist muslimisch. Zumindest ein bisschen

Von Fabian Köhler | TELEPOLIS

So schnell der #MuslimBan kam, ist er auch schon wieder verschwunden. Nur wenige Tage nachdem US-Präsident Donald Trump sein umstrittenes Dekret verabschiedete, hob ein US-Bundesrichter die Einreiseverbote für Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern auch schon wieder auf und beendete damit die kurze Phase des Chaos an amerikanischen Grenzübergängen: Manager auf Geschäftsreise kamen nicht mehr in ihre Büros zurück; Familien wurden auseinandergerissen, Flüchtlinge, die oft jahrelang auf ihre lebensrettende Einreisegenehmigung warteten, wurden mit einem Stempeldruck aller Hoffnungen beraubt. Jetzt liegt das Einreisedekret vor Gericht.

Selbst die berühmteste aller amerikanischen Migrantinnen hätte unter Donald Trump wohl um ihre Einreise bangen müssen, wäre ihr 46 Meter hoher Körper nicht ohnehin längst an einem hunderte Tonnen schweren Sockel festgeschraubt: Lady Liberty, das bekannteste Symbol amerikanischer Freiheiten und zugleich die erste Amerikanerin, die Millionen von Migranten über Jahrzehnte zu Gesicht bekamen, ist selbst eine muslimische Migrantin. Ein bisschen zumindest.

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Vegetarier leben nicht länger, sie sterben gesünder

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Vegetarier gelten gemeinhin als diejenigen, die gesünder, bewusster und auch länger leben. Doch die Tatsache, dass sie kein Fleisch essen, bringt ihnen in puncto Lebenserwartung im Grunde nur einen Vorteil.

Von Julia Haase | DIE WELT

Vegetarismus erfreut sich zwar großer Beliebtheit, über die tatsächlichen Auswirkungen der fleischlosen Ernährung auf die Gesundheit ist sich die Wissenschaft allerdings noch nicht ganz im Klaren.

Ein Forscherteam aus Australien wollte es nun genauer wissen: Wie gesund ist Vegetarismus wirklich? Und ist die Lebenserwartung von Vegetariern tatsächlich länger als die von Nicht-Vegetariern?

Garantiert Vegetarismus ein längeres Leben?

Die Antworten auf diese Frage fallen unterschiedlich aus. Eine Studie aus dem Jahr 2013, an der über 95.000 Probanden beteiligt waren, schrieb Vegetariern ein um zwölf Prozent niedrigeres Sterberisiko als Nicht-Vegetariern zu. Dieses angeblich geringere Sterberisiko wollten die australischen Forscher noch mal genauer überprüfen.

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Ein neues Bild vom jüdischen Leben – und von Israel

Für eine offene Gesellschaft. An der Strandpromonade von Tel Aviv demonstrieren Ende Januar 2017 für die Aufnahme von Flüchtlingen...Foto: Baz Ratner/Reuters
Für eine offene Gesellschaft. An der Strandpromonade von Tel Aviv demonstrieren Ende Januar 2017 für die Aufnahme von Flüchtlingen…Foto: Baz Ratner/Reuters
Wie Schulbücher dem deutsch-jüdischen Leben und dem Staat Israel besser gerecht werden können.

Von Martin Kloke | DER TAGESSPIEGEL

In den Jahren des Nationalsozialismus war das deutsche Bildungswesen zentralisiert und im Sinne der herrschenden Rassenideologie gleichgeschaltet: Dies wurde auch in der antisemitischen Ausrichtung der Schulbücher sichtbar, in denen Juden und ihre Religion kriminalisiert und als „Agenten der Moderne“ verunglimpft wurden. Vor diesem Hintergrund hätte man nach 1945 erwarten können, dass Bildungsplaner eine Art „geistige Wiedergutmachung“ versuchen. Tatsächlich fiel jedoch in der jungen Bundesrepublik fast alles, was einer kritischen Auseinandersetzung mit Wurzeln und Verläufen des Nationalsozialismus hätte dienen können, unter den Tisch.

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Eine kleine Philosophie-Geschichte des Masochismus

Wer hat die Peitsche in der Hand. eher die Frau, der Mann? Darüber lässt sich trefflich philosophieren. (B1861_Lehtikuva_Oy)
Wer hat die Peitsche in der Hand. eher die Frau, der Mann? Darüber lässt sich trefflich philosophieren. (B1861_Lehtikuva_Oy)
„Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!“, sagte Friedrich Nietzsche einst. Er ließ offen, wer wen damit verhauen sollte – andere Philosophen aber hatten sehr feste Vorstellungen von der masochistischen Rolle der Frau, die vom Mann beherrscht werden müsse.

Von Catherine Newmark | Deutschlandradio Kultur

„Oh! es soll eben nie ein Ende nehmen“, rief ich erregt, ja heftig, „nur der Tod soll uns trennen. Wenn du nicht mein sein kannst, ganz mein und für immer, so will ich dein Sklave sein, dir dienen, alles von dir dulden, nur stoß mich nicht von dir.“

Das ist die Urszene. „Heftig erregt“ unterwirft sich Severin der von ihm angebeteten Wanda. 1870 war das, im Roman „Venus im Pelz“ des galizischen Autors Leopold Ritter von Sacher-Masoch. Der Erfolgsschriftsteller war bekannt für seine etwas abseitigeren sexuellen Phantasien. Von Zeitgenossen wurden sie ihm gerne als „slawische Romantik“ ausgelegt. Bis, ja bis sie in die Fänge der Sexualpsychiatrie gerieten.

Auftritt Richard von Krafft-Ebing, seines Zeichens Psychiater und Rechtsmediziner in Graz. Flugs wird aus dem Namen eines ehemals verehrten Autors ein Synonym für eine sexuelle Perversion:

„Das Gegenstück des Sadismus ist der Masochismus. Während jener Schmerzen zufügen und Gewalt anwenden will, geht dieser darauf aus, Schmerzen zu leiden und sich der Gewalt unterworfen zu fühlen.“

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Ritter, Mönch und Matheleut‘

Dietmar Herrmann Mathematik im Mittelalter Verlag: Springer Spektrum, Berlin und Heidelberg 2016 ISBN: 9783662502891
Dietmar Herrmann
Mathematik im Mittelalter
Verlag: Springer Spektrum, Berlin und Heidelberg 2016
ISBN: 9783662502891

Dietmar Herrmann ist Mathematiker und Physiker und hat als Lehrbeauftragter an der Fachhochschule München gearbeitet. Jetzt im Ruhestand, beschäftigt er sich mit Themen aus der Geschichte der Mathematik. Nachdem er vor drei Jahren umfangreich die Leistungen griechischer Mathematiker darstellte („Die antike Mathematik“, 2014, Besprechung hier) widmet er sich in seinem neuen Buch dem Mittelalter.

Von Heinz Klaus Strick | Spektrum.de

Dies erreicht der Autor nicht so sehr, indem er historische Entwicklungen allgemein beschreibt, wie es etwa Hans Wussing in „6000 Jahre Mathematik“ (2009) getan hat. Herrmanns einführende Texte fallen hier etwas kurz aus. Vielmehr trägt er hunderte Aufgaben aus zahlreichen Schriften jener Epoche zusammen – etliche davon jetzt erstmals in deutscher Sprache erschienen, übersetzt vom Autor. Hierin liegt das besondere Verdienst des Werks.

Auf den Spuren früherer Denker

Leser können sich anhand der vielen Aufgaben unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade ein Bild davon machen, womit sich die Mathematiker im Mittelalter beschäftigt haben. Leider wird nicht immer deutlich, welche der angegebenen Lösungen von den ursprünglichen Autoren stammen und welche von Herrmann. Es wäre durchaus gewinnbringend gewesen, häufiger als im Buch ausdrücklich vorgesehen die heutigen mit den damaligen Lösungswegen zu vergleichen. Aber vielleicht wollten Autor und Verlag den Umfang des Werks nicht noch mehr ausweiten.

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Greg Graffin

Bad Religion

Der Gründer der Punkband „Bad Religion“ hatte nie etwas gegen Gott. Und auch jetzt als Evolutionsbiologe wartet er auf Beweise für die Existenz Gottes.

Von Jan Stremmel | Süddeutsche.de

Als ich meine Band Bad Religion gründete, waren die USA in einer ganz ähnlichen Situation wie heute. Es war 1980, Ronald Reagan kandidierte gerade bei der Wahl zum Präsidenten. Hinter sich versammelte er die denkbar schlimmsten Spinner aus dem ultrarechten Lager, bis hin zu den komplett verrückten evangelikalen Fernsehpredigern. Die verdienten damals Millionen damit, ihren Glauben als den einzig wahren zu verkaufen und nebenbei gutgläubigen Rentnern ihre Altersversorgung abzuschwatzen. Diese Koalition der Erzkonservativen gewann damals die Wahl – und wir gründeten eine Punkband mit dem durchgestrichenen Kreuz als Logo. Wir waren 15, und es war eine naheliegende Provokation.

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Ein Zensurmonster und ein dagegen harmloser George Orwell

Grafik: TP
Grafik: TP
Inzwischen sprechen sich auch Vertreter von Verbänden und etablierten Medien gegen den Fake-News-Aktionismus in der Politik aus

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Anfangs zeigten sich über den politischen Aktionismus gegen „Fake News“ vor allem Nutzer Sozialer Medien besorgt – nun sprechen sich auch Vertreter von Verbänden und etablierten Medien dagegen aus. Besonders viel Aufmerksamkeit erregt Mathias Döpfner, der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE. Er verlautbarte in einem Interview, er habe „den Eindruck, dass gerade ein paar Grundprinzipien freiheitlicher Gesellschaftsordnung […] im Namen der guten Absichten […] mit Füßen getreten werden“ – und im Vergleich mit Justizminister Heiko Maas‘ Bestrebungen zur Einrichtung staatlicher Wahrheitsstellen seien die dystopischen Entwürfe des Schriftstellers George Orwell „harmlos“.

Dass die Glaubwürdigkeit etablierter Medien abgenommen hat, liegt Döpfners Worten nach nicht an Facebook, sondern daran, dass sie „mittlerweile von vielen als Teil einer großen Eliten-Kungelei wahrgenommen“ werden: „Vielleicht“, so der Springer-Chef in seinem Erklärungsversuch dazu, „transportieren wir zu oft Wünsche, wie etwas sein müsste und zu selten Fakten, Tatsachen, schonungslose Beobachtungen“. Seinem Eindruck nach sind die „eigentlichen Empfänger“ vieler Journalisten nicht mehr die Leser, „sondern die Kollegen, Politiker, Künstler oder Wirtschaftsführer“.

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