Kirche muss sich ihrer „antiziganistischen“ Geschichte stellen

Monument to the Romani murdered in the Polish village of Borzęcin. Bild: wikimedia.org/GFDL – Zygmunt Put Zetpe0202
Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, hat die evangelische Kirche aufgefordert, sich ihrer „antiziganistischen“ Geschichte zu stellen.

evangelisch.de

Ein klares Bekenntnis zur Aufarbeitung der jahrhundertealten und bis in die Gegenwart reichenden Vorurteile und Stereotypen über Sinti und Roma innerhalb der Kirche wäre ein wichtiger Schritt, sagte Rose am Mittwoch in Berlin bei einer Tagung der Evangelischen Akademie über „Protestantismus und Antiziganismus“. Dabei wurde auch eine Studie zum Thema vorgestellt.

Noch immer gebe es in der Forschung zu „viele Leerstellen“, mit denen sich Kirchenhistoriker auseinandersetzen sollten. Dabei sind für Rose die „zähen und langlebigen Vorurteile“ gegenüber den Sinti und Roma, die unter anderem vom Reformator Martin Luther (1483-1546) in seinen Schriften befeuert worden seien, Ausdruck eines gesellschaftlichen Versagens.

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Die verflixte Macht der Geschlechterrollen

legt haben Puppen fürs Mädchen, Technik für den Jungen: Die Geschlechterrollen sind bei vielen Kindern schon sehr früh klar verteilt. (Foto: imago/photothek)
  • Eine internationale Studie hat erneut bestätigt, dass Kinder schon früh in ihre Geschlechterrollen gepresst werden.
  • In 15 Ländern haben Forscher der Johns Hopkins Universität 450 Kinder im Alter von zehn bis 14 Jahren und deren Eltern zu ihren Geschlechtervorstellungen befragt.
  • In armen wie in reichen, in konservativen wie liberalen Ländern waren die Vorstellungen sehr ähnlich darüber, wie Mädchen in ihre Rolle als Frau hineinwachsen sollen, ebenso wie Jungen in die des Mannes.

Von Astrid Viciano | Süddeutsche.de

Ach, wie schön das Kleid der Barbie glitzert! Das goldblonde Haar der Puppe ist samtweich, verträumt streicht die brave Sechsjährige darüber, als der kleine Bruder ins Kinderzimmer stürmt. Er schnappt sich die Barbie und wirft sie – krawumm – gegen die Wand. Ein Rabauke halt, was soll man machen, beschwichtigen die Eltern lächelnd, so seien Jungs nun einmal.

Wem bei solchen Erklärungen übel wird, der sollte jetzt besser nicht weiterlesen. Denn eine internationale Studie hat nun erneut bestätigt, dass Kinder schon früh in ihre Geschlechterrollen gepresst werden. Weltweit. In verschiedenen Regionen und Gesellschaften. In insgesamt 15 Ländern haben Forscher der Johns Hopkins Universität 450 Kinder im Alter von elf bis 14 Jahren und deren Eltern zu ihren Geschlechtervorstellungen  befragt.

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Evangelischer Kunstdienst: Goebbels willige Helfer

Marc Chagall, 1912, Still-life (Nature morte), oil on canvas, private collection. Bild: wikimedia.org/PD-US
Wie die Nazis zu „entarteter Kunst“ standen, ist bekannt. Dass sie sie aber für die Kriegskasse verkaufen wollten, wissen schon weniger Menschen. Und dass ein christlicher Verein dabei eine Rolle spielte, ist kaum bekannt. Eine ungeheuerliche Geschichte.

Von Thomas Klatt | evangelisch.de

„Nicht völkisch genug“ – dieses Urteil fällten die Nationalsozialisten über Künstler wie Käthe Kollwitz, Otto Dix, Marc Chagall und noch viele mehr. Doch nur ein Bruchteil der annähernd 20.000 konfiszierten Werke wurde in der berühmten Wanderausstellung als „Entartete Kunst“ gezeigt. Der allergrößte Teil sollte gegen Devisen verkauft werden. Kaum bekannt ist jedoch, dass ein kleiner christlicher Verein dabei eine nicht unerhebliche Rolle spielte.

Dabei sind die Wurzeln des Evangelischen Kunstdienstes alles andere als nationalsozialistisch geprägt. Der ehemalige Generalstabsoffizier und Domprediger an der Domkirche zu Dresden, Arndt von Kirchbach, suchte nach dem Zusammenbruch der kaiserlichen Monarchie Orientierung und Halt in einer neuen liturgischen Bewegung. Hinzu kam der Chemnitzer Buchhändler Gotthold Schneider, der bereits Kontakte zu Otto Dix, Ernst Barlach, Emil Nolde oder Walter Gropius unterhielt. Es fanden erste „Künstlernachmittage“ statt. Später stieß der Dresdner Kunsthistoriker Oskar Beyer dazu. Die Lösung des „religiösen Kunstproblems“ sei in der Schaffung eines „Ortes der Freiheit“ zu suchen, ohne die vorhandenen theologisch-dogmatischen Schranken der verfassten Kirchen, schrieb Beyer. Am 6. Februar 1928 wurde die „freie Arbeitsgemeinschaft für evangelische Gestaltung“ gegründet, der spätere Evangelische Kunstdienst. Eine Suborganisation, die mit ihrer Kirche stets verbunden blieb.

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Die „Null“ ist viel älter als gedacht

Blick auf eine Seite des rund 1.700 Jahre alten Bakshali-Manuskripts. In ihm stehen Punkte für die Null. © University of Oxford Bodleian Library
Ein Symbol für das Nichts: Die Idee der Null als eigenständiger Zahl ist weit älter als bisher gedacht. Denn indische Mathematiker nutzten schon vor gut 1.700 Jahren einen Punkt als Nullsymbol – 500 Jahre früher als bisher angenommen. Den Beleg dafür liefert eine neue Radiokarbondatierung des ältesten bekannten Lehrwerks der indischen Mathematik, des Bakshali-Manuskrips. Aus den in ihm verwendeten Null-Punkten entwickelte sich später unser rundes Nullsymbol.

scinexx

Sie ist für uns heute selbstverständlicher Teil des Zahlenraums – und in der Informatik ist sie sogar unverzichtbar: die Null. Sie kennzeichnet einerseits eine leere Menge, anderseits aber bestimmt ihre Position den Wert einer Zahl. Doch längst nicht in allen frühen Kulturen gab es schon eine solche „Leerstelle“: Zwar nutzen die Babylonierbereits eine Art Platzhalter in ihrer Mathematik, aber weder die Griechen und Römer noch die Chinesen kannten eine Null.

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„Pepe der Frosch“: Urheberrecht soll Rechtsextremen ihr Symbol nehmen

Bild: heise.de
Mit den Mitteln des Urheberrechts will der US-Comicautor Matt Furie seinen Frosch Pepe aus den Händen der extremen Rechten zurückerlangen. Nach einem ersten juristischen Erfolg fordert er die auf, die Figur aufzugeben. Sonst werde geklagt.

Von Martin Holland | heise.online

Der Erfinder der Comicfigur „Pepe der Frosch“ nutzt mit steigendem Erfolg das Urheberrecht, um gegen den Missbrauch der Figur durch Rechtsextreme nicht nur im Internet vorzugehen. Wie Motherboard berichtet, wurden Matt Furie und seine Anwälte dabei durch einen juristischen Erfolg angespornt, dank dem ein islamophobes Kinderbuch mit dem Frosch aus dem Handel genommen werden musste. Dessen Verfasser musste die damit erzielten – allerdings nicht sehr hohen – Einnahmen außerdem an CAIR, die größte muslimische Bürgerrechtsorganisation der USA spenden. Furie sei es ernst damit, Pepe aus den Fängen der rechtsradikalen Bewegung zu befreien, sagten seine Anwälte.

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EKD-Beauftragter findet, dass religionskritische Kunst bereichernd sein kann

Martin Kippenberger(Frosch), Deborah Sengl(Huhn) u.Bernard Arnault(PissChrist) Montage: bb

Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, betrachtet religionskritische Kunst im öffentlichen Raum als einen guten Anstoß für Diskussionen.

evangelisch.de

„Oft stellt sich heraus, dass solche Werke große Bereicherungen sind“, sagte Claussen am Dienstag in einem epd-Gespräch zum Karlsruher „Genesis-Projekt“. Evangelische Christen hätten gelernt, gelassen mit vermeintlichen Blasphemien umzugehen. Es sei besser, neugierig zu sein, statt sich zu früh aufzuregen.

In Karlsruhe wird derzeit darüber diskutiert, dass der Künstler Markus Lüpertz die neue U-Bahn mit Reliefs der Schöpfungsgeschichte verzieren will. Kritiker sehen dies als einen Eingriff in den öffentlichen Raum. Bislang ist allerdings unklar, wie die Reliefs aussehen sollen, und ob das Werk nicht sogar antichristlich ausfallen wird.

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Mit den Frauen kam das Wissen

Grab einer der Frauen, die aus der Fremde kamen, im Lechtal südlich von Augsburg. Foto: Stadtarchäologie Augsburg
Am Übergang von der Stein- zur Bronzezeit kamen viele Frauen nach Süddeutschland, um dort Familien zu gründen. Mit ihnen kam das Know-how der Metallverarbeitung

Von Andrea Naica-Loebell | TELEPOLIS

Eine neue Studie zeigt, dass über Jahrhunderte hinweg am Übergang zur Bronzezeit im bayerischen Lechtal erwachsene Frauen zuzogen und vor Ort ansässige Männer heirateten. Mit ihnen kam das Wissen aus ihren Herkunftsregionen, sie sorgten für kulturellen Austausch und den Transfer technischer Fähigkeiten.

Naturwissenschaftliche Methoden wie die Genetik und die Isotopenanalyse verhelfen der Frühgeschichte zu ganz neuen Erkenntnissen. In der Wissenschaftszeitschrift PNAS veröffentlicht ein deutsches Forscherteam ihre Studie (Female exogamy and gene pool diversification at the transition from the Final Neolithic to the Early Bronze Age in central Europe) über die Herkunft von 84 Individuen, die zwischen 2500 und 1650 v.Chr. im Lechtal südlich von Augsburg bestattet wurden. Philipp Stockhammer vom Institut für Vor- und Frühgeschichte der LMU München, Corina Knipper vom Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie, Alissa Mittnik und Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte sowie Kollegen untersuchten die Skelette, die in Gräbern in Augsburg, Haunstetten, Königsbrunn und Wehringen lagen (vgl. Was war vor 4000 Jahren an der SGL-Arena?).

Der Lößboden im Lechtal war fruchtbar, in der frühen Bronzezeit lebten hier Ackerbauern und Viehzüchter. Ihre Vorfahren waren etwa 3000 Jahre zuvor über das Karpatenbecken aus Anatolien und Syrien eingewandert (vgl. Die ersten europäischen Bauern waren Migranten). In den letzten Jahrzehnten wurden in der Region mehr als 400 frühgeschichtliche Gräber entdeckt und ausgegraben, viele waren geplündert, einige enthielten aber noch reiche Grabbeigaben, die den Wohlstand der lokalen Bevölkerung in der Kupfer- und Bronzezeit spiegeln.

Aus diesem Pool untersuchten die Forscher für die aktuelle Studie nun 84 Skelette genauer. Die sieben Gräberfelder lassen sich einzelnen Gehöften zuordnen und enthalten Verstorbene der jeweiligen Sippe über mehrere Generationen. „Die Gehöfte reihten sich entlang einem fruchtbaren Lössrücken in der Mitte des Lechtals. Größere Dörfer gab es zu dieser Zeit im Lechtal nicht“, erklärt Philipp Stockhammer.

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Die Kunst der subtilen Herrschaft

Männer, die ein Ziel haben, pinkeln reinlicher. Aus Soziologensicht ein klarer Fall von Nudging. Foto: Imago
Die Aufsatzsammlung „Gute Hirten führen sanft“ von Ulrich Bröckling beleuchtet das weite Feld von Prävention, Kontrolle und Resilienz.

Von Harry Nutt | Frankfurter Rundschau

Die Schiphol-Fliege ist ein klarer Fall von Nudging. Der kleine, künstliche Zweiflügler erhielt seinen Namen, nachdem er erfolgreich in den Urinalen des Amsterdamer Flughafens Schiphol eingesetzt worden war, um die Zielgenauigkeit der Männer beim Wasserlassen zu erhöhen. Der hygienische Effekt war immens. Auf den Flughafentoiletten konnten die Reinigungskosten deutlich gesenkt werden, weil das bewegliche Plastiktier den männlichen Spieltrieb derart animierte, dass sie fortan gezielt in die Mitte des Beckens urinierten.

Die Schiphol-Fliege muss seither als Paradebeispiel eines gelungenen Nudgings herhalten, das die Sozialtechnologie des sanften Anstubsens beschreibt und gegenüber strengen Disziplinierungsmaßnahmen bevorzugt wird. Nicht strafen, sondern anleiten lautet die Devise liberaler Alltagsregime, die uns mehr oder weniger unbemerkt in unserem Alltagsverhalten lenken.

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Sänger Yusuf Islam alias Cat Stevens ärgert sich über Rechtfertigungszwang

Der Sänger Yusuf alias Cat Stevens sieht sich wegen seines muslimischen Glaubens zu Unrecht mit Argwohn konfrontiert. © 2017 AFP
Der Sänger Yusuf Islam alias Cat Stevens sieht sich wegen seines muslimischen Glaubens zu Unrecht mit Argwohn konfrontiert. Für ihn sei es eine „dauerhafte Herausforderung“, sich gegen den Generalverdacht des Terrorismus rechtfertigen zu müssen.

Donaukurier

Der Sänger Yusuf Islam alias Cat Stevens sieht sich wegen seines muslimischen Glaubens zu Unrecht mit Argwohn konfrontiert. Für ihn sei es eine „dauerhafte Herausforderung“, sich gegen den Generalverdacht des Terrorismus rechtfertigen zu müssen, unter dem sein Glaube im Westen seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 oft stehe, sagte der 69-Jährige dem Magazin „Focus“ laut Vorabmeldung vom Samstag.

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Die Schönheit des Scheiterns: «Try again. Fail again. Fail better»

Charles Pépin: Die Schönheit des Scheiterns. Kleine Philosophie der Niederlage. Aus dem Französischen von Caroline Gutberlet. Carl Hanser, München 2017. 203 S., Fr. 29.90.

Der französische Philosoph Charles Pépin hat einen hübschen Essay über die Tugenden des Scheiterns geschrieben.

Von Uwe Justus Wenzel | Neue Zürcher Zeitung

In einer erfolgssüchtigen Gesellschaft können Misserfolge, kann der Umgang mit ihnen naturgemäss zu einem Problem werden. Es lässt sich freilich systemkonform lösen – dann, wenn die Versuche, ein Scheitern zu bewältigen, ihrerseits unter dem Aspekt des Erfolgs beurteilt werden. Und das werden sie augenscheinlich zunehmend. Die «Erfolgskultur» erweitert dergestalt unter dem Firmennamen einer «Kultur des Scheiterns» ihr Revier; und das schlägt sich – nicht verwunderlich – auch in ausufernder Ratgeberliteratur nieder.

«Die Kunst des erfolgreichen Scheiterns» lautet der einschlägige Titel. Weniger offenkundig systemkonform, aber keineswegs systemkritisch tönen – gleichfalls derzeit marktgängige – Titel wie «Die Kunst des spielerischen Scheiterns», «Lässig scheitern», «30 Minuten gescheit scheitern». Derlei Lebenshilfebücher, ob sie sich an Manager oder an Otto Normalverbraucher wenden, erscheinen zwar vermehrt, aber nicht erst seit der jüngsten Finanzmarktkrise. Schon der legendäre Laotse soll gesagt haben, Scheitern sei die Grundlage des Erfolgs. Mit diesem Diktum wird der altchinesische Weise zumindest nicht selten zitiert.

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Buchmesse kann sich gegen Neonazis kaum wehren

Udo Voigt, langjähriger Vorsitzender der verfassungsfeindlichen NPD und EU-Abgeordneter, will auf der Buchmesse für seine Gesinnung werben. Foto: Imago
Die Frankfurter Buchmesse will Auftritte von Rechtsextremen unterbinden. Doch Udo Voigt, langjähriger Chef der verfassungsfeindlichen NPD, kündigt sein Kommen an.

Von Danijel Majic | Frankfurter Rundschau

Udo Voigt scheint sich sicher zu sein: Er und seine Gesinnungsgenossen werden bei der kommenden Buchmesse auftreten. „Die Frankfurter Buchmesse bietet eine willkommene Möglichkeit, die mediale Schweigespirale zu durchbrechen und für unsere Anliegen Gesicht zu zeigen“, lässt der EU-Abgeordnete und langjährige Vorsitzende der verfassungsfeindlichen NPD in einer Pressemitteilung wissen. Er freue sich auf Frankfurt. Zeit und Ort seines Auftritts „auf der Buchmesse“ würden noch bekanntgegeben.

Die Präposition „auf“ ist in diesem Statement entscheidend. Mitte dieser Woche hatte die FR berichtet, dass die rechtsextreme Stiftung „Europa Terra Nostra“ zwei von ihr herausgegebene Bücher auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren will und in diesem Rahmen auch Auftritte Voigts, des britischen Neonazis Nick Griffin und des wegen Mitgliedschaft in einer Terrorgruppe verurteilten Roberto Fiore aus Italien plane.

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Warum „glauben“ Sie den Fakten nicht?

Foto: APA/AFP/RYAN MCBRIDE Die Wissenschaft steht vor einem Problem: Faktenresistenz
Menschen klammern sich an Behauptungen, die bewiesenermaßen unwahr sind. Doch warum? Forscher haben herausgefunden, wann Menschen besonders empfänglich dafür sind, an „alternative Fakten“ zu glauben.

Von Jürgen Klatzer | kurier.at

Es gibt Dinge, über die sich hervorragend streiten lässt. Zum Beispiel der Musikgeschmack des Nachbarn oder die Kindererziehung des befreundeten Paares. Was für den einen gut und richtig ist, kann für den anderen schlecht und falsch sein. Deshalb ziehen sich die Diskussionen mit Nachbarn und Freunden in die Länge.

Dann gibt es aber Themen, die schnell geklärt sind. Beispielsweise der von Menschen gemachte Klimawandel, Darwins Evolutionstheorie oder dass Aids durch den HIV-Virus ausgelöst wird. Trotzdem zweifeln Menschen an Fakten, und schenken Informationen Glauben, die bewiesenermaßen unwahr sind. So halten sie Impfungen für ein gefährliches Gift, die biblische Schöpfungsgeschichte für einleuchtend und die Erderwärmung für ein „Konzept der Chinesen, um die amerikanische Wirtschaft zu schwächen“ (Donald Trump).

Wieso ignorieren wir Fakten?

Doch wieso negieren Menschen Fakten? Sind sie schlecht informiert? Nein, sagt der deutsche Psychologe Tobias Rothmund. „Wir tendieren aber dazu, Fakten vor dem Hintergrund unserer persönlichen Einstellungen und Motivationen zu bewerten.“

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Verwerfungen als Heiligtümer?

Der Tempel des Apollo in Delphi: Seine Orakelkammer lag direkt über einer tektonischen Spalte im Untergrund. © Eglantine/CC-y-sa 3.0
Ob Delphi, Mykene oder Hierapolis: Die alten Griechen könnten viele ihrer Tempel absichtlich über tektonischen Verwerfungen gebaut haben – trotz Erdbebengefahr. Denn entlang dieser Brüche im Untergrund gab es besonders häufig Gasaustritte, Thermalquellen oder klaffende Zugänge zur „Unterwelt“. Diese Phänomene wiederum spielten eine wichtige Rolle für kultische Handlungen und Religion der Antike, wie ein britischer Forscher berichtet.

scinexx

Das Orakel von Delphi war mehr als ein Jahrtausend lang eines der berühmtesten Heiligtümer des alten Griechenland. Die Priesterinnen des Orakels verkündeten Prophezeiungen, Warnungen und Weisheiten, nachdem sie in einer heiligen Quelle gebadet und die „erleuchtenden“ Dämpfe der innersten Tempelkammer eingeatmet hatten. Wie man heute weiß, traten dort aus einem Riss im Untergrund wahrscheinlich Gase aus, die die Priesterinnen in ihren Trancezustand versetzten.

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Tattoos: Nanopartikel auf Abwegen

Körperkunst: In Deutschland ist mittlerweile fast jeder Zehnte tätowiert. © Ryan McVay/ thinkstock
Wandernde Tinte: In Tätowierungen enthaltene Farbpigmente bleiben nicht ewig in der Haut. Stattdessen lösen sich kleinste Nanopartikel der Körperkunst ab und wandern durch den Organismus. Dort reichern sie sich unter anderem in den Lymphknoten an, wie eine Studie zeigt. Das Problem: Wie sich diese Miniteilchen im Körper verhalten, ist völlig unbekannt.

scinexx

Ob Arschgeweih oder echte Körperkunst: Tätowierungen liegen im Trend. Schon die Gletschermumie Ötzi schmückte sich vor 5.000 Jahren mit rätselhaften Tattoos in Form von Strichen und Kreuzen – später machten sich auch die Maya und die Maori in Neuseeland fein, indem sie Farbe unter die Haut brachten. Heute hat die Beliebtheit von Tätowierungen einen neuen Höhepunkt erreicht: In Deutschland zieren inzwischen fast jeden zehnten Körper Tinte und Farbpigmente, die unter die Haut gestochen wurden.

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Islamwissenschaftler: Nicht die Religion macht den Terror

Gedenken an die Opfer des Anschlags auf den Musikclub Bataclan am Place de la République in Paris. Foto: dpa
Es besteht keine direkte Verbindung zwischen gesellschaftlichen, politischen und religiösen Revolten und dem Übergang zum islamisch auftretenden Terrorismus. Das sagt der französische Politikwissenschaftler Olivier Roy in seinem jüngsten Buch. Er hat das zuvor bereits vielfach kundgetan.

Von Dirk Pilz | Berliner Zeitung

Jetzt aber fügt er in diesem Band, der im Titel das Osama bin Laden zugeschriebene Zitat „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod“ führt, hinzu: die Genialität des IS bestehe darin, dass er den jungen Freiwilligen ein Narrativ zur Verfügung stelle, innerhalb dessen sie sich verwirklichen könnten. Das ist eine starke These mit weitreichenden Folgen.

Denn Roy macht weder eine angeblich gescheiterte Integrationspolitik noch den Salafismus, schon gar nicht die Religion des Islam für den Terror verantwortlich. Er entlässt beide zwar nicht aus der Schuld, aber er meidet die Verlockungen einfacher Kausalzusammenhänge, wie sie etwa der Sozialwissenschaftler Gilles Kepel bedient, mit dem sich Roy seit Jahren leidenschaftlich streitet, auch in diesem Buch.

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Dem Kaffee wird’s zu heiß

Ein Farmer pflückt Kaffeebeeren in Kolumbien. Durch den Klimawandel könnten die geeigneten Anbauflächen für Kaffee bis 2050 drastisch schrumpfen. © Neil Palmer (CIAT)
Düstere Zeiten für Kaffee-Liebhaber: Der Klimawandel könnte dem Kaffeeanbau in Mittelamerika erheblich schaden. Denn im größten Anbaugebiet der Erde werden die für Kaffee geeigneten Flächen bis 2050 voraussichtlich um bis zu 88 Prozent zurückgehen, wie Forscher prognostizieren. Der Grund: In vielen Gebieten wird es dem Kaffee zu heiß und trocken, zudem gehen die Bestäuberinsekten zurück. Besonders davon betroffen sind Nicaragua, Honduras und Venezuela, so die Prognose.

scinexx

Kaffee ist eines der beliebtesten Getränke weltweit und für viele ärmere Länder einer ihrer wichtigsten Exportartikel. Doch Kaffeepflanzen sind anspruchsvoll: Um zu gedeihen, benötigen sie ein gleichmäßig warmes Klima, reichlich Regen und geschützte halbschattige Standorte. Geeignete Anbauflächen gibt es heute vor allem in Mittelamerika und dem Norden Südamerikas, aber auch in einigen Regionen Asiens und in Äthiopien.

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Wikingerkrieger war eine Frau

Kriegerische „Walküren“ gab es bei den Wikingern offenbar tatsächlich – sie konnten sogar Offizierinnen werden, wie ein Grabfund belegt. © historisch
Wehrhafte Walküre: Bei den Wikingern waren Krieg und Kampf nicht nur Männersache – es gab auch weibliche Kriegerinnen, wie ein Wikingergrab im Südosten Schwedens belegt. In ihm zeugen zahlreiche Waffen, zwei Pferde und ein Strategiespiel davon, dass hier ein höherrangiger Offizier begraben wurde. DNA-Analysen enthüllen nun, dass dieser Kriegeroffizier in Wirklichkeit eine Frau war. Frauen konnnte demnach bei den Wikingern durchaus hochrangige, „typisch männliche“ Positionen bekleiden.

scinexx

Vor rund tausend Jahren dominierten die Wikinger weite Teile Nordeuropas und besiedelten als erste Europäer sogar das ferne Grönland. Obwohl die Nordmänner auch ein ausgedehntes Handelsnetz unterhielten, waren vor allem die Raubzüge ihrer Krieger gefürchtet. Gängiger Lehrmeinung nach galt dabei die klassische Arbeitsteilung: Männer waren Herrscher und Krieger, die Frauen kümmerten sich um Haus und Kinder.

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„Die Flucht der Dichter und Denker“: Als die geistige Elite um ihr Leben lief

foto: ueberreuther

Das Buch von Herbert Lackner zeichnet nach, wie die deutschsprachige Intelligenz den Nazis entkam

Von Hans Rauscher | derStandard.at

Ein Gedankenexperiment: Praktisch die gesamte kritische und künstlerische Intelligenz fast des gesamten deutschsprachigen Raumes muss flüchten, um Verhaftung, Folter und Tod zu entgehen. So gut wie alle Dramatiker, Romanciers, Lyriker, Kabarettisten, Journalisten, Publizisten, Feuilletonisten, Verleger, Filmemacher, Philosophen, Maler, aber auch Juristen, Wirtschaftsexperten, Lehrer und Hochschullehrer müssen weg. Auf abenteuerlichen Wegen, oft um Haaresbreite, entkommen sie den Verfolgern und können sich ins Exil retten. Viele, sehr viele können das nicht.

Heute undenkbar, oder? Vor fast 80 Jahren war es aber brutalste Realität. Herbert Lackner, Ex-Chefredakteur des Magazins Profil und ausgewiesener historischer Journalist, zeichnet in seinem neuen Buch Die Flucht der Dichter und Denker nach, „wie Europas Künstler und Wissenschaftler den Nazis entkamen“.

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Wie mangelnde Infrastruktur Migranten produziert

Nach dem ersten kurzen Monsunregen sind die tief gelgenen Straßen überschwemmt, da die Gullys verstopft sind. Foto: Gilbert Kolonko
Aus Indien und Pakistan gibt es wichtigere Nachrichten als das Wetter

Von Gilbert Kolonko | TELEPOLIS

„Es ist heiß, der Asphalt schmilzt“, so und ähnlich beginnen seit Jahren Sommernachrichten über Indien und Pakistan. „Garniert“ mit Zahlen von Hitzetoten – fertig ist der Artikel. Doch im Sommer 2015 machte Redakteure des „Indian Express“ die hohen Opferzahlen stutzig. Besonders die im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh: Wie sich herausstellte, zahlte die lokale Regierung jeder Familie eines Hitzeopfers umgerechnet 1400 Euro Entschädigung, und bei einer Nachuntersuchung kam heraus, dass mindestens 2 von 3 Hitzetoten eines natürlichen Todes gestorben waren.

Dann schwappte die Hitzewelle nach Pakistan und laut den Nachrichten aus Deutschland schienen die Menschen um mich herum Reihenweise umzufallen, nur dass ich das in Lahore nicht mitbekam. Es waren zwischen 36 bis 40 Grad Celsius und die Wochen davor bis 46 Grad Celsius, aber besonders viele Hitzeopfer gab es in Lahore nicht. Etwas später konkretisierte sich der Aufenthalt der Hitzewelle: Karatschi, wo sie für mehr als tausend Tote sorgte. Ein Blick aufs Wetter zeigte, dass es in der südlichen Megametropole knapp über 40 Grad waren.

Wie in Lahore herrschte Ramadan, also konnte dies nicht der Hauptgrund für die vielen Toten in Karatschi sein. Ein Anruf in der Megametropole klärte auf: Neben der üblichen katastrophalen Wasserversorgung Karatschis kamen jetzt auch noch schwere Stromausfälle dazu. Es war also nicht allein die Hitze, sondern viel mehr ein Zusammentreffen verschiedener Umstände, die zu den „Hitze-Toten“ geführt hatte und zwei Hauptursachen: Knappheit an sauberen Trinkwasser und Stromausfälle gingen auf das übliche Versagen der pakistanischen Verantwortlichen zurück.

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Plutos Landschaften bekommen ihre Namen

Pluto in Falsch-Farben-Darstellung aus einer Entfernung von 450.000 km aufgenommen. New Horizons Image Credit: NASA/JHUAPL/SwRI
Unterwelt und Pioniere: 14 Landmarken auf dem Zwergplaneten Pluto sind jetzt offiziell getauft. Die Internationale Astronomische Union (IAU) hat die ersten Namen für die von der Raumsonde New Horizons entdeckten Krater, Gebirge und Ebenen verliehen. Als Namensgeber dienten Unterweltgötter aus der Mythologie, aber auch der Pluto-Entdecker Clyde Tombaugh oder die Raumsonden Sputnik und Voyager.

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Lange war Pluto nur ein verschwommener Punkt am Himmel – der Zwergplanet war selbst für starke Teleskope zu weit entfernt, um Details seiner Oberfläche zu zeigen. Erst der Vorbeiflug der NASA-Raumsonde New Horizons liefert die ersten nahen Bilder des fernen Himmelskörpers – und überraschte alle. Denn Pluto entpuppte sich als erstaunlich dynamischer Planet mit fließenden GletschernGebirgen aus Wassereis, organischen Nebelwolken und vielleicht sogar aktiven Eisvulkanen und einem Ozeanunter dem Eis.

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