Archiv der Kategorie: Kultur

Jugendweihe beliebter als Konfirmation und Firmung

Jugendfeier in Hannover 2012, Bild: wikimedia.org

Zum feierlichen Start ins Erwachsenenleben ist die Jugendweihe in Berlin beliebter als Konfirmation und Firmung. Wie eine dpa-Umfrage bei den beiden größten Trägervereine ergab, bereiten sich derzeit rund 4200 Jugendliche auf ihre anstehende Zeremonie vor.

Berliner Kurier

Sprecher beider Vereine sagten außerdem, dass der Anteil von Jugendlichen, die zur Jugendweihe gehen, weiter ansteige. So nehmen allein beim Humanistischen Verband dieses Jahr 10,2 Prozent der Berliner Schüler des aktuellen Jahrgangs an der Zeremonie teil. 2011 waren es 8,3 Prozent. Humanistischer Verband und Jugendweihe Berlin/Brandenburg e.V. konkurrieren in Berlin um die Ausrichtung von Jugendweihen.

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Karfreitagsfilm: Das Leben des Brian

Wo Islam drauf steht, ist Terror drin? Kritik an Hamed Abdel-Samad

Proteste gegen die ägyptische Muslimbruderschaft (Bild: Voice of America, Public Domain/US-Gov)

Proteste gegen die ägyptische Muslimbruderschaft (Bild: Voice of America, Public Domain/US-Gov)

Hamed Abdel-Samads Buch über den islamischen Faschismus, das im Untertitel verspricht „eine Analyse“ zu sein, ist leider genau das nicht. Der gebürtige Ägypter Abdel-Samad will keineswegs analysieren, vielmehr legt er eine Kampfschrift vor. Seine Botschaft lautet: Der Islam ist eine totalitäre Ideologie, die auf Gewalt basiert, nach Weltherrschaft strebt und in der Demokratie ihren Todfeind sieht. Islamischer Faschismus, wie er glaubt. Und selbstverständlich herrscht Alarmstufe rot: Die Uhr zeigt nicht fünf vor, sondern fünf nach zwölf.

Islam.de – Michael Lüders

Die These vom „Islamo-Faschismus“ ist nicht neu. Nach dem 11. September 2001 wurde sie im Umfeld amerikanischer Neokonservativer schnell populär. Sie war griffig, eingängig und half, der westlichen Öffentlichkeit die Kriege in Afghanistan und im Irak als Kampf zwischen gut und böse zu verkaufen, zwischen Freiheit und Demokratie einerseits und islamischem Totalitarismus andererseits, in Gestalt etwa der Taliban oder von Al-Qaida. Der Begriff „Islamo-Faschismus“ ist gewissermaßen die ultimative Fortführung einer anderen ideologischen Wortschöpfung, nämlich des „Kampfes der Kulturen“, in Umlauf gebracht in den 1990er Jahren von den US- Wissenschaftlern Samuel Huntington und Bernard Lewis. Wer vom „Islamo-Faschismus“ oder dem „Kampf der Kulturen“ schwadroniert, verlagert unterschiedliche geopolitische wie machtpolitische Interessen oder Gegebenheiten auf die Ebene eines kulturell-religiösen Überbaus. Wer etwa die Taliban als „Islamo-Faschisten“ brandmarkt, hat elegant die Tatsache ausgeklammert, dass die Vorläufer der Taliban und Osama bin Laden jahrelang von den USA bewaffnet und finanziert worden sind – bis sie ihre Waffen nicht mehr gegen die Sowjets, sondern gegen die Amerikaner richteten.

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Der grösste Sklavenhändler der Geschichte

Sklavenschiff (Bild: Public Domain)

Sklavenschiff (Bild: Public Domain)

Die Erforschung des transatlantischen Sklavenhandels gehört zu den wichtigsten Gebieten der Wirtschaftsgeschichte. In bewunderswerter Kärrnerarbeit haben Generationen von Forschern versucht zu rekonstruieren, wer mit welchem Schiff wohin verschleppt worden ist.

Der Bund – Tobias Straumann

Die Daten sind seit einigen Jahren frei verfügbar im Internet. Es ist eine der besten historischen Webseiten, die ich kenne. Sie ist nicht nur unentbehrlich für die Forschung, sondern enthält auch viele Materialien für den Unterricht.

Die Daten sind auch deshalb nützlich, weil sie auf einen Blick das aus Film, Funk und Fernsehen gewonnene Bild der Sklaverei korrigieren. Sehr verbreitet ist nämlich die Ansicht, dass die meisten afrikanischen Sklaven von britischen Schiffen nach Nordamerika geschafft wurden. Das stimmt nicht.

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Stadt Münster lässt arabischen Tourismusflyer retuschieren

Bild: Stadt Münster

Bild: Stadt Münster

Nackte Frauenarme wurden abgedeckt, Fotos von Pärchen vorsichtshalber gelöscht: Die Stadt Münster hat den üblichen Tourismusflyer für arabische Touristen zensiert. Die wohlhabende Kundschaft aus Dubai oder Katar will man nicht verschrecken. Die Bürger sind empört.

WDR5 Morgenecho

Es sind die nackten Zahlen, die überzeugen: Ein Niederländer, der als Tourist nach Deutschland reist, gibt am Tag 46 Euro aus. Ein Reisender aus den Golfstaaten lässt dagegen rund 460 Euro im Land – das zehnfache. Die Stadt Münster hat dies erkannt und will daraus Kapital schlagen. Gutbetuchte Araber lassen sich viel zu selten blicken. Darum hat die Stadt Münster ihren Werbeflyer jetzt ins Arabische übersetzen lassen – und hat an einigen Stellen auch visuell nachgeholfen.

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Rassismus-Vorwürfe gegen Heidi Klum

Heidi Klum postete diese Fotos mit ihren Models auf ihrer Facebook-Seite. Die Reaktion ist verheerend. BZ

Screenshot GNTM Facebook

Screenshot GNTM Facebook

Das Shooting ist zwar schon Wochen her, doch erst jetzt sorgen die Fotoaufnahmen der Kandidatinnen von „German’s Next Topmodel“ für reichlich Ärger. Heidi Klum wird sogar Rassismus unterstellt.

Der Grund: Im US-Bundesstaat Utah posierten die Nachwuchs-Models in Indiander-Outfits. Heidi Klum postete die Bilder auf ihrer Facebook-Seite: „Endlose Weite und einsame Wildnis – meine Girls beim Shooting in Utah.“ Die Kommentare, die Heidi damit erntete, sind allerdings vernichtend. „Beim nächsten Mal könnt ihr die Models als Oktoberfest-Maskottchen verkleiden. Nutzt eure eigene Kultur aus“, schreibt eine Userin.

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“24h Jerusalem” – Eine Stadt, viele Wahrheiten

1101460826_400” Es ist der Nahost-Konflikt, auf den kleinsten, banalsten privaten Nenner gebracht: Meine Wahrheit, mein Glaube ist richtiger als deiner. Jerusalem ist schön, aufreizend, nervig, modern, aber vor allem ein Ort der Erkenntnis, dass es keinen Ausweg, keine Lösung gibt. “

Nach “24h Berlin ” strahlt arte am 12.April 2014 von 06:00 Uhr bis 06:00 Uhr des 13.April 2014 ein weiteres Stadtporträt “24h Jerusalem” des deutschen Regisseurs Volker Heise aus. Das Porträt wird durch Second-Screen-Inhalte um eine weitere interaktive Dimension ergänzt.

http://www.24hjerusalem.tv/de

„24h Jerusalem“ erzählt die Heilige Stadt durch die Augen der Menschen, die in ihr leben und die in ihre Widersprüche verstrickt sind: Juden, Muslime und Christen, Israelis, Palästinenser und Ausländer, Frauen und Männer, Immigranten und Alteingesessene, Gläubige und Atheisten, Nachteulen und Frühaufsteher. 70 Filmteams begleiteten rund 90 Protagonisten mit den unterschiedlichsten Lebensgeschichten bei der Arbeit und in der Freizeit, in enge Wohnungen und großzügige Villen, in Tempeln, Moscheen und Kirchen, in israelischen Siedlungen und palästinensischen Flüchtlingscamps. In ganzen 24 Stunden eröffnen sich dem Beobachter die faszinierenden Facetten von Jerusalem. “

” Die Einheit der Stadt Jerusalem war nur in unserem Schneideraum möglich “
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Biologists Confirm God Evolved From Chimpanzee Deity

chimpanzee-deity

Challenging long-held views on the origins of divinity, biologists at the University of California, Berkeley, presented findings Thursday that confirm God, the Almighty Creator of the Universe, evolved from an ancient chimpanzee deity.

The Onion

The recently discovered sacred ancestor, a divine chimp species scientists have named Pan sanctorum, reportedly gave rise over millions of years to the Lord Our God, Maker of Heaven and Earth.

“Although perhaps not obvious at first glance, there are actually overwhelming similarities between the Supreme Being of today and this early primate deity who preceded Him,” said Dr. Richard Kamen, a leading biologist who also heads Berkeley’s paleotheology department. “The holy chimp moved around on all fours, but its descendants eventually began walking upright to expend less energy while foraging across the infinite reaches of the universe. This of course led to the bipedalism of modern-day God.”

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Erotik-Model Micaela Schäfer: Empörung um Nacktvideo in Kirche

Bild: Flickr/Kecko (CC-BY 2.0)

Bild: Flickr/Kecko (CC-BY 2.0)

Weil eine Volksmusikband Micaela Schäfer mit in eine Dorfkirche nahm und das Nacktmodel oben ohne vor dem Altar posierte, herrscht im bayerischen Rauhenebrach Aufruhr. Das zuständige Bistum Würzburg sieht den Frieden vor Ort gestört – und prüft rechtliche Schritte.

Focus Online

Beim Dreh ihres Musikvideos holte sich die Volksmusikband „Die Dorfrocker“ Unterstützung von Nackt-Model Micaela Schäfer. „Heute Videodreh für die neue Single „Freibier Otto“ von den Dorfrocker in Rauhenebrach“, postete Schäfer Ende März auf ihrer Facebookseite. „Voll cool die Jungs.“ Dazu postete sie Bilder vom Dreh – sie zeigen drei strahlende junge Männer in karierten Hemden und Lederhosen neben der stets leicht bekleideten Schäfer. Dass die Dorfrocker Schäfers Hang zur Nacktheit jedoch nicht nur mit Kuhweiden und Strohballen, sondern auch mit einer Kirche kombinieren wollten, sorgte nun für Empörung.

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80 Festnahmen von Gegendemonstranten – Widerstand gegen Bildungsplangegner

20140405_demofueralle_stuttgart_Bildungsplan_2014-567x410Bildungsplangegner erlebten bei ihrer friedlichen Demo Widerstand
Demonstration gegen den Bildungsplan und Gegendemonstration in Stuttgart – Grußworte der CDU- und FDP-Fraktionsführer des Stuttgarter Landtags – Etwa 80 Festnahmen von Gegendemonstranten – Polizeibericht: Der Widerstand kam aus „dem linken Spektrum“

Nach Angabe des Polizeiberichtes wurden wegen einer Sitzblockade 55 Personen in Gewahrsam genommen. Bereits „im Vorfeld und am Rande der Demonstration sind zehn Personen die mutmaßlich der linken Szene zuzuordnen sind, festgenommen worden. Diese waren in Zusammenhang mit massiven Störungen der letzten Bildungsplan-Versammlung im März als mutmaßliche Täter wiedererkannt worden“, schilderte der Polizeibericht wörtlich. Bei einer weiteren Blockade an anderer Stelle durch ca. 100 Personen versuchte die Polizei auf die Blockierer einzuwirken. Doch „da mehrere Störer dieser Aufforderung nicht nachkamen und teilweise Widerstand leisteten sind zehn von ihnen, die ebenfalls dem linken Spektrum zuzuordnen sind, vorläufig festgenommen und ebenfalls in den Polizeigewahrsam gebracht worden.“

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Toleranz statt Sex – Grüner Schleichweg für geschlechtliche Vielfalt im Unterricht

BawueSchüler in Baden-Württemberg sollen lernen, was sexuelle Vielfalt ist. Klerikale Gruppen toben. Nun nimmt Grün-Rot einen Schleichweg.

taz

STUTTGART taz | Rosa oder Blau, so sieht Kindererziehung für die rund 600 Teilnehmer der dritten Demonstration gegen den Bildungsplan in Baden-Württemberg aus. Mit Luftballons in Rosa oder Blau zogen sie am vergangenen Wochenende wieder durch Stuttgart, geschützt von 500 Polizisten. Sie wollen ihre Kinder schützen vor dem Monster „Frühsexualisierung“, das in schleimigem Grün auf ein Demoschild gemalt war. Seit drei Monaten tobt der Protest, weil an baden-württembergischen Schulen ab 2015 „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ gelehrt werden soll.

Bislang hielt die Landesregierung selbstbewusst dagegen. Am Dienstag nun die Überraschung: Grün-Rot rückt davon ab, dass „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ als Querschnittsthema in allen Fächern in den Bildungsplan aufgenommen werden soll. Die Regierungskoalition präsentiert dafür jedoch eine neue Idee: Die bislang fünf Leitprinzipien im Bildungsplan sollen in Leitperspektiven umbenannt und um eine sechste Leitperspektive ergänzt werden.

Deren Titel lautet „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“. Unter dieser Überschrift soll Toleranz nicht nur gegenüber homosexuellen, bi-, trans- und intersexuellen Menschen gelehrt werden, sondern auch gegenüber der sozialen Herkunft, Religion, Kultur oder Ethnie von Menschen. Ob das nun Schwächung oder Stärkung der ursprünglich geplanten Erziehung zur Akzeptanz sexueller Vielfalt ist, wird unterschiedlich ausgelegt.

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Roma Tag – Antiziganismus in der deutschen Öffentlichkeit

Roma-Fahne” Die Diskriminierung der Roma ist salonfähig “
Der Politologe Markus End forscht über Antiziganismus. Er sagt: Klischees von “den Roma” sind im Journalismus verankert, in der Gesellschaft und im Koalitionsvertrag.

Ein Interview von Lisa Caspari – ZEIT

ZEIT ONLINE: Herr End, heute ist Internationaler Roma-Tag, Anlass über die Situation der Minderheit zu sprechen. Was halten Sie davon, dass es einen speziellen Tag dafür gibt?

Markus End: Am 8. April 1971 fand in London der erste internationale Roma-Kongress statt und dieser Tag wird seither von den Interessensvertretungen als Feier- und Gedenktag begangen. Das ist doch ein guter Anlass, darauf hinzuweisen, dass Diskriminierung der Sinti und Roma nach wie vor salonfähig ist.

ZEIT ONLINE: Lassen sich die Vorurteile gegenüber der Minderheit in konkrete Zahlen fassen?

End: Der Soziologe Wilhelm Heitmeyer hat in seiner jüngsten repräsentativen Umfrage herausgefunden, dass 44,2 Prozent der Deutschen der Aussage “Sinti und Roma neigen zur Kriminalität” zustimmen. Neben dieser eindeutigen Diskriminierung sind aber auch subtile Zuschreibungen weit verbreitet. Wer sagt, dass alle Sinti und Roma so tolle Musik machen, hat ein Stereotyp einfach positiv verpackt. Er impliziert, dass Angehörige der Volksgruppe anders sind, dass sie nur Musik machen und nicht arbeiten wie “wir”.

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Milliardengeschäft Todsünde – Der Ursprung des Kapitalismus findet sich im Paradies

Hoelle-TeufelDie sieben Todsünden führen auf direktem Weg in die Hölle. Bis dahin lässt sich mit ihnen aber noch viel Geld verdienen. Zahlreiche Firmen tun nichts anderes, als die sündigen Laster zu befriedigen.

FOCUS MONEY ONLINE

Kirche und Wirtschaft sind sich in einem Punkt einig: Die Sünde  ist ein Milliardenmarkt. In jedem Menschen steckt sie, sie weckt Begierden, Bedürfnisse und Bußbereitschaft. Würde es sie nicht schon geben, man müsste sie – rein ökonomisch betrachtet – glatt erfinden.

Nur drei Sätze braucht die Bibel, um die Entstehung dieses Marktes zu erklären: „Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen. … Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß. Da gingen beiden die Augen auf, und sie erkannten, dass sie nackt waren.“

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US – Studie : Internet vermindert religiöse Zugehörigkeit

a63da59a50Forscher in den USA haben den Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Religiosität und der Zunahme der Internetnutzung untersucht. Je mehr die Menschen im Internet surfen, umso ungläubiger werden sie.

pro Medienmagazin

Die Untersuchung des Computerwisssenschaftlers Allen Downey zeigt, dass es eine Verbindung zwischen Unglaube und Internetnutzung gibt. Der Wissenschafler kommt nach Angaben des Wissenschaftsmagazins MIT Technology Rewiew zu dem Ergebnis, dass die Zunahme der Internetnutzung in den USA in den beiden vergangenen Jahrzehnten ein signifikantes Absinken der religiösen Zugehörigkeit verursacht hat. Die Studie liefere eine signifikante Korrelation der Werte. Die Studie sagt aus, dass das Internet einen höheren Einfluss darauf hat, ob jemand religiös ist oder nicht, als andere mögliche Einflussfaktoren es tun, wie zum Beispiel Einkommen und Bildung der Person, deren Sozio-ökonomischer Status oder ob sie auf dem Land oder in der Stadt wohnt. „Die Nutzung des Internets verringert die Chance, Mitglied einer Religionsgemeinschaft zu sein“, sagt Downey.

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Sibylle Lewitscharoff: Dodo des Monats März 2014

Dodo des Monats März 2014

Dodo des Monats März 2014

Sibylle Lewitscharoff (Bild: Wikimedia Commons/Lesekreis, CC0/Public Domain)Souverän hat die hochdekorierte Autorin Sibylle Lewitscharoff den Dodo des Monats März gewonnen. Zu keinem Zeitpunkt bestand Zweifel am Gewinn des Preises. Der Eso-Schwan der SPD hatte keine Chance.

In  der renommierten Veranstaltungsreihe “Dresdner Reden”, im Schauspielhaus der Elbmetropole, passierte es. Die Veranstalter mögen es, wenn zugespitzte Formulierungen das Publikum aus der sonntäglichen Lethargie reißen. Lewitscharoff sollte keine Enttäuschung werden.
So erklärte sie denn dem illustren Publikum das pränatale Diagnostik der blanke Horror sei. Fortpflanzungsmediziner wurden als “Frau Doktor und Herr Doktor Frankenstein” bezeichnet.Das „drastische biblische Onanieverbot“, so Lewitscharoff, erscheine ihr heute „geradezu als weise“, angesichts der ihr grotesk und widerwärtig erscheinenden Vorstellung, dass ein Mann in eine Kabine geschickt werde, um unter Umständen mithilfe von Pornographie an einer Zeugung beteiligt zu werden.

Was sagt uns das? Lewitscharoff scheint eine gespaltene Persönlichkeit zu sein, eine Schriftstellerin, durchaus geschätzt und eine bigotte Frömmlerin, die mal so richtig die Sau raus lässt. Das was sie, durch künstliche Befruchtung gezeugte Halbwesen nennt, ist sie selbst. Auf der einen Seite respektable Literatur und auf der anderen evangelikaler Fundamentalismus, der die Menschen schreiend davon rennen lässt. Janus-Köpfigkeit nennt man das wohl.

Doch nicht genug, halbe Sachen sind Lewitscharoffs Plattitüden nicht. Sie holt die Nazi-Keule heraus und schlägt, Godwin’s Law lässt grüßen, so richtig zu.

Das gegenwärtige Fortpflanzungsgemurkse vergleicht sie mit den “Kopulationsheimen der Nationalsozialisten”. Eingerichtet und betrieben um blonde Frauen mit dem Samen von blonden, blauäugigen SS-Männern zu versorgen.

Sie weiß um das moralische Argument, welches sachlich nicht zu widerlegen ist. So macht sie Ärzte, die in der Fortpflanzungsmedizin tätig sind, zu SS-Männern. Und da man auf ein moralische Argument nur moralisch, scharf erwidern kann: es geht nicht noch dämlicher Frau Lewitscharoff.
Über die Kinder, die mit Hilfe moderner Reproduktionsmethoden geboren werden meint sie:

“Nicht ganz echt sind sie in meinen Augen, sondern zweifelhafte Geschöpfe, halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas.”

Kulturrassismus einer Büchner-Preisträgerin. Das zweifelhafte Geschöpf Lewitscharoff, in perfekter Unzulänglichkeit der eigenen Person, urteilt über Geschöpfe, die sich durch nichts von anders gezeugten Geschöpfen unterscheiden.
Gar nicht auszudenken wie Lewitscharoff, als Wissenschaftsfeindin, mit anderen Errungenschaften von Medizin und Technik umgeht. Es gibt nichts trennenderes als ein gutes evangelikales Menschenbild, da wird der Rassismus vom Heiligen Geist herabgeredet. Alle Menschen sind gleich, bei den Christen nicht, die haben feine Unterschiede. Insofern ist sie eine würdige Vertreterin ihrer Glaubensgemeinschaft.

Vielleicht sollte die Dame es ja mal mit Ohrensex versuchen oder die Droge wechseln.

In dem Sinne zum Büchner-Preis die kotztütenblaue Dronte. Herzlichen Glückwunsch.