Erdoğan im Wahn des Drachen

In der Nähe der ostanatolischen Provinzhauptstadt Van hütet dieser kurdische Schäfer seine Herde. (Foto: Mustafa Ozer/AFP)
Der türkische Präsident trat in seinen Reden vor dem Referendum als guter Hirte des Volkes auf. Darin steckt eine Drohung.

Von Sema Kaygusu | Süddeutsche.de

Der Drache in türkischen Märchen war im Vergleich zu fernöstlichen stets fürchterlich. Unser Drache verfügt nicht über Zauberkräfte, mit denen er hehre Seelen hütet. Er ist ein blutrünstiges Ungeheuer, das Städte dem Erdboden gleichmacht und fruchtbares Land verwüstet. Dieser hasserfüllte gigantische Lindwurm verlor auf dem Weg von China bis in den Mittelmeerraum mit seinen Flügeln auch alle moralischen Vorzüge und nahm einen hitzig aufbrausenden, satanischen Charakter an.

Ich kenne ein frappierendes Märchen, in dem ein derart wüster Drache die Hauptrolle spielt. Auf gesegnetem Boden, am Hang eines mächtigen Berges lag einst ein Dorf. Die Menschen dort lebten alles in allem zufrieden vor sich hin. Bis ein Drache, von dem niemand wusste, woher er gekommen war, das Dorf heimsuchte. Er plünderte die Wein- und Öllager, erlegte die Ziegenherden und zog sich erst in seine Höhle auf dem Berggipfel zurück, wenn den Bauern kein Bissen mehr verblieben war. Der Drache aber setzte Tag für Tag mehr Fett an und wurde prächtiger und prächtiger.

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Guernica – Zeichen und Zeichnungen

Picassos Gemälde im Madrider Reina Sofia-Museum. (Bild: Juan Medina / Reuters)
Am 26. April 1937 bombardierten deutsche Kampfflugzeuge die baskische Stadt Guernica. Picasso hat das Grauen in seinem berühmtesten Bild erfasst. Ein 94-jähriger Überlebender malt das Geschehen heute mit Kindern.

Von Ute Müller | Neue Zürcher Zeitung

Für den 26. April 1937 hatte sich Luis Iriondo etwas Besonderes vorgenommen. Nach der Schule traf sich der damals 14-Jährige mit einem Freund, um gemeinsam das erste Mal im Leben eine Zigarette zu rauchen. Wie richtige Männer wollten die beiden sich fühlen, sie hatten sich eigens lange Hosen für die Gelegenheit angezogen und wollten später noch ins Kino gehen. Doch die Jugendlichen kamen nicht dazu, ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen, denn gerade an jenem Nachmittag, um 15.45 Uhr, begann die deutsche Legion Condor mit einem dreistündigen Überraschungsangriff auf ihre Heimatstadt Guernica (baskisch Gernika).

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Deutscher Hochschulverband kritisiert „Erosion der Debatten- und Streitkultur an Universitäten“

Die South-Park-Episode Safe Space kann man sich hier ansehen. Screenshot mit freundlicher Genehmigung von Comedy Central.
Präsident Kempen warnt, dass sich „der Anspruch von Toleranz und Offenheit in das Gegenteil verkehrt“

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat sich in die Debatte um den von Politstalkern verfolgten Osteuropa-Historiker und Gewaltforscher Jörg Baberowski eingeschaltet und eine „Erosion der Debatten- und Streitkultur an Universitäten“ kritisiert. Eine Studentengruppe in Bremen hatte sogar einen Vortrag des Merkel-Kritikers verhindert, und dabei einem im März gefällten Urteil des Landgerichts Köln nach „Äußerungen […] aus dem Zusammenhang gerissen und damit sinnentstellend wiedergegeben“, um ihn als „Hetzer“ und „Rassisten“ darzustellen – Zuschreibungen, die der Einwanderungsskeptiker weit von sich weist (Aktenzeichen 28 O 324/16).

DHV-Präsident Bernhard Kempen nach müssen die Universitäten nicht nur „Ort[e] des freien und offenen Meinungsaustausches bleiben“, sondern auch „dafür sorgen, dass jedermann – unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft, einer Partei, eines Verbandes oder Vereins – seine Forschungsergebnisse, Thesen, Argumente und Ansichten ohne Angst zur Diskussion stellen kann“. Das Grundgesetz bindet seinen Worten nach „die Freiheit von Forschung und Lehre allein an die Treue zur Verfassung“ und schließt „darüber hinausgehende Denk- oder Sprechverbote […] ausdrücklich aus“.

Gefährdet ist der offene Meinungsaustausch Kempen zufolge durch ein „Meinungsklima“, in dem sich „der Anspruch von Toleranz und Offenheit in das Gegenteil verkehrt“ hat. Anliegen wie ein „verantwortungsvoller Sprachgebrauch“ und ein „sensibler Umgang mit Minderheiten“ sind seiner Ansicht nach „berechtigt“, dürfen aber nicht zu einem „Tugendterror“ werden, in dem „abweichende wissenschaftliche Meinungen Gefahr laufen, als unmoralisch stigmatisiert zu werden“. Das führe nämlich zu „Feigheit und Anbiederung“ anstatt zu „Aufbruch und Neugier“, weil „jede konstruktive Auseinandersetzung […] bereits im Keim erstickt“ werde.

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John Lennons „Imagine“ – was für ein Kitsch!

John Lennon (1940-1980) bei einer Demonstration 1975 in Londons Hyde Park Quelle: Hulton Archive/Getty Images
Kein Besitz, kein Hunger, kein Krieg, kein Jenseits: Der berühmte Song des Beatles könnte ein Osterlied sein – hätte er sich nicht auch gegen Religion gewandt. Da half auch keine spätere Korrektur.

Von Torsten Krauel | DIE WELT

Diese dunkle, sehnende, betörend-verstörende Melodie, an einem Frühjahrsvormittag 1971 in wenigen Stunden niedergeschrieben, hat eine ganze Generation in den Bann gezogen. „Imagine“. „Malt euch aus“. Malt euch aus, wie die Welt ohne feindliche Länder wäre, ohne Gier, ohne Besitztümer, ohne Religionen.

Die melodische Anmutung ist so, als habe John Lennon den ersten Satz der Mondschein-Sonate Beethovens ins Popkulturelle gewandelt, wie auch der Text Anklänge an Beethovens utopische „Ode an die Freude“ enthält. Hart am Rande des Kitsches bewegen sich beide, Lennon und Beethoven.

Das so sanft wie unerbittlich präsente Klavier erinnert auch an Bachs Choralvorspiel „Alle Menschen müssen sterben“, nur jeder Ergebenheit entkleidet; die Grundtonart C-Dur wendet Glaubensdemut ins Plakative, Tröstliche, Volksseelenhafte.

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Verzierungstrend: Frohes Mustern

In der Osterzeit werden vor allem Hühnereier bemalt und gefärbt – über das Jahr hinweg verziert der Mensch fast alles. (Foto: dpa)
Ostereier, Haare, Cappuccino-Schaum und sogar Pferde – der Mensch muss fast alles verschnörkeln oder färben. Woher kommt der Drang zur Verzierung?

Von Laura Hertreiter | Süddeutsche.de

Wo nichts ist, herrscht Leere. Und Leere erträgt der Mensch offensichtlich schlecht. Auf dem Kaffee zum Beispiel: Der ist heute nur dann noch ordentlicher Kaffee, wenn darauf Milchschaum in Form von Schwänen und Blattwerk in die Tassen geschwenkt wurde. Wie auch der Fußballer nur noch ein echter Fußballer ist, wenn er sich wenigstens einmal seltsame Muster ins Haupthaar einrasieren lässt.

Der Mensch malt, fräst, schnitzt, stickt und sprayt, wo auch immer ihm die Leere entgegengähnt. Er strichelt und punktet und kariert und liniert. In den vergangenen Tagen bevorzugt auch auf Eierschalen, denn ein Ei ohne Dekor ist kein Osterei. Woher aber kommt der Drang, jede noch so kleine Freifläche zuzumustern?

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Türkei: Wasser als Waffe

Hasankeyf. Foto: Elke Dangeleit
Mit ihren Staudämmen kann die Türkei Syrien und dem Irak das Wasser abdrehen

Von Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Die tagespolitische Berichterstattung über das Referendum und die damit verbundene Gefahr einer Diktatur in der Türkei, sowie die nicht enden wollenden Enthüllungen über Spitzeleien des türkischen Geheimdienstes in Europa lenken die Medien davon ab, was im Südosten der Türkei passiert.

Jenseits der alltäglichen Repressionen gegen die kurdische Bevölkerung zerstören Großprojekte eine einzigartige Natur und eine uralte Kultur. Unbeachtet von der Weltöffentlichkeit werden immer mehr Kulturgüter, die nicht islamisch sind – ganz in IS-Manier – von der türkischen Regierung zerstört.

Neben den Zerstörungen in den kurdischen Städten im Südosten hält die Türkei am umstrittenen Ilisu-Staudammprojekt fest. Dort wird nicht nur eine antike Stadt unter den Wassermassen begraben, sondern dieser riesige Staudamm dient unter anderem auch dazu, mit Wasser Krieg gegen die Kurden in der Türkei und in Syrien zu führen. Mit ihren Staudämmen kann die Türkei Syrien und dem Irak das Wasser abdrehen. Gegen die Kurden und Christen in Nordsyrien wurde diese Waffe bereits eingesetzt.

Die historischen Hevsel-Gärten in der türkischen südöstlichen Provinzhauptstadt Diyarbakir (kurd.: Amed) sind 7000 Jahre alt. Sie liegen am Hang zwischen der Stadtmauer und dem Euphrat-Ufer und wurden 2015 von der UNESCO zusammen mit der Stadtmauer von Diyarbakir zum Weltkulturerbe ernannt.

Der Leiter der Architektenkammer von Diyarbakir berichtete im März, dass das türkische Ministerium für Umwelt und Urbanisierung eine Moschee, Cafés, Restaurants und Parkplätze an den Seiten des Kirklar Berges, also direkt neben den Hevsel-Gärten bauen will. Er befürchtet, dass die Bebauung langfristig dazu führen soll, die Hevsel-Gärten zu zerstören, denn in der Zeit der Zerstörung des historischen Bezirks Diyarbakir-Sur, auch UNESCO-Weltkulturerbe, wurden die Gärten bereits beschädigt.

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Letzte bekannte Erdenbürgerin aus dem 19. Jahrhundert ist tot

Emma Morano, geboren am 29. November 1899, verstorben am 15. April 2017. – APA/AFP/OLIVIER MORIN
Die Italienerin Emma Morano wurde 117 Jahre alt. Sie war der letzte lebende Mensch, der noch im 19. Jahrhundert auf die Welt gekommen ist.

Die Presse.com

Die letzte bekannte Erdenbürgerin aus dem 19. Jahrhundert ist gestorben. Die Italienerin Emma Morano starb laut Medienberichten am Samstag mit 117 Jahren in ihrer Wohnung in Verbania am Lago Maggiore. „Ihr Leben war einzigartig“, erklärte der Bürgermeister von Verbania. „Wir werden uns immer an ihre Stärke erinnern, die uns dabei half, im Leben voranzukommen.“

Morano wurde am 29. November 117 Jahre alt. Sie wurde im Jahr 1899 geboren. Andere Menschen, die vor der Wende zum 20. Jahrhundert geboren wurden, sind nicht bekannt. Morano hat in drei Jahrhunderten gelebt, zwei Weltkriege und elf Päpste überdauert.

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„Vögeln fürs Vaterland?“ Das Kinderkriegen wird schöngeredet

© Jens Kalaene/DPA
Regine Schneider, Autorin von über 20 Büchern, darunter „Sieben Gründe, keine Kinder zu kriegen“, berichtet aus eigener Erfahrung, wie schwer es Frauen in Deutschland gemacht wird, Mutter zu sein.

stern.de

Ich bin mehr oder weniger zufällig Mutter geworden. Wenn ich erst mal „ordentliche Verhältnisse“ geschaffen hätte, also mir eine Existenz aufgebaut und dann den passenden Mann dazu gesucht hätte, wäre ich nie Mutter geworden. Ich bin da reingerasselt.

Ich lebte damals mit einem Mann zusammen, der partout keine Kinder wollte, aber ich hatte einen Geliebten, Ismail, Student in Wuppertal. Ich arbeitete bei einer Lokalzeitung, war eine der wenigen Journalistinnen in Deutschland, die über Autos schrieben. Und dann bekam ich das Angebot, als Autoredakteurin nach Hamburg zur Frauenzeitschrift Brigitte zu gehen. Mein Traum!

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Neue Zeitschrift „Jalta“: Jüdisch, anders, ungewöhnlich

Die Blattmacher von dem neuen Magazin „Jalta“. (Deutschlandradio / Igal Avidan)
Juden kommen in den deutschen Medien meist beim Thema Antisemitismus oder Shoah vor. Sechs jüdische Blattmacher wollen das ändern – und haben die Zeitschrift „Jalta“ gegründet. In der ersten Ausgabe geht es um rebellische Frauen, Schäferhunde und die Verbindungen von Schwarzen und Juden.

Von Igal Avidan | Deutschlandradio Kultur

In ihrem Video „Jaltas Lehrhaus“ würdigte die Israelin Ruchama Weiss eine rebellische jüdische Frau aus dem vierten Jahrhundert. Jalta stellte damals die männliche Auslegung der Thora in Frage und wurde deshalb, und weil sie die Tochter des Anführer der jüdischen Gemeinde in Babylon war, sieben Mal im Talmud erwähnen – mehr als jede andere Frau.

In einer Lichtung im Wald errichtete Ruchama Weiss, Professorin für Talmud an der Hebräischen Universität in Jerusalem, einen Steinaltar, gegen den sie zahlreiche Weinflaschen zerschlug. Micha Brumlik, Mitherausgeber der neuen jüdischen Zeitschrift „Jalta“ über die Namensgeberin:

„Eine rebellische Frau, die sich in der späten Antike in rabbinischer Zeit sich darüber geärgert hat, dass ihr Vater es nicht erlaubt hat, dass sie den Segen über den Wein spricht und daraufhin, so berichtet es der Talmud, ist sie in den Weinkeller ihres Vaters gegangen und hat vor Wut sämtliche Weinkrüger zerschlagen.“

Juden kommen in den deutschen Medien überwiegend in Bezug auf Antisemitismus und die Shoah vor. Um das zu ändern, schlossen sich die sechs jüdischen Blattmacher von „Jalta“ zusammen. Sie wollen diese Berichterstattung selbst bestimmen und tun das sie in ihrer Zeitschrift „Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart“. Hannah Peaceman vom Herausgeber-Kollektiv erklärt:

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„Die Partei“: Bewusste Provokation – Je Suis Brian

Nico Wehnemann (r.) und seine Parteikollegen wollen mit ihrem Stand vor dem Dom ein Zeichen setzen. Foto: Andreas Arnold
Bei einer Mahnwache von „Die Partei“ vor dem Dom wird der Film „Das Leben des Brian“ gezeigt. Kroatische Katholiken sind verärgert.

Von Steven Miksch | Frankfurter Rundschau

Als die Prozession der kroatischen katholischen Gemeinde in den Kaiserdom einzieht, positionieren sich die Mitglieder der Partei „Die Partei“ in ihrem Blickfeld und halten Blätter mit der Aufschrift „Je suis Brian“ (Ich bin Brian) nach oben. Hinter ihnen pfeifen ein paar Schaulustige das bekannte Lied „Always look on the bright side of life“ aus dem Film „Das Leben des Brian“. Es gibt ein paar böse Blicke, manche Kroaten schütteln den Kopf.

„Die Partei“ hatte am Karfreitag zu einer Mahnwache am Dom aufgerufen. An ihrem aufgebauten Stand schenken sie Glühwein aus, verteilen Kekse und zeigen eben jenen Film von Monty Python – eine Satire über die Kreuzigung Jesus. „Ja, wir provozieren“, sagt Nico Wehnemann, Frankfurter Stadtverordneter von „Die Partei“. Er sehe sich dabei in einer Reihe mit Martin Luther, der ja auch provoziert habe. Durchaus passend im Jubiläumsjahr der Reformation, findet Wehnemann.

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Bioarchäologie: Knochen vom Nil helfen bei Malariaforschung

„Während wir bei den Skeletten im Niltal relativ sicher davon ausgehen können, dass es dort Malaria gab“, so Michaela Binder, „wird es bei zentraleuropäischen Stätten wirklich spannend.“ Eine davon ist Podersdorf am Neusiedler See. – Niki Gail/ÖAI/ÖAW
Ein interdisziplinäres Team unter der Führung von Archäologischem Institut und Med-Uni Wien rollt die 3000-jährige Geschichte des Tropenfiebers auf. Was können wir für die Prognose aus der Vergangenheit lernen?

Von Patricia Käfer | Die Presse

Was waren das für Menschen, die vor 3000 Jahren in unserer Weltgegend – Zentraleuropa, Mittelmeerraum, Nordafrika – lebten? Was aßen sie? An welchen Krankheiten und Gebrechen litten sie? Vor allem diese letzte Frage beschäftigt Michaela Binder. Die Niederösterreicherin arbeitet am Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) der Akademie der Wissenschaften und hat sich auf das Forschungsfeld der Bioarchäologie spezialisiert, das erst jüngst ins Interessenzentrum der Disziplin rückte. Das ÖAI gründete dafür im März nun ein neues Department.

„In der Bioarchäologie geht es um die Untersuchung biologischer Reste aus archäologischen Fundstellen, ob die nun von Tieren, Menschen oder Pflanzen stammen“, sagt Binder. Archäologen hätten früher Mediziner oder Veterinäre hinzugezogen; seit Kurzem komme es nun zur intensiven Zusammenarbeit mit Naturwissenschaftlern. Binder und ihre Kollegen am neuen Department nähern sich der Archäologie schon als Zoologen, Botaniker oder – in ihrem Fall – als Anthropologin. „Wir versuchen, gemeinsame Fragen zu stellen, um zu erkunden, wie Menschen, Tiere, Pflanzen in der Vergangenheit zusammenlebten.“

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Künstliche Intelligenz übernimmt Vorurteile

Image: FUTURISM M.A
Rassistische Maschine: Wenn Künstliche Intelligenz anhand von Text-Datensätzen Sprache lernt, übernimmt sie auch die darin enthaltenen Stereotypen. Ein Assoziationstest offenbart: Solche Computerprogramme zeigen dann dieselben rassistischen Vorurteile oder Geschlechter-Klischees wie viele Menschen in unserer Gesellschaft. In Zukunft könnte das zu einem echten Problem werden – nämlich dann, wenn Künstliche Intelligenzen vermehrt Aufgaben in unserem Alltag übernehmen.

scinexx

Computersysteme, die menschliche Intelligenz nachahmen, beherrschen inzwischen erstaunliche Fähigkeiten: Die Maschinengehirne werten selbständig Sprache, Bilder und Texte aus oder schreiben sie sogar. Zudem haben sie gelernt, sich gegenseitig etwas beizubringen und kommen auch mit komplexen Aufgaben mühelos zurecht. Für Aufsehen sorgten jüngst etwa Siege von KI-Programmen gegen menschliche Gegenspieler bei Poker, Go und im Fragespiel Jeopardy.

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Why I Published Cartoons of Muhammad and Don’t Regret It

Image: Church and State
Almost a decade has passed since I commissioned drawings of the Prophet Muhammad to run in Jyllands-Posten. But despite countless op-eds and even a book that laid out my motivation for publishing the drawings, confusion and bizarre conspiracy theories continue to cause controversy about that fateful decision.

By Flemming Rose | Church and State

In 2006, for example, a Syrian television series portrayed me as a Ukrainian Jew with close ties to neoconservative circles in the U.S. My purpose for publishing cartoons of the Prophet Muhammad, according to the show, was to stir up conflict between the Muslim world and the West.

The echo of those cartoons still reverberates in different parts of the world. The recent attacks on cartoonists and artists in France and Denmark are just the two most recent examples.

A few days ago, a Guardian commenter wondered: “I’d like to ask Flemming Rose why he commissioned the infamous cartoons. What news story was he seeking to illustrate, or what political statement was he seeking to make?”

Well, I wasn’t making any political statement. Back in 2005, I was trying to cover a story about self-censorship and fear among writers, artists, museums, publishers, comedians and other people in cultural life in Denmark and Western Europe. A children’s writer had made headlines when he claimed that he had difficulties finding an illustrator for a book about the life of the Prophet Muhammad; the reason, he said, was fear. That was the starting point for a debate about self-censorship in dealing with Islam. Several other examples followed. In one example, a Danish comedian admitted he was afraid of mocking Islam the same way he did with Christianity. In another, two imams called on the Danish government to pass laws criminalizing criticism of Islam.

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Von Kurt Westergaard

Eklat um Kunstaktion in Kärntner Kirche: „Frauen dürfen die Kirche nur putzen“

foto: kalian Sechs mal drei Meter groß war das Plakat, das zu Wirbel in einer Pfarre in Klagenfurt geführt hat. Der Künstler wollte damit Frauen in der Kirche thematisieren.
Ein Kärntner Künstler hatte in der Klagenfurter Stadtpfarre ein großflächiges Bild einer gekreuzigten, blutenden Frau entrollt. Die Polizei ermittelt nun wegen „Herabwürdigung religiöser Lehren „.

Von Walter Müller | derStandard.at

„Ich bin ein gläubiger Mensch und ich habe auch das Recht, die Situation der Frauen aufzuzeigen. Aber dieser Hass, mit dem der Pfarrer mein Transparent mit der gekreuzigten Frau heruntergerissen hat, macht mich schon sehr nachdenklich“, sagt der Künstler Hans Gerhard Kalian. Gegen den Grafiker wird seit Palmsonntag von der Polizei wegen „Herabwürdigung religiöser Lehren“ ermittelt. Für dieses Delikt steht eine Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten.

Kalian hatte – während der Pfarrer im Außenbereich der Stadthauptpfarrkirche St. Egid in Klagenfurt zur Prozession rief – in der Kirche ein sechs Mal drei Meter großes Transparent entrollt, auf dem unter anderem eine gekreuzigte Frau mit blutigen Flecken auf ihrem weißen Kleid zu sehen war. Die Gattin des Künstlers verteilte Flyer mit entsprechendem Infomaterial zur Arbeit ihres Mannes.

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Postfaktisch in Sachen Palästina

Screenshot „Even though my land is burning“. Bild: heise.de/tp
Der israelische Filmemacher Dror Dayan über die Ein-Staaten-Lösung, politischen Widerstand der Israelis und Antisemitismus

Von Emran Feroz | TELEPOLIS

In diesen Tagen hört man kaum etwas zur Lage in Israel und Palästina. Und wenn, dann ist die Berichterstattung – vor allem in Deutschland – mehr als nur einseitig. Dabei gibt es zahlreiche Menschen, die die Mainstream-Narrative des Konflikts regelmäßig herausfordern und zu durchbrechen versuchen. Einer von ihnen ist der israelische Filmemacher Dror Dayan, der seit einigen Jahren in Berlin lebt. Dessen jüngster Film „Even Though My Land is Burning“ macht sehr deutlich, dass Israelis und Palästinenser in der Lage sind, gemeinsam für eine friedliche Zukunft zu kämpfen.

Hatten Sie persönliche Gründe für den Dreh Ihres Films?
Dror Dayan: Ich hatte einige Gründe. Während meines Filmstudiums in Deutschland fiel mir immer wieder auf, dass deutsche Filmstudenten ungern politische Themen in ihren Projekten behandeln. Selbst „deutsche“ Themen blieben meistens unangetastet. Nach einigen Jahren traf ich die Entscheidung, einen Film zu drehen, der tatsächliche Probleme behandelt.
Der Hauptgrund war allerdings die Art und Weise wie der politische Kampf der Palästinenser in Deutschland negiert und diffamiert wird. Antizionismus wird etwa in vielen Kreisen, auch in vielen linken, als etwas Negatives betrachtet. Mit meinem Film wollte ich den Zuschauern deutlich machen, dass man gegen Zionismus sein kann und dass das nichts mit der eigenen Konfession oder Ethnie zu tun hat.

Muslime in Frankreich: In der Rolle der Entrechteten

© AFP Freitagsgebet: Gläubige in der Moschee im französischen Cherbourg-Octeville.
Im Westen nichts Neues: Der französische Philosoph Pascal Bruckner fragt, was an dem Vorwurf dran ist, in Frankreich grassiere Islamophobie. Er erkennt darin den Versuch, Kritik an der Religion zu unterdrücken.

Von Jürg Altwegg | Frankfurter Allgemeine

Dass der Rassismus ein schlimmes Übel ist und es in Frankreich durchaus einen Rassismus gegen die islamische Bevölkerung gibt, weiß Pascal Bruckner zur Genüge. Er ist auch keineswegs bestrebt, ihn zu verniedlichen. Doch sein Augenmerk richtet er auf den „imaginären Rassismus“, den die Islamisten dem Westen und dem laizistischen Frankreich im Besonderen unterstellten. Bruckner zielt damit auf den Vorwurf der „Islamophobie“, mit dem sich in seinen Augen weite Teile der Linken identifizieren und dabei die muslimischen Einwanderer zu den neuen Entrechteten und Unterdrückten des Systems verklären.

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Schweden: Brandenburger Tor wird nicht angestrahlt

Archivbild vom Brandenburger Tor in BerlinFoto: dpa
Das Wahrzeichen im Herzen Berlins bleibt auch nach dem Anschlag in Stockholm dunkel. Es soll andere Formen der Anteilnahme geben.

DER TAGESSPIEGEL

Nach dem Terroranschlag in Stockholm am Freitagnachmittag wird das Brandenburger Tor nicht wie bei anderen Terroranschlägen in den Farben des Landes angestrahlt. „Mitgefühl, Trauer und Bestürzung stehen für uns jetzt im Vordergrund“, sagte Senatssprecherin Claudia Sünder dem Tagesspiegel.

Die Senatskanzlei stehe in Kontakt mit der schwedischen Botschaft, um diese Gefühle auszudrücken und nach geeigneten Formaten für die Anteilnahme zu suchen. Da auch Stockholm keine Partnerstadt Berlins sei, werde das Tor aber nicht angestrahlt.

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Harry Potter und Religion – Bei Merlins Bart

© Bild: picture-alliance/KPA
20 Jahre Harry Potter: Zum Jubiläum setzte sich eine Studentenkonferenz an der Uni Bonn mit den Büchern um den Zauberlehrling auseinander. Dabei ging es auch um Religion – mit erstaunlichen Erkenntnissen.

Von Agathe Lukassek | katholisch.de

Es ist unbestreitbar, dass Joanne K. Rowlings Fantasy-Buchreihe Harry Potter die Welt verändert hat – vor allem den jüngeren Teil der Welt. Das zeigte sich am Dienstag und Mittwoch an der Universität Bonn: Trotz vorlesungsfreier Zeit und Vorträgen auf Englisch war der Festsaal der Uni von morgens bis am späten Nachmittag gefüllt. Auf den Stühlen und auf dem Boden saßen die Studierenden und Fans der Zauberwelt, die zur Studentenkonferenz „Happy Birthday, Harry“ anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des ersten Bands in die Bundesstadt gekommen waren. Teilweise trugen sie Umhänge, Pullover oder T-Shirts aus dem Fan-Shop – in den Farben der einzelnen Häuser der Zaubereischule Hogwarts.

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