„Stadt ohne Juden“ wird dank Crowdfunding restauriert

''Stadt ohne Juden'' im Filmarchiv in Wien / Bild: (c) APA/AFP (JOE KLAMAR)
‚Stadt ohne Juden“ im Filmarchiv in Wien / Bild: (c) APA/AFP (JOE KLAMAR)
Der Stummfilm von 1924 auf fragilem Nitrofilm ist eine „Vorahnung der Vertreibung der Juden“. Vergangenes Jahr wurden verloren geglaubte Szenen entdeckt.

Die Presse.com

Das Filmarchiv Austria hat wenige Tage vor Ende seiner Crowdfunding-Kampagne zur Restaurierung von „Die Stadt ohne Juden“ die Zielsumme von 75.500 Euro erreicht. Bis Mittwochnachmittag sind knapp 76.400 Euro von 635 Unterstützern für die Basissicherung des österreichischen Stummfilms von Hans Karl Breslauer aus dem Jahr 1924 eingegangen. Die Initiative läuft noch bis Samstagabend.

Im Oktober 2015 waren verloren geglaubte Szenen des Schlüsselwerks auf einem Pariser Flohmarkt gefunden worden. Gedreht wurde er nach einer Romanvorlage des jüdischen Schriftstellers Hugo Bettauer.

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Raubkunst-Debatte: Provenienzforscher wehren sich

© dpa Orte der Raubkunst-Debatte: Die Münchner Pinakotheken, hier das Gebäude der Neuen Pinakothek.
© dpa Orte der Raubkunst-Debatte: Die Münchner Pinakotheken, hier das Gebäude der Neuen Pinakothek.
Die Lust am Skandal treibt die Berichterstattung zur Raubkunst-Debatte voran, wie das Beispiel München zeigt. Jetzt wehren sich die Forscher gegen eine Aufmerksamkeit, der alle Differenzierung verdächtig ist.

Von Patrick Bahners | Frankfurter Allgemeine

Anfang Oktober erstattete der bayerische Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) dem Landtag Bericht über die Bemühungen der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen um Identifikation und Restitution nationalsozialistischer Raubkunst. Im Zentrum standen die „Überweisungen aus Staatsbesitz“, Gegenstände aus der Konkursmasse der Staatspartei, aus der NSDAP-Zentrale einerseits, aus Sammlungen hoher Funktionäre andererseits. Gemäß alliierter Verfügung gingen sie damals ins Eigentum des Freistaats über, der sie auf seine Museen verteilte. Was die Museen nicht haben wollten, wurde verkauft.

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Flechtheim-Erben verklagen den Freistaat Bayern in den USA

 Michael Hulton, Großneffe des Kunsthändlers Alfred Flechtheim, vor einem Foto seines Großonkels. (Foto: dpa)
Michael Hulton, Großneffe des Kunsthändlers Alfred Flechtheim, vor einem Foto seines Großonkels. (Foto: dpa)
Die Erben des jüdischen Kunsthändlers erheben Anspruch auf acht wertvolle Gemälde, die zum Bestand der Bayerischen Gemäldesammlungen gehören. Neue US-Gesetze könnten ihnen helfen.
 

Von Catrin Lorch | Süddeutsche.de

Die Erben des Kunsthändlers Alfred Flechtheim haben den Freistaat Bayern und die Bayerischen Gemäldesammlungen vor einem amerikanischen Gericht verklagt. Sie erheben Anspruch auf acht wertvolle Gemälde, die zum Bestand der Sammlungen gehören und werfen dem bayerischen Kultusminister Ludwig Spaenle vor, sich einer gütlichen Einigung zu verweigern.

Die Klage wurde beim Bundesbezirksgericht für New York Süd eingereicht. Der deutsche Anwalt der Familie, Markus H. Stötzel, sagte der SZ, dass sich in der Vergangenheit Gerichte in den USA nur in Ausnahmefällen für zuständig erklärten. Allerdings ändere sich in den USA gerade die Gesetzeslage. So werde wohl in dieser Woche von Republikanern und Demokraten ein Gesetz verabschiedet, das die Zuständigkeit in Raubkunst-Fällen weiter fasst.

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Russische Lieder in den Bahnhöfen von Kiew und Odessa

In Kiew wurden ein Kinderlied provokativ auf Russisch gesungen. Bild: Screenshot aus dem YouTube-Video
In Kiew wurden ein Kinderlied provokativ auf Russisch gesungen. Bild: Screenshot aus dem YouTube-Video
Fast täglich finden in der Ukraine Lieder-Flash-Mobs in russischer Sprache statt. Ultranationalistische Schlägerbanden sind machtlos gegen diese Graswurzel-Aktionen

Von Ulrich Heyden | TELEPOLIS

In einigen der großen Hallen der zur Sowjetzeit gebauten Bahnhöfe in der Ukraine hörte man in den letzten zehn Tagen russische und sowjetische Lieder. In Kiew sangen Aktivisten mit Passanten das Kinderlied „Immer lebe die Sonne!“ und in Charkow und Odessa die Liebeslieder „Alter Ahorn“ und „Smugljanka“ („Dunkelhäutiges Mädchen“).

Mit den Flash-Mobs wollen die Teilnehmer ein Zeichen setzen für den Frieden zwischen Russen und Ukrainern, ein Zeichen gegen Krieg und Zwangs-Ukrainisierung. Gegen den Graswurzel-Gesang sind ukrainische Polizei und nationalistische Schlägerbanden, die gerne mal Russland-freundliche Aktionen aufmischen, machtlos.

In Russland wurde die Idee aus der Ukraine aufgegriffen. Im „Kiewer Bahnhof“ von Moskau sangen Russen das Kosaken-Lied „Burschen, spannt die Pferde ab“ und in der westrussischen Stadt Lipezk sangen Aktivisten zur Ziehharmonika das bekannteste ukrainische Liebes-Lied „Tscherwona Ruta“ („Rote Weinraute“).

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The United States Is Not an Apocalyptic Wasteland, Explains Steven Pinker

Steven Pinker 2011, Image: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/Rebecca Goldstein
Steven Pinker 2011, Image: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/Rebecca Goldstein

Donald Trump’s rise to power was driven in part by an apocalyptic narrative according to which, in a phrase, you are in grave danger. This is consistent with many people’s intuitions about the world, given the ongoing threat of global terrorism, the US’s slow recovery from the Great Recession, and a sense that the Washington establishment is corrupt and doesn’t care about the average citizen’s needs.

By Phil Torres | MOTHERBOARD

Is Trump’s apocalypticism right? Are we living in an exceptionally dangerous period of human history? Are these the desperate times that call for desperate measures?

According to the Harvard cognitive scientist Steven Pinker, the answer is a resounding No. In his 2011 book The Better Angels of Our Nature, Pinker presents a mountain of evidence showing that violence has been declining for millennia—a trend that has continued through the twentieth century and up to the present. For example, since World War II there have been no major wars between the world’s great powers, a phenomenon dubbed the “Long Peace,” and Pinker argues that the end of the Cold War inaugurated a “New Peace” that’s marked by a worldwide decline of “organized conflicts of all kinds—civil wars, genocides, repression by autocratic governments, and terrorist attacks.”

But will this trend continue in a post-Trump, post-truth world? Pinker is clear in Better Angles that it might not—for instance, there could be accessible “weapons of total destruction” (WTDs) that precipitate a global catastrophe, or authoritarian demagogues that misuse and abuse their political power. To understand what Trump’s victory means for America and, even more, what it means for the future of civilization, I contacted Pinker via email.

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Die Wahrheit jagt den Weihnachtsmann

Freigiebiger Bischof. Die Legende vom Nikolaus basiert auf einer historischen Begebenheit.Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa
Freigiebiger Bischof. Die Legende vom Nikolaus basiert auf einer historischen Begebenheit.Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa
Kinder haben ein Recht auf den Mann mit dem roten Mantel – egal ob Weihnachtsmann oder Nikolaus. Ein Kommentar.

Von Adelheid Müller-Lissner | DER TAGESSPIEGEL

Wenn ausgerechnet in einer Familiensendung zur Adventszeit der Weihnachtsmann madiggemacht wird, dann ist der Ärger groß. Solches geschah am ersten Advent beim beliebten „Märchenrätsel“ des RBB. Die Moderatorin fragte Kinder im Studio, ob sie in den Schränken nach von ihren Eltern versteckten Weihnachtsgeschenken suchen würden, enttarnte damit den Weihnachtsmann als Schwindel – und erntete prompt heftige Proteste erzürnter Erziehungsberechtigter.

Mit ihrem Hang zu Entzauberung und Ehrlichkeit steht die RBB-Moderatorin nicht allein. In der britischen Medizinerzeitschrift „Lancet Psychiatry“ erörtern die Psychologen Christopher Boyle und Kathy McKay die Frage, ob Eltern ihre Kinder anlügen dürfen. Aufgehängt ist das Ganze an der Geschichte vom Weihnachtsmann. Denn werden nicht ausgerechnet kurz vor dem Fest der Liebe die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft systematisch mit zweifelhaften Informationen gefüttert? Boyle und McKay sorgen sich um das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kindern. „Alle Kinder werden herausfinden, dass sie jahrelang systematisch angelogen wurden, und das könnte sie auf die Frage bringen, welche anderen Lügen ihnen aufgetischt wurden“, schreiben sie.

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Carola Neher: Tödliches Exil

Porträt mit Gepard. Die Schauspielerin Carola Neher 1927 im Berliner Zoo.Foto: ullstein bild
Porträt mit Gepard. Die Schauspielerin Carola Neher 1927 im Berliner Zoo.Foto: ullstein bild
Sie brillierte als Schauspielerin in Brechts Ensemble, doch ihre Flucht in die Sowjetunion wurde für Carola Neher zum verhängnisvoller Fehler. Eine Ausstellung im Literaturhaus zeigt ihre Geschichte.
 

Von Hannes Schwenger | DER TAGESSPIEGEL

In seinen Erinnerungen „Das Augenspiel“ berichtet Elias Canetti vom dramatischen Abschied der Schauspielerin Carola Neher aus Berlin 1933 und der Trennung von ihrem damaligen Freund, dem Dirigenten und Komponisten Hermann Scherchen. Sie hatte sich in den rumänischstämmigen Studenten Anatol Becker verliebt und war entschlossen, ihm ins Exil in die Sowjetunion zu folgen. Scherchen habe sie beschworen zu bleiben, „sie renne in den sicheren Tod“.

So war es, auch wenn sich das nicht als Vorahnung, sondern als Ausbruch übersteigerter Eifersucht erwies. Scherchen war schließlich selbst, wie der mit beiden befreundete Brecht, kommunistischer Sympathisant und Freund der Sowjetunion. Noch 1951 leitete er in Ostberlin die Uraufführung von Brecht/Dessaus „Verhör des Lukullus“. Brecht hatte 1929 Carola Neher auf ihren Wunsch die Rolle der Polly in seiner Dreigroschenoper anvertraut; es wurde ihre Glanzrolle auf der Bühne und im Film. Und noch in einem nach seiner Verhaftung 1937 verfassten Widmungsgedicht nennt er ihre Rollenauffassung „vorbildlich“ und klagt: „Ich kann nichts für dich tun“. Seine Briefe in die Sowjetunion seien unbeantwortet geblieben. Brecht und Scherchen wählten in Hitlers Jahren das Exil im Westen und entgingen so dem Schicksal Nehers, die mit ihrem Ehemann Anatol Becker in – so der Titel von Reinhard Müllers Standardwerk über Stalins Großen Terror – der „Menschenfalle Moskau“ saß. Sie starb 1942 im Lager Sol-Iletzk an Typhus.

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Katholische Kirche warnt davor, die „stillen Tage“ auszuhöhlen

 Besonders geschützt ist in Bayern der Karfreitag. (Foto: Stephan Rumpf)
Besonders geschützt ist in Bayern der Karfreitag. (Foto: Stephan Rumpf)
Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Tanzverbot an „stillen Tagen“ hoffen Münchner Club-Betreiber auf Erleichterungen.
Die katholische Kirche mahnt dagegen zu Zurückhaltung.

Von Jakob Wetzel, Veronika Wulf | Süddeutsche.de

Steht das strikte Tanzverbot an den „stillen Tagen“ nun vor dem Ende? Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts hoffen Münchner Club-Betreiber zumindest auf spürbare Erleichterungen. Die Richter hatten entschieden, dass Ausnahmen nicht pauschal per Gesetz ausgeschlossen werden dürfen.

Das Gericht habe damit klar Position bezogen, sagt Alexander Wolfrum, der Vorsitzende des Verbands der Münchner Kulturveranstalter. „Wir rechnen damit, dass Veranstalter jetzt Ausnahmeanträge für viele Tage stellen werden.“ Und die Verwaltung müsse sich künftig an den Spruch des Gerichts halten. Die katholische Kirche dagegen mahnt zu Zurückhaltung.

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Niederlande: Regierung will „Zwarten Piet“ behalten

Bild: Die Presse.com
Bild: Die Presse.com
Kritiker sehen im schwarzen Helfer von Sinterklaas, dem holländischen Nikolo, eine rassistische Grundhaltung.

Die Presse.com

Wenige Tage noch, dann feiern die Niederländer ihr Lieblingsfest. Das Sinterklaasfest am 5. Dezember steht in den Beliebtheitsumfragen regelmäßig ganz oben auf der Liste, noch vor Weihnachten. Doch eine Kontroverse um politische Korrektheit hat den Holländern in den vergangenen Jahren die Freude daran etwas verdorben. Nun hat sich erstmals die Regierung eingeschaltet.

Der Grund: Sinterklaas, vergleichbar mit den Nikolo hierzulande, hat einen (oder inzwischen auch oft mehrere) Mohren als Helfer. Der „Zwarte Piet“ (deutsch: Schwarzer Peter) ist schwarz, er hat krause Haare, große Lippen und trägt festliche, bunte Kleidung – Kritiker sehen darin ein Zeugnis von Rassismus.

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Charlie Hebdo: Obszönität ist politisch

Bild: AFP. Shit or get off the pot. :D
Bild: AFP.
Heute probieren die Satiriker von „Charlie Hebdo“ das Heft erstmals auf Deutsch aus. Doch ist diese sehr gallische Auffassung von Humor exportierbar?

Von Stefan Brändle | Frankfurter Rundschau

Kann man, ja muss man sich Angela Merkel bald in zweideutiger Stellung mit Recep Tayyip Erdogan vorstellen? „Warum nicht?“, sagt Gérard Biard, der Chefredakteur von „Charlie Hebdo“. Dem Blattcredo treu verpflichtet, will er „nichts ausschließen“, wenn er am heutigen Donnerstag eine deutschsprachige Ausgabe lanciert. Die Startauflage beträgt 200 000 Exemplare. Im Wesentlichen handelt es sich um eine Übersetzung der französischen Stammausgabe, die durch die Mohammed-Karikaturen und den Terroranschlag von 2015 in die internationalen Schlagzeilen geraten war. Die Karikatur auf der Titelseite werde für die deutsche Ausgabe allerdings speziell hergestellt, sagt Biard. Zwei weitere Seiten werde man ändern, weil zu stark auf die französische Innenpolitik bezogen. „Einige Zeichnungen“ im Blattinnern werden aus dem gleichen Grund ersetzt.

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„Abscheu vor dem Islam“

„Wir erleben einen weltweiten Siegeszug der Ignoranz“, sagt US-Dramatiker Ayad Akhtar.© Robert Newald

US-Star-Autor Ayad Akhtar über sein Erfolgsstück „Geächtet“ und warum Muslime in Europa unter Druck geraten.

Von Petra Paterno | Wiener Zeitung

„Geächtet“ ist derzeit so etwas wie das Stück der Stunde: Mit beachtlicher Komplexität werden darin während einer eskalierenden Dinner-Party der Islam und der Blick des Westens auf den Islam kritisiert. Die Dialoge sind geschult an Yasmina Reza und Edward Albee: boulevardesk, aber pointiert.

Seit seiner Uraufführung 2012 in Chicago erlebte das mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Stück einen beispiellosen Siegeszug: In den USA zählt es zu den meistgespielten Werken, auf zahlreichen deutschsprachigen Bühnen war es bereits zu sehen. Am Samstag, den 26.November, kommt „Geächtet“ nun am Wiener Burgtheater heraus. Während der Endproben sprach die „Wiener Zeitung“ mit dem US-pakistanischen Broadway-Star Ayad Akhtar, 46.

Wiener Zeitung„:In Ihrem Stück „Geächtet“ prallen gängige Vorurteile in einem vermeintlich weltoffenen Milieu aufeinander. Warum amüsieren wir uns über eigentlich überkommene Klischees?

Ayad Akhtar: Das weiß ich auch nicht. Tatsache ist, dass das Publikum in die Handlung eintaucht und am Ende häufig irritiert ist. Das Stück löst die Widersprüche nämlich nicht auf, vielmehr zeigt es Dynamiken, wie ethnische Minderheiten im Westen wahrgenommen werden. Manche Zuschauer sehen danach ihre Vorurteile bestätigt, andere nehmen es zum Anlass, ihre Vorurteile zu überdenken.

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„Charlie Hebdo“ auf Deutsch: Politisch Korrekte, bitte Abstand halt

Bild: AFP. Shit or get off the pot. :D
Bild: AFP.
Am Donnerstag erscheint die erste deutsche Ausgabe der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“. Die Werbung zeigt Angela Merkel auf dem Klo. Wer auf politische Korrektheit setzt, sollte nicht weiterlesen.

Von Martina Meister | DIE WELT

Angela Merkel muss sich jetzt warm anziehen. „Es tut Politikern immer ganz gut, sich an neuen Dingen zu reiben und zu lernen, was politische Satire ist“, sagt Gérard Biard, Chefredakteur der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“. Demnächst wird die deutsche Kanzlerin unvollständig bekleidet auf dem Klo zu sehen sein, erwischt bei der Lektüre von „Charlie Hebdo“.

„Wirkt befreiend“ steht auf dem Plakat mit Angela Merkel auf der Toilette, das ab Donnerstag an deutschen Kiosken hängen wird. Es ist Werbung in eigener Sache.

Am 1. Dezember wird das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ zum ersten Mal seine deutschsprachige Ausgabe herausbringen. Mit 200.000 Exemplaren wollen sie an den Start gehen. Allerdings wird sich das Blatt anfangs von dem französischen Original nicht groß unterscheiden. Die meisten Artikel werden schlicht ins Deutsche übersetzt.

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I Had to Take My Dirty Panties to a Rabbi, and So Has Every Orthodox Jewish Woman

Bild: RDF
Image: RDF

Religion brainwashed me into doing irrational and emotionally self-damaging things that I would have easily recognized as primitive and harmful were it not for my indoctrination. Of all the practices I look back on with horror, this was the worst. By removing the veil of secrecy that keeps these practices from public knowledge, my hope is that women suffering within these communities will feel empowered to leave.

By Katia Aryeh | RDF

There are three key tenets of Orthodox Judaism, each associated with an array of laws that must be strictly adhered to. Of the three, people are generally familiar with two: the special dietary laws referred to as Kosher; and the rabbinical laws of the Sabbath, or Shabbat, that govern the do’s and don’ts during the day of rest between sundown Friday and sundown Saturday.

The third pillar of Orthodox Judaism, family purity or niddah, is one very few people outside of that insular world are aware of.  However, if broken, the laws accompanying it carry a far greater penalty in the next world than those related to the Sabbath or keeping Kosher. The laws of family purity apply to all spectrums of orthodoxy, including the modern ones that allow women to wear trousers and uncover their hair, like the sect Ivanka Trump belongs to, for example. Even the slightest deviation from these laws would compromise a couple’s standing as practicing Orthodox Jews in the eyes of a rabbinical court.

What are these laws, you ask?

The laws of family purity revolve around the color of a woman’s vaginal discharge.

You see, beginning on the days when she anticipates her period, a husband and wife are forbidden from having any sexual relations until seven days following the end of her period. Considering orthodox law states that a period’s duration is a minimum of five days, this typically spans about two weeks or longer, depending on whether her post-menstrual discharge cooperates. In short, this means that for about half of every month, all aspects of an orthodox woman’s life, relationship, sexuality, and emotional health, are dictated by her vaginal discharge.

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Michael Schmidt-Salom: Rechtspopulisten und Islamisten tolerieren, solange keine Gesetze verletzt werden

 Gegendemonstranten blockieren im April Delegierten der AfD den Zugang zu deren Bundesparteitag in Stuttgart. (Foto: Getty Images)
Gegendemonstranten blockieren im April Delegierten der AfD den Zugang zu deren Bundesparteitag in Stuttgart. (Foto: Getty Images)
Wo sind die Grenzen der Toleranz? Der Philosoph Schmidt-Salomon sagt, man solle Demagogen recht geben, wo sie recht haben – und zugleich ihre Lächerlichkeit aufzeigen.

Interview von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Die AfD ist in Deutschland sehr stark geworden, in den USA wird Donald Trump Präsident, in Frankreich könnte Marine le Pen die Regierung übernehmen. Was ist der richtige Umgang mit Rechtspopulisten, wo liegen die Grenzen der Toleranz, und wann wird Kritik zur Beleidigung? Fragen an den Philosophen und Publizisten Michael Schmidt-Salomon.

SZ: Manche Journalisten halten die Wahlerfolge von Trump oder der AfD für die Quittung dafür, dass Politik und Medien den Kontakt zu den „Unvernünftigen“, „Vergessenen“, „Abgehängten“ verloren haben und sie nur noch verachten und beschimpfen. Ist da was dran?

Michael Schmidt-Salomon: Der Erfolg der Rechtspopulisten ist, wie ich meine, auf zwei zentrale Faktoren zurückzuführen. Erstens auf eine zunehmende soziale Ungleichheit. Es ist ja leider so: Wenn Menschen ihren sozialen Status nicht verbessern können, wenn sie sich selbst als Individuen nicht mehr wahrgenommen fühlen, dann neigen sie dazu, sich über die Mitgliedschaft zu einer Gruppe zu definieren, was chauvinistische Abgrenzungen gegenüber „den anderen“ verstärkt.

Zweitens fehlt es tatsächlich an einer rationalen Streitkultur. Eine vernünftige gesellschaftliche Debatte hätte diesem Lagerdenken entgegenwirken können, aber dazu ist es in den letzten Monaten nicht gekommen.

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Rassismus: Europas ambivalenter Humanismus

 Schriftzug " Multikulti nein Danke" (picture alliance / dpa / Stefan Sauer)
Schriftzug “ Multikulti nein Danke“ (picture alliance / dpa / Stefan Sauer)
Die Idee des Humanismus ist mit der europäischen Tradition verbunden. Aber Letztere beinhaltet auch Kolonialzeit, Rassismus und ausbeuterischen Kapitalismus. Der europäische Rassismus habe deshalb eine besondere Dimension, betont die Historikerin und Drehbuchautorin Fatima El-Tayeb in ihrem neuen Buch „Undeutsch. Die Konstruktion des Anderen in der postmigrantischen Gesellschaft“.

Von Norbert Seitz | Deutschlandfunk

Von den Rettungsschirmen über den Brexit bis zur Flüchtlingsbewegung – Europa stolpert von einer Krise in die andere. Doch die Ursachen für die derzeitige Instabilität des Kontinents liegen tiefer als nur in Finanzierungslücken oder nationalen Egoismen, sagt Fatima El-Tayeb, die schwarze deutsche Historikerin und Drehbuchautorin. Sie beklagt eine folgenreich missratene Geschichtsaufarbeitung nach dem Epochenbruch von 1989.

„Um den veränderten Konstellationen Rechnung zu tragen, war nicht nur eine Neuformulierung deutscher und europäischer Zukunftsvisionen nötig, auch die Erinnerung musste neu gestaltet werden. Im Übergang zur gegenwärtigen Weltordnung wurde die Chance zu einer realen Neuordnung der Welt auf allen Ebenen verpasst.“

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Satire: Die Deutschen haben Charlie Hebdo verdient

„Charlie Hebdo“ erscheint bald in deutscher Übersetzung. Foto: AFP
Vom ersten Dezember an soll den deutschen Lesern in Übersetzung Charlie Hebdo zugemutet werden. Es ist ein fürchterliches Blatt. Willkommen, Charlie Hebdo. Ein Kommentar.

Von Christian Bommarius | Frankfurter Rundschau

Die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo ist ein fürchterliches Blatt. Der Humor seiner Zeichner und Texter ist subtil wie eine Dampframme, seine Unverschämtheit vor allem im Umgang mit den Religionen legendär. Gäbe es Preise für Vulgarität und Undifferenziertheit, Charlie Hebdo hätte sie längst gewonnen. Das Blatt ist eine Zumutung. Vom ersten Dezember an soll es nun den deutschen Lesern in deutscher Übersetzung zugemutet werden. Was soll man dazu sagen? Ganz einfach: Herzlich willkommen, Charlie Hebdo.

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Ägypten: Kopftuch verboten

Bekleidungsladen für muslimische Frauen: In Ägypten werden viele Frauen mit Kopftuch diskriminiert. Foto: imago/Westend61
Bekleidungsladen für muslimische Frauen: In Ägypten werden viele Frauen mit Kopftuch diskriminiert. Foto: imago/Westend61
Wer in Kairo in bestimmten Restaurants essen oder in Clubs feiern will, sollte kein Kopftuch tragen. Das Kopftuch entwickelt sich in Teilen der muslimisch geprägten Gesellschaft zur Bürde.

Frankfurter Rundschau

Als Nermine Hassan Sajed vor einigen Tagen mit einer Freundin in Kairos teurem Stadtteil Samelek essen gehen wollte, wurde sie abgewiesen. „Der Mann an der Tür sagte, das Restaurant sei voll“, erzählt die Lehrerin. Es war offensichtlich, dass das nicht stimmte. Der Grund war ein anderer. Einer, der selbst im konservativen Ägypten in einigen sozialen Schichten ein zunehmendes Problem für Muslima wird: Sayed trägt ein Kopftuch.

Es sei ihr natürlich unangenehm gewesen, sagt die 29-Jährige. Aber so richtig verstehen kann sie nicht, warum ihr – einer Muslimin in einem islamisch geprägten Land – der Eintritt verboten ist. Das Restaurant ist beliebt in der Film- und Werbeszene. Auch viele Ausländer treffen sich hier zum Pasta essen und Bier trinken. „Vielleicht befürchten sie, ich würde in der Mitte des Restaurants anfangen zu beten“, sagt Sajed und lacht.

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Die Erfindung des Terrorismus

Bild: heise.de/tp
Bild: heise.de/tp
In ihrem Buch Die Erfindung des Terrorismus in Europa, Russland und den USA 1858-1866 schildert die Historikerin Carola Dietze wie sich dieses Phänomen im 19. Jahrhundert binnen weniger Jahre etablierte. Aus welchen Gründen kam es dazu? Telepolis fragte dazu die Autorin.

Von Reinhard Jellen | TELEPOLIS

Frau Dietze, inwiefern handelt es sich beim Terrorismus um eine Erfindung?
Carola Dietze: Es gibt nicht nur technische, sondern auch kulturelle, soziale und psychologische Erfindungen. Dieser Gedanke findet sich vor allem bei Soziologen, deren Konzepte auf der philosophischen Anthropologie aufbauen, oder auch bei dem amerikanischen Soziologen Talcott Parsons. Die Überlegung geht dahin, dass nicht nur technische Erfindungen das Leben der Menschheit und ihre Geschichte verändert haben, sondern auch kulturelle Erfindungen wie etwa Mythos, Kunst und Religion, soziale Erfindungen wie etwa Eigentum und Erbschaft oder psychologische Erfindungen wie die Askese, der Rausch und die Traumdeutung. All diese Konzepte oder Praktiken hat es nicht von Anbeginn der Geschichte an gegeben, sondern sie sind irgendwann einmal erfunden worden.
Wie passt hier der Terrorismus in das Konzept?
Carola Dietze: Der Terrorismus ist eine soziale Erfindung, das heißt, es gab Personen, die als erste erkannt und begriffen haben, wie man die Wirkung von spektakulären Gewalttaten mit Hilfe der Massenmedien verstärken kann, um einen psychologischen Effekt bei einem Publikum zu erreichen, der dann wiederum politische Folgen zeitigen soll.

 

Man kann deutsches Judentum nicht verhipstern

Synagoge in Berlin. Themenbild Bild: bb
Synagoge in Berlin. Themenbild Bild: bb
Junge Juden wollen sich nicht mehr nur über den Holocaust definieren. Das sei „trostlos“. Dabei geht doch beides: An Schoah und Antisemitismus erinnern – und selbstbewusster, lebensfroher Bürger sein.

Von Filipp Piatov | DIE WELT

Wer in Deutschland über Juden schreibt, der sollte zu provozieren wissen. Schließlich möchte man nichts sagen, was nicht schon hundertfach gesagt wurde. Mit diesem Ziel möchte sich nun auch die junge Generation deutscher Juden Gehör verschaffen. In der „Zeit“ beschloss eine junge Autorin, dass es mit dem Holocaust „auch mal gut sein“ sollte.

Zur vorbeugenden Klärung: Natürlich forderte sie kein Vergessen des Holocausts und seiner Opfer. Vielmehr wünscht sie sich den Blick auf ein anderes deutsches Judentum und eine andere jüdische Kultur – also ein Rundumschlag an alle Beteiligten, die Deutschen, die Juden, die Medien und die Politik. Aber der Reihe nach.

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Für eine demokratische Polarisierung

 Jürgen Habermas bei einer Diskussion in der Hochschule für Philosophie München. Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA-3.0/Wolfram Huke
Jürgen Habermas bei einer Diskussion in der Hochschule für Philosophie München. Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA-3.0/Wolfram Huke
Wie man dem Rechtspopulismus den Boden entzieht

Von Jürgen Habermas | Blätter.de

Blätter-Redaktion: Nach 1989 war vom „Ende der Geschichte“ in Demokratie und Marktwirtschaft die Rede, heute erleben wir das Aufziehen eines neuen Phänomens autoritär-populistischer Führerschaft, von Putin über Erdogan bis zu Donald Trump. Offensichtlich gelingt es einer neuen „autoritären Internationale“ mehr und mehr, die Diskurse zu bestimmen. Hatte Ihr Jahrgangsgenosse Ralf Dahrendorf also Recht, als er ein autoritäres 21. Jahrhundert vorhersah? Kann man, ja muss man bereits von einer Zeitenwende sprechen?

Jürgen Habermas: Als Fukuyama nach der Wende von 1989/90 den ursprünglich auf einen grimmigen Konservativismus gemünzten Slogan vom „Posthistoire“ aufgriff, drückte sich in seiner Umdeutung der kurzsichtige Triumphalismus westlicher Eliten aus, die dem liberalen Glauben an eine prästabilisierte Harmonie von Marktwirtschaft und Demokratie anhingen. Diese beiden Elemente prägen die Dynamik der gesellschaftlichen Modernisierung, verbinden sich aber mit funktionalen Imperativen, die immer wieder in Konflikt geraten. Der Ausgleich zwischen kapitalistischem Wachstum und einer auch nur halbwegs als sozial gerecht akzeptierten Teilhabe der Bevölkerung am durchschnittlichen Wachstum hoch produktiver Wirtschaften konnte nur durch einen demokratischen Staat herbeigeführt werden, der diesen Namen verdient. Eine solche Balance, die erst den Namen „kapitalistische Demokratie“ rechtfertigt, war aber, historisch gesehen, eher die Ausnahme als die Regel. Schon deshalb war die Idee einer globalen Verstetigung des „amerikanischen Traums“ eine Illusion.

Die neue Unordnung der Welt, die Hilflosigkeit der USA und Europas angesichts der zunehmenden internationalen Konflikte ist beunruhigend, und die humanitären Katastrophen in Syrien oder im Südsudan zerren ebenso an unseren Nerven wie die islamistischen Terrorakte. Dennoch kann ich in der Konstellation, auf die Sie hinweisen, keine einheitliche Tendenz zu einem neuen Autoritarismus erkennen, sondern eher verschiedene strukturelle Ursachen und viele Zufälle. Das Verbindende ist die Klaviatur des Nationalismus, den aber haben wir mittlerweile auch im eigenen Haus. Russland und die Türkei waren auch schon vor Putin und Erdogan keine „lupenreinen Demokratien“. Mit einer etwas klügeren Politik des Westens hätten die Weichen im Verhältnis zu beiden Ländern vielleicht anders gestellt, hätten vielleicht auch liberale Kräfte in diesen Bevölkerungen gestärkt werden können.

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