Elfriede Jelinek: „Religiöser Fanatismus zieht Sadisten an“

REUTERS
Fundamentalismus würde einen Raum schaffen, in dem Sadisten ihren Trieben freien Lauf lassen können, sagt die Literaturnobelpreisträgerin. Terrorismus könne nur mit Freiheit bekämpft werden.

Die Presse.com

Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, deren Stück „Wut“ am kommenden Dienstag im Rahmen des Theaterfestivals der Biennale von Venedig gezeigt wird, ist der Ansicht, dass religiöser Fanatismus Sadisten anlockt. „Fundamentalisten sind engstirnig, verdorrt und bösartig, wie es Sadisten sind“, so Jelinek im Interview mit der römischen Tageszeitung „La Repubblica“ am Donnerstag.

„Es ist wahrscheinlich, dass religiöser Fundamentalismus Sadisten anzieht, indem er ihnen einen Raum gibt, in dem sie ihren Trieben freien Lauf lassen können“, so Jelinek. Wut gegen den islamischen Terrorismus sei sinnlos, Terrorismus könne nur mit Freiheit bekämpft werden. „Wir können all das tun was wir wollen, solange wir nicht die Freiheit der anderen beschränken. Islamische Fundamentalisten dürfen nur das tun, von dem sie glauben, Gott verlange es von ihnen“, sagte die Schriftstellerin.

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Start Rolling Your Blunts: NASA Is Uploading Decades of Archival Footage to YouTube

Watch a hypersonic plane go 7,000 miles per hour and more in over 500 videos of experimental aircraft pushing the limits.

By Samantha Cole | MOTHERBOARD

Videos unearthed from another time in flight engineering are endlessly fascinating. Until now, footage from NASA’s Armstrong Flight Research Center in Edwards, California, has been tucked away in a forgotten corner of the internet.

AFRC is in the process of uploading it legacy video database to YouTube. So far, they’ve posted around 300 of the approximately 500 videos that were deemed good candidates for migration.

Spanning decades, the footage is no-fluff documentation of some of the most important flight tests and aircraft developments in NASA and Air Force history, including video of the X1 (the first aircraft to reach supersonic flight seen), the X-43A (seen in the video above in going 5,000 and 7,000 mph), testing of the Lunar Landing Research Vehicle, and Space Shuttle landing research. It’s also just really fun to browse through.

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Tyrannosaurus Rex Would Break Its Own Legs if It Chased Jeff Goldblum IRL

Image: MaxPixel/CC0
Two independent studies show that the king of the dinosaurs was much slower than we thought.

BY Becky Ferreira | MOTHERBOARD

„We clocked the T. rex at 32 miles an hour,“ John Hammond, played by Richard Attenborough, casually informs his guests in Jurassic Park. Later, when the T. rex inevitably breaks out of her paddock, this speed limit is put to the test as the intimidating predator bears down on a Jeep in one of the most iconic chase scenes in film history.

This popular image of light-footed tyrannosaurs running after targets—which was recently rehashed in Jurassic World—has defined our view of how this extinct carnivore looked and lived.

But according to two unrelated studies published this week, in the journalsNature Ecology & Evolution and PeerJT. rex could not have come close to running 32 miles per hour. In contrast to its sporty depiction in movies, this animal appears to have been a bonafide slowpoke, sidling along at estimated top speeds of 12 to 17 miles per hour (20 to 29 kilometers per hour). By contrast, Usain Bolt can run nearly 28 miles per hour, cheetahs can top 60 miles per hour, and 1992 Jeep Wranglers, like those used in Jurassic Park, can accelerate to over 90 miles per hour.

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„Spielt nicht beim Juden“

Roger Waters, Mitbegründer von Pink Floyd.FOTO: REUTERS
Am Mittwoch spielt die Band Radiohead in Tel Aviv und wird deshalb heftig angefeindet. Es scheint ein neues Gesellschaftsspiel zu geben: „Spielt nicht beim Juden“. Eine Glosse.

Von Bernd Matthies | DER TAGESSPIEGEL

Was soll man von einem Musiker halten, der bei seinen Auftritten gelegentlich einen Ballon in Schweineform aufsteigen lässt, auf dem überdeutlich ein Davidstern zu sehen ist? Bei irgendeiner Nazi-Rockband aus Thüringen wäre die Sache klar, da haben solche Leute ja angeblich ihr Ökotop. Allerdings kommen die gar nicht auf derartige Ideen, da würde ihnen schon der Anwalt abraten. Der Musiker ist vielmehr Roger Waters, der einstige musikalische Leiter der Gruppe Pink Floyd. Ihm brummt und wummst es ein wenig im Kopf, das kann man verstehen, er hat zu viel Pink-Floyd-Musik gehört, und deshalb widmet er sein Leben nun der Obsession, andere Musiker von Israel fernzuhalten – irgendwie muss dieses verhasste Land doch kleinzukriegen sein.

Damals, als die Rolling Stones unter riesigem Jubel in Israel auftraten, hat das nicht funktioniert, wofür allein man die alten Knacker schon lieben muss. Aktuell betrifft es die nicht ganz so überlebensgroße Band Radiohead, die am morgigen Mittwoch in Tel Aviv spielen wird. Ihr Frontmann Thom Yorke ist deshalb scharfer Kritik ausgesetzt, auf einem anderen Konzert protestierten neulich Palästinenser, oder solche, die sich dafür halten.

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Über falsch verstandenen Lifestyle-Feminismus

Bild: heise.de/tp
Seit einiger Zeit sind in vielen Magazinen Porträts junger Start Up-Gründerinnen, Freiberuflerinnen und Frauen in Führungspositionen zu sehen. Sie stehen für die Vision einer neuen modernen Frau, die alles machen kann, was sie will. Fälschlicherweise meinen einige, dass es sich hierbei um eine neue Form des Feminismus handeln würde.

Von Marina Ahne | TELEPOLIS

Doch blickt man hinter die z. T. tatsächlich beeindruckenden Geschichten dieser Frauen, erfährt man, dass sich die meisten mitnichten als „Feministinnen“ bezeichnen würden – aus den verschiedensten Gründen. Zu grau, zu verhüllt, zu lesbisch, zu männerfeindlich; der Feminismus hat viele Imageprobleme. Dennoch wird er diesen Frauen zugeschrieben, wenn auch in einer soften, vermeintlich „erträglicheren“ Version.

Da gibt es zum Beispiel bauchfreie Shirts mit dem Aufdruck „Fem-Power“ oder ähnlicher Bekennerschrift, denn inzwischen sind auch die großen Marken auf den Modefeminismus aufmerksam geworden und schwimmen ganz oben auf der Welle mit. Diese „neue Form“ des Feminismus ist viel schöner, bunter, schriller, freizügiger und für viele auch alltagstauglicher. Feminismus zum Anziehen (und auch wieder Ausziehen). Damit erspart man sich auch gleich die Debatte über Frauenrechte, denn die Trägerinnen der Fem-Mode sind – nach eigenen Angaben – schon befreit genug. Der Lifestyle-Feminismus suggeriert jungen Frauen, dass sie alles ausprobieren, sein und machen können und auch machen sollten.

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Erzähltes Anthropozän

Im Wort „Anthropozän“ steckt bereits eine neue begriffliche Metapher, um die globale ökologische Veränderung durch den Menschen zum Ausdruck zu bringen: „das „Menschenneue“ bzw. etwas anders ausgedrückt, „das menschengemachte Neue„.

Von Reinhold Leinfelder | Der Anthropozäniker

Grober Plastikmüll am Ufer des Roten Meeres (nahe Safaga, Ägypten) Bild: wikimedia.org/Vberger/PD

Dies ist ganz nahe am wissenschaftlichen Befund und könnte daher auch die Grundlage für ein Großnarrativ Anthropozän sein. Die v.a. aus den Kultur- oder Sozialwissenschaften vorgeschlagenen möglichen Alternativbegriffe wie Kapitalozän, Pyrozän, Plastozän oder Homogenozän fokussieren zwar ebenfalls auf wichtige Ursachen oder Befunde, sind aber als Narrativ-Überschrift nicht umfassend genug.

Das komplexe Konzept des Anthropozäns in ein Narrativ, also eine wertebasierte und ggf. mutmachende Erzählung umzusetzen, ist nicht ganz einfach, sollte aber die Mühe lohnen. Narrative dürfen allerdings nicht dazu dienen, unzulässig zu vereinfachen oder gar zu populisieren anstatt zu popularisieren. Tatsächlich wird das Anthropozän-Konzept oft stark vereinfacht bzw. auf nur einige Aspekte reduziert und sehr einseitig dargestellt: Ist der Name geeignet? Ist das Anthropozän gut oder schlecht? Techokratisch oder bewahrend? Schön oder hässlich? etc. (siehe auch unten). Gerade die großen aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen sind besonders komplex und erfordern auch komplexe Analysen sowie komplexe Lösungsansätze. Hier können vielleicht in ein Großnarrativ eingebundene Metaphern helfen, Komplexes zu veranschaulichen. So etwa das Mobile-Beispiel zur Veranschaulichung der Resilienz von Korallenriffen: Ein gut ausbalanciertes Mobile kann Störungen (stärkerer Luftzug) wegstecken, wird allerdings einige Zeit kräftig herumpendeln, bis es sich wieder ausbalanciert hat. Kommen die Luftzüge allerdings laufend, oder gibt es eine sehr starke Störung (z.B. starkes Zerren oder gar Abreißen eines dieser ausbalancierten Mobile-Teile) wird sich das Mobile verheddern und funktioniert nicht mehr.

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Erdoğan-Anwalt spricht von rassistischem Hintergrund

Bild: Magazin „The Economist“
  • Der türkische Präsident Erdoğan geht im Streit um Jan Böhmermanns Schmähgedicht in Berufung.
  • Mit dem Schritt will Erdoğan das Schmähgedicht komplett verbieten lassen. Seinem Anwalt zufolge hat das Gedicht einen rassistischen Hintergrund.
  • Zuvor hatte Böhmermann selbst Berufung eingelegt. Er möchte das Gegenteil erwirken – dass er das Schmähgedicht wieder vollständig verbreiten kann.

Süddeutsche.de

Recep Tayyip Erdoğan hat noch nicht genug. Im Streit um das Schmähgedicht von Jan Böhmermann legte sein Anwalt, Mustafa Kaplan, nun Berufung ein. Erdoğan will das Gedicht komplett verbieten lassen.

Kaplan sagte der SZ, Böhmermann habe mit dem Gedicht nicht nur den türkischen Präsidenten, sondern auch das türkische Volk verletzen wollen. Anders sei nicht zu verstehen, warum er die Beleidigungen auch noch ins Türkische übersetzt und dabei die türkische Fahne gezeigt habe.

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Wie die Documenta das Publikum bevormundet

In Piotr Uklańskis saalhoher Porträtgalerie „Real Nazis“ von 2017 taucht auch der Documenta-Künstler Joseph Beuys (untere Reihe, 7. v. r.) auf. (Foto: Nils Klinger)
In Kassel pflegen Künstler wie Kuratoren einen politischen Anklagemodus, der vereinfacht statt aufzuklären. Die Schau ist viel zu parteiisch.

Von Kia Vahland | Süddeutsche.de

Der Ich-Erzähler aus Peter Weiss‘ „Ästhetik des Widerstands“ sinniert über den Pergamonaltar und seine eigene Situation als Kommunist im Berlin des Jahres 1937: „Immer hatten sich die Oberen die Rechte geholt, und immer hatten sie auf ihrer Hegemonie bestanden, bis andere Mächtige zur Ablösung kamen, und wir hatten es nie weitergebracht, als nachzugeben und uns zu fügen“. Daraus entfaltet sich eine klassenkämpferische Sicht auf Werke der klassischen Kunst, auf Gericault, Goya und Bruegel. Hoffnungsträger der jungen Kommunisten ist der mythische Herakles, dem sie zutrauen, doch noch die Verhältnisse umzustürzen.

Die Kunst wird zum Instrument später Gerechtigkeit: Dieser Gedanke ist in diesem Sommer wieder en vogue, denn die Documenta verschreibt sich der politischen Aktion. Doch in Kassel ist wenig zu spüren von dem Selbstzweifel, den bei Peter Weiss der Erzähler formuliert, der hadert mit sich und dem, was das wäre, eine sich in qualvollen Suchbewegungen erst formierende „Ästhetik des Widerstands“.

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Videokünstler freigesprochen Liegestütze auf dem Altar

© DPA Der Künstler Alexander Karle macht für sein Kunstprojekt „Pressure to Perform“ Liegestütze auf dem Altar der katholischen Kirchengemeinde St. Johann in Saarbrücken.
Das Landgericht Saarbrücken spricht den Videokünstler Alexander Karle frei. Für eine Kunstaktion ist der 39-Jährige in eine Saarbrücker Kirche eingebrochen, um Liegestütze auf dem Altar zu machen.

Frankfurter Allgemeine

Wer auf den Altar einer katholischen Kirche klettert, darauf 28 Liegestütze macht und einen Videofilm der Aktion öffentlich zeigt, macht sich nicht wegen Störung der Religionsausübung strafbar. Zu dieser Einschätzung ist am Montag das Landgericht Saarbrücken in einem Berufungsprozess gekommen. Es hob damit das Urteil des Amtsgerichts vom Januar gegen den Videokünstler Alexander Karle auf, der für diese Aktion zu einer Geldstrafe von 700 Euro verurteilt worden war. Anders als die Staatsanwaltschaft und das Amtsgericht betrachtete die Kammer die Aktion von Karle (39) als Ausübung seiner künstlerischen Tätigkeit und nicht als „beschimpfenden Unfug“.

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‘God, The Official Autobiography of The Hidden Years’

‘God, The Official Autobiography of The Hidden Years’ was originally etched into a smooth patch of Arizona cliffs with a scrupulous and lush hand. The handwriting was none other than that of the Deity, who decided in some antique moment to record God’s earliest recollections.

By J. H. McKenna | HUMANIST Plus

Here then are the opening lines of God’s autobiography:

First  Memory
My genuine earliest memory is the awakening of my senses all at once. I saw blackness. I smelled burning orbs. I tasted the honeycombed luxury of my tongue. I felt the delicate surface of my being. I heard a vast stillness. My interior life commenced with my sensual arousal. And by interior life I mean my intellectual life.

First  Thought
My first thought, so far as memory permits, was as follows. I thought taste supersedes smell, smell supersedes touch, touch supersedes vision, and vision supersedes hearing. I have since reevaluated these in almost reverse order.

First  Word
I was immediately aware that I was using words to think these thoughts (though the origins of words in me is as mysterious to me as my coming to be). The first word I recall saying aloud was GOSTOSO. How I was able to utilize the Portuguese word for  TASTY  I’ll never know. My facility with language is inscrutable, even to me. Note too that the language you are reading me in right now is not my first.

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„Die etablierten Parteien verirren sich im Wust des Populismus“

Der Sozialpsychologe Harald Welzer über die offene Gesellschaft, den „Seehofer-Effekt“ und die Krise der Grünen

Von Manuel Schumann | TELEPOLIS

Die Politik der Angst bestimme die öffentliche Meinung, es sei es an der Zeit, den verrückten Marsch nach rückwärts aufzuhalten, sagt der Sozialpsychologe Harald Welzer. In seinem Buch „Wir sind die Mehrheit“ warnt er vor einer Hysterisierung von Diskussionen und appelliert zugleich an jeden Einzelnen, sich mehr einzumischen. Denn: „Offene Gesellschaften geraten nicht in Gefahr, weil sie zu viele Feinde haben, sondern weil sie zu wenige Freunde haben, die sich zu ihr bekennen.“

Herr Welzer, haben Sie lange darüber nachgedacht, ob Sie Horst Seehofer in Ihrem Buch derart viel Raum geben?
Harald Welzer: (lacht) Da mich die politischen Interventionen von Horst Seehofer und seiner Partei schon seit geraumer Zeit beschäftigen, habe ich darüber nicht lange nachgedacht, nein.
Sie schreiben Sätze wie: „Seehofer bildet den personifizierten Tiefpunkt der politischen Kultur der heutigen Bundesrepublik“ und: „Er gehört zu den Totengräbern der Demokratie“…
Harald Welzer: Was keine Übertreibung ist. Dem Mann fehlt jeder Anstand, ja sogar das ganz normale moralische Grundgerüst.
Nennen Sie bitte ein Beispiel.
Harald Welzer: Wer wenige Tage nach dem Terroranschlag am Berliner Breitscheidplatz in seiner Trauerrede sagt, wir seien es den Opfern und der gesamten Bevölkerung schuldig, unsere Zuwanderungs- und Sicherheitspolitik zu überdenken und neu zu justieren, der handelt schlicht bösartig.
 Kann man die offene Gesellschaft verteidigen, indem man diejenigen, die man als eine Gefahr betrachtet, auf diese Art attackiert?
Harald Welzer: Ich bin ein historisch arbeitender Wissenschaftler und beschäftige mich schon lange damit, wie Gesellschaften ins Rutschen geraten. Die historische Erkenntnis ist, dass die Radikalen dabei nicht das große Problem sind, sondern diejenigen, die die Themen und Begriffe der radikalen Ränder in die Mitte der Gesellschaft tragen. Und genau das hat die CSU in einem geradezu obszönen Ausmaß getan – immer und immer wieder. Und zwar ohne dass dafür irgendein Grund vorgelegen hätte. Gegen diese Form der populistischen Instrumentalisierung von Inhalten muss man sich als Demokrat wehren. Und das ist, wie ich finde, bislang nicht mit der notwendigen Vehemenz geschehen.

Ethik bei autonomen Autos und das Trolley-Problem: Was tut der Weichensteller?

Weichensteller in Chicago (Bild: Library of Congress)
Die Debatte um selbstfahrende Autos machte ein philosophisches Gedankenexperiment populär, das Weichensteller- oder Trolley-Problem. Es behandelt die Wahl zwischen zwei moralisch bedenklichen Aktionen. Wir haben uns die Geschichte des Dilemmas angeschaut.

Von Ralf Bülow | heise online

Dichter Nebel. Ein Eisenbahnwaggon oder eine Straßenbahn macht sich selbständig und rast auf mehrere Menschen zu, die auf den Schienen stehen. Retten könnte sie ein Weichensteller, der das Gefährt auf ein Nebengleis ablenkt. Auf diesem sitzt nun ein Gleisarbeiter, was dem Weichensteller ebenfalls bekannt ist. Was soll er tun?

Das ist die Essenz des Trolley-Problems, benannt nach dem amerikanischen Wort für Straßenbahn. Seitdem autonome Autos auf den Straßen rollen, wird es diskutiert, wobei jetzt das Handeln der künstlichen Intelligenz im Mittelpunkt steht. Das Problem erscheint auch im Bericht der Ethik-Kommission zum automatisierten Fahren, den Bundesverkehrsminister Dobrindt unlängst vorstellte. Regel 8 des Berichts behandelt „echte dilemmatische Entscheidungen“, und Regel 9 fordert: „Die an der Erzeugung von Mobilitätsrisiken Beteiligten dürfen Unbeteiligte nicht opfern.“

Ein alte Frage

Über Opfer grübelten schon antike Philosophen nach. Denn das Problem stellt natürlich grundsätzliche philosphische Fragen, ob man einer konsequentialistischen Ethik folgt, die Handlungen allein anhand ihrer Ergebnisse beurteilt, oder einer deontologischen Ethik, nach der bestimmte Handlungen unabhängig von ihren Ergebnissen gut oder schlecht sind. Es lohnt sich aber, die Geschichte des Trolley-Problems und seiner Logik zu untersuchen – und das, was als reale Beispiele zur Illustration der Problematik herangezogen wird.

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Unesco ernennt Höhlen in Baden-Württemberg zum Weltkulturerbe

Die Eiszeithöhlen bei Schelklingen (Baden-Württemberg) sind nun Unesco-Weltkulturerbe. (Foto: dpa)
  • Sechs Höhlen der Eiszeitkunst auf der Schwäbischen Alb sind zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt worden.
  • In den Höhlen wurden einige der ältesten Zeugnisse für eine bewusste künstlerische Betätigung des frühen Menschen gefunden.
  • Unter anderem fanden Forscher dort die älteste bekannte Menschenfigur der Welt, die „Venus vom Hohle Fels“.

Süddeutsche.de

Die Unesco hat die Höhlen der ältesten Eiszeitkunst in Baden-Württemberg zum Weltkulturerbe ernannt. Das gab das Unesco-Komitee am Sonntag in Krakau bekannt.

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Sexroboter nicht revolutionär, sondern lediglich eine Masturbationshilfe für Männer

foto: abyss creations Abyss Creations stellen Sexpuppen her, die mit Sensoren und künstlicher Intelligenz ausgestattet werden.
Der technologische Fortschritt hat in den vergangenen Jahren für allerlei Innovation gesorgt. Ob selbstfahrende Autos, Smartphones oder Virtual-Reality-Brillen – die Technik vermittelt ein gewisses „Die Zukunft ist hier“-Gefühl. Nun sollen auch Sexroboter eine Revolution mit sich bringen. Mehrere Firmen stehen kurz vor dem Markstart und alle wollen den perfekten, künstlichen Sexualpartner entwickelt haben.

derStandard.at

Nur ein Spielzeug und für Männer

Allerdings werfen die Sexroboter auch einige ethische Fragen auf, die in einem ersten Bericht der Foundation for Responsible Robotics (FRR) beantwortet wurden. In dem Report wurde etwa verdeutlicht, dass Männer deutlich interessierter an Sex mit Robotern sind. Die künstlichen Sexualpartner würden zudem mehr als Spielzeug angesehen werden und nicht als Partner, mit dem eine emotionale Bindung aufgebaut wird.

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Das Zerstörungswerk der Dschihadisten

Wo heute Syrien und Irak liegen, war einst die Wiege der Zivilisation. Viele Kulturstätten zeugen noch heute davon – viele sind aber auch durch Krieg, Gewalt und Plünderung zerstört. In Syrien und im Irak beraten nun Experten über den Umgang mit beschädigten Denkmälern.

Von Mey Dudin | Qantara.de

Zuletzt ging eine Berühmtheit in Mossul für immer verloren: Die Große Al-Nuri-Moschee aus dem 12. Jahrhundert wurde Ende Juni bei der Schlacht um die nordirakische Stadt zerstört – gesprengt von IS-Dschihadisten. Bekannt war die Moschee vor allem wegen ihres schiefen Minaretts, die ihr auch den Beinamen „Al-Hadba“ („die Bucklige“) eingebracht hatte. Vor drei Jahren benutzte IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi die Moschee als Bühne, um sein „Kalifat“ in den Gebieten von Syrien und dem Irak auszurufen, die seine Dschihadisten erobert hatten.

Es ist ein weiteres von vielen Denkmälern, die dem Krieg in den vergangenen Jahren zum Opfer gefallen sind. Kulturstätten gibt es in der Region viele, war sie doch einst die Wiege der Zivilisation und ist seit jeher ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen – ein Erdteil, in dem Araber und Juden, Assyrer und Jesiden, Kurden und Turkmenen friedlich nebeneinander lebten.

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Kannibalismus: Warum Menschen Menschen essen

Bild: hiddenmuseum.net
Der widerwärtigste Mensch aller Zeiten lebte womöglich in einem Kaff in Wisconsin. Dort hauste einst in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts Ed Gein auf einer heruntergekommenen Farm, weidete die Körper von Frauen aus und legte das Herz eines seiner Opfer in die Pfanne.

Von Frank Thadeuz | SpON

Vielleicht gebührt der zweifelhafte Titel aber auch Andrej Tschikatilo aus Rostow, der in Russland mindestens 52 Menschen ermordete und anschließend auf der einen oder anderen Zunge oder Brustwarze herumkaute.

Oder ist der Kannibale von Rotenburg der schlimmste von allen? Armin Meiwes schnitt im Jahr 2001 seinem Opfer erst den Penis ab. Dann fiel er über dessen restlichen Körper her wie über Schlachtvieh.

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Die Kinder von Manchester und die regressive Linke

Manchester Arena. Bild. RDF
Der folgende Beitrag wurde am Tag der Attacken auf der London Bridge und dem Borough Market (3. Juni) veröffentlicht, weniger als zwei Wochen nach dem Attentat in Manchester.

Von Jeffrey Tayle | Richard-Dawkins-Foundation

Verliert die Aufklärung den Kampf der Ideen? Beinahe sieht es so aus. Moralischer Verfall, Heuchelei, aufkommende Hysterie und die Verleugnung verifizierbarer Fakten durchziehen unseren öffentlichen Diskurs. Atavismen, Nativismen, übermäßiger Respekt vor Religion (insbesondere einer Religion, mehr dazu unten) nehmen zu; eine kindisch-intolerante, zu Wutanfällen neigende Sorte linker Militanz erschien auf der Bildfläche, mit „Intersektionalität“, „kultureller Aneignung„ und „Privileg“ als modischen Schlagworten und dem „de-platforming“ kontrovers gehandelter Sprecher als geläufiger Ausprägung. (Über allem schwebt der Geist der Postmoderne.) Diese Militanz zeigt eine Verzerrung durch ideologische Umnachtung, haarsträubend genug, an die bösartigste Klapsmühlen-Satire zu erinnern; lachhaft eigentlich, wäre sie nicht so gefährlich. Wir taumeln am Rande des kulturellen Selbstmords entlang, einem Selbstmord, der von der illiberalen Linken befördert wird.

Nirgendwo ist das sichtbarer als an den Universitäten. Mitte Mai hielt es eine Studentengruppe am Dartmouth College für angebracht, die ungenierte Islam-Apologetin Linda Sarsour als Sprecherin einzuladen, mit der wir gemäß Bernie Sanders‘ Meinung im Januar in Washington DC hätten marschieren sollen, die aber eher dafür bekannt ist, rückschrittliche, zeitweise gemeine Tweets loszulassen (und dann zu löschen), einschließlich des einen im Jahr 2011 mit dem Inhalt, dass sie am liebsten Ayaan Hirsi Alis Vagina entfernen würde. Hirsi Ali, in Somalia geboren, ist eine heldenhafte öffentliche Intellektuelle und Islam-Aussteigerin, die genital verstümmelt wurde; die grausame, kranke Ironie in Sarsours Tweet kann niemandem entgehen.

Bei Sarsours Rede stand ein (weißer, männlicher) Student auf, verkündete „Frauenrechte sind Menschenrechte“ und befragte sie unverblümt zu jenem Tweet. Sarsours Antwort? Sie forderte „Kontext“ ein, führte des jungen Mannes Geschlecht und Hautfarbe als Gründe an, seine Frage zu verwerfen und machte dann plumpe Ausflüchte über den Tweet, den er (nicht der Wahrheit entsprechend) „von einem rechtsgerichteten Blog hatte“, den sie abgeschickt hatte oder auch nicht, und überhaupt, sie sei damals in ihren Zwanzigern gewesen, und „Leute reden in dem Alter manchmal Blödsinn. Stimmt’s?“ Die Studenten belohnten ihre ausweichende Antwort schamlos mit Applaus und zustimmendem Johlen.

Aber wir verlieren mehr als nur den Kampf der Ideen. Wie die jüngste islamistische Attacke in Manchester zeigt, verlieren wir die Leben unserer Kinder. Das von der Bombe verspritzte Blut und Fleisch der pubertierenden Opfer auf Haut und Haar der Überlebenden war noch nass, als wir schon vor „Islamophobie“ gewarnt wurden, hier zum Beispiel, und hier:

Prof. Aisha K Gill twittert: „Aufschlussreiche Kommentare von @mehdirhasan über die Reaktionen auf Manchester. Islamophopie spielt dem ‚Islamischen Staat‘ direkt in die Hände. Rechtsextreme Beleidigungen des Islam und Rufe nach Razzien tragen dazu bei, einen Keil zwischen Muslime und die westlichen Gesellschaften zu treiben, in denen sie leben.“

Indem sie die dringend nötige offene Diskussion über den Islam und seine gewaltinduzierenden Doktrinen in das Licht des Verwerflichen stellen, leisten jene, die solche Forderungen erheben, den Tätern islamistischer Gräuel Vorschub und finden sich passenderweise in der Gesellschaft des Manchester-Terroristen wieder, der selbst einem Lehrer „Islamophobie“ vorwarf.

Schämen sollten sie sich.

Sie sind nicht neu, die „Islamophobie“-Warnungen, die nach jeder Episode islamistischen Massenmords auf uns herunterregnen wie die Splitter der tatsächlichen Explosionen und bei unserer Vernunft und unserem Sinn für menschlichen Anstand Kollateralschäden anrichten.

Ein gewisser Shaun King schaffte es für die New York Daily News, in weniger als achthundert Wörtern alle islambezogenen Fehlschlüsse der regressiven Linken in einer einzigen grotesken, selbstgefälligen Erklärung der zivilisatorischen Kapitulation unterzubringen. Schon der Titel veranschaulicht das Dilemma wahrer Liberaler, die eine ehrliche Diskussion der Motive islamistischer Terroristen einfordern. Kings Essay – „Warum wir niemals den Islam (oder Muslime) hassen dürfen, nur wegen der Gewalttätigkeit seiner falschen Anhänger“ – könnte als eine salbadernde, grobe Art Parodie abgetan werden. Aber King meint es ernst und offenbart in seiner Ernsthaftigkeit einen ihn diskreditierenden Mangel.

Shaun King auf Twitter: Mein Neuester. Wir dürfen niemals den Islam hassen, oder Muslime, nach Gewalttaten seiner falschen Anhänger, die den Glauben missbrauchen. https://t.co/gSNGn32IgB

Kings Eröffnung deutet schon den unpassenden Solipsismus an, der folgt, und kränkt auf Anhieb die trauernden Familienmitglieder der Opfer, indem sie deren unvorstellbare Qual mit seinen eher banalen Bedenken ob seiner gemischt-ethnischen Abstammung gleichsetzt. „Meine liebe Mutter ist eine süße, treusorgende 66 Jahre alte weiße Frau aus dem ländlichen Kentucky. Ich liebe sie ohne Vorbehalt.“ In einem Artikel zur islamistischen Auslöschung unschuldiger Kinder folgen nun zwei Absätze, in denen King seine Aufrichtigkeit als Journalist anpreist. Derart weiter schwatzend, kommt er im dritten Absatz immerhin auf seinen zentralen und so unoriginell-ermüdenden den Islam rechtfertigenden Fehlschluss: „Wir müssen stets dem Drang widerstehen, eine ganze Menschenrasse zu verdammen, selbst wenn wir weiße Haut, weiße Privilegien oder weiße Vormachtstellung verabscheuen.“

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„Kunst macht dasselbe wie Religion“

Der norwegische Schriftsteller Karl Ove Knausgård. (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)
„Kämpfen“ heißt das neue Buch des norwegischen Schriftstellers Karl Ove Knausgård. Auf den 1.300 Seiten kommt rund 400 Mal das Wort Gott vor. Es reizt ihn, sich mit Religion auseinanderzusetzen. Barmherzigkeit findet er besonders verlockend – und problematisch, weil sie Unterschiede verwischt.

Von Brigitte Neumann | Deutschlandfunk

Karl Ove Knausgård, vierfacher Vater, in zweiter Ehe mit einer norwegischen Schriftstellerin verheiratet, ist frisch geschieden. Wir sprechen über Rituale. Ihm fällt die Beerdigung seines Vaters ein:

„Ich muss sagen, dass ich nie etwas mit der Kirche zu tun hatte. Aber in dem Moment brauchte ich einen Priester. Nur für die Formalitäten der Beerdigung. Aber am Ende war es wie eine Beichte. Ich weinte und weinte. Und der Priester saß nur da und hörte zu. Dann stellte er ein paar Fragen zu meinem Vater. Es kam der Tag der Beerdigung. Mein Vater war Teil davon als Mensch unter Menschen. Der Priester sagte: ‚Er hatte sein Leben und es war ein schweres Leben. Und nun ist er tot. Wir verabschieden uns von ihm.‘ Und da begriff ich: Das muss Barmherzigkeit sein. Alles, was er getan hatte, war damit komplett getilgt. Darum ging es nicht mehr. Einer von uns ist tot. Wir verabschieden ihn. Da habe ich das erste Mal in meinem Leben verstanden, was ein Ritual ist. Und was Barmherzigkeit ist. Und warum es Religionen gibt.“

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Film Directors Are Bringing Actors Back From the Dead With Creepily Real CGI Skin

Peter Cushing, who died in 1994. Image: Rogue One: A Star Wars Story/Lucasfilm
Will life-like skin movement rescue digital characters from the uncanny valley once and for all?

By Frederick Blichert | MOTHERBOARD

Last winter’s Rogue One came pretty close to bringing an actor back from the dead. Peter Cushing, who died in 1994, appears in CGI form, „reprising“ his role as Grand Moff Tarkin from the original Star Wars. Cushing’s longtime secretary was overwhelmed when she saw the digital version of the deceased actor.

There’s always something unsettling about these exercises in recreating live-action characters in digital form—they never quite manage to climb out of the uncanny valley, so they end up being a little creepy rather than life-like. That may be about to change. A computer scientist at the University of British Columbia is working to create an algorithm that simulates the movement of skin, one of the last hurdles to creating truly life-like digital characters (still no word on when CGI eyes will stop being so scary).

Dinesh Pai and his team have combined new and old tech to capture how skin folds, stretches, wrinkles, and bounces on the body. The process is a lot like traditional motion capture, but Pai’s focus is more specific. „Typically when people do motion capture, they’re not trying to capture the motion of the skin, they’re trying to capture the motion of the bones and the skeleton of the body,“ he said.

Älteste Kartoffeln Nordamerikas entdeckt

Klein, aber oho: Schon vor knapp 11.000 Jahren kochten und verzehrten Menschen in Nordamerika solche Knollen der Wildkartoffel Solanum jamesii. © University of Utah
Nahrhafte Knollen: Schon vor knapp 11.000 Jahren aßen die Menschen Nordamerikas bereits regelmäßig Kartoffeln. Das belegen Körnchen von Kartoffelstärke an in Utah gefundenen Steinwerkzeugen. Die Stärke stammt von der Wildkartoffel Solanum jamesii, einer über Jahrtausende von Indianern des US-Südwestens genutzten Kartoffelart. Damit reicht die Geschichte der Kartoffel als Grundnahrungsmittel in Nordamerika weiter zurück als bisher angenommen.

scinexx

Die Kartoffel (Solanum tuberosum) ist schon seit Tausenden von Jahren ein wichtiges Grundnahrungsmittel der Menschheit. Zu uns nach Europa kam sie zwar wie viele andere Nutzpflanzen erst durch die Eroberung der Neuen Welt, doch dann breitete sie sich schnell aus und wurde neben Getreide einer der Hauptlieferanten für pflanzliche Stärke. Zuerst domestiziert wurde die Kartoffel wahrscheinlich vor mehr als 9.000 Jahren in Peru, wie archäologische Funde belegen.

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