Archiv der Kategorie: Kultur

Geniale Satire-Aktion: So grandios können Politiker-Plakate sein

Bild: The Huffington Post

Zugegeben, es ist eine ungewöhnliche Art, seinen Ärger über die Bundesregierung auszudrücken. Doch die Wirkung dürfte weitaus größer sein als jede spröde Podiumsdiskussion.


Von Christoph Asche|The Huffington Post

Das Berliner Kabarett-Theater „Distel“ sorgt derzeit mit einer bissigen Satire-Aktion für Aufsehen. In der Stadt verteilt hängen seit kurzem Großplakate, die Politiker wie Vize-Kanzler Sigmar Gabriel, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen oder CSU-Chef Horst Seehofer mit vermeintlichen Werbeplakaten aufs Korn nehmen.

Seehofer wird zum “Blau-Weißen Riesen”

So wird aus Gabriel etwa “Red Null – der Energiewende-Trickser”, Bundespräsident Joachim Gauck ist Namensgeber eines Schokoriegels und Seehofer ist der “Blau-Weiße Riese”. Und AfD-Chef Bernd Lucke ist plötzlich Teil einer Zigarettenpackung (“Lucke Strike”), auf der folgender Hinweis zu lesen ist: “AFD wählen führt zu Verstopfungen der Hirnlappen und verursacht Geschichtsvergessenheit.”

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“Grundvertrauen à la Hayek und Grundskepsis à la Popper”

Bild: heise.de

2009 erregte der FAS-Wirtschaftsressortleiter Rainer Hank viel Aufmerksamkeit mit einem Buch, in dem er darlegte, wie US-Regierungen mit Eingriffen in die Wirtschaft dazu beitrugen, dass es 2008 zu einer Finanzkrise kam. Jetzt hat er unter dem Titel Links, wo das Herz schlägt die “Inventur einer politischen Idee” veröffentlicht.


Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

Herr Hank, Sie fordern in Ihrem neuen Buch eine Renaissance der Ideologie – und Sie trennen sie dazu vom Dogma. Wo liegt für Sie der Unterschied?[1]

Rainer Hank: Ideologie lässt sich von Ideen treiben und unternimmt den Versuch, Anschauung und Begriff zusammen zu bringen. Das Dogma hingegen ist starr, lässt sich von neuen Erfahrungen nicht aus der Ruhe bringen.

Ideologie ist für Sie nach Romano Guardini Welt-Anschauung im wörtlichen Sinne – der Standpunkt, von dem aus man die Welt betrachtet. Sollte man nicht versuchen, einen Standpunkt mit möglichst viel Abstand zum Geschehen einzunehmen, von dem aus sich gut abstrahieren lässt? Zum Beispiel den des Historikers, der verschiedene Epochen vergleichen kann? Oder den des Ethnologen, dem das mit Kulturen und Glaubensvorstellungen möglich ist?

Rainer Hank: Das unterstellt, es gäbe interesselose Standpunkte: eine Illusion. Ich will Aufklärung über den Standpunkt, deshalb will ich das Wort Weltanschauung rehabilitieren. Den neutral-objektiven Beobachter gibt es nicht. Wir sind alle Akteure, auch wenn wir Journalisten, Historiker, Philosophen sind. Das ist kein Nachteil, sondern eine Chance.

In einem großen Teil des Buches versuchen Sie, Ihren eigenen Standpunkt klar zu machen. Ganz klar wird er aber doch nicht: Einerseits berufen Sie sich auf Libertäre wie Robert Nozick und kritisieren die deutschen Ordoliberalen[2], andererseits sehen Sie einen starken Staat als Garant für Märkte.[3]

Rainer Hank: Na ja, dass der Liberalismus kein monolithisches Gedankengebäude ist, spricht aus meiner Sicht eher für als gegen die Freisinnigen. Da erlaube auch ich mir, ein wenig hin und her zu changieren. Das ist so lange erlaubt, so lange es keine Widersprüche gibt. Ich will einen Staat, der Garant der Freiheit ist. Insofern bin ich kein Radikalanarcho. Von “starkem” Staat spreche ich nicht. Das haben Sie gesagt.

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Bischof befürwortet Nachdruck islamkritischer Karikaturen

charlie_hebdo_2Der evangelische Landesbischof Ralf Meister aus Hannover hält es im Rückblick für richtig, dass ein Teil der deutschen Zeitungen die islamkritischen Karikaturen der französischen Satire-Zeitschrift “Charlie Hebdo” nachgedruckt hat.


evangelisch.de

“Dass eine Gesellschaft, in der die Freiheitsrechte so tief verwurzelt sind, als Reaktion ein Zeichen setzt, finde ich richtig”, sagte er am Samstag in Hannover. Auch der niedersächsische Landesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes, Frank Rieger, befürwortete den Nachdruck der Zeichnungen.

Beide sprachen bei einer Diskussion des Verbandes zum Thema “Was darf Satire?”. Beim Terroranschlag auf die Redaktion von “Charlie Hebdo” waren im Januar in Paris zwölf Menschen durch islamistische Attentäter ermordet worden.

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Soziale Konstruktion: Die Gendertheorie ist ein kollektiver Irrtum

Menschen sind eindeutig einem der beiden Geschlechter zuordenbar picture alliance

Die Gendertheorie geht davon aus, dass Geschlechter keine natürliche Arten, sondern soziale Konstruktionen sind. Doch Geschlechter sind ebenso wenig eine soziale Konstruktion wie die Methode ihrer Bestimmung, auch wenn diese wissenschaftshistorisch gewachsen ist.


Von Alexander Grau|Cicero

Die Theorie von der sozialen Konstruktion ist eine der erfolgreichsten Denkansätze des letzten Jahrhunderts. Und einer der folgenreichsten. Denn es gibt kaum etwas, was nicht in dem Verdacht steht (oder gestellt wurde), eine soziale Konstruktion zu sein: Krankheit, Behinderung, Autorenschaft, Quarks, Homosexualität, die Realität an sich.

Der populärste und wirkungsmächtigste Bereich des sozialen Konstruktivismus ist allerdings das Geschlecht. Stichwort: Gendertheorie. Die geht davon aus, dass Geschlechter keine natürlichen Arten sind, sondern soziale Konstruktionen.

Doch lassen wir den Daueraufreger Gendertheorie zunächst beiseite und widmen uns der Theorie dahinter: Dass die Welt um uns herum entweder gar nicht oder ganz anders ist, als wir sie wahrnehmen, hat der eine oder andere Philosoph schon immer vermutet. Allerdings gingen diese Skeptiker (oder auch Antirealisten) stets davon aus, dass die Ursache für die fehlerhafte Weltwahrnehmung in unseren Sinnen liegt, unserer Vernunft oder unserem Denkvermögen – wir würden heute von Kognition sprechen.

Dieser kognitive Konstruktivismus geht von der Erkenntnisleistung des Einzelnen aus. Kollektivirrtümer – etwa, dass die Welt aus einzelnen Dingen besteht – sind aus dieser Sicht das Produkt fehlerhafter individueller Erkenntnisvermögen.

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Exorzisten: Vampir-Filme lassen das Böse ‘sexy’ erscheinen

Underworld Evolution, Bild: lemanoirdessecrets.centerblog.net

Exorzisten warnen vor dämonischer Verführung durch Medien – Nach Einschätzung der Exorzismus-Experten sind Filme, die das Okkulte positiv darstellen, mitverantwortlich dafür, dass die Nachfrage nach Teufelsaustreibungen steigt.


kath.net

Vor den Gefahren von Filmen, die das Okkulte positiv darstellen, haben Exorzisten bei einem katholischen Kongress in Rom gewarnt. Diese Medienproduktionen könnten besonders Jugendliche verführen, sich mit dämonischen Mächten einzulassen. Zu den fragwürdigen Produktionen zählten etwa der Vampir-Film „Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen“ oder die US-Fernsehserie „True Blood“ (Wahres Blut). Nach Einschätzung der Exorzismus-Experten sind solche Filme mitverantwortlich dafür, dass die Nachfrage nach Teufelsaustreibungen steigt. An dem sechstägigen Schulungskongress an der katholischen Universität Regina Apostolorum nahmen Mitte April etwa 170 Fachleute aus über 30 Ländern teil. Spielfilme über Teufelsaustreibungen verzeichnen nach ihrer Ansicht das Phänomen dämonischer Besessenheit; sie könnten besonders für junge Zuschauer das Böse als „sexy“ darstellen. Jugendliche würden auch durch Musikstile wie Hardrock oder Heavy Metal, die satanische Botschaften verbreiten, zum Okkultismus verführt, so der italienische Religionssoziologe Prof. Guiseppe Ferrari. Nach seinen Erkenntnissen wächst die Zahl der Vampir-Gruppen, die Menschenblut trinken. Diese Gemeinschaften verleiteten auch zu speziellen sexuellen Praktiken, um dadurch besondere Kräfte zu erlangen.

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Mehrwertsteuerbegünstigter Tugendterrorismus

Bild: blogs.faz.net

 

„Fangen Sie schon wieder an? Ist doch Politik,hat doch mit Gewissen nichts zu tun.
Grundgesetz, ja Grundgesetz, ja Grundgesetz, Sie berufen sich hier pausenlos aufs Grundgesetz
sagen Sie mal, sind Sie eigentlich Kommunist?“

Franz Josef Degenhardt, Befragung eines Kriegsdienstverweigerers

Von Despina Castiglione|Blogs.FAZ.net

Sehen Sie, ich bin ganz sicher keine Kommunistin. Ich habe vielmehr mittlerweile eine vehemente Ablehnung gegenüber Ismen aller Art entwickelt. Kommunismus, Feminismus, Katholizismus: Alles nichts für mich, das sind Denkkorsette, und das möchte ich nicht. Die zwicken und lassen einen nicht frei atmen, das kann nicht wirklich gesund sein. Ich schaue mir das alles gerne an, ich bin ja relativ weltoffen, und manches mag auch zutreffend sein, da lerne ich dann gerne hinzu. Ich lasse mich mit Freude eines Besseren belehren. Hat jemand gute Argumente und muss ich nach Würdigung der Tatsachen anerkennen, dass ich mit meiner Behauptung im Unrecht war, ist das vielleicht nicht unbedingt ruhmreich. Dafür aber meist lehrreich. Manche Leute lernen halt gern, andere haben gern recht. Die gerne recht haben sind nach meiner Erfahrung tendenziell die mit den Ismen. Sobald ein Ismus sich an ein Wort hängt, ist es eigentlich dahin. Weil Ismen aus Worten und Ideen Ideologien machen. Und mit Ideologien habe ich grundsätzlich so meine Probleme.

Kommen Sie mir jetzt nicht mit Humanismus. Denken Sie doch mal an den „realen Humanismus“ und seine Errungenschaften in der früheren DDR, dann wird klar, was ich meine, wenn ich sage: Ismen tun auch der besten Idee keinen Gefallen. Und trotzdem habe ich heute beim Frühstück dieses Lied von Franz-Josef Degenhardt angehört. Nicht, weil ich an der Stelle weltanschaulich verklärt wäre, sondern weil ich die süffisant-boshafte Art mag, mit der es ihm singend gelingt, die Abseitigkeit der Argumentation des sich in der komfortablen Position des nicht-betroffen-Seins des den Kriegsdienstverweigerer befragenden Kammervorsitzenden aufzuzeigen. Man kennt eine solche Diskussionskultur heutzutage auch noch: von radikalfeministischen Veranstaltungen und der CSU beispielsweise.

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Die neue religiöse Intoleranz

Die Gesellschaften des Westens sind im Zuge der Ereignisse vom 11. September 2001 intoleranter geworden, insbesondere gegenüber dem Islam. Diese Intoleranz zeige sich unter anderem darin, dass Frankreich und Belgien ein Burka-Verbot, das die Totalverschleierung von muslimischen Frauen in der Öffentlichkeit gesetzlich verbietet, erlassen haben, und die Schweiz ein Referendum über ein Verbot von Minaretten abgehalten hat, obwohl es nur vier landesweit gibt.


Von Ludwig Watzal|BETWEEN THE LINES

Für Martha Nussbaum, Professorin für Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago, beruhe diese Haltung auf Angst. Sie sei eine “verdunkelnde Voreingenommenheit”, die den Fokus auf die eigene Person lege und “die anderen Menschen in die Dunkelheit verbannt”. Die Angst verenge die Sicht auf die Welt und die Mitmenschen. Für die Autorin stelle die Burka keine Bedrohung für die Umwelt dar, da sie weder die öffentliche Sicherheit bedrohe noch eine Degradierung der Frau symbolisiere.

Letzterem Argument wird aber heftigste von zahlreichen weiblichen muslimischen Intellektuellen widersprochen, weil die Burka nichts mit dem Islam zu tun habe, das heißt, sie ist nicht im Koran erwähnt, sondern sei ein überkommenes kulturelles Herrschafts- und Unterdrückungsinstrument einer patriarchalisch-dominierten Männerwelt. Nussbaums Argument, dass das Tragen der Burka ein Ausdruck von Religionsfreiheit sei, ist zurückzuweisen, da über sie und selbst über das bloße Kopftuch nichts im Koran steht. Im 4. Kapitel führt sie einige wenig überzeugende Argument an, warum das Burka-Verbot unbegründet ist.

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Kinderfotos im Netz: Der Missbrauchsvorwurf zieht Schuld von Tätern ab

Über die Frage, ob Kidnerfotos in Blogs und Sozialen Netzwerken gepostet werden sollen, gibt es eine breite Debatte. – Foto: dpa

Caroline Fetscher hatte in einem Kommentar, das inflationäre Posten von Kinderfotos als Missbrauch bezeichnet. Das ist falsch, antwortet Susanne Mierau nun. Das Internet soll nicht auch noch ein kinderfreier Raum werden. Die Gesellschaft sei schon auf dem Weg dahin.


Von Susanne Mierau|DER TAGESSPIEGEL

Kürzlich titelte der Tagesspiegel „Das Zurschaustellen der eigenen Kinder im Internet ist Missbrauch“ und der Beitrag ließ die Debatte, ob Kinderfotos im Netz gezeigt werden dürfen oder nicht, wieder aufleben. Denn Tatsache ist: die Abbildung von Kindern im Internet ist längst keine Seltenheit mehr. Neu thematisiert durch das Blog der kleinen Mimi, deren Eltern seit der Geburt ihren Alltag öffentlich festhalten.

Doch dies ist lange keine Seltenheit mehr: Von rund 1500 Elternblogs geht Brigitte Mom aus, die eine Liste dieser Blogs pflegt. Viele davon zeigen Bilder der Kinder. Wenn in den Medien nach dem Sinn dieser Darstellung gefragt wird, wird oft kurzerhand verurteilt:  Der Selbstdarstellungsdrang der Eltern sei Schuld. Vielleicht auch noch finanzielle Interessen durch die Vermarktung des Blogs. Doch diese Argumentation, die auch Caroline Fetscher in ihrem Artikel verfolgt, greift zu kurz: Aufgrund der Breite der Angebote muss man die bloggenden Eltern als gesellschaftliche Entwicklung betrachten, nicht als Randerscheinung psychisch beeinträchtigter Eltern.

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Völkermord – eine deutsche Erfindung

20 Schädel von getöteten Herero und Nama, die nach Deutschland gebracht wurden, gab die Berliner Universitätsklinik Charité 2011 zurück an Namibia. In der damaligen deutschen Kolonie wurde 1904 bis 1908 der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts verübt Foto: picture alliance / dpa

Lange hatte die Welt kein angemessenes Wort für die Vernichtung ganzer Nationen und Ethnien. Bis ein polnischer Anwalt, der vor den Nazis geflohen war, 1944 “Völkermord” ins Englische übersetzte.


Von Matthias Heine|DIE WELT

Der mutmaßlich erste Völkermord an Armeniern fand nicht 1915 statt, sondern 688. Jedenfalls nennt der Historiker Friedrich Leopold zu Stolberg das, was der byzantinische Kaiser Justinian II. den Mardaiten antat, einen “fluchwürdigen Völkermord”. Die Mardaiten waren ein Volk im Nurgebirge, das sich entlang des Mittelmeeres von der Türkei über Syrien bis zum Libanon erstreckt. Viele Forscher glauben, die Mardaiten wären armenischen Ursprungs gewesen. Justinian II. ließ dieses Volk umsiedeln und zu großen Teilen abschlachten. Das Zitat von Stolberg aus seiner “Geschichte der Religion” von 1832 ist einer der frühesten Belege des Wortes Völkermord in seiner heutigen Bedeutung.

In Berlin wird der Bundestag am Freitag über einen Antrag von CDU/CSU und SPD abstimmen. Darin werden die Vorgänge innerhalb des Osmanischen Reiches, die vor genau 100 Jahren zum Tod von bis zu 1,5 Millionen Armeniern führten, erstmals von einer deutschen Regierung als Völkermord bezeichnet, und die “unrühmliche Rolle des Deutschen Reichs” wird bedauert. Die Wortwahl ist hier von höchster politischer Bedeutung, denn die Türkei will mit aller Macht verhindern, dass die Verbrechen von vor einem Jahrhundert Völkermord oder Genozid genannt werden.

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Putin schenkte Tsipras verschwundene Ikone aus Sparta

Friedrich-Wilhelm Müller(l), Bild: http://www.militaryphotos.net

Als “Osterüberraschung” hat der russische Präsident Wladimir Putin Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras bei dessen Besuch in Moskau eine wertvolle Ikone aus dessen Heimat zurückgegeben, wie die deutsche katholische Nachrichtenagentur KNA am Dienstag berichtet. Das Doppelbild mit den heiligen Nikolaus und Spyridon war während der deutschen Besatzung aus einem Kloster bei Sparta “verschwunden”. Nach Berichten von Augenzeugen hatte es sich General Friedrich-Wilhelm Müller während seiner Stationierung auf dem griechischen Festland angeeignet.


kathweb

Der spätere Kommandant der “Festung Kreta” wurde nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 bei Athen als Kriegsverbrecher hingerichtet. Danach verlieren sich die Spuren der geraubten Ikone. Bisher wurde angenommen, dass sie als sowjetische Kriegsbeute aus Deutschland – Müller war zuletzt Kommandant der 4. Armee in Ostpreußen – nach Moskau gelangt sei.

Nach der jetzigen Darstellung von Putins Pressesprecher Dimitri Peskow habe sie aber erst unlängst ein russischer Sammler den Erben von General Müller abgekauft. Der Sammler wollte sie demnach den Griechen zurückgeben.

EU muss in Nordafrikas Failed States intervenieren

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus "Report Mainz"

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus “Report Mainz”

Das Flüchtlingselend verlangt nach humanitärer Intervention – nicht nur nach Seenotrettung. Wer dem Sterben ein Ende bereiten will, muss für Stabilität in Afrika sorgen. Wer soll das tun außer der EU?


Von Ulrich Clauß|DIE WELT

Das Offensichtliche zuerst, weil die Bilder keine Wahl lassen. Und das, was man nicht sieht – aber wissen kann und muss –, noch viel weniger. Die humanitäre Katastrophe im Mittelmeer, das “Flüchtlingsdrama”, wie es in der Nachrichtensprache heißt, kann nur zu einer unmittelbaren Konsequenz führen: Die Länder der Europäischen Union müssen sich umgehend auf die Wiederaufnahme eines flächendeckenden Seenotrettungsdienstes im Mittelmeer verständigen.

Was dort geschieht, gemahnt an das universelle ethische Grundversprechen, dass die Völker des freien Europa sich selbst und der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben haben. Nämlich, dass sich die Bedürfnisse der Menschen nach Frieden und Sicherheit nicht im Alleingang einzelner Staaten, sondern nur in einer Gemeinschaft realisieren lassen.

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The Humanness of Death

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Image: ​Richard Cassan/Flickr

I’ve got some bad news: You’re going to die. Well, probably; thanks to the new wave of immortality innovation, you might not.


By Ryan Haupt|MOTHERBOARD

So what happens if we ditch our biological bodies for technological ones that don’t face the limitations of organic DNA and death? Technological evolution has the potential to decouple us from death and other basic biological constraints, which would allow us to move forward with the group instead of waiting to become obsolete and, well, dead. This is probably a good thing, but also a potentially terrible thing too.

If you have offspring, that offspring isn’t you. They have some of your DNA and some of your partner’s in a new combination that adds variation to the population at large. This is how evolution works—it’s not like X-Men or Pokemon, where an individual can evolve in their own lifetime. Evolution acts on the population, not the person.

I think this is the greatest tragedy of evolution. It doesn’t happen to each of us; it happens to all of us. And the only way for the whole to progress is for you, me, and everyone else to eventually be left behind.

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Aubrey de Grey argues that aging is a disease that can be cured, which relies on the technological form of evolution, not the biological one.

It’s Tinder… for Christians

If it’s popular in the culture, you can bet Christians will make a shitty knockoff version of it. The latest example involves the dating/hook-up app Tinder.


By Hemant Mehta|Friendly Atheist

The Christian version of it was just released yesterday. It’s called Collide and it lets you look at someone’s picture and favorite Bible verse, after which you can choose which way to swipe:

Image: Friendly Atheist

Should be interesting to see what happens when an app most people use for sex intersects with a culture that preaches abstinence until marriage.

Isaac Asimov: “Kreativität braucht Isolation”

(Rowena Morrill / Wikipedia / GNU FDL)

In einem bisher unveröffentlichten Essay von 1959 beschreibt der berühmte Science-Fiction-Autor Isaac Asimov, wie sich Kreativität anregen lässt.


Von Issac Asimov|Technology Review

1959 wurde der Science-Fiction-Autor Isaac Asimov von seinem Freund Arthur Obermayer als externer Berater zu einem Projekt der US-Regierung eingeladen. Es ging darum, kreative Konzepte für ein Raketenabwehrsystem zu entwickeln. Asimov kam zu einigen Sitzungen, entschied sich dann aber gegen eine Mitarbeit, weil er keinen Zugriff auf geheime Informationen haben wollte – das hätte seine Redefreiheit eingeschränkt. Vor seinem Abschied schrieb er als einzigen offiziellen Beitrag diese Abhandlung. Sie blieb unveröffentlicht, bis Obermayer sie vor Kurzem beim Aufräumen alter Akten wiederentdeckte.

Worin auch immer der Prozess der Kreativität genau bestehen mag, er ist in allen Bereichen im Wesentlichen derselbe. Ob also eine neue Kunstform, ein neues Gerät oder ein neues wissenschaftliches Prinzip erschaffen wird, immer sind ähnliche Faktoren im Spiel.

Um das Phänomen zu verstehen, kann man sich anschauen, wie die großen Ideen der Vergangenheit entstanden sind. Leider aber ist den Erschaffenden selbst niemals klar, mit welcher Methode sie vorgegangen sind.

Was aber, wenn zwei Personen gleichzeitig und unabhängig voneinander auf dieselbe bahnbrechende Idee kommen? Ihre Gemeinsamkeiten könnten sehr erhellend sein. Nehmen wir die Theorie der Evolution durch natürliche Selektion, unabhängig voneinander erdacht von Charles Darwin und Alfred Wallace.

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KZ Neuengamme: Wenn Opa ein Nazi-Mörder war

Neugestaltung des ehemaligen Stammlagers. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 2.0 de

Kinder und Enkel von NS-Tätern treffen sich in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, um die Geschichte ihrer Eltern und Großeltern kennenzulernen. Auch, wenn dabei die Familien-Fassade zerbrechen kann.


Von Per Hinrichs|DIE WELT

Als der Abspann über die Leinwand zieht, gibt es kaum jemandem im Gruppenraum der ehemaligen Häftlingsunterkunft, der keine roten Augen hat. Einer schneuzt sich, eine weint leise in ihr Taschentuch, eine andere heult hemmungslos drauflos. “Ich finde das nicht fair, uns mit diesen Szene zu konfrontieren”, sagt die 35-jährige Annika (Name geändert) unter Tränen. Zuvor sahen die Teilnehmer der Gruppe historische Aufnahmen in Schwarz-Weiß von der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen im April 1945 – ausgemergelte Gestalten blicken in die Kameras, Leichenberge sind zu sehen, immer wieder tote, halb verhungerte, geschundene Körper.

Die Szenen stammen aus dem Film “Close to Evil”, der die Geschichte des Holocaust-Überlebenden Tomi Reichental wiedergibt. Der Jude wurde mit neun Jahren ins KZ Bergen-Belsen verschleppt und versuchte 2014 erfolglos, die heute 93-jährige Hamburgerin Hilde Michnia zu treffen, die in dem Lager als Aufseherin arbeitete – ein Film über Schuld, Wahrheit und Versöhnung, der eine Strafanzeige gegen die ehemalige SS-Angehörige und ein Ermittlungsverfahren der Hamburger Staatsanwaltschaft nach sich zog.

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Impfgegner: Ihr Motzer da draußen

Image: Katie Schwartz

Image: Katie Schwartz

Muss man immer noch über Feminismus diskutieren? Und über den Sinn von Impfungen? Oder zeigen diese Debatten bloß, dass eine demokratische Gesellschaft nur so intelligent ist wie ihre dümmsten Mitglieder?


Von Sibylle Berg|SpON

In der “Welt” diskutieren Mitarbeiter in Serie über den Feminismus, ein Wort, das ich auch nicht mehr lesen oder hören kann, ohne dass mir die Knie einschlafen. Als ob man seit 50 Jahren darüber redete, ob LehrerInnen Kinder schlagen dürfen oder nicht. Irgendwann müssen gesellschaftliche Probleme in einer demokratischen Welt die Phase der Diskussion verlassen und politisch zu Gesetzen werden, anders scheint mitunter keine Entwicklung möglich. Das Impfen, Sie erinnern sich? Rückkehr zu Masern, Mumps und Keuchhusten, es ist ja auch sonst nichts los. Ich wagte im Freundeskreis, den ich nicht besitze, jüngst die These, dass es westlichen Eltern bald gelingen würde, in eben den westlichen Ländern auch die Kinderlähmung wieder einzuführen. Zum Wohle aller. Ich komme noch aus einem Jahrhundert (zwei Kriege habe ich erlebt), als Kinder mit Geh-Schienen im öffentlichen Raum normal waren. Es lehrte uns Kindern Demut. Vielleicht scheint das Impf-KritikerInnen erstrebenswert.

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“Charlie Hebdo” war “nur die Spitze des Eisbergs”

Foto: dpa Syriens Präsident Baschar al-Assad hat der schwedischen Zeitung “Expressen” ein sehr ausführliches Interview und Einblicke in seine Politik gegeben

Flüchtlingsstrom, Weg zur Demokratie, Terrorgefahr in Europa: Der syrische Machthaber Baschar al-Assad hat einer schwedischen Zeitung ein ausführliches Interview gegeben – inklusive warnender Worte.


Von Clara Ott|DIE WELT

Der syrische Machthaber Baschar al-Assad hat für jüngste Landgewinne militanter Islamisten Hilfe aus dem Ausland verantwortlich gemacht. Sie bekämen “enorme Unterstützung” aus der Türkei, Saudi-Arabien und anderen Ländern im Mittleren Osten, sagte Assad in einem am Freitag veröffentlichten Interview der schwedischen Zeitung “Expressen“.

So zeuge die Eroberung der Stadt Idlib Ende März nicht davon, dass die syrische Armee schwächer geworden sei, behauptete Assad. Die Provinzhauptstadt im Nordwesten des Landes war von Anhängern der mit al-Qaida verbündeten Nusra-Front eingenommen worden.

“Wie gesagt, jeder Krieg untergräbt jede Armee, das ist der natürliche Lauf der Dinge”, sagte er. “Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man, und das hängt von vielen Kriterien ab, von denen einige mit inländischen, internen und militärischen Kriterien oder Faktoren in Zusammenhang stehen.”

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Skurril: Higgs-Daten als Heavy Metal-Song

Teilchenspuren als Gitarren-Riffs: Ein Physiker des CERN hat seine eigene Version der Daten zur Entdeckung des Higgs-Bosons ins Netz gestellt. Er setzte dafür die im Teilchenbeschleuniger registrierten Massenwerte bestimmter Detektorkanäle in Noten um und machte daraus Musik. Wie das klingt, spielt er in diesem Video gemeinsam mit einem Kollegen vor.


scinexx

Die Idee, physikalische Daten und speziell die Detektor-Daten der Higgs-Entdeckung in ‘Musik umzusetzen ist nicht neu: Schon im Oktober 2014 hatten Physiker des CERN auf dieser Basis das Stück LHC Chamber Music komponiert und als Video veröffentlicht. Für dieses diente ein Diagramm aus dem ATLAS-Detektor als Grundlage.

CMS-Diagramme als Gitarren-Melodien

In der Version von Piotr Traczyk von der CMS-Kollaboration am CERN geht es nun allerdings weit weniger klassisch zu. Aber auch er nutzt Daten, die ursprünglich am 4. Juli 2012 bei der Bekanntgabe der Higgs-Entdeckung vorgestellt wurden: Die im Detektor CMS ermittelten Häufigkeiten bestimmter Zerfallsprodukte im sogenannten Gamma-Gamma und 4-Lepton-Kanal. Den einzelnen Werten ordnet er Noten aus der chromatischen Tonleiter zu, leere Stellen ergeben Pausen. “Der Rhythmus und die harmonische Struktur lassen sich so aus den Daten ableiten”, erklärt Traczyk.

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Geist schärfte sich früh: An Steinen

Pfeilspitzen, Bild: horsa122.de

Viel früher als bisher gedacht wurden Werkzeuge hergestellt: vor 3,3 Mio. Jahren. Damit wurden auch die Grundlagen der Sprache gelegt, Experimente zeigen es.


Von Jürgen Langenbach|Die Presse

In einem stimmten Charles Darwin und Friedrich Engels, der in seinem Lesehunger auch die Evolutionstheorie verschlungen hatte, völlig überein: Engels nannte es 1876 bündig den „Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“; Darwin formulierte 1871 im „Descent of Man“ präziser: „Aus einem Feuerstein auch nur das einfachste Werkzeug zu schlagen, braucht eine perfekte Hand“, und „die Struktur der Hand mag in dieser Hinsicht mit der des Vokalorgans“ verglichen werden; dazu passt dann wieder ein Vermutung Engels': „Beim Herstellen von Werkzeugen hatten sie einander etwas zu sagen.“

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Pressefreiheit: Spott über Gott?

Scheren im Kopf? Journalisten und Experten aus verschiedenen Ländern und Kulturen diskutierten über Gefährdungen der Pressefreiheit in Zeiten des Terrors Foto: pro/Schramm

Meinungsfreiheit ist ein universelles Menschenrecht. Aber wo liegen ihre Grenzen? Sollte man wirklich alles sagen, was juristisch erlaubt ist? Darüber haben am Dienstag Journalisten und Experten aus verschiedenen Ländern und Kulturen in Berlin diskutiert.


pro Medienmagazin

Millionen Menschen gingen Anfang Januar in Europa aus Solidarität mit den Opfern des Terroranschlags auf die Redaktion des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris auf die Straßen. Das blutige Massaker galt vielen als Angriff auf die universellen Rechte der Presse- und Meinungsfreiheit. Zeitgleich demonstrierten in anderen Teilen der Welt viele Menschen gegen eine vermeintlich nicht hinnehmbare Verunglimpfung ihres Glaubens durch Karikaturen wie die von Charlie Hebdo.

Nach dem Pariser Terroranschlag stellt sich die Frage, ob man alles sagen und schreiben sollte, was juristisch erlaubt ist. Wo liegen die Grenzen der Meinungsfreiheit? Antworten auf diese Fragen suchten die Gäste einer Podiumsdiskussion mit dem Titel: „Spott über Gott. Gefährdung der Pressefreiheit in Zeiten des Terrors“, zu der die Friedrich-Naumann-Stiftung, Reporter ohne Grenzen (ROG) und Die Welt am Dienstagabend ins Axel-Springer-Haus in Berlin eingeladen hatten.

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