176.500 Jahre alte Kreise, tief in der Dunkelheit

Genaue Vermessung der aus Tropfstein erbauten Kreise in der Bruniquel-Höhle. Foto: Etienne FABRE - SSAC
Genaue Vermessung der aus Tropfstein erbauten Kreise in der Bruniquel-Höhle. Foto: Etienne FABRE – SSAC
Es wird immer deutlicher, dass der Neandertaler viel mehr Fähigkeiten hatte, als ihm die Experten lange zutrauten. Er war kein tumber, affenähnlicher Primitivling, der seine Keule schwang, sondern ein anderer Mensch, der feine Werkzeuge schuf, höchst erfolgreich jagte, Kleidung und Schmuck trug. Längst ist klar, dass sich Neandertaler und Neandertalerinnen über Sprache verständigten. Dennoch halten gängige Modelle bisher an der Vorstellung der Überlegenheit des anatomisch modernen Mensch fest und schreiben jeden Fund künstlerischer Artefakte automatisch dem Homo sapiens zu.
 

Von Andrea Naica-Loebell | TELEPOLIS

Symbolisches Denken wird dem Homo neanderthalensis generell abgesprochen, seine Unterlegenheit soll sich nach Meinung vieler Anthropologen vor allem in einer minderwertigen sozialen Organisation manifestiert haben, was letztlich zu seinem Verschwinden führte.

Ein Bild, das immer mehr Risse bekommt. Jetzt zeigen aktuelle Forschungsergebnisse, dass die Neandertaler vor 176.000 Jahren aus Tropfsteinbruchstücken mehrere kreisförmige Strukturen sehr tief in einer Höhle errichteten.

Im Südwesten Frankreichs, im Departement Tarn-et-Garonne, hoch über dem Fluss Aveyron befindet sich die Bruniquel-Höhle, die seit dem Pleistozän durch einen Felssturz verschlossen war, bis sich 1990 Höhlenforscher einen Zugang frei gruben. Die Speläologen fanden eine faszinierende Unterwelt voller Tropfsteine und einen unterirdischen See, schon im früheren Eingangsbereich Spuren von Höhlenbären, Fußabdrücke und Klauenritzungen und ganz tief im Innern der lang gezogenen Höhle eine Halle mit seltsamen Kreis-Formationen auf dem Boden.

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Gehören Religionen zu Deutschland?

Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Eine gespenstisch rückschrittliche Vorstellung hat in Deutschland erneut Konjunktur. Der untote Wiedergänger intellektuellen Versagens ist nur unzureichend in der Aussage wiedergegeben, das Christentum gehöre zu Deutschland. Denn trotz der Uneinigkeit in der Einschätzung des Islam besteht doch der verbindende Konsens zwischen allen politischen Lagern in der noch weitergehenden Idee, das Christentum sei für Deutschland prägend und eine wichtige Säule seines Gemeinwesens.

Von Peter Heller | Achgut.com

Das Verharren großer Teile der muslimischen Welt in mittelalterlichen gesellschaftlichen Zuständen wird korrekterweise auf die dort herrschende Religion zurückgeführt. Naheliegend und begründet scheint daher, die ebenso klar erkennbare Fortschrittlichkeit der westlichen Welt als Auswirkung eines anderen, vermeintlich humaneren oder gar aufgeklärteren Glaubens anzusehen. Ein fahrlässiger Irrtum.

Nicht die Religion sondern die Geografie hat uns geholfen

Auf die Frage, warum gerade wir individuelle Freiheitsrechte (noch immer) so viel höher einschätzen, warum gerade wir auf so viel mehr künstlerische, technische und wissenschaftliche Höchstleistungen zurückblicken können, warum gerade wir vom Verbrennungsmotor bis zum Computer alles entwickelt haben, was die Technosphäre heute prägt, warum gerade wir zum Mond geflogen sind und islamisch geprägte Länder eben nicht, gibt es eine klügere Antwort: Die Geographie hat es entschieden, der glückliche Zufall unserer besonderen Position auf der Weltkarte.

Der Handel unterscheidet Menschen von Tieren. Die Fähigkeit zum gleichzeitigen Austausch unterschiedlicher Dinge zum gegenseitigen Vorteil, die Möglichkeit zur Kooperation bei unterschiedlichen Zielen, ist der Gattung Homo einzigartige Eigenschaft. Es mag Löwen geben, die sehr geschickt im Erlegen von Antilopen sind, denen aber Zebras einfach mehr munden. Es mag Löwen geben, bei denen sich dies genau entgegengesetzt verhält. Ein Treffen zweier solcher Löwen in der Savanne, die ihre jeweiligen Jagdbeuten miteinander austauschen, Antilope einer- und Zebra andererseits, wurde noch nie beobachtet. Für menschliche Jäger hingegen wäre ein solches Verhalten selbstverständlich. Der Handel schafft die Möglichkeit zur Arbeitsteilung, durch die spezifische Talente einzelner Individuen der gesamten Gruppe zur Verfügung stehen. Der Handel, der neben physischen Gütern auch Ideen und Konzepte betrifft, induziert Innovationen, die selbst als Waren dienen oder schlicht die Verteilung und Verbreitung solcher vereinfachen.

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Warum die Schlacht von Verdun zum Symbol wurde

Kreuze auf dem Soldatenfriedhof vor dem Beinhaus von Douaumont bei VerdunFoto: epd
Bei Verdun starben im Ersten Weltkrieg Hunderttausende französische und deutsche Soldaten in einem sinnlosen Kampf. Daran werden Frankreichs Präsident Hollande und Kanzlerin Merkel heute erinnern.
 

Von Albrecht Meier | DER TAGESSPIEGEL

An diesem Sonntag wird Alexandre Lafon zwischen den 4000 Gästen in Douaumont Platz nehmen. Der Historiker wird darauf hoffen, dass an dem geschichtsträchtigen Ort in der Nähe von Verdun alles wie geplant abläuft, bevor François Hollande und Angela Merkel das Wort ergreifen. Zehn Minuten sind jeweils für den französischen Präsidenten und die deutsche Kanzlerin als Redezeit geplant. Das Thema: die aktuelle politische Bedeutung der Schlacht von Verdun, an deren 100. Jahrestag im Nordosten Frankreichs an diesem Sonntag erinnert wird. Aber möglicherweise werden bei dieser Gedenkfeier die Bilder wichtiger sein als die Worte.

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Captain America is a secret Nazi, and people are going crazy about it

Captain America. Screengrab @CNN Twitter
Captain America. Screengrab @CNN Twitter
New comic book’s last page revelation seen by some as a betrayal of Marvel superhero’s WWII-era Jewish creators

By Lior Zaltzman | The Times of Israel

The new Captain America comic book includes an epic reveal, and some people are not happy about it.

When fans ran out to grab Marvel Comics’ “Captain America: Steve Rogers #1” on its release Wednesday, they were not expecting this.

Captain America discloses in the issue that he is in fact a secret operative of the evil, formerly Nazi organization, Hydra.

The dramatic twist happens right on the last page, as Captain America prepares to throw his supposed ally, Jack Flag, off an airplane, presumably to his death, and exclaims, “Hail Hydra!”

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The Big Lebowski als Vorbild für eigene Religion: der Dudeismus

Logo des Dudeismus. Bild: wikimedia.org/CC0

Der Kultfilm „The Big Lebowski“ handelt von einem Aussteiger, dessen Leben ausschließlich aus Bowling, Kiffen und White Russians besteht – er nennt sich selbst „der Dude“. Acht Jahre nach Erscheinen des Films entsteht tatsächlich eine Religion, die auf dieser Person basiert: der Dudeismus.

Von Felicitas Fehrer | Galileo

Im Bademantel eine ruhige Kugel schieben – das ist das Motto der Dudeisten. Von Thailand bis Amerika gibt es sie in rauen Mengen: Fans des Filmhelden aus „The Big Lebowski“. Der tiefenentspannte Dude ist nicht nur ihr großes Vorbild, sondern ihr Gott.

Aber was macht den Helden einer Kriminalgeschichte der Cohen-Brüder von 1998 so anbetungswürdig? Die Tatsache, dass er zum Leben nichts braucht außer seinen Bademantel, White Russian Cocktails und Bowling? Nein. Angeblich ist es nicht seine Faulheit, die bewundert wird, sondern sein Mut zur Faulheit – in einer Welt, die einem vorschreibt, faul zu sein, sei eine Schande. Der Dude mache uns vor, wie man Leistungsdruck oder Vorschriften, die einem an den Nerven zerren, überwindet und einfach sein Ding macht. Wie man einen gesunden Individualismus entwickelt.

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Kontexte und Perspektiven radikaler Philosophie

Frieder Otto Wolf lehrt Philosophie an der Freien Universität Berlin und ist u.a. Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands.

Fünfte Vorlesung: Rückfragen und Kritiken (1): Stefania Maffeis: Ansatz der transnationalen Ideenzirkulation als Impuls für die radikale Philosophie – Für eine Präzisierung der „Frage nach der Frage“

Frieder Otto Wolf

Download: Folien zur Vorlesung | AUDIODATEI

Stonehenge, Easter Island, Venice: Climate Change Will Destroy Human History

Moai at Ahu Tongariki, Rapa Nui. Image: Flickr/travelwayoflife
Moai at Ahu Tongariki, Rapa Nui. Image: Flickr/travelwayoflife
Climate change has become a battle for the future of human life on Earth. But as we set our sights on the imminent challenges ahead, it can be easy to lose track of our past.

By Sarah Emerson | MOTHERBOARD

Cultural heritage sites are beacons of our remarkable legacy as a species. They’re as diverse and complex as humanity itself, which is why UNESCO has designated 802 of them as worthy of protection. But as temperatures and sea levels continue to rise, these treasured places are in danger of disappearing forever.

An international team of scientists, anthropologists, and economists have identified 31 cultural and natural UNESCO World Heritage sites across 29 countries that are directly threatened by climate change. Among these are the Neolithic structures of Stonehenge, the towering moai on Rapa Nui (Easter Island), Venice’s historic architecture, and even the United States’ own Statue of Liberty.

The coalition’s troubling findings were detailed in a joint report released today by UNESCO, the United Nations Environment Program (UNEP), and the Union of Concerned Scientists (UCS).

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Jung, feministisch und islamisch

Muslimische Studentin während des Galaabend im Auswärtigen Amt Berlin zugunsten des Studiengangs „European Studies“. (picture alliance / Andreas Keuchel)
Islamischer Feminismus – ist das widersinnig? Keinesfalls, meinen einige Musliminnen. Die jungen Frauen wollen – ähnlich wie feministische Christinnen – ihre Religion neu interpretieren, diesmal frauenfreundlich.

Deutschlandradio Kultur

Plötzlich sind sie da. Manchmal mit Kopftuch, manchmal ohne, aber immer mit lauter Stimme, unüberseh- und unüberhörbar. Junge Frauen, die sich als Musliminnen und Feministinnen verstehen. Frauen wie die Poetry-Slammerin Faten El-Dabbas vom Künsterkollektiv I-Slam:

„Mein Kleidungsstil missfällt ihnen, mein Name löst Chaos bei ihnen aus, wer ich wirklich bin, kümmert sie nicht… muss das alles sein, dass ich meine Finger verbrenne, wenn ich meine Hand reich.“

Die älteren Feministinnen vom Schlage einer Alice Schwarzer reiben sich verwundert die Augen. Der Islam ist für sie eine zutiefst patriarchalische, ja frauenverachtende Religion. Feminismus und Islam schließen sich ihrer Ansicht nach gegenseitig aus. Nur eine Frau, die das Kopftuch ablege und sich vom Islam abwende, könne sich wahrhaft befreien – so die reine feministische Lehre.

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Schweiz: Muslimische Schüler müssen Lehrerin die Hand geben

Im Schweizer Kanton Basel-Landschaft darf künftig kein Schüler mehr aus religiösen Gründen seinen Lehrern den Handschlag verweigern. Bei Missachtung drohen den Eltern empfindliche Strafen.

SpON

Seit Wochen diskutieren die Schweizer darüber, ob zwei muslimische Schüler ihrer Lehrerin die Hand geben müssen oder nicht. Nun hat die zuständige Schulbehörde reagiert und den Handschlag für alle Schüler zur Pflicht erklärt.

Die 14 und 15 Jahre alten Brüder aus Syrien, die im kleinen Ort Therwil in der Nähe von Basel die Schule besuchen, hatten den Handschlag aus religiösen Gründen verweigert. Dabei ist dieser an vielen Schweizer Schulen Tradition.

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Richterbund: „Das deutsche Recht ist im Sinkflug“

grundgesetz

Die Politik beuge Gesetze und die Bevölkerung orientiere sich an selbst gestrickten Vorstellungen von Gerechtigkeit, meint Jens Gnisa, Chef des Richterbunds. Er sieht schwarz für die deutsche Justiz.

Von Hannelore Crolly | DIE WELT

Kürzlich wagte sich der Richter Jens Gnisa in eine heikle Talkrunde von Frank Plasberg. Die „Hart aber fair“-Sendung rang um die Frage, wann eigentlich Gerichtsurteile gerecht sind. Wie ein Gericht junge Raser, die bei illegalen Autorennen Menschen getötet haben, mit Bewährung heimschicken kann. Wieso ein folgenloser Überfall mit Schreckschusspistole womöglich weit schärfer bestraft wird als ein Einbruch mit Verwüstungen, die die Opfer nachhaltig traumatisieren. Und grundsätzlich: Wie es so weit kommen konnte, dass jeder zweite Deutsche laut einer Allensbach-Umfrage unsere Justiz als zu lasch empfindet.

In der TV-Debatte ging es, ganz gemäß dem Motto, hart zur Sache. Ein Opfervater warf Gnisa und seinen Richterkollegen indirekt vor, den Wert eines Menschenlebens zu gering einzuschätzen. Ein Polizeigewerkschaftler stellte infrage, ob noch alle Urteile „im Namen des Volkes“ gesprochen werden dürften. Doch wirklich verblüfft, ja erschreckt hat Gnisa erst das, was nach der Sendung folgte.

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China: 5.000 Jahre alte Bierbrau-Werkstatt entdeckt

Bier ist keine europäische ERfindung: Auch die Chinesen brauten schon vor rund 5.000 Jahren den Gerstensaft. © Givaga/ thinkstock
Steinzeitliche Braukunst: Schon vor rund 5.000 Jahren beherrschten die Chinesen die Kunst des Bierbrauens. Das belegen Funde von Brau-Utensilien und Maische-Rückstände bei Ausgrabungen in Nordchina. Überraschend dabei: Die chinesischen Braumeister nutzten nicht nur komplexe Brauverfahren, sie verwendeten für ihre Rezepte auch ungewöhnliche Zutaten wie Wurzeln und ein asiatisches Süßgras.
 

scinexx

Die Herstellung alkoholischer Getränke durch Fermentation hat eine lange Tradition: Schon vor gut 4.000 Jahren tranken die Sumerer einen vergorenen Getreidesaft, im Süden Ägyptens wurde vor rund 2.000 Jahren Bier als Medizin gegen Infekte konsumiert und die Gallier sind für ihre Liebe zum Gerstensaft berühmt.

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Towel Day: Don’t panic

towel_day

Auch der Reiseführer Per Anhalter durch die Galaxis erwähnt den Alkohol. Da steht, der beste Drink, den es gibt, ist der Pangalaktische Donnergurgler.
Da steht, die Wirkung eines Pangalaktischen Donnergurglers ist so, als werde einem mit einem riesigen Goldbarren, der in Zitronenscheiben gehüllt ist, das Gehirn aus dem Kopf gedroschen.

(Per Anhalter durch die Galaxis)

Douglas Adams

„Eagles of Death Metal“: Kniefall vor den Islamisten

Leadsänger Jesse Hughes, picture alliance
Vor sechs Monaten stürmten Islamisten ein Konzert der „Eagles of Death Metal“ in Paris. Nun ist die Band wegen kontroverser Statements ihres Frontmannes von zwei großen französischen Musikfestivals ausgeladen worden. Das kommt einer nachträglichen Aufwertung derer gleich, die sie damals zum Schweigen bringen wollten

Von Matthias Heitmann | CICERO

Die „Eagles of Death Metal“ waren ein umjubeltes Symbol für den Widerstand gegen Angst und Einschüchterung. Am 13. November 2015 hatten Islamisten ihr Konzert in Paris gestürmt, hatten zehn Minuten lang mit Kalaschnikows ins Publikum gefeuert und Handgranaten in die Menge geworfen. 89 Menschen starben, darunter auch ein Mitglied der Crew der Band. Doch schon kurz nach den Angriffen traten die Musiker auf Einladung wieder in Frankreich auf.

Doch die wohlwollende Stimmung ist nun gekippt. Anlass dafür waren kontroverse Äußerungen gegenüber Muslimen sowie eher abstruse Behauptungen zum Tathergang des Anschlags, mit denen sich Jesse Hughes, der Frontsänger der „Eagles of Death Metal“, in den vergangenen Monaten zu Wort gemeldet hatte. Hughes hatte unter anderem behauptet, er habe am Abend der Anschläge in Paris feiernde Muslime auf den Straßen gesehen: „Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen. In Echtzeit! Woher wussten die, was los ist? Es muss eine Form von Koordination gegeben haben.“

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Bob Dylan: „Na ja, ich bin ein wahrer Gläubiger“

Bob Dylan auf dem Azkena Rock Festival, 26. Juni 2010. Bild. wikimedia.org/CC BY 2.0

Einer der größten Musiker der Gegenwart wird 75. Seit über 50 Jahren prägt er die Musik. Unzählige Künstler haben seine Lieder gespielt und sich von ihm inspirieren lassen. Auch Religion spielt für Bob Dylan eine Rolle – als Motiv und Thema seiner Werke, und bisweilen auch als Motiv seines Lebens.

Von Felix Neumann | katholisch.de

Geboren wird Bob Dylan als Robert Allen Zimmerman in Duluth/Minnesota in eine jüdischen Familie – Nachfahren jüdischer Immigranten aus Odessa. Sehr religiös war er allerdings nicht, wichtiger war die Musik. Unter dem neuen Namen Bob Dylan in New York feiert er nur ein Fest, Weihnachten, sagt seine damalige Freundin Suze Rotolo über ihn.

Religiöse Motive sind für sein Werk trotzdem wichtig – als eine von vielen Quellen des anspielungsreichen Gewebes seiner Motive neben dem Stoff des „Great American Songbooks“, jener Sammlung der goldenen Ära der frühen amerikanischen populären Musik, neben der Literatur und neben der Mythologie. Gospel, Blues und Folk prägten den frühen Dylan, sein Debutalbum schließt mit „See That My Grave Is Kept Clean“ von Blind Lemon Jefferson, der in den 20ern aus dem Gospel den Texas Blues entwickelte. Das Album endet mit den Worten „Well my heart stopped beating and my hands turned cold / Now I believe what the Bible told.“ („Mein Herz hat aufgehört zu schlagen, meine Hände sind kalt / Jetzt glaube ich, was in der Bibel steht.“)

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Wie antisemitisch ist Deutschland?

Juden in Deutschland fühlen sich wieder bedroht.Foto: picture alliance / dpa
Deutschlands Strafverfolgungsbehörden haben 2015 fast 1400 antisemitische Straftaten erfasst. Volker Beck von den Grünen wirft der Regierung indes vor, die wahre Zahl der Delikte zu verschleiern.

Von Johannes C. Bockenheimer | DER TAGESSPIEGEL

Mit dem Antisemitismus ist es wie mit einer Wagner-Oper: Die Melodien variieren, das Leitmotiv aber bleibt immer das Gleiche – die Juden sind an allem schuld. Jesus sollen sie ermordet, Brunnen vergiftet und ihre Matzenbrote mit Christenblut gebacken haben. Man hat den Juden den Sozialismus in die Schuhe geschoben, genauso wie man sie für den Kapitalismus verantwortlich gemacht hat. Kaum ein Missstand oder Verbrechen wurde in den vergangenen Jahrhunderten nicht den Juden anzuhängen versucht.

Dass der Antisemitismus auch heute – 71 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz – keineswegs aus Deutschland verschwunden ist, beweisen nun neue Zahlen der deutschen Strafverfolgungsbehörden, die dem Tagesspiegel vorliegen. Wie die Bundesregierung dem Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Grüne) auf Anfrage mitteilte, wurden 2015 demnach 1366 Straftaten mit antisemitischem Hintergrund von den Ermittlungsbehörden erfasst – bei 36 davon handelte es sich um Gewalttaten.

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Bist du mit deinen Exfreunden befreundet? Bist du ein Psychopath?

Die absolute Beziehungs-Königsdisziplin für Menschen mit herausragender Persönlichkeit? Das Ende einer Beziehung so gestalten, dass man sich danach immer noch in die Augen schauen oder sogar miteinander befreundet bleiben kann.

jetzt.de

Diejenigen, die dazu nicht in der Lage sind, mussten sich bislang als Beziehungsmanagment-Versager fühlen. Schließlich hat man sich ja mal geliebt und gemocht, da muss es doch unter einigermaßen vernünftigen Menschen möglich sein, auch nach dem Ende der Beziehung noch miteinander zu sprechen.

So die bisherige Meinung. Doch nun gibt eine Studie diesen angeblichen Versagern Rückenwind. Denn besonders häufig sind die Menschen mit Expartnern befreundet, deren Persönlichkeitsmerkmale psychopathische Züge zeigen.

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IS-Flagge auf Saudi-Arabiens Botschaft projiziert

Provokation: Die IS-Flagge wurde am Donnerstagabend an die Fassade der saudischen Botschaft projiziert.Foto: Martin Peterdamm Photography
Aktivisten kritisieren mit Lichtinstallation Terror-Finanzierung und setzen sich für die Freilassung des saudischen Bloggers Raif Badawi ein.

Von Felix Hackenbruch | DER TAGESSPIEGEL

Der Protest dauerte nur wenige Minuten, doch die Symbolkraft ist enorm. Politische Kunst-Aktivisten haben am Donnerstagabend gegen 22 Uhr eine IS-Flagge auf die Fassade der Botschaft von Saudi-Arabien projiziert, um dagegen zu protestieren, dass der sogenannte „Islamische Staat“ mutmaßlich Geld aus dem arabischen Königreich erhält. Darüber stand „Daesh Bank“ – das Akronym „Daesh“ ist die arabische Abkürzung für „Islamischer Staat im Irak und Großsyrien“.

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„Der Islam gehört zur europäischen Kultur, die Muslime nicht“

Hārūn ar-Raschīd, Miniatur in Tausendundeine Nacht. Bild: wikimedia.org/PD

Ohne die Vermittlung muslimischer Gelehrter wäre das Wissen der Antike nicht nach Europa gekommen. Dort entwickelte es sich weiter – während in der islamischen Welt Stillstand eintrat.

Von Christoph Arens | DIE WELT

Der Islam gehöre nicht zu Europa, behaupten die AfD und andere fremdenfeindliche Populisten. Dagegen argumentiert Michael Borgolte, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Berliner Humboldt-Universität und Autor mehrerer Studien über die Beziehungen zwischen lateinischer Christenheit, Islam und Judentum: Die okzidentale Wissenskultur, so sein Credo, ist ohne den Beitrag muslimischer Gelehrter nicht denkbar.

Frage: Für die AfD gehört der Islam nicht zu Deutschland. Wie sehen Sie das als Historiker?

Michael Borgolte: Auch viele andere Politiker argumentieren ja, dass zwar die Muslime zu Deutschland gehören, aber nicht der Islam. Ich finde diesen Streit ziemlich unerquicklich und wenig hilfreich. Aber aus der Sicht des Mittelalterhistorikers muss ich die Prioritäten umkehren und klar formulieren: Nicht die Muslime gehören zu Deutschland, aber der Islam gehört zu den Fundamenten europäischer und deutscher Kultur.

Frage: Wie kommen Sie zu dieser Aussage?

Borgolte: Einerseits lebt eine größere Anzahl von Muslimen erst seit der Anwerbung türkischer Gastarbeiter ab 1961 in Deutschland. Zwar gab es auch schon am Hof Karls des Großen im 9. Jahrhundert oder im 18. Jahrhundert in Preußen eine Handvoll muslimischer Diplomaten oder Kriegsgefangener, aber sie haben sicherlich nicht das Land geprägt.

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Richard David Precht: „Wir haben keinen Anspruch auf Frieden“

Der 51-jährige Richard David Precht. FOTO: Andreas Endermann
Seine Bücher erreichen ein Millionenpublikum und wurden in über 30 Sprachen übersetzt. Jetzt wird Richard David Precht auf der vierten Phil.Cologne gleich dreimal zu erleben sein. Wir sprachen mit dem Philosophen über die Globalisierung, Demokratie und die Suche nach Schuldigen in Krisenzeiten.
 

Von Lothar Schröder | RP ONLINE

Was können wir von den alten griechischen Philosophen heute lernen?

Precht Na ja, es gibt einiges, was heute frappierend aktuell ist. Dazu gehört die Tugendethik des Aristoteles. Nach unserem ethischen Verständnis scheint es nicht mehr auf uns selbst anzukommen, da es ja für alles Gesetze gibt und alles durch Institutionen geregelt wird. Die Moral ist eine Sache des Staates und nicht mehr der persönlich Lebensführung. Dazu gehören aber auch ökonomische Überlegungen. Nach Platon und Aristoteles sollte die Wirtschaft so konstruiert sein, dass sie möglichst nicht auf quantitatives Wachstum angewiesen ist. Das ist so ziemlich das Gegenteil dessen, was wir heute unter Wirtschaft verstehen. Das griechische Ideal war es, einen ökonomischen Kreislauf zu schaffen, der sich selbst genügt. Dazu gehörte auch, die Geldwirtschaft einzudämmen. Angesichts einer aus den Fugen geratenen Finanzwirtschaft ist das ein Aspekt, den wir heute wieder diskutieren.

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Ex-Linkenfraktionschef Gysi kritisiert Böhmermann

Gregor Gysi. Bild: FB
Gregor Gysi. Bild: FB

Der frühere Linksfraktionschef Gregor Gysi hat den Fernsehsatiriker Jan Böhmermann wegen dessen Schmähgedicht scharf kritisiert.

evangelisch.de

Er habe das Gedicht über den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan gelesen und finde es nicht witzig, sagte Gregor Gysi der in Chemnitz erscheinenden „Freien Presse“ (Donnerstagsausgabe). Anlass war ein Gastauftritt Gysis in Böhmermanns erster Sendung nach dem folgenreichen Erdogan-Gedicht. Das „Neo Magazin Royal“ sollte am Donnerstagabend in ZDFneo ausgestrahlt werden.

Gysi: Viele Vorurteile bedient

In dem Gedicht würden viele Vorurteile bedient, sagte der frühere Chef der Linken im Bundestag: „Das ärgert mich“. Es sei eine Schmähkritik. Juristisch gesehen sei es eine Beleidigung. Gysi betonte, er sei zwar ein Verfechter der Kunstfreiheit, „aber man sollte sie auch nicht missbrauchen. Jan Böhmermann hätte das so nicht sagen müssen.“

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