Presserat ändert Richtlinie zur Herkunftsnennung bei Tätern

Pressecodex – Richtlinie gegen Diskriminierung © MiG
Der Deutsche Presserat hat die umstrittene Richtlinie zur Nennung der Herkunft von Straftätern geändert. Herkunft und Religion von Straftätern sollen in Zukunft genannt werden, wenn ein begründetes öffentliches Interesse vorliegt.

MiGAZIN

Der Deutsche Presserat hat die umstrittene Richtlinie zur Nennung der Herkunft von Straftätern neu formuliert. Damit werde die eigenständige Verantwortung der Medien beim Diskriminierungsschutz bekräftigt, teilte das Selbstkontrollorgan nach einer Plenumssitzung in Berlin mit. Der alten Richtlinie 12.1 zufolge sollten Medien Herkunft und Religion von Straftätern nur dann nennen, wenn ein „begründbarer Sachbezug“ zu der Straftat bestand. In der Neufassung ist diese Ausnahme von der Regel dann legitim, „wenn ein begründetes öffentliches Interesse vorliegt“.

Wie der Sprecher des Deutschen Presserats, Manfred Protze, sagte, wurde die neue sogenannte Diskriminierungsrichtlinie mit breiter Mehrheit angenommen. Es habe nur wenige Gegenstimmen und Enthaltungen gegeben. Beschlüsse des Presserats müssen mit Zwei-Drittel-Mehrheit gefasst werden.

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Unter Weißen: „Rassismus gibt es überall“

Mohamed Amjahid. Bild: Götz Schleser
Jeder hat rassistische Vorurteile – es kommt darauf an, sie zu erkennen und zu korrigieren, meint der Journalist Mohamed Amjahid

Von Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Wie fühlt es sich an, als nichtweißer Mensch „Unter Weißen“ zu leben, wie geht man mit dem alltäglichen mal mehr, mal weniger subtilen Rassismus um? Wie erkennt man Vorurteile, wie kann man sie korrigieren? Die Geschichte der Ressentiments ist auch eine Frage der Privilegien, also der Stellung eines Menschen in der Gesellschaft, meint der Journalist Mohamed Amjahid, der marokkanische Wurzeln hat und jetzt ein Buch zu dem Thema vorgelegt hat: „Unter Weißen. Was es heißt, privilegiert zu sein“.

Wann hast Du Dich zuletzt bei einem rassistischen Vorurteil ertappt? Und wie hast Du reagiert?
Mohamed Amjahid: Einmal, als ich in den USA war, habe ich an einem Busbahnhof mein Handy aufgeladen. Als der Bus kam, stöpselte ich es aus. Neben mir stand ein junger schwarzer Mann und sagte: Du denkst, dass ich dein Handy klauen will. Ich verneinte und rannte zum Bus. Und fragte mich, warum ich eigentlich so sicher bin, dass ich nichts Derartiges gedacht habe, ob ich nicht unbewusst doch Vorurteile hatte. Das hat mich tagelang umgetrieben. Ich bin überzeugt, dass wir alle solche Ressentiments in uns haben.
Ein anderes Beispiel: Kurz nach der Silvesternacht recherchierte ich in Köln fürs Zeit-Magazin. Ich war in der Taunusstraße in Köln-Kalk. Die Gegend gilt als „Marokkanergetto“. Unter einer S-Bahn-Brücke kam mir ein junger Mann entgegen, der nordafrikanisch aussah. Da hatte ich ein mulmiges Gefühl. Er lief einfach vorbei. Ich hatte vorher all diese Berichte über Silvester gelesen, auch in der Bild, dem Express, das gehörte zu meiner Recherche. Dabei sehe ich selbst ja auch so aus, dieses Gefühl war völlig irrational und unbegründet. Aber Gefühle kann man nicht immer kontrollieren. Deshalb ist es so wichtig, sich selbst immer zu hinterfragen und zu reflektieren.

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Anglikanischer Bischof: Vorsicht bei ‚Die Schöne und das Biest’

Eltern hätten die Aufgabe, ihren Kindern bei der Auswahl ihrer Unterhaltungsprogramme Orientierung zu geben. Das gelte besonders in einer sich schnell wandelnden Zeit, schreibt Bischof Rennis Ponniah.

kath.net

Rennis Ponniah, der anglikanische Bischof von Singapur, hat die Priester seines Bistums aufgefordert, ihre Gemeinden auf die homosexuellen Inhalte des Disney-Films „Die Schöne und das Biest“ hinzuweisen.

Der Film kommt im März in die Kinos des südostasiatischen Stadtstaates. Disney-Filme würden in der Regel gute Werte vermitteln, doch die Zeiten änderten sich grundsätzlich, schreibt der Bischof in einem offenen Brief an seinen Klerus. In der Neuverfilmung von „Die Schöne und das Biest“ werde eine Person als homosexuell dargestellt, deren gleichgeschlechtliche Beziehung in einer Nebenhandlung gezeigt werde.

Website That Simulates How Speech Works in Your Mouth Is So Weird and Cool

I can’t stop giggling uncontrollably at this web application. It’s not even the name, „Pink Trombone,“ that’s getting to me. It’s something about manipulating a disembodied mouth to sound as delightfully ridiculous as possible.

By Samantha Cole | MOTHERBOARD

t’s the creation of Neil Thapen, a researcher at the Institute of Mathematics of the Academy of Sciences of the Czech Republic.

The app is built to explore how speech is formed in the throat and mouth, from the sound generated at the glottis to each part of the soft palate, hard palate, lips, tongue and nasal cavity. Depending on where you click or press, the mouth lets out a steady, slightly bored scream, or a nasally babble that almost sounds like words (though I still haven’t been able to make it say anything distinct—motivation to keep trying!). Moving the tongue and pitch around produces vowels, while touching the lips and oral cavity produces consonant.

What are you trying to say, Pink Trombone? Muh-ma-OOwahoooOOOa? Got it.

Genderdysphorie

Bild: S. Schleim
In diesem Beitrag will ich mich nicht daran versuchen, das gesamte Thema der Transsexualität zu beleuchten. Dafür ist es zu komplex. Es geht mir vielmehr um eine Einladung zum Nachdenken: Was ist eigentlich eine psychische Störung und was bedeutet das für die Menschen, die unter diesen Begriff fallen?

Von Stephan Schleim | TELEPOLIS

Dabei beschäftige ich mich mit den Kriterien des 2013 erschienenen DSM-5. Das DSM ist das Diagnosehandbuch der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung (APA; meint, wie so oft, vor allem die USA).

Es gilt zwar erst einmal nur dort, wird aber in manchen anderen Ländern ebenfalls angewendet und auch die internationale Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation in Zukunft beeinflussen. Diese verwaltet das ICD, zurzeit in zehnter Auflage, das auch in Deutschland angewandt wird und zuletzt 1992 runderneuert wurde.

Nun muss man wissen, dass das DSM am Konferenztisch entsteht. Die Planung für die fünfte Auflage begann 2000. Dass von dem Vorhaben, die Definitionen psychischer Störungen auf eine neurobiologische Grundlage zu stellen, nichts aber auch wirklich gar nichts Anwendungsreife erreicht hat, ist ein Thema für einen eigenen Beitrag.

Jedenfalls haben sich diese namhaften Damen und (vor allem) Herren der nordamerikanischen Psychiatrie an besagtem Tisch darauf verständigt, die sogenannte Gender Identitiy Disorder (dt. Genderidentitätsstörung) durch den Begriff der Gender Dysphoria zu ersetzen. Das heißt erst einmal nur, dass jemand mit der ihm oder ihr zugewiesenen Geschlechtsrolle unzufrieden ist, eben dysphorisch.

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Ein neuseeländischer Fluss besitzt jetzt die gleichen Rechte wie ein Mensch

Der Whanganui River, auch Te Awa Tupua genannt | Foto: mtrappitt | Flickr | CC BY-SA 2.0 Bild: VICE.com
Der Whanganui-Volksstamm hat 140 Jahre lang dafür gekämpft, den Te Awa Tupua als einen seiner Vorfahren ansehen zu lassen. Nun haben die Mitglieder Recht bekommen.

Von Brian Moylan | VICE.com

Vergangenen Mittwoch wurde in Neuseeland ein 140 Jahre andauernder Rechtsstreit beigelegt. Das Ergebnis: Ein Fluss besitzt nun Menschenrechte. Das berichtet der Guardian.

Der Fall wurde vom Whanganui-Volksstamm vorgebracht. Dessen Mitglieder haben seit 14 Jahrzehnten versucht, den als Te Awa Tupua bekannten Fluss offiziell als ihren Vorfahren anerkennen zu lassen. Jetzt hat ein Gericht dem Stamm Recht gegeben. Der neue Status des Flusses bedeutet, dass man ein Mitglied der Whanganui angreift, wenn man dem Gewässer Schaden zufügt.

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„Es geht um ein verzweifeltes Rückzugsgefecht der klassischen Massenmedien“

Bild: heise.de/tp
Medienwissenschaftler Norbert Bolz über Echokammern und Betroffenheitsapostel

Von Marcus Klöckner | TELEPOLIS

Schlagen Journalisten die Wirklichkeit platt? Führen sich viele von ihnen wie Oberlehrer auf? Im Interview mit Telepolis findet Norbert Bolz klare Worte. Der Professor für Medienwissenschaft an der Technischen Universität Berlin hat vor kurzem in einer bemerkenswerten „Phönix Runde“ zum Thema „alternative Fakten“ auch eine zentrale Medienkritik angebracht. Im Interview führt er die Kritik fort und stellt fest, dass Medien, egal wie oft hochrangige Vertreter aus dem journalistischen Feld dies auch wiederholen, gar nicht „zeigen können, was ist.“ Medien, so Bolz, „konstruieren die Wirklichkeit, die sie darstellen und sind dabei hochselektiv“.

Herr Bolz, wer derzeit bei Google news den Begriff „alternative Fakten“ eingibt, erhält über 600.000 Ergebnisse. Um nur mal ein Beispiel anzuführen: In einem nachrichtlichen Artikel des Handelsblatt heißt es, der EU-Vizekommissionspräsident Frans Timmermans habe dem polnischen Außenminister Witold Waszczykowski bei der Münchner Sicherheitskonferenz vorgeworfen, „alternative Fakten“ zu verbreiten“. Warum wird gerade von vielen Seiten so aufgeregt reagiert, wenn ein Akteur „alternative Fakten“ erwähnt? Sind „alternative Fakten“ denn überhaupt grundsätzlich ein Problem?
Norbert Bolz: Dass jemand alternative Fakten verbreitet, kann gar kein Vorwurf sein. Natürlich gibt es alternative Fakten – aber das war mit dem von der Trump-Regierung lancierten Ausdruck eigentlich nicht gemeint. Man wollte schlicht betrügen.
Also eigentlich müsste man von bewussten Lügen, von bewusst gestreuter Desinformation sprechen und nicht von „alternativen Fakten“?
Norbert Bolz: Genau.
Ist die aufgeregte Diskussion um „alternative Fakten“ ein Hinweis dafür, dass wir einen Kampf um die Interpretationshoheit beobachten können?
Norbert Bolz: Ja. Diejenigen, die „alternative Fakten“ jetzt als
Kampfbegriff gebrauchen, wollen suggerieren, die von ihnen selbst verbreiteten Informationen seien die Wahrheit und alles andere Lüge.

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„Wundere mich, mit welcher Frechheit der türkische Staat glaubt, in Europa Wahlkampf führen zu können

Rüdiger Safranski: „Der Wohlfahrtsstaat setzt den Nationalstaat voraus.“ – Robert Brembeck/Visum/picturedesk.com
„Erdoğan errichtet ein undemokratisches Führersystem und Europa soll ihm auch noch erlauben, dafür Reklame zu machen“, sagt der deutsche Philosoph und Schriftsteller Rüdiger Safranski. Die deutsche Bundeskanzlerin habe es verabsäumt, auf das Verhalten des „Tyrannen Erdoğan“ entschieden zu reagieren. Es fehle ihr an der „notwendigen demokratischen Selbstachtung“.

Von Judith Hecht | Die Presse.com

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will in Europa für seine Verfassungsreform werben. Die Niederlande ließen das nicht zu. Auch Deutschland will sich die Einreise türkischer Minister vorbehalten. Finden Sie das richtig?

Rüdiger Safranski: Auf jeden Fall. Ich wundere mich, dass man es bisher erlaubt hat. Das deutsche Bundesverfassungsgericht hat in einem Eilbeschluss ausdrücklich erklärt, dass für eine fremde Macht kein Anspruch besteht, auf deutschem Boden Wahlkampf zu führen. Die Regierung kann das jederzeit untersagen. Es geht nicht um Meinungsfreiheit, sondern um staatliches Handeln türkischer Staatsorgane auf deutschem Boden. Mit anderen Worten: Es geht um die deutsche Souveränität. Die Reaktionen von Angela Merkel werden dem überhaupt nicht gerecht. Es fehlt an der notwendigen demokratischen Selbstachtung.

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Emojis: Es knirscht im Zeichensatz

© Illustration Aphelandra Messer Künftiges Emoji: Wird der Hijab für Frauen zum Symbol des muslimischen Glaubens schlechthin?
In der Online-Kommunikation scheint es kaum noch einen Text zu geben, der nicht mit Emojis verziert ist. Hinter der harmlos daherkommenden Fassade der bunten Bildchen tobt ein Kulturkampf.

Von Anatol Stefanowitsch | Frankfurter Allgemeine

Die Geschichte der Emojis begann Ende der neunziger Jahre, als Shigetaka Kurita für den mobilen Internetdienst eines japanischen Mobilfunkanbieters 176 pixelige Piktogramme entwarf. Neben Smileys und abstrakten Symbolen wie Ziffern, Pfeilen und Sternzeichen waren darunter auch gegenständliche Abbildungen für Gebäude, Fahrzeuge und Nahrungsmittel. Andere japanische Anbieter zogen mit eigenen Entwürfen nach, aber jeder dieser Bildzeichensätze funktionierte nur innerhalb des jeweiligen Internetdienstes.

Der weltweite Siegeszug der Emojis begann 2010, als das Unicode-Konsortium – eine Arbeitsgemeinschaft, die für die einheitliche digitale Darstellung von Schriftsystemen sorgt – die Piktogramme der unterschiedlichen Anbieter einsammelte und in seinen Standard integrierte. Die Bildzeichen unterscheiden sich auf verschiedenen Plattformen zwar noch in kleineren Details, aber wer ein Haus, ein Flugzeug oder ein lachendes Gesicht verschickt, kann sich seitdem sicher sein, dass beim Gegenüber auch tatsächlich ein Haus, Flugzeug oder lachendes Gesicht ankommt.

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Philosophie: „Wir kommen nicht hinterher“

Artist’s render of the TRAPPIST-1 system. Image: ESO/M.Kornmesser Themenbild
Der Philosoph Thomas Leinkauf über das beunruhigende Leben an der Schwelle zu einer neuen Zeit und die Arbeit „am offenen, pulsierenden Herzen des Wissens“.

Von Arno Widmann | Frankfurter Rundschau

Herr Leinkauf, wann haben Sie zuletzt ein Buch gelesen, das zweitausend Seiten Umfang hat?
Ich habe noch nie ein Buch gelesen, das zweitausend Seiten Umfang hat.

Warum muten Sie uns das zu?
Als ich anfing, das Projekt zu realisieren, war mir nicht klar, dass es einmal diesen Umfang haben würde. Aber das Buch ist so konstruiert, dass man es nicht von der ersten bis zur letzten Seite lesen muss. Querverweise und Indizes gestatten auch eine Benutzung, die auf ein bestimmtes Problem konzentriert ist oder bestimmte Begriffe in ihrem jeweiligen Kontext diskutiert sehen möchte.

Man diskutiert immer wieder bei Figuren jener Zeit – nehmen Sie zum Beispiel Nicolaus Cusanus oder Martin Luther – darüber, ob sie noch Repräsentanten des Mittelalters oder schon der Neuzeit seien.

Es geht Ihnen aber doch gerade ums Ganze der Renaissancephilosophie, nicht um eine Addition der einzelnen Disziplinen.
Man diskutiert immer wieder bei Figuren jener Zeit – nehmen Sie zum Beispiel Nicolaus Cusanus oder Martin Luther – darüber, ob sie noch Repräsentanten des Mittelalters oder schon der Neuzeit seien. Das scheint mir die Situation der Renaissance völlig zu verkennen. Sie markiert eine Schwelle, einen Übergang von einem in einen anderen Raum. Ihre Protagonisten sind in beiden Räumen und somit in keinem von beiden ganz.

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James Bond Is Nothing Compared To These Relics From The Cold War’s Past

Image: MOTHERBOARD
The Berlin Spy Museum is a walk through the history of espionage, from the old days of carrier pigeons to password code-cracking and of course, a James Bond-style laser maze.

By Nadja Sayej | MOTHERBOARD

As soon as you walk into The Spy Museum Berlin, you are filmed on thermographic cameras. A live feed is projected on dozens of screens around. It’s an eerie entranceway to the world of espionage, which features intelligence from ancient times to the Cold War and WikiLeaks, proving spies are more than just the fantasy world of James Bond.

The museum features 300 objects that follow the technological evolution and political history of espionage alongside legendary spies and interviews with top agents. „Because the museum is privately funded, we are not obliged to anyone but ourselves,“ said Christoph Ewering, a research assistant at the museum. „We do not side with western of eastern agencies; the exhibition portrays certain modes of operation, but does not judge them. In short, we try to take a neutral and scientific stance.“

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Femninistische Burschenschaft: Und lachend zeigt die Hyäne ihre Zähne

foto: facebook/hysteria … weht dort nun die Hyänenfahne.
Die Burschenschaft Hysteria erfüllt alle Kriterien eines traditionellen Männerbundes – abgesehen davon, dass sie links und feministisch ist und allein Frauen aufnimmt

Von Julia Grillmayr | derStandard.at

„Bruder Sargnagel wurde geblockt.“ Das erste virtuelle und gleich virale Lebenszeichen der Burschenschaft Hysteria im April 2016 war der Aufruf, jenes Facebook-Posting zu teilen, das der Künstlerin Stefanie Sargnagel eine zeitweilige Sperre auf der Social-Media-Plattform einbrachte. Sie machte sich darin über ein Mitglied der rechten Bewegung der Identitären lustig. Kurz darauf formulierte die Burschenschaft – auf Facebook unter @BurschenschaftHysteria, auf Twitter unter B!Hysteria zu finden – ihr Leitbild. Als „älteste Burschenschaft Österreichs“ stehe Hysteria für starke ideelle Werte, die Unterdrückung Andersdenkender und für aktiven Vaterlandsverrat. Wie in jeder Burschenschaftssatzung fehlt der Wahlspruch nicht: „Ehre, Freiheit, Vatermord. Heil Hysteria!“ Nachtrag: „Der Beitritt von Männern ist aufgrund unserer jahrhundertealten Tradition selbstverständlich nicht möglich.“

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Ricky Gervais zu Stephen Colbert: „Sie glauben nicht an 2999 Götter. Es ist nur einer mehr, an den ich nicht glaube.”

Wenn der strenggläubige Katholik Stephen Colbert den Atheisten Ricky Gervais in seine Show einlädt, kann man darauf wetten, dass es in ihrem Gespräch irgendwann um Religion gehen wird. Gestern Abend (Anm. d. Red.: 1. Februar 2017) warteten beide nicht erst, bis das Thema von selbst auftaucht, sondern kamen gleich zur Sache; sie diskutierten „erste Ursachen”, die Definition von Atheismus und warum Gervais nicht einfach nur „an Wissenschaft glaubt”.

Von Hemant Mehta | Richard-Dawkins-Foundation

Die Konversation war nicht streitlustig, erlaubte aber beiden Bühnenkomikern, ihre Positionen klar zu machen.

Gervais: „Der Atheismus lehnt lediglich die Behauptung ab, es gäbe einen Gott. Er ist kein Glaubenssystem. Das ist Atheismus, in aller Kürze. Sie sagen, es gibt einen Gott. Ich sage: Können Sie das beweisen? Sie sagen: Nein. Ich sage: Daher glaube ich Ihnen nicht. Sie glauben an Gott, nehme ich an?

Colbert: „Ähm… in Gestalt dreier Personen, aber fahren Sie fort.”

Gervais: „Ok. Es gibt etwa 3000 Götter zur Auswahl. Im Grunde lehnen Sie einen weniger ab als ich; Sie glauben nicht an 2999 Götter, und ich glaube an nur einen weiteren nicht.”

Gervais sagte weiterhin, er fühle immense Dankbarkeit für seine Existenz, denn „die Chance war eins zu Milliarden, dass ich als ich selbst auf diesem Planeten erscheine, und ich werde es nie wieder.” Anschießend, nachdem er hörte, sein Vertrauen in die Wissenschaft sei auch nur eine Art Glaube, konterte Gervais mit diesem hübschen Monolog.

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Biotyranny and its Resistance: Who Owns Your Body?

Image: MOTHERBOARD
Inspired by Foucault, Chelsea Manning and techniques like gene editing, artists and activists are taking back power over our bodies from governments and corporations.

By Andrew Smart | MOTHERBOARD

In early 2015, a Fedex package arrived at the studio of artist/scientist Heather Dewey-Hagborg. It contained only a sample of hair and cheek swabs. She extracted DNA material from the samples and ran it through a sophisticated set of technologies called forensic DNA phenotyping, a technique increasingly used by private laboratories to assist in criminal investigations, genomics companies in determining one’s predilection for disease, and law enforcement in establishing DNA profiles of suspects. This would enable her to, after analyzing protein assays and sequencing genes associated with distinctive features such as hair color and ethnicity, create a close likeness to the owner of DNA: Chelsea Manning.

The resulting portraits evoke an eerie sense of dread: Manning—who is currently serving a 35-year prison sentence for giving Wikileaks an enormous pile of diplomatic cables and government documents related to the Iraq War—has not been seen by the public since her arrest in 2010. (After a vigorous campaign on her behalf, President Obama commuted her sentence just before he left office, moving up her release to May.) As Manning told Cory Doctorow in an interview for Boing Boing:

„Our society’s dependence on imagery says a lot about our values. Unfortunately, prisons try very hard to make us inhuman and unreal by denying our image, and thus our existence, to the rest of the world. Imagery has become a kind of proof of existence. Just consider the online refrain ‚pics or it didn’t happen.'“

This wasn’t just a statement about the physicality of bodies, but the way they are identified. Manning has transitioned from male to female since her detention began in 2010. For Dewey-Hagborg’s project, called „Radical Love,“ the artist created an algorithmically generated gender neutral portrait and a portrait that had been „gendered“ female, in order to highlight the problem of using birth-assigned sex to also assign gender.

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CNN- Reporter isst bei Hindu- Sekte Menschenhirn

Gleich die erste Episode der CNN- Serie „Believer“ mit Reza Aslan hat für mächtigen Wirbel gesorgt. Der Reporter begab sich darin zu einer radikalen Hindu- Sekte nach Indien und nahm an einem Ritual teil, bei dem auch Menschenfleisch serviert wurde. Um seine Gastgeber nicht zu verärgern, aß Aslan ein Stück Menschenhirn, wie er selbst bestätigte. Hindus auf der ganzen Welt reagierten empört: Aslan würde eine Sekte mit etwa 1000 Anhängern dazu benutzen, um ein falsches Bild des Hinduismus zu transportieren, so der Vorwurf.

Kronen Zeitung.at

Die Aghori- Sekte, die Reza Aslan mit einem CNN- Team im indischen Varanasi besuchte, sind eigentlich das krasse Gegenteil der klassischen Hindu- Kultur: Sie lehnen nicht nur das Kastensystem ab, auch dient ihnen alles, was bei Hindus eigentlich als unrein gilt, zur inneren Reinigung.

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Vor 330 Jahren war ganz Europa ein eisiges Reich


Im 17. Jahrhundert hatte die Kälte Europa fest im Griff Quelle: picture alliance / Heritage Image
Lange Winter und kurze, kühle Sommer: Im 17. Jahrhundert änderte sich das Klima in Europa dramatisch. Hungersnöte waren die Folge. Der Historiker Philipp Blom hat erforscht, wie der Kontinent die „Kleine Eiszeit“ überlebte.

Von Christoph Arens | DIE WELT

Was passiert in einer Gesellschaft, wenn sich das Klima ändert? Wer stirbt, wer überlebt? Was bricht zusammen, und was wächst? „Es wirkt wie ein sadistisches Experiment“, erdacht von einem „böswilligen Dämon oder einem außerirdischen Wissenschaftler, ein Tierversuch mit ganzen Gesellschaften“, schreibt der Historiker Philipp Blom in seinem neuen Buch „Die Welt aus den Angeln.“

Das Experiment ist mit Blick auf den gegenwärtigen Klimawandel hochaktuell. Doch der in Wien lebende Blom schaut zurück und hat eine Geschichte der Kleinen Eiszeit von 1570 bis 1700 geschrieben. Ein Lehrstück, das Gewinne und Verluste offenbart. Eine Fallstudie, die die Geburt der modernen Welt mit dem Klimawandel verbindet.

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Der Koloss von Kairo

Der Kopf der acht Meter großen Statue ist bereits aus der Grube gehoben. Der Torso soll in Kürze folgen. (Foto: AP)
„Das passiert wahrscheinlich nicht noch einmal in diesem Leben“: Ein Deutscher Archäologe hat in Ägypten eine riesige Ramses-Statue entdeckt.

Von Paul-Anton Krüger | Süddeutsche.de

Glückwünsche nimmt Dietrich Raue trotz gelöster Laune noch mit einem kleinen Vorbehalt entgegen. „So richtig entspannt bin ich erst, wenn wir das große Fragment geborgen haben“, sagt er. Der deutsche Ägyptologe und sein ägyptischer Partner Aiman Ashmawy haben mit ihren Teams auf dem Gelände des antiken Heliopolis eine etwa acht Meter große Statue des berühmten und historisch außerordentlich bedeutenden Pharaos Ramses II. aus Quarzit gefunden; sie ist mehr als 3200 Jahre alt. Die Krone mit Teilen des Kopfes konnten sie schon aus der Grube heben. Der Torso vom Bauchnabel bis zur Oberlippe, Raue schätzt ihn auf sieben Tonnen, soll an diesem Montag folgen. „Wenn man so einen Koloss vor sich hat, weiß man: Das passiert wahrscheinlich nicht noch einmal in diesem Leben“, sagt Raue.

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Droht Angkor der Zerfall?

An den Tempelanlagen von Angkor nagt der Zahn der Zeit. © F.ChAn den Tempelanlagen von Angkor nagt der Zahn der Zeit. © F.Ch
An den Tempelanlagen von Angkor nagt der Zahn der Zeit. © F.Ch
Dem Untergang geweiht? Die Tempelanlagen rund um Angkor Wat sind das letzte Relikt des einst mächtigen Königreichs der Khmer – doch der Zahn der Zeit nagt ihnen. Forscher haben nun untersucht, wie wahrscheinlich ein Kollaps der Monumente ist und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. Das Ergebnis: Langfristig könnten vor allem Grundwasser- und Temperaturschwankungen die Strukturen mürbe machen. Die neuen Erkenntnisse helfen nun dabei, die Ruinen von Angkor besser vor dem Verfall zu schützen.

scinexx

Wenn es um die Geschichte Kambodschas geht, fällt den meisten Menschen als erstes Angkor ein – das mächtige Königreich der Khmer, dessen ausgedehnte Städte und Tempel das kambodschanische Tiefland vom 9. bis ins 15. Jahrhundert hinein dominierten. Das berühmteste und größte Bauwerk der einst blühenden Kultur ist die Tempelanlage Angkor Wat. Sie ist zugleich das größte sakrale Gebäude der Welt.

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Fünf Tricks zur Fastenzeit – Herrgottsbescheißerle

Die Kirche war in alten Zeiten einfallsreich, die strengen Fastenvorschriften zu umgehen. Es gibt viele Legenden, welche Tricks die Menschen anwendeten. Wir erklären, was eine Fischtaufe ist und warum Spanferkel in Klosterbrunnen nichts zu suchen hatten.

Von Julia Martin | katholisch.de

Fleisch war traditionell in der Fastenzeit strengstens untersagt. Im Jahr 590 bestimmte Papst Gegor I., dass warmblütige Tiere nicht mehr auf den Tisch kommen durften. Später kamen noch Butter, Milch, Käse und Eier auf die Verbotsliste. Kurfürst Maximilian ging in Bayern im 17. Jahrhundert sogar soweit, dass er Verstöße mit dem Gefängnis bestrafte. Doch die Not machte vor allem die Ordensleute erfinderisch.

1. Im Wasser leben Fische

Seit dem Konstanzer Konzil (1414-1418) stand fest: Alles, was im Wasser lebt, wird als Fisch gezählt. Und Fische sind ja schließlich erlaubt. Somit kamen in der Fastenzeit neben Fischen auch Biber (wegen ihres geschuppten Schwanzes) und Fischotter auf den Tisch. Das soll angeblich fast zur Ausrottung der Tiere geführt haben. Es heißt, dass vor allem in Klöstern das „Leben unter Wasser“ weit ausgedehnt wurde: Schweine wurden ertränkt und somit zu den „Wassertieren“ gezählt. Diese Praxis führte der Legende nach dazu, dass es in einem barocken Benediktinerkloster dem Abt und Konvent untersagt war, „ein Spanferkel in den Klosterbrunnen zu schmeißen und es wieder herauszuziehen und als Fisch, als Wassertier auch in der Fastenzeit zu essen“.