Archiv der Kategorie: Kultur

Buch über den Terror: Als seien abgeschlagene Köpfe alltäglich

Hassan Blasim weiß, was Verfolgung bedeutet – er ist aus dem Irak geflohen. In seinem neuen Roman überzeichnet er die brutale Medialität des Terrorkriegs ins Groteske.


Von Hans-Peter Kunisch|Süddeutsche.de

Es gibt ein eindrückliches Youtube-Video, in dem Hassan Blasim bescheiden aber deutlich von seinem Fluchtweg erzählt. Er führte ihn aus Bagdad, wo er 1973 geboren wurde, im Jahr 1998 zuerst in den kurdischen Norden des Irak, nachdem ein Dokumentarfilm des Filmhochschülers ins Visier des Geheimdiensts geraten war. Im Norden dreht er unter falschem Namen Filme, darunter einen regimekritischen Spielfilm, die Lage spitzt sich zu. Schließlich entschließt sich Blasim, weiterzuziehen, gelangt mit wechselnden Schleppern über winterliche Gebirgsgrenzen: nach Iran, in die Türkei, nach Bulgarien, über Serbien und Ungarn bis nach Finnland, wo er 2004 ankommt.

Dreieinhalb Jahre dauerte die Odyssee, mit Schwarzarbeit in Restaurants und Fabriken finanziert. Mehrmals wurde Blasim aufgegriffen und verprügelt. An der bulgarischen Grenze mussten sich die Flüchtlinge ausziehen, eine halbe Stunde im Eiswasser sitzen. Sie kamen wieder. Heute ist Blasim in Finnland als Flüchtling anerkannt, doch in seinen großartigen provokativen Erzählungen sind die Erfahrungen der Flucht nicht vergessen.

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Emanzipation von oben

Wie die Frauen den Postkommunismus überlebten und ihnen das Lachen trotzdem verging. Der Kampf um Feminismus und Gleichberechtigung im west-östlichen Systemvergleich


Von Slavenka Drakulic|dieStandard.at

foto: der standard Straßenarbeiterinnen und Straßenarbeiter beim gemeinsamen Asphaltieren einer Straße in Budapest (1968).

Die Geschlechterdemokratie ist ein essenzieller Teil der Demokratie schlechthin. Ohne Beteiligung der Frauen gibt es keine Demokratie, die diesen Namen auch verdient.

Es waren die banalen Alltagsdinge, die dem Kommunismus lange vor 1989 das Genick gebrochen hatten, und nicht die Sehnsucht nach Freiheit, Menschenrechten und Demokratie.

Als Europa vor kurzem den 25. Jahrestag des Untergangs des Totalitarismus in Osteuropa feierte, da wurde, merkwürdig genug, von einem Thema nicht oder nur sehr am Rande gesprochen: Wie hat sich dieser dramatische Wandel auf die Frauen ausgewirkt? Funktioniert das neue System, die Demokratie, für beide Geschlechter auf ein und dieselbe Weise?

Die Antwort ist nein, das tut es nicht. Selbst wenn die Frauen in Osteuropa heute (endlich) nicht mehr das Gefühl haben, einem einzigen Block anzugehören, so werden sie doch immer noch durch die gemeinsame Erfahrung des Kommunismus zusammengeschweißt, weil diese Erfahrung ihr Leben auch nach 1989 signifikant beeinflusst hat.

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“Die Homo-Ehe ist nur eine Frage der Zeit”

Deutschland tut sich schwer mit der Homo-Ehe, dabei wurde hier die Homosexualität erfunden, sagt Robert Beachy. Wie er das meint und was das Ende des deutschen Kaiserreichs für Homosexuelle bedeutete, erklärt der US-Historiker hier.


Von Alexander Sarovic|SpON

cartoon-herzSPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass Deutschland die Homo-Ehe einführen wird?

Beachy: Ja. Das ist nur eine Frage der Zeit.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt nach wie vor politischen Widerstand. Was stimmt Sie so zuversichtlich?

Beachy: Der allgemeine historische Trend spricht für die Einführung der Homo-Ehe. Außerdem wäre sie ein weiterer Schritt in der langen Geschichte der Homosexuellenbewegung in Deutschland.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Buch “Das andere Berlin” bezeichnen Sie Homosexualität sogar als eine “deutsche Erfindung”.

Beachy: Die Vorstellung, dass Homosexualität angeboren ist, entsteht in Deutschland in den Fünfziger, Sechziger- und Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit halten die meisten Homosexualität für eine Perversion. Es sind deutsche Ärzte, Wissenschaftler und Aktivisten, die erstmals sagen: Nein, das ist keine Krankheit, sondern ein Teil des Wesens einer Gruppe von Menschen. So prägen sie unser heutiges Verständnis von Homosexualität.

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“Die Gier ist älter als der Kapitalismus”

Welche Wirtschaftsform entspricht am ehesten der Natur der Menschen? Hat die Evolution den Kapitalismus befördert? Um eine Antwort zu finden, hat sich Professor Eckart Voland ziemlich lange mit Topmanagern beschäftigt – und mit Affen.


Von Ann-Kathrin Eckardt|Süddeutsche.de

Was ist uns zentral? (CC-by.2.0 von wahlkampf09)
Was ist uns zentral? (CC-by.2.0 von wahlkampf09)

Als Professor für Biophilosophie hat Eckart Voland an der Uni Gießen 20 Jahre lang Verhaltensprofile von gefangen gehaltenen Halbaffen untersucht oder die Evolution des Gewissens analysiert. Viele Interviews hat er gegeben, doch bei dieser Anfrage hat er gezögert. Nicht, weil er seit drei Monaten in Rente ist, sondern weil er über den Kapitalismus und die Natur des Menschen reden soll. Mit diesem Thema hat er sich schon mal Ärger eingehandelt. Nach einem Vortrag musste er sich wüst beschimpfen lassen. “Ihr Kapitalismus ist so natürlich wie Polyester” war eine der harmloseren Tiraden. Aber dann hat er doch zugesagt. Gut gelaunt empfängt er in seinem leergeräumten Büro.

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“From Piss to Pilsener”: Kann man Bier aus dem eigenen Urin gewinnen?

Mit Bierdosen kann man Vieles machen. Doch auch das in den Dosen enthaltene Bier lässt sich auf vielfältige Weise herstellen. Bild: stern.de
Zwei Dinge fließen bei einem Festival in rauen Mengen: Bier und Urin. Warum nicht beides zusammenbringen? Im Rahmen des Roskilde-Festivals läuft gerade das Projekt “Beercycling” – aus dem Urin soll später wieder Bier werden. Kann das klappen?


Von Carsten Heidböhmer|stern.de

Es ist mehr als ein populärer Mythos: Urin ist ein hervorragender Dünger. Manche Wissenschaftler bezeichnen ihn sogar als “Dünger der Zukunft“. Denn darin sind zahlreiche Mineralstoffe enthalten, die Pflanzen zum Wachsen brauchen, darunter Kalzium, Magnesium, Kalium und vor allem Phosphor. Bei einem Rockfestival wird naturgemäß viel Bier getrunken und auf diese Weise viel Urin produziert. Bei mehr als 100.000 Besuchern kommt beim Festival im dänischen Roskilde, das noch bis Samstag läuft, einiges an Pipi zusammen.

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“Charlie Hebdo”-Ausstellung startet im Internet

Die Online-Schau umfasst Karikaturen aus 250 Heften. Am 7. Jänner hatten radikale Islamisten in der Redaktion des Satire-Blatts zwölf Menschen erschossen.


Die Presse

charlie_hebdo_2Rund ein halbes Jahr nach dem Terror-Anschlag auf die Redaktion von “Charlie Hebdo” startet eine Online-Ausstellung über das französische Satiremagazin. Für das Projekt haben sich vier Karikaturmuseen aus Hannover, Frankfurt am Main, Kassel und Basel zusammengetan. Es gehe darum, die getöteten Zeichner und deren Themen vorzustellen, sagte die Direktorin des Museums Wilhelm Busch, Gisela Vetter-Liebenow.

Bei dem Attentat auf “Charlie Hebdo” am 7. Jänner hatten Islamisten zwölf Menschen erschossen. Die traumatisierten Redaktionsmitglieder kämpfen seither um ihren Kurs. Der bekannteste überlebende Zeichner Luz kündigte vor kurzem seinen Ausstieg an. Während der Vorbereitung des Projekts standen die deutschen Museen im Kontakt mit der Redaktion von “Charlie Hebdo”. Vetter-Liebenow sagte: “Sie haben versucht, es zu unterstützen, so weit es ihnen in dieser Ausnahmesituation möglich ist.” Eine große Riege von Karikaturisten sei ausgelöscht. “Die Zeichner fehlen.”

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Die Präsentation ist ab 3. Juli auf der Seite www.museen-fuer-satire.com abrufbar.

Glenn Beck Considers Boycott Of Disney Over Charles Darwin Film

Glenn Beck, erstwhile mouthpiece for Rupert Murdoch’s Fox News, suggested listeners of his radio show should consider boycotting Disney. The author and media personality, who masquerades a daily offering of religion and conspiracy theory as traditional conservatism, had previously stated his opposition to boycotts for reasons of free speech. However Beck appears to have performed a volte-face when it comes to the House of the Mouse.


By Paul Vale|The Huffington Post

Last week Disney announced they are moving forward with a film about Charles Darwin, the renowned nineteenth-century scientist. The movie is to focus on the English naturalist’s voyage on the HMS Beagle — the trip on which Darwin visited the Galapagos Islands, leading to his refining of the idea of natural selection.

“Creation,” a previous biopic about Darwin, starring Paul Bettany and Jennifer Connelly, struggled to find a distributor in the US because, according to producer Jeremy Thomas, “There’s still a great belief that He [God] made the world in six days.”

Beck’s recent comments flowed from a discussion on boycotts and whether or not they work. “Boycotts work and we [social conservatives]… do nothing,” said the 51-year-old former alcoholic. He then added: “They’re doing a new movie, kind of an Indiana Jones swashbuckling spirit of a five-year voyage in 1831 on ship HMS Beagle to the coastline of South America to find and follow the man who made discoveries that made him one of the most influential figures in human history.”

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B16 in Latex: Papst-Bild aus Kondomen erregt die Gemüter

© Niki Johnson/DPA
Zweck erfüllt: Ein Porträt des früheren Papstes Benedikt, das aus Kondomen gefertigt wurde, hat in den USA heftige Kritik der katholischen Kirche provoziert – es sei eine Beleidigung.


stern.de

Das Werk besteht aus 17.000 Kondomen und es stellt ein Porträt des früheren deutschen Papstes Benedikt XVI. dar. Die Künstlerin Niki Johnson schenkte es dem dem Milwaukee Art Museum im US-Bundesstaat Wisconsin – und die katholische Kirche reagierte prompt: Es sei eine Beleidigung des früheren Papstes aus Deutschland, kritisierte das Erzbistum Milwaukee. Es als Geschenk anzunehmen, sei “herzlos” von dem Museum gewesen.

Das Museum ließ über eine Sprecherin mitteilen, dass es die Kritik zurückweise. Die Künstlerin habe mit dem Werk auf kondomfeindliche Kommentare von Benedikt reagiert und zur Diskussion anregen wollen.

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Fall Tim Hunt: “Spaß beiseite”?

Neue Informationen verstärken die Auffassung, wonach die Kündigung des Nobelpreisträgers aufgrund eines Twitter-Shitstorms zu eilfertig war


Von Thomas Pany|TELEPOLIS

Tim Hunt, Bild: ndtv.com

Ironie hat es schwer in einer Informationskultur, in der die Toleranz gegenüber Ambiguität in dem Maße sinkt, wie die Begeisterung für linientreue und feste Überzeugungen steigt. Das hat der britische Nobelpreisträger Tim Hunt (2001, in “Physiologie oder Medizin”) Anfang Juni erfahren.

An seinem Witz über “Frauen im Labor” , mit dem er ein Statement bei einer Konferenz von Wissenschaftsjournalisten auflockern wollte, baute sich via Twitter ein Entrüstungsturm auf, in dessen Folge Hunt in kürzester Zeit zum Rücktritt von seinen Posten an einer Londoner Universität und von seiner Tätigkeit beim Europäischen Forschungsrat gedrängt wurde (Londoner Universität beugt sich dem Shitstorm). Auch die Royal Society ging auf Abstand zu ihm. Sein Ruf war binnen weniger Tage ruiniert.

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How Do You Teach a Robot Feelings? Make It Sing Opera

Gif from video: Komische Oper Berlin/YouTube
Last week, a humanoid robot called Myon took a lead role in “My Square Lady”, a new opera that opened in Berlin’s Komische Oper in Germany. But while Myon can sing and wave its arms around, will robot performers ever live up to their human counterparts?


By Emiko Jozuka|MOTHERBOARD

Myon was built in the context of the European Union’s Artificial Language Evolution on Autonomous Robot’s (ALEAR) project to explore cognitive robotics and artificial language evolution. It is a creation from Professor Manfred Hild’s Neurorobotics Research Laboratory at the Humboldt University in Berlin, Germany.

For My Square Lady, the researchers and cast worked together for two years to teach Myon an assortment of behaviours, and have it sing and perform with the singers and an orchestra.

Myon isn’t controlled from backstage by a hidden robo-operator; it’s programmed to respond to the opera crew and act on its own. For example, it can shuffle around slowly, focus on visual cues (in this case the colour red) and sounds, and sing with an orchestra.

“The opera is about showing the robot what it means to be a human being with emotions,” Bernhard Hansky, a singer from the opera, told me. “Every piece that we sing for him in the show is about a different emotion.” Hansky sings about death and destruction in the opera.

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Die weiße Spinne

In seiner Novelle “Die schwarze Spinne” (1842) erzählt der Schweizer Schriftsteller Jeremias Gotthelf davon, wie die Einwohner eines Dorfs unter einem dämonischen, achtbeinigen Plagegeist leiden, den sie nur durch Gottesfurcht besiegen können. In modernen Leiterzählungen aus Hollywood muss eine Spinne immer noch weißhäutig sein, um Gutes tun zu dürfen.


Von Marcus Hammerschmitt|TELEPOLIS

Italienisches Graffiti. Bild: Nicholas Gemini/CC BY-SA 3.0

Superheldenfilme: so langweilig, vorhersagbar und stereotypisch wie Religionen – und gerade darum bei einem Publikum so erfolgreich, das in Stereotypen fühlt und denkt. Und wie bei allen anderen Arrangements, die als Religionsersatz herhalten, muss es auch jemanden geben, der dafür sorgt, dass alles immer grundsätzlich gleich bleibt und dass die von Zeit zu Zeit notwendigen kosmetischen Minimalanpassungen vorgenommen werden.

Einen Ersatzklerus also. Wie das bei Blockbusterverfilmungen konkret läuft, kann man an einer E-Mail-Korrespondenz sehen, die angeblich Teil der während des Sony-Hacks vom letzten Jahr erbeuteten Daten ist.

Auf keinen Fall schwarz

Darin schreiben die Hagiographen von Marvel den Heiligenfilmern von Sony vor, dass sowohl Peter Parker, als auch sein Spiderman-Alter-Ego bestimmte Sachen nicht sein dürfen. Beide dürfen nicht schwul sein (es sei denn, Marvel habe sich vorher entschlossen, Spiderman in seinen Comics homosexuelle Neigungen verspüren zu lassen). Peter Parker, also der unmaskierte Spiderman, muss außerdem in einer Mittelklasse-Familie in Queens aufgewachsen sein, nachdem er als Kind seine Eltern verloren hat, und er darf auf gar keinen Fall schwarz sein.

Die Anweisungen stellen bizarrerweise klar, dass er nicht einmal Schöpfer des schwarzen Alternativkostüms aus Spiderman 3 sein darf: “Das schwarze Kostüm ist ein Symbiont und wurde nicht von ihm erschaffen.” [Übersetzung: M.H.] Wenn man an eine Umkehrung des berühmten Buchtitels von Frantz Fanon denkt, heißt das: “Weiße Haut, schwarze Masken” – nicht einmal das findet bei Peter Parker statt.

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Band “Jennifer Rostock”: Protest gegen die “Bild”-Zeitung mit blankem Arsch

Deutliche Botschaft an die “Bild”-Zeitung – erstellt von der Band “Jennifer Rostock”. © Screenshot/Facebook
Die Band “Jennifer Rostock” ist nicht gerade bekannt dafür, ein Blatt vor den Mund zu nehmen. In einem Video wirft sie der “Bild”-Zeitung Sexismus vor – mit nackten Tatsachen.


Von Dominik Brück|stern.de

Nur eine Akustikgitarre und die bombastische Stimme von Sängerin Jennifer Weiß – mehr braucht es nicht, um ein Protestvideo gegen die Berichterstattung der “Bild”-Zeitung zu machen. Der Clip der Band “Jennifer Rostock” ist auf Facebook bereits der Renner: Mehr als 17.000 Fans gefällt der Beitrag, der innerhalb von drei Stunden fast 5000 Mal geteilt wurde.

Protest gegen “Huhu-Hupen-Bericht”

Das Video ist eine Reaktion der Musiker auf die Berichterstattung des Boulevardblattes über das Novarock-Festival in Österreich. Frontfrau Weiß hatte hier auf der Bühne blank gezogen, um ein Statement gegen die Sexualisierung und Instrumentalisierung des weiblichen Körpers zu setzen, heißt es auf der Facebookseite der Band. Die Bild hatte die Aktion zum Anlass genommen, um lang und breit über die Brustvergrößerung der Musikerin zu schreiben. Dabei hatten die Redakteure mehrere freizügige Bilder von Weiß veröffentlicht und dazu geschrieben: “Es ist nicht das erste Mal, dass Jennifer ihren Fans Huhu-Hupen-Grüße schickt.”

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Greg Graffin: Darwin und Kriege statt Punkrock

Bad Religion

Mit „Population Wars“ veröffentlicht Bad Religion-Frontmann Greg Graffin am 15. September diesen Jahres sein erstes Buch. In dem untersucht er, wie die Evolutionstheorie von Charles Darwin in den letzten Jahrzehnten als Begründung für Kriege herangezogen und so verhindert wurde, dass sich die Menschheit um dringendere Probleme kümmert. Das Buch, das auf 2500 Exemplare limitiert ist, umfasst außerdem eine Single mit vier Akustik-Songs.


Rockszene.de

Dass der Sänger einer Punkrockband ein Buch über die Evolutionstheorie Darwins ein Buch schreibt, wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas sonderbar. Bei genauerer Betrachtung ist es dies aber ganz und gar nicht, schließlich ist Greg Graffin nicht nur Frontmann von Bad Religion sondern auch promovierter Evolutionsbiologe.

Zusammen mit „Population Wars“ veröffentlicht Graffin eine Single, die vier Akustik-Songs von Bad Religion enthält. Diese vier Songs sind jene, die den 50-Jährigen während des Schreibens seines Buches am meisten inspiriert haben.

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Pier Paolo Pasolini: Der christliche Atheist

© EuroVideo Medien GmbH Pier Paolo Pasolini
Im vergangenen Wintersemester 2014/15 habe ich an einem Pasolini-Seminar teilgenommen. Im Anschluss ist diese Hausarbeit über das Verhältnis des italienischen Regisseurs zum Christentum entstanden.


Von Toshiro Umezawa|moviepilot

Pier Paolo Pasolinis wurde am 5. März 1922 in Bologna geboren. Er starb in der Nacht vom 1. zum 2. November 1975 in einem römischen Vorort im Alter von 53 Jahren, die Umstände seiner Ermordung konnten bis heute nicht vollständig geklärt werden. Pasolini gilt vielen als einer der bedeutendsten europäischen Intellektuellen seiner Zeit. Sein schöpferisches Werk ist umfangreich: Er arbeitete als Essayist, Romancier, Lyriker, Übersetzer, Drehbuchautor, Filmtheoretiker, Theater- und Filmregisseur, schuf Zeichnungen und Malerei und tat sich als ständiger Kommentator und Kritiker des politischen Zeitgeschehens hervor. Umfassend ist auch das Themenspektrum seines künstlerischen und politischen Schaffens: Pasolini befasste sich unter anderem mit dem bäuerlichen und subproletarischen Leben, der Normierung der Sexualität, Religion sowie der Zerstörung der Kultur durch die Konsumgesellschaft. Obwohl Pasolini sich in Italien im Laufe der Zeit zu einem einflussreichen Denker entwickelt hatte und sich der Unterstützung vieler Intellektueller sicher sein konnte, erregten seine Werke in der katholisch-konservativen italienischen Gesellschaft heftige polemische Reaktionen und Aggressionen, sie brachten ihm darüber hinaus in einer Vielzahl von Fällen Strafanzeigen ein. (Vgl. Prinzler 1985, 215-217; vgl. Borgna / Bergala / Balló 2014, 7 f.)

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Die Ideologie des sexuellen Missbrauchs

Christian Füller über die Ideologie des sexuellen Missbrauchs bei den Grünen, der katholischen Kirche, der Odenwaldschule, den Nazis und Netzaktivisten.


Von Reinhard Jellen|TELEPOLIS

Bild. heise.de

Der Journalist Christian Füller zeichnet in seinem Buch Die Revolution missbraucht ihre Kinder nach, wie der sexuelle Missbrauch von Kindern getarnt als Akt der Befreiung ein integraler Bestandteil deutscher Protestbewegungen werden konnte. Besonders die Grünen tun sich schwer, mit diesem Erbe umzugehen. Teil 2 des Gesprächs.

Herr Füller, kann man den sexuellen Missbrauch bei den Grünen mit dem in der katholischen Kirche vergleichen?

Christian Füller: Ja. Sexueller Missbrauch hat immer Opfer, und zwar doppelt: von Gewalt und von Betrug. Viele Kinder werden ja nicht physisch vergewaltigt, sondern “verführt” – auch wenn das Wort hier eigentlich nicht passt.

Warum nicht?

Christian Füller: Weil auch die Verführung eines Kindes Gewalt ist. Täter versprechen Kindern Geschenke und überhöhen sie als Prinzessinnen und Prinzen – zum Zweck des Missbrauchs.

Was ist der Unterschied zwischen ideologischem und kirchlichem Missbrauch?

Christian Füller: Die Wandervögel, die Reformpädagogen und die 68er haben ein sehr positives, überschießendes Körper- und Nacktheitsgefühl. Dazu wird ein vermeintlicher Egalitarismus aller Altersgruppen erklärt: Kinder und Erwachsene seien gleich und könnten angeblich auch miteinander Sex haben. So wird es jedenfalls behauptet. Das ist ein ganz anderes Konzept als bei den Kirchen. Der Unterschied wird vielleicht an den Tatorten am deutlichsten.

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„Breaking the Silence“ Israel: „Hier geht es um Pluralismus“

17. Juni 2015: Ein israelischer Soldat neben seinem Panzer. Foto: REUTERS
Der Streit über die Kölner „Breaking the Silence“-Schau: Kerstin Müller von der Böll-Stiftung in Tel Aviv wirft im FR-Interview Kölns OB „abgrundtiefe Naivität“ vor. Scharf rügt sie die israelische NGO-Politik.


Von Joachim Frank|Frankfurter Rundschau

Frau Müller, haben die zeitweilige Absage der „Breaking the Silence“-Ausstellung und die dann folgende Verschiebung durch den Kölner OB die Menschen in Israel interessiert?

Auf jeden Fall. Es gab eine Reihe von Presseberichten, und besonders das Friedensspektrum der Gesellschaft, das sich im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern für eine Zwei-Staaten-Lösung einsetzt, war erschüttert, dass sich die Stadt Köln dem Druck der neuen Rechtsregierung in Jerusalem gebeugt hat. Die Botschaft in Berlin vertritt deren Interessen.

Hinter „Breaking the Silence“, so der Vorwurf nicht nur aus Israel, stehe eine Splittergruppe der radikalen Linken, die in Israel selbst kaum Rückhalt habe.

Radikal? Das ist absurd. Radikal sind Teile der jetzigen Regierung, die dezidiert gegen eine Zwei-Staaten-Lösung sind, die das Westjordanland annektieren wollen und eine Umsiedlung der arabischen Bevölkerung planen. Das sind extremistische Positionen. Hingegen ist der Gründer von „Breaking the Silence“ ein glühender Verfechter der Zwei-Staaten-Lösung, der die Linie der internationalen Staatengemeinschaft voll unterstützt. Natürlich ist „Breaking the Silence“ der Regierung in Jerusalem nicht „genehm“, vor allem weil sie immer wieder kritische Debatten über das Vorgehen der israelischen Armee, etwa während der Gazakriege, anstößt – sie ist ganz gewiss einseitig, aber nicht propagandistisch.

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Stephen Gaghan und Disney planen Abenteuerfilm über Charles Darwin

Von Syriana bis Gold – Stephen Gaghan fügt seinen Filmen gern eine Prise Abenteuer hinzu. Und wessen Leben war wohl abenteuerlicher als das von Charles Darwin?


kino-zeit.de

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB
Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Wie Deadline berichtet, schloss der Regisseur und Drehbuchautor kürzlich einen Deal mit Disney ab: gemeinsam will man einen Abenteuerfilm auf die große Leinwand bringen, der sich mit dem Erdenker der Evolutionstheorie auseinandersetzt. Gaghan soll dazu das Drehbuch verfassen und schließlich auch Regie führen. Plot-Details lassen des frühen Stadium des Projekts wegen natürlich noch auf sich warten. Zum Thema könnte aber beispielsweise die fünfjährige Reise auf der HMS Beagle werden, die Darwin 1831 zu Beginn seiner Karriere unternahm. Damals sollte die Küste Südamerikas kartografiert werden und seine Entdeckungen sollten maßgeblich seine späteren Theorien beeinflussen.

Antijudaismus: Über Jahrhunderte ausgeprägtes Denken

Das viel zitierte christlich-jüdische Erbe, gibt es das überhaupt? Der amerikanische Historiker David Nirenberg zeigt nun, wie tief verwurzelt in der Geschichte des Abendlandes die Ablehnung des Judentums ist – und wie sie die europäische Geistesgeschichte grundlegend geprägt hat.


Von Bettina Marx|Deutschlandfunk

Bild: bb
Bild: bb

Detailreich und umfassend beschreibt der amerikanische Historiker David Nirenberg die Geistesgeschichte des christlich-jüdischen Antagonismus, der antijüdischen Feindschaft und des Hasses. Sein Buch ist keine Ereignisgeschichte, keine Aufzählung von Fakten, Daten und Zahlen und keine Beschreibung von Pogromen und Völkermord. Dem Mediävisten aus Chicago geht es vielmehr um die “Geschichte des Nachdenkens über das Jüdischsein”. Auf fast 600 Seiten untersucht er, wie die Denker, Theologen und Philosophen mit dem Judentum, beziehungsweise mit dem, was man als Judentum verstanden hat, umgegangen sind. Dabei stößt er auf eine Matrix des Denkens, die sich sehr früh entwickelt und über die Jahrhunderte ausgeprägt hat. Sie hat in die Juden und das Judentum alles hineinprojiziert, wogegen sich die Mehrheitsgesellschaft abgrenzen wollte.

In seiner Einleitung schreibt der Autor: “Mein Buch wird den Antijudaismus als Maske behandeln, das heißt, als pädagogische Furcht, die einigen Schlüsselkonzepten und -fragen in der Geschichte des Denkens bleibende Form gibt. Zugleich wird es aber auf den ständigen Wandel hinter der Maske deuten – auf die unaufhörliche Transformation dieser Konzepte und Fragen und der Vorstellungen vom Judentum, durch die sie so oft artikuliert wurden.”

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John Oliver: Got a ‘White Penis?’ You Won’t Be Harassed Online


John Oliver went long on online harassment on Sunday’s episode of Last Week Tonight. If you’ve managed to avoid being harassed or threatened on the internet, Oliver said, “congratulations on your white penis.”


By Jason Koebler|MOTHERBOARD

The video is a detailed look at both revenge porn, as well as the everyday harassment and sometimes incredibly specific threats that women get on Twitter and other social media sites. Oliver also took aim at law enforcement, and a legal system that is not even remotely equipped to deal with online threats of violence.

“If a woman turns up to a police station saying someone threatened her life on Twitter, the answer ‘What is Twitter’ is woefully inadequate,” Oliver said.

Unlike in some of his past segments, Oliver didn’t have much to offer in the way of potential solutions, underscoring how difficult it is to force people to change behaviors online. Oliver called for more revenge porn laws (so far, just 23 states have some sort of revenge porn law), and also called on the media to stop telling women and young people to not take naked pictures of themselves.

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Mein Weg zum Humanismus

Wie findet man seine Weltanschauung? Unser Gastautor beschreibt seinen Weg vom Protestanten zum Kommunisten zum Humanisten.


Von Bruno Osuch|DER TAGESSPIEGEL

welthumanistentag

Vor ein paar Wochen fragten mich Zehntklässler in meinem Ethikunterricht, ob ich „Atheist“ sei. Ich antwortete mit „Ja, aber …“ und versuchte zu erklären, dass ich mich keineswegs nur negativ, also in Ablehnung eines Glaubens an eine höhere Macht, definiere, sondern vor allem positiv die Werte meiner „humanistischen Weltanschauung“ vertrete. Bei den meisten der Schülerinnen und Schüler war Nachdenklichkeit die erste Reaktion – bis ein Pfiffikus etwas spontan in die Klasse rief: „Ach, Sie meinen Atheist-Plus!“ Interessanterweise verstanden das seine Mitschülerinnen und -schüler offenbar viel besser.
Sind Humanisten nur “Atheisten-Plus”?

Dieses kleine Erlebnis zeigt bereits die besondere Problematik, wenn es darum geht, den Humanismus als nicht religiöse Ethik und Weltanschauung zu erklären. Im Unterschied etwa zu Frankreich wird der Begriff bei uns facettenreicher assoziiert. So rief auch der damalige deutsche Papst Benedikt XVI. zu einem „neuen christlichen Humanismus“ auf. Wenn im Folgenden von „Humanismus“ gesprochen wird, dann im Sinne einer Konzentration auf den Menschen und seine Fähigkeit zu einem „guten Leben“ ohne religiöse Begründung. Die entsprechende Ethik orientiert sich an den Werten und Grundsätzen der Selbstbestimmung und Verantwortung, Solidarität und Gerechtigkeit, der Vernunft und des kritischen Denkens und nicht zuletzt am Toleranzgebot. Es sei daran erinnert, dass ein solches Denken seinen Ursprung in den Humanitätsidealen der antiken und vorchristlichen stoischen Philosophie hat.

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