Archiv der Kategorie: Kultur

Warum die Deutschen mit der Vielfalt fremdeln

Die Deutschen entsandten keine Schiffe, um die Welt zu entdecken. Sie erlebten nicht, wie bereichernd Ein­flüsse aus Übersee sind. Kein Wunder, dass ihre Identität starre, ja weltabgewandte Züge hat. Dabei ist die deutsche Seele kosmopolitischer, als viele glauben


Von Anjana Shrivastava|Cicero

Die fehlende Kolonialisierungserfahrung habe aus Deutschland eine kulturelle Insel gemacht, sagt Anjana Shrivastava Illustration für Cicero: Martin Haake

Zu Beginn der neunziger Jahre, als in Berlin die letzten Reste der Mauer geschliffen und in alle Welt verscherbelt worden waren, als Philosophen über das Ende der Geschichte sinnierten und Politiker eine neue globale Ordnung absteckten, erschien in der Zeitschrift The New Yorker ein erhellender Cartoon. Ein Wanderer stieg einen Berg hinauf, um dort einen weisen Einsiedler über die Zukunft zu befragen. Als er wieder herunterkam, machte er ein frustriertes Gesicht. „What did he say?“, fragten seine Freunde. „Er hat viel erzählt“, antwortete der Wanderer: „But it was all in German“ – es war alles auf Deutsch.

Der Cartoonist ahnte damals zweierlei. Erstens: Die Deutschen werden bald wieder sehr wichtig sein. Und zweitens: Sie haben Probleme, sich anderen mitzuteilen. Wollen sie das überhaupt? „Die deutsche Innerlichkeit will ihren Schlafrock und ihre Ruh“, ätzte der Brandenburger Dichter Gottfried Benn im Jahre 1930 über seine Landsleute. Die Weltabgewandtheit zählt zu den dominierenden nationalen Wesensarten.

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Seelsorge auf dem Wacken-Festival

Image: wacken.com
Wenn am Mittwoch (29. Juli) 75.000 Heavy-Metal-Fans in das kleine schleswig-holsteinische Dorf Wacken pilgern, sind auch 20 Seelsorger dabei. Abwechselnd im Schichtdienst stehen sie vier Tage lang rund um die Uhr für Gespräche bereit.


evangelisch.de

Manche Besucher hätten den ganzen Tag über Spaß bei den Konzerten, sagt Diakon Björn Hattenbach (37). “Aber abends stellt am fest, man ist ganz allein unter 80.000 Besuchern.” Björn Hattenbach ist Diplom-Sozialpädagoge aus Neumünster und bereits zum fünften Mal dabei. Es sei eine besondere Stimmung auf dem Festival, weiß er aus den vergangenen Jahren. “Die Leute haben Urlaub und Partylaune.”

Durch die Musik würden viele Emotionen hochkommen, dazu kämen häufig Alkohol und Drogen. “Da brechen Sachen auf, mit denen sie gar nicht gerechnet haben.” Dann können sie sich bei Björn Hattenbach und seine Kollegen Rat holen. “Die Gespräche sollen helfen zu strukturieren, was ist da eigentlich los.”

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Internet-Befragung: Vegetarier haben weniger Vorurteile

Vegetarier und Veganer in Deutschland haben einer Umfrage zufolge offenbar seltener Vorurteile gegenüber Minderheiten als Menschen, die Fleisch essen. Außerdem hätten sie auch weniger Sympathien für autoritäre Denkmuster und soziale Hierarchien, lautet das Ergebnis einer Internet-Befragung von knapp 1.400 Personen.


evangelisch.de

Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)
Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)

Vegan lebende Personen schnitten dabei jeweils noch etwas günstiger ab als Vegetarier. Die Studienergebnisse eines Forscherteams aus Mainz und Wuppertal sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift “British Food Journal” veröffentlicht worden.

Die Verfasser der Studie räumten allerdings selbst ein, dass die Ergebnisse nur eingeschränkt repräsentativ sind. Um Teilnehmer war aktiv in Vegetarier- und Veganer-Netzwerken geworben worden. Um auch Fleischliebhaber für eine Beteiligung zu gewinnen, wurde unter anderem in der Zeitschrift “Beef!” für die Untersuchung geworben.

Ohne Gläubige keine Religion

Stéphane Charbonnier bevorzugte, «stehend zu sterben anstatt auf Knien zu leben». Foto: AFP, Getty Images
Kurz vor seiner Ermordung hat Stéphane Charbonnier, der Chefredaktor der Satirezeitung «Charlie Hebdo», einen «Brief an die Heuchler» verfasst.


Von Guido Kalberer|Tages Anzeiger

Auch das ist Ironie des Schicksals: Am 7. Januar 2015, als Stéphane Charbonnier von islamistischen Terroristen in Paris getötet wurde, erschien in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift «Charlie Hebdo» eine Karikatur mit der Überschrift «Noch keine Attentate in Frankreich». Die gezeichnete Antwort eines bewaffneten Islamisten lautete: «Warten Sie ab. Man hat bis Ende Januar Zeit, seine Festtagsgrüsse auszurichten.» Es war die letzte Zeichnung von Charb, der das satirische Magazin seit 2009 als Chefredaktor und Herausgeber geleitet hatte. Bei dem Attentat starb ein Dutzend kritische Geister, die mit spitzer Feder und scharfer Zunge das Zeitgeschehen kommentiert hatten.

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Michael Shermers ruchloser Optimismus in Reinform

Michael Shermer. Bild: ted.com, Screengrab. bb
Michael Shermer. Bild: ted.com, Screengrab. bb
Michael Shermer hat die «Skeptics Societey» gegründet, zweifelt aber an einem nicht: dass stets alles beser wird. Ein neues Buch des amerikanischen Autors zeigt ruchlosen Optimismus in Reinform.


Von Christoph Lüthy|Neue Zürcher Zeitung

Unsere Zeit bietet Pessimisten argumentative Munition zuhauf. Russland drängt zurück in den Kalten Krieg, gescheiterte Staaten zerfetzen sich, das Friedensprojekt Europa liegt im Schüttelfrost, und von den zwei grossen Thesen der neunziger Jahre, dem «Ende der Geschichte» und dem «Kampf der Kulturen», triumphiert Letztere mit jedem Attentat. Trotzdem haben Bücher Konjunktur, welche die Schlagzeilen unserer Tage als blosse Oszillationen einer sonst stetig ansteigenden Linie der Vernunft, der Wohlfahrt und des menschlichen Glücks betrachten.

Ein Skeptiker, der nicht zweifelt

Das jüngste Beispiel dieser Gattung hat Michael Shermer geliefert, ein amerikanischer Psychologe und Wissenschaftshistoriker, der sich bisher vor allem als Gründer der «Skeptics Society», als Herausgeber des «Skeptic Magazine» und als Autor zahlreicher populärwissenschaftlicher Bücher einen Namen gemacht hat. Mit seinem neusten Buch, «The Moral Arc», versuchte sich Shermer während einer Vortragsreise im vergangenen Frühling auch in Europa zu etablieren. Die These des dickleibigen Werkes ist im Untertitel bereits zusammengefasst: «Wie Wissenschaft und Vernunft die Menschheit in Richtung Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit führen».

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How Humans Will Live in Space 5000 Years from Now, According to Neal Stephenson

The cradle of the Space Hook, a device that lowers and lifts humans into space. Image by Weta Workshop, courtesy of the author.
In the new novel Seveneves, science fiction author Neal Stephenson blows up the Moon. The Snow Crash and Cryptonomicon author does so by using a stealthy black hole to disintegrate Earth’s luminous satellite.


By DJ Pangburn|MOTHERBOARD

At first, the effects of “the Event” seem minimal. The Moon is broken into seven pieces, with each given playful names. But after a few weeks, a popular physicist named Doc Dubois—seemingly modeled on Neil deGrasse Tyson—realizes that the moon bits are starting to collide. And, in a couple years’ time, the resulting lunar debris will rain hellfire onto Earth’s surface for thousands of years, ending almost all life on the planet.

Stephenson’s fictional disaster scenario allows Earth’s leaders to do something they could never agree on in reality: work together to save the human species from certain extinction. Over two and a half years, hundreds of rockets are sent with the world’s best and brightest minds aboard, equipped with supplies and genetic samples from Earth’s flora and fauna. This “Cloud Ark”, as Stephenson calls it, becomes the orbital base from which future humans and their swarming robots build a space ring habitat. The second part of the novel envisions life on the space ring 5,000 years in the future.

Stephenson recently spoke to Motherboard about how such a ring habitat would be built, and why humans would have to alter their genetics to survive in space.

Motherboard: After you destroy the moon in Seveneves, why did you settle on an orbital ring habitat for the survivors instead of some deep space exploration initiative?
Stephenson: As I see it, there’s basically two ways to think about building big things in space. One is to go to Mars and the other is to use in situ resources—so, asteroids. In situ people have been talking for a long time about using asteroids to construct big space colonies. The other point of view is let’s go to Mars, build things there and do terraforming.

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Auch “Adam” folgt dem goldenen Schnitt

Die Erschaffung Adams von Michelangelo © historisch
Versteckte Mathematik: Michelangelos berühmtes Fresko “Die Erschaffung Adams” enthält eine bisher unentdeckte Botschaft. Denn der Maler bildete den Menschen Adam nicht nur anatomisch sehr genau ab, er brachte auch den Goldenen Schnitt in dem Fresko unter – und dies auf eine Weise, die möglicherweise die religiöse Botschaft des Gemäldes unterstrich, wie Forscher im Fachmagazin “Clinical Anatomy” berichten.


scinexx

Das Fresko “Die Erschaffung Adams” an der Decke der Sixtinischen Kapelle in Rom gehört zu den bekanntesten Werken der Kunstgeschichte. Der Renaissance-Maler Michelangelo Buonarroti stellt in ihm dar, wie Gott den ersten Menschen zum Leben erweckt – symbolisch verdeutlicht durch eine Berührung mit dem Zeigefinger, die sozusagen den Funken überspringen lässt.

Subtile anatomische Bezüge

“Wie andere Renaissance-Künstler auch, besaß Michelangelo ein großes Wissen über die menschliche Anatomie”, erklären Deivis de Campos von der Universität von Porto Alegre in Brasilien und seine Kollegen. “Dies zeigt sich in der Perfektion, mit der er die menschliche Gestalt in seinen Werken wiedergibt.”

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Leipziger Esoterik um 1900: Vegetarier, Okkultisten, Theosophen und Magie

Christin Tölle-Beruf, Ron Ritter: Deviantes Leipzig. Foto: Ralf Julke
Der Titel “Deviantes Leipzig” führt ein bisschen in die Irre. Auch wenn er so schön geheimnisvoll klingt. Aber Devianz ist nur ein Begriff aus der Soziologie, der versucht, alle Arten von gesellschaftlicher Abweichung zu erfassen. Nur hätten jene Leute, die vor 100 Jahren in Leipzig als Okkultisten, Theosophen, Vegetaristen, Sexualmagiker unterwegs waren, wohl nicht von sich behauptet, sie würden abweichen.


Von Ralf Julke|Leipziger Internet Zeitung

Mit dem Buch macht der Leipziger bookra Verlag wieder etwas, was auf dem Buchmarkt nach wie vor selten ist: Er macht Arbeiten, die im Rahmen des Studiums entstanden sind und sonst eher in den Archiven verschwunden wären, in einer bezahlbaren Ausgabe zugänglich. Entstanden sind die Texte vor allem im Bereich der Religions- und der Geschichtswissenschaften an der Uni Leipzig. Und die kleine Ergänzung ist notwendig: Es geht um religiöse Devianz.

Eigentlich ein zentrales Thema, wenn es um das Leipzig der Jahrhundertwende geht. Um Deutschland sowieso. Kein Thema ging damals in den intellektuellen Debatten Europas so um wie das „Unbehagen an der Kultur“. Der Kontinent feierte zwar immer neue technische Wunderwerke, die Naturwissenschaften entfachten ein ganzes Feuerwerk an Entdeckungen. Reihenweise wurden liebgewordene Welt-Bilder auf den Kopf gestellt. Doch tatsächlich steckte der Kontinent in veralteten politischen Systemen fest und neben der Feier der Moderne entwickelte sich – wie ein Schattenbild – eine Bewegung, die der nüchternen Gegenwart die Faszination des Okkulten entgegen setzte. Ein Phänomen, das man so schon aus der Zeit der Aufklärung kannte.

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Unsere tägliche Dosis Rassismus – im Kinderkanal

Szene aus dem Mutcamp 2.0 Trailer © MDR/KiKa
Vier Stunden verbringen Menschen in Deutschland täglich vor dem Fernseher. Vier Stunden, in denen rassistische Inhalte serviert und konsumiert werden – auch in den Öffentlich-Rechtlichen, wie das MDR-Beispiel „Das Mutcamp“ (ausgerechnet) im Kinderkanal zeigt.


Von Franziska Schröder, Karin Schulz, Simon Lindner, Franziska Rüss|MiGAZIN

Menschen in Deutschland verbringen täglich durchschnittlich vier Stunden vor dem Fernseher, unabhängig von der Wahl des Senders oder der Sendezeit. Und immer wieder werden sie mit rassistischen Inhalten konfrontiert. Antrainierte Denkweisen, diskriminierende Handlungen und veraltete Vorstellungen werden unreflektiert wiedergegeben, bis sie tief in den Köpfen der Zuschauer verankert sind. Dies geschieht beiläufig und vielleicht nicht einmal böswillig – doch darf das keine Entschuldigung dafür sein, sich der Verantwortung zu entziehen, die wir alle im Umgang mit dem Thema haben.

Der Fernseher ist Teil unserer Gesellschaft und bestimmt als Leitmedium unser tägliches Leben. Darum ist es zwingend erforderlich und mehr als überfällig, sich der Gefahr bewusst zu werden, die er, durch stumpfes Nachkauen von damals wie heute schwierigen gesellschaftlichen Ansichten, für alle Schichten und Altersgruppen unserer Gesellschaft bedeuten kann! Unsere Kritik folgt dabei keinesfalls einer neuen Einsicht, sondern äußert sich gegen eine nicht endende, systematische Reproduktion von Rassismus, auf die wir durch Menschen, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen (müssen), immer wieder hingewiesen wurden und werden. Es ist Zeit, ein allgemeines Bewusstsein für die Inhalte zu entwickeln, die uns Tag für Tag umspülen. Es ist Zeit, zu hinterfragen, was die Bilder, Szenen und Worte mit uns machen und vor allem – zu was sie uns machen. Wir müssen begreifen, dass solche Handlungen allen schaden – uns selbst, indem wir uns durch die anhaltende Betäubung mit unreflektierten Werten selbst die Möglichkeit nehmen, rassistische Muster aufzubrechen.

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“Agar.io”: Darwinistisches Browserspiel mit Suchtfaktor

foto: screenshot/derStandard.at Umzingelt: Alle wollen den peorg fressen.
Einfaches, aber geniales Spielprinzip macht Spieler zu Jägern und Gejagten in einem


Von Georg Pichler|derStandard.at

Es gibt sie manchmal. Einfache Spiele auf einer Website, die es erlauben in wenigen Sekunden loszulegen und stundenlang Spaß damit zu haben. Games, die trotz simpler Spielmechanik den Ehrgeiz wecken, es immer wieder zu versuchen. “Mini Metro” war etwa so ein Fall. Mehr als hundert GameStandard-Leser haben im Frühjahr 2014 um die effizienteste virtuelle U-Bahn-Linie konkurriert.

Simpel, aber genial, hält es auch “Agar.io”. Auch ohne Anleitung lässt sich das Prinzip des Multiplayer-Games bereits im ersten Anlauf erlernen und entfesselt sodann den Darwinisten in der Spielerseele.

Fressen und Wachsen

Am Anfang war eine Zelle. Eine ziemlich kleine Zelle mit dem Ziel, sich rapide zu vergrößern. Als solche startet man als Abbildung eines farbigen Kreises, dessen Bewegungsrichtung sich durch die Positionierung des Mauszeigers oder (im App-Format) des Fingers festlegen lässt. “Wachstum” lautet die Devise, ermöglicht durch herumliegende Nahrung, die durch bunte Pünktchen symbolisiert wird.

Der Konsum des Futters lässt die Zelle an Masse und Größe gewinnen. Doch es gibt Fressfeinde – im doppelten Wortsinn. Andere Spieler wollen sich ebenfalls an derregelmäßig nachwachsenden Nahrung bedienen, können sich aber auch gegenseitig fressen. Dazu reicht es aus, die eigene Zelle über die des Konkurrenten zu schieben, um diese zu schlucken. Je nach seinem Umfang sorgt das für eine deutlich größere Massezunahme als das Aufsammeln der Futterpünktchen.

Voraussetzung ist allerdings, dass man selbst merklich größer ist als das Opfer. Annähernd gleich große Zellen passieren einander unbeschadet. Ist der Kontrahent der größere, heißt es “Game over”. Im Laufe des eigenen Wachstums erlebt man gleichwohl ein Schicksal als Jäger und Gejagter.

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Death-Metal: Christen kreuzigen als Hobby – musikalisch

„Töte für Satan“ (Kill for Satan) heißt ein Lied von der neuen CD der Band „The Antichrist Imperium“ (Das Reich des Antichristen).


kath.net

Solche Fabrikate kommen in der Death-Metal-Szene fast täglich auf den Markt, sagt Mathias von Gersdorff (Frankfurt am Main), Leiter der Deutschen Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum. Die Texte vieler Interpreten seien hasserfüllt, voll von Gotteslästerung, Sadismus, Gewaltverherrlichung, Leichenschändung und Geisterbeschwörung.

Bei Auftritten bedienten sich die Musiker teuflischer Symbole und stellten satanische Rituale dar. Von Gersdorff zitiert das Szene-Portal Metal.de: „Wenn man die Schweden AEON als eine der blasphemischsten Bands im Death-Metal-Untergrund bezeichnet, hat das natürlich seine Berechtigung: Wie schon auf den vorangegangenen drei Alben werden auch auf dem neuen Werk ‚Aeons Black’ in den Texten reihenweise Christen ans Kreuz genagelt.“

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Oxytocin: Ein Kuschelhormon mit vielen (Neben-) Wirkungen

Das Kuschelhormon Oxytocin beeinflusst mehr als nur unsere Beziehung © Tom Kuex/ freeimages
Der Botenstoff Oxytocin gilt als Kuschelhormon, als Beziehungskitt und Glücklichmacher. Doch das Neuropeptid kann noch viel mehr: Es dämpft Angst und Misstrauen, bringt die Lust beim Orgasmus und soll sogar schlank und jung erhalten. Oxytocin beeinflusst viel mehr von unserem Verhalten und sogar unserer Gesundheit, als man lange Zeit glaubte.


scinexx

Lange Zeit fristete das Oxytocin eher ein Schattendasein, verglichen mit seinen prominenteren Hormonkollegen Östrogen, Testosteron, Dopamin oder Serotonin. Doch in den letzten Jahren entpuppt sich das Kuschelhormon immer mehr als wahrer Tausendsassa.

Inhalt:

  1. Bindung als Droge
    Wie Oxytocin uns treu macht
  2. Hormonell zum Höhepunkt
    Warum der Orgasmus ohne Oxytocin nur halb so schön ist
  3. Rosa Brille
    Oxytocin gegen Angst und Misstrauen

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Charlie-Hebdo-Chef: “Wir haben das Recht auf Karikatur verteidigt. Nun sind andere dran“

Sechs Monate nach dem Anschlag auf die Redaktion des französischen Satiremagazins “Charlie Hebdo” hat Herausgeber Laurent Sourisseau im Hamburger Magazin stern zum ersten Mal in einem ausführlichen Interview über die Ereignisse von damals und die Entwicklung der Zeitschrift danach gesprochen.


stern.de

charlie_hebdoSourisseau, auch “Riss” genannt, saß bei dem Anschlag am 7. Januar in Paris, bei dem zwölf Menschen ums Leben kamen, mit am Tisch der Redaktionskonferenz. “Der Mann stand anderthalb Meter von mir entfernt und schoss in den Raum. Alles war ganz still. Man hörte nur die Schüsse. Keinen einzigen Schrei. Dann hat er auf mich gezielt. Er hat mir die rechte Schulter zertrümmert.”

Sourisseau stellte sich tot, bis die Attentäter, die Brüder Kouachi, die Büros verlassen hatten. “Als es zu Ende war, war kein Laut zu hören. Kein Klagen. Kein Wimmern. Da habe ich verstanden, dass die meisten tot waren.” Bei dem Terroranschlag kam auch Stéphane Charbonnier ums Leben, der damalige Herausgeber von “Charlie Hebdo”.

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Mohammed in der Hölle: Italien setzt Dantes Grab unter Schutz

Dantes Grabmal in Ravenna / Bild: (c) imago stock&people (imago stock&people)
In der “Göttlichen Komödie” brennt Prophet Mohammed als Schismatiker in der Hölle. Sein Grab gilt als mögliches Ziel terroristischer Anschläge.


Die Presse

Die italienische Polizei ergreift besondere Sicherheitsvorkehrungen für das Grab des Nationaldichters Dante Alighieri in Ravenna. Der Grund: Der bekannteste italienische Dichter hat in seinem Meisterwerk “Die Göttliche Komödie” (Commedia dell’arte) den Propheten Mohammed als Schismatiker in die Hölle verbannt.

Mohammed befindet sich in Dantes Meisterwerk im neunten Kreis der Hölle und wandelt wie andere Stifter von Zwiespalt in zerrissener Gestalt, sein Körper wird von Teufeln zerfetzt und immer wieder neu hergestellt. Passagen der “Göttlichen Komödie” gelten als besonders islamfeindlich.

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Erol Özkaraca (SPD) zum Kopftuchverbot in Berlin: „Wer sich diskriminiert fühlt, soll doch klagen!“

Der Neuköllner SPD-Abgeordnete Erol Özkaraca hält nichts von Lehrerinnen mit Kopftuch. Er steht auf der Seite derer, die auf einer strikten Neutralitätspflicht des Staates bestehen. Und er stellt sich damit offen gegen seinen Fraktionsvorsitzenden Raed Saleh.


Von Jan Thomsen|Berliner Zeitung

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Sein „Moin aus Neukölln!“ kennen viele, die bei Facebook unterwegs sind – nicht nur Sozialdemokraten. Erol Özkaraca, 51, Jurist und Parlamentarier der SPD im Abgeordnetenhaus, schickt fast jeden Morgen aus seinem Bezirk einen Gruß mit Foto, mal ein Panorama vom Tempelhofer Feld, mal eine Trommlergruppe auf dem Karl-Marx-Platz, mal ein ironisches Selfie vor einem Thai-Massage-Schild. Özkaraca, Deutsch-Türke aus Hamburg, kann gute Laune. Doch zurzeit ist der ebenso meinungs- wie lautstarke Politiker, der seit 28 Jahren in Berlin lebt, alles andere als gut gelaunt. Jedenfalls bei einem Thema.

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“Charlies” neues Leben: Zwischen Islamisten und Islamophoben

Ein halbes Jahr nach den Anschlägen auf “Charlie Hebdo” mit elf Toten sucht das Satireblatt seinen Weg zwischen Islamisten und Islam-Kritikern


Von Stefan Brändle|derStandard.at

foto: charlie hebdo Im Satiremagazin reifte die Erkenntnis, dass man im politischen Streit auch instrumentalisiert wurde. Daher vorerst kein Mohammed, aber immer noch scharf – gegen Islamophobie und gegen Salafisten.ANDAR

In der Allée Verte des lebhaften elften Pariser Stadtbezirks, gleich hinter dem pulsierenden Boulevard, herrscht Dorfstille. Friedhofsstille. Hier starben am 7. Jänner dieses Jahres elf Mitglieder aus dem Umfeld der Charlie Hebdo-Redaktion. Jetzt dringen friedliche Flötenklänge auf die Straße. Das “Mausoleum”, wie das spontan entstandene Denkmal von Kerzen, Kränzen und “Je suis Charlie”-Inschriften genannt wurde, ist kürzlich abgebaut worden. Die Journalisten des Satireblattes sind ohnehin längst weg, provisorisch in die befreundete Redaktion der Zeitung Libération umgezogen. “Ist besser so”, meint eine junge Frau bei ihrer Rauchpause, auf die gegenüberliegende Kinderkrippe verweisend. Ständig schielt sie dabei auf die Umhängetasche des Fremden. Man weiß ja nie.

Der schwerbewaffnete und schwitzende Polizist am Straßeneck fragt sich indes, was er eigentlich noch bewacht. Das Attentat liegt weit zurück, wirkt hier schon fast nicht mehr wirklich. Unwirsch zeigt eine Passantin mit Hund auf die Stelle, wo die beiden Kouachi-Brüder den Wachmann brutal abgeknallt hatten.

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Formen der jüdischen Heiligenverehrung

Bild: bb
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Die jüdische Religion verbietet jegliche Anbetung von Heiligen. Offiziell dürfte es daher auch bei Juden keine Heiligenverehrung geben. Doch die Münchener Judaistik-Professorin Lucia Raspe hat bei ihrer Forschungsarbeit festgestellt, dass es auch im Judentum in gewisser Weise so etwas wie einen Heiligenkult gibt.


Von Alfried Schmitz|Deutschlandfunk

“Was unterscheidet die jüdische Hagiographie, die Heiligenverehrung, von der christlichen? Prinzipiell zunächst einmal das: Es soll sie nicht geben. Sie wird offiziell abgelehnt und sie hat sich aber dennoch Bahn gebrochen in verschiedenen Situationen, historisch an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten. Und das fand ich außerordentlich faszinierend.”

Während ihrer intensiven Forschungsarbeit zur jüdischen Heiligenverehrung stieß Lucia Raspe zunächst vor allem auf alte Handschriften, jüdische Erzählungen, Sagen und Legenden aus dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit. Darin war von Protagonisten die Rede, die wie Heilige charakterisiert und beschrieben waren. Hatte sie Spuren einer jüdischen Heiligenverehrung entdeckt, die es eigentlich gar nicht geben durfte?

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Antike Graffiti: Obszönitäten, Rechnungen, Grüße

Grafitti in Hamburg Harburg: “Lost”. Bild. wikimedia.org/CC-BY-3.0/Wusel007
Juristisch gelten Graffiti heute meist als Sachbeschädigung, viele halten sie einfach für Vandalismus. Doch in der Antike war das anders. Tausende Wandkritzeleien in Pompeji zeigen, wie beliebt und selbstverständlich Graffiti dort waren – und geben Einblick in eine untergegangene Welt.


Von Polly Lohmann|FOCUS ONLINE

Mit Graffiti verbinden wir zunächst einmal große Spraytags an Gebäudefassaden oder Zugwaggons, wie sie im 20. Jahrhundert in Zentren wie New York und Chicago aufkamen. Dabei umfasst der Begriff eine Vielzahl verschiedener Formen und Inhalte, die aus unterschiedlichen Motivationen entstehen. Und: Er wurde eigentlich zur Benennung jener antiken Inschriftenform geprägt, die im 18. Jahrhundert bei Ausgrabungen in Pompeji und Rom erstmals zutage trat.

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Aggressiver Humanismus : Schwesig mit Heiligenschein

Weiße Kreuze und Aufnahme von 55 000 syrischen Kindern: Aktionskünstler provozieren mit ungewöhnlichen Inszenierungen


Von Thomas Volgmann|SVZ.de

Provokation: Manuela Schwesig mit Heiligenschein Foto: Screenshot/SVZ.de

So still und geheimnisvoll wie die weißen Kreuze vor zwei Wochen in Schwerin vor dem Innenministerium, dem Rathaus und anderen Stellen aufgestellt wurden, so still verschwanden sie auch wieder. Das wohl letzte Kreuz wurde gestern vor dem Willkommensschild zwischen Ludwigsluster und Crivitzer Chaussee entfernt. „Die Toten kommen“ heißt die umstrittene bundesweite Aktion, die das Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer stärker ins deutsche Bewusstsein rücken soll.

Die Kreuze sind nicht die erste Kampagne der Aktionskünstler des Zentrums für politische Schönheit um den Theaterregisseur Philipp Ruch: Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) plant, so kann man es auf der Webseite „kindertransporthilfe-des-bundes.de“ nachlesen, 55    000 syrische Kinder aus den Kriegsgebieten nach Deutschland zu holen. Vorbild ist eine Aktion der britischen Regierung in den Jahren 1938/39, bei der 10    000 jüdische Kinder aus dem faschistischen Deutschland gerettet und von englischen Familien aufgenommen wurden.

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Inquisition: Gesinnungsterror im Namen Gottes

Zum Schutz vor Irrlehren schafft sich die katholische Kirche eine Behörde, die Strafgericht und Repressionsapparat zugleich ist. Mit Zwangsmethoden gehen die Glaubenswächter der Inquisition jahrhundertelang gegen Abweichler vor.


Von Volker Eklkofer, Simon Demmelhuber|Bayern2

Wappen der Spanischen Inquisition: Neben dem Kreuz als Symbol für den geistlichen Charakter der Inquisition halten Olivenzweig und Schwert die Waage, wodurch das Gleichgewicht zwischen Gnade und Strafe angedeutet werden sollte. Bild: wikimedia.org/PD

 

Der Aufstieg des Christentums

Schon die Urkirche ringt um die korrekte Auslegung der Schrift, doch erst als der römische Kaiser Konstantin (306-327) dem Christentum weit reichende Privilegien einräumt, werden die Auseinandersetzungen schärfer. Kaiser Theodosius I. (379-394) erhebt das Christentum schließlich zur Staatsreligion. Allmählich formiert sich eine Staatskirche, die zwischen wahrem und falschem Glauben trennt und zunehmend beansprucht, über die Lebensform der Gesellschaft zu bestimmen.

Roma locuta, causa finita

Als Nachfolger der Apostel Petrus und Paulus erringen die Bischöfe von Rom schrittweise eine Vorrangstellung (Primat). Nur noch sie tragen ab dem 5. Jahrhundert den anfangs für alle Bischöfe üblichen Ehrentitel papa. Am Ende dieser Entwicklung verfügt der Papst in Fragen der christlichen Glaubens- und Sittenlehre über die absolute Autorität. Im Zuge der Kreuzzugsbewegung, die in der Hand der Kirche liegt, wächst der Einfluss des Papstes. Eine vom Kloster Cluny in Burgund ausgehende Reformbewegung wagt im 11. Jahrhundert die Auseinandersetzung mit der weltlichen Macht. Sie fordert die Unabhängigkeit des Papsttums vom Kaiser und verlangt die kirchliche Universalherrschaft.

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