Künstliche Intelligenz: Fünf Profis sind nicht genug gegen AlphaGo

(Bild: Google)
Im asiatischen Strategiespiel Go ist am Freitag ein Team aus fünf Top-Profis gegen Googles künstliche Intelligenz AlphaGo angetreten – und hat verloren. Außerdem gab es Paar-Go mit Mensch und Maschine.

Von Harald Bögeholz | heise online

Der von Google und der chinesischen Profi-Go-Organisation ausgerichtete „The Future of Go Summit“ soll dazu dienen, gemeinsam mit der künstlichen Intelligenz AlphaGo die Mysterien des Jahrtausende alten Strategiespiels Go zu ergründen – dass AlphaGo von Menschen nicht mehr zu schlagen ist, wird dabei immer deutlicher.

So gab es in Wuzhen (China) am dritten Spieltag zunächst eine Paar-Go-Partie, bei der zwei Teams gegeneinander antraten: Gu Li (9p, Platz 35 der Weltrangliste, Schwarz) spielte im Team mit AlphaGo gegen eine zweite Instanz von AlphaGo im Team mit Lian Xiao (8p, Platz 6, Weiß). Beim Paar-Go müssen die beiden Spieler eines Teams abwechselnd ziehen und dürfen sich nicht absprechen – Letzteres ist mit einem Computer an der Seite natürlich ohnehin gegeben.

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Je mehr Urin, desto stärker der Chlor-Geruch

Nur drei Schwimmer im Becken – da dürfte die „Biofracht“ im Wasser gering sein. (Symbolbild) Foto: Axel Heimken (dpa)
Urin geht in Schwimmbädern mit dem Chlor im Badewasser eine unheilige Allianz ein. Trotzdem, sagen Experten, könne man in hessischen Schwimmbädern bedenkenlos baden.

Frankfurter Rundschau

Wenn es im Schwimmbad stark nach Chlor riecht, ist es dort besonders sauber? Falsch. Im Gegenteil. Die Chemikalie, die im Badewasser Keime abtötet, ist geruchlos. Erst zusammen mit einer anderen Substanz entsteht das typische Odeur. „Wenn es stark nach Chlor riecht, heißt das, dass viel Harnstoff ins Wasser eingetragen wurde“, sagt Alexander Kämpfe, Fachgebietsleiter
für Schwimm- und Badebeckenwasser beim Umweltbundesamt (UBA).

Chlor geht schnell Verbindungen mit anderen Stoffen ein. Aus dem geruchlosen „freien“ Chlor und dem ebenfalls geruchlosen Harnstoff wird „gebundenes» Chlor: zum Beispiel Trichloramin, das sehr stark riecht. Je mehr Harnstoff, desto mehr Trichloramin, desto mehr Schwimmbadgeruch. Igitt.

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Let’s Remember Roger Moore With This Absurd ‘Moonraker’ Space Laser Battle

Image: Eddiesfedora77/MGM/YouTube
The beloved actor died on Tuesday at 89, but his sense of comic absurdity lives on.

By Becky Ferreira | MOTHERBOARD

At the climax of Moonraker, the eleventh film in the James Bond franchise and the fourth to star Sir Roger Moore as 007, an infamous laser fight breaks out in outer space. Following the lead of the Star Wars franchise, which popularized death rays and laser battles between spacecraft just two years before, Moonraker’s offensive added an extra layer of bravado with its free-floating mass of astronauts, like some zero-g riff on an infantry unit.

The scene has earned the 1979 film a lot of mockery because of its campy outlandishness. But in the wake of Moore’s death from cancer on Tuesday, at 89 years old, the entire sequence is worth a rewatch—along with the opening skydive chase—because it captures what was quintessentially special about the beloved actor’s take on Bond.

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Kara Cahil

Aydan Özoğuz. Bild: RDF
Über Aydan Özoğuz und die deutsche Kultur

Von Giordano Brunello | Richard-Dawkins-Foundation

Die deutsche Sprache ist eine wunderbare Sprache, reich an Ausdrücken, die manchmal so perfekt sind, um gewisse Dinge zu umschreiben, dass andere Sprachen Begriffe aus ihr eins zu eins übernommen haben. Der französische Ausdruck le leitmotiv ist ein solches Beispiel, oder le kitsch, oder le glockenspiel. Das Französisch steht aber nicht alleine da, wenn es darum geht, der deutschen Sprache Wörter zu entnehmen. Auch das Englische hat sich mehrfach aus dem deutschen Sprachschatz bedient. So gibt es im Englischen Begriffe wie the bildungsroman, the doppelganger, the rucksack oder the wunderkind.

Die türkische Sprache ist gewiss nicht so reich an Ausdrücken wie die deutsche. Nichtsdestotrotz konnte sie die deutsche Sprache beispielsweise mit den Begriffen Kiosk (köşk für Villa oder Pavillion) oder Joghurt (yoğurt) bereichern, die aus dem Türkischen stammen. Es gebe noch weitere Wörter im Türkischen, welche Aufnahme in andere Sprachen – unter anderem auch ins Deutsche – finden könnten, weil sie Dinge beschreiben, für die es in anderen Sprachen keine befriedigende Übersetzung gibt, so wie der deutsche Begriff Leitmotiv, den ich oben erwähnt habe. Yakamoz ist ein solches Beispiel. Yakamoz beschreibt das Leuchten im Meer, das insbesondere in Mondnächten entsteht, wenn sich Fische im Wasser bewegen, oder wenn sich die Ruder von Booten, die sich im Wasser befinden, bewegen. Gemäss Spiegel-Bericht sei yakamoz übrigens im Jahr 2007 zum schönsten Wort der Welt ernannt worden, wobei der Artikel den Begriff fälschlicherweise und damit etwas unglücklich mit „Widerspiegelung des Mondes im Wasser“ übersetzt. Phosphoreszenz wäre als Übersetzung sicherlich treffender, wobei yakamoz eben nicht jede Phosphoreszenz umschreibt, sondern nur jene in der vorerwähnten Konstellation.

Es gibt einen weiteren wunderbaren türkischen Ausdruck, der sich ähnlich wie yakamoz auch nicht so ohne weiteres ins Deutsche übersetzen lässt: Kara cahil. Mir ist es wichtig, dass die Leser kara cahil richtig aussprechen: Kara Dschaahill. Nur so gibt es wenn auch nur eine äußerst kleine Chance, dass der Ausdruck wenigstens in der deutschen Umgangssprache Gebrauch findet, insbesondere wenn von Aydan Özoğuz die Rede ist. Und jetzt alle zusammen: Kara cahil! Und nochmals: Kara cahil!

Genau diese beiden Wörter sprach ich ganz spontan und laut aus, als ich gestern die nachfolgenden zwei Sätze der Integrationsbeauftragten des Bundes Aydan Özoğuz in einem von ihr verfassten Artikel im Tagesspiegel las:

„Kein Wunder, denn eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar. Schon historisch haben eher regionale Kulturen, haben Einwanderung und Vielfalt unsere Geschichte geprägt.“

Da ich meistens in deutscher Sprache denke, erst recht, wenn ich Deutsch spreche oder einen deutschen Text lese, war ich selbst ein wenig überrascht, als ich ausgerechnet auf Türkisch spontan und laut (keine Angst, liebe Leser, ich war in meinem Wohnzimmer) „Kara cahil!“ rief. „Kara cahil Aydan Özoğuz!“ sprach ich weiter. Dann sagte ich noch einige weitere Dinge auf Türkisch, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte.

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Philosoph Žižek: „Macron ist das Establishment in reinster Form“

foto: malensek Philosoph Slavoj Žižek: „Wer Marine Le Pen wählt, wählt Marine Le Pen jetzt. Wer Macron wählt, wählt Marine Le Pen in vier Jahren.
Slavoj Žižek über die politische Situation Frankreichs und der USA und die Notwendigkeit radikaler Änderungen

Von Anja Malenšek | derStandard.at

Wenn aus dem fast unüberschaubaren Spektrum an Themen in Slavoj Žižeks Rede ein roter Faden zu erkennen war, dann vielleicht dieser: ein leicht fatalistischer Aufruf zur Anerkennung der düsteren Lage, in der wir uns befinden. Nahende ökologische Katastrophen, terroristische Bedrohung, geopolitische Konflikte – all dies erfordere ein „Neudenken“, ein Ende vom „Traum einer Alternative“.

Žižeks im Rahmen der Wiener Festwochen am Wochenende gepredigten Mut muss man bei manchen seiner Aussagen tatsächlich bewundern. Der marxistische Philosoph, der schon allein mit seinen hektischen Gesten das Publikum fesseln kann, ließ auch allerjüngste politische Ereignisse nicht außer Acht.

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Eva Menasse: „Für Juden ist es befremdlich, wie Porzellanelefanten behandelt zu werden“

Eva Menasse liefert hohe Literatur aus fein ätzendem Humor und herzerweichender Melancholie. (Foto: Ekko von Schwichow)
Die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse irritiert bis heute die Verkrampftheit der Deutschen, wenn es um jüdisches Leben geht. Ihre Herkunft will sie deshalb aber nicht verstecken.

Von Thorsten Schmitz | Süddeutsche.de

Sie hat das Manzini vorgeschlagen, mehr Westberlin geht nun wirklich nicht: Kellner in bodenlangen weißen Schürzen, soignierte Herren, geliftete Damen. Die Schriftstellerin Eva Menasse schätzt das behagliche Berliner Lokal. Sie mag aber vor allem auch dessen Ravioli: „Die schmecken jedes Mal besser“.

2005 hatte die gebürtige Wienerin Menasse, 47, einen Bestseller geschrieben, die packende, rührende jüdisch-katholische Familiensaga „Vienna“. Es war ihr erster Roman überhaupt. Seitdem liefert sie hohe Literatur aus fein ätzendem Humor, herzerweichender Melancholie, immer gepaart mit Empathie für ihre Protagonisten. Und immer geht es in ihren Geschichten um das, was sie am meisten interessiert: den Menschen und seine (vertrackten) Beziehungen. Jetzt erhält die Schwester des österreichischen Schriftstellers Robert Menasse den Hölderlin-Preis der hessischen Stadt Bad Homburg.

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Bestandaufnahme der irdischen Pflanzenwelt

Pflanzen sind unsere Lebensgrundlage – aber auch eine längst nicht komplett erforschte Welt © Kew Gardens
Grüne Lebensgrundlage: Die irdische Pflanzenwelt ist bisher nur in Ansätzen erfasst und erforscht. Allein im letzten Jahr wurden 1.730 neue Pflanzenarten entdeckt, wie der aktuelle Zustandsbericht zur irdischen Pflanzenwelt darlegt. Erst bei 225 Pflanzenarten hat man bisher das Erbgut entschlüsselt – angesichts von knapp 400.00 Gefäßpflanzenarten weltweit eine verschwindend geringe Zahl.

scinexx

Sie produzieren den lebenswichtigen Sauerstoff und liefern Mensch und Tier die nötige Nahrung: Pflanzen. Ohne sie sähe die Erde nicht nur völlig anders aus, die Pflanzenwelt ist auch eine Voraussetzung für Leben wie wir es kennen. „Pflanzen bilden die Basis der irdischen Ökosysteme und haben das Potenzial, einige unsere drängendsten Probleme zu lösen“, sagt Kathy Willis, wissenschaftliche Leiterin der Royal Botanical Gardens im englischen Kew.

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Jane Goodall: „Wer sehr arm ist, wird Bäume fällen“

foto: the jane goodall institute Ihre Forschungsergebnisse wurden wegweisend für die Wahrnehmung dieser Tiere. Sie beschrieb ihre Charaktere, ihre Emotionen, ihre Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen, und zeigte damit, wie ähnlich sie uns Menschen sind.
Die Verhaltensforscherin berichtet, wie man die Umwelt durch den Bau von Toiletten in Schulen und Bildung von Mädchen stärken kann

Interview Julia Schilly | derStandard.at

Mit 23 Jahren und ohne Universitätsabschluss in der Tasche zog Jane Goodall los, um Schimpansen im Gombe-Stream-Nationalpark im Westen Tansanias zu erforschen. Das Budget kam von dem Paläoanthropologen Louis Leakey, der auch die Arbeit von Dian Fossey mit Gorillas und Birutė Galdikas mit Orang-Utans unterstützte. „Zu der Zeit waren wir alle sehr naiv in dem Alter“, sagt die Britin. Dennoch konnte sie bald erste Erfolge vorweisen: Schon im ersten halben Jahr sammelte sie bahnbrechende Erkenntnisse. So beobachtete sie etwa, wie Schimpansen mit Ästen nach Termiten fischten und mit Steinen Nüsse knackten. Den Gebrauch von Werkzeugen trauten sich die Menschen bis dahin nur selbst zu. der STANDARD traf die 83-Jährige am Donnerstag vor ihrem Vortrag in der ausverkauften Expedithalle in der Ankerbrotfabrik.

STANDARD: Ihre Arbeit Anfang der 1960er-Jahre wurde von Kollegen als unkonventionell bewertet: Sie gaben den Schimpansen Namen anstatt Nummern und betrachteten sie als Individuen mit eigenständigen Persönlichkeiten. War diese Herangehensweise ohne die Scheuklappen der damaligen wissenschaftlichen Regeln ein Vorteil?

Goodall: Mein Mentor Louis Leakey war überzeugt, dass diese Denkweise nicht durch die wissenschaftlichen Theorien jener Zeit eingeschränkt war. Ich weiß nicht, wie sehr mich ein akademischer Grad verändert hätte.

STANDARD: Sie beobachteten Schimpansen etwa beim Gebrauch von Werkzeugen. Wie war die Reaktion anderer Wissenschafter?

Goodall: Mir wurde nicht geglaubt. Ich hatte ja noch keine wissenschaftlichen Referenzen. Mir wurde sogar vorgeworfen, dass ich den Affen beigebracht hätte, die Werkzeuge zu verwenden. Wie sollte man das komplett wilde Tiere lehren? Das wäre doch ein brillanter Erfolg gewesen. (lacht)

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„Es gehört viel Mut dazu, Gesicht zu zeigen“

Iris Gleicke (SPD) ist Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer. Foto: Bernd von Jutrczenka (dpa)
Die Ostbeauftragte der Bundesregierung über die neue Rechtsextremismus-Studie, die sie in Auftrag gegeben hat.

Von Markus Decker | Frankfurter Rundschau

Frau Gleicke, das Göttinger Institut für Demokratieforschung kommt in seiner Studie zu dem Ergebnis, dass Ostdeutschland ein größeres Problem mit Rechtsextremisten habe als Westdeutschland, warnt aber vor einem Generalverdacht. Teilen Sie die Einschätzung?
Ich finde die Ergebnisse sehr interessant, weil sie deutlich machen, dass es den Rechtsextremismus in Ostdeutschland eben nicht gibt. Es geht im Übrigen auch nicht um Stigmatisierung, sondern darum, Prozessen in bestimmten Regionen ein Stück weit nachzuspüren. Es gibt vielfältige, ganz unterschiedliche Gründe. Damit kann man weiter arbeiten. Die Antworten müssen vor Ort gefunden werden.

Man hat zuweilen den Eindruck, die Autoren wollten dem Osten nicht allzu wehtun, damit Sie nicht so viel Ärger kriegen wie 2016, als Sie erklärten, der Rechtsextremismus schade der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung.
Ich gehe davon aus, dass das Echo wie im vergangenen Jahr sehr geteilt sein wird. Die Ministerpräsidenten egal welcher Couleur haben mich damals alle beschimpft, auch die „Berliner Zeitung“ hat einen angeblichen ‚neuen Osthass‘ entdeckt. Dabei habe ich schon im vergangenen Jahr gesagt, dass Rechtsextremismus kein alleiniges Ost-Problem sei. Aber das Problem ist im Osten größer; die Zahlen sind da eindeutig. Deshalb ist es wichtig, sich das anzugucken und Handlungsempfehlungen zu geben.

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Gilbert & George: „Religion nimmt uns die Freiheit“

Die britischen Künstler Gilbert Prousch (l) und George Passmore vom Künstlerduos Gilbert & George stehen in Berlin in der St.-Matthäus-Kirche. ©dpa
Sie sind für ihre provokanten Aktionen bekannt. Jetzt stellen Gilbert & George, das britische Künstlerpaar, erstmals in einer Kirche aus. Es geht um Religion, Fundamentalismus und Terrorgefahr.

Sächsische Zeitung

„Luther und die Avantgarde“ – im Rahmen dieses ambitionierten Projekts stellt das britische Künstlerduo Gilbert & George (73 und 75) Bilder aus seiner „Sündenbock“-Serie in der Berliner Matthäus-Kirche aus. Das ist brisant. Denn die beiden sind für ihre harsche Kritik an Kirche und Religion bekannt. Nada Weigelt von der Deutschen Presse-Agentur erzählen sie, wie es dazu kam.

Pfarrer Neubert, der Hausherr der Kirche, der Sie mit eingeladen hat. Stimmt das?

Gilbert: Das denkt er!

George: Nein, das ist richtig. Wir sind moralische Künstler. Wir glauben an Gut und Böse. Wir glauben nur nicht an Gott. Alle Götter sind von Menschen erfunden, nichts weiter.

Sie greifen immer wieder die Kirche an …

George: … nur ihre kriminellen Seiten. Die Kirche war sehr, sehr langsam bei der Abschaffung der Sklaverei, sie war sehr langsam bei der Abschaffung der Todesstrafe. Und sie ist hintendran, was sexuelle Rechte, Homosexualität, Schwulenehe und Scheidung angeht. Die Kirche hält den Fortschritt auf.

Trotzdem bespielen Sie jetzt eine Kirche. Warum?

Gilbert: Wir wurden von der Stiftung für Kunst und Kultur in Bonn eingeladen. Wir sind bloß der Einladung gefolgt.

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Anleitung für eine richtige Leitkultur

Braucht es eine Leitkultur? Ja, aber nicht wie Thomas de Maizière sie skizziert. (Foto: Jessy Asmus)
Innenminister de Maizière erklärt, was ihm zufolge in Deutschland wirklich zählt. Doch sowohl er als auch seine Kritiker liegen falsch. Wir brauchen eine Leitkultur. Aber nicht diese.

Analyse von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

In jeder Demokratie werden Minderheiten gezwungen, unter Bedingungen zu leben, die eine von der Mehrheit gewählte Regierung ihnen zumutet. Seit der Einführung der Agenda 2010 etwa müssen etliche Bürgerinnen und Bürger mit weniger Geld vom Staat auskommen als zuvor – was für viele eine extreme Belastung war und ist. Im Prinzip ist es also üblich, dass eine Mehrheit in einer demokratischen Gesellschaft über das Leben von Minderheiten mitbestimmt.

Besonders heikel wird dies aber, wenn die betroffenen Mehrheiten und Minderheiten sich durch Sprache, Glaubensvorstellungen oder wichtige Traditionen unterscheiden – Merkmale, die mit einer Gruppenidentität zusammenhängen. Deshalb wird über den Begriff „Leitkultur“ und die Vorstellung, was er bedeuten soll, so leidenschaftlich gestritten.

Viele halten schon den Versuch für überheblich festzulegen, welche Werte und Normen rechtfertigen sollen, dass eine Kultur Vorrang vor allen anderen hat. Andere erklären einfach die eigenen Werte zu denen der Leitkultur. Das Niveau, auf dem die Debatte verläuft, lässt viel zu wünschen übrig – sowohl bei den konservativen Anhängern einer Leitkultur als auch auf der Seite der Kritiker, die meist dem liberalen oder linken Spektrum angehören.

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„Die Simpsons“ bitten zum Gottesdienst

Die Simpsons und die Kirche – eine deutlich engere Beziehung als man denken mag (dpa)
Religion ist eine der liebsten Zielscheibe der „Simpsons“. Die Zeichentrickserie nimmt seit inzwischen 30 Jahren bevorzugt Gott und seine Welten aufs Korn, sagen zwei Freiburger Theologen. Zum Glück, denn Religion brauche Satire.

Von Samuel Dekempe | Deutschlandfunk

Seit über 30 Jahren laufen die Geschichten über Homer Simpson, seine Frau Marge und die Kinder Bart, Lisa und Maggie weltweit im Fernsehen. Inzwischen gibt es über 600 Folgen in 28 Staffeln und weitere sind geplant. Auch wenn es sich um Zeichentrick handelt – eine harmlose Kinderserie sind die Simpsons nicht. Vielmehr schuf der studierte Philosoph Matt Groening Ende der 80er-Jahre eine Satire des westlichen Lebensstils. Und auch Religion spielt in der Serie eine wichtige Rolle, wie die Freiburger Theologen Thomas Jürgasch und Johannes Heger erforscht haben:

„Das faszinierende ist, dass Religion dort nicht nur irgendwie oder randständig vorkommt. Sondern sogar eine Studie hat gezeigt: Religion ist mitunter das meistbespielte Thema bei den Simpsons. Und Religion kommt nicht nur so als Anlass, um mal irgendetwas zu machen, daraus vor, sondern wirklich in ihrer Vielgestalt, könnte man sagen. Religion wird also im einzelnen Leben der Menschen gezeigt und auf ganz, ganz unterschiedliche Weise. Religion wird aber auch in ihrer konfessionellen Verfasstheit gezeigt. Religion ist also quasi in ihrem Plural, wie sie auch im wahren Leben da ist, bei den Simpsons abgebildet“, erklärt Johannes Heger.

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De Maizière verteidigt Begriff „Leitkultur“

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat seine Verwendung des Begriffs „Leitkultur“ gegen Kritik verteidigt. Er bestehe nicht auf diesem Begriff, benutze ihn aber gerne, sagte er am Dienstag bei einer Veranstaltung des Deutschen Kulturrats in Berlin.

evangelisch.de

Gemeinsam mit anderen Organisationen stellte der Dachverband Thesen für das Zusammenleben in Deutschland vor, die an die von de Maizière angestoßene Debatte anknüpfen. Die 15 Thesen der „Initiative kulturelle Integration“ nutzen den Begriff aber nicht. De Maizière sagte, die Menschen, die sich hier integrieren wollten, brächten eigene Bücher und ein soziales Miteinander mit, das sich in einigen Punkten von dem hiesigen unterscheide. Eine freiheitliche Ordnung untersage wenig, „einiges aber werden wir nicht tolerieren können“, sagte der Minister. Darüber müsse diskutiert werden. Es gehe um den Unterschied zwischen Liberalität und Gleichgültigkeit.

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Von Nazis beschlagnahmter Picasso für 45 Millionen Dollar versteigert

Zu dem Porträt „Femme assise, robe bleue“ wurde Pablo Picasso von seiner Muse inspiriert © Jewel Samad/AFP
Das Werk „Femme assise, robe bleue“ von Pablo Picasso wurde von Nationalsozialisten beschlagnahmt und von französischen Widerstandskämpfern zurückgeholt. Bei einer Auktion in New York erzielte es nun einen schwindelerregenden Preis.

stern.de

Die Werke von Pablo Picasso sind immer noch begehrt. Rund 50.000 Gemälde, Zeichnungen und Plastiken schuf der spanische Maler in seiner Lebenszeit. Seitdem gehen seine Motive um die Welt und werden in Auktionshäusern für hohe Beträge versteigert.

In New York bot nun das renommierte Haus Christie’s ein Picasso-Gemälde an, dass für 45 Millionen US-Doller den Besitzer wechselte.

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Veganismus: Denk auch an die Tiere

Kaninchen im Stall: Warum sollten sie den Menschen nicht gleichgestellt sein? (Bild: Christian Beutler / NZZ Fotografen-Team)
Die Unterscheidung zwischen Mensch und Tier ist willkürlich gezogen. Veganer sind keine Moralapostel, sondern Kritiker dieses Hierarchiedenkens.

Von Björn Hayer | Neue Zürcher Zeitung

Wer die besseren Menschen sind, entscheidet sich derzeit auf dem Teller. Das jedenfalls suggerieren die zugespitzten Kontroversen um Fleischesser und Veganer in den Feuilletons. Damiano Cantone hat jüngst in diesen Spalten die Veganer als Menschen kritisiert, die sich erhaben fühlten und anderen ihren Lebensstil aufzwingen wollten. Aber haben es die Veganer tatsächlich darauf abgesehen, eine moralische Überlegenheit gegenüber den vermeintlich unverantwortlich handelnden Karnivoren zu beanspruchen?

Schon diese Grundannahme geht am Kern der Auseinandersetzung vorbei. Wer sich zu einer ausschliesslich pflanzlichen Ernährung durchringt, dem geht es weniger um eine moralische Anerkennung innerhalb der Spezies Mensch als vielmehr um die körperliche und seelische Unversehrtheit des Tieres.

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Vom Kern der Freiheit

Recht zum Protest: Aktivisten von Amnesty International, im Look der Freiheitsstatue, demonstrieren vor der US-Botschaft in London gegen Trump. (Foto: Nikla Halle’n/AFP)
„Warum halten Amerikaner Rechte für so wichtig?“, fragt Judith Shklar Mitte der Achtzigerjahre in einem der Aufsätze, die Hannes Bajohr jüngst unter dem Titel „Liberalismus der Rechte“ herausgegeben hat. Natürlich spielen Rechte in den meisten Denktraditionen eine bedeutende Rolle.

Von Isabell Trommer | Süddeutsche.de

Doch gerade für die politische Kultur der Vereinigten Staaten sind sie zentral, nicht nur historisch, denkt man etwa an die Bill of Rights, sondern auch in einer Gegenwart, in der Bürgerinnen und Bürger immer noch beharrlich um sie kämpfen und streiten, ob es nun um den Waffenbesitz, Religionsfreiheit, Minderheitenrechte oder um freie Meinungsäußerung geht. Auch wenn sich der politische Diskurs oft um die Idee einer starken Nation dreht, behalten individuelle Rechte gegenüber dem Gemeinwohl die Oberhand.

Shklar war seit je mit Theorien des Liberalismus befasst, wandte sich dem politischen Denken der Vereinigten Staaten aber erst spät zu. Zuvor hatte sie sich mit Philosophen wie Hegel, Montesquieu und Rousseau beschäftigt. In der englischsprachigen Welt wurde sie nicht zuletzt mit ihrem minimalistischen Konzept eines „Liberalismus der Furcht“ (1989) berühmt.

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Von gedachter Schönheit und Immanuel Kant

Das Prinzip grafisch auf den Punkt gebracht. (Credit: Brielmann and Pelli)

Das ist aber eine schöne Blume! Über diese und ähnliche Aussagen lässt sich philosophieren – man kann die Frage stellen: Muss man zur Wahrnehmung von Schönheit denken? Dieser Überzeugung war der Philosoph Immanuel Kant. Ihm zufolge ist die Wahrnehmung von Schönheit mit Denken verknüpft – im Gegensatz zur Wahrnehmung von sinnlichen Freuden wie beim Essen oder Sex. Diese sinnlichen Freuden kann man deshalb eigentlich nicht als schön bezeichnen, meinte Kant. Eine experimentelle Studie bestätigt nun seine Ansichten – allerdings mit Vorbehalten.

Von Martin Vieweg | bild der wissenschaft

Um den philosophischen Theorien Kants experimentell nachzugehen, haben Denis Pelli und Aenne Brielmannan von der New York University Tests mit 62 Freiwilligen durchgeführt. Sie sollten angeben, wie viel Genuss beziehungsweise Schönheitsempfinden sie wahrnahmen, während sie Bilder sahen, eine Leckerei schmeckten oder einen besonders flauschigen Teddybär fühlten. Die Forscher zeigten jedem Proband eine Reihe verschiedener Bilder, einige, die in der Regel als schön definiert werden, einige nur nette und auch neutrale, wie beispielsweise von einem simplen Stuhl. Die Teilnehmer bewerteten dann ihre Empfindungen von Schönheit beziehungsweise Genuss bei den sinnlichen Erfahrungen auf einer Vier-Punkte-Skala.

Die Wahrnehmung von Schönheit ist ablenkbar

Anschließend wurde das Experiment wiederholt, diesmal wurden die Probanden aber durch eine Zusatzaufgabe geistig abgelenkt: Sie bekamen Buchstabenreihen vorgelesen und sollten jedes Mal einen Knopf drücken, wenn sich ein zuvor gehörter Buchstabe nach zwei weiteren wiederholte.

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Internet Archive – Wo das ganze Internet gespeichert wird

Illustration: Stefan Dimitrov
Es ist eines der ehrgeizigsten Projekte der Gegenwart: Das Internet Archive in San Francisco erfasst alles, was im Netz passiert – inklusive Katzenvideos, peinlichen Partyfotos und Geständnissen von Verbrechern.

Von Jürgen Schmieder | Süddeutsche.de

Ist das jetzt ziemlich cool oder so richtig gruselig? Das ist die Frage, die einem bei einem Besuch im Internet Archive sofort in den Sinn kommt. Hier, in diesem neoklassischen Monumentalbau im Norden von San Francisco, das bis 2009 der Fourth Church of Christ, Scientist gehört hat, ist eines der ehrgeizigsten Projekte in der Geschichte der Menschheit beheimatet: Es soll eine wahnwitzige Ansammlung von Wissen entstehen, eine digitale Bibliothek von Alexandria, für jeden zugänglich und jederzeit abrufbar.

In dem Raum, in dem Gottesdienste gefeiert worden sind, stehen nun keine Heiligenfiguren mehr, sondern 100 bauchnabelhohe Keramikfiguren der Mitarbeiter. In den Einbuchtungen gibt es keine Kerzen, sondern riesige Server. Auf der Liedertafel sind keine Psalme vermerkt, sondern die Dezimalen der Kreiszahl Pi. Welch wunderbare Metapher dafür, dass Technologie zur Religion geworden ist.

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Zoll stoppt Bücher-Abtransport in die Türkei

Ist es ein gewöhnlicher Umzug von Büchern aus Privatbesitz? Oder sollten Kulturgüter der Uni Frankfurt illegal in die Türkei geschafft werden? Der Zoll hat einen Islam-Historiker am Abtransport einer Bibliothek gehindert.

Von Volker Siefert | hessenschau.de

Die Bibliothek im Institut für Geschichte Arabisch-Islamischer Wissenschaften (IGAIW) an der Uni Frankfurt ist umfangreich. Geht es nach Direktor Fuat Sezgin, ziehen hunderte der Bücher aus dem Institut um – und zwar in seine Heimat. „Die Bücher gehören mir und kommen in die Türkei“, sagt der 92 Jahre alte Professor auf hr-Anfrage. Was dagegen Eigentum des Instituts sei, bleibe in Frankfurt.

Mehr will der betagte Wissenschaftler nicht sagen. Mit den Behörden aber wird er über den gewünschten Transfer reden müssen. Denn der Zoll hat den Büchertransport am Frankfurter Flughafen gestoppt, bis die Eigentumsverhältnisse geklärt sind. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte zuerst darüber berichtet.

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Schwimmender Gemüsegarten dockt im in New Yorker Hafen an

foto: reuters/carlo allegri Der schwimmender Obst- und Gemüsegarten ist 25 Meter lang.
Zwischen den vielen Frachtschiffen, Passagier-Fähren und Ausflugsdampfern im New Yorker Hafen ist diesen Sommer auch ein schwimmender Obst- und Gemüsegarten unterwegs. „Swale“ hat Gründerin Mary Mattingly den etwa 25 Meter langen Lastkahn getauft, auf dem sie und ihr Team Pfirsich-, Kirsch- und Apfelbäume pflegen und Gemüse wie Zwiebel, Brokkoli oder Mangold anbauen.

derStandard.at

Auch Kiwis, Feigen und Birnen sowie frische Kräuter wie Rosmarin, Thymian, Basilikum und Dill wachsen in dem schwimmenden Feuchtbiotop. Seit Anfang Mai ist der Kahn an einem Pier im Stadtteil Brooklyn angedockt und soll im Laufe des Sommers auch in der Bronx und in Manhattan Station machen. Besucher können Obst, Gemüse und Gewürze dort nach Belieben ernten und sich auch melden, um als Freiwillige bei der Gartenarbeit zu helfen. 7.000 Dollar (6.400 Euro) kosten Miete und Versicherung monatlich, die derzeit ein Cider-Hersteller trägt. Sofern sich ein neuer Sponsor findet, soll „Swale“ an einem Dock in New York ein dauerhaftes Zuhause finden.

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