Forscher fordern „Biologisierung“ der Wirtschaft

Bioökonomie – APA/EXPA/JOHANN GRODER

Die Umstellung des Systems auf biologische Grundlagen gilt als unumgänglich.

Die Presse.com

Die Welt steht vor vielen Problemen: Die wachsende Bevölkerung und der steigende Güterverbrauch erfordern immer mehr Ressourcen und produzieren immer mehr Abfälle, die Umweltbedingungen verschlechtern sich, obendrein führt unser Wirtschaftssystem zu einer Klimaerwärmung.

Ein möglicher Ausweg kann die Bioökonomie sein – eine auf biogenen (anstatt fossilen) Rohstoffen beruhende Wirtschaftsweise. „Bioökonomie ist ein Schlüssel für das Erreichen der Nachhaltigen Entwicklungsziele der UNO“, betonte der deutsche Vordenker Joachim von Braun bei den Technologiegesprächen. Er plädierte für eine sehr umfassende Sichtweise: Es gehe nicht nur darum, Biomasse als Rohstoff zu nutzen, sondern um die Umsetzung von Prinzipien der Biologie in allen Bereichen. „Bioökonomie ist kein eigener Wirtschaftssektor, sondern soll, wie die Digitalisierung, alle Bereiche durchdringen“, sagte von Braun. Daraus würde ein dezentrales Wirtschaftssystem mit neuen Wertschöpfungsketten und -netzen hervorgehen.

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Der neue Faschismus

Grafik: TP

20 Beobachtungen

Marcus Hammerschmitt | TELEPOLIS

1) Der neue Faschismus versteht sich als Abwehrkampf gegen Entwicklungen, die längst stattgefunden haben. Darin ist er insofern authentisch, als die positiven Entwicklungen authentisch sind, die er bekämpft.

2) Der neue Faschismus lebt in finanzieller und emotionaler Hinsicht von der Sympathie bürgerlicher Ehrenleute. Dass Olaf Henkel und Bernd Lucke keine Faschisten sind, sagt in dieser Hinsicht viel: Sie brachten dennoch die erfolgreichste faschistische Partei in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Weg. Sie legten die Behelfsbrücke, über die die Truppen marschieren wollen.

3) Weil das große, das mittlere und das kleine Bürgertum seine Interessen von der Polizei, den Geheimdiensten und der Bundeswehr beschützt sehen will (daher auch die ständigen Klagen über ihre mangelnde Schlagkraft), kann es die schleichende Übernahme der Organe durch Faschisten nicht einordnen. Die „Verirrten“, die Leichensäcke bestellen und Zehntausende Schuss Munition horten, die schwarzen Schafe, die nach und nach wie durch Zauber ganze Herden dunkel färben, die Seilschaften in den Geheimdiensten, die ihre Beobachtungsobjekte erst hochpäppeln und dann um jeden Preis schützen – sie alle bleiben auf diese Weise im hellen Tageslicht unsichtbar.

4) Von der Dummheit des neuen Faschismus und von der Verrohung der Gesellschaft reden ist leicht. Aber beides musste vorbereitet und genährt werden. Das neue Theater der Grausamkeit hatte eine Bauzeit. Ohne das hyperzynische Gehampel des Privatfernsehens und ohne Talkshows, in denen die Barbarei als Option diskutiert wurde, hätte dieses Theater keine Bühne. Der Arbeits- und Ehrbarkeitsfetisch des neuen faschistischen Kleinbürgers dröhnte schon aus „Richterin Barbara Salesch“ hervor. Ohne Anne Will keine Alice Weidel.

5) Der Faschismus ist vieles, aber er ist auch eine Kultur (Christoph Spehr). Je deutlicher wird, dass er ein integraler Bestandteil der deutschen Kultur ist, desto wichtiger wird Goethe. In der Dresdner Frauenkirche ist es so sauber, weil nichts an die Ruine erinnern soll, die sie zu Recht einmal war. Dass der Fundus des Berliner „Humboldt-Forums“ prallvoll mit Raubkunst aus aller Welt ist, macht das goldene Kreuz auf seinem Dach nötig.

6) Wie ihre Vorbilder sind die neuen Faschisten gerührt über ihre Großzügigkeit, wenn sie die Opferlisten nicht sofort abarbeiten. Ihr Augenmaß beweist es: Sie wollen keine Unmenschen sein. Kurz nach der Großzügigkeit setzt der Sachzwang oder die Mordlust ein, whichever comes first.

7) Ohne die Feingeister, die dem Publikum erklären, dass das Hakenkreuz ja zunächst ein indisches Glückssymbol war, wollen auch die neuen Faschisten nicht auskommen. Zwar soll auch jetzt gehobelt werden, damit Späne fallen. Mit der linksgrün versifften Kultur soll es zu Ende gehen. Aber Kultur hat viele Gesichter, auch solche, bei denen die neuen Faschisten ihre Revolver nicht entsichern müssen. Kennen Sie Wagner? Wussten Sie, dass das Hakenkreuz ursprünglich ein indisches Glückssymbol war? Vor der Machtergreifung dürfen die Feingeister sogar jeder Partei angehören.

8) Der neue deutsche Faschist ist auch ein verfolgter Jude, weil er keine Autos mehr fahren darf, die bestimmte Abgasnormen nicht einhalten. Die Gutbürgerlichen sind vernünftiger; sie würden sich durch ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen nur entmännlicht fühlen.

9) Ohne den neuen Faschismus können die anständigen Bürger die gute alte Zeit nicht als eine feiern, in der das Grundgesetz noch in Ehren gehalten wurde.

10) Am neuen Faschismus ist alles alt, sogar die Hinwendung zu den neuen Medien.

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Was das Steak auf unserem Teller mit den Waldbränden in Brasilien zu tun hat

Die EU importiert große Mengen Soja als Futtermittel für unsere Rinder. – (c) Imago

Die Katastrophe hängt auch mit dem Konsumverhalten in Europa zusammen. Die EU ist der drittwichtigste Abnehmer von brasilianischem Rindfleisch, zudem wird Soja aus Brasilien EU-weit an Schweine und Rinder verfüttert.

Die Presse.com

Die Bilder vom brennenden Regenwald in Brasilien lösen auf der ganzen Welt Betroffenheit aus. Die Katastrophe in Südamerika hat auch mit dem Konsumverhalten in Europa zu tun – vor allem der Heißhunger auf Steaks und Koteletts befeuert die Abholzung und Brandrodung großer Flächen im Amazonasgebiet.

Das Amazonasgebiet ist nicht nur die grüne Lunge der Welt, sondern auch ein gigantischer Ressourcenschatz, der Begehrlichkeiten weckt: Im Regenwald lässt sich gutes Geld verdienen mit Rindfleisch und Soja, Energie und Gold. Laut einer Studie der Weltbank können gerade Landwirte im Amazonasgebiet deutlich profitabler wirtschaften als in anderen Regionen.

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Unsere Esslust verschwendet Lebensmittel

Wie viele Lebensmittel werden durch übermäßiges Essen verschwendet? © wildpixel/ thinkstock

Wir essen zu viel: Das Wegwerfen von Lebensmitteln ist das eine, doch unsere Esslust ist ein mindestens ebenso großes Problem. Denn wir verzehren enorme Mengen an Lebensmitteln, die unser Körper gar nicht braucht. Statt anderen zur Verfügung zu stehen, werden diese Ressourcen dann zu Übergewicht. Forscher haben nun errechnet, dass das überschüssige Körpergewicht weltweit rund 140 Milliarden Tonnen Lebensmittelabfall entspricht – für einen großen Teil davon sind Europa und Nordamerika verantwortlich.

scinexx

Während Menschen in großen Teilen der Welt regelmäßig Hunger leiden, landen in anderen Regionen tonnenweise Lebensmittel im Müll. Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge werfen allein die reichen Industrieländer fast so viel Nahrung weg wie die gesamte Nettoproduktion Subsahara-Afrikas: rund 230 Millionen Tonnen pro Jahr. Weltweit fallen jährlich rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittelabfall an.

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Social Media: „Autobahnen“ des Hasses

Wie Hass-Inhalte im Netz verbreitet und strukturiert sind, haben Forscher nun aufgeklärt. © iLexx/ iStock

Vergiftetes Netz: Hass-Inhalte werden in den sozialen Medien über ein komplexes und extrem anpassungsfähiges Netzwerk verbreitet, wie US-Forscher herausgefunden haben. In diesem Hass-Netzwerk sind extreme Gruppen und Inhalte über Sprach- und Ländergrenzen hinweg verbunden – teilweise sogar über „Hass-Autobahnen“. Weil dieses Netzwerk Plattform-übergreifend ist, wachsen Hass-Cluster nach lokalen Verboten sofort wieder nach, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten.

scinexx

Facebook, Instagram, Twitter und Co tragen nicht nur dazu bei, Fake-News und Gerüchte publik zu machen. Die sozialen Medien sind auch wahre Brutstätten für Gruppen, Kommentare und Posts mit extremistischen Ansichten und Ideologien. Zwar versuchen einzelne Plattformen wie Facebook, solche Inhalte einzudämmen und beispielsweise rassistische und antisemitische Gruppen zu blockieren. Doch diese Maßnahmen erwiesen sich bisher meist als ineffektiv.

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„Innenministerium entwickelt sich in Richtung Orwellsches Wahrheitsministerium“

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU).Foto: John MacDougall/AFP

Die Linksfraktion im Bundestag sieht sich vom Innenministerium bewusst falsch informiert. Die Behörde weist die Vorwürfe vehement zurück.

Matthias Meisner | DER TAGESSPIEGEL

Die Linksfraktion im Bundestag streitet seit Monaten mit dem von Horst Seehofer (CSU) geführten Bundesinnenministerium (BMI) über die angeblich mangelhafte Beantwortung von parlamentarischen Anfragen. Das geht aus einem Briefwechsel zwischen Linken-Parlamentsgeschäftsführer Jan Korte und dem BMI hervor, der dem Tagesspiegel vorliegt.

Korte schrieb im Frühjahr an Seehofer, er habe „erneut Anlass“ sich wegen „unzureichend beantworteter Kleiner Anfragen meiner Fraktion“ zu beschweren – es ging um Themen wie die Asylstatistik, Abschiebungen, das Dublin-Verfahren sowie Verdächtigungen gegen die ehemalige Leiterin der Bremer Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

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Neue Untersuchung über Machtmissbrauch in buddhistischen Gruppen

Der angesehene tibetische Lama Dagri Rinpoche (*1958) wurde im Mai wegen Vorwürfen sexueller Belästigungen vorübergehend von seiner Lehrtätigkeit suspendiert. Der international tätige Meditationslehrer aus der Gelugpa-Tradition soll enge Kontakte zum Dalai Lama haben.

Dr. Michael Utsch | EZW

Eine Gruppe prominenter buddhistischer Nonnen setzt sich dafür ein, dass eine unabhängige Organisation mit einer Untersuchung der Vorfälle beauftragt wird und hat dafür eine Petition gestartet. Damit gibt es einen weiteren „gestrauchelten Guru“, der die Liste etablierter buddhistischen Gruppen verlängert, in denen durch den Machtmissbrauch des Leiters Inhalte und Ziele ihrer Lehre ins Gegenteil verkehrt wurden.

Eine neue Studie untersucht die psychischen Auswirkungen von Machtmissbrauch in buddhistischen Gruppen (SFU Research Bulletin 7/2019, 32-59). Die Forscherin, selber promovierte Psychologin und Tibetologin mit langjährigen Indienaufenthalten, will spezifische psychotherapeutische Behandlungsansätze entwickeln, um von Machtmissbrauch Betroffenen helfen zu können. Aus ihrer bisherigen Forschung geht hervor, dass Gruppen mit starken Hierarchien durch asymmetrische Beziehungen geprägt sind, die vielfältige Möglichkeiten zur Manipulation böten. Durch die starke Sehnsucht nach Erleuchtung im Sinne von Befreiung von Leiden werde die bedingungslose Hingabe an den Guru gefördert und Machtmissbrauch begünstigt. Die Gruppendynamik in der Meditationsklausur könne darüber hinaus Grenzüberschreitungen erleichtern, die den Mitgliedern zumeist nicht bewusst würden. Hellhörig sollte man werden, wenn die eigene Organisation als erhaben über andere dargestellt wird, wenn der Lama über allen stehen soll. Wenn eigenständige Prozesse der Verantwortungsübernahme unterbunden würden, können nach Einschätzung der Psychologin keine nachhaltigen Entwicklungsprozesse stattfinden.

Auch wenn sich das Schüler-Lehrer-Verhältnis in katholischen, evangelischen oder freikirchlichen Gemeinschaften von denen einer Psychotherapie, dem Coaching, in Sportvereinen, buddhistischen oder neuhinduistischen Meditationsgruppen stark unterscheiden: Machtmissbrauch ist ein universelles Phänomen, das die Schattenseite aller asymmetrischen Beziehungen bildet. Gemeinsame Anstrengungen können helfen, hier wirkungsvolle, religionspsychologisch begründete Abhilfen zu schaffen, von denen für das jeweilige Milieu angepasste Präventionsmaßnahmen abgeleitet und umgesetzt werden können.

Longlist zum Buchpreis: Debütanten, olé!

Stapelware: Der Deutsche Buchpreis hat Romane immer wieder zu Bestsellern gemacht. Bild: dpa

Die Vorauswahl zum Deutschen Buchpreis 2019 steht fest: Ein Blick auf die Verteilung der nominierten Romane – und auf die Hoffnungen des Buchmarkts.

Andreas Platthaus | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ungewöhnlich viele Debütanten – das ist der interessanteste Eindruck der Longlist zum diesjährigen Deutschen Buchpreis, die an diesem Dienstagmorgen bekanntgegeben worden ist. Unter den nunmehr noch zwanzig Kandidaten, die aus den 203 gesichteten Romanen ausgewählt wurden, sind gleich sieben Erstlinge, acht sogar, wenn man berücksichtigt, dass Karen Köhler bislang nur einen Erzählungsband veröffentlicht hat.

Dafür sind unter den anderen zwölf viele Bekannte: Nora Bossong, Marlene Streeruwitz, Norbert Scheuer, Alexander Osang, Saša Stanišić oder Eva Schmidt, um nur die Vertrautesten zu nennen. In den kommenden vier Wochen wird die Jury aus den Nominierungen sechs Titel herausfiltern, die dann die Shortlist bilden, aus der das diesjährige Siegerbuch gewählt wird. Es wird am Abend des 14. Oktober im Kaisersaal des Frankfurter Römers zum Auftakt der Buchmessewoche verkündet. Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert, für die fünf weiteren Finalisten bleiben noch jeweils 2500 Euro, die Aufnahme in die Longlist bringt nicht mehr ein als Aufmerksamkeit.

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Darwin Was a Slacker and You Should Be Too

Photocollages by Hannah K. Lee

Many famous scientists have something in common—they didn’t work long hours.

By Alex Soojung-Kim Pang | NAUTILUS

When you examine the lives of history’s most creative figures, you are immediately confronted with a paradox: They organize their lives around their work, but not their days.

Figures as different as Charles Dickens, Henri Poincaré, and Ingmar Bergman, working in disparate fields in different times, all shared a passion for their work, a terrific ambition to succeed, and an almost superhuman capacity to focus. Yet when you look closely at their daily lives, they only spent a few hours a day doing what we would recognize as their most important work. The rest of the time, they were hiking mountains, taking naps, going on walks with friends, or just sitting and thinking. Their creativity and productivity, in other words, were not the result of endless hours of toil. Their towering creative achievements result from modest “working” hours.

How did they manage to be so accomplished? Can a generation raised to believe that 80-hour workweeks are necessary for success learn something from the lives of the people who laid the foundations of chaos theory and topology or wrote Great Expectations?

I think we can. If some of history’s greatest figures didn’t put in immensely long hours, maybe the key to unlocking the secret of their creativity lies in understanding not just how they labored but how they rested, and how the two relate.

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Ein Stück Wissenschaftsgeschichte auf 4.000 Metern Seehöhe

Das Original hat der Zeit bislang ganz gut getrotzt.
Foto: Anna Nöbauer/Universität Bamberg

Die Hütte, von der Alexander von Humboldt einst zu einer Vulkanbesteigung aufbrach, steht immer noch und wurde nun 3-D-vermessen

DERSTANDARD

Der deutsche Entdecker und Universalgelehrte Alexander von Humboldt (1769 – 1859) ist der sogenannte Jahresregent 2019. Anlässlich seines 250. Geburtstags haben sich deutsche Forscher auch einer ganz speziellen Hinterlassenschaft von Humboldts gewidmet, wie die Universität Bamberg berichtet: nämlich jener Berghütte in Ecuador, von der aus der Naturforscher Anfang des 19. Jahrhunderts auf seiner Reise durch Südamerika und die „Allee der Vulkane“ zu einer Besteigung des Vulkans Antisana aufbrach.

„Die Berghütte gehört zu den wenigen authentischen Zeugnissen, die von Humboldts Anwesenheit in Südamerika geblieben sind“, sagt Projektleiter Tobias Arera-Rütenik. Sein Team hat die auf 4.000 Metern Seehöhe gelegene Hütte im Juni 2019 mit digitalen Denkmaltechnologien erfasst und ein 3-D-Modell von ihr erstellt.

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Antisemitismusbeauftragter Klein verteidigt das Schächten: „Schutz kultureller und religiöser Vielfalt“

Das Schächten von Schafen während des islamischen Opferfestes gilt als religiöses Gebot
© Martin Schutt (dpa)

Ein vernünftiger Ausgleich zwischen Belangen des Tierschutzes und der Religionsfreiheit? Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat das rituelle Schlachten von Tieren in Islam und Judentum verteidigt.

DOMRADIO.DE

„Die bislang geltende Regelung nach dem Tierschutzgesetz, die das Schächten in Ausnahmefällen und unter strengen Voraussetzungen erlaubt, stellt einen vernünftigen Ausgleich zwischen Belangen des Tierschutzes und der Religionsfreiheit dar“, sagte Klein am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Diese Regelung habe auch das Bundesverfassungsgericht bestätigt.

Hintergrund ist eine Debatte der niedersächsischen CDU anlässlich des zu Ende gegangenen islamischen Opferfestes. Medienberichten zufolge fordert die dortige Landtagsfraktion ein vollständiges Verbot des Schächtens, bei dem Tiere ohne Betäubung geschlachtet werden. Ein entsprechender Vorstoß sei von der Fraktion gebilligt worden. Als Grund wird das Tierwohl genannt.

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Gericht: Mädchen darf nicht in Knabenchor

Pixabay License

Das Berliner Verwaltungsgericht hat die Klage eines Mädchens auf Zulassung zum Staats- und Domchor in Berlin abgewiesen.

evangelisch.de

Mit Blick auf den spezifischen Klang des reinen Knabenchores sei die Leitung des Ensembles berechtigt, Mädchen, deren Stimme diesem Klangbild nicht entsprechen, abzuweisen, sagte der Vorsitzende Richter, Jens Tegtmeier, am Freitag in Berlin in seinem Urteil nach mehrstündiger Verhandlung. Dabei gehe in diesem Fall das Recht auf Kunstfreiheit aus Artikel 5 im Grundgesetz dem Verbot der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts aus Artikel 3 Absatz 3 vor.

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Alkoholresistent: Wissenschaftler bezeichnet Ozzy Osbourne als ‚genetischen Mutanten‘

Ozzy Osbourne (2019) © MSOPR

Der US-amerikanische Wissenschaftler Bill Sullivan stellte Forschungen zu Ozzy Osbournes Genom an, um herauszufinden, wie dieser trotz übermäßigem Alkohol- und Drogenkosum ein so langes Leben führen konnte.

Von Alessa Engel | regioactive.de

Bill Sullivan ist als Forscher und Professor im Bereich Genetik an der Indiana University School of Medicine tätig. 

In seinem Buch „Pleased to Meet Me: Genes, Germs and the Curious Forces that Make Us Who We Are“ erwähnt er eine Studie von Knome, einem Forschungsunternehmen in Massachusetts, das Ozzy Osbournes DNA untersuchte. In der Studie aus dem Jahr 2010 wurde erforscht, wieso der britische Rockmusiker trotz seines 40 Jahre andauernden hohen Alkohol- und Drogenkonsum so lange leben konnte.

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Nationaler Narzissmus am Beispiel des kollektiven Gedächtnisses vom Zweiten Weltkrieg

Hintergrundbild: Bundesarchiv, Bild 183-H26353 / Eric Borchert / CC-BY-SA 3.0

Menschen überschätzen nach einer Studie den Beitrag ihrer Länder, auffällig ist, dass die Bedeutung der einstigen Sowjetunion für den Sieg über Deutschland unterschätzt wird

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Das Ende des Zweiten Weltkriegs liegt bereits 75 Jahre zurück. Die meisten Menschen, die jetzt leben, haben ihn und seinen Ausgang nicht selbst erlebt. Aber es gibt ein kollektives Gedächtnis, das durch Narrative in Erzählungen, Geschichtsbüchern, Filmen und Feiern gebildet wird, die nationale Identität prägt und dazu beitragen kann, Beziehungen zwischen Ländern und aktuelle Konflikte zu beeinflussen. Ein internationales Wissenschaftlerteam hat nun eruiert, welches Wissen Menschen in 11 am Zweiten Weltkrieg beteiligten Staaten über den Krieg haben und welchen Beitrag sie ihren Ländern für den Krieg und dessen Beendigung zuschreiben.

Den Ausgangspunkt der Studie, die in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschienen ist, stellt die Erkenntnis dar, dass die Sicht sehr ethnozentrisch geprägt sein kann. In einer – allerdings nicht repräsentativen – Umfrage unter Studenten aus 35 Ländern sollten diese prozentual angeben, wie hoch der Beitrag ihrer Länder zur Weltgeschichte ist. Die Russen gaben 61 Prozent, die Inder 50 Prozent, die Italiener 40 Prozent an. Insgesamt summierten sich die Schätzungen auf über 1000 Prozent. Dieser Narzissmus funktioniert auch innerhalb eines Landes, die Bewohner der amerikanischen Bundesstaaten überschätzten ebenfalls deutlich deren Bedeutung für die USA. Und auch individuell neigen die Menschen narzisstisch zur Überschätzung ihres Anteils, beispielsweise wenn Paare gefragt werden, welchen Beitrag sie an der Haushaltsarbeit leisten.

„Wir haben den Krieg gewonnen“

Bekannt ist auch, dass die Amerikaner glauben, dass letztlich der Kriegseintritt der USA zum Sieg im Ersten und Zweiten Weltkrieg führte, woraus sich das Narrativ ableitet: „Wir haben den Krieg gewonnen.“ Das habe sich in Schulbüchern, Filmen, Erzählungen und den Erinnerungen der Soldaten niedergeschlagen. In Russland werde das sehr unterschiedlich betrachtet und gibt es ein anderes Narrativ.

Die Wissenschaftler sehen unterschiedliche nationale Narrative als bedeutsam an, weil sie die internationalen Beziehungen oder Nicht-Beziehungen prägen: „Als Russland beispielsweise 2008 in Georgien einmarschiert ist, unterschieden sich die Narrative der Invasion zwischen der russischen und der georgischen sowie internationalen Sicht stark. Dasselbe trifft zweifellos auf den israelisch- palästinensischen Konflikt, die Kontroverse zwischen der Türkei und Armenien oder zwischen Pakistan und Indien sowie vielen ähnlichen Kontroversen zwischen Nationen oder Menschen auf der Welt zu.“

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Eine Provokation namens Willy – SPD klebt zurück

Gegenkampagne: Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke Bild: dpa

Im Wahlkampf in Brandenburg bedient sich die AfD beim SPD-Heiligen Willy Brandt. Die Sozialdemokraten sind empört – und kleben Gegen-Plakate.

Von Markus Wehner | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Im Wahlkampf in Brandenburg provoziert die AfD mit einem Rückgriff auf die Geschichte. Besonders die SPD, die die rote-rote Landesregierung anführt, sieht sich herausgefordert. Denn die AfD hat sich an der Ikone der Sozialdemokratie vergriffen, an Willy Brandt. Mit dem Bild des früheren Bundeskanzlers und SPD-Vorsitzenden und dessen Slogan „Mehr Demokratie wagen!“ werben die Rechtspopulisten für sich. Dass die AfD „an allen Stellen klaut, ist bekannt“, sagte SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke am Montagabend bei einer Wahlveranstaltung in Potsdam. Dass die AfD sich aber an jemanden vergreife, der sich zeitlebens für den Frieden zwischen den Völkern eingesetzt habe, das sei „der Gipfel“.

Die SPD hatte am Montag ein Gegen-Wahlplakat vorgestellt. Es trägt die Aufschrift „Wir wollten die Freiheit. Wir haben sie erkämpft. Sorge dafür, dass sie bleibt“. Darunter steht das Motto „#wirsindwilly“, das als Hashtag über Twitter verbreitet wurde. Mehrere führende SPD-Politiker, etwa Vizekanzler und Bundesfinanzminister Olaf Scholz und die kommissarischen Parteivorsitzenden Torsten Schäfer-Gümbel, Manuela Schwesig und Malu Dreyer, schlossen sich dem Aufruf an. Dass die AfD „diesen großen Freiheitskämpfer für ihre rechte Propaganda missbraucht, ist an Verlogenheit nicht zu überbieten“, schrieb Dreyer.

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Mathematik: Was macht eine Formel schön?

Ob wir eine mathematische Formel instinktic als schön empfinden, hängt überraschenderweise von den gleichen Kriterien ab wie bei einem Kunstwerk. © Emilija Randjelovic/ iStock

Abstrakte Ästhetik: Selbst mathematische Laien können die „Schönheit“ einer mathematischen Formel erkennen und bewerten, wie ein Experiment enthüllt. Dabei waren sich die Laien nicht nur weitgehend einig in ihrer Einstufung. Sie beurteilten die Ästhetik der Gleichungen auch mit denselben Kriterien wie die Schönheit eines Gemäldes – besonders wichtig waren demnach Eleganz, Klarheit und Tiefgründigkeit, wie die Forscher im Fachmagazin „Cognition“ berichten.

scinexx

Hinter vielen als schön angesehenen Kunstwerken steckt Mathematik – beispielsweise in Form des Goldenen Schnitts. Und auch wohlklingende Musik und Mathematik sind eng miteinander verknüpft. Umgekehrt soll schon Albert Einstein gesagt haben, dass eine richtige Gleichung meist auch besonders schön und elegant ist. Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass eine gewisse mathematische Symmetrie eher als korrekt empfunden wird.

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Nazi-Verbrechen in der Toskana: Das ungesühnte Massaker von Sant’Anna

Gedenkstätte für das Massaker in Sant’Anna di Stazzema von 1944 | Bildquelle: picture alliance / ROI

Am 12. August 1944 überfielen Soldaten der Waffen-SS das toskanische Bergdorf Sant’Anna di Stazzema. Sie ermordeten Kinder, Frauen und alte Menschen. 75 Jahre später steht fest: Das Verbrechen wird ungesühnt bleiben.

Von Klaus Hempel | tagesschau.de

Soldaten der 16. SS-Panzergrenadierdivision fallen am frühen Morgen des 12. August 1944 in das toskanische Bergdorf Sant‘Anna di Stazzemaein. Sie sind auf der Suche nach Partisanen. Die Männer des Dorfes flüchten, weil sie befürchten, als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt zu werden. Ihren Frauen, Kindern und Eltern versichern sie, dass die Deutschen ihnen nichts tun würden.

Erschießung vor der Kirche

Doch die Männer der Waffen-SS kennen keine Gnade. Drei Stunden dauert das Massaker, am Ende sind Schätzungen zufolge 560 Menschen tot: Alte, Frauen, Kinder. Die meisten von ihnen werden auf dem Kirchplatz zusammengetrieben und dort erschossen. Nur wenige überleben.

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Missing Link: Adorno und der neue Rechtsradikalismus

Aufmarsch von Rechtsradikalen in Polen (Bild: Shutterstock)

Theodor W. Adornos Vortrag über die NPD von 1967 bietet erstaunlich aktuelle Erklärungen des Erfolgs heutiger rechter Gruppen wie der AfD und ihrer Propaganda.

Von Detlef Borchers | heise online

Vor 50 Jahren starb der Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno in den Schweizer Bergen. Zu seinem Todestag hat sein Verlag ein Büchlein unter dem Titel „Aspekte des neuen Rechtsradikalismus“ veröffentlicht. Es ist das Transkript einer Rede, die Adorno am 6. April 1967 in Österreich gehalten hat. Sie ist in der österreichischen Mediathek verfügbar und ganz bemerkenswert. In seinem Vortrag vor dem Verband Sozialistischer Studenten Österreichs erklärte Adorno den kometenhaften Aufstieg der rechtsradikalen NPD, die 1964 gegründet worden war und Zug um Zug in die Parlamente westdeutscher Bundesländer einziehen konnte. Den Einzug in den Bundestag schaffte sie jedoch nicht – im Unterschied zur heutigen AfD, auf die der Text von 1967 jetzt umgedeutet wird.

Zahlreiche Besprechungen rühmen nun zur Veröffentlichung des Textes die „Kraft der Vernunft“ und die bestürzende Aktualität des Vortrages angesichts einer AfD, die wortwörtlich wie die NPD vor über 50 Jahren gegen die „Kulturmarxisten“ vom Leder zieht. Auch Adornos Charakterisierung des manipulativen Charakters der damaligen Parteiführer, „die gleichzeitig kalt, beziehungslos, strikt technologisch gesonnen, aber ja in gewissem Sinn eben doch irre sind“, weist Parallelen zur heutigen Zeit mit den Auftritten des „rechten Flügels“ unter Björn Höcke auf. Das erklärt, warum das Büchlein jetzt ein Bestseller wird und in die fünfte Auflage geht. Taugt „Teddy“ Adorno als Erklärbär für die neuesten neuen Rechtsradikalen?

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„Eine Strafsteuer schafft kein Tierwohl“

Soll Fleisch teurer werden, damit es den Nutztieren besser geht? Darüber wird heftig diskutiert.Foto: ZB

Eine höhere Fleischsteuer läuft ins Leere und dient weder dem Klima- noch dem Tierschutz, argumentiert der Generalsekretär des Bauernverbandes. Ein Gastbeitrag.

Von Bernhard Krüsken | DER TAGESSPIEGEL

Höhere Mehrwertsteuer für Fleisch – eine griffige und stammtischtaugliche Idee, die gleichzeitig aber hochgradig unausgegoren und wirkungslos ist. Schade um die Zeit für diese Diskussion, mit der sich die Republik in den zurückliegenden Tagen hat unterhalten lassen. Schade deshalb, weil dahinter eine drängende und sehr viel weitreichendere Herausforderung steht: Wie bringen wir den Bürgerwunsch nach mehr Tierwohl und das Verbraucher- und Nachfrageverhalten zusammen, so dass hohe Tierwohlstandards auch tatsächlich gekauft werden?

Die Weiterentwicklung unserer Tierhaltung ist auch ein wirtschaftlicher Kraftakt. Investitionen in Ställe müssen möglich sein, sie müssen geplant, finanziert, genehmigt, gefördert und getätigt werden. Dafür braucht es tatsächlich erhebliche Mittel, die aber beim Landwirt ankommen müssen und nicht beim Fiskus. Steuereinnahmen aber gehen in den allgemeinen Haushalt und können nicht einfach an bestimmte Gruppen „durchgeleitet“ werden. Die Verwendung der daraus generierten (Haushalts-)Mittel ist absolut vom politischen Goodwill abhängig und kann vor allem nicht langfristig verbindlich festgelegt werden. Eine Strafsteuer schafft kein Tierwohl und keinen Klimaschutz, sondern führt erst einmal zur Verlagerung von Nachfrage.

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Skeptiker versus Progressive: Was die (richtig verstandene) Aufklärung uns gerade heute zu sagen hat

Beide Typen berufen sich auf die Aufklärung, aber beide haben einen anderen Begriff von ihr: die Avantgardisten des Fortschritts und die Praktiker der Skepsis. Erstere haben zurzeit die Nase vorn – aber bringt deren Engagement die Menschheit wirklich weiter? Der junge Voltaire und Diderot hätten da wohl ihre Zweifel.

Hans Ulrich Gumbrecht | Neue Zürcher Zeitung

Kein Tag vergeht mehr ohne öffentliche Scharmützel über die politische Korrektheit, in denen sich ihre Kritiker und Befürworter beleidigen – und immer weiter voneinander entfernen. Nach der neuen Lehre, die längst nicht mehr allein an den Universitäten herrscht, sondern inzwischen selbst in Verwaltung und Privatwirtschaft Einzug gehalten hat, lassen sich ethische Probleme grundsätzlich in zutreffende (oder eben «korrekte») Antworten und folglich in bindende, mit Zwang durchzusetzende Handlungsanweisungen überführen. Man hat tolerant zu sein und divers, egalitär und öko-etatistisch.

Zum Konsens-Repertoire der auf dieser Grundlage vertretenen starken Werte gehören die Betonung kultureller wie geschlechtlicher Identitäten und die Forderung nach ihrer sozialen Anerkennung; ein weitreichender, an Idealen der Gleichheit ausgerichteter Anspruch auf Umverteilung, also die Egalisierung von finanziellem wie kulturellem Kapital; und schliesslich eine Reihe von ökologisch begründeten, meist im Gestus der Selbstbestrafung für zurückliegende Sünden verkörperten Abstinenzregeln, die angeblich das Überleben der Menschheit auf dem Planeten Erde gegen vielerlei Bedrohungen garantieren.

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