Religiöse Vorschrift oder historisches Produkt der Männerherrschaft?

Paula Modersohn-Becker: Kopf einer alten Frau mit schwarzem Kopftuch, 1903
In seinem Buch Ihr müsst kein Kopftuch tragen plädiert der Theologe und Religionspädagoge Abdel-Hakim Ourghi für eine kritische Revision des islamischen Kopftuchgebots.

Reinhard Jellen | TELEPOLIS

Herr Ourghi, in wie vielen islamisch regierten Staaten ist das Nicht-Tragen eines Kopftuchs gesetzlich erlaubt und wird von der Bevölkerung auch toleriert?

Abdel-Hakim Ourghi: Das ist völlig richtig, denn das Familiengesetz in vielen muslimischen Ländern, wie etwa in Nordafrika, erlaubt die Nicht-Verschleierung. Die Realität sieht jedoch anders aus. Es geht letztendlich bei der Verschleierung nicht nur um die Beherrschung des Geistes und Körpers der Frauen, sondern auch um die Steuerung ihrer Sexualität.

Viele Mädchen und Frauen, die kein Kopftuch tragen wollen, sind dem kollektiven Zwang ihrer Gemeinde und Familie ausgesetzt sind. Wenn sie schließlich doch nachgeben, dann nicht freiwillig. Die nicht kopftuchtragende Frau wird unterstellt, dass sie ihren Körper zu Schau und damit anderen zur Verfügung stellt.
In der patriarchalen Gesellschaftsordnung besteht der Konsens, eine solche Frau sei keine „wahre“, keine „richtige“ Muslimin. Sie sei eine Muslimin, die keinen Respekt vor der eigenen Religion und vor den anderen Muslimen habe. Sie sei eine Außenseiterin, da sie sich nicht an das Verschleierungsgebot halte. Ihre Zugehörigkeit zur muslimischen Gemeinde wird dadurch in Frage gestellt.

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Mittelmeer: Weltkulturerbe bedroht

Die Ruinen von Tyros im Libanon, einer alten Hafenstadt der Phönizier, Griechen und Römer, sind schon heute von Überschwemmung und Küstenerosion bedroht. © Heretiq/ CC-by-sa 2.5
Land Unter: Rund 40 Stätten des UNESCO-Weltkulturerbes am Mittelmeer sind akut von Sturmfluten und Erosion bedroht, wie eine Studie enthüllt. Denn viele der antiken Stätten liegen nah am Wasser und nur knapp über dem Meeresspiegel. Schreitet der Klimawandel weiter voran, könnten sogar mehr als 90 Prozent der küstennahen Welterbestätten am Mittelmeer regelmäßig oder gar dauerhaft im Meer versinken, warnen die Forscher im Fachmagazin „Nature Communications“.

scinexx

Ob Venedig, das antike Ephesus oder die Ruinen von Karthago: Rund um das Mittelmeer liegen so viele Zeugnisse vergangener Kulturen wie kaum irgendwo sonst. Schon in der Bronzezeit erblühten hier die Reiche der Minoer, Ägypter, Phönizier und Hethiter. Später, in der Antike, errichteten die Griechen und Römer entlang der Küsten ihre Städte, Tempel und Häfen. Insofern ist es kein Wunder, dass auch besonders viele Stätten des UNESCO-Weltkulturerbes an den Mittelmeerküsten liegen.

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Die Folgen der christlichen Sündenlehre

Julia, eine ehemals tiefgläubige Christin, erzählt ihre Geschichte.

Richard-Dawkins-Foundation

Sie ist Mitglied des Panels von „Faith to Faithless“, einer wachsenden britischen Organisation von Menschen, die aus allen ehemaligen Glaubensrichtungen kommen und die Religion hinter sich gelassen haben: Islam, Christentum, Judentum, Sekten, Esoterik etc.

http://faithtofaithless.com/

Gründer von Faith to Faithless sind zwei ehemalige Muslime: Imtiaz Shams und Aliyah Saleem.

Dieses Video entstand bei einer gemeinsamen Veranstaltung von Faith2Faithless und den Humanist Students UK.

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Magazin „AOK On” (04/2018): AOK-Sprache 2018 – „autistische Zombies“, entschuldigen will man sich nicht

Magazin „AOK On” (04/2018) Bild: Screenshot: bb
Die Krankenkasse AOK spricht in Ihrem Magazin „AOK On” (04/2018) von „autistischen Zombies“ und diskriminiert und beleidigt damit alle autistischen Menschen und deren Angehörige.

Der eigentliche Skandal ist aber, dass die AOK keine Entschuldigung im nächsten AOK-On Magazin abdrucken möchte!

Autismus – per Definition eine tiefgreifende Entwicklungsstörung. Viele Betroffene und Angehörige leiden vor allem durch das mangelnde Verständnis der Mitmenschen und deren Reaktionen auf diese Behinderung. Aus diesem Grund versuchen Organisationen, Vereine, Betroffene und viele weitere auf das Thema Autismus und die damit verbundenen Schwierigkeiten aufmerksam zu machen.

Als Eltern eines dreijährigen Sohnes mit frühkindlichem Autismus, oft auch als schwere Form des Autismus bezeichnet, versuchen wir alles für eine bestmögliche Zukunft für ihn und alle Menschen mit Autismus zu erreichen. Täglich kämpfen wir gegen Vorurteile, Stereotypen in den Köpfen der Menschen und Unverständnis. Natürlich ist hierfür auch die Unwissenheit über die Art der Behinderung verantwortlich. Umso mehr schmerzt es dann, wenn – und noch dazu von einer Krankenkasse – von autistischen Zombies gesprochen wird. Dies ist nicht nur verletzend, sondern auch der Aufklärung der Gesellschaft wird hierdurch geschadet.

Eine Behinderung als beschreibendes Adjektiv für einen Zombie zu verwenden ist nicht nur geschmacklos, es verstärkt falsche Assoziationen mit Autismus und erschwert die Inklusion.

Die AOK hat – nach einem Aufschrei in den sozialen Medien – zugegeben, dass der Ausdruck ein Fehler war. Hierüber informiert ein lapidarer Tweet der @AOK_Gesundheit mit 240 Zeichen.

Eine Entschuldigung im nächsten Magazin abzudrucken wird weiterhin abgelehnt.

Wir fordern eine Entschuldigung/Gegendarstellung in der nächsten Printausgabe, dem Medium in dem die Verfehlung passiert ist. 

Ein Tweet ist weder ausreichend noch angemessen und erreicht auch nicht die Leser der jetzigen Ausgabe.

Link zur Petition

Grab eines antiken „Vampirs“ entdeckt

Ein Stein im Mund sollte dieses zehnjährige tote Kind am Auferstehen als Untoter hindern © David Pickel/ Stanford University
Stein gegen den Untoten: In Italien haben Archäologen das Grab eines römischen Kindes entdeckt, das man offenbar als Untoten oder Vampir fürchtete. Ein Stein im Mund sollte verhindern, dass der Tote sich aus dem Grab erhob und die Lebenden mit Malaria ansteckte – der Krankheit, an der das Kind gestorben war. In Nachbargräbern zeugen Rabenklauen, Krötenknochen und Bronzegefäße mit Asche von weiteren abergläubischen Praktiken gegen Untote und Vampire.

scinexx

Zombies, Vampire und Untote sind keineswegs eine Erfindung der Neuzeit: Schon die Römer fürchteten, dass bestimmte Tote sich aus ihren Gräbern erhoben und dann Unheil unter den Lebenden anrichten könnten. „Wir wissen, dass die Römer sich davor fürchteten und sogar Hexenkraft nutzten, um das Böse, das den Körper der Gestorbenen kontaminierte, am Herauskommen zu hindern“, erklärt David Soren von der University of Arizona.

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Die chemische Antwort auf die Frage, ob ein Film jugendfrei ist

Forscher nahmen flüchtige organische Verbindungen, die Zuschauer ausatmen, als Indikator für den Grad der Anspannung

derStandard.at

Altersfreigaben für Filme sind mitunter umstritten, weil subjektiv erstellt: Sie gehen auf Beurteilungen durch Institutionen wie die Jugendmedienkommission im österreichischen Bundesministerium für Bildung oder die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft in Deutschland zurück –die FSK ist durch ihre verschiedenfarbenen Aufkleber auch heimischen DVD-Käufern wohlbekannt. Doch auch Expertengremien bestehen nur aus Menschen und können Bewertungen abgeben, die für andere nicht nachvollziehbar sind.

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Wenn das Brathähnchen wieder Broiler heißt

Bild: DER TAGESSPIEGEL.de
Schwierige Zeiten für die Sprache: Nicht jeder sollte alles sagen. Manchmal hängt es von der Religion ab. Schöne alte Begriffe aber sollten erhalten bleiben. Eine Glosse.

Von Harald Martenstein | DER TAGESSPIEGEL

Verwirrende Zeiten. Ausgerechnet Heinz Buschkowsky, der Helmut Schmidt von Neukölln, soll aus der SPD ausgeschlossen werden. Die „AG Migration“ hat es einstimmig beantragt. Sie werfen ihm vor, er sei rechts, also, im Grunde ein Faschist oder auch Sozialfaschist. Sein Sündenkatalog war in dieser Zeitung zu lesen. Unter anderem hat Buschkowsky sich zu der Aussage verstiegen, der Islam habe ein „absurdes Frauenbild“.

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Auf der Suche nach der guten Entfremdung – Slavoj Žižek über linke Politik

„Wir brauchen eine gut funktionierende Staatsbürokratie“, sagt Slavoj Žižek. (David Kohlruss)
Slavoj Žižek ist Psychoanalytiker, Kommunist – und einer der aufregendsten europäischen Philosophen der Gegenwart. Seit fast zwei Jahrzehnten arbeitet er daran, Lenins Thesen für die Gegenwart zu beleben. Wir fragen nach: Warum?

René Aguigah | Deutschlandfunk Kultur

Der Slowene Slavoj Žižek ist der Popstar der Philosophie – insbesondere in den englischsprachigen Medien ist er omnipräsent. In Deutschland ist er eher ein Feuilleton-Phänomen. Seine Theorien bewegen sich zwischen Lacan’scher Psychoanalyse, Hegelianischer Philosophie, marxistischer Gesellschaftskritik und dem politisch Unbewussten des Hollywoodkinos. Seine Publikationsliste ist kaum überschaubar – in seinem neuen Buch „Lenin heute“ wendet er sich wieder einem seiner liebsten Protagonisten des 20. Jahrhunderts zu, an dem er sich seit geraumer Zeit intellektuell abarbeitet.

Eine Art Best-Of unseres Gesprächs:

Was ihn an Lenin interessiert:

„Zwei Momente in Lenins Leben faszinieren mich: Was machte Lenin nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs? Er geht in die Schweiz, um Hegel-Logik zu lesen. Das brauchen wir heute. Wir sind in so einem Nullzustand. Wir müssen ganz neu beginnen. Die Marxisten sagten immer: Die Philosophen haben die Welt immer nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern. Vielleicht sollten wir als gute Marxisten heute das genaue Gegenteil bestätigen: Vielleicht versuchten wir im 20. Jahrhundert die Welt zu schnell zu verändern? Jetzt ist ein Moment, die Welt neu zu interpretieren: Was geschieht heute? Was ist in China – neuer Kapitalismus, noch immer Kommunismus?

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Wer Angst vor Nietzsche hat, macht ihn einfach zur Witzfigur

Das Nietzsche-Denkmal in Rücken besteht aus einer halbnackten Skulpturengruppe – von Klaus Messerschmitt am Geburtshaus Friedrich Nietzsches. (Bild: Mauritius images / Bildarchiv Monheim GmbH / Alarmy)
Der grosse Philosoph war ein glühender Verehrer der Kunst. So kurz vor seinem Geburtstag darf man sich nur fragen: Warum gibt es kein ernstzunehmendes Nietzsche-Denkmal? Ist Nietzsche überhaupt ein Thema für die zeitgenössische Kunst?

Christian Saehrendt | Neue Zürcher Zeitung

Bereits in der Agonie seiner letzten Lebensjahre war Friedrich Nietzsche zu einer touristischen Attraktion geworden. Elisabeth Förster-Nietzsche begann damals mit einer gnadenlosen Vermarktung ihres Bruders. Sie kontrollierte den Zugang zum Krankenzimmer im Obergeschoss ihrer Weimarer Villa und bestimmte, wer zur Audienz beim verstummten Genie vorgelassen wurde. Nach seinem Tod am 25. August 1900 nahm der Nietzsche-Kult erst recht Fahrt auf, besonders unter bildenden Künstlern. Wie aber sieht es heute aus? Ist Nietzsche ein Thema für die zeitgenössische Kunst? Gibt es Denkmäler an seinen Lebensstationen?

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#Unteilbar oder gespalten?

Das Logo der Kampagme #unteilbar Bild: http://www.unteilbar.org
Ein breites Bündnis ruft unter dem Hashtag #unteilbar für den 13. Oktober zur Demonstration in Berlin auf. Das Bündnis, dem sich linke Gruppen sowie Künstler und Prominente angeschlossen haben, wird kritisiert, weil auch Vereine mit Verbindungen zum Islamismus unter den Unterzeichnern sind. Soll man die Demonstration deshalb boykottieren? Zwei Positionen.

Von Marcus Latton, Daniel Steinmaier, Carl Melchers | jungle world

Die #unteilbar-Kampagne paktiert mit Islamisten und Antisemiten. Wer es mit dem Kampf gegen rechts ernst meint, kann dieser Querfront nur eine Absage erteilen.

Mangelnde Ambitionen kann man den Organisatoren der #unteilbar-Kampagne nicht vorwerfen. Im Aufruf zum Protestmarsch am 13. Oktober in Berlin geht es ums Ganze: gegen Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Überwachungsstaat. Für das Recht auf Asyl, für Umverteilung. Und für ­Solidarität. Die Organisatoren von #unteilbar haben an alle gedacht. Deshalb ist die Liste der Unterzeichner ungewöhnlich lang. Unter ihnen befinden sich Amnesty International, ­Gewerkschaften, Kirchen und Flüchtlingshelfer. Berliner Clubs wie das SO36 sind dabei, die Fernsehköchin Sarah Wiener, Jan Böhmermann – der Volker Pispers für Millenials – und der Volker Pispers für alle anderen: Volker Pispers.

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Feministen, rettet das generische Maskulinum!

© Coyote III (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons
Seit über 30 Jahren operieren Genderlinguisten am lebenden Organismus der Sprache herum, um ein Strukturmerkmal aus ihr zu entfernen, das ihnen als Tumor gilt: das generische Maskulinum.

Von Harald Stücker | Richard-Dawkins-Foundation

Diese Versuche haben allerdings den Sexismus erst recht in die Sprache gebracht. Daher sollten Feministen einsehen, dass sie falsch lagen, und mithelfen, das Maskulinum als Standardgenus zu retten.

„Die Wähler haben entschieden.“

Die Textsorte Politikerfloskel ist einer der wenigen Bereiche, in denen auch im Alltag konsequent „gegendert“ wird. Daher muss es heißen: „Die Wählerinnen und Wähler haben entschieden“, sonst droht der Shitstorm. Grammatikalisch ist das allerdings nicht ganz korrekt, denn es müsste heißen: „Die Wählerinnen und die männlichen Wähler haben entschieden.“  Denn anders als für Frauen steht für Männer keine Form zur Verfügung, die eindeutig auf sie referiert. Da Frauen bei uns zweifelsfrei wahlberechtigt sind, beziehen sich die Begriffe „Wahlberechtigter“ und „Wähler“ auf Männer und Frauen.

Beim generischen Maskulinum seien Frauen immer „nur mitgemeint“, heißt es oft. Die Betonung liegt dabei auf „nur“. Allerdings sind auch Männer bei der generischen Verwendung des Maskulinums „nur“ mitgemeint. Denn die generische, also allgemeine, Verwendung, abstrahiert eben vom Geschlecht in all den Fällen, in denen es keine Rolle spielt. Dies sind die allermeisten Fälle. Diese Abstraktionsleistung wird seit über 30 Jahren zu Unrecht gering geschätzt, weil das Genussystem missverstanden wird.

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Wo eiserne Jungfrauen im Mekka-Wasser baden

Spott mit Gott: eine typisches Noktara-Wunder (Noktara.de)
Das Portal „Noktara.de“ – erfunden von zwei Satirikern aus Wiesbaden – macht sich lustig über Fundamentalisten, Terroristen und Nazis. Die Meldung, dass während des Ramadan die Stadt Essen in „Fasten“ umbenannt werde, schaffte es sogar ins ungarische Staatsfernsehen.

Von Kirsten Lorek | Deutschlandfunk

„Noktara.de – feinste Ethno-Satire mit Nachrichten aus dem Morgenland, schon heute.“

Mal ehrlich, wer nach diesem Werbetrailer nicht kapiert hat, dass es hier um Satire geht, ist selber schuld. Und Satire darf, frei nach Tucholsky, schließlich alles. Obwohl, da schränken die beiden Macher von „Noktara.de“ ein:

„Ich würde sagen, man kann sehr viel machen, es ist immer die Frage, wie man es macht. Man kann auch sehr viel machen mit dem Islam.“

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Berlin: BDS stört Aufführung des Holocaust-Films „Das Testament“

Bild: mena-watch
In Berlin wurde am 4. Oktober die Vorführung eines israelischen Films im Rahmen des Seret Israeli Film Festivals von zwei Hooligans der BDS-Bewegung gestört.

Von Stefan Frank | mena-watch

Die eng mit der linksextremen arabisch-palästinensischen Terrororganisation PFLP verbundene BDS-Bewegung will den Staat Israel durch einen Boykott von Waren und Menschen zerstören. Sie will verhindern, dass jüdische Israelis – egal, ob Künstler, Sportler, Wissenschaftler oder Holocaustüberlebende – im Ausland auftreten können. Bei der Vorführung handelte es sich um den Film „Das Testament“, der sich in einer fiktionalen Handlung mit der Suche nach einem Massengrab mit den Gebeinen von Opfern des Holocaust befasst.

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Der Mensch ist das Maß aller Dinge

Aufklärung.
Der engagierte Weil der Städter Ulrich Thumm hat eine ganz besondere Ausstellung in die Keplerstadt getragen.

Von Regine Brinkmann | Leonberger Kreiszeitung

Wie es dazu kam, ist eine ganz private Geschichte, das Thema der Ausstellung ist ein philosophisches und ein gesamtgesellschaftliches: „Humanismus. Geschichte und Gegenwart.“

Urheber der Ausstellung ist der „Humanistische Verband Deutschland“. Dessen Baden-Württembergischem Verband ist der Weiler vor vier Jahren beigetreten. Im Verband organisieren sich konfessionsfreie Menschen mit undogmatischer, aufklärerischer Weltanschauung.

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Friedensweg in den Dolomiten: Ende der Raumteilung

Die Büllelejochhütte am wuchtigen Turm des Zwölferkofels. „Croda dei Toni“, der neue Steig, der um das Massiv führt, ist ein Teilstück des Friedensweges. Bild: Daniel Rogger
Hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs entwickelte Giuseppe Monti die Idee eines Friedenswegs durch die Dolomiten – sogar Patronen findet man dort.

Von Florian Sanktjohanser | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Es ist früher Nachmittag während der Woche, beste Partyzeit auf der Carduccihütte. An einem langen Tisch in der Stube sitzen die Angestellten und ein paar Gäste zusammen, es wird gelacht und Wein getrunken. Die Tür geht auf, der Koch trägt einen Kuchen mit einer brennenden Kerze herein und stellt ihn vor den Graubärtigen am Tischende. „Hast du Geburtstag, Beppe?“, ruft ein Gast. „Nein“, antwortet er, „wir feiern den ganzen Sommer.“

Giuseppe Monti, der Wirt dieser abgelegenen Hütte in den Dolomiten, hat allen Grund dazu. Nach Jahren des Planens und Verhandelns wurde gerade mit großem Brimborium sein Herzensprojekt eingeweiht: „Dolomiten ohne Grenzen“ heißt es, eine Kette von zwölf Klettersteigen, 108 Kilometer lang, durch Italien und Österreich. Zur Feier hielt Reinhold Messner eine Rede. „Die Dolomiten sollen jetzt nicht mehr teilen, sondern verbinden“, sagte der legendäre Bergsteiger. Beppe Monti, 69 Jahre alt, formulierte es so: „Wir brauchen keine neuen Grenzen, keinen neuen Nationalismus.“ Wegen solcher Sätze stand der Initiator des neuen Höhenwegs schon auf der Titelseite der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ – 2016, als Österreich gerade den Brenner für Flüchtlinge schloss.

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Ist Kriegführen menschlich?

Das 20. Jahrhundert wird als eines der kriegerischsten in die Geschichte der Menschheit eingehen. Und doch ist es nur eine blutige Fortsetzung von 14.600 kriegerischen Konflikten in den letzten 5.600 Jahren. Sind Kriege „normaler“ als Frieden?

Geseko von Lüpke | BR24

Krieg ist etwas, das wir in Deutschland gegenwärtig zum Glück nur aus dem Fernsehen kennen. Schließlich leben wir seit vier Generationen im Frieden. Vielleicht nehmen wir ihn deshalb als viel zu selbstverständlich – „normal“?

Tatsächlich markieren Zerstörung, Gewalt und Kriege alle Wendepunkte der Geschichte. Krieg bestimmt die Denkmuster von Aristoteles Logik der Gegensätze, Darwins natürlicher Auslese, Karl Marx’ Klassenkampf und Siegmund Freuds Unterdrückung des Es durch das Ich und das Über-Ich.

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Von der Postdemokratie in den Vorfaschismus

Grafik: TP
Die zunehmende Kumpanei zwischen autoritärem Staat und braunem Mob ist Ausdruck der rasch voranschreitenden Faschisierung der Bundesrepublik Teil 1

Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Die Realität im Deutschland des Jahres 2018 ist absurder als jede Satire. Als die ersten Gerüchte darüber aufkamen, dass Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen aufgrund der Verbreitung rechtsextremer Narrative zu den pogromartigen Ausschreitungen in Chemnitz sein Amt verlieren würde, tauchten in den sozialen Netzwerken die üblichen Parodien auf, die notorische Rechtspopulisten und Rechtsextremisten als potenzielle Nachfolger Maaßens handelten.
Kein einziger Satiriker kam aber auch nur auf die Idee, dass der oberste „Verfassungsschützer“ der Bundesrepublik für seinen offenen Flankenschutz für Rechtsextremisten auch noch zum Staatssekretär befördert werden sollte. Um das absurde Theater in der braun anlaufenden Bananenrepublik Deutschland zu komplettieren, wurde nach langen Auseinandersetzungen schließlich der Posten eines Frühstückdirektors eigens für Herrn Maaßen geschaffen. Der scheidende „El Presidente“ des Verfassungsschutzes wird sich künftig in Seehofers Innenministerium um die „innere Sicherheit“ der Bundesrepublik kümmern.

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EINE LEGENDE DER LUFTFAHRT: Connie kann nicht mehr

Flügellahm: So ist die Connie der Lufthansa ein trauriger Anblick.
Bild: Ralph M. Pettersen

 

Seit zehn Jahren restauriert die Lufthansa eine 1957 gebaute Starliner. Der Wiederaufbau verschlingt Millionen. Nun scheint das Projekt endgültig gescheitert.

 

Von Jürgen SchellingFAZ

 

Sie ist eine Legende der Luftfahrt: Die Lockheed Starliner L-1649A war Ende der 1950er Jahre das größte und luxuriöseste Modell der Super-Constellation-Baureihe. Die Propellermaschinen wurden wegen ihrer eleganten Form und des ungewöhnlichen Dreifach-Seitenleitwerks als „schönste Flugzeuge der Welt“ bezeichnet. Durch ihre moderne Druckkabine konnte sie schon über dem Wettergeschehen fliegen und so bis zu 100 Passagieren einen für die damalige Zeit ungewohnten Komfort bieten. Vier dieser Maschinen flogen einst für die Lufthansa unter der Bezeichnung „Super Star“. Die Lufthansa restauriert seit zehn Jahren eine 1957 gebaute Starliner. Sie wollte von 2020 an Nostalgieflüge mit dem Oldie anbieten. Das Projekt scheint endgültig gescheitert. Im eigens gebauten Hangar in Auburn im amerikanischen Maine steht die Maschine jetzt ohne Flügel. Weil sie nach Deutschland gebracht werden soll, mussten die Tragflächen abmontiert werden. Experten glauben, die Struktur der Maschine sei dadurch entscheidend geschwächt, sie werde nie mehr flugfähig.

 

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Steinmeier warnt vor Spirale aus Tabubrüchen und Empörung

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat davor gewarnt, auf Provokationen von Populisten immer wieder mit Empörung zu reagieren. Auf inszenierte Tabubrüche folge oft als Gegenreaktion die moralische Zurechtweisung – „und beides trägt dann zur weiteren Polarisierung bei“, sagte Steinmeier am Donnerstag bei einer Diskussionsveranstaltung im Schloss Bellevue in Berlin. Er wolle dazu anregen, diese „Spirale“ zu durchbrechen.

evangelisch.de

Steinmeier rief dazu auf, Hass nicht nur zu beklagen, sondern seine Ursachen auszuleuchten und zu ergründen. „Man sollte annehmen, dass starke Gefühle ihre Gründe haben“, sagte Steinmeier.

Gefühle hätten schon immer Menschen in Bewegung gesetzt und seien von politischen Kräften genutzt worden. Heute erlebe man, wie eine vielleicht neue Generation von Populisten Gefühle von Angst und Verunsicherung zu nutzen versuche, um Ressentiments zu schüren und die liberale Demokratie als Ganzes anzugreifen, sagte Steinmeier.

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Pastors Who Tried to Ban Books in a Banned Book Display Didn’t Fare Well

Margaret Garcia sorts books for shelving in the new Indian Valley Library Collective. Photo Credit: Photo by Jane Braxton Little.

Marking last week’s annual American Library Association Banned Books Week, a public library in Maine set out a display of the usual sinful suspects

By Abby Zimet | Common Dreams/Alternet

Having gotten sidetracked by the sordid saga of Kavanaugh, belated but still gratifying news of a modest victory in grim times: Marking last week’s annual American Library Association Banned Books Week, the public library in Rumford, Maine, a small mill town of about 5,000, set out a display of the usual sinful suspects – To Kill A Mockingbird, Of Mice and Men, Farenheit 451, etc. The display also included several LGBTQ-themed, award-winning kids‘ and teens‘ books – Two Boys Kissing, And Tango Makes Three, My Lesbian Experience With Loneliness – to support the week’s goal of celebrating tolerance and freedom. The exhibit, in an adult section on a different floor from the kids‘ section, declared, „Yes, books are dangerous – they contain ideas.“

Cue three pastors not crazy about these „ideas.“ Dan Pearson of the Rumford Baptist Church, Justin Thacker of Praise Assembly of God, and Rev. Nathan March of Parish of the Holy Savior wrote a letter to library trustees objecting to „immodest“ material „promoting homosexuality“ (oddly ignoring the kinky 50 Shades of Grey.) They argued a library should teach „values that contribute to the community,“ not „a far left political view that sees homosexuality as acceptable and to be promoted (over) a conservative and traditional view that sees homosexuality as wrong and to be avoided.“ Such beliefs offend „traditional Biblical Christians“ and probably Muslims if there were any in the 98% white town, the men wrote, ending with a singularly fabulous typo: „We believe that many in this community would be concerned about the book that had the two naked women as being immodest and inappropriate for a pubic setting.“

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