Archiv der Kategorie: Kultur

Stoßkraft der Reformation

Heinrich Heine: Die Reformation war nicht nur ein Bruch mit der katholischen Kirche, sie ermöglichte selbständiges Denken und wissenschaftliche Forschung. Ölgemälde von Émile Delpérée (1850–1896): »Luther 1521 in Worms« aus dem Jahr 1878 Foto: Archiv/public domain
»Der Gedanke geht der That voraus, wie der Blitz dem Donner.« Diesen Kernsatz plazierte Heinrich Heine wirkungsbewusst an den Schluss seines vor nunmehr 180 Jahren geschriebenen Pamphlets »Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland«.

Von Martin Hundt|jW

Dabei steht die in Hegel gipfelnde klassische deutsche Philosophie für den Gedanken, eine künftige gründliche gesellschaftliche Revolution für die Tat: »Der Gedanke geht der That voraus, wie der Blitz dem Donner. Der deutsche Donner ist freilich auch ein Deutscher und ist nicht sehr gelenkig, und kommt etwas langsam herangerollt; aber kommen wird er, und wenn Ihr es einst krachen hört, wie es noch niemals in der Weltgeschichte gekracht hat, so wisst: der deutsche Donner hat endlich sein Ziel erreicht. (…) Es wird ein Stück aufgeführt werden in Deutschland, wogegen die französische Revolution nur wie eine harmlose Idylle erscheinen möchte. Jetzt ist es freilich ziemlich still (…)«. Dennoch meinte Heine: Kant sei ein weit größerer Revolutionär als Robespierre gewesen.

Seinen ob solcher revolutionären Prophezeiungen gewiss schockierten Zeitgenossen – und ganz sicher nicht nur ihnen – leitete Heine auf rund 100 Seiten aus der Geschichte der deutschen Literatur (in der er Lessing besonders hervorhob) und vor allem aus der Geschichte der europäischen Philosophie (Spinoza!) mit tiefer Sachkenntnis ab: Es sei gerade die Reformation gewesen, die eine geistige Entwicklung in Bewegung setzte, gipfelnd in der klassischen deutschen Philosophie Kants, Fichtes und Hegels, die unerhörte Potentiale in sich berge.

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Christian Morgenstern: „Windgespräch“

© F.A.Z., akg-images
Seine „Galgenlieder“ gehören zum Witzigsten, was die deutsche Sprache hervorgebracht hat. Dieses Gedicht aus Christian Morgensterns Nachlass zielt auf die Absurdität des Reisens.
 

Von Jochen Jung|Frankfurter Allgemeine

Christian Morgenstern war ein inniger Follower von Rudolf Steiner und hat viel Lyrisches und Aphoristisches geschrieben, worin dies zum Ausdruck kommt. Berühmt wurde er freilich durch seine „Galgenlieder“, die neben dem Werk Wilhelm Buschs sicher das Umwerfendste sind, was die deutsche Literatur an Humoristischem hervorgebracht hat.

Eines der vielen Gedichte, die Morgensterns Frau Margareta aus dem Nachlass herausgegeben hat (in diesem Fall in der kleinen Sammlung „Die Schallmühle“) ist dieses Gespräch zweier Reisender. Morgenstern selber war viel unterwegs: zum einen Teil wegen Rudolf Steiner, dem er zu seinen zahlreichen Vorträgen folgte, mehr aber noch wegen der Tuberkulose, die ihn seit seiner Jugend quälte, und die er an zahllosen Kurorten loszuwerden hoffte – vergebens, er starb daran.

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Passau: Neue Erklärungstafel zu antijüdischer Szene am Hochaltar

Westfassade des Dom St. Stephan im Jahr 2007. Bild: wikimedia.org/GFDL, Cc-by-sa-3.0
Im Passauer Dom Sankt Stephan erklärt seit dieser Woche ein neuer Text auf der Hinweistafel eine umstrittene Darstellung am Hochaltar. Betont wird auf der Tafel, dass es sich hier um eine herabwürdigende Einstellung der Kirche zum Judentum handle. In dem von Josef Henselmann (1898-1987) nach dem Krieg geschaffenem Altarensemble schweben über der Steinigungsszene des heiligen Stephanus zwei Figuren. Eine steht für die Kirche (Ecclesia), die andere für das besiegte Judentum (Synagoga). Auf der Hinweistafel heißt es nun, dass die Darstellung der Synagoge mit dem gebrochenen Stab einem “überkommenen, abschätzigen Muster” folge.

kathweb

Die Tafel enthält einen Hinweis auf die 1965 vom Zweiten Vatikanischen Konzil verabschiedete Judentums-Erklärung “Nostra Aetate”. Mit ihr seien Ikonographien wie die von Henselmann geschaffene kritisiert worden. Betont worden sei, dass die Juden nicht als von Gott verworfen oder verflucht dargestellt werden dürften.

Für eine Klarstellung hatte sich besonders der frühere evangelische Pfarrer Hans-Ulrich Kley eingesetzt. Er steht laut bayerischen Medien seit langem in Passau an der Spitze derer, die zwischen den beiden Religionen vermitteln. Er sei nun froh und dankbar, dass dieser Schritt endlich vollzogen sei. Der jetzt verwendete Text biete Anlass dafür, weiter über die theologischen Entwicklungen das Verhältnis von Juden und Christen betreffend nachzudenken.

Udo Pollmer: Elf Gründe gegen die „Veggie-Diktatur“

Es ist eine Streitschrift gegen eine vegane oder vegetarische Ernährungsweise, die der Wissenschaftler Udo Pollmer mit seinem Buch „Don’t go Veggie“ verfasst hat. Elf seiner 75 Argumente gegen „den vegetarischen Wahn“ stellen wir hier ausführlich vor.

Berliner Zeitung

„’Veggie-Diktatur’ – nein, danke!“, fordert Autor Udo Pollmer in seinem Buch „Don’t go Veggie!“. Es ist ein Manifest wider den Vegetarismus, das der wissenschaftliche Leiter des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften verfasst hat. Zusammen mit seinen Co-Autoren, dem Agrarstatistiker Georg Keckl sowie dem Soziologen und Landwirt Klaus Alfs, hat er „75 Fakten zum vegetarischen Wahn“ zusammengetragen. Wir stellen elf Argumente ihrer „Kampfschrift gegen den vegetarischen Mainstream“ vor.

1. Der Mensch kann sich nicht ohne Weiteres vegan ernähren

Der Mensch braucht tierisches Eiweiß – davon sind die Autoren überzeugt. Das Argument, dass sich etwa Kühe auch fleischlos ernähren, Menschen das also ohne Weiteres auch könnten, lassen die Wissenschaftler nicht gelten. Denn: Das Rind betreibe als Wiederkäuer im Gegensatz zum Menschen eine aufwendige Veredlung pflanzlicher Kost. „Mittels seiner Pansenflora produziert es aus dem Futter das lebensnotwendige Eiweiß.“

Vegetariern, die argumentieren, dass etwa Kaninchen sich auch ohne Pansen vegetarisch ernähren, halten die Autoren entgegen: „Sie fermentieren das aufgenommene Gras erst hinter dem Magen in einem speziellen Darmabschnitt. Das hat allerdings zur Folge, dass sie in freier Wildbahn vormittags ihren eigenen Kot fressen, um ihre Eiweißversorgung sicherzustellen.“

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Russlands orthodoxe Kirche betreibt Kulturvandalismus

Die Staatsmacht und der orthodoxe Klerus verstehen sich gut – auf Kosten der Kunst. ©DPA
Russlands orthodoxe Kirche hat derzeit Oberwasser. Jetzt bekämpft sie sogar moderne Kunst. Museumsdirektoren schlagen Alarm. Doch der Kreml schweigt.

Von Kerstin Holm|Frankfurter Allgemeine

Man kann die christliche Kultur auf unterschiedliche Weise zugrunde richten. Die Russische Orthodoxe Kirche will in Gestalt ihrer obersten Hierarchen von Nächstenliebe, Freiheit und geistiger Suche nichts mehr wissen, sondern setzt auf Subordination, Einschüchterung und aggressive Staatshörigkeit. Der jüngste Überfall selbsternannter orthodoxer Sittenwächter – des Schlägertrupps „Gottes Wille“ unter dem Aktivisten Dmitri Zorionow – auf eine Skulpturenausstellung in der Moskauer Manege zeigt, dass sich um das Kulturleben in Russland ein Belagerungsring zusammenzieht. Der Appell von dreizehn Direktoren staatlicher Museen, darunter des Puschkin-Museums, der Tretjakow-Galerie, der Jüdischen Museums und des Kulturzentrums „Garage“, diesen Kunstvandalismus zu bestrafen, verhallte folgenlos. Derzeit prüfen Experten vielmehr, ob die Ausstellungsstücke gegen das auf Betreiben der Kirche 2013 verabschiedete Gesetz zum Schutz der Gefühle Gläubiger verstoßen.

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Asyl: “Wir importieren religiöse Konflikte”

Der Soziologe Hans-Georg Soeffner plädiert für eine schnelle Integration der Zuwanderer: Bleibt sie aus, drohen ernsthafte kulturelle Konflikte. Der Zusammenhalt der Gesellschaft werde aber nicht über die Kultur laufen.

Deutsche Welle

DW: Herr Soeffner, das Bundesinnenministerium rechnet mit rund 800. 000 Flüchtlingen allein in diesem Jahr. Macht Ihnen diese Zahl Sorgen?

Hans Georg Soeffner: Ja, einerseits macht sie mir Sorgen. Und zwar, weil wir eigentlich die Chance hätten, mit dieser Zahl fertig zu werden. Aber die Länder wie auch der Bund hängen mit der Frage, wie diese Zahl zu bewältigen wäre, sehr weit zurück. Wir wissen ja seit langem, dass diese Flüchtlingsströme kommen würden – und auch, dass sie zunehmen würden. Mich lässt die unendliche Langsamkeit verzweifeln, mit der sich Deutschland hier bewegt. Man muss sich klar machen, dass die Bundesrepublik das Land ist, das nach 1945 die meiste Zuwanderung hatte. Mehr als die ehemaligen Kolonialstaaten Frankreich und Großbritannien. Deutschland ist am meisten durchmischt worden, das Land hatte große Flüchtlingsströme zu bewältigen, große Abwanderungen und große Zuwanderungen, dazu die ersten sogenannten Gastarbeiterströme. Allein bis zum Jahr 2000 kamen 23 Millionen Menschen aus dem Ausland nach Deutschland. Gleichzeitig wanderten 17 Millionen Menschen ab. Wir haben also eine dauernde Durchmischung, und das lief verhältnismäßig gut. Aber im Moment habe ich den Eindruck, niemand macht sich so richtig klar, was das an Planung bedeutet.

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Naher Osten: Mörserstampfen rief zur Beerdigung

Steinmörser der Natufien, gefunden am Mount Carmel in Israel. © Danny Nadel
Mörser statt Kirchenglocken: Die älteste sesshafte Kultur des Nahen Ostens nutzte ein ungewöhnliches Mittel, um vor rund 13.000 Jahren zu Beerdigungen zu rufen. Sie erzeugten ein lautes Stampfen und Klopfen mit eigens dafür hergestellten zeremoniellen Mörsern. Dieses Stampfen war kilometerweit zu hören und diente daher ebenso der Zubereitung des Leichenschmauses wie der Ankündigung des Totenrituals, wie israelische Archäologen herausgefunden haben.
 

scinexx

Sie besaßen bereits echte Friedhöfe, schmückten ihre Gräber mit Blumen und ehrten die Toten mit einem zeremoniellen Mahl: Die vor 15.000 bis 11.500 Jahren im Nahen Osten lebende Natufien waren eine der ersten sesshaften Kulturen überhaupt und damit auch Vorreiter im Anlegen von über Generationen genutzten Grabstätten. Diese Menschen bauten wahrscheinlich schon gezielt Wildgetreide an und leiteten damit den Übergang zur Landwirtschaft ein.

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Antike Oasenstadt: IS sprengt Tempel in Palmyra

Der zerstörte Baalschamin-Tempel – Teil der Welterbestätten in Palmyra. Bild: DIE WELT
Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat nach Angaben eines syrischen Archäologen einen Tempel in der antiken Oasenstadt Palmyra zerstört. Der Tempel von Baalschamin sei mit einer großen Menge Sprengstoff in die Luft gejagt worden, sagte der Direktor der syrischen Antikensammlungen, Maamun Abdulkarim, am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Das Gebäude sei in großen Teilen zerstört.


Frankfurter Rundschau

Der IS hatte Palmyra im Mai erobert. Die antiken Stätten der Oasenstadt gehören zum Weltkulturerbe der Unesco. Mehrere Mausoleen und Skulpturen wurden Medienberichten zufolge bereits zerstört und die größeren Ruinen vermint. Die Dschihadisten betrachten die Ausstellung von Statuen und die Verehrung von Mausoleen als “Götzendienst”.

International für Entsetzen sorgte in der vergangenen Woche die grausame Hinrichtung des früheren Chef-Archäologen von Palmyra, Khaleed al-Assaad. Der 82-Jährige wurde enthauptet, sein Leichnam in den Ruinen von Palmyra aufgehängt. Nach Angaben eines seiner Söhne wurde die Leiche anschließend von IS-Kämpfern zerstückelt.

Moses Mendelssohn: Vom Talmudschüler zum jüdischen Aufklärer

Moses Mendelssohn (1771, Porträt von Anton Graff, Kunstbesitz der Universität Leipzig) PD
Moses Mendelssohn (1771, Porträt von Anton Graff, Kunstbesitz der Universität Leipzig) PD

Moses Mendelssohn (1729-1786) gilt als Vater der Haskala, der jüdischen Aufklärung. Und weil mit ihm eine Reformbewegung im Judentum einsetzte, bezeichnete man ihn auch als “jüdischen Luther”. Doch zu einer Reformation im deutschen Judentum kam es erst in den Generationen nach ihm.

Von Thomas Klatt|Deutschlandfunk

“Mendelssohn hat vor allen anderen eine große soziale Bedeutung. Er war der Reformator der deutschen Israeliten und seiner Glaubensgenossen. Er stürzte das Ansehen des Talmudismus. Er begründete den reinen Mosaismus.”

Der Potsdamer Philosoph Christoph Schulte zitiert Heinrich Heine. Für den jüdischen Dichter aus Düsseldorf war der jüdische Philosoph aus Dessau, Moses Mendelssohn, der Reformator, ja der Luther des deutschen Judentums.

“Wie Luther das Papsttum, so stürzte Mendelssohn den Talmud und zwar in derselben Weise, in der er ähnlich die Tradition verwarf, die Bibel für die Quelle der Religion erklärte und den wichtigsten Teil derselben übersetzte. Er zerstörte hierdurch den jüdischen wie Luther den christlichen Katholizismus.”

Moses Mendelssohn – der jüdische Luther also! So verführerisch einfach diese Formel auch zu sein scheint, so falsch ist sie. Denn der große Aufklärer wollte sein Judentum gar nicht reformieren. Der Judaist Roland Tasch.

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Musik enthält versteckte Fraktale

Im Hi-hat-Spiel des Schlagzeugers Jeff Porcaro gibt es fraktale Muster. © panzer72 / istockphoto
Verborgene Muster: Selbst der beste Schlagzeuger produziert beim Spielen winzige Schwankungen in Rhythmus und Lautstärke. Doch diese sind keineswegs zufällig, wie Forscher jetzt entdeckten. Stattdessen bilden sie Fraktale: Die Abweichungen sind auf gleich mehreren Ebenen selbstähnlich. Solche Muster absichtlich zu erzeugen, ist nahezu unmöglich, aber unabsichtlich scheinen sie unsere Musik sogar entscheidend zu prägen, so die Wissenschaftler im Fachmagazin “PLoS ONE”.

scinexx

Warum erkennen wir instinktiv, ob ein Ticken oder ein anderer Rhythmus von einen Menschen oder von einer Maschine stammt? Und warum empfinden wir ersteres als angenehm, letzteres aber eher als nervend? Der Verdacht liegt nahe, dass es etwas damit zu tun haben könnte, wie gut der regelmäßige Takt eingehalten wird. Aber was genau spielt dafür eine Rolle? Das haben Holger Hennig vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen und seine Kollegen nun untersucht.

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Hinduismus: Gattendienst ist Gottesdienst

Eine Frau im Gebet: Frauen sind im Hinduismus den Männern untergeordnet. (imago/Invision)
Im Hinduismus sind Frauen religiös und gesellschaftlich ihren Männern untergeordnet. Da sie als sinnlich und haltlos gelten, müssen sie von ihren Männern beschützt und unter Kontrolle gehalten werden. Hochzeiten werden arrangiert. Erst mit der Geburt eines Sohnes steigt das gesellschaftliche Ansehen einer Frau.


Von Margarete Blümel|Deutschlandfunk

“Generell ist das klassisch-brahmanische Frauenideal die gute Ehefrau, die ihrem Mann dient, ihrem Mann ihr Leben weiht, die sich ihm hingibt, die, ja, es geht so weit, dass man eigentlich sagt, die Hochzeit ersetzt für eine Frau die religiöse Initiation. Sie ist ihre religiöse Initiation und die Religion der Frau besteht im Dienst an ihrem Ehemann. Also, auf den Punkt gebracht würde das heißen: Gattendienst ist Gottesdienst für die Frau, also das ist die Vorstellung der Brahmanen.”

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“Southpaw”: Mit Esoterik in den Boxerhimmel

Jake Gyllenhaal wurde schon vor der Veröffentlichung des Films „Southpaw“ als heißer Kandidat für den nächstjährigen Darsteller-Oscar lanciert. / Bild: (c) Tobis Film
Jake Gyllenhaal geht in der Rolle des Boxers Billy Hope regelrecht auf. Aber das reicht nicht. Denn Regisseur Antoine Fuqua erzählt ein allzu vorhersehbares Drama.


Von Markus Keuschnigg|Die Presse

Wenige Filmgenres sind so körperlich wie das Boxerkino. Die gespannten Muskeln und verquollenen Augen und blutenden Platzwunden sind die Geschichte selbst: Der Körper wird zum Austragungsort menschlicher Konflikte und existenzieller Krisen. Insofern ist es nur stimmig, dass ein Bild von „Southpaw“-Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal als Anheizer ins Internet gestellt worden ist: Es zeigt den Schauspieler im Boxring, den Oberkörper zu einem Muskelpanzer hochgerüstet, das Gesicht schweißnass und verzerrt vor Aggression.

Die Welt, die nach Authentizität und irgendeiner Form von Wahrheit lechzt, hat es aufgesogen, und schnell mehrten sich die Gerüchte. Dass dieser Film nämlich, vom häufig ausgezeichneten Regisseur Antoine Fuqua, endlich einmal wieder ein Boxerfilm sein könnte, der sich mit den Meisterstücken des Genres messen lassen kann. Denn wo ein Schauspieler nicht nur sein Innen – das ist selbstverständlich –, sondern trotz gesundheitlichen Konsequenzen auch sein Außen, seine Haut und sein Fleisch, einer künstlerischen Vision unterordnet, da ortet man Großes, Weltbewegendes wie einst bei Robert De Niros Darstellung von Jake LaMotta in Martin Scorseses Meisterwerk „Wie ein wilder Stier“ (1980). Und ja, tatsächlich, wie dieser für gewöhnlich bubenhafte Gyllenhaal, gerne abonniert auf den feinfühligen Außenseiter, sich aufgepumpt hat, um zu Billy Hope zu werden, ist beeindruckend.

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IS-Terroristen enthaupten Chef-Archäologen von Palmyra

Bild: nationalreview.com
Bild: nationalreview.com
Ein halbes Jahrhundert lang leitete Khaled Asaad die antike Ruinenstätte im syrischen Palmyra. Nun haben IS-Terroristen den 82-Jährigen getötet.


SpON

Die Terrororganisation “Islamischer Staat” (IS) hat weder Achtung vor Menschenleben noch Sinn für den Wert vorislamischer Kultur. Menschen, die sich für den Erhalt und Schutz antiker Stätten einsetzen, zählen die Dschihadisten zu ihren Gegnern.

Khaled Asaad war so ein Mensch. Er leitete mehr als 50 Jahre lang die antiken römischen Stätten in der syrischen Wüstenstadt Palmyra. Nun hat der IS im Internet ein Bild seines enthaupteten Leichnams veröffentlicht. Die Terroristen stellten den Körper an einer Straßenkreuzung im Ort zur Schau. Augenzeugen berichteten, inzwischen hänge die Leiche an einer der antiken Säulen, deren Erhalt der Forscher sein Leben gewidmet hatte.

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Sänger mit Hirntumor: Schubert-Solo auf dem OP-Tisch

Ein Tenor musste sich in den Niederlanden einen Hirntumor entfernen lassen. Die OP war erfolgreich – auch weil der Patient nicht aufhörte zu singen.


SpON

Das Video, das Ambroz Bajec-Lapajne jüngst via YouTube verbreitete, ist nichts für zarte Nerven. Der Slowene ist Tenor an der Niederländischen Nationaloper in Amsterdam. Vor gut einem Jahr litt er unter einem Hirntumor. Am 13. Juni 2014 entfernten Chirurgen in Utrecht das Geschwür – bei laufender Kamera.

Der Patient war bei vollem Bewusstsein. Hirnoperationen erfolgen öfter ohne Vollnarkose. Der Arzt kann dadurch leichter beobachten, ob wichtige Hirnteile während des Eingriffs weiter funktionieren. Die eigentliche Hirnsubstanz hat kein Schmerzempfinden.

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‘Bücherverbrennung’ in Deutschland

In der Stadt Bad Dürrheim wurden 3200 Bücher der Stadtbibliothek vernichtet. Betroffen sind Bücher, die nicht in politisch-korrekter Sprache geschrieben sind, z.B. Bücher von Erich Kästner. Diese landeten bereits auf den Scheiterhaufen der Nazis


kath.net

In der der deutschen Stadt Bad Dürrheim (Baden-Württemberg) wurden in den vergangenen Tagen 3200 Bücher der Stadtbibliothek vernichtet. Auf dies macht der bekannte Journalist und Kolumnist Roland Tichy in seinem Blog aufmerksam. Die Aktion richtete sich offensichtlich gegen Bücher mit „falscher“ Schreibweise. Das sind solche, die beispielsweise das Wort „Neger“ enthalten. Betroffen sind auch die Bücher von Erich Kästner, Autor so berühmter Kinderbücher wie „Das fliegende Klassenzimmer“, „Pünktchen und Anton“, „Das doppelte Lottchen“. Tichy schreibt dazu: “Offenkundig gelten seine Bücher in Baden-Württemberg als Provokation und Verstoß gegen den staatlich verordneten Zeitgeist der schulischen Umerziehung zum politisch korrekten Menschen.”

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Zweiter Weltkrieg: Mediziner auf Raubzug

Aufladen von Raubgut am Peter-Museum in Narwa (Estland) im Februar 1944. Mitarbeiter vom Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg bei der Arbeit. Foto: Bundesarchiv, Nr.: 1977–031–08
Die Rolle der Mediziner beim Kunst- und Kulturraub der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg


Von Gutsul, Nazarii; Kleinmanns, Jan; Schmidt, Mathias|aerzteblatt.de

Als Ende des Jahres 2013 die Medien die verwundene Geschichte der Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt und dessen Vater Hildebrand aufdeckten, wurde schlagartig deutlich, dass die Geschichte der im Zweiten Weltkrieg geraubten oder unter fragwürdigen Umständen erworbenen Sammlungen noch keineswegs hinreichend erforscht ist. Das volle Ausmaß der Verschiebungen aller nur erdenklichen Kunst- und Kulturgüter und deren bis heute teils ungeklärter Verbleib beschäftigen noch immer ganze Heerscharen von Provenienzforschern.

Fest steht zwar, dass im Zusammenhang mit dem Kulturraub auch Ärzte und medizinisches Personal eine Rolle gespielt haben, allerdings sind die personellen Begebenheiten innerhalb der damit beauftragten Kommandos und die Aufgaben der dort arbeitenden Mediziner bisher kaum oder gar nicht erforscht. Unter der Führung des Freiherrn Eberhard von Künsberg plünderte das SS-Sonderkommando Künsberg im Auftrag des Auswärtigen Amtes und im Auftrag des Parteiideologen Alfred Rosenberg plünderte der „Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg“ die Bestände von kulturellen, diplomatischen, wissenschaftlichen und politischen Einrichtungen in den besetzten Gebieten (1, 4–6). Offiziell lautete ihr Auftrag auf dem Papier, die Zielobjekte „sicherzustellen“, zu „retten“ oder vor „Zerstörung zu bewahren“ (7). Jedoch interpretierte besonders das SK Künsberg diese Aufgabe nicht im Sinne der Einlagerung schützenswerter Kulturgüter in sicheren Verstecken, sondern in deren Raub und Abtransport nach Deutschland.

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Morgan Freemans Stief-Enkelin in New York erstochen – Im Namen Jesus

E’Dena Hines und Morgan Freeman im Jahr 2005: Hines ist die Enkelin seiner ersten Ehefrau Jeanette Adair Bradshaw und ebenfalls Schauspielerin © Kevin Winter/Getty Images/AFP
Sie war die Enkelin von Morgan Freemans erster Frau: E’Dena Hines wurde am Sonntag in New York auf offener Straße erstochen. Ein Verdächtiger sei bereits in Gewahrsam. Freeman zeigt sich bestürzt.


stern.de

In New York ist US-Medienberichten zufolge die Stief-Enkelin von Hollywood-Schauspieler Morgan Freeman von ihrem Freund erstochen worden. Die 33-jährige E’Dena Hines sei mit zahlreichen Stichwunden auf einer Straße in Manhattan gefunden worden, berichteten örtliche Medien am Sonntag (Ortszeit) unter Berufung auf die Behörden. Sie sei kurz darauf im Krankenhaus gestorben.

Ein Augenzeuge berichtete der “New York Post”, Hines’ Freund habe bei der Tat gerufen, “Raus mit den Teufeln! Im Namen von Jesus Christus, ich treibe euch aus, Teufel!”

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Warum es keine Kulturpessimisten mehr gibt

post-apocalyptic

Es scheint, die berufenen Schwarzseher und Untergangspropheten haben kapituliert. Kaum jemand mahnt noch vor den schrecklichen Geburten der Neuzeit. Gibt es nun doch Hoffnung auf eine wundervolle Zukunft oder ist das Nörgeln schlicht langweilig geworden?


Von Alexander Grau|Cicero

Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Es gibt keine Kulturpessimisten mehr. Kaum jemand nörgelt noch herum. Klar, über das Wetter wird geschimpft, man lamentiert über den Euro, über die Griechen, die SPD oder den FC Bayern. Das gehört nun mal dazu. Man kann ja schließlich nicht alles gut finden.

Und ja, auch an veritablen Weltuntergangsszenarien herrscht kein Mangel: Für den einen ist es das Klima, für den anderen der Kapitalismus, der Islam, ein Virus oder vielleicht auch ein Meteorit auf Abwegen, der uns den Garaus machen wird. Die Auswahl an Boten der Apokalypse ist reichlich.

Doch das sind Zukunftsängste, und die haben mit Kulturpessimismus wenig zu tun. Der klassische Kulturpessimist hat keine Angst vor dem Weltuntergang. Häufig sehnt er ihn sogar herbei. Denn ihm geht es um die hehren, großen Werte, die in Gefahr sind. Eine Apokalypse ist aus seiner Sicht durchaus in der Lage, die Welt wieder ins Lot und die Menschheit zurück auf den Pfad der Tugend zu bringen.

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“Caitlyn Jenner ist kein Idol für uns”

Achim Jeremiah Howard hieß vor der Geschlechtsangleichung CeTenia Elizabeth-Renee Howard © Howard/DPA
Als Bruce Jenner, Stiefvater von Realitystar Kim Kardashian, zu Caitlyn Jenner wurde, konnte das jeder in den Medien mitverfolgen. Doch ein Vorbild für Transgender ist sie nicht, meint Afro-Amerikaner Achim Jeremiah.


stern.de

Die vielleicht erste Geschlechtsangleichung erzähle die Bibel, sagt der Afro-Amerikaner Achim Jeremiah Howard (44) in der Unity Fellowship Church in Washington. “Als Gott aus Adams Rippe Eva formte.” Viele Kirchen, in denen er so etwas sagen könnte, gibt es vermutlich nicht. Aber die Unity Fellowship Church ist keine gewöhnliche Kirche: Lesben, Schwule, Bisexuelle und auch Transgender werden hier offen empfangen. Und Howard ist kein gewöhnlicher Dekan. Vor einigen Jahren hieß er noch CeTenia Elizabeth-Renee Howard. Ein Foto zeigt ihn im Kleid mit Perlenkette. Heute arbeitet er als Bauarbeiter – und in der Kirche.

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Jürgen Habermas und Charles Taylor ausgezeichnet

Der Philosoph Jürgen Habermas (dpa / picture alliance / Simela Pantzartzi)
Der deutsche Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas ist für sein Lebenswerk in den USA mit einem Preis ausgezeichnet worden.


Deutschlandfunk

Zusammen mit seinem kanadischen Kollegen Charles Taylor erhält er den mit 1,5 Millionen Dollar dotierten John W. Kluge-Preis. Die Auszeichnung wird von einer privaten Stiftung finanziert und würdigt Geistes- oder Sozialwissenschaftler, für deren Fachgebiete es keinen Nobelpreis gibt. In der Begründung hieß es, beide Professoren seien brilliante Philosophen, die sich zugleich an der öffentlichen politischen Debatte beteiligten. Habermas habe sich den Tendenzen unter deutschen Historikern in den 80er Jahren widersetzt, den Nationalsozialismus zu rechtfertigen und die Schrecken des Holocaust herunterzuspielen.