Schweiz: Kulturkampf um Kirchen- und Kuhglocken

Läuten mit dem Segen des Bundesgerichts: Die Kirchenglocken von Gossau (ZH). (Bild: Christoph Beutler / NZZ)
Lautstark wird gegenwärtig über die Immissionen von urschweizerischen Traditionen debattiert. Befeuert werden die Kontroversen von einer durch und durch eidgenössischen Institution.

Von Erich Aschwanden | Neue Zürcher Zeitung

Die Angelegenheit hat Albert Rösti in derart negative Schwingungen versetzt, dass er sie unbedingt loswerden musste. An der DV in Wettingen berichtete der SVP-Präsident mit grosser Sorge, «der Zerfall unserer Werte wird von hochdekorierten Persönlichkeiten unseres Landes vorangetrieben». Hochdekoriert sind sie tatsächlich die ETH-Forscher, die herausgefunden haben, dass Glockenschläge die Schlafqualität verschlechtern. Wegen dieser Studie dürfen die Glocken der Kirche Worb nachts nur noch die vollen Stunden schlagen – statt jede Viertelstunde. Unter dem Applaus der Delegierten schimpfte Rösti, die gleichen Persönlichkeiten, die unseren Werten nicht mehr Sorge tragen, seien jene, die sich gegenüber anderen Kulturen besonders dem Islam inklusive der Verschleierung übertolerant zeigten.

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Höhlenbär starb aus, weil er Veganer war

Höhlenbärskelett aus der Sophienhöhle. Foto: Rainer Lippert. Lizenz. CC0 1.0
Der Höhlenbär lebte bis vor etwa 25.000 Jahren in Europa. In der Vergangenheit glaubte man, er wurde vom Menschen ausgerottet, der die Höhlen, in denen der Bär überwinterte, als Behausung haben wollte.
 

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Nun hat ein Forscherteam um Hervé Bocherens vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) an der Universität Tübingen anhand der Untersuchung der Isotopenzusammensetzung von Aminosäuren im Bindegewebe gut erhaltener Höhlenbär-Skelette aus dem belgischen Goyet herausgefunden, dass er sich (anders als heute lebende Bärenarten) ausschließlich von pflanzlicher Kost ernährte. Diese Einschränkung sehen sie in einem im aktuellen Journal of Quaternary Science veröffentlichten Aufsatz als Grund dafür an, warum das Tier, das mit einer Schulterhöhe von 1,70 Meter und einer Länge von 3,50 Meter deutlich größer war als der heutige Braunbär, im späten Pleistozän ausstarb.

„Ähnlich wie der heutige Pandabär waren die Höhlenbären demnach sehr unflexibel, was ihre Nahrung betrifft“, so Bocherens: „Wir gehen davon aus, dass diese einseitige Ernährungsweise in Kombination mit dem geringeren Pflanzenangebot während der letzten Eiszeit letztlich zum Aussterben der Höhlenbären führte.“ Die „Bindung an eine rein vegane Lebensweise“ war seiner Ansicht nach „der ausschlaggebende Punkt“ dafür. Gab es nicht genug pflanzliche Nahrung, reichte der Fettvorrat des Höhlenbären nämlich nicht, um den Winter zu überstehen.

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Die falsche Freiheit im Stoffgefängnis

Burqua Burka
Burka (CC-by-sa/2.0/en by Rockin‘ the Khuff)

Bei der Debatte um ein Verbot der Burka fällt häufig der Begriff „Freiheit“. Aber um wessen Freiheit geht es bei der Diskussion eigentlich? Um die der Frauen, die sich verschleiern wollen? Oder um die der Frauen, die unterdrückt werden?

Von Alexander Schaumburg | stern.de

Bevor ich zur Sache komme, erlauben Sie mir den Hinweis auf eine anscheinend unausrottbare Begriffsverwirrung: Zurzeit ist die Rede vom Burkaverbot. Das ermöglicht Gegnern der Maßnahme wie dem dezidiert islamfreundlichen ehemaligen CDU-Parlamentarier Ruprecht Polenz, die Debatte für überflüssig und aufgebläht zu erklären, weil die Burka im mitteleuropäischen Straßenbild praktisch nicht vorkomme.

Und damit hat er Recht. Die Burka ist eine paschtunische Stammestracht, die den Sprung aus ihrer afghanisch-pakistanischen Heimat offenbar (noch) nicht geschafft hat. Im Vordringen begriffen sind bei uns andere Methoden der Frauenvermummung, insbesondere der arabisch-sunnitische Nikab und seine zivilisiertere Variante, der Hidschab. Wer das nicht glaubt, ist eingeladen, einen Spaziergang durch die Straßen Münchens oder Berlins zu machen.

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Öffentliche Kunst: Die Tyrannei der Beleidigten

© Ullstein Steinrelief des Anstoßes: Die „Judensau“ an der Wittenberger Stadtkirche. Wieder einmal wird die Entfernung des infamen mittelalterlichen Bildwerks gefordert.
Im Namen politischer Korrektheit fordern Kritiker die Beseitigung irritierender Kunstwerke aus dem öffentlichen Raum. Was nicht in unser Weltbild passt, gilt zunehmend als unzumutbar, wie an einem Fall in Wittenberg zu sehen ist.

Von Arnold Bartetzky | Frankfurter Allgemeine

Seit mehr als sieben Jahrhunderten prangt ein bösartiges Schmähbild an der Wittenberger Stadtkirche St.Marien. Es zeigt eine Sau, an deren Zitzen Menschenkinder säugen, die mit ihren Spitzhüten als Juden gekennzeichnet sind. Hinter dem Tier hockt ein Rabbiner und hebt dessen Schwanz und Hinterbein, um in den Anus zu schauen. Die besondere Perfidie der Darstellung von Juden im intimen Kontakt mit einer Sau besteht darin, dass das Schwein im Judentum als unrein gilt. Das Steinrelief sollte die Juden demütigen und zugleich Christen gegen sie aufhetzen. Die Wittenberger „Judensau“ ist ein drastisches Zeugnis des mittelalterlichen Antisemitismus, der sich immer wieder in Pogromen entlud. Martin Luther, der in der Stadtkirche predigte, steigerte den Bekanntheitsgrad der Darstellung, indem er sie in einer seiner Schmähschriften zum Ausgangspunkt für die Verhöhnung des jüdischen Glaubens nahm.

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Schule des Lebens

Die wahre und kluge Samstagskolumne von Heinrich Schmitz über den schäbigen Unsinn des „gesunden Menschenverstandes“, an den zu glauben genauso fatal ist, wie an das „gesunde Volksempfinden“, hat bei mir eine Erinnerung geweckt.

Von Wolfgang Brosche | DIE KOLUMNISTEN

Eigentlich wollte ich etwas schreiben über die neuerliche Internetniedertracht der Beatrix Storch (Adel als politische Macht ist in Deutschland abgeschafft und deshalb kriegt diese AfD-Dame kein „von“ zugestanden – und von menschlichem Adel kann bei ihr schon gar nicht die Rede sein) – jene blutige Häme über ein kleines verstörtes Kind aus Aleppo.

Meine Erinnerung erklärt vielleicht deutlicher als jede Analyse, woher diese grausame Kaltschnäuzigkeit, geistige Unbeweglichkeit, dieser grüne Neid und diese sättigungslose emotionale Gier stammen, die nicht nur Beatrix Storch auszeichnen, sondern vor allem die Massen, die ihr ungeniert zujubeln und behaupten, sie hätte verteidigungswerte, unangreifbare „Meinungen“, die auf gesundem Menschenverstand und ebensolchem Empfinden beruhten.

Zwergschule in Sennelager

Ich habe zwei Jahre meiner Grundschulzeit in einer Zwergschule in Sennelager verbracht, jenem künstlichen Kaff am ehemals größten deutschen Truppenübungsplatz, der schon in der Kaiserzeit dazu diente, aus Menschen Soldaten zu machen. In bloß zwei Klassenräumen waren sämtliche Jahrgangsstufen untergebracht über die zwei Lehrer herrschten, die wohl von einem allliterarisch begeisterte Schulrat hierher abgeschoben worden waren: Herr Pippert war der Jüngere und hatte wohl das Ende des Krieges als Werwolf erleben müssen. Herr Pagel erschien uns Siebenjährigen uralt; ein Erich von Stroheim mit Unteroffiziersstiernacken, dessen Sprache an das Bellen und Kläffen eines mittelgroßen Hundes denken ließ, der – so sehe ich es heute – sich weder den Dackeln, noch den Bulldoggen zurechnen konnte.

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„Sie müssen sich eingestehen, mit der falschen Person verheiratet zu sein“

„Ein bisschen mehr Skeptizismus gegenüber Gefühlen wäre hilfreich“, sagt Alain de Botton. (Foto: Mathias Marx)
Warum trennen sich Paare heute so schnell? Und was ist das Geheimnis wahrer Liebe? Der Philosoph Alain de Botton hat verstörende Antworten.

Von Thorsten Schmitz | Süddeutsche.de

Sie haben noch nie von Alain de Botton gehört? Dann versuchen Sie mal, einen Termin zu bekommen! Drei Monate hat es gedauert, bis der Bestseller-Autor („Wie Proust Ihr Leben verändern kann“) und Philosoph für die SZ zu sprechen war. Er kommt gerade von einer Lesereise in den Vereinigten Staaten an Ost- und Westküste und in Australien. Sein neuestes Buch heißt „Der Lauf der Liebe“ – und alle Welt möchte jetzt vom Alltagsexperten de Botton wissen: Wie schafft man das, eine glückliche Beziehung zu führen?

De Botton lebt in London, im feinen Stadtteil Belsize Park. Er leitet in sein karges Arbeitszimmer, es gibt keinen Tee, sondern eine Flasche Sprudelwasser, die muss reichen. Die vor drei Monaten gebuchte Zeit fürs Gespräch nimmt er sich wach und konzentriert, aber nach der vereinbarten Stunde beginnt er auf die Uhr zu schauen. Morgen muss er nach Italien fliegen, Google-Chef Eric Schmidt hat ihn gebeten, auf einem Managertreffen über Liebe zu reden.

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Tattoué the Robot Could Be Your Next Tattoo Artist

Ever fear that your tattoo won’t come out exactly as you planned? This tattooing robot could eliminate the risk of human error—but the process is still just as painful.

By Madison Margolin | MOTHERBOARD

Pierre-Emmanuel Meunier and Johan da Silveira from Autodesk’s Pier 9, a creative workshop for artists in residence, created tattoué, a robot that draws tattoos onto human skin, using techniques from 3D printing.

First, the team reconfigured a 3D printer and enabled it to use a needle. The industrial size robot, a machine so big it could be working behind massive barricades, concentrates all its energy into the tiny point on the tip of the needle as it interacts directly with a human.

Before starting the tattoo, the person’s body part must be scanned in order to translate and feed the information to the robot. The body part scan is then input into a graphical parametric designing program in order to apply the graphics of the tattoo onto the surface of the skin.

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Rio Reiser und die Religion

Rio Reiser, der eigentlich Ralph Christian Möbius hieß, auf einem Bild aus den späten 80er-Jahren. (Imago Stock & People)
So wenig der vor 20 Jahren verstorbene Rio Reiser auch mit der Amtskirche anfangen konnte, so stark sei sein Interesse für Religion gewesen, sagt sein Biograph Hannes Eyber. Der Sänger habe jeden Tag in der Badewanne die Bibel gelesen.
 

Hannes Eyber im Gespräch mit Philipp Gessler | Deutschlandradio Kultur

Philipp Gessler: Gestern vor 20 Jahren starb auf einem Hof in Schleswig-Holstein, im nordfriesischen Fresenhagen, Rio Reiser mit gerade einmal 46 Jahren. Reiser, mit bürgerlichem Namen Ralph Christian Möbius, war einer der bedeutendsten Liedermacher deutscher Sprache in den 70er- bis 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, eine Ikone der linken Szene, gerade in Berlin, vor allem im alternativen Kreuzberg. Nicht besonders bekannt ist Rio Reisers religiöse oder spirituelle Seite, obwohl sie einen in seinen Liedtexten manchmal geradezu anspringt. Über diesen Aspekt habe ich mit Hannes Eyber gesprochen. Eyber war ein Freund Rio Reisers und hat mit ihm seine Autobiographie „König von Deutschland“ geschrieben. Meine erste Frage an Eyber war, ob er noch häufig an seinen alten Freund Rio denke.

Hannes Eyber: Ja, also, ich meine, das war schon eine sehr intensive Zeit, und als ich da die Nachricht bekam, dass er gestorben ist, das hat mich nicht nur beeindruckt, sondern sehr traurig gemacht. Eigentlich war er so eine Art Lebensgefährte, was mein eigenes Leben betraf.

Ein sexueller Leidensweg

Gessler: Darf ich Sie direkt fragen – Lebensgefährte auch im Sinne von …

Eyber: Nicht in erotischer Art. Also da waren wir grundverschieden, aber ich hatte dadurch, dass wir eine sehr intensive Nähe hatten, so habe ich seinen sexuellen Leidensweg doch wahrgenommen und mitbekommen.

Gessler: Aber es war ja nicht nur ein Leidensweg. Er hatte ja Freunde.

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Inventor of The Internet’s Most Terrifying Search Engine Shows Us How To Use It

Image: MOTHERBOARD
The internet isn’t just made of Facebook, Motherboard, 4chan and all your other favorite websites. There are thousands of devices, such as webcams, smart light bulbs, printers, and even smart homes, connected to it and there’s a special search engine that allows you to find them.

By Lorenzo Franceschi-Bicchierai | MOTHERBOARD

It’s called Shodan and it’s a great tool to find insecure devices, so that people can fix them and make the internet safer. Shodan crawls the internet and collects all kind of stuff connected to the internet, from mundane smart fridges to industrial control systems. It’s a powerful tool, and you don’t really appreciate it until you use it yourself, or, better yet, until its inventor shows you what it can do.

We met with Shodan’s creator John Matherly, who gave us a glimpse of all the crazy things you can find with Shodan.

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Asli Erdogan spricht aus, worüber andere schweigen

© Andreas Pein Sie beschreibt, was das Regime des türkischen Präsidenten ausmacht: Asli Erdogan.
Asli Erdogan schrieb vehement an gegen Intoleranz und Gewalt, für die das Regime des türkischen Präsidenten steht. Nun sitzt sie im Gefängnis. Eine Stimme wie ihre darf nicht verstummen.

Von Karen Krüger | Frankfurter Allgemeine

Wie schön war das Bild, das die Türkei im Oktober 2008 von sich zeichnete, damals, als das Land Ehrengast der Frankfurter Buchmesse war. Das Ehrengast-Logo war ein Fest der Farben; ein Mosaik, von dem die geladenen türkischen Regierungsvertreter sagten, es symbolisiere das gleichberechtigte Nebeneinander der verschiedenen Kulturen und Stimmen in der Türkei. Die Autoren, mit denen man sich schmückte, wussten freilich, dass das schöne Selbstporträt eher ein Zerrbild war – nicht wenige von ihnen wurden damals von türkischen Nationalisten mit dem Tod bedroht. Auch die Ausstellung im Gastlandforum zeigte Ankaras Schönfärberei. Sie präsentierte Schriftsteller wie Yasar Kemal oder den Lyriker Nazim Hikmet, deren Werke der türkischen Literatur Weltruhm beschert haben. Dass viele der vorgestellten Autoren ihr Schreiben und ihr Engagement mit Verfolgung und hohen Gefängnisstrafen bezahlen mussten, blendete die Schau aus. Einige dieser Schicksale scheinen sich nun zu wiederholen.

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How Olympic Timekeepers Judge False Starts and Photo Finishes

Bahamas‘ Shaunae Miller falls over the finish line to win gold ahead of United States‘ Allyson Felix, right, in the 2016 women’s 400-meter final. Image: Matt Slocum/AP
Time is truly of the essence for Olympic athletes, as evidenced by some extremely close finishes at the Summer Games in Rio. For competitors at this elite level, a split-second can mean the difference between snagging Olympic gold and returning home without a medal.

By Becky Ferreira | MOTHERBOARD

Needless to say, every photo finish must be captured with as much precision as possible in order to clearly determine the winning lineup. For almost a century, that responsibility has fallen to Swiss watchmaking brand OMEGA, which has held the title of official Olympic timekeeper since the 1932 Summer Games were hosted in Los Angeles.

OMEGA was chosen for the role due the accuracy of its chronographs. This reputation eventually led the company to other historic opportunities, like hooking Neil Armstrong and Buzz Aldrin up with the first watches worn on the Moon.

“1932 was, in actual fact, the first time that a single company had been given the role of timing every single event at the Olympic Games,” Alain Zobrist, CEO of OMEGA Timing, told me.

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Vom Freidenker zum Humanisten: Die Kirche der Konfessionslosen

Der deutsche Philosoph und Zoologe Ernst Haeckel, einer der geistigen Leuchttürme der Freidenker (picture alliance / dpa)
Freidenker, die sich gegen religiöse oder kirchliche Autoritäten auflehnen, hat es immer gegeben. Aber im 19. Jahrhundert haben sie sich erstmals organisiert. Heute versucht der Humanistische Verband jenen, die sich als konfessionsfrei verstehen, weltanschauliche Orientierung zu geben. Humanisten betreiben so etwas wie eine säkulare Diakonie.
 

Von Doris Arp | Deutschlandfunk

„Kaufen, was einem die Kartelle vorwerfen, lesen, was einem die Zensoren erlauben; glauben, was einem die Kirche und Partei gebieten. Beinkleider werden zurzeit mittelweit getragen. Freiheit gar nicht.“

Der Journalist und Schriftsteller Kurt Tucholsky nahm sich Anfang des vergangenen Jahrhunderts die Freiheit und machte sich seine eigenen Gedanken. Die macht sich auch Joachim Kahl, einst Freidenker und heute Mitglied im Humanistischen Verband Deutschland.

„Man könnte sagen ein Freidenker ist ein Freigeist, ein Mensch, der sich nicht durch Autoritäten, speziell religiös-kirchlicher Art bevormunden lässt, sondern eben seinen eigenen Verstand, die eigene Vernunft nutzt, um seinen Reim auf die weltlichen und anderen Dinge zu machen.“

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Warum müsst ihr mitteilen, homosexuell zu sein?

Offensichtlich lesbisch.Foto: picture alliance / dpa
Die Kolumne im Queerspiegel: Heteros fragen, Homos antworten. Heute mit einer Frage zum Öffentlichmachen von Homosexualität.
 

Von Anja Kühne | DER TAGESSPIEGEL

Immerzu lese ich von Prominenten, die sich geoutet haben. Auch Kollegen von mir haben das getan. Warum müsst ihr ständig mitteilen, dass ihr homosexuell seid? – Anke, Heiligensee

Ich erinnere mich an eine Karikatur, die zwei Schwule im Café zeigt. Einer sagt zur Kellnerin: „Erstens sind wir schwul, zweitens hätten wir gerne zwei Himbeereis mit Sahne.“ Die Botschaft: Der Drang zur Selbstoffenbarung kennt bei Schwulen keine Grenzen, noch im unpassendsten Moment drängen sie wildfremden Leuten ihre Sexualität auf.

So wie der/die Karikaturist_in denken offenbar viele Heterosexuelle. „Die sexuelle Orientierung ist doch Privatsache!“, heißt es oft – warum müssen Schwule und Lesben also unbedingt am Arbeitsplatz ihre Homosexualität mitteilen, wo sich doch Heterosexuelle auch nicht öffentlich über ihr Intimleben auslassen?

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Sila Gencoglu: Du gehörst der finsteren Erde

© Archiv Sie reiht sich nicht ein in den Chor der Erdogan-Jubler: Die Sängerin Sila Gencoglu.
Präsident Erdogan lädt zur Massenkundgebung, und alle folgen seinem Ruf . Nur die berühmte Sängerin Sila nicht. Daraufhin wird sie mit Hass und Häme überschüttet: Ein Lehrstück aus der neuen Türkei.

Von Bülent Mumay | Frankfurter Allgemeine

Wie in jeder anderen Sprache gibt es die Vokabel „mögen“ selbstverständlich auch im Türkischen. Doch leider bedeutet das Zusammenspiel von fünf oder zehn Buchstaben nicht, dass die Gesellschaft auch mit der Bedeutung des so zustande kommenden Verbs vertraut wäre. Wir Türken lieben oder hassen. Von „mögen“ verstehen wir nichts. Ebenso wenig verstehen wir etwas vom „nicht mögen“. Entweder wir vergöttern, oder wir sind erbitterte Gegner. Eine türkische Redewendung lautet: „Entweder gehörst du mir oder der finsteren Erde.“ Anders gesagt: Wer uns nicht gehören will, den bedrohen wir nett mit dem Tod. Was wir in der jüngsten Vergangenheit erlebt haben, hat zweifellos unsere Intoleranz gegenüber „dem anderen“ um ein Vielfaches erhöht. In einer zunehmend polarisierten Gesellschaft wird es immer schwieriger, eine abweichende Stimme zu sein. Anders zu denken und zu sagen, was man denkt, ist in der Türkei schon immer schwierig gewesen. Heutzutage erfordert es jedoch mehr als Mut.

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A New George Carlin Album Will Be Out Next Month, Eight Years After His Death

Screenshot via YouTube
George Carlin recorded his special Complaints and Grievances on November 17, 2001. As with all of his albums, he had been working on the material for much of the previous year, testing out various permutations of the jokes on the road leading up to the big event. And a bit called “I Kinda Like It When a Lot of People Die” ended up on the cutting room floor after September 11 for obvious reasons. (That was also going to be the title of the special before the tragedy.)

By Hemant Mehta | Fiendly Atheist

That routine, in which Carlin discussed his joy in witnessing disasters likes famines and tornadoes, along with never-before-heard interviews and comedy bits, will be released by his estate next month as part of a new album (using that same original title).

You can hear some of the controversial bit below — the recording was made on the day before 9/11. It becomes apparent rather quickly why Carlin decided not to include this routine when he recorded his special:

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So cool reagiert der ZDF-Physiker auf den Shitstorm

Astrophysiker Harald Lesch © Picture-Alliance
Weil Harald Lesch sich kritisch mit den AfD-Thesen zum Klimawandel auseinandergesetzt hat, wurde der aus dem ZDF bekannte Physiker übel beschimpft. Nun legt er mit einem coolen Video nach.

Von Carsten Heidböhmer | stern.de

Viele Fernsehzuschauer kennen ihn als netten Erklärbären aus dem ZDF, der komplexe wissenschaftliche Themen von der Relativitätstheorie bis zum Ventomobil in verständlichen Worten erklären kann. Auf die Idee, Harald Lesch übel zu beschimpfen, ist bislang fast niemand gekommen. Bis zu dem Tag, als sich der Physikprofessor in einem Video mit einigen Vorstellungen der AfD auseinandersetzte.

Am 29. Juni erschien der Beitrag, in dem sich der Wissenschaftler für die ZDF-Wissenschaftssendung „Terra X“ mit dem AfD-Wahlprogramm beschäftigte und die Aussagen zum Klimawandel zerpflückte. Unter anderem behauptet die Partei darin, seit Ende der 90er Jahre gebe es keinen Anstieg der globalen Temperatur. Daneben heißt es, CO2 habe eine positive Wirkung auf das Pflanzenwachstum und damit auf die Welternährung. „Je mehr es davon in der Atmosphäre gibt, umso kräftiger fällt das Pflanzenwachstum aus.“

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French Media Stopped Publishing Terrorists‘ Photos – Research Says They’re Right

"We are united against fanaticism." Image: Wikimedia
„We are united against fanaticism.“ Image: Wikimedia
A few weeks ago some major French newspapers decided to stop publishing the photos and names of terrorists. It was days after dozens of people were killed in a brutal attack in the coastal town of Nice, and the global community was scrambling to find out more about the violent man behind the wheel.

By Ankita Rao | MOTHERBOARD

Publications including Le Monde and La Croix were making a big statement by refusing to participate in what they called a “strategy of hate.” Terrorist groups like ISIS and Boko Haram thrive on media attention, claiming attacks and terrorists as their own and pushing their message through social media and YouTube. Headlines can feed their pride.

But the French media’s decision struck me as more than a reaction to the horror—these narratives of killing can have a profound effect on our brains and minds. As a consumer and producer of media, I think what the publishers in France are trying to do by withholding these clickable details could be a poignant experiment in fighting violence. And there’s plenty of science to support it.

Mirror, Mirror

In the 1980s an Italian neuroscientist named Giacomo Rizzolatti at the University of Parma identified specific brain cells called mirror neurons for the first time. These are the neurons that fuel mimicry, imitation, and sometimes empathy when you see another person’s actions. And they fire immediately.

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Wie Leni Riefenstahl zu Hitlers Reichsregisseurin wurde

Der 110 Meter lange Wasserfall im Bavonatal ist heute genauso imposant wie in den 30er-Jahren. Bild: sme
1932 wird die Schauspielerin Leni Riefenstahl zum Regiestar und später zu Hitlers Bildmaschine. Und alles nur, weil sie im Bavonatal die perfekte Kulisse für ihre Visionen fand.
 

Von Simone Meier | watson.ch

Das Tal ist eng, grün, schattig. Strom gibt es keinen. Menschen auch keine. Oder doch? Es wird nur im Sommer bewohnt, jetzt ist doch Sommer? Das Bavonatal ist ein kleines Nebental des hinteren Maggiatals. Es sieht aus, als sei hier seit 500 Jahren kein neues Haus mehr gebaut worden. Es sieht aus, als seien hier Märchen geschrieben worden. Oder Filme gedreht.

Plötzlich wird es weit, 110 Meter tief fällt Wasser von den Felsen. Davor: das uralte Dorf Foroglio. Zuvorderst in Foroglio: die Osteria La Froda mit ihren uralten Polenta-Rezepten. Und vor alledem: ein Parkplatz mit einem leeren Calanda-Bier-Stand.

Die Einheimischen sind scheu, aber sie bieten Dinge zum Verkauf: gestrickte Socken für 36 Franken, Honig, immer und überall gibt es Honig, Traumfänger, bunt bemalte Dekor-Echsen, die aussehen, als hätten sie die Höhlen-Hippies von Gomera schon einmal für 2 Franken verkauft. In Foroglio kosten sie 38.

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Der Lackmustest: Welche Religionen überleben Atheisten?

Nein Danke. Brauchen wir nicht. Image. Godless Atheists/FB
Nein Danke. Brauchen wir nicht.
Image. Godless Atheists/FB

Lieber Abdel-Hakim Ourghi, Sie wissen, dass ich Sie und Ihre Arbeit sehr schätze. Ihren Beitrag auf Facebook neulich fand ich jedoch etwas zwiespältig. Sie schrieben: „Ich glaube nicht, dass die Atheisten nerven. Sie brauchen die Religionen als Thema, damit ihre von der Realität entfernte Ideologie überlebt. Mit dem Gegenstand Gott sind sie religiöser als die Anhänger der Religionen. Übrigens, von den Atheisten kann man einiges über seine eigene Religion lernen. Deshalb ist der Dialog mit ihnen unentbehrlich.“

Von Roger Letsch | Achgut.com

Zunächst mal muss ich sie in einem Punkt wirklich korrigieren. Atheisten nerven sehr wohl, und wie! Ich muss es wissen, gehe ich doch so einigen meiner gläubigen Mitmenschen gewaltig auf die Ketten. Zumindest dann, wenn es um Religion geht. Was dieses Thema angeht, ist der Atheist nämlich eher der „Wir-müssen-reden-Typ“, während der Gläubige eher der „Es-ist-alles-gesagt-Typ“ ist.

Was aber die „von der Realität entfernte Ideologie“ angeht, müssen Sie mich verwechseln. Ich gebe zu, da gab es Ideologien. In Kommunismus oder Faschismus war für Gott kein Platz, aber dieser für Gläubige Menschen bitteren Realität verschlossen diese sich oft und marschierten unter den Bannern Stalins und Hiltlers Seite an Seite mit den Ungläubigen. Man könnte sagen, dass die Realität weder Religionen noch Ideologien beeinflusst. Die Realität ist nur beiden immer wieder im Weg. Atheismus ist keine Ideologie und hat keine Ideologie. Atheismus ist vielmehr purer, selbstgenügsamer Realismus. Präsens, nicht Futur II. Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott – nur ohne den Teil nach dem Komma.

Das Gebot „Du sollst nicht töten“ gilt auch für Atheisten

Sie schreiben, dass man von Atheisten viel über die eigene Religion lernen kann. Das stimmt! So werden Sie feststellen, dass viele Aspekte der Religion für die meisten Atheisten genauso universell Gültigkeit haben, wie für gläubige Menschen. Mir zumindest ist kein Atheist bekannt, der dem Gebot „Du sollst nicht töten“ aufgrund seiner Ungläubigkeit prinzipiell ablehnend gegenübersteht. Andererseits hat noch kaum einen Christen das Gebot gegen den Ehebruch von irgendetwas abgehalten. Im Großen und Ganzen sind aber beispielsweise die zehn Gebote inhaltlich Konsens, ganz gleich, welcher Religion man angehört, oder eben auch nicht. Das sagt wenig aus über den Gott, dem jemand folgt. Es sagt aber viel aus über die Qualität des Kodex, der ihm zugeschrieben wird.

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Türkischer Journalist Dündar tritt zurück

Tritt von seinem Posten als Chefredakteur beim Cumhuriyet zurück: Can Dündar. Foto: imago
Der Chefredakteur der linksliberalen türkischen Zeitung „Cumhuriyet“, Can Dündar, tritt von seinem Amt zurück. Das teilte der Journalist in der Montagsausgabe der Zeitung mit.

Frankfurter Rundschau

Nach dem Putschversuch in der Türkei ist der Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung «Cumhuriyet» von seinem Posten zurückgetreten. Dündar, der sich zurzeit in Europa aufhält, kündigte am Montag in seiner Kolumne in der «Cumhuriyet» an, er werde nicht in die Türkei zurückkehren, solange der Ausnahmezustand anhalte. Seinen Posten als Chefredakteur werde er an seinen bisherigen Vertreter Oguz Güven abtreten. Dündar will jedoch weiter Kolumnen in der «Cumhuriyet» schreiben.