„Yolocaust“ : Touristen, die auf Toten tanzen

Shapira: Höcke soll sich das mal anschauen und reflektieren, was er da in Dresden so über Erinnerungskultur gesagt hat. Foto: screenshot
Shapira: Höcke soll sich das mal anschauen und reflektieren, was er da in Dresden so über Erinnerungskultur gesagt hat. Foto: screenshot
Der Berliner Autor und Satiriker Shahak Shapira entlarvt das Verhalten von Touristen am Holocaust-Mahnmal in Berlin und erntet viel Aufmerksamkeit

Frankfurter Rundschau

Der Berliner Autor und Satiriker Shahak Shapira (28) hat mit einer entlarvenden Website über das Verhalten von Touristen am Holocaust-Mahnmal in Berlin einen Internet-Hit gelandet. Die Seite „Yolocaust.de“ sei am Mittwochmittag online gegangen und in den ersten zwölf Stunden mehr als 500 000 mal aufgerufen worden, teilte Shapiras Agentin am Donnerstag mit. Das Wort „yolocaust“ setzt sich aus dem Hashtag YOLO (You Only Live Once/Du lebst nur einmal) und Holocaust zusammen.

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Einblick in die alte Götterwelt des Voodoo

foto: gänsler Am Strand von Ouidah feiern tausende Menschen den Voodoo-Tag. Manche sehr, manche weniger bunter gekleidet.
foto: gänsler Am Strand von Ouidah feiern tausende Menschen den Voodoo-Tag. Manche sehr, manche weniger bunter gekleidet.
In keinem anderen Land wird Voodoo so sehr gefeiert wie in Benin. Dort gibt es sogar einen eigenen Feiertag, der seltene Einblicke ermöglicht

Von Katrin Gänsler | derStandard.at

Lucien Houngan strahlt und reckt den rechten Arm in die Höhe. „Die Stimmung hier ist super“, brüllt er gegen den Lautsprecher an. Er dreht sich nach rechts und links um. Die Augen des jungen Mannes bleiben an einer Gruppe von Frauen kleben, die alle ganz in Weiß gekleidet und aufwendig geschminkt sind. Vor der Porte du Non Retour am Strand von Ouidah tanzen sie sich in Ekstase. Houngan genießt es, ihnen dabei zuzuschauen. „Wir feiern hier schließlich unsere Kultur.“

Das machen im westafrikanischen Benin jedes Jahr am 10. Jänner tausende Menschen. Seit 1998 ist der Voodoo-Tag ein offizieller Feiertag. Besonders beliebt ist das Fest rund um das Sklavendenkmal Porte du Non Retour. Ouidah – eine Autostunde westlich der Wirtschaftsmetropole Cotonou gelegen – ist nicht nur Voodoo-Hauptstadt. Von hier aus sind auch Millionen Menschen versklavt worden. Ihre Religion haben sie mitgenommen. So ist sie neben Benin unter anderem auch in Haiti offiziell anerkannt.

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Gegen Kopftuch, Kreuz, Kippa & Co. im öffentlichen Dienst

religionen

Dass ich als Naturwissenschaftler zur Debatte über das Kopftuch beitrage, finde ich eigentlich selbst befremdlich. Aber ich bin zutiefst davon überzeugt, dass langfristig nur die Äquidistanz des Staates zu den Religionen – unter gleichzeitiger Gewährleistung von deren Freiheit – den Frieden im Land erhalten kann.

Von Kurt Kotrschal | Die Presse.com

Nur so gedeiht jenes liberal-aufgeklärte Klima, in dem sich Wissenschaften und Künste entfalten können. Das war ja auch in der Vergangenheit so. Wo die Religionen friedlich zusammenlebten, blühten Kultur und Geist. Goldrichtig ist deshalb die Ansage von Heinz Fassmann von der Uni Wien, dem Leiter des Integrationsbeirats, über ein Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst.

Goldrichtig allerdings nur dann, wenn sie als Verbot jeglicher religiöser Insignien gemeint war – also auch von Kreuz und Kippa. Als Staatsbürger will ich nicht mit Beamten, Polizisten, Richtern oder Lehrern jeglicher Art zu tun haben, die mir durch Zurschaustellung ihrer Religion deutlich zu verstehen geben, dass sie einer religiösen Ideologie mehr verpflichtet sein könnten als dem staatstragenden Geist der Aufklärung.

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Wie Ludwig Thoma vom Linksliberalen zum rechten Hetzer wurde

 Thoma in seinem Haus am Tegernsee. (Foto: Philip Kester, Gemäldegalerie Dachau, oh)
Thoma in seinem Haus am Tegernsee. (Foto: Philip Kester, Gemäldegalerie Dachau, oh)
Kein bayerischer Dichter ist so populär wie Ludwig Thoma – doch in seinen letzten Lebensjahren rief er unverhohlen zum Mord auf. Es spricht viel dafür, dass sich Hitler Anregungen aus seinen Texten holte.

Süddeutsche.de

Als Ludwig Thoma im August 1921 starb, war er erst 54 Jahre alt. Er hat trotzdem ein umfangreiches Werk hinterlassen. An Popularität reicht kaum ein anderer bayerischer Dichter an ihn heran. Der Briefwechsel des Josef Filser, die Lausbubengeschichten, die heilige Nacht und der bis heute aktuelle Roman Andreas Vöst machten ihn im ganzen Land berühmt.

Allerdings hat der begnadete und stilsichere Satiriker, der auch für den Simplicissimus schrieb, nicht nur eine helle, sondern auch eine dunkle Vergangenheit. Nachdem vor gut 30 Jahren bekannt wurde, dass Thoma in den Jahren 1920/21 der Verfasser anonymer Hetzschriften im Miesbacher Anzeiger war, ließ seine Wertschätzung langsam nach. Es stellte sich heraus, dass der einst als linksliberaler Satiriker geschätzte Schriftsteller in seinen letzten Lebensjahren zum rechtsradikalen Polemiker geworden war, dem jede Fähigkeit zur Mäßigung fehlte.

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Asyl ist kein Gruppenrecht

© Fotolia / Traumbild
© Fotolia / Traumbild
Nach den Angaben des UNHCR gab es 2015 58 Millionen Menschen, die auf der Flucht sind. Im Jahr 2016 ist die Zahl sprunghaft auf 65 Millionen angestiegen. In der ersten Oktoberwoche 2016 hat Amnesty International einen Anklagebericht gegen «reiche Länder» veröffentlicht, die nicht bereit sind, diese Flüchtlinge unbegrenzt aufzunehmen. Meine Reaktion darauf ist: Das ist der reine Wahnsinn.

Von Bassam Tibi | The European

Die grosse Völkerwanderung

Die EU hat für die Flüchtlingskrise ausser frommen Sprüchen keine Strategie zu bieten. Mit Gesinnungsterror wird jede freie Diskussion über das Thema unterdrückt.

Seit Beginn dieses Jahrhunderts und extrem seit der sogenannten Flüchtlingskrise von 2015/2016 befindet sich Westeuropa vor einer existenziellen Herausforderung durch eine demografische Explosion. Diese findet ausserhalb der europäischen Grenzen statt, trifft Europa aber ins Knochenmark dadurch, dass sie in sein Territorium eindringt. Die Bevölkerung der Region des Nahen Ostens und Nordafrikas hat sich in den wenigen vergangenen Jahrzehnten beinahe verdoppelt. Diese demografische Explosion wird unglücklicherweise von wirtschaftlicher Stagnation aller Länder der Region sowie durch einen politischen Rückfall in mittelalterlich-despotische Herrschaftsstrukturen begleitet. Die verzweifelten Nahost-Muslime suchen nach einem «Outlet» und glauben, dies in Europa zu finden; sie kommen zu Millionen und Europa ist auf diese demografische Lawine nicht vorbereitet.

In dieser Atmosphäre fand der Arabische Frühling statt und bot einen Hoffnungsschimmer für Freiheit, Demokratie und Entwicklung. Statt­dessen erfolgte Staatszerfall, woraus innere Kriege in Libyen, Syrien, Irak und Jemen resultierten, deren Ende nicht in Sicht ist. In den nächsten Jahren werden weitere nahöstliche Staaten folgen, vorrangig die Türkei und möglicherweise Ägypten und Algerien. Zur Globalisierung unserer Zeit gehört der Missstand, dass andere Staaten die Zeche für diese Fehlentwicklung im Nahen Osten zu zahlen haben, konkret ist hier Westeuropa angesprochen.

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Rheinische Kirche über AfD: „Eine Pervertierung des Glaubens“

© dpa Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, bei einem Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche in Bad Neuenahr
© dpa Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, bei einem Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche in Bad Neuenahr
Mit deutlichen Worten hat sich die Evangelische Landeskirche im Rheinland von AfD-Positionen abgegrenzt. Die christliche Botschaft tauge nicht „zum Kronzeugen nationaler Identität“, sagte der Präses Manfred Rekowski.

Frankfurter Allgemeine

Der Präses der Evangelischen Landeskirche im Rheinland, Manfred Rekowski, hat der „Alternative für Deutschland“ (AfD) eine „Pervertierung des christlichen Glaubens“ vorgeworfen. Bei der Landeskirchensynode in Bad Neuenahr kündigte er „massiven Widerstand“ gegen eine deutsche Leitkultur an, die Juden und Muslimen keinen Platz in der Gesellschaft lässt.

Der Glaube an Gott habe nichts gemein mit Hass gegen einzelne Menschen oder Menschengruppen, sagte der Präses in seinem Jahresbericht. „Das ist keine Alternative für Christen, sondern eine Pervertierung des christlichen Glaubens.“ Es sei „ein falsches Zeugnis“, wenn die AfD ihre Politik in ihrem Grundsatzprogramm mit einer diffusen religiösen Überlieferung des Christentums begründe, sagte Rekowski.

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Zygmunt Bauman und die Dekadenz der Intellektuellen

Zygmunt Bauman (2013). Bild: Forumlitfest / CC-BY-SA-3.0
Zygmunt Bauman (2013). Bild: Forumlitfest / CC-BY-SA-3.0
Auch Zygmunt Bauman ist von uns gegangen. Wir haben einen weiteren unbestrittenen Protagonisten des 20. Jahrhunderts und des ersten Abschnitts des neuen Jahrtausends verloren. Ein Denker, den übrigens auch die breite Öffentlichkeit kennt, da er sehr häufig an Literaturfestivals und Ausstellungen teilnahm, die auch für Laien zugängig waren.

Von Diego Fusaro | TELEPOLIS

Ein vom großen Publikum geliebter Autor, das Emblem einer Kultur, die sich, gramscihaft, in gewöhnlichem Sinn absetzt. Im Gegensatz zu dem, was alle Fernsehsender, Zeitungen und Priester der politischen Korrektheit in Erinnerung gerufen haben, war Bauman nicht nur der Theoretiker der flüchtigen Gesellschaft. Selbstverständlich ist das der Begriff, mit dem, zu Recht oder zu Unrecht, sein Namen verbunden bleiben wird.

Und das auch dank seines manischen Beharrens auf dem Thema, das, um die Wahrheit zu sagen, eine Art Generalschlüssel geworden ist, ein Produkt, das von der Kulturindustrie als allumfassender, hermeneutischer Schlüssel vermarktet wird. Alles wird flüchtig in der späten Moderne, von der Angst bis zur Liebe.

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Warum heißt es nicht „TerroristInnen“?

Diese junge Britin ist nach Syrien gekommen, um sich am Dschihad zu beteiligen Screenshot Channel 4
Diese junge Britin ist nach Syrien gekommen, um sich am Dschihad zu beteiligen
Screenshot Channel 4
Meine zweite politisch korrekte Woche beginnt mit einem Sprachkurs. Ich lerne, warum „Migranten“ falsch ist, „MigrantInnen“ schon besser, aber nur „Migrant*innen“ richtig. Ziemlich stolz war ich, als ich endlich begriffen hatte, warum man (frau) politisch korrekt dennoch „Terroristen“ schreibt – und nicht etwa „Terrorist*innen“ oder „TerroristInnen“.

Von Rainer Zitelmann | The European

Ich engagiere eine SprachlehrerIn

Ich hatte an dieser Stelle von meiner ersten politisch korrekten Woche berichtet. Um die Leser, die das erste Stück nicht gelesen haben, auf den Stand zu bringen: Wegen des weltweit grassierenden Rechtspopulismus hatte ich mich entschlossen, genau ab dem 1.Januar 2017 nur noch politisch korrekt zu denken, zu sprechen und zu fühlen.

Es hatte sich herausgestellt, dass das viel schwieriger ist, als ich zuerst dachte. Also entschloss ich mich, am Beginn der zweiten Woche die Sache etwas systematischer anzugehen und einen Sprachlehrer in politischer Korrektheit zu engagieren. Am Beginn der ersten Stunde klärte mich mein Lehrer auf, dass er gar kein Lehrer sei, sondern eine Lehrer*in.

Ich lerne politisch korrekt zu schreiben

Als ich fragte, was das denn mit dem * auf sich habe, lächelte er nur mitleidig. „Hm, du hast noch sehr viel zu lernen. Vor allem solltest du erst einmal richtig schreiben lernen.“ Da war ich jetzt doch ein wenig beleidigt und traute mich, trotz der strengen Mine des Lehrers, zu widersprechen: „Also, ich weiß ja, dass ich in politischer Korrektheit noch eine Menge zu lernen habe. Aber schreiben??? Ich habe gerade mein 19. Buch geschrieben und schreibe täglich seit 50 Jahren. Ich weiß nicht so recht…“ Mein Lehrer erwiderte: „Du hast bisher nur geglaubt, du könntest richtig schreiben. In Wahrheit verrätst du mit deinem schlechten, unaufgeklärten Deutsch, wie unsensibel du gegenüber Frauen, Transgendern und allen anderen Geschlechtern bist.“ Nun gut, unsensibel wollte ich bestimmt nicht sein, und schon gar nicht gegen Frauen oder Transgender. Zum Glück hatte mein Lehrer Geduld und Verständnis dafür, dass Jahrzehnte, die ich diskriminierend gedacht, gefühlt und geschrieben habe, nicht von heute auf morgen auszumerzen sind.

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Serdar Somuncu: „Keimzelle des Faschismus“ – WDR-Redakteurin verklagt Comedian

 Nach einer ausführlichen Darstellung über Zensur im Fernsehen ist Somuncu wegen Beleidigung verklagt worden Quelle: dpa/dpa-ZB
Nach einer ausführlichen Darstellung über Zensur im Fernsehen ist Somuncu wegen Beleidigung verklagt worden Quelle: dpa/dpa-ZB
Serdar Somuncu wird von einer Journalistin verklagt, weil er diese beleidigt haben soll. Der Kabarettist selbst reagiert mit Unverständnis auf die Klage. Auf Facebook ziert ein „Zensiert“-Stempel inzwischen sein Profil.

DIE WELT

Serdar Somuncu ist dafür bekannt, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Bei einer Podiumsveranstaltung der Körber-Stiftung hatte der 48-Jährige im vergangenen November unter anderem über die Zustände im öffentlich-rechtlichen Fernsehen berichtet. Dabei wetterte er auch über eine Redakteurin, die jetzt Somuncu wegen schwerer Beleidigung verklagt hat.

Wie der WDR in einer Pressemitteilung schreibt, geht es konkret um die Zitate „Arschloch“ und „Keimzelle des Faschismus“, die bei der Veranstaltung gefallen seien. Der WDR erklärte, dass er seine Mitarbeiterin bei der Klage unterstütze und derartige Beleidigungen nicht dulde.

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Realsatiriker Josef Joffe und Jochen Bittner scheitern auch am BGH

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)
Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Bundesrichter setzen den ZEIT-Journalisten die Eselskappe auf

Von Markus Kompa | TELEPOLIS

Der wohl peinlichste Presseprozess der deutschen Nachkriegsgeschichte fand heute am Bundesgerichtshof seinen vorläufigen Höhepunkt. So entblödeten sich 2014 ZEIT-Herausgeber Josef Joffe und ZEIT-Autor Jochen Bittner nicht, das ZDF wegen ungenauer Darstellung einer in der Sache zutreffenden Kritik ausgerechnet durch Satiriker zu verklagen. Im Rahmen der Krim-Krise hatten hatten Claus von Wagner und Max Uthoff in „Die Anstalt“ politischen Journalisten wie Joffe und Bittner massive Interessenkonflikte vorgeworfen.

Viele Zeitungen seien „so etwas wie die Lokalausgaben der Nato-Pressestelle“, ZEIT-Herausgeber Joffe sei Mitglied in zahlreichen Lobby-Organisationen mit Nähe zur US-Politik. Die ZEIT erscheine deshalb nur einmal die Woche, weil Joffe wegen seiner zahlreichen anderen Aktivitäten in Lobby-Netzwerken nicht mehr zum Schreiben käme. Ihren Kommentar: „Nein, die recherchieren da nicht, die sind da Mitglieder, Beiräte, Vorstände“. illustrierten die Satiriker mit einem Schaubild – das in Nahaufnahme gerade einmal nur einen sehr kurzen Moment zu sehen war. Dieses enthielt Lobbybuden, die mit Linien zu Joffe und Bittner verbunden waren.

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Der nicht unumstrittene Davidsstern am Brandenburger Tor

Das Brandenburger Tor erstrahlte in den Nationalfarben Israels. / Bild: (c) imago/ZUMA Press (imago stock&people)
Das Brandenburger Tor erstrahlte in den Nationalfarben Israels. / Bild: (c) imago/ZUMA Press (imago stock&people)
Deutschland zeigte nach dem Anschlag in Jerusalem seine Solidarität mit Israel. Doch die Lage in Ost-Jerusalem ist politisch komplizierter.

Die Presse.com

Das weltberühmte Berliner Wahrzeichen erstrahlte zum ersten Mal in den blau-weißen Nationalfarben Israels samt Davidsstern. Mit dieser besonderen Geste zeigt Deutschland nach dem tödlichen Lastwagen-Anschlag in Jerusalem seine Solidarität mit Israel. Wie zuvor nach Attentaten in Paris, Brüssel, Istanbul und Berlin.

Die Reaktionen im jüdischen Staat sind euphorisch. „Danke, Deutschland, dass Ihr uns in unserem gemeinsamen Kampf gegen Terrorismus zur Seite steht“, schreibt Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bei Twitter, der als Textabschluss die deutsche und die israelische Flagge eingefügt hat.

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„Volksverräter“ ist das Unwort des Jahres 2016

 Eine Frau steht mit einem Schild 'Volksverräterin' am 26.08.2015 vor einer Flüchtlingsunterkunft im sächsischen Heidenau und wartet auf Bundeskanzlerin Angela Merkel. (Foto: dpa)
Eine Frau steht mit einem Schild ‚Volksverräterin‘ am 26.08.2015 vor einer Flüchtlingsunterkunft im sächsischen Heidenau und wartet auf Bundeskanzlerin Angela Merkel. (Foto: dpa)
Der Begriff sei ein typisches Erbe von Diktaturen und schließe Teile der Bevölkerung aus, so die Jurybegründung.

Süddeutsche.de

Das „Unwort des Jahres 2016“ ist „Volksverräter“. Das gab die Jury am Dienstag in Darmstadt bekannt.

Volksverräter sei ein Unwort, weil es ein typisches Erbe von Diktaturen, unter anderem der Nationalsozialisten sei, so die Jurybegründung. „Als Vorwurf gegenüber PolitikerInnen ist das Wort in einer Weise undifferenziert und diffamierend, dass ein solcher Sprachgebrauch das ernsthafte Gespräch und damit die für Demokratie notwendigen Diskussionen in der Gesellschaft abwürgt“, heißt es weiter.

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Kurt Hüpfner: Evolutionstheoretiker unter Orang-Utans

foto: belvedere, wien
foto: belvedere, wien „Black Mess“ (sic!) heißt dieses undatierte Bild Kurt Hüpfners.
In der Ausstellung „Aus dem Verborgenen“ im 21er-Haus nähert man sich einem Einzelgänger der österreichischen Kunstszene

Von Roman Gerold | derStandard.at

Eigentlich wäre es ihm am liebsten gewesen, anonym auszustellen, sagt der Künstler Kurt Hüpfner. Dass da so Dinge stehen, von denen Betrachter nicht wissen, wer sie gemacht hat. Dass der 1930 geborene Wiener nun im 21er-Haus eine seiner ersten musealen Ausstellungen hat, freut ihn dann aber doch auch.

Im dazugehörigen Interview, geführt von einem Team des Belvedere und in der Schau Aus dem Verborgenen ebenfalls zu sehen, bleibt dies nicht der einzige Selbstwiderspruch. Versäumen sollte man dieses jedenfalls nicht, will man den Grafiken, Assemblagen, Plastiken Hüpfners näherkommen.

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Für das Recht auf die falsche Meinung

Charlie Hebdo wurde zum Synonym des Kampfes für Meinungsfreiheit / picture alliance
Charlie Hebdo wurde zum Synonym des Kampfes für Meinungsfreiheit / picture alliance
Schöne Aussicht. „Charlie Hebdo“ erscheint zwar mittlerweile auch in deutscher Sprache, doch die Meinungsfreiheit bleibt hierzulande in der Defensive. Hoffnung macht, dass viele Menschen sich nicht mehr von der Regierung vorschreiben lassen wollen, was sie zu denken haben

Von MATTHIAS HEITMANN | Cicero

Auch zwei Jahre nach dem Terroranschlag auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo ist die Meinungsfreiheit in großer Gefahr. Jedoch kommt diese Gefahr nicht von außen und auch nicht aus den Moscheen, sie kommt aus den politischen Institutionen und dem derzeitigen politischen Denken in der westlichen Welt. Terroristen können zwar Menschen umbringen und Gebäude in die Luft sprengen – Gesetze ändern und Rechte beschneiden können sie nicht, das müssen die Attackierten und Verängstigten schon selbst tun. Leider geht diese Terror-Rechnung immer wieder auf, wie auch nach dem 7. Januar 2015.

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Der Hass auf die Meinungsfreiheit – 2. Jahrestag des Anschlags auf Charlie Hebdo

Bild: DIE KOLUMNISTEN
Bild: DIE KOLUMNISTEN
Der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo vor zwei Jahren war einer der traurigen Höhepunkte einer ganzen Serie weltweiter massiver Angriffe auf das Recht auf freie Meinungsäußerung. Angriffe, die muslimische Extremisten im Namen des Propheten Mohammed geführt haben und nach wie vor führen.

Von Nina Scholz | DIE KOLUMNISTEN

Heute ist der traurige zweite Jahrestag des Anschlags auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ in Paris.

Im Kugelhagel muslimischer Terroristen vor und in den Redaktionsräumen der berühmten linken Satirezeitschrift starben zwölf Menschen, darunter die Hälfte der Redaktionsmitglieder. Ein weiterer Attentäter erschoss in den folgenden zwei Tagen eine Polizistin auf der Straße und vier Menschen in einem koscheren Supermarkt.

In den ersten Tagen nach den Anschlägen von Paris waren fast alle Charlie. Schock und Trauer bestimmten die veröffentlichten Meinungen. Doch schon bald begannen die ersten zu relativieren, Täter und Opfer zu vertauschen und zu mutmaßen, ob Charlie Hebdo nicht vielleicht zu weit gegangen sei.
Zu weit womit? Wie weit darf man gehen, ohne die eigene Ermordung zu provozieren? Und: Waren die erschossenen Menschen im jüdischen Supermarkt in Paris auch zu weit gegangen?,

fragten mein Mitautor Heiko Heinisch und ich vor einem Jahr in unserem Buch „Charlie versus Mohammed. Plädoyer für die Meinungsfreiheit“.

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Karikaturisten im Visier von Autokraten und Fanatikern: Ein Verein bietet Schutz

charlie_hebdoDer Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ vor zwei Jahren war ein Angriff auf die Meinungsfreiheit. Ein Gut, dass Karikaturisten mit ihren Bleistiftstrichen täglich verteidigen. Der Verein „Cartooning for Peace“ hilft bedrohten Zeichnern, nicht nur in Frankreich.

Von Hanna Gieffers | greenpeace magazine

Sie stehen immer öfter in der Schusslinie – Karikaturisten. Spätestens seit dem Terroranschlag auf das französische Magazin „Charlie Hebdo“ Anfang Januar vor zwei Jahren, bei dem unter anderem die Zeichner Charb, Cabu, Honoré, Tignous und Wolinski starben. In anderen Ländern wie Syrien oder der Türkei behindern autokratische Regierungen die Pressefreiheit, ihnen sind Karikaturisten ein Dorn im Auge. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, haben der bekannteste Karikaturist Frankreichs Plantu und der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan schon vor zehn Jahren den Verein „Cartooning for Peace“ gegründet.

Der Zusammenschluss soll Zeichner unterstützen, vernetzen und schützen. „Künstler haben alle Rechte, sich auszudrücken und das mitzuteilen, was sie sagen möchten“, sagte Plantu während einer Konferenz von „Cartooning for Peace“ kurz nach dem Attentat auf „Charlie Hebdo“. Für ihn ist die Meinungsfreiheit eine äußerst fragile und deshalb schützenswerte Errungenschaft – gerade auch, um Überheblichkeit und Machtmissbrauch anzuprangern. Karikaturisten machen im besten Fall mit Humor sichtbar, was einige eben nicht sehen wollen. So entfalten ihre Zeichnungen eine Kraft, die Machthaber, Politiker oder Parteien angreifbarer machen kann. Diese Kraft zu stärken, ist das Ziel von „Cartooning for Peace“.

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The Stuff You Buy Is Destroying Animals Around the World

This map shows the species threat hotspots caused by US consumption. The darker the color, the greater the threat caused by the consumption. The magenta color represents terrestrial species, while the blue represents marine species. Image: Moran, D. & Kanemoto, K. Identifying species threat hotspots from global supply chains. Nat. Ecol. Evol. 1, 0023 (2017)
This map shows the species threat hotspots caused by US consumption. The darker the color, the greater the threat caused by the consumption. The magenta color represents terrestrial species, while the blue represents marine species. Image: Moran, D. & Kanemoto, K. Identifying species threat hotspots from global supply chains. Nat. Ecol. Evol. 1, 0023 (2017)
There are certain products that everyone knows are directly destructive to wildlife. As such, most people and countries around the world generally try to avoid them. Using ivory for trinkets causes elephant slaughter; eating shark fins—you guessed it—is not good for sharks. But those are easy to give up, because a.) we don’t need any of them, and b.) they very blatantly come from certain wild animals.

By Grennan Milliken | MOTHERBOARD

Much of the things we use in daily life, however, from iPhones, to jeans, to Ikea furniture, also have negative impacts on endangered wildlife around the globe. But how can you tell? In an attempt to answer that question, scientists from Norway and Japan used a global trade model to trace consumer demands around the world to threats on endangered wildlife. They’ve created a series of maps based on their findings that show the threat “hotspots” around the world and what countries are endangering them. The rationale is that if you know where in the supply chain you’re doing the most damage, you can take steps to alleviate it. Their findings are published in the journal Nature Ecology and Evolution.

The researchers calculated the consumer threats to 6,803 species of endangered and threatened species around the world as defined by the International Union for the Conservation of Nature and Birdlife International—both authorities on endangered flora and fauna. From this, they tied the threat zones to a consumer product in another country. For example, soy used in meals in the US may have been grown in a swath of cut down rainforest in Brazil. The Amazon is the most biodiverse place on Earth, so that swath of rainforest likely displaced multitudes of endangered animals. Or maybe your t-shirt was made in a textile mill in Indonesia—that exists where a forest full of Sumatran orangutans once stood.

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Älteste Menschenspuren Tibets entdeckt

Blick über das tibetanische Hochplateau – ein karge, unwirtliche Gegend in mehr als 4.000 Metern Höhe. © Robbie Stone
Blick über das tibetanische Hochplateau – ein karge, unwirtliche Gegend in mehr als 4.000 Metern Höhe. © Robbie Stone
Hartgesottene Pioniere: Schon kurz nach der letzten Eiszeit besiedelten Menschen offenbar das unwirtliche Hochplateau Tibets. In weichem Kalkschlamm hinterließen sie Hand- und Fußabdrücke, die nun auf ein Alter von 8.000 bis 12.000 Jahren datiert wurden. Damit ist dies der bisher älteste archäologische Nachweis für eine dauerhafte Besiedelung dieser Himalaya-Region, wie Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten.

scinexx

Das Hochplateau Tibets gehört zu den extremsten Lebensräumen der Erde. Auf mehr als 4.000 Metern Höhe gelegen, ist die Landschaft hier karg, das Klima harsch und die Luft enthält deutlich weniger Sauerstoff als auf Meereshöhe. Gleichzeitig sind die Hochtäler meist sehr abgeschieden und nur schwer zu erreichen. „Dass Tibet einer der letzten Bereiche war der vom Menschen besiedelt wurde, ist gewiss“, erklärt Erstautor Michael Meyer von der Universität Innsbruck.

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When Did ‚Neuromancer‘ Actually Take Place

An image of David Byrne in Neuromancer Mind Movie, an unrealized video game project based on the William Gibson novel
An image of David Byrne in Neuromancer Mind Movie, an unrealized video game project based on the William Gibson novel „Neuromancer.“Credit Courtesy of New York Public Library, Manuscripts and Archives Division
I’ve never read a novel that better anticipated the spirit of the early 21st century than Neuromancer, William Gibson’s foreboding 1984 new wave manifesto. Because of its uncanny prescience, it seems relevant to ask when it’s set. Are the terrible and wonderful things it predicts conceivable in ten years? In 50?

By Jon Christian | MOTHERBOARD

Neither the novel nor its sequels set a firm date, but Gibson has waded into the matter himself by declaring that in his mind, Neuromancer takes place around 2035.

This, unfortunately, is where I become unbearable. I’ve read Neuromancer an embarrassing number of times, and I’m not convinced Gibson has the textual evidence to locate his own work so near in the future.

I should pause here: If there exists a special circle of hell for insufferable hipsters who imagine themselves to know more about a novel than its author, I will surely be cast down into it.

That’s appropriate, I suppose, since eschatology is a recurring theme in Neuromancer, which swept the Hugo, Nebula and Philip K. Dick awards with its fever dream of flickering neon. In it, the glowing abyss of cyberspace—a term the novel is perhaps now best remembered for popularizing—is itself a sort of afterlife, balkanized into looming echelons of mega corporations and military-industrial spook country, haunted by scheming artificial intelligences that Gibson casts as ghosts and demons summoned up from the archives of humankind’s collective superstition into some final solitaire of global thanatos.

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BBC-Satire „Real Housewives of ISIS“: Rabenschwarze Witze über den Islamischen Staat und deren Frauen

„Die Schlampe macht mir alles nach“ – Szene aus „The Real Housewives of ISIS“ © Screenshot/BBC2
Darf man Scherze über IS-Kämpfer machen? Die BBC findet: Ja, auf jeden Fall. Eine neue Satireshow nimmt vor allem die Terror-Ehefrauen aus dem Westen aufs Korn. Das ist bitterböse und gefällt selbst nicht allen Briten.

stern.de

Ist das noch der berüchtigte englische Humor oder doch schon geschmacklos? „Nur noch drei Tage bis zur Enthauptung – und ich weiß nicht, was ich anziehen soll“, beklagt sich eine schwarz verschleierte junge Frau im Brustton der Verzweiflung. Oder diese Szene hier: Eine ebenfalls in schwarz gehüllte Frau sitzt in einem von Kerzen beschienen Raum und erzählt aus ihrem Eheleben: „Ich bin zum sechsten Mal verheiratet und zum fünften Mal verwitwet…“ – plötzlich kracht es hinter ihr kräftig – „… zum sechsten Mal“.

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