TRANSFUSIONEN: Das Blut von Müttern lässt Männer eher sterben

Ein halber Liter Blut, der Leben retten kann – vor allem, wenn er vom richtigen Spender kommt
Quelle: Getty Images/Science Photo Library RM
Wer dringend eine Transfusion braucht, fragt nicht, von wem das Blut kommt. Eine neue Studie könnte das ändern: Erhalten Männer Blut von Frauen, die geboren haben, sterben sie häufiger.

Von Fanny Jiménez | DIE WELT

Blut spendet Leben – das scheint nicht für alle Blutspender gleichermaßen zu gelten. Das Blut von Müttern vertragen einer neuen niederländischen Studie zufolge vor allem Männer nicht gut. Sie sterben häufiger, wenn sie Bluttransfusionen einer Frau bekommen, die schon einmal schwanger war, als wenn sie das Blut von anderen Männern bekommen oder von Frauen, die noch nie schwanger waren.

Das berichten Wissenschaftler um Rutger Middelburg vom Leiden University Medical Center im Fachjournal „Jama“. Die Forscher hatten Daten von mehr als 31.000 Patienten von im Schnitt 65 Jahren durchforstet, die zwischen 2005 und 2015 eine Bluttransfusion in einem von sechs niederländischen Krankenhäusern bekommen hatten.

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Teutomanismus – „Ein Deutschland soll seyn und bleiben“

Die Wartburg in Eisenach. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 – Moritz Grenke
Auf der Wartburg zeigt der Nationalgedanke bereits, dass er zwei Gesichter besitzt. Heinrich Heine sprach von „jenem beschränkten Teutomanismus, der viel von Liebe und Glaube greinte, dessen Liebe aber nichts anderes war als Hass des Fremden.“

Von Nils Sandrisser | evangelisch.de

Es ist gegen zehn Uhr morgens am 18. Oktober 1817, als Hunderte Studenten und einige Professoren in einer langen Reihe von Eisenach den Weg hinauf zur Wartburg gehen. Hier wollen sie ein Fest feiern. Nach einem Anlass haben sie nicht lange gesucht, sie hatten sogar gleich zwei: Das 300. Jubiläum der Reformation steht bevor, außerdem feiern sie den vierten Jahrestag der sogenannten Völkerschlacht bei Leipzig, bei der Napoleon eine Niederlage erlitt.

Nach dem Zwischenspiel der napoleonischen Herrschaft sind die deutschen Fürsten auf ihre Throne zurückgekehrt und herrschen mit harter Hand. Freiheiten und Bürgerrechte sind ihnen verhasst, politische Veranstaltungen sind per se verdächtig und oft verboten.

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Rekowski: Reformationsjubiläum hatte Licht und Schatten

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, hat eine gemischte Bilanz des Veranstaltungsreigens zu 500 Jahren Reformation gezogen. Ein großer Erfolg sei vor allem die Vielzahl der Veranstaltungen an der kirchlichen Basis gewesen.

EKD

„Das hat eine gehörige Breitenwirkung erzielt.“ Bewährt habe sich auch der Ansatz, Menschen außerhalb der Kirche einzubeziehen. Sie hätten in Wort, Bild, Theater oder Musik einen oft erfrischenden Blick auf die Bedeutung der Reformation geworfen.

Als problematisch bezeichnete der leitende Theologe der zweitgrößten deutschen Landeskirche dagegen insbesondere Formate, die eher zentral organisiert wurden. So habe sich gezeigt, dass die „Weltausstellung Reformation“ in Wittenberg „wohl überdimensioniert und zu ambitioniert“ gewesen sei: „Da wurde vielleicht zu viel des Guten – 100 Tage Kirchentag – gewollt.“ Die Besucherströme hätten durch die Stadt gehen können, ohne die Veranstaltungen auf der Schlosswiese wahrzunehmen.

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Dodo Müller: Kirche ist Gottes Werk und nicht Gegenstand menschlicher Reformen

Gerhard L. Müller links im Bild
Müller, der bis zum Sommer Präfekt der Glaubenskongregation gewesen war, sagte bei seinem Vortrag, dass die Kirche als Werk Gottes nicht Gegenstand menschlicher Reformen sein könne.

kath.net

Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller erhielt am Montag von der Päpstlichen Universität Johannes Paul II. in Krakau die Ehrendoktorwürde verliehen zum Dank für sein Engagement für die rechte Lehre und für die deutsch-polnische Verständigung.

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Türkische Behörden setzen Rocker gegen ihre Gegner in Deutschland ein

Januar 2016: Polizisten beobachten ein Treffen der Osmanen Germania in Neuss.©DPA
Ein Bericht von NRW-Innenminister Herbert Reul offenbart brisante Informationen: Türkische Sicherheitsbehörden unterstützen Aktivitäten der Rockergruppe Osmanen Germania in Deutschland. Die Kontakte reichen bis in Erdogans Regierung.

Von Reiner Burger | Frankfurter Allgemeine

Die in mehreren deutschen Städten aktive Rockergruppe Osmanen Germania arbeitet nach Erkenntnissen der nordrhein-westfälischen Landesregierung mit den türkischen Sicherheitsbehörden zusammen. Diese bewerteten und unterstützten die Aktivitäten der Rockergruppe als „Terrorbekämpfung“ in Deutschland, „also gegen die PKK, linksextremistische Türken und die Gülen-Bewegung gerichtet“, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht von Innenminister Herbert Reul (CDU) an den Landtag.

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This Strange Sensor Russia Sent to the ISS Is Baffling US Military Experts

The Progress MS-07 spacecraft before launch. The mysterious sensor is the black object on the forward edge in the upper-right corner of the photo. Image: RKK Energia
„I think the appropriate reaction is ‚mild curiosity‘ rather than ‚worry.'“

By David Axe | MOTHERBOARD

A Russian spacecraft on a routine mission to the International Space Station (ISS) apparently carried a surprise payload: a secretive sensor that experts said could be related to a controversial military initiative.

The spacecraft, which the Russian space agency designated Progress MS-07, blasted off from the Baikonur Cosmodrome in southern Kazakhstan on October 12. The main mission of the unmanned Progress rockets is to haul supplies to the ISS.

After unloading the supplies, the station crew tosses its garbage into the now-empty Progress capsule. The craft separates from the station and, after a couple of days, tumbles back to Earth and burns up.

Russia often takes advantage of those extra couple of days to position small satellites or perform brief experiments unrelated to the space station. Progress MS-07, for example, carried a small data-relay satellite and a miniature robot that’s part of a Russian company’s social media campaign.

But Progress MS-07 also carried a mysterious sensor, one that might have important military implications. Anatoly Zak, an author and space expert, was among the first to notice the sensor in official photos provided by RKK Energia, the Russian company that manufactured the expendable Progress MS-07 spacecraft.

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Wer braucht schon Gott? – Norwegens Bethaus-Kultur schwindet dahin

Geht es den Norwegern so gut, dass sie Gott nicht mehr brauchen? (Bild: Ramon Espinosa / AP)
Das Bethaus, in dem Laien die Lehre vom Himmelreich predigen, ist ein spezifisch norwegisches Phänomen. Heute ist das Christentum immer weniger Norwegern eine «Erweckung».

Von Aldo Keel | Neue Zürcher Zeitung

Norwegens erstes Bethaus wurde 1850 in Henrik Ibsens Geburtsort Skien gebaut. Fortan war in den Gassen kein Betrunkener mehr zu sehen, und die Tanzsäle machten dicht. Vor einigen Jahrzehnten gab es noch 3000 Bethäuser, doppelt so viele wie Kirchen – ein spezifisch norwegisches Phänomen.

Das Bethaus hat seinen Ursprung in der pietistischen Erweckungsbewegung. Im Bethaus hat der Pfarrer nichts verloren, hier predigen Laien. Die Laienpredigerbewegung gehört, ähnlich der Abstinenzlerbewegung, zu den Volksbewegungen, die im 19. Jahrhundert das Land veränderten. Doch die grosse Zeit des Bethauses ist vorbei. Jahr für Jahr werden Dutzende abgerissen, auf Immobilienplattformen angeboten und zu Autowerkstätten, Moscheen oder Wohnungen umgebaut – mit der Kanzel als Prunkstück der guten Stube. Dass ausgerechnet im Bethaus-Mekka Stavanger, das als Ölmetropole zu Norwegens Klondike avancierte, vor zwei Jahrzehnten ein Bethaus zur Revuebühne umfunktioniert wurde, offenbart den Zeitenwandel. Ähnlich wie die Geschichte jenes 90-Jährigen, der ein leerstehendes Bethaus kaufte und in eigener Regie betrieb, bis auch er aufgab und mit Wehmut in der Stimme im Radio klagte: «Uns geht es so gut, dass wir Gott nicht mehr brauchen.»

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Franz Rosenzweig und Martin Luther: „Jüdische Schizophrenie im Umgang mit Luther“

links: Bildnis von Gewalt gegen Juden entstanden 1250 ;rechts: „Von den Juden und ihren Lügen“: mit dieser Schrift begann Martin Luthers Serie judenfeindlicher Schriften von 1543. Bild: zu-Daily.de
Martin Luthers Judenhass war vor 100 Jahren durchaus bekannt. Dennoch verehrten ihn viele Juden – besonders liberale wie Franz Rosenzweig. Der jüdische Bibelübersetzer verehrte den Kollegen wegen seiner Sprachgewalt. Konnten oder wollten Juden die Ambivalenz des Reformators nicht sehen?

Von Thomas Klatt | Deutschlandfunk

Erstaunlich! Martin Luther war nicht nur die zentrale Figur im deutschen Protestantismus, sondern wurde auch im Judentum des 19. und frühen 20. Jahrhunderts hoch verehrt. Der Reformator wurde von vielen Juden als Lichtgestalt wahrgenommen, weiß der jüdische Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik.

„Weil für das deutsche Judentum, zumal das deutsche liberale Judentum, Martin Luther ein Vorkämpfer der Geistesfreiheit und des Geistes der Schrift und nicht so sehr der aus ihr erwachsenen Praxis gewesen ist.“

Martin Luther habe mit seiner Bibel dem deutschen Volk eine gemeinsame Sprache geschenkt und damit die Befreiung von der römisch-katholischen Bevormundung eingeläutet. Vor allem liberale Juden betrachteten in ihrer Auseinandersetzung mit der jüdischen Orthodoxie die Protestanten damit als natürliche Verbündete, weil diese einen ähnlichen Kampf gegen die römisch-katholische Kirche führten. Eine distanziertere Auseinandersetzung mit Martin Luther blieb meist aus – vor allem unter liberalen Juden in Deutschland.

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Facebook: Versuch der anonymen Einflussnahme auf den Bundestagswahlkampf

Ein dubioser Blog nutzte Anzeigen auf Facebook, um die Grünen anzuschwärzen. (Foto: AFP)
  • Auf Facebook agitiert die Seite „Greenwatch“ im Bundestagswahlkampf gegen die Grünen.
  • Im Impressum der Seite ist eine Person angegeben, deren Echtheit nicht überprüft werden kann.
  • Schließlich löschen die Betreiber ihre Inhalte. Die Suche nach den Hintermännern gestaltet sich schwierig.

Von Jannis Brühl, Stefanie Dodt | Süddeutsche.de

Freitagmorgen, der 17. März, im Berliner Fünf-Sterne-Haus Hotel de Rome. Es gibt Frühstück, auf Wunsch auch Omelette. Facebook hat die im Bundestag vertretenen Parteien geladen. Vertreter des Konzerns sichern ihren Gästen zu, sie würden im Bundestagswahlkampf erreichbar sein, sollte es nicht fair zugehen – im Wahlkampf auf dem sozialen Netzwerk. „Wir sind uns unserer besonderen Verantwortung als Plattform bewusst“, hatte das Unternehmen im Einladungsschreiben formuliert. Unter den Teilnehmern ist auch Emily Büning, organisatorische Bundesgeschäftsführerin von Bündnis 90/Die Grünen.

Sechs Monate später entschließt sich Büning, das Angebot von Facebook anzunehmen. Sie mailt an ihre Ansprechpartner bei dem Unternehmen in Berlin, „weil es eine Seite gibt, die sehr gegen uns hetzt, das bewegt sich alles im Rahmen der Meinungsfreiheit, allerdings gibt es die Person, die im Impressum steht, nicht“. Und: „Wir haben dies auch bereits der Landesmedienanstalt gemeldet.“ Das Logo der Seite ist ein grünes Quadrat, in dem in weißen Buchstaben steht: „Greenwatch“.

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Religion ist nicht das Leben selbst

Das moderne Christentum hat den Kampfmodus im Religiösen aufgegeben. Der Islam aber will eine umfassende Anleitung zur Lebensführung mit Anspruch auf unbedingte Wahrheit sein. Ein unlösbarer Konflikt.

Von Konrad Adam | Neue Zürcher Zeitung

Seit mehr als zweihundert Jahren gehört die Glaubens- und Gewissensfreiheit zum ehernen Bestand der europäischen Verfassungstexte. Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, die im August des Jahres 1789 von der französischen Konstituante verabschiedet wurde, sagt nicht nur den Franzosen, sondern allen Menschen das Recht zu, ihre religiösen Ansichten offen zu bekennen, solange sie damit nicht gegen die gesetzlich festgelegte Ordnung verstossen. Alle europäischen Verfassungen stehen in dieser Tradition. Religion ist Gewissenssache, und weil das Gewissen den Kern der Persönlichkeit ausmacht, geniesst die Glaubens- und Gewissensfreiheit höchsten Schutz. Wenn unklar wird, wie weit dieser Schutz reicht, wem er zusteht (und vor allem: wem nicht), gerät nicht nur der Glaube, sondern auch die Verfassung ins Rutschen.

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Demokratie-Studie: Jeder Vierte schätzt die Diktatur

Sehnsucht nach dem starken Mann: Anhänger Francos demonstrieren am Todestag des ehemaligen spanischen Diktators in Madrid. Foto: rtr
Eine weltweite Studie zeigt, dass viele Menschen autoritäre Regierungsformen gar nicht so schlecht finden. Nur relativ wenige Menschen haben viel Vertrauen in ihre Regierung.

Von Damir Fas | Frankfurter Rundschau

Fast 42.000 Menschen in 38 Ländern hat das unabhängige US-Forschungszentrum Pew Research aus Washington in der ersten Jahreshälfte 2017 zu ihrer Einstellung zur Demokratie befragt. Zentrales Ergebnis der Erhebung: 78 Prozent stehen hinter dem Konzept der repräsentativen Demokratie wie der Deutschlands. Allerdings wollen auch 66 Prozent der Befragten mehr direkte Demokratie. Bemerkenswert ist, dass sich weltweit jeweils fast 25 Prozent der Befragten vorstellen können, einen starken Mann an der Staatsspitze zu haben, beziehungsweise vom Militär regiert zu werden.

Die höchsten Zustimmungswerte bekommt die repräsentative Demokratie in Europa, Nordamerika und Australien, in Ländern mit ökonomischer Stärke und einer langen demokratischen Tradition. An der Spitze steht Schweden, wo 52 Prozent der Befragten engagierte Anhänger der repräsentativen Demokratie sind. Deutschland kommt auf 48 Prozent. In Russland sind es dagegen der Studie zufolge nur sieben Prozent.

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Erst Bibelschüler, dann die ersten Kommunisten Koreas

Südkoreanische Christen beten in Seouls Innenstadt für Freiheit und Menschenrechte in Nordkorea. (Bild: Lee Jae-Won / Reuters)
Das protestantische Christentum boomt im Süden der koreanischen Halbinsel. Doch auch bei den Anfängen Nordkoreas spielten Missionare eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Von Fabian Kretschmer | Neue Zürcher Zeitung

Bei der Yoido Full Gospel Church gleicht jeder Sonntag einer kleinen Völkerwanderung. Dutzende von Freiwilligen regeln an diesem Herbstvormittag in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul den ankommenden Verkehr von sperrigen Geländewagen. Aus Linienbussen strömen Senioren in dunklen Anzügen, Jugendliche in Skinny-Jeans und ältere Damen mit grossen Sonnenschirmen auf den Vorplatz der Kirche. Deren Dimensionen erinnern eher an ein Fussballstadion als an einen Gebetsraum, insgesamt 12 000 Sitzplätze sind vorhanden. Die Predigt, sieben wird es insgesamt an diesem Sonntag geben, wird auf zwei riesige Leinwände projiziert und in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt. Gegen Ende der Andacht geht es auch um Nordkorea. Mit einem Gebet wendet sich der Pastor gegen die dortigen Atomsprengköpfe.

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Brachten Vulkane Kleopatras Reich zu Fall?

Diese Katakomben in Alxandria zeugen von der Herrschaft der Ptolemäer über Ägypten. Doch ihr Reich könnte immer wieder durch die Klimafolgen von Vulkanausbrüchen geschwächt worden sein. © Asiatologist/ CC-by-sa 4.0
Fatale Fernwirkung: Gehäufte Vulkanausbrüche könnten das ägyptische Reich der Ptolemäer empfindlich geschwächt haben – und förderten vielleicht sogar Kleopatras endgültige Niederlage. Denn die Eruptionen schwächten den Monsun und damit die Niederschläge, die die jährlichen Nilfluten in Ägypten speisten. Das ptolemäische Ägypten erlebte immer dann besonders häufig Revolten und Kriegsniederlagen, wenn die Nilfluten nach solchen Eruptionen ausblieben, wie Forscher berichten.

scinexx

Das Reich der Ptolemäer ist vor allem wegen Kleopatra bekannt – der letzten Königin Ägyptens vor der Eroberung durch die Römer im Jahr 31 vor Christus. Doch die Herrschaft der griechisch-makedonisch-stämmigen Ptolemäer über das Reich am Nil begann bereits fast 300 Jahre früher: Nach dem Tod Alexanders des Großen übernahmen sie die Herrschaft und machten Alexandria zu ihrer Hauptstadt.

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Bedford-Strohm wünscht sich Engagement in Parteien

Heinrich Bedford-Strohm (2011). Presseabteilung der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. bearb. bb
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, wendet sich gegen ein negatives Bild der Parteien im Land. „Wir alle sind Politik! Und wer sich nicht einmischt und selber einsetzt, der soll sich auch nicht vom Sofa aus beklagen“, sagte der oberste Repräsentant der deutschen Protestanten dem evangelischen Magazin „chrismon spezial“.

evangelisch.de

Auch wenn manchen nicht alles an Parteien gefalle, „in diesem Land läuft nun mal die Willensbildung über Parteien“, sagte der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm. Er wünsche sich, dass sich gerade junge Menschen aus christlicher Überzeugung in die Politik einmischen und auch in Parteien eintreten.

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Bildung: Kritiker sehen Naturwissenschaften im neuen G 9 benachteiligt

Der aktuelle Entwurf muss noch vom Parlament beschlossen werden. (Foto: SZ-Grafik, Kultusministerium)
  • Die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium ist beschlossen, die Stundentafel dafür ausgearbeitet.
  • Kritiker sehen die naturwissenschaftlichen Fächern benachteiligt.
  • Beispielsweise soll Chemie in der 11. Klasse gar nicht gelehrt werden, wenn es sich nicht um einen naturwissenschaftlichen Zweig handelt.

Von Anna Günther | Süddeutsche.de

Es klang alles so einfach vor den Sommerferien: Schulminister Ludwig Spaenle präsentierte die Stundentafel für das neue Gymnasium, gemeinsam mit Vertretern von Schülern, Eltern, Direktoren und Gymnasiallehrern. Ein Kompromiss, der die Wünsche der Schulfamilie und alle Vorgaben der Politik erfüllte. Nach Jahren der Kritik am achtjährigen Gymnasium betonte Spaenle die Harmonie – und schneller als der Zeitplan war man übrigens auch noch. Das scheint Geschichte zu sein, denn wann der Gesetzesentwurf zum neuen Gymnasium im Landtag diskutiert werden soll, weiß im Ministerium derzeit niemand. Nur, ohne Abstimmung im Parlament keine Änderung der Schulordnung und damit keine definitive Stundentafel. Und auch die Harmonie ist passé.

Schon vor der Präsentation des Entwurfs murrten alle leise, die befürchteten, im neuen G 9 zu kurz zu kommen. Nach der Präsentation sahen sich die Vertreter von Geografie, Wirtschaft/Recht, Biologie und Chemie bestätigt. Dabei sollte die gemeinsame Arbeitsgruppe von Lehrern, Eltern und Schülern doch verhindern, dass einzelne Fachgruppen oder Verbände um Stunden und damit auch um Stellen streiten.

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Stammheimer Todesnacht: Es bleiben zahlreiche Widersprüche

Justizvollzugsanstalt Stammheim. Bild (von 2004): Mussklprozz / CC BY-SA 3.0
Kann der Tatort „Der rote Schatten“ die Diskussion um die Todesumstände der RAF-Gefangenen neu beleben?

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Der Tatort-Krimi Der rote Schatten, der am letzten Sonntag ausgestrahlt wurde, hat ein Verdienst. Er lenkt noch einmal die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass zahlreiche Widersprüche zur offiziellen Version der Todesumstände der RAF-Gefangenen am 18.Oktober 1977 in dem Isolationstrakt von Stammheim unaufgeklärt sind.

Denn in der Tatort-Fiktion war offen geblieben, ob sich die Gefangenen das Leben nahmen, vielleicht unter Aufsicht des Staates, oder ob sie ermordet wurden. Deshalb haben sich sofort die Bild-Zeitung und Stefan Aust zu Wort gemeldet und behauptet, in dem Tatort werde RAF-Propaganda verbreitet.

Die Bild-Zeitung bleibt da ihrer Linie treu. Sie hatte ja bereits vor über 40 Jahren Heinrich Böll und andere linksliberale Intellektuelle zu RAF-Sympathisanten erklärt. Und der öffentlich-rechtliche RAF-Erklärer Stefan Aust fürchtet um seine Deutungshoheit für die Geschichte der RAF und der Ereignisse in Stammheim, wenn plötzlich auch über die Widersprüche zu der Version der Stammheimer Todesnacht diskutiert würden, die Aust ja immer vertreten hat.

Der Publizist Willi Winkler hingegen weist Austs Vorwürfe in einem Interview im Deutschlandfunk zurück. Zu Aust erklärt Winkler nur knapp:

Naja, soll ich mich jetzt wirklich zu Herrn Aust äußern? Der hat seine Karriere auf dem Mythos RAF aufgebaut. Und er hat die Vorlage geliefert für den Baller-Film „Der Baader Meinhof Komplex“. Also: Wer ist er, um das zu sagen?

Willi Winkler

Obwohl er selbst an die Selbstmordversion glaubt, ist sich Winkler der vielen unaufgeklärten Widersprüche der Geschehnisse am 18.10.1977 in Stammheim bewusst. Er fordert von den staatlichen Stellen Transparenz und sieht in der Diskussion nach der Tatort-Fiktion etwas Positives:

Wenn das jetzt Anlass dazu gibt, dass man die vorhandenen Akten offenlegt – nach 40 Jahren wäre das ja möglich, es wurde ja ausführlich die Geschichte eines V-Mannes behandelt, und es gab mehrere – das wäre doch kein schlechter Effekt, wenn die jetzt veröffentlicht werden müssten. Dann hätte es auch was Gutes.

Willi Winkler

Tatsächlich könnte die Diskussion nach dem Tatort auch jüngeren Leuten deutlich machen, wie viel an den Geschehnissen vor 40 Jahren noch ungeklärt ist. Ein Nachgeborener, der seit Jahren dazu forscht, ist der IT-Spezialist Helge Lehmann, der 2011 seine Rechercheergebnisse in einem Buch unter dem Titel „Die Todesnacht von Stammheim“ herausgegeben hat (vgl. dazu Helge Lehmann über blinde Flecken und Widersprüche. Zum vierzigsten Jubiläum der Ereignisse hat kaum jemand darauf Bezug genommen.

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Warum der weltgrößte Schlammvulkan weiterspeit

Schlammvulkan Lusi auf Java speit zehntausende Kubikmeter Schlamm täglich und hat bereits 60.000 Menschen vertrieben. © American Geophysical Union
Nicht zu stoppen: Der Schlammvulkan „Lusi“ auf Java ist seit elf Jahren unaufhörlich aktiv – jeden Tag stößt er zehntausende Kubikmeter Schlamm aus. Warum diese Eruption nicht aufhört, haben Forscher jetzt herausgefunden. Demnach ist der Schlammvulkan über unterirdische Gänge mit einem nahen Vulkankomplex verbunden. Über diese strömen Magma und heißes Wasser ins schlammige Sediment des Lusi und halten die Eruption in Gang – wahrscheinlich noch über Jahre hinaus.

scinexx

Es begann am 29. Mai 2006: In der Nähe einer Testbohrung im Osten Javas schoss plötzlich eine 50 Meter hohe Schlammfontäne aus dem Boden – und hörte seither nicht mehr auf. Täglich speit der Schlammvulkan rund 80.000 Kubikmeter sauerstoffarmes, organisches Sediment, das alles Leben im nahen Umkreis erstickt und Teile umliegender Orte unter einer 40 Meter dicken Schicht begraben hat. Alle Versuche, die Eruption zu stoppen oder wenigstens einzudämmen waren bisher vergeblich.

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Peschmerga fühlen sich verraten

Die Kurden fühlen sich von allen im Stich gelassen: Irakische Truppen rücken in das Zentrum der Ölstadt Kirkuk ein, wo sie den Sitz des Gouverneurs, Militäranlagen und ein Ölfeld besetzt haben. (Foto: Ahmad al-Rubaye/AFP)
  • Die irakischen Regierungstruppen haben mehrere Gebiete rund um Kirkuk eingenommen und damit die Peschmerga von dort vertrieben.
  • US-Präsident Donald Trump erklärte, in dem Konflikt neutral bleiben zu wollen – und auch die Bundeswehr unterstützt die Peschmerga vorerst nicht mehr.
  • Die kurdischen Kämpfer fühlen sich deshalb im Stich gelassen.

Von Paul-Anton Krüger, Mike Szymanski | Süddeutsche.de

Übersetzt heißt Peschmerga „die dem Tod ins Auge sehen“ – furchtlos sollen sie sein, die kurdischen Soldaten. Doch am Montag weinten etliche von ihnen vor Fernsehkameras. Aus Wut und Enttäuschung. Sie waren weitgehend kampflos zurückgewichen vor schiitischen Milizen und regulären irakischen Einheiten, die nach Kirkuk marschierten. Bei anfänglichen Gefechten sollen etwa 30 Menschen getötet worden sein, die Schiiten-Milizen sollen später in Kirkuk weitere Peschmerga ermordet haben.

Einige einflussreiche Kommandeure der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) aber hatten ihren Männern den Abzug befohlen. Den Einheiten des Regionalpräsidenten Massud Barzani und seiner Demokratischen Partei Kurdistans (DPK) blieb nichts, als es ihnen gleich zu tun. Die Front war zusammengebrochen.

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Befreier von Raqqa nehmen hunderte IS-Kämpfer gefangen

foto: reuters/erik de castro Die kurdisch-arabische Allianz zieht in Raqqa ein.
Nach Angaben des US-Militärs haben sich zahlreiche ausländische Milizionäre ergeben – Nun muss Stadt von Sprengfallen gesäubert werden

derStandard.at

Im Zuge der Befreiung der syrischen Stadt Raqqa von Jihadisten haben sich nach US-Angaben hunderte IS-Kämpfer den gegnerischen Streitkräften ergeben. Rund 400 Kämpfer der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) hätten sich in den vergangenen Wochen der kurdisch-arabischen Allianz Syrische Demokratische Kräfte (SDF) ergeben, sagte der Sprecher der US-geführten Anti-IS-Koalition, Ryan Dillon.

Der Großteil dieser Jihadisten – rund 350 – hätten sich in den vergangenen Tagen ergeben. Unter ihnen seien „einige bestätigte ausländische Kämpfer“. Diese seien in Gewahrsam genommen worden. Auf die US-Soldaten in Raqqa komme nun noch viel Arbeit zu, fügte der in Bagdad ansässige Militärsprecher am Dienstag hinzu. So müsse die Stadt von den während der Kämpfe zurückgelassenen Sprengsätzen befreit werden.

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Weitere Geheimdokumente zur Kuba-Krise freigegeben

55 Jahre nach den dramatischen Tagen auf Kuba veröffentlicht das National Security Archive Akten des Pentagons, welche dieses Jahr freigegeben wurden. Das nun bekannte Material betrifft vor allem Planungen der Militärs für eine Besetzung Kubas. Projektiert wurde der Abwurf von Flugblättern, in denen man die Bevölkerung zum Zuhausebleiben auffordern wollte. Alles, was sich bewege, werde als Ziel bewertet.

Von Markus Kompa | TELEPOLIS

Während der Kuba-Krise war die Lage vor allem deshalb so gefährlich, weil Militärs und Geheimdienste schlicht und ergreifend keinen Überblick über die Vorgänge auf der Insel und das bereits dort befindliche nukleare Potential hatten. So hatten die Sowjets auf den US-Stützpunkt Guantanamo Bay ein atomar bestückter Kurzstreckenflugkörper gerichtet. Diese neuen Freigaben enthalten keine sensationellen Erkenntnisse, ergänzen jedoch die Quellenlage insbesondere hinsichtlich der Mentalität der Strategen im Pentagon.

Spannend ist vor allem ein Plan, Kuba fälschlicherweise der Verletzung internationalen Rechts zu bezichtigen, was die USA zum bewaffneten Konflikt mit den kubanischen Streitkräften nötige.

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