Archiv der Kategorie: Medien

Katholen-Extremismus, Menschenfeinlichkeit, Homosexualität und Todesstrafe

Vitus Huonder am Freitag in Fulda. Katholische Web- und TV-Sender übertrugen den Kongress live in die ganze Welt. Bild: Screenshot bonifatius.tv
Bei einem katholischen Kongress in Fulda lieferten sich Hedwig von Beverfoerde und zwei Bischöfe ein Wettrennen um die homophobste Hetze.


Von Norbert Blech|QUEER.DE

“Ehe und Familie – gottgewollter Auftrag und Weg zum Glück” – so lautet in diesem Jahr das Motto des dreitägigen Kongresses des Forums Deutscher Katholiken in Fulda, der schon in den letzten Jahren durch homophobe Äußerungen und Initiativen aufgefallen war (queer.de berichtete). Für 2015 war anhand von Motto und Rednerliste zu befürchten, dass der Kampf gegen LGBT-Rechte und eine Vernetzung der entsprechenden Akteure an erster Stelle stehen würden (queer.de berichtete). Es sollte dann bereits am ersten Tag noch viel schlimmer kommen als erwartet.

So schien sich Vitus Huonder aus dem schweizerischen Chur Gedanken gemacht zu haben, wie man homophobe Hetze so verpacken kann, dass sie einerseits deutlich und andererseits nicht angreifbar sein könnte, zumindest juristisch. Die naheliegende Lösung: Ein Referat entlang von Bibelstellen.

Zwei davon fand er bei Levitikus. Eine oft gehörte, aber zumindest in Deutschland kaum noch offiziell zitierte aus dem Alten Testament (Lev 18,22): “Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; das wäre ein Gräuel.” Als der Bischof im März in seiner Heimat das Wort “Gräuel” in einer Predigt in diesem Zusammenhang nutzte, hatte ihm das einige öffentliche Empörung über diese Abwertung eingebracht (queer.de berichtete).

Davon ließ er sich offensichtlich nicht beeindrucken und schob am Freitag in Fulda noch die Langfassung des Zitats hinterher (Lev 20,13): “Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben.”

Die Bibel lege hier die “göttliche Ordnung” dar, so Huonder in seiner Auslegung der zwei Bibelstellen. Direkt im Anschluss meinte er zur “gleichgeschlechtlichen Praxis”, die “zitierten Stellen” würden “genügen, um der Frage der Homosexualität aus der Sicht des Glaubens die rechte Wende zu geben”. Dafür erhielt er großen Applaus der bis zu 1.000 Teilnehmer des Kongresses.

weiterlesen

Apostel Algermissen: Verkündigung der Kirche ‘ein Stück weit krank’

Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen hält Selbstkritik nach dem neuen Rekordstand bei den Kirchenaustritten in Deutschland für geboten


kath.net

democraticunderground.com
democraticunderground.com

Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen hält Selbstkritik nach dem neuen Rekordstand bei den Kirchenaustritten in Deutschland für geboten. Es gebe genügend Analysen zur Glaubens- und Gotteskrise, aber bisher sei es der Kirche noch nicht gelungen, die geeignete Medizin zu finden, sagte Algermissen der Würzburger «Tagespost» (Samstag). «Ich bin überzeugt, auch unsere Verkündigung ist ein Stück weit krank», fügte er hinzu. Sie müsse reformiert werden. «Der Grundwasserspiegel des Glaubens war noch nie so tief wie im Augenblick.»

weiterlesen

Mehr als die Eifel liebt Andrea Nahles nur Jesus

Die mächtigste Frau, die es je in der SPD gab, kämpft gegen ihr Image der regulierungswütigen Linken und erteilt auf ihrer Sommerreise Managern Lehreinheiten. Kraft gibt ihr die Heimat und der Glaube.


Von Uwe Schmitt|DIE WELT

Andrea_NahlesSturmwolken ziehen über Ludwigsburg, als die Manager von BorgWarner beginnen, nervös ihre Armbanduhren zu befragen. Als die Ministerin eine halbe Stunde zu spät bei dem Autozulieferer aus ihrem Dienst-Audi steigt, begegnen ihr die Herren mit der vorsichtigen Eilfertigkeit, die sich bei Erbtanten empfiehlt.

Man muss sie nicht lieben, aber auskommen muss man mit Andrea Nahles. Und gegen Beihilfen vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat man notfalls auch nichts einzuwenden.

Fröhlich stürmt Nahles an der Spitze ihrer Entourage und eines knappen Dutzends Presseleute in den Betrieb und entwaffnet Manager wie Arbeiter in der Fertigungshalle mit ihrem besten Trick: Sie wirkt so einig mit sich und ihrer Rolle, sie will sich und andere so offenkundig nicht langweilen mit Besichtigungsroutine, dass ihre Gastgeber sie bald wie eine Kundin umschwärmen.

weiterlesen

Wer zuerst lacht, wird erschossen

Das Vermächtnis von Charb, des ermordeten Chefredakteurs von »Charlie Hebdo«: die Streitschrift »Brief an die Heuchler«


Von Thomas Blum|ND

charlie_hebdo

»Religion ist wie ein Penis. Es ist in Ordnung, einen zu haben. Aber man sollte damit nicht denken.« Diese Empfehlung, die vor einiger Zeit in den sogenannten sozialen Netzwerken kursierte, möchte man vor allem all jenen Männern geben, die nicht damit aufhören können, in der Öffentlichkeit ständig stolz ihre Religion hin- und herzuschwenken, und außer ihr nichts mehr im Kopf haben.

Religiöse Spinner, vom erzreaktionären katholischen Fundamentalisten bis zum islamistischen Gotteskrieger, haben oft Schwierigkeiten zu akzeptieren, dass den Wahn, dem sie anhängen, nicht alle anderen uneingeschränkt teilen möchten. Und wer es, im Dienst der Aufklärung, wagt, sich über sonderbare religiöse Zwangsvorstellungen, Praktiken oder Rituale von Gläubigen lustig zu machen, bekommt nicht selten den Unmut der religiösen Fanatiker zu spüren.

weiterlesen

Polizist von acht Personen eingekesselt und brutal verprügelt

Ein Bild vom Polizeieinsatz während der Anti-Islam_Demo in Frankfurt. © Archiv: dpa
Bereits am 20. Juni wird ein Zivilbeamter eingekesselt und verprügelt. Erst heute geht die Polizei damit an die Öffentlichkeit.


op-online.de

Der Fall liegt schon über einen Monat zurück, erst heute berichtet die Frankfurter Polizei aber im Detail darüber: So wurde laut Angaben der Beamten vor der am 20. Juni stattfindenden Anti-Islam-Demo in Frankfurt ein Polizist brutal verprügelt und schwer verletzt. Der Zivilbeamte soll sich zusammen mit einem weiteren Kollegen in der Taunusanlage befunden haben, als plötzlich acht vermummte Personen die Beamten attackierten. Die Täter trennten den Zivilbeamten räumlich von seinem Kollegen, hielten ihn fest und schlugen mehrfach auf dessen Kopf und Gesicht ein. Dabei erlitt der Mann eine stark blutende Platzwunde am Kopf, die in einem Krankenhaus behandelt werden musste. Sein Kollege blieb unverletzt.

weiterlesen

Chaos in Zentralafrika: Christen zwingen Muslime zu konvertieren

Christliche Anti-Balaka-Milizen gehen grausam gegen die muslimische Minderheit im Land vor und hindern sie an der Ausübung ihrer Religion. (Foto: imago/Kyodo News)
Nach einer kurzzeitigen Machtübernahme durch die Seleka-Rebellen 2013 herrscht in der Zentralafrikanischen Republik ein Religionskonflikt. Inzwischen verbreiten christliche Milizen Angst und Schrecken und unterdrücken die Muslime im Land.


n-tv

Muslime in der Zentralafrikanischen Republik sind von christlichen Milizen dazu gezwungen worden, ihren Glauben aufzugeben oder sogar zum Christentum zu konvertieren. Dies geht aus einem Bericht von Amnesty International hervor. Muslime, die im Westen des Landes in ihre mittlerweile von Christen kontrollierten Heimatgebiete zurückgekehrt seien, dürften oftmals nicht mehr öffentlich ihre Religion ausüben. Es habe auch Todesdrohungen gegeben, hieß es.

Das christlich geprägte Land versinkt im Chaos, seit muslimische Seleka-Rebellen im März 2013 kurzzeitig die Macht an sich gerissen hatten. Seither wütet ein blutiger Konflikt, der vor allem religiöse Hintergründe hat.

weiterlesen

Mr. Spock im Vatikan

Also wenn eines in diesem Universum klar ist, dann ja wohl dieses: Leg dich nicht mit einem Raumschiffkapitän an. Vor allem nicht mit James T. Kirk, Befehlshaber der “U.S.S. Enterprise”.


Von Christina Böck|WIENER ZEITUNG

Leonard Niemoy, Bild. FB
Leonard Niemoy, Bild. FB

Das hat in dieser Woche der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Ted Cruz verspüren müssen. Er hat in einem Interview Kirk und seinen Kapitänsnachfolger Jean-Luc Picard politisch analysiert: “Kirk ist Arbeiterklasse, Picard ist Aristokrat. Kirk ist ein leidenschaftlicher Kämpfer für Gerechtigkeit, Picard der nachdenkliche Philosoph.” Während der Picard-Darsteller, der an sich auch nicht maulfaule Patrick Stewart, “seinen” Käpt’n unkommentiert als Schwachmatiker bezeichnen ließ, war das William Shatner alias Kirk nicht möglich. Er erklärte: “Ein geozentrisches Etikett an interstellare Rollen zu heften, ist dumm.”

weiterlesen

Kampf um Deutungshoheit: Menschenwürde und Humanität

Freiburger Historiker Leonhard: Entgrenzte Gewalt und Inhumanität in Kriegen des 20. Jahrhunderts ist Folge der Entwicklungen seit der Aufklärung – Erlangener Religionswissenschaftler Nehring: Religion wichtiger Faktor im Ringen um Menschenwürde


kathweb
jesus_schaukel Mit Reflexionen zu den historischen Kampfplätzen, auf denen um Humanität und Menschenwürde gleichermaßen gerungen wurde und gerungen wird, ging die heurige “Salzburger Hochschulwoche” am in ihre Zielgerade. Am Sonntag, 2. August, wird die traditionsreiche Veranstaltungsreihe, die heuer unter dem Motto “Prekäre Humanität” steht, mit einem Festgottesdienst mit Erzbischof Lackner und einem akademischen Festakt an der Universität Salzburg enden. Zuvor skizzierten der Freiburger Historiker Jörn Leonhard und der Erlangener Religionswissenschaftler Andreas Nehring am Freitag, wie es zu den dramatischen Entgrenzungen von Gewalt und Inhumanität in den Kriegen im 20. Jahrhundert kommen konnte und wie zugleich Religion selbst heute noch ein Faktor im Ringen um Menschenwürde sein kann.

Wer verstehen möchte, was historisch betrachtet den “prekären Charakter der Humanität” ausmacht, der muss laut Leonhard die Verbindungen von Gewalt und Humanität analysieren, die es in der Geschichte seit der Französischen Revolution 1792 immer wieder in unterschiedlichen Konstellationen und aus unterschiedlichen Motiven gegeben habe. So zeige der Blick in die Geschichte, dass “die Berufung auf Humanität und Werte eine entscheidende Rolle für die Rechtfertigung von Gewalt” gespielt habe und zugleich auch eine Mitschuld an der “Totalisierung der Gewalt” im 20. Jahrhundert trage.

weiterlesen

Astronomen finden erdnächste Supererde

So könnte die nahe Supererde HD 219134b aussehen © NASA/JPL-Caltech
Nur einen Katzensprung – astronomisch gesehen – ist die nächste Supererde von uns entfernt. Der Exoplanet HD 219134 liegt 21 Lichtjahre weit weg und ist nur 1,6 mal so groß wie die Erde. Damit bietet diese Supererde einzigartige Chancen, solche Gesteinsplaneten näher zu erforschen. Astronomen bezeichnen ihn sogar als “Rosetta-Stein für die Supererden-Forschung”.


scinexx

Supererden sind zwar etwas größer als die Erde, bestehen aber ebenfalls größtenteils aus Gestein. Das bedeutet, sie würden Organismen eine feste Oberfläche zum Leben bieten. Bisher allerdings liegen die meisten dieser Gesteinsplaneten zu weit weg, um sie näher studieren zu können. Immerhin relativ nah liegt die Supererde 55 Cancri e. Der nächste bekannte Exoplanet, GJ674b, ist zwar nur 14,8 Lichtjahre entfernt, seine Zusammensetzung ist aber unbekannt.

weiterlesen

“Landesverrat”: Maas wacht ein bisschen auf…

Harald_Range

… und rüffelt Runge. Der Justizminister äußert öffentlich Zweifel daran, ob es sich bei den im Blog Netzpolitik veröffentlichten Dokumenten um ein Staatsgeheimnis handelt


Von Thomas Pany|TELEPOLIS

Ist wenigstens der Generalbundesanwalt Runge noch bei politischem Verstand in der Affäre, die dem Justizministerium über den Kopf zu wachsen drohte (Maaßens Landesverrat 2.0)? Dies suggeriert die Überschrift der FAZ-Top-Meldung von heute Nachmittag: “Generalbundesanwalt stoppt Ermittlungen gegen Journalisten – vorerst”.

Schaut man sich den Artikel genauer an und dazu die Reaktion des Netzpolitik.org-Betreibers Markus Beckedahl, so verflüchtigt sich die Erleichterung. Dass Runge zurückrudern würde, stimmt nicht. Von Anfang an, so die SZ, hieß es vonseiten der Generalbundesanwaltschaft, dass erst ein Gutachten klären müsse, “ob es sich bei den Veröffentlichungen tatsächlich um preisgegebene Staatsgeheimnisse handelt”.

Beckedahl wähnt denn auch in der Nachricht eine “mögliche Nebelkerze”. Darauf weise schon das Wort “vorerst” hin. Damit bleibe die massive Einschüchterung – Journalisten werden Gefängnisstrafen für die Veröffentlichung von Dokumenten angedroht – bestehen. Zum anderen sei die Vorgehensweise an sich sonderbar. Eben so, als ob sie zuerst auf Einschüchterung setzt, bevor man die Vorwürfe prüft:

weiterlesen

 

Saudi-Arabien ist ein falscher Freund

Der Westen setzt auf Saudi-Arabien. Immerhin ist das Land der weltgrößte Exporteur von Öl und wichtiger Käufer westlicher Waffen. Doch die Monarchie gängelt ihre eigene Bevölkerung, verhängt drakonische Strafen und exportiert fundamentalistischen Islam


Von David Gardner|Cicero

US-Außenminister John Kerry und der saudische Prinz Saud Al-Faisal bei einer Pressekonferenz im März 2015 in Riyadh. picture alliance

Abdullah, der Ende Januar verstorbene saudische König, wird über seinen Tod hinaus für seine zaghaften Reformschritte geschätzt. Doch auch er regierte brutal, wie es im Königshaus Saud Tradition ist. Und er stellte das Volk mit Wohltaten ruhig. Vor vier Jahren etwa überschüttete er seine Untertanen mit königlicher Großzügigkeit: 36 Milliarden Dollar an Gehaltserhöhungen, zur Entschuldung und als Startkapital für Unternehmensgründungen, ließ er an die saudische Bevölkerung auszahlen.

Die arabischen Aufstände, die gerade Zine al Abidine Ben Ali in Tunesien und Husni Mubarak in Ägypten gestürzt hatten, hatten auch in Saudi-Arabien Hoffnung aufkeimen lassen, Abdullah würde Reformen vorantreiben. Vergeblich. Er ließ eine weitere königliche Finanzspritze folgen. Diesmal waren es fast 100 Milliarden Dollar. Der Großteil floss in den Wohnungsbau für Niedrigverdiener. Mit großen Summen wurden aber auch die Sicherheitskräfte bedacht, darunter die berüchtigte Religionspolizei, die Mutawa. Auf nicht weniger dunklen Kanälen flossen Hunderte Millionen Dollar in die religiösen Stiftungen des wahhabitischen Klerus.

weiterlesen

Castellammare di Stabia: Exorzismus aus dem Hubschrauber

Panorama von Castellammare di Stabia, im Hintergrund der Vesuv. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 2.5
Von einem Hubschrauber aus wurde ein Exorzismus über einen ganzen Ort durchgeführt. Das ungewöhnliche Ereignis fand in Italien statt. Damit sollte das Böse aus dem Ort „ausgetrieben werden“. In der Gemeinde Castellammare di Stabia waren in der jüngsten Vergangenheit mehrere Kirchen profaniert, religiöse Darstellungen zerstört und Gräber geschändet worden.


Katholisches Magazin für Kirche und Kultur

„Der Satan hat diesen Ort übernommen“, zitieren Medien die Unruhe, die sich in der Bevölkerung ausbreitete. Castellammare di Stabia liegt im Golf von Neapel unweit der gleichnamigen Stadt. Mit ihren knapp 65.000 Einwohnern ist Castellammare di Stabia wegen der großen Werften und den Stränden mit dem bilderbuchhaften Blick auf den Vesuv bekannt.

weiterlesen

Misereor: Tausende Jesiden leben noch immer im Sindschar-Gebirge

Ein Jahr nach der Vertreibung Tausender Jesiden im Nordirak durch die Miliz “Islamischer Staat” (IS) harren nach Angaben des Hilfswerks Misereor noch mehr als 10.000 Flüchtlinge im Sindschar-Gebirge aus.


evangelisch.de

Pfau-Engel der Jesiden
Pfau-Engel der Jesiden

Die Versorgungslage sei angespannt, erklärte das katholische Hilfswerk am Freitag in Aachen unter Berufung auf seine Partnerorganisation “Jiyan Foundation”, die mehrere Flüchtlingslager im Nordirak betreut. Ihr Leiter Salah Ahmad warnte, die Lage drohe sich durch die jüngste Konfrontation zwischen der türkischen Regierung und der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) weiter zu verschärfen.

“In diesem Sommer wurde das Wasser zeitweise äußerst knapp, es gab sehr wenige Reserven”, berichtete Ahmad. Die Flüchtlinge litten unter Temperaturen über 40 Grad. Eine große Herausforderung sei auch die medizinische und psychologische Betreuung der oftmals schwer traumatisierten Menschen.

Vatikan-Astronom: Aliens? Warum nicht. Zweiter Jesus? Nein. Bullshit? Ja.

Außerirdische sind aus theologischer Sicht kein Problem, sagt der Chef-Astronom des Vatikans. Dass wir ihnen eines Tages gegenüberstehen, hält José Funes aber für unwahrscheinlich.


SpON

José Gabriel Funes, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

José Funes ist ein pragmatischer Mann. Für den Chefastronomen des Vatikans schließen sich der Glaube an Gott und die Existenz außerirdischer Lebensformen nicht aus. Der aus Argentinien stammende Forscher ist Jesuit wie Papst Franziskus. Außerdem leitet er die im Apostolischen Palast in Castel Gandolfo untergebrachten Sternwarte des Vatikans, eine Außenstelle gibt es auch in der Nähe von Tucson (US-Bundesstaat Arizona). Das selbst erklärte Ziel der Sternengucker: zu beweisen, dass sich Naturwissenschaft und Religion nicht ausschließen. So ist auch Funes zugleich studierter Theologe und Astronom.

weiterlesen

Asiatische Tigermücke überwintert erstmals bei uns

Die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus beim Blutsaugen © CDC
Vom Sonderfall zum Dauergast: Die ersten Asiatischen Tigermücken haben es geschafft, bei uns heimisch zu werden. In Süddeutschland hat die eingeschleppte Mückenart erstmals überwintert und sich vor Ort vermehrt. Dies könnte auf eine dauerhafte Ansiedlung hindeuten, meinen Forscher. Die als Überträger des Denguefiebers und anderer Krankheiten bekannte Mücke wurde bisher nur vereinzelt einschleppt, könnte sich aber dank des Klimawandels bald schon in größerer Zahl bei uns halten.


scinexx

Vorausgesagt ist es schon länger: Schon vor drei Jahren warnten Forscher, dass sich die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) bald auch in Deutschland dauerhaft ansiedeln könnte. Denn dank des Klimawandels werden die Winter milder, so dass die ursprünglich aus den Tropen stammende und damit kälteempfindliche Mücke hier überwintern kann. Bisher wurde die Tigermücke meist nur vereinzelt aus dem Süden eingeschleppt, konnte sich aber nicht halten.

Das jedoch hat sich nun geändert. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hatte bereits im letzten Herbst zum ersten Mal eine Vermehrung der invasiven Stechmückenart in Deutschland festgestellt. Vor wenigen Wochen wurden nun erneut Eier, Larven, Puppen und ausgewachsene Exemplare der Asiatischen Tigermücke im Osten Freiburgs gefunden.

weiterlesen

Neuer Anlauf: Test mit gentechnisch veränderten Olivenfliegen in Spanien

Die britische Firma Oxitec hat in Spanien erneut einen Freilandversuch mit gentechnisch veränderten Olivenfliegen beantragt. Ein spezielles Genkonstrukt soll die Vermehrung der Schädlinge unterbinden und so die Population drastisch reduzieren. Dieses Konzept wird bereits bei anderen schädlichen Insekten angewandt, etwa bei der Tickermücke, welche die Erreger des Dengue-Fiebers überträgt. Wenn die spanischen Behörden den Antrag genehmigen, wäre es der erste Freisetzungsversuch mit gentechnisch veränderten Tieren in Europa. – Die Fliege führt derzeit zu erheblichen Ertragsverlusten im Olivenanbau und wird intensiv mit Insektiziden bekämpft.


transGen.de

Die Olivenfliege ist der am meisten gefürchtete Schädling im Olivenanbau. Sie legt ihre Eier in die reifenden Früchte. Die Maden fressen das Fruchtfleisch der Oliven. Lorraine Graney, Bartlett Tree Experts, Bugwood.org

Im Olivenanbau in den Mittelmeerländern müssen regelmäßig große Mengen InsektizideInsektizide gesprüht werden, hauptsächlich zur Bekämpfung der Olivenfliege. Diese Fliege legt ihre Eier auf oder in den Oliven ab und die Larven ernähren sich von dem Fruchtfleisch. Dadurch werden erhebliche Ertragsausfälle verursacht.

Eine Alternative zum teilweise massiven Insektizideinsatz wurde von der britischen Firma Oxitec entwickelt. Sie hat männliche Olivenfliegen gentechnisch so verändert, dass sie ein Gen tragen, das bei weiblichen Fliegen zum Tod führt. Es ist mit einer DNADNA-Sequenz gekoppelt, die bewirkt, dass es nur in weiblichen Organismen abgelesen wird. Dort sorgt es dafür, dass sich ein bestimmtes ProteinProtein im Körper ansammelt, das in zu hohen Mengen tödlich wirkt.

weiterlesen

Apostel verurteilt „Gender-Mainstreaming“ scharf

Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen ©DPA
Der Fuldaer Bischof Algermissen hat in harschen Worten die Gleichmacherei der Geschlechtsunterschiede kritisiert. Diese Ideologie widerspreche den katholischen Werten von Ehe und Familie.


Frankfurter Allgemeine

Als eine Ideologie, die der Wirklichkeit und der Integrität der menschlichen Natur völlig entgegenstehe, hat der Fuldaer katholische Bischof Heinz Josef Algermissen den sogenannten Gender-Mainstreaming verurteilt. Die Gender-Strategen unter den Politikern ließen nicht locker und wollten die substantiellen Unterschiede zwischen den Geschlechtern auflösen, kritisierte der Bischof am Freitag im Fuldaer Dom. Dadurch werde dass christlich-jüdische Werte- und Menschenbild auf dramatische Weise bedroht.

Algermissen äußerte sich in einem Gottesdienst zur Eröffnung des bis Sonntag dauernden 15. Kongresses „Freude am Glauben“ des Forums Deutscher Katholiken. Dieses versteht sich als ein lockerer Zusammenschluss „papst- und kirchentreuer Katholiken“.

Der diesjährige Kongress steht unter dem Leitwort „Ehe und Familie – gottgewollter Auftrag und Weg zum Glück“. Für das dreitägige Treffen rechnet das Forum mit bis zu 1500 Teilnehmern.

weiterlesen

„Als ich Europa bereiste, umfuhr ich Deutschland absichtlich“

© Max Tholl
Daniel Libeskind hat dem jüdischen Leben in Deutschland ein Museum gebaut. Der Architekt spricht mit Max Tholl über Heimat, Abwesenheit als sein zentrales Motiv und erklärt, warum selbst Nazi-Architektur ihre Berechtigung hat.


The European

The European: Herr Libeskind, viele Ihrer Bauprojekte haben einen sehr geschichtsträchtigen Hintergrund – allen voran das neue World Trade Center in New York oder das Jüdische Museum in Berlin. Verspüren Sie beim Planen solcher Gebäude eine besondere Verantwortung?
Libeskind: Alles ist geschichtsträchtig, selbst ein unbebautes grünes Feld. Ich habe gerade in Connecticut auf einer Grünfläche gebaut, und es wäre einfach zu behaupten, es gäbe dort keinen historischen Bezug.

The European: Gab es den?
Libeskind: Ja. Ureinwohner Amerikas lebten einst dort, und daher muss man sich gewissen ethischen Fragen stellen. Es kommt immer drauf an, welche Erinnerungen an einem Ort haften und wie lebendig diese noch sind.

The European: Ein Ereignis wie der 11. September dürfte den Menschen noch besser in Erinnerung sein als die Tötung der amerikanischen Ureinwohner im 19. Jahrhundert, oder?
Libeskind: Ereignisse wie 9/11 werden auch deshalb so stark thematisiert, weil sie an einem Ort stattfanden, den die Menschen gut kennen. Mir geht es aber nicht nur um das Sichtbare dieser Ereignisse, sondern auch um das Unsichtbare. Also nicht nur um die offensichtliche Geschichte, sondern auch um die versteckten Details.

The European: Als Sie das Jüdische Museum gestalteten, ging es Ihnen auch darum, „die Bedeutung des Holocausts physisch und spirituell in das Bewusstsein Berlins zu integrieren“. Ist Ihnen das gelungen?
Libeskind: Das müssen andere beantworten. Aber mir haben oft Politiker und Journalisten berichtet, dass das Museum die Haltung gegenüber dem jüdischen Leben in Berlin zum Positiven verändert hat – mehr als politische Reden im Bundestag oder Zeitungsartikel.

weiterlesen

 

Aufklärung ist ein arabisches Wort

Gefährdeter Sieg. Nur in Tunesien (hier eine Szene von 2011) war der Arabische Frühling erfolgreich. Doch auch nach der Revolution wird noch gefoltert. – Foto: AFP
Was hat die Philosophie mit dem Arabischen Frühling zu tun? In Kassel diskutierten nordafrikanische und deutsche Denkerinnen über das Erbe der Diktaturen und verschiedene Lesarten der Vernunft.


Von Andrea Dernbach|DER TAGESSPIEGEL

Tanwir heißt Aufklärung. Vor mehr als 20 Jahren, lange bevor Syrien im Krieg in Schutt und Asche fiel und Ägypten seinen kurzen, brutal erstickten demokratischen Aufbruch erlebte, wurde in beiden Ländern um diesen Begriff gestritten. Wem gehört die Aufklärung? Die Frage war in beiden Ländern die gleiche, nicht aber die jeweiligen Kontrahenten. In Ägypten reklamierten säkulare, zugleich staatsfromme Intellektuelle Tanwir für sich – gegen die Ansprüche muslimischer Vordenker. In Syrien besetzten Oppositionelle den Begriff, um Regimekritik zu üben, in den engen Grenzen, die der Repressionsapparat des Assad-Clans gezogen hatte. Muslimische Intellektuelle gab es kaum in Syrien; das Regime hatte die meisten in den achtziger Jahren ermordet. In Mubaraks Ägypten wiederum wurden Islamisten zwar politisch unterdrückt, hatten aber freie Hand, die Gesellschaft zu islamisieren.

weiterlesen

Religionskritik: Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit

Image. Sam Harris The Blog
Image. Sam Harris The Blog
Warum kämpfen die Menschen im Westen nicht für ihre Freiheit? Warum entwickeln sie keine Leidenschaft für Werte der Aufklärung? Dies fragt Carlo Strenger in seinem Essay “Zivilisierte Verachtung”. Der Psychologie-Professor aus Tel Aviv warnt: Wenn die Fähigkeit verloren geht, die eigene Lebensform zu verteidigen, ist der Weg frei für Rückwärtsgewandte.


Carlo Strenger im Gespräch mit Andreas Main|Deutschlandfunk

Andreas Main: Ein “schöner Essay”, schreibt die Süddeutsche Zeitung, ein “leidenschaftlicher Essay”. Geschrieben hat ihn Carlo Strenger, geboren 1958 in der Schweiz und auch dort aufgewachsen. Carlo Strenger ist Psychologie-Professor an der Universität Tel Aviv. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und schreibt regelmäßig für den britischen Guardian und Israels führende linksliberale Zeitung Haaretz. Carlo Strenger ist einer der prononciertesten regierungskritischen Stimmen in Israel. Das muss man wissen, wenn man seinen Essay liest, der im Frühjahr bei Suhrkamp erschienen ist. Der Titel: “Zivilisierte Verachtung. Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit.” Mit Carlo Strenger habe ich vor dieser Sendung gesprochen. Wir sind via Skype verbunden. Hallo, Herr Strenger.

Carlo Strenger: Hallo, Herr Main.

Main: Lassen Sie uns den Untertitel Ihres Buches ernst nehmen: Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit. Damit Sie uns wirklich anleiten können, muss erst einmal klar sein, worum es geht. Welche Freiheit wollen Sie verteidigt wissen?

Strenger: Ich will die Freiheit verteidigt wissen, die die westliche Welt in den letzten 400 Jahren auf ziemlich schmerzhafte Weise errungen hat. Die Freiheit, zu denken. Nach bestem Wissen und Gewissen zu kritisieren, wo man Kritik üben will. Und die Meinung in Ruhe und ohne Gefahr öffentlich zu äußern. In vielen Teilen der Welt ist es überhaupt keine Selbstverständlichkeit. Ich denke, dass es gute Gründe gibt anzunehmen, dass die westliche Welt – speziell Europa – schon heute, doch sicher noch mehr in der Zukunft, in der nahen Zukunft, immer wieder in der Situation sein wird, in der diese Freiheit verteidigt werden muss.

weiterlesen

de omnibus dubitandum

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 10.536 Followern an

%d Bloggern gefällt das: