Die Taliban in Afghanistan lassen sich nicht stoppen

Die Taliban – hier ein Foto aus dem Juni – erobern immer mehr Territorium.Foto: Parwiz/Reuters
Die Islamisten kontrollieren nun Ghazni in Zentralafghanistan. Der Fall der strategisch wichtigen Stadt verdeutlicht die Sicherheitslage.

Von Agnes Tandler | DER TAGESSPIEGEL

„Unsere Stadt ist abgebrannt, unser Haus ist abgebrannt, wir haben alles verloren“, klagt Fatima im afghanischen Sender Tolo TV. „Was müssen wir tun, damit die Regierung uns hört?“ Tagelange hatte die afghanische Regierung in Kabul erklärt, in Ghazni sei alles unter Kontrolle.

Doch diejenigen Einwohner, die wie Fatima aus der Provinzstadt knapp 150 Kilometer entfernt nach Kabul fliehen konnten, zeichneten ein anderes Bild. Horrorgeschichten einer belagerten Stadt ohne Wasser, Strom und Nahrung, wo Menschen wegen der heftigen Kämpfe Verwundeten nicht ins Krankenhaus bringen können und niemand die Leichen barg, während Taliban-Kämpfer von Haus zu Haus gingen, um jeden zu erschießen, der auch nur unter Verdacht stand, auf Seiten der Regierung zu sein.

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Russland unterstützt die Türkei im Streit mit den USA

Russlands Aussenminister Sergei Lawrow und sein türkischer Amtskollege Mevlut Cavusoglu bei ihrem Treffen in Ankara. (Bild: Burhan Ozbilici / AP)
Nach neuen Sanktionen und Strafzöllen haben Russland und die Türkei gemeinsam die Politik der USA scharf kritisiert. «Diese Politik darf nicht fortgesetzt werden», sagte der russische Aussenminister Sergei Lawrow bei einem Besuch in Ankara.

Neue Zürcher Zeitung

«Wir sehen die Verschärfung von Sanktionen als nicht legitime Politik», sagte Lawrow. Die USA wollten den Ton in internationalen Angelegenheiten ohne Abstimmung mit anderen Staaten vorgeben. In der vergangenen Woche hatte Washington sowohl Strafmassnahmen gegen Moskau als auch gegen Ankara verhängt. Im Fall der Türkei verdoppelte Präsident Donald Trump Strafzölle auf Stahl- und Aluminium-Importe aus der Türkei. Die Lira, die seit Monaten schwächelt, ging daraufhin in den freien Fall.

Lawrows türkischer Kollege Mevlüt Cavusoglu forderte während der gemeinsamen Pressekonferenz, dass die «Ära der Schikanen» enden müsse. Die USA würden nur respektiert werden, «wenn sie anderen Ländern und ihren Bedenken zuhören und alle als gleich ansehen».

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Irland: Berichte über Vertuschungsversuche des Vatikan

In Irland wird über den Missbrauchsskandal der 2000er Jahre diskutiert. Damalige Regierungspolitiker werfen dem Vatikan vor, ein Abkommen geplant zu haben, das ihn vor Ermittlungen schützt. Nun meldet sich Primas Diarmuid Martin.

katholisch.de

Der Erzbischof von Dublin und Primas der katholischen Kirche in Irland, Diarmuid Martin, hat nach eigenem Bekunden keine Informationen über angebliche Vertuschungsversuche des Vatikan im Missbrauchsskandal. Anfang der 2000er Jahre soll der damalige Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano nach Medienberichten den irischen Staat um ein spezielles Abkommen gebeten haben. Martin erklärte laut „Irish Times“ vom Montag, er sei von „keiner der beiden Seiten“ über etwaige Absichten oder Absprachen informiert worden. Er unterstrich die Bedeutung eines „transparenten Dialogs zwischen Staat und Kirche“ – bei gleichzeitiger „Trennung von Staat und Kirche“.

Die frühere irische Präsidentin Mary McAleese hatte vergangene Woche in der „Irish Times“ erklärt, Kardinal Sodano habe sie bei einem Staatsbesuch in Italien 2003 zu einem Abkommen überreden wollen. Dieses habe vatikanische und diözesane Dokumente vor Zugriffen des irischen Staates schützen sollen, zum Beispiel bei polizeilichen Ermittlungen in Missbrauchsfällen.

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Wie groß ist das Schuldenproblem der Türkei?

Die Touristen kommen jedenfalls wieder, auch nach Alanya. Bild: Reuters
Die türkische Lira fällt und fällt, die Kurse der Bankaktien sinken ebenfalls. Wie schlimm ist es wirklich? Zahlen der türkischen Notenbank geben Hinweise.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der Kurs der türkischen Lira fällt und fällt – neue Maßnahmen der Notenbankführung können das bislang nicht verhindern. Spätestens seit dem vergangenen Freitag macht immer wieder die Sorge vor einer Währungskrise oder gar einer Finanzkrise des Landes die Runde, zumal sich auch politisch der Tonfall verschärft: Die Vereinigten Staaten haben gegen zwei türkische Minister Sanktionen verhängt, Washington fordert Ankara auf, den amerikanischen Pastor Andrew Brunson freizulassen, Präsident Donald Trump erhöhte den Druck über den Kurznachrichtendienst Twitter und durch neue Zölle. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan droht seinerseits der mächtigen Nato-Führungsmacht.

Fachleute fragen sich seither, wie schlimm es um das Land wirklich steht. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman etwa, der sich wie wenige andere mit Schuldenkrisen auskennt, zieht schon einen Vergleich zur asiatischen Finanzkrise in den neunziger Jahren. Er verweist auf die Schulden, die türkische Industrieunternehmen und Banken im Ausland aufgenommen haben, in ausländischer Währung, in Dollar oder Euro. Genau das ist der aktuelle Kern der Angst.

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Cem Özdemir: Heimat gibt es nicht alleine

Wer seine Heimat mit Stacheldraht schützen will, wendet sich nach den Worten des Grünen-Politikers Cem Özdemir von der Liebe Gottes ab. „Wer den Begriff Heimat benutzt, um sich abzuschotten, hat kein echtes Interesse daran, die Heimat zu schützen“, sagte Özdemir am Sonntag in einem Gottesdienst zum Rockfestival „Open Flair“ in Eschwege.

evangelisch.de

An dem Gottesdienst, der auf einer Bühne außerhalb des eigentlichen Festivalgeländes stattfand, nahmen rund 700 Besucher teil. „Heimat wird nicht weniger, wenn man sie teilt“, wandte sich Özdemir gegen Abgrenzungsversuche. Heimat sei keine statischer Begriff, sondern etwas, das sich verändere. Auch Musik könne Heimat sein. Ebenso könne auch der religiöse Glaube zu Sicherheit und Geborgenheit verhelfen. Wichtig sei vor allem zu verstehen, dass es Heimat nicht allein gebe. Das Open-Flair-Musikfestival ist mit rund 25.000 Besuchern nach eigenen Angaben das größte Musikfestival in Hessen.

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Mit Allah gegen den US-Dollar

Bild: publicdomainpictures.net/CC0
Kurzer Überblick über den geopolitischen und ökonomischen Hintergrund der aktuellen Krise in der Türkei

Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Die Töne werden zunehmend schriller im Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Türkei. Nachdem US-Präsident Donald Trump mittels eines Tweets, in dem er die Verdopplung der US-Strafzölle gegen die Türkei ankündigte, die türkische Lira abstürzen ließ, sprach der türkische Staatschef Erdogan von einem „Wirtschaftskrieg“, der von „außen“ gegen sein Land geführt werde. Dollar, Euro und Gold seien die „Patronen, Kanonen und Raketen“ dieses Krieges, so Erdogan.

Die USA hätten der Türkei „den Rücken zugekehrt“, es gebe eine „Währungsverschwörung“ gegen die Türkei, behauptete Erdogan, der abermals eine Anhängerschaft aufrief, Euro, Dollar und Gold gegen die schwindsüchtige türkische Lira einzutauschen, um den „nationalen Kampf“ zu gewinnen. Dabei appellierte der türkische Präsident an den Nationalismus und die religiöse Identität seiner Gefolgschaft: „Vergesst nicht, wenn sie ihre Dollars haben, dann haben wir unser Volk, unseren Gott.“

Neben der ins Hysterische abdriftenden Rhetorik des Präsidenten bemüht sich aber Ankara – bislang erfolglos – um eine Eindämmung der Währungsturbulenzen. Erdogans Schwiegersohn Berat Albayrak, der inzwischen den Posten des türkischen Finanzministers bekleidet, kündigte ein nicht näher spezifiziertes „Maßnahmenpaket“ an, das die Unabhängigkeit der Notenbank sicherstellen, die zweistellige Inflation bekämpfen, und die überhitzte Konjunktur dämpfen solle.

Bislang haben diese Ankündigungen, die mit dem bisherigen Wirtschaftskurs von Staatschef Erdogan – der sich wiederholt als „Zinskritiker“ outete – brechen würden, keine Erholung des Lirakurses zur Folge gehabt. Die türkische Währung ist massiv abgestürzt. Allein die Ankündigung Trumps, weitere Strafzölle zu erlassen, ließ die Lira um 20 Prozent einbrechen. Das türkische Währungsdesaser wird aus mittelfristiger Perspektive erst voll ersichtlich: Vor einem Jahr konnten die Bürger der Türkei einen US-Dollar für rund 3,5 Lira erwerben, nun sind es rund 6,5 Lira.

Den unmittelbaren Anlass dieser Eskalation zwischen den USA und der Türkei bildete die von Ankara praktizierte Politik inoffizieller Geiselnahmen ausländischer Bürger, um hierdurch politische Konzessionen zu erpressen. In Deutschland war es der Fall des monatelang unter fadenscheinigen Gründen inhaftierten Journalisten Deniz Yücel, der diese Praxis ins Bewusstsein der Öffentlichkeit brachte.

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Katholik Steve Bannon – Kommt der Rechtsruck in Europas Kirchen?

Steve Bannon, Bild: wikipedia.org/CC BY-SA 3.0 – Gage Skidmore

Steve Bannon, der rasputinhafte Stratege, der 2016 den Wahlsieg von US-Präsident Donald Trump ersann, verfolgt neben seiner rechten Netzwerkarbeit in der Politik auch eine kirchliche Agenda.

Thomas Seiterich | katholisch.de

Leidenschaftlich polemisiert der erzkonservative Katholik gegen menschenrechtlich und sozial engagierte Bischöfe und Kirchen. Man sollte hellwach sein und öffentlich darüber berichten, welche Allianzen Bannon schmiedet, wenn er – wie jüngst beim Englandbesuch von Trump – in einem Londoner Hotel Hof hält und praktisch im Stundentakt Rechtsaußenvertreter aus Europa trifft, darunter auch Kirchennahe.

Bannon will, dass die Nationalpopulisten bei der Europawahl im Mai 2019 zu einer der mächtigsten Kräfte werden. Er trennt nicht zwischen Politik und Religion. Kirchen und Parteien sind für ihn lediglich einflussreiche Kräfte, die es zu benutzen oder zu gilt. Er wittert die Verunsicherung in den Kirchen und spürt ihr Potenzial, Steigbügelhalter für die große Wende nach rechts zu werden.

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CSU-Familiengeld: Söder sollte eine Denkpause einlegen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. (Foto: dpa)
Das bayerische Familiengeld sollte vor allem ärmere Familien unterstützen – doch aus Sicht des Bundes ist das gar nicht möglich. Damit entpuppt sich wieder eine von Söders großen Ideen als Luftnummer.

Von Lisa Schnell | Süddeutsche Zeitung

Markus Söders Versprechen war eindeutig: Alle Familien erhalten mehr Geld als bisher. Alle, auch Empfänger von Sozialleistungen. So sagte es Söder in seiner Regierungserklärung, so bekräftigte es die Sozialministerin. Es war ein Versprechen, das Söder nicht halten konnte. Nach Auffassung des Bundesarbeitsministeriums muss das Familiengeld mit Sozialleistungen verrechnet werden. Gerade die Ärmsten gingen damit leer aus.

Damit entpuppt sich wieder eine von Söders großen Ideen als Luftnummer. Ähnlich ging es ihm mit seiner Grenzpolizei. Sie sollte Bayerns Eigenständigkeit demonstrieren, am Ende ist sie nicht mehr als eine Hilfstruppe der Bundespolizei. Söder ist stolz darauf, dass er nicht nur redet, sondern handelt. Er könnte seinen Tatendrang zwischendurch aber auch mal bremsen und eine Pause zum Nachdenken einlegen und diese auch seinen Ministern gönnen.

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Bevölkerung bei der Endlagersuche einbinden

Bild: GNS Gorleben
Der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) will, dass die Bevölkerung bei der Suche nach einem Endlager für den hochradioaktiven Atommüll umfassend einbezogen wird. „Wir wollen ein Verfahren haben, das die Menschen wirklich mitnimmt“, sagte der 80-Jährige dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Göttingen. „Wir wollen, dass die Menschen überzeugt sind, hier wird nicht vorentschieden, sondern es geht einzig und allein um die Frage der Eignung.“

evangelisch.de

Töpfer ist einer von zwei Vorsitzenden des Nationalen Begleitgremiums zur Endlagersuche. Die zurzeit zwölf Mitglieder des Gremiums sollen darauf achten, dass die Öffentlichkeit am Suchprozess beteiligt wird, also betroffenen Bürgerinnen und Bürgern Gehör und Beachtung verschaffen. Das Gremium wird nach der Sommerpause auf 18 Personen aufgestockt.

Bei dem Suchverfahren seien Sorgfalt und Vertrauen wichtiger als ein bestimmter Zeitrahmen. Es gehe deshalb „nicht darum, dass wir einen bestimmten Termin einhalten“, betonte Töpfer: „Es ist wichtig, dass nicht der Fehler gemacht wird, zuerst einen Standortvorschlag zu erarbeiten und dann die Akzeptanz bei der Bevölkerung zu suchen.“

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Österreich: Regierung mit Erlass gegen unkontrollierte Schlachtungen

foto: apa/dpa/mohssen assanimoghaddam Die FPÖ will per Erlass die unkontrollierte Schlachtung von 25.000 Schafen pro Jahr unterbinden.
„Illegale Hinterhofschlachtungen“ sollen unterbunden werden. Die Regelung tritt kurz vor dem islamischen Opferfest in Kraft

derStandard.at

Kurz vor Beginn des islamischen Opferfests (heuer von 21. bis 24. August) setzt die Bundesregierung eine Regelung in Kraft, mit der „illegale Hinterhofschlachtungen“ unterbunden werden sollen. Der Erlass des Sozialministeriums gilt ab 15. August. Wie man bei der FPÖ meint, soll damit die tierquälerische und hygienisch gefährliche Tötung von rund 25.000 Schafen pro Jahr ein Ende finden.

Nicht eingegriffen werde damit in rituelle, ordnungsgemäß durchgeführte Schächtungen an dafür geeigneten Orten wie etwa koscheren Schlachtbetrieben, wurde von freiheitlicher Seite betont. Die Regelung werde schon länger vorbereitet. Im Mai hätten die Landestierschutzreferenten das Sozialministerium aufgefordert, die bestehende Ausnahmeregelung in Hinblick auf eine bessere Kontrolle des illegalen Schächtens zu überarbeiten.

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Wenn eine Mutter hinter Gittern sitzt

Nur wenige Haftanstalten in Deutschland verfügen über Mutter-Kind-Räume. (Foto: dpa)
Eine junge Frau bemerkt im Gefängnis, dass sie schwanger ist. Nach der Geburt kämpft sie darum, dass ihr Baby bei ihr bleiben darf. Doch die Justiz in Rheinland-Pfalz lehnt das ab. Über eine Trennung, die für alle Seiten grausam ist.

Von Jasmin Siebert | Süddeutsche Zeitung

Als Kristina Silberstein an einem Morgen im September 2017 im Kreißsaal der Klinik Homburg den kleinen Tim aus ihrem Körper presst, drehen ihr die beiden Vollzugsbeamtinnen der Justizvollzugsanstalt Zweibrücken den Rücken zu. Sie schauen diskret weg – immerhin. Aber auch das ganze Justizsystem schaut offenbar diskret weg bei diesem Drama.

Am Tag nach der Entbindung, es ist 14 Uhr, liegt Silberstein wieder in ihrer Zelle. Und der kleine Tim in einer Auffangstation für Säuglinge. Bis zuletzt hatte die dreifache Mutter dafür gekämpft, wenigstens ihren jüngsten Sohn behalten zu dürfen. Doch die Justiz blieb hart.

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Weltkongress besorgt über Antisemitismus in Deutschland

Synagoge in Berlin. Themenbild Bild: bb
Laut Angaben des Jüdischen Weltkongresses ist die Zahl antisemitischer Vorfälle im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2017 um 10 Prozent gestiegen. Es brauche „konzertierte Anstrengungen“, so der Präsident.

DOMRADIO.DE

Der Jüdische Weltkongress (WJC) zeigt sich besorgt über eine steigende Zahl antisemitischer Vorfälle in Deutschland. Die Bundesregierung habe ein „bewundernswertes Engagement zur Bekämpfung von Antisemitismus bewiesen“, erklärte WJC-Präsident Ronald Lauder am Freitagabend Ortszeit in New York. Als Beispiel nannte er die Ernennung von Felix Klein zum ersten Regierungsbeauftragten für die jüdische Gemeinschaft. Dennoch brauche es konzertierte Anstrengungen, um den „stetigen Anstieg gewalttätiger Vorfälle und Belästigungen zu stoppen und sicherzustellen, dass sich die deutschen Juden weiter sicher und wertgeschätzt fühlen“.

Laut WJC-Angaben ist die Zahl antisemitischer Vorfälle im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2017 um 10 Prozent gestiegen. Von 401 registrierten antisemitischen Vorfällen seien 349 als von Personen mit rechtsextremistischen Tendenzen gemeldet worden, 80 davon allein in Berlin.

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, der auch WJC-Vizepräsident ist, forderte die Einführung eines effektiven landesweiten Meldesystems für Antisemitismus. Der Jüdische Weltkongress vertritt international jüdische Gemeinden in 100 Ländern gegenüber Regierungen, Parlamenten und internationalen Organisationen.

Erdoğan beschwert sich: USA bedrohen Türkei

Spannungen wegen in Türkei festgehaltenen US-Pastor Brunson – Türkischer Präsident sieht sein Land als Nato-Partner unzureichend gewürdigt

derStandard.at

Im Streit mit den USA hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan neue Vorwürfe gegen die Regierung in Washington erhoben. „Sie bedrohen uns“, sagte Erdoğan am Samstag vor Anhängern in der Provinz Ordu am Schwarzen Meer. Er kündigte an, dass die Türkei nicht nachgeben werde: „Man kann diese Nation nicht mit Drohungen zähmen.“

Hintergrund ist das Tauziehen um den US-amerikanischen Pastor Andrew Brunson, der wegen des Verdachts auf Spionage und Terrorvorwürfen in der Türkei unter Hausarrest steht. Die USA fordern seine Freilassung. „Schande, Schande! Sie ziehen einen Pastor einem strategischen NATO-Partner vor“, rief Erdoğan seinen Anhängern zu.

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AfD will gegen ihre Wahlkampfhelfer klagen

„Franz Josef Strauß würde AfD wählen“ in München: Die Familie von Strauß wehrte sich gegen das Wahlplakat Quelle: dpa
Auf Plakaten ruft der „Verein für Rechtsstaatlichkeit und bürgerliche Freiheiten“ dazu auf, AfD zu wählen. Die Partei wehrt sich jetzt juristisch dagegen. Die Hintergründe sind pikant: Es geht um illegale Parteienfinanzierung.

DIE WELT

Seit mehr als zwei Jahren wirbt der „Verein für Rechtsstaatlichkeit und bürgerliche Freiheiten“ massiv für die AfD. Auf Plakaten und in Gratiszeitungen wird dazu aufgerufen, die Partei zu wählen. Bekannt wurde ein Plakat mit der Aufschrift: „Franz Josef Strauß würde AfD wählen“ und dem Konterfei des früheren CSU-Chefs. Jetzt will die AfD gegen ihre eigenen Unterstützer klagen, nachdem der Verein nicht auf ein Abmahnschreiben der Partei reagiert hat. Das berichten WDR, NDR und  „Süddeutsche Zeitung“.

Bislang hatte die AfD die für sie kostenlose Unterstützung hingenommen. Seit einiger Zeit übt jedoch die Bundestagsverwaltung Druck auf die Partei aus. Es steht der Verdacht der illegalen Parteienfinanzierung in bis zu zweistelliger Millionenhöhe im Raum. Deshalb will die AfD nun gegen die mittlerweile unerwünschte Wahlwerbung vorgehen.

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Söder verteidigt Kreuzerlass – Apostel lobt Verordnung

Screenshot FB
Mit der Landtagswahl im Oktober habe der umstrittene Kreuzerlass nichts zu tun, sagt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Zu diesem Ergebnis kommt auch ein bayerischer Bischof. Er lobt die Verordnung.

katholisch.de

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat erneut den umstrittenen Kreuzerlass verteidigt. „Das Kreuz in Behörden beispielsweise wird in Bayern von einer großen Mehrheit in der Bevölkerung unterstützt“, sagte Söder der „Schwäbischen Zeitung“ (Samstag) in Ravensburg. Auch wies er den Vorwurf, mit dem Thema Wahlkampf zu machen, zurück: „Das Aufhängen eines geweihten Kreuzes in der Bayerischen Staatskanzlei hat nichts mit Wahlkampf zu tun.“ Am 14. Oktober wählen die Bayern einen neuen Landtag.

Söder: Wir machen christliche Politik

Die CSU mache das, von dem sie überzeugt sei, betonte Söder. „Wir machen auch eine christliche Politik, in dem wir Familien fördern, Pflege unterstützen, Obdachlosigkeit bekämpfen und für Menschen mit Behinderung viel Geld investieren.“ Mit Blick auf die Positionen innerhalb der Kirche zu dem Erlass sagte Söder: „Der geistliche Rat hat sich deutlich hinter das Aufhängen von Kreuzen gestellt – wie ein Großteil der Geistlichen in Bayern. Auch bei meinem Besuch im Vatikan habe ich für unsere Position viel Sympathie erfahren.“ Allerdings gebe es „natürlich“ auch in der Kirche unterschiedliche Meinungen, „das ist normal und verständlich“.

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Blaualgen: Gülle und Dünger belasten die Ostsee

Sorgen für ein rasantes Algenwachstum: zu viele Nährstoffe im Meer Quelle: picture alliance/dpa
Zu viele Nährstoffe aus der Landwirtschaft geraten ins Meer. Sie regen das Entstehen von Algenblüten an. Maßnahmen, um den Nährstoffeintrag zu verringern, greifen kaum – die Belastung des Meeres stagniert.

Von Teresa Dapp, Sascha Meyer | DIE WELT

„Baden verboten“ heißt es im Sommer regelmäßig an manchen Stränden von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Der Grund: Blüten von Blaualgen, die gesundheitsgefährlich sein können. Sie treten vor allem dann auf, wenn das Wasser besonders nährstoffreich ist – vor allem weil Dünger und Gülle über Flüsse ins Meer geschwemmt wurden.

Die Menge der Nährstoffe und Schwermetalle, die auf diesem Weg aus Deutschland in die Ostsee gelangt, geht seit 2006 nur leicht zurück. Insgesamt verzeichne man „stagnierende beziehungsweise leicht abnehmende Trends“, heißt es in einer Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen.

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RDF Talk – Carsten Frerk: Kirchenrepublik Deutschland

In seinem Vortrag zum gleichnamigen Buch „Kirchenrepublik Deutschland“ beschreibt Dr. Carsten Frerk erstmals, wie die Kirchen in Deutschland systematisch Einfluss auf die Politik nehmen. Dabei zeigt sich, dass katholische und evangelische Stellen in einer Weise in Gesetzgebungsverfahren eingebunden sind wie keine zweite zivilgesellschaftliche Kraft.

Richard-Dawkins-Foundation

Wie stark der Einfluss der Kirchen auf die Politik ist, zeigt unlängst die Entscheidung des Parlaments zum Thema Sterbehilfe. Laut Dr. Frerk ist die Verabschiedung des „Gesetzes zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ 2015 nicht unwesentlich auf die enge personelle Verflechtung von Kirche und Staat in Deutschland zurückzuführen.

So lassen die Kirchen ihre Interessen Realität werden, obwohl es dafür längst keine Mehrheiten in der Bevölkerung mehr gibt. Als größte private Arbeitgeber, als größte Grundbesitzer und als Milliarden umsetzende Wirtschaftskonzerne verfolgen die Kirchen massive Eigeninteressen.

Zum Referenten:

Carsten Frerk ist Politologe und wurde durch kirchen- und religionskritische Werke bekannt. Zudem ist er Autor historischer Romane. Im Mittelpunkt seines Werks stehen Buchveröffentlichungen über die finanziellen Verflechtungen von Staat und den beiden Amtskirchen in der Bundesrepublik Deutschland. Unter anderem deshalb gilt er als Kirchen- und Religionskritiker. Carsten Frerk ist Mitglied im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung.

CDU-Politiker Hirte zur Abschiebung von Konvertiten: Ein Problem mit allen Schattierungen

In manchen Ländern droht ihnen Verfolgung und Todesstrafe: Trotzdem lehnt das BAMF reihenweise Asylanträge von zum Christentum übergetreten Geflüchteten ab. Wie kommt es zu solchen Entscheidungen?

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Wenn Gerichte über Autounfälle oder Tierquälerei zu entscheiden haben, dann ziehen sie Gutachter heran, Ingenieure oder Veterinäre. In Fragen der Religion entscheidet einzig ein Asylsachbearbeiter des BAMF. Wie kann das sein?

Heribert Hirte (CDU-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Stephanuskreises des Deutschen Bundestages): Zunächst mal müssen wir die Frage stellen, ob jemand zu einer Religion gehört oder nicht. Das ist eine Frage der persönlichen Überzeugung. Die Frage hingegen, ob jemand bei uns Asyl gewährt bekommt, ist eine staatliche Entscheidung. Die eine Frage hat natürlich mit der anderen Frage zu tun, aber es ist nicht so, als ob ein Gutachter die staatliche Entscheidung abschließend beurteilen könnte. Das darf auch so nicht sein, weil das letztlich zwei unterschiedliche Sphären sind.

DOMRADIO.DE: Glauben Sie denn, jemand würde seinen Glauben aufgeben und zum Christentum konvertieren, nur um einen Asylgrund zu schaffen, wenn er weiß, dass er damit gleichzeitig sein Todesurteil sprechen könnte?

Hirte: Das Problem ist, dass es, wie immer im Leben, alle Schattierungen gibt. Es gibt – so kriegen wir das berichtet – eine große Zahlen von Menschen, die sich aus großer Überzeugung vom Islam abkehren und zu anderen Religionen übertreten. Wir wissen aber auch, dass es Menschen gibt, die das aus taktischen Gründen tun. Und man kann noch nicht einmal sagen, dass das ein schlechter Grund ist. Denn wir wissen natürlich auch, dass in manchen Ländern der Welt gesagt wird: Das Christentum ist das, was die sogenannte westliche Welt ausmacht. Und wenn man diese westliche Welt als Lebensmodell für gut hält, dann bekennt man sich zum Christentum, um dorthin zu kommen. Aber diese Einzelüberlegungen voneinander abzugrenzen, ist außerordentlich schwierig.

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Söders Auftritt war reiner Wahlkampf

Screenshot FB
Ja, ich gestehe. Ich freue mich, wenn bekannte Personen sich in der Öffentlichkeit zu ihrem Glauben bekennen. Gute Botschafter für die Sache abseits des Kirchenweges sind gerade in Anbetracht der Kirchenaustrittszahlen gut und notwendig.

Pia Dyckmans | katholisch.de

Auch am Mittwoch hat sich eine deutschlandweit bekannte Persönlichkeit zu seinem Glauben bekannt – der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Er hat Maria Vesperbild besucht. Der Inbegriff bayerischen Katholizismus.

Bei den Bildern war ich irgendwie gar nicht mehr so begeistert. Als Wahlmünchnerin habe ich eher ein beklemmendes Gefühl bekommen. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich finde es toll, wenn Politiker sich als Christ „outen“ und dafür einstehen. Ich würde seinen Termin in Maria Vesperbild auch nicht gleich als blasphemisch charakterisieren und ihm das Christ-sein absprechen, wie andere vorab den Besuch kritisiert haben. Das steht uns nicht zu. Aber wenn ein Politiker kurz vor den Wahlen mit einer großen Entourage inklusive Presse im katholischen Bayern so einen bedeutenden Wallfahrtsort besucht, dann bekommen die Bilder ein Geschmäckle. Wenn sich sein Bekenntnis zum Christentum nicht in seiner Politik wiederspiegelt, wirkt es nicht authentisch. Denn eine Politik, die sich nicht an den Werten des Evangeliums orientiert, sondern an den Interessen Bayerns, kann nicht von sich behaupten, sie vertrete das Christentum besser als die Kirche selbst. Oder klingen Abschiebungen in Krisengebiete und Diskriminierung von psychisch Kranken christlich?

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Ist die Katastrophe im Jemen ein Wendepunkt?

Ein Junge, der bei dem Luftschlag verletzt wurde, liegt im Krankenhaus Quelle: AFP
Dutzende Kinder sterben bei einem saudischen Luftangriff auf einen Schulbus. Weltweit herrscht Entsetzen. Der lange vergessene Krieg gerät wieder in den Fokus.

Von Gil Yaron | DIE WELT

eder Konflikt hat mindestens einen Höhepunkt, ein Ereignis, das seine Geschichte in ein Davor und ein Danach teilt. Im Jemen hoffen viele Menschen, dass das jüngste Blutbad in der Provinz Saada sich als solcher Wendepunkt erweisen wird. Nach Angaben des jemenitischen Gesundheitsministeriums kamen am Donnerstag mindestens 50 Menschen, darunter 29 Kinder, ums Leben, als saudi-arabische Kampfflugzeuge einen Schulbus in der Nähe eines Marktplatzes bombardierten. Mindestens 77 Menschen sollen zum Teil schwer verletzt worden sein, von denen wiederum 30 Kinder sind. Angesichts der schwierigen Versorgungslage im Bürgerkriegsland steht zu befürchten, dass viele der Verwundeten in den kommenden Tagen ebenfalls sterben werden.

Die Staatengemeinschaft reagierte empört, allen voran UN-Generalsekretär António Guterres, der alle Kriegsparteien dazu aufrief „ihre Verpflichtungen gemäß den internationalen Menschenrechten zu erfüllen, vor allem die grundlegenden Regeln bezüglich der Verhältnismäßigkeit und der gebotenen Vorsicht bei jedem Angriff“. Aber können Empörung und Aufmerksamkeit den lange vergessenen Jemen-Konflikt einer Lösung näher bringen?

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