Archiv der Kategorie: Politik

Freital: Asylgegner brüllen auf Versammlung Kritiker nieder

Seit Wochen gibt es in Freital bei Dresden Proteste gegen eine Flüchtlingsunterkunft. In einer Bürgerversammlung sollte die Stimmung beruhigt werden. Der Versuch scheiterte. Quelle: N24
Bei einer Bürgerversammlung zum Thema Asyl im sächsischen Freital ist es zu Tumulten gekommen. Kritikern wurde das Mikrofon weggenommen, Reden niedergebrüllt. Sachsens Innnenminister wurde ausgebuht.


DIE WELT

Tumultartige Szenen und heftige Anfeindungen haben eine Bürgerversammlung zum Thema Asyl im sächsischen Freital überlagert. Die Stadt vor den Toren Dresdens hatte in den vergangenen Wochen mit teils rassistischen Protesten vor einer Flüchtlingsunterkunft in einem ehemaligen Hotel Schlagzeilen gemacht. Bei der Versammlung am Montagabend wurden erneut pauschale Vorurteile und Hetze gegen Asylbewerber laut. Versammlungsteilnehmer, die sich für Flüchtlinge einsetzten, wurden von anderen niedergebrüllt.

Die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates und der künftige Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) forderten ein Ende von Fremdenfeindlichkeit und Hass. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU), der sich den Fragen der Bürger stellte, zeigte sich von den Störern enttäuscht. Mit denen sei ein Gespräch unmöglich. “Erfolg sieht anders aus, aber wichtig war sie, die Veranstaltung.” Es sei darum gegangen, Sorgen und Themen der Bürger aufzunehmen.

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Im Namen des Rausches und des heiligen Cannabis

In Indianapolis hat ein selbst ernannter Pfarrer eine “Cannabis-Kirche” gegründet. Vor wenigen Tagen feierte er seinen ersten “Gottesdienst”. Doch statt Haschisch wurde nur eine Zigarre geraucht.


Von Michael Remke|DIE WELT

Bild. First Church of Cannabis/FB
Bild. First Church of Cannabis/FB

Es gibt Kirchen in den USA, die haben mit der traditionellen Vorstellung eines Gotteshauses nur noch wenig zu tun. Eine unter ihnen hat in dieser Woche in Indianapolis ihre Eröffnung zelebriert. Sie nennt sich “First Church of Cannabis” und betet weniger Gott und Jesus an als die “heilenden Kräfte von Marihuana”.

Das mag zunächst wie Blasphemie oder ein schlechter Scherz klingen – doch der Staat hat sie schon offiziell als gemeinnützig anerkannt und damit, wie die evangelische und katholische Kirche, zum größten Teil von der Last des Steuerzahlens befreit. Ihre Mitglieder dürfen zusätzlich ihre Spenden beim Finanzamt absetzen.

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Rassismus? Es gibt keinen bei den Behörden

Kontrollen nach Hautfarbe Gegen die Bundespolizei laufen deswegen mehrere Gerichtsverfahren. – Foto: Nicolas Armer/dpa
Die Bundesregierung sieht keinen Grund, gegen Rassismus in Ämtern und der Polizei vorzugehen. Es gibt ihn nämlich nicht, findet sie – es scheine den Betroffenen nur so.


Von Andrea Dernbach|DER TAGESSPIEGEL

Rassismus gibt es nach Auffassung der Bundesregierung nicht in deutschen Behörden und staatlichen Institutionen. Die bisher bekannten Fälle enthielten bisher „keinen Ansatz für die Feststellung eines Strukturproblems“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken. Sie bezögen sich alle „auf subjektiv als unberechtigt empfundene polizeiliche Maßnahmen“, bei denen bei den Betroffenen „im Einzelfall fälschlicherweise der Eindruck“ entstehen konnte, sie seien wegen ihrer Hautfarbe oder anderer äußerer Merkmale in den Fokus der Polizei geraten.

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Griff ins Klo: Neuer Ärger um CDU-Brief gegen Ehe für alle

Eberhard Diepgen (CDU ) ehemaliger Regierender Bürgermeister gehört zu den Unterzeichnern des Briefs gegen die Ehe für alle. – Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Auf dem Brief der “Ehe für alle”-Gegner in der Berliner CDU liegt kein Segen: Nachdem sich einer der 17 Unterzeichner zuvor für ein Pro ausgesprochen hatte, enthält das Schreiben nun auch eine falsche Information.


Von Sabine Beikler|DER TAGESSPIEGEL

Falschinformation im offenen Brief der CDU-Gegner der Ehe für alle an 12.500 Parteimitglieder: 17 Fraktionsmitglieder und der frühere Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen schrieben, vor dem Referendum in Irland und der Entscheidung des amerikanischen Supreme Court für die Öffnung der Ehe habe es in beiden Ländern keine mit der „eingetragenen Lebenspartnerschaft“ in Deutschland vergleichbare Regelungen gegeben.

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Visavergabe in Teheran: Ein Termin in der deutschen Botschaft? Das kostet!

Ein Iraner, der Deutschland besuchen will, braucht derzeit viel Geduld – oder Bares: Visa-Termine in der deutschen Botschaft in Teheran werden offenbar auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Das Auswärtige Amt sieht das Problem woanders.


Von Peter Maxwill|SpON

Teheran 2008. Themenbild: bb
Teheran 2008. Themenbild: bb

Hosseins Kinder sind fünf und acht Jahre alt. Bald sollen sie endlich ihren Opa kennenlernen. Es gibt nur ein Problem: “Wir können ihn in Iran nicht besuchen”, sagt Hossein K., “wegen der politischen Lage.” Also soll der Großvater aus dem äußersten Osten des erzkonservativen Golfstaats nach Deutschland kommen, möglichst bald. Auch das gestaltet sich jedoch schwierig. Wer von Iran in die Bundesrepublik reisen will, braucht in der Regel ein Visum – und derzeit gleicht es einem Kunststück, ein solches zu bekommen. Denn die deutsche Botschaft in Teheran vergibt Termine zur Beantragung der Einreisegenehmigung nur noch über ein Online-Portal, und das speist die Nutzer seit Längerem mit einem knappen Hinweis ab: “Es sind zurzeit leider keine Termine verfügbar. Neue Termine werden in regelmäßigen Abständen freigeschaltet.”

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DBK begrüßtgeplanten Bundestagsbericht zur Religionsfreiheit

Bundestag fordert von der Regierung Bericht zur Religionsfreiheit – Erzbischof Schick: Wichtiges Instrument zur Stärkung der Religionsfreiheit weltweit


kath.net

Logo Deutsche Bischofskonferenz
Logo Deutsche Bischofskonferenz

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Ludwig Schick (Bamberg), begrüßt den Beschluss des Deutschen Bundestages, die Bundesregierung zur Erstellung eines Berichts zur weltweiten Lage der Religions- und Glaubensfreiheit zu verpflichten.

„Ein solcher Bericht ist ein wichtiges Instrument, um systematisch die weltweiten und zunehmenden Verletzungen des Rechts auf Religionsfreiheit zur Sprache zu bringen“, so der Bamberger Erzbischof. „Die Freiheit der Religion ist ein fundamentales Menschenrecht. Es wird heute in vielen Teilen der Welt mit Füßen getreten. Daher bin ich den Bundestagsabgeordneten dankbar, dass sie mit ihrem einhelligen Beschluss dieses wichtige Thema in die Mitte des politischen Diskurses rücken wollen.“

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Zionist Lobby versus Obama Administration

“Freunde” vereint in der Zerstörung des Nahen und Mittleren Ostens und Irans? Bild. Between The Lines
Die US-amerikanische zionistische Lobby feuert aus allen Rohren und wendet alle politische Tricks an, um die bevorstehenden Vereinbarungen zwischen Iran und den USA zu torpedieren. Bei diesen Verhandlungen sind die anderen UN-Vetomächte nur schmückendes Beiwerk, von Deutschland als Annex gar nicht zu reden.


Von Ludwig Watzal|BETWEEN THE LINES

Der größte Widersacher gegen einen Ausgleich ist jedoch der israelische Ministerpräsident Netanyahu, der bisher nichts unversucht gelassen hat, den US-Präsidenten als irregeleiteten Polit-Tölpel vorzuführen. Dass beide Kammern des US-Kongresses dieses unwürdige Schauspiel mitgemacht haben, lässt sich nur durch den latenten Rassismus in den USA gegenüber der nicht-weißen Bevölkerung erklären.
US-Außenminister John Kerry begegnet seinem iranischen Gegenüber, Außenminister Mohammed Sarif, nicht auf Augenhöhe, sondern das US-Imperium verhandelt mit Iran in der Sprache der Unterwerfung. Den Begriff Würde, den die iranische Delegation immer wieder einführt, ist für den kriegswütigsten Staat der Welt, die USA, ein Fremdwort. “Die Iraner wissen genau, was sie zu tun haben”, so redet nur ein “Herr” mit seinem “Knecht”. Es scheint, als haben die USA bis heute noch nicht die Kultur des Iran begriffen, was keinen politischen Analysten überraschen sollte.
Dass die anderen UN-Vetomächte den USA die Verhandlungsführung überlassen haben, erweist sich als großer Fehler. Dadurch sitzt Israel immer mit am Verhandlungstisch. Darüber hinaus wird die US-Delegation, wenn sie die Informationen nicht gleich an Israel durchreicht, vom Mossad abgehört. Auf der Grundlage von geheimen Details argumentierte Netanyahu bei seiner letzten Rede vor dem US-Kongress, die er nur durch Ausspähung der US-Delegation erhalten haben konnte.

Ägypten: Ägyptischer Polizeistaat fördert den IS

Trauer in Kairo um ägyptische Sicherheitskräfte, die am Donnerstag bei Kämpfen auf dem Sinai getötet wurden. Foto: dpa
Der Nahost-Experte Stephan Roll spricht im Interview über die Repressionen in Ägypten. Er sieht sie als eine Ursache für das Erstarken der Terrormiliz “Islamischer Staat”.


Von Andreas Schwarzkopf|Frankfurter Rundschau

Herr Roll, die Anschlagsserie des Islamischen Staats auf dem Sinai zeigt, dass die Terrormiliz nun auch in Ägypten ihr Unwesen treibt. Wie stark sind die Dschihadisten am Nil?

Das lässt sich abschließend nicht beantworten. Fakt ist, dass sie auf dem Sinai sehr stark sind. Die verantwortliche Terrorgruppe hat dort seit Jahren eine Infrastruktur und kann Anschläge gegen das Militär wie jetzt mit Dutzenden Toten durchführen.

Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) weist beim Thema Kampf gegen Terror immer wieder auf die regionalen Aspekte hin. Welchen Einfluss hat die hohe Jugendarbeitslosigkeit von 40 Prozent auf die Zunahme von Gewalt? Oder gibt es andere, wichtigere Gründe einer Radikalisierung?

Die verheerende sozioökonomische Lage in Ägypten ist natürlich ein Faktor. Sie war auch ein Grund für den politischen Umbruch im Jahre 2011. Dennoch gab es in den letzten Jahren unter Mubarak diese Form der Gewalt, die es jetzt gibt, nicht. Wesentlicher ist, dass seit 2013 eine äußerst repressive Militärregierung mit allen Mitteln des Polizeistaats jeglichen Protest unterdrückt, vor allem gegen die Muslimbruderschaft, aber nicht nur. Präsident Al-Sisi schafft damit den Nährboden für Terrorismus. Viele Ägypter sehen keinen anderen Ausweg, als sich bewaffneten Gruppen anzuschließen.

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„Katholizismus gilt als Götzendienst“

Rabbi Daniel Sperber meint: Jüdischem Extremismus muss theologisch das Wasser abgegraben werden.


Von Oliver Maksan|Die Tagespost

Rabbi Daniel Sperber. Foto: Oliver Maksan

Rabbi Daniel Sperber lehrte viele Jahre an der Bar-Ilan-Universität jüdische Studien und ist Verfasser zahlreicher theologischer Bücher. Er wird dem Spektrum der Modernen Orthodoxie zugerechnet. 1992 wurde Sperber mit dem renommierten Israel-Preis geehrt. Er gehört der Kommission des israelischen Chefrabbinats für interreligiöse Fragen an. In dieser Eigenschaft traf er mit allen Päpsten seit Johannes Paul II. zusammen. Rabbi Sperber lebt in Jerusalem.
Rabbi Sperber, jüdische Extremisten haben kürzlich auf das Brotvermehrungskloster in Tabgha einen schweren Brandanschlag verübt. Davon geht die Polizei aus. Sind das isolierte Täter oder reflektieren sie einen breiteren Trend im Judentum Israels?

Beides ist richtig. Es ist Teil eines breiteren Phänomens. Es ist aber nicht so, als ob dahinter eine Organisation stünde. Insofern sind es Einzeltäterattacken. Es gibt im nationalreligiösen Judentum einige extrem rechte Strömungen. Sie repräsentieren sicher nicht das ganze Spektrum des religiösen Zionismus. Aber an den Rändern gibt es ein starkes anti-christlich eingestelltes Element. Diese Ideen sind Teil der Erziehung. Ich weiß aber nicht, wie explizit diese anti-christlichen Ideen geäußert werden oder ob sie eher mitschwingen. Besonders junge Leute aber, Teenager meist, möchten ihre in der Schule oder Familie gewonnenen Überzeugungen ausdrücken. Sie sehen das Christentum, vor allem den Katholizismus, als götzendienerische Religion.

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Singapur:Teenager beleidigte Staatsgründer und bekam Haftstrafe

Bild: REUTERS
Der 16-jährige Blogger wurde offiziell wegen “Verletzung religiöser Gefühle” verurteilt.


Die Presse

Amos Yee ist leidenschaftlicher Blogger – und Rebell. So wie man es eben oft ist mit 16 Jahren. Doch im so blitzblanken wie autoritär regierten südostasiatischen Stadtstaat Singapur ist das ein Problem: Der Teenager ist nun zu vier Wochen Haft verurteilt worden, weil er Staatsgründer Lee Kuan Yew kritisiert hatte.

Eine Richterin verhängte das Strafmaß am Montag. Wegen der Anerkennung seiner Untersuchungshaft kam der junge Mann aber sogleich auf freien Fuß. Der Fall Amos Yee hatte international Schlagzeilen gemacht.

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“Die Gegner der Homo-Ehe verletzen auch Heterosexuelle”

Die fast obsessive Beschwörung, dass nur die Verbindung zwischen einer Frau und einem Mann, aus der Kinder hervorgehen, eine “richtige” Familie sei, würdigt Homo- wie Heterosexuelle herab. Ein offener Brief von FU-Professorin Doris Kolesch an die Berliner CDU.


Von Doris Kolesch|DER TAGESSPIEGEL

cartoon-herz

Derzeit läuft in der Berliner CDU die Mitgliederbefragung über die Ehe für alle. Doris Kolesch, Professorin für Theaterwissenschaft an der Freien Universität, hat das zum Anlass genommen, der CDU zu dem Thema einen offenen Brief zu schreiben, den sie an die Fraktionsspitze und zusätzlich persönlich an die Fraktionsmitglieder geschickt hat, die sich bereits gegen die Eheöffnung ausgesprochen haben. Der Queerspiegel, der LGBTI-Blog des Tagesspiegel, dokumentiert im folgenden den Brief von Kolesch an die CDU.

Sehr geehrte Damen und Herren der Berliner CDU-Fraktion,

erlauben Sie mir bitte, daß ich mich im Kontext Ihrer Mitgliederbefragung zur Homoehe an Sie und insbesondere an die Gegner_innen einer Gleichstellung der Ehe von gleichgeschlechtlichen Partner_innen wende.

Ich lebe mit meiner Frau und unseren Töchtern in Berlin

Ich lebe mit meiner Frau und unsere beiden Töchtern in Berlin, vor diesem Hintergrund habe ich ein nachvollziehbares persönliches Interesse an Ihren Diskussionen wie auch am Ergebnis der Mitgliederbefragung, wenngleich ich selbst nicht Mitglied der CDU bin. Zahlreiche Argumente sowohl der Befürworter als auch der Gegner scheinen mir im öffentlichen Diskurs schon vielfach genannt, und ich möchte Sie hier nicht mit meiner persönlichen Meinung behelligen.

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Der “neue Antisemitismus” existiert so nicht

Rote Linie. Polizisten trennen am Al-Kuds-Tag im Sommer 2014 in Berlin anti-israelische Demonstranten und Pro-Israel-Aktivisten. Zum diesjährigen Al-Kuds-Tag am 11. Juli hat ein… – Foto: picture alliance / dpa
Antisemitismus nimmt in Deutschland eher ab, die Zahlen bleiben gleichwohl beschämend. Dass aber jede kritische Haltung gegenüber der Politik Israels als “neuer Antisemitismus” denunziert wird, ist weder richtig noch hilfreich, schreibt der Historiker Wolfgang Benz in einem Gastbeitrag.


Von Wolfgang Benz|DER TAGESSPIEGEL

Die nächtliche Gewalttat gegen den Rabbiner erregte ebenso allgemeinen Abscheu wie der Angriff auf einen Israeli in der Berliner U-Bahn, der pöbelnden Rassisten entgegengetreten war. Judenfeindliche Schmährufe bei einer anti-israelischen Demonstration im Sommer 2014 wurden von Politik, Medien und Publikum entschieden und einmütig verurteilt. Gott sei Dank sind solche Unerfreulichkeiten nicht die Regel, sondern Ausnahme im deutschen Alltag.

Das Verhältnis zu Israel hat in der deutschen Politik herausragende Bedeutung. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte bei einem Staatsbesuch 2008 in ihrer Rede vor der Knesset die Sicherheit Israels ein Element der Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland. Schon im Sechstage-Krieg 1967 hatten hunderttausende Bürger der Bundesrepublik für das Existenzrecht des Staates Israel demonstriert. Empathie für das Land gehört zu den Grundlagen der politischen Kultur. Doch die bedingungslose Zustimmung bei vielen ist einer skeptischen Haltung gegenüber israelischer Politik gewichen. Dazu trägt das medial wirkungsvoll vorgetragene Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung ebenso bei wie militärische Aktionen und politisch unbewegliche Positionen israelischer Regierungen.

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Die Fleisch-Mafia, ARD: Eine verdorbene Industrie

Auch der Bochumer Schlachthof beschäftigt überwiegend Werkvertragsarbeiter, viele von ihnen wurden vermittelt von dem Netzwerk aus Tarnfirmen und Strohmannfirmen. Foto: ARD
In dieser sehenswerten 30minütige Reportage legt das Team um Regisseur Michael Nieberg einen Sumpf aus Verbrechern, Mitmachern, Stillhaltern und Hand-auf-Haltern in der deutschen Fleischindustrie offen.


Von D.J. Frederiksson|Frankfurter Rundschau

Die öffentlich-rechtlichen Polit-Magazine mussten sich noch letzte Woche von einer Studie der renommierten Otto-Brenner-Stiftung ihre mangelnde Relevanz und ungenügende Rechercheleistungen attestieren lassen. Wie zur Ehrenrettung kommt nun Michael Nibergs „Exklusiv“-Reportage, deren Recherche von deutschen Industrieausbeutern, rumänischen Komplizen und geheimen Firmenunterlagen selbst die parallel ermittelnde Staatsanwaltschaft reichlich alt aussehen lässt.

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Kein Verkauf an Polen: Antipolnischer Rassismus in Ostdeutschland

“Kein Verkauf an Polen” stand Anfang 1980er an manchen Geschäften © MiG
Am 6. Juli 2015 feiert das Görlitzer Abkommen zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen seinen 65ten Geburtstag. Dort erkannte die DDR die „Oder-Neiße-Friedensgrenze“ offiziell an und rief „freundschaftliche Beziehungen“ zum Nachbarland aus. Das tief verwurzelte Phänomen des antipolnischen Rassismus wurde dadurch nicht aus der Welt geschafft. In der DDR wurde das Problem offiziell geleugnet und totgeschwiegen, nach der „Wende“ trat es offen hervor und manifestierte sich vor allem an den deutsch-polnischen Grenzregionen.


Von Dr. Michael Lausberg|MiGAZIN

Zu DDR-Zeiten kauften polnische Staatsbürger bis zur Schließung der Grenze 1980 wegen des „Solidarnosc-Bazillus“1 vor allem billige und in ihrem Land schwer zu bekommende Waren wie Kinderkleidung oder Lebensmittel ein. Da die SED-Regierung das Warenangebot nicht erhöhte, kam es vor, dass Einwohner der grenznahen Städte wie Görlitz oder Frankfurt/Oder vor leeren Regalen standen. Die Verantwortung für diesen Engpass wurde bei den „Schacher-Polen“ gesucht und nicht bei der SED-Führung. An manchen Geschäften hingen sogar Schilder mit der Aufschrift „Kein Verkauf an Polen“, die Assoziationen an die NS-Zeit weckten.2 Im Zuge des Solidarnosc-Kongresses Anfang September 1981 und der Streiks in Polen drohte die SED-Regierung damit, ihre wirtschaftlichen Hilfen einzustellen und stellte Polen in kollektivierender Weise als faul und arbeitsscheu dar: „Kein Volk kann ohne Arbeit leben, wie seine Gesellschaft oder Politik auch immer gestaltet sein mag. Das ist nicht antipolnisch, sondern einfach nur logisch gedacht.“3

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Die mörderischste Terror-Kampagne der Gegenwart

Im Schatten der Weltöffentlichkeit morden in Afghanistan weiterhin Drohnen. Allein im Juni fanden mindestens zwanzig Angriffe statt, Tendenz steigend


Von Emran Feroz|TELEPOLIS

MQ-9 Reaper. Bild: USAF

Am 7. Oktober 2001 begann in Afghanistan die Geschichte des US-amerikanischen Drohnen-Krieges. An jenem Tag, kurz nach den Anschlägen des 11. Septembers, hatten US-Piloten im Combined Air Operations Center (CAOC) in Saudi-Arabien eine Menschenmenge im südafghanischen Kandahar, dem Machtzentrum der damaligen Taliban-Regierung, im Visier. Auch im Pentagon sowie in der CIA-Zentrale in Langley wurde das Geschehen mitverfolgt. Das Ziel der Operation war der Führer der Gruppierung, Mullah Mohammad Omar.

Plötzlich drückte jemand auf den Knopf und eine Hellfire-Rakete schoss in die Menge. Menschen wurden zerfetzt, Körperteile flogen durch die Luft, wie viele starben, war unklar. Währenddessen konnte Omar fliehen und ist bis heute verschwunden. Und wer genau für den ersten US-amerikanischen Drohnen-Angriff der Geschichte verantwortlich war, sprich, wer auf den Knopf gedrückt hat, ist bis heute unklar. “Who the fuck did that?”, war die erste Reaktion eines hochrangigen Militärs.

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CDU-Vize Klöckner erneuert Forderung nach Burka-Verbot

Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner hat ihre Forderung nach einem Burka-Verbot bekräftigt. Es dürfe in punkto Gleichberechtigung keinen «Religionsrabatt» geben, sagte sie der «Bild am Sonntag».


kath.net

Burqua Burka
Burka (CC-by-sa/2.0/en by Rockin’ the Khuff)

Vollverschleierung verhindere, dass man jemandem offen ins Gesicht sehen könne. «Das verstößt gegen die Regeln unseres Zusammenlebens.»
Sie erwarte von Einwanderern, dass sie sich an das Grundgesetz halten, so Klöckner weiter. «Deshalb dürfen wir nicht zulassen, dass Fundamentalisten ihre Frauen bei uns in Deutschland zur Vollverschleierung zwingen.» Auch das freiwillige Tragen einer Burka sei nicht mit der freiheitlichen Gesellschaft vereinbar.

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Wulff und Sarkozy sollen die WM in Katar gewollt haben

Fifa-Präsident Joseph Blatter wiederholt seinen Vorwurf, Deutschland und Frankreich hätten versucht, Einfluss auf die Wahl Katars als WM-Gastgeber 2022 zu nehmen © Ennio Leanza/DPA
Fifa-Chef Joseph Blatter wirft Deutschland und Frankreich erneut vor, Einfluss auf die Wahl von WM-Gastgeber Katar genommen zu haben. Wegen wirtschaftlicher Interessen sollen sich Wulff und Sarkozy dafür eingesetzt haben.


stern.de

FIFA-Präsident Joseph Blatter wird zur Auslosung der europäischen Qualifikationsgruppen für die Fußball-WM 2018 am 25. Juli in St. Petersburg reisen. Das kündigte der umstrittene Chef des Weltverbandes in der “Welt am Sonntag” an. Er wiederholte dort zudem seinen Vorwurf, Deutschland und Frankreich hätten versucht, Einfluss auf die Wahl Katars als WM-Gastgeber 2022 zu nehmen.

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„Wann wird diese Religion endlich ausgerottet?“

Hass im Internet © by _michaaa auf flickr.com (CC BY 2.0),
Der Schweizer Stadtparlamentarier Mario Schmitt wurde wegen Rassendiskriminierung schuldig gesprochen. Grund dafür waren seine Facebook-Einträge.


IslamiQ

Aufgrund seiner Facebook-Einträge musste ein Schweizer Stadtparlamentarier sich wegen des Vorwurfs der mehrfachen Rassendiskriminierung verantworten. SVP-Stadtparlamentarier (Schweizer Volkspartei) Mario Schmitt wurde vom Kreisgericht zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 140 Franken und einer Busse von 1000 Franken verurteilt.

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Emanzipation von oben

Wie die Frauen den Postkommunismus überlebten und ihnen das Lachen trotzdem verging. Der Kampf um Feminismus und Gleichberechtigung im west-östlichen Systemvergleich


Von Slavenka Drakulic|dieStandard.at

foto: der standard Straßenarbeiterinnen und Straßenarbeiter beim gemeinsamen Asphaltieren einer Straße in Budapest (1968).

Die Geschlechterdemokratie ist ein essenzieller Teil der Demokratie schlechthin. Ohne Beteiligung der Frauen gibt es keine Demokratie, die diesen Namen auch verdient.

Es waren die banalen Alltagsdinge, die dem Kommunismus lange vor 1989 das Genick gebrochen hatten, und nicht die Sehnsucht nach Freiheit, Menschenrechten und Demokratie.

Als Europa vor kurzem den 25. Jahrestag des Untergangs des Totalitarismus in Osteuropa feierte, da wurde, merkwürdig genug, von einem Thema nicht oder nur sehr am Rande gesprochen: Wie hat sich dieser dramatische Wandel auf die Frauen ausgewirkt? Funktioniert das neue System, die Demokratie, für beide Geschlechter auf ein und dieselbe Weise?

Die Antwort ist nein, das tut es nicht. Selbst wenn die Frauen in Osteuropa heute (endlich) nicht mehr das Gefühl haben, einem einzigen Block anzugehören, so werden sie doch immer noch durch die gemeinsame Erfahrung des Kommunismus zusammengeschweißt, weil diese Erfahrung ihr Leben auch nach 1989 signifikant beeinflusst hat.

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Dalai Lama: Pekings Furcht vor einem Halbgott

Der Dalai Lama wird 80. Peking schenkt sich alle Glückwünsche. Dort wartet man schon auf seine Wiedergeburt und will einen neuen Dalai Lama unter Chinas Fittiche nehmen


Von Johnny Erling|derStandard.at

Dalai Lama in Hamburg, 1998. Foto: Jens NagelsIm zweiten Stock des Pekinger Außenministeriums, wo Pressekonferenzen abgehalten werden, liegen im Vorraum Broschüren zum Mitnehmen aus. Darunter passt ein in mehrere Sprachen übersetztes Buch nicht recht ins politische Sortiment. Unter dem Titel “Die Reinkarnation des Dalai Lama” erklärt der Tibetologe Chen Qingying die religiösen Rituale, nach denen seit 500 Jahren die Wiedergeburt des geistlichen Oberhaupts der Buddhisten in Tibet vonstattenging. Er nennt 14 Reinkarnationen bis zum heutigen, 14. Dalai Lama und Friedensnobelpreisträger. Am 6. Juli wird dieser 80 Jahre alt.

Das Buch ist wichtig, weil Chen herausfand, dass die Zentralregierung schon bei der Wiedergeburt des fünften Dalai Lama (1617 bis 1682) die Genehmigungsaufsicht führte. Der Kaiserhof erteilte seinen Segen. In Erbfolge meldete nun ausgerechnet Chinas atheistische Partei ihren Anspruch an, bei Reinkarnationen das letzte Wort zu haben.

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