Robert Habeck bezeichnet sich als „säkularer Christ“

Robert Habeck, 2018, © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Grünen-Chef Robert Habeck hat sich selbst als einen „säkularen Christen“ bezeichnet. „Ich bin ein Zweifler, weil ich Glauben sehr ernst nehme“, sagte er der „Zeit“-Beilage „Christ und Welt“.

evangelisch.de

Das Christentum habe ihn „tief geprägt“. Er sei in einer sehr christlichen Familie aufgewachsen und habe Religion „theologisch immer ernst genommen“, sagte Habeck. Vom Glauben an Gott habe er sich allerdings langsam entfernt – durch eine dauernde und ernsthafte Auseinandersetzung mit religiösen Fragen.

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Deutscher Ärztekongress für Homöopathie unter politischer Schirmherrschaft

Manuela Schwesig (2016), Bild: wikipedia.org/Ralf Roletschek –GFDL 1.2/Bild von ElliRakete auf Pixabay bearb.: bb
Ende Mai fand der „Deutschen Ärztekongress für Homöopathie“ in Strahlsund unter der Schirmherrschaft der Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns, Frau Manuela Schwesig, statt. Homöopathika und homöopathische Leistungen sind ein Dauerbrenner auf den (alternativ-) medizinischen Märkten und zugleich in der Alltagswelt vieler Deutscher angekommen.

Dr. Jeannine Kunert | EZW

Ihre Verwendung erscheint den meisten Bürgern und Bürgerinnen längst nicht mehr als skurril – immerhin hatten im Jahr 2014 bereits 60 Prozent der Bevölkerung schon einmal Homöopathika, die allgemeinhin als nebenwirkungsarm gelten, verwendet (Steffen de Sombre: Homöopathische Arzneimittel 2014. Bekanntheit, Verwendung und Image. Institut für Demoskopie, 2014). Dennoch schlug die Übernahme der Schirmherrschaft der Ministerpräsidentin mediale Wellen und rief die Gegner homöopathischer Therapieverfahren auf den Plan.

Die Tagung, die vom 29. Mai bis 1. Juni 2019 stattfand, stand unter dem Motto „Homöopathie und das Meer – Vom Ursprung des Lebens“ (vgl. https://2019.homoeopathie-kongress.de/). Das aus dem Meer kommende Leben und „gynäkologische Themen rund um Schwangerschaft und Geburt“ wurden als Rahmen und Schwerpunkt gesetzt. Die maritime Assoziation war der Ministerpräsidentin des „Küstenlandes“, neben der Feststellung, dass sich die Homöopathie zunehmender Akzeptanz erfreue, Grund genug, das Amt der Schirmherrschaft zu übernehmen. Dass sie sich damit im Kampf der Deutungshoheit um Krankheit und Heilung eindeutig positionierte, wurde journalistisch (vgl. Süddeutsche Zeitung vom 09.05.2019 oder Stern vom 10.05.2019), von Ärzten und Ärztinnen sowie seitens der Homöopathiegegner beanstandet. Diese bemängeln u. a., dass Frau Schwesig trotz der in zahlreichen wissenschaftlichen Studien nicht belegten Wirksamkeit der Mittel, die Erforschung ihrer Wirksamkeit weiterhin befürworte und damit die Faktizität der Studien anzweifle. In diesem Zusammenhang stehen auch Krankenkassen in der Kritik, die homöopathische Leistungen in ihr Leistungsportfolio übernommen haben und damit gemeinhin verbindliche medizinische Standards zugunsten der Wettbewerbsfähigkeit aushebeln. Das deutsche Arzneimittelgesetz (AMG, §38-39) verlangt derzeit für Homöopathika allein eine Registrierung, jedoch keine Zulassung, womit diese einer Sonderregelung gegenüber anderen Arzneimitteln unterlegen sind, da hier die Wirksamkeit nicht belegt werden muss. Auch ist die Meldung von Nebenwirkung der Homöopathika durch Ärzte und Ärztinnen durch diese Sonderregelung ausgenommen. Gegen die Ärztin, ehemalige Homöopathin und Mitbegründerin des Informationsnetzwerkes Homöopathie Nathalie Grams hat nun ein Hersteller homöopathischer Präparate Unterlassungsforderung gestellt, weil sie prominent die These vertritt, dass Homöopathika nicht über einen Placebo-Effekt hinausreichen. Damit setzt sich die Frage um Deutungshoheit und wissenschaftliche Faktizität auch auf dieser Ebene fort.

Eigener Staat für Palästinenser nicht in Sicht

foto: afp / mohammed abed Am Strand von Gaza herrscht im Frühsommer Hochbetrieb. Viele Palästinenser denken statt an Politik eher an den mühsamen Alltag.
Die USA geben wohl die Zweistaatenlösung für Israel und die Palästinenser auf

derStandard.at

Zack Sabella muss nicht lange überlegen. Auf die Frage, ob er die Gründung eines Staates Palästina noch miterleben werde, folgt ein rasches „Nein“. Dabei ist Zack Sabella erst 35 Jahre alt und hätte noch ein paar Jahre Zeit. Doch er ist überzeugt: „Weder ich noch meine Kinder werden das erleben. Man muss sich für Zukunftsprognosen die Faktenlage ansehen. Tatsache ist, dass nicht einmal Barack Obama, der palästinenserfreundlichste US-Präsident der vergangenen 30 Jahre, die Zweistaatenlösung erreichen konnte.“

Und die derzeitige US-Regierung, so scheint es, will sie nicht erreichen.

Noch steht nicht fest, wann genau der Friedensplan vorgestellt wird: in Teilen bereits kommende Woche bei einer Konferenz in Bahrain, wie zunächst angekündigt? Oder doch erst im November, wie vom Nahostgesandten Jason Greenblatt am Wochenende angedeutet? So oder so: Nach allem, was bisher durchgedrungen ist, wird eine Zweistaatenlösung darin nicht mehr vorkommen.

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Nach Ex-Kanzler Schröder wurden nun auch Sahra Wagenknecht und Gysi zu Feinden der Ukraine erklärt

Bild: TP
Vor dem Besuch des neuen ukrainischen Präsidenten Zelenskyi in Berlin provoziert die ukrainische Fahndungsliste Mirotworez erneut, die mit dem Geheimdienst und dem Innenministerium verbunden ist

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Die ukrainische Fahndungsliste Mirotworez („Friedensstifter“ bzw. Peacemaker) wurde mal wieder aktiv und zeigt, dass der neue Präsident möglicherweise gegen den Apparat im Hintergrund (noch) wenig ausmachen kann, zumal er nicht einmal im Parlament eine Machtbasis hat. Das Parlament widersetzt sich auch, Minister zu entlassen und Kandidaten von Zelenskyi einzusetzen, allerdings konnte er einige Gouverneure und Führungskräfte des Geheimdienstes SBU auswechseln.

Jetzt wurden auf einen Schlag 11 Abgeordnete der deutschen Linkspartei ins „Fegefeuer“ oder auf den Pranger gestellt, also als Staatsfeinde denunziert und damit auch bedroht. Angeblich sollen damit die ukrainischen und deutschen Sicherheitsbehörden und Geheimdienste aufmerksam gemacht werden. Neben Andrej Hunko, der sich schon lange als Staatsfeind der Ukraine gebrandmarkt sieht, kamen dieses Mal u.a. auch Sahra Wagenknecht und Gregor Gysi dazu.

Aufsehen erregte, als letztes Jahr Ex-Kanzler Schröder auf die Liste gehievt wurde (Gerhard Schröder wird als Feind der Ukraine gelistet). Vorgeworfen wird den Abgeordneten der Linken anti-ukrainische Propganda, Unterstützung der „terroristischen Organisation“ der russischen nationalistischen Partei LDPR von Schirinowski, Unterstützung der „russischen Invasoren“, die gefangen genommen wurden, sowie die Verletzung der Staatsgrenze der Ukraine, wenn jemand beispielsweise die Krim oder die „Volksrepubliken“ besucht hat. Beweise würden vorgelegt.

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Autor Niko Alm über Kirche und Staat: „Alle Religionen sind menschengemachte Ideologien“

Der Autor Niko Alm trägt auf seinem Führerschein ein Nudelsieb auf dem Kopf – er ist Anhänger der Bewegung des Fliegenden…Foto: dpa
Wird mit Religion Politik gemacht? Autor Niko Alm, der leidenschaftliche Streiter für den Laizismus, fährt schwere Geschütze auf. Eine Buchkritik.

Von Malte Lehming | DER TAGESSPIEGEL

Wer denkt öfter über Gott nach – der Gläubige oder der Atheist? Die Frage ist schwer zu beantworten. Jemand kann sein Leben einer höheren Macht widmen oder dem Kampf gegen die Behauptung, dass es eine höhere Macht gibt.

In die zweite Kategorie fällt Niko Alm, 44-jähriger Österreicher und ehemaliger Politiker. Alm ist Gründer der Initiative gegen Kirchenprivilegien, Gründungsmitglied der Giordano-Bruno-Stiftung in Österreich, bekennender Atheist und „Pastafari“, wie sich die Anhänger der religionsparodistischen Bewegung des Fliegenden Spaghettimonsters nennen, und seit acht Jahren der Vorsitzende des Zentralrats der Konfessionsfreien. Sein Buch „Ohne Bekenntnis“ ist ein flammendes Plädoyer für eine strikte Trennung von Kirche und Staat nach dem Vorbild der französischen Laizität.

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Der letzte NSU-Untersuchungsausschuss

Grafik: TP
In Mecklenburg-Vorpommern existiert das bundesweit dreizehnte Parlamentsgremium, das die Mordserie politisch untersuchen soll

Thomas Moser | TELEPOLIS

„In keinem Bundesland gibt es so viele unterschiedliche Verbindungen des NSU-Trios wie nach Mecklenburg-Vorpommern.“ Das sagte die Rechtsanwältin Antonia von der Behrens jetzt im Landtag in Schwerin vor den Mitgliedern des dortigen Untersuchungsausschusses. Es existiere eine „Fülle“ von Informationen und Details. Kann sein, dass der Superlativ nicht ganz zutrifft, vielleicht wollte die politische Anwältin, die im Prozess in München eine Opferfamilie vertrat, die Abgeordneten vor allem motivieren, den ungeklärten Fragen auch in ihrem Bundesland nachzugehen.

Und wo Parlamente noch Fragen haben, können die Antworten von Sicherheitsorganen und Justiz nicht ausreichend sein.

In Mecklenburg-Vorpommern wurde der fünfte Mord der Serie verübt. Zweieinhalb Jahre lang war das Töten ausgesetzt worden. 2001 wurden in Nürnberg, Hamburg und München gleich drei Migranten erschossen, zuletzt Ende August 2001. Warum die Pause, können die Ermittler nicht sagen.

Am 25. Februar 2004 wurde in Rostock-Toitenwinkel der 26jährige Türke Mehmet Turgut erschossen. Die Tat unterscheidet sich von den anderen in mehrfacher Weise. Es war der einzige Mord in Ostdeutschland. Das Opfer, das in einem Imbissstand arbeitete, musste sich auf den Boden legen und wurde dann mit Schüssen in Nacken und Kopf getötet, wie bei einer Hinrichtung. Ein Anwalt der Nebenklage will nicht ausschließen, dass Beate Zschäpe dabei war und möglicherweise sogar selber geschossen hat. Bundesanwaltschaft und Gericht dagegen verneinen kategorisch eine direkte Beteiligung Zschäpes bei allen Taten. Die Konstellation ist für die Aufrechterhaltung ihrer Dreier-Kleinstzellen-Theorie notwendig, weil sonst die Person fehlt, die den Rückzug absicherte.

Beim Mord in Rostock ist die Wahrscheinlichkeit besonders groß, dass das Trio bzw. die beiden Männer Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos tatsächlich die Täter waren. Nur wenige hundert Meter entfernt wohnte ein Bekannter, dessen Name auf der Adressliste von Mundlos steht, die im Januar 1998 in Zschäpes Garage in Jena gefunden wurde. Etwa einen Kilometer entfernt wohnte außerdem eine Cousine Böhnhardts, die er in der Vergangenheit auch besucht hatte. Das Trio kannte den Ort persönlich, im Gegensatz zu anderen Tatorten.

Vielleicht ist es auch kein Zufall, dass in Rostock, Ortsteil Lichtenhagen, Anfang der 1990er Jahre mit die schlimmsten rassistischen und nationalistischen Pogrome stattfanden.

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Die Weltbevölkerung wächst rasant

Bild: tagesschau.de
Derzeit leben rund 7,7 Milliarden Menschen auf der Erde – und in jeder Sekunde werden es mehr. 2050 werden es laut der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung 9,7 Milliarden sein.

tagesschau.de

Das Wachstum der Weltbevölkerung setzt sich in hohem Tempo fort: Nach neuesten Projektionen der UN wird die Bevölkerungszahl von derzeit rund 7,7 Milliarden Menschen auf 9,7 Milliarden 2050 und auf 10,9 Milliarden Menschen im Jahr 2100 steigen. Diese Zahlen hat die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) veröffentlicht.

Die Fertilität sei in den meisten Ländern in den vergangenen Jahren zwar zurückgegangen. Doch gerade in Afrika sei sie weiterhin hoch und sinke vergleichsweise nur langsam. Frauen in Afrika bekommen demnach derzeit durchschnittlich 4,4 Kinder – deutlich mehr als der weltweite Durchschnitt von 2,5 Kindern pro Frau.

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Prediger, der für Kurz betete, will Europa vom Islam „zurückerobern“

foto: screenshot/kath.net Sebastian Kurz hielt in der Stadthalle auch eine Rede.
Ben Fitzgerald spricht davon, das „Schwert in die Schlacht“ zu führen, Kurz spricht von „spontanem Gebet“

Katharina Mittelstaedt, Fabian Schmid | derStandard.at

Solche Bilder ist man in der österreichischen Politik nicht gewohnt: Tausende Christen strecken ihre Arme in die Höhe, um für Altkanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zu beten. „Vater, wir danken dir für diesen Mann, für seine Weisheit“, predigt Ben Fitzgerald von der Bühne. „Wir danken dir dafür, dass in diesem Land die Sünde für alle furchtbar ist“, und erbitten „viel Schutz“ für den Altkanzler, so Fitzgerald weiter.

Ort der Szene war die Wiener Stadthalle, die von Freitag bis Sonntag mit Christen gefüllt war. An drei Tagen fand dort der überkonfessionelle Event Awakening Austria statt, der von Fitzgerald als Teil von Awakening Europe mitorganisiert wurde. Mit dieser Organisation will der gebürtige Australier Menschen ein „Leben nach Gottes Vorstellung“ ermöglichen.

Der einstige Drogendealer behauptet, 2002 in einem Nachtklub Jesus begegnet zu sein. Danach änderte er sein Leben, um zu missionieren. Er reiste nach Nürnberg, wo er das ehemalige Reichsparteitagsgelände der Nationalsozialisten besuchte.

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Gotteswahn und Afterdienst in Austria: „Befremdliches“ Segensgebet für Kurz in der Stadthalle

Kurz hatte auf seiner Wahlkampftour in der Wiener Stadthalle Station gemacht und dabei ein „Segensgebet“ des evangelikalen Predigers Ben Fitzgerald entgegengenommen. – (c) Screenshot: Youtube
Der ÖVP-Chef hat ein Segensgebet des evangelikalen Predigers Ben Fitzgerald entgegengenommen. Kritiker sehen in dem Auftritt einen Missbrauch der Religion für Wahlkampfzwecke.

Die Presse.com

ÖVP-Obmann Sebastian Kurz befindet sich seit der Vorwoche auf inoffizieller Wahlkampftour. Um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen, steht für heute, Montag, unter anderem der Besuch eines Wirtshauses und eines Seniorenheims in Oberösterreich auf seiner Agenda. Thema dort sein könnten Videoausschnitte, die seit dem Wochenende im Internet kursieren und den Ex-Kanzler gemeinsam mit dem Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn beim christlichen Ökumene-Großevent „Awakening Austria“ in der Wiener Stadthalle zeigen. Und die eine Welle an Kritik ausgelöst haben.

Der Reihe nach: Kurz hatte auf seiner Wahlkampftour in der Wiener Stadthalle Station gemacht und dabei ein „Segensgebet“ des evangelikalen Predigers Ben Fitzgerald entgegengenommen. Kritiker orten darin einen Missbrauch der Religion für Wahlkampfzwecke.

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Atommächte modernisieren ihre Waffenarsenale

Das Friedensforschungsinstitut Sipri warnt vor besorgniserregenden Entwicklungen bei der atomaren Bewaffnung. Im Bild: Eine russische Interkontinentalrakete. (Foto: dpa)
  • Die Zahl der atomaren Sprengköpfe hat sich dem Stockholmer Friedensforschungsinsitut Sipri zufolge im vergangenen Jahr weiter verringert.
  • Gleichzeitig sind die neun Atommächte demnach jedoch dabei, ihre Arsenale zu modernisieren.
  • Ein Sipri-Experte sieht die Entwicklung negativ.

Süddeutsche Zeitung

Die Atommächte investieren nach Angaben von Friedensforschern wieder mehr in ihre nuklearen Waffenarsenale. Zwar ging die Zahl der Atomwaffen weltweit im vergangenen Jahr um knapp vier Prozent zurück, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri berichtet. Dafür seien die Atommächte aber wieder stärker darauf aus, ihre Waffen zu modernisieren.

„Offen gesagt ist das ein negativer Trend“, sagte der Sipri-Atomwaffenexperte Shannon Kile. Der Rückgang der Zahl der Atomwaffen habe sich in den vergangenen Jahren entscheidend verlangsamt und sei lediglich darauf zurückzuführen, dass die USA und Russland Waffen ausrangierten, die sie nicht mehr brauchen.

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Lässt sich der Erfolg der Rechten durch Katholizismus verstehen

Italien, Ungarn, Polen: In katholisch geprägten Ländern Europas sind rechtspopulistische Parteien besonders erfolgreich. Auf den zweiten Blick sind die Verhältnisse jedoch komplizierter.

Von Detlef Pollack | Frankfurter Rundschau

Als der italienische Innenminister Matteo Salvini am 18. Mai 2019 auf dem Treffen der rechtspopulistischen Führer Europas – unter ihnen Jörg Meuthen und Marine Le Pen – vor dem Mailänder Dom den Schutz der heiligen Patrone Europas und der Jungfrau Maria anrief, brandete in der Masse enthusiastischer Beifall auf. Den Rosenkranz in die Luft reckend, erklärte Salvini, er vertraue Italien dem unbefleckten Herzen der Heiligen Jungfrau Maria an, die seiner Partei – da sei er sicher – in den anstehenden Europawahlen den Sieg bringen werde.

Die Anrufung Gottes und der Heiligen hat in der Politik in den katholischen Ländern Europas eine lange Geschichte. Immer wieder haben katholische Parteiführer in Europa Gott öffentlich um die Unterstützung ihrer Arbeit, um den Schutz ihres Heimatlandes und die Errettung ihres Volkes gebeten. Das war auch vor 450 Jahren schon so. Vor der Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571 riefen Philipp II. von Spanien, Papst Pius V. und Don Juan de Austria Gott und die Jungfrau Maria um Hilfe gegen die Muslime an und forderten die Katholiken auf, den Rosenkranz zu beten. Obwohl die Heilige Liga militärisch unterlagen war, gewann sie die Schlacht. Zum Dank wurde ein Jahr später das Rosenkranzfest eingeführt, das die katholische Kirche bis heute feiert.

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„Die Menschen zwingen, für den neuen Staat zu arbeiten“

„Welcome To Hell“-Protest beim G20-Gipfel im Hamburg. Bild: t–h–s / CC BY 2.0
Klaus Schroeder ist Professor an der freien Universität Berlin, wissenschaftlicher Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat und hat nun gemeinsam mit Monika Deutz-Schroeder das Buch Der Kampf ist nicht zu Ende – Geschichte und Aktualität linker Gewalt“ verfasst.

Reinhard Jellen | TELEPOLIS

Herr Schroeder, Sie resümieren am Ende Ihres Buches: „In der Bibel erschlägt Gott seinen Bruder Abel, weil Gott dessen Opfer vorzieht. Das Motiv für diese Gewalt könnte man mit ‚Sozialneid‘ charakterisieren. (…). Für linke Gewalt spielt dieser Aspekt bis zum heutigen Tag eine zentrale Rolle.“ Können Sie das ein wenig erläutern?

Klaus Schroeder: Die Linke, nicht nur die aktuell gewaltbereite, mobilisiert, indem sie versucht, potenzielle Sympathisanten gegen Besitzende aufzuhetzen, ungeachtet der individuellen Leistung. Da vielen Linken das Denken in Kategorien von Eigenverantwortung und Leistungsbereitschaft fehlt, gehört der Sozialneid quasi zu ihrem relevanten Handgepäck.
Die militante Linke, die sich bis zum heutigen Tag als revolutionär versteht, zielt mit ihrer Politik, zu der auch Gewalt gehört, auf einen Umsturz mit grundlegenden Folgen. Der bürgerliche Staat soll zerschlagen und die bürgerliche Gesellschaft zerstört werden.
Der Antrieb für linke Gewalt in der Bewegungsphase ist die Verunsicherung der herrschenden Eliten und der Versuch, über den revolutionären Kern hinaus weitere Personen in den Kampf miteinzubeziehen. Der Aufruhr, zumeist „Riot“ genannt, soll (wie in Hamburg während der Proteste gegen den G 20-Gipfel) die Staatsmacht, sprich: die Polizei, so unter Druck setzen, dass sie die Kontrolle über Räume und Personen verliert.
Wenn die Linke an die Macht gekommen ist, hat sie, wie die Beispiele Russland, China, Nordkorea und so weiter zeigen, sofort ein diktatorisches Schreckensregime errichtet. Das Bürgertum wurde ausgeplündert, die vorhandenen Ressourcen anders verteilt. Die Privilegierten waren aber nicht die Massen, sondern die ehemaligen Revolutionäre, die sich nach der Revolution als neue Machthaber gerierten.
Das Ziel für revolutionäre Gewalt ist insofern der Umsturz und die Neuverteilung der Ressourcen vermeintlich zugunsten der Unterprivilegierten, tatsächlich aber zugunsten der einstigen Revolutionäre.

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How the Pentagon’s Forever Wars Are Killing the Planet

U.S. military helicopters at Camp Taji, Iraq. (Muh. Sirojul Munir / Flickr)
It’s been a harrowing couple of weeks for climate change observers. First, as Vice reported, there was an analysis from an Australian think tank, co-written by Ian Dunlop, a former fossil fuel company CEO, that posits that the planet is “reaching a ‘point of no return’ by mid-century, in which the prospect of a largely uninhabitable Earth leads to the breakdown of nations and the international order.’ ”

Ilana Novick | truthdig

Then, on Wednesday, Brown University released a report revealing that the Department of Defense is “the world’s largest institutional user of petroleum and correspondingly, the single largest producer of greenhouse gases (GHG) in the world.” According to the report, the DOD released approximately 1.2 billion metric tons of greenhouse gases, including carbon dioxide, between 2001 and 2017.

Burning diesel and jet fuel for troop and weapons transport and usage causes 70% of the emissions, the report said.

In other words, the same institution that has kept America at war since 2001 is not only killing people, but also the planet. As CNBC pointed out, “The findings showed that if the Pentagon was listed as a country, its emissions would make it the world’s 55th largest contributor of greenhouse gases”—bigger than Portugal or Sweden.

CNBC called the report “the first of its kind to compile such comprehensive data.”

The Pentagon’s energy use was fairly stable from 1975 to 1990, and declined after the Cold War. Then came 9/11 and fighting in Afghanistan. After that, researcher Neta Crawford writes, “energy consumption by the DOD increased, and in 2005 hit its highest level in a decade. Since 2001 the DOD has consistently consumed between 77 and 80 percent of all US government energy consumption.”

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„Radikale sollten auf dem Kirchentag kein Podium bekommen“

Anfang Juni besuchte Heinrich Bedford-Strohm den Seenotrettungskreuzer „Sea-Watch 3“ Quelle: dpa/Annette Reuther
Politiker der AfD dürfen beim Kirchentag in Dortmund nicht auf den Bühnen auftreten. Bischof Heinrich Bedford-Strohm findet das richtig. Falsch hingegen sei es, Seenotretter im Mittelmeer zu kriminalisieren.

DIE WELT

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm, hat Verständnis dafür gezeigt, dass AfD-Politiker nicht zu Auftritten auf den Bühnen des Evangelischen Kirchentages eingeladen wurden. Die Entscheidung des Kirchentagspräsidiums sei „kurz nach den Ereignissen in Chemnitz gefallen, die eine deutliche Radikalisierung der AfD zeigten“, sagte Bedford-Strohm der „Bild“.

„Radikale, deren Werte mit denen des Christentums nicht vereinbar sind, sollten, so habe ich den Sinn dieses Beschlusses verstanden, auf dem Kirchentag kein Podium bekommen.“ Eine Auseinandersetzung mit der AfD und Populismus insgesamt werde es dennoch geben, betonte Bedford-Strohm.

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Deutsche Rüstungsgüter für 1,1 Milliarden Euro an Jemen-Kriegsallianz

Panavia Tornado GR4. Themenbild. 4ever.eu
Die deutsche Bundesregierung hat seit Jahresanfang Rüstungslieferungen für mehr als eine Milliarde Euro an die von Saudi-Arabien geführte Allianz im Jemen-Krieg genehmigt.

Die Presse.com

Trotz der Exportbeschränkungen im Koalitionsvertrag von Union und SPD wurden zwischen dem 1. Jänner und dem 5. Juni allein 13 Exporte für 801,8 Millionen Euro nach Ägypten und 43 Exporte für 206,1 Millionen Euro an die Vereinigten Arabischen Emirate genehmigt. Das geht aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Omid Nouripour hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Regierung erlaubte sogar zwei Rüstungsgeschäfte mit Saudi-Arabien, obwohl für das Land seit November eigentlich ein kompletter Exportstopp gilt. Dabei handle es sich um die Lieferung von „sondergeschützten Geländewagen“ für 831.003 Euro, wie der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Ulrich Nußbaum, mitteilte.

Insgesamt wurden für die acht Länder der Allianz 122 Exportgenehmigungen für Rüstungsgüter im Wert von 1,1 Milliarden Euro erteilt. Saudi-Arabien hatte die Koalition überwiegend arabischer Länder 2015 geformt, um die jemenitische Regierung in ihrem Kampf gegen die vom Iran geförderten schiitischen Houthi-Rebellen zu unterstützen.

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Was ist eigentlich Evidenz in der Medizin und wer braucht sie?

foto: katsey Ohne Herz geht nichts, sagt auch Historiker Jakob Lehne. Sein Arbeitsplatz ist das Josephinum
Die evidenzbasierte Medizin hat den Anspruch, die bestmögliche Therapie für eine Vielzahl von Patienten zu sichern

Günther Brandstetter | derStandard.at

Etwa 2000 Jahre lang war der Aderlass eine der gängigsten medizinischen Behandlungsmethoden. Bereits in der Antike dachten die weisen Eminenzen, den Menschen von ungesunden Säften befreien zu müssen. Auch Hildegard von Bingen pries ihn an, um den Körper von schlechtem Blut zu reinigen, das durch falsche Ernährung, Stress oder Ängste entsteht. Ihre Empfehlung: Bei abnehmendem Mond solle man dem Patienten „fauliges und zersetztes Blut“ abzapfen.

Doch spätestens mit der Entdeckung des Blutkreislaufs im 17. Jahrhundert hätte der Eingriff sein Ende finden müssen. Seit damals war klar, dass sich schlechtes Blut nicht irgendwo im Körper staut. Viele Ärzte praktizierten den Unsinn dennoch unverdrossen weiter, auch der erste US-Präsident George Washington wurde damit im Jahr 1799 zu Tode kuriert.

Nachweise für die Wirksamkeit

Es sollte bis 1972 dauern, die vorherrschende Dominanz der ärztlichen Eminenzen zu schmälern: Der britische Epidemiologe Archie Cochrane veröffentlichte sein Buch „Effectiveness and Efficiency – Random Reflections on Health Services“.

Darin kritisierte er, dass jeder Arzt tun und lassen konnte, was er für richtig hält. Er prangerte die mangelnde Wissenschaftlichkeit der medizinischen Praxis an und verlangte Nachweise für die Wirksamkeit von Therapien.

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Ein Juso-Vorsitzender, ein wenig Eigentumskritik und deren empörte Zurückweisung

Bild Kevin Kühnert: Martin Kraft / CC BY-SA 3.0 / Illustration: TP
Eines hat er erreicht, der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert: Plötzlich fragen sich doch durch alle Empörung hindurch ein paar nachdenklichere Leute, was eigentlich dran ist an seiner Kritik am Kapitalismus.

Rainer Schreiber | TELEPOLIS

Der Befund, der sich dabei durch die Bank ergibt – und schon längst erhoben wurde -, ist eindeutig: Die Armen werden eher ärmer, die Reichen gewiss reicher:

Superreiche 45 Deutsche besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung: Das Vermögen in Deutschland ist sehr ungleich verteilt, das sagen offizielle Statistiken. Nun hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung diese Statistiken ergänzt: Demnach ist die Ungleichheit weit extremer.

F. Diekmann, SPIEGEL online

Und da soll eine Debatte über die Art und Weise der Produktion, der Organisation und Verteilung von Eigentum und Reichtum überflüssig oder gar störend sein? Kommt darauf an: Schlecht ist diese Diskussion für alle, die von diesen absurden Verhältnissen profitieren. Die wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, obwohl sie vielleicht wissen, dass dies auch für sie selbst keine Zukunft hat:

Selbst ich als Kapitalist gebe zu, dass der Kapitalismus nicht mehr funktioniert“, räumt Starinvestor Ray Dalio ein und warnt zugleich vor einer „Revolution“, sollte der Kapitalismus nicht reformiert werden.

Handelsblatt online, 05.05.2019

Der hellsichtige Starinvestor und milliardenschwere Fondsmanager Warren Buffet bemerkte schon vor vielen Jahren:

There’s a class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.

The New York Times, 26.11.2006

Buffet meinte damals auch, dass es ihm unverständlich sei, wieso seine Sekretärin mehr Steuern zu bezahlen hätte wie er, der Milliardär. Soeben war zu lesen, dass Amazon, derzeit wohl einer der verrufensten Ausbeuter-Konzerne des Planeten, trotz seiner 11,2 Milliarden Dollar an (ausgewiesenem) Gewinn in 2018 eine Steuerrückerstattung von 129 Millionen Dollar erhalten hat. Mit einem Steuersatz von minus 1 Prozent liegt Amazon deutlich unter den Steuerverpflichtungen für die 20 Prozent der ärmsten Haushalte der USA in Höhe von 1,5 Prozent. Trump macht‘s möglich; die Zahl der Konzerne, die keine Steuern mehr bezahlen, hat sich unter seiner Regierung verdoppelt.

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Canberra lässt 4000 Kängurus töten

Kängurus regulieren ihre Fruchtbarkeit nach der Verfügbarkeit von Wasser und Nahrung. Doch dieser natürliche Mechanismus wird durch die Landwirtschaft ausgehebelt, und die Weibchen bekommen auch bei Dürre Nachwuchs. (Bild: Darrin Zammit Lupi / Reuters)
In der australischen Hauptstadt Canberra vermehren sich die Kängurus derart rapide, dass die Behörden zum Handeln gezwungen sind. Tierschützer drohen nun Widerstand an.

Urs Wälterlin | Neue Zürcher Zeitung

In Canberra kommt der Tod mit einem sanften Ton. Ein gedämpftes «Pop» ist das Letzte, was in diesen Wochen Tausende von Kängurus hören werden. In Parks und öffentlichen Gartenanlagen lauern nachts speziell ausgebildete Schützen den Tieren auf – mit Gewehren im Anschlag, die mit Schalldämpfern ausgerüstet sind. Die Strahlen von Hochleistungsscheinwerfern tasten die Landschaft ab. Lange müssen die Jäger nicht warten. In der australischen Hauptstadt leben Zehntausende der ikonischen Tiere, die das Wappen der Nation zieren. Zu Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, immer häufiger aber auch mitten am Tag, grasen Kängurus zu Hunderten auf Kinderspielplätzen und Golfanlagen. Immer wieder kommt es zu Unfällen. Canberra ist wohl die einzige Hauptstadt der Welt, wo Automobilisten sogar beim Umfahren des Parlamentsgebäudes die Gefahr droht, mit einem Tier zu kollidieren, das bis zu zwei Meter gross werden kann.

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Saudischer Kronprinz fordert „entschlossene Haltung“ gegen Iran

Saudi-Arabien macht wie die Vereinigten Staaten Iran für die mutmaßlichen Angriffe auf zwei Tanker im Golf von Oman verantwortlich. Der Kronprinz des Landes sieht nun die internationale Gemeinschaft in der Pflicht.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Saudi-Arabien hat seinen Erzrivalen Iran für die mutmaßlichen Angriffe auf zwei Tanker im Golf von Oman verantwortlich gemacht. Das „iranische Regime“ habe den Besuch des japanischen Regierungschefs Shinzo Abe nicht respektiert und während dessen Anwesenheit die Schiffe angegriffen, eins davon ein japanisches, sagte der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman der arabischen Zeitung „Al-Sharq al-Awsat“, wie das Blatt am Sonntag berichtete. Von der internationalen Gemeinschaft forderte er eine „entschlossene Haltung“.

Die beiden Tanker waren am Donnerstagmorgen bei schweren Zwischenfällen im Golf von Oman beschädigt worden. Zu dieser Zeit war Abe in Teheran, um im Konflikt mit Iran zu vermitteln. Die „Front Altair“ einer norwegischen Reederei geriet nach Explosionen in Brand. Auch der japanische Betreiber der „Kokuka Courageous“ berichtete von zwei Detonationen. Die genauen Hintergründe sind bislang unklar.

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Rio de Janeiro: Evangelikale wollen afro-brasilianische Kultstätten zerstören

Die afro-brasilianischen Religionen haben viele Rituale und Kultstätten. Foto: dpa/Leo Correa
Angehörige afro-brasilianischer Religionen sind derzeit im Großraum Rio de Janeiro durch evangelikale Drogenkriminelle gefährdet.

Stuttgarter Nachrichten

Rund 120 afro-brasilianische Kultstätten im Großraum Rio de Janeiro sind laut Medienberichten akut durch evangelikale Drogenkriminelle bedroht. Die Straftäter seien in den Gefängnissen bekehrt worden und evangelikalen Kirchen beigetreten, berichtete das Portal „UOL“ am Samstag. Wieder in Freiheit, vertreiben sie Priester und Angehörige von Religionen mit afrikanischen Wurzeln, die sie als „Teufelszeug“ ansehen, wie es hieß.

Die Polizei in Rio de Janeiro vermutet, dass die Drogenbande Terceiro Comando Puro (TCP) hinter den Attacken auf die Kultstätten steckt. Zuletzt sollen sich demnach die Übergriffe auf die Religionen Candomble und Umbanda vor allem in Armenvierteln gehäuft haben. So seien Versammlungshäuser zerstört worden. Zudem hätten die Priester ein Ultimatum von 48 Stunden erhalten, um sich aus den Vierteln zurückzuziehen.

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