Archiv der Kategorie: Politik

München: Geistig verwirrter Mann zerstört Kruzifix

passion-christi_kreuzigung_360Polizeisprecher: Derzeit werde überprüft, ob die Schändung der Jesusfigur religiös motiviert gewesen sei – Bisher liegen keine Hinweise auf Kontakte in die islamistische Szene vor.


kath.net

Mit einem Küchenmesser in der Hand war ein Mann in München am Sendlinger Tor herumgelaufen, dann ging er plötzlich auf das Kruzifix los. Er zerstörte den Korpus mit brachialer Gewalt, dann schnappte er einige Blumenvasen aus der Nische und warf sie nach den Passanten. Benachbarte Geschäftsleute verständigten die Polizei. Dies berichtete die Münchner Abendzeitung. Einer Polizeistreife gelang es, denn 38-jährigen Türken zu entwaffnen und festzunehmen. Nach Angaben des Polizeisprechers Sven Müller stammelte der Mann „wirres Zeug und war nicht mehr ansprechbar“. Er wurde in Handschellen in die Psychiatrie nach Haar eingeliefert. Der Polizeisprecher erläuterte weiter, dass derzeit überprüft werde, ob die Schändung der Jesusfigur religiös motiviert gewesen sei. Anhalte zu Kontakten des Täters in die islamistische Szene gibt es bisher keine.

Die „Münchner Abendzeitung“ zitierte einen Facebookeintrag des Münchner CSU-Stadtrat Richard Quaas: „Es macht wirklich sprachlos, was hier am Sendlinger Tor passiert ist! Wir kämpfen für ein weltoffenes München. Und so etwas, ist die Antwort darauf! Hier wurde unsere ganze freiheitlich-demokratische Gesellschaft in ihrer ganzen Toleranz mit Füßen getreten!“

Wissenschaftler bedroht! Max-Planck-Institut stellt Affenversuche ein

Bild: asatue.blogsport.de

Ein Fernsehbericht zeigt einen blutverschmierten Affen, angeblich gefilmt in einem Max-Planck-Institut in Tübingen. Seitdem werden die Wissenschaftler der Primatenforschung bedroht – der Institutsdirektor zieht nun Konsequenzen.


FOCUS ONLINE

Der Direktor des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik will nach Drohungen und Beschimpfungen von vermeintlichen Tierschutzaktivisten in den vergangenen Monaten Konsequenzen ziehen.

Nach Angaben der Gesellschaft in München werde der Neurowissenschaftler Nikos Logothetis seine Primatenforschung abschließen und künftig nur noch mit Nagetieren arbeiten. „Das wird noch zwei, drei Jahre dauern, bis die Experimente abgeschlossen sind“, sagte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur.

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Württembergische Lehrer kritisieren Landtagspräsidium

Guido Wolf, Bild: fraktion.cdu-bw.de

Vorwurf: Die grün-rote Mehrheit will Christlichen Pädagogentag bevormunden – CDU-Spitzenkandidat Wolf bezeichnete christliche Menschenbild als Kompass. Für die Sexualerziehung seien die Eltern zuständig.


kath.net

Einen Bevormundungs- und Entmündigungsversuch wirft die Evangelische Lehrer- und Erziehergemeinschaft in Württemberg dem Präsidium des baden-württembergischen Landtags vor. Anlass ist, dass die grün-rote Mehrheit den Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion, Guido Wolf, wegen dessen Teilnahme an einem Christlichen Pädagogentag öffentlich rügte. Wolf war bis Dezember Landtagspräsident. Er gab das Amt auf, nachdem ihn seine Partei als Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 13. März 2016 nominiert hatte. Bündnis 90/Die Grünen und SPD verlangen von Wolf, Termine abzusagen, zu denen er als Landtagspräsident eingeladen wurde. Dazu erklärte der Vorsitzende der Lehrergemeinschaft, Studiendirektor Paul-Gerhard Roller (Tübingen), zu Beginn des Pädagogentags, Wolf sei eingeladen worden, als er noch Landtagspräsident war. Später hätten die Lehrergemeinschaft und die Organisationsleitung des Pädagogentags mehrfach bekräftigt, den Politiker auch in seiner neuen Funktion als Redner haben zu wollen: „Wir lassen uns nicht aus Stuttgart vorschreiben, wen wir einladen. Wir halten es für einen Skandal, wie das Präsidium seine Mehrheit missbraucht.“

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Evangelische Kirche wirbt für Tarifeinheit

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bekräftigt ihre Forderung nach einem Tarifeinheitsgesetz.


evangelisch.de

Ohne Tarifeinheit würden die Eigeninteressen einzelner Berufsgruppen die betriebliche Solidarität weiter aushöhlen, sagte der Leiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD, Gerhard Wegner, am Montag im Deutschlandradio Kultur. Konkurrierende Gewerkschaften mit unterschiedlichen Tarifverträgen in einem Unternehmen könnten das bewährte Prinzip der Tarifpartnerschaft infrage stellen und zu “schweren wirtschaftlichen Verwerfungen” führen, warnte er.

Terror und Pegida: Gebt uns ein Feindbild!

Bild: Reuters

Bild: Reuters

Mit den Anschlägen von Paris ist der islamistische Terror endgültig im Bewusstsein der Europäer angekommen. Dabei kosteten die Attentate von Madrid (2004) und London (2005) mit 191 bzw. 52 Todesopfern weit mehr Menschen das Leben als die Morde vom 7. Januar 2015. Allerdings weisen Letztere zwei Spezifika auf: Zum einen richteten sie sich anders als die Bahn- oder U-Bahn-Anschläge oder auch als Nine Eleven nicht gegen eine völlig undefinierte Menge aus Angehörigen aller Nationen und Religionen.


Von Albrecht von Lucke|Blätter für deutsche und internationale Politik

Die Mörder von Paris töteten nicht wahllos, sondern gezielt: die „Gotteslästerer“ von „Charlie Hebdo“, Juden und Polizisten.[1] Damit entlarvt sich der fanatische Islamismus als die derzeit wohl radikalste Form dessen, was die Bielefelder Schule um Wilhelm Heitmeyer als „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ bezeichnet.[2]

Hinzu kommt ein Zweites: Anders als in den Nuller-Jahren treffen die Anschläge heute, in Folge der zahlreichen Krisen, auf hochgradig verunsicherte und gespaltene europäische Gesellschaften. Exemplarisch dafür ist die Lage in Frankreich. Während in Paris Millionen Menschen aus der Mittelschicht mit „Je suis Charlie“-Plakaten auf die Straße gingen, hielten sich die marginalisierten Muslime der Banlieues von den Demonstrationen ebenso fern wie der immer stärker werdende rechtsradikale Front National.

Deutschland ist von dieser (auch kolonialgeschichtlich) bedingten Erosion der Gesellschaft um Einiges entfernt. Umso mehr muss es beunruhigen, wie sehr sich auch hier mehr und mehr eine Spaltung des Landes abzeichnet – in jene, die die westliche, parlamentarische Demokratie und ihre offene Gesellschaft bejahen, und solche, die sie zunehmend ablehnen. Bei Letzteren kommt es zu einem erstaunlichen Zusammenspiel zwischen Islamisten und ihren radikalen Kritikern vom Schlage Pegidas. Damit wird deutlich: Als bloß soziales Problem sind beide Phänomene nicht hinreichend zu erklären.

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Zusammenstöße bei Protesten äthiopischer Juden in Tel Aviv

foto: ap/bality Die Demonstranten blockierten die Stadtautobahn in Tel Aviv.

Bei Protestdemos Tausender aus Äthiopien stammender Juden ist es in Tel Aviv zu gewaltsamen Konfrontationen mit der Polizei gekommen. Auf dem zentralen Rabin-Platz wurden nach Medienberichten am Sonntag mehrere Demonstranten verletzt.


derStandard.at

20 Polizisten hätten ebenfalls Verletzungen erlitten, teilte ein Polizeisprecher mit. Die Proteste richteten sich gegen eine Diskriminierung afrikanischer Juden.

Nach Augenzeugenberichten setzten die Beamten Tränengas und Blendgranaten gegen die Demonstranten ein. Diese hätten Polizisten wiederum mit Steinen und Flaschen beworfen, berichtete die Nachrichtenseite “ynet”. Im Stadtzentrum waren mehrere laute Explosionen zu hören. Über Tel Aviv kreisten stundenlang Polizeihubschrauber. Hunderte Polizisten bemühten sich am Abend um eine Beruhigung der Lage.

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Ahmet Davutoğlu: “Jedem einen Koran, eine Fahne, ein Wörterbuch”

Der Ministerpräsident der Türkei, Ahmet Davutoğlu, sprach am Sonntagabend vor Tausenden Anhängern in Dortmund. Foto: dpa

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu kritisiert bei seiner Rede vor Anhängern in Dortmund die deutsche Haltung zum Völkermord an den Armeniern. Und er hat ein Wahlkampfversprechen.


Von Deniz Yücel|DIE WELT

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu hat am Sonntag vor einigen tausend Anhängern in der Dortmunder Westfalenhalle eine Wahlkampfrede gehalten. Darin wandte er sich auch direkt an den deutschen Bundestag und an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

“Ich habe das sehr offen mit Frau Merkel besprochen und wende mich an dieser Stelle noch einmal an das deutsche Parlament. Wenn jemand versuchen sollte, über den angeblichen Völkermord uns Geschichtslektionen zu erteilen, lautet unsere Antwort: Wir haben mit den Armeniern und den anderen Völkern Anatoliens zusammengelebt. Wir wissen, wie wir mit ihnen zu reden und wie wir uns der Geschichte anzunähern haben”, sagte Davutoğlu.

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Das Meer und die Moral

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus "Report Mainz"

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus “Report Mainz”

Allein seit Jahresbeginn sind mehr als tausend Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Die Politiker der EU finden keine Antwort auf das Drama. Auch weil sie Angst haben. Vor uns, den Wählern.


Von Tilman Gerwien|stern.de

Da ging ein schmaler Mann mit dunkler Brille ans Rednerpult im Reichstag. In seinem Anzug bewegte er sich etwas ungelenk, wie ein Konfirmand. Er hatte nur vier Minuten Redezeit.

Der Mann in dem Konfirmandenanzug sagte: “Wir schützen unsere Grenzen besser als die Menschen. Das ist nicht mein Europa. Mein Europa bedeutet: Leben. Verantwortung heißt, dass man tut, was man kann. Was das Mittelmeer angeht, kann ich nicht sehen, dass wir alles getan hätten, was wir hätten tun können, obwohl uns der Papst dazu aufgefordert hat, obwohl uns das Europäische Parlament dazu aufgefordert hat, obwohl es eigentlich überhaupt keiner Aufforderung bedarf außer der des Herzens und des Rechts, einfach das zu tun, was die Not verlangt. Die Toten im Mittelmeer sind auch meine Toten. Ich fühle mich mitverantwortlich, und ich verneige mich vor ihnen.”

Für ein paar Momente wurde es ganz still im hohen Haus. Claudia Roth, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, blätterte diskret im Verzeichnis der Abgeordneten. Wer ist das? Wer findet solche Worte?

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Junge Amerikaner trauen Medien nicht

Das Institut für Politik der Harvard University hat in einer Umfrage die Einstellung der jungen Menschen von 18-29 Jahren zu den Medien eruiert. Danach wäre die Einschätzung als “Lügenpresse”, wie hierzulande manche Kreise vornehmlich aus der rechten und ausländerfeindlichen Ecke ihnen nicht gefällige Medien titulieren, noch geradezu ein Lob. Die amerikanischen jungen Menschen sind zutiefst skeptisch.


Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Seit 15 Jahren werden von dem Institut die jungen Menschen über ihre politischen Haltungen befragt, wozu auch das Verhältnis zu den Medien gehört. Für die aktuelle Umfrage wurden 3.034 18-29-Jährige zwischen dem 18. März und dem 1. April befragt.

Nur 12 Prozent glauben, die Medien verdienen Vertrauen, weil sie das Richtige tun, 39 Prozent sagen hingegen, sie würden das niemals tun. Und nur 2 Prozent unter den 12 Prozent äußern ein natürlich auch weltfremdes Vertrauen in die Medien, dass sie immer das Richtige machen würden. Damit rangieren die Medien, wenn es denn überhaupt Sinn macht, solche pauschalen Einstellungen als sinnvoll zu erachten, ganz unten und noch hinter dem Kongress (17%) und der Wall Street (14%). 49 Prozent schenken den lokalen Polizeibehörden Vertrauen, mehr als der Bundesregierung (25%), den Vereinten Nationen oder dem Präsidenten (beide 37%) oder dem Obersten Gericht (42%). 56 Prozent haben Vertrauen in Wissenschaftler, die mit dem Militär (53%) ganz oben stehen.

Mag sein, dass deswegen 57 Prozent auch dafür wären, Bodentruppen zu schicken, um den Islamischen Staat zu bekämpfen. Offenbar steigt die Bereitschaft dafür, dass sich die USA stärker im Ausland engagieren. 35 Prozent sind dafür, dass die USA bei der Lösung internationaler Konflikte die Führung übernehmen soll, 10 Prozent als letztes Jahr. 61 Prozent wären dafür, dass die USA dies anderen Länder oder den Vereinten Nationen überlassen sollen, 13 Prozent weniger als 2014. Und 23 Prozent meinen, dass es manchmal notwendig sei, “potienziell feindliche Staaten anzugreifen, anstatt zu warten, bis man angegriffen wird, um zu reagieren”. Das sind 7 Prozent mehr als 2014, allerdings waren 2013 25 Prozent dieser Meinung.

Das Ansehen der Wissenschaftler schlägt sich darin nieder, dass 75 Prozent davon ausgehen, dass die Klimaerwärmung eine Tatsache ist, die überwiegend (55%) oder teilweise (20%) von Menschen verursacht wird. Nur 23 Prozent hängt der von Republikanern starke gemacht Skepsis an und sagt, die Klimaerwärmung sei noch nicht bewiesen.

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Türkischer Premier auf Wahlkampf in Deutschland

Der türkische Premier Ahmet Davutoglu auf einem Archivbild / Bild: REUTERS

Am Sonntag eröffnete Ankaras Regierungschef Davutoglu ein neues Konsulat in Düsseldorf und warb um Stimmen für die bevorstehende Parlamentswahl.


Die Presse

Der offizielle Termin galt der Eröffnung eines neuen türkischen Konsulats in Düsseldorf, aber der türkische Premier Ahmet Davutoglu wollte seine Anwesenheit in Deutschland auch gleich für Wahlkampfaktivitäten nutzen. Zu der Kundgebung der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP  in Dortmund erwartete die Polizei mehrere tausend Menschen in der Westfalenhalle. In der Türkei wird am 7. Juni ein neues Parlament gewählt.

Zuvor hatte Davutoglu bei der Einweihung des neuen Konsulats in Düsseldorf Ausländerfeindlichkeit als eine der „größten Gefahren für das gemeinsame Haus Europa“ angeprangert.

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Unprovoked Baltimore cop pepper sprays passive protester wearing ‘Fuck the police’ t-shirt

In dramatic footage captured by the Associated Press, an unidentified Baltimore protester wearing a “Fuck the police” t-shirt is pepper sprayed before being dragged to the ground by his hair.


By Tom Boggioni|Raw Story

As the man stands impassively in the street with his arms at his side, an officer walks up to him and, without provocation, sprays his face with pepper spray. As the man attempts to shake it off, not even reaching upwards to his face, the officer then grabs him by his hair and flings him to the ground as fellow officers swarm all over him.

After being dragged to the sidewalk another officer pours water on his face as he lays moaning on the ground, his hands bound behind him.

Leaning against the wall next to the man is a protest sign reading “Amnesty 4 Jailed Youth.”

According to the Associated Press, the man was reportedly on the street after the 10PM curfew.

Hamburg: „Evolution“ nicht mehr Thema im Abitur

evolvefishlogo.gifNeben Genetik und Ökologie stand bei den Hamburger Abitur-Prüfungen in Biologie bisher auch das Thema Evolution auf dem Prüfungsplan. Doch das ändert sich ab 2017. In einem Brief an einen renommierten Wissenschaftler kritisieren die Schüler das und bitten ihn um Unterstützung.


Von Sandra Schäfer|Hamburger Morgenpost

Aus Sicht der Schüler gehört die Thematik zum bildungspolitischen Auftrag der Schule. Insbesondere die Einflussnahme religiöser Fundamentalisten auf gesellschaftliche Diskussionen sehen sie als einen Grund, unbedingt am Prüfungsthema festzuhalten.

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Irish Government Formally Responds to Open Letter to Eliminate Blasphemy Law

Taoiseach Enda Kenny (left) with British Deputy Prime Minister Nick Clegg

For years now, atheists in Ireland have led the charge to repeal the nation’s outdated and unnecessary blasphemy law. As it stands, Article 40.6.1 of the Irish Constitution includes this passage:


By Hemant Mehta|Friendly Atheist

The publication or utterance of blasphemous, seditious, or indecent matter is an offence which shall be punishable in accordance with law.

It’s obvious why this law — especially the “blasphemous” mention — has no basis in a free society. It threatens freedom of speech and puts religious sentiments on a pedestal.

Earlier this year, Taoiseach Enda Kenny (above) said that his government would not put the issue to voters this year:

The Government agreed last year that a referendum should be held, following the recommendation of the Constitutional Convention that the blasphemy clause should be removed.

However, the Cabinet decision was only that “the referendum will take place at an appropriate date to be decided by Government, after the necessary further consultations have been completed and the required legislation has been prepared”.

As it stands, voters will already be deciding later this month whether to legalize same-sex marriage and lower the age to run for President from 35 to 21. I guess the government believes the people can’t handle thinking about blasphemy when they’re already straining over the other issues.

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Echte Schauergeschichten statt Game of Thrones

Bild: wikimedia.org/PD

Bild: wikimedia.org/PD

Gerne würden Professoren ihren Jura-Studenten, die statt des Faches lieber über triviale Schauer-Märchen diskutieren, ihnen diese Gedanken austreiben. Martin Rath schlägt vor, den Studenten die Schauergeschichte von der Guillotine am Rande von Strafrechtsvorlesungen zu erzählen, um die Studenten wenigstens mit den philosophischen Aspekten der historischen Tötungsmaschine zu erhellen.


Von Martin Rath|Legal Tribune Online

Es war in einer offenbar langweiligen Strafrechtsvorlesung, irgendwann gegen Ende der 1990er Jahre: Der anerkannt altliberale Strafrechtsprofessor mühte sich redlich, die Aufmerksamkeit auf den Zusammenhang zwischen Tötungsdelikten und dem Allgemeinen Teil des Strafgesetzbuchs zu lenken. Die jungen Damen und Herren in den mittleren Rängen der Massenvorlesung unterhielten sich über das damals aktuelle Produkt der US-Populärkultur: “Buffy – Im Bann der Dämonen”.

Seither sind ganze Wellen an Grusel- und Gräuel-Serien durch die Medien und vermutlich auch durch die schwatzhaften Reihen der Hörsäle gelaufen. Zurzeit könnten es wohl Vampir-Märchen “True Blood”, die Zombies der “Walking dead” und natürlich besonders der Serien-Hit “Game of Thrones” sein, in dem die Protagonisten um ein Herz ärmer oder einen Kopf kürzer gemacht werden.

Diese Vorliebe für die trivialen Zubereitungen einer makabren Welt von Geistern und Untoten mag man zunächst als Anzeichen dafür nehmen, dass der finstere Humor, der in unserer alteuropäischen Rechtsgeschichte kaum zu knapp vorhanden ist, in Vergessenheit gerät. Eine kunsthistorische Studie zur Bildgeschichte eines einst beliebten Instruments des modernen Strafvollzugs erinnert nunmehr daran.

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Der “wohl im letzten Moment vereitelten Terroranschlag in Hessen”

Oslo 22.07.2011. Themenbild

Oslo 22.07.2011. Themenbild

Die kritische Distanz im Journalismus schwindet, die FAZ hat erneut dafür ein peinliches Exempel statuiert


Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Mitunter könnte einen der Verdacht beschleichen, dass angesichts der Nöte der Bundesregierung bis hinauf zur Kanzlerin angesichts immer neuer Enthüllungen über die Arbeit des BND und des Kuschelns mit der NSA, ein Fall höchster terroristischer Bedrohung gerade recht käme. Die Festnahme des türkischstämmigen Paars in Oberursel war Donnerstagnacht vor dem Internationalen Radrennen “Rund um den Finanzplatz Frankfurt-Eschborn” festgenommen worden, weil die Polizei vermutete, dass womöglich ein Anschlag wie in Boston auf die Marathonläufer geplant gewesen sein könnte.

Das Radrennen wurde trotz der Festnahme abgesagt, einige hundert Radfahrer ließen es sich trotzdem nicht nehmen, am 1. Mai demonstrativ die Räder zu besteigen. Die Geste richtete sich gegen mögliche Islamisten, dass man sich nicht vor Angst zurückzieht, aber auch gegen die Behörden, die möglicherweise mit dem Verbot – nicht mit der Festnahme – überreagiert haben.

Das LKA Hessen teilte am 1. Mai mit, dass “die hessische Polizei mit der Unterstützung des BKA und anderer Sicherheitsbehörden weiter mit hoher Intensität und Sorgfalt an der Klärung der Hintergründe und der Motivation für den geplanten Anschlag” arbeite und suggerierte damit auch erneut, dass ein Anschlag auf das Radrennen geplant gewesen sei. Allerdings erklärte die Polizei bereits zur Festnahme: “Ein geplantes mögliches Anschlagsziel ist derzeit nicht bekannt.” Daran scheint sich auch nichts geändert zu haben.

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Die Verklärung der Arbeit durch Religion und Staat

Fleiß war gestern – heute engagiert man sich. picture alliance

Auch Arbeit und Freizeit unterliegen einem kulturellen Wandel. Die Grenzen verschieben sich, Arbeit wird total. Plädoyer für eine Rückbesinnung zu echter freier Zeit


Von Alexander Grau|Cicero

Zur Arbeit hat der Deutsche ja ein ziemlich zwiespältiges Verhältnis. Einerseits gilt sie hierzulande immer noch als etwas nahezu Heiliges, als etwas, dass aus einem Menschen erst einen Menschen macht, dass seinem Leben Sinn und Inhalt verleiht. Nicht wenige sind geradezu stolz darauf, bis 22 Uhr im Büro zu sitzen und eine 70 Stundenwoche zu haben. Mindestens.

Andererseits: Nichts ist den Deutschen so wichtig wie ihre Freizeit, also die freie, die arbeitsfreie Zeit. Gelungene Freizeitgestaltung, ausgedehnte Fernreisen, zeitaufwendige Hobbys genießen ein enormes Sozialprestige. Und glaubt man den Selbstdarstellungen beim Partysmalltalk oder an den Nachbartischen im Café, so scheint Arbeit für viele Landsleute lediglich ein Intermezzo zu sein, das den Thailandurlaub von der Brasilienreise und dem Trip in die USA trennt.

Fleiß, Sauberkeit und Ordnung

Dennoch gilt Fleiß, neben Sauberkeit und Ordnung, immer noch als deutsche Kardinaltugend – nicht nur im Ausland. Allerdings unterliegt auch das Arbeitsethos einem kulturellen Wandel. Und deshalb ist der postmoderne deutsche Mitarbeiter nicht mehr fleißig im altväterlichen Sinne, sondern „bringt sich ein“ und ist „engagiert“.

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Das große Töten

Lauro Martines Blutiges Zeitalter  Verlag: Theiss, Stuttgart 2015 ISBN: 9783806230185 29,95 €

Lauro Martines
Blutiges Zeitalter
Verlag: Theiss, Stuttgart 2015
ISBN: 9783806230185
29,95 €

Die Ära vom ausgehenden 15. bis zum beginnenden 18. Jahrhundert gilt als Epoche bahnbrechender Erfindungen und Entdeckungen, die das Weltbild revolutionierten und geistige Strömungen wie Humanismus und Aufklärung hervorbrachten.


Von Theodor Kissel|Spektrum.de

Doch die sozialen Verwerfungen, der religiöse Fanatismus und die machiavellistische Machtpolitik dieser Umbruchszeit boten zugleich einen fruchtbaren Nährboden für endlose, todbringende Konflikte.

Lauro Martines beleuchtet diese “Welt aus Eisen und Blut”. Der Neuzeithistoriker, vormals am Lehrstuhl für Europäische Geschichte der University of California Los Angeles tätig, erzählt von Tätern und Opfern militärischen Wütens, von Konfessionskriegen, von Gewaltkonflikten aufgrund sozialer Missstände und von verzehrenden Auseinandersetzungen um Macht und Einfluss. Viele davon blieben regional begrenzt, andere weiteten sich auf ganz Europa aus, etwa der Kampf zwischen Katholiken und Protestanten, der im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) gipfelte. Der Autor breitet das grausame Panorama militärischer Gewalt in thematisch gegliederten Kapiteln aus: “Hölle in den Dörfern”, “Geplünderte Städte”, “Belagerungen”, “Plündergut und Beute”, “Waffen und Fürsten”, “Pöbel und Adlige: Soldaten”, “Töten für Gott”.

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Parlamente machtlos: Spionage ist Qualitätskontrolle der Geheimdienste

Alle spionieren, das ist Teil der modernen Politik. (Foto: Flickr/ James, I think your cover’s blown! by Ludovic Bertron CC BY 20)

Frankreich hält sich in der aktuellen Spionage-Affäre mit Deutschland auffällig zurück. Ein Grund dafür könnte sein, dass das Land selbst seit Jahren Industrie-Spionage in Deutschland und in den USA betreibt. Die wechselseitige Bespitzelung ist längst Alltag im Verhältnis der Verbündeten. Die mächtigen Geheimdienste sehen darin eine Art Qualitätskontrolle. Die nationalen Parlamente sind ahnungslos.


Deutsch Türkische Nachrichten

Die französische Regierung schweigt beredt zur Spionage-Affäre mit Deutschland. Dabei hätte Paris allen Grund zur Empörung: Deutsche Nachrichtendienste haben im Auftrag der Amerikaner die französische Regierung im großen Stil ausspioniert – ein Verhalten, das Bundeskanzlerin Angela Merkel noch vor kurzem als ein Ding der Unmöglichkeit bezeichnet hat. Doch aus dem Elysée-Palast ist bisher kein Anruf bei der befreundeten Bundeskanzlerin eingegangen – obwohl diese nun auch in Deutschland direkt unter Beschuss gerät.

Ein Grund für die äußerst vornehme Zurückhaltung der Regierung in Paris könnte sein, dass man in Paris über die „Enthüllungen“ gar nicht überrascht ist: Denn französische Nachrichtendienste selbst spionieren schon seit Jahren deutsche und US-amerikanische Unternehmen aus.

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Doppelagent Aimen Dean: Der Gesegnete

© BBC/Screenshot

Früher war er Mitglied bei Al Qaida. Dann wurde Aimen Dean vom britischen Geheimdienst umgedreht und verhinderte Anschläge. Seine Lebensgeschichte erscheint unglaublich, seine Einsichten sind klar und richtig.

 

Von Michael Hanfeld|Frankfurter Allgemeine

Sein Name ist Dean. Aimen Dean. Und er ist Agent Seiner Majestät. Oder ist es gewesen. Aimen Dean: Aimen heißt im Arabischen der Glückliche, der Gesegnete. Und Dean? Wie der amerikanische Jugendrebell? Oder der Dekan, der Älteste? Das würde passen zu diesem Mann, der in Wahrheit anders heißt und wie eine Figur aus einem Roman von John Le Carré erscheint. Seine Vita liest sich wie ausgedacht: Aimen Dean stammt aus Saudi-Arabien. Er wächst in einer streng religiösen Familie auf. Als Junge schon folgt er konservativen Predigern. Er glaubt, dass der Westen einen Krieg gegen den Islam führt und die Muslime vernichten will. Er stößt zu den Gründungsmitgliedern von Al Qaida. Er wird bestens bekannt mit Usama Bin Ladin, ist sozusagen per du mit dem Scheich.

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Verschenkt Sachsen-Anhalt die Schlosskirche an die EKD?

Bild: panoramio.com

Die EKD übernimmt die Verantwortung für die Schlosskirche in Wittenberg. Es ist die erste Kirche in Sachsen-Anhalt, die das Bundesland an die EKD abgibt.


evangelisch.de

Sachsen-Anhalt gibt die weltberühmte Schlosskirche in Wittenberg ein Jahr vor dem 500. Reformationsjubiläum 2017 ab. Zum Erntedankfest am 2. Oktober 2016 soll der Eigentümerwechsel zur Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) rechtskräftig werden, wie die “Magdeburger Volksstimme” (Samstagsausgabe) berichtet. Es sei das erste Mal, dass sich das Bundesland von einem Kirchengebäude trenne.

Die Schlosskirche sei der Geburtsort des Protestantismus, sagte EKD-Finanzdezernent Thomas Begrich der Zeitung. Da sei es angemessen, “wenn die EKD die Verantwortung dafür übernimmt”. Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) erklärte, dass die bisherige Regelung “ein Relikt aus preußischen Zeiten” sei, das nunmehr vom Kopf auf die Füße gestellt werde.

Der Sakralbau wurde über Jahrhunderte zunächst als Universitätskirche und seit 1817 als Ausbildungsstätte für Pfarrer staatlich unterhalten. Das Land stecke derzeit rund sieben Millionen Euro in die Sanierung, habe aber künftig keine Ausgaben mehr für den Unterhalt, hieß es.