Eine Form von Häresie: Wiederverheiratete Geschiedene

Robert Sarah (2015) Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA 4.0/François-Régis Salefran

Eine Obsession gewisser abendländischer Kirchen, die sogenannte „theologisch verantwortbare und pastoral angemessene“ Lösungen durchsetzen wollen – Leseprobe 8 aus dem Buch von Kardinal Sarah: „Gott oder Nichts – Ein Gespräch über den Glauben“

 

kath.net

Interviewfrage an Kardinal Sarah: Im letzten Dezember hat Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, erklärt: »Die Suche nach einer theologisch verantwortbaren und pastoral angemessenen Begleitung von Gläubigen, deren Ehe zerbrochen ist und die zivil geschieden und wiederverheiratet sind, gehört weltweit zu den drängenden Herausforderungen der Ehe- und Familienpastoral im Kontext der Evangelisierung.« Welche Ansicht haben Sie zu diesem Thema, das zu den Fragen der letzten Synode im Oktober 2014 gehörte?

Kardinal Sarah: Ich habe großen Respekt vor Kardinal Reinhard Marx. Doch diese allgemeine Aussage scheint mir Ausdruck einer Ideologie zu sein, die man im Gewaltmarsch der ganzen Kirche aufoktroyieren will.
Nach meiner Erfahrung – vor allem nach dreiundzwanzig Jahren als Erzbischof von Conakry und neun Jahren als Sekretär der Kongregation für die Evangelisierung der Völker – ist die Frage von »Gläubigen, deren Ehe zerbrochen ist und die zivil geschieden und wiederverheiratet sind«, keine drängende Herausforderung für die Kirchen Afrikas oder Asiens.

Im Gegenteil, es handelt sich um eine Obsession gewisser abendländischer Kirchen, die sogenannte »theologisch verantwortbare und pastoral angemessene« Lösungen durchsetzen wollen, die der Lehre Jesu und dem kirchlichen Lehramt radikal widersprechen.

Die dringendste Notwendigkeit in den Missionsländern besteht darin, eine Seelsorge aufzubauen, deren einziges Ziel die Antwort auf die Frage ist: Was bedeutet es in der heutigen geschichtlichen und kulturellen Situation unserer globalisierten Gesellschaften, wirklich Christ zu sein? Wie kann man furchtlose und großherzige Christen, eifrige Jünger Christi heranbilden?

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Is Big Pharma Out to Stop—Or Take Over—Marijuana Legalization?

Bild: Wikimedia commons/Bogdan (CC BY-SA 3.0)
Bild: Wikimedia commons/Bogdan (CC BY-SA 3.0)
Geoffrey Guy stood out when he began attending conferences of the National Organization for the Reform of Marijuana Laws in Washington, DC, in the mid to late 1990s. The stout British gentleman, dressed in a Brooks Brothers suit, was hard to miss among the other attendees dressed in tie-dye shirts and psychedelic parkas, recalled Allen St. Pierre, then NORML’s deputy national director.

By Joel Warner | MOTHERBOARD

But while he might not have fit in, Guy, a doctor in his early 40s who’d already made millions by founding a UK-based pharmaceutical company, was eager to learn all he could at the events about medical marijuana.

“He was like a dry sponge who desperately wanted to be thrown in a bucket of water,” said St. Pierre, who recently resigned from his 11-year stint as NORML’s executive director to pursue private-sector opportunities.

What Guy absorbed at those conferences and other fact-finding excursions became the basis for GW Pharmaceuticals, a UK drug company he founded with fellow doctor Brian Whittle in 1998 that has now become a major player in the legal marijuana industry by developing Sativex, a groundbreaking marijuana-derived drug sold in more than a dozen countries worldwide, and Epidiolex, a cannabis-based seizure medication that’s on a fast track to become the first cannabis-based drug approved in the United States.

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Abdel-Hakim Ourghi: «Dieser Islam gehört nicht zu Deutschland!»

Das konservative Glaubensverständnis, das in vielen Moscheen gepflegt wird, sieht Abdel-Hakim Ourghi als Hindernis für die Integration.(Bild: Ina Fassbender/Reuters)
Durch seine prononcierte Kritik an deutschen Moscheevereinen hat der Islamwissenschafter Abdel-Hakim Ourghi Staub aufgewirbelt. Gerade wer den Islam liebe, sagt er, müsse für seine Reform eintreten.

Von Beat Stauffer | Neue Zürcher Zeitung

Herr Ourghi, Sie sind kürzlich mit sehr scharfen Äusserungen über die muslimischen Dachverbände in Deutschland an die Öffentlichkeit getreten. Diese seien noch «meilenweit» von einem aufgeklärten Islam entfernt, duckten sich weg und stählen sich aus ihrer Verantwortung.

Die religiöse und politische Sozialisation sehr vieler Muslime in Deutschland in ihren Moscheevereinen ist, vereinfacht gesagt, geprägt von einer Pädagogik der Unterwerfung, die in den türkischen und auch in den arabischen Gemeinden durch sogenannte Import-Imame praktiziert wird. Diese hat verheerende Folgen.

Und diese Imame prägen wesentlich das Islam-Verständnis von unzähligen jungen Muslimen in Deutschland . . .

So ist es. Unsere Kinder werden durch den Koranunterricht aus ihrer westlichen Lebenswelt herausgerissen. Den 970 türkischen Imamen in den Ditib-Gemeinden, die in den meisten Fällen kein Deutsch sprechen, fehlt zudem jeglicher pädagogische und didaktische Ansatz. Es geht ihnen in erster Linie um die Weitergabe einer unreflektierten Tradition. Das ist der religiöse Hintergrund. Der politische ist, dass diese Imame die Aufgabe haben, die Beziehung der betreffenden türkischen Menschen zu ihrer Heimat aufrechtzuerhalten.

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Terre des femmes für generelles Burkaverbot

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Frauenrechtsorganisation: «Es ist an der Zeit, dass alle Parteien in Deutschland begreifen, dass es hier sowohl um die Verteidigung der Frauenrechte als auch unseres Grundgesetzes geht» – «Wir fordern ein Verbot der Ganzkörperverschleierung»
 

kath.net

Die Frauenrechtsorganisation Terre des femmes hat sich erneut für ein generelles Burkaverbot ausgesprochen. «Es ist an der Zeit, dass alle Parteien in Deutschland begreifen, dass es hier sowohl um die Verteidigung der Frauenrechte als auch unseres Grundgesetzes geht», erklärte Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle am Mittwoch in Berlin. Mimik und Gestik seien sichtbarer Ausdruck der Identität eines Menschen. Diese Sichtbarkeit der Person sei eine der Voraussetzungen für einen persönlichen Dialog und trage zur Vertrauensbildung bei. Auch ein Teilverbot, für das sich die Unions-Innenminister ausgesprochen haben, lehnt die Organisation ab.

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Ablehnung von Flüchtlingen wächst weltweit

Bild: heise.de
44 Prozent der Deutschen sind nach einer Umfrage für die Schließung der Grenzen, 51 Prozent glauben nicht an eine erfolgreiche Integration

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Für die internationale Umfrage in 22 Ländern wurden mehr als 16.000 Menschen (16-65 Jahre) zwischen dem 24.Juni und dem 8. Juli befragt, also noch vor den Terroranschlägen in Nizza und Gaziantep oder den Anschlägen in Ansbach und Würzburg. Einwanderung wird zunehmend negativ beurteilt, die in Deutschland kurzzeitig gefeierte Willkommenskultur schwindet hier wie anderswo. Für 49 Prozent gibt es zu viele Flüchtlinge in ihrem Land, 40 Prozent treten für eine Schließung der Grenzen ein, nur 20 Prozent sehen in der Zuwanderung positive Aspekte, 46 Prozent sagen, dass die Einwanderung ihr Land auf eine unerwünschte Weise verändert. Eine Mehrheit in fast allen Ländern, eine Ausnahme ist nur Japan, sagt, dass die Zuwanderung in den letzten 5 Jahren angestiegen sei, allen voran mit 96 Prozent in der Türkei, in Schweden, Deutschland und Südafrika mit über 90 Prozent der Menschen.

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AfD-Anhänger werden rechter, ärmer und leben im Osten

Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Die AfD hat sich eine sehr stabile Klientel geschaffen, in der höher gebildete Westdeutsche keine große Rolle mehr spielen. Der harte Kern der Anhänger ist jetzt schon größer als bei der FDP.

Von Matthias Kamann | DIE WELT

Während des Machtkampfs zwischen den AfD-Vorsitzenden Frauke Petry und Jörg Meuthen begannen die anderen Parteien zu hoffen. Die AfD zerlege sich, so meinte man von Linkspartei bis CSU, bald sei es mit jener Partei wieder vorbei. Aber diese Hoffnung ist offensichtlich unbegründet.

Nicht jedoch deshalb, weil sich die Streithanseln an der AfD-Spitze jetzt wieder vertragen wollen – das kann sich schnell ändern. Entscheidend ist, dass sich die Partei in Deutschland als feste politisch-ideologische Kraft etabliert hat. Und zwar vor allem bei Menschen, die eine stabile rechte Gesinnung haben, vornehmlich in Ostdeutschland leben und einen niedrigen Bildungsstand haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

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Flüchtlingsdeal: Bisher 2,2 Mrd. Euro an Türkei geflossen

Flüchtlingslager in der Türkei / Bild: REUTERS
Die EU-Kommission weist den türkischen Vorwurf zurück, die Pflichten aus dem Flüchtlingspakt vom März nicht zu erfüllen.

Die Presse.com

Die Europäische Union hat mittlerweile gut 2,2 Milliarden der zugesagten drei Milliarden Euro Hilfe für Flüchtlinge in der Türkei mobilisiert. Diese Zahl nannte die EU-Kommission am Mittwoch. Sie wies dabei erneut Vorwürfe aus Ankara zurück, die EU erfülle ihre Pflichten aus dem Flüchtlingspakt vom März nicht. Das sei „einfach nicht wahr“, betonte ein Sprecher in Brüssel.

Ende Juli sei eine Sondermaßnahme von 1,4 Milliarden Euro beschlossen worden, um Flüchtlingen und aufnehmenden Städten und Gemeinden in der Türkei zu helfen. Damit steige die mobilisierte Summe auf 2,24 Milliarden Euro. „Da stehen wir, das sind die Fakten“, sagte der Sprecher. Die versprochene Summe von drei Milliarden Euro bezieht sich auf die Jahre 2016 und 2017.

Die türkische Regierung hatte mehrfach bemängelt, dass die zugesagten Gelder nur spärlich flössen. Die Türkei hat rund drei Millionen Menschen aufgenommen, zumeist aus dem benachbarten Bürgerkriegsland Syrien.

Peinlich: Französische Polizei zwingt Frau am Strand zu mehr nackter Haut

Plus besoin de machine à remonter le temps, en France on est à nouveau en 1940. #honte #burkini #WTFFrance @josephsasnack/Twitter
Über das Burkini-Verbot wurde in Frankreich heftig diskutiert. Nun zeigt sich, wie es in der Praxis aussieht. Dabei trägt die Frau noch nicht einmal einen Burkini.

Von Paul Munzinger | Süddeutsche.de

Die Frau liegt alleine inmitten leicht bekleideter Menschen auf dem steinigen Strand. Sie trägt schwarze Leggins, ein hellblaues Oberteil und ein Kopftuch. Die Schuhe hat sie ausgezogen, die Knie angezogen. Vielleicht schläft die Frau, vielleicht döst sie, vielleicht genießt sie einfach die Sonne an der französischen Mittelmeerküste, als sich vier Polizisten nähern, alles Männer. Zwei von ihnen tragen kurze Hosen. Was die Polizisten der Frau sagen, ob es eine Diskussion gibt, einen Streit, verraten die Bilder nicht. Aber sie zeigen das Ergebnis des Polizeieinsatzes: Die Frau zieht ihr Oberteil aus, streng überwacht von den Polizisten, neugierig beäugt von den umliegenden Badegästen.

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CSU will neues Doppelpassgesetz wieder abschaffen

Der Doppelpass © Fotomontage MiGAZIN
Die CSU will sich mit der doppelten Staatsbürgerschaft für bestimmte Migrantengruppen nicht anfreunden. CSU-Generalsekretär Scheuer wirbt dafür, zur alten Regelung zurückzukehren. SPD, Grüne und Linke wiederum sind für weitere Liberalisierungen.
 

MiGAZIN

Die CSU will das von der großen Koalition liberalisierte Einwanderungsrecht wieder einkassieren. „Der Doppelpass wird immer mehr zum Regelfall, das wollen wir nicht, daher müssen wir zum alten Staatsbürgerschaftsrecht zurück“, sagte Generalsekretär Andreas Scheuer der Rheinischen Post. Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt bezeichnete die doppelte Staatsangehörigkeit als „Angebot, sich nicht festlegen zu müssen“. Die SPD wies den Vorstoß der CSU zurück.

Scheuer erklärte, nur Einwanderer, die lange in Deutschland lebten, sich gut integriert hätten und sich eindeutig zu den Werten und Prinzipien bekennen würden, könnten die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. „Der deutsche Pass ist kein Ramschartikel, den man als Zweitpass mal noch so mitnimmt“, sagte er. Forderungen der Grünen, jedem in Deutschland geborenen Kind automatisch den deutschen Pass zu geben, seien „völlig daneben“. Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte sich kürzlich dafür ausgesprochen, in Deutschland zur Welt gekommenen Kindern von Flüchtlingen automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft zu verleihen. SPD und Grüne unterstützten den Vorschlag.

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Die falsche Freiheit im Stoffgefängnis

Burqua Burka
Burka (CC-by-sa/2.0/en by Rockin‘ the Khuff)

Bei der Debatte um ein Verbot der Burka fällt häufig der Begriff „Freiheit“. Aber um wessen Freiheit geht es bei der Diskussion eigentlich? Um die der Frauen, die sich verschleiern wollen? Oder um die der Frauen, die unterdrückt werden?

Von Alexander Schaumburg | stern.de

Bevor ich zur Sache komme, erlauben Sie mir den Hinweis auf eine anscheinend unausrottbare Begriffsverwirrung: Zurzeit ist die Rede vom Burkaverbot. Das ermöglicht Gegnern der Maßnahme wie dem dezidiert islamfreundlichen ehemaligen CDU-Parlamentarier Ruprecht Polenz, die Debatte für überflüssig und aufgebläht zu erklären, weil die Burka im mitteleuropäischen Straßenbild praktisch nicht vorkomme.

Und damit hat er Recht. Die Burka ist eine paschtunische Stammestracht, die den Sprung aus ihrer afghanisch-pakistanischen Heimat offenbar (noch) nicht geschafft hat. Im Vordringen begriffen sind bei uns andere Methoden der Frauenvermummung, insbesondere der arabisch-sunnitische Nikab und seine zivilisiertere Variante, der Hidschab. Wer das nicht glaubt, ist eingeladen, einen Spaziergang durch die Straßen Münchens oder Berlins zu machen.

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Israel: Eine Statistik macht Hoffnung

Junge Israelis in einem arabischen Viertel von Jerusalem. Leider nichts Normales. Foto: REUTERS
Eine Erhebung des israelisch-palästinensischen Verhältnisses zeigt Chancen für Frieden. Vor mehr als zwei Jahren wurden die Friedensverhandlungen zwischen Israel und Palästina abgebrochen.

Von Inge Günther | Frankfurter Rundschau

Was Israelis und Palästinenser voneinander halten, lässt auf trübe Friedensaussichten schließen. Nur noch eine knappe Mehrheit ist für eine Zwei-Staaten-Lösung. Fast jeder zweite Israeli wie Palästinenser glaubt indes laut aktueller Umfragen, dass die jeweils andere Seite gar keinen Frieden will. Den Preis, also die nötigen Konzessionen für ein Abkommen, ist auch nur eine Minderheit bereit zu zahlen. Ein Lösungspaket, das neun Kernpunkte beinhaltet, wird gerade mal von 39 Prozent der palästinensischen Befragten unterstützt. Die

Zustimmungsrate unter jüdischen Israelis ist genauso gering. Allerdings befürworten 90 Prozent der arabischen Israelis die Vorschläge, die sich an den Kompromisslinien früherer Verhandlungsrunden orientieren, so dass das israelische Gesamtergebnis in diesem Aspekt auf 46 Prozent kommt.

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Christen-Moralisten warnen vor „Abtreibungsautomatismus“

Ist das Baby behindert? Mit Ultraschall-Untersuchungen allein lässt sich das nicht herausfinden.Foto: picture alliance / dpa
Müssen Krankenkassen neue Schwangerschaftstests bezahlen, die gezielt nach Behinderungen suchen? Die Zuständigen wollen das nicht alleine entscheiden.

Von Rainer Woratschka | DER TAGESSPIEGEL

Gewöhnlich lassen sich gesetzliche Krankenversicherer, Ärzte und Kliniken nur ungern in ihre Entscheidungen hineinreden, was als Kassenleistung bezahlt wird und was nicht. Doch bei der Frage, ob ein neuer Schwangerschaftstest zum Leistungskatalog gehören soll, rufen sie im Gemeinsamen Bundesausschuss nun nach dem Gesetzgeber.

Die Angelegenheit berühre „fundamentale ethische Grundfragen unserer Werteordnung“, die man nicht allein mit wissenschaftlich-technischen Prüfkompetenzen beantworten dürfe, lautet die Begründung. Das Parlament sei „gefordert, hier Grenzen und Bedingungen zu definieren“.

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Religion und Sicherheit: Weg damit

Meera Jamal, 1982 in Karatschi geboren, arbeitete als Journalistin. Sie floh 2008 vor religiösen Extremisten. Heute lebt sie in Kassel. Deutsch von Sofia Glasl. (Foto: Heiko Meyer)

In meiner Heimat Pakistan trugen nur afghanische Einwanderinnen und Frauen aus den Slums Burka. Plötzlich aber ist sie auf der ganzen Welt zu sehen.

Von Meera Jamal | Süddeutsche.de

Als ich Anfang der Achtzigerjahre durch die Straßen von Karatschi lief, mit Freunden Fangen spielte und Fahrrad fuhr, da staunte ich beim Anblick von Frauen in Burka, denn man sah sie nicht oft. Zu den wenigen Frauen, die sie trugen, gehörten afghanische Einwandererinnen, die in dieser typischen blauen Burka gingen, von Kopf bis Fuß verhüllt, nur mit Aussparungen für Augen und Nase. Die andere Gruppe waren Frauen in den Slums. Sie steckten unter einem schwarzen Gewand mit einer Art Schleier, hinter dem sie ihr Gesicht verbargen. Weder meine Mutter noch andere Frauen in meiner Familie trugen jemals Burka, sondern einen Schalwar Kamis, die traditionelle Kleidung aus langem Gewand und Hose, mit einem Schal, der um den Hals geschlungen wurde.

Ein Großteil des Bundesstaats Punjab lebte von der Landwirtschaft. Männer und Frauen arbeiteten zusammen, um über die Runden zu kommen. Wenn die Männer auf den Feldern säten, kümmerten sich die Frauen um Haus und Vieh und brachten ihren Ehemännern Essen. Zur Erntezeit halfen die Frauen beim Schneiden und Verpacken der Ernte. In den Städten war die Burka noch nicht zum Symbol für die Moral der Frauen geworden. Sie bedeckten den Kopf, um den Älteren Respekt zu erweisen und den Traditionen zu folgen. Das war alles.

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Bullshistic: Bischofskonferenz warnt vor Tests auf Down-Syndrom

Die Deutsche Bischofskonferenz warnt laut einem Zeitungsbericht vor der routinemäßigen Einführung neuer Bluttests zur Früherkennung eines Down-Syndroms.

evangelisch.de

Alle empirischen Forschungen zeigten, dass der Test „als reines Selektionsinstrument wirkt, das einen Abtreibungsautomatismus in Gang setzt“, erklärte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, in einem Brief an den Gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen, über den die Zeitung „Die Welt“ (Dienstagsausgabe) berichtete. Der Bundesausschuss hatte in der vergangenen Woche ein Prüfverfahren zur Übernahme der Bluttests in den Leistungskatalog der Krankenkassen eingeleitet.

Demnach sollen die Tests auf Trisomie 21, 18 und 13 bei Risikoschwangerschaften eingesetzt werden. Auf Antrag wird der Bluttest bereits heute von den Kassen finanziert, wenn eine Risikoschwangerschaft gegeben ist. Laut Fürst verstößt die Selektion menschlichen Lebens nach genetischen Kriterien gegen die „unbedingte Pflicht, die Würde des Menschen zu achten.“

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RDF Talk – Interview mit Uwe Lehnert

Warum ich kein Christ sein willProf. Uwe Lehnert ist emeritierter Universitätsprofessor, hat ein naturwissenschaftliches, technisches und erziehungswissenschaftliches Studium absolviert und war bis 2002 an der Freien Universität Berlin Lehrstuhlinhaber für Bildungsinformatik und Bildungsorganisation im Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie.

Von Richard Dawkins-Foundation

Uwe Lehnert ist Autor auf dem Gebiet der Bildungsinformatik und befasste sich nachberuflich mit Religionskritik. Sein religions- und kirchenkritisches  Buch »Warum ich kein Christ sein will« – Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung erschien 2015 in 6. Auflage.

RDF: Herr Lehnert, wurden Sie in ihrer Kindheit von einem stark religiösen Umfeld oder eher von einer orientiert indoktrinierten »Lightfassung« beeinflusst?

Uwe Lehert: Mein Vater war zeitlebens ein sehr kirchenkritisch eingestellter Mensch, meine Mutter war Katholikin, aber eher liberal in ihren Auffassungen, wenn der Begriff »liberal« im Zusammenhang mit »katholisch« überhaupt sinnvoll erscheint. Ich habe während der Schulzeit immer am Religionsunterricht teilgenommen, man konnte sich im Nachkriegsdeutschland dem ja kaum entziehen. Aber den sonntäglichen Kirchgang gab es in unserer Familie nicht. Allerdings wurde ich auf heftiges Drängen einer der Großmütter mit 14 Jahren zusammen mit meinen drei anderen Geschwistern evangelisch getauft. Meine Konfirmation folgte dann drei Jahre später.

Gab es ein Schlüsselerlebnis oder war es ein längerer Prozess, der Sie von einer religiösen hin zur naturalistischen Weltsicht führte?

Ein Schlüsselerlebnis, das schlagartig alles geändert hätte, hatte ich nicht. Aber eine skeptische Grundhaltung lag schon recht früh vor. Sie wurde im Konfirmandenunterricht verstärkt, als ich dem Pfarrer widersprach. Er meinte, dass Jesus ein unendlich großes Opfer für uns gebracht hat, weil er sich für uns am Kreuz töten ließ. Als ich daraufhin meinte, dass das Opfer so groß auch nicht wäre, weil er doch wusste, bald wieder aufzuerstehen, wurde ich so niedergeschrien, dass ich lange Zeit nicht mehr wagte, irgendetwas zu fragen, geschweige denn zu widersprechen. Ein zweiter Vorfall löste noch größere Vorbehalte gegen die christliche Lehre und Kirche aus, als ich einem Pfarrer im Religionsunterricht der Oberstufe vorhielt, dass er nur behaupten könne, dass es Gott gäbe und dass Jesus Gottes Sohn sei. Daran könnte ich jedenfalls nicht glauben. Daraufhin bekam ich eine solche Ohrfeige, dass ich in die Schulbank flog. Später allerdings entschuldigte er sich dafür und »belohnte« mich mit einer Eins in Religion wegen meines Mutes, wie er meinte.

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Schule des Lebens

Die wahre und kluge Samstagskolumne von Heinrich Schmitz über den schäbigen Unsinn des „gesunden Menschenverstandes“, an den zu glauben genauso fatal ist, wie an das „gesunde Volksempfinden“, hat bei mir eine Erinnerung geweckt.

Von Wolfgang Brosche | DIE KOLUMNISTEN

Eigentlich wollte ich etwas schreiben über die neuerliche Internetniedertracht der Beatrix Storch (Adel als politische Macht ist in Deutschland abgeschafft und deshalb kriegt diese AfD-Dame kein „von“ zugestanden – und von menschlichem Adel kann bei ihr schon gar nicht die Rede sein) – jene blutige Häme über ein kleines verstörtes Kind aus Aleppo.

Meine Erinnerung erklärt vielleicht deutlicher als jede Analyse, woher diese grausame Kaltschnäuzigkeit, geistige Unbeweglichkeit, dieser grüne Neid und diese sättigungslose emotionale Gier stammen, die nicht nur Beatrix Storch auszeichnen, sondern vor allem die Massen, die ihr ungeniert zujubeln und behaupten, sie hätte verteidigungswerte, unangreifbare „Meinungen“, die auf gesundem Menschenverstand und ebensolchem Empfinden beruhten.

Zwergschule in Sennelager

Ich habe zwei Jahre meiner Grundschulzeit in einer Zwergschule in Sennelager verbracht, jenem künstlichen Kaff am ehemals größten deutschen Truppenübungsplatz, der schon in der Kaiserzeit dazu diente, aus Menschen Soldaten zu machen. In bloß zwei Klassenräumen waren sämtliche Jahrgangsstufen untergebracht über die zwei Lehrer herrschten, die wohl von einem allliterarisch begeisterte Schulrat hierher abgeschoben worden waren: Herr Pippert war der Jüngere und hatte wohl das Ende des Krieges als Werwolf erleben müssen. Herr Pagel erschien uns Siebenjährigen uralt; ein Erich von Stroheim mit Unteroffiziersstiernacken, dessen Sprache an das Bellen und Kläffen eines mittelgroßen Hundes denken ließ, der – so sehe ich es heute – sich weder den Dackeln, noch den Bulldoggen zurechnen konnte.

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Diözesen schaffen neue Aufsicht für Zusatzversorgungskasse

Bild: tilly
Bild: tilly
Neu beschlossene Organe sollen künftig die Katholische Zusatzversorgungskasse (KZVK) mit Sitz in Köln kontrollieren.
 

evangelisch.de

Die Vollversammlung des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD) habe am Montag eine umfassende Neuordnung der Organ- und Aufsichtsstruktur der KZVK beschlossen, teilte der Dachverband in Bonn mit. Kern der Reform ist das Einsetzen eines neunköpfigen Aufsichtrates und einer Vertreterversammlung.

Der Aufsichtsrat übernehme unter anderem die Überwachung und Begleitung der Geschäftsführung, hieß es. Die Vertreterversammlung wird besetzt mit Delegierten der Träger, Beteiligten und Versicherten und soll etwa über Satzungsänderungen entscheiden. Auch die Höhe der Beiträge werde hier geregelt. Außerdem wurde ein externes Aufsichtsgremium durch den Dachverband geschaffen, womit die Aufsicht über die Kasse durch den VDD erweitert wird.

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„Sie müssen sich eingestehen, mit der falschen Person verheiratet zu sein“

„Ein bisschen mehr Skeptizismus gegenüber Gefühlen wäre hilfreich“, sagt Alain de Botton. (Foto: Mathias Marx)
Warum trennen sich Paare heute so schnell? Und was ist das Geheimnis wahrer Liebe? Der Philosoph Alain de Botton hat verstörende Antworten.

Von Thorsten Schmitz | Süddeutsche.de

Sie haben noch nie von Alain de Botton gehört? Dann versuchen Sie mal, einen Termin zu bekommen! Drei Monate hat es gedauert, bis der Bestseller-Autor („Wie Proust Ihr Leben verändern kann“) und Philosoph für die SZ zu sprechen war. Er kommt gerade von einer Lesereise in den Vereinigten Staaten an Ost- und Westküste und in Australien. Sein neuestes Buch heißt „Der Lauf der Liebe“ – und alle Welt möchte jetzt vom Alltagsexperten de Botton wissen: Wie schafft man das, eine glückliche Beziehung zu führen?

De Botton lebt in London, im feinen Stadtteil Belsize Park. Er leitet in sein karges Arbeitszimmer, es gibt keinen Tee, sondern eine Flasche Sprudelwasser, die muss reichen. Die vor drei Monaten gebuchte Zeit fürs Gespräch nimmt er sich wach und konzentriert, aber nach der vereinbarten Stunde beginnt er auf die Uhr zu schauen. Morgen muss er nach Italien fliegen, Google-Chef Eric Schmidt hat ihn gebeten, auf einem Managertreffen über Liebe zu reden.

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Rio Reiser und die Religion

Rio Reiser, der eigentlich Ralph Christian Möbius hieß, auf einem Bild aus den späten 80er-Jahren. (Imago Stock & People)
So wenig der vor 20 Jahren verstorbene Rio Reiser auch mit der Amtskirche anfangen konnte, so stark sei sein Interesse für Religion gewesen, sagt sein Biograph Hannes Eyber. Der Sänger habe jeden Tag in der Badewanne die Bibel gelesen.
 

Hannes Eyber im Gespräch mit Philipp Gessler | Deutschlandradio Kultur

Philipp Gessler: Gestern vor 20 Jahren starb auf einem Hof in Schleswig-Holstein, im nordfriesischen Fresenhagen, Rio Reiser mit gerade einmal 46 Jahren. Reiser, mit bürgerlichem Namen Ralph Christian Möbius, war einer der bedeutendsten Liedermacher deutscher Sprache in den 70er- bis 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, eine Ikone der linken Szene, gerade in Berlin, vor allem im alternativen Kreuzberg. Nicht besonders bekannt ist Rio Reisers religiöse oder spirituelle Seite, obwohl sie einen in seinen Liedtexten manchmal geradezu anspringt. Über diesen Aspekt habe ich mit Hannes Eyber gesprochen. Eyber war ein Freund Rio Reisers und hat mit ihm seine Autobiographie „König von Deutschland“ geschrieben. Meine erste Frage an Eyber war, ob er noch häufig an seinen alten Freund Rio denke.

Hannes Eyber: Ja, also, ich meine, das war schon eine sehr intensive Zeit, und als ich da die Nachricht bekam, dass er gestorben ist, das hat mich nicht nur beeindruckt, sondern sehr traurig gemacht. Eigentlich war er so eine Art Lebensgefährte, was mein eigenes Leben betraf.

Ein sexueller Leidensweg

Gessler: Darf ich Sie direkt fragen – Lebensgefährte auch im Sinne von …

Eyber: Nicht in erotischer Art. Also da waren wir grundverschieden, aber ich hatte dadurch, dass wir eine sehr intensive Nähe hatten, so habe ich seinen sexuellen Leidensweg doch wahrgenommen und mitbekommen.

Gessler: Aber es war ja nicht nur ein Leidensweg. Er hatte ja Freunde.

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Immer mehr rechte Musikveranstaltungen bundesweit

Disko © Sean H @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Das Bundesamt für Verfassungsschutz zählte im vergangenen Jahr fast 200 Musikveranstaltungen Rechtsextremer. Das ist die höchste Zahl seit vier Jahren. Thüringen scheint einer der bevorzugten Anlaufpunkte zu sein.

MiGAZIN

Die Zahl rechtsextremer Musikveranstaltungen nimmt einem Bericht der Welt zufolge weiter zu. Im ersten Halbjahr 2016 gab es bundesweit bereits 98 Rechtsrock-Konzerte, Liederabende und Parteiveranstaltungen mit Auftritten von Musikern der rechtsextremen Szene, berichtet die Zeitung. Insbesondere in Thüringen häuften sich derartige Veranstaltungen. Das gehe aus Antworten des Bundesinnenministeriums auf Anfragen der Linken-Fraktion im Bundestag hervor.

Nach den vorläufigen Zahlen registrierten die Sicherheitsbehörden im ersten Halbjahr bundesweit 40 Rechtsrock-Konzerte sowie 49 sogenannte Liederabende in kleinerem Rahmen. Dazu kämen neun Auftritte bei Versammlungen und Festen der NPD und anderer rechtsextremer Parteien. Im vergangenem Jahr zählte das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) insgesamt 199 Musikveranstaltungen Rechtsextremer und damit die höchste Zahl seit vier Jahren.

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