Archiv der Kategorie: Soziales

Chaim Miller: »Ich bereue nicht einen Schuss«

Chaim MIller, © screenshot JA

Chaim Miller über sein Leben als Nazi-Jäger, Rache an SS-Männern und Schuldgefühle


Von Philipp Peyman Engel|Jüdische Allgemeine

Herr Miller, können Sie sich noch an den ersten NS-Verbrecher erinnern, den Sie aufgespürt und getötet haben?
Hören Sie, ich bin zwar 93 Jahre alt, aber so etwas vergisst man nicht. Meinen ersten SS-Mann habe ich direkt nach Kriegsende 1945 in Italien ermordet. Es war ein Nazi aus meiner Heimatstadt Wien, der während der Schoa besonders schlimm gewütet hatte. Damals war ich Soldat bei der Jüdischen Brigade in der britischen Armee. Als ich ihn entführt und im Wald mit seinen Taten konfrontiert hatte, gab er sofort alles zu. Es schien für ihn eine Erleichterung gewesen zu sein, endlich mit jemandem darüber zu sprechen, was er getan hatte.

Wie ging es dann weiter?
Ich verkündete ihm sein Urteil. Er schaufelte eine Grube aus und kniete sich brav hin – pflichtbewusst bis in den Tod. Noch bevor er den Knall hören konnte, war er tot.

weiterlesen

“Die Demonstranten fabulieren über Sexualpraktiken”

Themenbild.

Themenbild.

Der Streit um die “Akzeptanz sexueller Vielfalt” im baden-württembergischen Bildungsplan tobt weiter. Inzwischen sorgt zusätzlich ein “Aktionsplan für Akzeptanz” für Aufregung, der teilweise drastische Schritte vorsieht, um die Gesellschaft für die Anliegen Homosexueller und Transsexueller zu gewinnen. Kultusminister Andreas Stoch (SPD) wirbt im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) dafür, jeden Menschen zu akzeptieren, der eine andere sexuelle Orientierung hat.


evangelisch.de

Herr Minister, fünf Demonstrationen hat es in Stuttgart gegen den Bildungsplan Ihres Ministeriums mit seiner Werbung für die “Akzeptanz sexueller Vielfalt” gegeben. Sie fühlen sich von den Kritikern missverstanden. Warum?

Andreas Stoch: Die Kritiker beziehen sich immer noch auf ein altes internes Arbeitspapier, das noch nicht einmal den Status eines Bildungsplanentwurfs hatte. Dieses Papier hat den irrtümlichen Eindruck erweckt, es überakzentuiere das Thema sexuelle Vielfalt. Das bedauere ich im Nachhinein. Das Vorhaben an sich halte ich aber für richtig.

Warum ist dann die Kritik daran falsch?

Stoch: Weil auf den Demonstrationen immer von einer Übersexualisierung geredet und über Pornografie und Sexualpraktiken fabuliert wird. Bei Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt geht es aber gar nicht um den Sexualkundeunterricht. Schüler sollen lernen, dass in unserer Gesellschaft kein Platz ist für Ausgrenzung und Diskriminierung – weder aufgrund ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit noch aufgrund der sexuellen Orientierung eines Menschen. Das hat nichts damit zu tun, ob und wie Menschen ihre Sexualität dann ausleben.

weiterlesen

Christlich geprägte Kultur des Sterbens entwickeln – Igitt

Bild: letzte-hilfe.de

Bild: letzte-hilfe.de

Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen haben der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, am Samstag die Woche für das Leben eröffnet, die bundesweit vom 18. bis zum 25. April 2015 stattfindet. Unter dem Jahresthema „Sterben in Würde“ befasst sich die Aktion mit der gesellschaftlichen und politischen Debatte um assistierten Suizid sowie dem Umgang mit schwerstkranken und sterbenden Menschen.


EKD

„In Würde sterben zu dürfen, heißt eben nicht, alle Optionen zu haben, um sich jederzeit selbst töten zu können, betonte der Ratsvorsitzende der EKD in seiner Predigt. „In Würde zu sterben heißt, nie aus der Beziehung zu Gott und den Menschen herauszufallen“. Das Hauptaugenmerk in der Woche für das Leben sei darauf gerichtet, „dass wir eine Kultur des Sterbens entwickeln, die nicht länger von der Angst geleitet ist, sondern in der die Liebe Raum gewinnt.“ Notwendig sei eine Kultur, „in der über dem Schmerz und der Trauer, über den Abschied nie die Ahnung von offener Zukunft und neuem Leben verloren geht“, sagte Bedford-Strohm.

„Tod und Sterben gehören für die meisten von uns nicht mehr zur Erfahrungswelt. Sie sind die Angelegenheit von Spezialisten geworden“, betonte Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, in seiner thematischen Einführung. Die Angst, am Lebensende nicht mehr über sich selbst bestimmen zu können, ein Leben in Schmerzen zu führen und den Angehörigen zur Last zu fallen, nehme zu und führe dazu, dass die Attraktivität von Sterbehilfevereinen steige. „Doch was ist das für ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft, in der die Möglichkeit zur Selbsttötung bloß zu einer weiteren Option unter vielen wird: Pflegeheim, Krankenhaus, Suizid“, so Kardinal Marx weiter. „Die Humanität einer Gesellschaft misst sich doch gerade daran, wie man mit alten, kranken, schwachen und schwerkranken Menschen umgeht. … Sie verdienen in besonderer Weise unsere Zuwendung – und nicht den Giftbecher.“

An dem Ökumenischen Eröffnungsgottesdienst in Hamburg, mit mehreren Hundert Teilnehmern aus Politik, Gesellschaft und Religionsgemeinschaften, wirkten außerdem die Hamburger und Lübecker Bischöfin Kirsten Fehrs, (Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland) sowie Erzbischof Stefan Heße (Erzbistum Hamburg) mit.
Im Anschluss an den Eröffnungsgottesdienst diskutierten Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal Reinhard Marx in der Katholischen Akademie beim Podiumsgespräch „Sterben in Würde“ mit Dr. Michael de Ridder (Notfallmediziner und Geschäftsführer a. D. Vivantes Hospiz Berlin) und Prof. Dr. Armin Nassehi (Professor für Soziologie an der Universität München) unter anderem über die Frage, warum Sterben vielfach mit „Autonomieverlust“ gleichgesetzt wird. „Wenn man die Selbstbestimmung auf die Frage nach gesetzlichen Rahmenbedingungen reduzieren würde, die eine Selbsttötung möglichst leicht machen, wäre das eine völlige Verarmung einer Vorstellung von Autonomie und Freiheit“, so der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm.

Kardinal Reinhard Marx unterstrich, dass die Kirchen nie eine Verpflichtung betont hätten, Menschen unter allen Umständen am Leben zu erhalten. Zudem ist „die Palliativversorgung bereits heute eine hervorragende Möglichkeit, schwerstkranke Menschen auf ihrem letzten Lebensweg zu begleiten“, so Kardinal Marx. Sie kümmere sich nicht nur um körperliche Schmerzen, sondern auch um die Psyche und spirituelle Bedürfnisse.

Die Woche für das Leben ist seit mehr als 20 Jahren die ökumenische Aktion der evangelischen und katholischen Kirche für den Schutz und die Würde des Menschen vom Lebensanfang bis zum Lebensende. Themenheft, Info-Flyer und weitere Informationen zur Woche für das Leben stehen unter http://www.woche-fuer-das-leben.de zur Verfügung.

Hannover, 18. April 2015

Pressestelle der EKD
Carsten Splitt

 

Ayaan Hirsi Ali: 5 Thesen für eine islamische Reformation

Ayaan Hirsi Ali ist in ihrem Buch vom Kommen einer baldigen Reformation im Islam überzeugt Foto: The Aspen Institute / Knaus Verlag | CC BY-NC-ND 3.0

Ayaan Hirsi Ali glaubt an eine Reformation im Islam. In ihrem neuen Buch beschreibt sie, wo sich die Religion verändern muss, damit diese im 21. Jahrhundert ankommt.

Von Lydia Ullrich|pro Medienmagazin

„Der Islam befindet sich an einem Scheideweg“, schreibt die Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali in ihrem neuen Buch. Mit „Reformiert euch! Warum sich der Islam ändern muss“ möchte sie sowohl Muslime als auch Nicht-Muslime zum Nachdenken bringen und eine öffentliche Debatte über die Zukunft des Islams anstoßen.

Sie weiß, worüber sie schreibt. Hirsi Ali wurde 1969 in Somalia geboren, schloss sich mit 16 Jahren in Kenia der Muslimbruderschaft an und lebte als radikale Muslimin. Dennoch floh sie vor einer arrangierten Ehe in die Niederlande, wo sie Asyl erhielt und später die Staatsbürgerschaft. Dort hörte sie auf, den Islam zu praktizieren und gab ihn schließlich komplett auf.

Während ihres Studiums der Politikwissenschaften lernte sie eine kritische, westliche Denkweise kennen. Um so schockierter stellte Hirsi Ali fest, dass diese kritische Auseinandersetzung offenbar nicht auf das Glaubenssystem des Islams angewendet wird, schreibt sie. Sie hinterfragt die Ansichten von westlichen Liberalen, welche die Probleme der islamischen Welt in wirtschaftlichen und politischen Bereichen sehen, nicht aber in der Religion.

weiterlesen

“Charlie Hebdo” war “nur die Spitze des Eisbergs”

Foto: dpa Syriens Präsident Baschar al-Assad hat der schwedischen Zeitung “Expressen” ein sehr ausführliches Interview und Einblicke in seine Politik gegeben

Flüchtlingsstrom, Weg zur Demokratie, Terrorgefahr in Europa: Der syrische Machthaber Baschar al-Assad hat einer schwedischen Zeitung ein ausführliches Interview gegeben – inklusive warnender Worte.


Von Clara Ott|DIE WELT

Der syrische Machthaber Baschar al-Assad hat für jüngste Landgewinne militanter Islamisten Hilfe aus dem Ausland verantwortlich gemacht. Sie bekämen “enorme Unterstützung” aus der Türkei, Saudi-Arabien und anderen Ländern im Mittleren Osten, sagte Assad in einem am Freitag veröffentlichten Interview der schwedischen Zeitung “Expressen“.

So zeuge die Eroberung der Stadt Idlib Ende März nicht davon, dass die syrische Armee schwächer geworden sei, behauptete Assad. Die Provinzhauptstadt im Nordwesten des Landes war von Anhängern der mit al-Qaida verbündeten Nusra-Front eingenommen worden.

“Wie gesagt, jeder Krieg untergräbt jede Armee, das ist der natürliche Lauf der Dinge”, sagte er. “Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man, und das hängt von vielen Kriterien ab, von denen einige mit inländischen, internen und militärischen Kriterien oder Faktoren in Zusammenhang stehen.”

weiterlesen

Özoguz und Griese machen sich für religiöse Bildung stark

Kerstin Griese (2014), Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 de/SvenTeschke

Die Religions- und Kirchenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Kerstin Griese, hat sich der Forderung des Berliner Bischofs Markus Dröge nach einer neuen Bildungsoffensive in Sachen Religion und des interreligiösen Dialogs angeschlossen.


evangelisch.de

Sie sagte am Freitag in Berlin auf einer Tagung der SPD-Fraktion, Toleranz und Vielfalt könne nur leben, wer die eigene Religion kenne und die des anderen verstehen wolle.

Auf einer Tagung der SPD-Fraktion mit dem Titel “Wir alle sind Deutschland” über das Miteinander von Menschen verschiedener Religionen und Kulturen zeigte sich Griese besorgt, dass 60 Prozent der Bundesbürger glauben, der Islam passe nicht in die westliche Welt, während zugleich die deutschen Muslime sich mehrheitlich zur pluralistischen deutschen Demokratie bekennen.

weiterlesen

Forscher wollen das erste künstliche Lebewesen erschaffen

Im Kieler Wirkstoff-Zentrum werden Substanzen aus marinen Mikroorganismen untersucht und patentiert Sieg/Nölting, IFM-GEOMAR

Sie sollen Treibstoff produzieren, Krankheiten heilen oder Umweltgifte entschärfen. Synthetische Lebewesen sollen viele Probleme des 21. Jahrhunderts lösen. Bei ihrer Entwicklung entfernen sich Forscher von der universellen Sprache des Lebens. Das bietet Chancen und birgt Risiken.


FOCUS ONLINE

  • Wissenschaftler wollen Lebewesen synthetisch herstellen.
  • Bei den künstlich veränderten Lebewesen handelt es sich um Mikroorganismen.
  • Die Forscher wollen durch ihre Forschung Lebewesen von den „Fesseln der Evolution“ befreien.

Der Golem, Frankensteins Monster oder die Dinosaurier aus “Jurassic Park”: Leben künstlich zu erschaffen, fasziniert Menschen seit jeher – bis vor kurzem meist nur als Fiktion. Doch inzwischen streben Forscher gezielt die Herstellung neuartiger Organismen an und wetteifern darum, wer das erste synthetische Lebewesen erschafft.

weiterlesen

US-Amerikaner weiter für Todesstrafe, besonders Christen

3c94d-hinrichtung-todesstrafe-todesspritze

Die Mehrheit der US-Amerikaner steht weiter hinter der Todesstrafe, allerdings mit 56 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit 40 Jahren. Das geht aus einer aktuellen Analyse des Washingtoner Pew Research Centers hervor. Demnach ging die Unterstützung für die Todesstrafe seit 2011 um sechs Prozentpunkte zurück. 1996 betrug der Anteil der Befürworter noch 78 Prozent.


kathweb

Während die Haltung zur Todesstrafe seitens männlicher Befragter seit 2011 praktisch unverändert bei 64 Prozent blieb, sank die Zustimmung unter Frauen von 59 auf 49 Prozent. Überdurchschnittlich großen Rückhalt finden Hinrichtungen bei Protestanten und Katholiken weißer Hautfarbe. Trotz leichter Einbußen finden noch 71 Prozent der Evangelikalen und 66 Prozent von Mitgliedern der protestantischen Hauptkirchen die Tötung von Straftätern in Ordnung. Unter weißen Katholiken stieg die Zustimmung sogar von 61 Prozent im Jahr 2011 auf jetzt 63 Prozent.

weiterlesen

Vatikan will kein „Hickhack“ mit Erdogan

Papst Franziskus feiert eine Messe mit dem armenischen Kirchenoberhaupt Karekin II. im Vatikan (12. April)APA/EPA/ANSA/Giorgio Onorati

Der Vatikan will sich nach Worten seines Sprechers Federico Lombardi nicht auf ein „Hickhack“ mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan einlassen. Papst Franziskus hatte die Gräueltaten an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnet.


religion.ORF.at

„Wenn es von türkischer Seite Reaktionen gab, nehmen wir das zur Kenntnis“, sagte Lombardi mit Blick auf die Papst-Schelte durch Erdogan am Mittwoch vor Journalisten im Vatikan – mehr dazu in Erdogan: Papst redet „Unsinn“ in Armenierfrage. Man werde aber „aus der Sache keinen Streitfall“ machen, so der Jesuit. Lombardi bekräftigte am Mittwoch, man werde inhaltlich nicht zurückrudern. Der Vatikan habe in dieser Frage „eine sehr präzise und konsequente Linie“. Im Übrigen sei „sonnenklar“, dass Franziskus lediglich einen früheren vatikanischen Sprachgebrauch aufgegriffen habe.

So habe Franziskus in seiner Predigt am Sonntag ausdrücklich auf eine gemeinsame Erklärung seines Vorgängers Johannes Paul II. (1978-2005) und des armenischen Kirchenoberhaupts Karekin II. bezogen, die ebenfalls den Begriff Völkermord benutze. Zudem habe Franziskus positiv auf „den Wunsch nach Versöhnung und Dialog zwischen dem türkischen und dem armenischen Volk“ verwiesen, so der Sprecher.

weiterlesen

Vergewaltigungen, Zwangsprostitution, Drogen: Sexuelle Gewalt in bayerischen Flüchtlingsunterkünften

In der Bayernkaserne sollen Frauen täglich sexueller Gewalt ausgesetzt seien | DPA

Sie flohen vor Krieg und Armut – nun sehen sie sich sexueller Gewalt und Missbrauch ausgeliefert: Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks (BR) leiden Frauen in Flüchtlingsunterkünften in Bayern unter unerträglichen Zuständen. 


Von Benjamin Prüfer|The Huffington Post

Dort soll es regelmäßig zu Vergewaltigungen und Prostitution kommen. Der Sender beruft sich dabei auf den SPD-Abgeordneten Hans Ulrich Pfaffmann und die Frauenrechtsorganisation Imma.

“Tagtäglich Vergewaltigungen und Prostitution”

So habe es etwa in der Bayernkaserne, einer ehemaligen Bundeswehr-Kaserne, in der nun Flüchtlinge untergebracht sind, immer wieder Fälle von Prostitution oder Gewalt gegen Frauen gegeben.

“Beobachtungen in der Bayernkaserne zeigen, dass tagtäglich Vergewaltigungen, sexuelle Gefälligkeitsdienstleistungen und Prostitution stattfinden”, schreibt die Organisation laut BR in einer Mitteilung an die Presse.

Pfaffmann sagte dem Sender, dass unter den Tätern neben anderen Flüchtlingen auch Wachleute der Sicherheitsfirma Siba seien.

weiterlesen

Zahnmediziner, der an “spirituelle Selbstheilungskräfte” glaubt, muss Schmerzensgeld zahlen

Gezogene Zähne. Foto: Steven Fruitsmaak. Lizenz: Public Domain

Mit Ärzten und Patienten verhält es sich ein wenig wie mit zwei Zellen bei der Zeugung: Weichen beide nicht zu sehr von gewissen Standards ab, gibt es selten Schwierigkeiten. Entspricht nur einer oder eine von beiden der Norm, kann er oder sie möglicherweise Schaden abwenden. Liegen jedoch bei beiden Probleme vor, dann kann ein Fall dabei herauskommen, wie ihn das Oberlandesgericht München diese Woche verhandelt hat.


Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

Beklagter in diesem Fall war der Zahnarzt Klaus K. – Kläger der amtlich bestellte Betreuer des 28-jährigen schizophrenen Psychosepatienten Alex S. Der ließ sich von K. vor gut zwei Jahren für über 2.000 Euro alle 19 Zähne ziehen, die sich damals noch in seinem Mund befanden. Dazu hatte er sich entschlossen, weil er glaubte, dass die Zähne seine Potenz stören und seine “Energieströme” behindern würden.

Anschließend landete der Psychosepatient in der Psychiatrie und wurde unter Aufsicht eines Betreuers gestellt. Der beauftragte einen Anwalt mit einer Schadensersatzforderung an den Zahnarzt. Diesem Anwalt schrieb K., der junge Mann, der lange Zeit in einem Wald lebte und sich ausschließlich von pflanzlicher Rohkost ernährte, sei seiner Ansicht nach “nicht wahnbestimmt” und psychotisch, sondern ein “Indigo-Kind”, das man “bewundern” müsse, weil es mehr wahrnehme als andere Menschen. Weil der Anwalt das anders sah, unterstellte der Zahnarzt im Alkoholmissbrauch und verlangte für sich selbst ein Schmerzensgeld in Höhe von 50.000 Euro.

weiterlesen

Oma Marie und evangelische Bigotterie

Schwul-nicht-schwul-470Weil ein evangelischer Pfarrer im Fernsehen Homosexualität als Sünde bezeichnet, tritt Oma Marie aus ihrer Kirchengemeinde aus. Das ist schade, denn wir brauchen Menschen wie sie – und es wäre gar nicht nötig gewesen.


Von Hanno Terbuyken|evangelisch.de

Oma Marie tritt aus der Kirche aus, weil der evangelische Pastor Cochlovius aus Hohnhorst im NDR Homosexualität als Sünde bezeichnet hat und sich für “Heilungs”-Versuche an Homosexuellen ausspricht. Einen “Aufschrei” ihrer eigenen Kirchengemeinde in Bad Nenndorf und der EKD vermisst die 84-Jährige, eine klare Zurückweisung der Aussagen, die sich auch gegen ihre schwulen Enkel richten. Das sorgt für einen Sturm im Netz, fast 20.000 Facebook-Likes und hunderte Kommentare, die meisten davon begeistert von dem Schritt.

weiterlesen

Assistierter Suizid: „Wer sich umbringen will, der findet auch einen Weg“

Bild: letzte-hilfe.de

Bild: letzte-hilfe.de

141 Strafrechtlerinnen und Strafrechtler fordern in einem Aufruf, den assistierten Suizid nicht unter Strafe zu stellen. Das sieht ein geplantes Gesetz vor, das im Herbst vom Bundestag verabschiedet werden könnte. Ein Gespräch mit einem der Initiatoren, Henning Rosenau, Vizepräsident der Universität Augsburg.


Interview mit Henning Rosenau|Cicero

Herr Rosenau, was fordern Sie?
Wir fordern, dass es keine neue Strafnorm gibt, die die Beihilfe zum Suizid unter Strafe stellt. Im Grunde geht es darum, dass man die Entkriminalisierung, die man bei den Fragen ums Lebensende erreicht hat in den letzten zehn, zwanzig Jahren, nicht wieder rückgängig macht.

Die gesetzlichen Pläne sind aber auch als Schutz vor Missbrauch gedacht. Wie wollen Sie ohne eindeutige Regelungen Missbrauch verhindern?
Es ist ja nicht so, dass es keinen rechtlichen Rahmen gibt. Missbrauch bei der Suizidhilfe liegt dann vor, wenn man jemanden zum Sterben bringt, ohne dass dieser sich wirklich bei klarem Verstand und voller Entscheidungsfreiheit zum Selbstmord entschieden hat. Und das ist heute schon strafbar, das ist eine Tötungsstrafbarkeit, Totschlag in mittelbarer Täterschaft, vielleicht auch Tötung auf Verlangen. Wir haben also schon strafrechtliche Grenzen. Es gibt gar kein Bedürfnis für neue Strafnormen.

Die Frage ist nun, ob ein Mensch überhaupt jemals frei über das eigene Sterben entscheiden kann?
Wer soll das denn sonst für einen tun?, wäre die Gegenfrage. Wenn wir die Selbstbestimmung hoch halten, dann müssen wir auch akzeptieren, dass diese bis zum Lebensende reicht. Sonst würden wir die Autonomie wieder massiv einschränken. Das wäre ein Rückschritt.

weiterlesen

Geist schärfte sich früh: An Steinen

Pfeilspitzen, Bild: horsa122.de

Viel früher als bisher gedacht wurden Werkzeuge hergestellt: vor 3,3 Mio. Jahren. Damit wurden auch die Grundlagen der Sprache gelegt, Experimente zeigen es.


Von Jürgen Langenbach|Die Presse

In einem stimmten Charles Darwin und Friedrich Engels, der in seinem Lesehunger auch die Evolutionstheorie verschlungen hatte, völlig überein: Engels nannte es 1876 bündig den „Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“; Darwin formulierte 1871 im „Descent of Man“ präziser: „Aus einem Feuerstein auch nur das einfachste Werkzeug zu schlagen, braucht eine perfekte Hand“, und „die Struktur der Hand mag in dieser Hinsicht mit der des Vokalorgans“ verglichen werden; dazu passt dann wieder ein Vermutung Engels': „Beim Herstellen von Werkzeugen hatten sie einander etwas zu sagen.“

weiterlesen

Menschenrechtsinstitut: Kirchliche Angestellte vor Gericht benachteiligt

Bild: fis-kirchenrecht.de

Bild: fis-kirchenrecht.de

Die besonderen Rechte kirchlicher Arbeitgeber sorgen immer wieder für Streit. Vor Gericht gewinnen zu oft die Kirchen, kritisiert das Deutsche Institut für Menschenrechte. Es fordert eine bessere Abwägung der Gerichte zugunsten der Beschäftigten.


evangelisch.de

Das Deutsche Institut für Menschenrechte kritisiert den Umgang deutscher Gerichte mit Streitfällen, die das kirchliche Arbeitsrecht betreffen. Das Verhältnis zwischen dem kirchlichen Selbstbestimmungsrecht und den individuellen Menschenrechten der Beschäftigten und Bewerber sollte neu austariert werden, heißt es in einem Positionspapier, das dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Das Menschenrechtsinstitut beklagt, dass Gerichte in der Vergangenheit dem Selbstbestimmungsrecht der Kirchen in der Regel den Vorrang gegeben haben. Die Rechte der Religionsgemeinschaft und der Betroffenen seien insgesamt besser abzuwägen.

weiterlesen

Vatikan plant strengere Regeln gegen Vertuschung von Missbrauch

Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB

Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB

Der Vatikan bereitet strengere Regeln für den Umgang mit Bischöfen vor. Sie sollen Kindesmissbrauch durch Priester nicht mehr vertuschen können.


Blick.ch

Sein Vorhaben diskutierte Papst Franziskus gestern mit Kardinälen in seinem Beraterstab. Demnach beanstandeten die Kardinäle, dass die bisherigen Regeln «nicht genügen klar» seien. Dies teilte Vatikansprecher Federico Lombardi am späten Abend bei einer Pressekonferenz mit.

Opferverbände werfen dem Vatikan vor, nicht genügend gegen Bischöfe zu unternehmen, die Kindesmissbrauch durch Geistliche ignorieren. So wurden Priester, die sich an Kindern vergingen, bisher einfach in andere Gegenden oder auf andere Posten versetzt.

weiterlesen

Bewusstlos geschlagen, Kopftuch heruntergerissen, wie eine Täterin behandelt

Gewalt gegen Frauen (Symbolfoto) © NTLam auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Eine muslimische Studentin wird auf offener Straße vermutlich Opfer eines islamfeindlichen Angriffs: als sie zu sich kommt, liegt sie bewusstlos auf dem Boden, ihr Kopftuch heruntergerissen, ihre Kleider mit Alkohol überschüttet. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen, nur nicht nach rechts.


Von Ekrem Şenol|MiGAZIN

Eine Kernempfehlung des NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag lautet: Bei Gewaltkriminalität sollen Ermittlungsbehörden genau prüfen, ob die Tat einen rassistischen oder politischen Hintergrund hat. Dies vor allem dann, wenn das Opfer Merkmale aufweist, die in rechten Szenen verhasst sind. Außerdem müssen von Opfern oder Zeugen angegebene Motive von den Ermittlern aufgenommen und berücksichtigt werden.

Dass diese Empfehlung bisher kaum Eingang in die Praxis gefunden hat, zeigt der Fall einer 21-jährigen Maschinenbaustudentin in Kaiserslautern. An einem Montagnachmittag verabschiedet sich Leyla (Name geändert) von ihrer Uni-Freundin und macht sich auf den Heimweg. An den Rest kann sie sich nur noch lückenhaft erinnern.

weiterlesen

Bayern prangert Verharmlosung linker Gewalt an

CSU-Logo Wildbad Kreuth

CSU-Logo Wildbad Kreuth

Bayerns Innenminister sieht den Schutz von Flüchtlingen vor Neonazis als höchste Priorität. Zugleich wirft Joachim Herrmann der Linkspartei und Teilen der Grünen vor, linksextreme Gewalt zu übersehen.


Von Manuel Bewarder, Karsten Kammholz|DIE WELT

Die Welt: Herr Herrmann, die Zahl der Einbruchsdelikte steigt in Bayern überdurchschnittlich an. Wie ist das zu erklären?

Joachim Herrmann: Es stimmt, die Einbruchszahlen sind stark gestiegen, allerdings von einem sehr niedrigen Niveau ausgehend. Wir bleiben das Land mit dem höchsten Sicherheitsniveau. Klar ist aber auch: Unser Land ist für Diebesbanden sehr attraktiv, vor allem aus Süd- und Südosteuropa.

Die Welt: Was ist zu tun?

Herrmann: Wir nehmen die Entwicklung sehr ernst. Viele Einbruchsopfer sind auch emotional angegriffen, weil sie sich in ihrem Sicherheitsgefühl tief verletzt fühlen. In Bayern haben wir die Polizeipräsenz auch mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei in betroffenen Wohngebieten verstärkt. Und jede einzelne Polizeidienststelle hat den Auftrag, die Bürger zu beraten, wie sie ihre Häuser besser sichern können.

weiterlesen

Christliches Totengedenken schließt auch schuldig Gewordene ein

Bild: ADL

Bild: ADL

Christliches Totengedenken schließt auch jene mit ein, “von denen man weiß oder vermutet, dass sie schuldig geworden sind oder Verbrechen begangen haben”: Darauf wies der katholische Militär-Ordinariatskanzler und Bischofsvikar Harald Tripp bei einer Tagung in der Landesverteidigungsakademie am Dienstag in Wien hin. Gerade die offenkundige Schuld könne ein Grund sein, Gott in besonderer Weise um Barmherzigkeit zu bitten. Beim christlichen Totengedenken geht es nach den Worten Tripps nicht um eine Ehrung bestimmter wichtiger Verstorbener und auch nicht um “politische Positionierung”. Diesbezügliche Missverständnisse gelte es zu vermeiden, plädierte der Vertreter der Militärdiözese für eine offene und öffentliche Diskussion.


kathweb

Tripp äußerte sich bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen einer Veranstaltung des Instituts für Religion und Frieden unter dem Titel “Kriege richtig erinnern? Aktuelle Fragen religiöser und militärischer Gedenkkultur”.

Wie alle Menschen gedenken Christen zunächst der Toten, die sie gekannt und geliebt haben bzw. denen sie zu Dank verpflichtet sind, sagte Tripp laut einer Aussendung der Militärdiözese. Zugleich sei christliches Gedenken aber immer auf alle Toten hin offen, “weil aus christlicher Sicht alle Menschen eine Familie bilden und Gott der Gott aller Menschen ist”.

Zur jüngsten Entfernung der umstrittenen Gedenktafel an Alexander Löhr in der Wiener Stiftskirche im vergangenen Herbst sagte Tripp, dass der gesamte Eingangsbereich unter Einbeziehung der Militärseelsorge und namhaften Historikern neu gestaltet werde.

Anpassung an herrschende Ideologie

Der orthodoxe Militärseelsorger Alexander Lapin verwies in der Diskussion auf die große Gefahr der Vereinnahmung des Totengedenkens durch Politik und Ideologie. Wie umkämpft dieses Thema sei, zeigten die Zerstörung von Denkmälern, die nicht zur aktuell herrschenden Ideologie passen. Denkmäler würden oft auch mit politischen Symbolen aufgeladen.

weiterlesen

 

Vorgehen der LGBT-Lobby ‚totalitär’, ‚eine Art Faschismus’

Transgenres_LGBTDie amerikanische Publizistin Tammy Bruce kritisiert die LGBT-Bewegung für ihre Aktivitäten gegen christliche Kleinunternehmer. Diese widersprächen dem Geist der Bürgerrechtsbewegung. Bruce ist selbst lesbisch.


kath.net

„Wir sind das Monster geworden, das wir bekämpft haben“, sagt Tammy Bruce, amerikanische Publizistin und Radiomoderatorin. Sie kommt aus der Homosexuellenbewegung und war Vorsitzende der feministischen Gruppe „National Organisation of Women“ (NOW) in Los Angeles. In einem Gespräch mit dem bekannten Fernsehmoderator Sean Hannity kritisiert sie das Vorgehen von Homo-Aktivisten gegen christliche Kleinunternehmer, die aus religiösen Gründen nicht bei „Hochzeiten“ gleichgeschlechtlicher Personen mitwirken wollen.

weiterlesen