Archiv der Kategorie: Soziales

Kirchen fordern Seenotrettung

Kardinal Reinhard Marx und Heinrich Bedford-Strohm fordern Seenotrettung und sichere Zugänge Foto: Wolfgang Roucka (Erzbischöfliches Ordinariat München)/pro | CC BY-SA 3.0

Mehr als 1.000 Flüchtlinge sind binnen einer Woche im Mittelmeer ertrunken. Die Kirchen verlangen, dass die Politik handelt.


pro Medienmagazin

Binnen einer Wochen sind Medienberichten zufolge mehr als 1.000 Menschen bei dem Versuch, mit Booten über das Mittelmeer nach Europa zu fliehen, ums Leben gekommen. Nachdem bereits ein Boot mit rund 400 Menschen an Bord gekentert war, ist in der Nacht zum Sonntag ein weiteres Flüchtlingsboot vor der libyschen Küste gesunken und hat verschiedenen Angaben zufolge zwischen 700 und 950 Menschen in den Tod gerissen. Nur 28 Menschen konnten von einem Frachtschiff aufgenommen und gerettet werden. Zu dem Flüchtlingsdrama haben am Montag der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, ihr Bedauern ausgedrückt. In einer gemeinsamen Presserklärung heißt es: „Über das erneute Bootsunglück sind wir zutiefst erschüttert.“ An das vielfache Sterben vor den Küsten Europas dürfe man sich nicht gewöhnen. „Das ist ein humanitärer Skandal!“, erklärten Marx und Bedford-Strohm. Die Kirchenoberhäupter halten einen „entschlossenen Kampf gegen gewissenlose Schleuser“ für notwendig. „Wir brauchen sofort eine Seenotrettungsmission in europäischer Verantwortung“, forderten die Kirchenvertreter in der Pressemeldung und verwiesen dabei auf die Arbeit der italienischen Operation „Mare Nostrum“, die ein Jahr lang „Vorbildliches geleistet“ habe.

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Katholik Haseloff: Deutschland braucht mehr Kinder!

Reiner Haseloff (2012), Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA 4.0/MartinRulsch

Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt verlangt Kurswechsel in Familienpolitik: „Die Politik muss endlich anerkennen, dass das Thema Familie das existenzielle Problem unserer Nation ist.“


kath.net

Stärkere Anreize der Politik, damit in Deutschland mehr Kinder geboren werden, fordert der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU). Man brauche eine Geburtenquote pro Frau von 2,1 oder 2,2 Kindern anstelle der bisherigen 1,4. „Es geht um das Überleben unserer Gesellschaft“, sagte der Katholik der Tageszeitung „Die Welt“ (Berlin). Haseloff: „Die Politik muss endlich anerkennen, dass das Thema Familie das existenzielle Problem unserer Nation ist.“ Deutschland sei der am höchsten entwickelte Sozialstaat der Welt: „ Aber das nützt uns nichts, wenn die Demografie am Ende langfristig alle Errungenschaften zunichtemacht.“ Die bisherigen familienpolitischen Leistungen in Höhe von über 200 Milliarden Euro jährlich entfalteten „keine klare Wirkung pro Kind“. Sie seien lediglich ein Nachteilsausgleich. Der CDU-Politiker: „Unter rein ökonomischen Gesichtspunkten ist die Gründung einer Familie nicht attraktiv. Jeder Lebensentwurf ohne Kinder ermöglicht einen höheren Lebensstandard, eine höhere Rente und mehr Freiheit.“ Andererseits dürften nicht nur finanzielle Aspekte eine Rolle spielen: „Das Glück, Kinder zu haben, ist sowieso unbezahlbar.“ Der 61-Jährige sagte, er erlebe seine eigene Familie – er hat zwei Kinder und vier Enkelkinder – „als einen wunderbaren stabilen Schutz- und Lebensraum“.

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Kirchenrecht: Hortleiterin muss gehen, weil sie eine Frau heiratet

Bild: fis-kirchenrecht.de

Bild: fis-kirchenrecht.de

Die Eltern sind schockiert: Die Leiterin des Holzkirchner Caritas-Hortes muss ihren Posten räumen, weil sie homosexuell ist und ihre Freundin heiratet.


Von Marlene Kadach|Merkur-Online.de

Birgit Gerz-Hölker kann es kaum fassen: „Das ist völlig lebensfremd“, sagt die Holzkirchnerin. „Dass sie deswegen gehen muss, finde ich untragbar.“ Seit der ersten Klasse wird ihr zehnjähriger Sohn im Caritas-Hort in Holzkirchen betreut. „Es war damals die einzige Alternative.“ Als neulich bei allen Eltern der Einrichtung ein Brief ins Haus flatterte, stutzte sie gewaltig.

In diesem Brief teilt die Hortleiterin den Eltern mit, dass sie ihren Posten verlassen wird. Der Grund: „Ich werde im Juli meine Freundin heiraten.“ Da dieser Schritt nicht mit der Grundordnung des kirchlichen Dienstes vereinbar sei, müsse sie die Hortleitung abgeben. Am Ende schreibt die Caritas-Kreisgeschäftsführerin Beate Haslinger-Naß ein paar Zeilen. Die Leiterin habe eine Lebensentscheidung getroffen, „die meinen Respekt und meine Anerkennung findet.“ Aber: „Die ihr immer bekannten Konsequenzen, die ihre Entscheidung nach sich zieht, tragen wir mit.“

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Von faulen Arabern und fleißigen Zionisten

Und dann muss er auch noch die Zionisten erwähnen: Tele-Imam Jussuf al-Qaradawi. – Foto: Screenshot Youtube

Ein Imam stänkert gegen Araber – und das halbe Internet flippt aus. Mehr als 2,5 Millionen klickten die Video-Predigt allein auf Facebook, die allermeisten User zollen Imam al-Qaradawi Respekt. Dabei ist das kalter türkischer Kaffee. Eine Polemik.


Von Mohamed Amjahid|DER TAGESSPIEGEL

Die Sensations-Predigt, die Scheikh Jussuf al-Qaradawi schon im April 2005 in Kuweit hielt, ist schnell auf den Punkt gebracht:

Deutsche: Gut weil gut Arbeit. Araber: Nix gut weil nix Arbeit.  

Sogar die Spanier seien viel erfolgreicher als alle Araber zusammen. Wie kann das nur sein? Fragt der Imam aufgeregt und macht die faulen Araber selbst zu den Schuldigen.

Mich erreichte das Qaradawi-Video mehrfach auf verschiedenen Wegen.

Es tauchte auf meinen Timelines auf, Kollegen sprachen mich deswegen an, ich las sogar in der Zeitung darüber.

Das neue an diesem Video – ich schwöre bei Allah – sind allerdings nur die englischen Untertitel. Fragt egal welchen Araber auf der Straße, der wird das bestimmt bestätigen. Denn wer schon mal in einer Moschee oder Koranschule zwischen Casablanca und Bagdad saß, der weiß: irgendwann wird der bärtige Imam da vorne sagen, dass Araber scheiße sind und dass Deutsche schöne Autos bauen. Die Robustheit eines „Mircidis“, das fasziniert die Menschen in Arabien halt sehr. Dann nicken die Gläubigen meistens brav und gehen zurück ins Bettchen – zumindest wenn die Logik von Jussuf al-Qaradawi und seinen 1000 und eine Million Kollegen stimmt.

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EU muss in Nordafrikas Failed States intervenieren

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus "Report Mainz"

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus “Report Mainz”

Das Flüchtlingselend verlangt nach humanitärer Intervention – nicht nur nach Seenotrettung. Wer dem Sterben ein Ende bereiten will, muss für Stabilität in Afrika sorgen. Wer soll das tun außer der EU?


Von Ulrich Clauß|DIE WELT

Das Offensichtliche zuerst, weil die Bilder keine Wahl lassen. Und das, was man nicht sieht – aber wissen kann und muss –, noch viel weniger. Die humanitäre Katastrophe im Mittelmeer, das “Flüchtlingsdrama”, wie es in der Nachrichtensprache heißt, kann nur zu einer unmittelbaren Konsequenz führen: Die Länder der Europäischen Union müssen sich umgehend auf die Wiederaufnahme eines flächendeckenden Seenotrettungsdienstes im Mittelmeer verständigen.

Was dort geschieht, gemahnt an das universelle ethische Grundversprechen, dass die Völker des freien Europa sich selbst und der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben haben. Nämlich, dass sich die Bedürfnisse der Menschen nach Frieden und Sicherheit nicht im Alleingang einzelner Staaten, sondern nur in einer Gemeinschaft realisieren lassen.

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It’s Tinder… for Christians

If it’s popular in the culture, you can bet Christians will make a shitty knockoff version of it. The latest example involves the dating/hook-up app Tinder.


By Hemant Mehta|Friendly Atheist

The Christian version of it was just released yesterday. It’s called Collide and it lets you look at someone’s picture and favorite Bible verse, after which you can choose which way to swipe:

Image: Friendly Atheist

Should be interesting to see what happens when an app most people use for sex intersects with a culture that preaches abstinence until marriage.

EU will Seenotrettung für Flüchtlinge deutlich ausbauen

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus "Report Mainz"

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus “Report Mainz”

Bis zu 950 Menschen mussten sterben, um die Politiker der EU zum Handeln zu bewegen. Nun folgt ein Krisentreffen dem nächsten. Geplant ist etwa ein Ausbau der Seenotrettung, die kürzlich noch zusammengestrichen worden war.


evangelisch.de

Die Europäische Union will nach der jüngsten Flüchtlingstragödie im Mittelmeer ihre Aktivitäten zur Seenotrettung deutlich ausbauen. Es gebe Pläne, die doppelte Zahl von Rettungsschiffen und das doppelte Budget einzusetzen, berichtete Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) nach einem EU-Krisentreffen am Montag in Luxemburg. Die Innen- und Außenminister der 28 EU-Länder waren dort außerplanmäßig zusammengekommen, nachdem sich vor der libyschen Küste in der Nacht zum Sonntag das wohl schlimmste Flüchtlingsdrama der europäischen Geschichte ereignet hatte. Beim Untergang eines überfüllten Fischerbootes sollen bis zu 950 Menschen ums Leben gekommen sein.

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Immer mehr Morde an Umweltschützern

klimawandelWeltweit würden fast doppelt so viele Umweltschützer wie Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet, vor allem in Süd- und Mittelamerika und Asien.


Die Presse

Im Konflikt um landwirtschaftliche Flächen, Energieprojekte und Bergbauvorhaben werden Umweltschützer immer häufiger zu Opfern von Gewalt. Im vergangenen Jahr seien mindestens 116 Naturschützer getötet worden, teilte die Organisation Global Witness am Montag mit. Das waren 20 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie nie zuvor.

Bereits zwischen 2007 und 2011 habe sich die Zahl der Morde an Umweltschützern verdreifacht, schrieben die Experten von Global Witness. Damit seien sie die wohl am stärksten gefährdete Aktivistengruppe. Weltweit würden fast doppelt so viele Umweltschützer wie Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet.

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Einreiseverbot für Ex-Mitarbeiter von Cern und ETH

Begründete das Einreiseverbot gegen den Physiker mit der Wahrung der inneren Sicherheit der Schweiz: Das Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen. (5. Juli 2012) Bild: Gaetan Bally/Keystone

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Beschwerde eines Physikers gegen ein Einreiseverbot in die Schweiz abgewiesen. Der ehemalige Mitarbeiter der ETH Lausanne und des Cern in Genf war im Mai 2012 in Frankreich wegen Unterstützung der Organisation al-Qaida des Islamischen Maghreb zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.


Der Bund

Nach Verbüssung seiner Strafe wollte der Physiker wieder in die Schweiz einreisen. Er hatte in der Schweiz zwar keine Anstellung mehr, aber wie aus dem am Montag publizierten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts hervor geht, ist er für seine Forschung auf den Kontakt und Austausch mit anderen Physikern angewiesen.

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EU-Kommission mahnt Deutschland wegen Sprachtests im Ausland

EuropaDas Festhalten Deutschlands an den Sprachtest im Ausland vor einem Ehegattennachzug hat Folgen. Die EU-Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Die Linkspartei kritisiert die Haltung der Regierung als “inakzeptabel”.


MiGAZIN

Die EU-Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet wegen den umstrittenen Sprachtests im Ausland vor einem Ehegattennachzug. Das teilt die Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion im Bundestag (BT-Drs. 18/4598) mit, die dem MiGAZIN vorliegt.

Hintergrund des Verfahrens gegen Deutschland ist der Doğan-Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom Sommer letzten Jahres. Darin hatte der EuGH die Sprachtests im Ausland vor dem Ehegattennachzug als unzulässig eingestuft. Den Luxemburger Richtern zufolge verstößt die Einschränkung gegen das Verschlechterungsverbot des EU-Türkei-Assoziationsabkommens.

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Die ganze Erbärmlichkeit des Christentums

jesus_love_noLiebe Afrikaner, Europa und die ganze “zivilisierte”, christliche Welt braucht Euch nicht. Wir brauchen Eure Bodenschätze, Seltene Erden, Metalle, Öl, Diamanten, Gold, aber Euch brauchen wir nicht. Es ist ein tödliches Missverständnis, dass Ihr der Meinung seit, Euer Lebensglück läge im Norden, über den kleinen Teich, gemeinhin bekannt als Mittelmeer.
Selbst wenn die Förderung aller Reichtümer Eurer Länder, die Grundlagen des Lebens zerstören. Die Korruption, religiöser Wahnsinn Euch flüchten lassen.

Die christlichen Werte der ach so christlichen Welt sind beliebig. Man redet über Lebens-und Sterbehilfe, weil man befürchtet die Kontrolle über den Pöbel zu verlieren, und begründet dies gut-christlich. Ihr könnt nicht ernsthaft meinen Teilhabe in der Zivilisation zu erlangen. Das ist anmaßend, Ihr seit eine ernsthafte Bedrohung der westlichen Sozialsysteme und im göttlichen Schöpfungsplan des Christentums ist kein Platz für Euch.

Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Präambel:

Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen,
von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.
Die Deutschen in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen haben in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet. Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk.

Beseelt und verantwortlich gilt nicht für Euch. Die Würde des Menschen ist durch das Christentum jederzeit verletz-und antastbar. Es ist eine Frage der Prioritäten und nicht eine Frage der Menschlichkeit. Die gut bestellten Zivilisationen des Westens haben Angst vor Euch, Ihr seid Reichtum-schmälernd.

Immer dann, wenn die Menschlichkeit im Mittelmeer ersäuft erschrecken die Routinen, die Schlagzeilen und die Empörung der Politiker. Nicht zu vergessen die Schlagwortgeber aus den Kirchen, völlig nebensächlich ob nun evangelisch oder katholisch, geheuchelte Barmherzigkeit, die begrenzte Sicht christlicher Menschen, egoistisch allemal. Geheuchelte Betroffenheit, Tote als Abschreckung, das hat System und wird, weil man die Deutungshoheit in Sachen christlicher Nächstenliebe besitzt, beliebig verwendet. Solange der zivilisatorische Gradmesser Christentum mehr Geld für das Töten von Menschen ausgibt, als für Bildung, wirtschaftlicher Hilfe, Aufbau funktionierender Sozialsysteme, Beseitigung von lokaler Korruption, solange wird weiter Ersoffen und die Tränen der religiösen Politiker sind heimliche Freudentränen.

Ihr seid keine willkommene Ware. Mietet Euch ein Containerschiff, produziert Frachtpapiere und ihr werdet von den Seekriegsschiffen der Christenheit in die Häfen Eurer Träume geleitet. Ware ist willkommen, Menschen nicht.

FBI lieferte jahrzehntelang falsche forensische Analysen

Bild: wikimedia.org

Fehlerhafte Haaranalysen sollen angeblich zur Verurteilung hunderter möglicherweise unschuldiger Angeklagter geführt haben.


Die Presse

Experten der US-Bundespolizei FBI haben nach einem Bericht der “Washington Post” jahrzehntelang massenhaft falsche kriminaltechnische Analysen geliefert. Fehlerhafte Haaranalysen hätten zur Verurteilung hunderter möglicherweise unschuldiger Angeklagter seit den 1970er-Jahren geführt. Meist habe es sich um Mord- oder Vergewaltigungsfälle gehandelt.

Die Zeitung spricht von einem der “größten forensischen Skandale” in den USA. Dem am Sonntag veröffentlichten Zeitungsbericht zufolge, der sich auf neuste Untersuchungen unter anderem von Anwälten bezieht, hätten mehr als 95 Prozent der bisher untersuchten 268 Fälle ergeben, dass Haaranalysen fehlerhaft gewesen seien. Die falschen Analysen hätten jeweils die Argumente der Anklage begünstigt, hieß es weiter. Bei den betroffenen Verfahren habe es auch 32 Todesurteile gegeben, 14 Verurteilte seien seitdem entweder hingerichtet worden oder im Gefängnis gestorben. Unklar war zunächst, ob und gegebenenfalls wie viele Prozesse nun neu aufgerollt werden müssen.

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Fremdenfeindlichkeit: Deutschland, Deutschland überall

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus "Report Mainz"

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus “Report Mainz”

Gewaltbereite Rechte bedrohen Politiker und Aktivisten immer hemmungsloser. Im Osten und im Westen. Und doch gibt es regional große Unterschiede. Eine Spurensuche.


Von Walter Wüllenweber|stern.de

Später, als der Schock langsam nachlässt und ihre Beine nicht mehr zittern, ist Karen Larisch beinahe froh, dass es passiert ist. “Jetzt wissen alle, dass ich mir die Bedrohung nicht einbilde. Jetzt habe ich einen super Zeugen: den stern.” Karen Larisch ist die bekannteste Sozialarbeiterin der Stadt Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern. Im alten Postamt hat die 45-Jährige ein Begegnungszentrum aufgebaut. Hier findet jeder Hilfe und Rat. Auch Flüchtlinge. Das macht Larisch zur Hauptzielscheibe der rechten Szene Güstrows. Den Kern bilden gut 120 größtenteils gewaltbereite Neonazis. Sie haben sich zu einer “Bürgerwehr” zusammengeschlossen. Sobald es dunkel wird, gehen sie “auf Streife”. Ihr Anführer ist der Kleinkriminelle Nils Matischent. Vergangenen Herbst wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er 20 Waschmaschinen gestohlen hatte.

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Bischof beklagt Verwilderung der Sitten durch Pegida

Bild: pegida/FB, Screenshot:BB

Bild: pegida/FB, Screenshot:BB

Sachsens evangelischer Landesbischof Jochen Bohl hat eine Negativentwicklung in der deutschen Gesellschaft durch die islamkritische Pegida-Bewegung beklagt.


FOCUS ONLINE

Diejenigen, die bei den „Abendspaziergängen“ von Pegida gegen angebliche „Überfremdung“ demonstrieren, seien inzwischen mitverantwortlich „für eine Verwilderung der Sitten, die Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung begreift.“ Über die Gestaltung der Einwanderung nach Deutschland dürfe und müsse gestritten werden, sagte Bohl beim Gottesdienst zur Frühjahrstagung der Landessynode in der Dresdner Kreuzkirche. „Aber das hat gewaltfrei und nach demokratischen Regeln zu erfolgen.“

Bohl verwies auf die Übergriffe und Gehässigkeiten auf Fremde und Zugereiste sowie die Anfeindungen von Bürgermeistern und Landräten. Das alles sei Ausdruck einer Aggression, die sich gegen das Zusammenleben im demokratischen Rechtsstaat richte. „Es hat sich eine gefährliche Mischung aus geschürten Ängsten, persönlichem Scheitern und des Verdrusses an demokratischen Prozeduren zusammengebraut, die uns nicht ruhig lassen darf“, mahnte er.

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Man möchte Luther schon jetzt ins Grab kotzen

Margot-KässmannWas ist Kirche noch wert heute? Brauchen wir sie überhaupt? Die Entwicklung ist eindeutig: 2014 haben die beiden großen Kirchen in Deutschland haben noch mehr Mitglieder verloren als in den Jahren zuvor.


Von Jan David Sutthoff|The Huffington Post

Dennoch: Kirche ist wichtiger denn je, sagt die Theologin und Pfarrerin Margot Käßmann. Deutschlandweit bekannt wurde sie als Landesbischöfin in Hannover und als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland – von beiden Ämtern trat sie im Februar 2010 nach einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss zurück. Aber ihr Wort hat noch immer Gewicht in der Gesellschaft.

Im exklusiven Interview mit der Huffington Post kritisiert sie die Kirche für ihre Abgehobenheit und die Deutschen für ihre Gleichgültigkeit. Und sie sagt, warum von Entwicklungen wie Pegida momentan keine Gefahr ausgeht.

Huffington Post: Frau Käßmann, Sie sind Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017. Wozu ist so ein Jubiläum gut, wenn sich eh niemand mehr für Kirche interessiert?
Margot Käßmann: Damit wir zurückblicken, aber auch nach vorn schauen. Die Frage ist: Was ist reformatorisch heute? Wo stehen die Kirchen heute?

HuffPost: Wo stehen die Kirchen denn heute?
Käßmann: Mir ist wichtig, dass die Reformatoren gebildeten Glauben wollten. Luther wollte die Volksschule für alle. Die Menschen sollten selber denken, nicht nur übernehmen, was andere ihnen sagen. Selber lesen, selber denken. Das ist auch heute eine wichtige Ansage.

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Kirchen gegen Sterbehilfe: “Brauchen keine Ärzte, die töten”

todesspritzeDie Kirchen wollen schwer kranken Menschen ein “Sterben in Würde” ermöglichen. Diese brauchten Zuwendung “und nicht den Giftbecher”. Die Forderung steht im Mittelpunkt der diesjährigen “Woche für das Leben”. Sie wurde mit einem ökumenischen Gottesdienst eröffnet.


Hamburger Abendblatt

Die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland haben angesichts der Sterbehilfedebatte einen würde- und liebevollen Umgang mit todkranken Menschen gefordert.

“In Würde sterben zu dürfen, heißt eben nicht, alle Optionen zu haben, um sich jederzeit selbst töten zu können”, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, am Samstag in Hamburg zum Auftakt der “Woche für das Leben”. Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, ergänzte, die Angst vor Leid und Tod nehme in der Gesellschaft zu – und so die Attraktivität von Sterbehilfevereinen.

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KZ Neuengamme: Wenn Opa ein Nazi-Mörder war

Neugestaltung des ehemaligen Stammlagers. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 2.0 de

Kinder und Enkel von NS-Tätern treffen sich in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, um die Geschichte ihrer Eltern und Großeltern kennenzulernen. Auch, wenn dabei die Familien-Fassade zerbrechen kann.


Von Per Hinrichs|DIE WELT

Als der Abspann über die Leinwand zieht, gibt es kaum jemandem im Gruppenraum der ehemaligen Häftlingsunterkunft, der keine roten Augen hat. Einer schneuzt sich, eine weint leise in ihr Taschentuch, eine andere heult hemmungslos drauflos. “Ich finde das nicht fair, uns mit diesen Szene zu konfrontieren”, sagt die 35-jährige Annika (Name geändert) unter Tränen. Zuvor sahen die Teilnehmer der Gruppe historische Aufnahmen in Schwarz-Weiß von der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen im April 1945 – ausgemergelte Gestalten blicken in die Kameras, Leichenberge sind zu sehen, immer wieder tote, halb verhungerte, geschundene Körper.

Die Szenen stammen aus dem Film “Close to Evil”, der die Geschichte des Holocaust-Überlebenden Tomi Reichental wiedergibt. Der Jude wurde mit neun Jahren ins KZ Bergen-Belsen verschleppt und versuchte 2014 erfolglos, die heute 93-jährige Hamburgerin Hilde Michnia zu treffen, die in dem Lager als Aufseherin arbeitete – ein Film über Schuld, Wahrheit und Versöhnung, der eine Strafanzeige gegen die ehemalige SS-Angehörige und ein Ermittlungsverfahren der Hamburger Staatsanwaltschaft nach sich zog.

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Zwei Dodos und in Kopftuch – christlicher Kulturkrampf

Die Hamburger Pädagogin Özlem Nas diskutierte in der ZDF-Sendung „Peter Hahne“ über das Kopftuchurteil des Bundesverfassungsgerichtes Foto: ZDF

Am Sonntagmorgen haben sich die muslimische Pädagogin Özlem Nas und der katholische Autor Matthias Matussek über die Bedeutung des Kopftuch-Urteils des Bundesverfassungsgerichtes gestritten. Zwei Weltanschauungen prallten aufeinander.


pro Medienmagazin

Mitte März entschied das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, das ein pauschales Kopftuchverbot für Lehrerinnen an deutschen Schulen rechtswidrig ist. Karlsruhe entsprach der Klage zweier muslimischer Lehrerinnen aus Nordrhein-Westfalen. Voraussetzung für ein Verbot sei allenfalls eine konkrete Gefährdung oder Störung des Schulfriedens.

Peter Hahne lud zu seiner Sendung im ZDF am Sonntagmorgen Özlem Nas, Mitglied im Hamburger Integrationsbeirat, und den gläubigen Katholiken und Bestsellerautoren Matthias Matussek ein, um die Frage zu diskutieren: „Droht bei uns ein neuer Kulturkampf?“

Er sei gegen das Kopftuch, sagte Matussek. Es sei „eindeutig eine Botschaft“, und zwar nicht eine religiöse, sondern auch eine politische. „Ich sehe aber vor allem nicht ein, warum wir zurückweichen und kapitulieren sollten vor einer Kultur, die uns erstmal fremd ist.“ Die Werteordnung in Deutschland basiere auf einem christlich-jüdischen Weltbild, und die Muslime „importierten“ eine fremde Kultur und forderten nun Rechte bei uns ein, die sie in ihren Herkunftsländern selbst nicht einräumten.

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Kirche kritisiert Scheidungsmesse

jesus_love_noAls “befremdlich” bezeichnet das Erzbistum Paderborn die heute in Dortmund stattfindende erste deutsche Messe für trennungswillige Paare. Die Veranstalter sprechen von einer Enttabuisierung des Themas Scheidung


Von Simon Janssen|RP Online

Eine gescheiterte Ehe als Event – mit diesem Konzept sollen trennungswillige Paare heute in die Dortmunder Westfalenhallen gelockt werden. Erwartet werden sie bei der ersten deutschen Scheidungsmesse unter anderem von Anwälten, Vaterschaftstestanbietern, Eheberatern und Astrologen. Auch Kreditunternehmen sowie Steuerberater, Zahnärzte und Gesichtschirurgen haben Infostände gebucht, um ihre Dienstleistungen anzubieten. “Es ist wie eine Hochzeitsmesse – nur umgekehrt”, erklärt Co-Organisator Christopher Prüfer. Im Fokus der Messe solle vielmehr der Start in ein neues Leben statt die Trennung stehen – so werde es im Anschluss an die Messe eine “Scheidungsparty” geben, auf der sich die Besucher austauschen können.

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Völkermord an Armeniern: Der geleugnete Genozid

Im Hintergrund des Denkmalkomplexes in Jerewan liegt der Sehnsuchtsort der Armenier: der Berg Ararat. / Bild: (c) Streihammer

Der Völkermord treibt viele Armenier im Schatten des Ararats noch heute um. Auch, weil mit der Katastrophe Politik gemacht wird.


Von Jürgen Streihammer|Die Presse

Die 102 Jahre alte Frau sagt kein Wort. Amaljan Arevalujs richtet sich das Kopftuch, dann legt sie die faltigen Hände in den Schoß und fixiert mit finsterem Blick den Boden. Also erzählen der Sohn, 80 Jahre jung, seine Frau und die Gattinnen der Enkelkinder die Lebensgeschichte der Amaljan Arevalujs, die da auf der Couch kauert. Es ist ein Drama. Ohne Happy End.

Zwei Jahre ist Amaljan Arevalujs alt, als sie 1915 ihren Vater töten. Amaljans Mutter, „eine bildhübsche Frau“, wird mit dem Pascha verheiratet. Eine Hochzeit mit einem Türken, die Amaljan das Leben rettet – und die sie ihrer Mutter trotzdem nie verzeihen wird. „Für mich ist sie tot. Sie hätte bei uns bleiben und wir hätten gemeinsam sterben sollen.“ Das habe sie oft gesagt, erzählt die Familie. Und sie meint es so. Die Mutter setzt sich Jahrzehnte später aus der Türkei zu Brüdern nach Syrien ab („sie wollte als Armenierin sterben“) und erfährt dort, dass ihre Tochter noch lebt – und zwar seit 1926 in Armeniens Hauptstadt Jerewan. Aber Amaljan lehnt ein Wiedersehen ab. Die Mutter stirbt, so erzählen sie es, im Alter von 107 Jahren – ohne die Tochter noch einmal in die Arme geschlossen zu haben. „Wie soll ich vergessen?“ Vor 100 Jahren bricht Medz Yeghern, also „die große Katastrophe“, über die Armenier herein. Die systematische Vertreibung und Vernichtung im Osmanischen Reich reißt nach Angaben Armeniens 1,5 Millionen Angehörige des Christenvolks in den Tod. Die Überlebenden verstreuen sich über die ganze Welt, eine große Diaspora hält sich fest an der Erinnerung an die Massaker, die der Rechtsnachfolger des Osmanischen Reiches, die Türkei, bis heute nicht als Genozid anerkennen will. Im heutigen Armenien, diesem verarmten, seit 1991 unabhängigen Kaukasus-Staat östlich der Türkei, ist der Genozid ein nationales Trauma. Auch weil sie hier das Gefühl haben, dass der Völkermord ohne Anerkennung der Türkei politisch ungesühnt bleibt.

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