Archiv der Kategorie: Soziales

Beschneidungen von Frauen und Mädchen: Keine Frage einer bestimmten Religion

Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung (picture alliance / dpa / Hannibal Hanschke)
Weltweit sind laut einem Unicef-Bericht 200 Millionen Mädchen und Frauen Opfer von Genitalverstümmelungen. Auch in Deutschland gibt es Fälle. Mit einer bestimmten Religion haben die Beschneidungen nichts zu tun, sagt Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung.

Renate Bähr im Gespräch mit Axel Flemming|Deutschlandradio Kultur

Beschneidungen von Frauen und Mädchen können nach Ansicht der Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung, Renate Bähr, nicht mit einer bestimmten Religion in Verbindung gebracht werden. Die Hälfte der Fälle weltweit komme in Äthiopien, Ägypten und Indonesien vor, sagte Bähr am Samstag im Deutschlandradio Kultur. “Sie sehen, das ist sowohl ein christlich geprägtes Land wie Äthiopien, als aber auch ein eindeutig islamisches Land. Womit auch klar ist: Man kann es einer Religion direkt nicht zuordnen.” Die Beschneidungen von Frauen und Mädchen seien “ein Ausdruck von patriarchalischen Strukturen”.

In Kenia deutlich zurückgegangen

Bähr erklärte, es handele sich bei Genitalverstümmelungen um ein weltweites Phänomen. Schwerpunkte seien Afrika und Teile Asiens. Durch Zuzug gebe es aber auch Fälle in Europa. “Wir haben gerade auch in Deutschland immer noch die Fälle von Beschneidungen – auch von illegalen Beschneidungen von Mädchen –, weil diese Traditionen werden natürlich auch hierhin transportiert und importiert”, so Bähr.

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Uni schließt Raum der Stille nach Schwierigkeiten mit Muslimen

TU Dortmund: Muslimische Männer hatten Frauen den Zugang nur zu einem abgetrennten Bereich erlaubt – Flyer empfahl Frauen Kopftuchtragen und Parfumverzicht – Rektorat: “Gleichberechtigung von Mann und Frau ist ein unantastbarer Kernbereich”

kath.net

Mehrfach wurden „weibliche Besucher des Raumes am Eingang von männlichen muslimischen Nutzern abgefangen und darauf hingewiesen, dass sie nur Zugang zu einem kleineren, optisch und tatsächlich abgegrenzten Raumteil hätten, der größere Raumteil sei nur Männern vorbehalten.“ Dies beschreibt die Technische Universität Dortmund Beschwerden über das Verhalten muslimischer Studenten im hochschuleigenen „Raum der Stille“ im Physikgebäude des Campus. Das Rektorat gab nun bekannt, dass man dieses Angebot nicht länger aufrechterhalten werde, der Raum werde einer anderen Nutzung zugeführt. Die Technische Universität begründet ihre Entscheidung damit, dass dies ein „unter keinen Umständen hinnehmbarer Verstoß“ gegen „Art. 3 unseres Grundgesetzes (u. a. Gleichberechtigung von Mann und Frau)“ sei, was sie „zu einem unverzüglichen Handeln gezwungen“ habe. „Vor diesem Hintergrund betrachten wir den Versuch, einen neutralen und allen Glaubensrichtungen in gleicher Weise zur Verfügung stehenden ‚Raum der Stille‘ zu schaffen, leider als gescheitert“, erläuterte das Rektorat in einem Brief an Beschwerdeführer vom 3.2.2016.

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Erben der bayerischen Könige kassieren immer noch Millionen

Königstreu bis ins 21. Jahrhundert: ein Trachtler zwischen Fahnen mit Bildern von König Ludwig II. (Foto: dpa)
Das Geld wird nach einem geheimen Schlüssel aufgeteilt. Der größte Einzelanteil fließt an das Oberhaupt: Franz von Bayern.

Von Kassian Stroh|Süddeutsche.de

Auch knapp 100 Jahre nach dem Ende der Monarchie in Bayern ist es höchst lukrativ, der ehemaligen Herrscherfamilie der Wittelsbacher anzugehören. Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung kommt sie jedes Jahr in den Genuss von knapp 14 Millionen Euro, die der Wittelsbacher Ausgleichsfonds (WAF) ausschüttet. Diese Stiftung wurde im Jahr 1923 vom Freistaat Bayern errichtet, um die Mitglieder des Hauses Wittelsbach weiterhin zu alimentieren.

Das Geld fließt an den Chef des Hauses, Franz Herzog von Bayern, und an die Chefs der verschiedenen Linien der Familie, die es dann innerhalb ihrer Linie weiterverteilen. Die genauen Schlüssel sind geheim, den mit Abstand größten Einzelanteil erhält Franz von Bayern.

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Dodo Marx für Begrenzung der Flüchtlingszahlen

Reinhard Marx, Chef der Deutschen Bischofskonferenz,
Reinhard Marx, Chef der Deutschen Bischofskonferenz,

Deutschland könne nicht alle Notleidenden der Welt aufnehmen, sagt Kardinal Marx, Oberhaupt der deutschen Katholiken. Vehement wendet er sich aber gegen den Schusswaffengebrauch gegenüber Flüchtlingen.

DIE WELT

Das Oberhaupt der deutschen Katholiken, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, hat sich dafür ausgesprochen, die Zahl der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge zu begrenzen. “Auch als Kirche sagen wir: Wir brauchen eine Reduzierung der Flüchtlingszahlen”, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz der “Passauer Neuen Presse”. Deutschland könne “nicht alle Notleidenden der Welt aufnehmen”.

Es gehe bei der Aufnahme von Flüchtlingen “nicht allein um Barmherzigkeit, sondern auch um Vernunft”, sagte Marx. Er sprach sich aber gegen eine Beschränkung des deutschen Asylrechts aus. “Jeder, der europäischen Boden betritt, muss anständig behandelt werden und ein faires Verfahren erhalten”, sagte der Erzbischof von München und Freising. Die Grenze Europas dürfe “keine Grenze des Todes sein”.

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Volker Jung: Transsexualität endlich “entmoralisieren”

Bild: bpb.de
Bild: bpb.de
Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung hat im Zusammenhang mit transsexuellen Menschen von einer “schuldbelasteten Wahrnehmung” der Kirche gesprochen.

Von Anne Kampf|evangelisch.de

“Es wurde nicht wahrgenommen, dass es Grundprägungen von Menschen gibt, die nicht veränderbar sind und zur Identität eines Menschen gehören”, sagte Jung bei der Konferenz “Transsexualität. Eine gesellschaftliche Herausforderung im Gespräch zwischen Theologie und Neurowissenschaften” an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Das Thema sei nicht nur ein Randthema, das sich einer Minderheit zuwende. Es ist ein Thema, “das in Grundfragen von Theologie und Kirche hineinführt”. Um der Menschen willen sei “eine Entmoralisierung erforderlich”, sagte Jung. Sexuelle Prägungen seien jeweils “empfangen”.

Theologisch besteht nach Jung die Herausforderung darin, dass das heutige Verständnis sexueller Vielfalt “in dieser Form nicht im Horizont der Aussagen biblischer Texte steht”. Dies bedeute, dass auch die Schöpfung im Blick auf die Geschlechtlichkeit “nicht auf normative Binarität reduziert werden kann”. Die Zweigeschlechtlichkeit von Frau und Mann sei zwar eine “besondere Gabe Gottes”. Sie sei aber “nicht das einzige Schöpfungsgemäße, gegenüber dem andere geschlechtliche Orientierungen als defizitär zu beurteilen wären”.

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Islamische Feministinnen kämpfen um Anerkennung

Feminismus © Pete @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Islamischer Feminismus ist für viele ein Widerspruch. Nicht-Muslime betrachten den Islam oft als unterdrückerische Religion, Muslime sehen im Feminismus meist ein westliches, antiislamisches Konzept. Beides Irrtümer, sagen muslimische Feministinnen.

Von Sophie Elmentahler|MiGAZIN

„Es ist wichtig, dass wir nicht nur einen muslimischen Feminismus vertreten, sondern einen islamischen,“ sagt die islamische Theologin Anse Tamara Gray aus den USA. Auf der Konferenz „Islamischer Feminismus – Internationale Annährungen“ der Friedrich-Ebert-Stiftung am Mittwochabend in Berlin hielt sie den Eröffnungsvortrag. Gray will den Feminismus im Islam auf eine theologische Basis stellen und nicht nur als Muslimin feministische Positionen vertreten. Man könne sich prinzipiell fragen, ob Feminismus und eine Religion wie der Islam überhaupt kompatibel seien, sagt sie. „Wenn wir uns aber darauf einigen, dass Feminismus bedeutet, für die Ermächtigung und Gleichberechtigung aller Frauen einzutreten“, dann gebe es keinen Grund, einen islamischen Zugang auszuschließen.

Theologinnen, die die islamischen Quellen wie Koran und Hadith feministisch interpretieren, gehen davon aus, dass die meisten gängigen Praktiken und Interpretationen patriarchal verzerrt sind, also die Schriften in einem Frauen benachteiligenden Sinne auslegen. „Die erste und fundamentale Erkenntnis, die man aus dem Studium der religiösen Quellen ziehen kann, ist, dass der Prophet Mohammed Frauen als gleichwertige Gläubige und Personen angesehen hat“, sagt Gray. Das sei für die damalige Zeit geradezu radikal gewesen. Vieles, was heutigen muslimischen Frauen oft abgesprochen werde – wie das Recht auf Bildung, eigenes Geld zu verdienen oder politisch aktiv zu sein – sei aus den religiösen Quellen klar abzuleiten. Allerdings gebe es viele Hindernisse bei der Durchsetzung solcher Rechte. Neben Problemen wie Armut und Krieg in vielen islamischen Ländern seien das vor allem kulturelle Gepflogenheiten, Unkenntnis und die Angst vor Verwestlichung.

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“In göttlichem Auftrag”: Mann gesteht Mord an niederländischer Ex-Ministerin

Els Borst, 2002. Bild: wikimedia.org/PD

2014 wurde die frühere Gesundheitsministerin der Niederlande Els Borst tot aufgefunden. Nun hat ein Mann gestanden, die 81-Jährige erstochen zu haben – weil sie die aktive Sterbehilfe legalisierte.

SpON

Ein Mann hat den Mord an der früheren niederländischen Gesundheitsministerin Els Borst 2014 gestanden. Er habe einen “göttlichen Auftrag” erhalten sie zu töten, da sie für die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe in den Niederlanden verantwortlich gewesen sei, begründete der Mann vor dem Strafgericht in Rotterdam seine Tat.
Die damals 81-jährige linksliberale Politikerin war im Februar 2014 in ihrem Haus bei Rotterdam mit Dutzenden Messerstichen getötet worden. Die Tat hatte große Bestürzung in den Niederlanden ausgelöst.
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Neuer Antisemitismus: Der deutsche Hafen ist nicht mehr sicher

Neues Leben. Die Synagoge in der Rykestraße in Prenzlauer Berg wurde 2007 wieder eingeweiht. – Foto: picture-alliance/ dpa
Nach dem Ende der Sowjetunion kamen viele Juden nach Deutschland. Nun schwindet die Erinnerung an den Holocaust. Und mit den muslimischen Migranten wächst der Antisemitismus – auch auf deutscher Seite.

Von Sonja Margolina|DER TAGESSPIEGEL

Vor 25 Jahren hat die deutsche Regierung beschlossen, Juden und Menschen mit jüdischen Vorfahren aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion als Kontingentflüchtlinge im Rahmen einer humanitären Hilfsaktion nach Deutschland einreisen zu lassen. Dieses Refugium zeigt heute Risse. Angesichts der anhaltenden Fluchtwelle aus arabischen Staaten und des damit importierten Antisemitismus fühlen sich Juden nicht mehr sicher. Manche machen sich Gedanken über eine Auswanderung, diesmal aus Deutschland.

Deutschland war nicht das einzige Land, das nach dem Ende des Kalten Krieges Juden offenstand. Sie konnten mühelos nach Israel, aber auch in die USA ziehen, die sie seit den 70er Jahren bevorzugt aufnahmen. Die Vorstellung, dass Juden nun ins „Land der Täter“ zurückkehren wollten, sorgte in Israel und in den zionistischen Organisationen weltweit für Empörung.

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DIE PARTEI: “Notfalls lassen wir auf Anderswählende schießen”

Martin Sonneborn. Bild: Martin Krolikowski/CC-BY-SA-2.0
Die Rheinland-Pfalz-Wahl wird überschattet von der Nichtteilnahme der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (PARTEI), die ausgerechnet bei ihrem Kernthema Populismus diesmal nicht mit den Mitbewerberinnen mithalten konnte. Doch der Parteivorsitzende Martin Sonneborn bleibt zuversichtlich.

Von Markus Kompa|TELEPOLIS

In Rheinland-Pfalz stehen Wahlen an. Die PARTEI wurde bei der Elefantenrunde jedoch nicht berücksichtigt, weshalb CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner ihre Teilnahme abgesagt hatte. Zeichnet sich eine neue Allianz ab?

Martin Sonneborn: Das kann ich noch nicht abschließend beantworten. Wir haben die erforderlichen 2.000 Unterstützer-Unterschriften nicht zusammengebracht, weil die Pfälzer zu dumm sind für moderne Turbopolitik. Deswegen versteigert Deniz Y. Dix, Landesvorsitzender der PARTEI in Rheinland-Pfalz, gerade das Stimmpaket der PARTEI bei Ebay. Ich hoffe, der Preis geht noch ein bisschen nach oben, ein paar Zehntausend Stimmen sind in Rheinland-Pfalz ja kein Klacks. Der Höchstbietende derzeit kommt aus dem FDP-Umfeld.

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Von ,Anal-Dschihad‘ und der brutalen Verfolgung Homosexueller

Illustration von Cei Willis | VICE Media
„Während der Hinrichtungen jubelten Hunderte Bewohner, darunter auch Kinder, freudestrahlend wie auf einer Hochzeit. Wenn eines der Opfer nicht tot war, nachdem man ihn von einem Gebäude geworfen hat, steinigten die Bewohner ihn zu Tode. Das hätte auch mein Schicksal sein sollen”, schilderte der aus Syrien geflüchtete Subhi Nahas dem britischen Parlament, wie mit Homosexuellen in von Dschihadisten besetzten Gebieten in Syrien und im Irak verfahren wird.

Von Paul Donnerbauer|VICE.com

Allein die Terrormiliz Islamischer Staat soll laut einem Bericht der UNO mindestens 30 Menschen wegen „Sodomie” und Homosexualität öffentlich hingerichtet haben.
Aber auch andere dschihadistische Gruppen wie die al-Nusra-Front oder die Ahrar al-Scham verfolgen teilweise gezielt Homosexuelle.

Anfang des Jahres sorgte ein Bericht der syrischen Nachrichtenagentur ARA News über die grausame Ermordung eines 15-jährigen Syrers weltweit für Schlagzeilen. IS-Milizionäre warfen den Jungen von einem Gebäude, nachdem er vom Sharia-Gericht der ostsyrischen Stadt Deir ez-Zor der Homosexualität bezichtigt und zum Tode verurteilt wurde. „Der entsetzliche Exekution wohnten viele Menschen vor dem Gebäude bei”, berichtete ein lokaler Medienaktivist, der selbst Zeuge der Hinrichtung wurde.

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Im V-Mann-Prozess geraten zwei Polizisten ins Visier

Das Landgericht Würzburg hatte einen in der Rockergruppe Bandidos eingeschleusten V-Mann wegen Drogenhandels zu fast sieben Jahren Haft verurteilt. Nun wird neu verhandelt. (Foto: dpa)
  • Zwei Polizisten stehen im Verdacht, ihre Zeugenaussagen vor der Verhandlung abgesprochen zu haben.
  • Nach einer Strafanzeige wurde jetzt ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.
  • Auch gegen sechs LKA-Beamte wird ermittelt.

Von Olaf Przybilla|Süddeutsche.de

Für eine Heldengeschichte über den armen V-Mann und Ex-Bandido Mario F. eignet sich der Prozess am Würzburger Landgericht nicht, das ist nach sechs Verhandlungstagen schon klar. Der Angeklagte hat in strafrechtlicher Hinsicht wenig ausgelassen, allein fürs Verlesen des Vorstrafenregisters brauchte der Richter etwa zehn Minuten. 13 Delikte führte er auf, vom Vollrausch am Steuer über Beihilfe zur Untreue bis zum mehrfachen Betrug.

Ebenso wenig zeichnet sich bislang ab, ob das Gericht die im ersten Prozess 2013 verhängte Strafe von fast sieben Jahren Haft am Ende tatsächlich reduzieren wird. Oder ob es zur Überzeugung gelangt, dass der Mann mit Drogen gehandelt hat – ohne dass das Landeskriminalamt (LKA), für das er als Spitzel tätig war, dies gebilligt oder gar forciert hätte.

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W00t – De Maizière: Deutschland hat ein Problem mit Fremdenfeindlichkeit

Rechtsextreme Straftaten haben 2015 deutlich zugenommen, sagt Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Der Verfassungsschutz warnt vor einer Radikalisierung in der Mitte der Gesellschaft.

evangelisch.de

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat deutliche Sorgen über eine zunehmende rechtextreme Gewalt in Deutschland geäußert. Angriffe auf Flüchtlingsheime wie in Tröglitz, Heidenau oder Villingen-Schwenningen zeigten: “Wir haben in Deutschland ein Problem mit fremdenfeindlicher Gewalt”, sagte er am Mittwoch bei den 10. Berliner Sicherheitsgesprächen des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK). Laut de Maizière gab es im Jahr 2014 insgesamt 198 Angriffe gegen Asylbewerber und auf Asylbewerberheime, 2015 waren es 1.005.

Flüchtlingskrise nur ein “Beschleuniger”

De Maizières Einschätzung zufolge haben das Ausmaß der Gewalt und die Verrohung von Sprache schon vor längerer Zeit zugenommen. Die Flüchtlingskrise sei dabei nur ein “Beschleuniger”, aber “nicht der Auslöser” gewesen.

De Maizière sprach von einer “Entgrenzung” in der Kommunikation zwischen den Menschen. Im gesellschaftlichen Umgang müssten daher wieder neue Grenzen gezogen werden. Der Verzicht auf Gewalt in der Sprache führe zu einem Verzicht auf Gewalt in der Realität, sagte de Maizière. Deshalb dürften Hasskommentare im Internet nicht ignoriert werden. “Da muss man ermitteln”, sagte de Maizière.

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KNA und Volker Beck gegen Kölner Weihbischof?

Bild: bpb.de
Bild: bpb.de
Fragwürdige Darstellung der „Katholischen Nachrichtenagentur“ von Aussagen des Kölner Weihbischofs Schwaderlapp und der Replik des Grünenpolitikers Beck zur Frage der kirchlichen Segnung homosexueller Lebenspartnerschaften

kath.net

Mit einem eigenen Artikel wartete die Katholische Nachrichtenagentur KNA zur Kritik Volker Becks (Grüne) an Aussagen des Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp auf. Unter der Überschrift „Volker Beck kritisiert Kölner Weihbischof als unbarmherzig“ wird im ersten Abschnitt die Position des religionspolitischen Sprecher seiner Fraktion dargestellt: „Schwaderlapp setze ‚auf Unbarmherzigkeit im Jahr der Barmherzigkeit‘“. Die Aussagen des Kölner Weihbischofs waren der in katholischer Trägerschaft befindlichen Nachrichtenagentur zuvor keinen eigenen Artikel wert gewesen.

Die KNA hatte in ihrem Artikel offenbar Gründe, Becks Wertung der Position des Kölner Weihbischofs als „perfide“ nicht zu erwähnen. Beck hatte wörtlich erläutert: „Es ist perfide, wenn er die Trauung Homosexueller durch die Evangelische Kirche im Rheinland zum Problem der Ökumene erklärt. Das Festhalten der katholischen Kirche an der Sexuallehre des Thomas von Aquin aus dem 13. Jahrhundert ist Ursache für den Graben zwischen der Katholischen Kirchenleitung und ihren eigenen Gläubigen, der evangelischen Bruderkirche und der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.“ Ebenso wenig zitierte die KNA die Darstellung Becks, wonach die Entscheidungsfindung der katholischen Kirche in solchen Fragen offenbar nur eine Frage von aktuellen Mehrheiten sei, also eine Frage demokratischer Meinungsfindung. Beck hatte dazu wörtlich erläutert: „Der Graben verläuft nicht zwischen evangelischer und katholischer Kirche, sondern zwischen dem Bischof und der Mehrheit der gläubigen Christen“, der Graben laufe „um Schwaderlapps Trutzburg außen herum“. Schwaderlapp, so hatte Beck außerdem behauptet, „spricht vom Evangelium und redet doch nur über patriarchale Machtkonstruktionen aus der katholischen Kirchengeschichte“.

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Australien: Gerichtsurteil ebnet Weg für Abschiebung Dutzender Kinder

Die betroffenen in Australien geborenen Kinder. / Bild: REUTERS
Das Oberste Gericht hat die Klage einer Frau gegen die Abschiebung in ein Flüchtlingslager auf Nauru abgewiesen. Betroffen sind auch 37 Babys und 54 Kinder.

Die Presse.com

Australien macht kurzen Prozess mit Flüchtlingen, die das Land per Boot erreichen wollen. Sie werden zurückgeschickt und in Lagern auf Inselstaaten wie Nauru, Papua Neuguinea und der Weihnachtsinsel interniert. Selbst wenn ihr Flüchtlingsstatus anerkannt wird, dürfen die Menschen nicht nach Australien kommen. Die strengen Asylregeln sorgen international – und teils auch im Inland – für heftige Kritik an Regierungschef Malcolm Turnbull. Ein Gericht bekräftigte nun den harten Kurs Australiens gegen Asylwerber.

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The Netherlands just made the Church of the Flying Spaghetti Monster an official religion

Image via Reddit
The Church of the Flying Spaghetti Monster is now an official religion in the Netherlands and members worldwide are celebrating with a bowl of pasta.

By James Forsythe|DEADState

According to the Inquisitr, the Church of the Flying Spaghetti Monster, or Pastafarianism, is a social movement that emerged in 2005 and quickly went on to become an internet phenomenon.

Not strictly a religion, the torchbearers of the movement encourages a light-hearted view on dogma. The group is known for its opposition to the teaching of creationism and intelligent design in public schools.

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Kirchenrechtler zur Eheannullierung: Papst macht ‚Schritt zurück’

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
In seiner Ansprache an die Römische Rota hat Franziskus einige Zweideutigkeiten im Motu proprio ‚Mitis iudex’ klargestellt, sagt der amerikanische Kirchenrechtler Edward Peters.

kath.net

Die „Qualität des Glaubens“ ist keine wesentliche Bedingung für den Ehekonsens. Mit diesem Satz in seiner Ansprache vor der Römischen Rota am 22. Januar habe Papst Franziskus gegenüber dem Motu proprio „Mitis iudex Dominus Iesus“ einen „Schritt zurück“ gemacht und eine wichtige Frage geklärt, sagt der amerikanische Kirchenrechtler Edward Peters.
Das Motu proprio vom August 2015 hatte das Verfahren zur Feststellung der Nichtigkeit einer Ehe unter bestimmten Umständen vereinfacht. Es war aber auch Ausgangspunkt kirchenrechtlicher und theologischer Kontroversen. Das Dokument nennt einen Grund, der die Behandlung eines Ehenichtigkeitsprozesses auf kürzerem Weg nahelegen kann, den „Mangel an Glauben, der die Simulation des Konsenes oder den willensbestimmenden Irrtum hervorbringen kann; …“ (Art. 14, §1)

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“Wir müssen über die Grenzen der Religionsfreiheit reden”

Petra Bahr, ehemalige Kulturbeauftragte des Rates der EKD (dpa/picture alliance/Karlheinz Schindler)
Welche Rolle spielt Religion bei der Integration von Flüchtlingen? Diese Frage beschäftigt auch die evangelische Theologin Petra Bahr. Es müsse mehr darüber geredet werden, was Muslime in entwurzelten Situationen brauchen – aber auch über die Grenzen der Religionsfreiheit. Denn gerade Christen wüssten aus ihrer eigenen Tradition, dass Religion auch über eine destruktive Dimension verfüge.

Petra Bahr im Gespräch mit Benedikt Schulz|Deutschlandfunk

Benedikt Schulz: Klären wir erstmal, Frau Bahr, was hat denn Integration von Flüchtlingen in einem säkularen Staat überhaupt mit Religion zu tun?

Petra Bahr: Religion ist einer von vielen Aspekten, den Menschen selbstverständlich mitbringen. Die Rucksäcke derjenigen, die zu uns kommen, mögen nicht besonders reich gefüllt sein. Aber die Rucksäcke an Prägungen, an Vorverständnissen, auch an sicheren Traditionen, in denen man die Welt bis jetzt versucht hatte zu entwerfen, haben auch eine religiöse Komponente. Und Religion ist, das gilt für alle Religionen, ein hoch ambivalentes Phänomen. Es kann Heimat stiften, es kann heilsam sein, es kann uns zu anderen führen. Es ist aber auch ein Ort, wo man sich von anderen abschließt, ein Ort harter Abgrenzung und der Identitätsmarker. Oder auch ganz unaufgeklärter Selbstverständlichkeiten, die erst in dem Moment, wo man mit anderen Lebensformen konfrontiert wird, relevant werden.

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Super Mario wird sozial

Mario und Co lernen und helfen sich gegenseitig © Universität Tübingen
Räuberleiter statt Einzelkämpfer: Informatiker haben bekannte Videospiel-Figuren wie Mario, Luigi, Yoshi und Toad mit sozialen Fähigkeiten ausgestattet. Eine soziale künstliche Intelligenz verleiht ihnen die Fähigkeit, miteinander zu interagieren, voneinander zu lernen, aber auch feindselig zu reagieren. Dieses auf Erkenntnissen der Kognitionswissenschaft basierende Verhalten soll neue Denkanstöße für die KI-Forschung geben, aber auch in der Lehre eingesetzt werden.

scinexx

Der pixelige Klempner Mario ist wahrscheinlich die bekannteste Videospiel-Figur weltweit. In unzähligen Varianten bewältigt er in den Jump-’n’-Run-Spielen diverse Hürden, muss entführte Prinzessinnen befreien und Gegnern ausweichen oder sie besiegen. 2015 haben Informatiker der Universität Tübingen unter Leitung von Martin Butz die klassischen Funktionen dieses Spiels erweitert, indem sie der Figur Mario eine künstliche Intelligenz verpassten.

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Wie sich junge Muslime den Islam wünschen

Zwei junge Frauen in der Altstadt von Rabat in Marokko (picture alliance / dpa / Reinhard Kaufhold)
Viele junge Araber im Norden Afrikas und im Nahen Osten suchen Orientierung im Islam. Aber wie soll der sein? Weltoffen oder rückwärtsgewandt? Die Tabah-Stiftung in Abu Dhabi hat eine repräsentative Umfrage durchgeführt. Ergebnis: Fast alle Befragten sehen sich als überzeugte Muslime. Wenn es aber um den real existierenden Islam geht, herrscht Unzufriedenheit.

Von Jürgen Stryjak|Deutschlandfunk

Die Staaten im Norden Afrikas und im Nahen Osten befinden sich seit einigen Jahren in einem Umbruch, der turbulenter kaum sein könnte. Volksaufstände, Terror und Bürgerkriege beherrschen die Nachrichten. Dort wo es bislang relativ ruhig blieb, ist es die Globalisierung, die die Gesellschaften bis zum Zerreißen spannt. Viele junge Araber suchen Orientierung im Islam, aber bei welchem? Bei einem weltoffenen oder bei einem rückwärtsgewandten?

Fast alle Befragten sehen sich als überzeugte Muslime

“Zu oft sprechen wir über die Jugend, aber viel zu selten mit ihr”, beklagt Abaas Yunas von der Tabah-Stiftung in Abu Dhabi. Junge Muslime seien einer unüberschaubaren Fülle an religiösen Inhalten ausgesetzt, die sie natürlich beeinflussen würden. Um herauszufinden, wie sich das auf junge Araber auswirkt, hat die Zukunftsinitiative der Stiftung unter Leitung von Abaas Yunas eine repräsentative Umfrage durchgeführt. In acht arabischen Staaten wurden muslimische Frauen und Männer im Alter zwischen 15 und 34 Jahren befragt, unter anderem in Marokko, Ägypten und in Saudi-Arabien.

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„Der IS braucht keinen Grund, um uns zu töten!“

Foto: Krudewig/Stadt
Der Zeichner und Karnevalswagenbauer Jacques Tilly (Mitglied des Kuratoriums der Giordano-Bruno-Stiftung) wurde am vergangenen Donnerstag für seine kulturellen Verdienste mit dem Jan-Wellem-Ring der Stadt Düsseldorf ausgezeichnet.

Richard Dawkins-Foundation

In seiner Dankesrede rief Tilly, der im vergangenen Jahr u.a. durch seinen “Charlie-Hebdo-Wagen” für Schlagzeilen sorgte, dazu auf, die offene Gesellschaft mit noch mehr Mut, Menschlichkeit und Humor zu verteidigen. Wir dokumentieren nachfolgend Auszüge aus dieser Rede, die, wie gbs-Sprecher Michael Schmidt-Salomon erklärte, “die Haltung der Giordano-Bruno-Stiftung zur Debatte um Islamismus und Fremdenfeindlichkeit auf den Punkt brachte und die fundamentalen Unterschiede verdeutlichte, die zwischen rationaler Aufklärung und reaktionärer Propaganda bestehen”.

(…) Das seit Monaten omnipräsente Flüchtlingsthema hat zu einer extremen Polarisierung geführt. Wir müssen erleben, wie sich breite Teile der Gesellschaft vom demokratischen Konsens verabschieden. Im Umfeld von AfD und Pegida wird offen das “System” infrage gestellt, die Medien werden als “Lügenpresse” diffamiert, paranoide Weltbilder und Verschwörungstheorien vergiften das gesellschaftliche Klima, ganze Bevölkerungsteile katapultieren sich selbst in ein wahnwitziges Paralleluniversum ohne jeden Realitätsbezug.

Sehr anschaulich bewies das vor wenigen Tagen die AfD-Politikerin Beatrix von Storch, als sie davon faselte, dass unsere Kanzlerin demnächst nach Südamerika ins Exil vertrieben werden wird, genau wie das Ehepaar Honecker. Und der große Held dieser Freunde der wahren Meinungs- und Pressefreiheit ist – ausgerechnet – der russische Autokrat Wladimir Putin.

Dagegen wäre prinzipiell nichts einzuwenden. Eine konstruktive Streitkultur ist das Lebenselixier jedes demokratischen Willensbildungsprozesses. Schlimm ist aber, mit welchem Hass, mit welchem Mangel an Maß, Besonnenheit und Menschlichkeit dieser Kampf geführt wird. Die Lynchstimmung, die den Medien und der Politik gerade in großen Teilen des deutschen Ostens entgegenschlägt, ist alarmierend. Vor wenigen Monaten konnte man diese Leute noch als Spinner belächeln. Doch die Silvesternacht in Köln und die damit einhergehenden kläglichen Vertuschungsversuche haben jetzt mitgeholfen, aus einer Minderheitenposition ein schnell wachsendes Massenphänomen zu machen. Die AfD liegt in aktuellen Umfragen bundesweit bei unglaublichen 13 Prozent.

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