Frühere Mormonen-Bischöfe wegen Polygamie verurteilt

Winston Blackmore (60) soll 24 Frauen geheiratet haben. Foto: rtr
Ein Gericht in Kanada hat zwei Ex-Bischöfe einer Mormonen-Sekte der Polygamie für schuldig befunden. Einer der Männer soll 24 Frauen geheiratet und mehr als 145 Kinder gezeugt haben.

Frankfurter Rundschau

Ein Gericht in Kanada hat zwei Ex-Bischöfe einer Mormonen-Sekte der Polygamie für schuldig befunden. Winston Blackmore (60) soll 24 Frauen geheiratet haben, James Oler (53) fünf, wie der Sender CBC am Montag (Ortszeit) unter Berufung auf das Oberste Gericht in der westlichen Provinz British Columbia berichtete. Demnach soll Blackmore mehr als 145 Kinder gezeugt haben. Beide Männer sind Angehörige der Fundamentalistischen Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (FLDS).

Die Vielehe ist in Kanada verboten. Den beiden Männern drohen nun bis zu fünf Jahre Haft. Ein Termin für die Verkündung des Strafmaßes stand zunächst nicht fest.

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Betreuungsvereine in finanzieller Not

Bild: tilly
Viele Betreuungsvereine in Deutschland sind in akuter Finanznot.

Von Daniel Schäfer | evangelisch.de

Der Schutz von Menschen, die ihre Rechte nicht mehr alleine wahrnehmen können, sei gefährdet, sagte Waltraud Nagel vom Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die schlechte Vergütung für Betreuungsvereine führe dazu, dass viele Betreuer immer mehr Fälle übernähmen und zwangsläufig die Qualität ihrer Arbeit darunter leide: „Allein in unserem Landesverband haben in den letzten zwei Jahren vier Vereine zugemacht.“

Die rechtliche Betreuung ermöglicht Menschen trotz Krankheit, Behinderung oder anderen Einschränkungen ein selbstbestimmtes Leben unter Achtung ihrer Grundrechte.

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Amnesty International: Epidemie von sexueller Gewalt im Südsudan

Vergewaltigung und Verstümmelung von Männern und Frauen als systematische Kriegswaffe – im Bürgerkrieg im Südsudan schreckt keine der beiden Kriegsparteien davor zurück. Das Ausmaß des Grauens ist unvorstellbar.

evangelisch.de

Im Südsudan werden Vergewaltigung und andere Formen sexueller Gewalt Menschenrechtlern zufolge systematisch als Kriegswaffe eingesetzt. Tausende Frauen und Männer würden bei ethnisch motivierten Angriffen vergewaltigt, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Bericht von Amnesty International. Sexuelle Gewalt werde bewusst und in großem Ausmaß von beiden Seiten in dem Bürgerkrieg verübt.

Manche Angriffe hätten dazu dienen sollen, die Bevölkerung zu terrorisieren und die Opfer zu erniedrigen, sagte Muthoni Wanyeki, Amnesty Internationals Regionaldirektor für Ostafrika, die Großen Seen und das Horn von Afrika.

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Vom Kindergarten abgemeldet, weil dort zu viele Türken sind

Bunt © mccheek auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Was machen Erzieher, wenn Eltern rassistisch werden? Auf einer Tagung diskutierten Experten mit Mitarbeitern von Wohlfahrtspflege über Erfahrungen und Strategien. So viel ist sicher: Soziale Arbeit muss auf Rechtspopulismus reagieren.

Von Jasmin Maxwell | MiGAZIN

Sozialarbeiter, Altenpfleger und Erzieher begegnen bei ihrer Arbeit nach Erfahrung der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen zunehmend rechtspopulistischen Einstellungen. Viele Mitarbeiter von Wohlfahrtsverbänden seien verunsichert, wie sie reagieren sollten, sagte Oliver Baiocco von der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege dem Evangelischen Pressedienst. „Wenn Eltern sagen: In Ihrem Kindergarten sind zu viele Türken, da nehme ich mein Kind raus! Was macht dann eine Erzieherin?“ Auf einer Tagung Mitte Juli wollten sich Mitarbeiter der Freien Wohlfahrtspflege über Erfahrungen austauschen und Gegenstrategien entwickeln.

„Einen goldenen Weg gibt es nicht“, betonte Baiocco, der Vorsitzender des Arbeitsausschusses Bildung der Landesarbeitsgemeinschaft und Geschäftsbereichsleiter im Paritätischen Wohlfahrtsverband NRW ist. Oft helfe es aber, zunächst ruhig zu bleiben und das Gespräch nicht abreißen zu lassen. Vorwürfe wie „Du bist ein Nazi“ seien dagegen nicht hilfreich. Auf der Tagung „Rechtspopulismus in der Bildungs- und Sozialarbeit“ sollten die Teilnehmer unter anderem das Argumentieren gegen Stammtischparolen üben.

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„Euthanasie“-Morde der Nazis: Der kalkulierte Tod

„…der Gnadentod gewährt werden kann“: Direkte Anweisung von Nazi-Diktator Adolf Hitlers zur Euthanasie. Reichsleiter Philipp Bouhler, Chef des Euthanasieprogrammes, und Dr. Karl Brandt wurden ermächtigt, psychisch Kranke zu liquidieren. (Foto: Süddeutsche Zeitung Photo)
Im Januar 1940 begann der NS-Massenmord an psychisch Kranken und Behinderten. Das Münchner NS-Dokumentationszentrum zeigt, wie perfide die Nazis die Verbrechen verschleierten.

Von Jakob Wetzel | Süddeutsche.de

Die Mutter der kleinen Elisabeth war verzweifelt. „Sie werden doch kein Mädel aus Ihrer Anstalt geben, ohne zu wissen, wo sie hinkommt“, schrieb die Frau am 11. August 1941 an Valentin Faltlhauser, den Leiter der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren. Unbedingt wolle Sie wissen, wo ihre Tochter sei. „Auf meine Verantwortung nehmen Sie das Mädel wieder in Ihre Anstalt zurück, ich werde mein Kind wieder besuchen“, beschwor sie den Nervenarzt.

Sie habe erst am Vortag aufbrechen wollen, um nach Elisabeth zu sehen – als die Nachricht kam, das Mädchen sei an einen unbekannten Ort verlegt worden. Die Mutter ahnte wohl, dass sie ihre Tochter nie wiedersehen würde. Nachdem sie den Brief bereits unterschrieben hatte, ergänzte sie sechs Zeilen. Sie schrieb: Die Familie sei in der Lage, die Tochter zu begraben, sollte ihr „etwas passieren“.

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Methadon – Wundermittel gegen Krebs?

MRT-Aufnahmen eines Gehirns (Symbolbild) (Foto: DedMityay – Fotolia)
  • Eine Meldung macht die Runde, dass das Opioid Methadon Hirntumorpatienten helfen kann.
  • In Laborstudien hat eine Ulmer Chemikerin entsprechende Hinweise gefunden und diese öffentlich gemacht.
  • Unter Patienten herrscht große Aufregung, Onkologen hingegen warnen massiv vor falschen Hoffnungen.

Von Felix Hütten | Süddeutsche.de

Man stelle sich vor, Forscher entdeckten ein Wundermittel gegen Krebs; eines, das günstig ist, wirkungsvoll und weitestgehend sicher. Es wäre eine Sensation. Und genau eine solche Sensationsmeldung erzeugt im Internet derzeit mächtigen Wirbel. Anlass der Aufregung sind Forschungen der Chemikerin Claudia Friesen von der Uniklinik Ulm. Sie hat in Zell- und Tierversuchen Hinweise darauf gefunden, dass das Schmerzmittel Methadon die Wirkung einer Chemotherapie womöglich verstärkt.

Vereinfacht lautet Friesens These: Methadon hilft, die Chemotherapeutika in der Tumorzelle zu konzentrieren – und den Krebs damit effektiver zu zerstören. Hat Claudia Friesen also einen wirksamen und günstigen Ansatz gefunden, der den Kampf gegen Tumore um Lichtjahre nach vorne katapultiert? Methadon ist vielen Patienten bekannt, es kommt in der Schmerztherapie und im Heroinentzug häufig zum Einsatz. Im Unterschied zu den meisten Krebsmedikamenten ist es patentfrei und günstig.

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Kirchenasyl in Bayern: Wenn Kümmern zur Straftat wird

Pfarrer Peter Brummer im Gespräch mit zwei Flüchtlingen aus dem Irak, die in seiner Kirche in Tutzing um Asyl baten. (Foto: AFP)
  • Wenn ein Pfarrer oder eine Pfarrerin einem Flüchtling Kirchenasyl gewährt, droht eine Geld- oder Haftstrafe.
  • Derzeit gibt es bundesweit 309 Kirchenasyle mit mindestens 512 Personen.
  • Bekannt geworden sind Strafverfahren wegen Gewährung von Kirchenasyl nur in Bayern – doch es gebe keine Vorgabe aus dem Ministerium, solche Verfahren einzuleiten, sagt Justizminister Bausback.

Von Heribert Prantl | Süddeutsche.de

Die Schreiben kommen von der Polizei. Sie sind adressiert an Dutzende Pfarrhöfe in Bayern. Katholische und evangelische Geistliche werden von der Polizei als Beschuldigte einvernommen, im Auftrag der bayerischen Staatsanwaltschaften: „Ihnen wird vorgeworfen, folgende Straftat(en) begangen zu haben: Illegaler Aufenthalt ohne Aufenthaltstitel“.

So steht es, unfreiwillig komisch, in einem der strafrechtlichen Schreiben, die der SZ vorliegen. Gemeint ist natürlich nicht, dass sich der Pfarrer oder die Pfarrerin illegal in Bayern aufhalten, sondern dass sie Beihilfe geleistet haben sollen zum illegalen Aufenthalt eines Flüchtlings. Das kann nach Paragraf 95 Absatz 1 Nummer 2 Aufenthaltsgesetz mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft werden oder mit Geldstrafe, in besonderen Fällen droht nach Absatz 2 eine Haft sogar bis zu drei Jahren.

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Was so viele Frauen an Hitler faszinierte

Die „Volksgemeinschaft“ fest im Blick: ein Fahnenappell des Bundes deutscher Mädel Quelle: picture alliance / akg-images
Die Historikerin Katja Kosubek hat drei Dutzend Lebensschilderungen vom überzeugten „Parteigenossinnen“ ausgewertet. Ihr Buch könnte der Startpunkt für längst überfällige Forschungen zur NSDAP sein.

Von Sven Felix Kellerhoff | DIE WELT

Hausfrau und Mutter sollte die deutsche Frau sein – jedenfalls wenn es nach Adolf Hitler ging. 1927 beschied der zu dieser Zeit nur in seiner Partei allmächtige „Führer“ den Vorschlag zweier Berliner Funktionäre, eine der rein männlichen SAgleichberechtigte Frauenorganisation in der NSDAP zu schaffen, unmissverständlich: „Antrag ist unzweckmäßig, ja schädlich.“

Immerhin bequemte sich Hitler zu einer Begründung: „Soll sich die Frau an der politischen Leitung der Bewegung beteiligen, oder soll ihre besondere Wesensart auch zu einem besonderen Wert für die Bewegung gewonnen werden? Der erste Standpunkt ist der von Frauenrechtlerinnen, der zweite ist natürlich und damit für die Bewegung zweckmäßig.“ Das war eindeutig und wurde dennoch in anderen Worten noch einmal wiederholt: „Als Nationalsozialisten wünschen wir, dass die Frau eine Helferin im Kampfe des Mannes ist.“

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Das wütende Plädoyer eines Arztes gegen „Clean Eating“

Anders als von vielen angenommen, ist „Clean Eating“ nicht automatisch gesund. © Oppenheim Bernhard/Getty Images
In sozialen Netzwerken wie Instagram ist „Clean eating“ der große Hype. Der britische Arzt Dr. Max Pemberton warnt nun vor der Trend-Ernährung. Sie sei gar nicht gesund – und könne sogar tödlich sein.

stern.de

Schaut man sich in sozialen Netzwerken um, kommt man um den Hype „Clean Eating“ kaum herum. Vor allem bei Instagram und Youtube widmen sich Tausende Beiträge dem vermeintlich sauberen Essen. Der britische Arzt Dr. Max Pemberton warnt nun in einem Gastbeitrag bei der „Daily Mail“ vor den riesigen Gefahren der Trend-Ernährung.

Mit denen kennt Dr. Pemberton sich aus. Er behandelt als im Auftrag des britischen Gesundheitsdienst NHS junge Menschen, meist Frauen, die sich mit „Clean Eating“ fast zu Tode gehungert haben. „Clean Eating“ bezeichnet den Versuch, auf verarbeitete Nahrung zu verzichten und nur frisch zu essen. Doch hinter dem wohlklingenden Versprechen von der „sauberen Nahrung“ steckt nach Dr. Pembertons Ansicht vor allem eines: Mangelernährung.

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„Nahost-Konflikte erreichen deutsche Schulhöfe“

So sollte es sein.
CDU, Grüne und der Zentralrat der Juden beklagen Antisemitismus bei muslimischen Schülern – befeuert durch den Israel-Palästina-Konflikt. Schulen seien überfordert, aber deutsche Islam-Verbände blieben untätig.

Von Matthias Kamann | DIE WELT

Der Bericht wurde allgemein gelobt. Als im April eine unabhängige Expertenkommission im Auftrag des Bundestags detailliert beschrieb, wie sehr antisemitische Einstellungen in verschiedensten Bevölkerungsgruppen von links bis rechts und gerade auch unter Muslimen um sich greifen, da war die Zustimmung in allen Bundestagsfraktionen groß.

Grundsätzliche Einigkeit bestand auch bezüglich der Forderungen der Kommission. Nämlich unter anderem, einen Bundesbeauftragten zu berufen und eine koordinierende Bund-Länder-Kommission für den Einsatz gegen den Antisemitismus einzurichten.

Doch geschehen ist dies bislang nicht. Vielmehr vertagte man sich im Bundestag auf die nächste Legislaturperiode. Dies kritisiert nun Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Es wäre „ausgesprochen merkwürdig“, sagte er in der „Bild am Sonntag“, wenn „ausgerechnet Deutschland“ nicht der auch vom EU-Parlament ausgesprochenen Empfehlung nachkäme, einen solchen Beauftragen zu benennen.

Bischof bittet um Entschuldigung für Gewalt gegen Domspatzen

In einem Hirtenwort hat sich der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer nach dem Abschlussbericht zu den Übergriffen auf die Regensburger Domspatzen an die Gläubigen seines Bistums gewandt. „Ich kann nur in Demut um Entschuldigung bitten“, schrieb er in dem Brief, der am Sonntag in den Gottesdiensten verlesen wurde.

evangelisch.de

Die Berichte über die körperliche und sexuelle Gewalt, die bei den Regensburger Domspatzen Schüler über Jahrzehnte erlebt hätten, „macht mich zutiefst zerknirscht und erfüllt mich mit Scham“, hieß es weiter.

Nach zweijähriger Untersuchung hatte der Rechtsanwalt Ulrich Weber das Aufarbeitungsgremium seinen Abschlussbericht präsentiert. Demzufolge wurden rund 500 Sänger Opfer körperlicher und 67 Opfer von sexueller Gewalt. Die Übergriffe hätten vor allem in den 1960er und 1970er Jahren stattgefunden. Bis 1992 soll es durchgängig Gewalt gegeben haben. Einschließlich der Dunkelziffer könnte die Gesamtzahl der Opfer sogar bei etwa 700 liegen. Als Täter seien 49 Menschen ausgemacht worden.

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Wer bestimmt, was Kinder lernen?

© PICTURE-ALLIANCE Eltern bringen ihr Kind zur Schule – ab da entscheidet der Staat, was gelehrt wird.
Erziehungsrecht der Eltern und Erziehungsauftrag des Staates stehen gleichberechtigt nebeneinander. Aber was passiert, wenn die Schule etwas lehrt, das den Eltern missfällt – vor allem, wenn es um Sexualität und Religion geht?

Von Volker Kitz | Frankfurter Allgemeine

Im Kapitel „Begattung und Befruchtung“ lesen die Eltern: „Dabei führt der Mann das versteifte Glied in die Scheide der Frau ein.“ Ihre Tochter ist gerade in die fünfte Klasse gekommen und hat das neue Biologiebuch nach Hause gebracht. Die Eltern finden, für solche Sätze sei sie zu jung; in einem gerichtlichen Eilverfahren wollen sie ihr Kind vom Sexualkundeunterricht befreien lassen. In der Stuttgarter Innenstadt drängen Tausende, halten Transparente: „Aufklärung ab 4. Klasse – wie krank sind wir?“ Gegendemonstranten marschieren auf sie zu, brüllen: „Schützt eure Kinder vor euch selbst!“ Polizisten ziehen Sturmmasken übers Gesicht und Schlagstöcke aus dem Halter, in Hundertschaften bilden sie eine Kette zwischen den Gruppen, Farbbeutel, Tomaten klatschen auf, Knüppel sausen durch die Luft, und Menschen liegen am Boden.

Was sich liest wie eine Geschichte, sind zwei Geschichten. Die Szenen spielen im selben Bundesland, aber in verschiedenen Jahrtausenden. Die Fünftklässlerin hatte im August 1974 ihren ersten Tag im Gymnasium in Baden-Württemberg. In Stuttgart fielen die Menschen in den vergangenen beiden Jahren übereinander her, da war das Mädchen von damals schon fünfzig. Erst kürzlich haben die Gegner der „Sexualpädagogik der Vielfalt“ zu einem Symposium nach Wiesbaden eingeladen.

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Kampf der Kulturen?

Leander Russ, Sturm der Türken auf die Löwelbastei 1683 (Wien, Österreichische Galerie), 1837. Bild: wikimedia.org/PD
Schenkt man Populisten Glauben, befinden sich Muslime und Nichtmuslime im Kulturkampf. Doch sind Religionen das Problem? Eine Spurensuche

Von Tobias Thieme | SVZ.de

Diese Worte machen Angst: „Islamisierung Deutschlands. Und am Ende steht die Unterwerfung“ ist eine Schlagzeile. „Moslems sind tickende Zeitbomben“ eine andere. Und: „Islam-Imperialismus weiter staatlich gefördert“. Zu finden sind sie auf dem Internetportal Politically Incorrect (PI News). Die Betreiber verbergen ihre Haltung nicht. Zwei großbusige und knapp bekleidete Comic-Mädchen werben mit den Sprüchen „Maria statt Scharia“ und „Islamophob – Aber sexy“ für die Seite. PI News war auch Plattform für den im Januar gestorbenen Verschwörungstheoretiker Udo Ulfkotte. Er veröffentlichte im umstrittenen Kopp-Verlag Bücher mit Titeln wie „Europa vor dem Crash. Was Sie jetzt wissen müssen, um sich und Ihre Familie zu schützen“.

Inhaltliche Überschneidungen hat PI News mit dem Compact-Magazin und dessen Online-Ableger. Eine Auswahl von Titeln: „Kalifat BRD. Feindliche Übernahme durch Erdogan und Co.“ und „Terrorists welcome. Merkel gibt Mördern Asyl“. Ebenfalls im Angebot: Ein Portrait von Frauke Petry und die Zeile „Die bessere Kanzlerin. AFD vor dem Durchbruch“.

Die Portale sind nicht nur Kanäle für islamfeindliche Hetze. Es gibt auch personelle Anknüpfungspunkte zu politischen Bewegungen. Jürgen Elsässer, Chefredakteur des Compact-Magazins, ist gern gesehener Redner bei Pegida. Auch Ulfkotte trat bei Pegida auf und gab der AFD Nachhilfe in Sachen PR, wie „Die Zeit“ berichtete.

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Vom Kinderzimmer in Pulsnitz nach Mossul in den Dschihad

Sie haben den IS überlebt, immerhin: Zivilistinnen in Mossul nach der Befreiung, im Gespräch mit einem irakischen Soldaten. (Foto: Khalil Dawood/Action Press)
  • Die 16-jährige Linda W. aus Pulsnitz bei Dresden ist in den Irak gereist, um den IS zu unterstützen.
  • Sie heiratete einen IS-Kämpfer, wurde verwundet und festgenommen. Jetzt will sie zurück nach Deutschland.
  • Linda W. war eine gute Schülerin und radikalisierte sich im Stillen. Ihr drohen mehrere Jahre Haft in Deutschland.

Von Volkmar Kabisch, Georg Mascolo, Amir Musawy | Süddeutsche.de

Es sind 46 Grad hier im Süden Bagdads, vor einer Kaserne der Goldenen Brigade ducken sich schwer bewaffnete Soldaten in den Schatten. Sie bewachen drei Checkpoints, die man passieren muss, bis man endlich vor den Baracken der irakischen Eliteeinheit für die Terrorismusbekämpfung steht.

Die Goldene Brigade, eine von den Amerikanern ausgebildete Einheit, hat in vorderster Front in Mossul gekämpft, der nun weitgehend vom IS befreiten Stadt. Sie hat viele Tote und Verletzte zu beklagen, aber sie hat auch viele Gefangene gemacht. Nun soll ein Besuch bei einer besonderen Gruppe von Festgenommenen möglich sein – Frauen, die im Westen von Mossul entdeckt worden waren.

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Kirchliche Strukturen begünstigen Täter

Der katholische Pastoraltheologe Wolfgang Beck fordert unabhängige Instanzen, die den Missbrauch fördernde kirchliche Strukturen durchleuchten sollen. „Es gibt in der katholischen Kirche Strukturen, die solches Leid und den Schutz von Tätern begünstigen“, sagte Beck im Wort zum Sonntag in der ARD mit Blick auf den massenhaften körperlichen und sexuellen Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen und in anderen kirchlichen Einrichtungen.

evangelisch.de

„Solch ein Gemenge lässt sich wohl nur austrocknen“ mit unabhängigen Instanzen, die alle Amtsstrukturen durchleuchteten, sagte Beck, der bis 2015 Pfarrer in Hannover war und jetzt an der theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt und am Priesterseminar in Hildesheim lehrt.

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Von italienischen Soldaten und Domspatzen

In der Samstagsausgabe des „Osservatore Romano“, der amtlichen Tageszeitung des apostolischen Stuhls, setzt man sich mit dem Abschlussbericht des Sonderermittlers, zur Gewalt bei den Regensburger Domspatzen, auseinander.

Die Autorin des Artikels,Lucetta Scaraffia, Historikerin und Mitglied des nationalen italienischen Bioethik-Komitees schreibt

„Die Angewohnheit, die katholische Kirche als Quelle aller Übel zu bezeichnen, ist schon Teil der Alltagserfahrung und bereitet die öffentliche Meinung darauf vor, das für normal zu halten“

Es gäbe eine extreme Strenge gegenüber der Institution Kirche. Als Beispiel für das Gesagte führt Scaraffia uns in das Jahr 1980. Das italienische Militär wurde durch einen Skandal, Aufnahmerituale in einer römischen Kaserne mit sexueller Gewalt, erschüttert. Ein kürzlich publizierter Bericht hatte keine öffentliche Empörung ausgelöst.

Unstrittig ist, solche Aktionen kommen vor, nicht nur in der italienischen sondern auch in der deutschen Armee. Die Konsequenzen sind aber andere. Mit Bekanntwerden derartiger Vorfälle wird in der Regel die zuständige Staatsanwaltschaft eingeschaltet, welche die Sachverhalte hinsichtlich ihrer strafrechtlichen Relevanz prüft. Selbst wenn die strafrechtliche Relevanz nicht gegeben sein sollte kommen immer noch disziplinarrechtliche und personelle Konsequenzen zum tragen. Vorgesetzte, die Ereignisse solcher Art vertuschen helfen sind die längste Zeit Vorgesetzte gewesen.

Und nun zu den Domspatzen, ein Zusammenhang zwischen den Ereignissen in der italienischen Armee und den Domspatzen gibt es nicht und ist wohl auch nicht die Intention der Autorin, es ist der unredliche Versuch die katholische Kirche weiß zu waschen. Gewalt bei den Domspatzen, einschließlich des sexuellen Missbrauchs ging von kirchlichen Würdenträgern aus. Priestern, die im dreistufigen Weihesakrament der katholischen Kirche zwischen Diakon und Bischof stehen. In der Nachfolge der Apostel ist die Aufgabe des Priesters die Verkündigung des Evangeliums und die Spendung der Sakramente, insbesondere die Leitung der Eucharistiefeier. Der Priester handelt dabei „in persona Christi“. Die Weihe verleiht also eine besondere Verbundenheit mit Christus.  Der erste Unterschied zwischen den Vorkommnissen in der italienischen Armee und den Domspatzen liegt im Alter der Beteiligten, Soldaten sind in der Regel volljährig, die Chorknaben des Bistums Regensburg waren Kinder, Jugendliche, die der Gewalt eines Würdenträgers ausgesetzt waren. Handelte der Priester, Chorleiter im Namen Jesu um seine cholerischen Neurosen zu pflegen und ist „Kinder ficken“ ebenso sanktioniert? Erwachsenen ist schnell klar, das die Antwort nein lautet, bei Kindern sind solche Kenntnisse nicht unbedingt gegeben. Ein Stühle werfender Apostolischer Protonotar, der zu päpstlichen Familie gehört, noch dazu  Träger des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ist eine Respektsperson, in Deutschland spricht man solche Leute mit „Hochwürdigster Herr Prälat“ an, solcher Firlefanz vergangener Zeiten würde mir nicht über die Lippen kommen, es gibt ja immer noch Zeitgenossen die sich in der Vergangenheit wohl fühlen.

Zweitens die katholische Kirche, die unfähig ist den Missbrauchsskandal aufzuarbeiten, sich aber tagtäglich neu als moralische Instanz generiert, hat versagt. Die angeblich verkündete Liebe des Gottessohns entpuppt sich bei geweihten Priestern als Deckmantel für Choleriker und und sexuellen Fantasien, die man mit Kindern und Jugendlichen auslebt. Das Versagen ist institutionell und trennt die Kirche von Gewalt im weltlichen Leben. Die Kirche selbst beansprucht für sich naturrechtlich über der Welt zustehen. Politische Konsequenzen muss sie dennoch nicht befürchten, die Politik schweigt und alle Entscheidungsträger der Kirche gehen zur Beichte und sind mit ihrem Gott wieder im Reinen.
Es darf weiter verarscht werden.

 

Muslimischer Polizist verweigert Kollegin Handschlag: Polizeigewerkschaft: „Trennung von Staat und Religion nicht verhandelbar“

GdP-Landesvorsitzender Ernst Scharbach. Foto über GdP

Bei einer Beförderungsfeier in der Polizeiinspektion Montabaur verweigerte ein muslimischer Polizist aus religiösen Gründen seiner Kollegin, die ihm gratulieren wollte, den Handschlag.

Pfalz Express

Wie die Rhein-Zeitung berichtet, geschah dies aus religiösen Gründen. Das habe der Polizist den verblüfften Kollegen und Vorgesetzten erklärt. Die waren überrascht, weil sich der Beamte bisher „vorbildlich und professionell verhalten“ habe. Das sei auch der Grund für die Beförderung gewesen.

Zu dem Vorfall hat nun die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Rheinland-Pfalz Stellung genommen.

Das Frauenbild sei die „Gretchenfrage für die Verfassungstreue“, schreibt GdP-Landesvorsitzender Ernst Scharbach. Ganz ohne Zweifel genießt die Glaubensfreiheit Verfassungsrang. Jedoch gelte für staatliche Organe besondere Anforderungen an gebotene Zurückhaltung.

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Freudsche Zustände

Bild: heise.de/tp
Gestaltet der Mensch seine Gesellschaft bewusst – oder wird er unbewusst durch Strukturen und Dynamiken des Systems geformt?

Von Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Ist der Bürger Herr seiner eigenen Gesellschaft? Die Ansichten bei dieser alten Fragestellung, die schon im Zuge der Aufklärung aufgeworfen wurde, pendeln in letzter Zeit krisenbedingt zwischen den Extremen: Zwischen Größenwahn und pseudoreligiösen Fatalismus.

Das spätbürgerliche Bewusstsein ist von einem zunehmenden inneren Widerspruch gekennzeichnet, der inzwischen quasi schizophrene Züge angenommen hat. Allmachtsphantasien wechseln sich immer häufiger mit blanken Ohnmachtsgefühlen ab.

Zum einen ist sie immer noch allgegenwärtig, die böse alte Mentalität des „Was kostet die Welt“ – auf der gesamtgesellschaftlichen, wie auf der individuellen Ebene. Das neoliberale Konkurrenz- und Leistungsdenken, mit dem heutzutage schon der Mittelschichtsnachwuchs indoktriniert wird, basiert gerade auf dem Dogma, dass jeder seines Glückes Schmied sei.

Erfolg ist der neoliberalen Ideologie zufolge immer Ausdruck der individuellen Leistung, während Misserfolge wie Arbeitslosigkeit postwendend auf das Versagen des Einzelnen zurückgeführt werden.

In seiner Extremform – etwa bei Thatcher – existieren im Neoliberalismus nur die Konkurrenzsubjekte, die voll für ihre im scheinbar leerem gesellschaftlichen Raum vollzogenen Entscheidungen und Handlungen verantwortlich seien. So etwas wie Gesellschaft gebe es nicht, es gebe nur die Individuen als frei agierende gesellschaftliche Atome, wie es einstmals die britische „eiserne Lady“ formulierte.

Auf gesamtgesellschaftlicher Ebene manifestiert sich dieser – eigentlich schon von der frühen Aufklärung propagierte – Glaube an die menschliche Machtfülle vor allem im derzeit aufschäumenden Chauvinismus und Nationalismus. Der Wille der eigenen Nation soll anderen aufgezwungen werden.

Seien es die mitunter offenen propagierten Weltordnungskriege der USA, die ihren menschenrechtsimperialistischen Anstrich inzwischen verlieren, sei es der ökonomische Sadismus der Bundesrepublik gegenüber den europäischen Krisenländern – sie scheinen die Machtvollkommenheit des krisenbedingt erodierenden nationalen Kollektivs zu bestätigen, an der sich auch das chauvinistisch verblendete Individuum berauschen kann.

Der kleinbürgerliche rechte Forentroll in den USA oder in Deutschland kann sich dann ein Stück weit wie Trump oder Schäuble fühlen, wenn diese ihre menschenverachtenden Machtspielchen treiben.

Hinzu kommen die extrem angewachsenen Möglichkeiten technischer Naturbeherrschung, die dem Potenzial menschlicher Umformung der Erde im jüngst ausgerufenen Anthropozän kaum Grenzen zu setzen scheinen. Die Autonomie des Menschen, propagiert seit der Aufklärung, scheint verwirklicht.

Die Menschheit erschafft sich die Welt, wie sie ihr gefällt? Dieser spätkapitalistische Allmachtsglaube kontrastiert immer stärker mit den heteronomen spätkapitalistischen Realitäten, in denen die Subjekte ihre Ohnmacht alltäglich – zumeist uneingestanden – durchleiden. Der Neoliberalismus, der jedes Konkurrenzatom zu seines Glückes Schmied in einer scheinbar inexistenten Gesellschaft ausruft, predigt zugleich die Unterwerfung unter die berüchtigten „Sachzwänge“.

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Leben im Schatten des schlummernden Vulkans

Ein Geologe nahe einer Rauchsäule auf dem Gebiet der Phlegräischen Felder in Pozzuoli (Italien). (Foto: dpa)
Unter den Phlegräischen Feldern bei Neapel lauert ein gigantischer Vulkan. Die Bewohner geben sich gelassen, aber Geologen sind weniger entspannt.

Von Oliver Meiler, Marlene Weiß | Süddeutsche.de

Wenn es eine Stadt gibt, die alles in sich trägt, Leben und Tod, Schönheit und Abgrund, Geschenke und Gefahren der Natur im Überfluss, dann ist das Neapel. Neapel sehen und dann sterben, zitierte schon Goethe auf seiner „Italienischen Reise“. Wo das Sprichwort ursprünglich herkommt und wie es einst gemeint war, ist nicht klar. Die Neapolitaner aber verstehen es so: Wer einmal hier war, hat alles gesehen, der kann ruhig sterben.

Leben und Tod, sie liegen in Neapel nahe beieinander. Kürzlich hat eine viel beachtete Studie gezeigt, dass derzeit vermutlich kein Vulkan der Erde gefährlicher ist als die Phlegräischen Felder mit ihren 29 potenziell eruptiven Zentren im Westen von Neapel. Vielleicht gibt es andere Vulkane, deren Magma noch näher an der Erdoberfläche liegt oder die noch größere Magmakammern haben. Doch kaum einer bedroht unmittelbar so viele Menschen wie die „glühenden Felder“, die Campi Flegrei, wie die Italiener sie nennen. Sie erstrecken sich über eine Fläche mit einem Durchmesser von zwölf Kilometern.

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Spiritualisierter Reichtum

Peter Brown Der Schatz im Himmel Aus dem Englischen von Michael Bayer und Karin Schuler Verlag: Klett-Cotta, Stuttgart 2017 ISBN: 9783608948493

Bereits in der Antike klaffte die Schere zwischen Arm und Reich weit auseinander. Jesus‘ überliefertes Gleichnis, wonach eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt, gibt Zeugnis davon. Ausgehend von diesem berühmten Wort bei Lukas 18,18-27 spürt der emeritierte Althistoriker Peter Brown der Frage nach, wie es die Christen in der Spätantike mit Wohlstand und Reichtum hielten.

Von Theodor Kissel | Spektrum.de

„Der Schatz im Himmel“ (englischer Originaltitel „Through the Eye of a Needle – Wealth, the Fall of Rome, and the Making of Christianity in the West, 350-550 AD“) erzählt auf mehr als 900 Seiten die Geschichte der ebenso „heidnisch“ wie christlich geprägten Welt des Römischen Reichs. Chronologisch zwischen 350 und 550 n. Chr. und geografisch auf den Bereich des westlichen Mittelmeerraumes bezogen, zeigt Brown auf, wie die ursprünglich der Armut verpflichtete Kirche zu Beginn des 5. Jahrhunderts zu einer wohlhabenden Institution wurde.

Money makes the world go round

Das Buch verwebt zwei Handlungsstränge. Der erste handelt von der ambivalenten Rolle des Christentums als einer Religion, die einerseits in der antiken Welt wurzelte und andererseits, als dominierende Religion im Westen des Römischen Reichs, maßgeblich zum Wandel der Antike beitrug. Der zweite Strang handelt vom Zusammenbruch der Zentralgewalt im 5. Jahrhundert und der Christianisierung Europas.

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