Es gibt keine kulturelle Identität

François Julliens „Es gibt keine kulturelle Identität“, Erschienen: 09.10.2017 im Suhrkamp Verlag, 96 Seiten © Suhrkamp Verlag, bearb. MiG
François Jullien (66) ist Philosoph und Sinologe. Er war unter anderem Direktor des Collège international de philosophie und Professor an der Universität Paris-Diderot. Für sein Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem 2010 mit dem Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken.

Von Werner Felten | MiGAZIN

Mit der provokanten These, dass es keine kulturelle Identität gäbe, mischt sich Francois Jullien in die schier endlose Debatte um Migration, Integration und dem angeblichen Verlust der eigenen Identität, ein.

Der französische Philosoph Jullien bedient sich bei seiner Argumentation eines mächtigen Überbaus: der Erkenntnistheorie der griechischen Philosophie, die auf These und Antithese beruht und kein „Zwischen“ kennt.

Die Suche nach dem Jenseits von Gut und Böse ist anstrengend, schmerzhaft und zwingt zur eigenen Erkenntnis. Sich aus dem Schwarz und Weiß denken zu verabschieden scheint vielen nicht möglich. Oder religiös formuliert: Entweder man glaubt oder man glaubt nicht, ein bisschen Glauben gibt es nicht. Der Angst vor dem „Zwischen“, oder anders formuliert dem Fremden, wird die eigene kulturelle Identität entgegengesetzt.

Es kann aber keine eigene kulturelle Identität gben, weil Kultur immer dem Wandel unterzogen ist, sich jedes Individuum einer ständigen subjektiven Sozialisation unterworfen ist. Aus diesem Grund ist Kultur für den Autor Kultur eine Ressource, die immer wieder aktiviert werden muss, um die Gegenwart zu meistern und die Zukunft zu planen.

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Verfassungsschutz: Frauen werben für den Dschihad

Zum Teil mit Kopftüchern verschleierte Frauen verfolgen im Juni 2014 eine Kundgebung des radikalen Salafistenpredigers Pierre Vogel. In Internet-Foren und Netzwerken verbreiten sie ihre Ansichten. Foto: Boris Roessler/dpa
Junge muslimische Frauen bilden „Schwesternschaften“ im Internet. Sie suchen neue Anhängerinnen und verbreiten islamistische Ideale.

Von Christopher Onkelbach | WAZ

Im Jahr 2013 zählte der NRW-Verfassungsschutz noch rund 1500 extremistische Salafisten, drei Jahre später hat sich ihre Zahl nahezu verdoppelt. Die Islamisten finden in NRW offensichtlich weiterhin zahlreiche Anhänger und Mitläufer. Zugleich vollziehe sich die Radikalisierung immer schneller, berichtet der Verfassungsschutz.

Dabei erreiche die Propaganda zunehmend jüngere Menschen. „Der gewaltverherrlichende Salafismus“ sei mittlerweile als ein „Jugendszenephänomen“ anzusehen, heißt es im aktuellen Verfassungsschutzbericht des Landes NRW.

Das Internet und die sozialen Netzwerke sind dabei wichtige Werkzeuge zur Rekrutierung von Nachwuchs oder der Verbreitung extremistischen Gedankenguts. Nach Erkenntnissen des NRW-Verfassungsschutzes spielen Frauen dabei eine besondere Rolle. Während tatsächliche oder potenzielle Attentäter gezielt im Internet angesprochen werden, haben die weiblichen Netzwerke und Foren eine andere Aufgabe.

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„Der Staat unterstellt Frauen, dass man sie kontrollieren muss“

Ungewollt schwanger – und jetzt? Redet erst einmal der Staat mit. (Foto: imago/Westend61; Bearbeitung SZ)
In Deutschland ist es Ärzten untersagt, für einen Schwangerschaftsabbruch zu werben – absurd, findet Christian Fiala. Im „Interview am Morgen“ erklärt der Gynäkologe, warum die Abtreibungsdebatte in Wahrheit ein Machtkampf ist.

Von Violetta Simon | Süddeutsche Zeitung

Kristina Hänel steht vor Gericht, weil sie im Leistungskatalog ihrer Website auch Schwangerschaftsabbrüche aufführt. Laut Anklage verstößt die Ärztin aus Gießen damit gegen den Paragrafen 219a, der Werbung für diesen Eingriff untersagt – ein Verbot, das einzigartig in Westeuropa ist.

Christian Fiala ist Mitglied diverser Verbände, die sich für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch und Verhütung stark machen. Der Gynäkologe hat in Ländern gearbeitet, in denen Frauen an den Folgen eines Abbruchs sterben. Fiala engagiert sich international in den Bereichen Familienplanung, Müttersterblichkeit und die Betreuung von Frauen mit ungewollter Schwangerschaft.

SZ: Auf Ihrer – österreichischen – Webseite findet man eine Liste mit 1142 Ärzten aus Deutschland, die Abbrüche durchführen. In Deutschland würden sich Ärzte damit strafbar machen: Laut § 219a handelt rechtswidrig, wer darüber informiert, dass er solche Leistungen anbietet.

Christian Fiala: Das ist absurd, man muss das nur mal auf andere Berufe übertragen, etwa auf Rechtsanwälte oder Journalisten. Demnach dürfte niemand, der sich in seinem Bereich auskennt, eine Beratung oder Leistung anbieten. Zudem ist dieser Paragraf zynisch: Ärzte handeln unter einem staatlichen Monopol, nur sie dürfen solche Eingriffe vornehmen. Frauen sind darauf angewiesen, dass Ärzte diese Behandlung übernehmen. Aber darauf hinweisen sollen sie nicht. Mit anderen Worten: Diese Regelung gehört gestrichen – genau wie der Paragraf 218.

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„Eine Alternative zu Deutschland“ – Steht noch dahin

Clemens Henis Bestandaufnahme des Rechtsrucks
Nachdenken über „Eine Alternative ZU Deutschland“ fordert der Politologe Clemens Heni schon im Titel seines gleichnamigen Buches als Resümee. Daß dieses Nachdenken brennend nötig ist, belegt der Direktor des „Berlin International Center for the Study of Antisemitism“ mit jedem seiner 56 Aufsätze aus den vergangenen zehn Jahren. Heni bietet darin eine erschreckende Bestandsaufnahme wie aus rechten Infektionen immer weiter wuchernde Krankheitszustände geworden sind.

Von Wolfgang Brosche | DIE KOLUMNISTEN

Was die „Alternative FÜR Deutschland“, ihre Vor-, Nach- und Mitläufer bereits angerichtet haben, läßt sich verdeutlichen mit zwei Ereignissen der letzten Tage, die inzwischen – so abgebrüht sind wir schon – kaum „unter ferner liefen“ wahrgenommen werden, denn die Injektionen des rechten Rauschgifts kommen in immer höheren Dosen und stets kürzeren Abständen und die Menschenfeindlichkeit hat längst die dünne Grenze zwischen verbalem Marodieren und abgefeimter Tätlichkeit überschritten.

Vor ein paar Tagen wurde ein Post auf Facebook vom Netz genommen. Das war kein Akt der Zensur – wie die Berufsopfer von Rechts sofort krakeelen – sondern einer des mindesten Anstandes, denn der Post, dessen Urheber jetzt die Gerichte beschäftigen wird, ist ein perfides Zeugnis für den ungenierten Rechtsruck: die Photomontage eines Bildes von Anne Frank und einer Pizzapackung von Dr. Oetker mit der Aufschrift „Die Ofenfrische“.

Die Patrioten

Dieser Post kam von einer Facebookgruppe mit dem Bekenner-Titel „Die Patrioten“. Unter den 30.000 Mitgliedern fanden sich Dutzende Landtags- und Bundestagsabgeordnete der AfD; einige sind inzwischen ausgetreten.

Ähnlich abstoßend wie die Photomontage im Stürmer-Stil war der Shit-Storm den Carsten Härle, AfD-Stadtverordneter der hessischen Kleinstadt Heusenstamm, gegen eine fünfzehnjährige Schülerin in den asozialen Netzwerken anzettelte: die politisch wache Teenagerin aus Dresden hatte einen Preis für Zivilcourage gegen Antisemitismus und Rechtsradikalismus gewonnen. Sie hatte, da Diskussionen fruchtlos waren, einige ihrer Mitschüler wegen Volksverhetzung und Präsentieren des Hitlergrußes angezeigt.

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Rohingya sollen zurückkehren

Bangladesch und das Nachbarland treffen eine Absichtserklärung zu den Hunderttausenden Flüchtlingen, die sich vor dem Militär in ihrer Heimat in Sicherheit gebracht haben.

Süddeutsche Zeitung

Myanmar akzeptiert die Rückkehr der nach Bangladesch geflüchteten Rohingya. Die Regierungen beider Länder teilten mit, am Donnerstag sei eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet worden. Sie sieht vor, dass Hunderttausende Angehörige der verfolgten muslimischen Minderheit in ihre Heimat zurückkehren dürfen. Die Rückführung soll in zwei Monaten beginnen.

In den Monaten seit Ende August sind etwa 620 000 Rohingya aus dem überwiegend buddhistisch geprägten Myanmar nach Bangladesch geflohen. Seit dem Aufstand von Rohingya-Extremisten in Myanmar am 25. August geht das Militär verstärkt gegen die Minderheit vor.

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Aslan-Studie: Uni Wien veröffentlicht Stellungnahmen nicht

Studienautor Ednan Aslan sprach sich gegen die Veröffentlichung der externen Stellungnahmen zur Kindergartenstudie aus. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)
Der Islamforscher Ednan Aslan sei nun wegen einer gegen ihn eingereichten Klage gegen die Veröffentlichung der Expertise zu seiner umstrittenen Kindergartenstudie.

Die Presse.com

Die Universität Wien wird die bei der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität (OeAWI) eingeholte Stellungnahme zur umstrittenen Kindergartenstudie des Islamforschers Ednan Aslan nicht veröffentlichen. Grund dafür ist, dass Aslan seine Zustimmung zur Veröffentlichung „bis auf weiteres zurückzieht“, teilte die Universität Wien Donnerstag Abend auf ihrer Webseite mit.

Die OeAWI wurde von der Uni Wien beauftragt, die umstrittene, vom Integrationsministerium in Auftrag gegebene und finanzierte „Pilotstudie“ zu islamischen Kindergärten und -gruppen zu prüfen. Der Grund waren Vorwürfe, die Studie entspreche nicht den „Standards der guten wissenschaftlichen Praxis“ und der Verdacht, dass die Studie im Integrationsministerium umgeschrieben bzw. inhaltlich zugespitzt wurde. Aslan hatte dies stets bestritten.

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Sklavenhandel in Libyen: Frankreich drängt auf UN-Sanktionen

Bild: Sea-eye.org
Ein CNN-Video über Migranten, die als Sklaven in Libyen verkauft werden, führt zu internationaler Empörung. In der Kritik stehen auch Italien und die EU

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Das CNN-Video über Migranten, die in Libyen in Auktionen als Arbeitssklaven verkauft werden, löst großen Wirbel aus. Der französische Präsident Macron spricht von einem „Verbrechen gegen die Menschheit“, die durch das Video enthüllt würden. Frankreich ersucht um eine dringende Sitzung des UN-Sicherheitsrats. Wahrscheinlich wird sie nächste Woche abgehalten.

Nach Informationen von Reuters drängt der Außenminister Frankreichs auf Eile und droht mit internationalen Sanktionen gegen die libysche Regierung. Die Unterstützungsmission der Vereinten Nationen in Libyen (Unsmil) zeigte sich in ihrem Bericht entsetzt über das CNN-Filmmaterial. Auch UN-Generalsekretär António Guterres äußerte sich am Montag vor der Presse und am Dienstag bei einer Videokonferenz zum CNN-Video.

Guterres sprach von erschreckenden Bildern afrikanischer Migranten, die als Waren verkauft werden, und betonte die Notwendigkeit den libyschen Behörden dabei zu helfen, „die Kapazitäten zum Schutz und der Versorgung hilfsbedürftiger Männer, Frauen und Kinder zu verstärken“. Anders als Frankreichs Regierung sprach er nicht von Sanktionen. (Die Empörung in Frankreich ist besonders groß, wie hier und hier zu sehen ist).

Wie Macron verlangte er, dass eine Untersuchung eingeleitet werden müsse. Damit ist ein im CNN-Video angesprochenes Ziel erreicht. Das Video enthält zugespieltes Film-Material unbekannter Herkunft, das zeigt wie junge Afrikaner für mehrere hundert Dollar als Arbeitssklaven versteigert werden. Eigene Recherchen des amerikanischen Senders trafen, wie das Video darlegt, auf Schweigen.

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Sozialverbände für nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen

Kirchen und Sozialverbände haben an die Politik appelliert, den Schutz von Frauen vor Gewalt zu verbessern. Die Diakonie wies am Donnerstag in Berlin auf flächendeckend fehlende Plätze in Frauenhäusern hin. Das Deutsche Institut für Menschenrechte forderte eine konkrete politische Strategie zum Gewaltschutz. Terre des Femmes und die katholische Kirche prangerten die Praxis der Genitalverstümmelung an. Am Samstag (25. November) findet der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen statt.

evangelisch.de

Die Diakonie Deutschland warnte, in Ballungsgebieten sei die Suche nach einem freien Platz in einem Frauenhaus inzwischen fast aussichtslos. Aber auch auf dem Land habe sich die Versorgung drastisch verschlechtert, erklärte Diakonie-Vorstand Maria Loheide. Viele Häuser müssten Frauen abweisen. Steigende Mieten und der Mangel an bezahlbarem Wohnraum verschärften das Problem weiter.

Loheide rief den Bund auf, gemeinsam mit den Ländern und Kommunen auf einer bundesweit verbindlichen Rechtsgrundlage für eine ausreichende Zahl an Plätzen zu sorgen. Loheide forderte die Einführung eines Rechtsanspruchs auf Schutz und Hilfe bei Gewalt: „Frauen und Kinder, die von Gewalt betroffen sind, müssen jederzeit unbürokratisch Schutz und Hilfe in einem Frauenhaus erhalten.“

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Für Schlepper wie Ali ist Menschenschmuggel ein Businessmodell

Schleuser Ali sagt: „Klar mach ich das nicht für umsonst. Ich biete meine Dienste an für einen gewissen Betrag“ Quelle: ZDF und Klaus Nedergaard
Für 1000 Dollar nach Deutschland: Die TV-Dokumentation „Menschenschmuggler“ zeigt genau, wie das Geschäft mit den Flüchtlingen läuft. Und wie Europas Politik mit ihren Maßnahmen im Mittelmeer den Schleppern sogar hilft.

Von Thomas Schmoll | DIE WELT

Der Mann, der als Ali vorgestellt wird, präsentiert sich als Humanist. „Mein Hauptgrund, das zu tun, ist, syrischen Leuten zu helfen, die gezwungen wurden, ihr Haus, ihr Hab und Gut zu verlassen.“ Dass die Betroffenen auch einen Batzen Geld an ihn zahlen, damit der selbst ernannte Menschenfreund sein Werk verrichten kann, verschweigt er zwar nicht. Es klingt aber so, als käme er mit Mühe auf seine Unkosten: „Klar mach ich das nicht für umsonst. Ich biete meine Dienste an für einen gewissen Betrag.“

Danach strickt der 25-Jährige sein Märchen von Super-Ali, der nur Gutes tut, weiter: „Mir ist wichtig, dass ich niemanden ausbeute. Ich nehme 1000 Dollar. Und diese 1000 Dollar machen ein Menschenleben besser.“

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„Ein Populist ist ein Gegner der Demokratie“

Anhänger der populistischen Pegida-Bewegung demonstrieren mit der Parole „Wir sind das Volk“. ©dpa
Populisten nehmen für sich in Anspruch, den wahren Willen des Volkes erkannt zu haben. Es gibt aber weder ein homogenes Volk, noch die absolute Wahrheit. Zwei Wege sind hilfreich als Rezept gegen Populismus. Ein Gastbeitrag.

Von Andreas Vosskuhle | Frankfurter Allgemeine

Populismus ist das politische Schlagwort der Stunde. Allein in diesem Jahr sind bereits an die dreißig Bücher zu diesem Thema erschienen. Auch die Anzahl der Aufsätze und Zeitungsartikel ist längst unüberschaubar geworden. Dabei wird der Populismus nicht nur fleißig analysiert und heftig gegeißelt, er wird auch als notwendiger Weckruf begrüßt, ja gar als Jungbrunnen der partizipativen Demokratie gefeiert. Nicht jeder politischen Rhetorik, die an „Kopf und Herz“ appelliere, hafte auch gleich das Odium des Antidemokratischen und Illiberalen an. Ein durch Institutionen und rechtliche Rahmenbedingungen „gezähmter“ Populismus könne daher einen Ausweg aus der postdemokratischen Erstarrung bieten (Chantal Mouffe). Und der rechtspolitische Kolumnist der „Süddeutschen Zeitung“, Heribert Prantl, hat jüngst sogar eine provokative „Gebrauchsanweisung für Populisten“ geschrieben; für demokratische Populisten wohlgemerkt.

Sollten wir nicht vor diesem Hintergrund den Populismus-Vorwurf als politisches Kampfinstrument entsorgen und uns Ralf Dahrendorf anschließen, dem zufolge „des einen Populismus des anderen Demokratie und umgekehrt“? Ich meine: nein. Der Populist ist bei genauerer Betrachtung nicht „lediglich ein ungeschminkter Demokrat“, wie auch Botho Strauß meint, sondern ein Gegner der Demokratie.

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Illegale Ausreise kein Anerkennungsgrund als Flüchtling

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Die illegale Ausreise aus Syrien reicht nicht aus, um in Deutschland als Flüchtling anerkannt zu werden. Das entschied das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg. Im Falle einer Rückkehr drohe keine politische Verfolgung. In erster Instanz hatte das Gericht anders entschieden.

MiGAZIN

Für die Anerkennung als Flüchtling in Deutschland reicht einem Gericht zufolge die illegale Ausreise aus Syrien nicht aus. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) bestätigte am Mittwoch in einem Berufungsverfahren eine Entscheidung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, wonach eine wegen des Bürgerkriegs geflohene Syrerin, die in ihrer Heimat nicht individuell verfolgt worden ist, in der Bundesrepublik lediglich sogenannten subsidiären Schutz beanspruchen kann. Eine Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft komme in diesen Fällen nicht in Betracht, so die Richter. (OVG 3 B 12.17)

Zur Begründung hieß es, illegal ausgereiste Syrer, die in Deutschland Asyl beantragt haben, hätten bei einer möglichen Rückkehr in ihre Heimat „nicht mit der erforderlichen beachtlichen Wahrscheinlichkeit“ politische Verfolgung zu befürchten. Damit habe sich das OVG der mehrheitlich vertretenen obergerichtlichen Rechtsprechung anderer Bundesländer angeschlossen.

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Bundesregierung will IS-Kinder nach Deutschland holen

Zeichen des Endes der IS-Herrschaft in al-Hawidscha im Norden des Irak (Foto: REUTERS)
  • Die Bundesregierung will die Kinder von deutschen Kämpfern und Anhängern des sogenannten Islamischen Staates zurück nach Deutschland holen.
  • Derzeit sitzen mindestens ein halbes Dutzend deutscher Minderjähriger in Haftanstalten und Verhörzentren im Irak. Die meisten von ihnen sind Klein- und Kleinstkinder.
  • Das Auswärtige Amt begründet die Entscheidung mit humanitären Erwägungen und der Schutzpflicht für die eigenen Staatsbürger.

Von Georg Mascolo | Süddeutsche Zeitung

Die Bundesregierung bemüht sich darum, die Kinder von deutschen Kämpfern und Anhängern des sogenannten Islamischen Staates in die Heimat ausfliegen zu lassen. Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR haben sich Diplomaten des Auswärtigen Amtes an die irakische Regierung gewandt und darum gebeten, eine Ausreisegenehmigung für die Kinder von deutschen IS-Angehörigen zu erteilen. Eine Antwort soll bisher nicht ergangen sein.

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Gülen-Anhänger fliehen verzweifelt vor Erdogans «Säuberungswelle»

Erdogan-kritische Demonstration in London: 668 Babys sind nach Angaben türkischer Aktivisten zurzeit mit ihren Müttern in Haft, weil den Müttern Verbindungen zur Gülen-Bewegung vorgeworfen werden. (Bild: Dinendra Haria)
Ein Leichenfund in der griechischen Ägäis gibt Rätsel auf. Es könnte sich um eine türkische Lehrerfamilie handeln, die der Gülen-Bewegung nahestand.

Von Marco Kauffmann Bossart | Neue Zürcher Zeitung

In der ersten Novemberhälfte sind an der Nordostküste von Lesbos innerhalb weniger Tage drei Kinderleichen angeschwemmt worden. Die Polizei auf der griechischen Ägäisinsel vermutete, dass die drei bei der Überfahrt aus der Türkei ertranken. Auf griechischen und türkischen Nachrichtenportalen sowie in den sozialen Netzwerken wird jetzt spekuliert, die Opfer gehörten zu einer türkischen Lehrerfamilie, die sich aus politischen Gründen zur Flucht gezwungen sah.

Hetzjagd gegen Hizmet-Bewegung

Auf ihrem Weg nach Europa starben in den vergangenen Jahren Hunderte von Migranten und Kriegsflüchtlingen aus Syrien, Afghanistan oder Iran zwischen dem türkischen Festland und den gegenüberliegenden Ägäisinseln. Nun muss aber befürchtet werden, dass die von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan angeordnete «Säuberungswelle» im Bildungswesen einem siebenjährigen Mädchen sowie seinen zehn- und dreizehnjährigen Geschwistern das Leben gekostet hat. Klarheit dürfte erst die gerichtsmedizinische Untersuchung bringen, die allem Anschein nach noch nicht abgeschlossen ist.

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Leiterin von Planned Parenthood Schweiz bei Konferenz im Vatikan

Quelle: digitaljournal.com
An der Konferenz zu ethischen und medizinischen Fragen am Lebensende nahm auch der Vorsitzende des Niederländischen Ärzteverbandes teil, der Euthanasie befürwortet.

kath.net

Die Päpstliche Akademie für das Leben war Mitveranstalterin einer Konferenz, an der mehrere Personen als Redner auftraten, die der kirchlichen Position zum Lebensschutz widersprechen, darunter die Präsidentin des Planned Parenthood-Ablegers der Schweiz und der Direktor des Königlich Niederländischen Ärzteverbandes.

Der Weltärztebund WMA (World Medical Association) hielt gemeinsam mit der deutschen Bundesärztekammer und der Päpstlichen Akademie für das Leben von 16. bis 17. November eine Konferenz über Fragen am Ende des Lebens ab. Tagungsort war die Aula vecchia del Sinodo im Vatikan.

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Auf dem Smartphone stösst Religion an ihre Grenzen

Gott goes mobile: «Reformiert fromm sein», lautet der Slogan der App «from…». SRF
Von «gut gemeint» bis «peinlich»: Viele Religions-Apps trivialisieren die Religion oder sind überfordert, den richtigen Ton zu treffen. Wir haben drei Apps getestet – je eine für Reformierte, Katholiken und Muslime.

Von Raphael Rauch | SRF

Wer im App-Store nach Religion sucht, findet alles: Von trivialen Spielen à la «Finde den Protz-Bischof» über Papst-Emojis bis hin zu Dating-Apps mit konfessioneller Klientel. Fest steht: Sinnsuche steht bei den meisten Apps nicht im Vordergrund. Drei Beispiele unter der Lupe.

1. «fromm…»: Ein netter Versuch

Das Positive vorweg: Der Reformierte Bund hat sich, zusammen mit der reformierten Kirche Zürich, um eine App bemüht. «Reformiert fromm sein», lautet der Slogan. Die App bietet etwa Bilder an, die Momente «des Innehaltens und der Verwirrung» sein sollen.

Irritierend auch die Rubrik «Glaubensfragen heute»: «Wird es ein Jüngstes Gericht geben?» Wird sich die Generation Smartphone tatsächlich mit solchen Fragen herumschlagen? Und allen Ernstes findet sich auch die Frage: «Ist Krankheit die Strafe für Sünden?» Die Antwort: «Ja, wenn ich unvernünftig lebe. Nein, wenn ich dabei an Gott denke. Er will mein Heil, selbst wenn Heilung nicht mehr denkbar ist.»

Fazit: Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht. Immerhin ist die App kostenlos und beinhaltet einige Anregungen zum Nachdenken.

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Orient-Experte: Es gibt keine „gemäßigte“ Opposition in Syrien

Bild: Chronicle Syria/Flickr
Prof. Winkler: Alle Fraktionen de facto islamistisch und nicht bereit, den Christen das gleiche Bürgerrecht zuzugestehen – Als gleichberechtigte Bürger könnten Christen derzeit praktisch nur unter Assad leben

kath.net

Die Christen im Nahen Osten hätten ein Recht darauf, als gleichberechtigte Bürger in ihrer Heimat zu leben. Das hat der Salzburger Orient-Experte Prof. Dietmar Winkler bei einer Informationsveranstaltung der Stiftung „Pro Oriente“ am Montagabend in Wien betont. Im Blick auf Syrien meinte Winkler, dass dies derzeit praktisch nur unter Präsident Assad möglich sei. Für die Christen und die Mitglieder anderer minoritärer Religionsgemeinschaften stelle sich die Frage, was es für Alternativen zu Assad geben könne. Die sogenannte demokratische Opposition, die 2011 noch anfänglich bemerkbar gewesen sei, gebe es nicht mehr; die im Westen als „gemäßigt“ deklarierten Fraktionen seien de facto alle islamistisch und nicht bereit, den Christen das gleiche Bürgerrecht zuzugestehen.

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Hartnäckige Fake News

„Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“ – stammt wohl doch nicht von Einstein. © fotolia/Jag_cz
Schwankenden Wahrheitsgehalt ortet Martin Rasper in seinem lehrreichen „Buch der falschen Zitate“.

Von Heiner Boberski | Wiener Zeitung

„No sports!“ Mit diesen Worten erklärte angeblich der legendäre britische Staatsmann Winston Churchill, warum er so lange politisch aktiv bleiben und ein hohes Alter erreichen konnte. Vor allem Zeitgenossen, die dem Alkohol und dem Nikotin zuneigen und wenig Interesse an körperlicher Anstrengung haben, verwenden gerne dieses Zitat, da es auch bei einem eher ungesunden Lebenswandel lange Rüstigkeit verheißt.

Dabei hat Churchill, wie der deutsche Journalist Martin Rasper schon im Titel seines neuen Buches festhält, diese Aussage nie gemacht. Sie ist auch in Großbritannien völlig unbekannt, dagegen aber – ungefähr seit den 1960er Jahren – in deutschen Landen verbreitet. Vor allem in jungen Jahren war Churchill sehr sportlich, insbesondere als Reiter, ein echtes Zitat von ihm lautet: „Keine Stunde Lebenszeit, die man im Sattel verbringt, ist vergeudet.“ In Raspers Klassifikation von Zitaten hat „No sports!“ einen Wahrheitsgehalt von null Prozent, wer Churchill als Erster diese Worte in den Mund gelegt hat, ist freilich unbekannt. Bei einem anderen angeblichen Churchill-Satz, „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“, ist sehr wahrscheinlich, dass er auf Nazipropaganda zurückgeht. Auch dieses „Zitat“ hat laut Martin Rasper einen Wahrheitsgehalt von null Prozent.

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Ein neu gegründeter Verein unterstützt geflüchtete Ex-Muslime in Deutschland

Bild: hpd.de
„Ich hatte das Gefühl, Saudi-Arabien nie verlassen zu haben!“ Mit diesen Worten charakterisierte die Ex-Muslimin Rana Ahmad die Situation in dem Kölner Flüchtlingslager, in dem man sie nach ihrer Flucht aus Saudi-Arabien untergebracht hatte. Die besonderen Probleme von Ex-Muslimen, die vor dem politischen Islam nach Deutschland geflüchtet sind und in Flüchtlingslagern mit streng gläubigen Muslimen zusammenleben müssen, werden noch immer sträflich ignoriert. Um diesen Missstand zu beheben, wurde in Köln der Verein „Säkulare Flüchtlingshilfe“ gegründet, der am vergangenen Freitag beim internationalen Festakt „10 Jahre Ex-Muslime“ der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

hpd.de

Mit Unterstützung des Zentralrats der Ex-Muslime und der Giordano-Bruno-Stiftung hat der Verein eine Broschüre herausgebracht, die die „Herausforderungen und Ziele der Säkularen Flüchtlingshilfe“ (siehe Anlage) beschreibt. Die Broschüre zeigt die politischen Forderungen des Vereins auf, geht aber auch auf die Geschichte von Rana Ahmad ein, die in Köln feststellen musste, dass die Gefahr, vor der sie geflohen war, mit ihr gereist war, nämlich in Gestalt anderer Flüchtlinge. Rana wurde in Deutschland von streng gläubigen Muslimen bedroht – wie zuvor in Saudi-Arabien. Sie musste um ihr Leben fürchten – wie in Saudi-Arabien. In ihrer Verzweiflung nahm sie Kontakt zum Zentralrat der Ex-Muslime und zur gbs Köln auf und entschloss sich, mit ihrer Geschichte in die Öffentlichkeit zu gehen. Schon im Juni 2016 erschien ein erster großer Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, im September war sie gleich zwei Mal in der Sendung sternTV zu Gast.

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Erdoğans Kampf gegen die USA lässt die Lira stürzen

Mit dem Heranrücken eines brisanten Gerichtsverfahrens in New York verschärft Erdoğan die Gangart gegenüber den USA

Von Markus Bernath | derStandard.at

Als die türkische Zentralbank an den Schrauben dreht und das Kreditlimit ihres wichtigsten Leitzinssatzes auf null setzt, um den Sturz der Lira zu stoppen, da tritt Tayyip Erdoğan vor die Parlamentsabgeordneten seiner Regierungspartei und attackiert die USA. Und als Zentralbankchef Murat Çetinkaya erklärt, er wüsste, es gebe da ein großes Problem, aber er wüsste auch, was zu tun sei, da spricht Erdoğan von Verschwörungen in Washington gegen ihn und sein Land. Ein weiterer Tag zur Rettung der Lira versinkt am Dienstag in der Schlacht, die sich der türkische Staatspräsident mit Amerika und dem Westen liefert.

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Terroristen agieren von der Schweiz aus

Auch die extremistische Organisation al-Shabab hat Verbindungen zu al-Kaida. (Bild: Farah Abdi Warsameh / AP)
In der Schweiz leben mutmasslich mehrere al-Kaida-Mitglieder. Die Geheimdienste können ihr Wissen darüber wegen des Quellenschutzes aber nicht an die Strafverfolger weitergeben.

Von Marcel Gyr | Neue Zürcher Zeitung

Dass sich Terroristen aus aller Welt die Schweiz als Ruheraum aussuchten, ist nicht bloss ein seltsam anmutendes Relikt aus der Mottenkiste der Zeitgeschichte. Laut Angaben des Genfer Terrorexperten Jean-Paul Rouiller diente das Land Jihadisten bis 2012 als Basis für ihre terroristischen Aktivitäten. Das habe sich erst mit der Einführung des Bundesgesetzes über das Verbot der Gruppierungen «Al-Qaïda» und «Islamischer Staat» sowie verwandter Organisationen (IS-Gesetz) geändert. Dank der Gesetzesnovelle bestehe erstmals eine rechtliche Handhabe, gegen mutmassliche Terroristen auch dann vorzugehen, wenn sie sich im Gastland selber nichts zuschulden kommen liessen.

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