Papst-Entschuldigung reicht Homosexuellen nicht

Papst Franziskus (Bild: AP)
Papst Franz (Bild: AP)
Papst Franziskus fordert die Kirche dazu auf, sich für die Diskriminierung von Homosexuellen zu entschuldigen. Vielen Kritikern reicht die Geste allerdings nicht aus.

Von Joachim Frank | Frankfurter Rundschau

Zwei „apokalyptische Bestien“ bedrohen heutzutage die Menschheit: der Götzendienst westlicher Freiheit und der islamische Fanatismus. Im 21. Jahrhundert führen Homosexuelle und der IS das Schreckensregiment, mit dem der Nationalsozialismus und der Kommunismus das vorige Jahrhundert überzogen haben. Diese haarsträubenden Parolen verbreitet nicht irgendein Einpeitscher, sondern einer der höchsten katholischen Würdenträger, Kurienkardinal Robert Sarah aus Guinea in Westafrika. Von manchen wird der 71-Jährige als Anwärter auf das Papstamt gehandelt.
Sarahs Schwadronieren auf der Familiensynode in Rom 2015 steht in krassem Gegensatz zu dem, was Papst Franziskus in der jüngsten seiner berühmt-berüchtigten „fliegenden Pressekonferenzen“ auf der Rückreise von Armenien gesagt hat: Die Kirche sollte sich für die Ausgrenzung von Homosexuellen entschuldigen. Franziskus variierte dabei den inzwischen sprichwörtlichen Satz aus seinem ersten Amtsjahr: Wenn jemand homosexuell veranlagt ist, guten Willens und auf der Suche nach Gott – „Wer sind wir, über ihn zu urteilen?“ 2013 hatte der Papst das noch in der Ich-Form ausgedrückt. Jetzt dehnte er seine persönliche Haltung des Respekts und der Offenheit auf die Kirche aus.

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Katholische Kirche: Wer schützte die Täter?

missbrauch

Die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs geht nur schleppend voran. Jetzt gibt es Kritik.

Von Claudia Keller | DER TAGESSPIEGEL

Es braucht schon einiges, damit Johannes-Wilhelm Rörig der Kragen platzt. Doch jetzt ist es so weit. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung fordert von der katholischen Kirche „volle Transparenz“, was die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs betrifft. Die Namen der Bischöfe und kirchlichen Vorgesetzten, die Taten verschwiegen hätten, müssten genannt werden. Hintergrund sind die Aussagen eines Forscherteams, das seit 2014 im Auftrag der Bischofskonferenz die Fälle aufarbeitet.

Betroffene fordern, dass die Verantwortlichen mit Namen genannt werden

„Wir dürfen kein Bistums-Bashing betreiben. Wenn es ein Problem in den Führungsstrukturen gab, beschreiben wir das, aber ohne Namen zu nennen“, sagt Harald Dreßing vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Er koordiniert das 21-köpfige Forscherkonsortium aus Kriminologen, Forensikern und Gerontologen. Es gehe darum, die spezifischen Strukturen herauszuarbeiten, die den Missbrauch in der katholischen Kirche begünstigten. Die Ethikrichtlinie der Universität Heidelberg verbiete es, Namen zu nennen.

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Neues „kooperatives Verhältnis“ zwischen Staat und Kirche – brauchen wir das?

Satire-Cartoon: Staat und Kirche im Bett
Satire-Cartoon: Staat und Kirche im Bett
Das ist das Thema der Gegensprechanlage am 29.06.2016 zwischen 21 und 22 Uhr auf UKW 92.4 sowie über DAB+ und Livestream

LORA 92.4 Radio

Zu Gast im Studio ist Ulrike Gote von den Grünen, bayrische Landtags-Vizepräsidentin, u.a. hochschul-, medien- und religionspolitische Sprecherin der Grünen im Bayerischen Landtag, im Landeskomitee der Katholiken.

Mit ihr diskutiert Moderator Wolf Steigenberger,  Kurator der Giordano-Bruno-Stiftung und Verfechter der strikten Trennung von Staat und Kirche über folgende Themen:

  • Der Entwurf für das neue Positionspapier der Grünen mit Vorschlägen zum Verhältnis Staat/Kirche
  • Wollen wir die komplette, laizistische Trennung von Staat und Kirche? Also „Kein besonderes Recht für keine Kirche“?
  • Viele Rechte für alle Kirchen, also eine „privilegierte Partnerschaft“ für alle Kirchen?
  • Soll der Staat auch Islam- und jüdischen Religionsunterricht und für andere Glaubensgemeinschaften bezahlen? Und wo wäre die Grenze? Beim fliegenden Spaghetti-Monster?
  • Gehören die Kirchen in Ethik- und Rundfunk-Räte?
  • Brauchen die Kirchen ein besonderes Arbeitsrecht?

Im Gegensatz zur  Gegensprechanlage vor zwei Wochen  am 15.6. zum selben Thema (Studiogästin war u.a. Nicole Britz,  Landesvorsitzende der Piraten in Bayern) wird es diesmal aufgrund der sehr unterschiedlichen Positionen von Moderator und Studiogästin konträr zugehen. Wer sich zum Thema eine Meinung bilden möchte, wird hier die beiden Extreme der Argumentation finden, Spannung garantiert am Mittwoch 29.06.2016  zw. 21 und 22 Uhr

Die Aufzeichnung der Diskussion wird wiederholt am Do. um 4 und 10 Uhr sowie am Sonntag um 10 Uhr  über DAB+ und Internet

Zwischen Naturglaube und Christentum

Island. Bild: ©Alex Akesson.
Island. Bild: ©Alex Akesson.
Egal ob an Elfen, Trolle oder Jesus – in Island ist der Glaube weit verbreitet. Doch obwohl heidnische Volkssagen als touristische Attraktion angepriesen werden, sind sie für die Isländer eher weniger spektakulär. Ihr Interesse gilt vielmehr dem Christentum.

Von Luisa Heß | evangelisch.de

Dampfende Geysire, weite, verlassene Landstriche, schroffe Vulkanformationen: Die isländische Landschaft bietet viel Raum für Mystik und Fantasie. Kein Wunder, dass sich einige Isländer auch im Glauben an Elfen und Trollen verwurzelt fühlen. Tatsächlich spielt diese Überzeugung in dem dünn besiedelten Land aber eine eher untergeordnete Rolle: „Der Elfenglaube wurde in den vergangenen Jahren immer mehr durch den Tourismus hervorgehoben – eigentlich ist er aber gar nicht so präsent“, sagt Sverrir Schopka, Vorsitzender, der deutsch-isländischen Gesellschaft in Köln. Wichtiger sei den Isländern hingegen der christliche Glaube.

„Der Glaube spielt in Island eine große Rolle“, sagt Schopka: „Der Hauptteil der Isländer ist evangelisch.“ Tatsächlich sind mehr als drei Viertel der 328.000 Einwohner Islands Mitglied in der evangelisch-lutherischen Kirche (76 Prozent). Die Glaubensgemeinschaft selbst geht derzeit von rund 243.000 Mitgliedern aus. Seit dem 17. Juni 1944 ist die evangelisch-lutherische Kirche als Staatsreligion in der Verfassung der Republik festgelegt.

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„Ein Drittel sind schwere Sexualdelikte“

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Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche: Welche Persönlichkeit und Hintergründe haben die Täter, wer sind die Opfer? Ein Interview mit Professor Dreßing über die Zwischenergebnisse seines Forschungsprojektes.

Von Cornelia Stenull | SWR

Die katholische Kirche arbeitet zusammen mit Wissenschaftlern des Zentralinstituts für seelische Gesundheit in Mannheim (ZI) daran, den Missbrauch durch Priester und andere kirchliche Mitarbeiter aufzuklären. Jetzt hat sie Zwischenergebnisse zu den Hintergründen der Missbrauchsfälle veröffentlicht. SWR-Redakteurin Vanja Weingart hat mit Professor Harald Dreßing vom ZI gesprochen.

SWR: Herr Dreßing, fast 80 Prozent der Opfer sind männlich. Ist das für Sie ein überraschendes Ergebnis?

Professor Dreßing: Das ist ein Ergebnis, was sich zumindest von anderen Befunden des sexuellen Missbrauchs in anderen Kontexten abhebt. Wenn man sexuellen Missbrauch im Bereich der Familie oder in anderen Institutionen anschaut, sind überwiegend Mädchen betroffen. Und im Bereich der katholischen Kirche ist das ein sehr harter Befund, der einzigartig dasteht.

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Is Facebook deleting Atheist Pages? Yes – thanks to harassment campaigns by some Muslim Groups

Image Credit: inquisitr.com
Facebook has been deleting some atheist pages, leading to heavy criticism of the social media giant and energizing atheists in the North Africa and Middle East region to rally against censorship, the News Hub is reporting.

By Aaron Homer | INQUISITR.com

In February 2016, Facebook deleted 10 Arabic-language Facebook groups devoted to atheism, and this was followed by the closure of six more atheist Facebook groups in April. The closure leaves approximately 100,000 members of those groups in the heavily-Muslim North Africa and the Middle East without a place to commune with one another on the social media giant.

Interestingly, Facebook has closed the groups not because of interference from any governments in the region, but because of managed campaigns by Islamist groups to convince the social media giant to censor the pages on the basis that they violate so-called “community standards.”

Facebook generally doesn’t police its content for violations of the so-called “community standards,” which, of course, will vary from place to place and culture to culture. Instead, the company relies on user-generated reports of violations. Theoretically, if a post or group gets enough reports of violations, the social media giant will shut the offending content down and delete it.

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Kabinett beschließt Reform der Leistungen für behinderte Menschen

Die Assistenzleistungen für behinderte Menschen werden verbessert und modernisiert.

evangelisch.de

Das Bundeskabinett beschloss am Dienstag in Berlin den Entwurf eines Bundesteilhabegesetzes. Ziel des Vorhabens ist, die Selbstbestimmung behinderter Menschen zu stärken. Behinderten- und Sozialverbänden gehen die Veränderungen nicht weit genug.

Zu den wichtigsten Änderungen zählen deutlich verbesserte Regeln für die Anrechung von Vermögen und Einkommen. In zwei Schritten werden die Vermögensfreibeträge auf 50.000 Euro erhöht. Bisher dürfen behinderte Menschen, die Eingliederungshilfe beziehen, nur 2.600 Euro sparen – und stehen damit schlechter da als Hartz-IV-Bezieher.

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Unicef warnt vor Tod von 69 Millionen Kindern bis 2030

Nigerianische Mädchen in einer Unicef-Schule im Tschad – sie flohen vor der islamistischen Terrormiliz Boko Haram. (Foto: AP)
Die unter Fünfjährigen werden aus weitgehend vermeidbaren Gründen sterben, schätzt das Kinderhilfswerk. Erschütternd sind auch die Zahlen zu Kinderehen und Bildungsmangel.

Süddeutsche.de

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) hat in der Nacht zum Dienstag seinen Jahresbericht vorgestellt. Darin finden sich erschütternde Zahlen über das voraussichtliche Leben und Sterben von Kindern weltweit bis ins Jahr 2030 – auf Basis der jüngsten Entwicklungen und des erwarteten Bevölkerungswachstums. Zentrale Aussagen im Überblick:

  • 69 Millionen Kinder unter fünf Jahren werden nach Schätzungen von Unicef bis zum Jahr 2030 an weitgehend vermeidbaren Ursachen sterben.
  • 167 Millionen Kinder werden bis dahin zudem in Armut leben.
  • 750 Millionen Mädchen werden zwangsverheiratet worden sein.
  • Besonders prekär ist die Lage im Gebiet südlich der Sahara: Dort könnten bis 2030 schätzungsweise neun von zehn Kindern in extremer Armut leben.
  • In diesem Gebiet wird dem Bericht zufolge dann auch die Hälfte aller Kinder weltweit leben, die keinen Zugang zu Grundschulunterricht hat.
  • Derzeit besuchen weltweit etwa 124 Millionen Kinder keine Schulen der Primar- und unteren Sekundarstufe.

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Frontex: „Zentrale Mittelmeerroute so stark frequentiert wie noch nie“

Seit Beginn des Jahres sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. dpa
Seit Beginn des Jahres sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. dpa
  • Die EU-Grenzschutzagentur Frontex schlägt Alarm: Wegen des Flüchtlingsdeals mit der Türkei wagen wieder mehr Menschen die Fahrt über das zentrale Mittelmeer.
  • Die Route sei „so stark frequentiert wie noch nie“ – zudem könnten in diesem Jahr etwa 300 000 Menschen aus Westafrika in die Maghreb-Staaten kommen und dann weiter reisen.
  • Ägypten wird demnach ein neues Zentrum für Schlepper.

Süddeutsche.de

Infolge des EU-Flüchtlingspaktes mit der Türkei wagen laut der EU-Grenzschutzagentur Frontex mehr Menschen denn je die lebensgefährliche Überfahrt über das zentrale Mittelmeer. „Mittlerweile kommen aus Libyen 13- bis 14-mal mehr Flüchtlinge nach Italien als Migranten aus der Türkei nach Griechenland“, sagte Frontex-Chef Fabrice Leggeri der Funke Mediengruppe. Die Zahl der illegalen Grenzübertritte zwischen Libyen und Italien übersteige in diesem Jahr die Zahl aller anderen illegalen Grenzübertritte in die EU.

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Kirchliche Missbrauchsstudie: Priester, 39, psychisch labil, sucht Zwölfjährigen

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Es war still geworden um die katholischen Missbrauchsaufklärer. Jetzt legen sie einen Zwischenbericht vor – er zeigt, wie skrupellos und gewaltbereit sich Sexualstraftäter im Pfarrhaus gebärden.
 

Von Annette Langer | SpON

Anfang Juli 2014 startete die katholische Kirche ein Forschungsprojekt zu Missbrauch in den eigenen Reihen. Vier Jahre nach dem großen Missbrauchsskandal in Deutschland sollte es endlich losgehen mit der Aufklärung. Kriminologen, Psychiater, Soziologen und Strafrechtler sind seitdem aufgerufen, bis Ende 2017 Licht ins Dunkel zu bringen.

Jetzt legte die Bischofskonferenz einen Zwischenbericht vor – eine Metaanalyse von Daten, die in neun Ländern, darunter den USA, Irland und natürlich auch Deutschland erhoben wurden.

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Interview mit Mina Ahadi: Der Islam gehört nicht zu Deutschland

Foto: brightsblog
Foto: brightsblog
Die Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime Mina Ahadi, die in einem offenen Brief die Einladung der AfD abgelehnt hat, spricht über den Islam in Deutschland, die AfD und das Versagen der Linken.

The European

Petra Adick: Als Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime wurden Sie von Frauke Petry zu einem Gespräch mit der AfD eingeladen. Ihre Antwort war ein offener Brief, in welchem Sie die Einladung abgelehnt haben. Warum?

Mina Ahadi: Ich bin grundsätzlich dazu bereit mit Menschen zu diskutieren, aber ich hatte den Eindruck das die AfD mich und den ZdE für ihre politische Richtung vereinnahmen und instrumentalisieren wollte. Ich hielt es für besser, meine Gründe in einem offenen Brief darzulegen.

Petra Adick: Wäre es nicht besser gewesen, sich mit der AfD zu treffen, um über diese Themen zu reden?

Mina Ahadi: Die AfD spricht über Themen, über die sich viele Menschen in Deutschland Sorgen machen. Sie redet nicht nur über den Islam, sondern auch zum Beispiel darüber, dass die etablierten Parteien ihre Nähe zum Normalbürger verloren haben. Doch wie man darüber diskutiert, vergiftet das Klima in Deutschland.

Die AfD zeigt ihr wahres Gesicht beim Thema Flüchtlinge. Ihre Aussagen darüber sind brutal und herzlos. Meiner Meinung nach hetzen sie gegen Ausländer. Wenn die Partei das Sagen hätte, dann wäre das ihre Essenz und das ist erschreckend.

Im Gegensatz zu den etablierten Parteien reden die rechtspopulistischen Parteien über die Themen, die den Menschen Sorgen machen. Doch letztendlich befinden sie sich alle auf einem rechten Kurs, der wahrscheinlich mit der Zeit noch schlimmer werden wird. Ihre wesentlichsten Merkmale sind gegen Flüchtlinge und die EU zu kämpfen.

Frauke Petry sagt, dass man in ihrem Parteiprogramm nichts finden kann, was sich gegen Ausländer richtet. Ich bin da aber anderer Meinung. Die AfD schwenkt gerne die Fahne des Nationalismus und redet gegen die EU und über das “Flüchtlingschaos”. Frau Petry hat gesagt, dass man im Notfall auch auf die Flüchtlinge an den Grenzen schießen kann. Im Wesentlichen ist das doch fremdenfeindlich.

Und das hat Folgen. Viele junge Menschen, auch gerade solche mit ausländischem Wurzeln, haben sehr positiv auf meinen offenen Brief an Frau Petry reagiert. Man sieht ihnen ihre ausländische Herkunft natürlich an, und es sind gerade sie, die diese neue Atmosphäre, dass es hier immer mehr zu ausländerkritischen bis zu ausländerfeindlichen Haltungen kommt, besonders spüren können. Sie haben Angst vor diesem neuen Klima in Deutschland.

Frauke Petry kann die Identität ihrer Partei weder schönreden noch verharmlosen.
Die AfD wird von vielen Menschen gewählt, die den etablierten Parteien und dem System die Rote Karte zeigen wollen. Die Partei ist aber auch zum Sammelbecken von rechten bis rechtsextremen und rassistischen Menschen geworden, die man schon in die Nähe der Pegida einordnen kann und das ist sehr problematisch.

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Im 100-Einwohner-Ort Sumte ist die Krise ausgeblieben

Sumte © MiG
Der kleine niedersächsische Ort Sumte wurde im vergangenen Jahr zum Symbol der deutschen Flüchtlingspolitik. Sieben Flüchtlinge pro Einwohner – kann das gutgehen? Der prophezeite Knall ist ausgeblieben. Bisher wurden Probleme ganz pragmatisch gelöst.

Von Karen Miether | MiGAZIN

Kardo Dilan Ibrahim legt mit flinker Hand Brötchen in den Backofen, noch eins und noch eins. Doch so viele Abendessen wie im November, als der 17-Jährige aus dem Irak in der niedersächsischen Notunterkunft Sumte angekommen ist, werden längst nicht mehr gebraucht. 1.000 Flüchtlinge auf 102 Einwohner, mit dieser Aussicht machte der kleine Ort Sumte im Nordosten Niedersachsens im Herbst Schlagzeilen. Mehr als 700 Menschen lebten zu Hochzeiten tatsächlich vorübergehend in dem ehemaligen Bürokomplex, sagt Mitarbeiterin Daniela Hartwig. Jetzt sind es nicht einmal mehr 60.

Noch bevor im November die ersten Flüchtlinge eintrafen, berichteten etwa die New York Times oder der arabische Nachrichtensender Al Jazeera über das Dorf, in dem sie ein Symbol der deutschen Flüchtlingspolitik sahen. Bürgerversammlungen waren von Ängsten geprägt. Straßenlampen wurden installiert, der Ruf nach mehr Polizei wurde laut. „Aber durch die gute Zusammenarbeit konnten die meisten Probleme gelöst werden“, bilanziert Ortsvorsteher Christian Fabel. Nur auf eine vernünftige Internetverbindung warte der Ort bis heute.

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Slavoj Zizek: Gedanken zum Brexit – Unordnung unter dem Himmel

Slavoj Žižek bei der Vorstellung seines Buches „Blasphemische Gedanken“ auf der Leipziger Buchmesse 2015. Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA 4.0/Amrei-Marie
Europa hängt fest zwischen Brüsseler Trägheit und brennendem Nationalismus – der Brexit ist nur Symptom. Doch er könnte der Weckruf für ein neues, echtes, paneuropäischen Projekt sein.

Von Slavoj Žižek | SpON

Freud war kein ganz junger Mann mehr, als er mit der berühmt gewordenen Frage: „Was will das Weib?“ zu erkennen gab, dass die weibliche Sexualität ihm Rätsel aufgab. Eine ähnliche Ratlosigkeit befällt uns heute angesichts des Brexit-Referendums: Was will Europa?

Worum es bei diesem Referendum wirklich geht, wird klar, wenn wir es in einen größeren historischen Kontext einordnen. Sowohl in West- als auch in Osteuropa sind Anzeichen für eine langfristige Neuordnung des politischen Raums zu erkennen. Bis vor Kurzem war dieser im Wesentlichen geprägt von der Gegenüberstellung zweier großer Parteien: einer rechts der Mitte (Christdemokraten, Liberalkonservative, „Volkspartei“), einer links der Mitte (Sozialisten, Sozialdemokraten …).

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Arie Folger: „Mehr Angst vor Antisemitismus von morgen“

Bild: bb
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Arie Folger, neuer Oberrabbiner von Wien, im Interview mit der „Presse am Sonntag“ über Identität, FPÖ und den Islam.
 

Von Ulrike Weiser, Teresa Schaur-Wünsch | Die Presse.com

Ihr Vorgänger hat Interviews gern mit einem Witz begonnen. Sie auch?

Arie Folger: (Lacht.) Das ist schwierig, wenn man sein Publikum noch nicht kennt. Das erinnert mich an eine amerikanische Stand-up-Komödiantin, die mit einer Hörbehinderung geboren wurde. Sie konnte nur mit den Füßen hören, also anhand der Vibration des Bodens spüren, ob die Leute lachen. Ich stehe vor einem neuen Publikum, das „wienerisch tickt“.
Sie waren zuletzt in Deutschland tätig. Gibt es Unterschiede zu Österreich?

In Deutschland gibt es viele Gemeinden, die so groß oder größer als Wien sind, aber viel weniger jüdisches Lebens bieten. In Deutschland war die Gemeinschaft bis in die Neunzigerjahre sehr klein. Die österreichischen jüdischen Alteingesessenen waren bereits viel mehr traditionell gebildet, zudem ist die Gemeinde früher gewachsen, durch die Einwanderung ehemaliger Bürger der Sowjetunion, aus Buchara und Georgien. Die Juden aus den Sowjetrepubliken waren auch viel traditioneller als jene aus Russland – weil man sie weniger an ihrer religiösen Praxis gehindert hat. Man hat sie weniger beachtet.

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Merkel für klare Worte in Flüchtlingskrise

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Kölner Silvesterübergriffe hätten «Verunsicherung mit sich gebracht». «Besonders schlimm war damals, dass man über die Dinge scheinbar nicht sprechen wollte.» Es gebe Beispiele über gelungene Integration, auch einzelne Berichte über Kriminialität.

kath.net

In der Flüchtlingsfrage ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für klare Worte. Es gelte, deutlich die Rechte, aber auch die Pflichten in Deutschland zu benennen, sagte Merkel in ihrem Video-Podcast von Samstag. Dazu gehöre, sich an Gesetze zu halten, die Sprache zu lernen und den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, «wo immer das möglich ist». Man könne in Deutschland frei leben, «aber immer auf der Basis des Grundgesetzes».
Auf die Frage, wie sie auf Sorgen im Umgang mit der Flüchtlingskrise reagiere, sagte die Kanzlerin: «Wir müssen natürlich mit den Menschen darüber sprechen.» Sie denke, dass die Silvesterübergriffe in Köln «Verunsicherung mit sich gebracht» hätten. «Besonders schlimm war damals, dass man über die Dinge scheinbar nicht sprechen wollte.» Es gebe Beispiele über gelungene Integration aber auch einzelne Berichte über Kriminalität – «leider auch bei der deutschen Bevölkerung mit Angriffen auf Flüchtlingsheime, aber eben auch von einigen Flüchtlingen oder Menschen, die schon eine ganze Weile hier sind».

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Fachleute kritisieren unzureichende Kontrolle bei Asylverfahren

Interne Prüfer des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge kritisieren eine mangelhafte Qualitätssicherung bei Asylverfahren.

evangelisch.de

Interne Prüfer des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge kritisieren eine mangelhafte Qualitätssicherung bei Asylverfahren. Im vergangenen Jahr habe das hierfür zuständige Referat gerade mal 0,01 Prozent der 282.700 Asylentscheidungen stichprobenartig überprüfen können, heißt es in einem auf März datierten internen Papier, aus dem das Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zitiert. Gründe für die unzureichende Kontrolle seien die Beschleunigung der Verfahren und die große Zahl neuer, unerfahrener Mitarbeiter in der Behörde.

Um nicht zu einer reinen „Alibifunktion“ zu verkommen, müsse die Qualitätssicherung dringend aufgestockt und verbessert werden, fordern die Fachleute in dem Papier. Bisher hätten die Kontrolleure deutlich weniger Mitarbeiter als vergleichbare Einheiten in Großbritannien und Schweden, wo die Zahl der Asylanträge um ein Vielfaches geringer ist. Das Bundesamt sagte auf „Spiegel“-Nachfrage, es gebe ein Konzept der Qualitätssicherung, das an die Bedingungen einer stark gewachsenen Organisation angepasst werde „und das jetzt in die Umsetzung geht“.

Seemannsmission: Seeleute leiden unter Flüchtlingssituation

Seit Beginn des Jahres sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. dpa
Seit Beginn des Jahres sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. dpa
Die Generalsekretärin der Deutschen Seemannsmission, Heike Proske, hat zum internationalen „Tag des Seefahrers“ am Sonntag mehr Wertschätzung und Unterstützung für die weltweit rund 1,6 Millionen Seeleute gefordert.

evangelisch.de

Die Generalsekretärin der Deutschen Seemannsmission, Heike Proske, hat zum internationalen „Tag des Seefahrers“ am Sonntag mehr Wertschätzung und Unterstützung für die weltweit rund 1,6 Millionen Seeleute gefordert. Die psychischen Belastungen durch die Flüchtlingskrise im Mittelmeer und in Südostasien wirkten sich auf die Handelsschifffahrt ebenso aus wie die Piraterie, sagte die evangelische Pastorin am Samstag in Bremen, dem Sitz der Deutschen Seemannsmission. Die Männer und Frauen auf See stünden im Zentrum der Globalisierung und seien täglich mit ihren Folgen konfrontiert.

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Juna Grossmann: Abschied vom Land des Zorns

Juna Grossmann © Hannes Leitlein

Wir treffen uns im „Masel Topf“, einem jüdischen Restaurant in Prenzlauer Berg, gleich gegenüber der Synagoge in der Berliner Rykestraße. Juna Grossmann ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Seit 2008 betreibt sie ihren Blog irgendwiejuedisch.com. Dort schreibt sie unter anderem über ihr Leben als liberale Jüdin in Berlin, Ausstellungen und ihre negativen Erfahrungen mit der DDR, in der sie aufgewachsen ist. Immer wieder bezieht sie Stellung zu kontroversen Themen. Seit Anfang dieses Jahres prasseln zunehmend Hasskommentare über Juna Grossmann herein. Nichts Neues für die 39-Jährige, doch die Worte treffen sie härter als bisher. Sie beschließt, die Kommentare nicht mehr zu löschen, sondern zu veröffentlichen. Alle sollen mitbekommen, was sie als Jüdin ständig erlebt.

Von Hannes Leitlein | ZEIT ONLINE

Frage: Frau Grossmann, glauben Sie, die Polizei vor deutschen Synagogen wird eines Tages nicht mehr nötig sein.

Juna Grossmann: Eine Zeit lang war die Dauerpräsenz nicht nötig, denke ich. Doch der Traum von offenen Synagogen ist wohl vorerst vorbei, seit mit den antiisraelischen Demonstrationen vor zwei Jahren der Antisemitismus wieder auf der Straße gelandet ist.

Frage: Wann ist die Stimmung gekippt?

Grossmann: Es gab damals, 2002, während der Möllemann-Affäre, eine erste Phase öffentlichen Antisemitismus. Da meinten Leute: „Jetzt dürfen wir’s wieder sagen.“ Große Angst vor Übergriffen hatte ich aber vor zwei Jahren das erste Mal, als Tausende gegen Israel auf die Straße gingen. Dieses Gefühl habe ich nun seit einigen Monaten wieder. Und die Stimmung ist ja nicht nur in Deutschland so aufgeladen. Der Hass hat ganz Europa ergriffen.

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USA wollen bei Visa-Eintrag auch Facebook-Profil abfragen

Bild: APA/dpa/dpaweb
Sofern der Antrag der US-Bundesbehörden angenommen wird, sollen Einreisende ihre Social-Media-Profile bekanntgeben – freiwillig.
 

Die Presse.com

Die USA sind für ihre strengen Einreisebestimmungen bekannt. Nun sollen diese noch weiter verschärft werden. Einem Antrag der Bundesbehörden zufolge, sollen Reisende in Zukunft einen weiteren Punkt in ihren ESTA- und Visa-Anträgen auszufüllen haben. Neben all den persönlichen Daten, werden künftig auch Social-Media-Profile bekannt geben zu sein.

Dem im Federal Register veröffentlichten Antrag sollen die Angaben aber freiwillig sein. Damit ist auch unklar, inwieweit diese Informationen von den USA überprüft werden und bei der Einreise relevant sein werden.

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Religionsrecht: „Das Grundgesetz schafft das“

Fereshta Ludin, muslimische Lehrerin und Beschwerdeführerin im Kopftuch-Streit, beschäftigte 2003 das Bundesverfassungsgericht. (picture alliance / dpa / Uli Deck)
Das Kopftuch einer Lehrerin, das Kruzifix im Gerichtssaal, der Schwimmunterricht für muslimische Mädchen: An solchen Fragen entzünden sich Konflikte, auch im Alltag. Der Jurist Hans Markus Heimann erklärt in seinem neuen Buch „Deutschland als multireligiöser Staat“, was Recht und Gesetz dazu sagen. Und warum sich die Politik gern um Entscheidungen herummogelt.

Hans Markus Heimann im Gespräch mit Christiane Florin | Deutschlandfunk

Christiane Florin: Was ist Religion, rein juristisch betrachtet?

Hans Markus Heimann: Religion ist rein juristisch betrachtet etwas, was offensichtlich ein Sinnganzes für die Welt erklärt und dabei einen transzendenten Bezug hat. Wichtig ist: Es kommt nicht darauf, dass es um religiöse Wahrheiten oder Inhalte geht.

Florin: Das Grundgesetz schützt Religion, aber es schützt nicht eine bestimmte Religion. Wie ist das mit der christlichen Tradition und dem Grundgesetz?

Heimann:  Die christliche Tradition ist im Grundgesetz nicht explizit angesprochen. Das Grundgesetz ist gegenüber Religion und Weltanschauung neutral. Das ist ganz entscheidend. Alle Religionen sind vor dem Grundgesetz gleichberechtigt. Sicherlich ist die ganze Regelungsystematik eine, die man nicht lösgelöst sehen kann von der deutschen Geschichte der letzten 500, 600 Jahre. Und damit eben auch von der christlichen Tradition, die wir in Deutschland haben. Der neutrale, säkulare Staat ist gerade Ergebnis dessen, dass wir zwei große christliche Kirchen und Konfessionen in Deutschland haben. Insofern gibt es diese christliche Tradition als Grundlage des Grundgesetzes. Aber das Grundgesetz gilt nicht nur für die beiden großen christlichen Kirchen.

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