Archiv der Kategorie: Soziales

Der Protestantismus in der deutschen Demokratie

luther_1Anders als etwa in den Vereinigten Staaten oder in Skandinavien hatte sich der Protestantismus in Deutschland mit der Demokratie als Staatsform ungleich schwerer getan. Manches Ressentiment ist noch heute zu spüren.

Von Professor Dr. Hans Michael Heinig|Frankfurter Allgemeine

Religionen können in der freiheitlich-demokratischen Verfassungsordnung nur dann eine produktive öffentliche Rolle spielen, wenn sie sich die Ideen von Menschenrechten und Demokratie theologisch anverwandeln. Diese Konzeption öffentlicher Religion, die Jürgen Habermas in den vergangenen Jahren entwickelte, hat viel für sich. Die Religionen müssen sich „die normativen Grundlagen des liberalen Staates . . . unter eigenen Prämissen aneignen“, so Habermas. Wie mühsam sich dieser Prozess der Aneignung gestalten kann, lässt sich am Beispiel des deutschen Protestantismus zeigen. Sein Verhältnis zur Demokratie ist von Ambivalenzen geprägt. Die Kirche der Reformation hat sich theologisch und kirchenpolitisch erst nach 1945 mühsam mit dem westlichen Verfassungsstaat arrangiert.

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Schweizer SVP-Politiker: “Neger sollen alle verhungern”

Am gestrigen Abend sorgte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in der ARD-Talkshow “Hart aber Fair” für allgemeines Kopfschütteln, als er den Schlagersänger Roberto Blanco als einen “wunderbaren Neger” bezeichnete.

Von Christoph Lobel|Huffington Post

Doch nicht nur der Politiker der CSU benutzt das “N”-Wort ganz ungeniert, ein Politiker der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei “SVP” bewies, dass es noch schlimmer geht und sorgte in seiner Heimat für einen riesigen Skandal. Auf Facebook postete Corrado Galimberti, immerhin Medienbeauftragter der rechtskonservativen Schweizer Volkspartei (die SVP ist derzeit die stärkste Partei in der Schweiz) im Kanton Tessin, was er von Schwarzafrikanern hält:

“Die ‘Neger’ vermehren sich haufenweise … sie sollten alle verhungern”, zitiert ihn die schweizer Tageszeitung “Blick”. Grund für seine menschenverachtenden und völlig hirnlosen Aussagen war die Erklärung einer Nichtregierungsorganisation. In dieser hieß es, dass Verhütungsmittel in Uganda noch immer kaum verbreitet seien, was zu einem Anstieg der Bevölkerung führen würde.

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Es gibt ein West-Bundesland, in dem Ausländerhass so schlimm ist wie in Sachsen

Natürlich: Die Zahlen sind erschreckend. In keinem anderen Bundesland gab es in diesem Jahr mehr Brandanschläge auf Asylbewerberheime. Die AfD hat dort bei der Europawahl 2014 knapp acht Prozent der Stimmen bekommen. Und gleichzeitig fachen Politiker mit billigem Populismus das Rassismus-Problem noch weiter an.

Von Sebastian Christ|Huffington Post

Dumpfe, fremdenfeindliche Ressentiments sind hier seit Jahrzehnten verbreitet. Gerade auf dem Land. Dabei leben dort viele Regionen vom Tourismus – ein bisweilen genauso tragischer wie kurioser Umstand.

Wer jetzt auf seiner inneren Deutschlandkarte mit dem Finger nach Osten reist, liegt falsch. Es geht hier nicht etwa um Sachsen. Sondern um den Freistaat Bayern.

Sachsen ist nicht das einzige Problem

Rechtsextremismus ist kein ostdeutsches Problem. Viele Menschen im Westen wünschten sich das vielleicht, weil der Gedanke so verdammt praktisch ist. Frei nach dem Motto: Was ich nicht seh’, das tut mir nicht weh. Die „Zeit“ trieb diese absolut kurzsichtige Debatte auf die Spitze, als einer ihrer Redakteure jüngst den Rausschmiss Sachsens aus Deutschland forderte.

Klappe auf. Sachsen rein. Problem gelöst.

Aber so einfach ist es nicht.

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Arbeitskreis: EKD soll an Opfer der Hexenverfolgung erinnern

Die Hexenprobe. Zeichnung von G. Franz aus "Germania" von 1878 (public domain)
Die Hexenprobe. Zeichnung von G. Franz aus “Germania” von 1878 (public domain)

Der Arbeitskreis Hexenprozesse hat die evangelische Kirche aufgefordert, bei den Feiern zum 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017 mit einem Gedenkgottesdienst an die Opfer der Hexenverfolgung zu erinnern.

evangelisch.de

Einen Brief mit mehr als 1.000 Unterschriften für diese Forderung schickte der Arbeitskreis jetzt an die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), wie der Vorsitzende Hartmut Hegeler am Montag in Unna mitteilte. “Die dunklen Seiten von Martin Luther dürfen nicht verschwiegen werden”, heißt es in dem Schreiben an den EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm und die Reformationsbotschafterin Margot Käßmann.

Luther befürwortete die Hexenverfolgung und sprach etwa in einer Predigt von einem “überaus gerechten Gesetz”. Dabei berief er sich auf das 2. Buch Mose, wo es heißt: “Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen.” Der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider bezeichnete Luthers Haltung zur Hexenverfolgung, wie auch seine judenfeindlichen Schriften, bei einem Vortrag im Jahr 2013 in Braunschweig als “dunkle Schatten” der Reformation.

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Italien: Im Heimatland des Katholizismus boomen Scheidungen

Die Scheidungen haben in Italien drastisch zugenommen. Doch statistisch sind italienische Ehen nach den Iren immer noch die stabilsten in Europa. – Foto: dpa
Ausgerechnet in der Heimat des Katholizismus steigt die Zahl der Trennungen enorm – vor allem ältere, lang verheiratete Paare wollen noch einmal neue Wege gehen.

Von Paul Kreiner|DER TAGESSPIEGEL

In Italien explodiert momentan die Zahl der Ehescheidungen. Dem Verband der Familienanwälte (AMI) zufolge haben sich allein in den vergangenen beiden Monaten 50 000 Paare für immer getrennt – so viele wie zuletzt in einem ganzen Jahr. Dabei fällt besonders der Anteil älterer, lang verheirateter Paare auf. 20 Prozent der Scheidungen betreffen Ehepartner, die älter als 65 Jahre sind.

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CSU-Politiker bezeichnet Roberto Blanco als “wunderbaren Neger”

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) (imago stock & people)
Für Joachim Herrmann, den Innenminister Bayerns, dürfte es ein böses Erwachen gewesen sein. Nach der ARD-Talkshow “Hart aber fair” breitete sich in den Sozialen Medien eine große Debatte aus – man könnte sie auch Shitstorm nennen. Was war geschehen? Herrmann hat eine Aussage über den dunkelhäutigen Schlagersänger Roberto Blanco getätigt.

Deutschlandfunk

Es war mitten in der Diskussion über die Frage: “800.000 Flüchtlinge – schafft Deutschland das?” Geladen waren neben dem CSU-Politiker Herrmann die Grünen-Chefin Simone Peter, der Focus-Chefredakteur Ulrich Reitz, der WDR-Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar und die 2002 aus der Kaukasus-Republik Dagestan geflohene Nurjana Arslanova.

Ulrich Reitz führte einen Gedanken über positive Beispiel der Integration aus, als Joachim Herrmann den etwas schwer zu verstehenden Satz äußerte: “Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger, der den weißen Deutschen gefallen hat. Und beim FC Bayern spielen auch eine ganze Menge mit schwarzer Hautfarbe mit.” In der Sendung blieb der Satz so stehen. Niemand aus der Diskussionsrunde ging näher darauf ein.

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Poet der Medizin ist tot

(Luigi Novi / Wikimedia Commons)

Anlässlich des Todes von Oliver Sacks bringen wir nochmal die Rezension seiner bewegenden und spannenden Autobiografie “On the move: Mein Leben”, die Ende Mai erschienen ist.

Von Veronika Szentpetery|Technology Review

Der britische Neurologe und gefeierte Buchautor Oliver Sacks ist am Sonntag in New York an Krebs gestorben. Er wurde 82 Jahre alt. In seinen Büchern beschrieb er verständlich und mitfühlend Fallbeispiele für neurologische Krankheiten. Patienten waren für ihm nie bloße Diagnosen, sondern Lehrer, die die Medizin voranbrachten.”Es ist kein Zufall, dass viele der Eigenschaften, die Oliver Sacks zu einem brillanten Schriftsteller gemacht haben, ihn auch zu einem hervorragenden Arzt machten: seine scharfsinnige Beobachtungsgabe und Hingabe für Details, ein tiefes Mitgefühl und intuitives Verständnis für die endlosen Rätsel des menschlichen Gehirns und für die vertrackten Verbindungen zwischen Körper und Geist“, schreibt die New York Times. Die Süddeutsche Zeitung sekundiert: „Mit den Fallgeschichten, die witzig und einfach geschrieben sind, stellt Sacks die eigene Normalität immer wieder infrage. ‚Eine winzige Hirnverletzung, und wir geraten in eine andere Welt’, erklärte er einst.”

“Sie sind eine Gefahr für das Labor. Warum kümmern Sie sich nicht um Patienten – da werden Sie weniger Schaden anrichten.” Das Urteil seiner Vorgesetzten klingt zynisch, sollte sich für den Jung-Neurologen Oliver Sacks aber als goldrichtig erweisen. Gerade hat der schusselige Forscher sein Notizbuch auf der Stadtautobahn verloren, weil er es nicht ordentlich auf dem Motorradgepäckträger befestigt hatte. Darüber hinaus sind ihm auch Proben des Nervenbaustoffs Myelin im Labor abhandengekommen.

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Wahl Dodo des Monats August 2015

Dodo des Monats August 2015
Dodo des Monats August 2015

Es ist wieder soweit. Obskures, Religiotische, politische Dreistigkeiten stehen zur Auswahl. Bestimmte die Landesverratsaffaire gegen die Internetplattform netzpolitik.org Anfang des Monats die Inhalte der Debatte, folgte stramm und voller Eile Vitus Huonder hinterher. Nichts bestimmt die Diskurse der Kirchen so sehr wie Sexualität, Ehe, Familie. Es gibt Würdenträger welche sich nicht entblöden den Plan Gottes aufzurufen und den Eindruck erwecken zu lassen, sie würden selbigen kennen. Die Auseinandersetzungen mit dem Zustrom der Flüchtlinge, christliche Kontingente einfordernd, gibt sich Politik im Spektrum des Rechtsextremismus banal. Das Versagen von Sozial-und Kommunalpolitik wird nicht einmal angedacht.
Die Wahl ist bis zum 07.September 2015, 18:00 Uhr befristet. Der Gewinner wird hier, am folgenden Tag, in entsprechender Form gewürdigt werden. Mehrfachabstimmungen sind möglich.

Viel Spaß!

  1. Peter Hahne, “zwangsneurotisches Missionieren als Allheilmittel.”
  2. Reiner Haseloff, “beschwört die jüdisch-christliche Tradition.”
  3. Lutz Marmor, “ab 2017 braucht die ARD 400 Millionen Euro mehr.”
  4. Marlene Mortler, “kein Alkoholverkauf an Jugendlich ab 22:00 Uhr.”
  5. Andreas Laun, “will Lebensrecht um jeden Preis.”
  6. Rudolf Langthaler, “hat den Naturalismus von Richard Dawkins theologisch nicht verstanden.”
  7. Bistum Limburg, “feuert Kita-Leiterin, weil keine kirchliche Heirat.”
  8. Christoph Markschies, “Theologe ohne Bibelkenntnisse.”
  9. Sigmar Gabriel, “Nazi-Rethorik.”
  10. König Abdullah Bin Abdulaziz Zentrum-Wien, “Feigenblatt des Wahhabismus in Europa.”
  11. WDR, “löscht Plasberg-Talk in der Mediathek.”
  12. Robert Zwick, “Gehirnerweichung durch Granderwasser.”
  13. Carsten Rentzing, “Homophob, kennt aber Gottes Plan.”
  14. Waleed Ahmed, “ findet die Scharia so toll, braucht aber niemand.”
  15. Annette Schavan, “religiotisches zu Bildung und Wiedervereinigung.”
  16. Heinrich Bedford-Strohm, “Luther-besoffen und Staatsknete.”
  17. Günther Beckstein, “möchte christliche Flüchtlinge bevorzugt behandeln.”
  18. Vitus Huonder, “fundamentale Bibel-Exegese in Sachen Homosexualität.”

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Zentralkomitee der Katholiken fordert mehr Freiräume in der Kirche

zdk Familie, Partnerschaft, Homosexuelle – das sind heiße Eisen in der Kirche. Viele Gläubige wünschen sich eine Abkehr der Bischöfe von starren Moralvorgaben. Der Dachverband der 24 Millionen Katholiken in Deutschland hat den Glauben an Reformen noch nicht verloren.

Lausitzer Rundschau

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) erwartet von der Bischofssynode in Rom eine grundlegende Öffnung der Kirche für mehr regionale Spielräume. «Ich hoffe sehr, dass es über die Themen hinaus, die unmittelbarerer Gegenstand der Synode sind, eine Entwicklung gibt zu mehr pastoralen Freiräumen», sagte der scheidende Präsident des Dachverbands katholischer Laien, Alois Glück in München. Die Situation in Deutschland erfordere zum Teil andere Antworten als in anderen Weltregionen.

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Bischöfe mahnen sensiblen Umgang mit dem Kirchenasyl an

justiz_grossFür einige Flüchtlinge ist das Kirchenasyl die letzte Hoffnung vor der Abschiebung. Der Bundesinnenminister sieht das Instrument kritisch. Die katholische Kirche stellt deshalb Empfehlungen für Gemeinden auf, die Asylbewerbern Unterschlupf bieten wollen.

evangelisch.de

Angesichts der starken Zunahme der Fälle von Kirchenasyl hat die Deutsche Bischofskonferenz die Kirchengemeinden zu einem sensiblen Umgang mit dieser Form des zivilen Ungehorsams aufgerufen. “Das Kirchenasyl kann immer nur “ultima ratio” (letzte Lösung) zur Verhinderung drohender Menschenrechtsverletzungen sein”, sagte der Vorsitzende der Migrationskommission der Bischofskonferenz, der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle, am Montag anlässlich der Veröffentlichung einer Handreichung zum Kirchenasyl.

Beim Kirchenasyl gewähren Gemeinden oder Klöster Flüchtlingen Unterschlupf, um sie vor Abschiebung zu schützen. Die Flüchtlinge leben aber in den seltensten Fällen direkt in der Kirche, sondern vielmehr im Gemeinde- oder Pfarrhaus.

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WDR stellt «Hart aber fair»-Sendung wieder in Mediathek

Bild: youtube. Screengrab: bb
Bild: youtube. Screengrab: bb
Nach heftigen Protesten räumt WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn ein, dass die Entscheidung, die Sendung «Nieder mit den Ampelmännchen» vom 2. März aus der Mediathek zu entfernen, ein Fehler gewesen sei.

kath.net

Nach heftigen Protesten stellt der WDR die «Hart aber fair»-Sendung zur Gender-Thematik wieder in die Mediathek und auf die Senderhomepage. WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn räumte am Montag in Köln ein, dass die Entscheidung, die Sendung «Nieder mit den Ampelmännchen» vom 2. März aus der Mediathek zu entfernen, ein Fehler gewesen sei.

Es habe zuvor eine lange, selbstkritische Diskussion über die Sendung gegeben, sagte er. «Dass daraus der Vorwurf der Zensur und Selbstzensur abgeleitet würde oder der Eindruck, wir seien vor Lobbygruppen eingeknickt, hatte ich mir nicht vorstellen können.» Der Sender wolle schon den Anschein vermeiden, dass seine Unabhängigkeit beeinträchtigt sei.

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Burnout: Ausgebrannt und erschöpft

Ausbrannte und in Folge eines Burnout länger arbeitsunfähige Mitarbeiter werden immer mehr zum Problem im Arbeitsalltag. Das haben aktuelle Studien ergeben. Die “Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde” führt Burnout bereits als zweithäufigste Ursache von Krankschreibungen. In aktuellen Studien versuchte man, der Ursache für den Burnout auf die Schliche zu kommen.

scinexx

Burnout in der Energiewirtschaft

Psychische Erkrankungen, die aufgrund von Stress, Leistungsdruck und erhöhter Arbeitsbelastung zu langen Fehlzeiten in Betrieben führen, belasten heutzutage auch die Energiewirtschaft. Eine Befragung von 100 Personalmanagern der deutschen Energiewirtschaft ergab, dass aus Sicht der Befragten lange und wechselnde Arbeitszeiten und eine Anhäufung von Überstunden ohne Freizeitausgleich einen der bedeutendsten Stressfaktoren darstellen.

Zeitdruck, Lärm, die schlechte Beleuchtungssituation, Gefahrenstoffe und die Mehrbelastungen Angestellter durch den Wegfall von Personal folgten auf der Skala der schlimmsten Stressoren. Eine hohe Zahl der Befragten nannte außerdem die ständige Unterbrechung der Arbeit durch verschiedenste Störfaktoren als Grund für einen Burnout. Mangelnde Unterstützung und Anerkennung durch Vorgesetzte wurde ebenfalls oft als Grund für Stress genannt.

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Sexualität: Wie sich die Kirche der Pornografie nähert

SM-Praktiken mit dem Segen der Kirche? Ganz so weit ist es noch nicht, doch vor allem bei den Protestanten gibt es eine neue Initiative für einen unverkrampfteren Umgang mit sexuellen Themen Foto: picture alliance / dpa
Unter Protestanten wie Katholiken entbrennt ein neuer Streit über das Sexualleben der Gläubigen. Die einen lehnen die Homo-Ehe strikt ab. Andere suchen nach einer angemessenen Sprache für das Lustvolle.

Von Matthias Kamann|DIE WELT

Beim Sex gilt auch für die Kirchen: Je kleiner, umso größer die Aufregung. Je kleiner für die Deutschen die Relevanz theologischer Sexualworte wird, umso größer wird innerhalb der Kirchen die Aufregung bei dem Thema. Das zeigt sich derzeit in beiden Konfessionen.

Bevor bei den Katholiken im Oktober eine Bischofssynode beim Papst in Rom über Familienethik und Geschlechtsleben brütet, hat jetzt die Reformbewegung Wir sind Kirche einen offenen Brief mit Forderungen an die teilnehmenden deutschen Bischöfe verschickt. Die sollen sich auf der Synode dafür einsetzen, “mit der unseligen Tradition der offenen oder indirekten Diskriminierung der Homosexualität zu brechen”, schreibt Wir sind Kirche.

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Die dunkle Seite der Empathie!

Forschungen zeigen: Stress vermindert soziale Fähigkeiten und die Empathie bei Männern, während bei Frauen das Gegenteil der Fall ist. Ist das Klischee von den “bösen” Männern und den “guten” Frauen also doch wahr? Schauen wir uns das Ganze einmal genauer an!

Von Susanne Frisch|Huffington Post

Ein Forscherteam an der Uni Wien untersuchte 40 Männer und 40 Frauen in einem Experiment. Die Probanden wurden in eine stark belastende Situation gestellt. Diese bestand darin, dass die Teilnehmer einen Vortrag und komplexe Rechenaufgaben unter schweren Bedingungen lösen sollten.

Dass die Probanden auch wirklich gestresst waren, wurde über einen Anstieg der Pulsfrequenz und des Stresshormons Cortisol geprüft. Im Anschluss bekamen die Versuchspersonen verschiedene Aufgaben zur Messung ihrer Empathiefähigkeit.

Das waren die Ergebnisse!

Die Studie zeigte, dass Männer sich unter Stress anders verhielten als Frauen, und zwar egozentrischer. Frauen waren demnach empathischer und in der Lage, auch unter Druck angepasster auf andere Personen zu reagieren.

Insoweit bestätigt die Studie die gängigen Klischees. Aber heißt, das auch, dass Frauen netter und humaner sind? Natürlich nicht! Es sind nur verschiedene Überlebensmechanismen der Natur, die sich herausgebildet haben.

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„Kindheit ist keine Krankheit“

Kinderarzt; Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. Dr. Wolfram Hartmann Bild: wdr.de
Er ist seit zwölf ­Jahren Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), seit 24 Jahren dort im ­Vorstand, vor 36 Jahren, 1979, ließ er sich als Kinderarzt in Kreuztal nieder: Wolfram Hartmann kennt sich aus, wenn es um Gesundheit von Kindern und Jugendlichen geht. In diesem Herbst gibt der ­Siegerländer sein Amt ab. Wir sprachen mit Hartmann über seine Amtszeit, Kinder, Eltern und Flüchtlinge.
 

Von Lorenz Redicker|WAZ

Vorsorgeuntersuchungen

Es wird im Grundschulalter und für Jugendliche eine zusätzliche Vorsorgeuntersuchung geben, das sieht das neue Präventionsgesetz vor. Das ist ein wesentlicher Erfolg meiner Amtszeit, daran haben wir lange, lange gearbeitet.

Impfpflicht

Auch da tut sich etwas. Wir haben jetzt eine Beratungspflicht für Eltern, bevor die Kinder in eine Kindertageseinrichtung kommen. Sollte diese Beratung nicht den ­gewünschten Erfolg bringen – das wären Impfraten über 95 Prozent – dann denkt Bundesgesund­heits­minister Gröhe noch einmal über die Impfpflicht nach.

Beschneidung

Ein ganz wichtiges Thema in meiner Amtszeit. Es gab viele Diskussionen bis hin zum Euro­parat. Wir haben jetzt – aus ­Rücksicht auf die jüdischen ­Mitbürger – ein Gesetz, das die ­Beschneidung von Jungen erlaubt, auch durch Nicht-Mediziner. Das Thema ist aber noch nicht vom Tisch. ­Inter­national wird diskutiert, dass ­Jungen das gleiche Recht auf ­körperliche Unver­sehrtheit haben wie Mädchen. Es gibt kein geteiltes Menschenrecht. Aus medi­zinischen und ethischen Gründen ist es nicht ver­tretbar, die Vorhaut zu entfernen, ohne dass da ein krankhafter Befund vorliegt.

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Das Neonazi-Netz hinter den Flüchtlingsangriffen

Foto: DW Aktionen gegen Flüchtlinge in Deutschland: Die Einfärbung der Städte und Kreise steht für den Stimmanteil für die Partei NPD bei der Bundestagswahl 2013

Die NPD triumphiert. Sie nutzt die Verunsicherung in der Nähe von Flüchtlingsheimen. Besonders gelingt das dort, wo Rechte kommunal verankert sind. Ein Plan, der in ganz Deutschland aufgehen könnte.

Von Uwe Müller, Timo Stukenberg, Olaf Sundermeyer|DIE WELT

Besser hätte es nicht laufen können, jedenfalls aus Sicht der Rechtsextremisten. Da war die Kanzlerin ins sächsische Heidenau gereist, um vor Ort klare Kante zu zeigen. Doch statt Beifall zu ernten, stieß Angela Merkel auf eine Wut, die sie bei ihren Auftritten noch nie erlebt hatte: “Blöde Schlampe”, “Volksverräterin”, schallte es ihr entgegen. Damit hatte niemand gerechnet. Aber war es wirklich Zufall, dass sich hier, in einer kleinen, 16.000-Seelen-Gemeinde nahe Dresden, rassistische Hetze gegen die Kanzlerin Bahn brach?

Aus Sicht von Jens Baur keinesfalls. Am Tag nach den rechtsextremen Pöbeleien gegen Merkel tönt der sächsische Landesvorsitzende der NPD, die Katastrophe von Heidenau sei ein “voller Erfolg” für seine Partei. Immer wieder hatten er und seine Leute in jüngster Zeit Proteste und Demonstrationen gegen den massenhaften Zustrom von Flüchtlingen organisiert, zuletzt in Dresden und Riesa. Bislang jedoch konnte man nur die ohnehin bekannten Sympathisanten mobilisieren. “Das hat sich nun geändert”, sagt Baur zufrieden. “Jetzt schließen sich Leute aus dem bürgerlichen Lager an.”

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Tabak-Studie: Raucher sind billiger

Rauchen kostet Frauen im Schnitt sieben Lebensjahre. Foto: REUTERS
Rein finanziell betrachtet profitiert die Gesellschaft vom Rauchen – zu diesem Schluss kommen zwei Wissenschafter. Die Mehrausgaben wegen des Rauchens seien deutlich kleiner als die „Einsparungen“ durch verkürzte Leben.

Von Timot Szent-Ivanyi|Frankfurter Rundschau

Raucher sind bedauernswerte Zeitgenossen. Sie sind Gefangene ihrer Sucht, haben gelbe Zähne, sind häufiger krank und sterben früher. Zudem wird ihnen – untermauert durch zahlreiche Studien – immer wieder der Vorwurf gemacht, durch ihre ungesunde Lebensweise die Sozialsysteme zu schädigen. Aber stimmt das überhaupt? Zwei Wissenschaftler haben für Deutschland alle Be- und Entlastungen bestimmt und zusammengerechnet, die durch Raucher entstehen. Das Ergebnis: Rein finanziell betrachtet profitiere die Gesellschaft enorm vom Rauchen.

Ausgangspunkt der Untersuchung von Florian Steidl und Berthold Wigger vom Karlsruher Institut für Technologie war die Frage, ob die Tabaksteuer mit Einnahmen von rund 14 Milliarden Euro jährlich die Kosten, die durch Raucher entstehen, tatsächlich deckt. Ausgehend von dem Basisjahr 2011 bestimmten die Autoren die bis zum Tode aller Altersgruppen entstehenden Kostenunterschiede zwischen der rauchenden und der nichtrauchenden Bevölkerung.

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Protest gegen Sperrmauer: Soldaten schießen mit Tränengas

Einwohner von Beit Jala und umliegenden Dörfern protestieren gegen den Bau der Mauer im Cremisan-Tal am 23.08.2015. Bild: cremisan.de
Bei Protesten gegen den Bau der Sperrmauer in Israel ist es zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften zu Ausschreitungen gekommen. Die Soldaten hätten ohne Vorwarnung Tränengas in die Menge geschossen, berichteten Augenzeugen am Sonntag. Katholiken aus Beit Dschalla unweit von Bethlehem hatten zu einem Gebet für Frieden und gegen den von Israel geplanten Mauerbau im Cremisan-Tal aufgerufen.

kathweb

Anfang Juli hatte Israels Oberstes Gericht den Bau der Sperrmauer auf privatem Land bei Beit Dschalla gestattet. Damit korrigierte das Gericht ein eigenes Urteil vom April, das die geplante Mauerführung als unzulässig bewertet hatte. Eine weiteres Urteil steht aus. Von der Sperranlage betroffen sind neben 58 christlichen Familien zwei Klöster und eine Schule des Salesianerordens.

Jerusalems katholischer Alt-Patriarch Michel Sabbah rief laut Augenzeugenberichten die palästinensische Führung vor den Protesten zu einer gewaltfreien “Intifada des Geistes” auf. Die Demonstranten forderte der Palästinenser zu einem “Friedensmarsch ohne Kugeln und Steine” auf.

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Ted Cruz instructs thousands of pastors to violate federal law by reading Sunday sermon he wrote

Sen. Ted Cruz (R-TX). Photo by Gage Skidmore via Flickr Creative Commons.
Struggling to get some traction in a GOP primary season dominated by the upstart candidacy of Donald Trump, the campaign of Texas Senator Ted Cruz has distributed a sermon for preachers to use on Sunday urging the defunding of Planned Parenthood.

By Tom Boggioni|RawStory

According to Ring of Fire, the Cruz sermon was sent to thousands of pastors urging them to read it during Sunday’s services despite the fact that it against the law for churches to engage in political speech.

Calling for the defunding of Planned Parenthood, Cruz writes, “When an individual or a nation stiff arms the character of God and embraces an abomination as the law of the land, it ends in disaster. When rebellious people disregard the compass of the most powerful, it is a very short step to dismembering the bodies of the most vulnerable. Like other nations, America has taken that step. It is time for a turnaround.”

The accusations of  “dismembering” fetuses are related to the recent Planned Parenthood “sting” videos that have been debunked by both outside investigators and states that have reviewed their procedures.

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Prominente gegen Fremdenhass: “Rassismus hat hier keinen Platz”

In einer Solidaritätsaktion haben sich 100 prominente Deutsche aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kirchen, Kultur und Sport gegen Flüchtlingshass gewandt.

evangelisch.de

Daran beteiligten sich auf Initiative der Zeitung “Bild am Sonntag” alle Minister der Bundesregierung, Unternehmenschefs, Gewerkschaftsführer und Schriftsteller.

SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel sagte: “Deutschland ist ein starkes und mitfühlendes Land. Nicht die Hetzer sind Deutschland, sondern all die Menschen, die mit Herz und Verstand helfen.” Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert nannte Deutschland ein weltoffenes Land: “Ich komme aus dem Ruhrgebiet, einer Region, die durch Zuwanderung entstanden und gewachsen ist.”

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