Zentralratspräsident: Angst vor AfD-Stimmungsmache gegen Juden

Bild: bb
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, befürchtet, dass die AfD in Zukunft Stimmung gegen Mitglieder seiner Religionsgemeinschaft machen könnte. „Es ist eine Partei, die gegen Minderheiten Stimmung macht“, sagte er dem Berliner „Tagesspiegel“ (Sonntag).

evangelisch.de

Im Moment attackiere die AfD vorwiegend Muslime. Künftig könne es auch andere Minderheiten treffen, dazu zählten Juden, sagte Schuster. Es bedrücke ihn, dass Umfrage-Institute einen Einzug der AfD in den Bundestag mit mehr als zehn Prozent für möglich halten. „Ich hätte mir vor vier, fünf Jahren nicht vorstellen können, dass einer rechtspopulistischen Partei in Deutschland ein zweistelliges Ergebnis vorausgesagt wird“, sagte Schuster.

Der Zentralratspräsident kritisierte, dass Alltagsrassismus in Deutschland wenig problematisiert werde. „Wir hatten in der deutschen Bevölkerung in den vergangenen Jahrzehnten konstant 20 Prozent, die antijüdische Ressentiments haben.“ Dieses Gedankengut sei tief verwurzelt. „Ich bin nicht so optimistisch, zu glauben, dass sich daran etwas ändern wird“, sagte Schuster.

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Madrid übernimmt Kontrolle der Regional-Polizei in Katalonien

Die Guardia Civil soll die Kontrolle übernehmen. – (c) imago/ZUMA Press (Miquel Llop)
Die katalanischen Mossos d’Esquadra werden der Guardia Civil unterstellt. Der katalanischer Innenminister will die Entscheidung nicht akzeptieren.

Die Presse.com

Acht Tage vor dem umstrittenen Referendum über die Loslösung Kataloniens von Spanien hat die Zentralregierung in Madrid die Kontrolle über die Polizei der Region übernommen. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wird die katalanische Polizei Mossos d’Esquadra der paramilitärischen Polizeieinheit Guardia Civil unterstellt, wie ein Sprecher des Innenministeriums am Samstag nach entsprechenden Medienberichten auf Anfrage bestätigte. Der katalanische Innenminister Joaquim Forn entgegnete allerdings, die Regionalpolizei werde diese Entscheidung nicht akzeptieren.

Mit zahlreichen Aktionen versuchen Madrid und die spanische Justiz die von der Regionalregierung in Barcelona für den 1. Oktober ausgerufene, vom Verfassungsgericht aber verbotene Abstimmung zu verhindern. Bei Dutzenden von Razzien nahm die Guardia Civil in den vergangenen Tagen 14 separatistische Politiker und Beamte fest. Außerdem wurden knapp zehn Millionen Wahlzettel und rund 1,5 Millionen Wahlplakate beschlagnahmt. Zehntausende Katalanen gingen aus Protest gegen diese Aktionen auf die Straßen.

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Viele alte Menschen sind chronisch einsam

Bild: David Hodgson/CC BY-2.0
Eine britische Organisation spricht von einer „Einsamkeitsepidemie“, die mit der älter werdenden Gesellschaft schnell zunehme

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Im Alter verbreitet sich Einsamkeit besonders stark. Das ist bedingt durch die Lebensweise, etwa durch den Zerfall der Familien und das Leben als Single. In Großbritannien ist die 2011 gegründete Campaign to End Loneliness angetreten, um auf die Entwicklung hinzuweisen. Im Land sollen bereits 1,2 Millionen Rentner chronisch einsam sein. Eine halbe Million älterer Menschen soll mindestens 5-6 Tage in der Woche verbringen, ohne einen anderen Menschen zu sehen oder zu sprechen. 51 Prozent der Menschen über 75 Jahre leben allein. Zwei Fünftel der älteren Menschen (3,9 Millionen) sagen, der Fernseher sei ihre wichtigste Gesellschaft.

Nach einer Umfrage ist den Briten dieses Schicksal für das Alter auch bewusst, dass mit dem Herausfallen aus der Arbeitswelt die Einsamkeit wächst. 89 Prozent gehen davon aus, dass Einsamkeit im höheren Alter immer wahrscheinlicher wird, bei den Über-65-Jährigen sagen dies 93 Prozent.

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Saudi cleric says female brains a quarter the size of men’s

Saudi Arabian cleric Sheikh Saad Al-Hijri. (Screen capture: YouTube)
Saad al-Hijri suspended after saying women lose their minds when they go shopping and that’s why they should not be allowed to drive

The Times of Israel

A Saudi cleric who said women should not be allowed to drive because they have a “quarter” of the brainpower of men has been banned from preaching, the government said Friday.

Saad al-Hijri was suspended from leading prayers and all other religious activity in the southern province of Asir after he was widely pilloried on social media for his comment.

Hijri said women — who normally are “half-brained” compared to men — “end up with only a quarter” when they go shopping and therefore must be denied driving licences, according to an online video identifying him as a senior religious figure.

Ultra-conservative Saudi Arabia has some of the world’s tightest restrictions on women and is the only country where they are not allowed to drive, despite ambitious government reforms aimed at boosting female employment.

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Abrechnung mit der Kirche

Olivier Ndjimbi-Tshiende hatte 2016 Morddrohungen erhalten. (Foto: Christian Endt)
Olivier Ndjimbi-Tshiende? Richtig: Das ist der frühere katholische Pfarrer von Zorneding, der aus dem Kongo stammt und rassistisch angefeindet worden ist. Der Fall erregte im vergangenen Jahr international Aufsehen, und auch wenn der Priester auf das alles lieber verzichtet hätte, der Konflikt hat ihn bekannt gemacht.

Von Jakob Wetzel | Süddeutsche.de

Pfarrer Ndjimbi-Tshiende war den flüchtlingsfeindlichen Tiraden der damaligen CSU-Ortsvorsitzenden Sylvia Boher entgegengetreten, ein CSU-Lokalpolitiker beschimpfte ihn daraufhin als „Neger“, der Postbote brachte Morddrohungen. Im März 2016 warf der Pfarrer hin, die Angst war zu groß. Er verließ Zorneding, zog sich zurück und trat schließlich eine Stelle an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt an. Jetzt meldet er sich zurück.

Olivier Ndjimbi-Tshiende hat ein Buch geschrieben, in dem er die Geschehnisse auf seine Weise verarbeitet, es erscheint an diesem Montag. „Und wenn Gott schwarz wäre … Mein Glaube ist bunt!“ heißt es, und die Fallhöhe ist enorm. Gleich die ersten, einleitenden Worte bemühen die Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen: Alle seien frei und gleich an Würde und Rechten geboren, alle hätten Anspruch auf die Menschenrechte, ohne Unterschied etwa nach Rasse oder Hautfarbe. „Doch wie oft klaffen auch hier Theorie und Praxis auseinander.“ Was in Zorneding passiert sei, das sei zwar einzigartig, aber letztlich doch nur ein Beispiel für diese Lücke.

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Fantasialand

Dass Deutschland ein Land bleibt, „in dem wir gut und gerne leben“, ist längst nicht sicher / picture alliance
Eine vierte Amtszeit von Angela Merkel senkt sich unvermeidbar auf das Land. Vor den ernsten Problemen duckt sich die Politik weg und fabuliert lieber von multikulturellen Gesellschaftsfantasien. Doch die Zeichen in der Welt stehen auf Sturm

Von Alexander Grau | Cicero

Es hat etwas Unwirkliches. Morgen wird das vierte Kabinett Merkel gewählt werden. So oder so. Es ist wie in einem Traum. Surreal und wirklichkeitsenthoben. Wie Zuckerwatte senkt sich das Unvermeidbare auf das Land, flauschig und süß, verführerisch und klebrig.

Wie genau die neue Regierung aussehen wird, ob Schwarz-Rot oder doch in den Farben von Jamaika, ist dabei vollkommen gleichgültig. Weil die neue Regierungschefin die alte sein wird, weil die Differenzen zwischen den Parteien sich fast nur noch im Symbolischen erschöpfen und weil die deutsche Politik sich ängstlich vor den ernsten Problemen wegduckt und lieber in Wohlfühlthemen à la frühkindlicher Bildung, Digitalisierung und Glasfaserausbau planscht. „Zukunftsthemen“ nennt man das dann. Dabei haben diese Politplacebos mit der Zukunft ungefähr so viel zu tun, wie die wirklichkeitsfremde „Parallelaktion“ in Robert Musils Roman „Mann ohne Eigenschaften“.

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LOW-FAT-DIÄT : Eine einzige fette Lüge

Bild. FAZ.net
Jahrzehntelang hieß es: Finger weg von tierischen Fetten. Doch dass sie krank machen, wurde nie bewiesen. Nun hat sich das endlich auch in Deutschland herumgesprochen.

Von Richard Friebe | Frankfurter Allgemeine

Wo sind die Warnungen vor dem Erzfeind geblieben? Den Anteil an Fett als Energielieferant auf allerhöchstens dreißig Prozent begrenzen? Steht nirgends mehr. Wenn Milchprodukte, dann fettarm? Gestrichen. Gesättigte Fette meiden? Fehlanzeige. Was ist los bei den obersten Ernährungsberatern der Republik? Die „10 Regeln“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sind seit kurzem fast komplett fettwarnungsfrei. Eine Revolution.

Es ist der bislang letzte Akt eines Dramas mit tragischen Helden, Bösewichten, Narren und wahrscheinlich vielen unschuldigen Opfern. Dabei hatte alles recht seriös und sinnvoll begonnen – verglichen jedenfalls mit der ersten Promi-Fastenkur, die von Lord Byron empfohlen wurde. Der war vor gut zweihundert Jahren für seine Kartoffel-Essig-Diät fast so berühmt wie für seine Gedichte. Den frühen Ernährungsforschern dagegen ging es nicht um die schlanke Linie. Sie wollten nur wissen, was der schwer arbeitende Mann braucht, um arbeitsfähig zu bleiben. Und wie man bei wachsender Bevölkerung die Massen möglichst günstig satt bekommt.

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Gendarmerie des Vatikan vertreibt Obdachlose vom Petersplatz

Auf dem Petersplatz im Vatikan sind tagsüber keine Obdachlose mehr erwünscht.© dpa
Die Gendarmerie des Vatikan hat Obdachlose aufgefordert, sich tagsüber vom Petersplatz fern zu halten. In den vergangenen Tagen begann die Gendarmerie daher, die Wohnungslosen zu vertreiben.

HNA

Die Gendarmerie des Vatikan hat Obdachlose aufgefordert, sich tagsüber vom Petersplatz fern zu halten. Die Anordnung gelte nur tagsüber und sei vor allem aus Sicherheitsgründen erfolgt, sagte Vatikansprecher Greg Burke der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag. Demnach hatten die Sicherheitskräfte Bedenken wegen der Zelte, aus Karton gebauten Unterkünfte und großen Säcke der zahlreichen Menschen.

In den vergangenen Tagen begann die Gendarmerie daher, die Wohnungslosen zu vertreiben, die sich unter den berühmten Säulengängen niedergelassen hatten. Nachts dürften sie aber weiter dort schlafen, sagte Burke.

Unter Papst Franziskus wurden öffentliche Duschen für die Obdachlosen eingerichtet, sie können sich kostenlos die Haare schneiden lassen und erhalten Schlafsäcke, Regenschirme und zu essen.

Thomas Krüger besorgt über Stimmung im Osten

AfD-Anhänger protestieren gegen Merkel-Auftritt in Torgau. Foto: rtr
Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung fürchtet „blaues Wunder“ am Wahltag.

Von Markus Decker | Frankfurter Rundschau

Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, hat sich im Vorfeld der Bundestagswahl besorgt über die politische Stimmung in Ostdeutschland gezeigt. „Diese Wut und der Hass, der dieser Tage auf der Straße zu beobachten ist, beunruhigt mich schon sehr“, sagte er dieser Zeitung. „Wir können nur hoffen, dass wir am Wahltag nicht unser blaues Wunder erleben.“

Krüger fügte hinzu: „Ich deute das als Ausdruck von Demütigung und Ohnmacht. Viele Menschen, insbesondere der ,Erlebensgenerationen‘ der DDR, haben den tiefen Bruch 1989/90 und in den Folgejahren bis heute nicht verkraftet. Es sind neue Risse in der Gesellschaft entstanden. Die Erfahrung von Gemeinschaft werden immer weniger gemacht, obwohl sich die Menschen danach sehnen. Das löst Ängste und Wut aus. Gefühle, die dann an noch Schwächeren abgelassen werden.“

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Kurdenpräsident verspricht eigenen Staat in zwei Jahren

foto: reuters russell boyce Ein riesiges Banner, das Kurdenpräsident Massud Barzani zeigt, an einer Wand der Zitadelle von Erbil: Am Montag stimmen die Kurden über ihre Unabhängigkeit ab.
Die große Mehrheit der irakischen Kurden steht hinter dem Referendum am Montag. Das Ergebnis ist vorhersehbar

Von Gudrun Harrer | derStandard.at

Der ganz große Schub für die kurdische Einheit, den das Unabhängigkeitsreferendum am 25. September bringen sollte, bleibt letztlich aus. Zwar zweifelt unter den irakischen Kurden über die Parteigrenzen hinweg so gut wie keiner das Recht auf ein Referendum und einen eigenen Staat an; aber die Meinung, dass der Zeitpunkt falsch ist, hält sich bei einigen konstant. Als einen „gefährlichen Schritt“ bezeichnet etwa die Partei Gorran (Wandel) auf ihrer Homepage die Abstimmung. Aber es ist zu vermuten, dass viele ihrer Anhänger trotzdem am Montag zur Urne gehen und mit Ja stimmen werden.

Gemeinsam mit der islamischen Partei Komal boykottierte Gorran auch die Parlamentssitzung am 15. September, bei der das von Kurdenpräsident Massud Barzani ausgerufene Referendum abgesegnet wurde. Die Sitzung war die erste seit zwei Jahren: Dass die kurdischen demokratischen Institutionen in einem schlechten Zustand sind – auch das Mandat Barzanis als Präsident der Regionalregierung in Erbil ist ja längst abgelaufen -, gehört zu den Sorgen der Referendumsgegner. Ganz abgesehen von den chaotischen Zuständen rund um Kurdistan.

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Papst: ‚Unwiderruflich Null Toleranz‘ für Kindesmissbrauch

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Franziskus bei Treffen mit päpstlicher Kinderschutzkommission: „Missbrauch ist schreckliche Sünde, die völlig im Gegensatz zur Lehre Jesu Christi steht“

kath.net

Papst Franziskus hat angekündigt, den Einsatz gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche konsequent fortzusetzen. Bei einem Treffen am Donnerstagvormittag mit der päpstlichen Kinderschutzkommission ließ er sich über ihre bisherige Arbeit informieren, wie der Vatikan mitteilte. In einer frei gehaltenen Rede bekräftigte Franziskus dabei, es gebe für sexuellen Missbrauch an Minderjährigen „unwiderruflich und weltweit Null Toleranz“. Die Kirche empfinde großen Scham darüber, was vielerorts geschehen und verschwiegen worden sei – was ihm auch seine eigenen Gespräche mit Opfern von Missbrauch deutlich gemacht hätten, wie Franziskus erzählte.

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„Freiheit für politische katalanische Gefangene“

Kundgebung am 11. September in Barcelona. Bild: Omnium General/CC BY-SA-2.0
Zahllose Menschen fordern die Freilassung der Festgenommenen, erste Streiks beginnen – und plötzlich will Spanien über eine bessere Finanzierung verhandeln

Von Ralf Streck | TELEPOLIS

Die demokratische Massenbewegung in Katalonien kämpft nun nicht mehr allein für das Referendum über die Unabhängigkeit von Spanien am 1. Oktober. Nachdem bis zu 40.000 Menschen bis in die frühen Morgenstunden allein am Wirtschaftsministerium ausgeharrt hatten, das mit anderen Ministerien von der paramilitärischen Guardia Civil am Mittwoch durchsucht worden war, zogen die Massen am frühen Donnerstag zum Obersten Gerichtshof Kataloniens (TSJC). Dort soll die Kundgebung aufrechterhalten werden, bis alle Gefangenen frei sind. Das muss ernst genommen werden und die Richter müssen sich, wie die Guardia Civil im Wirtschaftsministerium auf eine lange Nacht einstellen.

Die Menschen fordern die Freiheit für die 15 zum Teil hohen Beamten, die am Vortag bei den Razzien festgenommen worden waren. Damit sei „harte Kern“ derer getroffen worden, die das Referendum vorbereitet hätten, sagte die spanische Regierung.

Unter ihnen befindet sich auch die Nummer zwei des Wirtschaftsministeriums. Josep Maria Jové ist die rechte Hand des Vizepräsidenten der katalanischen Regierung, Oriol Junqueras, und gehört der Republikanischen Linken (ERC) an. Er und andere werden unter dem Vorwurf des „Aufruhrs“ festgenommen, wofür eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren droht. Bisher sind sieben der Gefangenen freigelassen worden, aber Jové und andere hochrangige Beamte sind noch in den Händen der Guardia Civil.

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Religiöse Armutshilfe: Opium des Volkes, Anwalt für die Armen

foto: andy urban Karitative Initiativen wie die kostenlose Essensausgabe – im Bild eine Ausspeisung bei der Wiener Friedensbrücke durch den Canisibus der Caritas – stehen vor der Herausforderung, dass sie das nachhaltige Ziel verfolgen, sich selbst wieder in diesem Bereich abzuschaffen.
Glaubensbasierte Organisationen wie Caritas oder Diakonie in ambivalenter Rolle

Von Tanja Traxler | derStandard.at

Die großen Religionen der Welt haben eine jahrhundertealte Tradition, das Leid der Armen zu lindern. In der modernen Gesellschaft von heute spielen säkulare NGOs dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Doch weiterhin sind sogenannte glaubensbasierte Organisationen – im Englischen werden sie „faith-based organizations“, kurz FBOs, genannt – wie die katholische Caritas oder die evangelische Diakonie von zentraler Bedeutung für die Armutsbekämpfung. Im vergangenen Jahrzehnt sind FBOs sogar noch wichtiger geworden, sagt Emma Tomalin, Professorin an der Universität Leeds in Großbritannien und Direktorin des dortigen Centre for Religion and Public Life. In welchem Spannungsfeld sie sich in der Armutsbekämpfung bewegen, ist einer der Schwerpunkte, die diese Woche bei einer Konferenz an der Uni Salzburg zu Armutsforschung diskutiert werden.

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Kirchenpräsident schaut sich IT-Firmen an

Volker Jung (2013), Foto: Rolf Oeser. Bild: wikimedia.org/CC0

Kirchenpräsident Volker Jung war bei Facebook und Google zu Gast und sieht einige Parallelen zwischen Kirche und Internetkonzernen – aber auch wichtige Unterschiede.

Von Peter Hanack | Frankfurter Rundschau

Wie sieht es aus bei Facebook, Google und Co.? Was bewegt die Menschen, die dort arbeiten? Kirchenpräsident Volker Jung war auf Stippvisite in Kalifornien und hat einige überraschende Gemeinsamkeiten zwischen den dortigen Unternehmen und seiner Kirche gefunden – und große Unterschiede. Immerhin: Verkünder einer frohen Botschaft gibt es hier wie dort. Und den Glauben, die Welt verbessern zu können.

Herr Jung, haben Sie den Geist entdeckt, den Spirit, der die Menschen bei Facebook und Co. antreibt?  
Was zu spüren war, ist eine ausgesprochen positive Haltung zur eigenen Arbeit. Die Grundüberzeugung dort ist: Wir tun etwas Gutes.

Die Menschen dort glauben an das, was sie tun? 
Ja. Wir sind bei Google zum Beispiel einem Manager mit der für uns etwas seltsamen Berufsbezeichnung Chief Evangelist begegnet. Er war wie viele andere davon überzeugt, für eine Firma zu arbeiten, die die Welt verbessert. Das ist schon ein hoher Anspruch.

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Evangelische Kirchenvertreter schreiben Protestbrief an von der Leyen

Ursula von der Leyen (2010). Bild: wikipedia.org. bearb.: bb

Über 200 Vertreter der evangelischen Kirche haben laut einem Bericht der „Berliner Zeitung“ einen Brief an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) geschrieben. Dieser enthalte die Bitte, die Bundeswehr nicht weiter aufzurüsten, berichtet die Zeitung.

EKD

Viele Unterzeichner kämen aus Ostdeutschland. Hintergrund sei eine Erklärung von der Leyens, wonach sie dem Bundestag „einen 130-Milliarden-Euro-Plan für die Zeit bis 2030 vorgelegt“ habe, „der das Minimum von dem ist, was wir brauchen“.

In dem Brief heiße es: „Wir sind Christen und möchten Sie als Christin, als Frau und als Mutter fragen, wie Sie eine solche Forderung verantworten können in einer Zeit, da nahezu eine Milliarde Menschen an Hunger und Unterernährung leiden, große Armuts-Fluchtbewegungen das internationale Zusammenleben belasten und der Schutz der bedrohten Umwelt viel größere Anstrengungen erfordert als bisher.“

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Die Blamage des Joachim Herrmann

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann musste bei einer Kriminalitätsstatistik zurückrudern. (Foto: dpa)
Bayerns Innenminister hat mit seinen falsch interpretierten Zahlen zu Sexualdelikten und Flüchtlingen Hysterie geschürt. Dabei wäre gerade jetzt ein rationaler Umgang mit dem Thema wichtig.

Von Sebastian Beck | Süddeutsche.de

Zwei Monate noch, dann soll Joachim Herrmann nach Vorstellung der CSU als Bundesinnenminister vereidigt werden. Die Pressekonferenz, die Herrmann vergangene Woche zum Thema Kriminalität in Bayern gab, war allerdings alles andere als eine geglückte Bewerbung.

Sein Auftritt war gleichermaßen blamabel wie politisch gefährlich. Herrmann ließ sich anscheinend auf Geheiß von Regierungschef Horst Seehofer in eine schlampig vorbereitete Show zur bayerischen Sicherheitspolitik hineinjagen. Dabei brachte er Zahlen zu Sexualstraftaten durcheinander. Einem Minister darf das nicht passieren – schon gar nicht bei einem solch sensiblen Thema und noch dazu wenige Tage vor der Bundestagswahl.

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Papst: Kirche spät dran mit Aufklärung von Missbrauch

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Papst Franziskus hat eingeräumt, dass die katholische Kirche die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen einige Zeit verschlafen hat.

ZEIT ONLINE

„Die Kirche ist ein bisschen spät angekommen“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche bei einem Treffen mit der päpstlichen Kinderschutzkommission laut Radio Vatikan. Die alte Praxis, Täter zu versetzen, habe „das Bewusstsein etwas eingeschläfert“, zitierten ihn zudem italienische Nachrichtenagenturen. 2014 hatte der Papst die Kinderschutzkommission  ins Leben gerufen.

Muslime fühlen sich wegen ihrer Religion diskriminiert

39 Prozent der in der EU-Studie befragten Muslime fühlen sich wegen ihrer Herkunft benachteiligt (imago stock&people)
Eine Umfrage der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte zeigt, dass sich Muslime ihrem jeweiligen EU-Heimatland zugehörig fühlen. Dennoch sehen sich viele weiterhin diskriminiert – nicht nur wegen ihrer Hautfarbe.

Von Christine Auerbach | Deutschlandfunk

Die Grundaussage der neuen Studie zur Integration und Diskriminierung von Muslimen in der EU lässt sich in einem Satz zusammenfassen:

„Dass diese oft wiederholte Aussage, Muslime möchten sich nicht integrieren, können sich nicht integrieren, nichts mehr als ein Mythos ist.“

Sagt Katya Andrusz, die Sprecherin der Agentur für Grundrechte der Europäischen Union, die die Studie durchgeführt hat. Die Mehrheit der Muslime in der EU fühlt sich ihrem EU Heimatland zugehörig. Und hat Vertrauen in die demokratischen Institutionen dort. Ganze 92 Prozent sagen außerdem, dass es ihnen nichts ausmacht andersgläubige Nachbarn zu haben.

Isolierung wegen Diskriminierung

Allerdings zeigt die Studie auch, dass sich 39 Prozent der befragten Muslime wegen ihrer Herkunft benachteiligt fühlen. Und dass sich diese Leute, mit schlechter Erfahrung, deutlich weniger mit dem Land in dem sie leben verbunden fühlen, als die anderen Muslime. Das hat Folgen für die Integration warnt Ioannis Dimitrakopoulos, der Verantwortliche der Studie:

„Das ist ein Zeichen für die Zukunft, eine Alarmglocke, dass wir Maßnahmen brauchen, damit sich diese Leute nicht isolieren, an den Rand gedrängt fühlen. Das müssen wir vermeiden.“

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Brasilien legalisiert „Homo-Heilung“ nach 18 Jahren wieder

Fotalia.
Ein Verbot der Behandlungen untergrabe die Forschungsfreiheit, urteilte ein Richter in der Hauptstadt Brasilia

Von Michael Pfeffer | GGG.at

8 Jahre lang waren in Brasilien „Konversionstherapien“ zur angeblichen „Heilung“ von Homosexualität verboten. Dann hat eine evangelikale Psychologin gegen das Verbot geklagt – und jetzt gewonnen. Damit sind die wirkungslosen und sogar gefährlichen Behandlungen in dem südamerikanischen Land wieder legal.

Eine Psychologin, die mit Gott spricht, klagt gegen das Verbot der umstrittenen „Konversionstherapien“

Im Jahr 1999 hat der brasilianische Psychologenverband „Konversationstherapien“ verboten. Der Verband hatte entschieden, dass Homosexualität keine Krankheit sei und die „Therapien“ zu erheblichen psychologischen Schäden bei den Betroffenen führten. Brasilien war somit das erste Land der Welt, das ein derartiges Verbot erlassen hatte.

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Kirche muss sich ihrer „antiziganistischen“ Geschichte stellen

Monument to the Romani murdered in the Polish village of Borzęcin. Bild: wikimedia.org/GFDL – Zygmunt Put Zetpe0202
Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, hat die evangelische Kirche aufgefordert, sich ihrer „antiziganistischen“ Geschichte zu stellen.

evangelisch.de

Ein klares Bekenntnis zur Aufarbeitung der jahrhundertealten und bis in die Gegenwart reichenden Vorurteile und Stereotypen über Sinti und Roma innerhalb der Kirche wäre ein wichtiger Schritt, sagte Rose am Mittwoch in Berlin bei einer Tagung der Evangelischen Akademie über „Protestantismus und Antiziganismus“. Dabei wurde auch eine Studie zum Thema vorgestellt.

Noch immer gebe es in der Forschung zu „viele Leerstellen“, mit denen sich Kirchenhistoriker auseinandersetzen sollten. Dabei sind für Rose die „zähen und langlebigen Vorurteile“ gegenüber den Sinti und Roma, die unter anderem vom Reformator Martin Luther (1483-1546) in seinen Schriften befeuert worden seien, Ausdruck eines gesellschaftlichen Versagens.

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