Archiv der Kategorie: Soziales

Wie digitale Transparenz die Welt verändert

Hauptplatine eines Rechners.

Hauptplatine eines Rechners.

So paradox es klingt: Die Entwicklung des Lebens im urzeitlichen Ozean kann uns einiges über die Zukunft unserer Gesellschaft lehren. Da im Zeitalter der digitalen Vernetzung kein Geheimnis mehr sicher ist, stehen wir an der Schwelle einer Epoche, die das Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatleben ganz neu definieren muss.


Von Daniel C. Dennett und Deb Roy|Spektrum.de

Vor rund 543 Millionen Jahren ereignete sich die so genannte kambrische Explosion: eine spektakuläre Häufung biologischer Innovationen. Binnen weniger Millionen Jahre – nach geologischen Maßstäben fast augenblicklich – entwickelten Lebewesen völlig neue Körperformen, neue Organe, neue Strategien für Angriff und Verteidigung. Die Evolutionsbiologen streiten noch über die Ursache dieser erstaunlichen Welle von Neuerungen. Aber eine besonders überzeugende Hypothese des Zoologen Andrew Parker von der University of Oxford besagt, dass Licht der Auslöser war. Parker zufolge wurden damals die seichten Ozeane und die Atmosphäre durch plötzliche chemische Veränderungen viel lichtdurchlässiger. Zu jener Zeit gab es nur in den Meeren tierisches Leben, und sobald Sonnenlicht das Wasser durchdrang, wurde Sehkraft zum entscheidenden Evolutionsvorteil. Zugleich mit der rapiden Entwicklung von Augen entstanden auch entsprechend angepasste Verhaltensformen und weitere körperliche Besonderheiten.

Während zuvor alle Wahrnehmungen nur die nächste Nähe erfassten – durch direkten Kontakt oder durch Gespür für chemische Konzentrationsänderungen oder Druckwellen –, konnten Tiere nun auch entfernte Objekte identifizieren und verfolgen. Raubtiere schwammen gezielt auf ihre Beute zu; diese konnte sehen, dass sich Feinde näherten, und die Flucht ergreifen. Fortbewegung verläuft langsam und unsicher, solange sie nicht von Augen geleitet wird, und Augen sind nutzlos, wenn man sich nicht bewegen kann. Darum entwickelten sich Wahrnehmung und Bewegung parallel. Diese Koevolution war ein Hauptgrund für die Entstehung der heutigen Artenvielfalt.

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Zeche Zollverein schließt schwule und lesbische Jugendliche aus

Luftballons in Herzform steigen lassen? Das könnte andere Besucher stören, befand die Zeche Zollverein. – Foto: picture-alliance/dpa

Die Zeche Zollverein gehört zum Weltkulturerbe und ist stolz auf ihr “vielfältiges” kulturelles Angebot. Doch schwulen und lesbischen Jugendlichen wurde am Tag gegen Homophobie der Zutritt verweigert – andere Besucher könnten sich gestört fühlen.


Von Tilmann Warnecke|DER TAGESSPIEGEL

Die Zeche Zollverein in Essen war einst die größte Steinkohlenzeche der Welt. Heute steht das denkmalgeschützte Ensemble für den Übergang des Ruhrgebiets vom Kohlen- zum Kulturstandort, wurden dort doch nach der Schließung Museen und Messen angesiedelt, finden dort kulturelle Aufführungen wie private Feste statt. Stolz ist man in Essen nicht nur darauf, seit 2001 zum Unesco-Weltkulturerbe zu gehören, sondern auch, „die größte Eventlocation des Ruhrgebiets“ zu sein, wie es auf der Webseite des Zollvereins steht. „Wo früher die Bergleute und Koker ‚malochten’ und heute viele Menschen neue Ideen, Kunst und Kultur produzieren, spiegelt sich der Wandel einer ganzen Region wieder“, wirbt der Zollverein für sich, und weiter: „Ein hochkarätiges und vielfältiges Angebot erwartet sie!“

Jugendliche wollen Ballons steigen lassen – zu politisch

Mit der Vielfalt scheint es allerdings aufzuhören, wenn lesbische und schwule Jugendliche als Zeichen gegen Homophobie auf dem Gelände Luftballons in Herzform steigen lassen wollen. Genau das plante der Verein „SVLS“, eine LGBT-Beratungsinitiative in Nordrhein-Westfalen, anlässlich des Internationalen Aktionstags gegen Homo- und Transphobie am vergangenen Sonntag. Doch der Zollverein lehnte das Ansinnen zur großen Überraschung von SVLS ab.

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‘Kölner Kirchenzeitung': ‘Ist das ZdK verzichtbar?’

zdkDas ZdK erzeuge „einen gewaltigen Nebel mit wohlfeilen und den Ohren schmeichelnden Formulierungen“, „um zu verschleiern, dass man anscheinend eine andere Kirche will“ – Es gehe dem ZdK nicht um Glaubensweitergabe


kath.net

„Auffallend ist, dass das ZdK für seine Forderungen immer wieder Papst Franziskus als Zeuge bemüht. Doch wer genau liest, stellt schnell fest, dass das ZdK einen gewaltigen Nebel mit wohlfeilen und den Ohren schmeichelnden Formulierungen erzeugt, um zu verschleiern, dass man anscheinend eine andere Kirche will. Es geht dem ZdK nicht darum, den Glauben weiterzugeben oder gar aus dem Glauben zu leben, um damit Politik und Gesellschaft zu gestalten. Geschickt wird auch die Lehre der Kirche gegen das Lehramt des Papstes ausgespielt“. Dies schreibt Siegbert Klein in seinem Kommentar „Ist da ZdK verzichtbar“ in der „Kölner Kirchenzeitung“ (KiZ). Die „Kölner Kirchenzeitung“ ist die offizielle Kirchenzeitung des Erzbistums Köln.

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“Es gibt bei der Polizei ganze Herden schwarzer Schafe”

Thomas Wüppesahl, Kriminalbeamter a.D. und ehemaliger Bundestagsabgeordneter (Die Grünen). Er ist Vorsitz der Bundesarbeitsgemeinschaft kritischer Polizisten, (BAG) © Martin Bühler

Ein Polizist missbraucht seine Gewalt? Das ist kein Einzelfall, sagt Thomas Wüppesahl, ehemaliger Kriminalbeamter und Sprecher der “Kritischen Polizei”. Solange es keine neutrale Ermittlungsbehörde gebe, werden Missbrauchsskandale wie in Hannover weiterhin passieren.


Von Ananda Rani Bräunig|MiGAZIN

MiGAZIN: Seit der Missbrauchsskandal in Hannover aufgedeckt wurde, ist die Öffentlichkeit erschüttert. Wie kann es dazu kommen, dass ein Polizist seine Macht missbraucht und einen Flüchtling derart demütigt?

Thomas Wüppesahl: Das passiert deshalb, weil die Kontrolle nicht vorhanden ist. Es gibt keine funktionierende Dienstaufsicht, die Staatsanwaltschaften gehen nicht nach ihren Aufgaben der Strafverfahrensordnung nach, also als neutrale Ermittlungsbehörde zu arbeiten, sondern sind parteiisch gegenüber ihren Polizisten. Darüber hinaus sind die Innenminister schnell dabei, alles gesund zu beten. Die stellen sich, egal was passiert, vor ihre Polizei. Und die veröffentlichte Meinung ist auch nicht ganz unproblematisch, weil die Zeitungen täglich voll sind über Polizeiberichte aus den Polizeiredaktionen. Aber die Kollegen von dort können nicht kritisch berichten. Wenn sie das tun, werden sie ausgegrenzt, weil die Pressestellen der Polizei die Polizeireporter, die kritisch berichten, nicht mehr über nächste Durchsuchungsmaßnahmen, Festnahmen und Aufschläge jeglicher Art informieren.

In Hannover wird jetzt vor allen Dingen darauf geguckt: Wer hat uns verraten? Wer ist zum NDR gegangen? Das ist ja auch schon bezeichnend, dass jemand zum NDR geht und nicht zur Staatsanwaltschaft oder zur Polizeidienststelle. Die Strukturen müssten in der Presse offensiver kommuniziert werden: Dass die Staatsanwaltschaften ständig versagen, dass, selbst wenn ein Polizist vor Gericht gestellt wird, er den “Polizeibonus” hat. Und die Statistiken sind eindeutig: Wir haben ein Verhältnis von unter 1 Prozent der beschuldigten Polizeibeamten, die überhaupt vors Gericht gestellt wurden.

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‘Die Schwulen-AG unserer Partei war mehr oder minder ein Pädo-Bereich’

Bild: WAZ

Bild: WAZ

Pädophilie-Skandal bei Bündnis 90/Die Grünen: Als Täter sind bisher nur Männer bekannt, als Opfer nur Jungs.


kath.net

Pädophilie-Skandal bei Bündnis 90/Die Grünen: Mehreren Mediendarstellungen zufolge waren die Täter und die Opfer männlichen Geschlechts. Thomas Birk, Abgeordneter der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus und selbst im Schwulenbereich aktiv, stellte nach Veröffentlichung des Berichtes der Grünen am Mittwoch wörtlich fest: „Die Schwulen-AG unserer Partei war bis 1993 mehr oder minder ein Pädo-Bereich“. Der Politologe Stephan Klecha, einer der Herausgeber des Walterberichtes, erklärte gegenüber dem „Focus“: Die Personen, von denen hier die Rede sei, seien im Bereich „Schwule“ der Alternativen Liste tätig gewesen. Der „Tagesspiegel“ berichtete, dass Daniel Wesener, Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen Berlin, „von einem gewissen ‚Opportunismus‘ der Schwulen gegenüber den Pädophilen gesprochen habe. Kritisch gegenüber den Pädophilen war innerparteilich nur eine Kreuzberger Frauengruppe, die von ‚einvernehmlicher Sexualität‘ zwischen Erwachsenen und Kindern nichts wissen wollte.“

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Christlicher Glaube ist heilbar

Bischof Jean-Marie Lovey beim Händeschütteln im Schweizer Kanton Wallis Bild: Diocèse de Sion

Für Jean-Marie Lovey, katholischer Bischof von Sitten, ist Homosexualität eine “Schwäche der Natur”.


QUEER.DE

Erst vor wenigen Wochen hatte Jean-Marie Lovey, der katholische Bischof von Sitten in der französischsprachigen Schweiz, es als “teuflisch” bezeichnet, wenn Lesben und Schwule für ihre Rechte zum CSD auf die Straße gehen (queer.de berichtete). Nun legte er in einem Interview mit der Walliser Zeitung “Nouvelliste” noch einmal nach.

Homosexualität sei “heilbar”, erklärte der Bischof in dem am Dienstag veröffentlichten Gespräch. Der 64-Jährige sprach konkret von “psychologischen Heilmethoden”. Seine Begründung: “Von Natur aus ist der Mensch männlich oder weiblich sexuell differenziert. Und er ist nur dann ganz Mensch, wenn er diese gegenseitige Ergänzung lebt.” Auf die Rückfrage der Zeitung, ob er Homosexualität als Krankheit bezeichne, meinte Lovey: “Nein, es ist eine Schwäche der Natur.”

Als “Beweis” für seine These führte der Bischof aus, dass eine Personen, die in Homosexualität lebe, darunter “leiden” würde, ebenso wie ihr Umfeld. Aber auch eine homosexuelle Person habe Würde, schob Lovey nach.

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Laute Linzer Kirchenglocken: Kläger lehnt Kompromiss ab

Symbolbild / Bild: APA/RUBRA

Der Prozess um die Glockenschläge des Linzer Mariendoms geht weiter. Dem Anrainer, der die Diözese verklagt hat, ist der im Februar geschlossene Kompromiss zu wenig.


Die Presse

Der Prozess um die nächtlichen Glockenschläge des Linzer Mariendoms geht nun doch weiter. Einem Anrainer, dem das Läuten zu laut war und der deswegen das Gericht angerufen hatte, ist ein Ende Februar geschlossener Kompromiss zu wenig. Er strebt ein Abschalten aller Glocken in der Nacht und dazu eine Entscheidung im Namen der Republik an, wie sein Anwalt Mittwochnachmittag bekannt gab.

Der außergerichtlich vereinbarte Kompromiss zwischen Kläger und Dompfarre sah vor, dass in einer dreimonatigen “Versuchsphase” die Uhr weiter läuten solle, jedoch von 23 bis 5 Uhr ohne den sogenannten Stundennachschlag. Es habe sich aber gezeigt, dass die Glocken in der Nacht immer noch zu laut seien und die Nachtruhe stören, begründet der Kläger die von ihm gewünschte Fortsetzung des Prozesses.

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Religiotie: ‚Homo-Ehe’ könnte Religionsfreiheit zerstören

cartoon-herzDie Einführung der ‚Homo-Ehe’ in Irland würde die Definition von Ehe verändern. Müssten Anhänger des kirchlichen Eheverständnisses mit rechtlichen Konsequenzen rechnen, fragt Erzbischof Martin.


kath.net

Ein „Ja“ der Iren bei der kommenden Volksabstimmung über die „Homo-Ehe“ werde die Bedeutung von Ehe in der irischen Verfassung ändern und die religiöse Freiheit zerstören. Davon ist Eamon Martin, der Erzbischof von Armagh und Primas von Irland, überzeugt.

Wenn die irische Gesellschaft „eine ‚neue Orthodoxie’ der ‚geschlechts-neutralen’ Ehe“ einführen wolle, werde es zunehmend schwierig, die kirchliche Lehre von der Ehe als Verbindung eines Mannes mit einer Frau öffentlich zu vertreten, schreibt der Erzbischof in einer Erklärung, die auf der Internetseite der Irischen Katholischen Bischofskonferenz veröffentlicht worden ist.
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Rörig zu Pädophilie-Skandal: Schlussstrich kann es nicht geben

Bild: WAZ

Bild: WAZ

Missbrauchsbeauftragter nach Bericht der Berliner Grünen: Es sei unerklärlich, wie in einer Arbeitsgruppe einer Partei rechtskräftig verurteilte Pädosexuelle über Jahre ihr Unwesen hätten treiben können.


kath.net

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat nach dem Bericht der Berliner Grünen über Pädophilie-Vorfälle auch die Bundespartei dazu aufgefordert, sich mit den Vorfällen auseinanderzusetzen. «Einen Schlussstrich kann es derzeit nicht geben», sagte Rörig der «Passauer Neuen Presse» (Donnerstag).

Dass die Berliner Grünen «diesen schonungslosen und ungeschminkten Bericht» vorlegten und keinen Deckel auf die Aufarbeitung machten, müsse gewürdigt werden, sagte Rörig. «Die Einsetzung einer Kommission zur Aufarbeitung ist ein wichtiger Schritt. Natürlich stellt sich die Frage, warum nicht früher», so der Missbrauchsbeauftragte. Jetzt gehe es darum, inhaltliche Fragen weiter zu klären, aber auch Opfer anzuhören und Leid anzuerkennen. Dies sei ein wichtiger nächster Schritt im Aufarbeitungsprozess.

Schweigegeld nach Missbrauch: Kardinal George Pell weist Vorwürfe zurück

missbrauch_katholGeorge Pell soll einem Missbrauchsopfer Anfang der Neunzigerjahre Schweigegeld geboten haben. Das hat ein betroffener unter Eid ausgesagt. Der australische Kardinal, inzwischen Leiter der Finanzbehörde im Vatikan, bestreitet das.


SpON

Von den Vorwürfen gegen sich will George Pell nichts wissen: Er habe nichts falsch gemacht, er habe keinen Missbrauchsfall in der katholischen Kirche vertuschen wollen, teilte der australische Kardinal mit. Die Anschuldigungen gegen den Leiter der Finanzbehörde im Vatikan kommen von einem Betroffenen.

David Ridsdale, Neffe eines wegen Kindesmissbrauchs verurteilten Pfarrers, sagte vor einer Untersuchungskommission der australischen Regierung unter Eid aus. Er wiederholte dabei Vorwürfe, die Pell bereits langer Zeit verfolgen.

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Neuauflage der Pädophiliedebatte bei den Grünen

Die Grünen Logo

Dabei fühlt man sich eher an kirchliche Tribunale erinnert, bei denen Prüfung von Argumenten keine Rolle spielen.


Von Peter Nowak|TELEPOLIS

“Elternkongress – Was brauchen Familien in Berlin?” Das sind die Themen die aktuell den Landesverband der Grünen umtreiben. Doch es gab auch eine Zeit, als die Grünen noch jung waren und Familien als repressive Verlängerungen der Staatsmacht galten. Damals ging es um die Befreiung der Sexualität und manche wollten dabei möglichst alle Altersgrenzen aufheben. Damit müssen sich die Grünen zurzeit wieder beschäftigten.

Heute wurde in Berlin ein Bericht vorgestellt, den Franz Walter vom Göttinger Institut für Demokratie verfasst hat. Der Tagesspiegel gab in einem Vorabbericht den Ton vor:

In der Alternativen Liste, der Vorläuferorganisation des Berliner Landesverbands von Bündnis 90/Die Grünen, hat es massiven sexuellen Missbrauch von Kindern gegeben. Das ist das Fazit eines Berichts, den die Landesvorsitzenden Bettina Jarasch und Daniel Wesener am Mittwoch vorstellen wollen.

“Bis zu 1000 Opfer” sexueller Gewalt bringt der Tagesspiegel ins Gespräch.

Auch bei Neuauflage der Debatte wenig Differenzierung

Wenige Stunden nach dem Erscheinen des Artikels schrieb der Grüne Landesverband Berlin in einer Richtigstellung:

Diese Angabe im Tagesspiegel findet sich weder im Bericht wieder noch entspricht sie dem Kenntnisstand der Kommission. Die Zahl wurde bei einer Veranstaltung der Böll-Stiftung am 26. März zur Aufarbeitung auf Bundesebene von einem Berliner Kommissionsmitglied genannt, war aber eine spekulative Aussage über mögliche Opfer, die es damals in Berlin und im Umfeld der Grünen gab. Bereits am 27. März haben wir dies gemeinsam mit dem Kommissionsmitglied richtiggestellt.

Nun war die Zuspitzung in dem Tagesspiegel-Bericht sicher kein Zufall. Einer der Autoren ist der Journalist Christian Füller, der in den letzten Jahren mit Artikeln hervorgetreten ist, in denen er sich vehement gegen Versuche wandte, die Entkriminalisierung von Sexualität bei Jugendlichen und Kindern als eine politisch umstrittene, aber diskutierbare Forderung anzunehmen, bei der es Pro- und Contraargumente gibt.

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Sterbehilfe und christliche Intelligenzallergie

sterben

“Dörflinger und Sensburg verweisen zu Recht darauf, dass eine Ausnahmeregelung für den durch Angehörige und Ärzte assistierten Suizid einen völlig neuartigen Erwartungs- und Entscheidungshorizont am Lebensende eröffnen würde.”


Von Dr. Axel W. Bauer|kath.net

Die beiden Bundestagsabgeordneten Thomas Dörflinger und Patrick Sensburg haben einen Gesetzentwurf zum geplanten § 217 StGB vorgelegt, der sehr zu begrüßen ist. Durch diesen Entwurf sollen Anstiftung und Beihilfe zum Suizid ausnahmslos unter Strafe gestellt werden. Insbesondere soll es keine Ausnahmen und Privilegien für Angehörige und Ärzte geben.

Dörflinger und Sensburg verweisen zu Recht darauf, dass eine Ausnahmeregelung für den durch Angehörige und Ärzte assistierten Suizid einen völlig neuartigen Erwartungs- und Entscheidungshorizont am Lebensende eröffnen würde. Wenn lebenserhaltende Therapie und Tod als gleichwertige Alternativen gesehen würden, so würde der Patient, der sich für die Lebenserhaltung entschiede, den Angehörigen und der Gesellschaft gegenüber dafür begründungspflichtig. Mit seiner Entscheidung verursachte er in der Folge nämlich weitere Kosten für Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung und belastete dadurch seine Familie. Das Leben wäre nur noch eine von zwei möglichen Alternativen, zwischen denen er entscheiden soll. Dieser Erwartungs- und Entscheidungshorizont eröffnet sich für den Betroffenen in einer gesundheitlichen Lage, in der er schwach und an der Grenze seiner Entscheidungsfähigkeit angelangt ist.

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Lifelong Republican Turns On His Party, Embraces Obamacare

Luis Lang’s photo on his crowdfunding campaign CREDIT: GoFundMe

Luis Lang, who is currently crowdfunding for medical expenses that he can’t afford because he didn’t sign up for insurance under Obamacare, has become a viral sensation. However, the 49-year-old South Carolina resident says he doesn’t want to be the poster child for the Republican Party’s opposition to health care reform anymore.


By Tara Culp-Ressler|ThinkProgress

At the end of last week, the Charlotte Observer reported that Lang, a lifelong Republican who’s previously prided himself on covering his own medical bills, can’t afford to pay thousands of dollars to treat an issue stemming from his chronic diabetes. Lang is suffering form bleeding in his eyes and a partially detached retina, which will cause him to go blind if left untreated. So he set up a GoFundMe page to solicit $30,000 in donations to cover a costly surgery that will save his vision.

Since then, the story has been picked up in left-leaning outlets across the country and covered in nationally syndicated newspaper columns. Obamacare supporters flocked to Lang’s GoFundMe page to urge him to change his mind about the health law.

In an interview with ThinkProgress, Lang joked that he might be the most hated Republican in the country right now. But he also said that, thanks in part to a flood of media attention that led him to learn more about health care policy, he doesn’t identify with the GOP anymore.

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Todesengel von Kalkutta soll 2016 heilig gesprochen werden

Mutter Teresa von Kalkutta (1910-1997) könnte laut einem Bericht des “Nouvel Observateur” im Sommer 2016 heiliggesprochen werden. Das französische Nachrichtenmagazin beruft sich auf den Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung, Erzbischof Rino Fisichella. Dieser habe bei einem Treffen mit Verantwortlichen der Stadt Rom erklärt, die Heiligsprechung könne am 4. September im Rahmen des von Papst Franziskus ausgerufenen “Jahres der Barmherzigkeit” stattfinden.


kathweb

Vatikansprecher Federico Lombardi sprach am Dienstag laut der Zeitschrift von einer bloßen “Arbeitshypothese”. Es sei verfrüht, schon von einem festen Termin zu sprechen. Das dafür notwendige Dekret sei noch nicht veröffentlicht, das Verfahren “noch im Gange”. Das offizielle Programm des Jubeljahres sieht auch ein “Gedenken für die selige Mutter Teresa von Kalkutta” vor.

Die Ordensgründerin und Friedensnobelpreisträgerin ist als “Mutter der Armen” weltweit bekannt. Als Albanerin mit bürgerlichem Namen Agnes Gonxha Bojaxhiu wurde Mutter Teresa im heute mazedonischen Skopje geboren. Mit 18 Jahren trat sie in einen Missionsorden ein, der sie als Lehrerin nach Kalkutta sandte. 1948 siedelte sie in eines der schlimmsten Elendsviertel von Kalkutta über, um dort das Leben der Armen zu teilen. Schon ein Jahr später konnte sie dort mit einheimischen jungen Frauen eine eigene Ordensgemeinschaft gründen: die “Missionarinnen der Nächstenliebe”. Ihre Heime für Findelkinder und ihre Sterbehäuser für Obdachlose machten sie über Indien hinaus bekannt.

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Orbán vor EU-Parlament: Todesstrafe darf kein Tabuthema sein

Viktor Orbán (2010), Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 2.5

“Wer uns vorschreiben will, worüber wir in Ungarn sprechen dürfen, verletzt Gründungsvertrag der EU”


derStandard.at

Der ungarische Regierungschef Viktor Orbán hat seine umstrittenen Aussagen über die Todesstrafe und über ein Referendum bezüglich Migration und Terrorismus verteidigt. Bei einer Debatte im EU-Parlament in Straßburg am Dienstag wandte sich Orbán dagegen, nicht über das Thema Todesstrafe sprechen zu dürfen.

“Wer uns vorschreiben will, worüber wir in Ungarn sprechen dürfen, verletzt den Gründungsvertrag der EU”, spielte Orbán den Ball an den Vizepräsidenten der EU-Kommission Frans Timmermans zurück. Timmermans hatte zuvor erklärt, bei einer Wiedereinführung der Todesstrafe würde ein EU-Land einen weitreichenden Sanktionsmechanismus nach Artikel 7 des EU-Vertrags erhalten. Dabei werde er, Timmermans, “keine Sekunde zögern”.

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Studie: Bis zu 1.000 Missbrauchsopfer bei «Alternativer Liste»

Bild: WAZ

Bild: WAZ

Der Berliner „Tagesspiegel“ berichtet von offenbar massiven sexuellen Missbrauch von Kindern in der Vorläuferorganisation des Landesverbands von Bündnis 90/Die Grünen/Berlin. Der Landesverband widerspricht, bisher seien nur zwei Fälle bekannt.


kath.net

In der Berliner Alternativen Liste, der Vorläuferorganisation des Landesverbands von Bündnis 90/Die Grünen, hat es offenbar massiven sexuellen Missbrauch von Kindern gegeben. Das berichtet der Berliner «Tagesspiegel» (Mittwoch) unter Berufung auf eine Studie, die von den Landesvorsitzenden der Partei, Bettina Jarasch und Daniel Wesener, an diesem Tag vorgestellt wird. Danach gab es «bis zu 1.000 Opfer» sexueller Gewalt durch Parteimitglieder und Funktionäre der Alternativen Liste in den 1980er und 90er Jahren. In der 2014 vorgelegten Studie des Göttinger Politologen Franz Walter, der für die Bundespartei die Missbrauchsvorwürfe untersuchte, waren die Vorgänge in Berlin nicht enthalten.

Der Berliner Landesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen wies die Höhe der Missbrauchopferzahl zurück. „Diese Angabe im Tagesspiegel findet sich weder im Bericht wieder noch entspricht sie dem Kenntnisstand der Kommission“, sondern sei „eine spekulative Aussage“, „bereits am 27. März haben wir dies gemeinsam mit dem Kommissionsmitglied richtiggestellt“.

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Politischer Protest: Lammert sagt Treffen mit Ägyptens Staatschef ab

Themenbild

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“Verfolgung, Massenverhaftungen und eine unfassbare Anzahl von Todesurteilen”: Parlamentspräsident Norbert Lammert hat die Lage in Ägypten angeprangert – und aus Protest ein Treffen mit Staatschef al-Sisi gestrichen.


SpON

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat wegen der Menschenrechtslage in Ägypten ein Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi abgesagt. Lammert habe seine Entscheidung in einem Schreiben an den ägyptischen Botschafter in Berlin mit der Entwicklung in dem arabischen Land begründet, hieß es in einer Mitteilung des Bundestags. Demnach war das Treffen für Anfang Juni im Deutschen Bundestag geplant.

Der CDU-Politiker kombinierte seine Absage mit scharfer Kritik an der politischen Lage in Ägypten: “Statt der seit langem erwarteten Terminierung von Parlamentswahlen erleben wir seit Monaten eine systematische Verfolgung oppositioneller Gruppen mit Massenverhaftungen, Verurteilungen zu langjährigen Haftstrafen und einer unfassbaren Anzahl von Todesurteilen, darunter der ehemalige Parlamentspräsident Katatni”, schrieb der Präsident des deutschen Bundestags demnach.

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Nordirland: Christliche Bäckerei wegen Diskriminierung eines schwulen Kunden verurteilt

Bild: bpb.de

Bild: bpb.de

Eine Bäckerei in Nordirland ist wegen Diskriminierung eines schwulen Kunden verurteilt worden. Die christlichen Bäckerei-Inhaber könnten sich nicht auf ihren Glauben berufen, wenn sie sich weigerten, einen Kuchen gemäß Bestellung mit dem Schriftzug “Support Gay Marriage” (Unterstütze die gleichgeschlechtliche Ehe) herzustellen, erklärte das Gericht in Belfast. Nordirland ist der einzige Teil des Vereinigten Königreichs, der bislang keine gleichgeschlechtliche Ehe zulässt.


evangelisch.de

Geklagt hatte ein Aktivist, der den Kuchen für einen Aktionstag gegen Schwulenfeindlichkeit bestellt hatte und dem man die Beschriftung des Kuchens verweigerte. Eine andere Bäckerei nahm den Auftrag hingegen an. Die zuständige Richterin sagte, die Bäckerei betreibe ein Geschäft, das auf Profit ausgelegt und keine religiöse Gruppe sei. Zwar verstehe sie, dass die Besitzer der Bäckerei “echte und tiefe religiöse Ansichten” hätten, aber das Unternehmen stehe nicht über dem Gesetz. Deshalb verurteilte sie das Unternehmen wegen Diskriminierung des Kunden aufgrund seiner sexueller Orientierung und seiner politischen Einstellung.

Kirchenrechtler erwartet keine Veränderungen bei Ehelehre

Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB

Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB

Freiburger Kirchenrechtler Georg Bier: Zuletzt habe sich gezeigt, dass die Bischöfe in Fragen von Ehe und Familie uneinig seien. Müsste er «eine Wette eingehen, ich würde nicht auf Veränderungen setzen».


kath.net

Der Freiburger Kirchenrechtler Georg Bier rechnet nicht mit raschen, grundlegenden Veränderungen in der katholischen Ehelehre. «Welche Entscheidungen der Papst nach der kommenden Bischofssynode treffen wird, ist nicht vorhersehbar. Müsste ich allerdings eine Wette eingehen, ich würde nicht auf Veränderungen setzen», schreibt Bier in einem Gastbeitrag für die Freiburger Bistumszeitung «Konradsblatt». Zuletzt habe sich gezeigt, dass die Bischöfe in Fragen von Ehe und Familie uneinig seien. Und dabei werde es vermutlich auch nach der Synode im Herbst im Vatikan bleiben.

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Armin Nassehi:Was ist “links” und was ist “rechts”?

Der deutsche Soziologe Armin Nassehi. (dpa / picture alliance / Erwin Elsner)

Seit der Französischen Revolution wird das politische und soziale Leben in den Kategorien von “rechts” und “links” sortiert. Das ist zu unterkomplex, meint der Soziologe Armin Nassehi in seinem Werk “Die letzte Stunde der Wahrheit”. Um die immer unübersichtlichere Gegenwart zu ordnen und zu verändern, brauche es eine kollektiv gesellschaftliche Empathie.


Von Felix Klopotek|Deutschlandfunk

Wissen Sie, was rechts ist? Oder links? Was für Fragen! Sofort fallen einem die Gewissheiten ein, die man diesen politischen Schlagworten zuordnet. Links – das ist pazifistisch, hedonistisch, wachstumskritisch, radikaldemokratisch. Und rechts? Das muss ja dann das Gegenteil sein.

Aber wer genauer hinschaut, dem zerbröseln die Gewissheiten: Es gibt linke Bellizisten, linke Asketen und Moralisten, Linke, die wirtschaftliches Wachstum als unabdingbar für die gerechte Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums ansehen, und es gibt auch Linke, die überhaupt keine Demokraten sind, sondern Anhänger einer Diktatur – in dem Fall einer der Ausgebeuteten und Subalternen über ihre früheren Ausbeuter.

Das Spiel, Gewissheiten zu zersetzen, funktioniert auch bei rechten Positionen. Es dürfte schwer sein, ja eigentlich unmöglich, “rechts” und “links” autonom aus sich heraus zu bestimmen. Was ein Linker ist, wissen wir, wenn ein Rechter auftaucht. Und umgekehrt. Die Unterscheidungen, die die Begriffe rechts und links intendieren, sind nur als relative, aufeinander bezogene, kontextabhängige denkbar. Und diese Unterscheidungen, das ist die These, die der Münchner Soziologieprofessor Armin Nassehi in seinem Buch “Die letzte Stunde der Wahrheit” vertritt, verlieren zunehmend ihre Orientierungskraft. Weil die gesellschaftlichen Kontexte zu komplex für diese Unterscheidung geworden sind. Oder in seinen Worten:

“Dass etwas rechts oder links sei, konservativ oder progressiv, enthält immer weniger Informationswerte. (…) Es hängt damit zusammen, dass die gewohnten Beschreibungschiffren, mit denen sich unsere Gesellschaft öffentlich selbst beschreibt, offenbar nicht mehr das treffen, worum es geht (…).”

Natürlich verschwinden linke und rechte Gesellschaftsbeschreibungen nicht einfach, denn:

“Das ganze Arsenal moderner Komplexitäten verlangt nach Erzählbarkeiten, nach Vereinfachungen, nach Komplexitätsreduktionen.”

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