Evolutionsbiologie: Die Liebe kennt ganz verschiedene Formen

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Warum lieben wir, wie wir lieben? Wie hängen Lust, Fürsorge und Liebe zusammen? Aktuelle Erkenntnisse aus der Evolutionsbiologie.

Thomas Junker | Forschung & Lehre

Romantische Liebe, Zweierbeziehungen und häufiger Sex gehören zur Natur des Menschen. Gemeinsam dienen sie einer unverzichtbaren biologischen Funktion: eine verlässliche und dauerhafte Betreuung der Kinder sicherzustellen. Ohne die damit verbundenen Mühen und Anstrengungen gäbe es weder Verliebtheit, noch feste Bindungen noch die besondere Lust beim Sex. Und seit wann gibt es die enge Verknüpfung von Lust, Liebe und Fürsorge? – Seit es Menschen gibt!

Dies zumindest behauptet das sogenannte Standardmodell der menschlichen Evolution. Schon unsere frühen Vorfahren, die vor etwa zwei Millionen Jahren lebten, hätten Gefühle wie Verliebtheit, Verbundenheit und Eifersucht gekannt. Spätestens zu dieser Zeit hätten die Männer einzelne Frauen begleitet und die Frauen ihrerseits waren ihrem Partner sexuell treu, auch wenn sie andere Optionen hatten. Die Paarbindungen wiederum gelten als eine unentbehrliche Voraussetzung für väterliche Fürsorge. Damit waren zum einen die materiellen Bedingungen für die Evolution des Gehirns gegeben: eine ausreichende und hochwertige Nahrung.

Zum anderen erhielt der kulturelle Fortschritt eine völlig neue Dynamik: Denn jetzt konnten nicht mehr nur die Mütter und Großmütter, sondern auch die Väter und Großväter ihre Erfahrungen und ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben. Wenn dieses Argument richtig ist, dann haben die romantische Liebe, die Eifersucht beider Geschlechter sowie das fortdauernde sexuelle Begehren die evolutionäre Entwicklung von unseren noch äffischen Vorfahren zu echten Menschen erst möglich gemacht.

Traditionen werden als naturgegeben wahrgenommen

Alles in allem erinnert das Standardmodell an traditionelle Vorstellungen von Ehe und Familie. Es wird zwar nicht die lebenslange Einehe gefordert, sondern lediglich, dass die Paare zusammenbleiben, solange die gemeinsamen Kinder intensive und andauernde Zuwendung benötigen. Dementsprechend würde man von einigen Jahren ausgehen. Nichtsdestoweniger werden Traditionen, mit denen man aufwächst, wie Verliebtheit, Heirat und Familie, leicht für selbstverständlich und naturgegeben gehalten, obwohl sie es vielleicht gar nicht sind.

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„Gelbwesten“ in der Provinz: Geeint in unendlicher Wut

Bild: tagesschau.de
Nicht alle „Gelbwesten“ protestieren in Paris. Viele bleiben in der Provinz, blockieren Straßen und wollen sich durch nichts stoppen lassen. Was macht die Menschen bloß so wütend?

Von Barbara Kostolnik | tagesschau.de

Ein schwerer Lkw fährt durch den Kreisverkehr vor Soissons im Nordosten Frankreichs. Der Fahrer hupt. Er unterstützt die Proteste der „Gelbwesten“, obwohl er mindestens eine Stunde im Stau stand. Ein Mann ist auf dem Weg zur Arbeit. „Das ist schon legitim, was die machen“, sagt er, „es wird nur nichts bringen.“

Das glauben Yvette und Chantal ganz und gar nicht. Die beiden Rentnerinnen, 72 Jahre, stehen am Kreisverkehr, sie tragen „Gelbwesten“, ein fester Blick: „Wir sind gegen diese Regierung, wir haben unsere Forderungen gestellt“, sagen sie. „Wenn die Regierung die nicht erfüllt, dann bleiben wir hier, bis Weihnachten und länger.“ Ihre Kinder und Enkel sollen es besser haben.

Yvette bekommt 1000 Euro Rente im Monat. Sie will sich nicht beklagen. Auch die Kälte mache ihr nichts aus. „Wir machen Feuer, und da hinten gibt es eine Hütte, wir weichen nicht.“

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Welthungerhilfe warnt vor neuer Migrationswelle

Themenbild. Flüchtlingslager Zaatari, Jordanien.
Bild: AP AFP Pool watson.ch
Alle zehn Minuten stirbt im Jemen laut Unicef ein Kind an vermeidbaren Krankheiten oder Mangelernährung. Die Hungerkrise im Nahen Osten könnte eine neue Migrationswelle hervorrufen. Davor warnt die Welthungerhilfe.

DOMRADIO.DE

Die Deutsche Welthungerhilfe warnt vor einer neuen Migrationswelle, weil Geld für die Flüchtlinge aus Syrien fehle. Zwar habe sich die Lage in den Lagern in der Türkei, in Jordanien und im Libanon seit 2015 verbessert, aber „es droht ein Rückfall. Die Programme der Vereinten Nationen sind dramatisch unterfinanziert. Für Syrien fehlen den UN 30 Prozent der Gelder“, sagte die neue Welthungerhilfe-Präsidentin Marlehn Thieme der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag): „Und eine Perspektive für die Flüchtlinge, in ihre Heimat zurückzukehren, fehlt noch immer.“

Zu wenig Maßnahmen zur Eindämmung der Konflikte

Laut Thieme sind allein in Syrien noch 13 Millionen Menschen auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Weltweit litten heute 17 Millionen mehr Menschen Hunger als vor zwei Jahren. „Das ist unerträglich“, sagte Thieme. 40 Millionen Menschen seien in ihren Heimatregionen auf der Flucht.

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EKD und Missbrauchsbeauftragter Rörig wollen Austausch vertiefen

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und der Unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, wollen ihre Zusammenarbeit bei Prävention und Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt vertiefen. Das bekräftigten beide bei einem gemeinsamen Austausch in der Sitzung des Rates der EKD am Freitag in Hannover.

evangelisch.de

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagte laut Mitteilung vom Samstag, bei der Frage, welche Maßnahmen zur Verhinderung sexualisierter Gewalt am besten beitragen können, sei die Kirche „für den Rat des Unabhängigen Beauftagten sehr dankbar“. Rörig würdigte die von der EKD-Synode im November verabschiedeten Maßnahmen als „eine gute Basis um weiter voranzuschreiten“.

Insbesondere die geplanten Studien seien in dieser Hinsicht von großer Bedeutung, sagte Rörig. „Dabei ist es notwendig, dass die Kirchen mit dem Staat gemeinsam Standards für die Aufarbeitungsprozesse entwickeln.“ Daran müssten Betroffene beteiligt werden und ihre Rechte bei der Aufarbeitung geklärt sein.

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Zwei Christen in Pakistan wegen Blasphemie zum Tod verurteilt

Bild: © bilalulker/Fotolia.com
Wenige Wochen nach dem Freispruch für Asia Bibi sind in Pakistan zwei christliche Brüder wegen Blasphemie zum Tode verurteilt worden. Ihnen war vorgeworfen worden, „gotteslästerliches Material“ auf ihrer Internetseite veröffentlicht zu haben.

katholisch.de

In Pakistan sind nach Angaben einer britischen Hilfsorganisation zwei christliche Brüder wegen Blasphemie zum Tod verurteilt worden. Es handele sich um zwei verheiratete Männer namens Qasim und Amoon, teilte das in Southall ansässige Centre for Legal Aid Assistance and Settlement (CLAAS) mit. 2011 wurden sie den Angaben zufolge beschuldigt, gotteslästerliches Material auf ihre Internetseite gestellt zu haben. Die beiden Brüder seien zunächst ins Ausland geflohen, bei ihrer Rückkehr 2014 jedoch verhaftet worden.

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Polen und Ungarn blockieren „erfolgreich“ die „LGBTIQ-Rechte“ in der EU

Die Repräsentanten der beiden Länder legten gegen die Aufnahme des Akronyms „LGBTIQ“ in eine gemeinsame Erklärung der Minister für Arbeit und Soziales Veto ein.

kath.net

Polen und Ungarn haben die Aufnahme von „LGBTIQ-Rechten“ in eine gemeinsame Erklärung der Europäischen Union blockiert. Darüber berichtete „LifeSiteNews“. Die Repräsentanten der beiden Länder legten gegen die Aufnahme des Akronyms „LGBTIQ“ in eine gemeinsame Erklärung der Minister für Arbeit und Soziales, die „die Gleichstellung der Geschlechter im digitalen Zeitalter“ fördern soll, Veto ein. Damit verärgerten sie nach Darstellung von „LifeSiteNews“ andere EU-Mitgliedsstaaten. Zwar fügte dann Österreich dem Dokument in seiner jetzigen Funktion als Inhaber der Präsidentschaft des Europäischen Rates einen Hinweis auf „LGBTIQ“ hinzu. Dieser Zusatz wird jedoch nur als „Schlussfolgerungen des Präsidenten“ eingestuft, die nicht die rechtliche Bedeutung von formellen Schlussfolgerungen des Rates haben. Die offiziellen Schlussfolgerungen des EPSCO-Rates beziehen sich jetzt nur noch auf „Gleichstellung der Geschlechter, Jugend und Digitalisierung“.

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Drittes Geschlecht stellt die katholische Kirche vor Probleme – nicht mehr nur Adam und Eva

Bild: Lucas Cranach d. Ä. 1530 (public domain)
Deutschland führt den Geschlechtereintrags „divers“ ein. Das verändert nicht nur das biblische Menschenbild. Für die Taufe ist es kein Hindernis. Aber für die katholische Kirche stellt sich die Frage, wer wen heiraten darf.

DOMRADIO.DE

Seit Adam und Eva genügte Katholiken, was auf den ersten Seiten der Bibel steht: dass Gott den Menschen als Mann und Frau erschuf. Jetzt müssen sie sich in Deutschland daran gewöhnen, dass es Personen gibt, die weder das eine noch das andere, sondern „divers“ sind. Der neue Geschlechtseintrag, den Bundestag und Bundesrat in dieser Woche beschlossen haben, hebt die katholische Weltsicht nicht aus den Angeln, stellt aber die Kirche vor ungewohnte Fragen.

Ein grundsätzliches Problem sieht die Deutsche Bischofskonferenz nicht. Schon die Aufforderung des Bundesverfassungsgerichts im November 2017 zu einer rechtlichen Nachbesserung bewertete man als „nachvollziehbar“: Wenn eine eindeutige Zuordnung zu der „binären Einteilung“ nicht möglich sei, so Bischofskonferenz-Sprecher Matthias Kopp damals, dürfe niemand durch Gesetz oder Gesellschaft dazu gezwungen werden. Statt eines Verzichts sei es dann aber „besser, eine positive Zuordnung zu wählen“.

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Umfragen zu Zeiten der Gelben Westen: Le Pens Partei liegt vorne

Bild: Pixabay
Aber es gibt auch kräftige Lebenszeichen für eine neue linke Mitte. Macron verliert. Die traditionellen Konservativen auch

Thomas Pany | TELEPOLIS

In Frankreich wird die hierzulande so genannte Sonntagsfrage – „wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Wahlen wären?“ – schon seit einigen Wochen auf die Wahlen zum europäischen Parlament ausgerichtet, die für Ende Mai nächsten Jahres angesetzt sind.

Umfragen dazu sind aus unterschiedlichen Aspekten interessant: einmal weil die französischen Wähler ein besonderes Verhältnis zu europäischen Stimmabgaben haben, wie sie es etwa aufsehenerregend 2005 mit dem Nein beim Referendum zur Annahme des Vertrages über eine Verfassung für Europa vorgeführt haben (der Spiegel schrieb damals vom französischen Patienten, der einen doppelten Volksaufstand wagt). Zum anderen weil Macron als Kontrahent der EU-kritischen Populisten wie Orban und Salvini Wahlkampf macht (und damit eine Positionierung zu wiederholen versucht, die ihm als Gegner von Le Pen die Mehrheit in Frankreich brachte).

Und schließlich nicht zuletzt aktuell wegen der Proteste der Gelben Westen (Gilets jaunes, derzeit in deutschen Berichten meist mit „Gelbwesten“ wiedergegeben). Man wüsste gerne, wie sie sich auf die Gunstverteilung an die Parteien auswirken.

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219a-Kompromiss: Katholische Kirche äußert sich zurückhaltend

Bild: © KNA/Harald Oppitz
Nach monatelangen Debatten um das geltende Werbeverbot für Abtreibungen hat die Bundesregierung am Mittwochabend einen Kompromissvorschlag vorgelegt. Geplant ist, Paragraf 219a nicht abzuschaffen, sondern zu ergänzen. Die Reaktionen aus Kirche und Politik sind unterschiedlich.

katholisch.de

Der am Mittwochabend von der Bundesregierung vorgelegte Kompromissvorschlag für eine Lösung im Streit um das das geltende Werbeverbot für Abtreibung ist auf geteilte Reaktionen gestoßen. Die katholische Kirche äußerte sich zurückhaltend: „Die gestrige Erklärung der Partner der Großen Koalition ist sicher ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Lösung. Wir müssen nun erst einmal die genauen gesetzlichen Änderungsvorschläge abwarten“, sagte der Leiter des Katholischen Büros, Prälat Karl Jüsten, auf Anfrage.

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Presseerklärung zum Vorschlag der Minister*innen Barley, Seehofer, Giffey und Braun

Bild: Krisina Hänel
Presseerklärung zum sogenannten Kompromissvorschlag der Großen Koalition

Von Kristina Hänel, Gießen
Nora Szász, Kassel
Natascha Nicklaus, Kassel

Nach monatelangem Warten liegt nun ein Vorschlag zum Informationsverbot für Schwangerschaftsabbrüche vor. Unter der Überschrift Werbung wird im §219a StGB die sachliche Information seitens der durchführenden Ärztinnen und Ärzte verboten. Wir als von Strafverfahren betroffene Ärztinnen sind entsetzt.

Bei genauerem Hinsehen erweist sich der als Kompromiss ausgegebene Vorschlag als Null-Nummer. Der §219a bleibt komplett bestehen incl. seiner Strafandrohung von zwei Jahren Gefängnis. Die restlichen Vorschläge, die die Situation verbessern sollen, sind flankierende Maßnahmen, die bereits jetzt möglich sind.

Weitere Ausführungen sind Willenserklärungen, z.B. sollen Information seitens staatlicher oder staatlich beauftragter Stellen zum Schwangerschaftsabbruch zur Verfügung gestellt werden. Das war auch bisher möglich, der Staat hat aber seine Aufgabe, für ein flächendeckendes Netz ambulanter und stationärer Einrichtungen zu sorgen, nicht wahrgenommen, sondern die Frauen noch den Seiten der Abtreibungsgegner ausgeliefert, auf denen sie bei der Suche nach Adressen gelandet sind.

Aus diesem Grund haben wir bereits vor einem Jahr angeregt, dass Listen mit Adressen veröffentlicht werden, die den Frauen zugänglich gemacht werden. Diese Listen werden aber niemals vollständig sein, zu viele Ärztinnen und Ärzte haben Angst, an den Pranger gestellt zu werden. Sie können auch nicht die medizinisch ausführlichen Informationen ersetzen, die heutzutage auf ärztlichen Websites Standard sind.

Aber zum Schwangerschaftsabbruch werden auch Ärztinnen und Ärzte in Zukunft nicht informieren dürfen, sie dürfen dann lediglich auf die staatlichen Stellen verweisen. Am Ende des Papieres wird noch vorgeschlagen, eine Studie zu den seelischen Folgen des Schwangerschaftsabbruchs durchzuführen. Die Kommission hätte gut daran getan, sich mit der einschlägigen Fachliteratur zu befassen, u.a. hat die BZGA im Jahr 2017 selbst eine große Studie herausgebracht, die sich u.a. mit den psychischen Folgen befasst hat. Hier ist reine Argumentation der sogenannten Abtreibungsgegner in das Papier geraten, die immer wieder vom Post-Abortion-Syndrom sprechen, einer Krankheitsentität, die es wissenschaftlich erwiesen nicht gibt.

Wir sind empört, dass aus politischem Machtkalkül und aus Angst vor Rechts Frauenrechte so verraten und wir Ärztinnen weiterhin kriminalisiert werden. Informationsrechte sind Menschheitsrechte. Das gilt auch für Frauen.

Nora Szász, Natascha Nicklaus, Kristina Hänel

Werbung für Abtreibung soll verboten bleiben – §219a wird ergänzt

  • Das Werbeverbot für Abtreibungen soll prinzipiell bestehen bleiben, jedoch ergänzt werden.
  • Bundesärztekammer und Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sollen Kontaktinformationen von Ärzten bereithalten, an die sich Frauen für einen Abbruch wenden können.
  • Darauf einigten sich die zuständigen Minister der großen Koalition in Berlin.

Von Kristiana Ludwig | Süddeutsche Zeitung

Im Streit um das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche hat eine Ministerrunde um Justizministerin Katarina Barley (SPD) einen Kompromiss in Aussicht gestellt. In einem Papier, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, sagten sie zu, im kommenden Jahr ein Gesetz auszuformulieren, „dass und wie Ärztinnen und Ärzte sowie Krankenhäuser über die Tatsache informieren können, dass sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen“. Dafür soll der umstrittene Strafrechtsparagraf 219a lediglich ergänzt werden. „Werbung für einen Schwangerschaftsabbruch darf es jedoch auch in Zukunft nicht geben“, sagte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU).

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Klimaschutz: Was geschehen müsste

Foto: stevepb /CC0
Die Energie- und Klimawochenschau: Von steigenden Emissionen, notwendigen Anstrengungen, fehlendem politischen Willen und einem Brand in der Atomfabrik Lingen

Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Die globalen Kohlendioxid-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger sind 2017 wieder gestiegen und haben einen Rekordwert von 37,1 Milliarden Tonnen erreicht. Dies geht aus einer in der letzten Woche veröffentlichten Stellungnahme des Global Carbon Projects hervor. Die Ergebnisse wurden zeitgleich in den drei Fachzeitschriften Nature, Environmental Reseach Letters und Earth System Science Data veröffentlicht.

Beim Golbal Carbon Project handelt es sich um ein internationales Gemeinschaftsunternehmen verschiedener Universitäten und Forschungsinstitute in den USA, Norwegen, Frankreich, Australien, Thailand, Deutschland, Brasilien, Großbritannien, Indien, den Niederlanden, China, Japan, Südkorea, Polen und Österreich. Die Geldgeber sind ebenso international.

Mit dabei sind auch die Umweltministerien Australiens und Japans, also zweier Staaten, die sich in den internationalen Klimaschutzverhandlungen bisher nicht gerade durch vorantreibende Diplomatie ausgezeichnet haben.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Emissionen 2018 um 2,7 Prozent gestiegen sind (Fehlerbereich: 1,8 bis 3,7 Prozent) Das wäre seit mehreren Jahren der stärkste Anstieg. 2017 legten die Emissionen um 1,6 Prozent zu. Davor hatte es zum ersten Mal in Nicht-Krisenzeiten für drei Jahre Stillstand gegeben.

Weitere rund fünf Milliarden Tonnen CO2 kamen durch Entwaldung und andere Änderung der Landnutzung hinzu. (Alle Prozesse, bei denen Humus verloren geht, setzen zum Beispiel das Treibhausgas frei.) Da hier die Datenerhebung weit schwieriger ist, bleibt unklar, ob die Emissionen in diesem Gebiet zu- oder Abnehmen.

Um die Zukunft der globalen Wälder ist es derzeit so schlecht wie lange nicht bestellt. Brasiliens neuer, faschistischer Präsident Jair Bolsonaro, der nicht nur eine tiefe Abneigung gegen Demokratie und Menschenrechte sondern auch gegen die Rechte der Waldbewohner und den Waldschutz am Amazonas zeigt, lässt Schlimmes für den dortigen Regenwald befürchten.

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Schweden: Auf Umwegen zur Rechtsregierung oder Neuwahlen?

Annie Lööf von der Zentrumspartei spielt eine entscheidende Rolle bei der Regierungsbildung oder deren Scheitern. Bild: News Øresund/Johan Wessman/CC BY 2.0
Wer auch immer zukünftig Schwedens Regierung führen wird: Die Finanzen für 2019 sind schon einmal mit Hilfe der Schwedendemokraten auf konservativem Kurs

Andrea Seliger | TELEPOLIS

Auch drei Monate nach der Wahl hat Schweden noch keine neue Regierung. Das Stimmenverhältnis ist so ausgefallen, dass keine Konstellation möglich ist, ohne dass jemand sein Wahlversprechen brechen muss – sei es inhaltlich oder in den Kooperationsaussagen.

Daran scheiterte jüngst der Konservative Ulf Kristersson, weil seine liberalen bürgerlichen Partner den nationalistischen Schwedendemokraten keinen Fußbreit Einfluss zugestehen wollen (siehe: Schwedendemokraten müssen weiter draußen bleiben). Daran wird aber auch der Sozialdemokrat Stefan Löfven scheitern, über den am Freitag als Regierungschef abgestimmt werden soll. Denn es ist ihm in den vergangenen Wochen der Verhandlungen nicht gelungen, die beiden kleinen liberalen Parteien auf seine Seite zu ziehen.

Das weiß auch Parlamentssprecher Andreas Norlén. Trotzdem hat er entschieden, die Abstimmung abzuhalten. Sein Job ist es, den Prozess der Regierungsbildung zu leiten. Indem er am Freitag die Knöpfchen für oder gegen Löfven drücken lässt, übt er auch Druck auf die Parteien aus, sich endlich in irgendeiner Form aufeinander zu zubewegen. Zuletzt hatte es auch so ausgesehen, als würden die liberalen Parteien Löfven zu einer neuen Amtszeit verhelfen. Sie versuchten allerdings, sich so teuer wie möglich zu verkaufen, mit Forderungen „rechts von der Regierung Reinfeldt“, wie es in der schwedischen Presse hieß. Die liberale Centerpartiet brach schließlich als erste die Verhandlungen ab.

Die Haushaltsdiskussion wurde damit zu einem Orakel, wohin es nun gehen kann. Der schwedische Haushalt muss im Dezember beschlossen werden. Die abgewählte Regierung Löfven ist als Übergangsregierung verpflichtet, einen „neutralen“ Entwurf ohne politisch motivierte Veränderungen vorzulegen, und das hat sie getan. Ulf Kristerssons konservative „Moderaterna“ und die „Kristdemokraterna“ haben gemeinsam einen eigenen Vorschlag ausgearbeitet, der auf zahlreiche Steuersenkungen setzt und dafür Subventionen im Bereich Arbeitsmarkt, Bauen und Umwelt streicht. Als dieser bekannt wurde, erklärten auch die Schwedendemokraten, dass sie dem zustimmen würden. Die liberalen Parteien kamen dadurch erst recht in die Zwickmühle.

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NRW verschickt Bescheide: Paten von Flüchtlingen sollen 5,7 Millionen Euro zurückzahlen

Syrische Flüchtlinge kommen in Deutschland an. (Archivbild) Foto:picture alliance/dpa
In Nordrhein-Westfalen haben Helfer, die Bürgschaften für Flüchtlinge übernommen haben, Post vom Jobcenter erhalten: Ihnen wurde mitgeteilt, dass sie für die Kosten aufkommen sollen.

Von Michael Hesse | Kölner Stadt-Anzeiger

In NRW wurden bereits 750 Erstattungsbescheide mit Forderungen von insgesamt 5.686.947 Euro zugestellt, wie die Bundesregierung mitteilt. Allerdings sind diese auf Wunsch aus Berlin zunächst ausgesetzt worden. Relevante Fälle sollten individuell geprüft und Erstattungsbescheide bis zur Klärung von Rechtsfragen nicht vollstreckt werden. Wahrscheinlich werden sie sogar nie vollstreckt.

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Einigung über 219a in der Koalition nicht in Sicht

Noch vor Weihnachten wollte sich die Koalition darauf einigen, ob und wie das Werbeverbot für Abtreibungen überarbeitet wird. Doch zu Beginn der letzten Sitzungswoche im Bundestag ist noch immer kein Kompromissvorschlag in Sicht.

evangelisch.de

In der großen Koalition ist eine Einigung im Streit über das Werbeverbot für Abtreibungen noch nicht in Sicht. SPD-Partei- und Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles wies am Dienstag in Berlin darauf hin, dass die Regierung damit beauftragt worden sei, einen Kompromissvorschlag zu machen: „Und wir erwarten diese Woche diesen Vorschlag.“ Aus dem Justiz- und dem Familienministerium war am Dienstag lediglich zu erfahren, die Gespräche dauerten an und liefen konstruktiv. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion kündigte an, sich erst im kommenden Jahr wieder mit dem Thema beschäftigen. Derweil erhöhen Oppositionsparteien den Druck.

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Christina von Dreien, Lolita der Eso-Szene

Screenshot: Youtube Christina von Dreien, der junge Shootingstar der Eso-Szene.
Damit ihre Mutter Bücher verkauft, muss die 17-jährige bei alten Männern auf der Couch sitzen und Banalitäten wiederkäuen

Christian Kreil | Blog – derStandard.at

Wo ist die Fürsorge, wenn man sie braucht? Die muss es doch auch in der Schweiz geben? Das ist man versucht zu fragen, wenn man die Auftritte von Christina Meier aka Christina von Dreien erlebt. Die 17-jährige Schweizerin mimt seit gut einem Jahr den Jungstar der Spiritualität. Die interessierte Szene ist hin und weg von der Weisheit des Mädchens, den seherischen Fähigkeiten, dem Kontakt zum Jenseits. Wer genauer hinsieht, erlebt einen Teenager, der knallhart zu einer Lolita der Schwurbelei getrimmt wurde.

Auf dem Sofa in einer esoterischen TV-Sendung

Der Teenager verbringt ihre Freizeit seit gut einem Jahr auf einem Sofa im Studios des privaten Senders „Schweiz 5“ und lässt sich vom 62-jährigen Deutschen Norbert Brakenwagen in der Esoterikschiene „time to be“ interviewen. Das ergibt kein schönes Bild. Ein Schweizer Blatt beschreibt Brakenwagen als „eine Mischung aus Verpackungskünstler, billigem Jakob und Phrasendrescher.“

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Irisches Parlament legalisiert Abtreibung – keine Ausnahmen für katholische Krankenhäuser

Das Gesetz sieht eine Fristenregelung bis zur zwölften Schwangerschaftswoche und eine Reihe von Indikationen, unter denen Abtreibungen bis zum 6. Monat legal sein sollen

kath.net

Das Unterhaus des irischen Parlaments hat mit großer Mehrheit ein radikales Abtreibungsgesetz angenommen. Zuvor waren einige Änderungsanträge zum Schutz der Ungeborenen abgelehnt worden.

90 Abgeordnete haben für das Gesetz gestimmt, 15 dagegen, zwölf haben sich der Stimme enthalten. Das Gesetz muss noch vom Oberhaus bestätigt werden. Die politische Führung Irlands will dies noch im Dezember durchziehen, damit Abtreibungen ab 1. Januar 2019 legal durchgeführt werden können.

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Morozov: Künstliche Intelligenz sollte ein öffentliches Gut sein

ex-machina. Screengrab. BB
Der Publizist Evgeny Morozov fordert, die meist von den Nutzern gelieferten Trainingsdaten für Künstliche Intelligenz als öffentliche Ressource zu fassen.

Von Stefan Krempl | heise online

Künstliche Intelligenz (KI) ist weniger ein privates Wirtschaftskapital, als vielmehr ein öffentliches Gut und sollte entsprechend reguliert werden. Dies erklärte der Technikforscher Evgeny Morozov am Montag auf der Digital Society Conference der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin. „KI wird mit Daten produziert, die wir generiert haben“, begründete der Vordenker seine Forderung. Nötig seien daher „gerechte und faire Bedingungen“ für den Zugang zu diesen Basisinformationen, die staatlich durchgesetzt werden müssten.

Die derzeitige KI-Entwicklung sei besonders im Bereich Maschinenlernen und neuronale Netzwerke sehr ineffektiv und ineffizient, konstatierte Morozov. Amazon, Facebook, Google, Microsoft & Co. steckten sehr viel Geld in das Training für die gleichen Dienste. Mit „trivialen Datensets“ versuchten sie der Maschine beizubringen, wie Katzen von Hunden oder Fußgänger von Autos unterschieden werden können. Es sei aber mehr als fraglich, ob die sich als KI-Führer sehenden Konzerne jeweils Milliarden in die Entwicklung derselben Fähigkeiten ausgeben müssten.

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Kein Klimaschutz in einer Welt der Ungleichheit

Grafik: TP
Die globale Erwärmung kann nur zusammen mit Armut und Ungleichheit erfolgreich bekämpft werden. Ein Kommentar

Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Es hat sich offensichtlich viel Wut in Frankreichs Bevölkerung angestaut. In einer Situation, in der viele kaum noch wissen, wie sie mit ihrem Einkommen bis zum Monatsende durchkommen können, war eine Mineralölsteuererhöhung offenbar der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die Entwicklung der Proteste zeigt allerdings, dass es um mehr, um viel mehr geht.

Dabei scheint es aus deutscher Sicht beim Blick auf die französischen Nöte fast, als schaue man in einen Spiegel. Auch hier wurde die Vermögenssteuer abgeschafft, während viele Arbeiter und Angestellte nur noch Armutsrenten erwarten können. Auch hier weiß das Millionenheer der Aufstocker, Minijobber und Arbeitslosen kaum, wie es mit dem kärglichen Geld alle Rechnungen bezahlen und auch am Monatsende noch den Kühlschrank füllen soll.

Der Blick in den Spiegel verrät allerdings noch etwas anderes: Klimaschutz wird nicht gelingen, wenn er autoritär den benachteiligten Bevölkerungsschichten aufgezwungen werden soll. Diese Strategie ist vielmehr eine Garantie dafür, die Klimaschutzpolitik gegen die Wand zu fahren.

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Werbeverbot(Informationsverbot) für Abtreibung: Gewissensentscheidung statt Kompromiss?

Bild: tagesschau.de
Der Streit um Werbeverbot für Abtreibungen schwelt in der Großen Koalition. Vor allem SPD-Chefin Nahles steht parteiintern unter Druck. Eine neue Forderung aus ihrer Fraktion macht es für sie kaum leichter.

tagesschau.de

SPD-Chefin Andrea Nahles bekommt in der Debatte um den Paragrafen 219a immer stärkeren Druck aus den eigenen Reihen zu spüren. Der Paragraf verbietet die Werbung für Abtreibung und ist seit längerem Streitpunkt zwischen den Koalitionsparteien.

In dieser Woche wollen Union und SPD versuchen, endlich einen Kompromiss zu finden. Doch noch stehen die Zeichen nicht auf Einigung. Am Sonntagabend sprachen die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer und Nahles in einem Telefonat miteinander – offenbar ohne Ergebnis zum Werbeverbot.

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