Warum wir unsere Meinungen nicht ändern

Bild: RDF
Niemand überdenkt sein Weltbild gerne. Es macht uns aus und gibt uns ein Zugehörigkeitsgefühl.

Von Felix Kruppa | Richard-Dawkins-Foundation

Die Irrationalität des Weltbildes ist dafür vollkommen unerheblich. Sogenannte kognitive Verzerrungen helfen uns dabei, wider die Fakten an unserer Meinung festzuhalten. Insbesondere politische Ansichten werden zunehmend durch Emotionen bestimmt und gefährden so den rationalen Diskurs.

Wie und warum sich Menschen vor neuen Überzeugungen schützen

Die Gesamtheit der persönlichen Überzeugungen eines Menschen beschreibt sein Weltbild. Wer in seinem Weltbild erschüttert wird, muss lieb gewonnene und über Jahre kultivierte Ansichten revidieren und hinterfragt dabei immer auch sich selbst oder die Gruppe, die dieses Weltbild reproduziert. Die eigenen Überzeugungen sind elementarer Bestandteil der eigenen Identität, weswegen sie auch um den Preis der intellektuellen Redlichkeit beschützt werden. Die Psychologin Dorothe Kienhues nennt ein treffendes Beispiel: „Für einen tiefreligiösen Menschen kann es sehr schwer sein, unvoreingenommen über embryonale Stammzellenforschung zu diskutieren.“1

Anstatt sich neuen Informationen, die mit dem eigenen Weltbild nicht vereinbar sind, also unvoreingenommen anzunehmen oder zumindest einer Überprüfung zu unterziehen, greifen sogenannte kognitive Verzerrungen, die es dem Individuum erlauben, hinsichtlich seiner Überzeugungen konsistent zu bleiben. Diese kognitiven Verzerrungen (cognitive bias) sind fehlerhafte Neigungen beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen und bleiben meist unbewusst.

Widersprüche, die sich durch neue Informationen ergeben, erzeugen eine sogenannte kognitive Dissonanz. Die gleichzeitige Existenz nicht miteinander vereinbarer Kognitionen (Wahrnehmungen, Gedanken, Meinungen, Einstellungen, Wünsche oder Absichten) wird vom Individuum als unangenehm empfunden, weswegen es kognitive Dissonanz zu vermeiden versucht. In einer bildgebenden Studie konnte Drew Westen von der Emry University in Atlanta im Jahr 2004 belegen, dass Widersprüche zwischen Fakten und Wunschvorstellungen bestimmte Hirnareale wie den anterioren zingulären Kortex und den ventromedialen präfrontalen Kortex stärker durchbluten lassen.2 Diese Hirnareale gelten als Verarbeitungsstationen für negative Gefühle, Stresserleben und Schmerz.

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1Aus: Theodor Schaarschmidt: „Es fühlt sich so wahr an.“ Spektrum der Wissenschaft. Gehirn und Geist. 09/2017. S. 27.

2 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17069484

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36.000 Stellen in der Pflege unbesetzt

Bild. tagesschau.de
Union und SPD versprechen im Koalitionsvertrag ein Sofortprogramm mit 8000 zusätzlichen Stellen in der Pflege. Neue Zahlen zeigen jedoch, dass das viel zu wenig ist. Das kritisieren die Grünen.

Von Tamara Anthony | tagesschau.de

Viele kennen es aus eigener Erfahrung, andere aus Erzählungen: Die Personaldecke in der Pflege ist dünn. Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD deshalb ein Sofortprogramm mit 8000 zusätzlichen Stellen im Pflegebereich vereinbart. Nun legte die Bundesregierung Zahlen vor, die zeigen, wie dramatisch die Situation in der Pflege ist – es fehlt schlicht überall in Deutschland das Personal.

Im vergangenen Jahr waren durchschnittlich 36.000 Stellen in der Pflege nicht besetzt, schreibt das Bundesgesundheitsministerium auf die Anfrage der Grünenfraktion. Besonders in der – schlechter bezahlten – Altenpflege bleiben die Stellen unbesetzt. Rund 15.000 Fachkräfte und 8500 Helfer fehlen in der Altenpflege. In der Krankenpflege gab es 11.000 offene Fachkräftestellen und 1500 unbesetzte Helfer-Jobs.

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Streit über Abtreibungen verfolgt die Koalition

Das jüngste Mitglied in Merkels Kabinett legt nach: Gerade ist der Wirbel über seine Hartz-IV-Äußerungen verzogen, kommt Jens Spahn mit plakativen Worten zu einem anderen Reizthema. Wieder mit großem Echo. Quelle: WELT
Im Ringen um das Werbeverbot für Abtreibungen wird gedroht und gepokert. Nun unternimmt das Kanzleramt einen Schlichtungsversuch. Es geht um den Koalitionsfrieden, weniger um die Sache selbst.

Von Sabine Menkens, Thorsten Jungholt | DIE WELT

Es war ein schmerzhaftes Zugeständnis, das SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles ihrem Unionskollegen Volker Kauder (CDU) am Vorabend der Kanzlerinnenwahl gemacht hatte. Um die gemeinsame Arbeit in der Koalition nicht gleich zu Beginn zu gefährden, wollte die Fraktionsführung der SPD darauf verzichten, ihren Gesetzentwurf zur Streichung des Werbeverbots für Schwangerschaftsabbrüche ins Parlament einzubringen.

Eine Mehrheit für die Streichung oder zumindest die Entschärfung des Paragrafen 219a Strafgesetzbuch hätten die Sozialdemokraten leicht organisieren können – sowohl Linke als auch Grüne und FDP sind dafür.

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Verein „Leo“: Evangelische Kirche geht nicht gegen „Homo-Heiler“ vor

Das Gebäude des Vereins „Leo“. Foto: Archiv
Leichte Kritik ja, Konsequenzen vorerst nicht: In der Debatte um die umstrittenen Seminare des Vereins für Lebensorientierung („Leo“) haben sich nun auch Vertreter der Evangelischen Kirche geäußert.

Von Joel Stubert | Mitteldeutsche Zeitung

„Wir als Evangelische Kirche sind der Auffassung, dass Homosexualität kein Krankheitsbild ist und Homosexuelle Geschöpfe Gottes sind wie wir alle“, sagte Friedemann Kahl, Sprecher der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands, und verwies auf die Tatsache, dass sich Homosexuelle seit 2012 in einem evangelischen Gottesdienst segnen lassen können.

Konsequenzen werden die Seminare für Bernhard Ritter, dem Vorsitzenden des Vereins „Leo“, aber wohl keine haben.

Kirche distanziert sich vom Angebot des Vereins „Leo“

„Bei dieser Beratung handelt es sich nicht um ein kirchliches Angebot, sondern um das eines Vereins. Dienstrechtlich hat dieses Engagement von Herrn Ritter deshalb keine Auswirkung“, teilte Kahl auf MZ-Anfrage mit.

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«Der Aufstieg des Populismus ist eine Reaktion auf die Verarmung des öffentlichen Diskurses»

Er kennt kein Pardon: Michael Sandel verbietet in seinem Unterricht alle elektronischen Geräte. (Bild: Colin McPherson / Getty)
Der amerikanische Philosoph Michael Sandel hat mittlerweile einen Status vergleichbar mit dem eines Pop-Stars. Durch die Nutzung der sozialen Netzwerke litten die Menschen heute an einer kollektiven Aufmerksamkeitsstörung, sagt er im Gespräch.

Markus Ziener | Neue Zürcher Zeitung

Als das Internet aufkam, dachten wir, dass dies unsere Gesellschaften demokratischer machen würde: Negative Entwicklungen würden nicht lange unentdeckt bleiben, Fakten könnten schneller überprüft, Falschmeldungen leichter aufgedeckt werden. Nun hat man allerdings eher den Eindruck, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Zerstört gar das Internet die Demokratie?

Wir dachten tatsächlich für einige Zeit, dass das Internet der Demokratie nützen würde. Es würde die Kommunikation zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen vereinfachen, und es würde die Zensur erschweren, weil die Menschen viel direkter miteinander kommunizieren können, um nur zwei Beispiele zu nennen. Das war die Basis für den Optimismus, den wir zu Beginn hatten. Jetzt aber sehen wir die dunkle Seite, die Gefahr, die das Internet für die Demokratie darstellt. Die Unternehmen, die auf diesem Feld dominieren, sind so gross und mächtig geworden, dass wir andere Regeln brauchen. Die Situation erinnert dabei durchaus an das frühe 20. Jahrhundert, als durch die industrielle Revolution grosse und mächtige Monopole entstanden waren. Die Social-Media-Unternehmen heute sind de facto Monopole. Und Monopole stellen stets eine Gefahr für die Demokratie dar.

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Brüdergemeinde startet Zahlungen an missbrauchte Heimkinder

Für Betroffene besteht die Möglichkeit, bis Ende Juni 2020 einen Antrag auf Anerkennungsleistung zu stellen

EKD

Die Evangelische Brüdergemeinde Korntal und Wilhelmsdorf will in Kürze mit Zahlungen an ehemalige Heimkinder beginnen, die seelisch und körperlich missbraucht wurden. Damit gehe der Aufklärungs- und Aufarbeitungsprozess der Missbrauchsfälle in die Abschlussphase, teilte die Brüdergemeinde am 20. April in Korntal bei Stuttgart mit.

Die Aufklärerin Brigitte Baums-Stammberger habe bisher 112 Interviews mit ehemaligen Heimkindern geführt. Eine unabhängige Vergabekommission habe alle Anträge auf Zahlung einer sogenannten Anerkennungsleistung bearbeitet und Beträge von unter 5.000 bis 20.000 Euro für die Betroffenen festgelegt.

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Polizeigewerkschaft kritisiert geplante Rückführungszentren scharf

Stacheldraht © JarkkoManty @ pixabay.com (CC 0), bearb. MiG
Seehofer hat einen schärferen Kurs gegen abgelehnte Asylbewerber angekündigt und die geplanten Rückführungszentren für Asylbewerber verteidigt. Die Polizeigewerkschaft kritisiert das Vorhaben scharf. Seehofers Vorhaben sei verfassungswidrig.

MiGAZIN

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat einen schärferen Kurs gegen abgelehnte Asylbewerber angekündigt. „Da bin ich für mehr Härte“, sagt er dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“. Wer kein Bleiberecht habe und nicht freiwillig in seine Heimat zurückkehre, solle nur noch Sachleistungen bekommen.

Gleichzeitig wolle er die Anstrengungen zur Integration anerkannter Flüchtlinge verstärken, sagte Seehofer. „An guter Integration derer, die ein Bleiberecht haben, führt kein Weg vorbei. Ansonsten wird Hartz IV zur Zuwandererstütze.“

Seehofer verteidigt Rückführungszentren

Der CSU-Vorsitzende wies die Aussage zurück, Asylbewerber sollten in den von ihm geplanten sogenannten Rückführungs- bzw. Anker-Zentren eingesperrt werden. „Das sind doch Schauermärchen“, sagte er. Die Asylbewerber hätten aber eine Residenzpflicht und sollten nur Leistungen bekommen, wenn sie in der Unterkunft wohnten.

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Europa am Scheideweg

Auf der Kippe. Die Zukunft Europas hängt davon ab, wie die Politik auf islamische und islamistische Forderungen reagiert. Bild: Keystone
Minderheitenkollektiv oder Citoyen-Individuum? Die Konzepte, die sich gegenüberstehen, sind unversöhnlich.

Bassam Tibi | Basler Zeitung

Jährlich kommen Millionen von Muslimen aus Nahost und Afrika nach Europa. Die EU, darunter auch Deutschland, sowie andere europäische Staaten stehen nackt da, ohne ein Politikkonzept im Sinn von Policy zu haben, um damit umzugehen. Das ist keine These, sondern die Realität. Meine Empfehlung lautet: Europa soll mit selbstbewusster Identität einen Ausweg aus diesem Dilemma finden und dabei an den Grundlagen dieser Identität festhalten.

Hierzu gehören erstens das «Laicité»-Prinzip der Trennung zwischen Religion und Politik und zweitens das «Subjektivitäts»-Prinzip, wonach der Mensch als vernunftbegabtes Individuum, also als säkularer Citoyen, von ethnischen und religiösen Kollektiven befreit in einem Gemeinwesen agiert. Der Mensch ist Rechtssubjekt, nicht Teil eines Minderheitenkollektivs. Genau das Gegenteil davon verlangen die organisierten Islam-Verbände, nämlich erstens Bindung der Religion an die Politik sowie zweitens Einordnung der zugewanderten Muslime in Kollektive, die von Salafisten, schriftgläubigem Islam und von Islamisten dominiert werden.

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Leiter der Bahnhofsmission: „Berlin ist ein Moloch der Obdachlosigkeit“

Der Leiter der Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo in Berlin, Dieter Puhl. Puhl, seit neun Jahren Leiter der Bahnhofsmission am Zoologischen Garten, sieht das Thema Obdachlosigkeit als «Moloch». Foto: dpa
Dieter Puhl, seit neun Jahren Leiter der Bahnhofsmission am Zoologischen Garten, sieht das Thema Obdachlosigkeit als „Moloch“. „Wir können hier entwickeln und machen und tun – wir werden immer nur ein Stückchen abdecken“, schreibt der 1957 geborene Sozialarbeiter in seinem neuen Buch „Glück und Leid am Bahnhof Zoo“ (Kreuz Verlag).

Berliner Zeitung

Sein Traum, der nicht wahr werde, sei ein Deutschland ohne Obdachlose.
Puhl, der dafür bekannt ist, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, erzählt nicht nur Anekdoten aus seiner beruflichen Laufbahn und von Jesus als „verflucht gutem Partner“. Auch das Aufwachsen als Flüchtlingskind in Schleswig-Holstein (Mutter aus Ostpreußen, Vater aus Posen) und schulischen Misserfolg reißt Puhl an – die Zeit, bevor er 1975 zur Diakonenausbildung ins „trendy“ West-Berlin kam. Damals habe er weniger als ein Zwanzigstel seines Einkommens für die Miete ausgegeben: 74 D-Mark. Es blieben „viel Schotter“ und „viel Fun“.

Ahmad Mansour: Antisemitismus habe auch religiöse Komponente

Ahmad Mansour veröffentlichte vor drei Jahren das Buch „Generation Allah. Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen“ Quelle: dpa
Ahmad Mansour erklärt, warum Antisemitismus unter Irakern und Syrern so verbreitet ist: „Das ist Teil der Regimes gewesen, die Feindbilder zu pflegen und zu verbreiten.“ Sie hätten keine Hemmungen, diese Haltung öffentlich zu äußern.

DIE WELT

Für den Islamexperten Ahmad Mansour ist Antisemitismus nicht nur ein muslimisches Problem. „Den findet man links, rechts und in der Mitte der Gesellschaft“, sagte er in einem Interview mit dem „Kurier“. Allerdings habe der muslimische Antisemitismus andere Ursachen. Er widerspricht der oft geäußerten Meinung, mit der Lösung des Nahost-Konflikts gäbe es den Antisemitismus in Europa nicht mehr.

Dieser habe auch eine religiöse Komponente, die auf den Koran zurückgehe. „Wenn wir uns den Irak oder Syrien anschauen, müssen wir uns nicht wundern, dass die Menschen antisemitisch sozialisiert sind, das ist Teil der Regimes gewesen, die Feindbilder zu pflegen und zu verbreiten“, sagte er. „Diese Menschen legen diese Einstellungen nicht an der Grenze zu Österreich oder Deutschland ab.“

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Schweiz: Streit wegen Entschädigung für Missbrauchsopfer der Kirche

Die Schweizer Bischöfe der römisch-katholischen Kirche haben versprochen, Opfer von sexuellem Missbrauch schnell und unbürokratisch zu entschädigen. In der Praxis passiere oft das Gegenteil, sagt die unabhängige Kommission «Cecar».

Raphael Rauch | SRF

Seit Jahren gilt in der römisch-katholischen Kirche eine rote Linie beim Thema sexueller Missbrauch. «Null Toleranz», beteuern die Bischöfe, und schicken ihre Priester in Präventionskurse.

Sie haben eine lückenlose Aufarbeitung von Missbrauchsfällen angekündigt. Dazu gehört auch die Entschädigung der Opfer.

Unabhängige Kommissionen

Hierfür gibt es verschiedene Gremien, sowohl innerhalb der Kirche als auch ausserhalb. Eine dieser unabhängigen Kommissionen ist «Cecar». Sie hat nun aus Protest ihre Arbeit unterbrochen.

Präsidentin Sylvie Perrinjaquet wirft den Bischöfen vor, die Arbeit ihrer Kommission infrage zu stellen. «Viele unserer Empfehlungen werden angezweifelt», kritisiert Perrinjaquet.

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„Zahl der Gewalttaten war vor allem in Flüchtlingsheimen enorm“

Nahezu zehn Prozent weniger Straftaten gab es 2017. Die verbesserte Situation der Flüchtlinge sei für diesen Wert mitverantwortlich, sagt Kriminologe Pfeiffer. Die „gefühlte Kriminalitätstemperatur“ sei dennoch angestiegen.

DIE WELT

Wie WELT AM SONNTAG berichtete, ist die Zahl der erfassten Straftaten 2017 so stark zurückgegangen wie seit fast 25 Jahren nicht. Dies hat aus Expertensicht mehrere Gründe. Kriminologe Christian Pfeiffer rückt dabei auch die Lage der Flüchtlinge in den Fokus.

So sei deren Situation besser geworden, sagte Pfeiffer. Im Vergleichsjahr 2016 habe es mit dem Zustrom von Flüchtlingen sehr viel Verunsicherung gegeben und eine Zunahme von Straftaten aller Art, gerade auch bei den Gewalttaten.

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Kriminalstatistik 2017: Deutlich weniger Straftaten

Bild: tagesschau.de
Es wäre der stärkste Rückgang seit fast 25 Jahren: In Deutschland sind nach einem Medienbericht 2017 fast zehn Prozent weniger Straftaten erfasst worden als 2016. Bei manchen Delikten gab es aber auch Anstiege.

tagesschau.de

Die Zahl der registrierten Verbrechen in Deutschland ist nach einem Medienbericht im Jahr 2017 um fast zehn Prozent gesunken. Insgesamt weise die polizeiliche Kriminalstatistik für das vergangene Jahr 5,7 Millionen Straftaten aus, berichtet die „Welt am Sonntag“. Das sind rund 610.000 weniger als im Jahr zuvor. Einen derart starken Rückgang bei der Kriminalität habe es seit fast 25 Jahren nicht gegeben.

Etwa ein Drittel aller Verbrechen entfiel den Angaben zufolge auf Diebstahldelikte. Dazu gehören Laden- Taschen- Auto- und Fahrraddiebstahl. Insgesamt gab es etwa zwei Millionen Fälle – ein Minus von 11,8 Prozent.

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Warum die Nazis Schwule verfolgten, nicht aber Lesben

Mit diesen Kennzeichen wurden Häftlinge in KZs stigmatisiert – Schwule mit dem „rosa Winkel“ Quelle: Bundesarchiv Bild 146-1993-051-07 / Unknown / CC-BY-SA 3.0
Zum ersten Mal seit Jahrzehnten gibt es wichtige Fortschritte in der Forschung über Homosexuelle im Dritten Reich: Himmler verfolgte sie wegen einer kruden Theorie über Männerbünde.

Von Florentine Kutscher | DIE WELT

Ein Stigma, das zur stolzen Selbstkennzeichnung wird: Derlei ist selten. Schwule Männer in nationalsozialistischen Konzentrationslagern mussten auf ihrer Häftlingskleidung ein rosarotes Stoffdreieck tragen; in der Lagersprache hieß es der „rosa Winkel“. Genau dieses Symbol findet man heute auf Denkmälern in aller Welt, von Berlin über Amsterdam und Tel Aviv bis nach Montevideo und Sydney.

Seit März 2018 heißt es im inoffiziellen Regierungsprogramm, dem Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD: „Bisher weniger beachtete Opfergruppen des Nationalsozialismus wollen wir anerkennen und ihre Geschichte aufarbeiten.“ Doch wer zählt dazu? Und warum unterscheidet man überhaupt zwischen verschiedenen Opfergruppen?

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Die Systemfrage als Überlebensfrage

Aufnahme der New Yorker Börse von 1963; Bild: Thomas J. O’Halloran / gemeinfrei
„Irgendwann wird es schiefgehen.“ Was tun? Ein Kommentar zur rasch anwachsenden globalen Kriegsgefahr

Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Irgendwann wird es schiefgehen. Irgendwann – in ein paar Wochen, Monaten oder Jahren – wird es den am eskalierenden neoimperialistischen Great Game beteiligten Staaten nicht mehr gelingen, eine der sich häufenden geopolitischen Konfrontationen rechtzeitig zu entschärfen, um eine direkte militärische Konfrontation zu verhindern. Syrien, Iran, Ukraine, Türkei, Südchinesisches Meer, Taiwan – an Brandherden, die den kalten imperialistischen Machtpoker in einen verheerenden Großkrieg umschlagen lassen können, mangelt es nun wahrlich nicht.

Das spätkapitalistische Weltsystem scheint sich in einer spannungsreichen Vorkriegszeit zu befinden. Die einzelnen Machtblöcke und Staaten sind bereit, bei ihren regionalen oder globalen Machtstreben immer mehr zu riskieren, die nackten Interessen treten immer deutlicher hervor, während die Propaganda nur noch nachlässig, oberflächlich, als eine reine Pflichtübung betrieben wird.

Selbst die Propagandisten der imperialistischen Mächte, von Fox News bis Russia Today, glauben nicht mehr an die Rhetorik vom Menschen- oder Völkerrecht, mit der ihre brutale Machtpolitik, etwa in Syrien, müde gerechtfertigt wird.

Wie schnell die Stellvertreterkriege in einen Großkonflikt eskalieren können, wurde gerade bei der jüngsten Eskalation in Syrien offensichtlich, bei der angebliche Drohungen eines russischen Diplomaten, US-Raketen abzuschießen und deren Trägersysteme anzugreifen, den rechtspopulistischen US-Präsidenten Donald Trump zu bizarren, stilecht per Twitter verbreiteten Drohgebärden verleiteten, die einer schwarzen Satire entsprungen sein könnten.

Trump twitterte – in der Sandkastensprache eines Internettrolls – von neuen, netten und „smarten“ Raketen, auf die sich Russland vorbereiten solle, da sie bald kommen würden. Und solches infantile Gehabe, solche Drohgebärden, die für gewöhnlich über geschlossene diplomatische Kanäle verbreitet werden, haben sehr reale Konsequenzen: Sie müssen wahr gemacht werden, damit das Prestige der jeweiligen Staatsmonster in der Weltarena nicht leidet.

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Seehofer will harte Gangart in Asylpolitik

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat einen schärferen Kurs gegen abgelehnte Asylbewerber angekündigt. „Da bin ich für mehr Härte“, sagt er dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“.

evangelisch.de

Wer kein Bleiberecht habe und nicht freiwillig in seine Heimat zurückkehre, solle nur noch Sachleistungen bekommen. Gleichzeitig wolle er die Anstrengungen zur Integration anerkannter Flüchtlinge verstärken, sagte Seehofer. „An guter Integration derer, die ein Bleiberecht haben, führt kein Weg vorbei. Ansonsten wird Hartz IV zur Zuwandererstütze.“

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Dodo Spahn will Versicherte entlasten – Experten sprechen von Scheinlösung

Jens Spahn will die Versicherten um insgesamt sieben Millarden Euro entlasten.Foto: John Macdougall/AFP
Geringere Beiträge für Krankenversicherte: Der Vorstoß des Gesundheitsministers kommt bei den Kassen schlecht an. Auch SPD und Opposition sind nicht zufrieden.

Von Robert Birnbaum | DER TAGESSPIEGEL

Die Pläne von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur Entlastung der Krankenversicherten stoßen bei Kassen und in der Politik auf Kritik. Spahn hatte am Freitag einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Versicherten um insgesamt sieben Milliarden Euro im Jahr entlasten soll.

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Irans Präsident Rohani rügt eigene Sittenpolizei

foto: afp photo / atta kenare Rohani gilt – allen Menschenrechtsverletzungen im Iran zum Trotz – als gemäßigt.
Gefürchtete Polizeieinheit hatte zuvor eine Frau wegen ihres angeblich falsch adjustierten Kopftuches misshandelt

derStandard.at

Der iranische Präsident Hassan Rohani hat das teils rabiate Vorgehen der Sittenpolizei in seinem Land gerügt. „Die Förderung der Tugend funktioniert nicht über Gewalt“, sagte Rohani am Samstag in einer vom staatlichen Fernsehen übertragenen Rede vor Regierungsvertretern.

Anlass war offenbar ein in sozialen Netzwerken kursierendes Video eines Gerangels zwischen einer Sittenwächterin und einer Frau, deren Kopftuch das Haar nicht ausreichend bedeckte.

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Millionen Bundesbürger müssen beim Essen sparen

Bild: Flickr/Kim Scarborough (CC-BY-SA 2.0)
Millionen Deutsche müssen einem Bericht zufolge wegen ihrer finanziellen Lage beim Essen sparen. Im Jahr 2016 hätten sich knapp 4,9 Millionen Bundesbürger ab 16 Jahren höchstens jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit leisten können, berichtete die „Saarbrücker Zeitung“ (Samstag) unter Berufung auf aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes.

evangelisch.de

Fast ein Drittel dieser Altersgruppe (31 Prozent) habe sich keine unerwarteten Ausgaben in Höhe von 985 Euro leisten können, hieß es. Dieser Betrag entsprach dem statistischen Schwellenwert zur Armutsgefährdung in Deutschland, der regelmäßig neu berechnet wird. Als arm gilt, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt. Den Zahlen zufolge sahen sich 2016 insgesamt 12,8 Millionen Bundesbürger ab 16 Jahren nicht in der Lage, einen einwöchigen Urlaub außerhalb ihres Zuhauses zu finanzieren.

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Neue Kreuzritter: Wie die CSU das „C“ eigenwillig interpretiert

Mit Blick auf die Wählerstimmen hat die CSU das Christentum wiederentdeckt. © dpa
So demonstrativ christlich war die CSU wohl noch nie: Wurde das „C“ in ihrem Parteinamen ansonsten wenig betont, so vergeht nun kaum eine Rede führender Politiker der bayerischen Unions-Schwester ohne die Berufung auf die „christlich-jüdische Tradition“ des Landes.

Von Alexander Jungkunz | nordbayern.de

Als sich Markus Söder nun bei deren Tagung in Schwabach von der bayerischen Landessynode verabschiedete, der er als Protestant einige Jahre angehörte, da wiederholte der neue Ministerpräsident sein vehementes Plädoyer dafür, mehr Kreuze in öffentlichen Räumen aufzuhängen.

Worauf Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm antwortete: „Wir sind uns alle einig, dass es nicht ausreicht, dass Kreuze an der Wand hängen, sondern die Kreuze müssen auch im Herzen sein. Sie müssen, in dem was wir tun und sagen, zum Ausdruck kommen.“

Damit brachte der EKD-Ratsvorsitzende recht treffend jenes Unbehagen zum Ausdruck, das nicht wenige empfinden angesichts des neu entdeckten Vorzeigeglaubens der CSU. Denn was die Partei mit dem Verweis auf das „C“ durchaus auch bezweckt, ist durchschaubar: Wer derart massiv betont, wie sehr das Christentum zu Deutschland (oder Bayern) gehöre; wer dazu ergänzt, „der Islam“ gehöre nicht zu Deutschland, „egal in welcher Form“ (Alexander Dobrindt) – wer so agiert, der grenzt natürlich und gezielt andere aus.

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