Archiv der Kategorie: Soziales

China lässt Kreuze von Kirchen entfernen

Regierung fordert von ethnischen und religiösen Minderheiten, chinesische Sitten, Gebräuche und Symbole zu übernehmen


kathweb

Bild: brightsblog
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Chinesische Behörden lassen derzeit offenbar Kreuze von katholischen Kirchen entfernen. Das berichtet der Bangkoker katholische Pressedienst “UCA News” am Dienstag. Demnach seien in den vergangenen Tagen Kreuze von jeweils vier Kirchen in den Diözesen Taizhou und Hangzhou in der Provinz Zhejiang entfernt worden. Zuvor hätten die Behörden bereits Kreuze von Kirchen in der Diözese Wenzhou abnehmen lassen.

Das Vorgehen sei Teil der Politik der kommunistischen Führung in Bejing, berichtet “UCA News” unter Berufung auf Quellen aus der Provinz. Die Regierung fordere von ethnischen und religiösen Minderheiten, chinesische Sitten, Gebräuche und Symbole zu übernehmen, hieß es. Betroffen seien neben Christen auch Muslime und Tibeter.

Die Entfernung von Kreuzen an Kirchen in China hat laut “UCA News” bereits 2013 begonnen. Betroffen seien zunächst rund 1.100 protestantische Kirchen gewesen. Die Gemeindepriester würden durch die Drohung, die ganze Kirche abzureißen, genötigt, der Entfernung der Kreuze zuzustimmen.

Belgien wegen “unmenschlicher Behandlung” von Roma verurteilt

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat Belgien wegen “unmenschlicher Behandlung” einer Roma-Familie aus Serbien verurteilt.


evangelisch.de

justiz_grossDie Straßburger Richter gaben am Dienstag einem Ehepaar und seinen fünf Kindern recht, die 2011 in Belgien erfolglos einen Asylantrag gestellt hatten. Vor ihrer Abschiebung war die Familie vier Wochen lang obdachlos, obwohl eines ihrer Kinder schwerbehindert und ein anderes noch ein Säugling war. Die Roma lebten eine Woche lang auf einem öffentlichen Platz und drei Wochen lang im Nordbahnhof von Brüssel. (AZ: 60125/11)

Das Dilemma der assimilierten Juden

Die Stärke der Juden liegt in ihrer Schwäche. Zumindest was die Schwäche der Menge betrifft. Auf der ganzen Welt leben nach offiziellen Statistiken rund 13,2 Millionen Juden; davon knapp 5 Millionen in Israel und über 8 Millionen in der Diaspora; vorwiegend in Nordamerika und im europäischen Osten. In Wien leben ca. 14.000 Juden, davon sind nur die Hälfte Mitglieder der Kultusgemeinde. In Deutschland beträgt die Zahl der Juden rund 100.000.


Von Peter Stiegnitz|haGalil.com

Bild: bb
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Die Stärke der Juden liegt in ihrer Schwäche. Zumindest was die Schwäche der Menge betrifft. Auf der ganzen Welt leben nach offiziellen Statistiken rund 13,2 Millionen Juden; davon knapp 5 Millionen in Israel und über 8 Millionen in der Diaspora; vorwiegend in Nordamerika und im europäischen Osten. In Wien leben ca. 14.000 Juden, davon sind nur die Hälfte Mitglieder der Kultusgemeinde. In Deutschland beträgt die Zahl der Juden rund 100.000.

Im Gegensatz zu diesem geringen Anteil der Juden in Österreich und in der Welt scheint ihre Bedeutung groß zu sein. Das vor allem im Spiegel des Antisemitismus, aber auch – wenn auch bedeutend minimaler – in philosemitischen Kreisen. Dass rechtsgerichtete Medien, vor allem in den ehemaligen kommunistischen Ländern, ständig von der „zunehmenden Gefahr des internationalen Judentums“ faseln, ist bekannt und nicht mehr nennenswert. Leider lassen auch linke und liberale Medien keine Gelegenheit aus, um – völlig unsicherer Weise – von „jüdischen Künstlern“ oder von „jüdischen Wissenschaftlern“ zu berichten.

Die so genannte „jüdische Szene“ – und dazu zähle ich jetzt alle religiösen oder nicht-religiösen Juden, die sich dazu bekennen – teilt sich vor allem in Österreich und in Deutschland in drei Kategorien:
• Die „Richter“ unter den Diasporajuden nehmen sich das Recht, „im Namen der Opfer“ des Holocaust über Antisemitismus-Ja oder Antisemitismus-Nein zu urteilen, wobei der Freispruch des „Nein“ Seltenheitswert besitzt.
• Die „Rächer“ bilden sich ein, die „Exekutivorgane“ der „Richter“ zu sein; sie lieben die Tat und verabscheuen die Analyse der jeweiligen Situation, die unter Umständen auch zu anderen Schlüssen als denen der „Richter“ führen könnte. Sie wollen es auch nicht verstehen, dass 1933 in Deutschland und 1938 in Österreich die Menschen anders denken und handeln mussten, als man es heute von ihnen verlangt.
• Die wohl undankbarste Rolle unter den Diasporajuden haben die so genannten „Renegaten“ übernommen. Ohne die Taten der NS-Mörder und ihrer Helfershelfer zu entschuldigen, bemühen sich die „Renegaten“ um ein historisches Verständnis. Ihre Aufgabe ist keineswegs das Verzeihen, sondern das Verständnis. Sie sind die eigentlichen Träger der Idee von Franz Vranitzky, der als erster Regierungschef von Schuld und Verantwortung der Österreicher in der NS-Mordmaschinerie sprach, aber auch jedwede Kollektivschuld verurteilte.
Diese „Renegaten“ bilden – auch hier wartet auf sie eine undankbare Rolle – die Untergruppe der assimilierten Juden, die ihr „Judentum“ nicht religiös bindet, sondern die sich als Angehörige einer überwiegend negativ determinierten „Schicksalsgemeinschaft“ betrachten.

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‘Ehe für alle': Jetzt wollen auch die Polygamisten

Polygamisten aus den USA wollen jetzt ebenfalls einen Fall vor das US-Höchstgericht bringen und “Ehe für alle” auch für Polygamisten durchsetzen.


kath.net

Das umstrittene Gerichtsurteil zur Freigabe der “Homo-Ehe” in allen US-Bundesstaaten könnte jetzt weitere Folgen mit sich ziehen. Jetzt wollen auch die Polygamisten eine “Ehe für alle”. Auf genau das Problem hatte Höchstrichter Clarence Thomas, der dem Urteil des US-Höchstgericht nicht zugestimmt hat, verwiesen. Thomas hatte in seiner Ablehnung darauf hingewiesen, dass Menschen in polygamen Beziehungen genau die gleichen Argumente anführen könnten, die Homosexuelle für die Legalisierung der Homo-Ehe vorbrächten. Derzeit ist es in den USA verboten, Ehen parallel einzugehen. In manchen Bundesstaaten werden aber Ausnahmen aus religiösen Gründen erlaubt.

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Freital: Asylgegner brüllen auf Versammlung Kritiker nieder

Seit Wochen gibt es in Freital bei Dresden Proteste gegen eine Flüchtlingsunterkunft. In einer Bürgerversammlung sollte die Stimmung beruhigt werden. Der Versuch scheiterte. Quelle: N24
Bei einer Bürgerversammlung zum Thema Asyl im sächsischen Freital ist es zu Tumulten gekommen. Kritikern wurde das Mikrofon weggenommen, Reden niedergebrüllt. Sachsens Innnenminister wurde ausgebuht.


DIE WELT

Tumultartige Szenen und heftige Anfeindungen haben eine Bürgerversammlung zum Thema Asyl im sächsischen Freital überlagert. Die Stadt vor den Toren Dresdens hatte in den vergangenen Wochen mit teils rassistischen Protesten vor einer Flüchtlingsunterkunft in einem ehemaligen Hotel Schlagzeilen gemacht. Bei der Versammlung am Montagabend wurden erneut pauschale Vorurteile und Hetze gegen Asylbewerber laut. Versammlungsteilnehmer, die sich für Flüchtlinge einsetzten, wurden von anderen niedergebrüllt.

Die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates und der künftige Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) forderten ein Ende von Fremdenfeindlichkeit und Hass. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU), der sich den Fragen der Bürger stellte, zeigte sich von den Störern enttäuscht. Mit denen sei ein Gespräch unmöglich. “Erfolg sieht anders aus, aber wichtig war sie, die Veranstaltung.” Es sei darum gegangen, Sorgen und Themen der Bürger aufzunehmen.

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Rassismus? Es gibt keinen bei den Behörden

Kontrollen nach Hautfarbe Gegen die Bundespolizei laufen deswegen mehrere Gerichtsverfahren. – Foto: Nicolas Armer/dpa
Die Bundesregierung sieht keinen Grund, gegen Rassismus in Ämtern und der Polizei vorzugehen. Es gibt ihn nämlich nicht, findet sie – es scheine den Betroffenen nur so.


Von Andrea Dernbach|DER TAGESSPIEGEL

Rassismus gibt es nach Auffassung der Bundesregierung nicht in deutschen Behörden und staatlichen Institutionen. Die bisher bekannten Fälle enthielten bisher „keinen Ansatz für die Feststellung eines Strukturproblems“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken. Sie bezögen sich alle „auf subjektiv als unberechtigt empfundene polizeiliche Maßnahmen“, bei denen bei den Betroffenen „im Einzelfall fälschlicherweise der Eindruck“ entstehen konnte, sie seien wegen ihrer Hautfarbe oder anderer äußerer Merkmale in den Fokus der Polizei geraten.

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Griff ins Klo: Neuer Ärger um CDU-Brief gegen Ehe für alle

Eberhard Diepgen (CDU ) ehemaliger Regierender Bürgermeister gehört zu den Unterzeichnern des Briefs gegen die Ehe für alle. – Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Auf dem Brief der “Ehe für alle”-Gegner in der Berliner CDU liegt kein Segen: Nachdem sich einer der 17 Unterzeichner zuvor für ein Pro ausgesprochen hatte, enthält das Schreiben nun auch eine falsche Information.


Von Sabine Beikler|DER TAGESSPIEGEL

Falschinformation im offenen Brief der CDU-Gegner der Ehe für alle an 12.500 Parteimitglieder: 17 Fraktionsmitglieder und der frühere Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen schrieben, vor dem Referendum in Irland und der Entscheidung des amerikanischen Supreme Court für die Öffnung der Ehe habe es in beiden Ländern keine mit der „eingetragenen Lebenspartnerschaft“ in Deutschland vergleichbare Regelungen gegeben.

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Visavergabe in Teheran: Ein Termin in der deutschen Botschaft? Das kostet!

Ein Iraner, der Deutschland besuchen will, braucht derzeit viel Geduld – oder Bares: Visa-Termine in der deutschen Botschaft in Teheran werden offenbar auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Das Auswärtige Amt sieht das Problem woanders.


Von Peter Maxwill|SpON

Teheran 2008. Themenbild: bb
Teheran 2008. Themenbild: bb

Hosseins Kinder sind fünf und acht Jahre alt. Bald sollen sie endlich ihren Opa kennenlernen. Es gibt nur ein Problem: “Wir können ihn in Iran nicht besuchen”, sagt Hossein K., “wegen der politischen Lage.” Also soll der Großvater aus dem äußersten Osten des erzkonservativen Golfstaats nach Deutschland kommen, möglichst bald. Auch das gestaltet sich jedoch schwierig. Wer von Iran in die Bundesrepublik reisen will, braucht in der Regel ein Visum – und derzeit gleicht es einem Kunststück, ein solches zu bekommen. Denn die deutsche Botschaft in Teheran vergibt Termine zur Beantragung der Einreisegenehmigung nur noch über ein Online-Portal, und das speist die Nutzer seit Längerem mit einem knappen Hinweis ab: “Es sind zurzeit leider keine Termine verfügbar. Neue Termine werden in regelmäßigen Abständen freigeschaltet.”

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“Die Gegner der Homo-Ehe verletzen auch Heterosexuelle”

Die fast obsessive Beschwörung, dass nur die Verbindung zwischen einer Frau und einem Mann, aus der Kinder hervorgehen, eine “richtige” Familie sei, würdigt Homo- wie Heterosexuelle herab. Ein offener Brief von FU-Professorin Doris Kolesch an die Berliner CDU.


Von Doris Kolesch|DER TAGESSPIEGEL

cartoon-herz

Derzeit läuft in der Berliner CDU die Mitgliederbefragung über die Ehe für alle. Doris Kolesch, Professorin für Theaterwissenschaft an der Freien Universität, hat das zum Anlass genommen, der CDU zu dem Thema einen offenen Brief zu schreiben, den sie an die Fraktionsspitze und zusätzlich persönlich an die Fraktionsmitglieder geschickt hat, die sich bereits gegen die Eheöffnung ausgesprochen haben. Der Queerspiegel, der LGBTI-Blog des Tagesspiegel, dokumentiert im folgenden den Brief von Kolesch an die CDU.

Sehr geehrte Damen und Herren der Berliner CDU-Fraktion,

erlauben Sie mir bitte, daß ich mich im Kontext Ihrer Mitgliederbefragung zur Homoehe an Sie und insbesondere an die Gegner_innen einer Gleichstellung der Ehe von gleichgeschlechtlichen Partner_innen wende.

Ich lebe mit meiner Frau und unseren Töchtern in Berlin

Ich lebe mit meiner Frau und unsere beiden Töchtern in Berlin, vor diesem Hintergrund habe ich ein nachvollziehbares persönliches Interesse an Ihren Diskussionen wie auch am Ergebnis der Mitgliederbefragung, wenngleich ich selbst nicht Mitglied der CDU bin. Zahlreiche Argumente sowohl der Befürworter als auch der Gegner scheinen mir im öffentlichen Diskurs schon vielfach genannt, und ich möchte Sie hier nicht mit meiner persönlichen Meinung behelligen.

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Marx und Engels – Kinder ihrer Zeit

Bild: juedischerundschau.de
Die Urväter des Kommunismus und ihre Ausfälle gegen Juden


Von Maximilian Breitensträter|Jüdische Rundschau

„Welches ist der weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches ist der weltliche Kultus des Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld.“

Harter Tobak. Stammen diese das Judentum mit voller Breitseite schmähenden Aussagen etwa aus der Nazi-Hetzschrift „Der Stürmer“? Nein. Aus der Feder des Stichwortgebers des modernen Antisemitismus, Wilhelm Marr? Weit gefehlt. Jener, der sich da so abwertend und judenfeindlich äußert, ist niemand Geringeres als der Urvater aller Sozialisten und Begründer der kommunistischen Ideologie, Karl Marx. In seinem 1843 erstmalig publizierten Aufsatz mit dem programmatischen Titel „Zur Judenfrage“, aus dem auch das obige Zitat stammt, setzt sich Marx mit dem Verhältnis der jüdischen Minderheit zum christlichen Staat auseinander. Konkret geht es ihm um die zu dieser Zeit tagesaktuelle Frage der Emanzipation, also der rechtlichen Gleichstellung der Juden mit ihren Mitbürgern. Es geht damit um ein zentrales Anliegen der jüdischen Haskala-Aufklärungsbewegung.

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Buch über den Terror: Als seien abgeschlagene Köpfe alltäglich

Hassan Blasim weiß, was Verfolgung bedeutet – er ist aus dem Irak geflohen. In seinem neuen Roman überzeichnet er die brutale Medialität des Terrorkriegs ins Groteske.


Von Hans-Peter Kunisch|Süddeutsche.de

Es gibt ein eindrückliches Youtube-Video, in dem Hassan Blasim bescheiden aber deutlich von seinem Fluchtweg erzählt. Er führte ihn aus Bagdad, wo er 1973 geboren wurde, im Jahr 1998 zuerst in den kurdischen Norden des Irak, nachdem ein Dokumentarfilm des Filmhochschülers ins Visier des Geheimdiensts geraten war. Im Norden dreht er unter falschem Namen Filme, darunter einen regimekritischen Spielfilm, die Lage spitzt sich zu. Schließlich entschließt sich Blasim, weiterzuziehen, gelangt mit wechselnden Schleppern über winterliche Gebirgsgrenzen: nach Iran, in die Türkei, nach Bulgarien, über Serbien und Ungarn bis nach Finnland, wo er 2004 ankommt.

Dreieinhalb Jahre dauerte die Odyssee, mit Schwarzarbeit in Restaurants und Fabriken finanziert. Mehrmals wurde Blasim aufgegriffen und verprügelt. An der bulgarischen Grenze mussten sich die Flüchtlinge ausziehen, eine halbe Stunde im Eiswasser sitzen. Sie kamen wieder. Heute ist Blasim in Finnland als Flüchtling anerkannt, doch in seinen großartigen provokativen Erzählungen sind die Erfahrungen der Flucht nicht vergessen.

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Der “neue Antisemitismus” existiert so nicht

Rote Linie. Polizisten trennen am Al-Kuds-Tag im Sommer 2014 in Berlin anti-israelische Demonstranten und Pro-Israel-Aktivisten. Zum diesjährigen Al-Kuds-Tag am 11. Juli hat ein… – Foto: picture alliance / dpa
Antisemitismus nimmt in Deutschland eher ab, die Zahlen bleiben gleichwohl beschämend. Dass aber jede kritische Haltung gegenüber der Politik Israels als “neuer Antisemitismus” denunziert wird, ist weder richtig noch hilfreich, schreibt der Historiker Wolfgang Benz in einem Gastbeitrag.


Von Wolfgang Benz|DER TAGESSPIEGEL

Die nächtliche Gewalttat gegen den Rabbiner erregte ebenso allgemeinen Abscheu wie der Angriff auf einen Israeli in der Berliner U-Bahn, der pöbelnden Rassisten entgegengetreten war. Judenfeindliche Schmährufe bei einer anti-israelischen Demonstration im Sommer 2014 wurden von Politik, Medien und Publikum entschieden und einmütig verurteilt. Gott sei Dank sind solche Unerfreulichkeiten nicht die Regel, sondern Ausnahme im deutschen Alltag.

Das Verhältnis zu Israel hat in der deutschen Politik herausragende Bedeutung. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte bei einem Staatsbesuch 2008 in ihrer Rede vor der Knesset die Sicherheit Israels ein Element der Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland. Schon im Sechstage-Krieg 1967 hatten hunderttausende Bürger der Bundesrepublik für das Existenzrecht des Staates Israel demonstriert. Empathie für das Land gehört zu den Grundlagen der politischen Kultur. Doch die bedingungslose Zustimmung bei vielen ist einer skeptischen Haltung gegenüber israelischer Politik gewichen. Dazu trägt das medial wirkungsvoll vorgetragene Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung ebenso bei wie militärische Aktionen und politisch unbewegliche Positionen israelischer Regierungen.

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Der «Guru von Lonnerstadt» ein Fall für den BGH

Trotz unheilbarer und schwerer Krankheit bekam ein Kind von seiner Mutter und ihrem Lebensgefährten keine Medikamente. Auch zum Arzt gingen sie nicht mit ihm. Drei Jahre sollen die beiden dafür ins Gefängnis. Nun beschäftigt sich der Bundesgerichtshof mit dem Fall.


Deutsch Türkische Nachrichten

Meditation statt Medizin: Drei Jahre lang sollen eine Mutter und ihr Lebensgefährte mit einem schwerkranken Kind nicht zum Arzt gegangen sein und ihm keine Medikamente gegeben haben. Sie waren der Ansicht, dass man dem Jungen, der die Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose hat, auch mit anderen Mitteln helfen könne: Sie ließen den damals Zwölfjährigen etwa meditieren.

Das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte die Frau und den Mann deswegen vor knapp einem Jahr wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen zu drei Jahren Haft verurteilt. Am Dienstag (7. Juli) wird der Fall vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe verhandelt.

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Die Fleisch-Mafia, ARD: Eine verdorbene Industrie

Auch der Bochumer Schlachthof beschäftigt überwiegend Werkvertragsarbeiter, viele von ihnen wurden vermittelt von dem Netzwerk aus Tarnfirmen und Strohmannfirmen. Foto: ARD
In dieser sehenswerten 30minütige Reportage legt das Team um Regisseur Michael Nieberg einen Sumpf aus Verbrechern, Mitmachern, Stillhaltern und Hand-auf-Haltern in der deutschen Fleischindustrie offen.


Von D.J. Frederiksson|Frankfurter Rundschau

Die öffentlich-rechtlichen Polit-Magazine mussten sich noch letzte Woche von einer Studie der renommierten Otto-Brenner-Stiftung ihre mangelnde Relevanz und ungenügende Rechercheleistungen attestieren lassen. Wie zur Ehrenrettung kommt nun Michael Nibergs „Exklusiv“-Reportage, deren Recherche von deutschen Industrieausbeutern, rumänischen Komplizen und geheimen Firmenunterlagen selbst die parallel ermittelnde Staatsanwaltschaft reichlich alt aussehen lässt.

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Kein Verkauf an Polen: Antipolnischer Rassismus in Ostdeutschland

“Kein Verkauf an Polen” stand Anfang 1980er an manchen Geschäften © MiG
Am 6. Juli 2015 feiert das Görlitzer Abkommen zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen seinen 65ten Geburtstag. Dort erkannte die DDR die „Oder-Neiße-Friedensgrenze“ offiziell an und rief „freundschaftliche Beziehungen“ zum Nachbarland aus. Das tief verwurzelte Phänomen des antipolnischen Rassismus wurde dadurch nicht aus der Welt geschafft. In der DDR wurde das Problem offiziell geleugnet und totgeschwiegen, nach der „Wende“ trat es offen hervor und manifestierte sich vor allem an den deutsch-polnischen Grenzregionen.


Von Dr. Michael Lausberg|MiGAZIN

Zu DDR-Zeiten kauften polnische Staatsbürger bis zur Schließung der Grenze 1980 wegen des „Solidarnosc-Bazillus“1 vor allem billige und in ihrem Land schwer zu bekommende Waren wie Kinderkleidung oder Lebensmittel ein. Da die SED-Regierung das Warenangebot nicht erhöhte, kam es vor, dass Einwohner der grenznahen Städte wie Görlitz oder Frankfurt/Oder vor leeren Regalen standen. Die Verantwortung für diesen Engpass wurde bei den „Schacher-Polen“ gesucht und nicht bei der SED-Führung. An manchen Geschäften hingen sogar Schilder mit der Aufschrift „Kein Verkauf an Polen“, die Assoziationen an die NS-Zeit weckten.2 Im Zuge des Solidarnosc-Kongresses Anfang September 1981 und der Streiks in Polen drohte die SED-Regierung damit, ihre wirtschaftlichen Hilfen einzustellen und stellte Polen in kollektivierender Weise als faul und arbeitsscheu dar: „Kein Volk kann ohne Arbeit leben, wie seine Gesellschaft oder Politik auch immer gestaltet sein mag. Das ist nicht antipolnisch, sondern einfach nur logisch gedacht.“3

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Minirock’n Syria

Zivilcourage ist nicht, Mädchen aufzufordern, sich sittsamer zu bekleiden, wenn Muslime in der Nähe sind, sondern eben diese Muslime aufzufordern, eine Kultur mindestens zu respektieren.


Von Alexander Wallasch|THE EUROPEAN

Bild: ann53.wordpress.com

Der Minirock hat sich nicht durchgesetzt. Als Spätgeborener fragte man sich manches Mal sabbernd, wie aufregend das wohl war in den 1970ern, als man den Frauen nicht mehr nur unter den Rock schauen wollte, sondern regelmäßig musste.

Nun war so ein Minirock dereinst sogar ein Politikum, ein Angriff auf die verkrusteten Moralvorstellungen der Kriegsgeneration, der katholischen Kirche und sonstiger Hüter dieser ominösen inneren Ordnung, welche die Gesellschaft im Kern zusammenhält. Tatsächlich, man will es nicht glauben, aber ein Minirock war vor ein paar Jahrzehnten ein Tabubruch. Noch mehr, da er in Begleitung dieser neuen Antibaby-Pille auf der Bildfläche erschien und so zum Symbol einer gefeiert-folgenlosen Sorglosigkeit wurde.

Aber selbst noch 2014 stellt die Feministin Dacia Maraini, wie die „Emma“ schreibt, „eine der bedeutendsten und unerschrockensten Stimmen Italiens“, im Interview fest: „Wenn eine Frau, die einen Minirock trägt, etwas Ernsthaftes sagen will, so glaubt man ihr nicht. Ihre bloßen Schenkel sprechen eine stärkere Sprache als ihr beredter Mund.“

Behalten wir diese Stimme aus Italien mal im Hinterkopf, die erzählt, dass ein Minirock für europäische Männer, Italiener, quasi als direkt Aufforderung verstanden wird, Frauen von ihrem Intellekt abzukoppeln und primär als Sexualobjekte zu betrachten. Oder negativer: Männer sind Tiere, denn wenn sie Oberschenkel sehen, wollen sie nichts anderes mehr als dazwischengehen.

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Nazis, zeigt euch!

Man weiß selten, wen man vor sich hat. Außer er weht die Reichsflagge. picture alliance
Was gemein ist? Monatelang mit Menschen zu tun gehabt zu haben, die man dann auf einer Party in trauter Gemeinschaft mit ihren Nazikameraden trifft. Besser ist es, man erkennt sie gleich. Dann ist es auch gut, wenn sich ihr intellektueller Bankrott in ihrer Kleiderauswahl widerspiegelt


Von Marie Amrhein|Cicero

Zunächst einmal: Ich bin nicht dabei gewesen. Ich habe am Samstag vergangener Woche vier Kinder ins Bett gebracht und mich dann dazu gelegt. Um am nächsten Morgen um fünf Uhr wieder Brei zu kochen. Das nur nebenbei.

Wir hatten mal wieder Besuch aus der Stadt und so dachte der Bauer, er bietet den Gästen etwas. Den Klassiker unter den Dorffeierlichkeiten sogar – das Schützenfest. Erst am nächsten Morgen klärte man mich darüber auf, was sich im Festzelt abgespielt hatte.

Zwischen die feiernden Schützenthronanwärter hatten sich zur Happy Hour mit Korn und Cola drei Besucher in Thor-Steinar-Kleidung gemischt. Das Auftreten der muskulösen Männer, deren Shirts in Fraktur die „Helden der Wehrmacht“ preisten, überraschten außer meinen Mann und die Städterfreunde nach kaum einen. Auf Nachfrage riet man ihnen denn, ihre „politischen Überzeugungen“ bei solch einer Festlichkeit „an der Garderobe“ abzugeben.

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‘For the glory of God': Entire staff in Tenn. county clerk’s office resigns over same-sex marriage

Female couple – Shutterstock
The entire staff at a Tennessee county clerk’s office submitted their resignations this week rather than issue same-sex marriage licenses, reports WBIR.


By Tom Boggioni|RawStory

Decatur County Clerk Gwen Pope —  along with employees Sharon Bell and Mickey Butler — said their last day on the job will on July 14, and that they are leaving because the Supreme Court’s decision to allow same-sex marriages clashes with their religious beliefs.

Speaking for the three employees whose resignations take effect July 14, Pope said they were doing it for “for the glory of God,” and not for the publicity.

“It’s kind of sort of like you don’t want to draw attention to yourself for any reason,” Pope explained. “That’s not why we’re doing this. Not doing it in any way to draw attention to us. It’s for the glory of God. He’s going to get all the glory.”

Pope said that none of the employees have new jobs lined up,  but that “I honestly believe God will take care of us.”

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Ohne Frauen könnte die Kirche zusperren

Starke Frauen braucht die Kirche. Elisabeth Rathgeb (l.) und Maria Plankensteiner haben eine Männerdomäne durchbrochen. © Thomas Boehm / TT
Von Gleichberechtigung ist die katholische Kirche weit entfernt. Das Priesteramt ist Männern vorbehalten. Doch das wird sich ändern, sind Elisabeth Rathgeb und Maria Plankensteiner überzeugt. Beide bekleiden wichtige Funktionen in der Diözese Innsbruck – als erste Frauen überhaupt.


Von Markus Schramek|Tiroler Tageszeitung Online

Frauen an die Macht? Das spielt es in der katholischen Kirche noch lange nicht. Geistliche Würdenträger männlichen Geschlechts stehen im Vordergrund. Doch dahinter wirken Frauen an einflussreichen Stellen.

In der Diözese Innsbruck leitet die Theologin Elisabeth Rathgeb (48) seit 2005 das Seelsorgeamt. Sie ist Ansprechpartnerin für jene Menschen, die in den Pfarren mitarbeiten. Ganz neu und noch gar nicht richtig im Amt ist Maria Plankensteiner. Die 55-jährige Vorarlbergerin hat Religionspädagogik und Germanistik studiert. Derzeit leitet sie die Schule für Sozialbetreuungsberufe in Innsbruck. Per 1. September wechselt Plankensteiner an die Spitze des Schulamts der Diözese. Sie übernimmt damit die Aufsicht über den Religionsunterricht an den Schulen.

Rathgeb und Plankensteiner sind die ersten Frauen in diesen hohen Kirchenfunktionen. Kein Zufall, wie im Gespräch mit beiden klar wird. Denn ohne engagierte Frauen sähe es in der Kirche mit all ihren Problemen deutlich finsterer aus.

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In 100 Jahren von 40 auf 80

Die Menschen, insbesondere in den westlichen Ländern, werden immer älter. An ihrem 30. Geburtstag hat eine heute 15-jährige noch um die 70 Jahre zu leben und für die Neugeborenen von heute ist ein Alter von 135 Jahren nicht mehr unrealistisch.


Von Franziska Müschenich|Spektrum.de

Rudi Westendorp Alt werden, ohne alt zu sein Aus dem Niederländischen von Bärbel Jänicke und Marlene Müller-Haas Verlag: Beck, München 2015 ISBN: 9783406667626 19,95 €
Rudi Westendorp
Alt werden, ohne alt zu sein
Aus dem Niederländischen von Bärbel Jänicke und Marlene Müller-Haas
Verlag: Beck, München 2015
ISBN: 9783406667626
19,95 €

Das sind die Vorhersagen des Niederländers Rudi Westendorp, der als Geriater und Professor für Medizin an der niederländischen Universität Leiden arbeitet. Sein lesenswertes Buch gibt Tipps, wie modernes Altern gelingen kann. Die kurzen Zusammenfassungen vor allen 13 Kapiteln sowie die klare Gliederung erleichtern den Überblick und stellen das Wesentliche heraus.

Westendorps wissenschaftliche Karriere begann mit der Frage, warum wir überhaupt altern. Um Antworten zu finden, verließ er die Medizin und begab sich in biologische Labore. Durch Untersuchungen an Süßwasserpolypen, Mäusen und anderen Tieren gelang es ihm, die Prozesse des Alterns, der Regeneration sowie der Evolution besser zu verstehen und miteinander in Beziehung zu bringen. Indem er immer wieder seine eigenen Erfahrungen als Forscher und Dozent einfließen lässt, verleiht er dem Buch eine persönliche Note.

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