Eigener Staat für Palästinenser nicht in Sicht

foto: afp / mohammed abed Am Strand von Gaza herrscht im Frühsommer Hochbetrieb. Viele Palästinenser denken statt an Politik eher an den mühsamen Alltag.
Die USA geben wohl die Zweistaatenlösung für Israel und die Palästinenser auf

derStandard.at

Zack Sabella muss nicht lange überlegen. Auf die Frage, ob er die Gründung eines Staates Palästina noch miterleben werde, folgt ein rasches „Nein“. Dabei ist Zack Sabella erst 35 Jahre alt und hätte noch ein paar Jahre Zeit. Doch er ist überzeugt: „Weder ich noch meine Kinder werden das erleben. Man muss sich für Zukunftsprognosen die Faktenlage ansehen. Tatsache ist, dass nicht einmal Barack Obama, der palästinenserfreundlichste US-Präsident der vergangenen 30 Jahre, die Zweistaatenlösung erreichen konnte.“

Und die derzeitige US-Regierung, so scheint es, will sie nicht erreichen.

Noch steht nicht fest, wann genau der Friedensplan vorgestellt wird: in Teilen bereits kommende Woche bei einer Konferenz in Bahrain, wie zunächst angekündigt? Oder doch erst im November, wie vom Nahostgesandten Jason Greenblatt am Wochenende angedeutet? So oder so: Nach allem, was bisher durchgedrungen ist, wird eine Zweistaatenlösung darin nicht mehr vorkommen.

weiterlesen

Die Weltbevölkerung wächst rasant

Bild: tagesschau.de
Derzeit leben rund 7,7 Milliarden Menschen auf der Erde – und in jeder Sekunde werden es mehr. 2050 werden es laut der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung 9,7 Milliarden sein.

tagesschau.de

Das Wachstum der Weltbevölkerung setzt sich in hohem Tempo fort: Nach neuesten Projektionen der UN wird die Bevölkerungszahl von derzeit rund 7,7 Milliarden Menschen auf 9,7 Milliarden 2050 und auf 10,9 Milliarden Menschen im Jahr 2100 steigen. Diese Zahlen hat die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) veröffentlicht.

Die Fertilität sei in den meisten Ländern in den vergangenen Jahren zwar zurückgegangen. Doch gerade in Afrika sei sie weiterhin hoch und sinke vergleichsweise nur langsam. Frauen in Afrika bekommen demnach derzeit durchschnittlich 4,4 Kinder – deutlich mehr als der weltweite Durchschnitt von 2,5 Kindern pro Frau.

weiterlesen

Morbus Google – wie die digitale Hypochondrie Patienten und Ärzte auf Trab hält

Haben Sie Bauchschmerzen? Oder blaue Flecken an den Beinen? Kein Problem, das Internet sagt Ihnen, was dahintersteckt. So denken viele. Einige aber geraten beim Symptom-Googeln unversehens in einen Teufelskreis.

Nicola von Lutterotti | Neue Zürcher Zeitung

Die Digitalisierung schafft nicht nur neue Arbeitsplätze, sie kreiert auch neue Leiden. Eine solche innovative Erkrankung ist die Cyberchondrie, eine auch Morbus Google genannte digitale Schwester der Hypochondrie. Charakteristisch für die Betroffenen ist, dass sie bei jeglichem Unwohlsein umgehend das weltweite Netz konsultieren. Wie von Anfang an befürchtet, finden sie hier allerdings keinen Trost, sondern sehen ihre Ängste einmal mehr bestätigt.

Kräftig geschürt werden ihre Phobien dabei von Dr. Google und Konsorten. Denn die digitalen Diagnostiker nehmen keinerlei Rücksicht auf Empfindsamkeiten, sondern kommen immer unverblümt zur Sache. Diesbezüglich ähneln sie sehr viel mehr dem nüchtern-emotionslosen Dr. House der gleichnamigen amerikanischen Fernsehserie als dem väterlich-gütigen Chefarzt der deutschen TV-Schnulze «Die Schwarzwaldklinik».

weiterlesen

„Die Menschen zwingen, für den neuen Staat zu arbeiten“

„Welcome To Hell“-Protest beim G20-Gipfel im Hamburg. Bild: t–h–s / CC BY 2.0
Klaus Schroeder ist Professor an der freien Universität Berlin, wissenschaftlicher Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat und hat nun gemeinsam mit Monika Deutz-Schroeder das Buch Der Kampf ist nicht zu Ende – Geschichte und Aktualität linker Gewalt“ verfasst.

Reinhard Jellen | TELEPOLIS

Herr Schroeder, Sie resümieren am Ende Ihres Buches: „In der Bibel erschlägt Gott seinen Bruder Abel, weil Gott dessen Opfer vorzieht. Das Motiv für diese Gewalt könnte man mit ‚Sozialneid‘ charakterisieren. (…). Für linke Gewalt spielt dieser Aspekt bis zum heutigen Tag eine zentrale Rolle.“ Können Sie das ein wenig erläutern?

Klaus Schroeder: Die Linke, nicht nur die aktuell gewaltbereite, mobilisiert, indem sie versucht, potenzielle Sympathisanten gegen Besitzende aufzuhetzen, ungeachtet der individuellen Leistung. Da vielen Linken das Denken in Kategorien von Eigenverantwortung und Leistungsbereitschaft fehlt, gehört der Sozialneid quasi zu ihrem relevanten Handgepäck.
Die militante Linke, die sich bis zum heutigen Tag als revolutionär versteht, zielt mit ihrer Politik, zu der auch Gewalt gehört, auf einen Umsturz mit grundlegenden Folgen. Der bürgerliche Staat soll zerschlagen und die bürgerliche Gesellschaft zerstört werden.
Der Antrieb für linke Gewalt in der Bewegungsphase ist die Verunsicherung der herrschenden Eliten und der Versuch, über den revolutionären Kern hinaus weitere Personen in den Kampf miteinzubeziehen. Der Aufruhr, zumeist „Riot“ genannt, soll (wie in Hamburg während der Proteste gegen den G 20-Gipfel) die Staatsmacht, sprich: die Polizei, so unter Druck setzen, dass sie die Kontrolle über Räume und Personen verliert.
Wenn die Linke an die Macht gekommen ist, hat sie, wie die Beispiele Russland, China, Nordkorea und so weiter zeigen, sofort ein diktatorisches Schreckensregime errichtet. Das Bürgertum wurde ausgeplündert, die vorhandenen Ressourcen anders verteilt. Die Privilegierten waren aber nicht die Massen, sondern die ehemaligen Revolutionäre, die sich nach der Revolution als neue Machthaber gerierten.
Das Ziel für revolutionäre Gewalt ist insofern der Umsturz und die Neuverteilung der Ressourcen vermeintlich zugunsten der Unterprivilegierten, tatsächlich aber zugunsten der einstigen Revolutionäre.

weiterlesen

14 Jahre Haft für Abmahnanwalt, der Nutzer in „Porno-Falle“ lockte

foto: standard/pichler Die Filme, mit denen man Downloader in die Falle lockte, sollen auch über verschiedene Torrentplattformen wie die „Pirate Bay“ verbreitet worden sein.
Zwei US-Juristen stellten einschlägige Filme auf Onlinetauschbörsen und erpressten anschließend Zahlungen von Downloadern

derStandard.at

Es erinnert an den berühmten Fall der „Pornoabmahnungen“ in Deutschland. Zwei US-Anwälte müssen sich vor Gericht wegen einer jahrelang praktizierten Betrugsmasche verantworten. Der Vorwurf: Sie hunderte Internetnutzer jahrelang in eine Falle gelockt haben, um Geld von ihnen zu erpressen.

In Minnesota wurde nun ein erstes Urteil gefällt. Einer der beiden Juristen soll 1,5 Millionen Dollar an Entschädigungen zahlen und zudem eine Haftstrafe von 14 Jahren antreten. Das Gericht sah in seinem Vorgehen einen „kaum zu beziffernden Schaden für das Rechtssystem“, schreibt der „Minnesota Star Tribune“.

weiterlesen

Ein Juso-Vorsitzender, ein wenig Eigentumskritik und deren empörte Zurückweisung

Bild Kevin Kühnert: Martin Kraft / CC BY-SA 3.0 / Illustration: TP
Eines hat er erreicht, der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert: Plötzlich fragen sich doch durch alle Empörung hindurch ein paar nachdenklichere Leute, was eigentlich dran ist an seiner Kritik am Kapitalismus.

Rainer Schreiber | TELEPOLIS

Der Befund, der sich dabei durch die Bank ergibt – und schon längst erhoben wurde -, ist eindeutig: Die Armen werden eher ärmer, die Reichen gewiss reicher:

Superreiche 45 Deutsche besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung: Das Vermögen in Deutschland ist sehr ungleich verteilt, das sagen offizielle Statistiken. Nun hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung diese Statistiken ergänzt: Demnach ist die Ungleichheit weit extremer.

F. Diekmann, SPIEGEL online

Und da soll eine Debatte über die Art und Weise der Produktion, der Organisation und Verteilung von Eigentum und Reichtum überflüssig oder gar störend sein? Kommt darauf an: Schlecht ist diese Diskussion für alle, die von diesen absurden Verhältnissen profitieren. Die wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, obwohl sie vielleicht wissen, dass dies auch für sie selbst keine Zukunft hat:

Selbst ich als Kapitalist gebe zu, dass der Kapitalismus nicht mehr funktioniert“, räumt Starinvestor Ray Dalio ein und warnt zugleich vor einer „Revolution“, sollte der Kapitalismus nicht reformiert werden.

Handelsblatt online, 05.05.2019

Der hellsichtige Starinvestor und milliardenschwere Fondsmanager Warren Buffet bemerkte schon vor vielen Jahren:

There’s a class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.

The New York Times, 26.11.2006

Buffet meinte damals auch, dass es ihm unverständlich sei, wieso seine Sekretärin mehr Steuern zu bezahlen hätte wie er, der Milliardär. Soeben war zu lesen, dass Amazon, derzeit wohl einer der verrufensten Ausbeuter-Konzerne des Planeten, trotz seiner 11,2 Milliarden Dollar an (ausgewiesenem) Gewinn in 2018 eine Steuerrückerstattung von 129 Millionen Dollar erhalten hat. Mit einem Steuersatz von minus 1 Prozent liegt Amazon deutlich unter den Steuerverpflichtungen für die 20 Prozent der ärmsten Haushalte der USA in Höhe von 1,5 Prozent. Trump macht‘s möglich; die Zahl der Konzerne, die keine Steuern mehr bezahlen, hat sich unter seiner Regierung verdoppelt.

weiterlesen

1000 Peitschenhiebe für Religionskritik

Von Ensaf Haidar – Picture provided by PEN International, CC BY-SA 3.0
Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik geht an den saudischen Blogger Raif Badawi

Markus Kompa | TELEPOLIS

Die Initiative für Nachrichtenaufklärung e.V. hat am Freitag zum 5. Mal den Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik verliehen. Der Ehrung geht jährlich an Personen oder Institutionen, die sich laut INA auf originelle und ausgewogene Weise kritisch mit dem Journalismus auseinandersetzen. Die mit jeweils 5.000,- € dotierte Auszeichnung ging diesmal an einen entschiedenen Streiter für Meinungs- und Pressefreiheit, nämlich an den saudischen Journalisten Raif Badawi. Vor einem Jahrzehnt hatte Badawi trotz Repressalien das „Saudische liberale Netzwerk“ gegründet, seine religionskritischen Blogposts wurden von Zeitungen nachgedruckt. So schrieb Badawi etwa:

„Die Hauptmission einer jeden Theokratie ist es, jegliche Vernunft zu töten, den historischen Materialismus und den gesunden Menschenverstand rigoros zu bekämpfen und die Massen, so gut es geht, in die absolute Verdummung zu treiben.“

Wegen „Beleidigung des Islam“ wurde Badawi zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt. Die ersten 50 waren öffentlich durchgeführt worden, seither sitzt Badawi seit sieben Jahren hinter Gitter. Eine ihm nahegelegte Flucht hatte Badawi aus Prinzip abgelehnt. Aufgrund des Konzepts der Sippenhaft wurde letztes Jahr auch Badawis Schwester inhaftiert.

weiterlesen

Rio de Janeiro: Evangelikale wollen afro-brasilianische Kultstätten zerstören

Die afro-brasilianischen Religionen haben viele Rituale und Kultstätten. Foto: dpa/Leo Correa
Angehörige afro-brasilianischer Religionen sind derzeit im Großraum Rio de Janeiro durch evangelikale Drogenkriminelle gefährdet.

Stuttgarter Nachrichten

Rund 120 afro-brasilianische Kultstätten im Großraum Rio de Janeiro sind laut Medienberichten akut durch evangelikale Drogenkriminelle bedroht. Die Straftäter seien in den Gefängnissen bekehrt worden und evangelikalen Kirchen beigetreten, berichtete das Portal „UOL“ am Samstag. Wieder in Freiheit, vertreiben sie Priester und Angehörige von Religionen mit afrikanischen Wurzeln, die sie als „Teufelszeug“ ansehen, wie es hieß.

Die Polizei in Rio de Janeiro vermutet, dass die Drogenbande Terceiro Comando Puro (TCP) hinter den Attacken auf die Kultstätten steckt. Zuletzt sollen sich demnach die Übergriffe auf die Religionen Candomble und Umbanda vor allem in Armenvierteln gehäuft haben. So seien Versammlungshäuser zerstört worden. Zudem hätten die Priester ein Ultimatum von 48 Stunden erhalten, um sich aus den Vierteln zurückzuziehen.

weiterlesen

Am Online-Pranger: Wie Gesetzesbrechern in den USA die Identität genommen wird

Ist ein Gesicht einmal im Netz, ist auch der Verdacht, der auf einer Person lastet, kaum wieder wegzubringen. Mit sogenannten Mug-Shots, Gesichtsaufnahmen, werden Tatverdächtige in den USA im Netz markiert. (Bild: REUTERS)
Polizeifotos von Tatverdächtigen sind in den USA allgegenwärtig. Selbst diejenigen, die ihre Strafe verbüsst haben oder freigesprochen wurden, werden von den Aufnahmen verfolgt – und damit erpresst. Doch nun regt sich Widerstand.

Steve Przybilla | Neue Zürcher Zeitung

Thomas T. war mit seinem Leben zufrieden. Als Chef der Schulaufsicht von Kenilworth, einem Bezirk im US-Teilstaat New Jersey, hatte sich der 42-Jährige einen exzellenten Ruf erarbeitet. Sein Jahresgehalt von knapp 150 000 Dollar lieferte ihm und seiner Familie ein gutes Auskommen. «Ich habe meinen Job geliebt», erzählte T. einer amerikanischen Zeitung in einem der raren Interviews, die er in den vergangenen Monaten gegeben hat. Denn T. ist heute kein leitender Beamter mehr. Er ist ein Mann, der alles verloren hat: seinen guten Ruf, seinen Job, sogar seine Würde.

Verantwortlich dafür ist, auch das gehört zur Wahrheit, zum Teil er selbst. Während seiner Zeit als Behördenchef joggte T. regelmässig auf dem Sportplatz einer nahe gelegenen Highschool. Niemand ahnte, dass ihn bei seinen Runden regelmässig der sogenannte Läuferdurchfall überkam, offenbar so akut, dass er es nicht mehr bis auf die Toilette schaffte. Im Mai 2018 wurde T. dabei erwischt, wie er seine Notdurft hinter der Zuschauertribüne verrichtete.

weiterlesen

Weniger Migranten kommen über die Türkei in die EU

Die Zahl der Migranten, die über die Türkei in die Europäische Union eingereist sind, ist in den ersten vier Monaten dieses Jahres einem Bericht zufolge deutlich zurückgegangen.

evangelisch.de

Bis zum 5. Mai seien 11.217 Menschen in der EU angekommen, berichtet die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf ein vertrauliches Papier der EU-Kommission. Im Vorjahreszeitraum seien es noch 29 Prozent mehr gewesen.

Fast alle Migranten aus der Türkei kamen den Angaben der EU-Kommission zufolge in Griechenland (11.076) an, deutlich weniger in Bulgarien (86) und Italien (55).

weiterlesen

Wenn der Stadionbesuch und das Yogatraining heilig werden

Yoga statt Gottesdienst? Gerade junge Menschen leben Alternativen zur Kirche Quelle: dpa
Zum Evangelischen Kirchentag werden viele Christen nach Dortmund pilgern. Doch welche Rolle spielt der Glaube überhaupt noch in Deutschland? Experten haben keine guten Nachrichten für die beiden großen Kirchen.

DIE WELT

Im Sprachalltag scheint er noch einen festen Platz zu haben: „Um Gottes Willen“ oder „Gott sei Dank“ heißt es oft. Aber tatsächlich haben Glauben und Religion in der Bevölkerung keinen leichten Stand. Der katholischen und evangelischen Kirche kehren Jahr für Jahr Mitglieder zu Zehntausenden den Rücken. Einer Prognose zufolge wird von aktuell 44,8 Millionen (2017) Katholiken und Protestanten im Jahr 2060 gerade mal die Hälfte übrig bleiben. Reformstau und Missbrauchsskandale schaden massiv. Und Frömmigkeit ist schon lange keine Pflicht mehr. Den Osten Deutschlands sehen Experten gar als europäische Atheisten-Hochburg.

weiterlesen

Nichts sehen, nicht hören – nichts ermitteln?

Grafik: TP
IS-Unterstützerin Omaima A. konnte unbehelligt ins IS-Kalifat aus- und später wieder nach Deutschland einreisen, obwohl ihre Familie bereits 2012 ins Visier des Verfassungsschutzes geriet

Birgit Gärtner | TELEPOLIS

Omaira A. segelte unter dem Radar; und zwar RADAR-iTE, einem für IS-Rückkehrerinnen und – Rückkehrer entwickelten Instrument zur Beurteilung, inwieweit die betreffende Person an Kriegshandlungen beteiligt sowie in salafistische Netzwerke eingebunden war, bzw. immer noch ist.

Obwohl sie als Ehefrau es prominenten Salafisten Nadir Hadra mitsamt ihrer drei Kinder nach Syrien ausreiste, nach dessen Tod den berühmt-berüchtigten Dschihadisten Denis Cuspert, besser bekannt als Rapper Deso Dogg, heiratete, konnte sie unbehelligt wieder nach Deutschland einreisen und sich ein Leben als Dolmetscherin und Event-Managerin aufbauen. Hier setzte sie offenbar – das legen entsprechende Aktivitäten bei Facebook nahe – ihre schon für 2012 dokumentierte Arbeit als Unterstützerin der salafistischen Szene nahtlos fort.

Ihre Vita sowie ihre Aktivitäten machten nicht etwa die hiesigen zuständigen Behörden öffentlich, sondern die libanesische Reporterin Jenan Moussa. Die Investigativ-Journalistin gelangte in Syrien zufällig an das Handy von Omaima A. und folgte ihrer Spur bis Hamburg. Jenan Moussa staunte nicht schlecht, dass sie diese Spur quasi bis vor die Haustür des 9/11-Terroristen Mohammed Atta führte.

Und die Hamburger Bevölkerung staunte nicht schlecht, dass mitten unter ihnen eine Gotteskriegerin lebt und von den Behörden nach ihrer Einreise nicht überprüft, geschweige denn verhaftet wurde. Dass sie nicht nach RADAR-iTE durchleuchtet wurde, brachte eine Kleine Schriftliche Anfrage der Co-Vorsitzenden der Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, Cansu Özdemir, an Licht.

Ob gegen Omaima Abdi ermittelt wird, dazu verweigert der Senat jegliche Auskunft – unter Berufung darauf, dass „dass hier die Bekanntgabe der nachrichtendienstlich erhobenen Erkenntnisse dem Interesse des Betroffenen und denen des Amtes entgegensteht“. Das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) gab Telepolis gegenüber an, im Falle von Einzelpersonen der Presse gegenüber keine Angaben über etwaige Ermittlungen machen zu können.

weiterlesen

Die Säkulare Flüchtlingshilfe stellt sich vor

Der gemeinnützige Verein finanziert seine Arbeit ausschließlich über Zuwendungen. Spenden sind daher sehr willkommen.

Richard-Dawkins-Foundation

An die Säkulare Flüchtlingshilfe wenden sich Menschen, die nach Deutschland geflohen sind, weil sie wegen ihres Abfalls von der Religion in ihren Herkunftsländern in ihrer Freiheit oder des Lebens bedroht sind. Es handelt sich zurzeit ausschließlich um Ex-Muslime, deren Glaubensabfall in vielen Gesellschaften ein todeswürdiges Vergehen ist.

Hier angekommen, machen sie die Erfahrung, dass sie in Unterkünften mit Menschen zusammenleben, vor denen sie im Prinzip gerade geflohen sind.

Auch gibt es für Asylsuchende eine gesetzliche Wohnsitzauflage, die sie dazu zwingt, 3 Jahre nach Anerkennung des Asyls in der Region der ersten Unterbringung zu bleiben. Bedrohlicher ist dabei jedoch, dass fast alle in der Region als Ex-Muslime/Atheisten identifiziert werden, so dass ihre Familien, von denen sie verfolgt werden, oder die Botschaft ihres Herkunftslandes über ihren Aufenthaltsort genau informiert sind.

weiterlesen

https://www.facebook.com/atheistenhelfen

https://atheist-refugees.com/

Religionskritik: Kein Appeasement mit dem Islamismus

Kritischer Muslim: der deutsch-ägyptische Schriftsteller und Politologe Hamed Abdel-Samad Bild: dpa
Ist es rassistisch, den Islam zu kritisieren? Nein, meint der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad. Er verteidigt auf einer Konferenz an der Goethe-Uni in Frankfurt seine Freiheit auf Kritik.

Von Theresa Weiß | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Damit Hamad Abdel-Samad frei sprechen kann, stehen sechs Personenschützer vor dem Konferenzraum des Exzellenzclusters „Normative Ordnungen“ der Goethe-Uni. Der ägyptisch-deutsche Politikwissenschaftler ist Muslim und kritisiert den Islam: „Der Islam will von der deutschen Aufklärung profitieren, weigert sich aber, Teil dieses Prozesses zu werden.“  Auch wollen religiös-politische Gruppen Kritiker mundtot machen und somit ihren Einfluss auf die Politik ausbauen. Abdel-Samad  ist überzeugt, dass sich immer weniger Deutsche trauen, Kritisches über den Islam zu sagen, weil sie sofort den Vorwurf bekommen, rassistisch zu sein. Solche Aussagen provozieren. Doch wo, wenn nicht an der Universität solle kontrovers diskutiert werden, fragt er.

Abdel-Samad ist nicht allein. Wer sich kritisch zum Islam positioniert, sieht sich in Deutschland Bedrohungen ausgesetzt. Ein Frankfurter Beispiel aus jüngster Zeit: Zehn Menschen gehören zur „Initiative Säkularer Islam“, einer Gruppe aus Wissenschaftlern und Publizisten, die über den Islam diskutieren will und ein totalitäres Verständnis von Religion ablehnt. Vier davon müssen inzwischen von Personenschützern bewacht werden. „Weil sie auf der Abschussliste von irgendwelchen Radikalen stehen“, sagt Susanne Schröter. Die Professorin der Goethe-Universität und Direktorin des „Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam“ will die kritische Auseinandersetzung mit der Religion vorantreiben. Auch darum hat sie zur Konferenz „Säkularer Islam und Islamismuskritik“ eingeladen, auf der auch Abdel-Samad und Mouhanad Khorchide, Professor für Islamische Theologie in Münster, sprechen.

weiterlesen

Gericht kippt Burkini-Verbot in Koblenz — Verstoß gegen Glaubensfreiheit?

Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz hat das Burkini-Verbot in Koblenzer Schwimmbädern vorerst außer Kraft gesetzt. Das Verbot sei „gleichheitswidrig“, entschied das Gericht in Koblenz in einem Eilverfahren laut Mitteilung vom Freitag.

DOMRADIO.DE

Der Eilantrag einer in Koblenz lebenden Muslimin gegen die seit Januar geltende Badeordnung der Stadt hatte Erfolg: Auf Antrag einer aus Syrien geflüchteten Frau hin habe es die seit Anfang 2019 gültige Koblenzer Badeordnung als Verstoß gegen das verfassungsrechtliche Gleichbehandlungsgebot eingestuft, teilte das Gericht am Freitag mit (AZ: 10 B 10515/19.OVG). Der Kommune sei schon vor einer Entscheidung im Hauptsacheverfahren nahegelegt worden, das Verbot wieder aufzuheben.

Syrerin sah sich durch Badeordnung diskriminiert

Der Koblenzer Stadtrat hatte die Änderung im Dezember in einer knappen Entscheidung mit den Stimmen von CDU, Freien Wählern und AfD beschlossen. Seither war der Aufenthalt im Nassbereich des städtischen Freibades und der zwei Koblenzer Hallenbäder nur in Badehose, Badeanzug, Bikini oder Badeshorts gestattet. Burkinis – Badekleidung für muslimische Frauen, die den Körper bis auf Gesicht, Hände und Füße bedeckt – blieben lediglich im Rahmen des Schwimmunterrichts gestattet. Das Verbot hatte der Stadtrat mit hygienischen Bedenken begründet.

weiterlesen

Frühe Christen und Jesu-Anhänger zerstörten die antike Hochkultur

Im Jahr 392 legten christliche Fanatiker den Serapis-Tempel in Schutt und Asche. Getty Images/iStockphoto
Sie lebten im Geist der Nächstenliebe und trotzten grausamen Verfolgern: Bis heute ist dieses Bild von den frühen Christen verbreitet. Eine britische Historikerin schildert die Jesus-Anhänger jedoch als religiöse Fanatiker, die eine liberale, hochentwickelte Kultur zum Einsturz brachten.

Von Harald Wiederschein | FOCUS ONLINE

Die erste Szene des Buches wirkt schrecklich vertraut: Bärtige, schwarz gekleidete Fanatiker aus der Wüste stürmen den Athene-Tempel im syrischen Palmyra, mit Eisenstangen zertrümmern sie voller Begeisterung die Statue der Göttin und den Altar. Was sich um das Jahr 385 nach Christus abspielte, hat sich erst vor wenigen Jahren wiederholt – so die Botschaft der Autorin. Nur waren es in der Spätantike christliche Fundamentalisten, welche die „Götzenbilder“ zerstörten. 2015 legten Mitglieder des sogenannten „Islamischen Staates“ das UNESCO-Weltkulturerbe von Palmyra in Schutt und Asche.

Der provokante Einstieg gibt den Ton vor für die folgenden mehr als 300 Seiten. „Heiliger Zorn. Wie die frühen Christen die Antike zerstörten“ lautet der Titel des kürzlich auf Deutsch erschienenen Buches der britischen Historikerin und Journalistin Catherine Nixey. Zuvor hatte es bereits in der angloamerikanischen Welt für Aufsehen gesorgt. In England war es zum „Buch des Jahres“ gewählt und mit einem Literaturpreis ausgezeichnet worden.

weiterlesen

Ärztinnen wegen Paragraf 219a in Berlin vor: Gericht Für Abtreibung geworben

Gesetzestext des Paragrafen 219a Strafgesetzbuch © Harald Oppitz (KNA)
Erstmals seit der Neuregelung des umstrittenen Paragrafen 219a: Gegen zwei Berliner Gynäkologinnen wird wegen des Verstoßes gegen das sogenannte Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche in Berlin verhandelt.

DOMRADIO.DE

Der Prozess gegen die beiden Berlinerinnen ist der erste seit der Neuregelung des Paragrafen im Februar. Vor Gericht steht neben der Gynäkologin Bettina Gaber auch ihre Kollegin. Auf der Internetseite ihrer Gemeinschaftspraxis heißt es: „Auch ein medikamentöser, narkosefreier Schwangerschaftsabbruch gehört zu den Leistungen von Frau Dr. Gaber.“

Für den Abbruch von Schwangerschaften geworben

Den Angeklagten wird nach Angaben des Amtsgerichts von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, auf der frei zugänglichen Internetseite ihrer Berliner Gemeinschaftspraxis zwischen Februar und Juli 2018 in unzulässiger Weise für den Abbruch von Schwangerschaften geworben zu haben.

weiterlesen

New York schafft wegen Masern religiöse Ausnahme bei Impfpflicht ab

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio rief im April den gesundheitlichen Notstandt für Teile von Brooklyn aus. Dort wüten die Masern insbesondere in der jüdisch-orthodoxen Gemeinschaft, da diese Impfungen meist ablehnt. (Bild: Shannon Stapleton/Reuters)
Angesichts der schweren Masern-Epidemie schafft der US-Gliedstaat New York Ausnahmen von der Impflicht aufgrund religiöser Motive ab. Beide Kammern des Parlaments stimmten dafür und Gouverneur Andrew Cuomo kündigte an, das Gesetz unterzeichnen zu wollen.

Neue Zürcher Zeitung

Der Bundesstaat ist seit dem vergangenen Herbst von einem schweren Masern-Ausbruch betroffen. Besonders viele Erkrankungen gibt es im New Yorker Stadtteil Brooklyn und im Landkreis Rockland. In beiden Gebieten leben zahlreiche orthodoxe Juden, die aus religiösen Gründen die Impfung ablehnen.

Zwar gibt es in New York wie in fast allen US-Gliedstaaten eine Reihe verpflichtender Impfungen für Schulkinder. Bisher wurden aber Ausnahmen aus medizinischen oder religiösen Gründen zugelassen. New York ist nun einer der wenigen Bundesstaaten, welche religiöse Motive nicht mehr als Grund für eine Ausnahme akzeptieren.

weiterlesen

Journalismusdämmerung? Für Online-Nachrichten will kaum jemand zahlen

Grafik: TP
Eine international Reuters-Studie sieht sinkendes Vertrauen in Medien, steigende Abo-Müdigkeit und Nachrichtenabstinenz. Statt Nachrichten werden Unterhaltungsangebote wie Spotify oder Netflix abonniert

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Schlechte Nachrichten für Nachrichtenmedien. Nach dem Digital News Report des Reuters Institute for the Study of Journalism, für den 17.000 Menschen in 38 Ländern von YouGov online befragt wurden, sinkt die Bereitschaft, für Online-Nachrichten zu zahlen. Smartphones und mobile Internetzugänge hätten die Geschäftsmodelle vieler Nachrichtenmedien während der letzten 20 Jahre zerstört und zu sinkenden Einkünften und Entlassungen geführt. Und dann wollen die Menschen angeblich nicht für Online-Nachrichten bezahlen, es habe in den letzten Jahren bestenfalls einen kleinen Zuwachs der Zahlungswilligen gegeben.

Nach einem „Jahrzehnt der digitalen Disruption“ würden Nachrichtenmedien zunehmend versuchen, Zahlschranken einzuführen und Bezahlmodelle über Abos, Mitgliedschaften oder Spenden zu entwickeln. Zudem gebe es einen Hype über Podcasts und Sprachnachrichten etwa über Amazon Echo und Google Home. Aber es würde auch in einigen Ländern darüber nachgedacht, ob Qualitätsjournalismus in Zukunft noch machbar sein wird. Zwar würden in nordeuropäischen Ländern mehr Menschen bereit sein, für Online-Nachrichten zu zahlen, ein Problem aber ist, dass in der Regel nur ein Online-Abo gezahlt wird. In Deutschland sagen 70 Prozent von denjenigen, die für Online-Nachrichten zahlen, dass sie nur ein Abo haben, nur 10 Prozent sind bereit, für drei oder mehr zu zahlen. Das fördere große Medien und benachteilige kleinere.

Die Rede ist auch von einer sich ausbreitenden Abo-Müdigkeit in vielen Ländern. Die könnte gerade bei Online-Nachrichtenmedien verstärkt werden, wenn die Nutzer zunehmend auf mehr Bezahlschranken stoßen und davon abgeschreckt werden bzw. zu Angeboten von Nachrichtenaggregatoren wie Apple News gehen, von denen sie gegen ein Abo auf mehrere Nachrichtenmedien zugreifen können.

weiterlesen

Priester-Kinder sind Tabu in katholischer Kirche

Weltweit soll es Schätzungen zufolge mindestens 10.000 Priesterkinder geben. dpa
In der Kirche gibt es viele Tabus. Missbrauch an Kindern, Missbrauch an Nonnen. Ein weiteres Geheimnis sind Kinder, die von Priestern stammen. Einige von ihnen versuchen, das Schweigen zu brechen.

FOCUS ONLINE

Es sind Kinder, die es eigentlich gar nicht geben sollte. Zumindest, wenn es nach dem Willen der Kirche geht: Kinder von Geistlichen. Weltweit dürfte es Tausende von ihnen geben. Viele von ihnen aber leben im Verborgenen – oder in Unwissenheit. In Paris treffen an diesem Donnerstag mehrere Bischöfe Betroffene. Eine seltene Zusammenkunft. Denn während sogar der Papst mittlerweile offen einräumt, dass sexueller Missbrauch durch Geistliche ein Problem ist, sind die Priesterkinder noch immer ein Tabu.

Auch Vincent Doyle ist Sohn eines katholischen Priesters. Er kannte ihn sogar. Doch dass der Kirchenmann sein Vater war, habe er erst im Mai 2011 erfahren, sagt Doyle. Zu diesem Zeitpunkt war sein Vater bereits tot.

weiterlesen