Die Taliban in Afghanistan lassen sich nicht stoppen

Die Taliban – hier ein Foto aus dem Juni – erobern immer mehr Territorium.Foto: Parwiz/Reuters
Die Islamisten kontrollieren nun Ghazni in Zentralafghanistan. Der Fall der strategisch wichtigen Stadt verdeutlicht die Sicherheitslage.

Von Agnes Tandler | DER TAGESSPIEGEL

„Unsere Stadt ist abgebrannt, unser Haus ist abgebrannt, wir haben alles verloren“, klagt Fatima im afghanischen Sender Tolo TV. „Was müssen wir tun, damit die Regierung uns hört?“ Tagelange hatte die afghanische Regierung in Kabul erklärt, in Ghazni sei alles unter Kontrolle.

Doch diejenigen Einwohner, die wie Fatima aus der Provinzstadt knapp 150 Kilometer entfernt nach Kabul fliehen konnten, zeichneten ein anderes Bild. Horrorgeschichten einer belagerten Stadt ohne Wasser, Strom und Nahrung, wo Menschen wegen der heftigen Kämpfe Verwundeten nicht ins Krankenhaus bringen können und niemand die Leichen barg, während Taliban-Kämpfer von Haus zu Haus gingen, um jeden zu erschießen, der auch nur unter Verdacht stand, auf Seiten der Regierung zu sein.

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Hausarrest statt Gefängnis für Erzbischof Wilson – „Weder Reue noch Bußfertigkeit“

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Der katholische Erzbischof Philip Wilson kann seine zwölfmonatige Haftstrafe wegen Vertuschung von Missbrauchsfällen in Hausarrest statt im Gefängnis verbringen. Über die Gerichtsentscheidung aus Newcastle berichten australische Medien.

DOMRADIO.DE

Ein Gutachten der Justizverwaltung habe dem 67-Jährigen bescheinigt, die Bedingungen für einen Hausarrest zu erfüllen, sagte Stone. Wilson muss für diese Zeit eine elektronische Fußfessel tragen. Mitte Februar will das Gericht dann darüber befinden, ob die zweiten sechs Monate des Hausarrests auf Bewährung ausgesetzt werden.

Der Ort des Hausarrests wurde nicht bekanntgegeben. Jedoch gehen australische Medien davon aus, dass Wilson ihn im Haus seiner Schwester verbringen wird, wo er bereits seit seiner Freilassung auf Kaution lebt. Beim Verlassen des Gerichts forderten Missbrauchsopfer den früheren Erzbischof von Adelaide laut Bericht auf, sich bei ihnen für das angetane Leid zu entschuldigen.

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Irland: Berichte über Vertuschungsversuche des Vatikan

In Irland wird über den Missbrauchsskandal der 2000er Jahre diskutiert. Damalige Regierungspolitiker werfen dem Vatikan vor, ein Abkommen geplant zu haben, das ihn vor Ermittlungen schützt. Nun meldet sich Primas Diarmuid Martin.

katholisch.de

Der Erzbischof von Dublin und Primas der katholischen Kirche in Irland, Diarmuid Martin, hat nach eigenem Bekunden keine Informationen über angebliche Vertuschungsversuche des Vatikan im Missbrauchsskandal. Anfang der 2000er Jahre soll der damalige Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano nach Medienberichten den irischen Staat um ein spezielles Abkommen gebeten haben. Martin erklärte laut „Irish Times“ vom Montag, er sei von „keiner der beiden Seiten“ über etwaige Absichten oder Absprachen informiert worden. Er unterstrich die Bedeutung eines „transparenten Dialogs zwischen Staat und Kirche“ – bei gleichzeitiger „Trennung von Staat und Kirche“.

Die frühere irische Präsidentin Mary McAleese hatte vergangene Woche in der „Irish Times“ erklärt, Kardinal Sodano habe sie bei einem Staatsbesuch in Italien 2003 zu einem Abkommen überreden wollen. Dieses habe vatikanische und diözesane Dokumente vor Zugriffen des irischen Staates schützen sollen, zum Beispiel bei polizeilichen Ermittlungen in Missbrauchsfällen.

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Wie groß ist das Schuldenproblem der Türkei?

Die Touristen kommen jedenfalls wieder, auch nach Alanya. Bild: Reuters
Die türkische Lira fällt und fällt, die Kurse der Bankaktien sinken ebenfalls. Wie schlimm ist es wirklich? Zahlen der türkischen Notenbank geben Hinweise.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der Kurs der türkischen Lira fällt und fällt – neue Maßnahmen der Notenbankführung können das bislang nicht verhindern. Spätestens seit dem vergangenen Freitag macht immer wieder die Sorge vor einer Währungskrise oder gar einer Finanzkrise des Landes die Runde, zumal sich auch politisch der Tonfall verschärft: Die Vereinigten Staaten haben gegen zwei türkische Minister Sanktionen verhängt, Washington fordert Ankara auf, den amerikanischen Pastor Andrew Brunson freizulassen, Präsident Donald Trump erhöhte den Druck über den Kurznachrichtendienst Twitter und durch neue Zölle. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan droht seinerseits der mächtigen Nato-Führungsmacht.

Fachleute fragen sich seither, wie schlimm es um das Land wirklich steht. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman etwa, der sich wie wenige andere mit Schuldenkrisen auskennt, zieht schon einen Vergleich zur asiatischen Finanzkrise in den neunziger Jahren. Er verweist auf die Schulden, die türkische Industrieunternehmen und Banken im Ausland aufgenommen haben, in ausländischer Währung, in Dollar oder Euro. Genau das ist der aktuelle Kern der Angst.

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Mit Allah gegen den US-Dollar

Bild: publicdomainpictures.net/CC0
Kurzer Überblick über den geopolitischen und ökonomischen Hintergrund der aktuellen Krise in der Türkei

Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Die Töne werden zunehmend schriller im Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Türkei. Nachdem US-Präsident Donald Trump mittels eines Tweets, in dem er die Verdopplung der US-Strafzölle gegen die Türkei ankündigte, die türkische Lira abstürzen ließ, sprach der türkische Staatschef Erdogan von einem „Wirtschaftskrieg“, der von „außen“ gegen sein Land geführt werde. Dollar, Euro und Gold seien die „Patronen, Kanonen und Raketen“ dieses Krieges, so Erdogan.

Die USA hätten der Türkei „den Rücken zugekehrt“, es gebe eine „Währungsverschwörung“ gegen die Türkei, behauptete Erdogan, der abermals eine Anhängerschaft aufrief, Euro, Dollar und Gold gegen die schwindsüchtige türkische Lira einzutauschen, um den „nationalen Kampf“ zu gewinnen. Dabei appellierte der türkische Präsident an den Nationalismus und die religiöse Identität seiner Gefolgschaft: „Vergesst nicht, wenn sie ihre Dollars haben, dann haben wir unser Volk, unseren Gott.“

Neben der ins Hysterische abdriftenden Rhetorik des Präsidenten bemüht sich aber Ankara – bislang erfolglos – um eine Eindämmung der Währungsturbulenzen. Erdogans Schwiegersohn Berat Albayrak, der inzwischen den Posten des türkischen Finanzministers bekleidet, kündigte ein nicht näher spezifiziertes „Maßnahmenpaket“ an, das die Unabhängigkeit der Notenbank sicherstellen, die zweistellige Inflation bekämpfen, und die überhitzte Konjunktur dämpfen solle.

Bislang haben diese Ankündigungen, die mit dem bisherigen Wirtschaftskurs von Staatschef Erdogan – der sich wiederholt als „Zinskritiker“ outete – brechen würden, keine Erholung des Lirakurses zur Folge gehabt. Die türkische Währung ist massiv abgestürzt. Allein die Ankündigung Trumps, weitere Strafzölle zu erlassen, ließ die Lira um 20 Prozent einbrechen. Das türkische Währungsdesaser wird aus mittelfristiger Perspektive erst voll ersichtlich: Vor einem Jahr konnten die Bürger der Türkei einen US-Dollar für rund 3,5 Lira erwerben, nun sind es rund 6,5 Lira.

Den unmittelbaren Anlass dieser Eskalation zwischen den USA und der Türkei bildete die von Ankara praktizierte Politik inoffizieller Geiselnahmen ausländischer Bürger, um hierdurch politische Konzessionen zu erpressen. In Deutschland war es der Fall des monatelang unter fadenscheinigen Gründen inhaftierten Journalisten Deniz Yücel, der diese Praxis ins Bewusstsein der Öffentlichkeit brachte.

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CSU-Familiengeld: Söder sollte eine Denkpause einlegen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. (Foto: dpa)
Das bayerische Familiengeld sollte vor allem ärmere Familien unterstützen – doch aus Sicht des Bundes ist das gar nicht möglich. Damit entpuppt sich wieder eine von Söders großen Ideen als Luftnummer.

Von Lisa Schnell | Süddeutsche Zeitung

Markus Söders Versprechen war eindeutig: Alle Familien erhalten mehr Geld als bisher. Alle, auch Empfänger von Sozialleistungen. So sagte es Söder in seiner Regierungserklärung, so bekräftigte es die Sozialministerin. Es war ein Versprechen, das Söder nicht halten konnte. Nach Auffassung des Bundesarbeitsministeriums muss das Familiengeld mit Sozialleistungen verrechnet werden. Gerade die Ärmsten gingen damit leer aus.

Damit entpuppt sich wieder eine von Söders großen Ideen als Luftnummer. Ähnlich ging es ihm mit seiner Grenzpolizei. Sie sollte Bayerns Eigenständigkeit demonstrieren, am Ende ist sie nicht mehr als eine Hilfstruppe der Bundespolizei. Söder ist stolz darauf, dass er nicht nur redet, sondern handelt. Er könnte seinen Tatendrang zwischendurch aber auch mal bremsen und eine Pause zum Nachdenken einlegen und diese auch seinen Ministern gönnen.

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Bevölkerung bei der Endlagersuche einbinden

Bild: GNS Gorleben
Der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) will, dass die Bevölkerung bei der Suche nach einem Endlager für den hochradioaktiven Atommüll umfassend einbezogen wird. „Wir wollen ein Verfahren haben, das die Menschen wirklich mitnimmt“, sagte der 80-Jährige dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Göttingen. „Wir wollen, dass die Menschen überzeugt sind, hier wird nicht vorentschieden, sondern es geht einzig und allein um die Frage der Eignung.“

evangelisch.de

Töpfer ist einer von zwei Vorsitzenden des Nationalen Begleitgremiums zur Endlagersuche. Die zurzeit zwölf Mitglieder des Gremiums sollen darauf achten, dass die Öffentlichkeit am Suchprozess beteiligt wird, also betroffenen Bürgerinnen und Bürgern Gehör und Beachtung verschaffen. Das Gremium wird nach der Sommerpause auf 18 Personen aufgestockt.

Bei dem Suchverfahren seien Sorgfalt und Vertrauen wichtiger als ein bestimmter Zeitrahmen. Es gehe deshalb „nicht darum, dass wir einen bestimmten Termin einhalten“, betonte Töpfer: „Es ist wichtig, dass nicht der Fehler gemacht wird, zuerst einen Standortvorschlag zu erarbeiten und dann die Akzeptanz bei der Bevölkerung zu suchen.“

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Twitter will Verschwörungstheoretiker nicht sperren

foto: apa/afp/justin tallis Twitter-Chef Jack Dorsey findet, dass eine Sperre zwar kurzfristig Nutzer erfreuen würde, auf Dauer aber nur schädlich ist.
Im Netz wird diskutiert, inwiefern freie Meinungsäußerung erlaubt sein darf

Muzayen Al-Youssef | derStandard.at

Das Pentagon habe Chemikalien, genannt die „Schwulenbombe“, in das US-Wasserversorgungssystem entweichen lassen, sodass nun sogar die „verdammten Frösche schwul sind“. Millionen illegale Migranten hätten an der US-Präsidentschaftswahl 2016 teilgenommen. Und ein Amoklauf in einer Volksschule in Connecticut im Jahr 2012, bei dem 28 Menschen, darunter 20 Kinder, starben, sei eigentlich nur vorgespielt gewesen. Die Opfer seien angeblich Kinderschauspieler, die Intention dahinter sei, das US-Waffenrecht einzuschränken: Es sind Verschwörungstheorien wie diese, die den Radiomoderator Alex Jones und seine Sendung Infowars im Netz berüchtigt machten.

Gewaltverherrlichend

Vor allem in der US-amerikanischen Alt-Right-Szene konnte er sich über die Jahre als eine Ikone etablieren, die ihre Fans regelmäßig mit Videos, Texten und Radiosendungen versorgte. Nun drehten ihm die meisten seiner bevorzugten Distributionskanäle, Youtube, Facebook, Spotify, iTunes und sogar Pornoseiten, den Hahn ab. Jones’ Inhalte seien, so die Begründung, gewaltverherrlichend und menschenverachtend.

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Das Schweigen der Lamas: Missbrauch im Buddhismus

Foto: AP/Ashwini Bhatia
Immer mehr Schüler erheben Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen buddhistische Lehrer. Die Lamas ringen mit sich, wie sie damit umgehen sollen

Anna Sawerthal | derStandard.de

Vielleicht braucht es einen Sexvertrag?“, schlägt Dzongsar Khyentse Rinpoche im Oktober 2017 auf Facebook vor. Der tibetische Lama in den roten Roben wird im Westen geschätzt für seine Provokationen, seinen modernen Zugang zum Buddhismus. Den fiktiven Vertrag liefert er gleich mit. Er wäre all jenen Gurus dienlich, die „alle Lebewesen retten wollen, aber trotzdem ein erfülltes Sexleben anstreben“, postet er. Psychologen könnten auch prüfen, ob potenzielle Partner „Tendenzen hätten, Opfer zu spielen“. Der Lama aus Tibet wollte einen Scherz machen.

Catherine Guye fand das nicht lustig. Sie hat im Februar Anzeige gegen einen Lama in der Schweiz erstattet. Seine buddhistische Organisation ist international tätig. Die Schweizerin wirft ihm Körperverletzung vor und: „sexuelle Handlungen an einer Person durchgeführt zu haben, die nicht fähig zu Urteil oder Widerstand war“.

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Wenn eine Mutter hinter Gittern sitzt

Nur wenige Haftanstalten in Deutschland verfügen über Mutter-Kind-Räume. (Foto: dpa)
Eine junge Frau bemerkt im Gefängnis, dass sie schwanger ist. Nach der Geburt kämpft sie darum, dass ihr Baby bei ihr bleiben darf. Doch die Justiz in Rheinland-Pfalz lehnt das ab. Über eine Trennung, die für alle Seiten grausam ist.

Von Jasmin Siebert | Süddeutsche Zeitung

Als Kristina Silberstein an einem Morgen im September 2017 im Kreißsaal der Klinik Homburg den kleinen Tim aus ihrem Körper presst, drehen ihr die beiden Vollzugsbeamtinnen der Justizvollzugsanstalt Zweibrücken den Rücken zu. Sie schauen diskret weg – immerhin. Aber auch das ganze Justizsystem schaut offenbar diskret weg bei diesem Drama.

Am Tag nach der Entbindung, es ist 14 Uhr, liegt Silberstein wieder in ihrer Zelle. Und der kleine Tim in einer Auffangstation für Säuglinge. Bis zuletzt hatte die dreifache Mutter dafür gekämpft, wenigstens ihren jüngsten Sohn behalten zu dürfen. Doch die Justiz blieb hart.

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Glyphosat: Monsanto soll 250 Millionen Dollar wegen „Heimtücke“ bezahlen

Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)
Das Gerichtsurteil in San Franzisko hat globalen Signalcharakter, weil die Jury einen wesentlichen Zusammenhang zwischen der Krebserkrankung des Klägers und dessen Verwendung von Unkrautbekämpfungsmittel wie Roundup statuiert

Thomas Pany | TELEPOLIS

Es ist ein amerikanisches Gerichtsurteil mit einer typisch spektakulären Geldforderung, das der Superior Court of California in San Francisco gestern in einem weithin verfolgten Verfahren gegen Monsanto bekannt gab: 289 Millionen US-Dollar muss das Unternehmen an Dewayne Johnson zahlen. 39 Millionen Dollar als „compensatory“ und 250 Millionen als „punitive damages“, berichtet die New York Times. Wegen „Bosheit“ und „Unterdrückung“, wie beim berühmten Anwalt des Klägers, Robert F. Kennedy jr, nachzulesen.

In deutschen Berichten ist von knapp 250 Millionen Euro „Schmerzensgeld“ die Rede, wie in der Tagesschau oder der SZ. Der Kläger Dewayne Johnson leidet an einem Non-Hodgkin-Lymphom, einer bösartige Erkrankung des Lymphgewebes, die zu den Krebserkrankungen zählt und er macht den Umgang mit „Roundup“ und „Ranger Pro“ dafür verantwortlich.

Beides sind Kernprodukte des „Saatgutriesen“ Monsanto, der gerade vom deutschen Bayer-Konzern übernommen wurde. „Roundup“ und „Ranger Pro“ sind Unkrautbekämpfungsmittel, die Glyphosat enthalten, das jahrelang als Wundermittel galt und sehr viel verwendet wird, aber seit einiger Zeit wegen möglicher Gesundheitsgefahren im Zusammenhang mit seinem Gebrauch in Kritik steht.

Das Gerichtsurteil ist hier eindeutig. Die Geschworenen urteilten, die glyphosathaltigen Mittel hätten „wesentlich zur Krebserkrankung des Klägers beigetragen“ – und: Der Konzern hätte Kunden davor warnen sollen, dass Herbizide Krebs auslösen können. So habe er sich der „Heimtücke“ schuldig gemacht.

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RDF Talk – Carsten Frerk: Kirchenrepublik Deutschland

In seinem Vortrag zum gleichnamigen Buch „Kirchenrepublik Deutschland“ beschreibt Dr. Carsten Frerk erstmals, wie die Kirchen in Deutschland systematisch Einfluss auf die Politik nehmen. Dabei zeigt sich, dass katholische und evangelische Stellen in einer Weise in Gesetzgebungsverfahren eingebunden sind wie keine zweite zivilgesellschaftliche Kraft.

Richard-Dawkins-Foundation

Wie stark der Einfluss der Kirchen auf die Politik ist, zeigt unlängst die Entscheidung des Parlaments zum Thema Sterbehilfe. Laut Dr. Frerk ist die Verabschiedung des „Gesetzes zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ 2015 nicht unwesentlich auf die enge personelle Verflechtung von Kirche und Staat in Deutschland zurückzuführen.

So lassen die Kirchen ihre Interessen Realität werden, obwohl es dafür längst keine Mehrheiten in der Bevölkerung mehr gibt. Als größte private Arbeitgeber, als größte Grundbesitzer und als Milliarden umsetzende Wirtschaftskonzerne verfolgen die Kirchen massive Eigeninteressen.

Zum Referenten:

Carsten Frerk ist Politologe und wurde durch kirchen- und religionskritische Werke bekannt. Zudem ist er Autor historischer Romane. Im Mittelpunkt seines Werks stehen Buchveröffentlichungen über die finanziellen Verflechtungen von Staat und den beiden Amtskirchen in der Bundesrepublik Deutschland. Unter anderem deshalb gilt er als Kirchen- und Religionskritiker. Carsten Frerk ist Mitglied im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung.

Auch Männer bekommen den „Babyblues“

Auch Väter können nach der Geburt eines Kindes eine Depression entwickelt. © David Sacks/ thinkstock
Nicht nur ein Mütter-Ding: Auch frischgebackene Väter können eine postnatale Depression entwickeln. Entgegen der gängigen Annahme tritt diese Form der psychischen Erkrankung bei Männern tatsächlich sogar ähnlich häufig auf wie bei Frauen, wie Psychologen nun berichten. Sie fordern daher ein Umdenken – und eine bessere Betreuung junger Väter.

scinexx

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, ist die Freude erst einmal groß. Die Anstrengungen von Schwangerschaft und Geburt sind überstanden, die Familie ist glücklich. Trotzdem rutschen viele Mütter in den ersten Tagen nach der Entbindung in ein Stimmungstief ab. Sie weinen viel, sind empfindlich und verstimmt.

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CDU-Politiker Hirte zur Abschiebung von Konvertiten: Ein Problem mit allen Schattierungen

In manchen Ländern droht ihnen Verfolgung und Todesstrafe: Trotzdem lehnt das BAMF reihenweise Asylanträge von zum Christentum übergetreten Geflüchteten ab. Wie kommt es zu solchen Entscheidungen?

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Wenn Gerichte über Autounfälle oder Tierquälerei zu entscheiden haben, dann ziehen sie Gutachter heran, Ingenieure oder Veterinäre. In Fragen der Religion entscheidet einzig ein Asylsachbearbeiter des BAMF. Wie kann das sein?

Heribert Hirte (CDU-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Stephanuskreises des Deutschen Bundestages): Zunächst mal müssen wir die Frage stellen, ob jemand zu einer Religion gehört oder nicht. Das ist eine Frage der persönlichen Überzeugung. Die Frage hingegen, ob jemand bei uns Asyl gewährt bekommt, ist eine staatliche Entscheidung. Die eine Frage hat natürlich mit der anderen Frage zu tun, aber es ist nicht so, als ob ein Gutachter die staatliche Entscheidung abschließend beurteilen könnte. Das darf auch so nicht sein, weil das letztlich zwei unterschiedliche Sphären sind.

DOMRADIO.DE: Glauben Sie denn, jemand würde seinen Glauben aufgeben und zum Christentum konvertieren, nur um einen Asylgrund zu schaffen, wenn er weiß, dass er damit gleichzeitig sein Todesurteil sprechen könnte?

Hirte: Das Problem ist, dass es, wie immer im Leben, alle Schattierungen gibt. Es gibt – so kriegen wir das berichtet – eine große Zahlen von Menschen, die sich aus großer Überzeugung vom Islam abkehren und zu anderen Religionen übertreten. Wir wissen aber auch, dass es Menschen gibt, die das aus taktischen Gründen tun. Und man kann noch nicht einmal sagen, dass das ein schlechter Grund ist. Denn wir wissen natürlich auch, dass in manchen Ländern der Welt gesagt wird: Das Christentum ist das, was die sogenannte westliche Welt ausmacht. Und wenn man diese westliche Welt als Lebensmodell für gut hält, dann bekennt man sich zum Christentum, um dorthin zu kommen. Aber diese Einzelüberlegungen voneinander abzugrenzen, ist außerordentlich schwierig.

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Organische Christus Generation – Schluss mit Gehorsam: Wie Abigail nach 17 Jahren religiöser Sekte entkam

In dem Buch «Erziehe mit Vision!» beschreibt Ivo Sasek die Prinzipien der von ihm propagierten Kindererziehung. Sasek ist Gründer der Sekte «Organische Christus Generation». dpa
Fast ihre ganze Kindheit verbringt Abigail in einer Sekte. Dann schafft die junge Frau den Ausstieg. Ihre Geschichte zeigt, wie sich ein Mensch aus einem mentalen Gefängnis befreien kann. Und sie bietet Einblicke in ein wenig bekanntes Netzwerk.

FOCUS ONLINE

Abigail ist 21 Jahre alt, als sie ihr erstes Leben beendet. Von einem Tag auf den anderen lässt sie alles zurück. Raus aus der alten, rein in eine neue, fremde Welt. „Es ist, als wäre ich auf einem neuen Planeten gelandet“, sagt sie.

Die junge Frau mit den blonden Haaren und den blauen Augen wirkt selbstbewusst, fröhlich. Nichts deutet darauf hin, dass sie fast ihr gesamtes Leben in einer als abgeschottet und eng empfundenen Gemeinschaft verbracht hat. In einem Café in Düsseldorf erzählt sie davon, wie sich ihr Leben plötzlich in ein Vorher und Nachher teilte.

Als Abigail vier Jahre alt ist, treffen ihre Eltern die Entscheidung, in eine Gemeinschaft einzutreten, deren Namen nur wenige kennen: Organische Christus Generation – kurz OCG. So nennt sich die Sekte mit Zentrum in der Schweiz, die auch in Deutschland und Österreich Anhänger hat. Abigail und ihre vier Geschwister werden damit zu „OCGern“. Wenn sie von dieser Zeit erzählt, verschwindet das Lachen plötzlich aus ihrem Gesicht. Etwas Ernstes, Verletzliches schimmert durch.

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„Jüdisches Kind“? „Muslimisches Kind“? „Christliches Kind“?

Bild: Richard-Dawkins-Foundation
Kulturelle Tradition hat ihren Stellenwert, aber keinen Platz in einer auf Fakten basierten Bildung.

Von Richard Dawkins | Richard-Dawkins-Foundation

Mein oft (manche mögen sagen, zu oft) wiederholter Hinweis auf die Absurdität – ja Bösartigkeit – der Etikettierung von Kindern mit der Religion ihrer Eltern („Würden Sie von einem ‘postmodernen Kind’ oder einem ‘gramscianischen-marxistischen Kind’ sprechen?) ist in der Regel erfolgreich. Die Leute verstehen den Punkt fast immer sofort, wiewohl es eine andere Frage ist, ob es bei ihnen ein zukünftiges Bewusstsein dafür schafft, bei dem sie tatsächlich zusammenzucken, so wie ich es tue, wenn sie von einem „katholischen Kind“ oder „muslimischen Kind“ hören. Aber es gibt ein Gegenargument, dem ich oft begegne, und es klingt oberflächlich plausibel. Es ist mein Anliegen, mich hier damit auseinanderzusetzen.

Die Gegner, von denen ich spreche, berufen sich oft auf den Sonderfall des Judentums, aber der Punkt kann allgemeiner formuliert werden. Es sei lächerlich und falsch, Eltern davon abzuhalten, ihre kulturellen Traditionen an ihre Kinder weiterzugeben. Sprache, Akzent, Kleidungsstile, Ernährung, Essgewohnheiten, Sprichwörter, poetische Anspielungen, Spiele, nonverbale Signale oder Grüße wie Kopfschütteln oder Nicken oder soziales Küssen werden kulturell vermittelt. Die Menschheit wäre ärmer, wenn wir sie verlieren würden. Religion, so wird behauptet, ist nur ein weiterer Punkt auf der Liste.

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Papst Franz verliert in Italien deutlich an Beliebtheit

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Papst Franziskus verliert in Italien aufgrund seiner Migrations-Einstellung offensichtlich deutlich an Zustimmung bei jungen Menschen.

kath.net

Papst Franziskus verliert in Italien aufgrund seiner Migrations-Einstellung offensichtlich deutlich an Zustimmung bei jungen Menschen. Dies zeigt eine Umfrage vom vergangenen Sonntag, wie die Zeitung La Repubblica berichtet. Bei den 18- bis 24-jährigen ging die Zustimmung von 83 auf 58 Prozent zurück. Insgesamt ging die Beliebtheit von Franziskus bei den Italiener um 20 Prozentpunkte zurück. Nach seiner Wahl lag Franziskus bei fast 88 Prozent Zustimmung. Beliebt ist Franzsikus derzeit vor allem noch bei regelmäßigen Kirchenbesuchern.

Kinderbräute in der Türkei

Hayrünnisa Gülen und ihr Mann Abdullah. Bild: mena-watch
Wo sähen Sie Ihre Tochter lieber, wenn sie 13 ist? In der Schule oder im Bett mit einem erwachsenen Mann? Die Antwort auf diese Frage ist in weiten Teilen der Welt unumstritten.

Von Burak Bekdil | mena-watch

In islamischen Gesellschaften jedoch – einschließlich der nicht-arabischen und theoretisch säkularen Türkei – wird die Antwort nicht so eindeutig ausfallen. In solchen Staaten kämpft die Polizeimacht der Regierung in der Regel nicht gegen die patriarchalische Tradition, sondern unterstützt sie. Der ehemalige Präsident der Türkei Abdullah Gül etwa, der ehemalige Verbündete und Mitbegründer der Partei, die seit 2002 die Türkei regiert, war ein 30-jähriger Mann, als er seine Frau Hayrünnisa heiratete, die damals erst 15 war. Gül, von Erdoğan einst für die Präsidentschaft nominiert, war der erste islamistische Präsident der Türkei. Konservative Türken, anstatt Güls Ehe mit einem Kind in Frage zu stellen, feuerten seinen Aufstieg zur Präsidentschaft an. Als Journalist wurde ich privat – aber nicht höflich – mehrmals von hochrangigen Politikern davor gewarnt, das Thema in einer Zeitungskolumne anzusprechen.

Laut dem türkischen Philanthropie-Fonds (TPF) werden in der Türkei 40% der Mädchen unter 18 Jahren zur Heirat gezwungen. TPF stellte fest, dass der türkische nationale Durchschnitt der weiblichen Schulabbrecher 56% beträgt. Ferner wurde festgestellt, dass eine frühe Heirat in Familien mit niedrigem Bildungsniveau zu beobachten ist. „Niedrige Bildung“ betrifft fast die gesamt Türkei: Die durchschnittliche Schulzeit im Land beträgt nur 6,5 Jahre. In 45 türkischen Provinzen liegt die Ausbildungsquote unter dem nationalen Durchschnitt.

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US-Bischöfe ‚haben das Vertrauen der Laien und Priester verloren’

Wie ist es möglich, dass jemand wie Theodore McCarrick in der Hierarchie der Kirche bis zum Kardinal aufsteigt, ohne dass sein Fehlverhalten Konsequenzen hat, fragt Paul Etienne, der Erzbischof von Anchorage.

kath.net

Die Bischöfe der USA hätten das Vertrauen vieler Priester und Laien verloren. Sie müssten nun klug vorgehen, um dieses Vertrauen wieder zu gewinnen, schreibt Paul Etienne, der Erzbischof von Anchorage (Alaska), auf seinem Blog.

Die meisten praktizierenden Katholiken hätten Vertrauen in ihre Priester. Angesichts von Missbrauchsskandalen wie beispielsweise jenem um Kardinal McCarrick könne man dies hinsichtlich der Bischöfe nicht sagen, stellt Etienne fest. Auch sie müssten zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie in die Skandale verstrickt seien, fordert Etienne.

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Kirchengemeinde muss Stadt Sozialleistungen für Syrerin erstatten

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Eine Kirchengemeinde in Lübbecke hat für syrische Flüchtlinge gebürgt und wehrt sich vor Gericht gegen Kostenbescheide der Behörden. Initiativen und Kirchen dringen auf eine politische Einigung von Bund und Ländern zur Entlastung der Bürgen.

Thomas Krüger | evangelisch.de

Die Enttäuschung steht Pfarrer Eckhard Struckmeier aus Lübbecke ins Gesicht geschrieben. Das Verwaltungsgericht in Minden hat am Mittwoch seine Kirchengemeinde zur Erstattung von 10.000 Euro Sozialleistungen an die Stadt Lübbecke verurteilt. Dass Bürgen auch nach der staatlichen Anerkennung von Flüchtlingen weiter für deren Lebensunterhalt einstehen sollen, ärgert Struckmeier: „Auf Menschen, die sich für Flüchtlinge engagieren, wirken die Forderungen wie eine Bestrafung.“

Aufgrund von Verpflichtungserklärungen der Kirchengemeinde konnten sich 2014 zwölf syrische Bürgerkriegsflüchtlinge nach Lübbecke in Sicherheit bringen, darunter auch Frau M. „Wir übernahmen die Bürgschaften auf Bitten von Verwandten der Syrer, weil diese selbst nicht genug Geld dafür hatten“, berichtet der Pfarrer. 100.000 Euro legte der Kirchenkreis Lübbecke für das mit den Verpflichtungen verbundene Risiko in eine Rücklage.

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