Machteliten: Von der großen Illusion des pluralistischen Liberalismus

Bild. heise.de
Auch 60 Jahre nach seinem Erscheinen hat Charles Wright Mills‘ Buch „The Power Elite“ nichts an Brisanz verloren.
Sein Name: Charles Wright Mills. Sein Geburtsort: Austin, Texas. Sein Beruf: Soziologe. Seine Berufung: Seine Aufgabe als kritischer Gesellschaftswissenschaftler ernst zu nehmen.

Von Marcus Glöckner | TELEPOLIS

Wer kennt heute noch den Namen dieses Mannes, der 1956 durch sein Buch „The Power Elite“ die Machtelitentheorie begründete? Obwohl Mills längst ein Klassiker der Soziologie ist, scheint die Arbeit des unangepassten Professors von der Columbia Universität in Vergessenheit geraten zu sein. Das ist bedauerlich, denn: Mills hat nichts Geringeres getan, als den demokratischen Charakter der USA auf den Prüfstand zu stellen. Dabei erkannte Mills: Trotz formal vorhandener demokratischer Strukturen hat sich eine Machtelite formiert, der es gelingt, demokratische Prozesse auszuhebeln.

Die Theorie der Machtelite ist heute, 60 Jahre nach ihrer Veröffentlichung, aktueller denn je. In ihr finden sich die Schlüssel zum Verständnis einer aus guten Gründen gerade sehr aktuellen Diskussion über das Verhältnis zwischen Eliten und Bevölkerung.

„Das vorliegende Buch von C. Wright Mills ist vielleicht das aufschlußreichste, das nach dem Kriege über die Vereinigten Staaten von Amerika geschrieben wurde.“ Mit diesen Worten beginnt eine Vorbemerkung des Verlages zur deutschen Ausgabe von Mills‘ Werk über die Machtelite, das 1962 hierzulande auf dem Markt erschien. Die Aussage scheint hochgegriffen, doch wer das Buch des Professors, der eine Vorliebe für Motorräder hegte, liest, wird schnell feststellen: Hier hat jemand eine so grundlegende Arbeit geleistet, dass die Meinung des Verlages nicht einfach von der Hand zu weisen ist.

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Ist die Türkei auf dem Weg in den Faschismus?

AKP

Die Angst geht um in der Türkei. Bedrohliche Neuigkeiten, Schlag auf Schlag. Es ist Zeit, Erdogan unmissverständlich zu antworten.

Von Stephan-Andreas Casdorff | DER TAGESSPIEGEL

Da ist der „Führer“ als unangreifbare Autorität, der über sich Regeln des Rechtsstaats stellt. Da ist der Putsch, der, wie ein sozialdemokratischer Bundestagsabgeordneter sagt, Recep Tayyip Erdogans „Reichstagsbrand“ sei. Danach kann er alle missliebigen Personen ohne viel Federlesens und bisher ohne jedes rechtsstaatliche Verfahren ihrer Ämter entheben oder sie festsetzen.

Zehntausende Festnahmen sind es schon. Dazu Ausreiseverbote für Wissenschaftler, der Ausnahmezustand und das teilweise Aussetzen der Europäischen Menschenrechtskonvention. Und die Todesstrafe soll Volkes Wille sein.

Überhaupt diese Reden, dieses Vokabular. Zum Beispiel noch vor dem Putsch die wütende Aufforderung, das Blut der deutschen Abgeordneten türkischen Ursprungs zu untersuchen. Oder die nationalistischen Sprüche nach dem Putsch, die die Massen aufwiegeln. Oder das An-den-Pranger-Stellen einer Gruppe, die alles Böse über die Türkei gebracht haben soll. Oder der architektonische Größenwahn, der am Präsidentenpalast in Ankara zu sehen ist.

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„1000 Kreuze“: Die lebenden Retros marschieren in Salzburg

1000 Kreuze in Berlin 2008/Quelle: Brights Berlin
1000 Kreuze in Berlin 2008/Quelle: Brights Berlin
Am Sonntagnachmittag werden in Salzburg AbtreibungsgegnerInnen und BefürworterInnen des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch aufeinandertreffen.

dieStandard.at

Anlass ist der jährlich stattfindende „Gebetszug“ 1000 Kreuze für das Leben, der von Euro Pro Life und Human Life International (HLI) organisiert wird. An dem Gebetszug, bei dem weiße Kreuze durch die Salzburger Innenstadt getragen werden, nehmen auch KirchenvertreterInnen teil. In den letzten Jahren beteiligte sich der Salzburger Weihbischof Andreas Laun, der in der Vergangenheit mit homophoben Äußerungen aufgefallen war, maßgeblich. Vor zwei Jahren wurde der Marsch noch von Laun persönlich angeführt.

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Homeschooling: Die böse Welt bleibt draussen

Daheim in einem 200-jährigen Holzhaus. (Bild: Bilder Karin Hofer / NZZ).
Bernice Zieba unterrichtet einen Teil ihrer sieben Kinder daheim – und will sie so vor Stress, Drogen und Sexualisierung bewahren. Auf der Suche nach noch mehr Freiheiten zieht die Familie nun weiter.

Von Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

Das Mädchen ist erst dreieinhalb und versucht doch schon, seinen Namen zu schreiben. Dazu klaubt es Kartonbuchstaben aus einer Schachtel. Die Szenerie erinnert zwar an ein Klassenzimmer: Schiefertafeln, Tintenfass, Holzbänke. Doch es ist eine Schule aus längst vergangenen Zeiten. Und die Frau, die hilft, die Schriftzeichen in die richtige Reihenfolge zu bringen, ist weder Kindergärtnerin noch Lehrerin. Sondern Emilias Mutter.

Bernice Zieba praktiziert Homeschooling, was weniger verstaubt klingt als Heimunterricht. An diesem Mittwochvormittag haben die 40-Jährige und ihr Mann Jan fünf ihrer Kinder in den weissen Van gesetzt und sind ins Ortsmuseum Merenschwand gefahren. Grosse Sehenswürdigkeit in der nachgebauten Schule: der Schulthek von Doris Leuthard, der berühmtesten Persönlichkeit, die Merenschwand hervorgebracht hat. Bernice zeigt ihrem achtjährigen Sohn Alwin eine Schwarz-Weiss-Luftaufnahme des Dorfes an der Wand und lässt ihn raten, aus welchem Jahr das Bild stammt. In einer alten Schuhwerkstatt gibt es echtes Schlangenleder. Das wäre heute nicht mehr erlaubt, erklärt sie ihren Kindern. «Wir müssen die Tiere schützen.» Sie sagt es auf Englisch, als Tochter einer Schweizerin und eines Briten aus Guyana ist sie selber in der Schweiz und in England aufgewachsen.

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Mecklenburg-Vorpommern: Die große Angst vor der AfD

Gegendemonstration beim Wahlkampfauftakt der AfD in Rostock in dieser Woche.Foto: imago/Fotoagentur Nordlicht
Umfragen sehen die AfD in Mecklenburg-Vorpommern bei 19 Prozent, im Osten des Bundeslandes könnte die Partei sogar bis zu 30 Prozent erreichen. Vor allem die regierende SPD bekommt Panik, weil sie abstürzt.

Von Armin Lehmann | Der TAGESSPIEGEL

örg Kröger steht in der prallen Sonne und schwitzt. Auf einem Parkplatz mitten im Zentrum von Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Alternative für Deutschland (AfD) breit gemacht mit einem Großaufgebot an Technik und Menschen. Rund 20 Parteihelfer stehen um Kröger herum, aber ansonsten ist niemand zu sehen. Kein Bürger will etwas von dem IT-Ingenieur, 61 Jahre, Direktkandidat für die Landtagswahl am 4. September. Kröger, in Jeans und Countryhemd, lächelt verlegen und sagt: „War kurzfristig angesetzt der Termin.“

Auch wenn es in Ludwigslust nicht nachzuvollziehen ist – laut Umfragen steht die AfD bei 19 Prozent. In der Parteiführung träumen sie jetzt schon davon, stärkste Partei werden zu können. Man profitiert davon, dass in der öffentlichen Wahrnehmung der Eindruck entsteht, dass das tatsächlich möglich wäre. Genau deshalb reden auch Vertreter der AfD überall dort darüber, wo sie auftreten. Nur Jörg Kröger verkneift sich das angesichts der Menschenleere vor ihm.

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Hillary-Leaks: Wikileaks stellte 20.000 E-Mails der US-Demokraten online

foto: flickr.com/wikileakstruck (CC-Lizenz) Wikileaks ist überall - und da lesen die Behörden natürlich gerne mit.
foto: flickr.com/wikileakstruck (CC-Lizenz)
Wikileaks ist überall – und da lesen die Behörden natürlich gerne mit.
Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat eigenen Angaben zufolge rund 20.000 E-Mails aus dem Wahlkampfteam von Hillary Clinton öffentlich gemacht.

derStandard.at

Die Nachrichten machen zum Teil deutlich, wie hart der Vorwahlkampf innerhalb der demokratischen Partei zwischen Clinton und ihrem Widersacher Bernie Sanders ausgefochten worden war.

Parteichefin Debbie Wasserman Schultz bezeichnete einen Sanders-Vertrauten in einer Nachricht als „verdammten Lügner“. Aus anderen Mails wird deutlich, wie sich die Demokraten bei ihren Parteispendern mit Zugang zu Partei-Partys und Freikarten für den Parteitag bedankten. Wikileaks bezeichnete die 20.000 E-Mails als „ersten Teil unserer neuen Serie Hillary Leaks“.

Die Veröffentlichung kommt wenige Tage vor dem Beginn des Nominierungsparteitags der Demokraten in Philadelphia. Dort soll Clinton zur Kandidatin für das Präsidentenamt gekürt werden

Schwul und verstoßen: LGBTQ-Menschen, die in einer konservativen Sekte aufwachsen

Jacob Hutter, Bild: wikimedia.org/PD

Die Offenbarung kam ihm in Form des People Magazines.
Tyrone Hofer war damals 16 und lebte in einer Hutterer-Kolonie im südlichen Manitoba, Kanada. Er merkte früh, dass er irgendwie anders als seine Altersgenossen war. Bereits mit sieben sagte er: „Ich will kein Mädchen heiraten“, erinnert er sich.

Von Manisha Krishnan | VICE.com

„Ich habe es einfach gesagt. Ich hatte keine Ahnung warum“, sagt der mittlerweile 26 Jahre alte Tyrone gegenüber VICE.

2006 war das Jahr, in dem Tyrone eine Ausgabe des People-Magazine im Wohnzimmer seiner Eltern entdeckte. Auf dem Cover war das ehemalige N’Sync-Mitglied Lance Bass in einem blauen Hemd mit Stickereien zu sehen. Darunter standen die Worte: „Ich bin schwul.“

Tyrone wandte sich an seine Mutter—eine Hausfrau, die im Gemeinschaftsgarten und der Küche der Kolonie arbeitete—und fragte sie: „Mom, was bedeutet schwul?“, worauf sie antwortete: „Es ist böse, es ist abscheulich. Es ist nicht richtig.“

Nachdem er den Artikel gelesen hatte, erkannte Tyrone allerdings, dass das Wort auch ihn beschrieb.

„Wegen der Worte meiner Mutter dachte ich mir aber: ‚Oh mein Gott, sie dürfen das nie erfahren. Ich werde das mit ins Grab nehmen.'“

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Mehr als 1.600 Homo-Ehen 2015 in NRW geschlossen

Bild: bpb.de
Bild: bpb.de
Auf den Standesämtern in Nordrhein-Westfalen haben im vergangenen Jahr 1.663 Paare eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft geschlossen.

evangelisch.de

Das war ein Rückgang um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das statistische Landesamt am Donnerstag in Düsseldorf mitteilte. Die Daten zur Beurkundung von Homo-Ehen werden seit 2014 erhoben. Insgesamt gaben sich 2015 in NRW 857 weibliche und 806 männliche Paare das Ja-Wort, wie es weiter hieß. Die Frauen waren dabei im Durchschnitt 40,6 Jahre alt, die Männer 43,4 Jahre. Eheschließende waren dagegen zum Zeitpunkt der standesamtlichen Trauung mit 34,5 bzw. 37,3 Jahren um etwa sechs Jahre jünger. Der Altersunterschied der Lebenspartner lag bei 30 Prozent der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften zwischen zwei und knapp fünf Jahren.

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The Rising Tide of Republican Extremism

Image: Friendly Atheist
Last week, in a failed last-minute bid to prove himself bigoted enough to be Donald Trump’s running mate, Newt Gingrich said this:
 

By Adam Lee | Friendly Atheist

This isn’t just unconstitutional, it’s anti-constitutional. The idea of a religious test for American citizens, used for expelling those whose views are deemed unacceptable, runs counter to everything the First Amendment stands for. It’s pure pandering to the fundamentalist Christian theocrats and white-resentment voters who make up the hard core of the GOP, now that the party has shed most of its moderates. Whether Gingrich personally believes it or not scarcely even matters. What matters more is that he thinks this position will make him popular among the party’s base – and he’s probably right.

Gingrich’s embrace of the internment-camp mentality is emblematic of the Republicans’ accelerating rightward shift. You might think that Donald Trump, who’s not an orthodox conservative whatever else he is, would be a moderating influence on the party’s hard right wing. But that turns out not to be the case.

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Rettet die Religion! Es gibt keinen vernünftigen Grund, das zu tun

Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Wer den Glauben an einen Gott für den Urgrund aller Intoleranz hält, mag sich nach Würzburg wieder bestätigt sehen. Falsch: Unsere Gesellschaft braucht jetzt nicht weniger Frömmigkeit, sondern mehr.
 

Von Lucas Wiegelmann | DIE WELT

Wenn Papst Johannes Paul II. bei einer Diskussion über ein schwieriges Problem mal nicht weiterwusste, was in einer Amtszeit von gut 26 Jahren ja schon mal vorkommen kann, pflegte er zu sagen: „Wir sehen keine Lösung. Weil wir zu wenig gebetet haben. Beten wir also.“

So erzählt es sein früherer Sekretär, der fromme Anekdoten liebt. Man wüsste gern, was Johannes Paul II. zum Terrorismusproblem von heute zu sagen gehabt hätte. Einfach ein bisschen beten? Ist beten, ist Religion, ist Gott nicht gerade das Problem?

Im Windschatten des Streits über die Frage, ob der Islam nun böse oder lieb ist, hat längst eine noch grundsätzlichere Debatte neue Fahrt aufgenommen. Es geht um die alte These, dass Religion an sich eine Gefahr für den Frieden sei, nicht nur für Angehörige der jeweils konkurrierenden Religionen, sondern für alle Menschen, auch für solche, die an gar nichts glauben (tatsächlich nennen die islamistischen Terroristen ihre Feinde ja meist nicht „Christen“, sondern „Ungläubige“).

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In den USA tobt ein Toilettenstreit

Bild: FB
Bild: FB
In den USA tobt ein Streit um die Kennzeichnung von öffentlichen Toiletten und die Regelung, wer welche Toilette benutzen darf.

kath.net

US-Präsident Barack Obama hat in einem Brief an Schulen und Universitäten klargestellt, dass Ausbildungsstätten ein Ort frei von sexueller Diskriminierung sein müssten. Daraus folge, dass Schüler und Arbeitnehmer auf jene Toilette gehen dürften, die ihrer „Geschlechtsidentität“ und nicht ihrem biologischen Geschlecht entspricht. Andernfalls drohten Streichungen von Bundesgeldern.
Methodistischer Hochschulrektor: Regelung ist „ideologischer Faschismus“

Kritik an dem Erlass übte jetzt der Präsident der Evangelisch-methodistischen Wesley-Universität in Oklahoma, Everett Piper. Die Regelung verlange von ihm, dass er bewusst gegen die Bibel verstoße, nach der Gott Menschen als Männer oder Frauen geschaffen habe, sagte er bei einer Podiumsdiskussion in Washington, zu der er per Skype zugeschaltet war. Die Toilettenregelung diene mehr dem „ideologischen Faschismus als der intellektuellen Freiheit“, sagte er nach einem Bericht der Internetzeitung „Christian Post“ (Washington).

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22 tote Flüchtlinge auf Schlauchboot im Mittelmeer entdeckt

Seit Beginn des Jahres sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. dpa
Seit Beginn des Jahres sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. dpa
Eine Rettungsmannschaft von „Ärzte ohne Grenzen“ hat auf einem Schlauchboot im südlichen Mittelmeer die Leichen von 22 Flüchtlingen entdeckt.

evangelisch.de

Bei den Toten handle es sich um 21 Frauen und einen Mann, teilte die Hilfsorganisation in der Nacht auf Donnerstag mit. Die Todesursache sei noch unklar, die Leichen hätten in einer Mischung aus Wasser und Treibstoff auf dem Boden des Boots gelegen. 200 Überlebende seien gerettet worden. Wegen der guten Wetterbedingungen ist die Zahl der Flüchtlinge, die sich von Libyen aus in Kuttern und Schlauchbooten auf den Weg nach Italien machen, in den vergangenen Tagen stark angestiegen.

Der Totengräber der demokratischen Republik Türkei

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Seit dem gescheiterten Militärputsch treibt Recep Tayyip Erdogan in atemberaubenden Tempo den Umbau der Türkei voran. Rechtsstaatlichkeit interessiert ihn dabei nicht. Er hat nur ein Ziel, und wie es scheint, kann niemand ihn stoppen.

Von Marc Drewello | stern.de

Es ist schon absurd: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan vereitelt mit dem scheinbar demokratischsten aller Mittel – dem Einsatz des Volkes – den Versuch von Militärs, aus der Türkei wieder eine Diktatur zu machen, nur um anschließend selbst aus der Türkei eine Diktatur zu machen. Noch absurder ist, dass Teile des türkischen Volkes den ersten Versuch, ihm seine Macht zu entreißen, mit Leib und Leben bekämpft haben, während sie den zweiten mit Jubelaufmärschen und Beifallsstürmen befeuern.

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Terror: Wie sich die konservativen Islamverbände wegducken

Zentralmoschee der türkisch-islamischen Union Ditib in Köln / picture alliance
Die größte Gefahr geht nach Ansicht des Freiburger Islamwissenschaftlers Abdel-Hakim Ourghi nicht von polizeibekannten Salafisten aus, sondern von den konservativen muslimischen Dachverbänden. Sie seien noch „meilenweit“ von einem aufgeklärten Islam entfernt. Ourghi fordert drastische Maßnahmen.

Von ABDEL-HAKIM OURGHI | Cicero

Vor einigen Jahren sagte der heutige Präsident der Türkei, Recep Tayyip Erdoğan: „Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“ Gewiss prägen solche ideologischen Sätze das kollektive Gedächtnis und bestimmen den Umgang der türkischstämmigen Menschen mit Nichtmuslimen. Solche Sätze sind nicht nur sinnstiftend, sondern bilden sogar eine Barriere für die Integration der türkischstämmigen Menschen. Und sie sind auch die Ebnung eines Wegs für die Parallelgesellschaft, besonders wenn man bedenkt, dass die Mehrheit der türkischen Moscheen, wie etwa die der Ditib, von diesem finanziellen und ideologischen Einfluss abhängig sind.

Der türkische Islam wird immer islamistischer und nationalistischer. Er bildet sogar die Basis für einen „Ghetto-Glauben“ in die Parallelgesellschaft. Es ist auch kein Wunder, dass ein Drittel aller deutschen Gotteskrieger in Syrien und im Irak türkischstämmig ist. Aus Dinslaken-Lohberg ist eine Gruppe von 22 Jugendlichen geschlossen in den „Heiligen Krieg“ gezogen. Auch die Ditib-Jugendlichen posierten mit dem Finger als Siegeszeichen des IS im Netz. Auf der Internet-Seite der Ditib-Gemeinde in Melsungen sind im Jahre 2015 antisemitische Hetzparolen übelster Sorte gegen die Juden aufgetaucht.

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Wie im Straßenverkehr: Wir brauchen Führerschein für Religion

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Das Grauen von Nizza zeigt: Es laufen im Augenblick zu viele Irre rum. Die hat es zwar immer gegeben. Zurzeit sind sie bloß durch einen „religiösen“ Gewalt-Cocktail extra gefährlich. Wenn man sich ansieht, wie viele Morde pseudo-religiöse Menschen begehen, muss man leider sagen: Religion ist gefährlich und nichts für Anfänger.

Von Chin Meyer | Berliner Kurier

Wie der Straßenverkehr. Der ist auch gefährlich und nichts für Anfänger. Deshalb muss man im Straßenverkehr einen Führerschein machen. Aber an Religion wird jeder Idiot rangelassen. Warum eigentlich?
Wir brauchen einen Führerschein für Religion. Der muss nicht auf den Islam beschränkt sein. Christen, Juden, Hindus, Buddhisten brauchen den genauso. Bevor man das erste Mal betet oder in Tempel/Moschee/Kirche/Synagoge eingelassen wird, muss man eine Religions-Reifeprüfung ablegen und nachweisen, dass man zugleich tiefstes Vertrauen in die Existenz eines göttlichen Wesens hat als auch die Möglichkeit gelten lässt, total daneben zu liegen und dann besoffen Sirtaki zu tanzen.

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Kirchen thematisieren Suizidprävention

Zum internationalen Telefonseelsorge-Kongress in Aachen hat die Telefonseelsorge der katholischen und evangelischen Kirche am Mittwoch ihre Broschüre „Suizidprävention – Damit das Leben weitergeht“ veröffentlicht.

evangelisch.de

Die Verhinderung von Suiziden spiele in der Telefonseelsorge eine große Rolle, teilten die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die katholische Deutsche Bischofskonferenz mit. In Tausenden Gesprächen werde deutlich, wie eng der Gedanke, sich selbst das Leben zu nehmen, mit fehlenden sozialen Kontakten und der Erfahrung des Ausgeschlossenseins verbunden sei.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, schreiben im Vorwort der achtseitigen Schrift: „Als Christen glauben wir, dass das menschliche Leben ein kostbares Geschenk Gottes, unseres Schöpfers ist, für das wir gemeinsam Verantwortung tragen.“

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Demo für Alle: Weckruf für alle lebenden, mittelalterlichen Retros in München

Am 24. Juli wird um 14 Uhr in München die Weckruf-Demo unter dem Motto „Stoppt Gender und ‚Sexualpädagogik der Vielfalt‘ in Bayerns Schulen!“ stattfinden. Unterstützer u.a.: Forum Deutscher Katholiken und CDU-/CSU-Einzelgruppen

kath.net

Am 24. Juli wird um 14 Uhr in München die Weckruf-Demo unter dem Motto „Stoppt Gender und ‚Sexualpädagogik der Vielfalt‘ in Bayerns Schulen!“ stattfinden. Unterstützt wird diese Kundgebung u.a. vom Forum Deutscher Katholiken, von Untergruppierungen der in CDU/CSU (Mehrere Kreisverbände des Evangelischen Arbeitskreise in der CDU, CSU-Basisbewegung für Werte und Freiheit sowie den Christdemokraten für das Leben (CDL) Baden-Württemberg) sowie von Gabriele Kuby.

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Sprachrassismus: Türkisch kommt in die Hauptschule, Englisch aufs Gymnasium

Schule © onnola @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Im deutschen Bildungssystem gibt es eine Art Sprachhierarchie. Der „Wert“ der türkischen oder der Sprachen aus dem arabischen Raum ist deutlich niedriger als Englisch oder Französisch.
 

Von Rodolfo Valentino | MiGAZIN

R. Kohlkampf arbeitet für eine Kreisverwaltung im kommunalen Integrationszentrum. Er ist zusammen mit seinem Kollegen I. Güngör für die Seiteneinsteigerberatung zuständig. Dort werden alle gemeldeten schulpflichtigen Kinder und Jugendliche, die im Laufe eines Schuljahres aus ihrem Heimatland ohne Deutschkenntnisse einreisen, in das hiesige deutsche Schulsystem eingegliedert. Sie sollen entsprechend ihrer mitgebrachten Kompetenzen (Bildungsbiografie) bedarfsgerecht und systemoptimiert beraten und an in Betracht kommende deutsche Schulen empfohlen werden.

Diese Arbeit gestaltet sich nicht immer einfach und oftmals verzweifeln die Beiden, wenn es darum geht, Gymnasialschülern, u.a. aus Syrien, Eritrea, Kosovo-Albanien, Rumänien, Bulgarien, usw. an deutsche Gymnasien zu vermitteln. Sie sind schnell dabei, die fehlenden Deutschkenntnisse als „Lernbehinderung“ einzustufen. Das führt dazu, dass den Kindern und Jugendlichen eine „höhere Schulbildung“ verwehrt wird.

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Mohamed Lahouij Bouhlel – ein Krimineller, ein Terrorist, aber kein Islamist

Die Nachbarschaft des Attentäters: Menschen vor dem Wohnhaus von Mohamed Lahouij Bouhlel in den „Abattoires“ von Nizza © Fethi Belaid/AFP
Besuch in dem Viertel, in dem der Attentäter von Nizza wohnte. Seine Nachbarn beschreiben ihn als angespannt und unfreundlich. Kriminell sei er gewesen, aber kein Islamist. Nicht einmal ein gläubiger Muslim.
 

Von Silke Müller | stern.de

Zwischen Eisenbahntrassen und dem ehemaligen Schlachthof liegt jenes Viertel von Nizza, in dem sich Mohamed Lahouij Bouhlel vor etwa zwei Jahren eine Wohnung gemietet hatte. Es stand nicht gut um ihn: Seine Ehe war an seinen gewalttätigen Ausbrüchen zugrunde gegangen, er durfte seine Kinder zeitweise nicht mehr sehen. Und so ging er zur Arbeit, kehrte zurück in sein Viertel, trank, schlief und ging wieder zur Arbeit.

Das erzählen Nachbarn aus seiner Straße, die nie warm mit ihm geworden waren mit dem Mann, den die Welt seit dem 14. Juli als den Attentäter von Nizza kennt. Angespannt und unfreundlich sei er gewesen, und oft betrunken. Auch Drogen habe er wohl genommen. Nur ein gläubiger Muslime, das sei er nun wahrlich nicht gewesen. „Während des Ramadan hat er Schweinefleisch gegessen!“, schimpft ein Tunesier, und den Frauen habe er hinterhergeschaut.

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Bundespolizist nach Foltervorwürfen für Kinderpornobesitz verurteilt

Der suspendierte Bundespolizist Torsten S. vor Gericht in Hannover. (Foto: dpa)
  • Der Bundespolizist Torsten S. aus Hannover musste sich wegen des Besitzes Zehntausender Dateien mit Kinderpornos und einer illegalen Pumpgun verantworten.
  • Weitere Verfahren wegen Verdachts auf Gewaltanwendung im Amt wurden eingestellt; dagegen haben zwei mutmaßliche Opfer Beschwerden angekündigt.
  • Der Polizist hatte Fotos eines gefesselten Marokkaners mit beleidigendem Kommentar an Kollegen geschickt.

Süddeutsche.de

Die nun in Hannover verhandelten Taten räumte der Angeklagte über seinen Verteidiger vor Gericht ein: den Besitz von Kinderpornos und illegalen Waffen. Bei einer Hausdurchsuchung waren kinderpornografisches Material und eine Pumpgun mit Patronen in seiner Wohnung entdeckt worden. Zu einem weiteren Vorwurf – der Verbreitung eines Fotos – wurde zunächst nichts bekannt. Dieser Verdacht ist der einzige aus einer Reihe von Vorwürfen, an dem die Anklage nach Ermittlungen wegen der mutmaßlichen Folter eines Marokkaners durch Torsten S. festhielt. Der mutmaßliche „Folterskandal“ hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst.

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