Barcelona zählt ertrunkene Flüchtlinge auf Anzeigentafel

3034 Menschen sind seit Beginn dieses Jahres im Mittelmeer ertrunken. Die Zahl ist deutlich höher als im ersten Halbjahr 2015. (Foto: AFP)
3034 Menschen sind seit Beginn dieses Jahres im Mittelmeer ertrunken. Die Bürgermeisterin der Stadt spricht deshalb von einer „Anzeige der Schande“.

Süddeutsche.de

3034 – das ist die Zahl von Menschen, die seit Beginn dieses Jahres im Mittelmeer ertrunken ist. Eine Zahl, die Europa beschämen sollte und die doch untergeht zwischen all den anderen Schreckensmeldungen von Krieg und Terror. Eben das will die spanische Küstenstadt Barcelona nun ändern – und hat deshalb eine digitale Anzeigetafel in Betrieb genommen, die die Ertrunkenen zählt.

Die Tafel sei eine „Anzeige der Schande“, sagte Bürgermeisterin Ada Colau bei der Einweihung. Die 3034 Toten, die die Tafel derzeit anzeigt, hatte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Dienstag für die ersten sieben Monate dieses Jahres bekanntgegeben. Darunter steht auf Spanisch: „Das ist nicht bloß eine Zahl, das sind Menschen.“

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Zögerliche Aufklärung im Fall der Sektensiedlung Colonia Dignidad in Chile

Villa Baviera (Februar 2014) Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/Xarucoponce
Bundesregierung bleibt hinter Parlamentsantrag aus dem Jahr 2002 zurück. BND wusste schon 1966 von „KZ-ähnlichen Methoden“

Von Harald Neuber | TELEPOLIS

Trotz der teilweise Öffnung der Archive des Auswärtigen Amtes zur deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad in Chile und einem kritischen Umgang mit der eigenen Geschichte in Chile bleibt die Bundesregierung deutlich hinter einem Antrag des Bundestags aus dem Jahr 2002 zurück. Das geht aus den Antworten der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, die Telepolis vorliegt.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte Ende April eine teilweise Öffnung der Archive zur Rolle der westdeutschen Diplomatie bei den Verbrechen in der Colonia Dignidad in Chile bekanntgegeben. Normalerweise betrage die Sperrfrist für Dokumente 30 Jahre, sagte Steinmeier bei einer Rede vor hunderten Gästen im Auswärtigen Amt. Er habe unter dem Eindruck der aktuellen Debatte aber entschieden, diese Frist um zehn Jahre zu verkürzen. „Damit machen wir die Akten der Jahre 1986 bis 1996 für Wissenschaftler und Medien zugänglich“, so der Minister. Der Vorstoß war nach Angaben von Mitarbeitern des Auswärtigen Amt intern sehr umstritten.

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Bistum Regensburg ruft Flüchtlinge zum Verlassen des Pfarrheims auf

„Es geht nicht mehr. Unsere Bitte an die Behörden um eine geduldete Präsenz wurde zurückgenommen. Es bleibt uns daher keine andere Wahl, als die Gruppe mit Verweis auf das Hausrecht aufzurufen, das Pfarrheim zu verlassen.“

kath.net

Das Bistum Regensburg hat gestern in einer Pressemitteilung die Flüchtlinge, die seit mehr als 22 Tage in einem Pfarrheim sich aufenthalten, zum Verlassen aufgefordert.

Gestern vor 22 Tagen sind 45 Flüchtlinge aus Kosovo und Albanien in den Dom eingedrungen und baten mit dem Hinweis auf unmittelbar bevorstehende Abschiebungen um den Schutz und die Hilfe der Kirche. Gleichzeitig wurde auch das Innere des Domes tagelang von verschiedenen Gruppen für Proteste für ein „Bleiberecht für alle“ und gegen Abschiebungen benutzt.

Das Bistum hat sich zunächst dafür entschieden, humanitär zu helfen und zu klären. Es bat deshalb die staatlichen Behörden für eine sehr begrenzte Zeit um die Duldung der Präsenz dieser Gruppe. Außerdem haben wir uns vom ersten Tag an mit großem Einsatz um die Grundversorgung mit Essen, Feldbetten, ärztlicher Betreuung und vieles andere mehr gekümmert. Nachdem die sanitäre Lage im Vorraum des Domes immer schlimmer wurde, zogen die Flüchtlinge in das Pfarrheim St. Emmeram um.

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Hochzeit nach Scheidung: Darf die Kirche dann kündigen?

Bild: fis-kirchenrecht.de
Bild: fis-kirchenrecht.de
Eine geschiedener Arzt heiratet wieder – und ist seinen Job los. Gibt’s nicht? Gibt’s doch! Und wenn die katholische Kirche der Arbeitgeber ist, ist das sogar rechtens. Das Bundesverfassungsgericht soll klären, ob das so bleiben kann. Fragen und Antworten zum Fall.

stern.de

Kann eine zweite Heirat nach einer Scheidung ein Kündigungsgrund sein? Ja, im Fall des Chefarztes eines katholischen Krankenhauses in Düsseldorf ist das passiert. Das Bundesarbeitgericht in Erfurt verhandelt an diesem Donnerstag die Kündigungsschutzklage – bereits zum zweiten Mal.

Was ist die Besonderheit dieses Falls?

Der Mann ist seit dem Jahr 2000 als Chefarzt in einem katholischen Krankenhaus in Düsseldorf beschäftigt. Er ist damit Angestellter einer kirchlichen Einrichtung. Sein Dienstvertrag basiert auf einer vom Erzbistum Köln erlassenen Grundordnung, nach der von den Mitarbeitern die Anerkennung der katholischen Glaubens- und Sittenlehre erwartet wird.

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Gott, was soll das?

Mahnend erheben Atheisten den Finger. Foto: Ketzerstammtisch
Wer ohne Religion ist, fühlt sich oft nicht richtig gehört. Im sehr katholischen Münster treffen sich deshalb Atheisten und Konfessionslose zum Austausch. Ein Besuch beim sogenannten „Ketzer-Stammtisch“.
 

Von Harald Biskup | Frankfurter Rundschau

Hell und trotzdem irgendwie schwer rufen Ludgerus, Andreas und Maria, die drei „Werktags-Glocken“ des nahen Doms, zur Abendmesse. Lange schwingt das Ausläuten nach. „Gehen wir lieber rein“, schlägt die studierte katholische Theologin Daniela Wakonigg vor, „irgendwo bimmelt es immer.“ Gleich wird sich hier im Café Malik am Schlossplatz, das mit seinem Namen sowohl die Erinnerung an den gleichnamigen einstigen linken Verlag hochhält als auch an die Schriftstellerin Else Lasker-Schüler, eine Runde versammeln, die im nach wie vor sehr katholisch geprägten Münster einzigartig ist. Die Wirtin hat eine gemütliche Ecke reserviert, wie alle zwei Monate freitags, wenn der „Ketzer-Stammtisch“ tagt.

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„Populistische Reflexe“: CSU fordert Abschiebungen in Krisenregionen

Bayern @ MiG
Drei Anschläge innerhalb einer Woche, Bayern und Landesregierung stehen unter Schock. Innenminister Herrmann fordert Bundeswehreinsatz im Innern und Abschiebungen in Krisenregionen. Opposition ruft zur Besonnenheit auf.

MiGAZIN

Die bayerische Staatsregierung will die Sicherheit für die Bürger erhöhen – etwa durch strengere Asyl-Regelungen, personelle Aufstockung der Polizei und konsequentere Extremismusbekämpfung. „Der ‚islamistische‘ Terrorismus ist in Deutschland angekommen“, sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Dienstag zum Auftakt der fünftägigen Klausurtagung des bayerischen Ministerrats in Gmund am Tegernsee. Die Bevölkerung erwarte nun, „dass wir dem mutig die Stirn bieten“.

Bayern war innerhalb einer Woche Ziel von gleich drei Anschlägen geworden. Zwei davon haben laut Innenminister Joachim Herrmann (CSU) einen „islamistischen“ Hintergrund.

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Rechtspopulismus und Islamismus: Analyse einer beunruhigenden Nähe

Scheinbar sind sie die ärgsten Gegner: Rechtspopulisten und Islamisten. Diplom-Psychologe und Rechtspsychologe Dr. Guido F. Gebauer hält diese Gegnerschaft aber nur für scheinbar. Hinter ihr verberge sich eine gefährliche Nähe, die nach seiner Überzeugung auf gemeinsamen Persönlichkeits-Strukturen beruht. In diesem Artikel diskutiert er diese Nähe und gibt vorläufige Antworten auf die Frage, wie sich die Gesellschaft am Besten vor Rechtspopulisten und Islamisten schützen kann.

Von Guido F. Gebauer | menschenrechte.eu

Wer warnt in Deutschland eindringlicher als Pegida und AfD vor dem Islam? Stellen sich nicht auch in Frankreich, den Niederlanden, England und Schweden Rechtspopulisten an die Spitze der anti-islamischen Bewegung? Will der soeben in den USA gekürte US-amerikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump nicht gar seine angestrebte Präsidentschaft nicht ganz unter das Banner des Kampfes gegen den Islam stellen?
Ist es also nur eine unbedeutende Randnotiz, dass der AfD Abgeordnete Gehlmann im Landesparlament von Sachsen-Anhalt, als es um Ausgrenzung und Verfolgung Homosexueller in den muslimischen Maghrebstaaten ging, gemäß Protokoll äußerte: Das sollten wir in Deutschland auch machen!?
Ich halte dies nicht für eine Randnotiz, sondern ein zentrales Merkmal. Bei näherer Betrachtung lässt es nach meiner Überzeugung die scheinbare Distanz zwischen Rechtspopulisten und Islamisten zusammenbrechen. Psychologisch sichtbar wird ein Abgrund von Nähe.
Rechtspopulisten und Islamisten weisen Gemeinsamkeiten auf

Die Begriffe Rechtspopulismus und Islamismus werden hier nicht als Synonyme für Rechtsterrorismus oder islamischem Terrorismus verwandt, die nach Ansicht des Autors vielmehr gesteigerte Formen von Rechtspopulismus und Islamismus darstellen.

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Die Niederlage emanzipatorischer Bewegungen

In einer Welt von faschistischen Einzeltätern werden die strafende Polizei und die heilende Psychiatrie wieder zu vermeintlichen Rettern

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Im Interesse der Sicherung ihrer Pfründe unterlassen die christlichen Großkirchen nicht jede Kritik am Islam. Sie sind sogar beriet, ihm Terrain – geistliches, ideologisches, materielles zu überlassen. Dazu passt, dass der Ramadan, der islamische Fastenmonat, in Deutschland mittlerweile wie ein nationales Ereignis zelebriert wird, bei dem sich sogar der Bundespräsident medienwirksam in Szene setzt. Fast könnte man meinen, die „Unterwerfung“ (was „Islam“ auf deutsch heißt), die der französische Schriftsteller Michel Houellebecq in seinem gleichnamigen Roman fiktonal-dystopisch thematisiert, sei bereits im Gange.

Eine solche Islamkritik ist in Deutschland an vielen Stellen zu lesen. Erstaunlich ist eher die Quelle des Textes, aus dem dieser Abschnitt stammt. Verfasst hat ihn Ingolf Bossenz, Experte für Religion der Tageszeitung Neues Deutschland, die sich ganz klar gegen Rassismus und Rechtspopulismus positioniert.

Auch in der Wochenzeitung Jungle World, die sich gegen jegliche Form von Rassismus einsetzt, waren in einem Interview mit dem Vorstandsmitglied der NGO Eziden weltweit, Mizgin Saka, eher ungewohnte Töne für die Zeitung zu lesen:

Die Lage in deutschen Flüchtlingsheimen beschäftigt uns sehr und ich höre oft von Übergriffen muslimischer Geflüchteter auf religiöse Minderheiten. Letztes Jahr gab es einen solchen Fall in Bielefeld, wo es Messerattacken gegen einen yezidischen Flüchtling gab, weil er während des Ramadan nicht fasten wollte. Das ist kein Einzelfall, sondern steht für die bedrohliche Lage religiöser Minderheiten in deutschen Flüchtlingsheimen.

Beinahe ohne Ausnahme gingen alle Übergriffe von radikalen Muslimen aus, die ihre Opfer als „Ungläubige“ betiteln und als Rechtfertigung für diese diskriminierende Gewalt ihren Glauben heranziehen.Wir bemerken einen drastischen Anstieg dieser Gewalttaten – und auch die momentane Flüchtlingssituation in Europa und im Nahen Osten deutet nicht darauf hin, dass mit einem Rückgang zu rechnen ist.

Wir fühlen uns im Stich gelassen – die Bundesregierung muss endlich konsequenter und umsichtiger vorgehen. Oftmals sind Sicherheitspersonal oder Dolmetscher Komplizen dieser Attacken – die Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollmechanismen müssen verbessert werden. Nicht nur Yeziden, sondern auch Juden und Christen sind durch islamistische Attacken bedroht sind.

  Saka spitzt ihre Kritik sogar noch zu:

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Videos zeigen Folter in australischem Jugendgefängnis

Bild: (c) APA/AFP/Australian Broadcasting Corp’s F/AUSTRALIAN BROADCASTING CORPS FO (AUSTRALIAN BROADCASTING CORPS FO)
Bilder aus einer Haftanstalt in Australien erschüttern den Kontinent. Jugendliche werden mit Sack über dem Kopf gefesselt, nackt ausgezogen. Es gibt Vergleiche mit Guantanamo. Der Premier ist „geschockt“.

Die Presse.com

Insassen eines Jugendgefängnisses im Norden Australiens sind in den vergangenen zwei Jahren offenbar über Wochen schwerst misshandelt worden. Der TV-Sender ABC veröffentlichte Videos, die zeigen sollen, wie Häftlinge nackt ausgezogen, mit Tränengas beschossen und wochenlang in Einzelhaft festgehalten werden. Die australische Regierung kündigte am Dienstag eine rasche Untersuchung der Vorwürfe an.

Ein Video aus dem Gefängnis im Verwaltungsgebiet Northern Territory zeigt einen 17-Jährigen, der mit einem Sack über dem Kopf an einen Sessel gefesselt und zwei Stunden alleine gelassen wird. Australiens Premierminister Malcolm Turnbull äußerte sich „geschockt und entsetzt“ über die Enthüllungen. Eine Untersuchungskommission werde nun untersuchen, was genau geschehen sei und wie die Taten so lange unentdeckt geblieben seien.

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Wikileaks stellte Daten von Millionen Türkinnen ins Netz

foto: flickr.com/wikileakstruck (CC-Lizenz) Wikileaks ist überall - und da lesen die Behörden natürlich gerne mit.
foto: flickr.com/wikileakstruck (CC-Lizenz)
Wikileaks ist überall – und da lesen die Behörden natürlich gerne mit.
Die von Wikileaks bereitgestellten E-Mails zeigen keine Neuigkeiten, stellen aber massive Datenschutzverletzung dar.

derStandard.at

Die Aufregung war groß, als Wikileaks kurz nach dem Putschversuch in der Türkei die Veröffentlichung zahlreicher interner E-Mails von Servern der Regierungspartei AKP angekündigt hatte. Vor rund einer Woche war es dann so weit: 300.000 E-Mails und 50.000 Dokumente gelangten ins Netz. Die türkische Regierung reagierte mit Netzsperren, zuvor waren Wikileaks-Server attackiert worden. Doch seither ist es still um die ins Netz gestellten Dokumente geworden.

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Hasskommentatoren im Netz agieren gern unter echtem Namen

Hasskommentatoren verzichten im Netz häufig auf ihre Anonymität-Foto: imago/Christian Ohde
Wer bei Hassposts im Internet seine Anonymität aufgibt, wirkt glaubwürdiger und ist beliebter. Das zeigt eine Studie aus Zürich.
 

Von Joachim Huber | DER TAGESSPIEGEL

Hasskommentare im Netz geschehen immer seltener aus dem Schutz der Anonymität. Stattdessen setzen Verfasser hetzerischer Onlinebeiträge zunehmend auf ihren vollen Namen, wie eine Studie der Universität Zürich ergeben hat. Die Forscher untersuchten dafür mehr als 500.000 sozialpolitische Kommentare aus rund 1600 Onlinepetitionen des deutschen Portals „openpetition.de“ aus den Jahren 2010 bis 2013. Das Ergebnis: Eine Mehrheit der Verfasser von Hasskommentaren trat unter ihrem Klarnamen auf.

Verfasser von Hassposts sehen sich oft als Vertreter einer gerechten Sache

Zu den Gründen zählt die Studie unter anderem, dass es „viele Online-Hasser schlicht nicht für nötig halten, anonym zu sein“. Anstatt rein persönliche Racheakte seien Hasskommentare oft Reaktionen auf Verletzungen einer sozialen Norm wie die Einhaltung von Umwelt- oder Plagiatsstandards oder Verstöße gegen sozial erwünschtes Verhalten wie Political Correctness.

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Deus lo vult: Attentäter von Würzburg besuchte Tag vor Tat katholisches Pfarrfest

Der Attentäter von Würzburg war am Vortag seines Verbrechens Gast bei einem katholischen Pfarrfest.

kath.net

Das berichtete der Pfarrer des unterfränkischen Dorfes Gaukönigshofen, Klaus König, wo der 17-jährige Täter zuvor zwei Wochen lang in einer Gastfamilie lebte. Der junge Mann, der behauptete, aus Afghanistan zu stammen, hatte am 18. Juli in einem Regionalzug fünf Menschen – darunter vier Mitglieder einer Familie aus Hongkong – mit einem Messer und einer Axt schwer verletzt. Ein Opfer schwebt noch in Lebensgefahr. Die Polizei erschoss den Täter, als er auf der Flucht auf die Beamten mit seinen Waffen losging. In einem Video bekannte er sich zur Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS).

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Retro-Treffen: Katholische Bischöfe treffen auf die Demo für alle

Die Konferenz beginnt mit einer Messe im Fuldaer Dom Bild: Lars Steffens, flickr, cc by sa 2.0
Beim Kongress „Freude am Glauben“ des Forums Deutscher Katholiken tritt u.a. Hedwig von Beverfoerde auf. Ihrer homophoben „Initiative Familienschutz“ gilt auch eine Kollekte.
 

Von Norbert Blech | QUEER.DE

Es ist quasi eine Art katholische Version der „Compact“-Konferenz, die für nächstes Wochenende in Fulda geplant ist. Der jährliche Kongress „Freude am Glauben“ des Forums Deutscher Katholiken versammelt 2015 einige explizite Gegner von LGBT-Rechten und steht bereits unter dem Motto „Ehe und Familie – gottgewollter Auftrag und Weg zum Glück“.

Eröffnet wird die dreitägige Konferenz mit bis zu 1.500 Teilnehmern am Freitag mit einer Messe im Dom, geleitet vom Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen. Er selbst hatte schon gleichgeschlechtliche Ehen als „abartig“ bezeichnet; nur die Ehe zwischen Mann und Frau sei „das Normale und Gesunde“.

Im Kongresszentrum Esperanto darf dann später am Abend Hedwig von Beverfoerde referieren. Die Leiterin der „Initiative Familienschutz“ aus dem Haus der AfD-Europaabgeordneten Beatrix von Storch spricht eine Stunde lang über die von ihr organisierte Bewegung „Demo für alle“: „Warum wir gegen Gender-Indoktrinierung und Sexualisierung der Kinder demonstrieren“. Laut Programmheft (PDF) gilt der Initiative auch die Kollekte der Messe am nächsten Morgen in der Stadtpfarrkirche St. Blasius.

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Nach Münchner McDonalds-Massaker

Nachdem sich am Freitag der 19-Jährige Deutsch-Iraner Ali S. in einem McDonalds-Schnellrestaurant in München-Moosach mit einem Amoklauf mutmaßlich für jahrelanges Mobbing rächte, diskutieren Politiker in Deutschland nicht über dieses an Schulen verbreitete Problem, sondern über „Killerspiele“. Anlass dafür ist, dass Ali S. das Spiel Counter Strike spielte – wie Millionen andere Jugendliche und Heranwachsende, aus denen keine Massenmörder werden, wie unter anderem die seit 16 Jahren rückläufige Mordrate in Deutschland belegt.

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Trotzdem klagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Sonntag über das seinem Eindruck nach „unerträgliche Ausmaß von gewaltverherrlichenden Spielen im Internet“, dem er eine schädliche Wirkung gerade auf die Entwicklung auch junger Menschen“ unterstellte. Auch Volker Kauder, der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, forderte im Zusammenhang mit dem Münchner McDonalds-Massaker „dass in unserer Gesellschaft mehr [über Computerspiele] diskutiert [wird], als bisher“.

Würde de Maizière Meldungen zu wissenschaftlichen Publikationen verfolgen, dann müsse er womöglich an seinem gestern geäußerten Glauben zweifeln: In einer unlängst erschienenen Studie der vor allem für seine medizinische Fakultät weltweit berühmten Johns Hopkins University in der ansonsten eher für Gewalt berüchtigten US-Mordhauptstadt Baltimore kommen die Forscher nach einer Langzeitbeobachtung von 5.400 Probanden im Alter zwischen acht und 15 Jahren nämlich zum gegenteiligen Ergebnis.

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Antisemitismus 2016: Das neue Unbehagen in jüdischen Gemeinden

Schild „Nie wieder“ (picture alliance / dpa / Maja Hitij)
Fast ein dreiviertel Jahrhundert nach Auschwitz könnte man meinen, alles sei gesagt über den Antisemitismus. Eine internationale Tagung in Berlin scheint das Gegenteil zu beweisen. Demnach gibt es immer wieder neue Erscheinungsformen des Antisemitismus.

Von Thomas Klatt | Deutschlandfunk

„Also den mittelalterlichen religiösen Antijudaismus, wonach die Juden das Volk der Gottesmörder sind, das ist eigentlich nicht mehr ernst zu nehmen. Das erlebt man auch in stark christlich-religiösen Kreisen eigentlich nicht mehr.“

Antisemitismusforscher Olaf Glöckner vom Moses-Mendelssohn-Zentrum in Potsdam weiß um das Auf und Ab antisemitischer Argumentationsmuster. Der christliche Antijudaismus tritt kaum noch in Erscheinung, sicherlich auch das Ergebnis einer „Theologie nach Auschwitz“. Juden werden nicht mehr als vermeintliche Christusmörder verachtet. Das Judentum gilt heute als unumstößliche Wurzel des christlichen Glaubens. –  Auch der nationalsozialistische Antisemitismus begegnet einem heute kaum noch. Olaf Glöckner:

„Rasse-Antisemitismus, also eine Form von Vernichtungsantisemitismus a la Adolf Hitler ist im Großen und Ganzen auch out. Diese Form von Antisemitismus mögen vielleicht Neonazis nach wie vor im stillen Kämmerlein pflegen, aber man weiß, dass das öffentlich radikal sanktioniert ist.“

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Child dies in hot car while family worships in church

Screenshot Fox 17 West Michigan: bb
Screenshot Fox 17 West Michigan: bb
A 3-year-old boy died on Sunday after he was accidentally left in a hot car parked outside a church, according to police.

FOX 17

The child’s family was attending an afternoon bible study at Rehoboth Praise Assembly in Dallas, according to CBS Dallas.

A church member told KDFW the boy’s mother and father were in separate groups at the church. When the couple reunited 45 minutes after arriving at the church, they realized they only had four kids and their youngest child was missing.

The father immediately left the church and ran to the parking lot, where he found the boy unresponsive inside the family’s SUV.

The boy was pronounced dead at the hospital.

The father speaks limited English and had trouble communicating that he needed someone to call 911, a church member told KDFW.

Lügenpresse? Wieso Lügenpresse?!?

Bild: heise.de
Kommt der Journalismus beim Thema Flüchtlingspolitik seiner demokratischen Aufgabe nach? Diese Frage steht im Mittelpunkt eines Forschungsprojekts, das derzeit an der Hamburg Media School durchgeführt und von der Otto Brenner Stiftung der IG Metall gefördert wird. Auf der Jahrestagung des Netzwerks Recherche stellte der Projektleiter Michael Haller Anfang Juli erste Ergebnisse der Inhaltsanalyse vor.

Von Dietmar Jazbinsek | TELEPOLIS

Insgesamt wurden rund 34.000 Presseberichte aus den Jahren 2009 bis 2015 auf ihre Aussagetendenz hin untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: 82% der Berichte vermittelten ein positives Bild von der „Willkommenskultur“, 12% fielen neutral aus und nur 6% der Artikel übten Kritik. Für das Jahr 2015 konstatiert das Hamburger Forscherteam eine abrupte Änderung der Tonlage: Bis zum August wurde die „Pro-Euphorie“ in der Presse als gesellschaftlicher Konsens ausgegeben, nach Angela Merkels einsamer Entscheidung für eine Grenzöffnung nahm der Dissens über die unkontrollierte Zuwanderung mehr und mehr Raum ein. Doch auch in dieser Phase kam der Journalismus seiner demokratischen Aufgabe, Distanz gegenüber den Regierenden zu wahren, nicht nach, sondern stellte sich in den Dienst der regierungsamtlichen Flüchtlingspolitik. Die Kritiker wurden nun nicht mehr marginalisiert, sondern als „rechtsnational affiziert“ verunglimpft, so Haller.

Jeder Flüchtling eine Bereicherung

Es gibt viele Gründe, Merkels Dekret „Wir schaffen das“ in Zweifel zu ziehen, und es gibt einige wenige Journalisten, die diesen Gegenargumenten seit Beginn der Flüchtlingskrise öffentlich Gehör verschaffen – Roland Tichy zum Beispiel, oder Harald Martenstein im Tagesspiegel, Frank A. Meyer im Cicero und Dirk Schümer in der Welt. Doch von den Kritikern der Willkommenskultur ist allem Anschein nach niemand zu Deutschlands wichtigstem Medienkongress eingeladen worden.

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Ultraorthodoxe Aussteiger in Israel: «Ich kann nicht zurück in die Sklaverei»

Identität, Zugehörigkeit, einen Lebensplan – all das bietet die orthodoxe Gemeinschaft. Aber das Internet lockt immer mehr Strenggläubige auf andere Wege.(Bild: Oded Balilty / AP)
Immer mehr junge Ultraorthodoxe in Israel reissen sich – oft nach langen inneren Kämpfen – von ihren Gemeinden los. Oft spielt das Smartphone dabei eine entscheidende Rolle.

Von Daniela Segenreich | Neue Zürcher Zeitung

Wellen von Abwanderungen aus den streng religiösen Gemeinden gab es schon öfter in der Geschichte des Judentums. Einmal war es die verbotene säkulare Literatur, dann das Radio und das verpönte Fernsehen, denen es gelang, weltliche Verführungen in die orthodoxen Gemeinden zu bringen. Sie waren sichtbar und daher relativ leicht zu bekämpfen. Doch ein Handy hat beinahe jeder in der Tasche. «Und viele Ultraorthodoxe besitzen sogar zwei, ein offizielles, «koscheres» und ein geheimes mit dem verbotenen Internetzugang», so weiss Aron Silberberg, ein vierundzwanzigjähriger Ex-Orthodoxer, der einen Laden für Smartphones am Machane-Jehuda-Markt in Jerusalem führt.

Freiheit hat einen hohen Preis

Er gehört zu den knapp 10 Prozent der jungen Männer, welche die streng religiösen Gemeinden verlassen. «Ich sehe rundherum so viele, denen das passiert, viel mehr als früher, die Menschen sind einfach offener für das, was in der Welt geschieht. Und dann tauchen die Fragen auf, und man denkt: ‹Warum eigentlich nicht?› Und wenn die Gemeinschaft dich einsperrt, dann ist es schwer, drinnen zu bleiben und keine Fragen mehr zu stellen.» Silberberg war schon immer ein Technologie-Freak und hat sich recht gut in sein neues Leben eingefunden, doch die meisten Ex-Religiösen zahlen für ihre Freiheit einen hohen Preis. Sie werden von ihren Familien gemieden und finden sich in der modernen Welt nur schwer zurecht.

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Hans Joas: Mut zur öffentlich erkennbarer Religiosität

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joas ist Soziologe und Sozialphiliosoph. Der Wissenschaftler hat zahlreiche Bücher zur Werteforschung veröffentlicht. (imago / Wolf P. Prange)
Religion ist Privatsache: Diese Haltung vertreten viele Menschen. Andererseits findet Religion aber im öffentlichen Raum statt, kann Identität stiften. Aber inwiefern prägt Religion das eigene Leben und Entscheiden? Der Sozialphilosoph Hans Joas beschreibt das für sein Leben als Wissenschaftler – bei dem sein Katholisch-Sein auch zu Vorbehalten führt. Wir stellen Tag für Tag einen Menschen vor, der etwas zum Thema zu sagen hat. Zum Auftakt der Reihe: Hans Joas.

Von Burkhard Schäfers | Deutschlandfunk

Seine erste Begegnung mit dem Fremden hatte Hans Joas, da war er 13. Protestanten sollten in seine Klasse kommen. Ins geschlossene katholische Milieu, in dem Joas aufwuchs – in den 50er- und 60er-Jahren in München.

„Innerhalb der Schule hieß es: Nächstes Jahr werdet ihr zusammengelegt, die Schulklassen. Da werden auch Protestanten dabei sein. Und es ist wirklich wahr: Ich war die Schulferien über gespannt, wie diese Protestanten sein werden. Das hört sich jetzt an, als würde man etwas über eine Jahrhunderte zurückliegende Vergangenheit erzählen. Aber so war Deutschland noch in den ersten Jahrzehnten der Nachkriegszeit.“

Heute pendelt der Sozialphilosoph wie selbstverständlich zwischen den Welten, auch den religiösen: Hans Joas lebt in Berlin, in jüngerer Vergangenheit war er in Regensburg und Erfurt tätig. Außerdem lehrt er jedes Jahr mehrere Monate an der Universität von Chicago.

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Kreditschützer: „Unsichtbarkeit von Geld begünstigt Schulden“

Mammonism
Geld-Religion

Der Rückgang bei Privatkonkursen gibt mehr Anlass zur Sorge als der Anstieg bei Firmenpleiten, sagt Hans-Georg Kantner

Interview Regina Bruckner | derStandard.at

STANDARD: Seit langem haben wir wieder einen Anstieg bei Unternehmenspleiten. Grund zur Sorge?

Kantner: Nein. Das Niveau eines gesunden Verhältnisses von Pleiten zu Neugründungen liegt etwa bei einem Prozent der Unternehmenspopulation. Wir liegen in Österreich bei 1,3 Prozent. Das kann und soll nicht auf null zurückgehen. Wir haben seit zehn, fünfzehn Jahren eine Gründerwelle. Anfangs hat man gesagt, das sind Scheinselbstständige. Ich glaube, diese Zeiten sind vorbei.

STANDARD: Deutet das darauf hin, dass der Standort Österreich nicht so abgesandelt ist wie befürchtet?

Kantner: Ich orte großen Reformbedarf im Verhältnis zwischen dem Staat und seinen Bürgern. Obwohl wir demnächst in Österreich 100 Jahre Abschied von Habsburg haben, steckt uns dieser kaiserliche Staat noch in den Gliedern. Man muss den Menschen vermitteln, dass der Staat wir sind, und den Beamten, dass sie Dienstleister an den Menschen und der Wirtschaft sind und nicht Vertreter eines hoheitlichen Gottesgnadentums.

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