Angst vor den Heimkehrern

– (c) REUTERS (ALAA AL-MARJANI)
– (c) REUTERS (ALAA AL-MARJANI)
Trotz geringer Zahl bleiben albanische IS-Sympathisanten, die zurück in die Heimat wollen, ein Problem für die Region.

Von Thomas Roser | Die Presse.com

Stolz vermeldete Kosovos Innenminister, Skënder Hyseni, auf einem Nato-Seminar in Prishtina im vergangenen November den Präventionsvollzug. 2016 hätten nur noch zwei Bürger des Staatenneulings versucht, sich als Kämpfer der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak anzuschließen: „Das ist ein klares Zeichen, dass es uns gelungen ist, erfolgreich den gewaltsamen Extremismus zu bekämpfen.“

Tatsächlich scheint der IS auch auf dem Balkan den Zenit seiner Popularität längst überschritten zu haben. Nach Schätzung der Nachrichtenagentur Balkan Insight schlossen sich zwischen 2012 und 2015 rund 900 junge Islamisten aus der Region dem IS an, davon gut die Hälfte aus dem mehrheitlich muslimischen Bosnien und Herzegowina: 2016 habe die Zahl frisch rekrutierter Kämpfer auf dem Balkan insgesamt „weniger als 20“ betragen.

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Food Stamp Recipients Significantly More Likely to Die Than the Average American

Food stamps have long been at the heart of a bitter political debate about the government’s role in social services and the underlying problems affecting low-income Americans and their wellbeing.

By Meredith Rutland Bauer | MOTHERBOARD

A new study sheds more light on that problem—and raises many new questions. Tufts University researchers found that food stamp recipients were twice as likely to die early than the average American. These recipients have incomes at 130 percent below the poverty line or more—a household of two would quality if they are making $1,736 a month or less combined.

The study, published this week in the American Journal for Public Health, said Americans enrolled in the US Supplemental Nutrition Assistance Program (SNAP), aka food stamps, were significantly more likely to die of cardiovascular disease and were three times more likely to die of diabetes. The SNAP program serves 44.5 million people, according to a USDA budget summary.

The study comes after years of cuts to the SNAP program from a Republican-controlled Congress, and there’s a much greater threat to the budget this year. GOP legislators could push for major changes to the program this budget year, after the House Agriculture Committee released a report that considered some states’ eligibility requirements for SNAP benefits too loose, the Associated Press reported. Congress also cut $9 billion from SNAP in 2014.

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Abschiebeverfahren im Fall Anis Amri war keineswegs Eilsache

„Passersatzpapier-Beschaffung auf normalem Wege ohne Hinweis auf den Gefährderstatus“: Anis Amri, der spätere Attentäter von Berlin © Bundeskriminalamt/DPA
Bislang hieß es, dass der Tunesier Anis Amri via Eilverfahren in seine Heimat abgeschoben werden sollte. Doch nach stern-Informationen wurde er auf Anweisung des NRW-Innenministeriums wie ein normaler abgelehnter Asylbewerber behandelt.

stern.de

Die Stadt Köln hat dem stern gegenüber bestätigt, dass die Passersatzpapiere für den Weihnachtsmarktattentäter von Berlin, Anis Amri, entgegen bisherigen Aussagen nicht via Eilverfahren oder priorisiert beantragt wurden. „Die Anfrage war keine Eilsache“, sagte Pressesprecherin Inge Schürmann. Anis Amri war im Abschiebeverfahren ein normaler abgelehnter Asylbewerber, für den Passersatzpapiere benötigt werden – wie für hunderte andere auch.

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Arte-Film „Freistatt“: Sie vernichteten ihre Seelen

© © Zum Goldenen Lamm/Boris Laewen Er ist erst Vierzehn, im Erziehungslager wird ihm seine Jugend genommen: Wolfgang (Louis Hofmann) leistet Widerstand, solange er kann.
© Zum Goldenen Lamm/Boris Laewen Er ist erst Vierzehn, im Erziehungslager wird ihm seine Jugend genommen: Wolfgang (Louis Hofmann) leistet Widerstand, solange er kann.
Der Arte-Film „Freistatt“ handelt vom Horror der Erziehungsheime, in denen Jugendliche in der Bundesrepublik bis in die siebziger Jahre brutal misshandelt wurden: Das Unrecht schreit uns an.

Von Heike Hupertz | Frankfurter Allgemeine

Osnabrück, Juni 1968, in sonnendurchflirrten, mutwillig wackelnden Bildern gefangen: Bei Käseigel und kaltem Hund feiert man Straßenparty. Die Röcke schon kürzer, die Stimmung ausgelassener, scheint selbst in dieser bürgerlichen Gegend mit Backsteinhäusern ein wärmender Hauch von Flower-Power und „Make Love, Not War“ in der Luft zu liegen. Der vierzehnjährige Wolfgang (Louis Hofmann) zeigt seinen Freunden heimlich Pornohefte, die der Stiefvater (Uwe Bohm) im Schlafzimmer versteckt.

Die brutal ausgeteilten Schläge, die er dafür kassiert, ist der Junge gewohnt. Dieses Mal aber macht der Familienvorstand tabula rasa. Der renitente Sprössling stört den Hausfrieden. Die Mutter (Katharina Lorenz) ist nachgiebig. Ein paar Monate Durchgreifen in einem christlichen Erziehungsheim, zum Wohle der Kinder mit harter Hand geführt, werden dem lästigen Stiefsohn die Flausen schon austreiben. Seinen letzten Moment der Freiheit sieht Wolfgang im Vorbeifahren durch Autofensterscheiben. Ein Schimmel galoppiert auf der Koppel.

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Eine Jesidin spricht Klartext über die Folgen der Einwanderung

 Düzen Tekkal, freie Journalistin, in der Sendung
Düzen Tekkal, freie Journalistin, in der Sendung „Anne Will“. 2016 erschien ihr Buch „Deutschland ist bedroht. Warum wir unsere Werte jetzt verteidigen müssen“ Quelle: picture alliance/ZB/Karlheinz Schindler
Düzen Tekkal, Deutsche mit kurdischen Wurzeln, fordert Härte gegenüber dem religiösen Extremismus. Sie ist eine Stimme, die auf Beschwichtigungsformeln verzichtet und trotzdem nicht nach AfD klingt.

Von Thomas Schmoll | DIE WELT

Düzen Tekkal bezeichnet Berlin als „das Herz der Demokratie“ Deutschlands. Am Donnerstagabend weilt sie in einem der Organe, dessen Auftrag es ist, dieses Herz mit am Leben zu halten.

Tekkal – eingeladen von der CDU und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft – spricht in einem Saal im dritten Stock des Landesparlamentes. Beinahe zwei Stunden lang legt die 38-Jährige dar, wie die Demokratie vor dem allmählichen oder plötzlichen Herzstillstand bewahrt werden kann. Denn der droht ihrer Meinung nach, wenn der Zustand der Bundesrepublik nicht endlich ehrlich diagnostiziert wird.

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„Yolocaust“ : Touristen, die auf Toten tanzen

Shapira: Höcke soll sich das mal anschauen und reflektieren, was er da in Dresden so über Erinnerungskultur gesagt hat. Foto: screenshot
Shapira: Höcke soll sich das mal anschauen und reflektieren, was er da in Dresden so über Erinnerungskultur gesagt hat. Foto: screenshot
Der Berliner Autor und Satiriker Shahak Shapira entlarvt das Verhalten von Touristen am Holocaust-Mahnmal in Berlin und erntet viel Aufmerksamkeit

Frankfurter Rundschau

Der Berliner Autor und Satiriker Shahak Shapira (28) hat mit einer entlarvenden Website über das Verhalten von Touristen am Holocaust-Mahnmal in Berlin einen Internet-Hit gelandet. Die Seite „Yolocaust.de“ sei am Mittwochmittag online gegangen und in den ersten zwölf Stunden mehr als 500 000 mal aufgerufen worden, teilte Shapiras Agentin am Donnerstag mit. Das Wort „yolocaust“ setzt sich aus dem Hashtag YOLO (You Only Live Once/Du lebst nur einmal) und Holocaust zusammen.

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Zerstörung von Beduinendorf in Israel: Kein Ort zum Leben

Bedouins cry following the destruction of houses on January 18, 2017 in the Bedouin village of Umm al-Hiran. (AFP PHOTO / MENAHEM KAHANA) The Times of Israel
Bedouins cry following the destruction of houses on January 18, 2017 in the Bedouin village of Umm al-Hiran. (AFP PHOTO / MENAHEM KAHANA)/ The Times of Israel
Israel räumt ein Beduinendorf, um Platz zu machen für ein jüdisches. Die arabische Minderheit sieht die Zerstörung des Ortes als weiteren Beleg für ihre Diskriminierung. Ein tödlicher Zwischenfall verschärft die Lage.

Von Christoph Sydow | SpON

Das Dorf, über das Israel streitet, besteht nur aus ein paar Dutzend Häusern. Rund tausend Menschen leben in Umm al-Hiran, einem kleinen Fleck am Rande der Negev-Wüste. Ihre Häuser, manche sind kaum mehr als Blechhütten, sind weder an das Wasser- noch an das Stromnetz angeschlossen.

Umm al-Hiran ist eine von 46 Beduinensiedlungen in Israel, die nicht offiziell anerkannt werden. Israels Oberster Gerichtshof hat deshalb die Zerstörung des Dorfes angeordnet. Die arabischen Beduinen sollen Platz machen für ein jüdisches Dorf, das der Staat an gleicher Stelle errichten will. Ihre neue Heimat soll das Dorf Hura werden, ein erst 1989 gegründeter Ort, in das Stück für Stück die Bewohner der illegalen arabischen Dörfer im Negev übersiedeln sollen.

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Fear and loathing in Umm al-Hiran

While most Israelis were coping with another ‘terror attack’ in which a policeman was killed, at the partly demolished Bedouin village a very different narrative held sway

By Dov Lieber | The Times of Israel

Something smelled rotten. I couldn’t tell if it was the dried blood on Joint (Arab) List leader MK Ayman Odeh’s shirt, or the dead dog lying on the side of the desert road.

It was around 10 a.m. Wednesday, and we were at a roadblock where police were preventing anyone from getting through. Not even Odeh himself, who earlier in the morning was hit in the head by what he said was a sponge-tipped bullet, the police said was an errant rock thrown by Bedouin protesters, and the doctors at the hospital said they couldn’t say for sure.

There had already been two fatalities, and police didn’t want any more problems before they finished demolishing about a dozen homes and shacks in the unauthorized Bedouin village of Umm al-Hiran, around a mile off in the distance.

Hours earlier, pre-dawn, a 47-year-old local schoolteacher named Yaqoub Mousa Abu Al-Qia’an drove his car into a group of police officers, killing 1st Sgt. Erez Levi, 34.

The police and Israel’s government were quick to call the incident another terrorist ramming attack, like the attack last week in Jerusalem that killed four Israeli soldiers. And just like the Jerusalem attacker, Al-Qia’an was immediately said to have ties to an Islamist group, and this explained why he went out to commit an attack.

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Das ist die wahre Geschichte hinter dem Bild des kranken Jungen

„Schreibt ihm ‚Alles Gute zum Geburtstag'“: Millionen Menschen kamen dieser Bitte nach © Screenshot Facebook
Der Beitrag wurde millionenfach kommentiert und tausende Male geteilt: Auf Facebook macht aktuell das Bild eines kranken Jungen die Runde, dem niemand zum Geburtstag gratulieren will. Doch an der Tränen-Geschichte ist fast alles gelogen.

stern.de

Es ist ein herzzereißender Post, der aktuell auf Facebook die Runde macht: Ein kleiner Junge sitzt in einem Rollstuhl, sein Gesicht ist mit roten Flecken überzogen, beide Arme sind bandagiert, die Hand ist nur noch ein Stumpf. Scheinbar hilflos lächelt er in die Kamera, vor ihm liegen Süßigkeiten, Bonbons, Kaugummis.

„Seine Schulfreunde haben ihm gesagt, dass ihm wegen seiner Krankheit niemand zum Geburtstag gratulieren wird“, steht über dem Foto. „Heute ist er elf Jahre alt geworden. Bitte scrollt nicht weiter, ohne ihm ‚Alles Gute zum Geburtstag‘ zu wünschen.“ Mehr als sechs Millionen Menschen sind dem Aufruf bereits gefolgt und haben dazu beigetragen, dass sich das Bild in Windeseile im Netz verbreitet hat.

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Enthüllungsjournalist sorgt mit Buch für Unruhe im Vatikan

Der italienische Enthüllungsjournalist Emiliano Fittipaldi in Rom in seiner Redaktion. In Händen hält er sein neues Buch
Der italienische Enthüllungsjournalist Emiliano Fittipaldi in Rom in seiner Redaktion. In Händen hält er sein neues Buch „Lussuria“, das sich mit Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche beschäftigt. Foto: Stefania Fumo / dpa
Wollust ist in der katholischen Lehre eine der Todsünden. „Wollust“ heißt ein Buch zum Missbrauchsskandal, das den Vatikan angreift.

Berliner Morgenpost

Ein neues Buch zeigt, dass Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche immer noch ein Problem ist. Viel Gerede, wenig Taten und ein hilfloser Papst: Das sind die Vorwürfe gegen den Vatikan. Beschuldigte vermuten dahinter andere Motive.

Autor Emiliano Fittipaldi ist kein gerngesehener Mann im Vatikan. Der italienische Journalist kennt die Anklagebank des Kirchenstaates gut. Als er 2015 ein Buch über Geldverschwendung im Vatikan veröffentlicht hatte, saß er wenig später vor Gericht. Das als „Vatileaks 2“ bekannt gewordene Verfahren hielt ihn jedoch nicht davon ab, sondern bestärkte ihn, ein neues Buch über den Vatikan zu schreiben. „Lussuria“ (Wollust) erscheint diesen Donnerstag und beleuchtet ein dunkles Kapitel: Kindesmissbrauch, pädophile Priester und das Versagen des Vatikans, dagegen entschieden vorzugehen.

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Terrorabwehr: Drei Gefährder vom Radar verschwunden

Hanan Amri, die Schwester des Berliner Attentäters, hält ein Bild ihres Bruders.Foto: Faouzi Dridi/AFP
Hanan Amri, die Schwester des Berliner Attentäters, hält ein Bild ihres Bruders.Foto: Faouzi Dridi/AFP
Nach dem Attentat am Breitscheidplatz beschäftigen sich Innenausschuss und Bundestag mit Fehlern im Fall Amri. Weil es weitere untergetauchte islamistische Gefährder gibt, drängt die Zeit.

Von Maria Fiedler | DER TAGESSPIEGEL

Die Zahl ist klein – und erscheint dennoch groß: Von den 547 islamistischen Gefährdern, die die deutschen Behörden im Blick haben, sind aktuell drei verschwunden. Das berichtete der SPD- Abgeordnete Burkhard Lischka am Mittwoch aus der Sitzung des Bundestags-Innenausschusses. Dort hatte neben Bundesinnenminister Thomas de Maizière auch der Präsident des Bundeskriminalamts Holger Münch die Parlamentarier zum Fall Anis Amri unterrichtet.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wollte man Erkenntnisse darüber sammeln, wie es zu den Versäumnissen der Behörden im Bezug auf den Tunesier kam. Dieser konnte am 19. Dezember am Breitscheidplatz zwölf Menschen töten – obwohl es seit Monaten Hinweise auf Terrorpläne von ihm gab und er immer wieder Thema in deutschen Behörden war.

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Wer sich verpartnert, muss bei der Caritas mit Kündigung rechnen

Allein die Liebe zählt. Erst gleichgeschlechtliche Trauung am 12. August 2016 in der Berliner Landeskirche.Foto: Wolfram Kastl/dpa/p-a
Allein die Liebe zählt. Erst gleichgeschlechtliche Trauung am 12. August 2016 in der Berliner Landeskirche.Foto: Wolfram Kastl/dpa/p-a
Eine neue Folge unserer Kolumne Heteros fragen, Homos antworten. Diesmal geht es um Glaube und Homosexualität.

Von Anja Kühne | DER TAGESSPIEGEL

Für die meisten Glaubensgemeinschaften gilt Homosexualität als Sünde. Wie haltet ihr es also mit der Religion? – Hartmut, Falkensee

Es stimmt, die großen Religionen, jedenfalls das Christentum, das Judentum und der Islam, haben generell ein angespanntes Verhältnis zur Sexualität, wenn sie nicht bloß der Fortpflanzung dient. Entsprechend verurteilen die heiligen Schriften nach konventioneller Auslegung Homosexualität. Darauf berufen sich religiöse Menschen, wenn sie Homosexuelle herabsetzen, ausgrenzen oder – im Fall von Fanatikern – sogar physisch attackieren. Weltweit gibt es Prediger aller Richtungen, die regelmäßig dazu beitragen, die gesellschaftliche Atmosphäre zu vergiften.

Leider hat auch Papst Franziskus, für liberale Christen ein Hoffnungsträger, gerade erst den katholischen Katechismus bestätigt. Demnach verstoßen homosexuelle Handlungen „gegen das natürliche Gesetz“. Allerdings solle Homos „mit Achtung, Mitleid und Takt“ begegnet werden.

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Chelsea Manning: Obamas Strafmilderung ist nur eine Geste des Anstands

 Chelsea Manning wird von Obama begnadigt - viele Menschen hatten sich für die Whistleblowerin eingesetzt. (Foto: Reuters/AP)
Chelsea Manning wird von Obama begnadigt – viele Menschen hatten sich für die Whistleblowerin eingesetzt. (Foto: Reuters/AP)
Die Whistleblowerin Chelsea Manning deckte Kriegsverbrechen auf. Ihr wurde der Prozess gemacht – den Kriegsverbrechern nicht. Das Recht schützt noch immer die dunklen Geheimnisse der Mächtigen.

Von Hans Leyendecker | Süddeutsche.de

Das Urteil gegen Chelsea Manning war ein Skandal, ein Fall von politischer Willkür. Fast sieben lange Jahre hat die Whistleblowerin unter zum Teil menschenunwürdigen Umständen in Haft verbracht. Dass Präsident Barack Obama jetzt ihrem Antrag auf Strafmilderung stattgab und ihr rund 28 weitere Jahre in Haft erließ, ist erfreulich für Manning, es ist eine Geste des Anstands, nicht mehr.

Das Wort Geste, das verraten alte Lexika, gab es bereits um 1500. Es ist entlehnt aus gestus, das meinte „Gebärdenspiel des Schauspielers oder Redners“.

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Warum Dschihadisten keine religiösen Analphabeten sind

Bild: nationalreview.com
Bild: nationalreview.com
Lässt sich islamistischer Fundamentalismus mit dem Koran begründen? Die Ethnologin Susanne Schröter schließt nicht aus, dass sich Dschihadisten auf islamische Quellen berufen. Im Gespräch erklärt sie, dass es aber auch progressive Kräfte im Islam gebe.

Susanne Schröter im Gespräch mit Nana Brink | Deutschlandradio Kultur

Nana Brink: „Großerzählungen des Extremen“ heißt eine sehr ambitionierte Veranstaltungsreihe des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen. Ende letzten Jahres ging es da um die Strategien der Rechten, die Narrative der Populisten in Europa. Und heute Abend steht der islamische Fundamentalismus im Vordergrund. Mit dabei ist auch die Ethnologin Susanne Schröter, sie ist Leiterin des Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam. Schönen guten Morgen, Frau Schröter!

Susanne Schröter: Guten Morgen!

Brink: Der Titel der Veranstaltung heißt, den lese ich wirklich mal vor: „‚Manche glauben das, aber der Koran sagt‘. Die Erzählung des aktuellen Islamismus als unhistorische Buchgläubigkeit“. Im Allgemeinen, könnte man sagen, gilt der Islam ja im Vergleich zu anderen Religionen als besonders buchgläubig. Stimmt das?

Schröter: Es stimmt in weiten Teilen, aber nicht vollständig natürlich. Der Islam ist ja genauso eine Weltreligion wie andere auch und die heiligen Texte müssen interpretiert werden in der einen oder anderen Weise. Und dann versucht man entweder, sie in einem historischen Kontext zu deuten, oder man sagt, wir schauen jetzt mal, was steht denn da, und das nehmen wir alles für bare Münze. Und das wäre eben diese Buchstabengläubigkeit, die man auch in anderen Religionen natürlich findet, auch im Christentum beispielsweise, der Skripturalismus, der sogenannte. Und wenn man das tut, dann bekommt man natürlich Probleme, weil diese Texte allesamt, und auch der Koran, natürlich aus einer Zeit kommen, in der ganz andere Werte und Normen galten, als es heute der Fall ist. Und wenn man sich dann eben ganz genau an so einen Text hält und sagt, da sind aber bestimmte Dinge gerechtfertigt, und das betrifft dann beispielsweise den Umgang mit Nichtmuslimen oder das betrifft auch das Verhältnis der Geschlechter, wenn man sich da eben ganz buchstabengläubig an den Korantext hält oder auch an das Vorbild des Propheten Mohammed, wie es in den Überlieferungen niedergeschrieben ist, dann hat man natürlich ein Problem mit der aktuellen Gesellschaft.

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Wahl zum Münchner Migrationsbeitrat: Manipulationsvorwurf gegen türkische Rechtsextreme

  • Eine ungewöhlich hohe Zahl an Breifwahlunterlagen ging an ein türkisches Kulturzentrum, das mit dem ultranationalistischen und rassistischen Ülkücü-Verein in Verbindung steht.
  • Eine Führungsfigur der ultranationalistischen türkischen Szene in München ist bereits Mitglied des Migrationsbeirats.

Von Thomas Schmidt | Süddeutsche.de

Sie träumen von einem Großreich aller „Turkvölker“, sehnen die „Türkische Einheit“ herbei in dem fiktiven Land „Turan“: Die Ülkücü-Bewegung, die in Deutschland Tausende Anhänger hat, gilt als ultranationalistisch und rassistisch. Nun sollen türkische Rechtsextreme versucht haben, die Wahlen zum Münchner Migrationsbeirat zu manipulieren. Das Ziel war offenbar, dieses Gremium, das den Stadtrat berät, zu unterwandern.

Der Manipulationsverdacht kam auf, weil ungewöhnlich viele Briefwahlunterlagen an ein und dieselbe Adresse, an das Türkische Kulturzentrum Bizim Ocak e.V., gingen – womöglich auch von Wählern, die gar keine Unterlagen beantragt hatten. Auf Anfrage bestätigt der Landesverfassungsschutz, dass es sich bei dem Türkischen Kulturzentrum um einen Ülkücü-Verein mit 35 bis 40 Mitgliedern handelt.

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Gegen Kopftuch, Kreuz, Kippa & Co. im öffentlichen Dienst

religionen

Dass ich als Naturwissenschaftler zur Debatte über das Kopftuch beitrage, finde ich eigentlich selbst befremdlich. Aber ich bin zutiefst davon überzeugt, dass langfristig nur die Äquidistanz des Staates zu den Religionen – unter gleichzeitiger Gewährleistung von deren Freiheit – den Frieden im Land erhalten kann.

Von Kurt Kotrschal | Die Presse.com

Nur so gedeiht jenes liberal-aufgeklärte Klima, in dem sich Wissenschaften und Künste entfalten können. Das war ja auch in der Vergangenheit so. Wo die Religionen friedlich zusammenlebten, blühten Kultur und Geist. Goldrichtig ist deshalb die Ansage von Heinz Fassmann von der Uni Wien, dem Leiter des Integrationsbeirats, über ein Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst.

Goldrichtig allerdings nur dann, wenn sie als Verbot jeglicher religiöser Insignien gemeint war – also auch von Kreuz und Kippa. Als Staatsbürger will ich nicht mit Beamten, Polizisten, Richtern oder Lehrern jeglicher Art zu tun haben, die mir durch Zurschaustellung ihrer Religion deutlich zu verstehen geben, dass sie einer religiösen Ideologie mehr verpflichtet sein könnten als dem staatstragenden Geist der Aufklärung.

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In Madagaskar sterben 27 Menschen an der Pest

 So sieht die pest aus: Eine elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das Pestbakterium Yersinia pestis © Robert-Koch-Institut/DPA
So sieht die pest aus: Eine elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das Pestbakterium Yersinia pestis © Robert-Koch-Institut/DPA
Lange hoffte man, die Pest ausgerottet zu haben. Doch immer wieder kehrt die Seuche in kleineren Ausbrüchen zurück. Nun starben in Madagaskar mindestens 27 Menschen an der Krankheit.

stern.de

Im Süden von Madagaskar sind 27 Menschen der Pest zum Opfer gefallen. Insgesamt 68 Menschen haben sich demnach in den Regionen Atsimo-Atsinanana und Ihorombe mit der Pest infiziert, wie es in einer am Montag verbreiteten Mitteilung der Gesundheitsbehörden hieß. Neben der Beulenpest gebe es auch fünf Fälle der leicht übertragbaren Lungenpest. Noch seien nicht alle Fälle durch Labortests bestätigt worden.

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Zwischen Pragmatismus und Verhüllungspflicht

© dpa Im Wasser ist für alle Platz: Szene aus dem Sommerbad Humboldthain im Berliner Bezirk Wedding
© dpa Im Wasser ist für alle Platz: Szene aus dem Sommerbad Humboldthain im Berliner Bezirk Wedding
Auch muslimische Mädchen müssen beim Schwimmunterricht mitmachen: Das hat ein europäisches Gericht entschieden. Bei den alltäglichen Konflikten hilft das Urteil nicht.

Von Daniela Gassmann, Michaela Schwinn | Frankfurter Allgemeine

Frau Posenenske hat den Burkini noch nie gesehen. Die Schwimmlehrerin aus Frankfurt weiß nicht einmal, wo der überhaupt ist. Keine einzige ihrer Schülerinnen wollte ihn bisher tragen. Dabei hat der Förderverein der Schule den Burkini extra bestellt, um zu zeigen: Wenn muslimische Familien ihre Töchter vor Blicken schützen wollen, dann haben wir Verständnis, dann gehen wir einen Schritt auf sie zu. Der Burkini gilt schließlich in letzter Zeit als der Kompromiss bei Integrationskonflikten schlechthin.

Einer, für den der Ganzkörper-Badeanzug keine Lösung ist, geriet am vergangenen Dienstag in die Schlagzeilen: der türkischstämmige Schweizer Aziz O. Seine Töchter, beide im Grundschulalter, hatten einst zum gemischten Schwimmunterricht gehen sollen. Sie könnten Burkini tragen, bot die Schule in Basel an. O. und seine Frau lehnten ab, sie verboten den Mädchen, zusammen mit Jungen zu schwimmen. Umgerechnet ungefähr 1000 Euro sollten sie als Bußgeld zahlen, entschied die Schulbehörde. Schließlich gelte beim Schwimmunterricht die Schulpflicht.

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Virtual Autopsies Help Shed Light on Possible Child Abuse

Fractures of a child’s left femur (and right ribs). Servaes calls the latter “very unusual in a child without history of significant trauma, and thus very suspicious for child abuse”. Image credit: Sabah Servaes.

On TV, autopsies can be gory affairs, but in real life, radiology techniques are being increasingly used to conduct post-mortem investigations that are less slice-and-dice, more scan-and-shoot

By Christine Ro | MOTHERBOARD

These less invasive procedures can be especially useful in sensitive situations. And few situations are more sensitive than those where child abuse is suspected. Inaccurate autopsy results can ruin lives: of grieving parents or of discredited medical professionals. So it’s crucial to tread very carefully when interpreting these results. Forensic information should be examined hand-in-hand with medical, social work, psychological, and other histories.

Globally, traditional autopsies are becoming less frequent, both for adults and for children. In the US, for instance, half the people who died in hospitals 50 years ago would have been autopsied. The rate is around 5 percent now.

One reason is that imaging tools like computed tomography (CT) and magnetic resonance imaging (MRI) scanners are being used for diagnosis while patients are alive. So there’s more confidence about causes of death, even though in adults, these assumptions are wrong about 1/3 of the time. And when it comes to children’s deaths, autopsies provide new information almost half of the time (accordingto a 2010paper).

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