Archiv der Kategorie: Soziales

Dementenwohngruppen als Alternative zum Pflegeheim

Foto: Georg Eichinger / WG-Qualitaet.de /heise.de

Wer demente Familienagehörige pflegt, lebt mit dem steigenden Risiko, über kurz oder lang selbst zum Pflegefall zu werden. Selbst hohe Belastbarkeit und ein stabiles Nervenkostüm halten der Beanspruchung durch den kranken Familienangehörigen auf Dauer nicht stand.


Von Christoph Jehle|TELEPOLIS

Kommt dann zur psychischen Beeinträchtigung noch ein körperliches Handicap (wie etwa eine Oberschenkelhalsfraktur) dazu, lässt sich eine 24/7-Rundumbetreuung praktisch nicht mehr vermeiden. Für die Angehörigen ist dies jedoch jenseits von Mehrgenerationen-Großfamilien auf dem Lande heute nicht mehr zu leisten. Auch wenn der Verbleib in der gewohnten Umgebung wünschenswert ist, so ist dies in der Regel auf die Dauer nicht zu realisieren.

Meist wird in solchen Fällen (und leider vielfach erst dann, wenn sich die Überforderung der Angehörigen – auch für Dritte erkennbar – manifestiert hat) eine Übersiedlung in ein Pflegeheim erwogen. Dort hofft man, dass die Angehörigen von qualifizierten Kräften gepflegt werden – nur um später oft feststellen zu müssen, dass auch die Fachkräfte in den Pflegeheimen mit der Betreuung Dementer durchaus ihre Probleme haben.

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“Menschen wie Waren auf einem Tisch ausgelegt”

Die Professorin Eva Illouz im Studio am Mikrofon. (Deutschlandradio / Bettina Straub)

Die Eva Illouz ist Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität von Jerusalem. Im Deutschlandfunk erläutert sie, warum Soziologie die Profession des Fremden an sich sei – und warum Gefühle in die Geschäftswelt und Maximierung in die Liebe Einzug halten.


Eva Illouz im Gespräch mit Torsten Teichmann|Deutschlandfunk

Torsten Teichmann: Am Mikrofon heute Torsten Teichmann, heute aus Israel, genauer gesagt aus Jaffa, einer Jahrhunderte alten arabischen Stadt am Mittelmeer, die heute ein Teil von Tel Aviv ist.

Mir gegenüber sitzt Eva Illouz, sie ist Professorin für Soziologie an der hebräischen Universität in Jerusalem. Herzlich willkommen!

Eva Illouz: Good morning!

Teichmann: Eva Illouz ist in Marokko geboren, 1971 zog die Familie nach Frankreich, nach Sarcelles, einem Vorort im Norden von Paris. Sie hat in Paris und Jerusalem studiert; Soziologie, Kommunikation und Literatur, in den USA promoviert.

Eva Illouz forscht auf einem Gebiet der Emotionen, also der Beziehung zwischen Gefühlen, Wirtschaft und Kommunikation in der modernen Gesellschaft. Zur Arbeit gehören Vorlesungen, zum Beispiel am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main 2004, Forschung am Wissenschaftskolleg in Berlin und Gastprofessuren, zum Beispiel in Princeton, in den USA.

In Deutschland ist zuletzt ihr Buch “Warum Liebe weh tut” erschienen, das war 2011. Und in diesem Jahr gibt der Suhrkamp-Verlag eine Sammlung von Kolumnen und Essays heraus, das sind dann auch Texte zur gegenwärtigen Politik.

  • Eva Illouz, Sie wurden in Marokko, in eine jüdische Familie geboren. Und als Sie zehn Jahre alt waren, beschloss Ihre Familie, nach Frankreich zu gehen. Warum entschieden sich Ihre Eltern 1971 für Frankreich?

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Wie Pegida gegen den Koran kämpfen will

Bild: pegida/FB, Screenshot:BB

Bild: pegida/FB, Screenshot:BB

Die Anti-Islam-Bewegung Pegida will Rechtspopulisten aus ganz Europa auf ihre Kundgebungen in Sachsen holen – und mit einem Förderverein ihre Aktivitäten auf dauerhafte sichere finanzielle Grundlage stellen.


Von Matthias Meisner und Lars Radau|DER TAGESSPIEGEL

Für Pegida war es ein Vorgeschmack. auf den Gastauftritt des niederländischen Islam-Hassers Geert Wilders am 13. April in Dresden. Am vergangenen Freitag war der Rechtspopulist Gast bei der einer Veranstaltung der rechtspopulistischen FPÖ in der Wiener Hofburg – und die Dresdner Anti-Islam-Bewegung war ganz begeistert.

“Wir werden diesem mutigen Mann an der Spitze des europäischen Widerstands gegen die Islamisierung unsere volle Unterstützung zeigen und seinen Mut honorieren”, schrieb Pegida auf ihrer Facebook-Seite mit Blick auf die Dresdner Kundgebung am Montag nach Ostern, zu der Zehntausende mobilisiert werden sollen. Und zitierte aus der Wilders-Rede: “Der Islam wurde an den Toren Wiens besiegt. … Unsere deutliche Botschaft an den Islam ist: Wir werden den Islam besiegen!”

Nach Wien eingeladen hatte das Freiheitliche Bildungsinstitut und der FPÖ-Bundesobmann Heinz-Christian Strache.

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ISIS-Rückkehrer: »Ich hatte falsche Freunde«

Bild: oe24.at

Der 16-jährige Wiener Oliver N. floh von seinem Einsatz für die ISIS-Terroristen zurück nach Wien.


Von Iris Brüggler|oe24.at

Noch liegt Oliver N. (16) in der Sonderkrankenanstalt der Justizanstalt Wien-Josefstadt. Vergangene Woche ist der Wiener von seinem Einsatz bei den ISIS-Terroristen in Syrien zurück nach Österreich geflohen. ÖSTERREICH am SONNTAG wollte wissen, wie Oliver N. jetzt über seinen ISIS-Einsatz denkt und bat dessen Anwalt, Werner Tomanek, Fragen an Oliver N. zu übermitteln. Das sagt der ISIS-Aussteiger:

ÖSTERREICH: Wie froh sind Sie darüber, wieder in Österreich zu sein?
Oliver N.: Ich bin sehr froh, dass ich es geschafft habe, wieder nach Österreich zurückzukehren und dass der ganze Spuk endlich vorbei ist.

ÖSTERREICH: Wie geht es Ihnen?
Oliver N.: Obwohl ich jetzt inhaftiert bin, geht es mir deutlich besser als in den letzten Monaten, insbesondere seit ich bei einem Bombentreffer schwer verletzt worden bin.

ÖSTERREICH: Bereuen Sie, dass Sie für die ISIS gekämpft haben?
Oliver N.: Ich habe niemals für die ISIS gekämpft, ich habe auch keine Kampfausbildung erhalten. Ich war ­lediglich drei Tage als Rettungsfahrer im Kampfgebiet eingesetzt.

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“Essen ist einverleibtes Wissen”

Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)

Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)

Bis auf wenige Ausnahmen haben die Philosophen eine Grundvoraussetzung ihres Denkens nicht mitreflektiert: die Ernährung. Sobald man diese mit auf die philosophische Rechnung setzt, entschlüsseln sich auch die gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse, meint Harald Lemke, der dazu ein Buch geschrieben hat.


Von Reinhard Jellen|TELEPOLIS

Herr Lemke, Ihr neues Buch trägt den Untertitel “Philosophische Erkundungen”. Warum ist Essen denn ein philosophisches Thema?

Harald Lemke: Warum sollte es kein philosophisches Thema sein? Wenn man sich die Philosophiegeschichte ansieht, haben sich die Philosophen über wirklich alle möglichen Dinge Gedanken gemacht. Es stellt sich doch eher die Frage, wie es sein kann, dass man sich Philosoph nennen darf, ohne über das Essen nachzudenken.

Was ist Philosophie und was ihre genuinen Themen? Üblicherweise wird zwischen theoretischer und praktischer Philosophie unterschieden. Die theoretische Philosophie versteht sich als das Streben nach der Wahrheit, nach Erkenntnis und Wissen. Und ich denke, Essen ist einverleibtes Wissen. In allem, was wir essen, steckt sehr viel Wissen. Wir essen Wissen und sogar Unwissen. Dieser Zusammenhang macht das Essen zu einem zutiefst philosophischen Erkenntnisbereich.

Darüber hinaus beschäftigt sich praktische Philosophie um das gute Leben und eine der alltäglichsten Lebensaktivitäten des Menschen ist nun mal das Essen. So ist der Schritt zum Nachdenken über gutes Essen eigentlich zwingend. Ihre Frage ist aber auch berechtigt und zeigt ein großes Dilemma auf, denn aus der Philosophie heraus zu fragen, welche philosophische Relevanz das Essen besitzt, sagt auch einiges über das jeweilige Philosophieren aus. Es zeigt sich, dass sich die Philosophie bislang einer zentralen Thematik ihrer selbst verweigert hat.

“Selbst unter den gastrosophischen Vordenkern hat keiner das Essen zu einer eigenen philosophischen Theorie ausgearbeitet”

Geht es bei Aristoteles, Hegel, Schopenhauer wirklich nie auch um das Essen?

Harald Lemke: Die Beantwortung dieser Frage ist komplex, denn innerhalb des Kanons der philosophischen Meisterdenker vollzieht sich eine gegenläufige Bewegung. Es gibt einesteils von Platon bis Hegel eine Auseinandersetzung, die negativ verläuft. Bei Platon, Seneca und Augustin dreht sich viel um Essen, bei Kant vergleichsweise auch, Hegel drängt das Essen in seinem idealistischen System in den Kontext des Verdauungsprozesses ab, der aber bei ihm ein hochspekulativer Vorgang ist, weil durch den Stoffwechsel aus Materie tatsächlich menschlicher Geist wird und damit letztlich der Weltgeist samt Vernunft in die Welt kommt, was Hegel irgendwie erklären muss. Dieser rätselhafte und fundamentale Vorgang macht aber letztendlich nur eine Fußnote seines Systems aus.

Es gibt also (im großen Bogen betrachtet) eine negative und abwertende Beschäftigung mit dem Essen. In der Gegenwart feiert dieser platonische Kältestrom weiter seine Triumphe: Bei Habermas und Foucault beispielsweise kommt Essen überhaupt nicht vor. Ist es aber wirklich philosophischer, über Kommunikation nachzudenken oder über Sexualität zu reden? Dennoch gibt es auch einen kleinen Wärmestrom, der mit Epikur beginnt und über Rousseau, Marx, Nietzsche und Feuerbach verläuft. Das sind namhafte Philosophen, die sich der Thematik zuwenden. Doch selbst unter diesen gastrosophischen Vordenkern hat keiner das Essen zu einer eigenen philosophischen Theorie ausgearbeitet.

“Essen ist ein komplexer, kultureller Vorgang”

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Wenn deutsche Schulmädchen ins IS-Beuteschema passen

Diese Frauen mit Gewehren in einem IS-Propagandavideo gehören angeblich der Al-Chansaa-Brigade an. Al-Chansaa bedeutet “Gazelle”. Es ist eine IS-Kampfeinheit, die nur aus Dschihadistinnen besteht Foto: dpa

Die Terrortruppe IS wirbt offensiv um junge Frauen und Mädchen – auch in Deutschland. Im Internet kursieren “Reiseführer”. Mit Erfolg. Mehr als 70 Frauen sind bereits in die Kampfgebiete gereist.


DIE WELT

Die junge Frau veränderte sich schnell. Sie ging auf einmal oft in die Moschee, las Bücher über den Islam, fing an, sich zu verschleiern. Sie begann, die Eltern zu kritisieren für deren liberalen Lebensstil, suchte im Internet nach neuen Vorbildern und tauchte tief in die salafistische Szene ein. In einer Facebook-Gruppe lernte die Muslimin zwei andere junge Frauen kennen, die ihr vom Leben im Islamischen Staat vorschwärmten und ihr einflüsterten, auch sie müsse diesen Weg gehen. Ein paar Wochen später verschwand sie aus ihrem Elternhaus in Deutschland – Richtung Syrien.

“Die junge Frau hat ins ‘Beuteschema’ gepasst. Die IS-Propaganda hat sie angesprochen”, sagt Florian Endres von der Beratungsstelle Radikalisierung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Bei seinem Team landete der Fall der jungen Muslimin.

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Italien weist Imam wegen islamistischer Propaganda aus

Der italienische Innenminister Angelino Alfano begründete die Ausweisung des Imam APA/EPA/GIUSEPPE LAMI

Der Imam einer Moschee in der toskanischen Stadt Lucca ist wegen fundamentalistischer Propaganda aus Italien ausgewiesen worden. Der Beschluss sei aus Sicherheitsgründen gefasst worden.


religion.ORF.at

Der Marokkaner habe eine Gefahr für die öffentliche Ordnung dargestellt, teilte der italienische Innenminister Angelino Alfano am Samstag mit.

Beweise für Propaganda gefunden

Der Marokkaner sei in Lucca festgenommen und nach Rom gebracht worden, wo er in ein Flugzeug in Richtung Marokko eingestiegen sei. „Wir haben unbestreitbare Beweise gefunden, dass der Imam fundamentalistische Propaganda betrieb. In unserem Land darf niemand zum Hass aufhetzen“, berichtete Alfano.

Nach dem Anschlag in Tunis, bei dem 21 Menschen, darunter vier Italiener, ums Leben gekommen sind, hat Italien die Anti-Terrorismusvorkehrungen drastisch verschärft. In den letzten Wochen habe Italien aus Sicherheitsgründen 26 Ausländer aus Italien ausgewiesen.

Herrenmensch: “Unsere Lebensregeln gelten für alle”

Heinz Buschkowsky war fast 15 Jahre lang Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln. (imago/Müller-Stauffenberg)

Der scheidende Bürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), kritisierte im Deutschlandfunk das Bundesverfassungsgericht, das ein pauschales Kopftuchverbot für Lehrerinnen untersagt hatte. Die Richter hätten keine Ahnung, wie es in vielen Stadtvierteln zugehe. Sie stützen die falsche Botschaft: Die Frau habe zu gehorchen, sie sei das Eigentum ihres Mannes.


Interview mit Christoph Heinemann|Deutschlandfunk

Christoph Heinemann: Herr Buschkowsky, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie in dieser Woche die Nachricht vom Absturz der Germanwings-Maschine hörten und auch die, über die mutmaßliche Ursache?

Heinz Buschkowsky: Ich glaube, im ersten Moment geht vielen Menschen überhaupt nichts durch den Kopf – mir auch nicht. Es entsteht eine gewisse Leere und man fragt sich: ‘Hast du das eben richtig verstanden?’ Dann kommen die ersten schrecklichen Details: Eine Schulklasse ist an Bord gewesen, es wird mit Sicherheit überhaupt keine Überlebenden geben. Und später: Die Maschine ist quasi atomisiert worden, es wird schwer werden, überhaupt irgendwas zu identifizieren. Das sind so Dinge, die man sich ja nicht vorstellen kann. Ich glaube, das ist auch gut so – man will sie sich auch nicht vorstellen. Wenn man dann die Bilder sieht aus der Schule, wenn man dann die Bilder sieht der Angehörigen und dann heute zur Kenntnis nehmen muss, dass alle Anzeichen dafür sprechen, dass es sich um einen gezielten Suizid handelt, bei dem man huckepack nochmal 149 Menschen mit in den Tod reißt, dann bleibt eigentlich nur eine einzige Frage: Was war das denn? Und kann eigentlich das Denken eines Menschen sich so pervertieren, dass es ihm egal ist, dass er junge Menschen, die am Beginn ihres Lebens stehen, einfach in den Tod reißt. Also da muss eine solche Kurzschlusshandlung vorgefallen sein, die einem normalen Menschen völlig verschlossen ist. Also dieses minutenlange Schweigen, obwohl ja ihm klar war, was passiert, deutet darauf hin, dass der Mensch sich völlig aus der Realität verabschiedet hatte.

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Indiana erlaubt Dienstleistungsverweigerung aus Gewissensgründen

cartoon-herzKeine Hochzeitstorten einer christlichen Bäckerei mehr an gleichgeschlechtliche Paare.


kath.net

Der Bundesstaat Indiana hat ein Gesetz beschlossen, das es erlaubt, Dienstleistungen aus religiösen Gründen zu verweigern. Medienberichten zufolge unterzeichnete der republikanische Gouverneur von Indiana, Mike Pence, am Donnerstag (Ortszeit) den «Religious Freedom Restoration Act».

Künftig können sich demnach etwa Bäckereien weigern, Hochzeitstorten an gleichgeschlechtliche Paare zu liefern. Die katholische Kirche in Indiana unterstützt das Gesetz, das in ähnlicher Form auch in anderen Bundesstaaten gilt. Die Demokraten hatten im Parlament gegen das Gesetz gestimmt.

Hans-Jürgen Papier: Ex-Verfassungsrichter geißelt Kopftuchurteil

Hans-Jürgen Papier (2014), Bild: wikimedia.org/ Tobias Klenze / CC-BY-SA 3.0

Der frühere Verfassungsgerichtspräsident Papier sieht im Kopftuchurteil aus Karlsruhe eine “Ursache von Problemen”. Die Entscheidung werde zu höchst unerfreulichen Streitigkeiten führen.


Von Jochen Gaugele|DIE WELT

Nur in besonderen Ausnahmefällen geschieht es, dass frühere Verfassungsrichter ihre Nachfolger in die Schranken weisen. Hans-Jürgen Papier war Präsident des Bundesverfassungsgerichts, als die Karlsruher Richter vor zwölf Jahren ein erstes Kopftuchurteil fällten. Auf die richtungsweisende Entscheidung stützten sich die Gesetzgeber in neun Bundesländern – und erließen generelle Kopftuchverbote für Lehrkräfte an öffentlichen Schulen.

Vor einigen Tagen allerdings vollzog das Gericht eine “Wendung”, wie Papier formuliert, die den Ländern als “große Überraschung” erscheinen müsse. Karlsruhe entsprach der Klage zweier muslimischer Lehrerinnen aus Nordrhein-Westfalen und erklärte ein pauschales Kopftuchverbot für verfassungswidrig. Voraussetzung für ein Verbot, so die neue Haltung des Gerichts, sei eine konkrete Gefährdung oder Störung des Schulfriedens.

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“Emma”: Amoktrips sind Männersache, Frauenquote fürs Cockpit

Themenbild.

Themenbild.

Das feministische Magazin “Emma” nutzt die Germanwings-Katastrophe, um eine Frauenquote in Cockpits zu fordern. Das sorgt für Empörung.


SpON

Auch die feministische Zeitschrift “Emma” befasst sich mit der Katastrophe von Flug 4U9525. Unter dem Bild eines abhebenden Germanwings-Fliegers heißt es dort gleich in der Einleitung: “Amoktrips sind Männersache. Und die Lufthansa hat 94 Prozent männliche Piloten.” Sowie: “Die Opfer sind überwiegend Frauen, die Täter sind männlich.”

Das Magazin nutzt das Unglück für einen Text, in dem, so lautet auch die Überschrift, eine “Frauenquote fürs Cockpit!” gefordert wird. Die Autorin verweist darin auf die “bei Männern viermal so hohe” Suizidquote. Daraus folgt dieser Satz:

“Die Lufthansa könnte also das Risiko, dass ihre Piloten das Flugzeug zu Selbstmord und vielfachem Mord missbrauchen, mit jeder Frau, die sie zur Pilotin ausbilden, ganz erheblich reduzieren.”

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Harald Martenstein: “Dann schreibe ich ‘Nazi-Mörderinnen’ “

Harald Martenstein / Bild: Die Presse

Der Journalist und Romancier Harald Martenstein will sich nicht zum Binnen-I zwingen lassen, eher wechselte er den Beruf. Ein Gespräch über die Aggressivität der “Lordsiegelbewahrer der politischen Korrektheit”.


Von Norbert Mayer|Die Presse

Die österreichische Bundeshymne ist unlängst umgeschrieben worden, wegen der Gleichberechtigung. Statt „Heimat bist du großer Söhne“ heißt es nun „Heimat großer Töchter und Söhne“. Was halten Sie davon?

Harald Martenstein: Das klingt nicht. Vielleicht sollte man einen ganz neuen Text schreiben. Ich bin immer skeptisch, wenn die Geschichte im Nachhinein umgeschrieben werden soll. Kürzlich habe ich über einen ähnlichen Streit in Berlin geschrieben. Die Mohrenstraße sollte umbenannt werden, „Mohr“ sei ein herabsetzender Begriff für schwarze Menschen. Da kenne ich aber noch schlimmere Straßennamen.

Nennen Sie ein konkretes Beispiel.

Karl-Marx-Straße. Es gibt von Marx extrem antisemitische Aussagen. Seinen Konkurrenten Ferdinand Lassalle hat er einen „jüdischen Nigger“ genannt. Ich glaube nicht, dass man das in puncto Rassismus toppen kann. Niemand hat bis jetzt aber die Umbenennung der Karl-Marx-Straße gefordert, vor allem nicht die Linkspartei, die eigentlich im antifaschistischen Kampf ganz vorn steht. Antisemitismus war zu den Zeiten von Marx Mainstream. Bis auf ein paar tapfere Außenseiter haben alle so gedacht. Ich glaube nicht, dass man an die Menschen des 19. die Maßstäbe des 21. Jahrhunderts anlegen kann.

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CDU-Politiker warnen vor Zuwanderung “in unser Sozialsystem”

Rhizinus? (CC-by-nc-sa/3.0/de by Pantoffelpunk)

Rhizinus? (CC-by-nc-sa/3.0/de by Pantoffelpunk)

Aufgrund einer EU-Regelung könnten Einwanderer möglicherweise schon früher als nach einem Jahr Anspruch auf Hartz IV haben. CDU-Politiker sehen darin einen “Anreiz für Zuwanderung in unser Sozialsystem”.


evangelisch.de

CDU-Politiker warnen davor, dass großzügigere Hartz-IV-Leistungen in Deutschland für EU-Bürger Anreize zur Einwanderung schaffen. “Die hohen Sozialleistungen in Deutschland sind schon heute ein Anreiz für Zuwanderung in unser Sozialsystem. Dieser Anreiz darf nicht noch größer werden”, sagte Christian von Stetten (CDU), Chef des Parlamentskreises Mittelstand in der Unionsfraktion, der “Bild”-Zeitung (Samstagsausgabe).

Stetten reagierte auf ein Gutachten des EU-Generalanwalts Melchior Wathelet, wonach Deutschland die Vergabe von Hartz-IV-Leistungen an arbeitsuchende EU-Zuwanderer großzügiger regeln muss. Das Gutachten könnte wegweisend für ein anstehendes Urteil des Europäischen Gerichtshofes sein. Demnach solle es eine Einzelfallprüfung geben, wenn jemand länger als drei Monate im Land ist und während dieser Zeit schon gearbeitet habe. Bislang gilt in Deutschland für den dauerhaften Hartz-IV-Bezug eine Mindestgrenze von einem Jahr Beschäftigung (AZ: C-67/14).

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Unmut in der CDU über Kopftuch-Urteil

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Nach dem Karlsruher Kopftuch-Urteil blieb es in der Landespolitik merkwürdig still. Doch nun rührt sich zumindest in der CDU Unmut über die Verfassungsrichter. CDU-Landesvize Winfried Mack hält das Urteil für falsch. Damit steht er nicht allein.


Von Reiner Ruf|Stuttgarter Zeitung.de

Als 1998 die deutsche Muslima Fereshta Ludin nach dem Abschluss ihres Referendariats in den baden-württembergischen Schuldienst strebte, gingen die Wogen in der Landespolitik hoch. Ludin bestand darauf, auch im Unterricht das Kopftuch zu tragen. Die damalige Schulministerin Annette Schavan (CDU) schien im Fall Ludin anfangs geneigt, diesem Begehren nachzukommen. Die engagierte Katholikin befürchtete, ein Kopftuchverbot werde ungewollte Nebenwirkungen entfalten – und auch die Präsenz christlicher Symbole an den Schulen in Frage stellen. Doch unter dem Druck der CDU-Landtagsfraktion schwenkte sie um. Fraktionsvize Hermann Seimetz erklärte seinerzeit, wenn Schavan das Kopftuch toleriere, werde sie ihr Amt verlieren. Die Ansichten im Landtag gingen auseinander, aber quer durch die Fraktionen gab es eine Mehrheit gegen das Kopftuch.

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Raif Badawi: “Auf wundersame Weise 50 Peitschenhiebe überlebt”

Bild: Center for Inquiry

Bild: Center for Inquiry

  • Der saudische Blogger Raif Badawi hat sich erstmals nach seiner Verhaftung öffentlich geäußert.
  • In einem Brief, der in der jüngsten Ausgabe des Nachrichtenmagazins Spiegel veröffentlicht wird, schreibt Badawi, er habe die ersten 50 Peitschenhiebe “auf wundersame Weise überlebt”.
  • Ein Buch Badawis kommt am 1. April in den Buchhandel. Darin sind auch die Blogeinträge zu lesen, wegen der Badawi veruteilt wurde. Er setzt sich für eine säkulare saudische Gesellschaft ein.


Von Christoph Meyer|Süddeutsche.de

Badawi äußert sich in Brief zur Prügelstrafe

Der saudische Blogger Raif Badawi hat sich erstmals seit seiner Verhaftung im Jahr 2012 zu Wort gemeldet. Dem Magazin Spiegel zufolge konnte er einen Brief aus dem Gefängnis schreiben, der in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift abgedruckt wird.

Darin schreibt der zu 1000 Peitschenhieben verurteilte Blogger, er habe die ersten 50 Hiebe auf “wundersame Weise überlebt”.

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Studie: “Systemversagen” im Stift Kremsmünster

Archivbild: Stift Kremsmuenster / Bild: Clemens Fabry / Die Presse

Ein Münchner Institut hat die Missbrauchs-Affäre aufgearbeitet – und 350 Fälle sexueller, körperlicher oder psychischer Gewalt ausgemacht.


Die Presse

“Das Stift Kremsmünster hat es über Jahrzehnte nicht geschafft, die ihm anvertrauten Schüler ausreichend vor pädosexuellen Übergriffen zu schützen” und “Es hätte mit einer besseren Kommunikationsstruktur verhindert werden können” – so fasst Sozialforscher Florian Straus eine von ihm und seinen Kollegen erstellte und am Freitag präsentierte Studie zum Missbrauchsskandal im Stift zusammen – und spricht von “Systemversagen”.

Nach dem Auffliegen der Affäre 2010 hat das Stift das Münchner Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) mit einer Studie zur Aufarbeitung beauftragt. Im Projektbeirat waren Abt und Prior, drei IPP-Experten sowie fünf ehemalige Schüler vertreten. Den Kern der Untersuchung bilden Interviews mit ehemaligen Schülern, Patres und weltlichen Angestellten, die zwischen 1945 und 2000 im Stift tätig waren. Dabei wurden 350 Fälle sexueller, körperlicher oder psychischer Gewalt ausgemacht, 24 Personen wurden beschuldigt. Da es sich um keine repräsentative Umfrage handelt, besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Wilders: “Lasst Jihadisten gehen – aber nicht zurückkehren”

Wilders und Strache / Bild: APA/EPA/HELMUT FOHRINGER

Dem niederländischen Rechtspopulisten ist es lieber, wenn Jihadisten ihre Verbrechen im Ausland begehen. Für FPÖ-Chef Strache sind die “Teufelskrieger” tickende Zeitbomben.


Die Presse

FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache und der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders diskutieren heute Abend in der Wiener Hofburg das Thema “Europas Bedrohung durch die Islamisierung”. Schon vorab ließ Wilders, der zu den prominentesten und umstrittensten Islamkritikern Europas zählt, mit einem ungewöhnlichen Lösungsvorschlag für das Problem ausländischer Kämpfer in Syrien und im Irak aufhorchen: Er verstehe nicht, warum westliche Regierungen dies Menschen an der Ausreise hinderten.

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Berlin: Evangelische Kirche plant “Flüchtlingskirche”

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz will ihre Flüchtlingsarbeit intensivieren. Es soll eine “Flüchtlingskirche” eingerichtet werden sowie eine mobile Beratung für Kirchengemeinden, wie die Kirche am Freitag in Berlin mitteilte. Ferner gebe es nun Förderungsmöglichkeiten für die Beratung und Unterstützung von Flüchtlingen sowie von Haupt- und Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit. Dazu habe die Kirchenleitung eine Rahmenkonzeption beschlossen.

kathweb

Unter dem Namen “Flüchtlingskirche” werde ein Ort für die Beratung und für Begegnungen von und mit Flüchtlingen geschaffen. Eine konkrete Lokalität dafür gebe es noch nicht. Das Team der “Flüchtlingskirche” soll auch Ansprechpartner in Flüchtlingsfragen für die gesamte Landeskirche sein. Träger werde der Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte in Zusammenarbeit mit der Landeskirche.

Im November 2014 hatte die evangelische Herbstsynode 500.000 Euro für die Arbeit mit Flüchtlingen bewilligt und weitere 500.000 Euro in Aussicht gestellt, verbunden mit dem Auftrag an die Kirchenleitung, ein Rahmenkonzept zu erstellen.

The Deep Web Suicide Site

Image: Motherboard.vice.com

The deep web is not just a place for drugs and criminals. It hosts whistleblower platforms, Chinese netizens circumventing the country’s censorship Great Firewall, and a lot of other perfectly legal websites—heck, even Facebook is ​on it

By Lorenzo Franceschi-Bicchierai|MOTHERBOARD

There’s also a new website that’s on the edge between legality and illegality, between empathy and what some would see as sinfulness: a forum to discuss anything related to suicide, from suicidal thoughts and fantasies, to actual methods of killing oneself.

It’s called Sanctioned Suicide, and its professed ethos is to give anyone a safe and completely anonymous haven to talk about their darkest thoughts.

“It is a place for people to find help and a place to vent,” Apollo, the pseudonymous founder of the site, told Motherboard, “as well as a place to find a suitable way of choosing to end their own lives, if that is their desire.”​

Suicide is a taboo in our society, but it’s also a tragic reality. In 2013, there were more than 41,000 reported deaths by suicide in the United States, making it the 10th leading cause of death in the country, according to the Centers​ for Disease Control and Prevention.

Leading suicide prevention organizations see it as a health crisis.

“While suicide is a leading cause of death, it is preventable. As a nation, we have a mental health crisis,” read a statem​ent from the American Foundation for Suicide Prevention last year. “To reverse the trend of suicide increasing, we need to invest in research, education, and support policy that helps people with mental disorders get the help they need.”

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Genetik: Der Genschatz der Isländer

Island. Bild: ©Alex Akesson.

Island. Bild: ©Alex Akesson.

Island ist eine wahre Fundgrube für Genetiker: Eine homogene Gruppe, lange von der Außenwelt abgeschottet. Die Entschlüsselung des isländischen Genoms soll helfen, Risiken früh zu erkennen und neue Heilmethoden zu finden.


Moderator Dominik Schottner|DRadio Wissen

Die Isländer sind ein überschaubares Volk. Auf einer Fläche so groß wie Bayern, leben rund 300.000 Menschen. Nicht mehr als in Bielefeld, Augsburg oder Chemnitz. Rund sechs Jahrhunderte lang blieben die Isländer unter sich. Das führte dazu, dass die Menschen nah miteinander verwandt sind und der Genpool recht homogen ist.

“Es gab ein riesiges Experiment von Inzucht auf der Insel. Das hatte keine schlimmen Folgen, aber vergleichsweise sind die Isländer viel enger miteinander verwandt als hier in Deutschland.”

Michael Lange, Wissenschaftsjournalist

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