Katholische Bischöfe protestieren gegen Kunstpreis: Karikaturstreit in Kerala

Photo/Ani
Im indischen Bundesstaat Kerala protestieren die katholischen Bischöfe gegen die Vergabe eines staatlichen Kunstpreises. Mit dem Preis soll eine Karikatur ausgezeichnet werden, die einen wegen Vergewaltigung angeklagten Bischof zeigt.

DOMRADIO.DE

Der Künstler K.K. Subhash hatte Franco Mulakkal in seiner Karikatur als Hahn dargestellt, der einen Bischofsstab hält, an dem das Kreuz durch Damenunterwäsche ersetzt wurde. Die Auszeichnung Subhashs sei ein vorsätzlicher Versuch der kommunistischen Regierung Keralas, die Kirche zu beleidigen und christliche Symbole verächtlich zu machen, zitiert der asiatische katholische Pressedienst Ucanews am Donnerstag aus dem Protestschreiben des Rats der Bischöfe von Kerala.

„Wir mussten dagegen protestieren“

Ein Sprecher des Bischofsrats sagte Ucanews, die Bischöfe hätten nicht protestiert, wäre der Preis von einer privaten Organisation verliehen worden. „Da es sich aber um den Preis einer staatlichen kulturellen Organisation handelt, mussten wir dagegen protestieren.“

Der Leiter Kunstakademie „Kerala Lalithakala Akademi“, Nemom Pushparaj, wies eine Beeinflussung der Preisvergabe durch die Regierung zurück. Trotzdem solle die Entscheidung der unabhängigen Jury überprüft werden. Es sei nicht die Absicht gewesen, das Christentum verächtlich zu machen.

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Two by two they entered the ark … with lawyers close behind

Die nachgebaute Arche Noah in Grant County, Kentucky. bild: arkencounter
„Noah’s Ark owners sue for rain damage“ ran the headline in The Age. And while the world let out a collective sigh of bemused irony, the thought occurred: could there be a more retrospective claim of shoddy workmanship?

By Warwick McFadyen | THE AGE

Of course it was not the man himself, brought to life from the aspic of time, demanding reparation, nor his sons Shem, Ham and Japheth, nor their sons, nor their son’s sons, and so on. It was, in part, an Australian. How’s that for punching above your weight? And, of course, it wasn’t the original ark, which has never been found, and which some killjoys believe never existed.

It was Crosswater Canyon, the company behind Ark Encounter, a theme park of biblical proportions and foundations, that has begun legal proceedings against its insurers for damage to property caused by rain. Crosswater Canyon wants more than $1 million.

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Hoch lebe der Staatshumor

Grafik: TP
Die öffentlich-rechtlichen Sender bespaßen ihr Publikum mit einer kunterbunten Parade aus Komikern, Witzeerzählern, Hofnarren und ein paar politischen Kabarettisten im Alibimodus. Hört und sieht man genauer hin, vergeht einem umgehend das Lachen

Wolf Reiser | TELEPOLIS

Claus von Wagner, neben Max Uthoff gastgebender Klinikchef der ZDF-Anstalt, erinnerte unlängst an die Definition seiner Kunstsparte: „Kabarett ist das Spiel mit dem erworbenen Wissenszusammenhang eines informierten Zuschauers.“ Und im gleichen Atemzug erfolgte die Frage: „Doch was macht man, wenn über wesentliche Belange nicht, falsch oder manipulativ berichtet wird?“

In normalen Zeiten sind Journalisten dafür zuständig, Journalismus zu betreiben, während sich die Kabarettisten um das Kunsthandwerk der satirischen Nachrichtenbearbeitung kümmern. Doch wir leben in keinen normalen Zeiten. Die Ära Merkel hat die Republik umfassend sediert und sie in einen hypnotischen Dämmerzustand aus Opportunismus, Diskursverschleppung und Paralyse versetzt.

Aus diesem Grund müssen politische Künstler sich nicht nur durch die wuchernden Fake-Narrative der politischen Macht kämpfen, sondern parallel auch noch die journalistischen Defizite der loyalen Leitmedien aufarbeiten. Das kostet Nerven und unendlich viel Zeit, also auch Sendezeit. Und so greifen die Anstaltsmacher immer wieder zum Trick der antiquierten Grundschul-Schautafel, um den Zuschauern auf diesem Weg die grundlegenden Fakten des jeweiligen Themas zu vermitteln.

Trotz dieser Widrigkeiten schafft man es in jeder Folge, Facetten aus dem rotierenden Irrsinn unseres Absurdistans herauszugreifen, das Rad anzuhalten und die Dunkelstellen mit detektivischer, respektloser und im besten Sinne unterhaltsamer Präzision zu erhellen.

In den fünf Jahren nahm man sich Themen wie Steuergerechtigkeit, Sexismus, Rechtsextreme oder Automobil-industrie vor und kümmerte sich um Griechenland wie auch des Öfteren um die westliche Wertemilitanz in Libyen, Syrien und der Ukraine. Man legt hohes Tempo an den Tag, intellektuelle Schärfe, eine lockere Mischung aus Kalauern, Parodie, Klartext und radikaler Opposition zum politisch-medialen Mainstream, oft auch in Form der Medien. Und die reagieren nicht immer wohlgesonnen. Mal erkennt man die Autoren als Putin-Trolle und antiamerikanische Aufwiegler oder straft das ganze Format als arroganten Agit-Prop und neomarxistisches Bauerntheater ab.

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Skeptiker-Konferenz: Mondlandung ein Fake? Wissenschaftler entkräften Verschwörungstheorien

Ist der Mann auf dem Mond nur eine Fälschung? Wissenschaftler wie der Kernphysiker Holm Hümler versuchen, solche Verschwörungstheorien zu widerlegen. Bild: nasa.dpa
Verschwörungstheorien werden immer beliebter. Bei der „Skepkon“ treffen sich Wissenschaftler, die solche Mythen entkräften wollen. Was hilft gegen Panikmache?

Von Veronika Lintner | Augsburger Allgemeine

Falls noch in diesem Jahr der Vesuv explodieren sollte, magnetische Pole und Erdplatten sich ruckartig verschieben, der Planet kippt und Menschen millionenfach ins Unglück stürzen – dann hatte die Apokalyptikerin Rose Stern wohl doch recht. Aber: „Das ist alles sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich“, sagt die Geowissenschaftlerin Lydia Baumann. Die junge Doktorandin aus Hamburg steht in Augsburg auf der Bühne, vor fachkundigem Publikum. Geduldig, mit Diagrammen und Karten, widerlegt sie die Untergangstheorie, die Stern eben noch in einem Interviewclip auf der Leinwand des Saals verkündet hatte.

Magnetische Polwanderungen sind normal, erklärt Baumann. Sie geschehen, wenn es schnell geht, innerhalb von mehreren hundert Jahren – oder aber binnen Jahrmillionen. Und die Folgen für die Menschheit? Höchstens kleine Funkstörungen in unserer digitalen Infrastruktur. Die Apokalypse ist abgesagt. Und die „Skepkon“ hat soeben begonnen.

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„Good Omens“: Ein Engel und ein Dämon gegen Armageddon

Ein Traumpaar: Michael Sheen als naiver Engel und David Tennant als eloquenter Dämon. – (c) Amazon Prime
Die Welt ist zu schön, um zerstört zu werden. Eine amüsante Miniserie rund um den Kampf zwischen Gut und Böse, die auf einem Kultbuch von Terry Pratchett und Neil Gaiman basiert.

Von Rosa Schmidt-Vierthaler | Die Presse.com

Das Leben auf der Erde ist manchmal schwer zu verstehen. Wie entstehen die großen Triumphe und Tragödien der Geschichte? „Sie werden nicht von Menschen herbeigeführt, die grundsätzlich gut oder böse sind – sondern von Menschen, die grundsätzlich menschlich sind.“ Dieser Gedanke wird in der Miniserie „Good Omens“ auf die Spitze getrieben. Denn in der satirischen Fantasy-Geschichte um den bevorstehenden Weltuntergang, den Showdown zwischen Himmel und Hölle, agieren nicht nur die Menschen äußerst menschlich. Sondern auch der Dämon Crowley und der Engel Erziraphael, die bereits einige Zeit auf der Erde verbrachten.

Seit dem Sündenfall standen sie sich immer wieder gegenüber, sie waren vor Ort, als die Arche Noah beladen und Jesus gekreuzigt wurde, sie prosteten einander im antiken Rom zu und verhandelten in Ritterrüstung gute und böse Taten. Irgendwann wurde aus dem Gegeneinander ein zartes Miteinander mit feinsinnigen, sarkastischen Dialogen. Es sind die stärksten Momente der Serie, wenn der Dämon (herrlich: David Tennant) und der Engel (ebenso gut: Michael Sheen) über ihre Chefs diskutieren und der Gesandte der Hölle es verwerflich findet, dass Gott bei der Sintflut nicht einmal die Kinder verschont. Oder wenn Erziraphael wegen seiner kleinen Laster (gute Kleidung und französische Küche) fast unter der Guillotine zu liegen kommt. Die beiden mögen die Welt. Weshalb sie auf eigene Faust und ohne das Wissen von Himmel und Hölle versuchen, das nahende Armageddon abzuwehren.

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Ein Hypermoralist im Hoodie versetzt die CDU in Panik

Ein Youtuber veröffentlicht eine Abrechnung mit den deutschen Christlichdemokraten und erreicht damit fünf Millionen Zuschauer. Die Reaktion der Partei auf die Attacke endet in einem kommunikativen Desaster. So cool, modern und internetaffin wie einige PR-Berater in Berlin-Mitte die CDU gerne hätten, ist diese nicht.

Hansjörg Müller | Neue Zürcher Zeitung

Wer den Medienwandel bis jetzt nicht begreift oder zu verdrängen versucht, erhielt dieser Tage unerbetenen Nachhilfeunterricht: Letzten Samstag stellte ein Youtuber namens Rezo ein 55-minütiges Video mit dem martialischen Titel «Die Zerstörung der CDU» ins Netz. Über fünf Millionen Aufrufe verzeichnete es bis Donnerstagmittag.

Seinen Auftritt hatte der 26-Jährige, der bisher vor allem Musikvideos verbreitete und dabei 1,6 Millionen Abonnenten ansammelte, offenbar akribisch vorbereitet: Mehrere hundert Stunden hatte Rezo nach eigenen Angaben recherchiert, bevor er sich im orangen Hoodie, die blau gefärbten Haare unter einer Dächlikappe hervorlugend, vor die Kamera setzte. Was in schnellem Tempo folgte, war eine 55-minütige Philippika gegen die Partei von Bundeskanzlerin Angela Merkel, angereichert mit vereinzelten Seitenhieben gegen SPD und AfD. Nicht er wolle die CDU «aktiv zerstören», so Rezo, dies täten bereits «die Fakten und Tatsachen».

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„Die SPD ist tot, die Grünen werden die neue SPD, und wir die neuen Grünen“

martin Sonneborn und Nico Semsrott. Bild: Die PARTEI
Europawahl-Interview mit den PARTEI-Politikern Martin Sonneborn und Nico Semsrott

Markus Kompa | TELEPOLIS

Die kommende EU-Wahl ist eine Schicksalswahl für Die PARTEI, denn erstmals traut man ihr das Potential von gleich zwei Sitzen zu – und damit eine Verdoppelung der politischen Schlagkraft. Neben Altpolitiker Martin Sonneborn, der in den EU-Ausschüssen für Kultur, Bildung und auswärtige Angelegenheiten sowie in der Delegation für die Beziehungen zur Koreanischen Halbinsel mitwirkte, hat auch Newcomer Nico Semsrott realistische Aussichten, demnächst deutsche Interessen im Europaparlament zu vertreten.

Herr Sonneborn, ursprünglich wollten Sie nur für einen Monat in Brüssel bleiben, jetzt aber möchten Sie noch einmal fünf Jahre mit dem Personal von Europas politischer Resterampe gemeinsam Strohhalme verbieten. Leiden Sie an einer Art Stockholm-Syndrom?

Martin Sonneborn: Nein, es ist eher so, dass wir eine intensive Auseinandersetzung mit der Groko Haram geführt haben. Steinmeier, Merkel und Maas haben einen wahnwitzigen Aufwand betrieben, um eine 3-Prozent-Hürde zur EU-Wahl einzuführen und die 7 Mandate der Kleinparteien wieder für sich zu reservieren. Gegen das Urteil des Bundesverfassungsgericht, gegen die Interessen von 26 oder 27 EU-Staaten. Wir haben dagegen gehalten, und schlussendlich genug Öffentlichkeit herstellen können, um dieses unseriöse Unterfangen scheitern zu lassen. Wir müssen mit unserer Arbeit also einen Nerv getroffen haben bei CDU und SPD, und schon deshalb will ich weitermachen. Aber natürlich habe ich auch Spaß an der Macht gefunden. Smiley.

Die Altparteien haben für 2021 keine Kanzlerkandidaten von Format, AKK und Friedrich Merz disqualifizieren sich schon der Frisur wegen. Werden Sie nicht eher in Berlin als in Brüssel gebraucht?

Martin Sonneborn: Sie sind sehr charmant. Nein, im Bundestag könnte ich nicht viel bewirken, von Belgien aus kann ich den Kontinent viel effektiver regieren. Außerdem möchte ich den Nachfolger von Elmar Brocken begleiten, er heißt Dennis Radab und wird uns in den kommenden Jahren in Brüssel viel Spaß bereiten.

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Werberat rügt Brauerei wegen Bierdeckel

Bild: dpa
Alkohol dürfe nicht als „Schlüssel für Glücksmomente“ angepriesen werden. Die Brauerei sieht „scheinheilige Moralisten“ am Werk und will die gerügten Bierdeckel nachdrucken lassen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ein Bierdeckel des Hofbräuhauses Traunstein erzürnt den Deutschen Werberat, weil er nach deren Einschätzung die „Verhaltensregeln für eine verantwortliche Alkoholwerbung“ missachte. Der Bierdeckel zeigt ein Paar in inniger Umarmung, die lachende Frau hält dabei ein frisches Weißbier in der Hand, darüber steht der Slogan „Hilft in Sekunden – wirkt für Stunden“.

Laut Werberat entstehe beim Betrachter der Eindruck, „dass sich der Konsum des Biers positiv auf das Verhältnis zwischen Mann und Frau auswirkt“. Die Alkoholbranche habe sich aber im Rahmen der Selbstkontrolle dazu verpflichtet, Alkohol nicht als „Schlüssel für Glücksmomente“ anzupreisen.

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Maintaler Muslime empört über Islam-Bierdeckel

Umstrittene Maintaler Bierdeckel mit Fragen zum Islam Bild © hr
Bei Apfelwein oder Bier mehr über den Islam erfahren? Aus Sicht der Integrationsbeauftragten der Stadt Maintal eine gute Idee. Sie lässt in Kneipen und Restaurants Islam-Untersetzer verteilen. Der Ausländerbeirat ist empört.

hessenschau.de

Wie erfahren nicht-muslimische Maintaler mehr über den Islam? Aus Sicht der Stadt offenbar am besten am Stammtisch bei einem Glas Apfelwein. Neben einem Bild von einem traditionellen Apfelweinkrug und -glas erklärt die Integrationsbeauftragte im Internet den Hintergrund der Aktion, die bei muslimischen Maintalern für Empörung sorgt:

Die Stadt habe Getränkeuntersetzer mit zehn verschiedenen Fragen „uff Hessisch“ rund um das Thema Islam bedrucken lassen. Unter anderem:

  • „Wie is des mit dem Koppduch?“ (Wie ist das mit dem Kopftuch?)
  • „Wie is des bei de Muslime mittem Wuzzeflaasch?“ (Wie ist das bei den Muslimen mit dem Schweinefleisch?)
  • „Derfe die Fußballer im Ramadan garnix esse?“ (Dürfen die Fußballer im Ramadan gar nichts essen?)

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Glaubenssache

Crosses on Hillside © Getty Images
Was kommt dabei heraus, wenn sich Kant, Feuerbach und Marx über Gott unterhalten? Ein fiktives Gespräch über Religion, die Verherrlichung des Leidens und das österliche Versprechen der Erlösung.

Von Markus Tiedemann | Frankfurter Rundschau

Kant zitiert Goethes Osterspaziergang, Feuerbach begeistert sich für den Begriff der „religiösen Arschkriecherei“ und Marx beklagt die Betäubung der Massen – ein philosophischer Chat über Gott und die Welt: Die folgende Unterhaltung wurde in dieser Woche von den Smartphone-Providern der genannten Herren mitgeschnitten.

Kant: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden belebenden Blick. . .“

Feuerbach: Lieber Freund, dass gerade Sie den Osterspaziergang zitieren. Immerhin waren Sie bereits vier Jahre tot, als Goethe seinen Faust veröffentlichte. Zudem hat der große Dichter behauptet, kein Organ für die Philosophie zu haben.

Kant: Und wenn schon. Es steckt einiges in seinen Texten, das uns Philosophen gefallen sollte. Dies gilt auch für den Osterspaziergang. Ich darf erneut zitieren: „Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht/Sind sie alle ans Licht gebracht.“ Wenn das nicht nach Aufklärung klingt!

Marx: Schon möglich, aber zu wenig ist seit damals erreicht worden. Heute, über zweihundert Jahre später, prägen die Religionen noch immer den Alltag. An diesem Wochenende läuft die Propagandamaschine mal wieder auf Hochtouren. Von der einen Kanzel wird die Selbstaufopferung verherrlicht, von der nächsten wird zum Warten auf ein himmlisches Jenseits gepredigt.

Kant: Das ist wahr, verehrter Kollege. Noch immer leben wir nicht in einem aufgeklärten Zeitalter, sondern bestenfalls in einem Zeitalter der Aufklärung. Allerdings sollten wir die Fortschritte nicht übersehen. Heute werden keine Hexen mehr verbrannt und das geistig verwirrte Gretchen würde nicht hingerichtet werden, sondern käme in eine psychiatrische Einrichtung. Rettung kommt nicht aus dem Jenseits, sondern aus der Medizin.

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Sexismus in der Esoterik: Der kollektive Schmerzkörper

Wenn frau will, ist die Periode eine Party, ein mehrtägiger Orgasmus! Achja? Foto: dpa
In der Esoterik finden Frauen Rat zu schöpferischer Kraft, Menstruationspartys und anderen Traumvorstellungen. Sexismus ist dabei stark verbreitet.

Aylin Braunewell | taz.de

„Sie [die Frau] sammelt und vermehrt ihre weibliche Energie am besten in ihrem Zuhause. Hier sollte das Verhältnis 80 Prozent Familie und Zuhause und 20 Prozent im Außen, zum Beispiel Arbeit, sein.“ Als ich das zum ersten Mal las, dachte ich mir: Die Autorin hat wohl ein bisschen zu viel Lichtnahrung genascht. „Lebe deine weibliche Kraft“ heißt ihr Ratgeber, dem dieses Zitat entstammt. Ein Titel, der wohl empowernd wirken soll. Doch schon der Untertitel lässt vermuten, dass hier nach Empowerment im feministischen Sinne lange gesucht werden kann: „Das große Praxisbuch für Schönheit, Heilung und Sinnlichkeit“.

Die Autorin Ludmilla Weidner (Seelenname: Lumira) bezeichnet sich selbst als Schamanin und hellsichtig. Vor Kurzem las ich einige ihrer Texte und habe es bis heute nicht verkraftet. Geschockt von so viel mehr schlecht als recht getarntem Sexismus machte ich mich auf die masochistische Suche nach mehr und wurde im alles verschlingenden Paralleluniversum der Esoterik fündig. Mal mehr und mal weniger subtil wird dort immer wieder das Bild der Frau als Heilerin gezeigt, als diejenige, die durch ihre viel gelobte weibliche Intuition Probleme sieht, bevor sie entstehen, und so harmonisch handelt, dass das Fass gar nicht erst überläuft.

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Noch 11.519 Mängel, aber die Entrauchungsanlage funktioniert

BER-Flughafengebäude. Foto: Colin Smith. Lizenz: CC BY-SA 2.0
Nach einem geleakten Statusbericht des TÜVs Rheinland erreicht der Streit um die Eröffnung des neuen Berliner Flughafens die Pressekammer des Hamburger Landgerichts

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

2006 wurde mit dem Bau eines neuen Berliner Flughafens begonnen, der eigentlich schon seit 2011 fertig sein sollte. So weit ist man aber auch 2019 noch nicht. Dafür hat Flughafen-Geschäftsführer Lütke Daldrup dem RBB zufolge jetzt die Abnahme der Entrauchungssteuerung durch den TÜV als „ganz wichtigen Meilenstein für die planmäßige Inbetriebnahme“ vermeldet. Zu dieser Entrauchungssteuerung gehört unter anderem das automatische Öffnen von Türen, das noch 2017 zu mindestens zwei Dritteln nicht wie geplant funktionierte. Bei der Suche nach der Ursache dafür war Telepolis damals an Mauern aus Unzuständigkeit gestoßen (vgl. Technische Probleme lassen BER-Flughafen Baustelle bleiben).

Einen dem Tagesspiegel zugespielten einundsechzigseitigen internen Statusbericht des TÜV Rheinland zum Zustand der Anlagentechnik im Fluggastterminal nach existierten am 8. März 2019 alleine „bei den Kabeln für die Sicherheitsbeleuchtung und die Sicherheitsstromversorgung“ noch 11.519 Mängel. Gegenüber der Öffentlichkeit hatte man vorher verlautbart, es gebe weniger als 3000 Mängel. Die Diskrepanz zwischen den beiden Zahlen erklärte Flughafensprecher Hannes Hönemann damit, dass man nun „Mängel in jeden einzelnen kleinteiligen Arbeitsschritt unterteilt“ habe, „damit die Firmen bei der Abarbeitung keine Ausreden mehr haben“.

Die aufgrund der Diskrepanz der Zahlen erfolgte Einstufung als „notorischer Lügner“ durch den Berliner FDP-Fraktionsvorsitzenden Sebastian Czaja versucht Daldrup durch die einschlägig bekannte Pressekammer des Landgerichts Hamburg als „unzutreffende Tatsachenbehauptung mit beleidigendem Charakter“ verbieten zu lassen (vgl. Der Gerichtsreporter und die Kammer des Schreckens). Czaja Meinung nach zeigt diese Reaktion, „wie es um den Flughafen wirklich steht“.

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Digitalisierung – (vorläufiger) Höhepunkt menschlicher Trickserei

Der Mensch ist Mittelmaß. In seiner stammesgeschichtlichen Entwicklung haben sich seine Fähigkeiten, die Wirklichkeit abzubilden, zu erkennen nur teilweise angepasst. Unsere Aufnahmefähigkeit liegt im mittleren Spektrum.
Sehr großes, wie etwa die Entfernungen im Universum, sehr kleines, wie Atome, Moleküle, Zellen usw. sind uns kognitiv nicht zugänglich. Makro-und Mikrokosmos erschließen sich uns nur mittels technischer Hilfsmittel. Unser erkennbarer Mesokosmos(Vollmer) ist eingebettet in die unvorstellbaren Dimensionen des Universums und in die sehr kleinen Partikel des Mikrokosmos. Trotz dieser Mängel in der Erkenntnisfähigkeit menschlichen Seins, erschließt sich der Mensch fragmentarisch, diese ihm nicht zugänglichen Teile seiner Umwelt. Er trickst.

Hier kommen nun die Maschinen, oder letztlich nur eine allgemeine Megamaschine zum tragen.
Der kulturphilosophische Nerd Martin Burckhardt hat sich in seinem Buch Die Philosophie der Maschine mit der Genese derselben auseinander gesetzt.
Zur besseren Übersicht beginnt seine Retrospektive der Maschine in der Zeit der griechischen Antike.
Wenn die alten Griechen von Maschinen(mechane) sprachen, zielte die Begrifflichkeit nicht auf ein Gerät, sondern auf eine List, den Betrug an der Natur, ab. Beginnend in der Geburtshöhle des Zeus, Götter als die Projektionsflächen menschlichen Möchtegern-Seins, entwickelt der Autor das Handbuch einer jedweden Maschine, menschlicher Kultur und Geschichte. Wenn die Göttin am Haken des Theaterkrans auf die Bühne herabschwebt setzt der Prozess unmittelbarer Verweltlichung ein. Das ist der Preis der Maschine, in welchem Maße die Menschen bereit sind, sich der neuen Rationalität zu opfern.
Aus dem ideellen Konstrukt der Maschine entwickelt sich ihre Dinglichkeit. Sie sichert Macht, geheimnisvoll, komplex nur Eingeweihten verständlich, dient sie göttlicher Darstellung. Die Architektur der Antike bis hin zu den pyramidalen Grabsteinen menschlicher Vergottung, im alten Ägypten, sind Zeugnis der Religionisierung menschlichen Tuns.
Der Autor verfolgt den Weg der Maschine durch die Zeit, ihre Funktion, ihre Rolle in den vergangenen und entstehenden Kulturen menschlicher Gesellschaft. Die Verhüttung von Erzen, die Produktion von Metallen, das Prägen von Münzen erfordern maschinellen Einsatz. Das Münzgeld der Antike löst das animalische Gottesopfer ab. Religiöse Institutionen finden wir seit dem immer in der Nähe des Geldes, selbst Jesus ging in den Tempel und trieb aus die da kauften und verkauften, warum wohl. Mit anderen Worten, die heutige Kirchensteuer als maschinelle Opfergabe. Welch ein Fortschritt.
Burckhardt analysiert die Buchgesellschaft, Gutenberg, die handgreifliche Identität der Buchstaben, das Alphabet selbst, wohl eine der ältesten Maschinen menschlicher Kultur überhaupt. Und so geht es Schlag auf Schlag. Programmierbare Webstühle, protokapitalistische Produktionsweisen bis hin zur Hollerith-Karte. Die Maschinen-Zyklen beschleunigen sich.
Die Anwendbarkeit der Elektrizität wurde ein weiterer Meilenstein in der Anwendung der Maschine. Unsichtbares konnte für die Erbringung von Arbeit genutzt werden.
Die Janusköpfigkeit der Maschine ist dem Autor bekannt, nicht zuletzt führte eine Volkszählung zur Kenntnis des Judentums in der deutschen Gesellschaft, Daten, gespeichert mittels Hollerith-Karte. So waren später den Nazis die Juden bekannt, der Holocaust sah seiner Vollendung entgegen.
Wie alles menschgemachte, so ist auch die Maschine zu missbrauchen. Die Aufklärung brachte nicht nur Positives für die Menschen.
Der Computer ist nicht nur ein Werkzeug, er ist:

„…eine Werkstatt. Begeben wir uns in diese Gedankenwerkstatt, verfügen wir über all die Werkzeuge, die auf unserem Desktop parat liegen. Fehlt etwas, erlaubt die Öffnung zur Welt, dass man das fehlende Teil in die eigene Arbeitsumgebung teleportiert. Insofern verkörpert die Maschine nicht nur diesen oder jenen Raum, sondern enthält, als prinzipiell offener Möglichkeitsraum, Platz für all jene Werkzeuge, die virtuell möglich, noch nicht realisiert, oder derzeit noch nicht in das eigene Arbeitsumfeld eingebunden sind.“(S.31)

Der Computer, die langsam an Fahrt gewinnende Digitalisierung eröffnet uns einen neuen Kontinent der Erkenntnis. Es bedarf nicht vielen Mutes diesen Kontinent zu entdecken, uns zu erschließen. Wir sind Ausgangspunkt, Teil und Ziel der Digitalisierung. Wir, Menschen aus Fleisch und Blut, sind die Maschine. Seit Jahrtausenden irren wir uns empor, aus der Natur gefallen, ertricksen wir uns den Zugang zu neuer Erkenntnis.

Die Computer, das Netz existieren ohne uns nicht, wenn wir also Bestandteil, Ursache und Erscheinung der Digitalisierung sind, offenbaren Begrifflichkeiten wie Multi-, Hyper- und Transmedialität, der Medienwissenschaften, nichts anderes als das Unverständnis der Maschine selbst. Kryptologie um Unwissenheit zu kaschieren.
Digitalisierung ist als universale Maschine, die allen Lebensbereich durchdringt, zu verstehen. Gängige Konzepte in der Politik, Wirtschaft erodieren schrittweise. Ein Höhepunkt politischer Erosion ist der Kanzlerinnen-Begriff des Neulands. Der Staat, Leviathan, zeigt immer offener seine Inkompetenz. Als Maschine versagt der Staat in immer stärkeren Maße. Populistische, postdemokratische Erscheinungsformen transportieren sich in die freiwerdenden Lücken der Erosionsprozesse.

Martin Burckhardt hat ein exzellentes Buch zur Philosophie der Maschine geschrieben. Die Grenzen zwischen analoger und digitaler Welt sind keine, die Grenzziehung eine künstliche.
Verblüffende Rückschlüsse, historische Retrospektiven bringt der Autor stets in anschaulicher Art und Weise auf den Punkt. Er produziert Aphorismen, wie selten in einer derartigen Konzentration zu lesen. Manches liest sich wie eine Übung in kreativer Semantik, feinsinniger Humor mit schon fast subversiv zu nennender Gedankenschärfe. Wer sich zum Thema Digitalisierung schlau machen, informieren will, wird mit diesem Buch fündig.

Ein Kritikpunkt wäre anzuführen, im Kapitel 18 – Der Abgesang der Philosophie, Fußnote 9, schreibt der Autor „[…] Daniel Dennett hat in diesem Kontext einen sehr merkwürdigen Gottesbeweis abgeliefert: Alles, was man zu denken imstande, werde, insofern es im Hirn abgespeichert werde, real. In dem man Gott denke, sei er existent.(Aus einem Gespräch mit dem Autor).“
Dieser Gedanke ist nicht von Dennett, es handelt sich dabei um den ontologischen Gottesbeweis des Anselm von Canterbury, der aus dem bloßen Gedanken oder Begriff „Gott“ d. h. A priori, auf die Existenz Gottes schließt und schlussfolgert.

Raumschiffe, Saurier und Nazis: die Effekte in „Iron Sky: The Coming Race“

Pixomondo erweckte für den FIlm „Iron Sky: The Coming Race“ in Stuttgart und Frankfurt unter anderem Dinosaurier zum Leben.
Der Nazi-Klamaukfilm „Iron Sky: The Coming Race“ läuft in den Kinos. Wir sprachen mit dem Effektstudio Pixomondo über die Effekte des Crowdfunding-Projekts.

Von André Kramer | heise online

Seit die Science-Fiction-Komödie „Iron Sky“ 2012 ins Kino kam, steht der Titel für klamaukige Nazi-Satire mit Kultfaktor und erstklassigen visuellen Effekten. Nun ist der zweite Teil in den Kinos zu sehen. c’t sprach mit VFX-Supervisor Adam Figielski vom Effektstudio Pixomondo, das für den Film Dinosaurier, Mondbasen und Raumschiffe zum Leben erweckte.

heise online: Um kurz die Brücke zum ersten Film zu schlagen: Worum geht es in der Fortsetzung „Iron Sky: The Coming Race“?

Adam Figielski: Über zwanzig Jahre ist es her, seit die Mond-Nazis im ersten Teil angegriffen haben. Die Erde ist mittlerweile ein unbewohnbarer Ort, von einem Atomkrieg verwüstet. Die letzten Überlebenden der Menschheit flüchteten auf die ehemalige Mondbasis der Nazis, doch der Mond droht auseinanderzubrechen. Dies ist der Beginn eines verrückt-absurden Abenteuers, in dem es darum geht, die Menschheit zu retten.

heise online: Und Sie arbeiteten an den visuellen Effekten. Vor welchen kreativen Herausforderungen standen Sie dabei?

Figielski: Wie immer war – trotz Crowdfunding, langer Finanzierungsphase und langer Produktionszeit – der Anspruch enorm hoch. Wir mussten tief in die VFX-Trickkiste greifen. Wir ließen Atombomben auf Washington fallen, Alien-Raumschiffe in den Mond krachen, eine Verfolgungsjagd mit Dinosauriern und Schlachten im Weltall entstehen. Trotzdem war es ein Riesenspaß, denn wir waren schon bei der Preproduction dabei und entwickelten zum Teil die Geschichte mit. Das ist eher ungewöhnlich und war nicht nur kreativ und technisch hilfreich, sondern auch emotional wichtig.

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Gute Laune ist etwas für Charakterschwache

Abendblatt-Kolumnist Hajo Schumacher Foto: Reto Klar
Skepsis zeugt laut Forgas von mentaler Stärke, womit wir bei den Klimaprotesten unserer Kinder wären.

Hajo Schumacher | Hamburger Abendblatt

Na, auch schlechte Laune? Der Kaffee wieder zu heiß oder zu kalt? In der Zeitung nichts als Apokalypse? Und der Lebensgefährte war auch schon mal frischer?

Herrlich, dieser Grummelreflex. Tut doch gut, nach Herzenslust so richtig zu pesten. Und Gründe gibt es immer. Hat der liebe Gott das Wetter nicht erfunden, damit sich der Mensch darüber aufregen kann?

Gute Laune ist für Charakterschwache, denen es an Sensibilität für Probleme mangelt. Wer jeden Quatsch glaubt und halb leere Gläser für fast voll hält, ist oft nur zu bequem, nach dem Haken zu fahnden. Optimisten lassen sich jeden Quatsch erzählen, Skeptiker dagegen brauchen Kraft und Ausdauer fürs Mäkeln, findet der australische Psychologe Joseph Forgas, ein Mephisto seiner Branche, der dem Diktat vom positiven Denken die Segnungen gelegentlicher Traurigkeit entgegenhält.

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Brian bittet an Karfreitag, behördlich genehmigt, zum Tanz im Revier

Steht ganz Oben auf der Liste. Jeder ein Kreuz. Screenshot: Youtube
Der Karfreitag ist in Deutschland ein „stiller“ Feiertag – Feiern und Tanzen verboten. Auch „nicht feiertagsfreie“ Filme wie „Das Leben des Brian“ dürfen nicht gezeigt werden. Eigentlich. Mit Ausnahmegenehmigung ist all das aber doch möglich.

evangelisch.de

In Bochum dürfen Religionskritiker in diesem Jahr an Karfreitag den Monty-Python-Film „Das Leben des Brian“ zeigen und zu einem Tanz einladen. Wie die Initiative „Religionsfrei im Revier“ am Dienstag mitteilte, genehmigte die Bezirksregierung Arnsberg die „unterhaltsame öffentliche Veranstaltung einschließlich Tanz“ am 19. April. An Karfreitag gilt in Deutschland als stiller Feiertag ein Verbot öffentlicher Veranstaltungen, auch Feiern mit Tanz sind nicht erlaubt. In Nordrhein-Westfalen kann jedoch eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden.

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Empathy, Morality, Community, Culture—Apes Have It All

Image: Illustration by John Hendrix/NAUTILUS
Primatologist Frans de Waal takes exception with human exceptionalism.

By Steve Paulson | NAUTILUS

Frans de Waal calls his new book Mama’s Last Hug in reference to an emotional encounter between Mama, a 58-year-old chimpanzee, and Jan van Hooff, an 80-year-old biology professor. Mama is frail and near death when Van Hooff, who had overseen her care for decades, enters her cage at Burgers Zoo in the Netherlands. Mama smiles and Van Hooff bends toward her. She strokes his white hair and drapes one of her arms around his neck, patting the back of his head with her long fingers. “This was typical Mama,” writes De Waal, who had long observed the chimpanzee. De Waal gave her the name Mama because of her matriarchal position. “She had the air of a grandmother who had seen it all and didn’t take nonsense from anybody,” De Waal writes. “I had never sensed such wisdom and poise in any other species but my own.” When Van Hooff entered Mama’s cage, “she must have sensed Jan’s trepidation about invading her domain, and she was letting him know not to worry. She was happy to see him.”

The touching scene between Mama and Van Hooff has been viewed over 10 million times on YouTube. Clearly it has struck a deep emotional chord in people, no doubt because of the joy and tenderness that the chimpanzee displays at the end of her long life. De Waal, who runs Living Links Center at the Yerkes National Primate Research Center in Atlanta, uses the scene to open his investigation into the emotions of animals, from primates to dogs to rats. “Let me start off with a radical proposal: emotions are like organs,” he writes. “They are all needed, and we share them with all with other mammals.” Those who are familiar with De Waal’s research know the proposal is not so radical, as the primatologist has for decades been showing humans that we are not as special as many of our species seem to think we are. The title of his previous book offers a keen summary of his outlook: Are We Smart Enough to Know How Smart Animals Are?

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Religion im Netz: Zu viel Blut, zu viel Sünde

Videos, Podcasts und eine Sammlung von Texten haben Rolf Gröschner und Wolfgang Mölkner auf ihrer Website zusammengetragen (Screenshot der Website Freiheitsdialog.de)
Die beiden Gelehrten Rolf Gröschner und Wolfgang Mölkner führen auf ihrer Homepage einen „Freiheitsdialog“ nach dem Vorbild der platonischen Dialoge. Auch die Themen Sünde, Erbsünde und göttliche Gnade verhandeln sie. Ihr Fazit: Es fehlt noch viel zur Freiheit des Christenmenschen.

Rolf Gröschner und Wolfgang Mölkner im Gespräch mit Christiane Florin | Deutschlandfunk

„Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten“. Dieser Satz des Philosophen Jean-Jacques Rousseau ist der Ausgangspunkt der Homepage „Freiheitsdialog“.

Die Macher dahinter sind der Jurist Rolf Gröschner, ehemaliger Professor für öffentliches Recht und Rechtsphilosophie in Jena, und Wolfgang Mölkner, promovierter Philosoph und Religionslehrer. Die beiden bieten Denken zum Zuhören, Zusehen und Nachlesen, die Dialoge werden von zwei Schauspielern und einer Schauspielerin gesprochen.

Wesentliche Fragen sind: Wer sind die Freunde der Freiheit und wer ihre Feinde? Warum legen wir uns heute – in einer freien Gesellschaft – freiwillig Ketten an? Und: Wirkt Religion eher befreiend oder fesselnd?

Als falsche Freunde der Freiheit machen Gröschner und Mölkner Moralapostel aus, also Menschen und Institutionen, die ihre eigenen Werte absolut setzen. Als regelrechte Feinde der Freiheit gelten ihnen die Sündenprediger in den Religionen. Auch Martin Luther, gern als Held der Gewissensfreiheit gefeiert, gilt ihnen als Problemfall. Luthers Schrift über die Freiheit des Christenmenschen sei befangen in einer mittelalterlichen, augustinischen Theologie von Sünde, Erbsünde und Erlösung, lautet der Vorwurf.

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Ist das Schicksal der Nonkonformisten nur ein neuer Konformismus?

Hipster?Bild: pxher.com/CC0
Ein mathematisches Modell über den „Hipster-Effekt“ scheint darauf hinzudeuten, dass sich die bemühten Individualisten einander angleichen und alle genauso aussehen oder sich verhalten

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Dass der Mainstream konform ist, also sich die Menschen beispielsweise ähnliche kleiden und ähnliche Frisuren haben, muss so sein. Aber es fällt auch immer wieder auf, dass Menschen, die sich vom Mainstream unterscheiden und ihren Nonkonformismus zeigen wollen, bald auch wieder alle gleich aussehen, bis die nächste Welle kommt. Was man als Modetrends beobachten kann, hat der Mathematiker Jonathan Touboul von der Brandeis University, der das als „Hipster-Effekt“ bezeichnet, versucht, in eine Formel für kollektives Verhalten zu fassen.

Touboul geht davon aus, dass sich öfter Menschen, die sich von der Mehrheit unterscheiden sollen, selbst wieder ein Gruppe mit konformistischem Verhalten bilden. Das aber würde der Intention entgegenlaufen, sich von der Mehrheit als Individuen zu unterscheiden und somit ein Paradox darstellen. Das geht für den Mathematiker weit über Moden hinaus und ist ein kollektives Verhalten, dass man etwa auch in der Wirtschaft oder an der Börse finden könne, beispielsweise wenn gegen den Strom Aktien verkauft werden, oder auch in der Synchronisierung von Nervenzellen.

Hipsters schauen sich so ähnlich, dass sie sich nicht einmal voneinander unterscheiden können“

Der Mathematiker beschäftigt sich mit dem Thema schon seit Jahren. Kürzlich machte er ein Update seiner Theorie, was Anlass für einen Artikel der Zeitschrift Technology Review über den Hipster-Effekt war.

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