Wer dieses Schauermärchen ernst nimmt, braucht einen Arzt

Im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, wird die Hölle als Feuersee bezeichnet, der mit Schwefel brennt (19,20; 20,14-15). Foto: pixabay.com/idea.de
Im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, wird die Hölle als Feuersee bezeichnet, der mit Schwefel brennt (19,20; 20,14-15). Foto: pixabay.com/idea.de
Himmel und Hölle sind keine symbolischen Vorstellungen, wie von der liberalen Theologie behauptet. Sie sind nach der Bibel eine „unausweichbare Realität“. Jeder Mensch wird nach seinem Tod die Ewigkeit entweder im Himmel oder in der Hölle verbringen.

idea.de

Diese Ansicht vertritt der evangelikale Theologe Johannes Pflaum (Neu St. Johann/Schweiz) in der Zeitschrift des Bibelbundes (Berlin). Jesus Christus spreche in der Heiligen Schrift nicht nur viel vom Himmel, sondern auch elf Mal von der Hölle. So heiße es im Matthäus-Evangelium: „Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet aber vielmehr den, der sowohl Seele als Leib zu verderben vermag in der Hölle.“ Wer ohne Gott gelebt und gestorben sei, müsse einmal „zu Recht die Folgen davon tragen“, so Pflaum. Das Gericht werde die treffen, die nicht an den Sohn Gottes geglaubt und die Gnade angenommen hätten, wie es im Johannes-Evangelium (3,18) stehe. Hölle bedeute für sie „ein Existieren und Dahinvegetieren in der ewigen Gottesferne“.

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Wie Winston Churchill über Aliens dachte

Winston Churchill hielt schon 1939 außerirdisches Leben für sehr wahrscheinlich - udn begründete auf erstaunlich moderne Weise, warum. © HG: NASA, Portrait: historisch
Winston Churchill hielt schon 1939 außerirdisches Leben für sehr wahrscheinlich – udn begründete auf erstaunlich moderne Weise, warum. © HG: NASA, Portrait: historisch
Erstaunlich modern: Schon vor gut 75 Jahren hielt der britische Premierminister Winston Churchill außerirdisches Leben durchaus für möglich – und begründete dies mit überraschend wissenschaftlichen Gedankengängen. Das belegt ein nie veröffentlichter Essay des Politikers aus dem Jahr 1939. Lange bevor der erste Exoplanet entdeckt wurde, spekulierte er schon über die Zahl fremder Planeten und die habitable Zone in einem Planetensystem.

scinexx

Winston Churchill ist heute vor allem als der britische Premier zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und als begnadeter Redner in Erinnerung. Doch der Politiker war auch ungewöhnlich stark an der Wissenschaft interessiert. Er traf sich regelmäßig mit Physikern, Astronomen und Ingenieuren und stellte 1940 als erster britischer Premierminister einen wissenschaftlichen Berater ein. „Zu einer Zeit, in der viele heutige Politiker von Wissenschaft nichts wissen wollen, finde ich diese Erinnerung besonders wichtig“, sagt der Astrophysiker Mario Livio.

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‚katholisch.de‘-Chefredakteur nennt AfD Frust-Truppe für Arschlöcher

Screenshot Twitter
Screenshot Twitter
Steffen Zimmermann, Chefredakteur der von den deutschen Bischöfen mit 2 Millionen Euro Kirchensteuer subventionierten Website, beschimpft AFD-Wähler auf Twitter. Es kommt zu heftigen Reaktionen. Zimmermann stellt Account auf „geschützt“ um.

kath.net

Steffen Zimmermann, der Chefredakteur des offiziellen Online-Auftrittes der katholischen Kirche (katholisch de) in Deutschland, hat am gestrigen Sonntag auf Twitter AFD-Wähler als „A…löcher“ beschimpft. Wörtlich schreibt Zimmermann auf Twitter: „Diese hasserfüllte Frust-Truppe soll eine Alternative sein? Vielleicht für Arschlöcher. Aber nicht für Deutschland.“ Der Tweet wurde gestern am Nachmittag nach der Wahl des neuen deutschen Bundespräsidenten abgesetzt. Unmittelbar danach gab es bereits heftige Reaktionen auf Twitter.

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Justiz Albtraum

Alle erheben sich. Die Richterin, mit ihren Beisitzern, betritt den Verhandlungsaal. Ein kurzes Nicken in Richtung Publikum und das hohe Gericht nimmt Platz. Die Vorsitzende zupft an ihren Hidschab. Der Beisitzer zu ihrer Linken stellt einen kleinen, fetten, ewig grinsenden Buddha auf den Tisch. Der Andere einen tanzenden Shiva. Über allen thront das gewaltige Kreuz des Christentums. Die Autorität des christlichen Gottes ist scheinbar unbestritten, darunter hängt in goldenen Buchstaben auf schwarzen Samt, die Shahada. Während der Staatsanwalt beginnt den Verlauf der Verhandlung auszupendeln, legt der staatlich bestimmte Verteidiger seine Tarot-Karten. Die beiden anwesenden Justizbeamten channeln sich.

Der Angeklagte sitzt völlig verstört, die Augen weit aufgerissen auf seiner Bank. In jedweder Hinsicht ungläubig ahnt er, dass dies sein letztes Gericht ist.

Der strittige Sachverhalt, der Grund für die Gerichtsverhandlung ist belanglos. Sein Unglauben ist das Problem.

Kabbalistisch wird der zu bestimmende Paragraf im Strafgesetzbuch festgelegt. Verurteilt wird er zu ewiger Jugend, die er in einem religionspluralistisch geführten vatikanischen Männerpuff verbringen darf.

Zum Abschied drückt ihm sein Pflichtverteidiger eine Tarotkarte in die Hand, ein Bube.

 

Was bedeutet das Böhmermann-Urteil für deutsche Satire?

 Mit ihrer Entscheidung gaben die Richter einer Klage des türkischen Präsidenten in Teilen statt. (Foto: dpa)
Mit ihrer Entscheidung gaben die Richter einer Klage des türkischen Präsidenten in Teilen statt. (Foto: dpa)
  • Strittige Passagen mit sexuellem Bezug und sonstigen Schmähungen bleiben verboten. So lautet die Entscheidung des Hamburger Landgerichts im Zivilverfahren gegen Jan Böhmermann.
  • Mit ihrer Entscheidung bleiben die Richter ihrer Linie treu. Im April hatten sie das Gedicht bereits in Teilen verboten.
  • Böhmermanns Anwalt Christian Schertz bedauert die Entscheidugn: „Offenbar war die Kammer von ihrer eigenen Vorentscheidung gefangen und hat leider die Frage der Kunstfreiheit nicht genügend berücksichtigt.“

Von Annette Ramelsberger, Carolin Gasteiger | Süddeutsche.de

Jan Böhmermann darf strittige Teile seines Schmähgedichts nicht weiter verbreiten. Das verkündete das Hamburger Landgericht am Freitag.

Demzufolge ist es dem Satiriker untersagt, Passagen mit sexuellem Bezug und sonstigen Schmähungen zu wiederholen. Sonstige harmlosere Passagen sind laut der Entscheidung im Hauptsacheverfahren aber weiterhin erlaubt, etwa die Zeile: „Sackdoof, feige und verklemmt / Ist Erdoğan der Präsident.“

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„Charlie Hebdo“: Kopf-ab-Satire

Merkel enthauptet Schulz: Das aktuelle Titelblatt der deutschen Ausgabe der französischen Satire-Zeitschrift
Merkel enthauptet Schulz: Das aktuelle Titelblatt der deutschen Ausgabe der französischen Satire-Zeitschrift“ „Charlie Hebdo“.Foto: dpa
Angela Merkel hält abgeschnittenen Kopf von Martin Schulz: Das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ will sich mit einem provokanten Cover mit dem „Spiegel“ solidarisieren

Von Joachim Huber | DER TAGESSPIEGEL

Deutet sich da ein blutiger Trend an? Auf dem Cover der aktuellen deutschen Ausgabe des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ ist Bundeskanzlerin Angela Merkel als Karikatur zu sehen, ein blutiges Messer in der einen Hand, den abgetrennten Kopf des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz in der anderen. Nach Meinung der Redaktion ein Akt der Solidarität. Das Motiv greift das umstrittene Titelbild des aktuellen „Spiegel“ auf, das US-Präsident Donald Trump in ähnlicher Pose zeigt, den Kopf der Freiheitsstatue hochhaltend. Sich an den „Spiegel“-Titel anzulehnen, sei eine Geste des Respekts gegenüber den Kollegen in Hamburg, sagte die Chefredakteurin der deutschen „Charlie Hebdo“-Ausgabe, die unter dem Pseudonym Minka Schneider auftritt. „Was uns am meisten schockiert hat, war das negative Echo darauf“, sagte Schneider. „Wir finden diese Titelseite ziemlich gut.“

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Gregor Gysi: Dodo des Monats Januar 2017

Dodo des Monats Januar 2017 ©HFR
Dodo des Monats Januar 2017 ©HFR

Gregor Gysi. Bild: FBEs wäre ein schöner Tag, wenn eine Politiker, Atheist, Humanist, was auch immer, den Arsch in der Hose hätte und völlig unbekümmert negative Religionsfreiheit in einer Kirche „predigen“ würde. Gregor Gysi ist von solchen Höhepunkten weit entfernt. Der Prototyp eines regressiven Linken.

Ich habe versucht zu erklären, weshalb Religion und Kirchen in unserer Gesellschaft so wichtig sind. Ich habe – obwohl ich selbst nicht an Gott glaube – versucht, der Gemeinde zu erklären, dass ich eine gottlose Gesellschaft ganz furchtbar fände. Und zwar schon aus folgenden Gründen: Erstens sind die Religions- und Kirchengemeinschaft Bestandteil unserer Kultur, und zweitens sind zurzeit nur die Kirchen- und Religionsgemeinschaften in der Lage, allgemeinverbindliche Moralnormen aufzustellen.
Gregor Gysi

Ich weiß ja nicht, was Gregor Gysi im Kopf hat als Atheist. Es muss furchtbar sein, damit er dieses Grauen im Zaume halten kann braucht er christliche Moral. Man sagt ja nicht umsonst, was ich denk und tu, trau ich anderen zu.
Darüber hinaus bleibt festzustellen, er findet einen absolutisch-feudal regierenden Kirchenfürsten, genannt der Pappa, Spukgestalt von Rom, annehmbar. Dessen Moral sich herleitet aus dem Naturrecht, eigentlich müsste Gysi als Rechtsanwalt beim Thema Naturrecht in schallendes Gelächter ausbrechen, aber das ficht ihn nicht an. D.h. eben jene katholische Kirche begründet mit dem Naturrecht die Nichtanerkennung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, sowohl von der UNO als auch von der EU. Tausende katholische Priester haben sich jahrzehntelang durch ganze Generationen von Kindern gevögelt, mit der ach so feinen Moral ihrer Kirche. Es wurde vertuscht, verheimlicht, gelogen und weltliche Gerichtsbarkeit umgangen.
Frauen wird die Gleichberechtigung versagt, das grundlegende Recht auf Selbstbestimmung nicht anerkannt. Die Benutzung von Kondomen untersagt, dann mit der Nonchalance eines Gnadenaktes unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Homosexuellen wird aus gleichen Gründen die Anerkennung als menschliches Wesen verneint. Die „unantastbare“ Menschenwürde wird tagtäglich mit feinziselierten Wortungetümen eben jenen Menschen genommen.
Wessen Moral Herr Gysi? Es kann nicht ihr ernst sein mit dieser bigotten Weltsicht der Kirchen übereinstimmen zu wollen.

Bei den Protestanten ist es nicht besser, der Vorteil, sie haben den römischen Mummenschanz der Antike abgelegt, aber ansonsten ist Bigotterie vorherrschend.
Auch hier ist der Wunsch nach Regulierung des Menschen ausgeprägt, Homophobie ebenso vorhanden wie die Entmündigung der Frauen. Allein die im Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland stattfindenden Lebensrecht-und Bildungsdemonstrationen sind der Versuch einen evangelikalen Gottesstaat zu errichten. Konservative Christen entsagen ihren politischen Urgründen und landen bei der Alternative für Deutschland.
Allein Luther müsste Gysi ein sozialer Gegner sein.

„Wer den Müntzer gesehen hat, der hat den Teufel gesehen in seinem höchsten Grimm. … Nach der Rückkehr von einer Reise ins thüringische Aufstandsgebiet legte Luther nach und rief in einer Erweiterung der zweiten Auflage seiner Bauernschrift in vollkommen maßlosen zutiefst erschreckenden Worten die Obrigkeiten dazu auf, die Aufständischen ohne Gnade und Erbarmen wie „tolle Hunde“ niederzumetzeln. Denn wer sie nicht schlage, werde von ihnen geschlagen und das ganze Land dazu. Die Niederwerfung des Aufstands geriet zum Gottesdienst. „Solche wunderlichen Zeiten sind jetzt, dass ein Fürst den Himmel mit Blutvergießen verdienen kann, besser als andere mit Beten“. Veit-Jakobus Dieterich: „Martin Luther“, dtv, S. 85ff)

500 Jahre Reformation, wer gegen die Obrigkeit ist, wird dahingemetzelt. Eigentlich die Leute, die zur Klientel der Partei Die Linke gehören.

„Christen verzichten darauf, sich gegen die Obrigkeit zu empören.“ Martin Luther: Ob Kriegsleute in seligem Stande sein können, 1526

Valium für den Pöbel, damit er weiter in seiner sozialen Hängematte verdämmern kann.
Der Antisemitismus ist ebenso ein gut christliches Ding. Von Anbeginn bis Auschwitz, ohne Christentum kein Holocaust.

Kirchliche Moralnormen gelten für Anhänger der Kirchen. Für alle anderen gelten die Gesetze des weltlichen Staates, sie sind dort auch besser aufgehoben. Objektive moralische Werte, ob nun christlich, jüdisch, islamisch, existieren nicht. Der imaginäre Freund entzieht sich seit seiner menschlichen Geburt jedweder Einflussnahme. Das heißt aber auch, Moral die nicht mehr den Lebensumständen der Menschen entspricht wird abgeschafft. So sollte es sein, praktisch ist es anders. Politiker wie Gregor Gysi sorgen dafür, dass die ach so allgemeinverbindlichen Moralnormen, verbindlich werden. Anstelle des mittelalterlichen Throns sind die Politiker getreten, die kirchlich-religiöse Politik möglich machen. Neu ist, dass sich Atheisten den Pfaffen andienen. Hat bei den Sozialdemokraten 94 Jahre gebraucht, bis zum Godesberger Programm, da haben dann Johannes Rau, Gustav Heinemann und Erhard Eppler den Gotteswahn, von der Gesamtdeutschen Volkspartei, in die SPD gebracht.

Vorgelesen hat Gregor Gysi aus dem Römer, Kapitel 12, 17-21.

Haltet euch nicht selbst für klug.ebenda

Paulus‘ Römerbrief ist auch jenes Machwerk, welches gern herangezogen wird um gut christliche Homophobie zu pflegen.

Jede andere Institution, ob nun katholische- oder evangelische Kirche, hätte man bei den begangenen Verbrechen verboten, enteignet und abgeschafft. Dass dem nicht so ist, ist der Politik geschuldet, es klüngelt sich halt gut. Politiker gehen dann eben gern auf Stimmenfang, dass christliche Wahlvolk wird es danken.

Hüten wir uns vor Politikern, die Religion, egal in welcher Form, zur Maxime ihres Handelns machen.

Unmoral ist die Moral derer die sich amüsieren.Ambrose Bierce

Atheisten sind unmoralisch, Feinde der Gesellschaft, die sich der Kontrolle des Jesusklubs entziehen. Neu ist das nicht, eben regressiv.

In dem Sinne, herzlichen Glückwunsch, vielleicht bringen die Kirchen ja ein paar Stimmen im Bundestagswahlkampf. Der Zweck heiligt die Mittel.

Wahl Dodo des Monats Januar 2017

Dodo des Monats Januar 2017 ©HFR
Dodo des Monats Januar 2017 ©HFR

Der Höhepunkt des Monats war die Amtseinführung, des neuen Präsidenten der USA, Donald Trump. Die Frommen jubeln und die erbosten gehen auf die Straße. Christen schicken Christen nach Syrien zurück, während sich hier die Pfaffen um die Nächstenliebe verdient machen.
Es ist völlig belanglos, ob Christen oder Muslime als Schutzsuchende kommen. Es sind Menschen. Alle anderen Attribute sind unwichtig, weil sie Menschen aus-und abgrenzen. Einem säkularen Gemeinwesen interessiert die Religiosität seiner Bürger nicht. Gültig für alle Beteiligten, wenn Pfaffen und Vorbeter nicht den Anspruch erheben würden Menschen nach ihrer Religion zu bestimmen.
Der DiTIB kann ohne seine Vorbeter in der Türkei nicht leben, die zahlen ja schließlich auch das Orchester, die Schwarzkittel der Kirchen versuchen die Frömmigkeit der Muslime fürs Herz-Jesulein-Wellness-Image zu nutzen. Der andere kann sich verbindliche Moral ohne Kirchen nicht vorstellen, da ist die Aufklärung vorbeigerutscht. Nazisprache, Mumien als Körperteilspender die man durch die Straßen tragen kann. Politik die sich zur Religions-Hure ins Bett legt.

Hier sind die Kandidaten. Die Wahl ist bis zum 07. Februar 18:00 Uhr befristet. Am folgenden Tag wird der Gewinner hier gewürdigt werden. Viel Spaß!

  1.  Rudolf Vorderholzer, „kann nur religiös denken, alles andere ist kognitive Dissonanz.“
  2.  DiTiB, „kann ohne Türkei nicht religiös leben.“
  3.  Klett-Verlag, „Antisemitismus im Schulbuch.“
  4.  Jürgen Vorndran, „Mumienknochen abgesägt für Toten-Kult.“
  5.  Hans Zollner, „sexueller Missbrauch und Glaubensverluste.“
  6.  Ismet Yilmaz, „will Mohammed vor den Nacktaffen retten.“
  7.  Sigmar Gabriel, „hat als Außenminister das Problem Böhmermann übernommen.“
  8.  Björn Höcke, „Lehrer mit Nazi-Attitüde.“
  9.  Gregor Gysi, „Beispiel für Versagen der Aufklärung.“
  10.  Margot Käßmann, „will bestimmen, wann und ob sich Staat und Kirchen trennen.“
  11.  Volker Beck, „hat noch nicht begriffen, dass Kopftuch et al nichts mit Religion zu tun haben.“
  12.  Ekkhart Vetter, “ will seine Homophobie respektiert wissen.“

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Der Mensch, das (un)vernünftige Tier

Flugbegleiterin und Fluggäste – (c) Bilderbox
Flugbegleiterin und Fluggäste – (c) Bilderbox
Unser Verhalten im Flugzeug beweist: Mit dem Menschen als „Animal Rationale“ ist es leider nicht sehr weit her.

Von Karl Gaulhofer | Die Presse.com

Der Mensch sei das vernünftige Tier, behauptete Aristoteles. Wie so oft irrte der alte Grieche auch hier. Gut, damals gab es noch keinen Flugverkehr. Als Passagier wäre dem Philosophen seine Fehldeutung des menschlichen Wesens sofort sinnfällig geworden. Es fängt schon beim Einchecken an, genauer: bei der Sitzplatzwahl. Gibt es einen vernünftigen Grund, warum sich alle in die vorderen Reihen drängen? Weil man am Zielort schneller wieder rauskommt?Dafür wartet man länger im Bus oder am Gepäckband. Hinten ist mehr Platz, und wer dort am Fenster sitzt, sieht auch etwas, ganz anders als über dem Flügel. Nein, das kindische Motiv kommt aus dem Bauch: Wer weiter vorn sitzt, sei auch sonst im Leben vorn dabei.

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Kollektive Intelligenz: Wie man die richtige Antwort unter lauter falschen findet

Themenbild.
Themenbild.
Wie heißt die Hauptstadt von Australien? Der Publikumsjoker ist manchmal katastrophal falsch. Mit diesem Trick kann man künftig erkennen, ob die Mehrheit einem Irrtum aufsitzt.

Von Jan Dönges | Spektrum.de

Lässt man eine Gruppe von Menschen beispielsweise das Gewicht eines Jumbojets schätzen, kommt der Mittelwert ihrer Antworten dem tatsächlichen Ergebnis oft erstaunlich nahe. Der klassische Publikumsjoker bei Quizsendungen trifft, was die Mehrheitsverhältnisse angeht, oft ebenfalls genau ins Schwarze. Problematisch wird das bei Fragen wie der nach der Hauptstadt von Australien. Wenn sich eine falsche Antwort (zum Beispiel Sydney) geradezu aufdrängt, gerät die richtige Antwort (Canberra) ins Hintertreffen.

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Böhmermann-Gedicht: Regierung mauert weiter

Bild: FB
Bild: FB
Im Streit über die „Schmähkritik“ des ZDF-Entertainers Jan Böhmermann über den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan mauert die Bundesregierung weiter: Auch nach einem Gerichtsurteil äußert sich das zuständige Auswärtige Amt nicht inhaltlich dazu, ob und warum es das Gedicht in einer regierungsinternen juristischen Bewertung für strafbar hielt.

evangelisch.de

In einer Auskunft an den Berliner „Tagesspiegel“, die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt, heißt es, in der „vorläufigen internen Einschätzung“ werde auf die Kunst-, Presse- und Meinungsfreiheit Bezug genommen. „Es wird darauf verwiesen, dass die Prüfung, ob die Grenzen dieser Grundrechte überschritten sind, den deutschen Gerichten obliegt, die eine entsprechende Prüfung vollziehen werden.“ Der „Tagesspiegel“ hatte eine Auskunftsklage erhoben und drängt weiter auf vollständige Beantwortung seiner Fragen.

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Richard Dawkins oder Warum wir einen neuen Wissenschafts-Populismus brauchen

dawkins

Jetzt, mehr denn je, muss sich die Wissenschaft den Kräften von Glauben, Fiktion und Farce, die in unserer „postfaktischen” Gesellschaft so dominant sind, entgegenstemmen.

Von Iain Ellis | Richard-Dawkins-Foundation

Mit der Veröffentlichung seines Buches „Der Gotteswahn” 2006 (Deutschland: 2007) katapultierte sich der Evolutionsbiologe Richard Dawkins selbst in die vorderste Front der modernen Atheismus Bewegung. Das Buch wurde seitdem über drei Millionen mal verkauft und ist in 30 verschiedenen Sprachen erschienen. Der Professor der Universität von Oxford verkörpert das Konzept des populären Intellektuellen, seine Aktivitäten im Dienste der Wissenschaft und gegen die Religion umfassen Bestseller, gefeierte Debatten und unzählige Auftritte als Gast oder Gastgeber von unterschiedlichsten Fernsehshows. In seiner Rolle als Dozent in Oxford diente er als Professor für das allgemeine Verständnis der Wissenschaften und verfolgt diese Aufgabe seither durch die „Richard Dawkins Foundation for Reason and Science” und deren populäre Webseite. Nur wenige Professoren können sich damit brüsten, einen Gastauftritt bei den Simpsons gehabt zu haben. Er tauchte als dämonische Version seiner selbst in Ned Flanders Traum von der Hölle in der 2013 ausgestrahlten Episode „Black Eyed, Please” (dt. „Was animierte Frauen wollen”) auf.

Für Dawkins ist die Wissenschaft nichts, was sich auf Universitäten und Labore beschränken sollte, vor allem nicht, wenn viele Ergebnisse der dort stattfindenden Arbeit von Anti-Wissenschafts Lobbies oder der religiösen Gemeinschaften direkt abgelehnt oder lächerlich gemacht werden. Diese Befürchtung, der  er in seiner jüngst veröffentlichten Autobiografie Brief Candle in the Dark: My Life in Science (New York: HarperCollins, 2015), deutscher Titel „Die Poesie der Naturwissenschaften”, Ausdruck verleiht, veranlasste Dawkins dazu, eine Erweiterung des Profil eines Wissenschaftlers anzumahnen, das auch eine Überschneidung mit zugänglicheren Gebieten zulässt. Sein Ruf nach einer „Dritten Kultur” unterstützt auch Carl Sagans Verlangen die „Poesie” der Wissenschaft zu verbreiten, die unglaublichen Wunder ebenso wie die detaillierten Beweise. Schrift und Rhetorik müssen populärer gemacht werden, so Dawkins, und Geist muss ein zentrales Element beider sein. Wissenschaftler müssen aus ihrer Isolation heraus, führt er fort, mit Genres wie der Science Fiction Literatur als Transportmittel für die echte Wissenschaft, um so eine populisterischere Darstellung des Berufsstandes zu erreichen.

Für ihn sind die Tage vorbei, in denen man sich in seiner Forschung vergraben konnte, während die Mächte der Politik und Religion die Kultur durch- und besetzen. In seinem TED Talk von 2002 ruft er zu einem militanten Atheismus auf, denn kräftig Staub aufzuwirbeln sei das Gebot der Stunde.

Rechte der Kinder im Fokus

Diese Streitbarkeit liegt nicht in seinen Genen, sondern stammt aus einer Erkenntnis, dass Wissenschaft und Religion nicht kompatibel sind, die er schon im frühen Teenageralter erlangte. Zuvor wurde er im weitesten Sinne christlich erzogen, obwohl seine Eltern ihren Sohn dazu anhielten, sich mit Wissenschaften, speziell mit Darwins Evolutionstheorie zu beschäftigen. Nachdem er Abstand von den religiösen Lehren der anglikanen Schulen, die er besuchte, gewonnen hatte, realisierte Dawkins, wie verwundbar Kinder gegenüber Indoktrination sind. Seitdem stehen die Rechte der Kinder im Fokus seines Aktivismus, er nutzt seine Position an der Universität Oxford um gegen den Ansturm der „Anti-Wissenschaftlichen Märchen” auf junge Menschen zu kämpfen, vor allem, wenn dies an unseren öffentlichen (und privaten) Schulen geschieht. Dawkins sieht eine heimtückische rhetorische Komponente in dieser Form der „Kindesmisshandlung” und erhebt oft Widerspruch gegen Ausdrücke wie „muslimisches Kind” oder „christliches Kind”, die suggerieren, dass Kinder den Glauben ihrer Eltern erben oder erben sollten. Er scherzt, dass niemand je den Ausdruck „marxistisches Kind” oder „monetaristisches Kind” in Bezug auf die politische Ausrichtung der Eltern verwenden würde, also warum dann bei den religiösen Ansichten? (Brief Candle in the Dark).

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Die Königstreuen haben in Bayern einen schweren Stand

Der Verband der Königstreuen zieht durch Gammelsdorf, um an die Schlacht von 1313 zu erinnern, die als Grundstein des Königreichs Bayern gilt. (Das Bild zeigt den Umzug im Jahr 2015.)
Der Verband der Königstreuen zieht durch Gammelsdorf, um an die Schlacht von 1313 zu erinnern, die als Grundstein des Königreichs Bayern gilt. (Das Bild zeigt den Umzug im Jahr 2015.)
Sogar aus dem Hofbräuhaus werden sie hinauskomplimentiert. Den Österreichern würde so etwas nicht passieren.

Von Hans Kratzer | Süddeutsche.de

Als der Schriftsteller Georg Lohmeier vor 45 Jahren in Gammelsdorf ankündigte, er wolle in Bayern die Monarchie ausrufen, da haute es der Staatsregierung sogleich den Stopsel raus. Wieder bei Sinnen, wies sie Lohmeiers Provokation brüsk zurück: Bayern brauche keinen König, es habe ja Franz Josef Strauß. Schlitzohr Lohmeier hatte aber Strauß bereits zur Proklamation eingeladen, was den CSU-Chef zu der Ausrede zwang, er könne nicht erscheinen, weil er andere Faschingsveranstaltungen besuchen müsse.

Diese Scharmützel erregten damals die gesamte Weltpresse, doch leider ist den großsprecherischen Königstreuen alsbald die Luft ausgegangen. An diesem Samstag wird nur noch ein versprengtes Häuflein zum Gammelsdorfer Schlachtendenkmal hinausziehen, um des ruhmreichen Siegs gegen die Österreicher von 1313 zu gedenken.

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„ACAB“ ist keine persönliche Beleidigung für Polizisten

 Drei Polizisten nahmen Christian B. vom Fröttmaninger Stadion mit auf die Wache. (Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty)
Drei Polizisten nahmen Christian B. vom Fröttmaninger Stadion mit auf die Wache. (Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty)
  • Beamte hatten die Jogginghose mit der Aufschrift „ACAB“ (alle Polizisten sind Bastarde) 2012 bei einem DFB-Spiel des FC Bayern entdeckt und den Besitzer angezeigt.
  • Zu Unrecht, wie sich jetzt herausstellte.
  • Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts dürfte für die bayerische Polizei richtungsweisend sein.

Von Susi Wimmer | Süddeutsche.de

Es war ein Sachse, der die bayerische Polizei eines Besseren belehrt hat: Der 33-jährige Leiharbeiter Christian B. aus der Kleinstadt Mügeln bei Leipzig ging sogar bis vors Bundesverfassungsgericht, kämpfte vier Jahre lang – und wurde nun vom Landgericht München frei gesprochen. Der Richter stellte – gestützt auf das Urteil der Verfassungsrichter – fest, dass die Hose des Angeklagten, auf dessen Hinterteil die Buchstaben „ACAB“ prangten, nicht automatisch eine persönliche Beleidigung für Polizisten darstelle. „ACAB“ steht für „all cops are bastards“ („alle Polizisten sind Bastarde“). Beamte eines Unterstützungskommandos (USK) hatten die Jogginghose 2012 bei einem DFB-Spiel des FC Bayern vor der Fröttmaninger Arena entdeckt und den Mann angezeigt. Zu Unrecht, wie sich jetzt herausstellte. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts dürfte für die bayerische Polizei richtungsweisend sein.

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Serdar Somuncus Rant gegen Zensur soll zensiert werden

Abmahnungen von Medienschaffenden gegen Satiriker liegen gerade im Trend (Josef Joffe und JochenBittner ./. ZDF-Die Anstalt). Nunmeher wehrt sich eine WDR-Redakteurin gegen Anarcho-Kabarettist Serdar Somuncu. Auf einer Veranstaltung der Körberstiftung im Herbst 2015 hatte der sich über die Zensur seiner Arbeiten im TV Luft gemacht:

Von Markus Kompa | TELEPOLIS

„Ich hab‘s mir in allen Sendungen verscherzt, weil jeder Redakteur sagte ‚Der ist nicht handlebar. Der ist kompliziert. Der spricht nicht die Texte, die du ihm sagst.‘, und gleichzeitig etwas nicht passiert ist, das ich erwartet habe: Das meine Kollegen mich in Schutz nehmen. Ich hab Situationen gehabt, da haben die Kollegen gesehen, was passiert ist! Ich hab ein stand Up gespielt, da war nichts dran, was man hätte zensieren können. Und die saßen da und haben ihre Schnauze gehalten, weil sie Schiss hatten, dass sie auf RTL nicht mehr funktionieren. Und ich bin in die Umkleide und hab gesagt: ‚Habt ihr das nicht gesehen? Habt ihr das nicht gesehen, was passiert ist?‘ Und alle haben so weggeguckt. ‚Nö, wir halten uns da raus!‘ Was übrigens typisch deutsch ist: ‚Ich halt mich da raus! Klärt das unter euch!‘
Ne, und da hab ich gesagt, und da hab ich mir geschworen: ‚Leute, ihr könnt mir verbieten, so sehr, wie ihr wollt, ich werde durch die Hintertür kommen. Und ich werd euch ficken, und zwar ordentlich. So, dass ihr nicht mehr die Schnauze halten könnt, wenn ihr gefragt werdet. Und heute ist der Punkt, Mely, ich sag immer, ‚Ich bin stolz‘, ich hab so dicke Eier, ja, heute ist der Punkt, wo die sagen: ‚Warum hat der Somuncu, den wir immer zensiert und verboten haben, plötzlich in der Sporthalle in Hamburg 4.000 Leute?‘ Die haben doch Mario Barth gedrückt und gepusht, und Bülent Ceylan, den [Beeep| ständig in die Kamera geschubst. Und ich sag: ‚Ja, das kommt, weil die Zuschauer sich von euch nicht mehr verarschen lassen. Und weil die Zuschauer merken, dass meine Texte verstümmelt waren. Weil die Zuschauer vergleichen können, zwischen dem was ich auf der Bühne sage, und dem, was ihr da transportiert.

Und die schlimmsten Knallchargen waren Thomas Herrmanns, WDR, Elke Thommessen, eine Redaktion, eine die Leute hinrichtet. Tobias Mann, ein begnadeter junger Künstler, dem man zwei Sendungen gegeben hat, um ihn dann abzusägen. Dem haben die das Rückgrat gebrochen. Der hat zwei Jahre lang zuhause eine Depression geschoben. Aber auch andere Talente: David Berker, Dave Davies, Oliver Polak. Wir kämpfen alle an einer Front, wir haben keine Verbindung zueinander, weil es kein Netzwerk und keine Solidarität gibt.

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Warum heißt es nicht „TerroristInnen“?

Diese junge Britin ist nach Syrien gekommen, um sich am Dschihad zu beteiligen Screenshot Channel 4
Diese junge Britin ist nach Syrien gekommen, um sich am Dschihad zu beteiligen
Screenshot Channel 4
Meine zweite politisch korrekte Woche beginnt mit einem Sprachkurs. Ich lerne, warum „Migranten“ falsch ist, „MigrantInnen“ schon besser, aber nur „Migrant*innen“ richtig. Ziemlich stolz war ich, als ich endlich begriffen hatte, warum man (frau) politisch korrekt dennoch „Terroristen“ schreibt – und nicht etwa „Terrorist*innen“ oder „TerroristInnen“.

Von Rainer Zitelmann | The European

Ich engagiere eine SprachlehrerIn

Ich hatte an dieser Stelle von meiner ersten politisch korrekten Woche berichtet. Um die Leser, die das erste Stück nicht gelesen haben, auf den Stand zu bringen: Wegen des weltweit grassierenden Rechtspopulismus hatte ich mich entschlossen, genau ab dem 1.Januar 2017 nur noch politisch korrekt zu denken, zu sprechen und zu fühlen.

Es hatte sich herausgestellt, dass das viel schwieriger ist, als ich zuerst dachte. Also entschloss ich mich, am Beginn der zweiten Woche die Sache etwas systematischer anzugehen und einen Sprachlehrer in politischer Korrektheit zu engagieren. Am Beginn der ersten Stunde klärte mich mein Lehrer auf, dass er gar kein Lehrer sei, sondern eine Lehrer*in.

Ich lerne politisch korrekt zu schreiben

Als ich fragte, was das denn mit dem * auf sich habe, lächelte er nur mitleidig. „Hm, du hast noch sehr viel zu lernen. Vor allem solltest du erst einmal richtig schreiben lernen.“ Da war ich jetzt doch ein wenig beleidigt und traute mich, trotz der strengen Mine des Lehrers, zu widersprechen: „Also, ich weiß ja, dass ich in politischer Korrektheit noch eine Menge zu lernen habe. Aber schreiben??? Ich habe gerade mein 19. Buch geschrieben und schreibe täglich seit 50 Jahren. Ich weiß nicht so recht…“ Mein Lehrer erwiderte: „Du hast bisher nur geglaubt, du könntest richtig schreiben. In Wahrheit verrätst du mit deinem schlechten, unaufgeklärten Deutsch, wie unsensibel du gegenüber Frauen, Transgendern und allen anderen Geschlechtern bist.“ Nun gut, unsensibel wollte ich bestimmt nicht sein, und schon gar nicht gegen Frauen oder Transgender. Zum Glück hatte mein Lehrer Geduld und Verständnis dafür, dass Jahrzehnte, die ich diskriminierend gedacht, gefühlt und geschrieben habe, nicht von heute auf morgen auszumerzen sind.

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Serdar Somuncu: „Keimzelle des Faschismus“ – WDR-Redakteurin verklagt Comedian

 Nach einer ausführlichen Darstellung über Zensur im Fernsehen ist Somuncu wegen Beleidigung verklagt worden Quelle: dpa/dpa-ZB
Nach einer ausführlichen Darstellung über Zensur im Fernsehen ist Somuncu wegen Beleidigung verklagt worden Quelle: dpa/dpa-ZB
Serdar Somuncu wird von einer Journalistin verklagt, weil er diese beleidigt haben soll. Der Kabarettist selbst reagiert mit Unverständnis auf die Klage. Auf Facebook ziert ein „Zensiert“-Stempel inzwischen sein Profil.

DIE WELT

Serdar Somuncu ist dafür bekannt, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Bei einer Podiumsveranstaltung der Körber-Stiftung hatte der 48-Jährige im vergangenen November unter anderem über die Zustände im öffentlich-rechtlichen Fernsehen berichtet. Dabei wetterte er auch über eine Redakteurin, die jetzt Somuncu wegen schwerer Beleidigung verklagt hat.

Wie der WDR in einer Pressemitteilung schreibt, geht es konkret um die Zitate „Arschloch“ und „Keimzelle des Faschismus“, die bei der Veranstaltung gefallen seien. Der WDR erklärte, dass er seine Mitarbeiterin bei der Klage unterstütze und derartige Beleidigungen nicht dulde.

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Realsatiriker Josef Joffe und Jochen Bittner scheitern auch am BGH

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)
Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Bundesrichter setzen den ZEIT-Journalisten die Eselskappe auf

Von Markus Kompa | TELEPOLIS

Der wohl peinlichste Presseprozess der deutschen Nachkriegsgeschichte fand heute am Bundesgerichtshof seinen vorläufigen Höhepunkt. So entblödeten sich 2014 ZEIT-Herausgeber Josef Joffe und ZEIT-Autor Jochen Bittner nicht, das ZDF wegen ungenauer Darstellung einer in der Sache zutreffenden Kritik ausgerechnet durch Satiriker zu verklagen. Im Rahmen der Krim-Krise hatten hatten Claus von Wagner und Max Uthoff in „Die Anstalt“ politischen Journalisten wie Joffe und Bittner massive Interessenkonflikte vorgeworfen.

Viele Zeitungen seien „so etwas wie die Lokalausgaben der Nato-Pressestelle“, ZEIT-Herausgeber Joffe sei Mitglied in zahlreichen Lobby-Organisationen mit Nähe zur US-Politik. Die ZEIT erscheine deshalb nur einmal die Woche, weil Joffe wegen seiner zahlreichen anderen Aktivitäten in Lobby-Netzwerken nicht mehr zum Schreiben käme. Ihren Kommentar: „Nein, die recherchieren da nicht, die sind da Mitglieder, Beiräte, Vorstände“. illustrierten die Satiriker mit einem Schaubild – das in Nahaufnahme gerade einmal nur einen sehr kurzen Moment zu sehen war. Dieses enthielt Lobbybuden, die mit Linien zu Joffe und Bittner verbunden waren.

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Kurt Hüpfner: Evolutionstheoretiker unter Orang-Utans

foto: belvedere, wien
foto: belvedere, wien „Black Mess“ (sic!) heißt dieses undatierte Bild Kurt Hüpfners.
In der Ausstellung „Aus dem Verborgenen“ im 21er-Haus nähert man sich einem Einzelgänger der österreichischen Kunstszene

Von Roman Gerold | derStandard.at

Eigentlich wäre es ihm am liebsten gewesen, anonym auszustellen, sagt der Künstler Kurt Hüpfner. Dass da so Dinge stehen, von denen Betrachter nicht wissen, wer sie gemacht hat. Dass der 1930 geborene Wiener nun im 21er-Haus eine seiner ersten musealen Ausstellungen hat, freut ihn dann aber doch auch.

Im dazugehörigen Interview, geführt von einem Team des Belvedere und in der Schau Aus dem Verborgenen ebenfalls zu sehen, bleibt dies nicht der einzige Selbstwiderspruch. Versäumen sollte man dieses jedenfalls nicht, will man den Grafiken, Assemblagen, Plastiken Hüpfners näherkommen.

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Der Hass auf die Meinungsfreiheit – 2. Jahrestag des Anschlags auf Charlie Hebdo

Bild: DIE KOLUMNISTEN
Bild: DIE KOLUMNISTEN
Der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo vor zwei Jahren war einer der traurigen Höhepunkte einer ganzen Serie weltweiter massiver Angriffe auf das Recht auf freie Meinungsäußerung. Angriffe, die muslimische Extremisten im Namen des Propheten Mohammed geführt haben und nach wie vor führen.

Von Nina Scholz | DIE KOLUMNISTEN

Heute ist der traurige zweite Jahrestag des Anschlags auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ in Paris.

Im Kugelhagel muslimischer Terroristen vor und in den Redaktionsräumen der berühmten linken Satirezeitschrift starben zwölf Menschen, darunter die Hälfte der Redaktionsmitglieder. Ein weiterer Attentäter erschoss in den folgenden zwei Tagen eine Polizistin auf der Straße und vier Menschen in einem koscheren Supermarkt.

In den ersten Tagen nach den Anschlägen von Paris waren fast alle Charlie. Schock und Trauer bestimmten die veröffentlichten Meinungen. Doch schon bald begannen die ersten zu relativieren, Täter und Opfer zu vertauschen und zu mutmaßen, ob Charlie Hebdo nicht vielleicht zu weit gegangen sei.
Zu weit womit? Wie weit darf man gehen, ohne die eigene Ermordung zu provozieren? Und: Waren die erschossenen Menschen im jüdischen Supermarkt in Paris auch zu weit gegangen?,

fragten mein Mitautor Heiko Heinisch und ich vor einem Jahr in unserem Buch „Charlie versus Mohammed. Plädoyer für die Meinungsfreiheit“.

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