Ig-Nobelpreise 2018 verliehen

Der Ig-Nobelpreis soll erst zum Lachen, dann zum Nachdenken anregen © Improbable Research
Erst lachen, dann nachdenken: Gestern Abend wurden die diesjährigen Ig-Nobelpreise verliehen – die Auszeichnung für skurrile, lustige, aber dennoch seriöse Forschung. Preise gab es unter anderem für Studien zum Achterbahnfahren gegen Nierensteine, Voodoo gegen tyrannische Chefs und Spucke als Reinigungsmittel. Ebenfalls preiswürdig war für die Jury die Erkenntnis, dass sich der Kannibalismus für unsere Vorfahren zumindest in puncto Nahrhaftigkeit nicht lohnte.

scinexx

Sie bringen Menschen erst zum Lachen, dann zum Nachdenken: Jedes Jahr im September werden in den USA die Ig-Nobelpreise verliehen. Mit ihnen werden Forschende ausgezeichnet, die sich der ungewöhnlichen, skurrilen und auch lustigen Seiten der Wissenschaft angenommen haben – aber mit durchaus seriösen Methoden und dem Ziel eines realen Wissensgewinns. Verliehen wird der Preis an der Harvard University in einer Zeremonie, bei der echte Nobelpreisträger die Preise übergeben.

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Der Dichter als Evoluzzer

Raoul Schrott, geboren 1964 in Landeck, TirolFoto: Peter-Andreas Hassiepen/Hanser
Internatioales Literaturfestival Berlin: Raoul Schrott untersucht die naturgeschichtliche Entwicklung des Menschen.

Von Ulrike Baureithel | DER TAGESSPIEGEL

Die Naturwissenschaften haben dem Menschen schon viele narzisstische Kränkungen beigebracht – angefangen mit Charles Darwin, der die göttliche Krone der Schöpfung mit seiner Evolutionstheorie wieder ins Tierreich einsortierte, über die Fruchtfliege Drosophila, jenen Modellorganismus, der ihn über seine eigenen genetischen Geheimnisse aufklärt, bis hin zu den Memen, den soziokulturell vererbten Codes des menschlichen Verhaltens. 95 Prozent dieser Codes, erklärt der Schriftsteller Raoul Schrott derzeit täglich seinem Publikum beim Internationalen Literaturfestival, laufen völlig unbewusst ab und blamieren Descartes’ Annahme, dass der Mensch ist, wo er denkt.

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„Feindliche Übernahme“ von Thilo Sarrazin: Ein Buch, das die Angst schüren will

Thilo Sarrazin (Bild: Richard Hebstreit, CC-BY)

Ich fange mal an mit: Sarrazin hat Recht. Wer den Koran liest, der ist nicht etwa von dessen Schönheit überwältigt, wie Navid Kermani uns glauben machen wollte, sondern eher angewidert von den dauernden Beschimpfungen gegen die, die dem Propheten nicht folgen. Wer sich die Mühe macht, die Stellen zu sammeln, die sich gegen die Ungläubigen wenden, die ihnen mit ewigen Höllenstrafen drohen, der wird eine stattliche Liste zusammenbekommen.

Von Arno Widmann | Berliner Zeitung

Sarrazin hat den Koran gelesen und ist entsetzt. Das hat etwas Rührendes. „Feindliche Übernahme – Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“ heißt sein neues Buch (Finanzbuchverlag 495 Seiten, 24,99 Euro). Wenn er erklärt, der Koran kenne Liebe und Barmherzigkeit nur für die Gläubigen, dann stimmt das, aber hat Thilo Sarrazin auch einmal das Neue Testament danach befragt, was mit denen passieren wird, die Jesus nicht folgen?

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Bullshistic: Atheisten brauchen Gott, um ihren Standpunkt zu vertreten

Ein Grossteil der Argumentation, mit denen Atheisten Gott zu widerlegen versuchen, setzt Gott eigentlich voraus. Davon ist der Autor Frank Turek überzeugt und zeigt dies in seinem Buch «Von Gott stehlen: Warum Atheisten Gott brauchen, um ihren Standpunkt zu vertreten».

jesus.ch

«I Don’t Have Enough Faith to be an Atheist» («Ich habe nicht genug Glaube, um ein Atheist zu sein»), so heisst die TV-Sendung auf «NRB Network» mit Frank Turek. Und in einem neuen Video, das auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht wurde, spricht er den ideologischen Überbau an, der von Atheisten häufig verwendet wird. Er rückt dabei sechs Hauptgründe ins Zentrum.

«Warum ist das Universum so geordnet, wenn es keinen Gott gibt, keinen Verstand, der das alles geplant hat?», fragt Turek. «Warum sind die Naturgesetze und -kräfte so einheitlich? Weil hinter ihnen ein Geist steckt. Wenn Atheisten dies benutzen, um Gott zu widerlegen, stehlen sie tatsächlich von Gott, um gegen ihn zu argumentieren.»

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Kant ist tot? Eine Glosse von Andreas Beyer

Bild: AG EvoBio
Am 14 Nov 2017 publizierte Walter STINDT auf der Homepage der Richard-Dawkins-Foundation sowie im Brightsblog einen Artikel, der das Totenglöckchen für Immanuel KANTs Kategorischen Imperativ läutet. Worum geht es?

AG Evolutionsbiologie

STINDT behauptet, die „KANTsche Ethik liegt schlichtweg und objektiv belegbar falsch“, weil sie „durch die Naturwissenschaften eindeutig widerlegt“ worden sei. Laut STINDT sei der kategorische Imperativ „eine brillante Ethik für Menschen, die es [allerdings] gar nicht gibt“, zwar „ein wundervolles Konstrukt, das stringent logisch und raffiniert durchdacht wurde“, aber eben ungeeignet für reale Menschen. Es sei eindeutig belegt, dass unser Bewusstsein keine echte Kontrollfunktion habe, „und damit kollabiert das gesamte Konzept.“

Kurz: Wie LIBET & Co. gezeigt hätten, sei der Mensch zu „bewussten“ und „eigenen“ Entscheidungen gar nicht fähig, das Gehirn habe schon entschieden, bevor unser Bewusstsein etwas davon mitbekommt. Und daher können wir auch dem Kategorischen Imperativ nicht folgen, weil wir „die tatsächlichen Beweggründe hinter unseren Handlungen gar nicht kennen“. Wir folgen stattdessen … ja, wem oder was denn eigentlich?

Zunächst einmal wird der Kategorische Imperativ falsch dargestellt: Es geht nicht darum [Zitat STINDT] „Wenn das alle täten…“. Es geht darum, was mit der Gesellschaft passiert, wenn man eine bestimmte Handlungsmaxime als allgemeingültig erklärt. KANT legt dar, dass bestimmte Maximen mit einem geregelten und menschenwürdigen Miteinander vereinbar sind und andere nicht. Nach seiner Auffassung kann der Mensch diese Zusammenhänge erkennen und er fordert: er möge sich dann auch bitte daran orientieren!

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„Verschwörungstheoretiker spielen in derselben Liga wie Hellseher, Astrologen und Gurus“

Grafik: TP
Ein Interview über Verschwörungstheorien, den Zauber der Illusion und die Taktik der Kommunikationsguerilla mit den Mitgliedern des Autorenkollektivs Wu Ming

Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Bei Wu Ming handelt es sich um ein 2000 gegründetes und ursprünglich aus fünf anonymen Personen bestehendes Autorenkollektiv, das sich den neuen sozialen Bewegungen zurechnet. Die Gruppe ging aus dem Luther Blissett Project hervor, in dem mit Praktiken der Kommunikationsguerilla experimentiert wurde – und das den international viel beachteten Roman Q verfasste.

Es ereignen sich derzeit merkwürdige Dinge in den sozialen Netzwerken, die von rechten Gruppen frequentiert werden, wie etwa 4chan – selbst wenn man die niedrigen Standards der extremen Rechten bedenkt. Eine bizarre Verschwörungstheorie, einfach „Q“ oder QAnon genannt, gewinnt an Zugkraft. „Q“ ist auch der Titel eines Ihrer bekanntesten Werke. „Q“ behauptet auf 4chan unter anderem, dass Donald Trump als wahrer amerikanischer Held in einen titanischen Kampf gegen eine globale Verschwörung verwickelt ist, hinter der eine mächtige pädophile Organisation steht. Haben Sie als Wu Ming diese Verschwörungstheorie durch Taktiken der Kommunikationsguerilla provoziert?
Wu Ming: Wu Ming und die Wu Ming Stiftung machen keine Medienstreiche. Das war eine der Aktivitäten des Luther Blissett-Projekts (LBP), das vom Juni 1994 bis zum 31. Dezember 1999 aktiv war. Nach dem Ende des Projekts entwickelten sich alle Beteiligten weiter und gründeten neue Projekte und Kollektive.
Wu Ming ist der Name, der im Januar 2000 von den Autoren angenommen wurde, die unter dem Sammelbegriff Luther Blissett den Roman Q geschrieben hatten. Nach dem Ende des LBP und der globalen Wirkung von Q haben wir uns entschlossen, weiter mit der neuen Form und der metageschichtlichen Fiktion zu experimentieren. In den folgenden Jahren schrieben wir 54, Manituana, Altai, The Army of Sleepwalkers und in diesen Tagen beenden wir einen neuen Roman mit dem Titel Proletkult. Wir schrieben auch stark recherchierte, faktenreiche Werke, die man vereinfacht als kreative Sachbücher bezeichnen könnte. Wir selbst nennen sie „Unidentified Narrative Objects“, UNOs.

In Italien hat sich eine Art „Fan-Aktivismus“ rund um unsere Romane und UNOs entwickelt, eine riesige Community aus unserem Blog Giap und unserem Twitter-Profil, mit vielen Experimenten, transmedialem Storytelling, Kooperationsprojekten, offenen Workshops und Seminaren, neuen Blogs und Kollektiven, sogar neuen Bergsteigerclubs. Dieser Prozess hatte bereits in den 2000er Jahren begonnen, hat sich aber in den 2010er Jahren intensiviert und beschleunigt. Dieses „Kollektiv der Kollektive“ nennen wir die Wu-Ming-Stiftung.

Wir sind in die internationale Debatte über den QAnon-Hoax eingestiegen, weil er viele Ähnlichkeiten mit der Arbeit des LBP und unserem alten Roman aufweist. Viele Leute haben uns in den letzten Wochen kontaktiert. Wir hatten schon vor dem Buzzfeed-Interview Dutzende von E-Mails und Twitter-DMs erhalten. Jeder, der unseren Roman gelesen und dann die Nachrichten über das QAnon-Phänomen gelesen hat, fand es offensichtlich, dass letzteres sich von ersteren inspirieren ließ. Man wollte wissen, was wir von der ganzen Sache halten.

Nicht nur die Verweise auf unseren Roman sind schwer zu übersehen – angefangen beim offensichtlichsten: „Q“ selbst und seine Botschaften -, sondern auch die Ähnlichkeiten zwischen QAnon und der Art von Medienstreichen, die wir in den Luther Blissett-Tagen gespielt haben.

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How to Build a Rocket in 3 Easy Steps

A powerful Saturn V rocket launches the Apollo 11 mission toward space in 1969. Credit: NASA
So you’ve caught the latest news about Elon Musk or Jeff Bezos, or you’ve dug through the history books and discovered why Robert Goddard and Wernher von Braun were such legends, and you’ve decided you want a piece of the rocket-building action to call your own. Well, read on.

By Paul Sutter | SPACE.com

I should note that the following text is just a poor astrophysicist’s approach to building rockets, and obviously leaves out a lot of…well, let’s just call them „critically important details.“ Rockets are some of the most complex creations ever achieved by humanity, and it takes just a tiny bit more description to really flesh them out —my scientist hat goes off to the brave engineers who go to the trouble of actually designing and building them.

That said, rockets rely on some surprisingly simple physical principles that can be broadly applied to a variety of rocket-y situations. While the following concepts won’t exactly give you a fully fledged orbital booster engine, they will give you some idea of why we make rockets the way we do. [The History of Rockets: From Early Cultures to NASA’s Technology]

When moving on the surface of the Earth or through the air, we rely on conservation of momentum to propel us forward. When we push against the ground or flap wings against the air, the ground or air pushes back on us. Since Earth is somewhat larger than us, conservation of momentum means that we get to move a lot while the bulk of our planet barely budges.

But outer space is a different story. In that cold vacuum, there’s nothing to push against. Feet, wings, propellers and jets are useless. But, that doesn’t mean that conservation of momentum suddenly stops existing. Instead, to make forward progress we essentially have to carry our own momentum with us.

It’s the same principle that holds if you’re on an icy lake or in a rolling office chair. If you take a part of the mass that you carried with you from the beginning (a shoe, a snowball, throwing stars, whatever) and toss it away from you, you’ll move in the opposite direction. That little thing you tossed away will be smaller than you, so you won’t exactly move a lot, but you went somewhere.

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Fernsehwochenvorschau: „Kann man Gott beleidigen?“

Blasphemie ist ein brisantes Thema in Zeiten, in denen Religion weltweit an Bedeutung gewinnt oder sogar zu einem Politikum werden kann, das Terror und Gewalt auf den Plan ruft. Die Dokumentation geht dem Streit zwischen Meinungsfreiheit und Respekt vor der Religion nach. Und das lohnt sich sonst noch im TV.

evangelisch.de

Der Streit um Blasphemie wird hinterfragt in der Sendung „Kann man Gott beleidigen?“ auf Arte am 15.8.. Ein Beispiel ist die Goldene Reliquienkammer St. Ursula in Köln: Zur Verehrung Gottes gehörte im Mittelalter die Heiligen- und Reliquienverehrung.

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„Fliegendes Spaghettimonster“ auf templin.de als Kirche geführt

Bild: Screenshot Templin.de
Für kurze Zeit hatte die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters dem Anschein nach ihr Ziel erreicht: Auf der offiziellen Website der Stadt Templin wurde sie unter der Rubrik „Kirchen“ geführt. Bis Dienstagvormittag.

Von Ula Brunner | rbb24

Gute zwei Wochen lang schien die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters endlich ihr Ziel erreicht zu haben – zumindest auf der Website der Stadt Templin. Seit dem 27. Juli 2018 konnte man dort unter dem Menüpunkt „Kirchen“ neben der Maria-Magdalenen-, der Herz-Jesu-Kirche und der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde auch die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters entdecken.

„Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V. wird ab sofort auf der offiziellen Website der Stadt Templin unter ‚Kirchen‘ geführt, neben evangelischer, katholischer und baptistischer Kirche“, ließ Rüdiger Weida, Gründer und Vorsitzender des satirischen Vereins, am Dienstagvormittag verlautbaren. Doch kurz darauf verschwand der Link sang- und klanglos wieder von der Templiner Kirchenseite.

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Markus Söders landesväterliche Enzyklika

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (Foto: dpa)
Der Ministerpräsident hat gerade das Lehrschreiben „Mit brennendem Anstand“ vorgelegt. Schriften zur Schönheit des Polizeipferds und eine Übersetzung des Alten Testaments sollen folgen.

Von Roman Deininger | Süddeutsche Zeitung

München. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat jüngst seine erste Enzyklika veröffentlicht. In seiner vierhundertseitigen Lehrschrift mit dem Titel „Mit brennendem Anstand“ mahnt Söder die Bürgerinnen und Bürger des Freistaats zu einer „Wiederentdeckung von Respekt und Stil im politischen Miteinander“.

Wer die Liebe abschaffe, schreibt der Ministerpräsident, „der schafft auch den Menschen ab“. Dies sei besonders aktuell in „unseren Tagen, in denen Schwestern und Brüder sich selbst am heiligen Sonntag von ihrer Missgunst auf die regennassen Straßen treiben lassen“. Streit nütze nie, so Söder weiter. Er bete dafür, dass „alle Menschen guten Willens rasch zur vollkommenen Einigkeit mit mir zurückkehren können“.

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Keine flache Erde mehr: Google Maps wechselt zu Globus-Ansicht

(Bild: Google Maps)
Das wird den Flat-Earthern missfallen: Bei Google Maps ist die Erde nun nicht mehr flach und Grönland nicht mehr so groß wie Afrika.

Tilman Wittenhorst | heise online

Google hat seinen Kartendienst Maps in der Desktop-Version von einer flachen Darstellung der Erdoberfläche auf eine Kugeldarstellung umgestellt. Zoomt man in der Browser-Ansicht weit genug heraus, ändern sich die Proportionen der Landmassen und in der geringsten Zoom-Stufe erscheint die Erde wie ein Globus.

Dabei ist dann auch – anders als in der bisherigen Darstellung, die an die Mercator-Projektion angelehnt war – die Insel Grönland nicht mehr in etwa so groß wie der Kontinent Afrika. Damit ist die Darstellung jener in der Anwendung Google Earth angeglichen, die diesen Modus durchgehend benutzt hat.

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What If Earth Turned into a Giant Pile of Blueberries?

Credit: Live Science
If our planet suddenly turned into an Earth-size pile of blueberries, things would start exploding. This is science.

By Rafi Letzter | SPACE.com

Specifically, it’s the conclusion of a juicy paper submitted to the preprint server arXiv on July 27. (Papers on arXiv have not yet passed through the peer-review process or been published in journals.) The author, Anders Sandberg, a computational neuroscientist with a broad research portfolio at the University of Oxford’s Future of Humanity Institute, addresses the problem — originally posed on the website Stack Exchange — in thorough, blueberry-bursting fashion.

Sandberg’s paper aims to answer the question, „What if the entire Earth was instantaneously replaced with an equal volume of closely packed, but uncompressed blueberries?“ In doing so, Sandberg makes a key assumption: The Earth turns into „big, thick-skinned highbush blueberries“ and not „wild, thin-skinned blueberries.“

That turns out to be a big deal: The bigger, thick-skinned blueberries would have a lot more space between them when Earth spontaneously transformed into the evenly spaced blueberry pile. And, in Sandberg’s model, that space would be filled with air — air that would start doing some very interesting things very quickly. [What If Earth Was 50% Bigger?]

„To a person standing on the surface of the Earth when it turns into blueberries, the first effect would be a drastic reduction of gravity,“ Sandberg wrote.

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Religion, das Böse und der Tod bei Harry Potter

© Bild: Carlsen; Montage:katholisch.de
Zunächst wurde die Buchreihe von fundamentalistischen Christen kritisiert, dann von Theologen geradezu gefeiert: Vor 20 Jahren erschien das erste Harry-Potter-Buch auf Deutsch. Katholisch.de blickt zum Jubiläum auf den theologischen Gehalt und die Lücken in der Erfolgsserie rund um den Zauberer.

Agathe Lukassek | katholisch.de

Vor 20 Jahren erschien hierzulande das Buch, das bald alle Rekorde brach, Kinder wieder zu Leseratten machte und ganze Generationen prägte: Am 28. Juli 1998 kam „Harry Potter und der Stein der Weisen“ in die Buchläden. Autorin Joanne K. Rowling schreibt darin über einen von seiner Pflegefamilie misshandelten Waisenjungen, der an seinem 11. Geburtstag erfährt, dass er ein Zauberer ist. Im Zauberinternat Hogwarts lernt Harry seine Talente und erstmals auch Freunde kennen – und er muss sich der Bedrohung durch Lord Voldemort, dem Mörder seiner Eltern, und dessen wiedererstarkendem Regime entgegenstellen.

Die deutsche Übersetzung erschien gut ein Jahr nachdem „Harry Potter and the Philosopher’s Stone“ mit einer Erstauflage von nur 500 Exemplaren in Großbritannien veröffentlicht wurde. Doch schon damals konnte man ahnen, dass das Buch erfolgsversprechend ist. Was damals noch nicht absehbar war: dass die Reihe sich immer mehr vom Kinder- zum Jugendbuch entwickeln wird, in dem existenzielle Fragen nach Verantwortung, der genauen Unterscheidung von Gut und Böse, Schuld und Vergebung eine große Rolle spielen würden.

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Rezension des Buches „Der Skandal der Skandale“ von Manfred Lütz: Die geheime Geschichte des Christentums?

Bartholomäusnacht, „Massacre de la Saint-Barthélemy“ (1572) von François Dubois (1529–1584) gemalt zwischen 1572 und 1584 (Ausschnitt)
Der Autor und ehemalige Verleger Dr. Heinz-Werner Kubitza hat das letzte Buch von Manfred Lütz, „Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums“ gelesen. In seiner Rezension läßt er kein gutes Haar an dem Bestseller.

Von Dr. Heinz-Werner Kubitza | hpd.de

Eigentlich wollte ich kein Buch von Manfred Lütz mehr lesen. Sein Gottesbuch fand ich für einen studierten Theologen so naiv historisch-unkritisch, und dabei so befremdlich katholisch, dass ich noch heute, wenn ich das Buch aus dem Regal nehme, aufpassen muss, weil ein abgestandener Katholizismus an allen Seiten herauszulaufen droht, und dann unschöne Flecke auf dem gesunden Menschenverstand hinterlassen kann.

Dieses Buch ist auf der Bestsellerliste gelandet, obwohl es eigentlich eine Mogelpackung ist. Denn vermutlich alle Beispiele und Zitate daraus stammen aus dem Buch „Toleranz und Gewalt“ von Arnold Angenendt. Lütz hat dieses Buch gelesen, und war von ihm so fasziniert, dass er auf die Idee kam, es unter seinem eigenen Namen quasi erneut herauszubringen. Dabei hat er im Wesentlichen nur die Beispiele aus Angenendts Buch auf unter 300 Seiten eingedampft, und zuweilen mit einigen lockeren Lütz-Passagen versehen. Auch wenn nun „Lütz“ draufsteht, stammen sicher mehr als 90 Prozent des Textes von Angenendt. Da wirkt es fast schon etwas dreist, wenn es lediglich heißt, das Buch sei „unter Mitarbeit“ von Angenendt entstanden. Man kann nur hoffen, dass Lütz wenigstens so korrekt ist, nun auch 90 Prozent seines nicht unerheblichen Autorenhonorars an den eigentlichen Autor abzutreten (ich werde bei Angenendt mal nachfragen!). Denn da Lütz deutlich bekannter als Angenendt ist und auch schon vorher Bestsellerautor war, hat es auch dieses Buch mühelos in die Bestsellerlisten geschafft. Hilfreich dazu war auch noch der Titel, wo das Wort „Skandal“ gleich zweimal vorkommt und von einer „geheime(n) Geschichte des Christentums“ geraunt wird. Der Titel hat mit dem Inhalt des Buches reichlich wenig zu tun, und ist vermutlich nur eine Marketingidee von Herder, Gottes eigenem Verlag gewesen. Als ehemaliger Verleger habe ich für diese Strategie sogar ein gewisses Verständnis.

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Alexander Gauland – Dodo des Monats Juni 2018

Dodo des Monats Juni 2018 ©HFR

Der hetzende Polit-Opa Alexander Gauland hat sich gegenüber Jens Spahn durchsetzen können, auch wenn die ersten Tage Spahn wie einen Sieger aussehen lassen haben.

Um es vornweg zu nehmen. Gauland ist wie die meisten Mitlieder seiner Partei ein Kind der CDU, dort konnte er seine national-populistischen Attitüden pflegen und entwickeln. In ähnlicher Art und Weise wie Sozialdemokrat Sarrazin. Verbiesterte alte Männer, die einem mytholgischen Freiheitsbegriff anhängen, der scheinbar in der Moderne abhanden gekommen ist. Kerndeutsche Tugenden sind aber Gaulands Sache nicht. Unbezahlte Parkknöllchen führten zur Androhung des Führerscheinentzugs in Potsdam, schlampig oder aber viel geschworener Widerstand gegen das System. Egal, Gauland ist pragmatisch genug um auch einen Meineid zu leisten, wenn es der eigenen Sache dient, siehe die Affäre Gauland in Hessen.

Der Sachse Gauland offenbart hinsichtlich deutscher Geschichte einen lockeren Umgang mit derselben. Unkenntnis ist es nicht, gezielte Provokation schon eher, die Schnappatmung deutscher Politik ist ihm gewiss.

Der Partei- und Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag hatte beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative im thüringischen Seebach gesagt:

„Wir haben eine ruhmreiche Geschichte, daran hat vorhin Björn Höcke erinnert. Und die, liebe Freunde, dauerte länger als die verdammten zwölf Jahre. Und nur, wenn wir uns zu dieser Geschichte bekennen, haben wir die Kraft, die Zukunft zu gestalten. Ja, wir bekennen uns zu unserer Verantwortung für die zwölf Jahre. Aber, liebe Freunde, Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“ Alexander Gauland, ebenda.

Unterstellt man dem deutsch-nationalen Gauland Deutschland als Nationalstaat gemeint zu haben hat er schlicht und ergreifend Blödsinn von sich gegeben. Die Reichsgründung erfolgte 1871, bis dahin war deutsches Land provinziell. Die 1000 Jahre deutscher Geschichte beinhalten die Schweiz, selbst die Niederlande, von denen hat Gauland sicherlich nicht geredet. Erst im 19. Jahrhundert schied Österreich aus der Phalanx „deutscher“ Staaten aus, nach der Niederlage bei Königsgrätz. Der kurze Abriss deutscher Geschichte muss genügen. Die 12 Jahre nationalsozialistischer Herrschaft nicht. Die waren alles andere als ein Vogelschiss und man muss sich fragen welcher Vogel mittels Darmentleerung Gauland da wohl getroffen hat. Der Vogelschiss, welcher in Gaulands Gehirn eingeschlagen sein muss war tief braun. Und so verwundert es nicht, wenn Gauland, nach Hosendiebstahl, in leicht braunen Schwimmschlüpfern, unter polizeilicher Begleitung, die Straße entlang schlurft, so gesehen am Heiligen See in Potsdam. Die Enttäuschung war groß, ich hatte mir zumindest Buggsn mit Dackelmuster vorgestellt. Der Skandal war nicht die Abbildung Gaulands in seinen Badehosen, der Skandal ist die Relativierung deutscher Verantwortung in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Opfer sind egal, sie dienen nicht dem Zweck den Gauland verfolgt. Nationalismus, Revisionismus und eine gehörige Portion Chauvinismus lassen Gauland und die AfD deutsche Politik vor sich hertreiben.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Löw und Seehofer: Wir bleiben! – Neueste Nachrichten aus dem Sommer der Egos

Grafik: TP
Deutschland atmet auf! Jogi Löw und Horst Seehofer bleiben! Einen Moment dachten wir, wir wären beide los, aber …

Arno Kleinebeckel | TELEPOLIS

Also dann so, zwei generieren sich als Anker im aufgewühlten Meer, das die teutonische Ruhe unversehens aufschreckte. Jetzt kommen auch grad die großen Ferien, da passt es gar nicht, wenn man mit Mann und Maus die deutsche Grenze in den wohl verdienten Urlaub passiert und zu Hause ist Unordnung. Also freut sich der redliche Wochenmensch über gute, das heißt stabile Nachrichten.

Zwei, drei Fragezeichen sind indes erlaubt. Das eine ist relativ einfach: Wieso übernimmt Joachim Löw nicht die Verantwortung für das erbärmliche russische Roulette – und geht? Sicher, mit 58 in die Rente oder zurück in die Bundesliga, mag hart sein. Und den jetzigen Job gibt es schließlich auch nur einmal. Aber die Bilder- und Zeichensprache aus Russland weist den Weg: Jogi’s Time is out. Man sah den deutschen Nationaltrainer zuletzt einfach zu oft gutgelaunt mit einem Espresso in der Hand, das Gesicht entspannt in der Sonne – dank Jobgarantie.

Kurzer Rückblick: Anfang 2015 wird Löw zum FIFA Welttrainer 2014 ausgezeichnet. „Es ist wichtig, dass die Mannschaft stabil bleibt und die Qualifikation gnadenlos durchzieht“, orakelt der Coach anlässlich seiner (vor-)letzten Vertragsverlängerung zwei Jahre darauf, im Herbst 2016, über die bevorstehende Aufgabe der WM-Qualifikation.

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Amos Oz: „Liebe Fanatiker. Drei Plädoyers“

Fanatismus kann auch Motor für etwas Neues sein: Heute ist Ivrit, das moderne Hebräisch, für die meisten jüdischen Israelis die Muttersprache. (Buchcover: Verlag Suhrkamp; Hintergrundbild: picture alliance / dpa / epa / Olivier Fitoussi)
Der israelische Roman-Schriftsteller Amos Oz meldet sich auch immer wieder mit Essays zu Wort. In „Liebe Fanatiker. Drei Plädoyers“ beschäftigt er sich mit religiösem Fanatismus ebenso, wie mit dem Judentum oder der Zwei-Staaten-Lösung. „Ein Buch, dass jeder lesen sollte, der verstehen will, wie Israel tickt“, sagt Matthias Bertsch im Dlf.

Matthias Bertsch im Gespräch mit Melanie Longerich | Deutschlandfunk

Melanie Longerich: „Herr Bertsch: Ist es nun ein Brief an die Fanatiker, oder doch eher ein Plädoyer gegen Fanatismus?“

Matthias Bertsch: „Also sicher eher das Letztgenannte. Dieses ‚Liebe Fanatiker‘ ist eindeutig ironisch gemeint, und Ironie ist eine der Waffen, die Amos Oz in seinem Kampf gegen Fanatismus auffährt, denn Fanatiker, so seine Diagnose, kennen keine Ironie.“

Longerich: „Worum geht es denn genau in den Essays? Das erste trägt ja den Titel des Buches: ‚Liebe Fanatiker‘.“

Bertsch: „Genau. Das geht zurück auf eine Vortragsreihe, die Oz wenige Monate nach dem 11. September 2001, also nach den Terroranschlägen in den USA, in Tübingen gehalten hat. In dem Essay geht es nicht nur um Terror im Namen des Islam sondern darum, dass Fanatiker aller Couleur bereit sind, für ihre Sache – selbstverständlich immer eine gute Sache – über Leichen zu gehen.“

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Wahl Dodo des Monats Juni 2018

Dodo des Monats Juni 2018 ©HFR

Der Monat Juni war angereichert mit einer Fülle von kruden Obskurantismus. Der Papst stellt immer mehr unter Beweis ein Schwätzer zu sein, mit einer großen Diskrepanz zwischen Wort und Tat.
Alexander Gauland mit seinem Vogelschiss-Getöse und einer Beschönigung deutscher Geschichte die ihresgleichen sucht. Markus Söder übt sich weiter in der Prostitution seines Glaubens, der Tatsache zum trotz, dass es bis auf einige Theologen so richtig niemanden interessiert.
Die Bundesfamilienministerin Giffey findet Burkinis, als Badebekleidung für Mädchen ganz toll, und schmeißt so, ganz nebenbei ein paar wichtige Errungenschaften der Aufklärung ins Klo.
Religiotie ist zur Staatsdoktrin verkommen und einmal mehr erweisen sich Politiker als willfährige Steigbügelhalter der Gegenaufklärung.

Die Wahl ist bis zum 07. Juli 2018, 18:00 Uhr befristet. Mehrfachauswahl ist möglich. Der Preisträger wird am folgenden Tag hier gewürdigt werden. Viel Spaß!

  1.  Vitus Huonder, „alter Mann, der gern in fremden Schlafzimmern mitreden will.“
  2.  Jens Spahn, „selbstbestimmtes Sterben Schwerkranker verhindert er postalisch.“
  3.  Deutsche Zentrumspartei, „bedient sich in der Debatte um Abtreibungen nationalsozialistischer Vergleiche. Den Tenor kennen wir von den Kirchen.“
  4.  Sigurd Rink, „mit Waffen für den Frieden, ist wie Vögeln für die Jungfräulichkeit.“
  5.  Franziska Giffey, „ist es eine Frage der Zeit, wann sie in einer Burka auftritt?“
  6.  Joachim Heinz, „dilettiert gern über die Staatsleistungen an die Kirchen.“
  7.  Matteo Salvini, „weg mit der Impfpflicht in Italien.“
  8.  Detlev F. Neufert, „der Jesus-Walker von München.“
  9.  Gero Winkelmann, „Homoheiler mit Glaubulis. Zucker ist alles.“
  10.  Papst Franz, „sein Familienverständnis ist aus der Zeit gefallen.“
  11.  Rainer Hangler, „Homosexualität ist Mord.“
  12.  Jürgen Klopp, „betet des Ball ins Tor.“
  13.  Peter Dabrock, „mit bigotter christlicher Moral zum Werbeverbot von Abtreibungen.“
  14.  Alexander Gauland, „verzerrte Wahrnehmung in Sachen Vogelscheiße.“

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Atheismus: Nietzsche gab es immer wieder

Karfreitag in Jerusalem. Foto: afp
Es wird viel über Religion geredet. Aber auch der Atheismus hat eine lange Tradition. Nicht Gott hat die Menschen, sondern die Menschen haben die Götter geschaffen.

Von Arno Widmann | Frankfurter Rundschau

Tim Whitmarsh, geboren 1969, ist Professor für die Kultur des klassischen Griechenlands an der Universität Cambridge. 2016 veröffentlichte er im Verlag Faber & Faber das Buch „Battling the Gods – Atheism in the Ancient World“. Dreihundert Seiten für die Auseinandersetzung mit den Göttern und mit Gott von Homer bis zu Justin dem Märtyrer, also um eintausend Jahre Atheismus. Das klingt nach einem sehr schnellen Durchlauf durch hochkomplexe Materien. Whitmarsh ist aber ein sehr gründlicher Leser und der Reiz seines Buches besteht darin, dass wir, solange wir ihm folgen, auch zu gründlichen Lesern werden.

Zu dieser Gründlichkeit gehört natürlich, dass er uns beibringt, dass a-theos, zunächst, seit dem 5. vorchristlichen Jahrhundert, der genannt wurde, den Gott verlassen hatte. Ein Atheist war also ein Mensch, von dem die Götter ihre schützenden Hände abgezogen hatten. Erst danach wurde Atheist der genannt, der sich von Gott losgesagt hatte, der seine Existenz leugnete. In dem ihm auch wegen Gottlosigkeit gemachten Prozess erklärte Sokrates – so sein Schüler Platon – „Ich glaube sicher an Götter– ich bin Atheist“.

Wie es zu dieser zweiten Bedeutung kam, darüber schreibt Whitmarsh nicht. Weil die Quellen sich darüber ausschweigen.

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Missglückt: Restaurierte Heiligenfigur sorgt für Empörung

© Bild: ArtUs Restauración Patrimonio/Luis Sanz/flickr.com – CC BY-NC-SA 2.0
Die jahrhundertealte Holzfigur des heiligen Georg in der Provinz Navarra gehört zum spanischen Kulturerbe. Doch jetzt sieht sie aus wie eine Disney-Figur. Der Restauratorenverband spricht von einem „Anschlag“.

katholisch.de

Die missglückte Restaurierung einer jahrhundertealten Heiligenfigur in der spanischen Provinz Navarra sorgt landesweit für Empörung. Wie örtliche Medien (Montag) berichteten, sprach der Spanische Restauratorenverband (ACRE) von einem „Anschlag auf das kulturelle Erbe“ und bezeichnete den vorgenommenen Eingriff als „desaströs“.

Auch der Bürgermeister der Gemeinde Estella, in deren Kirche die aus dem 16. Jahrhundert stammende Holzfigur des heiligen Georg steht, reagierte betroffen: „Gerade hat man mich über diese von der Kirchengemeinde veranlasste ‚Restaurierung‘ informiert“, schrieb Koldo Leoz auf Twitter. Auf den ersten Blick handele es sich um eine „klägliche Arbeit“. Mit dem Erbe der Region müsse man verantwortungsvoll umgehen, so der Politiker. Das sei in diesem Fall nicht geschehen.

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