Regenbogenfahne nicht vor Bundesgebäuden

Die Bundesregierung sträubt sich weiter gegen Regenbogenfahnen vor Bundesbehörden. Der Grünen Abgeordnete Volker Beck hält das für „pickelhaubig, vorgestrig und provinziell“.

Von Tilmann Warnecke | DER TAGESSPIEGEL

Um das Hissen der Regenbogenfahne in der CSD-Saison vor Bundesministerien und Bundesbehörden gibt es immer wieder Streit. Man denke an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes im vergangenen Jahr: Die durfte erst am Vorabend des Berliner Christopher Street Days die Fahne mit den Farben der homosexuellen Emanzipationsbewegung hissen – nachdem das zuvor die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, der das Gebäude gehört, verboten hatte.

Hintergrund des immer wiederkehrenden Theaters ist der Flaggenerlass des Innenministeriums. Der regelt detailliert, wie Dienstgebäude des Bundes flaggen dürfen. Die Regenbogenfahne ist dabei nicht vorgesehen. Einige SPD-geführte Ministerien – in der Vergangenheit etwa das Familien- oder Justizministerium – setzen sich inzwischen darüber hinweg, um ein Zeichen gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und trans- und intergeschlechtlichen Menschen zu setzen. Unionsgeführte Ministerien dagegen bleiben in der Regel unbeflaggt.

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Der konzeptionelle Penis

Bild: RDF
Soziologiezeitschrift stolpert über „konzeptionellen Penis“ und die Probleme des Peer Reviews

Von Sebastian Wessels | Richard-Dawkins-Foundation

Peer Review, falls es jemand nicht weiß, ist ein Begutachtungsverfahren, das die Qualität von Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Zeitschriften sicherstellen soll. Eingereichte Texte werden – manchmal anonym, manchmal auch nicht – meist zwei Wissenschaftlern des entsprechenden Faches vorgelegt, die grünes Licht für die Veröffentlichung geben, sie ablehnen oder Nachbesserungen fordern.

Das klingt in der Theorie vernünftig. Was passiert aber, wenn die Gutachter mit hoher Wahrscheinlichkeit derselben geschlossenen Ideologie anhängen wie die Autoren eingereichter Arbeiten? Logisch: Dann ist das, was ursprünglich mal als Qualitätskontrolle gedacht war, bestenfalls noch eine Konformitätskontrolle. Ein institutionalisierter Confirmation Bias.

Und da ideologische Standpunkte von einem hohen Maß an Regelmäßigkeit und Stereotypie gekennzeichnet sind, lassen sich die auf ihnen beruhenden Argumentationen ganz gut vorhersehen und nachahmen.

Den Philosophen Peter Boghossian und James Lindsay ist es so gelungen, unter Pseudonymen einen bewusst schwachsinnigen Artikel über den „konzeptionellen Penis als soziales Konstrukt“ („The conceptual penis as a social construct“) in der soziologischen Zeitschrift Cogent Social Sciences zu veröffentlichen. Und ja, das Papier hat dabei auch eine Peer Review durchlaufen.

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Let’s Remember Roger Moore With This Absurd ‘Moonraker’ Space Laser Battle

Image: Eddiesfedora77/MGM/YouTube
The beloved actor died on Tuesday at 89, but his sense of comic absurdity lives on.

By Becky Ferreira | MOTHERBOARD

At the climax of Moonraker, the eleventh film in the James Bond franchise and the fourth to star Sir Roger Moore as 007, an infamous laser fight breaks out in outer space. Following the lead of the Star Wars franchise, which popularized death rays and laser battles between spacecraft just two years before, Moonraker’s offensive added an extra layer of bravado with its free-floating mass of astronauts, like some zero-g riff on an infantry unit.

The scene has earned the 1979 film a lot of mockery because of its campy outlandishness. But in the wake of Moore’s death from cancer on Tuesday, at 89 years old, the entire sequence is worth a rewatch—along with the opening skydive chase—because it captures what was quintessentially special about the beloved actor’s take on Bond.

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Kara Cahil

Aydan Özoğuz. Bild: RDF
Über Aydan Özoğuz und die deutsche Kultur

Von Giordano Brunello | Richard-Dawkins-Foundation

Die deutsche Sprache ist eine wunderbare Sprache, reich an Ausdrücken, die manchmal so perfekt sind, um gewisse Dinge zu umschreiben, dass andere Sprachen Begriffe aus ihr eins zu eins übernommen haben. Der französische Ausdruck le leitmotiv ist ein solches Beispiel, oder le kitsch, oder le glockenspiel. Das Französisch steht aber nicht alleine da, wenn es darum geht, der deutschen Sprache Wörter zu entnehmen. Auch das Englische hat sich mehrfach aus dem deutschen Sprachschatz bedient. So gibt es im Englischen Begriffe wie the bildungsroman, the doppelganger, the rucksack oder the wunderkind.

Die türkische Sprache ist gewiss nicht so reich an Ausdrücken wie die deutsche. Nichtsdestotrotz konnte sie die deutsche Sprache beispielsweise mit den Begriffen Kiosk (köşk für Villa oder Pavillion) oder Joghurt (yoğurt) bereichern, die aus dem Türkischen stammen. Es gebe noch weitere Wörter im Türkischen, welche Aufnahme in andere Sprachen – unter anderem auch ins Deutsche – finden könnten, weil sie Dinge beschreiben, für die es in anderen Sprachen keine befriedigende Übersetzung gibt, so wie der deutsche Begriff Leitmotiv, den ich oben erwähnt habe. Yakamoz ist ein solches Beispiel. Yakamoz beschreibt das Leuchten im Meer, das insbesondere in Mondnächten entsteht, wenn sich Fische im Wasser bewegen, oder wenn sich die Ruder von Booten, die sich im Wasser befinden, bewegen. Gemäss Spiegel-Bericht sei yakamoz übrigens im Jahr 2007 zum schönsten Wort der Welt ernannt worden, wobei der Artikel den Begriff fälschlicherweise und damit etwas unglücklich mit „Widerspiegelung des Mondes im Wasser“ übersetzt. Phosphoreszenz wäre als Übersetzung sicherlich treffender, wobei yakamoz eben nicht jede Phosphoreszenz umschreibt, sondern nur jene in der vorerwähnten Konstellation.

Es gibt einen weiteren wunderbaren türkischen Ausdruck, der sich ähnlich wie yakamoz auch nicht so ohne weiteres ins Deutsche übersetzen lässt: Kara cahil. Mir ist es wichtig, dass die Leser kara cahil richtig aussprechen: Kara Dschaahill. Nur so gibt es wenn auch nur eine äußerst kleine Chance, dass der Ausdruck wenigstens in der deutschen Umgangssprache Gebrauch findet, insbesondere wenn von Aydan Özoğuz die Rede ist. Und jetzt alle zusammen: Kara cahil! Und nochmals: Kara cahil!

Genau diese beiden Wörter sprach ich ganz spontan und laut aus, als ich gestern die nachfolgenden zwei Sätze der Integrationsbeauftragten des Bundes Aydan Özoğuz in einem von ihr verfassten Artikel im Tagesspiegel las:

„Kein Wunder, denn eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar. Schon historisch haben eher regionale Kulturen, haben Einwanderung und Vielfalt unsere Geschichte geprägt.“

Da ich meistens in deutscher Sprache denke, erst recht, wenn ich Deutsch spreche oder einen deutschen Text lese, war ich selbst ein wenig überrascht, als ich ausgerechnet auf Türkisch spontan und laut (keine Angst, liebe Leser, ich war in meinem Wohnzimmer) „Kara cahil!“ rief. „Kara cahil Aydan Özoğuz!“ sprach ich weiter. Dann sagte ich noch einige weitere Dinge auf Türkisch, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte.

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Mehr als 22 Jahre Haft für Chefs eines Satiremagazins in der Türkei

Das Titelbild des türkischen Politmagazins Nokta. (Quelle: NOKTA)
Mann hatte das türkische Volk angeblich zu einem „bewaffneten Aufstand“ gegen die Regierung aufgewiegelt

derStandard.at

Nach der Veröffentlichung eines Erdogan-kritischen Titelblatts hat ein türkisches Gericht zwei Chefs des politischen Satiremagazins „Nokta“ zu 22 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Cevheri Güven und Murat Capan werde vorgeworfen, das Volk zu einem „bewaffneten Aufstand“ gegen die Regierung aufgewiegelt zu haben, meldete die Nachrichtenagentur DHA am Montag. Das Gericht erließ zudem Haftbefehl gegen die Journalisten, deren Aufenthaltsort zunächst unklar war.

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Obama Amen

US-Drohne. Bild: DoD
10 Gründe, warum Friedensnobelpreisträger Barack Obama beim Evangelischen Kirchentag der richtige Redner ist

Von Markus Kompa | TELEPOLIS

Beim Evangelischen Kirchentag hätten viele einen Auftritt des vormaligen US-Präsidenten George W. Bush vorgezogen, der als Angehöriger der Evangelisch-Methodistischen Kirche und wiedergeborener Christ ein famoser Redner gewesen wäre. Auch Amtsinhaber Donald J. Trump, der in Tradition Martin Luthers „dem Volk aufs Maul geschaut“ hatte und dann u.a. den 30-jährigen Krieg auslöste, wäre im Luther-Jahr ein perfekter Gast gewesen. Demgegenüber war Barack H. Obama nur dritte Wahl, da er 2008 aus der Trinity United Church of Christ in Chicago wegen dortiger Kritik an Hillary Clinton ausgetreten war und US-Kriege nicht mehr als Kreuzzüge bezeichnete.

Dennoch gibt es gute Gründe, den Friedensnobelpreisträger auf einer evangelischen Veranstaltung sprechen zu lassen:

  1. Der Kniefall von Saigon

Als Obama bei seinem Staatsbesuch in Saigon einen Kranz für die Millionen von US-Truppen im Vietnamkrieg getöteter Menschen niederlegte, sank der Präsident vor Scham und Ergriffenheit spontan auf die Knie. Mit dieser Geste versöhnte er das Volk, das zu keinem Zeitpunkt an eine Bedrohung der USA auch nur dachte und nicht einmal Kissinger einen Attentäter schickte.

  1. Lehren von Bagdad

Nachdem der damalige Private Bradley Manning Hunderte Kriegsverbrechen der Besatzungstruppen im Irak aufgedeckt hatte, entließ Obama sämtliche beteiligten Militärs unehrenhaft. Die heutige Brigadegeneralin Chelsea Manning wird in den USA für ihren Mut als Nationalheldin verehrt.

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Eva Menasse: „Für Juden ist es befremdlich, wie Porzellanelefanten behandelt zu werden“

Eva Menasse liefert hohe Literatur aus fein ätzendem Humor und herzerweichender Melancholie. (Foto: Ekko von Schwichow)
Die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse irritiert bis heute die Verkrampftheit der Deutschen, wenn es um jüdisches Leben geht. Ihre Herkunft will sie deshalb aber nicht verstecken.

Von Thorsten Schmitz | Süddeutsche.de

Sie hat das Manzini vorgeschlagen, mehr Westberlin geht nun wirklich nicht: Kellner in bodenlangen weißen Schürzen, soignierte Herren, geliftete Damen. Die Schriftstellerin Eva Menasse schätzt das behagliche Berliner Lokal. Sie mag aber vor allem auch dessen Ravioli: „Die schmecken jedes Mal besser“.

2005 hatte die gebürtige Wienerin Menasse, 47, einen Bestseller geschrieben, die packende, rührende jüdisch-katholische Familiensaga „Vienna“. Es war ihr erster Roman überhaupt. Seitdem liefert sie hohe Literatur aus fein ätzendem Humor, herzerweichender Melancholie, immer gepaart mit Empathie für ihre Protagonisten. Und immer geht es in ihren Geschichten um das, was sie am meisten interessiert: den Menschen und seine (vertrackten) Beziehungen. Jetzt erhält die Schwester des österreichischen Schriftstellers Robert Menasse den Hölderlin-Preis der hessischen Stadt Bad Homburg.

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Cornel West and Bill Maher Have Screaming Match About Trump, Hillary and Bernie

West, a prominent backer of Sen. Bernie Sanders, insisted that the Vermont independent could have won the election.

By Tom Boggioni | Alternet

Friday night, HBO Real Time host Bill Maher went toe-to-toe with professor and social activist Cornel West over the 2016 election, with Maher confronting West for calling Hillary Clinton and President Donald Trump “equally awful.”

West, a prominent backer of Sen. Bernie Sanders, insisted that the Vermont independent could have won the election, and took a shot at Clinton after Maher pointed out that one of the former Secretary of State’s first speeches as a candidate was about mass incarceration that disproportionately affects young black men.

„Hillary gave speeches about a whole lot of stuff,“ West shot back,“ but it didn’t have a whole lot of integrity in it, brother.“

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Gilbert & George: „Religion nimmt uns die Freiheit“

Die britischen Künstler Gilbert Prousch (l) und George Passmore vom Künstlerduos Gilbert & George stehen in Berlin in der St.-Matthäus-Kirche. ©dpa
Sie sind für ihre provokanten Aktionen bekannt. Jetzt stellen Gilbert & George, das britische Künstlerpaar, erstmals in einer Kirche aus. Es geht um Religion, Fundamentalismus und Terrorgefahr.

Sächsische Zeitung

„Luther und die Avantgarde“ – im Rahmen dieses ambitionierten Projekts stellt das britische Künstlerduo Gilbert & George (73 und 75) Bilder aus seiner „Sündenbock“-Serie in der Berliner Matthäus-Kirche aus. Das ist brisant. Denn die beiden sind für ihre harsche Kritik an Kirche und Religion bekannt. Nada Weigelt von der Deutschen Presse-Agentur erzählen sie, wie es dazu kam.

Pfarrer Neubert, der Hausherr der Kirche, der Sie mit eingeladen hat. Stimmt das?

Gilbert: Das denkt er!

George: Nein, das ist richtig. Wir sind moralische Künstler. Wir glauben an Gut und Böse. Wir glauben nur nicht an Gott. Alle Götter sind von Menschen erfunden, nichts weiter.

Sie greifen immer wieder die Kirche an …

George: … nur ihre kriminellen Seiten. Die Kirche war sehr, sehr langsam bei der Abschaffung der Sklaverei, sie war sehr langsam bei der Abschaffung der Todesstrafe. Und sie ist hintendran, was sexuelle Rechte, Homosexualität, Schwulenehe und Scheidung angeht. Die Kirche hält den Fortschritt auf.

Trotzdem bespielen Sie jetzt eine Kirche. Warum?

Gilbert: Wir wurden von der Stiftung für Kunst und Kultur in Bonn eingeladen. Wir sind bloß der Einladung gefolgt.

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„Die Simpsons“ bitten zum Gottesdienst

Die Simpsons und die Kirche – eine deutlich engere Beziehung als man denken mag (dpa)
Religion ist eine der liebsten Zielscheibe der „Simpsons“. Die Zeichentrickserie nimmt seit inzwischen 30 Jahren bevorzugt Gott und seine Welten aufs Korn, sagen zwei Freiburger Theologen. Zum Glück, denn Religion brauche Satire.

Von Samuel Dekempe | Deutschlandfunk

Seit über 30 Jahren laufen die Geschichten über Homer Simpson, seine Frau Marge und die Kinder Bart, Lisa und Maggie weltweit im Fernsehen. Inzwischen gibt es über 600 Folgen in 28 Staffeln und weitere sind geplant. Auch wenn es sich um Zeichentrick handelt – eine harmlose Kinderserie sind die Simpsons nicht. Vielmehr schuf der studierte Philosoph Matt Groening Ende der 80er-Jahre eine Satire des westlichen Lebensstils. Und auch Religion spielt in der Serie eine wichtige Rolle, wie die Freiburger Theologen Thomas Jürgasch und Johannes Heger erforscht haben:

„Das faszinierende ist, dass Religion dort nicht nur irgendwie oder randständig vorkommt. Sondern sogar eine Studie hat gezeigt: Religion ist mitunter das meistbespielte Thema bei den Simpsons. Und Religion kommt nicht nur so als Anlass, um mal irgendetwas zu machen, daraus vor, sondern wirklich in ihrer Vielgestalt, könnte man sagen. Religion wird also im einzelnen Leben der Menschen gezeigt und auf ganz, ganz unterschiedliche Weise. Religion wird aber auch in ihrer konfessionellen Verfasstheit gezeigt. Religion ist also quasi in ihrem Plural, wie sie auch im wahren Leben da ist, bei den Simpsons abgebildet“, erklärt Johannes Heger.

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NRW-Wahl: Stoppte die PARTEI die rote Flut?

Bei der gestrigen Landtagswag in NRW konnte die PARTEI deutlich zulegen. So vereinigte die PARTEI 0,65 % der abgegebenen Zweitstimmen auf sich und ist damit hinter der möglicherweise satirischen Tierschutzliste (0,7) achtstärkste politische Kraft im größten Bundesland einer G8-Nation. Bei den Erststimmen konnte sich die PARTEI von 0,1 % auf 0,3 % sogar verdreifachen, errang jedoch keinen Wahlkreis.

Von Markus Kompa | TELEPOLIS

Die PARTEI, die trotz des vorgeblichen Auftritts als Partei der sehr breiten Mitte von Kennern eher im linken Spektrum verortet wird, profitiert offenbar von den starken Verlusten bei SPD, Grünen und Piraten. Angesichts eines Potentials dort der gelösten Wähler von 7,9 %, 5,9 %, und 6,9 % wäre allerdings ein deutlich höherer Stimmenzuwachs als 0,3 % zu erwarten gewesen.

Wenn nun die mit 4,9 % dramatisch knapp an der 5 %-Hürde gescheiterte Linkspartei nach den Ursachen für den Ausrutscher sucht, wird man dort wohl auch auf die 55.019 PARTEI-Wähler schielen. Wäre die in den Wählerumfragen vernachlässigte PARTEI demoskopisch erfasst worden, hätte dies möglicherweise Wechsel-PARTEI-Wähler umgestimmt, die eine linke Opposition im NRW-Landtag grundsätzlich vermissen und sich nicht von Grünen vertreten sehen.

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Richard Dawkins über Stephen Fry, Blasphemie und das Gesetz

Foto: RTÉ
Gegen den britischen Schriftsteller und Schauspieler Stephen Fry wurden in Irland Ermittlungen wegen Blasphemie eingeleitet.

Von Richard Dawkins | Richard-Dawkins-Foundation

Die Ermittlungen bezogen sich dabei auf seine Äußerungen in einem Interview mit Gay Byrne. Inzwischen wurden die Ermittlungen eingestellt.

Richard Dawkins schrieb dazu folgende kurze Stellungnahme.

Sir, als eine Geste der Solidarität mit Stephen Fry, zitiere ich einen Satz aus meinem Buch „Der Gotteswahn“:

„Der Gott des Alten Testaments ist – das kann man mit Fug und Recht behaupten – die unangenehmste Gestalt in der gesamten Literatur: Er ist eifersüchtig und auch noch stolz darauf; ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Überwachungsfanatiker; ein rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer; ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, Kinder und Völker mordender, ekliger, größenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann.“

Jedes dieser Adjektive wird in Dan Barkers Buch „Gott: Die unangenehmste Figur in der gesamten Literatur“ reichlich belegt, mit vollständigen Bibelzitaten. Ich werde am 12. Juni einen öffentlichen Vortrag in der „National Concert Hall“ in Dublin halten, und werde daher für eine Verhaftung aufgrund einer Anklage wegen Blasphemie zur Verfügung stehen.

Ihr, etc.,

RICHARD DAWKINS,
New College, Oxford

Katrin Göring-Eckardt: Dodo des Monats April 2017

Dodo des Monats April 2017 ©HFR

KGE macht Marmelade, Erdbeeren und Rhabarber gemischt, letzterer verschwindet, ist also nicht mehr sichtbar, so wie der von ihr geliebte Gott. Kochen und etwas Farbe lassen den Göttlichen im Dampf unsichtbar werden. Dumme Erläuterungen für ein Kind. Indoktrination nennt man das wohl.
Mit KGE begibt man sich in die Niederungen spiritueller Rauschzustände die wir eigentlich nur von Frau Käßmann kennen. Beiden gemeinsam, die Liebe zu Martin Luther, dem Helden freiheitlichen Denkens. Und schon sind wir beim Lug und Trug mit dem das geschichtliche Abbild Luthers geschmiert wird. Aus einem Brief, mit den Thesen, an seinen Bischof, wird der Thesenanschlag, aus dem Mönch ein judenhassender Theologe, ein Frauenverächter gewürzt mit blanken Sexismus, was Pseudo-Feministinnen wie KGE nicht davon abhält ihren kruden Thesen von Luther und den Frauen im Kitsch einer Tschibo-Werbung anzupreisen.

„Darum hat die Maid ihr Punzlein, daß es dem Mann ein Heilmittel bringe.“ zitiert nach: „Luther heute: Ein trefflich Wort“, Verlag Neues Leben, S. 33

Wenn Gott wie Rhabarber ist spielen solche frauenfeindlichen Sprüche natürlich keine Rolle. Kritik darf nicht formuliert werden, sie und ihre Luther-Paladine von der Hauptabteilung Kirche im Bundeskanzleramt  sofort in Abwehrhysterie verfallen. Die von Luther geforderte Freiheit des Glaubens wird ganz dreist sozial transformiert und religiös okkupiert.

„Unkraut wächst schnell, darum wachsen Mädchen schneller als Jungen.“ zitiert nach Arnulf Zitelmann, 1997, „Widerrufen kann ich nicht. Die Lebensgeschichte des Marthin Luther“, Beltz&Gelberg, S. 111

Der göttliche Rhabarber bedarf der Pflege, er kann verunkrauten und von Parasiten befallen werden. Im alten China nutzte man die Pflanze als sanftes Abführmittel. Gott garantiert seiner geschöpften Kreatur die Darmentleerung. Unstrittig ist, das diese durchaus göttlichen Charakters sein kann. Die Erleichterung ist menschlich spürbar, dank KGE göttlich. Luther lästerte seinerzeit über Äußerungen des Papstes „er habe gepforzet.“ Unbekannt ist ob der Papst dies mittels Rhabarber erreichte.

Dank Luther wissen wir auch dass Frauen unter einem Mangel an Verstand leiden

der Weiber Regiment von Anfang der Welt nie nichts Guts ausgerichtet hat, wie man pflegt zu sagen: Weiber Regiment nimmt selten ein gut End! Da Gott Adam zum Herrn über alle Kreaturen gesetzt hatte, da stund es Alles noch wohl und recht, und Alles ward auf das Beste regieret; aber da das Weib kam und wollte die Hand auch mit im Sode haben und klug sein, da fiel es Alles dahin und ward eine wüste Unordnung. … Wenn Weiber beredt sind, ist das an ihnen nicht zu loben, es paßt besser zu ihnen, daß sie stammeln und gut reden können. Das ziert sie viel besser.“ zitiert nach Hubert Mynarek, „Luther ohne Mythos“, S. 45f

Luther forderte darüber hinaus die Todesstrafe für Ehebruch, ist die Frau zickig und verweigert den ehelichen Beischlaf, so kann sich der Herr der Schöpfung eines anderen Weybes bedienen.

Wo nun eyns sich sperret und nicht wil, da nympt und raubet es seynen leyb, den es geben hatt dem andern, das ist den eygentlich widder die ehe unnd die die ehe zuryssen. Darumb muß die weltliche ubirkeyt das weyb zwingen oder umb bringen. Wo sie das nicht thutt, muß der man dencken, seyn weyb sey yhm genomen von raubern und umb bracht und nach eyner andern trachten.“ zitiert in Hubert Mynarek, „Luther ohne Mythos“, S. 56

Soviel zur Freiheit der Christenfrau ala Martin Luther. Vielleicht sind ja in den süß-sauren Lutherbonbons, die man gut marktwirtschaftlich zum Kirchentag unter die Jecken werfen will, durchaus mit göttlichen Rhabarber gefüllt. In diesem Falle sollte die Stadt Berlin noch ein paar zusätzliche Dixie-Klos anmieten.

In dem Sinne, jederzeit eine gute Verrichtung, dank göttlichen Rhabarbers. Die Zeit sollte KGE für eine Lutherlektüre nutzen.

Herzlichen Glückwunsch zum zweiten Dodo.

 

Comedian Stephen Fry Is Being Investigated for Violating Ireland’s Blasphemy Law After Mocking God

In February of 2015, comedian Stephen Fry sat down for an interview with host Gay Byrne for (Irish) RTÉ One’s The Meaning of Life.

By Hemant Mehta | Friendly Atheist

BYRNE: … Suppose it’s all true, and you walk up to the Pearly Gates, and you are confronted by God. What will Stephen Fry say to Him, Her, or It?

FRY: … I’ll say, “Bone cancer in children? What’s that about? How dare you! How dare you create a world in which there is such misery that is not our fault? It’s not right. It’s utterly, utterly evil.” Why should I respect a capricious, mean-minded, stupid God who creates a world which is so full of injustice and pain? That’s what I would say.

BYRNE: And you think you’re going to get in?

FRY: No, but I wouldn’t want to. I wouldn’t want to get in on His terms. They’re wrong. Now, if I died and it was Pluto, Hades, and if it was the 12 Greek gods, then I would have more truck with it. Because the [Greeks] were — they didn’t pretend not to be human in their appetites, and in their capriciousness, and in their unreasonableness. They didn’t present themselves as being all-seeing, all-wise, all-kind, all-beneficent. Because the God who created this universe, if it was created by God, is quite clearly a maniac. An utter maniac. Totally selfish. We have to spend our life on our knees, thanking Him? What kind of God would do that?

Yes, the world is very splendid, but it also has in it insects whose whole life-cycle is to burrow into the eyes of children and make them blind. That eat outwards from the eyes. Why? Why did he do that to us? He could easily have made a creation in which that didn’t exist. It is simply not acceptable.

… Atheism is not just about not believing there’s a God, but on the assumption that, [if] there is one, what kind of God is He? It’s perfectly apparent: He is monstrous, utterly monstrous, and deserves no respect whatsoever. The moment you banish him, your life becomes simpler, purer, cleaner, and more worth living, in my opinion.

BYRNE: That sure is the longest answer to that question that I’ve ever got in this entire series.

Because this was state-run TV in Ireland, where a blasphemy law is still on the books, Fry is now being investigated over whether his comments violated the rules based on a complaint by a citizen.

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Peng!-Kollektiv: Echter Waffenhändler freut sich auf falschen Friedenspreis

Der Mitarbeiter von Thyssenkrupp ist echt – der Friedenspreis für den Waffenhändler eher nicht.Foto: promo
Sie trollten die CDU, starteten im Namen von Heckler und Koch eine Rückrufaktion für Waffen, lockten Thyssenkrupp zum „Friedenspreis“ – nun interessiert sich sogar die SPD für das Peng!-Kollektiv.

Von Sidney Gennies | DER TAGESSPIEGEL

Es ist nicht ganz klar, wann er es gemerkt hat. Nur, dass es viel zu spät war. Christian Stuve – blauer Anzug, dunkle Krawatte – betritt den Konferenzsaal eines der feinsten Hotels der Stadt. Alle anderen hier tragen auch Anzug oder Kostüm, es gibt Sekt. Alles wie immer. Nur dass vorne neben dem Podium das Logo einer großen weißen Taube prangt und hier der „Deutsch-französische Preis für Sicherheit und Frieden“ vergeben werden soll. Den Preis gibt es nicht, die anderen Gäste sind Schauspieler. Nur Christian Stuve ist echt. Und er arbeitet für einen deutschen Waffenhersteller. Kurz: er hat hier nichts zu suchen, so oder so.

Christian Stuve ist Senior Vice President Politics and Strategy bei Thyssenkrupp in der Abteilung „Marine Systems“, die unter anderem Kriegsschiffe an Malaysia und Neuseeland verkauft hat und derzeit wegen eines milliardenschweren U-Boot-Deals mit Israel in der Kritik steht.

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‚Read the Fucking Emancipation Proclamation‘: Stephen Colbert Schools Trump on the Civil War

The „Late Show“ host gets a little help from the ghost of Abe Lincoln.

By Alexandra Rosenmann | AlterNet

From the White House that brought you alternative facts: Alternative American history.

On Monday, Trump mused that Andrew Jackson might have prevented the Civil War, a suggestion that can generously be called bizarre. That evening, „Late Show“ host Stephen Colbert felt compelled to straighten him out.

„Exactly, Andrew Jackson said, ‚There’s no reason for this,'“ he deadpanned. „He said, ‚We don’t need a Civil War, all my slaves are perfectly happy.'“

„Now — and one rarely hears this — in fairness to Andrew Jackson, I’m not surprised he didn’t stop the Civil War, given that he died 16 years before it started,“ Colbert added.

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Verschwörungstheorien: Mit Sachlichkeit gegen den Unsinn

Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften diskutiert in Berlin über den richtigen Umgang mit Impfgegnern, Hömöopathen und Verschwörungstheoretikern. Der wichtigste Tipp: nicht aufregen.

Von Kathrin Zinkant | Süddeutsche.de

Berlin hat bekanntlich zwei Flughäfen und wer an diesem strahlend sonnigen Sonntag vor dem Tag der Arbeit in den berühmten Himmel über der Stadt blickte, sah der Widersprüchlichkeit des menschlichen Verstandes ins Antlitz: Kondensstreifen von Flugzeugen stehen nämlich einerseits für das physikalische Phänomen der Kondensation. Wasser schlägt sich am Ruß aus den Flugzeugdüsen nieder, künstliche Wolken entstehen. Manchen Menschen ist diese Erklärung aber zu vernünftig. Sie halten die Kondensationsstreifen deshalb für Chemtrails, für Spuren einer Weltverschwörung, die die Menschheit vergiften soll.

Und weil nicht nur ein paar Verrückte an Chemtrails glauben, sondern ziemlich viele Menschen an einen ganzen Strauß solcher Theorien, haben sich weit unterhalb dieser Kondensstreifen am Wochenende die Mitglieder der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) in der Berliner Urania getroffen. Kurz nennt sich der gemeinnützige Verein „Die Skeptiker“, und man sollte sich dieses Begriffs kurz versichern: Die GWUP versammelt keineswegs Menschen, die den Klimawandel oder den Nutzen von Impfungen leugnen, also häufig Impfskeptiker oder Klimaskeptiker genannt werden. Der Duden definiert Skepsis als Bedenken, kritische Zweifel. Auch sich selbst gegenüber. Und das ist es, was Klimawandelleugnern und Impfgegnern fehlt: Der Zweifel an sich selbst.

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Polen: „Ucho Prezesa“ – Das Ohr des Vorsitzenden

„Das Ohr des Vorsitzenden“: Robert Gorski als Jaroslaw Kaczynski vor seinem Polen-Globus Quelle: Karolina Grabowska
Merkels Leibwächter schlägt sich mit einer PiS-Abgeordneten herum, auf Kaczynskis Globus gibt es nur Polen: Jede Woche folgen Millionen einer Satiresendung. Nur in der Regierungspartei wird nicht gelacht.

Von Gerhard Gnauck | DIE WELT

Was viele Zeitgenossen über das geheimnisumwitterte Treffen Merkel-Kaczynski gern wissen würden, aber wohl nie erfahren werden – Robert Gorski verrät es uns. Der polnische Kabarettkünstler hat eine wöchentliche Satiresendung auf YouTube, „Ucho Prezesa“ (Das Ohr des Vorsitzenden).

Es geht um das Ohr Jaroslaw Kaczynskis, des allmächtigen Chefs der nationalkonservativen Regierungspartei PiS. Die Sendung begann zu Jahresanfang zunächst recht harmlos damit, die polnische Wirklichkeit zu interpretieren. Inzwischen hoffen die einen und befürchten die anderen, diese Sendung könne Polen tatsächlich verändern.

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Der Richter, der das System stört

Kann viel und vieles besser als andere. Strafrichter a. D. Thomas Fischer.Foto: p-a/dpa
Thomas Fischer ist der einzige bekannte Strafrichter. Seine öffentlichen Kommentare haben polarisiert. Jetzt hört er auf. Aber er hat es allen gezeigt. Ein Kommentar.

Von Jost Müller-Neuhof | DER TAGESSPIEGEL

Am Sonntag endete die Amtszeit von Thomas Fischer, „Deutschlands bekanntestem Strafrichter“, wie ihn sein Verlag bewirbt. Fischer ist nicht nur der bekannteste, er ist der einzige überhaupt bekannte Strafrichter. Dass Richter in Deutschland über enge Zirkel von Justiz und Politik hinaus bekannt werden, ist ungewöhnlich. Fischer ist ungewöhnlich.

Der Richter am Bundesgerichtshof (BGH) verfasst einen herausragenden Strafrechtskommentar, schreibt Kolumnen auf „Zeit Online“, diskutiert auf Podien, gibt Interviews. Er war Paketbote und Rockmusiker, studierte Germanistik und träumte vom Schriftstellerberuf. Am BGH legte er sich mit dem damaligen Präsidenten an, klagte um einen Senatsvorsitz, bekam ihn. Er streitet und spottet, über Politiker, Fernsehstars, Feministinnen. Als besonders dämlich gelten ihm Journalisten, deren Fehldeutungen er sprachmächtig zerlegt. Warum er das alles macht, trotz richterlicher Verantwortung, trotz Mäßigungsgebot, wurde er mal gefragt. „Weil ich es kann“.

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Wahl Dodo des Monats April 2017

Dodo des Monats April 2017 ©HFR

Bestimmend im Monat April, Tod und Auferstehung der Spukgestalt namens Jesus. Des menschgewordenen Gottes, der einst sein Ebenbild aus Staub formte um dann später, bei seiner Selbsterzeigung eine Jungfrau benötigte. Also, er hat diese Frau befruchtet, dazu benötigte er einen engelhaften Besamer, um dann selbst völlig ungöttlich geboren zu werden. Jahre später lässt er sich vom weltlichen Pöbel umbringen, als Sohn eines Gottes der er selbst ist, unter Mitnahme aller Sünden und dem Müll seines Leibes verschwindet er wieder gen Himmel und stellt sein Bodenpersonal sündenfrei.

Die Todesstunde wird gefeiert, still unter Zwang, es ist die karfreitägliche Geisterstunde, von 24:00 auf 15:00 vor verlegt. Diesem Stuss muss sich weltlich alles unterordnen. Die Apologeten gehören ausgelacht und in ihren Tempeln für die Dauer der Todesfeier eingeschlossen. Krudes Zeug im Monat gab es reichlich. seht selbst.

Die Wahl ist bis zum 07. Mai 2017 18:00 Uhr befristet. Viel Spaß!

  1.  Willi Steul, „katholischer Erklärer des Korans.“
  2.  Alexander Van der Bellen, „demnächst mit Kopftuch?“
  3.  Monika Grütters, „Steuergelder für fragwürdige Party.“
  4.  Papst Franz, „liebt Blutzeugen, also tote Katholiken.“
  5.  Stefan Theo Reichel, „Widerstand gegen staatliche Maßnahmen.
  6.  Christina Aus der Au, „Mit Obama Kirchentagswahlkampf für Merkel.“
  7.  Gottfried Locher, „Zwangsmission in Berlin.“
  8.  Margot Käßmann, „Luther-hörige Theologin.“
  9.  Markus Dröge, „Bigottes zum völkischen Denken.“
  10.  Heinrich Bedford-Strohm, „karfreitäglicher Geisterbeschwörer.“
  11.  Bernd Althusmann, „fordert Respekt für seinen Geist.“
  12.  Gregor Gysi, „Welt ohne kirchliche -Moralinstanzen unvorstellbar.“
  13.  Uwe Köster, „Polizeiseelsorger sieht Fußball zu Ostern als Gefahr.“
  14.  Reinhard Marx, „Skrupelloser Erzapostel in Sachen Geld, Steuern, Soziales.“
  15.  Ralf Meister, „mag Kontrolle für anders Denkende.“
  16.  Rauf Ceylan, „Staatsknete für Moschee-Imame.“
  17.  Katrin Göring-Eckardt, „Gott ist wie ein Abführmittel.“

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