Literaturwissenschaftlerin über Religion und Glaube bei Fontane: „Letztlich sind wir doch alle Europäer“

Theodor Fontane Denkmal in Neuruppin
© John Kehly (shutterstock)

Ein Schriftsteller in einer „entkirchlichten Zeit“: In punkto Religion lässt sich Theodor Fontane nur schwer festlegen. Anlässlich seines 200. Geburtstags untersucht die Literaturwissenschaftlerin Lütteken Fontanes Religiosität und Hang zur Ironie.

DOMRADIO.DE

Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): Was ist über die religiöse Prägung in Theodor Fontanes (30. Dezember 1819 in Neuruppin – 20. September 1898 in Berlin) Kindheit bekannt?

Anett Lütteken (Literaturwissenschaftlerin): Ein wenig lässt sich aus seinem autobiografischen Roman „Meine Kinderjahre“ in Erfahrung bringen. Es geht zum Beispiel darum, dass seine Familie in der Refugie-Tradition stand, sich also zur französischen Herkunft bekannt hat und damit auch zum reformierten Bekenntnis.

Zugleich schreibt er, seine Mutter sei sehr temperamentvoll gewesen – aber es habe bei ihr keine Spur von „Religionseifer“ gegeben. Er beschreibt sie vielmehr als „Kind der Aufklärungszeit“. Das lässt sich als sanfter Hinweis lesen: Man war zwar Teil der reformierten Gemeinde im Großraum Berlin-Brandenburg, aber viel mehr nicht.

KNA: Wie sah dieses Gemeindeleben aus?

Lütteken: Viele Dinge, die im 19. Jahrhundert selbstverständlich waren, sind heute nicht mehr präsent. Dazu gehören auch Aktivitäten und Praktiken von Frömmigkeit. Fontane selbst gibt darüber nur bescheidene Auskunft: Gegen Ende seines Lebens schildert er etwa, wie er Weihnachten verbracht hat – jeweils in einem Satz zusammengefasst.

Generell sollte man diesen privaten Menschen von dem Publizisten Fontane trennen. Das Gesellschaftspanorama, das er verfasst hat, ist nicht mit seiner persönlichen Einschätzung gleichzusetzen.

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Don’t Panic: „Per Anhalter durch die Galaxis“ wird als TV-Serie umgesetzt

(Bild: Hulu)

Douglas Adams‘ „Per Anhalter durch die Galaxis“ kommt wieder auf den Bildschirm. Die TV-Serie soll auf Hulu ausgestrahlt werden.

Von Daniel Herbig | heise online

Der US-amerikanische Streaming-Dienst Hulu bekommt eine Serien-Umsetzung von „Per Anhalter durch die Galaxis“. Das Werk von Douglas Adams soll vom „Lost“-Showrunner Carlton Cruse umgesetzt werden, berichtet das Magazin Deadline. Ebenfalls an der Produktion beteiligt ist demnach der Autor Jason Fuchs, der unter anderem an „Wonder Woman“ gearbeitet hat.

Weitere Details zur geplanten Serienumsetzung von „Per Anhalter durch die Galaxis“ (im Original „A Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“) nennt der Deadline-Bericht nicht. Unklar ist zum Beispiel, welche Schauspieler an dem Projekt beteiligt sein werden. Die Serie werde ein „modernes Update“ für das kultige Sci-Fi-Franchise, heißt es lediglich. Die Rechte für „Per Anhalter durch die Galaxis“ gehören Disney.

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Film „The Two Popes“: „Überraschend witziger“ Machtkampf im Vatikan

Bild: © katholisch.de

Erbitterter Streit zwischen dem Bewahrer Benedikt und dem fortschrittlichen Franziskus – zumindest wenn es nach den Machern von „The Two Popes“ geht. Im September feiert der Film beim Filmfestival von Toronto Premiere. Jetzt wurde ein erstes Foto veröffentlicht.

katholisch.de

Die Rede Papst Benedikts XVI. am 11. Februar 2013 war eine Sensation. Zum ersten Mal seit über 700 Jahren verkündete ein katholisches Kirchenoberhaupt seinen Rücktritt. Mit der Wahl seines Nachfolgers, des heutigen Papst Franziskus, kamen Gerüchte von einem Konflikt zwischen dem konservativen Bewahrer und dem progressiven Reformer auf. Gerüchte, die Vatikan-Mitarbeiter und der emeritierte Papst persönlich stets dementierten.

Doch bekanntlich regt schon die bloße Möglichkeit von Intrigen und Auseinandersetzungen hinter den Leoninischen Mauern die Vorstellungskraft von Künstlern an. So haben sich auch der Drehbuchautor Anthony McCarten („Die dunkelste Stunde“, „Die Entdeckung der Unendlichkeit“) und Regisseur Fernando Meirelles („City of God“, „Der ewige Gärtner“) des Themas angenommen.

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Sprechendes Geschlechtsteil in der Klosterbibliothek

Der kleine Streifen Pergament ist eine Sensation: Ein um das Jahr 1300 entstandenes Schriftstück berichtet über das Zwiegspräch einer Jungfrau mit ihrer eigenen Vulva. Dass es ausgerechnet in einer Klosterbibliothek gefunden wurde, ist wohl kein Zufall.

Schnarchen ist Männersache, oder?

Schnarchende Männer sind in vielen Beziehungen eine Herausforderung. Nun zeigt eine Studie aber, dass Frauen offenbar gleich laut und häufig schnarchen wie Männer. Allerdings kommt es hier auf die Interpretation der Daten an.

Lena Stallmach | Neue Zürcher Zeitung

Schnarchende Männer sorgen regelmässig für Gesprächsstoff bei Frauen. Nicht selten weckt das ohrenbetäubende Schnarchen Wut und Aggressionen, die man sich tagsüber kaum vorstellen kann. Eine Freundin erzählte, dass sie in solchen Momenten gut nachvollziehen könne, warum eine 87-jährige Frau ihren Mann im Schlaf mit einem Kopfkissen erstickte.

Mein Mann behauptet, dass auch ich manchmal schnarchen würde. Das hielt ich bis vor kurzem für eine masslose Übertreibung. Vielleicht atme ich einmal laut, wenn ich erkältet bin, aber richtig schnarchen so wie er? Nie und nimmer.

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Kontroverse über «Emma»-Karikaturen – Rassismus-Vorwurf

Die langjährige Cartoonistin des Magazins «Emma» wird des Rassismus beschuldigt – zu Unrecht, findet die Herausgeberin und Deutschlands bekannteste Feministin Emma Schwarzer.

Neue Zürcher Zeitung

Satire hat aus Sicht von «Emma»-Herausgeberin Alice Schwarzer keine Grenzen. «Und sie darf auch keine haben», betonte sie in Köln anlässlich der Kritik an «Emma»-Hauscartoonistin Franziska Becker. Die überspitzte Wiedergabe der Realität sei nötig, um den Menschen die Augen zu öffnen. «Genau das ist die Aufgabe eines Satirikers.» Die deutsch-türkische Bloggerin Sibel Schick hatte Becker der Diskriminierung Kopftuch tragender Musliminnen bezichtigt, die sie mit IS-Kämpferinnen gleichsetze.

Hintergrund ist die Verleihung der Hedwig-Dohm-Urkunde des Journalistinnenbundes an Becker für ihr Lebenswerk.

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Eine Spinne namens Karl Lagerfeld

Zu Ehren des Modeschöpfers Karl Lagerfeld haben Biologen diese neuentdeckte Spinnenart „Jotus karllagerfeldi“ getauft. © Mark Newton

Schwarze „Handschuhe“, ein weißer Kragen und auch das restliche Outfit ist stilvoll in Schwarzweiß gehalten: Diese Springspinne erinnerte Biologen so stark an den Look des kürzlich verstorbenen Modedesigners Karl Lagerfeld, dass sie ihr kurzerhand dessen Namen gaben: Die in Australien neuentdeckte Spinnenart heißt nun ihm zu Ehren Jotus karllagerfeldi.

scinexx

Eigentlich glänzen die Springspinne der Gattung Jotus eher durch ihre Farbenpracht: Ihre Lauf- und Tastbeine sind oft knallrot, blau oder grün gefärbt. Wie alle Springspinnen besitzen sie zudem besonders große Augen, die ihnen ein räumliches Sehen ermöglichen. Diese Fähigkeit benötigen die Spinnen, wie sie keine Netze bauen, sondern ihre Beute im Sprung fangen. Gut zielen zu können ist daher für sie enorm wichtig. Vor kurzem haben Forscher zudem herausgefunden, dass Springspinnen auch überraschend gut hören – obwohl sie keine Ohren besitzen.

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Playing Video Games Makes Us Fully Human

Image credit: NAUTILUS

No other media meets our emotional and social needs like electronic games.

By Brian Gallagher | NAUTILUS

I have an agonizing decision to make. Should I save a governing body that has never done a thing for me? It doesn’t even contain a single person from my race. The aliens of the galactic Council decided long ago that my people should not be trusted, that we were aggressive, entitled, and short-sighted. I’m a soldier engaged in a fight to save the entire galaxy. And now the Council wants my help to destroy their assailants? My companion Ashley is against it. “You can’t sacrifice human lives to save the Council!” she yells. “What have they ever done for us?” Another companion, Garrus, rebuffs Ashley. “This is bigger than humanity!” Schadenfreude tempts me to let the patronizing Council be pulverized; a pro-human one could replace it if we survive. But I don’t want to give cynical aliens an opportunity to attribute the lowest-possible motive to humans. I want to refute the impression that we are an arrogant, upstart species out for itself. I command humanity’s space armada to target the forces gunning for the Council, no matter the cost. I feel a rush of bravery and idealism. I love playing Mass Effect.

I’m not alone. The popularity of video games is staggering. Last year, the top 25 public game companies—China’s Tencent, Sony, and Microsoft ranking highest—had annual earnings of more than $100 billion for the first time.1 The United States video game industry earned more than global box office movie ticket sales, U.S. video streaming subscriptions, and the U.S. music industry.2 By 2021, according to Statista, a market research firm, 2.7 billion people will be playing video games, up from 1.8 billion five years ago. A Pew survey reveals the age group that plays most often is 18 to 29.3 In the 30 to 49 age group, nearly 50 percent of men and 40 percent of women play. A study in Europe shows people 45 and up are more likely to play video games than children aged 6 to 14.

I wouldn’t blame you for thinking video games are like potent drugs, offering escapist fantasies that deprive teenagers of sleep and food until they are strung out and incapable of functioning in the real world. There have certainly been enough horror stories in the psychological literature over the years to raise concern that video games are eating the brains of the world’s youth. But this negative portrait is outdated.

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Weihwasser aus Hubschrauber: „Wir müssen den Teufel loswerden“

So versprühen Hubschrauber Weihwasser. Bild von Janek Szymanowski auf Pixabay

Katholischer Bischof aus Kolumbien möchte aus dem Hubschrauber seine Stadt mit Weihwasser segnen, um die Dämonen der Stadt auszutreiben

kath.net

Rubén Darío Jaramillo Montoya, Bischof von Buenaventura (Kolumbien), möchte am 14. Juli seine Stadt von einem Hubschrauber aus mit Weihwasser segnen. Dies berichtet TEKK.TV „Wir wollen ganz Buenaventura aus der Luft umrunden und Weihwasser darauf verteilen, um zu sehen, ob wir all die Dämonen austreiben, die unseren Stadt zerstören“, erklärt der Bischof einem lokalen Radiosender. „In Buenaventura müssen wir den Teufel loswerden, um zu sehen, ob wir die Ruhe wiedererlangen können, die die Stadt durch so viele Verbrechen, Korruptionsakte und so viel Böses und Drogenhandel verloren hat“, so Montoya weiters.

Richard Dawkins on Poetry

Richard Dawkins, Screengrab

The evolutionary biologist reads Robert Frost.

By Michael Segal | Poetry on NAUTILUS

In some ways, Richard Dawkins has been thinking about contingency for most of his life.

The book that catapulted him to fame, The Selfish Gene, is about one kind of contingency, which shapes genetic codes and chooses winning species (and genes). This contingency is nested in many others. In his memoir, An Appetite For Wonder, Dawkins imagines a dinosaur that would have caught and eaten the shrew-like ancestor of all mammals, had it not sneezed. “We all can regard ourselves as exquisitely improbable,” he writes.

Then there are the contingencies of an individual life. Is it true, Dawkins wonders, that “the course of a named individual’s life is sucked back, magnetically, into predictable pathways, despite the Brownian buffetings of sneezes and other trivial, or not so trivial, happenings?” Would Dawkins still have been Dawkins, had he been raised in a religious household? If he’d had different tutors?

In this video, Harvard poetry professor Elisa New sits Dawkins down in a lush field outside the Aspen Institute and talks to him about the most famous American poem on the topic of contingency, Robert Frost’s “The Road Not Taken.” The conversation was recorded as part of New’s initiative, Poetry in America, which brings poetry into classrooms and living rooms around the world.

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„Verharmlosung von Satanismus“: Petition gegen TV-Serie „Good Omens“

Bild: © picture alliance / empics

Eine religiöse Organisation hat eine Petition gegen die Serie „Good Omens“ gestartet. Sie kritisiert, dass die Satire Satanismus verharmlose und Gottes Weisheit verspotte. Doch leider schickte sie die Unterschriften an den falschen Streamingdienst.

katholisch.de

Eine von der US-amerikanischen Organisation „Return to Order“ initiierte Petition gegen die Serie „Good Omens“ hat binnen kurzer Zeit über 20.000 Unterschriften gesammelt. Mit der Petition wolle man erreichen, dass die Serie aus dem Programm genommen wird, weil sie „Satanismus als normal, mild und zulässig“ darstelle, heißt es auf der Website der katholischen Organisation. Außerdem könne man nicht akzeptieren, dass Gott von einer Frau gesprochen werde.

Die Serie ist eine Adaption der erfolgreichen Apokalypsen-Satire „Good Omens“ („Ein gutes Omen“) von Terry Pratchett und Neil Gaiman, die im Jahr 1990 erschienen ist. Darin geht es um den Engel Erziraphael und den Dämonen Crowley, die als Botschafter von Gut bzw. Böse auf Erden leben.

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Katholische Bischöfe protestieren gegen Kunstpreis: Karikaturstreit in Kerala

Photo/Ani

Im indischen Bundesstaat Kerala protestieren die katholischen Bischöfe gegen die Vergabe eines staatlichen Kunstpreises. Mit dem Preis soll eine Karikatur ausgezeichnet werden, die einen wegen Vergewaltigung angeklagten Bischof zeigt.

DOMRADIO.DE

Der Künstler K.K. Subhash hatte Franco Mulakkal in seiner Karikatur als Hahn dargestellt, der einen Bischofsstab hält, an dem das Kreuz durch Damenunterwäsche ersetzt wurde. Die Auszeichnung Subhashs sei ein vorsätzlicher Versuch der kommunistischen Regierung Keralas, die Kirche zu beleidigen und christliche Symbole verächtlich zu machen, zitiert der asiatische katholische Pressedienst Ucanews am Donnerstag aus dem Protestschreiben des Rats der Bischöfe von Kerala.

„Wir mussten dagegen protestieren“

Ein Sprecher des Bischofsrats sagte Ucanews, die Bischöfe hätten nicht protestiert, wäre der Preis von einer privaten Organisation verliehen worden. „Da es sich aber um den Preis einer staatlichen kulturellen Organisation handelt, mussten wir dagegen protestieren.“

Der Leiter Kunstakademie „Kerala Lalithakala Akademi“, Nemom Pushparaj, wies eine Beeinflussung der Preisvergabe durch die Regierung zurück. Trotzdem solle die Entscheidung der unabhängigen Jury überprüft werden. Es sei nicht die Absicht gewesen, das Christentum verächtlich zu machen.

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Two by two they entered the ark … with lawyers close behind

Die nachgebaute Arche Noah in Grant County, Kentucky. bild: arkencounter

„Noah’s Ark owners sue for rain damage“ ran the headline in The Age. And while the world let out a collective sigh of bemused irony, the thought occurred: could there be a more retrospective claim of shoddy workmanship?

By Warwick McFadyen | THE AGE

Of course it was not the man himself, brought to life from the aspic of time, demanding reparation, nor his sons Shem, Ham and Japheth, nor their sons, nor their son’s sons, and so on. It was, in part, an Australian. How’s that for punching above your weight? And, of course, it wasn’t the original ark, which has never been found, and which some killjoys believe never existed.

It was Crosswater Canyon, the company behind Ark Encounter, a theme park of biblical proportions and foundations, that has begun legal proceedings against its insurers for damage to property caused by rain. Crosswater Canyon wants more than $1 million.

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Hoch lebe der Staatshumor

Grafik: TP

Die öffentlich-rechtlichen Sender bespaßen ihr Publikum mit einer kunterbunten Parade aus Komikern, Witzeerzählern, Hofnarren und ein paar politischen Kabarettisten im Alibimodus. Hört und sieht man genauer hin, vergeht einem umgehend das Lachen

Wolf Reiser | TELEPOLIS

Claus von Wagner, neben Max Uthoff gastgebender Klinikchef der ZDF-Anstalt, erinnerte unlängst an die Definition seiner Kunstsparte: „Kabarett ist das Spiel mit dem erworbenen Wissenszusammenhang eines informierten Zuschauers.“ Und im gleichen Atemzug erfolgte die Frage: „Doch was macht man, wenn über wesentliche Belange nicht, falsch oder manipulativ berichtet wird?“

In normalen Zeiten sind Journalisten dafür zuständig, Journalismus zu betreiben, während sich die Kabarettisten um das Kunsthandwerk der satirischen Nachrichtenbearbeitung kümmern. Doch wir leben in keinen normalen Zeiten. Die Ära Merkel hat die Republik umfassend sediert und sie in einen hypnotischen Dämmerzustand aus Opportunismus, Diskursverschleppung und Paralyse versetzt.

Aus diesem Grund müssen politische Künstler sich nicht nur durch die wuchernden Fake-Narrative der politischen Macht kämpfen, sondern parallel auch noch die journalistischen Defizite der loyalen Leitmedien aufarbeiten. Das kostet Nerven und unendlich viel Zeit, also auch Sendezeit. Und so greifen die Anstaltsmacher immer wieder zum Trick der antiquierten Grundschul-Schautafel, um den Zuschauern auf diesem Weg die grundlegenden Fakten des jeweiligen Themas zu vermitteln.

Trotz dieser Widrigkeiten schafft man es in jeder Folge, Facetten aus dem rotierenden Irrsinn unseres Absurdistans herauszugreifen, das Rad anzuhalten und die Dunkelstellen mit detektivischer, respektloser und im besten Sinne unterhaltsamer Präzision zu erhellen.

In den fünf Jahren nahm man sich Themen wie Steuergerechtigkeit, Sexismus, Rechtsextreme oder Automobil-industrie vor und kümmerte sich um Griechenland wie auch des Öfteren um die westliche Wertemilitanz in Libyen, Syrien und der Ukraine. Man legt hohes Tempo an den Tag, intellektuelle Schärfe, eine lockere Mischung aus Kalauern, Parodie, Klartext und radikaler Opposition zum politisch-medialen Mainstream, oft auch in Form der Medien. Und die reagieren nicht immer wohlgesonnen. Mal erkennt man die Autoren als Putin-Trolle und antiamerikanische Aufwiegler oder straft das ganze Format als arroganten Agit-Prop und neomarxistisches Bauerntheater ab.

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Skeptiker-Konferenz: Mondlandung ein Fake? Wissenschaftler entkräften Verschwörungstheorien

Ist der Mann auf dem Mond nur eine Fälschung? Wissenschaftler wie der Kernphysiker Holm Hümler versuchen, solche Verschwörungstheorien zu widerlegen. Bild: nasa.dpa

Verschwörungstheorien werden immer beliebter. Bei der „Skepkon“ treffen sich Wissenschaftler, die solche Mythen entkräften wollen. Was hilft gegen Panikmache?

Von Veronika Lintner | Augsburger Allgemeine

Falls noch in diesem Jahr der Vesuv explodieren sollte, magnetische Pole und Erdplatten sich ruckartig verschieben, der Planet kippt und Menschen millionenfach ins Unglück stürzen – dann hatte die Apokalyptikerin Rose Stern wohl doch recht. Aber: „Das ist alles sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich“, sagt die Geowissenschaftlerin Lydia Baumann. Die junge Doktorandin aus Hamburg steht in Augsburg auf der Bühne, vor fachkundigem Publikum. Geduldig, mit Diagrammen und Karten, widerlegt sie die Untergangstheorie, die Stern eben noch in einem Interviewclip auf der Leinwand des Saals verkündet hatte.

Magnetische Polwanderungen sind normal, erklärt Baumann. Sie geschehen, wenn es schnell geht, innerhalb von mehreren hundert Jahren – oder aber binnen Jahrmillionen. Und die Folgen für die Menschheit? Höchstens kleine Funkstörungen in unserer digitalen Infrastruktur. Die Apokalypse ist abgesagt. Und die „Skepkon“ hat soeben begonnen.

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„Good Omens“: Ein Engel und ein Dämon gegen Armageddon

Ein Traumpaar: Michael Sheen als naiver Engel und David Tennant als eloquenter Dämon. – (c) Amazon Prime

Die Welt ist zu schön, um zerstört zu werden. Eine amüsante Miniserie rund um den Kampf zwischen Gut und Böse, die auf einem Kultbuch von Terry Pratchett und Neil Gaiman basiert.

Von Rosa Schmidt-Vierthaler | Die Presse.com

Das Leben auf der Erde ist manchmal schwer zu verstehen. Wie entstehen die großen Triumphe und Tragödien der Geschichte? „Sie werden nicht von Menschen herbeigeführt, die grundsätzlich gut oder böse sind – sondern von Menschen, die grundsätzlich menschlich sind.“ Dieser Gedanke wird in der Miniserie „Good Omens“ auf die Spitze getrieben. Denn in der satirischen Fantasy-Geschichte um den bevorstehenden Weltuntergang, den Showdown zwischen Himmel und Hölle, agieren nicht nur die Menschen äußerst menschlich. Sondern auch der Dämon Crowley und der Engel Erziraphael, die bereits einige Zeit auf der Erde verbrachten.

Seit dem Sündenfall standen sie sich immer wieder gegenüber, sie waren vor Ort, als die Arche Noah beladen und Jesus gekreuzigt wurde, sie prosteten einander im antiken Rom zu und verhandelten in Ritterrüstung gute und böse Taten. Irgendwann wurde aus dem Gegeneinander ein zartes Miteinander mit feinsinnigen, sarkastischen Dialogen. Es sind die stärksten Momente der Serie, wenn der Dämon (herrlich: David Tennant) und der Engel (ebenso gut: Michael Sheen) über ihre Chefs diskutieren und der Gesandte der Hölle es verwerflich findet, dass Gott bei der Sintflut nicht einmal die Kinder verschont. Oder wenn Erziraphael wegen seiner kleinen Laster (gute Kleidung und französische Küche) fast unter der Guillotine zu liegen kommt. Die beiden mögen die Welt. Weshalb sie auf eigene Faust und ohne das Wissen von Himmel und Hölle versuchen, das nahende Armageddon abzuwehren.

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Ein Hypermoralist im Hoodie versetzt die CDU in Panik

Ein Youtuber veröffentlicht eine Abrechnung mit den deutschen Christlichdemokraten und erreicht damit fünf Millionen Zuschauer. Die Reaktion der Partei auf die Attacke endet in einem kommunikativen Desaster. So cool, modern und internetaffin wie einige PR-Berater in Berlin-Mitte die CDU gerne hätten, ist diese nicht.

Hansjörg Müller | Neue Zürcher Zeitung

Wer den Medienwandel bis jetzt nicht begreift oder zu verdrängen versucht, erhielt dieser Tage unerbetenen Nachhilfeunterricht: Letzten Samstag stellte ein Youtuber namens Rezo ein 55-minütiges Video mit dem martialischen Titel «Die Zerstörung der CDU» ins Netz. Über fünf Millionen Aufrufe verzeichnete es bis Donnerstagmittag.

Seinen Auftritt hatte der 26-Jährige, der bisher vor allem Musikvideos verbreitete und dabei 1,6 Millionen Abonnenten ansammelte, offenbar akribisch vorbereitet: Mehrere hundert Stunden hatte Rezo nach eigenen Angaben recherchiert, bevor er sich im orangen Hoodie, die blau gefärbten Haare unter einer Dächlikappe hervorlugend, vor die Kamera setzte. Was in schnellem Tempo folgte, war eine 55-minütige Philippika gegen die Partei von Bundeskanzlerin Angela Merkel, angereichert mit vereinzelten Seitenhieben gegen SPD und AfD. Nicht er wolle die CDU «aktiv zerstören», so Rezo, dies täten bereits «die Fakten und Tatsachen».

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„Die SPD ist tot, die Grünen werden die neue SPD, und wir die neuen Grünen“

martin Sonneborn und Nico Semsrott. Bild: Die PARTEI

Europawahl-Interview mit den PARTEI-Politikern Martin Sonneborn und Nico Semsrott

Markus Kompa | TELEPOLIS

Die kommende EU-Wahl ist eine Schicksalswahl für Die PARTEI, denn erstmals traut man ihr das Potential von gleich zwei Sitzen zu – und damit eine Verdoppelung der politischen Schlagkraft. Neben Altpolitiker Martin Sonneborn, der in den EU-Ausschüssen für Kultur, Bildung und auswärtige Angelegenheiten sowie in der Delegation für die Beziehungen zur Koreanischen Halbinsel mitwirkte, hat auch Newcomer Nico Semsrott realistische Aussichten, demnächst deutsche Interessen im Europaparlament zu vertreten.

Herr Sonneborn, ursprünglich wollten Sie nur für einen Monat in Brüssel bleiben, jetzt aber möchten Sie noch einmal fünf Jahre mit dem Personal von Europas politischer Resterampe gemeinsam Strohhalme verbieten. Leiden Sie an einer Art Stockholm-Syndrom?

Martin Sonneborn: Nein, es ist eher so, dass wir eine intensive Auseinandersetzung mit der Groko Haram geführt haben. Steinmeier, Merkel und Maas haben einen wahnwitzigen Aufwand betrieben, um eine 3-Prozent-Hürde zur EU-Wahl einzuführen und die 7 Mandate der Kleinparteien wieder für sich zu reservieren. Gegen das Urteil des Bundesverfassungsgericht, gegen die Interessen von 26 oder 27 EU-Staaten. Wir haben dagegen gehalten, und schlussendlich genug Öffentlichkeit herstellen können, um dieses unseriöse Unterfangen scheitern zu lassen. Wir müssen mit unserer Arbeit also einen Nerv getroffen haben bei CDU und SPD, und schon deshalb will ich weitermachen. Aber natürlich habe ich auch Spaß an der Macht gefunden. Smiley.

Die Altparteien haben für 2021 keine Kanzlerkandidaten von Format, AKK und Friedrich Merz disqualifizieren sich schon der Frisur wegen. Werden Sie nicht eher in Berlin als in Brüssel gebraucht?

Martin Sonneborn: Sie sind sehr charmant. Nein, im Bundestag könnte ich nicht viel bewirken, von Belgien aus kann ich den Kontinent viel effektiver regieren. Außerdem möchte ich den Nachfolger von Elmar Brocken begleiten, er heißt Dennis Radab und wird uns in den kommenden Jahren in Brüssel viel Spaß bereiten.

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Werberat rügt Brauerei wegen Bierdeckel

Bild: dpa

Alkohol dürfe nicht als „Schlüssel für Glücksmomente“ angepriesen werden. Die Brauerei sieht „scheinheilige Moralisten“ am Werk und will die gerügten Bierdeckel nachdrucken lassen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ein Bierdeckel des Hofbräuhauses Traunstein erzürnt den Deutschen Werberat, weil er nach deren Einschätzung die „Verhaltensregeln für eine verantwortliche Alkoholwerbung“ missachte. Der Bierdeckel zeigt ein Paar in inniger Umarmung, die lachende Frau hält dabei ein frisches Weißbier in der Hand, darüber steht der Slogan „Hilft in Sekunden – wirkt für Stunden“.

Laut Werberat entstehe beim Betrachter der Eindruck, „dass sich der Konsum des Biers positiv auf das Verhältnis zwischen Mann und Frau auswirkt“. Die Alkoholbranche habe sich aber im Rahmen der Selbstkontrolle dazu verpflichtet, Alkohol nicht als „Schlüssel für Glücksmomente“ anzupreisen.

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Maintaler Muslime empört über Islam-Bierdeckel

Umstrittene Maintaler Bierdeckel mit Fragen zum Islam Bild © hr

Bei Apfelwein oder Bier mehr über den Islam erfahren? Aus Sicht der Integrationsbeauftragten der Stadt Maintal eine gute Idee. Sie lässt in Kneipen und Restaurants Islam-Untersetzer verteilen. Der Ausländerbeirat ist empört.

hessenschau.de

Wie erfahren nicht-muslimische Maintaler mehr über den Islam? Aus Sicht der Stadt offenbar am besten am Stammtisch bei einem Glas Apfelwein. Neben einem Bild von einem traditionellen Apfelweinkrug und -glas erklärt die Integrationsbeauftragte im Internet den Hintergrund der Aktion, die bei muslimischen Maintalern für Empörung sorgt:

Die Stadt habe Getränkeuntersetzer mit zehn verschiedenen Fragen „uff Hessisch“ rund um das Thema Islam bedrucken lassen. Unter anderem:

  • „Wie is des mit dem Koppduch?“ (Wie ist das mit dem Kopftuch?)
  • „Wie is des bei de Muslime mittem Wuzzeflaasch?“ (Wie ist das bei den Muslimen mit dem Schweinefleisch?)
  • „Derfe die Fußballer im Ramadan garnix esse?“ (Dürfen die Fußballer im Ramadan gar nichts essen?)

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