Archiv der Kategorie: Laizismus

Unbekannte legen Feuer in französischer Moschee

Muslimische Verbände beklagen deutlichen Anstieg von Attacken und Drohungen gegen Muslime


derStandard.at

Nach einem Feuer in einer Moschee in Südwestfrankreich gehen die Ermittler von Brandstiftung aus. “Wir können zu diesem Zeitpunkt der Ermittlungen bestätigen, dass eine durchdachte, vorsätzlicher Tat die Ursache dieses Feuers der Moschee von Auch ist”, teilte Staatsanwalt Pierre Aurignac am Montag der französischen Nachrichtenagentur AFP mit.

Die Täter hätten einen Brandbeschleuniger benutzt. Das Motiv des oder der unbekannten Täter sei bisher völlig unbekannt.

Der Brand hatte in der Nacht zu Sonntag fast 70 Prozent der Moschee zerstört. Nach dem islamistischen Anschlag auf das Satiremagazin “Charlie Hebdo” im Jänner hatten muslimische Verbände einen deutlichen Anstieg von Attacken und Drohungen gegen Muslime beklagt.

Burka-Verbot in Frankreich: Hinter dem Schleier

Kenza Drider, snapshot brightsblog, Themenbild
Kenza Drider, snapshot brightsblog, Themenbild
Wie wirkt das Burka-Verbot in Frankreich? Polizisten kontrollieren immer wieder dieselben verschleierten Frauen, die Bußgelder übernimmt ein reicher Aktivist. Folgenlos ist das Gesetz dennoch nicht.


Von Verena Hölzl|SpON

Bonjour “Madame Lécuyer”, sagte der Polizist. Stéphanie Lécuyer war da gerade auf dem Weg nach Hause. Dann lief alles ab wie gewohnt: Schleier heben, Identitätskontrolle. Bei der Polizei in ihrem Viertel in Nizza kennt man die Frau mit dem Ganzkörperschleier, die Kontrolle ist ein geübtes Ritual. Wieder und wieder wird die Muslimin überprüft, zu Bußgeldern verurteilt – doch das ändert nichts an ihrer Einstellung.

Lécuyer verschleiert ihren Körper mit einem Niqab, einer abgewandelten Form der Burka. Das ist in Frankreich seit 2011 verboten: Aus Sicherheitsgründen darf im öffentlichen Raum niemand sein Gesicht verhüllen. Der Volksmund spricht vom Burka-Verbot, wie es in Deutschland auch immer wieder diskutiert wird.

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Demokratische Renitenz gegen römische Homophobie

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Der Papst lehnt einen Botschafter am Heiligen Stuhl ab, weil er homosexuell ist. Doch das Herkunftsland des Mannes, Frankreich, zog seine Ernennung bisher nicht zurück. Dem Vatikan droht eine diplomatische Krise.


wochenblatt.de

Das gab es so noch nie: Am Wochenende hat sich laut Medienberichten Papst Franziskus mit dem designierten Botschafter Frankreichs am Heiligen Stuhl (Santa Sede) getroffen. Grund für die Zusammenkunft war indes ein heikler: Laurent Stefanini ist bislang noch nicht vom Vatikan als Botschafter seines Landes bestätigt worden – und wird das wohl auch nicht. Denn der Mann lebt offen homosexuell.

In dem Treffen zwischen Franziskus und Stefanini habe der Papst wohl sein Bedauern zum Ausdruck gebracht, aber er könne die Bestellung des Franzosen als Botschafter nicht bestätigen. Grund sei die Befürchtung, dass Stefanini während seiner Amtszeit als Botschafter eine Partnerschaft eingehen könnte und damit den Vatikan brüskieren würde. Bereits 2007 kam es zu einer solchen Situation, auch damals hatte Frankreich einen offen homosexuellen Botschafter benannt – und die Ernennung aufgrund des Protests des Heiligen Stuhls zurückgezogen.

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Ohne Gläubige keine Religion

Stéphane Charbonnier bevorzugte, «stehend zu sterben anstatt auf Knien zu leben». Foto: AFP, Getty Images
Kurz vor seiner Ermordung hat Stéphane Charbonnier, der Chefredaktor der Satirezeitung «Charlie Hebdo», einen «Brief an die Heuchler» verfasst.


Von Guido Kalberer|Tages Anzeiger

Auch das ist Ironie des Schicksals: Am 7. Januar 2015, als Stéphane Charbonnier von islamistischen Terroristen in Paris getötet wurde, erschien in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift «Charlie Hebdo» eine Karikatur mit der Überschrift «Noch keine Attentate in Frankreich». Die gezeichnete Antwort eines bewaffneten Islamisten lautete: «Warten Sie ab. Man hat bis Ende Januar Zeit, seine Festtagsgrüsse auszurichten.» Es war die letzte Zeichnung von Charb, der das satirische Magazin seit 2009 als Chefredaktor und Herausgeber geleitet hatte. Bei dem Attentat starb ein Dutzend kritische Geister, die mit spitzer Feder und scharfer Zunge das Zeitgeschehen kommentiert hatten.

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Kruzifix und Kopftuch: Neutralität durch Pluralität für Europa

© Mahmud Hams/Getty Images
Wenn es um die Frage geht, wo Religionsfreiheit anfängt und wo sie aufhört, scheiden sich die Geister. Sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene. Ein einheitliches Konzept ist nicht in Sicht.


Von Semra Kizilkaya|The European

Im europäischen Verhältnis von Staat und Religion ist kaum ein anderer Grundwert so fest verankert und so stark debattiert zugleich, wie die Staatsneutralität. In Deutschland erreicht die öffentliche Auseinandersetzung über Neutralität versus Religionsfreiheit ihren Höhepunkt mit der jüngsten Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, die das pauschale Kopftuchverbot für Lehrerinnen an öffentlichen Schulen für verfassungswidrig erklärt. Auch das Berliner „Neutralitätsgesetz“ ist folglich in Teilen nicht verfassungskonform. Bedeutet das eine Aufhebung der Neutralität?

Europas Wandel von säkular zu multikulti-plurireligiös

Das Verhältnis von Staat und Religion in Europa ist keineswegs einheitlich geregelt. Übergreifend kann ein europäisches Modell festgehalten werden, das sich aus dem Dreieck Religionsfreiheit, Staatsneutralität und Kooperation von Staat und Religion zusammensetzt. Darunter sind unterschiedliche Formen des Umgangs verschiedener Länder realisiert: von dem über hundertjährigen Laizismus in Frankreich bis zur englischen Staatskirche, die jedoch seit Anfang des 18. Jahrhunderts keinen Einfluss mehr auf die Politik genießt.

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Frankreichs Bürgermeistervereinigung: „Nein zu Gebet und Kreuzzeichen im Sport“

Es mag sein, daß manches Kreuzzeichen, das bei Wettkämpfen auf dem Sportplatz gemacht wird, mehr ein abergläubischer Gestus als ein wirklicher Glaubensakt zu sein scheint. Die persönliche Frömmigkeit hat jedoch unterschiedlichste Ausprägungen und sollte als solche respektiert werden.


Katholisches Magazin für Kirche und Kultur

Gebet und Glaube im SpitzensportJedenfalls ist es allemal besser, wenn Sportler zum Kreuz Zuflucht nehmen, als zu etwas anderem. Das Kreuzzeichen und jede andere religiöse Ausdrucksform im Sport zu verbieten, ist in jedem Fall ein Akt präpotenter Willkür.

Das aber soll in Frankreich durchgesetzt werden. Die Association des maires de France (AMF), in der die Mehrheit der Bürgermeister Frankreichs organisiert ist, verschickte ein Rundschreiben mit zahlreichen „Empfehlungen“, die den Gemeindeoberhäuptern „helfen“ sollen, die laizistische Staatsdoktrin Frankreichs im täglichen Leben umzusetzen. Diese „Propositions des maires de France en faveur de la laïcité“ betreffen vor allem die Schule einschließlich der Kindergärten und die Sportveranstaltungen.

Kreuzzeichen fällt ausdrücklich unter die Verbotsempfehlungen

Besonders den Sportlern, ob Profis, Dilettanten oder auch nur den Schülern beim Schulsport wird ausdrücklich verboten, bei den Wettkämpfen oder Fußballspielen zu beten oder auf dem Sportplatz religiöse Zeichen zu zeigen. Das Kreuzzeichen fällt explizit auch unter dieses Verbot. Die Bestätigung kam am 24. Juni von Patrick Molinoz, dem stellvertretenden AMF-Vorsitzenden und Co-Präsidenten der Arbeitsgruppe Laizität der Bürgermeistervereinigung. Molinoz nannte als Negativbeispiel einen Fußballer, der vor dem Betreten des Spielfeldes ein Kreuzzeichen macht und verglich ihn mit verschleierten Sportlerinnen, wie sie der Weltfußballverband FIFA erlaubt.

Molinoz wörtlich in einer Presseerklärung: „Eine Gemeinde kann keine Veranstaltung subventionieren, in der ein kultischer Charakter zum Ausdruck kommt, auch dann nicht, wenn es sich um einen traditionellen handelt und dieser im Rahmen von kulturellen Initiativen oder Festen erfolgt“.

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Frankreich: Kommission fordert Ein- und Ausreisebeschränkungen

Die Kommission fordert mehr Personal für Spezialermittler und Staatsanwälte – mehr als die Hälfte aller jungen Franzosen, die sich dem Dschihad anschließen, sei polizeilich zuvor nicht erfasst gewesen. (picture alliance / dpa / Joel Le Gall)
Dem Kampf gegen den IS hatte sich Frankreich bereits vor den Anschlägen in Paris im Januar angeschlossen. Auch ein Bericht über die Bedrohungslage im Land wurde schon Ende 2014 in Auftrag gegeben. Kurz vor der Anti-IS-Konferenz in Paris nennt die zuständige Untersuchungskommission nun Fakten und Forderungen.


Von Ursula Welter|Deutschlandfunk

  1. Januar 2015, die französische Nationalversammlung tagt. Parlamentspräsident Bartolone verliest die Namen der 17, die eine Woche zuvor ermordet worden waren. Die Attentäter, Charif und Said Kouachi und Amédy Coulibaly, waren in Frankreich aufgewachsen, waren in Frankreich in islamistische Kreise geraten.

An diesem Tag gedenken die Parlamentarier der Opfer, bevor sie mit großer Mehrheit beschließen, dass Frankreich seinen Militäreinsatz im Irak gegen die Terrorgruppe “Islamischer Staat” fortsetzt. 488 Ja-Stimmen, eine Nein-Stimme. Luftangriffe im Irak, Unterstützung der gemäßigten Kräfte in Syrien: Frankreich exponiert sich auch militärisch im Kampf gegen den islamistischen Terror.

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Genf verbietet Schülern Auftritt in religiöser Oper

religion_dark_agesGrundschüler aus Genf dürfen nicht bei der Kinderoper «Noahs Sintflut» von Benjamin Britten mitsingen, lediglich das Zuhören sei erlaubt. Es gehe um die vorgeschriebene Laizität.


kath.net

Grundschüler aus Genf dürfen nicht bei der Kinderoper «Noahs Sintflut» von Benjamin Britten (1913-1976) mitsingen. Lediglich anhören sei für Primarschüler erlaubt, entschied die zuständige Bildungsbehörde des Kantons Genf unter Berufung auf die vorgeschriebene Laizität, wie das Portal «kath.ch» (Mittwoch) berichtet. Das Genfer Kammerorchester wollte das religiöse Werk aufführen.

Das Genfer Bildungsdepartement beruft sich bei seinem Verbot unter anderem auf Artikel 15 der Bundesverfassung, der Glaubens- und Gewissensfreiheit gewährleistet. Niemand darf demnach gezwungen werden, eine religiöse Handlung vorzunehmen oder religiösem Unterricht zu folgen.

Aus Sicht der Behörde ist das «Singen eines biblischen Werkes, insbesondere von Texten mit starker religiöser Konnotation» vergleichbar mit dem «Vollzug einer religiösen Handlung», erklärte die stellvertretende Generalsekretärin Teresa Skibinska auf Anfrage. Das Singen der besagten Oper sei darum nicht vereinbar mit der Bundesverfassung. Die Beteiligung der Primarschüler an der Oper widerspreche der «religiösen Neutralität», die für die Schulen im Kanton gelte. Primarschüler seien zudem in Fragen des Glaubens nicht gefestigt.

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Islamismus: Alice Schwarzer gegen „falsche Toleranz“

Alice Schwarzer Foto: dpa
Gegenüber der konsequent betriebenen „islamistischen Unterwanderung auch des Westens“ dürfe es keine „falsche Toleranz“ geben, sagte die deutsche Feministin Alice Schwarzer am Donnerstag beim „Pfingstdialog“.


religion.ORF.at

Das würde letztlich im Widerspruch zu den hart erkämpften Menschenrechten und Freiheiten Europas stehen, so Schwarzer beim „Pfingstdialog“ im Rahmen der Reihe „Geist & Gegenwart“ im kirchlichen Bildungszentrum Schloss Seggau (Steiermark).

Islamisten „Faschisten“ der Gegenwart

Gewaltbereite muslimische Extremisten und „selbst ernannte Gotteskrieger“ bezeichnete Schwarzer am Donnerstag als „Faschisten“ der Gegenwart. Sie betrieben die Verbindung von Fundamentalismus mit Rassismus und Sexismus. Die Publizistin sagte, sie enthalte sich jeder Bewertung des Islam, wende sich aber gegen den zunehmenden Einfluss des Islamismus in europäischen Medien, auf den Universitäten und auch im Rechtswesen.

Die streitbare Galionsfigur des deutschen Feminismus und Herausgeberin der Zeitschrift „Emma“ referierte bei der Tagung unter dem Titel „Europa.wertvoll“ über ihre seit der iranischen Revolution von 1979 zurückreichenden Erfahrungen und Recherchen über jene Formen des politisch missbrauchten Islam, die westlichen Werten wie Pluralismus und Toleranz feindlich gegenüberstehen. Den Anstoß zu ihrer langjährigen Beschäftigung mit dem Thema gab laut Schwarzer ein Hilferuf von Iranerinnen, die kurz zuvor noch gegen das Schah-Regime gekämpft hätten und bald danach von den Revolutionswächtern Khomeinis systematisch aus dem öffentlichen Leben in die Rechtlosigkeit getrieben worden seien.

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„Charlie Hebdo“-Anschlag: Wer trägt Schuld?

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„Zombie-Katholen“ und „französisches Erwachen“: Nach dem Anschlag auf die „Charlie Hebdo“-Redaktion kursieren wirre Thesen zu Islam, Europa und Antisemitismus.


Von Jürg Altwegg|Frankfurter Allgemeine

Nach dem Anschlag auf die Zwillingstürme wandte sich Usama Bin Ladin in Videobotschaften, die er Al Dschazira zukommen ließ, an die Weltöffentlichkeit. Einmal sprach er von „einem Typen“, der den Zusammenbruch der Sowjetunion vorausgesehen habe und den Niedergang Amerikas prophezeie. Bin Ladin dachte an den französischen Autor Emmanuel Todd.

Mit dem Ende des amerikanischen Imperiums lag Todd ziemlich daneben. Jenes der UdSSR hatte er 1976 angekündigt – er selbst spricht von einem „Traum“, in dem es ihm erschienen sei: Der damals 25 Jahre alte Demograph hatte auf dem Sofa seiner Mutter im Geiste die Karten des Kommunismus und der familiären Strukturen übereinandergelegt. Er ist dieser Methode in vielen Studien treu geblieben. Jetzt beschreibt er mit ihren Mitteln die Geographie der französischen Demonstrationen nach den Terroranschlägen im Januar in Paris und betitelt sein Buch: „Qui est Charlie?“.

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Frankreich: Bürgermeister fordert Islamverbot

Ein französischer Polizist steht vor einer Moschee in Paris. ©DPA
Ein Bürgermeister in Frankreich hat gefordert, den Islam in seinem Land zu verbieten. Außerdem müsse die Verfassung geändert und die Trennung von Staat und Religion aufgehoben werden. Das brachte ihm ein Parteiausschlussverfahren ein.


Von Michaela Wiegel|Frankfurter Allgemeine

Ein UMP-Bürgermeister in Südfrankreich hat ein Islamverbot für sein Land gefordert. Jetzt droht Robert Chardon, der dem 8000-Einwohner-Ort Venelles bei Aix-en-Provence vorsteht, ein Parteiausschluss. Die stellvertretende UMP-Vorsitzende Nathalie Kosciusko-Morizet kündigte am Freitag an, sie habe ein Ausschlussverfahren gegen Chardon wegen „absurder Forderungen, die in keiner Weise den Werten und dem Programm der UMP entsprechen“ eingeleitet.

Bürgermeister Chardon hatte sich an einem „Twitter-Chat“ mit dem UMP-Vorsitzenden Nicolas Sarkozy beteiligt und für ein Islamverbot plädiert. „Wer den muslimischen Glauben praktiziert, muss sofort an die Grenze zurückgebracht und ausgewiesen werden“, schlug Chardon vor. Die französische Verfassung müsse geändert und die seit 1905 geltende Trennung von Religion und Staat aufgehoben werden. „Die Republik sollte den christlichen Glauben fördern“, verlangte der Bürgermeister.

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Luxemburgs Erzbischof will in Laizismus-Debatte Stärke zeigen

Jean-Claude Hollerich,
Luxemburgs Erzbischof Jean-Claude Hollerich will sich stärker in die Diskussionen um die Trennung von Kirche und Staat einbringen. “Wir sind viele Kompromisse eingegangen, doch nun kommt eine Zeit, in der wir härter durchgreifen müssen”, sagte Hollerich der Tageszeitung “Luxemburger Wort” (Montag).


kathweb

Von den Plänen der Regierung, Kirchengebäude künftig für nichtkirchliche Zwecke zu nutzen, hält Hollerich nichts. Viele würden sich dadurch auf die Füße getreten fühlen. Auch wenn der Staat nicht für alle Kosten zum Erhalt der Gotteshäuser aufkommen könne und daher die Pfarren selbst mithelfen müssten, gehöre die Kirche den Menschen, die für sie gezahlt und Geld gespendet hätten. “Im französischen Laizismus haben die Kommunalgemeinden die Pflicht, die Kirchengebäude zu unterhalten – was in Luxemburg Staat und Gemeinden nicht mehr tun”, so Hollerich.

Der Erzbischof äußerte sich nach dem Ende der sogenannten Muttergottesoktav, einer 14-tägigen Wallfahrt. Pilger aus allen Dekanaten des Landes, Mitglieder von Kongregationen, Gruppen, Verbänden sowie zahlreiche Pilger aus der Eifel, aus Lothringen und belgischen Dekanaten hatten bis 10. Mai an Andachten, Gottesdiensten, Konferenzen und Gebeten in der Kathedrale von Luxemburg teilgenommen.

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Frankreich: Gestürzte Grabsteine

©dpa
Zerschossene Fenster, verstreute Hostien, geschändete Gräber: In Frankreich häufen sich Angriffe auf Kirchen, Moscheen und jüdische Stätten. Die Motive sind verschieden. Gemeinsam ist die Missachtung heiliger Orte.


domradio.de

Auf dem Altartuch in einer Pfarrkirche im nordfranzösischen Valenciennes: Brandspuren. 50 Kilometer weiter in Tourcoing: acht Einschusslöcher in den Kirchenfenstern. In Saint-Martin-le-Beau bei Tours: die mittelalterliche Dorfkirche ist durch Brandstiftung weitgehend zerstört. Raub in Hendaye im südwestfranzösischen Departement Pyrenees-Atlantiques: Liturgische Gefäße gestohlen, samt den darin aufbewahrten Hostien.

Täglicher Vandalismus

Kaum ein Tag vergeht derzeit in Frankreich, an dem es nicht einen neuen Fall von Vandalismus gibt. Und es geht keineswegs nur um Kirchen. In Macon in Burgund wurden zwei junge Männer wegen versuchter Brandstiftung an einer Moschee zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Der jüdische Friedhof von Sarre-Union im Elsass wird verwüstet, in einem jüdischen Supermarkt in Paris werden Geiseln genommen.

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Charlie Hebdo: Der Konsens der „Charlies“ in der Kritik

charlie_hebdo_2War das „hysterisch“ und „katholisch-reaktionär“? Der Soziologe Emmanuel Todd irritiert Frankreich mit seiner Analyse der Solidaritätsumzüge unter der Devise „Je suis Charlie“.


Von Stefan Brändle|Frankfurter Rundschau

Er schwieg auffällig lange. Emmanuel Todd, einer der profiliertesten und temperamentvollsten Denker Frankreichs, äußerte sich bisher nicht zu den Terroranschlägen, die im Januar in der Redaktion von „Charlie Hebdo“ und einem jüdischen Supermarkt 17 Todesopfer forderten. Er blieb den Großkundgebungen fern, er nahm an keiner Talkshow teil, nahm keine Journalistenanrufe entgegen.

Untätig blieb Todd mitnichten. An seinem Schreibtisch tat der 63-jährige Soziologe, was er schon immer getan hatte: Er sichtete Karten, Zahlen und Statistiken – diesmal zu den Solidaritätsumzügen unter der Devise „Je suis Charlie“. Dann griff Todd in die Tasten. Das diese Woche erschienene Produkt, ein Essay von 250 Seiten mit dem harmlos klingenden Titel „Wer ist Charlie?“, ist wegen seiner soziologischen Analyse brisant.

Todd bescheinigt der Linken, das heißt seinem eigenen politischen Lager, eine „hysterische“ Reaktion in einem „katholisch-reaktionären“ Geiste à la „Vichy“. Todds empirischer Beleg: Die meisten Umzugsteilnehmer stammten, so eruierte er, aus der gehobenen Mittelklasse, und zwar in Regionen und Städten, die historisch gegen den Laizismus und für den Katholizismus eingetreten seien. Unter den landesweit vier Millionen „Charlie“-Demonstranten hätten sich mehr Kaderangestellte als Arbeiter befunden, bilanziert Todd.

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Frankreich: In die Schule mit Allahs Segen

laiciteDie muslimische Mittelschule in Lille bildet die Ausnahme im Land des Laizismus. Nun rebellierte ein Lehrer gegen den Geist der Schule.


Von Rudolf Balmer|taz.de

Es gibt diesen Satz, den Soufiane Zitouni zu seinen Schülern gesagt hat. „Ich frage mich, ob nicht viele Muslime ein Problem mit dem Humor haben.“ Er bereut den Satz nicht. Zitouni wiederholte ihn gar für eine Kolumne in der Tageszeitung Libération, die den Titel trug „Auch Mohammed ist Charlie“ und kurz nach dem mörderischen Anschlag auf die französische Satirezeitschrift im Januar erschien. Seither ist Zitouni jedoch das Lachen vergangen. „In den zwanzig Jahren meiner Lehrertätigkeit habe ich noch nie derartige antisemitische Äußerungen von Schülern zu hören bekommen.“ Seine Stelle als Philosophielehrer an der muslimischen Mittelschule Averroès in Lille hat er daraufhin gekündigt.

Über Nacht sah sich Zitouni an seiner Schule geächtet. „Mein Pro-Charlie-Text ist mehrmals vom Anschlagbrett im Lehrerzimmer entfernt worden. Ein ehemaliger Kollege meinte, ich hätte mir viele Feinde gemacht und solle in Zukunft auf der Straße hinter mich schauen.“ War das eine Drohung? Zitouni demonstriert eine Gelassenheit, die man ihm nicht ganz abnimmt.

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Religiöse Vielfalt Religion und Freiheit – zwei Welten begegnen sich

Kann die Welt liberal, gelassen und konstruktiv mit religiöser Vielfalt leben? (picture alliance / dpa / Karl Thomas)
In knapp zwei Dritteln aller Staaten wird die Religionsfreiheit missachtet. Tendenz steigend. Das besagt ein Bericht der beiden christlichen Kirchen in Deutschland: Fast täglich gibt es Nachrichten über Gewalttaten im Namen der Religion.


Von Burkhard Schäfers|Deutschlandfunk

“Jede Religion hat fundamentalistische Strömungen. Ich verstehe unter Fundamentalismus vor allem die Bemühung, einer pluralen Welt mit sehr vielfältigen Herausforderungen zu entgehen und zu einer eindeutigen Stellungnahme zurückzufinden. Unter Ausblendung all der anderen Herausforderungen der Religionen, der Kultur, der Welt, der Fragen unserer Zeit.”

Drangsaliert, verschleppt, umgebracht

Religiöse Fanatiker, die offenbar nicht damit leben können, dass ihre Mitmenschen einen anderen Glauben haben: Dieses Phänomen scheint zuzunehmen. Der Münchner Dogmatiker Peter Neuner beschäftigt sich damit seit vielen Jahren. Die Freiheit der anderen wird eingeschränkt, sie werden drangsaliert, verschleppt, umgebracht. Dabei galt lange die These von der Säkularisierung: Vom Rückzug der Religion in einer zunehmend aufgeklärten Welt.

“Die gesamte Tendenz eines Säkularismus ist ja eine europäische Angelegenheit. Weltweit ist die Ausnahme Europa. Insgesamt sind die Religionen in einer expandierenden Bewegung. In Ostasien auf jeden Fall – China, Korea. Ähnlich die Situation in den USA, wo man auch von Säkularisierung in gar keiner Weise sprechen kann.”

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Frankreich: Denkmal Johannes Paul II. muss weg

Papst Johannes Paul II. im Heiligen Jahr 2000. Bild: Ökumenisches Heiligenlexikon
Das Verwaltungsgericht von Rennes in Frankreich mag Johannes Paul II. nicht.
Im vergangenen Februar entschied das Verwaltungsgericht von Grenoble, daß eine Marienstatue am Genfer See entfernt werden müsse, weil sie gegen die „Trennung von Staat und Kirche“ verstoße und damit die „Laizität verletzt“. Nun verlangt das Verwaltungsgericht von Rennes die Entfernung einer Statue von Papst Johannes Paul II. und eines Kreuzes, das die Statue überragt.


Katholisches Magazin für Kirche und Kultur

Das Denkmal für das katholische Kirchenoberhaupt, das von 1978-2005 regierte, wurde 2006 in der 9.000 Einwohner zählenden bretonischen Gemeinde Ploërmel errichtet.

„Freidenker“-Verein zog gegen Denkmal vor Gericht

Die Fédération nationale de la Libre Pensée (Nationaler Freidenkerbund), die bereits gegen die Marienstatue von Publier vor Gericht gezogen war, kämpft auch gegen das Papstdenkmal von Ploërmel. Die militant kirchenfeindliche Vereinigung bekam erneut recht. Das Verwaltungsgericht von Rennes fällte ein Urteil: Die Statue von Johannes Paul II. und das Kreuz widersprechen dem Artikel 28 des Gesetzes zur Trennung von Kirche und Staat von 1905.

Grundlage des Urteils sind 4.500 Euro, die von der Gemeindeverwaltung von Ploërmel beigesteuert wurden. Das Denkmal wurde privat finanziert. Die Gemeinde gab jedoch die genannte Summe für die Errichtung des Fundaments aus. In Summe nur ein kleiner Teil, doch ausreichend für die Richter, um ihr Urteil zu fällen. Es wurden öffentliche Gelder für einen religiösen Zweck ausgegeben, was inakzeptabel sei. Die genaue Urteilsbegründung liegt allerdings noch nicht vor.

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Charlie Hebdo Cartoonist Says He’ll Stop Drawing Muhammad

Rénald Luzier, Image: Friendly Atheist
Rénald Luzier, better known as Luz, is one of the (remaining) cartoonists for Charlie Hebdo.


By Hemant Mehta|Friendly Atheist

According to news reports, he avoided the same fate as his colleagues because he overslept and was late to work the day they were massacred. It’s fitting, then, that he illustrated the cover of the first issue following the attacks:

Bild. Charlie Hebdo
Bild. Charlie Hebdo

But in an interview published today in Les Inrockuptibles, Luz says he’ll never draw Muhammad again: “It does not interest me.”

It’s a little hard to believe that he just suddenly lost interest after years of satirizing religion, but it’s also hard to fault him for his decision.

Luz didn’t say that he was stopping because he felt his illustrations were offensive or provocative. He didn’t apologize for his past drawings. He didn’t say that he felt lucky to still be alive and feared another attack. But it’s hard to see this is anything but the culmination of a successful bullying campaign. His critics wanted to censor him and they’re getting their wish. Luz is just trying to take the high road by saying he wants to move on to other topics… whatever they are.

No word yet on whether other Charlie Hebdo cartoonists will follow his lead.

Frankreich will Religionsstätten besser schützen

laiciteNach dem vereitelten Terroranschlag auf Kirchen will Frankreich religiöse Stätten im Land besser schützen. Regierungschef Manuel Valls will weiter entschlossen gegen jede Art der Bedrohung vorgehen. Ziel des mutmaßlichen Islamisten seien Christen gewesen, sagte der Premierminister nach einem Besuch einer Kirche in Villejuif südlich von Paris.


derStandard.at

Frankreich werde weiter alle Maßnahmen ergreifen, um wichtige Orte wie Kirchen, Synagogen oder Moscheen zu schützen, sagte Valls. Gleichzeitig betonte er, die historischen Stätten Frankreichs müssten weiter für die Öffentlichkeit und Besucher zugänglich bleiben.

Anschlag vereitelt

Zuvor war bekanntgeworden, dass die französische Polizei mit der Festnahme eines 24-Jährigen einen Terrorangriff vermutlich auf eine Kirche vereitelt hat. Die Staatsanwaltschaft sucht nach möglichen Komplizen. Der Mann habe sich mit einer weiteren Person über Anschlagspläne ausgetauscht, sagte der für Terrorismus zuständige Staatsanwalt Francois Molins. Der Gesprächspartner könnte sich in Syrien befinden. Er habe den Studenten aufgefordert, eine Kirche ins Visier zu nehmen.

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Pressefreiheit: Spott über Gott?

Scheren im Kopf? Journalisten und Experten aus verschiedenen Ländern und Kulturen diskutierten über Gefährdungen der Pressefreiheit in Zeiten des Terrors Foto: pro/Schramm
Meinungsfreiheit ist ein universelles Menschenrecht. Aber wo liegen ihre Grenzen? Sollte man wirklich alles sagen, was juristisch erlaubt ist? Darüber haben am Dienstag Journalisten und Experten aus verschiedenen Ländern und Kulturen in Berlin diskutiert.


pro Medienmagazin

Millionen Menschen gingen Anfang Januar in Europa aus Solidarität mit den Opfern des Terroranschlags auf die Redaktion des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris auf die Straßen. Das blutige Massaker galt vielen als Angriff auf die universellen Rechte der Presse- und Meinungsfreiheit. Zeitgleich demonstrierten in anderen Teilen der Welt viele Menschen gegen eine vermeintlich nicht hinnehmbare Verunglimpfung ihres Glaubens durch Karikaturen wie die von Charlie Hebdo.

Nach dem Pariser Terroranschlag stellt sich die Frage, ob man alles sagen und schreiben sollte, was juristisch erlaubt ist. Wo liegen die Grenzen der Meinungsfreiheit? Antworten auf diese Fragen suchten die Gäste einer Podiumsdiskussion mit dem Titel: „Spott über Gott. Gefährdung der Pressefreiheit in Zeiten des Terrors“, zu der die Friedrich-Naumann-Stiftung, Reporter ohne Grenzen (ROG) und Die Welt am Dienstagabend ins Axel-Springer-Haus in Berlin eingeladen hatten.

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