„Entzugsheim“ für Islamisten eröffnet in Frankreich

Schloss Pontourny / Bild: APA/AFP/GUILLAUME SOUVANT
Schloss Pontourny / Bild: APA/AFP/GUILLAUME SOUVANT
Im Anti-Terrorkampf setzt die Regierung auch auf ein Deradikalisierungs-Zentrum auf Schloss Pontourny. Kritiker sehen darin ein „Ferienlager für Islamisten“. Auch in der Lokalbvölkerung gärt es.
 

Die Presse.com

„Ferienlager für Islamisten“ oder „Jihad-Akademie“ – so nennen Kritiker abfällig eine Einrichtung, die bis Ende September in Frankreich ihre Tore öffnet. Auf dem ländlich gelegenen Schloss Pontourny nahe von Tours sollen junge Islamisten untergebracht und „deradikalisiert“ werden. Es ist das erste Zentrum dieser Art im Land und ein Modellprojekt. Die Bewohner sind allerdings wenig begeistert von den Plänen.

Das „Zentrum für Prävention, Wiedereingliederung und Staatsbürgerschaft“, wie es offiziell heißt, soll in den kommenden Wochen die ersten jungen Leute willkommen heißen. Sie sind zwischen 18 und 30 Jahre alt, haben den Kontakt zu ihren Freunden und ihrer Familie in der Regel abgebrochen und wollen nach Darstellung der Anstaltsleitung freiwillig einziehen. „Es geht um junge Leute, die radikalisiert sind und davon loskommen wollen“, sagt Präfekt Louis Lefranc. Eine Art Entzugsheim für Islamisten also.

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Staat und Frömmigkeit: Religion im Hinterhof

„Die Freiheit führt das Volk“ von Eugène Delacroix, 1830. Historiker verweisen darauf, dass die Marianne mit entblößter Brust – anders als es dieser Tage Frankreichs Premierminister nahelegte – im 19. Jahrhundert kein Kommentar zu einer bevorzugten Kleiderordnung war, sondern eine nationale Allegorie. (Foto: oh)
Warum streitet Frankreich so erbittert über den Burkini? Und was bedeutet eigentlich Laizismus? Der Hintergrund sind die Kulturkämpfe, die Europa früher schon einmal ausgefochten hat – gegen die katholische Kirche.

Von Gustav Seibt | Süddeutsche.de

Geistliche sollen erst predigen dürfen, nachdem sie ein „Kulturexamen“ zu Philosophie, Geschichte und deutscher Literatur abgelegt haben. Ihre Predigten werden politisch überwacht. Wer gegen den Staat hetzt, wird verhaftet. In den Gemeinden geschlossene Ehen sollen nicht mehr gültig sein, sondern vom Staat registriert werden. Religiöse Umzüge gelten als „Ruhestörung“, gar als Herausforderung der Leitkultur. Erhitzte Patrioten dringen mit Holzlatten in Kulträume, um sich mit Betenden zu prügeln. Verdächtiges Schrifttum wird beschlagnahmt. Religiöse Symbole werden aus dem öffentlichen Raum verbannt.

Sind das Maßnahmen heutiger Regierungen gegen islamische Parallelwelten? Man muss Spitzel in die religiösen Gemeinschaften einschleusen, zu verdächtig sind sie. Sagt das der Verfassungsschutz? Man sollte die Kinder dieser Frommen in staatliche Schulen schicken, um ihnen moderne Staatsgrundsätze und fortschrittliche Wissenschaft beizubringen – wer will das? Heinz Buschkowski und Monika Maron? Die geistlichen Gerichte sind ein Ärgernis, niemand weiß, was in ihnen vorgeht – sagt das Necla Kelek? Sogar eine eigene Presse haben diese gefährlichen Frommen – wer sind ihre Finanziers? Ein fernes Priesterregime im Ausland steuert sie!

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Élisabeth Badinter: „Burkini am Nizza-Strand ist Gipfel der Unhöflichkeit“

Foto: pa/Effigie/Leema/Leemage Die französische Philosophin Élisabeth Badinter ist eine glühende Verfechterin der Laizität
Die Philosophin Élisabeth Badinter empfindet den Burkini als Provokation. Man müsse ertragen, als Muslimfeind beschimpft zu werden. Im Kampf gegen Islamismus sieht sie eine Gruppe in der Pflicht.
 

Von Martina Meister | DIE WELT

Die Welt: Die Fotos der verschleierten Frau mit den Polizisten am Strand von Nizza sind um die Welt gegangen und haben für Empörung gesorgt. Waren Sie auch schockiert, Madame Badinter?

Élisabeth Badinter: In gewisser Weise ja. Ich bin eine Verfechterin der Freiheit. Jeder soll tragen können, was er will. Insofern lässt mich der Burkini komplett kalt, obwohl er eine radikal religiöse und damit politische Bedeutung hat. Denn diese Frauen tragen den Burkini nicht, weil sie unsichtbar sein, sondern, weil sie auffallen wollen. Aber es ist ein Nebenschauplatz.

In Frankreich ist die Religionsfreiheit des Einzelnen sehr genau definiert. Das Verbot bestimmter Kleidung betrifft nur die Verwaltung, die Schulen und die Universitäten. Ansonsten gilt, dass man nicht nackt rumlaufen und sein Gesicht nicht vermummen darf.

Eine derartige Verbotswut befördert deshalb nur die schlimmsten Spaltungen. Mich schockierten diese Fotos. Allerdings schockiert mich noch mehr, dass sich jemand in diesem Aufzug an den Strand von Nizza wagt, wo wenige Meter weiter 86 Menschen ermordet wurden.

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Le Pen verspricht Referendum über EU-Austritt

Die Vorsitzende der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, will bei einem Wahlsieg 2017 eine Volksabstimmung über den Austritt aus der EU organisieren. Das ist in Frankreich nur mit Zustimmung des Präsidenten möglich. Quelle: Die Welt
Front-National-Chefin Marine Le Pen will die Franzosen über den Austritt aus der EU abstimmen lassen, sollte sie zur Staatspräsidentin gewählt werden. Frankreich müsse „wieder ein freies Volk werden“.
 

DIE WELT

Die rechtsextreme französische Politikerin Marine Le Pen hat ihren Landsleuten ein Referendum über den Austritt Frankreichs aus der Europäischen Union in Aussicht gestellt, sollte sie im kommenden Frühjahr zur Präsidentin gewählt werden.

Le Pen bezog sich in einer Rede vor Parteifreunden im ostfranzösischen Brachay am Samstag auf das Votum der Briten für den EU-Austritt am 23. Juni: Die Briten hätten sich „für ihr Schicksal entschieden“ und „für die Unabhängigkeit gestimmt“.

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Nizza: Nonnen dürfen Habit nicht am Strand tragen

Bild: FB/IzzedinElzir Themenbild
Bild: FB/IzzedinElzir
Themenbild
Religion und Staat seien strikt getrennt. Der Glaube sei Sache jedes einzelnen, aber zu Hause und in der Kirche, nicht auf der Straße, begründet der Vizebürgermeister von Nizza das Verbot.
 

kath.net

Nonnen die ihren Habit am Strand von Nizza tragen wollen sind dort genau so wenig willkommen wie Frauen, die einen Burkini tragen. Das sagte Rudy Salles, der Vizebürgermeister der südfranzösischen Stadt in einem Interview mit BBC Radio 4.
Ein Burkini am Strand sei eine Provokation, fuhr Salles fort. „Religion und Staat sind völlig getrennt. Religion ist die Angelegenheit eines jeden einzelnen, aber zu Hause und in der Kirche, nicht auf der Straße“, sagte er wörtlich. Auf Nachfrage des BBC-Reporters bestätigte er, dass es einer katholischen Ordensschwester ebenfalls verboten sei ihren Habit am Strand zu tragen.

Das Burkini-Verbot sei nach dem Terroranschlag in Nizza am 14. Juli 2016 eine „Notwendigkeit“, argumentierte der Vizebürgermeister. Der islamistische Attentäter fuhr mit einem LKW durch eine Menschenmenge und tötete dabei mindestens 86 Menschen.

Frankreich will Islam-Institutionen neu aufstellen

Marianne-Büste mit phrygischer Mütze in einer französischen Schule. Bild: PD
Marianne-Büste mit phrygischer Mütze in einer französischen Schule. Bild: PD

Frankreich will die islamischen Institutionen des Landes neu aufstellen und damit auch den Kampf gegen Radikalisierung stärken. „Wir brauchen einen Islam, der mit beiden Füßen in der Republik steht“, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve.

religion.ORF.at

Der Innenminister hatte am Montag mit muslimischen Vertretern über die Rolle und Organisation des Islam in Frankreich beraten. Nun will man unter anderem sicherstellen, dass Imame Französisch sprechen und in Frankreich ausgebildet werden. Cazeneuve kündigte dazu eine Stiftung und eine religiöse Vereinigung an, die neue Geldquellen für den Bau von Moscheen, eine bessere Ausbildung von Imamen und islamwissenschaftliche Studien erschließen sollen.

Neue staatliche Stiftung

Das soll dazu beitragen, die Rolle ausländischer Geldgeber zu verringern und sicherzustellen, dass Hassprediger keine Chance haben. Von einem Verbot ausländischer Finanzspritzen für den Bau von Moscheen, wofür Premierminister Manuel Valls plädiert hatte, war am Montag allerdings keine Rede. Die Frage nach der Organisation der Islam-Institutionen ist seit Jahren ein Thema, hat infolge der islamistischen Anschlagsserie aber neue Brisanz gewonnen. Auch der muslimische Dachverband CFCM ist dafür.

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Frankreichs Innenminister warnt vor „irreparablen Spannungen“ durch Burkini-Verbot

Rund 30 französische Gemeinden hatten das Tragen eines Ganzkörperbadeanzuges am Strand verboten. (Foto: dpa)
  • In der Debatte um Ganzkörperbadeanzüge hat Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve vor einem gesetzlichen Burkini-Verbot gewarnt.
  • Ein solches Gesetz wäre nicht nur „verfassungswidrig und ineffizient“, sondern würde auch zu „irreparablen Spannungen“ führen.
  • Rund 30 französische Gemeinden hatten das Tragen eines Ganzkörperbadeanzuges am Strand verboten.

Süddeutsche.de

In der Debatte um Burkinis hat Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve vor einem gesetzlichen Verbot gewarnt. Ein solches Gesetz wäre nicht nur „verfassungswidrig und ineffizient“, sondern würde auch zu „irreparablen Spannungen“ führen, sagte Cazeneuve in einem Interview mit der Zeitung La Croix. Die französische Regierung lehne so ein Gesetz daher ab.

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Flucht zum Übervater Atatürk

foto: picturedesk / interfoto / friedrich Umstrittener Modernisierer: Kemal Atatürk (1881-1938)

Für viele Türken ist ihr Land aus den Fugen. Sie klammern sich wieder an die Figur des Republikgründers Kemal Atatürk.

Von Markus Bernath | derStandard.at

Man kann ihn nicht verhaften lassen, auch nicht aus dem Programm nehmen oder sein Unternehmen zwangsverstaatlichen und dann an Parteifreunde verscherbeln. Es gibt ihn ja nicht mehr. Er hat keine Wohnadresse und kein Bankkonto. Und doch ist Kemal Atatürk allgegenwärtig in seinem Land.

Für viele ist das jetzt ein ungeheurer Trost. Die letzte Planke, an die sie sich klammern, während die Türkei nach dem gescheiterten Putsch vom 15. Juli in Richtung einer gewählten, zivilen Diktatur russischer oder zentralasiatischer Machart davonzuschwimmen scheint, angetrieben von Tayyip Erdogan, der nun mit der noch größeren Machtfülle des Ausnahmezustands regiert. Atatürk ist die Rettung. Oder so wollen zumindest jene glauben, die es nun mit der Angst zu tun bekommen.

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Das Burkini-Urteil bringt Frankreich keinen Religionsfrieden

burkiniDer Rest der Welt reibt sich verwundert die Augen. Was machen die Franzosen da bloß? Wochenlang streiten sie über Badekleidung. Die Frage, ob der Burkini am Strand zu dulden ist oder nicht, entzweit die Nation.

Von Axel Veiel | Berliner Zeitung

Selbst innerhalb der Regierung gehen die Meinungen auseinander, ob der Ganzkörperschwimmanzug für Musliminnen als Ausdruck radikal-islamischen Machtstrebens zu ächten oder aber zu hinzunehmen ist, weil er strenggläubigen Musliminnen die Teilnahme am Strandleben ermöglicht.

Gewiss, Frankreichs Oberstes Verwaltungsgericht hat am Freitag ein überfälliges Machtwort gesprochen. Die Richter haben klargestellt, dass das schlichte Tragen eines weite Teile des Körpers bedeckenden Badeanzugs die öffentliche Sicherheit und Ordnung nicht bedroht.

Valls will „tödlichen, rückschrittlichen“ Islam zurückweisen

saudi_isis

Frankreichs Regierungschef will auch nach der Schlappe vor Gericht den Kampf gegen den Burkini fortsetzen. Für ihn stelle dieser „die Zustimmung zum politischen Islam im öffentlichen Raum“ dar.
 

DIE WELT

Frankreichs Premierminister Manuel Valls will sich trotz der Aufhebung des Burkiniverbots durch das Verwaltungsgericht weiter für Kleidervorschriften an Stränden stark machen. Er stelle keineswegs individuelle Freiheiten in Frage, wenn er einen Badeanzug für Frauen ablehne, der nur Hände, Füße und Gesicht freilässt, versicherte Valls auf seiner Facebookseite. Vielmehr gehe es darum, den „tödlichen, rückschrittlichen Islam“ zurückzuweisen.

Assumons le débat sur le burkini

Le Conseil d’Etat s’est prononcé sur l’arrêté du maire de Villeneuve-Loubet interdisant les tenues qui manifestent, de manière ostensible, une appartenance religieuse. Il a jugé que la mairie n’avait pas établi le risque de trouble à l’ordre public et qu’elle avait par conséquent excédé ses pouvoirs.
Toute décision d’interdiction doit effectivement établir le risque d’atteinte à l’ordre public et être appliquée avec discernement – j’ai déjà eu l’occasion de le dire à plusieurs reprises. Mais, comme vient de le rappeler le ministre de l’Intérieur, le Conseil d’Etat « ne prive pas les maires de ce pouvoir ; il en rappelle à nouveau les conditions de son exercice, dans un cadre juridique conforme aux principes constitutionnels. »
Cependant, cette ordonnance du Conseil d’Etat n’épuise pas le débat qui s’est ouvert dans notre société sur la question du burkini. Ce débat n’est pas anodin. C’est un débat de fond, qui vient après d’autres : il y a trente ans, la question du foulard dans les écoles, puis la loi de 2004 sur le port de signes religieux, et celle de 2010 sur le voile intégral dans l’espace public.
Facebook

Valls betonte, die Burkini-Debatte habe grundlegende Bedeutung für die Trennung von Staat und Religion in Frankreich. Der Burkini sei „die Zustimmung zum politischen Islam im öffentlichen Raum“.

Etwa 30 Kommunen hatten Burkinis mit der Begründung verboten, diese gefährdeten die öffentliche Ordnung, weil sie andere Badegäste ängstigten.

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Französisches Verwaltungsgericht zieht Burkini-Farce den Stecker

burkiniDas französische Verwaltungsgericht hat die Burkini-Farce erstmal beendet. Ob das Sommertheater mit dem Richterspruch tatsächlich beendet ist, bleibt offen, aber die wichtigste Frage ist geklärt: Die Verordnungen der Orte, die diese Badebekleidung an ihren Stränden verbieten, verstoßen gegen fundamentale Freiheitsrechte.

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Die Richter des Conseil d’Etat entschieden lediglich über eine der kommunalen Verordnungen, nämlich in Villeneuve-Loubet an der französischen Riviera. Da die Entscheidung grundsätzlich ist, getroffen von der höchsten dafür zuständigen Instanz in Frankreich, gilt sie maßgeblich bei den Strandverordnungen der anderen Gemeinden.

Der strittige Beschluss ist eine schwere und nachweislich illegale Beeinträchtigung fundamentaler Freiheiten wie die freie Bewegung (i.O. la liberté d’aller et venir), die Gewissensfreiheit und die persönliche Freiheit.

Das Urteil hatte eine vorgängige Entscheidung des Verwaltungsgerichts in Nizza zum Anlass. Dieses Gericht hatte die kommunale Verordnung in Villeneuve-Loubet zum Verbot bestimmter Badebekleidung an den Stränden bestätigt. Gegen die Verordnung geklagt hatten zwei Verbände, die Liga der Menschenrechte (LDH) und das Kollektiv gegen Islamophobie in Frankreich (CCIF).

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Burkiniverbot und Grundrechte: Was ist akzeptabel? Und für wen?

Baywatch Cannes: Wer hat hier zu viel an? Foto: dpa
Frankreich diskutiert darüber, ob ein Verbot des Burkinis verhältnismäßig ist. Die Regierung beruft sich auf das Prinzip einer strikten Laizität.

Von Rudolf Balmer | taz.de

Mit dem Burkini-Verbot an mehreren französischen Stränden eskaliert eine alte Polemik. Begonnen hatte diese 1989 mit dem Verbot des Kopftuchs und aller anderen „ostentativen“ Zeichen religiöser Konfessionen in staatlichen Schulen. Im Jahr 2010 nahm sie mit dem gesetzlichen Verbot von Nikab oder Burka in der Öffentlichkeit an Schärfe zu.

Frankreich beruft sich auf eine strikte, seit 1905 geltende Trennung von Religion und Staat. Diese Laizität garantiert einerseits die Neutralität der Republik gegenüber allen Konfessionen und die Glaubensfreiheit, umgekehrt verbietet sie jede religiöse Einmischung.

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Frankreich erwartet Burkini-Urteil des Staatsrats

burkiniMindestens 26 französische Gemeinden haben Burkinis, den ganzen Körper bedeckende Badeanzüge für muslimische Frauen, an ihren Stränden verboten. Der französische Staatsrat prüft nun die Rechtmäßigkeit des Verbots.

evangelisch.de

Bei der Anhörung, die am Donnerstagnachmittag eröffnet wurde, geht es um eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts in Nizza, das am 22. August ein solches Verbot an den Stränden der südfranzösischen Gemeinde Villeneuve-Loubet für rechtmäßig erklärt hatte. Die Menschenrechtsliga und das Komitee gegen Islamophobie hatten daraufhin den Staatsrat angerufen.

Der Burkini – eine Zusammenziehung von Burka und Bikini – ist ein den ganzen Körper bedeckender Badeanzug für muslimische Frauen, der nur Gesicht, Hände und Füße sichtbar lässt. Das Baden am Strand der betroffenen Gemeinden ist im Wortlaut Personen verboten, die keine „korrekte Kleidung tragen, die den guten Sitten und dem Prinzip der Laizität entspricht und Hygiene- und Sicherheitsregeln im öffentlichen Meer respektiert“.

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Laizismus an der Schule: Die Religion aus dem Klassenzimmer verbannen

«He, Frau Lehrerin, Kevin zeigt den Hinduismus in protziger Art und Weise!» (Bild: Zep)
Genf ist ein laizistischer Kanton. Doch wie verhält sich ein neutraler Staat im Umgang mit Schülern, die während dem Ramadan nicht turnen möchten? Ein Leitfaden gibt Antworten.

Von Andrea Kucera | Neue Zürcher Zeitung

Darf eine Lehrerin mit Kopftuch zum Unterricht erscheinen? Müssen auch Hindus oder jüdische Schüler am christlichen Religionsunterricht teilnehmen? Und darf ein muslimischer Schüler während des Fastenmonats Ramadan dem Sporttag fernbleiben? Anlässlich des Beginns des Schuljahres 2016/17 gibt die Erziehungsdirektion des Kantons Genf eine Broschüre zum Thema Religion und Schule heraus. Das rund 30-seitige, mit Karikaturen des Genfer Zeichners Zep gespickte Dokument «Laizismus an der Schule» wurde am Freitag den Medien vorgestellt.

Der Staat ist neutral

Das Büchlein soll dem Genfer Lehrpersonal gemäss den Worten von Erziehungsdirektorin Anne Emery-Torracinta in einem politisch aufgeheizten Klima als Leitfaden im Umgang mit schwierigen Situationen dienen. Mit anderen Worten: Die Broschüre soll unter anderem verhindern, dass es in Genf zu einer ähnlichen Affäre wie in Therwil im Kanton Basel-Land kommt. Dort verweigerten zwei jugendliche Schüler muslimischen Glaubens ihrer Lehrerin den Händedruck, was vom zuständigen Schulleiter toleriert wurde.

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Frankreich: Widerstand gegen den Burkini wächst

Ungeliebte Bademode: Der Widerstand gegen den Burkini wächst. Foto: AFP
Immer mehr Bürgermeister französischer Badeorte verbieten das Tragen von Burkinis. Nun bekommen sie Unterstützung von Innenminister Valls.
 

Von Axel Veiel | Frankfurter Rundschau

Nicht, dass Daniel Fasquelle am Strand von Touquet schon einmal einer Muslimin im Burkini begegnet wäre. Aber der zu Nicolas Sarkozys konservativen „Republikanern“ zählende Bürgermeister des Nordsee-Badeortes will vorsorglich klarstellen, dass der Ganzkörperschwimmanzug in der Gemeinde „nicht willkommen ist“. Und so ist er dem Beispiel der Kollegen gefolgt, die an der Côte d’Azur (Cannes) oder auf Korsika (Sisco) den Burkini verboten haben und Zuwiderhandlungen mit einer Strafe von 38 Euro ahnden.

Der Beifall des Wählers ist Fasquelle gewiss. Die über das Land hereingebrochene Terrorwelle hat Spuren hinterlassen. Die Franzosen sind dünnhäutig geworden. Der Burkini steht für eine von besonders strenggläubigen Muslimen, aber eben auch von den Terrormilizen des „Islamischen Staates“ verfochtene Gesellschaftsordnung. Die Neigung, zwischen friedfertigen und gewaltbereiten Frommen zu unterscheiden, ist gering. Und so hat sich am Mittwoch auch die sozialistische Regierung auf die Seite der Bürgermeister geschlagen.

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Gericht stützt Burkini-Verbot in südfranzösischen Orten

burkiniEin Gericht in Nizza hat das im südfranzösischen Cannes verhängte Burkini-Verbot bestätigt. Wie die Stadtverwaltung von Cannes am Samstag mitteilte, wies das Verwaltungsgericht von Nizza eine Beschwerde gegen das Verbot des Ganzkörperbadeanzugs zurück.

derStandard.at

Die Entscheidung stärkte auch eine Nachbargemeinde von Cannes, Villeneuve-Loubet, wo seit Samstag ebenfalls das Tragen eines Burkini verboten ist. Drei Frauen vom Kollektiv gegen Islamophobie in Frankreich (CCIF) hatten am Freitag Beschwerde gegen das Burkini-Verbot in Cannes eingelegt. Nach Angaben der Stadtverwaltung urteilte das Verwaltungsgericht in Nizza jedoch am Samstag, dass die Maßnahme im Einklang mit dem Gesetz zur Laizität stehe.

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Cannes verbietet Burkinis am Strand

© dpa Weist auf „Zugehörigkeit zu terroristischen Bewegungen“ hin?
In dem Badeort darf die muslimische Badebekleidung nicht mehr getragen werden. Burkinis wiesen „auf eine Zugehörigkeit zu terroristischen Bewegungen hin“, sagte ein Vertreter der Stadt.

Frankfurter Allgemeine

Cannes hat das Tragen des Burkini am Strand unter Verweis auf die jüngsten islamistischen Terroranschläge verboten. „Es geht nicht darum, das Tragen religiöser Symbole am Strand zu verbieten, sondern ostentative Kleidung, die auf eine Zugehörigkeit zu terroristischen Bewegungen hinweist, die gegen uns Krieg führen“, sagte der Generaldirektor der städtischen Dienste, Thierry Migoule, am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP zu dem Verbot des Ganzkörperbadeanzugs.

Der Burkini bedeckt den ganzen Körper und wird von muslimischen Frauen getragen, die beim Baden einer strengen Auslegung des Islam entsprechen wollen. Das Verbot wurde bereits Ende Juli per Dekret von Cannes konservativem Bürgermeister David Lisnard erlassen. In dem Dekret heißt es, der Zutritt zum Strand und das Baden sei Menschen verboten, die „keine korrekte Kleidung tragen, die die guten Sitten und die Laizität respektiert sowie die Hygiene- und Sicherheitsregeln achtet“.

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„Burkini-Tag“ in französischem Freibad abgesagt

burkiniNach einer Welle der Empörung ist ein „Burkini-Tag“ in einem Freibad in Südfrankreich abgesagt worden. Die Gemeinde Pennes-Mirabeau in der Nähe von Marseille und das Schwimmbad erklärten, man habe die Anfrage eines Vereins muslimischer Frauen abgelehnt.

religion.ORF.at

Der Verein wollte das Erlebnisbad für einen Tag mieten und hatte alle Mitglieder aufgerufen, sich zum Baden von der Brust bis zu den Knien zu verhüllen.

Die Gemeinde und das Bad erklärten, sie duldeten keine „Störung der öffentlichen Ordnung“. Beide Seiten distanzierten sich aber auch von „extremen ideologischen Positionen“ in der Debatte. Besonders der rechtspopulistische Front National und die Partei Die Republikaner von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy hatten sich über den geplanten Badetag im Burkini – einem Ganzkörper-Badeanzug mit Kopfbedeckung – empört.

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Der Religionskrieg als Falle des „Islamischen Staats“

Marianne-Büste mit phrygischer Mütze in einer französischen Schule. Bild: PD
Marianne-Büste mit phrygischer Mütze in einer französischen Schule. Bild: PD

Dem IS gelingt es, westliche Politik und Christentum im Nahen Osten in einen Topf zu werfen. Beim IS-Terror in Europa spielte das bisher keine große Rolle. Das droht sich zu ändern

Von Gudrun Harrer | derStandard.at

Da jedes dieser terroristischen Verbrechen, die Europa durch den Sommer 2016 begleiten, eine schreckliche inspirierende Wirkung auf andere potenzielle Mörder zu haben scheint, ist zu befürchten, dass der Tatort Kirche nicht zum letzten Mal vorgekommen ist. Bisher haben ja spezifisch christliche Ziele bei im Geiste des „Islamischen Staats“ verübten Attentaten im Westen keine besondere Rolle gespielt (anders als jüdische), auch wenn von einer theoretischen Bedrohungslage ausgegangen wurde.

Die gesamte Gesellschaft eines getroffenen Landes – Frankreich, Deutschland – steht im Visier, und sie ist nicht christlich, sondern säkular geprägt. Es ging stets um etwas anderes als um die historische christliche Identität Europas. Dementsprechend wurde in klugen französischen Reaktionen betont, in der Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray sei „Frankreich“ attackiert worden.

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In Frankreich ist Religion Privatsache

laicite

Seit über 110 Jahren sind Kirche und Staat in Frankreich strikt getrennt. Religion ist Privatsache. Das hatte auch konkrete Auswirkungen auf die EM.

Münchner Kirchennachrichten

Im Halbfinale heißt der Gegner von Jogis Jungs: Frankreich. Wir spielen also gegen den Gastgeber. Im Vergleich zu der EM 2006 in Deutschland läuft in Frankreich vieles anders. So wurden zum Beispiel in Deutschland Spielern und Fans spezielle Seelsorger zur Verfügung gestellt. Nicht so in Frankreich, denn dort sind Staat und Kirche strikt getrennt. Dieses Konzept wird Laizismus genannt. Kurz gesagt: Religion ist Frankreich Privatsache. Im öffentlichen Leben soll Religion keine Rolle spielen. Das bedeutet, dass es keinen Religionsunterricht an staatlichen Schulen gibt und Mitarbeiter von Behörden keine sichtbaren religiösen Zeichen wie Kopftuch, Kippa oder Kreuz tragen dürfen.

Theresia Lipp ist Theologiestudentin in München und hat 2015/2016 ein Auslandssemester in Paris absolviert. Geprägt durch die Trennung von Kirche und Staat hat sie die Kirche in Frankreich ganz anders wahrgenommen als in Deutschland. Denn durch ein anderes Kirchensteuersystem unterstützen die Mitglieder ihre konkrete Pfarrei. Durch das Gefühl „Ich finanziere meinen Pfarrer“ entstehe eine ganz andere Verbundenheit, so Lipp gegenüber den Münchner Kirchennachrichten. Durch diese bewusste Entscheidung, Mitglied der Kirche zu werden, habe sie den Eindruck gehabt, dass sich die Franzosen viel mehr in der Gemeinde engagieren würden. Das müssten sie auch, denn Pastoralreferenten oder Gemeindereferenten gebe es dort nicht. Insgesamt hat Theresia Lipp die Kirche in Paris daher als „jung und lebendig“ wahrgenommen.

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