Archiv der Kategorie: Laizismus

Frankreich: Zwischen Dschihad und Front National

Tatort Friedhof: geschändete Gräber vergangene Woche im elsässischen Sarre-Union ©dpa

Der islamistische und der rechtsextreme Hass verunsichern die jüdische Gemeinschaft


Von Nina Schönmeier|Jüdische Allgemeine

Sie schrien »Heil Hitler« und spuckten auf jüdische Symbole. Vier Wochen nach dem Terroranschlag auf einen koscheren Supermarkt in Paris verwüsteten fünf Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren 250 Gräber auf dem jüdischen Friedhof in der elsässischen Ortschaft Sarre-Union. Die Tat war kein dummer Jungenstreich, und die Jugendlichen wählten den Friedhof nicht zufällig aus. Dies bestätigt der ermittelnde Staatsanwalt Philippe Vanier: »Auch wenn die Betroffenen die antisemitische Motivation ihrer Tat zunächst bestritten, tritt sie klar zutage.«

Niemand randaliere »zufällig« auf einem jüdischen Friedhof – »und schon gar nicht, wenn man die Gegend kennt, weil man in der Nähe wohnt«, sagt Pierre Levy, der Regionalvorsitzende des Rates jüdischer Einrichtungen in Frankreich (CRIF). Jacques Wolff, einer der wenigen Juden in Sarre-Union, ist entsetzt von der Tat: »Vandalismus hat es hier schon mehrmals gegeben, aber es ist das erste Mal, dass so viele Gräber umgestürzt und zerstört wurden.« Er merkt an, dass die Täter auch einen Gedenkstein für die Opfer der Schoa zerstört haben. »Ich bin sehr betroffen, mein Vater kam in Auschwitz ums Leben.«

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“Charlie Hebdo” : Neue Ausgabe erscheint in Auflage von zweieinhalb Millionen

Bild. Charlie Hebdo

Bild. Charlie Hebdo

Durchatmen, ausruhen – weiter spotten: Nach einer mehrwöchigen Pause erscheint die neue Ausgabe von “Charlie Hebdo”. Auf ihrem Titel verhöhnen die Satiriker Dschihadisten, den Papst und die Rechtsextreme Marine Le Pen.


SpON

“Es geht wieder los!”, steht auf der Titelseite der neuen “Charlie Hebdo”, die am Mittwoch an die Kioske kommt. Sieben Wochen nach den islamistischen Anschlägen in Paris erscheint diese Ausgabe der französischen Satirezeitung mit einer Auflage von 2,5 Millionen Exemplaren.

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Frankreich: Katholen-Kreuzzug gegen Seitensprung-Plattform Gledeen

Screenshot BB

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Katholiken rufen zum Kreuzzug gegen den digital organisierten Ehebruch. In Frankreich klagen sie gegen die Seitensprung-Plattform Gleeden. Deren Werbung in der Pariser Metró verstoße gegen das Gesetz.


Von Stefan Simons|SpON

“Ein Liebhaber kostet die Sozialversicherung nichts – anders als ein Antidepressivum…”: Mit derart eindeutigen Slogans offeriert die Seitensprungplattform Gleeden.com in Frankreich ihre Dienstleistungen – die diskrete Vermittlung von außerehelichen Abenteuern. “Die erste außereheliche Vermittlungsseite, von Frauen entworfen”, so das Werbemotto auf der deutschen Version der Gledeen-Webseite.

Nun sorgt die bonbonbunte Werbung für die Agentur, plakatiert in der Pariser Metro und an Bushaltestellen im Großraum der Hauptstadt, selbst im wenig prüden Frankreich für Aufregung. Schon vor vier Jahren gab es einmal Proteste, nun machen U-Bahnkunden, Bürgermeister und Abgeordnete gegen ihrer Meinung nach unanständige Plakate mobil: Etwa den angebissenen Apfel, der an Eva im Paradies erinnert, versehen mit dem Kommentar: “Wer treu bleibt, täuscht sich manchmal am meisten.”

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Frankreich: Hunderte Gräber auf jüdischem Friedhof geschändet

Screenshot/Twitter

Screenshot/Twitter

Auf einem jüdischen Friedhof im Osten Frankreichs sind mehrere hundert Gräber geschändet worden. Das teilte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve am Sonntagabend mit. Demnach ereignete sich der Vorfall in Sarre-Union im Verwaltungsgebiet Bas-Rhin.


FOCUS ONLINE

Auf einem jüdischen Friedhof im Osten Frankreichs sind mehrere hundert Gräber geschändet worden. Das teilte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve am Sonntagabend mit. Demnach ereignete sich der Vorfall in der Ortschaft Sarre-Union im Verwaltungsgebiet Bas-Rhin. Cazeneuve verurteilte “diese abscheuliche Tat” “aufs Schärfste”. “Die Republik wird diese neue Verletzung der von den Franzosen geteilten Werte nicht tolerieren”, erklärte der Innenminister. Genauere Angaben zu der Tat machte er nicht.

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Frankreich: Marienstatue muß weg

HPScreenshot. BB

HPScreenshot. BB

2011 wurde in einem Park der französischen Gemeinde Publier eine Marienstatue errichtet, die Unserer Lieben Frau von Léman (nach dem Genfer See) gewidmet ist. Hoch droben vom Hang blickt die Marienstatue seither auf den Genfer See hinunter.


Katholisches Magazin für Kirche und Kultur

Nun befand das Verwaltungsgericht von Grenoble, daß die Marienstatue „die Laizität verletzt“. Sie stehe auf öffentlichem Grund, in Frankreich aber herrsche seit 1905 strikte „Trennung von Staat und katholischer Kirche“. Und weil das so sei, habe die Statue „entfernt“ zu werden. Laut Verwaltungsgericht hätte die Gemeindeverwaltung nie eine Bewilligung für die Errichtung der Marienstatue ausstellen dürfen.

Frankreichs Don Camillo und Peppone ließen Marienstatue errichten

Publier ist eine Gemeinde mit 6.500 Einwohnern. Der Ort liegt am Südufer rund 120 Meter über dem Genfer See inmitten eines Weinbaugebiets. Durch die schöne Lage, das sonnig-milde Klima und geeignete Infrastrukturen ist Publier in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen. 1962 zählte die Gemeinde erst 1.871 Einwohner.

Erstaunlicherweise ist Bürgermeister Gaston Lacroix ein parteiloser Linker, die in Frankreich als Divers Gauche bezeichnet werden. Er leitet bereits seit 2002 die Geschicke der Gemeinde. Das Bürgermeisteramt konnte er bei den Kommunalwahlen 2014 verteidigen. Im Gemeinderat verfügt er über eine üppige Mehrheit von 22 Sitzen, denen lediglich fünf Vertreter der oppositionellen UMP und zwei unabhängige Rechte gegenüberstehen. Die laufende Amtsperiode endet 2020.

Der Bürgermeister mit dem frommen Namen Lacroix (das Kreuz) bezeichnet sich selbst als „Freidenker“ und Sozialist und ist Mitglied der Association de la Libre Pensée de Haute-Savoie, wie Lorenz Jäger in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung berichtete.

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Valls will strenger gegen Muslimbrüder und Salafisten in Frankreich vorgehen

Manuel Valls (2012), Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Ende Januar, knapp zwei Wochen nach dem Charlie-Hebdo-Attentat, stellte Premierminister Valls seinem Land eine kantige Diagnose aus: In Frankreich gebe es eine “territoriale, soziale und ethnische Apartheit”. Die Übel der Gesellschaft müssten bekämpft werden, kündigte er an, ähnlich vage, wie man das von Wahlkampfauftritten kennt. Es geht um die Ansage, weniger um konkrete Maßnahmen. Gestern kam er noch einmal auf seine “Apartheits”-Diagnose zurück.


Von Thomas Pany|TELEPOLIS

Vor Schülern erklärte er, dass er mit dem Ausdruck Apartheit nicht etwa Frankreich mit dem vergleichen wollte, was in Südafrika passiert ist, sondern wiedergeben wollte, was die Bewohner der problematischen Viertel fühlen. Man müsse alles unternehmen, um diese Ghettos aufzubrechen, “sonst wird alles in die Luft gehen”, warnte Valls dringend und deutete, noch immer in einer ausholenden, generellen Beschreibungsgeste, aber ein bisschen konkreter, an, wo er einen Ansatzpunkt sieht:

Es geht darum, gegen Prozesse zu kämpfen, die immer die gleichen Personen mit der gleichen Herkunft in die gleichen Viertel schickt, damit sie sich vollkommen isoliert fühlen.

Sein Versprechen, so Valls, sei nun, erbarmungslos gegen alle Diskriminierungen, die im Grunde rassistisch sind, vorzugehen. Das zeigt eine hehre Absicht, ähnlich wie beim Schulreformprogrammpunkt, der vorsieht, bei der Zusammensetzung der Klassen auf einen größeren sozialen Mix zu achten: Der republikanische Geist soll erneuert werden, so steht das auf dem politischen Programmzettel.

Wie das praktisch umgesetzt werden soll, darüber sind leider noch keine Vorschläge laut geworden. Kinder der städtischen Mittelschichtviertel – die in Frankreich wie in den USA eine Tendenz zur homogen Zusammensetzung haben (Der Aufstieg der kreativen Klasse verändert die Städte) – einer anderen als der Sprengelschule zuweisen? Kinder aus den Banlieues, wo es notorisch schlechte Verkehrverbindungen gibt, in die “besseren Viertel” zur Schule schicken? Bezahlbare Mietwohnungen in den bürgerlichen Viertel bauen? Man wäre in anderen europäischen Ländern neugierig, was sich die Sozialdemokraten im Labor Frankreich einfallen lassen.

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Unter Blasphemie-Verdacht: Der Mann am Kreuz will uns etwas sagen

Kriegsopfer oder Kriegstreiber? George Grosz zeichnete seinen Christus mit Gasmaske gleich mehrfach, bevor ihm 1928 der Prozess gemacht wurde

Kriegsopfer oder Kriegstreiber? George Grosz zeichnete seinen Christus mit Gasmaske gleich mehrfach, bevor ihm 1928 der Prozess gemacht wurde

Der Maler George Grosz hat in den zwanziger Jahren einen Jesus gezeichnet, an den sich ähnliche Fragen heften wie an die Mohammed-Karikaturen von „Charlie Hebdo“. Der Fall landete vor Gericht.


Von Ursula Scheer|Frankfurter Allgemeine

Als „Charlie Hebdo“ in seiner ersten Ausgabe nach dem Attentat titelte: „Tout est pardonné“, begann das Rätselraten der Kommentatoren. „Alles ist vergeben“ – wer sagt das eigentlich? Der weinende Prophet Mohammed, der unter diesen Worten zu sehen ist? In den Händen hält er ein Schild mit dem Slogan „Je suis Charlie“, den sich seit dem Tag, an dem Islamisten zwölf Mitarbeiter des Satireblatts töteten, zahllose Sympathisanten zu eigen gemacht haben. Oder sollte das bedeuten, Mohammed habe den Karikaturisten verziehen? Verzeihen die überlebenden Karikaturisten den Attentätern? Oder verzeihen sie Mohammed, nach dem Motto: Er kann ja nichts dafür, dass Mörder ihre Taten mit seiner Lehre legitimieren? Was war das also, eine Geste der Versöhnung oder abermals ein Affront gegen Muslime, also Blasphemie?

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Ian McEwan: Nur säkularer Staat kann Religionsfreiheit garantieren

Ian McEwan (2011) Foto: Thesupermat Lizenz: CC BY-SA 3.0

Der britische Autor Ian McEwan ist der Ansicht, dass nur ein säkularer Staat die Religionsfreiheit garantieren kann. In der heutigen Gesellschaft müsse man mit der Tatsache umgehen, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und mit verschiedenen Glaubensrichtungen auf sehr engem Raum zusammenlebten, sagte McEwan auf einer “Zeit”-Veranstaltung.


Extrem News

“Wer kann in dieser Situation für Frieden sorgen? Nicht die Religion”, so der Schriftsteller weiter. “Nur der säkulare Staat kann garantieren, dass alle Religionen frei gelebt werden können.”

Zugleich wies McEwan auf die Problematik hin, dass die Meinungsfreiheit in säkularen Staaten in Konflikt mit Religionen geraten und zu furchtbaren Problemen führen könne – so wie es vor einigen Wochen in Paris geschehen sei.

Der Schriftsteller äußerte sich auch zur Diskussion über die Veröffentlichung der aktuellen Titelseite der französischen Satire-Zeitschrift “Charlie Hebdo” in europäischen Zeitungen: “Wer sich entscheidet, das Cover nicht zu zeigen, der sollte auch den Mut haben einzugestehen, dass er sich bedroht fühlt.” Es sei die schlimmste Form der Zensur, wenn die Gründe dafür, etwas nicht zu veröffentlichen, totgeschwiegen würden, so McEwan. Er forderte eine offene und ehrliche Debatte: “Wir müssen die Diskussion darüber, was freie Meinungsäußerung bedeutet, immer wieder führen.”

Geisterstunde beim ORF: ORF darf am Karfreitag schweigen

democraticunderground.com

democraticunderground.com

Der Österreichische Rundfunk (ORF) darf am Karfreitag eine Schweigeminute halten. Gegner hatten geklagt, der Sender bevorzuge das Christentum. Dies wurde nun in höchster Instanz abgewiesen.


pro Medienmagazin

Eine Minute Funkstille leistet sich der ORF am Karfreitag – schon seit den 1970er Jahren. Auch auf mehreren ORF-Radiokanälen gibt es an dem Feiertag einige Schweigesekunden. Die laizistische Initiative „Religion ist Privatsache“ hatte sich 2012 deswegen bei der Medienbehörde KommAustria und dem Bundeskommunikationssenat beschwert: Die öffentlich-rechtliche Einrichtung gebe damit pro-religiöse Zeichen von sich, die dem Gebot der Trennung von Kirche und Staat widersprächen. Nachdem beide Behörden die Schwiegeminute für rechtens erklärt hatten, bestätigte dies nun in höchster Instanz der Verfassungsgerichtshof.

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LUX: Staat und Kirchen unterzeichnen Grundlagenvertrag

laiciteVertreter von sechs Religionsgemeinschaften haben am Montag in Luxemburg Verträge mit der Regierung des Landes unterzeichnet. Diese schreiben eine schrittweise Trennung von Staat und Kirchen für die nächsten 20 Jahre fest.


religion ORF.at

Als Repräsentant der mit Abstand größten Kirche des Landes unterschrieb der katholische Erzbischof Jean-Claude Hollerich ein 23 Punkte umfassendes Vertragswerk. Die Abkommen regeln unter anderem die Bezahlung der Priester und pastoralen Mitarbeiter sowie den Übergang vom bisherigen konfessionellen Religionsunterricht zu einem allgemeinen Werteunterricht an staatlichen Schulen.

Schritt auf dem Weg zur Trennung von Staat und Kirche

Diese sogenannten Konventionen mit den Religionsgemeinschaften sind ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Trennung von Staat und Kirche. Weitere Elemente wie ein allgemeines Religionsgesetz und neue Verfassungsartikel zur Regelung dieses Bereichs sind geplant.

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Mohammed-Karikaturen im Unterricht – Lehrer wird suspendiert

Im Elsass fühlten sich Schüler muslimischen Glaubens von Mohammed-Karikaturen wie dieser provoziert. Ein Lehrer wollte die Zeichnungen zu einer Diskussion über die Pressefreiheit nutzen. Foto: dpa

Muslimische Schüler fühlen sich provoziert: Ein elsässischer Lehrer will mit seiner Klasse über Mohammed-Karikaturen und die Pressefreiheit diskutieren – und wird suspendiert.


Badische Zeitung

Einen Tag nach Angriff auf die Redaktion des Pariser Satiremagazins Charlie Hebdo zeigte ein Kunstlehrer in seiner Collège-Klasse mit 13- bis 14-jährigen Schülerinnen und Schülern Mohammed-Karikaturen, die von Charlie Hebdo veröffentlicht worden waren. Er wollte den religiösen Tabubruch gegen die Werte der Republik – Meinungs- und Pressefreiheit – diskutieren. Tatsächlich löste er das genaue Gegenteil aus.

Die einen besingen mit multikulturellem Pathos die Gedankenfreiheit. Andere suchen das Gespräch mit muslimischen Jugendlichen, um der Unsicherheit und Panik am Tag nach dem Terror zu begegnen – und scheitern. So hat die Auseinandersetzung mit dem Anschlag von Paris vor zwei Wochen für einen Lehrer aus Mulhouse unerwartete Konsequenzen gehabt. Statt Verständigung und verbalem Austausch – was sein Ziel gewesen war – provozierte er.

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Paris nimmt Religion auf den Lehrplan

laicite

Bislang stand Religionsunterricht nicht auf den Stundenplänen französischer Schüler. Das wird sich nun ändern, ließ Erziehungsministerin Najat Vallaud-Belkacem verlauten. In dem Fach soll es um das friedliche Miteinander der Gläubigen gehen.


Von Axel Veiel|Kölner Stadtanzeiger

Die Schockwellen der Pariser Terroranschläge haben Frankreichs Schulen erreicht. In dem strikt weltlich ausgerichteten Land kommen die Weltreligionen auf den Lehrplan. Wie Erziehungsministerin Najat Vallaud-Belkacem in Paris sagte, wird vom nächsten Schuljahr an das Fach „Staatsbürgerkunde“ eingeführt. Dabei soll es von der ersten Klasse an um Frankreichs weltliches Staatsverständnis und das gleichberechtigte Nebeneinander der zur Privatsphäre gehörenden Religionen gehen.

Staatschef François Hollande wies die Richtung: „Dass die Religionen an der weltlich ausgerichteten Schule keinen Platz haben, heißt nicht, dass die Schüler keinen weltlich ausgerichteten Unterricht über religiöse Fakten haben sollen“, hatte Hollande klargestellt. „Es heißt auch nicht, dass man die Religionen und irgendwelche religiösen Konflikte dem Vergessen überantwortet.“ „Meine Weltlichkeit wird bröckeln“, schrieb daraufhin die linksliberale Zeitung „Libération“ als Schlagzeile auf ihre Titelseite.

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Was ist aus der antiklerikalen Tradition der Linken geworden?

Nous sommes Charlie, picture alliance

Nach dem Attentat auf die linke Satirezeitung Charlie Hebdo tun sich Linke in ganz Europa schwer, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die Linke muss ihre Einstellung zum politischen Islam ändern und zu ihren säkularen Wurzeln zurückkehren.


Von Timo Stein|Cicero

Irgendwo hatte ich gelesen, dass Religion wie ein Penis sei: Du hast ihn, darfst ihn anfassen und ja, du darfst auch stolz auf ihn sein. Aber bitte hol’ ihn nicht ständig in der Öffentlichkeit raus. Mindestens genauso schlimm aber wie der Wettlauf um die richtige und einzige Wahrheit ist die Haltung vieler Linker und Mittelinkssozialisierter, die bei der Beurteilung des Weltgeschehens eine entscheidende Variabel schlichtweg aus ihrer Gleichung streichen: nämlich die Wurst.

Islamistisch motivierten Attentaten werden dann gängige Ursachen wie Armut und fehlende Bildung zugrunde gelegt, die Morde werden als Reaktion Unterdrückter auf einen unterdrückenden Westen marginalisiert. Das eigentliche Gift des Islamismus, die dahinterstehende Ideologie, der totale Herrschaftsanspruch und Antisemitismus, das reaktionäre Frauenbild werden ausgeblendet und verharmlost.

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Pariser Terroranschläge: Angst vor weiteren “Bataillons”

Amédy Coulibaly im Video

Welche Rolle der IS oder al-Qaida bei den Attentaten spielt, ist vage. Allerdings gibt es nicht nur Verbindungen zwischen den drei Attentätern, sondern zu einem ganzen Netzwerk von Dschihadisten – und einige alte, aber lebendige Gespenster


von Thomas Pany|TELEPOLIS

Amédy Coulibaly, der dritte Attentäter der Terror-Mordanschläge vom vergangenen Mittwoch, beruft sich in einem Video, auf den “Islamischen Staat”. Dem US-Magazin “The Intercept” wurde ein Statement von al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (Aqap) zugespielt, wonach sich die Qaida-Filiale damit brüstet, die “Operation in Paris” geleitet zu haben. Bereits am Freitag kursierte ein Video, indem ein Aqab-Führungsmitglied den Anschlag verherrlicht und zu weiteren auffordert.

Das Coulibaly-Video wurde mittlerweile von youtube und dailymotion entfernt, auf Betreiben des französischen Staatsanwaltes, wie es heißt. Dass sich der Mann, der am Donnerstagmorgen in Paris nach den Ermittlungen eine Polizisten erschoss, auf den Islamischen Staat beruft, wurde auch schon bei einem Telefongespräch kenntlich.

Das hatte Coulibaly, wie auch Chérif Kouachi, der für das Charlie-Hebdo-Massaker verantwortlich gemacht wird, mit dem französischen Fernsehsender Bfmtv geführt (Auszüge in französischer Sprache hier). In diesem Gespräch teilte Chérif Kouachi der Öffentlichkeit mit, dass er im Auftrag der Aqab operiere. Dieses Bekenntnis des Gewalttäters hatten zuvor schon Zeugen, die ihn nach dem Attentat begegnet sind, zu Protokoll gegeben.

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French PM: France without Jews would be a failure

French Prime Minister Manuel Valls a demonstration on January 10, 2015 called by the Jewish Student’s Union of France at the Porte de Vincennes in eastern Paris in homage to the four victims of the January 9 attack on a kosher supermarket. (photo credit: AFP/ KENZO TRIBOUILLARD)

In interview before spate of terror attacks, Manuel Valls said if 100,000 Jews leave, country will cease to be itself


By Times of Israel staff

A France bereft of 100,000 Jews would be deemed a failure, the country’s prime minister said last week, before a terror attack on a kosher market left four Jewish men dead and spurred renewed calls for immigration to Israel.

Manuel Valls told The Atlantic’s Jeffrey Goldberg that “France would no longer be France,” if Jews fled the country en masse, in an interview published early Sunday.

“100,000 French people of Spanish origin were to leave, I would never say that France is not France anymore. But if 100,000 Jews leave, France will no longer be France. The French Republic will be judged a failure,” he said.

Valls echoed the statement on Saturday outside Paris’s HyperCacher market, calling for a millions-strong march against terror a day after an Islamist gunman killed four men and held several more people hostage before being killed by police.

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Michel Houellebecq:”Eine islamische Partei ist eigentlich zwingend”

Houellebecq im Juni 2008, Bild: wikimedia.org/gdfl

Michel Houellebecqs Roman “Die Unterwerfung” ist schon vor Erscheinen ein Skandal: Ein radikaler Muslim wird darin Frankreichs Präsident. Ein Gespräch über Thriller und die Rückkehr des Religiösen.


Von Silvain Bourmeau|DIE WELT

Michel Houellebecq gilt als radikaler Sonderling. Mit Silvain Bourmeau ist er schon seit Jahren befreundet. Als erster Journalist durfte der Franzose nun mit dem Autor über seinen neuen Roman “Die Unterwerfung” sprechen. Houellebecq malt sich darin das Frankreich des Jahres 2022 aus – regiert von einem muslimischen Präsidenten. Noch bevor das Buch in dieser Woche in Frankreich in die Buchläden kommt (in Deutschland erscheint es am 16. Januar bei DuMont), hat es eine gesellschaftliche Debatte ausgelöst.

Die Welt: Michel, warum hast du das gemacht?

Michel Houellebecq: Aus mehreren Gründen. Ich mag das Wort nicht, aber ich glaube, das ist mein Beruf. Nach meiner Rückkehr aus Irland nach Frankreich habe ich große Veränderungen bemerkt, Veränderungen, die nicht speziell französisch sind, sondern den Westen im Allgemeinen betreffen. Wenn man wie ich im Exil lebt, interessiert man sich nicht für allzu viel, weder für die Gesellschaft, aus der man stammt, noch für die, in der man lebt, außerdem ist Irland ein spezieller Fall. Der zweite Grund ist, dass mein Atheismus die Reihe von Todesfällen nicht gut verkraftet hat, die ich erlebt habe. Das war für mich wirklich kaum auszuhalten.

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Bürgermeister verweigert Roma-Baby Beerdigung

Marianne-Büste mit phrygischer Mütze in einer französischen Schule. Bild: PD

Marianne-Büste mit phrygischer Mütze in einer französischen Schule. Bild: PD

  • Rechtsgerichteter Bürgermeister in Frankreich verweigert Roma-Baby Beerding.
  • Als Grund gibt er Platzmangel und Bevorzugung derjenigen Antragsteller an, die “ihre Steuern zahlen”.
  • Dem Bürgermeister wird “Rassismus und Stimatisierung” vorgeworfen.

Süddeutsche.de

Bürgermeister verweigert Beisetzung von Roma-Baby

Seit mehr als einem Jahr leben die Eltern von Maria Francesca in Champlan, die Roma-Familie wohnt in dem Pariser Vorort in einer Barackensiedlung. In der Nacht zum Zweiten Weihnachtsfeiertag starb Maria Francesca, sie wurde nur zwei Monate alt. Das Mädchen erlag dem plötzlichen Kindstod, wie das behandelnde Krankenhaus mitteilte. Die Eltern wünschten sich, dass ihr Kind auf dem Friedhof von Champlan begraben wird. Die Familie sei “christlich, sehr fromm und wollte sich dort jederzeit versammeln können”, wie der Bestatter der Zeitung Le Parisien sagte. Also stellten die Eltern den Antrag an den Bürgermeister – eigentlich eine Formsache in Frankreich. Doch der Bürgermeister lehnte ab.

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Frankreich: Wenn Weihnachtskrippen Unfrieden stiften

Symbolbild. Verschleppung des Jesuskindes aus der Krippe auf der Brüsseler Grand Place Bild: katholisches.info

Symbolbild. Verschleppung des Jesuskindes aus der Krippe auf der Brüsseler Grand Place
Bild: katholisches.info

Beim Generalrat des westfranzösischen Département Vendée hat man sich bestimmt nichts Böses gedacht, als zu Beginn der Adventszeit im Sitz der Behörde eine Weihnachtskrippe aufgestellt wurde. Der Freidenkerverein der Vendée sah darin aber mehr als eine hübsche Dekoration und bestand auf der sofortigen Entfernung der Krippe.


Von Rudolf Balmer|Neue Zürcher Zeitung

Für diese Verfechter einer strikten Trennung von Kirche und Staat ist die Darstellung von Christi Geburt ein religiöses Symbol, das in staatlichen Räumen ebenso wenig seinen Platz habe wie das seit hundert Jahren aus den Schulzimmern verbannte Kruzifix.

Das Verwaltungsgericht von Nantes hat den Klägern, die es mit dem Säkularismus der Republik so genau nehmen, recht gegeben. Aber der Generalrat der Vendée hat Berufung eingelegt. Damit geht der «Krippenkrieg», wie die Pariser Presse den Streit nennt, in die zweite Runde.

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Warum Frankreich Jesus, Maria und Josef vertreibt

laicite

Frankreich soll strikt weltlich bleiben: Ein Gericht verbannt eine Weihnachtskrippe aus einem Regionalparlament.


Von Axel Veiel|Berliner Zeitung

Während sich Frankreichs Mieter im Winter eines umfassenden Kündigungsschutzes erfreuen, müssen Ochs, Esel, Josef, Maria und Josef ausziehen. Das Foyer des Parlamentspalastes im Departement Vendée haben sie zu räumen. Das Verwaltungsgericht von Nantes hat es so angeordnet. Eine Weihnachtskrippe habe im öffentlichen Raum nichts zu suchen, finden die Richter. Sie verweisen auf Frankreichs strikt weltliches Staatsverständnis und das Gesetz zur Trennung von Staat und Kirche aus dem Jahr 1905.

Im Lande hält sich die Zustimmung in Grenzen. Schwachsinn, Verrat an der christlich- abendländischen Tradition, sind noch die mildesten Formen der Urteilskritik. Dabei ist gegen den Richterspruch, hält man sich an den Wortlaut der Vorschrift, wenig einzuwenden. Gesetzlich verboten ist in Frankreich demnach „jedes religiöse Zeichen oder Symbol in öffentlichen Räumen mit Ausnahme von Kirchen, Friedhöfen oder Museen“. Auch macht die Regelung nicht zum ersten Mal von sich reden. Man denke nur an die Verbannung des muslimischen Kopftuchs aus den Schulen, die 2004 monatelange hitzige Debatten auslöste.

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Antisemitischer Überfall schockiert Paris

Symbolbild / Bild: (c) EPA (Pavel Wolberg)

Die Aggression gegen Juden in Frankreich haben um 91 Prozent zugenommen. Die Verbrechen sind von außerordentlicher Gewalt geprägt.


Die Presse.com

Da sie Juden sind, müssen sie Geld haben. Dieser „primitive und idiotische Antisemitismus“ war laut der Pariser Kriminalpolizei ein ausreichendes Motiv für drei junge Männer, um im Pariser Vorort Créteil zwei brutale Überfälle zu verüben. In beiden Fällen waren laut der Staatsanwaltschaft ihre rassistischen Vorurteile ausschlaggebend. Die mutmaßlichen Täter, die gefasst wurden, sind zwischen 18 und 20 Jahre alt und bei der Polizei aktenkundig.

Mitte November hatten die Männer einen 70-jährigen Pensionisten in seiner Wohnung überfallen, geschlagen und beraubt. Anfang dieser Woche drangen sie dann in die Wohnung einer jüdischen Familie ein, bedrohten einen der Söhne mit einer Waffe, vergewaltigten dessen Freundin und durchsuchten die Wohnung mehr als eine Stunde lang. Gegen die drei Tatverdächtigen ist ein Anklageverfahren wegen bewaffneten Raubs mit Gewalt aus rassistischen Motiven, bandenmäßiger Freiheitsberaubung und Vergewaltigung eingeleitet worden.

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