Archiv der Kategorie: Laizismus

Frankreich will Religionsstätten besser schützen

laiciteNach dem vereitelten Terroranschlag auf Kirchen will Frankreich religiöse Stätten im Land besser schützen. Regierungschef Manuel Valls will weiter entschlossen gegen jede Art der Bedrohung vorgehen. Ziel des mutmaßlichen Islamisten seien Christen gewesen, sagte der Premierminister nach einem Besuch einer Kirche in Villejuif südlich von Paris.


derStandard.at

Frankreich werde weiter alle Maßnahmen ergreifen, um wichtige Orte wie Kirchen, Synagogen oder Moscheen zu schützen, sagte Valls. Gleichzeitig betonte er, die historischen Stätten Frankreichs müssten weiter für die Öffentlichkeit und Besucher zugänglich bleiben.

Anschlag vereitelt

Zuvor war bekanntgeworden, dass die französische Polizei mit der Festnahme eines 24-Jährigen einen Terrorangriff vermutlich auf eine Kirche vereitelt hat. Die Staatsanwaltschaft sucht nach möglichen Komplizen. Der Mann habe sich mit einer weiteren Person über Anschlagspläne ausgetauscht, sagte der für Terrorismus zuständige Staatsanwalt Francois Molins. Der Gesprächspartner könnte sich in Syrien befinden. Er habe den Studenten aufgefordert, eine Kirche ins Visier zu nehmen.

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Pressefreiheit: Spott über Gott?

Scheren im Kopf? Journalisten und Experten aus verschiedenen Ländern und Kulturen diskutierten über Gefährdungen der Pressefreiheit in Zeiten des Terrors Foto: pro/Schramm

Meinungsfreiheit ist ein universelles Menschenrecht. Aber wo liegen ihre Grenzen? Sollte man wirklich alles sagen, was juristisch erlaubt ist? Darüber haben am Dienstag Journalisten und Experten aus verschiedenen Ländern und Kulturen in Berlin diskutiert.


pro Medienmagazin

Millionen Menschen gingen Anfang Januar in Europa aus Solidarität mit den Opfern des Terroranschlags auf die Redaktion des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris auf die Straßen. Das blutige Massaker galt vielen als Angriff auf die universellen Rechte der Presse- und Meinungsfreiheit. Zeitgleich demonstrierten in anderen Teilen der Welt viele Menschen gegen eine vermeintlich nicht hinnehmbare Verunglimpfung ihres Glaubens durch Karikaturen wie die von Charlie Hebdo.

Nach dem Pariser Terroranschlag stellt sich die Frage, ob man alles sagen und schreiben sollte, was juristisch erlaubt ist. Wo liegen die Grenzen der Meinungsfreiheit? Antworten auf diese Fragen suchten die Gäste einer Podiumsdiskussion mit dem Titel: „Spott über Gott. Gefährdung der Pressefreiheit in Zeiten des Terrors“, zu der die Friedrich-Naumann-Stiftung, Reporter ohne Grenzen (ROG) und Die Welt am Dienstagabend ins Axel-Springer-Haus in Berlin eingeladen hatten.

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Singende Priester sorgen für Unmut

„Les Prêtres“ dürfen nun in der Pariser U-Bahn „Metro“ Reklame für ihr Benefitzkonzert machen Foto: Christian R. Hamacher (flickr) | CC BY-NC-SA 2.0

Frankreich legt Wert auf die konsequente Trennung von Staat und Kirche. Ein Beispiel aus Paris zeigt, dass dieses Ansinnen mitunter seltsame Züge annimmt.


pro Medienmagazin

Die Franzosen Jean-Michel Bardet, Charles Troesch und Joseph Dinh Nguyen Nguyen machen gemeinsam Musik. Sie singen und nennen sich „Les Prêtres“, die Priester. Der Name ist Programm, denn die Musiker sind katholische Geistliche. Nun haben die Christen mit einem Werbeplakat für ein Konzert ungewollt für Unfrieden gesorgt.

Drei Alben haben sie eingespielt und damit vordere Plätze in den französischen Charts belegt. Mehr als 800.000 Stück wurden allein von der ersten Platte mit religiöser Musik unter dem Titel „Spiritus Dei“ in Frankreich verkauft. Auch in den Nachbarländern Belgien und Schweiz sind die beiden Priester und der ehemalige Seminarist als die singenden Priester populär. Teile der Einnahmen spenden die Musiker an karitative und humanitäre Einrichtungen. Das haben die Musiker auch mit den Einnahmen eines Konzertes am 14. Juni in der Pariser Konzerthalle „Olympia“ geplant. Daher ließen sie auf das Werbeplakat den Hinweis drucken, dass ein Teil des Erlöses Christen im Mittleren Osten zugute kommen soll. Das wiederum rief die Verwaltung des staatlichen Betreibers des öffentlichen Personennahverkehrs in Paris, die „Groupe RATP“, auf den Plan.

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Frankreich schickt schwulen Botschafter in den Vatikan

Laurent Stefanini, seit 2010 Chef des Protokolls der französischen Regierung, soll künftig sein Land im Vatikan vertreten Bild: Ministère des Affaires étrangères et du développement international

Mit Laurent Stefanini soll erstmals ein offen homosexueller Diplomat seinen Dienst im Zwergstaat von Papst Franziskus antreten – dort ist man wenig begeistert.


QUEER.DE

Eine Personalentscheidung der französischen Regierung sorgt für Wirbel: So soll mit Laurent Stefanini ein offen schwuler Diplomat künftig seinen Dienst als neuer Botschafter im Vatikan antreten. Kein einziger Staat weltweit hatte sich dies zuvor getraut.

Auf den derzeitigen Chef des Protokolls im französischen Außenministerium legte sich die Regierung von François Hollande bereits am 5. Januar fest – seitdem wartet man in Paris allerdings auf die Bestätigung aus dem Vatikan. Mit dem Ausscheiden von Stefaninis Vorgänger Bruno Jouvert ist die Botschafter-Position seit 1. März vakant.

Der Erzbischof von Paris, Kardinal André Vingt-Trois, billigte in einem Brief an Papst Franziskus die Entscheidung der französischen Regierung.

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Paris subway firm under fire over Christian ad censorship

Image: Raw Story

The firm operating the Paris subway has come under fire for apparently pushing France’s beloved secularity too far with its refusal to display an ad with the mention “Christians of the East.”


Agence France-Presse/Raw Story

French music group “The Priests” had planned to advertise their upcoming June concert in Paris with a poster sporting a banner that said proceeds would go towards the cause of Christians persecuted in places such as Iraq and Syria.

But the state-owned RATP firm that operates the subway and its advertising agency Metrobus ordered the group’s producers to take off the banner, pointing in a statement issued last week to the public service’s requirement for neutrality “in the context of an armed conflict abroad.”

But Jean-Michel Di Falco Leandri, the bishop who created “The Priests”, told AFP that Metrobus had previously explained the ban on the banner was due to “the religious nature of the mention ‘Christians of the East’,” and the ad was published without it.

France is a deeply secular country where the state and religion are strictly separated.

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Frankreich: Militärschüler sollen Moschee-Anschlag geplant haben

Montélimar, Bild: ladrometourisme.com

Gegen vier Schüler einer Militärschule wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Ihr Motiv ist noch nicht bekannt.


Die Presse

Die französische Justiz ermittelt gegen vier Schüler einer Militärschule, die einen Angriff auf eine Moschee in der Stadt Montelimar im Südosten des Landes geplant haben sollen. Gegen die Schüler eines Gymnasiums der Luftwaffe bei Grenoble sei ein Ermittlungsverfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet worden, verlautete am Freitag aus Justizkreisen. Wie die Regionalzeitung “Le Dauphine Libere” berichtete, werden die Schüler verdächtigt, einen “Sprengstoffanschlag” auf die Moschee geplant zu haben. Ein Justizvertreter wollte dagegen nicht von einem Anschlag sprechen. Die genauen Pläne und das Motiv der Schüler müssten noch ermittelt werden.

Luftwaffe “schockiert” über Schüler

Ein Armeesprecher sagte, die Luftwaffe sei “schockiert” über das Verhalten der Schüler, die bereits vom Unterricht ausgeschlossen wurden. Ihre Absichten seien mit den Werten der Luftwaffe und ihrer Schule nicht zu vereinbaren.

Frankreich: Zwischen Dschihad und Front National

Tatort Friedhof: geschändete Gräber vergangene Woche im elsässischen Sarre-Union ©dpa

Der islamistische und der rechtsextreme Hass verunsichern die jüdische Gemeinschaft


Von Nina Schönmeier|Jüdische Allgemeine

Sie schrien »Heil Hitler« und spuckten auf jüdische Symbole. Vier Wochen nach dem Terroranschlag auf einen koscheren Supermarkt in Paris verwüsteten fünf Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren 250 Gräber auf dem jüdischen Friedhof in der elsässischen Ortschaft Sarre-Union. Die Tat war kein dummer Jungenstreich, und die Jugendlichen wählten den Friedhof nicht zufällig aus. Dies bestätigt der ermittelnde Staatsanwalt Philippe Vanier: »Auch wenn die Betroffenen die antisemitische Motivation ihrer Tat zunächst bestritten, tritt sie klar zutage.«

Niemand randaliere »zufällig« auf einem jüdischen Friedhof – »und schon gar nicht, wenn man die Gegend kennt, weil man in der Nähe wohnt«, sagt Pierre Levy, der Regionalvorsitzende des Rates jüdischer Einrichtungen in Frankreich (CRIF). Jacques Wolff, einer der wenigen Juden in Sarre-Union, ist entsetzt von der Tat: »Vandalismus hat es hier schon mehrmals gegeben, aber es ist das erste Mal, dass so viele Gräber umgestürzt und zerstört wurden.« Er merkt an, dass die Täter auch einen Gedenkstein für die Opfer der Schoa zerstört haben. »Ich bin sehr betroffen, mein Vater kam in Auschwitz ums Leben.«

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“Charlie Hebdo” : Neue Ausgabe erscheint in Auflage von zweieinhalb Millionen

Bild. Charlie Hebdo

Bild. Charlie Hebdo

Durchatmen, ausruhen – weiter spotten: Nach einer mehrwöchigen Pause erscheint die neue Ausgabe von “Charlie Hebdo”. Auf ihrem Titel verhöhnen die Satiriker Dschihadisten, den Papst und die Rechtsextreme Marine Le Pen.


SpON

“Es geht wieder los!”, steht auf der Titelseite der neuen “Charlie Hebdo”, die am Mittwoch an die Kioske kommt. Sieben Wochen nach den islamistischen Anschlägen in Paris erscheint diese Ausgabe der französischen Satirezeitung mit einer Auflage von 2,5 Millionen Exemplaren.

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Frankreich: Katholen-Kreuzzug gegen Seitensprung-Plattform Gledeen

Screenshot BB

Screenshot BB

Katholiken rufen zum Kreuzzug gegen den digital organisierten Ehebruch. In Frankreich klagen sie gegen die Seitensprung-Plattform Gleeden. Deren Werbung in der Pariser Metró verstoße gegen das Gesetz.


Von Stefan Simons|SpON

“Ein Liebhaber kostet die Sozialversicherung nichts – anders als ein Antidepressivum…”: Mit derart eindeutigen Slogans offeriert die Seitensprungplattform Gleeden.com in Frankreich ihre Dienstleistungen – die diskrete Vermittlung von außerehelichen Abenteuern. “Die erste außereheliche Vermittlungsseite, von Frauen entworfen”, so das Werbemotto auf der deutschen Version der Gledeen-Webseite.

Nun sorgt die bonbonbunte Werbung für die Agentur, plakatiert in der Pariser Metro und an Bushaltestellen im Großraum der Hauptstadt, selbst im wenig prüden Frankreich für Aufregung. Schon vor vier Jahren gab es einmal Proteste, nun machen U-Bahnkunden, Bürgermeister und Abgeordnete gegen ihrer Meinung nach unanständige Plakate mobil: Etwa den angebissenen Apfel, der an Eva im Paradies erinnert, versehen mit dem Kommentar: “Wer treu bleibt, täuscht sich manchmal am meisten.”

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Frankreich: Hunderte Gräber auf jüdischem Friedhof geschändet

Screenshot/Twitter

Screenshot/Twitter

Auf einem jüdischen Friedhof im Osten Frankreichs sind mehrere hundert Gräber geschändet worden. Das teilte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve am Sonntagabend mit. Demnach ereignete sich der Vorfall in Sarre-Union im Verwaltungsgebiet Bas-Rhin.


FOCUS ONLINE

Auf einem jüdischen Friedhof im Osten Frankreichs sind mehrere hundert Gräber geschändet worden. Das teilte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve am Sonntagabend mit. Demnach ereignete sich der Vorfall in der Ortschaft Sarre-Union im Verwaltungsgebiet Bas-Rhin. Cazeneuve verurteilte “diese abscheuliche Tat” “aufs Schärfste”. “Die Republik wird diese neue Verletzung der von den Franzosen geteilten Werte nicht tolerieren”, erklärte der Innenminister. Genauere Angaben zu der Tat machte er nicht.

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Frankreich: Marienstatue muß weg

HPScreenshot. BB

HPScreenshot. BB

2011 wurde in einem Park der französischen Gemeinde Publier eine Marienstatue errichtet, die Unserer Lieben Frau von Léman (nach dem Genfer See) gewidmet ist. Hoch droben vom Hang blickt die Marienstatue seither auf den Genfer See hinunter.


Katholisches Magazin für Kirche und Kultur

Nun befand das Verwaltungsgericht von Grenoble, daß die Marienstatue „die Laizität verletzt“. Sie stehe auf öffentlichem Grund, in Frankreich aber herrsche seit 1905 strikte „Trennung von Staat und katholischer Kirche“. Und weil das so sei, habe die Statue „entfernt“ zu werden. Laut Verwaltungsgericht hätte die Gemeindeverwaltung nie eine Bewilligung für die Errichtung der Marienstatue ausstellen dürfen.

Frankreichs Don Camillo und Peppone ließen Marienstatue errichten

Publier ist eine Gemeinde mit 6.500 Einwohnern. Der Ort liegt am Südufer rund 120 Meter über dem Genfer See inmitten eines Weinbaugebiets. Durch die schöne Lage, das sonnig-milde Klima und geeignete Infrastrukturen ist Publier in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen. 1962 zählte die Gemeinde erst 1.871 Einwohner.

Erstaunlicherweise ist Bürgermeister Gaston Lacroix ein parteiloser Linker, die in Frankreich als Divers Gauche bezeichnet werden. Er leitet bereits seit 2002 die Geschicke der Gemeinde. Das Bürgermeisteramt konnte er bei den Kommunalwahlen 2014 verteidigen. Im Gemeinderat verfügt er über eine üppige Mehrheit von 22 Sitzen, denen lediglich fünf Vertreter der oppositionellen UMP und zwei unabhängige Rechte gegenüberstehen. Die laufende Amtsperiode endet 2020.

Der Bürgermeister mit dem frommen Namen Lacroix (das Kreuz) bezeichnet sich selbst als „Freidenker“ und Sozialist und ist Mitglied der Association de la Libre Pensée de Haute-Savoie, wie Lorenz Jäger in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung berichtete.

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Valls will strenger gegen Muslimbrüder und Salafisten in Frankreich vorgehen

Manuel Valls (2012), Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Ende Januar, knapp zwei Wochen nach dem Charlie-Hebdo-Attentat, stellte Premierminister Valls seinem Land eine kantige Diagnose aus: In Frankreich gebe es eine “territoriale, soziale und ethnische Apartheit”. Die Übel der Gesellschaft müssten bekämpft werden, kündigte er an, ähnlich vage, wie man das von Wahlkampfauftritten kennt. Es geht um die Ansage, weniger um konkrete Maßnahmen. Gestern kam er noch einmal auf seine “Apartheits”-Diagnose zurück.


Von Thomas Pany|TELEPOLIS

Vor Schülern erklärte er, dass er mit dem Ausdruck Apartheit nicht etwa Frankreich mit dem vergleichen wollte, was in Südafrika passiert ist, sondern wiedergeben wollte, was die Bewohner der problematischen Viertel fühlen. Man müsse alles unternehmen, um diese Ghettos aufzubrechen, “sonst wird alles in die Luft gehen”, warnte Valls dringend und deutete, noch immer in einer ausholenden, generellen Beschreibungsgeste, aber ein bisschen konkreter, an, wo er einen Ansatzpunkt sieht:

Es geht darum, gegen Prozesse zu kämpfen, die immer die gleichen Personen mit der gleichen Herkunft in die gleichen Viertel schickt, damit sie sich vollkommen isoliert fühlen.

Sein Versprechen, so Valls, sei nun, erbarmungslos gegen alle Diskriminierungen, die im Grunde rassistisch sind, vorzugehen. Das zeigt eine hehre Absicht, ähnlich wie beim Schulreformprogrammpunkt, der vorsieht, bei der Zusammensetzung der Klassen auf einen größeren sozialen Mix zu achten: Der republikanische Geist soll erneuert werden, so steht das auf dem politischen Programmzettel.

Wie das praktisch umgesetzt werden soll, darüber sind leider noch keine Vorschläge laut geworden. Kinder der städtischen Mittelschichtviertel – die in Frankreich wie in den USA eine Tendenz zur homogen Zusammensetzung haben (Der Aufstieg der kreativen Klasse verändert die Städte) – einer anderen als der Sprengelschule zuweisen? Kinder aus den Banlieues, wo es notorisch schlechte Verkehrverbindungen gibt, in die “besseren Viertel” zur Schule schicken? Bezahlbare Mietwohnungen in den bürgerlichen Viertel bauen? Man wäre in anderen europäischen Ländern neugierig, was sich die Sozialdemokraten im Labor Frankreich einfallen lassen.

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Unter Blasphemie-Verdacht: Der Mann am Kreuz will uns etwas sagen

Kriegsopfer oder Kriegstreiber? George Grosz zeichnete seinen Christus mit Gasmaske gleich mehrfach, bevor ihm 1928 der Prozess gemacht wurde

Kriegsopfer oder Kriegstreiber? George Grosz zeichnete seinen Christus mit Gasmaske gleich mehrfach, bevor ihm 1928 der Prozess gemacht wurde

Der Maler George Grosz hat in den zwanziger Jahren einen Jesus gezeichnet, an den sich ähnliche Fragen heften wie an die Mohammed-Karikaturen von „Charlie Hebdo“. Der Fall landete vor Gericht.


Von Ursula Scheer|Frankfurter Allgemeine

Als „Charlie Hebdo“ in seiner ersten Ausgabe nach dem Attentat titelte: „Tout est pardonné“, begann das Rätselraten der Kommentatoren. „Alles ist vergeben“ – wer sagt das eigentlich? Der weinende Prophet Mohammed, der unter diesen Worten zu sehen ist? In den Händen hält er ein Schild mit dem Slogan „Je suis Charlie“, den sich seit dem Tag, an dem Islamisten zwölf Mitarbeiter des Satireblatts töteten, zahllose Sympathisanten zu eigen gemacht haben. Oder sollte das bedeuten, Mohammed habe den Karikaturisten verziehen? Verzeihen die überlebenden Karikaturisten den Attentätern? Oder verzeihen sie Mohammed, nach dem Motto: Er kann ja nichts dafür, dass Mörder ihre Taten mit seiner Lehre legitimieren? Was war das also, eine Geste der Versöhnung oder abermals ein Affront gegen Muslime, also Blasphemie?

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Ian McEwan: Nur säkularer Staat kann Religionsfreiheit garantieren

Ian McEwan (2011) Foto: Thesupermat Lizenz: CC BY-SA 3.0

Der britische Autor Ian McEwan ist der Ansicht, dass nur ein säkularer Staat die Religionsfreiheit garantieren kann. In der heutigen Gesellschaft müsse man mit der Tatsache umgehen, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und mit verschiedenen Glaubensrichtungen auf sehr engem Raum zusammenlebten, sagte McEwan auf einer “Zeit”-Veranstaltung.


Extrem News

“Wer kann in dieser Situation für Frieden sorgen? Nicht die Religion”, so der Schriftsteller weiter. “Nur der säkulare Staat kann garantieren, dass alle Religionen frei gelebt werden können.”

Zugleich wies McEwan auf die Problematik hin, dass die Meinungsfreiheit in säkularen Staaten in Konflikt mit Religionen geraten und zu furchtbaren Problemen führen könne – so wie es vor einigen Wochen in Paris geschehen sei.

Der Schriftsteller äußerte sich auch zur Diskussion über die Veröffentlichung der aktuellen Titelseite der französischen Satire-Zeitschrift “Charlie Hebdo” in europäischen Zeitungen: “Wer sich entscheidet, das Cover nicht zu zeigen, der sollte auch den Mut haben einzugestehen, dass er sich bedroht fühlt.” Es sei die schlimmste Form der Zensur, wenn die Gründe dafür, etwas nicht zu veröffentlichen, totgeschwiegen würden, so McEwan. Er forderte eine offene und ehrliche Debatte: “Wir müssen die Diskussion darüber, was freie Meinungsäußerung bedeutet, immer wieder führen.”

Geisterstunde beim ORF: ORF darf am Karfreitag schweigen

democraticunderground.com

democraticunderground.com

Der Österreichische Rundfunk (ORF) darf am Karfreitag eine Schweigeminute halten. Gegner hatten geklagt, der Sender bevorzuge das Christentum. Dies wurde nun in höchster Instanz abgewiesen.


pro Medienmagazin

Eine Minute Funkstille leistet sich der ORF am Karfreitag – schon seit den 1970er Jahren. Auch auf mehreren ORF-Radiokanälen gibt es an dem Feiertag einige Schweigesekunden. Die laizistische Initiative „Religion ist Privatsache“ hatte sich 2012 deswegen bei der Medienbehörde KommAustria und dem Bundeskommunikationssenat beschwert: Die öffentlich-rechtliche Einrichtung gebe damit pro-religiöse Zeichen von sich, die dem Gebot der Trennung von Kirche und Staat widersprächen. Nachdem beide Behörden die Schwiegeminute für rechtens erklärt hatten, bestätigte dies nun in höchster Instanz der Verfassungsgerichtshof.

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LUX: Staat und Kirchen unterzeichnen Grundlagenvertrag

laiciteVertreter von sechs Religionsgemeinschaften haben am Montag in Luxemburg Verträge mit der Regierung des Landes unterzeichnet. Diese schreiben eine schrittweise Trennung von Staat und Kirchen für die nächsten 20 Jahre fest.


religion ORF.at

Als Repräsentant der mit Abstand größten Kirche des Landes unterschrieb der katholische Erzbischof Jean-Claude Hollerich ein 23 Punkte umfassendes Vertragswerk. Die Abkommen regeln unter anderem die Bezahlung der Priester und pastoralen Mitarbeiter sowie den Übergang vom bisherigen konfessionellen Religionsunterricht zu einem allgemeinen Werteunterricht an staatlichen Schulen.

Schritt auf dem Weg zur Trennung von Staat und Kirche

Diese sogenannten Konventionen mit den Religionsgemeinschaften sind ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Trennung von Staat und Kirche. Weitere Elemente wie ein allgemeines Religionsgesetz und neue Verfassungsartikel zur Regelung dieses Bereichs sind geplant.

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Mohammed-Karikaturen im Unterricht – Lehrer wird suspendiert

Im Elsass fühlten sich Schüler muslimischen Glaubens von Mohammed-Karikaturen wie dieser provoziert. Ein Lehrer wollte die Zeichnungen zu einer Diskussion über die Pressefreiheit nutzen. Foto: dpa

Muslimische Schüler fühlen sich provoziert: Ein elsässischer Lehrer will mit seiner Klasse über Mohammed-Karikaturen und die Pressefreiheit diskutieren – und wird suspendiert.


Badische Zeitung

Einen Tag nach Angriff auf die Redaktion des Pariser Satiremagazins Charlie Hebdo zeigte ein Kunstlehrer in seiner Collège-Klasse mit 13- bis 14-jährigen Schülerinnen und Schülern Mohammed-Karikaturen, die von Charlie Hebdo veröffentlicht worden waren. Er wollte den religiösen Tabubruch gegen die Werte der Republik – Meinungs- und Pressefreiheit – diskutieren. Tatsächlich löste er das genaue Gegenteil aus.

Die einen besingen mit multikulturellem Pathos die Gedankenfreiheit. Andere suchen das Gespräch mit muslimischen Jugendlichen, um der Unsicherheit und Panik am Tag nach dem Terror zu begegnen – und scheitern. So hat die Auseinandersetzung mit dem Anschlag von Paris vor zwei Wochen für einen Lehrer aus Mulhouse unerwartete Konsequenzen gehabt. Statt Verständigung und verbalem Austausch – was sein Ziel gewesen war – provozierte er.

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Paris nimmt Religion auf den Lehrplan

laicite

Bislang stand Religionsunterricht nicht auf den Stundenplänen französischer Schüler. Das wird sich nun ändern, ließ Erziehungsministerin Najat Vallaud-Belkacem verlauten. In dem Fach soll es um das friedliche Miteinander der Gläubigen gehen.


Von Axel Veiel|Kölner Stadtanzeiger

Die Schockwellen der Pariser Terroranschläge haben Frankreichs Schulen erreicht. In dem strikt weltlich ausgerichteten Land kommen die Weltreligionen auf den Lehrplan. Wie Erziehungsministerin Najat Vallaud-Belkacem in Paris sagte, wird vom nächsten Schuljahr an das Fach „Staatsbürgerkunde“ eingeführt. Dabei soll es von der ersten Klasse an um Frankreichs weltliches Staatsverständnis und das gleichberechtigte Nebeneinander der zur Privatsphäre gehörenden Religionen gehen.

Staatschef François Hollande wies die Richtung: „Dass die Religionen an der weltlich ausgerichteten Schule keinen Platz haben, heißt nicht, dass die Schüler keinen weltlich ausgerichteten Unterricht über religiöse Fakten haben sollen“, hatte Hollande klargestellt. „Es heißt auch nicht, dass man die Religionen und irgendwelche religiösen Konflikte dem Vergessen überantwortet.“ „Meine Weltlichkeit wird bröckeln“, schrieb daraufhin die linksliberale Zeitung „Libération“ als Schlagzeile auf ihre Titelseite.

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Was ist aus der antiklerikalen Tradition der Linken geworden?

Nous sommes Charlie, picture alliance

Nach dem Attentat auf die linke Satirezeitung Charlie Hebdo tun sich Linke in ganz Europa schwer, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die Linke muss ihre Einstellung zum politischen Islam ändern und zu ihren säkularen Wurzeln zurückkehren.


Von Timo Stein|Cicero

Irgendwo hatte ich gelesen, dass Religion wie ein Penis sei: Du hast ihn, darfst ihn anfassen und ja, du darfst auch stolz auf ihn sein. Aber bitte hol’ ihn nicht ständig in der Öffentlichkeit raus. Mindestens genauso schlimm aber wie der Wettlauf um die richtige und einzige Wahrheit ist die Haltung vieler Linker und Mittelinkssozialisierter, die bei der Beurteilung des Weltgeschehens eine entscheidende Variabel schlichtweg aus ihrer Gleichung streichen: nämlich die Wurst.

Islamistisch motivierten Attentaten werden dann gängige Ursachen wie Armut und fehlende Bildung zugrunde gelegt, die Morde werden als Reaktion Unterdrückter auf einen unterdrückenden Westen marginalisiert. Das eigentliche Gift des Islamismus, die dahinterstehende Ideologie, der totale Herrschaftsanspruch und Antisemitismus, das reaktionäre Frauenbild werden ausgeblendet und verharmlost.

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Pariser Terroranschläge: Angst vor weiteren “Bataillons”

Amédy Coulibaly im Video

Welche Rolle der IS oder al-Qaida bei den Attentaten spielt, ist vage. Allerdings gibt es nicht nur Verbindungen zwischen den drei Attentätern, sondern zu einem ganzen Netzwerk von Dschihadisten – und einige alte, aber lebendige Gespenster


von Thomas Pany|TELEPOLIS

Amédy Coulibaly, der dritte Attentäter der Terror-Mordanschläge vom vergangenen Mittwoch, beruft sich in einem Video, auf den “Islamischen Staat”. Dem US-Magazin “The Intercept” wurde ein Statement von al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (Aqap) zugespielt, wonach sich die Qaida-Filiale damit brüstet, die “Operation in Paris” geleitet zu haben. Bereits am Freitag kursierte ein Video, indem ein Aqab-Führungsmitglied den Anschlag verherrlicht und zu weiteren auffordert.

Das Coulibaly-Video wurde mittlerweile von youtube und dailymotion entfernt, auf Betreiben des französischen Staatsanwaltes, wie es heißt. Dass sich der Mann, der am Donnerstagmorgen in Paris nach den Ermittlungen eine Polizisten erschoss, auf den Islamischen Staat beruft, wurde auch schon bei einem Telefongespräch kenntlich.

Das hatte Coulibaly, wie auch Chérif Kouachi, der für das Charlie-Hebdo-Massaker verantwortlich gemacht wird, mit dem französischen Fernsehsender Bfmtv geführt (Auszüge in französischer Sprache hier). In diesem Gespräch teilte Chérif Kouachi der Öffentlichkeit mit, dass er im Auftrag der Aqab operiere. Dieses Bekenntnis des Gewalttäters hatten zuvor schon Zeugen, die ihn nach dem Attentat begegnet sind, zu Protokoll gegeben.

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