Archiv der Kategorie: Meinungsbeitrag

Papst und Abtreibung: Geschmacklose Folklore

Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Papst Franziskus hat ein Heiliges Jahr ausgerufen: Auch niedere Geistliche dürfen jetzt die Absolution für die Sünde der Abtreibung erteilen. Super.

Von Ambros Waibel|taz.de

Über das Recht auf Abtreibung zu reden, ist nur in einer Hinsicht sinnvoll: Wie nämlich dieses Recht global durchgesetzt werden kann.

Über die Tatsache Abtreibung wird hingegen ständig geredet – nicht zuletzt unter heterosexuellen Erwachsenen, die ihre Verhütungsmethoden abklären. Da wird dann durchaus nicht selten festgestellt, dass für die Frau eine Abtreibung nicht in Frage kommt; und – unter ganz anderen Voraussetzungen – sagen natürlich auch Männer so etwas. Genauso gibt es Frauen (und Männer, siehe oben), die mit der einen oder anderen Variante den Klassiker von Jutta Ditfurth zitieren: „Ich bin sechsunddreißig, da finde ich zwei Abtreibungen auf ein lustvolles, knapp zwanzigjähriges Geschlechtsleben relativ wenig.“

 

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Puritaner entmündigen uns

Gottgefälliges Saufen. picture alliance
Auch in schlimmen Zeiten macht der Feldzug gegen den Lebensgenuss keine Pause. Ziel ist die zuckerlose, kalorienarme, alkoholfreie Kost für alle. Dahinter verbirgt sich ein gigantisches Entmündigungsprogramm

Von Alexander Kissler|Cicero

Zucker macht süchtig, Bier dick, Nikotin tötet: Das Regiment der Puritaner, das über uns herrscht, kann das nicht tolerieren. Verbote sollen her, wo der gemeine Menschenverstand partout nicht zum Vernünftigen ausschlagen will. Eine Weile konnte es erscheinen, als seien die dreistesten Vorschläge zur Menschenregulierung angesichts der schlimmen Zeitläufte in der Schublade verschwunden.

Welch großer, welch süßer Irrtum. Die vergangene Woche erinnerte uns bitter daran, dass energisch daran gearbeitet wird, den Homo sapiens zu entmündigen – zu seinem Besten, versteht sich.

Erst vernahmen wir, dass es sich nicht gehört, ein Bier als „bekömmlich“ zu bewerben, und also zu verbieten ist. Eine Brauerei aus Baden-Württemberg wurde per Gerichtsbeschluss ausgebremst; eine Verordnung der Europäischen Gemeinschaft, der zufolge gesundheitsbezogene Angaben über Bier unzulässig seien, ließ dem Ravensburger Landgericht keine Wahl.

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Gelichter: „Was ist denn das für eine Scheiße?”

MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, bearb. MiG
Es ist wieder mal Zeit, etwas so wirklich Unpopuläres zu sagen. Es muss einfach mal gesagt werden. Til Schweiger ist so schlecht nicht.

Von Sven Bensmann|MiGAZIN

Und heute gibt es dazu auch kein „Ja, aber“, diese so populäre Haltung, die unter Möchteungern-Rassisten ebenso verbreitet ist, wie unter jenen, die dieser Tage Position für Schweiger beziehen: Ja, der Schweiger ist schon toll, wenn er sich für Flüchtlinge einsetzt und in kürzester Zeit mal ne Viertelmillion zusammenbekommt, aber so allgemein, naja…der redet schon viel Stuss, und erst seine Filme…

Kann jeder.

„Ja, aber“, das ist Verrat am eigenen Ethos. Egal wie unethisch dieses auch sein mag. Es ist entweder ja, oder nein. Aber ist der Ausweg der Rückgratlosen und Feiglinge.

Nein. Til Schweiger ist inspirierend: seine Facebookseite ist voll mit Wortmeldungen zu seinen Kommentaren. Schweiger ist einer derjenigen Anständigen, deren Aufstand wir immer und immer wieder einfordern: er ist bereit, selbst und persönlich einzustehen für das, was er fordert. Schweiger ist mit dem Herzen dabei: er geht mit all seiner Rage in Diskussionen. Eine Rage, die echt ist – ein so guter Schauspieler is er nicht. Und Schweiger ist hervorragend darin, Filme ohne jeden Anspruch zu machen, die beim Massenpublikum gut ankommen. Selbst wenn er sich dabei auf eine fast schon fetischisierenden Weise auf Ohren fokussiert.

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Warum es keine Kulturpessimisten mehr gibt

post-apocalyptic

Es scheint, die berufenen Schwarzseher und Untergangspropheten haben kapituliert. Kaum jemand mahnt noch vor den schrecklichen Geburten der Neuzeit. Gibt es nun doch Hoffnung auf eine wundervolle Zukunft oder ist das Nörgeln schlicht langweilig geworden?


Von Alexander Grau|Cicero

Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Es gibt keine Kulturpessimisten mehr. Kaum jemand nörgelt noch herum. Klar, über das Wetter wird geschimpft, man lamentiert über den Euro, über die Griechen, die SPD oder den FC Bayern. Das gehört nun mal dazu. Man kann ja schließlich nicht alles gut finden.

Und ja, auch an veritablen Weltuntergangsszenarien herrscht kein Mangel: Für den einen ist es das Klima, für den anderen der Kapitalismus, der Islam, ein Virus oder vielleicht auch ein Meteorit auf Abwegen, der uns den Garaus machen wird. Die Auswahl an Boten der Apokalypse ist reichlich.

Doch das sind Zukunftsängste, und die haben mit Kulturpessimismus wenig zu tun. Der klassische Kulturpessimist hat keine Angst vor dem Weltuntergang. Häufig sehnt er ihn sogar herbei. Denn ihm geht es um die hehren, großen Werte, die in Gefahr sind. Eine Apokalypse ist aus seiner Sicht durchaus in der Lage, die Welt wieder ins Lot und die Menschheit zurück auf den Pfad der Tugend zu bringen.

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Viele Tierrechtler haben keine Ahnung

Bild. The Huffington Post/Facebook
Der grausame Tod des Löwen Cecil hat eine Weltweite Bestürzung hervorgerufen , eine Anteilname deren Ausmaße einer Königlichen Beerdigung nahe kommt. Politik, Medien und Bürger im In-und-Ausland forderten Bestrafung für diesen frevelhaften Akt. Tierrechtsorganisationen wetterten sogar mit der Todesstrafe.


Von Pietro Bento|The Huffington Post

Betrachtet man die Sache allerdings etwas nüchterner, wird durch diesen Presserummel aber auch deutlich, das bis vor diesem Ereignis viele keine Ahnung hatten, dass alle 15 Minuten ein Elefant von Wilderern erschossen wird, letztes Jahr wurden mehr als 1.250 Nashörner erlegt, 800 Tiere davon in Naturschutzreservaten die sogar vom Militär bewacht werden!

Großwildjagd ist ein riesiges Geschäft und ein Elite-Hobby für alle die, die nicht mehr wissen wohin mit ihrem Geld, für alle die, die gerne einmal Gott spielen wollen und sich daran ergötzen. Traurig ist auch, dass bis letzte Woche die meisten nicht mal wussten, dass Simbabwe in Afrika liegt.

Betrachtet man allerdings auch die andere Seite, stellt man fest, das der Tod dieses einen Löwen, der in „Freiheit” leben durfte, sogar Fluglinien umdenken lässt und diese nun keine Jagdtrophäen mehr transportieren wollen.

Das Problem heutzutage ist, dass die Öffentlichkeit oder jemand der sich irgendwie engagieren bzw. Tieren helfen will, schon am Anfang an einem gefährlichen Scheideweg stehen und eine grundsätzliche Entscheidung treffen müssen. Denn worin unterscheidet sich ein Tierschützer und der moderne/neumodische Tierrechtler?

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Udo Di Fabio: Dodo des Monats Juli 2015

Dodo des Monats Juli 2015
Dodo des Monats Juli 2015


Udo_Di_FabioHomosexualität ist subversiv.  Sie ist ein grundlegendes Problem des Christentums, das sich mit der schwulen Schöpfung ihres imaginären Freundes nicht abfinden kann, genau genommen sogar intellektuell damit überfordert ist.  Ein Schweizer Apostel schwadroniert über die Todesstrafe für Homos, so sie denn ihre Homosexualität aktiv ausleben.  Ohne Ende reden Katholen und Evangelen von Sexualität, Familie, Kinder, verbales Christen-Porn.

Homosexualität zerstört die “christlichen Werte”, welche über Jahrhunderte den Neuzugang zur Gemeinde sichern halfen. Reproduktion ist das Zauberwort. Die ökonomisch-soziale Absicherung des Konstrukts Familie wurde religiös fundiert der säkularen Welt aufs Auge gedrückt. Die Zeiten ändern sich, die Menschen ebenso. Umorientierung, Interessenverschiebung, liberale Entwicklung der eigenen Person braucht keinen Vormund. Religiös nicht und schon gar nicht staatlich.  Die Menschen sind weiter als Politik, Judikative es je gewesen waren. Die Gestalter der Gesellschaft hinken mehr als drei Cocktails hinterher und an dieser politisch-sozialen Bruchstelle treten die Widersprüche zu tage. Kirchenaustritte, Politikmüdigkeit, lasst die da oben schwafeln und Udo Di Fabio ist auch so ein Schwafler, einer der den konservtiven Weltbild aus der Adenauer-Zeit anhängt.  Wem interessiert eigentlich was ein ehemaliger Richter am Bundesverfassungsgericht zu sagen hat? Niemanden. Also wird der Joker gezogen, mediale Aufmerksamkeit heischend wird katholischer Konservatismus schön geredet.  Die vollmundig verkündete Weltlösungskompetenz ist humanistische Inkompetenz. Liest man etwas von Di Fabio in den Medien ist es religiös kontaminiert. Es kommt der Verdacht auf, dass er sich als eine Art Superman der Kirchen verkauft, nur, die Kirchenaustrittszahlen sprechen eine andere Sprache und der Konservatismus des Juristenb Di Fabio ist für die Tonne, historisch, sozial humanistisch sowieso. Anders sind solche Sätze nicht erklärbar:

“man solle nicht jede Unterscheidung – etwa die zwischen der Ehe von Mann und Frau und gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften – unter Diskriminierungsverdacht stellen: „Bestimmte Unterscheidungen, etwa die zwischen Staatsbürgern und Ausländern, sind notwendig, sonst kann ein Staat nicht funktionieren.“

Wer so etwas sagt, wünscht sich die alten Zeiten herbei, vielleicht sogar den mit dem 29. Strafrechtsänderungsgesetz vom 31. Mai 1994 aufgehobenen Paragrafen 175 des deutschen Strafgesetzbuches.
Entweder alle Menschen sind gleich oder sie sind es nicht. Wenn Homosexuelle ungleicher sind muss man das rechtlich regeln und nicht drumherum reden. Völlig inkonsistent der Vergleich von Staatsbürgern und Ausländern und wider besseren Wissensm könne der Staat so nicht funktionieren. Der Staat funktioniert und wenn dann inhumane Juristen aufhören würden in die Belange der Gesellschaft ihre religösen Plattitüden zu tragen, wäre es optimal. Es ist völlig unwichtig und belanglos, die religiösen Präferenzen von Richtern, egal auf welcher Ebene, zu kennen. Dieses Offenlegen religiöser Attitüden hat etwas von intellektueller Prostitution an sich.

Wir alle wissen, Katholen-Sex ist kompliziert. Keine Spontaneität, Gummis, Pillen, Spiralen, Schäume, alles geht nicht. Die liebende katholische Frau muss in ihre Knaus-Ogino-Kladde gucken, ob es passt, das törnt ab. So weit die Theorie. Wir wissen zwischenzeitlich dass im Weinberg des Herrn eine stille, für den Klerus unbemerkte Revolution von statten ging. Die Lehre der katholischen Kirche entspricht nicht mehr den Lebensumständen der Menschen. Jeder, ob gläubig oder ungläubig, wird tagtäglich mit dem Problem der Homosexualität konfrontiert, oftmals sogar in den eigenen Familien. Die Akzeptanz in der Gesellschaft ist vorhanden, wenn nicht Politiker und Schwarzkittel gewaltig hinterher hinken würden. Menschen wie Udo Di Fabio sitzen noch in den 50igern fest und haben nicht bemerkt, dass sich die Welt erheblich weitergedreht hat.

Der Staat hat sich aus den sexuellen Identitäten seiner Individuen herauszuhalten, tut er das nicht ist das wie freiheitlich-demokratisches Schlüssellochgucken.

Die Homo-Ehe kommt, ewiggestrige Zeitgenossen wird das überfordern.

Herzlichen Glückwunsch.

“Wenn man Menschen ‘Dreck’ nennt, ist das Nazi-Jargon”

Ihr “Tagesthemen”-Kommentar zum Thema Flüchtlinge löste einen Sturm von Reaktionen aus. Anja Reschke über den neuen Aufstand der Anständigen – und warum auch viele Asylbewerber ihr keine Angst machen.


Von Antje Hildebrandt|DIE WELT

Ihr Tagesthemen-Kommentar zur wachsenden Fremdenhetze im Internet polarisiert. Bis Donnerstagabend wurde er über vier Millionen Mal angeklickt. Im Interview verrät die Chefin des Politmagazins Panorama (heute, 22.45 Uhr, ARD), Anja Reschke, warum ihr der Kragen geplatzt ist und warum das Timing für den Aufruf zum Aufstand der Anständigen dafür kaum hätte besser sein können.

Die Welt: Glückwunsch, Frau Reschke. Ihr “Tagesthemen”-Kommentar zur Fremdenhetze im Internet wurde bis Donnerstagmittag 3,2 Millionen Mal abgerufen. Wurden Sie deswegen schon angefeindet?

Anja Reschke: Ja, aber im Großen und Ganzen bin ich ganz berührt von den vielen positiven Zuschriften. Wir bei “Panorama” kriegen ja oft eine Flut von üblen Mails, wenn wir uns mit dem Thema befassen. Diesmal gab es aber auch viele Mails von Leuten, die sich bedankt und uns gratuliert haben. “Super!” “Danke!” “Endlich!” Damit habe ich erreicht, was ich wollte, nämlich der Hetze im Netz etwas entgegenzusetzen und die Frage aufzuwerfen: Hey, Leute, wer ist denn hier eigentlich in der Mehrheit – und wer in der Minderheit?

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Wahl Dodo des Monats Juli 2015

Dodo des Monats Juli 2015
Dodo des Monats Juli 2015

Sexualität, Ehe, Familie, Homosexualität, das Christentum hat nur ein Thema, Sex. Die die mitreden wollen, zölibatere alte Säcke, die aus ihrer Lieben zum Lattenjupp, Erfahrungen beitragen wollen. Die Ergebnisse sind bekannt.

Die Wahl zum Preisträger des Monats ist bis zum 07.08.2015, 18:00 Uhr, befristet. Der Gewinner wird am folgenden Tag hier gewürdigt werden.
Mehrfachauswahl ist möglich. Viel Spaß!

Die Kandidaten:

  1.  Bülent Arinc,  “Stellv. türkischer Ministerpräsident mit gestörten Verhältnis zu Frauen.
  2.  Lübecker Verbund Kindertagespflege, “sanfter Faschismus um die “Aura-Kinder”.
  3. Margot Käßmann, “warnt vor Missbrauch Gottes beim Gebet.
  4. Ann-Marlene Henning, “Kirche soll sich zum Thema Sex äußern.”
  5.  Alexander Kissler, “macht sich um den Verlust der Scham sorgen.”
  6. Papst Franz, “dankt der Aids-Forschung, Gebete helfen nix.”
  7.  Jochen Bohl, “möchte ganz schnell Balkanflüchtlinge abschieben.”
  8.  Udo Di Fabio, “Menschenrechte gelten nicht für Homos.”
  9.  Thomas Schüller, “will weltliches Gericht gegen Ex-Bischof van-Elst.”
  10.  Guido Wolf, “Bei Sexualkundeunterricht geht ihm die Fantasie durch.
  11.  Berliner CDU, “voll gegen die Homo-Ehe.”
  12. Stefan Oster, “altes Kirchenrecht bleibt in Kraft.”
  13.  Gregor Gysi, “übersieht das Problem kirchlicher Moralnormen nicht.
  14.  Heiner Koch, “labert über Pluralismus, meint aber Geld.”
  15.  Deutsche Forschungsgemeinschaft, “Fördergelder für Splatter-Rituale und Firlefanz.”
  16.  Volker Beck, “dilettiert in Sachen Grundgesetz.”
  17.  Joachim Gauck, “hat es nicht so mit den Fasten.”
  18.  CDU Stuttgart, “Sexuelle Vielfalt stellt Reli-Freiheit in Frage.”

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Wsewolod Tschaplin: Orthodoxer Erzpriester im göttlichen Kriegswahn

Quelle: Moskauer Deutsche Zeitung Nr.13(404) Bild: bb
Quelle: Moskauer Deutsche Zeitung Nr.13(404)
Bild: bb

Schon Calvin wusste, geht es den Mitgliedern seiner Gemeinde gut, war mit der Frömmigkeit nicht mehr viel zu holen. Religionen sind dort stark wo erhebliche soziale Probleme grassieren. Ungerechtigkeit, Willkür, Armut und Gewalt. Aus diesem Pool schöpft auch Erzpriester Wsewolod Chaplin. Das Zitat erinnert sehr stark an den Münchner Erzbischof Faulhaber, für den Krieg die sittliche Reife des Volkes herstellt und die Kanonen des Krieges göttliche Posaunen sind. Sprichwörtliche Idioten, gepaart mit ihrer Religion, Religioten.
Die Gesellschaft soll darben. Geht es den Menschen im Diesseits gut verliert das versprochene Jenseits seine Strahlkraft. Und wie lassen sich Elend und Gewalt am besten organisieren, Krieg. Endlich tote Helden an deren Gräbern man göttliche Ohnmacht zur Omnipotenz umdeuten kann.

Kriegstreiber Kirche, hier russisch-orthodox. Was für ein Idiot.

Annegret Kramp-Karrenbauer: Dodo des Monats Juni 2015

Dodo des Monats Juni 2015
Dodo des Monats Juni 2015


kramp_karrenbauerDas Dilemma begann mit Adam und Eva.  Die schriftlich fixierte Paarbindung von Mann und Frau.  Aus purer Langeweile schuf Gott Adam. Er, der zuvor den Kosmos, das Universum aus dem Nichts erzeugte, mit all seinen Planeten, Sonnen, Galaxien, Schwarzen Löchern, Quasaren und Zwergen in jedweder Form, brauchte Stoff um ein Wesen nach seinem Ebenbild zu formen. Er hätte ja Materie von einem Neutronenstern nehmen können, nein es war Dreck und diesem Dreck haucht er seinen göttlichen Atem ein und siehe aus dem Dreck wurde Adam, der aussah wie Gott und sich langweilte wie er. Jetzt wurde es kompliziert es musste eine Rippe sein, so die Legende der Bibel, um eine Frau zu kreieren, quasi die Urmutter allen Seins. Die Göttlichkeit der Ehe ist damit erwiesen, jedenfalls für die an derartig obskure Geschichten Glaubenden. Und in der gesamten Schöpfung unterlief dem alten Zauselbart ein Fehler, die Eigenschaft des Schwulsein wurde ebenso kreiert, er sah, dass es gut war und ließ es dabei. Aus dieser im Dunkel liegenden Vorgeschichte der Menschheit erfuhr selbige durch das Buch der Bücher, ansonsten ward keine Botschaft vom Langweiler zu hören.

Die Ehe entwickelte sich zum ökonomischen Zweckverhältnis, Fortpflanzung, die Zucht der Brut und die Frau der Brutschrank. Durch die Jahrhunderte wurden Verhältnisse, Abhängigkeiten, notwendige Begründungen dem dummen Pöbel als Notwendigkeit  eingeredet.  Das heilige Sakrament der Ehe war geboren. Die Zucht sicherte doch immer neue Mitglieder der göttlichen WG auf Erden.

Schwule waren Außenseiter, aber erst mit dem Christentum. Sie stellen eine Bedrohung des Pfaffentums dar. Männerliebe bringt keinen Nachwuchs, Frauenliebe dito.

Die Zeiten haben sich geändert, den Pfaffen wurde die Möglichkeit genommen Kriege zu führen, was sie nicht daran hinderte diese zu Segnen und für sie zu beten. Die göttliche Gemeinde wuchs und es waren immer ausreichend Soldaten vorhanden, die sich für den gleichen Gott des Gegners umbringen ließen. Die Ehe war die eierlegende Wollmilchsau für Klerus und Adel. Schwule sperrte man ein, folterte man, brachte  um. Der Gedanke, dass Homosexualität genau solche Gefühle erlaubt, auslebt, wie Heterosexualität ist für gewisse religiöse Gruppen unvorstellbar.  Die schwule Schöpfung ihres Herrn nicht akzeptabel.

Kramp-Karrenbauer, katholisch konservativ, bildet da keine Ausnahme. Selbst die Tatsache, dass heute 35% aller Ehen geschieden werden, lässt sie an der Institution Ehe nicht zweifeln. Die Frage, ob Gesellschaft, Staat, überhaupt zwischenmenschliche Beziehungen regeln müssen, per Gesetz, per göttlichem Ritterschlag, kommt ihr nicht in den Sinn. Wer an der Göttlichkeit der Ehe rüttelt, schafft Möglichkeiten für Inzest-Ehe oder gar Polygamie, muss sich damit auseinandersetzen. Das ist nicht nur Katholen-Blödsinn, dass verkünden auch Evangelikale und so manch gestandener Theologe.

Menschen sind Menschen, Unterscheidungen der sexuellen Identität grenzen aus. Politik, Staat und Gesellschaft haben sich nicht in die persönlichen Belange der Sexualität einzumischen. Das geht nur die Betroffenen etwas an. Bigottes Christentum, welches unter dem Deckmantel der Fürsorge und Liebe Sexualität kontrollieren will ist obsolet. Weil schwule katholische Pfaffen im Pseudo-Zölibat leben,  können die weltlichen Schwulen und Lesben ihre eigene, ganz persönliche, sexuelle Identität ausleben.
Signifikantes Beispiel der Ewiggestrigkeit katholischer Sexuallehre sind die Fragebögen, welche der Vatikan an seine Schafherde verschickt hat.  Die Vorstellungen, die sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Präferenzen der Menschen sind andere.
Niemand will wissen ob Kramp-Karrenbauer mit der Knaus-Ogino-Verhütungsmethode Schwangerschaften verhindert hat, alles andere wäre katholisch nicht zulässig.  Aber als gute Katholikin geht sie halt beichten, der Herr vergibt ihr. Auch dummes Geschwätz.

In dem Sinne, wer Menschen vordergründig als Sexobjekte sieht, und die gesellschaftliche Vermarktung von Sexualität ehelich kontrolliert ablaufen lassen will, andere Menschen ausgrenzt, sie damit diskriminiert, braucht einen Therapeuten, vielleicht empfiehlt sich ein Stuhlkreis, die CDU ist voll von Dummschwätzern.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Der “neue Antisemitismus” existiert so nicht

Rote Linie. Polizisten trennen am Al-Kuds-Tag im Sommer 2014 in Berlin anti-israelische Demonstranten und Pro-Israel-Aktivisten. Zum diesjährigen Al-Kuds-Tag am 11. Juli hat ein… – Foto: picture alliance / dpa
Antisemitismus nimmt in Deutschland eher ab, die Zahlen bleiben gleichwohl beschämend. Dass aber jede kritische Haltung gegenüber der Politik Israels als “neuer Antisemitismus” denunziert wird, ist weder richtig noch hilfreich, schreibt der Historiker Wolfgang Benz in einem Gastbeitrag.


Von Wolfgang Benz|DER TAGESSPIEGEL

Die nächtliche Gewalttat gegen den Rabbiner erregte ebenso allgemeinen Abscheu wie der Angriff auf einen Israeli in der Berliner U-Bahn, der pöbelnden Rassisten entgegengetreten war. Judenfeindliche Schmährufe bei einer anti-israelischen Demonstration im Sommer 2014 wurden von Politik, Medien und Publikum entschieden und einmütig verurteilt. Gott sei Dank sind solche Unerfreulichkeiten nicht die Regel, sondern Ausnahme im deutschen Alltag.

Das Verhältnis zu Israel hat in der deutschen Politik herausragende Bedeutung. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte bei einem Staatsbesuch 2008 in ihrer Rede vor der Knesset die Sicherheit Israels ein Element der Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland. Schon im Sechstage-Krieg 1967 hatten hunderttausende Bürger der Bundesrepublik für das Existenzrecht des Staates Israel demonstriert. Empathie für das Land gehört zu den Grundlagen der politischen Kultur. Doch die bedingungslose Zustimmung bei vielen ist einer skeptischen Haltung gegenüber israelischer Politik gewichen. Dazu trägt das medial wirkungsvoll vorgetragene Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung ebenso bei wie militärische Aktionen und politisch unbewegliche Positionen israelischer Regierungen.

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Wahl Dodo des Monats Juni 2015

Dodo des Monats Juni 2015
Dodo des Monats Juni 2015

Der Monat Mai hatte einiges an Höhepunkten zu bieten. Ob nun die Ausladung von Peter Singer, beim Philosophen-Pop-Festival in Köln, die “Umwelt”-Enzyklika des Vizegottes und die Terroranschläge in Tunesien, Kuwait und Frankreich. Flüchtlinge, die mit christlicher Nächstenliebe, europäischer Politik, im Mittelmeer ersaufen, die de facto Handlungsunfähigkeit Europas, hinsichtlich der Dschihad-Terrormiliz “Islamischer Staat”, es gäbe vieles, was zur Auswahl gestellt werden könnte, der Rahmen würde gesprengt .

Hier sind die Kandidaten für den Monat Juni 2015:

  1.  Jürgen Roters, “Oberbürgermeister der Stadt Köln, mit seltsamer Auffassung zu Meinungsfreiheit und Protest.
  2.  Bekir Alboga, “der Ditib-Generalsekretär findet den Islam weltoffen und modern.
  3.  Thomas de Maiziére, “lässt Gott hochleben, bei der Einweihung seines Ministeriums.”
  4.  Andrea Nahles, “sie ist der Beweis, dass Jesus nie gelebt hat, sie wäre nie Ministerin geworden.”
  5.   Annegret Kramp-Karrenbauer, “begründet ihre Ablehnung der Homo-Ehe mit Inzest.”
  6.  Reinhold Gall, “über vermeintliche Freiheitsrechte und Generalverdacht.”
  7. Paul Ziemiak, “Kinderlose sollen Sonderabgabe zahlen.”
  8.  Bayrischer Rundfunk, “Gottes-TV zum Ramadan.”
  9.  Peter Hahne, “kennt als einer der wenigen, die Botschaft der Bibel.
  10.  Bundessicherheitsrat, “bei Waffengeschäften mit den Saudis ist die Moral im Arsch.”
  11.  Udi Di Fabio, ” ist strikt gegen die Trennung von Staat und Religion.”
  12.  Kirchenkreis Dortmund, “verschenkt Eintrittskarten an Kirchenkritiker,”
  13. Martin Knispel, “will mehr christliche Kitas.”
  14.  Wolfgang Bosbach, “schreit nach Lebensschutz, versagt im Sozialen.
  15.  Gebhard Fürst, “das imago dei darf nicht homosexuell sein.”
  16. Papst Franz, “Jugendliche sollen keusch sein.”
  17.  Johannes Hartl, “Regenbogen als Zeichen für den Bund mit Gott.
  18.  Andreas Püttmann, “Journalist im Gotteswahn.”

Die Wahl ist bis zum 07. Juli 2015, 18:00 Uhr befristet. Mehrfachauswahl ist möglich. Der Sieger wird, wie immer, am folgenden Tag, hier gewürdigt werden. Viel Spaß!

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Homo-Ehe: Legt den Turbo ein!

Ein Muslim in Hamburg beim Gebet | © Angelika Warmuth/dpa
Der islamische Glaube und die Homo-Ehe


Von Jens Spahn|ZEIT ONLINE

“Eine Homo-Ehe ist im Islam undenkbar”, schrieb Muhammad Sameer Murtaza in seinem Gastbeitrag vergangene Woche an dieser Stelle. Wieso eigentlich? Irland, ein zutiefst katholisches Land, das sich mit überwältigender Mehrheit für die Öffnung der Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare ausspricht – das war vor nicht allzu langer Zeit auch noch undenkbar. Heute ist es Realität und der gesellschaftliche Wandel fast schon unaufgeregte Normalität.

Natürlich ist Homosexualität keine Krankheit, natürlich kann ich als Schwuler ein guter Christ, Muslim oder Jude sein. Es ist schön, dass Murtaza das so schreibt, aber es ist eigentlich auch eine Banalität. Viel wichtiger ist doch, dass die muslimischen Gemeinden ihren Gläubigen vermitteln, dass Anders-Sein Teil von Gottes Schöpfung ist und man natürlich gemeinsam essen, feiern und beten kann und soll. Sicher, auch die christlichen Kirchen haben hier einen langen Weg zurückgelegt, und auch heute noch gibt es große innerkirchliche Vorbehalte gegen die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder von Schwulen und Lesben. Die muslimischen Gemeinden in Deutschland müssen sozusagen den Turbo einlegen und nachholen, wofür andere Jahrzehnte gebraucht haben. Das ist sicher nicht einfach, birgt aber auch große Chancen.

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Mein Weg zum Humanismus

Wie findet man seine Weltanschauung? Unser Gastautor beschreibt seinen Weg vom Protestanten zum Kommunisten zum Humanisten.


Von Bruno Osuch|DER TAGESSPIEGEL

welthumanistentag

Vor ein paar Wochen fragten mich Zehntklässler in meinem Ethikunterricht, ob ich „Atheist“ sei. Ich antwortete mit „Ja, aber …“ und versuchte zu erklären, dass ich mich keineswegs nur negativ, also in Ablehnung eines Glaubens an eine höhere Macht, definiere, sondern vor allem positiv die Werte meiner „humanistischen Weltanschauung“ vertrete. Bei den meisten der Schülerinnen und Schüler war Nachdenklichkeit die erste Reaktion – bis ein Pfiffikus etwas spontan in die Klasse rief: „Ach, Sie meinen Atheist-Plus!“ Interessanterweise verstanden das seine Mitschülerinnen und -schüler offenbar viel besser.
Sind Humanisten nur “Atheisten-Plus”?

Dieses kleine Erlebnis zeigt bereits die besondere Problematik, wenn es darum geht, den Humanismus als nicht religiöse Ethik und Weltanschauung zu erklären. Im Unterschied etwa zu Frankreich wird der Begriff bei uns facettenreicher assoziiert. So rief auch der damalige deutsche Papst Benedikt XVI. zu einem „neuen christlichen Humanismus“ auf. Wenn im Folgenden von „Humanismus“ gesprochen wird, dann im Sinne einer Konzentration auf den Menschen und seine Fähigkeit zu einem „guten Leben“ ohne religiöse Begründung. Die entsprechende Ethik orientiert sich an den Werten und Grundsätzen der Selbstbestimmung und Verantwortung, Solidarität und Gerechtigkeit, der Vernunft und des kritischen Denkens und nicht zuletzt am Toleranzgebot. Es sei daran erinnert, dass ein solches Denken seinen Ursprung in den Humanitätsidealen der antiken und vorchristlichen stoischen Philosophie hat.

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Kann ein Atheist ein guter Mensch sein?

Bild: Frankfurter Rundschau
Da läuft es wieder auf Entscheidungsfreiheit hinaus. Und logischen Menschenverstand.


Von Markus Tiedemann|Frankfurter Rundschau

Lieber Fanatiker!

Die Antwort auf die oben genannte Frage hängt von drei Grundsatzentscheidungen ab.

1.Ist es böse, nicht zu glauben?

2.Wird ein Mensch nur durch den Glauben an einen Gott gut?

3.Ist eine Tat oder Absicht nur dann gut, wenn sie durch die Achtung vor den göttlichen Gesetzen motiviert wurde?

Wer Frage Nr. 1 mit „Ja“ beantwortet, widerspricht der Logik und den heiligen Schriften. Wie wir bereits besprochen haben, ist Entscheidungsfreiheit die notwendige Voraussetzung für gute bzw. böse Handlungen. Wenn Du stiehlst, ist das böse, denn es lag in Deiner Macht, Dich dagegen zu entscheiden.

Wenn Du Dich aber verliebst, ist das weder gut noch böse. Es ist Dir geschehen. Du konntest das Verlieben durch eine Entscheidung weder verhindern noch erzwingen. Mit dem Glauben verhält es sich ganz ähnlich. Entweder entwickelt man ein religiöses Gefühl, eine religiöse Überzeugung oder eben nicht. Man kann sich nicht selbst befehlen zu glauben. Jemandem einen Vorwurf für seine Ungläubigkeit zu machen, ist daher sinnlos. „Es gibt keinen Zwang im Glauben“, lehrt der Koran.

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An Raif Badawi erinnern

Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann. – Karikatur: Tagesspiegel
Fast ist Raif Badawi ins Vergessen geraten. Nachdem das oberste saudische Gericht die menschenrechtsverachtende Strafe gegen den Blogger bestätigt hat, droht ihm wieder die Auspeitschung.

Von Helmut Schümann|DER TAGESSPIEGEL

Am gestrigen Donnerstag wurde in der Berliner Tiergartenstraße vor der Botschaft Saudi-Arabiens wieder demonstriert. Es ging um Raif Badawi. Ich habe hier wegen des Schicksals von Raif Badawi schon einmal mit Max Liebermann abgekotzt. Fast hatte man Raif Badawi vergessen. Das ist nicht verwerflich oder anzuprangern oder verwunderlich. Diese beste aller möglichen Welten liefert tagtäglich so viel Material und Nachrichten, dass man aus dem Kotzen gar nicht mehr rauskommt. Aber Raif Badawi ist nur für kurze Zeit in den Hintergrund getreten. In der vergangenen Woche hat das oberste Gericht Saudi-Arabiens, natürlich im Namen Gottes, das höllische, teuflische Urteil gegen den Blogger, der nur Meinungsfreiheit will, bestätigt. Zehn Jahre Haft, 226 000 Euro Strafgeld. Und tausend Peitschenhiebe. 1000!

Die werden in Margen von 50 Hieben verabreicht. Die erste Rate bekam Raif Badawi am 9. Januar auf den Körper gedroschen. Danach war sein Körper derart geschunden, dass eine medizinische Kommission eine Aussetzung, keine Absetzung der Strafe empfahl, damit der Inhaftierte sich erst wieder erholt, um auch den nächsten Satz von 50 Schlägen lebend zu erleben. In den Wochen danach wiederholte sich die Empfehlung. Jetzt ist Badawi wieder genesen.

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Shitstorm gegen Ronja von Rönne: Der Nazi-Vorwurf ist ein Ritterschlag

shitstorm

Heute ist man langweilig, wenn man noch nie in die rechtsradikale Ecke gestellt wurde, meint Harald Martenstein. Dass so viele gegen die Autorin Ronja von Rönne und ihre Feminismus-Kritik vorgehen, hat eher was mit Spießertum zu tun. Eine Glosse.

Von Harald Martenstein|DER TAGESSPIEGEL

Eigentlich ist es heute ein Zeichen dafür, dass du als Autor ein bisschen langweilig bist, wenn du noch nie in die rechtsradikale Ecke gestellt wurdest. Es ist wie in den 50er Jahren, nur andersherum. Wenn du in den 50ern für die Anerkennung der Oder- Neiße-Grenze warst oder für die Legalisierung der Homosexualität, dann hieß es, der ist Kommunist. Wenn du heute Zweifel an irgendwas Feministischem äußerst, stehst du ruckzuck als Nazi da. Der Nazivorwurf ist eine Art Ritterschlag für interessante Texte geworden. Ich war deshalb sehr stolz, als ich, wegen eines Essays über Genderforschung (das ist eine Art feministische Theologie) in einer Publikation der grünen Heinrich-Böll-Stiftung als NPD-Sympathisant angeprangert wurde. Die NPD ist nämlich auch dagegen. Damit ist der Beweis erbracht, oder?

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Dodo des Monats Mai 2015: Schulleiter der Realschule Geretsried

Dodo des Monats Mai 2015
Dodo des Monats Mai 2015

RSGer“Atheisten sind dumm.” Eigentlich kein Aufreger für Atheisten. Schulternzucken und zur Tagesordnung übergehen. Klar ist, Personen, die solche Statements von sich geben, kann man sich im Alltag nicht antun.  Als Erwachsener hat man die Möglichkeiten solchen Typen aus dem Weg zu gehen, den Kontakt zu meiden. Kinder in einer Schule, sind religiotischen Lehrpersonal auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

Im bayrischen Geretsried versucht nun so eine Type von Lehrer, die Schüler auf katholisch zu trimmen. Nennen wir den Lehrer “Adam”. In bayrischen Schuldiensten hat er es bis zum Regierungsschuldirektor gebracht, rein weltlich natürlich und im katholischen Ritualteam ergoß sich der heilige Geist über ihn, sein Bischof legte die Hand auf seinen Kopf und siehe da, er war Diakon. Die erste Stufe im Weihesakrament der katholischen Kirche. Solcher Art bedacht, göttlich aufgeladen, werden die Sagen und Märchen um eine zwielichtige Person namens Jesus an die Menscheit gebracht. “Adam” hat eine Mission, die Kinder an der Schule, einige ungetaufte, säkular eingestellte Eltern. Regierungsschuldirektor Adam missioniert, er will den Weinberg des Herrn hegen und pflegen, auf Teufel komm raus. Kritisches Hinterfragen durch die Schüler kontert er mit erprobten christlich-katholischen Dauerbeleidigtsein.

Die Thematik Christenverfolgung im Irak und Syrien wirft er den Schülern an den Kopf. Sein vizegöttlicher Vater in Rom verkündete in  Südkorea: “Das Licht der Märtyrer strahlt hell.” Als der Islamische Staat ägyptische Kopten ermordete, bedankten sich die Glaubensangehörigen für den schnellen und sicheren Weg ins Paradies, bei Youtube sind die Botschaften einsehbar. Also Lehrer “Adam” nur zu, mit Gottvertrauen und gemäß bayrischer Verfassung, Artikel 131, Absatz 2: “Ehrfurcht vor Gott” sei eines der obersten Bildungsziele im Freistaat.  Am Tag des jüngsten Gerichts würde eine solche Tat bestimmt entsprechend gewürdigt werden und paradiesisch könnte der gute katholische Diakon seinem Gott auf ewig die Füße küssen.

Mit Bildung hat das alles nichts zu tun. Die Trennung von Staat und Kirche im bayrischen Freistaat wird willentlich nicht vollzogen. Mit dem Sinken der Bedeutung christlicher Kirchen in der Gesellschaft wird es zukünftig noch mehr Reibungspunkte geben. Dort ist einer der Hauptwidersprüche verankert. Mit ihrer Weltfremdheit, unrealistischen Ansprüchen passen die Kirchen nicht mehr in die Lebenswirklichkeit der Menschen.
Nimmt man den gut-christlichen Grundsatz, dass der Mensch nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen wurde, dann sind eben auch Atheisten, Schwule, Lesben usw. Geschöpfe Gottes. Es gibt mit Sicherheit dumme Geschöpfe Gottes, aber auch religiotische und das Dorfschulmeisterlein von Geretsried ist ein Prototyp.

Es ist schauderhaft, im Dritten Jahrtausend, mit Wissenschaft und Fortschritt die Geisterwelt von Wüstenvölkern wiederbelebt.

Mit Verlaub “Adam”, du bist ein Idiot.
Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

 

Die Bibel ist auch nur ein Buch

Mia Aegerter: «Zu viele Länder eiern um das Thema Homo-Ehe herum, als ob es Aufgabe der Kirche wäre, über Menschenrechte zu entscheiden.» Bild: Mia Aegerter/Rian Helle
Liebes Nächtebuch, dunkel wie die Nacht ist unser Zeitalter. Es scheint, die katholische Kirche will ums Verrecken im Mittelalter stecken bleiben. So bezeichnete Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin jüngst das Ja der Iren zur Homo-Ehe, als «Niederlage für die Menschheit».

Von Mia Aegerter|Mias Nächtebuch

Während ich schreibe, höre ich: Tim Minchin – The Good Book

Im Prinzip müsste man die ewiggestrige Haltung des Vatikans mit einem genervten Kopfschütteln abtun. Wäre der «heilige» Staat nur nicht so meinungsbildend und politisch einflussreich. Zu viele Länder eiern um das Thema Homo-Ehe herum, als ob sie es der Kirche überlassen wollen, über Menschenrechte zu entscheiden. So sitzen in Roben gekleidete alte Männer in antiken Räumen und diskutieren den Umgang mit den «Abtrünnigen», sprich: Geschiedenen, Wiederverheirateten und Homosexuellen. Dabei sollten die Moralapostel den Mund mal nicht so voll nehmen. Hust. Unlängst ist der heilige Schein der Kirche an zahlreichen Vorfällen von Kindesmisshandlung zerschellt. DAS nenne ich «Niederlage der Menschheit».

«So sitzen in Roben gekleidete alte Männer in antiken Räumen und diskutieren den Umgang mit den Abtrünnigen, sprich Geschiedenen, Wiederverheirateten und Homosexuellen.»

Mia Aegerter

Es ist auch einfach ein Kreuz mit dieser Bibel. Sie ist wie ein veraltetes Gesetzbuch und ist stellenweise absolut menschenverachtend. Warum klammert sich die Kirche an verstaubte Textpassagen, die irgendwann vor 2000 Jahren von offensichtlich heterosexuellen Männern verfasst wurden? Damals dachte man noch, ein Vulkanausbruch wäre der Zorn Gottes.

Aber wir haben uns weiterentwickelt. Heute schiessen wir Teleskope in den Weltraum und machen Fotos vom Universum, herrgottnochmal! Da kann es doch nicht sein, dass wir die Liebe von zwei Menschen verurteilen. Haben wir denn wirklich nichts Wichtigeres auf dem Zettel? Sagen wir – Umweltschutz? Hungersnot? Missbrauch von Frauen oder Kindern? Religion sollte eine Stütze für die Menschen sein und auf keinen Fall irgendjemanden ausschliessen.

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