Archiv der Kategorie: Meinungsbeitrag

Vielfältige Menschen zählen, nicht vielfältige Religionen

HumanismMitte April berichtete der Deutschlandfunk in seiner Sendung „Tag für Tag“ von einem französischen Projekt namens „Slam unterm Halbmond“, bei dem muslimische Jugendliche der Pariser Banlieues zu Rappern und Dichtern werden sollen. „Mit diesem Workshop reagieren wir auf ein Problem, das wir in den meisten Banlieues antreffen: Hier wachsen Kinder aus muslimischen Familien auf, die praktisch nichts über die philosophischen Grundlagen des Islams wissen. Sie gehen selten in die Moschee. Die Schule jedoch vermittelt kein Wissen über den Islam. Diese Lücke wollen wir füllen. Außerdem sollen sich die Jugendlichen persönlich ausdrücken, und zwar in einer Form, die sie mögen, nämlich Rap und Slam.“

Von Roger Letsch | Achgut.com

Nun ist gegen Rap und Slam als Ausdrucksformen nichts einzuwenden, aber warum müssen die Jugendlichen das im Zusammenhang mit ihrer Religion erfahren – und was geht dies den laizistischen französischen Staat an, dass er diese Art der Selbstfindung zum Nachhilfeunterricht in Koranfragen umdeklariert? Kaum zu glauben, dass in christlichen Gegenden Frankreichs oder Deutschlands Jugendliche aufwachsen, die noch nie von den philosophischen Lehren der frühen Kirchenväter Augustinus oder Benedikt von Nursia gehört haben und in einem Streitgespräch über die Thesen eines Thomas von Aquin jämmerlich versagen würden. Welche philosophischen Grundlagen müssen eigentlich Atheisten auf Verlangen aufsagen, um ihre Eignung als Bürger Frankreichs unter Beweis zu stellen? Es ist absurd.

Warum nicht die Religion einfach mal beiseite lassen?

Das christlich/abendländische Wissensfundament in Frankreich oder auch Deutschland ist im Durchschnitt nicht dicker als eine Hostie, warum wird dort nicht mit ordentlich Staatskohle Abhilfe geschaffen? Die Sektiererei in den Banlieues, ihre Absonderung vom Rest der französischen Gesellschaft wird durch die Betonung des genuin muslimischen nur noch verstärkt. Man belästigt die Jugendlichen mit ausgewählten Aspekten ihrer Religion, anstatt sie zu ermuntern, diese Religion einfach mal beiseite zu lassen, um endlich ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Wer nun glaubt, das sei ein französisches Problem, der schaue auf die Arbeit der Islam-Verbände in Deutschland, ihre Forderungen und ihre Wortmeldungen. Sylvie Forestier von „Slam unterm Halbmond“ beklagt, dass es „Immer mehr private Koranschulen“ gäbe und “…Frankreich Stellen und Geld für Sozialarbeiter, Erzieher und Vereine zusammenstreiche“. Privates Engagement und private Finanzierung ist in Frankreich für alle anderen Religionen eine Selbstverständlichkeit. Was ist anders am Islam, dass man ihn staatlich anleiten und in die richtige Richtung drücken muss?

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Auf dem Nachttisch

Bild: DIE KOLUMNISTEN.de
…nannte Kurt Tucholsky eine Rubrik, die er in den 1920er Jahren für die „Weltbühne“ schrieb. Ob nun eine Monographie über John Heartfield, Gedichte von Walter Mehring, Studien über das „Geschlechtsleben in Melanesien“, katholische Moralbroschüren oder wohl im Suff geschriebene deutsch-französische Wörterbücher, den lombardischen Leser interessierte auch das, was sonst wenig öffentliche Beachtung fand, aber sie doch verdient hatte.
Ich lese zwar nie im Liegen, aber auch bei mir sammelt sich Gedrucktes, das ich nicht wegwerfen kann und das es verdient hätte, eine breitere Öffentlichkeit zu finden. Also, Tucho zu Ehren, bauen wir am Nachttisch an…

Von Wolfgang Brosche | DIE KOLUMNISTEN

Kennen Sie „Cleopatra“?

Ich meine nicht die berühmt-berüchtigte ägyptische Königin, sondern den monumentalen Film gleichen Namens, in dem die veilchenäugige Liz Taylor ihre üppigen Formen im ToddAO-Format ausbreiten durfte. Jenen Film, der 1964 als der teuerste aller Zeiten galt – nach heutigen Maßstäben würde er 300 Millionen Dollar kosten – und der deshalb die Produktionsfirma  Twentieth Century Fox fast in den Ruin trieb. Er wurde zu einer Zeit  gedreht, in der es noch keine computergenerierten Bilder gab und nahezu alle Schauplätze in echter Größe nachgebaut, tausende an Komparsen engagiert und ganze Seeschlachten mit richtigen Schiffen nachgestellt wurden. (Nur die überbordenden Stadtansichten Roms wurden von Genies auf Glas gemalt und unsichtbar ins Bild eingefügt – davon erzähle ich vielleicht ein anderes Mal!)

Vor fünfzig Jahren floppte „Cleopatra“, der Film,  an den Kinokassen einerseits weil die Welle der Antikepen, die er krönen sollte, abebbte und anderseits weil es ihm zwar nicht an optischer Pracht fehlte, aber dafür an erzählerischer Konsequenz, deren Mangel die Zuschauer durch geschichtliche und kulturhistorische Kenntnisse ergänzen mußten. Das große Publikum, das straff erzählte Geschichten gewohnt ist, die sich nicht verzetteln, war weder episch ausdauernd noch genügend ästhetisch gebildet, um den Film mit Wonne zu goutieren.

Wenn man heutzutage die über vierstündige integrale Fassung auf DVD anschaut – der Roughcut soll sogar sechs Stunden lang gewesen sein – dann beeindruckt eben nicht die im Film erzählte Geschichte  – auf die das Hollywoodkino sonst den allergrößten Wert legt – sondern es überwältigen die Tableaux, in denen der Film schwelgt. Die Üppigkeit der Diva Liz Taylor findet ihre Entsprechung in der detailstrotzenden Pracht von Sälen, Tempeln und Gemächern, in denen lebende Bilder stattfinden. Im Sinne eines Narrativs  statisch, aber optisch überwältigend.
„Cleopatra“ von Joseph L. Mankiewicz bezieht  seine Kraft nicht so sehr aus den erzählten Intrigen, Machtträumen und den Liebesgeschichten der Königin mit Julius Cäsar und Marcus Antonius, sondern aus einer malerischen Augenlust  des 19. Jahrhunderts. Er setzt noch einmal eine damals eigentlich schon ausgestorbene Tradition des frühen Stummfilms fort.

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Heinz-Josef Algermissen: Dodo des Monats März 2016

Dodo des Monats März 2016 ©HFR
Dodo des Monats März 2016
©HFR

algermissenImmer zur Zeit des Frühlingsvollmondes laufen die christlichen Kirchen zur Hochform auf. So soll der Vollmond, welcher den Frühlingsanfang markiert, Tod und Auferstehung eines gewissen Jesus aus Nazareth kennzeichnen. Die Gestalt ist beliebig, die Geschichte auch, nichts ist belegbar und dem Klub der Christen ist zudem noch der Leichnam ihres Klubvorsitzenden abhanden gekommen. Mit gutem Grund, so kann man behaupten was man will und den Klubmitgliedern die schönsten Geschichten auftischen, es ist wahr, weil es in der Bibel steht. Der Frühlingsanfang war immer ein Fest, der Winter ging, die Natur entfaltete ihre Pracht, Fruchtbarkeit, symbolisch durch die Ostereier ausgedrückt, man hat also nicht die Eier von Jesus angemalt und versteckt, das Christentum hat einfach diesen Anbeginn einer neuen Jahreszeit geklaut und mit einer großen Geschichte des imaginären Gottessohnes verbrämt.

In dieser Zeit, liefen und laufen die Anhängsel des Vizegottes zur Höchstform auf. Zur Zeit des Pessah-Festes gab es 12 Apostel, so die Sage, der römischen Spukgestalt stehen heute mehr als 30.000 Apostel zur Verfügung, die den ganzen Klub zusammenhalten sollen. Inflationäre Entwicklung. Und da es in der Jesus-WG keine Frauen gab, gibt es auch keine weiblichen Apostel, bis heute. Über die Jahrhunderte waren Frauen die dunkle, feuchte Gruft, das Einfallstor des Teufels.
Es sind aber gerade die Pfaffen und Apostel, die sich anmaßen in Sache Familie und Ehe mitreden zu wollen und vor allem Vorschriften zu erstellen. Algermissen ist so ein besonderes Exemplar. Zu vergleichen wäre das, als wenn man sein Auto zwecks Ölwechsel zum Bäcker bringt.

Im Dom zu Fulda erinnerte sich  nun Algermissen, von Staats wegen bezahlter Diener Gottes, an alte glorreiche Zeiten, als man Anders-und Ungläubige bis hin zur Gefahr für Leib und Leben verdammen konnte.
Sein Hass gegen alles Nicht-Christliche bringt er mit folgenden Worten zum Ausdruck:
Heinz-Josef Algermissen

„Der Mensch ohne Ostern lebt unter der gnadenlosen Devise: Was Du bis zu deinem Tod nicht erreicht hast, das hast Du für immer verloren; was Du bis zur Stunde deines Sterbens nicht erjagt hast, das wirst Du nie mehr einholen; was Du hier auf Erden nicht zu Ende bringst, das verendet im wahrsten Wortsinn. Der Mensch ohne Ostern wird darum zu einem großen Sicherheitsrisiko für die Mitwelt, denn seine innere Hektik, diese ausgesprochene oder unausgesprochene Daseinsangst lassen ihn dann auch im Letzten blindwütig zuschlagen und alles zerstören.“

Das ist Hetze, unverfroren ausgesprochener Hass auf alles Nicht-Christliche. Protest gegen solche Hasspredigt, von Seiten der Politik, war nicht zu vernehmen, Frieder Otto Wolf, der Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschland protestierte ganz deutlich. Politik, die schon lange die Rolle des Feudaladels in der Beziehung zu den Kirchen eingenommen hat schweigt bis heute.
Algermissen hat ein Grundgehalt von 9700 Euro, welches das Land Hessen zahlt. Also, alle Ungläubigen, Muslime, Juden, Buddhisten, Hindus bezahlen mit ihren Steuern die Haus-und Hofhaltung des Katholiban Algermissen. Er nimmt das Geld von “Menschen ohne christlichen Glauben, die ein Sicherheitsrisiko für die Mitwelt darstellen.” Judas war billiger zu haben.
Man sollte diesen katholischen Popanz die Mittel ersatzlos streichen. Weg mit den Länderausgleichzahlungen, ohne weitere Verhandlungen, was Fürsten und Pfaffen vor 200 Jahren verhandelt haben sollte nicht mehr unsere Angelegenheit sein. Die Kirchen gehören in die Selbständigkeit, die sie immer aufs neue beschwören, entlassen. Der Staat als Finanzbüttel der Pfaffen sollte die unsägliche Beziehung beenden.In anderen Ländern ist das auch möglich.

Am gestrigen Tage widersprach das Bistum Fulda den Vorwürfen Algermissen hätte eine Hasspredigt gehalten.

«Die Osterpredigt von Bischof Algermissen hatte keineswegs die Absicht, irgendjemanden zu diffamieren»

Mit Lachtränen in den Augen nehmen wir diesen Blödsinn zur Kenntnis.
In der 174 Quadratmeter großen Wohnung des Apostels findet sich ein Plätzchen für das Nest des Dodos.

Herzlichen Glückwunsch.

Erdogan – der Kalif, der aus der Volksneurose kam

erdogan-sultan

“Wie können die ihn immer noch wählen?” Das Erfolgrezept Erdoğans lautet Verfolgungswahn, Hybris und Fanatisierung seiner Anhänger. Zugeschnitten auf die Untiefen der türkische Seele.

Von Deniz Yücel | DIE WELT

Die Gezi-Proteste? Eine Verschwörung von “internationaler Finanzlobby” und ausländischen Medien. Die Korruptionsermittlungen gegen die AKP-Regierung? Eine Intrige der Gülen-Gemeinde, die von den USA und Israel gelenkt wird. Die kurdische PKK? Eine von Deutschland und Europa gesteuerte Agentur voller armenischer Söldner. Der “Islamische Staat”?

Ein globales Projekt gegen die Türkei und den Islam. So sieht sie aus, die Welt von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan und seiner Anhänger. Überall “ausländische Kräfte” und ihre inländischen Handlanger, die danach trachten, den Aufstieg der Türkei zur Weltmacht zu verhindern. Auch das Lied in der NDR-Sendung “extra 3” ist darum nicht bloß eine Satire, sondern Teil einer globalen Kampagne.

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Wahl Dodo des Monats März 2016

Dodo des Monats März 2016 ©HFR
Dodo des Monats März 2016
©HFR

Terror, Ostern, Politik die sich ihrem Glauben vor die Füße wirft, Universitäten die den wissenschaftlichen Dialog scheuen und christliche Feindesliebe gegen den Terrorismus.
Eine reichhaltige Palette kruden Unsinns hat sich im März angesammelt.

Die Wahl ist bis zum 07. April, 18:00 Uhr befristet. Der Gewinner wird am folgenden Tag, hier auf dem Blog, gewürdigt werden.

Mehrfachabstimmung ist möglich.

  1. Aiman Mazyek, “Terror ist eine Todsünde im Islam.”
  2. Heinz Josef Algermissen, “Katholiban gegen den Unglauben.”
  3. Stadt Halle, “Zwangsmission mit Lutherwoche, bezahlt von Steuergeldern.”
  4. Landesregierung Hessen, “viel Steuergeld für imaginären Freund.”
  5. Markus Dröge, “und die unnütze Garnisionskirche in Potsdam.”
  6. Konrad Zdarsa, “Kreuzholz im Kopf.”
  7. Margot Käßmann, “kindlich-naiver Narzissmus.”
  8. Bodo Ramelow, “linker Befreiungstheologe als Ministerpräsident.”
  9. Heinrich Bedford-Strohm, “und demokratischer Islam.”
  10. Silke Lorch-Göllner, “unbequeme Wissenschaft ausladen.
  11. Markus Frank “Tanzverbot um jeden Preis.”
  12. Annegret Kramp-Karrenbauer, “Recht unterm Kreuz.”

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Gott, hilf

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Ein Muslim, ein Christ und ein Buddhist treffen sich im mongolischen Grasland zum Wettstreit der Argumente – und hinterher trinken alle gegorene Stutenmilch und verstehen sich nach einem wilden Zechgelage. Ein Traum? Nur fast.

Von Kai Strittmatter|Süddeutsche.de

Himmel. Auch so genervt? Fassungslos? Über die globale Renaissance der Religion im hysterischen Gewande? Wirklich weg waren sie ja nie, die selbstgerechten, bigotten, im Extremfall mörderischen Moralapostel unter den Religiösen, denen ihr Gott, Allah, Jahwe, Shiva oder Buddha zu nichts gut ist, als ihn dem jeweils anderen einfach überzustülpen. Aber dass man sie seit ein paar Jahren wieder ernst nehmen soll, dass sie die öffentliche Debatte und den Lauf der Welt bestimmen, das tut weh. So. Was tun? Ich weiß es nicht. Ich habe aber einen Traum: Was, wenn die Hand Gottes die ganze hartherzige Bagage packte und weit hinten in der Mongolei wieder ablüde?

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Moralismus ist die schlimmste Droge

Es geht um die Bewältigung von Realitäten, nicht um Moral. Foto: dpa
Brauchen die Grünen Moralisten? Grundsätzliches zum „Fall“ Volker Beck und die Grundsünde zu denken, dass man ein besserer Mensch sein müsse.

Von Peter Unfried|taz.de

Die Grünen brauchen Moralisten. Das sagt nicht nur der SZ-Leitartikler Kurt Kister, das glauben auch wirklich realitätsorientierte Spitzengrüne. Ohne Moralisten, so geht der Gedanke, wären sie nicht mehr singulär, denn gegen Atomkraft und für Schwulenehe seien ja andere längst auch.

Ein fataler Irrtum. Kein Mensch braucht Moralisten. Die Politik schon gar nicht. Moralismus ist die schlimmste Droge überhaupt, ist anti-gesellschaftlich und macht politikunfähig, weil er davon ausgeht, in der Politik gehe es um die absolute Unterscheidung zwischen dem Guten und dem Bösen. In einer Demokratie geht es aber um das Gewinnen von Mehrheiten für eine politische Lösung. Das ist der große Schritt, den die Menschheit mit der Aufklärung getan hat. Das ist der Schritt, den manche Grüne bis heute nicht nachvollzogen haben. Wenn ein Grüner Moralist seinem handlungsverantwortlichen Parteifreund vorwirft, er habe moralische „Ideale“ für „einen Appel und ein Ei verkauft“, dann ignoriert er schlicht die Realität: Ideale können nicht demokratisch umgesetzt werden.

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Jürgen Todenhöfer schreit!

Jürgen Todenhöfer, Bild: Jüdische Rundschau
Von einem Besserwisser, der es einem leicht macht, ihn zu widerlegen

Von Gerd Burrmann|Jüdische Rundschau

Auf seiner Facebook-Seite fleht Jürgen Todenhöfer: „Bitte gehlt mit, diese 10 Ungerechtigkeiten jeden Tag in die Welt hinauszuschreien!“

Da helfe ich doch gerne. Ich werde jedoch ein paar Kommentare dazu flüstern. Meine Oma sagte nämlich immer: „Wer schreit, hat Unrecht!“

Dann brüll mal los, Jürgen!

„1. Die westliche Welt trauert um die 2 Terroropfer Kopenhagens. Ich auch. Aber wer trauert bei uns um die 3 ermordeten jungen Muslime im amerikanischen Chapel Hill? Oder die 5 im Januar in den Trümmern von Gaza erfrorenen Babies? Oder die fast täglichen zivilen Drohnenopfer? Ist muslimisches Blut soviel billiger?”

Und wer trauert um die vielen unbekannten Menschen, die täglich im Alltag der Scharia hingerichtet werden, weil sie homosexuell sind oder sich vom Islam losgesagt haben? Es ist unmöglich, um alle Menschen zu trauern. Jeder trauert, so viel er kann!

Trauern ist eine sehr persönliche Sache. Ich trauere mehr um Menschen, die mir verbunden sind. Das ist menschlich und natürlich. Ich habe einige Zeit in den USA und auch in New York gelebt, deshalb haben mich die Anschläge vom 11. September 2001 besonders berührt. New York ist die multikulturellste, weltoffenste Stadt der Welt. Fast jeder Mensch hat eine persönliche Beziehung zu New York. Darum war damals die Anteilnahme so groß.

Ich bin Künstler. Wenn Künstler aufgrund ihrer Kunst ermordet werden, berührt mich das besonders, mögen es nun Karikaturisten, Schriftsteller oder Regisseure sein. Es ist pervers, einem Menschen in Trauer vorzuwerfen, nicht auch um andere Menschen zu trauern. Es ist so, wie einer Tochter, die gerade ihre Mutter verloren hat, vorzuhalten, sie solle nicht die anderen Töchter vergessen, es seien schließlich auch viele andere Mütter am gleichen Tag gestorben!

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Kein Dodo des Monats Februar 2016

Der Dodo des Monats Februar ist ausgefallen. Wenn der Wunsch, einen Kandidaten mit aller Macht, für diesen Negativpreis durchzusetzen die Inhalte in den Hintergrund rücken lässt, ist die Wahl selbst fragwürdig.

Wenn dann noch versucht wird, die Begrenzungen der Software, wie temporäre IP-Speicherung, Cookies ect.pp, zielgerichtet zu umgehen, ist dem Anliegen nicht mehr Rechnung zu tragen.
Aus diesem Grunde kein Dodo des Monats Februar 2016.
Einzelne Kandidaten werden im Laufe der nächsten Wochen gewürdigt werden.

„Humanist“ Lehnert: die Kirchen sind wie die SED

Dr. Uwe Lehnert hat wieder einen rausgehauen. (Foto: Screenshot Youtube)

Vor über zwei Jahren verteidigte der „humanistische“ Autor Uwe Lehnert PEGIDA. Im damaligen Kontext kam es zu einer Artikelserie, die unlängst in unserem eBook „Humanisten & PEGIDA“ gipfelte. Dabei wurde auch deutlich, wie nah Lehnert an Rassisten und PI-Autoren stand. Uwe Lehnert hatte viel Zeit über die Kritik nachzudenken, die (auch) von uns Ruhrbaronen formuliert worden war. Gestern bewies er eindrucksvoll: es ist bei ihm nicht angekommen.

Von Sebastian Bartoschek|Ruhrbarone

Dabei ist der Anlaß an und für sich harmlos. Kirchenkritiker Carsten Frerk hat ein Buch veröffentlicht, in dem er dem Lobbyismus der Kirchen in Deutschland auf den Grund geht. Es trägt den wenig kreativen Titel „Kirchenrepublik Deutschland – Christlicher Lobbyismus“ und geht genau den Thesen und Themen nach, die der Titel eben nahe legt. So weit, so gut. Es ist immer sinnvoll, ein Auge darauf zu haben, wer versucht, auf wen wie Einfluss zu nehmen, und zu hinterfragen, inwiefern dies mit demokratischen Prinzipien in Einklang zu bringen ist. Dieses Ansinnen und Verdienst ist Frerk klar zuzuschreiben.

Dieses Buch hat Uwe Lehnert nun für den humanistischen pressedienst (hpd) rezensiert, und er findet es wirklich gut, und ist von all dem Unrecht empört, dass er seitens der Kirchen darin beschrieben sieht. Und fasst das Ganze so zusammen, als würden bereits alle Gesetzvorhaben vor dem parlamentarischen Weg bereits in Hinterzimmern beschlossen sein. („Worüber in den Parlamenten dann abgestimmt wird, ist somit im Wesentlichen längst andernorts festgelegt worden.“ / „In Deutschland besteht neben der parlamentarischen Demokratie und dem Staatsaufbau eine ‚Nebenregierung’“). Das allen klingt schon nach Kopp-Verlag – ist aber auch ein Duktus der radikalen Religionshassern nicht fremd ist.

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Wir waren es nicht, die Sachsen sind’s gewesen!

In Clausnitz hatten etwa 100 Menschen die Ankunft eines Busses mit Flüchtlingen blockiert. An dem Einsatz der Polizei gab es Kritik. Jetzt wurden Einzelheiten aus dem Polizeibericht bekannt. Quelle: Die Welt
Die ganze durch und durch ausländerfreundliche Republik scheint sich einig: Der Feind steht vor Bautzen, die Sachsen sind die gesamtdeutschen braunen Übeltäter. Als ob es so einfach wäre!

Von Robin Alexander|DIE WELT

Mehr als zwanzig Mal zogen die Vorläufer der Deutschen im Mittelalter mit Feuer und Schwert gegen die heidnischen Sachsen. Das ist 1200 Jahre her, aber wenn man in diesen Tagen in den Fernseher oder ins Netz schaut, glaubt man, es ist bald wieder so weit: Ein prominenter Journalist ruft dazu auf, keinen Soli mehr für die Sachen zu zahlen.

Westdeutsche Landespolitiker fantasieren vom “Saexit”, also von dem Ausschluss Sachsen aus der EU oder, wahlweise, sogar der Bundesrepublik. #sachsenabschieben ist ein populärer Hashtag auf Twitter. Re-Education-Kurse nach dem Vorbild der amerikanischen Entnazifizierung werden gefordert oder gleich nach Bomber-Harris gerufen, also dem britischen Offizier, der mit der Bombardierung Dresdens 1945 identifiziert wird, bei der über 20.000 Menschen starben.

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Ich bin kein Karzinom, Frau Kuby

“Wir brauchen keine Sexualmoral, Frau Kuby!”, befindet Kolumnist Wolfgang Brosche und wirft der “Allerwertesten” den Fehdehandschuh hin.
Eigentlich wollte ich mich ja längst mit den Haß-Phänomen AfD und PEGIDA beschäftigen und die hilflose Frage beantworten woher dieser anscheinend plötzliche Ausbruch an Menschenfeindlichkeit rührt. Aber vorher muß ich mich noch mit einem ähnlich gelagerten Phänomen und einer Person beschäftigen, die sich bemüht in gleicher Sache – der Menschenverachtung nämlich – immer weiter Öl ins Feuer zu gießen und sich dabei auch noch für freundlich und gerecht hält.

Von Wolfgang Brosche|DIE KOLUMNISTEN

Ich mißtraue Leuten, die immer so gut wissen wollen, was ihr Gott von ihnen verlangt, weil mir auffällt, daß das immer mit ihren eigenen Wünschen übereinstimmt.

Susan B. Anthony, amerikanische Suffragette

„Ich liebe doch alle, alle Menschen“ stotterte der debile Erich Mielke bei seiner letzten Rede vor der Volkskammer der DDR in die Mikrophone. Er wurde ausgelacht, ausgebuht und ausgepfiffen weil er Lügen erzählte, denn man wußte, daß er als Stasichef über Jahrzehnte Menschen ausspionieren, korrumpieren, einsperren, foltern und sogar hatte töten lassen. Nun war er ein alter, jämmerlich-jammeriger, kranker und verwirrter Mann, dem jedes menschliche Mitempfinden abging und dessen ideologischer Zynismus ihm zur zweiten Natur geworden war. Eine jetzt groteske einmal aber sehr gefährliche Figur der Zeitgeschichte. Sein Versuch der Reinwaschung war ein fast schon wieder bemitleidenswertes Tattergreistheater.
Bei Gabriele Kuby verhält es sich nicht so – sie ist im Vollbesitz ihrer katholischen Kräfte und versucht sich nun mit einem juristischen Rundumschlag gegen ihre Kritiker zu wehren. Sie will sie mundtot machen mit Unterlassungserklärungen, wie es ihr dieser Tage beim Deutschlandradio schon gelungen ist und sie wird es weiter versuchen mit einer angekündigten Klage gegen den Autor und Regisseur Falk Richter und sein Stück FEAR.

Natürlich ist das ein Versuch, die Kunstfreiheit auszuhebeln, wie ihn auch schon Kubys Mitstreiterinnen Beatrix von Storch und Hedwig von Beverfoerde mit ihrer Klage gegen FEAR unternommen haben. Diese beiden Aristokratinnen sind allerdings vor demokratischen Gerichten gescheitert. Immer wieder versuchen Fundamentalreligiöse die Demokratie in ihrem Sinne mithilfe demokratischer Prinzipien zu schädigen und so ihren niederschmetternden Einfluß auf Kultur und Politik zu nehmen.

Bisher ist es ihnen glücklicherweise noch nicht wirklich gelungen. Und auch Frau Kuby darf dies nicht gelingen, das wäre ein entschiedener Ruck der Justiz nach rechts und käme den rechtskatholischen Kämpfern gegen Gender, Frauen- und Schwulenrechte, die von halbtheokratischen Zuständen träumen wie sie bereits in Ungarn oder Polen herrschen, zupass.
Kubys angekündigte juristische Kampfmaßnahme gegen FEAR muss noch verhandelt werden…und der tapfere Falk Richter wird sich zu wehren wissen. Eine weitere Kampfmaßnahme soll aber nicht untergehen in all dem Getöse, das sie anrichtet:

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Liebe Salafisten, Eure Einfalt ist so lächerlich

Foto: picture alliance / dpa Muslimische Frauen des “Liberal Islamischen Bundes” beten in Köln in ihrer Gemeinde. Der Imam ist weiblich. Männer und Frauen beten zusammen. Kopftuch kann, muss nicht
Die Muslime hierzulande brauchen kein Retro-Gefasel und keine Gesinnungspolizei der Verbände, die Vorschriften machen, wer Muslim sei und wer nicht. Für jede Muslima ist das unterirdischer Kram.
 

Von Sineb El Masrar|DIE WELT

Stellen Sie sich vor, Sie sind als Autorin zum Thema Islam und Frauen auf Lesetour und es wird gelacht, gestaunt und munter diskutiert. Dabei brennt eine Frage auch außerhalb der Lesesäle vielen unter den Nägeln: Was lässt muslimische Frauen eigentlich am Islam festhalten? Schließlich sei der Prophet Mohammed doch ein narzisstischer Paranoiker gewesen. So erklärt mir das ein älterer Herr in einer schnuckeligen Buchhandlung. Nun ist diese Behauptung weder neu noch eindeutig bewiesen, weil niemand eine Zeitreise unternehmen kann, um Mohammed, wie das Katrin Bauerfeind zu tun pflegt, einen Tag bei seinen Tätigkeiten zu assistieren, um uns dann als TV-Primaten ein Bild von ihm zu machen.

Was allerdings nicht von der Hand zu weisen ist, ist die Tatsache, dass sich zahlreiche friedliebende Muslime wohlfühlen mit dieser Religion, ohne dabei Nichtmuslime abzuwerten. Warum sollte sie also per se als Bedrohung oder Unheilbringer wahrgenommen werden? Nur weil in vielen muslimischen Ländern Chaos und Ungerechtigkeit vorherrschen, Zustände also, die mit unseren Breitengraden nichts zu tun haben?

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Mundlos und Böhnhardt: Zweifel an Selbstmord-Hypothese

Antwort und Richtigstellung eines Telepolis-Artikels

Von Wolfgang Schorlau|TELEPOLIS

Sehr geehrter Herr Gröh,

in Ihrer Mail vom 11. Dezember 2015, die Sie zugleich an mich als auch an die ZDF-Aspekte-Redaktion geschickt haben, weisen Sie auf Ihren – am selben Tag bereits zuvor bei TELEPOLIS veröffentlichten – Artikel mit dem Titel “NSU-Terroristen: Ungereimtheiten an der Selbstmord-Hypothese” hin.

Sie schreiben, dass Sie sich in Ihrem Online-Artikel (auf Seite 2) auf die “These der fehlenden Gehirnmassen von Mundlos und Böhnhardt und auch darauf, dass bei beiden ‘eine Rauchgasvergiftung definitiv ausgeschlossen werden kann'” beziehen. Diese “Thesen” werden von mir in meinem Krimi “Die schützende Hand” vertreten bzw. liegen der referierenden Besprechung dieses Buches in der ZDF-Sendung Aspekte vom 13. November 2015 ebenfalls zugrunde. Sie werfen mir als Autor des Dengler-Krimis und der Aspekte-Redaktion im Kern zwei – wie Sie es nennen – “Falschdarstellungen” von Sachverhalten vor, die Sie dann richtigstellen wollen.

Ihre Vorwürfe im Einzelnen:

1.) Sie schreiben in Ihrem Artikel:

“Wolfgang Schorlau behauptet in seinem auf Originalquellen gestützten Roman ‘Die schützende Hand’ (in Kapitel 48): In den Obduktionsberichten zu Mundlos und Böhnhardt habe das Universitätsklinikum Jena am 23.11.2011 festgestellt, dass bei beiden Neonazis ‘eine Rauchgasvergiftung definitiv ausgeschlossen werden kann’.”

Hier liegt ein Irrtum vor: Erstens geht es in dem von Ihnen angegebenen Kapitel 48 ausschließlich um den Tod von Mundlos, nicht um den Böhnhardts. Zweitens verwechseln Sie den Obduktionsbericht vom 28.11.2011 mit dem toxikologischen Gutachten vom 23.11.2011 zur Leiche von Mundlos. Beide stammen von der Rechtsmedizin der Universitätsklinik Jena. Und drittens können Sie daher im Obduktionsbericht die von mir zitierte Aussage, dass bei Uwe Mundlos ‘eine Rauchgasvergiftung definitiv ausgeschlossen werden kann’ nicht finden, da diese im toxikologischen Gutachten steht, welches Dr. Heiderstädt, einer der Obduzenten von Mundlos, mitverfasst hat. Diese Tatsache hätten Sie aber auch unschwer aus der Anmerkung 39 entnehmen können, auf die im Kapitel 48 auf Seite 258 verwiesen wird.

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Glaube an BER-Eröffnung als Religion anerkannt

Foto: picture alliance / dpa Jubel bei den Gläubigen: Die “Church of BER” ist endlich auch offizielle Religion außerhalb Berlins
Endlich mal eine Erfolgsmeldung vom Berliner Hauptstadtflughafen: Die spirituelle Überzeugung, dass der BER bald eröffnet, wird in Deutschland offiziell als Glaubensrichtung anerkannt.

Von Karl Sack-Reis|DIE WELT

Halleluja, es bewegt sich etwas in Berlin! Nach hartnäckigem zehnjährigen Ringen um die Anerkennung als Glaubensgemeinschaft kann die unter dem Namen “Aufsichtsrat” firmierende 15-köpfige Gemeinde einen ersten großen Erfolg vermelden: Die Überzeugung, dass der Hauptstadtflughafen in den nächsten Jahren eröffnet, wird in Deutschland offiziell als Religion anerkannt.

Für die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft, die sich immer wieder bitterer Häme ausgesetzt sahen, ist das eine große Erleichterung: “Endlich kann ich in aller Öffentlichkeit sagen, dass ich an die BER-Eröffnung 2017 glaube, ohne deswegen ausgelacht und in meinen religiösen Gefühlen verletzt zu werden”, jubiliert Bruder Michael Müller, das derzeitige Kirchenoberhaupt der “Church of BER”, nachdem bekannt wurde, dass es zu erneuten Verzögerungen bei der Inbetriebnahme des Hauptstadtflughafens kommt.

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Evolutionäre Idiotie und Antisemitismus

Dr Seyfi Şahin. Bild: youtube.
Dr Seyfi Şahin. Bild: youtube.

Einige Kreationisten meinen ja, dass der Teufel Fossilien vergraben und versteckt hat, um die Menschen zu verwirren. Andere wiederum suchen ihren imaginären Freund auf dem Genom, Bakterien, Mikroben, was auch immer, fündig geworden ist noch keiner. Und wenn man meint, alles Verrückte im wesentlichen zu kennen, kommt einer um die Ecke und setzt der Idiotie die Krone auf. Dr Seyfi Şahin ist so einer. Präsidentschaftskandidat der MHP(Milliyetçi Hareket Partisi), 2012, in der Türkei. Der türkische Nazi erklärt seinen Mitmenschen die Evolutionstheorie von Charles Darwin.
Lassen wir ihn zu Wort kommen.
Seyfi Şahin:

Darwin war Jude. Er glaubte und lebte entsprechend seiner Religion, so wurde er auch beerdigt. Sein wirkliches Ziel waren die Muslime.

Diese profunden Kenntnisse über Darwin bringt er hier zum Ausdruck.

Weiter führt er aus:

Ich glaube, dass heute, in den Wäldern Nordafrikas, lebende Schimpansen und Gorillas, von Gott verfluchte Juden sind. Sie sind pervertierte, mutierte Menschen. Das zu denken ist wesentlich stärker und wissenschaftlicher als die Theorie von Darwin.

Zum Abschluss führt er aus:

dass Gott all jene, die ihm nicht gefolgt sind, als Affen, Schweine und Teufelsanbeter auf der Welt verstreut hat.[…] Gut dass wir Muslime sind und
Hirn, Religion und Gott haben.

Dieser Mann gibt auf seiner Facebook-Seite an, dass er Mediziner ist und an der Universität in Ankara studiert hat. Da wird einem Angst und bange.

Ich glaube es war Richard Dawkins, der sich zur Widerlegung der Evolutionstheorie, wie folgt geäußert hat: Natürlich kann die Evolutionstheorie widerlegt werden, wenn, dann wird sie von Wissenschaftlern widerlegt und nicht von Idioten.

Passend zur evolutionären Idiotie, gepaart mit Antisemitismus bleibt nur noch zu sagen, als Mensch zu blöde, für einen Affen zu wenig Sprungkraft.

(Pascha aus Neukölln, danke für die Übersetzung.)

Klimawandel. Schleichend

Bild: Die Kolumnisten
Fast hatte ich mich ein bisschen beruhigt über die verschiedenen Kampfzonen. Dieses ganze Geschrei um Flüchtlinge, Willkommen, nein doch nicht usw. – es nahm seinen gewöhnlichen demokratischen Verlauf: Köln wird aufgeklärt, Rechtsbrüche bestraft, sowohl die von deutschen Rechten als auch die von Zuwanderern, Politikerinnen und Politiker äußern innerhalb ihrer Parteien und Fraktionen unterschiedliche Ansichten, Helferinnen und Helfer schildern in verschiedenen Medien verschiedene Probleme und suchen nach Lösungen, selbst diese Lisa-Geschichte wird sich erübrigen, da funktioniert noch was. Dachte ich.

Von Gesine Palmer|DIE KOLUMNISTEN

Kleinigkeit aus der Kampfzone

Dann schlug mir Twitter vor, ich könnte mich doch unter die Follower von Jakob Augstein mischen, ja, dachte ich, warum eigentlich nicht, mal gucken, was der so schreibt, dann bist du auch darüber informiert. Und dann sehe ich gleich als erstes – dabei bin ich nicht mal mehr sicher, ob es wirklich von ihm war, ist alles so schnell und bunt bei Twitter, aber könnte schon von ihm gewesen sein – so einen Satz wie: „Für die Aussöhnung mit den Muslimen ist am besten eine gute Flüchtlingspolitik“. Ja. Dachte ich. Und dann sickerte das so allmählich ein. Moment, dachte ich. Bin ich denn mit „den Muslimen“ zerstritten? Bin ich doch gar nicht. Also klar, das Gequatsche von „Islamopobie“ geht mir auf die Nerven, weil ich es nicht phobisch finde, wenn man sich vor Islamisten fürchtet. Und vor anderen fürchte ich mich doch gar nicht, und ich streite mich auch nicht mit ihnen, also nicht so, dass man gleich einen Versöhnungsbedarf herbeireden müsste. Mit den Islamisten wiederum möchte ich mich nicht aussöhnen. Das wäre doch irgendwie das falsche Signal, scheint mir. Diese Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus übertrage ich nach wie vor vertrauensselig auf viele meiner Bekannten, natürlich gerade auch auf die Muslime unter ihnen. Das alles ist kein Argument gegen gute Flüchtlingspolitik, klar. Aber warum sagt man dann sowas, also dass „wir“ uns mit „den Muslimen“ aussöhnen müssen?

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Das Paläo-Steak bitte blutig

Schweinsbraten mit Erdäpfelknödel – Foto: Kurier
Es ist modern geworden, sich Sorgen über gesunde Ernährung zu machen. Aber manchmal sind Sorgen ungesünder als Fast-Food.

Von Florian Aigner|futurezone.at

Es scheint eine Altersfrage zu sein. Als Studenten im ersten Semester hielten wir Tiefkühlpizza für ein wertvolles Grundnahrungsmittel und Büffelgrasvodka für ein Vitamingetränk. Irgendwann entwickelt man sich weiter. Doch man kann es auch übertreiben und sich in einem Gesundheitswahn verfangen, der nicht mehr gesund ist.

In urbanen, gebildeten Bevölkerungskreisen gehört es heute fast zum guten Ton, sich Sorgen über die Ernährung zu machen. Der eine bemüht sich gerade, Industriegifte im Körper mit Detox-Smoothies loszuwerden, die andere verbringt ihre Freizeit damit, panische Angst vor Mono- und Diglyceriden zu entwickeln. Die junge Familie mit dem Kind lebt jetzt lactose- und glutenfrei, nicht weil irgendwelche langweiligen wissenschaftlichen Tests auf eine Unverträglichkeit hingewiesen hätten, sondern weil der Großstadtschamane des Vertrauens das so ausgependelt hat.

Wenn moderne Menschen ihre Ernährungsprobleme vergleichen wie Philatelisten ihre Briefmarkensammlung, dann fühlt man sich als einigermaßen beschwerdefreier Allesfresser schon fast als Außenseiter. Ich kann bloß versuchen, mit Berichten über meine Pollenallergie Mitleidspunkte zu sammeln. Es misslingt: „Siehst du, das kommt, weil du so viel Chemie isst“, sagt man mir mit strengem Ton. Ich schäme mich, verstecke mich am Klo und löffle aus Frust heimlich ein halbes Glas industriegefertigte Billigmajonäse.

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Beatrix von Storch: Dodo des Monats Januar 2016

Dodo des Monats Januar 2016
Dodo des Monats Januar 2016

beatrix_storchAus Sicherheitsgründen müsse die Bundeskanzlerin, wenn sie dann nicht mehr im Amte sei, fliehen. Nach Chile, zu Margot Honecker, der ehemaligen Ministerin für Volksbildung der DDR und Witwe des Generalsekretärs. Da schaut die geborene Herzogin von Oldenburg in ihre Kristallkugel und orakelt die Zukunft von Merkel. Solch krude Vorstellungen liefert sie bei Anne Will in der ARD ab. Auf Nachfrage meint die Störchin, dass sie ein Gerücht gehört habe. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass sie auf der Kanzlerinnen-Toilette ein Mikro installiert habe. Merkel ist Feindbild, sie muss weg. Geht es nach Beatrix von Storch sollten ihre und die Vorstellungen der AfD Gänsehaut verursachen. Was sie bei der ARD abgeliefert hat mag dem einen als Stuss erscheinen, aber diesen Stuss hat sie im Kopf. Fundamentale Christin, mit Hang zum Extremismus, will sie dem Christentum wieder zu alter Größe verhelfen. Wer vermutet, dass dann der blaublütige Landadel wieder an den Hebeln der Macht sitzt, dürfte nicht falsch liegen.
Storch ist Opportunistin, durch und durch, alles was heute politisch, gesellschaftlich und kulturell am werkeln ist, ist schlecht. Familie, deutsche Werte, Kultur, auf der Grundlage des Christentums, will sie reaktionär restaurieren.
Frauenrechte?

Bei Marsch für das Leben tritt die bigotte Christin für eine Willkommenskultur des un-und neugeborene Lebens ein. Ihre mehr als fragwürdige Moral kommt dann im folgenden zum Ausdruck

Bild: FB, stern.de
Bild: FB, stern.de

Aha, was nicht bei 5 auf den Bäumen ist wird erschossen, auch Kinder. Wo sie sich doch soviele, von christlicher Nächstenliebe geprägte Sorgen um das ungeborene Leben macht. Verlogen, wie die ganze Lebensschutz-Debatte.

Die Einschränkung, ihrereseits, etwas später, gut auf Kinder wird nicht geschossen, aber auf Frauen schon. Nach dem sich entwickelten Shit-Storm kamen peu-a-peu die Dementis. Das Neueste, sie sei beim schreiben  der inkriminierten  Sätze mit der Maus abgerutscht. Wenn ein Storch auf einer Maus ausrutscht! Wer wählt solche Leute eigentlich in Parlamente? Bei solchen Wählern muss man doch die Geschäftsfähigkeit in Frage stellen, zwecks Begutachtung beim Amtsarzt.

In Baden-Württemberg organisiert sie die Protestaktionen gegen den Bildungplan der Landesregierung. Die “Zivile Koalition”, ein Netzwerk, dem sie mit ihrem Mann vorsteht, ist für die Demonstrationen verantwortlich. Ebenso bei den “Demo für alle.” Frontfrau Hedwig von Beverfoerde ist die Marionette der Störchin.
Homosexualität rüttelt an den Grundfesten christlichen Glaubens, um das zu vermitteln bedarf es keiner gebildeten Menschen.

Beatrix von Storch und die sie umgebenden Politiker, Claqueure, nationalsozialistisch imprägnierte Alternative wollen einen Großteil der Errungenschaften der Aufklärung abschaffen. Das gilt es zu verhindern.

Herzlichen Glückwunsch zum zweiten Dodo.

Nach dem “Marsch für das Leben” wird scharf geschossen

beatrix_storchDer deutsche Landadel macht mobil. Einige der Exponenten wollen sehr wahrscheinlich ihre alten Rechte wiederhaben. Vetreterinnen finden wir in der Alternative für Deutschland(AfD) oder in der christlich-fundamentalistischen Bewegung “Marsch für das Leben.” Sexuelle Bildung ist Sünde. Man kämpft um die Rechte des Blastula-Keims, unter dem Deckmantel der Sorge um das ungeborene Leben.
Die geborene Herzogin von Oldenburg, gemeinhin als Beatrix von Storch bekannt, tritt dort vehement in Erscheinung. Im Zuge der Flüchtlingspolitik zeigt die Streiterin für das ungeborene Leben nun ihr wahres Gesicht. Die deutsche Grenze ist zu schützen, notfalls unter dem Einsatz von Schusswaffen, gegen Kinder? Ja, auch gegen Kinder. Alles was nicht bei 5 auf den Bäumen ist wird erschossen, steht dann noch jemand auf seinen Beinen kommt das Bajonett zum Einsatz. Gedanken, wie auf der einen Seite Lebensschutz und auf der anderen die Zerstörung in Übereinklang zu bringen sind macht sich die Anwältin nicht. Gut christliche Bigotterie.
Nach der Aufregung im Netz bleibt die Frage unbeantwortet ob sie auch auf Störche schießen lassen würde. Kinder möchte sie ausklammern, Frauen nicht, also, Feuer frei auf schwangere Frauen, durchaus im Bereich des möglichen. Ist die Mutter tot, kann das ungeborene Leben durch Beten gerettet werden.

Wer heute auf Flüchtlinge schießen lassen will, schießt morgen auf Menschen die für die Rechte der Frauen eintreten, auch auf das Recht zur Abtreibung. Das sollte jedem klar sein, das christliche Menschenbild der Störchin lässt das zu.

In dem Sinne, Feuer frei! Auf Menschenrechte, 300 Jahre Aufklärung. Das ist die gesellschaftliche Alternative Deutschlands.