Archiv der Kategorie: Meinungsbeitrag

Der “neue Antisemitismus” existiert so nicht

Rote Linie. Polizisten trennen am Al-Kuds-Tag im Sommer 2014 in Berlin anti-israelische Demonstranten und Pro-Israel-Aktivisten. Zum diesjährigen Al-Kuds-Tag am 11. Juli hat ein… – Foto: picture alliance / dpa
Antisemitismus nimmt in Deutschland eher ab, die Zahlen bleiben gleichwohl beschämend. Dass aber jede kritische Haltung gegenüber der Politik Israels als “neuer Antisemitismus” denunziert wird, ist weder richtig noch hilfreich, schreibt der Historiker Wolfgang Benz in einem Gastbeitrag.


Von Wolfgang Benz|DER TAGESSPIEGEL

Die nächtliche Gewalttat gegen den Rabbiner erregte ebenso allgemeinen Abscheu wie der Angriff auf einen Israeli in der Berliner U-Bahn, der pöbelnden Rassisten entgegengetreten war. Judenfeindliche Schmährufe bei einer anti-israelischen Demonstration im Sommer 2014 wurden von Politik, Medien und Publikum entschieden und einmütig verurteilt. Gott sei Dank sind solche Unerfreulichkeiten nicht die Regel, sondern Ausnahme im deutschen Alltag.

Das Verhältnis zu Israel hat in der deutschen Politik herausragende Bedeutung. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte bei einem Staatsbesuch 2008 in ihrer Rede vor der Knesset die Sicherheit Israels ein Element der Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland. Schon im Sechstage-Krieg 1967 hatten hunderttausende Bürger der Bundesrepublik für das Existenzrecht des Staates Israel demonstriert. Empathie für das Land gehört zu den Grundlagen der politischen Kultur. Doch die bedingungslose Zustimmung bei vielen ist einer skeptischen Haltung gegenüber israelischer Politik gewichen. Dazu trägt das medial wirkungsvoll vorgetragene Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung ebenso bei wie militärische Aktionen und politisch unbewegliche Positionen israelischer Regierungen.

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Wahl Dodo des Monats Juni 2015

Dodo des Monats Juni 2015
Dodo des Monats Juni 2015

Der Monat Mai hatte einiges an Höhepunkten zu bieten. Ob nun die Ausladung von Peter Singer, beim Philosophen-Pop-Festival in Köln, die “Umwelt”-Enzyklika des Vizegottes und die Terroranschläge in Tunesien, Kuwait und Frankreich. Flüchtlinge, die mit christlicher Nächstenliebe, europäischer Politik, im Mittelmeer ersaufen, die de facto Handlungsunfähigkeit Europas, hinsichtlich der Dschihad-Terrormiliz “Islamischer Staat”, es gäbe vieles, was zur Auswahl gestellt werden könnte, der Rahmen würde gesprengt .

Hier sind die Kandidaten für den Monat Juni 2015:

  1.  Jürgen Roters, “Oberbürgermeister der Stadt Köln, mit seltsamer Auffassung zu Meinungsfreiheit und Protest.
  2.  Bekir Alboga, “der Ditib-Generalsekretär findet den Islam weltoffen und modern.
  3.  Thomas de Maiziére, “lässt Gott hochleben, bei der Einweihung seines Ministeriums.”
  4.  Andrea Nahles, “sie ist der Beweis, dass Jesus nie gelebt hat, sie wäre nie Ministerin geworden.”
  5.   Annegret Kramp-Karrenbauer, “begründet ihre Ablehnung der Homo-Ehe mit Inzest.”
  6.  Reinhold Gall, “über vermeintliche Freiheitsrechte und Generalverdacht.”
  7. Paul Ziemiak, “Kinderlose sollen Sonderabgabe zahlen.”
  8.  Bayrischer Rundfunk, “Gottes-TV zum Ramadan.”
  9.  Peter Hahne, “kennt als einer der wenigen, die Botschaft der Bibel.
  10.  Bundessicherheitsrat, “bei Waffengeschäften mit den Saudis ist die Moral im Arsch.”
  11.  Udi Di Fabio, ” ist strikt gegen die Trennung von Staat und Religion.”
  12.  Kirchenkreis Dortmund, “verschenkt Eintrittskarten an Kirchenkritiker,”
  13. Martin Knispel, “will mehr christliche Kitas.”
  14.  Wolfgang Bosbach, “schreit nach Lebensschutz, versagt im Sozialen.
  15.  Gebhard Fürst, “das imago dei darf nicht homosexuell sein.”
  16. Papst Franz, “Jugendliche sollen keusch sein.”
  17.  Johannes Hartl, “Regenbogen als Zeichen für den Bund mit Gott.
  18.  Andreas Püttmann, “Journalist im Gotteswahn.”

Die Wahl ist bis zum 07. Juli 2015, 18:00 Uhr befristet. Mehrfachauswahl ist möglich. Der Sieger wird, wie immer, am folgenden Tag, hier gewürdigt werden. Viel Spaß!

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Homo-Ehe: Legt den Turbo ein!

Ein Muslim in Hamburg beim Gebet | © Angelika Warmuth/dpa
Der islamische Glaube und die Homo-Ehe


Von Jens Spahn|ZEIT ONLINE

“Eine Homo-Ehe ist im Islam undenkbar”, schrieb Muhammad Sameer Murtaza in seinem Gastbeitrag vergangene Woche an dieser Stelle. Wieso eigentlich? Irland, ein zutiefst katholisches Land, das sich mit überwältigender Mehrheit für die Öffnung der Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare ausspricht – das war vor nicht allzu langer Zeit auch noch undenkbar. Heute ist es Realität und der gesellschaftliche Wandel fast schon unaufgeregte Normalität.

Natürlich ist Homosexualität keine Krankheit, natürlich kann ich als Schwuler ein guter Christ, Muslim oder Jude sein. Es ist schön, dass Murtaza das so schreibt, aber es ist eigentlich auch eine Banalität. Viel wichtiger ist doch, dass die muslimischen Gemeinden ihren Gläubigen vermitteln, dass Anders-Sein Teil von Gottes Schöpfung ist und man natürlich gemeinsam essen, feiern und beten kann und soll. Sicher, auch die christlichen Kirchen haben hier einen langen Weg zurückgelegt, und auch heute noch gibt es große innerkirchliche Vorbehalte gegen die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder von Schwulen und Lesben. Die muslimischen Gemeinden in Deutschland müssen sozusagen den Turbo einlegen und nachholen, wofür andere Jahrzehnte gebraucht haben. Das ist sicher nicht einfach, birgt aber auch große Chancen.

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Mein Weg zum Humanismus

Wie findet man seine Weltanschauung? Unser Gastautor beschreibt seinen Weg vom Protestanten zum Kommunisten zum Humanisten.


Von Bruno Osuch|DER TAGESSPIEGEL

welthumanistentag

Vor ein paar Wochen fragten mich Zehntklässler in meinem Ethikunterricht, ob ich „Atheist“ sei. Ich antwortete mit „Ja, aber …“ und versuchte zu erklären, dass ich mich keineswegs nur negativ, also in Ablehnung eines Glaubens an eine höhere Macht, definiere, sondern vor allem positiv die Werte meiner „humanistischen Weltanschauung“ vertrete. Bei den meisten der Schülerinnen und Schüler war Nachdenklichkeit die erste Reaktion – bis ein Pfiffikus etwas spontan in die Klasse rief: „Ach, Sie meinen Atheist-Plus!“ Interessanterweise verstanden das seine Mitschülerinnen und -schüler offenbar viel besser.
Sind Humanisten nur “Atheisten-Plus”?

Dieses kleine Erlebnis zeigt bereits die besondere Problematik, wenn es darum geht, den Humanismus als nicht religiöse Ethik und Weltanschauung zu erklären. Im Unterschied etwa zu Frankreich wird der Begriff bei uns facettenreicher assoziiert. So rief auch der damalige deutsche Papst Benedikt XVI. zu einem „neuen christlichen Humanismus“ auf. Wenn im Folgenden von „Humanismus“ gesprochen wird, dann im Sinne einer Konzentration auf den Menschen und seine Fähigkeit zu einem „guten Leben“ ohne religiöse Begründung. Die entsprechende Ethik orientiert sich an den Werten und Grundsätzen der Selbstbestimmung und Verantwortung, Solidarität und Gerechtigkeit, der Vernunft und des kritischen Denkens und nicht zuletzt am Toleranzgebot. Es sei daran erinnert, dass ein solches Denken seinen Ursprung in den Humanitätsidealen der antiken und vorchristlichen stoischen Philosophie hat.

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Kann ein Atheist ein guter Mensch sein?

Bild: Frankfurter Rundschau
Da läuft es wieder auf Entscheidungsfreiheit hinaus. Und logischen Menschenverstand.


Von Markus Tiedemann|Frankfurter Rundschau

Lieber Fanatiker!

Die Antwort auf die oben genannte Frage hängt von drei Grundsatzentscheidungen ab.

1.Ist es böse, nicht zu glauben?

2.Wird ein Mensch nur durch den Glauben an einen Gott gut?

3.Ist eine Tat oder Absicht nur dann gut, wenn sie durch die Achtung vor den göttlichen Gesetzen motiviert wurde?

Wer Frage Nr. 1 mit „Ja“ beantwortet, widerspricht der Logik und den heiligen Schriften. Wie wir bereits besprochen haben, ist Entscheidungsfreiheit die notwendige Voraussetzung für gute bzw. böse Handlungen. Wenn Du stiehlst, ist das böse, denn es lag in Deiner Macht, Dich dagegen zu entscheiden.

Wenn Du Dich aber verliebst, ist das weder gut noch böse. Es ist Dir geschehen. Du konntest das Verlieben durch eine Entscheidung weder verhindern noch erzwingen. Mit dem Glauben verhält es sich ganz ähnlich. Entweder entwickelt man ein religiöses Gefühl, eine religiöse Überzeugung oder eben nicht. Man kann sich nicht selbst befehlen zu glauben. Jemandem einen Vorwurf für seine Ungläubigkeit zu machen, ist daher sinnlos. „Es gibt keinen Zwang im Glauben“, lehrt der Koran.

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An Raif Badawi erinnern

Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann. – Karikatur: Tagesspiegel
Fast ist Raif Badawi ins Vergessen geraten. Nachdem das oberste saudische Gericht die menschenrechtsverachtende Strafe gegen den Blogger bestätigt hat, droht ihm wieder die Auspeitschung.

Von Helmut Schümann|DER TAGESSPIEGEL

Am gestrigen Donnerstag wurde in der Berliner Tiergartenstraße vor der Botschaft Saudi-Arabiens wieder demonstriert. Es ging um Raif Badawi. Ich habe hier wegen des Schicksals von Raif Badawi schon einmal mit Max Liebermann abgekotzt. Fast hatte man Raif Badawi vergessen. Das ist nicht verwerflich oder anzuprangern oder verwunderlich. Diese beste aller möglichen Welten liefert tagtäglich so viel Material und Nachrichten, dass man aus dem Kotzen gar nicht mehr rauskommt. Aber Raif Badawi ist nur für kurze Zeit in den Hintergrund getreten. In der vergangenen Woche hat das oberste Gericht Saudi-Arabiens, natürlich im Namen Gottes, das höllische, teuflische Urteil gegen den Blogger, der nur Meinungsfreiheit will, bestätigt. Zehn Jahre Haft, 226 000 Euro Strafgeld. Und tausend Peitschenhiebe. 1000!

Die werden in Margen von 50 Hieben verabreicht. Die erste Rate bekam Raif Badawi am 9. Januar auf den Körper gedroschen. Danach war sein Körper derart geschunden, dass eine medizinische Kommission eine Aussetzung, keine Absetzung der Strafe empfahl, damit der Inhaftierte sich erst wieder erholt, um auch den nächsten Satz von 50 Schlägen lebend zu erleben. In den Wochen danach wiederholte sich die Empfehlung. Jetzt ist Badawi wieder genesen.

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Shitstorm gegen Ronja von Rönne: Der Nazi-Vorwurf ist ein Ritterschlag

shitstorm

Heute ist man langweilig, wenn man noch nie in die rechtsradikale Ecke gestellt wurde, meint Harald Martenstein. Dass so viele gegen die Autorin Ronja von Rönne und ihre Feminismus-Kritik vorgehen, hat eher was mit Spießertum zu tun. Eine Glosse.

Von Harald Martenstein|DER TAGESSPIEGEL

Eigentlich ist es heute ein Zeichen dafür, dass du als Autor ein bisschen langweilig bist, wenn du noch nie in die rechtsradikale Ecke gestellt wurdest. Es ist wie in den 50er Jahren, nur andersherum. Wenn du in den 50ern für die Anerkennung der Oder- Neiße-Grenze warst oder für die Legalisierung der Homosexualität, dann hieß es, der ist Kommunist. Wenn du heute Zweifel an irgendwas Feministischem äußerst, stehst du ruckzuck als Nazi da. Der Nazivorwurf ist eine Art Ritterschlag für interessante Texte geworden. Ich war deshalb sehr stolz, als ich, wegen eines Essays über Genderforschung (das ist eine Art feministische Theologie) in einer Publikation der grünen Heinrich-Böll-Stiftung als NPD-Sympathisant angeprangert wurde. Die NPD ist nämlich auch dagegen. Damit ist der Beweis erbracht, oder?

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Dodo des Monats Mai 2015: Schulleiter der Realschule Geretsried

Dodo des Monats Mai 2015
Dodo des Monats Mai 2015

RSGer“Atheisten sind dumm.” Eigentlich kein Aufreger für Atheisten. Schulternzucken und zur Tagesordnung übergehen. Klar ist, Personen, die solche Statements von sich geben, kann man sich im Alltag nicht antun.  Als Erwachsener hat man die Möglichkeiten solchen Typen aus dem Weg zu gehen, den Kontakt zu meiden. Kinder in einer Schule, sind religiotischen Lehrpersonal auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

Im bayrischen Geretsried versucht nun so eine Type von Lehrer, die Schüler auf katholisch zu trimmen. Nennen wir den Lehrer “Adam”. In bayrischen Schuldiensten hat er es bis zum Regierungsschuldirektor gebracht, rein weltlich natürlich und im katholischen Ritualteam ergoß sich der heilige Geist über ihn, sein Bischof legte die Hand auf seinen Kopf und siehe da, er war Diakon. Die erste Stufe im Weihesakrament der katholischen Kirche. Solcher Art bedacht, göttlich aufgeladen, werden die Sagen und Märchen um eine zwielichtige Person namens Jesus an die Menscheit gebracht. “Adam” hat eine Mission, die Kinder an der Schule, einige ungetaufte, säkular eingestellte Eltern. Regierungsschuldirektor Adam missioniert, er will den Weinberg des Herrn hegen und pflegen, auf Teufel komm raus. Kritisches Hinterfragen durch die Schüler kontert er mit erprobten christlich-katholischen Dauerbeleidigtsein.

Die Thematik Christenverfolgung im Irak und Syrien wirft er den Schülern an den Kopf. Sein vizegöttlicher Vater in Rom verkündete in  Südkorea: “Das Licht der Märtyrer strahlt hell.” Als der Islamische Staat ägyptische Kopten ermordete, bedankten sich die Glaubensangehörigen für den schnellen und sicheren Weg ins Paradies, bei Youtube sind die Botschaften einsehbar. Also Lehrer “Adam” nur zu, mit Gottvertrauen und gemäß bayrischer Verfassung, Artikel 131, Absatz 2: “Ehrfurcht vor Gott” sei eines der obersten Bildungsziele im Freistaat.  Am Tag des jüngsten Gerichts würde eine solche Tat bestimmt entsprechend gewürdigt werden und paradiesisch könnte der gute katholische Diakon seinem Gott auf ewig die Füße küssen.

Mit Bildung hat das alles nichts zu tun. Die Trennung von Staat und Kirche im bayrischen Freistaat wird willentlich nicht vollzogen. Mit dem Sinken der Bedeutung christlicher Kirchen in der Gesellschaft wird es zukünftig noch mehr Reibungspunkte geben. Dort ist einer der Hauptwidersprüche verankert. Mit ihrer Weltfremdheit, unrealistischen Ansprüchen passen die Kirchen nicht mehr in die Lebenswirklichkeit der Menschen.
Nimmt man den gut-christlichen Grundsatz, dass der Mensch nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen wurde, dann sind eben auch Atheisten, Schwule, Lesben usw. Geschöpfe Gottes. Es gibt mit Sicherheit dumme Geschöpfe Gottes, aber auch religiotische und das Dorfschulmeisterlein von Geretsried ist ein Prototyp.

Es ist schauderhaft, im Dritten Jahrtausend, mit Wissenschaft und Fortschritt die Geisterwelt von Wüstenvölkern wiederbelebt.

Mit Verlaub “Adam”, du bist ein Idiot.
Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

 

Die Bibel ist auch nur ein Buch

Mia Aegerter: «Zu viele Länder eiern um das Thema Homo-Ehe herum, als ob es Aufgabe der Kirche wäre, über Menschenrechte zu entscheiden.» Bild: Mia Aegerter/Rian Helle
Liebes Nächtebuch, dunkel wie die Nacht ist unser Zeitalter. Es scheint, die katholische Kirche will ums Verrecken im Mittelalter stecken bleiben. So bezeichnete Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin jüngst das Ja der Iren zur Homo-Ehe, als «Niederlage für die Menschheit».

Von Mia Aegerter|Mias Nächtebuch

Während ich schreibe, höre ich: Tim Minchin – The Good Book

Im Prinzip müsste man die ewiggestrige Haltung des Vatikans mit einem genervten Kopfschütteln abtun. Wäre der «heilige» Staat nur nicht so meinungsbildend und politisch einflussreich. Zu viele Länder eiern um das Thema Homo-Ehe herum, als ob sie es der Kirche überlassen wollen, über Menschenrechte zu entscheiden. So sitzen in Roben gekleidete alte Männer in antiken Räumen und diskutieren den Umgang mit den «Abtrünnigen», sprich: Geschiedenen, Wiederverheirateten und Homosexuellen. Dabei sollten die Moralapostel den Mund mal nicht so voll nehmen. Hust. Unlängst ist der heilige Schein der Kirche an zahlreichen Vorfällen von Kindesmisshandlung zerschellt. DAS nenne ich «Niederlage der Menschheit».

«So sitzen in Roben gekleidete alte Männer in antiken Räumen und diskutieren den Umgang mit den Abtrünnigen, sprich Geschiedenen, Wiederverheirateten und Homosexuellen.»

Mia Aegerter

Es ist auch einfach ein Kreuz mit dieser Bibel. Sie ist wie ein veraltetes Gesetzbuch und ist stellenweise absolut menschenverachtend. Warum klammert sich die Kirche an verstaubte Textpassagen, die irgendwann vor 2000 Jahren von offensichtlich heterosexuellen Männern verfasst wurden? Damals dachte man noch, ein Vulkanausbruch wäre der Zorn Gottes.

Aber wir haben uns weiterentwickelt. Heute schiessen wir Teleskope in den Weltraum und machen Fotos vom Universum, herrgottnochmal! Da kann es doch nicht sein, dass wir die Liebe von zwei Menschen verurteilen. Haben wir denn wirklich nichts Wichtigeres auf dem Zettel? Sagen wir – Umweltschutz? Hungersnot? Missbrauch von Frauen oder Kindern? Religion sollte eine Stütze für die Menschen sein und auf keinen Fall irgendjemanden ausschliessen.

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Liebe Veganer, bitte lebt eure Religion zu Hause aus

Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)
Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)
Ein italienischer Gerichtshof zwingt eine vegane Mutter, ihren Kindern Fleisch zu geben – ein richtiger Entscheid. Der Umgang mit Ernährung nimmt religiöse Züge an. Das ist ärgerlich.


Von Maurice Thiriet|WATSON

In einer perfekten Welt würden Kinder an ihrem Geburtstag einen Kuchen in die Krippe, den Kindergarten oder die Schule bringen und die Sonne würde scheinen. Alle Klassenkamerädli würden «Happy Birthday» singen, dann würde das Geburtstagskind die vier bis zwölf Kerzen ausblasen und alle würden sich ein Stück des Kuchens in den Kopf stopfen.

Aber die Welt ist leider nicht perfekt. Ein italienisches Gericht musste eine geschiedene, vegan lebende und erziehende Mutter dazu anhalten, ihren 12-jährigen Sohn mit Fleisch zu versorgen, ansonsten erleide dieser an den Besuchstagen beim carnivoren Vater einen Diätschock.

Nun flammt erneut die Debatte auf, wie Eltern die Ernährung ihrer Kinder ausgestalten sollen. Gesund? Sicher. Vegan? Eher nicht. Oder doch? Vegetarisch? Okay. Die Debatte hat ihre Berechtigung.

Der Veganismus, der Gegentrend zur industriell produzierenden Fleischwirtschaft, ist keine Modeerscheinung, sondern wird sich noch weiter manifestieren – nicht aus Tierliebe oder Protest gegen die Fleischwirtschaft, sondern als eigentlicher kulinarischer Code der Globalisierungs- und Kapitalismuskritiker. Kurz: Was für die Hippies der Pazifismus war, ist der Veganismus für die Generation X.

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Charlie Hebdo: Der Konsens der „Charlies“ in der Kritik

charlie_hebdo_2War das „hysterisch“ und „katholisch-reaktionär“? Der Soziologe Emmanuel Todd irritiert Frankreich mit seiner Analyse der Solidaritätsumzüge unter der Devise „Je suis Charlie“.


Von Stefan Brändle|Frankfurter Rundschau

Er schwieg auffällig lange. Emmanuel Todd, einer der profiliertesten und temperamentvollsten Denker Frankreichs, äußerte sich bisher nicht zu den Terroranschlägen, die im Januar in der Redaktion von „Charlie Hebdo“ und einem jüdischen Supermarkt 17 Todesopfer forderten. Er blieb den Großkundgebungen fern, er nahm an keiner Talkshow teil, nahm keine Journalistenanrufe entgegen.

Untätig blieb Todd mitnichten. An seinem Schreibtisch tat der 63-jährige Soziologe, was er schon immer getan hatte: Er sichtete Karten, Zahlen und Statistiken – diesmal zu den Solidaritätsumzügen unter der Devise „Je suis Charlie“. Dann griff Todd in die Tasten. Das diese Woche erschienene Produkt, ein Essay von 250 Seiten mit dem harmlos klingenden Titel „Wer ist Charlie?“, ist wegen seiner soziologischen Analyse brisant.

Todd bescheinigt der Linken, das heißt seinem eigenen politischen Lager, eine „hysterische“ Reaktion in einem „katholisch-reaktionären“ Geiste à la „Vichy“. Todds empirischer Beleg: Die meisten Umzugsteilnehmer stammten, so eruierte er, aus der gehobenen Mittelklasse, und zwar in Regionen und Städten, die historisch gegen den Laizismus und für den Katholizismus eingetreten seien. Unter den landesweit vier Millionen „Charlie“-Demonstranten hätten sich mehr Kaderangestellte als Arbeiter befunden, bilanziert Todd.

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Katrin Göring-Eckardt: Dodo des Monats April 2015

Dodo des Monats April 2015
Dodo des Monats April 2015


KGEKatrin Göring-Eckardt ist schwarz-grün. Mit anderen Worten, sie würde auch ein gutes Mitglied in einer der C-Parteien abgeben. Erfahrungen diesbezüglich konnte sie an der  Pizza-Connection in den 1990er-Jahren sammeln.  Wertevorstellungen, moralische Haltungen werden von ihr christlich, bügerlich- konservativ begründet. Das Studium der evangelischen Theologie brach sie 1988 ab, mithin hat sie keinen erlernten Beruf, wenn man von den praktisch erworbenen Kenntnissen evangelischen Glaubens absieht. Dort wird auch ihre politische Inkompetenz manifestiert. Die Frau kann nichts. Bibelkenntnisse und Pragmatismus auf der politischen Spielwiese reichen aus.
Ihr Wissen in protestantischer Märchendeutung scheint fulminat. Gibt Käßmann den Pausenclown zur Reformation, ist Göring-Eckardt der politische Gotteskasper.
Der säkulare Staat sollte die Interessen aller seiner Mitglieder vertreten. KGE ist ein Protoyp für christliche Klientelpolitik, Themen, bei denen niemand einen Gottesbezug herstellt, werden von ihr christlich kontaminiert.

Vergessen wir nicht, es war die “Grüne” Göring-Eckardt die sich als entschiedene Befürworterin der Hartz-Reformen und der Agenda 2010 unter Gerhard Schröder profilierte. Noch heute ist sie der Auffassung, dass die Erhöhung des Rentenalters, auf 67 Jahre, eine Notwendigkeit gewesen sei. Sie sprach sich dafür aus, Religionsunterricht als verfassungsmäßig verankertes Recht zu garantieren.
1999 stimmte sie für den Kosovo-Krieg. Jahre später begründete sie ihre Entscheidung mit religiösen Motiven:
Katrin Göring-Eckardt:

„Damals las ich sehr, sehr viel in der Bibel und sprach mit vielen Leuten darüber, was mir sehr wichtig war. Ich sagte mir, wenn es um Krieg und Frieden geht oder um Leben und Tod, kann man nicht gegen den Glauben handeln. Ich stimmte allerdings für den Militäreinsatz, weil ich beim Abwägen fand, dass es wahrscheinlich richtig war. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass es sich als richtig herausgestellt hat.

Hieß es früher für Kaiser und Gott, können wir heute getrost religiotische Politiker als Ersatz finden, es besteht kein Mangel an ihnen.
Mit Göring-Eckardt ist den Grünen die Wählertäuschung geglückt, oder mit anderen Worten vollendet worden.

In einem Interview, in der taz vom 25.04.2015 wird sie gefragt:

taz: Wodurch unterscheidet sich der evangelische Glauben vom Islam?

Antwort, Katrin Göring-Eckardt:

Der Islam ist eine Religion, der Protestantismus eine christliche Konfession. Die Unterschiede sind definitiv zahlreicher als nur freier Sonntag oder freier Freitag, aber ich frage ja lieber nach Gemeinsamkeiten.

Was für ein schönes Beispiel protestantischer Arroganz. Diese kompensatorische Renitenz, die allen anderen, egal welchen Glaubens oder Unglaubens, zu ertragen haben.

Allein die Feststellung, dass der Islam eine Religion ist stellt eine theologische Meisterleistung dar. Bis hin zum Unterschied, dass der Protestantismus eine Konfession sei.
Geschicktes taktieren. Die drei Hauptkonfessionen im christlichen Glauben sind die römisch-katholische, die evangelische und orthodoxe Kirche. Zur evangelischen Konfession gehören auch die baptistische, anglikanische und methodistische Kirche. Hiervon müssen aber einige Bewegungen wie der Evangelikalismus, die charismatische Erneuerung oder der Pietismus unterschieden werden, welche ohne definierte Grenzen und konfessionsübergreifend sind.

Gott ist kompliziert, kann der Außenstehende schon nicht mehr unterscheiden ob er katholisch oder protestantisch ist, kommen noch eine Reihe von Denominationen hinzu. In den USA sprich man von mehr als 20.000 solcher christlichen Kirchen. Die natürlich alle ganz exklusiv das Wort Gottes verkünden. Betrachten wir noch das Judentum und den Islam, alles abrahamitische Religionen, ist der Wirrwarr göttlicher Natur. Gottesmägde wie Göring-Eckardt verkünden klare Kante, Wahrheitsansprüche, die keiner Überprüfung standhalten.

Da wo Katrin Göring-Eckardt auftritt kann das Wort zum Sonntag immer  stattfinden. Völlig egal, ob Menschen das wollen, das ist der diktatorische Imperativ des Protestantismus. Evangelisch verkitscht, haben die Hillbillies die politischen Höhen erklommen.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Menschenrechte gelten nur für Europäer

Werner Felten © privat, bearb. MiG
In Europa werden Menschenrechte besonders groß geschrieben. Ja, in Europa! Nicht auf dem Mittelmeer oder in Afrika. Dort gelten die Regeln der Bewaffneten, die wiederum der Europäer besorgt. So schließt sich dann der Kreis doch – irgendwie.


Von Werner Felten|MiGAZIN

Die Menschenrechte gelten nur für Europäer und ehemalige Flüchtlingen aus Europa: also Bürger der Vereinigten Staaten und Australien. Seenotrettung ist ausschließlich der Marine vorbehalten, also Seeleuten in richtigen Schiffen, die in richtige Seenot geraten sind. Völkerrecht gilt für Völker und nicht für irgendwelche Stämme aus dem Dschungel. Schließlich wurde die Genfer Konvention in einer europäischen Stadt verabschiedet und nicht in irgendeinem Hüttendorf in Zentralafrika.

Die Australier haben das Problem mit den Flüchtlingen gelöst, indem sie sie abfangen und in Lager außerhalb ihres Kontinents deportieren. Man kann also doch aus der Geschichte lernen! Außerdem kennen sich die Australier mit Deportationen aus, wurden doch ihrer Vorfahren aus englischen Gefängnissen in den fünften Kontinent verbracht. Musste die australische Außenministerin nach Deutschland kommen und der Bundesregierung erklären, wie so etwas geht. Die Regierung hätte einfach nur mal bei der PEGIDA nachfragen sollen, die wissen da auch Bescheid. Bei diesen besorgten Bürgern gibt es die Alternative, entweder zu ertrinken oder im Asylantenheim verbrannt zu werden.

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Die ganze Erbärmlichkeit des Christentums

jesus_love_noLiebe Afrikaner, Europa und die ganze “zivilisierte”, christliche Welt braucht Euch nicht. Wir brauchen Eure Bodenschätze, Seltene Erden, Metalle, Öl, Diamanten, Gold, aber Euch brauchen wir nicht. Es ist ein tödliches Missverständnis, dass Ihr der Meinung seit, Euer Lebensglück läge im Norden, über den kleinen Teich, gemeinhin bekannt als Mittelmeer.
Selbst wenn die Förderung aller Reichtümer Eurer Länder, die Grundlagen des Lebens zerstören. Die Korruption, religiöser Wahnsinn Euch flüchten lassen.

Die christlichen Werte der ach so christlichen Welt sind beliebig. Man redet über Lebens-und Sterbehilfe, weil man befürchtet die Kontrolle über den Pöbel zu verlieren, und begründet dies gut-christlich. Ihr könnt nicht ernsthaft meinen Teilhabe in der Zivilisation zu erlangen. Das ist anmaßend, Ihr seit eine ernsthafte Bedrohung der westlichen Sozialsysteme und im göttlichen Schöpfungsplan des Christentums ist kein Platz für Euch.

Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Präambel:

Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen,
von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.
Die Deutschen in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen haben in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet. Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk.

Beseelt und verantwortlich gilt nicht für Euch. Die Würde des Menschen ist durch das Christentum jederzeit verletz-und antastbar. Es ist eine Frage der Prioritäten und nicht eine Frage der Menschlichkeit. Die gut bestellten Zivilisationen des Westens haben Angst vor Euch, Ihr seid Reichtum-schmälernd.

Immer dann, wenn die Menschlichkeit im Mittelmeer ersäuft erschrecken die Routinen, die Schlagzeilen und die Empörung der Politiker. Nicht zu vergessen die Schlagwortgeber aus den Kirchen, völlig nebensächlich ob nun evangelisch oder katholisch, geheuchelte Barmherzigkeit, die begrenzte Sicht christlicher Menschen, egoistisch allemal. Geheuchelte Betroffenheit, Tote als Abschreckung, das hat System und wird, weil man die Deutungshoheit in Sachen christlicher Nächstenliebe besitzt, beliebig verwendet. Solange der zivilisatorische Gradmesser Christentum mehr Geld für das Töten von Menschen ausgibt, als für Bildung, wirtschaftlicher Hilfe, Aufbau funktionierender Sozialsysteme, Beseitigung von lokaler Korruption, solange wird weiter Ersoffen und die Tränen der religiösen Politiker sind heimliche Freudentränen.

Ihr seid keine willkommene Ware. Mietet Euch ein Containerschiff, produziert Frachtpapiere und ihr werdet von den Seekriegsschiffen der Christenheit in die Häfen Eurer Träume geleitet. Ware ist willkommen, Menschen nicht.

Impfgegner: Ihr Motzer da draußen

Image: Katie Schwartz
Image: Katie Schwartz
Muss man immer noch über Feminismus diskutieren? Und über den Sinn von Impfungen? Oder zeigen diese Debatten bloß, dass eine demokratische Gesellschaft nur so intelligent ist wie ihre dümmsten Mitglieder?


Von Sibylle Berg|SpON

In der “Welt” diskutieren Mitarbeiter in Serie über den Feminismus, ein Wort, das ich auch nicht mehr lesen oder hören kann, ohne dass mir die Knie einschlafen. Als ob man seit 50 Jahren darüber redete, ob LehrerInnen Kinder schlagen dürfen oder nicht. Irgendwann müssen gesellschaftliche Probleme in einer demokratischen Welt die Phase der Diskussion verlassen und politisch zu Gesetzen werden, anders scheint mitunter keine Entwicklung möglich. Das Impfen, Sie erinnern sich? Rückkehr zu Masern, Mumps und Keuchhusten, es ist ja auch sonst nichts los. Ich wagte im Freundeskreis, den ich nicht besitze, jüngst die These, dass es westlichen Eltern bald gelingen würde, in eben den westlichen Ländern auch die Kinderlähmung wieder einzuführen. Zum Wohle aller. Ich komme noch aus einem Jahrhundert (zwei Kriege habe ich erlebt), als Kinder mit Geh-Schienen im öffentlichen Raum normal waren. Es lehrte uns Kindern Demut. Vielleicht scheint das Impf-KritikerInnen erstrebenswert.

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Die Suche nach der Weltformel ist keinen Groschen Einsatz wert

Bild aus der Bauzeit des LHC. ©CERN
Bild aus der Bauzeit des LHC.
©CERN
Praktisch nichts davon, was die Physiker im CERN beschäftigt, hat mit der Wirklichkeit zu tun – nichts mit der Welt, in die wir hineingeboren wurden.


Von Rudolf Taschner|Die Presse

Es ist bemerkenswert, dass ein reines Wissenschaftsthema – die neuerliche Inbetriebnahme des Kernteilchenbeschleunigers des CERN bei Genf – mit einem langen Artikel auf der Titelseite der „Presse“ vom letzten Dienstag prangt. Noch bemerkenswerter ist der Leitartikel zu diesem Thema von Thomas Kramar, weil er nicht, wie bei vielen Wissenschaftsjournalisten üblich, treuherzig den euphorischen Ankündigungen der dort beschäftigten Forscher Glauben schenkt und diese folgsam eins zu eins verbreitet, sondern weil er eine wohldurchdachte kritische Stellungnahme zu dem teuren Monsterprojekt des Europäischen Kernforschungszentrums formuliert hat, die eine Bestätigung und Verschärfung verdient.

Denn der „Aufbruch ins dunkle Universum“, mit dem die CERN-Leute protzen, ist das viele Geld, das diese Reise kostet, bestimmt nicht wert. Big Science wie diese spiegelt Laien – Politikern wie Steuerzahlern, die dafür zahlen wollen oder müssen – eine aus Wortgeklingel bestehende Welt vor, bei der es um die scheinbar fundamentalen Fragen über die Schöpfung geht: Gibt es nur ein Universum, gibt es davon mehrere? Gibt es davon gar unendlich viele? Aber praktisch nichts davon hat mit der Wirklichkeit zu tun – nichts mit der Welt, in die wir hineingeboren wurden. Es ist buchstäblich abstract nonsense.

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Erzbistum Berlin: Dodo des Monats März 2015

Dodo des Monats März  2015
Dodo des Monats März 2015


erzbistum_blnGeht es ums Geld ist die pfäffische Gier grenzenlos. Ein besonderes System nutzt die Kirche in Deutschland, heute geht es uns um die katholische, um ihre Schafe, zur Kasse zu bitten. Der “säkulare” Staat hat sich als Steuerbüttel angedient, lässt sich seine Häscherdienste mit ein paar Silberlingen bezahlen.  Die Kirchensteuerstellen bei den Finanzämtern sind für den Einzug der Zwangsabgabe zuständig. Nicht verwunderlich, wenn wir in einer Stellenausschreibung lesen

Die Mitgliedschaft in einer Gliedkirche der EKD oder römisch-katholischen Kirche setzen wir bitten um einen entsprechenden Hinweis in Ihren Bewerbungsunterlagen.

Soviel zur weltanschaulichen Neutralität des Staates, sprich des Finanzamtes. Die Bewerbungsunterlagen sind dann, wie im Falle dieser Ausschreibung an Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
Referat 1.1
Georgenkirchstraße 69
10249 Berlin

zu richten.

Die katholische Kirche selbst nennt expressis verbis keine Steuerpflicht, (can. 222 §1 CIC; und darüber hinaus can. 1260, 1262), es wird vielmehr von einer Pflicht gesprochen etwaige Beiträge zu leisten.
Der deutsche Staatsbürger weiß, will er sich dieser unchristlichen Geldlast entziehen, muss er aus der Kirche austreten, genau genommen, aus der Körperschaft öffentlichen Rechts, denn nur diese Wirtschaftsinstitution nimmt die Steuern ein. Glücklich, wer nicht getauft wurde, der hat mit dem ganzen Blödsinn nichts zu tun. Er kann seine Eltern, ob dieser Weitsichtigkeit lobpreisen, keine Zwangstaufe erduldet zu haben.

Die Tatsachen. Ein Berliner Bürger, Zuzug aus dem fernen Gallien, wird von der Kirchensteuer eingeholt. Katholisch getauft, keine Aktivitäten, erfreute er sich bis zu seiner Zeit in Berlin an einem ungläubigen Leben. Er meldet sich beim Bürgeramt und gibt keine Religionszugehörigkeit an. Kurze Zeit später erhält er von der Kirchensteuerstelle Berlin(Finanzamt) einen Fragebogen, den er ausfüllt und keinerlei religöse Zugehörigkeiten benennt. Wenige Wochen später dann das böse Erwachen, 550 Euro Kirchensteuerabzug von seinem Konto. Nachzahlung für das Jahr 2014. Was war geschehen.  Nach einigen Hin und Her mit den Behörden erfährt er vom Erzbischöflichen Ordinariat Berlin, dass seine Kirche in Frankreich, wo er getauft wurde, den Taufschein nach Berlin übersandt hatte. Somit ergab sich die gesetzliche Kirchensteuerpflicht des gallischen Mitbürgers. Die französische katholische Kirche, unter Missachtung der EU-Richtlinie 95/46 / EG, über den Schutz personenbezogener Daten, schickt auf eine einfache Anfrage, die persönlichen Daten des Franzosen an die Pfaffen in Berlin. Die Initiative zur Übersendung der Daten muss von den deutschen Schwarzkitteln ausgegangen sein. Datenabgleich, cross over?, die deutsche Polizei hat es da wesentlich schwieriger, Daten aus den unterschiedlichsten Banken abzugleichen, wenn überhaupt. Interne katholische Rasterfahndung, wir holen uns das Geld, welches uns unterschlagen wird, wir haben ein Recht darauf, in Gottes Namen.

Wissen muss man, dass französische Staatsbürger keine Möglichkeit haben aus der Kirche aus zutreten, das gilt für Frankreich, auf Grund des Gesetzes von 1905 zur Trennung von Kirchen und Staat, ist kein Kirchenaustritt möglich.

Also muss ein französischer Staatsbürger in Deutschland aus der Kirche austreten um sich vor der Gier der Kirche zu schützen. Lächerlich.

Es ist Diskriminierung wenn, Staat und Kirche in Deutschland einträchtig dabei sind Menschen auszunehmen. Es ist wahrlich an der Zeit die Gesetz zu ändern und den Kirchensteuereinzug durch den Staat abzuschaffen.
Die römische Spukgestalt ficht das eh nicht an, seine Kapitalismuskritik betrifft nicht den eigenen Laden und er ist nicht die hellste Kerze auf der päpstlichen Torte. Zumal das deutsche Episkopat sich auf den Sonderweg berufen dürfte.

Der säkulare Staat sollte endlich das sein, was er vorgibt zu sein, weltanschaulich neutral, plural. Die Privilegien der Gliedkirchen in Deutschland gehören abgeschafft, restlos und notfalls ersatzlos. Den fetten Wänstern der Pfaffen wird es gut tun.

Wahl Dodo des Monats März 2015

Dodo des Monats März  2015
Dodo des Monats März 2015
Im Monat März haben sich allerhand Blödsinn, Obskures und Dreistes angesammelt. Das Spektrum reicht von katholischer Rasterfahndung, bei der Kirchensteuerproblematik, bis hin zum intellektuell unbewaffneten Xavier Naidoo.

Die Wahl ist bis zum 07. April 2015, 18:00 befristet. Der Gewinner wird am 08. April, hier auf dem Blog, gewürdigt werden.

Viel Spaß!

  1. Erzbistum Berlin, “Rasterfahndung für Kirchensteuer bis nach Frankreich.”
  2. Volksinitiative Schleswig-Holstein, “will den Gottesbezug in die Verfassung.”
  3. Olaf Scholz, “Schirmherr beim Kongress christlicher Führungskräfte.”
  4. Christoph Graf, “Schweizer Garde nicht für Frauen und Ausländer.”
  5. Bayrischer Rundfunk, “Jesus-Schmonzetten im Osterei.”
  6. Raymond Burke, “Homosexuelle sind wie nett-tuende Mörder.”
  7. Andreas Laun, “Katholischer Lustgreis ohne Gesprächskultur.”
  8. Manuel Gogos, “schmecken Demeter-Kartoffeln.”
  9. Heinz Buschkowsky, “alles tanzt nach meiner Pfeife, oder fliegt.”
  10. Katrin Albsteiger, “weiß nicht was außerhalb ihres Glaubens als Ideologie zählt.”
  11. Hannelore Kraft, “ NRW zahlt die Christenparties. Armut kann warten.”
  12. Gerhard Ludwig Müller, “unverheirateter spricht über die Unlösbarkeit der Ehe.”
  13. Alexander Görlach, “halbgebildeter Christenmensch, ohne Wissen über Atheismus.”
  14. TMW Kern GbR, “Waldmeisterbrause passt nicht in Schwulen-Bars.
  15. Rainer Maria Woelki, “hofft auf 2 Milliarden Märtyrer.”
  16. Hermann Gröhe, “kann sich als Christ nicht raus halten.”
  17. Wolfgang Huber, “gottverdammter Christenfußball kann nicht zu Weihnachten gespielt werden, ihr Pfeifen.”
  18. Johannes Singhammer, “will Wahlrecht für Nacktaffen von Geburt an.
  19. Annette Beck-Sickinger, “muss Uni vor geilen Inder-Horden schützen.”
  20. Xavier Naidoo, “lebt in der Mannheimer Reichswelt.”
  21. Vorstand Stiftung Garnisonskirche Potsdam, “was interessiert uns der Wille der Bürger.”

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DRadio: Angst essen Journalismus auf

Bild: svz.de
Bild: svz.de
Mit einem herrlich unreflektierten Beitrag beglückte Deutschlandradio Kultur seine Hörer Ende Februar: Über etwas, das es nicht gibt. Weitere Gefahren, die nicht existieren. Von Einem, der sie trotzdem findet. Mit einem Gerät, das knattert. Es geht um so genannten Elektrosmog, die „Unsichtbare Belastung“, wie der Beitrag Angst machend titelt. Als kleinen aargks-Beitragsservice gibt’s hier ein paar Recherchetipps und wie man mit W-Fragen auch Radio machen könnte.


Von aargks|pro Logik

Bei mir läuft entweder Deutschlandfunk oder Deutschlandradio Kultur. Daheim, im Auto und im Büro, wenn ich alleine bin. Zwei saugute Sender. Das vorab, ganz ohne Ironie, und damit auch ausreichend gelobhudelt.

Am 27. Februar funkte Deutschlandradio Kultur den Beitrag „Elektro-Smog, die unsichtbare Belastung“, den jeder Redakteur seinem Praktikanten rechts und links um die Ohren gehauen hätte. Hat er aber nicht, war auch kein Praktikant, sondern eine Absolventin der Deutschen Journalistenschule, und so bzw. dennoch nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Ein Geschwurbel ohnegleichen, schon im zweiten Satz, Zitat: „Rund 17 Prozent der Bevölkerung gelten als elektrosensibel.”

Kleiner Grundkurs Recherche aus der ersten Woche Journalistenschule: Die W-Fragen.

Was ist Elektrosensibilität? Antwort: Gibt’s sehr wahrscheinlich nicht.

Woher kommen denn die behaupteten 17 Prozent? Antwort: Keine seriöse Quelle gefunden, eine 2006 vom Bundesumweltministerium vorgenommene Umfrage geht von 6 Prozent aus. Nota bene, dabei ging’s nicht darum, ob Elektrosensibilität existiert oder nicht, Zitat: “Ausgangspunkt ist vielmehr die subjektive Perspektive, unabhängig  von der Frage, ob EMF-Gefahren oder Elektrosensibilität nachweisbar sind oder nicht. Die Studie hat nicht die Aufgabe, Argumente zu Elektrosensibilität und/oder EMF-Gefahren als wahr oder falsch zu bewerten oder in diesen Debatten Position zu beziehen.”

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Dodo des Monats Februar 2015: Beatrix von Storch

Dodo des Monats Februar 2015
Dodo des Monats Februar 2015


beatrix_storchDer Landadel hat gewonnen. Frau Beatrix von Storch, Frontfrau der Alternative für Deutschland(AfD), rechts von der CDU/CSU stehend, nach Franz Josef Strauß war dort die Wand, pflegt die geborene Herzogin von Oldenburg ihre konservative, reaktionäre Weltsicht.
Liest man sich durch den Blätterwald der Medien, die Dame betreffend, fällt auf, dass die Journaille meistens Superlative und höchste Steigerungsformen benutzt, um das Wirken der Störchin zu attributieren.

Ihr Neoliberalismus ist signifikant und passt zu Luckes Calvinismus. Beide gut christlich, sie evangelikal, Lucke halt Calvinist. Mussten sich die Chicago-Boys Milton Friedman’s noch Mühe geben, Militärputsche organisieren um ganze Völker Südafrikas zu enteigenen, die Aufmüpfigen gleich zu ermorden, den Rest in Konzentrationslager zu sperren, haben es Storch und Co. einfacher. Man bedient sich funktionierender Demokratie, nutzt diese zum Zwecke des Abschaffens. Hatten wir schon mal in deutschen Gefilden.
Den Christen oftmals anhängende Arroganz, dem Rest der Menschheit die einzig gültige und schlußendliche Wahrheit zu verkünden, die auch für Nichtchristen und Ungläubige gilt bringt der Landadel in folgender Form:
von Storch:

Ich bin schon seit einigen Jahren bei dem Marsch für das Leben dabei und trete für den Lebensschutz ein. Als überzeugter Christ ist es mir ein Bedürfnis, mich gerade auch für die Schwächsten unserer Gesellschaft einzusetzen. Für diejenigen, die noch keine Stimme, aber genau so wie wir ein Recht auf Leben haben. 100.000 Abtreibungen im Jahr! Man könnte verrückt werden bei dem Gedanken, wie viele tolle, einzigartige Menschen nie das Licht der Welt erblicken durften.

Arrogante Ewiggestrigkeit, Frauen wird nicht nur die Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper abgesprochen, man drückt auf die Tränendrüse. Die Sentenz mit dem “verrückt werden” lasse ich jetzt unbeantwortet, es könnte zu weit führen. Mediziner, Soziologen, Politiker, Gewerkschafter, Parteien haben für dieses Recht der Frauen, abtreiben zu können, Jahrhunderte gekämpft. Und damit ist klar, wohin die Reise mit der Herzogin geht.
Calvinist Lucke möchte eh die Frauen zu Hause sehen, Kinder kriegen, Essen kochen und ehrenamtlich für die Kirche tätig sein. Alles andere reguliert der Markt, Staat nur für den Gebrauch von Macht, sollte es den Dummen und Entmündigten in den Sinn kommen anders leben zu wollen.
Weiter im Kontext:

von Storch:

Ich bin gegen Abtreibung, gegen Pränataldiagnostik und auch gegen Sterbehilfe.

Gut christlich, fortschrittsfeindlich und asozial, solche Sätze nach 250 Jahren Aufklärung, wissenschaftlichen und technischen Fortschritt formulieren zu können. Einhergehend mit der intellektuellen Unfähigkeit gesellschaftliche Veränderungen in ihrer Sozialisierung zu erkennen. Die klassische Familie ist kein Monopol mehr, verschiedene Formen menschlichen Zusammenlebens haben sich herausgebildet, diese Vielfalt gilt es zu fördern und vor allem zu erhalten.  Es ist aber diese Vielfalt, die Familien-konservatives Denken ad absurdum führt. Die Störchin wünscht sich alten Zeiten zurück, den Familienvater der den Unterhalt nach Hause bringt, die Frau, die sich um die Blagen kümmern muss und um die gute Laune des Hausherrschers. Und so setzt sich das, nach Vorstellung der Herzogin, bis nach Oben fort. Vielleicht nicht eben ein schnauzbärtiger Krüppel, für den es sich dann lohnt auf dem Felde der Ehre zu sterben, weil die Märkte nicht mehr mitgespielt haben und man ab und an einen kleinen Krieg braucht.

Storch und Co. sind der Untergang menschlicher Zivilisation, wie wir sie kennen. Homeschooling, etwas Kreationismus für den dummen Pöbel, die Frau als Gebärmaschine, vielleicht eines Tages für diese Leistungen mit dem Mutterkreuz zu verunzieren. Sind ungezügelter Markt, autoritäre Pfaffen, christliche Moral, Bigotterie und Despotismus.
Und trotzdem wird es Idioten geben, die so etwas wählen.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.