Gedankenverbrechen und Bestrafung

By LeonV – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34934403
Ein Jahr der Ausgrenzung und Rechtsstreite an einer kanadischen Universität

Von Lindsay Shepherd | RDF

Ende 2017 befand ich mich im Zentrum einer Kontroverse an der Wilfrid Laurier University (Waterloo, Kanada), wo ich als M.A. Student (Master of Arts) und Lehrassistent (TA) im Fachbereich Kommunikationswissenschaften tätig war. In dem Kurs, für den ich als TA arbeitete, spielte ich einen Teil einer Podiumsdiskussion, die im öffentlichen Fernsehen von Ontario ausgestrahlt wurde, vor. Wie viele Leser wissen, beinhaltete dieses Material Jordan Peterson, Professor an der University of Toronto, der gegen die Verwendung alternativer Geschlechterpronomen argumentierte, sowie die Argumente des Sexualdiversitätspädagogen Nicholas Matte, der zu dessen Gebrauch ermutigte.

Weil ich entschied, mich nicht von Petersons Ansichten zu distanzieren, bevor ich das Video zeigte, wurde ich in daraufhin vor einen Disziplinarausschuss zitiert. Der Betreuer des betreffenden Kurses, Nathan Rambukkana, sowie der Koordinator meines M.A.-Programms, Herbert Pimlott (manchmal auch bekannt als „Hillary X Plimsoll“), und die Managerin für geschlechtsspezifische Gewalt und Prävention von sexuellen Übergriffen, Adria Joel, beschuldigten mich, gegen das Gesetz zu verstoßen, indem ich ein Video mit Peterson im Klassenzimmer gezeigt, sowie Trans-Personen bedroht und angriffen habe, wodurch eine toxische Umgebung geschaffen wurde. All das ist bekannt, weil ich das ganze Treffen aufgezeichnet habe.

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Volker Beck: Islamverbände sind keine Religionsgemeinschaften – „Kein Stein bliebe auf dem anderen“

Volker Beck fordert „aktivere Religionspolitik“ © Wilhei (Pixabay)
Falls die großen Islamverbände in Deutschland als Religionsgemeinschaften anerkannt werden, sieht der Grünen-Politiker Volker Beck eine Gefahr für das deutsche Religionsverfassungsrecht. Er sprach von „politisierten religiösen Vereinen“.

DOMRADIO.DE

Zur Begründung verwies der Ex-Bundestagsabgeordnete, der heute am „Centrum für Religionswissenschaftliche Studien“ der Ruhr-Universität Bochum lehrt, am Mittwoch bei einer Tagung des Deutschen Richterbunds in Berlin auf eine Steuerung der Verbände aus der Türkei. Wenn „politisierte religiöse Vereine in die Rechte von Religionsgemeinschaften“ einrückten, seien die Fundamente „des bewährten deutschen Religionsverfassungsrechts“ bedroht. „Dann ginge die ordnende Kraft unseres Religionsverfassungsrechts verloren, und kein Stein bliebe da auf dem anderen“, fügte er hinzu.

Beck bezog sich auf eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts im vergangenen Dezember in einem seit über 20 Jahren laufenden Rechtsstreit zum islamischen Religionsunterricht an Schulen in Nordrhein-Westfalen.

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Was Jeff Bezos Blackmailed to Help the Saudi Crown Prince?

Amazon CEO Jeff Bezos. (Cliff Owen / AP)
David Pecker’s alleged attempt to blackmail Amazon CEO Jeff Bezos would not ordinarily attract my eye, except for this paragraph:

Juan Cole | truthdig

And sometimes Mr. Pecker mixes it all together:

“After Mr. Trump became president, he rewarded Mr. Pecker’s loyalty with a White House dinner to which the media executive brought a guest with important ties to the royals in Saudi Arabia. At the time, Mr. Pecker was pursuing business there while also hunting for financing for acquisitions. …”

We knew that Pecker had brought the French investment banker and Saudi publicist Kacy Grine to the White House.

And Spencer Ackerman had reported on Pecker’s strange move to put a pro-Saudi glossy magazine in grocery store checkout lanes in spring of 2018. It is as though he thought American housewives would thrill to the soap opera in Riyadh, where the Dr. Jekyll-and-Mr.-Hyde Saudi Crown Prince Mohammed Bin Salman had, in summer of 2017, sidelined his rival, Mohammed bin Nayef, dethroning him as crown prince and greedily taking his place, before he kidnapped many in the Saudi elite to shake them down for $100 billion while imprisoning them in the Ritz-Carlton. “Days of Our Lives” had nothing on the Saudis.

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RDF Talk – Worood Zuhair: Die Wurzeln des Islam reichen vom Nahen Osten bis nach Europa

Vortrag vom 22. Januar 2019 im Haus der Wissenschaft in Bremen.

Richard-Dawkins-Foundation

Vortragstext

Acht kleine Steine.

Mit schwarzem Klebstoff verklebt, aufbewahrt in einem großen, mit schwarzem Laken bedeckten Gebäude.

Für sie würden 1,8 Milliarden Menschen sterben, im Namen ihres Glaubens. Im Namen ihrer Religion, des Islam.

Es ist das größte und älteste Gehirnwäschesystem, das ohne Aufmerksamkeit Tausende von Jahren zugenommen hat.

Jetzt müssen wir verhindern, dass es wieder wächst.

Historische Fakten

Der Mythos der Schöpfungstheorie aus der Zeit des Kulturvolkes der Sumerer, der in der ganzen Welt eingedrungen ist, wird an einigen Universitäten als Tatsache hingestellt.

Mesopotamien der Geburtsort mythologischer Geschichten über Gott und Gottheiten, wie diese abergläubische Region die Welt beeinflusste, in der wir jetzt leben.

Vom alten Babylon bis heute hat Hammurapi sein Gesetzbuch zu den Worten eines Gottes gemacht. Die gleichen Worte finden wir in den mosaischen Gesetzen der Thora. Dies ist auch in der Bibel nachgebildet.

  • Auge um Auge – Zahn um Zahn –

Der Nahe Osten hat eine wichtige Rolle in dem, was wir jetzt Monotheismus nennen, in den drei großen Religionen.

Abrahamitische Religionen, die sich auf den einzigen Gott beziehen, wurden geschaffen, um die Autorität als Diktatur zu besitzen, die es liebt, das Leben des Menschen durch Angst und Wut zu kontrollieren.

Wir sehen so viele Führer, die heute auf diese Weise handeln, weil sie so sind, wie sie ihren Gott sehen.

Lassen Sie uns nun über die Wurzel dieses Problems sprechen.

Zuallererst kann man sagen, dass Religion wie eine Krankheit wirkt. Wenn sie sich ausdehnt, hat dies Konsequenzen in allen Bereichen. Diese Ideologien lösen Symptome der Unterdrückung aus und viele Menschen reagieren auf diese Symptome.

Sie werden mit der individuellen Freiheit intolerant.

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Warum der Missbrauchsgipfel zum Scheitern verurteilt ist – 5 Gründe

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Er hoffe dennoch auf einen Erfolg, fürchte aber, dass das Treffen nur ein kleiner Schritt im Kampf gegen den sexuellen Missbrauch sein wird, schreibt der Jesuitenpater Thomas Reese.

kath.net

Das Gipfeltreffen der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen und Vertreter katholischer Orden über sexuellen Missbrauch von 21. bis 24. Februar im Vatikan könnte nach Ansicht von P. Thomas Reese SJ nicht die Erwartungen von Opfern, Medien und Gläubigen erfüllen.

In einem Artikel für Religion News Service führt er fünf Gründe an, die ihn in Bezug auf das Treffen skeptisch machen.

Zum ersten seien vier Tage eine viel zu kurze Zeitspanne, um ein so wichtiges und kompliziertes Thema zu behandeln. Das Programm sei zu ambitioniert und werde kaum an der Oberfläche kratzen. Wenn jeder Teilnehmer nur fünf Minuten zu Wort käme, wären bereits zwölf Stunden vergangen und damit die Hälfte der für die Konferenz angesetzten Zeit verbraucht.

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DBK-Sekretär zu Missbrauch: Müssen Verantwortliche konkret benennen

Bild: © KNA
Die Zeit sei nun da, konkret zu benennen, wer in den Bistümern für den Einsatz und die Versetzungen von Missbrauchstätern verantwortlich war: DBK-Sekretär Hans Langendörfer will zudem eine breite Debatte über den Zölibat und kirchliche Sexualmoral.

katholisch.de

Nach der Missbrauchsstudie der deutschen Bischöfe sieht Bischofskonferenz-Sekretär Pater Hans Langendörfer einen großen Reformbedarf in der deutschen Kirche. Notwendig sei ein Mentalitätswandel, sagte er am Mittwochabend in Köln. Dazu gehöre eine breite Debatte über den Zölibat und die kirchliche Sexualmoral, die neue Erkenntnisse aufnehme und in Rom gehört werde. Auch sei jetzt die Zeit, konkret zu benennen, wer genau in den Bistümern für den Einsatz und die Versetzungen von Missbrauchstätern verantwortlich war.

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Alan Poseners Waldorf-Propaganda im Deutschlandfunk Kultur

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Rudolf Steiner (Bild: public domain)
Der Deutschandfunk Kultur lädt den Journalisten Alan Posener (Die Welt, Axel Springer SE) zum Gespräch ein, um den 100. Geburtstag der Waldorfschule zu feiern. Was dieser dabei sagte, entsetzte hpd-Autor Andreas Lichte.

Von Andreas Lichte | hpd.de

„Hat Posener das wirklich gesagt?“, frage ich mich. Ich kann es nicht fassen und versuche eine Inhaltsangabe – frei, aus dem Gedächtnis –, es geht ja um „Schule“, und das ist doch eine gute Übung, Prüfung …:

  • Bildung sollte privatisiert werden,
  • weil Waldorfschulen besser als öffentliche Schulen sind:
  • Waldorfschulen fördern das Individuum,
  • deswegen waren sie im Nationalsozialismus verboten.

Boah! Was für ein Blödsinn! Aber meine Inhaltsangabe ist korrekt, wie ich beim Vergleich mit Deutschlandfunk Kultur „Der Mensch im Mittelpunkt“ feststelle. Ich höre mir den Beitrag auch noch einmal an: „Dieser Individualismus (der Waldorfschulen) rekurriert auf das humboldtsche Bildungsideal“, schwärmt Posener im O-Ton.

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Gibt es eine Moral für Journalisten und eine für Normalsterbliche?

Wenn Politiker Fehler begehen, verlangen Journalisten sofort personelle Konsequenzen. In der Affäre um erfundene Reportagen beim «Spiegel» halten sich die Kollegen mit Rücktrittsforderungen zurück. Die Medien messen offenkundig mit zweierlei Mass.

Eric Gujer | Neue Zürcher Zeitung

Angesichts der Flüchtlingskrise 2015 und des Aufstiegs der AfD verloren viele Journalisten den Kompass. Sie sahen ihre Aufgabe nicht mehr darin, die Politik zu kontrollieren. Sie verstanden sich als Staatsbürger in unsichtbarer Uniform, dazu da, die Rechtspopulisten zu bekämpfen und die gesellschaftliche Spaltung zu verhindern.

Journalisten sahen sich plötzlich als eine Art Sozialarbeiter und wollten das verirrte Volk auf den richtigen Weg bringen. Es kam ihnen nicht in den Sinn, darauf hinzuweisen, dass die unkontrollierte Einwanderung politische Gegenreaktionen auslösen würde. Sie wollten diesen Zusammenhang einfach nicht wahrhaben, getreu dem Motto: Was nicht sein darf, kann nicht sein. Denn sie hatten ein vorgefertigtes Bild im Kopf: Helldeutschland gegen Dunkeldeutschland. Realitätsverweigerung ist nie gut, im Journalismus ist sie eine Todsünde.

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Politische Bildung aufwerten

Demokratie wird nicht nur an der Wahlurne gelebt: In den Betrieben wird eine wichtige Grundlage gelegt.

Von Irene Schulz | Frankfurter Rundschau

Politische Bildung ist existenziell, „weil Demokratie die einzige Staatsform ist, die gelernt werden muss“. Der Sozialphilosoph Oskar Negt ist mit diesem vor Jahren geschriebenen Satz mitten im Heute: Fake News statt Nachrichten, populistische Verleumdungen statt belastbare Argumente, Wahlerfolge von Rechten und Rechtsradikalen. Wenn so die Tagesordnung aussieht, dann geht es um die Stärke unserer Demokratie.

Demokrat sein zu dürfen, ist ein Privileg; schauen wir uns nur um auf der Welt. Die damit verbundenen Rechte zu nutzen, will geübt sein. Denn Demokratie ist viel mehr als eine sekundenschnell gepostete Meinung. Demokratie lebt von Gestaltung und Gestaltungswilligen.

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Den Identitären zum Trotz: Deutsche Heimat, deutsche Muslime

Dampfmaschinenhaus in Potsdam im maurischen Stil. Bild: maxrator / CC0
Diese Realität wollen ganz unterschiedliche Akteure immer noch nicht wahrhaben

Eren Güvercin | TELEPOLIS

Der Begriff eines „deutschen Islam“ hat den Beginn der neuen Auflage der Deutschen Islam Konferenz dominiert. Dabei wird einem sehr schnell klar, dass die unterschiedlichen Akteure etwas anderes in diese Begriffskonstruktion hineininterpretieren.

Ich hatte bereits 2012 in meinem Buch Neo-Moslems – Porträt einer deutschen Generation versucht die Lebensrealität der jungen Generation deutscher Muslime zu beschreiben. Einer Generation, die in Deutschland ihre Heimat sieht und das Migrantendasein und die Vorstellung, in einer Art Diaspora zu leben, lange schon überwunden hat. Diese Realität wollen ganz unterschiedliche Akteure immer noch nicht wahrhaben. Sie flüchten sich in Scheindebatten, weil es ihrem Weltbild nicht passt.

Konservative, AfD und türkeistämmige Konservative

Zu diesen Akteuren gehören Teile der Konservativen und die AfD. Für sie gibt es einen unüberbrückbaren Widerspruch zwischen deutsch und muslimisch. Aber zu diesen Akteuren gehören auch türkeistämmige Identitäre, die krampfhaft an der Legende dichten, dass Muslime, die sich selbstverständlich als deutsche Muslime bezeichnen, ein Instrument des deutschen Staates sind, um „den Islam“ auszuhöhlen.

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Warum Asia Bibi für ihren Glauben sterben sollte

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild

Der Christengott liebt das Blut seiner Anhängerschar. Das monetäre Opfer, Geldzahlungen, in Deutschland Kirchensteuer genannt, reicht ihm nicht. Er braucht Tote, die für den Glauben an ihn gestorben sind, ermordet wurden, gefoltert, was auch immer. Stuss dieser Art versucht der absolutistische Kirchenfürst aus Rom der Allgemeinheit zu vermitteln. So twittert er, zwischen den Feiertagen:

„Die Kirche wächst durch das Blut der Märtyrer, der Männer und Frauen, die ihr Leben für Jesus hingeben. Heute gibt es viele von ihnen, auch wenn sie keine Nachricht wert sind.“

Nehmen wir als Beispiel die Katholikin Asia Bibi, wegen Blasphemie gegen den islamischen Gott zum Tode verurteilt, Jahre in Haft zugebracht, steht nun für die römische Spukgestalt die Gefahr, dass sie mit dem Leben davon kommt und schon ist sie für die Weltkirche der Katholen nicht mehr wertvoll. Asia Bibi, von einem frommen, islamischen Extremismus auf der Straße geschlachtet, in der Wohnung oder im Gefängnis. Der vatikanische Geisterbeschwörer würde um ihre Seele beten, nicht um ihr Leben, da ist sie, den Worten nach, wertlos. Nur Blut, von frommen Katholiken hilft der Kirche im Wachstum.
Das vom Papst zitierte von einem islamistischen Mufti, Ayatollah geäußert und die westliche Welt würde kollektiv Aufschreien. Die islamistischen Verbände in Deutschland entschuldigen sich reihenweise um dann zum Althergebrachten zurück zu kehren.
Dass, vom römischen Franz geäußerte ist schlichtweg idiotisch zu nennen, inhuman und zeigt ein äußerst fragwürdiges Menschenbild. Was die politischen Gottesmägde und -knechte nicht davon abhält ihm metaphorisch die Füße zu küssen. Keine Kritik am Ewiggestrigen, feuchten Auges blickte man die letzten Tage nach Rom, sehend, den Kitsch, die esoterische Geisterbeschwörung, den Obskurantismus des Todes, weil dieser die Kirche wachsen ließe.

Also, Asia Bibi, geh sterben, kirchengefällig, oder lebe menschlich. Letzteres ist eine gute Alternative.

Bild: Twitter @Pontifex_de. Screenshot: bb

Brief an einen jungen Philosophen

Grafik: TP
Gut gemeinte Ratschläge für das Studium der Philosophie, um das Schlimmste zu verhindern

Winfried Degen | TELEPOLIS

In Zeiten, in denen der Mangel an guten Fachkräften, besonders in den MINT-Fächern, die Entwicklung der deutschen Wirtschaft in zunehmenden Maße behindert, ist jeder talentierte junge Mensch, der sich irgendeinem Orchideenfach zuwendet, anstatt Natur- oder Ingenieurwissenschaften zu studieren, ein schwerer Verlust für unser Land. Der Autor hatte einen solchen Fall in der Familie und, um das Schlimmste zu verhindern, schrieb er einen Brief an einen jungen Philosophen.

Lieber S. ,

von Deiner Mutter erfuhr ich, dass du beschlossen hast, in B. Philosophie zu studieren. Das bekümmert mich sehr und ich schreibe Dir diesen Brief, um Dich zu bewegen, doch noch von diesem unnützen Unternehmen abzulassen.

Dabei geht es mir nicht zuerst um Deine wirtschaftliche Zukunft. Du weißt selber, wie viele Doctores Philosophiae letztlich als Taxifahrer ihr Brot verdienen müssen. Nein, Taxifahrer ist ein ehrenwerter Beruf, und jene, die diesen Beruf ausüben, leisten der Gesellschaft einen nützlicheren Dienst als die meisten Philosophen. Darum geht es mir also nicht.

Ich möchte Dich vielmehr bitten, Deine Motive für diesen Beschluss ernsthaft und ehrlich Dir selbst gegenüber zu prüfen. Du hast mir gesagt, dass Naturwissenschaften und Technik nicht ‚dein Ding‘ seien. Deine Mathematiknoten in der Schule seien selten besser als ausreichend gewesen. Dies alles interessiere Dich nicht. Ich kenne Dich auch als einen jungen Mann, der sich viele Gedanken macht, dem viele Fragen unbeantwortet bleiben. Ich kenne Deinen Einsatz für die Gerechtigkeit, Deine Unterstützung der Schwächeren.

Dies alles ehrt dich, und ich bin weit davon entfernt, dies als eine Schwärmerei der Jugend abzutun, die sich mit dem Alter schon legen wird. Aber glaube mir, um zu erfahren, was Gerechtigkeit ist, was Du also tun sollst, wie die Welt beschaffen ist, was Du also erkennen kannst, und wie Du selbst in dieser Welt stehst, wie Du also zu Dir selbst finden kannst, dazu wird Dir ein Studium der Philosophie wenig helfen. Wenn Du das glaubst, machst Du den gleichen Fehler, wie diejenigen, die glauben, mit einem Psychologiestudium ihr verkorkstes Seelchen wieder zurechtbiegen zu können.

Warum muss es unbedingt ein Studium sein? Warum willst Du nicht ein ehrbares Handwerk erlernen? Ein Tischler, der mit seinen Händen nützliche Dinge erschafft, ein Gärtner, der die Schönheit der Natur zum Blühen bringt oder ein Koch, der mit seiner Gaumenkunst seine Gäste beglückt – all diese können am Ende des Tages stolz darauf verweisen, dass sie die Welt, jeder an seinem Platz, ein wenig besser gemacht haben. Du sagst, du hättest zwei linke Hände, und Handwerk sei nichts für Dich. Höre ich da etwa einen Unterton von Hochmut durch?

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Peter Sloterdijk seziert das zynische Bewusstsein zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Gähnen hilft gegen akuten Zynismus, der sich mit den Täuschungen des Lebens arrangiert hat . . . (Bild: Richard Kalvar / Magnum)
Internet, Terror, politische Korrektheit, Migration: Alle vier Entwicklungen bringen tiefgreifende Wandlungen im Verhältnis von Herrschen und Lügen mit sich. Dabei trifft sich der Zynismus von oben immer öfter mit dem Zynismus von unten. Was bedeutet das für die Zukunft des Westens?

Peter Sloterdijk | Neue Zürcher Zeitung

Es gehört zu den eindrucksvollsten Merkmalen der Hochkulturen, die seit dem ersten vorchristlichen Jahrtausend den Gang der Zivilisationsgeschichte befeuern, dass sie «den Menschen» mit zunehmender Explizitheit als ein Wesen auffassen, in dessen Natur es liege, Irrtümern zum Opfer zu fallen. Damit war nicht gemeint, «der Mensch» sei im alltäglichen Umgang mit Dingen und seinesgleichen nie ganz vor dem Risiko zu schützen, sich in der einen oder anderen Hinsicht zu täuschen. Die hochkulturellen Weltanschauungen dramatisieren das Durchdrungen-Sein des Daseins von der Spannung zwischen Wahrem und Falschem bis an einen Punkt, an dem es in Gefahr gerät, einer umfassenden Täuschung zu verfallen. Von Anfang an scheint es eingetaucht in eine Irrtums-Ganzheit, aus der es sich nur durch ausserordentliche spirituelle Anstrengungen loszulösen vermag oder, sofern diese nicht genügen, dank dem Entgegenkommen der aus menschlicher Eigenmacht unerreichbaren Wahrheit.

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Wir sind, was volkt!

Neofaschisten skandieren griffige Parolen und offenbaren darin ihr gestörtes Verhältnis nicht nur zur deutschen Sprache, sondern auch zu deren Bedeutungsinhalten. Aber nicht nur das!

Richard Winterstein | TELEPOLIS

„Wir sind das Volk!“

Der Klassiker! In der Vorwendezeit sollte diese Parole die herrschende Partei und die Staatsgewalt der DDR daran erinnern, dass es – „das Volk“ – etwas andere Vorstellungen über gutes Regiertwerden hatte, als die DDR-Oberen sich das ausgedacht hatten. Dass sich das DDR-„Volk“ in wesentlichen Teilen gegen seine eigene Herrschaft und auf die Seite des westdeutschen Klassenfeindes stellte, war für diese, die sich doch als genuine Vertreterin der DDR-Arbeiterklasse verstanden, der ideologische und politische Super-Gau schlechthin.

In der abgewandelten Form „Wir sind ein Volk“ bezogen die ostdeutschen Skandierenden die westdeutschen Brüder und Schwestern in ihren Wunsch nach „Wiedervereinigung“ mit ein! Die schon in den Jahrzehnten davor existierenden Ansprüche der westdeutschen Regierung auf die Oberaufsicht über das gesamte deutsche Volk hatten ihre Wirkung nicht verfehlt. Das DDR-„Volk“ konnte also getrost davon ausgehen, dass es mit seiner Bereitschaft, unter die westdeutschen Herrschaftsfittiche zu flüchten, im Westen bei allen maßgeblichen Politikern offene Türen einrennen würde.

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Man kann Märchengestalten nicht beleidigen

Darf Jesus beleidigt werden? Es ist, wie wir wissen, geschehen. „Fresser und Weinsäufer“ haben sie ihn genannt (Mat 11,19) und er hat nicht widersprochen.

Von Klaus Baschang | kath.net

Sie haben ihn sogar gekreuzigt. Und er hat sich nicht dagegen gewehrt. Er hat sogar gebetet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Luk 23,34). Wie würde die Welt aussehen, wenn damals schon Gotteslästerung mit dem Strafgesetzbuch verfolgt worden wäre? Natürlich ist für die Gläubigen Gott über alle Lästerungen hoch erhaben. Aber der öffentliche Friede kann gestört werden, wenn über Heilige und Heiliges gelästert wird.

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Das Kopftuch – ein Stellvertreterkrieg

Themenbild
Ist an der Kopftuchdebatte mehr dran, als für die Regierung drinnen ist?

Von Christian Rainer | profil.at

Ein Kopftuch kommt selten allein. Es kommt freilich selten. 19 Volksschülerinnen sind es in Tirol, die ein Kopftuch tragen und von einem Verbot betroffen wären. Das Kopftuch kommt allerdings oft, obwohl es so selten ist: Wir diskutieren Kopftücher in Schulen, in Kindergärten, bei Lehrerinnen, bei Straßenbahnfahrerinnen, im öffentlichen Dienst ganz allgemein.

Das Missverhältnis zwischen der Seltenheit des Kopftuchs und der Häufigkeit seiner Erwähnung entsteht durch dessen Instrumentalisierung. Kein Symbol im öffentlichen Raum ist besser geeignet, auf die Andersartigkeit des dahinterstehenden Lebens hinzuweisen.

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Wer nervt hier wen?

Foto: Pixabay.com / RobinHiggins
Atheisten oder Christen nerven Journalisten

Von Uwe Lehnert | Richard-Dawkins-Foundation

Die Online-Zeitung »Pro – Christliches Medienmagazin« zitiert am 15.11.2018 unter dem Titel »Wenn Atheisten nerven« den ZEIT-Journalisten Raoul Löbbert. Es heißt dort, dass seiner Auffassung nach heutige Atheisten nicht diskutieren, sondern nur die eigene Ignoranz bestätigt sehen wollen. Und weiter klagt er, dass er meistens einer Tirade von Anfeindungen ausgesetzt sei, wenn er auf einer Party davon berichte, dass er gläubig sei. Dabei sei er sich sicher, dass es auch für hartgesottene Atheisten Momente gebe, wo sie existenziellen Trost brauchen würden.

Ich vermute dagegen, dass der Herr Journalist eher einen Ungläubigen nervt mit seinen einfältigen Ansichten über Religion, Kirche und Katholizismus. Die Zeiten, als »Atheisten« den Drang verspürten, sich gegenüber der Übermacht von meist ja christlichen Gläubigen rechtfertigen zu müssen und mit wissenschaftlichen Erkenntnissen auftrumpften, sind doch längst vorbei. Heute begegnet ein Ungläubiger, also so ein »nervender Atheist«, einem seinen Glauben fröhlich und manchmal in freundlich-naiver Weise äußernden Menschen mit Nachsicht, mit freundlichem Verständnis, keinesfalls mit einem Schwall von Argumenten. Auch wenn es überheblich klingen mag, manchmal ist es eher Mitleid, das man mit einem Menschen empfindet, der von Kindesbeinen an geistig vergewaltigt wurde durch eine Lehre, die er als Kind überhaupt nicht verstehen, sondern nur glauben konnte – glauben im Vertrauen auf die Autorität von Pfarrer und Eltern. In diesem Alter werden solche Legenden und Versprechungen so tief im Unterbewusstsein verankert, dass sie später rationalen Argumenten so gut wie nicht mehr zugänglich sind.

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Das quasi-religiöse Facebook-Schaf als Datenscheisser

Facebook ist nicht nur vom Einfluss, sondern auch von der Zielsetzung her gesehen eine Art Religion. Es nutzen ist wie in die Kirche gehen. Doch aufgepasst: Facebook ist ein knallhartes Technologieunternehmen.

Eduard Kaeser | Neue Zürcher Zeitung

Der Herdeninstinkt greift um sich. Massen in Fussballstadien, Massen an Raves und Festivals, Massen an religiösen Veranstaltungen, Touristenmassen. Neu hinzu kommen Massen in den Social Media. Im Jahre 2015 beglückwünschte sich Facebook, das erste soziale Netzwerk mit einer Milliarde Nutzer pro Tag zu sein. Eine Dimension, die das Unternehmen in die Liga der Weltreligionen hebt: 2,2 Milliarden Christen, 1,6 Milliarden Muslime, 1 Milliarde Hindus.

Facebook ist nicht nur vom Einfluss, sondern auch von der Zielsetzung her gesehen eine Art Religion. Mark Zuckerberg spricht von der «Community». Diese Community hat eine Mission: jedem eine Stimme geben, das gegenseitige Verständnis fördern, Teilnahme aller an den Segnungen moderner Technologie. Facebook ist zumindest eine Religion im alten Sinne des Wortes «religio», des Zusammenkommens durch Rückbindung an Gott. Nur kennt Facebook keinen Gott. Oder vielmehr: Der Gott ist die Technologie, und die Religion bedeutet jetzt Vernetzen durch technische Mittel.

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Die Heiligsprechung der Angela Merkel im grünen Milieu

Die taz nimmt Abschied von ihrer Königin der Herzen und warnt vor „breitbeinigen Nachfolgern“

Peter Nowak | TELEPOLIS

„Vor 28 Jahren, am 2. November 1990, öffnete Angela Merkel die Tür dieses Fischerschuppens in Lobbe, Südost-Rügen. Es war kühler, stürmischer, nebliger als im November 2018.“ Das könnte ein etwas banaler Anfang eines modernisierten Hedwig-Courths-Mahler-Romans sein.

Diese Zeilen handeln tatsächlich von einer Liebesgeschichte, der des grünen Milieus in Deutschland zu Angela Merkel. So beginnt in der aktuellen Ausgabe der taz eine sentimentale Rührstory über den politischen Weg von Merkel. Die Fischerhütte wird da zum romantischen Mythos und gleichzeitig zur Projektion. So geht es in der aktuellen taz-Ausgabe auf vielen Seiten weiter. Anlass ist das absehbare Ende der Ära Merkel-Schäuble nach dem angekündigten Verzicht auf den Unionsvorsitz durch Merkel.

In unterschiedlichen Artikeln wird der Heiligen Angela gehuldigt. Sogar verschiedene Fotografen werden aufgeboten, die daran erinnern sollen, wann sie in der politischen Laufbahn Merkels nach 1990 welches Foto von Merkel aufgenommen haben.

Man reibt sich die Augen und vergewissert sich noch mal, ob man wirklich die Taz vor sich hat und nicht eines der Herz-Schmerz-Blätter, die immer so romantisch den Menschen die Sorgen und Nöte von Prinzessinnen und Grafen nahebringen wollen. Doch kein Zweifel, es ist die taz und für die und das grüne Milieu war Merkel schon länger zur Königin der Herzen geworden.

Immer wieder haben sich in den letzten Jahren Menschen aus diesem Milieu als Merkel-Fans geoutet und dann immer beteuert, mit den Unionsparteien eigentlich nie viel zu tun gehabt zu haben.

Die Bezeichnung als „Szene“ ist wichtig, weil nicht alle Funktionsträger der Grünen vom Merkel-Fieber angesteckt waren. Doch niemand widersprach dem fundamental, weil sie wussten, dass ihnen das nicht gut bekommen würde. Zudem ist mit dem Begriff „Szene“ oder „Milieu“ eben auch das ganze Umfeld der Grünen gemeint, die mit ihrem Habitus dieses Milieu noch immer gut abbildet, auch wenn sie vielleicht in der grünen Partei selbst nicht aktiv sind oder sie vielleicht auch gar nicht wählen.

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Atheisten für den Islam

Als am vergangenen Sonntag in Berlin gegen Fremdenfeindlichkeit demonstriert wurde, war auch eine Organisation mit dabei, die sich bisher durch ihr Eintreten gegen den Einfluss jeglicher Religion in Staat und Gesellschaft auszeichnete.

Archi W. Bechlenberg | Achgut.com

Es ist die Giordano-Bruno-Stiftung, benannt nach dem 1600 von der Heiligen Inquisition auf dem Scheiterhaufen als Ketzer verbrannten italienischen Priester, Dichter, Philosophen und Astronomen gleichen Namens. Im Gegensatz zu Opfern des IS Terrors, so erklärte mir einmal ein katholischer Theologe, sei Bruno nicht etwa unrechtmäßig hingerichtet worden; es habe zuvor ein ordentliches Gerichtsverfahren gegeben.

Die GBS nennt sich „Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung“, sie tritt ein für eine „tragfähige humanistische, rationale und evidenzbasierte Alternative zu den traditionellen Religionen“ und möchte dieser „gesellschaftlich zum Durchbruch zu verhelfen.“

Ob der Stiftung ihr Mitdemonstrieren gegen Fremdenfeindlichkeit bei in Deutschland lebenden Japanern, Griechen, Italienern, Vietnamesen oder Luxemburgern positiv aufgefallen ist, ist zumindest fraglich.

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