Trump redet die Welt um Kopf und Kragen

Screen capture taken from the KKK website on November 11, 2016, celebrating Donald Trump’s election win/The Times of Israel
Der US-Präsident geriert sich als Kriegstreiber, jedenfalls redet er so daher. Aber wann ist die Masse der hetzenden Wörter so kritisch, dass sie eine atomare Kettenreaktion auslöst?

Von Heribert Prantl | Süddeutsche.de

Als ich am Freitag Donald Trumps neueste Drohungen gegen Nordkorea und seine Sätze über die „geladenen und schussbereiten US-Waffen“ gehört hatte, zog ich Ludwig Quiddes berühmtes Buch „Caligula“ aus meinem Bücherregal. Diese „Studie über römischen Cäsarenwahnsinn“ ist 1894 erschienen; sie war das erfolgreichste politische Buch im wilhelminischen Kaiserreich und erlebte 31 Auflagen bis 1926. Quidde, ein deutscher Historiker und Publizist, erhielt 1927 für sein pazifistisches Engagement den Friedensnobelpreis. In seinem Caligula-Buch hatte er zwar vordergründig über den römischen Kaiser und dessen Grausamkeiten geschrieben, dahinter verbarg sich aber, unschwer zu entdecken, der großsprecherisch-theatralische deutsche Kaiser Wilhelm II.

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Dodo Juli 2017: Gloria von Thurn und Taxis

Lasst uns über Fossilien reden. Lebende.
Die Töne des Abschlussberichts zu Missbrauch und Gewalt bei den Regensburger Domspatzen waren noch nicht verklungen als sich die unheilige Allianz von Pfaffentum und blaublütiger Melange, aus Hausfrau und Unternehmerin, zu Wort meldete. Nirgendwo wird der Gegensatz zwischen Moderne und Ewiggestrigkeit deutlicher als in der Thematik sexueller Missbrauch und Gewalt.
Um es vorweg zu nehmen. Natürlich gibt es häusliche Gewalt, sexuellen Missbrauch bis in die Familien, oder gerade dort. Aber niemand von den Tätern behauptet Kinder ficken zu müssen im Namen Gottes, geweiht zu sein um mit irdischen Leid den Christen zu formen. Keiner der Täter meint seine Moral als unabdingbar darstellen zu müssen oder gar als gesellschaftliche Norm einzufordern. All das tun kinderfickende, prügelende, cholerische Pfaffen, die sich noch als Vertreter Gottes auf Erden sehen. Jahrzehnte schaute die Institution Kirche wohlgefällig in andere Ecken. Mit dem öffentlichen Ruf „Haltet den Dieb“ lenkte man von sich ab und stahl Kindern und Jugendlich einen wichtigen Teil ihres Lebens, die Kindheit, die Jugend. Ein Schuldbewusstsein, bis in „ehrwürdigste“ katholische Kreise, hat sich nicht entwickelt. Im Gegenteil, die Täter-Opfer-Umkehr funktioniert bestens. Die anderen sind schuld. Die anderen sind die Schweine, die am komatösen Kirchenkörper auch noch die letzten Dreckstellen aufdecken wollen.

Eilfertig kommt die Regensburger Hausfrau Gloria in die Dislussion gestürzt und versucht aus dem Dreckschwein ein sauberes zu machen. Ihre Argumentation kann man durchaus Plemplem nennen:

Das ist totaler Schmarrn. Das ist einfach richtig gemein. In jeder Schule, in jedem Sportverein gibt es dieses Phänomen und das wird es auch immer geben. Man geht gerne auf die Kirche los und das ist ein gefundenes Fressen.
Gloria von Thurn und Taxis

Irgendjemand meinte nach dieser Äußerung, dass die Regensburger Hausfrau nicht mehr alle Latten am Zaun habe. Angesichts der Bereitschaft die Ereignisse, Straftaten, die Gewalt bei den Regensburger Domspatzen zu relativieren ist das noch geschmeichelt.

Auf Schloß Emmeram können sich die Betroffenen ihre Wunden lecken und über die ach so schlechte Welt wehklagen. Thron und Kirche, moralischer Niedergang aller orten. Dank des Konstrukts der Beichte ist man mit seinem imaginären Freund schon wieder im Reinen. Politische Unterstützung gibt es auch, ob nun von Vertretern der AfD oder von der schweigenden Mehrheit „christlicher“ Politik. Klerikaler Konservatismus mit faschistoider Tendenz. Die Fossilien wollen zurück in ihren Sumpf. Den gilt es trockenzulegen.
Gloria von Thurn und Taxis Kämpferin für Recht und eine Ordnung die die meisten Menschen nicht wieder haben wollen. Sexuelle Aufklärung im Kindesalter fördere Pädophilie. Im Oberstübchen scheinen etliche Kontakte nicht mehr zu funktionieren.

In dem Sinne, herzlichen Glückwunsch zum zweiten Dodo.

Die Menschen werden niemals frei sein bis man nicht den letzten König mit den Eingeweiden des letzten Priesters erdrosselt hat.Denis Diderot

 

Wahl Dodo des Monats Juli 2017

Dodo des Monats Juli 2017 ©HFR

Im Monat Juli waren vier wichtige Themen vorherrschend in den Medien. Der G-20-Gipfel, mit seiner Fülle von Fake news, der Untersuchungsbericht zum sexuellen-und gewalttätigen Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen, sowie die erste Zwischeneinschätzung zur Luther-Sause der Hauptabteilung Kirche beim Bundeskanzlerinnenamt(EKD) unter wirtschaftlichen Aspekten und die Ehe für alle.
Mit über 500 Opfern von Gewalt und Missbrauch war die mediale Aufmerksamkeit für die Domspatzen gegeben. Sofort funktionierten auch die Mechanismen der Opfer-Täter-Umkehr, dieses wehleidige, verschnupfte Zurückweisen jeglicher Verantwortung, von Schuld ganz zu schweigen. Ebenso schlimm, die Entscheidung des Bundestages für die Ehe für alle. Immer wieder erstaunlich wie eine Minderheit, mit christlicher Weltsicht, die Ehe von Mann und Frau schönredet. Bigotterie von Männern, die aus beruflichen Gründen heraus gar nicht heiraten dürfen, sich aber anmaßen, inkompetente Diskussionen los zu brechen.
Die Party für den Misanthropen Luther geht in diesem Jahr zu Ende. Dann werden rund 500 Millionen Euro verbraten sein, am wenigsten Kirchengelder, meistens das Geld der Steuerzahler. Verwendet um einen judenhassenden Frauenfeind in alle Himmel zu heben und postfaktisch einen Personenkult vom Zaune zu brechen, der einem Ludwig XIV., Stalin oder Mao zu aller Ehre gereicht hätte.
Die Farce war mittels politischen Willens möglich.

Hier sind die Kandidaten. Die Wahl selbst ist bis zum 07. August 2017, 18:00 Uhr befristet. Der Dodo wird am folgenden Tag hier gewürdigt werden. Viel Spaß!

  1.  Margot Käßmann, „Theologin, inkompetente Politikerin mit Klage-Attitüde.“
  2.  Michael Martin, „die Rechtsauffassung seiner Kirche interessiert überhaupt nicht.
  3.  Annegret Kramp-Karrenbauer, „homophobe Ministerpräsidentin des Mittelalters.“
  4.  Volker Kauder, „kann außer Christenverfolgung kein anderes Thema.“
  5.  Susanne Breit-Keßler, „hat ein Gipfelkreuz im Auge.“
  6.   Christof Vetter, „staatliche Zuschüsse und Gier.“
  7.  Ibrahim Olgun, „Evolutiontheorie ist ihm zu kompliziert, sagt Daddy Erdo.“
  8.  Gloria von Thurn und Taxis, „die Ewiggestrige relativiert Missbrauch.“
  9.  Georg Ratzinger, „Stuhl schmeißender Apostolischer Protonotar.“
  10.  Gerhard L. Müller, „vatikanischer Höfling, sieht sich verunglimpft.“
  11.  Landesamt für Verfassungsschutz Hessen, „mumifiziert eigene Fake news.“
  12.  EKD, „Luthersause für viel Geld in den Sand gesetzt.“
  13.  Roswitha Kaiser, „mag den Klang der Hitler-Glocke.“
  14.  Stadtrat Wittenberg, „die Judensau um jeden Preis.“
  15.  Heiner Koch, „Ehe für alle und die AfD.“

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A Week of Reckoning

Where is he taking us? Photo: Yuri Gripas/AFP/Getty Images
We have become, at this point, inured to having an irrational president in an increasingly post-rational America. We’ve also come to tell ourselves that somehow (a) this isn’t really happening, (b) by some miracle, it will be over soon, or (c) at some point the Republican Party will have to acknowledge what they are abetting, and cut their losses.

By Andrew Sullivan | New York Mag

And yet with each particular breach of decency, stability, and constitutionality, no breaking point seems to have arrived, even as the tribalism has deepened, the president’s madness has metastasized, and the norms of liberal democracy are hanging on by a thread.

But surely this week must mark some kind of moment in this vertiginous descent, some point at which the manifest unfitness of this president to continue in office becomes impossible to deny.

Compare it with any other week in modern political history. Day after day, the president has publicly savaged his own attorney general for doing the only thing possible with an investigation into a political campaign he was a key part of: recusing himself. And the point of the president’s fulminations was that the recusal prevented Sessions from obstructing that very investigation. The president, in other words, has been openly attacking his own attorney general for not subverting the rule of law.

He is also complaining that Sessions is not investigating his former opponent, Hillary Clinton, even though an extensive FBI investigation has already taken place and no charges were deemed sufficient for prosecution and even though the president himself said, after the election, that he would oppose such an investigation. What special kind of madness is this?

Then we were subjected to the spectacle of the president going to the Boy Scout jamboree, of all places, and delivering a series of partisan jabs, campaign-rally catcalls, and completely inappropriate personal ramblings to a crowd of thousands of boys. The speech was, in some ways, a metaphor for everything Trump is and has done. He took a regular, civil, apolitical American gathering of mainly children and turned it into diatribe of deranged and nakedly partisan narcissism. He is actively despoiling our civic culture.

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Wir waren nie Darwinisten

Die Evolutionstheorie besagt nicht, dass wir vom Affen abstammen; es ist etwas komplizierter

Mit dem Hype im Darwin-Jahr 2009 entstand eine eigenartige neue Spezies: Darwinisten, die sich nicht für Biologie interessieren.

Von Thomas Junker | Richard-Dawkins-Foundation

Die eher harmlose Variante kommt erst gar nicht auf die Idee, dass die Evolution im Allgemeinen und speziell die evolutionäre Entstehung der Menschen irgendeine Bedeutung für unser Leben haben könnte. Am anderen Ende des Spektrums gibt es die regelrechten Biologiehasser: Sobald in einer Diskussion mögliche biologische Grundlagen menschlichen Verhaltens angesprochen werden, greifen sie reflexhaft zur Biologismus-Keule. Und dies, bevor überhaupt geklärt ist, ob es eine biologische Erklärung geben könnte und wie weit sie trägt.

Wer dies nicht glaubt, der mache ein einfaches Experiment: Fragen Sie Bekannte in ihrem Umfeld, an der Uni, in den Medien, ob die Erkenntnis, dass die Menschen in der Evolution entstanden sind, eine praktische Bedeutung hat. Ob sie beispielsweise etwas zur Klärung aktueller gesellschaftspolitischer Fragen – der Ehe für Alle, der Geschlechterthematik oder der Migrationsfrage usw. – beiträgt und beitragen sollte. Es würde mich nicht wundern, wenn Sie überwiegend auf Unverständnis und Ablehnung stoßen.

Kürzlich fiel mir das neue Buch von Andreas Altmann, „Gebrauchsanweisung für das Leben,“ in die Hände. Es liefert eine schöne Illustration für die oben genannte eher harmlose Variante. Gleich zu Beginn seines Vorwortes lässt Altmann keinen Zweifel an seiner Weltanschauung aufkommen: „Ich bin Darwinist, impertinent von seiner Idee der Evolution überzeugt. Dass der liebe Gott dahintersteckt, halte ich für eine Zumutung.“ Im Weiteren erfahren wir, dass es im Buch um Altmanns Suche nach dem Sinn des Lebens, nach einem Sinn für sein eigenes Lebens, geht. Bei C. G. Jung habe er schließlich eine Antwort gefunden, die zugleich „wunderbar irdisch und intelligent“ anmute. In Altmanns Worten: „Sinn macht, wenn ein Mensch das wird, was in ihm angelegt ist.“ Wenn er „wird, was er sein will. Nein: sein soll.“

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Von italienischen Soldaten und Domspatzen

In der Samstagsausgabe des „Osservatore Romano“, der amtlichen Tageszeitung des apostolischen Stuhls, setzt man sich mit dem Abschlussbericht des Sonderermittlers, zur Gewalt bei den Regensburger Domspatzen, auseinander.

Die Autorin des Artikels,Lucetta Scaraffia, Historikerin und Mitglied des nationalen italienischen Bioethik-Komitees schreibt

„Die Angewohnheit, die katholische Kirche als Quelle aller Übel zu bezeichnen, ist schon Teil der Alltagserfahrung und bereitet die öffentliche Meinung darauf vor, das für normal zu halten“

Es gäbe eine extreme Strenge gegenüber der Institution Kirche. Als Beispiel für das Gesagte führt Scaraffia uns in das Jahr 1980. Das italienische Militär wurde durch einen Skandal, Aufnahmerituale in einer römischen Kaserne mit sexueller Gewalt, erschüttert. Ein kürzlich publizierter Bericht hatte keine öffentliche Empörung ausgelöst.

Unstrittig ist, solche Aktionen kommen vor, nicht nur in der italienischen sondern auch in der deutschen Armee. Die Konsequenzen sind aber andere. Mit Bekanntwerden derartiger Vorfälle wird in der Regel die zuständige Staatsanwaltschaft eingeschaltet, welche die Sachverhalte hinsichtlich ihrer strafrechtlichen Relevanz prüft. Selbst wenn die strafrechtliche Relevanz nicht gegeben sein sollte kommen immer noch disziplinarrechtliche und personelle Konsequenzen zum tragen. Vorgesetzte, die Ereignisse solcher Art vertuschen helfen sind die längste Zeit Vorgesetzte gewesen.

Und nun zu den Domspatzen, ein Zusammenhang zwischen den Ereignissen in der italienischen Armee und den Domspatzen gibt es nicht und ist wohl auch nicht die Intention der Autorin, es ist der unredliche Versuch die katholische Kirche weiß zu waschen. Gewalt bei den Domspatzen, einschließlich des sexuellen Missbrauchs ging von kirchlichen Würdenträgern aus. Priestern, die im dreistufigen Weihesakrament der katholischen Kirche zwischen Diakon und Bischof stehen. In der Nachfolge der Apostel ist die Aufgabe des Priesters die Verkündigung des Evangeliums und die Spendung der Sakramente, insbesondere die Leitung der Eucharistiefeier. Der Priester handelt dabei „in persona Christi“. Die Weihe verleiht also eine besondere Verbundenheit mit Christus.  Der erste Unterschied zwischen den Vorkommnissen in der italienischen Armee und den Domspatzen liegt im Alter der Beteiligten, Soldaten sind in der Regel volljährig, die Chorknaben des Bistums Regensburg waren Kinder, Jugendliche, die der Gewalt eines Würdenträgers ausgesetzt waren. Handelte der Priester, Chorleiter im Namen Jesu um seine cholerischen Neurosen zu pflegen und ist „Kinder ficken“ ebenso sanktioniert? Erwachsenen ist schnell klar, das die Antwort nein lautet, bei Kindern sind solche Kenntnisse nicht unbedingt gegeben. Ein Stühle werfender Apostolischer Protonotar, der zu päpstlichen Familie gehört, noch dazu  Träger des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ist eine Respektsperson, in Deutschland spricht man solche Leute mit „Hochwürdigster Herr Prälat“ an, solcher Firlefanz vergangener Zeiten würde mir nicht über die Lippen kommen, es gibt ja immer noch Zeitgenossen die sich in der Vergangenheit wohl fühlen.

Zweitens die katholische Kirche, die unfähig ist den Missbrauchsskandal aufzuarbeiten, sich aber tagtäglich neu als moralische Instanz generiert, hat versagt. Die angeblich verkündete Liebe des Gottessohns entpuppt sich bei geweihten Priestern als Deckmantel für Choleriker und und sexuellen Fantasien, die man mit Kindern und Jugendlichen auslebt. Das Versagen ist institutionell und trennt die Kirche von Gewalt im weltlichen Leben. Die Kirche selbst beansprucht für sich naturrechtlich über der Welt zustehen. Politische Konsequenzen muss sie dennoch nicht befürchten, die Politik schweigt und alle Entscheidungsträger der Kirche gehen zur Beichte und sind mit ihrem Gott wieder im Reinen.
Es darf weiter verarscht werden.

 

Fantasy und die realen Zusammenhänge der Macht

G 20-Gruppenfoto mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Mitte. Foto: Kremlin.ru / CC BY 4.0
Bedrohliche Zeiten lassen den Wunsch nach einfachen Erklärungen aufkommen, gezielte Desinformationskampagnen sind schon in der Mache

Von Hermann Ploppa | TELEPOLIS

Immer mehr Menschen wachen jetzt politisch auf, denn das vorherrschende Mainstream-Narrativ vom guten Westen, vom Marktradikalismus, der uns allen nützt, vom Wirtschaftswachstum, dem alles geopfert werden muss: Das alles zieht nicht mehr. Zu eng ist der Riemen um den Hals der unbescholtenen Bürger gezogen worden.

Es geht nicht mehr. Deutschlands zweitgrößte Stadt Hamburg: ein Spielort für den kommenden Bürgerkrieg. Schlafentzug für zwei Millionen Menschen durch bedrohliche Hubschrauber. Immer mehr Menschen wollen dagegen wissen, was wirklich gespielt wird.

Es ist schon erstaunlich, dass Heroin nicht erneut, wie in früheren Zeiten aufkommender Revolten, wie durch ein Wunder zu Niedrigstpreisen ins Land geflutet wird.1 Was aber schon geflutet wird, sind Videos aus den Werkstätten der Desinformation.

Ich habe lange nicht mehr bei Youtube eine solche Flut von wirren, simplifizierenden Vorträgen, Smartphone-Botschaften und Interviews gesehen, in denen alles Übel dieser Welt wieder einmal Juden, Freimaurern, Jesuiten, Illuminaten, ja sogar Aliens zugeschrieben wird, wie gerade jetzt, wo Hamburg gebrannt hat. Da kommt als Erklärungsmuster, mehr oder minder dezent eingefädelt, für die marodierenden Brandstifter ein Komplott von Soros und Rothschild mit den „Linksradikalen“ auf unseren geistigen Bildschirm.

Bedaure, das ist ein Recycling von Altlasten aus der Fälschungswerkstatt des zaristischen Geheimdienstes Ochrana. Um den Reformstau im zaristischen Zarenregime zu rechtfertigen, bastelten die Ochrana-Agenten ein perfides Werk, das als „Die Protokolle der Weisen von Zion“ um die Welt ging und Grundlage wurde für Henry Fords Artikelsammlung „Der Internationale Jude“.

Und dieser Dialekt des Antisemitismus fand sodann Eingang in Adolf Hitlers Bestseller „Mein Kampf“. Demzufolge arbeiten jüdische Bankiers mit revolutionären Linksradikalen Hand in Hand, um die Weltherrschaft der Juden zu erringen. Also jetzt: die jüdischen Finanziers Rothschild und Soros Hand in Hand mit den Straßenrabauken von der Sternschanze?

Dass mit hoher Wahrscheinlichkeit agents provocateurs aus dem rechtsextremen Lager in Hamburg am Werk waren, ist nach dem jetzigen Erkenntnisstand sehr wahrscheinlich. Und dass George Soros in Verdacht steht, maßgeblich an Regime Change-Aktivitäten beteiligt gewesen zu sein, ist auch nicht von der Hand zu weisen.

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Elfriede Jelinek: „Religiöser Fanatismus zieht Sadisten an“

REUTERS
Fundamentalismus würde einen Raum schaffen, in dem Sadisten ihren Trieben freien Lauf lassen können, sagt die Literaturnobelpreisträgerin. Terrorismus könne nur mit Freiheit bekämpft werden.

Die Presse.com

Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, deren Stück „Wut“ am kommenden Dienstag im Rahmen des Theaterfestivals der Biennale von Venedig gezeigt wird, ist der Ansicht, dass religiöser Fanatismus Sadisten anlockt. „Fundamentalisten sind engstirnig, verdorrt und bösartig, wie es Sadisten sind“, so Jelinek im Interview mit der römischen Tageszeitung „La Repubblica“ am Donnerstag.

„Es ist wahrscheinlich, dass religiöser Fundamentalismus Sadisten anzieht, indem er ihnen einen Raum gibt, in dem sie ihren Trieben freien Lauf lassen können“, so Jelinek. Wut gegen den islamischen Terrorismus sei sinnlos, Terrorismus könne nur mit Freiheit bekämpft werden. „Wir können all das tun was wir wollen, solange wir nicht die Freiheit der anderen beschränken. Islamische Fundamentalisten dürfen nur das tun, von dem sie glauben, Gott verlange es von ihnen“, sagte die Schriftstellerin.

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Biologistischer Populismus

Ulrich Kutschera, 2010, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Vor 12 Jahren verweigerte Ulrich Kutschera dem Ministerpräsidenten von Thüringen die Gefolgschaft. In der Staatskanzlei sollte der umstrittene Münchner Mikrobiologe Siegfried Scherer über die Evolution und den Schöpfungsakt Gottes diskutieren. Kutscheras Rückzug war eine schallende Ohrfeige für Dieter Althaus(CDU), welcher damals in den Höhen des Intelligent Design schwebte und wohl eine Kooperation anstrebte. Althaus ist Geschichte und Kutschera veröffentlicht heute Interviews auf eben jenen Plattformen, die der Weltsicht des Kreationismus und Intelligent Design frönen. Zur Prominenz-Liste seiner Veröffentlichungen kann er nun kath.net hinzufügen.
Am 05. Juli 2017 veröffentlich die Plattform ein Interview mit Prof. Dr. Ulrich Kutschera.
Inhaltlich wird der Versuch unternommen, die Entscheidung des Bundestages zur „Ehe für alle“, biologistisch zu kontern, während Kutschera Politikern Naivität im Umgang mit biologischen Begriffen vorwirft, enthüllt er sein äußerst fragwürdiges Menschenbild.

„Unsere naiven Politiker benutzen Begriffe aus der Biologie, ohne zu wissen, was diese überhaupt bedeuten.“Dr. Ulrich Kutschera

Man könnte wohlmeinend feststellen, naiver Evolutionsbiologe mit rudimentären Kenntnissen der Politik, Soziologie, Kultur ist „mausgerutscht.“

Die wichtigste Aufgabe von Staatsführern besteht darin, die ihnen anvertraute Population aufrecht zu erhalten; daher ist die Ehe zwischen einem Mann (Spermien-Produzent) und einer Frau (Eizellen-Bereitstellerin mit Gebärfähigkeit) vom Grundgesetz unter besonderen Schutz gestellt.
[…]
Der Staat hat nichts davon, wenn er sterile Homo-Pärchen privilegiert, denn die Rente dieser Menschen muss von den Kindern aus fertilen Mann-Frau-Ehen aufgebracht werden – eine Ungerechtigkeit ersten Ranges.
[…]
Sollte das Adoptionsrecht für Mann-Mann- bzw. Frau-Frau-Erotikvereinigungen kommen, sehe ich staatlich geförderte Pädophilie und schwersten Kindesmissbrauch auf uns zukommen.
[…]
Warum sollte ein 40jähriger Homo-Mann nicht z. B. den 15jährigen Adoptivling begehren, da zu diesem Kind überhaupt keine direkte erbliche Verwandtschaft besteht? Eine instinktive Inzucht-Abscheu existiert hier nicht. Betrachten wir ein Homo-Männerpaar mit Adoptivsohn im Detail. Mit 95 %iger Wahrscheinlichkeit ist der adoptierte Jüngling heteronormal veranlagt und daher mit einer erblich fixierten (instinktiven) Homophobie ausgestattet. Wie soll er dieses evolutionäre Erbe, verbunden mit einer massiven emotionalen Abscheu dessen, was er täglich mit ansehen muss, überwinden?
ebenda

Der Mensch ist mehr als nur ein trockennasiger Nacktaffe. Ein wesentliches Kriterium ist unsere Kultur, die uns letztlich dazu gebracht hat, nicht unter allen Umständen einem evolutionärem Selektionsdruck zu unterliegen. Die Ehe für alle ist keine Privilegierung Homosexueller, das Privileg Heterosexueller wird abgeschafft und die grundgesetzliche Norm, dass alle Menschen gleich sind gleichberechtigt durchgesetzt. Kutschera reduziert Homosexualität alleinig auf den sexuellen Aspekt, da er aber nicht soziologisch, kulturell argumentiert entgeht ihm dieser Punkt.

Zum Schluß seines Interviews lässt er die Katze aus dem Sack:

Mutige Personen, die ihre Ansicht darlegen und sachlich begründen, sind unerwünscht, z. B. wie die am „schwarzen Freitag“ vom Bundestagspräsidenten gleich einer Aussätzigen abqualifizierte ehemalige CDU-Politikerin Erika Steinbach (https://philosophia-perennis.com/2017/07/02/offener-brief-lammert/).ebenda

Hier wird deutlich wohin die Reise geht. Die Verlinkung Philosophie-Perennis.com führt uns auf die Seite von David Berger, schwuler Ex-Kirchenlehrer, der sich zwischenzeitlich tränenreich beim emeritus pappa für seine bösen Worte entschuldigt hat. Neuerdings sind Anzeichen zu erkennen die auf einen Erlöserwahn hindeuten. Seine Klagen über mangelnde Meinungsfreiheit sind ohne Zweifel Blödsinn, letztlich vertritt er einen gepflegten Narzissmus.
Alternativen für Evolutionsbiologie sind deutlich erkennbar.

Die Tatsache, dass Sex mehr als nur der Fortpflanzung dient, ganz einfach Spaß macht, wird wohl nur von einer Institution vehement bestritten, der katholischen Kirche. Bonobos regulieren ihre Konflikte mittels Sex, vielleicht…

Der IS stirbt, der Terror lebt weiter

Zivilisten fliehen vor schweren Kämpfen zwischen der irakischen Armee und dem IS in Mossul / picture alliance
Schöne Aussicht. Der nahende Untergang des IS ist ein Grund zur Freude. Doch der Terror wird weitergehen. Die internationale Staatengemeinschaft muss erkennen, dass das Problem kein regionales ist und sie selbst maßgeblich dazu beiträgt.

Von Matthias Heitmann | Cicero

Erinnern Sie sich noch an die Erschießung von Osama Bin Laden im Mai 2011 und an die Freude und die Hoffnungen, die diese Nachricht im Westen auslöste? Zusätzlichen Mut geschöpft hatten die Menschen im Westen durch die Ereignisse, die man als „arabischer Frühling“ oder „Arabellion“ bezeichnet. Eine Wende zum Positiven schien möglich. Schnell wurde jedoch klar: Mit Bin Laden hatte der islamistische Terror lediglich sein vertrautes Gesicht verloren – und die westliche Politik ihren Fokus: Schließlich war es bequem, die Ergreifung bin Ladens als oberstes Ziel des Anti-Terror-Krieges zu postulieren und sich sagen zu können, die von ihm gegründete Al Kaida sei eine klassische „Organisation“, die man dadurch schwächt, in dem man ihr den Kopf abschlägt.

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Frank-Walter Steinmeier: Dodo des Monats Juni 2017

Dodo des Monats Juni 2017 ©HFR

Man könnte es sich einfach machen, ganz realistisch, die Zahlen der Umfragen nehmen und feststellen dass rund 2 Drittel der Menschen in Deutschland den Islam ablehnen bzw. misstrauisch gegenüber stehen. Frank-Walter Steinmeier ist anderer Auffassung, Realitätsverlust, Verweigerung der Fakten? Wahrscheinlich beides.

„Es ist schön, zu sehen, dass der Ramadan in Deutschland inzwischen zu einem selbstverständlichen Teil unseres gemeinsamen Lebens geworden ist“ Frank-Walter Steinmeier

Der Ramadan interessiert die meisten Menschen in Deutschland nicht und wer Selbstverständlichkeit unterstellt sagt die Unwahrheit. Präsidiale Fake News. Voller Spannung schauen wir ob der Bundesjustizminister mit dem NetzDG zukünftig gegen derartigen Falschmeldung mit der Zensur droht.
Im Ramadan, so die Sage aus der arabischen Wüste, wurde der Koran in Erstausgabe zur Erde gesandt. Zur Zeit des Ramadans war es auch, dass sich Mohammed, der Wüstenhäuptling, zurückzog um in der Einsamkeit zu meditieren. Ohne Nahrung, Wasser nur er, allein mit dem Sand. Die Sonne schien ihm die Birne weich und zauberte die tollsten Halluzinationen als Sinnbilder vor sein inneres Auge. In der Art kann man sich die Basics islamischen Glaubens vorstellen, Jesus sättigte Tausende, brach das Brot mit ihnen, Mohammed hungert sich durch die Wüste. So gegensätzlich können göttliche Schicksale sein. Dem reformierten Christen Steinmeier überzeugt das, ist ihm doch die Prädestinationslehre seiner Kirche nicht unbekannt. Erfolg ist der Ausdruck der Gnade seines Gottes.

Der Präsident der Bundesrepublik Deutschland huldigt politisch korrekt dem Islam. Gehen wir großzügisch davon aus, dass rund 25% der in Deutschland lebenden Muslime in ihren Moscheeverbänden „organisiert“ sind. Dem Rest ist das völlig egal, entweder er hat andere Wege gefunden seinen Glauben zu leben oder aber er ist säkular, dann ist der Ramadan eh nur noch von periphärem Interesse. Ein weiterer Eckpunkt der das Zitat Steinmeiers widerlegt.

Muslime, Juden und Christen teilten nicht nur die Freude an der Gemeinschaft, „sie teilen auch den Glauben an einen barmherzigen Gott. Die Barmherzigkeit des abrahamitischen Gottes ist deutlich in aller Welt zusehen. Mit diplomatischer Eloquenz vermittelt Steinmeier den Eindruck die Gesellschaft in Deutschland würde nur aus Abrahimiten bestehen, den Rest unterschlägt er.

„Wir können uns zusammen freuen, miteinander leben und uns mit Respekt und Fürsorge begegnen“Frank-Walter Steinmeier

Für das Zusammenleben braucht es Gott nicht in einer Dönerbude und schon gar nicht für Falafel. Wichtig ist das nur für Menschen die andere Menschen nach ihrer Religion beurteilen. Christen sind ja noch nicht einmal in der Lage miteinander einen Jesuskeks zu brechen. Also gilt, liebe deinen Nachbarn, reiß den Zaun aber nicht ein.

Wenn dem Bundespräsidenten solche unwahren Wortungetüme entfleuchen hat das seinen Grund. Es wird etwas herbeigeredet was nicht existiert, metareligiöse Mission des Staatsoberhauptes. Braucht kein Mensch, in der Praxis reguliert sich das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturkreise auf praktische Art und Weise. Altväterliches Geschnetzel über Gott und seine abtrusen Kulthandlungen braucht es da nicht.
Und hier liegt der Knackpunkt der geistigen Verwerfung des Präsidenten, diplomatische Sprache, verklausulierte Botschaften, versteckte Hinweise, das ist nicht authentisch sondern obskurant. Er sagt nicht was er meint, er redet drumherum. Der Zuhörer denkt, was redet der Typ da eigentlich? Es ist die gleiche obskure Sprache mit der Murat Kurnaz abgefertigt wurde, die Datenweitergabe an die NSA spitzfindig verklausoliert und die Armenien-Resolution des Bundestages  angeblich den Holocaust relativieren würde.

Man freut sich nicht wenn das Staatsoberhaupt so einen Stuss von sich gibt. Fremdschämen ist da nicht notwendig, es ist sein Stuss.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

ANTISEMITISMUS IM ISLAM – Nie wieder!?

Teilnehmer einer Anti-Israel-Demonstration in Berlin / picture alliance
Um nicht der Islamophobie bezichtigt zu werden, ignorieren wir, dass viele Zuwanderer eine antisemitische Weltanschauung mitbringen. Haben die Deutschen im Rausch ihrer Willkommenskultur vergessen, dass sie sechs Millionen Juden ermordet haben?

Von Bassam Tibi | Cicero

Ende Mai warnte Josef Schuster, Vorsitzender des Zentralrats der deutschen Juden, vor dem Ansteigen des Antisemitismus. Es ist bedauerlich, dass eine so wichtige moralische Autorität wie Schuster weder angibt, ob er den neuen oder alten Antisemitismus meint, noch die Quellen dieses neuen Judenhasses anführt. Bedenklich für mich als Muslim, der sich gegen den islamistischen Antisemitismus engagiert, ist die Abwehr des Zentralrats-Vorsitzenden gegen den Vorschlag eines Islamgesetzes nach dem österreichischen Modell. Laut diesem sollen antisemitisch gesinnte organisierten Islam-Verbände unter Kontrolle gestellt werden. Schuster übernahm bei einem anderen Anlass die linke Propaganda von der Bedrohung der Minderheiten und benutzte sogar den falschen Begriff „Islamophobie“ für anti-islamistische Positionen. Hier fehlt die Konsistenz.

Gleich zu Beginn möchte ich meine eigene Lebensgeschichte in Damaskus nicht verschweigen, wo ich, wie alle Menschen im Nahen Osten, in einer politischen Kultur des Judenhasses aufwuchs. Die Flüchtlinge, die aus dieser Region nach Europa kommen, bringen diese anti-westliche und judenfeindliche politische Kultur mit. Dieses Thema ist lebenswichtig und unerschöpflich für das gesamte Europa, besonders für die Deutschen und ihre schändliche Geschichte im Verhältnis zu den Juden. Die Frage ist, was sie selbst hieraus zu lernen haben. Anlass zu dieser Vergegenwärtigung gibt die Tatsache, dass Deutschland heute trotz seiner Vergangenheit Antisemiten zu Günstlingen seiner Willkommenskultur macht.

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Kommentar: Der liberale Islam ist eine Schimäre

Gelebter Dialog der Religionen: die liberale Moschee zur Miete in den Räumen einer evangelischen Kirche
Die ablehnenden Reaktionen auf die Eröffnung einer „liberalen Moschee“ in Berlin sind keine wirkliche Überraschung. Sie taugen jedoch nicht als Beweis für die generelle Reformunfähigkeit des Islam, meint Loay Mudhoon.

Von Loay Mudhoon | Deutsche Welle

Ein „Weltereignis mitten in Berlin“ soll es gewesen sein. Diese Einschätzung ist berechtigt, jedenfalls gemessen an der überwältigenden Resonanz im In- und Ausland auf die Eröffnung der dezidiert „liberalen Moschee“ in einer evangelischen Kirche in Berlin-Moabit.

Schließlich wollten Medienvertreter aus aller Welt dabei sein, als die deutsch-türkische Juristin und Frauenrechtlerin Seyran Ates ihr Reformprojekt in Gestalt einer integrativen Mosche für alle der Öffentlichkeit vorstellte. Die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee solle nämlich allen Muslimen offen stehen: Konfession und sexuelle Orientierung spielen dabei keine Rolle.

Außerdem wird in diesem in Deutschland einzigartigen Gotteshaus die Geschlechtertrennung beim Gebet ausdrücklich aufgehoben. Männer und Frauen können nebeneinander beten. Das erste Freitagsgebet leiteten ein Mann und eine Frau gemeinsam. Und ganz wichtig für die aufgeregten Islam-Debatten hierzulande: Die „Imamin“ trug kein Kopftuch!

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Alternativer wird’s nicht

Bild: heise.de/tp
Der Journalismus ist am Ende. Das weiß mittlerweile jeder. Die altehrwürdigen Medienhäuser kämpfen um ihre (zahlenden) Leser, allüberall wird nur noch manipuliert und gelogen. Zeit für eine echte Alternative! Oder – Moment mal – ernsthaft?!

Von Selma Mahlknecht | TELEPOLIS

Wenn es um das Lesen von Zeitungsartikeln geht, bin ich Ausdauersportlerin. Als Abonnentin mehrerer Newsletters wühle ich mich täglich durch zahllose Meldungen, Analysen, Kolumnen, Ansichtssachen. Dabei komme ich im Schnitt auf wöchentlich etwa zwanzig bis dreißig gelesene Texte unterschiedlichster Herkunft in drei Sprachen.

Ich dürfte damit zu den intensiveren Mediennutzern gehören. Wichtig ist mir dabei, neben meinen sieben-acht Standardportalen immer wieder auch andere Webseiten zu durchstöbern, und ich kann aus dem Stand sicher an die zwanzig Medienanbieter aufzählen, deren Artikel ich mehr oder weniger regelmäßig lese. Natürlich kann ich dabei nicht von jeder Zeitung sämtliche Artikel lesen – und das ist auch gar nicht nötig. Ich wähle mir meine Schwerpunkte und lasse mich gerne überraschen. Auf diese Weise habe ich ein breites Spektrum an Themen und Standpunkten dazu.

Mir fehlt nichts. Und hier beginnt das Problem. Wie kann mir nichts fehlen, wenn man doch allenthalben hört, der gute Journalismus sei tot? Und nur durch dieses neue, endlich mal völlig andere Start-up zu retten, das ich bitteschön mitfinanzieren soll?

Ständig stranden derartige Meldungen in meiner Timeline: Jetzt neu, verbessert, revolutionär, noch nie dagewesen! Das neue Medium, auf das wir alle gewartet haben! Das alles anders macht! Endlich seriöse Recherche! Endlich Leserbeteiligung! Endlich die Themen, die uns wirklich interessieren! Und mit der wirklich wahren Wahrheit, die uns vom Mainstream nicht erzählt wird! Mit zehn, zwanzig, fünfzig Euro im Monat bist du dabei!

Und dann erklären mir mehr oder weniger prominente Menschen, warum es nun endlich Zeit für einen Paradigmenwechsel ist, wie schön bunt und „diverse“ (sprich: daivöas) das neue Magazin werden wird. Endlich eine echte Alternative! Weg von Fake-News und Beschwichtigungspresse, weg von Populismus und Verzerrung, weg von Clickbait und Seichtigkeit, hin zu Seriosität, Kompetenz, Themendurchdringung und gültiger Welterklärung.

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AfD-Brandenburg möchte deutsche Gebärmütter staatlich pflegen

Bild. Shahak Shapira/Twitter

„Wer nicht unserer Meinungs ist, geht ins Gas.“ So nachzulesen in einem geleakten Chat-Protokoll der AfD. „Deutschland den Deutschen.“ Die Nachfahren zentralasiatischer Horden, die nach Westen fluteten, wollen den Deutschen zu alter Größe verhelfen. Was früher der Versailler Vertrag sind den heutigen Nazis, Rechtspopulisten und SA-Rekruten die Flüchtlinge, die sich daraus ergebenden Überfremdungsgefühle, die „Lügenpresse“, die „BRD-GmbH“, Merkel und ihre Eliten.
Die Fraktion der Alternative für Deutschland des Landes Brandenburg sieht für sie Stammes-Deutschen die Apokalypse am Horizont aufgehen. Die Gebärfreundigkeit brandenburgischer Frauen ist kritikwürdig. So stellt die AfD im Landtag einen Antrag:

Die Geburtenziffer für Brandenburg lag im Jahr 2015 bei 1,53 Geburten. Auch wenn in Brandenburg eine leichte Steigerung der Geburtenrate in den letzten Jahren zu verzeichnen ist, wird in der vom Landesamt für Statistik Berlin-Brandenburg und dem Landesamt für Bauen und Verkehr vorgelegten Bevölkerungsprognose (2011-2030) langfristig gesehen ein Rückgang der Bevölkerung erwartet. So rechnen die Statistiker für 2030 mit einem
signifikanten Geburtendefizit, ausgehend von rund 33.000 erwarteten Gestorbenen und um die 10.000 prognostizierten Lebendgeburten. Antrag AfD-Fraktion/Drucksache6/6819

Das Überleben des Deutschen im Land Brandenburg ist nicht gesichert, daher fabuliert die Fraktion weiter:

Der Landtag möge beschließen:
Die Landesregierung wird aufgefordert, noch in der laufenden Legislaturperiode einen Zukunftsplan zur Steigerung der Geburtenrate in Brandenburg vorzulegen, um für eine Zunahme deutscher Familien mit wenigstens zwei Kindern zu sorgen sowie die Rahmenbedingungen
zu verbessern bzw. zu schaffen. Zu beachten sind insbesondere die strukturschwachen Regionen, die Steigerung des Betreuungsangebots für Kinder sowie Maßnahmen gegen eine weitere Abwanderung junger Brandenburger. Sie sollen ermutigt werden, eine Familie zu gründen, denn Kinder dürfen nie ein Armutsrisiko darstellen.ebenda

Man muss ja nun nicht die Gebärfreudigkeit der Menschen regeln wollen, schon gar nicht expressis verbis deutscher Menschen, um sie zur Familiengründung anzureizen. Bleibt die Frage, wie die AfD  diesen Prozess der Anhebung von Gebärfreudigkeit ausgestalten will. Bekommen die über den Durchschnitt geborenen Jungs ein passendes Tweedjacket von Gauland, die Mädels einen Strampler, entworfen von der Herzogin von Oldenburg? Letztere sollte überhaupt erst einmal anfangen Nachwuchs zu zeugen.

Gehen Experten davon aus, dass das Land Brandenburg, ohne Zuwanderung, keine Bestandsgröße mehr darstellt bekommt die Stammespartei der Deutschen kalte Füße. Die Erhöhung der Geburtenzahl „arischer“ Kinder gab es in Deutschland schon einmal. Der Lebensborn e.V., ein von der SS getragener, staatlicher Verein hatte sich genau das zum Ziel gesetzt. Grundlage war die nationalsozialistische Rassenhygiene.
War es damals die Rettung der „nordischen Rasse“, wegen angeblicher Geburtendefizite und der drohende Untergang des Deutschtums, so unterliegt der Antrag der AfD-Fraktion des Landes Brandenburg genau dem Duktus nationalsozialistischer Rassenideologie. Die Beantwortung der Frage, was mit Geburten passiert, die nicht „deutsch“ sind, verkneift man sich vorerst. Nur deutsche Familien sind erbbiologisch und rassisch wertvoll.

Bibi-TV

„Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ Screenshot: bb
Selten ist so falsch von einer wahren Sache gesprochen worden wie in der ARD-Dokumentation über Antisemitismus. Bisher ging es in der Debatte um Zensur im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, schlechte Kommunikation und den Einsatz der BILD-Zeitung für Wahrheit und Aufklärung. Die Sache selbst wurde bislang kaum beachtet: der Film und seine Schwächen.

Ein Kommentar von Stefan Buchen | Qantara.de

Der Antisemitismus ist ein altes Phänomen, deutlich älter als der Begriff, der es bezeichnet. Die gleichen stereotypen Darstellungen vom „Juden“ kehren an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten wieder. Die Mehrheitsgesellschaft schiebt den Juden gern die Schuld zu an allen möglichen Unliebsamkeiten, von vergifteten Brunnen bis zu überhöhten Preisen. Die Juden sind der klassische politisch und sozial verwundbare „Andere“, der sich zum Sündenbock eignet. Heute ist die antisemitische, also judenfeindliche Geisteshaltung weltweit anzutreffen.

Begründet wird der Antisemitismus mal religiös, mal ästhetisch, mal rassisch, mal anders. Wichtig ist zu beachten, dass er sich je nach historischem Kontext in unterschiedlich starken Nuancen artikuliert und folglich unterschiedliche Grade der Wirkmächtigkeit entfaltet. Nie waren die Folgen des Antisemitismus furchtbarer als unter der kurzen Herrschaft des Dritten Reiches. Sie waren so furchtbar, dass es schwerfällt, die Judenpolitik Hitler-Deutschlands mit anderen historischen Äußerungen des Antisemitismus zu vergleichen.

Genau das tun aber die Autoren der Fernsehdokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt“. Sie ziehen eine direkte Linie von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zu Julius Streicher, Hitlers Gauleiter in Franken und Verleger des nationalsozialistischen Hetzblattes „Der Stürmer“ (Streicher wurde bei den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt und gehenkt).

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„Wir befinden uns mitten in der islamischen Inquisitions­zeit“

Foto: Imad KarimDer libanesische Regissuer Imad Karim
Der deutsch-libanesische Regisseur Imad Karim gilt als einer der umstrittensten Islam-Kritiker. Im Interview spricht er über das Versagen der arabischen Gesellschaft, über den politischen Islam, und warum er gegen Einwanderung ist.

Von Stefan Kaltenbrunner | kurier.at

KURIER: Es gibt im Internet ein Video, das den ehemaligen ägyptischen Präsidenten Nasser zeigt, der vor Parteikollegen eine Rede hält, in der er launig erzählt, dass der Chef der Muslimbrüder tatsächlich von ihm verlangt hätte, dass Frauen dazu verpflichtet werden ein Kopftuch zu tragen. Alle Beteiligten im Saal fanden das sehr lustig.

Karim: Ich kenne das Video, das war Ende der Fünfzigerjahre. Ein Kopftuchzwang war damals völlig illusorisch.

Heute gibt es kaum mehr ein islamisches Land, in dem Frauen kein Kopftuch mehr tragen, was hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in der arabischen Welt verändert?

Man hat bis in die Achtzigerjahre in vielen arabischen Ländern geglaubt, dass man mit demokratischen und säkularen Mitteln die Gesellschaft verändern könnte. Aber diese Kräfte haben völlig versagt.

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„Religion lenkt davon ab, die richtigen Dinge zu tun“

Als Kind wollte Martin Wagner Bischof werden. Jetzt ist er hessischer Landessprecher eines Konfessionslosenverbundes. Warum er Religionen für gefährlich hält und gut mit der Erkenntnis leben kann, „ein unbedeutendes Sandkörnchen in der Weltgeschichte“ zu sein, erzählt er im Interview.

hessenschau.de

Über ein Drittel der deutschen Bevölkerung gilt als konfessionslos. Einer von ihnen ist der Frankfurter Martin Wagner. Der 64-Jährige ist Landessprecher des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) Hessen. Für ihn ist die organisierte Religion mitverantwortlich für religiöse Gewalt und Intoleranz. Wagner arbeitet als Berater und engagiert sich in der Flüchtlingshilfe.

hessenschau.de: Herr Wagner, Sie waren früher Mitglied in der katholischen Kirche. Warum lehnen Sie Religion inzwischen ab?

Martin Wagner: Als Kind habe ich immer als Berufswunsch Bischof angegeben und bin auch bis zum Einschreiben in das Theologie-Studium gekommen. Dann habe ich mich in verschiedenen Etappen wegbewegt. Das begann mit politischen Gründen wie dem Aufstand der Jugend in den 68er-Jahren und ging bis hin zur Philosophie. Ich bin dann zum Marxisten geworden und zu einem ziemlich engagierten Atheisten.

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Aiman Mazyek: Dodo des Monats Mai 2017

Dodo des Monats Mai 2017 ©HFR

Der Ramadan ist unwichtig und nur für die Menschen von Bedeutung, die meinen, dass im „heißen Monat“, die erste Auflage des Korans vom Himmel Gottes herab gesandt wurde. Medienberater und Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek sieht Parallelen zum Weihnachtsfest. Der Wunsch, eine Brücke zum überbordenden Weihnachtsfest der Christenheit zu bauen ist verständlich, es ist der Versuch Ungläubige mit dem Gefühl der religiösen Solidarität zu kapern. Das hat was von religiösen Korpsgeist, wir alten Kämpfer Gottes, zumindest des Gottes Abrahams. Die Pfaffen nicken wohlgefällig und denken du armes Schwein, an unsere Geldtöpfe kommst du noch lange nicht.
Das Weihnachtsfest der Christenheit ist ein Sauf-und Fressgelage, Konsum über alles und wenn der Coca-Cola-Weihnachtsmann durchs Dorf fährt war es ein schönes. Verkitscht rieselt der Schnee auf deutsche Tannen, Glöckchen erklingen und die Tochter Zion macht auf das Tor weit. Nach erfolgreicher Besamung Marias durch Gott, bringt sie den Bengel eben in jener Weihnachtsnacht zur Welt. Gott gelingt das schier Unmögliche er wird Sohn und ist Vater zugleich. Wer den Christengott einen tricky dick nennt liegt nicht soweit daneben.
In Abhängigkeit von der Größe der Geldkatze der Eltern werden alle beschenkt. Das Weihnachtsfest in deutschen Stuben hat sich schon lange von seinen religiösen Inhalten verabschiedet, ob das Fest schön war wird im KaDeWe oder bei der Tafel um die Ecke entschieden. Die klingelnden Glöckchen sind denen der Kassen verdammt ähnlich.

Jetzt kommt der Gegensatz, Hunger von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Nach dem Gesetz wird Fasten als Enthaltung von bestimmten Tätigkeiten definiert: Verzehr von irdischen Substanzen und Speisen sowie Getränken, Rauchen, Geschlechtsverkehr und Trunkenheit. Hört sich nicht nur Scheiße an, ist es auch. Mit diesem Wissen ist es leichter Muslime zu verstehen, die über den Fastentag intelligenz-und leistungsgemindert bis zum Sonnenuntergang kommen müssen. Dann ist Fastenbrechen angesagt, damit niemand mit Hungerödemen und halluzinierend göttliche Erscheinungen bekommt.

Mazyek kann sich gar nicht wünschen, dass der Fastenmonat die Bedeutung christlicher Feste erlangt. Jüngst wurden in Tunesien junge Männer zu Haftstrafen verurteilt, weil sie im Ramadan gegessen, getrunken und geraucht hatten. Es ist einfach unvorstellbar in der S-Bahn zu sitzen und die Gerüche der Imbissbuden und Schnellküchen nicht vernehmen zu können. Aber Mazyek schwebt genau das vor. Ramadan als gesetzlicher Feiertagsmonat, kollektives Zwangshungern, staatlich sanktioniert. In der Dunkelheit der Nacht wird aufgeholt was am Tage versäumt wurde. Bigott, der Glaube, die Rituale und Gott, ob nun Allah, Jesus, Shiva oder Thor, Kontrolle ist alles.
Wer sich am nicht-fasten-wollen stört hat Pech. Es gibt keine verbindlichen Gesetze im Lande die das untersagen. Der hungernde, verständnisvolle Muslim geht den Ungläubigen aus dem Weg. Wer Rücksicht auf sein Fasten fordert will kontrollieren, genau das ist freiwillig Hungernden zu versagen.

In dem Sinne, herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Immer dann, wenn die Wunder Gottes am größten waren, war es die Dummheit der Menschen auch.

 

Berliner Greise

Bild: Berliner Kreis

Die besonders konservative CDU-Sekte Berliner Kreis in der Union e. V. hat in einer Erklärung Kritik an der Klimapolitik der Bundesregierung geübt. Konkret kritisierte Koordinator Philip Lengsfeld eine Ideologisierung der Wissenschaft, die den Klimawandel dem Treibhauseffekt zuschreibe.

Von Markus Kompa | TELEPOLIS

Anders als etwa US-Präsident Trump, der den Ausstieg aus dem Pariser Abkommen ohne einen Wissenschaftler in seinem Team beschloss, leugnet der Berliner Kreis den Klimawandel nicht, einen solchen habe es jedoch schon immer gegeben. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sei marktwirtschaftlich ineffizient, man fordere stattdessen einen europäischen Weg mit europäischen Zielen und damit den Abschied von deutschen Sonderzielen. Stattdessen solle man die Chancen des Klimawandels sehen, etwa eine eisfreie Nordpassage, neue Fischfangmöglichkeiten und Rohstoffabbau.

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