Bemerkenswert

Wahl Dodo des Monats November 2016

Dodo des Monats November 2016 ©HFR
Dodo des Monats November 2016 ©HFR

Zum Jahresende gab es noch einige Paukenschläge. Die Synode der EKD beschließt die Abkehr von der Judenmission, was natürlich einige Evangelikale Protestrufe nach sich zieht. In Niedersachsen wird mit viel Geld vom Staat eine Klinik aufgebaut, Betreiber ein evangelischer Konzern, der natürlich nichts besseres weiß, als Abtreibungen zu verhindern. Steuergeld für einen Pfaffenkonzern, der noch meint Frauen entmündigen zu müssen. Das kann nicht sein.
Eine Reihe von Theologen haben das Thema des Atheismus für sich in Anspruch genommen, Richard Dawkins ein kleiner ungläubiger Wicht, Atheismus ist böse aber das Schlechteste noch lange nicht. Noch schlimmer als der Papst schwurbelt sich Heinrich Bedford-Strohm durch die Medien. Ohne Linie, schlüpfrig wie eine Nacktschnecke windet er sich durch die Höhepunkte der Zeit. Die EKD weiter im Abwärtstrend ihrer öffentlichen Wahrnehmung.

Die Wahl ist bis zum 07. Dezember 2016, 18:00 Uhr befristet. Der Gewinner wird am folgenden Tag gewürdigt werden. Viel Spaß!

  1.  Olaf Latzel, „will Juden missionieren, alles andere ist Antisemitismus.
  2.  Agaplesion-Konzern, „Geld stinkt nicht, aber Frauen sind zu bevormunden.“
  3.  Wilhelm Imkamp, „er duldet keine Hedonisten neben sich.“
  4.  Christiane Tietz, „Krampfhafte Selbstsorge, oder asoziales Klugscheißen.“
  5.  Daniel Böcking, „Stellv. Chefredakteur Bild.de mit Mission.“
  6.  Reiner Haseloff, „im atheistischen Sachsen-Anhalt kann Kirche nichts gestalten, es sei denn durch Zwang.“
  7.  Antonino Zichichi, „Kernphysiker mit teleologischer Attitüde.“
  8.  Neals Nowitzki, „Helfersyndrom für Luther-Happening.“
  9.  Tomáš Halí, „mit Aberglauben Aberglauben kritisieren.“
  10.  Rainer Wendt, „polizeilicher Wut-Gewerkschafter.“
  11.  Susan Neiman, „möchte die Bibel philosophisch einbringen.“
  12.  Heinrich Bedford-Strohm, „Kreuz ist unwichtig.“
  13.  Papst Franz, „möchte in Gebärmüttern mitbestimmen.“
  14.  Herfried Münkler, „Bestandteil eines dummen Volkes.“

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Amtszeitbeschränkung für das Kanzleramt? Lieber nicht

Bundeskanzleramt, Bild: BB
Bundeskanzleramt, Bild: BB
In seiner Kolumne „Einmal Wiederwählen reicht.” fordert Kolumnist Hasso Mansfeld die Begrenzung der Amtszeit für den Bundeskanzler auf zwei Wahlperioden. Kolumnist Heinrich Schmitz widerspricht.

Von Heinrich Schmitz | DIE KOLUMNISTEN

Erinnern Sie sich noch an Ihren Sportunterricht in der Schule. Da wurden Mannschaften gewählt. Der Lehrer wählte zwei Schüler aus und die durften sich dann aus der Menge der übrigen Schüler abwechselnd ihre Mannschaft auswählen. Zunächst versuchte jeder die besten Spieler zu bekommen, dann wurden die mittelmäßigen genommen und am Ende die Grobmotoriker. Das System sorgte zum einen dafür, dass jeder seinen Platz fand, und zum anderen, dass zwei etwa gleich starke Mannschaften vorhanden waren. Natürlich sorgte es auch dafür, dass die Mannschaften über lange Zeiten dieselben Spielführer hatten. Das System war allerdings nicht starr. Kam ein neuer Schüler in die Klasse, wurde er vielleicht bei der ersten Wahl als Letzter gewählt, zeigte er aber spielerische Klasse, dann war er beim nächsten mal ganz vorne dabei. Das Auswahlverfahren war vielleicht für diejenigen, die immer als Letzte gewählt wurden, ein wenig grausam, aber es funktionierte. Recht merkwürdig hätten wir es empfunden, wenn die Besten nach einer bestimmten Zeit nicht mehr hätten gewählt werden dürfen.

Nach 8 Jahren unwählbar?

Die Amtszeit des Bundeskanzlers ist in Deutschland nicht begrenzt. Das hat in der Vergangenheit zu langen Amtszeiten – Adenauer, Kohl, Merkel – geführt. Mit einer Begrenzung der Amtszeiten ließe sich das ändern. Ein Wechsel würde dann nach maximal 8 Jahren erzwungen. Aber wozu?

Ein erzwungener Wechsel ist nicht zwingend etwas Positives. Es ist ja gerade die Aufgabe des Souveräns, die im Parlament vertretenen Abgeordneten auszuwählen, die dann ihrerseits den Bundeskanzler wählen. Bei einer Amtszeitbegrenzung würde sowohl dem Souverän als auch der Kanzlerpartei eine Wahlmöglichkeit genommen. Warum sollte der Wähler nicht die Partei wählen, die den erneut antretenden Bundeskanzler als Kandidaten zur Wahl präsentieren möchte, wenn er genau diese Person auch in Zukunft gerne als Kanzler sieht?

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Der Schwindel um Nitrat im Grundwasser

Die Landwirtschaft wird vor allem für die steigende Nitratbelastung des Grundwassers verantwortlich gemacht. (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)
Die Landwirtschaft wird vor allem für die steigende Nitratbelastung des Grundwassers verantwortlich gemacht. (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)
Verseuchen Gülle und Kunstdünger deutsches Grundwasser? Eine Klage der EU-Kommission legt das nahe. Lebensmittelchemiker Udo Pollmer kann darüber aber nur den Kopf schütteln.
 

Deutschlandradio Kultur

Folgt man den Berichten im Fernsehen, dann droht uns allen Ungemach durch die Gülle, die in den Ställen anfällt. Denn diese „verseucht“ angeblich unser Trinkwasser mit Nitrat. Nitrat ist laut ZDF noch dazu „krebserregend“. Zu dumm nur, dass auch im Gemüse reichlich Nitrat steckt, oft 10mal, ja manchmal 100mal so viel wie im Trinkwasser. Demnach wären Kopfsalat, Rucola und Grünkohl eine Krebsgefahr ersten Ranges. Unter uns: Das Krebsrisiko basierte auf einer ursprünglich vernünftigen Theorie um das Jahr 1980, aber die hat sich mittlerweile als gegenstandslos erwiesen. Deshalb können Sie Ihr Gemüse trotz Nitrat mit Wohlbehagen vertilgen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Das Rohwasser, das die Wasserwerke fördern, ist kein kristallklares Nass, das aus Grotten sprudelt, in denen Ökozwerge über die Reinhaltung der Quellen wachen, sondern oft eine trübe, schwermetallhaltige, stinkende Rostbrühe. Bei der Aufbereitung wird der nach Stinkbomben riechende Schwefelwasserstoff entfernt, dann Mangan und Eisen. Wasser kann prinzipiell all das enthalten, was auch die Bergleute aus der Tiefe fördern, wie Erze, Schwefel oder Cadmium.

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Ein Beruf schafft sich ab

Wie in einer Sekte: Die Reporter spürten es nicht, weil sie es nicht spüren wollten. Bild: Keystone
Wie in einer Sekte: Die Reporter spürten es nicht, weil sie es nicht spüren wollten. Bild: Keystone
Trump und die Folgen: Warum haben die Journalisten das nicht kommen sehen?

Von Markus Somm | Basler Zeitung

Wenn es einen Verlierer gibt dieser verrückten Wahlen in Amerika, der nicht in Amerika lebt, sondern in London, Paris, Zürich, Berlin oder München, der die einschlägigen Cafés bevölkert, wo immer der gleiche ­Vintage-Geruch zu schmecken ist, wo junge Männer mit Bärten sitzen und so geschäftig in ihren iPhones wühlen, obwohl sie doch nichts zu tun haben, wo keine Bücher zu sehen sind, sondern bloss Laptops, wo diese ­Menschen, von denen ich rede (oft sind es eher Männer), ebenfalls sitzen, aber meistens ohne Bart, sondern im Anzug, aber sicher ohne Krawatte – wenn es Verlierer gibt, dann sind das jene Leute, die den gleichen Beruf haben wie ich: die internationale Gemeinschaft der Journalisten. Selten haben sie, die Deuter und Meinungsmacher der Welt, die Medien, eine solche Niederlage erlitten wie die Wahl von Donald J. Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten, dem Mann, der sich von Beginn weg weigerte, die Medien zu fürchten.

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95 Thesen

Bild: mdr.de
Bild: mdr.de

Fast jeder weiß, dass Luther im Herbst 1517 angeblich ein Blatt mit 95 Thesen an die Kirchentür zu Wittenberg genagelt haben soll. Aber was stand drin? Und was hat das mit uns zu tun?

Von Jörg Friedrich | DIE KOLUMNISTEN

Seit ein paar Tagen befinden wir uns im Feiermodus. Wir begehen den Beginn der Reformation, die vor einem halben Jahrtausend mit 95 Thesen begonnen hat. Martin Luther hat sie geschrieben, das wissen wir – aber was steht eigentlich drin? Wer hat sie je gelesen?

Es hat sich herumgesprochen, dass es irgendwie um den Ablasshandel ging, und dass Luther dagegen war, und dass er Kritik am Papst geäußert hat, das ist auch weitgehend Konsens. Aber was steht genau drin? Und hat das überhaupt noch irgendwas mit uns im Hier und Heute zu tun?

Mit der Kolumne „95 Thesen“ will ich diesen Fragen nachgehen. In 95 Folgen werde ich Luthers Thesen eine nach der anderen diskutieren. Genau das wollte ihr Autor, denn die Thesen waren kein Manifest, kein Parteiprogramm, sondern ein Diskussionsangebot, verbunden mit einem Aufruf zur Debatte. Luther wollte seine Thesen in Wittenberg „disputieren“ und er bittet „jene, die nicht anwesend sein können, um mit uns mündlich zu debattieren, dies in Abwesenheit schriftlich zu tun.“

Diesem Wunsch wollen wir folgen, und die Einladung zum schriftlichen Disput geht an alle, die ernsthaftes Interesse an der Frage haben, welche Lebenseinstellung in diesem alten Text zur Geltung gebracht wird und was wir heute damit anfangen können.

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Bund Katholischer Ärzte: Dodo des Monats Oktober 2016

Dodo des Monats Oktober 2016 ©HFR
Dodo des Monats Oktober 2016 ©HFR

bkaeArbeitet man sich durch die Webseite des Bundes Katholischer Ärzte, dämmert die Frage auf, warum sich diese Ärzte nicht um kinderfickende Priester sorgen und diese mit ihren pseudowissenschaftlichen, esoterischen und theologischen Schamanentum versuchen zu heilen? Die Struktur des Webauftritts sorgt für ein matschiges Gehirn, der Leser, unterstellt werden ärztliche Kollegen, sieht sich einem intellktuellen Fimbul-Winter der Jesus-Nekromanten ausgesetzt. Man will an Gottes schwuler Schöpfung herumbasteln.

Die Abschaffung staatlicher Verfolgung, die stärker werdende Akzeptanz der Gesellschaft homosexueller Menschen gegenüber ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite, es gibt jede Menge religiös konnotierte Zeitgenossen, die Homosexuellen tagtäglich die Würde nehmen, die Menschenwürde. Nichts anderes ist es, wenn man Homosexualität als zu heilende Krankheit darstellt.  Katholiken wie wir sie im BKÄ finden, terrorisieren das Land, ihre Auffassung von Sexualität, Familie, Ehe ist die ihre und sollte eigentlich niemanden etwas angehen. Die Sexualität der Menschen ist belanglos, so, wie die Entdeckung schwuler Fruchtfliegenmännchen.

Wir interessieren uns nicht für die Sexualität anderer Menschen, wir wollen nicht wissen, welche Stellung, ob nun den Lotus-Sitz, den Side-Kick oder die pompöse Aussicht sie bevorzugen. So wenig sollte uns Homosexualität kümmern. Outings haben immer etwas von Rechtfertigungsdruck, Menschen erklären warum sie so sind, wie sie sind. Wer Homosexualität als Perversion menschlicher „Natur“ versteht ist pervers und gehört bei einem guten Therapeuten auf die Couch.

Im Sommer 2011 gingen die Wogen hoch. Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) war sauer. Grund, eben jene Webseite des Bundes für Katholische Ärzte. Homo-Heilung mit Homöopathie, Hochpotenzen, Zucker gegen die abartigen Zeitgenossen.

Damals konnte man lesen, an den Spiegel gerichtet:

„Wir wissen von vielen homosexuell empfindenden Menschen, die sich in einer geistig-psychischen Notsituation befinden und stark leiden“

In einer Notsituation befinden sich homophobe, katholische Ärzte, die mittels zweifelhafter Therapien Geschäfte machen wollen.  Das ist wie der „Schwarze Anhauch“ von Tolkiens Ringeistern.

Die katholische Ausrede, lange gebeichtet und mit dem ego te absolvo sakrosankt geworden: „Die Webseite sei „lange nicht gepflegt“ worden – „weil das Thema derzeit für uns nicht brennend aktuell ist“.“

Der krude Mist homophober Attitüde ist immer noch sichtbar im Internet vorhanden.

In der Drucksache 18/2118, 18. Wahlperiode des Deutschen Bundestages, die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Volker Beck (Köln), Lisa Paus, Maria Klein-Schmeink, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ist folgendes zu lesen:

[…]

Zu den Organisationen, die in Deutschland derartige Pseudotherapien anbieten und empfehlen, zählen unter anderem das Weiße Kreuz, Wüstenstrom, Leo e. V., der Bund katholischer Ärzte, das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft der Offensive Junger Christen e. V., eine Kommunität in der evangelische Kirche. Die Akademie für Psychotherapie und Seelsorge e.V. ( A P S ) bot immer wieder ein Forum zur Propagierung solcher Ansätze. Im Internet informiert die Mission Aufklärung (www.mission-aufklaerung.de/) über die Hintergründer der Homo-„Heiler“-Szene in Deutschland.
[…]
Der Weltärztebund, der 117. Deutsche Ärztetag haben sich deutlich gegen jegliche Stigmatisierung, Pathologisierung oder Benachteiligung von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung ausgesprochen.
Es ist ein Kreuz mit der Religiotie. Vereine, die obskuren Mittel und Methoden, wie in der Homo-Heilung angeboten, als Therapie präsentieren machen das ohne jedwede politische Sanktion.  Privilegien christlicher Organisationsformen. Die Politik stellt fest, ändern tut sich nichts. Wenn die CDU/CSU im Bundestag gegen Homo-Ehe, Adoptionsrecht für homosexuelle Paare debattiert, spricht sie den Betroffenen die Menschenwürde ab, so, als würde es das Grundgesetz nicht geben.
An dem Punkt der Menschenwürde kommt die katholische Bigotterie deutlich zum tragen, die römische Spukgestalt will nicht über Homosexuelle richten, praktizierte Homosexualität sei aber ein Sünde.
Auf der Webseite des BKÄ finden wir ein Gebet, ein besonderes Gebet, es soll hilfreich bei Homosexualität sein:

Neurologe Dr. H, März 2015:

Gebet ‚Gut in Form sein‘

Dreifaltiger, allmächtiger Gott,

forme die mir von Dir geschenkten Gedanken, Gefühle, Handlungen, Affekte, Triebe,

sowie meine Persönlichkeit, meinen Charakter, mein Unbewusstes so,

wie Du es willst, dann bin ich gut in Form!

Du allein kannst mir Wünsche, Neigungen, Grundsätze und Einsichten geben, die zu einer Wandlung führen!

Amen.

Der „allmächtige Gott“, der Homosexualität in seiner Schöpfung zulässt soll nun sein eigenes Tun verwerfen.

Es ließe sich noch viel zum BKÄ sagen, Lebensschutz, Demo für alle, Abtreibung. Diese Leute wollen ihre krude Lebensauffassung zur Maxime menschlicher Gesellschaft machen, dem gilt es ein entschiedenes Halt! entgegen zu werfen. Das ist Klerikal-Faschismus wie er im Buche steht.

Umweltschutz: Duscht euch weniger und geht zu Fuß!

Wer wie diese Frau öffentliche Duschen für Arme besucht, wird das kaum aus Klimaschutzgründen tun / picture alliance
Wer wie diese Frau öffentliche Duschen für Arme besucht, wird das kaum aus Klimaschutzgründen tun / picture alliance
Laut einer Studie sind arme Menschen gut für das Weltklima. Der Zynismus hinter solchen Aussagen zeigt: Nachhaltigkeit kann ideologisch werden und selbstgerecht.

Von Alexander Kissler | Cicero

Fast fiel vor Schreck die Bio-Semmel in den fair gehandelten Kaffee. Was die kostenlose Fachzeitschrift „Schrot & Korn“ nun ihren Lesern auftischt, ist harter Stoff. Unter dem Motto „Bio Leben, Bio Lieben“ sorgt die neunköpfige Redaktion – darunter ein Mann – monatlich für das gute Gewissen, das Richtige gekauft zu haben. Eigentlich. Darum wandert die 124 Seiten starke Lach- und Sachfibel gerne mit in den Einkaufswagen im Biosupermarkt. Und nun das, ganz staubtrocken, vollkommen humorfrei: „Arme Menschen sind die wahren Klimaschützer“.

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Wahl Dodo des Monats Oktober 2016

Dodo des Monats Oktober 2016 ©HFR
Dodo des Monats Oktober 2016 ©HFR

Das Jahr neigt sich seinem Ende entgegegen, die Anzahl religiöser Feierlichkeiten steigt, eben so der Blödsinn, welcher von Politik und Pfaffen geäußert wird. Die Kanzlerin empfiehlt ihrem Volke bestehende Ängste, Zweifel am, mit dem Islam durch die Benutzung von Blockflöten und das Abspielen religiöser Gesänge auszumerzen. Solcher Art Vorschläge lassen einen tiefen Einblick in die Gemütslage der CDU-Vorsitzenden zu. Ein Einblick der normal ausgerüstete Zeitgenossen erschrecken lässt.
Die Diskussion um einen möglichen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten geben uns einen guten Ausblick auf die begrenzten Horizonte deutscher Spitzenpolitik, von Navid Kermani, Margot Käßmann und Wolfgang Huber hörte man, Erzapostel Schick würde sogar einen islamischen Kandidaten, ganz demokratisch natürlich, unterstützen wollen.
Die einen wollen unter Muslimen missionieren die anderen Homos heilen. Nichts richtet das institutionalisierte Christentum so auf wie die Formen von Sexualität. Homosexuelle sind eine „perverse Form, ohne jedwede Dynamik“. Solche Aussagen kommen von zölibateren Pfaffen, in deren ehemaligen Bistum über 400 Missbrauchsfälle dokumentiert wurden, alles Einzelfälle und herbeigeredet von den Medien, natürlich. Da spürt man den Neid, offiziell nicht vögeln zu dürfen und laienhafte Schilderungen ans Glaubensvolk bringen zu müssen.

Hier sind die Kandidaten. Die Wahl ist bis zum 07.11.2016, 18:00 Uhr befristet. Die Widmung des Siegers erfolgt hier auf dem Blog. Viel Spaß!

  1.  Bund katholischer Ärzte, „Homo-Heiler mit Theologie.“
  2.  Ludwig Schick, „alles, nur kein Ungläubiger als Bundespräsident.“
  3.  Susanne Kummer, „mit katholischer Pseudowissenschaft zum Thema Bioethik.“
  4.  Reiner Haseloff, „hält den christlichen Glauben im Osten für wichtig.“
  5.  Heinrich Bedford-Strohm, „billige Ausreden zum Brustkreuz in Jerusalem.“
  6.   Heinz Josef Algermissen, „Vater, Mutter, Kind. Wann stellt er die seinen vor?
  7.  Gregor Maria Hanke, „möchte in der Zivilehe mitreden dürfen.“
  8.  Günther Beckstein, „möchte Muslime missionieren, auf nach Raqqa.“
  9.  Heiner Koch, „ihm gelingt die Verbindung von Strafzettel und Buße.“
  10.  Angela Merkel, „mit Blockflöte und christlichen Schlachtgesängen gegen den Islam.“
  11.  Thea Dorn, „möchte den Literaturnobelpreis für den Judenhasser Luther.“
  12.  Gerhard Ludwig Müller, „Atheisten, Schwule, Lesben, und die Domspatzen, alles übelste Einzelfälle.“
  13.  Bodo Ramelow, „im Papstwahn.“

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Der Staat darf sich nicht über Grundrechte hinwegsetzen

Der Bundestag hat ein neues BND-Gesetz verabschiedet. Zuvor hatte es Proteste gegeben.Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Der Bundestag hat ein neues BND-Gesetz verabschiedet. Zuvor hatte es Proteste gegeben.Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Es sei Unfug, dass mit dem neuen Gesetz der Überwachungsstaat näher rücke, schrieb Frank Jansen. FDP-Vizechef Wolfgang Kubicki erwidert und meint: Das BND-Gesetz wird von Karlsruhe aufgehoben.

Von Wolfgang Kubicki | DER TAGESSPIEGEL

In seinem Kommentar „Totale Transparenz wäre ein Witz“ hat Frank Jansen erklärt, dass meine Warnung, mit dem am Freitag vom Bundestag beschlossenen BND-Gesetz rücke der Überwachungsstaat ein großes Stück näher, Unfug sei. Bedauerlicherweise hat er dabei vergessen, wenigstens ein Argument für seine Sichtweise darzulegen. Daher habe ich Herrn Jansen so verstanden, dass die Überwachung in Zeiten des internationalen Terrorismus auch über sachliche Bedenken hinweg gestattet werden sollte. Dies aber ist fatal.

Tatsache ist, dass das BND-Gesetz auch nach Einschätzung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages verfassungsrechtlich nicht haltbar ist. Dass in dem Gesetz die behördliche Beachtung des Fernmeldegeheimnisses davon abhängt, ob der zu Überwachende Deutscher oder Ausländer ist, wird definitiv vom Bundesverfassungsgericht gekippt. Grundrechte werden nicht abhängig von der Staatenzugehörigkeit gewährt.

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Die Religion des „Ersatzkaisers“

Eine erbärmliche Debatte. Die Religion des Bundespräsidenten, ob Christ, Muslim, Jude, Hindu,oder Buddhist. Die Idee, er könne ungläubiger Atheist sein wird verbal überhaupt nicht geäußert.

Befasst man sich mit den Artikeln 54-61 des Grundgesetzes, die die Funktion des Amtes definieren, wird man den Begriff der Religion vergeblich suchen, gar Hinweise auf die Glaubenszugehörigkeit des Bundespräsidenten oder des Kandidaten für das Amt. Der Bundespräsident, oder die Präsidentin sind in ihrem Amt als Vertreter aller Deutschen zu verstehen. Das Amt selbst trifft keine Einschränkungen hinsichtlich eines Glaubens oder Weltanschauung. Gauck, als amtierender Präsident, vom Beruf Pastor, mit christlichem Glaubensbekenntnis, spricht als Christ eben nur für Christen, sofern er seine Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft expressis verbis betont, alle anderen Deutschen sind außen vor.

Die Diskussion über die Glaubenszugehörigkeit des Amtes ist an Erbärmlichkeit nicht zu übertreffen und eines Staates mit säkularen Politikverständnis unwürdig. Sie ist Ausdruck der Hilflosigkeit, statt sich dem harten Geschäft der Politik in Wirtschaft, Sozialen und Finanzen zu widmen, kompensiert man die eigene Inkompetenz mit dem weichen Thema der Religion und der Gläubigkeit des Amtes des Bundespräsidenten. Die Diskussion ist der Versuch eigene moralische, religiöse und ethische Sichtweisen ans Volk zu bringen. Im Geschäft der Kirchen nennt man das Mission. Formal ist die Diskussion geeignet Religions-und weltanschauliche Freiheit einzuschränken, wenn nicht gar abzuschaffen und steht der freiheitlich-demokratischen Grundordnung als Antithese gegenüber.

Die Individuen des Gemeinwesen können glauben was sie wollen, solange ihr Glaube nicht den Normativen des Grundgesetzes zuwider läuft.

Erinnern wir uns an die Rede von Navid Kermani, anlässlich der Verleihung des Friedenspreises in der Paulskirche von Frankfurt. Nach seiner Dankesrede wünschte er sich keinen Applaus, sondern ein gemeinsames Gebet für die Menschen in Syrien und im Irak. Ein Gebet  ist eine verbale oder nonverbale rituelle Zuwendung an ein transzendentes Wesen. Bleibt die Frage an wen, an die göttliche Entität die das Abschlachten der Gläubigen und Ungläubigen gut heißt und ermöglicht, oder jene Entität, die dem Krieg ein Ende bereiten soll. Es ist wie es ist. Mit der Bitte um ein abschließendes Gebet hat Kermani die Religionsfreiheit unzulässig eingeschränkt. Ich hätte mir gewünscht einer der Anwesenden hätte den Arsch in der Hose gehabt, wäre aufgestanden und gegangen. Wir brauchen keine Zwangsbebeter, wir brauchen keine Politiker die ihre religiösen Überzeugen zur politische Maxime ihres Handelns machen.

All diejenigen die meinen nun über die religiöse Weltsicht eines Bundespräsidenten diskutieren zu müssen, sind im Sinne Kants Afterdienstler am eigenen Volk.

Suizid in der U-Haft

Bild: DIE KOLUMNISTEN
Bild: DIE KOLUMNISTEN
Jedes Jahr töten sich ca. 100 Menschen im Strafvollzug. Die meisten davon in der Untersuchungshaft. Der Fall des Terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr ist nur einer von ihnen.
 

Von Heinrich Schmitz | DIE KOLUMNISTEN

Als Monty Python Film wäre die Pleiten, Pech und Pannenserie der sächsischen Justizbehörden ein großer Brüller. In der Realität ist sie eher zum Heulen.

Die sächsische Polizei twitterte am letzten Montag:

! NEWS ! Wir sind geschafft, aber überglücklich: der Terrorverdächtige Albakr wurde in der Nacht in Leipzig festgenommen. ÖA über #GenStA

Okay, da stand noch nicht dabei, dass die eigentliche Festnahme durch ein paar Syrer erfolgt war, die den völlig geschafften Polizeibeamten einen bereits fertig verschnürten Tatverdächtigen abholbereit lieferten, aber immerhin. Nun hatten sie ihn denn. Es ging ein Seufzer der Erleichterung durch das Land. Nicht alles ist schlecht in Sachsen.

Die kurz darauf bekannt gewordenen Pannen bei der sächsischen Polizei – Schutzwesten waren so schwer, dass die Beamten das vorbei spazierende Zielobjekt nicht verfolgen konnten – wurden als eher lustiges Beiwerk einer im Ergebnis dann mit Glück erfolgreichen Terroristenjagd angesehen. Eine echt pythoneske Szene. Ende gut, alles gut. Dachte man.

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Thomas Strobl: Dodo des Monats September 2016

Dodo des Monats September 2016 ©HFR
Dodo des Monats September 2016
©HFR

thomas_stroblIn einer Welt, in der sich politische Protagonisten als religiös, christlich, islamisch, jüdisch, hinduistisch usw. etikettieren ist die Schar der Ungläubigen, der Atheisten, Igtheisten, Objektivisten, Materialisten, Skeptiker, Agnostiker, Rationalisten, Freidenker, Taoisten, Utilitarier, Humanisten, Naturalisten, Existenzialisten, Positivisten und Säkularen der Aussatz. Und, sie machen es den Religioten leicht. Doch dazu später.
Beim ersten Hören und Lesen der Plattitüden des Dodos Thomas Strobl war spontan der Gedanke da, was für ein Idiot, ein Religiot, der Prototyp eines Demagogen. Sicherlich sind Fragmente von Idiotie verbunden mit religiösen Weltsichten vorhanden, welches aber nicht ausreichend ist, um die ständige Diskriminierung von Ungläubigen zu erklären. Machtkalkül, Stimmenfang, religiöse Autoerotik die bei der Außendarstellung für angenehme Wolllust im Inneren sorgt. In der Sendung „Maybritt Illner“, des Zentralen Deutschen Kirchensenders ZDF darf er ganz ungehindert sein demagogischen Halbwahrheiten verkünden.
Den blöden Satz, dass in Deutschland das Parlament Gesetze macht und nicht der Prophet, ersparen wir uns jetzt.
Thomas Strobl:

„Wenn wir überlieferte christliche abendländische Werte, wenn wir die behalten wollen, dann müssen wir sie auch leben. Und Christen machen nicht die Tür zu, wenn Menschen in Not zu uns kommen, die vor Tod, Vergewaltigung und Gewalt fliehen, sondern dann haben wir eine offene Tür und auch ein offenes Herz. Und wer sich da abschottet gegenüber solchen Menschen, der verrät abendländische Werte. Die christlich-demokratische Union – das sind Christen für Deutschland und die AfD sind Atheisten für Deutschland. Das sind nicht die Bewahrer des Abendlandes, das sind die Verräter des Abendlandes.“

Es gibt eben keine überlieferten christlichen abendländischen Werte. Vor hundert Jahren sah das so aus, Christ Deutsch schoss Christ Französisch eine Kugel in den Kopf, nach protestantischem Verständnis erteilte Deutsch dem Französisch die Absolution, das war vor Verdun, an der Somme und vielen anderen Orten so, mit Kugeln, Granaten und Giftgas schickte man den anderen Christen zu seinem Schöpfer. Liebliche, christliche Nächstenliebe, Christenwerte. Und so matschte sich das Christentum 1.000 Jahre lang durch Europa. Die Pfaffen aller Seiten weihten die Waffen, die Toten waren tot und der Christengott schaute mit Wohlgefallen auf die Schlachtfelder, auf Zwangstaufen mit dem Schwert, auf Andersgläubige die hingemetzelt wurden. Das sind die christlichen Werte auf die Demagoge Strobl so viel Wert legt. Historisch-kritische Betrachtung der Tätlichkeiten des Christentums ficht den Herrn Strobl nicht an. Der Gipfel des christlichen Abendlandes, der Kulminationspunkt von Antijudaismus und Antisemitismus war der Katholik Hitler, der die „Gottesmörder, Kinderschänder und Geldfrevler“ zu Millionen ermorden ließ. Ja, Antijudaismus war 2000 Jahre lang ein christlicher Wert, ohne das Christentum gäbe es solches nicht. Und weil man protestantisch-katholisch die Ahnung hatte Scheiße gebaut zu haben, gibt es den einen oder anderen Pfaffen, Politiker inklusive, die sich nicht entblöden können seit 1945 vom judäo-christlichen Abendland mit seinen Werten zu sprechen.
Die Mär vom christlichen Abendland ist eine Lüge. Ein politisch-ideologischer Kampfbegriff, den man immer dann nutzte, wenn es galt die armen Schweine für das große Schlachten gefügig zu machen.

Natürlich gibt es Anhänger, Sympathisanten, Mitläufer, Mitglieder in der Partei Alternative für Deutschland, die Atheisten sind. Auch wenn es schwer vorstellbar ist, dass man als Atheist vertrottelt einer Beatrix von Storch folgt, die mit ihrer christlichen Fürsorge Morula-Keime schützen will, Bildung und Erziehung zur großen Thematik Sexualität in die Zeit des Wilhelminischen Deutschlands zurückdrehen möchte und mit ihrer Homophobie die Würde der betroffenen Menschen täglich aufs neue verletzt.
Thomas Strobl möchte etwas bewahren, was es nie gab, politisch-christliches Nullsummenspiel.

Christen, wie Thomas Strobl gibt es reichlich. In den USA giftet Pat Robertson gegen die Atheisten, macht sie für Umweltkatstrophen, Klimawandel, Amokläufe verantwortlich. Politiker wie Strobl versuchen in Deutschland in ähnlicher Art und Weise den Bedeutungsverlust der Kirchen in der Gesellschaft auszugleichen, man ist schon lange der Gottesknecht, der Erfüllungsgehilfe für die nahöstliche Mythologie. Es ist ein großes Unglück für den Humanismus, dass er von den christlichen Kirchen begrifflich umgedeutet wurde und so kontaminiert in der Argumentation benutzt wird. Und hier liegt auch das Dilemma der Atheisten. Die öffentliche Wahrnehmung und die tatsächliche Bedeutung von christlichen Glauben, Religion und Kirchen verläuft azyklisch.  Die politischen Steigbügelhalter des Hinrichtungskreuzes haben die Stimme in den von ihnen religiös besetzten Massenmedien, Rundfunk und Fernsehen. Die sich säkular entwickelnde Gesellschaft und die sich religiös gebärdende Politik entfernen sich in immer stärkeren Maße, die Unterschiede sind schon heute gravierend, wobei säkular nicht heisst, dass die Gesellschaft sich atheistisch entwickelt. Die Institution Kirche ist lange eine Sache des Staates geworden, nicht zuletzt bezahlt der säkulare Staat Teile des Pfaffentums fürstliche Gehälter und gibt den Steuerbüttel.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo. Der grünverpackte Katholik Kretschmann hat auch schon einen.

Ist Intoleranz tolerant, wenn sie links ist?

Michael Schmidt-Salomon ist ein Genie. Ein PR-Genie. Kaum ein anderer öffentlicher „Intellektueller“ unserer Zeit hat ein so gutes Gespür dafür, was er schreiben muss, um von Mainstream-Medien hofiert zu werden. Er erkennt den Zeitgeist genau und passt seine Sprache und Meinung daran an. Schmidt-Salomon ist der vielleicht größte Anpasser des ganzen Landes.

Von feuerbringer Magazine

Als Philosoph schreibt er zwar nur Unsinn, aber man kann nicht auf allen Gebieten Überragendes leisten. Der neueste Essay des Vorstandssprechers der Giordano Bruno Stiftung befasst sich mit der Frage, ob und inwieweit wir als Gesellschaft Intoleranz tolerieren müssen.

Wie schon seine Streitschrift „Keine Macht den Doofen!“ (eine Auflistung von Beleidigungen von Konservativen) ist der Essay gegenüber Andersdenkenden atemberaubend intolerant. Er plädiert dabei jedoch, oberflächlich betrachtet, für mehr Toleranz. Das entspricht der Haltung der Social Justice Warrior, die für mehr Toleranz gegenüber Minderheiten wie Transgender und Muslimen eintreten, aber nur, sofern die Minderheiten genau ihrer politischen Meinung sind (was sie oft fälschlicherweise glauben).

„Heute hat der „Tages-Anzeiger“ (die meistabonnierte Tageszeitung der Schweiz) dem Buch zwei komplette Druckseiten gewidmet“, lässt MSS seine Leser auf Facebook wissen. Wie subtil er doch die Bedeutung der Publikation einfließen lässt, die seinen Essay veröffentlichte, mit dem er sein neues Buch über die Toleranz bewerben möchte. Und es sind natürlich „Druckseiten“ und sogar „komplette“ davon, keine schäbigen Online-Seiten (trotzdem ist der Essay online nachlesbar).

Die bösen Konservativen

Es ist immer schön, wenn sich Menschen selbst gut leiden können. Andererseits lässt der Essay einige Zweifel daran aufkommen. Die ans Tourette-Syndrom grenzenden ständigen herablassenden Äußerungen gegenüber dem offenbar einförmigen Kollektiv der Konservativen seitens MSS erwecken den Eindruck einer rituellen Beschwörungsformel. Wie ein Priester, der selbst nicht so recht an die Jungferngeburt glaubt und umso nachdrücklicher die Geschichte wiederholt, wie der Heilige Geist Maria schwängerte, muss MSS sich und uns unentwegt einreden, wie zurückgeblieben und verblödet seine politischen Gegner seien. Was sollte er auch sonst tun? Ihre Argumente lesen und inhaltlich darauf antworten, wie es ein, keine Ahnung, Philosoph tun würde? Aber da bestünde ja die Chance, dass sie ihn überzeugen.

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Der verstummte Aufschrei der Burka-Gegner

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So laut vermeintliche Frauenrechtler während der Burka-Debatte waren, so leise sind sie plötzlich anlässlich der Verschärfung des Abtreibungsverbots in Polen

Von Anna Giulia Fink | derStandard.at

Es ist die nächste Etappe im Umbau von Polen: Ein Gesetzesentwurf, der am 23. September in erster Lesung im Parlament genehmigt wurde, sieht eine Verschärfung der ohnehin sehr restriktiven Abtreibungsgesetze vor. Bisher dürfen Polinnen in drei Ausnahmefälle abtreiben: Ist das Kind schwer behindert, die Folge einer Vergewaltigung oder die werdende Mutter in Lebensgefahr, dann darf der Schwangerschaftsabbruch vorgenommen werden. Sollte der neueste Entwurf tatsächlich Gesetz werden, dann ist der Eingriff einzig und alleine dann erlaubt, so die Schwangere droht zu sterben. Und es erlaubt, Frauen mit bis zu fünf Jahren Haft dafür zu bestrafen, dass sie abtreiben.

Seit dem ersten Tag ihrer Machtübernahme hat sich die PiS-Partei darangemacht Polen von Grund auf umzukrempeln, um es nach ihren Vorstellungen neu zu gestalten. Die national-konservative Partei trotzt Fortschritt und Wandel, sie stemmt sich gegen Einwanderung ebenso wie gegen eine moderne Frauen-, Familien-, und Gesellschaftspolitik, weil sie sich als Gegengewicht zu dem als säkularisiert und laizistisch wahrgenommenen Rest Europas wahrnimmt.

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Wahl Dodo des Monats September 2016

Dodo des Monats September 2016 ©HFR
Dodo des Monats September 2016 ©HFR

Im Monat September gab es eine Fülle von religiotisch-obskuranten Äußerungen aus Politik, Kirchen und Geisteswissenschaften. Die Klerikalfaschisten um den Verein „Demo für alle“ nicht zu vergessen. Homosexuelle, Sexualkunde-Unterricht sind die ausgesprochenen Feinde der Unterleibsmafia.
Das „Völkische“, jener Begriff der historisch mit soviel Unheil, Verbrechen, Gewalt und Staatsterror verbunden ist, soll wieder positiv, AfD-gefällig konnotiert werden. Fast scheint es, dass Mitglieder der CDU, CSU und der AfD im Wettbewerb stehen die Schatten der deutschen Vergangenheit wieder aufleben zu lassen.
Schaut selbst.
Die Wahl ist bis zum 07.10. 2016 18:00 Uhr befristet. Der Gewinner wird am folgenden Tage gewürdigt werden.
Viel Spaß!

  1.  Stefan Oster, „die Hölle als soziales Korrektiv katholischer Religiotie.“
  2.  Rüdiger Safranski, „hat Angst vor der Säkularisierung.“
  3.  Gerd Müller, „schwadroniert über gesellschaftlich Gestaltungskräfte.“
  4.  ZDF, „Jubelsendungen für Judenhasser Luther.“
  5.  Angela Merkel, „mehr Abenteuer-Urlaube in arabischen Ländern.“
  6.  Wolfgang Huber, „mit Theologie Gentechnik erläutern wollen.“
  7.  Peter Schmidt „peinliches zum Thema Ernährung.“
  8.  Bettina Kudla, „mit Nazi-Jargon auf Stimmenfang.“
  9.  Demo für alle e.V., „klerikalfaschistisch gegen die Aufklärung.“
  10.  Sejm-Polen, „katholische Reaktion mit totalem Abtreibungsverbot.“
  11. Thomas de Maizière, „liebt nahöstliche Mythologie.“
  12.  Rainer Maria Woelki, „pflegt pränatale Fruchtwasserträume.“
  13.  Ralf K. Wüstenberg, „Terror hat nichts mir Islam zu tun.“
  14.  Reinhard Marx, „Gebärmütter lassen ihn aufleben.“
  15.  Westermann-Verlag, „Selbstzensur in vorauseilendem Gehorsam.“
  16.  Ludwig Spaenle, „Wiedereinführung des § 175 geplant?“
  17.  Frauke Petry, „braune Soße auf rot-blauem Grund.“
  18.  Thomas Strobl, „Dummes zum Thema Atheismus, Religiotie halt.“

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Bruce Springsteen nennt Trump einen „Idioten“

Rocklegende Bruce Springsteen / Bild: APA/AFP/BERTRAND GUAY
Rocklegende Bruce Springsteen / Bild: APA/AFP/BERTRAND GUAY
Die Situation in den USA sei „eine Tragödie für unsere Demokratie“, meinte der 67-jährige Rockstar.

Die Presse.com

Die US-Rocklegende Bruce Springsteen („Born in the U.S.A.“) hat Donald Trump, den Kandidaten der Republikaner für das Weiße Haus, als „Idioten“ beschimpft. In einem Interview mit dem „Rolling Stone“ sagte der 67-Jährige, sein Land sei „praktisch unter Belagerung durch einen Idioten“.

Die Situation sei „tragisch, eine Tragödie für unsere Demokratie“. Das Magazin veröffentlichte Auszüge des Interviews am Samstag. Trumps Ideologien, darunter der Nationalismus für ein weißes Amerika, und die von ihm propagierte alternative konservative Bewegung seien „äußerst gefährlich“, meint der Rocksänger.

Trumps Rezept? Er biete „einfache Lösungen für überaus komplizierte Probleme, irreführende Antworten auf schwierige Fragen“, sagte Springsteen. Für ihn selbst komme nur seine demokratische Gegenkandidatin Hillary Clinton infrage. „Ich glaube, sie würde eine sehr, sehr gute Präsidentin sein.“

Ein Tier für Bäcker und Philosophen

Ein wunderschönes Tier: Gemeine Wespe, eine Nektarine verspeisend Foto: ap
Ein wunderschönes Tier: Gemeine Wespe, eine Nektarine verspeisend Foto: ap
Am meisten unter einer Wespenplage zu leiden haben traditionell die Bäckerei-Fachverkäuferinnen. Zusätzlich müssen sie auch noch hundertmal am Tag den Kunden, auf deren besorgte Frage, ob sie denn keine Angst hätten, gestochen zu werden, versichern: „Ach, man gewöhnt sich dran.“

Von Hartmut Höge | taz.de

Im Gegensatz zu ihrem Verkaufspersonal profitieren jedoch die Bäckereien von den Wespen. Zum Brotbacken braucht es Hefepilze. Insektenforscher der Universität Florenz fanden unlängst heraus, dass diese außerhalb der Backstube, frei schwebend sozusagen, in den Mägen von Wespen den Winter überleben – nicht hingegen in denen von Bienen. Dazu fütterten die Wissenschaftler weibliche Wespen vor ihrer Überwinterung mit genmarkierten Hefen, deren „Nachkommen“ sie dann im Frühjahr in den Wespenlarven fanden. Als eine der „wichtigsten Nützlinge des Menschen“ bezeichnet die Zeit die Hefe – die Wespe hilft ihr zu überleben und damit dem Bäcker.

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Die ersten Weihnachtsengel wurden über den Redaktionen gesichtet

Weihnachtsschmuck

Das Fest der Liebe naht, das Weihnachtsgebäck stapelt sich wieder in den Supermärkten, obwohl draußen die Blätter an den Bäumen noch nicht welken. Die Tage werden gleichwohl kürzer. Doch die süße Knusperei will irgendwie nicht recht zu den lauen Badestrandtemperaturen dieses Spätsommers passen. Derweil verbreiten, nach den harten Debatten des Sommers (Burkaverbot ja oder nein, jihadistische Attentate in Bayern und Frankreich, Staatsverträge mit DITIB & Co.), die ersten medialen Räuchermännchen in unseren Wohnstuben eine traulichte, geruhsame Stimmung. Genug von Unterdrückung, Terror und Verwirrung durch den Islam.

Von Paul Nellen | Achgut.com

Hier sind zwei Artikel, die man seinen Kindern noch vor dem Einschlafen vorlesen kann. Der erste handelt vom Brückenbauen zwischen den Religionen, vor allem  zu jener, die uns als „die wahre, tolerante Lehre des Islam“ beschrieben wird. Darin spielen der Pontifex Maximus im Vatikan in weißer Soutane und ein arabischer Prinz aus Abu-Dhabi, der den Papst besucht hat, anrührende Rollen. Sie erzählen uns, dass sozioökonomische Ungleichheiten Extremismus begünstigen. Die Armut und Hoffnungslosigkeit in der Welt wollen Papst und Ölprinz jetzt gemeinsam bekämpfen. Gut, dass der Milliardär Osama bin-Laden, die wohlhabend beelterten Entführer der 9/11-Maschinen und der oberste iranische Terrorinspirator Khomeini davon nichts mehr mitbekommen können, sie könnten in Selbstanklagen verfallen: Der Kronprinz von Abu Dhabi besuchte erstmals den Papst. Kann der interreligiöse Diskurs in Zeiten der Krise helfen?

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Winfried Kretschmann: Dodo des Monats August 2016

Dodo des Monats August 2016 ©HFR
Dodo des Monats August 2016 ©HFR

kretschmann150Winfried Kretschmann vollzieht praktisch, in schöner Regelmäßigkeit, seinen Tourismus zum Vizegott nach Rom. So wie früher die Staats-und Regierungschefs nach Moskau in den Kreml tingelten, ist heute Rom die bevorzugte Destination deutscher Politiker. Deutlich wird, Thron und Altar kungelten in der Vergangenheit die Schweinerein für die Untertanen aus. Der Thron wurde abgelöst durch den Habitus des Politikers. Heute versichern sich beide Seiten, der geschäftlichen Interessenlage zum beiderseitigen Vorteil. Der Staat schanzt den Pfaffen Steuergelder zu, insbesondere durch den in der Exekutive vorhandenen Gotteswahn und die Pfaffen bemühen sich die Untertanen, heute „Staatsbürger“ mit gesellschaftlicher Teilhabe mittels moralisierenden Zeigefinger bei der Fahne zu halten. Klappt nicht mehr so richtig. Das Kirchenvolk reduziert sich, die Bedeutung der Kirchen wird künstlich durch Politiker wie Kretschmann aufrechterhalten. Kretschmann selbst sitzt diesen Widerspruch aus, auch wenn er die Perfektion von Helmut Kohl, Probleme aussitzen zu können, weit verfehlt.

Tourismus zur römischen Spukgestalt, um mit dem absolutistischen Kirchenfürsten über „intelligentes“ Wirtschaftswachstum zu reden. Zwei Männer, die an sprechende Schlangen, Jungfraugeburt und Wiederauferstehung glauben kann man nicht als intelligent bezeichnen. Ein Wunder ist, dass solche Zeitgenossen die Errungenschaften moderner Medizin nutzen, statt die Rituale ihres Geisterbuches zu beschwören. Aber gut, Gottes begrenzte Schöpfung, die, nimmt man die Bücher nahöstlicher Mythologie, einst einen Kreis von rund 1.000km umfasste. Alles in der Mythologie beschriebene ereignete sich innerhalb dieses Kreises, Jerusalem wäre ein Punkt der westlichen Tangente dieses Kreises. Dort soll die Wirkmächtigkeit einer göttlichen Entität gegeben gewesen sein. Schönes Märchen.

Die begrenzte Schöpfung mag kein unbegrenztes Wirtschaftswachstum, weil die Ressourcen begrenzt sind, egal wie blöd oder auch intelligent man sein will. Es kommt der Punkt an dem Schluss ist. Der Theologe Traugott Holtz meinte dazu, “ immer dann, wenn die Wunder Gottes am Größten waren, war es die menschliche Dummheit auch.“

Demokratisch legitimierte Politik sollte sich nicht mit undemokratischen Gemeinwesen abgeben. Zumal die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen und der EU durch den Papst nicht anerkannt worden sind. Solange die Gleichberechtigung von Frauen verhindert wird, Homosexuelle, Transgender diskriminiert werden, Schwangerschaftsabbrüche mit Exkommunikation bestraft werden, Kondome mit zweifelhaften Begründungen verteufelt wurden und die Missbrauchsskandale, nach Jahren der Vertuschung, des Hinauszögerns immer noch einer umfassenden Auflärung harren, solange ist ein Gespräch auf Augenhöhe, auch mit dem Papst, nicht möglich. Die sogenannte „Umwelt-Enzyklika «Laudato si»“ ist eben mehr als nur Umwelt, es geht auch um Schwangerschaften, Abbrüche. Wissenschaft hat sich hier als Steigbügelhalter reaktionärer Weltsichten vereinnahmen lassen.
Glaubt man den Informationen steht die Anerkennung der Pius-Bruderschaft durch den Papst ins Haus. Theologe Schockenhoff nannte die Bruderschaft einen „rechtsradikalen Sumpf.“ Diese Pfaffenbande lehnt die religiöse Neutralität des Staates ab, die Todesstrafe solle wieder eingeführt werden, das Parteiensystem sei abzuschaffen und durch christliche Männer zu ersetzen. Eigentlich ein Fall für den Verfassungsschutz.
Wer mit dem Papst küngelt kommt mit katholischem Extremismus in Berührung. Den Grünen Kretschmann ficht das nicht an.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Unter Tieren: Heilige Rituale für fühlende Wesen

Bild: Frankfurter Rundschau
In ihrer September-Kolumne „Unter Tieren“ denkt Hilal Sezgin über Vorurteile gegen Veganer nach. Und über die Illusionen, die sich der moderne Mensch über Schlachtmethoden macht.

Von Hilal Sezgin | Frankfurter Rundschau

Das größte Kompliment, das man einem Veganer machen kann, ist bekanntlich, dass er oder sie nicht nervt. Dass er während des Grillabends die gute Laune behält oder dass sie – wie in meinem Falle – beim Texteschreiben nicht allzu moralisierend daherkommt. „Aufrüttelnd, aber ohne erhobenen Zeigefinger“, „ohne Vorwurfshaltung“, bestenfalls sogar „mit Humor“.

Diese Komplimente habe ich bereits mehrmals erhalten und mich auch jedes Mal gefreut. Doch seit einigen Monaten wächst in mir eine gewisse Ungeduld. Denn ehrlich gesagt: Von einem Amnesty-International-Mitglied würde auch niemand verlangen, gutgelaunt und moralfrei zu bleiben, wenn die Kanzlerin beim Händeschütteln mit einem bekannten Folterer und Diktator zu sehen ist. Vielmehr erwartet man, dass AI eine Petition ins Leben ruft und Protestpostkarten losschickt! Wieso also kommt das nicht ähnlich gut an, wenn wir Veganer „moralisieren“?

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