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Beatrix von Storch: Dodo des Monats Januar 2016

Dodo des Monats Januar 2016
Dodo des Monats Januar 2016

beatrix_storchAus Sicherheitsgründen müsse die Bundeskanzlerin, wenn sie dann nicht mehr im Amte sei, fliehen. Nach Chile, zu Margot Honecker, der ehemaligen Ministerin für Volksbildung der DDR und Witwe des Generalsekretärs. Da schaut die geborene Herzogin von Oldenburg in ihre Kristallkugel und orakelt die Zukunft von Merkel. Solch krude Vorstellungen liefert sie bei Anne Will in der ARD ab. Auf Nachfrage meint die Störchin, dass sie ein Gerücht gehört habe. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass sie auf der Kanzlerinnen-Toilette ein Mikro installiert habe. Merkel ist Feindbild, sie muss weg. Geht es nach Beatrix von Storch sollten ihre und die Vorstellungen der AfD Gänsehaut verursachen. Was sie bei der ARD abgeliefert hat mag dem einen als Stuss erscheinen, aber diesen Stuss hat sie im Kopf. Fundamentale Christin, mit Hang zum Extremismus, will sie dem Christentum wieder zu alter Größe verhelfen. Wer vermutet, dass dann der blaublütige Landadel wieder an den Hebeln der Macht sitzt, dürfte nicht falsch liegen.
Storch ist Opportunistin, durch und durch, alles was heute politisch, gesellschaftlich und kulturell am werkeln ist, ist schlecht. Familie, deutsche Werte, Kultur, auf der Grundlage des Christentums, will sie reaktionär restaurieren.
Frauenrechte?

Bei Marsch für das Leben tritt die bigotte Christin für eine Willkommenskultur des un-und neugeborene Lebens ein. Ihre mehr als fragwürdige Moral kommt dann im folgenden zum Ausdruck

Bild: FB, stern.de
Bild: FB, stern.de

Aha, was nicht bei 5 auf den Bäumen ist wird erschossen, auch Kinder. Wo sie sich doch soviele, von christlicher Nächstenliebe geprägte Sorgen um das ungeborene Leben macht. Verlogen, wie die ganze Lebensschutz-Debatte.

Die Einschränkung, ihrereseits, etwas später, gut auf Kinder wird nicht geschossen, aber auf Frauen schon. Nach dem sich entwickelten Shit-Storm kamen peu-a-peu die Dementis. Das Neueste, sie sei beim schreiben  der inkriminierten  Sätze mit der Maus abgerutscht. Wenn ein Storch auf einer Maus ausrutscht! Wer wählt solche Leute eigentlich in Parlamente? Bei solchen Wählern muss man doch die Geschäftsfähigkeit in Frage stellen, zwecks Begutachtung beim Amtsarzt.

In Baden-Württemberg organisiert sie die Protestaktionen gegen den Bildungplan der Landesregierung. Die “Zivile Koalition”, ein Netzwerk, dem sie mit ihrem Mann vorsteht, ist für die Demonstrationen verantwortlich. Ebenso bei den “Demo für alle.” Frontfrau Hedwig von Beverfoerde ist die Marionette der Störchin.
Homosexualität rüttelt an den Grundfesten christlichen Glaubens, um das zu vermitteln bedarf es keiner gebildeten Menschen.

Beatrix von Storch und die sie umgebenden Politiker, Claqueure, nationalsozialistisch imprägnierte Alternative wollen einen Großteil der Errungenschaften der Aufklärung abschaffen. Das gilt es zu verhindern.

Herzlichen Glückwunsch zum zweiten Dodo.

Nach dem “Marsch für das Leben” wird scharf geschossen

beatrix_storchDer deutsche Landadel macht mobil. Einige der Exponenten wollen sehr wahrscheinlich ihre alten Rechte wiederhaben. Vetreterinnen finden wir in der Alternative für Deutschland(AfD) oder in der christlich-fundamentalistischen Bewegung “Marsch für das Leben.” Sexuelle Bildung ist Sünde. Man kämpft um die Rechte des Blastula-Keims, unter dem Deckmantel der Sorge um das ungeborene Leben.
Die geborene Herzogin von Oldenburg, gemeinhin als Beatrix von Storch bekannt, tritt dort vehement in Erscheinung. Im Zuge der Flüchtlingspolitik zeigt die Streiterin für das ungeborene Leben nun ihr wahres Gesicht. Die deutsche Grenze ist zu schützen, notfalls unter dem Einsatz von Schusswaffen, gegen Kinder? Ja, auch gegen Kinder. Alles was nicht bei 5 auf den Bäumen ist wird erschossen, steht dann noch jemand auf seinen Beinen kommt das Bajonett zum Einsatz. Gedanken, wie auf der einen Seite Lebensschutz und auf der anderen die Zerstörung in Übereinklang zu bringen sind macht sich die Anwältin nicht. Gut christliche Bigotterie.
Nach der Aufregung im Netz bleibt die Frage unbeantwortet ob sie auch auf Störche schießen lassen würde. Kinder möchte sie ausklammern, Frauen nicht, also, Feuer frei auf schwangere Frauen, durchaus im Bereich des möglichen. Ist die Mutter tot, kann das ungeborene Leben durch Beten gerettet werden.

Wer heute auf Flüchtlinge schießen lassen will, schießt morgen auf Menschen die für die Rechte der Frauen eintreten, auch auf das Recht zur Abtreibung. Das sollte jedem klar sein, das christliche Menschenbild der Störchin lässt das zu.

In dem Sinne, Feuer frei! Auf Menschenrechte, 300 Jahre Aufklärung. Das ist die gesellschaftliche Alternative Deutschlands.

Wahl Dodo des Monats Januar 2016

Dodo des Monats Januar 2016
Dodo des Monats Januar 2016

Neues Jahr, neue Dummheiten, Obskurantismus und Religiotie. So wie das alte Jahr endete startete das neue furios. Flüchtlinge, Streiterein der Polit-Christen, Hiobsbotschaften aus der katholischen Kirche, die nicht viel macht um die Problematik des sexuellen Missbrauch aufzuklären, die Evangelen streiten sich um ihr sexuelles Weltbild und die Bibelauslegung. Zeit zu überlegen ob man Kirchennachrichten nicht der Obhut der freiwilligen Selbstkontrolle überantwortet und altersgerecht attributiert. Noch vor Jesus kommt Sex, egal ob hetero oder homo, Christen landen immer im Bett, auch fremden, da wollen sie mitreden.

Hier sind nun die Kandidaten des Monats Januar 2016:

  1.  Ulrich Lilie, “hat Schwierigkeiten zwischen Religion und Kultur zu unterscheiden.”
  2.  Papst Franz, “schwadroniert über Bio-Ethik.”
  3.  Dominikus Schwaderlapp, “Ökumene und Homosexualität.”
  4.  Frauke Petry, “an deutschen Grenzen soll wieder geschossen werden.”
  5.  Norbert Trelle, “sexueller Missbrauch im Jesus-Keks-Mantel.”
  6.  Kita Bleckede, “unsere tägliche Ration Rassismus.”
  7.  Die Linke/Landesverband Rheinland-Pfalz, “mit der römischen Spukgestalt in den Landtag.
  8.  Sigmar Gabriel, “Türkei ist sicheres Herkunftsland.”
  9.  Beatrix von Storch, “flüchtet Angela Merkel zu Margot Honecker.
  10.  Heinz Josef Algermissen, “mit göttlichem Afterdienst gegen Charlie Hebdo.
  11.  Sami Abu-Yusuf, “ hat feuchte Träume aus dem Koran.”
  12.  Gothart Magaard, “Karfreitag Geiselhaft für alle.”
  13.  Garnisonskirchenstiftung, “schwört auf den Geist von Postdam.”
  14.  Khola Maryam Hübsch, “findet Mohammeds Feminismus umwerfend.
  15.  Open Doors,  “wir machen Christenverfolgung, egal wie.”
  16.  Georg Ratzinger ” hat keine Probleme mit sexuellem Missbrauch.”
  17.  Ulrich Nitschke, “mehr Religion in die Entwicklungshilfe.”

Die Wahl ist bis zum 07. Feburar, 18:00 Uhr, befristet. Mehrfachauswahl ist möglich. Viel Spaß!

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Religiöser Wahn und induziertes Irrsein

jesus_guillotineWährend die Deutschen mit fliegenden Fahnen, hysterievollen Hosen und mit menschenverachtendem Eifer jubelnd dem Vierten Reich entgegenrennen, vollgepumpt mit dem Adrenalin des Hasses und der Dummheit, scheint es Wichtigeres zu geben als sich mit aberwitzigen Streitereien von dramatisch unterdurchschnittlich intelligenten Glaubensgemeinschaften wie den Evangelikalen unter Ulrich Parzany zu beschäftigen.

Von Wolfgang Brosche|DIE KOLUMNISTEN

Aber nein doch, sage ich – denn bei solchen Figuren und Gruppen liegt ein tonnenschwerer Grund für unsere politische Situation, die so sehr auf Dummheit und Angst gegründet ist.

Ein ewiger Feldzug wider der Vernunft

Es ist eine triste Tatsache, daß die Aufklärung längst ins Kriechen gekommen ist – denn die Religionsgemeinschaften jeder Couleur haben es geschafft, sie zu hintergehen und zu unterlaufen. Sie lassen sich die Verbreitung ihrer Dummheiten staatlich alimentieren. Ihr ewiger Feldzug gegen die Vernunft zeigt sich nicht nur in den mörderischen Ungeheuerlichkeiten, die der Islam und seine Vertreter veranstalten, sondern auch in der angeblich „abendländischen“ Gegnerschaft (siehe PEGIDA, PiS oder den Front National) mit den erbittertsten Barbarismen. Religionen sind noch immer – und können es auch nicht anders sein – die mächtigsten Gegner des Denkens, der Intelligenz, der Kritik, des Hinterfragens, der menschlichen Selbstbestimmung und (Lebens)-Lust und der Vernunft.

Wer sich auf ein höheres unbezweifelbares und nicht kritisierbares Wesen beruft, um sein Handeln und Leben zu begründen und zu rechtfertigen, der ist zu jeder Unmenschlichkeit fähig im Namen seines Gotteswahnes. Von wegen, daß unsere westlichen Gesellschaften säkularisiert seien – sie sind es nicht! Der gesamte Alltag ist religiösem Wahn unterworfen, die gesamte Ethik kriecht bei uns den christlichen Absurditäten und woanders denen des Islams nach. Unser Umgang mit Recht, Medizin, Sexualität und Politik ist jenen phantastischen Widersprüchen von Schuld und Sühne, Gottesbefehlen und Lebensfeindlichkeit unterworfen, wie sie nur die Religionen hervorbringen können.

Die tierprimitive Angst vor dem Tod, dem Blitz und dem eigenen Körper hat die Religionen hervorgebracht, die dann wiederum patriarchale penile Herrschaftsphantasien legitimieren sollten, Hierarchien der Unterdrückung und der Ignoranz.

Tierprimitive Angst vor Tod, Blitz und Körper

Obwohl die Religionen jeden menschlichen, wissenschaftlichen und politischen Fortschritt behindern, beteiligen wir Religionsvertreter in Ethikausschüssen, fragen Kardinal Marx wenn es um Genetik, Fortpflanzung und Menschenrechte geht – der dazu ebenso wenig Substanzielles beizutragen hat wie etwa ein evangelikaler Führer vom Schlage eines Ulrich Parzany.

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War Heidegger ein Sith?

Überinterpretierende Gedankenexperimente: Star Wars bietet viele Analyseansätze. Foto: dpa
Monomythos, Samurai, Pseudobiologie: Eine Ausgabe des Philosphie Magazins widmet sich den philosophischen Dimensionen der Sci-Fi-Saga.

Von Stefan Hochgesand|taz.de

Als der bestirnte Himmel über ihm dem Philosophen Immanuel Kant 1788 Ehrfurcht abverlangte, war vom Todesstern-Raumschiff und Luke Skywalker noch nichts zu ahnen. Oder doch? Immerhin, so besagt es der Vorspann der Science-Fiction-Saga, spielten die Ereignisse gar nicht, wie man vorschnell denken könnte, in der Zukunft, sondern in der Vergangenheit. Einer mythischen geradezu. Jedenfalls nimmt das Philosophie Magazin den im Dezember gestarteten siebten „Star Wars“-Film zum Anlass, in einer Sonderausgabe die philosophischen Dimensionen der Sternenkriege auszuloten.

Zunächst geht es (eher literaturwissenschaftlich) darum, wie George Lucas die vom vergleichenden Mythenforscher Joseph Campbell destillierten Erkenntnisse über den, wie er es nannte, „Monomythos“ in „Star Wars“ paradigmatisch umsetzte: Aufbruch, Initiation Rückkehr. Interesse erweckt vor allem die Aufgabe des Helden Luke, die verstockten Aspekte des Vaters zu beseitigen. Der Altphilologe Heinz Wismann sieht in „Star Wars“ gar Homers „Ilias“ mit einer Prise Sigmund Freud und einem Schuss Western.

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Es geht um den Islam, nicht um Flüchtlinge

Zahlreiche Menschen sind am 31.12.2015 in Köln (Nordrhein-Westfalen) auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs zu sehen. In der Silvesternacht waren am Kölner Hauptbahnhof Frauen sexuell… – Foto: dpa
Radikale Feministinnen und die Großmogule der politischen Korrektheit relativieren die Verbrechen von Köln, weil sie nicht in ihr Weltbild passen.

Von Harald Martenstein|DER TAGESSPIEGEL

Vor einiger Zeit gingen Nachrichten über Vergewaltigungen in Indien um die Welt. Die Taten waren extrem brutal und wurden von Männergruppen ausgeführt. Das war natürlich schlimm, aber vor schnellen Urteilen sollte man sich hüten. Immerhin gibt es auch in Deutschland Vergewaltigungen. Nicht alle Inder tun so etwas. Und nicht alle Täter konnten namentlich ermittelt werden.

Waren das überhaupt Inder? Könnten es nicht auch deutsche Touristen gewesen sein? So wie deutsche Männer sich oft aufführen, ist das mehr als wahrscheinlich. Wir dürfen uns vom Kampf gegen Sexisten wie den alten FDP-Macho Brüderle keinesfalls durch die Sache in Indien ablenken lassen.

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„Mein Kampf“ endlich politisch korrekt: Grüne präsentieren gegenderte Neuauflage

Bild: DIE TAGESPRESSE
Das wurde auch Zeit! Adolf Hitlers „Mein Kampf“ darf ab 2016 wieder nachgedruckt werden und erscheint jetzt auch in einer gegenderten Neuauflage. Das setzten die Grünen durch. Damit ist das Werk endlich geschlechtsneutral formuliert. Dem politisch korrekten Lesespaß für die ganze Familie steht somit nichts mehr im Wege.

Von Sebastian Huber|DIE TAGESPRESSE

Wichtiger Erfolg
Den Grünen gelang ein weiterer politischer Meilenstein. „Wir verlieren uns bei der Gleichstellung oft in Randthemen, aber hier haben wir einen historischen Erfolg erzielt“, heißt es in einer Presseaussendung. Bisher waren Frauen in „Mein Kampf“ immer nur mitgemeint.

Kritik von Fans
Viele Leser sind von der gegenderten Neuauflage enttäuscht. „Schade, dass sich jetzt sogar Herr Hitler dem Genderwahn beugt. Ich kann mich beim Lesen nur schwer auf meinen Judenhass konzentrieren, wenn ständig mein Frauenhass dazwischenfunkt“, so Heinrich G. (99) aus Wels.

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Ein Jahr nach „Charlie Hebdo“: Gott hat sie nicht getötet

 Das aktuelle Cover der Satirezeitschrift Charlie Hebdo. (Foto: Charlie Hebdo/AFP)
Das aktuelle Cover der Satirezeitschrift Charlie Hebdo. (Foto: Charlie Hebdo/AFP)

Es ist ein Denkfehler der Trauernden um Charlie Hebdo, dass antirepublikanisch ist, wer noch etwas mit Religion zu tun haben will. Eine Gegenrede.

Von Philipp Gessler|taz.de

Darf man trauernden Menschen sagen, dass sie Quatsch erzählen? Gebietet es nicht der Respekt vor ihnen und ihrem Schmerz, der Anstand, ja die Menschlichkeit, dass man schweigt und nur in sich hinein spricht: Aber das stimmt doch nicht, was die da sagen?

Der Terroranschlag auf Charlie Hebdo, das ist richtig, war ein Angriff auf die Werte des Westens, die – so viel Selbstbewusstsein muss sein – die Werte der ganzen Welt sein sollten: Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Religionsfreiheit, also die Freiheit zu glauben, was man will – oder eben gar nichts zu glauben. Das ist Teil der Aufklärung für alle, Ausgang aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit, um Kant zu zitieren.

Man kann dies als republikanische Werte benennen. Dies bedeutet aber nicht, und das ist der Denkfehler der trauernden Kolleginnen und Kollegen von Charlie Hebdo, dass deshalb schon antirepublikanisch ist, wer doch noch etwas mit Religion zu tun haben will oder gläubig ist. Dies bedeutet auch nicht, dass die Religion das eigentliche Problem der Anschläge war, wie die Charlie-Hebdo-Journalistinnen und -Journalisten in ihrem Titelbild der Ausgabe zum Jahrestag der Anschläge unterstellen. Denn das zeigt Gott mit einer Kalaschnikow und blutigen Händen auf der Flucht, dazu die Überschrift: „Ein Jahr danach – der Mörder läuft noch immer frei umher.“

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Männer sind Schweine

© Wilhelm Busch Der Beweis: Auch deutsche Männer sind Grapscher!
Aber auch nach Köln bitte keine Vorverurteilung unserer ausländischen Junggesellen!

Von Berthold Köhler|Frankfurter Allgemeine

Es ist schon so viel über Männer gesagt, geschrieben und gesungen worden, dass selbst noch die unbedarfteste Blondine sich doch mindestens auf Armlänge von „diesen schrecklichen, haarigen Biestern“ fernhalten müsste, „die alles antatschen und von einem Mädchen immer nur dasselbe wollen“ – so bereits 1959 der als Frau verkleidete Jack Lemmon in „Manche mögen’s heiß“. Doch ist der auch von den „Ärzten“ verbreitete Befund, Männer seien Schweine, offenbar schon wieder so sehr in Vergessenheit geraten, dass nach der Schreckensnacht von Köln in Politik und Medien noch einmal das Unwesen des Mannes thematisiert werden musste. Denn, wie es richtigerweise in der „taz“ hieß, „vergewaltigende Männer sind vergewaltigende Männer, egal woher sie kommen“.

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Slavoj Žižek „Der neue Klassenkampf“: Der Philosoph als Boxer

26. Dezember 2015: Das syrische Flüchtlingscamp Fayda im Libanon. Foto: REUTERS
Wut auf die Gegenwart, Hoffnung für die Zukunft: „Der neue Klassenkampf“ ist der neueste Versuch von Slavoj Žižek, Geschichte, Gegenwart und Zukunft nicht nur zu erklären, sondern auch dazu anzuleiten, das Richtige zu tun.

Von Arno Widmann|Frankfurter Rundschau

Der 1949 im damals noch jugoslawischen Ljubljana geborene Slavoj Žižek ist einer der bekanntesten Philosophen der Welt. Er ist ein lacanistischer Klassenkämpfer, ein marxistischer Analytiker der Populärkultur von King Kong bis Pussy Riot, ein Hegel-Exeget und Heidegger-Interpret. Er denkt schneller, als er spricht, und er spricht schneller als Dieter Thomas Heck. Die Fragen eines Interviewers beantwortet er mit Überfällen von hundert Zitatenheckenschützen von Aristoteles bis zu den Simsons.

Damit verglichen schreibt er mit ermüdender Langsamkeit. 2015 sind auf Deutsch nur folgende Bücher erschienen: 13. März: „Blasphemische Gedanken – Islam und Moderne“ (Ullstein, 64 Seiten, 4,99 Euro), 1. Juli: „Psychoanalyse und die Philosophie des deutschen Idealismus“ (Turia +Kant, 479 Seiten, 29 Euro), 1. Oktober: „God in Pain – Inversionen der Apokalypse“ (Laika, 256 Seiten, 24 Euro), 22. Oktober: „Ärger im Paradies – Vom Ende der Geschichte zum Ende des Kapitalismus“ (S. Fischer, 368 Seiten, 24,99 Euro), 21. Dezember: „Der neue Klassenkampf – die wahren Gründe für Flucht und Terror“ (Ullstein, 96 Seiten, 8 Euro).

Am 8. Dezember 2014 hat Žižek als letztes Buch des Jahres bereits „Weniger als nichts: Hegel und der Schatten des dialektischen Materialismus“ (Suhrkamp, 1408 Seiten, 49,95 Seiten) vorgelegt.

Lützows Wilde Jagd ist ein Spaziergang dagegen

Angesichts dieser Masse an bedruckten Seiten und angesichts der zu erwartenden Überfülle an Einfällen, Assoziationen, Ein- und Ansichten, bleibt mir nur die massive Ungerechtigkeit der Beschränkung auf das kleine Pamphlet „Der neue Klassenkampf – Die wahren Gründe für Flucht und Terror“. Verglichen mit dem Tempo, mit dem Slavoj Žižek durch Weltgeschichte und Weltpolitik hetzt, ist Lützows Wilde Jagd eine Proustsche Schlenderei durch den Bois de Boulogne. Natürlich geht dabei manches verloren. Womöglich auch dem Autor selbst.

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Überlebensgroß Herr Kramer

Stephan Kramer, Bild. wdr5
Erinnern Sie sich noch an meinen Lieblingshochstapler, den rumänischen Patienten Reuven Moskowitz und seine Doktorspiele? Keine Ahnung, was aus dem Mann geworden ist. Vielleicht schreibt er an seiner zweiten Doktorarbeit, nachdem die erste bei einem Einbruch verloren gegangen ist. Es würde mich nicht wundern, wenn wir demnächst hören würden, dass er sich um einen Spitzenposten in Thüringen beworben hat. Ja, Thüringen in Mitteldeutschland, das viele mit Sachsen-Anhalt verwechseln. Dabei sind das zwei ganz verschiedene Entitäten. Sachsen-Anhalt ist das “Land der Frühaufsteher”, in Thüringen “hat Zukunft Tradition”, vermutlich weil die Thüringer morgens gerne länger schlafen.

Von Henryk M. Broder|Die Achse des Guten

Also bleiben wir in Thüringen, das von Bodo Ramelow (SED/PDS/Die Linke) regiert wird und für seine Rostbratwürste berühmt ist. In Thüringen gibt es auch einen Verfassungsschutz, der die Thüringer Verfassung schützen soll. Der dümpelte führungslos eine Weile vor sich hin, bis ihm ein neuer Kopf verpasst wurde. Und weil man für den Job in ganz Thüringen (2,2 Millionen Einwohner, dazu 1.745.000 Legehennen, 779.034 Schweine, 346.652 Rinder und 216.242 Schafe) niemand finden konnte, wurde ein “Quereinsteiger” berufen. Stephan Kramer, ehemaliger “Generalsekretär” des Zentralrates der Juden in Deutschland, und genau das, was die Wiener einen “Adabei” nennen und auf Jiddisch “Schwitzer” heisst. Ein Mann für alle Fälle. Eloquent, charmant, professionell. Wenn es sein müsste, würde er ein Tofu-Schnitzel davon überzeugen, es stamme von einem Rind ab.

In der FAZ von heute steht eine schöne Geschichte über Kramer, die man leider nicht online findet. Sie wäre als Expose für eine Komödie zu gebrauchen – Schtonk 2 oder: Überlebensgross Herr Kramer und fängt mit dieser schönen Szene an:

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Wahl Dodo des Monats Dezember 2015

Dodo des Monats Dezember 2015
Dodo des Monats Dezember 2015

Haupthema, zum Jahresende, Flüchtlinge, die Politik der Bundesregierung, das ländliche Gekeife der CSU zu geltendem Recht. Die Instrumentalisierung der vor Krieg und Gewalt geflüchteten Menschen, insbesondere durch beide Kirchen. Der Mummenschanz gipfelt dann in der Feststellung, Jesus sei auch Flüchtling gewesen, zumindest seine Mutter und der gehörnte Vater. Ernsthafte Theologie weiß es besser, was die apostolischen Märchendeuter nicht davon abhält, anderes zu behaupten.

Die Wahl ist bis zum 07. Januar 2016, 18:00 Uhr befristet. Mehrfachauswahl ist möglich. Die Laudatio, für den Gewinner am folgenden Tag, hier auf dem Blog.

Viel Spaß!

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Deutsche haben kein Recht, den Nationalismus zu schmähen

Foto: picture alliance / dpa Polnische Fußballfans: Es ist mit den Nationalismen wie mit den Cholesterinen; es gibt gute, und es gibt schädliche
Die Deutschen haben mit patriotischem Furor schlechte Erfahrungen gemacht. Das gibt ihnen aber nicht das Recht, auf den berechtigten Stolz anderer Länder mit Verachtung herunterzublicken.

Von Dirk Schümer|DIE WELT

Ist Nationalismus eine schlimme Sache? Wenn schon Deutschlands Kanzlerin vor seinen Auswüchsen warnt, ist es mit der Heimatliebe weit gekommen. Und hat Angela Merkel nicht recht? Die Bilanz der Nationalstaaten Europas ist fürchterlich: Über Jahrhunderte bescherten streitende Reiche dem Kontinent endlose Kriege und dem Planeten Kolonialismus.

Wenn nun vorzugsweise im benachbarten Ausland der stolze oder sogar rabiate Nationalismus als Leitkultur zurückkehrt, dann versehen wir diese Wallungen gerne mit Adjektiven wie “dumpf”, “engstirnig” oder “gestrig”. Doch das ist ein Missverständnis. Denn um den Nationalismus kommen aufgeklärte Europäer nicht herum.

Das liegt an der Macht der Gewohnheit. Nationalstaaten wie Großbritannien, Frankreich oder Dänemark hatten mit Königshäusern, der Durchsetzung einer Sprache, allerlei Riten, Liedern und Mythen schlicht ein knappes Jahrtausend Zeit, mit einem positiven Image die Hirne der Untertanen zu entern. Wer wollte inmitten dieser stolzen Selbstfeier als vaterlandsloser Geselle gelten?

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Frauen und Flüchtlinge: Die Genderisierung der Menschlichkeit

Foto: dpa Flüchtlingshelferinnen in Kroatien
Die Flüchtlingskrise zeigt: Es gibt Unterschiede zwischen Mann und Frau, die sich soziologisch nicht erklären lassen. Auch wenn das nicht in die Gedankenwelt der Gleichstellungsbeauftragten passt.

Von Henryk M. Broder|DIE WELT

Da der Zustrom der Flüchtlinge nachgelassen hat und nur noch etwa 3000 “Schutzsuchende” jeden Tag über die offenen Grenzen nach Deutschland kommen, ist das Thema ein wenig in den Hintergrund gerückt. Um einen Satz des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, der sich auf die Autoproduktion bezog, zu paraphrasieren: Weniger Flüchtlinge sind natürlich besser als mehr Flüchtlinge.

So kommt es, dass auch andere Krisen, die im vergangenen Halbjahr medial vernachlässigt wurden, wieder in den Nachrichten auftauchen. Die unverändert schlechte Lage in Griechenland zum Beispiel oder die “verschärfte Waffenruhe” in der Ostukraine.

Wir sollten die Verschnaufpause dazu nutzen, über ein Phänomen nachzudenken, für das noch kein Name gefunden wurde. Nennen wir es, fürs Erste, die Genderisierung der Menschlichkeit. In den Berichten über die Aktivitäten der “Flüchtlingsinitiativen” kommen fast nur Frauen vor. Neun von zehn “freiwilligen Helfern” sind Helferinnen.

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Der Engel des Jahres

Der Posaunenengel “Fama” in Dresden. (Foto: Matthias Hiekel/dpa)
Die Menschen spüren, dass die Lebensrisiken größer werden und wollen sie abwenden. Aber statt gegen die Ursachen zu rebellieren, hofft man auf himmlische Wesen, die es im Ernstfall wieder richten.

Von Heribert Prantl|Süddeutsche.de

An Weihnachten, dem Fest also, an dem die Engel in den Tannenzweigen landen und vor und über den Krippen die frohe Botschaft verkünden, könnte man es sich zur Übung machen, den “Engel des Jahres” zu wählen und sich dabei von Bildern inspirieren zu lassen – von Raffael, Rembrandt, Chagall oder Anselm Kiefer. Das wäre eine multikulturelle Übung, denn Engel sind keine christliche und jüdische Spezialität; sie finden sich auch auf Bildern, auf denen man Mohammed in den Himmel reiten sieht.

Vor der Abstimmung über den Engel des Jahres sollte man die Ereignisse von 2015 rekapitulieren. Wer den Terror und die Grausamkeiten des IS vor Augen hat, das Elend der Flüchtlinge und den Absturz des Germanwings-Flugzeugs in den Meeralpen – der wird für ein Bild des finnischen Malers Hugo Simberg votieren. Es heißt “Der verwundete Engel”, hängt im Ateneum in Helsinki: Man sieht einen jugendlichen Engel, von zwei Jungen auf einer Bahre getragen; er hat eine Binde über den Augen, auf den Flügeln finden sich Spuren von Blut.

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Die Ziege zur Gärtnerin gemacht

Hamed Abdel-Samad, Bild: bb
Hamed Abdel-Samad, Bild: bb

Lamya Kaddor gibt Islamunterricht an einer Hauptschule in Dinslaken. Als sie erfuhr, “dass sich fünf meiner ehemaligen Hauptschüler aufgemacht haben, um im syrischen Bürgerkrieg ‘auf dem Weg Gottes’ zu kämpfen”, war das für sie “ein Schock” und nicht etwa ein Grund, über ihr Versagen als Lehrerin nachzudenken. “Dass diese ‘Jungs’, die in meinem Islamunterricht saßen, in der Ferne Menschen töten und selbst getötet werden könnten, eine solche Vorstellung steckt man nicht gleich weg. Mich schockiert besonders, dass sie in so kurzer Zeit zu ihrer Entscheidung kamen.”

Huch, wie konnte so etwas nur passieren? Frau Kaddor jedenfalls trifft keine Schuld, eher schon “Islamkritiker” wie Hamed Abdel Samad, dessen Mohamed-Biografie die Superpädagogin aus Dinslaken neulich in der ZEIT rezensiert hat. Hier die Rezension und hier die Antwort von Hamed Abdel Samad:

Von Hamed Abdel Samad|Die Achse des Guten

Also, liebe Lamya Kaddor, ich bitte dich!

Meinst du wirklich im Ernst, dass meine Islamkritik das Leben von Millionen von Muslimen in Deutschland unerträglich macht? Wie kannst du das empirisch beweisen? Hat dir ein Muslim erzählt, dass sein Boss ihn aus seinem Job entließ, nachdem er mein Buch gelesen hatte, oder wurde ein Muslim irgendwo enthauptet und wurden dabei Passagen aus meinem Buch als Legitimierung zitiert? Überhöhst du da meine Wirkung nicht ein wenig?

Also, laut deinem Artikel bin ich und andere Islamkritiker das Hauptproblem, nicht der Terror im Namen Allahs; nicht die Kritikunfähigkeit vieler Muslime, nicht die Islamverbände, die Muslime bevormunden wollen, nicht die Eltern, die ihre Kinder im Namen der Religion daran hindern, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, nicht die anti-moderne islamische Theologie, die in vielen Moscheen gepredigt wird? Was war zuerst da? All das oder meine Islamkritik? Warum begehst du den Fehler vieler Muslime, Ursache und Wirkung zu verwechseln?

Glaubst du wenn ich aufhöre, islamkritische Bücher zu schreiben, dass es Muslimen dann besser gehen würde und sie auf wenig Ablehnung in Deutschland stoßen würden?

Islamkritik wird in der islamischen Welt mit Gefängnis, Auspeitschung und im schlimmsten Fall mit dem Tode bestraft. Dort kämpfen liberale Muslime gegen Fundamentalisten und riskieren dabei   selbst ihr Leben. Im Westen wird die Islamkritik mit der Islamophobie-Keule abgewehrt. Traurig ist, dass auch einige liberale Muslime sich daran beteiligen, statt für mehr Öffnung und mehr inner-islamische Selbstkritik zu plädieren. Kein Wunder dass gerade im Westen die Islamdebatte im Sande verläuft, weil viele Muslime, auch viele liberale Muslime, mit dem Aufpolieren des Islam-Images und mit der Abwehr der Islamkritik beschäftigt sind, statt sich den hausgemachten Problemen des Islams zu widmen!

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“Star Wars”: Heftiger Verriss aus dem Vatikan

Von oben kommt in diesem Fall nichts Gutes: Die Vatikan-eigene Zeitung hat ein verheerendes “Star Wars”-Review geschrieben. Bildquelle: Lucasfilm Ltd. & TM.
Da mag das Kinopublikum noch so begeistert sein – vor den Augen des Herrn findet “Star Wars” offenbar keine Gnade. Zumindest nicht vor denen seiner publizistischen Angestellten auf Erden. Denn während allerorten leicht positive bis jubilierende Kritiken zu J.J. Abrams “Das Erwachen der Macht” erschienen sind, ist die Stimmungslage im Vatikan offenbar eine andere. Der “L’Osservatore Romano”, gewissermaßen das Amtsblatt des Heiligen Stuhls, hat jetzt einen krachenden Verriss über den neuesten Teil des Weltraum-Epos veröffentlicht, wie “variety.com” notiert.

VIP.de

“Konfus und vage” sei der Film, befindet der Rezensent der päpstlichen Zeitung streng. Schlimmer noch: Ausgerechnet die Darstellung des Bösen sei in “Star Wars: Das Erwachen der Macht” völlig misslungen, der “spektakulärste Fehlschlag” des ganzen Streifens. Die Figur des Kylo Ren sei schlichtweg “geistlos”. Überhaupt bediene sich der neue “Star Wars” bei den “liederlichsten, aus der Welt der Videospiele abgeleiteten aktuellen Actionfilmen”. Genannt werden wollte der Autor offenbar nicht – der Artikel blieb laut “variety” namenlos.

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Der Futurist: Spam vom Staat

Bild: Technology Review

Was wäre, wenn wir Geld für unsere Daten bekämen?

Von Gregor Honsel|Technology Review

Nach der Bundestagswahl 2017 wollte die Große Koalition endlich mal wieder ein großes Rad drehen. Diesmal sollte es keinen Spott über #Neuland geben, kein Gemäkel über den immer noch schleppenden Breitbandausbau. Deutschland sollte das ambitionierteste Datenschutzrecht der Welt bekommen – und die Nutzer endlich einen Anteil an dem Geld, das andere mit ihren Daten verdienen.

Also gründete Andrea Voßhoff, Chefin des neu gegründeten Ministeriums für Digitales, zunächst einmal eine weitere Behörde: Die Datengebühreneinzugszentrale (DaGeBüz). Sie stellte jedem Bürger eine Art Datensafe zur Verfügung. Dort waren Stammdaten wie Name, Geburtsdatum, Adresse, Steuer- und Sozialversicherungsnummer automatisch hinterlegt. Nutzer konnten sie beliebig um Hobbys, Vorlieben, Vereinszugehörigkeiten oder Ähnliches ergänzen. Über entsprechende Schnittstellen konnten sie zudem alle Daten importieren, die soziale Netzwerke, Einkaufsplattformen, Suchmaschinen und Kreditscorer über sie gesammelt haben.

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Andreas Scheuer: Dodo des Monats November 2015

Dodo des Monats November 2015
Dodo des Monats November 2015

Andreas_ScheuerLange sah es so aus, als wenn die Kanzlerin das Rennen um den Dodo des Monats gewinnen würde. Im Zieleinlauf erwies sich der kleine Doktor der CSU als der Stärkere. Obwohl die Aussage der Kanzlerin, die Anschläge von Paris seien von Gottlosen verübt worden, durchaus ein dankbares Thema gewesen wäre.

Erwischt hat es Andreas Scheuer, Generalsekretär der CSU und als solcher der kleine Wadenbeißer von Horst Seehofer. Der politische Geiselnehmer Seehofer und Scheuer, der nicht die hellste Kerze auf der Torte der CSU ist und entsprechend unglücklich handelt. Als Generalsekretär seiner Partei darf er öffentlich sagen, was Seehofer aus taktischen Erwägungen heraus nicht frei äußern würde. Das ist die Rolle der Generalsekretäre der Parteien. Während die politische Programmatik der CSU kräftig in die Lederhose Seehofers ging wurde pragmatisch schnell auf das Thema Flüchtlinge und Terror geschaltet. Seehofer konnte animalisch agieren und Scheuer gab die kräftigen Sprüche.

Im Vorfeld des CSU-Parteitages äußerte sich Scheuer lässig zum Thema Grundgesetz, Bundeswehr und Innere Sicherheit.

Andreas Scheuer:

[…] „die Frage der Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger doch nicht an Verfassungsfragen haltmachen kann. Sondern wir müssen so kraftvoll sein, dass wir maximal mögliche innere Sicherheit aufbieten.”

Das Grundgesetz ist nichts, nicht für Scheuer und Co. Bei Bedarf wird es einfach kraftvoll beiseite geschoben. Der Widerspruch, den er nicht aufzulösen vermag, ist die Tatsache, das er von Flüchtlingen die Anerkennung der deutschen Leitkultur, die seiner Meinung nach die christlich-jüdisch-abendländische Kultur ist, einfordert. Das ist Schwafelei und der Hinweis auf den jüdischen Part deutscher Kultur dümmlich. Die Christenheit hat gut 2000 Jahre alles getan um jüdische Kultur auszumerzen. Deutsche Leitkultur ließ jüdische Kultur millionenfach ermorden. Ebenso dumm der Begriff des Abendlandes, geschenkt, Katholik Scheuer weiß es nicht besser.

Das Grundgesetz ist das wirksame Prinzip des demokratischen Verfassungsstaates. Und dieses Prinzip heißt nichts anderes als der Minderheit keine kulturelle Lebensform vorzuschreiben. Also, Leitkultur ist für die Tonne. Die Grundlage des Zusammenlebens der Individuen einer Gesellschaft wird durch Gesetz geregelt und nicht durch Kultur.

Wer bereit ist hinderliche Verfassungsfragen zu beseitigen ruft dann auch, für die Sicherheit, eine Dikatur aus. Ganz pragmatisch, Deutsches Christentum spielt dann ganz vorn eine gewichtige Rolle.

In dem Sinne, herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Todenhöfer und Naidoo – gefährliche Weltinterpreten

Zwei, die sich gefunden haben: Jürgen Todenhöfer und Xavier Naidoo (Foto: dpa)
Der Sänger und der Journalist bieten einfache Lösungen für komplexe Probleme. Was nicht ins Weltbild passt, wird mit einer Verschwörungstheorie erklärt.

Von Johannes Boie|Süddeutsche.de

Da haben sich zwei gefunden. Jürgen Todenhöfer veröffentlicht auf seiner Facebook-Seite ein Lied von Xavier Naidoo, es heißt “Nie mehr Krieg.” Der Song ist nichts anderes als eine Verharmlosung des Leides, das Juden während der Nazidiktatur in Deutschland erleiden mussten. In dem Liedtext des schon seit Jahren umstrittenen Sängers heißt es in Bezug auf Muslime in Europa, sie “tragen den neuen Judenstern”.

Selbst wenn man bedenkt, dass Muslime wie auch Juden heutzutage Opfer von Diskriminierung werden können, ist der Vergleich grotesk. Muslime werden in Europa nicht staatlich verfolgt. Im Gegenteil: Nach Attentaten, die Terroristen mit dem Islam begründen, werden die Religion und ihre Anhänger regelmäßig von einer breiten Öffentlichkeit und zahlreichen Politikern laut verteidigt. Aber Fakten interessieren dieses Duo nicht.

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