Große Männer nerven eher

thierry ehrmann, flickr.com, CC BY 2.0
Gott ist überwunden. Aber der Glaube an das Erhabene und „große Männer“ bleibt uns treu – wohin wir auch gehen, wo hinein wir auch blättern. Zum Beispiel in diesen neu aufgelegten Atheismus-Dialog von Diderot.

Von Klaus Ungerer | hpd.de

Vom Glauben an eine Monogottheit ist uns, nachdem diese zerplatzt ist, der Glaube an das Erhabene geblieben. Wie eine Hintergrundstrahlung zieht sich die Vorstellung davon durch unsere Verrichtungen: Selbst wenn es keinen Gott gibt, sagt uns unsere Sehnsucht, so muss es doch irgendwie etwas Herausgehobenes, zu Verehrendes geben. Wenn es schon nichts Übernatürliches gibt, gebt uns doch wenigstens etwas Über-Alltägliches. Wir wollen Gefühle, so groß wie Kinoleinwände, wollen an das Magische in den Künsten glauben, wir schnitzen uns, je nach Bedarf, „große Männer“ zurecht in Politik, Kultur, Medien und Historie, die unser Bedürfnis nach Heiligenverehrung stillen, der ein uneingestandener Transzendenzwunsch innewohnt: Da kauft man dem indischen Kaufmannssohn Gandhi gern seine Selbstinszenierung als Jesus 2.0 ab, traktiert einander unter Gebildeten mit Luhmann- oder Derrida-Zitaten, um mal in die Aura eines Bildungspriesters einzutauchen. Da werden literarische Autoren zu ihren politischen Meinungen gefragt als wären sie Auguren mit tieferem Durchblick – obwohl sie doch auch nur ein Zeitungsleser voller Vorurteile sind, ganz wie du und ich, nur eben verquaster.

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Die Weltkirche wird sich grundlegend verändern müssen

© Bild: dpa/Marc Tirl
3.677 Opfer, mindestens 1.670 Täter: Diese Zahlen offenbart die neue Missbrauchsstudie der deutschen Bischöfe. Im katholisch.de-Standpunkt analysiert Jesuitenpater Klaus Mertes die derzeitige Kirchenkrise.

Klaus Mertes | katholisch.de

Die von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Studie ist vorab an die Presse durchgestochen worden. Man mag sich darüber ärgern, aber es ist auch ein Zeichen: Die Kirche verliert die Kontrolle und damit auch die Deutungshoheit über die Aufarbeitung von Missbrauch. Die Hamburger „Zeit“ legt nun die erste Deutung über „das Ausmaß des Verbrechens“ vor. Das Ergebnis ist deutlich, gerade auch in dem Maße, in dem die beiden Autorinnen des Artikels die wichtigsten Einsichten differenziert darstellen. Was bisher nur in Einzelstudien belegt war, wird durch die Zahlen nun in kompakter Form sichtbar und dadurch auch übertroffen. Zugleich bleibt festzustellen: Kommentiert werden können zunächst nur die Pressemeldungen über die Studie, nicht die Studie selbst. Das gilt auch für die folgenden Überlegungen.

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Kant ist tot? Eine Glosse von Andreas Beyer

Bild: AG EvoBio
Am 14 Nov 2017 publizierte Walter STINDT auf der Homepage der Richard-Dawkins-Foundation sowie im Brightsblog einen Artikel, der das Totenglöckchen für Immanuel KANTs Kategorischen Imperativ läutet. Worum geht es?

AG Evolutionsbiologie

STINDT behauptet, die „KANTsche Ethik liegt schlichtweg und objektiv belegbar falsch“, weil sie „durch die Naturwissenschaften eindeutig widerlegt“ worden sei. Laut STINDT sei der kategorische Imperativ „eine brillante Ethik für Menschen, die es [allerdings] gar nicht gibt“, zwar „ein wundervolles Konstrukt, das stringent logisch und raffiniert durchdacht wurde“, aber eben ungeeignet für reale Menschen. Es sei eindeutig belegt, dass unser Bewusstsein keine echte Kontrollfunktion habe, „und damit kollabiert das gesamte Konzept.“

Kurz: Wie LIBET & Co. gezeigt hätten, sei der Mensch zu „bewussten“ und „eigenen“ Entscheidungen gar nicht fähig, das Gehirn habe schon entschieden, bevor unser Bewusstsein etwas davon mitbekommt. Und daher können wir auch dem Kategorischen Imperativ nicht folgen, weil wir „die tatsächlichen Beweggründe hinter unseren Handlungen gar nicht kennen“. Wir folgen stattdessen … ja, wem oder was denn eigentlich?

Zunächst einmal wird der Kategorische Imperativ falsch dargestellt: Es geht nicht darum [Zitat STINDT] „Wenn das alle täten…“. Es geht darum, was mit der Gesellschaft passiert, wenn man eine bestimmte Handlungsmaxime als allgemeingültig erklärt. KANT legt dar, dass bestimmte Maximen mit einem geregelten und menschenwürdigen Miteinander vereinbar sind und andere nicht. Nach seiner Auffassung kann der Mensch diese Zusammenhänge erkennen und er fordert: er möge sich dann auch bitte daran orientieren!

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Auch der Ramadan gehört zum Brauchtum in unserem Land

„Religionspolitik darf nicht für identitäts- oder integrationspolitische Anliegen instrumentalisiert werden“, antwortet Volker Beck Innenminister Horst Seehofer Quelle: Michael Kappeler/dpa, Michele Tantussi/Getty Images
Innenminister Seehofer beklagte in einem WELT-Beitrag den Bedeutungsverlust des Christentums. Der Grüne Volker Beck erwidert, Religionspolitik müsse allen die gleiche Freiheit gewährleisten: Säkularen wie Anhängern anderer Glaubensgemeinschaften.

Von Volker Beck | DIE WELT

Der Innenminister will mit uns über Religion reden, schrieb er in WELT. Die gute Nachricht: Der Religionsminister hat damit sein Amt angetreten, die schlechte: eine religionspolitische Agenda ist in seinem Beitrag leider nicht zu erkennen.

Stattdessen wird eine melancholische Betrachtung des Bedeutungsverlustes der eigenen, christlichen Tradition geboten. Vom Böckenförde-Diktum bis zur katholischen Soziallehre, da hat einer seinen Zettelkasten umgedreht und bestätigt sich, dass er eigentlich recht hat, merkt aber selbst, dass er immer seltener recht bekommt.

Dass christliche Politiker im öffentlichen Diskurs ihren Glauben bekennen, öffentlich darüber reden, wie sie aus den Werten des Christentums ihr politisches Handeln ableiten, und das zur Diskussion stellen, muss nichts Schlechtes sein. Die Aufgabe des Innenministers, der für Religionspolitik zuständig ist, ist allerdings eine größere: Er sollte den gesellschaftlichen Zusammenhalt zwischen Gläubigen der verschiedenen Richtungen und Säkularen diskursiv wie politisch mit organisieren. Und da gilt: mehr Religionspolitik wagen!

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«Humanismus» heisst die Losung – nicht «kulturelle Apartheid»

In Europa hat sich der Mensch erstmals zur selbstbestimmten Persönlichkeit geformt. Das war ein grosses Glück, von dem alle anderen Menschen auf dem Globus profitieren. Die Selbststilisierung der Europäer als Hort der Kultur ist dabei ebenso verfehlt wie die Kultivierung des Selbsthasses wegen der eigenen kolonialistischen Vergangenheit. Eine Replik.

Hans Widmer | Neue Zürcher Zeitung

Toleranz ist schön – wenn sie nicht auf der Abwesenheit eines eigenen Standpunktes beruht. Wer tolerant ist, hält aus, was eigenen Werten widerspricht. Das allein berechtigt auch, Toleranz einzufordern. Das Geltenlassen von anything ist keineswegs Toleranz, oft eher unbekümmerte Arroganz aus privilegierter Warte. Wenn sich die Ethnologin Lizzie Wade darüber entrüstet, dass sich Leser ihrer Berichte über grausige Menschenopfer von Kulturen wie den Azteken entsetzen, tritt ein Kultur-Relativismus hervor, den René Scheu in seinem Essay als «neue kulturelle Apartheid» aufs Korn nimmt. Zu Recht, doch kommt ein bisschen viel zusammen. Klarer wird’s, wenn zwischen der spezifisch abendländischen Idee des Humanismus, westlichen Auftritten in der Weltgeschichte und dem prägenden Charakter von Kulturen unterschieden wird.

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Der Fall Sami A. und der Streit zwischen Justiz und Politik

Grafik: TP
Eine Gerichtspräsidentin, die der Politik vorwirft, die Grenzen des Rechtsstaates ausgetestet zu haben – so etwas hat man in den letzten Monaten in Europa vor allem aus Polen und Ungarn gehört.

Peter Nowak | TELEPOLIS

Politiker der Bundesregierung und ihnen nahestehende Medien gerieren sich dann immer als Hüter des Rechtsstaates oder der „europäischen Werte“, um die Regierungen zu sanktionieren. Nun erhebt die Gerichtspräsidentin von NRW Ricarda Brandts in mehreren Interviews Vorwürfe, die Justiz stände auch in Deutschland unter Druck der Politik.

Es geht wieder mal um den Fall des tunesischen Islamisten Sami A., der seit Wochen Politik und Medien in Deutschland beschäftigt(vgl. Die Gerichtsposse, Das Besondere am Fall Sami A. und Die Abschiebung des Sami A. verhöhnt den Rechtsstaat sowie Viel Lärm um Sami(r) A.). Der Fall wurde zu einem Machtkampf zwischen unterschiedlichen Fraktionen der Staatsapparate.

Der Fall des Sami A. wirft Fragen zu Demokratie und Rechtsstaat – insbesondere zu Gewaltenteilung und effektivem Rechtsschutz – auf. Hier wurden offensichtlich die Grenzen des Rechtsstaates ausgetestet. In der Politik, im Landtag und in der Landesregierung sollten die Verantwortlichen sehr genau analysieren, wie die Ausländerbehörde und möglicherweise das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz Bamf, mit dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen umgegangen sind. Ich möchte mahnen, dass ein solcher Umgang nicht zum Standard wird.

Ricarda Brandts, NRW-Gerichtspräsidentin

Nun sind solche Machtkämpfe im bürgerlichen Staatsapparat ein Indiz für Hegemonieprobleme der Bourgeoisie der Länder. Unterschiedliche herrschende Fraktionen ringen um Einfluss und Macht. Wenn sich dabei die bürgerlichen Staatsgewalten, Regierung, Parlament und Justiz zoffen, ist das ein Indiz, dass die Hegemonie brüchig ist.

Es knistert im Gebälk des Staatsapparates und Umgruppierungen kündigen sich an. In vielen osteuropäischen Staaten waren nach dem Ende des Nominalsozialismus diese Hegemonieprobleme sehr heftig und sind teilweise noch immer nicht abgeschlossen. Das ist auch der Grund des Dauerkonflikts zwischen Justiz und Politik in Ländern wie Polen und des Streits zwischen Präsident und Parlamentsmehrheit in Rumänien.

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Die wahre Gefahr ist nicht mehr Sami A.

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Seit Jahren beschäftigt Sami A. die Gerichte, um seine Abschiebung zu verhindern. Das ist teuer, aber sein Recht. Viel gefährlicher als der Hassprediger ist das Verhalten einiger Behörden und Politiker.

Von Torsten Beermann | tagesschau.de

Um es gleich klarzustellen: Jemanden wie Sami A. brauchen wir nicht ganz dringend in unserem Land. Hassprediger, Gefährder, mutmaßlicher Leibwächter von Osama bin Laden.

Viel gefährlicher aber für unser Land und für unsere Demokratie ist, wie manche Behörden und Politiker gerade dabei sind, den Rechtsstaat anzugreifen, um Sami A. loszuwerden.

Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Joachim Stamp lässt den genauen Abschiebetermin geheim halten, damit das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen die Abschiebung nicht mehr verhindern kann. Ministerpräsident Armin Laschet erklärt, wir sollten doch einfach froh sein, dass der Typ weg ist.

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Apostel ohne Moral

Es schmerzt. Es betäubt. Es beschämt. Sexueller Missbrauch über Jahrzehnte hinweg hat die katholische Kirche für die Opfer zu einem Vorort der Hölle gemacht. Für ihr Leid gibt es keine Absolution, meint Astrid Prange.

Astrid Prange | Deutsche Welle

Na, bist Du auch missbraucht worden? Mit dieser schmerzhaften Frage könnten in Zukunft viele Katholiken konfrontiert werden. Der Missbrauchsskandal vergiftet inzwischen die gesamte Weltkirche. Seit der Aufdeckung der ersten Vorfälle 2002 in den USA durch den „Boston Globe“ reiht sich ein Skandal an den anderen.

Sexueller Missbrauch durch Geistliche in den USA, in Australien, in Italien, in Irland, in Chile , in Deutschland und in vielen anderen Ländern: Immer mehr Opfer melden sich zu Wort, immer mehr Bischöfe und Priester werden für schuldig befunden, immer mehr Gläubige verlassen ihre Kirche.

Deshalb ist es wichtig festzuhalten: Auch wenn immer neue Vorfälle sexuellen Missbrauchs bekannt werden, wird das Leid der Opfer dadurch nicht geringer. Im Gegenteil. Aufarbeitung, Aufklärung, Gerechtigkeit und Entschädigung werden immer wichtiger.

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Söders Auftritt war reiner Wahlkampf

Screenshot FB
Ja, ich gestehe. Ich freue mich, wenn bekannte Personen sich in der Öffentlichkeit zu ihrem Glauben bekennen. Gute Botschafter für die Sache abseits des Kirchenweges sind gerade in Anbetracht der Kirchenaustrittszahlen gut und notwendig.

Pia Dyckmans | katholisch.de

Auch am Mittwoch hat sich eine deutschlandweit bekannte Persönlichkeit zu seinem Glauben bekannt – der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Er hat Maria Vesperbild besucht. Der Inbegriff bayerischen Katholizismus.

Bei den Bildern war ich irgendwie gar nicht mehr so begeistert. Als Wahlmünchnerin habe ich eher ein beklemmendes Gefühl bekommen. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich finde es toll, wenn Politiker sich als Christ „outen“ und dafür einstehen. Ich würde seinen Termin in Maria Vesperbild auch nicht gleich als blasphemisch charakterisieren und ihm das Christ-sein absprechen, wie andere vorab den Besuch kritisiert haben. Das steht uns nicht zu. Aber wenn ein Politiker kurz vor den Wahlen mit einer großen Entourage inklusive Presse im katholischen Bayern so einen bedeutenden Wallfahrtsort besucht, dann bekommen die Bilder ein Geschmäckle. Wenn sich sein Bekenntnis zum Christentum nicht in seiner Politik wiederspiegelt, wirkt es nicht authentisch. Denn eine Politik, die sich nicht an den Werten des Evangeliums orientiert, sondern an den Interessen Bayerns, kann nicht von sich behaupten, sie vertrete das Christentum besser als die Kirche selbst. Oder klingen Abschiebungen in Krisengebiete und Diskriminierung von psychisch Kranken christlich?

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Hamed Abdel-Samad: Integration? Wie?

In seinem Buch „Integration – Protokoll eines Scheiterns“ beklagt Hamed Abdel-Samad nicht nur die Missstände im Umgang mit bestimmten Zuwanderergruppen.

Peter Grimm | achgut.com

Mag vieles auch noch so hoffnungslos klingen, es gibt Lösungen. Einige seiner Vorschläge kann Hamed Abdel-Samad auch hier im Gespräch ganz klar und kurz formulieren. Doch wenn es möglich ist, tatsächlich wirkungsvoll etwas für eine Integration der Zuwanderer zu tun, warum geschieht es dann nicht? Wahrscheinlich, weil man neben Geld auch die Bereitschaft braucht, Verantwortung zu übernehmen und sein Anliegen – nicht sein persönliches Fortkommen – gegen Widerstände durchzusetzen. Das steht in Kreisen vieler Berufspolitiker nicht gerade hoch im Kurs.

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Bundeswehr als Söldnerarmee – Jetzt bekommen wir die Quittung

Wenn keiner mehr zur Armee will: Was dann? / picture alliance
Die Deutschen konnten sich der Bundeswehr lange guten Gewissens entziehen. Das könnte sich nun rächen. Denn die Truppe könnte laut Plänen der Regierung zur Söldnerarmee werden und damit zu einem Fremdkörper im Staat

Von Michael Wolffsohn | Cicero

Ist die Bundeswehr auf dem Weg zur Söldnerarmee? Wird sie dann aus Einheimischen und Fremden, zunächst EU-Bürgern, bestehen? Im Bundesverteidigungsministerium wird dies offenbar erwogen. Langfristig mutierte dann die Bundeswehr wahrscheinlich zu einer Mischarmee aus Einheimischen und Söldnern. Das legt die allgemeine Militärgeschichte nahe. Es handelt sich keineswegs um ein deutsches Phänomen. In den meisten demokratischen Staaten (Ausnahme Israel) wurde die Allgemeine Wehrpflicht abgeschafft. Bei uns 2011 „ausgesetzt“, in Großbritannien 1961 abgeschafft. 1973 in den USA, in Frankreich und Spanien 2001.

Die Militärgeschichte der Menschheit beweist: Menschen (meist Männer) sind nur dann fürs Militär zu gewinnen, wenn sie mit mindestens einer von drei Belohnungen rechnen können: Macht, Geld oder Ansehen.

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In eigener Sache: Regionale Chemotherapie, unerwünschte Inhalte und schlechte Reputation

Am 27. April 2017 wurde, hier auf dem Blog, ein Artikel der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel Die AfD-Politikerin und das Märchen von der Krebs-Heilung
textlich angerissen und verlinkt. Die Autorin Julia Bergmann hatte diesen Artikel zum Thema geschrieben und die SZ veröffentlicht. Im besagten Artikel ging es um das Medias Klinikum GmbH & Co. KG in Burghausen. Das Klinikum warb u.a. damit, hoffnungslos erkrankten Krebspatienten, mit einer speziellen Krebstherapie, geholfen zu haben. In der Sache wurde von der SZ und Aftonbladet recherchiert und festgestellt, dass einige der als Erfolg gemeldeten Patienten zwischenzeitlich bereits verstorben waren.
Ich erspare mir hier die Wiederholung der, von der SZ, dargestellten Fakten.

Am Donnerstag dem 19. Juli flatterte eine Mail ins Postfach des Blogs. Hier der ungeschönte Inhalt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

unser Auftraggeber Medias Klinikum GmbH & Co. KG, vertreten durch Herrn Giuseppe Zavattieri beauftragte yourreputation24.com mit der Verbesserung seiner Online-Reputation. Wir kontaktieren Sie im Auftrag unseres Auftraggebers, da auf Ihrer Webseite unerwünschte Inhalte, bzw. Daten gefunden wurden. Wir verweisen dabei auf die Links:

https://brightsblog.wordpress.com/2017/04/27/die-afd-politikerin-und-das-maerchen-von-der-krebs-heilung/

Schon beim Lesen der ersten Zeilen, ernsthafte Zweifel, „unerwünschte Inhalte, Daten“, letztlich bleibt die Feststellung, dass alle Inhalte im Internet Daten sind, aber unerwünscht? Nimmt man soziale Plattformen ist der Begriff unerwünschter Inhalt recht schnell fixiert, Hassrede, terroristische Propaganda oder Bilder mit Ausbeutung von Kindern, wäre z.B. ein unerwünschter Inhalt bei Facebook. Der Artikel von Julia Bergmann gehört nicht dazu, nicht unerwünscht, sondern gewünscht. Gewünschte Aufklärung zur kritikwürdigen Heilmethoden.
Es geht um „Regionale Chemotherapie.“ Sie ist eine experimentelle Variante der onkologischen Chemotherapie zur Behandlung von Tumoren. In der Fachwelt wird sie allenfalls als Spezialanwendung für einen kleinen Kreis von Patienten angesehen. Laut Deutschem Krebsforschungszentrum komme die Methode „nur für sehr wenige Krebsarten und nur in ganz bestimmten Situationen infrage“.
So weit zur Therapie.

In der Mail wird dann folgendes gefordert:

Der kritische Eintrag befindet sich scheinbar (öffentlich) auf Ihrer Internetseite, wir haben Sie als zuständigen Betreiber (bzw. Hosting-Provider mit der Bitte um Weiterleitung) ermittelt.

Im gegenseitigen Interesse bitten wir Sie nun um Kooperation und Entfernung / Veränderung des benannten Online-Eintrages. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie diesem Wunsch und der Bitte nachkommen.

Für Ihre Bemühungen bedanken wir uns herzlich. Selbstverständlich stehen wir Ihnen bei etwaigen Rückfragen oder Problemen gerne persönlich als Ihr Ansprechpartner zur Verfügung. Nutzen Sie in diesem Fall aus organisatorischen Gründen bitte möglichst die Textform (Brief, Fax, Mail).

Bitte geben Sie bei allen Antworten und Rückfragen unbedingt das Aktenzeichen (AZ) TC/034886/P2018 an.

Der „kritische Eintrag“ ist nicht nur scheinbar sondern tatsächlich öffentlich und das wird so bleiben. Dieser Blogpost wird weder entfernt noch verändert werden. Zumal es sich nur um eine Verlinkung zu einem Artikel der Süddeutschen Zeitung handelt. Der gesamte Artikel der SZ bliebe online, eine dem Auftraggeber gefällige Veränderung der Aussagen des Artikels wäre Medienmanipulation übler Sorte. Vertrauen und Glaubwürdigkeit eines Unternehmens erlangt man nicht indem man Daten manipuliert, seinen Ruf durch fragwürdige Methoden aufhübscht. Die Manipulation wäre eh nur von kurzer Dauer und würde der Reputation massiv schaden. Und weil es sich so schön liest und den Kern des Anliegens entspricht:

Reputation kann in der Terminologie Pierre Bourdieus als symbolisches Kapital verstanden werden, eine Ressource, die auf kollektiver Anerkennung des ökonomischen, kulturellen und sozialen Kapitals des Reputationsträgers basiert und diesen mit entsprechendem gesellschaftlichem Ansehen sowie „diskursiver Definitionsmacht“ ausstattet.
[…]
Bei Unternehmen zählt Reputation zum immateriellen Vermögen und ist Bestandteil des Firmenwertes wie beispielsweise auch Patente und Markenrechte.
Wikipedia

Wer mit kritikwürdigen Methoden den Marktwert seines Unternehmens schmälert ist selbst schuld. Da gibt es keine Stellschrauben fürs Feintuning. Im industrialisierten Gesundheitswesen entscheidet auch der Patient ob überhaupt und welche Methodik der Behandlung zum Tragen kommt.

Zum Abschluss noch etwas auf den Weg:

Mediale Beachtung in Deutschland fand die RCT im April 2017, als unseriöse Werbemethoden für RCT publik wurden. Karl Reinhard Aigner musste einräumen, als Angestellter des Medias-Klinikums im oberbayrischen Burghausen der privaten Werbeagentur amonpress aus Germering „ein monatliches Pauschalhonorar“ für werbliche Zeitschriftenbeiträge unter dem Deckmantel einer seriösen Berichterstattung gezahlt zu haben. Die Agentur hatte durch die Journalistin Linda Amon positive Berichte zu angeblichen Behandlungserfolgen in deutschen Boulevard-Medien und Frauenzeitschriften verfasst, obwohl die Behandlungsmethode zumindest umstritten ist.Wikipedia

Der Artikel ist sachlich, seriös und durchaus mit entsprechender Distanz verfasst. Verbraucherschutz wie er sein sollte. Manipuliert wird da nix.

Zumal es reichliche Verlinkungen und Veröffentlichungen gibt, nicht nur die Süddeutsche Zeitung, auch FOCUS Online, der Spiegel und bei PSIRAM gibt es zahlreiche Nennungen zur Thematik.

Vom Opferdiskurs der Frau

Foto: Pixabay.com / miawicks9
Ursprünglich sollte PC und Gender-Unsinn supportiv für Frauen wirken. Mittlerweile haben wir allerdings einen Punkt erreicht, an welchem genau das Gegenteil der Fall ist und Genderisierung Frauen deutlich schadet. Ich gehe so weit zu sagen, dass der moderne Genderismus extrem frauenverachtend ist und begründe das folgendermaßen:

Von Raya la Ratha | Richard-Dawkins-Foundation

Genderisierung sieht eine Sonderbehandlung von Frauen vor, meist zu ihrem Nachteil. Wesentliche Bestandteile der Sonderbehandlung sind Studiengänge nur für Frauen, Girl’s Day, Frauenquoten, „Frauenbeauftragte“, an welche man sich als Frau wenden kann, weil man sich im Meeting unterdrückt fühlt.

Was hierbei jedoch übersehen wird, ist, dass all diese Dinge, welche eine Sonderbehandlung von Frauen beinhalten, Frauen Freiheiten von Verantwortung einräumen und diese immer mehr in die Rolle eines Kindes drängen, welches besonderen Schutz benötigt.

Wo vorher der Feminismus dafür kämpfte, dass Frauen gleichberechtigt sind und gleiche Verantwortungen übertragen bekommen, möchten wir Frauen immer mehr zu Schutzbedürftigen, also Kindern, degradieren.

Es ist nur selbstverständlich, dass ein Kind, welches von Verantwortung befreit ist, nicht dieselben Rechte erhält.

Des Weiteren ist Genderisierung nicht tatsächlich, wie behauptet, den Frauen, sondern der PC-Agenda zugewandt. Dem Genderisten geht es nicht etwa darum, dass hässliche Gewalt oder Vergewaltigung – besonders in nichtwestlichen Ländern – eingedämmt wird. Zumindest nicht, solange du 3 berühmte schwarz-lesbisch-nichtgenderkonforme Queer-Personen jüdisch-islamischen Glaubens mit Behinderung benennen kannst.

Ich zeige bewusst die Absurdität des modernen PC und Genderismus auf.

Zuletzt sollten wir uns über die Ursprünge des modernen Genderismus klar werden. Auch wenn es Drittwellenfeministen ungern zugeben mögen, konnten Frauenrechtsbewegungen nur deshalb erfolgreich sein, weil jene Männer, welche wir als Unterdrücker und Vergewaltiger bezeichnen, diese einst unterstützten, was auf meinen folgenden Punkt hinausläuft: Eine Gesellschaft basiert auf Männern und Frauen. Gemeinsam.

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Wie Katholiken und Protestanten einander nerven

Bringt den Katholiken Seehofer zur Weißglut: die kühle protestantische Frau aus dem Norden (AFP / John MACDOUGALL)
In der Politik seien katholische Männer auf ausdauernde Protestantinnen oft zornig, weil alles an ihnen abprallt, meint Religionsphilosophin Gesine Palmer. Der schönste Versuch einer Demütigung wirke lächerlich, wenn die Gemeinte sich nicht getroffen fühlt.

Von Gesine Palmer | Deutschlandfunk Kultur

Wenn man nicht so genau weiß, was von einer Sache zu halten sei, ist ein gutes Vorurteil immer noch besser als gar kein Argument.

Einst, als die Bundesrepublik Deutschland in einem so selig provinziellen Schlummer lag, dass nicht nur die Jugend mehr Welt herbeisehnte, halfen Vorurteile vorzugsweise im Umgang mit anderen Deutschen. Wenn damals die besorgten Eltern vor religiösen Mischehen warnten, meinten sie das Wagnis einer Ehe zwischen einem Katholiken und einer Protestantin. Wer das später noch für ein ernstes Problem halten wollte, machte sich lächerlich. Dachte ich. Bis vor ein paar Wochen. Dass ich mir jetzt nicht mehr so sicher bin, hat auch mit Politik zu tun.

Fangen wir mit den Vorurteilen an über katholische Männer und protestantische Frauen. An sich streben in der Politik beide nach Macht, wie alle Welt, und sie teilen auch das Ideal: Wer Macht hat, gebrauche sie mit Demut und möglichst unprätentiös. Aber wenn es ums Detail geht, verhalten sich der Katholik und die Protestantin doch sehr unterschiedlich.

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Rezension des Buches „Der Skandal der Skandale“ von Manfred Lütz: Die geheime Geschichte des Christentums?

Bartholomäusnacht, „Massacre de la Saint-Barthélemy“ (1572) von François Dubois (1529–1584) gemalt zwischen 1572 und 1584 (Ausschnitt)
Der Autor und ehemalige Verleger Dr. Heinz-Werner Kubitza hat das letzte Buch von Manfred Lütz, „Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums“ gelesen. In seiner Rezension läßt er kein gutes Haar an dem Bestseller.

Von Dr. Heinz-Werner Kubitza | hpd.de

Eigentlich wollte ich kein Buch von Manfred Lütz mehr lesen. Sein Gottesbuch fand ich für einen studierten Theologen so naiv historisch-unkritisch, und dabei so befremdlich katholisch, dass ich noch heute, wenn ich das Buch aus dem Regal nehme, aufpassen muss, weil ein abgestandener Katholizismus an allen Seiten herauszulaufen droht, und dann unschöne Flecke auf dem gesunden Menschenverstand hinterlassen kann.

Dieses Buch ist auf der Bestsellerliste gelandet, obwohl es eigentlich eine Mogelpackung ist. Denn vermutlich alle Beispiele und Zitate daraus stammen aus dem Buch „Toleranz und Gewalt“ von Arnold Angenendt. Lütz hat dieses Buch gelesen, und war von ihm so fasziniert, dass er auf die Idee kam, es unter seinem eigenen Namen quasi erneut herauszubringen. Dabei hat er im Wesentlichen nur die Beispiele aus Angenendts Buch auf unter 300 Seiten eingedampft, und zuweilen mit einigen lockeren Lütz-Passagen versehen. Auch wenn nun „Lütz“ draufsteht, stammen sicher mehr als 90 Prozent des Textes von Angenendt. Da wirkt es fast schon etwas dreist, wenn es lediglich heißt, das Buch sei „unter Mitarbeit“ von Angenendt entstanden. Man kann nur hoffen, dass Lütz wenigstens so korrekt ist, nun auch 90 Prozent seines nicht unerheblichen Autorenhonorars an den eigentlichen Autor abzutreten (ich werde bei Angenendt mal nachfragen!). Denn da Lütz deutlich bekannter als Angenendt ist und auch schon vorher Bestsellerautor war, hat es auch dieses Buch mühelos in die Bestsellerlisten geschafft. Hilfreich dazu war auch noch der Titel, wo das Wort „Skandal“ gleich zweimal vorkommt und von einer „geheime(n) Geschichte des Christentums“ geraunt wird. Der Titel hat mit dem Inhalt des Buches reichlich wenig zu tun, und ist vermutlich nur eine Marketingidee von Herder, Gottes eigenem Verlag gewesen. Als ehemaliger Verleger habe ich für diese Strategie sogar ein gewisses Verständnis.

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Das Kreuz und die billige Münze

Das Kreuz mit den Religionen
Es kam, wie es kommen musste: In Bayern verweigern sich Behördenchefs, den Kreuz-Erlass umzusetzen. Ein Landrat im mittelfränkischen Roth, gläubiger Protestant mit Kreuz im Büro, gab die Devise aus: „Wir leben im Landratsamt sehr nach christlichen Grundsätzen, das ist wichtiger als irgendeine Äußerlichkeit, die man unter Zwang aufhängt.“

Andreas Püttmann | katholisch.de

Ich habe die Präsenz des Kreuzes in Schulen und Gerichten – wo sie Tradition hat – immer verteidigt. Als Zeichen selbstloser Liebe, höherer Gerechtigkeit, Leid und Tod überwindender Hoffnung haben Generationen von Christen das Kreuz verehrt, in Not bestürmt, im Leiden umklammert, ihren Kindern auf die Stirn gezeichnet und am Ende ihres Laufs mit ins Grab genommen. „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben“, glauben wir. Unter dem Kreuz wuchs in Europa eine Hochkultur, in der die Menschenwürde, durch Rückfälle und Irrtümer hindurch, mehr und mehr ins Bewusstsein rückte. Mit dem Grundgesetz sogar in den Rang des zentralen Staatszwecks.

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Alexander Gauland – Dodo des Monats Juni 2018

Dodo des Monats Juni 2018 ©HFR

Der hetzende Polit-Opa Alexander Gauland hat sich gegenüber Jens Spahn durchsetzen können, auch wenn die ersten Tage Spahn wie einen Sieger aussehen lassen haben.

Um es vornweg zu nehmen. Gauland ist wie die meisten Mitlieder seiner Partei ein Kind der CDU, dort konnte er seine national-populistischen Attitüden pflegen und entwickeln. In ähnlicher Art und Weise wie Sozialdemokrat Sarrazin. Verbiesterte alte Männer, die einem mytholgischen Freiheitsbegriff anhängen, der scheinbar in der Moderne abhanden gekommen ist. Kerndeutsche Tugenden sind aber Gaulands Sache nicht. Unbezahlte Parkknöllchen führten zur Androhung des Führerscheinentzugs in Potsdam, schlampig oder aber viel geschworener Widerstand gegen das System. Egal, Gauland ist pragmatisch genug um auch einen Meineid zu leisten, wenn es der eigenen Sache dient, siehe die Affäre Gauland in Hessen.

Der Sachse Gauland offenbart hinsichtlich deutscher Geschichte einen lockeren Umgang mit derselben. Unkenntnis ist es nicht, gezielte Provokation schon eher, die Schnappatmung deutscher Politik ist ihm gewiss.

Der Partei- und Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag hatte beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative im thüringischen Seebach gesagt:

„Wir haben eine ruhmreiche Geschichte, daran hat vorhin Björn Höcke erinnert. Und die, liebe Freunde, dauerte länger als die verdammten zwölf Jahre. Und nur, wenn wir uns zu dieser Geschichte bekennen, haben wir die Kraft, die Zukunft zu gestalten. Ja, wir bekennen uns zu unserer Verantwortung für die zwölf Jahre. Aber, liebe Freunde, Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“ Alexander Gauland, ebenda.

Unterstellt man dem deutsch-nationalen Gauland Deutschland als Nationalstaat gemeint zu haben hat er schlicht und ergreifend Blödsinn von sich gegeben. Die Reichsgründung erfolgte 1871, bis dahin war deutsches Land provinziell. Die 1000 Jahre deutscher Geschichte beinhalten die Schweiz, selbst die Niederlande, von denen hat Gauland sicherlich nicht geredet. Erst im 19. Jahrhundert schied Österreich aus der Phalanx „deutscher“ Staaten aus, nach der Niederlage bei Königsgrätz. Der kurze Abriss deutscher Geschichte muss genügen. Die 12 Jahre nationalsozialistischer Herrschaft nicht. Die waren alles andere als ein Vogelschiss und man muss sich fragen welcher Vogel mittels Darmentleerung Gauland da wohl getroffen hat. Der Vogelschiss, welcher in Gaulands Gehirn eingeschlagen sein muss war tief braun. Und so verwundert es nicht, wenn Gauland, nach Hosendiebstahl, in leicht braunen Schwimmschlüpfern, unter polizeilicher Begleitung, die Straße entlang schlurft, so gesehen am Heiligen See in Potsdam. Die Enttäuschung war groß, ich hatte mir zumindest Buggsn mit Dackelmuster vorgestellt. Der Skandal war nicht die Abbildung Gaulands in seinen Badehosen, der Skandal ist die Relativierung deutscher Verantwortung in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Opfer sind egal, sie dienen nicht dem Zweck den Gauland verfolgt. Nationalismus, Revisionismus und eine gehörige Portion Chauvinismus lassen Gauland und die AfD deutsche Politik vor sich hertreiben.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Löw und Seehofer: Wir bleiben! – Neueste Nachrichten aus dem Sommer der Egos

Grafik: TP
Deutschland atmet auf! Jogi Löw und Horst Seehofer bleiben! Einen Moment dachten wir, wir wären beide los, aber …

Arno Kleinebeckel | TELEPOLIS

Also dann so, zwei generieren sich als Anker im aufgewühlten Meer, das die teutonische Ruhe unversehens aufschreckte. Jetzt kommen auch grad die großen Ferien, da passt es gar nicht, wenn man mit Mann und Maus die deutsche Grenze in den wohl verdienten Urlaub passiert und zu Hause ist Unordnung. Also freut sich der redliche Wochenmensch über gute, das heißt stabile Nachrichten.

Zwei, drei Fragezeichen sind indes erlaubt. Das eine ist relativ einfach: Wieso übernimmt Joachim Löw nicht die Verantwortung für das erbärmliche russische Roulette – und geht? Sicher, mit 58 in die Rente oder zurück in die Bundesliga, mag hart sein. Und den jetzigen Job gibt es schließlich auch nur einmal. Aber die Bilder- und Zeichensprache aus Russland weist den Weg: Jogi’s Time is out. Man sah den deutschen Nationaltrainer zuletzt einfach zu oft gutgelaunt mit einem Espresso in der Hand, das Gesicht entspannt in der Sonne – dank Jobgarantie.

Kurzer Rückblick: Anfang 2015 wird Löw zum FIFA Welttrainer 2014 ausgezeichnet. „Es ist wichtig, dass die Mannschaft stabil bleibt und die Qualifikation gnadenlos durchzieht“, orakelt der Coach anlässlich seiner (vor-)letzten Vertragsverlängerung zwei Jahre darauf, im Herbst 2016, über die bevorstehende Aufgabe der WM-Qualifikation.

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Töpfchen und Kröpfchen – Haltungen der Wohlmeinenden

Grafik: TP
Güteklassen für Menschen als Merkmal eines gut gemeinten Rassismus. Ein Kommentar

Marcus Hammerschmitt | TELEPOLIS

Vorbemerkung: In dem folgenden Artikel geht es nicht um kriminelle Handlungen von Ausländern, Flüchtlingen, Migranten. Dieses Thema wird landauf, landab in den Medien besprochen, ab und zu in sinnvoller, oft in weniger sinnvoller Weise. Es geht hier auch nicht um den offensichtlichen Rassismus der offensichtlichen Rassisten. Darüber wird ebenfalls viel debattiert. In diesem Artikel geht es um bestimmte Haltungen der Wohlmeinenden.

Online-Petitionen – man kann sie als Trostpflaster für die Ohnmächtigen in der parlamentarischen Demokratie sehen, als Beschäftigungstherapie oder als das Geschäftsmodell einer Klasse von NGOs, die mit ihnen erst entstanden ist. Wer ganz optimistisch denkt, hält sie für die Vorbereitung auf eine Zeit, in der die Stimmberechtigten wirklich etwas zu entscheiden haben. Würde das die Gesellschaft verbessern?

Ob bei change.org, Campact, Avaaz, openPetition – ein Thema gehört ganz gewiss zu den Klassikern auf allen Plattformen: Der Rassismus in all seinen hässlichen Erscheinungsformen, ob er nun von staatlichen oder nichtstaatlichen Akteuren ausgeht. Die Machenschaften im Zusammenhang mit dem Tod von Oury Jalloh, rassistische Äußerungen von Politikern oder ganz banaler Alltagsrassismus – Online-Petitionen haben sich dieser Themen immer wieder angenommen.

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Wahl Dodo des Monats Juni 2018

Dodo des Monats Juni 2018 ©HFR

Der Monat Juni war angereichert mit einer Fülle von kruden Obskurantismus. Der Papst stellt immer mehr unter Beweis ein Schwätzer zu sein, mit einer großen Diskrepanz zwischen Wort und Tat.
Alexander Gauland mit seinem Vogelschiss-Getöse und einer Beschönigung deutscher Geschichte die ihresgleichen sucht. Markus Söder übt sich weiter in der Prostitution seines Glaubens, der Tatsache zum trotz, dass es bis auf einige Theologen so richtig niemanden interessiert.
Die Bundesfamilienministerin Giffey findet Burkinis, als Badebekleidung für Mädchen ganz toll, und schmeißt so, ganz nebenbei ein paar wichtige Errungenschaften der Aufklärung ins Klo.
Religiotie ist zur Staatsdoktrin verkommen und einmal mehr erweisen sich Politiker als willfährige Steigbügelhalter der Gegenaufklärung.

Die Wahl ist bis zum 07. Juli 2018, 18:00 Uhr befristet. Mehrfachauswahl ist möglich. Der Preisträger wird am folgenden Tag hier gewürdigt werden. Viel Spaß!

  1.  Vitus Huonder, „alter Mann, der gern in fremden Schlafzimmern mitreden will.“
  2.  Jens Spahn, „selbstbestimmtes Sterben Schwerkranker verhindert er postalisch.“
  3.  Deutsche Zentrumspartei, „bedient sich in der Debatte um Abtreibungen nationalsozialistischer Vergleiche. Den Tenor kennen wir von den Kirchen.“
  4.  Sigurd Rink, „mit Waffen für den Frieden, ist wie Vögeln für die Jungfräulichkeit.“
  5.  Franziska Giffey, „ist es eine Frage der Zeit, wann sie in einer Burka auftritt?“
  6.  Joachim Heinz, „dilettiert gern über die Staatsleistungen an die Kirchen.“
  7.  Matteo Salvini, „weg mit der Impfpflicht in Italien.“
  8.  Detlev F. Neufert, „der Jesus-Walker von München.“
  9.  Gero Winkelmann, „Homoheiler mit Glaubulis. Zucker ist alles.“
  10.  Papst Franz, „sein Familienverständnis ist aus der Zeit gefallen.“
  11.  Rainer Hangler, „Homosexualität ist Mord.“
  12.  Jürgen Klopp, „betet des Ball ins Tor.“
  13.  Peter Dabrock, „mit bigotter christlicher Moral zum Werbeverbot von Abtreibungen.“
  14.  Alexander Gauland, „verzerrte Wahrnehmung in Sachen Vogelscheiße.“

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