Modeunternehmen wirbt mit Nazi-Spruch

„Jedem das Seine“ – Spruch im Konzentrationslager Buchenwald © Lars K Jensen @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
„Jedem das Seine“ – mit diesem Spruch wirbt das Bekleidungsunternehmen Peek & Cloppenburg in einem Werbeprospekt. Der Spruch stand am Eingang des NS-Konzentrationslagers Buchenwald und war als zynische Botschaft an die Lagerinsassen gerichtet.

MiGAZIN

Das Bekleidungsunternehmen Peek & Cloppenburg hat mit dem KZ-Spruch „Jedem das Seine“ für Mode geworben. Der Sprichwort war am Pfingstwochenende in einem Werbeprospekt im Umkreis von bundesweit mehr als 20 Filialen verbreitet worden, wie das Unternehmen mit Hauptsitz in Hamburg am Mittwoch dem „Evangelischen Pressedienst“ bestätigte. Die gedruckte Auflage habe bei rund einer Million Exemplaren gelegen. Der Spruch „Jedem das Seine“ stand am Eingang des NS-Konzentrationslagers Buchenwald und war als zynische Botschaft an die Lagerinsassen gerichtet. Die Zahl der Todesopfer im KZ wird auf etwa 56.000 geschätzt.

Es gibt in Deutschland zwei rechtlich und wirtschaftlich unabhängige Unternehmen Peek & Cloppenburg mit ihren Hauptsitzen in Düsseldorf und Hamburg. Von dem Vorfall betroffen war die Peek & Cloppenburg KG in Hamburg.

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Marokkos Babys an betuchte Spanier verkauft

foto: apa/afp/antonio ruiz Der Grenzzaun zur spanischen Exklave Melilla im Norden Marokkos zieht immer wieder flüchtende Menschen an. Neue Recherchen zeigten auch den schrecklichen Menschenhandel mit Babys an jenem Ort auf.
Jahrzehntelange Praxis von Menschenhändlerringen aufgedeckt – Dunkelziffer hoch

Jan Marot | derStandard.at

In Spanien steht mit Eduardo V. am 26. Juni erstmals einer jener Ärzte vor Gericht, die beschuldigt werden, zwischen 1977 und 1985 mindestens 28 Babys aus Marokko geraubt und nach Spanien verkauft zu haben. Wenngleich offizielle Zahlen fehlen, geht man in Spanien, Frankreich und Marokko von hundertausenden ähnlich gelagerten Fällen, vor allem im faschistischen Spanien der 1930er- bis 1970er-Jahre, aber auch darüber hinaus, aus. Neugeborene wurden unter der falschen Angabe deren plötzlichen Todes ihren Müttern im Spital entwendet und an betuchte spanische Familien verkauft. Zwischen 1200 und 6000 Euro verlangten die Menschenhändler für die Erfüllung des Kinderwunsches. Neue Recherchen der spanischen Tageszeitung El Mundo zeigten nun, wie in Marokko ebenfalls ein Netzwerk aus Menschenschmugglern in Kliniken aktiv war und die Babys über die Nordafrikaenklave Melilla nach Spanien brachte.

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Die Schweiz als Eldorado für deutsche Globuli-Fans

Ob homöopathische Mittel eine Wirkung erzielen, die über den Placebo-Effekt hinausgeht, ist hoch umstritten. (Bild: Keystone / Gaëtan Bally)
Dass die Krankenkassen hierzulande alternative Behandlungen bezahlen müssen, ist für deutsche Homöopathie-Anhänger der Beweis für die Wirksamkeit der Methode. Doch das ist eine Verdrehung der Tatsachen.

Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

Ist Homöopathie mehr als Hokuspokus? Fans der kleinen weissen Kügelchen schwören darauf, dass diese helfen. Verfechter wissenschaftlicher Methoden halten dagegen, dass Stoffe, die so stark verdünnt werden, dass sie sich nicht mehr nachweisen lassen, keine heilende Wirkung erzielen können. Auch in Deutschland wird die Debatte in aller Schärfe ausgetragen – und die Anhänger der Homöopathie verweisen dabei immer wieder auf die Schweiz als Land, das für den Umgang mit der alternativen Heilmethode Vorbildcharakter habe.

In einem Artikel für die deutsche «Ärztezeitung» schrieben die Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), Cornelia Bajic, und ihr Kollege Michael Frass vor kurzem, in der Schweiz sei Mitte 2017 bestätigt worden, dass «die Homöopathie die Kriterien der wissenschaftlich belegten Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit erfüllt». Das sei die gesetzliche Voraussetzung, um in den Leistungskatalog der obligatorischen Grundversicherung aufgenommen zu werden – anders als in Deutschland, wo die Kassen homöopathische Behandlungen zahlen dürfen, aber nicht müssen.

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In vielen alkoholfreien Bieren versteckt sich Glyphosat

Die Forscher von Stiftung Warentest haben alkoholfreies Bier getestet – und Rückstände von Glyphosat entdeckt Quelle: dpa-infocom GmbH
In einer aktuellen Auswertung haben Warentester den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat in zahlreichen alkoholfreien Bieren entdeckt. Den Geschmackstest gewinnen die Craft-Biere – doch ausgerechnet dort lauert eine zweite Gefahr.

DIE WELT

Rückstände des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat finden sich in vielen alkoholfreien Bieren. Das ergab eine Untersuchung von Stiftung Warentest von 20 alkoholfreien Bieren, die am Mittwoch in Berlin veröffentlicht wurde.

Abgesehen von zwei Bio-Bieren fanden die Tester in allen Produkten das umstrittene Pflanzenschutzmittel – in Flensburger Frei und Holsten Alkoholfrei sogar so viel, dass diese im „test“-Qualitätsurteil abgewertet wurden. Immerhin neun Sorten wurden aber insgesamt als „gut“ bewertet.

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Anti-Israel-Airline aus Kuwait fliegt künftig Wien an

foto: ap/gustavo ferrari Kuwait Airways macht regelmäßig Schlagzeilen – künftig auch in Wien.
Der Flughafen hat keine Handhabe gegen die Airline, die israelische Staatsbürger abweist

derStandard.at

Kuwait Airways wird künftig auch nach Wien fliegen. Das sorgt weniger aus verkehrstechnischen, sondern aus politischen Gründen für Spannung. Denn die Fluggesellschaft hat international schon öfters für Aufsehen gesorgt, weil sie keine Passagiere aus Israel befördert.

Die Praxis wurde immer wieder als antisemitisch gebrandmarkt. Laut einem Bericht der „Presse“ wird Kuwait Airways ab Juni nicht nur nach Frankfurt, sondern auch nach Wien und München fliegen. Die österreichische Hauptstadt steht demnach drei Mal die Woche auf dem Programm. Die Flüge könnten bereits online gebucht werden, schreibt die Zeitung. Hochgekocht sind die Dissonanzen anhand eines israelischen Staatsbürgers, der nach einer Zwischenlandung in Kuwait nicht befördert wurde.

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Eine palästinensische Hauptstadt hinter der Mauer

Blick von Abu Dis auf die israelische Schutzmauer und den Felsendom und Jerusalems Altstadt. (Bild: Reuters/Ammar Awad)
Die Anzeichen verdichten sich: Donald Trump will den Palästinensern Abu Dis, einen Vorort von Jerusalem, als Kapitale ihres Staates vorschlagen. Arafat hatte dort bereits ein Parlament bauen lassen, allerdings bevor Israel den Weg zur al-Aksa mit einer Schutzmauer verriegelte.

Christian Weisflog | Neue Zürcher Zeitung

Das Gerücht kursiert seit Monaten. Zunächst genährt durch unbestätigte Medienberichte, die sich auf Diplomatenkreise stützten. Dann auch durch eine Aussage von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Januar: «Das offerieren sie uns nun, Abu Dis», sagte er an einer PLO-Sitzung. Am Montag ging nun auch der israelische Oppositionsführer Yair Lapid davon aus, dass der amerikanische Präsident Donald Trump den Palästinensern den Vorort Jerusalems als Hauptstadt ihres Staates vorschlagen will. An einer Fraktionssitzung seiner Partei stellte Lapid zwei rhetorische Fragen an Regierungschef Benjamin Netanyahu: «Ist die Zweistaatenlösung wieder auf dem Tisch? Ist Abu Dis als Hauptstadt eines palästinensischen Staates akzeptabel?»

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Ermittlungsverfahren: Hat Heckler & Koch Politiker bestochen?

Bild: tagesschau.de
Manager von Heckler & Koch stehen bereits wegen des Vorwurfs illegaler Kriegswaffenexporte vor Gericht. Laut dem ARD-Magazin Report Mainz gibt es nun Ermittlungen, weil der Waffenhersteller Bundestagsabgeordnete für positive Entscheide bezahlt haben soll.

tagesschau.de

Der Waffenhersteller Heckler & Koch soll nach Recherchen des ARD-Politik-Magazins Report Mainz versucht haben, Bundestagsabgeordnete mit Geldspenden zu bestechen. Das geht aus E-Mails des damaligen Geschäftsführers von Heckler & Koch, Peter Beyerle, hervor. Mit den Spenden sollte die Entscheidung zur Ausfuhr von mehreren tausend Sturm-Gewehren nach Mexiko positiv beeinflusst oder zumindest beschleunigt werden.

Jeweils 10.000 Euro für FDP und CDU

Report Mainz beruft sich auf einen internen Prüfbericht, den Heckler & Koch 2011 bei dem Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG in Auftrag gegeben hatte, und der dem Magazin exklusiv vorliegt. Der Bericht besagt, dass der Konzern zwei mit Rüstungsthemen befassten Bundestagsabgeordneten der FDP jeweils 5000 Euro angeboten und auf Konten der Partei überwiesen habe.

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Fukushima: Wohin mit dem radioaktiven Wasser und der kontaminierten Erde?

3D-Rekonstruktion des Zustands im Reaktor 3. Bild: Tepco
Über eine Million Tonnen mit Tritium belastetes Wasser und 22 Millionen Kubikmeter Erde müssen entsorgt werden

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Jahr für Jahr gab es Meldungen, dass sich die Möglichkeiten erschöpfen, kontaminiertes Wasser und andere radioaktiven Materialien von den havarierten Fukushima-Reaktoren noch weiter zu speichern. Ein Tank, der jeweils 1000 Tonnen aufnehmen kann, reiht sich an den anderen auf dem 230.000 Quadratmeter großen Gelände. Hunderte befinden sich hier, mehr Platz gibt es nicht mehr.

Das Problem ist lange bekannt, Tepco, der Betreiberkonzern des Fukushima-AKWs, würde das Wasser am liebsten ins Meer ablassen. Mehr als eine Million Tonnen mit Tritium belastetes Wasser soll ins Meer abgeleitet werden, hieß es zu Beginn des Jahres. 2018 müsse endliche eine Entscheidung getroffen werden. Obgleich oder weil die Abe-Regierung weiter auf Atomkraft setzt, zögert sie die unpopuläre Entscheidung hinaus. In Japan, aber auch im Ausland würde es einen Aufschrei geben, würde man viele Millionen Tonnen radioaktiv kontaminiertes Wasser ins Meer einleiten.

2011 hat Tepco nach der Katastrophe teilweise dekontaminiertes, aber weiter mit Tritium belastetes Wasser bereits ins Meer eingeleitet. Das wird in allen japanischen Kraftwerken routinegemäß gemacht, aber im Fall von Fukushima, wo sich in drei Reaktoren eine Kernschmelze ereignete, waren die Mengen einfach zu groß, denn es muss das aus den Reaktoren austretende hochradioaktive Kühlwasser, das in diese fortwährend gepumpt werden muss oder über Regen bzw. das Grundwasser eindringt, gereinigt und gespeichert werden.

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Stadt Konstanz und katholische Kirche liegen über Kreuz: Es ging um 29 000 Euro – und ums Prinzip

Gehört der Stadt, wird aber von der katholischen Gesamtkirchengemeinde betrieben: Das Kinderhaus Dreifaltigkeit in Stadelhofen. Über die Aufteilung der Kosten in drei vergleichbaren Häusern hat sich eine Auseinandersetzung entwickelt. | Bild: Claudia Rindt
Bei einigen Kindergärten gehört das Gebäude der Stadt, die die Einrichtungen aber nichts selbst betreibt. Nun will die Stadt mehr Geld haben, doch die Kirche sagt Nein.

Jörg-Peter Rau | SÜDKURIER

Eines ist unstrittig: Gäbe es die sogenannten Freien Träger nicht, hätten viele Konstanzer Kinder keinen Kindergartenplatz. Denn von 49 Kitas betreibt die Stadt nur neun selbst, alle anderen werden von anderen Organisationen getragen, größter Akteur ist dabei die katholische Kirche. In den meisten Fällen gehört ihr auch das Gebäude, und weil Kinderbetreuung eine Pflichtaufgabe ist, zahlt ihr die Stadt dafür einen Zuschuss. In vier Fällen aber wird es kompliziert. Die Kitas St. Martin in Wollmatingen, St. Verena in Dettingen, St. Georg in Allmannsdorf und, in den Details etwas anders gelagert, Heilige Dreifaltigkeit gehören der Stadt, werden aber von der Kirche betrieben.

Warum soll nicht auch eine kirchlicher Träger eine Mieterhöhung bekommen?

Und über die Frage, in welcher Höhe sich die Kirche an deren Kosten beteiligt, ist ein Streit entbrannt – eine Auseinandersetzung, in der es um die vergleichsweise geringe Summe von 29 000 Euro im Jahr geht, die die Kirche nach Ansicht der Stadt zusätzlich springen lassen sollte. Aber noch mehr als um das Geld geht es ums Prinzip.

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Aurora Humanitarian Index: Mythen über Migranten – und wie die Realität aussieht

Die Hälfte aller Flüchtlinge weltweit sind Kinder, hier in einem Lager im Irak.Imago/Florian Gaertner
Die meisten Flüchtlinge leben im Süden, nicht in den entwickelten Ländern: Der Aurora Humanitarian Index deckt diese und andere Fehleinschätzungen zu Migration und Flucht auf.

Von Dorothee Nolte | DER TAGESSPIEGEL

Über die Hälfte aller Flüchtlinge weltweit sind Kinder – aber kaum jemand weiß das. Die meisten Menschen glauben, Kinder stellten etwa ein Drittel der Geflüchteten, wie es einem normalen Anteil an der Bevölkerung entspräche. Diese Fehleinschätzung hat möglicherweise fatale Folgen: Denn Menschen sind sehr viel eher bereit zu helfen, wenn es um Kinder geht. Wüssten sie, wie sehr Kinder von den weltweiten Fluchtbewegungen betroffen sind – würden sie dann mehr spenden?

Mit Sicherheit lässt sich das nicht sagen, aber der „Aurora Humanitarian Index“ bemüht sich immerhin, die Einstellungen von Menschen zu Flucht und Migration zu erforschen, Fehleinschätzungen aufzudecken und daraus Folgerungen für die Politik abzuleiten. Die aktuelle Auswertung, die jetzt in Berlin vorgestellt wurde, basiert auf knapp 11.000 Online-Interviews, die im März und April 2018 mit Menschen aus 12 Ländern geführt wurden – jeweils rund 1000 Menschen in Frankreich, Deutschland, Großbritannien, USA, Argentinien, Japan, Armenien, Russland und der Türkei. Mit je 300 Befragten sind auch die Länder Iran, Kenia und Libanon dabei.

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Diese Technologien können Angst machen

In einem Logistikzentrum räumt ein Amazon-Mitarbeiter Regale ein. Das Unternehmen ist bekannt dafür, seine Angestellten streng zu überwachen und jeden Handgriff zu kontrollieren. (Foto: REUTERS)
  • Google entwickelt eine Software, die Menschen anruft, ohne dass diese merken, dass sie mit einer Maschine sprechen.
  • Künstliche Intelligenz fälscht Videos so perfekt, dass sie kaum noch vom Original zu unterscheiden sind.
  • Amazon hat ein Patent zugesprochen bekommen, um jede Handbewegung der Mitarbeiter zu überwachen.
  • Mehrere Beispiele zeigen, dass technologischer Fortschritt Regeln braucht.

Von Simon Hurtz | Süddeutsche Zeitung

Ob Elon Musk sein Unternehmen Tesla tatsächlich zum Erfolg führen kann, muss er noch beweisen. Was er auf jeden Fall beherrscht: Angst zu machen vor künstlicher Intelligenz, kurz KI genannt. Die Technologie sei „die größte Gefahr für die Menschheit“ und „viel gefährlicher als Atomwaffen“, wiederholt er bei jeder Gelegenheit. Musk liefert knackige Zitate, Medien freuen sich über Schlagzeilen, Leser gruseln sich vor KI.

Viele Forscher, die sich seit Jahrzehnten mit diesem Thema beschäftigen, nervt dieser Alarmismus. Er könne kaum eine Zeitung aufschlagen, ohne dass Musk darin vor KI warne, die einen Weltkrieg auslösen werde, schreibt der australische Professor Toby Walsh im Magazin Wired. Er glaubt nicht, dass wir uns vor dem fürchten müssen, was Leute wie er Singularität nennen: also den Zeitpunkt, an dem Maschinen beginnen, sich von selbst weiterzuentwickeln.

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Plastic im Müesli

Zu viel Fett? Zu viel Zucker? Künftig werden wir uns auch fragen müssen: Zu viel Mikroplastic? (Bild: Imago)
Die Weltmeere, Flüsse, Seen und den Boden haben wir bereits mit Mikroplastic zugemüllt. Nun taucht der Kunststoff auch in unserem Essen auf.

Nicola von Lutterotti | Neue Zürcher Zeitung

Als mir kürzlich wieder einmal unangenehm auffiel, wie viel Plastic nach dem Einkauf im Supermarkt in der Tonne landet, musste ich an den guten alten Milchmann meiner Kindheit denken. Jeden Tag gegen sieben Uhr in der Früh zog er mit seinem klapprigen Verkaufswagen durch unser Revier, um seine Lebensmittel feilzubieten. Alle nannten ihn den Milchmann, doch verkaufte er auch andere Frischwaren. Er hiess, wenn ich mich richtig erinnere, Herr Bäcker. Jedenfalls hatte er einen Namen, der mir damals wie eine logische Konsequenz seiner beruflichen Tätigkeit erschien.

Wenn Herr Bäcker morgens laut bimmelnd durch unser Quartier fuhr und in seinem Bariton «Frische Milch!» rief, war er sogleich von einer Schar plappernder Anwohner umringt. Stets bester Dinge, schöpfte er dann mit grosser Kelle Milch aus einem riesigen Bottich und füllte den frischen Trunk in die Krüge und Flaschen, die wir ihm hinhielten.

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An der maritimen Seidenstraße

Kra-Kanal, ausgewählte Projektvarianten und Lage im Hauptschifffahrtsnetz. Bisher gab es insgesamt 14 verschiedene vorgeschlagene Kanalrouten. Ob der Kanal am Ende gebaut wird, bleibt offen. Sollte er kommen, hätte das deutliche Auswirkungen auf das geostrategische Kräftespiel in Südostasien. Bild: Maximilian Dörrbecker (Chumwa) – CIA World Factbook, gemeinfrei
China baut beharrlich seine Präsenz an strategisch wichtigen Orten aus

Bernd Schröder | TELEPOLIS

Es gab bereits Angebote zur Finanzierung des Kra-Kanals (Wie China das Malakka-Dilemma umschiffen will), insbesondere aus Chinas Privatwirtschaft. Das Interesse der Chinesen wurde um 2005 erstmals publik, dann blieb es zunächst ruhig. Mit der One Belt, One Road-Initiative (OBOR) ist das Thema wieder auf dem Tisch.

Die Chinesen sehen die Möglichkeit, ihrer neuen maritimen Seidenstraße mit dem Kra-Kanal einen weiteren Mosaikstein hinzuzufügen – auch wenn der Kanal bis zumindest vor kurzem nicht offiziell Teil von OBOR war.

In Peking hält man sich bedeckt, man möchte nicht vorgreifen, solange das Projekt kein grünes Licht aus Bangkok hat. Doch Lyu Jian, Chinas Botschafter in Thailand, hatte auf hochrangigen Treffen klargemacht, dass der Kanal durchaus Teil von OBOR ist. Das war die erste Äußerung offizieller chinesischer Stellen zum Thema, auch wenn chinesische Unternehmen längst vor Ort sind und das Potential des Vorhabens ausloten.

Darüber hinaus wollen die Chinesen die Zusammenarbeit mit der thailändischen Militärregierung stärken. Die will mit dem Eastern Economic Corridor die Entwicklung von Industrie, Logistik und Bauwesen voranbringen und die Wirtschaft des Landes wiederbeleben, die zwar die zweitgrößte Südostasiens ist, jedoch seit einigen Jahren schwächelt. Eines der chinesisch-thailändischen Gemeinschaftsprojekte: die Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke, die beide Länder über Laos verbinden soll.

Global betrachtet geht es bei der OBOR-Infrastruktur-Offensive um die Modernisierung uralter asiatischer Handelswege, zu denen auch die Route entlang der chinesischen Küste durch die Straße von Malakka nach Indien und weiter zum Persischen Golf und ins Zweistromland oder zum Roten Meer und nach Ägypten oder Palästina gehörte. Die Chinesen wollen ihr Land mit einem Netzwerk aus Straßen, Schienensträngen und Seewegen an die Welt ankoppeln und setzen dabei auf Zusammenarbeit. Das wird insbesondere in jenen Ländern geschätzt, denen der Kolonialismus europäischer Prägung leidvolle Erfahrungen in ihre Geschichte gebrannt hat.

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Das Recht auf Waffenbesitz ist eine neue Erfindung

Das Geschäft: Shooters Grill. Der Ort: Rifle, Colorado. (Foto: AFP)
Auch nach der Massentötung in Santa Fe wird die NRA wieder betonen, dass laut US-Verfassung jeder Bürger Pistolen und Gewehre tragen darf. So eindeutig ist das aber gar nicht.

Von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche Zeitung

Zehn Tote an einer Schule in Santa Fe, erschossen von einem 17-jährigen Mitschüler. Sofort sind die Erinnerungen an das Massaker an der High School in Parkland wieder da. Die jüngste Tat reiht sich ein in die lange Liste der Massentötungen in den USA.

Während sich vom US-Präsidenten abwärts alle Politiker bestürzt zeigen und versprechen, die Schüler und Lehrer zu schützen, scheinen die jüngsten Aktivisten trotz des Schocks nicht zu resignieren, sondern weiter kämpfen zu wollen.

Denn nach dem Massaker an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida ist etwas in Bewegung gekommen: Schülerinnen und Schüler selbst organisierten den „March for our Lives“ in der US-Hauptstadt Washington, Hunderttausende vor allem junge Menschen nahmen an den Demonstrationen in Hunderten von Städten teil.

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Katholische Unternehmer kritisieren Bischof Hanke hart

© Bild: katholisch.de
Bischof Hanke sei überfordert, ihm fehle die notwendige Kompetenz: Der Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer, Ulrich Hemel, hat den Eichstätter Oberhirten und seine Rolle im Finanzskandal scharf kritisiert.

katholisch.de

Drei Monate nach Bekanntwerden des Finanzskandals im Bistum Eichstätt hat der Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer, Ulrich Hemel, Bischof Gregor Maria Hanke hart kritisiert. „Bischof Hanke ist meiner Meinung nach mit der Aufarbeitung des Finanzskandals überfordert – schon deshalb, weil er nicht die notwendige ökonomische Kompetenz hat“, sagte Ulrich Hemel der „Augsburger Allgemeinen“ (Samstag). Auf die Frage, ob Hanke zurücktreten sollte, antwortete Hemel: „Mir wäre eine Reform der gesamten kirchlichen Finanzverwaltung lieber als der Rücktritt eines einzelnen Bischofs.“

Überdurchschnittlich hohe Zahl von Kirchenaustritten

Das Bistum hat seit Bekanntwerden des Skandals eine überdurchschnittlich hohe Zahl von Kirchenaustritten verzeichnet. Das Standesamt in Eichstätt zählte nach Informationen der „Augsburger Allgemeinen“ im laufenden Jahr bereits fast so viele Kirchenaustritte aus der katholischen Kirche wie im gesamten Jahr 2017. Insgesamt waren es bislang 98 (2017: 101).

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Schiffswrack: „Made in China“ vor 800 Jahren

Reiche Fracht: 800 Jahre alte Keramikgefäße eines vor Java gesunkenen Frachters aus dem alten China © The Field Museum/ Pacific Sea Resources
Älter als gedacht: In einem Schiffswrack vor der Küste Indonesiens haben Taucher einen entscheidenden Fund gemacht. Sie fanden Keramik mit eingeritzten Herkunftszeichen – eine alte Version des heutigen „Made in China“. Das Spannende daran: Der darin genannte Ortsname existierte nur bis zur Mongoleninvasion im Jahr 1278. Das Schiff und seine Fracht sind daher rund hundert Jahre älter als gdacht – und stammen aus einer wichtigen Umbruchszeit in Chinas Handel.

scinexx

In den 1980er Jahren stießen Fischer in der Javasee zwischen Java und Borneo auf das Wrack eines halbzerfallenen Schiffs. Der hölzerne Rumpf war größtenteils zerstört, so dass die reiche Fracht dieses Schiffes zutage trat: Der Frachter hatte tausende von Keramikgefäßen und luxuriöse Handelswaren geladen, darunter auch Elefantenstoßzähne und wohlriechende Harze. Ersten Schätzungen nach kam dieser Frachter aus China und war rund 700 Jahre alt – so dachte man jedenfalls.

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Dumm und nichts gelernt

Bildungschancen sind in Deutschland extrem ungerecht verteilt (Foto: )
In Deutschland entscheidet noch immer die Herkunft über den Bildungserfolg. Kinder ohne ehrgeizige Eltern haben es schwer. Das ließe sich leicht ändern.

Von Catherine Hoffmann | Süddeutsche Zeitung

Noch hat niemand ein Unterrichtskonzept erfunden, das in der Lage wäre, die Klassengesellschaft aus den Angeln zu heben. Aber Chancengleichheit in der Bildung, die sollte möglich sein in Deutschland. Es sollte möglich sein, dass alle Menschen entsprechend ihren Fähigkeiten gleiche Chancen haben, durch Bildung in die Mitte der Gesellschaft aufzusteigen; dass Kinder und Jugendliche mehr wissen, als sie heute wissen, dass ihre Fähigkeiten und Begabungen nicht, wie es noch viel zu oft geschieht, unentdeckt und unentwickelt bleiben; mit einem Wort, dass jeder kann, was er kann – auch Kinder, deren Eltern nicht mit Geduld und sanftem Druck für schulischen Erfolg sorgen, deren Eltern ungebildet oder arm sind oder einfach nur schlecht Deutsch sprechen.

Doch alle Reformen, Bildungsausschüsse, Vereinbarungen der Kultusministerkonferenz, alle innovativen Ansätze und neuen didaktischen Designs haben dieses Ziel nicht erreicht, sie haben den langen Jammer der Schule nur verlängert. Und so gilt heute, was schon vor 30 Jahren zu beklagen war: Kinder aus sozial schwachen oder Migrantenfamilien haben es in Deutschland erheblich schwerer als in den meisten anderen Ländern. Ihnen fehlt nicht nur die Unterstützung durch die Familie, ihnen mangelt es auch in der Schule an individueller Förderung, um zum Beispiel die Sprachkenntnisse zu verbessern.

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Was auf dem Rezept verschwiegen wird

Rezepte auf Papier: Bringt die Digitalisierung mehr Transparenz beim Pillenschlucken? Bild: dapd
Die Papier-Rezepte muten Vielpillenschluckern einiges an Unsicherheit zu. Patienten und Ärzte wissen zu wenig über Arzneien. Bringt der digitale Umbau die Wende?

Von Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Schöne verstaubte Gesundheitswelt. Damit soll jetzt Schluss sein, denn ab sofort soll sowieso alles einfacher, präziser, direkter und sicherer werden im Medizinbetrieb. „Wir hätten in den letzten vierzehn Jahren an der einen oder anderen Stelle den Hebel früher umlegen sollen.“ Der das jüngst vor großem Publikum sagte, der Unionspolitiker Jens Spahn, ist heute Bundesminister für Gesundheit und hat zwei Sätze vor diesem gesundheitspolitischen Offenbarungseid mitgeteilt, dass er selbst schon sechzehn Jahre lang in seiner Partei mit Regierungsverantwortung mit Gesundheitspolitik betraut ist. Jetzt gibt es jedenfalls eine Digitalisierungsabteilung in Berlin – aber auch einen Plan? Gute Ideen?

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Söder stellt Merkels wichtigsten Asyl-Grundsatz infrage

Der Asyl-Betrug beim BAMF in Bremen könnte kein Einzelfall sein. Laut einer Anfrage der FDP wurden nur 0,7 Prozent der Asylentscheide tatsächlich intern nochmal überprüft. Die Opposition fordert eine umfangreiche Untersuchung. Quelle: WELT/ Matthias Heinrich
Wenn es mit den beschleunigten Abschiebungen nicht vorangeht, will Bayerns Ministerpräsident Flüchtlinge bereits an der Grenze zurückweisen. Markus Söders Forderung ist auch eine Drohung in Richtung Berlin.

Von Marcel Leubecher | DIE WELT

Seit drei Jahren wollen Union und SPD die unerlaubte Zuwanderung reduzieren und mehr Migranten ohne Schutzberechtigung abschieben. Linkspartei und Grüne sehen dieses Ziel schon übererfüllt, weil die Zugangszahlen im Frühjahr 2016 wieder stark zurückgingen, während die Rückführungen gleichzeitig zunahmen.

Kritiker halten dem entgegen, dass Deutschland auch in den Jahren 2016 und 2017 immer noch mehr Asylbewerber aufnahm als die übrige Europäische Union (EU). Auch innerhalb der Regierungsparteien sind viele ganz und gar nicht zufrieden mit der eigenen Leistung im Kampf gegen die irreguläre Zuwanderung.

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Der Prager Fenstersturz: Beginn einer europäischen Tragödie

Zeicherische Darstellung des Prager Fenstersturzes, der zum Dreißigjährigen Krieg führte. Chromolithographie von 1936. (Datum geschätzt) (imago / Leemage)
Er sollte eine der größten europäischen Katastrophen auslösen: Der Prager Fenstersturz, der sich in der kommenden Woche zum 400. Mal jährt. Der Krieg, der darauf folgte, ist auch schon von Zeitgenossen als Dreißigjähriger bezeichnet worden: ein Kampf um Macht, Religion und Wahrheit.

Von Barbara Weber | Deutschlandfunk

„Wir befinden uns hier im Museum des Dreißigjährigen Krieges.“

Wittstock an der Dosse. Die spätmittelalterliche Bischofsburg beherbergt heute das Museum. Hier besiegten die Schweden 1636 die kaiserlich-kursächsische Armee.

„Wenn ich das auslöse…“ Antje Zeiger, Direktorin des Museums, steht vor einem großen Uhrwerk aus dem 17. Jahrhundert mit vielen Zahnrädern, die ineinandergreifen. „Das ist gewissermaßen unser akustischer Fahrstuhl und damit landen wir im Jahr 1618 mit dem Beginn des 30jährigen Krieges am 23.Mai 1618.“

Mit Pistolen und Degen bewaffnete protestantische böhmische Adelige stürmen damals die Böhmische Kanzlei in der Prager Burg. Sie können und wollen nicht akzeptieren, dass die ihnen von dem katholischen Kaiser Rudolf II. zugesicherte Religionsfreiheit von seinem Nachfolger Matthias nicht gewährt wird. Nach einem hitzigen Wortgefecht mit den kaiserlichen Statthaltern werden diese aus dem Fenster geworfen.

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