Türkei: Nachhaltige Wirtschaftsprobleme

Die Ratingagentur Moody’s hat türkische Staatsanleihen auf Ba1 herunter gestuft. Anders als zum Beispiel die Springer-Zeitung Welt titelt, ist das noch nicht Ramschniveau, sondern bedeutet, dass kein Kauf mehr empfohlen wird.

Von Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Laut Wikipedia hat Moody in der Kategorie der nicht mehr zum Kauf angebotenen Papiere 12 Klassen, von denen Ba1 die höchste ist. Eine Klasse höher und die Ratingagentur würde den Kauf – zunächst mit Abstrichen – empfehlen. In der Praxis heißt die Herabstufung, dass die Türkei künftig höhere Zinsen auf ihre neu ausgegebenen Staatsanleihen wird zahlen müssen.

Moody begründet die schlechteren Noten zum einen mit den wachsenden Risiken im Zusammenhang mit dem Bedarf an Auslandskrediten und zum anderen mit der Abschwächung des Wirtschaftswachstums und der geringeren staatlichen Stabilität. Seit dem 2013 das Rating der Türkei angehoben wurde, sei das Risiko eines Schocks aufgrund der schwachen außenwirtschaftlichen Position des Landes gewachsen. Insbesondere treffe dies angesichts der „hohen politischen Risiken“ und der schwankenden Stimmung der Investoren zu.

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Monsanto Agrees to Use Gene-Editing Tool CRISPR Responsibly

Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)
Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)
Monsanto announced on Thursday that it has struck a deal which will allow the biotech giant to use the gene-editing tool CRISPR/Cas9 on agricultural products. It is the first company to receive approval to deploy CRISPR/Cas9 for agricultural use.

By Daniel Oberhaus | MOTHERBOARD

The license was approved by the Broad Institute, a genomic research center maintained by MIT and Harvard, and will be used by Monsanto to create genetically modified plants that are tailored to its needs. The “wide array of crop improvements” that Monsanto sees as enabled by CRISPR/Cas9 could mean anything from drought resistant crops to agricultural products that are designed to taste and look more appealing to the consumer.

“Genome-editing techniques present precise ways to dramatically improve the scale and discovery efficiency of new research that can improve human health and global agriculture,” said Issi Rozen, the Broad Institute’s Chief Business Officer. “We are encouraged to see these tools being used to help deliver responsible solutions to help farmers meet the demands of our growing population.”

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Papst beklagt Verdrängung von Religion aus Krankenhäusern – er kann ja dagegen beten

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Franziskus an Schwestern eines Krankenpflegeordens: Beistand, Trost und Freundschaft für Leidende sind Pflicht und Verantwortung der Kirche – Ordensleute sollen sich in Spitälern nicht von „laizistischer Kultur“ abhalten lassen

kath.net

Papst Franziskus beklagt eine Verdrängung des Christlichen aus den Krankenhäusern. Bisweilen lege eine laizistische Kultur es darauf an, „auch aus den Hospitälern jeden religiösen Bezug zu entfernen, angefangen mit der Präsenz von Ordensschwestern“, sagte er am Samstag im Vatikan. Damit einher gehe nicht selten ein „schmerzlicher Mangel an Menschlichkeit“ in krassem Gegensatz zu den „Orten des Leidens“, so der Papst weiter.

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Die Kirchen – auch Haltung kennt Grenzen

Ein Flüchtlingsboot als Altar: Kardinal Rainer Maria Woelki feiert in Köln eine Messe.Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Ein Flüchtlingsboot als Altar: Kardinal Rainer Maria Woelki feiert in Köln eine Messe.Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Weder Obergrenzen noch ein verschärftes Asylrecht: Die Kirchen stehen fest an der Seite der Geflüchteten. Gut so. Doch ihr Einmischen hat eine Grenze. Ein Kommentar.

Von Claudia Keller | DER TAGESSPIEGEL

Die Flüchtlinge sind ein Segen für die Kirchen. Alles kircheninterne Grübeln über die Frage, welche Rolle engagierte Christen, Pfarrer und Bischöfe in der zunehmend säkularen Gesellschaft spielen, hatte ein Ende, als Hunderttausende notleidende Menschen vor der Tür standen und versorgt werden wollten. Seitdem ist für evangelische und katholische Bischöfe klar: Wir nehmen wörtlich, was die Bibel über Gastfreundschaft, Fremdenliebe und Barmherzigkeit sagt, und wir stehen fest an der Seite der Geflüchteten.

Damit einher geht ein Politisierungsschub, wie es ihn in den Kirchen schon lange nicht mehr gegeben hat. Wenn es um Einwanderer, Migranten und Flüchtlinge geht, kann sich die Kanzlerin mittlerweile mehr auf die Unterstützung der Kirchen verlassen als auf ihre eigene Partei oder die CSU. Seitdem auch die SPD ins Schlingern geraten ist und ihren Kurs sucht, entwickeln sich die Kirchen zu einer Art linker außerparlamentarischer Opposition. Ihre Botschaften sind klar und deutlich: Die Bischöfe lehnen Debatten über Obergrenzen ab, prangern menschenunwürdige Zustände in Flüchtlingsunterkünften an, warnen vor Asylrechtsverschärfungen und werben für mehr Gelassenheit im Umgang mit den Fremden.

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New Knitting Technique Produces Electronic Smart Fabrics at Industrial Scales

Image: Foroughi et al
Image: Foroughi et al
Australian scientists have developed a knitting technique capable of producing electrically-conductive Spandex-carbon nanotube hybrid textiles at industrial scales. As described earlier this month in a paper published in ACS Nano, the stretchable fabrics „exhibit excellent performance“ as sensors and artificial muscles. Potential applications include adjustable smart clothing, robotics, and medical devices.

By Michael Byrne | MOTHERBOARD

At the core of the material is regular old Spandex, which is basically artificial super-rubber spun into fibers. In the process outlined in the paper, SPX filaments are coated with aerogel sheets of carbon nanotubes. Carbon nanotubes have the neat property of tunable electrical conductivity, and by tweaking the fabrication process, it’s possible to create materials with electrical and mechanical properties that change as the fabric changes shape. Meet the bike shorts of the future.

„The coating method operates at room temperature, requires no solvents, and does not compromise textile production speeds,“ the Australian team reports. As such, the hybrid yarns are also pretty cheap to produce—a key requirement.

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Staat und Kirche: Die Kirchen endlich auszahlen

Bild: tilly
Bild: tilly
Es geht um viel Geld, es geht um kirchlichen Einfluss, um gesellschaftliche Macht und darum, wieweit wir Kirche und Staat zu trennen bereit sind. Der Verfassungsauftrag von 1919 zur Ablösung der Staatskirchenleistungen sollte endlich erfüllt werden.

Von Wolfgang Kubicki | TAGESSPIEGEL Causa

Um dem Bedeutungsverlust des Religiösen in unserer modernen Gesellschaft auf den Grund zu gehen, müssen wir nicht zwangsläufig die aktuellen Forschungsergebnisse der Religionssoziologie zu Rate ziehen. Gleichwohl ist es auch für den Laien interessant, beispielsweise der sogenannten „Individualisierungsthese“ gedanklich zu folgen, die in etwa besagt, dass man in heutigen Zeiten weder einen klaren Bedeutungsschwund noch einen -zuwachs erkennen könne. Vielmehr würden traditionelle religiöse Praktiken mehr und mehr ersetzt durch religionsähnliche Methoden und Theorien wie Okkultismus, Zen-Meditation, Elfenglaube oder Edelsteinmedizin.

Seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es in Deutschland mehr und mehr Konfessionslose.

Richten wir unsere Aufmerksamkeit nach diesem transzendentalen Exkurs zurück ins Weltliche, so ist es anhand öffentlich zugänglicher Zahlen gewiss kein Hexenwerk zu erkennen, dass es seit dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland einen ungebrochenen Trend zur Konfessionslosigkeit gibt. Waren im Jahre 1950 noch 96,4 Prozent der Deutschen entweder evangelisch oder römisch-katholisch gebunden, so reduzierte sich dieser Anteil auf nur noch rund 56 Prozent im vergangenen Jahr. Seit Anfang der 2000er Jahre sind die Konfessionslosen relativ in der Mehrheit in Deutschland. Es ist absehbar, dass die Zahl der Nicht-Christen die der Christen bald insgesamt übersteigen wird.

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Artenschutz: Machtlos gegen Gier, Gauner und das große Geld

 Mit Elfenbein lassen sich immense Gewinne erzielen, etwa im Südsudan. (Foto: Brent Stirton/dpa)
Mit Elfenbein lassen sich immense Gewinne erzielen, etwa im Südsudan. (Foto: Brent Stirton/dpa)
Die Organisierte Kriminalität verschiebt weltweit Elfenbein, Nashornpulver und andere Schätze der Natur. Der Ausverkauf bedrohter Arten hat erst begonnen.

Von Michael Bauchmüller | Süddeutsche.de

Dem Aasgeier geht es schlecht, richtig schlecht. Binnen drei Geier-Generationen, so fanden Forscher der Universität York heraus, schrumpfte ihr Bestand in Afrikas Savannen um 80 Prozent, mancherorts verschwanden die Aasfresser ganz. Die meisten wurden vergiftet. Sie störten bei der Arbeit.

Einem Elefanten die Stoßzähne herauszuhacken, ist eine mühselige, blutige, eine brachiale Angelegenheit. Die Wilderer klettern auf das tote Tier, mit der Axt hacken sie den Kiefer auf. Sie zertrümmern so lange die umliegenden Knochen, bis sich der Stoßzahn endlich lockert. Was das mit Aasgeiern zu tun hat? Sie verraten die Wilderer, rufen Ranger auf den Plan – denn in der Zwischenzeit haben die Geier längst begonnen, über dem Kadaver zu kreisen. Deshalb müssen sie sterben. Die Wilderer legen Kadaver aus, vergiftet mit Cyanid. Daran verenden die Geier. So geht es zu im Geschäft mit den Schätzen der Natur.

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In den Ställen hoher Bauernbosse herrscht der blanke Horror

Helmut Gumpert (links), Ferkelerzeuger und Präsident des Thüringer Bauernverbandes mit Joachim Rukwied, dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, beim Bauerntag in Hannover. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Helmut Gumpert (links), Ferkelerzeuger und Präsident des Thüringer Bauernverbandes mit Joachim Rukwied, dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, beim Bauerntag in Hannover. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Heimlich gedrehte Aufnahmen der Tierschutzorganisation „Animal Rights Watch“ zeigen grausame Zustände in der Schweine- und Putenhaltung führender Bauernfunktionäre. Die wehren sich nun – doch ihre Statements wirken hilflos.

Von Wolfgang Hassenstein | greenpeace magazine

Das ARD-Magazin „Panorama“ zeigte am Donnerstagabend Filmaufnahmen aus Schweine- und Geflügelställen, die dem Streit um Tierquälerei in der deutschen Landwirtschaft zusätzliche Brisanz verleihen. Denn die Tierschützer, die das Material zur Verfügung stellten, sind nicht in irgendwelche Ställe eingedrungen – sie filmten ausgerechnet auf den Höfen führender Agrar- und Bauernfunktionäre, die im Streit um Missstände in der Tierhaltung seit Jahren abwiegeln. Zu sehen sind kranke Tiere mit offenen Wunden, abgebissenen Schwänzen und schweren Augeninfektionen, hustend, humpelnd, dahinsiechend, teilweise tot. Norddeutscher Rundfunk und Süddeutsche Zeitung haben die Echtheit der Bilder überprüft. Der schwer erträgliche Beitrag ist in der ARD-Mediathek zu sehen.

Den grausamen Aufnahmen werden aktuelle Redebeiträge zur Tierwohldiskussion gegenübergestellt. Noch im Juni sagte Bauernpräsident Joachim Ruckwied auf dem Deutschen Bauerntag: „Wir brauchen keine Agrarwende. Die deutschen Bauern arbeiten nachhaltig und wir halten unsere Tiere tiergerecht!“ Inzwischen haben einige der Kritisierten zu den Vorwürfen Stellung genommen. Doch ihre Verteidigung wirkt wenig überzeugend.

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CETA: Neue US-Studie sagt massive Jobverluste voraus

Proteste gegen CETA und TTIP in Brüssel. Am 17. September gingen allein in deutschen Städten mehr als 100.000 Demonstranten gegen die Freihandelsabkommen auf die Straße. Foto: picture alliance/NurPhoto
Proteste gegen CETA und TTIP in Brüssel. Am 17. September gingen allein in deutschen Städten mehr als 100.000 Demonstranten gegen die Freihandelsabkommen auf die Straße. Foto: picture alliance/NurPhoto
Das Freihandelsabkommen bringe mehr Jobs, Wachstum und Wohlstand, heißt es von den Befürwortern. Eine neue Studie nach dem Global Policy Model (GPM) der Vereinten Nationen behauptet das Gegenteil.

Von Maria-Elisa Schrade | greenpeace magazine

Befürworter von Ceta, dem europäischen Freihandelsabkommen mit Kanada, betonen gerne die vermeintlichen Vorteile des Abkommens. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, Kanzlerin Angela Merkel, der Bundesverband der deutschen Industrie und die EU-Kommission – sie alle versprechen einhellig mehr Wohlstand, Wachstum und Arbeitsplätze. Chrystia Freeland, Außenhandelsministerin von Kanada, ist sogar davon überzeugt, dass Ceta „das fortschrittlichste Handelsabkommen der Welt“ wird. Und auch Sigmar Gabriel spricht von einem „richtig guten Tag für die SPD“, als diese ihm beim Parteikonvent endlich grünes Licht für Ceta gibt.

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9/11: Obama verhindert Klagen gegen Saudi-Arabien

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Der Kongress will wegen der Anschläge auf das World Trade Center Klagen gegen Saudi-Arabien ermöglichen. Präsident Obama hat nun sein Veto dagegen eingelegt – doch ihm droht eine Demütigung.
 

Frankfurter Allgemeine

Der amerikanische Präsident Barack Obama hat sein Veto gegen ein Gesetz eingelegt, das Klagen von Angehörigen der Opfer der Anschläge vom 11. September 2001 gegen Saudi-Arabien ermöglicht hätte. Das Weiße Haus erklärte am Freitag, Obama äußere sein „tiefes Mitgefühl“ mit den Opfern der Anschläge, betrachte das Gesetz aber als „schädlich für die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten“. Der Präsident hatte sich vergeblich im Kongress dafür eingesetzt, dass das Gesetz entscheidend verändert wird.

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Illegal Wildlife Traders Aren’t Welcome on the Dark Web

Image: Violet Wave/Flickr
Image: Violet Wave/Flickr
Wildlife traders attempting to use the dark web to illegally flog rare and exotic animals are getting flamed by other users, a privacy expert has told Motherboard.

By Ben Sullivan | MOTHERBOARD

Joss Wright, a research fellow at the Oxford Internet Institute, said that during his research on wildlife trade in anonymous marketplaces, he found that traders suggesting sales of live animals are usually met with “vitriol.”

While the dark web is no stranger to illegal sales of drugs, porn, and fake IDs, Wright suggested that illegal wildlife trade coming out of countries such as China and Kenya is just not culturally accepted by a majority of dark web users.

“They consider drugs as very much a victimless crime, and it’s very much a political standpoint,” said Wright.

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Volkswagen erhält Anti-Nobelpreis für Abgasaffäre

 Ausgerechnet für den Abgasskandal erhält Volkswagen einen
Ausgerechnet für den Abgasskandal erhält Volkswagen einen „Ig-Nobelpreis“, in der Kategorie „Chemie“. (Foto: dpa)
Forschung zu „pseudo-profundem Bullshit“ und der Persönlichkeit von Steinen: In Harvard werden die „Ig-Nobelpreise“ verliehen. Volkswagen gewinnt in der Kategorie „Chemie“.

Von Christoph Behrens | Süddeutsche.de

Für die meisten Forscher ist die Auszeichnung mit einem „Ig-Nobelpreis“ ein großer Spaß: Bei der schrillen Zeremonie in einer noblen Aula der Harvard University gibt es unter anderem zehn Billionen Dollar zu gewinnen. Zimbabwe-Dollar versteht sich. „Ig-Nobel“ ist ein Wortspiel, das Adjektiv „ignoble“ bedeutet so viel wie „unwürdig“. Der Preis versteht sich als scherzhafte Auszeichnung für Forschung, die es üblicherweise nicht in die Schlagzeilen schafft – überreicht wird er aber von echten Nobelpreisträgern.

Bei Volkswagen dürfte die Freude verhaltener ausfallen – der Autohersteller wurde vergangene Nacht in Boston für die Abgasaffäre in der Kategorie „Chemie“ ausgezeichnet. VW sei es gelungen, so die Jury, „exzessive Automobil-Schadstoffemissionen“ zu senken – wenn ein Auto gerade getestet wird. Als „Referenz“ fügen die Organisatoren die Originalmeldung der US-Umweltbehörde bei, die den Betrug öffentlich machte.

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Klimaschutz: Nachsitzen im Bundestag

Bild: bb
Bild: bb
Das Parlament beriet gestern in aller Eile über die Ratifizierung des Pariser Klimaschutzabkommens, weil die Bundesregierung eine Blamage fürchtet

Von Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Am gestrigen Donnerstag hat der Bundestag das Gesetz zur Ratifizierung des Pariser Klimaschutzabkommens angenommen Am heutigen Freitag wird aller Voraussicht nach auch der Bundesrat seine Zustimmung geben.

Seit dem Sommer hatte der Gesetzentwurf der Bundesregierung schon in den Schubladen Staub gefangen, aber auf einmal musste es ganz schnell gehen. Vermutlich wollte das Kanzleramt eine Blamage vermeiden. 31 Staaten hat allein am Mittwoch ihre Ratifizierungsurkunden abgegeben. Eine fehlende Ratifizierung aus Deutschland hätte auf der UN-Klimakonferenz im November im marokkanischen Marrakesch doch etwas peinlich ausgesehen.

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Sind unsere Visa-Bestimmungen noch zeitgemäß?

Das Dreiaffenprinzip - nichts gehört, nichts gesehen, nichts gesagt © grahamc99 auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Das Dreiaffenprinzip – nichts gehört, nichts gesehen, nichts gesagt © grahamc99 auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Als deutsche Staatsbürgerin kann ich in jedes mir x-beliebige Land reisen. Visa-Vorschriften sind für mich eine reine Formalität, mit einer Ablehnung muss ich in der Regel nicht rechnen. Umgekehrt verhält es sich etwas anders. Zeit, diese Praxis einmal kritisch zu hinterfragen.

Von Laura Beusmann | MiGAZIN

Wer nach Deutschland einreisen darf und wer nicht, unterteilt die Weltbevölkerung in unterschiedliche Gruppen. Ob ein Mensch nach Deutschland einreisen darf oder nicht, richtet sich dabei vorrangig nach einem Merkmal – der Staatsangehörigkeit. Kriminelle Vergangenheit, wirtschaftliche Unabhängigkeit und deutsche Sprachkenntnisse spielen zunächst einmal keine Rolle. Wer fragt schon einen US-amerikanischen, brasilianischen oder japanischen Staatsbürger nach seiner weißen Weste, nach Deutschkenntnissen und Kontostand? Den deutschen Staat interessiert das zunächst einmal nicht.

Die Staatsangehörigkeit ist ein Merkmal, das man sich nicht verdient. Man erhält sie durch seine bloße Existenz, einfach nur dadurch, dass man ist. Diese Art der Privilegierung erinnert an eine Gesellschaftsordnung, die wir in Deutschland schon längst hinter uns gelassen glaubten. An eine Ordnung, die wir heute als rückschrittlich und ungerecht empfinden, auf die wir als aufgeklärte, moderne und fortschrittliche Nation herabblicken. Sie erinnert an die mittelalterliche Ständeordnung, die Untergliederung der Gesellschaft in Klerus, Adel und Bauern.

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Deutsche Bischofskonferenz: Deutschland ist ein Einwanderungsland

Logo Deutsche Bischofskonferenz
Logo Deutsche Bischofskonferenz

Kardinal Marx präsentiert Ergebnisse der Bischofskonferenz-Versammlung: Neues Einwanderungsgesetz gefordert – Mehr Flüchtlingshilfe statt Aussiedler-Seelsorge – Dokument/Ehevorbereitung soll kommen – Religionsunterrichts-Kooperation mit Evangelischen

kath.net

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hat sich für ein neues, umfassendes Einwanderungsgesetz ausgesprochen. Eindeutig sei Deutschland ein Einwanderungsland, zumal mittlerweile rund ein Viertel der Bevölkerung Migrationshintergrund habe, sagte der DBK-Vorsitzende Kardinal Reinhard Marx am Donnerstag. Durch ein differenziertes Einwanderungsgesetz könnten die unterschiedlichen Motive und Wege der Migration geklärt werden, zumal derzeit viele Menschen, die eigentlich aus wirtschaftlichen Gründen einwandern wollten, über den Umweg des Asyl- oder Flüchtlingsrechts nach Deutschland kämen. Hier solle mehr Klarheit geschaffen werden.

Marx äußerte sich in einer Pressekonferenz zum Abschluss der viertägigen Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda. Migration und Flucht waren dabei ein bestimmendes Thema: Rückblickend hätten die 27 Diözesen des Landes in den ersten sieben Monaten des Jahres insgesamt mindestens 79,5 Millionen Euro an Flüchtlingshilfe aufgebracht, erklärte Marx. 52,2 Millionen Euro davon seien in Projekte in Deutschland und rund 27,3 Millionen Euro in Krisenregionen geflossen. Nicht eingerechnet seien hier das Engagement der Ordensgemeinschaften und Verbände, sowie nicht-finanzielle Hilfen wie die Unterkünfte für rund 28.000 Flüchtlinge in 1.381 Kirchengebäuden.

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Erneute Debatte über Fremdenhass im Osten

Mit ihrer Warnung vor wirtschaftlichen Risiken durch Rechtsextremismus hat die Ostbeauftragte Iris Gleicke (SPD) eine neuerliche Debatte über einen in Ostdeutschland besonders ausgeprägten Fremdenhass ausgelöst. Mehrere ostdeutsche Ministerpräsidenten wandten sich am Donnerstag gegen Verallgemeinerungen, teilten in der Sache aber den Befund gesellschaftlicher Risiken durch Fremdenhass und unterstrichen die Notwendigkeit gegenzusteuern.

evangelisch.de

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte, Rechtsextremismus sei zwar kein ostdeutsches Problem, aber ein Problem, das einige ostdeutsche Regionen in besonderer Weise betreffe. Sein Schweriner Amtskollege Erwin Sellering (SPD) betonte dagegen, Rechtsextremismus sei auch in Westdeutschland eine Gefahr. Die Ostbeauftragte Gleicke konkretisierte am Donnerstag in Berlin ihre Warnung. Ihr es gehe nicht darum, den Osten an den Pranger zu stellen.

Neue Rekordhöhe rechtsextremer Taten

Die große Mehrheit der Ostdeutschen habe die Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen und auch ehrenamtlich Großartiges geleistet. „Man darf aber vor der Wahrheit, vor den nackten Fakten und Zahlen nicht die Augen verschließen, so unbequem dass für manch einen auch sein mag“, betonte Gleicke. Die Zahl der rechtsextremen und fremdenfeindlichen Übergriffe habe im vergangenen Jahr eine neue Rekordhöhe erreicht.

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Europa und die Türkei: „Visafreiheit wäre nicht verkraftbar“

 

Mit Visum oder ohne? Die Türkei drängt darauf, dass ihre Bürger sich in der EU möglichst bald ohne Visa bewegen können.Foto: Soeren Stache/dpa
Mit Visum oder ohne? Die Türkei drängt darauf, dass ihre Bürger sich in der EU möglichst bald ohne Visa bewegen können.Foto: Soeren Stache/dpa
Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer über die Beziehungen zur Türkei, Reisefreiheit innerhalb der EU, seine CSU und kirchliche Wähler.

Von Rainer Woratschka | DER TAGESSPIEGEL

Herr Singhammer, die CSU möchte am Flüchtlingsabkommen mit der Türkei festhalten, ihr aber die gleichzeitig in Aussicht gestellte Visafreiheit verwehren. Warum?

Der Türkei komplette Visumsfreiheit zu gewähren, wäre ein politisch hochriskanter Drahtseilakt. Es bestünde die Gefahr, dass dadurch eine unbekannt große Zahl Menschen aus innertürkischen Fluchtgründen nach Europa und nach Deutschland kämen. Das könnten wir nicht mehr bewältigen. Schon heute leben rund 77.600 abgelehnte Asylbewerber aus der Türkei in Deutschland.

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Bundesregierung: Ärzte verhindern Abschiebungen

© dpa Eine Ärztin untersucht in einer mobilen Praxis einen Flüchtling aus Syrien
© dpa Eine Ärztin untersucht in einer mobilen Praxis einen Flüchtling aus Syrien
Viele Ärzte in Deutschland verhindern offenbar durch falsche Atteste die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber – behauptet zumindest die Bundesregierung. Doch es gibt zahlreiche Einzelfälle, in denen die Rückführung tatsächlich bedenklich ist.

Von Julian Staib | Frankfurter Allgemeine

An Erijon Havolli kann man sehen, wie schwierig das alles ist. Der acht Jahre alte Junge aus dem Kosovo lebt mit seiner Familie – Mutter, Vater und dem sechs Jahre alten Bruder – in Bammental, im Norden Baden-Württembergs. Der Junge ist schwer krank. Er leidet an einer Fehlbildung des Darmes, musste bereits mehrere Operationen über sich ergehen lassen, ist gezwungen stets Windeln zu tragen, die häufig gewechselt werden müssen, und muss wohl sein Leben lang ein tägliches Darmspülverfahren über sich ergehen lassen. In Kindergarten oder Schule geht er nicht, weil der Gestank, der von ihm ausgeht, so groß ist. Dem Jungen sei in der Heimat der Bauch „zerschnibbelt“ worden, sagt ein Ehrenamtlicher, der sich für das Kind einsetzt, und wenn er von dessen Schicksal erzählt, dann versagt ihm die Stimme.

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Der Papst feiert die Reformation in Schweden

Dom, Lund, Schweden. Bild: bb
Dom, Lund, Schweden. Bild: bb
Die schwedische Erzbischöfin Antje Jackelén freut sich auf den Besuch des Papstes zum 31. Okotber 2016. Gemeinsam wollen die schwedischen Kirchen in diesem Jahr die Reformation feiern. Außerdem erzählt Jackelén, warum allgemeine religiöse Sprachlosigkeit nur den Populisten hilft.

Von Nicola Glass | evangelisch.de

Ende Oktober reist Papst Franziskus für einen Tag nach Schweden, und zwar nach Lund, anlässlich des Auftakts zum Reformationsgedenken. Wie kam es dazu?

Antje Jackelén: Es geht hier um das gemeinsame Gedenken an fünfhundert Jahre Reformation, und dieser Besuch ist eine Frucht von fast fünfzig Jahren Dialog zwischen Rom und Genf, also zwischen dem Vatikan und dem Lutherischen Weltbund (LWB). Das Ganze basiert eigentlich auf einer Schrift, die 2013 veröffentlicht wurde, und die den Titel trägt „Vom Konflikt zur Gemeinschaft„. Bei diesem Text von etwa 90 Seiten handelt es sich um die erste von Katholiken und Lutheranern gemeinsam verfasste Beschreibung der Reformation in Geschichte und Gegenwart. Und das ist, finde ich, ein Riesenschritt vorwärts.

Was mich dabei noch mehr freut ist, dass in dieser Schrift fünf gemeinsame Aufforderungen benannt werden, die wirklich auch Zukunftsperspektiven aufweisen. Dass wir uns zum Beispiel verpflichten, gemeinsam das Evangeliums zu bezeugen und Dienst an der Welt zu tun. Aus dieser Schrift ist diese Initiative erwachsen, zum Auftakt des Jubiläumsjahres am 31. Oktober 2016 einen gemeinsamen Gebetsgottesdienst abzuhalten, und es war im Grunde der Wunsch Roms, dass dieser in Lund stattfinden soll. Und der Lutherische Weltbund hatte natürlich nichts dagegen, weil der LWB ja auch 1947 in Lund gegründet worden ist.

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AfD-Spitzenkandidat verkauft NS-Orden mit Hakenkreuzen

Rudolf Müller tritt bei der Landtagswahl im Saarland im Frühjahr 2017 als Spitzenkandidat an Quelle: pa/dpa
Rudolf Müller tritt bei der Landtagswahl im Saarland im Frühjahr 2017 als Spitzenkandidat an Quelle: pa/dpa
Rudolf Müller vertreibt in seinem Antiquitätengeschäft unter anderem Hakenkreuzorden und Geld aus Konzentrationslagern. Moralisch sieht der AfD-Spitzenkandidat im Saarland darin kein Problem.
 

DIE WELT

Der saarländische AfD-Spitzenkandidat Rudolf Müller verkauft in seinem Antiquitätengeschäft in Saarbrücken auch Orden mit Hakenkreuzen und Geldscheine aus Konzentrationslagern der Nationalsozialisten. „Ich verkaufe die immer mal wieder“, sagte Müller der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor hatten der „Stern“ und das ARD-Magazin „Panorama“ darüber berichtet.

Ein Testkäufer des „Stern“ kaufte laut dem Bericht Geld aus einem Konzentrationslager in dem Geschäft sowie einen Orden aus dem Jahr 1939 mit einem Hakenkreuz. Einige Tage später erwarb demnach ein Käufer des ARD-Magazins einen anderen Hakenkreuzorden sowie ebenfalls Geld aus einem Konzentrationslager.

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