Opus Dei Priester Martin Rhonheimer: „Barmherzigkeit schafft keinen Wohlstand“

© Frank Röth Martin Rhonheimer: „Ich würde niemals behaupten, Sozialdemokraten seien die schlechteren Christen. Ich würde nur sagen, sie sind im Irrtum.“
© Frank Röth Martin Rhonheimer: „Ich würde niemals behaupten, Sozialdemokraten seien die schlechteren Christen. Ich würde nur sagen, sie sind im Irrtum.“
Martin Rhonheimer liebt den Papst – und den Neoliberalismus. Kirchensteuern will er abschaffen, von staatlich organisierter Caritas hält er nichts. Wie passt das zum Christentum?

Frankfurter Allgemeine

Er stammt aus einer großbürgerlich jüdischen Familie in Zürich und konvertierte mit sieben Jahren zum Katholizismus. Später studierte Rhonheimer Theologie und wandte sich während der  Finanzkrise auch ökonomischen Themen zu.

„Diese Wirtschaft tötet“, verkündet Papst Franziskus. Er polemisiert gegen die Reichen und stellt sich auf die Seite der Armen. Herr Rhonheimer, was halten Sie als Priester der katholischen Kirche von dieser Position Ihres Oberhauptes?

Als Priester verstehe ich die Sorge der Kirche um die Armen; das hat eine lange Tradition. Als Philosoph und Ökonom kann ich aber die Lösungsansätze des Papstes hier nicht nachvollziehen. Wozu Franziskus aufruft, soll den Armen helfen. Aber in Wirklichkeit hilft es den Armen nicht, sondern verschlimmert ihre Situation nur noch.

Wie kommt der Papst zu seiner Behauptung?

Man muss das verstehen aufgrund seiner Erfahrungen in Argentinien, dem Land, aus dem der Papst stammt. Dort hält man den Liberalismus für eine Quelle von Klientelismus und Korruption, die den Staat heruntergewirtschaftet haben. Franziskus hatte Sympathien mit dem Peronismus und den Wohltätigkeitsaktionen von Evita. Da gab es die populäre Vorstellung, Armut sei eine böse Folge des Reichtums der Reichen, und die Reichen müssten deshalb ihren Reichtum mit den Armen teilen.

weiterlesen

15 Jahre Vatikan-Euros, heute ohne Papstbild: Wie ging das zu?

euro_vatikan
Themenbild.
Seit genau 15 Jahren gibt der Vatikan Euromünzen heraus, am 1. März 2002 kamen die ersten auf den Markt. Doch 2017 gibt es eine Neuigkeit: Die vatikanischen Euromünzen tragen nicht mehr das Bild des Papstes.

Radio Vatikan

Franziskus wollte es so. Gudrun Sailer hat den Anlass zu einem Besuch im vatikanischen Büro für Numismatik und Filatelie – also für Münzen und Briefmarken – genutzt und festgestellt: Wenigstens auf den Briefmarken darf man sich hier noch mit dem Konterfei des Kirchenoberhauptes austoben.

Malerisch in den vatikanischen Gärten, genau hinter dem Petersdom und leicht erhöht, liegt das Governatorat, die Stadtverwaltung des Vatikanstaats, und darin das Büro für Numismatik und Filatelie. Direktor Mauro Olivieri empfängt uns in seinem geschmackvollen Büro im Parterre, gelber Damast spannt sich über die Wände, Münzkataloge liegen auf dem Schreibtisch, an die Tür hat Olivieri einen Zettel geklebt, „Interview, bitte nicht stören“.

weiterlesen

 

Neonicotinoide auf dem Prüfstand

Clothianidin von Takeda, Bayer (2002), der Wirkstoff in Poncho. Das Neonicotinoid der 2. Generation wird vor allem in der Saatgutbehandlung verwendet, bei Poncho Pro zum Beispiel 1.25 mg Wirkstoff pro Maiskorn. Bild: Bernd Schröder
Clothianidin von Takeda, Bayer (2002), der Wirkstoff in Poncho. Das Neonicotinoid der 2. Generation wird vor allem in der Saatgutbehandlung verwendet, bei Poncho Pro zum Beispiel 1.25 mg Wirkstoff pro Maiskorn. Bild: Bernd Schröder
US-Umweltbehörde EPA veröffentlicht Zwischenbericht zur Risikobewertung der umstrittenen Insektizide

Von Bernd Schröder | TELEPOLIS

Insektizide aus der Klasse der Neonicotinoide werden seit längerem verdächtigt, eine Rolle beim sogenannten Bienensterben zu spielen. Dieser Verdacht hat die US-Umweltbehörde EPA dazu veranlasst, eine Bestäuber-spezifische Risikobewertung für die wirtschaftlich wichtigen Vertreter Clothianidin, Thiamethoxam und Dinotefuran vorzunehmen, ebenso ein Update der Risikobewertung von Imidacloprid für aquatisch vorkommende Lebewesen.

Gleichzeitig machen die Dokumente ihre weit verbreitete Nutzung deutlich: Neonics, wie sie hier auch genannt werden, sind die am häufigsten genutzten Insektenbekämpfungsmittel unter US-amerikanischen Mais-, Soja-, Weizen-, Baumwoll- und Sorghumbauern. Auf den Feldern der USA werden jährlich rund 2000 Tonnen dieser hochwirksamen Insektizide ausgebracht. Die Bemühungen der EPA zur Überprüfung der Registrierung bereits zugelassener Vertreter dieser Substanzklasse werden von Industrie, Landwirten und Umweltschützern weltweit beobachtet. Denn der Patentschutz ist für die meisten Neonicotinoide bereits abgelaufen. Die Generika- Herstellung ist in anderen Teilen der Welt bereits in vollem Gange.

In den im Januar 2017 veröffentlichten Dokumenten unterrichtet die EPA über die Ergebnisse einer vorläufigen Risikobewertung zur Giftigkeit der Neonicotinoide Clothianidin, Thiamethoxam und Dinotefuran hinsichtlich bestäubender Insekten. Außerdem werden die Resultate einer vorläufigen Risikobewertung zur Toxizität von Imidacloprid gegenüber aquatischen Lebewesen ausgewertet und ein Update der bereits veröffentlichten Risikobewertung von Imidacloprid gegenüber bestäubenden Insekten aus dem Vorjahr vorgenommen. Eine endgültige Entscheidung über die weitere Zulassung der Chemikalien wird erst im Winter 2018/19 erwartet. Vorher wird es für Landwirte und Unternehmen vermutlich keine Änderungen für die Verwendung der Chemikalien geben.

weiterlesen

Seewinkel: Ökumene und ein kommunaler Volksentscheid

foto: verein der freunde des klosters Arsenios Kardamakis, der griechisch-orthodoxe Metropolit von Austria, Exarch von Ungarn und Mitteleuropa (links), und Ägidius Zsifkovics, römisch-katholischer Diözesanbischof von Eisenstadt, bei der diesjährigen Wasserweihe auf dem zugefrorenen Zicksee.
foto: verein der freunde des klosters Arsenios Kardamakis, der griechisch-orthodoxe Metropolit von Austria, Exarch von Ungarn und Mitteleuropa (links), und Ägidius Zsifkovics, römisch-katholischer Diözesanbischof von Eisenstadt, bei der diesjährigen Wasserweihe auf dem zugefrorenen Zicksee.
In St. Andrä soll Mitteleuropas erstes orthodoxes Kloster gebaut werden. Darüber soll aber das Volk abstimmen

Von Wolfgang Weisgram | derStandard.at

Hinterm Bahnhof geht’s hinaus zum Zicksee. Die letzten Häuser von St. Andrä, links eine Feriensiedlung, ein Campingplatz, das Strandbad, rechts Ackerland, flach und weit, bis nach Frauenkirchen hinüber. Die dortige St.-Martins-Therme ist schon in Sichtweite. Hier, in St. Andrä herüben, soll ein geistliches Pendant dazu errichtet werden. „Eine Therme für die Seele“ nennt Pater Igor jene Klosteranlage, die auf den Ackerflächen hinter dem Ort, an der Straße zum See, errichtet werden soll.

Der Grund, sieben Hektar ungefähr, gehört der Diözese Eisenstadt. Die hat ihn der orthodoxen Kirche gewissermaßen als Lehen gegeben. Und hier soll Mitteleuropas erstes griechisch-orthodoxes Kloster entstehen. Paul Zulehner, der katholische Pastoraltheologe, nennt das „ein großes Glück“, denn „damit erhält der Ort ein spirituelles Juwel“.

weiterlesen

Trump will schnellstmöglich zum Mond

Entwicklungsstufen des SLS. Bild: wikimedia.org/NASA/PD
Entwicklungsstufen des SLS. Bild: wikimedia.org/NASA/PD
Die neue Nasa-Superrakete SLS sollte erstmals 2021 Astronauten Richtung Mond fliegen. Doch Präsident Trump drängt auf einen früheren Termin. Die Nasa muss nun das Risiko für die Astronauten abwägen.

Von Holger Dambeck | SpON

Donald Trump ist bislang nicht durch übermäßiges Interesse an der Wissenschaft aufgefallen. Ganz im Gegenteil: Er zweifelt am Klimawandel und hat den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen angekündigt. An die Spitze der Umweltbehörde Epa hat er mit Scott Pruitt einen Klimawandelleugner gesetzt, der die Epa jahrelang mit Klagen überzogen hat.

Doch ein Thema interessiert ihn offenbar doch sehr: Der erste Start von US-Astronauten mit der neuen Nasa-Superrakete SLS. Die US-Weltraumbehörde wollte das sogenannte Space Launch System nach bisheriger Planung Ende 2018 erstmals zu einem Testflug ins All schicken – ohne Astronauten an Bord. Erst drei Jahre später, im August 2021, sollte eine SLS-Rakete zwei Astronauten Richtung Mond fliegen.

weiterlesen

Alchemie: Bis die Retorte platzt

© Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Vera Keil Alchemie
© Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Vera Keil Alchemie
Alchemie war angewandte Naturphilosophie, raunende Esoterik und zuweilen schlichter Betrug. Der nun ausgestellte Fund einer Laborausrüstung aus Wittenberg zeigt, was aus der „hermetischen Kunst“ um 1600 herum auch geworden war.

von Ulf von Rauchhaupt | Frankfurter Allgemeine

Gotisch wölbt sich die Decke. Zu dem spärlichen Licht, das durch die Spitzbögen sickert, gesellen sich Flammen, die aus tönernen Herdplatten schlagen. Dazwischen stehen mehrere Retorten sowie große, an längliche Kürbisse erinnernde Glaskolben. Was darinnen brodelt, ist nicht recht zu erkennen, denn die Gefäße sind bis oben hin mit Lehm ummantelt, nur Retortenhälse und die Schnäbel gläserner Destillierhelme schauen heraus. Aus ihren Enden tropfen ölige Essenzen in kleinere Kolben und verbreiten stechenden Schwefelgeruch oder das dumpfe Aroma von Stickoxiden, die sich mit dem Brandgeruch des Herdes mischen. Brennholz und Lehmbrocken liegen herum, eiserne Zangen und Unmengen weiterer Gefäße: Kolben, Becher, Tiegel.

weiterlesen

Rechtsradikale Musik: Die völkische Folklore ist auf dem Vormarsch

 Michael Regener gehört mit seiner Band
Michael Regener gehört mit seiner Band „Die Lunikoff Verschwörung“ zu den Stars der Neonazi-Musikszene Quelle: picture alliance / Geisler-Fotop
Die Zahl der Neonazi-Liederabende hat sich fast verdoppelt. Die Szene hat Schwierigkeiten, Bühnen für Konzerte zu finden. Doch selbst braune Großveranstaltungen überraschen zuweilen die Polizei.

Von Florian Flade, Marcel Pauly | DIE WELT

Ein kühler, trockener Herbstabend im baden-württembergischen Örtchen Forst, keine halbe Stunde von Karlsruhe entfernt. Es ist Halloween, draußen gehen Kinder verkleidet von Haustür zu Haustür und versuchen, Süßigkeiten abzugreifen. Drinnen, in einer Gaststätte, betritt Michael Regener die Bühne. Dutzende Zuschauer sind gekommen, um einem Abend der gepflegten musikalischen Hetze beizuwohnen.

Regener ist ein Schwergewicht der rechten Musikszene. Bis zu deren Auflösung im Jahr 2003 war er Sänger der wohl bekanntesten Neonazi-Band Deutschlands: Landser. In ihren Texten heißt es etwa „Afrika für Affen. Europa für Weiße. Steckt die Affen in ein Klo. Und spült sie weg wie Scheiße“ oder „Und keine Türken werden mehr rumlaufen. Keine Pfaffen dürfen Kinder taufen. Keine Nigger deutsches Pils mehr saufen. Keine Juden unser Volk verkaufen. Das Reich kommt wieder“.

weiterlesen

Erstes Duell der Quantencomputer

Five qubit quantum circuit. Image: Martinis Group/UCSB
Five qubit quantum circuit. Image: Martinis Group/UCSB
Ionenfalle gegen Supraleiter: Erstmals haben Forscher zwei Quantencomputer unterschiedlicher Machart gegeneinander antreten lassen. Im Duell standen ein Rechner mit fünf Ionen als Qubits und ein Quantencomputer, bei dem Areale in Supraleiterspulen als virtuelle Qubits agierten. Das Ergebnis: Der Ionen-Rechner war langsamer, machte aber deutlich weniger Fehler. Noch wichtiger aber: Der Wettstreit liefert entscheidende Einblicke darin, was für erfolgreiches Quantenrechnen nötig ist.

scinexx

Quantencomputer sind die kommenden Meister parallelen Rechnens. Der quantenphysikalische Zustand der Überlagerung macht dies möglich. Bisher allerdings steht die Entwicklung erst ganz am Anfang. Selbst die neuesten Modelle bestehen nur aus wenigen Qubits, viele von ihnen können zudem nur ganz bestimmte Arten von Aufgaben absolvieren – beispielsweise Primzahlen zerlegen oder ein logisches CNOT-Gate darstellen.

weiterlesen

Zahl toter Flüchtlinge im Mittelmeer verdreifacht

Strand von Chios/Griechenland © Tim Lüddemann @ flickr.com (CC 2.0)
Strand von Chios/Griechenland © Tim Lüddemann @ flickr.com (CC 2.0)
Immer mehr Flüchtlinge sterben im zentralen Mittelmeer. Seit Anfang Januar sind 326 Menschen auf der zentralen Mittelmeerroute ums Leben gekommen. Im Jahr zuvor wurden im selben Vergleichszeitraum 97 Tote gezählt.

MiGAZIN

Immer mehr Flüchtlinge sterben laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) auf der gefährlichen Überfahrt von Libyen nach Italien. Von Anfang Januar bis Mittwoch vergangener Woche seien 326 Menschen auf der sogenannten zentralen Mittelmeerroute ertrunken oder an Bord der Schleuserboote ums Leben gekommen, teilte die IOM am Freitag in Genf mit. Rund 10.700 Menschen hätten Italien lebend erreicht.

Im selben Zeitraum des Vorjahres seien 97 Flüchtlinge und Migranten auf der zentralen Mittelmeerroute gestorben, hieß es. Rund 8.100 Menschen, die in Libyen an Bord gegangen seien, hätten seinerzeit die Küsten Italiens erreicht.

weiterlesen

Brauchen wir ein Alkoholverbot?

glaser-des-bieres,-fass

Der vom Gesetzgeber empfohlene Veggie-Tag, mit dem uns die Grünen auf den Pfad der Tugend helfen wollten (und das schreibt ein langjähriger Vegetarier), ist noch in guter Erinnerung. Bereits verbotene Übergriffe auf Frauen wurden dank „Nein heißt Nein!“ sicherheitshalber und einstimmig vom Bundestag noch einmal verboten (Sexualstrafrechtsreform: Eine Beweisaufnahme).

Von Stephan Schleim | TELEPOLIS

Sexistische Werbung soll auch bald verboten werden. Gut für Männer, denen mit nackten Tatsachen vom Mobilfunkvertrag bis zum Auto alles angedreht werden soll. Hate Speech sowieso. Und Fake News auch – jedoch nur, wenn sie nicht in den Leitmedien stehen oder von unseren Ministern höchstpersönlich geäußert werden.

Die Journalisten Sanaz Saleh-Ebrahimi und Daniel Drepper mögen sich gefragt haben, was man denn noch alles verbieten könnte, als sie ihren Artikel über Alkohol schrieben. Dieser erschien am 22. Februar auf Correctiv.org: Wie die Alkoholindustrie uns dazu bringt, immer weiter zu trinken (anberaumte Lesezeit: 20 Minuten). Und zwei Tage später auf BILD.de, nein, Verzeihung, ZEIT Online mit dem könnerischen Titel: Alkohol: Saufen bis zum Darmkrebs.

Nun kann man sich freilich über Gesundheit Gedanken machen. Man sollte die zerstörerische Wirkung von Alkohol keinesfalls verharmlosen: Leberzirrhose und Korsakow-Syndrom sind kein Spaß. Noch lassen sich Menschen wiederbeleben, die von Betrunkenen totgefahren werden.

weiterlesen

Israelis Will Soon Be Mass Producing AK-47s for the U.S. Market

Photo illustration by Sarah Rogers/The Daily Beast
Photo illustration by Sarah Rogers/The Daily Beast
An Israeli company with close connections to the country’s elite special forces has been licensed by Russia to produce assault rifles in America.

By Neri Zilber | THE DAILY BEAST

On a balmy Friday afternoon last fall outside Tel Aviv, at a high-end restaurant overlooking the Mediterranean Sea, the individuals responsible for bringing one of the world’s best-known brands into the 21st century were seated enjoying the calamari salads and red wine.  There was nothing about their outward appearances to suggest they were all veterans of elite Israeli commando units, nor that the brand in question was the venerable and lethal Kalashnikov assault rifle, better known by its initials: AK-47.  

The principals were from Command Arms and Accessories (CAA), a local defense firm founded in 2008 that had, up until last year, a niche business making innovative accessories and other cutting-edge platforms for existing weapons.  With official licensing from the original Russian manufacturer, they are now venturing into the gun business proper with what they’ve named the “Alfa” Kalashnikov—a weapon that combines Israeli design prowess and other modern amenities with the qualities that made the old model into a global phenomenon.  It is, they claim, the world’s best assault rifle.  And it’s coming to America.

read more

Arme sind nicht inkludiert – Abfall

Bild: K. Kollmann
Bild: K. Kollmann
In der Konsumgesellschaft ist trotz Postmaterialismus alles zur Ware geworden, natürlich auch der einzelne Mensch

Von Karl Kollmann | TELEPOLIS

Eine neue Verbrauchergeneration hat sich in den letzten Jahren entwickelt, die Postmaterialisten. Mitunter als Bobos bezeichnet, sind sie meist Bio-Freunde, insgesamt aber nicht freundlichere, das heißt behutsamere Konsumenten, sondern sie haben eben neue Vorlieben entwickelt und vermarktungsfähige Trends angestoßen (Schöne neue Konsumkultur). Im erwähnten Beitrag war der Blick in erster Linie auf die Menschen als Verbraucher gerichtet, jener auf die Gesellschaft wäre noch beizufügen.

Der kürzlich verstorbene polnisch-britische Soziologe Zygmunt Bauman wurde anlässlich seines Todes zwar ausgiebig medial gewürdigt), jedoch fielen dabei seine Analysen zur Konsumgesellschaft vollständig unter den Tisch. Das nachzuholen, trifft sich mit dem erwähnten Beifügungsgebot.

In der Konsumgesellschaft ist alles zur Ware geworden, natürlich auch der einzelne Mensch. Dies ist nicht nur eine Beschreibung der Wirklichkeit, sondern versteht sich ebenso als an den Einzelnen gerichtete Aufforderung. Sowohl beim Konsum wie bei der Erwerbsarbeit geht es darum, die Marktfähigkeit der einzelnen Person sicherzustellen – und das ist die Aufgabe der betroffenen Person selbst, sie muss dabei mitmachen. Man ist Arbeitskraftware und Manager seines eigenen Produkts geworden, wer aus diesem Grundraster herausfällt, wer hier nicht mithalten kann, wird sehr schnell zum „Abfall“ degradiert, wie Bauman nüchtern feststellte: „Die Armen der Konsumgesellschaft sind völlig nutzlos.“1

weiterlesen

Polnischer Spediteur will Berliner Terror-Lkw zurück

 Der Lkw am Tag nach dem Terroranschlag an der Berliner Gedächtniskirche Quelle: dpa/ZB
Der Lkw am Tag nach dem Terroranschlag an der Berliner Gedächtniskirche Quelle: dpa/ZB
Anis Amri erschoss dessen Cousin und steuerte den Lkw in den Weihnachtsmarkt. Nun will Ariel Zurawski seinen Lastwagen zurück, um wieder auf Touren gehen zu können. Der Spediteur hat auch eine Botschaft an Spender.

DIE WELT

Der polnische Spediteur Ariel Zurawski, dem der Unglückslastwagen des Terroranschlags auf einen Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember gehört, will sein Fahrzeug zurück. Dass der Lastwagen noch immer in Deutschland als Beweismittel beschlagnahmt bleibe und nicht eingesetzt werden könne, beschere ihm Verluste, für die seine Gläubiger kein Verständnis hätten, sagte Zurawski am Samstag dem polnischen TV-Sender TVN24. Ihm drohe deshalb die Pleite.

weiterlesen

Afghanen: Verpflichtet zu gehen – aber berechtigt zu bleiben

Nur jeder fünfte Afghane wird als Flüchtling anerkannt, trotzdem bleiben Tausende in Deutschland. Die Bundesregierung will einen härteren Kurs durchsetzen, aber besonders ein Mann stellt sich in den Weg.

Von Marcel Leubecher | DIE WELT

Was Masse ist, hängt von der Bewegungsrichtung ab: Die Ankunft Zehntausender Afghanen bezeichnen wenige als Massenzuwanderung, während die Rückführung Dutzender als Massenabschiebung begriffen wird. 18 Afghanen wurden am Mittwoch mit der dritten Sammelrückführung von München nach Kabul geflogen, im vergangenen Jahr waren es insgesamt 67, in den Jahren zuvor jeweils sogar nur neun.

Schon seit Jahren ist Afghanistan eines der Hauptherkunftsländer von Schutzsuchenden in Deutschland. Im vergangenen Jahr beantragten 127.000 von ihnen Asyl. Doch nur jeder Fünfte (20,2 Prozent) wurde 2016 als Flüchtling anerkannt – dafür muss eine individuelle Verfolgung drohen; die Herkunft aus einem Kriegsland reicht nicht aus. Weitere 35,6 Prozent erhielten den schwächeren subsidiären oder den Abschiebeschutz, weil zwar keine Verfolgung, aber Gefahr für Leib- und Leben bestand. Die Anträge der Übrigen wurden abgelehnt.

weiterlesen

IW-Präsident: Die EU fußt auf dem Christentum

 Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, Deutschland. Bild: wikimedia.org/ cc-by-sa-2.0/ Johannes Christ
Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, Deutschland. Bild: wikimedia.org/ cc-by-sa-2.0/ Johannes Christ
Die Risiken für Europa sind gewachsen. Das langsame und zwischen den EU-Mitgliedsstaaten unterschiedliche Wirtschaftswachstum gefährdet die europäische Einheit.

Die Tagespost

Diese Einschätzung traf der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, zum Auftakt des Kongresses christlicher Führungskräfte am Donnerstag in Nürnberg. Nach Hüthers Worten würde es den Menschen ohne Europäische Union aber schlechter gehen. So werde der Brexit auf lange Sicht einen Verlust des Pro-Kopf-Einkommens in Großbritannien um zehn Prozent bedeuten. Die EU sei ein gut begründeter Verbund, der auf gemeinsamen Werten beruhe. Dazu zählten die griechisch-römischen Werte der Antike sowie das Christentum.

Vier Monate Haft für Ex-Vatikanbank-Mitarbeiter

Bild: tilly
Bild: tilly
Zwei ehemalige Führungskräfte der Vatikanbank IOR sind von einem italienischen Gericht wegen Verstoß gegen Anti-Geldwäsche-Vorschriften verurteilt worden.

kath.net

Ein römisches Gericht verhängte gegen den früheren Direktor Paolo Cipriani und seinen Stellvertreter Massimo Tulli Haftstrafen von vier Monaten und zehn Tagen, wie italienische Medien am Freitag berichteten. Demnach wurden damit erstmals bedeutende Mitarbeiter des IOR wegen Verletzung der Anti-Geldwäsche-Gesetze verurteilt. Die Verteidiger kündigten Berufung an.

weiterlesen

Christoph Butterwegge: Schulz macht Ungerechtigkeit zum Thema, ohne ihr wirklich auf den Grund zu gehen

Der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. dpa/Patrick Pleul
Der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. dpa/Patrick Pleul
Martin Schulz macht offenbar den Unterschied: Während seine beiden unglücklichen Vorgänger als Kanzlerkandidaten der SPD, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück, weder für soziale Gerechtigkeit noch für gesellschaftlichen Fortschritt standen, trauen ihm viele Bürger eine radikale Kurskorrektur der ältesten Partei Deutschlands zu.

Von Christoph Butterwegge | FOCUS ONLINE

Seit der „Agenda 2010“, den Hartz-Gesetzen und den rot-grünen Gesundheitsreformen maßlos frustrierte Mitglieder und Wähler der SPD projizieren heute ihre Hoffnungen auf Schulz, obwohl sie in der Vergangenheit immer wieder von der Parteiführung enttäuscht wurden.

Ein paar tausend Neueintritte seit der Nominierung von Martin Schulz sollte man allerdings nicht überbewerten, denn schließlich wurden 1972, im Jahr des „Willy“-Wahlkampfes, mehr als 100.000 Mitglieder unter 35 Jahren in die SPD aufgenommen, und die wenig später mehr als eine Million Mitglieder zählende Partei hat momentan nicht einmal mehr die Hälfte davon.

Aber dass vor allem viele junge Menschen in die SPD drängen, seitdem Schulz seinen Hut in den Ring warf, zeigt die enorme Anziehungskraft einer charismatischen Führerfigur zu einer Zeit, in der die gesellschaftlichen Fliehkräfte dominieren.

weiterlesen

„Denunzierende Imame müssen Deutschland unverzüglich verlassen“

ditib

CDU-Vize Laschet wirft Rot-Grün in NRW Versagen beim Thema Sicherheit vor.
Das gelte für viele Bereiche, gleich ob im Kampf gegen Salafisten, Sex-Täter oder Clans. Er fordert die Entlassung aller Ditib-Imame, die Erdogan-Gegner denunzierten.

Von Robin Alexander | DIE WELT

Die Welt: Herr Laschet, Sie hatten in den Umfragen für die Landtagswahl fast zur SPD aufgeschlossen. Doch plötzlich beträgt der Abstand sieben Prozent. Hat Sie der Schulz-Zug überfahren?

Armin Laschet: Der Aufschwung der SPD in den Umfragen hat jedenfalls gar nichts mit Frau Kraft oder ihrer rot-grünen Landesregierung zu tun. Tatsächlich bringt der momentane Schulz-Hype die SPD-Zahlen auch in NRW hoch. Aber die Menschen in NRW werden sich spätestens im Wahlkampf im Klaren darüber sein, dass gerade bei den Themen, die Martin Schulz betont, Frau Kraft in NRW in den letzten sieben Jahren versagt hat.

Die Welt: Die SPD hat Rückenwind durch ihren Kanzlerkandidaten. Frau Merkel hält sich hingegen vornehm zurück, denn ihr Wahlkampf soll erst nach der Sommerpause beginnen.

Laschet: Es ist richtig, die SPD erst einmal für ein paar Tage mit ihrer Selbstberauschung allein zu lassen. Es war auch richtig zu warten, bis der Kandidat einmal konkret Stellung bezieht. Monatelang hat die SPD jedem erklärt, „zuerst das Programm, dann die Person“ – jetzt hat sie eine Person und sucht hektisch ein Programm. In dieser Woche stolpert nun Herr Schulz auf der Basis falscher Zahlen mit Fragmenten eines Programms durch das Land und verabschiedet sich von der Agenda 2010.

weiterlesen

Inside NASA’s Space Farming Labs

Image: MOTHERBOARD
Image: MOTHERBOARD
If astronauts are going to make it on long duration space missions, they’re going to need some veggies.

By Daniel Oberhaus | MOTHERBOARD

For the first time since the end of NASA’s Apollo missions to the moon, there is serious talk of sending humans beyond low earth orbit. NASA has been courting ideas for journeys to the moon and eventually Mars, while SpaceX is hell bent on being the first to get boots on the Red Planet. These ambitious plans present a host of technical challenges, however, particularly when it comes to food. This is why researchers at NASA’s Kennedy Space Center in Florida have turned themselves into space farmers—without leaving Earth.

Up until 2015, the fare for astronauts aboard the International Space Station was limited to the dehydrated, freeze-dried foods that would be delivered aboard cargo resupply missions. Not only are these foods lacking in the taste department, but at $10,000 per pound, it’s also incredibly expensive to ship freeze-dried spaghetti to low earth orbit. The goal, then, is to figure out how to produce food in space. This idea had its first proof of concept in August of 2015, when astronauts aboard the ISS were treated to a rare delicacy: fresh lettuce that was grown in space.

read more

This Robot Is Almost Definitely Going to Kick Your Ass at Ping Pong

Image: MOTHERBOARD
Image: MOTHERBOARD
A robot with a mean counterhit was awarded a Guinness World Record for being the first robot table tennis tutor.

By Samantha Cole | MOTHERBOARD

Omron Corporation designed the robot and named it with  an acronym both NASA and the agents of S.H.I.E.L.D. would be envious of: FORPHEUS, or Future Omron Robotics Technology for Exploring Possibility of Harmonized aUtomation with Sinic Theoretics.

The robot, which looks like a jellyfish if jellyfish played table tennis with three tentacles, uses sensors to monitor the ball.

read more