Geboren im „Königreich Bayern“

Gegen die unter „Reichsbürger“-Verdacht stehende Bürgermeisterin von Bolsterlang, Monika Zeller, läuft ein Disziplinarverfahren. Zudem kommen immer mehr belastende Details ans Licht. So hat die 56-Jährige auch einen Kongress der verfassungsfeindlichen Bewegung besucht

Von Christian Rost | Süddeutsche.de

Monika Zeller gerät in Erklärungsnot. Die 56-jährige Bürgermeisterin von Bolsterlang im Oberallgäu und mehrere Gemeinderäte stehen unter dem Verdacht, mit der „Reichsbürger“-Bewegung zu sympathisieren. Nach jüngsten Erkenntnissen hat Zeller aber nicht nur einen „Reichsbürger“-Referenten in den Gemeindesaal eingeladen, sondern auch an einem Kongress der verfassungsfeindlichen Bewegung teilgenommen. Bei der Landesanwaltschaft läuft ein Disziplinarverfahren gegen Monika Zeller.

Zeller, die bei der Wahl 2014 wie alle Gemeinderäte auf einer Einheitsliste antrat, hatte sich im März 2016 mit den vier inzwischen zurückgetretenen Gemeinderäten den Vortrag eines Referenten angehört, der unumwunden für die verfassungsfeindlichen Ansichten der „Reichsbürger“ warb. Außerdem wurde bekannt, dass sich die vier Räte und die Rathaus-Chefin auch sogenannte gelbe Scheine besorgt hatten. Die Staatsangehörigkeitsausweise haben im Alltag praktisch keine Bedeutung mehr, gelten aber bei „Reichsbürgern“ als eine Art Gesinnungsausweise. Bei der Beantragung des gelben Scheins machte Zeller für die „Reichsbürger“-Bewegung“ typische Angaben. Als Geburtsort gab sie, wie Landrat Anton Klotz (CSU) bestätigte, handschriftlich „Königreich Bayern, Deutschland als Ganzes“ an und benutzte einen Vordruck mit dem Verweis auf das Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz für das Deutsche Reich vom 22. Juli 1913.

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Was die legalisierte Prostitution anrichtet

Der Tiergarten als Strich für junge Flüchtlinge? Und wieso regt das niemanden auf?Foto: Paul Zinken/dpa
Flüchtlinge prostituieren sich im Tiergarten – und niemand stört sich dran? Das hat auch mit Deutschlands liberalem Prostitutionsgesetz zu tun. Ein Zwischenruf

von Barbara John | DER TAGESSPIEGEL

Als vor Kurzem über junge Männer mit Flüchtlingshintergrund berichtet wurde, die im Tiergarten Sex gegen Geld anbieten, gab es kaum öffentliche Reaktionen. Es herrschte schulterzuckendes Desinteresse à la „wen kümmert das schon“. Doch nachdem mehr Details die Runde machten, kam Dynamik in das Thema, genauer, Empörungsposen, wie im Leserforum des Tagesspiegels. Eigentlich kein Wunder, denn wenn Begriffe aufeinanderprallen wie: Junge schutzsuchende Flüchtlinge, Geldbeschaffung, Asyl, Männerstrich, Sex, Obdachlosigkeit, Illegalität, Menschenhandel, lässt sich vieles hineinprojizieren, überzeichnen und vereinfachen. So werden die Flüchtlingspolitik und die Helfer als verantwortlich angeprangert. Anwohner beschweren sich über Belästigungen. Ratschläge kursieren, doch lieber Zeitungen auszutragen. Es wird gemahnt, wir verspielten die Zukunft dieser Jugendlichen. Auch die „Kenner“ melden sich zu Wort und schwadronieren, Prostitution sei in einer weltoffenen, internationalen Großstadt nichts weiter als eine Randnotiz, nicht wert, erwähnt zu werden.

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Französisch-Guayana öffnet wieder, Raketen sollen bald starten

Eine Ariane-5-Rakete wird auf dem Weltraumbahnhof Kourou vorbereitet. (Aufnahme vom 13. März 2017) (Bild: Arianespace)
Nach einem Monat Protest mit Straßenblockaden gibt es eine Einigung zwischen Französisch-Guayana und Paris. Damit könnte auch der Weltraumbahnhof in Kourou bald wieder in Betrieb gehen – doch eine Straßensperre wäre da noch.

Von Daniel AJ Sokolov | heise online

Nach einem Monat Stillstand kann das wirtschaftliche und soziale Leben Französisch-Guayanas wieder losgehen. Mit umfassenden Verkehrsblockaden, Streiks und anderen friedlichen Protesten konnte die Viertelmillion Einwohner des südamerikanischen Gebiets der französischen Regierung ein bereits 2013 versprochenes Abkommen abringen. Nun könnte auch der Weltraumbahnhof Kourou bald wieder den Betrieb aufnehmen. Doch gerade dort steht noch eine Straßensperre.

Der Weltraumbahnhof heißt offiziell Centre Spatial Guyanais und ist das Aushängeschild des tropischen EU-Überseegebiets. Gleichzeitig ist er aber auch Brennpunkt für die grassierende Armut und den infrastrukturellen Mangel in Französisch-Guayana. Während auf der einen Seite des Zauns höchstentwickelte europäische Technik brilliert, gibt es auf der anderen Seite oft keinen – und in manchen Dörfern nie – Strom, enorme Arbeitslosigkeit, unzureichende medizinische Versorgung, eine hohe Mordrate, Kinder, die keinen Schulplatz finden, und so weiter.

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Keine Angst vor „Überalterung“

Pflegeroboter aus dem Film „Robot & Frank“. Screenshot: c’t
Der Mathematiker Hansjörg Walther widerlegt Medienvorstellungen, die auf Oswald Spengler und Arthur Moeller van den Bruck zurückgehen

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Dem aktuellen Bevölkerungsbericht des japanischen Innenministeriums nach lebten in Japan im letzten Herbst mit rund 126.933.000 etwa 162.000 (oder 0,13 Prozent) weniger Menschen als im Jahr davor. 76.562.000 davon befanden sich im Alter zwischen 15 und 64 Jahren. Der Anteil dieser Gruppe sank seit 1992 von 69,8 auf 60,3 Prozent. 34.591.000 Japaner (beziehungsweise 27,3 Prozent) waren älter als 65, 16.908.000 (13,3 Prozent) älter als 75.

Deutsche Medien berichten solche Zahlen regelmäßig wie Katastrophenmeldungen – verbunden mit der Warnung, dadurch würden Gesellschaften „überaltern“, „vergreisen“ und massiv an Innovationskraft und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit verlieren.

Der Mathematiker Hansjörg Walther hat sich diese Befürchtungen in der Zeitschrift Novo genauer angesehen. Dazu verglich er unter anderem die im International Innovation Index, im Bloomberg Innovation Index und im Innovation Union Scoreboard der EU-Kommission für einzelne Länder ermittelten Innovationswerte mit dem Medianalter in diesen Ländern und kam zum Ergebnis, dass ein Land danach sogar umso innovativer sein müsste, je höher das Medianalter dort liegt. Vergleicht man nur die entwickelten Länder miteinander, ergibt sich kein statistisch signifikanter Zusammenhang.

Beim Medianalter, das sich „aus den Gewichtungen in der Altersstruktur [und] nicht durch eine Verschiebung auf der Zeitachse“ ergibt, liegt Deutschland mit 46,5 Jahren hinter Monaco und knapp vor Japan auf Platz 2. In den nächsten Jahrzehnten könnte es Prognosen nach um vier Punkte ansteigen. Ein Anstieg darüber hinaus ist unrealistisch – ebenso wie ein Absinken unter 15 Jahre. Geburtenstarke Jahrgänge, die älter werden, verlieren mit der Zeit an Bedeutung, weil ihre Gruppe mit zunehmendem Alter immer kleiner wird.

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Auch ohne religiöses Motiv ist der Täter von Dortmund ein Terrorist

Das Trauma wird den Spielern wohl bleiben, auch wenn der Täter nicht zur Terrormiliz des sogenannten Islamischen Staats gehört. (Foto: AP)
Aktienkurse als Motiv, dazu handwerkliche Professionalität, kriminelle Energie und Blödheit – der Anschlag auf den BVB-Bus wäre selbst als Plot für einen Fernseh-Krimi zu absurd. Aber er ist wahr, und er sät Angst.

Von Kurt Kister | Süddeutsche.de

In einer Zeit, in der Donald Trump im Weißen Haus sitzt und Facebook daran arbeitet, Gedanken zu lesen, sollte einen eigentlich nichts mehr wundern. Und dennoch ist der wahrscheinliche Hintergrund des Anschlags auf den Bus von Borussia Dortmund dermaßen absurd, dass die Tat selbst heute, da das Absurde normal zu werden scheint, besonders hervorsticht.

Ein junger Mann, Russlanddeutscher, ausgebildet als Elektroniker und belobigt in der Berufsschule, bastelt drei Bomben. Mit denen will er einen Bus voller Fußballer in die Luft sprengen, um so den Kurs ihres an der Börse notierten Vereins auf Talfahrt zu bringen und über vorher georderte Verlust-Optionen Geld zu verdienen. Selbst wenn man Tatort-Redakteur wäre, würde man so einen Plot als zu konstruiert ablehnen – und das heißt etwas angesichts der Tatsache, dass bei vielen dieser Fernsehkrimis ohnehin der fröhliche Gagaismus regiert.

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Skurril: Batterien aus Altglas

Aus Altglas werden in einem neuartigen Prozess Elektroden für Batterien hergestellt. © UC Riverside
Neuer Nutzen für leere Flaschen: Aus zermahlenem und weiterverarbeitetem Altglas haben Forscher ein Nanomaterial zum Bau von Batterie-Elektroden hergestellt. Knopfzellen mit diesen Nanosilizium-Anoden können bis zu vier Mal so viel Energie speichern wie konventionelle Batterien mit Graphit-Anoden. Der größte Vorteil sind aber die geringen Material- und Herstellungskosten der neuen Altglas-Batterie.

scinexx

Die Forschung erzielt immer neue Fortschritte beim Design kleinerer und leistungsstärkerer Batterien. So wurden zum Beispiel umweltfreundliche Akkus aus Katzengold vorgestellt oder neue Wege zur Optimierung der Ladekapazität getestet.

Als besonders vielversprechend gilt der Einsatz von nanoskaligem Silizium. Dieses eignet sich besonders gut als Anodenmaterial für Lithium-Ionen-Akkus, weil so leistungsstarke Batterien mit hoher Ladungskapazität realisierbar sind. Üblicherweise wird das Silizium mit aufwändigen und damit kostspieligen Prozessen aus Rohstoffen wie Gestein oder Pflanzen gewonnen.

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Ausgerechnet diese Firmen sorgten für Trumps Spendenrekord

Donald Trump bei seiner Amtseinführung im Januar Quelle: Getty Images/Getty Images North America
Bei seiner Amtseinführung hat Donald Trump einen Rekord aufgestellt: Er sammelte rund 107 Millionen Dollar Spenden ein.

DIE WELT

  • Barack Obama hatte bei seiner ersten Amtseinführung 53 Millionen Dollar an Spenden erhalten.
  • Besonders profitierte Trump bei den Spenden von Firmen, die noch auf Entscheidungen der US-Regierung warten.

US-Präsident Donald Trump hat mit der Spendenaktion während der Zeremonie zu seiner Amtseinführung im Januar eine Rekord-Summe von rund 107 Millionen US-Dollar gesammelt. Damit wurden Veranstaltungen rund um die Amtseinführung bezahlt, ein Teil des Geldes ist für karitative Zwecke eingeplant. Die Summe bricht den bisherigen Rekord, der vor acht Jahren bei Barack Obamas Amtseinführung aufgestellt worden war.

Nun zeigt sich jedoch, dass die erfolgreiche Aktion in diesem Jahr besonders von US-Firmen profitiert hatte, die sich derzeit in politischen Fragen der republikanischen Administration gegenübersehen. Das geht aus Dokumenten hervor, die am Mittwoch von der Kommission zur Wahlkampffinanzierung veröffentlicht worden sind. Demnach hat beispielsweise das Telekommunikationsunternehmen AT&T für die Veranstaltung im Januar 2,1 Millionen Dollar gespendet. Das Unternehmen wartet gerade darauf, dass auf Bundesebene die Fusion mit dem Medienkonzern Time Warner abgesegnet wird.

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Österreich pocht auf Schließung der Mittelmeer-Route

Seit Beginn des Jahres sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. dpa. Themenbild
Im Frühjahr und Sommer könnte es zu einem neuerlichen Anstieg der Flüchtlingszahlen kommen. Österreich will ein strikteres Vorgehen – auf dem Meer und nötigenfalls auch am Brenner.

Frankfurter Rundschau

In der Flüchtlingskrise setzt sich Österreich mit Blick auf die Mittelmeer-Route für eine rigide Kontrolle der Zuwanderung ein. Neben der geschlossenen Balkanroute sei es nun entscheidend, auch die Mittelmeer-Route dicht zu machen, sagte Österreichs Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP).

„Eine Rettung auf offener See kann kein Ticket nach Europa sein, weil man damit der organisierten Schlepperei jedes Argument in die Hand gibt, weiterhin Menschen von einer Flucht aus wirtschaftlichen Gründen zu überzeugen“, sagte Sobotka der Deutschen Presse-Agentur.

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Why Britain’s Snap Election Is Bad News for Science

Credit: Jay Allen Copyright: Crown Copyright
Theresa May has a questionable history with science and tech policies, and her leadership might now be extended.

By Ben Sullivan | MOTHERBOARD

With British Prime Minister Theresa May’s decision to force the UK into a last minute general election scheduled for June 8, the British people are looking down the barrel of a prolonged scientific and technological dark age.

If the Conservative Party wins the 2017 general election, its rule can be extended until at least 2022. Only nine months into her leadership, May’s policies on tech and science are a taste of things to come. Where do I start?

Oh yes.

In January, the government was accused of all but burying a significant climate change report. This was after May’s lips remained sealed following America’s inauguration of a president who once said climate change was a hoax and presides over an environmentally unfriendly White House. There are also worries that Brexit will lead to a lapse of Britain’s commitment to European climate change regulations.

May’s determination to a Hard Brexit is also hurting European scientists, many of whom are now looking to leave the UK, or debating their decision or ability to even study or research here in the first place.

Shortly before her ascension to leadership, acting as Home Secretary in May 2016, May also introduced the Psychoactive Substances Act, a policy that outlaws drugs known as legal highs, such as Spice, and substances capable of „stimulating or depressing the person’s central nervous system“ and affecting „the person’s mental functioning or emotional state“.

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Türkei: Buchungen bleiben im Keller

(c) imago stock&people
Reiseveranstalter Tui vermeldet um 90 Prozent weniger Buchungen als früher und streicht Flüge nach Antalya. Die deutsche Wirtschaft ist besorgt um Handelspartner.

Die Presse.com

Angesichts der unsicheren Lage in der Türkei, die sich mit dem Ausgang des Verfassungsreferendums fortsetzt, meldet der größte österreichische Reiseveranstalter, Tui, ein anhaltendes Buchungstief. Buchten zu Spitzenzeiten 100.000 Österreicher pro Sommersaison eine Türkei-Reise, liege man aktuell bei 10.000 bis 20.000. Bei Reiseveranstalter Der Touristik aus Frankfurt hält man sich vager: „Derzeit liegen wir für 2017 unter den vergleichbaren Vorjahreswerten für die Türkei.“

Die Geschäftsführerin von Tui Österreich, Lisa Weddig, zog am Dienstag in Innsbruck vor Journalisten die Konsequenzen aus der veränderten Buchungslage: Die Maschine, die bisher von Innsbruck nach Antalya flog, habe man gänzlich aus dem Programm gestrichen. „Stattdessen fliegen wir im Sommer 2017 jetzt nach Ibiza und Teneriffa“, erklärte sie. Von den massiven Rückgängen bei den Türkei-Reisen würden vor allem Griechenland und Zypern stark profitieren. Bei den Griechenland-Flügen verzeichnet der norddeutsche Konzern in der Sommersaison 2017 bereits ein Plus von 50 Prozent, bei Zypern ein Plus von 90 Prozent.

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Aus für “Kopp Online”: Eine Quelle für gefälschte Nachrichten geht offline

Das Kopp-Verlagshaus in Rottenburg Flickr / Metropolico.org / CC BY-SA 2.0
Mit Neuigkeiten über außerirdische Raumschiffe, die „Umvolkung“ oder „Warum Impfstoffe, Pestizide und Chemtrails die Top 3 der Massenvernichtungswaffen sind“, ist nach Verlagsangaben nicht genug Geld zu verdienen: Das “Nachrichtenportal” des Kopp-Verlags namens “Kopp Online” ist Geschichte.

Von Stefan Lauer | BellTower News

„Beim Kopp Verlag (…) fließen Gewinne. Jeden Tag werden 25.000 Bücher verkauft. Außerdem freut man sich über ein jährliches zweistelliges Wachstum beim Verlag.“ So steht es am Ende des aktuellsten Artikels, der auf „Kopp-Online“ veröffentlicht wurde. Das war am 10.03.2017, also mittlerweile vor mehr als einem Monat. Die Realität ist möglicherweise nicht ganz so rosig, denn seitdem herrscht Funkstille auf der Website mit dem Untertitel: „Informationen, die Ihnen die Augen öffnen“. Laut eines Facebook-Posts auf der Seite des  Verlages  wird das “Nachrichten”-Portal “Kopp Online” wegen “mangelnder Unterstützung der Leser” eingestellt.

Die Leser von Kopp-Online wären nicht die Leser von Kopp-Online, wenn sie nicht empört wären und eine Verschwörung wittern würden. Schon vor Jahren wurden auf anderen verschwörungsideologischen  Websites behauptet, die Bertelsmann-Gruppe hätte in den Verlag investiert, um eine Kontrolle über Veröffentlichungen zu erlangen. Diese Gerüchte bestätigten sie nie. Trotzdem sind sie auch jetzt wieder Thema. Tatsächlich passiert schon seit Ende 2016 nicht mehr sonderlich viel bei “Kopp-Online”. Die Ausnahme sind Artikel, die sich mit Neuerscheinungen befassen oder Berichte über Artikel anderer Medien, die den Verlag und sein Programm kritisieren. Ansonsten erschien nur noch eine wöchentliche Presseschau, die „aktuellen Weltnachrichten“, bei denen die Verfasser_innen unter Zwischenüberschriften wie „Dschihad“ oder „Bunte Vielfalt für die bunte Republik“ Artikel aus Publikationen teilen, die im Kopp-Universum ansonsten eher unter „Lügenpresse“ gehandelt werden.

Eine Stellungnahme von Kopp zur Einstellung der Website gibt es nur indirekt und auf Anfrage, denn auch das Social-Media-Angebot des Verlags liegt seit dem 10.03. brach. Die vielen Nachfragen besorgter Facebook-Fans, die staatliche Zensur vermuten, bleiben unbeantwortet. Am 20.03. antwortet die Facebookseite aber schließlich doch noch auf die Frage eines Nutzers, die er zwölf Tage vorher gestellt hat:

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Das weiße Gift

Wohnsilo in Miramar, gar nicht nett. Foto: Tom Appleton
Eigentlich suchte ich für den Titel nach einem Klassiker-Zitat wie „die Milch der frommen Denkungsart“ (Schiller) oder „the milk of human kindness“ (Shakespeare) — aber darum geht es mir heute einmal nicht. Es geht um das weisse Gift, das wir heute als „Milch“ verkonsumieren.

Von Tom Appleton | TELEPOLIS

Ich darf vielleicht einmal mit meiner häuslichen Situation beginnen, denn hier in Neuseeland, wo ich wohne, gilt die Milch als „gesund“ und als „Grundnahrungsmittel. In jedem Supermarkt ist die Abteilung für Milch und Milchprodukte, wie Käse, Joghurt, und so weiter, eine der größten. Ich wohne in der Hauptstadt, Wellington, und dort dann spezifisch im Stadtteil Miramar. „Miramar“ bedeutet auf Italienisch oder Spanisch so viel wie „Schau mal, das Meer.“ Von da, wo ich wohne, kann man das Meer eigentlich nicht sehen. Aber Sie können sehen, wo ich daheim bin, wenn sie diese Google-Daten eingeben.

Diese Szenerie ist schon etwas älter, hier ist noch ein neueres Foto aus meiner Kamera, aufgenommen an Ort und Stelle. Eine Freundin in Deutschland, der ich das Foto schickte, befand, die Gegend sei aber „gar nicht nett“. Was kann man wollen. Jedenfalls ist sie authentisch.

Links von meinem Wohnsilo in Grau und Gelb steht das Roxy, ein Kino das, ohne jetzt alle juristischen Feinheiten mitzuerwähnen, von Peter Jackson betrieben wird, dem zur Zeit immer noch bekanntesten neuseeländischen Filmemacher; also dem Mann, der den „Herrn der Ringe“ verfilmt hat. Wenn Sie dann die Park Road weiter entlang „fahren“, kommen Sie auch noch an weiteren Peter Jackson Stationen vorbei. Was Sie hier nicht sehen, ist der „New World“ Supermarkt — um die Ecke vom Roxy, auf den ich für viele meiner Einkäufe angewiesen bin.

Letzthin war ich wieder mal da und kaufte, so auf gut Glück, dies und jenes. Die meisten Menschen laufen ja im Supermarkt mit einer Einkaufsliste herum; dann kaufen sie aber doch etwas anderes, oder das, was sie kaufen wollten, gibt es gerade nicht, und so weiter. Die stets unsägliche Musik zerstreut auch noch zusätzlich ihre Gedanken.

Meine Tochter kennt ihren Einkaufsplan auswendig, sie hat einen Mann, vier Söhne und einen riesigen Kater. Sie weiß, wie schwer der Einkaufswagen ist, wenn sie für 350 Dollar Zeug eingekauft hat – und obwohl sie „bewusst“ und „kritisch“ kauft, sind ihre Optionen oft eingeschränkt. Sie kann neben dem stets quengeligen Dreijährigen einfach nur soviel kaufen, nur soviel ins Auto packen, und nur solange unterwegs sein, bis sie schon den Sechsjährigen aus der Schule abholen muss.

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Klinik wirbt für Krebs-Behandlung – mit toten Patienten

Das Medias-Klinikum in Oberbayern lockt verzweifelte Krebskranke aus aller Welt an. Es wirbt damit, hoffnungslosen Fällen geholfen zu haben. Doch viele der angeblich geheilten Patienten sind längst gestorben.

Von Christina Berndt | Süddeutsche.de

Endlich mal eine gute Geschichte über den Krebs. So las es sich wenigstens. „Michaela hat ihr Leben zurück“, stand im Februar 2013 in der Münchner Abendzeitung. Die damals 37-jährige Briefträgerin aus der Nähe von Altötting hatte Brustkrebs im Endstadium. Ihre Ärzte sagten, sie könnten nichts mehr für sie tun. Doch Professor Karl Aigner vom privaten Medias-Klinikum im oberbayerischen Burghausen behandelte Michaela K. trotzdem mit einer speziellen Chemotherapie. Tatsächlich schrumpfte ihr Tumor, und die Abendzeitung empörte sich nun („Krebs geheilt! Jetzt soll sie zahlen“), dass K.s Krankenkasse die Rechnung in Höhe von 40 000 Euro nicht vollständig übernahm.

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TV-Gottesdienst aus Bethel mit Bundespräsident

Mit einem von der ARD übertragenen Festgottesdienst feiert das Diakoniewerk Bethel heutigen Ostermontag sein 150-jähriges Bestehen.

evangelisch.de

Die Predigt hält die westfälische Präses Annette Kurschus, die auch stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Im Gottesdienst in der Zionskirche in Bielefeld-Bethel berichten Menschen mit Behinderungen aus ihrem Alltag. Zum Festgottesdienst werden auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender erwartet.

Vor 150 Jahren begann in Bethel die Arbeit mit der Fürsorge für epilepsiekranke Jugendliche. Bethel gilt heute mit rund 18.000 Mitarbeitern als eines der größten diakonischen Unternehmen Europas.

Kirchenschätze im Verborgenen

Die alten Fenster der Gustav-Adolf-Kirche Niederursel sind inzwischen eingelagert. Foto: christoph boeckheler
Der evangelische Regionalverband Frankfurt sucht nach repräsentativen Lagermöglichkeiten für Kunstwerke. Dort sollen Artefakte unterkommen, die nach Kirchen-Umbauten keinen Platz mehr finden.

Von Julian Loevenich | Frankfurter Rundschau

Zu sehen gibt es eigentlich viel und doch wieder nicht. Denn die alten Fenster der Niederurseler Gustav-Adolf-Kirche schlummern jetzt in Holzkisten, extra angefertigt, als Schutz, auf unbestimmte Zeit verschlossen. „Was damit passiert, wissen wir noch nicht“, sagt Renate Stecay.

Stecay ist Archivarin beim Evangelischen Regionalverband Frankfurt. Sie ist damit zuständig für das neu entstandene Reliktenlager des Verbandes. Darin werde alles aufbewahrt, was schützenswert sei, sagt Stecay. Aber keinen Platz mehr gefunden hat an seinem angestammten Platz. Etwa, wenn Kirchen, wie die in Niederursel, umgebaut werden.

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Woher kommt der Schlick in der Elbmündung?

© Franziska Gilli. Tanja Schlampp und Peter Roland laufen am Strand des Seeheilbades Cuxhaven durch den Schlick im Watt.
In Cuxhaven legt sich unheimlicher Schlamm über das Watt. Bürger fürchten Gifte – und machen die Elbvertiefung verantwortlich.

Von Jörn Wenge | Frankfurter Allgemeine

Peter Roland ist nach Cuxhaven gezogen, um seinen Ruhestand an der Küste zu genießen. Mittlerweile aber ist für den pensionierten Amtsrat, der in Wuppertal im Ordnungsamt gearbeitet hat, aus dem Ruhestand ein Unruhezustand geworden. Schuld daran, sagt der Vierundsechzigjährige, ist nicht zuletzt ein „persönliches Verklappungserlebnis“. Roland war im September vergangenen Jahres bei Ebbe durch das Watt auf die Insel Neuwerk gewandert. Als die Flut einsetzte, fuhr er mit einem Ausflugsschiff zurück nach Cuxhaven. Dabei erblickte er ein Baggerschiff. Offenbar randvoll gefüllt mit einem Gemisch aus Schlick, Sand und Wasser, lag es ganz tief in der See, erinnert sich Roland.

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Verzierungstrend: Frohes Mustern

In der Osterzeit werden vor allem Hühnereier bemalt und gefärbt – über das Jahr hinweg verziert der Mensch fast alles. (Foto: dpa)
Ostereier, Haare, Cappuccino-Schaum und sogar Pferde – der Mensch muss fast alles verschnörkeln oder färben. Woher kommt der Drang zur Verzierung?

Von Laura Hertreiter | Süddeutsche.de

Wo nichts ist, herrscht Leere. Und Leere erträgt der Mensch offensichtlich schlecht. Auf dem Kaffee zum Beispiel: Der ist heute nur dann noch ordentlicher Kaffee, wenn darauf Milchschaum in Form von Schwänen und Blattwerk in die Tassen geschwenkt wurde. Wie auch der Fußballer nur noch ein echter Fußballer ist, wenn er sich wenigstens einmal seltsame Muster ins Haupthaar einrasieren lässt.

Der Mensch malt, fräst, schnitzt, stickt und sprayt, wo auch immer ihm die Leere entgegengähnt. Er strichelt und punktet und kariert und liniert. In den vergangenen Tagen bevorzugt auch auf Eierschalen, denn ein Ei ohne Dekor ist kein Osterei. Woher aber kommt der Drang, jede noch so kleine Freifläche zuzumustern?

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Helfer retten 3000 Flüchtlinge im Mittelmeer

Seit Beginn des Jahres sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. dpa – Themenbild
„Wir mussten uns noch nie um so viele Menschen gleichzeitig kümmern“, sagt eine Helferin. Am Samstag haben Hilfsorganisation etwa 3000 Menschen vor der Küste Libyens geborgen.

SpON

Schiffe der italienischen Küstenwache und von privaten Hilfsorganisationen haben am Samstag 35 Rettungsaktionen gestartet, um rund 4000 Bootsflüchtlinge vor der libyschen Küste aufzunehmen. 15 Einsätze gingen bis in die Nacht zum Sonntag, wie die Küstenwache mitteilte. Nach Angaben der deutschen Nichtregierungsorganisation Jugend Rettet wurden am Samstag rund 3000 Menschen gerettet.

Bei Einbruch der Dunkelheit hätten mehr als tausend Menschen noch auf ihre Rettung gewartet, sagte Pauline Schmidt, Sprecherin von Jugend Rettet. Sechs Schlauchboote trieben noch in der Nähe ihres Schiffes. „Wir mussten uns noch nie um so viele Menschen gleichzeitig kümmern“, sagte Schmidt. Weitere Schiffe wurden zur Ablösung erwartet.

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Neuer Leak: „Die Mutter aller NSA-Exploits“ veröffentlicht

foto: apa Mit den NSA-Tools sind nun Millionen Windows-Rechner in Gefahr
Hackergruppe „Shadow Brokers“ veröffentlichte Hackertools des US-Geheimdienstes

Von Markus Sulzbacher | derStandard.at

Wieder sorgt die ominöse Hackergruppe „Shadow Brokers“ für Schlagzeilen. Die Gruppe, die in den vergangenen Monaten bereits NSA-interne Programme und Informationen veröffentlichte, legte am Freitag neue Enthüllungen nach. Und Diese haben es in sich: US-Medien sprechen sogar vom „schlimmsten Leak seit Snowden“.

Kein Schutz für Windows

So finden sich in den von den Hackern veröffentlichten Dateien auch Programme der NSA, mit denen es möglich ist, Windows-Rechner zu hacken und vollständig zu kontrollieren. Diese sogenannten Exploits funktionieren auf Rechnern mit Windows XP bis Windows 8. Servervarianten aus dem Hause Microsoft sind mit diesen Tools ebenfalls ein leichtes Ziel für Angreifer.

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