Drittes Reich: Audi stellt sich endlich seiner dunklen Historie

Das Logo des Herstellers Auto Union am Kühlergrill eines DKW Meisterklasse F7 von 1938. Das Audi-Vorgängerunternehmen beutete in der NS-Zeit Zwangsarbeiter aus. (Foto: dpa)
  • Nach sieben Jahrzehnten stellt sich der Ingolstädter Autokonzern Audi allmählich seiner Vergangenheit im Dritten Reich.
  • KZ-Häftlinge mussten in den Fabriken während der NS-Zeit Zwangsarbeit leisten. Bei Audi tat man lange so, als ginge einen das Thema nichts an.
  • Nun gerät doch einiges in Bewegung – noch gibt es nämlich Zeitzeugen.

Von Uwe Ritzer | Süddeutsche Zeitung

Eine runde Marke aus grauem Blech, etwas größer als früher ein Fünf-D-Mark-Stück. Darauf ist nur die Zahl 280 eingestanzt. „Ich musste sie vorne am Revers tragen“, sagt Helga Kinsky, 88. Damals hieß sie noch Pollak und war 14 Jahre alt. Ein halbes Kind noch, halb verhungert, in zerlumpten Kleidern. 280 war ihre Arbeitsnummer. „Auf den Rücken malten sie uns mit Ölfarbe groß ‚KL‘, damit man uns schon von Weitem identifizieren konnte.“ KL für Konzentrationslager.

Mehr als siebzig Jahre später erhielt die in Wien lebende Jüdin einen Brief aus Ingolstadt. „Sie gehören zu den Damen, die von 1944 bis 1945 von der Auto Union-Tochter Agricola GmbH unter unwürdigen Umständen ausgebeutet wurden und viel Leid erfahren mussten“, heißt es da. „Hierfür möchten wir Sie aus tiefstem Herzen um Entschuldigung bitten.“ Es ist ein einfühlsam formuliertes Schreiben, in dem Audi verspricht, dieses „dunkelste Kapitel in unserer Historie“ nun aufzuarbeiten und Helga Kinsky um Mithilfe bittet.

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Türkei: Der Absturz der Lira wird zum Problem für Erdogan

Finanzmärkte sind alarmiert und Ökonomen warnen, dass die türkische Wirtschaft in den nächsten Wochen zusammenbrechen kann

Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Kapitalflucht, die türkische Lira auf Talfahrt gegenüber Dollar und Euro, schrumpfende Devisenreserven: Mehrere internationale Ökonomen prophezeien den baldigen Zusammenbruch der türkischen Wirtschaft. Die Anhänger Erdogans verbreiten dazu wie üblich Verschwörungstheorien: Angeblich bereiten die westlichen Finanzmärkte einen wirtschaftlichen Putsch vor, nachdem es dem Westen vor zwei Jahren nicht gelungen sei, Erdogan durch den Putschversuch im Juli 2016 zu kippen.

Reflexartig reagieren türkische Politiker auf den herannahenden Exitus der türkischen Wirtschaft mit Schuldzuweisungen in Richtung Europa und USA. Nicht die verfehlte Wirtschafts- und Zinspolitik Erdogans und seines Clans, nicht die selbstverschuldete Immobilienblase sei schuld an der Misere, sondern ausländische Spekulanten und einflussreiche Investoren würden versuchen, die türkische Lira in Grund und Boden zu spekulieren.

Der Wirtschaftswissenschaftler Muratoglu weist diese Verschwörungstheorien zurück: Nicht äußere Mächte, sondern ein schlechtes internes Management sei schuld an der Misere. Die Regierung würde versuchen, die Menschen im Lande Glauben zu lassen, dass, wenn Erdogan gegen „fremde Mächte“ kämpft, es am Ende allen Menschen im Lande besser gehen würde.

Ein äußerer Feind wird geschaffen, gegen den es Krieg zu führen gilt. Dafür sollen die Bürger einige Dinge ertragen, Opfer bringen und die Verarmung akzeptieren. Allerdings ist für die Bevölkerung kaum noch durchschaubar, wer nun der Feind ist, mal ist es Donald Trump, mal Macron, mal Merkel. Merkwürdigerweise schüttelt Erdogan am Ende wieder väterlich staatsmännisch die Hände seiner vermeintlichen Feinde, meint Muratoglu.

Mangelnde Problemeinsicht und das Suchen nach äußeren Schuldigen kennen wir vor allem von Kindern und pubertierenden Jugendlichen, die sich egozentrisch im Zentrum des Geschehens wahrnehmen und ihr eigenes Handeln nicht selbstkritisch aus der Distanz betrachten können.

Der im Zenit seiner Macht angelangte türkische Präsident ist ähnlich gestrickt. Psychologen würden ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostizieren. Daran, dass die Ratingagentur Fitch die Türkei in der Bonitätsnote kürzlich auf BB, d.h. auf das Level von Vietnam oder Guatemala herunterstufte, ist nach Erdogans Verständnis der Westen schuld.

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Die AfD distanziert sich von ihrer «Swiss Connection»

Bild: nzz.ch
Laut dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» hat die AfD ihrem ominösen Unterstützerverein und dessen Schweizer Werber Alexander Segert verboten, in ihrem Namen Wahlkampf zu betreiben. Es geht um den Verdacht illegaler Parteifinanzierung.

Christina Neuhaus | Neue Zürcher Zeitung

Wer finanziert eigentlich den massiven Wahlkampf der AfD? Diese Frage beschäftigt Deutschland seit den Landtagswahlen von 2016. Damals konnte die Partei auf die grosszügige Unterstützung anonymer Gönner zählen. Eine ominöse Vereinigung mit dem Namen Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten startete eine grossangelegte Werbeoffensive, zu der neben Plakataktionen auch eine Gratiszeitung mit dem Namen «Extrablatt» gehörte.

Mittlerweile ist bekannt, wer der Gestalter des Gratisblatts war. Es ist der Inhaber der Schweizer Werbeagentur Goal, Alexander Segert, der sich in der Schweiz einen Namen als Schöpfer der SVP-Schäfchen-Plakate gemacht hat. In einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» gab Segert vor einem Jahr an, im Auftrag des Vereins das Sekretariat zu führen. Er sei allerdings nicht Teil eines von den deutschen Medien zusammenphantasierten rechten Netzwerks. Das falle «schwer in den Bereich von Verschwörungstheorien». Die Aufträge, die er für den Verein erledige, gehörten zu den Grundleistungen einer PR-Agentur.

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Bundeswehr: Bald offen für Ausländer?

Bundeswehrsoldaten in Bosnien. Foto (2002): U.S. Air Force / gemeinfrei
Personalmangel: Laut Verteidigungsministerium würden alle Optionen geprüft. Budget-Berechnungen ziehen jedoch Grenzen. Die Aufrüstung hat offenbar Vorrang

Thomas Pany | TELEPOLIS

Im Bundesverteidigungsministerium werden wieder einmal Möglichkeiten durchgespielt, wie man die Truppe vergrößern könnte. Das für Laien eigentümlich anmutende Fachwort dafür lautet „Aufwuchs“. In der Managersprache der Verteidigungsministerin lautet das Konzept für stärkeren Aufwuchs „Trendwende Personal“ („Erstmals seit Ende des Kalten Krieges sollen die Streitkräfte wieder wachsen“). Es stammt von Mai 2016 und postuliert als Ziel 198.000 Soldatinnen und Soldaten bis 2024.

Derzeit, Stand 16.Juli 2018, umfasst die Bundeswehr 178.904 „aktive Soldaten und Soldatinnen“.

Geht es nach Informationen der Augsburger Allgemeinen, die heute von vielen Medien aufgegriffen werden, so funktioniert die Rekrutierung (trotz Eigenlob der Bundeswehr über den Erfolg der Werbekampagne „Die Rekruten“) nach wie vor nicht besonders.

Im Artikel ist wörtlich von „Personalnot bei den Streitkräften“ die Rede. Um dem abzuhelfen, würden „Überlegungen immer konkreter, Ausländer in die Bundeswehr aufzunehmen“, berichtet die Zeitung. Und mehr noch: Es werde im Ministerium darüber diskutiert, ob man das Angebot dadurch attraktiver macht, indem man die deutsche Staatsangehörigkeit anbietet.

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Was darf ich eigentlich anziehen, wenn ich tot bin?

Julia Friese wundert sich oft, wie abseitig das Leben sein kann Quelle: Infografik WELT, Foto: CHRISTIAN WERNER
Darf man nackt beerdigt werden? Oder seinen liebsten PVC-Regenmantel mit ins Grab nehmen? Julia Friese hat bei einem Bestatter nachgefragt – und sich gewundert. Es scheint, auch im Tod werden wir dieses zivilisatorische Leben einfach nicht los.

Von Julia Friese | DIE WELT

Mit anderen leben heißt, sich vor ihnen zu verstecken. Denn Zivilisation bedeutet Kleidung. Nackt zu sein kommt im öffentlichen Raum meist nicht besonders gut an. Aber sterben tun wir ja alleine, sagte ich, als ich letztens mal nicht alleine war, und erzählte, dass ich gerne nackt beerdigt werden würde.

Die Augenbrauenpaare am Tisch hoben sich. Ich glaube, das geht nicht, Julia, sagte mir eine Freundin mit diesem Unterton, der mir signalisieren sollte, dass sie mich grundsätzlich – und meine Aussage im Speziellen – wohl so ein bisschen irre findet.

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Führt weniger Religion zu mehr Wohlstand?

Foto: apa
Es ist eine Henne-Ei-Frage: Führt mehr Wohlstand zu einer geringeren Glaubensfestigkeit? Oder sorgt erst Säkularisierung für breiter verteilten Reichtum?

Von Daniel Lingenhöhl | Spektrum.de

Einige der reichsten Nationen der Welt sind gleichzeitig auch die am wenigsten religiösen – allen voran Deutschland. Umgekehrt sind gerade Menschen in sehr armen Staaten laut den Statistiken besonders gläubig. Die Ölstaaten am Golf sind hiervon wohl jeweils eine Ausnahme, ebenso wie vielleicht die USA, die unter den westlichen Industriestaaten wahrscheinlich die höchste Zahl an bekennenden Gläubigen aufweisen. Für einige Wissenschaftler liegt es dennoch nahe, einen Zusammenhang zwischen beiden Aspekten zu sehen. Nur: welchen? Führt wachsender Wohlstand zu einem Rückgang an Religiosität? Davon gingen viele Sozialwissenschaftler in der Vergangenheit aus. Wissenschaftler um Damian Ruck von der University of Bristol drehen dies nun mit einer neuen statistischen Analyse in »Science Advances« um: Ihre Daten legen nahe, dass die Säkularisierung dem Wohlstandsgewinn vorausgegangen ist – und womöglich sogar die Voraussetzung dafür war.

Sie werteten dazu verschiedene Messwerte zur Säkularisierung aus 109 Ländern und einem Zeitraum von 1910 bis 2014 mit Hilfe einer Regressionsanalyse aus und kamen damit zu einem eindeutigen Ergebnis. »Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich Gesellschaften zuerst säkularisierten und danach wohlhabender wurden – und nicht andersherum«, so Ruck. Je mehr die Werte für Säkularisierung anstiegen, desto stärker schlug sich das im Bruttosozialprodukt nieder.

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Salvini: Libyens Häfen müssen sichere Häfen werden

Foto: sea-eye.org/media
Die Internationale Organisation für Migration spricht von Hundertausenden „illegalen Migranten in Libyen“. Italien will – zusammen mit NGOs – die Bedingungen in den Lagern verbessern

Thomas Pany | TELEPOLIS

In Libyen sollen sich gegenwärtig mehr als 650.000 Migranten aufhalten, die ohne Visa über die Grenzen gekommen sind und keine Aufenthaltserlaubnis haben („illegale Migranten“), bestätigte Othman Blebeisi (IOM), wie der Libya Observer am Donnerstag berichtete.

Osman Belbeisi ist der Chef des libyschen Zweigs der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und „bestätigen“ ist ein etwas zu solides Wort für eine Einschätzung, die schwer zu leisten ist. Die andere Zahl Belbeisis, die gestern in internationalen Medien Beachtung fand, verweist auf einen Anstieg von 5.000 auf 9.300 Menschen in den Migrantenlagern – mit „weiteren Tausenden, die auf die Gnade der Schmuggler angewiesen sind, die die Aufsicht über inoffizielle Haftanstalten haben“, schreibt der britische Guardian.

„Dort ist die Wahrscheinlichkeit für Missbrauch größer“, ergänzt The National aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. 2017 sollen es 40.000 Migranten weniger in Libyen gewesen sein, so der Libyan Express. Dort ist zu erfahren, dass der Anstieg der Migranten, die in Lagern festgehalten werden, von 5.000 auf 9.300 innerhalb von drei Monaten passiert sein soll.

Es sei absurd, solche Zahlen überhaupt in Umlauf zu bringen, kommentiert der libysche Beobachter Jalel Harchaoui. Niemand kenne die Zahl der Migranten, die in Libyen festgehalten werden. Nicht einmal die Größenordnung sei bekannt. Keiner wisse was Genaueres.

Ausgangspunkt für die Zahlen war eine Pressekonferenz von IOM-Libyen-Chef Othman Belbeisi. Der überraschte einerseits mit einer differenzierteren Einschätzung der Arbeit der libyschen Küstenwache als die übliche Aburteilung: „In der Zusammenarbeit mit ihr sehen wir Gutes und Schlechtes. Wir müssen diejenigen unterstützen, die gute Arbeit machen und wir müssen die anderen strafrechtlich verfolgen, die gegen Menschenrechte verstoßen.“

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Präparate aus Griechenland: Handel mit gestohlenen Krebsmedikamenten

Bild: tagesschau.de
Eine Brandenburger Firma soll jahrelang in ganz Deutschland Krebsmedikamente vertrieben haben, die offenbar aus Griechenland gestohlen wurden. Die griechische Polizei warnt vor Gefahr für Gesundheitsrisiken.

tagesschau.de

Fragwürdige Medikamente gegen Krebserkrankungen sind offenbar in Deutschland in den Arzneihandel gelangt: Die Brandenburger Firma „Lunapharm“ steht im Verdacht, jahrelang gestohlene Medikamente im Wert von mehreren Millionen Euro vertrieben zu haben.

Das geht aus einer Rückrufliste des brandenburgischen Gesundheitsministeriums hervor, die dem rbb vorliegt. Demnach sind Apotheken und Pharmahändler in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Hamburg, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt zwischen 2015 und 2017 von „Lunapharm“ mit Medikamenten beliefert worden. Die Firma selbst bezog die Mittel demnach von einer griechischen Apotheke, die in Deutschland keine Großhandelslizenz hatte.

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Kirchen verlieren 2017 mehr als 600.000 Mitglieder

Der Mitgliederschwund in den beiden großen Kirchen setzt sich fort. Schuld ist vor allem der demografische Wandel: Mehr Mitglieder sterben als neue hinzukommen. 2017 stieg in beiden Kirchen aber auch die Zahl der Austritte.

evangelisch.de

Die großen christlichen Kirchen in Deutschland verlieren weiter Mitglieder. 2017 sank die Zahl der Mitglieder der evangelischen Kirche auf 21,5 Millionen. 23,3 Millionen Menschen gehörten der katholischen Kirche an, wie aus den am Freitag von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten Statistiken hervorgeht. Die 20 protestantischen Landeskirchen haben dabei mehr Mitglieder (390.000) verloren als die 27 katholischen Bistümer (270.000).

Der Mitgliederschwund summierte sich damit bei beiden Kirchen auf 660.000. 2016 waren es insgesamt rund 530.000 verlorene Mitglieder. Dennoch gehört noch mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Bevölkerung einer der beiden großen Kirchen an. Hinzu kommen Christen aus orthodoxen oder Freikirchen.

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Zahl der Kirchenaustritte wieder leicht gestiegen

© Bild: Jürgen Fälchle/Fotolia.com
Die Deutsche Bischofskonferenz hat ihre Jahresstatistik für 2017 veröffentlicht. Und diese enthält eine betrübliche Nachricht: Die Zahl der Kirchenaustritte ist wieder gestiegen. In anderen Bereichen des kirchlichen Lebens gab es dafür durchaus erfreuliche Entwicklungen.

Kilian Martin | katholisch.de

Erstmals seit zwei Jahren ist die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche in Deutschland wieder gestiegen. Im Jahr 2017 haben 167.504 Gläubige vor den staatlichen Behörden ihren Austritt erklärt. Damit liegt die Zahl der Katholiken in Deutschland bei 23.311.321, wie die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) am Freitag in Bonn mitteilte. „Wir sind dankbar, dass rund 28 Prozent der Bevölkerung in unserem Land zur katholischen Kirche gehört“, erklärte DBK-Sekretär Hans Langendörfer zur Vorstellung der Jahresstatistik.

Zur gegenüber dem Vorjahr um etwa drei Prozent gestiegenen Zahl der Austritte (2016: 162.093) sagte Langendörfer: „Die Anzahl der Kirchenaustritte schmerzt.“ Es sei daher gut, dass die Bistümer teilweise in Erhebungen die Gründe für diesen Schritt erforschen.

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Weil es um Leben und Tod geht

Ein Kind erhält in einer onkologischen Tagesklinik bei einer Chemotherapie eine Infusion.Foto: Matthias Balk/dpa
Der Skandal um Krebsmedikamente trifft nicht nur Brandenburg, sondern ganz Deutschland. Nötig sind politische Konsequenzen. Der Staat hat seine Bürger nicht geschützt.

Von Alexander Fröhlich | DER TAGESSPIEGEL

Das darf nicht passieren. Weil es um Leben und Tod geht. In Brandenburg hat das Landesgesundheitsamt bei einer seiner Kernaufgaben versagt: bei der Arzneimittelüberwachung. Deshalb wurden vermutlich unwirksame Krebsmedikamente für die Chemotherapie verkauft und Patienten verabreicht, für die die Therapie die Rettung sein kann, eine Chance, die letzte vielleicht.

Im Kern geht es beim Arzneimittelrecht um die Abwehr von Gefahren für die Patienten. Der Staat übernimmt eine Fürsorgepflicht für seine Bürger. Die hat das zuständige Landesamt nicht erfüllt.

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Die fünf grössten Fleisch- und Milchkonzerne der Welt verursachen zusammen mehr Treibhausgase als ExxonMobil, Shell oder BP

Vor allem in reichen Ländern wird zu viel Milch und Fleisch produziert, konsumiert und exportiert. (Bild: Regis Duvignau / Reuters)
Zwei NGOs zeigen auf, dass der Fleischkonsum in den reichen Ländern einen gewaltigen Anteil am Klimawandel hat. Ihre Empfehlungen für den Einzelnen sind aber alles andere als radikal.

Esther Widmann | Neue Zürcher Zeitung

Bei der Suche nach den Verantwortlichen für den Klimawandel gehören Ölkonzerne sprichwörtlich zu den üblichen Verdächtigen. Überraschender dürfte für viele deshalb sein: Die fünf grössten Fleisch- und Milchkonzerne der Welt sind zusammen für mehr Treibhausgase verantwortlich als Ölkonzerne wie ExxonMobil, Shell oder BP. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Institute for Agriculture and Trade Policy (IATP), eine Non-Profit-Organisation mit Büros in Minneapolis und Genf, zusammen mit der NGO Grain durchgeführt hat. Beide Organisationen setzen sich für nachhaltige Landwirtschaft ein.

Demnach emittieren die Fleisch- und Milchproduzenten JBS, Tyson, Cargill, Dairy Farmers of America sowie Fonterra zusammen 578,3 Millionen Tonnen Treibhausgase pro Jahr und liegen damit – wenn auch knapp – vor dem grössten Ölkonzern der Welt, ExxonMobil mit 577 Millionen Tonnen. (Allerdings ändert das nichts daran, dass ExxonMobil, Shell und BP zusammen 1,5 Milliarden Tonnen und damit so viel klimaschädliche Emissionen verursachen wie Japan.)

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Diesel-Skandal: 20 Milliarden Euro Bußgelder gefordert

Bild: Robert-Lehmann/DUH
Noch immer bleibt der Einsatz von Betrugssoftware in Diesel-Pkw in Deutschland weitgehend ungesühnt. Umweltschützer wollen sich nicht damit abfinden

Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Seit nun mehr annähernd vier Jahren schwappt der Diesel-Betrug-Skandal durch die Medien, mal auf größere, mal auf geringere öffentliche Aufmerksamkeit treffend (hier eine Chronologie der Ereignisse). Aber mit richtig schmerzhaften Konsequenzen müssen die beteiligten Konzerne hierzulande bisher kaum rechnen.

Wohl gab es die eine oder andere Festnahme – überwiegend in der zweiten und dritten Reihe – und auch ein paar Bußgelder, aber von jenen gut 25 Milliarden Euro, die die bewusst irreführende Manipulation der Emissionswerte auf dem Teststand VW in den USA gekostet haben, ist man hierzulande weit entfernt. Daran zeigt sich unter anderem mal wieder, wie wichtig auch in den Zeiten der Globalisierung die Mutterländer für die Konzerne sind, die bei Bedarf die schützende Hand über sie halten.

Die Frage ist indes, ob sich geprellte Käufer und unter den Stickoxidbelastungen leidende Bürger dies von ihren Regierungen bieten lassen. Die Deutsche Umwelthilfe, die aus dem konservativen und rechtsextremen Lager immer wieder wegen ihrer beharrlichen Aufklärungsarbeit und ihrer Klagen gegen untätige Behörden angegangen wird, ist nicht bereit, die Sache auf sich sitzen zu lassen.

Nach ihrer Ansicht muss Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, „endlich geltendes Recht durchsetzen und Bußgelder in der nach EU-Recht geforderten Höhe gegen die betrügerischen Autokonzerne zu verhängen“.

Bei etwa vier Millionen hierzulande zugelassenen Diesel-Pkw seien „betrügerische Abschalteinrichtungen amtlich nachgewiesen“. Die DUH geht davon aus, dass in nächster Zeit noch weitere Euro-5- und -6-Diesel-Pkw-Modelle mit Betrugssoftware hinzu kommen und es in Deutschland insgesamt um elf Millionen Pkw geht.

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Nordatlantik: Streit um die Umwälzpumpe

Die nordatlantische Umwälzströmung ist ein entscheidender Akteur im Klimaystem. © Peter Hermes Furian/ iStock
Umstrittene Strömung: Eine neue Studie zur nordatlantischen Umwälzströmung liefert Zündstoff. Denn sie widerspricht den gängigen Theorien zur Klimawirkung dieser Strömungspumpe. Demnach ist nicht der Klimawandel an der Abschwächung dieser Umwälzpumpe schuld, sondern umgekehrt die Umwälzpumpe an der aktuellen Erwärmung des Klimas, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten. Dem allerdings widersprechen einige renommierte Klimaforscher vehement.

scinexx

Der Nordatlantik ist eine Schlüsselregion für die globalen Meeresströmungen, aber auch für das Klima Europas. Denn hier liegt eine der großen Umwälzpumpen der Ozeane: Vor Grönland sinkt warmes, salziges Wasser in die Tiefe und strömt dann abgekühlt in der Tiefe nach Süden. An der Meeresoberfläche zieht dies warmes Wasser aus den Tropen nach.

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NATO, Nord Stream und Europa: Geschäftsabschlüsse zählen

LNG-Importterminal in Świnoujście, Polen. Bild: Polskie LNG S.A./CC BY-SA-4.0
Der US-Präsident verknüpft Rüstungs- mit der Energiepolitik und macht den Verkäufer der amerikanischen „Exportschlager“ Waffen und Fracking-Gas

Malte Daniljuk | TELEPOLIS

Regelmäßig hatte die offizielle Außenpolitik der EU im vergangenen Jahr neue Schocknachrichten zu verarbeiten. Zumeist verursachte ausgerechnet die Regierung desjenigen Staates diese Zwischenfälle, die nominell weiterhin als der engste Verbündete gilt.

Inzwischen dürfte sich aber auch unter treuesten Transatlantikern herumgesprochen haben, dass der amtierende US-Präsident die EU und insbesondere Deutschland als unliebsame Konkurrenten betrachtet. Realistisch betrachtet handelt es sich dabei um keine Neuigkeit, aber in seiner unnachahmlichen Art bringt Donald Trump diese Haltung deutlicher zum Ausdruck als seine Vorgänger.

Entgegen jedem Protokoll verknüpfte Donald Trump öffentlich die Rüstungs- mit der Energiepolitik. Angeblich, so lamentierte der Geschäftsmann, würde Deutschland „50, 60 oder sogar 70 Prozent“ seiner Energie aus Russland beziehen.

Aber für die Aufrüstung im Rahmen der NATO gebe die Bundesrepublik immer noch weniger als zwei Prozent ihres BIP aus. Deutschland sei wegen russischer Gaslieferungen ein „Gefangener Russlands“, klagte Trump und jammerte, dass die Bundesrepublik „Milliarden über Milliarden“ für Gas an Russland zahle und sich gleichzeitig von der NATO vor Russland beschützen lasse.

Diesen Text trug der amerikanische Präsident ausgerechnet auf den NATO-Gipfel vor. Dabei ist die Bundesregierung den amerikanischen Forderungen bereits erheblich entgegengekommen. Schon die eingeplante Aufrüstung wird den deutschen Rüstungsetat massiv vergrößern. Wie von der Trump-Regierung gefordert, wird ein großer Teil dieser Steuermittel direkt an die amerikanischen Rüstungsschmieden fließen.

So schlossen Frankreich und Deutschland gerade einen Vertrag über Flugzeuge des Typs C-130J-30 Super Hercules mit dem Rüstungsunternehmen Lockheed Martin. Nach Angaben des US-Außenministeriums hat alleine der deutsche Beschaffungsauftrag ein Gesamtvolumen von etwa 1,1 Milliarden Euro.

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Mit Gentech gegen Alterskrankheiten

Interpretierbar: Aus ihrer DNA-Struktur können Computer inzwischen das Aussehen von Menschen rekonstruieren. (imago/stock&people/Science Photo Library)
In Darmstadt feiert das Unternehmen Merck dieses Jahr seinen 350. Geburtstag – und hat dazu Dutzende Spitzenforscher einfliegen lassen, die bei der Zukunftskonferenz „Curious 2018“ Einblicke in die Technologien von morgen geben. Darunter auch der Genomforschungspionier Craig Venter, der aktuell daran arbeitet, Alterskrankheiten auszubremsen.

Michael Lange im Gespräch mit Ralf Krauter | Deutschlandfunk

Ralf Krauter: Die Liste der Referenten liest sich wie das „Who is Who“ der Wissenschaft: Die CRISPR-Entdeckerin Emmanuelle Charpentier ist dabei, der Virusforscher Harald zur Hausen sowie vier weitere Nobelpreisträger, der ESA-Astronaut Thomas Reiter und der US-Genomforscher Craig Venter. Auch der Wissenschaftsjournalist Michael Lange ist nach Darmstadt gefahren, um sich das Treiben im Kongresszentrum anzuschauen. Michael, ist das eher ein Schaulaufen der Wissenschafts-Promis, oder lässt sich bei dieser Konferenz wirklich Neues erfahren?

Michael Lange: Die Eröffnung erinnerte wirklich eher an eine Oscar-Verleihung als an eine nüchterne, seriöse Wissenschaftskonferenz. Bombastische Musik, Multimedia-Effekte – und alles perfekt organisiert. Auch das Publikum bei dieser Konferenz ist sehr ungewöhnlich: Weniger Wissenschaftler, dafür sehr viele Wirtschaftsvertreter – also mehr Anzüge als T-Shirts. Aber die Vortragenden, das waren tatsächlich meist Wissenschaftler, denn das sollten Leute sein, die die Zukunft gestalten, die mit ihren Ideen und Visionen das planen, was auf uns zukommt. Das war dem Veranstalter Merck wichtig. Und zu diesen Visionären gehört Craig Venter ja auf jeden Fall dazu.

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Gefälschte Krebsmedikamente: Brandenburgs Gesundheitsministerium gesteht Fehler ein

Medikamente (Symbolbild) Foto: dpa
Das Brandenburger Gesundheitsministerium hat Fehler und Versäumnisse im Umgang mit einem Pharmahändler eingeräumt, der möglicherweise gestohlene und gefälschte Krebsmedikamente vertrieben haben soll.

Berliner Zeitung

„Es ist nicht nachvollziehbar, warum nicht früher gehandelt wurde“, sagte Sozialministerin Diana Golze (Linke) am Mittwoch in Potsdam. Bis heute habe der Pharmahändler eine Betriebserlaubnis.

Am vergangenen Freitag hatten Ministeriumsmitarbeiter auf einen entsprechenden Bericht des ARD-Magazins „Kontraste“ reagiert und gesagt, es habe keine Kenntnisse gegeben, wonach über eine griechische Apotheke gestohlene und gefälschte Medikamente nach Deutschland vertrieben wurden. Für Patienten habe es keinen Grund zur Besorgnis gegeben.

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Bieten ARD und ZDF Orientierung?

ARD_Hintergrundtafel.JPG:Bild: Jeydie/gemeinfrei
Ein ARD-Bericht verdreht den Wortlaut des Bundesverfassungsgerichtsurteils zum Rundfunkbeitrag

Paul Schreyer | TELEPOLIS

Das Bundesverfassungsgericht hat den Rundfunkbeitrag heute für grundsätzlich verfassungsgemäß erklärt. Die ARD-Rechtsredaktion schreibt dazu:

Der Rundfunkbeitrag ist grundsätzlich rechtens. (…) Grundsätzlich sei alles in Ordnung, sagen die Verfassungsrichter. (…) Die Menschen hätten einen ganz konkreten Vorteil durch die Vielfalt der Anbieter, die, wie sie sagen, durch ‚authentische, sorgfältig recherchierte Informationen‘ Orientierungshilfe böten.

ARD

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk bietet laut Gericht also „Orientierungshilfe durch sorgfältig recherchierte Informationen“? Da könnte mancher widersprechen wollen. Und ein Blick in das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zeigt auch: So haben die Richter das gar nicht gesagt. Die ARD hat es „hineingelesen“.

In der Urteilsbegründung heißt es vielmehr klar (und unbestreitbar), ARD und ZDF hätten „die Aufgabe“, durch „authentische, sorgfältig recherchierte Informationen, die Fakten und Meinungen auseinanderhalten, die Wirklichkeit nicht verzerrt darzustellen und das Sensationelle nicht in den Vordergrund zu rücken, vielmehr ein vielfaltssicherndes und Orientierungshilfe bietendes Gegengewicht zu bilden“.

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Klimawandel bedroht Internet

Ein Großteil der Internet-Infrastruktur liegt nahe der küstennahen Ballungsräume – das könnte Probleme geben. © imaginima/ iStock
Schleichende Gefahr: Der steigende Meeresspiegel gefährdet auch das Internet, wie eine US-Studie enthüllt. Denn gerade in Küstennähe liegen besonders viele Datenleitungen und Knotenpunkte – und diese sind oft nicht wasserdicht. Schon in 15 Jahren könnte daher ein großer Teil dieser Internet-Infrastruktur dem steigenden Meer zum Opfer fallen. Besonders betroffen wären unter anderem US-Zentren wie New York, Miami und Seattle, so die Wissenschaftler.

scinexx

Glasfaserleitungen und ihre Knotenpunkte bilden heute das Rückgrat des weltweiten Internets. Sie verbinden Kontinente, sorgen aber auch für die Datenübertragung zwischen Städten und innerhalb von Ballungsräumen. Weil die meisten großen Ballungsräume in Küstennähe liegen und dort auch die transozeanischen Seekabel ankommen, ist gerade dort auch besonders viel Netz-Infrastruktur konzentriert. Allein in den USA sind tausende Kilometer Glasfaserkabel in den Küstenregionen verlegt.

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AfD in Bayern will Staatskirchenverträge kündigen

© Bild: Jörg Hackemann/Fotolia.com
Das AfD-Programm für die Landtagswahl in Bayern widmet sich ausführlich den Kirchen. Die Partei stellt weitreichende religionspolitische Forderungen und bezeichnet die Kirchen als „besondere Lobbygruppe“.

katholisch.de

Die AfD Bayern hat in ihr Programm zur Landtagswahl im Oktober weitreichende religionspolitische Forderungen aufgenommen. So tritt die Partei für eine strikte Trennung von Staat und Religion nach französischem Vorbild ein. „Die AfD will keine staatliche Förderung von Religionsgemeinschaften“, heißt es in dem am Montag im Internet veröffentlichten 100 Seiten starken Programm. Die Staatskirchenverträge mit der katholischen und evangelischen Kirche müssten „unverzüglich“ gekündigt werden.

Nach dem Willen der AfD soll der Staat nicht länger führende christliche Geistliche besolden. Diese Praxis beruht vor allem auf staatlichen Enteignungen der Kirche im 19. Jahrhundert. Diese sogenannten Staatsleistungen müssten umgehend abgelöst werden, so die AfD. Das fordert auch die Linkspartei. Staatliche Zuwendungen soll es nach der AfD künftig nur noch im bisherigen Umfang für die Pflege sakraler Baudenkmäler „als Bestandteil der Kulturgeschichte im Freistaat“ geben.

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