Schwarzfahrer überrollen Berliner Justiz

So soll es sein: Eine Kontrolleurin der S-Bahn zeigt ihren Dienstausweis und bekommt dafür den gültigen Fahrausweis gezeigt.FOTO: PAUL ZINKEN/DPA
Immer mehr Strafanzeigen wegen Beförderungserschleichung werfen die Frage auf, ob das Delikt noch Straftatbestand sein kann – oder besser Zugänge als Tickets kontrolliert würden.

Von Jost Müller-Neuhof | DER TAGESSPIEGEL

Die Berliner Justiz hat in diesem Jahr mit so viel Schwarzfahrern zu tun wie noch nie. Bis Ende September dieses Jahres hat die S-Bahn mit rund 35.000 bereits so viele Strafanzeigen erstattet wie im gesamten Vorjahr. Die BVG meldete im selben Zeitraum mehr als 8.000 Schwarzfahrer bei Polizei und Staatsanwaltschaft. Während die Quote der Passagiere ohne oder mit ungültigem Ticket gegenüber den Vorjahren weiter leicht sinkt, könnte die Zahl der Verfahren bei Gerichten und Ermittlungsbehörden im Jahr 2017 erstmals die Rekordmarke von 50.000 erreichen.

Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) spricht sich vor diesem Hintergrund dafür aus, Schwarzfahren als Delikt aus dem Strafgesetzbuch zu streichen: „Um diese Form der Kriminalität zu bewältigen, werden erhebliche Ressourcen gebunden, angefangen bei der Polizei bis hin zu den Gefängnissen“, sagte Behrendt dem Tagesspiegel am Sonntag.

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Woelki: Einsatz gegen „Arbeiterstriche“

Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat die Ausbeutung von Migranten als Tagelöhner als moderne Form der Sklaverei verurteilt.

evangelisch.de

„Mitten unter uns arbeiten Tag für Tag Tausende Menschen, die vollkommen rechtlos sind“, erklärte Woelki in seinem „Wort des Bischofs“, das am Sonntag im Kölner Bistumssender Domradio ausgestrahlt wird. Sie müssten für wenig Geld jeden Job annehmen, um über die Runden zu kommen, und vielfach werde ihnen der Lohn vorenthalten. Weil die oft aus Rumänien oder Bulgarien stammenden Menschen häufig kein Deutsch sprechen, könnten sie ihren Lohn nicht einklagen.

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Ramelow: Investition ins Reformationsjubiläum hat sich gelohnt

Bodo Ramelow, Bild: FB

In einer guten Woche geht das Reformationsjubiläum zu Ende. Kirche und Staat haben ein Jahr lang an die Bedeutung der Reformation erinnert – und dabei auch viel Geld investiert. Das sei gut angelegt worden, sagt Thüringens Ministerpräsident Ramelow.

evangelisch.de

Vor dem Finale des 500. Reformationsjubiläums haben Vertreter von evangelischer Kirche und Staat sich zufrieden mit dem Ablauf des Festjahres gezeigt. „Die Thüringer Bilanz jedenfalls ist sehr positiv“, sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er verteidigte dabei auch den den Einsatz von Steuermitteln. Die in den vergangenen Jahren innerhalb der Lutherdekade ausgegebenen 65 Millionen Euro seien „kein Staatsgeld für innere Kirchenangelegenheiten gewesen“, sondern Mittel für den Denkmalschutz und Investitionen in die Infrastruktur an den Originalstandorten, sagte er. Auch der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) blickt auf ein in seinen Augen gelungenes Erinnerungsjahr zurück.

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Spanische Polizei: 800 Touristen simulierten Vergiftung

Archivbild vom Strand in Magaluf auf Mallorca. Die Polizei kämpft mit Betrugsfällen auf den Balearen. – REUTERS
Der Polizei liegt eine Liste von 77 Firmen und rund 800 britischen Touristen vor, die mit dieser Betrugsmasche der Tourismusbranche einen Millionenschaden zufügen.

Die Presse.com

Die spanische Polizei hat rund 800 britische Touristen ermittelt, die nach einem Urlaub auf den Balearen mutmaßlich eine Lebensmittelvergiftung simulierten und damit Schadenersatz ergaunern wollten. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, liegt ihr eine Liste mit 77 Firmen vor, die sich offenbar auf diese Betrugsmasche spezialisiert haben und den Touristen ihre Dienste anbieten.

Seit Jänner 2016 hatten die Hotels auf Ibiza, Mallorca und Menorca einen Anstieg der Klagen wegen angeblicher Lebensmittelvergiftung um 700 Prozent verzeichnet. Dem Tourismus auf den Balearischen Inseln sei bereits erheblicher Schaden entstanden; auch die Kanaren sowie die Mittelmeerregion um Benidorm seien betroffen. Die Polizei gab den Umfang der Schadenersatzforderungen mit rund 4,5 Millionen Euro an.

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Wenn Medikamente töten statt heilen

In Afrika werden Medikamente meist von Strassenhändlern ohne pharmazeutische Ausbildung verkauft. (Bild: Xaume Olleros / Bloomberg)
Etwa ein Drittel der in Afrika verkauften Arzneimittel ist wirkungslos oder sogar giftig. Meist kommen die Fälschungen aus China oder Indien. Der Handel ist hochlukrativ und schwierig einzudämmen.

Von David Signer | Neue Zürcher Zeitung

30 bis 40% der Medikamente im subsaharischen Afrika gelten als gefälscht. Das heisst, dass beispielsweise jede dritte Tablette entweder wirkungslos oder sogar gefährlich ist. Nirgendwo sonst ist das Problem so gravierend. In Asien und Russland geht man von einem Anteil von 10 bis 20% gefälschter Medikamente aus, in Nordamerika und Europavon 1%. Das sind grobe Schätzungen, die auf den Funden von Zoll und Polizei beruhen.

Lukrativer als Drogenhandel

In Afrika werden die Medikamente meist von ambulanten Händlern auf der Strasse verkauft. Selbstverständlich verfügen diese über keine pharmazeutische Ausbildung. Selbst wenn das Arzneimittel also echt ist, kann die Einnahme riskant sein. Wenn der Kunde beispielsweise über Kopfweh klagt, gibt ihm der Verkäufer im besten Fall ein Aspirin aus seinem Bauchladen, im schlimmeren Fall ein Malariamittel oder ein Antibiotikum, mit einer willkürlichen Dosierung. Gerade das «wilde» Verschreiben von Antibiotika ist im Hinblick auf Resistenzbildung besonders gefährlich, nicht nur für den einzelnen Patienten, sondern auch für die Allgemeinheit.

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Ablassbrief mit dem Namen Martin Luthers entdeckt

Zum Reformationsjubiläum: Schautafel mit dem Bildnis Martin Luthers und seiner Frau Katharina von Bora auf dem Gendarmenmarkt in Berlin.. ©DPA
Der Ablasshandel war Martin Luther ein Graus. In seinen 95 Thesen übte er massive Kritik an der Praxis der Kirche. Doch jetzt hat eine Forscherin einen Ablassbrief gefunden. Er lautet auf den Namen des Reformators.

Frankfurter Allgemeine

In der spanischen Nationalbibliothek ist ein Ablassbrief mit dem Namen Martin Luthersaufgetaucht. Die Direktorin des Weserrenaissance-Museums in Lemgo, Vera Lüpkes, entdeckte das Schriftstück in Madrid bei Recherchen für eine Ausstellung, wie sie dem Kölner „Domradio“ sagte. Luther, der später den Ablasshandel der Kirche erbittert bekämpfte, hatte den Brief als Mönch im Erfurter Augustinerkloster gekauft. Dort hatte der berühmte Ablassprediger Johann Tetzel (1465 bis 1519) 1508 gepredigt. Seine Ansprachen stellten später den Anlass für Luthers 95 Thesen („Disputatio pro declaratione virtutis indulgentiarum“) dar, die er der Überlieferung nach am 31. Oktober 1517 veröffentlichte.

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„Vogel- und Insektensterben“: Die industrielle Landwirtschaft als Quelle des Übels?

Foto: Christian Fischer / CC BY-SA 3.0
Zwei Studien bekräftigen dringende Argumente für eine „Agrarwende“

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Zwei Studien bestärken die Befürworter einer „Agrarwende“ mit Material zu den Stichworten „Vogelsterben“ und „Insektensterben“, die sich, wie sich vor allem bei letzterem schon im Sommer gezeigt hat, gut für Dramatisierung und Polemik eignen.

Sie eignen sich aber auch für ernstzunehmende politische Argumente. Die Frage wird sein, ob es die Grünen etwa in den Koalitionsverhandlungen schaffen, gute Konzepte in Richtung einer maßvolleren, ökologischeren Landwirtschaft aufzustellen.

Es gab eine Reihe von Beobachtungen, die aufgrund von weniger toten Insekten auf der Windschutzscheibe oder im Rotorblattgetriebe von Modellflugzeugen auf ein allgemeineres, größeres Schwund-Phänomen schlossen, und dies zum Beispiel im Sommer eine Debatte hineinbrachten, die um das Bienen- oder Schmetterlingssterben kreiste und auf Zusammenhänge mit der Landwirtschaft zielte.

„Bis zu 80 Prozent weniger Insekten“ wurde zu einem Wahlkampfthema der Grünen, wie dies Peter Mühlbauer an dieser Stelle im Juli beschrieb. Es war viel Polemik im Spiel und den Kritikern der Grünen fiel es leicht, auf die Unwissenschaftlichkeit oder methodischen Fehler hinter der Behauptung aufmerksam zu machen.

Die Grundlage für die Behauptung sei keineswegs eine neue deutschlandweite Studie“, wie von einem Kommunikationsexperten argumentiert wurde, sondern Beobachtungen eines „Vereins von Hobbyforschern in Krefeld“ an ganzen zwei Standorten im Krefelder Naturschutzgebiet Orbroicher Bruch.

Die Polemik ist unübersehbar, der Schluss einfach: Da der „Hobby-Entomologie“ auf die Frage, ob sich die „beiden Messpunkte problemlos auf ganz Deutschland hochrechnen“ ließen, mit „natürlich nicht“ antwortete, war die Sache als aufgeblähtes Wahlkampfgerede ab getan. Die beeindruckende Zahl ist nicht belegt, schloss der Kommunikationsexperte Hasso Manfeld und riet in seinem Meedia-Beitrag dazu, besser zu recherchieren. Seine Referenz war ein Artikel der FAS über die Untersuchungen der Insektenforscher.

Inzwischen sieht die Wochentagsausgabe der Frankfurter Zeitung die Sache erheblich anders: „Das Insektensterben in Deutschland ist ganz offensichtlich nicht die Erfindung einzelner Insektenliebhaber oder Entomologen Vereine“, steht am Anfang eines Artikels, der die Studie unter Leitung von Caspar A. Hallmann von der Radboud-Universität zum Thema hat.

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Beuth: Türkische Finanzierung von Ditib-Moscheen bedenklich

Innenminister Peter Beuth (CDU). dpa/Arne Dedert
Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) hält es integrationspolitisch für bedenklich, wenn Ditib-Moscheegemeinden vom Präsidium für Religiöse Angelegenheiten der Republik Türkei (Diyanet) finanziert werden.

FOCUS ONLINE

Das antwortete er auf eine Anfrage des FDP-Landtagsabgeordneten Wolfgang Greilich. Gleichwohl machte Beuth klar, dass er aufgrund der bestehenden Gesetzeslage wenig Möglichkeiten sieht, die Auslandsfinanzierung von Moscheevereinen einzuschränken. Eine mögliche Gesetzesänderung ist nach Einschätzung des Innenministers kein leichtes Unterfangen, denn diese müsste verfassungsrechtliche Regelungen wie die Religionsfreiheit und das Selbstbestimmungsrecht von Religionsgesellschaften beachten.

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Lombardei will so schnell wie möglich Autonomie erlangen

Der Präsident der Lombardei will so schnell wie möglich Verhandlungen starten. – REUTERS/Alessandro Garofalo
Italiens Regionen Lombardei und Venezien halten am Sonntag Autonomie-Referenden ab. Grund für die Bestrebungen sind die hohen Steuerabgaben nach Rom.

Die Presse.com

Der Präsident der Lombardei, Roberto Maroni, hofft nach dem Referendum am Sonntag so schnell wie möglich Autonomie-Verhandlungen mit der Zentralregierung in Rom zu starten. Sein Ziel sei es, das Gesetz zur Ausdehnung regionaler Kompetenzen noch bis zum Ende der Legislaturperiode unter Dach und Fach zu bringen.

Maroni, Spitzenpolitiker der föderalistisch orientierten Rechtspartei Lega Nord, äußerte die Hoffnung, dass beim Referendum eine Wahlbeteiligung von mindestens 34 Prozent erreicht werde. In der Lombardei ist kein Quorum für die Gültigkeit des Referendums notwendig. In Venetien, wo am selben Tag ein ähnliches Autonomie-Referendum stattfindet, liegt das Quorum bei 50 Prozent.

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Luftverschmutzung tötet jährlich Millionen Menschen

APA/AFP/WANG ZHAO
Alleine 2015 starben neun Millionen Menschen durch verpestete Luft. Besonders betroffen sind Schwellenländer.

Die Presse.com

Weltweit sterben einer internationalen Studie zufolge Millionen Menschen wegen Umweltverschmutzung. Für das Jahr 2015 zählten die Forscher etwa neun Millionen Todesfälle wegen Schadstoffen in der Luft, im Wasser oder im Boden. Die wichtigsten Todesursachen waren dabei Herzerkrankungen, Schlaganfälle und Lungenkrebs.

Fast alle der Todesfälle seien in armen oder aufstrebenden Ländern zu verzeichnen, fanden die Wissenschafter heraus. Vor allem in den Ländern, in denen die Industrie rapide ausgebaut werde, seien die Auswirkungen zu spüren. Auf diese Länder, darunter Indien, Pakistan, China, Bangladesch oder Madagaskar, entfalle ungefähr ein Viertel der Toten.

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In Deutschland gibt es ein „regelrechtes Vogelsterben“

Vor allem Allerweltsvögel wie der Star sind vom Vogelsterben betroffen Quelle: dpa/London News Pictures via ZUMA/Keith Morris
Der Naturschutzbund spricht von einem regelrechten Vogelsterben. Vor allem die „Allerweltsvögel“ kämpfen um ihr Überleben. Einen Schuldigen hat der Nabu auch schon gefunden.

DIE WELT

In dieser Woche warnten Forscher bereits davor, dass es in Deutschland immer weniger Insekten gebe. Nun weisen Naturschützer auf einem Rückgang der Vögel hin.

Denn nach Berechnungen des Naturschutzbundes (Nabu) geht die Zahl der Vögel in Deutschland deutlich zurück. Binnen zwölf Jahren seien 12,7 Millionen Brutpaare verloren gegangen, erklärte Nabu-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. Das sei ein Minus von 15 Prozent.

Lachmann wertete den Angaben zufolge Bestandsdaten der Jahre 1998 bis 2009 aus, die die Bundesregierung 2013 an die EU meldete. Bislang hätten jedoch die Entwicklungen bei einzelnen Arten im Fokus gestanden – und nicht die Summe. Neuere Zahlen werden erst 2019 erwartet.

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NetzDG-Bußgeldleitlinienentwurf geleakt

Grafik: TP
Unternehmen werden in drei Kategorien eingeteilt, Verstöße in fünf

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Das direkt dem Bundesjustizministerium unterstehende Bundesamt für Justiz (BfJ) hat gut zwei Wochen nach dem Inkrafttreten des Social-Media-Zensurgesetzes NetzDG noch keine Auskunft geben, wer davon konkret betroffen ist – und wer nicht. Auf eine Anfrage des Berliner Rechtsanwalts Marco Dörre verlautbarte die Bundesoberbehörde, „ob bestimmte Diensteanbieter in den Anwendungsbereich von § 1 Absatz 1 NetzDG fallen beziehungsweise wegen der Regelung von § 1 Absatz 1 Satz 3 gerade hiervon ausgenommen sind“, könne „nur anhand einer Prüfung des Einzelfalls bestimmt werden“, bei der man sich „der hergebrachten Auslegungsarten bedienen“ werde.

Das Handelsblatt ist währenddessen an einen noch nicht beschlossen Entwurf der Bußgeldleitlinien gelangt, der die mögliche Höchststrafe von 50 Millionen Euro bis auf zehn Millionen Euro ausschöpft. Die konkreter mögliche Höhe ergibt sich aus der Einordnung eines Verstoßes als „außerordentlich schwer“, „sehr schwer“, „schwer“, „mittel“ oder „leicht“ sowie aus der Nutzerzahl des Sozialen Netzwerks.

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Asiatische „Heilpflanze“ verursacht Krebs

Schön, aber gefährlich: Pfeifenblumen enthalten krebserregende Aristolochiasäuren. © Hectonichus/ CC-by-sa 3.0
Von wegen sanfte Medizin: In der traditionellen chinesischen Heilkunde gilt die Pfeifenblume als Arzneipflanze. Seit einigen Jahren aber ist bekannt, dass bestimmte Inhaltsstoffe der Blume Harnwegstumore fördern – und offenbar nicht nur das. Denn jetzt zeigt sich: Die vermeintliche Arznei kann auch Leberkrebs auslösen. Wissenschaftler fordern nun vor allem in Asien noch strengere Reglementierungen für die Verwendung der Pflanze und daraus hergestellten Präparaten.

scinexx

In der traditionellen chinesischen Medizin spielt die Heilkraft von Pflanzen eine besondere Rolle. Ob Gingko, Engelwurz oder Knoblauch: Viele Gewächse werden in Asien seit jeher zur Behandlung diverser Wehwehchen und Erkrankungen eingesetzt. So auch die Pfeifenblume. Die Pflanzen der Gattung Aristolochia sollen etwa Menstruationsbeschwerden lindern, gegen Rheuma und Darmleiden helfen. Zudem fördern sie angeblich die Wundheilung und haben antiparasitäre Eigenschaften.

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Rekowski: Reformationsjubiläum hatte Licht und Schatten

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, hat eine gemischte Bilanz des Veranstaltungsreigens zu 500 Jahren Reformation gezogen. Ein großer Erfolg sei vor allem die Vielzahl der Veranstaltungen an der kirchlichen Basis gewesen.

EKD

„Das hat eine gehörige Breitenwirkung erzielt.“ Bewährt habe sich auch der Ansatz, Menschen außerhalb der Kirche einzubeziehen. Sie hätten in Wort, Bild, Theater oder Musik einen oft erfrischenden Blick auf die Bedeutung der Reformation geworfen.

Als problematisch bezeichnete der leitende Theologe der zweitgrößten deutschen Landeskirche dagegen insbesondere Formate, die eher zentral organisiert wurden. So habe sich gezeigt, dass die „Weltausstellung Reformation“ in Wittenberg „wohl überdimensioniert und zu ambitioniert“ gewesen sei: „Da wurde vielleicht zu viel des Guten – 100 Tage Kirchentag – gewollt.“ Die Besucherströme hätten durch die Stadt gehen können, ohne die Veranstaltungen auf der Schlosswiese wahrzunehmen.

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Erst Bibelschüler, dann die ersten Kommunisten Koreas

Südkoreanische Christen beten in Seouls Innenstadt für Freiheit und Menschenrechte in Nordkorea. (Bild: Lee Jae-Won / Reuters)
Das protestantische Christentum boomt im Süden der koreanischen Halbinsel. Doch auch bei den Anfängen Nordkoreas spielten Missionare eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Von Fabian Kretschmer | Neue Zürcher Zeitung

Bei der Yoido Full Gospel Church gleicht jeder Sonntag einer kleinen Völkerwanderung. Dutzende von Freiwilligen regeln an diesem Herbstvormittag in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul den ankommenden Verkehr von sperrigen Geländewagen. Aus Linienbussen strömen Senioren in dunklen Anzügen, Jugendliche in Skinny-Jeans und ältere Damen mit grossen Sonnenschirmen auf den Vorplatz der Kirche. Deren Dimensionen erinnern eher an ein Fussballstadion als an einen Gebetsraum, insgesamt 12 000 Sitzplätze sind vorhanden. Die Predigt, sieben wird es insgesamt an diesem Sonntag geben, wird auf zwei riesige Leinwände projiziert und in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt. Gegen Ende der Andacht geht es auch um Nordkorea. Mit einem Gebet wendet sich der Pastor gegen die dortigen Atomsprengköpfe.

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Sozialethiker Bernhard Emunds: „Die Kirche braucht Menschen, die in Armut leben“

Professor Emunds, wie passt eine kirchliche Bank wie die Pax-Bank in Köln zur Botschaft eines Stifters, der seine Jünger ohne Geldbeutel aussendet und davor warnt, Besitz und Reichtümer zu horten?

Interview Joachim Frank | Kölner Stadt-Anzeiger

Armut und modernes Banking, das geht nicht zusammen. Papst Franziskus spricht heute von der „armen Kirche für die Armen“. Damit ist ein wichtiger Punkt gesetzt: Die Kirche braucht Menschen, die einzeln oder gemeinschaftlich in Armut leben, in bewusstem Verzicht auf persönlichen Besitz. In einer kapitalistischen Gesellschaft, für die Reichtumsvermehrung ein zentraler Wert ist, ist das ein Kontrastprogramm und ein Zeichen kritischer Distanz. Armut – und damit meine ich mehr als den Verzicht auf Protz und unnötige Ausgaben – kann aber nicht die Aufgabe der Kirche insgesamt sein.

Sondern?

Als katholischer Rheinländer reagiere ich allergisch auf alle Versuche, die Kirche als „heiligen Rest“ zu konzipieren. So wird sie nämlich zu einer Sekte, die sich aus allem heraushält. So eine Kirche hat in einer modernen Gesellschaft keine Zukunft. Die christliche Botschaft ist eine Botschaft für die Menschen von heute – mit Relevanz für ihren Staat, ihre Gesellschaft und Wirtschaft.

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Diakonie: Offen für nicht-christliche Mitarbeiter

Diakoniepräsident Ulrich Lilie plädiert für „interkulturelle“ Kompetenz in den Einrichtungen

EKD

Zur interkulturellen Kompetenz evangelischer Sozialeinrichtungen gehört nach Auffassung von Diakoniepräsident Ulrich Lilie auch die Beschäftigung von Mitarbeitern anderer Religionen. „Es gibt eine theologisch begründete und gewollte Offenheit für beispielsweise muslimische oder andersgläubige Mitarbeitende“, sagte Lilie bei einem Festakt zum 150-jährigen Bestehen des Diakonissen-Mutterhauses in Bremen. Diakonische Einrichtungen seien in einer immer vielfältigeren Gesellschaft herausgefordert, eine große Zahl kultureller, religiöser und ethnischer Hintergründe zu berücksichtigen.

Dass bei einer Anstellung in Kirche oder Diakonie die Mitgliedschaft in einer evangelischen oder der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) angehörenden Kirche in der Regel vorausgesetzt wird, hatte in der Vergangenheit immer wieder zu Streit geführt.

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EUROPOL-BERICHT ENTHÜLLT: Reiche Migranten kommen per Yacht und Jetski nach Europa

Ziel der Schlepper: Der Hafen von Messina auf Sizilien Quelle: UIG via Getty Images/Universal Images Group Editorial/Education Images
Da die Balkanroute geschlossen ist, suchen Schlepperbanden neue Wege, um ihre Kunden nach Europa zu bringen. Der neueste ist nur für reiche Migranten – per Segelyacht nach Italien.

Von Christoph B. Schiltz | DIE WELT

Sie kommen meist auf völlig überfüllten, nicht seetauglichen Booten, nach Europa, durstig und verängstigt. So kennt man die Bilder erschöpfter Flüchtlinge, die oft mit letzten Kräften Rettungsschiffe oder das Festland erreichen.

Neue Berichte zeigen, dass es auch anders geht: Reiche Migranten aus Afghanistan, Iran, Pakistan oder Syrien setzen immer häufiger bequem per Schnellboot, Segelyacht oder Jetski von der Türkei oder Tunesien nach Europa über.

Die europäische Strafverfolgungsbehörde Europol mit Sitz in Den Haag ist alarmiert,. Sie stellte zuletzt 160 Überfahrten per Segelyacht von der Türkei nach Italien fest. Der Preis für diese Reise ohne Lebensgefahr liegt bei 6000 Euro pro Person, Kinder zahlen die Hälfte.

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Irakisches Militär drängt Kurden weiter zurück

foto: ap photo Irakische Milizen auf dem Vormarsch.
Regierungstreue Milizen sollen die Stadt Sinjar eingenommen haben

derStandard.at

Die kurdischen Peschmerga befinden sich nach dem Vorstoß des irakischen Militärs weiter auf dem Rückzug. Eine mit den Regierungstruppen verbündete Miliz habe am Dienstag die Kontrolle über die im Nordwesten des Iraks gelegene Stadt Sinjar übernommen, sagten Einwohner der Nachrichtenagentur Reuters. Am Abend zuvor hätten sich die dort stationierten Peschmerga-Kämpfer zurückgezogen. Sicherheitskreisen zufolge übernahmen die irakischen Truppen auch die Kontrolle über zwei weitere Ölfelder in der Region.

Schneller Vorstoß auf Kirkuk

Die Armee hatte am Montag mit einem schnellen Vorstoß die von Kurden kontrollierte Öl-Stadt Kirkuk eingenommen. Dies war die bisher härteste Reaktion auf das Unabhängigkeitsreferendum in der Region und nährte die Sorge vor einem Bürgerkrieg zwischen den Kurden und der Zentralregierung.

Blutdruckmittel gefährdet Trinkwasser-Qualität

Sauberer Durstlöscher? Bestimmte Blutdrucksenker gefährden unsere Trinkwasserressourcen. © Rebepoi/ freeimages
Blutdrucksenker im Wasser: Seit einigen Jahren werden in Berliner Gewässern große Mengen blutdrucksenkender Medikamente gefunden. Das Problem: Die Blutdruckmittel vom Typ der Sartane sind nur schlecht abbaubar und gefährden daher die Qualität der Trinkwasserressourcen – wahrscheinlich nicht nur in Berlin, warnen Experten. Sie plädieren dafür, dass Ärzte mehr ökologisch unproblematische Medikamente verschreiben sollen.

scinexx

Ob Antibaby-Pille, Kontrastmittel oder Psychopharmaka: Immer mehr Rückstände von Arzneimitteln oder in der Medizin verwendeten Chemikalien gelangen mit unserem Abwasser in Flüsse und Seen, weil die Kläranlagen diese Wirkstoffe nicht vollständig entfernen können. Diese Belastung stellt nicht nur ein potenzielles Risiko für die im Wasser lebenden Tiere dar.

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