Wiedereintritt in die Kirche: Es werden nur Einzelne gewonnen

Statistisch gesehen verlässt jedes Jahr die Bevölkerung einer Stadt so groß wie Erfurt die katholische Kirche in Deutschland. Getaufte zurückzugewinnen ist keine leichte Aufgabe. Und so manche Initiative geht auch nach hinten los.

Christoph Paul Hartmann | katholisch.de

Aus der Kirche auszutreten ist ganz einfach: Einmal zum Standesamt oder Amtsgericht gehen, unterschreiben, fertig. Die Taufe ist zwar irreversibel, die Kirche als Körperschaft hat man dann aber verlassen. Wieder einzutreten erfordert dagegen etwas mehr Aufwand: Zuerst führt der Weg ins Pfarramt und zum zuständigen Seelsorger. Nach einem Gespräch bittet der den zuständigen Bischof um die Wiederaufnahme. Ist dieser einverstanden, muss der Eintrittswillige vor Zeugen seinen Wunsch bekunden. Das kann ganz nüchtern im Pfarrbüro geschehen oder bei einem kleinen Gottesdienst. Dann ist die Einheit mit der Kirche wieder hergestellt.

Austritte und Wiedereintritte in die katholische Kirche liegen zahlenmäßig sehr weit auseinander. 2018 traten 216.078 Menschen aus, nur 6.303 kamen wieder zurück. Die Gründe für Aus- und Wiedereintritte sind ebenso unterschiedlich: Wer austritt, hat den Kontakt zur Kirche oft schon lange verloren und will deshalb letztendlich keine Kirchensteuer mehr zahlen. Verstärkt treten Menschen mittlerweile allerdings auch wegen inhaltlicher Kritikpunkte aus der Kirche aus, dazu zählt unter anderem die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen, fehlende Gleichberechtigung oder die Sexualmoral. Wegen solcher Fälle verliert die Kirche sogar Mitglieder, die ihr grundsätzlich eigentlich noch verbunden sind.

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Arktis: Meereis schrumpft weiter

Forschungseisbrecher Polarstern in dünnem Eis: Das arktische Meereis hat im September 2019 die zweitkleinste Ausdehnung seit Beginn der Messungen. © Stefanie Arndt

Knapp am Negativrekord vorbei: Das arktische Meereis erreicht erneut einen sommerlichen Tiefstwert. Mit nur rund 3,9 Millionen Quadratkilometern hat das Eis die zweitkleinste Fläche seit Beginn der Satellitenmessungen, wie Glaziologen berichten. Damit liegt das jährliche Minimum erst zum zweiten Mal seit 1979 unter vier Millionen Quadratkilometern. Von Februar bis August 2019 lag die Eisfläche sogar auf einem Rekord-Niedrigwert für diese Zeit.

scinexx

Die Arktis heizt sich durch den Klimawandel stärker auf als jede andere Region der Erde -mit sichtbaren Folgen: Das arktische Meereis schrumpft seit Jahren, sein Nachschub schwindet und auch die saisonalen Unterschiede haben sich bereits verschärft. Selbst nahe am Nordpol gibt es inzwischen im Sommer viele offene Wasserflächen. Forscher prognostizieren sogar, dass die zentrale Arktis schon ab 2040 im Sommer schiffbar werden könnte.

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Militärbischof Rink und der gerechte Krieg

Der frühere Pazifist Sigurd Rink votiert für Aufrüstung, militärische Auslandseinsätze und Wehrpflicht

Peter Bürger | TELEPOLIS

Dr. Sigurd Rink übt als erster evangelischer Militärbischof der Bundesrepublik Deutschland sein Amt hauptamtlich aus. Er hat in diesem Jahr ein Buch „Können Kriege gerecht sein?“ vorgelegt. Der Titel setzt ein Fragezeichen hinter den neuen Friedensdiskurs der Ökumene. So hat etwa der Papst im Buchgespräch mit Dominique Wolton bekräftigt: „Kein Krieg ist gerecht. Die einzig gerechte Sache ist der Frieden.“ Diese Feststellung wird hierzulande auch von mehreren evangelischen Landeskirchen sowie in bedeutsamen Entschlüssen der Ökumene auf weltkirchlicher Ebene getroffen.

Transparent ist die Tatsache einer Mitwirkung des Bundesministeriums für das Militärressort bei der Publikation des Militärbischofs. Sigurd Rink schreibt: „Ich danke der Presseabteilung des Verteidigungsministeriums für die sehr genaue Durchsicht des Manuskripts, einen Faktencheck gleichsam. Das heißt nicht, dass wir in allem einer Meinung wären. Das wäre auch seltsam. Aber gewonnen hat das Buch durch die Zusammenarbeit, und Fehler, die sich dennoch eingeschlichen haben, nehme ich getrost auf mich.“

„Selige Kriegsleute“ – Luther als Ahnherr der R2P-Schutzverantwortung?

Eine Annäherung des ehedem pazifistischen Autors an staatsprotestantische Sichtweisen wird deutlich an den rundherum positiven Bezugnahmen auf Martin Luthers Schrift „Ob Kriegsleute in seligem Stande sein können“ aus dem Jahr 1526. Schon viele lutherische Christen hat dieses Werk zur Rechtfertigung von Tötungsakten betrübt – nicht nur wegen seiner grausamen Wirkungsgeschichte in der Geschichte unseres Landes. Stets legitimiert der Reformator allein die tötende Schwertgewalt von ganz oben nach unten – gegen die Untergebenen, denen nur das Erdulden ohne Widerstandsrecht zukommt.

Luther vergleicht die tötende Gewaltausübung des „rechtschaffen[en] und göttlich[en]“ Soldatenstandes im Auftrag der von ihm als rechtmäßig qualifizierten Staatsobrigkeit mit dem vom Mediziner ausgeführten „Werk der Liebe“: „Es ist so, wie wenn ein guter Arzt, wenn die Krankheit so schlimm und gefährlich ist, Hand, Fuß, Ohr oder Augen abnehmen und entfernen muss, um den Körper zu retten.“ Weil Gott ja selbst, wie der Reformator glaubt, der Obrigkeit das Schwert überreicht hat (Römerbrief 13), gilt: „Die Hand, die das Schwert führt und tötet, ist dann auch nicht mehr eines Menschen Hand, sondern Gottes Hand, und nicht der Mensch, sondern Gott henkt, rädert [sic!], enthauptet, tötet und führt den Krieg. Das alles sind seine [Gottes! p.b.] Werke und sein Gericht.“

Sigurd Rink will die aus seiner Sicht überzeugendsten Kapitel der Kriegsschrift Luthers so heranziehen, dass der Reformator zum Ahnherr einer – vorrangig militärisch gedachten – „Schutzverantwortung“ (R2P) werden kann. Man muss zugeben, auf diese Weise hätten lutherische Kriegstheologen in der Geschichte nicht die Abgründe der nationalen und dann völkischen Kriegsdoktrin (zur Sicherung der „Lebensgrundlagen“ des auserwählten deutschen Volkes) betreten können.

Schon auf der evangelischen „Militärseelsorge“-Synode 1957 wurden Zweifel laut, ob man Luthers Schrift dem Soldaten in einer atomar bewaffneten Armee empfehlen darf. Martin Luthers „gerechter Krieg“ (aus Liebe) ist „ein kleiner, kurzer Unfriede, der einem ewigen, unermesslichen Unfrieden wehrt, ein kleines Unglück, das einem großen wehrt“.

Was hat das nun aber mit einem militarisierten Weltgeschehen zu tun, das mittels totalitärer neuer Militärtechnologien den demokratischen Diskurs auf unserem Globus aus den Angeln hebt und in dem ein jeder – wie eh und je – seine geostrategisch und ökonomisch motivierten Militäraktivitäten als „Notwehrakte der Liebe“ deklariert?

Was auch hat die schöne Lutherformel mit all den von Rink besichtigten Kriegsschauplätzen zu tun, die als „kleine, kurze Interventionen“ begonnen haben und regelmäßig zu „unermesslichen“ Endlos-Kriegen ausgewachsen sind? Es gilt, was der Militärbischof so ausdrückt: „Das zum Frieden mahnende Zeugnis der Kirche fruchtet nämlich nur dann politisch, wenn es der komplexen Realität gewachsen ist.“

Ehrliche Mitteilung eigener Ratlosigkeit

Es sei nachdrücklich vermerkt: Militärbischof Sigurd Rink übt sich – fernab von etwaigen Unfehlbarkeitsansprüchen – in größter Demut: „Das Thema [Krieg und Militär] ist kompliziert und brisant. Meine Gedanken mögen manchem falsch und naiv erscheinen. Ich nehme dieses Risiko in Kauf und jede Unzulänglichkeit auf mein Konto.“ „Ist mein eigenes Fundament an Glaubensgewissheiten und Prinzipien stark genug, um eventuellen Versuchungen zu widerstehen? Würde ich als Pragmatiker und Verantwortungsethiker, als der ich mich inzwischen verstehe, klare Grenzen erkennen und benennen […]? Drohen auch meine Konturen zu verschwimmen?“

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Fruits and Vegetables Are Trying to Kill You

Illustration by John Hendrix

Antioxidant vitamins don’t stress us like plants do—and don’t have their beneficial effect.

John Hendrix | NAUTILUS

You probably try to exercise regularly and eat right. Perhaps you steer toward “superfoods,” fruits, nuts, and vegetables advertised as “antioxidant,” which combat the nasty effects of oxidation in our bodies. Maybe you take vitamins to protect against “free radicals,” destructive molecules that arise normally as our cells burn fuel for energy, but which may damage DNA and contribute to cancer, dementia, and the gradual meltdown we call aging.

Warding off the diseases of aging is certainly a worthwhile pursuit. But evidence has mounted to suggest that antioxidant vitamin supplements, long assumed to improve health, are ineffectual. Fruits and vegetables are indeed healthful but not necessarily because they shield you from oxidative stress. In fact, they may improve health for quite the opposite reason: They stress you.

That stress comes courtesy of trace amounts of naturally occurring pesticides and anti-grazing compounds. You already know these substances as the hot flavors in spices, the mouth-puckering tannins in wines, or the stink of Brussels sprouts. They are the antibacterials, antifungals, and grazing deterrents of the plant world. In the right amount, these slightly noxious substances, which help plants survive, may leave you stronger.

Eating food from plants that have struggled to survive toughens us up as well.

Parallel studies, meanwhile, have undercut decades-old assumptions about the dangers of free radicals. Rather than killing us, these volatile molecules, in the right amount, may improve our health. Our quest to neutralize them with antioxidant supplements may be doing more harm than good.

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Missing Link: Den Kapitalismus reparieren – die große Illusion der Maker

(Bild: Miriam Doerr, Martin Frommherz/Shutterstock.com)

Die Maker-Bewegung – „postkapitalistische Praxis“ oder nur Bastelecke? Der letzte Teil der Reihe über technologische Heilsversprechen und den Kapitalismus.

Timo Daum | heise online

Der Ökonom Joseph Schumpeter bemerkte einmal, die historische Leistung des industriellen Kapitalismus habe nicht darin bestanden, mehr Seidenstrümpfe für Königinnen zu liefern, sondern sie für das Heer der Arbeiterinnen zugänglich gemacht zu haben. Die massenhafte Verfügbarkeit erschwinglicher Güter hat aber auch ihre Schattenseiten: Von verschweißten Handy-Gehäusen über unterschiedlichen Stecker-Typen bis hin zur allgegenwärtigen dynamischen Obsoleszenz – lauter Tricksereien, die eben jenen massenhaften Konsum am Laufen halten sollten, den der Ökonom einst als Errungenschaft feierte.

Spätestens seit den 1970er-Jahren regte sich Widerstand gegen die Konsum- und Wegwerfkultur, die mit der Massenproduktion einherging; eine Bewegung entstand, die unter dem Banner der drei R (reuse, reduce, recycle) Wiederverwendung, Verzicht und Recycling anmahnte. In den vergangenen Jahren ist noch ein weiteres R hinzugekommen: R für Reparieren (repair). Eine zunehmend breiter werdende Bewegung stemmt sich gegen die künstliche Verkürzung der Lebensdauer von Geräten und Nutzungsbeschränkungen bei Hardware und Software; sie fordert Einsicht in Baupläne, längere Lebensdauer von Geräten, die Möglichkeit sie zu reparieren und die Verwendung von standardisierten Teilen.

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Veruntreuung von Ebola-Geldern im Kongo: Ex-Minister festgenommen

Der frühere kongolesische Gesundheitsminister Oly Ilunga muss sich am Montag wegen der mutmaßlichen Veruntreuung von Hilfsgeldern vor Gericht verantworten.

evangelisch.de

Wie der französische Auslandssender RFI meldete, wurde Ilunga am Samstag festgenommen, nachdem die Behörden Ermittlungen wegen der Verschwendung von Geldern im Kampf gegen Ebola aufgenommen hatten. In den vergangenen Wochen waren bereits drei seiner früheren Mitarbeiter inhaftiert worden.

Ilunga wird vorgeworfen, rund 4,3 Millionen US-Dollar veruntreut zu haben. Der frühere Minister weist die Anschuldigungen zurück. Alle Gelder, die dem Gesundheitsministerium zur Bekämpfung von Ebola zur Verfügung gestellt wurden, seien zweckgerecht eingesetzt worden, erklärten Ilungas Anwälte laut dem lokalen Nachrichtenportal „Actualité“.

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Erdogan will für Flüchtlinge „Schleusen“ nach Europa öffnen

Razzien gegen Syrer scheinen zu mehr Ankünften in Griechenland zu führen, gleichzeitig sollen Syrer auch in die Heimat zurückbefördert worden sein

Philipp Mattheis | DERSTANDARD

Für viele Syrer ist Istanbul keine sichere Stadt mehr. Anfang Juli nämlich kündigte die Regierung an, alle nichtregistrierten Flüchtlinge hätten Istanbul bis zum 20. August zu verlassen. Die Deadline wurde später bis zum 30. Oktober verlängert. In einer ersten Welle nahm die türkische Polizei mehrere tausende sich illegal in Istanbul aufhaltende Flüchtlinge fest und brachte sie in ein Flüchtlingslager, wo sie sich registrieren lassen sollten.

Laut Informationen von Menschenrechtsorganisationen wie Syrian Observatory for Human Rights wurden aber auch rund 6200 Menschen über die Grenze nach Nordsyrien gebracht. Offiziell geschehe dies „freiwillig“, tatsächlich aber werden viele von den Behörden dazu genötigt, entsprechende Dokumente zu unterschreiben.

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Erzapostel Woelki sorgt sich um die Retouren der Verbraucher

Waren aus Retour-Sendungen im Onlinehandel sollten nach Ansicht des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki gespendet werden, statt sie zu vernichten. Die Vernichtung sei hierzulande manchmal einfacher als die Spende an Bedürftige, sagte Woelki am Sonntag in seinem „Wort des Bischofs“ im Bistumssender domradio.de. „Das muss sich ändern!“

evangelisch.de

Der Kardinal verwies darauf, dass nach Schätzungen des Umweltministeriums in Deutschland jedes Jahr Millionen Pakete mit Produktbestellungen zurückgeschickt werden. Dadurch würden Waren im Wert von mehreren Milliarden Euro vernichtet. Allerdings könne jeder mithelfen, dass die Flut der Rücksendungen kleiner werde: „Einfach mal bei einer Bestellung verantwortlicher auswählen und so Ressourcenverschwendung vermeiden“, riet Woelki.

Evangelischer Bischof verteidigt Kirchenschiff zur Seenotrettung

„Wir müssen jetzt etwas tun: helfen!“: Der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh hat den Beschluss der evangelischen Kirche verteidigt, sich an der Seenotrettung im Mittelmeer zu beteiligen.

katholisch.de

Der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh hat den Beschluss der evangelischen Kirche verteidigt, sich an der Seenotrettung im Mittelmeer zu beteiligen. „Wir können nicht wegschauen, wenn Menschen ertrinken, wir müssen jetzt etwas tun: helfen!“, erklärte Cornelius-Bundschuh am Samstag in Karlsruhe. Anlass für seine Stellungnahme seien die kontroversen Diskussionen in den sozialen Netzwerken über den Beschluss der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Die EKD hatte am Donnerstag bekanntgegeben, sie werde gemeinsam mit anderen Organisationen einen Verein gründen, der ein Schiff für die Seenotrettung im Mittelmeer betreibt. Mit der Entsendung eines Schiffes setze die Kirche ein wichtiges Zeichen, betonte Cornelius-Bundschuh. Da die Staaten ihrer Verantwortung nicht nachkämen, müssten sich die Menschen, die Kirchen, engagieren.

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Plastikrückstände im Kinderkörper

Gummistiefel stehen im Regal in einer Kindertagesstätte. Bild: tagesschau.de

Fast alle Kinder und Jugendlichen haben Plastikrückstände im Körper. Das zeigt eine Untersuchung des Umweltbundesamts. Bei bestimmten Stoffen ist die Belastung gesundheitlich bedenklich.

Katrin Schirner | tagesschau.de

Plastik ist aus dem Alltag nicht wegzudenken. Die Rede ist hier nicht von Tüten oder Plastiktellern, sondern von Gegenständen, denen ihr Plastikanteil oft nicht anzusehen ist: auf beschichteter Kleidung, in Lebensmittelverpackungen, Waschmitteln oder Cremes. Im direkten Kontakt mit dem Körper oder über die Raumluft kommt jeder in Berührung mit diesen Stoffen.

Das Umweltbundesamt hat zwischen 2003 und 2017 untersucht, welche Rückstände dieser Kunststoffe sich im Blut und Urin von Kindern und Jugendlichen nachweisen lassen. Das Ergebnis: Mit bestimmten Plastikrückständen ist jedes vierte Kind zwischen drei und fünf Jahren so stark belastet, dass es gesundheitlich bedenklich ist. Insgesamt haben fast alle Kinder Plastikrückstände im Körper.

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WHO: Jede Minute fünf Tote durch falsche medizinische Behandlung

(Bild: Gaetan Bally / Keystone)

Millionen Menschen auf der Welt erleiden jedes Jahr gesundheitliche Schäden durch medizinische Fehler. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jede Minute fünf Menschen nach einer fehlerhaften Behandlung.

Neue Zürcher Zeitung

Millionen Menschen weltweit kommen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich bei medizinischen Behandlungen zu Schaden. «Jede Minute sterben fünf Menschen wegen fehlerhafter Behandlung», sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf. Am 17. September findet erstmals der «Tag der Patientengesundheit» statt. Damit will die WHO auf das Thema aufmerksam machen. In vielen Ländern würden Wahrzeichen in orange angestrahlt, darunter die Pyramiden in Ägypten und die Wasserfontäne in Genf.

Weltweit erlitten 40 Prozent der Patienten bei ambulanten Behandlungen Schäden, im Spital seien es zehn Prozent, so die WHO. In den rund 150 Ländern mit niederen und mittleren Einkommen kämen nach Schätzungen 2,6 Millionen Menschen im Jahr durch fehlerhafte medizinische Behandlung ums Leben.

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Krankenkassen verschwenden Millionen

Eine Patientin wird für eine MRT-Untersuchung vorbereitet | Bildquelle: picture alliance / Stefan Sauer/

Mehrere AOK verschwenden offenbar Millionenbeträge bei Kontrastmitteln. Laut internen Unterlagen zahlen die Kassen in Sachsen und Thüringen vier Mal so viel für die Präparate wie andere Krankenkassen.

Markus Grill | tagesschau.de

Jedes Jahr bekommen fünf Millionen Menschen in Deutschland ein Kontrastmittel gespritzt, bevor sie in die Röhre kommen, also eine MRT oder CT-Untersuchung machen lassen. Die Mittel sind nicht apothekenpflichtig, werden von den Herstellern direkt an die Arztpraxen geliefert und von Bundesland zu Bundesland vollkommen unterschiedlich abgerechnet.

In Berlin und Schleswig-Holstein zum Beispiel schreiben die Krankenkassen Kontrastmittel aus, der günstigste Hersteller bekommt den Zuschlag. Dort erstatten die Kassen den Herstellern für einen Liter MRT-Kontrastmittel nur rund 800 Euro. Im Gebiet der AOK Plus, also in Sachsen und Thüringen, dagegen zahlen die Kassen rund 4700 Euro pro Liter. Das geht aus Unterlagen hervor, die die AOK Plus an die Hersteller dieser Medikamente geschickt hat.

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Brexit-Streit: Bercow droht Johnson mit „Kreativität“ des Parlaments

John Bercow. Foto: Saeima. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Mögliche Szenarien reichen inzwischen vom Stellen des Verlängerungsantrags durch schottische Richter über eine Seebrücke nach Nordirland bis hin zur britischen Blockade der EU-Gremien

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Der britische Parlamentspräsident John Bercow kündigte diese Woche seinen Rücktritt zum 31. Oktober an, will aber vorher nach eigenen Angaben sicherstellen, dass „die einzige Form des Brexits, wann immer er eintritt, ein Brexit sein wird, den das Unterhaus explizit gutgeheißen hat“. Sollte der britische Premierminister Boris Johnson eine Option finden, das Stellen eines erneuten Verlängerungsantrags in Brüssel mehr oder weniger legal zu unterlassen, werde er im Parlament „zusätzliche prozedurale Kreativität“ walten lassen, falls er das für erforderlich hält.

Wann dieses Parlament wieder zusammentritt, ist derzeit nicht ganz klar. Eigentlich wurde es vom Regierungschef bis zum 14. Oktober in die Prorogationspause geschickt. Gegen diese Pause wurden jedoch Klagen eingereicht, über die englische und schottische Gerichte unterschiedlich entschieden haben: Während der Londoner High Court eine Klage des ehemaligen Tory-Premierministers John Major abwies, entschied das höchste schottische Berufungsgericht in Edinburgh auf eine Klage der SNP-Abgeordneten Joanna Cherry und anderer Parlamentsmitglieder hin, die Pause sei unter einem Vorwand angesetzt worden und deshalb null und nichtig.

Schottische und walisische Separatisten leiten aus dieser Entscheidung ab, dass nun ein schottischer Richter in Brüssel einen Verlängerungsantrag stellen könnte, falls Boris Johnson das nicht selbst macht. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sich auch schottische Richter an die Rechtsprechung des britischen Supreme Court halten, der die Prorogationsfrage am Dienstag verhandeln will.

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Religion oder Sekte? Diese Gefahr geht von Scientology aus

Scientology in Los Angeles (Bild: PictorialEvidence, CC-BY-Sa 3.0)

Hierzulande gilt Scientology vielen als Sekte. Schweden dagegen hat die Organisation als Religion anerkannt. Was steckt hinter Scientology – und warum wird die Organisation in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet?

Irene Esmann | BR24

Wilfried Handl war 28 Jahre lang bei Scientology – auf mittlerer Ebene – wie er sagt. Der 65-jährige Wiener stieg 2002 aus. Inzwischen schreibt und betreut er einen Blog über Scientology und berät Menschen, die in Kontakt mit der Organisation gekommen sind.

„Aus meiner Sicht ist das total richtig, dass der Verfassungsschutz Scientology beobachtet.“

Wildfried Handl

Scientology-Aussteiger: „Es geht um Geld“

Das Verfassungsfeindliche an Scientology sei „evident, es gibt hunderte Belege“, sagt Handl. Scientology habe ein klares Ziel, es strebe ein totalitäres System an, so der Aussteiger: „Es geht um Geld und Geld bekommt man, wenn man vorher die Macht hat.“ Er selbst kam mit 20 Jahren über seine damalige Freundin zu Scientology. Er sei ein Suchender gewesen, habe Antworten auf die Sinnfragen des Lebens gesucht. Seiner Erfahrung nach der Hauptgrund, weshalb Menschen schließlich bei der internationalen Organisation landen.

In Europa, so schätzen Experten, leben derzeit rund 200.000 Scientologen. In Bayern beziffert der Verfassungsschutz die Zahl der Scientologen auf 1.200. Die Zahl der Mitglieder habe sich vor etwa zehn Jahren nach und nach halbiert. Dennoch unterhält die Organisation ein großes Zentrum in München-Schwabing und ein so genanntes Celebrity Centre mit Sitz in München-Obersendling.

Scientology: Wir leiden nicht unter Mitgliederschwund

Scientology selbst spricht von etwa 2.000 Mitgliedern, die derzeit in Bayern und im Raum Salzburg aktiv seien. Vergleichszahlen aus früheren Jahren nennt die Organisation auf BR-Nachfrage nicht, verweist aber darauf, dass die beiden großen Kirchen einen deutlichen Mitgliederschwund zu verzeichnen hätten: „Unter diesem Problem leiden wir nicht“, schreibt die Bayernsprecherin von Scientology, Eva Altendorfer.

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Alpen: Der Aletschgletscher schrumpft

Blick auf den Aletschgletscher von der Mossfluh aus (oberhalb Riederalp) im Kanton Wallis. (Bild: Simon Tanner / NZZ)

Geht der Klimawandel ungebremst weiter, wird der grösste Gletscher der Alpen, der Aletschgletscher, bis 2100 fast völlig verschwinden. Mit energischem Klimaschutz liesse sich jedoch rund ein Drittel des heutigen Gletschervolumens retten.

Neue Zürcher Zeitung

Die majestätischen Eismassen des Aletschgletschers sind ein Touristenmagnet. Jedoch dürften Ende des Jahrhunderts nur noch eine Handvoll kleiner Eisflecken vom grössten Eisstrom der Alpen übrig sein, wenn es mit dem Klimawandel ungebremst weitergeht. Um zu zeigen, welcher Anblick sich aus der Luft oder von verschiedenen Aussichtspunkten im Jahr 2100 bieten wird, haben Guillaume Jouvet und Matthias Huss von der ETH Zürich nun ein dreidimensionales Computermodell des Gletschers erstellt.

Die Simulation liessen sie mit regionalen Klimaszenarien laufen: eine Erwärmung von 1 bis 2 Grad, 2 bis 4 Grad oder 4 bis 8 Grad im Vergleich zur Periode zwischen 1960 und 1990 – bevor sich die Klimaerwärmung rasant beschleunigte.

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Nach Protesten: Volkswagen löscht Thunberg-Werbung

Nach Protesten hat der Volkswagen-Konzern ein Foto der Klimaaktivistin Greta Thunberg von seinen Internetseiten entfernt. Das teilte ein Unternehmenssprecher dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Freitag mit.

evangelisch.de

Volkswagen habe von einer kommerziellen Fotodatenbank ein Bild von Greta Thunberg als Person der Zeitgeschichte erworben, um damit einen Artikel auf der Internetseite des Konzerns zu illustrieren, erklärte der Sprecher. Nach einem Hinweis aus dem Umfeld der Familie Thunberg habe das Unternehmen das Foto ausgetauscht.

Zunächst hatte Thunberg auf Twitter ihre Follower aufgerufen, unerlaubte Nutzungen von Fotos mit ihrem Konterfei zu Werbezwecken zu melden. Der Amerikaner Callum Grieve antwortete mit einem Screenshot einer Seite der Volkswagen AG.

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Warum Greta Thunberg eine Untertreiberin ist

Greta Thunberg spricht am 9. September vor der Gesellschaft für Kultur der Ethik in New York. Am 23. September wird sie am Klimagipfel der Uno auftreten. (AP Photo/Jeenah Moon)

Unsere Lebensgrundlagen sind aufgrund des menschengemachten Klimawandels ernsthaft bedroht. Die Klimatologen agieren nicht alarmistisch, sondern besonnen. Und auch Greta Thunberg hält sich, bei Lichte besehen, ziemlich zurück. Eine Replik.

Edward Kanterian | Neue Zürcher Zeitung

Auf der Osterinsel im südöstlichen Pazifik standen einmal die grössten Palmen der Erde. Doch dann gerieten die Dorfsippen in einen Prestigewettstreit und bauten immer grössere Steinstatuen, für deren Bau sie viel Holz brauchten. Irgendwann gab es keinen Wald mehr. Eine ökologische und soziale Katastrophe war die Folge, von Jared Diamond in «Kollaps. Warum Gesellschaften untergehen oder überleben» (deutsch 2006) eindrucksvoll beschrieben. Die einst blühende Inselkultur hatte abgewirtschaftet.

Hat wirklich niemand den Untergang kommen sehen? Stellen wir uns einen aufgeweckten Teenager vor, der abseits des Machtkampfes stand und die Torheit des ganzen Treibens einsah. Dieser Teenager stellte seinen Dorfpriester zur Rede. Dessen Antwort? Die Ahnenverehrung folge unantastbaren Gesetzen, das Nachbardorf besitze eine grössere Statue, neue Bäume würden sich schon finden. Ohnehin: Ein törichtes Kind solle sich nicht in so wichtige Dinge einmischen.

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US-Haushaltsloch übersteigt wieder die Billion-Marke

Das Staatsdefizit ist demnach um 19 Prozent größer als das Haushaltsloch im Vorjahreszeitraum.

Die Presse

Erstmals seit zehn Jahren hat das Haushaltsloch in den USA wieder die Marke von einer Billion Dollar überschritten. In den elf Monaten von Oktober 2018 bis Ende August 2019 stieg das Staatsdefizit auf mehr als eine Billion Dollar (907 Milliarden Euro), wie das Finanzministerium in Washington am Donnerstag mitteilte. Es war demnach 19 Prozent größer als das Haushaltsloch im Vorjahreszeitraum.

Die Einnahmen im aktuellen Haushaltsjahr, das am 30. September endet, stiegen den Angaben zufolge um drei Prozent auf mehr als drei Billionen Dollar. Die Ausgaben wuchsen zur gleichen Zeit aber um sieben Prozent und überstiegen 4,15 Billionen Dollar.

Einen enormen Zuwachs im US-Haushalt gab es bei den Zöllen. Infolge des Handelsstreits von US-Präsident Donald Trump mit China und anderen Ländern stiegen sie um 73 Prozent auf 66 Milliarden Dollar.

Sind die Menschen zu blöd für eine Demokratie?

Grafik: TP

Ein US-Politikwissenschaftler prophezeit den Untergang der liberalen Demokratie. Rechte Populisten könnten die „strukturelle Schwäche“ der Demokratie ausbeuten

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Kürzlich hat der an der University of California, Irvin, lehrende Professor für Politikwissenschaft Shawn Rosenberg auf einem Treffen der Internationalen Gesellschaft der Politischen Psychologen in Lissabon behauptet, dass die „Demokratien sich selbst auffressen“ und dass der Untergang der demokratischen Staaten mehr oder weniger wahrscheinlich ist. Das scheint bei den Anwesenden Aufsehen und Unruhe hervorgerufen zu haben, wie ein Teilnehmer berichtete.

Gerade wurde eine YouGov-Umfrage zum Thema veröffentlicht. Danach halten 89 Prozent die Demokratie für die beste Herrschaftsform für Deutschland, erstaunliche 10 Prozent finden dies nicht zutreffend. Nur 54 Prozent sind aber mit der in Deutschland praktizierten Demokratie zufrieden, 40 Prozent sind unzufrieden. Grünen – und Unions-Wähler sind am zufriedensten, am unzufriedensten sind die AfD-Wähler, obgleich sie gerade bei den Wahlen profitiert haben.

53 Prozent sehen die Demokratie in Deutschland aktuell in Gefahr. Als größte Gefahr werden Rechtsextremisten (47 Prozent) genannt. Rechtspopulisten und Migranten sind mit 27 Prozent gleichauf, Linksextremisten sowie die USA sehen 22 Prozent als Gefahr. Die Befragten konnten aus einer Liste bis zu drei Gefahren auswählen. Für 38 Prozent ist die Demokratie gesichert. „Für AfD-Wähler sind Migranten (54 Prozent), die Bundesregierung (37 Prozent) und Linksextremisten (33 Prozent) die größten Gefahren für unser demokratisches System. Für Grünen-Wähler sind es hingegen Rechtsextremisten (66 Prozent) bzw. -populisten (49 Prozent) sowie die USA (21 Prozent).“

Eigentlich liegt das Thema in der Luft und ist die zugespitzte pessimistische Gegenthese zu der optimistischen Behauptung, mit der der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama nach dem Ende des Kalten Kriegs bekannt wurde. Er sprach vom „Ende der Geschichte“. Totalitäre Systeme würden aussterben, auf dem Globus würden sich liberale Demokratien ausbreiten. Wirklich lange hat er diese These nicht aufrecht gehalten, sein letztes Buch warnt selbst vor dem Scheitern der Demokratie, wenn Identität und Würde nicht gewahrt werden, die letztlich den nationalen Zusammenhalt garantieren würden.

Die These vom Aufstieg der Demokratie schien mit dem Auseinanderbrechen der kommunistischen Sowjetunion, der Alternativlosigkeit des Kapitalismus, dem Ende der Mauer und des Kalten Kriegs sowie der grenzüberschreitenden Globalisierung und nicht zuletzt dem Internet eine gewisse Plausibilität zu besitzen.

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UN-Nachhaltigkeitsbericht: Auf einem schlechten Weg

Wie nachhaltig leben wir? © Rapid Eye/ istock

Schlechte Nachrichten: Mit ihren Nachhaltigkeitszielen wollen die Vereinten Nationen bis 2030 die Grundlagen für eine bessere Welt schaffen – doch davon sind sie noch weit entfernt. Wie der erste Weltnachhaltigkeitsbericht der UNO zeigt, sind die unter anderem für den sozialen und umweltpolitischen Bereich formulierten Vorhaben nur durch einen rigorosen Wandel überhaupt noch zu erreichen. Handlungsbedarf besteht demnach vor allem bei der Energienutzung und der Ernährung.

scinexx

Eine Welt ohne Armut, in der die wachsende Weltbevölkerung langfristig gut leben kann. Um diese Vision zu realisieren, haben die Vereinten Nationen vor vier Jahren 17 Nachhaltigkeitsziele festgelegt. Sie reichen vom Kampf gegen Hunger, über den Klimaschutz bis hin zu einem nachhaltigeren Konsum und sollen die Welt bis zum Jahr 2030 besser machen.

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