Das letzte Nazigold

Der NPD geht das Geld aus.Foto: dpa
Bundestagspräsident Norbert Lammert hat einen Weg gefunden, der NPD den Geldhahn zuzudrehen. Doch nicht alles ist richtig, nur weil es gegen die Richtigen geht.

Von Jost Müller-Neuhof | DER TAGESSPIEGEL

Norbert Lammert und seine Parlamentsverwaltung haben einen Weg erdacht, wie der Bundestag eine Partei verbieten kann, ohne dass der Bundestag beim Verfassungsgericht ein Verbot beantragen müsste. Es ist ganz einfach. Man dreht ihr den Geldhahn zu. Das ist erlaubt, haben die Karlsruher Richter gesagt und eine Beschwerde der NPD vorläufig zurückgewiesen.

Alles scheint legal. Die staatlichen Mittel setzt der Bundestag im Februar für das zurückliegende Jahr fest. Für das laufende erhalten die Parteien Abschlagszahlungen. Bekommen sie zu viel, müssen sie später zurückzahlen. Haben sie zu wenig erhalten, schießt der Staat nach.

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Strahlender Ozean – radioaktives Jod im Seegras von Keitum

The "Baker" explosion, part of Operation Crossroads, a nuclear weapon test by the United States military at Bikini Atoll, Micronesia, on 25 July 1946. United States Department of Defense/PD
The „Baker“ explosion, part of Operation Crossroads, a nuclear weapon test by the United States military at Bikini Atoll, Micronesia, on 25 July 1946. United States Department of Defense/PD
Unsere Meere sind angereichert mit Radioaktivität. Sie stammt unter anderem vom Reaktorunfall aus Fukushima, aber auch aus früheren Tests mit Atomwaffen und verklappten Fässern mit Atommüll

Von Susanne Aigner | TELEPOLIS

Seit den 1940er Jahren wurden Fässer mit mehr als 100.000 Tonnen, zum Teil hoch radioaktivem, Atommüll an den europäischen Küsten versenkt. In den Tiefen der Nordsee liegen heute noch zehntausende solcher Fässer. So verlud man im Mai 1967 im norddeutschen Emden rund 1.000 Tonnen auf britische Schiffe, um sie im Nordostatlantik, in der irischen See und im Ärmelkanal zu verklappen. Als Mitte der 1980er Jahre deutsche Wissenschaftler im Atlantik neun Fässer aus dem Wasser zogen, fanden sie Plutonium im Wasser, im Meeresboden und den untersuchten Fischen.

Ein Kamerateam des SWR suchte im Ärmelkanal – in Hurt Deep – nahe der Insel Alderney – nach den rund 28.000 Fässern, die hier einst nur 100 Meter tief verklappt wurden. Tatsächlich fanden sie neben einigen verrosteten auch unversehrte Fässer.

Vertreter der Atomindustrie glauben, dass das Meer die strahlenden Substanzen soweit verdünnt, bis sie völlig harmlos sind. Seit den 1980er Jahren wisse man jedoch, dass in der See verklapptes Material zurückkomme, sagt Chris Busby den SWR-Journalisten. Die Strahlung, die sein Geigerzähler an den Stränden vor Sellafield misst, ist viel zu hoch.

Feine Partikel binden am Meeresgrund unter anderem auch Plutonium und Cäsium, so der Physiker, der seit Fukushima internation bekannt ist für seine Annahme: Jede Dosis vom ersten strahlenden Teilchen an könne Krebs auslösen. Daran erkrankten auf der kleinen Ärmelkanal-Insel mit den 2.400 Einwohnern schon vor Jahrzehnten ungewöhnlich viele Menschen. Bis heute ist die Anzahl von Hirntumoren auffällig hoch.

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Psychiatrie in Polen: „Den Opfern eine Stimme geben“

Die Journalistin Justyna Kopinska. Foto: Jakub Plesniarsk
Die soeben preisgekrönte Journalistin Justyna Kopinska prangert polnische Psychiatrien an.

Von Philipp Fritz | Frankfurter Rundschau

Frau Kopinska, wie ist die Situation in psychiatrischen Kliniken in Ihrem Heimatland Polen?

Ich möchte nicht verallgemeinern, aber in vielen Kliniken sind die Zustände weder für die Patienten noch für die Mitarbeiter gut. Das liegt daran, dass die Häuser unterfinanziert sind und viele Ärzte sich nicht die nötige Zeit nehmen, Bedürftige ernsthaft zu therapieren. Es geht lediglich um Schadensbegrenzung. Meine Arbeitsmethode ist die folgende: Dadurch, dass ich das extremste Beispiel zeige, möchte ich Aufmerksamkeit auf mögliche Gefahren in geschlossenen Einrichtungen lenken, das heißt, in psychiatrischen Krankenhäusern, Kinderheimen oder Gefängnissen.

Was ist das für ein extremes Beispiel? Und was hebt geschlossene von offenen Einrichtungen ab?

Offene Einrichtungen geben die Möglichkeit des Kontakts mit Menschen von außerhalb. Geschlossene hingegen, wie der Name schon sagt, sind von der Gesellschaft isoliert. Es gibt viele großartige Ärzte und Betreuer in geschlossenen Einrichtungen. Aber wenn eine wenig empathische Person Arzt oder Stationshilfe in einem psychiatrischen Krankenhaus wird, erlangt sie so beinahe uneingeschränkte Macht. Das ist gefährlich für die Ruhe und die Sicherheit der Patienten.

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Mehr als 2.000 muslimische Flüchtlinge wurden evangelisch

DerverzweifelteJesusIn den vergangenen zwei Jahren sind 2.000 muslimische Flüchtlinge einer evangelischen Kirche beigetreten. Das geht aus einer Anfrage der „Die Welt“ hervor. Allerdings steht hinter der Zahl ein Fragezeichen. Sie entspringe eher einer grobe Schätzung und keiner systematischen Erfassung.

MiGAZIN

Mehr als 2.000 muslimische Flüchtlinge sind einer Umfrage der Tageszeitung Die Welt zufolge in den vergangenen zwei Jahren einer evangelischen Landeskirche oder Freikirche in Deutschland beigetreten. Danach gab es in den Landeskirchen mindestens 1.200 Beitritte, in den evangelischen Freikirchen mindestens 800, „meist verbunden mit einer Taufe“, wie die Zeitung am Donnerstag in ihrer Online-Ausgabe berichtete. Allerdings seien die Zahlen nur eine Annäherung, weil Übertritte nirgendwo systematisch registriert würden.

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Barcelona zählt ertrunkene Flüchtlinge auf Anzeigentafel

3034 Menschen sind seit Beginn dieses Jahres im Mittelmeer ertrunken. Die Zahl ist deutlich höher als im ersten Halbjahr 2015. (Foto: AFP)
3034 Menschen sind seit Beginn dieses Jahres im Mittelmeer ertrunken. Die Bürgermeisterin der Stadt spricht deshalb von einer „Anzeige der Schande“.

Süddeutsche.de

3034 – das ist die Zahl von Menschen, die seit Beginn dieses Jahres im Mittelmeer ertrunken ist. Eine Zahl, die Europa beschämen sollte und die doch untergeht zwischen all den anderen Schreckensmeldungen von Krieg und Terror. Eben das will die spanische Küstenstadt Barcelona nun ändern – und hat deshalb eine digitale Anzeigetafel in Betrieb genommen, die die Ertrunkenen zählt.

Die Tafel sei eine „Anzeige der Schande“, sagte Bürgermeisterin Ada Colau bei der Einweihung. Die 3034 Toten, die die Tafel derzeit anzeigt, hatte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Dienstag für die ersten sieben Monate dieses Jahres bekanntgegeben. Darunter steht auf Spanisch: „Das ist nicht bloß eine Zahl, das sind Menschen.“

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Waffen diskret in Richtung Krisenregion liefern

SZ-Karte; Quelle: BIRN/OCCRP
  • Osteuropäische Staaten könnten die Fluchtbewegung aus Syrien befeuert haben, weil sie Waffen in den Nahen Osten geliefert haben.
  • Ein Recherchenetzwerk zeigt, dass die Länder entweder Restbestände aus vergangenen Konflikten oder sogar neues Kriegsgerät in die Region verkauft haben.
  • Den Dokumenten zufolge wussten die Exportstaaten, dass die Waffen in das Bürgerkriegsland Syrien gelangen könnten.

Von Moritz Baumstieger | Süddeutsche.de

Als die Flüchtlingszahlen in Europa Anfang August 2015 immer weiter stiegen, wandte sich Tschechiens Präsident Miloš Zeman in einem Interview direkt an die Ankömmlinge: „Niemand hat euch hierher eingeladen“, sagte er der Zeitung Blesk, dann fügte der für seinen Hang zu Alkohol und Populismus berüchtigte Politiker an: „Wenn ihr schon hier seid, müsst ihr unsere Regeln respektieren.“

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Türkei: Vermögen von 3.000 Richtern soll beschlagnahmt werden

erdogan

Betroffene sollen Verbindungen zur Gülen-Bewegung haben, die laut Erdogan für den Putschversuch verantwortlich ist

derStandard.at

Nach dem gescheiterten Putschversuch will die türkische Staatsanwaltschaft die Privatvermögen von suspendierten Richtern und Staatsanwälten beschlagnahmen lassen. Betroffen sind 3.049 Richter und Staatsanwälte mit mutmaßlichen Verbindungen zur Bewegung des Predigers Fetullah Gülen, deren Festnahme bereits angeordnet worden sei, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstagabend.

Die Juristen sind bereits vom Dienst freigestellt. Beschlagnahmt werden sollen unter anderem Immobilien, Bankkonten oder Fahrzeuge. Die Regierung macht den in den USA lebenden Gülen für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich. Nach Angaben des Innenministeriums saßen am Mittwoch mehr als 1.600 Richter und Staatsanwälte in Untersuchungshaft. Die Regierung wirft der Gülen-Bewegung vor, den Staat unterwandert zu haben. Gülen wurde in der Vergangenheit großer Einfluss im Justizbereich nachgesagt.

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Zögerliche Aufklärung im Fall der Sektensiedlung Colonia Dignidad in Chile

Villa Baviera (Februar 2014) Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/Xarucoponce
Bundesregierung bleibt hinter Parlamentsantrag aus dem Jahr 2002 zurück. BND wusste schon 1966 von „KZ-ähnlichen Methoden“

Von Harald Neuber | TELEPOLIS

Trotz der teilweise Öffnung der Archive des Auswärtigen Amtes zur deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad in Chile und einem kritischen Umgang mit der eigenen Geschichte in Chile bleibt die Bundesregierung deutlich hinter einem Antrag des Bundestags aus dem Jahr 2002 zurück. Das geht aus den Antworten der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, die Telepolis vorliegt.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte Ende April eine teilweise Öffnung der Archive zur Rolle der westdeutschen Diplomatie bei den Verbrechen in der Colonia Dignidad in Chile bekanntgegeben. Normalerweise betrage die Sperrfrist für Dokumente 30 Jahre, sagte Steinmeier bei einer Rede vor hunderten Gästen im Auswärtigen Amt. Er habe unter dem Eindruck der aktuellen Debatte aber entschieden, diese Frist um zehn Jahre zu verkürzen. „Damit machen wir die Akten der Jahre 1986 bis 1996 für Wissenschaftler und Medien zugänglich“, so der Minister. Der Vorstoß war nach Angaben von Mitarbeitern des Auswärtigen Amt intern sehr umstritten.

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Bistum Regensburg ruft Flüchtlinge zum Verlassen des Pfarrheims auf

„Es geht nicht mehr. Unsere Bitte an die Behörden um eine geduldete Präsenz wurde zurückgenommen. Es bleibt uns daher keine andere Wahl, als die Gruppe mit Verweis auf das Hausrecht aufzurufen, das Pfarrheim zu verlassen.“

kath.net

Das Bistum Regensburg hat gestern in einer Pressemitteilung die Flüchtlinge, die seit mehr als 22 Tage in einem Pfarrheim sich aufenthalten, zum Verlassen aufgefordert.

Gestern vor 22 Tagen sind 45 Flüchtlinge aus Kosovo und Albanien in den Dom eingedrungen und baten mit dem Hinweis auf unmittelbar bevorstehende Abschiebungen um den Schutz und die Hilfe der Kirche. Gleichzeitig wurde auch das Innere des Domes tagelang von verschiedenen Gruppen für Proteste für ein „Bleiberecht für alle“ und gegen Abschiebungen benutzt.

Das Bistum hat sich zunächst dafür entschieden, humanitär zu helfen und zu klären. Es bat deshalb die staatlichen Behörden für eine sehr begrenzte Zeit um die Duldung der Präsenz dieser Gruppe. Außerdem haben wir uns vom ersten Tag an mit großem Einsatz um die Grundversorgung mit Essen, Feldbetten, ärztlicher Betreuung und vieles andere mehr gekümmert. Nachdem die sanitäre Lage im Vorraum des Domes immer schlimmer wurde, zogen die Flüchtlinge in das Pfarrheim St. Emmeram um.

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Chernobyl Has Turned into an Unlikely Poster Child for Environmentalism

The Pripyat Ferris Wheel, viewed from the City Center Gymnasium. Image: Kadams1970/PD
The Pripyat Ferris Wheel, viewed from the City Center Gymnasium. Image: Kadams1970/PD
The name “Chernobyl” has become synonymous with the eerie, urban ruins left in the wake of devastating nuclear fallout.

By Becky Ferreira | MOTHERBOARD

But a new legacy has begun to blossom from the ashes of the Chernobyl Exclusion Zone (CEZ), the 1000-square-mile surrounding the remains of the ill-fated Ukrainian power plant and its neighboring city of Pripyat. Once the site of the worst nuclear disaster in history, Chernobyl is becoming an unlikely poster child for sustainable energy and environmental renewal.

The most recent example of the Chernobyl’s green revival is a new effort to develop a solar power plant within the CEZ. For the past few weeks, Ostap Semerak, Ukraine’s minister of ecology, has been pitching Chernobyl as a potential solar hotspot to both foreign and domestic investors.

“We propose for our partners and investors to look on this territory with a quite different understanding; not as a territory of catastrophe, but as a territory of future development,” Semerak said during a visit to the European Bank for Reconstruction and Development (EBRD) in London this week.

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Hochzeit nach Scheidung: Darf die Kirche dann kündigen?

Bild: fis-kirchenrecht.de
Bild: fis-kirchenrecht.de
Eine geschiedener Arzt heiratet wieder – und ist seinen Job los. Gibt’s nicht? Gibt’s doch! Und wenn die katholische Kirche der Arbeitgeber ist, ist das sogar rechtens. Das Bundesverfassungsgericht soll klären, ob das so bleiben kann. Fragen und Antworten zum Fall.

stern.de

Kann eine zweite Heirat nach einer Scheidung ein Kündigungsgrund sein? Ja, im Fall des Chefarztes eines katholischen Krankenhauses in Düsseldorf ist das passiert. Das Bundesarbeitgericht in Erfurt verhandelt an diesem Donnerstag die Kündigungsschutzklage – bereits zum zweiten Mal.

Was ist die Besonderheit dieses Falls?

Der Mann ist seit dem Jahr 2000 als Chefarzt in einem katholischen Krankenhaus in Düsseldorf beschäftigt. Er ist damit Angestellter einer kirchlichen Einrichtung. Sein Dienstvertrag basiert auf einer vom Erzbistum Köln erlassenen Grundordnung, nach der von den Mitarbeitern die Anerkennung der katholischen Glaubens- und Sittenlehre erwartet wird.

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Seit 14 Monaten Rekordtemperaturen

Jahr 2016 auf Rekordkurs. Bild: WMO
Die Energie- und Klimawochenschau: Der Klimafahrplan der EU, Subventionen für fossile Brennstoffe in Deutschland und Großbritannien und das schwindende Speicherpotential von Wäldern

Von Jutta Blume | TELEPOLIS

54 Grad Celsius sollen am vergangenen Donnerstag in Mitribah in Kuwait gemessen worden sein, 53,4 Grad im irakischen Basrah, so berichten Jeff Masters und Christopher C. Burt auf dem Blog Weatherunderground.com.

Damit hätte Mitribah die höchste Temperatur erreicht, die jemals außerhalb des Death Valley gemessen wurde. Die vorherigen Rekorde fallen ebenfalls in dieses Jahrzehnt und auf Asien: 53.6°C in Sulaibya, Kuwait im Jahr 2011, und 53.5°C in Mohenjodaro, Pakistan im Jahr 2010. Eine aus Israel im Jahr 1942 gemeldete Rekordtemperatur von 54 Grad Celsius bleibt hingegen strittig.

Auch global gesehen befindet sich das Jahr 2016 – wie auch die vergangenen Jahre – auf dem Rekordpfad. Die in der ersten Jahreshälfte gemessenen Temperaturen deuten der World Meteorological Organization zufolge darauf hin, dass es im laufenden Jahr zu einem neuen globalen Temperaturrekord kommen wird.

Die Durchschnittstemperatur der vergangenen sechs Monate war 1,3 Grad höher als in vorindustrieller Zeit. In den letzten Monaten und Jahren erfolgt der Temperaturanstieg dabei stetig. „Der Juni 2016 war der 14. aufeinander folgende Monat mit Rekordtemperaturen für Land und Ozeane. Es war der 378. aufeinander folgende Monat mit Temperaturen oberhalb des Durchschnitts des 20. Jahrhunderts. Die Durchschnittstemperatur des 20. Jahrhunderts wurde zum letzten Mal im Dezember 1984 unterschritten“, schreibt die WMO. Auch die CO2-Konzentration in der Atmosphäre schnellte in die Höhe. Sie lag im ganzen ersten Halbjahr über 400 ppm und erreichte im Juni überraschend 407 ppm, das sind 4 ppm mehr als im Juni 2015.

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Rückwärts in die Zukunft – Katholizismus in Polen

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Papst Franziskus kommt nach Polen, um am 26. Juli den Weltjugendtag in Krakau zu eröffnen. Doch es ist kein Besuch unter Freunden, zu gespalten ist das Verhältnis zur polnischen Amtskirche.

Von Florian Kellermann | Deutschlandradio Kultur

Die Ränge des Stadions in Posen sind gut gefüllt. Die Menschen feiern den Jahrestag der Taufe Polens. 1050 Jahre ist es her, dass der damalige Herzog Mieszko I. das Christentum annahm.

Die Stimmung ist ausgelassen, auf der Tribüne strecken Nonnen die Arme hoch und drehen sich im Takt der Musik, auf dem Rasen tanzt ein Priester.

Auch Halina Tabiszewska klatscht und dreht sich im Rhythmus der Musik. Die 61-Jährige ist in einen weiß-roten Schal gehüllt – die polnischen Nationalfarben.

Tabiszewska: „Das ist ein großer Tag für uns Polen, die Taufe war das wichtigste Ereignis in unserer Geschichte. Dank des katholischen Glaubens haben wir unsere Nation über so viele Jahre erhalten. Als wir Polen keinen Staat hatten, als wir aufgeteilt waren, hat unsere Kultur nur durch den Glauben überhaupt überlebt. Unser wunderbarer Präsident hat es heute gesagt: Unser Land würde es ohne Christus nicht geben.“

Wenig später geht eine Prozession über den Rasen im Stadion: Die Reliquien polnischer Heiliger werden vorgeführt.

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Medienanstalten: Beschwerden über Amoklaufberichterstattung

Es geht um die Einhaltung journalistischer Grundsätze oder Jugendschutz: Beim Internetportal Programmbeschwerde.de der Landesmedienanstalten sind seit dem Wochenende Beschwerden zur Berichterstattung über den Amoklauf in München eingegangen.

evangelisch.de

„Die Qualität der Beschwerden zeigt eine erfreulich kritische Kompetenz des Publikums“, sagte der Direktor der für Programmbeschwerde.de zuständigen saarländischen Landesmedienanstalt, Uwe Conradt, am Dienstag in Saarbrücken. Sie verdeutlichten, „wie wichtig ein Dialog mit dem Publikum für das Vertrauen in die Medien und deren Glaubwürdigkeit ist“.

Live-Aufnahmen von Leichen kritisiert

Es geht den Angaben zufolge sowohl um die Berichterstattung von öffentlich-rechtlichen als auch privaten Programmen. Das Fernsehpublikum kritisiere Live-Aufnahmen von Leichen, Interviews mit traumatisierten Menschen, wiederholte Aufnahmen des schießenden Täters sowie eine spekulative und sensationslüsterne Art des Berichtens, teilten die Medienanstalten mit.

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The New European Fascists

Government leaders in Poland are promoting a neofascist ideology. (Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0)
Jaroslaw Kurski and Piotr Stasinski embody the hope that once was Poland. They struggled against the Communist regime for years in the underground press and as Solidarity members. They built Gazeta Wyborcza, now one of the most influential newspapers in the country, after the 1989 fall of communism. They helped usher in a period of democracy and open debate, one that included cultural space for historians such as Jan Gross, a Polish-born American who courageously confronted the taboo topic of Polish complicity in the Nazi extermination of nearly all of Poland’s 3 million Jews.

By Chris Hedges | truthdig

And then neoliberalism, imposed by global capitalism and international banks, began to spread its poison. Legions of unemployed or underemployed were cast adrift. Two million Poles, many of them young people desperate for jobs, have left to work abroad. Governmental austerity programs devastated cultural institutions, including public schools, the arts and public broadcasting. And finally, following a familiar death spiral, the October 2015 elections brought to power the nationalists and demagogues of the right-wing Law and Justice Party (PiS). There is no left-wing party represented in the parliament.

Not much of Poland’s promise remains. PiS is rapidly rolling back constitutional rights. It blocks state media coverage of the fading political opposition, especially the Committee for the Defense of Democracy (KOD), which has held a series of protest demonstrations. PiS shamelessly uses the airwaves and the schools for rabid nationalist propaganda. The public broadcasting system—in which the party purged more than 100 staff members—twisted President Barack Obama’s recent criticism of the Polish government’s assault on the judiciary into praise for Polish democracy. And the ruling party has forced state institutions to cancel subscriptions to Gazeta Wyborcza and pressured distributors throughout the country not to display or sell copies of the newspaper.

“There is no longer genuine parliamentary debate,” Stasinski said when I met with him and Kurski at the Gazeta Wyborcza offices in Warsaw. “There are no longer checks and balances of power. The parliamentary system is dysfunctional. The Constitutional Court and judiciary are paralyzed. New laws passed by the parliament cannot be challenged or changed. The government is supposed to publish sentences of the Constitutional Court in The Journal of Laws [Dziennik Ustaw] for them to become legally effective. This is required by the Constitution. But the government, by not printing them, paralyzes the Constitutional Court, which has been reduced to announcing its sentences on the internet without any legal effect. It is a very dangerous time.”

“We operate under two systems of law,” said Kurski. “One is constitutional and legal. The other is unconstitutional and illegal. The problem is that the illegal and unconstitutional system runs the country.”

Jaroslaw Kaczynski, the founder and head of the ruling party, governs Poland like a private fiefdom. Prime Minister Beata Szydlo and President Andrzej Duda are political puppets. Kaczynski, reclusive and morbid, is referred to with fear or reverence as “the Chairman.” His words, and his obsessions, are law.

And it is not only Poland that is in trouble. Europe, especially EU countries on the fringes of the union, is devolving into proto-fascism. The Hungarian strongman Prime Minister Viktor Orban has destroyed his country’s democracy. Neofascist groups are gaining strength in France, the United Kingdom, Austria, Denmark, Sweden and Greece.

These movements are rabidly xenophobic, racist, Islamophobic and homophobic, and they demonize immigrants and brand internal dissent as treason. When they take control they rely on ruthless internal security and surveillance systems—Poland has established 11 intelligence agencies—to crush dissent. They seek their identity in a terrifying new nationalism, often, as in Poland, coupled with a right-wing Catholicism. They preach hatred of the outsider and glorification of obedient and “true” patriots. This lurch to the right will be augmented in Poland later this year with the establishment of an armed militia of more than 30,000 whose loyalty, it seems certain, will be to the ruling party.

“If you are a Pole, you should be Catholic,” said Stasinski. “I’m not. So for some, I’m not a Pole.”

Poland, like Hungary, Slovakia and the Czech Republic, has rejected the European Union’s call for its nations to accept refugees fleeing the chaos in the Middle East. The ruling party in Poland employs rhetoric to describe Muslim immigrants that echoes prewar Polish anti-Semitism. Immigrants are condemned as diseased, painted as rapists and excoriated for supposedly having barbaric religious practices. When Gross, who teaches at Princeton University, decried the hate campaign against immigrants and made the links with anti-Semitism, reminding Poles that they killed more Jews than they killed Germans during the war, PiS began legal proceedings to challenge Gross’ assertions and called for his Polish Order of Merit to be revoked.

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We Can Feed More People on an Omnivore Diet than a Vegan One, Study Shows

Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)
Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)
Vegans love to extol the benefits of their diet, and from environmental impact to animal welfare, there are many. But when it comes to helping feed our expanding global population using the land we’ve got here in the US, a vegan diet isn’t the best option, according to a new study from US researchers.

By Kaleigh Rogers | MOTHERBOARD

In fact, continuing to eat some meat would allow American farmlands to feed more people overall, than if everyone switched over to veganism.

Figuring out how to feed an exploding global population without converting ever more swaths of land to agriculture is an ongoing challenge. The UN’s Food and Agriculture Organization estimates we need to increase food production globally by 60 percent over the next 35 years to meet demand. How America uses its farmland affects not only how secure food is in the US, but it could also impact the availability of food worldwide.

In this context, researchers compared 10 different diets, based on how efficiently they use America’s farmland. The “baseline” diet was modeled off what the average American eats, according to the Department of Agriculture. They compared this to other diets, in which various percentages were either “healthy omnivorous”—calories came from all sources, including meat, plants, eggs and dairy—or vegetarian, which included milk and eggs, but no meat. Three strictly vegetarian diets were also included in the study (egg and dairy, just dairy, and vegan).

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Machthungrige Föten, der «Dude» als Prophet und Sex mit der Hohepriesterin: Die 13 durchgeknalltesten Religionen

Der Mensch als Negativposten. Bild: Youtube
Das Internet ist voll von Listen mit bizarren Religionen. Auffällig ist, dass die etablierten Religionen darin meist nicht vorkommen. Dabei sind für nüchterne Agnostiker im Grunde alle Religionen bizarr.
 

Von Daniel Huber | watson.ch

Doch die etablierten Religionen haben den Vorteil, dass sie schon lange da sind. Und sie zählen ihre Gläubigen nach Millionen, wenn nicht Milliarden. Deshalb beschäftigen wir uns hier nicht mit ihnen, sondern mit ein paar eher jungen Religionen, denen man von weitem ansieht, dass sie gaga sind. Hier 13 Beispiele:

«Rette den Planet, bring dich um!»

Die 1992 von Chris Korda gegründete Church of Euthanasia ist nicht gerade das, was man einen menschenfreundlichen Verein nennen könnte. Die Religion, deren erklärtes Ziel die freiwillige Bevölkerungsabnahme zur «Wiederherstellung der Balance zwischen den Menschen und den anderen Spezies auf der Erde» ist, hat die in manchen fundamentalistisch-ökologischen Kreisen anzutreffende Menschenfeindlichkeit auf die Spitze getrieben. Wenn Menschen in grosser Zahl sterben, jubeln die Euthanasier. Die Anschläge vom 11. September 2001 feierte die «Church» mit einem Videoclip, in dem sie die Schreckensbilder mit Hardcore-Pornographie mixte.

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Kreditschützer: „Unsichtbarkeit von Geld begünstigt Schulden“

Mammonism
Geld-Religion

Der Rückgang bei Privatkonkursen gibt mehr Anlass zur Sorge als der Anstieg bei Firmenpleiten, sagt Hans-Georg Kantner

Interview Regina Bruckner | derStandard.at

STANDARD: Seit langem haben wir wieder einen Anstieg bei Unternehmenspleiten. Grund zur Sorge?

Kantner: Nein. Das Niveau eines gesunden Verhältnisses von Pleiten zu Neugründungen liegt etwa bei einem Prozent der Unternehmenspopulation. Wir liegen in Österreich bei 1,3 Prozent. Das kann und soll nicht auf null zurückgehen. Wir haben seit zehn, fünfzehn Jahren eine Gründerwelle. Anfangs hat man gesagt, das sind Scheinselbstständige. Ich glaube, diese Zeiten sind vorbei.

STANDARD: Deutet das darauf hin, dass der Standort Österreich nicht so abgesandelt ist wie befürchtet?

Kantner: Ich orte großen Reformbedarf im Verhältnis zwischen dem Staat und seinen Bürgern. Obwohl wir demnächst in Österreich 100 Jahre Abschied von Habsburg haben, steckt uns dieser kaiserliche Staat noch in den Gliedern. Man muss den Menschen vermitteln, dass der Staat wir sind, und den Beamten, dass sie Dienstleister an den Menschen und der Wirtschaft sind und nicht Vertreter eines hoheitlichen Gottesgnadentums.

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Liechtenstein: Misstrauen gegenüber dem Klerus

Landtagsgebäude in Vaduz. (Bild: Imago)
Liechtenstein will Kirche und Staat entflechten. Differenzen zwischen politischen Behörden und Kirchenvertretern in zwei Gemeinden stellen das Unternehmen jedoch als Ganzes infrage.

Von Günther Meier | Neue Zürcher Zeitung

Liechtenstein muss zur Kenntnis nehmen, dass auch bei den Verhandlungen mit der römisch-katholischen Kirche der Teufel im Detail steckt. Als das Erzbistum Vaduz 1997 überraschend und ohne Einbezug Liechtensteins vom Heiligen Stuhl errichtet wurde, machte die Forderung nach einer Trennung von Kirche und Staat die Runde. Das Vorhaben hatten sich die teilweise forsch auftretenden Politiker und wohl auch kirchliche Kreise einfacher vorgestellt.

Es hängt an zwei Gemeinden

Anstelle der Forderung nach Trennung wurde bald eine mildere Variante favorisiert, nämlich eine Entflechtung der jahrhundertealten Beziehungen zwischen Kirche und Staat. Aber auch dieses Vorhaben scheint derzeit zum Scheitern verurteilt, weshalb sich die Regierung bereits Gedanken über einen «alternativen Lösungsansatz» macht.

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Pflanzen können Metalle aus verseuchten Böden ziehen

Viel verseuchtes Gelände: Bergbauregion in Neukaledonien Foto: Privat / Neubauer (1)
Claude Grison ist eine gefragte Forscherin. Die französische Chemikerin kennt sich aus mit Pflanzen, die besonders viele Schwermetalle aufnehmen. In verseuchten Böden bewirken sie einiges.

Badische Zeitung

An der Wand stehen Plastikboxen voller getrockneter Blätter oder Pulvertütchen. Beschriftet sind die Behälter mit Pflanzen- und Ländernamen wie Neukaledonien, Gabun, China, Kreta. Aufgeklebte Fotos von den Blüten lassen erahnen, wie schön diese Pflanzen aussahen, bevor sie getrocknet ihre weite Reise zu Claude Grison angetreten haben.

Die französische Chemikerin steht im weißen Kittel in ihrem Labor im Norden von Montpellier. Sie nimmt einige der getrockneten Blätter in die Hand und schwärmt von ihnen.

„Diese Pflanzen sind wirklich außergewöhnlich“, sagt die 56-Jährige. Denn sie sind hart im Nehmen. Sie wuchsen auf belasteten Bergbauhalden, alten Industriebrachen, in verseuchten Gruben. An Stellen in aller Welt, von denen man dachte, dass dort nie mehr etwas sprießen würde. Wenn Grison diese Pflanzen bei ihren lateinischen Namen nennt, klingt das fast so, als würde sie einen Zauberspruch aufsagen: „Grevillea exul exul“ oder „Sedum plumbizincicola“ etwa.

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