Norwegens katholische Kirche soll Zahlen frisiert haben

Bild: tilly
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In Norwegen läuft derzeit ein aufsehenerregender Prozess. Die katholische Kirche und das staatliche Kulturamt stehen sich wegen der Forderung nach einer Rückzahlung von 40 Millionen Kronen (4,4 Millionen Euro) vor Gericht gegenüber. Im protestantischen Norwegen erhalten religiöse Minderheiten auf Basis ihrer Mitgliederzahlen Geld vom Staat. Die dafür landesweit verantwortliche Diözese Oslo soll zwischen 2010 und 2014 die Anzahl der Katholiken im Lande deshalb kräftig nach oben frisiert haben.

Von André Anwar | RP ONLINE

In dieser Zeit stieg die Anzahl der Katholiken deutlich von 66.000 auf 140.000 an. Kirchenangestellte sollen die örtlichen Telefonbücher durchgegangen sein, um unter anderem Einwanderer ausfindig zu machen, deren Namen darauf hindeuteten, dass sie aus mehrheitlich katholischen Ländern stammen. Danach soll die Kirche das in Norwegen weitgehend öffentliche Melderegister genutzt haben, um die Geburtsdaten der Auserwählten ordnungsgemäß in das Mitgliederregister einzutragen. Die Betroffenen wurden nicht gefragt.

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Gefährliches Waffenklimpern in der Ägäis

Die Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Nikos Kotzias. Foto: W. Aswestpopoulos/heise.de/tp
Die Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Nikos Kotzias. Foto: W. Aswestpopoulos/heise.de/tp
Provokationen zwischen beiden traditionellen Erzfeinden, Griechenland und Türkei, machen einen bewaffneten Zwischenfall möglich

Von Wassilis Aswestopoulos | TELEPOLIS

Die beiden traditionellen Erzfeinde, Griechenland und Türkei, eint ein gemeinsames Problem. In beiden Staaten sind die Wirtschaftsaussichten düster. Griechenlands Probleme sind chronisch. Die von der Kreditgebertroika obstruierte Lösung des Schuldenproblems, die stetige, durch „Reformen“ genannte Steuererhöhungen in Kombination mit Renten- und Gehaltskürzungen am Leben gehaltene Rezession und die politische Misswirtschaft sind für die Griechen nichts Neues.

Auf der anderen Seite des Bosporus dagegen ist die Situation eher ungewohnt. Beide Regierungen spielen das Spiel gegenseitiger Provokationen in einer Art durch, die einen bewaffneten Zwischenfall möglich machen.

Moralisch können sich die Griechen hierbei in der Rolle des Gerechten fühlen, geht die Aggression doch vom türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan aus. Ein ums andere Mal provoziert er und beschwört sogar Grenzkorrekturen zu Gunsten der Türkei herbei. Erdogans Expansionsgelüste wurden zum Leidwesen der Griechen lange seitens EU und NATO ignoriert.

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Konzernen steht Entschädigung für Atomausstieg zu

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)
Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Karlsruhe hat die Klagen der Atomkraftbetreiber E.on, RWE und Vattenfall gegen den beschleunigten Atomausstieg für teilweise erfolgreich erklärt. Den Konzernen stehe eine Entschädigung zu.

DIE WELT

Die Klagen mehrerer Atomkonzerne auf Entschädigung wegen des 2011 beschlossenen Atomausstiegs sind im Wesentlichen erfolgreich.

Den Energiekonzernen stehe wegen des beschleunigten Atomausstiegs nach der Katastrophe von Fukushima eine „angemessene“ Entschädigung zu. Dies stellte das Bundesverfassungsgericht nach Klagen von E.on, RWE und Vattenfall in Karlsruhe fest.

Der 2011 beschlossene beschleunigte Ausstieg aus der Atomenergie sei zwar im wesentlichen eine zumutbar, erklärte der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe. Allerdings sei es nicht mit dem Grundgesetz vereinbar, dass die Konzerne keinen Ausgleich für ihre Investitionen erhalten sollen. Diese seien im Vertrauen auf zusätzliche Strommengen von 2010 vorgenommen worden.

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Todesfälle bei wichtiger neuer Krebstherapie

So genannte Immuntherapien sollen Menschen retten, deren Krebs anders nicht mehr zu besiegen ist. Mehrere Todesfälle bei einer klinischen Studie werfen jetzt jedoch Fragen über ihre Zukunft auf.

Von Emily Mullin | Technology Review

Der Tod von zwei Patienten in einer klinischen Studie wirft Fragen über die Zukunft von so genannten Immuntherapien gegen Krebs auf. Bei diesem Ansatz soll das Immunsystem der Patienten den Krebs selbst bekämpfen, und er galt bislang als sehr viel versprechend.

Kurz vor dem Thanksgiving-Feiertag hatte Juno Therapeutics die Aussetzung seiner Studie an Patienten mit akuter lymphoblastischer Leukämie bekannt gegeben, nachdem zwei ihrer Teilnehmer gestorben waren. In diesem Jahr waren bereits zuvor drei Teilnehmer derselben Studie gestorben. Trotzdem forschen andere Gruppen weiter an der neuen Medikamentenklasse, die bei manchen Patienten mit tödlichen Krebsarten enormes Potenzial verspricht.

Bei der so genannten CAR-T-Therapie entnehmen Wissenschaftler den Patienten T-Zellen und verändern sie außerhalb des Körpers genetisch so, dass sie, nachdem sie den Patienten wieder zugeführt wurden, Krebszellen erkennen und angreifen. Wenn sie von den Aufsichtsbehörden zugelassen werden, könnten diese Therapien das Leben von Patienten retten, die auf die derzeit verfügbaren Therapien nicht ansprechen.

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Amerikanische und westeuropäische Rüstungskonzerne dominieren den Markt

Thunderbird F-16 Fighting Falcons mit einer F-35A Lightning II. Bild: DoD/heise.de/tp
Thunderbird F-16 Fighting Falcons mit einer F-35A Lightning II. Bild: DoD/heise.de/tp
Nach den Rüstungsausgaben und den Waffenverkäufen ist die „russische Gefahr“ nicht sonderlich hoch, westeuropäische Rüstungskonzerne erleben einen Boom

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Bewaffnete Konflikte und Spannungen, die zu solchen werden könnten, sind immer auch Geldmaschinen für die Rüstungsindustrie und die Länder, in denen sie angesiedelt sind. Kriege dienen bekanntlich zudem als Möglichkeiten, neue Waffensysteme zu testen und möglichen Interessenten vorzuführen. Es können letztlich auch staatliche Konjunkturprogramme sein, die Arbeitsplätze im Militär und vor allem in der Rüstungsindustrie erhalten und schaffen sowie für Steuereinnahmen sorgen.

Die US-Rüstungsunternehmen, die Waffen und militärische Dienstleistungen anbieten, dominieren trotz leichter Rückgänge weiter den Markt. Aber auch westeuropäische Rüstungskonzerne gehören zu den größten Unternehmen. Amerikanische und westeuropäische Länder sind zusammen für mehr als 80 Prozent der Waffenverkäufe der 100 weltweit größten Rüstungskonzerne verantwortlich, wie das Friedenforschungsinstitut Sipri berichtet.

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Neue Todeszone im Indischen Ozean

Schiffe auf dem Golf von Bengalen: Dass unter Wasser eine Todeszone liegt, sieht man dem Meer nicht an. © Shahidul Hasan Roman / CC-by-sa 3.0
Schiffe auf dem Golf von Bengalen: Dass unter Wasser eine Todeszone liegt, sieht man dem Meer nicht an. © Shahidul Hasan Roman / CC-by-sa 3.0
Kein Leben mehr: Im Golf von Bengalen haben Forscher eine neue „Todeszone“ entdeckt. In Wassertiefen unterhalb 100 Meter gibt es dort kaum mehr Sauerstoff im Wasser – und auch kein Leben. Nur noch winzige Reste des Atemgases verhindern, dass dort eine weitere Folge solcher Todeszonen auftritt: Die Freisetzung großer Mengen Stickstoffgases durch anaerobe Bakterien. „Der Golf steht an einem Kipppunkt“, warnen die Forscher im Fachmagazin „Nature Geoscience“.

scinexx

In immer mehr Meeresgebieten der Erde breiten sich sauerstoffarme Zonen aus – „Todeszonen“, in denen Meerestiere nicht mehr leben können. Solche Gebiete gibt es unter anderem im Schwarzen Meer, im Golf von Mexiko, mitten im Atlantik, aber auch in der Ostsee. Ursache des Sauerstoffmangels ist meist eine Kombination aus Überdüngung, geringem Wasseraustausch und Wärme.

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Die Wahrheit jagt den Weihnachtsmann

Freigiebiger Bischof. Die Legende vom Nikolaus basiert auf einer historischen Begebenheit.Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa
Freigiebiger Bischof. Die Legende vom Nikolaus basiert auf einer historischen Begebenheit.Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa
Kinder haben ein Recht auf den Mann mit dem roten Mantel – egal ob Weihnachtsmann oder Nikolaus. Ein Kommentar.

Von Adelheid Müller-Lissner | DER TAGESSPIEGEL

Wenn ausgerechnet in einer Familiensendung zur Adventszeit der Weihnachtsmann madiggemacht wird, dann ist der Ärger groß. Solches geschah am ersten Advent beim beliebten „Märchenrätsel“ des RBB. Die Moderatorin fragte Kinder im Studio, ob sie in den Schränken nach von ihren Eltern versteckten Weihnachtsgeschenken suchen würden, enttarnte damit den Weihnachtsmann als Schwindel – und erntete prompt heftige Proteste erzürnter Erziehungsberechtigter.

Mit ihrem Hang zu Entzauberung und Ehrlichkeit steht die RBB-Moderatorin nicht allein. In der britischen Medizinerzeitschrift „Lancet Psychiatry“ erörtern die Psychologen Christopher Boyle und Kathy McKay die Frage, ob Eltern ihre Kinder anlügen dürfen. Aufgehängt ist das Ganze an der Geschichte vom Weihnachtsmann. Denn werden nicht ausgerechnet kurz vor dem Fest der Liebe die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft systematisch mit zweifelhaften Informationen gefüttert? Boyle und McKay sorgen sich um das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kindern. „Alle Kinder werden herausfinden, dass sie jahrelang systematisch angelogen wurden, und das könnte sie auf die Frage bringen, welche anderen Lügen ihnen aufgetischt wurden“, schreiben sie.

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Virtueller Patient: Nebenwirkungen sind digital

Bild: 4ever.eu
Bild: 4ever.eu
Der Genetiker Hans Lehrach setzt sich für virtuelle Patienten ein, um die Behandlung realer Personen zu verbessern. Damit könnten Ärzte das wirksamste Medikament für den jeweiligen Patienten herausfinden.

Von Susanne Donner | Technology Review

Bei Zahnbürsten und Autos ist die Simulation vor der Produktion längst selbstverständlich. Nicht so bei Medikamenten. Ein fataler Missstand und ein Auslaufmodell, findet Hans Lehrach, Genetiker und emeritierter Direktor des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik in Berlin. Künftig werden Pharmaunternehmen ihre potenziellen Arzneien zunächst an digitalen Patienten testen, schilderte er beim „Innovators Summit Digital Health“ in Berlin am 30. November 2016. Ärzte werden den virtuellen Kranken auf Knopfdruck verschiedene Tabletten einverleiben, damit sie ihrem Patienten anschließend die wirksamste und schonendste Therapie geben können. Das wäre freilich eine Kernsanierung der Pharmabranche und der Gesundheitsversorgung.

Bei Krebs hat Lehrach seinerzeit am Max-Planck-Institut und heute in einer Ausgründung namens Alacris Theranostics vorgemacht, wie die digitalen Medikamententests funktionieren. Einer Patientin mit Hautkrebs etwa, die bereits Metastasen hatte, konnte er helfen. Dazu speiste er das Netzwerk ihrer Krebszellen samt 21.000 Krebsgenen und Tausenden Proteinen, die sein Unternehmen zuvor dechiffrierte, in ein Computermodell ein. Die Technik dafür ist längst da.

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UN brauchen 2017 Rekordsumme für humanitäre Hilfe

Die Vereinten Nationen brauchen 2017 die Rekordsumme von 22,2 Milliarden US-Dollar, um Opfern von Konflikten und Naturkatastrophen zu helfen.

evangelisch.de

Mit dem Geld sollen dringend benötigte Lebensmittel, Medikamente, Unterkünfte und andere Hilfsgüter für knapp 93 Millionen Menschen in 33 Ländern wie Syrien finanziert werden, wie der UN-Nothilfekoordinator, Stephen O’Brien, am Montag in Genf erklärte.

Die Welt sehe sich mit der größten humanitären Krise seit dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert, sagte O’Brien. Insgesamt erfassten die UN mehr als 128 Millionen Menschen, die von Kriegen, Konflikten, Vertreibungen und Naturkatastrophen betroffen sind. Die größte einzelne humanitäre Hilfsaktion für 2017 hätten die UN und ihre Partnerorganisationen für die Opfer des Bürgerkriegs in Syrien geplant.

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Die Wirtschaft der Türkei leidet unter dem Streit mit der EU

Blick in den Handelssaal der Istanbuler Börse.Foto: Kevin P. Hoffmann
Blick in den Handelssaal der Istanbuler Börse.Foto: Kevin P. Hoffmann
In der türkischen Wirtschaft schlummern gewaltige Kräfte und große Risiken. Seit dem Putschversuch sind Investoren verunsichert. Ein Streifzug durch Istanbul

Von Kevin P. Hoffmann | DER TAGESSPIEGEL

Die kurvige Zufahrt zur Börse von Istanbul ist von Metallzäunen mit Stacheldraht gesäumt. Das Gebäude hat viele Winkel, schlecht einsehbare Ecken. Das war wohl schick bei der Einweihung 1985 – machte die Lage aber noch unübersichtlicher am späten Freitagabend des 15. Juli 2016: Panzer röhrten sich den Hang mit Blick auf den Bosporus hinauf, Putschisten eröffneten das Feuer. Sie wollten den Handelssaal kapern, um beim Börsenstart am Montagmorgen das Marktgeschehen kontrollieren zu können. Wie den gesamten türkischen Staat.

Der Versuch scheiterte blutig. Zwei Menschen, ein Sicherheitsmann und ein ziviler Angestellter der Börse, starben bei den Gefechten. 40 wurden verletzt. An die „Märtyrer“ erinnert ein tischgroßer Gedenkstein aus Marmor mit Inschrift und Fotos der Opfer am Fuße zweier haushoher türkischer Flaggen. In ihrem Schatten steht die Skulptur „Bulle und Bär“, das Symbol für steigende und fallende Kurse.

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Türkei will Russland-Handel nicht mehr in Dollar abwickeln

Bild: Magazin "The Economist"
Bild: Magazin „The Economist“
Türkei will Russland-Handel nicht mehr in Dollar abwickeln

Frankfurter Allgemeine

Die Türkei will angesichts des gesunkenen Außenwertes der Lira den Handel mit China, Russland oder dem Iran künftig in lokalen Währungen abwickeln. Er werde Schritte vorbereiten, um dies möglich zu machen, sagte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan an diesem Sonntag während einer Kundgebung in Kayseri in der Provinz Kappadokien.

Bislang wird der internationale Handel in erster Linie in Dollar abgewickelt. Dies ist besonders für die Türkei momentan ungünstig, da die türkische Lira gegenüber der amerikanischen Währung seit dem gescheiterten Putschversuch im Juli deutlich an Wert verloren hat.

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McKinsey für Einrichtung von Abschiebungshaft- und Gewahrsamsanstalten

Bild: geralt/gemeinfre
Bild: geralt/gemeinfre
Die Regierung hat die Unternehmensberatung mit Lösungsvorschlägen für ein „besseres Rückführungsmanagement“ beauftragt. Sie liegen ganz auf der anvisierten Linie der Verschärfung

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Schon einmal hatte die Bundesregierung auf auswärtige Berater zurückgegriffen, um sich Anregungen für die Flüchtlingspolitik zu holen. So wurde der EU-Pakt mit der Türkei maßgeblich, wie es mehrere Seiten verstehen ließen, vom Think Tank European Stability Initiative (ESI) konzeptionell vorbereitet (vgl. Merkels Plan, Samsoms Plan, türkische Pläne oder alles ESI?).

Nun hat die Regierung Merkel viel Geld für den Rat von McKinsey ausgegeben. Die Unternehmensberatung sollte „Ausreisetipps“ (Die Welt) liefern und damit das ausgerufene Wahlkampf-Top-Thema der Kanzlerin – „Rückführung, Rückführung und nochmals Rückführung“ – untermauern. 14 Maßnahmen für eine „konsequentere Rückführung“ präsentiert das vertrauliche Papier von McKinsey, das im Auftrag des BAMF erstellt wurde.

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Leonardo Boff über Kirche in Lateinamerika: „Zu machistisch, zu patriarchal, zu zölibatär“

 Der streitbare brasilianische Theologe Leonardo Boff. (picture alliance/dpa/Mario Gúzman)
Der streitbare brasilianische Theologe Leonardo Boff. (picture alliance/dpa/Mario Gúzman)
Der konsequente Einsatz für die Armen ist ein Kennzeichen der Befreiungstheologie, wie sie in Lateinamerika gelebt wird. Der brasilianische Theologe Leonardo Boff sagt, welche Rolle die Kirche in politisch unruhigen Zeiten übernehmen kann und warum Frauen mehr Einfluss bekommen sollten.

Moderation: Kirsten Dietrich | Deutschlandradio Kultur

Kirsten Dietrich: Vom schwierigen Ringen um den Frieden in Kolumbien haben wir gerade gehört und auch von der durchaus zwiespältigen Rolle, die christliche Kräfte darin einnehmen. Das bildet natürlich nicht die ganze Breite kirchlichen politischen Engagements in Südamerika ab. Der Subkontinent ist auch die Heimat der Befreiungstheologie, einer Bewegung, die seit den 70er-Jahren vor allem innerhalb der katholischen Kirche den radikalen Einsatz für die Armen und Entrechteten zum Maßstab für glaubwürdige Theologie machte.

Eine der maßgeblichen Stimmen dieser Befreiungstheologie war und ist der brasilianische Theologe Leonardo Boff. Boff war Franziskaner, er promovierte in München – sein Zweitgutachter war damals übrigens ein gewisser Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI. –, und er setzte sich danach vor allem für eine kritische Neubestimmung dessen ein, was die Kirche als Institution sein kann. Das brachte ihn Mitte der 80er-Jahre in direkten Konflikt mit der Glaubenskongregation des Vatikans – Vorsitzender: wieder Joseph Ratzinger. Boff verließ den Franziskanerorden, aber er setzt sich weiter lautstark für eine Theologie der Befreiung ein, mit einer immer mehr globalen Perspektive.

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Ghana : Falsche US-Botschaft fliegt auf

Straßenszene in Accra. Foto: REUTERS
Straßenszene in Accra. Foto: REUTERS
In den Räumen hing ein Foto von US-Präsident Obama, auf dem Dach wehte die amerikanische Fahne. Jahrelang hat eine falsche Botschaft in Ghana gegen viel Geld illegal Visa ausgestellt.

Frankfurter Rundschau

Im westafrikanischen Ghana haben die Behörden eine falsche US-Botschaft geschlossen, die zehn Jahre lang gegen hohe Zahlungen illegal Visa und Ausweise ausgegeben hat. Die angebliche US-Vertretung sei in einem baufälligen Gebäude in der Hauptstadt Accra von einem kriminellen Netzwerk aus Ghana und der Türkei betrieben worden, teilte das US-Außenministerium am Wochenende mit. Das kriminelle Netzwerk habe korrupte Beamte bestochen, um so lange ungehindert agieren zu können. Im Rahmen einer großangelegten Sicherheitsüberprüfung hatten die US-Behörden einen Hinweis erhalten und mit der Polizei vor Ort sowie internationalen Partnern den Ring ausgehoben.

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Minderheit der Rohingya: Malaysia wirft Birma „Genozid“ an Muslimen vor

 Angehörige der Rohingya-Minderheit in einem Dorf im Westen Myanmars Quelle: REUTERS/X02594
Angehörige der Rohingya-Minderheit in einem Dorf im Westen Myanmars Quelle: REUTERS/X02594
80 Prozent der Einwohner Birmas sind Buddhisten. Die muslimische Rohingya-Minderheit wird von der Mehrheit nicht akzeptiert. Nun flammt der Konflikt wieder auf. Ein Nachbar spricht von „Völkermord“.

DIE WELT

Der malaysische Regierungschef hat die Politik Birmas gegenüber der ethnischen Minderheit der Rohingya als „Genozid“ bezeichnet. Die Welt könne nicht danebenstehen und zusehen, wie ein Völkermord stattfinde, kritisierte Ministerpräsident Najib Razak die De-facto-Regierungschefin von Birma, Aung San Suu Kyi, und deren Regierung. „Genug ist genug“ sagte er während einer Demonstration mit rund 10.000 Teilnehmern in einem Stadion von Kuala Lumpur.

Das buddhistische Birma verwehrt der muslimischen Minderheit der Rohingya Bürgerrechte. Zehntausende Mitglieder der Minderheit flohen in den vergangenen Jahren in benachbarte Länder wie Bangladesch, Indien und China. Das muslimisch geprägte Malaysia hat rund 56.000 Rohingya-Flüchtlinge aufgenommen.

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Schweizer Bischof: Kein Sterbesakrament bei Verdacht auf Sterbehilfe

Huonder: Priester sollen beten statt salben – „Letztlich darf der natürliche Vorgang des Sterbens nicht beeinträchtigt werden“

derStandard.at

Der Ostschweizer Bischof VItus Huonder will Gläubigen bei der Verdacht auf Sterbehilfe die Spendung des Sterbesakraments (Krankensalbung) verweigern. „Nicht wir bestimmen über Leben und Tod. Gott verfügt über unser Leben. Gott verfügt über unser Sterben“, schreibt der Oberhirte der Diözese Chur laut Kathpress-Meldung vom Samstag in einem Hirtenbrief zum Tag der Menschenrechte.

In der Schweiz sind Organisationen tätig, die sterbewilligen Personen bei der Beendigung ihres Lebens helfen. Huonder betonte, dass von diesen Personen ans Sterbebette gerufene Priester in eine „geradezu unmögliche Lage“ versetzt werden. Denn unter den Umständen der Sterbehilfe seien die Voraussetzung den für den Empfang der Sterbesakramente „nicht gegeben“. Der Priester solle sich dann dem Sterbenden im fürbittenden Gebet zuwenden und ihn Gottes Barmherzigkeit empfehlen, schreibt Huonder.

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Treibhausgase: Das Schreckgespenst aus dem Stausee

foto: caro / picturedesk.com Forbach, Deutschland: Der Stausee der Schwarzenbachtalsperre. Bei Touristen überaus beliebt, ist der See auch ein Anschauungsbeispiel für Gärungsprozesse am Seegrund. Die dabei entstehenden Emmissionen wurden lange Zeit unterschätzt
foto: caro / picturedesk.com Forbach, Deutschland: Der Stausee der Schwarzenbachtalsperre. Bei Touristen überaus beliebt, ist der See auch ein Anschauungsbeispiel für Gärungsprozesse am Seegrund. Die dabei entstehenden Emmissionen wurden lange Zeit unterschätzt
Stauseen setzen deutlich mehr Treibhausgase frei als bisher angenommen. Relativiert dieser Ausstoß gar den Klimaschutzeffekt der Wasserkraft?

Von Kurt de Swaaf | derStandard.at

Man sieht es ihr nicht an. Die Schwarzenbach-Talsperre im Nordschwarzwald wirkt auf den ersten Blick wie eine Naturidylle, eingerahmt vom satten Grün am Rande eines Nationalparks. Vor allem im Sommer ist das Gewässer bei Touristen überaus beliebt. Im Nordwesten mündet der gleichnamige Bach ein. Das klare, kalte Wasser beherbergt so manche Forelle, aber nicht nur die Fische regen sich dort. Immer wieder steigen Gasbläschen an die Wasseroberfläche auf – wie in einem Mostfass. Am Grund des Sees geht offensichtlich etwas vor sich. Und das ist ein Problem.

Wasserkraft gilt meist als klimafreundlich, weil bei dieser Form der Stromerzeugung keine fossilen Brennstoffe verheizt werden. Ganz so einfach ist es aber nicht: Staubecken setzen sehr wohl Emissionen frei. Und diese wurden laut einer aktuell online im Fachmagazin BioScience veröffentlichten Analyse bisher deutlich unterschätzt: Die in den Stauseen entstehenden Treibhausgase relativieren die Kohlendioxid-Einsparungen der Wasserkraft sogar teilweise.

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Homöopathie, Osteopathie, Akkupunktur: Warum die Ausbildung von Heilpraktikern unzureichend ist

Wer heilt, hat Recht? Diese Auffassung wird zwischen Fans der Heilpraktiken und ihren Gegnern immer wieder diskutiert. Fest steht: Heilpraktiker dürfen praktizieren, ohne eine entsprechende Qualifikation nachweisen zu müssen. Warum und wie sich das ändern sollte.

stern-TV Redaktion

Als der heute sechsjährige David auf die Welt kam, wusste niemand, warum der Junge immerzu schrie. Da organisch alles in Ordnung war, wusste auch der Kinderarzt keinen Rat. In ihrer Verzweiflung wandten sich Davids Eltern mit dem einjährigen Jungen schließlich an eine Heilpraktikerin, die bei David einen Impfschaden diagnostizierte. „Sie hat ihn mit ein Stimmgabel behandelt, um damit Energien auszuleiten. Dann hat sie uns erklärt, dass die Impfung einen Darmschaden angerichtet hat“, erzählt Davids Mutter Kerstin Hermann-Ernst. Die Heilpraktikerin empfahl eine Darmsanierung bei dem Jungen, das würde den Jungen beruhigen.

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Kritiker beharren: Fett in englischen Pfundnoten muss weg

foto: ap/frank augstein
foto: ap/frank augstein
125.000 Menschen haben eine Online-Petition unterzeichnet, eine Besitzerin in einem vegetarischen Cafe nimmt die inkriminierten Scheine gar nicht an

derStandard.at

Mittlerweile haben mehr als 125.000 Menschen eine Online-Petition gegen tierisches Fett in den neuen Fünf-Pfund-Scheinen der Bank of England unterzeichnet. Der Talg ist im Kunststoff der Noten enthalten. Die Kritiker wollen im Namen von Veganern, Vegetariern und Religionsgemeinschaften das Fett aus dem Geld verbannen.

Nach Angaben der Bank of England befindet sich tatsächlich „eine Spur von Talg“ in den Scheinen – der Stoff werde allerdings auch bei der Produktion von Kerzen und Seife verwendet. Man wolle aber nach Lösungsmöglichkeiten suchen.

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Amnesty: Kinderarbeit bei Palmöl-Zulieferer von Nestlé, Unilever, Colgate und Kellogg’s

Amnesty International deckt menschenunwürdige Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit auf Ölpalmplantagen in Indonesien auf. Palmöl des betroffenen Agrarunternehmens steckt in Produkten neun großer Konzerne, darunter Nestlé, Unilever, Colgate und Kellogg’s.

Von Anica Beuerbach | greenpeace magazine

Die Arbeitsbedingungen auf den indonesischen Plantagen des weltgrößten Palmöl-Produzenten Wilmar mit Sitz in Singapur verstoßen gegen die Menschenrechte, heißt es in einem heute veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Wilmar ist Zulieferer für neun führende Hersteller von Lebensmitteln und Haushaltsprodukten sowie Palmöl-Raffinerien: Afamsa, Archer Daniels Midland, Colgate-Palmolive, Elevance, Kellogg’s, Nestlé, Procter & Gamble, Reckitt Benckiser und Unilever.

„Unternehmensriesen wie Colgate, Nestlé und Unilever versichern uns Verbrauchern, dass ihre Produkte ‚Nachhaltiges Palmöl’ enthalten, aber unsere Recherchen zeigen, dass das Palmöl alles ist, nur das nicht“, erklärte Meghna Abraham, Leiterin der Untersuchungen bei Amnesty International.

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