Archiv der Kategorie: Ökonomie

„Affen haben ein Recht auf sich selbst“

Karsten Brensing, Bild: greenpeace magazine

Ein Orang-Utan hat am Montag versucht, aus dem Duisburger Zoo auszubrechen – und wurde erschossen. Im Interview spricht der Verhaltensforscher Karsten Brensing über die Legitimität der Zoohaltung von Menschenaffen.

Interview Julia Huber|greenpeace magazine

Der Orang-Utan „Nias“ hat am Montag einen Fluchtversuch aus dem Duisburger Zoo mit dem Leben bezahlt. Er schlüpfte durch ein Oberlicht des Affengeheges, traf auf einen Artgenossen, lief durch den Zoo und versuchte, über den Außenzaun nach draußen zu klettern. Um zu verhindern, dass der panische Affe auf eine nahegelegene Straße läuft, wurde er von einem Zoomitarbeiter erschossen. Ein Betäubungsschuss hätte den Orang-Utan nicht stoppen können, erklärte die Zooleitung, da die Wirkung erst nach zehn Minuten eingesetzt hätte. Wie konnte es so weit kommen?

Der Meeresbiologe, Verhaltensforscher und Autor Dr. Karsten Brensing kämpft seit Jahren dafür, dass intelligente Tiere wie Menschenaffen gerecht behandelt werden.

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Syrien-Flüchtlinge: Was machen die reichen Golfstaaten?

Icon “Flüchtlinge”: http://www.lekealderfoundation.org, Lizenz: CC-BY-3.0, Grafik: TP
Saudi-Arabien, Kuweit, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Katar nehmen keine Flüchtlinge auf. Sie könnten mit ihren Kapazitäten allerdings viele aufnehmen

Von Thomas Pany|TELEPOLIS

Dass sich Saudi-Arabien und Katar – auch wenn dies deren Regierungen offiziell bestreiten mögen – in den syrischen Krieg einmischen, mit Geld und Waffen, ist mehr als ein “offenes Geheimnis”. So unterstützt zum Beispiel Saudi-Arabien dschihadistische Milizen wie Ahrar al-Sham, die Verbindungen zu al-Qaida hat.

Aus dem Ziel, den syrischen Präsidenten Baschar-al-Assad von seiner Position zu entfernen und einen Regime-Change herbeizuführen, haben die Golfstaaten nie ein Hehl gemacht. Wenn es um die Konsequenzen des von ihnen unterstützten Krieges geht, um die geschätzt 4 Millionen Flüchtlinge, die bisher aus Syrien ausgereist sind, halten sich reichen Golfstaaten jedoch bedeckt. Sie geben Geld, wie das UNHCR berichtet.

Flüchtlinge nehmen sie aber nicht auf. Auf der UNHCR-Webseite kann sich der Leser über die Zahl von 133 Refugees und 88 Asylsuchende wundern, die als “statistischer Schnappschuss” für Katar notiert werden. Wie sich die Zahl zusammensetzt, woher die Flüchtlinge stammen, geht aus den erklärenden Anmerkungen nicht hervor.

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Hessen-nassauische Kirche erzielt Rekordeinnahme

Bild: tilly
Bild: tilly

Trotz einer schlagartigen Zunahme von Kirchenaustritten hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau im vergangenen Jahr mehr Kirchensteuern eingenommen als jemals zuvor. Insgesamt waren es knapp 490 Millionen Euro, 44,5 Millionen mehr als erwartet.

evangelisch.de

Das geht aus dem am Donnerstag in Darmstadt vorgelegten Jahresbericht der Landeskirche hervor. Finanzdezernent und Kirchenverwaltungschef Heinz Thomas Striegler machte dafür die gute Konjunktur verantwortlich.

30,3 Millionen Euro Haushaltsüberschuss

Damit wurde der bisherige Höchstwert der Einnahmen im Jahr 2007 um rund sechs Millionen Euro übertroffen, sagte der Leiter der Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Stephan Krebs, dem epd. Inflationsbereinigt sei das allerdings eher ein Rückgang. Mit Bayern, dem Rheinland und Württemberg gehört Hessen und Nassau zu den finanzstärksten unter den 20 evangelischen Landeskirchen.

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Wann ist der Steuerhimmel der Kirchen erreicht?

Bild: tilly
Bild: tilly

Die Bundesregierung hat am 26. August 2015 den 25. Subventionsbericht beschlossen. Darin enthalten sind die Finanzhilfen des Bundes und der Steuervergünstigungen im Zeitraum von 2013 bis 2016. Demnach nehmen die staatlichen Subventionen an die Kirchen eine Spitzenposition ein und steigen ungebremst.

Von Lutz Neumann|hpd

Kirchensubvention an Nr. 1 mit 10 Prozent Wachstum

Die Subvention Nr. 1 im Einkommensteuerbereich richtet sich an die Kirchen (25. Subventionsbericht, lfd. Nr. 5, A 31). Die steuerzahlenden Kirchenmitglieder und damit die Kirchen als Institutionen profitieren mehr als jede andere gesellschaftliche Gruppe oder Branche: die staatliche Subventionierung der Kirchensteuer liegt 2016 mit knapp 4 Mrd. EUR auf dem ersten Platz der Subventionsliste aller 36 Regelungsbestände in der Rubrik Einkommen- und Körperschaftsteuer – bei wachsendem Abstand von über 2 Mrd. EUR auf den zweitgrößten Subventionsposten.

Bei dem kirchlichen Subventionsposten handelt es sich um die “Begünstigung anerkannter Religionsgesellschaften und ihnen gleichgestellter Religionsgemeinschaften aus kirchen‑ und sozialpolitischen Erwägungen”.

Konkret, Steuermindereinnahmen durch die unbegrenzte Abzugsfähigkeit der Kirchensteuer nach § 10 Abs. 1 Nr. 4 Einkommenssteuergesetz (EStG). Der 25. Subventionsbericht weist bei den steuerlichen Sonderregelungen Mindereinnahmen als subventionsähnlichen Tatbestand aus: Die entgangenen Einnahmen der öffentlichen Haushalte lagen im Jahr 2013 bei 3.540 Mio. EUR und 2014 bei 3.650 Mio. EUR. Das Bundesfinanzministerium rechnet für 2015 mit einer Erhöhung auf 3.770 Mio. EUR und 2016 auf 3.890 Mio. EUR. In den vier Jahren der aktuellen Legislaturperiode erwächst aus den derzeitigen gesetzlichen Regelungen eine Steigerung des Defizits der öffentlichen Hand und des Profits für die Mitglieder der Religionsgesellschaften von 10 Prozent.

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Europa verliert seinen fruchtbaren Boden

Erosion bedroht besonders Ackerflächen: Mit dem Regen geht viel Boden verloren. © Wikimedia Commons / Katharina Helming (CC BY-SA 1.0)
Wir verlieren den Boden unter den Füßen: Durch Erosion gehen in Europa jedes Jahr 970 Millionen Tonnen Boden verloren – genug, um ganz Berlin einen Meter hoch zu bedecken. Wissenschaftlern zufolge sind besonders die offenen Ackerflächen schutzlos gegenüber der Erosion: Der Boden schwindet dort viel schneller, als er sich regenerieren kann. Die Forscher empfehlen darum dringend effektivere Schutzmaßnahmen.

scinexx

“So sicher wie der Boden, auf dem wir stehen” ist ein Sprichwort, das möglicherweise überdacht werden muss. Bereits Anfang des Jahres zeigte der Bodenatlas 2015, dass wir mehr Boden bebauen und verbrauchen, als wir langfristig zur Verfügung haben. Der Klimawandel gefährdet den Boden ebenfalls und könnte große Flächen in karges Land verwandeln. Dabei sind wir auf fruchtbaren Boden angewiesen: Bereits jetzt müssen wir viele Lebensmittel nach Deutschland importieren, weil wir andernfalls doppelt so viel Anbaufläche bräuchten, wie tatsächlich vorhanden ist.

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Baumwelt: Unser Planet hat drei Billionen Bäume

Wie dicht stehen die Bäume in diesem Wald? © Clara Row
Planet der Wälder: Auf der Erde gibt es mehr als drei Billionen Bäume – das ist das Ergebnis der ersten globalen “Volkszählung” von Buche, Kiefer und Co. Damit kommen auf jeden Menschen 422 Bäume, das sind achtmal mehr als bisher angenommen, wie die Forscher im Fachmagazin “Nature” berichten. Allerdings: Seit Beginn der menschlichen Zivilisation haben wir schon fast die Hälfte des einstigen Baumbestands abgeholzt.

scinexx

Ob in den Tropen, in gemäßigten Breiten und sogar bis in den hohen Norden: Bäume gibt es fast überall auf der Erde. In Satellitenbildern lässt sich auch messen, wo überall Wälder existieren. Doch wie dicht die Bäume darin stehen und wie viele Bäume es sind, ließ sich bisher nur ansatzweise schätzen. “Wenn man Leute bittet, das zu schätzen, wissen sie nicht einmal, in welcher Größenordnung sie anfangen sollen”, erklärt Erstautor Thomas Crowther von der Yale University in New Haven.

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Gröhe befürwortet Gesundheitskarte für Flüchtlinge

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat die Einführung von Gesundheitskarten für Flüchtlinge durch die Bundesländer befürwortet.

evangelisch.de

Dadurch verringere sich der Verwaltungsaufwand bei der Abrechnung von medizinischen Leistungen in den Kommunen, sagte Gröhe am Mittwoch bei einem Besuch von Flüchtlingsunterkünften in Lebach und St. Wendel im Saarland. Für eine Regelung durch den Bund sehe er allerdings keine Notwendigkeit.

Das Saarland und Rheinland-Pfalz verhandeln derzeit darüber, ob sie gemeinsam eine solche Gesundheitskarte einführen. Nordrhein-Westfalen führte sie in der vergangenen Woche als erstes deutsches Flächenland ein. In Bremen und Hamburg gibt es die elektronische Gesundheitskarte für Flüchtlinge bereits seit längerem.

Gesetzlich Versicherte müssten nicht dafür zahlen

Gröhe widersprach zugleich Befürchtungen, die Ausgaben für die Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen gingen zulasten der gesetzlich Versicherten. “Gesundheitsleistungen sind Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz und werden aus Steuermitteln bezahlt”, betonte der Minister. “Die Krankenkassen werden dafür nicht in Anspruch genommen.”

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Terrorismus: Schon mehr als 340 Angriffe auf Flüchtlingsheime in diesem Jahr

Zerbrochene Fensterscheibe © iwanp. auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Bis Ende August wurden mehr als 340 Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte verübt. Das sind bereits doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2014. Brandenburgs Ministerpräsident Woidke warnt: Das ist Terrorismus.

MIGAZIN

Die Zahl der Angriffe auf Flüchtlingseinrichtungen hat deutlich zugenommen. Wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch nach einer Sondersitzung des Bundestagsinnenausschusses mitteilte, wurden bis Ende August mehr als 340 Anschläge auf Unterkünfte von Asylbewerbern gezählt. Das sind in den ersten acht Monaten des Jahres bereits fast doppelt so viele wie im Gesamtjahr 2014. Im vergangenen Jahr wurden 175 rechtsextrem motivierte Angriffe gezählt.

Die Sondersitzung des Innenausschusses wurde angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation in Deutschland und Europa anberaumt. Thema sollten auch die fremdenfeindlichen Ausschreitungen gegen Flüchtlinge wie im sächsischen Heidenau in der vergangenen Woche sein.

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Der Körper macht die Musik

(Nagual Sounds)

Die Software Nagual Dance übersetzt Tanzbewegungen in harmonische Songs. Diese interaktiven Lieder sorgen auf Partys für Unterhaltung, könnten aber auch in der Medizin eingesetzt werden.

Von Jennifer Lepies|Technology Review

Die linke Hand gibt das Schlagzeug, die rechte Hand erzeugt die Gitarrenklänge. Die Füße übernehmen Trompete und Klavier. Was klingt wie ein ambitionierter Plan für eine Ein-Mann-Band, ist die Idee der Musiksoftware Nagual Dance. Jeder soll damit in der Lage sein, ein eigenes, einzigartiges Stück Musik zu erschaffen. Ohne musikalische Vorbildung – einfach durch die Tanzbewegungen von Armen und Beinen. Und es entsteht immer ein harmonischer Sound, versprechen die Entwickler der Software.

Dabei handelt es sich um das Brandenburger Start-up Nagual Sounds. Es startete 2012 mit Mark Moebius, ein klassischer Komponist, und Artur Reimer, einem Produzenten von elektronischer Musik. Mit der 3D-Tiefenkamera Kinect für Microsofts Xbox sahen sie die Möglichkeit, ihre Idee des kreativen Prozesses umzusetzen. Fortwährend entwickelten sie Prototypen, die bereits auf Messen und Events von tanzfreudigen Probanden und professionellen Tänzern getestet werden konnten.

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Südtirol hilft Bayern bei Flüchtlingsunterbringung

Bayern erlebt zurzeit einen Rekord an Flüchtlingsankünften: Am Montag und Dienstag waren mehr als 3.000 Flüchtlinge, die über Ungarn und Österreich eingereist waren, am Münchner Hauptbahnhof angekommen. Jetzt will Südtirol bei der Flüchtlingsunterbringung helfen.

evangelisch.de

Die bayerische Staatsregierung habe das Land Südtirol gebeten, Asylbewerber zeitweise unterzubringen, teilte die Provinz Bozen am Mittwoch mit. 300 bis 400 Flüchtlinge sollen nun für einige Tage in Turnhallen wohnen können. Landeshauptmann Arno Kompatscher sagte, dass es zum europäischen Gedanken gehöre, «sich auch über regionale und nationale Grenzen hinaus solidarisch zu zeigen».

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Vier Länder begehren gegen die EU-Flüchtlingspolitik auf

Zwei der vier Visegrad-Regierungschefs bei einem der letzten Treffen: Der tschechische Premierminister Bohuslav Sobotka und seine polnische Amtskollegin Ewa Kopacz. / Bild: (c) APA/EPA/JULIEN WARNAND / POOL
Die Visegrad-Gruppe trifft sich in Prag. Die Regierungschefs Tschechiens, der Slowakei, Polens und Ungarns werden ihren Kurs wohl beibehalten.
 

Die Presse

Die Regierungschefs Tschechiens, der Slowakei, Polens und Ungarns treffen einander am Freitag, um ihre Flüchtlingspolitik abzustimmen. Den außerordentlichen Gipfel der Visegrad-Gruppe (V4) hat Tschechiens Premier Bohuslav Sobotka einberufen, teilte das Prager Regierungsamt mit. Die vier östlichen EU-Staaten wurden wegen ihrer harten Haltung in der Flüchtlingskrise zuletzt zunehmend kritisiert.

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3,7 Millionen für Teilchenforscher sollen Physik revolutionieren

Bild aus der Bauzeit des LHC. ©CERN
Bild aus der Bauzeit des LHC.
©CERN
Freude bei den Forschern des II. Physikalischen Instituts der Universität Göttingen: Sie erhalten für die Arbeit 3,7 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

HNA

Das Geld soll dabei helfen, über die Datenauswertung von Experimenten am Teilchenbeschleuniger CERN in Genf revolutionäre Ergebnisse für die Physik zu erreichen. Und die Göttinger Forscher rechnen schon jetzt mit bahnbrechenden Resultaten: „Mit einem qualitativen Durchbruch in der Higgs-Physik und damit in unserem Verständnis der Natur“, wie Prof. Stan Lai sagt, der kürzlich nach Göttingen berufen wurde.

Das Geld kommt rechtzeitig, denn am CERN in Genf wurde nach langer Pause der Large Hadron Colliders (LHC) wieder gestartet. Die Göttinger Physiker sind an dem europäischen Teilchenbeschleuniger beteiligt, forschen dort.

Das BMBF fördert die Einrichtung eines neuen bundesweiten Forschungsschwerpunktes. Wissenschaftler des II. Physikalischen Instituts der werden auch dafür mit etwa 3,7 Millionen Euro unterstützt – in den Göttinger Arbeitsgruppen der Professoren Stan Lai, Arnulf Quadt, Ariane Frey und Steffen Schumann.

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Forscher bringen einen Gelähmten zum Laufen

Der querschnittsgelähmte Mark Pollock läuft – unterstützt von einem robotischen Exoskelett © University of California – Los Angele
US-Forscher haben einen Querschnitts-Gelähmten erstmals wieder auf die Beine gebracht. Der Patient bewegt seine Beinmuskeln und kann bereits einige Schritte gehen – wenn auch nur mit Hilfe eines robotischen Exoskeletts. Möglich wurde dies durch die Kombination einer gezielten Neurostimulation seiner Nervenbahnen mit dem stützenden Exoskelett. In Zukunft könnten diese und ähnliche Kombinationsmethoden die Lebensqualität von Gelähmten stark verbessern, hoffen die Forscher.

scinexx

Schon vor gut einem Jahr machten Reginald Edgerton von der University of California in Los Angeles und seine Kollegen von sich reden. Denn sie brachten vier Querschnittsgelähmte dazu, ihre Beine eigenständig wieder zu bewegen. Dies gelang durch die Kombination von elektrischer Stimulation des Rückenmarks kombiniert mit Bewegungstherapie. Solcherart unterstützt konnten die Patienten schon nach einer Woche ihre Beine bewegen – damals allerdings nur im Liegen.

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Warum Weiße nie “Neger” sagen sollten

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann löste mit der Verwendung des Begriffs eine Debatte aus, die sich auch positiv entwickeln könnte. (Foto: dpa)
  • Innenminister Herrmann sagt, das Wort “Neger” gehöre nicht zu seinem Sprachgebrauch. Die Afrikanistin Marianne Bechhaus-Gerst hält die Talkshow-Szene hingegen für “entlarvend”.
  • Die Geschichte des Begriffs ist die der rassistischen Unterdrückung. Wer ihn verwendet, rechtfertigt aus Sicht des Historikers Sebastian Jobs Unterwerfung und Gewalt.
  • Die Aufregung um die Äußerung des bayerischen Innenministers könnte einen Bewusstseinswandel in Deutschland andeuten.

Von Sophie Rohrmeier|Süddeutsche.de

Afrikanistin hält Talk-Show-Szene für “entlarvend”

Auch wenn man die viel diskutierte Talkshow “Hart aber fair” am Montagabend gesehen hat und einmal dem bayerischen Innenminister glauben möchte, dass er den Satz “Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger” rein ironisch und als Konter auf einen zuvor gesendeten Einspieler verwendet habe: Das Wort geht Joachim Herrmann ganz locker über die Lippen. Lächelnd sagt er es, er scheint sich über sein Beispiel zu freuen. Die Empörung aber ist groß. Zu Recht, sagen Wissenschaftler, denn: Wer nicht schwarz ist, kann das Wort nur rassistisch verwenden.

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“Sorgen rechtfertigen nicht, dass man Nazis hinterherläuft”

Angriffe auf Flüchtlingsheime sind zum Alltag geworden. Menschenverachtende Kommentare in sozialen Netzwerken nicht weniger. “‚Wir sind das Pack’ – Rückt Deutschland nach rechts?” Darüber diskutierte Sandra Maischberger unter anderem mit Margot Käßmann.

Von Christiane Meister|evangelisch.de

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht vor einem Angriff auf ein Flüchtlingsheim berichtet wird. Bilder von pöbelnden Massen, die die Ankunft von Bussen mit Asylbewerbern aufhalten. Auf Facebook häufen sich rechtsradikale Kommentare: “Hoffentlich war die Hütte voll mit Asylschmarotzer, bevor es gebrannt hat!” oder “Dreckspack nach Auschwitz und Dachau”. Immer seltener werden solche Inhalte anonym verfasst – viele posten die menschenverachtenden Botschaften mit Klarnamen. Die meisten von ihnen bleiben trotz solcher Worte unbehelligt.

“Ist der rechte Mob nur eine lautstarke, aber kleine Minderheit? Oder vergiftet der Fremdenhass unser ganzes Land?”, fragte Sandra Maischberger in ihrer Talkshow und könnte damit eine wichtige Debatte weiterführen. Denn an diese Fragen schließen sich weitere an: Was sind die Ursachen für den Hass, der Flüchtlingen entgegenschlägt, was kann man dagegen tun? Doch statt zu versuchen, in 75 Minuten Sendezeit Antworten auf diese Fragen zu bekommen, versandet die Diskussion immer wieder in Nebensächlichkeiten.

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Religionswechsel in Saudi-Arabien: Eine Bratpfanne für Neumuslime

Geldwerte Vorteile: Wer eine Frage zum Islam hat, bekommt von Jamil Prepaidkarten für das Handy. Foto: Jannis Hagmann
Viele Gastarbeiter in Saudi-Arabien treten zum Islam über. In großen Städten rufen Prediger zur Konversion auf. Mit bisweilen absurden Anreizen.

Von Jannis Hagmann|taz.de

„Aschhadu“, spricht Jamil langsam und deutlich ins Mikrofon, „alla ilaha illa-llah“. Dann wiederholt er die Worte, diesmal schneller: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Gott.“ Das l spricht Jamil kehlig, die Laute zieht er zusammen. Fast klingt der Filipino wie ein arabischer Muttersprachler. Ein Mann aus dem Publikum tritt vor und spricht ihm das Glaubensbekenntnis nach. Und ist damit zum Islam konvertiert. Die Menge jubelt, aus den Geschäften in Dschiddas Altstadt strömen Schaulustige auf den Platz. „Allahu akbar“, rufen einige, „welcome to Islam!“ Jamil drückt dem frischgebackenen Muslim als Geschenk eine brandneue Elektrobratpfanne in die Hand.

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Einflussnahme in der EU: Big Pharma zahlt 40 Millionen jährlich für Lobbyarbeit

Geld und Pillen
Geld und Pillen (CC-by-sa/3.0/en by Ragesoss)
Pharmakonzerne verstärken ihre Lobbyanstrengungen in der EU: Sie investieren so viel wie nie und sichern sich ihren Zugang zu Entscheidern in der EU-Kommission. Derzeit im Fokus: das Freihandelsabkommen TTIP.
 

SpON

Die Ressourcen im Kampf um die Aufmerksamkeit der EU-Politiker sind ungleich verteilt. Besonders deutlich wird das am Beispiel der Pharmabranche, die sich mit viel Geld Gehör in Brüssel verschafft.

Zwar veröffentlichen die Unternehmen, Interessenverbände und Agenturen nicht alle Lobby-Ausgaben, aber schon die freiwilligen Angaben zeigen deren finanzielle Übermacht: Mit fast 40 Millionen Euro jährlich geben die Pharmakonzerne in Brüssel für die Durchsetzung ihrer Interessen 15 Mal so viel aus, wie Verbraucherorganisationen und zivilgesellschaftliche Gruppen. Die haben einem aktuellen Bericht zufolge nur ein Budget von gut 2,7 Millionen Euro.

Wie erfolgreich aber sind die Konzerne darin, ihre Interessen in der EU zu wahren oder sogar gesetzliche Vorgaben entsprechend zu beeinflussen? Die Nichtregierungs- und Anti-Lobby-Organisation Corporate Europe Observatory (CEO) hat das gemeinsam mit der NGO Health Europe International (HAI) recherchiert.

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EU will Kriegsschiffe gegen Schleuser einsetzen

Die Pläne für eine militärische Operation der EU zur Bekämpfung der Schleuser im Mittelmeer werden einem Zeitungsbericht zufolge offenbar konkret. Wie “Die Welt” (Mittwochsausgabe) berichtet, will die EU ihren Kampf gegen Schlepper bereits ab Oktober ausweiten.

evangelisch.de

Demnach sollen sieben Kriegsschiffe, außerdem U-Boote, Drohnen und Flugzeuge außerhalb der libyschen Küstengewässer eingesetzt werden. Die Zeitung beruft sich in ihrem Bericht auf EU-Diplomaten. Den Angaben zufolge sollen die EU-Länder Mitte September melden, in welcher Stärke sie sich an der Operation beteiligen.

Ziel der Operation sei es, Schiffe von Schleusern zu stoppen. Der Einsatz soll in internationalen Gewässern außerhalb der 12-Meilen-Zone erfolgen. Die Militärschiffe sollen aber möglichst nah an die Küste heranfahren, um mutmaßliche Schleuser aufzugreifen.

Die EU-Staaten hatten Ende Juni im Zuge ihres Maßnahmenplans nach den tragischen Unglücken von Flüchtlingsschiffen im Mittelmeer auch einen verstärkten Kampf gegen Schleuser beschlossen. Deutschland hatte sich bislang zurückhaltend zu einem Militäreinsatz geäußert. Die Zustimmung aus Berlin gelte aber als sicher, heißt es in dem Bericht der “Welt”.

Erste Antineutrino-Karte der Erde

Dies ist die erste Karte der Antineutrino-Ausstrahlung unseres Planeten © National Geospatial-Intelligence Agency/ AGM2015
Auch die Erde glüht – wenn man sie im Licht der Antineutrinos sehen könnte. Denn der radioaktive Zerfall im Inneren erzeugt einen stetigen Strom dieser Antiteilchen. Eine erste Weltkarte dieser irdischen Antineutrino-Strahlung haben Forscher jetzt im Fachmagazin “Scientific Reports” vorgestellt. Sie gibt Aufschluss über das Brennstoff-Budget unseres Planeten, zeigt aber auch, wo aktive Kernreaktoren auf der Oberfläche zusätzliche Antineutrinos erzeugen.

scinexx

Tief im Inneren liegt der Wärmeofen der Erde, hier heizen die aus der Frühzeit übrig gebliebene Hitze und der radioaktive Zerfall von Elementen unseren Planeten auf. Beim sogenannten Betazerfall wandelt sich ein Proton in ein Neutron um und gibt dabei ein Elektron und ein Antineutrino ab. Weil diese Antiteilchen Materie genauso mühelos durchdringen können wie ihre Gegenparts, die Neutrinos, strömen ständig Antineutrinos aus dem Erdinneren an die Erdoberfläche und hinaus ins All.

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Puritaner entmündigen uns

Gottgefälliges Saufen. picture alliance
Auch in schlimmen Zeiten macht der Feldzug gegen den Lebensgenuss keine Pause. Ziel ist die zuckerlose, kalorienarme, alkoholfreie Kost für alle. Dahinter verbirgt sich ein gigantisches Entmündigungsprogramm

Von Alexander Kissler|Cicero

Zucker macht süchtig, Bier dick, Nikotin tötet: Das Regiment der Puritaner, das über uns herrscht, kann das nicht tolerieren. Verbote sollen her, wo der gemeine Menschenverstand partout nicht zum Vernünftigen ausschlagen will. Eine Weile konnte es erscheinen, als seien die dreistesten Vorschläge zur Menschenregulierung angesichts der schlimmen Zeitläufte in der Schublade verschwunden.

Welch großer, welch süßer Irrtum. Die vergangene Woche erinnerte uns bitter daran, dass energisch daran gearbeitet wird, den Homo sapiens zu entmündigen – zu seinem Besten, versteht sich.

Erst vernahmen wir, dass es sich nicht gehört, ein Bier als „bekömmlich“ zu bewerben, und also zu verbieten ist. Eine Brauerei aus Baden-Württemberg wurde per Gerichtsbeschluss ausgebremst; eine Verordnung der Europäischen Gemeinschaft, der zufolge gesundheitsbezogene Angaben über Bier unzulässig seien, ließ dem Ravensburger Landgericht keine Wahl.

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