Archiv der Kategorie: Parawissenschaften

Natalie Grams: Ex-Homöopathin – “Globuli sind Betrug am Patienten”

Sie hat zehn Jahre Homöopathie gelernt, jährlich mindestens fünf Fortbildungen belegt, ihre Patienten waren hochzufrieden.


Berliner Kurier

Symbolbild, Bild: brightsblog
Symbolbild, Bild: brightsblog

Natalie Grams leitete als erfolgreiche Homöopathin eine eigene Privatpraxis in Heidelberg – bis sie beschloss, ein Buch als flammendes Plädoyer für die Heilmethode zu schreiben, um endlich alle Kritiker der Alternativmedizin zu überzeugen. Doch stattdessen wuchsen im Zuge der Recherche bei Grams selbst die Zweifel an der Homöopathie. Am Ende gab Natalie Grams sogar ihre Praxis auf – weil sie ihre Patienten nicht länger betrügen wollte…

Für ihr Buch durchforstete Natalie Grams Studien und auch die Original-Quellen von Samuel Hahnemann, der als „Vater der Homöopathie“ ab 1796 nach dem Prinzip „Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt“ propagierte, Leiden mit stark verdünnten Tinkturen aus Heilsubstanzen zu behandeln. So stark verdünnt, dass sie im Grunde genommen keine messbare therapeutische Wirkung erzielen können, meint Grams. „Bei der Homöopathie geht eine Wirksamkeit nicht über ein Placebo hinaus. Was nicht verwunderlich ist, da ihre Medikamente nichts enthalten.“

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Bundestag gibt UFO-Akten frei

UFO
UFO
Unheimlicher Rechtsstreit der Dritten Art am Bundesverwaltungsgericht


Von Markus Kompa|TELEPOLIS

Nach vier Jahren Prozessdauer hat es das Portal fragdenstaat.de endlich geschafft, die Veröffentlichung der UFO-Akten zu erwirken. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags hatte 2009 zum Thema „Die Suche nach außerirdischem Leben und die Umsetzung der UN-Resolution zur Beobachtung unidentifizierter Flugobjekte und extraterrestrischer Lebensformen“ recherchiert. Anlass war die Anfrage des besorgten Abgeordneten der GRÜNEN Peter Hettlich, der sich nach der Wahrscheinlichkeit erkundigt hatte, dass Außerirdische auf dem Territorium der Bundesrepublik Deutschland landen.

Zuvor hatte auch der FDP-Abgeordnete Hartfrid Wolff Interesse am Thema geäußert. Ob die FDP dabei möglicherweise auf Kontakt mit Ferengi spekulierte, ist unbekannt. Die Bundesregierung dementierte damals entsprechende Erkenntnisse. Die nun vorliegende Begutachtung fiel eher knapp und oberflächlich aus. So wertete der Wissenschaftliche Dienst nur offene Quellen wie bekannte Literatur oder Wissenschaftssendungen des Bayrischen Rundfunks aus. Der BND und Erich von Däniken waren offenbar nicht involviert.

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Leipziger Esoterik um 1900: Vegetarier, Okkultisten, Theosophen und Magie

Christin Tölle-Beruf, Ron Ritter: Deviantes Leipzig. Foto: Ralf Julke
Der Titel “Deviantes Leipzig” führt ein bisschen in die Irre. Auch wenn er so schön geheimnisvoll klingt. Aber Devianz ist nur ein Begriff aus der Soziologie, der versucht, alle Arten von gesellschaftlicher Abweichung zu erfassen. Nur hätten jene Leute, die vor 100 Jahren in Leipzig als Okkultisten, Theosophen, Vegetaristen, Sexualmagiker unterwegs waren, wohl nicht von sich behauptet, sie würden abweichen.


Von Ralf Julke|Leipziger Internet Zeitung

Mit dem Buch macht der Leipziger bookra Verlag wieder etwas, was auf dem Buchmarkt nach wie vor selten ist: Er macht Arbeiten, die im Rahmen des Studiums entstanden sind und sonst eher in den Archiven verschwunden wären, in einer bezahlbaren Ausgabe zugänglich. Entstanden sind die Texte vor allem im Bereich der Religions- und der Geschichtswissenschaften an der Uni Leipzig. Und die kleine Ergänzung ist notwendig: Es geht um religiöse Devianz.

Eigentlich ein zentrales Thema, wenn es um das Leipzig der Jahrhundertwende geht. Um Deutschland sowieso. Kein Thema ging damals in den intellektuellen Debatten Europas so um wie das „Unbehagen an der Kultur“. Der Kontinent feierte zwar immer neue technische Wunderwerke, die Naturwissenschaften entfachten ein ganzes Feuerwerk an Entdeckungen. Reihenweise wurden liebgewordene Welt-Bilder auf den Kopf gestellt. Doch tatsächlich steckte der Kontinent in veralteten politischen Systemen fest und neben der Feier der Moderne entwickelte sich – wie ein Schattenbild – eine Bewegung, die der nüchternen Gegenwart die Faszination des Okkulten entgegen setzte. Ein Phänomen, das man so schon aus der Zeit der Aufklärung kannte.

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Adieu, Moon Hoax Theory!

Bild: NASA/heise.de
Vor mehr als zehn Jahren erlebte die Debatte über die Mondverschwörungstheorie ihren Höhepunkt. Ihre Anhänger propagierten, dass die US-Weltraumbehörde NASA in Zusammenarbeit mit irgendwelchen dubiosen Gruppen alle sechs Mondlandungen aus propagandistischen Gründen simuliert hat, um das eigene Versagen zu kaschieren. Doch nach den Veröffentlichungen der Aufnahmen vom Lunar Reconnaissance Orbiter der NASA im Jahr 2009, auf denen eindeutig menschliche Fußspuren und Artefakte zu sehen sind, ist es um die Moon-Fake-Anhänger ruhiger geworden. Auch das Schweigen von Nixon, Wikileaks, Snowden und das vieler anderer NASA-Mitarbeiter spricht eine deutliche Sprache. Sofern es dabei bleibt, ist das Ende der Moon-Hoax-Theorie nicht mehr fern.


Von Harald Zaun|TELEPOLIS

Ein tiefschwarzer Himmel, übersät mit kristallklaren und kaltleuchtenden Sternen, eine bizarre von Kratern durchzogene wüstenartige Landschaft, feiner mehliger Sandstaub und fremdartig hellstrahlendes Sonnenlicht – das waren die letzten Bilder vom Mond, die der zwölfte amerikanische Apollo-Astronaut Eugene Cernan beim Besteigen der Mondfähre in natura sah, bevor er sich im Dezember 1972 mit wenig poetischen Worten vom Erdtrabanten verabschiedete.

Zeitlose Fußspuren und Artefakte

Seit seinem Heimflug wirbelte kein irdisches Lebewesen, keine Landefähre mehr den Mondstaub auf. Nur einige blecherne Forschungssonden verewigten sich auf dem Erdtrabanten – in Gestalt von kleinen Kratern. Andere beschränkten sich darauf, ihn zu umrunden und dabei zu fotografieren, zu kartographieren sowie seine chemische Zusammensetzung zu studieren. Seitdem sich die bemannte Raumfahrt in den Erdorbit zurückgezogen hat, wirkt der Mond wie ein verwaister Satellit der Erde. Von den knapp 600 Astronauten, Kosmonauten und Taikonauten der Menschheit, die bis heute im Weltall waren und in den Genuss der Mikrogravitation kamen, haben nur zwölf Vertreter des Homo sapiens dem Erdtrabanten die Aufwartung gemacht.

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Der Verzehr der Plazenta – ein neuer Trend?

© Picture-Alliance Eine schwangere Frau: Fragen der werdenden Mütter regten die Studie von Crystal Clark an
Eine amerikanische Psychiaterin horchte auf: Einige ihrer schwangeren Patientinnen berichteten, dass sie planten, ihren Mutterkuchen zu essen – zum Beispiel in Kapselform. Nun legt die Ärztin eine beunruhigende Studie vor.


Von Christina Hucklenbroich|Frankfurter Allgemeine

Crystal Clark ist Psychiaterin an der Northwestern University in Chicago, wo sie ein klar umrissenes Gebiet erforscht: Clark hat sich auf Stimmungsstörungen bei Schwangeren und jungen Müttern spezialisiert. Ihre bisherigen Studien kreisten etwa darum, ob eine Schmerzblockade während der Geburt möglicherweise postpartale Depressionen verhindern kann. Doch dann überraschten einige Patientinnen Clark mit einer unerwarteten Frage: Die Schwangeren erkundigten sich, ob es in Ordnung sei, wenn sie ihre Plazenta nach der Geburt essen würden – oder ob Wechselwirkungen mit ihren Antidepressiva zu befürchten wären.

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Sektenbericht: Jihadisten, neue Rechte und die Tochter der Taiga

Steirischer ESO-Jahresbericht sieht Erstarken von radikalem Islamismus, Rechtsextremismus und Regionalismus-Verschwörern


Von Colette M. Schmidt|derStandard.at

Bild: svz.de
Bild: svz.de

Antisemitismus, Ablehnung von Demokratie und Toleranz und die Bildung von oft skurrilsten Mythen: Das sind die prägnanten Eigenschaften, die Jihadisten und Rechtsextreme heute gemeinsam haben, sagt Robert Schweidlenka, Sektenexperte und Leiter der Servicestelle für Jugendliche des Landes Steiermark “Logo-ESO-Info” (ESO steht für Esoterik, Sekten, Okkultismus).

Er präsentierte am Mittwoch gemeinsam mit der neuen Jugendlandesrätin Ursula Lackner (SPÖ) den ESO-Jahresbericht über die Entwicklung radikaler religiöser und politischer Bewegungen in Österreich. Titel des Berichts: “Sie nagen an den Wurzeln unserer Demokratie.” Entwarnung kann leider nirgendwo gegeben werden. Im Gegenteil: Sowohl Möchtegern-Gotteskrieger als auch neue Rechte, die vor allem in der Identitärenbewegung, die ihr Zentrum in Österreich in Graz habe, vermehren sich. Sie nutzen dabei beide weiter die Möglichkeiten des Internets für ihre “Heilslehren”.

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Die unsichtbare Superdiktatur

Warum es die von vielen Verschwörungstheoretikern vorgestellte, im geheimen agierende und fast allmächtige Diktatur nicht geben kann


Von Houssam Hamade|TELEPOLIS

Bild: heise.de

Verschwörungstheorien können töten. In Deutschland sterben immer wieder Kinder, weil sie auf der Grundlage einer Verschwörungstheorie nicht gegen Masern geimpft werden. Und ohne beides gleichsetzen zu wollen: Der mörderische Hass der Nazis loderte auch darum so hell, weil diese von einer umfassende Verschwörung des weltweiten Judentums überzeugt waren.

Und doch lässt sich die Welt nicht ohne konspirative Vorgänge verstehen: Von der Verteidigungslüge der Deutschen im Blitzkrieg gegen Polen, bis zur Selbstverständlichkeit, dass sich reiche Eliten verbünden, um ihr Interesse (auch im Geheimen) durchzusetzen, wie es beispielsweise Björn Wendt in seinem Buch Die Bilderberg-Gruppe recht genau nachzeichnet.

Wie lassen sich also sinnvolle von gefährlichen und dummen Verschwörungstheorien unterscheiden?

Zu viele dieser Theorien laufen letztendlich darauf heraus, dass die Weltgeschichte von einer kleinen Gruppe Superreicher hinter den Kulissen gelenkt wird. Beispielsweise meinte der Hauptorganisator der “Montagsmahnwachen für den Frieden”, wenn man nur genau hinschaue, würde man erkennen, dass alle Kriege der letzten hundert Jahre (also wohl auch der zweite Weltkrieg mitsamt seiner Mördereien) von den Bankern der amerikanischen “Federal Reserve” organisiert worden seien.

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Homöopathie: Aberglaube heilt nicht

Marie Amrhein hat nie wirklich daran geglaubt. An Homöopathie. Sie hat trotzdem ihren Kindern die Kügelchen unter die Zunge geschoben. Jetzt reicht es ihr


Von Marie Amrhein|Cicero

Die Verbraucher geben sich zufrieden mit einem diffusen Gefühl, dem Placebo-Effekt. picture alliance

Heute hängt man ja öfter unter Spielplatzrutschen statt im Lichte von Discokugeln ab. Da werden dann keine Ecstasypillen herumgereicht, sondern Globuli. Der Unterschied zwischen beidem: Letztere wirken nicht. Ich habe das immer geahnt. Gleichzeitig habe ich mich lange Zeit nicht klar positioniert. Um Ärzte, Freunde, Bekannte nicht vor den Kopf zu stoßen. Jetzt muss es raus: Ich glaube nicht an die heilende Kraft der Homöopathie.

Warum habe ich trotzdem wie so viele andere meinen Kindern die Kügelchen unter die Zunge geschoben? Die Homöopathie ist mittlerweile als „sanfte Medizin“ tief verankert in unserer Gesellschaft. Dabei ist es doch merkwürdig: Da strebt die Menschheit Jahrtausende lang nach Wissen und wenn sie es sich angeeignet hat, dann wirft sie alle naturwissenschaftlichen Erkenntnisse wieder über Bord.

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Umstritten: Lasagne mit Mutterkuchen

foto: ap photo/francisco kjolseth Aus dieser Plazenta soll keine Lasagne, dafür Globuli werden.
Der Verzehr der Plazenta ist gut für die Mutter, glauben manche. Experten warnen: Auch Viren, Bakterien und Schwermetalle stecken drin


Von Franziska Zoidl|derStandard.at

Im Internet finden sich manch ungewöhnliche Rezepte: Eine Lasagne zum Beispiel, die aus einer gehackten menschlichen Plazenta, zwei Knoblauchzehen, ein wenig Oregano, einer halben Zwiebel und Tomatensauce zubereitet wird. Auch Globuli für Mutter und Kind können aus dem Mutterkuchen hergestellt werden.

Was dahinter steckt: Jenem Organ, das aus Gewebe von Mutter und Kind besteht und das den Embryo im Bauch der Mutter mit Nährstoffen versorgt, wird viel Positives zugeschrieben. Der Verzehr des 500 bis 600 Gramm schweren Mutterkuchens soll beispielsweise Wochenbettdepressionen vorbeugen, die Milchproduktion der Mutter ankurbeln und zu einer stärkeren Beziehung von Mutter und Kind führen. Auch körpereigene schmerzhemmende Substanzen sollen durch den Verzehr verstärkt werden. Den darin enthaltenen Nährstoffen und Hormonen sei Dank.

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Fernheilung – die Gesundheitsstrategie für esoterische Couch-Potatoes

Esoterische Abenteuerlichkeiten wie die Fernheilung sind nichts für dumme, bildungsferne Menschen. – Foto: Universität Innsbruck
„Ich bin nicht da, aber fangen Sie schon mal an, mich zu behandeln!“ – Fernheilungen können verdammt praktisch sein.


Von Florian Aigner|futurezone

Krankheiten sind schon unangenehm genug – warum muss das Gesundwerden auch immer noch so mühsam sein? Man schleppt sich zum Arzt, langweilt sich in überfüllten Wartezimmern, und wenn es ganz besonders schlimm kommt, erhält man den Befehl Sport zu machen oder gar seine Ernährung umzustellen. Zum Glück gibt es aber eine Alternative, die all diese Probleme löst: Fernheilung – die Gesundheitsstrategie für esoterische Couch-Potatoes.

Fernheilung kann man sich vorstellen wie eine direkte Funkverbindung zur Gesundheit. Gewöhnliche Medizin verhält sich zur Fernheilung so ähnlich wie ein gewöhnlicher Brief zu E-Mails  an ein rosa Einhorn. Patient und Heiler können problemlos tausende Kilometer voneinander entfernt sein, die heilsame Information wird auf geistigem Weg übermittelt. Der Heiler braucht bloß ein bisschen Information, damit er sich spirituell beim richtigen Patienten einloggen kann – Name, Wohnort und Geburtstag reichen normalerweise aus. (Sie sollten aber vorsichtig mit diesen Daten umgehen, man kann nie wissen, ob nicht ein fremder Geheimdienst mithört und Ihnen dann aus politischen Gründen eines Tages das Chi im Wurzelchakra ins Negative umpolt. Ich habe Sie gewarnt!)

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Spirituell: Rechte Esoterik

© Bild: Corbis
Rechte und Rechtsextreme hatten immer ein besonderes Naheverhältnis zur Esoterik


Von Daniel Steinlechner|NEWS.at

Heinz-Christian Strache vertraut einer Mystikerin und einem Schamanen, wie News berichtete. Der FPÖ-Chef ist mit seinem Interesse an Esoterik nicht allein. Sie ist weit verbreitet und ein Milliardengeschäft. Allein in Deutschland werden die Umsätze auf mehr als 25 Milliarden Euro geschätzt. Esoterik ist ursprünglich ein griechisches Wort und bedeutet „dem inneren Bereich zugehörig“. Es bezeichnete philosophische Lehren, die nur einem eingeweihten Kreis an Personen zugänglich sind. Heute versteht man Esoterik hingegen als Sammelbegriff für diverse Lehren, die abseits der anerkannten Religionsgemeinschaften stehen und oft auch miteinander verbunden werden. Vom Geisterglaube über Schutzengel-Talismane bis zum Hellsehen oder dem Kartenlesen umfasst es einen breiten Bereich an spirituellen Angeboten. Politisch war die Esoterik bei den Rechten immer besonders stark verankert.

Esoterik bietet einen Halt in einer Welt die raschen Veränderungen ausgesetzt ist. Lösungsmöglichkeiten die bei der Persönlichkeit ansetzen und durch einfach zu befolgende Rituale, Magie oder Kuren Heilung und Glück versprechen. Seit Beginn der modernen Wissenschaft gibt es eine esoterische Gegenwissenschaft. Die Esoterik bietet Antworten auf Fragen die die Wissenschaft stellt und scheinbar nicht beantworten kann. Einfache Antworten auf komplizierte und unsichere Lebenslagen. In diesen befinden sich Politiker besonders häufig. Wenig verwunderlich, dass seit der Antike Politiker aller politischen Fraktionen Halt in der Esoterik fanden. So unterschiedliche Politiker wie Stalin und der ehemalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt sollen beispielsweise die Dienste von Wahrsager in Anspruch genommen haben.

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Eidgenössisch diplomierte Esoteriker

Bild: svz.de
Bild: svz.de
Meilenstein für die Naturheilpraktiker: Homöopathen und Ayurveda-Therapeuten können in Zukunft ein eidgenössisches Berufsdiplom erlangen.


Von Hugo Stamm|Tages Anzeiger

Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) hat am 28. April 2015 die Höhere Fachprüfung für Naturheilpraktiker genehmigt. Somit dürfen Globuli neu mit dem Segen der staatlichen Behörden verabreicht werden. Das ist ein Durchbruch für die Alternativmedizin. Ihre Vertreter können nun nicht nur mit den Krankenkassen abrechnen, sie werden auch noch mit einem eidgenössischen Diplom geschmückt.

Die «Organisation der Arbeitswelt Alternativmedizin Schweiz OdA AM», die die Anerkennung anstrebte, jubiliert: «Diese Berufsreglementierung ist ein wichtiger Meilenstein im schweizerischen Gesundheitssystem. Europaweit hat ein anerkannter Abschluss Pilotcharakter und bewirkt eine Verankerung der Alternativmedizin in der Gesellschaft

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Astrologische Leichenfledderei zum Germanwings-Unglück

Absturzstelle, Bild: gmx.ch
Als Ende März der Absturz eines Germanwings-Fluges tagelang die Medien beschäftigte war klar, dass einige Astrologen eine solche Vorlage zur Leichenfledderei dankbar annehmen würden. Hier eine kleine Auswahl dieser Pietätlosigkeiten …


Wahrsagerchecks Blog

Fangen wir bei Olaf Staudt an, der natürlich wieder irgendetwas vorhergesehen haben will. In seinem März/April Newsletter steht tatsächlich folgendes:

Spannungsreiche Konstellationen sind dann erneut an den Tagen um den 25. März fällig: Mars spiegelt sich mit Saturn, Sonne steht in Saturn/Pluto. Denkbare Entsprechungen sind einmal mehr extreme Wetterbedingungen, Unglücksfälle oder andere krisenhafte Ereignisse.

Die Prognose, dass irgendetwas “um den 25. März” passieren könnte ist schon lächerlich genug, denn bei einer solch allgemeinen Blablaprognose wäre auch das Umfallen eines der sprichwörtlichen chinesischen Reissäcke ja eine “denkbare Entsprechung”. Diese aber auch noch als auf das tragische Flugzeugunglück passend zu erklären ist schon eine ziemliche Frechheit. Und natürlich findet Herr Staudt sowohl im Horoskop des Absturzzeitpunkts, des Flugzeuges (!!!), der Bundesrepublik Deutschland (!!!) und natürlich in dem des Piloten massenhaft irgendwelche Pseudoerklärungen, die in folgender Passage gipfeln:

Die halbe progressive Sonne (SO/WI progressiv) deckte sich mit Saturn progressiv und Uranus Radix (Teiler 6) – Entsprechung für ein plötzliches, gravierendes Ereignis.
SO/WI progressiv in den Achsen SA/NE und UR/NE der Progression (Teiler 3) steht für psychisch belastende Zustände, Krankheit, Ohnmacht. Bereits diese Kombinationen allein hätten ausgereicht, um das Ereignis treffend zu beschreiben.

Nö!

Der Newsletter des Allgeier-Verlags zeigte sich von dem Ereignis überrascht:

Als die Maschine am 24. März um 10:01 in Barcelona abhob, fanden sich keine klassischen Absturzkonstellationen am Himmel. Als wir damals von dem Unglück hörten und noch nicht wussten, dass es die Tat eines Massenmörders war, waren wir zugegebenermaßen irritiert.

Aber nachher findet man natürlich doch noch etwas Passendes:

Das Abflugshoroskop deutet allerdings mit dem Fische-Neptun am Zenit im Quadrat zu Saturn und Aszendent an, dass in diesem Fall die Führung (10. Haus), also ein Pilot, psychisch angeschlagen war. Und Pluto im Todeshaus Haus 8 im Quadrat zu Uranus in Haus 11 kann für den Tod bzw. das Massenschicksal einer Gruppe stehen.

Aha! Und welches Horoskop hatte nun diese Gruppe? Wie bei Herrn Staudt werden nun hemmungslos astrologische Mutmaßungen über den Piloten vom Stapel gelassen, und nicht nur über ihn:

Nicht jeder Mensch, der wie Andreas Lubitz am 18.12.1987 geboren wurde, ist ein Mörder. Aber, wir können durchaus behaupten, dass Menschen an diesem Tag geboren wurden, durchaus schwierige Konstellationen im Horoskop haben.

Natürlich kann der Newsletter das behaupten, aber eine übelste Leichenfledderei bleibt diese bodenlose Frechheit trotzdem!

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Umweltbundesamt kapituliert vor Chemtrail-Verschwörern

chemtrailsEin Facebook-Post des Umweltbundesamtes sorgt derzeit über Dessau-Roßlau hinaus für Furore – vor allem bei Chemtrail-Verschwörern, die nicht an Kondensstreifen am Himmel glauben. Die Behörde zieht nun die Reißleine.


Berliner Zeitung

Das Umweltbundesamt in Dessau kapituliert vor Chemtrail-Verschwörern und wird sich auf seiner Facebook-Seite nicht mehr mit deren Theorien und Thesen auseinander setzen. „Als steuerfinanzierte Behörde wäre es unangemessen, sich weiterhin mit dieser Art Fiktion zu befassen. Das wäre gegenüber allen Bürgerinnen und Bürgern mit ernsthaftem Interesse am Umweltschutz und sachlichen Dialog nicht fair und auch nicht vermittelbar“, schrieb die Social-Media-Abteilung der Bundesbehörde am Freitag gegen 23 Uhr. Zuvor war ein Facebook-Beitrag zu „Chemtrails“ mit vielen hundert Beiträgen verschwunden.

„Es handelt sich höchstwahrscheinlich um einen technischen Defekt“, heißt es in einer Stellungnahme des Umweltbundesamtes. „Durch uns erfolgte keine Löschung des Beitrags, auch wollten wir die kontrovers geführte Diskussion zum Thema nicht beenden. Wir haben bereits Kontakt zu Facebook aufgenommen und hoffen sehr, dass sich die Ursache schnell aufklären wird.“

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Jetzt bestecht mich doch endlich!

Foto: KURIER / Franz Gruber
Diese Wissenschaftler, die sind doch alle gekauft! Nur ich nicht. Langsam reicht es.


Von Florian Aigner|futurezone.at

Der Wissenschaft sollte man kein Wort glauben, sie ist nämlich fest in der Hand mächtiger Lobbys. Immer wieder erklärt man mir das – in Internetforen, in Mails, in wütenden Diskussionen.

Wissenschaftler und Skeptiker wie ich wollen übernatürlichen und paranormalen Behauptungen wissenschaftliche Zahlen und Fakten entgegensetzen. Dabei weiß man doch, dass Zahlen und Fakten mit der Wissenschaft in engem Kontakt stehen und daher in einer Auseinandersetzung zwischen Wissenschaft und dem Paranormalen nicht als unparteiische Schiedsrichter gelten können.

Kritisiere ich Heilsteine und Homöopathie, dann wirft man mir vor, von der Pharmalobby gekauft worden zu sein. Wenn ich anzweifle, dass man ein Perpetuum Mobile bauen kann, das Energie aus dem Nichts saugt und damit ein Auto antreibt, dann gelte ich als bezahlter Handlanger der Erdöllobby. Und nachdem ich mich als Physiker auch mit Atomen beschäftigt habe, muss ich sicher auch von der Atomlobby gekauft worden sein.

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Esoterik und Verschwörungstheorien: „Der Markt mit Wunderangeboten boomt“

Dr. Stephanie Dreyfürst, Bild. FNP
Dr. Stephanie Dreyfürst (40) leitet das Schreibzentrum an der Goethe-Universität. Ehrenamtlich engagiert sie sich beim 1987 gegründeten Skeptiker-Verein „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“, kurz: GWUP. Die GWUP hält ihre Jahrestagung „SkepKon“ vom 14. bis 16. Mai auf dem Campus Westend der Goethe-Universität ab. FNP-Mitarbeiter Thomas J. Schmidt hat sich mit Dreyfürst über Geisterjäger und Geschäftemacher, ihr Engagement und die Tagung unterhalten.


Frankfurter Neue Presse

Frau Dr. Dreyfürst, können Sie mir ein Horoskop legen?

STEPHANIE DREYFÜRST: Auf gar keinen Fall! Außer vielleicht aus Spaß.

Sie glauben nicht an so was?

DREYFÜRST: Nein. Aber bei uns Skeptikern geht es nicht darum, zu glauben oder nicht, sondern die Dinge möglichst unvoreingenommen und mit anerkannten wissenschaftlichen Methoden zu prüfen. Da kommt Astrologie nicht gut weg.

Wie erfolgreich ist die GWUP in der Bekämpfung von Esoterik, Aberglauben und Unsinn?

DREYFÜRST: Gegenfrage: Wie misst man Erfolg? Wir haben steigende Mitgliederzahlen, und die Sozialen Medien machen es viel einfacher als früher, Menschen mit unseren Themen zu erreichen und auf sie zuzugehen. Allerdings wissen wir auch, dass unser Engagement nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist und der Markt mit esoterischen Wunderangeboten boomt. Schon in der Schule sollte kritisches Denken besser geschult werden, damit die jungen Menschen besser gerüstet sind für den Alltag.

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Goethe-Universität: Konferenz der Skeptiker

Bild: svz.de
Bild: svz.de
An der Goethe-Universität Frankfurt stehen Forschungs- und Alltagsphänomene auf dem Prüfstand.


Von Corina Silvia Socaciu|Frankfurter Rundschau

Ufos, das Monster von Loch Ness und magische Kräfte – einen Platz finden diese Themen in der heutigen Zeit höchstens noch im Esoterik-Regal einer Buchhandlung. Völlig verschwunden ist der Glaube an unerklärliche Phänomene aber längst nicht aus dem öffentlichen Leben. Auch heute noch kaufen Verbraucher teure Produkte mit vermeintlicher Wunderwirkung. Da selbst in der Wissenschaft noch Aufklärungsbedarf bestehe, wird an der Frankfurter Goethe-Universität die Konferenz Skepkon vom 14. bis zum 16. Mai stattfinden.

Veranstalter des dreitägigen Programms ist die Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), die als vorrangiges Ziel den Verbraucherschutz hat. „Wer gegen esoterische Annahmen vorgehen will, braucht Argumente“, sagt Martin Mahner, GWUP-Mitglied und Mitorganisator der Konferenz. Beim Versuch Esoteriker umzustimmen, müssten skeptisch eingestellten Menschen wissenschaftliche Zusammenhänge kennen, um Fehlannahmen zu entkräften.

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Esoterik in Wien: Von Selbstheilung und Wunderwasser

Bild: svz.de
Bild: svz.de
Besonders Frauen mittleren Alters interessieren sich für Esoterik. Alternative Gesundheitsthemen liegen im Trend


Von Franziska Stoidl|derStandard.at

Noch nie waren sich Esoterik und Songcontest näher, als vergangenes Wochenende: Wer zu den Esoteriktagen in der Halle E der Wiener Stadthalle wollte, musste sich erst durch Staubwolken und Absperrungen kämpfen. Denn die Arbeiten für den Songcontest, der hier im Mai stattfindet, sind in der Zielgeraden.

In der Halle E, einem überschaubaren Teil der Stadthalle, ist von dieser regen Betriebsamkeit am Freitag Nachmittag noch wenig zu spüren. Insgesamt 70 Unternehmer, die sich dem esoterischen Bereich zugehörig fühlen, stellen hier aus. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Richtungen: Hier wird aus Karten gelesen, Aura interpretiert und für diverse Weltanschauungen geworben. Über der Halle schwebt der schwere Duft von Räucherstäbchen.

Franz Prohaska organisiert mit seiner Münchener Eso-Team Gmbh Messen in Deutschland und Österreich. “Alternative Gesundheitsthemen greifen immer mehr”, beobachtet er. “Denn wenn Sie heute im Krankenhaus liegen, wird der Arzt betonen, was für einen großen Anteil an der Heilung der Mensch selbst mit seinen positiven Gedanken hat.”

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Scientology, Netzfrauen, Spirit of Health: Wenn Blödmannsgehilfen aktiv werden

Aus aktuellem Anlass stellen wir heute mal die Doku

Die Spitzel von Scientology: Der Sektengeheimdienst OSA”

vor, die im Februar bei Phoenix wiederholt worden ist.

Darin sieht man so schön, wie Sekten-Honks sich breitbrüstig und schmalhirnig vor Kritikern aufpumpen, diese fotografieren oder in absurde Diskussionen verwickeln.

Von Bernd Harder|GWUP–Die Skeptiker

Ach so – was genau ist der aktuelle Anlass?

Das überlassen wir der Phantasie von diversen “Netzfrauen” und MMS-Fans, die zurzeit um Psiram und den Deutschen Konsumentenbund herumschleichen.

Macht Euch doch nicht lächerlich, oder wollt Ihr ausgelacht werden, so wie diese Scientologen-Blödmannsgehilfen?

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Braune Esoterik: Von Dethlefsen bis Osho

Sektenführer Bhagwan grüsst seine Anhänger (1984). Foto: Keystone
Letzte Woche schrieb ein Kommentator in diesem Blog zum Thema «Religiöse Fanatiker destabilisieren die Welt», Kriege und das Töten seien «gerechtfertigt, wenn damit die göttliche Ordnung (Ethik) wieder hergestellt wird».


Von Hugo Stamm|Tages Anzeiger

Ein Satz, der aufhorchen lässt. Ein Satz, der unverkennbar von einem Esoteriker stammt. Ein Satz auch, der die Geisteshaltung vieler spiritueller Sucher ausdrückt. Eine Aussage, die zeigt, was gern kaschiert wird oder vergessen geht: Manche Ideen der modernen Esoterik haben eine braune Schlagseite, und radikale Anhänger pflegen ein faschistoides Gedankengut.

Verhängnisvoll dabei ist, dass Esoterik in der breiten Bevölkerung ganz anders wahrgenommen wird. Die moderne Spiritualität gilt als sanfte Diszplin und Gegenkonzept zu unserer techniklastigen Umwelt und dem unmenschlichen Wirtschaftssystem. Esoterik als sanfte Alternative zur Welt der gnadenlosen Verdinglichung. Dass sich unter dem Mäntelchen einer modernen Spiritualität eine radikale Ideologie versteckt, erfährt nur, wer sich nicht blenden lässt.

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