Archiv der Kategorie: Parawissenschaften

“Esoterisches Wasser wird zum Lifestyleprodukt”

Viel schmucker als jeder Wasserfilter: Die Wasserweihe von Boris Michailowitsch Kustodijew (1921).
Obwohl der Sinn von Versuchen, im eigenen Haushalt die Qualität des heimischen Leitungswassers zu verbessern wissenschaftlich umstritten ist, verzeichnet die Esoterik-Branche auch in diesem Bereich Rekord-Umsätze. Warum eigentlich? Ein Gespräch mit dem Diplom-Chemiker Helge Bergmann, Autor des Buches Trübes Wassser.

Von Reinhard Jellen|TELEPOLIS

Herr Bergmann, Sie haben in Ihrem Buch rechts- und linksdrehende Wasser, Edelsteinwasser, magnetisiertes Wasser etcetera untersucht. Wie verhält sich die Realität mit der unterstellten Wirkung?

Helge Bergmann: Ein typisches Merkmal für esoterisches Wasser sind die vielen zweifelhaften Informationen. Sie werden aufgestellt, um Herstellung, Eigenschaften und Wirkung der Wässer zu beschreiben. Diese Informationen können alles enthalten: Richtige und falsche Behauptungen, Wissenschaft und Scheinwissenschaft, Irreführung, Täuschung bis hin zur Werbelüge. Der Übergang ist oft fließend und nicht erkennbar.

Was ist für diese Art Wasser charakteristisch?

Helge Bergmann: Es werden zu diesen Behauptungen praktisch keine stichhaltigen Nachweise geliefert. Die Herstellung ist unklar oder nach den Naturgesetzen gar nicht möglich, die Wirkung nicht durch Untersuchungen belegt. Der größte Teil der Werbung enthält gesundheitsbezogene Versprechen. Egal, ob belebtes, energetisiertes, informiertes oder ähnliches Wasser: Es soll getrunken werden, um angeblich die Gesundheit zu fördern. Realität ist: Keine dieser angeblich heilsamen Wirkungen wurde jemals von den Anbietern stichhaltig nachgewiesen.

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Warum das Internet voll von Verschwörungstheorien ist

In sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter verbreiten sich Verschwörungstheorien besonders leicht. (Foto: REUTERS)
Steckt die CIA hinter 9/11? Haben Flüchtlinge ein Mädchen vergewaltigt? Solche Gerüchte halten sich hartnäckig – weil es im Internet so leicht fällt, sie zu glauben.

Von Sebastian Herrmann|Süddeutsche.de

In der Flüchtlingsdebatte schwirren gewaltig viele wilde Gerüchte durch die Gegend. Die erfundenen Geschichten handeln von demolierten Supermärkten, von einem Schweige- und Vertuschungsgebot für die Medien oder wirklich ganz wilden Geschichten, die besser nicht wiederholt werden sollen.

Bei vielen dieser Räuberpistolen fragt man sich: Warum glauben Menschen so etwas? Und weshalb sind zum Beispiel deprimierend viele überzeugt, dass die Nasa die Mondlandung nur inszeniert habe, die CIA hinter den Anschlägen vom 11. September stecke oder ein Pharmakomplott das gerade in Südamerika grassierenden Zika-Virus steuere?

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Homöopathiekritiker starten Informations-Netzwerk

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Bild: DAZ.de
Eine Initiative will in den nächsten Monaten ein Homöopathie-Netzwerk gründen und eine Informationskampagne starten, um kritische Einordnungen der Homöopathie zu bündeln. Geleitet wird es von der ehemaligen Alternativmedizinerin Natalie Grams. Sie will auch den Begriff „Pseudomedizin“ prägen – und sich für eine Änderung des Arzneimittelgesetzes einsetzen.

Von Hinnerk Feldwisch-Drentrup|DAZ.de

Als eine Gruppe von gut 30 Homöopathiekritikern am Sonntag zur Pressekonferenz nach Freiburg geladen hat, warteten auf die Journalisten weder Kulis, Imagebroschüren noch ein Buffet – sondern eine Packung  „Dubium C30 – enthält nur Zucker, kein Arzneimittel“. Bernd Harder, Pressesprecher der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), zerstreute mögliche Hoffnungen auf Geschenke direkt und nutzte die Gelegenheit, auf das rein ehrenamtliche und pharmafreie Engagement hinzuweisen. Zwei Tage lang hatten sich Interessierte zuvor getroffen, um eine Strategie zum Umgang mit Globuli und Co zu entwickeln. Da die Alternativmedizin laut Harder bisher weitestgehend unbeobachtet vor sich hin arbeite, will die Gruppe der Homöopathiekritiker Widersprüche und leere Versprechen öffentlich machen. Und – als ein Ergebnis des Treffens – zukünftig nur noch von Pseudomedizin sprechen.

„Wir wissen natürlich ganz genau, dass auch in der evidenzbasierten Medizin und in unserem Gesundheitssystem vieles im Argen liegt“, sagte er, „aber das macht Homöopathie nicht wirksamer“. Die Alternative könne nur bessere Medizin sein, keine Pseudomedizin. Die Gruppe will nun Informationen für Patienten aufbereiten, damit jeder die Möglichkeit hat, sich aufgeklärt selbst zu entscheiden. Und es soll ein Homöopathie-Netzwerk gegründet werden, welches die Aktivitäten koordiniert.

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Mormonen wollen Münchner Melderegister digitalisieren

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  • Die Meldedaten im Stadtarchiv sind abgegriffen und teilweise fast unleserlich. Deshalb sollen sie nun digitalisiert werden.
  • Zwei Firmen haben bereits Angebote für eine Digitalisierung gemacht. Beide haben sich nicht ohne Hintergedanken gemeldet.
  • Der Datenschutz sei “absolut vorrangig”, versichert Oberbürgermeister Dieter Reiter.

Von Dominik Hutter|Süddeutsche.de

Alle Bestände aneinandergereiht wäre das Regal fast 1,2 Kilometer lang. 4082 Aktenbündel mit Polizeimeldebögen, dazu 8196 Personenstandsregister und Sammelakten aus den Standesämtern München und Pasing – Geburten, Sterbefälle, Hochzeiten.

Trockene Kost also, sollte man meinen, und trotzdem heiß begehrt: Etwa ein Drittel aller Anfragen für den Lesesaal des Stadtarchivs betrifft die seit dem frühen 19. Jahrhundert erhobenen Meldedaten. Die sind deshalb inzwischen reichlich abgegriffen, manchmal angeschimmelt und teilweise fast unleserlich. Zeit für eine Digitalisierung also.

Bis zu 2,5 Millionen Euro würde es nach Schätzung des städtischen Direktoriums kosten, die etwa 4,75 Millionen Seiten einzuscannen und einen Index zu erstellen. Mehr als das Stadtarchiv aufbringen kann. Da ist es praktisch, wenn jemand diese Aufgabe kostenlos übernehmen will.

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Ein Blick in die Zukunft: Der Besuch bei einer Hellseherin

Bild: svz.de
Bild: svz.de
Die Zukunft ist vielleicht das größte Rätsel der Menschheit. Doch können Zauberkugel, Kaffeesatz und Co. dabei helfen, das eigene Leben vorauszusehen? Unsere Autorin hat verschiedene Hellseher getestet – und staunt.

Von Maria Dohmen|Kölner Stadt-Anzeiger

Für den Kosmos bin ich Luft. Oder wie ist es zu erklären, dass Karin dauernd „nichts reinbekommt“ in ihre Kristallkugel? Die befragt sie in meinem Auftrag nach den Aussichten 2016; wer möchte nicht gerne wissen, was das neue Jahr so bringt?

Ich wende mich an Karin (alle Wahrsagerinnennamen geändert), weil mir ihr Profil auf einem riesigen Esoterik-Portal ganz gut gefällt und weil ich als Einsteiger nach einer zeitraubenden Suche und Selbstbefragung – will ich Erzengelenergie nutzen, Fern-Reiki oder irgendwas mit Dualseelen (das müsste ich aber erstmal googeln) anstellen? – etwas Handfesteres anstrebe. So eine Kristallkugel ist mir fast vertraut, die erfreut mich bei Frau Schlotterbeck immer wieder, auch noch beim vierten Mal „Hotzenplotz“.

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Vatikan: Die Geisterwelt der Wunder

Auf der Suche nach einem Wunder: Pater Thomas Klosterkamp ist der Anwalt der möglicher Heiliger Foto: Luigi Baldelli
Pater Thomas Klosterkamp ist Postulator. Er schlägt dem Papst vor, welche Menschen er heiligsprechen soll. Dafür muss er Dinge beweisen, die sich gar nicht beweisen lassen und das ist richtig teuer.

Von Lucas Wiegelmann|DIE WELT

Die Nachricht, auf die Pater Thomas Klosterkamp so lange gewartet hat, wie bereits sein Vorgänger und dessen Vorgänger, die Nachricht, auf die der ganze Orden gewartet hat seit mehr als 100 Jahren, sie könnte nun vor ihm auf dem rechteckigen Holzschreibtisch liegen. Klosterkamp hat sich eine E-Mail ausgedruckt und sie in einen roten Pappumschlag gesteckt mit Sichtfenster, Betreff: “Novene”.

Die Mail stammt von einer Nonne aus Frankreich. Sie möchte ein Wunder melden. Es geht um einen Mann, der unheilbar an Lungenkrebs erkrankt gewesen sein soll. Eines Tages hätten seine Ärzte festgestellt, dass der Tumor plötzlich verschwunden war. Und zwar nachdem ein toter Priester zu Hilfe gerufen worden sei. Der Priester starb vor einer halben Ewigkeit, und sein Orden, die Oblaten, versuchen schon lange, ihn heiligsprechen zu lassen wegen seiner Verdienste um die Verbreitung des Christentums.

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Mit Bullshit in den Untergang – So ticken Verschwörungstheoretiker

Eine Verschwörerdemo Anfang 2015 (Foto: Stefan Lauer)
„Merkel raus!”, ruft der bullige Mann auf der Bühne. Es ist kalt an diesem Samstagnachmittag, ich befinde mich auf einer kleinen Demo des verschwörungsideologischen Bündnisses „Endgame” vor dem Berliner Hauptbahnhof und lausche der Rede des Szenestars Christoph Hörstel.

Von Christoph Kluge|VICE.com

Flüchtlinge kämen nicht zufällig nach Deutschland, erfahre ich, „eine riesige Organisation” sei nötig, um „so viele Menschen in Marsch zu kriegen”. Die „Verbrecherpolitiker” führen Krieg in Nahost, um die Menschen zur Flucht zu zwingen und installieren gleichzeitig bewusst Fremdenhass in Europa, damit es bald „kracht”.

Was genau damit erreicht werden soll, verrät der ehemalige TV-Journalist nicht, der auf seiner Facebook-Seite regelmäßig den nahen Untergang prophezeit. Hörstel breitet eine Weltsicht aus, in der es keine abstrakten Vorgänge gibt. Politische Ereignisse gehen direkt auf Entscheidungen bestimmter Akteure zurück, die einen übergeordneten Plan verfolgen und problemlos in der Lage sind, ihn durchzusetzen. Mir drängt sich aber der Verdacht auf, dass hier Bullshit erzählt wird …

Kürzlich hat eine Forschergruppe um den kanadischen Psychologen Gordon Pennycook nachgewiesen, dass manche Menschen schlichtweg nicht in der Lage sind, Bullshit von fundierten Informationen zu unterscheiden. Daher neigen sie zu Esoterik und Verschwörungstheorien. Pennycook et. al. stützten sich auf die Bullshit-Definition des Philosophen Harry Frankfurt. Ein „Bullshitter”, argumentiert Frankfurt, interessiere sich nicht dafür, ob es stimmt, was er sagt. Im Gegensatz zum Lügner, der die Wahrheit genau kenne und manipuliere, verfolgt er ein anderes Kommunikationsziel. Eventuell möchte er etwas verkaufen oder ein Publikum von sich begeistern, jedenfalls formuliert der Bullshitter vage Aussagen, die plausibel klingen—egal, ob sie zutreffen oder nicht.

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Vorhersagen 2015: Hellseher lagen voll daneben

Bild: svz.de
Bild: svz.de
Es gab weder Stromausfälle durch Sonneneruptionen noch den Weltuntergang.

kath.net

Astrologen, Hellseher und Wahrsager haben mit ihren Prognosen für 2015 „auf ganzer Linie“ versagt. Zu diesem Ergebnis kommt die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (Roßdorf bei Darmstadt) in einer am 11. Dezember veröffentlichten Auswertung.

Für sie hat der Mathematiker Michael Kunkel (Mainz) die Vorhersagen von 70 Auguren ausgewertet. So gab es weder Stromausfälle durch Sonneneruptionen, noch eine Verschiebung der tektonischen Erdplatten oder einen Riesenoktopus, der im Mittelmeer ein Kreuzfahrtschiff versenkt hätte – wie es die kanadische Hellseherin Nikki Pezaro weissagte. Kunkel zufolge sind Katastrophen aller Art das Lieblingsthema aller Prognostiker – etwa Erdbeben, Überschwemmungen, Vulkanausbrüche, Terroranschläge und nukleare Unfälle. Allerdings fehlten Hinweise, wann und wo sie sich hätten ereignen sollen. Damit seien die Vorhersagen wertlos.

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Skeptiker 4/2015 erschienen

Sind Esoteriker “verrückt”? Wer an Homöopathie, Chemtrails & Co. glaubt, kann doch psychisch nicht ganz gesund sein, oder? SKEPTIKER-Autor Jan Oude-Aost hat genauer hingesehen. Als Mediziner in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und als Skeptiker kennt er die Unterschiede zwischen irrationalen Überzeugungssystemen und psychischen Erkrankungen. In seinem Beitrag zeigt er, wie leicht sich psychisch gesunde Menschen von unsinnigen Vorstellungen überzeugen lassen.

GWUP

Coaching: Wirkungsvolle Methode oder esoterische Managerbespaßung? Personalentwicklung im Kloster, beim Rollenspiel oder auf dem Pferdehof – der Markt für Coaching-Angebote ist ebenso groß wie vielfältig. Doch welche Konzepte bringen Unternehmen und Teilnehmer tatsächlich weiter und wo beginnt die Managerbespaßung? Prof. Uwe Kanning, Wirtschaftspsychologe der Hochschule Osnabrück, hat sich für den SKEPTIKER in der Szene umgesehen.

Gesundheit durch esoterisches Wasser? Werbung und Realität: Sie beleben, informieren oder verwirbeln, und sie sollen Gesundheit und Wohlbefinden stärken: Geräte zur esoterischen Wasserbehandlung lassen die Kasse klingeln. Doch aus Sicht des Verbraucherschutzes sind viele dieser Werbeversprechen fragwürdig, so das Fazit des Chemikers und Wasserexperten Dr. Helge Bergmann.

“Wie eine Glaubensgemeinschaft”: Die Homöopathie-Aussteigerin Dr. Natalie Grams hatte eine gutgehende homöopathische Praxis und glaubte an die Macht der Zuckerkügelchen. Doch je mehr sich die studierte Medizinerin Natalie Grams mit den Grundlagen der Homöopathie beschäftigte, desto größer wurden ihre Zweifel. Inzwischen hat sie die Arbeit als Homöopathin an den Nagel gehängt und ein Buch darüber geschrieben. SKEPTIKER-Chefreporter Bernd Harder unterhielt sich mit Natalie Grams über Talkshows, Placebos und giftende Ex-Kollegen.

Inhaltsverzeichnis

Druckausgabe:https://shop.gwup.org/12-skeptiker-einzelhefte

Skeptiker 4/2015 als PDF/ePaper

Die göttliche Aura des Mondes

Bild: Wikimedia Commons/Oliver Stein (CC-BY-SA 3.0)
Bild: Wikimedia Commons/Oliver Stein (CC-BY-SA 3.0)
Unsere Urahnen verehrten die Sonne als göttliche Instanz. Ihnen war schon in grauer Vorzeit bewusst, dass alles Leben vom wärmenden Himmelskörper ausgeht. Auch der Mond wurde in früheren Epochen als nächtliches Pendant zur Sonne und «Nachtwächter» angebetet. Die grosse «Lampe» am Himmel weckte stets mystische Gefühle.

Redaktion|Hugo Stamm-Blog/Tages Anzeiger

Mit der geistigen Entwicklung und den wissenschaftlichen Erkenntnissen wandelte sich die Bedeutung von Sonne und Mond. Die Astronomie gab uns Einblicke in die Zusammenhänge des Universums und entmystifizierte unsere zentralen Himmelskörper, die ihre religiöse Bedeutung verloren.

Doch nun drehen Anthroposophie und Esoterik das Rad der Zeit wieder zurück. Im Sinne der ewigen Wiederkunft des Gleichen von Friedrich Nietzsche holen sie den Mond aus der religiösen Mottenkiste. Dabei profitieren die beiden spirituellen Geistesströmungen vom Überdruss breiter Bevölkerungsteile gegenüber Wissenschaft und Technik.

Viele Anthroposophen und Esoteriker glauben, der Planet übe eine starke Wirkung auf Mensch und Natur aus. So achten die anthroposophischen Bauern bei der Bestellung der Felder und bei der Aussaat auf die Mondphase, um ihre biologisch-dynamischen Demeter-Produkte zu gewinnen. Rudolf Steiner, der Gründer der Anthroposophie, verlangt es so. Bereits 1924 hatte der Esoteriker seine ungewöhnliche, auf spirituellen und homöopathieähnlichen Erkenntnissen beruhende Anbaumethode dogmatisch festgeschrieben.

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Russisches Gericht verliert Glauben an Scientology

foto: reuters/mario anzuoni In den USA ist Scientology ein registrierter Markenname.
Die Moskauer Scientology-Kirche muss dichtmachen. Ein Moskauer Gericht hat ihr den Status als Religionsgemeinschaft aberkannt

Von André Ballin|derStandard.at

Als sich Ober-Scientologe Tom Cruise vor einigen Jahren als Hitler-Attentäter präsentierte, wurde ihm in Moskau noch der rote Teppich ausgerollt. Selbst der staatliche erste Kanal rief ihn ins Nachrichtenstudio. Gegenüber der von Cruise beworbenen Scientology-Kirche zeigten sich russische Justizbeamte weniger entgegenkommend. Das Moskauer Stadtgericht entschied, dass die Organisation die Religionsfreiheit für kommerzielle Zwecke missbrauche.

Die Richter folgten der Argumentation des Justizministeriums, wonach Scientology mithilfe seines in den USA registrierten Markennamens selbst die Religionsfreiheit eingeschränkt habe. Zudem habe die Moskauer Scientology-Kirche ihre Tätigkeit nicht – wie in der Lizenz gefordert – auf die russische Hauptstadt beschränkt. Damit wird ihr der Religionsstatus entzogen, innerhalb von sechs Monaten soll die Organisation liquidiert werden.

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Schamanentum an der LMU München

Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte -HP Screenshot: bb
Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte -HP Screenshot: bb

 

Ringvorlesung Homöopathie an der LMU   Wintersemester Okt. 2015 – Feb. 2016

Homöopathie von der Theorie zur Praxis

mit Praxisbeispielen und Patientenvorstellungen
Ort: Kleiner Hörsaal des Physiologischen Instituts, Pettenkoferstr. 14, 1. OG, links (F1.08)
Zeit: Jeden Donnerstag, 18.00 bis 19.00 Uhr im Anschluss an die Vorlesung von Prof. Dr. Dr. Josef M. Schmidt: Do, 16.15 – 17.45 Uhr: „Geschichte und Theorie der Homöopathie – Hintergründe und Prinzipien“

<weitere Informationen>

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Placebo oder wirksame Medizin?

Natalie Grams führte einst eine Homöopathie-Praxis. Heute ist sie Kritikerin dieser Heilmethode. © stern TV
Natalie Grams war jahrelang überzeugte Homöopathin. Die studierte Medizinerin behandelte auch ihre Patienten mit dieser Methode. Sie recherchierte, um ein Buch über Homöopathie zu schreiben – und kann seitdem nicht mehr an die Wirkung von Globuli glauben. Die Konsequenz: Sie schloss ihre eigene Praxis.

stern TV-Redaktion

“Ich habe aus heutiger Sicht den Patienten gegenüber ein schlechtes Gewissen, dass ich ihnen Placebos verordnet habe”, sagt Dr. Natalie Grams. Die studierte Medizinerin praktizierte jahrelang als Homöopathin, sie war von der Wirksamkeit der Globuli überzeugt. Vor drei Jahren nahm sie sich deshalb ein Buchprojekt vor, das die Vorzüge der Homöopathie erläutern sollte. Natalie Grams wollte damit Kritikern beweisen, wie gut die alternative Medizin wirkt.

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Behörden verbieten umstrittene Bienenluft-Therapie

Foto: dpa Die Heilpraktikerin Janett Conrad aus Jena im Sommer bei einer Bienenluft-Behandlung. Sie traf nun das erste Verbot
Wer unter Asthma oder Bronchitis leidet, soll von der Luft aus Bienenstöcken geheilt werden. Als erstes Bundesland geht Thüringen gegen die Angebote vor: Die Behandlung könne lebensgefährlich sein.

Von Friedhelm Berger|DIE WELT

Die neueste Heilmethode heißt also Bienenluft. Das klingt niedlich und ein bisschen sonderbar. Die Methode soll Menschen kurieren, die an Asthma oder Bronchitis leiden. Sie bekommen eine Maske über Mund und Nase und inhalieren die Luft aus einem Bienenstock.

Die Methode ist “eine Gefahr für Leib und Leben” der Patienten. Das fürchten die Behörden in Thüringen – und haben Behandlungen mit Bienenluft nun verboten. Andere Bundesländer könnten bald folgen. Die Branche der alternativen Heiler ist in Aufruhr und rüstet sich für den Widerstand.

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Xavier Naidoo beim Eurovision Songcontest: Offener Brief an die ARD

Xavier-Naidoo

Eine Plattform die Preise für abstruse, verschwörungstheoretische Aussagen verleiht, wandte sich mit einem offenen Brief an die ARD gegen die Nominierung von Xavier Naidoo für den ESC 2016. Wir dokumentieren den Brief hier.

DER TAGESSPIEGEL

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe ARD, mit Erstaunen haben wir die Entscheidung wahrgenommen, den Sänger Xavier Naidoo direkt für den ESC 2016 aufzustellen. Der ESC ist eine Veranstaltung, die neben der gesanglichen Performance vor allem auch eine nicht zu unterschätzende Symbolwirkung ins Aus- aber auch Inland hat.

Mit Hinblick auf die besondere Bedeutung dieses Wettbewerbs ist die Nominierung von Herrn Xavier Naidoo unter Berücksichtigung seiner öffentlichen Äußerungen äußerst kritisch zu sehen. Herr Naidoo vertritt seit geraumer Zeit verschiedene Verschwörungstheorien, die darin gipfeln, dass die Bundesrepublik Deutschland „gar kein richtiges Land“, ohne Verfassung und die BRD nach wie vor besetzt sei. Er verbreitete diese abstrusen Thesen wiederholt bei verschiedenen Auftritten im Kreis der sogenannten Reichsbürger, denen er auch bereitwillig seine Stimme gab. Im Jahre 2009 veröffentliche Herr Naidoo u.a. einen Song namens „Raus aus dem Reichstag“. In diesem untermauert er u.a. die Verschwörungstheorie, dass die jüdische Großfamilie Rothschild die Welt beherrscht: „Baron Totschild gibt den Ton an, und er scheißt auf euch Gockel“ und spricht von „Todeslisten“, auf den die Obrigkeit ihn setzen könne. Auch 9/11 ist Herrn Naidoo zu Folge eindeutig ein Inside Job der amerikanischen Regierung gewesen.

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Scientology: 10 Fakten zeigen, wie gefährlich die Sekte wirklich ist

Scientology in Los Angeles (Bild: PictorialEvidence, CC-BY-Sa 3.0)
Scientology in Los Angeles (Bild: PictorialEvidence, CC-BY-Sa 3.0)
“Troublemaker: Surviving Hollywood and Scientolgy”: Das Buch, das eben in den USA erschienen ist, zieht international Aufmerksamkeit auf sich. Nicht nur, weil es die Autobiografie von Schauspielerin Leah Remini ist. Sondern weil der Titel offenbar sehr wörtlich zu nehmen ist: Remini, so schreibt sie es, hat ihre Mitgliedschaft in der Organisation Scientology offenbar nur knapp überlebt.

Von Tom Sundermann|The Huffington Post

Die 45-jährige Scientology-Aussteigerin berichtet in ihrem Buch vom “Overboarding”, einer Strafe, die Scientology angeblich anwendet. Remini selbst sei als Jugendliche dafür von einem Mann von einem Boot aus ins offene Meer geworfen worden. Sie habe es wieder ins Boot geschafft, tief gedemütigt.

Auch andere Aussteiger hatten über menschenverachtende Praktiken berichtet. So sollen vermeintlich Abtrünnige massiv unter Druck gesetzt werden. In einem Fall etwa soll ein Mann gestorben sein, weil er sich nicht einer lebensrettenden Behandlung unterziehen durfte.

Das Buch facht die Diskussion über Scientology neu an. Die Organisation selbst bezeichnet sich als Kirche. In Deutschland gilt sie als Sekte und wird vom Verfassungsschutz beobachtet. 4000 Mitglieder hat sie seriösen Schätzungen zufolge hierzulande, weltweit sollen es um die 150.000 sein.

Diese 10 Fakten zeigen, was die Sekte wirklich ausmacht.

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Junge Katholiken missionieren mit Esoterik

Missionieren mit Jenseitskontakten und Esoterik. (Bild: Wikipedia)
Esoterisches und spirituelles Gedankengut ist längst salonfähig geworden und hat sich ins kollektive Bewusstsein eingegraben. Die seichten Medien bespielen das moderne Gesellschaftsritual regelmässig. Die «Glückspost» liefert beispielsweise in jeder Ausgabe zwei Seiten der esoterischen Salbaderei.

Hugo Stamm-Blog|Tages Anzeiger

Zunehmend finden spiritistische und okkulte Rituale den Weg in die Kirchen. So führte die reformierte Pfarrerin Renate von Ballmoos von der Prediger-Kirche in Zürich schamanische Kurse durch, und katholische Bildungsstätten locken das Publikum mit esoterischen Workshops an.

Doch nun überholt der katholische Treff für junge Erwachsene «Jenseits im Viadukt» in Zürich alle Institutionen auf der okkulten Spur: Er bot zu Allerheiligen Jenseitskontakte an. Und niemand in der katholischen Kirche schreit auf. Auch nicht der zuständige Bischof Vitus Huonder, der nichts von der Modernisierung der Kirche hält und sich als Hüter der reinen Lehre starkmacht. Lieber sperrt er Geistliche aus, die es wagen, homosexuelle Paare zu segnen. Dabei werden in der Bibel harte Strafen für jene angedroht, die sich dem Okkulten zuwenden.

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Grünen-Stadtrat will freies WLAN abschaffen… und LTE verbieten

LTE-Modem. Foto: Holger Motzkau 2010, Wikipedia/Wikimedia Commons (cc-by-sa-3.0)

Wolfratshausen war bisher vor allem als Heimatstadt des ehemaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber bekannt. Nun macht die Ortschaft mit einem Grünen-Stadtrat Schlagzeilen, der nicht nur das unlängst eingeführte freie WLAN in der Innenstadt abschaffen, sondern auch den schnellen Mobilfunkstandard LTE verbieten lassen will – und zwar nicht nur in Wolfratshausen, sondern bundesweit.

Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

Dazu hat der promovierte Psychotherapeut Hans Schmidt (den man nicht mit dem Autor ähnlichen Namens verwechseln sollte) eine Petition aufgesetzt, die mit etwa 90 Unterschriften allerdings weit davon entfernt ist, dass man ihren Initiator persönlich vor dem Petitionsausschuss des Bundestages sprechen lässt. Seinen offenen Brief an Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen), in dem er erklärt, bis zur Wiederabschaffung des freien WLAN-Angebots nicht mehr in der Wolfratshauser Innenstadt einzukaufen, haben 47 Personen mitgezeichnet. Davon kommen 36 aus Wolfratshausen selbst. Vier sind aus dem 23 Kilometer entfernten Penzberg, zwei aus der achteinhalb Kilometer entfernten Sudetendeutschensiedlung Geretsried und jeweils einer aus Berg, Farchach, Holzhausen und München (von wo aus man wahrscheinlich eher seltener zum Einkaufen in den 18.000-Einwohner-Ort fährt).

Trotzdem sieht Dr. Schmidt seinen Brief als Anlass dafür, dass “dieser ‘Kollateralschaden’ des öffentlichen WLAN […] allen Verantwortlichen zu denken geben” sollte. Beim Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen (LAW) und beim Werbekreises Einkaufsstadt Wolfratshausen, wo man sich für das freie WLAN einsetzte, um eine Möglichkeit anzubieten, sich schneller und einfacher über Sehenswürdigkeiten und Einkaufsmöglichkeiten zu informieren und den fortschreitenden Leerstand aufzuhalten, hat man zwar keine Zahlen dazu, wie viele Touristen und Einheimischen in der Innenstadt einkaufen – aber man ist sich sicher, dass die 47 Unterzeichner von Schmidts Brief nur ein verschwindend geringer Teil davon sind.

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“Tiere haben meinen Verstand gerettet”

15 Jahre lang hielt ihr eigener Vater sie gefangen. Heute hat Maude Julien, 57, zwei Töchter und lebt mit ihrem Ehemann´in Paris. Seit 1994 arbeitet sie als Psychotherapeutin. © Jo Magrean
Ihr Vater hielt sie jahrelang gefangen und wollte aus Maude Julien ein besonderes Geschöpf formen. Erinnerungen an einen Kampf ums Überleben.

Von Andrea Ritter|stern.de

Maude Julien war drei Jahre alt, als ihr Vater die Türen abschloss und anfing, seinen Plan zu verwirklichen. Isoliert von der Außenwelt, versteckt hinter den Mauern und Gitterzäunen eines abgelegenen Herrenhauses im Norden Frankreichs, sollte seine Tochter zu einem ganz besonderen Geschöpf heranwachsen: zu einer Art Übermensch, abgehärtet und vollständig seiner Kontrolle unterworfen.

Louis Didier, so der Name des Mannes, war Anhänger der Freimaurer und praktizierte okkulte Riten. Schon früh hatte er im Sinn gehabt, sich fortzupflanzen, um ein “höheres Wesen” zu erschaffen. Dazu hatte er ein kleines Mädchen aus armen Verhältnissen bei sich aufgenommen, das er zur Lehrerin ausbilden ließ – und schwängerte. Nach mehr als 15 Jahren Gefangenschaft konnte die gemeinsame Tochter, Maude, das Haus verlassen; kurz darauf starb der Vater. Maude Julien ist heute eine renommierte Therapeutin für Traumapatienten und Opfer von Sektengewalt.

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