Deutscher Ärztekongress für Homöopathie unter politischer Schirmherrschaft

Manuela Schwesig (2016), Bild: wikipedia.org/Ralf Roletschek –GFDL 1.2/Bild von ElliRakete auf Pixabay bearb.: bb
Ende Mai fand der „Deutschen Ärztekongress für Homöopathie“ in Strahlsund unter der Schirmherrschaft der Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns, Frau Manuela Schwesig, statt. Homöopathika und homöopathische Leistungen sind ein Dauerbrenner auf den (alternativ-) medizinischen Märkten und zugleich in der Alltagswelt vieler Deutscher angekommen.

Dr. Jeannine Kunert | EZW

Ihre Verwendung erscheint den meisten Bürgern und Bürgerinnen längst nicht mehr als skurril – immerhin hatten im Jahr 2014 bereits 60 Prozent der Bevölkerung schon einmal Homöopathika, die allgemeinhin als nebenwirkungsarm gelten, verwendet (Steffen de Sombre: Homöopathische Arzneimittel 2014. Bekanntheit, Verwendung und Image. Institut für Demoskopie, 2014). Dennoch schlug die Übernahme der Schirmherrschaft der Ministerpräsidentin mediale Wellen und rief die Gegner homöopathischer Therapieverfahren auf den Plan.

Die Tagung, die vom 29. Mai bis 1. Juni 2019 stattfand, stand unter dem Motto „Homöopathie und das Meer – Vom Ursprung des Lebens“ (vgl. https://2019.homoeopathie-kongress.de/). Das aus dem Meer kommende Leben und „gynäkologische Themen rund um Schwangerschaft und Geburt“ wurden als Rahmen und Schwerpunkt gesetzt. Die maritime Assoziation war der Ministerpräsidentin des „Küstenlandes“, neben der Feststellung, dass sich die Homöopathie zunehmender Akzeptanz erfreue, Grund genug, das Amt der Schirmherrschaft zu übernehmen. Dass sie sich damit im Kampf der Deutungshoheit um Krankheit und Heilung eindeutig positionierte, wurde journalistisch (vgl. Süddeutsche Zeitung vom 09.05.2019 oder Stern vom 10.05.2019), von Ärzten und Ärztinnen sowie seitens der Homöopathiegegner beanstandet. Diese bemängeln u. a., dass Frau Schwesig trotz der in zahlreichen wissenschaftlichen Studien nicht belegten Wirksamkeit der Mittel, die Erforschung ihrer Wirksamkeit weiterhin befürworte und damit die Faktizität der Studien anzweifle. In diesem Zusammenhang stehen auch Krankenkassen in der Kritik, die homöopathische Leistungen in ihr Leistungsportfolio übernommen haben und damit gemeinhin verbindliche medizinische Standards zugunsten der Wettbewerbsfähigkeit aushebeln. Das deutsche Arzneimittelgesetz (AMG, §38-39) verlangt derzeit für Homöopathika allein eine Registrierung, jedoch keine Zulassung, womit diese einer Sonderregelung gegenüber anderen Arzneimitteln unterlegen sind, da hier die Wirksamkeit nicht belegt werden muss. Auch ist die Meldung von Nebenwirkung der Homöopathika durch Ärzte und Ärztinnen durch diese Sonderregelung ausgenommen. Gegen die Ärztin, ehemalige Homöopathin und Mitbegründerin des Informationsnetzwerkes Homöopathie Nathalie Grams hat nun ein Hersteller homöopathischer Präparate Unterlassungsforderung gestellt, weil sie prominent die These vertritt, dass Homöopathika nicht über einen Placebo-Effekt hinausreichen. Damit setzt sich die Frage um Deutungshoheit und wissenschaftliche Faktizität auch auf dieser Ebene fort.

Flatearther: Wie das Internet die Renaissance der Erdscheibe brachte

foto: flat earth societa, nasa – montage: standard Das populärste Modell der flachen Erde (hier perspektivisch geneigt) geht davon aus, dass Landmasse und Ozeane von einem riesigen Eiswall umringt sind.
Eine fast ausgestorbene Bewegung reüssiert dank sozialer Netzwerke – zwei Prozent der US-Amerikaner sollen an die Theorie glauben

Georg Pichler | derStandard.at

Die Menschheit hat den Mond betreten, Roboter auf den Mars geschickt und zwei Sonden aus dem Sonnensystem geschossen. Erstmals belegten Fotos schon vor 84 Jahren bildlich etwas, was für die Wissenschaft schon seit vielen Jahrhunderten als erwiesen gilt: Wir leben auf einer Erdkugel. Genauer genommen: Auf einem Ellipsoiden mit sehr unregelmäßiger Oberflächenausprägung.

1935 stieg der Ballon „Explorer 2“ auf rund 22 Kilometer Höhe in die Stratosphere auf. Dort entstandene Fotos zeigen bereits deutlich die Erdkrümmung. 1947 schoss die Nasa (damals noch Naca) eine von der deutschen Wehrmacht erbeutete und umgebaute V2-Rakete gar über 160 Kilometer hoch und lieferte einen noch deutlicheren Fotobeleg dafür, dass auch die letzten verbliebenen Anhänger der „flachen Erde“ falsch lagen.

Überzeugt werden konnten manche davon dennoch nicht. Doch in den folgenden Jahrzehnten versank die Bewegung, die sich zehn Jahre später, 1957, formell als Flat Earth Society gegründet hatte, in der Versenkung. Doch durch das Internet – und insbesondere soziale Netzwerk – gewinnen die „Flatearther“ wieder deutlichen Zulauf.

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Wenn der Stadionbesuch und das Yogatraining heilig werden

Yoga statt Gottesdienst? Gerade junge Menschen leben Alternativen zur Kirche Quelle: dpa
Zum Evangelischen Kirchentag werden viele Christen nach Dortmund pilgern. Doch welche Rolle spielt der Glaube überhaupt noch in Deutschland? Experten haben keine guten Nachrichten für die beiden großen Kirchen.

DIE WELT

Im Sprachalltag scheint er noch einen festen Platz zu haben: „Um Gottes Willen“ oder „Gott sei Dank“ heißt es oft. Aber tatsächlich haben Glauben und Religion in der Bevölkerung keinen leichten Stand. Der katholischen und evangelischen Kirche kehren Jahr für Jahr Mitglieder zu Zehntausenden den Rücken. Einer Prognose zufolge wird von aktuell 44,8 Millionen (2017) Katholiken und Protestanten im Jahr 2060 gerade mal die Hälfte übrig bleiben. Reformstau und Missbrauchsskandale schaden massiv. Und Frömmigkeit ist schon lange keine Pflicht mehr. Den Osten Deutschlands sehen Experten gar als europäische Atheisten-Hochburg.

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Gender-Dokument: Dogmatikerin wirft Vatikan Unkenntnis vor

Bild: © Privat
Die Dogmatikerin Margit Eckhold ist Spezialistin für Geschlechterfragen. Den Autoren eines umstrittenen Vatikan-Dokuments zum Thema Gender wirft sie nun mangelnde Sachkenntnis vor: Unzutreffende Vorwürfe seien als „Papiertiger“ inszeniert worden.

katholisch.de

Die Osnabrücker Dogmatikerin Margit Eckholt hat dem Vatikan Unkenntnis beim Thema Gender vorgeworfen. Die Autoren eines jüngst veröffentlichten Dokuments seien nicht auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand, sagte die Theologin dem Nachrichtenportal „Vatican News“ am Dienstag. Das Schreiben werfe der Gender-Theorie vor, dass bei ihr biologisches und kulturell-soziales Geschlecht auseinanderfielen. Beim Thema gehe es jedoch um eine größere Freiheit von der Fixierung auf biologische Voraussetzungen, so Eckholt, die verstärkt zum christlichen Menschenbild und Geschlechterfragen forscht.

Am Montag hatte die vatikanische Bildungskongregation ein Dokument mit dem Titel „Als Mann und Frau schuf er sie. Für einen Weg des Dialogs zur Genderfrage in der Bildung“ veröffentlicht, indem sie die Gender-Theorie kritisiert.

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Verbot von Pseudotherapien: „Homosexualität ist keine Krankheit“

Bild: tagesschau.de
Gesundheitsminister Spahn will bis Jahresende ein Gesetz auf den Weg bringen, um sogenannte „Konversionstherapien“ für Homosexuelle zu verbieten. Zwei neue wissenschaftliche Gutachten stützen die Pläne.

tagesschau.de

Im Kampf gegen Homophobie will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Pseudotherapien für Schwule und Lesben verbieten lassen. Er strebe an, noch in diesem Jahr einen entsprechenden Gesetzentwurf auf den Weg zu bringen. „Homosexualität ist keine Krankheit und damit nicht behandlungsbedürftig“, sagte der Minister in Berlin.

Er stellte auch zwei neue wissenschaftliche Gutachten vor, die seine Pläne stützen. Sie zeigten, dass es medizinisch geboten und verfassungsrechtlich möglich sei, solche Angebote zu verbieten. Die Gutachten gehen zurück auf eine Expertenkommission, die er im April einberufen hatte. Dieser gehören unter anderem Experten für Recht, Gesundheit und Sexualforschung an.

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Bigfoot’s FBI File Reveals Strange Story of a Monster Hunter and 15 Mysterious Hairs

„Bigfoot“ has an FBI file. Credit: RichVintage via Getty Images
The U.S. government released Bigfoot’s FBI file yesterday (June 5). It contains a few news clippings, and some formal letters to and from a monster hunter in the 1970s — leading to an examination of 15 hairs and some skin the hunter believed came from „a Bigfoot.“

By Rafi Letzter | LIVEScience

It appears that Peter Byrne, that monster hunter, first wrote to the FBI on Aug. 26, 1976. His note, printed on fancy letterhead reading „The Bigfoot Information Center and Exhibition,“ suggested that the FBI was in possession of flesh and hair belonging to a mysterious creature, possibly belonging to a „Bigfoot.“

„Gentlemen,“ Byrne wrote, „Will you kindly, to set the record straight, once and for all, inform us if the FBI, has examined hair which might be that of a Bigfoot; when this took place, if it did take place; what the results of the analysis were.“ [Titanosaur Photos: Meet the Largest Dinosaur on Record]

He didn’t indicate why he suspected that the FBI might have done such an analysis, only that, „from time to time we have been informed that hair, supposedly of a Bigfoot… has been examined by the FBI., and with the conclusion, as a report of the examination, that it was not possible to compare the hair with that of any known creature on this continent.“

Byrne appears to have been concerned that the agency wouldn’t take The Bigfoot Information Center seriously.

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Jesus tritt ab, die Unvernunft bleibt

Spirituelle Sinnstiftung ist weiterhin gefragt. Auch in irritierenden Formen. (Bild: Shannon Stapleton / Reuters)
Die Menschen kehren den Kirchen den Rücken. Doch wer darin den Triumph der Rationalität sieht, täuscht sich. Die Menschen suchen den Sinn anderswo – auch bei Scharlatanen.

Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

Christina von Dreien füllt die Säle. Fast 200 Franken bezahlen ihre Anhänger, um den neuen Star der Esoterikszene zu sehen. Eine zerbrechlich wirkende 18-Jährige aus dem Toggenburg, die von ihrer überehrgeizigen Mutter angetrieben wird. Von Dreien, die eigentlich Meier heisst, behauptet, sie stehe in Kontakt mit ihrer als Baby verstorbenen Zwillingsschwester, aber auch mit anderen Toten. Sie verspricht eine Zukunft, in der sich die Menschen selbst heilen können. Aus ihrer Sicht sind die Regierungen dieser Welt Marionetten finsterer ausserirdischer Mächte. Und die Dinosaurier sind nicht ausgestorben, sondern leben in unterirdischen Höhlensystemen. Gegenwärtig warnt der Teenager mit dem blassen Gesicht: Die 5G-Strahlung werde Bäume zum Absterben bringen. Und die Fans glauben es.

Die meisten Seminare, die von Dreien abhält, sind ausverkauft, in der Schweiz, aber auch in Deutschland. Von einem solchen Andrang können viele Pfarrer nur träumen. Ihre Kirchenbänke sind immer leerer, die Zahl der Austritte bei Reformierten und Katholiken steigt und steigt. Für manche ist das eine gute Nachricht. Religionskritiker nehmen die Krise der Kirchen als Beleg dafür, dass endlich die Vernunft über den (Aber-)Glauben siegt. Doch in dieser Interpretation der Säkularisierung täuschen sie sich grundlegend.

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Doku über Nazi-Wissenschaftler: Der akademische Sündenfall

Sichtlich stolz darauf: Seine SS-Offizierskappe diente dem Archäologen Gustav Riek als beliebtes Fotomotiv. Bild: Arte
Wenn Forscher zu Mördern werden: Der Arte-Dokumentarfilm „Blut und Boden. Nazi-Wissenschaft“ zeigt, wie die Rassenideologie der Nazis mit Scheinwissenschaft untermauert wurde.

Von Oliver Jungen | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Vor zehn Jahren starb in Königstein im Taunus der Anthropologe Bruno Beger. Der Pseudowissenschaftler, der als Menschenvermesser in den Jahren 1938/39 an der Tibet-Expedition der SS-Forschungsinstitution „Ahnenerbe“ teilgenommen hatte und von den frühen vierziger Jahren an im Zuge seiner abstrusen Habilitations-Grundthese – nordische Arier sollen in grauer Vorzeit nach Innerasien gewandert und dort zum Genpool für die spätere Elite geworden sein – in perverse Massenmorde im Namen der Forschung verwickelt war, wurde biblische achtundneunzig Jahre alt.

Zwei Gerichtsprozesse hatte Beger mehr als glimpflich überstanden. Im Jahr 1960 kam er in Frankfurt am Main in Untersuchungshaft, doch seine Mitwisserschaft an der Ermordung von 86 Menschen, die er und sein Kollege Hans Fleischhacker im Jahre 1943 persönlich im Konzentrationslager Auschwitz ausgewählt hatten, konnte nicht nachgewiesen werden. Der Nazijäger Fritz Bauer, der davon überzeugt war, Beger habe immer gewusst, dass die Selektierten – vor allem europäische Juden, kaum Asiaten – getötet werden und ihre Skelette als wissenschaftliche Anschauungsobjekte dienen sollten, ließ 1970 eine neue Anklageschrift ausarbeiten, die freilich auch nur zu einer Verurteilung von drei Jahren Freiheitsstrafe wegen Beihilfe zum gemeinschaftlich begangenen Mord führte. Die Strafe galt aufgrund der Internierungshaft Begers nach 1945 als abgegolten.

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Gender-Forschung: Wie schwanger können Männer werden?

Wem gehört denn nun der Bauch? Die Gleichstellung und moderne Rollenverteilung der Geschlechter wird vor allem in der Zeit der Schwangerschaft auf eine harte Probe gestellt. Bild: dpa
Die Debatte um Gleichberechtigung der Geschlechter und deren Diskriminierung ist so lebendig wie vielleicht noch nie. Ein Gender-Forscher identifiziert jedoch die Schwangerschaft als ein Hindernis auf dem Weg zur totalen Gleichheit.

Von Gerald Wagner | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Gute Soziologie beginnt mit Erstaunen. Etwa darüber, dass sich die Arbeitsteilung in Paarbeziehungen nach der Geburt des ersten Kindes wieder retraditionalisiert: Mütter- und Vaterrollen werden sehr geschlechtstypisch ausgeformt. Frauen übernehmen die Kinderbetreuung, die Männer gehen arbeiten. Wenn man weiß, dass die Versorgerehe als Lebensform staatlicherseits gefördert und von den ökonomischen Verhältnissen belohnt wird, wirkt das allerdings gar nicht so erstaunlich.

Für den Gender-Forscher Stefan Hirschauer kratzen solche Erklärungsmuster bestenfalls an der Oberfläche des Phänomens. Ihm geht es um nicht weniger als um die Delegitimierung der biologischen Naturalisierung der Geschlechterdifferenz sogar während der Schwangerschaft und der unmittelbaren Zeit nach der Geburt. Selbst ansonsten längst emanzipierte Paare fallen in dieser Zeit zurück in eine mit körperlichen Unterschieden begründete Differenzierung von Elternrollen, die Hirschauer als eine „Vermutterung der Elternschaft“ anprangert. Warum, fragt Hirschauer, nehmen sich Paare gerade in dieser Zeit so stark als Mann und Frau wahr?

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Warum Esoterik in der Medizin nicht klappt

Pendel. Bild Bild von Manfred Antranias Zimmer auf Pixabay
An der Med-Uni Wien wurde der Einfluss von nicht wissenschaftlichen fundierten Heilmethoden in der medizinischen Praxis diskutiert

Karin Pollack | derStandard.de

Es ist ein Dilemma mit Menschen, die krank sind. Wenn sie sich von Medizinern mit einer klassischen, naturwissenschaftlichen Ausbildung nicht gut betreut fühlen, suchen viele Hilfe bei jenen, die außerhalb des streng naturwissenschaftlichen Rahmens agieren. An der Medizinischen Universität Wien hat man diese Gefahr erkannt.

Der Alumni-Club lud zur Veranstaltung „Esoterik in der Medizin“ ins Hörsaalzentrum, den Abschluss machte eine Podiumsdiskussion unter dem Titel: „Warum ist Esoterik beliebt und ein erfolgreiches Geschäftsmodell?“ Rund 200 Studierende, Professoren und interessierte Laien hatten sich eingefunden.

Homöopathie weg

An der Medizinischen Universität fand bis Herbst letzten Jahres eine Lehrveranstaltung zur Homöopathie statt. Das Rektorat entschloss sich, diese wissenschaftlich nicht zu belegende Lehre nicht mehr auf dem Lehrplan zu belassen und distanzierte sich als Institution. Die Veranstaltung war sozusagen auch ein Zeichen dafür, sich auf eine andere Weise mit dem Thema auseinandersetzen zu wollen.

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Esoterik: Wer’s glaubt

Bild von Couleur auf Pixabay
Mainstream-Esoterik, Astrologie und Tarot-Karten – viele belächeln sie, trotzdem sind diese Themen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Besonders empfänglich dafür seien Millenials, sagt ein Soziologe.

Deutschlandfunk Nova

Seit zehn Jahren beschäftigt sich Gwen intensiv mit Astrologie. Sie beobachtet, dass dieses Thema von vielen in der Gesellschaft belächelt wird, obwohl sich ihrer Meinung nach die wenigsten wirklich mit Astrologie auseinandergesetzt hätten.

Markus hatte nie wirklich vor, sich Tarot-Karten legen zu lassen. Bei einem Date kommt es dann aber spontan dazu. Die Ergebnisse machen ihn stutzig, er sieht heute einige Dinge anders als zuvor.

Millenials besonders aufgeschlossen für Esoterik

Der Soziologe Helmut Knoblauch ist der Meinung, dass die Esoterik ganz allgemein mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Im Ab 21 – Podcast erklärt er, warum er glaubt, dass besonders die Millennials dafür aufgeschlossen sind.

Podcast zur Sendung

Unter Klimawandel-Leugnern: Wo sich ihre Argumente verbreiten und sie Unterstützer finden

Der bekannteste Leugner des menschengemachten Klimawandels ist wahrscheinlich US-Präsident Donald Trump. Wenn es Kältewellen in den USA gibt, wundert er sich, was denn mit der globalen Erwärmung geschehen sei. Kürzlich erst ernannte er einen erklärten Skeptiker als Leiter einer Konferenz zum Klimawandel.

Fabian Schmidt | bento

In der deutschen Politik herrscht dagegen weitgehender Konsens darüber, dass sich die Erde wegen menschengemachter Einflüsse erwärmt – hauptsächlich bei der Frage, wie man darauf reagieren sollte, wird sich gestritten. Von den im Bundestag vertretenen Parteien leugnen nur große Teile der AfD den menschengemachten Klimawandel – und setzen im Europawahlkampf gezielt darauf. (SPIEGEL ONLINE)Doch auch in Deutschland verbreiten sich die Theorien und Thesen der Klimawandel-Leugner – hauptsächlich im Internet. In Blogs veröffentlichen Skeptiker und Hobby-Wissenschaftler ihre Gedanken – und auf Facebook werden ihre Beiträge geteilt und Diskussionen angestoßen.

Unter Klimawandel-Leugnern

Ich will wissen, wie die Szene agiert, welche Argumente sie nutzt – und wie sich ihre Thesen verbreiten. Ich erstelle ein neues Facebook-Profil, trete in die Gruppen der Klimawandelleugner ein und like Seiten, in denen an der Erderwärmung gezweifelt wird.

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Die Kirchen leeren sich, das religiöse Bedürfnis bleibt – die Sekten freut’s

Die «heilige Mutter» und Umarmerin Amma bei einem Auftritt in Winterthur. Bild: KEYSTONE
Esoteriker, Geistheiler und Schamanen sind die neuen Priester, Konsumtempel die Ersatzkirchen.

Hugo Stamm | Watson.ch

Es ist unbestritten, dass das Religiöse immer mehr aus dem öffentlichen Raum verschwindet. Keine zehn Prozent der Schweizer besuchen regelmässig einen Gottesdienst. Nicht einmal mehr die Hälfte glaubt an einen personalen Gott. Und die Quote der Kirchenaustritte bleibt konstant hoch.

Bedeutet dies, dass der Glaube an ein höheres Wesen, an ein Leben nach dem Tod, an spirituelle Phänomene ein Auslaufmodell ist? Sind die meisten Menschen in religiösen Fragen nüchterner und rationaler geworden? Also areligiös? Erleben wir eine radikale Säkularisierung?

Nein, das wäre ein Trugschluss. Das Bedürfnis nach religiösen oder pseudoreligiösen Ritualen und der Glaube an Magie und Wunder nehmen kaum ab. Die religiösen Institutionen verlieren zwar an Bedeutung, ihr geistiger Kern lebt aber in den meisten Leuten weiter.

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Esoterik-Kongress „Welt im Wandel“: Wunder zu verkaufen, nur 195 Euro

Pendel. Bild von Manfred Antranias Zimmer auf Pixabay
Steinchen gegen schädliche Strahlung, Armreifen zur Harmonisierung der Energiefelder: Eindrücke von einem Kongress in Würzburg.

Kevin Culina | taz.de

Ein Mann steht auf der Bühne, stumm. Er blickt in den Saal, mehr als 1.300 Menschen stehen vor ihm. Minutenlang lässt der Mann seinen Blick durch die Menge schweifen. Das lockere weiße Hemd bewegt sich nicht, blond-graue Haare umrahmen sein Gesicht. Im Scheinwerferlicht verharrt er. Dann verlässt er, immer noch wortlos, die Bühne. Manche im Publikum weinen, einige liegen sich ergriffen in den Armen. Stille im Saal.

Der Auftritt des selbsternannten Wunderheilers Braco aus Kroatien und sein „gebender Blick“ waren der Höhepunkt des ersten Tags des „Welt im Wandel“-Kongresses. Braco tourt seit 1995 durch Europa und selbst bis nach Hollywood. Im bayerischen Würzburg tagten Mitte April mehr als 1.300 Interessierte im städtischen Congress Centrum. Im Angebot: Esoterische Produkte, Seminare mit vermeintlichen Wunderheiler*innen und Vorträge selbsternannter Alternativmediziner*innen.

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Die Esoterik-Szene bommt: Ein Fläschchen Energie auf Ratenzahlung

Bild: adobe.stock. Engelarbeit
Geistheilung, Symbolschmuck, Jenseitskontakte: Die Esoterik boomt. Und erscheint als logischer Ersatz für Religion in Zeiten von Selbstoptimierung.

Von Sina Wilke | shz.de

Zur Erleuchtung fehlen ein Tropfen Blut und 2000 Euro. So viel kostet ein Fläschchen mit Energie, das zusammen mit dem Blutstropfen Rezeptoren im Körper reinigen und alsbald einen „Dialog mit der Schöpfung“ beginnen soll.

So erklärt es der Verkäufer der erstaunlichen Flüssigkeit. Er hat einen Stand auf der Lebensfreude-Messe in Hamburg, auf der Esoterisches angeboten wird: Da gibt es nicht nur Globuli und Klangschalen, sondern auch Chakren-Harmonisierung und Pendeln, Hellsehen und Heilen durch Handauflegen, Jenseitskontakte, Energiemedizin und Seelenreinigung. Klingt kurios? Ist aber für viele ganz normal.

Die Esoterik boomt

Wer bei Amazon nach Büchern mit dem entsprechenden Schlagwort sucht, bekommt Zehntausende Artikel vorgeschlagen. Bei den Sachbüchern machten 2017 die Themen Esoterik, Spiritualität und Psychologie 9,5 Prozent der Verkäufe aus – noch vor Werken über Musik, Film und Theater, Kunst und Literatur oder Religion.

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Sexismus in der Esoterik: Der kollektive Schmerzkörper

Wenn frau will, ist die Periode eine Party, ein mehrtägiger Orgasmus! Achja? Foto: dpa
In der Esoterik finden Frauen Rat zu schöpferischer Kraft, Menstruationspartys und anderen Traumvorstellungen. Sexismus ist dabei stark verbreitet.

Aylin Braunewell | taz.de

„Sie [die Frau] sammelt und vermehrt ihre weibliche Energie am besten in ihrem Zuhause. Hier sollte das Verhältnis 80 Prozent Familie und Zuhause und 20 Prozent im Außen, zum Beispiel Arbeit, sein.“ Als ich das zum ersten Mal las, dachte ich mir: Die Autorin hat wohl ein bisschen zu viel Lichtnahrung genascht. „Lebe deine weibliche Kraft“ heißt ihr Ratgeber, dem dieses Zitat entstammt. Ein Titel, der wohl empowernd wirken soll. Doch schon der Untertitel lässt vermuten, dass hier nach Empowerment im feministischen Sinne lange gesucht werden kann: „Das große Praxisbuch für Schönheit, Heilung und Sinnlichkeit“.

Die Autorin Ludmilla Weidner (Seelenname: Lumira) bezeichnet sich selbst als Schamanin und hellsichtig. Vor Kurzem las ich einige ihrer Texte und habe es bis heute nicht verkraftet. Geschockt von so viel mehr schlecht als recht getarntem Sexismus machte ich mich auf die masochistische Suche nach mehr und wurde im alles verschlingenden Paralleluniversum der Esoterik fündig. Mal mehr und mal weniger subtil wird dort immer wieder das Bild der Frau als Heilerin gezeigt, als diejenige, die durch ihre viel gelobte weibliche Intuition Probleme sieht, bevor sie entstehen, und so harmonisch handelt, dass das Fass gar nicht erst überläuft.

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Anastasia-Bewegung in Brandenburg: Rechte Siedler hinter Hippie-Fassade

Siedlergruppe in Grabow zum Frühlingsfest 2019. Bild: Lisa Wandt/RBB24
Die Anhänger der Anastasia-Bewegung gründen Siedlungen und verbreiten rassistische und antisemitische Ideologie – auch in Brandenburg, wie eine Recherche des ARD-Politikmagazins Kontraste zeigt.

Von Silvio Duwe, Lisa Wandt | RBB24

Sie sehen aus wie Hippies und Öko-Aussteiger und lassen sich in ländlichen Regionen nieder. Manche von ihnen laufen das ganze Jahr barfuß, denn sie wollen den Kontakt zu Mutter Erde nicht verlieren. Doch was nach harmloser Esoterik klingt, ist auf den zweiten Blick eine rechte Siedler-Bewegung, die sich in Deutschland ausbreitet. Bundesweit gibt es nach  Recherchen des ARD-Politikmagazin Kontraste 17 so genannte Familienlandsitze, vier davon liegen in Brandenburg. Hier ist die so genannte Anastasia-Bewegung besonders aktiv.

Leichtes Spiel in strukturschwacher Region

In Grabow bei Blumenthal (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) etwa versucht das Ehepaar Krause gleich ein ganzes Dorf zum „Goldenen Grabow“ zu machen. Und sie haben leichtes Spiel, denn die Einwohnerzahl in der strukturschwachen Region geht seit Jahren zurück. In Grabow sind noch 240 Einwohner übrig geblieben, vormals waren es mehr als doppelt so viele. Die Krauses haben hier einige Grundstücke aufgekauft.

Ortsvorsteher Werner Goldmann ist glücklich über den Zuzug. Es seien leerstehende Häuser aufgekauft worden, die jetzt bewohnt würden, sagt er. Es seien junge Leute nach Grabow gekommen. Besonders freut sich Goldmann über die Unterstützung durch die Anastasia-Anhänger bei Dorffesten.

Deren Ziel in Grabow ist eine Selbstversorgersiedlung mit einer eigenen Schule, so steht es auf der Webseite, und so haben die Anastasia-Anhänger das auch dem Ortsvorsteher gesagt. In der Schule sollen die Kinder in der Gedankenwelt der Gemeinschaft großgezogen werden.

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Sekten-Info warnt vor „Lebenshilfegurus“ und dem „spirituellen Supermarkt“

Die Sektenberatungsstelle Essen erhält zunehmend Hilfeanfragen zu Lebenshilfe- und Coaching-Angeboten – oft aus dem Bereich Esoterik Quelle: picture alliance / imageBROKER
Mehr Erfolg, mehr Glück, ein besseres Leben: Manche Seminare versprechen viel, kosten noch mehr und bringen am Ende Verdruss. Die Sekten-Beratungsstelle NRW warnt jetzt vor unseriösen Angeboten.

DIE WELT

Die Sektenberatungsstelle NRW hat vor unseriösen Coaching-Angeboten gewarnt. „Viele sind nicht wissenschaftlich fundiert“, sagt die Geschäftsführerin des Vereins Sekten-Info NRW, Sabine Riede. Von den insgesamt 930 Anfragen und Beratungsfällen im Jahr 2018 sei es allein in 39 Fällen um Coaching-Angebote gegangen. Die Beratungsstelle riet zu einer kritischen Sicht auf das jeweilige Seminarangebot und dessen Anbieter. So sollten im Anmeldeprospekt die Ziele des Seminars, die angewandten Methoden und die Ausbildung des Seminarleiters benannt sein.

Bei strengen Verhaltensregeln für die Kurse sollten die Teilnehmer darauf achten, dass keine persönlichen Rechte beschnitten werden – etwa bei der Frage, was man essen darf. Hellhörig sollten Seminarteilnehmer auch werden, wenn etwa Uhren abgegeben werden sollen, ein Schweigegebot verhängt werde oder der Seminarleiter behaupte, den einzig richtigen Weg zu einer Problemlösung zu kennen. „Grundsätzlich gilt: Vertrauen Sie Ihrem Gefühl“, hieß es weiter.

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“Four Blood Moons” Film, John Hagee’s Intellectual Train Wreck

Image credit: cross examined
John Hagee likes to get overwrought about astrology, which is odd given that he’s a Christian pastor.

By Bob Seidensticker | Cross Examined

Background: Hagee’s thesis

The Bible speaks of a blood moon: “The sun will be turned to darkness and the moon to blood before the coming of the great and dreadful day of the Lord” (Joel 2:30–31). Hagee proposed a fun new way to look at that. The Jewish spring festival of Passover and fall festival of Sukkot always begin on a full moon. Lunar eclipses only happen during full moons, and with an average of two per year, an eclipse at the beginning of these festivals (somewhere in the world, anyway) is common.

Hagee’s innovation was to (1) call a lunar eclipse (which often makes the moon reddish) a “blood moon,” (2) assign significance to these events happening on the Jewish festivals, and to (3) declare that four in a row (not three or five or some other number) is God telling us something. With the launch of his 2013 book, Hagee said, “The coming four blood moons points to a world-shaking event that will happen between April 2014 and October 2015.”

Remember that period? Who hasn’t said, “Where were you during the period April 2014 through October 2015 when that really dramatic thing happened?” We’re lucky to be here talking about it!

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SWR, das „SuperWaldorfRadio“?

Das zweite Goetheanum in Dornach (1928 bis heute), Südansicht Foto: „Wladyslaw“, Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Der „Deutschlandfunk Kultur“ ist nicht der einzige öffentlich-rechtliche Sender, der für die Waldorfschule wirbt, beeindruckend auch der SWR mit dem Beitrag: „100 Jahre Waldorfschule: Steiners Erben im Aufbruch„, in dem der „Waldorf-Werber“ Jost Schieren einen großen Auftritt hat.

Andreas Lichte | hpd.de

Kein Wort vom SWR dazu, dass die „Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft“, an der Professor Jost Schieren „Waldorfpädagogik“ lehrt und Dekan ist, eine antrophosophische Einrichtung ist.

Zitat SWR: „Moderne Hirnforschung bestätigt Steiner.“

„Viele Waldorfpädagogen empfinden es als ermutigend, dass die moderne Hirnforschung mit ihren neuesten Erkenntnissen das Waldorf-Konzept bestätige, sagt Professor Jost Schieren, Schulpädagoge an der Alanus Hochschule in Alftern bei Bonn. Die gleichberechtigte Förderung von intellektuell-kognitiven, künstlerisch-kreativen und handwerklich-praktischen Fähigkeiten etwa werde heute von Neurologen als moderne und effiziente Wissensvermittlung definiert“, so Schieren.

Die Waldorfpädagogik habe die Bedeutung des Körperlichen erkannt, noch bevor über die Hirnforschung nun sogenannte Embodiment-Aspekte an die konventionellen Erziehungswissenschaften herangetragen würden: „Wir haben eine Bildung, die lange Jahre, Jahrzehnte immer nur den Kopf adressiert hat. Steiner selbst hat mal formuliert: Der Leib ist nicht nur dafür da, den Kopf in die Schule zu tragen.“ Dementsprechend habe die Waldorfpädagogik das Leibliche von Anfang an ernst genommen, sagt Schieren.

Hat Rudolf Steiner das wirklich „selbst formuliert“, wie Jost Schieren behauptet: „Der Leib ist nicht nur dafür da, den Kopf in die Schule zu tragen“? Oder hat sich Schieren da einmal mehr einen Waldorf-Werbespruch gebastelt? Sicher ist, dass Steiner über den „Kopf“ sagt: „Er sitzt auf dem Körper wie ein Parasit darauf und benimmt sich auch wie ein Parasit.“ Heißt: der Kopf ist gar nicht so wichtig, wie die „materialistische“ Wissenschaft behauptet …

Wer jetzt wegrennt, hat etwas für sein Denkvermögen getan. Zitat Steiner: „Das Schließen, das Schlüsse bilden, hängt nun zusammen mit den Beinen und Füßen. Natürlich werden Sie heute ausgelacht, wenn Sie einem Psychologen sagen, man schließt mit den Beinen, mit den Füßen, aber das letztere ist doch die Wahrheit, und würden wir als Mensch nicht auf Beine und Füße hin organisiert sein, würden wir eben nicht Schlüsse bilden können. Die Sache ist so: Vorstellen tun wir mit dem Ätherleib, und der hat seinen Rückhalt an der Hauptesorganisation, aber urteilen tun wir – also in ursprünglicher elementarer Weise – mit dem astralischen Leib, und der hat seinen Rückhalt an Armen und Händen für das Urteilen. Schließen mit den Beinen und Füßen, denn schließen tun wir mit dem Ich, das hat dabei Rückhalt an den Beinen und Füßen.“

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