Die Esoterik-Szene bommt: Ein Fläschchen Energie auf Ratenzahlung

Bild: adobe.stock. Engelarbeit
Geistheilung, Symbolschmuck, Jenseitskontakte: Die Esoterik boomt. Und erscheint als logischer Ersatz für Religion in Zeiten von Selbstoptimierung.

Von Sina Wilke | shz.de

Zur Erleuchtung fehlen ein Tropfen Blut und 2000 Euro. So viel kostet ein Fläschchen mit Energie, das zusammen mit dem Blutstropfen Rezeptoren im Körper reinigen und alsbald einen „Dialog mit der Schöpfung“ beginnen soll.

So erklärt es der Verkäufer der erstaunlichen Flüssigkeit. Er hat einen Stand auf der Lebensfreude-Messe in Hamburg, auf der Esoterisches angeboten wird: Da gibt es nicht nur Globuli und Klangschalen, sondern auch Chakren-Harmonisierung und Pendeln, Hellsehen und Heilen durch Handauflegen, Jenseitskontakte, Energiemedizin und Seelenreinigung. Klingt kurios? Ist aber für viele ganz normal.

Die Esoterik boomt

Wer bei Amazon nach Büchern mit dem entsprechenden Schlagwort sucht, bekommt Zehntausende Artikel vorgeschlagen. Bei den Sachbüchern machten 2017 die Themen Esoterik, Spiritualität und Psychologie 9,5 Prozent der Verkäufe aus – noch vor Werken über Musik, Film und Theater, Kunst und Literatur oder Religion.

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Sexismus in der Esoterik: Der kollektive Schmerzkörper

Wenn frau will, ist die Periode eine Party, ein mehrtägiger Orgasmus! Achja? Foto: dpa
In der Esoterik finden Frauen Rat zu schöpferischer Kraft, Menstruationspartys und anderen Traumvorstellungen. Sexismus ist dabei stark verbreitet.

Aylin Braunewell | taz.de

„Sie [die Frau] sammelt und vermehrt ihre weibliche Energie am besten in ihrem Zuhause. Hier sollte das Verhältnis 80 Prozent Familie und Zuhause und 20 Prozent im Außen, zum Beispiel Arbeit, sein.“ Als ich das zum ersten Mal las, dachte ich mir: Die Autorin hat wohl ein bisschen zu viel Lichtnahrung genascht. „Lebe deine weibliche Kraft“ heißt ihr Ratgeber, dem dieses Zitat entstammt. Ein Titel, der wohl empowernd wirken soll. Doch schon der Untertitel lässt vermuten, dass hier nach Empowerment im feministischen Sinne lange gesucht werden kann: „Das große Praxisbuch für Schönheit, Heilung und Sinnlichkeit“.

Die Autorin Ludmilla Weidner (Seelenname: Lumira) bezeichnet sich selbst als Schamanin und hellsichtig. Vor Kurzem las ich einige ihrer Texte und habe es bis heute nicht verkraftet. Geschockt von so viel mehr schlecht als recht getarntem Sexismus machte ich mich auf die masochistische Suche nach mehr und wurde im alles verschlingenden Paralleluniversum der Esoterik fündig. Mal mehr und mal weniger subtil wird dort immer wieder das Bild der Frau als Heilerin gezeigt, als diejenige, die durch ihre viel gelobte weibliche Intuition Probleme sieht, bevor sie entstehen, und so harmonisch handelt, dass das Fass gar nicht erst überläuft.

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Anastasia-Bewegung in Brandenburg: Rechte Siedler hinter Hippie-Fassade

Siedlergruppe in Grabow zum Frühlingsfest 2019. Bild: Lisa Wandt/RBB24
Die Anhänger der Anastasia-Bewegung gründen Siedlungen und verbreiten rassistische und antisemitische Ideologie – auch in Brandenburg, wie eine Recherche des ARD-Politikmagazins Kontraste zeigt.

Von Silvio Duwe, Lisa Wandt | RBB24

Sie sehen aus wie Hippies und Öko-Aussteiger und lassen sich in ländlichen Regionen nieder. Manche von ihnen laufen das ganze Jahr barfuß, denn sie wollen den Kontakt zu Mutter Erde nicht verlieren. Doch was nach harmloser Esoterik klingt, ist auf den zweiten Blick eine rechte Siedler-Bewegung, die sich in Deutschland ausbreitet. Bundesweit gibt es nach  Recherchen des ARD-Politikmagazin Kontraste 17 so genannte Familienlandsitze, vier davon liegen in Brandenburg. Hier ist die so genannte Anastasia-Bewegung besonders aktiv.

Leichtes Spiel in strukturschwacher Region

In Grabow bei Blumenthal (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) etwa versucht das Ehepaar Krause gleich ein ganzes Dorf zum „Goldenen Grabow“ zu machen. Und sie haben leichtes Spiel, denn die Einwohnerzahl in der strukturschwachen Region geht seit Jahren zurück. In Grabow sind noch 240 Einwohner übrig geblieben, vormals waren es mehr als doppelt so viele. Die Krauses haben hier einige Grundstücke aufgekauft.

Ortsvorsteher Werner Goldmann ist glücklich über den Zuzug. Es seien leerstehende Häuser aufgekauft worden, die jetzt bewohnt würden, sagt er. Es seien junge Leute nach Grabow gekommen. Besonders freut sich Goldmann über die Unterstützung durch die Anastasia-Anhänger bei Dorffesten.

Deren Ziel in Grabow ist eine Selbstversorgersiedlung mit einer eigenen Schule, so steht es auf der Webseite, und so haben die Anastasia-Anhänger das auch dem Ortsvorsteher gesagt. In der Schule sollen die Kinder in der Gedankenwelt der Gemeinschaft großgezogen werden.

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Sekten-Info warnt vor „Lebenshilfegurus“ und dem „spirituellen Supermarkt“

Die Sektenberatungsstelle Essen erhält zunehmend Hilfeanfragen zu Lebenshilfe- und Coaching-Angeboten – oft aus dem Bereich Esoterik Quelle: picture alliance / imageBROKER
Mehr Erfolg, mehr Glück, ein besseres Leben: Manche Seminare versprechen viel, kosten noch mehr und bringen am Ende Verdruss. Die Sekten-Beratungsstelle NRW warnt jetzt vor unseriösen Angeboten.

DIE WELT

Die Sektenberatungsstelle NRW hat vor unseriösen Coaching-Angeboten gewarnt. „Viele sind nicht wissenschaftlich fundiert“, sagt die Geschäftsführerin des Vereins Sekten-Info NRW, Sabine Riede. Von den insgesamt 930 Anfragen und Beratungsfällen im Jahr 2018 sei es allein in 39 Fällen um Coaching-Angebote gegangen. Die Beratungsstelle riet zu einer kritischen Sicht auf das jeweilige Seminarangebot und dessen Anbieter. So sollten im Anmeldeprospekt die Ziele des Seminars, die angewandten Methoden und die Ausbildung des Seminarleiters benannt sein.

Bei strengen Verhaltensregeln für die Kurse sollten die Teilnehmer darauf achten, dass keine persönlichen Rechte beschnitten werden – etwa bei der Frage, was man essen darf. Hellhörig sollten Seminarteilnehmer auch werden, wenn etwa Uhren abgegeben werden sollen, ein Schweigegebot verhängt werde oder der Seminarleiter behaupte, den einzig richtigen Weg zu einer Problemlösung zu kennen. „Grundsätzlich gilt: Vertrauen Sie Ihrem Gefühl“, hieß es weiter.

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“Four Blood Moons” Film, John Hagee’s Intellectual Train Wreck

Image credit: cross examined
John Hagee likes to get overwrought about astrology, which is odd given that he’s a Christian pastor.

By Bob Seidensticker | Cross Examined

Background: Hagee’s thesis

The Bible speaks of a blood moon: “The sun will be turned to darkness and the moon to blood before the coming of the great and dreadful day of the Lord” (Joel 2:30–31). Hagee proposed a fun new way to look at that. The Jewish spring festival of Passover and fall festival of Sukkot always begin on a full moon. Lunar eclipses only happen during full moons, and with an average of two per year, an eclipse at the beginning of these festivals (somewhere in the world, anyway) is common.

Hagee’s innovation was to (1) call a lunar eclipse (which often makes the moon reddish) a “blood moon,” (2) assign significance to these events happening on the Jewish festivals, and to (3) declare that four in a row (not three or five or some other number) is God telling us something. With the launch of his 2013 book, Hagee said, “The coming four blood moons points to a world-shaking event that will happen between April 2014 and October 2015.”

Remember that period? Who hasn’t said, “Where were you during the period April 2014 through October 2015 when that really dramatic thing happened?” We’re lucky to be here talking about it!

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SWR, das „SuperWaldorfRadio“?

Das zweite Goetheanum in Dornach (1928 bis heute), Südansicht Foto: „Wladyslaw“, Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Der „Deutschlandfunk Kultur“ ist nicht der einzige öffentlich-rechtliche Sender, der für die Waldorfschule wirbt, beeindruckend auch der SWR mit dem Beitrag: „100 Jahre Waldorfschule: Steiners Erben im Aufbruch„, in dem der „Waldorf-Werber“ Jost Schieren einen großen Auftritt hat.

Andreas Lichte | hpd.de

Kein Wort vom SWR dazu, dass die „Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft“, an der Professor Jost Schieren „Waldorfpädagogik“ lehrt und Dekan ist, eine antrophosophische Einrichtung ist.

Zitat SWR: „Moderne Hirnforschung bestätigt Steiner.“

„Viele Waldorfpädagogen empfinden es als ermutigend, dass die moderne Hirnforschung mit ihren neuesten Erkenntnissen das Waldorf-Konzept bestätige, sagt Professor Jost Schieren, Schulpädagoge an der Alanus Hochschule in Alftern bei Bonn. Die gleichberechtigte Förderung von intellektuell-kognitiven, künstlerisch-kreativen und handwerklich-praktischen Fähigkeiten etwa werde heute von Neurologen als moderne und effiziente Wissensvermittlung definiert“, so Schieren.

Die Waldorfpädagogik habe die Bedeutung des Körperlichen erkannt, noch bevor über die Hirnforschung nun sogenannte Embodiment-Aspekte an die konventionellen Erziehungswissenschaften herangetragen würden: „Wir haben eine Bildung, die lange Jahre, Jahrzehnte immer nur den Kopf adressiert hat. Steiner selbst hat mal formuliert: Der Leib ist nicht nur dafür da, den Kopf in die Schule zu tragen.“ Dementsprechend habe die Waldorfpädagogik das Leibliche von Anfang an ernst genommen, sagt Schieren.

Hat Rudolf Steiner das wirklich „selbst formuliert“, wie Jost Schieren behauptet: „Der Leib ist nicht nur dafür da, den Kopf in die Schule zu tragen“? Oder hat sich Schieren da einmal mehr einen Waldorf-Werbespruch gebastelt? Sicher ist, dass Steiner über den „Kopf“ sagt: „Er sitzt auf dem Körper wie ein Parasit darauf und benimmt sich auch wie ein Parasit.“ Heißt: der Kopf ist gar nicht so wichtig, wie die „materialistische“ Wissenschaft behauptet …

Wer jetzt wegrennt, hat etwas für sein Denkvermögen getan. Zitat Steiner: „Das Schließen, das Schlüsse bilden, hängt nun zusammen mit den Beinen und Füßen. Natürlich werden Sie heute ausgelacht, wenn Sie einem Psychologen sagen, man schließt mit den Beinen, mit den Füßen, aber das letztere ist doch die Wahrheit, und würden wir als Mensch nicht auf Beine und Füße hin organisiert sein, würden wir eben nicht Schlüsse bilden können. Die Sache ist so: Vorstellen tun wir mit dem Ätherleib, und der hat seinen Rückhalt an der Hauptesorganisation, aber urteilen tun wir – also in ursprünglicher elementarer Weise – mit dem astralischen Leib, und der hat seinen Rückhalt an Armen und Händen für das Urteilen. Schließen mit den Beinen und Füßen, denn schließen tun wir mit dem Ich, das hat dabei Rückhalt an den Beinen und Füßen.“

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Steiner-Schulen geben keine Impfempfehlung aus

Bild: Centers for Disease Control/Barbara Rice (Public Domain – USGov)

In einer Rudolf-Steiner-Schule in Biel grassieren die Masern. Das hat unter anderem mit der anthroposophischen Ideologie zu tun.

Von Andrea Kučera | NZZamSonntag

74 Personen haben sich laut Angaben des Bundesamtes für Gesundheit in der Schweiz seit Anfang 2019 mit Masern infiziert. Das ist eine Versechsfachung der Erkrankungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. 37 Ausbrüche entfallen auf den Kanton Bern, wobei die Hälfte der bernischen Fälle auf die Rudolf-Steiner-Schule in Biel zurückgeht.

Das ist kein Zufall: Die anthroposophische Lehre, auf die sich die Steinerschulen berufen, ist generell impfkritisch. «Aufmerksame Eltern erleben gerade bei den Masern oft eine tiefgreifende Reifung ihres Kindes», steht auf dem «Merkblatt Masern», das auf der Website der Anthroposophischen Gesellschaft Schweiz verlinkt ist. Und weiter: «Durch das Fieber überwindet das Kind nicht nur die Maserninfektion, sondern individualisiert dabei seinen Organismus.» Die Frage, wie man zu diesen Aussagen stehe, lässt Vanessa Pohl vom Verband Rudolf-Steiner-Schulen Schweiz unbeantwortet.

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Nils Binnberg über zwanghaftes Essen: „Vegan-Sein erschien mir wie der Weg zur Unsterblichkeit“

In Supermärkten fühlte Nils Binnberg sich von der Auswahl unter Druck gesetzt.Foto: imago/Panthermedia
In Berlin wird Ernährung wie Religion behandelt. Er hat alles probiert. Autor Nils Binnberg wollte gesund essen – und wurde darüber krank.

Von Deike Diening | DER TAGESSPIEGEL

Herr Binnberg, was haben Sie heute gegessen?
Eine Pizza mit Büffelmozzarella und Kirschtomaten. Zum Frühstück gab es Amaranth-Poppies mit Beeren und Hafermilch.

Hört sich gesund an. Zu welchem Food-Trend gehört das?

Zu gar keinem, mein Essen hat kein Label mehr, das ist eine große Befreiung. Ich esse Amaranth jetzt nicht mehr, weil es kein Gluten hat, sondern weil ich das nussige Aroma mag. Acht Jahre lang bin ich allen möglichen Ernährungstrends gefolgt, bis ich in dem Versuch, möglichst gesund zu essen, krank geworden bin: Orthorexia nervosa.

Sie sagen, Sie seien am Ende 20 Ernährungslehren gleichzeitig gefolgt. Widersprechen sich die nicht?
Doch, man muss das nur nacheinander machen. Bei mir fing es an mit Low-Carb, darüber kam ich zur Paleo-Diät, das ist die Steinzeit-Diät mit viel Fleisch, tierischen Produkten, Eiern und Fisch. Dann landete ich irgendwann bei vegan, der rein pflanzlichen Ernährung. Das war für mich die Königsklasse. Es war die reine Lehre, „clean eating“, was bedeutet, dass man keine industriell verarbeiteten Lebensmittel zu sich nimmt und nichts, das mehr als fünf Zutaten hat. Vegan-Sein erschien mir wie der Weg zur Unsterblichkeit. Ernährungslehren haben ja auch etwas extrem Religiöses. Selbst in säkularisierten Gesellschaften sehnen wir uns nach Gemeinschaft und Identität. Ernährung formt unsere Identität. Und sobald man sich einer Lehre verschreibt, missioniert man ja auch andere.

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Sektenland Schweiz: Der Scharlatan tarnt sich als Unternehmer

Klaus Theuretzbacher zeigt BLICK wie man religiöse Bewegungen vermarkten kann. Bild: Philippe Rossier
Beim Wort Sekte denkt man sofort an die seltsam gekleideten Typen, die einen auf der Strasse anwerben wollen. Neue religiöse Bewegungen funktionieren aber ganz anders. Man macht auf cool, jung – und natürlich kommt das Wort Sekte nirgends vor.

Michael Sahli | BLICK.ch

Die klassische Sekte ist aus der Mode gekommen. Müsste die kürzlich verstorbene Uriella (†90) ihren Orden heute neu gründen, sie hätte es wohl schwer. Die klassischen, abgeschotteten Gruppen mit einem allmächtigen Guru entsprechen nicht mehr dem Zeitgeist. Die Jungen von heute mögen es lieber unverbindlich – und sie wollen nicht ihr ganzes Leben einer Gruppe opfern, sagt Sektenexperte Georg Schmid (52): «Hierarchische Organisationen sind heute weniger beliebt.»

Uriellas Nachfolger haben sich der veränderten Nachfrage auf dem Religionsmarkt rasch angepasst. Schrille Auftritte sind nicht mehr gefragt. Sie schrecken mögliche Interessenten nur ab. Und statt gequirltem Badewannenwasser gibt es schick verpackte Lifestyleprodukte im Onlineshop.

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Esoterik(Naturheilpraxis) für Obdachlose in Essener Kirchenräumen

Bild: svz.de
„Naturheilpraxis ohne Grenzen“ – unter diesem Namen helfen Heilpraktiker, Osteopathen und psychologische Berater einmal in der Woche kostenlos Bedürftigen in der Essener Kirche Sankt Gertrud. Ein Interview mit Gründerin Heike Goebel.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Sie selbst sind im Hauptberuf eigentlich Ingenieurin. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, so eine mobile Naturheilpraxis auf die Beine zu stellen?

Heike Goebel (Gründerin des Vereins „Naturheilpraxis ohne Grenzen“): Das hat etwas mit meinem Hauptberuf zu tun. Ich durfte im Rahmen meines Unternehmens eine soziale Woche machen und habe währenddessen das Arztmobil in Essen kennengelernt. Ich fand diese Einrichtung ganz toll und habe beschlossen, dass ich da unbedingt mitarbeiten möchte. Ich habe meine Heilpraktiker-Ausbildung gemacht, vier Jahre lang in Wuppertal auf dem Arztmobil mitgearbeitet und dann festgestellt, dass ich gerne etwas Ganzheitliches für die Menschen in Not anbieten möchte.

DOMRADIO.DE: Dafür brauchten Sie Hilfe von Therapeuten, die sagen: Wir machen das und zwar ehrenamtlich. Wie haben Sie die gefunden?

Goebel: Die finden mich. Ich hatte eigentlich für mich beschlossen, dass ich in Essen eine kleine Praxis eröffne – möglichst stadtnah bei den Menschen, die in Not sind. Das hatte ich auf Facebook bekannt gegeben. Und dann kamen von allen Seiten Anrufe. Die Leute wurden über Facebook auf mich aufmerksam, haben mich per Mail angeschrieben, sie würden sich gerne engagieren. Inzwischen kommen die Anrufe aus ganz Deutschland.

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Der Toaster ist Gift, die Erde eine Scheibe

Dieses Bild wurde am 24. Dezember 1968 aufgenommen. Es zeigt die Erde, wie sie am Horizont des Mondes aufgeht. Bild: NASA / Bill Anders
Was wir aus dem Dieselstreit lernen? Wie schnell Wahrheiten wackeln. Geht’s noch schlimmer? Es geht! Wenn Weltbilder wanken. Eine Glosse.

Von Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Zahl der Menschen, die davon überzeugt sind, dass die Erde eine Scheibe ist, nimmt stetig zu. Das klingt beunruhigend, gefährlich ist es noch nicht. Asheley Landrum von der University of Texas hat darüber vor wenigen Tagen in Washington berichtet, kein ganz unpassender Ort, auch wenn der Anlass, die Jahrestagung der weltweit mitgliederstärksten Wissenschaftlerorganisation, der American Association for the Advancement of Science, schon überrascht. Wie umgehen mit Verschwörungstheoretikern, war das Thema Landrums, und man kann ohne Übertreibung sagen: Aktueller geht es kaum.

Landrum hat die Videoplattform Youtube als Infektionsherd für konspirative Gedanken ausgemacht. Der Zweistundenstreifen „200 proofs Earth is not a spinning ball“ hat bald schon eine Dreiviertelmillion Zugriffe. Die wissenschaftliche Mimese dieses Machwerks jagt einem förmlich den Schrecken in die Glieder. Kein Zweifel, die Wissenschaft wird durch Wissenschaftsgläubige unterwandert, und der Irrglaube kapert sukzessive den Verstand. Solche Rückfälle in die Realitätsverweigerung gibt es mittlerweile leider immer öfter zu beklagen, und nicht immer gibt Youtube den Anstoß.

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YouTube hat Flat-Earth-Bewegung erst ins Rollen gebracht

Bild: Die Presse
Seit zwei Jahren erlebt die Flat-Earther-Bewegung einen massiven Aufschwung. Immer mehr Menschen wollen glauben, dass die Erde eine Scheibe ist. Einer Studie zufolge hat YouTube seinen Teil dazu beigetragen.

Die Presse

Seit Jahrhunderten sollen mächtige Interessensgruppen daran arbeiten, die Mär von der Erde als Kugel zu verbreiten. Warum, das wissen selbst deren Vertreter nicht. Die Anhänger der Flat-Earth-Bewegung wissen selbst nicht, warum. Klar ist jetzt aber, woher sie ihr Wissen beziehen. Von YouTube. Das berichtet der Guardian.

Auf der Videoplattform der Google-Tochter findet man allerhand Absurdes. Von den vermeintlichen Beweisen, wie die CIA die Twin-Towers in den USA zerstörte, wie der Mossad Jörg Haider tötete und, dass die Mondlandung ein Fake war.

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Satanismus im Trend: Diese Sekten treiben in Serbien ihr Unwesen

Sekten in Serbien (FOTO: Screenshot/Shizlist)
Die Leichen dreier zu Tode geqäulten Hunde, ein Sack mit verdorbener Haut und ein Pentagram auf einer Wand sind heute eines der Hauptthemen in den serbischen Medien.

Kosmo.at

Nachdem diese unter einer Straßenüberführung im Belgrader Stadtteil Železnik gefunden wurden, beschäftigen sich Experten und Medien wieder mit erschreckenden, gefährlichen satanistischen Organisationen, die in Serbien ihr Unwesen treiben. Da auf einer Wand unmittelbar neben den Leichen der Hunde auch ein satanistisches Pentagram gefunden wurde, vermuten die Ermittler, dass es sich um die Tat einer Sekte handeln könnte.

100 Sekten mit zehntausenden Mitgliedern

In Serbien gibt es etwa 100 Sekten, die zehntausend Mitglieder zählen und seit mehreren Jahrzehnten bestehen. Nicht alle sind gefährlich: Aber diejenigen, die das zweifellos sind, sind Vorgänger satanistischer Sekten, deren Lehren und Praktiken streng totalitäre und destruktive Ziele und Handlungen haben.

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Die esoterische Anastasia-Bewegung: Der Traum der arischen Öko-Gemeinschaft

Bild: belltower.news
Die Anastasia-Bewegung aus Russland breitet sich auch in Deutschland weiter aus. In ihren Reihen finden sich Esoteriker*innen, Ökos und Reichsbürger*innen wieder, aber auch Rechtsextreme können der Bewegung – nicht zuletzt wegen ihrer Blut-und-Boden-Ideologie – etwas abgewinnen. Ihre Anhänger*innen vernetzen sich zunehmend und versuchen, Schulen zu gründen. Ein Ausflug in eine krude und antisemitische Welt.

Von Kira Ayyadi | BellTower

Auf den ersten Blick geht es bei der Anastasia-Bewegung um ökologische und nachhaltige Landwirtschaft und Lebensweisen. Schaut man sich die Ideologie dieser esoterischen Bewegung genauer an, stößt man jedoch schnell auf eine verfassungsfeindliches, rassistisches und antisemitisches Gedankenwelt. Die neu-esoterische Anastasia-Bewegung fungiert als Sammelbecken verschiedener Esoteriker*innen, die in ihren Reihen Mitglieder duldet, die offen rechtsextrem auftreten und den Holocaust leugnen.

„Die klingenden Zedern Russlands“

Die Anastasia-Bewegung beruht auf der Buchreihe „Die klingenden Zedern Russlands“ des russischen Esoterikautors Wladimir Nikolaevich Megre (* 1950). Benannt ist die Bewegung nach dem zweiten Teil der zehnbändigen Reihe, die zwischen 1996 und 2010 erschienen und zwischen 1999 und 2011 auf Deutsch übersetzt wurde. Laut Aussagen des Autors wurden weltweit bereits 11 Millionen Exemplare verkauft.

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Alan Poseners Waldorf-Propaganda im Deutschlandfunk Kultur

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Rudolf Steiner (Bild: public domain)
Der Deutschandfunk Kultur lädt den Journalisten Alan Posener (Die Welt, Axel Springer SE) zum Gespräch ein, um den 100. Geburtstag der Waldorfschule zu feiern. Was dieser dabei sagte, entsetzte hpd-Autor Andreas Lichte.

Von Andreas Lichte | hpd.de

„Hat Posener das wirklich gesagt?“, frage ich mich. Ich kann es nicht fassen und versuche eine Inhaltsangabe – frei, aus dem Gedächtnis –, es geht ja um „Schule“, und das ist doch eine gute Übung, Prüfung …:

  • Bildung sollte privatisiert werden,
  • weil Waldorfschulen besser als öffentliche Schulen sind:
  • Waldorfschulen fördern das Individuum,
  • deswegen waren sie im Nationalsozialismus verboten.

Boah! Was für ein Blödsinn! Aber meine Inhaltsangabe ist korrekt, wie ich beim Vergleich mit Deutschlandfunk Kultur „Der Mensch im Mittelpunkt“ feststelle. Ich höre mir den Beitrag auch noch einmal an: „Dieser Individualismus (der Waldorfschulen) rekurriert auf das humboldtsche Bildungsideal“, schwärmt Posener im O-Ton.

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Apokalypsen und ihre Nebenwirkungen

Ob Fegefeuer, Waldsterben, Zersiedelung, Schadstoffe, Ausgrenzung oder Überalterung – die kollektive Angst trägt viele Gewänder. Meistens endet die Beschwörung von Gefahr und Untergang in neuen Abgaben und Regulierungen. Deshalb ist die Bewirtschaftung von gesellschaftlichen Ängsten politisch höchst attraktiv.

Claudia Wirz | Neue Zürcher Zeitung

Eigentlich ist es eine frohe Botschaft: Noch nie ging es uns so gut wie heute. Noch nie hatte der Schweizer Durchschnittsbürger so viel Freizeit und Wohlstand zugleich, noch nie waren seine individuellen Rechte weitreichender, nie zuvor konnte er sich so viel Wohnfläche leisten. Die soziale Sicherheit ist garantiert, die Arbeitslosigkeit tief, die Lebenserwartung hoch, das Bildungssystem bietet alle Möglichkeiten für Entfaltung und sozialen Aufstieg, so man denn will.

Die Kaufkraft ist gehörig, Konsumgüter gibt es in Hülle und Fülle. Reisen in die grosse weite Welt sind eine Selbstverständlichkeit. Die medizinische Versorgung betreut alle auf allerhöchstem Niveau, nicht nur, wenn wir krank sind; mit einer reichen Palette an Vorsorgeuntersuchungen ist auch für die Beschwerdefreien nur das Beste gut genug. Und wenn wir schon bei der Gesundheit sind, die wir uns alle wünschen: Nie waren Produkte im Allgemeinen und Lebensmittel im Besonderen sicherer. Und was für das Essen gilt, trifft auch auf die Arbeitsplätze zu; noch nie gab es so wenige Berufsunfälle wie heute.

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Integrative Medizin: Homöopathie-Wende in Deutschland?

Mehr als jeder zweite Patient in Deutschland hat bereits Erfahrungen mit Globuli zur Krankheitsbehandlung gemacht.© micha / Fotolia
Patienten öffnen sich immer mehr für die Integration der Homöopathie in die Versorgung im Sinne einer integrativen Medizin, so der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte.

Von Matthias Wallenfels | ÄrzteZeitung

Homöopathisch tätige Ärzte sind davon überzeugt, dass die Homöopathie eine nützliche und hilfreiche Ressource im gegenwärtigen deutschen Gesundheitssystem darstellt.

„In Zeiten, in denen Ökonomisierung, Zeitverdichtung, Polymedikation und zunehmende Antibiotikaresistenz zu großen Herausforderungen werden, ist die Homöopathie insbesondere für viele chronisch kranke Patienten eine Hilfe“, postuliert Cornelia Bajic, 1. Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“.

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„Spiegel“-Reporter fälschte jahrelang Geschichten

foto: spiegel.de, screenshot Vom Betrugsfall betroffen ist auch die Geschichte „Jaegers Grenze“ über eine US-Bürgerwehr an der Grenze zwischen Mexiko und den USA. Sie ist im November 2018 erschienen.
Claas Relotius hat Manipulationen zugegeben und das Haus verlassen. Auch andere Medien könnten betroffen sein, der „Spiegel“ richtet eine Kommission ein

derStandard.at

„Spiegel“-Reporter Claas Relotius (33) hat jahrelang Geschichten manipuliert und eingestanden, in mehreren Artikeln „Geschichten erfunden oder Fakten verzerrt zu haben“. Das legte der „Spiegel“ am Mittwoch offen. Relotius habe ein umfassendes Geständnis abgelegt und „mit Vorsatz, methodisch und hoher krimineller Energie“ getäuscht, heißt es aus dem Verlag.

Aufgedeckt wurde der Fall nach internen Hinweisen, eigenen Recherchen und einem umfassenden Geständnis des Redakteurs selbst, so der Verlag. Relotius habe beim „Spiegel“ seit 2011 rund 60 Artikel veröffentlicht und jetzt in mehreren Fällen eingeräumt, Geschichten erfunden oder Fakten verzerrt zu haben. Mindestens 14 „Spiegel“-Geschichten seien betroffen. Er schrieb zunächst als freier Mitarbeiter für den „Spiegel“, seit eineinhalb Jahren war er als Redakteur fest angestellt.

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«Johann von Gott(João de Deus)» soll hunderte Frauen sexuell belästigt haben

Der selbsternannte Wunderheiler Joao Teixeira de Faria (Mitte) mit Anhängern. Er hat sich der Polizei gestellt. Über 330 Frauen haben Missbrauchsvorwürfe gegen ihn erhoben. (Bild: Marcelo Camargo / Agencia Brasil via AP)
Das brasilianische Medium «João de Deus» (76) hat sich am Sonntag der Polizei gestellt. Zuvor hatten über 330 Frauen Missbrauchsvorwürfe gegen ihn erhoben, unter ihnen auch Frauen aus der Schweiz, Deutschland und Australien.

Thomas Milz | Neue Zürcher Zeitung

Aus aller Welt waren sie gekommen, Menschen mit Krebs im Endstadium, verzweifelte Eltern mit dem Foto ihrer todkranken Tochter, Jugendliche mit chronischen Kopfschmerzen. Rund 120 000 Menschen pilgerten jährlich in das kleine Städtchen Abadiânia in der zentralbrasilianischen Cerrado-Savanne, um Heilung zu finden. João de Deus, der «Johann von Gott», wie sich der Wunderheiler João Teixeira de Faria selber nennt, sollte das schaffen, was die klassischen Schulmediziner rund um den Globus nicht hinbekamen. Die Fälle heilen, für die nur Gott eine Lösung parat hält.

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Der Mythos Mondholz

Foto: AP/Mike Zacchino
Mondholz kostet rund 30 Prozent mehr als vergleichbares Holz. Eine bessere Qualität erhält man dafür nicht, aber schöne Erklärungen

Christian Kreil | Blog-derStandard.at

Erwin Thoma führt ein florierendes Bauunternehmen, es ist die Nummer Eins im Holzbau, seine Arbeiten in aller Welt sorgen für Aufsehen, er ist Autor zum Thema Holz und Wald, er predigt eine nachhaltige Bauweise und Wirtschaft glaubhaft. So einer kann sich aussuchen, wo er auftritt, spricht und philosophiert: Thoma hat sich im Jahr 2017 die „Anti-Zensur-Konferenz“ des Schweizer Sektengurus Ivo Sasek ausgesucht. Bei der Veranstaltung sprachen vor Thoma: Hagen Grell, ein publizistischer Aktivist, der sich für Angelegenheiten der AfD und rechts der AfD stark macht und Heiko Schrang, der in seinen Publikationen schon mal an der deutschen Kriegsschuld zweifelt und behände von der Verschwörung jüdischer Bankiers und der „Illuminaten“ auf dem Weg zur Weltherrschaft schwadroniert. Dieses Milieu muss man mögen.

Das Mondholz, ein Geheimnis das Thoma mit allen teilt

Thoma mag in erster Linie die Bäume und den Wald. „Die geheime Sprache der Bäume“ lautet das Referat und ein Buch Thomas. Der Unternehmer unterhält das Publikum mit der Attitüde des Naturburschen, die etwas gekünstelt wirkt. Die Photosynthese erklärt er dem Publikum, als würde ein Waldbauernbub Märchen vorlesen: „Diese Luft ist die Nahrung des Baumes.“ Bäume hätten „die größte Lebenserfindung gemacht, die es auf Erden gibt, nämlich: die grüne Farbe.“

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