Schamane will ehemaliges KZ „heilen“ – mit Hakenkreuzen

 Sphärische Musik, verschiedenfarbige Sandtöne, stilisierte Swastika: Mit dem
Sphärische Musik, verschiedenfarbige Sandtöne, stilisierte Swastika: Mit dem „Ritual“ auf früherem KZ-Grund können sich nicht alle anfreunden. (Foto: Danny Gross/oh)
  • Der Esoteriker Danny Gross glaubt, Orte „schamanisch heilen“ zu können – das wollte er nun auch beim ehemaligen Konzentrationslager Hersbruck versuchen.
  • Dazu malte er Mandalas mit Hakenkreuzen auf den Boden.
  • Der Bügermeister von Herbruck zeigt sich damit „absolut nicht einverstanden“.

Von Olaf Przybilla | Süddeutsche.de

Die Szenerie auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg ist gut dokumentiert, im Internet kann sie jederzeit abgerufen werden. In der sogenannten Ehrenhalle, an der während der NS-Parteitage SA und SS aufmarschierten, formen Menschen in weiter Kleidung hakenkreuzartige Figuren auf den Boden, es entsteht ein großflächiges Gebilde. Unterlegt ist die Szene mit sphärischer Musik. „Heilungsritual“ ist das Filmchen ebenso überschrieben wie jenes, das kürzlich auf dem Gelände des früheren KZ-Außenlagers Hersbruck entstanden ist. Auch dort sieht man auf dem Doku-Filmchen mehrere Personen bei der Arbeit, wie sie aus Sand ein Bild auf dem Boden entstehen lassen. Wieder sieht man Kreise und Ecken und wieder verformte Hakenkreuze.

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Wie Wissenschaftler Verschwörungstheorien entzaubern

foto: picturedesk / ashley cooper Kondensstreifen am Himmel sind wissenschaftlich bestens untersucht und schnell erklärt, doch Verschwörungstheoretiker sehen sich dadurch erst recht bestätigt.
foto: picturedesk / ashley cooper Kondensstreifen am Himmel sind wissenschaftlich bestens untersucht und schnell erklärt, doch Verschwörungstheoretiker sehen sich dadurch erst recht bestätigt.
Die Angst vor einer unüberschaubaren Welt lässt Verschwörungstheorien blühen

Von Johannes Lau | derStandard.at

Was die Welt im Innersten zusammenhält, weiß ganz genau, wer an Verschwörungstheorien glaubt: Die Gemeinschaft der Illuminaten kontrolliert die internationale Politik, die Mondlandungen haben nur im Filmstudio stattgefunden, und die Kondensstreifen von Flugzeugen am Himmel sind Spuren der organisierten Massenvergiftung der Menschheit durch Chemikalien. Man könnte solche Ideen als bizarre Privatmeinungen abtun, würden Verschwörungstheorien nicht immer häufiger auch politisch eine Rolle spielen.

Wenn Donald Trump etwa anzweifelt, dass der amtierende US-Präsident Barrack Obama in den USA geboren und damit überhaupt rechtmäßig gewählt ist, bedient er die gleiche Angst wie der österreichische Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer, der mehrere parlamentarische Anfragen zu Chemtrails einbrachte: Eine mächtige, konspirative Elite lenkt die Welt hinter dem Rücken der kleinen Leute.

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Volkswagen erhält Anti-Nobelpreis für Abgasaffäre

 Ausgerechnet für den Abgasskandal erhält Volkswagen einen
Ausgerechnet für den Abgasskandal erhält Volkswagen einen „Ig-Nobelpreis“, in der Kategorie „Chemie“. (Foto: dpa)
Forschung zu „pseudo-profundem Bullshit“ und der Persönlichkeit von Steinen: In Harvard werden die „Ig-Nobelpreise“ verliehen. Volkswagen gewinnt in der Kategorie „Chemie“.

Von Christoph Behrens | Süddeutsche.de

Für die meisten Forscher ist die Auszeichnung mit einem „Ig-Nobelpreis“ ein großer Spaß: Bei der schrillen Zeremonie in einer noblen Aula der Harvard University gibt es unter anderem zehn Billionen Dollar zu gewinnen. Zimbabwe-Dollar versteht sich. „Ig-Nobel“ ist ein Wortspiel, das Adjektiv „ignoble“ bedeutet so viel wie „unwürdig“. Der Preis versteht sich als scherzhafte Auszeichnung für Forschung, die es üblicherweise nicht in die Schlagzeilen schafft – überreicht wird er aber von echten Nobelpreisträgern.

Bei Volkswagen dürfte die Freude verhaltener ausfallen – der Autohersteller wurde vergangene Nacht in Boston für die Abgasaffäre in der Kategorie „Chemie“ ausgezeichnet. VW sei es gelungen, so die Jury, „exzessive Automobil-Schadstoffemissionen“ zu senken – wenn ein Auto gerade getestet wird. Als „Referenz“ fügen die Organisatoren die Originalmeldung der US-Umweltbehörde bei, die den Betrug öffentlich machte.

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Porentiefer Blödsinn

Beauty treatment - Foto: Getty Images/iStockphoto/Voyagerix/iSTockphoto Beauty treatment - Foto: Getty Images/iStockphoto/Voyagerix/iSTockphoto
Beauty treatment – Foto: Getty Images/iStockphoto/Voyagerix/iSTockphoto Beauty treatment
Die Kosmetikindustrie wirbt mit esoterischen Versprechungen, die sie nicht halten kann. Billige Hautcremes genügen völlig, teure Produkte zu kaufen lohnt sich nicht.

Von Florian Aigner | futurezone.at

Falten im Gesicht müssen aus irgendeinem Grund etwas schrecklich Lebensbedrohendes sein, sonst würde man nicht derart erbittert gegen sie kämpfen. Erwachsene Haut soll sich anfühlen wie ein Babypopo – das redet uns die Werbung ein. Dabei ist ein Babypopo ansonsten nicht unbedingt ein Körperteil, an dem man sich ein Beispiel nehmen sollte.

Erstaunlich ist, welche merkwürdigen Inhaltsstoffe heute in atemberaubend teure Tiegelchen gefüllt werden. Wer die Aufschriften auf Kosmetikprodukten liest, könnte meinen, er habe sich in die Bibliothek eines Biochemie-Instituts verirrt: Von Coenzymen ist da die Rede, von Pro-Retinol, von Phytomeren und Vitamin-Komplexen. Doch wenn diese Wundermittel unter kontrollierten Bedingungen getestet werden, etwa von unabhängigen Konsumentenschutz-Vereinen, dann zeigt sich immer wieder: Viele Kosmetikprodukte halten nicht was sie versprechen, die superteure Luxuscreme kann meistens auch nicht mehr als das Billigprodukt in der Großpackung. Oft ist Kosmetik nichts als Schönheits-Esoterik, ein Placeboprodukt im hübschen Döschen.

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Die Verschwö­rungs­theorien der „Klima­wan­delskep­tiker“

Der Klimawandel ist eine wissenschaftliche Tatsache. Das hat jahrzehntelange Forschung von tausenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ergeben. Rechtspopulisten interessieren sich nicht dafür und streiten den Klimawandel ab. Stattdessen raunt man lieber von einer Weltverschwörung.

Von Manuel Kaiser | Geschichte der Gegenwart

Der Klima­wandel – oder besser gesagt: der angeblich ausblei­bende Klima­wandel gehört zu den Lieblings­themen rechts­kon­ser­va­tiver und rechts­po­pu­lis­ti­scher Kreise. Man könnte beliebig viele Beispiele von Politikern aufführen, die insbe­sondere in den sozialen Netzwerken, den Klima­wandel und seine Folgen relati­vieren, verharm­losen oder ganz abstreiten.

Dabei verwechselt Donald Trump ab und an schon einmal „Wetter“ mit „Klima“, wenn er einen kühlen New Yorker Julitag als Beweis für den ausblei­benden Klima­wandel anführt. Der fleissige Twitter–User und SVP-Nationalrat Claudio Zanetti wiederum spottet nicht nur regel­mässig über „Klima­hys­te­riker“, sondern verlinkt immer wieder Texte, die auf angeb­liche Wider­sprüche der Klima­for­schung hinweisen.

Das sind keineswegs verstreute Einzel­mei­nungen von besonders extremen Exponenten. Die rechten Parteien haben sich die „Klima­wan­delskepsis“ auch in ihre Programme geschrieben: Die Alter­native für Deutschland streitet in ihrem kürzlich verab­schie­deten Grund­satz­pro­gramm die Existenz des Klima­wandels grund­sätzlich ab. Beklagt wird hingegen eine „Dekar­bo­ni­sierung“.

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Leah Remini – wie ich Hollywood und Scientology überlebte

Bild: HuffPo
Bild: HuffPo
30 Jahre lang war Schauspielerin Leah Remini (47, „King of Queens“) Mitglied bei Scientology. Doch im Jahr 2013 verließ sie die Glaubensrichtung und überwarf sich offenbar mit ihr. Ab 12. September ist ihr Enthüllungsbuch „Troublemaker: Wie ich Hollywood und Scientology überlebte“ (mvg Verlag, 280 Seiten, 19,99 Euro) in Deutschland erhältlich. Darin berichtet sie über ihr Leben mit Scientology. Und was der Ausstieg für sie bedeutete. Allein ihre Widmung spricht Bände. Sie widmet das Buch ihrer Familie und Freunden – „Und auch jedem anderen Nonkonformisten oder ‚Troublemaker‘, auf dass ihr auch weiterhin stets die Wahrheit sagen mögt.“

The Huffington Post

Auf einer weiteren Seite steht der Satz: „In einer Zeit der universellen Täuschung ist es ein revolutionärer Akt, die Wahrheit zu sagen.“ Bereits im Vorwort stellt Remini klar, dass sie eine Abtrünnige sei, und Dinge getan habe, auf die sie nicht stolz sei. Sie gesteht intimste Geheimnisse aus ihrem Leben und dem ihres Mannes und ihrer Eltern. Warum macht sie das? „Wenn die Church of Scientology dieses Buch in ihre Finger bekommt, kann es gut sein, dass sie viel Geld in die Hand nimmt, um Anzeigen zu schalten, Websites zu erstellen und Prominente mit öffentlichen Erklärungen vorzuschicken, die behaupten, ihre religiösen Überzeugungen würden angegriffen – alles in dem Versuch, mich zu diskreditieren, indem sie mich und alle in meinem Umfeld in Misskredit bringt“, schreibt die 47-Jährige.

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Polen: Goldzug vergoldet Stadt

Panzertriebwagen 16, ein Nazi-Panzerzug. Bild: Piotrus/CC-BY-SA-3.0
Panzertriebwagen 16, ein Nazi-Panzerzug. Bild: Piotrus/CC-BY-SA-3.0
Irgendwann im September oder vielleicht auch etwas später, Aufschiebungen gehören schließlich zum Geschäft, wird nahe der Stadt Walbrzych tief gebohrt und ein neues Kapitel geschrieben in der großen Story um den „Nazigoldzug“, die Piotr Koper und Andreas Richter seit über einem Jahr so meisterhaft und so ertragreich erzählen.

Von Jens Mattern | TELEPOLIS

Die Vorgeschichte: Im Frühjahr 1945 fuhr ein NS-Panzerzug bei Kilometer 65 auf der Strecke Breslau-Waldenburg in einen Tunnel, der darauf von der SS gesprengt wurde. Der Bergmann Tadeusz Slowikowski, heute 86 Jahre alt, hat in den 50er Jahren von einem deutschen Bergarbeiter davon in Walbrzych erfahren. So heißt die Stadt, die seit Kriegsende zu Polen gehört.

Die Story und etwas Wodka waren der Dank des Deutschen. Slowikowski hatte ihn vor Schlägen eines polnischen Kumpels bewahrt. Slowikowski fing an zu graben, doch sein Hund wurde vergiftet, es gab einen Einbruch. Darauf beschäftigte er sich vorsichtiger, aber weiterhin ausdauernd mit der Panzerzug-Geschichte. Irgendwann zeigt er anderen Walbrzychern die Stelle an den Gleisen, in der der Zug gefahren ist, auf einer Karte. Mit dabei war Piotr Kopek, ein Bauunternehmer, der die Gerätschaften hatte, die Geschichte plakativer weiter voran zu bringen.

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Sektenland Schweiz: Die Welt der Heilsversprechen

Von den andern abgeschottet, hin zum Angebeteten. Gottesdienst der Pfingstler in Santiago de Chile. (Bild: Heiner Heine / Imagebroker / Mauritius)
Von den andern abgeschottet, hin zum Angebeteten. Gottesdienst der Pfingstler in Santiago de Chile. (Bild: Heiner Heine / Imagebroker / Mauritius)
Früher lockten Sekten mit dem Ausstieg aus der Leistungsgesellschaft, heute versprechen sie Selbstoptimierung. Sie wollen für einen Lifestyle stehen – was den Einstieg erleichtert.

Von Katrin Schregenberger | Neue Zürcher Zeitung

«7. November 2010: Es ist so weit – habe meine Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft auch offiziell beendet», schreibt S. W. an diesem Tag in sein Austritts-Protokoll. Er ist nun kein Zeuge Jehovas mehr. Er sieht eine neue Welt. «Es ist, wie wenn man an einem kalten, regnerischen Tag aus dem Bett steigen und die Fensterläden öffnen muss», erinnert sich der Aargauer fünf Jahre später. Im Bett zu bleiben, wäre gemütlicher. Aber im Bett verpasst man das Leben.

In der Schweiz gibt es rund 19 000 Zeugen Jehovas. Wie viele Mitglieder die zweite grosse Sekte der Schweiz, Scientology, hat, ist unklar. Fachleute gehen von rund 800 aktiven Mitgliedern aus. Die beiden Gruppierungen haben an Dominanz aber eingebüsst: Mittlerweile gibt es in der Schweiz unzählige kleine Gruppierungen mit sektenhaften Zügen. «In den letzten 20 Jahren hat sich der Markt pulverisiert», sagt Susanne Schaaf von der Beratungsstelle Infosekta. Dies einerseits zugunsten der Esoterik-Szene: Schamanistische Behandlung, Lebenshilfeangebote, Persönlichkeitsseminare, Jenseitskontakte und Fernheiler seien verbreitet.

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Fachmagazin publiziert 9/11-Verschwörungstheorie

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Sind die Türme des World-Trade-Centers gesprengt worden? Ein Physiker hat es mit seiner Theorie in das Magazin der European Physical Society geschafft. Obwohl die Redaktion in dem Artikel „einige Spekulationen“ sieht.

Von Philipp Hummel | DIE WELT

In wenigen Tagen jährt sich erneut der Terroranschlag vom 11. September 2001. Filmaufnahmen, TV-Bilder und Berichte von Augenzeugen scheinen eindeutig zu zeigen, was damals geschehen ist. Die Welt musste vor dem Fernseher hilflos zusehen, wie die beiden Hochhäuser des World Trade Centers in Manhattan von je einem Flugzeug getroffen wurden, nach den Explosionen in Flammen standen und schließlich einstürzten. Knapp 3000 Menschen verloren nach offiziellen Angaben bei dem Terroranschlag in New York ihr Leben.

Doch viele Menschen glauben offiziellen Angaben nicht. Zu „9/11“ gibt es diverse Verschwörungstheorien. Eine davon hat es nun in das Magazin der European Physical Society (EPS) geschafft, dem Dachverband der europäischen Physikgesellschaften. Am 28. August erschien in dem Fachmagazin namens „Europhysics News“ ein Aufsatz von vier Autoren, der nahelegt, der Nord- und Südturm des World Trade Centers sowie der niedrigere Wolkenkratzer mit der Abkürzung WTC 7 seien durch kontrollierte Sprengungen zum Einsturz gebracht worden.

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Richard Gutjahr kämpft seit dem Münchner Amoklauf gegen Verschwörungstheorien

 Moderator Richard Gutjahr (Archivbild). (Foto: Theresa Högner)
Moderator Richard Gutjahr (Archivbild). (Foto: Theresa Högner)
In Nizza und München erlebte der Journalist zufällig Verbrechen aus nächster Nähe mit. Aber für manche Menschen im Netz gibt es keine Zufälle – sondern nur den Mossad.

Von Hakan Tanriverdi | Süddeutsche.de

Noch ein letztes kurzes Video will Richard Gutjahr am 14. Juli aufnehmen, als er einen weißen Lkw bemerkt. Es ist kurz nach 22:30 Uhr, der Tag in Nizza ist fast vorbei. Das Video ist für Snapchat gedacht, eine App, bei der Menschen Videos hochladen können, die sich im Laufe von 24 Stunden automatisch löschen. Doch da ist dieser Lkw. Gutjahr entscheidet, doch die reguläre Kamera-Funktion seines Smartphones zu aktivieren und den Lkw zu filmen. Die Aufnahme dauert etwas mehr als 40 Sekunden.

Es ist eine Aufnahme, die weltweit bekannt wird. Sie wird in der Tagesschau gezeigt, im japanischen Fernsehen, auf CNN. Der Lkw beschleunigt und rast in eine Menschenmenge. Bei dem islamistisch motivierten Anschlag in Nizza sterben 86 Menschen. Gutjahr arbeitet als Journalist, in den kommenden Stunden und Tagen klingelt sein Telefon nonstop.

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Wem gebührt das „Goldene Brett“ 2016?

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Bereits zum sechsten Mal prämiert die GWUP e.V. in diesem Jahr wieder den herausragendsten antiwissenschaftlichen Unsinn des Jahres. Wer hat sich in diesem Jahr mit besonders wundersamen esoterisch-skurrilen Aussagen hervorgetan? Ab sofort kann jeder hier geeignete Kandidaten nominieren.

GWUP

Der Negativpreis geht an Personen oder Institutionen, die mit wissenschaftlich widerlegten Behauptungen Medienpräsenz anstreben, Angst machen oder Geld verdienen wollen. Die GWUP sammelt bis 22. September 2016 online Nominierungen. Aus den eingereichten Vorschlägen wird eine Fachjury anschließend die diesjährigen Preisträger auswählen.

Die öffentliche Verleihungsfeier für „Das Goldene Brett vorm Kopf“ findet am 11. Oktober 2016 um 20 Uhr in der Urania in Wien (Uraniastraße 1) und zeitgleich bei der Parallelveranstaltung in Hamburg im Uebel&Gefährlich statt.

Gutgläubigkeit und Geschäftemacherei

Vom Wünschelrutengeher bis zur Astrologin, von handauflegenden Wunderheilern bis zu Chemtrail-Gläubigen – wissenschaftlich unhaltbare Behauptungen und Verschwörungstheorien boomen nach wie vor. Skeptiker auf der ganzen Welt überprüfen derartige Theorien mit wissenschaftlichen Methoden. Doch auch wenn eine Theorie längst widerlegt ist, bleiben ihr viele Anhänger immer noch treu und setzen vielleicht Geld und ihre Gesundheit aufs Spiel.

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Heilpraktikergesetz aus der Nazizeit soll reformiert werden

Globuli. Foto: Hofapotheke St. Afra, Apotheker Tobias Müller. Lizenz: Public Domain.
Vor zwei Wochen errechnete der Medizinmanagement-Professor Jürgen Wasem, dass dem deutschen Durchschnittsverdiener eine Erhöhung des alleine vom Arbeitnehmer getragenen Zusatzbeitrags zur Krankenversicherung auf 55 Euro droht.

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Wohlgemerkt: Dabei handelt es sich nicht um den monatlichen Krankenkassenbeitrag, der schon für sich alleine bis zu 618,66 Euro betragen kann (und hälftig von Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer bezahlt wird), sondern um einen Zusatz, der aufs Jahr gerechnet eine Mehrbelastung von 660 Euro ergibt (vgl. Krankenkassen-Zusatzbeitrag: 55 Euro mehr im Monat?).

Angesichts dieser Mehrbelastung wird nun darüber gesprochen, wie sich die Kosten im deutschen Gesundheitssystem in Grenzen halten lassen und welche Leistungen unsinnig oder vielleicht sogar kontraproduktiv sind. Ein sehr offensichtlicher Kandidat dafür ist die Homöopathie, die etwa zwei Drittel der gesetzlichen Krankenkassen in ihren Leistungsumfang aufnahmen, als es ihnen finanziell gut ging und zu deren Kosten sie schweigen.

Nun fordern Josef Hecken, der Vorsitzende der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, und Andreas Gassen, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), dass solche Therapien ohne nachgewiesenen Nutzen nach britischem Vorbild aus den Leistungskatalogen der gesetzlichen Krankenversicherung gestrichen werden. Hecken meinte dazu, es sei ihm „unverständlich, warum ein Patient ein Nasenspray selbst bezahlen müsse, dessen therapeutischer Nutzen empirisch belegt sei, seine Kasse aber Arzneimittel bezahle, deren Wirksamkeit völlig unklar sei.“

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Strengere Vorgaben für Heilpraktiker gefordert

Idyll mit Schattenseiten. Das Gebäude des „Biologischen Krebs-Zentrum“ in Brüggen-Bracht, Nordrhein-Westfalen).Foto: dpa
Die Kritik an zu laxen Vorschriften für Heilpraktiker wird lauter. Künftig soll nicht mehr alles erlaubt sein, was nicht ausdrücklich verboten ist.
 

DER TAGESSPIEGEL

Nach dem Tod mehrerer Patienten in einer alternativen Krebsklinik am Niederrhein fordern Ärzte-Funktionäre und Patientenschützer strengere Vorschriften für den Beruf des Heilpraktikers.

Der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke, sagte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, die Regelungen des Heilpraktikerwesens müssten völlig neu überdacht werden.

Zweifel an der Wirksamkeit homöopathischer Therapien äußerte der Vorsitzende der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, Josef Hecken: Behandlungen durch Heilpraktiker sollten verboten werden können, wenn deren medizinischer Nutzen nicht erwiesen sei. Krankenkassen dürfen auch freiwillig nicht Dinge finanzieren, für die „es keine Evidenz gibt“. Hecken ist der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte, Kassen und Krankenhäuser. Das Gremium legt fest, welche Leistung die Kassen bezahlen.

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Tote nach Krebstherapie: Heilpraktiker durfte experimentellen Wirkstoff verwenden

Drei Krebspatienten sind kurz nach einer Behandlung beim Heilpraktiker gestorben. Laut Staatsanwaltschaft ist noch unklar, ob es an einem experimentellen Wirkstoff gelegen hat.

SpON

Die Heilpraktiker-Praxis an der deutsch-niederländischen Grenze war für schwer krebskranke Patienten wohl der letzte Strohhalm: Die meisten galten als austherapiert, sagte Oberstaatsanwalt Axel Stahl in Mönchengladbach. „In einer solchen Situation braucht man nicht sehr viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass man bereit ist, sich auch experimentellen Dingen zu nähern, nach jedem Strohhalm zu greifen, der verspricht, dass man noch ein bisschen länger leben darf.“

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Polen: Beten für den Goldzug

Andreas Richter und Piotr Koper, die Schatzsucher.Foto: AFP PHOTO / PIOTR HAWALEJ
Die Suche nach dem Nazi-Zug erregt die Gemüter: Gefunden wurde bisher nur zerbrochenes Porzellan. Dennoch haben die deutsch-polnischen Hobbyhistoriker ihre Hoffnungen nicht begraben.
 

Von Paul Flückiger | DER TAGESSPIEGEL

Die Vorfreude war groß: „Ich kann es nicht erwarten, diesen Goldzug mit meinen eigenen Augen zu sehen“, sagte ein aufgeräumter Pjotr Koper dem polnischen Newsportal onet.pl Mitte Juli. „Das Gefühl wird unbeschreiblich sein, mit nichts zu vergleichen“, freute sich der polnische Hobbyhistoriker. Zusammen mit seinem deutschen Kumpel Andreas Richter hatte der Pole vor Jahresfrist mit der Kunde von einem angeblichen Fund eines Nazi-Goldzugs weltweit für Aufsehen gesorgt.

Der Goldschatz sollte sich in einem geheimen unterirdischen Tunnel bei Walbrzych in Niederschlesien befinden. Dies wollen Koper und Richter mittels eigenen Georadaraufnahmen ermittelt haben. Am Montag begannen die Erdarbeiten für den dritten und letzten Sondierungsgraben.

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„Alternative“ Krebstherapie – mit tödlichem Gift vom Heilmeister

Unscheinbarer Ort des Unheils: das inzwischen geschlossene Behandlungszentrum in Brüggen-Bracht am Niederrhein. (Foto: Henning Kaiser/AFP)
Eine Häufung von Todesfällen in einer Klinik am Niederrhein zeigt: In Deutschland gibt es für solche Angebote keine klaren Regeln. Und wer todkrank ist, sucht oft verzweifelt nach Behandlungsmethoden.
 

Von Christina Berndt | Süddeutsche.de

Fleur W. suchte und las, las und suchte. Was soll man auch tun, wenn man 31 Jahre alt ist, Krebs im Endstadium hat und die Ärzte im Universitätsklinikum sagen, dass sie nichts mehr machen können? So fahndete Fleur W. im Internet nach einer letzten Chance, und im Juni glaubte die Niederländerin sie in Deutschland gefunden zu haben, gleich hinter der Grenze. In Brüggen-Bracht am Niederrhein bot der Heilpraktiker Klaus R. eine „biologische Krebstherapie“ an. Eine Therapie mit zweifelhafter Wirkung. Und, so hat es mehr und mehr den Anschein, offenbar eine sehr gefährliche Therapie.

Drei Wochen nach ihrem ersten Besuch bei Klaus R. muss Fleur W. die Behandlung abbrechen; zu schlecht ergeht es ihr, sie stirbt Ende Juli. Ein Einzelfall. Doch nur wenige Tage später kommt es unter den Patienten des Behandlungszentrums in Brüggen-Bracht zu einer außergewöhnlichen Häufung von Todesfällen. Eine 43-jährige Niederländerin, ein 55-jähriger Niederländer und eine 55-jährige Flämin sterben wenige Tage, nachdem sie dort eine Infusion erhalten haben. Zwei weitere Frauen liegen noch im Krankenhaus.

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Why the Olympics Are an ‘International Festival of Sports Pseudoscience’

Bild: BERND THISSEN/EPA/KEYSTONE/watson.ch
Keen watchers of the Rio Olympics might have noticed some weird purple blobs adorning American swimmer Michael Phelps’s body—large circular bruises, like perfectly rounded hickies. It almost looks like he got pelted with tennis balls, or attacked by a lamprey eel.

By Kate Lunau | MOTHERBOARD

Those marks show that Phelps has been “cupping,” an ancient Chinese practice in which circular cups are applied to the body, where they produce a gentle suction that lasts for minutes. (Sometimes actual fire is used to produce suction; other times it’s a mechanical device, like an air pump.) It’s meant to draw blood to a certain area to encourage healing.

The practice is seeing a surge of popularity among Rio athletes: Several have shown up for competition speckled with bruises. “Cupping is experiencing an Olympic moment,” as the New York Times put it on Monday. Although some, like US gymnast Alex Naddour, swear by its power to heal, there’s no good scientific evidence to back up the benefits of cupping.

From GPS-equipped rowing sculls to new kinds of clothing designed to shave mere seconds off an athlete’s best time, the Olympics are an incredibly high-tech, scientifically advanced affair. But athletes there are also relying on science-free techniques and therapies to get ahead. These days, when winners can be defined by the most minuscule of margins, maybe it’s no surprise that they’re seizing on any advantage—perceived or real—to supercharge their performance.

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Siebenstern: Esoterische Imker glauben an die Wirkung eines Kraftplatzes

Foto: HANS GEORG FRANK Skeptische Staatssekretärin: Friedlinde Gurr-Hirsch vom Agrarministerium (links) glaubt nicht an den Segen des Siebensterns für Bienenvölker.
Imker orientieren sich am Bau eines Doms, wenn sie an den Effekt des Siebensterns glauben. Wissenschaftler und Politiker halten von der Methode nichts.

Von Hans Georg Frank | SÜDWEST PRESSE

„Andere Imker“, weiß Volker von Schintling-Horny (78), „lächeln natürlich über mich“. Dass er sich von der Mehrheit nicht wirklich ernst genommen fühlt, grämt den Rentner aus Ratingen (Nordrhein-Westfalen) wenig. Er gilt als Mentor einer Methode, die in esoterischen Kreisen über jeden Zweifel erhaben ist. Volker – man duzt sich gerne in der Szene – propagiert den Bienen-Siebenstern. Bücher schreibt er darüber oder  trifft sich mit Gleichgesinnten wie in Heilbronn.

Lopetra Möhle aus Untergruppenbach ist eigentlich eine sehr bodenständige Frau. Als CDU-Gemeinderätin fühlt sie sich der Realität verpflichtet, den Fakten und Beweisen. Als Imkerin jedoch kann sie sich überirdischen Einflüssen nicht gänzlich verschließen. „Es ist total friedlich hier“, sagt sie auf einer Lichtung am Heilbronner Stadtrand und schwärmt von „Anmut und Vitalität“ ihrer Bienen. Nach Überzeugung der Geomantin Gabriele Friemelt handelt es sich um einen Kraftplatz. Sie habe den Flecken mit ihrer Gedankenkraft aktiviert, nachdem sie bei Gesprächen mit der Natur, bei Berührung mit Bäumen die vorhandene Energie festgestellt hatte. Bei diesem Vorgang sei stets ein Kribbeln zu spüren, verrät Volker.

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Mehrere Tote nach alternativer Krebsbehandlung in NRW

Das biologische Krebszentrum Bracht: Hier sollen die drei Todesopfer kurz vor ihrem Ableben behandelt worden sein © Henning Kaiser/DPA
Mehrere Patienten, die sich in einer alternativen Krebsklinik nahe der niederländischen Grenze behandeln ließen, sind in kurzen Abständen auf mysteriöse Weise gestorben. Die Behörden warnen weitere Patienten vor einer Therapie in dem Haus.

stern.de

Nach dem Tod mehrerer Patienten einer alternativen Krebsklinik am Niederrhein machen sich die Behörden Sorgen um die Gesundheit weiterer Kranker, die dort behandelt wurden. Sie riefen alle Patienten des Krebszentrums Brüggen-Bracht auf, sich zu melden. Drei Patienten, die in der vergangenen Woche in der Klinik an der Grenze zu den Niederlanden behandelt wurden, sind wenige Tage danach gestorben. Die Ursache ist noch nicht bekannt.

„Wenngleich eingehendere medizinische Untersuchungen noch zeigen müssen, was sich genau zugetragen hat, besteht derzeit ein konkretes Gesundheitsrisiko für Patienten, die sich in diesem Krebszentrum einer Behandlung unterzogen haben“, heißt es in dem gemeinsamen Aufruf der deutschen und der niederländischen Polizei. Auch Patienten, die sich schon früher in dem Biologischen Krebszentrum Brüggen-Bracht haben behandeln lassen, wurden gebeten, sich bei der Polizei in Mönchengladbach oder in den Niederlanden zu melden.

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Sicherheitstechnik: Ein Bombengerät

Bombendetektor ohne Batterie: Die Energie kommt angeblich vom Benutzer. (Foto: Khalil Al-Murshidi/AFP)
Der Sprengstoff-Detektor ADE 651 hat viele merkwürdige Eigenschaften. Vor allem funktioniert er nicht. Warum verwenden Sicherheitsdienste im Nahen Osten den „Zauberstab“ bis heute?

Von Moritz Baumstieger | Süddeutsche.de

Ist im Wagen Sprengstoff versteckt? Als ein schwarzer Mercedes am vergangenen Dienstag in die Tiefgarage des Einkaufszentrums Le Mall nahe Beirut fahren will, hält ihn ein schmächtiger Wachmann der „Middle East Security“an. Er richtet ein merkwürdiges Gerät auf das Auto, wie auf Fotos zu sehen ist. Vorne erinnert sein Bombendetektor an eine Pistole, nur dass anstelle eines Laufs eine Antenne angebracht ist. Den Arm zu exakt 90 Grad angewinkelt, schreitet der Sicherheitsmann das Fahrzeug ab. Reine Routine. Sprengstoffkontrollen gehören in Beiruts Malls zum Standard-Shoppingerlebnis. Das Gerät schlägt nicht an, der Mercedes darf weiterfahren.

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