So verbiegt die AfD die Polizeiliche Kriminalstatistik

Die AfD-Politiker Beatrix von Storch (links), Martin Hess und Gottfried Curio (rechts) sitzen am 29. Mai bei der Sondersitzung des Bundestags-Innenausschusses zur Bamf-Affäre Bild: dpa
„Schluss mit Augenwäscherei“ fordert Martin Hess. Doch um Flüchtlinge zu diskreditieren, präsentiert der AfD-Innenpolitiker eine falsche Rechnung.

Von Justus Bender | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Flüchtlinge sind krimineller als Deutsche. Dieser Satz ist für den AfD-Bundestagsabgeordneten Martin Hess über jeden Zweifel erhaben. „Wer dies immer noch leugnet, der hat entweder keine Ahnung oder lügt bewusst die deutsche Bevölkerung an. Schluss mit Schönrederei und Augenwäscherei (sic)!“, schrieb Hess mit großem Selbstbewusstsein am Montag auf seiner Twitterseite. Dazu stellte Hess ein Diagramm, in dem zwei farbige Balken miteinander verglichen wurden. Ein gelber Balken für die Deutschen und ein roter Balken für die Flüchtlinge. Gerechnet wurde in „Tatverdächtige pro 100.000 Personen“.

weiterlesen

Advertisements

Homöopathie: Auch nett erzählter Blödsinn bleibt Blödsinn

Homöopathische Globuli darf man auch kombinieren. Getty Images/iStockphoto
Gelassener und ausgeglichener bei körperlichen und seelischen Problemen – und das auf sanfte, natürliche Art. Vielen Menschen gefällt, was die Homöopathie verspricht, auch wenn Schulmediziner von reinem Placebo-Effekt ausgehen. Hier erklärt ein Mediziner und Experte für Homöopathie, wie Globuli der Seele helfen sollen.

Sabine Knapp | FOCUS ONLINE

Jeder zweite Deutsche hat schon einmal versucht, ein gesundheitliches Problem mit den Mitteln der Homöopathie zu bekämpfen. Die typischen Arzneikügelchen gelten als sanfte Alternative zu Medikamenten aus einem Pharmalabor. Vielen Homöopathie-Anhängern gefällt auch, dass Globuli und Tropfen nicht nur einzelne Symptome bekämpfen wollen, sondern den ganzen Menschen im Blick haben.

Daher ist es kaum verwunderlich, dass die Homöopathie auch bei psychischen Problemen entsprechende Mittel bereit hält. Gerade bei seelischen Nöten und Beschwerden stelle die Homöopathie einen guten Lösungsansatz dar, sagt der Allgemeinmediziner und Experte für Naturheilkunde Markus Wiesenauer.

weiterlesen

Skeptizismus im Verdacht

(Bild: Karin Hofer / NZZ)
Verschwörungstheorien lauern heute angeblich überall. Doch ihre derzeitige Bekämpfung birgt die Gefahr von gewaltigen Kollateralschäden.

Milosz Matuschek | Neue Zürcher Zeitung

In einer Galaxie, nicht weit von uns entfernt: Die amerikanische Mittelschicht transformiert sich seit Jahrzehnten in die Kaste der «working poor»; der Einkommensverlust wird nicht selten durch billige, aber ungesunde Ernährung kompensiert – die Fast-Food-Kette Wend’s verkauft Burger für 25 Cents das Stück und eine «Mahlzeit» für 99 Cents. Die Folge davon ist, dass Amerikaner nicht nur zu zwei Dritteln übergewichtig, sondern auch kränker sind als je zuvor. Die Werbung unterstützt die Entwicklung mit Kampagnen zu «big is beautiful», und wer am meisten Hotdogs in sich hineinstopfen kann, wird als Held gefeiert. Das Ganze freut die Pharmabranche (450 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr 2017) sowie das «big business» der Abnehmindustrie.

weiterlesen

Die Schweiz als Eldorado für deutsche Globuli-Fans

Ob homöopathische Mittel eine Wirkung erzielen, die über den Placebo-Effekt hinausgeht, ist hoch umstritten. (Bild: Keystone / Gaëtan Bally)
Dass die Krankenkassen hierzulande alternative Behandlungen bezahlen müssen, ist für deutsche Homöopathie-Anhänger der Beweis für die Wirksamkeit der Methode. Doch das ist eine Verdrehung der Tatsachen.

Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

Ist Homöopathie mehr als Hokuspokus? Fans der kleinen weissen Kügelchen schwören darauf, dass diese helfen. Verfechter wissenschaftlicher Methoden halten dagegen, dass Stoffe, die so stark verdünnt werden, dass sie sich nicht mehr nachweisen lassen, keine heilende Wirkung erzielen können. Auch in Deutschland wird die Debatte in aller Schärfe ausgetragen – und die Anhänger der Homöopathie verweisen dabei immer wieder auf die Schweiz als Land, das für den Umgang mit der alternativen Heilmethode Vorbildcharakter habe.

In einem Artikel für die deutsche «Ärztezeitung» schrieben die Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), Cornelia Bajic, und ihr Kollege Michael Frass vor kurzem, in der Schweiz sei Mitte 2017 bestätigt worden, dass «die Homöopathie die Kriterien der wissenschaftlich belegten Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit erfüllt». Das sei die gesetzliche Voraussetzung, um in den Leistungskatalog der obligatorischen Grundversicherung aufgenommen zu werden – anders als in Deutschland, wo die Kassen homöopathische Behandlungen zahlen dürfen, aber nicht müssen.

weiterlesen

Wurde in der Tschechischen Republik Nowitschok hergestellt?

Grafik: TP
Präsident Zeman sagt ja, die Regierung nein, der Leiter des Militärforschungsinstituts musste zurücktreten

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Bei dem offenen Konflikt zwischen der OPCW mit ihrem Direktor Ahmet Üzümcü, über die Menge des beim Anschlag auf die beiden Skripals verwendeten Nervengifts, ging es vor allem darum, ob das Nowitschok in militärischen Mengen oder nur zu Forschungszwecken hergestellt wurde. Der aus der Türkei stammende Direktor hatte erklärt, es habe sich um 50-100 Gramm gehandelt, was auf einen militärischen Hintergrund – und damit auf Russland – hinweise, da man zu Forschungszwecken nicht so viel brauche. Ein OPCW-Sprecher korrigierte den Direktor scharf. Man könne die Menge nicht genau bestimmen, es handele sich wahrscheinlich nur um einige Milligramm (OPCW kritisiert den Direktor).

Hintergrund des Konflikts innerhalb der OPCW, der politische Interessen vermutlich beim Direktor offenbart, dürfte eine Äußerung des tschechischen Präsidenten Zeman kurz davor gewesen sein, dass in seinem Land erst im November 2017 zu Forschungszwecken ebenfalls Nowitschok hergestellt, wenn auch gleich wieder vernichtet worden sei. Er habe die Information vom Militärgeheimdienst, nach dem kleine Mengen von A230 zu Testzwecken im Militärforschungsinstitut in Brno hergestellt wurden – vielleicht sei es auch A234 gewesen.

weiterlesen

Chia, Goji-Beeren: Zehn Ernährungsmythen im Faktencheck

foto: heidi seywald
Was bringen Detox-Food, Chia-Samen und Goji-Beeren wirklich? Eine Nachforschung in der Fachliteratur

Robert Czepel | derStandard.at

Braucht man Detox-Nahrung zum Entgiften? Hilft Schnaps bei der Verdauung? Und: Macht Schokolade glücklich? Wissenschaftliche Studien liefern auf althergebrachte Empfehlungen wie auf aktuelle Marketingstrategien eindeutige Antworten – die so manches vermeintliche Wundermittel entzaubern. Zehn Ernährungsmythen im wissenschaftlichen Faktencheck.

Detox-Nahrung: Entschlackung für die Geldbörse

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist die Lebensweise des westlichen Büromenschen ein Problem. Zu viel, zu fettes und zu salziges Essen, dazu Bewegungsarmut – diese Kombination ist ein, im Wortsinn, veritabler Nährboden für Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Kein Wunder also, dass wir bisweilen das Bedürfnis haben, den Körper reinigen zu wollen vom täglichen Übermaß an falschen Kalorien.

Wo ein Bedürfnis ist, lässt das Angebot nicht lange auf sich warten. Abhilfe versprechen Detox-Kuren, sie bieten käufliche Erleichterung für das schlechte Gewissen und Körperheil in Form von „Entschlackung“: Letztere soll all die Rückstände aus dem Darm entfernen, die sich, wie es heißt, kiloweise im Darm ansammeln.

weiterlesen

Die Verschwörungs-Nervensägen

Themenbild.
Als ich zur Uni ging, liefen sie in jeder Kiffer-WG. Die Rede ist von den „Zeitgeist“-Filmen. Wie Dan-Brown-Romane galoppieren die auf Dokumentation getrimmten YouTube-Videos durch die Weltgeschichte. Wir erfahren, wie eine kleine Elite seit den Anfängen der menschlichen Zivilisation die Geschicke der Welt lenkt. Nur der Übergang zu einer computergesteuerten „ressourcenbasierten Wirtschaft“ kann unser Schicksal (als mit Mikrochips versehene Sklaven einer neuen „Weltregierung“) noch abwenden.

Kolja Zydatiss | Achgut.com

Der erste der drei abendfüllenden Filme erschien 2007, der letzte 2011. In einer Welt, die von der globalen Finanzkrise verunsichert war, trafen die obskuren Machwerke des Amerikaners Peter Joseph Merola einen Nerv. Hunderte Millionen Menschen schauten sie sich im Netz an. Es entstand sogar eine „Zeitgeist-Bewegung“, die zeitweise über 400.000 Anhänger hatte.

Die „Zeitgeist“-Filme verbreiten Verschwörungstheorien. Die Definition dieses Begriffs ist nicht ganz einfach, denn selbstverständlich gibt es unzählige echte Verschwörungen und Komplotte, mit denen sich zum Beispiel der investigative Journalismus auseinandersetzt. Für den britischen Soziologen Frank Furedi unterscheiden sich Verschwörungstheorien von solcherlei legitimen Untersuchungen durch ihren umfassenden Versuch der Weltdeutung. Alles hängt demnach mit allem zusammen. Grundlegend für Verschwörungstheorien ist eine „Ideologie des Bösen“, die unerwartete Ereignisse und Unglücke als Produkt des Wirkens böswilliger Mächte präsentiert, die hinter den Kulissen des Sichtbaren die Fäden ziehen.

Conspirituality

Traditionelle Protestformen haben laut „Zeitgeist“-Macher Merola keinen Effekt auf die globale Elite. Anstatt das „System“ politisch zu bekämpfen, sollten sich seine Anhänger für Wissen, Frieden, Einheit und Mitgefühl einsetzen. Die Forderung eines „neuen Bewusstseins“ oder „spirituellen Erwachens“ ist ein zentraler Topos esoterischen Denkens. Sie weist die „Zeitgeist“-Filme als ein Beispiel von „Conspirituality“ aus.

weiterlesen

Panpsychismus: Die seltsame Wiederkehr der Weltseele

Die Grenzen zwischen beseelter und unbeseelter Materie sind laut Panpsychismus fliessend. (Bild: Mauritius)
Der Panpsychismus, also die Vorstellung, dass alle Dinge geistige Eigenschaften besitzen, ist wieder salonfähig geworden. Das zeugt vor allem von einem tiefen Misstrauen gegenüber den Naturwissenschaften.

Eduard Kaeser | Neue Zürcher Zeitung

Bis ins 19. Jahrhundert hinein, als die Naturwissenschaften definitiv die Vorherrschaft im Welterklären erlangten, hielt sich die Vorstellung, dass das Universum im Grunde regiert sei von einer kosmischen Akteurin namens Weltseele. Sie durchdringt alles Existierende und sorgt für einen Zusammenhang und Zusammenhalt von allem: Die Welt ist ein beseelter Makroorganismus. Diese Idee trat zunehmend zurück vor der viel mächtigeren und umgänglicheren Idee der Welt als eines Makromechanismus, oder heute: eines Makroalgorithmus.

Die Idee der Weltseele gewinnt in den Naturwissenschaften und vor allem in der Wissenschaftsphilosophie wieder an Diskussionswürdigkeit. Man spricht vom Panpsychismus oder Kosmopsychismus. Die Gründe dafür liegen in der Entwicklung der Wissenschaft selbst. Und zwar sind es zwei Brennpunkte, die das Interesse der einschlägigen Forscherkreise binden und bündeln: Universum und Gehirn. Beide haben mit einem sogenannten «harten Problem» zu schaffen.

weiterlesen

Esoterik und Religion: Eh alles das Gleiche, oder?

Foto: istockphoto.com/at/portfolio/creativaimages Religion, Esoterik, Spiritualität – alles eins?
Die Empörung war groß, als in den vergangenen Wochen publik wurde, dass im Rahmen eines Krankenhausbaus in Wien von öffentlichen Stellen ein sehr hoher Betrag für einen „Esoteriker“ ausgegeben wurde, der angeblich einen energetischen „Schutzring“ errichten wollte, dessen genaue Funktion und Gestalt bislang noch keiner wirklichen Definition zugeführt wurde.

Franz Winter | derStandard.at/Blog

Der dabei kolportierte Betrag – 95.000 Euro – ist nach allen bekannten Maßstäben in der Tat exorbitant und der Ruf nach politischer Verantwortung zeigte bald seine Folgen. Auffällig war, wie sehr diese Diskussion die Gemüter erregte. Diskussionsforen – nicht nur die im STANDARD – explodierten geradezu und insbesondere die Aktivisten der sogenannten „Skeptiker“, des österreichischen Ablegers der „Gesellschaft für die wissenschaftlichen Untersuchung von Parawisssenschaften“ (GWUP), konnten ihre Expertise einbringen, indem sie in erster Linie den „Unsinn“-Charakter eines solchen Unternehmens hervorstrichen. Dass man da wenig „skeptisch“ argumentierte, sondern zuweilen äußerst dogmatisch, steht auf einem anderen Blatt.

Die Katholische Kirche reagierte auf den Skandal gewitzt und meinte: „Ein einfacher Segen wäre günstiger gewesen“. Womit ein Thema berührt ist, das im Folgenden näher betrachtet werden soll. Unterschwellig in der Diskussion präsent ist nämlich die These, dass sich hier etwas präsentieren würde, das ganz allgemein unter dem Label Religion zu versammeln sei. Ist nun Esoterik einfach Religion oder möglicherweise irgendetwas ganz anderes, was eben „mit Religion nichts zu tun hätte“, wie entgegengesetzt oft behauptet wird?

weiterlesen

Esoterik und Spiritualität sind nur etwas für Reiche

Bild: Die Tagespost
Wir haben die Eso-Messe «Lebenskraft» besucht, um uns spirituell erleuchten zu lassen. Leider hatten wir nicht genug Bargeld dabei.

Von Benjamin Quirico | Tillate

Mein erster Besuch der «Lebenskraft», der wohl bekanntesten Schweizer Messe für Esoterik und Spiritualität, liegt mittlerweile zwei Jahre zurück. Ich war schon damals nicht sonderlich beeindruckt vom allgemeinen Programm und den häufig überteuerten Services und Gimmicks, die den Besuchern angeboten wurden.

Zum 30-jährigen Jubiläum der Messe wage ich einen zweiten Versuch und begebe mich – diesmal mit unserer rasenden Video-Reporterin Valentina im Schlepptau – in die oberste Etage der Messe Zürich. Rund 150 Ausstellerinnen und Aussteller bieten auch heute wieder alles an, was man braucht, um den Heisshunger nach Spiritualität – oder zumindest ästhetisch gewöhnungsbedürftigem Buddha-Kitsch – zu stillen.

Erzengel Metatron verkauft jetzt Glas

Aura-Fotografie, Handlesen und «Einhorntränen» sind keine kostengünstigen Angelegenheiten, werden hier aber teilweise als essentielle Bestandteile und Meilensteine für den Weg zu innerem Seelenfrieden verkauft. Es tut mir, wie schon beim letzten Mal, ein bisschen leid um die vielen Leute, die ihr Erspartes irgendwelchen Scharlatanen (von denen es in dieser Szene zweifelsohne einige gibt) in den Rachen stopften.

weiterlesen

I watched an entire Flat Earth Convention for my research – here’s what I learned

Flat Earth in space with sun and moon. (Shutterstock)
Speakers recently flew in from around (or perhaps, across?) the earth for a three-day event held in Birmingham: the UK’s first ever public Flat Earth Convention. It was well attended, and wasn’t just three days of speeches and YouTube clips (though, granted, there was a lot of this). There was also a lot of team-building, networking, debating, workshops – and scientific experiments.

The Conversation | RAWSTORY

Yes, flat earthers do seem to place a lot of emphasis and priority on scientific methods and, in particular, on observable facts. The weekend in no small part revolved around discussing and debating science, with lots of time spent running, planning, and reporting on the latest set of flat earth experiments and models. Indeed, as one presenter noted early on, flat earthers try to “look for multiple, verifiable evidence” and advised attendees to “always do your own research and accept you might be wrong”.

While flat earthers seem to trust and support scientific methods, what they don’t trust is scientists, and the established relationships between “power” and “knowledge”. This relationship between power and knowledge has long been theorised by sociologists. By exploring this relationship, we can begin to understand why there is a swelling resurgence of flat earthers.

read more

Verein Sekten-Info berichtet über esoterische Abwege: Unfug mit Engeln

Engel beflügeln die Fantasie der Menschen. Von ihnen versprechen sie sich Schutz. Geschäftemacher und Esoteriker bedienen sich der Faszination dieser Wesen. Foto: Imago
Geistheiler, Lebenshilfegurus und »christliche Anführer«, die dazu raten, Kinder mit der Rute zu züchtigen: Der Verein Sekten-Info hatte auch 2017 wieder gut zu tun.

Westfalen-Blatt

Wegen Sekten und esoterischen Strömungen suchen in Nordrhein-Westfalen weiter viele Menschen – oft Angehörige – den Rat von Fachleuten. Der Verein Sekten-Info NRW registrierte im vergangenen Jahr insgesamt 954 Anfragen und ausführliche Beratungen und damit fast soviel wie 2016 (963).

In rund einem Fünftel aller Fälle ging es um Esoterik wie etwa Engelseminare, Wahrsageangebote oder Geistheilung. An zweiter Stelle standen Anfragen und Beratungen zu fundamentalistischen Gruppen, vor allem aus dem christlichen Bereich, teilte der Verein in Essen bei der Vorstellung seines Jahresberichts mit. Die Beratungsstelle wird vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert. Sie hat fünf Mitarbeiter. Im Beirat sind das katholische Bistum Essen und der evangelische Kirchenkreis Essen vertreten.

weiterlesen

Verschwörungstheorien: Was hilft?

foto: picturedesk.com Verschwörungstheorien: „Alles mit allem verbunden.“

Verschwörungstheorien befinden sich im Aufwind. Michael Butter leitet ein Forschungsprojekt zum Thema und weiß, wie schwer Verschwörungstheoretiker vom Gegenteil zu überzeugen sind. Was hilft? Mehr Medienkompetenz

Interview Ingo Peitz | derStandard.at

STANDARD: Haben Sie so etwas wie eine Lieblingsverschwörungstheorie?

Butter: Ich empfinde an vielen Verschwörungstheorien eine gewisse Freude. Nicht so sehr an den gegenwärtigen, da man da gleich die problematischen Aspekte und Gefahren mitdenkt, aber die Theorien des 19. Jahrhunderts haben es mir schon sehr angetan. Wie beispielsweise die Idee, die viele Amerikaner haben, dass die katholische Kirche und der Papst unter der Führung des österreichischen Fürsten Metternich die USA zerstören wollten. Ähnlich ist es bei Ideen aus dem 20. Jahrhundert wie denjenigen bezüglich der Mondlandung, die aufgrund der teilweise sehr kreativen angeführten visuellen Beweise überzeugend wirken können. Einen gewissen Reiz hat auch die Theorie des ehemaligen Fußballprofis David Icke, dass wir von Reptilien-Aliens aus dem All beherrscht werden. Das ist schon wieder so absurd, dass es auch sympathisch ist.

weiterlesen

How to Reason With Flat Earthers (It May Not Help Though)

Credit: SpaceX
Thinking that the earth might be flat appears to have grown in popularity in recent years. Indeed, flat earthers are gathering for their annual conference this year in Birmingham, just two miles from my own university.

By Nikk Effingham | SPACE.com

But the earth isn’t flat. Unsurprisingly, this isn’t hard to prove. But as scads of YouTube videos demonstrate, these proofs fail to convince everyone. A glance at the comments show there’s still vitriolic disagreement in some quarters.

Philosophy can explain why. Consider one, standard, flat earth line: „Can you prove the world is round?“ Maybe you point to the (often artificially assembled) photos of Earth from space. Or possibly you rely on the testimony of astronauts. The flat earther knocks it all back. The standard of proof is higher, they say. You haven’t been to space. You haven’t seen the round earth.

read more

Die Zentralsonne aus Holz für besser schmeckende Gurken

Ein Bioladen in Lienz ist der erste Zentralsonnenhändler Österreichs. Eine massive Scheibe aus Holz sorgt dafür, dass Gemüse und Obst gewaltig besser schmecken. Mit Esoterik habe das nichts zu tun, sagt der Hersteller

Christian Kreil | derStandard.at/Blogs

Das Obst und das Gemüse aus dem Bioladen in Lienz schmeckt jetzt „um 60 Prozent besser“. Das ist in einer Ausgabe des „Osttiroler Boten“ im März zu lesen. Wir wissen zwar nicht, wie man Verbesserungen im Geschmack in Prozenten misst, aber eines ist fix: Es ist die Kraft der Sonne, die unserem Biozeugs das gewisse Plus verleiht. Die Sonne ist eine Scheibe aus Eiche oder Nuss, hat Rillen und misst 42 Zentimeter im Durchmesser. Auf den ersten Blick erinnert sie ein wenig an ein Jausenbrett, auf dem man in der Stube unter dem Herrgottswinkel mit einem scharfen Feitel Speck aus dem Villgratental schneiden möchte. Die Holzsonne ruht senkrecht auf einer hölzernen Säule. Das sei wichtig für die Erdung, sagt der Hersteller. Das heißt: Bei der Jause ist das Stück so nicht zu gebrauchen.

weiterlesen

Alchemie im frühen Universum

Abb. 2: Newtons Notizen über die Herstellung des Steins der Weisen.
Die Alchemisten des Mittelalters wollten vergeblich mit chemischen Verfahren unedles Metall in Gold umwandeln. Im frühen Universum gelang das Kunststück der Transmutation, allerdings von Energie in den leichten Elementen, die heute das Universum ausfüllen

Raúl Rojas | TELEPOLIS

„Al-chemie“ stammt aus „al-kimiya“, ein arabisches Wort. Obwohl die Alchemisten ihr Ziel der Transmutation von Elementen nicht erreichten, entwickelten sie in ihrem Eifer viele der Laborinstrumente, die später die wissenschaftliche Chemie beflügeln sollte. Kein geringerer als Isaac Newton verbrachte unzählige Stunden mit alchemistischen Versuchen.

Die Geschichte der westlichen Alchemie beginnt, wie so vieles, mit den Griechen. Im fünften Jahrhundert vor unserer Zeit schlug Empedokles vor, alles Materielles bestünde aus den vier klassischen Grundelementen, d.h. Feuer, Luft, Erde und Wasser. Später übernahm Aristoteles diese Einteilung und verwandelte sie auch sogleich in eine kosmologische Erklärung für die „natürliche“ Stelle jedes Elements im Universum. Die Metallurgie war bereits relativ alt und sie lieferte das beste Beispiel dafür, dass durch Erhitzung, Kondensation bzw. Abkühlung ein Stoff in einen anderen umgewandelt werden könnte. In der aristotelischen Tradition konnte die Veränderung einfach durch die Umschichtung der vier Grundelemente erklärt werden. Im Prinzip wäre jeder nicht-elementare Stoff in jeden anderen verwandelbar.

weiterlesen

Wait For It…The First ‚April 23rd Doomsday‘ Was Predicted in 1843

The latest doomsday prediction points to April 23, 2018, as the end. But it’s totally bogus. Credit: iStock/Getty Images Plus
Call it the recycled doomsday: A new prediction for the end of the world sets the apocalypse date as Monday, April 23, based on a mishmash of old numerology, re-readings of the biblical Book of Revelation and rehashed conspiracy theories about a rogue „Planet X.“

By Stephanie Pappas | SPACE.com

Even the calendar date of the prediction, April 23, hearkens back to one of the most famous failed apocalypse predictors of all time, William Miller. A Baptist preacher whose followers would eventually form the Seventh-day Adventist Church, Miller predicted multiple doomsday dates in the mid-1800s, including one on April 23, 1843. He was most famous for a later prediction of Oct. 22, 1844, a date that would live on in infamy as „The Great Disappointment“ when Jesus Christ did not appear to kick off the end of the world. [End of the World? Top 10 Doomsday Threats]

The latest doomsday predictor with a slippery grasp on dates is David Meade, who previously claimed that a rare alignment of stars on Sept. 23, 2017, heralded the end. Meade said that the star alignment would precede the passage by Earth of a rogue planet called Planet X, which would cause all sorts of geological trials and tribulations, culminating in the eventual return of Jesus per the Book of Revelation.

read more

Esoterik: Geschäfte mit der Kinderpsyche

foto: getty images/istockphoto/esemelwe Globuli für alles und gegen jedes: Die Zuckerkügelchen gelten als Allheilmittel gegen Allerweltszipperlein wie gegen schwere Erkrankungen.
Bach-Blüten, Gehirnknöpfe, Pendel und Globuli: Besonders Kinder leiden unter der Homöopathie-Gläubigkeit ihrer Eltern, die eher an sogenannte alternative Heilmethoden als an wissenschaftlich abgesicherte Medizin glauben wollen

Heinz Zangerle | derStandard.at

Der Esoterik-Boom hat längst auch die Kinder erfasst. Ob Konzentrationsprobleme, Fehler im Diktat, Bettnässen oder Hyperaktivität – dem Zeitgeist entsprechend sind schnelle Lösungen gefragt: die Bach-Blüte, das Biosäftchen, Hirngymnastik. Vielleicht macht’s gar der Pendler wieder gut. Die kindliche Psyche ist ein Tummelplatz „alternativer“ Methoden geworden, an denen wenig alternativ und vieles Schnee von gestern ist. Und die Fachkollegen schauen weg.

Überzogene Versprechungen bewerben ein verwirrendes Sammelsurium an Therapien für Kinder mit Lern- und Verhaltensproblemen. („Jenseitskontakte, Heilsteine und rechte Wälzer“, im STANDARD). Besorgte Eltern hoffen auf die okkult-esoterischen Wirkungen auf die Kinderpsyche. In der psychologischen Praxis erfährt man es fast täglich: Eine Mutter berichtet, wie sie nach stundenlangem Üben ihrem Sohn Bach’sche Notfalltropfen neben das Bett stellt. Sie ist überzeugt, dass deren „feinstoffliche“ Wirkung ein weiteres Diktat-Waterloo abwenden wird.

weiterlesen

Ist die Erde flach?

Die flache Erde als Scheibe, umgeben von einer Eismauer der Antarktis. Bild: public domain
Eine Umfrage unter Amerikanern ergab, dass die 18-24-Jährigen am ehesten Flat Earther sind oder an der Vorstellung einer runden Erde zu zweifeln scheinen

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Kürzlich wurde der Bewegung der „Flat Earther“, also denjenigen, die gegen den Mainstream glauben, die Erde sei nicht rund, sondern flach, wieder einmal Aufmerksamkeit zuteil. Der US-Amerikaner und Limousinenfahrer Mike Hughes bzw. „Mad Mike“, der angeblich beweisen will, dass die Erde flach ist, hatte sich am 24. März mit einer selbst gebauten Rakete etwas mehr als einen halben Kilometer in die Luft geschossen und kam dieses Mal auch heil, d.h. leicht verletzt, wieder herunter.

Rätselhaft bleibt, wie es „Mad Mike“, geb. 1956, wenn er nicht sowieso nur Aufmerksamkeit erzielen will, erreichen könnte, aus eigener Anschauung zu beweisen, dass die Erde nicht rund ist. Eigentlich bräuchte der Teufelskerl (daredevil), wie er sich auch selbst nennt, ja nur auf die Spitze eines Wolkenkratzers ganz ungefährlich mit einem Aufzug fahren, dann würde er aus derselben Höhe wie mit seiner Rakete auf die Welt schauen, auch wenn es dann nicht in der Mojave-Wüste wäre. Noch einfacher wäre, wenn er sich in ein Flugzeug setzen würde. Eine Weltraumfahrt oder ein Besuch der Internationalen Weltraumstation wäre freilich auch hilfreich, wenn man schon den Bildern nicht glaubt. Aber er will ja selbst mit einer selbstgebauten Rakete in den Weltraum fliegen, um von dort aus ein Bild von der gesamten flachen Erde zu machen.

weiterlesen

Esoterik zwischen Kräuterbauer und Rechtsaußen

Bei der Esoterikmesse in der Wiener Stadthalle präsentiert sich die Szene als heterogene Mischung aus alternativer Medizin und Lebensberatung. Aber auch Andockflächen für das verschwörungstheoretische Milieu werden geboten.

Vanessa Gaigg, Michael Luger | derStandard.at

„Ich bin ein Medium“, sagt Maria Elisabeth. „Jeder Mensch kann eines sein, wenn er möchte.“ Ungefähr neunzig Zuhörer sind gekommen, um den Vortrag von Maria Elisabeth auf der Esoterikmesse in der Wiener Stadthalle zu hören. Die Besucher sitzen im größten der vier Vortragssäle in mehreren Reihen hintereinander. Der Andrang ist groß. Manche lehnen an der Wand, weil keine Plätze mehr frei waren. Im Programm angekündigt wurden Jenseitskontakte inklusive Durchsagen der Verstorbenen.

Medium Maria Elisabeth hat die Augen geschlossen. Trotzdem sieht sie jemanden: eine Frau, zwischen 60 und 65 Jahre alt, mit grauen Haaren, sagt sie. „Sie steht ungefähr hier.“ Elisabeth deutet auf die vordere rechte Hälfte des Publikums. Die Leute recken die Köpfe, um gut sehen zu können. Manche müssen sich das Lachen verkneifen. Andere warten gespannt, was als nächstes passieren wird.

weiterlesen