Katholik Steve Bannon – Kommt der Rechtsruck in Europas Kirchen?

Steve Bannon, Bild: wikipedia.org/CC BY-SA 3.0 – Gage Skidmore

Steve Bannon, der rasputinhafte Stratege, der 2016 den Wahlsieg von US-Präsident Donald Trump ersann, verfolgt neben seiner rechten Netzwerkarbeit in der Politik auch eine kirchliche Agenda.

Thomas Seiterich | katholisch.de

Leidenschaftlich polemisiert der erzkonservative Katholik gegen menschenrechtlich und sozial engagierte Bischöfe und Kirchen. Man sollte hellwach sein und öffentlich darüber berichten, welche Allianzen Bannon schmiedet, wenn er – wie jüngst beim Englandbesuch von Trump – in einem Londoner Hotel Hof hält und praktisch im Stundentakt Rechtsaußenvertreter aus Europa trifft, darunter auch Kirchennahe.

Bannon will, dass die Nationalpopulisten bei der Europawahl im Mai 2019 zu einer der mächtigsten Kräfte werden. Er trennt nicht zwischen Politik und Religion. Kirchen und Parteien sind für ihn lediglich einflussreiche Kräfte, die es zu benutzen oder zu gilt. Er wittert die Verunsicherung in den Kirchen und spürt ihr Potenzial, Steigbügelhalter für die große Wende nach rechts zu werden.

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Twitter will Verschwörungstheoretiker nicht sperren

foto: apa/afp/justin tallis Twitter-Chef Jack Dorsey findet, dass eine Sperre zwar kurzfristig Nutzer erfreuen würde, auf Dauer aber nur schädlich ist.
Im Netz wird diskutiert, inwiefern freie Meinungsäußerung erlaubt sein darf

Muzayen Al-Youssef | derStandard.at

Das Pentagon habe Chemikalien, genannt die „Schwulenbombe“, in das US-Wasserversorgungssystem entweichen lassen, sodass nun sogar die „verdammten Frösche schwul sind“. Millionen illegale Migranten hätten an der US-Präsidentschaftswahl 2016 teilgenommen. Und ein Amoklauf in einer Volksschule in Connecticut im Jahr 2012, bei dem 28 Menschen, darunter 20 Kinder, starben, sei eigentlich nur vorgespielt gewesen. Die Opfer seien angeblich Kinderschauspieler, die Intention dahinter sei, das US-Waffenrecht einzuschränken: Es sind Verschwörungstheorien wie diese, die den Radiomoderator Alex Jones und seine Sendung Infowars im Netz berüchtigt machten.

Gewaltverherrlichend

Vor allem in der US-amerikanischen Alt-Right-Szene konnte er sich über die Jahre als eine Ikone etablieren, die ihre Fans regelmäßig mit Videos, Texten und Radiosendungen versorgte. Nun drehten ihm die meisten seiner bevorzugten Distributionskanäle, Youtube, Facebook, Spotify, iTunes und sogar Pornoseiten, den Hahn ab. Jones’ Inhalte seien, so die Begründung, gewaltverherrlichend und menschenverachtend.

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Fernsehwochenvorschau: „Kann man Gott beleidigen?“

Blasphemie ist ein brisantes Thema in Zeiten, in denen Religion weltweit an Bedeutung gewinnt oder sogar zu einem Politikum werden kann, das Terror und Gewalt auf den Plan ruft. Die Dokumentation geht dem Streit zwischen Meinungsfreiheit und Respekt vor der Religion nach. Und das lohnt sich sonst noch im TV.

evangelisch.de

Der Streit um Blasphemie wird hinterfragt in der Sendung „Kann man Gott beleidigen?“ auf Arte am 15.8.. Ein Beispiel ist die Goldene Reliquienkammer St. Ursula in Köln: Zur Verehrung Gottes gehörte im Mittelalter die Heiligen- und Reliquienverehrung.

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Weltkongress besorgt über Antisemitismus in Deutschland

Synagoge in Berlin. Themenbild Bild: bb
Laut Angaben des Jüdischen Weltkongresses ist die Zahl antisemitischer Vorfälle im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2017 um 10 Prozent gestiegen. Es brauche „konzertierte Anstrengungen“, so der Präsident.

DOMRADIO.DE

Der Jüdische Weltkongress (WJC) zeigt sich besorgt über eine steigende Zahl antisemitischer Vorfälle in Deutschland. Die Bundesregierung habe ein „bewundernswertes Engagement zur Bekämpfung von Antisemitismus bewiesen“, erklärte WJC-Präsident Ronald Lauder am Freitagabend Ortszeit in New York. Als Beispiel nannte er die Ernennung von Felix Klein zum ersten Regierungsbeauftragten für die jüdische Gemeinschaft. Dennoch brauche es konzertierte Anstrengungen, um den „stetigen Anstieg gewalttätiger Vorfälle und Belästigungen zu stoppen und sicherzustellen, dass sich die deutschen Juden weiter sicher und wertgeschätzt fühlen“.

Laut WJC-Angaben ist die Zahl antisemitischer Vorfälle im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2017 um 10 Prozent gestiegen. Von 401 registrierten antisemitischen Vorfällen seien 349 als von Personen mit rechtsextremistischen Tendenzen gemeldet worden, 80 davon allein in Berlin.

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, der auch WJC-Vizepräsident ist, forderte die Einführung eines effektiven landesweiten Meldesystems für Antisemitismus. Der Jüdische Weltkongress vertritt international jüdische Gemeinden in 100 Ländern gegenüber Regierungen, Parlamenten und internationalen Organisationen.

AfD will gegen ihre Wahlkampfhelfer klagen

„Franz Josef Strauß würde AfD wählen“ in München: Die Familie von Strauß wehrte sich gegen das Wahlplakat Quelle: dpa
Auf Plakaten ruft der „Verein für Rechtsstaatlichkeit und bürgerliche Freiheiten“ dazu auf, AfD zu wählen. Die Partei wehrt sich jetzt juristisch dagegen. Die Hintergründe sind pikant: Es geht um illegale Parteienfinanzierung.

DIE WELT

Seit mehr als zwei Jahren wirbt der „Verein für Rechtsstaatlichkeit und bürgerliche Freiheiten“ massiv für die AfD. Auf Plakaten und in Gratiszeitungen wird dazu aufgerufen, die Partei zu wählen. Bekannt wurde ein Plakat mit der Aufschrift: „Franz Josef Strauß würde AfD wählen“ und dem Konterfei des früheren CSU-Chefs. Jetzt will die AfD gegen ihre eigenen Unterstützer klagen, nachdem der Verein nicht auf ein Abmahnschreiben der Partei reagiert hat. Das berichten WDR, NDR und  „Süddeutsche Zeitung“.

Bislang hatte die AfD die für sie kostenlose Unterstützung hingenommen. Seit einiger Zeit übt jedoch die Bundestagsverwaltung Druck auf die Partei aus. Es steht der Verdacht der illegalen Parteienfinanzierung in bis zu zweistelliger Millionenhöhe im Raum. Deshalb will die AfD nun gegen die mittlerweile unerwünschte Wahlwerbung vorgehen.

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Verfassungsschutz entwaffnet Hunderte «Reichsbürger»

Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen sieht Erfolge im Kampf gegen «Reichsbürger». Foto: Michael Kappeler © dpa-infocom GmbH
«Reichsbürger» und «Selbstverwalter» lehnen die Bundesrepublik vehement ab. Verfassungsschutzpräsident Maaßen sieht Fortschritte im Kampf gegen die Waffennarren unter ihnen – ihre Zahl ist unter 1000 gefallen. Grund für Entwarnung gibt es nicht.

stern.de

Im Kampf gegen rechtsextremistische «Reichsbürger» und «Selbstverwalter» sieht der Verfassungsschutz Erfolge bei deren Entwaffnung, aber keinen Grund zur Entwarnung.

Die Zahl der als Inhaber einer Erlaubnis zum Führen von Jagd-, Sport– oder anderen Schusswaffen bekannten Szenemitglieder hat laut Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) deutlich die 1000er-Marke unterschritten. «Nichtsdestotrotz ist der Grad der Bewaffnung der Szene weiterhin hoch», wird zugleich gewarnt.

«Bei der Entziehung waffenrechtlicher Erlaubnisse werden Erfolge sichtbar», sagte BfV-Präsident Hans-Georg Maaßen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Dennoch müssen wir diese Szene weiterhin genauestens im Blick behalten.»

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RDF Talk – Carsten Frerk: Kirchenrepublik Deutschland

In seinem Vortrag zum gleichnamigen Buch „Kirchenrepublik Deutschland“ beschreibt Dr. Carsten Frerk erstmals, wie die Kirchen in Deutschland systematisch Einfluss auf die Politik nehmen. Dabei zeigt sich, dass katholische und evangelische Stellen in einer Weise in Gesetzgebungsverfahren eingebunden sind wie keine zweite zivilgesellschaftliche Kraft.

Richard-Dawkins-Foundation

Wie stark der Einfluss der Kirchen auf die Politik ist, zeigt unlängst die Entscheidung des Parlaments zum Thema Sterbehilfe. Laut Dr. Frerk ist die Verabschiedung des „Gesetzes zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ 2015 nicht unwesentlich auf die enge personelle Verflechtung von Kirche und Staat in Deutschland zurückzuführen.

So lassen die Kirchen ihre Interessen Realität werden, obwohl es dafür längst keine Mehrheiten in der Bevölkerung mehr gibt. Als größte private Arbeitgeber, als größte Grundbesitzer und als Milliarden umsetzende Wirtschaftskonzerne verfolgen die Kirchen massive Eigeninteressen.

Zum Referenten:

Carsten Frerk ist Politologe und wurde durch kirchen- und religionskritische Werke bekannt. Zudem ist er Autor historischer Romane. Im Mittelpunkt seines Werks stehen Buchveröffentlichungen über die finanziellen Verflechtungen von Staat und den beiden Amtskirchen in der Bundesrepublik Deutschland. Unter anderem deshalb gilt er als Kirchen- und Religionskritiker. Carsten Frerk ist Mitglied im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung.

Möchten Sie sterben? Malware gegen Herzschrittmacher lässt Hersteller kalt

Ein Schrittmacher des US-Herstellers Medtronic (Bild: Medtronic )
Die Firma Medtronic sieht kein Problem darin, dass Hacker die Software in ihren Herzschrittmachern nach belieben manipulieren können.

Uli Ries | heise online

Zwei Hacker haben einen Hersteller von Herzschrittmachern und Insulinpumpen auf schwere Sicherheitslücken in dessen Produkten aufmerksam gemacht. Das Spektrum der Lücken reicht bis zur Installation manipulierter Firmware auf den Programmiergeräten zum Auslesen und Umprogrammieren der Herzschrittmacher – was dann natürlich zu im Zweifelsfall tödlichen Angriffen auf die implantierten Herzschrittmacher genutzt werden kann. Der Hersteller wurde vor 18 Monaten informiert, will aber dennoch kein Update liefern.

„Das war die frustrierendste Erfahrung meiner Karriere“, sagt Billy Rios während der Präsentation, die er im Rahmen der Sicherheitskonferenz Black Hat in Las Vegas zusammen mit seinem Kollegen Jonathan Butts hielt. Die Kommunikation mit der US-Medizintechnikfirma Medtronic, die etwa Herzschrittmacher oder Insulinpumpen herstellt, gestaltete sich demnach als 18-monatige Hängepartie.

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Österreich: Schüler spielen „Die Welle“ nach – mit „Hitlergruß“ und „Gaskammer“

Jürgen Vogel im Film „Die Welle“ von 2008. In einer Schulklasse in Österreich diente er als Inspiration zur Nachahmung, offenbar hatte die pädagogische Begleitung nicht ausgereicht. © Constantin Filmverleih Picture Alliance
Das pädagogische Konzept einer Lehrerin in Österreich schlug fehl, ihren Schülern diente der Film „Die Welle“ zur Inspiration statt als Abschreckung. Er spaltete die Klasse in SS-Männer und „Drecksjuden“.

stern.de

Wie schnell sich eine gesellschaftliche Struktur ändert, zeigt ein aktueller Fall im österreichischen Burgenland, der sich unter Schülern nach der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ereignete. Zehn Jahre ist der Film „Die Welle“ alt, in dessen Hauptrolle Jürgen Vogel seine Schüler in einem aufwendigen Sozialexperiment den Nationalsozialismus nachspüren lässt, die Verfilmung geht auf das Buch von Morton Rhue von 1981 zurück.

Beides, Buch und Film, waren Inhalt des Deutschunterrichts einer Klasse von 13- und 14-Jährigen in Zurndorf. Ganz wie im Film, in dem  das Experiment des Lehrers seiner Aufsicht entglitt, schlug auch der Unterricht einer Deutschlehrerin bei ihren Schülern fehl: Diese spielten in den Pausen Drittes Reich. In der Sporthalle übernahmen einige die Rolle von SS-Männern, andere spielten Juden. Als „Drecksjuden beschimpft“, wurden sie geschubst und in den Lagerraum für Sportgeräte eingesperrt, wie „Kurier.at“ berichtet.

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Ruhrtriennale: Die wahren Fehler der Intendantin im Streit über Israel

Die Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp bei der Auftakt-Pressekonferenz Quelle: dpa
Intendantin Stefanie Carp wollte eine Band einladen, die die antiisraelische Boykottbewegung BDS unterstützt. Nun kommt der Ministerpräsident nicht zum Festival. Analyse eines Kommunikationsdesasters.

Von Stefan Keim | DIE WELT

Unangenehmer kann ein Festival nicht starten. Schon bevor sie am Donnerstagabend begonnen hat, steht die Ruhrtriennale im Verdacht, der antiisraelischen Bewegung BDS ein Forum bieten zu wollen. Die Abkürzung bedeutet Boykott, Divestment, Sanctions. Ihre Anhänger boykottieren Kulturveranstaltungen, in denen der Staat Israel eine Rolle spielt und sei sie noch so gering.

„Wie vor dem Ersten Weltkrieg“

Bei der Ruhrtriennale sollte die schottische Band Young Fathers spielen, die sich zum BDS bekennt. Intendantin Stefanie Carp wurde vor den Kulturausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags geladen und scheint sich dort sehr unklar geäußert zu haben. Danach waren Politiker von CDU, SPD und FDP erbost. Die Kulturministerin kritisierte die Haltungslosigkeit der Intendantin. Erstmals wird der Ministerpräsident keine Veranstaltung der Ruhrtriennale besuchen. Das Land bezahlt einen großen Teil des Etats.

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Papst Franz verliert in Italien deutlich an Beliebtheit

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Papst Franziskus verliert in Italien aufgrund seiner Migrations-Einstellung offensichtlich deutlich an Zustimmung bei jungen Menschen.

kath.net

Papst Franziskus verliert in Italien aufgrund seiner Migrations-Einstellung offensichtlich deutlich an Zustimmung bei jungen Menschen. Dies zeigt eine Umfrage vom vergangenen Sonntag, wie die Zeitung La Repubblica berichtet. Bei den 18- bis 24-jährigen ging die Zustimmung von 83 auf 58 Prozent zurück. Insgesamt ging die Beliebtheit von Franziskus bei den Italiener um 20 Prozentpunkte zurück. Nach seiner Wahl lag Franziskus bei fast 88 Prozent Zustimmung. Beliebt ist Franzsikus derzeit vor allem noch bei regelmäßigen Kirchenbesuchern.

Burka-Äußerungen : Druck steigt auf Boris Johnson

Provoziert: Boris Johnson Bild: Reuters
In einer Kolumne hat der ehemalige britische Außenminister vollverschleierte Frauen mit Briefkästen und Bankräubern verglichen. Selbst seine Parteikollegen fordern nun Konsequenzen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der Druck auf den ehemaligen britischen Außenminister Boris Johnson wegen umstrittener Burka-Äußerungen wird größer. Am Dienstagabend hatte sich selbst Premierministerin Theresa May den Forderungen nach einer Entschuldigung angeschlossen. Johnson hatte Frauen mit Vollverschleierung in seiner wöchentlichen Kolumne im „Telegraph“ am Montag mit „Bankräubern“ und „Briefkästen“ verglichen.

„Ich glaube, wir sollten alle mit der Sprache und den Begriffen, die wir verwenden, sehr umsichtig sein“, sagte May. Auch weitere konservative Parteikollegen Johnsons kritisierten seine Wortwahl. Vereinzelt gab es Forderungen, den früheren Außenminister von der Regierungsfraktion auszuschließen. Dass es dazu kommt, gilt aber als nahezu ausgeschlossen. Johnson lehnte Berichten zufolge eine Entschuldigung ab.

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Personenkontrolle wegen Hautfarbe in Bochum war rechtswidrig

Bild: WDR.de
  • Hautfarbe darf nicht Grund für Personenkontrollen sein
  • Schwarzer hatte nach Polizeikontrolle geklagt
  • Urteil aus erster Instanz gekippt

WDR.de

Das Oberverwaltungsgericht Münster hat am Dienstag (07.08.2018) entschieden, dass die Personenkontrolle eines Mannes unter anderem wegen seiner dunklen Hautfarbe rechtswidrig war. Der heute 43-Jährige war im November 2013 am Bochumer Hauptbahnhof kontrolliert worden. Seiner Ansicht nach haben die beiden Beamten ihn wegen seiner dunklen Hautfarbe ausgewählt. Deshalb hat der Wittener die Bundespolizei verklagt und am Dienstag Recht bekommen.

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Das Klima im ideologischen Hexenkessel

Vertrocknete Halme ragen auf einem abgeernteten Feld in der Nähe von Köln in den Himmel. Bild: dpa
Klimawandelleugner verweisen gern auf die Maya, deren Kultur auch ohne Öl- und Kohleindustrie an Dürren zugrunde ging. Der menschengemachte Klimawandel jedoch verleiht natürlichen Kräften eine gefährliche Dimension.

Von Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Vielleicht ist jetzt, da die Brachialhitze wütet und die katastrophale Trockenheit an vielen Orten der Welt auch nach Monaten kein Ende findet, die Zeit gekommen, sich mit Überlebensfragen zu beschäftigen. Mit kühlem Kopf, versteht sich. Für die Populisten ist allerdings schon die Frage selbst alarmistisch. Was es mit dem extremen Wetter auf sich hat? Man nennt es Sommer, frotzelt Professor Meuthen auf Twitter, Ausrufezeichen, Smiley, Punkt. Klimapolitik, das ist noch immer ein ideologischer Hexenkessel.

Eine Hochkultur, der es lange Zeit an nichts mangelte, die eine eigene Sprache hervorbrachte, Mathematik, Riten und Kunst, die den Mais als Kulturpflanze für die Menschheit verfügbar machte und die Naturkräfte mit Bewässerungstechniken zu zähmen verstand, diese selbstbewusste Kultur namens Maya ist vor etwas mehr als tausend Jahren sang- und klanglos über solchen Dürre-„Sommern“ zugrunde gegangen. Vergangene Woche erst haben Wissenschaftler in alten Sedimenten entscheidende Nachweise geliefert: Über Jahrzehnte anhaltende Trockenphasen mit Wassereinbußen von mehr als fünfzig Prozent haben den gesellschaftlichen Zusammenbruch bewirkt und nicht etwa Kriege oder Epidemien.

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Endlich wird Rassismus auch Rassismus genannt

Nicht nur heiße Luft. In der Debattenkultur um Rassismus könnten wir wirklich weitergekommen sein.Foto: Paul Zinken/dpa
Eine Wende in der Debattenkultur: Der Begriff Rassismus wird nun offensiv benutzt. Und Betroffene bestimmen selbst, worüber geredet wird. Eine Kolumne.

Von Deniz Utlu | DER TAGESSPIEGEL

Führen wir jetzt wirklich eine Rassismusdebatte? Lange Zeit war das Wort „Rassismus“ in Deutschland tabuisiert. Wer es aussprach, eröffnete keine Debatte, sondern riskierte, von ihr ausgeschlossen zu werden. Noch immer höre und lese ich hin und wieder das Wort „Fremdenfeindlichkeit“, ein Ersatzwort für den „Rassismus“, der nicht angesprochen werden durfte. Ein problematischer Begriff allerdings, durch den die Betroffenen in der Beschreibung des Unrechts, das ihnen angetan wurde, ein weiteres Mal zu „Fremden“ gemacht, also von ihrer Zugehörigkeit suspendiert werden.

In den Debatten der vergangenen Jahre ging es meistens darum, ob „Migranten“ anpassungsfähig seien. Mit „Migranten“ waren oft keine „Migranten“ gemeint, sondern Menschen, die in Deutschland sozialisiert waren, aber deren Eltern oder Großeltern aus einem anderen Land kamen. Dieses andere Land war lange Zeit hauptsächlich die Türkei, dann waren es muslimische Länder im Allgemeinen, jedenfalls meinte niemand Schweden.

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Katholischer Verband lädt AfD-Mitglied ein

Rainer Forster. (Foto: Günther Reger)
Der KAB-Diözesanvorstand distanziert sich mit scharfen Worten vom Erdinger Kreisvorsitzenden Rainer Forster

Von Florian Tempel | Süddeutsche Zeitung

„Ich sehe das unproblematisch.“ So kennt man Rainer Forster. Er sieht kein Problem darin, im Namen der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) das AfD-Mitglied Rainer Rothfuß zu einer Veranstaltung nach Dorfen einzuladen. Er hält es sogar für völlig in Ordnung, ihm eine Plattform zu bieten. Wobei Rothfuß nicht über irgendein Nebenthema sprechen wird, sondern über das AfD-Thema schlechthin. „Migration und die Folgen für Deutschland: Ganzheitliche Lösungskonzepte“ heißt der für Donnerstag, 9. August, angekündigte Vortragsabend. Forster war früher hauptberuflich für die KAB tätig. Wegen ähnlicher Veranstaltungen wie der mit AfD-Mitglied Rothfuß ist er das nicht mehr. Nun ist Forster ehrenamtlich KAB-Kreisvorsitzender – und macht weiter wie zuvor.

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Verbot von Vollverschleierung in der Öffentlichkeit tritt in Dänemark in Kraft

Kenza Drider, snapshot brightsblog, Themenbild
In Dänemark darf man sein Gesicht seit Mittwoch in der Öffentlichkeit nicht mehr verhüllen. Das Verbot umfasst neben Ganzkörperschleiern wie Burkas und Nikabs auch Sturmhauben, Ski- oder andere gesichtsbedeckende Masken sowie falsche Bärte.

Neue Zürcher Zeitung

Das dänische Parlament hatte das Verbot im Mai beschlossen –Verstösse sollen mit Geldbussen von 1000 Kronen (rund 155 Franken) geahndet werden. Bei wiederholten Verstössen kann sich die Geldstrafe auf 10’000 Kronen erhöhen.

In Kopenhagen und Aarhus waren für den Nachmittag Prostkundgebungen geplant – zu diesem Anlass sollten die Demonstranten auch ihr Gesicht verhüllen können, ohne eine Strafe zu riskieren.

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Generation Mandela: Sie waren Südafrikas Hoffnung – nun leben sie inmitten von Korruption

Zum Pferderennen in Durban trifft sich jedes Jahr die neue Oberschicht Südafrikas mit Politikern des Landes. Privatpartys wie diese kosten 500 Euro Eintritt © Per-Anders Pettersson
Sie waren die Hoffnung Südafrikas. Aufgewachsen in Freiheit. Doch auch die neue Elite des Landes lebt inmitten von Korruption und Misswirtschaft. Die Reichen werden reicher. Und die Armen vergessen.

Von Joachim Rienhardt | stern.de

Viel mehr als ihr Glaube an Gott ist Cynthia Xoliswa von ihrem Leben nicht geblieben, aber auch heute hat sie es nicht zum sonntäglichen Kirchgang geschafft, einst der Höhepunkt ihrer Woche. Wieder hat sie die ganze Nacht nicht in den Schlaf gefunden. Ein ums andere Mal ist sie aufgestanden, hat kontrolliert, ob tatsächlich alle Fenster und Türen fest verschlossen sind und auch die Gitter davor, die sie gerade erst hat anbringen lassen.

Erst frühmorgens, bei Sonnenaufgang, ist ihre Angst dem Schlaf gewichen. Jetzt ist es schon kurz vor Mittag, und Cynthia Xoliswa ist gerade aufgestanden. Fahl ihre dunkle Haut, die Augen müde. So geht das seit der unheilvollen Nacht im Oktober vergangenen Jahres, als Einbrecher sie heimsuchten, obwohl bei ihr nicht viel zu holen ist. Etwas Fleisch, gefrorenes Gemüse, einen Zipfel Wurst, eine Tüte Milch, die restliche Butter, Ketchup. „Sie haben den Kühlschrank komplett leer geräumt“, sagt Cynthia Xoliswa. „Seither denke ich jede Nacht: Was passiert, wenn die wiederkommen?“

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972 Fälle von Kirchenasyl mit Bezug zu Dublinverfahren

© Bild: Matthias Stolt/Fotolia.com (Symbolbild)
In den Augen der AfD stellt das Kirchenasyl „eine Behinderung rechtsstaatlicher Verfahren dar“. Daher hat die Partei eine entsprechende Anfrage an die Bundesregierung gestellt. Nun erhält sie die Antworten.

katholisch.de

Nach Angaben des Innenministeriums hat es in der ersten Jahreshälfte 972 Fälle von Kirchenasyl mit Bezug zum sogenannten Dublinverfahren gegeben. Im vergangenen Jahr seien es insgesamt 1.561 solcher Fälle gewesen, wie das Ministerium in einer am Dienstag veröffentlichten Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD mitteilte. Das Ministerium weist darauf hin, dass ein Fall auch mehrere Personen betreffen könne. Es handele sich bei Kirchenasyl „im weit überwiegenden Anteil um Fälle mit Dublinbezug“.

Laut Innenministerium hatte Bayern mit 544 Fällen im Zeitraum vom 1. Juli 2017 bis zum 30.6.2018 die meisten Fälle von Kirchenasyl zu verzeichnen. Es folgen Nordrhein-Westfalen (401) und Berlin (215). Sachsen hatte die wenigsten Fälle in dem Zeitraum (38).

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Die 68er-Bewegung und die christlichen Kirchen

Die Kirche stand nicht im Fokus der revoltierenden Studenten der 1960er-Jahre. Berührungspunkte gab es dennoch. Zum Beispiel, wenn die Protestierenden den Weihnachtsgottesdienst störten oder Demonstranten ein Kreuz vor sich her trugen.

Julia Lauer | evangelisch.de

Plakate von Karl Marx, Che Guevara, Mao Tse-tung oder auch Ho Chi Minh: Fotos von den Demonstrationen aus dem Jahr 1968 zeigen, wessen Ideen für die revoltierenden Studenten zählten. Die von Jesus Christus offenbar nicht. Von seinem Konterfei fehlt auf den Bildern jede Spur. „Dabei hätte Jesus in seiner revolutionären Lesart gut zu ihnen gepasst“, findet der Historiker Philipp Gassert von der Universität Mannheim. „Aber in den späten 1960er-Jahren hatte keiner die Idee, da mit Jesus zu kommen – Religion wurde als Gegenstück zum Sozialismus empfunden.“

Schon zehn Jahre später hätte das womöglich ganz anders ausgesehen, ist der Professor für Zeitgeschichte überzeugt: Immer mehr Kolonien waren bis dahin unabhängig geworden, die sozialistisch inspirierte Befreiungstheologie, die die Armen zum Ausgangspunkt macht, zog weite Kreise. Auch in den Studentengemeinden der theologischen Fakultäten zwischen Kiel und München wurde die Bibel durch die marxistische Brille gelesen.

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