Die Königstreuen haben in Bayern einen schweren Stand

Der Verband der Königstreuen zieht durch Gammelsdorf, um an die Schlacht von 1313 zu erinnern, die als Grundstein des Königreichs Bayern gilt. (Das Bild zeigt den Umzug im Jahr 2015.)
Der Verband der Königstreuen zieht durch Gammelsdorf, um an die Schlacht von 1313 zu erinnern, die als Grundstein des Königreichs Bayern gilt. (Das Bild zeigt den Umzug im Jahr 2015.)
Sogar aus dem Hofbräuhaus werden sie hinauskomplimentiert. Den Österreichern würde so etwas nicht passieren.

Von Hans Kratzer | Süddeutsche.de

Als der Schriftsteller Georg Lohmeier vor 45 Jahren in Gammelsdorf ankündigte, er wolle in Bayern die Monarchie ausrufen, da haute es der Staatsregierung sogleich den Stopsel raus. Wieder bei Sinnen, wies sie Lohmeiers Provokation brüsk zurück: Bayern brauche keinen König, es habe ja Franz Josef Strauß. Schlitzohr Lohmeier hatte aber Strauß bereits zur Proklamation eingeladen, was den CSU-Chef zu der Ausrede zwang, er könne nicht erscheinen, weil er andere Faschingsveranstaltungen besuchen müsse.

Diese Scharmützel erregten damals die gesamte Weltpresse, doch leider ist den großsprecherischen Königstreuen alsbald die Luft ausgegangen. An diesem Samstag wird nur noch ein versprengtes Häuflein zum Gammelsdorfer Schlachtendenkmal hinausziehen, um des ruhmreichen Siegs gegen die Österreicher von 1313 zu gedenken.

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Le Pen: Nationalism will sweep across Europe in 2017

French National Front (FN) leader Marine Le Pen gives a speech to open a meeting on January 21, 2017 in Koblenz, western Germany. (AFP PHOTO / Roberto Pfeil)
French National Front (FN) leader Marine Le Pen gives a speech to open a meeting on January 21, 2017 in Koblenz, western Germany. (AFP PHOTO / Roberto Pfeil)
At conference of far-right groups, French populist says continent will ‘wake up,’ following in the footsteps of Brexit and Trump’s victory

By Michelle Fitzpatrick | The Times of Israel

French presidential hopeful Marine Le Pen on Saturday told a European gathering of right-wing populists in Germany that a string of high-stakes elections in 2017 would blow a wind of change across the region.

Emboldened by the Brexit vote and Donald Trump’s US presidential victory, the far-right National Front leader said voters in France, Germany and the Netherlands would be next to reject the status quo.

“2016 was the year the Anglo-Saxon world woke up. 2017, I am sure, the people of continental Europe will wake up,” she told a cheering crowd at a conference hall in the western river city of Koblenz, on the river Rhine.

“It’s no longer a question of if, but when,” she added in a speech that railed against migration, the euro and open borders.

Billed as a “European counter-summit”, the Koblenz gathering is also being attended by Frauke Petry of the anti-immigration Alternative for Germany (AfD), Geert Wilders of the Dutch anti-Islam Freedom Party, Harald Vilimsky, secretary general of the Freedom Party of Austria and Matteo Salvini of Italy’s anti-EU Northern League.

The conference comes just a day after the US inauguration of Trump, who assumed power with a staunchly nationalist address in which he vowed to put “America first”.

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Gedenken an Hrant Dink: Weil er von Völkermord sprach

© EPA Reverenz an Hrant Dink im Gorki Theater: Can Dündar (Mitte) singt mit zwei Schauspielern
© EPA Reverenz an Hrant Dink im Gorki Theater: Can Dündar (Mitte) singt mit zwei Schauspielern
Vor zehn Jahren wurde der türkisch-armenische Journalist Hrant Dink ermordet. Im Berliner Gorki-Theater erinnert Can Dündar an seinen Freund, den die Nationalisten hassten.

Von Karen Krüger | Frankfurter Allgemeine

Wer mit liberal gesinnten Türken über den im Jahr 2007 ermordeten Journalisten Hrant Dink spricht, dem begegnen stets drei Worte: Behutsamkeit, Menschlichkeit und Mut. Mutig war Hrant Dink, weil er am Tabu des Genozids an Armeniern rührte – niemals anklagend und fordernd, sondern immer behutsam und um Versöhnung bemüht. Der armenisch-türkische Journalist war davon überzeugt, dass der Schrecken des Genozids auch für die türkische Bevölkerung eine traumatische Erfahrung war, die nur mit Dialog und Menschlichkeit geheilt werden kann.

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Linke Demonstranten schleudern Gabriel „Hau ab!“ entgegen

 Linke Demonstranten waren über das Erscheinen des SPD-Chefs Sigmar Gabriel in Koblenz nicht erfreut Quelle: pa/Boris Roessle/dpa
Linke Demonstranten waren über das Erscheinen des SPD-Chefs Sigmar Gabriel in Koblenz nicht erfreut Quelle: pa/Boris Roessle/dpa
Sigmar Gabriel wollte bei einer Demonstration gegen Rechtspopulismus ein Signal setzen. Doch nicht alle Teilnehmer begrüßten die prominente Unterstützung: Die Polizei musste dem SPD-Chef den Weg bahnen.

DIE WELT

SPD-Chef Sigmar Gabriel ist am Rande einer Kundgebung gegen Rechtspopulismus in Koblenz von mehreren linksgerichteten Demonstranten bedrängt worden. Sie hätten sich Gabriel in den Weg stellen wollen, Polizisten seien dazwischengegangen, sagte ein Polizeisprecher. Die Demonstranten hätten einer Antifa-Gruppierung mit insgesamt rund 100 Teilnehmern angehört.

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Der Trumpismus, seine Claqueure und Gegner

Protestierende haben sich angekettet, um einen Eingang zu blockieren. Bild: DisruptJ20
Protestierende haben sich angekettet, um einen Eingang zu blockieren. Bild: DisruptJ20
Eins hat der Präsident der USA schon geschafft. Obwohl er noch gar nicht im Amt war, wurde bereits eine Politikform nach ihm benannt. Der Begriff des Trumpismus wurde in vielen Medien seziert. Dabei wusste niemand so genau, was dieser Trumpismus eigentlich sein soll.

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

„Ist es fair, Donald Trump aus der Ferne zu analysieren?“, fragte denn auch Die Zeit. Damit wird das Problem des Trump-Diskurses der letzten Wochen auf den Punkt gebracht. Da Trump als rechter Populist immer das sagt, was das jeweilige Publikum seiner Zielgruppen von ihm hören will, kann es auch keine Definition des Trumpismus geben. Auch da kann jeder etwas Anderes rein interpretieren.

Das erklärt, warum autoritäre Linke wie Rainer Rupp durchaus Hoffnung in Trump setzen. Ausgerechnet vor einem Bild von Karl Marx, der die Globalisierung zu den Positiva der historischem Rolle des Kapitalismus zählte, lobt Rupp den angeglichen Globalisierungsgegner Trump. Besonders erfreut ist der Putin-Freund Rupp darüber, dass Trump mit Russland gut kooperieren will.

Nun könnte man dem ehemaligen Nato-Spion Rupp viel Spaß bei seiner Reise zum „Magazin für Souveränität“, Compact, wünschen. Doch es gibt im Lager der autoritären Traditionslinken durchaus mehr Sympathie für Trump, die aber bisher eher leise geäußert wird, weil viele noch unsicher sind, ob Trump seine Ankündigen überhaupt ernst meint. Doch sollte er sich mit Putin verständigen, könnte sich die Querfront zwischen Trumpisten und Teilen der autoritären Linken noch deutlicher manifestieren. Da wird wieder ein Lagerdenken bedient.

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„Yolocaust“ : Touristen, die auf Toten tanzen

Shapira: Höcke soll sich das mal anschauen und reflektieren, was er da in Dresden so über Erinnerungskultur gesagt hat. Foto: screenshot
Shapira: Höcke soll sich das mal anschauen und reflektieren, was er da in Dresden so über Erinnerungskultur gesagt hat. Foto: screenshot
Der Berliner Autor und Satiriker Shahak Shapira entlarvt das Verhalten von Touristen am Holocaust-Mahnmal in Berlin und erntet viel Aufmerksamkeit

Frankfurter Rundschau

Der Berliner Autor und Satiriker Shahak Shapira (28) hat mit einer entlarvenden Website über das Verhalten von Touristen am Holocaust-Mahnmal in Berlin einen Internet-Hit gelandet. Die Seite „Yolocaust.de“ sei am Mittwochmittag online gegangen und in den ersten zwölf Stunden mehr als 500 000 mal aufgerufen worden, teilte Shapiras Agentin am Donnerstag mit. Das Wort „yolocaust“ setzt sich aus dem Hashtag YOLO (You Only Live Once/Du lebst nur einmal) und Holocaust zusammen.

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Erdogans Präsidialsystem wäre ein „Sultanat“

Bild: Magazin "The Economist"
Bild: Magazin „The Economist“
Der Chef der türkischen Anwaltskammer warnt sein Land vor einem Wechsel zum Präsidialsystem, das Präsident Erdogan mehr Macht geben würde. „Die Türkei wurde fast 600 Jahre lang mit solch einem System regiert.“

DIE WELT

Der Chef der türkischen Anwaltskammer befürchtet unter dem von Staatschef Recep Tayyip Erdogan angestrebten Präsidialsystem ein Ende der Demokratie in dem Land. „Die Türkei wurde fast 600 Jahre lang mit solch einem System regiert“, sagte der Jurist Metin Feyzioglu am Mittwochabend in Ankara. „Wir haben in unserer Literatur einen Fachbegriff dafür: Das nennt sich Sultanat.“ Feyzioglu zeigte sich allerdings zuversichtlich, dass die Verfassungsänderungen bei einem Referendum keine Mehrheit erhalten würden. „Dieses Volk wird keinen Selbstmord begehen“, sagte er.

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Alice Schwarzers „Emma“ wirft Netzfeministinnen Hetze vor

foto: emma In der Jubiläumsausgabe des Magazins
foto: emma In der Jubiläumsausgabe des Magazins „Emma“ werden Vertreterinnen anderer feministischer Medien als „Hetzfeministinnen“ bezeichnet.
„Emma“ nimmt andere Medien unter Beschuss und nennt deren Vertreterinnen „Hashtag“- und „Hetzfeministinnen“

dieStandard.at

In der 40. Ausgabe der „Emma“ widmet sich ein Artikel der feministischen Szene in Berlin und bezeichnet deren Vertreterinnen als „Hetzfeministinnen“. Kritisiert werden unter anderem die unterschiedlichen feministischen Positionen, die die Berliner Aktivistinnen im Gegensatz zu „Emma“ vertreten würden. Sie seien „pro Pornografie, pro Prostitution, pro Kopftuch, ja, pro Burka“. Diese „Netzfeministinnen“ würden „von den Medien gehätschelt“.

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Chelsea Manning: Obamas Strafmilderung ist nur eine Geste des Anstands

 Chelsea Manning wird von Obama begnadigt - viele Menschen hatten sich für die Whistleblowerin eingesetzt. (Foto: Reuters/AP)
Chelsea Manning wird von Obama begnadigt – viele Menschen hatten sich für die Whistleblowerin eingesetzt. (Foto: Reuters/AP)
Die Whistleblowerin Chelsea Manning deckte Kriegsverbrechen auf. Ihr wurde der Prozess gemacht – den Kriegsverbrechern nicht. Das Recht schützt noch immer die dunklen Geheimnisse der Mächtigen.

Von Hans Leyendecker | Süddeutsche.de

Das Urteil gegen Chelsea Manning war ein Skandal, ein Fall von politischer Willkür. Fast sieben lange Jahre hat die Whistleblowerin unter zum Teil menschenunwürdigen Umständen in Haft verbracht. Dass Präsident Barack Obama jetzt ihrem Antrag auf Strafmilderung stattgab und ihr rund 28 weitere Jahre in Haft erließ, ist erfreulich für Manning, es ist eine Geste des Anstands, nicht mehr.

Das Wort Geste, das verraten alte Lexika, gab es bereits um 1500. Es ist entlehnt aus gestus, das meinte „Gebärdenspiel des Schauspielers oder Redners“.

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Jesus‘ Schmuddelkinder

 

„Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.“
Albert Schweitzer

Die christlichen Amtskirchen in deutschen Landen bemühen sich Distanz zum neo-nazistischen, christlichen Schmuddelkind AfD(Alternative für Deutschland) zu schaffen. Sie bestimmen wer Christ ist. Genau das steht ihnen nicht zu. Taufe, Konfirmation/Kommunion, kirchliche Trauung und Beerdigung sichern den Bestand des Fanklubs Jesus Christus. Ganz wichtig in dieser Hinsicht ist die personale Beziehung der Betroffenen zum untoten Jesus. Zwiegespräche mit ihm sichern diese Beziehung und sind wichtig für das Werden des Christen. Leicht erkennbar, Amtskirche kann einem Christen das Christsein nicht absprechen, das ist Sache Gottes. Katholik Adolf Hitler wurde nie exkommuniziert, das Jüngste Gericht soll über ihn entscheiden. Und so wird es mit all jenen passieren, deren sich die Kirchen heute so schämen, den Rassisten, Rechtspopulisten, Fremdenfeinden und radikalen Extremisten. Der christliche Alleinvertretungsanspruch der Kirchen lässt diese Leute wie die fette Krätze am Bein kleben.
Hoher christlicher Schöpfungsgrad sichert die Pfründe der Kirchen, die Allgemeinheit bezahlt. Auch für den Judenhass eines Martin Luthers. Selbiger ist der Kulminationspunkt christlicher Entwicklung, praktisch umgesetzt durch den Katholiken Adolf Hitler und seiner Verbrecherbande. Es wird ein Mann gefeiert, der in seiner Weltsicht viel extremer daher kommt als die Raubritter des „christlichen Abendlandes“ der AfD. Luther war Extremist. Sein Frauenbild barbarisch. Frauen haben die Pflicht zum Gebären.

„Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.“Martin Luther

Bei solchen Sprüchen, und es gibt weitaus schlimmere, fragt man sich, wie Feministinnen den Reformator hochleben lassen können.

Das Bemühen der Kirchen um Distanz zur Alternative für Deutschland ist bigott. Man feiert auf der einen Seite Luthers Reformation des Glaubens, versucht Positives zu okkupieren und vermeint das Negative auf den Müll der Geschichte entsorgen zu können. Scheibenweise Vereinnahmung eines Mannes der heute im Knast sitzen würde.

„Darum ehrt auch Gott das Schwert mit so hohen Worten, dass er es seine eigene Ordnung nennt (Römer 13, 1) und nicht will, dass man sage oder denke, die Menschen hatten es erfunden und eingesetzt. Denn die Hand, die das Schwert führt und tötet, ist dann auch nicht mehr eines Menschen Hand, sondern Gottes Hand, und nicht der Mensch, sondern Gott henkt, rädert, enthauptet, tötet und führt den Krieg. Das alles sind seine Werke und sein Gericht.“ Martin Luther: Ob Kriegsleute in seligem Stande sein können, 1526

Und so segnete er den Krieg.

Wahl zum Münchner Migrationsbeitrat: Manipulationsvorwurf gegen türkische Rechtsextreme

  • Eine ungewöhlich hohe Zahl an Breifwahlunterlagen ging an ein türkisches Kulturzentrum, das mit dem ultranationalistischen und rassistischen Ülkücü-Verein in Verbindung steht.
  • Eine Führungsfigur der ultranationalistischen türkischen Szene in München ist bereits Mitglied des Migrationsbeirats.

Von Thomas Schmidt | Süddeutsche.de

Sie träumen von einem Großreich aller „Turkvölker“, sehnen die „Türkische Einheit“ herbei in dem fiktiven Land „Turan“: Die Ülkücü-Bewegung, die in Deutschland Tausende Anhänger hat, gilt als ultranationalistisch und rassistisch. Nun sollen türkische Rechtsextreme versucht haben, die Wahlen zum Münchner Migrationsbeirat zu manipulieren. Das Ziel war offenbar, dieses Gremium, das den Stadtrat berät, zu unterwandern.

Der Manipulationsverdacht kam auf, weil ungewöhnlich viele Briefwahlunterlagen an ein und dieselbe Adresse, an das Türkische Kulturzentrum Bizim Ocak e.V., gingen – womöglich auch von Wählern, die gar keine Unterlagen beantragt hatten. Auf Anfrage bestätigt der Landesverfassungsschutz, dass es sich bei dem Türkischen Kulturzentrum um einen Ülkücü-Verein mit 35 bis 40 Mitgliedern handelt.

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Breitbart und RT: Guten Morgen im neuen Informationszeitalter!

Bild: wikimedia.org/CC-2.5/MarkusAngermeier
Bild: wikimedia.org/CC-2.5/MarkusAngermeier

Ein Publikum, das für Medien nicht mehr zahlen will, wacht mit Medien auf, die andere ihm bereitwillig schenken. Trump und Putin freuen sich sehr darüber.

Von Sibylle Hamann | Die Presse.com

Den österreichischen Medien geht es nicht gut. Allen voran dem ORF. Die „Kronen Zeitung“ war mit einer mehrmonatigen Kampagne gegen eine geplante Gebührenerhöhung erfolgreich; gleichzeitig mobilisieren die Neos, die den ORF privatisieren wollen. Was von alldem hängen bleibt: Öffentlich-rechtliches Fernsehen und Radio seien „zu teuer“, seien „Geldverschwendung“, und „brauchen wir nicht“.

Den Printmedien geht es nicht besser, vor allem jenen, die ihre Produkte verkaufen. Mehrere Zeitungen haben in den vergangenen Jahren zugesperrt, fast alle Verlage bauen Personal ab, bei manchen ist der Kahlschlag so massiv, dass man mit den verbleibenden Ressourcen kaum noch ein Produkt herstellen kann, das der Rede wert ist. Nachgeweint hat diesem Verlust kaum jemand.

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Kirchen und Rechtspopulismus: „Die AfD verstreut ein süßes Gift“

Volker Resing ist Chefredakteur der
Volker Resing ist Chefredakteur der „Herder Korrespondenz“ und Mitherausgeber eines Sammelbandes, in dem sich Politikwissenschaftler und Theologen mit dem Rechtspopulisten in Deutschland auseinandersetzen. (Deutschlandfunk / Chaperon)
Beschädigt der Rechtspopulismus mit seiner Forderung nach einem „christlichen Abendland“ die Religion? Diesen und anderen Fragen geht ein Aufsatzband nach, der morgen erscheint. Der Mitherausgeber Volker Resing sagte im DLF, Parteien wie die AfD bedienten eine diffuse Sehnsucht nach einem Kulturchristentum.

Volker Resing im Gespräch mit Christiane Florin | Deutschlandfunk

Christiane Florin: 2017 ist ein Superwahljahr. Die Zeiten sind vorbei, da von den Kanzeln befohlen wurde, wo brave Christen ihr Kreuz zu setzen haben. Aber die Kirchen mischen sich mehr denn je politisch – auch parteipolitisch – ein. Das wiederum empört die AfD.

Ich bin nun in Berlin verbunden mit dem Journalisten Volker Resing. Er ist Chefredakteur der theologischen Zeitschrift Herder Korrespondenz und Herausgeber eines Buches, das morgen erscheint. Es heißt „AfD, Pegida und Co. Angriff auf die Religion?“. Inwiefern greift die AfD die Religion an sich an – also nicht nur den Islam, sondern auch das Christentum?

Volker Resing: Wenn man christliches Engagement in der Flüchtlingshilfe dermaßen kritisiert, ist das auch schon ein Angriff auf die Religion. Aber es findet auch Angriff auf Kirchenstrukturen, auf Kirchenvertreter statt. In der Tat ist diese Kritik an einer Entchristlichung der Gesellschaft, die man dem Islam zuschreibt, ein Angriff insgesamt auf die Religion, weil das religiöse Grundgefüge damit in Frage gestellt wird. Deswegen ist interessanterweise Religion und AfD ein virulentes Thema.

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Simone Peter: „Ich habe eine solche Hasswelle noch nie zuvor erlebt“

Simone Peter, Bild: wikimedia.org/CC BY 3.0/gruene.de
Simone Peter, Bild: wikimedia.org/CC BY 3.0/gruene.de

Beleidigungen und Morddrohungen: Noch nie zuvor habe Grünen-Chefin Peter eine solche Hasswelle erlebt, erzählt sie, wie nach ihrer Kritik am Polizeieinsatz zu Silvester. Sie will strafrechtlich dagegen vorgehen.

DIE WELT

Grünen-Chefin Simone Peter hat nach ihren kritischen Äußerungen über den Polizeieinsatz in der Kölner Silvesternacht viel Hetze ertragen müssen.

„Wut klingt noch zu harmlos. Ich habe eine solche Hasswelle noch nie zuvor erlebt“, sagte Peter der „Bild am Sonntag“. Es habe viele persönliche Beleidigungen bis hin zu Morddrohungen gegeben. „Gegen einige werde ich auch strafrechtlich vorgehen.“ Hass und Hetze dürften keine Toleranz erfahren.

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ARD/ZDF & Co.: Ärger um Ausladung

Frauke PetryFoto: picture alliance / dpa
Frauke PetryFoto: picture alliance / dpa
Auch die ARD wird vom einer Konferenz von Rechtspopulisten ausgeschlossen – und lädt AfD-Chefin Frauke Petry weiter unverdrossen in ihre Talkshows.

Von Markus Ehrenberg | DER TAGESSPIEGEL

Der Ausschluss einiger Medienvertreter von einer Konferenz europäischer Rechtspopulisten in Koblenz sorgt weiter für Protest. „Es ist ein Angriff auf die Pressefreiheit, dass ZDF-Reporter von dem Kongress ausgeschlossen werden“, teilte das ZDF mit. Die ARD behält sich rechtliche Schritte gegen den Ausschluss von dem Kongress der Fraktion „Europa der Nationen und Freiheit“ (ENF) des Europäischen Parlaments vor. Am 21. Januar wollen sich führende Vertreter der ENF und von rechtspopulistischen Parteien in Koblenz treffen, darunter Marine Le Pen, Geert Wilders sowie AfD-Chefin Frauke Petry.

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Dänemark: Strammes aus dem Whiskybelt

Pernille Vermund. Screenshot aus dem YouTube-Video
Pernille Vermund. Screenshot aus dem YouTube-Video
Die Nye Borgerlige, eine neue liberale, aber scharf gegen Migration ausgerichtete Partei, überholt die Rechtspopulisten in dem Land, das hyggelig bleiben will

Von Jens Mattern | TELEPOLIS

In Dänemark scheint unter dem Gros der Parteien ein Wettbewerb zu bestehen – wer vertritt die „strammere“ Migrations- und Asylpolitik? Derzeit stark im Rennen – die 2015 gegründete „Nye Borgerlige“ (Neue Bürgerliche), die der rechtspopulistischen Dansk Folkeparti (DF) die Wähler weg nimmt und in Umfragen bis zu sechs Prozent erreicht.

Die DF, die bei den Parlamentswahlen 2015 mit 21,1 Prozent ihr bestes Ergebnis einholte, scheint den Einwanderungskritikern in Dänemark zu weich geworden. Zwar ist die Partei nicht an der Regierung, sie duldet jedoch die Minderheitsregierung der rechtsliberalen „Venstre“ unter Ministerpräsident Lars Lökke Rasmussen, welche im November um zwei Kleinparteien aufgestockt wurde

Die Dansk Folkeparti spricht den „Nye Borgerlige“ ab, schärfer in der Ausländerpolitik zu sein und wirklich mit dem Herzen islamkritisch zu wirken. Doch für viele dänische Rechte scheint sie zu sehr Mainstream geworden zu sein, bereits jeder vierte Wähler habe sich von der DF abgewendet.

Dabei ist der Mainstream in Dänemark deutlich asylkritisch. So rechnet die auflagenstärkste Zeitung „Jyllands Posten“, international bekannt durch den Abdruck der Mohammed-Karrikaturen, vor, dass 5.000 Bewilligungen für Asyl im Jahre 2016 weitaus zu viel sein und das Land einen vollkommenen Asylaufnahmestopp umsetzen soll. Die Anerkennungsrate in Dänemark sei viel zu hoch, da 6.606 Menschen Asyl beantragt haben. Im Jahr 2015 waren es noch 21.000. Der Kontinent Afrika wird in einer Karikatur zum Text als Kinderwagen gezeigt, der sich Richtung Europa bewegt.

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Scientists’ New Role in Trump’s America: The Resistance

Screen capture taken from the KKK website on November 11, 2016, celebrating Donald Trump’s election win/The Times of Israel
Screen capture taken from the KKK website on November 11, 2016, celebrating Donald Trump’s election win/The Times of Israel
A coalition of university professors and scientists around the United States have taken on a new role in recent weeks: Defenders of facts and truth against the impending antiscience Trump administration.

By Jason Koebler | MOTHERBOARD

As we reported soon after the election, scientists and professors who rely on government climate science to do their research are frantically downloading terabytes of publicly available data based on the fear that much of it could become difficult to access under Trump’s presidency.

Last we checked in with a handful of these researchers, they were rushing to organize archive-a-thons, identify potentially vulnerable sites, and were figuring out how to best work together to preserve as much data as possible before Trump’s inauguration. Now, a week from the start of the administration, members of the movement are beginning to reckon with their new status as resistance members.

“It’s something I’ve been asked about and thought about a lot lately,” Bethany Wiggin, director of the Penn Program in Environmental Humanities, told me. “Man, if believing in facts is an act of resistance well then, so be it.”

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„Wir wollen mehr, als den Zölibat infrage stellen“

 Priester mit Weihrauchkessel in der Münchner Frauenkirche (Archivbild). (Foto: Alessandra Schellnegger)
Priester mit Weihrauchkessel in der Münchner Frauenkirche (Archivbild). (Foto: Alessandra Schellnegger)
Elf Priester verlangen in einem offenen Brief tiefgreifende Reformen. Einer von ihnen ist der Kölner Pfarrer Franz Decker. Ein Gespräch über leere Kirchen und einsame Männer.

Interview von Felicitas Kock | Süddeutsche.de

Eine Gruppe katholischer Priester aus dem Rheinland hat in einem offenen Brief ihren Unmut über die Entwicklung der Kirche zum Ausdruck gebracht. Die Männer, die sich seit ihrer Weihe vor 50 Jahren regelmäßig treffen, fordern eine Öffnung des Priesteramtes für Frauen, sie wollen ein gemeinsames Abendmahl von Protestanten und Katholiken – und stellen den Zölibat infrage. Auch Franz Decker war an der Entstehung des Briefs beteiligt. Er war 24 Jahre lang Gemeindepfarrer, hat elf Jahre den Kölner Caritasverband geleitet und ist jetzt im Ruhestand.

Herr Decker, Sie haben mit Ihrem gemeinsamen Brief für großen Wirbel gesorgt. Sind Sie zufrieden mit den Reaktionen?

Mit diesem Echo haben wir tatsächlich nicht gerechnet. Dementsprechend groß ist jetzt die Freude, dass sich so viele Menschen für das interessieren, was wir zu sagen haben. Mit einer Einschränkung: Wir wollen mit unserem Brief mehr, als den Zölibat infrage stellen. Das Thema kommt erst im allerletzten Absatz zur Sprache – trotzdem geht es in der öffentlichen Debatte jetzt nur darum.

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Serdar Somuncus Rant gegen Zensur soll zensiert werden

Abmahnungen von Medienschaffenden gegen Satiriker liegen gerade im Trend (Josef Joffe und JochenBittner ./. ZDF-Die Anstalt). Nunmeher wehrt sich eine WDR-Redakteurin gegen Anarcho-Kabarettist Serdar Somuncu. Auf einer Veranstaltung der Körberstiftung im Herbst 2015 hatte der sich über die Zensur seiner Arbeiten im TV Luft gemacht:

Von Markus Kompa | TELEPOLIS

„Ich hab‘s mir in allen Sendungen verscherzt, weil jeder Redakteur sagte ‚Der ist nicht handlebar. Der ist kompliziert. Der spricht nicht die Texte, die du ihm sagst.‘, und gleichzeitig etwas nicht passiert ist, das ich erwartet habe: Das meine Kollegen mich in Schutz nehmen. Ich hab Situationen gehabt, da haben die Kollegen gesehen, was passiert ist! Ich hab ein stand Up gespielt, da war nichts dran, was man hätte zensieren können. Und die saßen da und haben ihre Schnauze gehalten, weil sie Schiss hatten, dass sie auf RTL nicht mehr funktionieren. Und ich bin in die Umkleide und hab gesagt: ‚Habt ihr das nicht gesehen? Habt ihr das nicht gesehen, was passiert ist?‘ Und alle haben so weggeguckt. ‚Nö, wir halten uns da raus!‘ Was übrigens typisch deutsch ist: ‚Ich halt mich da raus! Klärt das unter euch!‘
Ne, und da hab ich gesagt, und da hab ich mir geschworen: ‚Leute, ihr könnt mir verbieten, so sehr, wie ihr wollt, ich werde durch die Hintertür kommen. Und ich werd euch ficken, und zwar ordentlich. So, dass ihr nicht mehr die Schnauze halten könnt, wenn ihr gefragt werdet. Und heute ist der Punkt, Mely, ich sag immer, ‚Ich bin stolz‘, ich hab so dicke Eier, ja, heute ist der Punkt, wo die sagen: ‚Warum hat der Somuncu, den wir immer zensiert und verboten haben, plötzlich in der Sporthalle in Hamburg 4.000 Leute?‘ Die haben doch Mario Barth gedrückt und gepusht, und Bülent Ceylan, den [Beeep| ständig in die Kamera geschubst. Und ich sag: ‚Ja, das kommt, weil die Zuschauer sich von euch nicht mehr verarschen lassen. Und weil die Zuschauer merken, dass meine Texte verstümmelt waren. Weil die Zuschauer vergleichen können, zwischen dem was ich auf der Bühne sage, und dem, was ihr da transportiert.

Und die schlimmsten Knallchargen waren Thomas Herrmanns, WDR, Elke Thommessen, eine Redaktion, eine die Leute hinrichtet. Tobias Mann, ein begnadeter junger Künstler, dem man zwei Sendungen gegeben hat, um ihn dann abzusägen. Dem haben die das Rückgrat gebrochen. Der hat zwei Jahre lang zuhause eine Depression geschoben. Aber auch andere Talente: David Berker, Dave Davies, Oliver Polak. Wir kämpfen alle an einer Front, wir haben keine Verbindung zueinander, weil es kein Netzwerk und keine Solidarität gibt.

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Asyl ist kein Gruppenrecht

© Fotolia / Traumbild
© Fotolia / Traumbild
Nach den Angaben des UNHCR gab es 2015 58 Millionen Menschen, die auf der Flucht sind. Im Jahr 2016 ist die Zahl sprunghaft auf 65 Millionen angestiegen. In der ersten Oktoberwoche 2016 hat Amnesty International einen Anklagebericht gegen «reiche Länder» veröffentlicht, die nicht bereit sind, diese Flüchtlinge unbegrenzt aufzunehmen. Meine Reaktion darauf ist: Das ist der reine Wahnsinn.

Von Bassam Tibi | The European

Die grosse Völkerwanderung

Die EU hat für die Flüchtlingskrise ausser frommen Sprüchen keine Strategie zu bieten. Mit Gesinnungsterror wird jede freie Diskussion über das Thema unterdrückt.

Seit Beginn dieses Jahrhunderts und extrem seit der sogenannten Flüchtlingskrise von 2015/2016 befindet sich Westeuropa vor einer existenziellen Herausforderung durch eine demografische Explosion. Diese findet ausserhalb der europäischen Grenzen statt, trifft Europa aber ins Knochenmark dadurch, dass sie in sein Territorium eindringt. Die Bevölkerung der Region des Nahen Ostens und Nordafrikas hat sich in den wenigen vergangenen Jahrzehnten beinahe verdoppelt. Diese demografische Explosion wird unglücklicherweise von wirtschaftlicher Stagnation aller Länder der Region sowie durch einen politischen Rückfall in mittelalterlich-despotische Herrschaftsstrukturen begleitet. Die verzweifelten Nahost-Muslime suchen nach einem «Outlet» und glauben, dies in Europa zu finden; sie kommen zu Millionen und Europa ist auf diese demografische Lawine nicht vorbereitet.

In dieser Atmosphäre fand der Arabische Frühling statt und bot einen Hoffnungsschimmer für Freiheit, Demokratie und Entwicklung. Statt­dessen erfolgte Staatszerfall, woraus innere Kriege in Libyen, Syrien, Irak und Jemen resultierten, deren Ende nicht in Sicht ist. In den nächsten Jahren werden weitere nahöstliche Staaten folgen, vorrangig die Türkei und möglicherweise Ägypten und Algerien. Zur Globalisierung unserer Zeit gehört der Missstand, dass andere Staaten die Zeche für diese Fehlentwicklung im Nahen Osten zu zahlen haben, konkret ist hier Westeuropa angesprochen.

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