Ukraine: Manipulation eines Bundestagsprotokolls

Plenarsaal mit den Stenografenplätzen (Bildmitte). Bild: J. Tauss
Warum geht die Bundesregierung nicht gegen die ukrainische „Mirotworez“-Liste vor?

Jörg Tauss | TELEPOLIS

Noch immer werden alle Sitzungen im Plenum des Deutschen Bundestags stenografisch festgehalten. Von jenen Damen und Herren, die im Halbrund vor dem Rednerpult ihre Plätze haben. Sie übersenden die jeweiligen Aufzeichnungen später an Rednerinnen und Redner, die sie dann nochmals bestenfalls auf eventuelle „Verhaspler“ überprüfen und erforderlichenfalls korrigieren können.

Allerdings dürfen diese Korrekturen gemäß Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages „den Sinn der Rede oder her einzelnen Teile davon nicht verändern“ (§118 GO- BT).

Damit soll sichergestellt sein, dass das tatsächliche Sitzungsgeschehen korrekt wiedergegeben wird. Umso inakzeptabler ist es dann aber, wenn der Bundestag gegen seine eigenen Vorschriften verstößt.

Jetzt flog ein eklatanter Fall eines Verstoßes aus dem Jahr 2017 auf – die Vorgänge sind aber noch immer aktuell. Äußerungen des Staatsministers im Auswärtigen Amts, Michael Roth (SPD) wurden gegenüber dem tatsächlichen Verlauf der Bundestagsfragestunde schon damals massiv verändert. Dies ergab ein Vergleich des Videos vom Sitzungsgeschehen:

Dieses Originalvideo unterscheidet sich erheblich und nicht nur in Details vom dann tatsächlich veröffentlichten schriftlichen Sitzungsprotokoll.

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Gedankenverbrechen und Bestrafung

By LeonV – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34934403
Ein Jahr der Ausgrenzung und Rechtsstreite an einer kanadischen Universität

Von Lindsay Shepherd | RDF

Ende 2017 befand ich mich im Zentrum einer Kontroverse an der Wilfrid Laurier University (Waterloo, Kanada), wo ich als M.A. Student (Master of Arts) und Lehrassistent (TA) im Fachbereich Kommunikationswissenschaften tätig war. In dem Kurs, für den ich als TA arbeitete, spielte ich einen Teil einer Podiumsdiskussion, die im öffentlichen Fernsehen von Ontario ausgestrahlt wurde, vor. Wie viele Leser wissen, beinhaltete dieses Material Jordan Peterson, Professor an der University of Toronto, der gegen die Verwendung alternativer Geschlechterpronomen argumentierte, sowie die Argumente des Sexualdiversitätspädagogen Nicholas Matte, der zu dessen Gebrauch ermutigte.

Weil ich entschied, mich nicht von Petersons Ansichten zu distanzieren, bevor ich das Video zeigte, wurde ich in daraufhin vor einen Disziplinarausschuss zitiert. Der Betreuer des betreffenden Kurses, Nathan Rambukkana, sowie der Koordinator meines M.A.-Programms, Herbert Pimlott (manchmal auch bekannt als „Hillary X Plimsoll“), und die Managerin für geschlechtsspezifische Gewalt und Prävention von sexuellen Übergriffen, Adria Joel, beschuldigten mich, gegen das Gesetz zu verstoßen, indem ich ein Video mit Peterson im Klassenzimmer gezeigt, sowie Trans-Personen bedroht und angriffen habe, wodurch eine toxische Umgebung geschaffen wurde. All das ist bekannt, weil ich das ganze Treffen aufgezeichnet habe.

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«Gelbwesten» protestieren wieder in Frankreich

In Paris demonstrierten die «Gelbwesten» auch an diesem Wochenende wieder gegen die Mitte-Regierung. (Bild: Sameer Al-Doumy / Imago)
Fast auf den Tag genau drei Monate nach Beginn der «Gelbwesten»-Proteste in Frankreich haben erneut Tausende Menschen gegen die Politik der Pariser Mitte-Regierung demonstriert.

Neue Zürcher Zeitung

In der Hauptstadt verlief der Protest zunächst überwiegend friedlich, wie die Polizei mitteilte. Vereinzelt setzten die Sicherheitskräfte demnach Tränengas ein. Teilnehmerzahlen gab es zunächst nicht.

Auch in vielen anderen Städten fanden wieder «Gelbwesten»-Demonstrationen statt, darunter Marseille, Bordeaux und Strassburg. Auch hier blieb die Lage Berichten zufolge weitgehend friedlich. In Toulouse blockierten einige Dutzend «Gelbwesten» einen Standort des Online-Versandhändlers Amazon, wie der Sender BFMTV berichtete. Die Demonstranten versperrten demnach Lastwagen zeitweilig die Zufahrt zu dem Warenlager.

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Sie wollen kein Gotteshaus betreten und keine Dienste tun – „Maria 2.0“: Katholische Frauen treten in den Kirchenstreik

Bild: © Jarek Witkowski – stock.adobe.com
Gegen Missbrauch und die Ausgrenzung von Frauen in der Kirche wendet sich eine ungewöhnliche Aktion von Katholikinnen in Münster: Sie rufen Frauen in ganz Deutschland dazu auf, eine Woche lang in Kirchenstreik zu treten und ihre Dienste ruhen zu lassen. Das Motto: „Maria 2.0“.

Von Agathe Lukassek | katholisch.de

In einem Lesekreis katholischer Frauen der Münsteraner Heilig-Kreuz-Gemeinde kippte Anfang Januar die Stimmung: Den sieben Frauen, die sich einmal im Monat trafen, um „Evangelii Gaudium“ („Die Freude des Evangeliums“) zu lesen, das Apostolische Schreiben von Papst Franziskus aus dem Jahr 2013, war gar nicht nach Freude zumute. Die Missbrauchsfälle in der Kirche und die andauernde Ausgrenzung von Frauen setzten ihnen zu, berichtet Lisa Kötter. „Aus dem ewigen ‚Man müsste mal‘ machten wir dann ein ‚wir machen es nun'“. Die Frauen rufen zu einem einwöchigen Kirchenstreik katholischer Frauen auf – nicht nur in ihrer Gemeinde. Eine eigens angelegte Facebook-Seite soll anregen, dass sich auch andere Pfarreien in ganz Deutschland der Aktion anschließen. „Wir hatten kein Vorbild dazu; wir machen etwas, das es noch nicht gab“, sagt sie.

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Why Misinformation Is About Who You Trust, Not What You Think

Image: NAUTILUS
Two philosophers of science diagnose our age of fake news.

By Brian Gallagher & Kevin Berger | NAUTILUS

I can’t see them. Therefore they’re not real.” From which century was this quote drawn? Not a medieval one. The utterance emerged on Sunday from Fox & Friends presenter Pete Hegseth, who was referring to … germs. The former Princeton University undergraduate and Afghanistan counterinsurgency instructor said, to the mirth of his co-hosts, that he hadn’t washed his hands in a decade. Naturally this germ of misinformation went viral on social media.

The next day, as serendipity would have it, the authors of The Misinformation Age: How False Beliefs Spread—philosophers of science Cailin O’Connor and James Owen Weatherall—sat down with Nautilus. In their book, O’Connor and Weatherall, both professors at the University of California, Irvine, illustrate mathematical models of how information spreads—and how consensus on truth or falsity manages or fails to take hold—in society, but particularly in social networks of scientists. The coathors argue “we cannot understand changes in our political situation by focusing only on individuals. We also need to understand how our networks of social interaction have changed, and why those changes have affected our ability, as a group, to form reliable beliefs.”

O’Connor and Weatherall, who are married, are deft communicators of complex ideas. Our conversation ranged from the tobacco industry’s wiles to social media’s complicity in bad data. We discussed how science is subtly manipulated and how the public should make sense of contradictory studies. The science philosophers also had a sharp tip or two for science journalists.

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Satanismus im Trend: Diese Sekten treiben in Serbien ihr Unwesen

Sekten in Serbien (FOTO: Screenshot/Shizlist)
Die Leichen dreier zu Tode geqäulten Hunde, ein Sack mit verdorbener Haut und ein Pentagram auf einer Wand sind heute eines der Hauptthemen in den serbischen Medien.

Kosmo.at

Nachdem diese unter einer Straßenüberführung im Belgrader Stadtteil Železnik gefunden wurden, beschäftigen sich Experten und Medien wieder mit erschreckenden, gefährlichen satanistischen Organisationen, die in Serbien ihr Unwesen treiben. Da auf einer Wand unmittelbar neben den Leichen der Hunde auch ein satanistisches Pentagram gefunden wurde, vermuten die Ermittler, dass es sich um die Tat einer Sekte handeln könnte.

100 Sekten mit zehntausenden Mitgliedern

In Serbien gibt es etwa 100 Sekten, die zehntausend Mitglieder zählen und seit mehreren Jahrzehnten bestehen. Nicht alle sind gefährlich: Aber diejenigen, die das zweifellos sind, sind Vorgänger satanistischer Sekten, deren Lehren und Praktiken streng totalitäre und destruktive Ziele und Handlungen haben.

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Klagemauerrabbiner kritisiert Amnesty International: „Überflüssiger schädlicher Bericht“

Jüdische Siedler in Ostjerusalem © dpa
Der für die Klagemauer in der Jerusalemer Altstadt verantwortliche Rabbiner Schmuel Rabinowitz hat Amnesty International kritisiert. Er rief die Organisation auf, einen Bericht zu Tourismus in den besetzten palästinensischen Gebieten zurückzuziehen.

DOMRADIO.DE

Indem die Menschenrechtsorganisation „weiter das Erbe der jüdischen Nation“ in Israel als politische Angelegenheit behandele „und seine heiligen Stätten als erobertes Land“, schüre sie Feuer, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Brief Rabinowitz‘ an ai.

Unter dem Titel „Destination: Occupation“ hatte ai Online-Buchungsplattformen vorgeworfen, in völkerrechtlich illegalen israelischen Siedlungen im Westjordanland einschließlich Ostjerusalems Hunderte von Unterkünften sowie touristische Aktivitäten anzubieten.

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Kirche: Kultur der Vertuschung muss aufhören

Der Missbrauch von Minderjährigen, aber auch von Nonnen muss viel energischer bekämpft werden

Hans Rauscher |DERSTANDARD

Vor kurzem war hier die Rede von Zuwanderern aus Gesellschaften, die eine völlig verkorkste Beziehung zur Sexualität und zur Rolle der Frau haben. Aber wir sollten dabei nicht vergessen, dass ein beträchtlicher Teil unserer eingesessenen Gesellschaft an denselben Symptomen leidet. Vor wenigen Tagen hat das sogar Kardinal Christoph Schönborn in einer vielbeachteten TV-Sendung zugegeben: Sexueller Missbrauch ist ein ernsthafter, breitflächiger, nicht zu leugnender Bestandteil der katholischen Kirche.

Der wichtige Unterschied zu patriarchalisch-muslimischen Erscheinungen besteht allerdings darin, dass die Kirche längst nicht mehr die dominante Stellung in unserer Gesellschaft hat, wie es hunderte Jahre lang der Fall war – während der Islam in seinen Ursprungsländern fast überall integraler Bestandteil des gesamten gesellschaftlichen und politischen Lebens ist; und auch in der europäischen Diaspora versucht wird, diese Umklammerung für die Gläubigen beizubehalten oder gar zu verstärken.

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Ein Amerikaner zahlt 110 000 Dollar für den Abschuss einer Ziege einer bedrohten Art – und trägt damit zu deren Schutz bei

Die meisten der noch 5800 freilebenden Schraubenziegen leben in den Bergen von Pakistan und Afghanistan. (Bild: PD)
Pakistans Nationaltier, die Schraubenziege, ist vom Aussterben bedroht. Um die Art zu retten, greifen Tierschützer auf ungewöhnliche Mittel zurück.

Gian Andrea Marti | Neue Zürcher Zeitung

Insgesamt 110 000 Dollar liess sich ein Amerikaner in Pakistan den Abschuss einer seltenen Schraubenziege, auch Markhor genannt, kosten. Auf einem Foto, das in pakistanischen und amerikanischen Medien veröffentlicht wurde, posiert der als Jäger bekannte Mann stolz mit einem toten Exemplar des pakistanischen Nationaltiers. Er soll das Tier am Samstag auf einer Touristenexpedition in der Region Gilgit-Baltistan im Norden des Landes erlegt haben.

Da die Rote Liste der Internationalen Naturschutzunion die Schraubenziege als gefährdet aufführt, brach in den sozialen Netzwerken in kurzer Zeit ein Sturm der Entrüstung aus.

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Kosslicks Volkspädagogik für die AfD endet als traurige Farce

Berlinale-Chef Dieter Kosslick Quelle: REUTERS
Berlinale-Chef Kosslick wollte das Filmfestival und den Holocaust aus Selbstgerechtigkeit missbrauchen: Er lud AfDler ein – die ihrerseits eine Selbstinszenierung planten, aber von Vermummten attackiert wurden. Was für eine unappetitliche Chose.

Von Alan Posener | DIE WELT

Berlinale-Chef Dieter Kosslick lud alle AfD-Mitglieder ein, auf seine Kosten den Film „Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto“ zu besuchen. „Und wenn sie dann noch sagen, das ist ein Fliegenschiss, dann muss ich sagen, sollte vielleicht jemand anderes einschreiten als die Filmemacher.“

„An wen haben Sie da gedacht?“, fragte ich Kosslick. „Und an was für ein ‚Einschreiten‘?“ Seine schriftliche Antwort: „Ist doch klar: Jetzt sind die Staatsanwälte und Strafgerichte zuständig.“ Meint Kosslick, für die Verweigerung politischer Umerziehung sei die Justiz verantwortlich?

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Theologe Seewald: Kirche unterdrückt offene Debatte

Themenbild. Bild: bb
In der katholischen Kirche ist nach Ansicht des Münsteraner Theologen Michael Seewald keine offene Diskussion möglich.

DIE WELT

«Das Lehramt, das theoretisch vom Papst und den Bischöfen, faktisch aber von der Römischen Kurie ausgeübt wird, bestimmt, was gesagt werden darf und was nicht», sagte Seewald – der selbst katholischer Priester ist – der «WAZ» (Montag). «Unbequeme Theologen werden überwacht und denunziert.»

Seit der Veröffentlichung des Missbrauchsberichts im vergangenen September sei der öffentliche Druck so groß, dass die meisten Bischöfe derzeit gar nicht anders könnten, als Reformbereitschaft zu signalisieren.

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Ich will, wo Es ist: Versuch einer kleinen Psychopathologie der Neuen Deutschen Rechten

Grafik: TP
Wie krank sind Rechtspopulisten und Rechtsextremisten? Versuch einer kleinen Psychopathologie der Neuen Deutschen Rechten

Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Die ersten Gerüchte über Chemnitz, gestreut in den rechten Wahnräumen des Netzes, waren eindeutig sexuell konnotiert: Eine deutsche Frau sei von dunkelhäutigen Ausländern sexuell belästigt worden, die drei Deutsche töteten, als diese versuchten, die bedrängte Frau zu schützen. Die erste rechtsextreme Gewaltwelle, die sich spontan in Chemnitz am 26. August 2018 entlud, wurde gerade durch diese Gerüchte von einer versuchten Vergewaltigung durch Flüchtlinge angefacht.

Und dies ist ein immer wiederkehrendes Motiv der paranoiden rechten Gewaltphantasien, die einen regelrechten „Genozid“ am „deutschen Volk“ halluzinieren. Immer wieder erfinden Rechte schlicht sexuelle Übergriffe, wie etwa die angebliche Gruppenvergewaltigung einer Verkäuferin durch Flüchtlinge in Zwickau. In Görlitz wiederum hielten sich tagelang Gerüchte um Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Ausländer auf dem Gelände des dortigen Klinikums.

Auch in Chemnitz gab es im Vorfeld der Geschehnisse Ende August Gerüchte über Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Ausländer. Die in der Neuen Rechten allgegenwärtige, sexualisierte Angst vor dem Völkermord an den Deutschen, vor der „Umvolkung“ Deutschlands, sie ist eingebettet in einen hysterischen Opferwahn, der inzwischen bizarre Ausmaße angenommen hat.

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Die esoterische Anastasia-Bewegung: Der Traum der arischen Öko-Gemeinschaft

Bild: belltower.news
Die Anastasia-Bewegung aus Russland breitet sich auch in Deutschland weiter aus. In ihren Reihen finden sich Esoteriker*innen, Ökos und Reichsbürger*innen wieder, aber auch Rechtsextreme können der Bewegung – nicht zuletzt wegen ihrer Blut-und-Boden-Ideologie – etwas abgewinnen. Ihre Anhänger*innen vernetzen sich zunehmend und versuchen, Schulen zu gründen. Ein Ausflug in eine krude und antisemitische Welt.

Von Kira Ayyadi | BellTower

Auf den ersten Blick geht es bei der Anastasia-Bewegung um ökologische und nachhaltige Landwirtschaft und Lebensweisen. Schaut man sich die Ideologie dieser esoterischen Bewegung genauer an, stößt man jedoch schnell auf eine verfassungsfeindliches, rassistisches und antisemitisches Gedankenwelt. Die neu-esoterische Anastasia-Bewegung fungiert als Sammelbecken verschiedener Esoteriker*innen, die in ihren Reihen Mitglieder duldet, die offen rechtsextrem auftreten und den Holocaust leugnen.

„Die klingenden Zedern Russlands“

Die Anastasia-Bewegung beruht auf der Buchreihe „Die klingenden Zedern Russlands“ des russischen Esoterikautors Wladimir Nikolaevich Megre (* 1950). Benannt ist die Bewegung nach dem zweiten Teil der zehnbändigen Reihe, die zwischen 1996 und 2010 erschienen und zwischen 1999 und 2011 auf Deutsch übersetzt wurde. Laut Aussagen des Autors wurden weltweit bereits 11 Millionen Exemplare verkauft.

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Evangelische Kirche lehnt Gespräche mit AfD ab: Persönlich ja, offiziell nein

IC-Lok mit Leitwort des Kirchentages 2019 in Dortmund © Oliver Lang (DEKT)
Dass der evangelische Kirchentag keine AfD-Funktionäre auf Podien will, findet der Berliner Bischof Dröge problematisch. Ein Ausschluss nütze der Partei, die sich so als Opfer darstellen könne. Offizielle Gespräche lehnt er aber ab.

DOMRADIO.DE

Der Berliner Bischof Markus Dröge bedauert, dass der evangelische Kirchentag keine AfD-Funktionäre auf Podien einladen will. „Das halte ich für sachlich problematisch“, sagte das geistliche Oberhaupt der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz dem Evangelischen Pressedienst (epd): Ein prinzipieller Ausschluss nütze der Partei, weil sie sich dann als Opfer darstellen könne.

Das Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages hatte im vergangenen Jahr beschlossen, AfD-Parteivertreter nicht zur Mitwirkung auf Podien einzuladen. Kirchentagspräsident Hans Leyendecker betonte seither mehrfach, der Kirchentag werde sich aber mit den Positionen der AfD und den Ursachen für das Aufkommen der Partei auseinandersetzen.

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Juristen stellen Anerkennung von Venezuelas Gegenpräsidenten in Frage

Grafik: TP
Gutachten des Bundestags sieht „starke Gründe“, die deutsche Politik als Einmischung in die inneren Angelegenheiten Venezuela zu bewerten

Harald Neuber | TELEPOLIS

In der laufenden Debatte um den venezolanischen Gegenpräsidenten Juan Guaidó hat der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages die Anerkennung des Oppositionspolitikers durch die Bundesregierung und weitere westliche Staaten in Frage gestellt. Es gebe „starke Gründe“ für die Annahme, dass es sich bei der Anerkennung Guaidós um eine „Einmischung in innere Angelegenheiten“ handelt, heißt es in einer zehnseitigen Ausarbeitung der Bundestagsjuristen. Den Sachstand hat der Abgeordnete der Linksfraktion, Andrej Hunko, in Auftrag gegeben. Die Autoren bezeichnen die Frage, ob die Anerkennung Guaidós als unzulässige Intervention zu bewerten ist, als „durchaus berechtigt“.

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Wahlkampf in der Türkei: AKP im Abwärtstrend

Grafik: TP
Kommunalwahlen: Umfragen prognostizieren einen Anstieg der HDP

Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Die Partei des türkischen Präsidenten, AKP, ist im Abwärtstrend. Jüngste Umfragen des Instituts Rawest prognostizieren einen deutlichen Anstieg der HDP in den drei größten Städten mit kurdischer Mehrheitsbevölkerung im Osten der Türkei, trotz der Wahlkampfbehinderungen.

Demnach könnte die HDP in Van auf 57,3% kommen (im Vergleich 2014: 53,1%). Die AKP verliert hingegen laut der Umfrage und sackt 38,5% ab (im Vergleich 2014: 41,2%). In Mardin könnte sich der HDP-Anteil von 52,2% auf 58,2% steigern, während die AKP von 37,4% im Jahr 2014 auf 35,4% abfällt. In Diyarbakir könnte die HDP laut der Umfrage von 55,1% im Jahr 2014 auf 62,3% kommen, die AKP aber fällt von 35% auf 32,8%.

Umfragen in der Türkei sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, da die Unabhängigkeit der Institute nicht überprüfbar ist.

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Die Kirche kann gar nicht anders, als sich in die Politik einzumischen

Themenbild. Bild: bb
Wer religiösen Institutionen Abstimmungsparolen verbieten will, verkennt deren Wesenskern. Das heisst aber nicht, dass alle staatlichen Privilegien für die Kirchen noch angebracht sind.

Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

Sie soll sich raushalten! Das ist die Botschaft, die konservative Politiker an die Kirche senden. Mehrere katholische SVP-Nationalräte, unter ihnen Natalie Rickli und Claudio Zanetti, haben der Zürcher Kantonalkirche den Rücken gekehrt und überweisen ihren Obolus seit einiger Zeit direkt an Bischof Huonder, ihren Bruder im Geiste. CVP-Präsident Gerhard Pfister gründet mit Gleichgesinnten einen Think-Tank, der den Klerikern erklären soll, wann sie reden dürfen und wann sie zu schweigen haben. Was die Kritiker eint: Sie halten es nicht für opportun, dass Kirchenvertreter in der Tagespolitik mitmischen und Abstimmungsempfehlungen abgeben.

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Gentechnik-Gegner: Schlecht informiert und meinungsstark

Bild: International Rice Research Institute (IRRI) CC BY 2.0
Der Bioladen um die Ecke, der mit „genfreiem“ Gemüse warb, hat längst dichtgemacht. Heute befriedigen die großen Supermärkte und Discounter die enorme Nachfrage nach Produkten ohne Gentechnik. Als „Frankenfood“ verschrien, haben genetisch veränderte Lebensmittel einen schlechten Ruf, obgleich Wissenschaftler den Verzehr als sicher einstufen.

Inge Hüsgen | hpd.de

Ob Information und Aufklärung helfen, die irrationale Angst zu vermindern? Eine aktuelle Studie versetzt dieser Hoffnung einen gehörigen Dämpfer. Ein Team von nordamerikanischen Psychologen befragte dafür mehr als 2.000 Personen in Frankreich, Deutschland und den USA zu ihrer Einstellung gegenüber Gentechnik und präsentierte ihnen eine Liste von 15 Aussagen über Genetik und Wissenschaft, die sie jeweils als wahr oder falsch bewerten sollten. Eine weitere Aufgabe bestand darin, in einer Selbsteinschätzung den eignen Wissensstand auf den Gebieten Genetik und Naturwissenschaften zu beurteilen. Dabei zeigte sich, dass diejenigen mit den größten Vorbehalten gegen genetisch veränderte Lebensmittel am wenigsten darüber wussten.

„Je weniger jemand über Gentechnik weiß, desto stärker widerspricht er dem wissenschaftlichen Konsens“, resümieren die Forscher. Dabei hielten sich gerade Personen mit geringem Sachwissen für bestens informiert.

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Das tut man nicht, Herr Broder

Henryk M. Broder. Foto (von 2012): Henryk M. Broder / CC BY-SA 3.0
Henryk M. Broder ging bei seinem Auftritt bei der AfD-Bundestagsfraktion härter mit einer 16jährigen Umweltaktivistin ins Gericht als mit der Partei und ihren rechtsextremen Tendenzen

Birgit Gärtner | TELEPOLIS

Broder ist bekannt als streitbarer Publizist. Er schert sich nicht um die Meinung anderer, bricht hemmungslos Tabus, beschäftigt sich mit Themen, die andere scheuen wie der Teufel das Weihwasser, political correctness ist ihm ein Fremdwort. Broder provoziert und polarisiert. Das weiß er – und das will er auch. Vermutlich amüsiert ihn nichts mehr als seine Kritiker. Im Gespräch bleiben, ist die Devise.

Im Gespräch bleiben wollte er auch mit der AfD, weil er den Umgang mit der größten Oppositionspartei im Deutschen Bundestag „nicht fair“ findet, wie er in seiner von der Welt dokumentierten Rede sagte. Deshalb habe er die Einladung angenommen.

Grundsätzlich ist dagegen zunächst einmal nichts einzuwenden. Parteien laden mitunter Journalistinnen und Journalisten ein, nicht nur die AfD. Die – ob uns das gefällt oder nicht – die größte Oppositionspartei im Deutschen Bundestag ist. Solche Einladung werden ausgesprochen, entweder weil die Parteien sich mit den Auftritten prominenter Medienschaffender schmücken oder weil sie Einblick in die journalistische Arbeit bekommen wollen oder weil sie Input zu einem bestimmten Thema erwarten.

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Hat die Kirche Sonderrechte bei strafrechtlichen Ermittlungsverfahren?

Der Bund für Geistesfreiheit (BfG) Neuburg-Ingolstadt verschickte einen Brief an Johannes-Wilhelm Rörig, den Bundesbeauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Er kritisiert darin die schleppende Aufklärung des Missbrauchs.

Redaktion hpd.de

Der Bund für Geistesfreiheit Neuburg-Ingolstadt K. d. ö. R. versteht den sexuellen Missbrauch an Kindern in der katholischen Kirche nicht nur als Schaden, der an den Individuen verursacht wird, sondern erkennt darüber hinaus in der selektiv zurückhaltenden Anwendung rechststaatlicher Mittel zur Verfolgung dieser Taten einen Schaden an der Glaubwürdigkeit des Rechtsstaats.

Deshalb schrieb der Vorstand des BfG Neuburg-Ingolstadt am 4. Februar einen Brief an den Bundesbeauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig. In dem Schreiben heißt es: „die Kirche hat sich sexueller Verbrechen an Minderjährigen schuldig gemacht. In der breiten Öffentlichkeit werden diese Verbrechen als ‚Skandal‘ wahrgenommen und von Ihnen als ‚ungeheuerliches Unrecht‘ bezeichnet.“

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