Archiv der Kategorie: Fundamentalismus

Aceh: Bei Verfehlung 100 Stockhiebe

Sharia-Polizisten plazieren in Banda Aceh eine Frau zur öffentlichen Auspeitschung. (picture alliance / dpa / Hotli Simanjuntak)
Das Leben in der indonesischen Provinz Aceh ist streng nach den Regeln des Korans ausgerichtet. Seit dem Ende des Bürgerkriegs vor zehn Jahren regieren hier die Rebellen von damals – die sich für einen aus ihrer Sicht unverfälschten sunnitischen Islam starkmachen.


Von Thomas Kruchem|Deutschlandradio Kultur

Weit holt der Scharfrichter aus und lässt den anderthalb Meter langen Rohrstock hinunter fahren auf den Rücken der vor Schmerz schreienden Frau.

Die Strafe der öffentlichen Auspeitschung für moralische Vergehen ist üblich in Ländern, wo man die Regeln der Scharia, des islamischen Strafrechts, radikal auslegt: in Saudi-Arabien, Sudan, Somalia und seit einiger Zeit auch in Aceh, einer Provinz an der Nordspitze der indonesischen Insel Sumatra. Viele Acehnesen halten Körperstrafen im Rahmen der Scharia für richtig – Fatalan Ameni, zum Beispiel, ein junger Grundschullehrer in Achehs Hauptstadt Banda Aceh.

“Wir praktizieren die Scharia äußerst streng, um das soziale Leben hier in Aceh zu kontrollieren. Begehe ich zum Beispiel Ehebruch, verfalle dem Glücksspiel oder dem Alkohol, dann handle ich gegen unser aller Religion, den Islam. Die Scharia-Polizei wird mich deshalb festnehmen. Das Scharia-Gericht wird mich zu einer bestimmten Anzahl von Schlägen verurteilen.

Die öffentlich auf einer Bühne exekutierte Strafe jedoch soll den Delinquenten nicht verletzen. Nach der Bestrafung verlässt er dann die Bühne; und die Menschen umarmen ihn. ‘Hast du genug zu essen?’ fragen sie ihn, ‘genug Reis, Zucker und Kaffee? Wir wollen dich wieder in unsere Gemeinschaft aufnehmen; wir lieben dich. Du hast einen Fehler gemacht und die Strafe dafür ertragen. Jetzt gehörst Du wieder zu uns; und wir helfen dir, wann immer Du Hilfe brauchst.'”

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Indiens Christen und Muslime in wachsender Gefahr

Morde, Hassreden und Zwangskonvertierungen: In Indien weden Christen und Muslime brutal verfolgt. Konserverative Organisationen fordern ein Indien nur für Hindus. Indiens Glaubensfreiheit und -vielfalt ist gefährdet.


Von Michael Lenz|evangelisch.de

Nadrenda Modi.
Nadrenda Modi.

Sunil Kumar und sein jüngerer Bruder Anil Kumar sind tot. Die beiden Männer, 36 Jahre der eine, 32 Jahre der andere, wurden durch Mord aus dem Leben gerissen. Die Täter hatten die beiden Männer während ihres Dienstes als Wachleute in der evangelischen United Christian Senior Secondary Schule in Neu Delhi überfallen, gefesselt und erschlagen. Aus dem Büro des Schuldirektors wurden umgerechnet 290 Euro gestohlen. Trotzdem geht die Polizei nicht von einem gewöhnlichen Raubmord aus. “Die beiden Männer wurden brutal ermordet. Ein Kleinkrimineller würde nicht solch grausame Morde begehen”, sagte ein Polizeisprecher gegenüber indischen Medien.

Darwin Prashad, Direktor der gemeinsam von der Union der Baptisten von Nordindien und der Kirche von Nordindien betriebenen Schule, geht von einem christenfeindlichen Hintergrund der Tat aus, begangen von extremistischen Hindunationalisten. Solange aber Beweise fehlen, ist das reine Spekulation, wenn auch eine plausible. Seit Anfang dieses Jahres hat es in der indischen Hauptstadt eine Serie von Brandanschlägen und anderen Angriffen gegen katholische Kirchen und Schulen gegeben, die höchstwahrscheinlich auf das Konto der Hindunationalisten gehen.

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Israel billigt härtere Verhörmethoden gegen jüdische Extremisten

Nach dem Brandanschlag auf eine palästinensische Familie hat Israel härtere Verhörmethoden auch gegen jüdische Verdächtige genehmigt.


derStandard.at

Bild:  phhesse/flickr
Bild: phhesse/flickr

Das Sicherheitskabinett habe grünes Licht etwa für gewaltsames Schütteln bei Verhören gegeben, sagte der Minister für Innere Sicherheit, Gilad Erdan, am Montag. Bisher waren solche Methoden nur bei Verhören palästinensischer Terrorverdächtiger zulässig.

“Das Sicherheitskabinett hat den Diensten erklärt: Alle Methoden sind koscher”, sagte Erdan. “Eine Verhörmethode wie Tiltul oder irgendetwas, das gemacht wird, wenn es um palästinensische Terroristen geht – dasselbe muss getan werden, wenn es um einen jüdischen Terroristen geht”, sagte Erdan im Rundfunk. Tiltul, das hebräische Wort für gewaltsames Schütteln eines Verdächtigen, war 1999 vom Obersten Gerichtshof verboten worden. Allerdings gibt es Sicherheitsexperten zufolge zulässige Ausnahmen.

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Afghanistan: Familie von Mullah Omar erkennt neuen Taliban-Führer nicht an

Nach Tagen der Ungewissheit ist inzwischen klar: Mullah Omar ist tot. Auch sein Nachfolger steht schon fest. Doch die Familie des Verstorbenen verweigert dem neuen Taliban-Führer die Gefolgschaft.


SpON

Achtar Mohammad Mansur
Achtar Mohammad Mansur

Die Familie des verstorbenen Taliban-Kommandeurs Mullah Omar will seinen Nachfolger an der Spitze der afghanischen Terrorgruppe nicht anerkennen. Die Familie habe niemandem die Treue geschworen und habe dies auch nicht vor, sagte Mullah Omars Bruder, Mullah Abdul Manan.

Am Freitag war Mullah Akhtar Mansour zum neuen Anführer der Taliban erklärt worden. Er ist seit Jahren eine feste Größe in der Taliban-Führung. Zuvor hatte die islamistische Bewegung verkündet, dass ihr langjähriger Kommandeur Mullah Omar im Jahr 2013 verstorben sei. Viele Taliban lehnen Mansour aber als Führer ab. Der Grund sind offenbar Differenzen mit der Ideologie des neuen Anführers: Mansour soll der pakistanischen Regierung nahestehen und Friedensgespräche mit der afghanischen Regierung befürworten.

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Anklage gegen Ex-Pfleger des Franziskuswerks

Röhrmoos Schönbrunn Franziskuswerk im Abendlicht Foto: Jørgensen (Foto: DAH)
  • Die Staatsanwaltschaft München II hat jetzt Anklage gegen den 52-jährigen ehemaligen Pfleger im Franziskuswerk erhoben, der mutmaßlich eine 28-jährige Behinderte sexuell missbraucht hat.
  • Die Anklage lautet auf “schweren sexuellen Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person” – dieser Straftatbestand ist in besonders schweren Fällen von Sexualverbrechen erfüllt.


Von Helmut Zeller|Süddeutsche.de

Die Staatsanwaltschaft München II hat jetzt Anklage gegen den 52-jährigen ehemaligen Pfleger im Franziskuswerk erhoben, der mutmaßlich eine 28-jährige Behinderte sexuell missbraucht hat. Der Mann hatte den Ermittlungen der Kriminalpolizei zufolge die Autistin im August 2014 im Nachtdienst geschwängert.

Die Anklage lautet auf “schweren sexuellen Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person” – dieser Straftatbestand ist in besonders schweren Fällen von Sexualverbrechen erfüllt. Die 28-jährige Frau ist nicht in der Lage, sich verbal oder körperlich gegen Übergriffe zu wehren, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München II der SZ erklärte. Der Mann muss im Fall einer Verurteilung mit einer Haftstrafe von zwei bis 15 Jahren rechnen.

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Franzosen atmen auf – Saudischer König bricht Urlaub ab

Foto: dpa Der König und Premierminister von Saudi-Arabien, Salman bin Abd al-Asis Al Saud, in Riad (Archivbild)
König Salmans Empfang in Südfrankreich fiel kühl aus – dessen royale Sonderwünsche stießen den Franzosen bereits im Vorfeld sauer auf. Nun ist der Monarch mit seinem 1000-köpfigen Gefolge abgereist.


DIE WELT

Seine Sonderwünsche inklusive Strandsperrung hatten viele Franzosen verärgert – jetzt hat der saudische König Salman seinen Urlaub an der Côte d’Azur überraschend vorzeitig beendet. Der 79-jährige Monarch flog am Sonntag von Nizza nach Tanger in Marokko, wie ein französischer Behördenvertreter sagte. Damit bekommen die Anwohner wieder Zugang zu einem unterhalb der Königsvilla gelegenen Strand, dessen Sperrung die Gemüter erhitzt hatte.

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“Ich will mit dem IS nichts zu tun haben”

Mit einem Aktenordner verdeckt Ayoub B. (27) beim Prozessauftakt in Celle sein Gesicht. – Foto: Holger Hollemann/AFP
Er wollte nach Drogenproblemen und Spielsucht in einer Islam-Schule angeblich zu sich selbst finden – und geriet an den IS. Nun steht der gebürtige Wolfsburger Ayoub B. gemeinsam mit Ebrahim H. in Celle vor Gericht.


Von Peter Mlodoch|DER TAGESSPIEGEL

Vom Schulabbrecher, Dauerkiffer und Zocker zum Terrorkämpfer beim „Islamischen Staat“ (IS)? Fast zwei Stunden schildert der gebürtige Wolfsburger Ayoub B. über eine von seinem Verteidiger Dirk Schoenian verlesene Erklärung am Montag zum Auftakt des Terrorprozesses vor dem Oberlandesgericht (OLG) Celle, wie er über die Türkei nach Syrien gereist sei, um dort nach Drogenentzug, Job-Problemen und Spielhallenbesuchen in einer Islam-Schule zu sich selbst zu finden. Wie er stattdessen – nur widerwillig und zum Schein – dort im Sommer 2014 zwei Ausbildungslager absolviert habe. Wie er von den IS-Leuten permanent kontrolliert und drangsaliert worden sei. Wie er sich beim Transport von verkohlten Leichen und schreienden Verletzten mehrfach habe übergeben müssen. Wie er nach zweieinhalb Monaten voller Todesängste seine misstrauisch gewordenen IS-Bewacher überlistet habe und abgehauen sei. Wie er „in Aladin-Hose und Gummilatschen“ und notdürftig rasiert durch den Irak über die Türkei zurück nach Deutschland geflohen sei. Wie er sich hier der Polizei anvertraut habe und dennoch völlig überraschend in Untersuchungshaft genommen worden sei.

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Wirre Schützenwelt – Synkretisch durch Alkohol?

HP des BDHS, Screenshot: bb
HP des BDHS, Screenshot: bb
Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BDHS) will in Zukunft auch Nicht-Christen, wiederverheiratete Geschiedene und Homosexuelle aufnehmen. Bizarr: Wer aus der Kirche ausgetreten sei, könne aber nicht Mitglied werden


kath.net

Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BDHS) will sich mehr für Nicht-Christen, wiederverheiratete Geschiedene und Homosexuelle öffnen. Nach der Debatte um einen muslimischen Schützenkönig vor einem Jahr erklärte der neue Bundesschützenmeister Emil Vogt am Montag in Euskirchen, eine neue Profildiskussion solle dem kirchlichen Verband «eine zeitgemäße und verständliche Grundausrichtung» geben, ohne die «Zugehörigkeit zur katholischen Kirche in Frage zu stellen».

Nach dem der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegenden Entwurf sollen künftig auch Ungetaufte und Muslime den örtlichen Bruderschaften beitreten können, sofern sie die christlichen Werte achten. Grundsätzlich sollen sie auf lokaler Ebene auch Schützenkönig sein dürfen; im Einzelfall müsse darüber aber die jeweilige Bruderschaft entscheiden. Die übergeordnete Ebene und Ämter mit inhaltlicher Verantwortung sollen dagegen Angehörigen christlicher Kirchen vorbehalten bleiben. Wer aus der Kirche ausgetreten sei, könne nicht Mitglied werden.

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Demokratische Renitenz gegen römische Homophobie

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Der Papst lehnt einen Botschafter am Heiligen Stuhl ab, weil er homosexuell ist. Doch das Herkunftsland des Mannes, Frankreich, zog seine Ernennung bisher nicht zurück. Dem Vatikan droht eine diplomatische Krise.


wochenblatt.de

Das gab es so noch nie: Am Wochenende hat sich laut Medienberichten Papst Franziskus mit dem designierten Botschafter Frankreichs am Heiligen Stuhl (Santa Sede) getroffen. Grund für die Zusammenkunft war indes ein heikler: Laurent Stefanini ist bislang noch nicht vom Vatikan als Botschafter seines Landes bestätigt worden – und wird das wohl auch nicht. Denn der Mann lebt offen homosexuell.

In dem Treffen zwischen Franziskus und Stefanini habe der Papst wohl sein Bedauern zum Ausdruck gebracht, aber er könne die Bestellung des Franzosen als Botschafter nicht bestätigen. Grund sei die Befürchtung, dass Stefanini während seiner Amtszeit als Botschafter eine Partnerschaft eingehen könnte und damit den Vatikan brüskieren würde. Bereits 2007 kam es zu einer solchen Situation, auch damals hatte Frankreich einen offen homosexuellen Botschafter benannt – und die Ernennung aufgrund des Protests des Heiligen Stuhls zurückgezogen.

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Mitwirkung in Islamzentrum: Evangelikale Kritik am EKD-Ratsvorsitzenden

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm will im Kuratorium eines Islamzentrums mitwirken. Foto: ELKB/MCK
Evangelikale in ganz Deutschland haben mit Entsetzen, Unverständnis und bitterer Ironie auf die Zusage des EKD-Ratsvorsitzenden und bayerischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm (München) reagiert, im Kuratorium des Münchner Islamzentrums mitzuwirken.


idea.de

Die Einrichtung soll „Muslimen bei der Ausübung ihrer Religion behilflich sein, ihr Glaubensbewusstsein und ihre Bereitschaft zum Dienst am Mitmenschen vertiefen, aber auch zum besseren Verständnis des Islam und der Muslime beitragen“, heißt es in der Selbstdarstellung. Grundlage des Zentrums sei das islamische Glaubenszeugnis „Kein Gott außer Allah und Muhammad ist Allahs Gesandte“. Für die römisch-katholische Kirche sitzt der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück (Traunwalchen/Oberbayern), im Kuratorium. Gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea erklärten Bedford-Strohm und Glück, dass sie jene Kräfte im Islam stärken wollen, die die Werte des Grundgesetzes bejahen, und mit ihnen gemeinsam Wege in die Zukunft bauen. Der Initiator des Islamzentrums, Imam Benjamin Idriz (Penzberg/Oberbayern), habe mit vielen Beispielen bewiesen, dass er sich gegen einen radikalen Islam stelle. „Mit diesen Muslimen können wir gemeinsam eine friedliche Zukunft gestalten“, so die Kirchenvertreter. Zugleich betonen sie, als Christen keine Werbung für den Islam zu machen.

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Apostel Huonder spricht von Todesstrafe für Homosexuelle

Für Vitus Huonder sollen Bibelstellen, die die Todesstrafe für Homosexuelle fordern, der neue Leitfaden für den Umgang mit Homosexualität sein


Von David Berger|TELEPOLIS

Vitus Huonder, Bild: wikimedia.org/CC BY 2.0

Eigentlich kommt es in der katholischen Kirche, auch bei deren Hardlinern, nur noch selten vor, dass sich jemand für die Frage des Umgangs mit Homosexualität auf einzelne Bibelstellen beruft. Zu sehr durchgesetzt hat sich hier die Einsicht, dass ein wort-wörtliches Verstehen dieser Stellen, unberührt von den wissenschaftlichen Erkenntnissen der letzten 100 Jahre, einen zum Fundamentalisten-Clown werden lässt.

Selbst der als extrem homophob in die Geschichte eingehende Papst Benedikt XVI hat dies m.W. nie getan, sondern sich immer auf das (ganz und gar unbiblische) philosophische Naturrecht bzw. die Natur des Menschen berufen, um Homosexualität abzulehnen, da sie der “Reproduktion der Art” hinderlich sei.

Nicht einmal der homophobe Papst Benedikt XVI hätte so argumentiert

Nun hat einer der kirchlichen Würdenträger mit diesem Tabu gebrochen. Und zwar ausgerechnet ein Bischof der Schweizer Katholiken, die eigentlich in aller Welt für eine verhältnismäßig liberale Einstellung zu Schwulen und Lesben bekannt sind. Der Bischof von Chur, Vitus Huonder, hat sich in einem Vortrag bei einem Kongress des “Forums deutscher Katholiken” gleich mehrmals auf aus dem Gesamtkontext gerissene Bibelstellen berufen.

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Dodo Schavan im apostolischen Paradies für Ungelernte

Von der deutschen Politik in den Vatikan: Ex-Bildungsministerin Annette Schavan ist seit einem Jahr Botschafterin Deutschlands beim Heiligen Stuhl. Wie ihr ihre Arbeit gefällt, hat sie “Radio Vatikan” erzählt.


domradio.de

Annette Schavan (Bild: Wikimedia Commons/Laurence Chaperon, CC-BY-SA 3.0)
Annette Schavan (Bild: Wikimedia Commons/Laurence Chaperon, CC-BY-SA 3.0)

Für jemanden, der den Berliner Politikbetrieb gewohnt ist, sind die Erfahrungen im Vatikan etwas ganz Neues: Die Diplomatie sei auf lange Linien angelegt und auf Nachhaltigkeit. Als Politiker träume man davon, so arbeiten zu können. Annette Schavan ist seit einem Jahr Botschafterin Deutschlands beim Heiligen Stuhl, davor war sie Bildungsministerin im Bundeskabinett.

Papst als moralische Instanz

Sie lobte vor allem die Friedensdiplomatie des Vatikan. Den Papst bezeichnete sie als einen moralischen Kompass und “unglaublich ermutigend für viele”. Franziskus gehöre “nicht zu einer Partei, nicht zu einer Nation, nicht zu einer Region der Welt, er spricht nicht aus diesem oder jenem Interesse heraus, sondern im Verständnis der Welt als über den Parteien stehend”, so Schavan.

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Muslime warnen vor Hasspredigern in Deutschland

Bild: The Huffington Post
Die muslimischen Gemeinden in Niedersachsen warnen vor Hasspredigern. “Staat und Gesellschaft müssen klar machen: Wir stellen uns gegen radikale Prediger. Wir stellen uns gegen jede Form von Extremismus”, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Muslime, Avni Altiner, der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung” vom Montag. “Ein solches Problem ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die uns alle herausfordert.”  


The Huffington Post

Anlass der Warnung ist ein Prozess gegen zwei Wolfsburger, die für die Terrororganisation IS in den Dschihad gezogen sein sollen. Vor dem Oberlandesgericht Celle müssen sich ab dem heutigen Montag zwei Deutsch-Tunesier deswegen verantworten. Beide Männer sind weitgehend geständig. Einer von ihnen, der 26-jährige Ebrahim H. B., hat in einem Interview über seine Rekrutierung für den IS berichtet. Demzufolge wurden er sowie weitere junge Männer von einem “falschen Prediger” in Wolfsburg angeworben.

Israel: Soziologische Essays

Die Essay-Sammlung der israelischen Soziologin Eva Illouz gehört zu den interessantesten Veröffentlichungen zur Identität des Staates Israel.


Von Ludwig Watzal|BETWEEN THE LINES

Die Autorin ist mit der Politik der rechtsextremen Netanyahu-Regierung absolut nicht einverstanden und spricht sich für ein säkulares, liberales und weltoffenes Israel und gegen die vorherrschende nationalistische und rassistische Engstirnigkeit aus. Dass die zunehmende Fokussierung der israelischen Politik auf Ethnie und Religion den liberalen Charakter des Staates zu unterwandern drohe, fragt sich der Leser, ob dies nicht schon längst geschehen sei, wenn man ohne ideologische Scheuklappen die Entwicklung Israels verfolgt.

Illouz setzt sich für eine Staatsbürgerschaft ein, die nicht ethnisch begründet ist, weil dadurch alle Nicht-Juden zu Bürgern zweiter Klasse degradiert würden. “Ein Rassismus, der aus der Bevölkerung komme, ist etwas anderes als ein Rassismus, der sich in den Gesetzen des Staates niederschlägt.”

Die Autorin war religiös und in der orthodoxen Glaubenswelt zuhause. Sie hat lange in Frankreich und den USA gelebt. Ihre “säkulare Epiphanie” erlebte sie, als ein religiöser Extremist Ministerpräsident Yitzhak Rabin 1995 ermordete. Für die Autorin sind die Privilegien der Orthodoxen und die absolute Macht des Oberrabinates völlig inakzeptabel; beide gehörten abgeschafft.

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Flüchtlinge in Tschechien: Präsident Zeman schlägt harten Ton an

Harte Worte gegen Flüchtlinge: Der tschechische Präsident Milos Zeman kommentiert eine Revolte von Flüchtlingen in einem Abschiebezentrum mit den Worten: “Niemand hat euch hierher eingeladen”.


Frankfurter Rundschau

Miloš Zeman, 3. Präsident der Tschechischen Republik, 2013. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Der tschechische Präsident Milos Zeman hat nach einer Revolte von Flüchtlingen in einem Abschiebezentrum einen harten Ton gegenüber illegal einreisenden Migranten angeschlagen. “Niemand hat euch hierher eingeladen”, sagte Zeman in einem Interview, das am Sonntag in der Online-Ausgabe der Zeitung “Blesk” veröffentlicht wurde. “Wenn ihr schon hier seid, müsst ihr unsere Regeln respektieren, so wie wir die Regeln respektieren,wenn wir in euren Ländern sind”, fügte Zeman hinzu.

Am Donnerstag und Freitag war die tschechische Polizei mit Tränengas in einem Abschiebezentrum im Nordwesten des Landes gegen revoltierende Flüchtlinge vorgegangen. Rund hundert Migranten hatten nach Polizeiangaben in Bela-pod-Bezdezem Widerstand gegen die Beamten geleistet. Demnach versuchten die vor allem aus Afghanistan, Pakistan und dem Irak stammenden Flüchtlinge aus dem Zentrum auszubrechen. Sie sollten in die europäischen Länder abgeschoben werden, in denen sie erstmals den Schengen-Raum betraten.

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Türkei: Eiskalte Rachepolitik

Ein türkisches Kampfflugzeug hebt vom Luftwaffenstützpunkt Incirlik ab. (Foto: AP)
Die Hoffnungen auf eine baldige Beilegung des Konflikts zwischen Ankara und der PKK schwinden. Der Krieg rückt näher an Europa heran.


Von Mike Szymanski|Süddeutsche.de

In der Türkei ist wieder ein blutiges Wochenende zu Ende gegangen. Die furchtbare Bilanz: mindestens drei Tote und Dutzende Verletzte allein bei Anschlägen, für die türkische Behörden die PKK verantwortlich machen.

Auf kurdischer Seite sollen seit Beginn der Kämpfe mindestens 260 Menschen ums Leben gekommen sein. Die Nachrichten aus der Türkei ähneln in erschreckender Weise jenen aus den Nachbarländern, die längst im Chaos versunken sind. Der Krieg rückt näher an Europa heran.

Mit jedem Anschlag, mit jedem Kampfeinsatz der türkischen Armee schwindet die Hoffnung auf eine schnelle Beilegung des Konflikts. Vernunft oder Verhältnismäßigkeit ist auf keiner Seite auszumachen.

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Saudi Arabia Calls On World To Ban Criticism of Religion

The Grand Mufti of Saudi Arabia. (Photo: Screenshot from video)
The director for external relations at the Ministry of Islamic Affairs on July 25 called on all countries to ban criticism of religion.


By Elliot Friedland|The Clarion Project

Saudi Arabia has called on the international community to ban all criticism of religion.

At a July 25 symposium on media coverage of religious symbols in international law, Abdulmajeed Al-Omari, director for external relations at the Ministry of Islamic Affairs, said:

“We have made it clear that freedom of expression without limits or restrictions would lead to violation and abuse of religious and ideological rights. This requires everyone to intensify efforts to criminalize insulting heavenly religions, prophets, holy books, religious symbols and places of worship.”

He argued these steps must be taken to prevent intolerance.

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Die tödlichen Zweifel des deutschen Dschihadisten

Tweets über den möglichen Tod des Kickboxers Valdet Gashi Bild:Twitter/DIE WELT
Ein deutscher Thaiboxer wird zum Dschihadisten und tritt der Terrormiliz IS bei. Doch in Syrien ist er sich seiner Sache plötzlich nicht mehr sicher und wendet sich an einen deutschen Politiker.


Von Alfred Hackensberger|DIE WELT

Seine rote Glitzerjacke funkelte im Scheinwerferlicht, zu wummerndem Rap schritt er in den Ring, und jeder im Publikum kannte seinen Namen: Valdet Gashi, deutscher Thaiboxer und mehrfacher Weltmeister. Doch er wird nie wieder in den Ring steigen. Gashi trat im Oktober 2014 der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bei, reiste nach Syrien, um “Gutes zu tun”. Im Juni soll der IS den 28-Jährigen hingerichtet haben. Gashi hatte am Kurs der Terrormiliz gezweifelt – Zweifel, die er einem deutschen Politiker über Facebook mitteilte. Ein seltener Einblick in den Sinneswandel eines Terroristen.

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Israel will härter gegen jüdische Terroristen vorgehen

Wütend: Israelische Sicherheitskräfte halten Palästinenser nahe des Tempelbergs zurück, die nach dem Tod des Kleinkindes demonstrieren am Sonntag demonstrieren. ©AFP
Nach dem Tod eines Kindes beim Anschlag auf eine palästinensische Familie wird Kritik an den israelischen Sicherheitskräften laut: Terrorismus von Juden müsse ebenso effektiv bekämpft werden wie der von Palästinensern.


Von Hans-Christian Rößler|Frankfurter Allgemeine

Nach dem jüngsten Ausbruch der Gewalt greift die israelische Regierung härter gegen potentielle jüdische Terroristen durch. Verteidigungsminister Mosche Jaalon ordnete am Sonntag an, Israelis, die Anschläge planten, in sogenannte Administrativhaft zu nehmen. Bisher wurde diese Art des Gewahrsams nur gegen Palästinenser verhängt. Sie dürfen ohne ordentliches Gerichtsverfahren sowie Zugang zu Anwalt und Besuchsrecht monatelang festgehalten werden. In Israel war nach dem Brandanschlag am Freitag, bei dem im Westjordanland ein 18 Monate alter Junge umgekommen war, Kritik an den Sicherheitskräften laut geworden. Die Regierung habe es versäumt, den Inlandsgeheimdienst Schinbeth mit ausreichenden Kompetenzen auszustatten, um jüdischen Terrorismus ähnlich schnell und effizient zu bekämpfen, wie das bei Palästinensern der Fall sei, kritisierte die Zeitung „Jediot Ahronot“ am Sonntag. Das Attentat am Freitag zeige, dass „wir nicht besser sind als sie“, heißt es in einem Kommentar der Zeitung, der Israelis und Palästinenser vergleicht.

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“Lasst Euren Glauben nicht in den Dreck ziehen!”

Aktion an der Domplatte in Köln: Die Gruppe 12thMemoRise will mit provokanten Aktionen junge Muslime vor Extremisten warnen Foto: 12thMemoRise
Provokante Kunstaktionen und Appelle an Muslime: Der Widerstand gegen salafistische Koranverteiler nimmt zu. Teilweise werden die Islamisten aber auch körperlich angegriffen. Die Polizei ist besorgt.


Von Stefan Laurin|DIE WELT

Sie stehen fast jeden Samstag auf der größten Einkaufsstraße Deutschlands. Immer um 16 Uhr packen sie ihre Schilder und Transparente vor dem Einkaufszentrum “MyZeil” in Frankfurt aus. “Salafisten werben, Kinder sterben” oder “Muslime! Lasst Euren Glauben nicht in den Dreck ziehen! Steht auf gegen ISIS” lauten die Aufschriften. Es sind Aktivisten, die seit September gegen islamistische Koranverteiler in ihrer Nähe demonstrieren. Bereitschaftspolizisten stehen ein paar Meter entfernt und passen auf, nachdem es einmal fast zu einer Schlägerei zwischen den beiden Gruppen gekommen ist.

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