NRW für „Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“ bei Kirchenasyl

Bei Fällen von Kirchenasyl für von Abschiebung bedrohte Flüchtlinge will die nordrhein-westfälische Landesregierung weiterhin nach dem „Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“ verfahren. Diese Vorgehensweise habe sich bewährt.

DOMRADIO.DE

Durch eine frühzeitige Konsultation zwischen Kirchengemeinde und Ausländerbehörde müssten in jedem konkreten Fall von Kirchenasyl „Handlungsspielräume im Rahmen des geltenden Rechts“ sorgfältig ausgelotet werden, erklärte NRW-Flüchtlingsminister Joachim Stamp (FDP) am Mittwoch auf eine parlamentarische Anfrage der AfD im Düsseldorfer Landtag.

Stamp erinnerte daran, dass es in NRW bereits seit mehr als 20 Jahren Absprachen mit den Kirchen für Fälle von Kirchenasyl gebe. Grundlage dafür sei eine Vereinbarung mit der Evangelischen Kirche im Rheinland aus dem Jahre 1995. Darin werde „dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“ eine besondere Bedeutung beigemessen.

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Der US-Botschafter und der falsche Tempel in Jerusalem

foto: screenshot haaretz Dass auf dem Foto weder …
David Friedman ließ sich mit einem Bild Jerusalems fotografieren, auf dem statt Felsendom und al-Aqsa-Moschee der dritte jüdische Tempel abgebildet ist

Lissy Kaufmann | derStandard.at

Botschafter David Friedman sei in dem Moment nicht klar gewesen, welches Bild ihm da vorgeschoben wurde, lautete das Statement der US-Botschaft am späten Dienstagabend. Es war der Versuch einer Schadensbegrenzung, doch da war es schon zu spät: Das Foto, das den Diplomaten mit dem umstrittenen Bild zeigt, kursierte da längst in den sozialen Netzwerken, Israels Medien berichteten, die Nachricht verbreitete sich schnell: Friedman hatte sich zuvor bei einem Besuch im ultraorthodoxen Tel Aviver Vorort Bnei Brak mit einer Luftaufnahme ablichten lassen, die statt al-Aqsa-Moschee und Felsendom einen dritten jüdischen Tempel zeigte. Er war in das Foto hineinmontiert worden.

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Absolutistisches Saudi-Arabien: Viel schlechter als sein Ruf

Nur der Kronprinz bestimmt, wie die Gesellschaft auszusehen hat. Kritiker sind „Extremisten und Verräter“. Für den Westen gehört das Land zu den „Guten“

Thomas Pany | TELEPOLIS

Medien folgen politischen Vorgaben. Wer die momentane Nachrichtenlage in der westlichen Hemisphäre verfolgt, gewinnt angesichts der insistierenden Schilderung Irans als Sponsor des internationalen Terrors und große Bedrohung für den regionalen Frieden den Eindruck, dass es sich bei den Gegenspielern des „iranischen Regimes“ nur um hauptsächlich „gute Nationen“ handeln kann.

Diese werden in der Medienwahrnehmung regiert von zumindest gut Gesinnten, solchen, die vielleicht noch ein bisschen brauchen mit ihren demokratischen Fortschritten, die aber doch prinzipiell den Anschluss suchen an die freie westliche Welt und deren Werten. Wie zum Beispiel Saudi-Arabien, wo derzeit mehrere Frauen und Männer ohne Zugang zu Anwälten in Polizeigewahrsam sind, weil sie für Frauenrechte eintreten.

Das Land sei „viel besser als sein Ruf“, stellte die Tagesschau im Mai letzten Jahres fest. Der Beitrag ist mittlerweile nicht mehr ohne weiteres online zu finden, die Hoffnung, die darin zum Ausdruck kam, ist noch präsent.

Die Hoffnung lautet, dass in Saudi-Arabien jetzt einiges an Reformen in Bewegung kommt und das Land auf einem guten Weg ist, wofür sich der ARD-Experte Carsten Kühntopp als engagierter Autor zeigt: „Kronprinz Mohammed bin Salman will Reformen, die auch die Religion betreffen und vor allem die Situation der Frauen verbessern sollen. Im US-Fernsehen sagte er jetzt ‚Extremisten‘ den Kampf an“, äußerte Saudi-Arabien-ist besser-als-sein-Ruf-Autor Kühntopp Ende März im Deutschlandfunk:

Viele Saudis reiben sich verwundert die Augen: Über Jahrzehnte wurden sie von gebrechlichen alten Männern regiert – jetzt krempelt ein 32-Jähriger ihr Land um. Von seinem Vater, dem König, hat Mohammed bin Salman, der Kronprinz, die Lizenz dazu bekommen. Er hat Reformen angestoßen, die die saudische Gesellschaft in den kommenden 10, 20 Jahren tiefgreifend verändern könnten.

Deutschlandfunk

Immerhin unterlässt der ARD-Korrespondent in Kairo die Festlegung, dass die tiefgreifenden Veränderungen positiv ausfallen. Auch ist er bei weitem nicht der Einzige, der sich von Mohammed Bin Salman Reformen erwartet, die Saudi-Arabien deutlich verändern. Wie die gesellschaftlichen Veränderungen konkret aussehen werden, weiß niemand genau. Als wichtiges Kriterium wird meist die Annäherung an die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern genannt.

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Basel verbietet Gerichtsschreiberinnen das Tragen eines Kopftuches

Themenbild
Eine Juristin, die sich in Basel mit einem Kopftuch für ein Gerichtsvolontariat beworben hatte, hat einen Grundsatzentscheid ausgelöst: Die Basler Gerichte untersagen Justizpersonen im Gerichtssaal das Tragen religiöser Symbole.

Daniel Gerny | Neue Zürcher Zeitung

Das Tragen religiöser Bekleidung sorgte bis anhin vor allem an Schulen für Konflikte, doch mehr und mehr verlagert sich die Debatte auf andere Bereiche des öffentlichen Lebens: Der Kanton Basel-Stadt hat am Mittwoch entschieden, allen auf der Seite der Justiz an Gerichtsverfahren beteiligten Personen das Tragen sichtbarer religiöser Symbole bei Gerichtsverhandlungen zu verbieten. Auslöser ist die Bewerbung einer muslimischen Juristin für ein Gerichtsvolontariat, die gemäss dem Foto auf ihrer Bewerbung ein Kopftuch trägt. Basel-Stadt ist der erste Kanton, der einen solchen Entscheid fällt.

An Schulen bereits verboten

Die Gerichte seien zu Unabhängigkeit und religiöser Neutralität verpflichtet, lautet die Begründung für den Beschluss: «Entsteht auch nur schon der Anschein, dass dies anders sein könnte, ist das Vertrauen in die Justiz und die Akzeptanz der Entscheidungen gefährdet.» Der Entscheid fällt in Basel in die Kompetenz des Gerichtsrates, dem Vertreter aller kantonalen Gerichte angehören.

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Forschungsprojekt über religiöse Radikalisierung

Ein auf zwei Jahre angelegtes Forschungsprojekt der Universitäten Bielefeld und Osnabrück untersucht die Rolle der Religiosität bei der Radikalisierung junger Muslime.

Dr. Michael Utsch | EZW

Im Projekt werden die umstrittenen Fragen diskutiert, ob junge Muslime aufgrund ihrer religiösen Orientierung besonders empfänglich für radikale Botschaften sind, ob Radikalisierungsprozesse mit einer „richtigen“ religiösen Unterweisung unterbunden werden können und ob Moscheegemeinden mit ihrer Bildungsarbeit aktuell ein Korrektiv bilden.

Gefördert wird das Vorhaben mit 397.000 Euro vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Die Förderung schließt an ein Projekt über junge Menschen im gewaltbereiten Islamismus an, fokussiert jetzt aber den Einfluss religiöser Bindungen und Orientierungen und den Prozess der Radikalisierung. Keinesfalls könne Radikalisierung pauschal auf einen Generalfaktor Religion zurückgeführt werden, so die Forscher. Deshalb wird die Religiosität der Befragten differenziert nach inhaltlichen und persönlichkeitsspezifischen Dimensionen untersucht.

Das Forschungsprojekt des Instituts für Islamische Theologie (Universität Osnabrück) und des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (Universität Bielefeld) untersucht den Faktor Religion in Radikalisierungsprozessen junger Menschen aus einer islamwissenschaftlichen, theologischen, erziehungswissenschaftlichen und sozialpsychologischen Perspektive. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein.

Atheisten – Terroristen? Die arabischen Regime suchen ihre Feinde am falschen Ort

Kairos Moscheen sind schön – aber für Atheisten senden sie eine bedrohliche Botschaft aus. (Bild: Asmaa Waguih / Reuters)
Wer sich von Gott abwendet, hat in muslimischen Gesellschaften einen schweren Stand. In Ägypten wird Atheismus gerade als Straftatbestand festgeschrieben, Saudiarabien unterstellt ihn sogar dem Terrorgesetz.

Kacem El Ghazzali | Neue Zürcher Zeitung

Es gibt eine Sache, worüber bei den meisten politischen Mächten in der islamischen Welt Einigkeit herrscht: In der Verteufelung und Unterdrückung von Atheisten sind Regierungen wie Oppositionsparteien auf Augenhöhe. Es ist keineswegs übertrieben, zu behaupten, dass ein Bekenntnis zum Atheismus in muslimischen Ländern mehr Mut erfordert, als den Umsturz von Monarchien oder einen Regimewechsel zu verlangen.

Atheisten werden in islamischen Ländern nicht nur häufig ausgegrenzt und geächtet, sondern auch des Terrorismus bezichtigt oder als «soziale Gefahr» gerichtlich belangt. Saudiarabien etwa hat den Atheismus in sein Terrorgesetz mit aufgenommen. Unter der Kuppel des ägyptischen Parlaments arbeiten die Minister gerade an einem Gesetzentwurf zur Kriminalisierung des Atheismus. Gemeinsam mit der Al-Azhar-Universität, der höchsten religiösen Autorität im Land, berät das Religionskomitee über Strafmassnahmen, die Atheisten zukünftig abschrecken sollen.

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Der Juden evangelikale Freunde

Viele liberale Juden sind über die Unterstützung von Amerikas Evangelikalen für Israels Rechte besorgt. (Bild: Lior Mizrahi / Getty)
Zu den eifrigsten Helfern der israelischen Rechten gehören paradoxerweise die protestantischen amerikanischen Fundamentalisten, deren Nähe auch Donald Trump sucht. Die liberale jüdische Elite ist entsetzt.

Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Er schloss die Augen und betete. Robert Jeffress, evangelikaler Prediger aus Texas, war einer der ganz grossen Stars bei der Feier zur Einweihung der neuen amerikanischen Botschaft in Jerusalem, und wer Pathos erwartet hatte, kam auf seine Rechnung. Gott, sagte Jeffress, habe vor 4000 Jahren zu seinem Diener Abraham gesagt, er werde ihn zum Vater einer grossen Nation machen, durch die die ganze Welt «geheiligt» werde. Vor 70 Jahren habe Gott uralte «Prophetien von Propheten» wahr gemacht und sein Volk in diesem Gelobten Land wieder vereint. Zu danken sei Ministerpräsident Netanyahu für seine Führerschaft und seine Entschlossenheit, alles zu tun, um sein Volk zu beschützen. Lob gönnte Jeffress zudem Botschafter Friedman und natürlich auch Donald Trump, der stets auf der «richtigen Seite der Geschichte» stehe und, noch wichtiger, gleich neben Gott, wenn es um Israel gehe.

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Iran: Rouhani fordert Aufhebung des Stadionverbots für Irans Frauen

Der iranische Präsident Hassan Rouhani hat eine Aufhebung des Stadionverbots für Frauen gefordert. „Im Islam gibt es zwischen Frauen und Männern keinen Unterschied … daher sollte Frauen auch erlaubt werden, an sportlichen Wettbewerben teilzunehmen“, sagte Rouhani am Dienstag.

derStandard.at

. Eine Aufhebung des fast 40-jährigen Stadionverbots wäre seiner Einschätzung nach weltweit auch eine gute Werbung für die Rolle der Frauen im Islam.

Rouhani wies die Rechtfertigung der Kleriker für das Verbot zurück. Diese vertreten die Auffassung, dass muslimische Frauen besonders in Fußballstadien mit frenetischen männlichen Fans und vulgären Slogans nichts zu suchen haben. „Die Frauen können ja nicht bestraft werden, wenn Männer in den Stadien vulgäre Dinge schreien“, sagte Rouhani bei einem Treffen mit iranischen Sportlern im Präsidialamt.

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Als die Kirche politisch wurde

1933, Bischof Friedrich Coch, Vereinsgeistlicher d. Inneren Mission, Luth. Kirche Sachsen. Themenbild: fundamentalismus debatte .de
In den 1960er Jahren wurde die Kirche politisch. Junge Theologen kritisierten, dass Seelsorge und Rituale die menschenfeindlichen Folgen spätkapitalistischer Verhältnisse zudeckten. Der Einfluss der Umwälzungen vor 50 Jahren ist bis heute spürbar.

Klaus Koch | evangelisch.de

Die Wirkungsgeschichte der 1968er-Bewegung ist umstritten. Der CSU-Politiker Alexander Dobrindt etwa ist der Meinung, dass bis heute als Folge der damaligen Umwälzungen eine linke Meinungselite am Werk ist, die eine im Grunde bürgerliche Mehrheit beherrscht. Dagegen, so provozierte Dobrindt Anfang des Jahres, sei eine bürgerliche Revolution nötig. Und der CSU-Mann nimmt auch gleich das Christentum mit ins revolutionäre Boot: „Das Konservative und das Christliche sind keine Gegensätze, sondern bilden eine unauflösliche Einheit.“

Diese Einheit gab es einmal. Die hohe Zeit des Christlich-Konservativen war die Ära Adenauer. In den 1950er und frühen 1960er Jahren waren mehr als 90 Prozent der Westdeutschen Kirchenmitglieder, 50 Prozent der Katholiken besuchten den Gottesdienst. Die Volkskirchen definierten die gesellschaftlichen Normen in der Familienpolitik, bei den Rollenbildern von Mann und Frau, bei Sexualität, Erziehung und Bildung. Regelmäßig vor Wahlen verlasen die katholischen Hirten ihren Schäfchen einen Brief, in dem stand, wie sie zu wählen hatten: konservativ.

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Anti-Israel-Airline aus Kuwait fliegt künftig Wien an

foto: ap/gustavo ferrari Kuwait Airways macht regelmäßig Schlagzeilen – künftig auch in Wien.
Der Flughafen hat keine Handhabe gegen die Airline, die israelische Staatsbürger abweist

derStandard.at

Kuwait Airways wird künftig auch nach Wien fliegen. Das sorgt weniger aus verkehrstechnischen, sondern aus politischen Gründen für Spannung. Denn die Fluggesellschaft hat international schon öfters für Aufsehen gesorgt, weil sie keine Passagiere aus Israel befördert.

Die Praxis wurde immer wieder als antisemitisch gebrandmarkt. Laut einem Bericht der „Presse“ wird Kuwait Airways ab Juni nicht nur nach Frankfurt, sondern auch nach Wien und München fliegen. Die österreichische Hauptstadt steht demnach drei Mal die Woche auf dem Programm. Die Flüge könnten bereits online gebucht werden, schreibt die Zeitung. Hochgekocht sind die Dissonanzen anhand eines israelischen Staatsbürgers, der nach einer Zwischenlandung in Kuwait nicht befördert wurde.

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Bayerns Kreuzerlass ist amtlich – Kruzifixe für die Amtsstuben

Das Kreuz mit den Religionen
Nun ist es amtlich: Der bundesweit kontrovers diskutierte und auch innerkirchlich umstrittene bayerische Kreuzerlass wurde an diesem Dienstag im Bayerischen Gesetz- und Verordnungsblatt bekanntgemacht. Jetzt heißt es: Kreuze aufhängen.

DOMRADIO.DE

Der Kreuzerlass enthält aber keinerlei konkrete Angaben zu Art, Größe und Anzahl der Kreuze, die bereits am 1. Juni in Bayerns Dienstgebäuden anzubringen sind.

In Paragraf 28 der Allgemeinen Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaates Bayern heißt es lediglich: „Im Eingangsbereich eines jeden Dienstgebäudes ist als Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns gut sichtbar ein Kreuz anzubringen.“ Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums gibt es im Freistaat mehr als 1100 staatliche Hauptdienststellen.

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Missbrauch: Ackermann bedauert Fehler seiner Diözese

Bild: ©KNA
Bereits 2006 hatte es Missbrauchsvorwürfe gegen einen Priester des Bistums Trier gegeben. Die Diözese hätte damals „proaktiver und entschiedener“ handeln müssen, sagt Bischof Stephan Ackermann jetzt.

katholisch.de

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat Fehler im Umgang mit Hinweisen zu einem unter Missbrauchsverdacht stehenden Geistlichen eingestanden. „Ich bedaure, dass wir nicht schneller und klarer genug agiert haben“, sagte Ackermann nach Mitteilung der Bischöflichen Pressestelle vom Dienstag. Bei den 2006 aufgekommenen ersten Hinweisen in Zusammenhang mit dem ehemaligen Pfarrer von Freisen im saarländischen Landkreis Sankt Wendel hätte das Bistum „proaktiver und entschiedener“ handeln müssen. Ackermann selbst ist erst seit 2009 Oberhirte von Trier.

Gleichzeitig erinnerte der Bischof daran, dass es in solchen Verfahren immer auch gelte, die Persönlichkeitsrechte aller Betroffenen zu wahren. „Dazu gehört besonders die gebotene Diskretion, die in der Öffentlichkeit nicht selten als mangelnde Transparenz wahrgenommen wird.“ Der Geistliche bestreite die gegen ihn erhobenen Vorwürfe.

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Vorurteile werden erst hergestellt

Chris Buck, „Let’s talk about race“, 2017. Foto: Chris Buck
Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden zeigt „Rassismus – Die Erfindung von Menschenrassen“ und denkt über die Gründe der Ausgrenzung nach.

Von Arno Widmann | Frankfurter Rundschau

Es ist eine gar nicht so große Ausstellung und ihre zentrale Botschaft hat man schnell verstanden. Sie steht schon im Untertitel: „Die Erfindung von Menschenrassen“. Rassen sind also nicht einfach da. Sie werden geschaffen. Sie werden gezüchtet. Wer einen Wachhund möchte, der kann sich Hunde kaufen, die exakt dafür gezüchtet wurden. Wer ein Schoßhündchen möchte, kann es haben. Seit Tausenden von Jahren werden Hunde nach den unterschiedlichen Bedürfnissen der Menschen gezüchtet. Mal mit großem, mal mit weniger großem Erfolg.

Die Idee, dass das bei Menschen nicht viel anders sein könnte, liegt nahe. Schließlich gibt es sehr unterschiedliche Menschentypen. Es gibt die großen Schlanken, es gibt Pykniker und es gibt die Athleten. Es gibt die Glatthaarigen und die Kraushaarigen, die Langnasen und die mit den flachen Gesichtern. Es gibt Weiße und Schwarze. Und es gibt die „natürliche Zuchtwahl“. Jedenfalls sah das Charles Darwin so. Er erklärte: „Die Erhaltung günstiger individueller Verschiedenheiten und Abänderungen und die Zerstörung jener, welche nachteilig sind, ist es, was ich natürliche Zuchtwahl nenne oder Überleben des Passendsten.“

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Vom Misstrauen der Religionen gegenüber Frauen

Wohl alle Weltreligionen misstrauen Frauen – vom Buddhismus, der im fünften vorchristlichen Jahrhundert gegründet wurde, über den Hinduismus bis zum Islam und Christentum (imago stock&people / Philippe Lissac)
Frauen seien missratene Männer, behauptete der Kirchenlehrer Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert. Damit stand der Theologe nicht allein. Alle Weltreligionen setzen Frauen enge Grenzen. Deutungsmacht ist männlich. Ein Streifzug durch Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus.

Von Mechthild Klein | Deutschlandfunk

Der mittelalterliche Theologe Thomas von Aquin zerbrach sich den Kopf über die Frauen. Und kam zu einem ebenso schlichten wie folgenreichen Ergebnis: „Thomas von Aquin ist ja einer, für den klar war, dass Frauen verunglückte Männer sind, ein menschliches Wesen, das nicht die vollständige menschliche Form erreicht hat. Aber trotzdem ein Wesen, das es natürlich für die Reproduktion, für das Weitergehen des Menschengeschlechts braucht.“

Diese Position erscheine aus heutiger Sicht „sehr zeitbedingt“, sagt die katholische Theologin Marie-Theres Wacker. Es sei völlig klar, dass in diesem Bild Frauen keine vollwertigen Menschen sind oder dass sie in gleicher Weise Gott ebenbildlich sind wie die Männer. Geht man in der Geschichte noch weiter zurück, wird es nicht besser für die Frauen: „Zum Beispiel Augustinus, der große Kirchenlehrer des 5. Jahrhunderts, sich die Dinge so zurecht gelegt hat, dass Frauen zusammen mit den Männern Ebenbild Gottes sind, aber nicht allein. Wenn man solche Auslegungen der Tradition bis hin zur Hl. Schrift hat, dann ist es nicht verwunderlich, dass man Frauen nicht in Entscheidungspositionen hinein lässt“, so Wacker.

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Pfarrer an Pfingstsonntag mit Kopftuch am Altar

Themenbild
„Schwäbische Zeitung“: Katholischer Priester der Diözese Rottenburg-Stuttgart kritisierte mit ungewöhnlicher Aktion die „Kopftuch-Mädchen“-Äußerung der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel

kath.net

Nach seiner Pfingstsonntagspredigt zog der Pfarrer von Aalen (Diözese Rottenburg-Stuttgart) ein Kopftuch auf und trat damit an den Altar. Er hatte in seiner Predigt erläutert, dass gegen die Menschenwürde und damit gegen den Geist des Pfingstevangeliums verstoße, wer Menschen wegen ihrer aus Glaubensgründen gewählten Kopfbedeckung diskriminiere. Das berichtete die „Schwäbische Zeitung“. Seine Kritik habe sich, so Sedlmeier, gegen eine Abgeordnete gerichtet, „die in herablassender und beleidigender Weise im Bundestag von Kopftuch-Trägerinnen‘ gesprochen habe. Er bezog sich damit auf die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel, ohne aber deren Namen zu nennen.

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Eine palästinensische Hauptstadt hinter der Mauer

Blick von Abu Dis auf die israelische Schutzmauer und den Felsendom und Jerusalems Altstadt. (Bild: Reuters/Ammar Awad)
Die Anzeichen verdichten sich: Donald Trump will den Palästinensern Abu Dis, einen Vorort von Jerusalem, als Kapitale ihres Staates vorschlagen. Arafat hatte dort bereits ein Parlament bauen lassen, allerdings bevor Israel den Weg zur al-Aksa mit einer Schutzmauer verriegelte.

Christian Weisflog | Neue Zürcher Zeitung

Das Gerücht kursiert seit Monaten. Zunächst genährt durch unbestätigte Medienberichte, die sich auf Diplomatenkreise stützten. Dann auch durch eine Aussage von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Januar: «Das offerieren sie uns nun, Abu Dis», sagte er an einer PLO-Sitzung. Am Montag ging nun auch der israelische Oppositionsführer Yair Lapid davon aus, dass der amerikanische Präsident Donald Trump den Palästinensern den Vorort Jerusalems als Hauptstadt ihres Staates vorschlagen will. An einer Fraktionssitzung seiner Partei stellte Lapid zwei rhetorische Fragen an Regierungschef Benjamin Netanyahu: «Ist die Zweistaatenlösung wieder auf dem Tisch? Ist Abu Dis als Hauptstadt eines palästinensischen Staates akzeptabel?»

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Der Ramadan als Zeit „innerer Ruhe“

foto: regine hendrich Muhamed Beganovic: „aus jedem Ramadan als besserer Mensch hervorgehen.“

Tagsüber nichts zu essen und zu trinken ist nicht leicht, aber die größere Herausforderung im Ramadan liegt darin, nicht zu schimpfen, zu fluchen oder zu streiten – Ein österreichischer Muslim, der sich seit 15 Jahren mit dem Ramadan abmüht, berichtet

Muhamed Beganovic | derStandard.at

Ich fühle mich anders im Monat Ramadan. Damit meine ich nicht, dass ich hungrig und müde bin. Im Ramadan bemühe ich mich, viel bewusster zu sein. Ich faste schon seit 15 Jahren, also seit meiner Pubertät. Damals, im Jahr 2004, bin ich mit meinen Eltern nach Österreich gekommen. Geboren bin ich in Mazedonien. Meine Eltern waren nicht streng, aber ich hatte immer das Bedürfnis, beim Fasten mitzumachen. In meiner Wiener Klasse waren wir drei Schüler, die gefastet haben. Und natürlich wurden mir die Wurstsemmeln in der Schule unter die Nase gehalten, aber das war Spaß und hat mich nicht gestört. Ich wurde deswegen nie diskriminiert.

Meine Frau fastet auch. Durch den Ramadan ändert sich unser Tagesablauf kaum. In der Früh können wir eine halbe Stunde länger schlafen, weil das Frühstück ausfällt. Wir gehen arbeiten, treffen Freunde, gehen einkaufen. Wer es schafft, geht weiter ins Fitnessstudio. Schwangere Frauen, stillende Mütter, Senioren, Kranke und menstruierende Frauen sind vom Fasten befreit. Alles anderen dürfen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nicht essen, trinken, rauchen, Kaugummi kauen oder Sex haben.

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Australischer Erzbischof wegen Pädophilie-Vertuschung verurteilt

foto: aap/peter lorimer/via reuters Philip Wilson drohen bis zu zwei Jahre Haft.
Philip Wilson soll in den 1970er-Jahren verhindert haben, dass ein pädophiler Priester zur Rechenschaft gezogen wurde

derStandard.at

Wegen der Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen gegen einen anderen Geistlichen ist der australische Erzbischof Philip Wilson am Dienstag schuldig gesprochen worden. Dem 67-Jährigen drohen nun bis zu zwei Jahre Gefängnis. Das Strafmaß wird erst später verkündet.

Ein Gericht in Newcastle kam zu der Überzeugung, dass der heutige Erzbischof von Adelaide in den 1970er-Jahren verhinderte, dass ein pädophiler Priester zur Rechenschaft gezogen werden konnte. Der Geistliche soll sich an mindestens vier Jugendlichen vergangen haben.

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Ex-Evangelist Slams ‘Moron’ Christians for Believing Trump’s Jerusalem Embassy Will Hasten Jesus‘ Second Coming

Die apokalyptischen Reiter

A former evangelist-turned-filmmaker swatted down Christians who were gleeful that President Donald Trump moved the U.S. Embassy to Jerusalem, believing it will hasten the return of Jesus.

By Tom Boggioni | Alternet/Raw Story

Appearing on AM Joy on Sunday morning, a former evangelist-turned-filmmaker swatted down Christians who were gleeful that President Donald Trump moved the U.S. Embassy to Jerusalem, believing it will hasten the return of Jesus.

Speaking with MSNBC host Joy Reid, religious reform activist Frank Schaeffer was asked about Pastor Robert Jeffress who was invited to speak at the embassy opening despite the fact that he has previously said Jews are condemned to Hell if they don’t convert.

Noting Jeffress, also said God let six million Jews perish in the Holocaust to get them to „come back to the land of Israel,“ Reid asked, „Why would these two groups be in the same space? Israelis and people who believe that they are going to Hell?“

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Stadt Konstanz und katholische Kirche liegen über Kreuz: Es ging um 29 000 Euro – und ums Prinzip

Gehört der Stadt, wird aber von der katholischen Gesamtkirchengemeinde betrieben: Das Kinderhaus Dreifaltigkeit in Stadelhofen. Über die Aufteilung der Kosten in drei vergleichbaren Häusern hat sich eine Auseinandersetzung entwickelt. | Bild: Claudia Rindt
Bei einigen Kindergärten gehört das Gebäude der Stadt, die die Einrichtungen aber nichts selbst betreibt. Nun will die Stadt mehr Geld haben, doch die Kirche sagt Nein.

Jörg-Peter Rau | SÜDKURIER

Eines ist unstrittig: Gäbe es die sogenannten Freien Träger nicht, hätten viele Konstanzer Kinder keinen Kindergartenplatz. Denn von 49 Kitas betreibt die Stadt nur neun selbst, alle anderen werden von anderen Organisationen getragen, größter Akteur ist dabei die katholische Kirche. In den meisten Fällen gehört ihr auch das Gebäude, und weil Kinderbetreuung eine Pflichtaufgabe ist, zahlt ihr die Stadt dafür einen Zuschuss. In vier Fällen aber wird es kompliziert. Die Kitas St. Martin in Wollmatingen, St. Verena in Dettingen, St. Georg in Allmannsdorf und, in den Details etwas anders gelagert, Heilige Dreifaltigkeit gehören der Stadt, werden aber von der Kirche betrieben.

Warum soll nicht auch eine kirchlicher Träger eine Mieterhöhung bekommen?

Und über die Frage, in welcher Höhe sich die Kirche an deren Kosten beteiligt, ist ein Streit entbrannt – eine Auseinandersetzung, in der es um die vergleichsweise geringe Summe von 29 000 Euro im Jahr geht, die die Kirche nach Ansicht der Stadt zusätzlich springen lassen sollte. Aber noch mehr als um das Geld geht es ums Prinzip.

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