Archiv der Kategorie: Fundamentalismus

US-Serie “Hand of God”: Ich bin der Herr, sagt Richter Harris

Foto: Karen Ballard/Amazon Visionär. Richter Pernell Harris (Ron Perlman) empfängt eine Botschaft von Gott – nackt im öffentlichen Bassin.

„Hand of God“: Die neue Amazon-Serie ist mehr als Kriminalfall. Es geht um Selbstjustiz, um Rache und um religiös verbrämten Fanatismus.

Von Joachim Huber|DER TAGESSPIEGEL

„Hand of God“ hat rein gar nichts mit der „Hand Gottes“ zu tun, mit der ein argentinischer Fußballer einst ein WM-Spiel entschied. „Hand of God“ ist eine Kirche, gegründet von Paul Curtis (Julian Morris). Sie will mit der Rettung menschlicher Seelen zugleich die Kasse des Reverends klingeln lassen. Paul Curtis ist ein Schauspieler, ein Menschenfänger, der die Soutane anlegt, ohne den Gauner abzulegen.

„Hand of God“ wächst, der bislang größte Coup ist der Beitritt von Richter Pernell Harris (Ron Perlman); als „Richter Gnadenlos“ spricht er Höchststrafen aus, zugleich ist er der heimliche Herrscher der Stadt, die seine Familie aufgebaut hat. Sein Hang zur Selbstgerechtigkeit entwickelt sich schnell zur Selbstjustiz. Pernell Harris hat sich auf den Weg der Rache gemacht.

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Kreuz vor der chinesischen Botschaft in Berlin errichtet

jesus_schaukelDie Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) hat gegen die Verletzung der Religionsfreiheit von Christen in der Volksrepublik China demonstriert.

kath.net

Aus Protest errichtete die Menschenrechtsorganisation am 3. September ein drei Meter hohes rotes Kreuz vor der chinesischen Botschaft in Berlin. An der Aktion beteiligten sich rund 30 Personen. Zum Hintergrund: In den vergangenen zwei Jahren hatte das kommunistische Regime mindestens 1.200 Kreuze von offiziell anerkannten Kirchen in der Provinz Zhejiang abreißen lassen. Laut der Gesellschaft für bedrohte Völker haben dort viele Christen gegen die Zerstörung von Kirchen und Kreuzen friedlich Widerstand geleistet und wurden festgenommen. Unter den Inhaftierten seien auch 270 Rechtsanwälte, die die Rechte chinesischer Christen verteidigten.

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Union gegen Gesundheitskarte für Flüchtlinge, CDU-Bundesminister dafür

Krankenhaus © Wiesbaden112.de @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
CDU und CSU haben ihre Flüchtlingspolitik in einem Papier festgehalten. Unter anderem sprechen sie sich gegen Gesundheitskarten für Flüchtlinge aus. Durchdacht scheint das Papier aber nicht zu sein. Denn CDU-Gesundheitsminister Gröhe wirbt für diese Karte.

MiGAZIN

Die Unionsfraktion im Bundestag hat kurz vor dem Koalitionstreffen am Sonntag ein eigenes Papier zur Flüchtlingspolitik beschlossen. Das Papier sende zwei Botschaften, sagte der Fraktionsvorsitzende Volker Kauder (CDU) am Donnerstag nach der Klausursitzung in Berlin. Man wolle schutzbedürftige Flüchtlinge aufnehmen, ihnen eine Perspektive geben und dafür sorgen, dass die Bedingungen für sie in Deutschland so gut wie möglich sind. Auf der anderen Seite müsse dafür gesorgt werden, dass diejenigen, die kein Recht hätten, hier zu bleiben, das Land wieder verlassen.

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Kirchen-Chef in Potsdam klaute 237000 Euro

237.000 Euro soll der Mann seit 2009 gestohlen haben Foto: ZB
Wenn der liebe Gott das wüsste … Um genau 237 527 Euro und 94 Cent dreht sich ein Rechtsstreit, der bald das Potsdamer Amtsgericht beschäftigt.

Berliner Kurier

Ein Mitarbeiter der örtlichen Nikolaikirche soll diesen Betrag abgezweigt haben – von den Eintrittsgeldern der Kirchenbesucher! Joachim U., Kirchenratschef und Geschäftsführer der ehrenamtlichen Nikolaigemeinde, soll sich mit einem Schlüssels am Ticket-Automaten für die Aussichtsplattform der Kirche bedient haben.

Von 2009 bis 2013 klaute er, dann zeigte er sich selbst an. Am 30. September wird ihm wegen veruntreuender Unterschlagung der Prozess gemacht. U. soll in der Gemeinde angesehen gewesen sein. „Der Beschuldigte besaß größtes Vertrauen“, sagt Pfarrer Matthias Mieke.

Kentucky: US-Standesbeamtin in Beugehaft

Die strenggläubige US-Standesbeamtin Kim Davis muss in Beugehaft bleiben. Foto: REUTERS
Der Streit um die vereitelten Hochzeitspläne eines schwulen Pärchens im fernen Kentucky ruft selbst das Weiße Haus auf den Plan. Niemand dürfe sich über die Verfassung stellen, mahnt ein Obama-Sprecher. Eine widerspenstige Beamtin bekommt die Härte des Gesetzes zu spüren.

Frankfurter Rundschau

Drakonische Strafe für eine US-Standesbeamtin: Die strenggläubige Staatsbedienstete muss so lange in Beugehaft bleiben, bis sie ihre Weigerung aufgibt, homosexuelle Paare zu trauen. Das zuständige Gericht im Bundesstaat Kentucky stellte am Donnerstag klar, dass die Beamtin Kim Davis an ihren Amtseid gebunden sei und nach dem Gesetz handeln müsse.

Mit dem Verweis auf ihren christlichen Glauben hatte Davis mehrfach einem schwulen Paar die Ausstellung von Ehe-Dokumenten verweigert. Dabei erklärte das Oberste Gericht vor Monaten gleichgeschlechtliche Ehen landesweit für zulässig.

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103-Jährige fordert Spende von Kirche zurück

Bild: tilly
Bild: tilly

Eine verarmte Unternehmerin will 20 000 Euro von einer Kirchengemeinde in Oberfranken wiederhaben. Die Landeskirche fühlt sich “moralisch in den Schwitzkasten genommen”.

Von Olaf Przybilla|Süddeutsche.de

Nein, von so einem Fall hatte Pfarrer Markus Rausch zuvor auch nie gehört und insofern, ja, hat sich der Kirchenvorstand von Kirchenlamitz grundlegend mit der Causa beschäftigen müssen. Dass dort alle einer Meinung gewesen wären, will der Pfarrer nicht behaupten, aber zu einer Entscheidung habe man sich eben durchgerungen. Und zwar in dem Sinn, dass die Bitte, die Spende einer ehemals vermögenden, nun aber verarmten Dame zurückzuzahlen, abschlägig beschieden wird. Der Pfarrer möchte nicht sagen, dass er schlaflose Nächte habe deshalb. Aber dass es ihm nachgeht, will er nicht verheimlichen. Und ja, man habe eine Anwaltskanzlei mit der Sache betraut. Auch die komme zum Ergebnis: nicht zurückzahlen.

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Opfer von Ex-Nuntius Wesolowski fordern Schadenersatz

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Kurz nach dem Tod des ehemaligen Papstbotschafters in der Dominikanischen Republik, Jozef Wesolowski, werden dessen Missbrauchsdelikte Gegenstand einer gerichtlichen Auseinandersetzung. Ein Sprecher der Betroffenen kündigte auf einer Pressekonferenz in Santo Domingo an, Schadenersatzforderungen zu stellen.

kathweb

Der Vatikan habe bereits Entschädigungszahlungen in Aussicht gestellt, ohne dabei auf die Höhe der Summe einzugehen. Zuvor hatte sich die Gruppe der Betroffenen bereits bei der Staatsanwaltschaft des Hauptstadtbezirks gemeldet, um ihre Ansprüche geltend zu machen.

Der aus Polen stammende Wesolowski wurde 2009 zum Nuntius in der Dominikanischen Republik ernannt und hatte dort der vatikanischen Staatsanwaltschaft zufolge mehrere Buben im Alter von 13 bis 16 Jahren sexuell missbraucht. Zudem soll er “enorme Mengen” kinderpornografischen Materials besessen haben. Nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe wurde Wesolowski im August 2013 von seinem Posten in der Karibik abberufen.

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Streik der christlichen Schulen in Israel dauert an

Bild: phhesse/flickr
Bild: phhesse/flickr

Seit drei Tagen streiken die christlichen Schulen in Israel, und ein Ende ist nicht in Sicht. “Solange keine Lösung erreicht ist, werden die 47 Schulen geschlossen bleiben”, sagte Pater Abdel Masih Fahim, Direktor des Büros für Christliche Schulen, am Donnerstag dem epd

evangelisch.de

Mit dem Streik protestieren die Schulen gegen drastische Kürzungen der staatlichen Zuwendungen. “Wir erhalten nur noch 34 Prozent dessen, was uns zusteht”, kritisiert Fahim.

Rund 33.000 Schüler sind betroffen, christliche wie auch muslimische. Der Streik wird begleitet von Demonstrationen, an diesem Freitag in Haifa. Bei einer Audienz für Israels Präsident Reuven Rivlin forderte Papst Franziskus am Donnerstag im Vatikan “eine angemessene Lösung” für das Problem.

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Göttlicher Volltreffer: Blitz schlägt in Kirche ein

Der Kirchturm im Ortsteil St. Blasius brannte. (Foto: Feuerwehr Murau)
Ein Blitz hat am Donnerstag in den Morgenstunden den Kirchturm im steirischen St. Blasen in der Gemeinde St. Lambrecht in Brand gesetzt. Das Feuer konnte mit Wasserwerfern rasch unter Kontrolle gebracht werden; die Turmzwiebel brannte allerdings völlig aus.

kathweb

Der durch die Löscharbeiten verursachte Wasserschaden sei enorm, die Statik aber nicht gefährdet. “Beinahe die ganze Decke ist versehrt.” Pater Gerwig Romirer vom Stift St. Lambrecht machte sich ein Bild vom Unglücksort: “Das Dach ist zur Zeit behelfsmäßig mit einer Plane abgedeckt, um vor weiteren Wasserschäden zu schützen”. Der genaue Schaden ist noch nicht zu benennen.

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Eklat nach Friedenspreis für syrischen Lyriker Adonis

Adonis (2015) Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA-4.0

Kermani verweigert Laudatio und selbst der Übersetzer Adonis Werke hält Entscheidung für einseitig

islam.de

Die Vergabe des Osnabrücker Erich-Maria-Remarque- Friedenspreises an den syrisch-libanesischen Dichter Ali Ahmad Said (Adonis) ist teilweise auf Entsetzen und schroffe Ablehnung gestoßen. «Diese Entscheidung spricht dem Friedensgedanken Hohn und beleidigt alle Syrer, die Opfer des Assad-Regimes geworden sind», sagte der Journalist Ahmad Hissou (Deutsche Welle) dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Mittwoch). Said habe keinerlei Sinn für die politische und humanitäre Tragödie in seinem Land gezeigt, «nichts für den Frieden getan» und den syrischen Machthaber Baschar al-Assad als den legitimen, «gewählten Präsidenten» seines Volkes bezeichnet.

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Dodo Müller fürchtet die Glaubensspaltung wie anno 1517

Gerhard L. Müller links im Bild
Gerhard L. Müller links im Bild
Präfekt der Glaubenskongregation: Was die Trennung von Glaubenslehre und Glaubenspraxis angehe, solle man in Deutschland „sehr wachsam sein und die Lektion der Kirchengeschichte nicht vergessen“, berichtete die „Tagespost“.

kath.net

Vor einer Glaubensspaltung wie im Schicksalsjahr 1517 hat Gerhard Kardinal Müller, Präfekt der Glaubenskongregation, gewarnt. Darüber berichtete die „Tagespost“. Was die Trennung von Glaubenslehre und Glaubenspraxis angehe, solle man in Deutschland „sehr wachsam sein und die Lektion der Kirchengeschichte nicht vergessen“, so Müller. Er mahnte zur Redlichkeit in der Verkündigung und erinnerte daran, dass die Glaubenslehrer die Menschen nicht in einer falschen Heilssicherheit wiegen dürften, nur um keinen Anstoß zu provozieren. „Wir dürfen die Menschen nicht täuschen, was die Sakramentalität der Ehe, ihre Unauflöslichkeit, ihre Offenheit auf das Kind, und die fundamentale Komplementarität der beiden Geschlechter angeht. Pastorale Hilfe muss das ewige Heil im Blick haben.“ Überlegungen zu einem neuen Offenbarungsverständnis im Sinne der „Lebenswirklichkeit“ lehnte er explizit ab. „Es geht nicht darum, die Offenbarung der Welt anzupassen, sondern die Welt für Gott zu gewinnen.“ Müller äußerte sich im Rahmen einer Buchpräsentation.

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Syrien-Flüchtlinge: Was machen die reichen Golfstaaten?

Icon “Flüchtlinge”: http://www.lekealderfoundation.org, Lizenz: CC-BY-3.0, Grafik: TP
Saudi-Arabien, Kuweit, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Katar nehmen keine Flüchtlinge auf. Sie könnten mit ihren Kapazitäten allerdings viele aufnehmen

Von Thomas Pany|TELEPOLIS

Dass sich Saudi-Arabien und Katar – auch wenn dies deren Regierungen offiziell bestreiten mögen – in den syrischen Krieg einmischen, mit Geld und Waffen, ist mehr als ein “offenes Geheimnis”. So unterstützt zum Beispiel Saudi-Arabien dschihadistische Milizen wie Ahrar al-Sham, die Verbindungen zu al-Qaida hat.

Aus dem Ziel, den syrischen Präsidenten Baschar-al-Assad von seiner Position zu entfernen und einen Regime-Change herbeizuführen, haben die Golfstaaten nie ein Hehl gemacht. Wenn es um die Konsequenzen des von ihnen unterstützten Krieges geht, um die geschätzt 4 Millionen Flüchtlinge, die bisher aus Syrien ausgereist sind, halten sich reichen Golfstaaten jedoch bedeckt. Sie geben Geld, wie das UNHCR berichtet.

Flüchtlinge nehmen sie aber nicht auf. Auf der UNHCR-Webseite kann sich der Leser über die Zahl von 133 Refugees und 88 Asylsuchende wundern, die als “statistischer Schnappschuss” für Katar notiert werden. Wie sich die Zahl zusammensetzt, woher die Flüchtlinge stammen, geht aus den erklärenden Anmerkungen nicht hervor.

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Papst und Abtreibung: Geschmacklose Folklore

Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Papst Franziskus hat ein Heiliges Jahr ausgerufen: Auch niedere Geistliche dürfen jetzt die Absolution für die Sünde der Abtreibung erteilen. Super.

Von Ambros Waibel|taz.de

Über das Recht auf Abtreibung zu reden, ist nur in einer Hinsicht sinnvoll: Wie nämlich dieses Recht global durchgesetzt werden kann.

Über die Tatsache Abtreibung wird hingegen ständig geredet – nicht zuletzt unter heterosexuellen Erwachsenen, die ihre Verhütungsmethoden abklären. Da wird dann durchaus nicht selten festgestellt, dass für die Frau eine Abtreibung nicht in Frage kommt; und – unter ganz anderen Voraussetzungen – sagen natürlich auch Männer so etwas. Genauso gibt es Frauen (und Männer, siehe oben), die mit der einen oder anderen Variante den Klassiker von Jutta Ditfurth zitieren: „Ich bin sechsunddreißig, da finde ich zwei Abtreibungen auf ein lustvolles, knapp zwanzigjähriges Geschlechtsleben relativ wenig.“

 

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Hessen-nassauische Kirche erzielt Rekordeinnahme

Bild: tilly
Bild: tilly

Trotz einer schlagartigen Zunahme von Kirchenaustritten hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau im vergangenen Jahr mehr Kirchensteuern eingenommen als jemals zuvor. Insgesamt waren es knapp 490 Millionen Euro, 44,5 Millionen mehr als erwartet.

evangelisch.de

Das geht aus dem am Donnerstag in Darmstadt vorgelegten Jahresbericht der Landeskirche hervor. Finanzdezernent und Kirchenverwaltungschef Heinz Thomas Striegler machte dafür die gute Konjunktur verantwortlich.

30,3 Millionen Euro Haushaltsüberschuss

Damit wurde der bisherige Höchstwert der Einnahmen im Jahr 2007 um rund sechs Millionen Euro übertroffen, sagte der Leiter der Öffentlichkeits- und Medienarbeit, Stephan Krebs, dem epd. Inflationsbereinigt sei das allerdings eher ein Rückgang. Mit Bayern, dem Rheinland und Württemberg gehört Hessen und Nassau zu den finanzstärksten unter den 20 evangelischen Landeskirchen.

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Wann ist der Steuerhimmel der Kirchen erreicht?

Bild: tilly
Bild: tilly

Die Bundesregierung hat am 26. August 2015 den 25. Subventionsbericht beschlossen. Darin enthalten sind die Finanzhilfen des Bundes und der Steuervergünstigungen im Zeitraum von 2013 bis 2016. Demnach nehmen die staatlichen Subventionen an die Kirchen eine Spitzenposition ein und steigen ungebremst.

Von Lutz Neumann|hpd

Kirchensubvention an Nr. 1 mit 10 Prozent Wachstum

Die Subvention Nr. 1 im Einkommensteuerbereich richtet sich an die Kirchen (25. Subventionsbericht, lfd. Nr. 5, A 31). Die steuerzahlenden Kirchenmitglieder und damit die Kirchen als Institutionen profitieren mehr als jede andere gesellschaftliche Gruppe oder Branche: die staatliche Subventionierung der Kirchensteuer liegt 2016 mit knapp 4 Mrd. EUR auf dem ersten Platz der Subventionsliste aller 36 Regelungsbestände in der Rubrik Einkommen- und Körperschaftsteuer – bei wachsendem Abstand von über 2 Mrd. EUR auf den zweitgrößten Subventionsposten.

Bei dem kirchlichen Subventionsposten handelt es sich um die “Begünstigung anerkannter Religionsgesellschaften und ihnen gleichgestellter Religionsgemeinschaften aus kirchen‑ und sozialpolitischen Erwägungen”.

Konkret, Steuermindereinnahmen durch die unbegrenzte Abzugsfähigkeit der Kirchensteuer nach § 10 Abs. 1 Nr. 4 Einkommenssteuergesetz (EStG). Der 25. Subventionsbericht weist bei den steuerlichen Sonderregelungen Mindereinnahmen als subventionsähnlichen Tatbestand aus: Die entgangenen Einnahmen der öffentlichen Haushalte lagen im Jahr 2013 bei 3.540 Mio. EUR und 2014 bei 3.650 Mio. EUR. Das Bundesfinanzministerium rechnet für 2015 mit einer Erhöhung auf 3.770 Mio. EUR und 2016 auf 3.890 Mio. EUR. In den vier Jahren der aktuellen Legislaturperiode erwächst aus den derzeitigen gesetzlichen Regelungen eine Steigerung des Defizits der öffentlichen Hand und des Profits für die Mitglieder der Religionsgesellschaften von 10 Prozent.

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Franz Josef Strauß und die Kirche: Streng katholisch, aber stets streitlustig

Bild. picture alliance/dpa
Religion ist nicht Politik und umgekehrt – so lautete das Credo von Franz Josef Strauß. Streng katholisch erzogen, behielt er in seinem politischen Wirken den Menschen als Ebenbild Gottes im Blick. Über kirchliche Würdenträger schimpfte er allerdings mehr als einmal. Nur mit einem Kardinal verstand er sich glänzend.

Von Martin Jarde|BR.de

“Mündige Laien”: Hitzige Debatten um das Verhältnis zur Kirche

“Ich bekenne mich zum Recht und zur Pflicht der Kirche … die kirchlichen Normen sind für uns wesentliche Orientierungspunkte, die der Politiker nicht außer Acht lassen darf, das heißt aber noch lange nicht … dass die Kirchen den Politikern unmittelbare Vorschriften machen sollten, die zu befolgen seien”

Franz Josef Strauß

So könnte man das politische Glaubensbekenntnis von Franz Josef Strauß zusammenfassen. 1988 erinnerte er auf der Jubiläumssitzung aus Anlass der CSU-Parteigründung vor 40 Jahren daran, dass es zu Beginn harte Auseinandersetzungen über die Rolle der Kirche in der Partei gab. Schließlich habe sich die Auffassung durchgesetzt, so Strauß, dass “wir als mündige Laien in eigener Verantwortung unsere Entscheidung zu treffen haben”.

Dieser Linie blieb er sein Leben lang treu: Vor allem bei der Atompolitik legte sich der Vollblutpolitiker mehr als einmal mit der Kirche an. Als der damalige Kölner Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Joseph Kardinal Höffner, vor der Kernenergie warnte – sie gar als “ethischen Irrweg” bezeichnete wurden viele Unionspolitiker, daunter auch Helmut Kohl, sehr kleinlaut. Nicht so Franz Josef Strauß: Entgegen der zurückhaltenden Bonner Sprachregelung teilte der fromme Bayer mit, seine Eminenz habe keine Ahnung, wovon er rede. Die Bemerkungen zur Kernenergie seien deshalb auch nicht weiter wichtig.

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Rivlins schwierige Mission im Vatikan

Vatikan-Besucher in diplomatisch anspruchsvollen Zeiten: Israels Staatspräsident Reuven Rivlin (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)
Israels Staatspräsident Reuven Rivlin will im Vatikan erklären, wie wichtig der Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen im Nahen Osten ist. Wie gut das gelingt, ist offen – denn das Verhältnis zwischen Israels Regierung und dem Vatikan ist problematisch.

Von Torsten Teichmann|Deutschlandfunk

Tränengas auf Demonstranten. Jeden Sonntag stehen sich Palästinenser und israelische Grenzpolizisten zwischen Beit Jala und dem Kloster Cremisan im Westjordanland gegenüber. Seit Israels Verteidigungsminister entschieden hat, an der Stelle den Sperrwall, in dem Fall eine Mauer, weiter zu bauen.

Der frühere lateinische Patriarch von Jerusalem, Michael Sabbah, hält die Entscheidung für Willkür: “Es ist ganz einfach: Wir sagen Israel, den Soldaten hier, dem Gericht, das urteilt: Das ist unser Land. Was auch immer ihr entscheidet, ihr entscheidet mithilfe von Krieg und Waffen und dass ist nicht rechtens.”

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Kentucky: Standesbeamtin kämpft gegen Homo-Ehe

Protest in Kentucky gegen die radikal christliche Standesbeamtin. Foto: AFP
Zählt Gottes Wort oder das Oberste Gericht? Eine evangelikale Standesbeamtin in Kentucky verweigert Homosexuellen trotz Anordnung den Trauschein.

Von Damir Fras|Frankfurter Rundschau

Kim Davis hat ihr Leben „Jesus Christus übergeben“. Die Beamtin aus dem US-Bundesstaat Kentucky weigert sich mit dieser Begründung, gleichgeschlechtlichen Paaren Trauscheine auszustellen, obwohl ihr das sogar der Oberste Gerichtshof in Washington Anfang der Woche aufgetragen hat. Für ihren Widerstand gegen die Homo-Ehe könnte die Frau nun eine Geldstrafe erhalten oder sogar ins Gefängnis gesteckt werden.

Die Stimmung war schnell ein wenig aufgeheizt, als sich David Ermold und David Moore am Dienstag im Standesamt der Kleinstadt Morehead einfanden, um wieder einmal zu versuchen, einen Trauschein von Kim Davis zu bekommen. Mit dabei waren Journalisten und Kameraleute, die Zeugen eines bemerkenswerten Dialogs wurden. Sie würden das Büro erst verlassen, wenn sie getraut seien, sagten Ermold und Moore.

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Ist die katholische Kirche mittlerweile ein reines Satireprojekt?

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Abtreibung ist eine unverzeihliche Sünde, zumindest im Katholizismus. Nicht mal durch erbittertes Beichten konnten sich Frauen bisher die Absolution Gottes erhoffen; eine Sache, die Papst Franziskus, der für Vatikanverhältnisse sowieso ziemlich weltoffen und proaktiv agiert, nun ändern möchte.

Von Lisa Ludwig|Vice.com

Alle Priester sollen die Erlaubnis erhalten, reuige Christinnen von ihrer ehemals unverzeihlichen Sünde freizusprechen—allerdings nur zwischen dem 8. Dezember 2015 und dem 20. November 2016, dem „heiligen Jahr”, dem „Jubiläum der Barmherzigkeit”. Solltet ihr, liebe Frauen, also ungestraft abtreiben wollen, legt eure ungewollten Schwangerschaften und Vergewaltigungen doch einfach in dieses Zeitfenster.

Lassen wir kurz die wirklich offensichtlichen Fragen beiseite wie „Warum beginnt das Jahr der Barmherzigkeit Anfang Dezember?” oder „Mit wem genau muss Papst Franziskus sich kurzschließen, um so was beschließen zu können?” (wahrscheinlich Gott). Fragen wir uns: Gibt es auf Seiten der Kirche irgendjemanden—und sei es die heilige Putzkraft im Petersdom—, der ab und an innehält und sagt: Moment mal, das ergibt doch jetzt gar keinen Sinn?

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Jüdischer Ruhetag: Fußballverbot am Sabbat – Israel droht Spielerstreik

Israel Football Association ההתאחדות לכדורגל בישראל Bild: wikimedia.org/

Ein israelisches Gericht hat entschieden: Am Sabbat darf kein Fußball gespielt werden. Der Sportverband ist empört und droht mit einem Generalstreik – in allen Ligen, unbefristet, an jedem Tag der Woche.

SpON

Der Fußball soll ab dem 12. September in allen israelischen Spielklassen ruhen. Damit droht der israelische Fußballverband – falls nicht doch noch ein gerichtlich verfügtes Spielverbot am Sabbat zurückgenommen wird. “Sollte die Regierung uns Fußballspiele am Sabbat nicht weiter erlauben, wird der Spielbetrieb von der ersten Liga bis hinunter zu den Jugendklassen an allen Wochentagen eingestellt”, sagte Eitan Dotan, ein Sprecher des israelischen Fußballverbands, der Nachrichtenagentur AFP.

Ausgelöst wurde der sportpolitische Konflikt durch ein im August verkündetes Urteil des Arbeitsgerichts in Tel Aviv, das ab dem 12. September Fußballspiele am jüdischen Ruhetag untersagt. Dieser dauert vom Sonnenuntergang am Freitag bis zum Samstagabend. Damit folgten die Richter der Klage einiger Profifußballer, die als gläubige Juden auf die Einhaltung der strikten Sabbatregeln nicht mehr verzichten wollten.

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