War die Hälfte der niederländischen Bischöfe in Missbrauch verstrickt?

Der Missbrauchsskandal lässt die katholische Kirche nicht los. Nun rücken die Niederlande in den Fokus. Dort veröffentlichte eine Zeitung Namen von Bischöfen, die Missbrauch vertuscht oder selbst begangen haben sollen. Was ist an der Meldung dran?

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Welche Quellen liegen dem Artikel im NRC Handelsblad zugrunde?

Jan Hendrik Stens (Theologie-Redaktion): Den Angaben liegt unter anderem ein von der Kirche in den Niederlanden in Auftrag gegebener Bericht aus dem Jahr 2011 vor. Dazu kommen Aussagen von Betroffenen vor einer Untersuchungskommission und eigene Recherchen. Laut der Studie sollen in diesem Zeitraum von 65 Jahren, also zwischen 1945 und 2010, bis zu 20.000 Minderjährige von etwa 800 kirchlichen Mitarbeitern – hier sind Kleriker wie Laien gleichermaßen gemeint – sexuell missbraucht worden sein.

DOMRADIO.DE: Wie groß ist denn die katholische Kirche in den Niederlanden?

Stens: Die Niederlande gehören zu den am stärksten säkularisierten Staaten Mittel- und Westeuropas. Fast die Hälfte der Bevölkerung ist konfessionslos. Dennoch ist das Christentum noch die größte Religion und die römisch-katholische Kirche mit etwas mehr als 20 Prozent der Bevölkerung die größte christliche Konfession.

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Hagenkord kritisiert Umgang des Vatikans mit Missbrauchsskandal

Bild: © KNA
Papst Franziskus habe im Umgang mit dem Missbrauchsskandal teilweise keine glückliche Figur abgegeben, sagt der Jesuit und Journalist Bernd Hagenkord. Und auch sonst übt er Kritik an kirchlicher Kommunikation.

katholisch.de

Der Jesuit und Vatikan-Experte Bernd Hagenkord hat die kirchliche Kommunikation beim Thema Missbrauch kritisiert. „In Rom sitzen noch viel zu viele, die sagen, dass das alles auch mal vorbeigehen sollte“, sagte Hagenkord am Montag in Hamburg. Wenn die Kirche ihre Kommunikation nicht dem Ernst der Lage anpasse, nähmen die Leute sie zu Recht nicht ernst.

Das Thema Missbrauch ändere die kirchliche Kommunikation auch mit Blick auf die Theologie, sagte der Jesuit. So müsse etwa nicht die Kirche als Ganze Buße tun, sondern diejenigen, die in der kirchlichen Hierarchie Verantwortung getragen hätten. Hagenkord ist Chef vom Dienst des Nachrichtenportals „Vatican News“. Er äußerte sich beim Presseempfang des Erzbistums Hamburg.

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Militärapostel Overbeck: Dann darf militärische Gewalt eingesetzt werden

Bild: © KS / Doreen Bierdel
Die rund 80 katholischen Militärseelsorger der Bundesrepublik tagen derzeit in Freiburg. Militärbischof Franz-Josef Overbeck machte bei der Jahresversammlung deutlich, wann der Einsatz militärischer Gewalt gerechtfertigt sein kann.

katholisch.de

Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck sieht hohe Hürden für den Einsatz von militärischer Gewalt. „Lediglich aus Gründen von Notwehr und Nothilfe kann Gegengewalt erlaubt und in manchen Fällen sogar geboten sein“, sagte Overbeck bei der Jahresversammlung der katholischen Militärseelsorger am Dienstag in Freiburg.

Entschieden wandte er sich gegen eine innenpolitische Instrumentalisierung von Kriegsflüchtlingen. Europa habe eine moralische Pflicht zu helfen. „Man muss nur selbst einmal in Kriegsgebieten gewesen sein, um zu wissen, dass es Orte auf der Welt gibt, in denen Menschen nicht bleiben können.“

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Urteil: Muslimin durfte in Gerichtssaal Kopftuch tragen

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Das bloße Tragen eines muslimischen Kopftuches vor Gericht rechtfertigt keinen Ausschluss von der Verhandlung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung.

evangelisch.de

Das geht aus einem am Dienstag in Straßburg gefällten Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) zu einem Fall aus Belgien hervor. Der belgische Staat wurde wegen Verletzung der Religionsfreiheit verurteilt und muss der Frau 1.000 Euro Schadenersatz zahlen. (AZ: 3413/09)

Die Muslimin war vor rund zehn Jahren in einem Prozess in Belgien als Zivilpartei geladen, in dem es um ihren durch ein Gewaltverbrechen getöteten Bruder ging.

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Bis an die Wurzel der Kirche

Nach einer neuen Studie steht die katholische Kirche in Deutschland vor einem Missbrauch-Skandal. (Symbolbild) Bild: dapd
Eine Studie soll zeigen, wie viele Personen seit 1946 Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche in Deutschland wurden. Mit Scham und Entschuldigung kommt die Kirche nicht weiter. Ein Kommentar.

Von Tobias Rösmann | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Noch kennt kaum einer die komplette Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Was bisher bekanntgeworden ist, reicht aber aus, um die Institution auch in Deutschland bis in die Grundfesten zu erschüttern. So viele Opfer, so viele Täter. Manch einer, der sich der Kirche sein Leben lang verbunden fühlte, denkt über Austritt nach. Und manch einer, der sich seit Jahren in seiner Gemeinde ehrenamtlich engagiert, ringt um Worte. Verteidigen müsste er eine Kirche, die – wissenschaftlichbewiesen – Verbrechen über Jahrzehnte vertuscht und verschleiert, Opfer nicht gehört und Täter nicht enttarnt hat. Immer weniger Gläubige sind dazu bereit.

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Wie trennen wir Staat und Kirche?

Im Gespräch: Vertreter säkularer Organisationen und politischer Parteien in Hessen.(c)Alexander von der Nahmer

Die erst vor einem knappen Jahr gegründete AG Säkulare Organisationen in Hessen hatte am vergangenen Freitagabend zu einer mit rund 70 Personen gut besuchten Podiumsdiskussion alle im Landtag vertretenen Parteien eingeladen. Auf dem Podium waren denn auch mit Dr. Arijana Neumann (SPD), Dieter Kellermann (FDP), Hermann Schaus (Die Linke) und Marcus Bocklet (B’90/Die Grünen) fast alle dieser Parteien vertreten. Lediglich die CDU hatte zum Bedauern des Veranstalters auf eine Teilnahme verzichtet.Von Ingo Heise | hpd.de

Die Podiumsrunde wurde komplettiert durch Martin Wagner, der in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten in Hessen (IBKA Hessen) die veranstaltende AG Säkulare Organisationen in Hessen repräsentierte, sowie den Moderator Dirk Vielmeyer. Im Vorfeld der Veranstaltung hatte die AG Säkulare Organisationen in Hessen, zu der neben dem IBKA die hessischen Regionalgruppen der gbs (Giordano Bruno Stiftung) sowie die aktuell fusionierenden humanistischen Organisationen HuGH (Humanistischen Gemeinschaft Hessen) und HVD (Humanistischer Verband Deutschlands – Hessen) gehören, an alle zur Wahl antretenden Parteien säkulare Wahlprüfsteine zum Spannungsfeld Staat und Religion verschickt. Die Antworten der Parteien waren zwischenzeitlich eingegangen und von der AG in einer Broschüre, die am Rande der Veranstaltung an die Besucher verteilt wurde, zusammengefasst.

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Der Grad der Vertuschung ist atemberaubend

Deutscher Kriminologe Pfeiffer kritisiert in „New York Times“ die 1-Million-Euro-Missbrauchsstudie der DBK – Er wirft DBK vor, dass Akten im Zusammenhang mit dem Missbrauch von Minderjährigen manipuliert oder vernichtet wurden

kath.net

Christian Pfeiffer, der bekannte deutsche Kriminologe, hat in der „New York Times“ deutliche Kritik an der Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz geübt. Die Studie, die laut Medienberichten 1 Million Euro gekostet habe soll, unterschätze laut Pfeiffer das wahre Ausmaßes des Problems. Der Kriminologe war gefragt worden, ob er bei Studie mitmachen wolle. Im Endeffekt habe er abgesagt, weil die Kirche sich das Recht vorbehalten wollte, das Endresultat zu kontrollieren und unter gewissen Umständen sogar die Veröffentlichtung untersagen wollte. „Der Bericht zeigt nicht das ganze Bild und er ist nicht völlig unabhängig.“ So wurde den Untersuchern kein direkter Zugang zu den Kirchenakten ermöglicht. Dieser erfolgte nur über Kirchenpersonal als Vermittler.

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Russland und die Türkei richten eine demilitarisierte Zone um Idlib ein

Der russische Präsident Putin und der türkische Präsident Erdogan einigen sich in Sotschi auf eine entmilitarisierte Zone um Idlib. (Bild: EPA)
Der russische Präsident Wladimir Putin und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan beraten in Sotschi die Lage in der syrischen Rebellenhochburg Idlib. Die beiden Staatschefs wollen rund um die Rebellenzone bis zum 15. Oktober eine demilitarisierte Zone einrichten.

Neue Zürcher Zeitung

Russlands Präsident Wladimir Putin und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan haben sich auf die Schaffung einer demilitarisierten Zone in der syrischen Provinz Idlib geeinigt. So soll ein Angriff auf Idlib verhindert werden.

Die demilitarisierte Zonne solle 15 bis 20 Kilometer breit sein und ab Mitte Oktober zwischen Rebellen und Regierungstruppen verlaufen, sagte Putin am Montag nach einem Treffen mit Erdogan in Sotschi. Eine Offensive auf die Rebellenhochburg wird nach den Worten des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu damit verhindert.

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Bischöfe fordern grundsätzliche Veränderungen

Themenbild
Mehr als 1000 katholische Geistliche sollen sich einem Bericht zufolge des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht haben. Deutsche Bischöfe zeigen sich entsetzt angesichts des Ausmaßes.

Von Daniel Deckers | Frankfurter Allgemeine Zeitung

In Predigten, Briefen an die Gläubigen, Schreiben an die Mitarbeiter und auch Videobotschaften haben sich am Wochenende zahlreiche katholische Bischöfe erschüttert und beschämt über das Ausmaß sexualisierter Gewalt in der Kirche geäußert. „Tief bedrückt, erschüttert und beschämt sind wir von der Realität sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in der katholischen Kirche“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx. „Es werden Zahlen genannt, die fassungslos und betroffen machen“, schrieb der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. Am weitesten ging der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck. Im Vorgriff auf eine von der Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Studie, die in der kommenden Woche vorgestellt werden soll, schrieb der Geistliche, es gebe „alarmierende Hinweise, dass einige Vorstellungen und Aspekte unserer katholischen Sexualmoral sowie manche Macht- und Hierarchiestrukturen sexuellen Missbrauch begünstigt haben und immer noch begünstigen“. Darüber müsse in der Kirche „offen und angstfrei gesprochen werden“.

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Türkei: „Des Sultans bundesrepublikanische Kleider“

Bild: Magazin „The Economist“
Berlins spektakuläre Wende in der deutschen Türkeipolitik, obwohl Ankara Menschenrechtsverletzungen und Verhaftungen fortsetzt und Schritte zur Einführung der Todesstrafe einleitet

Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Während Außenminister Heiko Maas und Wirtschaftsminister Peter Altmaier eine spektakuläre Wende in der deutschen Türkeipolitik eingeleitet haben, um die Türkei vor dem Bankrott zu retten, gehen die Menschenrechtsverletzungen und Verhaftungen in der Türkei ungehindert weiter.

Am vergangenen Samstag wurden über 500 Arbeiter verhaftet, weil sie sich an einem Streik für bessere Arbeitsbedingungen auf dem Istanbuler Großflughafen und die Auszahlung ihrer Löhne beteiligt hatten. Immer mehr Europäer werden verhaftet und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der Preis, sie frei zu bekommen, wird immer höher.

Erdogan pokert hoch. Die Wiedereinführung der Todesstrafe steht auf seiner Agenda – eigentlich eine von EU und UNO postulierte „rote Linie“. Aber um den Bankrott der Türkei abzuwenden und um neue Flüchtlingsströme zu verhindern, wird an dieser Stelle weggesehen. So kann der Machthaber walten und schalten, wie ihm beliebt – und wird dabei noch von Deutschland unterstützt.

Das fragte der Spiegel in seiner Printausgabe am 7. September. Keineswegs, meinte Wirtschaftsminister Altmaier demnach. Aber: „Es gehöre zur staatspolitischen Räson Deutschlands, das Brückenland zwischen Europa und dem Orient zu unterstützen“, erklärte Altmaier, wie ihn das Magazin wiedergibt. Also doch: „Ja, auf jeden Fall“?

Vor Kurzem meinte Altmaier noch, „die Türkei müsse erst eine Reihe von Reformen auf den Weg bringen, bevor deutsche Wirtschaftshilfe fließen könne“. Noch vor einem Jahr verhängte die Bundesregierung Sanktionen gegen die Türkei, das Auswärtige Amt gab aufgrund der Menschenrechtsverletzungen eine Reisewarnung heraus, staatliche Exportbürgschaften wurden eingeschränkt.

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Wie Pfarrer an der Basis mit dem Missbrauchsskandal umgehen

Der Missbrauchsskandal erschüttert die katholische Kirche. Wie geht es den Priestern, die vor Ort in den Gemeinden arbeiten? Die Institution Kirche müsse sich wandeln und mit der Zeit gehen, sagt der Kölner Pfarrer Franz Meurer im Interview.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Was lösen die Zahlen der Studie in Ihnen aus?

Franz Meurer (Pfarrer in den Kölner Stadtteilen Höhenberg und Vingst): Das Schlimmste ist eigentlich für mich nicht das, was veröffentlicht wird. Das ist natürlich furchtbar und schändlich. Aber wichtiger ist, dass jetzt viele Menschen endlich einmal erzählen, was ihnen passiert ist. Das war niemals irgendwo in einer Akte niedergeschrieben. Was Bischof Genn oder auch Bischof Overbeck sagen, die Kirche müsse auf die Macht verzichten, das ist der entscheidende Faktor. Eines ist ganz klar, der Klerikalismus ist absolut tödlich. Wenn man meint, die Priester seien etwas Besonderes, dann ist die Kirche bald weg vom Fenster.

DOMRADIO.DE: Der Klerikalismus begünstige Missbrauch, so sagte Bischof Genn. Stimmen Sie dem zu?

Meurer: Absolut und leider ja. Der Papst sagt das auch immer. Wenn ich betrachte, was mir bekannt geworden ist, auch von Menschen aus meiner eigenen Familie – dann muss ich sagen, ich habe das nie mitbekommen. Ich persönlich hatte Glück. Der Vikar, den wir hatten, der war unser absolutes Vorbild. Wir wollten immer sonntags in die Christenlehre gehen, weil der so tolle Geschichten erzählt hat. Es war praktisch wie WhatsApp oder irgendwas, was die jungen Leute heute unbedingt haben wollen. Das heißt, die Erfahrungen sind so verschieden. In der Kirche müssen wir endlich anerkennen, dass die Menschen verschieden sind.

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Erst die Scheidung, dann die Kündigung?

Die Kirchen einschließlich ihrer Wohlfahrtsverbände beschäftigen in Deutschland mehr als eine Million Menschen.Foto: picture alliance / dpa
Die Caritas hat einen Chefarzt entlassen, weil dessen Lebensführung ihren Prinzipien widerspricht. Gut, dass der Mann sich dagegen wehrt. Ein Kommentar.

Von Jost Müller-Neuhof | DER TAGESSPIEGEL

Wenn sich ein Patient einer Ärztin oder einem Arzt unters Messer legt, ist Glaube wichtig. Der Glaube, dass da einer sein Handwerk versteht. Weniger der rechte Glaube, die richtige Konfession. Anders hat es lange die katholische Kirche in Deutschland gesehen. Wer operiert in einem katholischen Krankenhaus, muss ordentlich katholisch sein. Heirat, Scheidung, Heirat, für viele Normalprogramm im Lebenslauf, sind damit unvereinbar. Bei Katholiken steht auf Hochzeit Lebenslang. Und bei Bruch des Treueversprechens in manchen Anstellungsverhältnissen: Kündigung.

Dem Chefarzt der inneren Medizin einer Düsseldorfer Caritas-Klinik ist zu danken, dass er sich dagegen mit langem Atem zu Wehr setzt. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat jetzt geurteilt, dass eine solche Kündigung eine nach EU-Recht verbotene Diskriminierung sein kann. Gerechtfertigt wäre sie nur, wenn der Glaube für die Job-Ausübung eine Rolle spielt. Ärzte sind keine Seelsorger und sie nehmen auch niemandem die Beichte ab. Das Bundesarbeitsgericht (BAG), das über den Fall nun erneut zu befinden hat, wird der Kündigung widersprechen müssen.

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Ein Parlament der Religionen

Bahai-Tempel im Taunus – die Bahai-Religion sei dafür prädestiniert, interreligiös aktiv zu sein, sagt der Gemeindesprecher Ali Faridi. (imageBROKER)
In einigen deutschen Städten bilden verschiedene Glaubensrichtungen einen „Rat der Religionen“. Vorreiter sind Hannover und Frankfurt am Main. Dort treffen sich die Räte zu ihrem ersten Bundeskongress. Für die Gemeinde der Bahai ist Ali Faridi dabei.

Ali Faridi im Gespräch mit Thorsten Jabs | Deutschlandfunk Kultur

Thorsten Jabs: Herr Faridi, das Bahaitum entstand im 19. Jahrhundert im Iran, wo es bis heute als größte religiöse Minderheit verfolgt wird. Es sieht die ganze Menschheit als eine Einheit und einen einzigen unteilbaren Organismus. Sind sie dafür prädestiniert, in einem Rat der Religionen mitzuwirken?

Ali Faridi: Ich denke ja, denn, wie Sie schon erwähnten, die Grundsätze, welche die Bahai-Religion bietet, sind gerade dafür prädestiniert, interreligiös aktiv zu sein. Wir versuchen, unseren Anteil dazu beizubringen, dass wir zu einer friedlicheren Welt kommen und den Erwartungen und Herausforderungen einer multireligiösen Gemeinschaft gerecht werden, in dem Sinne, dass die Menschen einander näherkommen, dass sie mehr voneinander erfahren. Denn alleine der Abstand oder Angst vor dem Fremden sind die Ursachen vieler Unstimmigkeiten, vieler Streitigkeiten, bis hin zu den vielen Kriegen. Und dies könnte man nur in einem wertschätzenden, gemeinsamen Diskurs angehen und nicht immer nebeneinander und gegeneinander.

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Warum wurde Hitler nicht exkommuniziert?

Kürzlich gab es eine Anfrage zu Adolf Hitler. Ergänzend dazu die Fragen: Warum wurde Hitler nicht exkommuniziert und „Mein Kampf“ auf den Index gesetzt?

Susanne Haverkamp | Kirchenzeitung

Über die Beweggründe des Umgangs der katholischen Kirche mit dem Nationalsozialismus und mit Adolf Hitler gibt es endlose Debatten. Leider oft ohne beweisbare Ergebnisse – es bleibt bei Vermutungen.

Bleiben wir zunächst in Deutschland: Zu Beginn der 1930er Jahre vertraten einige Bischöfe die Meinung, ein Katholik könne nicht Mitglied der NSDAP oder einer ihr nahestehenden Organisation sein. Exkommunikation wurde angedroht. Doch nach dem Wahlsieg im März 1933 und nach einem Gespräch, das Bischof Berning im Auftrag der deutschen Bischöfe mit Hitler führte, wurde das Verbot der Mitgliedschaft in einer Botschaft an die Gläubigen aufgehoben. Zum Schutz der Gläubigen? Aus Angst vor Repressalien? Aus Respekt vor dem gewählten Kanzler? Aus Überzeugung? Wer weiß …

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Maas verteidigt Erdogan-Besuch

Bild: tagesschau.de
Deutschland und die Türkei wollen zurück zur Normalität – Ende September wird sich zeigen, ob das gelingen kann. Dann kommt Präsident Erdogan nach Deutschland. Außenminister Maas verteidigte den Besuch gegen Kritik.

tagesschau.de

Von Entfremdung zu Entspannung: Deutschland und die Türkei wollen ihre Beziehungen wieder normalisieren, die nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei vor zwei Jahren extrem angespannt sind. Ein Grund dafür war die Verhaftung von mehr als 30 deutschen Staatsbürgern aus politischen Gründen, darunter die Journalisten Deniz Yücel und Mesale Tolu. Nach Angaben des Auswärtigen Amts sind noch sechs Deutsche aus politischen Gründen in der Türkei inhaftiert.

Dennoch stehen die Zeichen auf Versöhnung. Außenminister Heiko Maas argumentiert: „Es ist für Deutschland von strategischem Interesse, dass wir unsere Beziehungen zur Türkei konstruktiv gestalten.“ Jüngst reiste er zum Antrittsbesuch nach Ankara. „Die Türkei ist mehr als ein großer Nachbar, sie ist auch ein wichtiger Partner Deutschlands.“

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In Spanien darf man nicht auf „Gott scheißen“

Wahrscheinlich gibt es keinen Gott, sorge dich nicht, erfreu dich an deinem Leben
Der bekannte Schauspieler Willy Toledo wurde festgenommen und musste die Nacht hinter Gittern verbringen

Ralf Streck | TELEPOLIS

Der Schauspieler nimmt selten ein Blatt vor den Mund und bekommt das in seiner Karriere längst in Spanien zu spüren. Da es bekanntlich um die Meinungsfreiheit in Spanien alles andere als gut bestellt ist, wo Sänger und Twitterer zu langen Haftstrafen wegen Beleidigung der Monarchie verurteilt und ins Exil getrieben werden, hat es nun auch Willy Toledo erwischt. Der bekannte Schauspieler wurde festgenommen, weil er auf Facebook die religiösen Gefühle der Christen verletzt haben soll, dafür soll auch er nun abgeurteilt werden, geht es nach dem Willen fundamentalistischer Katholiken.

Über Facebook hatte sich „Guillermo“ Toledo mit drei Feministinnen im andalusischen Sevilla solidarisiert, die vor Gericht gezerrt werden, weil sie satirisch die Oster-Prozessionen, die an Aufmärsche des rassistischen Ku Klux Klan erinnern, satirisch durch den Kakao gezogen haben. Die Anarcofradía del Santísimo Coño Insumiso – in etwa die „Anarchogemeinschaft der Heiligen Ungehorsamen Fotze – hatte statt des Schutzheiligen Sevillas eine riesige Vagina durch die Straßen der südspanischen Region getragen. Die Hauptverhandlung beginnt im März 2019. Der Staatsanwalt beschuldigt sie unter anderem, mit der „Prozession der aufmüpfigen Möse“ die „Dogmen der katholischen Religion lächerlich machen zu wollen“. Die Anzeige stammt wie im Falle Toledos auch von der „Vereinigung Christlicher Anwälte“.

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Erste päpstliche Basilika in Sachsen – „Basilica minor“

Sachsen hat seine erste päpstliche Basilika: Papst Franziskus hat der Wechselburger Wallfahrtskirche den Ehrentitel „Basilica minor“ verliehen, wie der Bischof von Dresden-Meißen Timmerevers, am Sonntag bei der Bistumswallfahrt in Wechselburg verkündete.

DOMRADIO.DE

Sachsen hat seine erste päpstliche Basilika: Papst Franziskus hat der Wechselburger Wallfahrtskirche den Ehrentitel „Basilica minor“ verliehen, wie der Bischof von Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, am Sonntag bei der Bistumswallfahrt im mittelsächsischen Wechselburg verkündete. Dazu werde es am 12. November, dem 850. Jahrestag der Ersterwähnung der Klosterkirche, einen feierlichen Gottesdienst geben, an dem auch der Botschafter des Papstes in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, teilnehmen will.

Erste päpstliche Basilika in Ostdeutschland

„Basilica minor“ ist in der katholischen Kirche ein Ehrentitel, mit dem der Papst bedeutungsvolle Kirchen auszeichnet. Weltweit gibt es etwa 1.500, in Deutschland nunmehr 77 solcher Gotteshäuser. Wechselburg ist dabei, außerhalb Berlins, die erste dieser Basiliken in Ostdeutschland. Die spätromanische Basilika gehört zu den am besten erhaltenen romanischen Bauten im Osten Deutschlands.

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Streit um Palästinenser-Ausstellung in Stuttgart

Der Antisemitismus-Beauftragte der baden-württembergischen Landesregierung, Michael Blume, hat die in Stuttgart geplante Schau „Die Nakba – Ausstellung zur Situation der Palästinenser“ kritisiert. Sie stelle die „traurige Geschichte“ im Nahen Osten nur einseitig dar, sagte Blume am Samstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Nakba“ („Katastrophe“) soll ab Dienstag bis zum 22. September in Stuttgarts Haus der Katholischen Kirche zu sehen sein, danach in der Evangelischen Akademie Bad Boll bei Göppingen. Der Leiter des Hauses der Katholischen Kirche, Roland Weeger, verteidigte das Ausstellungskonzept.

evangelisch.de

„Von Deutschland aus lässt sich der Nahostkonflikt nicht lösen, und wir sind als Oberlehrer auch nicht gefragt“, betonte Blume. Er erinnerte daran, dass nach der Staatsgründung Israels und dem folgenden Angriff der Nachbarstaaten sowohl Araber wie auch Juden in großer Zahl vertrieben worden seien, zum Beispiel über 140.000 Juden aus dem Irak. Darüber informiere die Ausstellung nicht. „Heizt es den Konflikt nicht eher an, wenn wir uns nur mit einer Seite identifizieren und die andere ausblenden?“, fragte der Antisemitismus-Beauftragte.

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Yoga: Esoterik oder Gesundheitstraining?

„Viele machen heute aus gesundheitlichen Gründen Yoga…Nicht immer sind diese Techniken harmlos“, warnt der Youcat (2005) Foto: Pixabay (CC0)
Auch wenn „New Age“-Schriften, Yoga-Varianten und alle möglichen esoterischen Praktiken rund um „Selbstfindung“ in der katholischen Kirche zu finden sind – sogar in Klostergemeinschaften, Priesterseminaren und katholischen Bildungswerken: Das bedeutet nicht, dass diese gut zu heißen sind, so Kardinal Paul Josef Cordes in seinem aktuellen Buch.

Von Hans Jakob Bürger | CNADeutsch

„Yoga – Ein religionsneutrales Gesundheitstraining?“ ist im Maria-Media-Verlag erschienen und gehört dringend in die Hände von Religionslehrern, Jugendseelsorgern und Referenten in Katholische Akademien.

Anlässlich eines wissenschaftlichen Symposiums der theol. Hochschule Heiligenkreuz zum Thema „Erlösung oder Selbsterlösung? Die Antwort des christlichen Glaubens auf Gnosis und Esoterik“ hat Kardinal Cordes eine Studie vorgelegt, die an Klarheit und Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. In seinem schmalen Bändchen nimmt er einige der modischen Heilslehren unter die Lupe, zeigt ihre Herkunft und ihre ursprüngliche Bedeutung auf, sowie die Auswirkungen auf die Christen und ihre Seele.

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Warum christliche Verbände in Köln auf die Straße gehen

Ein Zeichen für Menschlichkeit und eine solidarische Stadt Köln setzen: Dies ist das Ziel der Demonstration „Köln zeigt Haltung“ an diesem Sonntag. Vertreter der teilnehmenden christlichen Verbände erklären, warum ihnen die Aktion wichtig ist.

DOMRADIO.DE

Aufnehmen, Hierbleiben, Solidarität – dafür wollen am Sonntag, den 16.September, zahlreiche Organisationen, Verbände, Flüchtlingsinitiativen, die Kirchen sowie mehrere hundert Persönlichkeiten aus der Kölner Stadtgesellschaft auf dem Roncalliplatz in Köln demonstrieren. Ist es für eine kirchliche Organisation selbstverständlich, auf die Straße zu gehen, wenn die Würde des Menschen in Gefahr ist und an christlichen Grundwerten gezweifelt wird? Warum es für Christen in Köln wichtig ist, die Demonstration zu unterstützen und den Aufruf zu mehr Solidarität zu unterzeichnen, haben einige Vertreter der teilnehmenden Verbände gegenüber DOMRADIO.DE erklärt.

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