Archiv der Kategorie: Fundamentalismus

Saudisches Bodentruppen-Kontingent für “Einsatz in Rakka”

saudi_isis

Der US-Verteidigungsminister Carter gibt ein paar Einzelheiten zur geplanten Militärintervention von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten in Syrien und im Irak bekannt

Von Thomas Pany|TELEPOLIS

Dass Saudi-Arabien ankündigte, für eine militärische Intervention in Syrien bereit zu sein, hat zu Verunsicherungen geführt und zu Warnungen vor einer unkontrollierbaren Ausweitung des Konflikts. Der russische Ministerpräsidenten Dmitri Medwedjew warnte gegenüber dem Handelsblatt vor einem “neuen Weltkrieg”.

Die Amerikaner und unsere arabischen Partner müssen es sich gut überlegen: Wollen sie einen permanenten Krieg?

Allerdings ist bis dato unklar, wie konkret die Ankündigung ist. Wie viele Soldaten, welche Truppen mit welcher Ausstattung, wo in Syrien einmarschieren sollen, wissen nur die verbündeten Regierungs-und Militärebenen. Es geht um Bodentruppen, so die Ankündigung, die an die Bedingung geknüpft ist, dass Saudi-Arabien diese im Rahmen der Anti-IS-Allianz unter der Leitung der USA stellen würde, wenn andere mitmachen.

Saudische und emiratische Spezialeinheiten nach Syrien

Der US-amerikanische Verteidigungsminister hat am Rande des Nato-Treffens in Brüssel am Donnerstag und Freitag ein paar weitere Hinweise gegeben – und dabei manche Widerhaken überspielt. Wie Ash Carter Journalisten mitteilte, erwarte er von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, dass sie Spezialeinheiten nach Syrien entsenden, “um in Syrien lokalen Oppositionskämpfern bei ihrem Vorstoß zu helfen, Rakka aus den Händen des IS zurückzuerobern”.

Wie stark die saudi-arabischen Special operations forces und diejenigen der VAE sein sollten, wann sie intervenieren sollen, verriet Carter nicht. Der US-Verteidigungsminister stellte aber ihre Bedeutung heraus. Sie würden eine “tragende Rolle” spielen. Die Absicht ist den Sunniten zu vermitteln, dass die Allianz unter der Führung der USA sich sehr wohl ihre Interessen im Auge habe:

weiterlesen

Schäuble mahnt: Der Kirche darf es nicht vorrangig um Politik gehen

Wolfgang Schäuble und Angela Merkel im Deutschen Bundestag, 2014. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 de/TobiasKoch
„Die protestierenden Protestanten schießen manchmal über das Ziel hinaus.“

kath.net

Vor einer zu starken Politisierung der evangelischen Kirche hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gewarnt. „Wir haben heute viele politische Protestanten, was für unsere Demokratie gut und wichtig ist. Manchmal aber entsteht der Eindruck, es gehe in der evangelischen Kirche primär um Politik, als seien politische Überzeugungen ein festeres Band als der gemeinsame Glaube“, schreibt der landeskirchliche Protestant in der Zeitschrift „Pastoraltheologie“ (Göttingen) in einem Beitrag zum 500-jährigen Reformationsjubiläum 2017.
Das führe dazu, dass sich Christen mit abweichenden politischen Auffassungen schnell ausgeschlossen fühlten. Noch bedenklicher sei aber, dass das Ziel politischer Einflussnahme letztlich verfehlt werde: „Denn die besondere Überzeugungskraft, die von religiös motiviertem politischen Handeln ausgeht, liegt in dessen geistlicher, spiritueller Basis.“

weiterlesen

Weltanschauung vieler Muslime nicht kompatibel

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Ich werde hier nicht wiederholen, was Sie bereits überall gehört haben. Ich werde also nicht schreiben, dass zum Beispiel die Anschläge von Paris ohne Beispiel sind. Das sind sie nicht. Ich werde auch nicht sagen, dass daraufhin alle Welt an der Seite Frankreichs stand. Das ist nur eine leere Phrase. Daran glaubte ich ebenso wenig wie an die Ankündigung des französischen Präsidenten François Hollande, erbarmungslos Rache zu nehmen. Stattdessen werde ich Ihnen zeigen, wie unser Umgang mit dem Terrorismus zum Zerfall unserer Zivilisation führt.

Von Niall Ferguson|The European

Der englische Historiker Edward Gibbon beschrieb Ende des 18. Jahrhunderts die Plünderung Roms folgendermaßen: „Die Straßen waren übersät mit blutenden Körpern. Wann immer die Barbaren auf Widerstand trafen, massakrierten sie auch noch die Schwachen, Unschuldigen und Hilflosen.“ Beschreibt das nicht auch die Szenen, die wir im vorigen Jahr in Paris beobachten mussten?

Ende der Zivilisation?

Mein Kollege Bryan Ward-Perkins sieht den Untergang des Römischen Reichs als den Zerfall einer komplexen Zivilisation. Er spricht gar vom “Ende der Zivilisation”. Andere Historiker betonen die Rolle der Völkerwanderung und der organisierten Gewalt für den Untergang Roms.

Ähnliche Kräfte sind heute dabei, die Europäische Union zu zerstören. So, wie das Römische Reich im frühen fünften Jahrhundert nach Christi Geburt seinen äußeren Feinden das Feld überließ, so lässt auch Europa heute seine Verteidigungsbereitschaft zerbröseln. Im gleichen Maße wie der Reichtum Europas gewachsen ist, hat seine militärische Leistungsfähigkeit nachgelassen und ist sein Selbstbewusstsein gesunken. Diese Dekadenz zeigt sich in den Shopping Malls und in den Sportstadien. Zur gleichen Zeit hat Europa seine Türen geöffnet für Außenseiter, die am Reichtum des Kontinents teilhaben wollen, ohne aber der Gewalt des Glaubens ihrer Vorfahren abzuschwören.

weiterlesen

Heilsbringer Blocher mutiert zum Führer

«Patriot» Christoph Blocher bei der Bundesfeier 2015. Bild: KEYSTONE
Er schwört die Gefahr einer Diktatur herauf und lenkt davon ab, dass er die Schweiz spaltet.

Von Hugo Stamm|watson.ch

Wenn seine Parteisoldaten und Fans seine Taten rühmen, huscht ein verklärtes Lächeln über ihr Gesicht und ihre Augen glänzen. Für sie ist er ein Heilsbringer, der das Böse abwenden und die Erlösung erzwingen soll.

Der hemdsärmlige Polterer und empathielose Volkstribun geniesst bei einem beträchtlichen Teil der Schweizer Bevölkerung nahezu einen Heiligenstatus: Christoph Blocher, der (angebliche) Kämpfer der Armen und Entrechteten. Die Verehrung hat pseudoreligiösen Charakter angenommen. Und wie immer, wenn religiöse Attribute im Spiel sind, sollten die Alarmglocken schrillen.

Blocher ist der Personenkult um seine Person nicht unangenehm. Er geniesst den Sonderstatus des Säulenheiligen, der ihm das Gefühl vermittelt, unantastbar zu sein. Ausserdem ist ihm das Religiöse nicht fremd. Er ist in einer Pfarrersfamilie aufgewachsen, sein engster Berater ist sein Bruder Gerhard, seines Zeichens ebenfalls Pfarrer, der noch hemdsärmliger poltert als Christoph selbst.

weiterlesen

Warum Netanjahu die orthodoxen Juden verärgert

Gläubige beten an der Klagemauer in der Altstadt Foto: picture alliance / Geisler-Fotop
Frauen und Männer sollen gemeinsam an der Klagemauer beten dürfen – das hat Israels Regierung entschieden. Doch dabei geht es weniger um die Juden in Israel. Es ist vielmehr eine Botschaft in die USA.

Von Gil Yaron|DIE WELT

“Das ist ein historischer Beschluss”, freut sich Tammy Gottlieb. Lange kämpfte sie als Vorstandsmitglied der Bewegung “Women of the Wall” (Frauen der Klagemauer) um ein religiöses Privileg: Sie will mit anderen Mitgliedern ihrer Organisation an einer der heiligsten Stätten des Judentums endlich so beten können, wie es ihr gefällt. Bislang befand sich der Platz vor dem rund 2000 Jahre alten Bauwerk, einer Stützmauer des Tempelkomplexes, den König Herodes errichtete, fest in den Händen des ultraorthodoxen Establishments. Doch nun hat Israels Regierung beschlossen, südlich des bestehenden Platzes, an dem die Geschlechter bislang getrennt beten mussten, einen neuen Gebetsort einzurichten.

weiterlesen

Brasilianische Apostel – keine Abtreibung bei Hirnschädigung

abtreibung

Die katholischen Bischöfe in Brasilien haben sich laut Medienberichten gegen eine Freigabe von Abtreibungen bei einer Mikrozephalie-Diagnose ausgesprochen. Damit stellten sie sich gegen entsprechende Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, berichtet die brasilianische Tageszeitung «Estado» (Donnerstag).

kath.net

«Mikrozephalie gibt es in Brasilien seit Jahren. Nun nutzt man die gegenwärtige Situation aus, um das Thema Abtreibung wieder auf die Tagesordnung zu bringen», zitiert die Zeitung den Generalsekretär der Bischofskonferenz, Weihbischof Leonardo Steiner. «Abtreibungen leisten einer Eugenik und der Auswahl perfekter Menschen Vorschub», so Steiner.

Seit September wurden in Brasilien 404 Säuglinge mit der Hirnschädigung diagnostiziert; rund 3.500 weitere Fälle werden derzeit noch untersucht. Experten sehen es als sehr wahrscheinlich an, dass die rasante Zunahme von Mikrozephalie durch das Zika-Virus verursacht wird.

weiterlesen

Papst und Moskauer Patriarch wollen Christen wiedervereinen

Foto: POOL/AFP Historisches Treffen zwischen Papst Franziskus (r.) und Kyrill I.
Zum ersten Mal seit der Kirchenspaltung vor fast 1000 Jahren haben sich die Oberhäupter der Katholiken und der russischen Orthodoxie getroffen: Mit einer Umarmung beendeten Papst Franziskus und Patriarch Kyrill I. am Freitag auf Kuba die 1054 ausgebrochene Eiszeit. Im Anschluss riefen sie zur Rückkehr zur “von Gott gewollten Einheit” auf – und schickten einen dringenden Appell an die Staatengemeinschaft, in der Golfregion verfolgte Christen zu schützen.

DIE WELT

Die Einheit aller Christen müsse wiederhergestellt werden, erklärten die beiden Kirchenoberhäupter nach ihrem historischen Gespräch am Flughafen der kubanischen Hauptstadt Havanna. “Wir sind von Schmerz erfüllt über den Verlust der Einheit, ein Ergebnis menschlicher Schwäche und Sünde.” Ihr Treffen sei ein Signal der Hoffnung auf Wiedererlangung der Einheit. “Endlich treffen wir uns. Wir sind Brüder”, hatte Franziskus Kyrill zuvor begrüßt. “Es ist klar, dass dieses Treffen von Gott gewollt ist.”

Die Begegnung der Oberhäupter beider Kirchen, die 1,3 Milliarden Christen vertreten, war seit Jahrzehnten vorbereitet worden, das kommunistisch-atheistische Kuba wurde gezielt dafür ausgewählt. Die steigende Gewalt gegen Christen in der Golfregion und in Nordafrika in den vergangenen Jahren verliehen dem Treffen besondere Dringlichkeit. “In vielen Ländern werden ganze Familien, Dörfer und Städte unserer christlichen Brüder und Schwestern ausgelöscht”, hieß es in der gemeinsamen Erklärung. Die Staatengemeinschaft müsse “dringend handeln”, um die weitere Vertreibung von Christen aus dem Mittleren Osten zu stoppen.

weiterlesen

Gottesknecht Oppermann

Thomas Oppermann. Bild. dpa

Die Frage „Konsequente Trennung von Staat und Kirche – eine zeitgemäße Forderung?“ hat der Göttinger SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann am Donnerstag erörtert. Er sprach zum Abschluss der Vortragsreihe „Kirche – Staat – Politik: Perspektiven auf ein komplexes Verhältnis“ an der Universität Göttingen.

Von Marie Varela|Göttinger Tageblatt

Bis in den Keller der Theologicums am Platz der Göttinger Sieben ist Thomas Oppermann während seines Jura-Studiums an der Georgia Augusta nie vorgedrungen. Nun bezog er dort in seinem Seminarraum Stellung zu einem immer dringlicher erscheinenden Thema. Ist eine Trennung von Kirche und Staat nach dem französischen Vorbild des Laizismus eventuell eine Notwendigkeit angesichts der rasanten Veränderungen in Bezug auf Religionszugehörigkeit in Deutschland? Oppermann erkennt an, dass Forderungen wie diese nur zu verständlich sind.

Die Zahl der Kirchenmitglieder sinke jedes Jahr drastisch. In Deutschland lebten mittlerweile 4 Millionen Muslime und zahlreiche Anhänger anderer Religionen. So steige der Pluralisierungsdruck und die zentrale Frage sei: „Wie wollen wir es halten mit der Religion in Deutschland?“ Er selbst halte es allerdings für falsch, Religion als reine Privatsache zu behandeln. Und dies auch als Mitglied der SPD und deren historisch bedingt lange Zeit schwierigen Verhältnisses zur Religion.

weiterlesen

Saudiarabischer Minister: Frauenfahrverbot ist keine Glaubensfrage

© dpa Der Außenminister des Königreichs Saudi-Arabien, Adel al-Dschubeir, in München.
In Saudi-Arabien dürfen Frauen kein Auto fahren. Ob sich das bald ändert? Außenminister Adel bin Ahmed al-Dschubeir bittet um Geduld.

Frankfurter Allgemeine

Für das Frauenfahrverbot in Saudi-Arabien gibt es nach den Worten von Außenminister Adel bin Ahmed al-Dschubeir keine religiöse Begründung. „Es handelt sich um eine gesellschaftliche Frage, nicht eine Frage des Glaubens“, sagte Dschubeir am Freitag bei der Münchner Sicherheitskonferenz.

Die saudiarabische Gesellschaft entwickle sich. 1960 habe es keine Bildung für Frauen gegeben, inzwischen stellten sie 55 Prozent der Studenten im Land. In den Vereinigten Staaten habe es 100 Jahre gedauert, bis die Frauen wählen durften. „Ich sage nicht: Geben Sie mir 200 Jahre, aber schenken Sie uns etwas Geduld“, sagte Dschubeir. „Die Dinge brauchen Ihre Zeit, und wir müssen das akzeptieren.“

weiterlesen

Kulturkampf um den “Raum der Stille” an der TU Dortmund

Diese Raumteiler mit Decken dienten laut Rektorat dazu, den Raum in einen größeren, hellen Bereich für Männer und einen kleineren dunklen Bereich für Frauen aufzuteilen. Foto: TU Dortmund
Diese Raumteiler mit Decken dienten laut Rektorat dazu, den Raum in einen größeren, hellen Bereich für Männer und einen kleineren dunklen Bereich für Frauen aufzuteilen. Foto: TU Dortmund
In einem Raum an der TU Dortmund, der zum Beten und Meditieren gedacht ist, versuchen Muslime eine Geschlechtertrennung durchzusetzen. Die Hochschule schließt den Raum. Eine Spurensuche.

Von Alexander Jürgs|DIE WELT

Es ist ein kleiner Raum, gerade einmal 20 Quadratmeter groß. Ein kleiner Raum, der für große Aufregung sorgt. Die Wände sind grün gestrichen, ein roter Teppich auf dem Boden, zwei Sofas, zwei Sessel, ein Bücherregal, Ikea-Ware. Am Waschbecken wurde ein Paar Badeschlappen zurückgelassen, im Bücherregal entdeckt man John Steinbecks “Früchte des Zorns”, eine Einführung in die Marktforschung, ein Buch übers Patentrecht. Auf einem Holzstuhl stapeln sich bunte Tücher, in Pastelltönen, mit Blumenmustern, mit Stickereien. Es sind muslimische Gebetsteppiche.

Zwei Stellwände trennen den Raum in einen größeren und einen kleineren Bereich. Jemand hat rote Fleecedecken über die wuchtigen Raumteiler gehängt, behaglicher macht es das nicht. Raum der Stille wird der Ort im dritten Stock des Physikgebäudes der Technischen Universität Dortmund, einem Betonklotz aus den 1970er-Jahren, genannt. Am Ende der zweiten Januarwoche hat ihn die Leitung der Hochschule geschlossen.

US-Gericht entscheidet für Gewissensfreiheit für Standesbeamte

Themenbild.
Themenbild.
Die Standesbeamte Kim Davis darf nicht gezwungen werden Ehelizenzen für homosexuelle Paare auszustellen, wenn dies gegen ihr Gewissen verstößt. Das hat ein Bundesgericht entschieden.

kath.net

Die Standesbeamte Kim Davis muss keine Ehelizenzen an gleichgeschlechtliche Paare ausstellen. Ein Bundesrichter im US-Bundesstaat Kentucky hat eine entsprechende Klage der Bürgerrechtsorganisation ACLU (American Civil Liberties Union) abgewiesen.
Davis ist praktizierende Christin und hat sich aus Gewissensgründen geweigert, homosexuellen Paaren Ehelizenzen auszustellen. Dies würde den Geboten ihres Glaubens widersprechen, hat sie argumentiert. Für ihre Standhaftigkeit musste sie im September 2015 einige Tage in Beugehaft verbringen. Kath.net hat berichtet.

Als sie aus der Beugehaft entlassen worden ist, hat sie neue Formulare für die Ehelizenzen erstellt, auf der ihr Name nicht aufscheint. Sie selbst hat homosexuellen Paaren weiterhin keine Lizenzen ausgestellt, sondern dies ihren Mitarbeitern überlassen.

weiterlesen

56 Jahre nach der Tat: Priester für Mord an Schönheitskönigin verhaftet

Bild: stern.de
1960 wird in Texas eine junge Schönheitskönigin erwürgt aufgefunden. Der mysteriöse Mordfall schockiert die USA – bleibt aber über Jahrzehnte unaufgeklärt. Jetzt hat die Polizei einen Priester verhaftet.

stern.de

Vor 56 Jahren wird Irene Garza im texanischen Örtchen McAllen ermordet. Der Fall schockiert das ganze Land und gilt lange als einer der am längsten unaufgeklärten Morde der US-Geschichte. Umso erstaunlicher die Meldung der Polizei von Texas: Laut eines Berichts der “New York Times” wurde nun ein seit Jahren Tatverdächtiger verhaftet – der 83-jährige John Feit.

Feit war damals junger Priester der Gemeinde und lebt heute zurückgezogen in Scottsdale, Arizona. Nach seiner Verhaftung wurde er in ein Gefängnis in Phoenix überstellt. Die ganze Sache ergebe aber keinen Sinn, erklärte Feit vor Gericht – schließlich sei das Verbrechen bereits 1960 verübt worden. “Es gibt keine Verjährung für diese Art von Verbrechen”, erwiderte Paula Williams, Vorsitzende des Gerichts.

weiterlesen

Gabriele Kuby vergleicht Schwule mit Rauchern – der Dummheit eine Gasse

etzt haben wir es endlich kapiert: Gabriele Kuby ist die größte Freundin aller Lesben und Schwulen, weil sie vor den “Gefahren” gelebter Homosexualität warnt Bild: Wiki Commons / Derzsi Elekes Andor / CC-BY-SA-3.0
Wer auf die “Risiken” bestimmter “Lebensstile” hinweist, sei weder raucher- noch schwulenfeindlich, meint die homophobe Publizistin.

Von Micha Schulze|QUEER.DE

Neues aus Gender-Gagaland: Für die katholische Fundamentalistin Gabriele Kuby ist Homo- wie Transsexualität eine “Störung der Geschlechtsidentität”, sie unterstützt Umpolungstherapien und wettert gegen Aufklärung über sexuelle Vielfalt in der Schule. Dennoch findet es die Publizistin “demagogisch”, wenn man sie schwulenfeindlich nennt.

Dies schreibt Kuby allen Ernstes am 11. Februar auf ihrer Webseite in einem Kommentar zu einem Artikel in der “Kreuzlinger Zeitung”, der im vergangenen Monat ihr reaktionäres Weltbild auf den Punkt brachte.

weiterlesen

Charlie versus Mohammed – Kein Boxkampf

Bild. Charlie Hebdo
Bild. Charlie Hebdo

Nina H Scholz und Heiko Heinisch haben wieder ein bemerkenswertes und lesenswertes Buch geschrieben. Charlie versus Mohammed – Plädoyer für die Meinungsfreiheit.

Von Heinrich Schmitz|The European

Die beiden Autoren trauen sich was, muss man mittlerweile doch bei jeder Kritik, die auch nur ansatzweise mit dem Islam zu tun hat, damit rechnen, dass einen fundamentalistisch verbohrte Islamisten mindestens mal bedrohen. Oder auch, dass man Applaus von der völlig falschen Seite bekommt. Es ist schon deshalb bemerkenswert, dass die Autoren dieses wichtige Buch geschrieben haben und der Passagen-Verlag es veröffentlichten hat.

Die Autoren sind sich dieses Risikos durchaus bewusst. „Wer will ernsthaft noch bestreiten, dass es heute in Europa als mutig bezeichnet werden muss, gegen islamischen Fundamentalismus aufzutreten?“

Dabei ist diese kleine Buch, trotz des geringen Umfangs von gerade einmal 104 Seiten, mehr als lediglich ein Plädoyer für die Meinungsfreiheit. Die Autoren erklären wieder einmal recht eindrucksvoll – wie bereits in ihrem gemeinsamen Werk Europa, Menschenrechte und Islam – ein Kulturkampf? die historischen und theologischen Hintergründe der für Nichtmuslime häufig völlig unverständlichen fundamentalistischen Bildverbote und anderer vermeintlicher Essentials und die Gefahren für den modernen Rechtsstaat, die von einer scheintoleranten Rücksichtnahme auf einzelne Religionen, namentlich den Islam, ausgehen.

weiterlesen

Christentum: Die gewaltbereite friedliebende Gesellschaft

Die eigene Wahrheit wurde bei den Kreuzzügen mit Gewalt durchgesetzt. Foto: imago/United Archives
Woher rührt das apokalyptische Denken, das die derzeitige Debatte um die Flüchtlinge bestimmt? Historiker beleuchten aktuell die nachhaltig wirkende Gewaltgeschichte des Christentums.

Von Dirk Pilz|Frankfurter Rundschau

Die sogenannte Flüchtlingskrise, die Lage der Nation, die Merkel’sche Politik – viele Kommentare dazu derzeit mit schrillen Katastrophentönen. Als gäbe es nur das große Entweder-Oder. Entweder das Abendland verbarrikadiert sich oder Europa geht unter. Entweder Sieg oder Niederlage. Woher rührt dieses apokalyptische Denken? Und woher die wachsende Bereitschaft zur Gewalt dabei? Wer in der Flüchtlingsfrage nach Obergrenzen ruft, fordert implizit immer den Einsatz von Gewalt. Und diese Forderung erfreut sich wachsender Zustimmung – in einer Gesellschaft, die sich für friedliebend hält. Wie kann das sein?

Um solche Widersprüche zu verstehen, müssen wir zu den Anfängen des Christentums zurück, sagt der französische Historiker Philippe Buc. Er tut es in seinem Buch „Heiliger Krieg“ auf erschreckend erhellende Weise und spricht dabei von religiösen Konzepten, die „den Weg in die Moderne überstanden haben, indem sie sich in Ideen und Ideologien verwandelten, die ohne das Übernatürliche und Gott auskamen, aber vergleichbare Strukturen beibehielten“. Es sind Ideen wie jene, dass man um des Guten und Richtigen willen Opfer bringen müsse, dass die größte Gefahr von vermeintlichen Verrätern dieses Guten und Richtigen ausgehe, dass die eigene Freiheit auch mit Gewalt verteidigt werden dürfe.

weiterlesen

Der Patriarch, der Papst und ein Handschlag nach 1000 Jahren

Kyrill I. – Foto: Maxim Shemetov/REUTERS
Wer ist Kyrill I., der am Freitag auf Kuba Papst Franziskus trifft? Ein kleines Porträt des russisch-orthodoxen Patriarchen.

Von Claudia Keller|DER TAGESSPIEGEL

Der Patriarch residiert wie ein Großfürst, fährt Maybach und soll über ein Vermögen von vier Milliarden Dollar verfügen. Welch Gegensatz zum bescheiden auftretenden Papst Franziskus! Und doch ist diesen beiden christlichen Oberhäuptern gelungen, was ihre Vorgänger über 1000 Jahre nicht erreicht haben: sich so weit zu verständigen, dass ein öffentliches Treffen möglich ist.

Am Freitag wollen sie im Flughafen von Havanna eine Erklärung unterzeichnen. Es ist ein großer Schritt, um das Schisma zu überwinden, das die Christen seit 1054 spaltet.

Damals hatten sich die lateinisch geprägten Christen in Rom und die griechischen in Konstantinopel auseinandergelebt, feierten die Gottesdienste unterschiedlich und waren sich theologisch fremd geworden. Doch Papst Leo IX. wollte seine Vorherrschaft auf den Osten ausdehnen. Der dortige Patriarch sah sich als gleichrangiges Oberhaupt und lehnte Machtstreben und Vorrangstellung des Papstes als Häresie ab. Es kam zur gegenseitigen Exkommunikation.

weiterlesen

Weiter Streit um “Raum der Stille” in Dortmund

Diese Raumteiler mit Decken dienten laut Rektorat dazu, den Raum in einen größeren, hellen Bereich für Männer und einen kleineren dunklen Bereich für Frauen aufzuteilen. Foto: TU Dortmund
Diese Raumteiler mit Decken dienten laut Rektorat dazu, den Raum in einen größeren, hellen Bereich für Männer und einen kleineren dunklen Bereich für Frauen aufzuteilen. Foto: TU Dortmund
Um den mittlerweile geschlossenen “Raum der Stille” an der Technischen Universität (TU) Dortmund gibt es weiter Streit: Der Staatsschutz hat Ermittlungen wegen des Verdachts auf Volksverhetzung und Beleidigung aufgenommen, wie eine Sprecherin der Dortmunder Polizei am Donnerstag erklärte.

evangelisch.de

Einer der drei Initiatoren einer Petition gegen die Schließung soll eine Mail mit fremdenfeindlichen Äußerungen erhalten haben. Die Petition an die Leitung der Universität gegen die Schließung des interreligiösen Gebets- und Ruheraums hatte über 400 Unterschriften erhalten und wurde Ende Januar an das Rektorat der Uni geschickt.

Um den “Raum der Stille”, der für Gläubige aller Religionen bestimmt war, gibt es seit Jahresanfang einen heftigen Streit. Die Hochschulleitung hatte den Raum geschlossen, weil muslimische Gläubige dort Koranbücher und Gebetsteppiche ausgelegt hatten. Das verstoße gegen die in den Nutzungsbedingungen verankerte weltanschauliche Neutralität des Ortes, sagte Uni-Sprecherin Eva Prost dem epd.

weiterlesen

Religiotie: Indonesien will “homosexuelle” Emojis verbieten

Worüber man sich so aufregen kann: Ein Emoji händchenhaltender Männer. (Foto: Quelle: Whatsapp)
“Soziale Medien müssen die Kultur der Länder respektieren, in denen sie viele Nutzer haben”, sagt ein Sprecher des Informationsministeriums.

Süddeutsche.de

Die indonesische Regierung zeigt sich humorlos: Sie will Emojis von gleichgeschlechtlichen Paaren von den Smartphone-Bildschirmen in ihrem Land verbannen. “Soziale Medien müssen die Kultur der Länder respektieren, in denen sie eine große Zahl von Nutzern haben”, sagte ein Sprecher des Informationsministeriums.

Nutzer der Nachrichtenprogramme Whatsapp und Line hätten sich über die bunten Bildchen mit homosexuellen Motiven beschwert. Der Anbieter Line habe sie daraufhin für Indonesien gelöscht, sagte der Sprecher. Die Regierung hat nun andere Anbieter aufgefordert, das Gleiche zu tun.

weiterlesen

Salafisten-Prediger Abou-Nagie wegen Sozialbetrugs verurteilt

Der Salafist Ibrahim Abou-Nagie wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. (Foto: dpa)
Der Mann, der massenhaft deutsche Übersetzungen des Koran verteilen ließ, soll das Sozialamt um etwa 53 000 Euro betrogen haben.

Süddeutsche.de

Der Salafisten-Prediger Ibrahim AbouNagie ist wegen gewerbsmäßigen Betrugs beim Bezug von Hartz-IV-Leistungen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und einem Monat verurteilt worden. Nach dem Urteil des Amtsgerichts Köln hat AbouNagie, der als Initiator der umstrittenen Koran-Verteilaktion “Lies!” für Aufruhr gesorgt hatte, zu Unrecht Sozialleistungen in Höhe von etwa 53 000 Euro bezogen. Er habe mehrere Konten und Nebeneinkünfte verschwiegen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. AbouNagie gilt bei Experte als Hassprediger.

weiterlesen

Erdogan drohte der EU mit Grenzöffnung

Erdo_Kurden

Nah an der Erpressung: Einem Protokoll zufolge hat der türkische Präsident Erdogan der EU gedroht, die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen. Unangenehm ist ihm die Enthüllung nicht. Er legt sogar nach.

DIE WELT

In den Verhandlungen mit der EU über einen Aktionsplan in der Flüchtlingskrise hat der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan mit der Öffnung der Grenzen gedroht. “Wir können die Türen nach Griechenland und Bulgarien jederzeit öffnen, und wir können die Flüchtlinge in Busse stecken”, hatte Erdogan laut dem Protokoll eines Gesprächs mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und Ratspräsident Donald Tusk im November bei Antalya gesagt.

Erdogan bestätigte am Donnerstag erstmals die Echtheit des Dokuments, das die griechische Internetseite “Euro2Day” am Montag veröffentlicht hatte.

weiterlesen