Religionswissenschaftler kritisert ‚rosarotes‘ Buddhismusbild

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Perry Schmidt-Leukel: Die Vorstellung, der Buddhismus sei eine Religion ohne Dogmen, Glaubensinhalte und Gebote, habe mit dem echten Buddhismus wenig zu tun, sondern spiegle eher eine Unzufriedenheit mit dem Christentum wider.

kath.net

Einseitige Vorstellungen über den Buddhismus kritisierte der Religionswissenschaftler Perry Schmidt-Leukel im Interview mit dem „Deutschlandfunk“. In Deutschland sei die Vorstellung weit verbreitete, dass der Buddhismus „eine Religion ohne irgendwelche Dogmen oder Glaubensinhalte“ sei, „eine Religion ohne Gebote, in der jeder tun und lassen kann, mehr oder weniger, was er will“. Gemäß dieser Vorstellung sei der Buddhismus „allem gegenüber tolerant“ und friedfertig. Dieses populäre Bild habe mit dem asiatischen wie auch mit dem klassischen Buddhismus „eigentlich wenig bis gar nichts zu tun“. Vielmehr spiegle sich hierin „eher eine Unzufriedenheit mit den kirchlichen Formen des Christentums wider“, daraus habe sich dann die Vorstellung entwickelt, „was für eine Religion man gerne hätte – und das hat man irgendwie dann auf den Buddhismus projiziert“.

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Dodo Gysi: „Jesus wäre ein kritisches Mitglied unserer Partei.“

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Der Vorsitzende der Europäischen Linken, Gregor Gysi, hält die Kirchen für unverzichtbar. Ohne Kirchen gäbe es keine allgemeinverbindlichen Moralnormen mehr, sagte der Linken-Politiker der „Berliner Zeitung“ (Dienstag).

evangelisch.de

Die Linke sei über lange Zeit in der Lage gewesen, solche Normen im Sozialbereich aufzustellen. Durch das Scheitern des Staatssozialismus sei die Linke für die Allgemeinverbindlichkeit zu geschwächt. „Ohne Kirchen und Religionsgemeinschaften hätten wir also keine solchen Moralnormen mehr. Der Kapitalismus kann sie nicht erzeugen.“

Den am Mittwoch in Berlin beginnenden evangelischen Kirchentag hält Gysi für „etwas Wichtiges“. Die Menschen brauchten diese Art der Begegnung, den Austausch, das Gespräch. In Berlin werde das sicherlich spannend werden.

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Religion in Ostdeutschland: Ach, Gott

Ja, leider sei sie Atheistin, sagt Christina Häseler. Sie lebt in Wittenberg, der Lutherstadt – nirgendwo im Land ist den Menschen der Glaube ferner als in dieser Gegend. Vor dem Kirchentag hat sie ihn wiedergefunden.

Von Kerstin Decker | DER TAGESSPIEGEL

Der Mann mit dem großen gelben Schild auf dem Rücken bemerkt den prüfenden Blick sofort, der wohl einen Moment zu lang auf ihm ruhte.

– Haben Sie schon eine Bibel zu Hause?, fragt er und öffnet die Arme.

– Vier Bibeln!

– Tragen Sie die Bibel auch in Ihrem Herzen?

– Auch, aber mehr im Kopf, doch da fällt immer alles raus.

Der Propagandist des Herrn weist mit sanftem Tadel darauf hin, dass dies ohnehin der falsche Aufbewahrungsort sei:

– Können Sie von sich sagen, dass Sie Jesus Christus gehören?

– Nein, ich kann sagen: Ich gehöre mir selber.

Wie schade! Ein tiefes Mitleid erscheint in den Augen des Bodenpersonals Gottes: Schon wieder eine unrettbare Seele! Und diese Stadt ist voll davon.

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Österreich soll von Nato-Programmen ausgeschlossen werden

Grund sei ein Veto der Türkei, die damit auf Forderungen aus Wien nach einem Abbruch der Beitrittsgespräche der Türkei zur EU und der Kritik österreichischer Politiker an Präsident Recep Tayyip Erdogan reagiere

derStandard.at

Soldaten aus Österreich sollen einem Medienbericht zufolge nicht mehr mit Truppen aus anderen Nato-Ländern zusammen trainieren können und auf unbestimmte Zeit von allen wichtigen Partnerschaftsprogrammen ausgeschlossen werden. Grund sei ein Veto der Türkei, die damit auf Forderungen aus Wien nach einem Abbruch der Beitrittsgespräche der Türkei zur EU und der Kritik österreichischer Politiker an Präsident Recep Tayyip Erdogan reagiere, berichtete die „Welt“ vorab aus ihrer Dienstag-Ausgabe. Die Entscheidung solle am Dienstag fallen.

Offen ist nach Angaben der Zeitung, was die Entscheidung für die Nato-Präsenz auf dem Balkan bedeutet. Allein beim Nato-Friedenseinsatz im Kosovo sei Österreich mit mehr als 400 Soldaten vertreten und gehöre damit zu den wichtigsten Truppenstellern. Am Donnerstag treffen sich die Staats- und Regierungschefs aller Nato-Länder in Brüssel.

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Syrien: Für Christen keine Alternative zum Assad-Regime

Szene aus dem IS-Video: Kalte Menschenverachtung
Youtube
Salzburger Orientexperte Prof. Winkler in Interview für Magazin „Information Christlicher Orient“: Einfluss des fundamentalistischen Islam bereits so stark, dass es für Christen ohne Assad „ganz düster“ aussehen würde

kath.net

Die Christen in Syrien unterstützen das Regime von Präsident Bashar Assad allein aus dem Grund, weil sie keine Alternative haben. Das betont der Salzburger Ostkirchenexperte Prof. Dietmar Winkler. „Wenn Assad fällt, was passiert dann? Der Einfluss des fundamentalistischen Islam ist im Land bereits so stark, dass es für die Christen dann ganz düster aussehen würde“, so Winkler wörtlich in einem Interview in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Information Christlicher Orient“. Sogenannte „gemäßigte“ Rebellen gibt es laut Prof. Winkler in Syrien de facto nicht.

„Im Krieg gibt es keine Waisenknaben“, so Winkler. Kriegsverbrechen würden von allen Seiten begangen. Und wenn von mancher Seite das Assad-Regime als unschuldig dargestellt wird, stimme das natürlich auch nicht. Aber, so Winkler: „Die lokalen Bischöfe sagten und sagen mir immer wieder in Gesprächen: Was ist die Alternative für die Christen? Wer schützt die Christen, wenn nicht das Assad-Regime? Welche Perspektiven gibt es überhaupt?“

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So viele Gläubige leben in Sachsen-Anhalt

Bild: MDR.de
In Wittenberg werden in der kommenden Woche zehntausende Christen zum Evangelischen Kirchentag erwartet. Welche Rolle spielt Religion hierzulande eigentlich noch? Und wie viele Gläubige leben überhaupt in Sachsen-Anhalt? Eine Bestandsaufnahme der Religionen Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus.

Von Manuel Mohr | MDR SACHSEN-ANHALT

Die größte „Glaubensgemeinschaft“ – auch wenn sie genau genommen gar keine ist – ist die Gruppe der Konfessionslosen in Sachsen-Anhalt. Schätzungen zufolge gehören rund 80 Prozent aller Einwohner im Land keiner Religion an. Die kirchenfeindliche Ideologie der DDR wirkt hier deutlich bis heute nach. Somit ist nur noch etwa jeder Fünfte im Land überhaupt Angehöriger einer religiösen Glaubensgemeinschaft. Wie stark verschiedene Religionen dabei vertreten sind, hat MDR SACHSEN-ANHALT analysiert.

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Kreationist verklagt Grand Canyon

Der Grand-Canyon-Nationalpark Weil ein Geologe keine Gesteinsproben entnehmen durfte, verklagt er nun den ganzen Park. © via pixabay / CC0 Public Domain
Ein Geologe wollte im Grand Canyon Gesteinsproben sammeln. Die sollten beweisen, dass die Felsschluchten durch die Sintflut Gottes entstanden. Doch die Verantwortlichen erlaubten ihm nicht, die Proben zu entnehmen. Deshalb verklagt er jetzt den ganzen Park.

Von Franziska Ottillinger |Galileo TV

Andrew Snelling ist ein Wissenschaftler mit dem Doktortitel in Geologie. Anders als seine akademischen Kollegen stellt er aber so ziemlich alles infrage, was die Wissenschaft in den letzten Jahrhunderten über die Entstehung der Welt herausfand.

Trotz seiner universitären Karriere ist er nämlich ein Anhänger des Kreationismus. Das ist so ziemlich das Gegenteil der Evolutionstheorie von Charles Darwin. Snelling und andere Kreationisten sind davon überzeugt, dass Gott die Welt vor wenigen tausend Jahren schuf und alles in der Bibel wahr ist. Adam, Eva, Noah, die Sintflut – laut dem Geologen sind das historische Fakten.

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Mehr als 22 Jahre Haft für Chefs eines Satiremagazins in der Türkei

Das Titelbild des türkischen Politmagazins Nokta. (Quelle: NOKTA)
Mann hatte das türkische Volk angeblich zu einem „bewaffneten Aufstand“ gegen die Regierung aufgewiegelt

derStandard.at

Nach der Veröffentlichung eines Erdogan-kritischen Titelblatts hat ein türkisches Gericht zwei Chefs des politischen Satiremagazins „Nokta“ zu 22 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Cevheri Güven und Murat Capan werde vorgeworfen, das Volk zu einem „bewaffneten Aufstand“ gegen die Regierung aufgewiegelt zu haben, meldete die Nachrichtenagentur DHA am Montag. Das Gericht erließ zudem Haftbefehl gegen die Journalisten, deren Aufenthaltsort zunächst unklar war.

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Bischöfe bringen gemeinsamen Religionsunterricht auf den Weg – Missionieren bis der Arzt kommt

Evangelische und katholische Kirche planen konkrete Schritte zur Einführung eines gemeinsamen Religionsunterrichtes in strukturschwachen Regionen Brandenburgs.

evangelisch.de

„Wir haben Konzepte entwickelt, wie wir uns diesen Unterricht vorstellen können“, sagte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge. Erzbischof Heiner Koch nannte den gemeinsamen Entwurf ermutigend. In einem Doppelinterview des Evangelischen Pressedienstes (epd) und der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) warnten aber beide Bischöfe in Berlin vor überstürzten Schritten.

Koch sagte, es sei illusorisch, bereits im kommenden Schuljahr konfessionsübergreifenden Religionsunterricht anbieten zu wollen. „Wir müssen die Lehrer und die Pfarrer vorbereiten, das verlangt Überzeugungsarbeit, auch Mentalitätsarbeit“, sagte Koch. Dabei gehe es nicht „um einen ökumenischen Unterricht, der alles in einen Topf wirft“.

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Dodo Käßmann will fröhlichere Gottesdienste – mehr Trinken?

Die Theologin Margot Käßmann fordert Reformen im Alltag der Kirchen. Ein zentraler Punkt der Kirchenerneuerung müsse der Gottesdienst sein, erklärte die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Montag in Wittenberg: „Viele unserer Gottesdienste sind trostlos. Die Frage ist also: Wie können wir fröhlich feiern, damit Menschen uns öfter brauchen als nur im Weihnachtsgottesdienst?“

evangelisch.de

Käßmann rief auch dazu auf, den Dialog mit anderen Religionen zu suchen. Für sie persönlich sei Jesus der Weg zu Gott, andere Menschen hätten andere Wege, und das sei gut so. „Wer Angst vor dem Glauben anderer hat, ist schwach aufgestellt“, betonte Käßmann bei einem Besuch der Weltausstellung Reformation in Wittenberg.

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Evangelisches Dekanat Wiesbaden wehrt sich gegen Unterstellung, Flüchtlinge ließen sich aus „asyltaktischen Gründen“ taufen

Das evangelische Dekanat Wiesbaden wehrt sich gegen Vorwürfe, Iraner würden aus „asyltaktischen Gründen“ zum Christentum übertreten und sich taufen lassen.

Von Christoph Cuntz | Gießener Anzeiger

In der evangelischen Auferstehungsgemeinde Wiesbaden-Schierstein gebe es bereits seit sechs Jahren einen persischsprachigen Gottesdienst. Mehr als 100 Frauen und Männer hätten seither zum christlichen Glauben gefunden. Der überwiegende Teil sei aus politischen und oder religiösen Gründen aus dem Iran oder Afghanistan geflohen. Die Annahme, diese Flüchtlinge ließen sich aus „asyltaktischen Gründen“ taufen, mache ihn fassungslos, so Farhad Mostaschari, der selbst Iraner und Mitglied im Vorstand der Auferstehungsgemeinde ist. „Ich bin schockiert. Diese Vorwürfe treffen in unserer Gemeinde absolut nicht zu“, sagt Mostaschari.

Entscheider haben Zweifel an Beweggründen

Wie berichtet, haben Entscheider des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Asylverfahren immer wieder Zweifel am Bekenntnis der vermeintlichen Neu-Christen.

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Wider die „staatsfromme Kirche“

Die Evangelischen Kirche am Hohenzollernplatz in Berlin – ein Hauptwerk des deutschen Expressionismus. (Deutschlandradio / Eric Pawlitzky)
Rainald Leistikow ist Berliner, evangelischer Christ und Hörer des Deutschlandfunks. Ihn stören die politischen Positionen seiner Kirche zur Flüchtlingspolitik, als Andersdenkender fühlt er sich ausgegrenzt. „Obrigkeit ist für mich keine Instanz, vor der ich einknicke“, sagt er. Er ist zum Widerspruch entschlossen, erst recht so kurz vor dem Kirchentag.

Von Claudia van Laak | Deutschlandfunk

Sie haben mich persönlich eingeladen, hierherzukommen, und das habe ich gerne gemacht.“

Reinald Leistikow, 73 Jahre alt. Fester Händedruck, klarer Blick, freundlich-zugewandtes Wesen. Der Berliner Jurist hat lange Jahre für Kirche und Diakonie gearbeitet – so als Verwaltungsleiter eines evangelischen Krankenhauses. In letzter Zeit allerdings hat sich Leistikow von seiner Kirche entfernt. Mehr noch – er ist empört. In einer langen E-Mail an den Deutschlandfunk hat er sich Luft gemacht, spricht von „Multi-Kulti-Schönfärberei“ und kritisiert, dass die Kirchenleitung in punkto Flüchtlingspolitik eine offizielle Meinungsvorgabe mache und Andersdenkende ausgrenze.

„Der Deutschlandfunk ist ja eine Instanz dafür, dass so etwas zur Sprache kommen kann. Die politisierte Kirche kommt überall durch und breitet sich wie ein Schirm über alles aus.“

Es ist Sonntag kurz vor 10, gleich beginnt der Gottesdienst in der  architektonisch spektakulären Evangelischen Kirche am Hohenzollernplatz – ein Hauptwerk des deutschen Expressionismus. Mehrere hundert  Gottesdienstbesucher fänden Platz in diesem imposanten dunklen Backsteinbau – doch nur etwa 30 sind gekommen, sie verlieren sich in den Kirchenbänken.

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Trump im Heiligen Land – Israel zeigt gute Miene

Vorbereitungen für den Empfang Trumps am Flughafen von Tel Aviv. (Bild: Jim Hollander / EPA)
Unmittelbar vor dem Besuch des amerikanischen Präsidenten am Montag kommt die israelische Regierung den Palästinensern mit Reiseerleichterungen und Baubewilligungen entgegen. Der Beschluss sorgt allerdings für Streit im Kabinett.

Von Christian Weisflog | Neue Zürcher Zeitung

Kurz nach dem Mittag wird das Flugzeug des amerikanischen Präsidenten am Montag in Tel Aviv erwartet. Donald Trumps Besuch hätte eigentlich ein Heimspiel werden sollen, besonders bei den rechtsnationalen Teilen der israelischen Regierung und der Siedlerbewegung. Hatte er doch versprochen, an seinem ersten Amtstag die amerikanische Botschaft nach Jerusalem zu verlegen. Doch auch diese vollmundige Ankündigung aus Trumps Munde blieb bisher ohne Folgen. Ganz im Gegenteil: Anstatt eine Carte blanche zu erteilen, stellt die amerikanische Regierung nun auch Forderungen an Israel. Sie verlangt vertrauensfördernde Massnahmen, um direkte Friedensverhandlungen zu ermöglichen.

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Arbeitsgericht: Fristlose Kündigung wegen Abtreibungsfrage unwirksam

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Klinikdirektor Fröhling hatte öffentlich Abtreibungsweigerung des Gynäkologiechefarztes der Capio-Klinik Danneberg unterstützt, dafür durfte er nicht gefeuert werden – Ärztekammer kritisiert finanziellen Druck der Gesundheitsministerin auf die Klinik

kath.net

Klinikdirektor Markus Fröhling war im Februar 2017 von seiner Klinik in Dannenberg fristlos gekündigt worden, da er öffentlich den damaligen Gynäkologie-Chefarzt Thomas Börner unterstützt hatte, der Abtreibungen in seiner gynäkologischen Abteilung Abtreibungen abgelehnt hatte. Fröhling hatte gegen die Kündigung Klage eingereicht. Das Arbeitsgericht Lüneburg am 19. Mai diese fristlose Kündigung für unwirksam erklärt, der Capio-Konzern muss die Kündigung zurücknehmen und Fröhling zu den früheren Konditionen weiterbeschäftigen. Das berichtete die Evangelische Nachrichtenagentur „idea“. Unter Hinweis auf die „Elbe-Jeetzel-Zeitung“ berichtete „idea“ weiter, dass der Konzern aber wohl den Klinikdirektor nicht weiterbeschäftigen, sondern eher eine deutliche Abfindung bezahlen werde.

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Hilfsapostel Schwaderlapp: ‚Ich möchte der Lehrerin meinen höchsten Respekt zollen‘

Schwaderlapp im Kölner „Domradio“ zum Fall der Lehrerin, die auf Anweisung ihrer Schulbehörde das Kreuz ablegen musste: „Das Zeichen des Fisches haben die Christen in Zeiten der Verfolgung gewählt… Gehen wir wieder dahin?“

kath.net

Dass eine evangelische Lehrerin an einer staatlichen Schule in Berlin auf Geheiß der Schulbehörde ihr Kreuz ablegen muss, dafür kann der Kölner Weihbischof Dominik Schwaderlapp „nur sehr wenig Verständnis“ aufbringen. Im Interview mit dem Kölner „Domradio“ stellte der Weihbischof fest: „Ich möchte auf diesem Weg, der Lehrerin, die ich nicht kenne, meinen höchsten Respekt zollen. Sie lässt sich ihr Bekenntnis nicht irgendwie abkaufen.“ Nun trage sie offenbar ja einen Fisch an ihrer Halskette, doch sei dies fast schon tragikkomisch: „Das Zeichen des Fisches haben die Christen in Zeiten der Verfolgung gewählt, als es ihnen verwehrt wurde sich öffentlich zu ihrem Glauben zu bekennen. Gehen wir wieder dahin? Ist das allen Ernstes der Weg, den wir in unserer Gesellschaft einschlagen wollen? Ich hoffe doch nicht.“

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Dodo Gabriel: Wir müssen das Friedenspotenzial der Religionen fördern

Sigmar Gabriel 2017. Bild: wikimedia.org/Olaf Konsinsky, bearb.: bb
Wer Religion stets nur als konfliktverschärfend sieht, macht einen großen Fehler. Der interreligiöse Dialog muss Teil einer neuen Außenpolitik der Gesellschaften sein. Ein Kommentar.

Von Sigmar Gabriel | DER TAGESSPIEGEL

Palmyra liegt in Trümmern, weil der sogenannte Islamische Staat die Erinnerung der Menschen in Syrien an eine jahrtausendealte kulturelle Identität zerstören will. Boko Haram führt seit Jahren im Nordosten Nigerias einen blutigen Feldzug, um ein islamisches Kalifat zu errichten. In Myanmar wird die muslimische Minderheit der Rohingya verfolgt. Von Paris bis Berlin haben Attentäter im Namen der Religion schändliche Anschläge verübt.

All diese Beispiele zeigen, wie politische und wirtschaftliche Konflikte pseudoreligiös aufgeladen werden und wie Religion als reines Feigenblatt benutzt wird. Das droht zu überdecken, welche positive Kraft in Religionen steckt: die Überwindung der Angst, das Vertrauen auf die Barmherzigkeit und die Weitergabe dieser Barmherzigkeit an den Nächsten. Religionen bewahren ein tiefes Wissen um Schuld, Vergebung und Versöhnung. Religionsgemeinschaften können für Ausgleich und Gerechtigkeit in ihren Gesellschaften eintreten. Sie haben ein langes Zeitverständnis, das etwa in der Friedensarbeit notwendig ist. Und sie machen an den Grenzen der Nationalstaaten nicht halt.

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Interview mit de Maizière: „Identität ist eines der aktuellen großen Themen“

Bundesinnenminister Thomas de Maizière © Henning Schacht / BMI
Am kommenden Mittwoch startet der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag. Mitglied des Präsidiums ist auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Im Interview erklärt er, warum er es richtig findet, dass dort auch die AfD zu Wort kommt und was Luther mit Leitkultur zu tun hat.

Von Corinna Buschow | MiGAZIN

Am kommenden Mittwoch startet der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag. Mitglied des Präsidiums ist auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Im Interview erklärt er, warum er es richtig findet, dass dort auch die AfD zu Wort kommt und was Luther mit Leitkultur zu tun hat.

Herr Minister, in der nächsten Woche startet der evangelische Kirchentag in Berlin, normalerweise ein fröhliches, unbeschwertes Treffen. Die Sicherheitsbestimmungen werden aber aufgrund der Terrorgefahr schärfer sein als in der Vergangenheit. Erwarten Sie einen Kirchentag mit einem anderen Charakter?

Thomas de Maizière: Nein. Ich hoffe, der Kirchentag wird den gleichen fröhlich-kritischen, heiter-konstruktiven Grundton behalten wie in der Vergangenheit. Zwar sind die Sicherheitsvorkehrungen in diesen Zeiten hoch. Ich glaube, dafür haben aber alle Verständnis. Die Teilnehmer sollten sich auf längere Schlangen und die Untersuchung von Taschen und Rucksäcken einstellen und etwas mehr Geduld mitbringen.

Das gilt sicher auch für die Veranstaltung mit Barack Obama. Verstehen Sie den Vorwurf, der Besuch des früheren US-Präsidenten sei Wahlkampfhilfe für Bundeskanzlerin Angela Merkel?

de Maizière: Dass dem Kirchentag vorgeworfen wird, er mache für eine CDU-Politikerin Wahlkampf, habe ich die vergangenen 20 Jahre nicht gehört. Außerdem sagt meine Erfahrung, dass alle Politiker, die glauben, den Kirchentag zur Bühne für einen platten Wahlkampf zu machen, nicht gut beraten sind. Es bekommt ihnen weder beim Kirchentag noch in der Öffentlichkeit. Der Kirchentag ist ein für Deutschland einmaliges Gesprächsforum mit dem Bemühen, Debatten zu gesellschaftspolitisch relevanten Themen voranzutreiben. Themenübergreifend wird dort über Gegenwarts- und Zukunftsfragen diskutiert, wie es das sonst in dieser Größenordnung nicht gibt. Dass dabei nicht nur der Kopf angesprochen wird, sondern auch die Seele – diese Kombination ist wunderbar.

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Soldaten-Wallfahrt: Der Marsch durchs Disneyland des Glaubens

Bundeswehrsoldaten bei der Lichterprozession: Sie sehen aus, als könnte sich niemand der besonderen Stimmung der Wallfahrtsstätte entziehen Quelle: Holger Kreitling
Rund 12.000 Soldaten aus der ganzen Welt pilgern jedes Jahr nach Lourdes. Bilge Yüce war zum ersten Mal dabei. Warum der Obergefreite der Bundeswehr mit türkischen Wurzeln eine Gänsehaut bekommen hat.

Von Holger Kreitling | DIE WELT

Mitten in der Nacht im Wallfahrtsort Lourdes: Im Café „Little Flower“, gleich neben der Hall Catholique, treffen sich die irischen Soldaten. Die Biergläser und die Herzen sind voll, natürlich singen sie lauthals Lieder. Ein junger Soldat steht auf und beginnt mit der ersten Strophe. Alle rücken ihre schwarzen Barette auf dem Kopf fest. Nach jeder Strophe stimmt die Gruppe ein, die Lautstärke schwillt an wie ein Fluss nach dem Regen. Das Lied hat sehr viele Strophen, es geht um ein einsames Mädchen, das entweder wartet oder sehnsüchtig erwartet wird, jedenfalls traurig und sehr irisch.

Eine Straße weiter ist das Café „Royal“, gleich neben der Alliance Catholique, fest in deutscher Hand. Die Biergläser und die Herzen sind voll, das Heeresmusikkorps aus Kassel spielt auf. Das Lied erzählt von einer glücklichen Liebe zum Alkohol. Der Text ist ein Karnevalsklassiker. „Wenn das Wasser im Rhein gold’ner Wein wär,/ ja dann möcht’ ich so gern ein Fischlein sein./ Ei, wie könnte ich dann saufen,/ brauchte keinen Wein zu kaufen,/ denn das Fass vom Vater Rhein würd’ niemals leer.“

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Bedford-Strohm verteidigt Dialog mit AfD-Vertretern auf Kirchentag

Heinrich Bedford-Strohm (2011). Presseabteilung der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. bearb. bb
Zugleich betonte der Repräsentant von über 22 Millionen Protestanten in Deutschland: „Wir wollen nicht Menschen, die sich von populistischen Aussagen angezogen fühlen, weiter in diese Richtung drängen, indem wir das Gespräch verweigern.“

evangelisch.de

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, verteidigt Diskussionen beim Evangelischen Kirchentag mit AfD-Vertretern ebenso wie einen Dialog mit Atheisten. „Es ist richtig, dass man Dialoge führt“, sagte der Theologe dem Evangelischen Pressedienst. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) rechtfertigte die Entscheidung der Veranstalter, beim Kirchentag in der kommenden Woche eine AfD-Vertreterin auf der Bühne zu Wort kommen zu lassen.

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„Die AKP ist die Partei der Nation“

Bild: wikileaks/Twitter
  • Recep Tayyip Erdoğan ist als Parteivorsitzender der türkischen Regierungspartei wiedergewählt worden.
  • Er musste die Partei verlassen, als er Präsident wurde. Die türkische Verfassung erlaubte es nicht, dass der Präsident Mitglied einer Partei sein durfte.
  • Durch das Verfassungsreferendum im April ist diese Regel aufgehoben. Auch das Amt des Ministerpräsidenten wurde damit abgeschafft.

Von Mike Szymanski | Süddeutsche.de

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat am Sonntag nach drei Jahren wieder den Vorsitz der von ihm gegründeten Regierungspartei AKP übernommen. Bei einem Sonderparteitag in Ankara ließ sich der 63-jährige Politiker an die Spitze der AKP wählen; als einziger Kandidat erzielte er den Angaben zufolge mehr als 96 Prozent der Stimmen. Er löst damit Binali Yıldırım ab, der zugleich Regierungschef ist und nun als Stellvertreter von Erdoğan weitermacht.

Erdoğan hatte die Verbindung zu seiner Partei 2014 formal abbrechen müssen, nachdem er zum Staatspräsidenten gewählt worden war. Dies war in der Verfassung so festgelegt, die vom Präsidenten Überparteilichkeit verlangte.

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