Esti Weinstein: Das Manuskript der Aussteigerin

© dpa Ein Leben mit strengen Regeln, dem man vielleicht nie entkommen kann: Strenggäubige Juden in Israel beim „Kaparot“-Ritual.
Ihr gelang die Flucht aus der ultraorthodoxen Welt, aber sie fand keinen Frieden: Esti Weinstein hinterließ ein autobiografisch gefärbtes, literarisches Manuskript, das die israelische Öffentlichkeit bewegt.

Von Joseph Croitoru | Frankfurter Allgemeine

Die Geschichte von Esti Weinstein wühlt die israelische Öffentlichkeit auf. Vor rund acht Jahren war die damals Einundvierzigjährige aus der besonders strenggläubigen Religionsgemeinschaft der Gur-Chassiden ausgebrochen und führte fortan ein säkulares Leben in Tel Aviv. Vor wenigen Wochen hat sie sich das Leben genommen. Dass sie noch zu Lebzeiten dafür sorgte, dass ihr Freitod öffentlich gemacht werden würde, lässt den Fall umso spektakulärer erscheinen, zumal der Selbstmord gläubigen Juden verboten und bei Ultraorthodoxen ein Tabuthema ist. Die Mutter von acht Töchtern, deren Leichnam am Strand der Küstenstadt Aschdod gefunden wurde, hinterließ einen Abschiedsbrief und ein 180 Seiten langes literarisches Manuskript.

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„Der Grat zwischen Kritik und Feindlichkeit ist schmal geworden“

Viele Muslime knien auf dem Boden und sprechen ein Friedensgebet gegen Extremismus in Kreuzberg, Berlin in Deutschland. (imago/Mike Schmidt)
Paris, Brüssel, Nizza: Terrorakte im Namen des Islam häufen sich. Diese Ereignisse machen vielen Menschen Angst. Muslime sehen sich deswegen Anfeindungen ausgesetzt. Doch ist der Islam tatsächlich die gewalttätige Religion, wie viele Kritiker sie sehen? Nein, sagten Wissenschaftler und liberale Muslime in der DLF-Lebenszeit – das zeige sich derzeit auch in der Türkei.

Deutschlandfunk

Nushin Atmaca, Erste Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes, kann verstehen, dass es aufgrund der Ereignisse in der letzten Zeit Vorbehalte gibt. Auch sie habe manchmal Angst vor Terrorismus, das sei menschlich. Aber: „Gleichzeitig macht es mich traurig zu sehen, was mit der eigenen Religion passiert und wie sie benutzt wird.“

Sie betonte allerdings zugleich, man müsse unterscheiden zwischen der Religion und den Personen, die die Religion ausüben oder für sich nutzen. Der Islam selbst sei kein Akteur. Er werde von Menschen auf unterschiedliche Art und Weise gelebt.

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Türkei: Erdogan lässt 1000 Schulen schließen

erdoganDer türkische Präsident Erdogan verlängert zudem die Zeit, in denen Verdächtige ohne Anklage inhaftiert werden dürfen – von vier auf 30 Tage.

Die Presse.com

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat das erste Dekret seit Einführung des Ausnahmezustands unterzeichnet. Er ordnete die Schließung von 1000 Privatschulen an, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Samstag berichtete. Zudem verlängerte er die Zeit, in denen Verdächtige ohne Anklage inhaftiert werden dürfen auf 30 von zuvor vier Tage.

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Ist die Türkei auf dem Weg in den Faschismus?

AKP

Die Angst geht um in der Türkei. Bedrohliche Neuigkeiten, Schlag auf Schlag. Es ist Zeit, Erdogan unmissverständlich zu antworten.

Von Stephan-Andreas Casdorff | DER TAGESSPIEGEL

Da ist der „Führer“ als unangreifbare Autorität, der über sich Regeln des Rechtsstaats stellt. Da ist der Putsch, der, wie ein sozialdemokratischer Bundestagsabgeordneter sagt, Recep Tayyip Erdogans „Reichstagsbrand“ sei. Danach kann er alle missliebigen Personen ohne viel Federlesens und bisher ohne jedes rechtsstaatliche Verfahren ihrer Ämter entheben oder sie festsetzen.

Zehntausende Festnahmen sind es schon. Dazu Ausreiseverbote für Wissenschaftler, der Ausnahmezustand und das teilweise Aussetzen der Europäischen Menschenrechtskonvention. Und die Todesstrafe soll Volkes Wille sein.

Überhaupt diese Reden, dieses Vokabular. Zum Beispiel noch vor dem Putsch die wütende Aufforderung, das Blut der deutschen Abgeordneten türkischen Ursprungs zu untersuchen. Oder die nationalistischen Sprüche nach dem Putsch, die die Massen aufwiegeln. Oder das An-den-Pranger-Stellen einer Gruppe, die alles Böse über die Türkei gebracht haben soll. Oder der architektonische Größenwahn, der am Präsidentenpalast in Ankara zu sehen ist.

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„1000 Kreuze“: Die lebenden Retros marschieren in Salzburg

1000 Kreuze in Berlin 2008/Quelle: Brights Berlin
1000 Kreuze in Berlin 2008/Quelle: Brights Berlin
Am Sonntagnachmittag werden in Salzburg AbtreibungsgegnerInnen und BefürworterInnen des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch aufeinandertreffen.

dieStandard.at

Anlass ist der jährlich stattfindende „Gebetszug“ 1000 Kreuze für das Leben, der von Euro Pro Life und Human Life International (HLI) organisiert wird. An dem Gebetszug, bei dem weiße Kreuze durch die Salzburger Innenstadt getragen werden, nehmen auch KirchenvertreterInnen teil. In den letzten Jahren beteiligte sich der Salzburger Weihbischof Andreas Laun, der in der Vergangenheit mit homophoben Äußerungen aufgefallen war, maßgeblich. Vor zwei Jahren wurde der Marsch noch von Laun persönlich angeführt.

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Homeschooling: Die böse Welt bleibt draussen

Daheim in einem 200-jährigen Holzhaus. (Bild: Bilder Karin Hofer / NZZ).
Bernice Zieba unterrichtet einen Teil ihrer sieben Kinder daheim – und will sie so vor Stress, Drogen und Sexualisierung bewahren. Auf der Suche nach noch mehr Freiheiten zieht die Familie nun weiter.

Von Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

Das Mädchen ist erst dreieinhalb und versucht doch schon, seinen Namen zu schreiben. Dazu klaubt es Kartonbuchstaben aus einer Schachtel. Die Szenerie erinnert zwar an ein Klassenzimmer: Schiefertafeln, Tintenfass, Holzbänke. Doch es ist eine Schule aus längst vergangenen Zeiten. Und die Frau, die hilft, die Schriftzeichen in die richtige Reihenfolge zu bringen, ist weder Kindergärtnerin noch Lehrerin. Sondern Emilias Mutter.

Bernice Zieba praktiziert Homeschooling, was weniger verstaubt klingt als Heimunterricht. An diesem Mittwochvormittag haben die 40-Jährige und ihr Mann Jan fünf ihrer Kinder in den weissen Van gesetzt und sind ins Ortsmuseum Merenschwand gefahren. Grosse Sehenswürdigkeit in der nachgebauten Schule: der Schulthek von Doris Leuthard, der berühmtesten Persönlichkeit, die Merenschwand hervorgebracht hat. Bernice zeigt ihrem achtjährigen Sohn Alwin eine Schwarz-Weiss-Luftaufnahme des Dorfes an der Wand und lässt ihn raten, aus welchem Jahr das Bild stammt. In einer alten Schuhwerkstatt gibt es echtes Schlangenleder. Das wäre heute nicht mehr erlaubt, erklärt sie ihren Kindern. «Wir müssen die Tiere schützen.» Sie sagt es auf Englisch, als Tochter einer Schweizerin und eines Briten aus Guyana ist sie selber in der Schweiz und in England aufgewachsen.

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US-Bischöfe wollen sich stärker gegen Rassismus engagieren

Als Reaktion auf die zahlreichen rassistisch motivierten Vorfälle der vergangenen Wochen in den USA haben die katholischen Bischöfe des Landes eine Anti-Rassismus-Arbeitsgruppe eingesetzt.

kath.net

Als Reaktion auf die zahlreichen rassistisch motivierten Vorfälle der vergangenen Wochen in den USA haben die katholischen Bischöfe des Landes eine Anti-Rassismus-Arbeitsgruppe eingesetzt. Ziel dieser «Task Force» sei es, «Frieden und Heilung in dieser Zeit großer Belastungen für die Zivilgesellschaft zu fördern», teilte die US-Bischofskonferenz am Donnerstag (Ortszeit) mit. Alle Bischöfe im Land seien aufgefordert, ein offenes Ohr für die Anliegen der Bevölkerung in problematischen Stadtvierteln wie auch der Polizei zu haben. Zum Vorsitzenden der Arbeitsgruppe wurde der Erzbischof von Atlanta, Wilton Gregory, ernannt.
Der Bischofskonferenz-Vorsitzende, Erzbischof Joseph Kurtz, rief außerdem zu einem nationalen Gebetstag für den Frieden im Land auf. Dieser solle am 9. September begangen werden, dem Fest des Heiligen Petrus Claver, der als Patron der Menschenrechte gilt.

Imam scheitert mit Klage gegen den Verfassungsschutz

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)
Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Ein Imam aus Heilbronn ist mit einer Unterlassungsklage gegen den baden-württembergischen Verfassungsschutz vor dem Stuttgarter Verwaltungsgericht gescheitert.

evangelisch.de

Der Kläger wollte erreichen, dass die Verfassungsschützer einen Online-Artikel widerrufen, in dem es heißt, der Imam propagiere den „bewaffneten Angriffskrieg und eine als islamistisch verstandene Sex-Sklaverei“. Wie das Verwaltungsgericht am Freitag mitteilte, kann der muslimische Geistlicher beim Verwaltungsgerichtshof in Berufung gehen. Eine schriftliche Begründung des Urteils steht noch aus.

Distanzierung von Islamisten vermisst

Am Donnerstag hatte der Imam in der mündlichen Verhandlung betont, er habe die angegriffenen Positionen nicht selbst vertreten, sondern nur historische Positionen referiert. Die Verfassungsschützer zitierten aus Online-Predigten des Imam, wonach Sklaven „niedriger als ein Tier“ behandelt werden könnten. Ein muslimischer Besitzer dürfe mit weiblichen Gefangenen auch Geschlechtsverkehr haben. Die Vertreter des Landesamts für Verfassungsschutz vermissten in den Predigten eine Distanzierung, zumal aktuell die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) genau nach dieser Auffassung mit gefangenen Jesidinnen umgehe.

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Türkei kassiert Reisepässe von 10.000 Bürgern

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Türkische Behörden erklären die Reisepässe von mehr als 10.000 Staatsbürgern für ungültig. Unterdessen streiten SPD und Union um den richtigen Umgang mit dem Land.
 

Von Steven Geyer | Frankfurter Rundschau

Die türkischen Behörden haben die Reisepässe von mehr als 10.000 Staatsbürgern für ungültig erklärt. Es gehe um Menschen, bei denen Fluchtgefahr bestehe, teilte am Freitagabend Innenminister Efkan Ala mit. Nach Angaben eines Regierungsvertreters wurden zudem in Zusammenhang mit dem gescheiterten Putschversuch vor einer Woche Haftbefehle gegen 300 Mitglieder der Präsidentengarde erlassen.

Angesichts der Massenverhaftungen und Repressalien, mit denen der türkische Staat unter Präsident Recep Tayyip Erdogan derzeit gegen Kritiker und Gegner vorgeht, debattiert die deutsche Politik über notwendige Konsequenzen. Dabei wird sogar die Nato-Mitgliedschaft des Landes infrage gestellt: „Auf Dauer wäre es nicht akzeptabel, einen Partner im Verteidigungs- und Wertebündnis Nato zu haben, der nicht demokratisch verfasst ist“, sagte etwa der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt, der „Rheinischen Post“. Zwar seien Bündnistreue und Bündnisfähigkeit der Türkei derzeit gegeben. Fraglich sei jedoch Erdogans Treue zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

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Es braucht mehr Religion, um Extremismus zu bekämpfen

© Picture-Alliance In einem Prozess wollte eine Frau das Tragen des Kopftuches durchsetzen.
Wenn die Religion vollkommen aus dem öffentlichen Raum verdrängt wird, stärkt das religiösen Extremismus. Um Muslime besser integrieren zu können, das zeigt das Beispiel Frankreich, muss Religion stärker sichtbar werden. Ein Kommentar.

Von Rainer Hermann | Frankfurter Allgemeine

Die Trennung von Staat und Kirche ist eine der großen Errungenschaften der abendländischen Zivilisation. Der Kampf hat Jahrhunderte gedauert – vom Wormser Konkordat im Jahr 1122 bis zur Aufklärung im 18. Jahrhundert, das die Vernunft über den Glauben stellte. Von da an wurde die Trennung vollzogen. Den einen Königsweg, wie sie zu gestalten sei, hat es indes nie gegeben.

Frankreich, das Land der Aufklärung, entwickelte die „republikanische Laizität“. Der Staat verstand sich als Agent des Fortschritts und versuchte, Religion, die so gesehen nur Aberglaube sein konnte, aus der Gesellschaft fernzuhalten. In keinem Land Europas wurde Religion so radikal aus der Öffentlichkeit verdrängt wie in Frankreich. Atatürk, der Gründer der Republik Türkei, machte sich dieses Modell zu eigen.

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Judendiskriminierung in der chinesischen Provinz: Kuschen in Kaifeng

Viele Juden flüchteten aus Nazideutschland nach China. (Bild: Scherl / Keystone)
Bis vor kurzem waren die Juden der chinesischen Provinzstadt Kaifeng bei der Stadtregierung wohlgelitten. Man hoffte, durch sie zu mehr Touristen zu kommen. Nun stehen die Zeichen auf Repression.
 

Von Matthias Messmer | Neue Zürcher Zeitung

Noch bis vor einem Jahr fand man nur gute Worte füreinander: ein Beamter der lokalen Stadtregierung einerseits, der die Hoffnung verströmte, mit der Symbolik des in der Provinz Henan gelegenen Ortes Kaifeng als «Klein-Israel» könnte man Investoren aus dem Heiligen Land und den USA in diese chinesische Provinzstadt locken, und anderseits die Nachfahren einer einst blühenden jüdischen Gemeinde im Reich der Mitte, die glaubten, Chinas Regierung sei heutzutage tolerant genug, wenn nicht jüdische Religion, dann zumindest ein (auf Sparflamme existierendes) jüdisches Kulturleben zu erlauben.

Ein Jahr zugewartet

Doch es kam anders, wie so oft in China – und doch nicht ganz unerwartet. Aus Kaifeng, der Hauptstadt der nördlichen Song-Dynastie (960–1126), einst ein wichtiges Handelszentrum auf der Seidenstrasse, werden Nachrichten bekannt, die aufhorchen lassen: Seit dem Sommer vorigen Jahres ist es ausländischen Gruppenreisenden (es handelt sich dabei meist um jüdische Kulturtouristen) verboten, die Stadt, in der angeblich 500 bis 1000 Nachkommen der einst 5000 Mitglieder umfassenden jüdischen Gemeinde leben, zu besuchen. Des Weiteren seien die historischen Mikwaot, die traditionellen rituellen Bäder, mit Beton aufgefüllt und der Zugang im städtischen Museum zu den berühmten jüdischen Stelen versperrt worden.

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Schwuler Imam auf dem Christopher Street Day

Vor dem CSD Berlin diskutieren Vertreter von Religionsgemeinschaften über Homosexualität (picture alliance / dpa – Britta Pedersen)
Ein homosexueller Imam aus Frankreich erzählt von seinen Erlebnissen. Nicht nur muslimische Homosexuelle kämpfen um Anerkennung: Vertreter mehrerer Religionsgemeinschaften sind vor dem Christopher Street Day in Berlin zu einem runden Tisch zusammengekommen, um über ihr Verhältnis zum Thema Trans-, Bi-, und Homosexualität zu diskutieren.

Deutschlandfunk

„Es kann nicht dem Selbstverständnis von Gläubigen und Mitgliedern von Weltanschauungsgemeinschaften entsprechen, sich über die Abgrenzung zu und die Ausgrenzung von homosexuellen und transgeschlechtlichen Menschen zu definieren“, heißt es in der Schöneberger Erklärung für Vielfalt und Respekt, die die Teilnehmer des Runden Tischs gestern in Berlin unterzeichnet haben. Dazu zählten unter anderem Vertreter der Alt-Katholischen Kirche, der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, des Liberal-Islamischen Bunds und des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus. Niemand dürfe dazu genötigt werden, sich zwischen seinem Glauben und seiner sexuellen Identität entscheiden zu müssen. Das gelte auch für die jeweiligen Beschäftigten und Ehrenamtlichen.

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Erstmals wird die Heilige Maria Magdalena als 13. Apostel gefeiert

Eigentlich müsste der Maler Leonardo da Vinci sein berühmtes Bild „Das letzte Abendmahl“ nun um Maria Magdalena erweitern. Seit Papst Franziskus sie in den Rang einer Apostelin erhoben hat, gibt es in der Katholischen Kirche 13 Apostel. (picture alliance / dpa)
Die Aufwertung von Maria Magdalena als 13. Apostel ist für die feministische Theologin Marie-Theres Wacker vor allem Symbolpolitik der Katholischen Kirche. Sie wartet darauf, dass Frauen mehr Mitsprache bekommen.

Marie-Theres Wacker im Gespräch mit Frank Meyer und Katja Schlesinger | Deutschlandradio Kultur

Der Namenstag der Heiligen Maria Magdalena wird in der Katholischen Kirche an diesem Freitag zum ersten Mal als Festtag einer Apostelin gefeiert. Papst Franziskus hat die Weggefährtin Jesu Christi schon vor einiger Zeit in diesen Rang erhoben. Seither gibt es also 13 Apostel statt bisher zwölf. Die Vereinigung der österreichischen Frauenorden begrüßte diese Veränderung ausdrücklich in einer Erklärung.

Die böse Fee

Die 13. Apostelin klinge für sie ein wenig wie die böse Fee, sagte die feministische Theologin Marie-Theres Wacker im Deutschlandradio Kultur. Eigentlich gelte Maria Magdalena schon seit der alten Kirche als Apostelin. Insofern sei eigentlich nichts neues passiert. „Das zweite ist, dass mit der Apostelfrage in der Katholischen Kirche die ganze Ämterfrage verbunden ist“, sagte Wacker, die an der Universität Münster die Arbeitsstelle feministische Theologie und Genderforschung vertritt.

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Gottesbezug in Schleswig-Holstein scheitert an einer Stimme

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Die Aufnahme eines Gottesbezugs in die Präambel der Landesverfassung Schleswig-Holsteins ist im Kieler Landtag an einer Stimme gescheitert.

evangelisch.de

Für einen Antrag mit der Nennung von Gott stimmten am Freitag 45 der 68 anwesenden Abgeordneten und 23 dagegen. Für eine Zwei-Drittel-Mehrheit sind mindestens 46 Stimmen notwendig. Damit bleibt die am 8. Oktober 2014 beschlossene Formulierung der Präambel ohne Gottesbezug gültig.

Drei Anträge standen zur Debatte, zwei mit der Nennung von Gott und einer ohne Gottesbezug. Der knapp abgelehnte Entwurf von 29 Abgeordneten aus allen Fraktionen enthält die Formulierung: „Die Verfassung schöpft aus dem kulturellen, religiösen und humanistischen Erbe Europas und aus den Werten, die sich aus dem Glauben an Gott oder aus anderen Quellen ergeben.“

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Schwul, katholisch und reaktionär – ein Lebensgefühl wird wieder in

Der IT-Miliardär Peter Thiel ist zum Trump-Fan mutiert. Bild: FRED PROUSER/REUTERS
Der IT-Milliardär Peter Thiel und der Hass-Kult-Blogger Milo Yiannopoulos sind Fans von Donald Trump ­und schwul. Beide knüpfen an eine alte Tradition der britischen Oberklasse an.

Von Philipp Löpfe | watson.ch

Ein typisches Mitglied der britischen Oberklasse in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts ging auf einem Privatinternat wie Eton zur Schule und wechselte dann entweder nach Oxford oder Cambridge. Dort gehörte es zum guten Ton, homosexuelle Affären zu haben, mit dem Kommunismus zu flirten, um schliesslich zum Katholizismus zu konvertieren und den Rest seines Lebens als Reaktionär zu verbringen. In den Romanen von Graham Greene und Evelyn Waugh werden solche Lebensläufe immer wieder beschrieben.

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Erdogan lässt türkische Abschuss-Piloten festnehmen

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Der Abschuss eines russischen Kampfjets an der syrischen Grenze durch die Türkei sorgte im November für eine Eiszeit zwischen Ankara und Moskau. Jetzt sind zwei türkische Piloten festgenommen worden.
 

Frankfurter Allgemeine

Der türkische Präsident Erdogan hat zwei Piloten der türkischen Luftwaffe festnehmen lassen, die im November 2015 einen russischen Kampfjet an der syrischen Grenze zum Absturz gebracht haben sollen. Das erklärte Erdogan nach Angaben der „Bild“-Zeitung in einem Interview mit dem Fernsehsender „Al Jazeera“.

Der Abschuss des russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe hatte im November für erheblich.

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Goethe-Institut sagt Jugendkurse in der Türkei ab

Durch die Restriktionen für Akademiker nach dem Putschversuch in der Türkei sind zahlreiche Bildungsangebote des deutschen Goethe-Instituts gefährdet.

Von Corinna Buschow | evangelisch.de

Als erste Konsequenz hat das Goethe-Institut alle Jugendkurse, bei denen es vor allem um Spracherwerb geht, in der Türkei abgesagt, wie der Regionalleiter Südosteuropa, Matthias Makowski, dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte. „Wir halten es im Moment einfach für nicht berechenbar“, sagte Makowski. Für bis zu 150 Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren fällt damit ein Bildungsangebot weg.

Makowski zufolge sind auch weitere Angebote betroffen. Für Jugendkurse in Deutschland wurde zwar den meisten jugendlichen Stipendiaten die Ausreise genehmigt. Es seien aber auch bereits drei Fälle bekannt, in denen die Reise nach Deutschland nicht erlaubt wurde. Die Gründe dafür seien nicht bekannt.

Stipendiaten zurückgerufen

Auch ein Residenzprogramm für Fotografen in Deutschland musste Makowski zufolge bereits abgebrochen werden, weil die Stipendiaten mit akademischer Ausbildung aus Bremen zurückbeordert wurden. Ob der zweite Teil des Programms, bei dem deutsche Fotografen in Izmir kreative Impulse mitnehmen sollen, starten kann, ist Makowski zufolge noch offen.

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Dialog und Mission – kein Widerspruch

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Ist Mission als überholte Aufgabe zu betrachten, die zwar Teil der Christentumsgeschichte ist, aber in das Zeitalter des interreligiösen Dialoges nicht mehr hineinpasst? Kann der Dialog an die Stelle der Mission treten? So wurde bereits in den 1960er und 1970er Jahren gefragt. Auch heute gibt es grundsätzliche Skepsis gegenüber der Sache und dem Begriff Mission.

Von Dr. Reinhard Hempelmann | Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen

Sichtbar wird dies, wenn im öffentlichen Raum über Themen wie Taufbegehren und Konversion gestritten wird, wenn im universitären Kontext Vertreterinnen und Vertreter der Missionswissenschaft ihre Fachdisziplin teilweise umbenennen und auf das Wort Mission verzichten. Einzelne Vertreter muslimischer Verbände äußern gegenüber den christlichen Kirchen immer wieder die Erwartung, dass diese auf Mission verzichten solle. Nur so könne ein Dialog auf Augenhöhe geführt werden.

Auch in den heutigen christlichen Kirchen selbst gibt es Skepsis. In der 2015 veröffentlichten Broschüre der Evangelischen Kirche im Rheinland „Weggemeinschaft und Zeugnis im Dialog mit Muslimen“ heißt es, grundsätzlich sei eine Konversion von einer Religion zur anderen möglich, eine „strategische Islammission“ bedrohe jedoch den innergesellschaftlichen Frieden und widerspreche dem Geist Christi.

Eine pluralistische Religionstheologie, wie sie etwa von John Hick (1922 – 2012) maßgeblich angestoßen wurde, hatte schon vor Jahrzehnten dafür plädiert, ernst zu nehmen, dass ein Gott bzw. eine göttliche Wirklichkeit hinter den verschiedenen Religionen stehe. Die Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Religionen sollten sich wechselseitig als Wahrheitssuchende anerkennen. Im Anschluss an Hick hat der Religionswissenschaftler Perry Schmidt-Leukel, Münster, der EKD vorgehalten, durch ihre Abgrenzung gegenüber der pluralistischen Religionstheologie vertrete sie in ihrem Grundlagentext „Christlicher Glaube und religiöse Vielfalt“ (2015) teilweise ein „parochiales Gottesbild“. Sie gehe von einem „Stammesgott“ aus und verleugne die universalistischen und heilsoptimistischen Strömungen in anderen Religionen. Dabei käme es darauf an, religiöse Verschiedenheit im Sinne eines gemeinsamen Bezugs auf die eine göttliche Wirklichkeit hin zu denken. Empfohlen wird die Zurücknahme von Wahrheitsansprüchen. Im Kontext solcher Perspektiven verliert Mission ihre Begründung.

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„Burkini hat mit der Burka nichts zu tun“ – Geisterstunde im Schwimmbad

burkiniMigrationsforscher Özkan Ezli kämpft dafür, dass Frauen Burkini in deutschen Bädern tragen dürfen. Die Bademode sei nicht Zeichen von Abgrenzung – sondern ermögliche Musliminnen soziale Teilhabe.

Von Philip Kuhn | DIE WELT

Kaum ist die Badesaison in vollem Gange, erlebt eine seit Jahren schwelende Diskussion einen neuen Höhepunkt: Soll man Musliminnen erlauben, statt eines Badeanzugs oder gar Bikinis einen Burkini zu tragen? Experte für dieses Thema ist der Migrationsforscher und Kulturwissenschaftler Özkan Ezli von der Universität Konstanz, der sich in einem Gutachten mit der Frage auseinandergesetzt hat. Er hatte der Verwaltung seiner Heimatstadt bereits vor zwei Jahren empfohlen, einer Frau das Baden im Burkini zu erlauben.

Die Welt: Herr Ezli, auch diesen Sommer gibt es wieder Kontroversen um die Bekleidung muslimischer Frauen in Bädern. Warum empfehlen Sie, den Burkini zu erlauben?

Özkan Ezli:

Für mich stellt der Burkini an erster Stelle kein religiöses oder integratives Problem dar, sondern ein Partizipationsproblem und eine zivilintegrative Frage. Das Schwimmbad ist ein öffentlicher Raum, und Demokratie heißt auch, mit Heterogenität umgehen und sie gestalten können.

Beim Burkini steht die Praxis des Schwimmens im Vordergrund, nicht das religiöse Bekenntnis. Mein Vorschlag an die Stadt zielte daher auch in die Richtung, das gemeinsame Baden zu ermöglichen, aber keine Extrazeiten und keine getrennten Räumlichkeiten für das Baden mit dem Burkini zu schaffen.

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Türkei: Eine Gesellschaft lebt in Angst

Erdogan-Anhänger gehen nach dem Putsch regelmäßig auf die Straße. Foto: dpa
Viele Menschen in der Türkei spekulieren über die Hintergründe des Putschversuchs. Derweil liegt das öffentliche Leben brach und viele verlassen das Land.

Von Esmahan Aykol | Frankfurter Rundschau

Seit dem Putschversuch am vergangenen Freitagabend hört man plötzlich Dschihad-Rufe auf den Straßen Istanbuls. Bärtige Männer rufen: Allahu Akbar!

Es gibt viele Verschwörungstheorien, viel üblen Verdacht. Ganz leise spekulieren die Menschen untereinander darüber, ob es wirklich ein Putschversuch durch die Anhänger des islamistischen Predigers Fethullah Gülen war. Die Regierung Tayyip Erdogan bezeichnete den seit 1999 in den USA lebenden Gülen sogleich als Drahtzieher des Putschversuchs. Haben die Erdogan-Clique und ihr Geheimdienst die Putschisten deshalb nicht verhindert, obwohl sie bereits im Vorfeld davon erfahren hatten, damit Neuwahlen ermöglicht werden können und Erdogans AKP dadurch 367 Sitze im Parlament bekommt – das ist die nötige Anzahl von Stimmen, um die Verfassung zu ändern. So kann er Präsident werden.

Als Krimi-Schriftstellerin schaut man zu und fragt sich: Wer profitiert davon. Klar, Erdogan ist der einzige Gewinner. Er hat den Putschversuch selber mehrmals „ein Geschenk Gottes“ genannt. Seit Samstag sind Tausende Soldaten verhaftet, fast 3000 Richter (das ist ein Drittel aller Richter in der Türkei), 15 000 Beamten sind suspendiert worden unter dem Verdacht, dass sie zu Fethullah Gülen gehören. Die Suspendierungswelle rollt weiter an.

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