Türkei: Der Absturz der Lira wird zum Problem für Erdogan

Finanzmärkte sind alarmiert und Ökonomen warnen, dass die türkische Wirtschaft in den nächsten Wochen zusammenbrechen kann

Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Kapitalflucht, die türkische Lira auf Talfahrt gegenüber Dollar und Euro, schrumpfende Devisenreserven: Mehrere internationale Ökonomen prophezeien den baldigen Zusammenbruch der türkischen Wirtschaft. Die Anhänger Erdogans verbreiten dazu wie üblich Verschwörungstheorien: Angeblich bereiten die westlichen Finanzmärkte einen wirtschaftlichen Putsch vor, nachdem es dem Westen vor zwei Jahren nicht gelungen sei, Erdogan durch den Putschversuch im Juli 2016 zu kippen.

Reflexartig reagieren türkische Politiker auf den herannahenden Exitus der türkischen Wirtschaft mit Schuldzuweisungen in Richtung Europa und USA. Nicht die verfehlte Wirtschafts- und Zinspolitik Erdogans und seines Clans, nicht die selbstverschuldete Immobilienblase sei schuld an der Misere, sondern ausländische Spekulanten und einflussreiche Investoren würden versuchen, die türkische Lira in Grund und Boden zu spekulieren.

Der Wirtschaftswissenschaftler Muratoglu weist diese Verschwörungstheorien zurück: Nicht äußere Mächte, sondern ein schlechtes internes Management sei schuld an der Misere. Die Regierung würde versuchen, die Menschen im Lande Glauben zu lassen, dass, wenn Erdogan gegen „fremde Mächte“ kämpft, es am Ende allen Menschen im Lande besser gehen würde.

Ein äußerer Feind wird geschaffen, gegen den es Krieg zu führen gilt. Dafür sollen die Bürger einige Dinge ertragen, Opfer bringen und die Verarmung akzeptieren. Allerdings ist für die Bevölkerung kaum noch durchschaubar, wer nun der Feind ist, mal ist es Donald Trump, mal Macron, mal Merkel. Merkwürdigerweise schüttelt Erdogan am Ende wieder väterlich staatsmännisch die Hände seiner vermeintlichen Feinde, meint Muratoglu.

Mangelnde Problemeinsicht und das Suchen nach äußeren Schuldigen kennen wir vor allem von Kindern und pubertierenden Jugendlichen, die sich egozentrisch im Zentrum des Geschehens wahrnehmen und ihr eigenes Handeln nicht selbstkritisch aus der Distanz betrachten können.

Der im Zenit seiner Macht angelangte türkische Präsident ist ähnlich gestrickt. Psychologen würden ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostizieren. Daran, dass die Ratingagentur Fitch die Türkei in der Bonitätsnote kürzlich auf BB, d.h. auf das Level von Vietnam oder Guatemala herunterstufte, ist nach Erdogans Verständnis der Westen schuld.

weiterlesen

Advertisements

Muslimbrüder in Bayern: Der Wolf im Schafspelz?

Muslimbrüder sind für den Verfassungsschutz eine Art Wolf im Schafspelz: Nach außen hin dialogbereit, aber in Wirklichkeit versuchten sie, die Gesellschaft zu unterwandern. Eine Spurensuche in Bayern.

Von Josef Röhmel | BR24

Seit vielen Jahren warnen Verfassungsschützer vor den Umtrieben der Muslimbruderschaft. Diese 1928 in Ägypten gegründete Bewegung agiert weltweit. Auch in Deutschland. Muslimbrüder würden sich offen und dialogbereit geben, aber in Wirklichkeit ganz andere Ziele verfolgen, sagt der bayerische Verfassungsschutz.

Verfassungsschutz: Muslimbrüder wollen Gesellschaft islamisieren

Die Ziele lauten etwa nach dem aktuellsten Verfassungsschutzbericht von 2017: „Islamisierung der Gesellschaft durch Missionierung und soziale Maßnahmen. Umwandlung der Bildungsinstitutionen nach islamischen Kriterien.“

„Letzten Endes läuft die extremistische Ideologie der Muslimbruderschaft hinaus auf die Errichtung islamischer Herrschaftsordnungen auf der Grundlage von Koran und Sunna. Das hieße, keine Trennung mehr von Religion und Staat. Und sowas ist nicht realisierbar auf dem Boden des Grundgesetzes.“ Markus Schäfert, Bayerischer Verfassungsschutz

Moscheebesuch einer Schulklasse wird zum Politikum

In Nürnberg befindet sich mit der Islamischen Gemeinde eine Moschee, die demokratiefeindliche Kräfte unterstützen soll. Diese Kräfte streben nach Überzeugung des bayerischen Verfassungsschutzes eine Zusammenarbeit mit Einrichtungen wie Schulen, Kirchen und wichtigen Institutionen an, um die Gesellschaft im Sinne der Muslimbruderschaft dauerhaft zu unterwandern.

weiterlesen

NRW-Minister: Islamist Sami A. legal abgeschoben – erhebliche Gefahr

Joachim Stamp (FDP, l), Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen und…Foto: Federico Gambarini/dpa
Der islamistische Gefährder Sami A. wurde abgeschoben. Aus Sicht des NRW-Flüchtlingsministers in einem günstigen Rechtskorridor, aber vollkommen legal. Er habe die Öffentlichkeit „schützen müssen“.

DER TAGESSPIEGEL

Die eilige Abschiebung des islamistischen Gefährders Sami A. nach Tunesien ist aus Sicht der Landesregierung Nordrhein-Westfalens rechtmäßig abgelaufen. „Die rechtlichen Voraussetzungen für die Abschiebung lagen vollständig vor“, sagte NRW-Flüchtlingsminister Joachim Stamp (FDP) am Freitag in einer gemeinsamen Sondersitzung des Rechts- und des Integrationsausschusses im Düsseldorfer Landtag. „Hätte es einen Hinweis auf möglicherweise entgegenstehende gerichtliche Entscheidungen gegeben, wäre es nicht zur Rückführung von Sami A. gekommen.“

Der mutmaßliche Ex-Leibwächter des getöteten Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden war am Freitag vergangener Woche nach Tunesien abgeschoben worden, obwohl das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen am Abend zuvor entschieden hatte, dass dies nicht zulässig sei.

weiterlesen

Austria: Waldhäusl besteht weiter auf Registrierung: Schächten sei „Tierquälerei“

foto: robert newald „Aus Sicht des Tierschutzes ist Schlachten ohne Betäubung einfach nicht in Ordnung“, findet der freiheitliche Tierschutzlandesrat Gottfried Waldhäusl.
Die Bundesregierung und Niederösterreichs Landeshauptfrau lehnen eine Registrierung der Kunden ab. Aus dem Büro des FPÖ-Landesrats heißt es dagegen: „Wir wollen Schächten zurückdrängen“

Katharina Mittelstaedt | derStandard.at

Inzwischen hat sich sogar die Bundesregierung in die Diskussion über rituelle Schlachtungen eingemischt. Namentlich Kanzleramtsminister Gernüt Blümel (ÖVP): Die Koalition lehne die Registrierung von Kunden, die koscheres Fleisch kaufen, ab. „Solange Sebastian Kurz Bundeskanzler dieser Republik ist, können unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger sicher sein, dass diese Freiheiten und Grundrechte in keinster Weise beschränkt werden“, erklärt er in einer Stellungnahme.

Hintergrund ist, dass der niederösterreichische Tierschutzlandesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) aktuell prüfen lässt, wie die Landesbehörden den Bedarf an koscherem und Halal-Fleisch künftig strenger kontrollieren können. Nach Ansicht des Freiheitlichen ist der bisherige Umgang mit dem Tierschutzgesetz zu lax, weil die vorgeschriebene Bedarfsprüfung für geschächtetes Fleisch ohne Registrierung der Endkunden erfolgt.

weiterlesen

Die Islamkonferenz gehört wieder zu Deutschland

Themenbild.
Rund 12 Jahre nach ihrer Erstauflage soll die Institution im November neu aufgelegt werden. Dies kündigte Heimatstaatssekretär Markus Kerber an

Fabian Goldmann | TELEPOLIS

Im Interview mit der BILD skizzierte Kerber erste Pläne zu Überarbeitung der Islamkonferenz. Die Neuauflage solle „viel stärker als bisher die Vielzahl der in Deutschland noch nicht organisierten muslimischen Mitbürger in das Zentrum unserer Islamkonferenz stellen.“ In den vergangenen Jahren hatten ausschließlich Vertreter islamischer Organisationen an der Konferenz teilgenommen.

Ziel sei es, einen „deutschen Islam“ zu definieren. „Viele Muslime in Deutschland suchen eine deutsch-muslimische Heimat und finden sie nicht“, sagte Kerber, der als Abteilungsleiter schon an der Urfassung der Islamkonferenz von 2006 mitgewirkt hatte.

Ob das gelingt, ist allerdings mehr als fraglich. Denn der Gastgeber der Islamkonferenz heißt in Zukunft Horst Seehofer. Der Bundesinnenminister hatte zuletzt im März deutlich gemacht, dass er mit dem Begriffspaar „deutsch“ und „Islam“ nicht so viel anzufangen weiß. „Nein. Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, sagte Seehofer damals ebenfalls in der „Bild“.

Schon in der Vergangenheit spiegelte die Islamkonferenz weniger das Wesen des deutschen Islam als des jeweils verantwortlichen Innenministers wider. Von einer „historischen Begegnung“ schrieb „Der Spiegel“ noch, als Wolfgang Schäuble islamische Verbandsvertreter und zahlreiche Einzelpersonen am 27. September 2006 ins Schloss Charlottenburg lud. Der „Zentralrat der Muslime“ setzte sogar noch einen drauf und adelte das von initiierte Treffen als „Meilenstein im christlich-islamischen Dialog“.

weiterlesen

Wegen Ausgrabungen: Großmufti fürchtet „Judaisierung“

© Bild: Fotolia.com/kanuman
Israel lässt unter dem Tempelberg archäologische Grabungen durchführen. Für den Großmufti von Jerusalem, Mohammed Ahmed Hussein, ist klar: Hier sollen islamische Funde zerstört werden.

katholisch.de

Der Großmufti von Jerusalem, Mohammed Ahmed Hussein, hat archäologische Ausgrabungen Israels unter dem Tempelbergareal kritisiert. Mit den Grabungen in den Omayyaden-Palästen unter Teilen des islamischen Museums versuche Israel, islamische Funde in dem Gebiet zu zerstören und die Identität der Stadt zugunsten einer Judaisierung zu verändern, sagte er laut Bericht der Tageszeitung „Jerusalem Post“ von Mittwoch in einer Stellungnahme.

Die Al-Aska-Moschee sei durch die Grabungen ernsthaft gefährdet, insbesondere im Falle eines Erdbebens, so der Geistliche weiter. Er rief die arabische und islamische Welt sowie die Vereinten Nationen zu schnellem Handeln auf. Israel bringe durch seine Politik Spannungen in die gesamte Region.

weiterlesen

NSU-Komplex und AKP-Bullshistic

AK-Parti-Abgeordneter Mustafa Yeneroğlu
Deutschland hat mit der Nicht-Aufklärung des NSU-Komplexes eine große Chance vertan, sagt der türkische Abgeordnete Mustafa Yeneroğlu im Gespräch mıt dem MiGAZIN. Eine Aufklärung hätte die Menschen emotional ansprechen, ihnen ein Gefühl der Geborgenheit, vermitteln können. Das Gegenteil sei passiert.

MiGAZIN

MiGAZIN: Das Urteil im NSU-Prozess wurde gesprochen. Sie waren persönlich vor Ort. Was waren Ihre Eindrücke?

Mustafa Yeneroğlu: Die gründliche Aufarbeitung des Gerichts zu den Anklagepunkten konkret gegen die Mittäterin Beate Zschäpe fand ich überzeugend. Das Urteil zu Wohlleben ist zu gering ausgefallen. Beide sind meinem Eindruck nach überzeugte Täter ohne jegliche Reue. Dass ein skrupelloser Mann wie Eminger, der meiner Meinung nach Teil der Kernmannschaft der NSU ist, als freier Mann das Gericht verließ, hat mich sehr mitgenommen. Umso schockierender fand ich den Jubel der anwesenden Nazis auf den Urteilsspruch zu ihm. An die 15 Personen saßen schwarz gekleidet, quasi uniformiert im Gerichtssaal und haben keinen Hehl daraus gemacht, dass sie Unterstützer der Angeklagten sind. Die mangelnde Reaktion des Vorsitzenden Richters auf den Jubel hat mich sehr aufgewühlt und ich musste rausgehen und mich erstmal beruhigen. Dass über einem Jahrzehnt niemand vom NSU wusste, ich schon angesichts derer Fans im Gerichtssaal eine schockierende Erfahrung.

weiterlesen

Meister, Gurus und Heilige – über Autorität und Anleitung im Glauben

Die Evangelische Akademie zu Berlin und das Berliner Forum der Religionen hatten sich für den Abend des 3. Juli einiges vorgenommen. Die Einladung der beiden Veranstalter kündigte an, die Facetten einer Meister-Schüler-Beziehung zu beleuchten und zudem mögliche Machtausübungen oder gar Unterdrückungen in einer Meister-Schüler-Beziehung mit einem interreligiös besetzten Podium zu diskutieren.

Hanna Fülling | EZW

In der Durchführung zeigte sich, dass sich damit ein hoher Anspruch verbindet, der nur teilweise eingelöst werden konnte. So nahm die, in einem solchen Rahmen natürlich grundsätzlich notwendige, Vorstellung und Verständigung über das jeweilige Verständnis der Meister-Schüler-Beziehung so viel Raum ein, dass mögliche Konflikte, die aus einer hierarchisch strukturierten Bindung des Schülers an einen Meister resultieren können, in der Diskussion leider eher zu kurz kamen.

Die Veranstaltung, zu der sich rund 80 Personen in der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt versammelten, wurde durch einen Impulsvortrag von der Religionswissenschaftlerin Almut-Barbara Renger eröffnet. Sie entwickelte Überlegungen zur Begriffs- und Ideengeschichte der Meister-Schüler-Beziehung. Dabei erläuterte sie, dass sich das deutsche Wort „Meister“ vom Lateinischen „magister“ ableitet und über das Adverb „magis“ (mehr, stärker) auf das Adjektiv „magnus“ (groß, weit) zurückgeht. Ein Meister wird von seiner Begriffsgeschichte her somit als jemand verstanden, der mehr und größer ist. Unter Rückgriff auf den Soziologen Max Weber deutete Renger dieses „mehr“ als eine außeralltägliche Befähigung, die Weber als Charisma beschreibt.

Auf Grundlage dieser Definition diskutierten Feride Funda G.- Gençaslan (Vorsitzende bei Der Wahre Mensch e.V., Das Sufi-Zentrum Rabbaniyya), Schwester Hannelore Husemann (Franziskanerin und Leiterin des Hospizdienstes TAUWerk) sowie Gerald Seifert (von der japanisch-buddhistischen Organisation Soka Gakkai International-Deutschland) das Meister-Schüler-Verhältnis mit den Moderatoren Eva Harasta und Michael Bäumer sowie mit Frau Renger und dem Publikum. Als eine Gemeinsamkeit der drei Religionsrepräsentanten kristallisierte sich zu Beginn der Diskussion ihr Selbstverständnis als „Schüler“ heraus. Wesentliche Unterschiede wurden jedoch beim Verständnis des Meisters deutlich.

Schwester Hannelore Husemann erläutert, dass sie Jesus Christus als den einzigen Meister betrachtet und versuche, diesen Glauben in ihrem Alltag lebendig zu machen. Gehorsam versteht sie als das genaue Hinhören, um zu erkennen, wo ihr Einsatz gefragt ist. „Charisma“ möchte Schwester Hannelore Husemann nicht als exklusives Merkmal ihres Meisters verstanden wissen, sondern als eine Eigenschaft in jedem Menschen, die zur Geltung gebracht werden müsse.

Feride Funda G.- Gençaslan hebt hingegen hervor, wie wichtig die physische Präsenz des Meisters für ihre Spiritualität ist, da sie durch Spiegelung zu Selbsterkenntnissen gelangen kann. Theologisch grenzt sie den Meister, von Gott und dem Prophetentum ab und erläutert, dass mit dem Ende des Prophetentums durch Mohammed die Zeit der Meister begonnen habe.

Für Gerald Seifert erweist sich die Nähe zum Meister als bedeutend, weil der Meister nicht zweifle bzw. verstehe, seinen Zweifel produktiv zu nutzen. Der Meister bewege sich vornehmlich in Wahrheit und Mitgefühl und ermutige seine Schüler, ihm auf diesem Weg zu folgen. Seifert betrachtet das Meister-Schüler-Verhältnis nicht als ein hierarchisches, da sich Meister und Schüler auf Augenhöhe begegneten.

Almut-Barbara Renger bilanziert, dass sich im religiösen Feld weniger eine Säkularisierung, sondern vielmehr eine Individualisierung von Religion und Spiritualität ereigne. Diese komme auch dadurch zum Ausdruck, dass Meister immer häufiger als Coach, als Berater und Dienstleister betrachtet würden. Diese religionssoziologische Deutung evoziert unter den Diskutanten die Frage nach dem „Guruhopping“, also dem Wechsel der Meister. Mit diesem Begriff kann sich jedoch keiner der Diskutanten identifizieren. Feride Funda G.- Gençaslan erzählt, dass sie bereits mit 14 Jahren ihren Meister gefunden und seither nie an ihrer Zugehörigkeit zu ihm gezweifelt habe. Gerald Seifert schildert, dass er zunächst große Vorbehalte gehabt habe, sich einem Meister anzuschließen und zwar, weil er fürchtete, dies könne ihn einschränken. Er habe aber für sich erkannt, dass sein Meister darum bemüht sei, seine Schüler fordernd zu schützen und sich in ihren Dienst zu stellen.

Die starke Verbindung zum Meister wurde in der Veranstaltung durch die Frage herausgefordert, wie Schüler mit Fehlern und Verfehlungen ihrer Meister umgehen. Schwester Hannelore Husemann bezieht sich in ihrer Antwort nicht auf Jesus, sondern auf Franziskus, der selbst um seine Zweifel und seien Gebrochenheit gewusst habe und keine Perfektion für sich beanspruche. Er habe in seiner Gebrochenheit versucht, sein Leben in die Liebe Gottes zu stellen. Diesem Vorbild folgt auch die Franziskanerin in dem Bewusstsein, dass jeder Mensch Anteile von einem Heiligen, aber auch von einem Sünder in sich trage.

Diese Auffassung findet sich zudem bei Feride Funda G.- Gençaslan. Sie erläutert, dass auch ein Meister kein perfekter Mensch sei. Heil und Unheil seien jedoch beides Aspekte der einen göttlichen Einheit. Vor diesem Hintergrund können Fehler innerhalb des göttlichen Plans als Wegweiser zu mehr Weisheit interpretiert werden.

Gerald Seifert weist hingegen darauf hin, dass zwar auch ein Meister alle Lebenszustände erfahre, die ein Mensch haben kann, dass er sich aber primär in Mitgefühl und Wahrheit bewege. Bei schweren Fehlern oder gar dem Missbrauch eines Meisters verliere dieser die Meisterschaft. Ein Meister müsse an seinen Handlungen gemessen werden. Allerdings müssten solche Fehler oder Missbräuche eindeutig bewiesen werden.

In der Diskussion über geistliche Autorität und Anleitung in verschiedenen religiösen Traditionen wurde somit versucht, die Komplexität und die Ambivalenzen von Meister-Schüler-Beziehungen interreligiös zu beleuchten und auch die Anfälligkeit für „Machtausübung oder gar Unterdrückung“ zu thematisieren – wie es in der Einladung hieß. Dass dies jedoch nur teilweise gelang und vor allem der letzte Punkt in der Diskussion recht kurz und oberflächlich abgehandelt wurde, kann auf das Veranstaltungsformat selbst zurückgeführt werden. Denn es scheint die Möglichkeiten einer anderthalbstündigen Abendveranstaltung zu überschreiten, ein solch komplexes Phänomen wie die Meister-Schüler-Beziehung sowohl interreligiös vergleichend auszuleuchten als auch kritisch zu erörtern.

Wird eine solche Veranstaltungen aber als Möglichkeit des interreligiösen Austauschs und der Verständigung zwischen Vertretern verschiedener religiöser und spiritueller Traditionen betrachtet, erfüllen sie eine wichtige Funktion für das gesellschaftliche Zusammenleben und zeigen zugleich, dass der interreligiöse Dialog auch in einer Stadt wie Berlin eine wichtige Stimme in der Zivilgesellschaft ist. Eine nächste Gelegenheit diese Stimme zu vernehmen und an dem interreligiösen Austausch zu partizipieren, bietet das zweite Interreligiöse Abendforum, das am 18. September stattfindet und sich Friedensbegriffen aus verschiedenen religiösen Traditionen (Baptismus, Hinduismus, Baha’i) widmet.

Kretschmann: „Islamunterricht muss kontrollierbar sein“

Baden-Württembergs Ministerpräsident kritisiert, dass viele islamische Verbände keine Religionsgemeinschaften seien Quelle: dpa/Marijan Murat
Anstatt in Hinterhofmoscheen müsse islamischer Religionsunterricht im öffentlichen Raum stattfinden, fordert der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Seine Regierung hat dafür einen Plan vorgelegt.

DIE WELT

Die baden-württembergische Landesregierung will den islamischen Religionsunterricht neu organisieren. Dafür will sie eine Stiftung gründen, die bundesweit einzigartig wäre. „Wir haben Verbände, die meinen, sie seien Religionsgemeinschaften. Das sind sie aber nicht“, erklärte der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ den Hintergrund.

Da es in den islamischen Staaten keine Trennung von Staat und Moschee gebe, „ist der Islam nicht zivilgesellschaftlich institutionalisiert. Deshalb fehlt uns der verbindliche Ansprechpartner“. Deshalb benötige man Provisorien, „damit wir einen Religionsunterricht mit einer provisorischen Trägerschaft anbieten können“, so Kretschmann. Die Verbände, mit denen die baden-württembergische Landesregierung aktuell verhandle, sei türkisch dominiert.

weiterlesen

Kretschmann kritisiert türkische Verbände

VON RÜDIGER SOLDT  –  Faz

In Baden-Württemberg ist der Versuch gescheitert, aus Modellprojekten zum islamischen Religionsunterricht ein reguläres Schulfach zu entwickeln. Ministerpräsident Winfried Kretschmann will das Projekt retten – auf einer völlig neuen Grundlage.

 

Nach zwölf Jahren ist in Baden-Württemberg der Versuch gescheitert, aus Modellprojekten zum islamischen Religionsunterricht (IRU) ein reguläres Schulfach zu entwickeln. Vor ein paar Wochen verlängerte die grün-schwarze Landesregierung das Modellprojekt nur noch für das nächste Schuljahr. Im November 2015 hatte die damalige grün-rote Landesregierung noch einen Projektbeirat eingerichtet. Ziel war es, gemeinsam mit islamischen Verbänden Bildungspläne für das neue Fach und eine gemeinsame Trägerschaft zu entwickeln.

Mitglied des Projektbeirates sind vier Verbände: Der türkische Moscheeverband Ditib, der Landesverband der islamischen Kulturzentren (LVIKZ), die Islamische Glaubensgemeinschaft Baden-Württemberg (IGBW) sowie die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland (IGBD). Doch die Gespräche verliefen zäh, eine nennenswerte Annäherung blieb aus. „Teile des Projektbeirates bestehen nun darauf, dass mit Ablauf des Modellversuchs dieser in die Trägerschaft der Verbände übergeht. Dies ist weder rechtlich möglich, noch politisch von uns gewollt, da hier auch Verbände beteiligt sind, die wir aufgrund ihrer Nähe zu Ankara kritisch betrachten“, heißt es in einem Beschluss der grünen Landtagsfraktion.

„Uns fehlt der verbindliche Ansprechpartner“

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält den islamischen Religionsunterricht weiterhin für ein „wertvolles integrationspolitisches Instrument“, er will aber dem Indoktrinieren der Schüler durch die islamischen Verbände vorbeugen. „Das Problem ist, dass wir keine islamischen Religionsgemeinschaften haben. Wir haben Verbände, die meinen, sie seien Religionsgemeinschaften. Das sind sie aber nicht. Da es in den islamischen Staaten keine Trennung von Staat und Moschee gibt, ist der Islam nicht zivilgesellschaftlich institutionalisiert. Deshalb fehlt uns der verbindliche Ansprechpartner. Wir brauchen Provisorien, damit wir einen Religionsunterricht mit einer provisorischen Trägerschaft anbieten können“, sagte Kretschmann der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

 

weiterlesen

Die Zahl der Moscheen in Berlin steigt

Großer Zulauf. In Berlin stieg in den vergangenen zwölf Jahren die Zahl der Moscheen und Gebetsräume auf 98.Foto: Mike Wolff
Etwa 250.000 bis 300.000 Muslime leben in der Hauptstadt. Die Vielfalt der Gemeinden nimmt zu. Ihre Gebetsräume liegen aber meist im Westen – und oft in Hinterhöfen, wie eine neue Studie zeigt.

Von Sabine Beikler | DER TAGESSPIEGEL

Die Zahl der Moscheen in Berlin steigt. Wöchentlich wird in 98 islamischen Gebetsräumen und Moscheen in Berlin das Freitagsgebet abgehalten – etwa 20 mehr als noch vor zwölf Jahren. Davon sind sieben Moscheen und 91 zu Gebetsräumen umfunktionierte Räumlichkeiten. „Viele davon befinden sich in Hinterhöfen“, sagte Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus am Montag bei der Vorstellung der Studie „Islamisches Gemeindeleben in Berlin“ im Auftrag der Senatskulturverwaltung. In der Hauptstadt leben schätzungsweise 250.000 bis 300.000 Muslime, von denen etwa 20 Prozent in Verbänden organisiert sind. Diese Zahlen seien Schätzungen, betonte Mathias Rohe vom Erlanger Zentrum für Islam und Recht in Europa.

weiterlesen

Es gibt keinen deutschen Islam

Gehört der Islam zu Deutschland? Konservative Politiker akzeptieren ihn dann als Religion, wenn er verfassungskonform ist. Dann aber ist es kein Islam mehr. Muslime haben ein Recht auf kulturelle Identität. Von Alexander Grau

Cicero

Kaum ein Thema versinkt seit Jahren dermaßen in einer Kakophonie aus Halbwissen, sich selbst überschätzender Ahnungslosigkeit und politischer Instrumentalisierungen wie das Thema Islam. Und das gilt für beide Seiten, die so genannte Islam-Kritiker und die Islam-Verteidiger. In beiden Lagern werden dieselben Denkfehler gemacht, und das macht eine sinnvolle Debatte beinah unmöglich.

Da sind zum einen die Objektivisten, man könnte sie fachphilosophisch auch als Essentialisten bezeichnen. Das sind Leute, die naiverweise davon ausgehen, dass es den einen wahren Islam gibt. In diesen Kreisen haut man sich gerne Koransuren um die Ohren und versucht zu belegen, dass der Islam wahlweise eine rückständige, nicht zivilisationsfähige, menschenverachtende Religion ist oder im Gegenteil eine Religion des Friedens, der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe.

Der Islam als schmusige Zivilreligion

Auf der anderen Seite stehen die Kulturalisten oder auch Konstruktivisten: Sie haben zwar kapiert, dass es von keiner Religion und keinem Text die eine, wahre, alleingültige Lesart gibt, leiten daraus aber ab, dass man aus Religionen wie dem Islam nach Belieben so ziemlich alles machen kann: etwa eine schmusige Zivilreligion, die auf ein bisschen Liberalismus und Toleranz mit Spiritualitätsgarnitur eingedampft wird.

 

weiterlesen…

 

 

 

Islamkonferenz soll deutschen Islam definieren

faz.net

Das Bundesinnenministerium will die Deutsche Islamkonferenz erneuern. „Wir müssen viel stärker als bisher die Vielzahl der in Deutschland noch nicht organisierten muslimischen Mitbürger in das Zentrum unserer Islamkonferenz stellen“, sagte Innenstaatssekretär Markus Kerber der „Bild“-Zeitung. Nach der Sommerpause sollen demnach auch wieder Einzelpersonen zur Konferenz, vermutlich im November, zugelassen werden.

Auf die Frage, ob er die Ansicht von Bundesinnenminister Horst Seehofer teile, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre, antwortete Kerber ausweichend: „Wenn es einen Islam geben soll, der zu Deutschland gehört, dann müssen die deutschen Muslime ihn als ,deutschen‘ Islam definieren“, sagte er. Die Frage sei, ob es einen deutschen Islam geben könne, der auf den rechtlichen und kulturellen Rahmenbedingungen in Deutschland basiert, sagte der für den Themenbereich Heimat zuständige Staatssekretär. Die Antwort werde allein von deutschen Muslimen zu geben sein.

„Der Staat kann dafür nur Rahmenbedingungen schaffen“, sagte Kerber: „Fest steht: Es gibt einen deutschen Katholizismus, es gibt einen deutschen Protestantismus, und es gibt ein deutsches Judentum. Und wenn es einen Islam geben soll, der zu Deutschland gehört, dann müssen die deutschen Muslime ihn als ,deutschen Islam‘ definieren – und zwar auf dem Boden unserer Verfassung.“ Das werde die Aufgabe der nächsten Islamkonferenz sein, sagte der Staatssekretär der „Bild“.

weiterlesen…

Die muslimische Feministin im Rathaus von Tunis

Die neue „Scheicha al-Medina“ von Tunis, Souad Abderrahim Quelle: AFP
Zum ersten Mal hat eine Frau das Bürgermeisteramt in der tunesischen Hauptstadt inne. Viele feiern das als Sensation – besonders weil sie der moderat islamistischen Partei Ennahda angehört. Wie passt das zusammen?

Von Eva Marie Kogel | DIE WELT

Islamisten hängt nicht unbedingt der Ruf von Frauenförderung an. Souad Abderrahim, Typ Powerfrau, in einem früheren Leben Pharmazeutin, dürfte das etwas anders sehen. Die 53-Jährige ist seit Kurzem Bürgermeisterin von Tunis – und zwar auf dem Ticket der Partei Ennahda. Die gilt als Plattform der moderaten Islamisten in Tunesien. Wie geht das zusammen?

Ihren Sieg, verkündete Abderrahim nach der Wahl, widme sie allen Frauen des Landes, die noch immer Probleme hätten, Karriere zu machen. Sie ist kein Neuling im Politbusiness. Schon zu Universitätszeiten war sie in einer islamischen Studentenunion aktiv im Widerstand gegen die Diktatur, dafür saß sie auch einige Zeit im Gefängnis. In den ersten freien Wahlen des Landes nach dem Sturz des Diktators Ben Ali wurde Abderrahim ins Parlament gewählt. Dort saß sie dem Rechtsausschuss vor – und machte mit eher konservativen Positionen von sich reden, vor allem wenn es um Ehe- und Familienrecht ging.

weiterlesen

Sisi gewährt Offizieren Immunität für Massaker an Muslimbrüdern

Der ägyptische Präsident Abdelfatah al-Sisi bei der Vereidigung für seine zweite Amtszeit Anfang Juni im Parlament. (Bild: Handout / Reuters)
Ein neues ägyptisches Gesetz verhindert, dass hochrangige Offiziere wegen eines Massakers an Muslimbrüdern im Jahr 2013 belangt werden können. Die Militärs erhalten zudem diplomatische Privilegien, die bisher nur Ministern zustanden.

Samuel Misteli | Neue Zürcher Zeitung

Der ägyptische Staatspräsident Abdelfatah al-Sisi macht deutlich, dass er nicht beabsichtigt, an der Sonderstellung des Militärs zu rütteln. Auf Vorschlag der Regierung verabschiedete das Parlament Anfang Juli ein Gesetz, das hochrangige Offiziere mit diplomatischen Privilegien ausstattet und ihnen Immunität für Verbrechen gewährt, die nach dem Militärputsch im Juli 2013 begangen wurden.

Die Offiziere, für die das Gesetz gilt, werden vom Präsidenten direkt bestimmt. Sie geniessen neu Immunität, wenn sie ins Ausland reisen, ein Privileg, das bisher Ministern und Mitgliedern diplomatischer Missionen zustand. Zudem gewährt das Gesetz den ausgewählten Offizieren Immunität für Verbrechen, die zwischen dem 3. Juli 2013 und dem 10. Januar 2016 begangen wurden. Es ist dies die Zeitspanne zwischen dem Militärputsch gegen die Regierung des Muslimbruders Mohammed Mursi und der Wiederaufnahme der Arbeit durch das ägyptische Parlament. Künftig ist allein der Oberste Rat der Streitkräfte befugt, gerichtliche Schritte gegen die Offiziere einzuleiten.

weiterlesen

Syrien: Bevölkerung angewidert von Milizen

Miliz Ahrar al-Sham. Foto (2017): Twitter/Propaganda
Eine aktuelle Untersuchung ernüchtert und widerlegt den Mythos des Volkes, das sich gegen Baschar al-Assad auflehnt. Stattdessen wird die Unzufriedenheit mit der Willkürherrschaft der Milizen und den lokalen Oppositionsregierungen deutlich

Thomas Pany | TELEPOLIS

Die Politologin und Journalistin Elizabeth Tsurkov ist keine Unterstützerin der syrischen Regierung, die sie als „Assad Regime“ bezeichnet, so auch in ihren Eingangszeilen zu einer bemerkenswerten Untersuchung. Deren Titel heißt: „The Breaking of Syria’s Rebellion“, was man mit Brechen oder Zerschlagen der syrischen Rebellion übersetzen könnte.

Wer nur den Anfang liest, der könnte auch auf den ersten Blick denken, dass dies eine weitere Untersuchungen ist, die vor allem die Repression und das Autoritäre der Assad-Herrschaft im Auge hat. Tsurkov schreibt dort, dass das „Assad Regime den Krieg in Syrien gewinnt, nicht nur weil es einfach Territorium wiedergewinnt, sondern auch weil es den Geist und den Willen zum Widerstand in Gebieten bricht, die es unter Kontrolle hat, und auch in Gebieten, die sich noch außerhalb seiner Kontrolle befinden“.

Wer sich an dieser Stelle fragt, wie die Assad-Regierung es schafft, den Geist des Widerstandes auch da zu brechen, wo sie gar keine Kontrolle hat, also in Gebieten, die von den meisten Medien „Rebellen-Gebiete“ genannt werden, und weiterliest, der erfährt von Einschätzungen, über die bislang noch selten berichtet wird oder die als Pro-Assad-Propaganda nicht ernstgenommen werden.

weiterlesen

Der „Kopftuchstreit“ ist für Fereshta Ludin noch nicht beendet

Fereshta Ludin, Lehrerin, kämpfte gegen das Kopftuchverbot und hat die erste große Entscheidung zum Kopftuch erstritten.
Vor 20 Jahren wurde die Referendarin Fereshta Ludin nicht in den baden-württembergischen Schuldienst übernommen, weil sie ein Kopftuch trug. Sie zog vor Gericht. Damit begann eine Debatte, die bis heute andauert.

Von Judith Kubitscheck | MiGAZIN

Nur selten huscht ein Lächeln über das Gesicht von Fereshta Ludin. Ernst blickt die Frau in die Runde, die zum Symbol des sogenannten Kopftuchstreites wurde. Sie trägt ein cremefarbenes Tuch, das individuell gebunden ist und den Kopf, aber nicht den Hals bedeckt. Mit leiser Stimme erzählt sie, wie alles begann: dass sie ihr Referendariat sehr erfolgreich abschloss und ihre Schule sie als Lehrerin übernehmen wollte. Doch dann entschied das Stuttgarter Oberschulamt am 13. Juli 1998, sie wegen ihres Kopftuches nicht in den Schuldienst zu übernehmen.

Die Deutsche afghanischer Herkunft ging vor Gericht und klagte sich durch alle Instanzen. Diese Jahre seien für sie eine schwierige Zeit gewesen, über die sie ungern rede, erklärt Ludin. „Weil mein Wohnort bekannt war, gab es Telefonterror, fremde Menschen klingelten an meiner Wohnungstür.“ Sie stockt, Tränen schießen ihr in die Augen. Der Zentralrat der Muslime unterstützte Ludin in dem Rechtsstreit, was sie in Augen von Kritikern zu deren Gesinnungstäterin machte. Ludin sagte dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ 2015, dass sie damals den Zentralrat um Hilfe bat, weil sie die Finanzierung der Anwaltshonorare überfordert hätten. Sie sei bis heute kein Mitglied dieses islamischen Verbandes.

weiterlesen

Migrationspolitik: Milliardenhilfen und schwarze Listen von Menschenhändlern

Tripolis, Hauptstadt Libyens. Foto (2006): Jaw101ie / gemeinfrei
Italien verstärkt die Beziehungsarbeit zu Libyen. Ein alter Freundschaftsvertrag, geschlossen zwischen Berlusconi und Gaddafi, wird reaktiviert

Thomas Pany | TELEPOLIS

Geht es um Libyen und Migranten, so ist dieser Tage von größeren Summen die Rede. So war der Präsident des Europarlaments, Antonio Tajani, Anfang der Woche zu Besuch in Tripolis, wo er den international anerkannten Regierungschef Sarradsch (auch: Sarraj) traf. In seiner Abschlusserklärung stellte Tajani einmal die Summe von 40 Milliarden in Aussicht, um 500 Milliarden an Gesamtinvestitionen für einen „Marshallplan für Afrika“ zu mobilisieren.

Der werde gebraucht, um an die Ursachen der Migration zu gehen. Der Marshallplan für Afrika sollte im nächsten EU-Haushalt enthalten sein, so Tajani. Er werde sich dafür einsetzen, dass ein substantieller Teil dieser Ressourcen für Libyen verwendet werden, betonte der EU-Vertreter.

Darüber hinaus nannte er die Summe von „mindestens sechs Milliarden Euro“, für die sich die EU verpflichten sollte, um sie in den Mittelmeerraum zu investieren. Die Aussage ist etwas vage gehalten. Antonio Tajani spricht im Englischen von „Mediterranean“, was den Raum für die Investitionen weit offen lässt und von einer wenig konkreten Absicht: „We need to commit …“ „Wir sollten uns verpflichten …“

Neben den Finanzhilfen äußerte der Präsident des Europarlaments noch den Vorschlag, eine schwarze Liste von wichtigen Menschenhändler und Waffenschmuggler zu erstellen, damit Polizei und Strafverfolgungsbehörden in Afrika und Europa besser zusammenarbeiten können, um den Kampf gegen die kriminellen Aktivitäten zu intensivieren. Vermutlich dürfte Italien längst eine solche Liste haben.

weiterlesen

Iranische Frauen tanzen sich frei

Ausschnitt aus einem Tanzvideo von Maedeh Hojabri. (Bild: Instagram)
Weil sie ihre Tanzkünste im Internet veröffentlichten, wurden drei junge Frauen in Iran verhaftet. Nachdem sie ihre Taten unter Tränen im Fernsehen zu bereuen hatten, posteten viele Frauen aus Solidarität eigene Tanzvideos.

Christian Weisflog | Neue Zürcher Zeitung

Maedeh Hojabri ist erst 18-jährig, hatte auf Instagram aber bereits eine grosse Fangemeinde mit Hunderttausenden von Followern. In ihren dort veröffentlichten Videos bewegte sie ihre Hüften gekonnt und selbstbewusst zu iranischen Rhythmen, aber auch zu den Klängen westlicher Pop-Stars wie Justin Bieber oder Shakira. Es machte ihr sichtlich Spass, die in ihrem eigenen Zimmer aufgenommenen Vorführungen mit der Welt zu teilen.

Der Spass nahm indes ein bitteres Ende. Am vergangenen Wochenende bereute Hojabri im iranischen Fernsehen mit abgedunkeltem Gesicht ihre Taten unter Tränen. Es sei ihr nicht darum gegangen, Aufmerksamkeit zu erregen oder andere anzustiften, es ihr gleichzutun, erklärte die junge Frau.

weiterlesen

Burkini, nein danke! – Eine weitere «Fahne» des politischen Islam

Frankreich ist uneins über Burkini-Verbote. Ob ein patriotisch aufgehübschter Ganzkörperbadeanzug die Lösung ist? (Bild: Eric Gaillard / Reuters)
Sommerzeit, Burkinizeit: Weil muslimische Frauen partout nicht im Haus bleiben wollen, wie es die Tradition nahelegt, verordnet ihnen der «liberale» politische Islam den Ganzkörperbadeanzug. Dieser aber ist nichts weiter als Sexismus.

Necla Kelek | Neue Zürcher Zeitung

Vor zwanzig Jahren kam ein Kleidungsstück auf den Markt, das es muslimischen Frauen ermöglichen sollte, schwimmen zu gehen, ohne die eigene «Aura» zu beschädigen. Der Scharia-konforme Badeanzug, verniedlichend als «Burkini» vermarktet, ist eine Art zweiteiliges Ganzkörperkondom, das bis auf Hände, Füsse und Gesicht den weiblichen Körper weit umhüllt, so dass dessen Konturen nicht mehr zu erkennen sind. Damit soll nach islamischer Vorstellung die «Aura», sprich der Schambereich des Menschen, vor fremden Blicken geschützt werden.

Bei Frauen ist dies der ganze Körper, bei Männern der Bereich vom Bauchnabel bis zu den Knien. Deshalb sieht man in Schwimmbädern die muslimischen Jungs auch nur in übergrossen Badeshorts. Für Kopftuch wie für Badeburka gibt es – das sollte inzwischen hinlänglich bekannt sein – keinerlei religiöse Begründung. Sie gehen ausschliesslich auf die islamische Tradition der Männerherrschaft zurück und dienen dem politischen Islam als Fahne.

weiterlesen