Erklärung europäischer Muslime in Köln (DİTİB und Diyanet)

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit fand in Köln eine große Konferenz europäischer Muslime statt, organisiert von der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DİTİB, Köln) in Zusammenarbeit mit dem türkischen staatlichen Präsidium für Religionsangelegenheiten (Diyanet, Ankara). Mehr als hundert Teilnehmer aus 17 Ländern, so DİTİB, befassten sich in fünf thematischen Einheiten mit der „Zukunft der Muslime in Europa“. Die Veranstaltung, die vom 2.-4. Januar 2019 in der DİTİB-Zentrale stattfand, schloss mit einer Erklärung in 18 Punkten, die später als Pressemeldung ohne namentliche Zeichnung auf der Internetseite der DİTİB veröffentlicht wurde.

Dr. Friedmann Eißler | EZW

Dieses „II. Treffen der europäischen Muslime“ hat zwei praktische Ergebnisse: Ein „Koordinierungsrat“ soll gebildet werden, der „die effektive und schnelle Kommunikation zwischen den europäischen Muslimen gewährleistet und Visionen unterbreitet“, das gemeinsame Handeln koordiniert sowie als Ansprechpartner für die Öffentlichkeit fungiert (17). Ebenso wurde die Gründung eines „Sekretariats beim Präsidium für Religionsangelegenheiten“ (Diyanet) beschlossen, das die „Institutionalisierung“ von Treffen dieser Art im zweijährigen Turnus betreiben und die „Umsetzung der Beschlüsse“ kontrollieren soll (18). Die türkische Religionsbehörde ist Erdoğan unterstellt, ihr Präsident Ali Erbaş (Erbas), in Wahrnehmung seiner Funktion zugleich auch Ehrenvorsitzender und Beiratsvorsitzender der DİTİB, hielt den Hauptvortrag in Köln.

Die inhaltlichen Akzente betreffen hauptsächlich drei Felder: Forderung der gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe der Muslime in Europa, Abwehr von Intoleranz, Diskriminierung und Islamfeindlichkeit bis hin zur Gewalt gegenüber Muslimen, Betonung des friedlichen und gemeinschaftsdienlichen Charakters des Islam in seiner Universalität. Klar und deutlich wird dabei nicht ein „Islam in, aus und für Deutschland“ befürwortet oder gar als Ziel genannt, wie es etwa Horst Seehofer zu Beginn der Deutschen Islamkonferenz im November formulierte, sondern im Gegenteil eine solche „Einschränkung des Islams“ explizit abgelehnt und dazu aufgefordert, „gemäß kollektivem Bewusstsein zu handeln“, die Fragen und Probleme der in Europa lebenden Muslime im Rahmen der islamischen Tradition zu lösen und „hierfür ihre eigenen Dynamiken“ einzusetzen. Die „vorbildhaften Dienste“ des Islam seien „Garant für eine multikulturelle, multireligiöse und multinationale europäische Gesellschaft“ (8-11; 2).

Dies soll offenbar auf breiter Basis verwirklicht werden, europaweit, und richtet sich keineswegs nur an Türken oder türkeistämmige Muslime. Unter den Teilnehmern waren auch Vertreter der Muslimbruderschaft bzw. den Netzwerken der Muslimbruderschaft zuzurechnender Institutionen. So sind auf Fotos zumindest Khaled Hanafy (Frankfurt a. M.), Jasser Auda (London/Doha) und Hussein M. Halawa (Dublin) zu sehen. Alle drei sind Mitglieder des in Dublin ansässigen European Council for Fatwa and Research (ECFR), Letzterer dessen Generalsekretär. Hanafy ist zudem Vorsitzender des deutschen ECFR-Zweigs „Fatwa-Ausschuss in Deutschland“ wie auch des „Rates der Imame und Gelehrten in Deutschland“ (RIGD) sowie Dekan des „Europäischen Instituts für Humanwissenschaften“ (EIHW) in Frankfurt. Auda ist Gründer und Vorstandsmitglied der International Union of Muslim Scholars (IUMS). Sowohl der ECFR (1997) als auch die IUMS (2004) gehen auf die Initiative des „Global Mufti“ Yusuf al-Qaradawi zurück, der diese Zusammenschlüsse muslimischer Gelehrter unterschiedlicher „Konfessionen“ gegründet hat und bis heute leitet bzw. bis vor kurzem leitete.

Die Allianz zwischen Diyanet/DİTİB und Muslimbruderschaft bzw. muslimbruderschaftsnahen Akteuren ist weder neu noch erstaunlich. Erdoğan selbst ist in der türkischen Variante der Muslimbruderschaft, der Milli Görüş-Bewegung, groß geworden. Die Kontakte sind da, auch in die arabische Welt, Annäherungen gab es immer wieder, zumal in den letzten Jahren. Der Duktus der Abschlusserklärung liegt genau auf dieser Linie. Erdoğan versucht nun offenbar, die Anstrengungen zu bündeln und auf diesem Wege den Einfluss der Türkei und seiner Religionsbehörde auf die Muslime in Europa zu verstärken und den Führungsanspruch der Türkei zu unterstreichen – und erteilt Integrationsbemühungen damit (erneut, muss man sagen) eine klare Absage.

Einige Formulierungen der Erklärung lassen aufhorchen und lohnen eine etwas genauere Betrachtung.

  1. Ausführlich wird die Bedrohungslage der Muslime in Europa gezeichnet, die die Zuversicht auf das Gute schwinden lasse und den Frieden und das Zusammenleben gefährde. Die Gesellschaft lehne die Muslime ab, schützte sie zu wenig und stachele dadurch die Gewaltspirale an. Die Gülen-Bewegung wird direkt neben dem IS in die Terrororganisationen eingereiht, die sich „stets Muslime zur Zielscheibe nehmen“ und die „lichterne Gestalt des Islams“ zu diskreditieren versuchen (6).
  2. Vor diesem (überaus dunklen) Hintergrund ist die Betonung der „eigenen Dynamiken“ aussagekräftig. Es ist eben „der“ Islam in seiner Universalität – nicht „deutsch“, „französisch“ oder auch „europäisch“ –, „der alle Epochen und Orte zugleich erleuchtet“. „Der Islam ist eine Religion des Friedens, [die] überall auf der ganzen Welt dieselben universalen Werte verteidigt.“ (8) Die Prinzipien dieses uneingeschränkten Islam, der (nicht transformativ oder integrativ denkt, sondern) Europa „vorbildhafte Dienste“ leistet, bieten „eine Möglichkeit für die Lösung der genannten Probleme“ (5). (Wer dächte hier nicht an den Slogan der Muslimbrüder „Der Islam ist die Lösung“?)

  3. Der Universalität entspricht das Konzept der einen, alle Muslime verbindenden Umma. Es ist rechtsschulenübergreifend gedacht und hat von daher durchaus moderierende Aspekte, die Vermittlung und Kompromiss einschließen (16). Doch das „kollektive Bewusstsein“ (der Umma) korreliert mit weiteren Stichwörtern wie „ganzheitlich“, „Harmonie“, „Recht als universaler Wert“ usw. Es wird darauf eingeschworen, die Probleme im Rahmen des reichen Erkenntnis- und Methodenschatzes des Islam zu lösen, und erneut mit dem Konzept des Antagonismus „des Westen“ gegen „den Islam“ geimpft (11).

  4. Liberale Muslime werden nicht genannt, in einer Andeutung nur wird jeder Anspruch von „marginale[n] Personen und Gruppierungen“ auf Vertretung der Muslime als im Widerspruch zu den sozialen Realitäten stehend abgetan (9).

Man fragt sich abschließend, von wem und in welcher Richtung hier die scharfe Ab- und Ausgrenzung stattfindet. Und im Blick auf die Dialogakteure in Staat und Kirchen, welche konkreten Folgerungen sie aus der eindeutigen Positionierung der DİTİB und der mit ihr in Köln auftretenden europäischen Muslime zu ziehen gedenken.

Die pakistanische Armee hat gewonnen

In Pakistan haben die Armee und Geheimdienste das Sagen. Foto: Gilbert Kolonko
Die Gewinner des Abzugs amerikanischer Truppen aus Afghanistan sind die pakistanischen Generäle – erfolgreich haben sie die USA an der Nase herumgeführt

Gilbert Kolonko | TELEPOLIS

Zwei Tage nach dem Fall der Türme des Word Trade Centers änderte sich auch die Welt für die pakistanischen Generäle. Nur wegen ihrer militärischen und finanziellen Hilfe war es möglich, dass sich das grausame Taliban-Regime so lange an der Macht halten konnte – trotz völliger Inkompetenz, ein Land zu regieren.

In Washington bestellte der Staatssekretär Richard Armitage den pakistanischen Botschafter und den Chef des pakistanischen Geheimdienstes Inter-Services Intelligence (ISI) ein und stellte sieben Forderungen: darunter auch jene, die Unterstützung für die Taliban zu beenden. Laut des damaligen pakistanischen Diktators General Pervez Musharraf soll Armitage sogar damit gedroht haben, Pakistan zurück in die Steinzeit zu bomben.

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Sarrazin und Abdel-Samad: „Nicht jeder Muslim ist ein Koran auf zwei Beinen“

Thilo Sarrazin (l.) und Hamed Abdel-Samad sind Islamkritiker. In der Analyse der Probleme unterscheiden sie sich aber deutlich Quelle: Ricarda Breyton
In Dresden diskutieren Thilo Sarrazin und Hamed Abdel-Samad über Herausforderungen der Integration. Die beiden harten Islamkritiker debattieren vor einem homogenen Publikum. Doch bei der Analyse der Probleme unterscheiden sie sich deutlich.

Von Ricarda Breyton | DIE WELT

Ginge es nach Thilo Sarrazin, so dürfte es Geschichten wie die von Hamed Abdel-Samad künftig gar nicht mehr geben. Dieser wurde 1972 als Sohn eines sunnitischen Imams in Kairo geboren und kam als 23-Jähriger nach Deutschland. Er studierte dort Politikwissenschaft, wurde Lehrbeauftragter und Autor. Inzwischen ist er einer der bekanntesten Islamkritiker des Landes. Aber er ist eben auch ein Einwanderer aus einem muslimischen Land.

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Syrische al-Qaida-Milizenallianz: Die PKK ist auch unser Feind

Al-Golani, Anführer der Miliz Hayat Tahrir al-Sham, Screenshot Interview, Twitter
Der Anführer der Miliz Hayat Tahrir al-Scham versucht, als Verhandlungspartner anerkannt zu werden. Der Weg führt über die türkische Regierung

Thomas Pany | TELEPOLIS

Eigentlich waren die Dschihadisten dem Untergang geweiht. Wohin hätten die Mitglieder der Miliz Hay’at Tahrir al-Scham (HTS) gehen können, wenn sie, wie gefordert, ihre Rückzugsgebiete in Idlib verlassen hätten, wenn nicht mittenhinein ins gegnerische Feuer?

Es sah nach den Abmachungen in Sotschi und den Vereinbarungen zwischen der Türkei und Russland ganz und gar nicht gut aus für die von der al-Qaida stammenden Dschihadisten-Miliz, die früher als Jabhat al-Nusra bekannt war. Seit zwei Jahren heißt sie Hay’at al-Tahrir, hat noch immer den gleichen Anführer, „Emir“ Abu Muhammad al-Golani (manchmal auch: Jolani, Joulani oder Jawlani) – und seit ein paar Tagen die Kontrolle über Idlib.

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Rüstungsexportpolitik der Bundesregierung wirft Fragen auf: Stammkundschaft auf der Arabischen Halbinsel

Themenbild
Deutschland liefert wohl auch in Zukunft weiter Waffen in Krisen- und Konfliktregionen. Die Kritik daran wächst. Ein echter Kurswechsel der Bundesregierung ist bisher nicht erkennbar.

DOMRADIO.DE

„Die Bundesregierung verfolgt eine restriktive und verantwortungsvolle Rüstungsexportpolitik.“ So formuliert es ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums. Tatsache ist: Der Wert der von der Bundesregierung erteilten Einzelausfuhrgenehmigungen ging in den vergangenen drei Jahren zurück, 2018 betrug er 4,82 Milliarden Euro. Tatsache ist aber auch: Etwas mehr als die Hälfte davon bezog sich auf Rüstungsgeschäfte mit sogenannten Drittstaaten. Darunter fallen alle Länder außerhalb von EU, Nato sowie von Staaten, die der Nato gleichgestellt werden.

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„SDF als Teil der syrischen Armee“

Bild: Tasnimnews/CC BY-SA-4.0
Verhandlungen zwischen Damaskus und Vertretern der Kurden verhindern die angekündigte Intervention der Türkei. Russische Sicherheitskräfte patrouillieren bei Manbidsch

Thomas Pany | TELEPOLIS

Der Abzug aus Syrien hat begonnen, wird der Sprecher der Anti-IS-Koalition, Colonel Sean Ryan, in Medienberichten zitiert. Angaben über Zeit, Orte und Truppenbewegungen würden aus Sicherheitsgründen nicht bekannt gemacht.

Es werde nur Material abgezogen, was das Personal angeht, so könne es zwischenzeitlich auch zu Verstärkungen kommen, ist auch zu erfahren. Der „Abzug der USA aus Syrien“ bleibt ein kompliziertes Manöver, das mit unterschiedlichen Interessen allein schon innerhalb der US-Administration verbunden ist.

Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Sohr), deren Mitteilungen mit großer Vorsicht zu behandeln sind, wenn es um politische Einschätzungen von Geschehnissen in Syrien geht, das andererseits dank eines Netzwerk von Informanten auch interessante Meldungen beisteuern kann, berichtet von auffälligen Militärkonvois mit amerikanischem Material, die in Syrien zwischen unterschiedlichen Standorten der USA unterwegs sind – und Richtung Irak.

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Islamunterricht auf der Kippe

© Monika Müller, FR Ditib-Gemeinde in Hanau (Symbolbild).
Das Land Hessen bereitet sich auf ein Ende der Zusammenarbeit mit dem Moscheeverband Ditib vor.

Von Pitt von Bebenburg | Frankfurter Rundschau

Der Islamunterricht in Hessen steht möglicherweise zur Disposition. Die neue Landesregierung soll zügig entscheiden, ob er fortgesetzt oder durch Islamkunde ersetzt wird. Das wäre kein bekenntnisorientierter Glaubensunterricht mehr, sondern ein informativer Kurs. Die derzeitige Form solle aber auf jeden Fall bis zum Ende des Schuljahres fortgesetzt werden, heißt es aus dem Kultusministerium.

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Was in Ramallah Recht ist

Ein Palästinenser wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er einem Juden Land verkaufte

Von Ralf Balke | Jüdische Allgemeine

Im Grunde hat Issam Akel Glück, dass er noch lebt. Der 55‐jährige Palästinenser mit amerikanischem Pass war von einem Gericht in Ramallah zu lebenslanger Haft und Zwangsarbeit verurteilt worden, obwohl dafür auch die Todesstrafe verhängt werden kann.

Akels Vergehen: Er hatte in Ost‐Jerusalem ein Grundstück an Juden veräußert. Das gilt laut palästinensischem Recht als Verbrechen. Demnach ist jede Form von Landverkauf »an einen feindlichen Staat oder an einen seiner Bürger« verboten. Bestraft wird schon der Versuch, einen solchen Deal überhaupt einzufädeln.

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Syrien: Die nächste Offensive der Dschihadisten

„Ein Betrug an Gott … “ – Nicht einverstanden mit der Idlib-Vereinbarung: Al-Golani, Chef der Hay’at Tahrir ash-Sham, zuvor al-Nusrah. Propaganda-Foto: Twitter
Die al-Nusra-Front bzw. Hay’at Tahrir al-Sham will Idlib zum Emirat machen und räumt alle Widersacher aus dem Weg. Dabei hat sie viel Bewegungsfreiheit

Thomas Pany | TELEPOLIS

Vieles in Syrien ist schwer durchschaubar und verwickelt wegen der vielen unterschiedlichen Interessen. Doch gibt es auch Muster, die sich ständig wiederholen. Dazu gehört etwa die Einsicht, dass die al-Nusra-Miliz, egal welchen Namen sie gerade trägt, die anderen oppositionellen Gruppen in die Tasche steckt und sie überraschend großen Spielraum hat. Das geht seit Jahren so.

Aktuell macht die von Abu Mohammed al-Golani (manchmal auch „al-Julani“ geschrieben, der Name geht auf die Golanhöhen zurück) geführte Dschihadistenmiliz unter dem Namen Hay’at Tahrir al-Sham (HTS) auf sich aufmerksam, weil sie einen wichtigen Ort nach dem anderen im Nordwesten Syriens erobert und ihrem Ziel, ganz Idlib unter ihre Herrschaft zu bekommen, näher rückt und damit eine brenzlige Situation schafft.

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Antisemitismus im weißen Kittel

Katja Ridderbusch fragt sich, wie eine Ärztin in den USA dazu kommt, Juden falsch behandeln zu wollen

Von Katja Ridderbusch |Jüdische Allgemeine

Die Cleveland Clinic im US‐Bundesstaat Ohio macht in der Regel wegen ihrer medizinischen Spitzenleistungen von sich reden. Nicht so im Fall von Lara Kollab. Die junge Ärztin, Amerikanerin mit palästinensischen Wurzeln, hatte sich mit antisemitischen Tiraden in sozialen Medien profiliert, hatte Juden als »Hunde« bezeichnet, Israel mit Nazideutschland verglichen, den Holocaust als Übertreibung abgetan, Allah gebeten, die Juden zu töten, und erklärt, sie würde »absichtlich allen Juden die falschen Medikamente geben«. Es war wohl vor allem ihre Ankündigung, den hippokratischen Eid zu brechen, der die Klinik veranlasste, Kollab zu feuern.

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Zahl der Atheisten in Erdogans Türkei steigt

Immer mehr Menschen in der Türkei wenden der Religion den Rücken zu. Aber auch Gläubige interpretieren den religiösen Alltag unterschiedlich. Viele Beobachter sehen das als Reaktion auf Erdogans religiöse Politik.

Deutsche Welle

„In der Türkei gibt es einen Religionszwang“, schimpft Ahmet Balyamez. „Das stört immer mehr Menschen. Sie fragen: Ist das der wahre Islam? Wenn wir uns die Politik anschauen, die die Machthaber verfolgen, dann sehen wir, dass sie der ersten Epoche des Islams nacheifern. Was wir derzeit erleben, ist also der Islam in seiner ursprünglichen Form.“

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Raif Badawi nicht vergessen

Raif Badawi (2012) Ensaf Haidar • CC BY-SA 3.0/Wikipedia.org
Vor vier Jahren wurde der saudische Blogger öffentlich ausgepeitscht. Nach wie vor ist er in Haft.

Von Tanja Kokoska | Frankfurter Rundschau

Vor vier Jahren, am 9. Januar 2015, stand der Blogger Raif Badawi, damals 30 Jahre alt, auf dem Vorplatz einer Moschee in der saudi-arabischen Hafenstadt Dschidda. Dem Mann, der die Peitsche in der Hand hielt, kehrte er den Rücken zu, den Kopf hielt er gesenkt. 50-mal ging die Peitsche nieder. Die Menge, die sich rundherum versammelt hatte, johlte auf. Jede Woche, so lautete das Urteil, würden weitere 50 Schläge folgen. Bis es 1000 sein würden.

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Überlegung zu Ditib-Beobachtung durch Verfassungsschutz

Logo DiTiB

Die Ausrichtung einer europäischen Islamtagung durch den deutsch-türkischen Islamverband Ditib in der vergangenen Woche in Köln schlägt weiter hohe Wellen. Nun ist gar von einer Beobachtung der Ditib durch den Verfassungsschutz die Rede.

DOMRADIO.DE

Nach Berichten über die Teilnahme radikaler Islamisten an einer Kölner Islamtagung schließt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) eine Beobachtung des deutsch-türkischen Moscheeverbands Ditib durch den Verfassungsschutz nicht aus.

„Besonders alarmierend ist, dass die Ditib auch Vertreter der Muslimbrüder eingeladen hat“, sagte der CSU-Politiker der „Augsburger Allgemeinen“ (Mittwoch): „Die Bruderschaft vertritt Standpunkte, die mit der Verfassung nicht in Einklang zu bringen sind, da muss der Staat sehr aufmerksam sein.“

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Israelischer Ex-Minister gibt Spionage für Iran zu

Israels Sicherheitsbehörden werfen Gonen Segev vor, er habe seit 2012 für den iranischen Geheimdienst spioniert. (Bild: Ronen Zvulun / Reuters)

Der frühere israelische Energieminister Gonen Segev steht nicht zum ersten Mal vor Gericht. Der 63-Jährige war in der Vergangenheit für Vergehen wie das Schmuggeln von Ecstasy-Pillen verurteilt worden und sass eine Haftstrafe ab.

Neue Zürcher Zeitung

Der frühere israelische Energieminister Gonen Segev hat Spionage und Weitergabe von Informationen an den Feind gestanden. Segev steht wegen Spionage für die Islamische Republik Iran vor Gericht. Staatsanwaltschaft und Verteidigung hätten sich im Gegenzug für das Geständnis auf elf Jahre Haft und weitere Jahre auf Bewährung geeinigt, teilte das Justizministerium am Dienstag mit. Die Einigung sei dem Bezirksgericht in Jerusalem präsentiert worden.

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Radikal-islamische Kräfte bei Islamkonferenz – Verhärtete Fronten nach Ditib-Konferenz

Zentralmoschee der DITIB in Köln © Rolf Vennenbernd (dpa)
Der Kölner Bezirksbürgermeister Josef Wirges kritisiert die Islamkonferenz in der Ditib-Zentralmoschee Anfang Januar. Die Teilnahme radikal-islamischer Kräfte an der Konferenz verstärke die Ressentiments gegenüber Muslimen, so der SPD-Politiker.

DOMRADIO.DE

Wenn von 100 Teilnehmern zwei einer „konservativ-reaktionären Richtung“ des Islam angehört hätten, seien das „schon zwei zu viel“, sagte er am Dienstag im ARD-Morgenmagazin. „Das ist nicht förderlich für das Zusammenleben der Menschen bei uns im Veedel (Viertel)“, sagte der Bürgermeister von Köln-Ehrenfeld, wo die 2018 vom türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan eröffnete Ditib-Moschee steht.

Vertreter der Muslimbrüder

Nach Angaben des deutsch-türkischen Moscheeverbands Ditib haben vergangene Woche mehr als 100 Personen aus 17 Ländern an der dreitägigen Konferenz teilgenommen. Darunter waren laut Medienberichten auch zwei Vertreter der als radikal-islamisch eingestuften Muslimbrüder. „In einem demokratischen Rechtsstaat hat Ditib die Möglichkeit einzuladen, wen sie will“, räumte Wirges ein.

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Türkische Absage an deutschen Islam

Die Türkei will ihren Einfluss auf Muslime in ganz Europa ausbauen. Eine Konferenz des türkischen Religionsamtes Diyanet und ihres deutschen Ablegers Ditib in Köln hat die Gründung eines Sekretariats beschlossen, das regelmäßige Treffen europäischer Muslime organisieren soll.

Von Susanne Güsten | Südkurier

Das Sekretariat, das seinen Sitz in Ankara haben soll, ist eine Antwort auf die Bemühungen europäischer Staaten, wie Deutschland oder Österreich, die Rolle der Türkei in den islamischen Organisationen ihrer Länder einzudämmen. Die Kölner Konferenz erteilte Überlegungen für einen „deutschen Islam“ eine klare Absage. An dem Treffen nahm auch ein Mitglied der islamistischen Muslimbruderschaft teil.

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In Belgien ist religiöses Schlachten jetzt verboten – aber es geht nicht nur ums Tierwohl

Bild: bento,dpa/Emily Wabitsch
Belgien geht gegen das Schächten vor. In der Region Flandern ist die religiöse Form der Tiertötung bereits seit 1. Januar verboten, in der Region Wallonien soll ein Verbot im September folgen.

Marc Röhlig | bento

Beim Schächten wird einem Tier lebendig die Halsschlagader durchtrennt, dann soll es vollständig ausbluten. Nach religiöser Überzeugung entweicht so die Seele aus dem Tier, erst dann darf es verspeist werden. Das Tier erleidet dabei aber minutenlang einen qualvollen Tod. Das Schächten ist im Judentum und im Islam Pflicht.

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Neil MacGregor: Das Leben mit den Göttern ist eine Metapher für das Leben miteinander

Neil MacGregor, Buchautor und Intendant des Berliner Humboldtforums Bildrechte: imago/IPON
„Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten“ von Neil MacGregor war ein Bestseller. Auch sein neues Buch: „Leben mit den Göttern“ baut auf museale Objekte auf, die wieder aus dem British Museum stammen, dessen Direktor er bis 2015 war. Inzwischen steht der Historiker dem Berliner Humboldtforum als Intendant vor. In seinem neuen Buch „Leben mit den Göttern“ handelt er nicht etwa eine Geschichte der Religionen ab – vielmehr erzählt er spannend, wie der Glaube Gemeinschaften formt und prägt, wie der Glaube Menschen verbindet, aber auch trennt. Für ihn gilt: So, wie wir mit unseren Göttern leben, so leben wir letztendlich auch miteinander.

Von Hartmut Schade | MDR KULTUR

Religion? Eine Sache von gestern. Zum Aussterben verurteilt wie Saurier und Säbelzahntiger. Darauf schien die Geschichte seit zwei- oder dreihundert Jahren hinauszulaufen. In Europa am stärksten, aber auch in Amerika, der islamischen Welt oder Afrika und Asien war die Religion auf dem Rückzug. Seit einigen Jahrzehnten ist aber der Glaube wieder auf dem Vormarsch. Der Wendepunkt, so schreibt Neil MacGregor, sei die Islamische Revolution im Iran von 1979 gewesen.

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Sunnitischer Großmufti untersagt Teilnahme an Christenfeiern

Nicht überall religiöses Tauwetter: Menschenrechtler verurteilen Aussagen des sunnitischen Großmuftis Sheikh Abdul Mahdi al-Sumaidaie im Irak, wonach Muslime nicht an christlichen Weihnachts- und Neujahrsfeiern teilnehmen dürfen.

DOMRADIO.DE

“Die gute Tradition des friedlichen Miteinanders von Muslimen und Christen darf von radikalen muslimischen Predigern nicht zerschlagen werden“, sagte der Irak-Experte der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Kamal Sido, am Donnerstag in Göttingen.

Es dürfe kein Hass von religiösen Würdenträgern gepredigt werden, sondern Toleranz, Gleichberechtigung und der Appell für ein friedliches Miteinander.

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Fatwa: Muslime dürfen Christen gratulieren

Al-Azhar-Moschee erlaubt Muslimen Gratulation für Christen © Grant Whitty (unsplash)
Historischer Schritt: Muslime dürfen Christen zu deren Festen gratulieren und Geschenke mit ihnen austauschen. Zu diesem Schluss kommt eine Fatwa der Kairoer Al-Azhar-Moschee. Es ist das erste offizielle Urteil in diesem Moschee-Kontext.

DOMRADIO.DE

Der Islam fordere seine Anhänger auf, die Bünde der Freundschaft und des Mitgefühls zwischen den Menschen zu stärken, wie die ägyptische Zeitung „Al-Ahram“ am Dienstagabend berichtete.

Toleranz, friedliches Miteinander und Höflichkeit zwischen Muslimen und Christen angesichts der jeweiligen Feiertage sei nicht nur akzeptabel, sondern wünschenswert, erklärte den Angaben zufolge das „Internationale elektronische Fatwa-Zentrum“ der Al-Azhar in einem Facebook-Beitrag. Unter anderem führt die Fatwa Aussagen des Propheten Mohammed an, der selbst Geschenke von Königen und Herrschern angenommen habe.

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