Diese Klausel ermöglicht Ende der Türkei-Gespräche

Foto: pa/AA Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und der EU- Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker: Die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei laufen nur schleppend
Trotz heftiger Kritik an dem Vorgehen der Türkei gegen Oppositionelle hält die EU an Beitrittsgesprächen fest. Eine Forderung Österreichs, diese zu stoppen, scheint nun greifbar – durch eine Klausel.

Von Ansgar Haase | DIE WELT

Die Hürden für einen Stopp der EU-Beitrittsgespräche mit der Türkei sind niedriger als bisher von der EU-Kommission angegeben. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurde 2005 in den Leitlinien zu den Verhandlungen festgelegt, dass für einen vorläufigen Abbruch der Verhandlungen eine qualifizierte Mehrheit ausreicht. Demnach müssten nur 16 von insgesamt 28 Ländern einem entsprechenden Antrag zustimmen, sofern diese Staaten mindestens 65 Prozent aller Bürger in der Union vertreten.

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Die falsche Freiheit im Stoffgefängnis

Burqua Burka
Burka (CC-by-sa/2.0/en by Rockin‘ the Khuff)

Bei der Debatte um ein Verbot der Burka fällt häufig der Begriff „Freiheit“. Aber um wessen Freiheit geht es bei der Diskussion eigentlich? Um die der Frauen, die sich verschleiern wollen? Oder um die der Frauen, die unterdrückt werden?

Von Alexander Schaumburg | stern.de

Bevor ich zur Sache komme, erlauben Sie mir den Hinweis auf eine anscheinend unausrottbare Begriffsverwirrung: Zurzeit ist die Rede vom Burkaverbot. Das ermöglicht Gegnern der Maßnahme wie dem dezidiert islamfreundlichen ehemaligen CDU-Parlamentarier Ruprecht Polenz, die Debatte für überflüssig und aufgebläht zu erklären, weil die Burka im mitteleuropäischen Straßenbild praktisch nicht vorkomme.

Und damit hat er Recht. Die Burka ist eine paschtunische Stammestracht, die den Sprung aus ihrer afghanisch-pakistanischen Heimat offenbar (noch) nicht geschafft hat. Im Vordringen begriffen sind bei uns andere Methoden der Frauenvermummung, insbesondere der arabisch-sunnitische Nikab und seine zivilisiertere Variante, der Hidschab. Wer das nicht glaubt, ist eingeladen, einen Spaziergang durch die Straßen Münchens oder Berlins zu machen.

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Israel: Eine Statistik macht Hoffnung

Junge Israelis in einem arabischen Viertel von Jerusalem. Leider nichts Normales. Foto: REUTERS
Eine Erhebung des israelisch-palästinensischen Verhältnisses zeigt Chancen für Frieden. Vor mehr als zwei Jahren wurden die Friedensverhandlungen zwischen Israel und Palästina abgebrochen.

Von Inge Günther | Frankfurter Rundschau

Was Israelis und Palästinenser voneinander halten, lässt auf trübe Friedensaussichten schließen. Nur noch eine knappe Mehrheit ist für eine Zwei-Staaten-Lösung. Fast jeder zweite Israeli wie Palästinenser glaubt indes laut aktueller Umfragen, dass die jeweils andere Seite gar keinen Frieden will. Den Preis, also die nötigen Konzessionen für ein Abkommen, ist auch nur eine Minderheit bereit zu zahlen. Ein Lösungspaket, das neun Kernpunkte beinhaltet, wird gerade mal von 39 Prozent der palästinensischen Befragten unterstützt. Die

Zustimmungsrate unter jüdischen Israelis ist genauso gering. Allerdings befürworten 90 Prozent der arabischen Israelis die Vorschläge, die sich an den Kompromisslinien früherer Verhandlungsrunden orientieren, so dass das israelische Gesamtergebnis in diesem Aspekt auf 46 Prozent kommt.

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Wie sich Gott und die Wissenschaft vertragen

Bild: (c) Die Presse (Clemens Fabry)
Das Verhältnis von Religion und Wissenschaft ist nicht immer ohne Probleme. Auf den Universitäten macht sich das Spannungsfeld vor allem in den theologischen Studien bemerkbar – bei den Inhalten und bei der Personalauswahl.

Von Erich Kocina | Die Presse.com

Glauben gehört in die Kirche, Wissen auf die Universität – es wäre ein grobe Vereinfachung, diesen Satz einfach so stehen zu lassen. Doch tatsächlich stehen Religion und Wissenschaft in einem gewissen Spannungsfeld. Dann nämlich, wenn es um das Verhältnis der beiden zueinander geht. Wie sehr soll etwa die Religion in einer wissenschaftlichen Einrichtung mitbestimmen können? Eine Frage, die sich vor allem bei den theologischen Studien stellt – und genau darüber wird heute, Mittwoch, auch in Alpbach diskutiert. Vertreter von Universitäten, Religionsgemeinschaften und Bund sprechen über „Universitätsautonomie und Theologien“.

Nur ist die Theologie überhaupt eine Wissenschaft? „Natürlich“, sagt Oliver Henhapel, Leiter des Kultusamts im Bundeskanzleramt. „Letztlich geht es um Textinterpretation und historische Interpretation.“ Und natürlich haben theologische Studien auch eine spirituelle Dimension. Relevanter sei aber die Frage, wie sich die Freiheit der Wissenschaft und die Freiheit der Religion gegenüberstehen. Praktisch herunterbrechen lässt sich das auf die Frage der Autonomie, die die Theologie an der Uni von ihrer Religionsgesellschaft hat bzw. wie stark sie an sie rückgebunden ist.

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Daran hakt der Ausbau des Islamunterrichts

Radikale Islamisten versuchen oft junge Muslime zu ködern. Das gelingt leichter, wenn diese nicht viel über ihren Glauben wissen. Trotzdem hakt der Ausbau des Schulfaches – gerade in Ostdeutschland Quelle: Die Welt
Um Radikalisierung vorzubeugen, soll der Islamunterricht an deutschen Schulen ausgeweitet werden. Doch das Projekt gestaltet sich schwierig. In einer Region gibt es gar keine Religionsklassen.

Von Valerie Schmid | DIE WELT

Einen gewaltigen Rückschlag in Sachen islamische Religionsklassen gab es Anfang August: Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) brach die Gespräche mit vier islamischen Verbänden, darunter der türkisch-islamischen Religionsgemeinschaft Ditib, vorerst ab. Grund dafür war der Verdacht einer möglichen Abhängigkeit des Islamverbands von der türkischen Regierung in Ankara.

Doch nicht nur Rheinland-Pfalz hat mit dem Ausbau von islamischen Religionsklassen Probleme. Eine „Welt“-Umfrage ergab, dass nur in neun von 16 Bundesländern derzeit islamischer Unterricht angeboten wird. Oft scheitert die Einführung daran, dass es zu wenig qualifizierte Lehrkräfte gibt oder es an muslimischen Religionsgemeinschaften fehlt, die sich als passende Kooperationspartner erweisen. Denn für einen bekenntnisorientierten Religionsunterricht benötigt es eine Religionsgemeinschaft.

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Nahost-Historikerin: Nikab hat an deutschen Schulen nichts verloren

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Muslimische Schülerinnen mit Nikab dürfen vom Unterricht ausgeschlossen werden – das hat ein Gericht in Osnabrück entschieden. Der Beschluss ist umstritten, aber auch Nahost-Experten halten das Urteil für richtig.

stern.de

Die Nahost-Historikerin Ulrike Freitag findet es richtig, Musliminnen in deutschen Schulen das Tragen eines Gesichtsschleiers zu verbieten. „In Schulen, Ämtern und vor Gericht hat er nichts verloren“, sagte die Direktorin des Zentrums Moderner Orient (ZMO) in Berlin. Wenn eine Schülerin den Nikab vor männlichen Mitschülern und Lehrern nicht ablegen wolle, bleibe ihr immer noch die Möglichkeit, auf eine Mädchenschule zu wechseln.

Hintergrund der Debatte: Am Montag hatte das Verwaltungsgericht Osnabrück ein Nikab-Verbot für eine 18 Jahre alte muslimische Schülerin an einer Abendschule bestätigt.

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Religion und Sicherheit: Weg damit

Meera Jamal, 1982 in Karatschi geboren, arbeitete als Journalistin. Sie floh 2008 vor religiösen Extremisten. Heute lebt sie in Kassel. Deutsch von Sofia Glasl. (Foto: Heiko Meyer)

In meiner Heimat Pakistan trugen nur afghanische Einwanderinnen und Frauen aus den Slums Burka. Plötzlich aber ist sie auf der ganzen Welt zu sehen.

Von Meera Jamal | Süddeutsche.de

Als ich Anfang der Achtzigerjahre durch die Straßen von Karatschi lief, mit Freunden Fangen spielte und Fahrrad fuhr, da staunte ich beim Anblick von Frauen in Burka, denn man sah sie nicht oft. Zu den wenigen Frauen, die sie trugen, gehörten afghanische Einwandererinnen, die in dieser typischen blauen Burka gingen, von Kopf bis Fuß verhüllt, nur mit Aussparungen für Augen und Nase. Die andere Gruppe waren Frauen in den Slums. Sie steckten unter einem schwarzen Gewand mit einer Art Schleier, hinter dem sie ihr Gesicht verbargen. Weder meine Mutter noch andere Frauen in meiner Familie trugen jemals Burka, sondern einen Schalwar Kamis, die traditionelle Kleidung aus langem Gewand und Hose, mit einem Schal, der um den Hals geschlungen wurde.

Ein Großteil des Bundesstaats Punjab lebte von der Landwirtschaft. Männer und Frauen arbeiteten zusammen, um über die Runden zu kommen. Wenn die Männer auf den Feldern säten, kümmerten sich die Frauen um Haus und Vieh und brachten ihren Ehemännern Essen. Zur Erntezeit halfen die Frauen beim Schneiden und Verpacken der Ernte. In den Städten war die Burka noch nicht zum Symbol für die Moral der Frauen geworden. Sie bedeckten den Kopf, um den Älteren Respekt zu erweisen und den Traditionen zu folgen. Das war alles.

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Wie es um den Islam hierzulande bestellt ist

Hans Markus Heimann zeigt in seinem Buch, warum das Grundgesetz dem Kirchturm nicht näher steht als dem Minarett. (picture alliance / dpa / Ronald Wittek)
Deutschland diskutiert über Burka und Kopftuch, über Integration und Religion – doch wie es um den Islam hierzulande bestellt ist, darüber gibt es nur spärliche Informationen. Diese Lücke versuchen die Bücher der Journalistin Karen Krüger und des Rechtswissenschaftlers Hans Markus Heimann zu füllen.

Von Christiane Florin | Deutschlandfunk

Um es gleich vorwegzusagen: Beide Bücher kommen ohne steile Thesen aus. Und das verdient Lob. Denn auf dem Themenquadrat mit den Eckpunkten Religion, Staat, Recht und Politik tummeln sich schon viele Thesenritter. Die rufen: „Mohammed ist ein Verbrecher, die Kirchen sind Räuber, die Scharia verdrängt das Grundgesetz, Religion gehört ganz abgeschafft.“ Für Behauptungen dieser Art gibt es einen gut sortierten Markt der Kampf-, Streit und Schrei-Schriften.

Ein Buch wie „Deutschland als multireligiöser Staat“ von Hans Markus Heimann aber gibt es noch nicht. Heimann erklärt das deutsche Religionsrecht kompakt, nüchtern, bisweilen dröge, jedenfalls provozierend unaufgeregt. Und auch die „Reise durch das islamische Deutschland“ von Karen Krüger riskiert etwas Neues. Die Redakteurin der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ nimmt die Leser mit auf eine echte Erkundungstour und speist sie nicht mit einer Butterfahrt zum Salafisten-Erlebnisbauernhof ab.

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Verschwörungstheorie um den türkischen Jack Bauer

Ein türkischer Polizist steht Wache. (Foto: AFP)
Die Macher der erfolgreichen türkischen Serie „Tal der Wölfe“ planen einen Spielfilm, der von einem Putsch handelt. Alles Zufall – oder wissen die Filmemacher mehr, als sie wissen sollten?

Von Gökalp Babayigit | Süddeutsche.de

Nach dem Putschversuch in der Türkei haben Verschwörungstheorien Konjunktur. Unterstützer von Präsident Recep Tayyip Erdoğan beschuldigen das Ausland, die Aufrührer unterstützt zu haben, während Kritiker der AKP-Regierung den Präsidenten selbst als Regisseur eines inszenierten Putschversuchs sehen. Bei Vergeltungsaktionen des Staates werden nicht nur Soldaten und Journalisten, sondern auch Autorinnen wie Asli Erdoğan und Ex-Fußballer wie Hakan Şükür verhaftet.

Jetzt haben die Verschwörungstheoretiker das Showbusiness entdeckt: Die Macher der erfolgreichen TV-Sendung „Tal der Wölfe“ nämlich, so wurde nun bekannt, wollten für die dritte Spielfilmauskopplung der Geheimdienst-Serie den Namen „Kurtlar Vadisi – Darbe“ (Tal der Wölfe – Putsch) beim türkischen Patent-Institut rechtlich schützen lassen.

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Streit zwischen Österreich und Türkei eskaliert

Außenminister Çavuşoğlu (Foto: AFP)
Der türkische Botschafter wird aus Wien abgezogen. Österreich würde die PKK unterstützen, sagt Außenminister Çavuşoğlu.
 

Süddeutsche.de

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Österreich sind seit Wochen angespannt. Nachdem der österreichische Bundeskanzler Christian Kern einen Abbruch der EU-Beitrittsgespräche gefordert hatte, hagelte es Kritik aus der Türkei. Europaminister Ömer Celik konstatierte zunächst eine „Ähnlichkeit mit dem Ansatz der Rechtsextremisten in Europa“, später bezeichnete Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu Österreich als „Zentrum des radikalen Rassismus“.

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Gewerkschaft gegen Verbot der Vollverschleierung

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) lehnt den Ausschluss vollverschleierter Mädchen und Frauen vom Schulunterricht ab.

evangelisch.de

„Ein Verbot der Vollverschleierung ist der vollkommen falsche Weg“, sagte GEW-Hauptvorstand Ilka Hoffmann der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstagsausgabe). Frauen dürften nicht nur deswegen von Bildung ausgeschlossen werden, weil sie Burka oder Niqab tragen.

GEW: Einzige Möglichkeit für Kontakte

Laut Hoffmann ist Schule für vollverschleierte Mädchen aus strengkonservativen islamischen Haushalten oft die einzige Möglichkeit, Kontakt zu Gleichaltrigen aufzunehmen. „Im Unterricht kann sich das Selbstbewusstsein herausbilden, das nötig ist, um entgegen der Familientradition den Schleier abzunehmen“, sagte sie. Dieser Prozess müsse gefördert und nicht behindert werden.

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Schwäbische Politiker bremsen Salafisten aus

Dank der Raffinesse schwäbischer Kommunalpolitiker dürfen sich Salafisten in Fellbach nicht niederlassen. Der Gemeinderat änderte den Bebauungsplan und schob der Missionierung einen Riegel vor.

DIE WELT

Salafisten sind in Fellbach bei Stuttgart daran gehindert worden, ein Missionierungszentrum aufzubauen. Nach einer Warnung des Landeskriminalamts (LKA) blockierte die Stadt die Ansiedlung des Zentrums im Fellbacher Ortsteil Oeffingen vor eineinhalb Jahren mit der Änderung des Bebauungsplans. Das sagte ein Sprecher der Stadt. Das Landeskriminalamt wollte sich nicht zu dem Vorfall äußern.

„Der Gemeinderat ist eingeschritten und hat durch eine Änderung des Bebauungsplans religiöse Versammlungen in dem betroffenen Teil des Gewerbegebiets untersagt und so die Ansiedlung verhindert“, sagte Sprecher Arnold Marhoffer. Der „Spiegel“ hatte am Wochenende zuerst über den Fall berichtet.

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Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime: „Aus meiner Sicht sind alle Religionen frauenfeindlich“

Foto: brightsblog
Foto: brightsblog
Der Zentralrat der Ex-Muslime setzt sich für die Rechte derer ein, die nicht mehr glauben. Die Vorsitzende des Zentralrats, Mina Ahadi, wurde im Iran wegen Apostasie, also Abfall vom Islam, zum Tode verurteilt. Auch in Deutschland, so sagt sie, müsse mittlerweile das moderne, säkulare Leben verteidigt werden.

Von Lisa Dorn | Deutschlandfunk

„Wir Menschen, die aus sogenannten islamischen Ländern nach Deutschland gekommen sind, waren vorher Ausländer und im Laufe der Zeit wurden wir Muslime. Wir haben gesagt, wir haben abgeschworen, wir sind nicht mehr Muslime, wir sind Ex-Muslime und wir haben auch eine Organisation gegründet: „Zentralrat der Ex-Muslime“, sagt Mina Ahadi.

Es gibt keine Möglichkeit, formal aus der muslimischen Glaubensgemeinschaft auszutreten. Mina Ahadi hat einen anderen Weg gefunden, um nicht mehr dazu gezählt zu werden. 2007 hat sie zusammen mit anderen den Zentralrat der Ex-Muslime gegründet, heute ist sie die Vorsitzende. Sie stammt aus dem Iran, studierte dort Medizin. 1996 kam sie nach Deutschland.

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Schülerin darf nicht mit Niqab in den Unterricht

Bild: Reuters
Bild: Reuters
  • Die Schülerin eines Abendgymnasiums in Osnabrück hatte geklagt, weil ihr der Zugang zum Unterricht mit Niqab verwehrt wurde.
  • Die Schule begründete, dass sie ihrem Bildungsauftrag bei der Frau nicht nachkommen und ihre Anwesenheit im Unterricht nicht zweifelsfrei kontrollieren könne.
  • Das Verwaltungsgericht hat die Klage abgewiesen und der Schule Recht gegeben.

Süddeutsche.de

Wie weit reicht die Religionsfreiheit in Deutschland? Darf der Staat religiöse Zeichen an bestimmten Orten verbieten? Und wenn ja, welche? Alles Fragen, die tagtäglich verhandelt werden müssen – auch im Bildungswesen. Dort hat nun erneut ein Gericht entschieden, dass die Religionsfreiheit Grenzen hat.

Eine muslimische Schülerin, die wegen ihrer Vollverschleierung vom Unterricht an einem Abendgymnasium ausgeschlossen wurde, war gegen die Schule vor Gericht gezogen. Ein nicht-öffentlicher Prozesstermin musste zwar kurzfristig abgesagt werden, da die Frau wegen des großen Medieninteresses nicht erscheinen wollte. Trotzdem entschied das Verwaltungsgericht Osnabrück, dass ihr der Besuch des Abendgymnasiums mit Niqab weiterhin untersagt wird.

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Palästinenser würden lieber Fatah als Hamas wählen

Im Falle einer Parlamentswahl in den Palästinensergebieten würden aktuell mehr Menschen für die gemässigtere Fatah-Partei stimmen als für die radikalislamische Hamas. Dies ist das Ergebnis einer Befragung, die das Israelische Institut für Demokratie und das Palästinensische Zentrum für Politik- und Meinungsforschung am Montag in Jerusalem vorgestellt haben.

Neue Zürcher Zeitung

Für Anfang Oktober sind Kommunalwahlen im Westjordanland und dem Gazastreifen angesetzt. Sie gelten als Stimmungstest für den umstrittenen Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas (Fatah).

Es wären die ersten Kommunalwahlen im Gazastreifen seit mehr als zehn Jahren. Seit 2006 hat es in den Palästinensergebieten keine Parlamentswahlen mehr gegeben. Nach der Umfrage bekäme die Fatah sowohl im Westjordanland mehr Stimmen als auch im von der Hamas regierten Gazastreifen. Insgesamt käme die Fatah auf 34,4 Prozent und die Hamas auf 30,5 Prozent.

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„Die AKP ist eine islamistische Partei“

Der Islamwissenschaftler Bassam Tibi (picture-alliance / dpa / Karlheinz Schindler)
Die Türkei sei früher ein von allen liberalen Muslimen bewundertes Modell gewesen, sagt der Politikwissenschaftler Bassam Tibi. Dieses Modell einer Trennung von Religion und Politik sei jetzt zu Ende. Die AKP wolle – wie alle Islamisten – einen Scharia-Staat errichten.
 

Moderation Axel Flemming | Deutschlandradio Kultur

Der Islamwissenschaftler Bassam Tibi beurteilt die derzeitigen politischen Entwicklungen in der Türkei als großes Hindernis für den gewünschten EU-Beitrag des Landes:

„Die Türkei war noch nie so entfernt von der EU wie sie heute ist.“

Seiner Einschätzung nach reihe sich die in der Türkei herrschende AKP in eine Geschichte von islamistischen Parteien seit 1970 ein, sagte der Politikwissenschaftler im Deutschlandradio Kultur:

„Die AKP hat sich verkauft als eine türkische Parallele zur CDU, also als islamisch-konservativ. Aber aus meinen inneren Kenntnissen der AKP und der Türkei weiß ich: Die AKP ist nicht islamisch-konservativ, sondern islamistisch. Und seit ihrer Gründung 2001 hat diese Partei enge Verbindungen zu den Moslem-Brüdern in Ägypten, Syrien; zur Hamas und zu allen andere Organisationen. Und die AKP ist auch anti-kurdisch.“

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Über die Burka zu sprechen, hat nichts mit Islamfeindlichkeit zu tun

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Für mich bleibt die Vollverschleierung und insbesondere die Idee dahinter menschenunwürdig.
 

Von Cem Özdemir | The European

Ich kann das Unbehagen, das eine vollverschleierte Person im öffentlichem Raum auslöst, gut verstehen, denn es ist auch mein Unbehagen. Ich bin nicht in der Lage meinen fragenden Kindern zu erklären, warum diese Frau sich so kleidet. Wegen der Religion? Wegen des Mannes?

Nichts überzeugt mich oder meine Kinder. In der Ablehnung der Burka und vergleichbarer Vollverschleierungen von Frauen sind sich die große Mehrheit der Muslime bei uns mit den Christen und Atheisten einig. Über dieses Unbehagen zu sprechen, hat nicht automatisch mit Islamfeindlichkeit zu tun, sondern mit einer Einstellung gegenüber Frauenrechten. Es hat aber gar nichts mit der inneren Sicherheit zu tun, so wie die Innenminister der Union tun.

Die scheinheilige Moral der CDU

Ich kann nicht erkennen, dass es denen, die von Seiten der Berliner CDU das Thema gerade im dortigen Landtagswahlkampf pushen, vor allem um die Frauen geht. Die Moral bei manchen in der Union ist ohnehin scheinheilig bei dem Thema. Man würde sich wünschen, dass sie die Energie, die sie in dieses Thema stecken auch in die Unterstützung von Lehrern und Erziehern stecken würden, um die ideellen Wurzeln des Islamismus zu bekämpfen und dabei auch ein klares Wort an Saudi-Arabien richten, der Heimat des besonders fundamentalistischen Wahabismus. Wer zu Waffen nach Saudi-Arabien und zu Menschenrechtsverletzungen dort schweigt, ist hier nicht glaubwürdig, wenn er hier große Reden über Frauenrechte schwingt.

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Verwerfungen vor der Schlacht um Mossul

foto: reuters Ein aus Mossul geflüchteter Mann zeigt Soldaten der irakischen Armee Stellungen des IS im Süden der umkämpften Großstadt.
Die irakische Regierung in Bagdad will nicht, dass die zweitgrößte irakische Stadt von Kurden befreit wird.

Von Gudrun Harrer | derStandard.at

Im Gefängnis von Nasiriya im Südirak wurden am Sonntag 36 Männer für ihre Beteiligung am „Massaker von Camp Speicher“ gehängt: Im Juni 2014 verschleppte der „Islamische Staat“ (IS) auf seinem Vormarsch bei Tikrit von einer Militärbasis (der die USA nach 2003 den Namen Camp Speicher gegeben hatten) bis zu 1700 unbewaffnete schiitische Rekruten, die allesamt ermordet wurden. Allerdings ist das Vertrauen in die irakische Justiz nicht sehr groß: Mit Todesurteilen ist das System schnell an der Hand, was auch international oft kritisiert wird.

Aus Tikrit wurde der IS bereits 2015 vertrieben, Mossul hingegen, die zweitgrößte Stadt des Irak mit einstmals zwei Millionen Einwohnern, ist noch immer besetzt. Laut General Sean MacFarland, derzeit noch US-Kommandeur der „Operation Inherent Resolve“ gegen den IS, wird die Schlacht um Mossul jedoch eher früher als später anlaufen. Auch der irakische Premier Haidar al-Abadi kündigt eine Rückeroberung noch dieses Jahr an. Im Osten der Stadt haben zuletzt kurdische Peschmerga ein Dutzend Dörfer erobert und stehen teilweise nur sieben Kilometer vor der Stadt; im Süden haben die irakischen Sicherheitskräfte im Gebiet um Qayyara Erfolge aufzuweisen.

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Al-Azhar-Universität in Kairo: „Der Niqab schadet dem Islam“

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Die Al-Azhar-Universität in Kairo vertritt eine klare Meinung: «Der Niqab schadet dem Islam». Die Gelehrten haben die Debatte um die Verhüllung bereits im Oktober 2009 losgetreten.

Aargauer Zeitung

Als Frankreich vor fünf Jahren den islamischen Gesichtsschleier verbot, erhielten die Pariser Senatoren Beifall von ungewohnter Seite. «An Europa und Frankreich möchte ich als Botschaft schicken – der Niqab hat keine Grundlage im Islam, er schadet vielmehr dem Ansehen des Islam», schrieb Abdel Muti Al-Bayyumi, Mitglied des Hohen Geistlichen Rates der Al-Azhar in Kairo, der höchsten Lehrautorität der sunnitischen Muslime. In dieser heiklen Frage wusste Al-Bayyumi sich auch mit seinem Chef einig, Grossscheich Ahmed al-Tayeb.

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AfD versucht weiter, Moscheebau in Erfurt zu stoppen

Proteste in Erfurt – AP
Die Thüringer AfD hat einen zweiten Versuch gestartet, mit einem Bürgerbegehren den in Erfurt geplanten Moscheebau zu verhindern. Der Antrag greife die rechtlichen Einwände auf, derentwegen die Stadt Ende Juli die erste Version derselben Antragsteller abgelehnt hatte, so die AfD in einer Stellungnahme.

Radio Vatikan

Zur Begründung hatte die Stadt Erfurt angeführt, dass der Antrag gegen das Bauplanungsrecht verstoße: „Ein Bebauungsplan, der ohne städtebauliches Konzept der bloßen Verhinderung eines Vorhabens dient, ist unzulässig und gesetzwidrig“. Der Antrag sah vor, mit einer Änderung des Bebauungsplans zu erreichen, „dass Anlagen für kirchliche und kulturelle Zwecke nicht errichtet werden dürfen“.

Für das Moscheeprojekt hat die Ahmadiyya-Gemeinde bei der Stadt Erfurt bereits einen Bauvorantrag gestellt. Sie plant ein Gebäude mit Kuppel und Zierminarett. Es wäre der erste Moschee-Neubau in Thüringen und – mit Ausnahme von Berlin – nach Leipzig und Chemnitz das dritte derartige Projekt in einem der ostdeutschen Bundesländer. Die Kirchen und alle im Thüringer Landtag vertretenen Parteien außer der AfD begrüßen das Vorhaben grundsätzlich.