Niedersachsen: Achtklässlerin kommt seit drei Jahren mit Nikab zur Schule

Bild: Wikimedia Commons/Steve Evans
Bild: Wikimedia Commons/Steve Evans

Seit Jahren sehen Mitschüler und Lehrer nur die Augen der Achtklässlerin: Obgleich eine Vollverschleierung im Unterricht verboten ist, hat eine Schule im niedersächsischen Belm erst jetzt die Behörden eingeschaltet. Warum?

SpON

Häufig hat die Johannes-Vinke-Schule in Belm bei Osnabrück, Niedersachsen, versucht, die Schülerin und ihre Mutter umzustimmen – ohne Erfolg. Wie die „Neue Osnabrücker Zeitung“ („NOZ“) berichtet, kommt die heutige Achtklässlerin bereits seit dem Schuljahr 2013/2014 mit einem Nikab zur Schule. Dieser Schleier lässt nur einen schmalen Sehschlitz frei.

Nun hat die Schule die Behörden eingeschaltet: Laut „NOZ“ meldete die Schulleiterin der Belmer Oberschule den Fall Ende August 2016 an die Landesschulbehörde. Kurz zuvor hatte das Verwaltungsgericht Osnabrück entschieden, dass ein Abendgymnasium eine Nikab-tragende Schülerin abweisend darf. Schule und Schulbehörde argumentierten, mit Nikab sei im Klassenraum keine offene Kommunikation mehr gewährleistet.

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Burkaverbot in der Schweiz: Als würde Afghanistan die Wehntaler Tracht verbieten

Frauen in London mit Niqabs. Bild: PaoloNapolitano/CC-BY-SA-3.0
Frauen in London mit Niqabs. Bild: PaoloNapolitano/CC-BY-SA-3.0
Mit knapper Mehrheit hat sich der Schweizer Nationalrat für ein Verbot von Burka, Niqab und Co. ausgesprochen

Von Fabian Köhler | TELEPOLIS

Das afghanische Parlament hat sich am Dienstag für ein Verbot der Wehntaler Tracht ausgesprochen. Mit knapper Mehrheit votierten die Abgeordneten des Unterhauses Wolesi Dschirga dafür, das Tragen des schweizerischen Schleiers zukünftig in der Öffentlichkeit zu verbieten. Parlamentssprecher Mohammad Younis Qanooni sagte, die Tracht „symbolisiert die fehlende Integrationsbereitschaft von Menschen, die aus Aargau zu uns an den Hindukusch“ kommen und sei „mit dem paschtunischen Menschenbild nicht zu vereinen“. Damit kommt das afghanische Parlament einer Forderung nach, die zuerst die schweizkritischen Taliban erhoben hatten.

Die Meldung ist natürlich Quatsch. So wenig die Wehntaler Tracht auch mit der islamischen Grundordnung Afghanistans gemein hat, so sicher ist auch, dass niemand in Afghanistan auf die Idee käme, sie zu verbieten. Der einfache Grund: In Afghanistan trägt niemand das schwarz-blaue Kleid mit Fächer-Mütze. Ganz anders verhält es sich in der Schweiz. Dort trägt zwar auch niemand die afghanische Burka, verboten werden soll sie dennoch. Hier die echte Meldung:

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Saudi-Arabien droht Amerika

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Saudi-Arabien droht Amerika mit ernsten Konsequenzen. Grund ist ein neues Gesetz, das den Hinterbliebenen des Anschlag vom 11. September eine Klage gegen Saudi-Arabien ermöglicht.

Frankfurter Allgemeine

Saudi-Arabien hat ein neues amerikanisches Gesetz für Klagen im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 scharf verurteilt. Es sei ein Grund für große Besorgnis, teilte das Außenministerium in Riad am Donnerstag mit. Ohne Änderungen drohten ernste Konsequenzen. Der Kongress hatte am Mittwoch mit großer Mehrheit ein Veto von Präsident Barack Obama überstimmt und ein Gesetz verabschiedet, mit der Angehörige der Anschlagsopfer den Golfstaat auf Entschädigung verklagen können. Hintergrund ist, dass 15 der 19 Attentäter aus dem Königreich kamen.

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Brandenburgs Landtag lehnt Burka-Verbot ab

Kein Verbot für Burka und Nikab in Brandenburg. Quelle: dpa
Kein Verbot für Burka und Nikab in Brandenburg. Quelle: dpa
Über die Vollverschleierung von Frauen entzünden sich in weiten Teilen Europas große Debatten. Nun hat die AfD das Thema auch in den Potsdamer Landtag gebracht – doch der Gesetzesentwurf ist am Donnerstag abgeschmettert worden.

Märkische Allgemeine

Der Brandenburger Landtag hat einen Vorstoß der AfD für ein Verbot von Burka und Nikab abgeschmettert. Nach einer hitzigen Debatte um Religionsfreiheit und Frauenrechte lehnten die Abgeordneten einen entsprechenden Gesetzentwurf am Donnerstag ab.

Die AfD hatte dafür argumentiert, dass eine große Mehrheit der Deutschen laut Umfragen ein Verbot der Vollverschleierung befürworte. Viele muslimische Frauen würden unter dem Zwang der Vollvermummung leiden, sagte die parlamentarische Geschäftsführerin der AfD, Birgit Bessin. Zudem habe der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte das Burka-Verbot in Frankreich für rechtens erklärt.

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Große Zweifel an spektakulärem Islamisten-Interview

 Bereits am 26.09. berichtete Jürgen Todenhöfer auf N24 von seinem umstrittenen Interview mit einem angeblichen Kommandeur der Nusra-Front. Nun werden zunehmend Zweifel an der Echtheit des Interviews laut. Quelle: Die Welt
Bereits am 26.09. berichtete Jürgen Todenhöfer auf N24 von seinem umstrittenen Interview mit einem angeblichen Kommandeur der Nusra-Front. Nun werden zunehmend Zweifel an der Echtheit des Interviews laut. Quelle: Die Welt
Der Journalist Jürgen Todenhöfer hat ein Interview mit einem angeblichen Al-Nusra-Kommandeur veröffentlicht.

Von Alfred Hackensberger | DIE WELT

  • Doch es gibt Zweifel an der Echtheit. Manche glauben, er habe sich in die Irre führen lassen.
  • Vor allem der IS-Experte Hassan Hassan führt Punkte an, die Zweifel an der Authentizität des Gesprächspartners nähren.

Der Geländewagen rollt im Schritttempo über eine staubige Piste den Abhang hinunter. Vorneweg marschiert ein bewaffneter Soldat in Militäruniform. „Wir sollten hier nicht runterfahren“, sagt der Mann hinter dem Steuer. „Wenn sie irgendetwas Schlimmes vorhaben, sitzen wir fest. Wir können uns nicht wehren.“ So beginnt ein Video, das Jürgen Todenhöfer von seiner 13-tägigen Syrienreise im September durch die vom Regime kontrollierten Gebiete mitbrachte.

Die Situation in einem Steinbruch bei Aleppo wirkt tatsächlich gefährlich. Der ehemalige CDU-Politiker lässt sich davon nicht abhalten, sein Interview mit Abu al-Ezz zu führen, einem Kommandeur der al-Qaida nahen Nusra-Front. Es sollte sein „schwierigstes“ Gespräch überhaupt im Syrien-Krieg werden, wie Todenhöfer im Internet danach schrieb.

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Türkei verbietet kurdischsprachigen Kindersender

Seit Ewigkeiten auch im ORF ausgestrahlte Kindersendungen wie Biene Maja halten die türkischen Behörden Kurdisch synchonisiert nun nach dem Militärputsch als Gefahr für die nationale Sicherheit. / Bild: imago/United Archives
Seit Ewigkeiten auch im ORF ausgestrahlte Kindersendungen wie Biene Maja halten die türkischen Behörden Kurdisch synchonisiert nun nach dem Militärputsch als Gefahr für die nationale Sicherheit. / Bild: imago/United Archives
Dass Biene Maja & Co. auf Kurdisch gezeigt werden, gilt in der Türkei nach dem Putschversuch vom Juli jäh als Gefahr für die nationale Sicherheit.

Die Presse.com

Nach der Schließung Dutzender Medien per Notstandsdekret seit dem gescheiterten Militärputsch Mitte Juli haben die türkischen Behörden nun die Ausstrahlung von zahlreichen vor allem pro-kurdischen Fernsehprogrammen gestoppt. Auf Antrag des Rundfunk-und Fernsehrates RTÜK habe der Satelliten- und Kabelanbieter „Türksat“ zwölf Fernseh- und elf Radiosender aus dem Programm gestrichen, meldete am Donnerstag die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

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Und Gott gab dem Mann die Lizenz zum Töten, … – Wer`s glaubt, wird selig

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Was macht eine urdeutsche islamische Konvertitin, Burka-Trägerin in einer politischen Unterhaltungs-Sendung des öffentlich rechtlichen Fernsehens? Stell nur ich mir diese Frage? Sicher hat sich die Redaktion von “Hart aber fair“ das auch vor der Sendung am 12.09.2016 gefragt. Und sie hatten sofort die richtige Antwort: Sie bringt Quote! Sie zeigt kein Gesicht und bringt damit Quote.

Von Angela Klassmann | fraupolitik

Wahrscheinlich diskutiert demnächst auch Sven Lau, islamistischer Konvertit, selbsternannter Scharia-Prediger in “Hart aber fair“. Der bringt doch bestimmt Quote! Wenn er über die Scharia philosophiert. Und über das “religiöse“ Recht von Terroristen, ganz frei und selbst bestimmt nach ihrem Religions- und Rechtsverständnis jeden abzuschlachten, der oder die nicht ihrer Meinung sind.

Noch ein Vorschlag für die Redaktionen: Lassen wir doch mal ein nach “religiösem“  Recht verheiratetes zehnjähriges Kind zu Wort kommen. Natürlich in Gegenwart des erwachsenen Ehemannes und Missbrauchers und selbstverständlich in vorgeschriebener “religiöser“ Kleidung. Es darf dann den Fernsehzuschauern erklären, wie toll das ist, als Kind vergewaltigt zu werden. Wie es sich darauf freut, mit zwölf Jahren bereits das erste Mal Mutter zu sein. Das bringt richtig Quote!

Wir schauen uns diese politischen Unterhaltungs-Shows an, regen uns vielleicht noch ein wenig bei Twitter oder Facebook auf und gehen dann ruhig schlafen. Diskriminierung, Gewalt und Missbrauch im Namen einer fundamentalistischen Religionsauslegung wird so gerade salonfähig in Deutschland.

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„Playboy“ zeigt erstmals Frau mit Kopftuch

Noor Tagouri hatte es nicht immer leicht in den USA, dennoch hat sie als Journalistin Karriere gemacht. (Foto: instagram.com/ntagouri)
Noor Tagouri hatte es nicht immer leicht in den USA, dennoch hat sie als Journalistin Karriere gemacht. (Foto: instagram.com/ntagouri)
Noor Tagouri ist eine zielstrebige Journalistin und lässt sich als erste Muslima in der Oktoberausgabe des US-Magazins „Playboy“ ablichten. Obwohl sie dabei angezogen bleibt, erntet sie nicht nur Lob.

n-tv

Das Männermagazin „Playboy“ war lange berühmt für seine „Bunnys“ und Nacktfotos – nun zeigt es zum ersten Mal eine Muslimin mit Kopftuch. In einer Artikelserie über Frauen und Männer, die „alles riskiert haben, um das zu tun, was sie lieben“, erscheint die US-Journalistin Noor Tagouri in Turnschuhen, Jeans, schwarzer Lederjacke und Hidschab. Die Premiere in der US-Oktoberausgabe erhielt Lob, aber auch Kritik.

Die 22-jährige Tagouri arbeitet für ein Videonachrichten-Netzwerk namens Newsy und berichtet im US-„Playboy“ von ihren Erfahrungen als junge Muslimin, die in den Vereinigten Staaten aufwuchs. Die Schwierigkeiten, die sie gehabt habe, hätten ihr letztlich die Kraft gegeben, ihre Karriere voranzutreiben, sagt die Journalistin mit libyschen Wurzeln, die davon träumt, eines Tages die erste Moderatorin einer Haupt-Nachrichtensendung mit Kopftuch zu werden.

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Muslime in Deutschland

Moscheekuppel © Islamwoche Berlin
Moscheekuppel © Islamwoche Berlin
In einer Zeit, in der die Öffentlichkeit in fast inflationärer Weise mit Erklärungen, Aufrufen und Deklarationen zur Islam-Debatte überschüttet wird, braucht es eine grundlegende Standortbestimmung. Es ist unverzichtbar, die Grundkoordinaten der aktuellen Diskussionen offenzulegen, um Akteure, Positionen und Argumente richtig einordnen zu können. Im Folgenden ein erster Auftakt für diese Standortbestimmung in 10 Thesen.

Von Murat Kayman | MiGAZIN

These 1 – Das Narrativ des gesellschaftlich „Anderen“ hat einen historischen Transformationsprozess durchlaufen, resultiert aber gleichzeitig in der Perpetuierung der Vorstellung vom „Fremden“ – und das trotz der gestiegenen muslimischen Bemühungen zur Beheimatung ihres Glaubens und ihrer Gemeinden

Beginnend mit dem „Gastarbeiter“ in den Anfangsjahren der „Gastarbeitermigration“ bis in die 1980er Jahre hinein waren Muslime vor allem die kulturell Fremden – jene, die anders riechen, anders aussehen, anders reden. Damals hat man sie noch nicht Muslime genannt, sondern Türken.

Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung und der Herausforderung, ein neues deutsches „Wir“ zu konstruieren, wandelte sich das Bild dieses „Türken“ bis Anfang der 2000er Jahre zu dem, eines nationalen Fremden. Im Fokus standen Fragen des Staatsangehörigkeitsrechts, des Doppelpasses, des „Beileidstourismus“. Unausgesprochen, vielleicht auch nur unterbewusst, ging es um die Frage, wer der „deutsche Bürger“ ist. Der „Ausländer“, der seit 40 Jahren fest in der bundesrepublikanischen Wirklichkeit verankert war oder der „Ossi“ nach 40 Jahren Sozialisation als politischer Gegner im Kalten Krieg?

Spuren dieses Wandels finden sich auch in den Schmähungen als exkludierende Begleitmusik jener Zeit: Aus „Kümmel-Türken“ und „Knoblauchfressern“ wurden „Ausländer“, denen possessiv deutlich gemacht wurde, dass „Deutschland den Deutschen“ gehört.

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US-Kongress überstimmt erstmals Veto von Präsident Obama

 Das Innere des US-Parlaments (Archivbild). (Foto: picture alliance / dpa)
Das Innere des US-Parlaments (Archivbild). (Foto: picture alliance / dpa)
  • Erstmals in seiner Regierungszeit ist ein Veto des US-Präsidenten Barack Obama vom Kongress überstimmt worden.
  • Damit ist der Weg frei für einen Gesetzesentwurf, demgemäß die Hinterbliebenen der Opfer vom 11. September 2001 den Staat Saudi-Arabien verklagen können.
  • Die meisten der Attentäter bei den schweren Terroranschlägen waren saudi-arabische Staatsbürger.

Süddeutsche.de

Trotz aller Warnungen aus dem Weißen Haus und dem Pentagon kann nun in den USA ein Gesetzesentwurf in Kraft treten, der Klagen gegen Saudi-Arabien wegen einer möglichen Verwicklung in die Anschläge vom 11. September 2001 ermöglicht.

Senat und Repräsentantenhaus des US-Kongresses stimmten am Mittwoch mit klarer Mehrheit für den Entwurf und überstimmten so zugleich ein entsprechendes Veto von US-Präsident Barack Obama. Kurz vor dem Ende seiner zweiten Amtszeit muss Obama damit zum ersten Mal eine Niederlage vor dem Kongress hinnehmen.

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Weg frei für längeren Ausnahmezustand in der Türkei

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan / Bild: (c) Reuters
Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan / Bild: (c) Reuters
Der Sicherheitsrat empfiehlt die Verlängerung des Ausnahmezustands. Eigentlich hätte er am 18. Oktober enden sollen. Nun kann Staatspräsident Erdogan weiter per Notstandsdekret regieren.

Die Presse.com

Der Nationale Sicherheitsrat der Türkei hat eine Verlängerung des Ausnahmezustands in dem Land empfohlen und damit den Weg für die umstrittene Maßnahme freigemacht. Unter dem Vorsitz von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan habe sich das Gremium für die Verlängerung ausgesprochen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu Donnerstagfrüh.

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Brandenburgs Polizei bekommt Dezernat gegen Islamismus

Bild: rbb|24
Bild: rbb|24
Islamistischer Terrorismus wird nach Ansicht von Polizeipräsident Mörke auch in Brandenburg ein Problem bleiben. Aus diesem Grund wandelt das Land eine Arbeitsgruppe, die sich bislang auf Zeit mit dem Thema befasste, um in eine feste Abteilung. 20 Experten sollen dort arbeiten.

rbb|24

Für den Kampf gegen islamistischen Terror richtet Brandenburgs Polizei ein eigenes Dezernat ein. Der Pressesprecher der Polizei in Potsdam, Mario Heinemann, bestätigte rbb|24 am Dienstag einen entsprechenden Bericht der „Märkischen Allgemeinen Zeitung„. Das Dezernat ist demnach am Landeskriminalamt in Eberswalde angesiedelt und soll am 1. November die Arbeit aufnehmen.

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Die offene Gesellschaft sägt an dem Ast, auf dem sie sitzt

© dpa Überwachungskameras am Alexanderplatz in Berlin
© dpa Überwachungskameras am Alexanderplatz in Berlin
Bundeswehreinsätze im Innern, doppelte Staatsbürgerschaft als Sicherheitsrisiko: Beim Kampf um mehr Sicherheit werden Menschen- und Bürgerrechte zur Disposition gestellt. Die offene Gesellschaft sägt an dem Ast, auf dem sie sitzt.

Von Gerhart Baum, Konstantin Kuhle | Frankfurter Allgemeine

Ob Flüchtlingskrise, Islam oder Terrorismus – die Art und Weise, wie wichtige Debatten hierzulande geführt werden, verdeutlicht: Westliche Gesellschaften geraten immer mehr in einen Zustand der Verängstigung und Verunsicherung. Grundlegende Menschen- und Bürgerrechte werden zur Disposition gestellt. Statt diesen Prozess zu entschärfen und zu moderieren, wirken Politik und Medien mitunter als Beschleuniger.

Kürzlich aus Kreisen der Union veröffentlichte Pläne enthalten Vorschläge zur automatischen Gesichtserkennung und zur Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung. Hinzu kommen Rufe nach einem Einsatz der Bundeswehr im Innern und nach einer Aufweichung der ärztlichen Schweigepflicht. Parallel dazu werden Zweifel genährt, ob sich türkischstämmige deutsche Staatsbürger auf die Versammlungsfreiheit berufen können. Pauschal werden Inhaber zweier Staatsbürgerschaften zum Sicherheitsrisiko erklärt. In unserem Nachbarland Frankreich wird der Ausnahmezustand in der Verfassung verankert.

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Saudi-Arabien pocht auf Einhaltung von Rüstungsverträgen

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Der Jemenkrieg befeuert die Debatte über Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien. Riads Militärsprecher Asiri beteuert, dass sich das Königreich an bestehende Vereinbarungen halte – und fordert dasselbe von Deutschland.

Von Matthias Gebauer, Christoph Sydow | SpON

Ahmed al-Asiri ist eines der bekanntesten Gesichter des saudi-arabischen Militärs. Der Brigadegeneral ist seit März 2015 Sprecher der von Riad angeführten Militäroperation im Jemen. Dort tobt seit zwei Jahren ein blutiger Konflikt, Tausende sind gestorben.

Dass sein Land deutsche Waffen im Jemen einsetzt, bestreitet Asiri im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Derzeit hält er sich zu politischen Gesprächen in Berlin auf. Er hat eine klare Botschaft an die Bundesregierung: In der Debatte um Ersatzteile für eine Rüstungsfabrik in Saudi-Arabien pocht er auf Einhaltung bestehender Verträge.

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„Religionsfreiheit der Muslime gehört zu Deutschland“

2006 begann der Dialog zwischen Staat und Muslimen. Die Bilanz: Luft nach oben. De Maizière fordert Transparenz von Islamverbänden. Schäuble spricht über das Versäumnis deutscher Einwanderungspolitik.

DIE WELT

Es ist eine Erfolgsgeschichte, wenn auch eine verkrampfte: Zum zehnjährigen Bestehen der Deutschen Islamkonferenz haben Vertreter von Staat und muslimischen Verbänden das Gremium als Erfolg gewürdigt.

Angesichts der Zuwanderung und der aufgeheizten Debatte über den Islam sei es heute aber umso wichtiger, dass es das Gesprächsforum gebe, sagte der Gründer, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), bei einem Festakt in Berlin.

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Deutschland: Gülen-Anhänger – Türkei fordert Auslieferung

Während des Putschversuchs wandte sich Präsident Erdogan per Videoanruf an das türkische Volk. Jetzt sollen die vermeintlichen Hintermänner des Putsches verhaftet werden. Foto: REUTERS
Während des Putschversuchs wandte sich Präsident Erdogan per Videoanruf an das türkische Volk. Jetzt sollen die vermeintlichen Hintermänner des Putsches verhaftet werden. Foto: REUTERS
Der Putschversuch ist vereitelt, nun macht sich die Erdogan-Regierung daran, die vermeintlichen Drahtzieher dingfest zu machen. Dabei fordern sie die Hilfe von deutschen Behörden an.

Frankfurter Rundschau

Die türkische Regierung hat einem Medienbericht zufolge einen erneuten Vorstoß zur Auslieferung von zwei prominenten mutmaßlichen Gülen-Anhängern aus Deutschland unternommen. Die türkische Botschaft in Berlin habe das Auswärtige Amt aufgefordert, den Aufenthaltsort der früheren Staatsanwälte Zekeriya Öz und Celal Kara zu ermitteln, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montagabend unter Berufung auf Diplomatenkreise.

Grundlage seien Medienberichte, wonach sich Öz und Kara derzeit in Freiburg aufhielten. Sollte sich das bewahrheiten, fordere die Türkei die sofortige Festnahme und Auslieferung der Verdächtigen.

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Mathias Rohe: „Die Millionen Islamexperten sind eine Landplage“

Bild: Mathias Rohe
Bild: Mathias Rohe
Mathias Rohe hat das erste Überblickswerk zum Islam in Deutschland vorgelegt. Was hält er von den Diskussionen um Burkaverbot, Ditib und Terrorismus? Und ab wann wird Islamkritik zu Islamhass? Ein Interview.

Von Sebastian Dalkowski | RP Online

Ihr Buch lässt den Schluss zu, dass Sie ein Freund der Sachlichkeit sind. Doch was zum Thema Islam im Umlauf ist, müsste selbst Sie zur Weißglut treiben.

Mathias Rohe Ich habe mir abgewöhnt, meinen Blutdruck von Publikationen abhängig zu machen. Es stimmt, dass es eine destruktive Literatur gibt, die so weit von den Fakten weg ist, dass sie die Atmosphäre vergiftet. Das gilt für die Texte von Islamverherrlichern genauso wie für die von Islamhassern. Aber ich lese auch viel Vernünftiges. Es gibt eine breite Mitte von Leuten mit unterschiedlichen Blickwinkeln.

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Entwicklungsminister: Religion ist starke gesellschaftliche Gestaltungskraft

Gerd Müller (2009), Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/ConradNutschan
Gerd Müller (2009), Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/ConradNutschan

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat die gesellschaftliche Kraft der Religion unterstrichen. Religion sei „eine der stärksten gesellschaftlichen Gestaltungskräfte“, sagte Müller am Montag in Berlin.

evangelisch.de

Anlass war die Eröffnung einer Dialogveranstaltung zur Rolle der Religionen in Ägypten, zu der der Präsident der Protestantischen Kirchen Ägyptens, Andrea Zaki Stephanous, sowie der Scheich und Berater des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi und des Großmuftis, Usama al-Sayyid Al-Azhari, eingeladen waren.

Müller sagte, Religion könne Konflikte entfachen und dürfe nicht den Extremisten überlassen werden. „Religion kann und muss Frieden schaffen“, sagte der CSU-Politiker. 80 Prozent der Weltbevölkerung gehörten einer Religion an, auch wenn in Deutschland die offizielle Bedeutung abnehme. Die religiöse Vielfalt weltweit sei das Erbe der Menschheit, das es zu schützen gelte, betonte der Entwicklungsminister.

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Houellebecq: „Ich bin ein halber Prophet“

Schriftsteller Michel Houellebecq in Paris. ©AFP
Schriftsteller Michel Houellebecq in Paris. ©AFP
Am Montagabend hat der französische Schriftsteller Michel Houellebecq in Berlin den Frank-Schirrmacher-Preis erhalten. In seiner Dankesrede widmete er sich der Frage: Wenn der Islam eine religiöse Macht ist – was sind dann wir?

Frankfurter Allgemeine

„Die Zahl der Beleidigungen steigt“, sagte Michel Houellebecq in Berlin in seiner Dankesrede über die Reaktionen, die ihm in seiner französischen Heimat oftmals entgegen gebracht werden. Mit seinem Roman „Unterwerfung“ hatte der Schriftsteller vor anderthalb Jahren die umstrittene Dystopie einer islamistischen Regierung in Frankreich erschaffen. Dafür erhielt er nicht nur Beifall. Houellebecq nannte den Umgang mit ihm eine „Hexenjagd“ und griff besonders die Zeitung „Le Monde“ an: „Es gibt viele französische Journalisten, die sich über meinen Tod ganz ernsthaft freuen werden.“

Die Stellung der französischen Linken verglich Houellebecq mit einem in die Enge getriebenen Tier, „das Todesangst verspürt und gefährlich wird“. Deshalb sei die Linke immer aggressiver geworden. Er selbst will sich nicht den „Neuen Reaktionären“ zuschlagen lassen, ein in Frankreich aktuelles Etikett, das verschiedenste Positionen zusammenfasst. „Aber wenn die Neuen Reaktionäre derart verschieden voneinander sind, derart unterschiedlich, dass sie definitiv nichts miteinander gemein haben, dann ist dies so, weil ihre Gegner, die neuen Progressivisten, ein enger denn je definierter, äußerst kleiner und äußerst anspruchsvoller Kreis sind.“

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Merkel empfiehlt mehr Reisen in arabische Länder

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Tourismus kann für viele Länder eine Chance sein, meint Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie motiviert Urlauber, auch in die arabische Welt sowie in Entwicklungs- und Schwellenländer zu reisen.
 

SpON

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) empfahl anlässlich des Tourismusgipfels zu mehr Reisen in die arabische Welt sowie in Entwicklungs- und Schwellenländer. „Die Zunahme von Tourismus birgt eine Vielzahl von Chancen“, sagte Merkel, dies müsse aber nachhaltig geschehen.

„Es ist wichtig, auch im Tourismusbereich noch mehr auf lokale Kultur und lokale Produkte und Dienstleistungen zu setzen, um daraus wirklich echte Entwicklungschancen zu machen“, sagte Merkel auf dem Treffen des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) in Berlin.

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