Archiv der Kategorie: Islam

Papst an Muslime: „Wir sind Geschwister!“

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Sich nicht an „Zerstörung“ gewöhnen, sondern geduldig „aufbauen“: Dazu rät Papst Franziskus allen, die sich im christlich-islamischen Dialog engagieren. Im Vatikan empfing er an diesem Mittwoch Mitglieder des Königlichen Instituts für Interreligiöse Studien aus Jordanien; von diesem Think-tank in Amman ist vor knapp zehn Jahren die Initiative zum berühmten Brief der 138 Islam-Gelehrten ausgegangen.

Radio Vatikan

„Die Arbeit, die Sie leisten, ist eine Arbeit des Aufbauens. Wir leben in einer Zeit, in der wir uns an die Zerstörungen, die Kriege anrichten, gewöhnt haben. Die Arbeit des Dialogs und der Annäherung hilft uns hingegen dabei, aufzubauen.“

Der Brief der 138 Islam-Gelehrten war 2007 eine Reaktion auf interreligiöse Verstimmungen nach der Regensburger Rede des damaligen Papstes Benedikt XVI. Er führte zur Öffnung eines neuen Gesprächskanals zwischen dem Vatikan und der islamischen Welt.

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Bosbach fordert „Notbremse“ für Visafreiheit

72 EU-Kriterien soll die Türkei vor Aufhebung der Visumpflicht erfüllen, fünf sind noch offen: Bei vielen Politikern von CDU und CSU stößt der Plan für baldige Visafreiheit deshalb auf Ablehnung.

DIE WELT

Der geplante Wegfall der Visumpflicht für Türken stößt bei führenden Politikern von CDU und CSU auf Widerstand. „In der Fraktion gibt es nach wie vor erhebliche Bedenken gegen die Visafreiheit, weil sie zu einer nicht unerheblichen Ausweitung der irregulären Migration führen könnte“, sagte der CDU-Innenexperte im Bundestag, Wolfgang Bosbach, der „Passauer Neuen Presse“. „Deshalb brauchen wir sowohl ein zentrales Ein- und Ausreiseregister als auch eine Art Notbremse für den Fall, dass die illegale Einwanderung tatsächlich deutlich ansteigen sollte.“

Die EU-Kommission hatte die Aufhebung der Visumpflicht am Mittwoch unter dem Vorbehalt empfohlen, dass die Türkei einige verbliebene EU-Bedingungen erfüllt. Zieldatum für die visafreie Einreise in die EU ist Ende Juni. Zuvor müssen die EU-Staaten und das Europaparlament zustimmen.

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Regenburg: Flüchtlinge sollen neben Salafisten-Moschee wohnen

In Regensburg entsteht eine Asylbewerber-Unterkunft für Familien – wenige Hundert Meter von einer Salafisten-Moschee entfernt. Eine CSU-Stadträtin geht auf die Barrikaden. Wie konnte das passieren?

Von Christian Eckl | DIE WELT

CSU-Stadträtin Bernadette Dechant ist eine Kämpfernatur. Die resolute Regensburgerin setzt sich seit Jahren für ihren Stadtteil ein. Sie ist die „Patrona Bavariae“ des Regensburger Stadtostens – eines Ortsteils, in dem Menschen 36 unterschiedlicher Nationalitäten seit Jahren ohne Probleme miteinander leben.

Wie furios Dechant kämpft, haben schon Staatssekretäre am eigenen Leib erfahren – zum Beispiel vor ein paar Jahren, als sie einen Innenstaatssekretär in den Stadtteil zitierte, weil die wilde Wohnhausprostitution ihrer Meinung nach überhandnahm. Nicht dass sie etwas gegen Prostitution per se hätte – doch die hauptberuflich beim Regensburger Bistum beschäftigte Politikerin hatte grundlegend Sorge vor steigender Kriminalität in „ihrem“ Stadtosten.

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Anzeichen für Rücktritt Davutoglus mehren sich

Der Machtkampf in der Türkei zwischen Präsident Erdogan (links) und Ministerpräsident Davutoglu scheint entscheiden.Foto: Reuters/Murad Sezer
Hat der türkische Ministerpräsident Davutoglu den Machtkampf gegen Staatschef Erdogan verloren? Davutoglu will offenbar nicht Chef der Regierungspartei bleiben. Heute will er sich erklären.

DER TAGESSPIEGEL

Im Machtkampf zwischen Ministerpräsident Ahmet Davutoglu und Staatschef Recep Tayyip Erdogan steht die Türkei vor einer Regierungskrise. Türkische Medien berichteten unter Berufung auf Kreise in der Regierungspartei AKP, Davutoglu werden einen Sonderparteitag einberufen, bei dem er nicht mehr für den Vorsitz kandidiere. Der Parteitag solle noch vor Beginn des Fastenmonats Ramadan am 6. Juni stattfinden. Ohne den Parteivorsitz gilt ein Verbleib im Amt des Ministerpräsidenten als undenkbar.

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„Die 33. Hochzeit der Donia Nour: „Bitterböse Groteske gegen den Islamismus

Hazem Ilmis Sci-Fi-Groteske stellt viele kritische Fragen an den Islam (imago/Xinhua)
Großägypten im Jahr 2048: Islamisten sind an der Macht, es gilt eine Neo-Scharia, das Ministerium für Sleepvertising sendet Botschaften direkt in die Gehirne. Gegen diese totalitäre Herrschaft begehrt die junge Donia Nour auf. Orwell arabisch.

Von Dina Netz | Deutschlandradio Kultur

Großägypten im Jahr 2048 ist dreigeteilt: Im Norden leben die Reichen, in der Mitte – klar – die Mittelschicht, im Süden die Armen. Das hat der weise Herrscher, der „Nizam“, so geregelt, um die Konflikte zwischen den Bevölkerungsschichten zu beenden.

Das Zusammenleben regelt die Neo-Scharia, eine Art islamistische Koran-Auslegung, die die Menschen in der Mitte und im Süden quasi entmündigt und die Wohlhabenden zum Konsumieren antreibt. Hazem Ilmis Vision von Großägypten im Jahr 2048 ist eine bitterböse Groteske, die die Pläne der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ mit den finsteren Auswüchsen des Kapitalismus kreuzt.

Werbebotschaften direkt ins Gehirn

Ein muslimisches „1984“ nach Orwell: Das Ministerium für Sleepvertising sendet den Bürgern Werbebotschaften direkt in die schlafenden Gehirne. Die Menschen werden bewertet nach der Zahl ihrer Gebete, die ein elektronischer Rosenkranz übermittelt. Jeder, der sich kritisch äußert, wird verbannt.

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Volker Kauder: „Muslime gehören zu Deutschland – der Islam nicht“

Volker Kauder: Nichts ist wichtiger als Religion (= Christentum)

Natürlich dürften in Deutschland Moscheen mit Minaretten gebaut werden, sagt Unions-Fraktionschef Kauder und wendet sich gegen den Anti-Islam-Kurs der AfD. Aber in einem Punkt stimmt er der Partei zu.

DIE WELT

Die rund vier Millionen Muslime hierzulande gehören nach Ansicht von Unions-Fraktionschef Volker Kauder „ganz klar“ zu Deutschland – der Islam aber nicht. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte der CDU-Politiker, Muslime dürften nicht ausgegrenzt werden, „so wie dies im Augenblick die Rechtspopulisten betreiben“. Sie genössen wie die Angehörigen anderer Glaubensrichtungen Religionsfreiheit. „Natürlich dürfen daher Moscheen mit Minaretten gebaut werden.“

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Menschenrechtler fordert: Keine Gebetsräume in Flüchtlingsunterkünften

coexist

Internationale Gesellschaft für Menschenrechte: Solche Gebetsräume ermöglichten es Islamisten erfahrungsgemäß, einen Gruppenzwang aufzubauen, denen Christen, Jesiden und Säkulare in den beengten Unterkünften nicht entrinnen könnten.

kath.net

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM/Frankfurt am Main) warnt davor, Gebetsräume in Flüchtlingsunterkünften einzurichten. Man habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Atmosphäre dann dramatisch verschlechtere. Islamisten sei es dadurch möglich, einen Gruppenzwang aufzubauen, denen Christen, Jesiden und Säkulare in den beengten Unterkünften nicht entrinnen könnten. Dadurch sei der religiöse Frieden in den Einrichtungen massiv gestört, sagte IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin. Viele Muslime würden in einer Atmosphäre des öffentlichen Zwangs zu „religiös korrektem“ Verhalten immer radikaler. Regelmäßige öffentliche Gebete stärkten somit den Einfluss von Islamisten.

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Rassismus statt Religionskritik

Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Vor ihrem Bundesparteitag hat die AfD einen Programmentwurf veröffentlicht, in dem Islamkritik ein hoher Stellenwert zukommt. Die Partei betreibt jedoch keine Religionskritik, sondern die rassistische Verteidigung ihres Deutschtums.

Von Richard Gebhardt | Jungle World

Der stellvertretende Vorsitzende der »Alternative für Deutschland« (AfD), Alexander Gauland, sagte unlängst der Zeit, er wolle nicht »in einer muslimischen Gesellschaft leben«, denn »dafür haben wir schließlich 1683 die Türken vor Wien aufgehalten«. Gaulands historisch überhöhte Klage war ein schillerndes Beispiel für den Versuch der AfD, sich als »Anti-Islam-Partei« zu profilieren. Die Stichworte hierfür liefert die christliche Lebensschützerin und stellvertretende Vorsitzende der Partei, Beatrix von Storch. Bekanntlich liegt der Europaabgeordneten der AfD der Schutz des geborenen Lebens nicht unbedingt am Herzen. Die christliche Tugend der Nächstenliebe wird bei ihr im Wortsinne interpretiert – als Liebe zum eigenen Volk. Die Unterstützung muslimischer Flüchtlinge wird hingegen als »Fernstenliebe« geschmäht.

Dabei könnte die AfD gerade erzkonservative Muslime eigentlich als Stammwähler umwerben. Denn Gender Mainstreaming und gleichgeschlechtliche Ehe haben die führenden Islamverbände ebenso wenig im Programm wie die rechte Partei. Doch die Warnung vor der Islamisierung trifft den Nerv der Bevölkerung. Zwar hindert kein Freitagsgebet in einer Moschee einen Katholiken am Besuch des sonntäglichen Hochamtes. Aber der Islam gilt der AfD nicht als Weltreligion, sondern als politische Ideologie. Der muslimische Glaube ist für die Partei kein Gegenstand der Theologie, sondern ein Fall für den Verfassungsschutz.

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Jüdisches Leben blüht im Iran

Wer ist wer? Ein Jude (mit Fez) und ein Muslim in einer Straße in Casablanca in den 1960er Jahren. Gabriel-Axel Soussan und sein…Foto: Gabriel-Axel Soussan
Das kulturelle Erbe der Juden im islamischen Kulturraum – von Marokko bis Iran – wird neu entdeckt. Sowohl Juden als auch ihre islamischen Heimatländer beginnen sich mit dieser Geschichte auseinanderzusetzen.

Von Andrea Dernbach | DER TAGESSPIEGEL

Es ist schwer geworden, über das Verhältnis von Juden und Muslimen zu sprechen, ohne die Bilder des Nahostkonflikts im Kopf zu haben – und damit Feindbilder, die unüberwindlich scheinen. Und es liegt nahe, dafür die Geschichte beider Religionen zu bemühen, auch in Europa, wo die Debatte um muslimischen Antisemitismus und Islamophobie immer öfter eine, je nach Standpunkt, verteufelte oder verklärte Vergangenheit jüdisch-muslimischen Zusammenlebens aufruft.

„Mythen und Gegenmythen“ nennt sie der Historiker Mark R. Cohen, wohl einer der wichtigsten Kenner dieser Vergangenheit. Die Geschichte der Juden unter Osmanen und Kalifen ist aus seiner Sicht zwar nicht das fleckenlose Gegenbild zur jahrhundertelangen „Geschichte der Tränen“ in Europa – das übrigens im 19. Jahrhundert Europas Juden erfanden, die aus Enttäuschung über ihre schleppende Emanzipation ein Goldenes Zeitalter in der Vergangenheit suchten. Am Anfang der islamischen Geschichte steht sogar blutige Gewalt gegen Juden, Mohammeds Massaker an den Juden von Medina, die der neuen Religion Widerstand geleistet hatten und sie lächerlich machten. Und es gab den antijüdischen Terror der Almohaden-Dynastie, die im 12. und 13. Jahrhundert den Maghreb und Andalusien beherrschte – niemand sonst habe dem Volk Israel Schlimmeres angetan und es stärker dezimiert, schrieb der Philosoph Maimonides, selbst ein Überlebender.

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Das Wagnis der Religionsfreiheit

coexist

Das Grundgesetz schützt den Islam. Es kommt aber immer darauf an, wie er hier gelebt wird.

Von Reinhard Müller | Frankfurter Allgemeine

Etwas zu heftig war die europäische Kritik an Viktor Orbáns Äußerung, Europa sei ein christlicher Club. Natürlich ist dieser Kontinent christlich geprägt. Der freiheitlich-säkulare Verfassungsstaat ist ohne Christentum so nicht denkbar. Das gilt gerade für Deutschland, für das Land der Reformation und für dessen Grundgesetz. Die christlichen Kirchen haben bisher faktisch eine Sonderstellung. Und die Präambel der Verfassung hebt an mit den Worten: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen…“

Aber was folgt daraus? Wohl hatten die Väter und Mütter des Grundgesetzes einen christlichen Gott im Sinn. Doch hatten sie noch vieles andere aus ihrer Zeit im Sinn – und haben gerade nicht eine christliche Gottesordnung aufgestellt. Die Präambel ist vielmehr ein Hinweis auf die Fehlbarkeit des Menschen, eine Mahnung gegen absolute Staatsgewalt.

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Umstrittene Missionierung: Der Kampf um die Flüchtlingsseelen

Bild: br.de
Die Amtskirchen sind beim Thema Missionierung von Flüchtlingen skeptisch. Mitarbeitern kirchlicher Hilfsorganisationen ist die Verbreitung religiöser Botschaften oft ausdrücklich untersagt. Evangelikale Freikirchen sind weniger zurückhaltend.

Von Johannes Reichart, Christina Hertel | BR24

Freitagnachmittag, Wilhelm-Löhe-Kirche Fürth. Hier findet regelmäßig Teestunde für Flüchtlinge statt. Danach lädt Pfarrer Walter Drescher sie zur Andacht ein. Obwohl die meisten der Flüchtlinge muslimisch sind, nehmen viele daran teil. Manche überlegen sogar zum Christentum zu konvertieren. Das Angebot sei freiwillig, sagt der Pfarrer, niemand werde gezwungen. Doch zu der Teestunde kommen auch evangelikale Missionare. Sie verteilen Bibeln und Broschüren über das Christentum auf Farsi und Arabisch.

Einer von ihnen ist Jürgen Grau, er arbeitet für den Arbeitskreis Migration und Integration der Evangelischen Allianz, dem Dachverband der Freikirchen. In Gesprächen mit den Flüchtlingen betont er vor allem die Vorzüge des Christentums gegenüber dem Islam.

„In der Bibel muss man immer ehrlich sein, auch wenn es zum eigenen Nachteil geht. Im Koran ist das oft anders, dass man einfach ja, andere Religionen, auch Christen belügen kann. Und das sorgt selbst unter den eigenen Landsleuten für großes Misstrauen.“

Jürgen Grau vom Arbeitskreis Migration und Integration

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Ditib-Imame im Spagat: Vorbeter zwischen deutschen und türkischen Interessen

Die Ditib-Moschee in Köln-Ehrenfeld © MiG
Imame aus der Türkei müssen ein Studium und Berufserfahrung vorweisen sowie Tests bestehen und Deutschkurse besuchen, ehe sie nach Deutschalnd entsandt werden. Dennoch stehen sie in der Kritik, integrationsfeindlich zu sein. Das weist die Ditib zurück. „Die Imame machen gute Arbeit.“

Von Andreas Gorzewski | MiGAZIN

„In welchem Jahrhundert begann die von Martin Luther angestoßene Reformation?“, heißt es in einem Test der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet für türkische Imame, die in deutschen Moscheen arbeiten wollen. Der Test bietet vier mögliche Antworten.

Wer als Imam in eine der knapp 900 Moscheen der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) in Deutschland kommt, soll nicht nur Gebete und Korankurse leiten. Er soll auch Kontakte zu Kirchen, Polizei und Schulen pflegen können. Doch damit tun sich viele Imame noch schwer. Die meisten von ihnen sind türkische Beamte, ausgewählt und bezahlt vom türkischen Staat. Das wird immer wieder kritisiert, zum Beispiel von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, der die Finanzierung von Moscheen und die Entsendung von Imamen aus dem Ausland beenden will.

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Terroristen als Märtyrer?

© dpa Im Februar gedachten in Kopenhagen hunderte Menschen der Terroropfer, die bei einem Anschlag auf die Synagoge und das Kulturhaus „Krudttonden“ ums Leben kamen. Jetzt will eine Ausstellung die Täter als „Märtyrer“ zeigen.
Islamisten, die das Leben unschuldiger Menschen auf dem Gewissen haben, sollen in Kopenhagen als „Märtyrer“ erscheinen. So lautet der Plan für eine Ausstellung, die mit dem Terror spielt. Kritiker sprechen von „Wahnwitz“.

Von Matthias Hannemann | Frankfurter Allgemeine

Ob das jemand braucht? Eine „Märtyrer“-Ausstellung, die sich mit islamistischen Terroristen befasst? Die Täter, die Verantwortung für den Tod vieler Menschen tragen, in ihrem Selbstbild präsentiert? So plant es jedenfalls Christian Lollike in Kopenhagen – derselbe Mann, der 2012 schon das Manifest des norwegischen Rechtsterroristen Anders Behring Breivik inszeniert hat. Gemeinsam mit dem Künstlerkollektiv „The other eye of the tiger“ will Lollikes Theater „Sort/Hvid“ untersuchen, „weshalb einige Menschen für das, woran sie glauben, in den Tod gehen“.

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Geht es wirklich nur Menschenrechte, wenn Erdogan kritisiert wird?

Bild: FB
Bild: FB
Manche finden das gestiegene Interesse ein bisschen heuchlerisch – zur Sonderausgabe der deutsch-türkischen Taz

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Wer schon immer die Türken vor Berlin stehen sieht, kann sich heute bestätigt fühlen. Die linksliberale Taz erscheint heute in deutsch-türkischer Version: Die taz.die günlük gazete  ist ein Beitrag der Taz-Redaktion in enger Kooperation mit linksliberalen und linken türkischen Medien zum Internationalen Tag der Pressefreiheit. Beim Durchblättern bekommt der Leser einen guten Überblick über den Stand der Pressefreiheit aktuell in der Türkei.

So sind bis 2015 unter der AKP-Regierung 2.211 Journalistinnen und Journalisten entlassen worden. 31 Journalisten waren 2015 in der Türkei inhaftiert. Mindestens 150 Beschlüsse zu Nachrichtensperren gab es zwischen 2010 und 2014 in dem Land.  110.464  Webseiten wurden in den letzten Jahren in der Türkei geblockt. Auf 16 Seiten versuchen linke und linksliberale Journalisten  in Deutsch und Türkisch darzulegen, wie der Alltag eines kritischen Medienarbeiters heute in der Türkei aussieht.

So beschreibt die Journalistin Pinar Ögünc von der liberalen türkischen Tageszeitung Cumhuyriyet, was sich zwischen dem Beginn und dem Schluss dieses Artikels, also wohl in einer relativ kurzen Zeit ereignet hat:

In den wenigen Stunden zwischen Anfang und Textes war viel geschehen: „Bilal Güldem, Reporter der Nachrichtenagentur Diha, wurde verhaftet. Die Diha-Reporter arbeiten in den kurdischen  Provinzen unter andauernden Gefechten. ….. Gleichzeitig wurde die türkisch-niederländische  Journalistin und Kolumnistin Ebru Umar in Kusadasi festgenommen. Der Vorwurf: Sie soll den Staatspräsidenten Erdogan in Tweets und in einem Artikel in der Zeitung Metro beleidigt haben“. Gleichzeitig wurde in griechischer Fotograf am Flughafen von Istanbul  an der Einreise in die Türkei gehindert worden.

So ist taz.die günlük gazete ein gutes Beispiel für eine transnationale zivilgesellschaftliche Aktion, um auf verfolgte Journalistinnen und Journalisten aufmerksam zu machen.

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Türkei: Erdoğan weitet seine Majestätszone aus

erdogan-sultan

Lange Jahre war er der Herrscher über seine Türken, im Westen bewundert oder belächelt, aber jetzt scheint niemand mehr vor Tayyip Erdoğan sicher. Nicht die Genfer Stadtverwaltung, Jan Böhmermann, die Dresdner Sinfoniker oder alle Niederländer.
 

Von Markus Bernath | derStandard.at

Der türkische Staatspräsident gibt kein Pardon mehr. Seit vergangenem März, als der deutsche Botschafter in Ankara wegen eines Erdoğan-Liedes im Norddeutschen Rundfunk ins Außenamt einbestellt wurde, reißen die diplomatischen Interventionen gegen mutmaßliche Präsidentenbeleidiger im Ausland nicht mehr ab.

Die Öffentlichkeit in Europa und den USA reibt sich die Augen über die Ausweitung der türkischen Majestätszone. Mit ihrer Entscheidung, den Satiriker Böhmermann vor Gericht stellen zu lassen, habe die deutsche Regierungschefin ein „Lösegeld“ an Erdoğan gezahlt, kommentierte die New York Times; doch Angela Merkel brauche den türkischen Präsidenten für das Flüchtlingsabkommen. Erdoğan habe die deutsche Kanzlerin gezwungen, öffentlich seine Position zu akzeptieren, dass es falsch sei, sich über ihn lustig zu machen.

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Strafprozess gegen „Scharia-Polizei“ erlaubt

Bild: SAT1.NRW
Bild: SAT1.NRW
Nach einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft lässt das Oberlandesgericht Düsseldorf die Anklage gegen acht von neun Angeschuldigten zur Hauptverhandlung zu. Das Landgericht Wuppertal hatte die Eröffnung eines Strafprozesses Ende letzten Jahres noch abgelehnt.

Frankfurter Rundschau

Der Auftritt von Islamisten als «Scharia-Polizei» in Wuppertal vor zwei Jahren wird nun doch noch in einem Strafprozess behandelt. Nach einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft ließt das Oberlandesgericht Düsseldorf die Anklage gegen acht von neun Angeschuldigten zur Hauptverhandlung zu. Der 3. Senat halte eine Verurteilung wegen Verstoßes gegen das im Versammlungsgesetz vorgegebene Uniformverbot für wahrscheinlich, teilte das Gericht am Dienstag mit.

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Jan Böhmermann: „Sie hat mich einem Despoten zum Tee serviert“

Screenshot: youtube
Screenshot: youtube
Kanzlerin Merkel habe ihn „filetiert, einem nervenkranken Despoten zum Tee serviert und einen deutschen Ai Weiwei“ aus ihm gemacht: Jan Böhmermann spricht in einem Interview über sein Schmähgedicht und die Folgen.

Frankfurter Allgemeine

Der Satiriker Jan Böhmermann hat sich nach dem Skandal um sein Erdogan-Schmähgedicht erstmals in einem Interview zu Wort gemeldet. Im in der kommenden Ausgabe veröffentlichten Gespräch mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ übt der Moderator scharfe Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Die Bundeskanzlerin darf nicht wackeln, wenn es um Freiheit und Menschenrechte geht“, sagte Böhmermann. „Doch stattdessen hat sie mich filetiert, einem nervenkranken Despoten zum Tee serviert und einen deutschen Ai Weiwei aus mir gemacht.“

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„Bei Muslimen verhalten wir uns wie Pubertierende“

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Berlins Ex-Ausländerbeauftragte John attestiert den Deutschen im Umgang mit Muslimen „Reflexe wie in Stammesgesellschaften“. Auch wir müssten uns anpassen. Verweigerter Handschlag? Nicht so wild.

Von Sabine Menkens | DIE WELT

Als Barbara John 1981 das Amt der Ausländerbeauftragten des Berliner Senats antrat, war die Christdemokratin die erste Politikerin der Republik, die sich hauptamtlich mit Integration beschäftigte. Bis zu ihrer Pensionierung 2003 hatte sie dieses Amt inne – und füllte es so leidenschaftlich aus, dass sie in ihrer Partei nur noch „Türken-Bärbel“ hieß. Mit inzwischen 78 Jahren ist John immer noch im Integrationsgeschäft tätig – als Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin.

Die Welt: In Schweden musste kürzlich ein Grünen-Politiker zurücktreten, weil er einer TV-Journalistin vor laufender Kamera den Handschlag verweigert hatte. Stattdessen hatte er zur Begrüßung die Hand aufs Herz gelegt. Erfolgte sein Rücktritt zu Recht?

Barbara John: Eine persönliche Entscheidung. Aber die Frage, wie wir auf solche Gesten reagieren, ist schon spannend, weil wir damit Aussagen über uns selbst als Nichtmuslime machen. Als mir einmal ein Imam den Handschlag verweigerte, habe ich sanft seinen Arm berührt und gesagt: Mein Glaube erlaubt mir das. Es ist eine Wertschätzung.

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Pentagon bereitet Offensive auf Mossul mit schweren Waffen vor

Das Pentagon schickt das High Mobility Artillery Rocket System (HIMARS) nach Syrien und in den Irak. Bild: DoD
Das Pentagon schickt das High Mobility Artillery Rocket System (HIMARS) nach Syrien und in den Irak. Bild: DoD
Wieder einmal sind die USA in Syrien abhängig von den Russen, um den Waffenstillstand wieder herzustellen, nachdem die Kämpfe um Aleppo wieder voll entbrannt sind (Aleppo: Jaish-al-Islam, Wolf im Schafspelz). US-Außenminister Kerry erklärte in Genf, dass man auf die Kooperation Russlands setze. Am Sonntag hatte die syrische Armee in Aleppo einseitig die Waffen schweigen lassen.

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Die USA wollen mit den Russen über die Einrichtung von Sicherheitszonen in der Stadt verhandeln, wo Zivilisten, aber auch die so genannten Mitglieder der „gemäßigten Opposition“ vor Angriffen der syrischen Luftwaffe geschützt wären. Unwahrscheinlich, dass Russland das Assad-Regime zur Umsetzung der Sicherheitszonen unter Druck setzt, so lange nicht mindestens auch die salafistischen Gruppen Jaish Al-Islam und Ahrar al-Sham, die eng mit al-Nusra kooperieren, als Terrorgruppen gelistet und damit bekämpft werden können.

Nach der Revolte von Anhängern des schiitischen Predigers al-Sadr, die nach wochenlangen Protesten in die an sich schwer gesicherte Green Zone in Bagdad eindringen und die Politiker aus dem Parlament vertrieben haben, wird auch die Lage im Irak für Washington schwierig (Iraks Regierung versinkt im Chaos). Zwar sind die Sadr-Anhänger wieder abgezogen, aber sie verlangen eine neue Regierung. Gerade war noch US-Vizepräsident Biden im Irak gewesen und war voll des Lobes für den von den USA installierten Ministerpräsidenten Abadi, da mit diesem der Islamische Staat zurückgedrängt werden konnte. Die Hoffnung ist, dass nun die Offensive wirklich in größerem Umfang gestartet werden kann, um Mossul einzunehmen. Das allerdings könnte sich zu einer ähnlichen Katastrophe entwickeln, in die nun wieder einmal Aleppo versinkt.

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Muktada al-Sadr: Der Rächer der verlorenen Generationen Saddams

foto: apa / afp / haidar hamdani Muktada al-Sadr: Der Spross einer berühmten klerikalen Familie stellte bereits nach 2003 den Anspruch als schiitischer Führer.
Vordergründig unterstützt Muktada al-Sadr Reformen. Dabei droht er jedoch Iraks System zu sprengen
 

Von Gudrun Harrer | derStandard.at

Muktada al-Sadr hat anlässlich der Wallfahrt, die alljährlich Millionen schiitischer Pilger nach al-Kadhimiya in Bagdad bringt, seine Anhänger aus dem Regierungsbezirk zurückbeordert: Die schwerste politische Krise, die der Post-Saddam-Irak je gesehen hat, bleibt jedoch ungelöst. Gerüchte und Spekulationen machten am Montag in Bagdad die Runde: von einer bevorstehenden bewaffneten Konfrontation der schiitischen Gruppen, von der Gefahr eines Putsches, der einen starken Mann an die Macht bringen könnte (hier fehlt natürlich nicht die Behauptung, dass er von den USA orchestriert sein würde).

Als Saddam Hussein im April 2003 durch die US-Invasion gestürzt wurde, war Muktada al-Sadr, der heute das System ins Wanken bringt, noch keine dreißig Jahre alt. Der junge Mullah sah nicht nur aus, als sei er aus irgendeinem finsteren Loch gekrochen, das traf gewissermaßen zu: Der Verfolgung Saddams, der nicht nur seinen Vater und seine Brüder 1999, sondern bereits 1980 seinen Onkel, einen der wichtigsten Ayatollahs seiner Zeit, und dessen Schwester ermorden ließ, konnte er nur im Untergrund entgehen. Muktada al-Sadr wurde so zum wichtigsten Überlebenden einer klerikalen Familie, die sowohl im Irak als auch im Libanon eine große Rolle spielte.

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