Das Ende des IS-Kalifats ist nur ein Etappensieg – besonders für die Kurden

Die letzte Bastion des Islamischen Staates ist gefallen: Die gelbe Flagge der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) weht nun im Dorf Baghuz (23. März). (Bild: EPA
Die syrischen Kurden haben am Wochenende den endgültigen Sieg gegen das IS-Kalifat gefeiert. Doch ihr Jubel könnte von kurzer Dauer sein: Sie brauchen die USA, um nicht zwischen der Türkei und dem Asad-Regime aufgerieben zu werden.

Christian Weisflog | Neue Zürcher Zeitung

Der Sieg gegen das sogenannte Kalifat der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte sich lange angekündigt. Seit Wochen schnürten die von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) die Jihadisten und ihre Familien im Dorf Baghuz zunehmend ein. Obwohl es immer noch letzte Gefechte gab, verkündeten die von den syrischen Kurden dominierten SDF am Samstag die offizielle Befreiung der letzten vom IS gehaltenen Ortschaft ganz im Osten Syriens an der irakischen Grenze. Eine riesige gelbe SDF-Flagge wurde auf einem der letzten stehenden dreistöckigen Gebäude gehisst. Im Internet kursierten Videos von tanzenden Soldaten, und auf einem Stützpunkt in der Nähe spielte eine Band die amerikanische Hymne. «Wir erklären heute die Zerstörung des sogenannten Islamischen Staates und das Ende seiner Gebietskontrolle», sagte der SDF-Befehlshaber Mazlum Abdi während der Siegesfeier.

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In fünf Jahren ist die Terrormiliz IS rasant aufgestiegen – und gefallen

Bild: nationalreview.com
Im Jahr 2014 beherrscht der IS ein Gebiet in der Grösse von Grossbritannien. Doch die Belagerung der nordsyrischen Stadt Kobane sollte zum Fanal für das IS-Kalifat werden. Eine Chronologie des Terrors.

Jan Hudec | Neue Zürcher Zeitung

2006

Der IS geht aus der irakischen al-Kaida hervor. Als der damalige Anführer des irakischen Ablegers, Abu Musab al-Zarqawi, bei amerikanischen Luftangriffen getötet wird, übernimmt Abu Omar al-Baghdadi die Führung. Die Gruppe nennt sich neu «Islamischer Staat im Irak» (ISI) und verübt im Land zahlreiche Terroranschläge.

2010

Der ISI-Chef wird ebenfalls bei einem Luftangriff getötet, neu übernimmt Abu Bakr al-Baghdadi.

2011

Als die Krise sich in Syrien zuzuspitzen beginnt, entsendet Baghdadi Männer nach Syrien, wo sie einen neuen Kaida-Ableger gründen: die Nusra-Front.

2013

Das Syrische Regime gibt im März die Stadt Rakka auf, die in der Folge von Rebellen übernommen wird. Baghdadi bricht mit der Nusra-Front und gründet den Isis, den «Islamischen Staat im Irak und in Syrien». In der Folge setzt der Isis zu seinem Siegeszug an.

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Seit Putschversuch 2016: Türkei beantragte mehr als 900 Festnahmen

Bild: Magazin „The Economist“
Seit dem gescheiterten Militärputsch 2016 geht die türkische Regierung massiv gegen vermeintliche Gegner vor – und macht an den Landesgrenzen nicht Halt: Fast 1000 Mal hat Deutschland Fahndungsbitten erhalten.

tagesschau.de

Mehr als zweieinhalb Jahre sind seit dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei vergangen – die türkische Regierung geht aber offenbar noch immer gegen vermeintliche Putschisten vor. Eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag ergab, dass das Bundeskriminalamt seit Juli 2016 über die internationale Polizeibehörde Interpol 990 Fahndungsersuche von türkischen Behörden übermittelt bekommen hat.

Mehr als 920 Gesuche zielten auf Festnahme ab

Wie die Zeitung „Welt“ berichtete, zielten 925 dieser Gesuche auf eine Festnahme ab und bei 65 Fahndungsbitten sollte der Aufenthalt des Gesuchten festgestellt werden. Wie vielen dieser Gesuche die deutschen Behörden nachkamen, blieb in der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage offen. Aus der Antwort gehe lediglich hervor, dass in diesem Jahr noch niemand an die Türkei ausgeliefert wurde, die seit Beginn 2019 zwölf solche Anfragen an Deutschland gerichtet hatte.

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Syrien: 70.000 Mitglieder des IS warten auf Abholung

IS-Propaganda, Twitter Hammurabi’s Justice
Die Kurden sind damit überfordert. Der Sieg in Baghouz und das Ende der militärischen Lösungen

Thomas Pany | TELEPOLIS

Seit Tagen heißt es, dass der Sieg in Sicht sei. („Wir sind nah dran“, US-Außenminister Pompeo). Doch die SDF warnen auch seit Tagen. Trotz großer Fortschritte würden sich noch immer IS-Kämpfer im Gelände der Umgebung von Baghouz verschanzen. Es dauere noch bis zur endgültigen Befreiung.

Tunnels und Gräben, auch Höhlen werden genannt, würden als Versteck dienen. Sogar Frauen und Kinder sollen an der Seite von Männern kämpfen, wie Videos zeigen, die aber einigen Interpretationspielraum lassen (eine Vollverschleierung zeigt nicht viel). Kinder werden als Schutzschilde benutzt. Wie hoch die Zahl der verbliebenen kämpfenden IS-Anhänger ist, sei schwer einzuschätzen. Auch nächtliche Luftangriffe haben sie nicht zur Kapitulation bewegt.

„Es gab Russen, Schweden, Deutsche und andere“, sagte Asmar al-Bahr (ein Fotograph, Anm. d. A.) am Donnerstag. „Viele von ihnen sagten mir, dass sie nicht aufgeben und dass sie zurückkommen würde, um sich die Köpfe der Ungläubigen zu holen; einige sagten, dass es bedauern würden, dass sie sich Daesh angeschlossen haben, dass sie aber nicht so einfach gehen könnten, also blieben sie“.

Al-Jazeera

Auf Twitter-Seiten sind grausige Bilder von Opfern im Umlauf, die mit „Massaker“ betitelt werden. Wie bei der Befreiung von Rakka und Mosul werden Vorwürfe an ein unerbittliches militärisches Vorgehen gemacht. Sie werden von anderen als bloße Propaganda gebrandmarkt. Und sie auch werden sicher als Propagandamaterial ihre Verwendung finden. Der Guerillakampf des IS geht weiter.

Verlustreiche Kämpfe

Derweil müssen auch die SDF, die angeblich zur Hälfte jeweils aus kurdischen und arabischen Milizen bestehen, stärkere Verluste im Bodenkampf hinnehmen. Sprengfallen und in einem offenbar weit verzweigten Tunnelsystem (behauptet wird, dass es bis Deir ez-Zor und in die irakische Wüste reichen soll) und in Gräben versteckte Schützen machen die Befreiung des letzten Geländes am Ufer des Euphrat zu einer schwierigen und verlustreichen Angelegenheit.

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Imame-Ausweisungen: VfGH weist Beschwerden ab

Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hat die Beschwerden gegen die Ausweisung von Imamen der Moscheegemeinde ATIB (Türkisch Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich) abgewiesen.

religion.ORF.at

Die Imame – türkische Staatsbürger – hatten Beschwerde gegen das im Islamgesetz 2015 geregelte Verbot der Auslandsfinanzierung von Religionsgesellschaften erhoben. Der Verstoß gegen diese Regelung hatte zur Ausweisung von Imamen geführt. Der VfGH entschied nun, dass das Verbot der Auslandsfinanzierung nicht verfassungswidrig ist.

Die Bestimmung greife zwar in die in der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) garantierte Religionsfreiheit ein, die Maßnahme sei aber „nicht unverhältnismäßig“. „Diese Bestimmung stößt im Ergebnis auf keine verfassungsrechtlichen Bedenken“, heißt es in der Begründung des Höchstgerichts.

Eingriff in Religionsfreiheit gerechtfertigt

„Die Wahrung der Selbständigkeit und Unabhängigkeit gesetzlich anerkannter Kirchen und Religionsgesellschaften vom Staat, aber insbesondere auch von anderen Staaten und deren Einrichtungen, bildet ein im öffentlichen Interesse gelegenes Ziel“, so der VfGH. Dieses Regelungsziel rechtfertige den Eingriff.

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Amnesty kritisiert Fortsetzung des Prozesses gegen Peter Steudtner in der Türkei

Der Prozess sei am Donnerstag ohne den lange überfälligen Freispruch fortgesetzt worden, teilte die Menschenrechtsorganisation in Berlin mit. Der nächste Prozesstag sei für den 16. Juli angesetzt.

evangelisch.de

Der Prozess sei am Donnerstag ohne den lange überfälligen Freispruch fortgesetzt worden, teilte die Menschenrechtsorganisation in Berlin mit. Der nächste Prozesstag sei für den 16. Juli angesetzt.

Angeklagt sind neben Steudtner unter anderem der Ehrenvorsitzende der türkischen Sektion von Amnesty International, Taner Kilic, und die frühere türkische Amnesty-Direktorin, Idil Eser. Ihnen wird Mitgliedschaft beziehungsweise Unterstützung einer terroristischen Organisation vorgeworfen. Ihnen drohen bis zu 15 Jahre Haft.

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Religionen: Einmischung in die Politik erwünscht – Statements des Bundespräsidenten und des Bundestagspräsidenten

Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
In der Veranstaltungsreihe „Forum Bellevue zur Zukunft der Demokratie“ hat der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kürzlich mit Gästen über die Bedeutung von Religionen für die Gesellschaft und ihrem Verhältnis zur Politik diskutiert. Neben dem Christentum wurde vor allem die islamische Religion in den Blick genommen. Steinmeier führte dazu aus, dass „angesichts von Millionen Muslimen, die in unserem Land leben“ die Frage längst beantwortet sei, ob der Islam zu Deutschland gehört. Wichtiger sei die Frage, welcher Islam dazu gehört.

Dr. Hanna Fülling | EZW

Dieser zweiten Frage haben sich kürzlich zwei Unionspolitiker zugewandt und mit der Herausgabe des Buches „Der politische Islam gehört nicht Deutschland“ eine Antwort darauf versucht. Carsten Linnemann und Winfried Bausback definieren den politischen Islam darin als eine radikale Ausprägung der Religion, die den westlichen Lebensstil zum Feindbild erhebt und die freiheitliche-demokratische Rechtsordnung ablehnt und angreift (Linnemann/Bausback 2019, 7). Dass ein solcher Islam nicht zu Deutschland gehört, ist weitgehend unstrittig.

Wolfgang Schäuble weist in seinem Eröffnungsvortrag der Buchvorstellung jedoch darauf hin, dass der Titel des Buches provoziere, weil er verschiedene Lesarten ermögliche. Verstünde man den Begriff „politischer Islam“ nicht als radikalen, gewaltbereiten Islamismus, sondern als jegliche Form eines öffentlichen Islam, stehe er in Spannung zur sogenannten hinkenden Trennung von Staat und Religion, wie sie 1919 in der Weimarer Reichsverfassung (WRV) festgeschrieben und 1949 ins Grundgesetz aufgenommen wurde. Schäuble macht durch den Verweis auf die WRV darauf aufmerksam, dass Religion zwar nicht Politik sein darf, sie aber durchaus politisch sein kann. Die hinkende Trennung zwischen Staat und Religion hebe das sozialproduktive Potential von Religionen hervor und sei von der Überzeugung getragen, dass Religionen wesentlich zu den Voraussetzungen beitragen können, die der freiheitliche Staat selbst nicht schaffen kann. Mit diesem Verweis auf den Staats- und Verwaltungsrechtlicher Ernst-Wolfgang Böckenförde mahnt Schäuble an, dass nicht ein politischer Islam per se als problematisch gelten könne, sondern dass er „im Gegenteil so verstanden durchaus wünschenswert“ ist.

Schäuble weist mit diesem, in unserer heutigen Debattenlage durchaus provakanten, Statement darauf hin, dass die Diskussionspole nicht zwischen einem legitimen, privaten Islam auf der einen und einem gewaltbereiten, politischen Islam auf der anderen Seite verlaufen dürfen, sondern dass das Grundgesetz öffentliche Artikulationen und Interventionen von Religion befürwortet, solange sie sich nicht gegen die freiheitliche Grundordnung richten.

Der Bundespräsident Frank Walter Steinmeier fasst den Anspruch an die Religionsgemeinschaften enger. Er bezieht sich nicht auf die verfassungsrechtliche Grundlage, sondern formuliert eine gesellschaftliche Erwartung und fordert von jeder Religionsgemeinschaft in einer aufgeklärt-freiheitlichen Gesellschaft, „dass sie sich immer wieder selbst befragt: Ob sie den eigenen Ansprüchen an Friedfertigkeit, Moral und Wahrheitsliebe gerecht wird. Und wie sie ihr Verhältnis zu Gesellschaft, Staat und Rechtsordnung bestimmt“. Nur auf diese Weise, sei ein gesellschaftliches Miteinander langfristig möglich.

Positiv an diesen beiden Debattenbeiträgen ist unverkennbar, dass sich sowohl der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als auch der Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble mit der Rolle von Religion in der Gesellschaft und ihrem Verhältnis zur Politik befassen. Das zeigt, dass die politischen Akteure auf höchster Ebene die Notwendigkeit einer aufgeklärten Debattenkultur gerade auch im Zusammenhang mit Religion erkennen und sich dafür engagieren, sie zu etablieren und zu gestalten.

House of One: „Botschafterin“ Catherine Dussmann zieht sich zurück

Bild: bb
„Mit Ihrer Hilfe wollen wir Toleranz aufbauen und für Verständnis und Frieden zwischen den drei monotheistischen Religionen sorgen.“ So wirbt Catherine von Fürstenberg Dussmann in einem kleinen Werbevideo noch im März 2019 auf der Internetseite des künftigen interreligiösen Sakralbaus.

Dr. Friedmann Eißler | EZW

Zu dem Zeitpunkt ist sie allerdings schon nicht mehr „Botschafterin für das House of One in Berlin“, wie sie dort präsentiert wird. Die Berliner Unternehmerin, seit 2011 Vorsitzende des Stiftungsrates der Dussmann Group, die in Berlin unter anderem das Kulturkaufhaus Dussmann betreibt, beendet ihr Engagement für das House of One.
Als Grund nannte sie wachsende Spannungen um die polarisierende Präsenz des muslimischen Trägervereins in dem Projekt. Dabei handelt es sich um den Verein Forum Dialog, der zur Gülen-Bewegung (Hizmet) in Deutschland gehört. „Ich kann kein Projekt unterstützen, das anstelle Verständigung und Dialog zwischen und innerhalb der Religionen zu fördern neue Konflikte erzeugt“, so Dussmann in einer Stellungnahme. Die Beteiligung der auf muslimischer Seite umstrittenen Gülen-Bewegung sei „zu wenig, um islamische Gläubige in Deutschland insgesamt anzusprechen“, wurde sie in der Presse zitiert.

Die Tatsache, dass der (einzige) offizielle muslimische Partner des großen Projekts ein kleiner Verein der Hizmet-Bewegung ist, der keinerlei Moscheegemeinden repräsentiert oder hinter sich hat, stellt in der Tat eine Schwierigkeit dar, deren Ausmaß sich durch die hierzulande durchschlagenden politischen Konflikte der Türkei mit der rabiaten Verfolgung von jedem und allem, was nur im Entferntesten mit „Gülen“ in Verbindung gebracht wird, gewissermaßen potenziert hat. War es von vornherein nicht einfach, muslimische Partner zu gewinnen, und die Aussicht gering, dass sich neben einem „Gülen-Verein“ andere muslimische Akteure engagieren würden, so hat sich dieser Aspekt verschärft.

Allerdings ist das House of One von Anfang an sehr transparent und offen mit der Situation umgegangen. Die zusätzlichen Schwierigkeiten, die der Putschversuch in der Türkei mit seinen dramatischen Folgen nach sich zieht, sind dem Dialogprojekt nicht anzulasten. Die Initiatoren wollen eine breite Beteiligung, nicht nur von muslimischen, sondern auch von christlichen und jüdischen Akteuren. So bemüht sich auch Imam Kadir Sanci vom House of One um Austausch und Kooperationen mit muslimischen Persönlichkeiten und Institutionen, was auf vielen Ebenen und in verschiedenen Ländern, etwa dem nordirakischen Kurdistan oder mit „Botschaftern“ aus Georgien und der Zentralafrikanischen Republik, auch gelinge. „Dass das nur in kleinen Schritten geschehen kann, ist Teil unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit“, sagte Verwaltungsdirektor Roland Stolte von der Stiftung House of One – Bet- und Lehrhaus Berlin, die in einer Pressemitteilung ihr „Bedauern über Rückzug von Catherine Dussmann“ ausdrückte und zugleich „für die vielen Jahre der vertrauensvollen und schönen Zusammenarbeit“ dankte.

Frau Dussmann gab ihre Entscheidung offiziell bekannt, kurz nachdem der Berliner Senat das für den Bau vorgesehene Grundstück am Petriplatz für einen symbolischen Euro per Erbpacht für 99 Jahre übertragen hatte. Die Grundsteinlegung für den 43,5 Millionen Euro Bau ist im April 2020 geplant.

Vorwürfe von rechten Blogs: Gewalt gegen Christen verschwiegen?

Bild: tagesschau.de
Nach dem Anschlag auf Muslime in Christchurch verweisen rechte Blogs auf Gewalt gegen Christen in Nigeria. Diese würde „verschwiegen“. Tatsächlich ist der Dauerkonflikt in Nigeria aber nicht religiös motiviert.

Von Patrick Gensing | ARD-faktenfinder

„120 Christen in Nigeria ermordet – Medien schweigen“, schreibt die Seite „Kath.net“; „Fulani-Islamisten ermorden 120 Christen in drei Wochen“ – das berichtet die Internet-Seite „Epoch Times“. Ähnliche Schlagzeilen sind seit dem Anschlag auf Muslime in Christchurch in verschiedenen rechten Blogs zu lesen. Viele behaupten, weltweit würde um Muslime getrauert, während Morde an Christen verschwiegen würden.

Als Basis für viele solcher Artikel und Kommentare in sozialen Medien dient das rechte Nachrichtenportal „Breitbart“, das am 16. März berichtete, militante Muslime hätten in Nigeria innerhalb von drei Wochen 120 Christen getötet. „Breitbart“ bezeichnete die Angreifer als Dschihadisten, also muslimische „Gotteskrieger“.

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Verfassungsrichterin: Staatskirchenrecht muss Islam integrieren

Das deutsche Staatskirchenrecht muss nach Einschätzung der Bundesverfassungsrichterin Christine Langenfeld andere Religionsgemeinschaften stärker integrieren.

evangelisch.de

Aktuell sei das Staatskirchenrecht mit seinen Vorschriften auf christliche Kirchen zugeschnitten, sagte Langenfeld am Montagabend auf einer Fachtagung in Mülheim an der Ruhr. Vor dem Hintergrund der Zuwanderung brauche es eine stärkere Integration von anderen Religionsgemeinschaften, vor allem des Islam.

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Nach Anschlag: Mazyek fordert besseren Schutz deutscher Moscheen

Aiman Mazyek (Bild: Wikimedia Commons/Jakub Szypulka)
Nach den Anschlägen auf Moscheen in Neuseeland fordert der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime, Aiman Mazyek, einen besseren Schutz islamischer Gotteshäuser in Deutschland.

evangelisch.de

Außer über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen, wenn die Einrichtung zuvor attackiert worden sei, gebe es bislang keinen Schutz für Moscheen, sagte Mazyek der „Heilbronner Stimme“ (Montag). „Diesen Umstand, dass Moscheen praktisch ungeschützt sind, haben wir immer wieder angemahnt und kritisiert, ohne dass Konsequenzen gezogen worden sind.“

In der muslimischen Gemeinde leide inzwischen das Vertrauen in die Arbeit der Sicherheitsbehörden, fügte er hinzu. „Viele haben das Gefühl, dass ihre Sorgen und ihr nachvollziehbares Sicherheitsbedürfnis nicht ernstgenommen werden.“

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Unionsfraktionsvize will Kopftuchverbot und Kita-Sprachtests: Vorstoß aus der Politik

Themenbild
Erneute Debatte um ein Kopftuchverbot in Deutschland? Nun will der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Carsten Linnemann, bundesweit ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren durchsetzen. Und nicht nur das.

DOMRADIO.DE

„Bundespolitisch müssen wir regeln, dass ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren eingeführt wird“, sagte Linnemann der „Rheinischen Post“ (Montag).

Mädchen sollten genauso frei und unbeschwert wie Jungen aufwachsen dürfen, forderte er. Dazu sei er mit den Innenpolitikern in seiner Fraktion bereits im Gespräch.

Sprachtests im Kindergarten

Bei kleinen Kindern will Linnemann zudem stärker auf die Sprachentwicklung achten lassen und aus nicht bestandenen Sprachtests im Kindergarten Konsequenzen ziehen: „Ich bin dafür, eine Vorschulpflicht für Kinder einzuführen, die bei Sprachstandserhebungen im Alter von vier Jahren nicht altersgemäß abschneiden. Natürlich für alle Kinder – egal, ob mit oder ohne Migrationshintergrund“, so de Politiker.

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Imam und Kardinal fordern: „Politik muss aufhören, Religion zu instrumentalisieren“

Ihr Land ist geprägt von Gewalt und Armut. Zwei prominente Religionsvertreter, Imam und Kardinal, aus der Zentralafrikanischen Republik betonen, dass die Konflikte religiös motiviert seien – und kritisieren die Politik

Christoph Strack | Deutsche Welle

Prominente Religionsvertreter aus der Zentralafrikanischen Republik haben in Berlin für ein interreligiöses Friedensprojekt in ihrem Land geworben. Der katholische Kardinal Dieudonné Nzapalainga und der muslimische Imam Layama Kobine betonen, dass die Konflikte in dem von Armut und Gewalt geprägten Land nicht religiös motiviert seien. Sie fordern auch ein Ende von Waffenverkäufen in die Region. Am Freitag trauerten die beiden, die 2015 gemeinsam den Aachener Friedenspreis erhielten, in Berlin bei einer Gedenkminute des interreligiösen Projekts „House of One“ um die Toten des Terroranschlags im neuseeländischen Christchurch.

Deutsche Welle: Ihr Land ist geprägt von Krieg und Gewalt. In vielen Ländern der Erde sind solche Konflikte religiös begründet. Viele denken das auch mit Blick auf Ihr Land.

Kardinal: In Deutschland mag man meinen, das sei ein religiöser Krieg und ein religiöser Konflikt. Aber die Realität ist ganz anders. Die Kriegsereignisse sind eine militärisch-politische Krise. Und Religion wird höchstens instrumentalisiert für militärisch-politische Interessen. Mein Freund, der Imam, hat in den Zeiten der größten Krise und der schlimmsten Gewalt mit seiner Frau und seiner Familie sechs Monate in meinem Haus gewohnt und so Schutz gefunden. Gemeinsam sind wir raus gegangen, um der ganzen Bevölkerung die Botschaft nahe zu bringen: Das ist keine religiöse Krise, kein religiöser Konflikt.

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Liberale Moschee in Berlin: Wo Frauen neben Männern beten

In Berlin-Moabit hat sich 2017 eine liberale Moscheegemeinde gebildet. (Foto: imago/ZUMA Press)
Beide Geschlechter beten gemeinsam, Frauen können vorbeten und predigen. Was in der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin normal ist, provoziert viele streng konservative Muslime. Die kleine Gemeinde kämpft für eine andere Art, muslimisch zu sein.

Von Sonja Gurris | ntv

Wer die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee im Berliner Stadtteil Moabit besuchen will, muss erst einmal das Gelände der Johanniskirche durchqueren. Denn in einem Nebengebäude der evangelischen Kirche liegt in der dritten Etage der helle muslimische Gebetsraum. Ein großer, weißer Teppich und ein Dutzend ausgerollte grün-weiß gemusterte Gebetsteppiche liegen auf dem Boden. Bunte Fensterkacheln tauchen den Raum in ein angenehmes Licht. Auf einer kleinen Stufe am Rand liegen viele Kissen, auf denen sich Gäste niederlassen können.

An diesem Mittag kommen nur wenige Männer und Frauen zum gemeinsamen traditionellen Freitagsgebet zusammen. Das liege auch an der Uhrzeit, sagt Imamin Manaar, schließlich müssten viele um 14 Uhr noch arbeiten.

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„Krieg gegen den Terror“: Kläglicher Scheitern geht nicht

„Versteck“ des Talibanführers Mullah Omar („Mullah Sahib“). Im Vordergrund rechts kaum zu erkennen: eine Rose. „Mullah Sahib used to sunbathe in the small garden with roses“, heißt es in dem Text von Taliban-Sprecher Zabidullah, von dessen Twitter-Account das Bild stammt
Taliban-Anführer Mullah Mohammad Omar soll jahrelang vor den Augen der Amerikaner gelebt haben

Emran Feroz | TELEPOLIS

Heuer werden es 18 Jahre seit Beginn des US-Militäreinsatzes in Afghanistan. Das Scheitern dieses Krieges hat ein immens großes Ausmaß angenommen. Mittlerweile scheint allerdings die Spitze des Eisbergs erreicht worden zu sein.

Einer neuen Recherche zufolge soll Taliban-Gründer und Anführer Mullah Mohammad Omar nämlich jahrelang vor den Augen der Amerikaner gelebt haben. Laut der niederländischen Journalistin und Analystin Bette Dam hielt sich Omar in den letzten Lebensjahren in einem Haus in der südafghanischen Provinz Zabul auf – nur fünf Kilometer weiter befand sich die nächste US-Militärbasis.

Bei dem besagten Haus soll es sich um jenes von Abdul Samad Ustaz gehandelt haben. Ustaz war einst der Fahrer von Jabbari Omari, Omars langjährigem Leibwächter. Laut Omari lebte der einstige Taliban-Führer nach dem westlichen Angriff auf Afghanistan abgeschieden und asketisch. Die politische Führung seiner Bewegung übernahmen andere Köpfe, während Omar in seinem versteckten Zimmer lebte und mittels eines alten Nokia-Handys den Koran rezitierte. Selbst zu nahen Familienmitglieder pflegte Omar keinen Kontakt.

Dams Recherche zufolge wussten die Einheimischen in der Umgebung, dass sich in Ustaz‘ Haus ein hochrangiger Taliban-Führer aufhielt. Die wahre Identität des Mannes kannte allerdings niemand. Ustaz hielt sie sogar vor seiner eigenen Familie geheim.

Allem Anschein nach wurde das Haus sogar einmal von US-Soldaten durchsucht. Das geheime Zimmer blieb den Amerikanern allerdings verborgen. Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahed hat mittlerweile Bilder von Omars letztem Versteck veröffentlicht. Die militante Gruppierung will demnächst ein Buch über ihren Gründer publizieren.

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Kiffen für Allah

Longpapes gibt es in Pakistan nicht. Die Besucher des Schreins füllen ihr Haschisch in Zigaretten und rauchen, so wie dieser Mann, meistens aus der Faust | Alle Fotos von Nils Heininger
Der deutsche Fotojournalist Nils Heininger hat in Lahore ein muslimisches Ritual besucht, das westliche Vorstellungen des Islams auf die Probe stellt.

Von Tim Geyer | VICE.com

Drogen zu konsumieren, auch Cannabis, ist in Pakistan verboten – genau wie im Islam. Aber in Pakistan führen viele Wege zu Gott. In den vielen Moscheen des islamischen Landes führt dieser Weg meistens über das Gebet. In den Schreinen der Sufis aber auch über uralte Rituale, bei denen in einigen Gemeinden Haschisch geraucht wird. Und das obwohl auf Drogendelikte in Pakistan unter Umständen sogar die Todesstrafe steht. Oft gilt der Sufismus als liberaler Gegenentwurf zu orthodoxen Formen des Islam. Wie liberal manche Sufis ihren Glauben leben, hat der deutsche Fotojournalist Nils Heininger im Januar im pakistanischen Lahore erlebt.

Jeden Donnerstag treffen sich dort etwa hundert Menschen in einem Schrein, um gemeinsam Musik zu machen, zu tanzen – und zu kiffen.

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Malaysier erhält zehn Jahre Haft wegen Beleidigung des Islam

Alle die gegen die Scharia sind, heben die Hand
Regierung von Premierminister Mahathir inszeniert sich laut politischen Beobachtern immer stärker als Hüterin des Islam, um gegen fundamentalistische und nationalistische Opposition bestehen zu können

kathpress

Wegen Beleidigung des Islam und des Propheten Mohammed hat ein malaysisches Gericht einen Facebook-Nutzer zu zehn Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Der nur unter seinem Facebook-Namen „Ayea Yea“ bekannte Angeklagte habe sich vor Gericht in zehn Fällen der ihm zur Last gelegten Vergehen als „schuldig“ erklärt, berichtete das unabhängige Nachrichtenportal Malaysiakini am Samstag.

Drei weitere Verfahren wegen „Beleidigung des Islams“ seien vor Gerichten in der Stadt Kuching sowie in Kuala Lumpur derzeit anhängig, sagte Polizeichef Mohamad Fuzi Harun gegenüber Malaysiakini. Die rechtliche Basis der Anklagen sind demzufolge malaysische Strafrechtsparagrafen gegen die „Verursachung gesellschaftlichen Unfriedens“ und die Verbreitung religiöser Vorurteile sowie das Gesetz über „Soziale Medien und Kommunikation“. Es verbietet die Verbreitung „anstößiger Inhalte“.

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Martin Lemke: Ficken und foltern im syrischen Dschihad

Immer noch fliehen Menschen und IS-Angehörige aus Baghouz. Bild: ANF
Das Mitglied des „IS“-Sicherheitsdienstes Amniyat will aus einem kurdischen Gefängnis zurück nach Deutschland

Gerhard Piper | TELEPOLIS

Eigentlich war Martin Lemke Schweißer im Braunkohlerevier in Sachsen-Anhalt. Aber er ist einer von mindestens 1050 Personen aus Deutschland, die in den letzten neun Jahren nach Syrien bzw. den Irak gingen, um sich dort dem „Dschihad“ anzuschließen. Zwei Frauen aus Deutschland nahm er mit, eine weitere Fünfzehnjährige heiratete er in Raqqa, außerdem hielt er sich noch eine jesidische Sklavin.

Innerhalb der Terrororganisation „Islamischer Staat“ machte er eine zweifelhafte Karriere: Er ist neben Thomas M.-C. einer der beiden Deutschen, die nachweislich Mitglied des „IS“-Sicherheitsdienstes Amniyat wurden. Weitere Deutsche, wie z. B. Nils D., wurden Mitglied der „IS“-Religionspolizei. In welchem Umfang Lemke an Morden, Hinrichtungen und Folterungen beteiligt war, müssen die polizeilichen Ermittlungen ergeben. Z. Zt. sitzt Martin Lemke in einem kurdischen Gefängnis bei Qamischli in Nordsyrien. Nun möchte er zurück zu den Ungläubigen in Deutschland.

Radikalisierung

„Abu Yasir al-Almani“ (andere Schreibweise: „Abu Yassir al-Almani“) alias „Nihad“ alias Martin Lemke wurde Ende Dezember 1990 im Süden Sachsen-Anhalts geboren. Er wohnte zunächst am Neumarkt in Zeitz (Sachsen-Anhalt). Hier machte er eine Ausbildung zum Industriemechaniker in einer Braunkohlegesellschaft und arbeitete danach sechs Jahre lang als Schweißer bei der Mitteldeutschen Braunkohle AG (MIBRAG). Er gehörte einer arabisch-armenischen Jugendgang an, konsumierte Drogen und beging kleinere Diebstähle. Außerdem war er Mitglied in einem Box-Sportverein und Torwart beim Fußballclub „SV Motor Zeitz“.

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Mit Riads Unantastbarkeit ist es vorbei

Der Uno-Menschenrechtsrat in Genf wagt es erstmals seit seiner Einrichtung, Saudiarabien zu rügen. Das ist ein grundlegender Wandel. Bewirkt hat ihn ein spektakulärer Mord.

Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Es gibt diese Gremien mit dem fast schon sportlichen Leistungsausweis. Der Uno-Menschenrechtsrat, eingerichtet 2006, hat Israel bis 2018 in 78 Resolutionen verurteilt, öfter als alle anderen Länder zusammen. Saudiarabien hingegen, das Land mit dem Regime, das Menschen enthauptet und Frauen unter Vormundschaft stellt, war bisher noch kein einziges Mal gerügt worden. Am Donnerstag hat sich das geändert.

36 Staaten, unter ihnen sämtliche 28 EU-Länder, nicht aber die Schweiz, zeigten sich in einer Resolution tief besorgt über die Zustände im Wahhabitenreich. Riad wurde aufgefordert, zehn Aktivistinnen und Aktivisten freizulassen und bei der Uno-Untersuchung des Mordes an Jamal Khashoggi mitzuwirken.

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Kopftuchverbot: Bildungsministerium kritisiert Wien für zu milde Sanktionen

Auf „gravierendste Mängel“ in der Umsetzung einer Kindergarten-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern weist der Generalsekretär des Bildungsministeriums, Martin Netzer, den Wiener Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky hin. – Die Presse
Die Stadt Wien setze die 15a-Vereinbarung zum Ausbau der Kinderbetreuung nicht gut genug um, mahnt das Bildungsministerium.

Die Presse

Das Bildungsministerium mahnt von Wien die Erfüllung der 15a-Vereinbarung zum Ausbau der Kinderbetreuung ein. In den zur Begutachtung versendeten Gesetzen habe die Stadt die nötigen Testinstrumente zur Sprachstandsfeststellung nicht entsprechend verankert, zu geringe Sanktionen für einen Verstoß gegen das Kopftuchverbot sowie kein ausreichendes Sprachniveau für das Personal vorgesehen.

Neben den offiziellen Begutachtungsstellungnahmen auf dem Dienstweg erhält der Wiener Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) deshalb auch Post vom Generalsekretär des Ministeriums, Martin Netzer.

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