Gefährliches Waffenklimpern in der Ägäis

Die Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Nikos Kotzias. Foto: W. Aswestpopoulos/heise.de/tp
Die Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Nikos Kotzias. Foto: W. Aswestpopoulos/heise.de/tp
Provokationen zwischen beiden traditionellen Erzfeinden, Griechenland und Türkei, machen einen bewaffneten Zwischenfall möglich

Von Wassilis Aswestopoulos | TELEPOLIS

Die beiden traditionellen Erzfeinde, Griechenland und Türkei, eint ein gemeinsames Problem. In beiden Staaten sind die Wirtschaftsaussichten düster. Griechenlands Probleme sind chronisch. Die von der Kreditgebertroika obstruierte Lösung des Schuldenproblems, die stetige, durch „Reformen“ genannte Steuererhöhungen in Kombination mit Renten- und Gehaltskürzungen am Leben gehaltene Rezession und die politische Misswirtschaft sind für die Griechen nichts Neues.

Auf der anderen Seite des Bosporus dagegen ist die Situation eher ungewohnt. Beide Regierungen spielen das Spiel gegenseitiger Provokationen in einer Art durch, die einen bewaffneten Zwischenfall möglich machen.

Moralisch können sich die Griechen hierbei in der Rolle des Gerechten fühlen, geht die Aggression doch vom türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan aus. Ein ums andere Mal provoziert er und beschwört sogar Grenzkorrekturen zu Gunsten der Türkei herbei. Erdogans Expansionsgelüste wurden zum Leidwesen der Griechen lange seitens EU und NATO ignoriert.

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IS-Sympathisant zu 30 Jahren Haft verurteilt

© AFP Verurteilter IS-Sympathisant Christopher Cornell
© AFP Verurteilter IS-Sympathisant Christopher Cornell
Ein 22 Jahre alter Amerikaner muss wegen eines geplanten Anschlags auf Barack Obama für mehrere Jahrzehnte ins Gefängnis. Der Verurteilte spricht nun von einem „dämlichen Fehler“.

Frankfurter Allgemeine

Mit Rohrbomben und Gewehren wollte er das amerikanische Kapitol angreifen und Präsident Barack Obama während einer Rede töten – dafür muss ein Amerikaner nun 30 Jahre lang in Haft. Ein Bundesgericht in Cincinnati erklärte bei der Urteilsverkündung am Montag, nach Verbüßen der Haftstrafe bleibe der heute 22-Jährige bis zu seinem Lebensende unter Bewährung. Der Mann sympathisiere mit der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Er war am im Januar 2015 nach mehrmonatiger Beobachtung durch die Bundespolizei FBI festgenommen worden.

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Statt Korane verteilt Pierre Vogel nun ein anderes Buch

Themenbild
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Nach den Koran-Verteilaktionen wurde das Salafisten-Netzwerk „Die wahre Religion“ im November verboten. Nun wurde Pierre Vogel beim Verteilen eines anderen Buches gesichtet.

DIE WELT

In mehreren Städten Nordrhein-Westfalens und Hessens haben Salafisten in den vergangenen Tagen Bücher in Fußgängerzonen verteilt. Ein Sprecher des Verfassungsschutzes hatte bereits bestätigt, dass der Verein „We love Muhammad“ in Münster, Köln und Iserlohn Mohammed Biografien verteilt hat. Zuvor soll es auch in der Frankfurter Innenstadt zu Verteilaktionen gekommen sein.

Interessant daran ist, dass die Personen, die die Bücher verteilt haben, zum Teil dieselben waren, die zuvor Koran-Bücher für das Salafisten-Netzwerk „Die wahre Religion“ verteilt haben – sowohl in NRW als auch in Hessen.

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Aleppo: USA und Russland verhandeln über Abzug der Milizen

Al-Nusra, Foto ohne Datum aus Ost-Aleppo, Propagandaaufnahme
Al-Nusra, Foto ohne Datum aus Ost-Aleppo, Propagandaaufnahme
Deren Niederlage steht fest. Die Frage ist, wer freiwillig abzieht. Der Türkei könnte ein „beängstigendes Szenario“ bevorstehen

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

US-Außenminister Kerry und sein russischer Amtskollege Lawrow arbeiten das nächste Abkommen zu Aleppo aus. Wieder ist die Trennung bewaffneter Milizen von den dschihadistischen Gruppierungen der heikle Punkt.

Kerry hatte am vergangenen Freitag in Rom angekündigt, dass in dieser Woche eine Reihe von „Ideen“ in Gesprächen zwischen amerikanischen und russischen Diplomaten in Genf getestet werde. Es sei wichtig, dass man auf dem diplomatischen Weg weiterkomme.

Niemand warte auf die nächste amerikanische Regierung, sagte Kerry nach einem Treffen von Lawrow: „Wir beide haben das Gefühl, dass die Situation dringend ist.“

Heute übermittelt die russische Nachrichtenagentur Tass ein paar Details zu den Ideen und die Haltung Lawrows. Demnach habe Kerry dem russischen Außenminister in Rom Vorschläge übergeben, die einen Wegeplan und Termine für den Abzug von „allen Milizen ohne Ausnahme aus Ost-Aleppo“ betreffen. Der Abzugsplan solle miteinander koordiniert werden.

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Kerry, in stinging rebuke of settlements, doesn’t rule out UN action

Secretary of State John Kerry speaks to Saban Forum on December 4, 2016 (Screenshot)
Secretary of State John Kerry speaks to Saban Forum on December 4, 2016 (Screenshot)
Outgoing US secretary of state excoriates Netanyahu government, slams Naftali Bennett for ‘disturbing’ remarks on two-state solution

By Rebecca Shimoni Stoil | The Times of Israel

Secretary of State John Kerry excoriated the Israeli right, claiming that support for settlement construction stems from a desire to subvert Israeli-Palestinian peace, during a speech before the Brookings Institution’s Saban Forum on Sunday afternoon.

A subdued Kerry, wearing reading glasses and referring to extensive notes, notably refrained from committing to veto any UN resolution intended to establish a Palestinian state, only promising a veto “if it is a biased, unfair resolution calculated to delegitimize Israel.”

US officials last week indicated that US President Barack Obama had nearly ruled out any major last-ditch effort to put pressure on Israel over stalled peace negotiations with the Palestinians, including at the United Nations.

Kerry, who will end his tenure as secretary of state in January, warned the audience that “you can fight about where we are in this process, but I’ll tell you this: There is no status quo. It is getting worse. It is moving in the wrong direction.”

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Griechische Justiz liefert türkische Militärs nicht aus

© AFP Zwei der acht aus der Türkei geflüchteten, mutmaßlichen Putschisten verlassen in Polizeibegleitung am 17. Juli 2016 das Gericht in Alexandroupoli.
© AFP Zwei der acht aus der Türkei geflüchteten, mutmaßlichen Putschisten verlassen in Polizeibegleitung am 17. Juli 2016 das Gericht in Alexandroupoli.
Griechenland wird die drei türkischen Militärs und mutmaßlichen Putschisten nicht an Ankara ausliefern. Es wird erwartet, dass das Gericht im Falle der restlichen fünf Geflüchteten genauso entscheidet.

Frankfurter Allgemeine

Ein Gericht in Athen hat einen Antrag der türkischen Justiz zur Auslieferung von drei mutmaßlichen Putschisten abgelehnt. Dies berichteten das Staatsradio (ERA) und der Nachrichtensender Skai am Montag. Die Entscheidung über fünf weitere türkische Militärs solle in den kommenden Tagen fallen, berichtete der Nachrichtensender Skai weiter. Griechische Rechtsanwälte rechneten damit, dass die Justiz auch sie nicht in die Türkei ausliefern werde.

Die Militärs – zwei Majore, vier Hauptmänner und zwei Unteroffiziere – waren nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei Mitte Juli mit einem Militärhubschrauber in Alexandroupoli nahe der türkischen Grenze gelandet und hatten Asyl beantragt. Die türkische Regierung verlangt, dass Griechenland die Männer sofort ausliefert.

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UN brauchen 2017 Rekordsumme für humanitäre Hilfe

Die Vereinten Nationen brauchen 2017 die Rekordsumme von 22,2 Milliarden US-Dollar, um Opfern von Konflikten und Naturkatastrophen zu helfen.

evangelisch.de

Mit dem Geld sollen dringend benötigte Lebensmittel, Medikamente, Unterkünfte und andere Hilfsgüter für knapp 93 Millionen Menschen in 33 Ländern wie Syrien finanziert werden, wie der UN-Nothilfekoordinator, Stephen O’Brien, am Montag in Genf erklärte.

Die Welt sehe sich mit der größten humanitären Krise seit dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert, sagte O’Brien. Insgesamt erfassten die UN mehr als 128 Millionen Menschen, die von Kriegen, Konflikten, Vertreibungen und Naturkatastrophen betroffen sind. Die größte einzelne humanitäre Hilfsaktion für 2017 hätten die UN und ihre Partnerorganisationen für die Opfer des Bürgerkriegs in Syrien geplant.

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Wie Imame im Revier den radikalen Salafismus bekämpfen wollen

 Die Botschaft: Du kannst zur Elite gehören. Dafür musst du nichts tun - du musst nur ein „guter“ Moslem sein. Bild: DERWESTEN
Die Botschaft: Du kannst zur Elite gehören. Dafür musst du nichts tun – du musst nur ein „guter“ Moslem sein. Bild: DERWESTEN
  • Immer mehr Jugendliche werden zu radikalen Salafisten
  • Viele Moscheen ignorierten das Problem lange
  • Das Bochumer Projekt #Selam will das ändern

Von Peter Sieben | DERWESTEN

Tuncay Nazik kennt seine Suren. Er kann stundenlang über religiöse Fragen diskutieren. Wenn es früher Probleme in der Gemeinde gab, fand er schon eine Antwort: im Koran.

Doch dann fingen ein paar Jugendliche an, von Ungläubigen zu schwadronieren. Von den „Kuffar“. Sie wollten ihm, dem Imam, erzählen, wie man den Islam richtig lebt. Dass Muslime sich wehren müssen gegen die Ungläubigen.

„Diese Jugendlichen sind religiöse Analphabeten“

Und zum ersten Mal war Tuncay Nazik, der stellvertretende Imam der muslimischen Gemeinde in Herne-Röhlinghausen, mit seinen Suren am Ende.

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Die Wirtschaft der Türkei leidet unter dem Streit mit der EU

Blick in den Handelssaal der Istanbuler Börse.Foto: Kevin P. Hoffmann
Blick in den Handelssaal der Istanbuler Börse.Foto: Kevin P. Hoffmann
In der türkischen Wirtschaft schlummern gewaltige Kräfte und große Risiken. Seit dem Putschversuch sind Investoren verunsichert. Ein Streifzug durch Istanbul

Von Kevin P. Hoffmann | DER TAGESSPIEGEL

Die kurvige Zufahrt zur Börse von Istanbul ist von Metallzäunen mit Stacheldraht gesäumt. Das Gebäude hat viele Winkel, schlecht einsehbare Ecken. Das war wohl schick bei der Einweihung 1985 – machte die Lage aber noch unübersichtlicher am späten Freitagabend des 15. Juli 2016: Panzer röhrten sich den Hang mit Blick auf den Bosporus hinauf, Putschisten eröffneten das Feuer. Sie wollten den Handelssaal kapern, um beim Börsenstart am Montagmorgen das Marktgeschehen kontrollieren zu können. Wie den gesamten türkischen Staat.

Der Versuch scheiterte blutig. Zwei Menschen, ein Sicherheitsmann und ein ziviler Angestellter der Börse, starben bei den Gefechten. 40 wurden verletzt. An die „Märtyrer“ erinnert ein tischgroßer Gedenkstein aus Marmor mit Inschrift und Fotos der Opfer am Fuße zweier haushoher türkischer Flaggen. In ihrem Schatten steht die Skulptur „Bulle und Bär“, das Symbol für steigende und fallende Kurse.

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Türkei will Russland-Handel nicht mehr in Dollar abwickeln

Bild: Magazin "The Economist"
Bild: Magazin „The Economist“
Türkei will Russland-Handel nicht mehr in Dollar abwickeln

Frankfurter Allgemeine

Die Türkei will angesichts des gesunkenen Außenwertes der Lira den Handel mit China, Russland oder dem Iran künftig in lokalen Währungen abwickeln. Er werde Schritte vorbereiten, um dies möglich zu machen, sagte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan an diesem Sonntag während einer Kundgebung in Kayseri in der Provinz Kappadokien.

Bislang wird der internationale Handel in erster Linie in Dollar abgewickelt. Dies ist besonders für die Türkei momentan ungünstig, da die türkische Lira gegenüber der amerikanischen Währung seit dem gescheiterten Putschversuch im Juli deutlich an Wert verloren hat.

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Erdogan will seine Alleinherrschaft in der Verfassung verankern

Bild: Magazin "The Economist"
Bild: Magazin „The Economist“
Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan will die Verfassung ändern, um seine Macht offiziell abzusichern. Erdogan regiert de facto schon als Alleinherrscher. Der Ausnahmezustand hat das vereinfacht. Doch der endet im Sommer. Die AKP bringt das Vorhaben mit der ultranationalistischen MHP ins Parlament ein. Dann gibt es noch ein Referendum.

Von Deniz Yücel | DIE WELT

Recep Tayyip Erdogan wollte stets als Präsident weitreichende Vollmachten haben. Durch eine überraschende Schützenhilfe rückt dieses Ziel nun in greifbare Nähe. Faktisch regiert Erdogan die Türkei ohnehin als Alleinherrscher. Bald könnte er jedoch auch offiziell alle Vollmachten bekommen, die er heute schon in Anspruch nimmt.

Am Donnerstag erklärten die regierende AKP-Partei und die ultranationalistische MHP, dass sie sich auf eine Verfassungsänderung geeinigt haben, die das politische System auf den Präsidenten zuschneidet. Die Details sind nicht bekannt, an einigen Punkten sind sich beide Parteien noch uneins. Dennoch nannten sie bereits Termine: Nächste Woche soll die Verfassungsänderung ins Parlament gebracht werden, zu Beginn des Sommers soll ein Referendum folgen.

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Volker Kauder, der Großscheich und das Nein zur Aufklärung

 Der Unionspolitiker Volker Kauder diskutiert des öfteren mit Ahmed el-Tayeb, einem der wichtigsten islamischen Rechtsgelehrten mit Sitz in Kairo Quelle: pa/dpa/AP
Der Unionspolitiker Volker Kauder diskutiert des öfteren mit Ahmed el-Tayeb, einem der wichtigsten islamischen Rechtsgelehrten mit Sitz in Kairo Quelle: pa/dpa/AP
Dem engagierten Christen sagte der Islam-Gelehrte, Aufklärung sei mit Islam nicht vereinbar, denn die Religion müsse herrschen. Warum schweigt der Unionsfraktionsvorsitzende hierzu?

Von Henryk M. Broder | DIE WELT

Vor Kurzem saß Volker Kauder, der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, wieder einmal in einer Talkshow. Das Thema war: „Der Sprung ins Dunkle: Was bringt die Ära Trump?“

Nach einem kurzen Einspieler über Trump und seine Ministerkandidaten ergriff Kauder das Wort und sagte, es habe ihm die Sprache verschlagen, dies könne nicht „unsere Art der Auseinandersetzung sein“.

Man müsse abwarten und schauen, „ob es sich tatsächlich so fortsetzt oder ob die im Amt doch eine gewisse Vernunft dann zeigen“; man werde mit der US-Administration jedenfalls „reden müssen“.

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Mein sonderbarer Winter mit einer Schamanin in Kasachstan

Das Qurbān Bild: Denis Vejas
Das Qurbān Bild: Denis Vejas
Der Sufismus ist ein mystischer Zweig des Islam, der in der muslimischen Welt einen eher zweifelhaften Ruf genießt. Sufis verfolgen einen unorthodoxen Ansatz, der sich stark auf die esoterischen Aspekte des religiösen Lebens konzentriert. Sie streben nach einer direkten, persönlichen Erfahrung mit Gott.

Von Denis Vejas | VICE.com

Als der Islam in Kasachstan Einzug hielt, vermischte sich der Sufismus mit den animistischen Glaubensvorstellungen der dort lebenden Nomadenvölker und ihren bereits existierenden schamanischen Traditionen. Die Baksi, traditionelle Heiler und Seher, konvertierten und führten ihre Traditionen als Sufi-Derwische fort. Sie verpflichteten sich extremer Armut und Enthaltsamkeit, um andere auf einem asketischen Weg zu Gott zu führen.

Viele glauben, dass Bifatima Dualetova eine von Kasachstans letzten Sufi-Derwischen ist. Zum ersten Mal traf ich sie im September 2010 auf einer Reise durch Zentralasien. Die Einheimischen, bei denen ich in Almaty untergekommen war, erzählten mir von einer Schamanin, die irgendwo am Rande des kleinen Dorfs Ungurtas nahe der kirgisischen Grenze lebte. „Das letzte Haus im Dorf; am Fuße des ‚Heiligen Hügels'“, sagten sie.

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Kein Forum für radikalen Islam

© dpa Anne Will spricht in ihrer Sendung am 6 November 2016 zum Thema „Mein Leben für Allah - Warum radikalisieren sich immer mehr junge Menschen?“ mit Nora Illi, Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrats Schweiz
© dpa Anne Will spricht in ihrer Sendung am 6 November 2016 zum Thema „Mein Leben für Allah – Warum radikalisieren sich immer mehr junge Menschen?“ mit Nora Illi, Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrats Schweiz
Weil sie eine Schweizer Islamistin in ihre Sendung eingeladen hatte, wurde Anne Will scharf kritisiert. Dennoch habe sie nicht gegen Programmrichtlinien verstoßen, sagt der NDR-Rundfunkrat.

Von Michael Hanfeld | Frankfurter Allgemeine

Der Rundfunkrat des Norddeutschen Rundfunks hat sich am Freitagabend mit der Sendung von Anne Will vom 6. November befasst, in der die vollverschleierte Schweizerin Nora Illi aufgetreten war und sich relativierend zum radikalen Islamismus geäußert hatte. Die Talkshow habe „nicht gegen die Grundsätze der Programmgestaltung“ verstoßen, stellte der Rundfunkrat fest. Die von Zuschauern eingereichten Beschwerden gegen die Sendung wurden zurückgewiesen. Zugleich kritisierte das Aufsichtsgremium: „Den von Frau Illi vertretenen extremen Positionen und auch einer Vollverschleierung hätte in der Gesprächssendung kein Forum gegeben werden müssen.“

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Saudisches Rehabilitationszentrum für Terroristen soll radikalisieren

Rehabilitationszentrumsnamensgeber Prinz Mohammed bin Naif mit der ehemaligen US-Außenministerin Hillary Clinton. Foto: US-Außenministerium
Rehabilitationszentrumsnamensgeber Prinz Mohammed bin Naif mit der ehemaligen US-Außenministerin Hillary Clinton. Foto: US-Außenministerium
In einem vorher geheim gehaltenen Anhörungsprotokoll behauptet der in Guantanamo inhaftierte al-Qaida-Mitglied Ghassan Abdullah al-Sharbi, dass das saudische Beratungs- und Versorgungszentrum „Prinz Mohammed bin Naif“, eine Rehabilitationseinrichtung für Terroristen, die dort Inhaftierten nicht resozialisieren, sondern in Wirklichkeit radikalisieren und für den salafistischen Krieg gegen Schiiten und Säkulare im Jemen und in Syrien rekrutieren soll.

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Woher al-Sharbi diese Einschätzung hat, wird aus dem Dokument nicht klar. Anlass für Beschuldigung, die der saudische Staatsangehörige im Juni 2016 machte, war eine Anhörung vor dem Guantanamo-Bewährungsausschuss.

Die in der Nähe der saudischen Hauptstadt Riad angesiedelte Einrichtung umfasst ein etwa 10 Hektar großes Gelände mit einer Sauna, einem riesigen Swimmingpool und zahlreichen weiteren Sport- und Freizeitanlagen. Wenn sie sich wunschgemäß verhalten, wird Insassen als positiver Verstärker unter anderem gestattet, ihre Ehefrauen privat zu empfangen. Das Zentrum wurde in der Vergangenheit nicht nur von US-Präsident Barack Obama gelobt, sondern auch von Medien wie dem Wall Street Journal, das positiv über das dortige Angebot aus Sport und religiöser Unterweisung schrieb.

Diese religiöse Unterweisung durch saudische Theologen und Scharia-Rechtsgelehrte nimmt mehrere Stunden täglich ein. Alleine der Scharia-Unterricht umfasst 15 Wochenstunden.

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„Ihr habt mich jetzt, aber der Plan geht weiter“

Bild: DIE WELT
Bild: DIE WELT
Der enttarnte Maulwurf beim Verfassungsschutz wollte die Namen von Informanten an Islamisten verraten. Derweil kommen neue Details über den Mann heraus. Eine seiner Aussagen sorgt für Verunsicherung.

DIE WELT

Der Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz, der Interna an Islamisten weitergeben wollte, hatte offenbar zudem vor, die Namen von Informanten des Verfassungsschutzes preiszugeben.

Der 51-jährige Roque M. habe in einem Chat angeboten, seinen Glaubensbrüdern zu er- zählen, „wo ein Verräter“ in ihren Reihen sitze, berichtet der „Spiegel“. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Düsseldorf gegen Roque M., der womöglich auch einen Anschlag in der Kölner Behörde vorbereiten wollte.

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Türkische Wirtschaft: Führt Erdogan das Land in die Krise?

Geschäftsviertel von Istanbul. Bild: VikiPicture/CC BY-SA-4.0
Geschäftsviertel von Istanbul. Bild: VikiPicture/CC BY-SA-4.0
Die türkische Lira schwächelt, der Unternehmerverband TÜSIAD fordert ein Ende des Ausnahmezustandes

Von Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Die Anhänger des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan feiern ihren „Reis“ (Chef) gerne dafür, dass er das Land wirtschaftlich vorangebracht hat. Dafür, dass unter ihm vieles besser geworden ist und auch die kleinen Leute am Aufschwung teilhaben konnten. Doch der Erfolg gerät ins Wanken. Mit einer radikalen Politik und der Entdemokratisierung schreckt die AKP ausländische Investoren ab, der für die Binnenwirtschaft so wichtige Tourismus ist auf einem Dauertief und die Türkische Lira im Sinkflug während die Arbeitslosigkeit steigt.

Zuletzt hatte die Türkische Lira (YTL) täglich gegenüber Dollar und Euro an Wert verloren, was zu einer galoppierenden Inflation führt, unter der vor allem die Millionen Geringverdiener im Land leiden. Auch die Preise für Lebensmittel haben spürbar angezogen.

Aber Präsident Erdogan weigerte sich beharrlich, mit einer Zinserhöhung gegenzusteuern. Er verwies wochenlang auf das islamische Zinsverbot. Bis es der Notenbank zu viel wurde und sie eigenmächtig intervenierte. Sie hob den Leitzins in der letzten Novemberwoche leicht an – auf nun 8,5 Prozent. Seitdem hat sich der Absturz der Währung etwas verlangsamt. Um eine weitere Anhebung spätestens zum Jahresbeginn werden die Notenbanker aber kaum herumkommen, denn eine Besserung der Lage ist nicht in Sicht.

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Israel: Wenn der Muezzin zu laut ruft

Fünfmal am Tag erinnern die Lautsprecher an die regelmäßigen Gebete. Viele Einwohner empfinden sie allerdings als Lärmbelästigung.Foto: dpa
Fünfmal am Tag erinnern die Lautsprecher an die regelmäßigen Gebete. Viele Einwohner empfinden sie allerdings als Lärmbelästigung.Foto: dpa
Fünf Mal am Tag werden die Muslime in Israel über Lautsprecher zum Gebet gerufen. Mit einem neuen Gesetz soll dem Muezzin-Ruf nun ein Ende gesetzt werden – aus Lärmschutzgründen.
 

Von Lissy Kaufmann | DER TAGESSPIEGEL

Tawfik Elayan ruft zum Gebet. In der Al-Rahman-Moschee steht der 50-Jährige in Sweatshirt, blauer Hose und grauen Socken vor einem Mikrofon, die Hände vor sich verschränkt, und beginnt: „Allahu Akbar“. Seine Stimme schallt per Lautsprecher vom Dach der Moschee über die Dächer und durch die Straßen von Beit Safafa, einem arabischen Stadtteil in Ostjerusalem. Fünf Mal am Tag macht er das, sieben Tage in der Woche. Tawfik Elayan ist Muezzin und Herr der Mischregler. In einem kleinen Schränkchen am Boden befindet sich die Anlage, an der er die Lautstärke hoch und runter drehen kann. Und das macht Takwfik Elayan zur Zielscheibe des jüngsten Streits in der israelischen Gesellschaft.

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Es war einmal… Militärbischof Overbeck betont Friedenspotenzial der Religionen

Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck als Gastredner in der Ruhr-Universität Bochum. (Fotos: Nicole Cronauge | Bistum Essen)
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck als Gastredner in der Ruhr-Universität Bochum. (Fotos: Nicole Cronauge | Bistum Essen)
Keine der großen Weltreligionen liefere eine Begründung für Gewalt, sagte der Bischof am Mittwochabend im Bochum bei einer Rede an der Ruhr-Universität Bochum.

Von Thomas Rünker | Bistum Essen

Trotz des religiös motivierten Terrors in Syrien, Irak, Nigeria oder den nach wie vor latenten Spannungen zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland – für Gewalt gibt es für Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck keine religiöse Begründung. „Die gewaltsame Durchsetzung einer Religion oder ein gewaltsames Vorgehen im Namen dieser Religion agiert immer gegen fundamentale eigene Grundlagen“, sagte der katholische Militärbischof am Mittwochabend in der Ruhr-Universität Bochum. „Im Islam und im Christentum gibt es keinen Gott, der die Menschen einfach aufruft, Gewalt auszuüben“, betonte Overbeck. Er sprach im Rahmen des Kontaktstudiums der Katholisch-Theologischen Fakultät zum Thema „Religion im Konflikt – Brandbeschleuniger oder Friedensstifter“.

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Bundestagspräsident lässt Bespitzelung von Abgeordneten zu

Bild: bb
Bild: bb
Parlamentarierinnen wurden von Erdogan-Journalist beschattet. Trotz eindeutiger Zugangs- und Verhaltensregeln zieht Lammert (CDU) bislang keine Konsequenzen

Von Harald Neuber | TELEPOLIS

Der scheidende Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sieht offenbar keine Veranlassung, gegen einen regierungsnahen türkischen Journalisten vorzugehen, der im Bundestag zwei Abgeordnete der Linkspartei bei Gesprächen mit kurdischen Oppositionspolitikern beschattet hatte.

Bei einer Sitzung des Ältestenrates des Bundestags sagte Lammert nach Angaben von Teilnehmern, er könne nicht erkennen, dass der Pressefotograf gegen die Zugangs- und Verhaltensregeln des Deutschen Bundestag verstoßen hätte. Als Bundestagspräsident könne er aber nur auf dieser Grundlage handeln. Lammert habe auch bekräftigt, dass gerade die Westlobby des Bundestags von vielen Journalisten genutzt werde und dies auch allen bekannt sei, berichtete der Linkspartei-Abgeordnete Alexander Ulrich nach der Tagung des Ältestenrates. Lammert habe auch darauf verwiesen, dass der betreffende Pressefotograf ordentlich akkreditiert gewesen sei.

Die Abgeordnete der Linkspartei, Sevim Dağdelen, hatte den Fall zuvor publik gemacht. Sie wirft einem Mitarbeiter der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu vor, sie und ihre Fraktionskollegin Heike Hänsel im und vor dem Abgeordnetenrestaurant im Bundestag heimlich fotografiert zu haben. Die Bilder seien später im Zusammenhang mit Propagandaberichten in türkischen Medien erschienen.

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