Arie Folger: „Mehr Angst vor Antisemitismus von morgen“

Bild: bb
Bild: bb
Arie Folger, neuer Oberrabbiner von Wien, im Interview mit der „Presse am Sonntag“ über Identität, FPÖ und den Islam.
 

Von Ulrike Weiser, Teresa Schaur-Wünsch | Die Presse.com

Ihr Vorgänger hat Interviews gern mit einem Witz begonnen. Sie auch?

Arie Folger: (Lacht.) Das ist schwierig, wenn man sein Publikum noch nicht kennt. Das erinnert mich an eine amerikanische Stand-up-Komödiantin, die mit einer Hörbehinderung geboren wurde. Sie konnte nur mit den Füßen hören, also anhand der Vibration des Bodens spüren, ob die Leute lachen. Ich stehe vor einem neuen Publikum, das „wienerisch tickt“.
Sie waren zuletzt in Deutschland tätig. Gibt es Unterschiede zu Österreich?

In Deutschland gibt es viele Gemeinden, die so groß oder größer als Wien sind, aber viel weniger jüdisches Lebens bieten. In Deutschland war die Gemeinschaft bis in die Neunzigerjahre sehr klein. Die österreichischen jüdischen Alteingesessenen waren bereits viel mehr traditionell gebildet, zudem ist die Gemeinde früher gewachsen, durch die Einwanderung ehemaliger Bürger der Sowjetunion, aus Buchara und Georgien. Die Juden aus den Sowjetrepubliken waren auch viel traditioneller als jene aus Russland – weil man sie weniger an ihrer religiösen Praxis gehindert hat. Man hat sie weniger beachtet.

weiterlesen

Israel: Lebenslange Haft für strengreligiösen Juden

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)
Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Ein ultra-orthodoxer Jude ist wegen der Ermordung einer 16-Jährigen bei einer Gay-Parade in Jerusalem zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

 

Neue Zürcher Zeitung

Das Jerusalemer Gericht verhängte am Sonntag auch weitere 31 Jahre Haft wegen versuchten Mordes in sechs Fällen. Der Verurteilte muss seine Opfer jeweils mit 258’000 Schekel (umgerechnet rund 65’000 Franken) entschädigen, wie das Gericht mitteilte.

Der strengreligiöse Mann hatte im vergangenen Sommer bei einer Parade von Schwulen und Lesben in Jerusalem die 16-Jährige erstochen und sechs weitere Menschen mit einem Messer verletzt, bevor er von der Polizei überwältigt wurde. Als Erklärung für die Tat sagte er, die Parade sei eine «Provokation Gottes».

weiterlesen

Juna Grossmann: Abschied vom Land des Zorns

Juna Grossmann © Hannes Leitlein

Wir treffen uns im „Masel Topf“, einem jüdischen Restaurant in Prenzlauer Berg, gleich gegenüber der Synagoge in der Berliner Rykestraße. Juna Grossmann ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Seit 2008 betreibt sie ihren Blog irgendwiejuedisch.com. Dort schreibt sie unter anderem über ihr Leben als liberale Jüdin in Berlin, Ausstellungen und ihre negativen Erfahrungen mit der DDR, in der sie aufgewachsen ist. Immer wieder bezieht sie Stellung zu kontroversen Themen. Seit Anfang dieses Jahres prasseln zunehmend Hasskommentare über Juna Grossmann herein. Nichts Neues für die 39-Jährige, doch die Worte treffen sie härter als bisher. Sie beschließt, die Kommentare nicht mehr zu löschen, sondern zu veröffentlichen. Alle sollen mitbekommen, was sie als Jüdin ständig erlebt.

Von Hannes Leitlein | ZEIT ONLINE

Frage: Frau Grossmann, glauben Sie, die Polizei vor deutschen Synagogen wird eines Tages nicht mehr nötig sein.

Juna Grossmann: Eine Zeit lang war die Dauerpräsenz nicht nötig, denke ich. Doch der Traum von offenen Synagogen ist wohl vorerst vorbei, seit mit den antiisraelischen Demonstrationen vor zwei Jahren der Antisemitismus wieder auf der Straße gelandet ist.

Frage: Wann ist die Stimmung gekippt?

Grossmann: Es gab damals, 2002, während der Möllemann-Affäre, eine erste Phase öffentlichen Antisemitismus. Da meinten Leute: „Jetzt dürfen wir’s wieder sagen.“ Große Angst vor Übergriffen hatte ich aber vor zwei Jahren das erste Mal, als Tausende gegen Israel auf die Straße gingen. Dieses Gefühl habe ich nun seit einigen Monaten wieder. Und die Stimmung ist ja nicht nur in Deutschland so aufgeladen. Der Hass hat ganz Europa ergriffen.

weiterlesen

Christen, Muslime und die Religionskritik: So schnell wird Gott nicht zornig

Die einen lachen, die anderen kommen ins Nachdenken, andere fühlen sich persönlich getroffen. Was darf Religionskritik? (imago stock&people)
Einst haben sich Muslime auch über ihre eigene Religion lustig gemacht. Doch das ist lange her. Aus dem dicken Fell ist eine dünne Haut geworden. Die Folge: Wer Religionen kritisiert, muss mit Anfeindungen rechnen – bis hin zu Gewalt. Weniger gewalttätig, aber doch erregt – so reagieren immer wieder auch Christen auf Kritik und Spott.

Von Burkhard Schäfers | Deutschlandfunk

Gott verspotten – das machen Menschen, seit es Menschen gibt:

„Du, der Du alle Geheimnisse kennst, kannst Du nicht einmal einen Esel von einer Kuh unterscheiden?“

Gott verspotten – das machen Menschen auch in Regionen und in Religionen und in Zeiten, wo wir es nicht vermuten würden.

„Du Geheimniswisser, zehn Tage hast Du gebraucht, nur um diesen Flicken zusammen zu nähen? Sind die anständigen Kleider in Deinem Schatzhaus etwa alle verbrannt, dass Du all diese Lumpen zusammenflicken musstest?“

Heißt es in Erzählungen von Fariduddin Attar, einem islamischen Mystiker. Attar verspottet Gott – scharf und bitterböse. Und das im 12. und 13. Jahrhundert in Persien. Gott verspotten – dabei ist Attar nicht allein. Dem persischen Dichter Omar Chajjam, der einige Jahrzehnte früher lebte, werden folgende Worte zugeschrieben:

„Du sagst, in den Flüssen wird Wein fließen – ist denn das Paradies eine Kneipe?“
„Ist das Paradies etwa ein wunderbares Bordell?“

weiterlesen

Israel: Rebellion der Ex-Generäle

Las Netanjahu die Leviten: Israels früherer Verteidigungsminister Mosche Jaalon. Foto: AFP
In Israel formiert sich Widerstand gegen Premierminister Netanjahu. Die Gegenbewegung gewinnt an politischem Gewicht.

Von Inge Günther | Frankfurter Rundschau

 

So kämpferisch hat man den nicht gerade charismatischen Mosche Jaalon selten erlebt. Es war sein erster großer Auftritt seit seinem Rücktritt als Israels Verteidigungsminister im Mai. Und er nutzte jede Sekunde, um seinem früheren Chef, dem Premierminister Benjamin Netanjahu, die Leviten zu lesen. Was ihn um den Schlaf bringe, bekannte Jaalon vor einem erlauchten Publikum aus Sicherheitsexperten und Diplomaten in der Küstenstadt Herzlia, sei nicht etwa der Iran oder der Waffenschmuggel der Hisbollah aus Syrien in den Libanon.

Nein, den Schlaf raubten ihm „die Risse in der israelischen Gesellschaft und der Zusammenbruch fundamentaler Werte“. Rassistische, hetzerische Tendenzen machten sich in der Regierung breit, warnte Jaalon, ein Rechtskonservativer aus der Likud-Partei. Weshalb er, Jaalon, beschlossen habe, bei den nächsten Wahlen als Herausforderer des Parteivorsitzenden Netanjahu anzutreten.

weiterlesen

Glaube hat in der Schule nichts verloren – Religion aber sehr wohl

Themenbild.
Themenbild.
Warum alle Schüler ungeachtet ihrer Konfession in einem gemeinsamen Religionsunterricht lernen sollten.
 

Von Matthias Kohlmaier | Süddeutsche.de

Ein großer Vorteil am Leben in Deutschland ist, dass niemand etwas glauben muss, aber jeder alles glauben darf. An Jesus, Allah, Ganesha – egal, es herrscht Glaubensfreiheit, die das Grundgesetz garantiert. Dort steht ein paar Artikel später auch, dass der Religionsunterricht an den Schulen „ordentliches Lehrfach“ ist, das „in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt“ wird.

Das bedeutet: Der Staat kontrolliert, dass an den Schulen nichts gelehrt wird, was gültigem Recht widerspricht. Er bezahlt auch die Religionslehrer. Diese sind aber nicht nur den Gesetzen und ihrem Arbeitgeber verpflichtet, sondern auch ihrer Kirche. So gut ein katholischer Religionslehrer seinen Job machen mag: Wenn seine Ehe in die Brüche geht und er später erneut heiratet, kann ihm die Kirche die Lehrerlaubnis entziehen.

weiterlesen

Denkmal für Moses Mendelssohn

Micha Ullmans Gedenkplatte für Moses Mendelssohn. © Gregor Zielke
Am Dienstag wurde in Berlin-Mitte zwischen Spandauer Straße und Karl-Liebknecht-Straße ein Denkmal für Moses Mendelssohn (1729–1786) eingeweiht. Die Stadt ehrt damit den jüdischen Philosophen und Fabrikanten, der als Wegbereiter der Haskala, der jüdischen Aufklärung, gilt. Es ist das erste Denkmal für Moses Mendelssohn in der Stadt.

Von Katharina Schmidt-Hirschfelder | Jüdische Allgemeine

Er habe damals das angelegt, »worauf wir heute stolz sein können – eine weltoffene, tolerante Stadt«, würdigte Kulturstaatssekretär Tim Renner den berühmten jüdischen Aufklärer. Dabei erinnerte Renner daran, dass Mendelssohn seinerzeit als »Bildungsmigrant mit Duldungsstatus« nach Berlin gekommen sei. »Das sollte uns heute zu denken geben«, sagte Renner.

Mit einer Bodenskulptur erinnert der israelische Künstler Micha Ullman an das historische Wohnhaus, in dem Moses Mendelssohn mit seiner Frau Fromet seit 1762 lebte.

weiterlesen

Religionsunterricht: „Der Schüler ignorierte mich, weil ich eine Frau bin“

Themenbild.
Themenbild.
Ein Muslim weigert sich, mit seiner Lehrerin zusammenzuarbeiten. Einem anderen Schüler fehlt das christliche Morgengebet. Wie Religion den Schulalltag beeinflusst.

Protokolle von Pia Ratzesberger | Südeutsche.de

Der gekreuzigte Jesus thront über der Türe, Schüler knien gen Mekka, andere verspotten jeglichen Gott. In den Klassenzimmern des Landes kommen alle zusammen; Christen und Muslime, Juden und Atheisten. Nirgends wird auf so engem Raum ausgehandelt, welche Rolle die Religion in der deutschen Gesellschaft spielen soll wie in den Schulen der Republik. Schüler und Absolventen, Eltern und Lehrer erzählen.

Michael, Abiturient: Jeder Schüler gehört nach christlichen Werten erzogen

„Die Religion berührt den Schulalltag kaum, aber selbst das ist manchen zu viel. Ich bin römisch-katholisch, habe letztes Jahr mein Abitur gemacht. Anders als viele meiner Freunde gehe ich regelmäßig in die Kirche. Am Anfang meiner Gymnasialzeit war es üblich, dass im Klassenzimmer vorne bei der Tür ein Kreuz hing. Vor Beginn der ersten Stunde musste ein Schüler ein Gebet aus einem kleinen Büchlein vortragen, beziehungsweise durfte. Es gab nie Beschwerden von Andersgläubigen, das Gebet gehörte zum Alltag. Vor den Ferien und am ersten Schultag ging man gemeinsam in die Kirche, jeder seiner Konfession nach.

weiterlesen

Humanistischer Verband lehnt „Gottesbezug“ in Landesverfassung von Schleswig-Holstein ab

Gesetze mit ausdrücklichen Verweisen auf religiöse Vorstellungen widersprechen der Idee von einem demokratischen Staat als verfasstem Gemeinwesen aller Bürgerinnen und Bürger.

HVD – Bundesverband

Darauf hat der Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands, Frieder Otto Wolf, in einer Stellungnahme gegenüber dem Innen- und Rechtsausschuss des Landtags von Schleswig-Holstein am vergangenen Freitag hingewiesen. Wolf erklärte, „solche Bezüge führen regelmäßig zu einer Hervorhebung von Religion bei der Wertegrundlegung staatlichen Handelns auch in abgeleiteten Kontexten. Sie grenzen zwangsläufig nichtreligiöse Bürgerinnen und Bürger – die auch in Schleswig-Holstein einen erheblichen Teil der Bevölkerung ausmachen – und deren normative Wertehorizonte aus.“ Der Humanistische Verband würde es daher begrüßen, wenn die Präambel der Verfassung unverändert beibehalten wird.

Hintergrund der neuen Stellungnahme, die vom Innen- und Rechtsausschuss des Landtags in Kiel erbeten worden war, ist eine Volksinitiative, die die bei der Verabschiedung der Verfassungsnovelle im Oktober 2014 beschlossene Präambel ohne einen „Gottesbezug“ oder eine andere religiöse Formel ablehnt. Initiatoren sind Vertreter der Nordkirche, des Erzbistums Hamburg, der islamischen Religionsgemeinschaft und des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden.

weiterlesen

Nächstes Fahrtziel: Jüdische Nazis

Stell dir vor, du kannst die Leute Nazis nennen und niemand regt sich großartig auf. In Israel ist das der Fall. Unser Kolumnist hat die jüdischen Nazis besucht.

Von Tuvia Tenenbom | ZEIT ONLINE

Dieser Staat, den man Israel nennt, das ist schon ein interessanter Ort.

Ich bin zwar gerade mittendrin, aber ich versuche, ihn mit ein wenig Distanz zu betrachten, als wäre ich es nicht.

Was sehe, höre und fühle ich?

An einem Tag, der dem Gedenken der Toten gewidmet ist, liefert der stellvertretende Generalstabschef der Israelischen Armee eine interessante Rede ab. Er spricht zu seinen Mitbürgern, als sei er kein Soldat, sondern ein Priester, und er erklärt ihnen, dass die Gräueltaten, die ihren Eltern und Großeltern im weit entfernten Deutschland vor Jahrzehnten während des Zweiten Weltkriegs widerfahren sind, erneut begangen würden, von Ihnen, den Enkeln, jetzt und hier im heutigen Israel.

Details verrät er nicht. Meint er damit, dass im heutigen Israel Krematorien ihre Arbeit verrichten? Gibt es eine SS im heutigen Israel? Werden Menschen aus ihren Häusern geholt, um sie zu Asche zu verbrennen. Gibt es hier Konzentrationslager? Ist Hitler zum Judentum konvertiert und jetzt in Wirklichkeit Israels Führer.

Vielleicht, aber man kann sich nicht sicher sein, denn der Stellvertreter wollte es nicht weiter ausführen.

Der Stellvertreter hat den Rang eines Generals. Er ist General der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte, ein Jude, um exakt zu sein. Wäre er nicht Jude und wäre er nicht General im jüdischen Staat gewesen, seine Worte hätten ihn teuer zu stehen kommen können. Wäre er zum Beispiel General der US-Armee, und würde er seinen amerikanischen Mitbürgern am Memorial Day erzählen, dass sie ihn an Nazis erinnern, er stünde schon am nächsten Tag in der Schlange am Arbeitsamt. Aber er ist kein Amerikaner, er ist Jude, und das Land ist nicht Amerika, sondern Israel. Und in Israel, stell dir vor, kannst du die Leute Nazis nennen und niemand regt sich deshalb großartig auf. In welchem Land der Erde, nennt man schon jemanden einen Nazi, nur weil man ihn nicht leiden kann. In Deutschland selbstverständlich. Da wird täglich irgendwer von irgendwem als Nazi bezeichnet – wenn ich mich recht erinnere. Aber sogar in Deutschland würde sich kein General vor die Einwohner des Landes stellen, die er beschützen soll, und sie als Nazis bezeichnen.

weiterlesen

Ultraorthodoxe Juden und der Sex: Durch Lust zum Glück

Rabbi Natan Alexander mit einem Objekt aus seinem Online-Shop für Sexspielzeug. (Bild: Jonas Opperskalski)
Streng orthodoxe Frauen geben einem fremden Mann nicht die Hand, Rabbi Natan verkauft Sex-Toys. Willkommen in der vielfältigen Welt des jüdischen Sex.

Von Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Wegsehen oder hinschauen? Nach einer sündigen Millisekunde senkt der Ultraorthodoxe in Jerusalem den Blick, wenn ihm eine fremde Frau entgegenkommt – um nicht in Versuchung zu geraten. Sex und Juden, das ist schwierig. Man bringt die bärtigen Männer in Schwarz nur schwer in Zusammenhang mit leiblicher Lust. Und dann kommt der junge Rabbi Natan Alexander daher, hält einen rosaroten Vibrator in die Höhe, schaut ihn genau an und erklärt freudig, wo es der Klitoris und wo dem G-Punkt gut tut.

Der koschere Dildo

Widersprüche sind nicht Unvereinbarkeiten. Hier feiern die hochgradig Säkularen von Tel Aviv ihre rauschenden Feste, da beten sich die bärtigen Haredi vor der Klagemauer mit Pendelbewegungen in Trance. Scheu zieht die ultraorthodoxe Frau die Hand zurück, wenn der ungeschlachte Schweizer die seine ausstreckt, barsch wird der Tourist in Mea Shearim, der Hochburg der Orthodoxen in Jerusalem, aufgefordert, sich angemessen «bescheiden» zu kleiden – nicht so, wie es ihm, dem Besucher, passt, sondern so, wie es den Orthodoxen passt, weil sie nun einmal so sind. Und hier oben in Elazar, einer kleinen jüdischen Siedlung im Westjordanland südlich von Bethlehem, betreibt der knabenhafte, aber durch und durch orthodoxe Rabbi seine Website «Bebetter2gether», die koschere Sex-Spielzeuge anbietet, und kümmert sich um die Ratsuchenden, die er durch seine zweite Website – «Inspiring Self Improvement and Relationship Empowerment» – auf sich aufmerksam macht.

weiterlesen

Israel zerbricht an seinem Hass

So sollte es sein.
So sollte es sein.
Nach dem Anschlag von Tel Aviv rückt das Volk nicht mehr solidarisch zusammen. Polit-Geschacher und Hetze im Netz.

Von Inge Günther | Frankfurter Rundschau

Das liberale Tel Aviv war schon immer das Gegenstück zum religiös konservativen Jerusalem. Wie sehr die politischen Überzeugungen auseinanderdriften, zeigt gerade eine Äußerung des Tel Aviver Bürgermeisters Ron Huldai einen Tag nach dem Attentat im Sarona-Viertel, bei dem Mittwochabend vier Israelis im Kugelhagel zweier Palästinenser starben. „Es ist doch unmöglich, Menschen unter Besatzung zu halten und zu glauben, dass sie sich damit abfinden, so weiter zu leben.“

Solchen Klartext sind die Israelis nicht gewöhnt, erst recht nicht von einem Politiker, der als langjähriges Mitglied der Arbeitspartei zum Establishment zählt. Umso mehr horchten viele auf, als der 71-jährige Huldai am Donnerstag in einem Interview mit dem Armeesender der Regierung die Leviten las. Statt über palästinensische Hassausbrüche zu jammern, solle man besser mal nach dem Warum fragen.

weiterlesen

Nach Anschlag in Tel Aviv: Netanjahu kündigt harte Konsequenzen an

Screengrab Times of Israel
Screengrab Times of Israel
  • Zwei Palästinenser haben im Zentrum Tel Avivs vier Israelis getötet und mehrere Menschen verletzt.
  • Die Polizei konnte beide Angreifer festnehmen, einer von ihnen wurde dabei verletzt und ist nun zur Behandlung im Krankenhaus.
  • Israels Ministerpräsident Netanjahu kündigte harte Schritte gegen Terroristen an.

Süddeutsche.de

Nach dem tödlichen Anschlag in Tel Aviv hat Israels Polizei die Sicherheitsmaßnahmen in der Küstenmetropole verschärft. Im Großraum Tel Aviv sei die Polizeipräsenz vor allem im Bereich von Schulen und Kindergärten verstärkt worden, berichteten israelische Medien. Erleichterungen für Zehntausende Palästinenser zum muslimischen Fastenmonat Ramadan wurden aufgehoben, erteilte Genehmigungen für Palästinenser zum Gebet auf dem Tempelberg wurden aufgehoben.

weiterlesen

Putin übernimmt Bezahlung der Renten für Russen in Israel

pussyriot_putin

Präsident Putin und der israelische Premier Netanjahu haben in Moskau ein Abkommen unterzeichnet, dass die Renten, der russisch-jüdischen Immigranten in Israel sichern soll. Das Abkommen wird Russland in Israel weitere Sympathien eintragen. Dies hat geopolitischen Wert und st ein geschickter Schachzug, auf die veränderte Demografie des Landes zu reagieren.

Deutsch Türkische Nachrichten

Russlands Präsident Wladimir Putin und der israelische Premier Benjamin Netanjahu haben am Dienstag in Moskau ein Abkommen zu unterschreiben, dass die russischen Renten für zehntausende russische Juden, die in den Jahren 1972-1990 nach Israel immigrierten, sichern soll.

Das Abkommen, das als „historisch“ gilt, wurde während Netanjahus vierten Besuchs während der letzten neun Monate unterschrieben. Dieses Mal ist der offizielle Grund für den Besuch der 25. Jahrestag der Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

Die Rentenzahlungen bewegen sich zwischen 100-250 US-Dollar im Monat – abhängig davon, wie viele Arbeitsjahre und Einkommen vor der Immigration jeder Einzelne vorweisen kann. Trotz der mühsamen Bürokratie rechnen beide Seiten damit, das Abkommen schon in 2017 in die Tat umsetzen zu können. Rückwirkende Zahlungen wird es nicht geben.

weiterlesen

„Keine Religion schreibt einem vor, ein Arschloch zu sein“

Foto: Jens Gyarmaty / Visum / picturedesk.com/Jens Gyarmaty/picturedesk.com Der 28 Jahre alte Israeli Shahak Shapira im jüdischen Museum in Berlin
„Der deutscheste Jude der Welt“. Shahak Shapira, 28, schreibt über sein Leben. „Rassismus ist immer dumm, egal gegen wen“.

Von Susanne Bobek | kurier.at

Shahak Shapira wurde in der Neujahrsnacht 2015 in der Berliner U-Bahn niedergeschlagen, weil er es sich nicht gefallen ließ, dass in der U-Bahn „Fuck Israel“ und „Fuck Juden“ gegrölt wurde. Nur einer der sieben Gewalttäter wurde verurteilt. Für den Richter stand es Aussage gegen Aussage.

Der 28-jährige Shahak (gesprochen Schach-Hack) Shapira ist Berliner, Israeli und Jude. Seit dem Vorfall ist er bekannt. Er kämpft gegen Klischees, will sich von niemandem vereinnahmen lassen und schreibt in seinem neuen Buch: „Keine Religion dieser Welt schreibt einem vor, ein Arschloch zu sein.“

Der Buchtitel: „Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen. Wie ich der deutscheste Jude der Welt wurde“. Diese lesenswerte Autobiografie gibt tolle Einblicke in das jüdische, säkulare Leben in Berlin. Shapira sieht sich nicht unbedingt vom Zentralrat der Juden vertreten. Er ist moderner.

weiterlesen

‘Fire up the oven’: Neo-Nazis target Jewish candidate in California

Erin Schrode. (Josh LaCunha/via JTA)
Trump-supporting white supremacists use racist website to coordinate online attacks against Erin Schrode, 25, a candidate in state’s Democratic primary

By Times of Israel staff

Erin Schrode, 25, is hoping to become the Democratic candidate for Congress from California’s second district after the state’s Democratic primary this week.

Schrode is also Jewish.

This week, she says, she has seen a torrent of anti-Semitic abuse hurled at her online in a coordinated campaign on a neo-Nazi blog that has backed Republican presidential candidate Donald Trump.

The attacks reflect “more and more anti-Semitism this election cycle,” Schrode told BuzzFeed.

Late Saturday, she posted on Facebook some of the vitriol she has received.

“Everyone knows it’s TIME for America’s first evil retarded teen cunt Congress kike!”

“Fire up the oven!”

“All would laugh with glee as they gang raped her and then bashed her bagel eating brains in.”

Another comment, quoted by BuzzFeed, reads, “Get out of my country, kike. Get to Israel where you belong. That or the oven. Take your pick.”

read more

Jüdisches Filmfestival mit Politsatire eröffnet

Bild: JFBB
Bild: JFBB

Mit der israelischen Politsatire „90 Minuten – Bei Abpfiff Frieden“ über ein Fußballmatch zwischen Israelis und Palästinensern um das Heilige Land ist am Samstag das diesjährige Jüdische Filmfestival Berlin und Potsdam eröffnet worden.

 

evangelisch.de

Bis 19. Juni kommen in der 22. Ausgabe des Festivals insgesamt 44 Filme zur Aufführung, die etwas mit Judentum oder Jüdisch sein zu tun haben. Dabei werden nach Angaben der Veranstalter die vielen Facetten jüdischen Lebens und dessen ständigen Wandels in Deutschland, Israel, Europa und dem Rest der Welt gezeigt.

Eröffnet wurde das Jüdische Filmfestival mit einer Gala im Potsdamer Hans-Otto-Theater mit den beiden Schirmherren, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (beide SPD). Festivalpate ist in diesem Jahr der Schauspieler Benjamin Sadler.

Woidke würdigte das Festival als „wichtigen Botschafter für Toleranz und Weltoffenheit“. Es bringe jüdisches Leben nahe und fördere den Austausch zwischen Menschen, Nationen und Kulturen. „Das Filmfestival zeigt in seiner ganzen Bandbreite, wie vielfältig jüdisches Leben ist und dass es einen lebendigen kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Israel gibt“, so Woidke. „Es wird gebraucht als Brückenbauer, als Fenster und als Teil einer vielfältigen Arbeit gegen Fremdenhass und Intoleranz.“

weiterlesen

Ukraine ehrt Pogrom-Verantwortungsverdächtigen

Symon Petlura, Bild wikimedia.org/PD

Am 25. Mai unterbrach das öffentlich-rechtliche Fernsehen der Ukraine seine Sendungen für eine Minute und strahlte während dieser Zeit die Aufnahme einer brennenden Kerze aus. Anlass der Unterbrechung war keine technische Störung, sondern ein öffentliches Gedenken an den ukrainischen Nationalisten, ehemaligen Kriegsminister und Präsidenten Symon Petliura, der vor 90. Jahren im Pariser Exil von einem Anarchisten erschossen wurde.

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Dieser Anarchist – Scholom Schwartzbard – wurde darauf hin zwar vor Gericht gestellt, aber nicht verurteilt. Grund dafür war, dass Schwartzbards Verteidiger Henri Torrés erfolgreich argumentierte, sein Mandant habe die Tat nicht etwa als russischer Agent, oder aus anderen niederen Motiven begangen, sondern um fünfzehn Familienangehörige zu rächen, die bei Pogromen ums Leben kamen.

Für diese Pogrome, bei denen insgesamt 35.000 bis 60.000 Juden ermordet wurden, machte nicht nur Schwartzbard Petljura verantwortlich. Auch Historiker glauben, dass seine Milizen in der Zeit zwischen 1917 und 1921 trotz einer offiziellen Strafandrohung für Gewalt gegen Zivilisten faktisch nicht mit Strafe rechnen mussten und dass dies dem Kosakensohn bewusst war.

In israelischen Medien kam die öffentliche Ehrung für den Ex-Präsidenten deshalb eher nicht gut an und löste eine Debatte über die Vergangenheit anderer Nationalhelden der Ukraine aus, die unter anderem die NS-Kollaborateure Stepan Bandera und Roman Schuchewytsch betrifft, die während des Zweiten Weltkrieges an der Ermordung von Tausenden Juden beteiligt gewesen sein sollen.

weiterlesen

Judenhass als Teil der Erziehung

Bild: DIE KOLUMNISTEN
Kann es sein, dass Geschichtsunterricht an deutschen Schulen antiisraelische und auch antisemitische Haltungen unter Jugendlichen verstärkt, fragt unser Gastautor Burak Yilmaz. In Duisburg arbeitet er als Gruppenleiter beim Projekt “Junge Muslime in Auschwitz”. Wie arbeitet man mit Jugendlichen, die zum Judenhass erzogen wurden?
 

Von Burak Yilmaz | DIE KOLUMNISTEN

“Es gibt Menschen, die dein Land wollen!”, sagt Cem zu seinem Sohn Musa. “Mit furchtbaren Hackennasen. Es sind keine Menschen, es sind Kreaturen!”, schreit Cem ihn weiter an. Musa ist ein kleines Kind, spricht seinem Vater die Worte nach und bekommt von diesem eine Waffe in die Hand gedrückt. “Diese widerlichen Juden! Ich hasse sie abgrundtief, ich hasse sie!”, verabschiedet sich Cem aus der Szene. Sein Sohn Musa hat die Waffe in der Hand, richtet sich auf und wiederholt in einer Beschwörungsformel mehrmals die Worte seines Vaters: “Juden, Ich hasse sie! Ich hasse sie! Ich hasse sie!” Der Hass ist übertragen.

Botschaft des Hasses

Diese Szene aus unserem Theaterstück “Coexist” zeigt ein Grundmuster der Erziehung, das sich in abgeschwächter Form auch in patriarchalen Familien in Teilen der muslimischen Community wiederfindet. Das Kind bekommt eine Verheißung auf Macht und Besitz, während man sich gemeinsam auf einen Feind einschwört. Hass wird hier begriffen als Notwendigkeit das Eigene zu bewahren und zu schützen. Der Vater grenzt seinen Sohn gegen das Andere ab, das als das absolut Böse vermittelt wird. Er kreiert ein Feindbild, an dem man seine Aggressionen auslassen kann und gibt auf subtile Art und Weise seinem Kind die Einstellung mit: “Wenn du mich liebst, dann folgst du meiner Hassbotschaft!”

weiterlesen

Diaspora leaders warn PM of ‘major rift’ if Western Wall plan collapses

Conservative Jews pray at the temporary egalitarian Robinson’s Arch prayer pavilion at the southern end of the Western Wall in Jerusalem’s Old City on July 30, 2014. (Robert Swift/Flash90)
As ultra-Orthodox parties stymie implementation of pluralistic prayer pavilion, Diaspora Jewish heads hold crisis talks at PMO, look to Netanyahu to prove his leadership

By Amanda Borschel-Dan | The Times of Israel

Disappointment and frustration” characterized the mood at the end of Wednesday’s high-level meeting on a planned pluralistic prayer pavilion at the Western Wall with top Liberal Jewish leaders at the Prime Minister’s Office, said Rabbi Rick Jacobs, president of the Union for Reform Judaism.

Prime Minister Benjamin Netanyahu’s office issued a statement after the meeting saying that he continues to work on the issue and is committed to resolving the matter. Netanyahu attended about a third of the 90-minute meeting.

Jacobs said he expected to see progress in a matter of weeks. “There is a deep concern, bordering on disbelief, that this deal may not be implemented,” Jacobs said.

The Western Wall compromise, passed in a January 31 cabinet decision that reflected the work of years of negotiations, called for a permanent prayer platform to be built along the southern end of the Western Wall in an area of the Davidson Archeological park, otherwise known as Robinson’s Arch. There is currently a temporary prayer platform set up there in two distinct areas of the park.

The plan was heralded as a symbol of “Jewish unity” throughout most of the Jewish Diaspora. But within days of its jubilant announcement — a headline which splashed across international media — the cabinet decision drew the ire of the ultra-Orthodox parties in Prime Minister Benjamin Netanyahu’s tenuous coalition who view the Western Wall pavilion as an open-air Orthodox synagogue. Its implementation has been stymied for the past four months.

read more