Zentralrat der Juden fordert Antisemitismus-Beauftragten im Kanzleramt

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.Foto: dpa
Viele alte Ressentiments gegen Juden seien längst wieder aktiviert, meint Schuster in einem Gastbeitrag. Er fordert einen Ansprechpartner im Kanzleramt.

DER TAGESSPIEGEL

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, fordert eine gezieltere Bekämpfung des Antisemitismus in Deutschland. „Denn wir spüren: Viele alte Ressentiments gegen Juden sind längst wieder aktiviert“, schreibt Schuster in einem Gastbeitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Dienstagsausgabe). „Ein Antisemitismus-Beauftragter, der im Bundeskanzleramt angesiedelt sein sollte, sollte nachhaltig die Entwicklungen und die Umsetzung der Bekämpfungsstrategien im Blick behalten“, fordert Schuster. „Er oder sie könnte Ansprechpartner und Frühwarnsystem in einem sein.“

Der Zentralrat der Juden habe schon 2015 im Zuge der Flüchtlingskrise vor einem „importierten Antisemitismus“ gewarnt, schreibt Schuster weiter. Durch den am Montag vorgestellten Bericht des Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus fühle man sich bestätigt. „Ein vergleichsweise hohes Maß an antisemitischen Einstellungen sowie große Wissenslücken über den Holocaust stellen die Experten bei den geflüchteten Menschen fest“, so Schuster. Für den Zentralrat der Juden bedeute dies „in keinem Fall, Muslime pauschal zu verurteilen oder gar Flüchtlinge abzuweisen“.

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Netanyahu: Allies could have saved 4 million Jews if they’d bombed death camps in 1942

Prime Minister Benjamin Netanyahu speaks during a ceremony held at the Yad Vashem Holocaust Memorial Museum in Jerusalem, on Holocaust Remembrance Day on April 23, 2017. (Yonatan Sindel/Flash90)
In bitter Holocaust Remembrance Day speech citing new UN documents, PM castigates global indifference 75 years ago, says it persists today

By Times of Israel staff

Israel’s Prime Minister Benjamin Netanyahu on Sunday launched a blistering assault on Allied policy during World War II, saying world powers’ failure to bomb the Nazi concentration camps from 1942 cost the lives of four million Jews and millions of others.

Citing recently released UN documents that show the Allies were aware of the scale of the Holocaust in 1942, some two years earlier than previously assumed, Netanyahu said in a speech marking Holocaust Remembrance Day that this new research assumed “a terrible significance.”

“If the powers in 1942 had acted against the death camps — and all that was needed was repeated bombing of the camps — had they acted then, they could have saved 4 million Jews and millions of other people,” he said at the official state ceremony marking the start of the memorial day.

“The powers knew, and they did not act,” he told the audience at the Yad Vashem Holocaust memorial in Jerusalem.

“When terrible crimes were being committed against the Jews, when our brothers and sisters were being sent to the furnaces,” he went on, “the powers knew and did not act.”

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Ehemalige Geistliche beichten, warum sie vom Glauben abgefallen sind

Ecce Homo von Antonello da Messina | Wikipedia | gemeinfrei
Es ist nichts Neues, dass der Kirche die Mitglieder weglaufen. Auch wenn der Trend in den letzten Jahren etwas abgeflacht ist, ist die Zahl der Taufen und Trauungen weiterhin niedriger als die der Austritte. Was ist aber, wenn nicht die Schäfchen abhauen, sondern die Hirten?

Von Annie Armstrong | VICE.com

Wie ist ein Austritt, wenn der Glauben dein ganzes Dasein bestimmt hat? Wenn du Jahre dafür studierst und in Seminaren verbracht hast, dein ganzes Leben um den Glauben herum aufgebaut hast? Was machst du, wenn dir dämmert, dass die Verbindung zwischen dir und deiner höhere Macht verschwunden ist?

Für solche Fälle ist das Clergy Project da, eine Online-Plattform für ehemalige Geistliche, die an irgendeinem Punkt in ihrem Leben den Atheismus für sich entdeckt haben. Die 2011 in den USA gegründete Gruppierung möchte den verlorenen Hirten dabei helfen, die ethischen und philosophischen Problemr zu bewältigen, die mit einem Abfall vom Glauben einhergehen, und sie dabei unterstützen, ins weltliche Leben einzutauchen.

Wir haben mit einigen ehemaligen Geistlichen des Clergy Projects darüber gesprochen, wie und warum sie sich von ihrem jeweiligen Glauben losgesagt haben.

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Zentralrat der Juden plädiert für KZ-Besuche muslimischer Flüchtlinge

© dpa Integrationskurs in Niedersachsen
Antisemitische Einstellungen bei muslimischen Flüchtlingen müssten aus Sicht des Zentralrats der Juden gezielter bekämpft werden. Bildungsministerin Wanka fordert mit Blick auf die Integration eine Begrenzung des Migrantenanteils in Schulklassen.

Frankfurter Allgemeine

Der Zentralratsvorsitzende der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat sich dafür ausgesprochen, gezielter gegen den Antisemitismus muslimischer Flüchtlinge vorzugehen. Der „Welt am Sonntag“ sagte Schuster, es sei wichtig, „antisemitische Einstellungen in den Integrationskursen zu einem zentralen Thema zu machen“. Zeitlich begrenzte Integrationskurse könnten keine Wunder bewirken. „Aber vielleicht ließe es sich einrichten, dass Kursteilnehmer eine KZ-Gedenkstätte oder ein jüdisches Museum besuchen“, sagte Schuster.

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Präsident des Zentralrats der Juden lehnt Kopftuchverbot ab

© dpa „Solange sie ihre Entscheidungen neutral fällen und sich neutral verhalten“: Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, kritisiert ein Kopftuchverbot für Beamte.
„Nicht mit dem Grundgesetz vereinbar“: Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hält nichts von einem generellen Kopftuchverbot. In einem Interview kritisierte er auch die geplante Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft.

Frankfurter Allgemeine

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat sich gegen ein Kopftuchverbot ausgesprochen. „Ich halte ein Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst für problematisch. Im übrigen glaube ich nicht, dass es mit dem Grundgesetz vereinbar ist“, sagte Schuster der Zeitung „Welt am Sonntag“. Auch das Bundesverfassungsgericht habe ein generelles Verbot religiöser Kopfbedeckungen abgelehnt.

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1300 palästinensische Häftlinge im Hungerstreik

Eine derartige Aktion hat es seit Jahren nicht mehr gegeben: In israelischen Gefängnissen folgen Palästinenser dem Aufruf des prominenten Häftlings Marwan Barghuti, der eine lebenslange Haftstrafe absitzt.

Frankfurter Rundschau

In israelischen Gefängnissen sind am Montag mehr als tausend Palästinenser in einen Hungerstreik getreten. Wie der Beauftragte der palästinensischen Autonomiebehörde für Gefangene, Issa Karake, der Nachrichtenagentur AFP sagte, verweigern rund 1300 Häftlinge die Nahrungsaufnahme. Er kündigte an, dass diese Zahl noch weiter steigen könnte. Nach Angaben der Organisation Palestinian Prisoners Club schlossen sich sogar 1500 Häftlinge dem Hungerstreik an, um damit gegen ihre Haftbedingungen zu protestieren.

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Was das Christentum vom Judentum kopierte

Ein Gemälde der Dreifaltigkeit aus der Basilica di Santa Croce in Lecce (Apulien). (Foto: imago/imagebroker)
Zu Zeiten Jesu wurden im Judentum mitunter mehrere Götter verehrt – der Monotheismus kam erst durch das Christentum. Judaistik-Professor Peter Schäfer über die Frühzeit zweier Weltreligionen.

Interview von Oliver Das Gupta | Süddeutsche.de

Peter Schäfer, Jahrgang 1943, gilt weltweit als einer der besten Kenner der jüdischen Antike und des jüdischen Mittelalters. Der Wissenschaftler lehrte als Professor unter anderem in Princeton, heute leitet er als Direktor das Jüdische Museum Berlin. Schäfer veröffentlichte zahlreiche Bücher, zuletzt erschien bei C.H. Beck Zwei Götter im Himmel: Gottesvorstellungen in der jüdischen Antike“.

SZ: Glauben Sie an den lieben Gott, Herr Schäfer?

Peter Schäfer: Ich gebe mir Mühe und versuche es.

Immerhin. Die Erkenntnisse, die Sie zum Vorschein gebracht und zusammengetragen haben, erschüttern die gängige Vorstellung von altem Judentum und dem frühen Christentum. Sie behaupten, bis zu Jesu Lebzeiten habe es im Judentum Vorstellungen von zwei göttlichen Gestalten im Himmel gegeben. Bekommen Sie großen Unmut zu spüren?

Manche Leute reagieren tatsächlich wütend. Ein evangelischer Pfarrer schrieb mir unlängst sinngemäß: Alles Quatsch, alles völlig absurd, ich hätte keine Ahnung.

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UK rabbi-politician burns Christian Bible, sparking ire

Rabbi Shneur Odze, running as UKIP candidate for Manchester mayor, August 2013. (Screen capture: YouTube) The Times of Israel
UKIP Manchester mayoral candidate Shneur Odze criticized for tweeting image of smoldering scriptures on Passover eve

The Times of Israel Staff

A high-profile rabbi and aspiring politician stirred up controversy in British media when he burned a Bible on the eve of Passover.

Rabbi Shneur Odze, a 33-year-old United Kingdom Independence Party (UKIP) candidate for mayor of Manchester, tweeted a photo of the burning bible last Monday.

“Grateful to whoever put a missionary bible amongst our synagogue’s books. Was wondering what I’d burn my Chametz with,” he tweeted, a reference to the leavened bread that Jews destroy on the eve of the Passover festival.

The tweet has since been deleted, but Britain’s Daily Mail reported on the incident on Sunday.

The Hebrew-English Bible was published by the Society for Distributing Hebrew Scriptures and placed in a local synagogue without permission by a member of the Christian group.

Odze claimed that the book contained not only the Old Testament, which Orthodox Jews consider holy, but also the Christian New Testament. The rabbi told the Mail that he had no option but to burn it, since it was produced by “an extreme proselytizing Christian sect of former Jews trying to convert practicing Jews to a belief in Christ as the prophesied Messiah.”

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Neue Zeitschrift „Jalta“: Jüdisch, anders, ungewöhnlich

Die Blattmacher von dem neuen Magazin „Jalta“. (Deutschlandradio / Igal Avidan)
Juden kommen in den deutschen Medien meist beim Thema Antisemitismus oder Shoah vor. Sechs jüdische Blattmacher wollen das ändern – und haben die Zeitschrift „Jalta“ gegründet. In der ersten Ausgabe geht es um rebellische Frauen, Schäferhunde und die Verbindungen von Schwarzen und Juden.

Von Igal Avidan | Deutschlandradio Kultur

In ihrem Video „Jaltas Lehrhaus“ würdigte die Israelin Ruchama Weiss eine rebellische jüdische Frau aus dem vierten Jahrhundert. Jalta stellte damals die männliche Auslegung der Thora in Frage und wurde deshalb, und weil sie die Tochter des Anführer der jüdischen Gemeinde in Babylon war, sieben Mal im Talmud erwähnen – mehr als jede andere Frau.

In einer Lichtung im Wald errichtete Ruchama Weiss, Professorin für Talmud an der Hebräischen Universität in Jerusalem, einen Steinaltar, gegen den sie zahlreiche Weinflaschen zerschlug. Micha Brumlik, Mitherausgeber der neuen jüdischen Zeitschrift „Jalta“ über die Namensgeberin:

„Eine rebellische Frau, die sich in der späten Antike in rabbinischer Zeit sich darüber geärgert hat, dass ihr Vater es nicht erlaubt hat, dass sie den Segen über den Wein spricht und daraufhin, so berichtet es der Talmud, ist sie in den Weinkeller ihres Vaters gegangen und hat vor Wut sämtliche Weinkrüger zerschlagen.“

Juden kommen in den deutschen Medien überwiegend in Bezug auf Antisemitismus und die Shoah vor. Um das zu ändern, schlossen sich die sechs jüdischen Blattmacher von „Jalta“ zusammen. Sie wollen diese Berichterstattung selbst bestimmen und tun das sie in ihrer Zeitschrift „Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart“. Hannah Peaceman vom Herausgeber-Kollektiv erklärt:

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Kriegsethik und Religion: Wann Töten erlaubt ist

Israelische Soldaten im Gaza-Krieg 2014 (MENAHEM KAHANA / AFP)
Die Kriege des 21. Jahrhunderts finden praktisch überall statt, sind asymmetrisch. Wer ist nun ein Feind und wer nicht? Dürfen Drohnen oder Kampfroboter eingesetzt werden? Auch auf neue ethische Fragen geben alte religiöse Schriften des jüdischen Glaubens oder des Islam Antworten.

Von Thomas Klatt | Deutschlandradio Kultur

Für mehr als 1000 Jahre sei die Ethik des Krieges im Judentum nicht diskutiert worden, weil es kein eigenständiges jüdisches Staatsgebilde gab. Erst mit der Gründung des Staates Israel werde wieder vermehrt diskutiert: Wann und wie dürfen Juden Gewalt ausüben. Grundsätzlich gelte in Thora und Talmud das Tötungs-Verbot, aber mit einer gewichtigen Ausnahme, sagt der jüdische US-amerikanische Rechtswissenschaftler Michael Broyde.

„Die Rechtfertigung des Tötens. Die Aufhebung des Verbots des Mordes erfordert eine erhebliche Bedrohung unserer Gesellschaft oder eben des persönlichen eigenen Lebens. Es ist das Recht auf Selbstverteidigung. Es setzt aber voraus, dass die Tötenden, die Soldaten, mit der größten Präzision töten, die überhaupt möglich ist.“

Chemische und biologische Massenvernichtungswaffen seien verboten, ebenso wie Fassbomben oder Streumunition, weil diese Waffen eben wahllos töteten. Immer sei den jüdischen Gelehrten bewusst gewesen, dass es bei jeder legitimen Anwendung von Gewalt auch unschuldige Opfer geben kann. Nur müssten diese so weit wie möglich vermieden werden.

„Maimonides hat es den vierten Pfad genannt. Wenn du eine Stadt belagerst, musst du ein Tor offen halten für unschuldige Bewohner, Alte, Frauen und Kinder, damit sie fliehen können. Und du sollst sie nicht töten.“

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«Es gibt keine direkte Linie von Luther zu Hitler»

Dass manche hofften, Luther werde gar zum Judentum konvertieren, entspricht nicht dem gängigen Klischee. (Bild: Stefan Sauer / Keystone)
Für viele Juden war Luther nicht einfach Antijudaist, sondern Antisemit. Hitlers Wüten wollen sie ihm dennoch nicht anlasten. Sie sehen viel Verbindendes zwischen Protestantismus und Judentum.

Von Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Der durchschnittliche Israeli hat keine Ahnung, wer Martin Luther war, und denen, die es wissen, ist er in der Regel egal. Das Eigene, der Judaismus, ist wichtiger, die Politik dominiert, und man hat genug andere Sorgen. Die Wissenschaft allerdings beschäftigt sich intensiv mit Martin Luther und der Reformation. Im Februar erst fand in Jerusalem eine grosse Konferenz über «500 Jahre Reformation – Juden und Protestanten, Judaismus und Protestantismus» statt, ein faszinierender Anlass mit über vierzig Wissenschaftern, vor allem Religionsspezialisten, aus aller Welt.

Begriffliche Untrennbarkeit

Geschichtsbewussten Juden ist Luther selbstverständlich ein Begriff. Es gibt einen regen akademischen Streit darüber, ob der Reformator Antisemit war oder einfach nur Herold einer antijudaistischen, nicht primär rassistisch, sondern religiös geprägten Haltung. Und in diesem Kontext interessiert dann nicht weniger die Frage, ob eine direkte Entwicklungslinie von Luther zu Hitler führe, ob es Luther gewesen sei, der «den Boden bereitet habe» für jenen urdeutschen, mörderischen Antisemitismus, den etwa Daniel Goldhagen diagnostiziert hat und der in dessen Analyse den Holocaust erst möglich machte.

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Jüdisches Pessach: „Wir feiern die Freiheit“

Eine jüdische Gemeinde beim Essen der symbolischen Pessach-Speisen während des Sederabends, dem Abend vor dem Pessach-Fest (picture-alliance/ dpa / Robert Fishman)
An diesem Montagabend beginnt das jüdische Pessach-Fest. Es nimmt Bezug auf den Auszug der Israeliten aus Ägypten. „Wir erinnern an diesen Exodus, als ob man ihn selber erlebt hätte“, sagte der Journalist Gerald Beyrodt im Deutschlandfunk. Heutige Fluchterfahrungen und die vor vielen tausend Jahren stünden ganz nah beieinander.

Gerald Beyrodt im Gespräch mit Christiane Florin | Deutschlandfunk

Christiane Florin: Das Pessach-Fest erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten, genauer gesagt an die Zeit unmittelbar davor. Gott kündigt eine Plage an, er will alle Erstgeborenen töten, ein beliebtes biblisches Motiv. Die Israeliten bleiben vor dieser Plage verschont, weil sie ihre Türen mit dem Blut eines jungen Schafes oder einer jungen Ziege bestrichen haben, die Ägypter bleiben nicht verschont. Eine blutrünstige Geschichte also. Was ist die eigentliche Geschichte?

Gerald Beyroth: Das Blutrünstige, daran erinnern wir noch manchmal und wir trauern durchaus auch um die Ägypter am Seder-Abend, aber das steht für uns gar nicht so sehr im Vordergrund. Im Vordergrund steht tatsächlich: Es ist die zehnte Plage und es ist der Aufbruch in die Freiheit. Das ist eine Abfolge von Plagen, es geht harmlos los und das ist die absolute Steigerung mit der Tötung der Erstgeborenen. Dann sollen die Israeliten sich eben ungesäuerte Brote backen und abhauen – da gibt es eine spannende Verfolgungsjagd durchs Rote Meer – aber die zentrale Sache ist wirklich: Sie kommen aus dieser Sklaverei heraus in die Freiheit, die dann auch nicht so einfach ist, wie sich später zeigt, aber das ist eine andere Geschichte.

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Religiotie: Ohne Religion wären wir arme Teufel

Nicht nur wegen des islamistischen Terrors ist die Skepsis gegenüber dem Islam groß. Auch das Christen- und das Judentum werden als rückwärtsgewandt gesehen. Woher rührt diese Angst vorm Glauben?

Von Claudia Becker | DIE WELT

Es gibt wohl kaum etwas Angenehmeres als eine einfache Antwort auf eine komplizierte Frage. Was ist gut? Was ist böse? Wer ist schuld? Dass sich das in Märchen so klar zuordnen lässt, gehört zu den wesentlichen Gründen für die Faszination, die sie auf Kinder ausüben. Und dass totalitäre Systeme die Welt in Freund und Feind aufteilen, bedingt ihre starke Anziehungskraft auf denkträge Massen.

Mit unserem aufgeklärten Denken aber sind Pauschalurteile eigentlich unvereinbar. Und mit dem postmodernen Leitmotiv, nie eindimensional, sondern stets aus mehreren Perspektiven auf die Ereignisse zu schauen, schon gar nicht. Wir probieren aus, wir wägen ab. Wir halten es nicht für richtig, Menschen wegen ihrer besonderen Lebensweise voreilig zu verurteilen oder gar abzuwerten.

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Gnadenlose Gottheit

Heinz-Werner Kubitza:
Der Glaubenswahn
Verlag: Tectum, Marburg 2017
ISBN: 9783828838499
19,95 €

Heinz-Werner Kubitza, Beiratsmitglied der humanistischen Giordano-Bruno-Stiftung und bekannter Religionskritiker, zieht in seinem neuen Buch ein düsteres Fazit der biblischen Überlieferung. Er hinterfragt das Wesen von JHWH, dem Gott Israels, und geht auf dessen Rolle im Alten Testament ein.

Von Julia Schulz | Spektrum.de

Die biblischen Texte, belegt Kubitza, stellen JHWH vielfach als einen Gott des Kriegs und der Gewalt dar, mit ausländerfeindlichen, rachsüchtigen und gnadenlosen Zügen. Als einen, der Freude an Zerstörung hat und massenhaft mordet. Zudem prüft der Autor die Bibel auf ihre literarischen Qualitäten und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis.

Seine polarisierenden Thesen belegt Kubitza stets mit Bibelzitaten. „Ich verfolge meine Feinde und hole sie ein, ich kehre nicht um, bis sie vernichtet sind. Ich schlage sie nieder; sie können sich nicht mehr erheben, sie fallen und liegen unter meinen Füßen.“ (Ps 18,38-39) etwa ist nur eine von vielen Textstellen – und längst nicht die expliziteste –, die die mythische Aggressivität des Gottes belegen. Als Grund dafür vermutet Kubitza unter anderem, dass im frühen Israel ein Konflikt zwischen Poly- und Monotheisten tobte und Priester wie Gelehrte dabei versuchten, JHWH zum Hauptgott in einer ursprünglich polytheistischen Götterwelt zu erheben.

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Postfaktisch in Sachen Palästina

Screenshot „Even though my land is burning“. Bild: heise.de/tp
Der israelische Filmemacher Dror Dayan über die Ein-Staaten-Lösung, politischen Widerstand der Israelis und Antisemitismus

Von Emran Feroz | TELEPOLIS

In diesen Tagen hört man kaum etwas zur Lage in Israel und Palästina. Und wenn, dann ist die Berichterstattung – vor allem in Deutschland – mehr als nur einseitig. Dabei gibt es zahlreiche Menschen, die die Mainstream-Narrative des Konflikts regelmäßig herausfordern und zu durchbrechen versuchen. Einer von ihnen ist der israelische Filmemacher Dror Dayan, der seit einigen Jahren in Berlin lebt. Dessen jüngster Film „Even Though My Land is Burning“ macht sehr deutlich, dass Israelis und Palästinenser in der Lage sind, gemeinsam für eine friedliche Zukunft zu kämpfen.

Hatten Sie persönliche Gründe für den Dreh Ihres Films?
Dror Dayan: Ich hatte einige Gründe. Während meines Filmstudiums in Deutschland fiel mir immer wieder auf, dass deutsche Filmstudenten ungern politische Themen in ihren Projekten behandeln. Selbst „deutsche“ Themen blieben meistens unangetastet. Nach einigen Jahren traf ich die Entscheidung, einen Film zu drehen, der tatsächliche Probleme behandelt.
Der Hauptgrund war allerdings die Art und Weise wie der politische Kampf der Palästinenser in Deutschland negiert und diffamiert wird. Antizionismus wird etwa in vielen Kreisen, auch in vielen linken, als etwas Negatives betrachtet. Mit meinem Film wollte ich den Zuschauern deutlich machen, dass man gegen Zionismus sein kann und dass das nichts mit der eigenen Konfession oder Ethnie zu tun hat.

Kinderrechtler wollen Beschneidungs-Verbot

Die Organisation Pro Kinderrechte fordert das Verbot der Beschneidung von Knaben. Es sei eine Verletzung des Rechts des Kind auf Unversehrtheit. Man schneide ein gesundes Körperteil ohne Zustimmung der Person ab. Bild: epa/Vassil Donev
Die Organisation Pro Kinderrechte fordert das Verbot der Beschneidung von Knaben. Muslime und Juden wehren sich.

20min.ch

n der jüdischen und islamischen Religion ist die Beschneidung Tradition und eine weit verbreitete religiöse Praxis – auch in der Schweiz. Das bedeutet, dass die Vorhaut des Penis bei Knaben entfernt wird. Nun aber fordert die Organisation Pro Kinderrechte das Verbot der Beschneidung. «Die Beschneidung des Genitals ist nicht, wie manchmal behauptet, eine Bagatelle», schreibt die Organisation in ihrer Broschüre. «Eine Beschneidung ist ein irreversibler Eingriff mit langfristigen Nachteilen, besonders im urologischen, psychologischen und sexuellen Bereich.» Sie schätzt, dass in der Schweiz knapp 6000 Knaben im Jahr beschnitten werden, meist aus religiösen Gründen.

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Vorwürfe gegen Piusbruderschaft: Vertuschung von Missbrauch

Drei Priester und ein ehemaliger Seminarist sollen über Jahre hinweg Jugendliche sexuell missbraucht haben. Zwei der drei Priester haben die Piusbruderschaft mittlerweile verlassen.

kath.net

Das schwedische Fernsehen erhebt schwere Vorwürfe gegenüber der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX). Die Gemeinschaft habe Fälle sexuellen Missbrauchs von vier Klerikern vertuscht, behauptet eine Dokumentation der Sendung „Uppdrag Granskning“.

Die drei Priester und ein früherer Seminarist sollen mindestens zwölf Jugendliche in verschiedenen Ländern sexuell missbraucht haben. Die Fälle reichen bis in die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Die Piusbruderschaft habe Beweise gegen die vier für sich behalten und den Priestern gestattet, weiterhin in der Seelsorge tätig zu sein, berichtet der Sender.

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Hyam Maccoby und seine Antisemitismus-Kritik

Bild: Jüdische Rundschau

In den USA und Großbritannien ist Hyam Maccoby (1924-2004) vor allem durch sein Theaterstück „The Disputation“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Hier geht es um eines der im Mittelalter öffentlich ausgetragenen Streitgespräche zwischen einem Rabbi und einem katholischen Geistlichen mit dem Zweck, die jüdische Bevölkerung zur Konversion zum Christentum zu bewegen.

Von Peter Gorenflos unter Mitwirkung von Emanuel Rund | Jüdische Rundschau

In der historisch belegten Disputation von 1263 in Barcelona zwischen Rabbi Moses ben Nachman und dem katholischen Priester Pablo Christiani unter der liberalen Regentschaft des Königs Jakob von Aragon, hatte der Priester keine Chance gegen die logisch stringente Argumentation des Rabbis. Die Dominikaner verbreiteten daraufhin eine Verdrehung des wahren Ablaufes und zwangen Moses ben Nachman damit zur Gegendarstellung. Trotz gegenteiliger Versprechungen musste er daraufhin auf Druck des Papstes ins Exil. Andere, ähnliche Disputationen endeten oft mit einem Blutbad an der jüdischen Bevölkerung und der öffentlichen Verbrennung des Talmuds. Die Inquisition stand in ihren Startlöchern, gestützt vom Papst, der in Europa bald erheblich an politischem Einfluss gewinnen sollte.

Das Theaterstück war unter der Leitung von Bob Kalfin und mit dem bekannten Theodore Bikel als Rabbi ein großer Erfolg und wurde von der BBC mit dem berühmten Christopher Lee als König Jakob sogar verfilmt.
Nur auf dem überwiegend katholischen, europäischen Festland, dem „continent“, ist der Altertumsgelehrte, Talmud-Philologe und ehemalige Bibliothekar des Leo Baeck College in London, Hyam Maccoby, fast unbekannt. Zuletzt hatte er einen Lehrstuhl für Judaistik an der Universität in Leeds inne.

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Ausstellung „Cherchez la femme“ thematisiert die weibliche Verhüllung

Russisch orthodoxer Gottesdienst in Berlin, 2014 © Marija Mihailova (geb. 1989)
Künstlerische Arbeiten zur Verhüllung von Kopf und Körper sind ab diesem Freitag im Jüdischen Museum Berlin zu sehen. Dabei geht es um die Frage, wie viel Religiosität säkulare Gesellschaften vertragen – und was Frauen selbst dazu sagen.

Von Nadine Emmerich | MiGAZIN

Im Video der Istanbul Modest Fashion Week 2016 tragen die Models auf dem Laufsteg zwar sehr figurbetonte Kleider – sind jedoch verschleiert. Labels aus Bahrain, Indonesien und Malaysia, aber auch Deutschland, Frankreich und Schweden stellen aus, wie sich religiöse Tradition und Mode ihrer Ansicht nach züchtig verbinden lassen. Zur Vorstellung der Ausstellung „Cherchez la femme: Perücke, Burka, Ordenstracht“ erschien die Programmdirektorin des Jüdischen Museums Berlin, Cilly Kugelmann, am Donnerstag mit schwarzem Fascinator, einer Art Haarreifen mit Schleife. Damit gingen modebewusste jüdische Frauen in England jetzt in die Synagoge, sagte sie. Fashion Week und Fascinator zeigen: Das Thema der weiblichen Kopfbedeckung ist komplex.

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Israel billigt erstmals seit 25 Jahren Siedlung im Westjordanland

Ein Mann hilft ein Haus in Amona zu entfernen. – REUTERS/REUTERS/Baz Ratner/File Photo
Die neue Ortschaft nördlich von Ramallah soll für die Einwohner des Anfang Februar geräumten Siedlungs-Außenpostens Amona entstehen.

Die Presse.com

Zum ersten Mal seit 25 Jahren hat Israel den Bau einer völlig neuen Siedlung im Westjordanland genehmigt. Das Sicherheitskabinett billigte am Donnerstagabend einstimmig die Einrichtung einer neuen Ortschaft nördlich der Palästinenserstadt Ramallah. Sie soll für die Einwohner des Anfang Februar geräumten Siedlungs-Außenpostens Amona entstehen.

„Ich habe versprochen, dass wir eine neue Siedlung bauen würden“, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Donnerstag. Nun werde dieses Versprechen gehalten.

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