Abkehr von der Zweistaatenlösung

 Bild: Akiersch/CC0
Bild: Akiersch/CC0
Trumps Vorstoß könnte Chancen für eine Lösung im Konflikt zwischen Israel und Palästina eröffnen

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Wie bei vielem, was zurzeit über die Trump-Administration berichtet wird, ist auch die Diskussion um die Zweistaatenlösung im Konflikt Israel-Palästina mit viel Alarmismus verknüpft. Tatsächlich hat Trump erklärt, nicht mehr auf einer Zweistaatenlösung zu bestehen, sondern die Konfliktparteien ohne vorherige Festlegung eine Lösung finden zu lassen.

Diese Position klingt doch erst einmal ganz vernünftig. Schließlich hat die Festlegung auf diese Zweistaatenlösung nicht zum Friedensprozess beigetragen. Die Festlegung stammt noch aus der Zeit, als mit dem Osloer Abkommen eine Friedenslösung auf der Grundlage von zwei Staaten in absehbarer Zeit möglich erschien. Seitdem wird das Mantra der Zweistaatenlösung immer wieder hoch gehalten und jede Seite wirft der anderen vor, dagegen verstoßen zu haben.

So wird Israels Siedlungspolitik immer als größtes Hindernis für diese Zweistaatenlösung bezeichnet. Israels Ministerpräsident lenkt demgegenüber den Fokus auf die Aktivitäten verschiedener bewaffneter Gruppen unter den Palästinensern, auf ihre Verbindungen zur Hamas, aber auch zur Abbas-Regierung, die sich eigentlich längst hätte längst Wahlen stellen müssen. Wegen des Dauerkonflikts zwischen der PLO und der Hamas wurden die immer wieder abgesagt.

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Despite Trump’s indifference, the two-state solution isn’t dead… yet

PM Netanyahu and US President Donald Trump at the White House, February 15, 2017 (Avi Ohayun/GPO)
PM Netanyahu and US President Donald Trump at the White House, February 15, 2017 (Avi Ohayun/GPO)
Netanyahu won’t say the words, and Abbas won’t come to the talks, but it’s still the two-state deal, and no other, that they’re not doing

By Raphael Ahren | The Times of Israel

Theodor Herzl, the founding father of political Zionism, famously said of a revived Jewish homeland, “If you will it, it is no dream.”

Nearly 70 years after Herzl’s vision became a reality with the founding of the State of Israel, Donald Trump on Wednesday said that, if you will it, the Jewish state can be turned into a binational Jewish-Arab state. Whatever you guys want.

“I’m looking at two-state and one-state, and I like the one that both parties like,” the American president said at a press conference in the White House, as Prime Minister Benjamin Netanyahu stood alongside him, chuckling. “I can live with either one.”

Delivered in a remarkably nonchalant manner, Trump’s was a dramatic statement that appeared to upend decades of US foreign policy. In Israel, right-wingers cheered and left-wingers lamented what sounded like a death knell for the two-state solution.

But the truth is that while Palestinian aspirations for an independent state took a hit on Wednesday, it isn’t time to bury the two-state solution just yet. It may have been deep-frozen. But if and when the current circumstances change, it can be resuscitated, at Israeli and Palestinian discretion. It’s diplomatic cryonics, Middle East-style.

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Israels Siedler feiern, in Ramallah herrscht Katerstimmung

The Temple Mount in Jerusalem (photo credit: Miriam Alster/Flash90)
The Temple Mount in Jerusalem (photo credit: Miriam Alster/Flash90)
Nach dem ersten Gipfel zwischen US-Präsident Trump und Israels Premier Netanjahu feiern Israels Siedler. Unter den Palästinensern macht sich Enttäuschung breit. Beiden Seiten drohen Überraschungen.

Von Gil Yaron | DIE WELT

Selten war Israels Siedler-nahe Rechte so ekstatisch wie nach der Live-Übertragung der Pressekonferenz am Mittwochabend, der Höhepunkt des ersten Gipfels zwischen US-Präsident Donald Trump und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu: „Das ist das Ende einer Ära“, frohlockte Naftali Bennett, Vorsitzender der Siedler-Partei „Jüdisches Heim“, einem der problematischsten Koalitionspartner Netanjahus.

Der Premier habe „Führerschaft und Kühnheit bewiesen und Israels Sicherheit gestärkt“, konstatierte Bennett, der Netanjahu vor dessen Abreise in die USA noch damit gedroht hatte, die Regierung zu stürzen, falls er der Gründung eines palästinensischen Staates im Rahmen eines Friedensabkommens zustimme.

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Das Problem, das Israels Existenz mehr bedroht als jede iranische Bombe

 Die Personalie Ivanka könnte die Beziehungen zwischen Israel und den USA belasten Quelle: AP
Die Personalie Ivanka könnte die Beziehungen zwischen Israel und den USA belasten Quelle: AP
Beim Treffen von Trump und Netanjahu geht es indirekt auch um die Präsidententochter. Ultraorthodoxe sehen ihren Übertritt zum Judentum skeptisch. Für Israel symbolisiert sie ein Problem, das seine Existenz gefährdet.

Von Gil Yaron | DIE WELT

Die Liste der Themen, die Israels Premier Benjamin Netanjahu bei seinem ersten Besuch im Weißen Haus mit Donald Trump am Mittwoch besprechen muss, ist lang – vom Atomvertrag mit dem Iran über den Siedlungsbau und den Beziehungen zu Europa und der arabischen Welt. Doch erstmals könnte auch ein Problem auftauchen, das von Staatsoberhäuptern beider Länder noch nie thematisiert wurde. Eines, dass die Existenz Israels mehr bedroht als jede iranische Bombe.

Es geht um den immer tiefer werdenden Riss zwischen Israels religiösem Establishment und dem Judentum in den USA, der bis ins Oval Office reicht. Israels Rabbinat wird immer fundamentalistischer und verprellt so die Glaubensbrüder in den USA, nicht zuletzt einen von Trumps engsten Beratern, seinen orthodoxen jüdischen Schwiegersohn Jared Kushner. An dessen Frau, der Konvertitin Ivanka Trump, entzündet sich ein für die Beziehungen zwischen den Ländern gefährlicher Streit. Denn manchen israelischen Rabbinern ist Trumps Tochter nicht koscher genug.

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Interreligiöse Fakultät an der HU Berlin geplant

Bild. rbb24
Bild. rbb24
In Berlin soll offenbar eine neuartige, interdisziplinäre Theologische Fakultät errichtet werden. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) am Samstag meldete, sollen an der Humboldt-Universität (HU) künftig islamische, katholische und jüdische Theologie in die bestehende, bislang ausschließlich evangelische Theologische Fakultät eingebunden werden.

rbb24 PANORAMA

Ein Mitglied der Fakultät bestätigte dies auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). In der „FAZ“ heißt es, die Professoren der Theologischen Fakultät hätten in dieser Woche einstimmig beschlossen, bis Mitte April ein Konzept zu entwickeln, das eine Kooperation in Forschung und Lehre ermöglicht.

Bisher Institut für Islamische Theologie geplant

Damit greift die Fakultät nach Darstellung der Zeitung die Verpflichtung der Berliner rot-rot-grünen Koalition auf, dass bei den theologischen, weltanschauungs- und religionsbezogenen Studien „bestehende Regelungen und vorhandene Einrichtungen zukunftsorientiert ausgestaltet und weiterentwickelt werden“. Bislang ist bereits geplant, bis zum Wintersemester 2018/19 ein Institut für Islamische Theologie an der Humboldt-Universität einzurichten.

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Unaufgeklärte Religion ist ein Problem

Bild: HVD_Hessen/Twitter
Bild: HVD_Hessen/Twitter
HVD-Präsident Frieder Otto Wolf diskutierte am vergangenen Freitag beim Forum des Bundesinnenministeriums in Leipzig zur Frage: „Wie hältst Du es mit der Religion? Glauben als Kitt oder Keil unserer Gesellschaft?“

HVD Bundesverband

Fördern Glaube und Religion den gesellschaftlichen Zusammenhalt? Oder schüren sie im Gegenteil Konflikte und Unfrieden in unserem Land? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Bürgerdialogs in Leipzig. Rund 150 Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung des Bundesinnenministers Dr. Thomas de Maizière gefolgt, um über die Bedeutung von Religion für unser Zusammenleben zu diskutieren.

Der Bürgerdialog ist Teil der Werkstattreihe mit dem Titel Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Integration – #gemeinsam für ein starkes Deutschland, in deren Rahmen der Bundesinnenminister offen und konstruktiv aktuelle gesellschaftspolitische Themen ansprechen möchte.

An die Begrüßung durch Bundesinnenminister de Maizière schloss sich eine Podiumsdiskussion an. „Die Zuneigung zu Kirchen hat abgenommen, die Abneigung gegen Islam oder Kirchen hat zugenommen“, sagte de Maizière zum Auftakt der Diskussion, und fragte, wo die Distanz und Abneigung gegenüber Religion herrührten. Neben Thomas de Maizère und Frieder Otto Wolf auf dem Podium: Gesa S. Ederberg, Rabbinerin in Berlin, und Dagmar Mensink, katholische Theologin, sowie Hamideh Mohagheghi, Wissenschaftlerin an der Universität Paderborn für Islamische und Komparative Theologie.

HVD-Präsident Wolf betonte in Leipzig, dass Menschen nicht so auf Religion angewiesen sind, wie es vielfach in der (politischen) Öffentlichkeit dargestellt werde. Aus Sicht moderner Humanistinnen und Humanisten können Menschen ihr Leben auch ganz ohne religiöse Vorstellungen mit ethisch fundierter Lebensauffassung führen und sinnvoll gestalten. Wichtig dafür ist „Vertrauen in uns und die Gemeinschaft“, zudem kann auch individuelle Freiheit nur in sozialer Verantwortung sinnvoll gelebt werden, so Wolf.

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Ein neues Bild vom jüdischen Leben – und von Israel

Für eine offene Gesellschaft. An der Strandpromonade von Tel Aviv demonstrieren Ende Januar 2017 für die Aufnahme von Flüchtlingen...Foto: Baz Ratner/Reuters
Für eine offene Gesellschaft. An der Strandpromonade von Tel Aviv demonstrieren Ende Januar 2017 für die Aufnahme von Flüchtlingen…Foto: Baz Ratner/Reuters
Wie Schulbücher dem deutsch-jüdischen Leben und dem Staat Israel besser gerecht werden können.

Von Martin Kloke | DER TAGESSPIEGEL

In den Jahren des Nationalsozialismus war das deutsche Bildungswesen zentralisiert und im Sinne der herrschenden Rassenideologie gleichgeschaltet: Dies wurde auch in der antisemitischen Ausrichtung der Schulbücher sichtbar, in denen Juden und ihre Religion kriminalisiert und als „Agenten der Moderne“ verunglimpft wurden. Vor diesem Hintergrund hätte man nach 1945 erwarten können, dass Bildungsplaner eine Art „geistige Wiedergutmachung“ versuchen. Tatsächlich fiel jedoch in der jungen Bundesrepublik fast alles, was einer kritischen Auseinandersetzung mit Wurzeln und Verläufen des Nationalsozialismus hätte dienen können, unter den Tisch.

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Israel billigt Gesetz zur Konfiszierung von Palästinenser-Land

Illegale Siedlungen werden geräumt. – APA/AFP/THOMAS COEX
Illegale Siedlungen werden geräumt. – APA/AFP/THOMAS COEX
4000 Wohnungen israelischer Siedler im Westjordanland werden mit dem Gesetz rückwirkend genehmigt. Der Generalstaatsanwalt warnt vor einem Verstoß gegen internationales Recht.

Die Presse.com

Israels Parlament hat am Montag ein umstrittenes Gesetz gebilligt, mit dem Tausende Siedlerwohnungen auf palästinensischem Privatland legalisiert werden. 60 der 120 Abgeordneten stimmten in dritter und letzter Lesung für das Gesetz, 52 votierten dagegen. Die übrigen Abgeordneten waren abwesend, darunter auch der konservative Ministerpräsident Benjamin Netanyahu.

Rund 4000 Wohnungen israelischer Siedler im besetzten Westjordanland werden mit dem Gesetz rückwirkend genehmigt, obwohl sie widerrechtlich auf privaten Grundstücken von Palästinensern gebaut wurden. Ultrarechte Politiker wollen damit weitere Räumungen wilder Siedlungen verhindern. Das Gesetz sieht eine Entschädigung der palästinensischen Besitzer vor. Das höchste Gericht Israels könnte es noch kippen.

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Religions- und Weltanschauungsunterricht: Pro Halbjahr ein Kontrollbesuch

Später Einstieg. In Berlin wird erst ab 2018 Islamische Theologie gelehrt.Foto: Jensen/dpa
Später Einstieg. In Berlin wird erst ab 2018 Islamische Theologie gelehrt.Foto: Jensen/dpa
Der freiwillige Religionsunterricht findet nahezu ohne staatliche Aufsicht statt. Bayern geht einen völlig anderen Weg – auch für muslimische Kinder.

Von Susanne Vieth-Entus | DER TAGESSPIEGEL

Trotz des wachsenden Anteils muslimischer Schüler stagniert die Teilnahme am Religionsunterricht der Islamischen Föderation: Die Quote liegt seit der Einführung im Jahr 2003 bei weit unter zwei Prozent, wie aus einer Anfrage des SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck (SPD) hervorgeht. In absoluten Zahlen bedeutet dies eine Teilnehmerzahl von unter 5000.

Damit ergeht es der Föderation ähnlich wie den anderen Religionsgemeinschaften: Auch die Evangelische und Katholische Kirche, die Aleviten, Buddhisten sowie die Jüdische Gemeinde verzeichnen kaum Veränderungen bei ihrer schulischen Präsenz. Einzig der Humanistische Verband mit seinem Weltanschauungsfach Lebenskunde legt ständig zu: Seinen Unterricht besuchen inzwischen rund 63 000 Schüler. Diese Expansion ist möglich, weil der Verband ein eigenes Institut für die Lehrerausbildung hat. Hingegen wird es einen Lehrstuhl für Islamische Theologie in Berlin erst ab 2018 geben.

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Muslimische Söhne: Beschneidung – kleiner Eingriff, große Fragen

 Beschneidungen sind legal, wenn sie unter Vollnarkose vom Arzt vorgenommen werden. (Foto: Bradley Secker/laif)
Beschneidungen sind legal, wenn sie unter Vollnarkose vom Arzt vorgenommen werden. (Foto: Bradley Secker/laif)
Vielen deutsch-türkischen Paaren geht es wie Katrin und Mesut. Sie müssen sich entscheiden: Soll unser Sohn beschnitten werden?

Von Ines Lutz | Süddeutsche.de

Eine junge Frau und ein junger Mann lieben sich. Katrin* ist christlich getauft, aber nicht religiös. Mesut* ist Muslim und stammt aus einer weltoffenen, türkischen Einwandererfamilie. Beide respektieren die Kultur des anderen. Sie heiraten und beschließen, eine moderne Ehe zu führen. Die Frau bringt einen Sohn zur Welt. Ein europäisches Kind soll er sein, seine Religion darf er sich später selbst aussuchen. Die Mutter spricht mit ihm deutsch, der Vater türkisch. Die Familie feiert Weihnachten, aber auch Ramadan. Das Beste aus beiden Kulturen wollen sie ihrem Sohn mitgeben, doch eine Frage löst fast schon Verzweiflung aus: ob der Junge beschnitten werden soll. Katrin hat Angst davor, für Mesut ist es ein Teil seiner kulturellen Identität. Beide wollen die Sorgen des anderen respektieren, können aber keine Zugeständnisse machen.

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Ist Religion Kitt oder Keil?

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Muslime, Katholiken, Juden und Atheisten: Sie alle diskutierten mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière über Religion. Genauer gesagt: Darüber, ob die Religion die Gesellschaft zusammenhalte oder spalte. Und über das Verhältnis vom Islam zum Grundgesetz.

Von Markus Kremser | katholisch.de

„Die Zuneigung zu Kirchen hat abgenommen, die Abneigung gegen Islam oder Kirchen hat zugenommen. Woher kommt diese Angst?“, fragt Bundesinnenminister Thomas de Maizière zum Auftakt des Werkstattgespräches in Leipzig. Unter dem Titel „Wie hältst Du’s mit der Religion? Glauben als Kitt oder Keil unserer Gesellschaft?“ diskutierten am Freitag 150 Menschen mit dem Politiker und Religionsvertretern. De Maizière betonte, dass Leipzig eine große und christliche Tradition habe. Auch wenn in Leipzig 82 Prozent der Einwohner konfessionslos seien, wie in vielen anderen Gegenden Ostdeutschlands, habe Religion eine Bedeutung.

Die katholische Theologin Dagmar Mensink sagte bei dem Bürgerdialog, Religion gebe meinem Leben einen Rahmen. „Antwort auf die Frage nach dem Wohin und Woher“, so das Mitglied des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken. Dabei sei ihr Verhältnis zur Kirche mitunter auch spannungsvoll. „Mein Glaube gibt mir Sicherheit, dass nicht vergeblich ist, was ich tue.“ Die Berliner Rabbinerin Gesa S. Ederberg sprach auch das Handeln an: Für sie sei das „Tun wichtiger als der Glaube“. Dazu gehörten für sie jüdische Rituale wie koscheres Essen, Einhaltung von Regeln und Gebete. „Das findet alles auf deutsch und in Berlin statt“, sagte Ederberg. Sie sei zuerst Jüdin, „alle anderen Identitäten kommen hintenan“.

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Israel will palästinensisches Privatland konfiszieren

Im Westjordanland wird die israelische Siedlung Ariel nahe der Stadt Nablus ausgebaut. – (c) APA/AFP/JACK GUEZ (JACK GUEZ)
Im Westjordanland wird die israelische Siedlung Ariel nahe der Stadt Nablus ausgebaut. – (c) APA/AFP/JACK GUEZ (JACK GUEZ)
Die Legalisierung Tausender Siedlerwohnungen in Israel soll rasch durchs Parlament. Der Generalstaatsanwalt warnt, das Gesetz verstoße gegen israelisches Recht.

Die Presse.com

Die israelische Regierung will mit einem umstrittenen Gesetz Tausende von Siedlerwohnungen auf palästinensischem Privatland legalisieren. Eine für Montag angekündigte Abstimmung im Parlament wurde zunächst verschoben. Anschließend hieß es jedoch, sie solle planmäßig stattfinden.

Es wurde mit weiteren Verzögerungen gerechnet, weil die Opposition Hunderte von Einwänden eingereicht hat und die Billigung auch mit Dauerreden behindern wollte. Israels konservativer Regierungschef Benjamin Netanyahu hatte gesagt, man wolle mit dem Gesetz die Besiedlung des besetzten Westjordanlands „ein für alle Mal regeln“.

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Jan Assmann: Die „totale Religion“

Erschaffung der Welt, Deckenbild. Foto: epd
Erschaffung der Welt, Deckenbild. Foto: epd
Jan Assmann führt seine Überlegungen zu Religion und Gewalt fort, indem er sich mit der Logik des Monotheismus beschäftigt.

Von Dirk Pilz | Frankfurter Rundschau

Immer wieder hat der Ägyptologe und Kulturwissenschaftler Jan Assmann herausgearbeitet, dass die Entstehung des Monotheismus eine „Wende in der Geschichte der Menschheit“ bedeutete. Vor allem mit seinem Buch „Die Mosaische Unterscheidung“ (2003) untersuchte er dabei den „Preis des Monotheismus“, nämlich die damit in die Welt gekommene Unterscheidung zwischen wahr und falsch in der Religion.

Keine geisteswissenschaftliche These ist in den vergangenen Jahren kontroverser diskutiert worden, zumal Assmann die Vermutung formulierte, der so entstandene Monotheismus enthalte notwendig „ausgrenzende Gewalt“. Er hat diese Vermutung nach vielfältiger Kritik inzwischen korrigiert: Nicht die Differenz von wahr und falsch sei wesentlich, sondern jene von Treue und Untreue.

Denn entscheidend für das Verständnis des Monotheismus, von Judentum, Christentum und Islam gleichermaßen, sei es, den Glaube als „Sache liebender Treue“ zu begreifen. Assmann spricht deshalb jetzt von einem „Monotheismus der Treue“, ein Gedanke, den er in seinem epochemachenden Buch „Exodus“ (2015) ausführlich entwickelt hat.

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Wo war Gott in Auschwitz?

Es bleibe ein Mysterium, wo Gott während des NS-Massenmordes war (picture alliance / zb /Frank Schumann)
Es bleibe ein Mysterium, wo Gott während des NS-Massenmordes war (picture alliance / zb /Frank Schumann)
Holocaust-Überlebende berichten oft: Seit Auschwitz können wir nicht mehr religiös sein. Wer die Nazi-Verbrechen miterlebt hat, kann nicht mehr an einen allmächtigen, gütigen Gott glauben. Warum hat Gott bei den Massenverbrechen zugeschaut? Wo war Jahwe während der Shoah? Diese Frage rüttelt am jüdischen Gottesbild.

Von Jens Rosbach | Deutschlandfunk

Rabbiner Zsolt Balla tut alles, um das spirituelle Leben seiner jüdischen Gemeinde in Leipzig zu fördern. So greift der Seelsorger oft selbst zur Gitarre, um Psalmen zu singen. Doch fragen ihn die Mitglieder nach der Shoah, weiß Balla oft nicht weiter.

„Die typische Frage ist: Wenn es einen allmächtigen und guten Gott in der Welt gibt, wie konnte er so etwas zulassen?“

Balla, der aus Ungarn stammt und sich in Berlin zum orthodoxen Rabbiner ausbilden ließ, räumt ein: Es bleibe ein Mysterium, wo Gott während des NS-Massenmordes war.

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US-Botschaft in Jerusalem wäre „Kriegserklärung“ an Islam

Die US-Botschaft im israelischen Tel Aviv. – (c) APA/AFP/JACK GUEZ (JACK GUEZ)
Die US-Botschaft im israelischen Tel Aviv. – (c) APA/AFP/JACK GUEZ (JACK GUEZ)
Der irakische Schiitenführer warnt US-Präsident Trump davor, die Botschaft aus der offiziellen israelischen Hauptstadt Tel Aviv ins geteilte Jerusalem zu verlegen.

Die Presse.com

Der irakische Schiitenführer Moktada al-Sadr hat die USA in scharfen Worten vor einer Verlegung ihrer Botschaft nach Jerusalem gewarnt. Dies käme „einer Kriegserklärung“ gegen den Islam gleich, erklärte al-Sadr am Dienstag in Najaf.

Er rief dazu auf, eine „spezielle Division zur Befreiung von Jerusalem“ zu gründen, sollte der neue US-Präsident Donald Trump seine Ankündigung wahr machen, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die US-Botschaft dorthin zu verlegen.

Al-Sadr rief zudem die Arabische Liga und die Organisation für Islamische Zusammenarbeit auf, sich gegen eine Verlegung der Botschaft zur Wehr zu setzen oder sich selbst aufzulösen. Die USA haben wie die meisten Staaten ihre Botschaft bisher in Tel Aviv, da sie Jerusalem nicht als Hauptstadt Israels anerkennen, solange es keine endgültige Vereinbarung zwischen Israelis und Palästinensern zum Status der Stadt gibt.

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Israel: Kritik an geplanter Verlegung der US-Botschaft

Palästinenser kritisieren geplante Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem. Foto: dpa
Palästinenser kritisieren geplante Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem. Foto: dpa
Donald Trump will ein altes Versprechen einlösen und die US-Botschaft in Israel nach Jerusalem verlegen. Es drohen gewalttätige Reaktionen.

Frankfurter Rundschau

Die Aufnahme von Gesprächen zur Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem hat in Israel Zustimmung und in den Palästinensergebieten heftige Gegenwehr ausgelöst. Die gemäßigte Palästinenserführung und die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas warnten US-Präsident Donald Trump am Montag vor den Gefahren, die eine Verlegung auslösen würde, sowie gewalttätigen Reaktionen. Dagegen lobten der Bürgermeister von Jerusalem und mehrere Minister der rechts-religiösen israelischen Regierung die Ankündigung. Bürgermeister Nir Barkat nannte Trump «einen wahren Freund des Staates Israel».

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„Israel first“: Minister drängen auf Ausbau der Siedlungen

Ma'ale Adumim. Foto: Gilabrand / CC BY-SA 3.0
Ma’ale Adumim. Foto: Gilabrand / CC BY-SA 3.0
Mit dem neuen US-Präsidenten ändern sich die Spielregeln, so die Hoffnung der Regierung Netanjahu, die große Annexionspläne bereit hält

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Mit dem Machtwechsel in den USA wächst in Teilen der Regierung in Israel die Hoffnung auf einen Ausbau der Siedlungen. Obama, der sich diesen Plänen widersetzte, ist aus dem Amt; von Trump wird erwartet, dass er den Ausbau unterstützt.

In der Vergangenheit spendete Trump für den Ausbau der Siedlung Bet El im Westjordanland, wenn auch nur mit geringen Summe und vor 14 Jahren

Sein Schwiegersohn, Jared Kushner, den Trump im Interview mit der Bild-Zeitung als Architekt eines künftigen Israel-Abkommens propagierte, „das sonst niemand zustande bringt“, ist sehr viel stärker beim Fundraising des religiös untermauerten Bet El-Siedlungsprojekts engagiert. Präsident der American Friends of Bet El ist David M. Friedman, der neue US-Botschafter in Israel.

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Forschungsprojekt: Konfliktpotenzial von Religionen begrenzen

islam_christentum

Ein Forschungsprojekt der Universitäten Frankfurt am Main und Gießen will eine Grundlage für einen fruchtbaren Dialog der Religionen finden.

evangelisch.de

Konflikte mit einer religiösen Dimension nähmen weltweit zu, sagte der Direktor des Frankfurter Instituts für Religionsphilosophische Forschung, der Theologe und Judaist Christian Wiese, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Einwanderungsgesellschaften müssten sich auf mehr Vorurteile und Ängste einstellen. Das interreligiöse und interdisziplinäre Forschungsprojekt „Religiöse Positionierung“ wolle herausfinden, wie ein Dialog der Religionen zur Lösung von Konflikten beitragen könne.

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Israel : Eine Redaktion für Netanjahu

„Go home“: Vor einer Demonstration, die Netanjahus Rücktritt fordert. Foto: REUTERS
„Go home“: Vor einer Demonstration, die Netanjahus Rücktritt fordert. Foto: REUTERS
Die Bestechungsaffäre um Medienmogul Moses bringt Israels Premier Benjamin Netanjahu in ernste Bedrängnis.

Von Inge Günther | Frankfurter Rundschau

Die bizarre Affäre könnte dem Drehbuch einer Telenovela entsprungen sein. Selbst Israelis, die einige Fehltritte ihrer herrschenden Klasse erlebt haben, sind fassungslos. Da treffen sich klammheimlich ein mächtiger Politiker und ein Medienmogul, die sich überhaupt nicht ausstehen können, um einen Pakt zum beidseitigen Vorteil auszuhecken. Der Medienmann verspricht wohlgefällige Berichterstattung, der Politiker sagt im Gegenzug gesetzliche Auflagen für ein Konkurrenzblatt zu. Unglaublich. Aber der Fall, von der israelischen Staatsanwaltschaft als „Akte 2000“ geführt, hat sich im Kern wohl so zugetragen und ist durch Tonbandmitschnitte belegt. In den beiden Hauptrollen Premier Benjamin Netanjahu und Arnon (Noni) Moses, Herausgeber der Zeitung „Jedioth Achronoth“.

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„Yolocaust“ : Touristen, die auf Toten tanzen

Shapira: Höcke soll sich das mal anschauen und reflektieren, was er da in Dresden so über Erinnerungskultur gesagt hat. Foto: screenshot
Shapira: Höcke soll sich das mal anschauen und reflektieren, was er da in Dresden so über Erinnerungskultur gesagt hat. Foto: screenshot
Der Berliner Autor und Satiriker Shahak Shapira entlarvt das Verhalten von Touristen am Holocaust-Mahnmal in Berlin und erntet viel Aufmerksamkeit

Frankfurter Rundschau

Der Berliner Autor und Satiriker Shahak Shapira (28) hat mit einer entlarvenden Website über das Verhalten von Touristen am Holocaust-Mahnmal in Berlin einen Internet-Hit gelandet. Die Seite „Yolocaust.de“ sei am Mittwochmittag online gegangen und in den ersten zwölf Stunden mehr als 500 000 mal aufgerufen worden, teilte Shapiras Agentin am Donnerstag mit. Das Wort „yolocaust“ setzt sich aus dem Hashtag YOLO (You Only Live Once/Du lebst nur einmal) und Holocaust zusammen.

weiterelsen