Der US-Botschafter und der falsche Tempel in Jerusalem

foto: screenshot haaretz Dass auf dem Foto weder …
David Friedman ließ sich mit einem Bild Jerusalems fotografieren, auf dem statt Felsendom und al-Aqsa-Moschee der dritte jüdische Tempel abgebildet ist

Lissy Kaufmann | derStandard.at

Botschafter David Friedman sei in dem Moment nicht klar gewesen, welches Bild ihm da vorgeschoben wurde, lautete das Statement der US-Botschaft am späten Dienstagabend. Es war der Versuch einer Schadensbegrenzung, doch da war es schon zu spät: Das Foto, das den Diplomaten mit dem umstrittenen Bild zeigt, kursierte da längst in den sozialen Netzwerken, Israels Medien berichteten, die Nachricht verbreitete sich schnell: Friedman hatte sich zuvor bei einem Besuch im ultraorthodoxen Tel Aviver Vorort Bnei Brak mit einer Luftaufnahme ablichten lassen, die statt al-Aqsa-Moschee und Felsendom einen dritten jüdischen Tempel zeigte. Er war in das Foto hineinmontiert worden.

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Der Juden evangelikale Freunde

Viele liberale Juden sind über die Unterstützung von Amerikas Evangelikalen für Israels Rechte besorgt. (Bild: Lior Mizrahi / Getty)
Zu den eifrigsten Helfern der israelischen Rechten gehören paradoxerweise die protestantischen amerikanischen Fundamentalisten, deren Nähe auch Donald Trump sucht. Die liberale jüdische Elite ist entsetzt.

Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Er schloss die Augen und betete. Robert Jeffress, evangelikaler Prediger aus Texas, war einer der ganz grossen Stars bei der Feier zur Einweihung der neuen amerikanischen Botschaft in Jerusalem, und wer Pathos erwartet hatte, kam auf seine Rechnung. Gott, sagte Jeffress, habe vor 4000 Jahren zu seinem Diener Abraham gesagt, er werde ihn zum Vater einer grossen Nation machen, durch die die ganze Welt «geheiligt» werde. Vor 70 Jahren habe Gott uralte «Prophetien von Propheten» wahr gemacht und sein Volk in diesem Gelobten Land wieder vereint. Zu danken sei Ministerpräsident Netanyahu für seine Führerschaft und seine Entschlossenheit, alles zu tun, um sein Volk zu beschützen. Lob gönnte Jeffress zudem Botschafter Friedman und natürlich auch Donald Trump, der stets auf der «richtigen Seite der Geschichte» stehe und, noch wichtiger, gleich neben Gott, wenn es um Israel gehe.

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Vom Misstrauen der Religionen gegenüber Frauen

Wohl alle Weltreligionen misstrauen Frauen – vom Buddhismus, der im fünften vorchristlichen Jahrhundert gegründet wurde, über den Hinduismus bis zum Islam und Christentum (imago stock&people / Philippe Lissac)
Frauen seien missratene Männer, behauptete der Kirchenlehrer Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert. Damit stand der Theologe nicht allein. Alle Weltreligionen setzen Frauen enge Grenzen. Deutungsmacht ist männlich. Ein Streifzug durch Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus.

Von Mechthild Klein | Deutschlandfunk

Der mittelalterliche Theologe Thomas von Aquin zerbrach sich den Kopf über die Frauen. Und kam zu einem ebenso schlichten wie folgenreichen Ergebnis: „Thomas von Aquin ist ja einer, für den klar war, dass Frauen verunglückte Männer sind, ein menschliches Wesen, das nicht die vollständige menschliche Form erreicht hat. Aber trotzdem ein Wesen, das es natürlich für die Reproduktion, für das Weitergehen des Menschengeschlechts braucht.“

Diese Position erscheine aus heutiger Sicht „sehr zeitbedingt“, sagt die katholische Theologin Marie-Theres Wacker. Es sei völlig klar, dass in diesem Bild Frauen keine vollwertigen Menschen sind oder dass sie in gleicher Weise Gott ebenbildlich sind wie die Männer. Geht man in der Geschichte noch weiter zurück, wird es nicht besser für die Frauen: „Zum Beispiel Augustinus, der große Kirchenlehrer des 5. Jahrhunderts, sich die Dinge so zurecht gelegt hat, dass Frauen zusammen mit den Männern Ebenbild Gottes sind, aber nicht allein. Wenn man solche Auslegungen der Tradition bis hin zur Hl. Schrift hat, dann ist es nicht verwunderlich, dass man Frauen nicht in Entscheidungspositionen hinein lässt“, so Wacker.

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Eine palästinensische Hauptstadt hinter der Mauer

Blick von Abu Dis auf die israelische Schutzmauer und den Felsendom und Jerusalems Altstadt. (Bild: Reuters/Ammar Awad)
Die Anzeichen verdichten sich: Donald Trump will den Palästinensern Abu Dis, einen Vorort von Jerusalem, als Kapitale ihres Staates vorschlagen. Arafat hatte dort bereits ein Parlament bauen lassen, allerdings bevor Israel den Weg zur al-Aksa mit einer Schutzmauer verriegelte.

Christian Weisflog | Neue Zürcher Zeitung

Das Gerücht kursiert seit Monaten. Zunächst genährt durch unbestätigte Medienberichte, die sich auf Diplomatenkreise stützten. Dann auch durch eine Aussage von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Januar: «Das offerieren sie uns nun, Abu Dis», sagte er an einer PLO-Sitzung. Am Montag ging nun auch der israelische Oppositionsführer Yair Lapid davon aus, dass der amerikanische Präsident Donald Trump den Palästinensern den Vorort Jerusalems als Hauptstadt ihres Staates vorschlagen will. An einer Fraktionssitzung seiner Partei stellte Lapid zwei rhetorische Fragen an Regierungschef Benjamin Netanyahu: «Ist die Zweistaatenlösung wieder auf dem Tisch? Ist Abu Dis als Hauptstadt eines palästinensischen Staates akzeptabel?»

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„Religion ist potenziell gefährlich“

Peter Schäfer ist Direktor des Jüdischen Museums in Berlin und einer der renommiertesten Judaisten weltweit (Deutschlandradio / M. Hucht)
Juden, Christen und Muslime erheben Anspruch auf Jerusalem. Das führt oft zu Gewalt. Peter Schäfer, Direktor des Jüdischen Museums Berlin, plädiert für eine Unterordnung der Religion. Religionsführer müssten „das Primat der demokratischen Rechtsordnung anerkennen“, sagte Schäfer im Dlf.

Peter Schäfer im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: Im Dezember wurde im Jüdischen Museum in Berlin eine große Jerusalem-Ausstellung eröffnet. Sie hat den Titel „Welcome to Jerusalem“. Diese Ausstellung habe ich hier in der Sendung bei „Tag für Tag“, unseren Informationen „Aus Religion und Gesellschaft“, besprochen – und zwar ausgesprochen positiv. Danach entspann sich ein Dialog mit Peter Schäfer, dem Direktor des Jüdischen Museums. An einem Punkt widersprach er meinen Einschätzungen. Sein Widerspruch kulminiert in diesem einen Satz, den ich jetzt einfach mal vorlesen möchte. Zitat: „Politik und Religion sind gerade hier in Jerusalem seit der Antike untrennbar miteinander verquickt. Diese unheilvolle Verquickung ist der Kern des Problems. “ – Zitatende.

Und dann haben wir uns verabredet, diese These zu vertiefen. Und nun ist es endlich so weit. Wir sitzen uns gegenüber in unserem Berliner Funkhaus, wo wir das Gespräch aufzeichnen. Peter Schäfer, einer der renommiertesten Judaisten weltweit, schön, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben. Guten Morgen, Herr Schäfer.

Peter Schäfer: Guten Morgen, ich freue mich hier zu sein.

Main: Fangen wir mal provozierend an, Herr Schäfer. Wenn Religion und Politik in Jerusalem von der Antike an miteinander verquickt sind, und wenn das eine unheilvolle Verquickung ist, die bis heute wirkt, dann können wir eigentlich unser Gespräch hier an dieser Stelle beenden, weil eh nichts zu retten ist.

Schäfer: Das ist eine starke Aussage. Was ist zu retten? Was kann man tun? Was kann man tun, um diese unheilvolle Verquickung von Politik und Religion nicht zu beenden? Ich glaube, die lässt sich nie beenden, denn die ist eingegraben. Aber was kann man tun, um sie aufzulockern? Was kann man tun, um rational damit umzugehen?

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Muslimische Staaten fordern Schutztruppe für Palästinenser

Die Mitglieder der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) haben die Entsendung einer internationalen Schutztruppe zum Schutz der Palästinenser gefordert Quelle: AFP
Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit hat den gewaltsamen Tod von Palästinensern an der Grenze zu Israel kritisiert. Jenen Staaten, die ihre Botschaft wie die USA nach Jerusalem verlegen, drohen sie Konsequenzen an.

DIE WELT

Muslimische Staaten haben auf ihrem Gipfeltreffen in Istanbul eine internationale Schutztruppe für die palästinensische Bevölkerung gefordert.

Sie reagierten damit auf die Tötung von rund 60 Palästinensern durch das israelische Militär bei Protesten an der Grenze zwischen Gazastreifen und Israel Anfang der Woche.

Die 57 Mitglieder zählende Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) verurteilte am Freitag in ihrer Abschlusserklärung den gewaltsamen Tod der Palästinenser als „schwere Verbrechen des israelischen Militärs, begangen mit der Rückendeckung der US-Regierung“.

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Proteste in Gaza: Alles von der Hamas gesteuert?

Foto: IDF/gemeinfrei
Bei 60 durch Schüsse der israelischen Armee getöteten Palästinensern im Gazastreifen steht mittlerweile die Bilanz des gestrigen Tages, wie sie Ha’aretz übermittelt. 2.700 palästinensische Demonstranten am Grenzzaun zwischen Gaza und Israel wurden verletzt, mindestens 1.350 durch Schüsse, berichtet die New York Times.

Thomas Pany | TELEPOLIS

Im Guardian wird von einer ähnlichen Zahl von Opfern (1.360) durch Schüsse mit scharfer Munition berichtet, mit dem Zusatz, dass die meisten in den unteren Gliedmaßen getroffen wurden. Weitere 400 seien durch Splitter verletzt worden und 980 durch das Einatmen von Tränengas. Insgesamt hätten 1.800 Personen Hilfe im Krankenhaus gesucht.

Sämtliche Zahlenangaben gehen letztlich auf Auskünfte der Gesundheitsbehörde im Gazastreifen zurück. Da dies unter der Hamas-Verwaltung steht, gibt es laut New York Times beim Sprecher der israelischen Armee, Colonel Jonathan Conricus, Zweifel an den Zahlen. Viele, die als Verletzte registriert wurden, hätten lediglich Tränengas eingeatmet.

Es gibt noch eine weitere Zahl: 101 Palästinenser seit Beginn der „Gaza-Proteste“ am 30. März getötet worden und „gut über 10.000 wurden verwundet, manche kritisch“, berichtet die Publikation +972, deren Autorenbeiträge sich deutlich von anderen Veröffentlichungen unterscheiden. Der Kurs hebt sich deutlich vom Kurs der Regierung Netanjahu ab. Dass bei +972 auch Positionen der Palästinenser und von NGOs stärker als bei der parteipolitischen Opposition im Parlament aufgenommen werden, fällt nun auch stärker ins Auge als noch vor einiger Zeit.

Der Zusatz, den die Autorin Mairav Zonszein den genannten 101 Todesopfern und 10.000 Verletzten unter den Palästinensern hinzufügt, lautet, „dass von keinem einzigem verletzten Israeli“ die Rede sei, von „keiner Rakete, die nach Israel abgefeuert wurde, obwohl Israel in den letzten Wochen mehrmals Ziele im Gazastreifen angegriffen habe“. (Die palästinensische Aktivisten-Webseite The Electronic Intifada widerspricht, sie berichtet von einem verletzten israelischen Soldaten.)

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Israels Botschafter soll Türkei verlassen

Bild: tagesschau.de
Nach dem Gewaltausbruch im Gazastreifen verschärft sich der diplomatische Streit: Die türkische Regierung forderte den israelischen Botschafter zur Ausreise auf. Die Bundesregierung will eine internationale Untersuchung.

tagesschau.de

Nach der tödlichen Gewalt bei den Massenprotesten im Gazastreifen hat die Türkei Eitan Naeh, den Botschafter Israels, einbestellt. Der Diplomat sei in das Außenministerium in Ankara zitiert worden, heißt es aus Kreisen der türkischen Regierung.

Nach Angaben der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu wurde Naeh mitgeteilt, dass es „angemessen ist, wenn er für einige Zeit in sein Land zurückkehrt“. Damit scheint es sich zwar nicht um eine förmliche Ausweisung zu handeln – läuft aber genau darauf hinaus. Die israelische Botschaft lehnte eine Stellungnahme zunächst ab.

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Mindestens 41 Palästinenser sterben bei Protesten

Palästinenser protestieren gegen die für Montag geplante Verlegung der amerikanischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem Bild: Reuters
An der Grenze zu Israel eskalieren die Proteste gegen die Verlegung der amerikanischen Botschaft nach Jerusalem. Die wird am Montag feierlich eröffnet – ein „großer Tag für Israel“, findet Donald Trump.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Bei Massenprotesten gegen die Verlegung der amerikanischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem sind am Montag mindestens 41 Palästinenser getötet worden, wie das Gesundheitsministerium des Gazastreifens mitteilte. Unter den Getöteten war demnach auch ein 14 Jahre alter Junge. Etwa 1700 Menschen seien verletzt worden, darunter auch ein Journalist. Es wäre damit der Tag mit den meisten Todesopfern seit dem Gaza-Krieg 2014. Offenbar flog Israels Luftwaffe am Montag auch einen Angriff auf die radikalislamische Hamas im Gazastreifen, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Armeekreise berichtete.

Die Bundesregierung zeigte sich besorgt über die jüngsten Entwicklungen. Die Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem dürfe „kein Anlass sein für Gewalt“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Montag in Berlin. Zugleich sei auch Israel verpflichtet, „das Prinzip der Verhältnismäßigkeit zu wahren“. Der amerikanische Präsident Donald Trump, der den Botschaftsumzug im Dezember verfügt hatte, sprach in einer Twitternachricht von einem „großen Tag für Israel“.

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Al-Kaida-Chef ruft vor US-Botschaftsverlegung nach Jerusalem zum Dschihad auf

Sawahiri in einem von SITE verbreiteten Bild von 2013  © 2018 AFP
Unmittelbar vor der Einweihung der US-Botschaft in Jerusalem hat der Chef des Terrornetzwerks Al-Kaida, Aiman al-Sawahiri, Muslime zum Dschihad gegen die USA aufgerufen.

stern.de

Unmittelbar vor der Einweihung der US-Botschaft in Jerusalem hat der Chef des Terrornetzwerks Al-Kaida, Aiman al-Sawahiri, Muslime zum Dschihad gegen die USA aufgerufen. Die Entscheidung der USA, ihre Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, habe gezeigt, dass Verhandlungen und „Beschwichtigungen“ den Palästinensern nichts gebracht hätten, sagte Sawahiri am Sonntag laut dem auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierten US-Unternehmen SITE in einer Video-Botschaft mit dem Titel „Tel Aviv ist auch ein Land der Muslime“.

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Israel erwartet „Tage des Zorns“

Ein Israeli hüllt sich in Jerusalems Altstadt in eine US-Flagge. Diesen Montag zieht die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. (Foto: Ahmad Gharabli/AFP
  • Mehr als 100 000 Menschen werden zu den Protesten in Israel und den palästinensischen Gebieten erwartet.
  • Bereits am Wochenende kam es zu Ausschreitungen; das Auswärtige Amt mahnt Israel-Besucher zu Vorsicht.
  • Zur Eröffnung der US-Botschaft reisen unter anderem Donald Trumps Tochter Ivanka und deren Mann Jared Kushner an.

Von Alexandra Föderl-Schmid | Süddeutsche Zeitung

In Israel und den palästinensischen Gebieten bereitet man sich auf die massivsten Proteste seit Jahren vor. Palästinenser haben zu „Tagen des Zorns“ aufgerufen, es wird erwartet, dass sich mehr als 100 000 Menschen beteiligen. Im Westjordanland, entlang des Gazastreifens und in Ostjerusalem werden gewaltsame Auseinandersetzungen erwartet. Anlass sind der 70. Jahrestag der Staatsgründung Israels und die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem am Montag. Am Dienstag ist Nakba-Tag, an dem die Palästinenser an ihre Flucht und Vertreibung erinnern.

Die Sicherheitsvorkehrungen in Israel und im besetzten Westjordanland wurden erhöht. Die israelische Armee kündigte an, dass die Truppenpräsenz entlang des Gazastreifens verdoppelt und im Westjordanland verstärkt werde. Bisher waren rund hundert Scharfschützen am Gazastreifen positioniert.

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Im Land der biblischen Verheissung

Die jüdische Identität ist aufs Engste mit dem Land Israel verschweisst: Blick auf die Judäische Wüste zwischen Israel und dem Westjordanland. Getty Images/Reynold Mainse
Israel ist zentraler Teil der jüdischen Identität. Die Beziehung zu «dem Land» zwischen Jordan und Mittelmeer hat die jüdische Gemeinschaft nie losgelassen.

Judith Wipfler | SRF

Vor 70 Jahren wurde die Unabhängigkeit des Staates Israel ausgerufen. Was für Millionen Juden ein «Wunder» war, bedeutete für viele Hunderttausend Araber eine Katastrophe und den Verlust von Land.

Doch der jüdische Staat hätte kaum irgendwo anders entstehen können: Das Judentum hat einen jahrtausendelangen Bezug zu genau diesem Streifen Erde. Wie kaum eine andere Verheissung durchzieht das Land Israel die Bibel.

Mit Israel ist das konkrete Land gemeint

«Die Bibel ist kein Buch über den Himmel, sondern ein Buch über die Erde», schrieb der Religionsphilosoph Abraham Joshua Heschel in seinem Buch «Israel. Echo der Ewigkeit». Und diese Erde sei das heutige Israel.

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„David Ben Gurion wollte einen jüdischen Staat – um jeden Preis“

Historischer Moment. Am 14. Mai 1948 verkündete David Ben Gurion (Mitte) die Gründung des unabhängigen Staates Israel.Foto: AFP
Historiker Tom Segev über Israels Gründervater, die Vorbehalte des ersten Premiers gegenüber den Arabern und warum er die palästinensischen Tragödie in Kauf nahm.

Von Christian Böhme | DER TAGESSPIEGEL

Herr Segev, Sie haben sich als Biograf lange Zeit mit David Ben Gurion beschäftigt. Wie hat sich Ihr Bild von Israels Staatsgründer und ersten Ministerpräsidenten verändert?

Ben Gurion war über viele Jahre hinweg ein nationaler Mythos, eine Art Säulenheiliger. Er stand über aller Kritik. Ich versuche, ihn als Menschen zu zeigen, mit all seinen Stärken und Schwächen. Ben Gurion galt immer als emotionsloser Pragmatiker. Aber er hat sich sehr von seinen Gefühlen leiten lassen, kämpfte immer wieder mit schweren persönlichen Krisen. Und dem war er sich bewusst. Wenn man das weiß, ist auch besser zu verstehen, warum und wie er bestimmte Entscheidungen fällte.

Ben Gurion wird bis heute als Held des jüdischen Staats verehrt. Taugt er dazu?

Ja, schon. Er war eine faszinierende Figur und ist heute sogar besonders populär. Dafür gibt es einen einfachen Grund: David Ben Gurion war ein integrer Staatsmann – was ihn vom heutigen Premier Benjamin Netanjahu unterscheidet. Der ist zwar auch durchaus beliebt, gilt jedoch nicht unbedingt als ehrenhaft. Er hat ja mit einigen Korruptionsaffären zu kämpfen. Ben Gurion hat sich schon als Jugendlicher fest vorgenommen, das Schicksal des jüdischen Volks zu verändern. Das ist ihm gelungen.

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Nach Trumps Erklärung: Der nächste mutmaßlich israelische Angriff auf iranische Ziele in Syrien

CCTV-Aufnahme aus Kisweh. Foto: Riam Dalati/Twitter
Trump und Netanjahu verfolgen die erfolgreichere Doktrin – Man muss nur hart genug gegen Iran vorgehen, um eigene Interessen besser durchzusetzen?

Thomas Pany | TELEPOLIS

Nicht lange nach der Erklärung Donald Trumps zum Ausstieg aus der Atomvereinbarung mit Iran, in der er Konteraktionen zu den „bösartigen Aktivitäten des iranischen Regimes“ ankündigte, meldete die israelische Zeitung Ha’aretz gestern Abend einen Luftangriff auf eine Militärbasis im Süden von Damaskus.

Laut Medienberichten, so Ha’aretz, wird die israelische Luftwaffe für den Angriff verantwortlich gemacht. Offiziell gebe es dafür wie üblich weder Bestätigung noch ein Dementi. Die syrische Nachrichtenagentur Sana hebt hervor, dass bei einem Angriff in der Umgebung von Damaskus, nahe bei al-Kisweh, zwei israelische Raketen von der syrischen Luftabwehr abgefangen wurden. Bei der dadurch ausgelösten Explosion seien ein Mann und eine Frau „zu Märtyrern geworden“.

Ein Pro-Assad-Kommandeur sprach laut Ha’aretz von israelischen Kampfjets, die eine syrische Armeestellung im Süden von Damaskus angegriffen hätten. Laut SZ war das Ziel „ein Waffen- und Raketendepot in Kisweh, auf das iranische Kräfte und die libanesische Hisbollah Zugriff haben sollen“.

Das deutschsprachige Blog Flutterbareer berichtet von einem Industriepark bei al-Kiswah, wo „scheinbar“ zwei Ziele erfolgreich getroffen wurden: „eine Fabrikanlage und ein Militärkonvoi, der wahrscheinlich zum Iran gehörte“. Gegenüber dem Industriepark soll sich ein syrischer Militärstützpunkt befinden, der von vielen Medien als „iranische Basis“ bezeichnet werde.

Beim Reporter Danni Makki findet sich Bildmaterial zu dem Angriff, das nicht viel zur Erhellung beiträgt. Deutlich wird aber, dass der Angriff „etwa eine Stunde“ nach der Erklärung Trumps stattfand.

Die Videoaufnahmen und ein Foto zeugen von einer heftigen Explosion, was die Annahme eines Munitionslagers plausibel macht und ebenso die Angabe von SOHR, wonach neun Menschen infolge des Angriffs umkamen.

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Esoterik und Religion: Eh alles das Gleiche, oder?

Foto: istockphoto.com/at/portfolio/creativaimages Religion, Esoterik, Spiritualität – alles eins?
Die Empörung war groß, als in den vergangenen Wochen publik wurde, dass im Rahmen eines Krankenhausbaus in Wien von öffentlichen Stellen ein sehr hoher Betrag für einen „Esoteriker“ ausgegeben wurde, der angeblich einen energetischen „Schutzring“ errichten wollte, dessen genaue Funktion und Gestalt bislang noch keiner wirklichen Definition zugeführt wurde.

Franz Winter | derStandard.at/Blog

Der dabei kolportierte Betrag – 95.000 Euro – ist nach allen bekannten Maßstäben in der Tat exorbitant und der Ruf nach politischer Verantwortung zeigte bald seine Folgen. Auffällig war, wie sehr diese Diskussion die Gemüter erregte. Diskussionsforen – nicht nur die im STANDARD – explodierten geradezu und insbesondere die Aktivisten der sogenannten „Skeptiker“, des österreichischen Ablegers der „Gesellschaft für die wissenschaftlichen Untersuchung von Parawisssenschaften“ (GWUP), konnten ihre Expertise einbringen, indem sie in erster Linie den „Unsinn“-Charakter eines solchen Unternehmens hervorstrichen. Dass man da wenig „skeptisch“ argumentierte, sondern zuweilen äußerst dogmatisch, steht auf einem anderen Blatt.

Die Katholische Kirche reagierte auf den Skandal gewitzt und meinte: „Ein einfacher Segen wäre günstiger gewesen“. Womit ein Thema berührt ist, das im Folgenden näher betrachtet werden soll. Unterschwellig in der Diskussion präsent ist nämlich die These, dass sich hier etwas präsentieren würde, das ganz allgemein unter dem Label Religion zu versammeln sei. Ist nun Esoterik einfach Religion oder möglicherweise irgendetwas ganz anderes, was eben „mit Religion nichts zu tun hätte“, wie entgegengesetzt oft behauptet wird?

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Ultra-Orthodoxe gegen den Staat Israel: „Die Idee des Zionismus ist ein Angriff auf unsere Religion“

Ultra-orthodoxe Juden protestieren in Jerusalem gegen die Wehrpflicht. (MENAHEM KAHANA / AFP)
Weltweit wird in diesen Tagen an die Gründung des Staates Israel am 14. Mai vor 70 Jahren erinnert. Und doch gibt es gerade unter ultra-orthodoxen Juden viele, die einen weltlichen Staat Israel aus theologischer Sicht konsequent ablehnen.

Von Stefanie Oswalt | Deutschlandfunk Kultur

Ein Sonntag im April in Antwerpen, unweit des Stadtparks in einem koscheren Supermarkt. Für die meisten der Kunden beginnt nach dem Schabbat heute eine neue Woche. Junge Mütter in langen Röcken schieben Kinderwagen durch die engen Reihen. Zwei Ladenangestellte im traditionellem Outfit – schwarzer Anzug, weißes Hemd, Schläfenlocken, Kippa – kontrollieren die Warenbestände.

In Antwerpen gibt es 22 Synagogen und eine der größten ultra-orthodoxen jüdischen Gemeinschaften außerhalb Israels. Nach Israel überzusiedeln – das käme hier kaum jemandem in den Sinn. Vor allem aber nicht Rabbiner Yisroel. Seinen Nachnamen möchte er aus Sicherheitsgründen nicht im Radio hören.

„Israel inszeniert sich selbst als Nationalstaat des jüdischen Volkes. Das ist einfach falsch. 1948 kommen ein paar Leute zusammen, gründen einen Staat im Nahen Osten und behaupten dann, das sei der Staat von Millionen Menschen in Polen, England, Amerika und Frankreich. Das ist mehr als Betrug, das ist verrückt!“

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Hatte Adam einen Nabel?

Berühmtes Paar. Adam und Eva, hier in einer Version von Albrecht Dürer im Museo del Prado in Madrid.Foto: Javier Lizon/dpa/picture-alliance
Vom Mythos zum Dogma: Der Literaturwissenschaftler Stephen Greenblatt untersucht in seinem unterhaltsamen und lehrreichen neuen Buch die Schöpfungsgeschichte.

Von Hendrikje Schauer | DER TAGESSPIEGEL

Edward Gibbons 1776 erschienene „History of the Decline and Fall of the Roman Empire“ erregte beim Klerus mehr als nur einen kleinen Skandal. Das Buch sei glänzend geschrieben, hieß es, aber ein Abfall vom Glauben. Scheinbar unparteiisch und stilistisch grandios werde es, der biblischen Schlange gleich, seine Leserinnen und Leser verführen. Es folgten eine „Battle of the Books“ voller Anklagen und Rechtfertigungen, ging es doch um nichts weniger als die Entstehung und Ausbreitung des Christentums: Gibbon hatte sich erlaubt, die frühen Christen von ihrem Märtyrersockel herunterzuholen.

Stephen Greenblatt stellt sich mit „The Rise and Fall of Adam and Eve“ in Gibbons Tradition. „Die Geschichte von Adam und Eva“, so der deutsche Titel, verfolgt den „mächtigsten Mythos der Menschheit“. Nicht die Ausbreitung des Christentums verfolgt der Literaturwissenschaftler Greenblatt, wie es Gibbon in den berüchtigten Kapiteln 15 und 16 seiner Geschichte des untergehenden römischen Reiches tut, sondern eine abenteuerliche Deutungsgeschichte, die „lange und verschlungene Entwicklung von einer archaischen Spekulation zum Glaubenssatz, vom Dogma zur buchstäblichen Wahrheit, von der buchstäblichen Wahrheit zum Realen, vom Realen zum Sterblichen, vom Sterblichen zum Unwahren“.

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Rheinischer Präses verteidigt Papier zu Israel

Der rheinische Präses Manfred Rekowski hat die umstrittene Gottesdienst-Arbeitshilfe seiner Landeskirche zum 70-jährigen Bestehen des Staates Israel verteidigt.

evangelisch.de

„Eine Distanzierung konnte es nicht geben, denn in der Sache sehe ich dazu keine Notwendigkeit“, sagte Rekowski der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Freitag). „Für uns ist wichtig, auch die Seite der Palästinenser zu betrachten. Wir stehen da zwischen den Stühlen, und das ist schwer, aber an dieser Stelle dürfen wir es uns nicht einfach machen.“

Aus Ärger über einen kritischen Beitrag über die Staatsgründung Israels in der Arbeitshilfe hatte der Landesverband der jüdischen Gemeinden von Nordrhein am Dienstag eine gemeinsame Israel-Reise mit Spitzenvertretern der Evangelischen Kirche im Rheinland abgesagt. Die Arbeitshilfe der rheinischen Kirche mit dem Titel „70 Jahre Staat Israel. Ein Termin im christlichen Kalender?“ enthält neben Liedern und Gebeten für Gottesdienste auch einen Beitrag des Ruhestandspfarrers Rainer Stuhlmann. Er war von 2011 bis 2016 Studienleiter im christlichen Dorf Nes Ammim im Norden Israels, das Ziel der gemeinsamen Reise sein sollte.

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Israelischer Politiker rät Juden in Berlin zu „Kippa und Knüppel“

Yair Lapid Foto: dpa
Yair Lapid, einer der führenden Oppositionspolitiker Israels, hat antisemitische Angriffe in Deutschland scharf verurteilt. „Wenn ein Jude in Deutschland Angst hat, mit einer Kippa durch die Straßen Berlins zu laufen, läuft etwas grundlegend falsch“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur am Mittwochabend am Rande einer Veranstaltung des Nahost-Friedensforums in Berlin.

Berliner Zeitung

. „Wir dachten, die Tage der Angst für Juden in Deutschland seien vorbei. Offenbar sind sie es nicht.“ Der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, sage, Juden sollten nicht durch Berlin mit einer Kippa laufen, meinte Lapid. „Ich sage zu ihnen, sie sollten mit einer Kippa und einem großen Knüppel in ihren Händen laufen und sich selbst schützen. Weil das nicht toleriert werden kann.“

Jüdischer Verband sagt Israel-Reise mit rheinischer Kirche ab – „Fader Beigeschmack“

Jerusalem. Bild: Andrew Shiva / CC BY-SA 4.0
Ein Beitrag in einer Gottesdiensthilfe empört Vertreter jüdischer Gemeinden im Rheinland. Kurzfristig sagen sie eine gemeinsame Reise mit der rheinischen Kirche anlässlich der Staatsgründung Israels vor 70 Jahren ab.

DOMRADIO.DE

Aus Ärger über einen kritischen Beitrag zur Staatsgründung Israels vor 70 Jahren hat der Landesverband der jüdischen Gemeinden von Nordrhein eine gemeinsame Israel-Reise mit Spitzenvertretern der Evangelischen Kirche im Rheinland abgesagt.

Ein Beitrag des Pfarrers Rainer Stuhlmann in einer Gottesdienst-Arbeitshilfe hinterlasse „einen faden Beigeschmack antizionistischer Stereotype“, erklärte der Vorstandsvorsitzende des jüdischen Landesverbandes, Oded Horowitz, am Dienstag in Düsseldorf.

Kritik an israelischer Siedlungspolitik

Weil die rheinische Kirchenleitung sich davon nicht unmissverständlich distanziert habe, werde der Landesverband die gemeinsame Reise nicht antreten. Die rheinische Landeskirche bedauerte die Absage der für Ende dieser Woche geplanten Reise. Sie habe dem Dialog auch über unterschiedliche Sichtweisen dienen und die gemeinsame Verantwortung im Kampf gegen Antisemitismus unterstreichen sollen.

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