‚Israels Rechtssystem ist arabischen Staaten überlegen‘

Bild: phhesse/flickr

Saudischer Kolumnist äußert in Zeitungsartikel Bewunderung für das israelische Rechtssystem. Besonders beeindruckt zeigt er sich von der Verurteilung ranghoher Politiker im „zionistischen Gebilde“, das er eigentlich als den „Unterdrücker“ bezeichnet

kath.net

Israel ist arabischen Staaten in vielen Bereichen überlegen – auch im Rechtssystem. Diese Aussage kommt nicht etwa von Israelfreunden, sondern von einem Kolumnisten aus Saudi-Arabien. In einem Zeitungsartikel hat er auf Haftstrafen verwiesen, die gegen ranghohe israelische Politiker wie Ehud Olmert und Mosche Katzav verhängt wurden.

Die Kolumne erschien am 19. Juli in der saudischen Tageszeitung „Al-Dschasirah“ – nicht zu verwechseln mit dem katarischen Sender „Al-Dschasira“. Das israelisch-amerikanische Medienbeobachtungsinstitut MEMRI hat Abschnitte aus dem arabischen Text ins Englische übersetzt. Demnach schreibt Jasser al-Harbasch: „Wenn ein Bürger sicher ist, dass er in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Arbeitsplatz und Lebensbedingungen erhält, was er verdient, kann er sich auf die Freizeit konzentrieren und seinem Heimatland das Beste anbieten entsprechend seinen Begabungen und Fähigkeiten. Deshalb sind manche Gesellschaften anderen überlegen, es ist das Geheimnis hinter dem Vorteil des zionistischen Gebildes gegenüber seinen Nachbarn.“

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Judentum und Christentum: Es ist nicht nur ein Gott

Prophet Daniel in der Löwengrube. Foto: imago stock&people
Muss die Religionsgeschichte umgeschrieben werden? Eine wegweisende Debatte über das antike Judentum und das Verhältnis zum Christentum.

Von Dirk Pilz | Frankfurter Rundschau

Es sind die Details, an denen Welten hängen. Unter den Forschern zum antiken Judentum wird deshalb über einige wenige Verse im biblischen Buch Daniel gestritten. Sie sind von hoher Bedeutung für die Geschichte des Judentums, für die des Abendlandes – und für das, was damit überhaupt gemeint ist.

Die strittigen Verse stehen bei Daniel im siebten Kapitel. Der Prophet, berühmt durch seinen schadlosen Aufenthalt in einer Löwengrube, berichtet hier von einer Vision: „Ich schaute, bis man Throne aufstellte und ein Hochbetagter sich setzte.“ Vier Verse später berichtet er dann dies: „Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Mensch. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt.“ Und weiter: „Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben.“ Wer ist dieser „Hochbetagte“, und wer ist der „wie ein Mensch“?

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Abdullah und Abbas vereint durch Tempelbergkrise

Demonstrative Einigkeit: Jordaniens König Abdullah (l.) und PLO-Chef Abbas. Foto: rtr
Der Ärger über Israels Premier Netanjahu eint Jordaniens König Abdullah und PLO-Chef Abbas. Beim Staatsbesuch in Ramallah vereinbaren sie ein gemeinsames Krisenkomitee.

Von Inge Günther | Frankfurter Rundschau

Roter Teppich, strahlende Sonne, aufgeräumte Stimmung – beim Empfang des jordanischen Königs am Montagmittag in der palästinensischen Mukata, dem Präsidentensitz in Ramallah, bot sich ein ungetrübtes Bild. Seit der jüngsten Krise um den Jerusalemer Tempelberg, von Moslems Haram al-Scharif (erhabenes Heiligtum) genannt, scheinen König Abdullah und PLO-Chef Mahmud Abbas besonders gut miteinander zu können. Was nicht zuletzt daran liegt, dass beider Verhältnis zur israelischen Regierung derzeit besonders im Argen liegt.

Nach außen hin demonstrierte die königliche Blitzvisite im Westjordanland – die erste seit fünf Jahren –, dass man in der Jerusalem-Frage zusammensteht und sich entsprechend koordiniert. Bei den Beratungen hinter verschlossenen Türen ging es aber noch um mehr, vor allem um den darniederliegenden Nahost-Friedensprozess. Zumal US-Präsident Donald Trump seine vollmundigen Lösungsversprechen über diverse hausgemachte Debakel offenbar vergessen hat.

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Nach dem Vorbild der Golfstaaten will nun auch Israel Al Jazeera schließen

Al Jazeera News Room in Doha :Bild: Wittylama/CC By-SA-3.0 
Der Streit der Golfstaaten mit Katar, das vor allem wegen Kontakten mit dem saudi-arabischen Widersacher Iran und der Unterstützung der Muslimbrüder mit ambivalenter Unterstützung der USA durch Boykotte auf Linie gebracht werden soll, ist auch zu einem Medienkrieg ausgeufert, dem sich nun auch Israel anschließt.

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Es geht um den katarischen Sender Al Jazeera (al-Dschasira), der 1996 seinen Betrieb aufnahm, die arabische Öffentlichkeit veränderte und schon 2001 den Unwillen der USA hervorrief.

Allen voran haben Saudi-Arabien, das 2003 mit Al-Arabiya einen Gegensender zu Al Jazeera eingerichtet hat, und Jordanien kürzlich die Redaktionen in ihren Ländern geschlossen, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten haben den Sender und seine Websites blockiert. Saudi-Arabien verlangt neben anderen Forderungen wie dem Ende der Unterstützung für die Muslimbrüder, die Taliban und die Hisbollah oder das Dichtmachen des türkischen Stützpunkts, die Schließung des Senders. Vermutet wird, dass der junge saudische Kronprinz Mohamed bin Salman, der zuvor den Jemen-Krieg als unmittelbare Reaktion auf das Iran-Abkommen gestartet hat, den Konflikt weiter zuspitzt.

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Glaube und Evolution, passt das zusammen?

Dinosaurs of Eden by Ken Ham
Die meisten Muslime und auch viele Christen lehnen die Evolutionstheorie ab. Aber manche halten sie doch für vereinbar mit ihrem Glauben. Der Faktor Zufall bleibt allerdings ein Problem.

Von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Unter Naturwissenschaftlern gibt es kaum etwas, das weniger umstritten wäre als die Evolutionstheorie. Seit Charles Darwin sie im 19. Jahrhundert vorgestellt hat, haben Forscher aus den verschiedensten Fachgebieten die Mechanismen der Entstehung der Arten immer weiter aufgedeckt.

Noch sind nicht alle Fragen beantwortet, vieles ist noch unverstanden. Aber nach und nach fügen sich die wachsenden Erkenntnisse der Biologen in diese Theorie ein. Wer etwas entdecken würde, das sie widerlegt, wäre ein sicherer Kandidat für den Nobelpreis.

Und doch lehnen sehr viele Menschen die Evolutionstheorie ab. Es sind jene Gläubigen, die überzeugt davon sind, dass die Erde und das Leben, so wie es derzeit existiert, von Gott geschaffen wurden. Andere zeigen sich aufgeschlossener, halten jedoch an dem Glauben fest, dass Gott zumindest lenkend eingegriffen hat, damit schließlich der Mensch entstand. Doch auch das widerspricht der Evolutionstheorie, für die der Faktor Zufall eine grundlegende Rolle spielt. Das lässt sich nur schwer mit einem Plan Gottes vereinbaren.

Trotzdem gibt es gläubige Muslime und Christen, die davon überzeugt sind, dass sich ihr Glaube wirklich mit der Evolutionstheorie vereinbaren lässt.

Widerstand gegen die Evolutionstheorie weltweit

Besonders stark ist die Ablehnung der Evolutionstheorie in den USA verbreitet. Zwei Drittel bis drei Viertel der Bevölkerung sind überzeugt, dass Gott den Menschen entweder erschaffen oder seine Entwicklung gesteuert hat.

Auch in Deutschland zeigten sich 2009 in einer Umfrage 20 Prozent überzeugt davon, dass der Mensch „von Gott geschaffen wurde, wie es in der Bibel steht“, fast ebenso viele waren sich nicht sicher.

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Arte weist Schuster-Kritik an Reportage über Gaza-Streifen zurück

Arte weist die Kritik des Zentralrats der Juden an einer Reportage über den Gaza-Streifen zurück.

evangelisch.de

Den Eindruck, Israel werde in der Sendung „Gaza: Ist das ein Leben?“ für den Konflikt verantwortlich gemacht, könne der Sender nicht nachvollziehen, teilte Arte am Dienstagabend in Straßburg mit. Reportagen setzten sich bewusst mit den Lebensumständen der Protagonisten auseinander und nähmen deren Perspektive ein. So auch der kritisierte Beitrag. Zentralratspräsident Josef Schuster hatte den 15-minütigen Film am Dienstag als „einseitig“ kritisiert: Die Reportage unterschlage „wesentliche Informationen“.

In dem am 22. Juli 2017 gesendeten Film wird der Alltag von palästinensischen Familien begleitet, die Angehörige durch Luftangriffe der Israelischen Armee verloren haben. Arte erklärte, der journalistische Wert des Genres bestehe gerade darin, persönliche Sichtweisen authentisch widerzuspiegeln, ohne den Anspruch zu erheben, „einen komplexen Sachverhalt vollständig und von allen Seiten gleichgewichtig zu beleuchten“. Der Sender achte konsequent darauf, dass im Gesamtprogramm „eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven des israelisch-palästinensischen Konflikts“ abgebildet werden und wolle „auch in Zukunft unterschiedlichen Sichtweisen Raum geben“.

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Zentralrat der Juden kritisiert Gaza-Reportage

© DPA Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Josef Schuster
Anfang Juni hat der Zentralrat die Absetzung einer Dokumentation über Antisemitismus angeprangert. Nun kritisiert er, dass ein Bericht ausgestrahlt wurde. Wieder richten sich die Vorwürfe gegen den deutsch-französischen Sender Arte.

Frankfurter Allgemeine

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat den deutsch-französischen TV-Sender Arte zum zweiten Mal binnen weniger Monate scharf kritisiert. Zentralratspräsident Josef Schuster schrieb am Montag in einem Brief an den Sender, der FAZ.NET vorliegt, die Reportage „Gaza: Ist das ein Leben?“ sei „von Einseitigkeit geprägt“ und unterschlage „wesentliche Informationen“ zum Verständnis des Nahost-Konflikts und der aktuellen Lage im Gaza-Streifen.

Israel werde „als Aggressor dargestellt“ und „allein für die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage im Gaza-Streifen verantwortlich gemacht“, erklärte Schuster. In der am 22. Juli ausgestrahlten Dokumentation wird der Alltag von palästinensischen Familien begleitet, die Angehörige durch Luftangriffe der israelischen Armee verloren haben.

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„Fleisch aus Tierfabriken, wie kann das koscher sein?“

Bild. rbb|24
Die jüdischen Speisegesetze fordern einen achtsamen Umgang mit Tieren. Doch auch im Judentum gibt es weltweit Massentierhaltung und brutale Massenschlachtungen. Ist veganes Essen da eine gute Alternative im Sinne der Tora?

Von Barbara Zillmann | rbb|24

Itay Novik ist Koch und „Food Designer“. Der Israeli aus Tel Aviv wohnt in Berlin-Neukölln. Für ihn und seine Freunde ist es praktisch, vegetarisch oder sogar vegan zu leben: „Wenn du vegan lebst, ist es viel einfacher zu reisen. Ich kenne viele orthodoxe Leute, die in ein veganes Restaurant gehen, weil sie wissen: Da gibt es weder Milch noch Fleisch oder Eier. Damit sind sie ’sicher‘ und müssen nicht so viel fragen.“

Die jüdischen Speisegesetze, „Kaschrut“, enthalten viele Regeln, die einen achtsamen Umgang mit der Schöpfung, auch mit den Tieren fordern. „Du sollst das Lämmchen nicht in der Milch seiner Mutter baden“, heißt es etwa bildhaft zur Trennung von milchigen und fleischigen Speisen. Doch auch im Judentum gibt es weltweit Massentierhaltung und brutale Massenschlachtungen. Da müsste der vegane Trend doch ganz im Sinne der Tora sein, zumal Früchte, Gemüse, Korn seit jeher als „parve“ gelten, als neutral zwischen milchig und fleischig.

Novik selbst kochte zum Beispiel für die jüdische Lebensmittel-Messe „Nosh“ im März und gestaltet bei jüdischen Events in Berlin das kulinarische Programm. Immer mit regionalen Zutaten – und je nach Wunsch – koscher, vegan oder mediterran.

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Warum der Tempelberg für Muslime und Juden so wichtig ist

The Temple Mount in Jerusalem (photo credit: Miriam Alster/Flash90)
In der Altstadt von Jerusalem befindet sich einer der zentralen Streitpunkte im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Aber was bedeutet der Tempelberg Muslimen und Juden?

Von Jonathan Raspe | Frankfurter Allgemeine

Wenn in den Nachrichten wieder vom Nahostkonflikt die Rede ist, geht es meist auch um den Tempelberg in Jerusalem. Das gerade einmal vierzehn Hektar große Plateau im Osten der Altstadt hat durch seine Rolle als ewiger Zankapfel zwischen Israelis und Palästinenser eine traurige Dauerpräsenz in den Nachrichtenspalten erlangt. Dabei ist der Tempelberg für Muslime und Juden, aber auch für Christen ein heiliger Ort von besonderer Bedeutung.

Wer nach Jerusalem fährt und den Tempelberg besuchen möchte, wird schnell stutzig. Eigentlich ist bereits der Name – eine Übersetzung des hebräischen Begriffs “Har ha-Bait“ – eine Übertreibung. Der sogenannte Berg ist nur ein Hügel unter vielen in Jerusalem, und auch kein besonders hoher. Von seiner Umgebung wird das Plateau jedenfalls deutlich überragt. Warum wird ausgerechnet ein derart unscheinbarer Ort von so vielen Menschen aus so unterschiedlichen Gründen verehrt?

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When Netanyahu walked eyes wide shut into disaster

Prime Minister Benjamin Netanyahu arrives for a press conference with his Georgian counterpart Giorgi Kvirikashvili at his office in Jerusalem on July 24, 2017. (AFP PHOTO / POOL / JACK GUEZ)
Op-Ed: It didn’t take a genius to predict the bloody escalation of the past few days. The prime minister just refused to see it coming

By David Horovitz | The Times of Israel

The visiting Georgian prime minister at his side, Prime Minister Benjamin Netanyahu declared on Monday that he was working “determinedly and responsibly,” both to resolve the fresh standoff with Jordan over a shooting at the embassy compound and the ongoing bloody tensions surrounding the Temple Mount.

Few would doubt him. Of course the prime minister of Israel is doing everything in his power to end the crises quickly, safely and effectively.

The question, however, is whether such crises could have been avoided in the first place, were a little more determination and responsibility shown by Netanyahu and his government ahead of time.

Watching the descent into disaster these past 10 days has been like viewing a horrifying car crash in slow motion.

It has been widely reported that the Shin Bet security agency and the IDF were barely consulted ahead of the decision to install metal detector gates at the Temple Mount after the July 14 terror attack there. It has been widely reported that police chiefs and the public security minister did not believe the measure constituted a particularly significant step. It has been widely reported that Netanyahu failed to detail the metal detector plans when he spoke to Jordan’s King Abdullah and the Palestinian Authority President Mahmoud Abbas in the immediate aftermath of the attack, in which three Arab Israelis shot dead two police officers on duty just outside the compound with guns they had smuggled into the holy site. It has been widely reported that the Shin Bet and the IDF urged that the metal detector gates be removed ahead of July 21’s Friday mass Muslim prayers.

Whatever the truth of these various damning reports, some of which have been denied, a more “responsible” prime minister should surely have realized the inflammatory potential of the metal detector gates, particularly when installed in the way they were.

The very nature of the July 14 attack underlined that security measures at the Mount were inadequate. The murder weapons were smuggled into the holy site by the killers and an accomplice.

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Zentralrat der Juden kritisiert Bundesregierung

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland hat seine Forderung nach einem Bundesbeauftragten zur Bekämpfung von Antisemitismus und einer gesetzlichen Definition von Antisemitismus wiederholt. Das EU-Parlament habe das allen Mitgliedsstaaten empfohlen. „Wenn ausgerechnet Deutschland keinen Beauftragten zur Bekämpfung von Antisemitismus benennen würde, wäre das ausgesprochen merkwürdig“, sagte Schuster der „Bild am Sonntag“.

evangelisch.de

Der Bericht des von der Bundesregierung eingesetzten Expertenkreises zeige zwar, dass besonders das Internet verstärkt zur antisemitischen Hetze genutzt werde und dass das Sicherheitsgefühl der Juden nachgelassen habe, sagte Schuster. Doch die „aktuelle Bundesregierung“ habe „bislang nicht die nötigen Konsequenzen gezogen“.

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„The Encyclopedia of Jewish-Christian Relations“ – Reif für neue Perspektiven

Das Kompendium zur jüdisch-christlichen Beziehung will den Blick aufeinander richten (imago stock&people/epd-bildx/xJoernxNeumann)
2000 Jahre ist die christlich-jüdische Beziehungsgeschichte alt, doch bisher fehlt eine gründliche Analyse: Eine neue Enzyklopädie soll diese Lücke schließen. Erzählt wird die Geschichte von Antijudaismus und Antisemitismus, Verfolgung und Vernichtung, gewürdigt werden aber auch bisher übersehene Gemeinsamkeiten.

Vom Carsten Dippel | Deutschlandfunk

Auf vier Bände ist das ambitionierte Projekt angelegt, das dereinst ein Standardwerk zur bald 2000-jährigen christlich-jüdischen Beziehungsgeschichte sein will: „The Encyclopedia of Jewish-Christian Relations“. Damit wird mehr als sieben Jahrzehnte nach der Shoah ein Werk präsentiert, das sowohl den Blick zurück als auch in die Gegenwart und Zukunft dieser vielfach belasteten, aber auch reichen Geschichte richtet. Der Anstoß zu diesem Mammutprojekt kam aus dem Potsdamer Abraham Geiger Kolleg sowie dem Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Rabbiner Walter Homolka, Direktor des Geiger-Kollegs, will das Lexikon als eine Ermunterung für eine stärkere internationale Perspektive verstanden wissen.

„Viele Erkenntnisse im deutschsprachigen Raum sind in den USA nicht bekannt und umgekehrt. Es gibt mittlerweile verschiedene Erklärungen, gibt aber auch eine große Zahl an Forschungsvorhaben und das einmal einer Gesamtschau zu unterziehen und dann vor allem auch den Blick in die Zukunft zu wagen und zu fragen: Was hat das dann für Auswirkungen für die Aussagen der christlichen Kirchen zum Judentum und für die Aussagen jüdischerseits zu den Kirchen? Das ist das Anliegen.“

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Erzapostel Schönborn: «Ich möchte eine christliche Türkei»

Christen gegen Muslime: Historisches Gemälde zur Schlacht am Kahlenberg im September 1683, als die Osmanen Wien belagerten. Bild: akg-images
Christentum und Islam seien beides missionarische Religionen, sagt der Wiener Kardinal Christoph Schönborn. Beide kämpften um weltweiten Einfluss.

Interview Michael Meier | Der Bund

Sie fragten neulich beim Gedenken an den Sieg gegen die Türken vor 333 Jahren in der Schlacht am Kahlenberg. «Wird es jetzt einen dritten Versuch einer islamischen Eroberung Europas geben? Viele Muslime denken und wünschen sich das und sagen: Dieses Europa ist am Ende.» Ist das Ihre Angst?
Meist wurde in den Medien nur dieser Satz zitiert, nicht aber der folgende: Ich verstehe, dass Muslime sich wünschen, dass Europa muslimisch wird. Ich wünsche mir ja auch, dass Nordafrika wieder christlich wird oder die heutige Türkei, das Kernland des Christentums. Das ist nicht verwerflich. Ich hatte vor Jahren an der Imam-Sadr-Universität in Teheran gesagt: Christentum und Islam sind beide missionarische Religionen. Wir Christen ­stehen unter dem Auftrag Jesu: Geht in alle Welt und macht die Völker zu meinen Jüngern.

Ist dieser Missionsauftrag auch heute gültig?
Er ist konstitutiv für das Christentum. Wir können nicht darauf verzichten, allen Menschen das Evangelium anzubieten. Aber auch der Islam hat einen universellen Anspruch, dass sich alle Menschen Gott unterwerfen, wie es der Koran als Offen­barung Gottes allen Menschen zugedacht hat. Beide Religionen haben diesen universalen und ­absoluten Anspruch. Die Frage ist, wie wir damit umgehen. Man kann sich so lange bekriegen, bis einer Sieger ist . . .

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Abrahams Grab ist palästinensisches Weltkulturerbe

Grabmal der Patriarchen, Bild: SRF
Die Unesco hat die Altstadt von Hebron auf Antrag der Palästinenser zum Weltkulturerbe erklärt. Wie viel Politik steckt hinter dem dem Entscheid über kulturelles Erbe in einem Brennpunkt im Nahen Osten? Eine Einschätzung von Journalistin Gisela Dachs.

SRF.ch

Um die Stadt im Westjordanland streiten sich Israel und die Palästinenser schon lange. Vor allem um die sogenannten Patriarchengräber, die sowohl für Juden, Christen und Muslime heilig sind. Nun hat die Unesco die Altstadt von Hebron im Westjordanland zum palästinensischen Weltkulturerbe erklärt.

Die Palästinenser jubeln, Israel tobt. Der israelische Premier Benjamin Netanjahu will deshalb die Mitgliedsbeiträge an die UNO um fast eine Million Franken kürzen.

SRF News: Ist Israels Kritik an der Entscheidung der Unesco Ihrer Meinung nach berechtigt?

Gisela Dachs: In diesem Antrag der Palästinenser, dem durch die Unesco stattgegeben wurde, ist die Rede von Hebron als einer islamischen Stadt. Nun geht es vor allem um das Grabmal der Patriarchen, indem nach biblischer Überlieferung Isaak und Abraham begraben sind. Abraham wird sowohl im Judentum wie auch im Christentum und im Islam als Stammvater verehrt. Das heisst, wenn Abrahams Grab als palästinensisches Weltkulturerbe alleine bezeichnet wird, wird damit diese alte jüdische Geschichte dort negiert.

Ein weiteres Argument für die Unesco war es, zu sagen, dass die Gräber schutzbedürftig seien. Beide Argumente weist Israel vehement zurück. In Israel sagt man, beide Punkte seien im Grunde ein palästinensisches Narrativ, das auf einer Negierung des jüdischen Narrativs basiert.

Israel stört sich also vor allem daran, dass die Patriarchengräber palästinensisches Weltkulturerbe sind – nicht, dass sie generell Weltkulturerbe sind?

Genau darum geht es: Um eine Politisierung dieser Nomination. Die Palästinenser hatten im letzten Moment einen Notfall-Antrag gestellt und diesen ausgenutzt, um ihr diplomatisches Bestreben im Rahmen der Unesco voranzubringen. Damit spielt sich der israelische-palästinensische Konflikt auf diesem Territorium aus.

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160 rabbis, including top US Orthodox leaders, on Israeli Rabbinate ‘blacklist’

Rabbi Avi Weiss during a memorial service on June 17, 2014, outside the UN in New York, for the three Israeli teenagers kidnapped in the West Bank. (AP/John Minchillo)
List of those not recognized to authenticate Jewish identities of immigrants includes Avi Weiss of Riverdale, dozens of Reform and Conservative leaders

By Ben Sales | The Times of Israel

Some 160 rabbis, including several prominent American Orthodox leaders, appear on a list of rabbis whom Israel’s ultra-Orthodox-dominated Chief Rabbinate does not trust to confirm the Jewish identities of immigrants.

Rabbis from 24 countries, including the United States and Canada, are on the list. In addition to Reform and Conservative rabbis, the list includes Orthodox leaders like Avi Weiss, the liberal Orthodox rabbi from the Riverdale section of New York, and Yehoshua Fass, the executive director of Nefesh B’Nefesh, a group that encourages and facilitates American immigration to Israel.

The Chief Rabbinate controls all Jewish marriage in Israel, and immigrants who wish to wed there must first prove they are Jewish according to Orthodox law. This proof often comes via a letter from a community rabbi attesting to the immigrant’s Jewish identity. One midlevel bureaucrat at the rabbinate, Rabbi Itamar Tubul, handles every claim.

The publication of the list comes on the heels of a clash between American Jewish leaders and the Chief Rabbinate over how to determine Jewish identity. In June, Israel’s Cabinet advanced a bill that would give the Chief Rabbinate authority over all official Jewish conversions within Israel. Following an outcry from Jewish leaders in America, the bill was shelved for six months.

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Staatssekretätin Chebli wirbt für religiöse Toleranz

Rabbiner David Wolpe, Vertreter von Juma (jung, muslimisch, aktiv) und Staatssekretärin Sawsan Chebli diskutieren im Säulensaal…FOTO: PROMO
Im Rothen Rathaus traf Sawsan Chebli junge Muslime und amerikanische Rabbiner – eine lebendige Diskussion über Antisemitismus und Islamfeindlichkeit.

Von Nantke Garrelts | DER TAGESSPIEGEL

Der Weg zum interreligiösen Dialog ist voll von Hindernissen: Ob sie denn zum Cateringteam gehöre, fragte das Wachpersonal des Roten Rathauses Larissa Iman. Ironischerweise war die 26-jährige hijabtragende Studentin gerade auf dem Weg zu einem Runden Tisch, wo sie als Rednerin die Position junger Berliner Muslime zum Thema Islamfeindlichkeit und Antisemitismus vertreten sollte.

Das Missverständnis wurde aufgeklärt und nun erzählt sie die Anekdote als Beispiel für antimuslimischen Rassismus in Berlin bei Falafel und Hummus, unter den Augen einer Büste von Immanuel Kant im Säulensaal des Rathauses. Auf aufklärerische Gedanken beruft sich auch Gastgeberin Sawsan Chebli, Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales. „Religiöse Toleranz hat eine Jahrhunderte alte Geschichte in Berlin“, sagt sie in ihrem Eingangsstatement.

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»Netanjahus Kuhhandel schadet uns allen«

Egalitäre Gebetsplattform an der Kotel ©flash90
Amerikas Juden kritisieren die israelische Regierung wegen der Rücknahme des »Kotel-Deals«

Von Daniel Killy | Jüdische Allgemeine

Der Riss ist sichtbar wie kaum je zuvor – und er wird mehr und mehr zu einem Graben: einem Graben zwischen den amerikanischen Juden, der zweitgrößten jüdischen Gemeinschaft der Welt, und Israels Regierung. Es geht um die – inzwischen auf Eis gelegte – Rücknahme des Regierungsversprechens, die Klagemauer für alle jüdischen Strömungen zu öffnen.

Außerdem geht es um einen Gesetzentwurf, der künftig Israels orthodoxem Oberrabbinat das Monopol in Sachen Konversion zubilligt – eine Entscheidung, die das Leben Hunderttausender Auswanderungswilliger, vor allem aus Russland, entscheidend beeinflussen könnte und die der Mehrheit der amerikanischen Juden, die sich dem liberalen Judentum zugehörig fühlen, zuwiderläuft.

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Netanjahu verprellt Reformjuden

Der Vorstoß, einen Abschnitt der Klagemauer für Juden aller Glaubensrichtungen – Frauen wie Männer – zu öffnen, wurde von Netanjahu auf Eis gelegt. Foto: epa
Israels Premier Benjamin Netanjahu drückt Gesetze im Sinne orthodoxer Gläubiger durch. Mit gleich zwei Entscheidungen verprellt er Reformjuden.

Von Inge Günther | Frankfurter Rundschau

Es hat schon größere Demonstrationen vor der Jerusalemer Premierresidenz gegeben als die tausend Leute, die am Samstagabend dort Protestschilder hochrecken. „Bibi, teile nicht das jüdische Volk“ steht darauf. Ihre Vorwürfe kann Israels Regierungschef, Spitzname „Bibi“, schwerlich ignorieren. Schließlich präsentiert er sich gerne als „Premier aller Juden“. Aber diese Rolle nehmen ihm Millionen Menschen in Israel und noch mehr in der Diaspora nicht mehr ab, seitdem Benjamin Netanjahu mit gleich zwei Entscheidungen die Reformjuden verprellte.

So ausgeprägt sein Machtinstinkt ist, an Gespür hat es ihm diesmal gemangelt. Um die Gunst seiner ultraorthodoxen Koalitionspartner zu erhalten, ließ Netanjahu vor einer Woche einen alten Kabinettsschluss im Sinne eines pluralistischen Judentums auf Eis legen. Dabei hatte er das Vorhaben, an der Fortsetzung der Klagemauer in Jerusalem einen eigenen Abschnitt für Juden aller Glaubensrichtungen zu schaffen, ursprünglich hochgelobt.

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„Wir glauben an denselben Gott“

Historiker und Publizist Michael Wolffsohn. (dpa-Zentralbild / Karlheinz Schindler)
Der Historiker Michael Wolffsohn ruft Juden, Christen und Muslime dazu auf, trennende Mauern zwischen den Religionsgemeinschaften niederzureißen. Es gelte, die jeweiligen liberalen Strömungen zu stärken, sagte Wolffsohn im Dlf. Es gehe um die „Freiheit, nach dem Geist der Religion“ und nicht nach dem Buchstaben der religiösen Gesetze zu leben.

Michael Wolffsohn im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: Einer unserer treuesten Hörer ist Michael Wolffsohn und er tritt auch regelmäßig auf hier bei „Tag für Tag“, und zwar nicht zu den einschlägigen Themen, zu denen er sonst gefragt wird und die zweifellos auch wichtig oder noch wichtiger sind, wie Bundeswehr, Israel, USA, Antisemitismus, sondern bei uns zu Religionsfragen, obwohl oder gerade, weil Michael Wolffsohn kein Theologe ist, sondern Historiker. Aber ihm sind Religionsfragen wichtig, gerade auch, wenn es darum geht, wo sich Christen und Juden fern und wo sie sich nahe sind. Denn an diesem Punkt hat Religion definitiv eine gesellschaftliche, ja, politische Relevanz. Das gilt auch für sein jüngstes Buch „Deutschjüdische Glückskinder – eine Weltgeschichte meiner Familie“. Darin gibt es ein Kapitel, das sich explizit mit unserem Thema beschäftigt. Es heißt „Gott und die Wolffsohns – Familientheologie“. Darüber sprechen wir jetzt. Michael Wolffsohn, guten Morgen und willkommen.

Michael Wolffsohn: Guten Morgen Herr Main.

Main: Sie schreiben über Religion so, dass ich oft schmunzeln musste. Geben Sie denjenigen, die sehr verkniffen ihre Religionen betreiben, mal einen Tipp. Wie gelingt es Ihnen, Religion ernst zu nehmen, aber nicht zu ernst?

Wolffsohn: Doch, ich nehme Religion sehr ernst, aber ich nehme nicht die institutionalisierten Religionen so ernst, wie sie sich selber nehmen. Das gilt in Bezug auf das Judentum, vor allem die jüdische Orthodoxie, aber auch Teile des Reformjudentums, wo es – aber das gibt es überall – Rabbiner gibt, die mehr Schauspieler und weniger Seelsorger sind.

„Jesuanische Ethik ist für mich der Höhepunkt jüdischer Ethik“

Und ich nehme das Christentum auch sehr ernst, weil vor allem die jesuanische Ethik für mich der Höhepunkt eigentlich der jüdischen Ethik ist, also der vortalmudischen Ethik, die dann in den Talmud mündete.

Und darüber hinaus die Fragen, die unsere Gesellschaft betreffen, also Integration und die Zusammenführung von Christen oder Nenn-Christen oder Einst-Christen und Juden und Muslimen, also in unserer pluralistischen Gesellschaft, das ist doch das Thema schlechthin.

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Religionsvertreter diskutieren Zukunft Europas

Vertreter verschiedener Glaubensgemeinschaften haben in Brüssel über die Zukunft Europas und das Zusammenleben der Weltanschauungen diskutiert.

evangelisch.de

Man müsse die zu erstrebende Integration von der abzulehnenden Assimilation unterscheiden, verlangte der Ober-Rabbi von Brüssel, Albert Guigui, bei der Veranstaltung am Dienstag im Europäischen Parlament. Während Integration bedeute, die Gesetze eines Landes zu achten und zu seinem Gedeihen beizutragen, bedeute Assimilation das Verlieren des eigenen Selbst und Aufgehen in der Masse. Guigui verband seine Überlegungen mit der Kritik an Gesetzen, die in Belgien derzeit gegen das rituelle religiöse Schlachten auf den Weg gebracht würden.

Pantelis Kalaitzidis, ein griechisch-orthodoxer Theologe, wandte sich gegen die heute „dominante Idee“ einer Union, die sich durch Finanzregeln und Sparpolitik definiere. Werte wie Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit müssten berücksichtigt werden, sonst könnten Statistiken darüber hinwegtäuschen, dass die Krise in Europa weiter anhalte, sagte Kalaitzidis, der für die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) sprach.

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