Archiv der Kategorie: Judentum

Zionist Lobby versus Obama Administration

“Freunde” vereint in der Zerstörung des Nahen und Mittleren Ostens und Irans? Bild. Between The Lines
Die US-amerikanische zionistische Lobby feuert aus allen Rohren und wendet alle politische Tricks an, um die bevorstehenden Vereinbarungen zwischen Iran und den USA zu torpedieren. Bei diesen Verhandlungen sind die anderen UN-Vetomächte nur schmückendes Beiwerk, von Deutschland als Annex gar nicht zu reden.


Von Ludwig Watzal|BETWEEN THE LINES

Der größte Widersacher gegen einen Ausgleich ist jedoch der israelische Ministerpräsident Netanyahu, der bisher nichts unversucht gelassen hat, den US-Präsidenten als irregeleiteten Polit-Tölpel vorzuführen. Dass beide Kammern des US-Kongresses dieses unwürdige Schauspiel mitgemacht haben, lässt sich nur durch den latenten Rassismus in den USA gegenüber der nicht-weißen Bevölkerung erklären.
US-Außenminister John Kerry begegnet seinem iranischen Gegenüber, Außenminister Mohammed Sarif, nicht auf Augenhöhe, sondern das US-Imperium verhandelt mit Iran in der Sprache der Unterwerfung. Den Begriff Würde, den die iranische Delegation immer wieder einführt, ist für den kriegswütigsten Staat der Welt, die USA, ein Fremdwort. “Die Iraner wissen genau, was sie zu tun haben”, so redet nur ein “Herr” mit seinem “Knecht”. Es scheint, als haben die USA bis heute noch nicht die Kultur des Iran begriffen, was keinen politischen Analysten überraschen sollte.
Dass die anderen UN-Vetomächte den USA die Verhandlungsführung überlassen haben, erweist sich als großer Fehler. Dadurch sitzt Israel immer mit am Verhandlungstisch. Darüber hinaus wird die US-Delegation, wenn sie die Informationen nicht gleich an Israel durchreicht, vom Mossad abgehört. Auf der Grundlage von geheimen Details argumentierte Netanyahu bei seiner letzten Rede vor dem US-Kongress, die er nur durch Ausspähung der US-Delegation erhalten haben konnte.

„Katholizismus gilt als Götzendienst“

Rabbi Daniel Sperber meint: Jüdischem Extremismus muss theologisch das Wasser abgegraben werden.


Von Oliver Maksan|Die Tagespost

Rabbi Daniel Sperber. Foto: Oliver Maksan

Rabbi Daniel Sperber lehrte viele Jahre an der Bar-Ilan-Universität jüdische Studien und ist Verfasser zahlreicher theologischer Bücher. Er wird dem Spektrum der Modernen Orthodoxie zugerechnet. 1992 wurde Sperber mit dem renommierten Israel-Preis geehrt. Er gehört der Kommission des israelischen Chefrabbinats für interreligiöse Fragen an. In dieser Eigenschaft traf er mit allen Päpsten seit Johannes Paul II. zusammen. Rabbi Sperber lebt in Jerusalem.
Rabbi Sperber, jüdische Extremisten haben kürzlich auf das Brotvermehrungskloster in Tabgha einen schweren Brandanschlag verübt. Davon geht die Polizei aus. Sind das isolierte Täter oder reflektieren sie einen breiteren Trend im Judentum Israels?

Beides ist richtig. Es ist Teil eines breiteren Phänomens. Es ist aber nicht so, als ob dahinter eine Organisation stünde. Insofern sind es Einzeltäterattacken. Es gibt im nationalreligiösen Judentum einige extrem rechte Strömungen. Sie repräsentieren sicher nicht das ganze Spektrum des religiösen Zionismus. Aber an den Rändern gibt es ein starkes anti-christlich eingestelltes Element. Diese Ideen sind Teil der Erziehung. Ich weiß aber nicht, wie explizit diese anti-christlichen Ideen geäußert werden oder ob sie eher mitschwingen. Besonders junge Leute aber, Teenager meist, möchten ihre in der Schule oder Familie gewonnenen Überzeugungen ausdrücken. Sie sehen das Christentum, vor allem den Katholizismus, als götzendienerische Religion.

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Marx und Engels – Kinder ihrer Zeit

Bild: juedischerundschau.de
Die Urväter des Kommunismus und ihre Ausfälle gegen Juden


Von Maximilian Breitensträter|Jüdische Rundschau

„Welches ist der weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches ist der weltliche Kultus des Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld.“

Harter Tobak. Stammen diese das Judentum mit voller Breitseite schmähenden Aussagen etwa aus der Nazi-Hetzschrift „Der Stürmer“? Nein. Aus der Feder des Stichwortgebers des modernen Antisemitismus, Wilhelm Marr? Weit gefehlt. Jener, der sich da so abwertend und judenfeindlich äußert, ist niemand Geringeres als der Urvater aller Sozialisten und Begründer der kommunistischen Ideologie, Karl Marx. In seinem 1843 erstmalig publizierten Aufsatz mit dem programmatischen Titel „Zur Judenfrage“, aus dem auch das obige Zitat stammt, setzt sich Marx mit dem Verhältnis der jüdischen Minderheit zum christlichen Staat auseinander. Konkret geht es ihm um die zu dieser Zeit tagesaktuelle Frage der Emanzipation, also der rechtlichen Gleichstellung der Juden mit ihren Mitbürgern. Es geht damit um ein zentrales Anliegen der jüdischen Haskala-Aufklärungsbewegung.

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Der “neue Antisemitismus” existiert so nicht

Rote Linie. Polizisten trennen am Al-Kuds-Tag im Sommer 2014 in Berlin anti-israelische Demonstranten und Pro-Israel-Aktivisten. Zum diesjährigen Al-Kuds-Tag am 11. Juli hat ein… – Foto: picture alliance / dpa
Antisemitismus nimmt in Deutschland eher ab, die Zahlen bleiben gleichwohl beschämend. Dass aber jede kritische Haltung gegenüber der Politik Israels als “neuer Antisemitismus” denunziert wird, ist weder richtig noch hilfreich, schreibt der Historiker Wolfgang Benz in einem Gastbeitrag.


Von Wolfgang Benz|DER TAGESSPIEGEL

Die nächtliche Gewalttat gegen den Rabbiner erregte ebenso allgemeinen Abscheu wie der Angriff auf einen Israeli in der Berliner U-Bahn, der pöbelnden Rassisten entgegengetreten war. Judenfeindliche Schmährufe bei einer anti-israelischen Demonstration im Sommer 2014 wurden von Politik, Medien und Publikum entschieden und einmütig verurteilt. Gott sei Dank sind solche Unerfreulichkeiten nicht die Regel, sondern Ausnahme im deutschen Alltag.

Das Verhältnis zu Israel hat in der deutschen Politik herausragende Bedeutung. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte bei einem Staatsbesuch 2008 in ihrer Rede vor der Knesset die Sicherheit Israels ein Element der Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland. Schon im Sechstage-Krieg 1967 hatten hunderttausende Bürger der Bundesrepublik für das Existenzrecht des Staates Israel demonstriert. Empathie für das Land gehört zu den Grundlagen der politischen Kultur. Doch die bedingungslose Zustimmung bei vielen ist einer skeptischen Haltung gegenüber israelischer Politik gewichen. Dazu trägt das medial wirkungsvoll vorgetragene Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung ebenso bei wie militärische Aktionen und politisch unbewegliche Positionen israelischer Regierungen.

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Münchner liberale Gemeinde Beth Shalom

Die liberale jüdische Gemeinde Beth Shalom ist seit März 1995 in München eingetragen. Sie gehört zur Union Progressiver Juden in Deutschland, die wiederum eingebunden ist in die World Union of Progressive Judaism mit 1,8 Millionen Mitgliedern in 50 Ländern.


Von Veronika Wawatschek|Bayern2

Tora-Vorhang der Gemeinde. Bild: BR.de

Die Mitglieder der Union in Deutschland versuchen, ein jüdisches Leben zu führen, “das den sozialen, kulturellen und ethischen Herausforderungen der Moderne entspricht”. Dabei sind Männer und Frauen gleichberechtigt, sie nehmen gleichberechtigt an den Gottesdiensten und allen anderen religiösen Veranstaltungen teil. Das liberale Judentum, das sich im Zuge der Aufklärung ausprägte, setzt sich für die wechselseitige Achtung und Toleranz aller jüdischen Richtungen ein.

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Ein Rechtsstaat, der Menschenrechte missachtet

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Eva Illouz, die in Jerusalem Soziologie lehrt und eigentlich über Liebe und Ökonomie forscht, ist auch eine scharfe Kritikerin der Situation in Israel. Nun liegen ihre politischen Essays auf Deutsch vor.


Von Claudia Kühner|DER BUND

Von Eva Illouz, 1961 in Marokko geboren und in Frankreich aufgewachsen, kennt man vor allem ihre Studien über die Zusammenhänge von Emotionen, Kapitalismus und Konsum («Warum Liebe weh tut. Eine soziologische Erklärung», «Die neue Liebesordnung. Frauen, Männer und Shades of Grey»). Weniger bekannt sind hierzulande ihre scharfsinnigen Essays, die sie regelmässig in der israelischen Zeitung «Haaretz» publiziert. Darin setzt sie sich ebenso gründlich wie kritisch mit der israelischen Politik und Gesellschaft auseinander und greift dabei weit über die Tagesaktualität hinaus. Ihr geht es um Fehlentwicklungen in einem Land, dessen Grundlage sie freilich vorbehaltlos unterstützt. Am Recht von Juden, nach 2000 Jahren einen Staat zu schaffen, hat sie keinerlei Zweifel.

Daran, was heute daraus geworden ist, besonders mit der Besetzung seit 1967, aber schon. Oder daran, was die Besetzung nicht nur den Palästinensern antut, sondern wie sie auch die israelische Gesellschaft verändert. Ihre Methode nennt Illouz «soziologischen Journalismus», und sie hat auch für den mit der Tagespolitik nicht vertrauten Leser den Vorteil grosser Verständlichkeit.

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Die “Wissenschaft” im Talmud: “Man muss wissen, wie die Welt funktioniert”

Ein Buch mit hebräischen Schriftzeichen liegt am 24.04.2007 in der Jeschiwa, der Talmud-Hochschule in Frankfurt am Main. (Tobias Felber / dpa)
Der Talmud ist eine der wichtigsten Werke des Judentums – das orthodoxe und das liberale Judentum deuten ihn unterschiedlich. Für die talmudischen Gelehrten war das Verständnis von der Astronomie, Botanik oder auch der Zoologie von großer Bedeutung – ein Erklärstück.


Von Yael Kornblum|Deutschlandradio Kultur

Eine der wichtigsten Aufgaben der talmudischen Gelehrten war die Errichtung eines Kalenders. Diese hing wesentlich vom Verständnis der Astronomie ab. So konnte Samuel Bar Abba durch seine minutiöse Beobachtung des Neumondes den Kalender und die Feiertage viele Jahre im Voraus berechnen und sogar Schaltjahre berücksichtigen.

Die genaue Beschäftigung mit den Reinheitsgeboten führte sie zum Studium des weiblichen Zyklusses, des Geburtsvorganges, der Menstruation und der Fehlgeburt. So konnten sie Menschen kategorisieren und bestimmen, welche religiösen Regeln für sie galten – oder eben auch nicht. So beschäftigen sich die Rabbinen im Traktat Mischna Bikkurim beispielsweise mit der Frage, ob ein Zwitter heiraten darf, wenn ja welches Geschlecht und welche Gebote er einzuhalten habe.

Müssen die Mütter von Zwittern nach der Geburt die Reinheitsgebote zur Geburt eines Jungen oder eines Mädchens einhalten? Dass die Gelehrten offenbar naturwissenschaftlichen Hunger hatten, beweist folgende Begebenheit: Die Schüler des Rabbi Jischmael sezierten den Körper einer verstorbenen Prostituierten, um zu verifizieren, ob der menschliche Körper tatsächlich 248 Gelenke und Glieder besäße, wie in der Schrift behauptet.

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Die Rolle der Juden in der christlichen Heilsgeschichte

“Heilsgeschichte” ist ganz allgemein jede religiöse Interpretation von Geschichte, und dazu gehören auch die christlichen Vorstellungen der “Endzeit”. Da das Christentum dem Judentum entspringt, gehört den Endzeitvorstellungen auch eine Positionierung gegenüber dem Judentum.


Von Ulrike Heitmüller|TELEPOLIS

Brennende Synagoge 1938 (Bild: Jewish Virtual Library, Public Domain)
Brennende Synagoge 1938 (Bild: Jewish Virtual Library, Public Domain)

Wie Christen Juden sehen, hat sich im Lauf der Zeiten immer wieder geändert. Das Spektrum ist breit und oft ambivalent, die Themen überlappen sich. Aber es gibt Schwerpunkte: Erstens den allgemein verbreiteten völkischen Rassismus vor 1945. Zweitens die in gewissen evangelikalen Kreisen verbreitete Naherwartung nach Kriegsende – der Massenmord sei ein Gericht Gottes gewesen, die Juden müssten nach Palästina “zurückkehren”, damit Jesus auf die Erde zurückkommen und die Welt erlösen könne.

Mein Großvater Friedrich Heitmüller, Leiter der Freien evangelischen Gemeinde Hamburg und Direktor des Diakoniewerkes Elim, vertrat diese beiden Sichtweisen in beispielhafter Weise. Drittens, vor allem seit den 1980er Jahren, ein inzwischen oft politisch orientierter christlicher Zionismus. Und viertens Judenmission – existent seit den Anfängen des Christentums und gerade aktuell, weil entsprechende Gruppen auf dem Kirchentag nicht aktiv sein dürfen.

Tanach und Altes Testament: eine gemeinsame Heilige Schrift

Der Tanach – für Christen: das “Alte Testament” (AT) – beinhaltet die Heiligen Schriften der Juden. Die Bibel – bestehend aus Altem und Neuen Testament (NT) ist das Heilige Buch der Christen. Der so genannte “Kanon”, also was als Bestandteil festgelegt wurde, stimmt, was das AT betrifft, zwischen Judentum und Christentum nicht ganz überein, und was die Bibel betrifft, auch nicht zwischen orthodoxen, katholischen und evangelischen Christentum.

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IS kommentiert Homo-Ehe-Entscheidung mit Hinrichtungsfotos

Am 26. Juni entschied der Oberste Gerichtshof der USA, dass keine der 50 Bundesstaaten Gesetze erlassen darf, die gleichgeschlechtliche Ehen verbieten. Vor der Entscheidung waren in 13 Bundesstaaten solche Gesetze in Kraft. Befürworter der Legalisierung von Homo-Ehen feierten diese Entscheidung auf Twitter unter anderem mit dem Hashtag “#LoveWins”.


Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

IS-Propagandatweet. Bild: heise.de

Das fiel inzwischen offenbar auch Salafisten auf, die unter diesem Hashtag Fotos posten, auf denen vier angebliche oder tatsächliche Homosexuelle in der seit 4. Januar 2014 von der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) besetzten irakischen Stadt Falludscha gefesselt nacheinander vom Dach eines vierstöckigen Hauses geworfen werden. Wann die Hinrichtungen stattfanden, ist nicht klar. Möglicherweise sind die Bilder nicht aktuell, sondern wurden nur anlässlich der Homo-Ehe-Entscheidung aus dem Archiv geholt – was freilich nicht bedeuten muss, dass die Terrorgruppe diese für Homosexuelle etablierte Tötungsmethode nicht mehr anwendet.

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Jan Assmann „Exodus“: Welthistorisch einmalig

„Mose steigt vom Sinai“ (2. Mose 19, 25): Holzstich nach einer Zeichnung von Gustave Doré (1832–1883). Foto: © epd-bild / akg-images
Mit seinem Buch „Exodus“ setzt Jan Assmann seine Analyse des revolutionären Monotheismus fort. Micha Brumlik über den „Monotheismus der Treue“ und die Frage, ob er tatsächlich nicht überprüfbar ist.


Von Micha Brumlik|Frankfurter Rundschau

Der Sinn der Schöpfung ist Freiheit, politische Freiheit. Das jedenfalls beglaubigen fromme Juden jeden Freitag Abend in ihrem häuslichen Gottesdienst, mit dem der Sabbat, die Erinnerung an die Schöpfung, beginnt. Im Segensspruch über den Wein heißt es: „Du hast Gefallen an uns. Du lässt uns teilhaben an deinem heiligen Ruhetag, der daran erinnert, dass du alles geschaffen hast. Er ist der erste Tag der ,Tage heiliger Versammlung‘, eine Erinnerung an den Auszug aus Ägypten.“

Dieser Segen entwickelt ein Gebet weiter, das von Rabbinen der späten Antike verfasst wurde und in dem Schöpfung und Bundesschluss am Sinai in einem Atemzug genannt werden. Freilich, das ist schon Religionskritikern der Aufklärung aufgestoßen, handelt es sich beim Exodus um die Geschichte eines dramatischen Aufbruchs israelitischer Sklaven ebenso wie um die Gabe eines Gesetzes, das Wahrheit und Gehorsam postuliert. In der biblischen Exodusgeschichte kommt das zum Ausdruck, was der Ägyptologe Jan Assmann lange Jahre als „Monotheismus der Wahrheit“ als „mosaische Unterscheidung“ bezeichnet hat: die Übertragung der Unterscheidung von „wahr“ und „falsch“ in die Religion. Ein, wovon Assmann überzeugt ist, welthistorischer Einzelfall!

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»Miete einen Juden«

Alexander Rasumny über das Vermittlungsportal »Rent a Jew«, den deutsch-jüdischen Dialog und Berührungsängste


Von Philipp Peyman Engel|Jüdische Allgemeine

Screenshot: bb
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Herr Rasumny, die Europäische Janusz Korczak Akademie in München hat jetzt ein Vermittlungsportal unter dem Motto »Rent a Jew« (Miete einen Juden) ins Leben gerufen. Wie ernst ist die Initiative gemeint?
Wir haben uns bewusst für einen etwas provozierenden Titel entschieden. Der deutsch-jüdische Dialog ist ja oft schon ernst genug, da kann man die Leute auch mal ein bisschen herausfordern. Vielleicht trägt der Slogan dazu bei, Berührungsängste abzubauen.

Worum geht es bei dem Programm?
»Rent a Jew« möchte einen Austausch zwischen Nichtjuden und Juden ermöglichen. Viele Institutionen sprechen häufig über das Judentum und würden es gerne mit Leben füllen. Auf der anderen Seite wiederum würden viele junge jüdische Menschen der Mehrheitsgesellschaft gern einen Einblick gewähren, wie jüdisches Leben in Deutschland im Jahr 2015 aussieht. Mit unserer Webseite www.rentajew.org sorgen wir dafür, dass beide zueinander finden.

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Juden in Deutschland verunsichert: Netzwerk gegründet

Im Kampf gegen den Antisemitismus haben sich mehrere Organisationen in Deutschland zu einem Netzwerk zusammengeschlossen.


Berliner Morgenpost

Bild: bb
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Das Potsdamer Moses Mendelssohn Zentrum, die Amadeu Antonio Stiftung und das American Jewish Committee wollen sich gemeinsam gegen “das Erstarken des Antisemitismus in verschiedenen Formen” einsetzen und die Ursachen dafür untersuchen, hieß es bei der Gründungskonferenz des Netzwerks zur Erforschung und Bekämpfung des Antisemitismus (NEBA).

Nach der Beschneidungsdebatte und pro-palästinensischen Demonstrationen mit antisemitischen Ausfällen fühlen sich Juden in Deutschland zunehmend verunsichert. Die Perspektive der 120 000 Juden in der Bundesrepublik werde im Kampf gegen Antisemitismus zu wenig wahrgenommen, erklärten mehrere Organisationen am Donnerstag in Berlin.

»Du Jude!«

Woher kommen Vorurteile und Hass in den Schulen – und was kann dagegen getan werden?


Von Mike Samuel Delberg|Jüdische Allgemeine

Bild: bb
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Wie stellt ihr euch einen Juden vor?« Mit dieser Frage eröffne ich meist den »jüdischen« Teil meiner interreligiösen Workshops an Berliner Oberschulen. Die Reaktionen sind verhalten, fast schüchtern. Nach einigem Herumdrucksen peinlich berührter junger Mädchen und Kommentaren wie »Die essen doch koscher«, will ich aber auf den Punkt kommen: »So Freunde, Tacheles! Sagt einfach, was euch wirklich auf der Zunge liegt!«

Jetzt geht es los: »Geld, Holocaust, Rothschild, Kontrolle der Medien, lange Bärte, große Nasen, Sex durch ein Tuch mit Löchlein, Adolf Hitlers Oma war jüdisch, Illuminati, illegale Besatzung und Israel«. Rumms! Es ist raus! Nach diesem für die Schüler selbst überraschend offenen Ausstoß an Meinungsbildern kehrt plötzlich wieder die gleiche peinliche Stille wie am Anfang ein, und eine große, deutlich in den Gesichtern vieler Schüler ablesbare Frage schwebt im Raum: »Habe ich gerade etwas Falsches gesagt?«

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IS droht der Hamas

Bild: nationalreview.com
Bild: nationalreview.com
In einem Video wird der Hamas eine laxe Befolgung des wahren Glaubens vorgeworfen und eine Übernahme des Gaza-Streifens durch IS-Milizen angekündigt


Von Thomas Pany|TELEPOLIS

“Hamas ist ISIS, ISIS ist Hamas. Sie sind Feinde des Friedens”, schrieb der israelische Premierminister Netanjahu im August 2014 während der “Operation Protective Edge” in Gaza. Die hohen Opferzahlen im Gaza-Krieg (Gaza: Wenn der Krieg in die nächste Eskalation kippt) forderten eine Begründung in der Öffentlichkeit. Rethorisch wurde dies geleistet, in dem der Unterschied zwischen Hamas und Bevölkerung verwischt wurde (vgl. “Wer sich noch im Gebiet aufhielt, war ein Ziel”) und zugleich wurde die Hamas auf eine Stufe mit dem IS gesetzt.

Der IS hat nun ein Video veröffentlicht, um Unterschiede zu verdeutlichen. Mittlerweile ist die Botschaft, die sich an die “Tyrannen der Hamas” richtet, aus dem leichter zugänglichen Web entfernt. Auch auf einschlägigen Webseiten findet sich kein Hinweis.

Laut Guardian und Ha’aretz, die sich auf Reuters berufen, ist es eine Kampfansage des IS an die Hamas. Zitiert wird daraus:

Wir werden den Staat der Juden und euch und die Fatah mit der Wurzel entfernen. Alle Säkularisten sind nichts. Ihr werdet von unseren Massen überrannt.

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Interview Tierschutzbeauftragte: „Nur mit Betäubung schlachten“

Die Schlachtmethoden für Halal-Fleisch sind sehr umstritten. Foto: christoph boeckheler*
Schächten ist eine alte Schlachtmethode von Tieren vor allem im Judentum und im Islam. Im Interview wirbt Hessens Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin hier nun für einen Kompromiss, um den Tieren Leiden zu ersparen.


Von Jutta Rippegather|Frankfurter Rundschau

Frau Martin, ist Schächten Tierquälerei?
Als diese sehr alte Schlachtmethode entwickelt wurde, waren die Tiere nicht so schwer und muskulös gebaut, wie die heutigen. Man kannte auch keinerlei andere, schonenderen Methoden – anders als heute. Wenn man sieht, wie sich die Mastbullen durch die Rinderzucht entwickelt haben, so ist ein Schlachten ohne Betäubung eindeutig mit erheblichen Leiden und Schmerzen verbunden. Deshalb ist es eigentlich nach dem Tierschutzgesetz nicht gestattet.

Eigentlich?
Das Tierschutzgesetz sieht für bestimmte Religionsgruppen Ausnahmen vor. Wobei man auch in diesem Bereich zu Verbesserungen für die Tiere käme, wenn man gemeinsam intensiv darüber sprechen würde. Wenn nicht jeder starr auf seiner Meinung beharrt.

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„Übelste Menschenverachtung“: Jüdische Ausstellung geschändet: Unbekannte brennen Hitler-Bärte auf Fotos

Unbekannte haben im Jüdischen Zentrum in München eine Ausstellung geschändet: Sie brannten Hitler-Bärte in Fotos von hochrangigen Staatsvertretern und Rabbinern ein. Vermutlich benutzten sie dazu Zigaretten. Das Dezernat für Staatsschutzdelikte ermittelt.


FOCUS ONLINE

Die neue Hauptsynagoge am St.-Jakobs-Platz in München; rechts im Hintergrund das Jüdische Museum. Bild: wikimedia.org/CC-BY-3.0/Maximilian Dörrbecker

Mit eingebrannten Hitler-Bärten haben Unbekannte Bilder deutscher Staatsvertreter und hochrangiger Rabbiner in einer Ausstellung vor dem Jüdischen Zentrum in München geschändet. An einigen der öffentlich zugänglichen großflächigen Fotos wurden den Abgebildeten, unter ihnen Alt-Bundespräsident Horst Köhler, vermutlich mit einer Zigarette Löcher ins Gesicht gesengt – an den Augen oder an der Oberlippe, so dass die Brandstellen wie ein Hitler-Bart aussehen. Der Tat sei am Montagmorgen entdeckt worden, teilte die Polizei mit. Das Dezernat für Staatsschutzdelikte ermittle.

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Zusammenstöße bei Protest gegen Kirchenverkauf im Westjordanland

Israelische Sicherheitskräfte haben am Samstag eine palästinensische Demonstration gegen den Verkauf von Kircheneigentum an israelische Siedler unterbunden. Wie palästinensische Medien am Samstagabend berichteten, wurde der griechisch-orthodoxe Erzbischof Atallah Hanna dabei kurzzeitig festgenommen und in Jerusalem verhört. Bei Zusammenstößen zwischen israelischen Soldaten und Demonstranten wurden laut Bericht mehrere Demonstranten leicht verletzt.


kathweb

Bild:  phhesse/flickr
Bild: phhesse/flickr

Der Protest richtete sich den Angaben zufolge gegen israelische Baupläne. Die Demonstranten forderten den Schutz des Gebäudekomplexes zwischen Bethlehem und Hebron, der von einer Siedlerorganisation erworben wurde und zu Wohnungen für etwa 20 Familien umgebaut werden soll. Israels Verteidigungsminister Mosche Ya’alon genehmigte die Arbeiten unterdessen. Bei dem Kirchenkomplex handelt es sich um acht Gebäude des amerikanischen Missionars Thomas Lamby aus den 1950er Jahren, die unter anderem als Tuberkulosekrankenhaus und als presbyterianische Kirche sowie später als Hostel genutzt wurden.

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US official: Many concerns about Iran deal based on ‘myth’

Barack Obama (right) speaking to advisers Tony Blinken (foreground), and Ben Rhodes (background), regarding the Iran nuclear deal, on Sunday, November 24, 2013. (Pete Souza/White House)
Antony Blinken warns against keeping interim arrangement with Tehran as alternative to comprehensive agreement


By Rebecca Shimoni Stoil|The Times of Israel

Deputy Secretary of State Antony Blinken heralded the “unprecedented inspections” currently underway in Iran under the interim nuclear agreement, and challenged opponents of a nuclear deal to come up with a better alternative to any comprehensive agreement reached by the P5+1 member states during a Friday afternoon keynote speech.

“We have negotiated, of course, an interim agreement with Iran that froze and in some places rolled back its nuclear program with unprecedented inspections, with the possibility of a comprehensive solution now before us,” Blinken told the audience at the Center for New American Security’s annual conference.

Blinken, who served as the administration’s point man for Iran talks before a number of Congressional hearings, gave a broad overview of the US’s positions and challenges worldwide, ranging from the world’s growing refugee population to the administration’s efforts to pivot foreign policy towards east Asia.

Less than a week before the deadline to reach a comprehensive agreement, Blinken also sought to calm concerns regarding key aspects of the impending deal.

Blinken reiterated administration assertions that “the deal we’re working towards will close each of Iran’s four pathways toward fissile material” – the uranium enrichment at Natanz and Fordo, the plutonium plant at Arak, and any covert path that Tehran could pursue toward acquiring fissile material.

Arguing that “many [concerns about the deal] are based much more on myth than on fact,” Blinken said that the US demands that a deal “must include monitoring and intrusive transparency measures.”

He dismissed warnings that the deal contains a sunset clause – that Iran will be free to pursue a full-scale industrial uranium enrichment program after a decade of intense monitoring.

“The deal will not expire,” he said, reiterating a point he made in early June during the annual meeting of the American Jewish Committee. “There will not be a so-called sunset.” Blinken cited as proof the fact that even after the most stringent terms of a deal expire, Iran will still be required to meet the obligations of the NPT and other anti-proliferation regimes.

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Kriegsverbrechen? Wir ???

Bild: palaestina-portal.eu
„KRIEG IST DIE HÖLLE!“ rief der US-General George Patton berühmtermaßen aus.
Krieg ist das Geschäft des Tötens des „Feindes“, um ihnen unsern Willen aufzuzwingen.
Darum ist „der humane Krieg“ ein Oxymoron.


Von Uri Avnery|Palästina-Portal

Der Krieg ist ein Verbrechen. Es gibt wenige Ausnahmen. Ich würde den Krieg gegen das Nazi-Deutschland als Ausnahme ansehen, da es gegen ein Regime von Massenmördern geführt wurde, geleitet von einem pathologischen Diktator, der nicht anders zur Strecke gebracht werden konnte.
Da dies so ist, ist das Konzept von „Kriegsverbrechen“ dubios. Das größte Verbrechen ist, den Krieg als erster zu beginnen. Dies ist nicht das Geschäft der Soldaten, sondern der politischen Führer. Doch diese werden selten angeklagt.

DIESE PHILOSOPHISCHEN Gedanken kamen mir im Zusammenhang mit dem kürzlichen UN-Bericht über den letzten Gaza-Krieg.

Das Untersuchungs-Komitee tat alles, um „ausgewogen“ zu sein und verklagte beide – die israelische Armee und die Hamas – mit fast denselben Ausdrücken an. Allein dies ist in sich schon problematisch.

Das war kein Krieg zwischen gleichen. Auf der einen Seite der Staat Israel mit einer der mächtigsten Armeen der Welt. Auf der andern Seite eine staatenlose Bevölkerung von 1,8 Mill. Menschen, geführt von einer Guerilla-Organisation ohne irgendwelche moderne Waffen.

Jede Gleichstellung zwischen zwei solchen Entitäten ist der Definition nach künstlich. Selbst wenn beide Seiten schwere Kriegsverbrechen begingen, so ist es nicht dasselbe. Jeder muss nach seinen eigenen (Un-)taten beurteilt werden.

DIE IDEE von „Kriegsverbrechen“ ist relativ neu. Sie kam während des 30jährigen Krieges auf, der große Teile Mitteleuropas verwüstete. Viele Armeen nahmen daran teil und alle zerstörten bedenkenlos Städte und Dörfer. Die Folge davon war, dass zwei Drittel von Deutschland verwüstet und ein Drittel des deutschen Volkes getötet worden war.

Hugo de Groot, ein Holländer, behauptete, dass zivilisierte Nationen sogar im Krieg an gewisse Einschränkungen gebunden seien. Er war kein naiver Idealist, von der Realität abgeschnitten. Sein Hauptprinzip – so wie ich es verstanden habe – war, dass es keinen Sinn hat, Aktionen zu verbieten, die einem kriegsführenden Land helfen, den Krieg zu führen, aber dass Grausamkeit – für eine wirksame Durchführung des Krieges nicht notwendig – verboten ist.

Die Idee setzte sich durch. Während des 18. Jahrhunderts wurden von professionellen Armeen endlose Kriege geführt, ohne die zivile Bevölkerung unnötig zu verletzen. Die Kriege wurden „human“.

Nicht lange. Mit der französischen Revolution wurde der Krieg eine Sache von Massen-Armeen, der Schutz der Zivilisten wurde untergraben, bis er im 2. Weltkrieg völlig verschwand, als ganze Städte durch unbegrenzte Luftangriffe (Dresden und Hamburg) und durch die Atombombe (Hiroshima und Nagasaki) zerstört wurden.

Jedoch eine Anzahl internationaler Konventionen verbieten jedoch Kriegsverbrechen, die der zivilen Bevölkerung schaden oder die Bevölkerung in besetzten Gebieten verletzen.

Das war der Auftrag dieses Untersuchungs-Komitees.

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“Philosemitismus ist keine Antwort auf die Probleme in Nahost”

Gespräch mit Rolf Verleger über Israelkritik zwischen Antisemitismus und Menschenrechtsidee
Eine soeben unter dem Titel “Israelkritik zwischen Antisemitismus und Menschenrechtsidee. Eine Spurensuche” veröffentlichte Untersuchung des inzwischen emeritierten Professors für Psychologische Methodenlehre und Friedensforschung, Wilhelm Kempf, geht der Frage nach Erscheinungsformen und Ausprägungen des Antisemitismus im Lande nach – und kommt zu überraschenden Ergebnissen. Telepolis sprach hierzu mit Rolf Verleger, der Kempfs von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstütztes Projekt als wissenschaftlicher Berater begleitet hat.


Von Jens Wernicke|TELEPOLIS

Rolf Verleger, Bild: heise.de

Herr Verleger, über den Antisemitismus im Land wird viel diskutiert und publiziert. Unlängst forderte Israels Premier Netanjahu die europäischen Juden sogar dazu auf, um ihrer eigenen Sicherheit Willen nach Israel auszuwandern. Es scheint also schlimm bestellt zu sein um die “Judenfeindlichkeit” der Europäer im Allgemeinen und der Deutschen im Besonderen – so schlimm wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr?

Rolf Verleger: Ach, Netanjahu … er spielt sich als Problemlöser auf; dabei ist Israel doch wesentlicher Teil des Problems.

Nein, Vorurteile gegen Juden wie auch gegen Muslime, Ausländer und alles, was irgendwie anders ist, bestehen in Deutschland wie in anderen Ländern stabil in einem Segment der Gesellschaft. Damit kann man einigermaßen leben, solange die große Mehrheit der Bevölkerung, Medien und Politik für Menschenrechte eintreten und zudem glaubhaft bedauern, was Deutschland unter Hitler angerichtet hat.

Daran hat sich in den letzten Jahrzehnten nichts geändert. Das war kurzzeitig Anfang der 90er anders, als das Asylrecht abgeschafft wurde, es die Pogrome in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen gab, die Familien Genç und Arslan in Solingen und Mölln und die Asylbewerber in der Lübecker Hafenstraße durch Brandstiftung starben und auch die Lübecker Synagoge angebrannt wurde.

Nichts dergleichen spielt sich heutzutage ab. Dies ist kein Anwachsen von Fremdenhass, sondern ein Einfordern von Menschenrechten. Denn was sich geändert hat, ist die Einstellung zu Israel. Das deutsche Bedauern der Nazi-Verbrechen und Abgrenzen vom “Dritten Reich” umfasste in der Vergangenheit wie selbstverständlich eine Unterstützung Israels.

In den letzten Jahren wird wegen Israels hemmungsloser Unterdrückung der Palästinenser aber immer offensichtlicher, dass Unterstützung von Menschenrechten und Unterstützung Israels nicht zusammenpassen. Mangels besserer Argumente unterstellt jetzt die Israel-Lobby den Leuten “Antisemitismus”, wenn sie sich gegen Israel auf die Seite der Menschenrechte und der unterdrückten Palästinenser stellen.

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