Archiv der Kategorie: Judentum

So gar nicht koscher

justiz_grossEin Metzger und sein Geschäftsführer verkaufen in 800 Fällen Fleisch als koscher, obwohl es das nicht ist. Das Landgericht verurteilt die beiden wegen Betruges zu Bewährungs- und hohen Geldstrafen.


Von Fabian Scheuermann|Frankfurter Rundschau

Ein im wahrsten Wortsinne blutiger Betrugsprozess fand am Freitag am Frankfurter Landgericht sein Ende: Weil sie an knapp 800 Kunden „normales“ Fleisch verkauft hatten, obwohl die Kunden koscheres Fleisch bestellt hatten, wurden der jüdische Metzger Akiwa H. und sein Geschäftsführer Leslie W. zu Bewährungsstrafen zwischen 22 und 24 Monaten verurteilt. Dazu kamen Geldstrafen zwischen 7200 und 9000 Euro. Außerdem müssen die beiden 56- und 48-Jährigen als Bestandteil ihrer Bewährungsauflagen je 30.000 Euro an den Sportverein TuS Makkabi überweisen.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass die Angeklagten 2010 und 2011 in ihrem finanziell strauchelnden Geschäft an der Hanauer Landstraße systematisch Kunden betrogen haben. Mindestens 10.000 Kilogramm Fleisch wurden nicht, wie vorgegeben, koscher in Belgien oder Frankreich gekauft, sondern beim herkömmlichen Schlachter.

weiterlesen

Ärger um Islamisten-Kongress in Berlin

Anhänger der Hamas treffen sich am Samstag in Berlin (Symbolbild) Foto: rainwiz / flickr | CC BY-NC-SA 2.0

In Berlin treffen sich am Samstag Tausende Islamisten zur „13. Konferenz der Palästinenser in Europa“. Bürger und Politiker wollen Widerstand leisten. pro beantwortet die wichtigsten Fragen zu der anti-israelischen Veranstaltung.


pro Medienmagazin

Wer veranstaltet die Konferenz?

Laut dem Berliner Tagesspiegel sind die „Palästinensische Gemeinschaft Deutschlands“ (PGD) und das in London ansässige „Palestinian Return Centre“ (PRC) die Veranstalter. Erstere gilt laut Aussage der Berliner Senatsverwaltung vom Herbst 2014 als Organisation von Hamas-Anhängern. Das PRC, in Israel verboten, wird vom Verfassungsschutz ebenfalls als Tarnorganisation der Hamas eingestuft.

Wer oder was ist die Hamas?

Hamas bedeutet „Begeisterung“, „Kampfgeist“ oder „Eifer“. Die radikal-islamische Organisation wurde 1987 im Gazastreifen zugelassen, wo die Mitglieder unter dem Namen Al-Mudschamma al-Islami zunächst Sozialarbeit unter muslimischen Fundamentalisten machten. Sie ist eine Tochterorganisation der in Ägypten inzwischen verbotenen Muslimbruderschaft und wird unter anderem von der Europäischen Union als terroristische Vereinigung definiert.

weiterlesen

Tenach: Antijudaismus in neuem Gewand?

Zwei Bücher der Hebräischen Bibel: Mischlej (Sprüche, l.) und das Buch Daniel mit Kommentaren von Raschi und Abraham ibn Esra ©Thinkstock

Ein Berliner Theologieprofessor möchte die Hebräische Bibel aus dem christlichen Kanon entfernen


Von Micha Brumlik|Jüdische Allgemeine

Anfang April versandte der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (DKR) ein Schreiben, in dem er auf einen bisher nicht bekannt gewordenen Skandal hinwies: »Theologieprofessor will das Alte Testament aus der Heiligen Schrift verbannen«, so die Überschrift.

Im Text heißt es: »Mit nachfolgender Stellungnahme macht Friedhelm Pieper, evangelischer Präsident des DKR, einen theologischen Skandal im deutschen Protestantismus namhaft, der bislang beschämenderweise ohne Kritik und Widerstand im protestantischen Raum schweigend geduldet oder ignoriert wurde. Der DKR hofft, mit dieser theologischen Stellungnahme diese Mauer des Schweigens durchbrechen und eine kritische Debatte in der evangelischen Kirche anregen zu können.«

Worum geht es? Schon 2013 hatte der an der Berliner Humboldt-Universität Systematische Theologie lehrende Notger Slenczka (Jahrgang 1960) im wenig bekannten, aber renommierten Marburger Jahrbuch Theologie XXV einen Aufsatz veröffentlicht, in dem er zu begründen versuchte, warum das sogenannte Alte Testament (AT) in der Kirche keine kanonische Geltung mehr haben soll. »Damit ist aber«, so Slenczka, »das AT als Grundlage einer Predigt, die einen Text als Anrede an die Gemeinde auslegt, nicht mehr geeignet: Sie – die christliche Kirche – ist als solche in den Texten des AT nicht angesprochen.«

weiterlesen

6 reasons religion may do more harm than good

jesus_schaukelMost British people think religion causes more harm than good according to a survey commissioned by the Huffington Post. Surprisingly, even among those who describe themselves as “very religious” 20 percent say that religion is harmful to society.


By Valerie Tarico|Alternet/Salon

For that we can probably thank the internet, which broadcasts everything from Isis beheadings, to stories about Catholic hospitals denying care to miscarrying women, to lists ofwild and weird religious beliefs, to articles about psychological harms from Bible-believing Christianity.

In 2010, sociologist Phil Zuckerman published Society Without God: What the Least Religious Nations Can Tell Us About Contentment. Zuckerman lined up evidence that the least religious societies also tend to be the most peaceful, prosperous and equitable, with public policies that help people to flourish while decreasing both desperation and economic gluttony.

We can debate whether prosperity and peace lead people to be less religious or vice versa. Indeed evidence supports the view that religion thrives on existential anxiety. But even if this is the case, there’s good reason to suspect that the connection between religion and malfunctioning societies goes both ways. Here are six ways religions make peaceful prosperity harder to achieve.

1.  Religion promotes tribalism. Infidel, heathen, heretic. Religion divides insiders from outsiders. Rather than assuming good intentions, adherents often are taught to treat outsiders with suspicion. “Be ye not unequally yoked with unbelievers,” says the Christian Bible. “They wish that you disbelieve as they disbelieve, and then you would be equal; therefore take not to yourselves friends of them,” says the Koran (Sura 4:91).

At best, teachings like these discourage or even forbid the kinds of friendship and intermarriage that help clans and tribes become part of a larger whole. At worst, outsiders are seen as enemies of God and goodness, potential agents of Satan, lacking in morality and not to be trusted. Believers might huddle together, anticipating martyrdom. When simmering tensions erupt, societies fracture along sectarian fault lines.

read more

Altes Testament: Akademische Debatte oder Verrat an der Bibel?

Bild: katholisches.info

Bild: katholisches.info

Das “Marburger Jahrbuch Theologie” richtet sich in der Regel an theologische Feinschmecker. Doch derzeit liefert die 25. Ausgabe, die schon vor zwei Jahren erschien, Stoff für einen heftigen Schlagabtausch unter evangelischen Theologen. In seinem Jahrbuchbeitrag “Die Kirche und das Alte Testament” erörtert der evangelische Theologieprofessor Notger Slenczka die Frage, welchen Rang das Alte Testament für die christliche Kirche hat.


evangelisch.de

Slenczka stimmt dem Befund des renommierten Kirchenhistorikers Adolf Harnack (1851-1930) zu, wonach das Alte Testament theologisch dem Status der sogenannten Apokryphen zuzurechnen sei. Also jenen jüdischen Texten, die nicht dem biblischen Kanon und damit den heiligen Schriften zugeordnet werden. Denn das Alte Testament sei kein Zeugnis des Gottesverhältnisses, sondern Dokument “einer ethnisch gebundenen Stammesreligion” mit partikularem Anspruch, argumentiert Slenczka, der an der Humboldt-Universität Berlin lehrt.

Über Fachkreise hinaus Aufmerksamkeit fand der wissenschaftliche Beitrag erst mit einer Stellungnahme des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Deren evangelischer Präsident, der hessen-nassauische Pfarrer Friedhelm Pieper, kritisiert darin “einen handfesten Skandal im gegenwärtigen deutschen Protestantismus”. Denn Slenczka verlasse mit seinen Thesen einen “Grundkonsens christlicher Theologie”, seine Abhandlung stelle eine “Neuauflage des protestantischen Antijudaismus” dar.

weiterlesen

 

Jüdisch-messianische Gemeinden: Wir betreiben keine Judenmission

Leuchter, der Davidstern und der Fisch. Messianische Juden

Leuchter, der Davidstern und der Fisch. Messianische Juden

Rund 100.000 Teilnehmer werden zum Deutschen Evangelischen Kirchentag vom 3. bis 7. Juni in Stuttgart erwartet. Doch eine Gruppe darf nicht mitwirken: die etwa 1.500 messianischen Juden in Deutschland, die an Jesus Christus als den dem Volk Israel verheißenen Messias glauben.


kath.net

Sie verfolgen nach Ansicht des Kirchentagspräsidiums judenmissionarische Absichten, was den jüdisch-christlichen Dialog infrage stelle. Der Leiter der messianisch-jüdischen Gemeinde „Schma Israel“ (Höre Israel), Pastor Anatoli Uschomirski (Stuttgart), kritisiert den Ausschluss in einem Beitrag für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Nach seinen Worten wird religiöse Toleranz beim Kirchentag großgeschrieben. So sei der Dalai Lama – er ist Oberhaupt des tibetischen Buddhismus – bei einem früheren Protestantentreffen (2003 in Berlin) als „geistlicher Star“ gefeiert worden. Muslimische Gruppen und Vereine hätten einen Platz beim „Markt der Möglichkeiten“ des Treffens. „Nur wir dürfen nicht teilnehmen“, so Uschomirski. Die messianischen Gemeinden fühlten sich durch den Ausschluss gekränkt: „Wir sind sehr enttäuscht, dass wir unsere Bewegung nicht präsentieren können, obwohl Jesus selber Jude war. Er wusste sich zunächst zu seinem eigenen Volk gesandt, damit Juden ihn vor allen anderen Völkern bezeugen können.“ Das hätten die ersten jesusgläubigen Juden aufrichtig getan: „Doch nach 2.000 Jahren werden ihre Nachfolger von der EKD und ihrem Kirchentag abgelehnt.“ Uschomirski betont ferner, dass jüdisch-messianische Gemeinden keine Judenmission betreiben: „Wir wollen nicht Juden zu Christen machen, sondern in Demut und Liebe dem jüdischen Volk den jüdischen Messias verkünden und Juden ermutigen, gleichzeitig ihre jüdische Identität zu leben.“

weiterlesen

Islamisten mit Nahostkarte ohne Israel

Ein militantes Mitglied des militärischen Flügels der palästinensischen Hamas hält im Gaza-Streifen eine Hamas-Fahne hoch. – Foto: dpa

In Berlin wollen am Sonnabend rund 3000 Palästinenser zu einer umstrittenen Konferenz zusammenkommen. Kritiker werfen den Veranstaltern eine ideologische Nähe zur islamistischen Hamas vor – und warnen vor Stimmungsmache gegen Israel.


Von Christian Böhme und Martin Niewendick|DER TAGESSPIEGEL

Annette Groth und Wolfgang Gehrcke kommen nicht. Wie die beiden Bundestagsabgeordneten der Linken wird auch der sozialdemokratische EU-Politiker Norbert Neuser nach eigenen Angaben nicht teilnehmen. Die drei Politiker werden von den Veranstaltern für die “13. Konferenz der Palästinenser in Europa” zwar als Redner beziehungsweise als Gäste angekündigt. Doch sie alle dementieren ihre Teilnahme.

Am kommenden Sonnabend wollen rund 3000 Menschen zu einer Palästinenserkonferenz in der Arena in Berlin-Treptow kommen. Zwei Organisationen zeichnen für die Konferenz verantwortlich: Die “Palästinensische Gemeinschaft Deutschlands” (PGD) und das “Palestinian Return Center” (PRC) mit Sitz in London.

weiterlesen

Christenanteil in Europa sinkt deutlich

Bild: eagles-freiburg.de

Der Christenanteil in der europäischen Bevölkerung wird in den kommenden Jahrzehnten deutlich sinken, ohne dass sich das religiöse Profil des Kontinents radikal wandelt.


kath.net

Das geht aus einer aktuellen Analyse des Washingtoner Pew Research Centers hervor. Demnach ist zu erwarten, dass der Anteil der Christen europaweit von 74,5 Prozent im Jahr 2010 auf 65,2 Prozent im Jahr 2050 sinkt. Demgegenüber wird der Anteil der Muslime von 5,9 auf 10,2 Prozent steigen.

Die zweitgrößte Gruppe bleiben laut der Prognose die Religionslosen, die ihren Anteil von 18,8 Prozent auf 23,3 Prozent ausbauen dürften. Die Gemeinschaften der Hindus und Buddhisten werden sich praktisch verdoppeln, allerdings weiterhin eine kleine Minderheit von je etwa 0,4 Prozent bleiben.

weiterlesen

„Immer mehr Menschen lassen sich von mehr als einer Religion inspirieren“

Themenbild.

Themenbild.

Religionswissenschaftler über multireligiöse Identitäten in westlichen Gesellschaften – zum Beispiel buddhistische Christen und buddhistische Juden.

Viola van Melis Zentrum für Wissenschaftskommunikation

Exzellenzcluster „Religion und Politik“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

Immer mehr Menschen lassen sich nach Untersuchungen von Religionswissenschaftlern von mehreren Religionen inspirieren. „Waren die westlichen Gesellschaften in der Vergangenheit noch weitgehend monoreligiös, nehmen sie inzwischen zunehmend multireligiöse Gestalt an“, sagte der Religionswissenschaftler Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ am Dienstagabend in Münster. Ein empirisch gut belegter Fall für multireligiöse Identitäten im Westen seien buddhistische Christen und buddhistische Juden, so der Forscher. „Als wichtiges Motiv für diese Doppelidentität lässt sich herausfiltern, dass der Buddhismus vielfältige Meditationsformen bewahrt hat, während dem westlichen Christentum seine eigene kontemplative und mystische Tradition in der Moderne weitgehend abhandengekommen ist.“

Multireligiöse Identitäten seien keine Seltenheit mehr, unterstrich der Forscher in der Ringvorlesung „Transfer zwischen Religionen“ des Exzellenzclusters und des Centrums für religionsbezogene Studien (CRS). Er verwies auch auf Erhebungen wie den Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung: „So stimmten 71 Prozent der Menschen in Indien, 32 Prozent in den USA und 22 Prozent in Deutschland dem Satz zu, dass sie auf Lehren verschiedener religiöser Traditionen zurückgreifen.“ Als Beispiel nannte er die Schriften des Dalai Lama, die für viele protestantische oder katholische Christen ebenso eine spirituelle Quelle seien wie die des Benediktinerpaters und Buchautors Anselm Grün. „Es gibt keineswegs nur eine fundamentalistische Abgrenzung gegenüber allen fremden religiösen Einflüssen, wie angesichts aktueller Religionskonflikte vermutet werden könnte, sondern auch die umgekehrte Entwicklung zur Herausbildung multireligiöser Identitäten“, sagte der Wissenschaftler. Im Vergleich zu früher stünden heute viel mehr Menschen die schriftlichen Quellen unterschiedlichster Religionen offen.

Genaue statistische Angaben zur religiösen Mehrfachzugehörigkeit lassen sich dem Forscher zufolge nicht machen, da viele Staaten bei der Erhebung von Bevölkerungsdaten – im Unterschied zu beispielsweise Japan – bei der Frage nach Religionszugehörigkeit nur eine Antwort zulassen oder nur enge Zugehörigkeitsformen als Kleriker oder Angestellter einer religiösen Institution erfassen.

„Durch den Buddhismus neue Wahrheiten erkannt“

Mit Blick auf buddhistische Christen und buddhistische Juden stellte der Forscher unterschiedliche Grade der Zugehörigkeit fest. „Neben einer Vielzahl an Christen und Juden, die sich unterschiedlich stark durch den Buddhismus beeinflussen lassen, gibt es die kleine Gruppe der Double Belonger, die ganz bewusst und gezielt eine buddhistische Doppelidentität leben“, so Prof. Schmidt-Leukel. Unter den buddhistischen Christen seien sogar Gläubige, die beiden Religionsgemeinschaften offiziell angehörten.

Als Beispiele nannte er Persönlichkeiten wie den sri-lankischen Jesuit Aloysius Pieris, die anglikanische Nonne Sister Ruth Furneaux, die US-Religionswissenschaftlerin Sally King, die sowohl Zen-Buddhistin als auch Mitglied der Quaker ist, sowie Zen-Buddhist und Jude Norman Fischer. Sie alle hätten persönlich oder teils institutionell zwei Religionen angenommen. Das Buch „Without Buddha I Could not be a Christian“ (Ohne Buddha könnte ich kein Christ sein) des katholischen Theologe Paul Knittler sei in den USA lange ein Bestseller gewesen.

Viele Christen, die sich auf den Buddhismus einließen, hätten die Erfahrung gemacht, „dass sie durch die buddhistischen Augen neue Wahrheiten erkannten und alte Wahrheiten in neuem Licht sahen“, so der Religionswissenschaftler. Das sei neben den Meditationsformen ein weiteres wichtiges Motiv für eine buddhistisch-christliche Doppelidentität. Den Menschen gehe es aber nicht um eine Fusion buddhistischer und christlicher Elemente, sondern um „deren spannungsvolle Integration“. Menschen, die mit mehr als einer Religion leben, gehen demnach davon aus, „dass sich existentiell wegweisende Wahrheit nicht nur in einer religiösen Tradition findet und dass sich die Einsichten und Erfahrungen der verschiedenen Religionen einander ergänzen, bereichern und korrigieren können, auch wenn dies keineswegs immer leicht ist.“

„Buddhistisches Judentum aus dem Holocaust verstehen“

Auch jüdische Theologen stellen dem Vortrag zufolge Bezüge zwischen Buddhismus und jüdischer Mystik her, so, wie christliche Theologen sich von der buddhistischen Meditation eine Wiederbelebung der mystischen Traditionen erhofften. Dabei könne das Verhältnis von Judentum und Buddhismus nur vor dem Hintergrund der „im Holocaust gipfelnden jüdischen Leidensgeschichte“ verstanden werden. „Für viele Juden bietet der Buddhismus mit seiner Fokussierung auf das Thema Leid eine echte Hilfe.“

Historisch gesehen, ist die Verbindung und Mischung unterschiedlicher religiöser Ideen und Praktiken Prof. Schmidt-Leukel zufolge nicht neu. Es gebe sogar gute Gründe für die Einschätzung, dass alle großen Religionen aus synkretistischen Prozessen, also der Verbindung verschiedener religiöser Einflüsse, hervorgegangen seien und sich im Laufe ihrer Geschichte dadurch weiterentwickelt hätten. „In der Moderne sieht es jedoch ganz danach aus, als ob die stark wachsende religiöse Pluralisierung aller Gesellschaften synkretistische Prozesse besonders befördert.“

Der Vortragstitel lautete „Warum nur mit einer Religion leben? Anmerkungen zum Phänomen multi-religiöser Identität“. Am Dienstag, 21. April, spricht Sinologe Prof. Dr. Joachim Gentz aus Edinburgh über „Das Große Dao ist ohne Form, ohne Wesen und ohne Namen“. Es geht um Transfer im regulierten Pluralismus Chinas. Der Vortrag beginnt um 18.15 Uhr im Hörsaal F2 des Fürstenberghauses am Domplatz 20-22.

Am Exzellenzcluster werden Transfer-Phänomene seit 2012 im Forschungsfeld „Integration“ untersucht. Prof. Schmidt-Leukel leitet am Exzellenzcluster das Projekt C2-16 „Interreligiöse Theologie“. Die Themen der neuen Ringvorlesung reichen vom christlich-muslimischen Dialog im Nahen Osten bis zur die christlichen Kabbala. Auf dem Programm stehen auch der Kulturaustausch zwischen Juden, Christen und Muslimen durch Buch und Bild im Mittelalter, der Reliquientransfer zwischen dem östlichen und dem westlichen Christentum und die Rezeption hinduistischer Konzepte im Westen und umgekehrt.

Weitere Informationen:

http://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2015/apr/PM_Immer_haeu…


Pressefreiheit: Spott über Gott?

Scheren im Kopf? Journalisten und Experten aus verschiedenen Ländern und Kulturen diskutierten über Gefährdungen der Pressefreiheit in Zeiten des Terrors Foto: pro/Schramm

Meinungsfreiheit ist ein universelles Menschenrecht. Aber wo liegen ihre Grenzen? Sollte man wirklich alles sagen, was juristisch erlaubt ist? Darüber haben am Dienstag Journalisten und Experten aus verschiedenen Ländern und Kulturen in Berlin diskutiert.


pro Medienmagazin

Millionen Menschen gingen Anfang Januar in Europa aus Solidarität mit den Opfern des Terroranschlags auf die Redaktion des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris auf die Straßen. Das blutige Massaker galt vielen als Angriff auf die universellen Rechte der Presse- und Meinungsfreiheit. Zeitgleich demonstrierten in anderen Teilen der Welt viele Menschen gegen eine vermeintlich nicht hinnehmbare Verunglimpfung ihres Glaubens durch Karikaturen wie die von Charlie Hebdo.

Nach dem Pariser Terroranschlag stellt sich die Frage, ob man alles sagen und schreiben sollte, was juristisch erlaubt ist. Wo liegen die Grenzen der Meinungsfreiheit? Antworten auf diese Fragen suchten die Gäste einer Podiumsdiskussion mit dem Titel: „Spott über Gott. Gefährdung der Pressefreiheit in Zeiten des Terrors“, zu der die Friedrich-Naumann-Stiftung, Reporter ohne Grenzen (ROG) und Die Welt am Dienstagabend ins Axel-Springer-Haus in Berlin eingeladen hatten.

weiterlesen

Israels Staatspräsident erneuert Wille zum Schutz der Christen

Bild:  phhesse/flickr

Bild: phhesse/flickr

Der israelische Präsident Reuven Rivlin ist am Sitz des griechisch-orthodoxen Patriarchats in der Altstadt von Jerusalem aus Anlass des Osterfestes mit den Oberhäuptern der christlichen Kirchen im Heiligen Land zusammengetroffen und hat dabei den Willen zum Schutz der Christen erneuert. Dies berichtete die vatikanische Nachrichtenagentur “Fides” am Mittwoch. Es handelte sich um den ersten Besuch eines israelischen Präsidenten bei den Oberhäuptern der christlichen Kirchen seit einem parallelen Schritt von Präsident Yitzhak Navon vor mehr als 30 Jahren.


kathweb

Der griechisch-orthodoxe Patriarch Teophilos III. machte Präsident Rivlin mit den Oberhäuptern der christlichen Kirchen – mit dem lateinischen Patriarchen Fouad Twal an der Spitze – bekannt. In seiner Begrüßungsansprache dankte der griechisch-orthodoxe Patriarch dem Präsidenten ausdrücklich für dessen Verurteilung der Angriffe auf religiöse Stätten – darunter auch christliche – in Israel in den vergangenen Monaten. In seiner Antwort betonte Rivlin wörtlich: “Solche Schandtaten dürfen sich weder auf dem Berg Zion noch auf dem Ölberg, weder gegen Synagogen noch gegen Moscheen oder Kirchen ereignen”.

weiterlesen

 

Holocaust und Vatikan: Ein Schuldbekenntnis ist überfällig

Papst Pius XII.: Der Todeszug verließ die Ewige Stadt in Richtung Auschwitz ohne päpstlichen Widerstand. Foto: REUTERS

Ein vatikanisches Schuldbekenntnis zum Schweigen über die Shoa und eine Vergebungsbitte für die Diplomatie Pius XII. sind überfällig. Davon aber ist im Vatikan keine Rede.


Von Klaus Kühlwein|Frankfurter Rundschau

Siebzig Jahre nach dem Ende der Shoa wäscht der Vatikan immer noch seine Hände in Unschuld. Zu bedauern gebe es nichts – im Gegenteil. Pius XII. habe so viele Juden gerettet wie kein anderer und er habe seine Stimme erhoben gegen den Vernichtungswahn der Nazis. Er sei einer der großen Gerechten dieser Welt. Für den Vatikan ist klar: Alle Angriffe auf den mittlerweile verehrungswürdigen Pius XII. seien haltlos und oft nur boshaft – meist beides zusammen.

War das Schweigen der Kirche zur Judenvernichtung ein Fehler? Ist sie mitschuldig geworden, weil sie abseits stand bei der großen Judenjagd in Europa? Mittlerweile sehen das die deutschen, die österreichischen und noch mehr die französischen Oberhirten so. Es gibt viele selbstkritische Äußerungen zur eigenen Vergangenheit. Und die Weltkirche, der Vatikan? Fehlanzeige! Dort weist man eigenes Versagen oder gar Mitschuld weit von sich: Einzelne Katholiken vor Ort haben gefehlt, wir nicht! – so das Credo.

weiterlesen

Muslime sind gleichgültige Heuchler und Judenhasser

Ein Flüchtlingscamp in Libanon (Symbolfoto) © DFID – UK Department for International Development @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Welt-Chefkommentator Jacques Schuster ist Journalist. Zu seinem Job gehört die Recherche. Wenn es aber um die Verunglimpfung von Muslimen geht, zieht er Arbeitsverweigerung vor und lebt seine Abneigung in seinen Artikeln aus. So auch am Wochenende.


Von Sanjay Patel|MiGAZIN

“Es gibt zwei Arten von Toten – diejenigen, deren Schicksal sich politisch missbrauchen und deren Tragödie sich lautstark betrauern lässt, und diejenigen, welche halt gestorben sind.”

Das schreibt Jacques Schuster, Chefkommentator der Zeitung “die Welt” anlässlich des Leids der Palästinenser im syrischen Flüchtlingslager Jarmuk. Die Terrormiliz “Islamischer Staat” hatte letzte Woche große Teile von Jarmuk eingenommen. Die deutsche Presse spricht von Todeslager, tiefster Hölle, schwärzestes Loch der Hölle, tödlicher Falle und so weiter.

Jacques Schuster geht es in seinem Artikel weniger um diejenigen, die “halt gestorben” sind, sondern vornehmlich darum, was doch für “ewige Heuchler” die Muslime und Araber im Allgemeinen und die Palästinenser in Gaza und Westjordanland im speziellen sind. Sein Argument folgt dem typischen Muster des Lichterkettenarguments der selbst ernannten politisch Inkorrekten. Das Lichterkettenargument zielt darauf ab, Gutmenschen der Heuchelei zu überführen, weil diese nur bei rassistischen Übergriffen gegen Einwanderer mit Lichterketten protestieren, aber bei gewalttätigen Übergriffen von Einwanderern gegen Deutsche schweigen.

weiterlesen

Die Sterbehilfedebatte

sterbenViele Menschen werden durch die aktuelle Sterbehilfedebatte verunsichert und spüren Ängste, wenn sie an ihr eigenes Lebensende oder das ihrer Angehörigen denken. Diese durch die öffentliche Diskussion geweckten Ängste haben weniger mit der adäquaten Angst vor der Endlichkeit des Lebens und der Aussicht auf den Tod zu tun, als mit Vorstellungen von Leid, Autonomie- und Würdeverlust am Lebensende, die so gar nicht in unsere Zeit, in der wir scheinbar alles beherrschen können, hineinpassen wollen.


Von Dr. Stephan M. Probst|haGalil.com

Die sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft intensiv geführte Diskussion kann aber (und sollte auch unbedingt) eine Chance sein, jetzt zu definieren, was für uns und in unserer Zeit „Sterben in Würde“ heißt und zugleich die Bedingungen dafür zu schaffen, dass wir ohne Angst vor Würdeverlust dem Tod entgegensehen können. Statt unbegründete Ängste zu schüren, müssen solche genommen und Missverständnisse aufgeklärt werden. Andererseits muss klar benannt werden, was den Erhalt unserer Würde am Lebensende tatsächlich gefährden könnte und was wir dagegen tun können. Es muss also mit Missständen aufgeräumt werden. Antworten auf den in vielzitierten Umfragen scheinbar bewiesenen großen Bedarf an Möglichkeiten einer aktiven Sterbehilfe, fallen dann überraschend anders aus, wenn wir ernsthaft miteinander über Sterben und Tod sprechen und uns auf das Thema angemessen einlassen.

Der Bundestag hat sich vorgenommen, im kommenden Herbst über verschiedene fraktionsübergreifende Anträge abzustimmen, die die Suizidbeihilfe regeln sollen. Die politische Debatte wird inzwischen objektiver und differenzierter geführt, oft hört man auch den Verweis auf die christlich-jüdische Kultur und ihre Werte.  Aber wie wird die Diskussion in den jüdischen Gemeinden und Familien geführt ? Liegen in der gesellschaftlichen und politischen Debatte auch Chancen für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland?

In der öffentlichen Diskussion, in der jüdische Stimmen nur sehr vereinzelt zu hören sind und die nur zaghaft in der hiesigen jüdischen Gemeinschaft fortgeführt wird, gehen viele Begrifflichkeiten durcheinander und dadurch wird weit über das eigentliche, durch die Gesetzesinitiative des Gesundheitsministers Gröhe zu entscheidende Thema, nämlich die ärztliche Suizidassistenz hinaus diskutiert.Suizidbeihilfe

Während in der breiten Gesellschaft die Begriffe aktive, passive und indirekte Sterbehilfe oder palliative Sedierung aus medizinischer, ethischer und juristischer Perspektive definiert und diskutiert werden, haben wir die Gelegenheit, an dieser Stelle einen jüdischen Beitrag hierzu zu geben. Ein jüdischer Beitrag zur gesellschaftlichen Diskussion könnte ein wunderbares Signal sein, dass das Judentum Teil der deutschen Gesellschaft ist und andererseits könnte es eine Entscheidungshilfe für all die sein, die im Judentum ihre religiöse und spirituelle Heimat sehen und Orientierung für eine eigene Meinung und Entscheidung zu und in diesen existenziellen Fragen suchen.

Der erste grundsätzliche Beitrag des Judentums zu dieser Diskussion ist die Klarstellung, dass Kranke, Leidende, Alte, Demente und Behinderte keine Last sind. Sinnerfüllung kann auch aus der Begegnung mit und durch die Fürsorge für diese Menschen entstehen und das allgegenwärtige „schöner, besser und leistungsfähiger“ verspricht eben nicht immer größeres Glück. Ein gesellschaftlicher Wandel in diesem Sinne könnte einige der oben angedeuteten Ängste nehmen. Vor allem die, die dadurch entstehen, dass die Vorstellung mit Verlust der Würde zu sterben daher kommt, dass man durch seine Hilflosigkeit der Gesellschaft oder Familie zur Last fällt und sich schlimmstenfalls zum „sozialverträglichen Frühableben“  gedrängt sieht.

weiterlesen

Report: Netanyahu Promises Talmud Will Be Israeli Law

Screengrab Times of Israel

Screengrab Times of Israel

Netanyahu tells Likud hareidi leader Hebrew calendar will be official calendar of state in new Basic Law, Jewish law basis of legal system.


By Ari Yashar|ARUTZ SHEVA

Prime Minister Binyamin Netanyahu reportedly revealed at a Likud conference on Wednesday some remarkable facets of the Basic Law he submitted last Thursday, which would enshrine Israel’s status as the nation-state of the Jewish people.

Netanyahu told the head of Likud’s hareidi division Yaakov Vider at the conference that he intends to make the Hebrew calendar, which is based on Jewish law, the official calendar of Israel, reports Kikar Hashabat.

The new law also would establish the Talmud, the core work of Jewish law, as an official basis for Israeli state law.

“I’m going to personally be involved in the law defining the state of Israel as the nation-state of the Jewish people,” Netanyahu reportedly told Vider. “It’s a very important law that will influence how Israel will look in the future.”

“I want to anchor in this law, that it will be a Basic Law that the state of Israel arose and exists on the basis of the Torah and the Jewish tradition,” Netanyahu explained, promising to define the Hebrew calendar as the official state calendar.

read more

Wo bleiben muslimische Proteste gegen die Tragödie von Jarmuk?

© AFP Ein zerstörtes Gebäude im palästinensischen Flüchtlingslager in Jarmuk.

Wo bleiben die Proteste von Arabern und Muslimen angesichts des Leidens von rund 16.000 Palästinensern – darunter 3.500 Kinder –, die im umkämpften Flüchtlingslager Jarmuk in der syrischen Hauptstadt Damaskus vom Tod bedroht sind?


kath.net

Das fragt der Chefkommentator der „Welt“-Gruppe“, Jacques Schuster, in einem am 11. April veröffentlichten Beitrag. Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ hat das Viertel eingenommen und nach Angaben von Einwohnern eine Schreckensherrschaft begonnen. 2012 hatten syrische Regierungstruppen Jarmuk abgeriegelt.

Die Menschen sind seither weitgehend ohne Lebensmittel und medizinische Versorgung. Das Leid der Palästinenser in Jarmuk schreie zum Himmel, schreibt Schuster. Seit Monaten würden dort palästinensische Flüchtlinge abgeknallt, erschlagen und ausgehungert: „Doch weder aus dem Gazastreifen noch dem Westjordanland hört man von Massendemonstrationen oder Aufrufen, den rund 16.000 Brüdern und Schwestern zu Hilfe zu eilen, die Jarmuk mit dem Tode kämpfen.“

weiterlesen

Tück: Religionen können Wahrheitsanspruch nicht aufgeben

islam_christentum

Mit einem Plädoyer, den interreligiösen Religionsdialog als Friedensdialog zu intensivieren, ohne den je eigenen Wahrheitsanspruch aufzugeben, endete am Freitagabend in Wien eine internationale Tagung über Lessings Ringparabel. Der Wiener Dogmatiker und Tagungsinitiator Jan-Heiner Tück zeigte in seinem Abschlussvortrag auf, dass ein solcher Dialog durchaus zentrale und heute aktuelle Motive aus Lessings Ringparabel aufgreifen könne, aber doch darüber hinaus gehen müsse: Eine Verflüssigung des Wahrheitsanspruchs in einen moralischen Wettstreit oder in eine “performative Theologie”, wie sie der Ägyptologe Jan Assmann am Vorabend empfohlen hatte, sei nur bedingt hilfreich und greife zu kurz, so Tück.


kathweb

Wo Lessing mit seiner Ringparabel Partei gegen “eingefleischte Vorurteile und doktrinale Ignoranz” ergreife ohne die religiösen Eigenheiten aufzugeben, wo er für Toleranz gegenüber Andersgläubigen werbe, eine kritische Infragestellung der eigenen Religion empfehle, könne man in Papst Franziskus durchaus einen würdigen Verfechter Lessings sehen. Schließlich trete auch Franziskus dafür ein, “Vorurteile und negative Stereotypen über andere Religionen abzubauen”, “Juden und Muslime in ihrem Selbstverständnis ernst zu nehmen” und “die Schatten der christlichen Schuldgeschichte selbstkritisch aufzuarbeiten”, so Tück.

Anders als Lessing fuße diese Begegnung “auf Augenhöhe” bei Franziskus jedoch nicht auf einer Transformation der Wahrheitsfrage, sondern auf einem Bezeugen der Wahrheit “in Demut und in konkreten Taten”. So könne sei die Kirche Lessing tatsächlich “in Vielem” gefolgt, “in dem Punkt aber, den christologischen Universalitätsanspruch zurückzunehmen, wird die Kirche ihm nicht folgen können, wenn sie weiterhin die Kirche Jesu Christi bleiben will”. Dies sei letztlich auch das Anliegen des päpstlichen Schreibens “Evangelii Gaudium”.

Dieser Weg einer dialogischen Öffnung zu den anderen Religionen ohne Absentierung des eigenen Wahrheitsanspruchs sei bereits vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) eingeschlagen und von den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. in Form der Weltgebetstreffen in Assisi konsequent weiterentwickelt worden, so Tück. Auch wenn die zentralen Konzilstexte “Lumen Gentium”, “Nostra Aetate” oder “Gaudium et spes” durchaus noch “Reste eines Heilsexklusivismus” aufwiesen, so enthielten sie doch zugleich auch jene “Momente einer Selbstrelativierung” und einer Würdigung der Heilswege der anderen biblischen Religionen, wie sie sich bereits bei Lessing finden lassen. Von dieser Wende zeuge laut Tück etwa die sprachliche Kehrtwende von “Häretikern” und “Schismatikern” hin zu “getrennten Brüdern” sowie die Anerkennung der Religions- und Gewissensfreiheit durch das Konzil.

weiterlesen

Naturwissenschaft versus Judentum: Maimonides und das Lob der Vernunft

Statue des Gelehrten Mosche Ben Maimon, genannt Maimonides oder auch Rambam in Córdoba (Spanien) (Imago / Leemage)

Der Gelehrte Mosche Ben Maimon, auch Maimonides genannt, war nicht nur Rabbiner, Toragelehrter und Philosoph, sondern auch Arzt und Wissenschaftler. Er musste also schon im 12. Jahrhundert die scheinbare Dichotomie zwischen Wissenschaft und Glauben überwinden.


Von Yael Kornblum|Deutschlandradio Kultur

In den vergangenen Wochen wurden an dieser Stelle verschiedene Aspekte der Problematik “Naturwissenschaft versus Judentum” beleuchtet. Einer der bekanntesten Juden ist nach wie vor der Gelehrte Mosche Ben Maimon, genannt Maimonides oder auch Rambam, nach den Initialien seines Namens.

Er lebte im 12. Jahrhundert im arabisch besetzten Spanien, war ein Universalgenie. Denn er war nicht nur Rabbiner, Toragelehrter und Philosoph, sondern war auch Arzt und Wissenschaftler. Besonders beschäftigte er sich mit der Astronomie. Somit musste er täglich die scheinbare Dichotomie zwischen Wissenschaft und Glauben überwinden. Im 42. Psalm heißt es:

“Und was ist der Weg, der dazu führen wird, Ihn zu lieben und zu fürchten? Wenn ein Mensch Seine großartige und wundervolle Arbeit und Kreaturen betrachtet und so nur einen kleinen Teil Seiner Weisheit, die unvergleichlich und unendlich ist, erhaschen kann, so wird er Ihn sofort lieben, preisen, verherrlichen.”

weiterlesen

Jüdische Jesusgläubige: „Ich traf den Messias“

Videos mit Botschaft: Juden erklären, wie sie zum Glauben an Jesus gekommen sind Foto: imetmessiah.com / Screenshot pro

Messianische Juden aus Amerika bekennen sich auf einer neuen Videoplattform zu Jesus als Messias. Dabei soll deutlich werden, dass der Glaube an Jesus dem Judentum nicht entgegensteht.


pro Medienmagazin

Auf der seit Anfang April aufrufbaren Seite „I Met Messiah“ erklären messianische Juden, wie sie zum Glauben an Jesus gekommen sind. Bislang sind 16 Kurzvideos zu sehen, weitere sollen folgen. Alle bislang veröffentlichten Bekenntnisse stammen von Juden, die in Amerika leben. Zum Teil handelt es sich um Hochschullehrer oder Manager.

Sie sagen, dass sie im Streben nach Glück oder im jüdischen Lebensstil keine Befriedigung gefunden hätten. Erst der Glaube an Jesus als den Messias habe ihnen Lebenssinn gegeben. Die zumeist im jüdischen Glauben Erzogenen sagen, sie hätten zunächst überhaupt keinen Bezug zu Jesus gehabt. „Ich dachte, Jesus sei Italiener!“, sagt Mottel Baleston, der in einem katholischen Umfeld aufgewachsen ist.

weiterlesen

Kapellari gegen Judenmission, aber “Christus einladend zeigen”

Bild:.bbkr.de

Emeritierter Grazer Bischof äußert sich bei Vortrag von Rabbiner Homolka in Wien zum christlich-jüdischen Verhältnis – Christlicher Antijudaismus schwächte Widerstand gegen NS-Rassenwahn – Rabbi Homolka: Kirche kann von “älteren Brüdern im Glauben” lernen


kathweb

Der Begriff “Mission” gegenüber dem Judentum ist für den emeritierten Grazer Bischof Egon Kapellari verzichtbar und “aus bekannten Gründen verletzend”. Denn der Bund Gottes mit Abraham sei nicht aufgehoben und könne “für das Judentum durch den neutestamentlichen Bund nicht relativiert” werden. Zugleich nannte es Kapellari “ur-menschlich, starke Werteerfahrungen auch anderen Menschen mitzuteilen in der Hoffnung, darüber einen Konsens zu finden”. Als Christ wolle er, der “nicht wenige jüdische Freunde” habe, Juden “Jesus als meinen Christus ohne Aufdringlichkeit, aber einladend zeigen”.

Bischof Kapellari äußerte sich am Donnerstagabend im Wiener Schottenstift zum christlich-jüdischen Verhältnis und ergänzte damit einen Vortrag des deutschen Rabbiners Prof. Walter Homolka über religiöse Strömungen im gegenwärtigen Judentum. In dessen umfangreichem Schrifttum gebe es auch Kritik an der katholischen Kirche, konkret daran, dass Papst Benedikt XVI. für den außerordentlichen Ritus der Messliturgie die Karfreitagsbitte aus dem Jahr 1972 beibehalten hatte, erinnerte Kapellari. Darin wird zum Gebet für die Juden aufgefordert, “dass unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Heiland aller Menschen.”

Dies öffne der Judenmission Tür und Tor, so die Kritik nicht nur Homolkas, sondern auch christlicher Theologen. Mit seiner Anmerkung zur menschlichen Grundkonstante, als wertvoll Erkanntes auch anderen mitzuteilen, habe er das “Reizwort” “Mission an den Juden” etwas entkräften wollen, so Kapellari.

Mit ausdrücklicher Zustimmung reagierte Homolka auf die Ausführungen von Bischof Kapellari. Dieser habe gesagt, “was man unter Freunden sagen kann” und in “unüberbietbarer Weise formuliert”, was sich Juden von Papst Benedikt XVI. nach der Neuregelung über den Gebrauch des alten Messritus und der damaligen Neuformulierung der Karfreitagsbitte erwartet hätten. Seit dem Pontifikatswechsel spiele diese Frage aber keine Rolle mehr im Verhältnis zwischen Judentum und katholischer Kirche, hielt Homolka fest.

weiterlesen