Archiv der Kategorie: Judentum

Antisemitismus in Deutschland: Zentralrat der Juden rät vom Tragen der Kippa ab

Bild: brightsblog

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Ist es in Vierteln mit vielen muslimischen Einwohnern gefährlich, sich eindeutig als Jude zu zeigen? Der Präsident des Zentralrats der Juden findet ja – und rät vom Tragen der traditionellen Kopfbedeckung ab.


SpON

Der Präsident des Zentralrats der Juden warnt vor dem Tragen der traditionellen jüdischen Kopfbedeckung in “Problemvierteln”: Juden sollten sich zwar nicht aus Angst verstecken, sagte Josef Schuster im Inforadio des rbb. Die meisten jüdischen Einrichtungen seien zudem gut gesichert. Die Frage sei aber, “ob es tatsächlich sinnvoll ist, sich in Problemvierteln, in Vierteln mit einem hohen muslimischen Anteil, als Jude durch das Tragen der Kippa zu erkennen zu geben.”

Schuster legte jüdischen Gläubigen für solche Fälle nahe, “eine andere Kopfbedeckung” zu erwägen. Es sei eine Entwicklung, die er so vor fünf Jahren nicht erwartet habe – und die auch ein wenig erschreckend sei, so Schuster.

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»Gefährdungslage unverändert hoch«

Thomas de Maizière, dpa

Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Zentralratspräsident Josef Schuster trafen sich in Berlin


Jüdische Allgemeine

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat den Juden in Deutschland bestätigt, dass die Sicherheitsbehörden jedem Hinweis auf eine Gefährdung der jüdischen Gemeinschaft mit größter Sorgfalt nachgehen. »Wir alle wünschen uns, dass Juden weiterhin gerne in Deutschland leben«, sagte der Minister bei einem Treffen mit Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, am Dienstag in Berlin. Beide bekräftigten: »Für Juden ist Deutschland ein sicheres Land.«

Hintergrund der Begegnung war die Sicherheitslage der Juden in Deutschland und Europa insbesondere nach den Anschlägen von Kopenhagen. Dabei war am 15. Februar auch ein jüdischer Wachmann vor der Hauptsynagoge getötet worden.

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Muslime boykottieren Empfang der Juden Frankreichs

Crif-Präsident Roger Cukierman löste in Frankreich schwere Irritationen aus. Foto AP

François Hollande stellte beim jüdischen Dachverband Crif seine Pläne gegen zunehmenden Antisemitismus vor. Ein umstrittenes Interview des Crif-Präsidenten Cukierman überschattete den Auftritt.


DIE WELT

Frankreichs Präsident François Hollande hat beim jährlichen Empfang des jüdischen Dachverbands Crif “schnellere und effizientere Strafen” bei Volksverhetzung angekündigt. Rassistische, antisemitische und homophobe Äußerungen sollten nicht länger unter das Presserecht, sondern unter das Strafrecht fallen, sagte der Staatschef bei dem Abendessen am Montagabend in Paris. Das Abendessen wurde überschattet vom Streit über Äußerungen des Crif-Präsidenten Roger Cukierman zu jungen Muslimen.

Hollande sagte in seiner Rede, er wünsche sich, dass bei Straftaten antisemitische Motive als erschwerender Umstand gewertet werden. Zudem sollten die Rechtsmittel gegen Menschen verschärft werden, die vom Dschihadismus angezogen würden. Hollande kündigte in seiner Rede außerdem an, am 18. März einen Gesetzentwurf zum Geheimdienst im Kabinett zu präsentieren. Das Gesetz sei in Abstimmung mit “allen politischen Familien” vorbereitet worden, sagte Hollande.

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Nicht über Juden flennen, kümmert euch um Islamisten!

Nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Kopenhagen legen Bürger Blumen nieder Foto:dpa

Die Europäer sollten sich nicht mit einer angeblichen Flucht der Juden beschäftigen, sondern ihre Gesellschaften gegen den Islamismus verteidigen. Damit helfen sie sich und den Juden.


Von Jacques Schuster|DIE WELT

Ach wie schaurig-schön ist es doch, mal wieder ein Tänzchen mit Gevatter Vorurteil zu wagen! Von der Heimatlosigkeit der Juden hört man in diesen Tagen häufiger als sonst. Die französischen Juden verließen das Land in Scharen, um in Israel Schutz vor dem Judenhass zu finden. Doch während die einen in Tel Aviv und Haifa, in Be’er Scheva und Jerusalem nach Unterschlupf suchten, reisten die anderen in Massen aus.

Sie seien der Angst vor dem Terror, dem Nahost-Konflikt, den Palästinensern, den Iranern, der wirtschaftlichen Lage, dem Eisenfresser Benjamin Netanjahu, kurzum allem überdrüssig, was die Deutschen an dem kleinen Land zwischen Rotem und Mittelmeer so furchterregend finden. Schon 30.000 bis 40.000 Israelis lebten in Berlin, von denen in Frankfurt und München zu schweigen.

Wer weiß, wie viele es noch werden? Wer ahnt, wie lange sie bleiben werden? Man sieht es ja: Ahasver ist wieder da, der wandernde Jude mit einem Blick voller Hast, voll von Flehen, bald in Leidenschaft flackernd, bald in Schwermut alle Glut verlierend, die Augen des gehetzten Tieres, das angstvoll und kraftlos die Blicke dem Verfolger zuwendet oder in bebender Sehnsucht hinausstarrt in das ferne Land der Freiheit.

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Mossad: Netanjahu gibt den G.Bush

Screengrab Times of Israel

Screengrab Times of Israel

Mitten in seiner Rede zog er eine Cartoon-Bombe hervor: Es war ein denkwürdiger Auftritt, mit dem Israels Premier Netanjahu 2012 vor einer Atommacht Iran warnte. Nun berichtet der “Guardian”: Der israelische Geheimdienst sah damals gar keine Bedrohung.


SpON

Es war eine Szene mit hohem Symbolwert – dramatisch, einprägsam, unvergesslich. Während einer Rede vor der Uno-Vollversammlung zauberte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu 2012 ein Plakat mit den Umrissen einer Bombe hervor und markierte mit einem fetten Filzstift die sprichwörtliche “rote Linie”, ab der die Produktion einer Atombombe in Iran nicht mehr zu stoppen sei und Israel militärisch eingreifen müsse: Spätestens im Sommer 2013 sei es soweit.

Nun berichten die britische Zeitung “Guardian” und der Fernsehsender Al Jazeera: Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad hat wenige Wochen nach Netanjahus Rede in einem Bericht seiner Einschätzung widersprochen.

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Heiliges Land und säkularer Staat

In Israel findet sich sehr viel mehr Frömmigkeit als in Deutschland. (imago / upi-Foto)

Hierzulande spielt Religion meist eine untergeordnete Rolle, in weiten Teilen gar keine mehr. Ganz anders in Israel. Zwar beobachtet man auch dort eine Säkularisierung, im heiligen Land sind die Menschen aber deutlich frommer.


Von Stefanie Oswalt|Deutschlandradio Kultur

Ein Bild von Israel: Die Altstadt von Jerusalem. Im Schatten von Klagemauer, Felsendom und Grabeskirche wetteifern orthodoxe Juden mit Schläfenlocken und schwarzen Hüten, christliche Mönche und Priester unterschiedlichster Konfessionen und Muslime in ihrer Frömmigkeit.

Ein anderes Bild: Auch am Shabbat räkeln sich Bikini-Schönheiten am Strand von Tel-Aviv. In den Strandbars genießen Touristen wie Einheimische gleichermaßen Schinken und Shrimps – nach den traditionellen jüdischen Speisegesetzen unkoshere Lebensmittel. Zwischen diesen Polen bewege sich das religiöse Leben in Israel, schreibt der Historiker Michael Brenner von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Der Spezialist für jüdisches Leben im 20. Jahrhundert hat eine neue Studie über die Rolle der Religion in Israel geschrieben und ihr den Titel “eine gespaltene Gesellschaft” gegeben.

“Etwa 75 Prozent der israelischen Bevölkerung sind Juden. Gut die Hälfte von ihnen bezeichnet sich als säkular, ein knappes Viertel als traditionell, und ein weiteres Viertel als orthodox bis ultra-orthodox, von superzionistisch bis antizionistisch, von orientalisch bis europäisch geprägt aufgesplittert. Die arabische Bevölkerung macht ein knappes Viertel der Gesamtbevölkerung des Staates Israel aus. Etwa 84 Prozent von ihnen sind Muslime, darunter auch verschiedene Beduinengruppen, jeweils 8 Prozent der nichtjüdischen Bevölkerung sind Drusen oder Christen. Letztere gehören unter anderem den griechisch orthodoxen, syrisch orthodoxen, römisch-katholischen, protestantischen, melkitischen, armenischen, koptischen  und abessinischen Kirchen an.”

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Die Krise des Zionismus und die Ein-Staat-Lösung

Die Geschichte der Lösungsversuche der Palästina-Frage läuft auf die Minimierung der Rechte der Palästinenser hinaus. An der Frage des Rechtes auf Rückkehr und des Rechtes auf Selbstbestimmung wird dies besonders deutlich.


Von Ludwig Watzal|BETWEEN THE LINES

Seit den Verträgen von Oslo, die den so genannten Friedensprozess in Gang gesetzt haben, sind auch diese Rechte perdu. Die von der internationalen Staatengemeinschaft favorisierte Zwei-Staaten-Lösung an der Seite Israels ist ein Wunschtraum geblieben. “Alles deutet darauf hin, dass es überhaupt keine Lösung der Palästina-Frage geben wird, solange der Zionismus weiter besteht”, schreibt Petra Wild. In der Tat bildet diese Ideologie das zentrale Hindernis für eine Lösung des Nahostkonflikts zusammen mit der noch bedingungslosen Unterstützung des kolonialen zionistischen Siedlungsprojektes durch die USA und einige Staaten der Europäischen Union. Der Expansionismus bilde einen wesentlichen Teil der “Staatsräson” des Zionismus.
Das Buch besteht aus zwei Teilen. Im ersten werden Themen wie der Oslo-Prozess, der zionistische Siedlerkolonialismus, die Risse im zionistischen Konsens infolge der zweiten Intifada, der Libanonkrieg und die Gaza-Massaker, die zum Verlust des Mythos der Unbesiegbarkeit beigetragen haben, die demographische Krise und der Verlust einer israelisch-jüdischen Mehrheit auf dem Gebiet des historischen Palästina sowie die allmähliche Abkehr der US-amerikanischen und der europäischen Judenheit von Israel behandelt.

Die Autorin weist auf die Unvereinbarkeit zwischen Liberalismus und Zionismus hin. “Beautiful Israel” war immer eine Fata Morgana und hat sich zum “Albtraum” entwickelt. Der liberale Zionismus sei dem Untergang geweiht, da seine Vertreter sich entscheiden müssen zwischen zionistischen und liberalen Positionen. “Beides geht – trotz aller Verdrängungs- und Rationalisierungsversuche – nicht mehr zusammen. Heute kann kaum übersehen werden, dass das israelische Herrschaftssystem den Kriterien der Apartheid entspricht und für viele liberale Juden ist die Unterstützung eines solchen Systems der reinste Horror.” Diese “liberalen” Zionisten haben nur zwei Möglichkeiten, so Wild, entweder sie hören auf, liberal zu sein und bekennen sich offen zu Apartheid und ethnischer Säuberung, wie Benny Morris und Avi Shavit, oder sie hören auf, Zionisten zu sein. Das die Probleme erst mit der Restbesetzung Palästinas im Jahr 1967 begonnen hätten, sei ein Mythos und die Lebenslüge der so genannten liberalen Zionisten.

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Die dänische Gesellschaft und ihre Verwerfungen

Nach den Anschlägen gingen in Kopenhagen rund 30.000 Menschen gegen den Terror auf die Straße. (picture alliance/dpa/Britta Pedersen)

Nach den Attentaten in Kopenhagen diskutiert die dänische Gesellschaft, wie es so weit kommen konnte. Knud Romer ist ein intensiver Beobachter von Fremdenfeindlichkeit im eigenen Land. Ein Gespräch über den Einzeltäter von Kopenhagen und die historischen Hintergründe von Antisemitismus und Islamophobie in Dänemark.


Knud Romer im Gespräch mit Karin Fischer|Deutschlandfunk

Nach den Attentaten in Kopenhagen, bei dem ein Filmemacher und der Wachmann einer Synagoge erschossen wurden, diskutiert die dänische Gesellschaft, wie es so weit kommen konnte. Die Analysen reichen von der Selbstbezichtigung, das Land sei islam- und fremdenfeindlich gesinnt, über die üblichen Appelle, die eigenen freiheitlichen Werte nicht aufzugeben, bis zur Diskussionen um den Wert von Meinungsfreiheit, wenn man sich damit zur Zielscheibe von Extremisten macht. Die will die dänische Regierung mit einem millionenschweren Programm bekämpfen.

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Zentralrat der Juden spricht Deutschland “hohes Vertrauen” aus

Bild: brightsblog

Bild: brightsblog

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat “nach wie vor ein hohes Vertrauen” in die Bundesrepublik.


evangelisch.de

“Wir sind angekommen, wir bleiben. Wir leben hier unser jüdisches Leben”, sagte Zentralratschef Josef Schuster am Sonntag bei der Eröffnung der vierten Jüdischen Kulturtage im Rheinland in Düsseldorf. Unter dem Motto “angekommen – jüdisches (er)leben” präsentiert sich die Vielfalt der jüdischen Kultur bis zum 22. März unter anderem mit Ausstellungen, Filmen, Lesungen und Musik.

Die Kulturtage zeugten von einer “Einzigartigkeit, wie sie gerade entsteht, wenn sich über Jahrhunderte Kulturen immer wieder neu vermischt haben – ohne die eigene Tradition, die eigene Religion zu verlieren”, erklärte Schuster.

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Jüdische Heimat Bundesrepublik

Heinrich Böll, Theodor W. Adorno und Siegfried Unseld (v.l.n.r.) bei einer Veranstaltung gegen die Notstandsgesetzgebung im Mai 1968. Bild: dpa

Nach den Anschlägen in Paris und Kopenhagen fordert Netanjahu, Juden sollten nach Israel auswandern. Doch Europa ist und wird jüdisch bleiben.


Von Micha Brumlik|taz.de

Der israelische Premier Benjamin Netanjahu befindet sich im Wahlkampf und muss ernsthaft fürchten, im März abgewählt zu werden. Daher nutzt er jede Gelegenheit, sich ins rechte Licht zu setzen. Er schreckte daher auch nicht davor zurück, sich uneingeladen in die erste Reihe der großen Trauerdemonstration von Paris für die Opfer der islamistischen Mordtaten zu drängen.

Die Hinterbliebenen der ermordeten Juden bedrängte er, die sterblichen Überreste der Opfer in Israel beisetzen zu lassen. Die Juden Frankreichs rief er zur Auswanderung auf. Jetzt, nach dem tödlichen Anschlag in Kopenhagen und der Ermordung eines jüdischen Wachmanns, steigerte er seine Rhetorik noch und forderte die Juden ganz Europas auf, nach Israel auszuwandern – in Netanjahus anmaßenden Worten sei dies ihre Heimat.

Bei alledem ist die Wahrscheinlichkeit, in Israel einem terroristischen Attentat zum Opfer zu fallen, keineswegs geringer als in Frankreich oder Dänemark. Allerdings, so viel ist einzuräumen, sind aus Frankreich ausgewanderte Juden in Israel vor Anpöbeleien in Schulen und auf Straßen sicher – anders als in französischen Vorstädten. Auch in Deutschland wurde vor beinahe zwei Jahren ein Rabbiner mit seiner kleinen Tochter auf offener Straße angegriffen, im vergangenen Sommer wurden zum ersten Mal seit 1945 auf deutschen Straßen wieder offen judenfeindliche Hassparolen geschrien. Daher sind auch hierzulande nicht wenige jüdische Familien verunsichert, manche überlegen, das Land zu verlassen.

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“Jeder demokratische Staat muss im Grundsatz säkular sein”

Es ist der 9. Mai 2011, der Unabhängigkeitstag in Israel und ein orthodoxer Jude mit Hut telefoniert und blickt dabei auf den Boden, im Hintergrund die israelische Flagge, bestehend aus Lichterketten in der alten Stadt Jerusalem ( imago/UPI Photo)

In der Bertelsmann-Repräsentanz Unter den Linden in Berlin fand diese Woche eine Podiumsdiskussion statt, die der Rolle der Religion in Deutschland und in Israel noch einmal auf den Grund gehen wollte. Wir haben für Sie die Höhepunkte dieser Diskussion zusammengefasst


Moderation: Sebastian Engelbrecht|Deutschlandradio Kultur

Philipp Gessler: Am Montag fand in der Bertelsmann-Repräsentanz Unter den Linden in Berlin eine Podiumsdiskussion statt, die der Rolle der Religion in Deutschland und in Israel noch einmal auf den Grund gehen wollte. Es diskutierten Rabbiner Tuvia Ben-Chorin von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Professor Micha Brumlik vom Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg, Ellen Ueberschär, die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags sowie Professor Rainer Kampling vom Seminar für katholische Theologie der Freien Universität Berlin.

Moderiert hat die Diskussion Sebastian Engelbrecht vom Deutschlandradio. Wir haben für Sie die Höhepunkte dieser Diskussion zusammengefasst! Der Israel-Experte Stephan Vopel von der Bertelsmann Stiftung hat in den Abend eingeführt.

Stephan Vopel: Lassen Sie mich mit einer persönlichen Bemerkung beginnen! Es ist keineswegs selbstverständlich, denke ich, dass wir heute so miteinander sprechen können, Deutsche und Israelis. 70 Jahre nach dem Holocaust, 70 Jahre nach dem Kriegsende, 50 Jahre nach Aufnahme diplomatischer Beziehungen ist es meiner Meinung nach ein kleines Wunder, wie gut, wie eng und in großen Teilen wie vertrauensvoll die Beziehungen zwischen Deutschland Israel und letztendlich die Beziehungen zwischen vielen Deutschen und vielen Israelis sind. Und das ist ein bisschen wie das halb volle oder halb leere Glas Wasser und ich glaube, wir werden immer wieder auch diese beiden Facetten nebeneinander abwiegen. Wir stehen aber hier auf einem keineswegs sicheren und unerschütterlichen Boden.

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„Jüdisches Berlin“ aus Sicherheitsgründen künftig im Umschlag

Bild: brightsblog

Bild: brightsblog

Zum Schutz ihrer Mitglieder versteckt die Jüdische Gemeinde Berlin ihre eigene Zeitung künftig in einem neutralen Umschlag.


FOCUS ONLINE

Das gehöre zu den verstärkten Sicherheitsmaßnahmen, um die Wahrscheinlichkeit von Anfeindungen gegen Gemeindemitglieder zu reduzieren, schreibt der Vorsitzende Gideon Joffe im Vorwort zur aktuellen Ausgabe des Magazins „Jüdisches Berlin“. Mehrere Berliner Medien hatten über die Ankündigung berichtet. Mit Blick auf den antisemitischen Terroranschlag in Paris erklärte Joffe: „Noch, ich betone: noch, ist es nicht so weit, dass Juden in der Bundesrepublik Deutschland ermordet werden, nur weil sie Juden sind. Damit es jedoch nicht dazu kommt, müssen Maßnahmen ergriffen werden, die den demokratischen Rechtsstaat schützen.“ Das Gemeindeblatt wird den Mitgliedern monatlich per Post zugestellt. Bisher war der Titel von außen sichtbar.

Friedman: Gesellschaft muss begreifen, dass Judenhass Alltag ist

Bild: brightsblog

Bild: brightsblog

Nach Einschätzung von Fernsehmoderator Michel Friedman (58) ist das jüdische Leben in Deutschland und Europa seit Jahren immer stärker bedroht. «Es wird endlich Zeit, dass die Gesellschaft begreift, dass Judenhass – schamloser denn je – wieder zum europäischen Alltag geworden ist», sagte der frühere Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland der «Frankfurter Rundschau»


kath.net

Viele Menschen seien immer noch der Ansicht, alltägliche Phänomene wie Judenwitze, Hassparolen im Internet oder Verunglimpfungen gingen sie nichts an. «Juden werden beleidigt, bespuckt, geschlagen und getötet, nur weil sie Juden sind», so der Journalist. Ob das jüdische Leben in Deutschland eine Zukunft habe, hänge von der Reaktion der Mehrheitsgesellschaft ab.

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Mit Bibelversen gegen den IS-Terror – soll helfen

Bild: nationalreview.com

Bild: nationalreview.com

Nach der Ermordung 21 ägyptischer Christen durch die Terrorgruppe “Islamischer Staat” (IS) in Libyen hat die Ägyptische Bibelgesellschaft ein Faltblatt mit Bibelversen für die Christen ihres Landes herausgegeben.


evangelisch.de

Die Publikation soll an die biblische Botschaft von der Liebe Gottes, aber auch vom Leiden und der Hoffnung der Christen erinnern, teilte die Deutsche Bibelgesellschaft am Freitag in Stuttgart mit. Zitiert wird beispielsweise ein Jesus-Wort aus dem Johannes-Evangelium (Kapitel 16, Vers 2): “Es kommt aber die Zeit, dass, wer euch tötet, meinen wird, er tue Gott einen Dienst darum.”

Auf dem Faltblatt ist den Angaben zufolge ein Bild aus dem Video der Terrorgruppe zu sehen. Es zeigt die ägyptischen Christen in orangefarbenen Overalls, wie sie von den schwarz gekleideten und maskierten Tätern an einem Strand entlang geführt werden.

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Ultra-orthodoxer Aufklärungsfilm: “Heiliges Sperma”

Es ist ein Ringen mit dem eigenen Körper, ein Kampf gegen das Verlangen. Ein Teenager sitzt auf einer Bank, neben ihm sein Religionslehrer. Er habe gesündigt, sagt der Junge. Er fühle sich schuldig.


Von Alexandra Rojkov|stern.de

Der junge Mann hat nichts verbrochen, niemandem Schaden zugefügt. Sein Vergehen, das er dem Religionslehrer mit zittriger Stimme beichtet, besteht darin, dass er sich selbst berührt hat. Der Teenager gehört – ebenso wie sein Lehrer – dem ultra-orthodoxen Judentum an. In dieser religiösen Strömung ist Masturbation eine Sünde, sind unkeusche Blicke und Gedanken ein kaum verzeihlicher Fehltritt. Doch was tun, wenn man erwachsen wird und der Körper plötzlich das Verbotene begehrt?

Die Szene entstammt einer Dokumentation, die derzeit in Israel eine Debatte befeuert. In “Sacred Sperm” begleitet die Kamera den ultra-orthodoxen Vater Ori Gruder, der seinen zehnjährigen Sohn über Sexualität aufklären will. Dafür spricht er zum Beispiel mit einer Wissenschaftlerin, einem Rabbi und einem gläubigen Juden, der bald heiraten und zum ersten Mal mit einer Frau schlafen soll. Der Filmemacher will wissen: Was genau ist im Judentum verboten? Was erlaubt? Und wie widersteht man der Versuchung? Dass er diese Fragen öffentlich stellt, bricht ein Tabu – und könnte die Welt der Religiösen prägen.

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Salomos Tempel in São Paulo

Größer als die Kathedrale von São Paulo: der 55 Meter hohe Tempel, Bild: Jüdische Allgemeine

Evangelikale Christen haben das Jerusalemer Heiligtum nachgebaut


Von Klaus Hart|Jüdische Allgemeine

In Lateinamerikas Wirtschaftshauptstadt São Paulo hat die evangelikale »Universalkirche vom Reich Gottes« für umgerechnet mehr als 100 Millionen Euro eine beeindruckende Nachbildung des Jerusalemer Tempels von König Salomo errichtet. Zur Einweihung im Herbst kamen neben Staatschefin Dilma Rousseff die gesamte politische Führungsriege und die wichtigsten Repräsentanten der jüdischen Gemeinde des Tropenlandes.

Für die jüdische Gemeinde gibt es gewichtige Gründe, die für ein pragmatisch gutes Verhältnis zu den Evangelikalen sprechen. Claudio Lottenberg, Präsident der Israelitischen Konföderation Brasiliens (CONIB), macht aus seiner Bewunderung für den 55 Meter hohen Tempel – er ist deutlich größer als die Kathedrale von São Paulo – keinen Hehl. Der Gemeindechef nennt ihn »einzigartig und prachtvoll«, »einen Markstein für die Welt«. Der Universalkirche und ihrem religiösen Führer, Bischof Edir Macedo, sei ein großes Werk gelungen.

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Netanjahus Aufruf sollte Europäern zu denken geben

Vor der Synagoge in Kopenhagen, wo der Wachmann einer Bat-Mitzwa erschossen worden war, liegt ein Blumenmeer als Zeichen der Anteilnahme . AP

Premier Netanjahu fordert jüdische Europäer auf, nach Israel auszuwandern. Europa biete ihnen als Individuen keinen Schutz mehr. Der Kontinent verliert sein freiheitlich-demokratisches Gesicht.


Von Gil Yaron|DIE WELT

Mit seinem Aufruf, nach Israel auszuwandern, sagt Israels Premier Benjamin Netanjahu eigentlich nur, was der Zionismus seit jeher fordert: alle Juden der Welt in einem Staat zu einen. Vielen mag Netanjahus Aufforderung anachronistisch erscheinen – schließlich ist die Ära homogener Nationalstaaten längst vorbei.

Zudem wird die zionistische Definition der Juden als Nation, die zusammengehören wie Deutsche, Franzosen oder Italiener, der komplexen jüdischen Identität nicht gerecht: Viele mögen sich als Schicksalsgemeinschaft betrachten. Judentum ist aber mehr: Es ist Religion, Kultur, Geschichte, Tradition, alles das und nichts von alldem – nach jeweiliger individueller Gewichtung.

Am meisten empört Netanjahus Aufruf jedoch, weil er maßlos übertrieben scheint: Auch nach den Attentaten in Paris, Brüssel und Kopenhagen sterben in Israel mehr Menschen durch Terror als in ganz Europa.

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Israel: Hetzvideo vergleicht Europa mit Nazis

Ein israelisches Siedlerkomitee hat in einem Videoclip Europa mit den Nationalsozialisten und linksorientierte Israelis mit jüdischen Kollaborateuren verglichen.


Tageblatt.lu

Abgeordnete der linksliberalen Merez-Partei sowie die Friedensorganisation Peace Now forderten daraufhin polizeiliche Ermittlungen wegen Hetze, wie die israelische Zeitung “Haaretz” am Montag berichtete.

Das einen Monat vor den Parlamentswahlen veröffentlichte Video “Der ewige Jude” zeigt einen Mann namens “Herr Stürmer”. Der Mann, dessen Gesicht nicht zu sehen ist, liest eine Zeitung mit dem Titel “Hasmol” (hebräisch für die Linke), spricht mit starkem deutschen Akzent und lacht immer wieder teuflisch.

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Zentralratspräsident Schuster sieht keinen Grund für Auswanderung

Bild: brightsblog

Bild: brightsblog

Der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, sieht ungeachtet des tödlichen Anschlags auf den Wachmann einer Synagoge in Kopenhagen keinen Grund für die in Deutschland lebenden Juden, das Land zu verlassen.


evangelisch.de

“Ich halte jüdisches Leben in Deutschland weiterhin für möglich und sehe derzeit keinen Grund, warum Juden Deutschland verlassen sollten”, sagte Schuster der “Berliner Zeitung” (Dienstagsausgabe). Voraussetzung sei allerdings, dass jüdische Einrichtungen weiterhin gut geschützt würden, fügte er hinzu.

Schuster sagte, er vertraue sowohl der Bundesregierung als auch den Sicherheitsbehörden. Die Angst vor Terroranschlägen sollte möglichst kein Grund sein, das eigene Land zu verlassen. “Denn dann hätten die Terroristen schon eines ihrer Ziele erreicht”, sagte Schuster.

Nach dem tödlichen Anschlag von Kopenhagen war zu Wochenbeginn die Debatte über eine Auswanderung von Juden und die Sicherheit jüdischer Einrichtungen neu aufgebrochen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte den Juden in Deutschland ihre Unterstützung zu. Man werde alles dafür tun, dass die Sicherheit jüdischer Einrichtungen und die Sicherheit der Bürger, die jüdischer Herkunft sind, gewährleistet werde, sagte sie am Montag in Berlin.

Theologe Graf wirbt für differenziertes Islam-Bild

Theologe Friedrich Wilhelm Graf (picture alliance / dpa / Horst Galuschka)

Nach dem Attentat von Kopenhagen hat der evangelische Theologe Friedrich Wilhelm Graf vor Stimmungsmache gegen den Islam gewarnt.


evangelisch.de

“Der Islam ist in sich hochgradig differenziert”, sagte der emeritierte Professor für Systematische Theologie und Ethik am Montag im Deutschlandradio Kultur. Graf forderte, die Vielfalt und die demokratischen Traditionen im Islam sichtbar zu machen. Es gebe auch einen moderaten, an Aufklärung orientierten und demokratiekompatiblen Islam.

Unter anderem verwies er auf die Demokratie mit islamischer Prägung auf den Philippinen. Er fügte hinzu: Genauso wie es Vielfalt in der Gesellschaft gebe, gebe es diese auch in den Religionen: “Begriffe wie das Christentum, das Judentum, der Islam sind im Kern wenig hilfreich.” Alle drei Religionen seien in sich hochgradig differenziert. “Es gibt nicht das Christentum, es gibt viele Christentümer. Und dasselbe gilt für das Judentum und den Islam”, sagte der Theologe.

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