Netanyahus Verteidigungsminister tritt zurück und fordert Neuwahlen

Avigdor Lieberman wirft seinem Regierungschef eine «Kapitulation vor dem Terror» vor. (Bild: Atef Safadi / EPA)
Avigdor Lieberman war stets für eine harte Linie gegenüber der Hamas eingetreten. Nun kritisiert er Netanyahu dafür, vor dem Terror kapituliert zu haben. Der Ministerpräsident will sich verteidigen.

Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Spät kam er, früh geht er. Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman, der der Koalition von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erst ein gutes Jahr nach der Wahl von 2015 beigetreten war, verlässt sie vorzeitig. Der in der Sowjetunion geborene Politiker gab am Mittwoch bekannt, er und alle Mitglieder seiner Partei Israel Beitenu (Unser Haus Israel) träten aus der Regierungskoalition aus. Netanyahu habe «vor dem Terror kapituliert», diese Politik wolle er nicht länger mittragen. Gleichzeitig regte Lieberman an, so schnell wie möglich Wahlen abzuhalten. Wie aus dem Likud-Block Netanyahus verlautete, wird der Ministerpräsident vorerst den Posten des Verteidigungsministers übernehmen.

«Kurzsichtige Politik»

Lieberman betonte, er habe sich stets loyal verhalten und Differenzen nicht nach aussen getragen, obwohl ihm das bei den Wählern Punkte gebracht hätte. Das ist richtig. Doch natürlich konnten die tiefen Zerwürfnisse in der Koalition niemandem verborgen bleiben. Lieberman befürwortete ein hartes Vorgehen gegen die Hamas.

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Intensiver Raketenbeschuss gegen Israel

Themenbild. Plakat in Gaza
Über 200 Geschosse innert drei Stunden gegen Israel. Total fielen gestern über 400 Raketen.

Jacques Ungar | tachles.ch

Bei der Beschiessung mit palästinensischen Raketen starb in Ashkelon ein Mann, elf Personen wurden verletzt. Total zählte man bis Dienstagmorgen 54 israelische Verletzte, einer von ihnen lebensgefährlich. Nach der ausgedehnten, verlustreichen Kampftätigkeit mit einem israelischen Toten und mindestens sieben palästinensischen Opfer zwischen der Hamas und IDF-Truppen in der Nacht zum Montag setzte sich die Konfrontation nach einer kurzen Verschnaufpause am Montagmorgen gegen den späteren Nachmittag und bis in die Abendstunden wieder fort. Von den über zweihundert Raketen, welche die Hamas zwischen 16.30 Uhr und 19.30 Uhr gegen Israel abfeuerte, konnte das «Iron Dome»-Abwehrsystem einen beachtlichen Teil unschädlich machen, doch eine hermetische Abschottung ist unmöglich. So wurde bei einem Direkttreffer auf einen israelischen Autobus ein 19-jähriger Junge von einer Mörsergranate lebensgefährlich verletzt. Rund 50 IDF-Soldaten hatten insofern Glück als dass sie das Gefährt kurz vor dem Beschuss verliessen.

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Der Antijudaismus der Klassiker

Das Holocaust-Mahnmal in Berlin erinnert an die rund 6 Millionen Juden, die von den Nazis ermordet wurden. Dass die systematische Verdrängung des Judentums eine wesentliche Ursache des Mordes an den europäischen Juden war, ist die These des Buches von Bernd Witte, der auch Goethe und Schiller in Haft nimmt. Foto: afp
Bernd Wittes Analyse der Verdrängung der jüdischen Tradition durch die Begeisterung für die griechische Antike.

Von Micha Brumlik | Frankfurter Rundschau

„Es gibt drei Hügel“ – so der erste Präsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss 1950 in Heilbronn, „von denen das Abendland seinen Ausgang genommen hat: Golgatha, die Akropolis in Athen, das Capitol in Rom. Aus allen ist das Abendland geistig gewirkt, und man darf alle drei, man muss sie als Einheit sehen.“

Damals, 1950, war noch nicht in Abwehr des Islam vom „jüdisch-christlichen Abendland“ die Rede, weshalb Theodor Heuss auch „Golgatha“, den Ort der Kreuzigung Jesu erwähnte und nicht den „Zion“, der für Kultur und Glaube des Judentums steht.

Bernd Witte nimmt Goethe und Schiller in Haft

Dass die systematische Verdrängung des Judentums und seines Glaubens an einen transzendenten, Weisung gebenden Gott eine wesentliche Ursache des Mordes an sechs Millionen europäischer Juden durch den Nationalsozialismus war, ist die bestens begründete Generalthese eines soeben erschienen Buches. Der Düsseldorfer Germanist Bernd Witte, seines Zeichens Herausgeber der gesammelten Werke des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber, nimmt die jüngst bekannt gewordenen „Schwarzen Hefte“ Martin Heideggers mitsamt ihren antisemitischen Passagen zum Anlass für eine weitreichende These: will er doch nicht weniger nachweisen, als „dass Heideggers Denken, das bis heute noch immer von vielen Intellektuellen als Höhepunkt der Philosophie des 20. Jahrhunderts angesehen wird, nach 1933 nur eine epigonale und politisch aktualisierte Fortführung der Tradition des deutschen Idealismus und seines Antijudaismus ist …“

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Potsdam soll neue Synagoge bekommen: Seit Jahren geplant

Synagoge in Berlin. Themenbild Bild: bb
Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam wird 80 Jahre nach den NS-Novemberpogromen eine neue Synagoge bekommen. Das teilte die Staatskanzlei am Montag mit. Das Land Brandenburg wird den Bau unterstützen.

DOMRADIO.DE

Am Montag teilte die Staatskanzlei mit: Die Landesregierung werde in den kommenden Jahren in der Innenstadt ein zur Nutzung als Synagogen- und Gemeindezentrum geeignetes Gebäude errichten. Die Jüdische Gemeinde Potsdam und die Potsdamer Synagogengemeinde werden das Zentrum nach der Fertigstellung gemeinsam als Israelitischer Kultusgemeindebund Potsdam betreiben, wie es hieß. Die Pläne sollen am Mittwoch vorgestellt werden.

Land unterstützt Bau der Synogoge

Der Bau einer neuen Synagoge in Potsdam wird bereits seit Jahren geplant, die Finanzierung will das Land sichern. Das Bauprojekt wurde jedoch 2011 von der Landesregierung gestoppt, weil sich die verschiedenen jüdischen Gemeinden nicht über die Gestaltung und die Nutzung der Synagoge einigen konnten.

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„Muslim-Markt“: Außenposten des Mullah-Regimes in Deutschland

Themenbild.
Das Internetportal ‚Muslim-Markt‘ wirkt auf den ersten Blick wie ein Bauchladen für alles, was Muslime gebrauchen können. Da gibt es unter anderem eine Liste mit Halal-Restaurants in Deutschland, ein eigenes Halal-Siegel für Unternehmen, Halal-Reisen und Gelatine. (…) Alles auf Deutsch.

mena-watch

‚Muslim-Markt‘ bezeichnet sich selbst als ‚Startpunkt zum Islam für deutschsprachige Gläubige‘. Das ist alles erst einmal unverdächtig und für Muslime in Deutschland ein durchaus sinnvolles Angebot.

Doch auf dem Portal gibt es noch mehr: Propaganda für das iranische Mullah-Regime. Da kann man Reden des iranischen Führers der ‚islamischen Revolution‘ Imam Chamenei auf Deutsch finden, den Brief des Imam ‚an die Jugend in Europa und Nordamerika‘ sowie den Internetsender ‚Muslim TV‘. Über den werden Verlautbarungen des iranischen Regimes auf Deutsch verbreitet. Wirkt wie ein Außenposten der Mullahs in Deutschland. (…)

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Ausgewiesen! Berlin, 28.10.1938

Nürnberg, Ausweisung polnischer Juden. Bild: Bundesarchiv, Bild 146-1982-174-27 / Großberger, H. / CC-BY-SA 3.0
In diesen Tagen jährt sich zum 80ten Mal eine weitgehend vergessene Aktion, mit der NS-Deutschland die Grenzen des Unrechts austestete. Heute, wo der Faschismus für die Märkte wieder eine Option ist, ist es notwendig, sich zu erinnern.

Peter Nowak | TELEPOLIS

„Die Aktion wurde von der Polizei mit großer Brutalität durchgeführt. Den unglückseligen Opfern wurde kaum Zeit gelassen, ihre Bündel mit den dürftigen Habseligkeiten zusammenzupacken…. Mütter mit kleinen Kindern stolperten und vielen die Treppe hinunter. Gepäckstücke, notdürftig in Minutenfrist zusammengebündelt, fielen auseinander und gossen ihren Inhalt über die Straße. Greise und Krüppel wurden roh in die bereitgestellten Polizeiautos gestoßen. Es war ein Bild des Grauens.“

So beschrieb ein Betroffener eine Judendeportation, die sich in diesen Tagen zum 80ten Mal jährt und doch in der Geschichtsschreibung und der öffentlichen Aufmerksamkeit weitgehend vergessen ist.

Es handelt sich um eine Aktion, die mit der falschen Bezeichnung „Polenaktion“ in die Geschichte einging, der Begriff wird heute mit Recht nur noch in Anführungsstrichen gesetzt. Denn es war das NS-Regime, das am letzten Oktoberwochenende 1938 über 17.000 Menschen aus ihren Wohnungen verschleppte und an die polnische Grenze deportierte. Die oben zusammengefasste Schilderung von Abraham Szanto zeigt deutlich, mit welcher Brutalität und Menschenverachtung diese Deportation von den willigen deutschen Vollstreckern ins Werk gesetzt wurde.

Betroffen waren vor allem jüdische Migrantinnen und Migranten, die aus Polen nach Deutschland eingereist waren. Für viele war Berlin ein Sehnsuchtsort, auch wenn sie dort überwiegend ein sehr kümmerliches, heute würde man sagen: prekäres Leben hatten, zogen viele es doch der Armut und den Verfolgungen in den osteuropäischen Ländern vor. Deswegen war Berlin der Ort, von dem vor 80 Jahren ein Großteil der Menschen deportiert wurde. Aber auch aus vielen anderen größeren und kleineren Orten Deutschlands wurden die Jüdinnen und Juden an die polnische Grenze deportiert.

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Leben nach dem Tod: Das sagen die Weltreligionen

Bild: bb
Der Tod ist nicht das Ende – da sind sich die Weltreligionen einig. Was alle Religionen eint und was sie trennt.

kurier.at

Selbst die spanischen Missionare sind daran gescheitert – den Einheimischen Día de los Muertos auszutreiben. Schließlich hatten schon die Azteken in prähistorischer Zeit das fröhliche Totengedenken zelebriert. Bis heute ist ganz Lateinamerika der Meinung, dass in den Nächten des 1. und 2. Novembers die Toten für ein paar Stunden zu Besuch aus dem Jenseits kommen. Dafür werden sie im Diesseits mit viel Tamtam begrüßt und mit ihrem Lieblingsessen gestärkt.

Die Kirche arrangierte sich damit und legte Día de los Muertos mit ihren eigenen Totengedenktagen Allerheiligen und Allerseelen zusammen – die Idee vom Leben nach dem Tod als Brücke zwischen den Religionen. Schließlich hat die UNESCO den Feiertag sogar zum „Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit“ ernannt.

Bis heute ist man in Mexiko besonders konsequent in dem Glauben, dass der Tod der Anfang für ein neues Leben in einer anderen Welt ist. Wobei: Das Konzept ist allen Weltreligionen gemeinsam, wie Gerald Hödl, Religionswissenschaftler an der Universität Wien, erklärt: „Totengedenken ist weit verbreitet, und Speiseopfer kennen zum Beispiel auch die Buddhisten.“

Hödl unterscheidet zwischen den sogenannten abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) und den Religionen indischen Ursprungs (Hinduismus und Buddhismus), „weil es da ganz unterschiedliche Zeitvorstellungen gibt. Die abrahamitischen Religionen kennen einen Anfang – als Gott die Welt schuf – und ein Ende – das hohe Gericht. Dementsprechend herrscht hier die Idee vor, dass man einmal lebt und am Ende der Tage die Toten auferweckt werden.“

In den indischen Religionen dagegen dominiert die Idee des Karma – das Handeln eines Lebewesens hat Konsequenzen für zukünftige Existenzen – und die Wiedergeburt.

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Pittsburgh: Befremdliches rabbinisches Wortgeplänkel

Synagoge in Berlin. Themenbild Bild: bb

Ist Etz-Chaim eine Synagoge oder nicht?

tachles.ch

Ins Feuer der Kritik geraten ist David Lau, der aschkenasische Oberrabbiner von Israel. In einem Interview weigerte er sich am Sonntag, einzugestehen, dass das Massaker von Pittsburgh sich in einer Synagoge zugetragen hat. Auch die ultra-orthodoxen Zeitungen Israels weigerten sich, in ihren Berichten davon zu schreiben, dass das Attentat sich in einem jüdischen Gotteshaus zugetragen hatte. Etz-Chaim ist eine konservative Gemeinde, und die Orthodoxen anerkennen nicht-orthodoxe Bewegungen bekanntlich nicht.

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Rabbiner fordert mehr politische Predigten

Bild: bb
Der Rabbiner Gabor Lengyel aus Hannover hat Pastoren und Rabbiner aufgefordert, verstärkt politische Predigten gegen Rassismus zu halten.

evangelisch.de

„Nach den Ausschreitungen in Chemnitz, eine Predigt zu halten über die Liebe und den Glauben, ohne auf Chemnitz einzugehen, ist eine Sünde“, sagte Lengyel am Dienstagabend in Hannover bei einer Veranstaltung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers zum Reformationstag (31. Oktober). „Wenn in unserer Gesellschaft Grundsätzliches ins Rutschen gerät, kann ein Pastor oder Rabbiner nicht schweigen.“

Gemeinsam mit Landesbischof Ralf Meister sprach Lengyel bei der Veranstaltung „Was gesagt werden muss. Reformation und Judentum“, die künftig jedes Jahr am Vorabend des Reformationstages in der evangelischen Marktkirche stattfinden soll.

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Haben Hamster eine Seele?

Katzensegnung in Moskau am Welttag des obdachlosen Tiers. (imago stock&people/Mikhail Tereshchenko/TASS)
Sind auch Tiere Kinder Gottes? Das hängt von der Glaubensrichtung der Menschen ab. Buddhisten achten sogar Kleinstlebewesen, Hindus bringen Gottheiten blutige Tieropfer. Das Christentum überdenkt seine Haltung, davon zeugt die Enzyklika „Laudato Si“.

Von Michael Hollenbach | Deutschlandfunk Kultur

In der Schöpfungsgeschichte des Alten Testament heißt es in Genesis 1 Vers 29: „Gott segnete Mann und Frau und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen.“

Und bereits in Vers 1 steht zu lesen: „Furcht und Schrecken vor euch soll sich auf alle Tiere der Erde legen, auf alle Vögel des Himmels, auf alles, was sich auf der Erde regt, und auf alle Fische des Meeres; euch sind sie übergeben. Alles Lebendige, das sich regt, soll euch zur Nahrung dienen.“

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Erzapostel: Antichristliche Prägung in Israel verhindern

Bild: kathpress
Die religiöse Rechte in Israel wird nach Einschätzung von Erzbischof Pierbattista Pizzaballa strikter in der Ablehnung von Nicht-Juden.

kathpress

In einem „gewissen ultraorthodoxen israelischen Ambiente“ habe es immer eine gewisse Feindseligkeit gegenüber dem Christentum gegeben, sagte Pizzaballa, Apostolischer Administrator des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, am Mittwoch im Interview des Portals „katholisch.de“. Nach jüngsten Vandalismus-Fällen sei insbesondere die Erziehung gefordert. „Man muss eine antichristliche Prägung verhindern.“

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Die religiöse Praxis des Schächtens

AP/PETER DEJONG
Hitzigen Diskussionen über das Schächten, das rituelle Schlachten von Tieren, sind in den vergangenen Monaten gleich in mehreren Ländern Europas entbrannt. In Österreich wurde im Sommer über eine Eindämmung des Schächtens – aus Tierschutzgründen, wie es hieß – debattiert, in Italien liegen derzeit zwei konkrete Gesetzesvorschläge zu einem kompletten Verbot dieser religiösen Praxis auf dem Tisch. Auch in Belgien hat das Schächten die Gerichte beschäftigt, was eine strengere Regelung zur Folge hatte.

Ö1

Halal Fleisch ist gefragt auf einem Markt im 15. Wiener Bezirk. Verschiedene Stücke vom Rind und vom Kalb, Hühnerfüße und Lammköpfe werden hier feilgeboten, für 2 Euro pro Stück. Für die Suppe eignen sich die gut, sagt der Fleischer, die Zunge sei auch sehr zu empfehlen.

Nach Angaben der Islamischen Glaubensgemeinschaft sind sechs österreichische Schlacht-Betriebe halal-zertifiziert. Es gebe durchaus kleinere Betriebe, in denen Muslime für Muslime schächten, so Enis Buzar, Halal-Beauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreich. Doch meistens sei es so, dass Schlachthöfe, die schächten, auch sozusagen normal schlachten. In diesen Großbetrieben werde meist maschinell rituell geschlachtet.

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Keine Ausstellung zum Nahostkonflikt in Kölner Kirche

So sollte es sein.
In der Kölner Lutherkirche wird eine ursprünglich für Oktober angekündigte Ausstellung zum Nahostkonflikt zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten nicht gezeigt.

evangelisch.de

Für die Präsentation der Wanderausstellung „Frieden ist möglich – auch in Palästina“, die von Elisabeth Gollwitzer in Nürnberg konzipiert wurde, seien im Vorfeld die entsprechenden Gremien von Gemeinde und Kirchenkreis nicht miteinbezogen worden, begründete der Superintendent des Kirchenkreises Köln-Mitte, Rolf Domning, am Mittwoch die Absage.

Bereits im Jahr 2012 sei in der Kölner Lutherkirche eine Ausstellung zur sogenannten Nakba geplant gewesen, erklärte der Superintendent. Der Begriff bezeichnet im arabischen Sprachgebrauch die Flucht und Vertreibung von arabischen Palästinensern im Jahr 1948 im Rahmen der Staatsgründung Israels. Damals habe sich die Gemeindeleitung, also das Presbyterium, gegen die Ausstellung „Nakba“ ausgesprochen, erläuterte Domning. Vor sechs Jahren seien Formulierungen Hintergrund der Kritik und der Absage durch das Presbyterium gewesen, „die eine einseitige und unzureichend reflektierte Schuldzuweisung gegenüber Israel befürchten ließen und damals wie heute auch noch antisemitische Tendenzen verstärken könnten“.

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„Juden in der AfD“ – Partei spricht von „historischer Bedeutung“

In Wiesbaden wurde der Verband Juden in der AfD gegründet Quelle: dpa/Frank Rumpenhorst

In Wiesbaden hat sich der Interessensverband „Juden in der AfD“ gegründet. Ein „Glücksfall“, findet die Parteiführung, die ihn als Argument gegen Kritik nutzen will. Doch ein wichtiges Dokument hält die neue Gruppierung geheim.

Von Ricarda Breyton | DIE WELT

Eigentlich reist Emanuel Krauskopf nicht gerne. Er fühle sich mit seinen 69 Jahren zu alt, sagt er. Außerdem habe er wenig Energie, weil er unter der Woche noch arbeite. An diesem Sonntagmorgen setzte er sich trotzdem in einen Zug von Berlin nach Wiesbaden. Krauskopf wollte bei der Gründung der Gruppe „Juden in der AfD“ (JAfD) dabei sein. Schließlich hatte er ein Jahr lang darauf hingearbeitet.

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Die Shoah als „Vogelschiss“

© Michael Schick (Michael Schick), FR
Juden und Muslime sind in der AfD willkommen, wenn sie die richtige Gesinnung haben und die Shoah für einen „Vogelschiss“ halten. So geht Religionsfreiheit in der AfD. Ein Kommentar.

Von Stephan Hebel | Frankfurter Rundschau

Vor Jahren gab es den Spruch „Ich habe nichts gegen Neger, ich habe auch einen zu Hause“. Das war als Spitze gemeint gegen Leute, die Minderheiten akzeptieren – allerdings nur solche, die sich gefälligst unterordnen.

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Eine Alternative für Juden?

Bild: © dpa/Frank Rumpenhors
Mehrere jüdische Parteimitglieder wollen an diesem Sonntag in Wiesbaden eine eigene Vereinigung „Juden in der AfD“ gründen. Schon im Vorfeld sorgt die geplante Gruppe bundesweit für Irritationen und heftige Kontroversen. Was ist das Ziel der „Juden in der AfD“? Und wer gehört der Vereinigung an?

Von Steffen Zimmermann | katholisch.de

Anfangs dachten wohl die meisten an einen Scherz. Doch an diesem Sonntag will die AfD tatsächlich einen Arbeitskreis für jüdische Parteimitglieder gründen. „Juden in der AfD“ nennt sich die Vereinigung, die schon vorab für Kopfschütteln und harsche Kritik gesorgt hat.

Zuletzt warnten am Donnerstag 17 jüdische Organisationen und Verbände vor der Partei. In einer gemeinsamen Erklärung, der sich unter anderen der Zentralrat der Juden in Deutschland, der Bund traditioneller Juden und die Allgemeine Rabbinerkonferenz angeschlossen haben, heißt es: „Die AfD ist eine Partei, in der Judenhass und die Relativierung bis zur Leugnung der Schoah ein Zuhause haben. Die AfD ist antidemokratisch, menschenverachtend und in weiten Teilen rechtsradikal.“ Die Partei versuche zwar, mir ihrer vermeintlichen Verbundenheit mit Israel und ihrer angeblichen Sorge um die Sicherheit der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland zu punkten. Doch die Partei sei „ein Fall für den Verfassungsschutz, keinesfalls aber für Juden in Deutschland“.

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Knobloch: AfD ist trotz jüdischer Mitglieder antisemitisch

Bild: bb
Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, fühlt sich bei den Erfolgen der AfD an den Aufstieg der NSDAP in der Weimarer Republik erinnert. „Wir stehen vor einem Ungetüm“, sagte die 85-Jährige in einem Interview des Hamburger Nachrichtenmagazins „Spiegel“. Zum ersten Mal habe eine Partei den Einzug in den Bundestag geschafft, „deren Programm sich zusammenfassen lässt mit den Worten: Juden raus“. Man könne die AfD nicht anders als Nazipartei nennen.

evangelisch.de

Trotz jüdischer Parteimitglieder sei die AfD antisemitisch und propagiere ein Programm, das jüdisches Leben unmöglich mache. Die Partei sei gegen die rituelle Beschneidung und gegen das Schächten von Schlachttieren. „So wie ein Mensch jüdische Freunde haben und trotzdem ein Antisemit sein kann, so sind jüdische Mitglieder noch längst keine Gewähr dafür, dass eine Partei nicht antisemitische Tendenzen aufweist“, sagte die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. AfD-Politiker wollen an diesem Sonntag in Wiesbaden die Vereinigung „Juden in der AfD“ gründen.

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Jüdischer Publizist über geplanten Arbeitskreis „Juden in der AfD“: „Nicht mit den Werten vereinbar“

Bild: bb
Die AfD zeigt sich gern als „judenfreundliche“ Partei und will einen Arbeitskreis für jüdische Parteimitglieder gründen. Doch immer wieder gibt es auch antisemitische Provokationen. Wie passt das zusammen? Und warum gehen Juden in die AfD?

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Verstehen Sie das Phänomen?

Günther Ginzel (Jüdischer Journalist und Publizist, seit Jahrzehnten schreibt er über das jüdische Leben in Deutschland): Nein, das verstehe ich überhaupt nicht. Wir haben vor kurzem noch den Vorsitzenden der Partei gehört, der das Dritte Reich einen Vogelschiss nannte. Wenn man so über eine Geschichte spricht, die 50 Millionen Menschen das Leben gekostet hat, dann geht mir das nicht in den Kopf, wie man überhaupt als normal denkender Mensch sich mit der AfD abgeben kann.

DOMRADIO.DE: Ein Hauptmotiv, den Verein zu gründen, sei der Antisemitismus durch Muslime. Jetzt ist zahlenmäßig aber der muslimische Antisemitismus in Deutschland nicht so groß, wie der von Rechtsradikalen. Wird hier nicht ein Problem geschürt und aufgebauscht?

Ginzel: Es gibt unter Muslimen zweifelsohne Antisemitismus. Sie sind meist schon mit einer antijüdischen Propaganda aufgewachsen. Das ist ein Problem. Das ist auch eine Gefahr. Ich werde mich hüten, das zu minimieren. Aber wenn wir davon sprechen, was jetzt im Moment jüdische Menschen gefährdet, dann sind es deutsche Neonazis, die immer radikaler werden. Sie marschieren etwa völlig offen durch Wuppertal – mit der Parole: „Wer Deutschland liebt, ist Antisemit.“ So weit sind wir gekommen und das waren keine muslimischen Flüchtlinge.

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„Primitiver Aberglauben“: Einsteins legendärer „atheistischer Gottesbrief“ wird versteigert

In dem Schreiben äußerte sich der Physiker kritisch über Gott, die Bibel und das Judentum. Nun kommt der Brief wieder unter den Hammer

Klaus Taschwer | derStandard.de

Wenn es um Gott und Einstein geht, denken viele vermutlich an sein Diktum „Gott würfelt nicht“. Ein anderer, oft zitierter Sager des großen Physikers lautet gar: „Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“ Doch auch wenn sich Einstein zum Zionismus und zum Judentum bekannte und er sogar gefragt wurde, zweiter Präsident Israels zu werden, so war er alles andere als ein gläubiger Jude.

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Weibliche Genitalverstümmelung: Ein religiöses Recht?

Narendra Modi.

In Indien stärkt Premierminister Narendra Modi muslimische Befürworter von Genitalverstümmelung (FGM). Ein schwerer Rückschlag für die Kampagnen zur Beendigung dieser Praxis in der islamischen Welt.

Von Thomas von der Osten-Sacken | mena-watch

Fast ein Jahrzehnt hat es gedauert, bis sich in Kreisen der UN und anderer Organisationen die Erkenntnis durchsetzte, dass die bisher publizierten Zahlen über Mädchen und Frauen, die weltweit Opfer von Genitalverstümmelung sind, viel zu niedrig angesetzt waren. 120 Millionen seien es, hieß es damals in sämtlichen Stellungnahmen und Erklärungen. Dabei richtete sich der Fokus fast ausschließlich auf den afrikanischen Kontinent. Irgendwann konnte man die Augen nicht mehr vor der Tatsache verschließen, dass FGM auch in unzähligen nahöstlichen und südostasiatischen Ländern praktiziert wird. Den Ausschlag gab eine von der Hilfsorganisation Wadi initiierte Kampagne im Nordirak. Inzwischen musste UNICEF deshalb seine Zahlen nach oben korrigieren und spricht inzwischen von 200 Millionen Mädchen.

Auch diese Zahl dürfte noch zu niedrig sein, weigert sich die Organisation doch Länder in ihre Listen aufzunehmen, aus denen keine von Regierungsseite bestätigten Daten vorliegen. In vielen Fällen weigern sich Regierungen schlicht über dieses Thema auch nur zu reden und behindern Frauen- und Menschenrechtsorganisationen, die versuchen, entsprechende Daten zu sammeln. Oman ist dafür ein gutes Beispiel: Unter schwierigsten Bedingungen wurden dort zwei kleine Studien durchgeführt, die verheerende Resultate erbrachten. Fast ALLE Frauen dort seien verstümmelt. Und doch taucht Oman auf keiner Karte derjenigen Länder auf, in denen FGM praktiziert wird. Die Liste lässt sich weiterführen. Längst bekannt ist, dass FGM etwa im Iran, in Pakistan, Indien, den Malediven, in Singapur, Malaysia und Indonesien praktiziert wird. Und auch aus anderen Ländern liegen Hinweise vor, denen dringend nachgegangen werden müsste.

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