„Yolocaust“ : Touristen, die auf Toten tanzen

Shapira: Höcke soll sich das mal anschauen und reflektieren, was er da in Dresden so über Erinnerungskultur gesagt hat. Foto: screenshot
Shapira: Höcke soll sich das mal anschauen und reflektieren, was er da in Dresden so über Erinnerungskultur gesagt hat. Foto: screenshot
Der Berliner Autor und Satiriker Shahak Shapira entlarvt das Verhalten von Touristen am Holocaust-Mahnmal in Berlin und erntet viel Aufmerksamkeit

Frankfurter Rundschau

Der Berliner Autor und Satiriker Shahak Shapira (28) hat mit einer entlarvenden Website über das Verhalten von Touristen am Holocaust-Mahnmal in Berlin einen Internet-Hit gelandet. Die Seite „Yolocaust.de“ sei am Mittwochmittag online gegangen und in den ersten zwölf Stunden mehr als 500 000 mal aufgerufen worden, teilte Shapiras Agentin am Donnerstag mit. Das Wort „yolocaust“ setzt sich aus dem Hashtag YOLO (You Only Live Once/Du lebst nur einmal) und Holocaust zusammen.

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Zerstörung von Beduinendorf in Israel: Kein Ort zum Leben

Bedouins cry following the destruction of houses on January 18, 2017 in the Bedouin village of Umm al-Hiran. (AFP PHOTO / MENAHEM KAHANA) The Times of Israel
Bedouins cry following the destruction of houses on January 18, 2017 in the Bedouin village of Umm al-Hiran. (AFP PHOTO / MENAHEM KAHANA)/ The Times of Israel
Israel räumt ein Beduinendorf, um Platz zu machen für ein jüdisches. Die arabische Minderheit sieht die Zerstörung des Ortes als weiteren Beleg für ihre Diskriminierung. Ein tödlicher Zwischenfall verschärft die Lage.

Von Christoph Sydow | SpON

Das Dorf, über das Israel streitet, besteht nur aus ein paar Dutzend Häusern. Rund tausend Menschen leben in Umm al-Hiran, einem kleinen Fleck am Rande der Negev-Wüste. Ihre Häuser, manche sind kaum mehr als Blechhütten, sind weder an das Wasser- noch an das Stromnetz angeschlossen.

Umm al-Hiran ist eine von 46 Beduinensiedlungen in Israel, die nicht offiziell anerkannt werden. Israels Oberster Gerichtshof hat deshalb die Zerstörung des Dorfes angeordnet. Die arabischen Beduinen sollen Platz machen für ein jüdisches Dorf, das der Staat an gleicher Stelle errichten will. Ihre neue Heimat soll das Dorf Hura werden, ein erst 1989 gegründeter Ort, in das Stück für Stück die Bewohner der illegalen arabischen Dörfer im Negev übersiedeln sollen.

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Fear and loathing in Umm al-Hiran

While most Israelis were coping with another ‘terror attack’ in which a policeman was killed, at the partly demolished Bedouin village a very different narrative held sway

By Dov Lieber | The Times of Israel

Something smelled rotten. I couldn’t tell if it was the dried blood on Joint (Arab) List leader MK Ayman Odeh’s shirt, or the dead dog lying on the side of the desert road.

It was around 10 a.m. Wednesday, and we were at a roadblock where police were preventing anyone from getting through. Not even Odeh himself, who earlier in the morning was hit in the head by what he said was a sponge-tipped bullet, the police said was an errant rock thrown by Bedouin protesters, and the doctors at the hospital said they couldn’t say for sure.

There had already been two fatalities, and police didn’t want any more problems before they finished demolishing about a dozen homes and shacks in the unauthorized Bedouin village of Umm al-Hiran, around a mile off in the distance.

Hours earlier, pre-dawn, a 47-year-old local schoolteacher named Yaqoub Mousa Abu Al-Qia’an drove his car into a group of police officers, killing 1st Sgt. Erez Levi, 34.

The police and Israel’s government were quick to call the incident another terrorist ramming attack, like the attack last week in Jerusalem that killed four Israeli soldiers. And just like the Jerusalem attacker, Al-Qia’an was immediately said to have ties to an Islamist group, and this explained why he went out to commit an attack.

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Judenbücherstreit: „Verbrennt nicht, was ihr nicht kennt …“

Reuchlin und Pfefferkorn läuten die Reformation durch einen Kampf um das Schrifttum der Juden ein (Tobias Felber / dpa)
Reuchlin und Pfefferkorn läuten die Reformation durch einen Kampf um das Schrifttum der Juden ein (Tobias Felber / dpa)
Anfang des 16. Jahrhunderts, wenige Jahre vor Luther kam es zu einem Intellektuellen-Disput: der sogenannte Judenbücherstreit. Johannes Pfefferkorn, vom Juden- zum Christentum konvertiert, forderte, jüdische Schriften sollten verbrannt werden. Der Hebraist Johannes Reuchlin konterte. Flugschriften entstanden – und das neue Medium Buchdruck erstmals offensiv genutzt.

Von Kirsten Serup-Bilfeldt | Deutschlandfunk

Ein geselliger Abend unter Freunden. Im Schein unzähliger Kerzen schimmern Pokale mit Wein, tragen Diener Schüsseln mit Braten und Körbe mit Früchten und Gebäck herein. Schließlich will man dem deutschen Gast den Aufenthalt so angenehm wie möglich machen.

Reuchlins Interesse an der hebräischen Sprache wird geweckt

An diesem Herbstabend des Jahres 1490 hat sich im gastlichen Haus des Philosophen Pico della Mirandola in Florenz eine kleine Schar illustrer Gäste eingefunden. Unter ihnen der Grieche Elia Del Medigo, der in Florenz Philosophie lehrt und ein Deutscher – der Doktor Johannes Reuchlin aus Tübingen. Für den ist diese italienische „Bildungsreise“ die Erfüllung eines langgehegten Wunsches.

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Mark Zuckerberg: ‚Religion ist sehr wichtig´ – fürs Geschäft

Mark Zuckerberg, Bild: wikimedia.org/CC BY 3.0/Guillaume Paumier
Mark Zuckerberg, Bild: wikimedia.org/CC BY 3.0/Guillaume Paumier

Er sei jüdisch erzogen worden. Nach einer Periode, in der er alles in Frage gestellt habe, sei er jetzt davon überzeugt, dass Religion sehr wichtig sei, schreibt der Facebook-Gründer.

kath.net

Er sei kein Atheist und halte Religion für sehr wichtig, schreibt Mark Zuckerberg, der Geschäftsführer und Mitbegründer der Plattform „Facebook“.

Auf seinem eigenen Facebook-Konto hatte Zuckerberg sich vor Jahren als „Atheist“ bezeichnet. Das Wall Street Journal hatte dies 2007 in einem Artikel übernommen. Im Dezember 2016 wünschte Zuckerberg über Facebook allen „Frohe Weihnachten“ und „Fröhliches Chanukka“.

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Zwischen Missionsbefehl und Dialog

Seit 1950 ringen die Kirchen in Erklärungen um das Verhältnis zu den »älteren Brüdern« – doch der große theologische Wurf steht noch aus

Von Karl Erich Grözinger | Jüdische Allgemeine

Das hässliche Wort »Judenmission« markiert immer noch eine Trennungslinie zwischen Judentum und Christentum – das hat nicht zuletzt die Debatte auf der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im November 2016 gezeigt.

Und das, obwohl der von der Versammlung veröffentlichte Beschluss – außer in der erklärenden Präambel – diesen Begriff vermeidet und zugleich eine solche Missionierung ablehnt: »Christen sind – ungeachtet ihrer Sendung in der Welt – nicht berufen, Israel den Weg zu Gott und seinem Heil zu weisen. Alle Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels.«

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Ein paar Fragen für das Jahr 2017 an alle Israelkritiker

Bild: Jüdische Rundshau
Bild: Jüdische Rundschau
Im Jahr 2016 meldeten sich wieder viele selbsternannte Freunde als leidenschaftliche Kritiker des Staates Israels und besorgte Bürger zu Wort. An all diese Menschen habe ich ein paar Fragen für das Jahr 2017, in der Hoffnung, sie mögen sich zu Israel erst dann wieder äußern, wenn sie all diese Fragen beantwortet haben.

Von Gerd Burrmann | Jüdische Rundschau

Es gibt den einen jüdischen Staat Israel und viele christliche Länder, die Demokratien sind. Welche Religion herrscht jedoch in all den Ländern, in denen es keine Demokratie gibt und wo Homosexualität mit dem Tod bestraft wird?

Was ist der Unterschied zwischen den Ländern, die mit Israel in Frieden leben und jenen, die Israel mit Krieg überziehen?

Welche Religion herrscht in all den Ländern, die Israel vernichten wollen?

Ist es möglich, dass in den Nachbarländern von Israel so viele Juden leben dürfen wie Muslime in Israel leben? Ich greife schon mal vor: Warum nicht?

Wieviele Terroranschläge gegen die Demokratie hat es in Europa und Amerika durch Juden gegeben?

Gibt es eine Religion, in deren Namen zurzeit besonders viele Terroranschläge in Europa und Amerika verübt werden?

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Herodes machte aus seinem Palast ein Schlachthaus

P-Brueghel.d.J.Kindermord zu Bethlehem. Bild: picture alliance/akg images
P-Brueghel.d.J.Kindermord zu Bethlehem. Bild: picture alliance/akg images
Als blutrünstiges Monster zeichnet die Bibel Herodes den Großen. Dabei sind sich Historiker sicher, dass er das Massaker von Bethlehem nicht befohlen hat. Seine Mordlust tobte er in der Familie aus.

Von Florian Stark | DIE WELT

Wenn in diesen Tagen die Soldaten des Baschar al-Assad Aleppo in ein Schlachthaus verwandeln, weckt dies auch Erinnerungen an einen biblischen Bericht. Wie der Evangelist Matthäus berichtet, gab der jüdische König Herodes den Befehl, alle neugeborenen Kinder in Bethlehem umzubringen. Damit wollte er der Prophezeiung entgegentreten, dass dort einmal der neue Fürst geboren werde, „der über mein Volk Israel ein Herr sei“. So weit hat es Herodes also gebracht, dass seine Herrschaft als Blaupause für die Massenmörder des 21. Jahrhunderts dienen kann.

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Israel: Soldat Azaria für Kopfschuss schuldig gesprochen

© Reuters Ein Militärgericht hat den israelischen Soldaten Elor Azaria schuldig gesprochen. Sein Vater küsst ihm Im Gerichtssaal den Kopf.
© Reuters Ein Militärgericht hat den israelischen Soldaten Elor Azaria schuldig gesprochen. Sein Vater küsst ihm Im Gerichtssaal den Kopf.
Ein Militärgericht hat den israelischen Soldaten Elor Azaria wegen Totschlags verurteilt. Er hatte einen am Boden liegenden Attentäter mit einem Kopfschuss getötet. Der Fall wühlt das ganze Land auf.

Frankfurter Allgemeine

Nach dem tödlichen Kopfschuss auf einen verletzten palästinensischen Attentäter ist der israelische Soldat Elor Azaria wegen Totschlags verurteilt worden. Das gab das zuständige israelische Militärgericht in Tel Aviv am Mittwoch bekannt. Die Verkündung des Strafmaßes wird innerhalb eines Monats erwartet. Azaria drohen bis zu zwanzig Jahre Haft.

Der Fall ist in Israel hochumstritten und spaltet die Gesellschaft. Auch am Tag der Urteilsverkündung demonstrierten vor dem Militärhauptquartier in Tel Aviv mehrere hundert Menschen für die Freilassung des Soldaten und blockierten zeitweise eine Straße. Zwei Personen wurden festgenommen. Ultrarechte Politiker wollen sich für die umgehende Begnadigung Azarias einsetzen.

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Israel: Held oder Mörder?

© dpa Der Soldat Elor Azaria war 18 Jahre alt, als er in Hebron den am Boden liegenden Palästinenser erschoss.
© dpa Der Soldat Elor Azaria war 18 Jahre alt, als er in Hebron den am Boden liegenden Palästinenser erschoss.
Kaum ein Fall hat Israels Gesellschaft so gespalten wie die Tötung eines Palästinensers durch den Soldaten Elor Azaria mit einem Kopfschuss. Das für heute erwartete Urteil hat große soziale Sprengkraft.

Frankfurter Allgemeine

Der 21 Jahre alte palästinensische Attentäter liegt verletzt am Boden, bewegt nur leicht seinen Kopf. In wenigen Metern Entfernung heben Sanitäter einen Soldaten, den der Palästinenser mit einem Messer verletzt hat, in einen Rettungswagen. Auch der Sanitäter der Streitkräfte Elor Azaria hilft, seinen Kameraden zu versorgen. Immer wieder gehen Soldaten dicht an dem auf dem Rücken liegenden Palästinenser vorbei, beachten ihn scheinbar nicht.

Plötzlich hebt Azaria sein Gewehr und schießt dem Verletzten in den Kopf. Viel Blut fließt die abschüssige Straße in Hebron hinunter.

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Vor 200 Jahren wurde in Hamburg das Liberale Judentum begründet

Neuer Tempel in der Poolstraße 1844, Hamburg. Bild: wikimedia.org/PD
Neuer Tempel in der Poolstraße 1844, Hamburg. Bild: wikimedia.org/PD
Sie stritten für die Gleichberechtigung der Frau, eine kulturelle Öffnung der Gemeinden und Predigten in deutscher Sprache

Von Thomas Morell | DIE WELT

Vor 200 Jahren, im Dezember 1817, gründeten 65 jüdische Hausväter den Hamburger Tempelverein. Er gilt als Wurzel des Liberalen Judentums, zu dem sich heute etwa 1,7 der weltweit 14 Millionen Juden zugehörig fühlen. Besonders weit verbreitet ist es in den USA. International werde das Jubiläum in den jüdischen Gemeinden Beachtung finden, sagt Andreas Brämer, Vizedirektor des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden. „Die Welt blickt auf Hamburg.“ Die Hansestadt will das Jubiläumsjahr mit einem Senatsempfang, einer Konferenz und Konzerten begehen.

Wesentliche Merkmale des Liberalen Judentums sind die Gleichberechtigung der Frauen, Predigten in deutscher Sprache und der Einsatz von Musikinstrumenten. Statt auf die strenge Befolgung der Gebote wird mehr Wert auf ethisches Handeln und den Dialog mit der nichtjüdischen Gesellschaft gelegt. Anhänger waren in Hamburg vor allem Mitglieder der bürgerlichen Oberschicht. Die Gründer hofften vor allem auf eine Wiederbelebung des Judentums. Statt von einer Synagoge sprachen sie von ihrem „Tempel“.

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Transsexualität im Judentum

Gay Pride Parade in Tel Aviv im Juni 2012 (picture alliance/dpa/Foto: Abir Sultan)
Gay Pride Parade in Tel Aviv im Juni 2012 (picture alliance/dpa/Foto: Abir Sultan)
Während das liberale Judentum kein Problem mit Transsexualität hat, sehen die meisten orthodoxen Rabbiner darin einen Verstoß gegen göttliche Gebote. Doch eigentlich ist die Bibel beim Thema Transsexualität weniger eindeutig, als es zunächst scheint.

Von Gerald Beyrodt | Deutschlandradio Kultur

Im Regal stehen zahlreiche jüdische Gebetbücher, spanischsprachige Romane, jiddische Geschichten. Daneben: ein paar Boxhandschuhe. In seiner kleinen Wohnung in Berlin-Kreuzberg erzählt Jonathan-Rafael Balling von seinem Leben als Mann – als Transmann. Der 33-Jährige hatte früher einen Frauennamen, hat seinen Körper bei mehreren Operationen verändern lassen und schließlich auch seinen Vornamen verändert.

„Ich fühle mich zunächst einfach mal als Mann. Wenn ich über meine Transgeschichte rede, dann sage ich meistens, dass ich transsexuell bin. Ich finde das Wort nicht hundertprozentig glücklich, aber es ist das Wort, was die meisten Leute verstehen. Deswegen verwende ich das meistens für mich.“

Eigentlich sei der Ausdruck transsexuell nicht ganz richtig. Es gehe schließlich nicht um eine sexuelle Orientierung so wie homo- oder heterosexuell.

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„House of One“: Die Illusion vom Dialog der Religionen

 Das House of One soll am Petriplatz in Berlin-Mitte entstehen. Foto: imago/Kraehn
Das House of One soll am Petriplatz in Berlin-Mitte entstehen. Foto: imago/Kraehn
In Berlin ein Haus zu bauen, in dem drei große Weltreligionen beten, ihrem gemeinsamen Gott dienen, den Geist von Frieden und Versöhnung verbreiten – das klingt nach einer guten Idee. Nach den schweren Erschütterungen, die das Verhältnis zwischen Muslimen, Christen und Juden belasten, wäre das ein Ort, an dem Vertrauen gebildet werden könnte.

Von Maritta Tkalec | Berliner Zeitung

Wunderschön klingt das: interreligiöser Dialog, Miteinander der Religionen, friedvoll, in großer Offenheit und in Würdigung der Verschiedenheit. Herzen und Gelder fliegen der Idee zu, ein House of One am Petriplatz zu errichten – Kirche, Synagoge und Moschee unter einem Dach. Was soll man auch anderes tun als „allen Gräueltaten, die unter Berufung auf die Religionen begangen werden, ein Modell eines anderes Miteinanders entgegensetzen“? So formulieren Stiftung  und  Freundeskreis des House of One das Anliegen.

Allein, die Aussichten sind gering. Religions- und Kulturkonflikte zerreißen die Welt mit einer Wucht wie schon lange nicht mehr. Schiiten und Sunniten zerstören in Bürgerkriegen Syrien, Jemen oder  Irak. In der Türkei versucht Erdogan, seine Position felsenfest  zu machen, opfert  Glaubensbrüder – auch die von der Gülen-Bewegung.

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Israel: Bibi verliert die Kontrolle

Screengrab Times of Israel
Screengrab Times of Israel
Israels Premierminister Benjamin Netanjahu steht unter Druck. Gegen ihn sollen Strafermittlungen aufgenommen werden. Der Premierminister steht unter Verdacht, erhebliche Vergünstigungen von zwei Geschäftsmännern angenommen zu haben. Zudem macht ihm Oppositionspolitiker Yair Lapid die politische Mitte streitig. Doch Netanjahu muss Hardliner bleiben.

Von Gil Yaron | DIE WELT

Für Benjamin Netanjahu geht das Jahr nicht gut zu Ende. Riesige Plakate verkünden entlang Tel Avivs wichtigster Stadtautobahn: „Bibi verliert die Kontrolle!“. Der israelische Premier steht unter Druck. Zwar hat die israelische Staatsanwaltschaft noch kein offizielles Kommuniqué veröffentlicht, dennoch berichten mehrere Medien übereinstimmend, dass der Generalstaatsanwalt Avichai Mandelblit die Polizei angewiesen hat, strafrechtliche Ermittlungen gegen den Premier aufzunehmen.

Der Premier soll kommende Woche unter dem Verdacht verhört werden, erhebliche Vergünstigungen von zwei Geschäftsmännern, ein Israeli und einer aus dem Ausland, angenommen zu haben. Auch Familienangehörige Netanjahus sollen Vergünstigungen erhalten haben. Bislang sollen mehr als 50 Zeugen vernommen worden sein, deren Aussagen diesen Verdacht erhärten.

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Israel: Minister erklärt Zweistaatenlösung mit Trump für tot

Blick über die Altstadt in Jerusalem. / Bild: APA/AFP/AHMAD GHARABLI
Blick über die Altstadt in Jerusalem. / Bild: APA/AFP/AHMAD GHARABLI
Mit der Angelobung des nächsten US-Präsidenten könne Israel Palästina von der Tagesordnung nehmen, erklärt der Ultrarechte Bennet.

Die Presse.com

Mit Donald Trump als US-Präsident wird es nach Einschätzung eines ultrarechten israelischen Ministers keinen unabhängigen Palästinenserstaat geben. „Am 20. Jänner nehmen wir Palästina von der Tagesordnung“, sagte Erziehungsminister Naftali Bennett am Donnerstag der Nachrichtenseite „ynet“. Er bezog sich damit auf den Tag des Amtsantritts des künftigen US-Präsidenten.

Am Mittwoch hatte der scheidende US-Außenministers John Kerry in einer Grundsatzrede an Israel und die Palästinenser appelliert, die Vision einer Zweistaatenlösung nicht aufzugeben. „Kerry hat vielleicht gute Absichten“, sagte Bennett dazu. „Aber seine Rede ist wie seine Politik – völlig losgelöst von der Realität“. Man werde der „messianischen Idee eines islamischen Staates“ an Israels Seite nicht zustimmen.

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Kerry: Zweistaatenlösung einzige Möglichkeit für Frieden in Nahost

foto: apa/afp/richards John Kerry, Außenminister
foto: apa/afp/richards John Kerry, Außenminister
Außenminister bekräftigt Position der US-Regierung bei Rede in Washington

derStandard.at

Eine Zweistaatenlösung ist nach Ansicht des scheidenden US-Außenministers John Kerry die einzige Möglichkeit, dauerhaft Frieden zwischen Israel und Palästinensern zu schaffen. Diese Auffassung bekräftigte Kerry am Mittwoch in Washington in einer Rede. In den vergangenen Tagen war es wegen der Haltung der USA im UN-Sicherheitsrat zu Spannungen zwischen mit Israel gekommen.

Der Sicherheitsrat hatte Israel am Freitag zu einem vollständigen Siedlungsstopp in den besetzten Palästinensergebieten einschließlich Ost-Jerusalem aufgefordert. 14 Länder stimmten dafür, die USA verzichteten auf ihr Vetorecht und enthielten sich. Israel reagierte mit Kritik an der Regierung von US-Präsident Barack Obama.

Netanjahu und der Siedlungsbau: Jetzt erst recht

 Der Siedlungsbau führt immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen, wie hier 2015 zwischen einem israelischen Soldaten und Palästinensern. (Foto: Abbas Momani/AFP)
Der Siedlungsbau führt immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen, wie hier 2015 zwischen einem israelischen Soldaten und Palästinensern. (Foto: Abbas Momani/AFP)
Israels Regierung reagiert trotzig auf die Resolution der Vereinten Nationen gegen den Siedlungsbau in den Palästinensergebieten. Manche Minister fordern eine noch härtere Linie.

Von Peter Münch | Süddeutsche.de

Die Wut kennt keine Grenzen mehr. Seitdem der UN-Sicherheitsrat per Resolution den israelischen Siedlungsbau verurteilt hat, ist die Regierung in Jerusalem im Angriffsmodus.

Die besten Freunde und engsten Verbündeten werden dabei wie Feinde behandelt – und dafür gibt es zwei Erklärungen: Zum einen hat die UN-Resolution den empfindlichsten Nerv dieser rechts-religiösen Koalition getroffen: Die völkerrechtswidrige Siedlungspolitik ist ihr offenkundig wichtiger als die internationalen Beziehungen. Und zum zweiten lässt die Vorfreude auf den neuen US-Präsidenten Donald Trump in Jerusalem den Mut, vielleicht sogar den Übermut wachsen.

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Islam in Deutschland: Mit zweierlei Maß

In Deutschland wird erwartet, dass sich die Religionen an staatlichen Standards ausrichten, und diese Standards orientieren sich wiederum an den Strukturen der christlichen Religion. Dies führt dazu, dass Nichtchristen, insbesondere Muslime, das Verhältnis des Staates zu religiösen Gruppen nicht mehr für legitim halten.

Von Alexander Görlach | Qantara.de

Religion ist in Deutschland keine Privatangelegenheit. Auf allen Regierungsebenen werden Religionsgemeinschaften als öffentliche Einrichtungen anerkannt und die Menschen ermutigt, ihnen beizutreten. Die Deutschen lassen sich als Katholiken, Protestanten oder Juden staatlich registrieren und zahlen eine „Kirchensteuer“, die an die jeweilige Einrichtung weitergeleitet wird. Außerdem haben religiöse Gruppen die Möglichkeit, an öffentlichen Schulen Religionsunterricht zu erteilen: Dass ein Pastor, Priester oder Laienanhänger einer Religionsgemeinschaft zum Lehrkörper einer weiterführenden Schule gehört, ist nicht ungewöhnlich.

Um diesen privilegierten Status zu erlangen, müssen religiöse Gemeinschaften über ein klar definiertes Glaubenssystem verfügen, sie müssen historisch und sozial bedeutsam sein, und ihre Mitglieder registriert sein. Die Religionsgemeinschaften der Katholiken, Protestanten und Juden – und in Berlin auch die Zeugen Jehovas und die Mormonen – sind als öffentliche Einrichtungen organisiert.

Man sollte annehmen, dass der Islam mit 4,3 Millionen Anhängern in Deutschland diese Kriterien leicht erfüllen könnte. Aber bislang hat die deutsche Regierung diese Religionsgemeinschaft außen vor gelassen.

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Lieberman: Pariser Friedenskonferenz ist Tribunal gegen Israel

Avigdor Liebermann, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Avigdor Liebermann, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Verteidigungsminister vergleicht französische Friedensinitiative mit Dreyfus-Affäre

derStandard.at

Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman hat sich scharf gegen die Mitte Jänner in Paris erwartete internationale Friedenskonferenz ausgesprochen. „Das ist keine Friedenskonferenz, das ist ein echtes Tribunal gegen den Staat Israel“, sagte Lieberman am Montag vor Journalisten.

Frankreich bemüht sich um neue Impulse für eine friedliche Lösung im Nahost-Konflikt. Ziel der Initiative ist, einen unabhängigen Staat Palästina neben Israel zu schaffen. Die Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern liegen seit April 2014 brach. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte ein Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas im Rahmen einer solchen Konferenz abgelehnt. Er fürchtet ein internationales Diktat und strebt direkte Verhandlungen mit den Palästinensern an.

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UN-Resolution gegen Siedlungen: Israel bestellt Botschafter ein

Prime Minister Benjamin Netanyahu, right, and President Barack Obama embrace at a ceremony welcoming the US leader at Ben Gurion Airport near Tel Aviv, on March 20, 2013 (photo credit: Miriam Alster/Flash90) bearb.:BB
Prime Minister Benjamin Netanyahu, right, and President Barack Obama embrace at a ceremony welcoming the US leader at Ben Gurion Airport near Tel Aviv, on March 20, 2013 (photo credit: Miriam Alster/Flash90) bearb.:BB
Der Ministerpräsident ist verärgert über eine Resolution des Weltsicherheitsrates gegen die Siedlungspolitik. Nicht nur sein ukrainischer Amtskollege bekommt das zu spüren.

Frankfurter Rundschau

Aus Zorn über eine Resolution des Weltsicherheitsrates gegen die israelische Siedlungspolitik hat Israel eine Reihe von Gegenmaßnahmen eingeleitet. Das Land will jetzt seine Beziehungen zu den Vereinten Nationen auf den Prüfstand stellen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies das Außenministerium am Sonntag an, einen «Aktionsplan» gegen die UN und andere internationale Einrichtungen auszuarbeiten. Dieser solle dem Sicherheitskabinett binnen eines Monats vorgelegt werden.

Der UN-Sicherheitsrat hatte Israel am Freitag zu einem vollständigen Siedlungsstopp in den besetzten Palästinensergebieten einschließlich Ost-Jerusalem aufgefordert. Siedlungen wurden als Verstoß gegen internationales Recht und großes Hindernis für einen Frieden in Nahost bezeichnet. Netanjahu verurteilte die Resolution als «schändlich und anti-israelisch».

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UN-Resolution: Obamas letzter Affront gegen Israel

Benjamin Netanyahu und Barack Obama. / Bild: REUTERS
Benjamin Netanyahu und Barack Obama. / Bild: REUTERS
Die USA winkten eine Resolution zum Stopp des israelischen Siedlungsbaus im Westjordanland durch. Damit schafft Obama vor der Amtsübernahme Trumps Tatsachen.

Die Presse.com

Im UNO-Sicherheitsrat winkt die US-Botschafterin eine Forderung nach dem Ende des israelischen Siedlungsausbaus durch – und Obama schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Er gibt Netanyahu eins mit und schafft Tatsachen vor der Amtsübernahme Donald Trumps.

Er hat noch etwa einen Monat, aber ganz sang- und klanglos will der scheidende US-Präsident Barack Obama nicht die Weltbühne verlassen. Mit einem Affront gegen Israel verabschiedet er sich aus der Nahost-Politik und wirft seinem Nachfolger Donald Trump damit einige Steine in den Weg. Israel ist empört – und sieht sich von den USA verraten.

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