Archiv der Kategorie: Judentum

54 Millionen Euro Entschädigung für Holocaust-Überlebende

Holocaust-Überlebende. Bild: yadvashem.org

Die Claims Conference hat mit der Entschädigung jüdischer Holocaust-Überlebender begonnen, die zur NS-Zeit noch Kinder waren.


evangelisch.de

Zunächst sollen 21.600 Überlebende aus 49 Ländern Einmalzahlungen von jeweils 2.500 Euro erhalten, wie die Opferorganisation am Mittwoch in Frankfurt am Main mitteilte. Das entspricht einem Gesamtbetrag von 54 Millionen Euro. “Das besondere Leiden der jüdischen Kinderüberlebenden hat über Jahrzehnte keine Anerkennung erfahren”, sagte der deutsche Repräsentant der Claims Conference, Ruediger Mahlo. Durch die überfällige symbolische Zahlung 70 Jahre nach Kriegsende werde dies nun korrigiert.

Amnesty International wirft Hamas “brutale Kampagne” vor

Hamas-Kämpfer hätten mindestens 23 Palästinenser hingerichtet und Dutzende weitere gefoltert, schreibt AI. – Foto: dpa

Während des Gazakrieges töteten vermummte Hamas-Kämpfer zahlreiche Palästinenser, die für Israel spioniert haben sollen. Amnesty International (AI) sieht darin ein System: Die Hamas wollte in Gaza ihre Gegner ausschalten.


DER TAGESSPIEGEL

In den Wirren des Gaza-Kriegs im vergangenen Sommer hat die im Gazastreifen herrschende Hamas nach Angaben von Amnesty International (AI) dutzende Palästinenser hingerichtet oder gefoltert. Die radikalislamische Organisation habe den Konflikt “für eine schamlose Abrechnung” mit ihren Gegnern ausgenutzt, kritisiert die Menschenrechtsorganisation in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Die israelische Luftwaffe flog derweil Angriffe auf mehrere Ziele im Gazastreifen.

Die Hamas habe den Krieg mit Israel genutzt, um Gegner zu beseitigen

Die Hamas habe den Konflikt mit Israel genutzt, um sich ihrer Gegner im Gazastreifen zu entledigen, heißt es in dem AI-Bericht. Sie habe mindestens 23 Palästinenser hingerichtet und Dutzende weitere gefoltert. Die Hamas habe “eine brutale Kampagne mit Entführungen, Folter und Verbrechen gegen Palästinenser” geführt, denen Zusammenarbeit mit Israel zur Last gelegt worden sei.

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Jüdische Theologie an einer staatlichen Universität

Der Rabbiner und Professor für jüdische Religionsphilosophie, Walter Homolka (Martin Schutt, dpa)

Bisher gab es an deutschen Universitäten nur die kulturwissenschaftlich ausgerichtete Judaistik oder die außeruniversitären Rabbinerseminare. Erst seit etwas mehr als einem Jahr bietet die Universität Potsdam auch das Studienfach Jüdische Theologie an, das gleichberechtigt neben der evangelischen und katholischen Theologie steht.


Von Michael Hollenbach|Deutschlandfunk

Die treibende Kraft hinter der Gründung der “Jüdischen Theologie, der School of Jewish Theology”, ist der Rabbiner und Professor für jüdische Religionsphilosophie, Walter Homolka. Für ihn war es ein Kampf um die Gleichberechtigung der jüdischen mit der christlichen Theologie an den Universitäten:

“Das hat einen geschichtlichen Hintergrund. Diese Gleichberechtigung hat Abraham Geiger schon 1836 eingefordert […] und daraus ergab sich das Bild, dass sich durch die Gleichberechtigung der geistlichen Ausbildung eine tiefe Wunde, die es seit 200 Jahren gab in der Emanzipationsgeschichte des Judentums in Deutschland, geschlossen werden konnte.”

Der Vordenker des Reformjudentums, Abraham Geiger, notierte schon 1830:

“Wenn doch einst ein jüdisches Seminar an einer Universität errichtet würde, wo Exegese, Homiletik und noch Talmud und jüdische Geschichte in echt religiösem Geiste vorgetragen würden; es wäre die fruchtbarste und belehrendste Anstalt!”

Die Wissenschaft vom Judentum

Fast 200 Jahre hat es gedauert, bis Abraham Geigers Wunsch in Erfüllung gegangen ist. Sein Wunsch, dass jüdische Theologie in Eigenverantwortung der Religion wissenschaftlich an einer staatlichen Hochschule gelehrt und geforscht wird – so wie es für die katholische und evangelische Theologie seit Jahrhunderten der Fall ist. Lange Zeit wurde die Wissenschaft vom Judentum nur aus nicht-jüdischer Perspektive unterrichtet, erläutert Walter Homolka:

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Berlin: Imame mit dem Segen des Senats

Geistlicher Beistand. Im Berliner Islamforum hat der Senat das geplante Zentrum bereits vorgestellt und erfahren, dass Verbände und Gemeinden Interesse an „Berliner“ Seelsorgern… – Foto: picture alliance / dpa

Jetzt sollen auch Berliner Universitäten islamische Seelsorger ausbilden. Wie schwierig die Gründung eines Instituts für islamische Theologie werden könnte, zeigen Erfahrungen anderer Bundesländer.


Von Claudia Keller|DER TAGESSPIEGEL

Sie suchen neue Zugänge zum Koran, erproben feministische Perspektiven, erforschen vergessene Auslegungen der heiligen Schriften. Bei alldem sind die gut 1500 Studenten der islamischen Theologie in Deutschland Pioniere. Erst seit gut drei Jahren reifen an den Universitäten Münster/Osnabrück, Frankfurt/Gießen, Tübingen, Erlangen-Nürnberg, Hamburg und Paderborn Islamgelehrte heran, die Muslime in Deutschland begleiten sollen: als Religionslehrer in den Schulen, als Imame und Seelsorger in Moscheen und Krankenhäusern, in Jugend- und Seniorenzentren.

Auch der Berliner Senat will das Fach in der Berliner Hochschullandschaft etablieren. Obwohl es hier keinen regulären Religionsunterricht gibt, wachse der Bedarf an qualifizierten muslimischen Religionslehrern, Seelsorgern und wissenschaftlichem Nachwuchs, sagt der Berliner Staatssekretär für Wissenschaft, Steffen Krach. Das geplante Zentrum soll mit drei bis vier Professoren für die unterschiedlichen Ausbildungsprofile beginnen, womöglich bereits zum Wintersemester 2017/18.

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Zusammenstöße und Verhaftungen auf Jerusalemer Tempelberg

The Temple Mount in Jerusalem (photo credit: Miriam Alster/Flash90)

The Temple Mount in Jerusalem (photo credit: Miriam Alster/Flash90)

Auf dem Tempelberg in Jerusalem ist es am Montag erneut zu Konfrontationen gekommen. Wie die Polizei mitteilte, wurden sechs Muslime festgenommen, als sie Juden am Besuch der heiligen Stätte hindern wollten. Zudem wurden laut Medienberichten sechs jüdische Besucher festgenommen, die unerlaubterweise öffentliche Gebete vollzogen und die öffentliche Ordnung störten.


kathweb

Verletzte gab es nach Polizeiangaben nicht, der Tempelberg blieb für Besucher geöffnet. Bereits am Sonntag waren drei Palästinenser und drei jüdische Israelis wegen Auseinandersetzungen auf dem Tempelberg verhaftet worden.

Der Tempelberg ist für Muslime und Juden eine wichtige heilige Stätte. An diesem Ort befand sich der zentrale jüdische Tempel bis zu seiner Zerstörung durch die Römer im Jahr 70. Mittlerweile erheben sich dort die Al-Aksa-Moschee und der Felsendom; sie sind die drittheiligste Stätte des Islam nach Mekka und Medina.

Wer fragt und sucht, der glaubt schon

Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA

Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA

7,3 Milliarden Menschen leben auf der Erde. Die meisten von ihnen gehören einer Religion an. Doch auch wer sich als areligiös bezeichnet, glaubt an irgendetwas. Ohne Glaube geht’s nicht.


Von Markus Bauer|Stuttgarter Nachrichten.de

„Wir sind eine Gang, eine jesusmäßige Familie. Uns verbindet die erlebte Liebe unseres genialen Gottes. Er demonstriert an einem Haufen völlig unterschiedlicher Freaks, dass er durch Ergänzung Einheit in gigantischer Vielfalt schaffen kann.“ Dieses Glaubensbekenntnis stammt von den Jesus Freaks, einer 1991 in Hamburg gegründeten christlichen Glaubensbewegung mit rund 2000 Mitgliedern. Sie wollen „Freaks, Punks, Hippies und Szeneleuten“ eine spirituelle Heimat bieten, in der sie „sich wohlfühlen“.

Liebe, Friede und Jesus Christus

„Love, Peace and Jesus Christ“ (Liebe, Frieden und Jesus Christus) ist die Botschaft aller christlichen Gemeinschaften. Mit fast 2,3 Milliarden Anhängern ist das Christentum vor dem Islam (1,6 Milliarden) und dem Hinduismus (900 Millionen) die am weitesten verbreitete Religion. Der Glaube an Jesus eint schätzungsweise 30 000 christliche Kirchen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Kleine Gruppen wie die Kirche der Jünger Christi (700 Mitglieder), die Alt- Katholische­ Kirche der Mariaviten in Polen (29 000) oder die Christliche Kirche von Pasundan (33 000) gehören genauso dazu wie große Bekenntnisgemeinschaften – etwa die Evangelische Kirche in Deutschland (26 Millionen) oder die Römisch-Katholische Kirche (rund 1,2 Milliarden Anhänger).

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PM thanks Obama for blocking UN nuclear disarmament move

Prime Minister Benjamin Netanyahu, right, and President Barack Obama embrace at a ceremony welcoming the US leader at Ben Gurion Airport near Tel Aviv, on March 20, 2013 (photo credit: Miriam Alster/Flash90) bearb.:BB

Prime Minister Benjamin Netanyahu, right, and President Barack Obama embrace at a ceremony welcoming the US leader at Ben Gurion Airport near Tel Aviv, on March 20, 2013 (photo credit: Miriam Alster/Flash90)
bearb.:BB

Netanyahu calls Kerry to convey gratitude after US rejects NPT document setting deadline for Mideast nuke conference


By AP and Times of Israel staff

Prime Minister Benjamin Netanyahu thanked US President Barack Obama on Saturday for blocking a UN move aimed at forcing Israel to come clean on its nuclear capabilities en route to a Middle East zone free of nuclear weapons.

Netanyahu spoke with US Secretary of State John Kerry and asked him to convey his gratitude to Obama for the stance the US took at the United Nations review conference for the Non-Proliferation Treaty in New York. The US late Friday rejected the New York meeting’s final document, as did the UK and Canada.

Israel is not a party to the treaty and has never publicly declared what is widely considered to be an extensive nuclear weapons program. The UN meeting had been set to convene a conference by next March, and appoint a special emissary, that might have forced Israel to acknowledge its nuclear program.

Netanyahu, who had been in contact with the US in the course of the UN meeting, also thanked Britain and Canada for their opposition to the final document, the Prime Minister’s Office said in a statement.

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Obama: Palestinians have right to be free in their land

U.S. President Barack Obama delivers remarks in celebration of Jewish American Heritage Month at Adas Israel Congregation, May 22, 2015 in Washington, DC. (Chip Somodevilla/Getty Images/AFP)

Jewish values compel two-state solution, president says, hailing contribution of American Jews, denouncing rise of anti-Semitism, defending Iran nuke deal


By Ilan Ben Zion and Rebecca Shimoni Stoil|The Times of Israel

President Barack Obama on Friday called for the establishment of a free Palestinian state alongside Israel, saying it was necessary for the preservation of Israeli democracy and security, and integral to Jewish values.

Wearing a white kippah, Obama spoke to a crowd of about 1,000 at Washington DC’s Adas Israel Congregation, one of the largest in the capital, marking Jewish American Heritage Month.

He touted his pro-Israel policies and close ties with Jewish advisors, wishing the audience a “slightly early Shabbat Shalom” and peppering his speech with Hebrew terms such as “tikkun olam” — repairing the world. He said his personal philosophy was inspired by Jewish values and the Israeli pioneer spirit, and “forcefully” objected to claims that his disagreements with the Israeli government over some policies belied a lack of support for the Jewish state.

Obama was greeted by ringing applause when he affirmed a vision of “Israel and Palestine living side by side in peace and security.”

“Just as Israelis built a state in their homeland, Palestinians have a right to be a free people in their land as well,” he said.

“That’s not easy,” he went on. “The Palestinians are not the easiest of partners. The neighborhood is dangerous and we cannot expect Israel to take existential risks with their security, and so any deal that takes place has to take into account the genuine dangers of terrorism and hostility.”

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Kirchen im Strudel von Nettoverlust und Irrelevanz

ehem. Dominikanerkirche in Maastricht, jetzt Buchhandlung und Kaffeehaus

ehem. Dominikanerkirche in Maastricht, jetzt Buchhandlung und Kaffeehaus

Eine neue Studie zeigt, dass der Niedergang des Christentums durch Predigten oder feurige Bekenntnisse nicht zu bremsen ist. Religion ist für den Alltag vieler Menschen einfach nicht mehr relevant.


Von Matthias Kamann|DIE WELT

An den Predigern liegt es nicht. Dass in Westeuropa das Christentum an Bedeutung verliert, dass es 2014 allein in Deutschland nach vorläufigen Schätzungen mehr als 400.000 Kirchenaustritte gab und immer weniger Neugeborene getauft werden, lässt sich nicht mit der kirchlichen Verkündigung erklären.

Vielmehr hat es außerkirchliche Gründe: “Die christlichen Kirchen in Deutschland scheinen kaum noch einen Einfluss auf ihre eigene Entwicklung nehmen zu können und äußeren Faktoren ausgesetzt zu sein, denen sie wenig entgegenzusetzen haben.”

Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Auswertung internationaler Erhebungen zur Lage des Christentums. Nach Ansicht der Autoren, Detlef Pollack und Gergely Rosta vom Exzellenzcluster Religion und Politik an der Universität Münster, ist auch das geringe Interesse der verbliebenen Kirchenmitglieder nicht mit dem Verhalten der Pfarrer oder Bischöfe zu erklären. “Der Grund, warum die Menschen nicht stärker am kirchlichen Leben teilnehmen, ist nicht der, dass sie an der Kirche so viel stört. Vielmehr ist ihnen das Engagement in der Kirche nicht so wichtig.”

Nicht Ärger über Botschaften oder Stellungnahmen der Kirchen lasse das Interesse schwinden. Sondern dass der Glaube kaum noch Relevanz für das Alltagsleben und die Grundhaltungen der Menschen habe. In ausdifferenzierten Gesellschaften, so die Studie mit dem Titel “Religion und Moderne” (Campus-Verlag), gebe es einfach zu viele andere Möglichkeiten zur Betätigung und zur Lebensgestaltung.

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Lieber Fanatiker: Erzieht Religion zum blinden Gehorsam?

Bild: Frankfurter Rundschau

Diese Gefahr ist wohl kaum von der Hand zu weisen, wenn es als vorbildlich gilt, eine grausame Handlung zu begehen, nur weil sie von einer Autorität gefordert wird.


Von Markus Tiedemann|Frankfurter Rundschau

Lieber Fanatiker!

In den heiligen Schriften finden sich viele schlimme Geschichten über blinden Gehorsam. Besonders erschreckend ist die Erzählung von Abraham und Isaak (Ibraim und Ismael), die für Juden, Christen und Muslime eine große Rolle spielt: Gott fordert von Abraham, seinen eigenen Sohn zu opfern. Traurig, aber ohne ein Widerwort, ohne Bitten oder Flehen bricht Abraham auf, um in den Bergen seinen Sohn zu töten und zu verbrennen.

Erst im letzten Moment wird das Schlimmste verhindert: Ein Engel erklärt, dass alles nur ein Test war. Isaak darf weiter leben und statt seiner wird ein Schafbock geopfert. Ob damit wirklich alles wieder gut ist, darf allerdings bezweifelt werden.

Es stellen sich einige unangenehme Fragen: Was ist das für ein Vater, der nicht einmal eine Erklärung verlangt, wenn er ein unschuldiges Kind töten soll? In dem Film von Fatih Akin „Auf der anderen Seite“, erklärt ein Vater, dass er sich lieber Gott selbst zum Feind gemacht hätte, als diesen Befehl auszuführen. Ist diese Haltung nicht ebenso mutig wie sympathisch? Was ist das für ein Gott, der solche Forderungen stellt?

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Regierungsaufgabe Israel: Entsorgung der Palästinenser

Bild:  phhesse/flickr

Bild: phhesse/flickr

Die neue stellvertretende israelische Außenministerin ist ehrlich und verkündet eine „Grundwahrheit“ über die Zwei-Staaten-Lösung. Die Palästinenser sehen sich in ihren Befürchtungen bestätigt.


Frankfurter Allgemeine

Israels neue stellvertretende Außenministerin Zipi Chotoveli hat sich von der Idee einer Zwei-Staaten-Lösung in Nahost distanziert. „Wir müssen zu der Grundwahrheit unseres Rechts auf das Land zurückkehren“, sagte sie am Donnerstag nach Angaben der Nachrichtenseite „ynet“. „Dieses Land gehört uns. Das ganze Land.“ Israel müsse sich dafür nicht entschuldigen. Israel besiedelt seit Jahrzehnten das palästinensische Westjordanland und durchkreuzt damit zunehmend Pläne der Palästinenser für einen eigenen Staat.

Am Mittwoch hatte Chotoveli von der konservativen Likud-Partei bei einem Treffen mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini noch bekräftigt, Israel wolle neue Friedensverhandlungen. Jedoch ist sie für die Annektierung des Westjordanlands. Dort lebende Palästinenser sollten Israelis werden. Diese aber fordern ihren eigenen Staat.

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»Wir kritisieren den christlichen Glauben, das Judentum und den Islam«

Rainer Ponitka ist Sprecher des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) Foto: Doris Ponitka

Am Freitag beginnt in Köln die »Atheistische Convention« unter dem Titel »Give Peace A Chance – Säkularisierung und globale Konflikte«. Wie begründen Sie, dass aus Ihrer Sicht tatsächlicher Friede nur in säkularen Staatsordnungen möglich ist?


Von Gitta Düperthal|jW

Wir vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) finden es entscheidend, die Ausrichtung einer Gesellschaft und ihre Ethik unter allen Beteiligten auszuhandeln. Es kann nicht sein, dass dies eine Religion bestimmt. Beim Ausbruch von gewalttätigen Konflikten und Kriegen wirkt jede Religion wie Öl im Feuer – denn sie alle gehen jeweils davon aus, den einzig wahren Glauben zu vertreten und sich zum Moralwächter über andere aufspielen zu können. Aus säkularer Sicht ist Friede in einer Gesellschaft nur zu wahren, wenn Religion und Glaube rein private Angelegenheiten sind.

Gibt es Belege dafür, dass Staaten unter religiösem Einfluss eher Kriege entfachen als andere?

Unsere Referentin aus Bosnien und Herzegowina, die Juristin Nada Peratovi?, wird bei der Konferenz den Wandel Kroatiens erläutern: Von einer Republik des ehemals sozialistischen Jugoslawien, in der Religion nicht staatlich unterstützt wurde, zu einer Region, in der Katholiken das Sagen haben. Wer seit den 90er Jahren dem Normativ des Katholizismus nicht entsprach, hatte es dort nicht leicht. Es folgte der Krieg.

Neuerlich erheben dort atheistische, wissenschaftliche Bewegungen ihre Stimme. Sie haben die Nötigung durch die Kirche satt; ihnen missfällt, dass sie sich überall einmischt. Peratovi? ist Repräsentantin der Atheist Alliance International (AAI) im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen (UN) und Mitbegründerin des »Zentrum für Zivilcourage« in Zürich.

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Rat der Religionen: Verhärtete Fronten

Das jüdische Gemeindezentrum in der Westendstraße. Foto: Christoph Boeckheler

Die Jüdische Gemeinde bleibt dem Rat der Religionen weiter fern. Sie hatte das Gremium im vergangenen Sommer nach scharfer Kritik von zwei Ratsmitgliedern an Israel verlassen. Die Stadt will im Konflikt vermitteln.


Von Hanning Voigts|Frankfurter Rundschau

Im Streit zwischen dem Frankfurter Rat der Religionen und der Jüdischen Gemeinde wird eine Lösung immer unwahrscheinlicher. Leo Latasch, Sozialdezernent der Gemeinde, sagte der Frankfurter Rundschau am Dienstag, er sehe auch nach einem erneuten Briefwechsel keine Grundlage für eine weitere Mitarbeit in dem Gremium, dem Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften angehören.

Anfang Juni werde sich der Vorstand der Jüdischen Gemeinde treffen und das Thema noch einmal besprechen, so Latasch. Dass die Entscheidung der Gemeinde, den Rat der Religionen zu verlassen, zurückgenommen werde, glaube er aber nicht.

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Mehr Antisemitismus unter Muslimen

Bundesinnenminister Thomas de Maizière warnte vor Anitsemitismus im muslimischen Umfeld Foto: pro/Lutz

CDU-Politiker haben am Mittwoch in Berlin einen zunehmenden Antisemitismus unter muslimischen Zuwanderern scharf verurteilt. Das Innenministrium wolle verstärkt gegen islamistische Judenfeinde vorgehen, sagte Innenminister Thomas de Maizière.


pro Medienmagazin

Der Innenminister sprach im Rahmen der Unionsfraktionstagung „Jüdisches Leben in Deutschland – Ist es gefährdet?“ im Deutschen Bundestag. De Maizière warnte: Im vergangenen Jahr hätten antisemitische Straftaten um 25 Prozent zugenommen. „Dieser Anstieg ist massiv“, sagte der Minister. In über 80 Prozent der Fälle seien die Straftaten rechtsextremistisch motiviert, es gebe sie aber auch im linken Milieu und auch im muslimischen Kontext. So sei auf manchen Schulhöfen „Jude“ ein gängiges Schimpfwort. De Maizière forderte eine „entschlossene Null-Toleranz-Politik“ gegen Antisemitismus.

Hinter islamistischem Antisemitismus stünden Organisationen wie die Hisbollah, Hamas oder auch Salafisten. Die Zahl der sogenannten Gefährder im deutschen Raum mit salafistischem Hintergrund sei noch nie so hoch gewesen wie derzeit. In den vergangenen drei Jahren habe sie sich verdoppelt. De Maizière kündigte an, verstärkt gegen antisemitische Gruppen vorzugehen. Zudem müsse das Phänomen Antsemitismus besser untersucht werden. Präventions- aber auch Aussteigerprogramme will er ebenfalls gestärkt sehen. „Wir müssen darüber nachdenken, ob wir gegen neue Formen des Antisemitismus, etwa im Internet, nicht auch neue Formen der Prävention finden müssen“, sagte er.

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Der israelische Regisseur Eran Riklis zu »Mein Herz tanzt«

Bild:ND

Mit »Die syrische Braut« und »Lemon Tree« hat sich der israelische Regisseur Eran Riklis hat einen Namen gemacht. Die Parabel »Mein Herz tanzt« basiert auf der Autobiografie des in den USA lebenden Haaretz-Kolummnisten Sayed Kashua » Tanzende Araber«. Er erzählt von der inneren Zerrissenheit des hochbegabten Eyad , der als einziger Palästinenser eine Eliteschule in Israel besucht. Seine große Liebe zu einer Mitschülerin jüdischen Glaubens scheitert an beiden Elternhäusern. Als er vor den Trümmern seines Lebens steht, muss er seine Wurzeln hinter sich lassen.


Von Katharina Dockhorn|ND

Was treibt Sie an, dem Thema des schwierigen Zusammenlebens der Religionen in Israel treu zu bleiben?
Es wird im israelischen Kino tot geschwiegen. Mein Lebensthema bleibt das schwierige Miteinander von Juden und Arabern in Israel, das sich dem großen Themenkomplex des Verhältnisses Israels zur arabischen Welt einfügt. Zugleich habe ich den Eindruck, dass diese autobiographische Geschichte universell ist. Ein türkischstämmiges Kind in Berlin oder ein arabischstämmiges in den Pariser Vorstädten steht vor ähnlichen Herausforderungen.

Die Integration der arabischen Bevölkerung in Israel scheint weitaus schwieriger als in anderen Ländern?
Meine arabischen Nachbarn leben 20km von mir entfernt. Gefühlt sind es 200.000. Ich habe den Film in einer Kleinstadt gedreht, die 25km von meinem Haus im Zentrum von Tel Aviv entfernt ist. Im Alltag bleibt jeder unter sich. Das trifft auch auf uns Juden zu. Ich treffe selten orthodoxe Juden in Tel Aviv. Sie leben in ihren Vierteln, wo es keine Kinos gibt.

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Juden und Christen müssen Kopfsteuer an IS zahlen

Bild: nationalreview.com

Bild: nationalreview.com

Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) hat ein offizielles Formular für die Erhebung einer „Kopfsteuer“ von Juden und Christen erstellt. Das berichtet das Institut für Islamfragen der Evangelischen Allianz in Deutschland, Österreich und der Schweiz (Bonn).


kath.net

Danach hat die gegen IS gerichtete Internetseite http://www.raqqa.sl.com dieses „Tribut-Formular“ veröffentlicht. Das Dokument soll eines von zwölf Gesetzen sein, die IS im Februar 2015 speziell für Christen in ihrem Machtbereich erlassen habe. IS warne darin: „Wer diese Gesetze nicht beachtet, wird als Feind behandelt.“ Ein wohlhabender Christ müsse an IS eine Schutzgeldsumme im Gegenwert von 13 Gramm puren Goldes zahlen – gegenwärtig etwa 440 Euro. Ein Christ aus der Mittelschicht zahle die Hälfte und ein armer ein Viertel dieses Betrages. Der Zeitraum, für den das Schutzgeld erhoben wird, wurde in dem genannten Dokument nicht genannt. Wie das Institut für Islamfragen erläutert, werden Juden und Christen durch die Entrichtung der Kopfsteuer (arabisch Jizya) zu „Schutzbefohlenen“; sie bleiben zwar Bürger zweiter Klasse, genießen aber prinzipiell den Schutz ihres Lebens und ihres Eigentums sowie eine gewisse Autonomie in zivilrechtlichen Belangen.

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‘Pax Christi’ meint: Kauf nicht bei Juden – ehm Siedlern!

pax_christiDie katholische Friedensbewegung Pax Christi International (PCI) hat in Bethlehem zur Anerkennung Palästinas und zum Boykott von Produkten aus israelischen Siedlungen aufgerufen.


kath.net

Die katholische Friedensbewegung Pax Christi International (PCI) hat in Bethlehem zur Anerkennung Palästinas und zum Boykott von Produkten aus israelischen Siedlungen aufgerufen. Der kontinuierliche Bau und Ausbau israelischer Siedlungen in Palästina verstoße klar gegen internationales Recht, heißt es in einer am Montagabend verbreiteten Stellungnahme zum Abschluss ihrer 70-Jahr-Feiern. Um die Wirtschaftlichkeit der Siedlungen zu behindern, müssten Siedlerprodukte gemieden werden.

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Abraham und die religiöse Urgeschichte über das Menschenopfer

Rembrandt: Der Engel verhindert die Opferung Isaaks, Eremitage. Bild: wikimedia.org/PD

Abgründige Filme sind die Spezialität von Peter Greenaway. Nun hat der britische Regisseur in Berlin eine Ausstellung über Abraham kuratiert – die religiöse Urgeschichte über das Menschenopfer begreift er als emotionales Drama.


Von Ingeborg Wiensowski|SpON

Abraham wollte gehorsam sein, und seinen Sohn Isaak opfern, weil Gott es befahl. So steht es im Alten Testament, 1. Buch Mose, 22: “Gott sprach: Nimm Deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak…und bring ihn dort als Brandopfer dar.” Doch im letzten Moment schickte Gott einen Widder und akzeptierte das Tier als Opfer.

Diese spektakuläre Geschichte ist nun Thema einer Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin, die am Donnerstag eröffnet wird. “Gehorsam. Eine Installation in 15 Räumen von Saskia Boddeke und Peter Greenaway“. Wer den Namen Peter Greenaway hört, denkt weniger an die Bibel als an ganz großes Kino mit grotesken und mysteriösen Geschichten zu Themen wie Herrschaft, Unterwerfung und Ohnmacht, Sex, Spiele und Tod mit Filmtiteln wie “Der Kontrakt des Zeichners”, “Der Bauch des Architekten” oder Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber”. Der britische Regisseur Greenaway war Kult, das allerdings in den achtziger Jahren.

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Ajelet Schaked ist Israels umstrittenste Politikerin

Die neue israelische Justizministern Ajelet Schaked Foto: Getty Images

Israels neue Justizministerin Ajelet Schaked ist wohl derzeit die meist diskutierte, kontroverseste Politikerin im Land. Mit ihr wird es sobald keine friedliche Lösung mit den Palästinensern geben.


Von Sandra Keil|DIE WELT

Eigentlich ist es reiner Zufall, dass Ajelet Schaked im israelischen Kabinett sitzt. Parteifreund Naftali Bennett, Chef der Regierungspartei Jüdisches Haus, wollte einer Koalition mit dem Likud des israelischen Premierministers Benjamin Nethanjahu nur dann zustimmen, wenn der Schaked zu seiner neuen Justizministerin mache. Diese erpresserische Bedingung stieß erst auf Unmut, doch am Ende willigte Netanjahu ein – er hatte keine Wahl.

In Deutschland noch relativ unbekannt, machte sich Ajelet Schaked einen Namen in Israel. Man wird vermutlich noch vieles von ihr in den nächsten Jahren hören. 2010 gründete sie zusammen mit Bennett die außerparlamentarische Bewegung Mein Israel. Schon zwei Jahre später kandidierte die Israelin für Bennetts Siedlerpartei das Jüdische Haus.

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Juden, die an Jesus glauben

Schauspieler stellen den Kreuzweg nach – Messianische Juden glauben an Jesus (dpa / picture alliance Alfredo Aldai)

Für Messianische Juden ist Jesus der Messias. Damit sind sie theologisch gesehen Christen. Das sehen sie aber ganz anders – was für Ärger zwischen jüdischen und kirchlichen Vertretern über den Umgang mit den Gläubigen sorgt.


Von Michael Hollenbach|Deutschlandradio Kultur

Die Jeschua Ha-Maschiach-Gemeinde in Hannover. Jeschua Ha-Maschiach ist hebräisch und bedeutet: Jesus, der Gesalbte. Der Leiter der Gemeinde, Johannes Heier, begrüßt die zwei Dutzend Gemeindemitglieder, die sich am Samstagmorgen in der ehemaligen Videothek zum Schabbat versammelt haben.

Ina Wunn: “Messianische Juden sind Menschen, die sich dem Judentum zugehörig fühlen; das heißt, Menschen, die die jüdischen Gesetze befolgen, Kinder beschneiden lassen, die jüdischen Speisegesetze beachten, den Sabbat feiern, aber daran glauben, dass Jesus von Nazareth tatsächlich der erwartete Messias gewesen ist.”

Erläutert die Religionswissenschaftlern Ina Wunn. Und Gemeindeleiter Johannes Heier betont:

“Wir kehren zurück zu den Wurzeln, wir folgen dem Willen Gottes nach. (…) Das Volk Israel hat eine große Aufgabe. Also durch dieses Volk offenbart sich Gott der ganzen Menschheit.”

Die messianischen Juden sehen sich theologisch in der Tradition der jüdischen Urchristen.

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