Publizist Friedman für mehr Gleichberechtigung der Religionen

Der Publizist Michel Friedman fordert eine stärkere Gleichberechtigung der Religionen in Deutschland. Der Staat privilegiere nach wie vor das Christentum und auch das Judentum, sagte der Publizist jüdischen Glaubens am Sonntag in Bonn auf einer Podiumsdiskussion über Religionsfreiheit in Deutschland. Die Veranstaltung unter dem Titel „Freiheit.Glauben.Grundgesetz“ fand im Rahmen der „Bonner Tage der Demokratie“ statt.

evangelisch.de

Als Beispiele nannte Friedman den Einzug der Kirchensteuer durch den Staat, die Möglichkeit, die Religionsgemeinschaft als Körperschaft öffentlichen Rechts zu etablieren und die christlichen Feiertage. Gleichheit sei nicht quantifizierbar. Religionen sollten unabhängig von der Anzahl ihrer Mitglieder gleich behandelt werden. Solange der Staat Religionen „betreue“, sei von einer Neutralität nicht zu sprechen.

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Lasst Gott aus dem Spiel

Helmut Ortner: EXIT – Warum wir weniger Religion brauchen Eine Abrechnung Mit Essays von Hamel Abdel-Samad, Constanze Kleis u.a. Nomen Verlag, 360 S., 24 Euro, erscheint am 15. Mai. © Nomen Verlag
Im Buch „Exit“ befassen sich Helmut Ortner und andere Autorinnen und Autoren mit der Frage, warum die Welt weniger Religion braucht – und der Glaube Privatsache sein sollte. Ein Auszug.

Frankfurter Rundschau

Unser Land darf weiterhin auf göttlichen Beistand hoffen. Ein überwiegend christliches Kabinett setzte auch im März 2018 im Berliner Reichstag auf gewohnte Dramaturgie: zwölf Bundesministerinnen und -minister beendeten ihren Amtseid mit der Formel „So wahr mir Gott helfe“. In den Niederungen der Realpolitik mag eine Dosis göttlicher Eingebung mitunter durchaus hilfreich sein, doch möglich ist es den Ministerinnen und Ministern auch, ihren Eid „ohne religiöse Beteuerung“ zu leisten. Sie sagen dann nur: „Ich schwöre es!“ Drei der neuen Minister nutzten die Formel ohne religiöse Beteuerung: Bundesfinanzminister Olaf Scholz, Bundesjustizministerin Bärbel Barley und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (alle SPD). Schon Kanzler Gerhard Schröder hatte einst auf das religiöse Beiwerk verzichtet, ebenso wie sein grüner Außenminister Joschka Fischer und Umweltminister Jürgen Trittin. Die moralischen Grundwerte des rot-grünen Abendlandes gerieten – trotz leicht atheistischer Einfärbung – nicht in ernsthafte Gefahr. Immerhin.

Auch ohne Gottesschwur: Gott mischt kräftig mit in der deutschen Politik. In den Parlamenten, den Parteien, den Institutionen. „Dabei wird so getan, als hätte er ein ganz natürliches Anrecht darauf, als gehörte er zur politischen Grundausstattung, zum politischen Personal der Bundesrepublik, zur deutschen Demokratie“, konstatiert Dirk Kurbjuweit.

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Kopftuchverbot: Ausschussfeststellung „überhaupt nicht verbindlich“

Symbolbild: Schülerin mit Kopftuch im Sportunterricht – imago (Siegfried Kuttig)
Zu dem Initiativantrag der Koalition gibt es eine Ausschussfeststellung, wonach Kippa oder Patka nicht vom Verbot betroffen sind. Verfassungsjurist Öhlinger nennt das überflüssig.

Die Presse.com

Der Nationalrat beschließt am Donnerstag ein Kopftuchverbot in Österreichs Volksschulen. Zu dem Initiativantrag der Koalition gibt es eine Ausschussfeststellung, wonach etwa die jüdische Kippa oder die Patka der Sikhs nicht vom Verbot betroffen sei. Verfassungsjurist Theo Öhlinger hält dies für überhaupt nicht verbindlich, aber auch für überflüssig, wie er am Mittwoch sagte.

Eine Ausschussfestlegung sei eine Auslegungshilfe, wenn das betreffende Gericht das wolle. „Wenn es nicht will, ignoriert es das“, so Öhlinger. In der Festlegung heißt es wörtlich, dass nur jene Art von Bekleidung gemeint sei, „die das gesamte Haupthaar oder große Teile dessen verhüllt“. Patka und Kippa fielen daher nicht unter diese Regelung. Eine Gleichsetzung von Kopftuch und Kippa sieht Öhlinger aber ohnehin nicht gegeben, denn ersteres sei „Ausdruck von Diskriminierung“ der Mädchen, wogegen die Kippa ein religiöser Brauch sei.

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Israel: Liberman rasselt mit dem Säbel

Avigdor Liberman, Chef der Partei «Israel Beiteinu» (Israel ist unser Heim, 5 Knessetsitze) brachte am Montag das Thema der umstrittenen DNA-Tests für die Bestimmung des jüdischen Status von Bürgern zur Sprache.

tachles.ch

Er werde keiner Regierung beitreten, meinte er, ohne die Garantie, dass eine Vorlage seiner Partei für den Bann dieser Praxis verabschiedet würde. Im März hatte Israels Oberrabbiner David Lau eingeräumt, dass DNA-Test in gewissen, vereinzelten Fällen benutzt würden, um den jüdischen Status von Personen zu bestimmen, von denen das rabbinische Gericht nicht überzeugt sei, dass sie effektiv jüdisch seien. Diese Praxis läuft dem säkularen Charakter von Libermans Partei ganz offensichtlich zuwider. Angesichts der nur schleppend vorankommenden Koalitionsverhandlungen sieht «Israel Beiteinu» keinen Grund, ihren parlamentarischen Wert möglichst teuer zu verkaufen. Hinzu kommt, dass es sich bei den rund 20 Fällen, in denen rabbinische Gerichte bisher DNA-Tests verlangt haben, durchwegs um Bürger aus der ehemaligen Sowjetunion oder deren Nachkommen handelte. Damit wurde das Thema zu einem Politikum für Libermans Partei, die einen Grossteil ihrer Unterstützung aus dieser Gemeinschaft bezieht. Einige rabbinische Gerichte haben sich schon geweigert, gewisse Personen für jüdische Eheschliessungen anzumelden, sollten sie es abgelehnt haben, sich einem solchen DNA-Test zu unterziehen.

Judentum und Abendland: Das westliche Denken ist von Athen geprägt. Wo ist das Vermächtnis Jerusalems geblieben?

Die abendländische Philosophie ist nicht nur als Siegeszug des Platonismus, sondern auch als eine Geschichte des Protestes dagegen zu verstehen: Jürgen Habermas. (Bild: Martin Gerten / Keystone)
Das westliche Denken hat sich aus der Vorherrschaft der Religion befreit. Doch mit dem Siegeszug des Platonismus wurde ein Teil des Fundaments verschüttet: die jüdische Tradition. Jürgen Habermas’ neuestes Buch verspricht Klärung.

Jan-Heiner Tück | Neue Zürcher Zeitung

Es ist schon fast vergessen. Vor dreissig Jahren erschien in den «Zwischenbetrachtungen», der Suhrkamp-Festschrift zu Jürgen Habermas’ 60. Geburtstag, ein kleiner Aufsatz des Theologen Johann Baptist Metz, der eine Krise der Geisteswissenschaften diagnostizierte. Das Christentum habe in seiner formativen Phase einseitig auf das Denkangebot Griechenlands gesetzt und die Bedeutung des Glaubens in hellenistischen Kategorien ausbuchstabiert. Dabei sei das genuin jüdische Denkangebot aus dem Blick geraten, nämlich jene anamnetische Tiefenstruktur der Vernunft, die Denken als Andenken und geschichtliches Eingedenken begreife.

In dieser «Halbierung der Vernunft» sieht Metz 1989 den eigentlichen Grund für die Krise der Geisteswissenschaften, die sich durch Auschwitz noch einmal verschärft habe. Mit einem Seitenblick auf Habermas notiert er, dass dessen Theorie des kommunikativen Handelns das Denken unter «Gleichzeitigkeits­vorbehalt» stelle, die zeitgenössische Philosophie aber müsse die anamnetische Tiefenstruktur der Vernunft wiederentdecken, wenn sie sich erfolgreich gegen die instrumentelle Verkürzung der Rationalität wehren wolle.

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Netanyahu braucht eine starke Hamas

„Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ Screenshot: bb
Während diese Woche in Israel Raketen aufschlugen, muss sich Binyamin Netanyahu der Schwierigkeit stellen, dass er in einer Konfrontation mit der Hamas nur verlieren kann.

Jacques Ungar | tachles.ch

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In einem knapp 48-stündigen Waffengang zwischen Israel und Hamas sowie Islamischem Jihad aus dem Gazastreifen feuerten palästinensische Terroristen Anfang Woche 698 Raketen gegen Israel ab. 240 Mal trat das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome erfolgreich in Aktion. Auf der Soll-Seite dieser Milchmädchenrechnung stehen vier israelische Tote, 234 teils schwer Verwundete sowie 350 IDF-Angriffe auf Terrorziele im Gazastreifen. Die Palästinenser vermeldeten auf ihrer Seite 30 Opfer und 154 Verletzte.

Für Aussenstehende – und das sind die meisten, wenn es um die Ergebnisse militärischer Auseinandersetzungen mit israelischer Beteiligung geht – erscheinen die wiederkehrenden Konfrontationen zwischen Israel und den palästinensischen Terrorverbänden wie immer «vertrauter» werdende Abläufe. Umso deutlicher lassen sich jedes Mal auch die Fragen nach dem Zweck solchen Unterfangens vernehmen, oder viel eher nach dem richtigen beziehungsweise falschen Zeitpunkt für dessen militärische Beendigung.

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Knobloch hat Hoffnung auf „Zeit ohne Judenhass“ aufgegeben

Synagoge in Berlin. Themenbild Bild: bb
Das gesellschaftliche und politische Problembewusstsein für Antisemitismus ist nach Ansicht von Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, gewachsen.

evangelisch.de

„Doch die Hoffnung darauf, eine Zeit ohne Judenhass noch zu erleben, in der jüdisches Leben in Deutschland Normalität ist und in der jüdische Gemeinden ohne Panzerglas und ohne Sicherheitsschleusen auskommen, habe ich für mich selbst bereits aufgegeben“, sagte Knobloch am Sonntag beim Gedenken zum 74. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau. Zu groß und zu zahlreich seien die Rückschläge der vergangenen Jahre gewesen.

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„Du sollst nicht töten!“: Das fünfte Gebot

Die Bibel verbietet das Töten – so scheint es zumindest in den Zehn Geboten zu stehen. Doch warum erlauben andere alttestamentliche Gesetze die Tötung eines Menschen? Das ist ein Spannungsfeld, dem sich jede Gesellschaft stellen muss.

Von Till Magnus Steiner | katholisch.de

Mord oder Totschlag? Das fünfte Gebot, das im Hebräischen nur aus zwei Wörtern besteht, definiert nicht, was verboten wird. Doch die Sprache ist eindringlich. Voran steht die Verneinung: Nicht! Und darauf folgt nur noch ein Wort – und es ist weder das typisch verwendete Wort für „töten“, noch das für „erschlagen“. In der antiken, jüdischen Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische, genannt Septuaginta, wird die Bedeutung dieses Wort vereindeutigt: „Nicht sollst du morden!“. Es gibt in den alttestamentlichen Gesetzen eben auch ein erlaubtes Töten: das Töten von Tieren für Nahrung und zu Opferzwecken, das Töten von Menschen aus Notwehr, im Krieg und bei der Vollstreckung der Todesstrafe. Das fünfte Gebot verbietet scheinbar eine bestimmte Art des Tötens, die im Hebräischen mit dem Wort רָצַח (gesprochen: razach) ausgedrückt wird.

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«Lasst es uns einfach nicht sagen» – die USA rücken von der Zweistaatenlösung ab

Jared Kushner hat am Donnerstag Grundzüge seines Friedensplans für den Nahen Osten enthüllt. (Bild: Yuri Gripas / Reuters)
Trumps Schwiegersohn legt bald seinen Friedensplan für den Nahen Osten vor. Er sieht wohl vor, dass die Palästinenser gegen Milliardensummen auf einen eigenen Staat verzichten sollen.

Meret Baumann | Neue Zürcher Zeitung

Die USA wollen offenbar von ihrer jahrzehntelangen Position im Nahostkonflikt zwischen Israel und den Palästinensern abrücken. Donald Trumps Berater und Schwiegersohn Jared Kushner soll im Juni seinen lange erwarteten Plan für eine Friedenslösung vorlegen, über den bisher wenig Konkretes publik geworden ist. Am Donnerstagabend hat er nun aber anlässlich einer Veranstaltung des Washington Institute for Near East Policy erklärt, dass die Zweistaatenlösung nicht Teil seines Konzepts sei. «Wir haben gesagt: Lasst es uns einfach nicht sagen», so Kushner. Die Israeli und die Palästinenser verstünden unter der Zweistaatenlösung unterschiedliche Dinge, deshalb gelte es vielmehr an den Details zu arbeiten.

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Was Sie über den Teufel wissen müssen – man muss an ihn glauben!

Teufelszeichnung von 1840 Quelle: Getty Images/Grafissimo
Ist der Teufel eigentlich eine eigene Gottheit, und wenn nicht, warum hat er dann eine solche Macht? Er beherrscht vielleicht nicht die ganze Welt, aber dafür seit Jahrhunderten unsere Fantasie und Vorstellungskraft.

Von Richard Kämmerlings | DIE WELT

Der Satan ist ein armer Teufel. Niemand liebt ihn wirklich, aber umgekehrt sind diejenigen, die ihn abgrundtief hassen, oft ziemlich langweilige bigotte Gutmenschen. Man fürchtet ihn, verehrt ihn vielleicht oder empfindet allenfalls eine vage „Sympathy for the devil“.

Sogenannte Satanisten beten ihn sogar an, müssen sich aber dann von Theologen anhören, dass der Teufel gar kein richtiger (nur halt finsterer) Gott ist, sondern nur ein wegen Aufsässigkeit gehöllenfeuerter Engel oder sogar ein williger Vollstrecker göttlichen Willens, quer durch die Heilsgeschichte wie einst die Blues Brothers im Auftrag des Herrn unterwegs, um die moralische Standhaftigkeit der Menschen auf die Probe zu stellen. Der Diabolus als advocatus diaboli.

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Doch kein Beleg für König David?

Auf der moabitischen Mesha-Stele (links) soll in Zeile 31 der Begriff „Haus Davids“ erwähnt sein, doch dort sind die Buchstaben beschädigt. © historisch
Balak statt David? Einer der wenigen Hinweise auf die reale Existenz des biblischen Königs David könnte sich nun als falsch erweisen. Denn auf der sogenannten Mesha-Stele aus dem jordanischen Dibon steht offenbar doch nicht „Haus Davids“ wie bisher angenommen. Stattdessen lautet der stark beschädigte Name wahrscheinlich „Balak“ – und dieser war vor rund 3.000 Jahren ein König der Moabiter, wie Wissenschaftler nun berichten.

scinexx

War der biblische König David eine historische Gestalt oder doch nur eine Legende, eine Symbolfigur? Bis heute gibt es auf diese Frage keine eindeutige Antwort, denn es fehlt an klaren Beweisen für seine Existenz. Bisher kennen Archäologen nur drei Inschriften, in denen der Name David in Zusammenhang mit einem Stamm oder Königshaus erwähnt wird – und selbst diese sind wegen des schlechten Erhaltungszustands der Stelen strittig.

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Antisemitismusbeauftragter Klein befürwortet religiöse Bildung: „Moscheegemeinden stärker einbinden“

Bild: bb
Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, ist seit einem Jahr im Amt. Im Interview spricht er über Ursachen von Judenhass, wirksame Gegenmaßnahmen – und ein besonderes Jubiläum im Jahr 2021.

DOMRADIO.DE

KNA: Herr Klein, wie sieht Ihre Bilanz nach einem Jahr aus?

Felix Klein (Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung): Erst einmal musste ich Strukturen schaffen: So habe ich etwa – neben dem Aufbau eines Referats im Innenministerium – angeregt, dass jede Bundestagsfraktion einen Berichterstatter zum Thema benennt. Der Kampf gegen Antisemitismus soll ja nicht nur ein Unterkapitel der Innenpolitik sein. Ich bin dafür da, unsere Gesellschaft von Antisemitismus zu befreien. Dabei bin ich nicht nur der Anwalt der jüdischen Gemeinschaft in unserem Land, sondern unserer gesamten Gesellschaft.

KNA: Sie haben auch angeregt, dass es eigene Beauftragte in den Bundesländern gibt.

Klein: Mit Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, die jetzt neu hinzukommen, sind wir zwölf – da werden sich auch die anderen nicht entziehen. Es ist effizienter, wenn ich einen Hauptansprechpartner habe, weil es auch in den Bundesländern ein ressortübergreifendes Thema ist und etwa innere Sicherheit oder Bildung betrifft. Wir wollen unser Vorgehen dann in der neu eingerichteten Bund-Länder-Kommission besprechen, die auch Beschlüsse fassen kann.

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F wie Palästina

Bild: Makbula Nassar/CC BY-SA-4.0
Palästina könne es nicht geben, im Arabischen gebe es keinen Buchstaben „P“. Mit dieser Aussage zieht der Sohn des israelischen Premiers derzeit viel Spott auf sich

Fabian Goldmann | TELEPOLIS

Die Geschichte von Israelis und Palästinenser ist voller Versuche, den Nähostkonflikt allein dadurch zu lösen, indem man die Existenz der Gegenseite negiert: Die frühen Zionisten zogen unter dem Slogan „Ein Volk ohne Land für ein Land ohne Volk“ ins seit Jahrtausenden besiedelte Palästina. Die israelische Premierministerin Golda Meier stellte 1969 im Zeitungsinterview fest: „So etwas wie Palästinenser gab es nicht.“ Und mit der Herangehensweise eines kleinen Kindes, das glaubt, das Monster hinter der Gardine würden verschwinden, wenn es nur lang genug das Gesicht ins Kissen drückt, sprechen auch heute noch Millionen Menschen vom „zionistischen Gebilde“, wenn sie „Israel“ meinen.

Mit einer besonders kreativen Idee, den Nahostkonflikt auf rhetorische Weise zu lösen, hat sich nun Yair Netanyahu zu Wort gemeldet. Der 27-Jährige, der neben dem Umstand, Sohn des israelischen Premiers zu sein, vor allem für seine radikalen Social Media-Posts bekannt ist, schrieb in einem mittlerweile gelöschten Tweet, dass es Palästina schon allein deshalb nicht geben könne, weil es im Arabischen kein „P“ gebe.


Der innovative Versuch, Staatstheorie und Völkerrecht auf eine neue phonetische Grundlage zu stellen, brachte dem jungen Netanyahu in Sozialen Netzen vor allem jede Menge Spott ein. Eine Sache kam dabei allerdings zu kurz: Yair Netanyahus Aussage ist nicht nur dämlich, sondern auch falsch. Denn „p“ ist arabischer als Netanyahu lieb sein dürfte.

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„House of One“ weist Kritik an Geldgeber zurück

Bild: bb
Das interreligiöse Berliner „House of One“ ist wegen finanzieller Zuwendungen der Qatar Foundation International in die Kritik geraten.

evangelisch.de

Das christlich-jüdisch-muslimische Drei-Religionen-Haus wies die Kritik am Freitag zurück. Verbindungen der Stiftung zu islamistischen Organisationen seien dem „House of One“ nicht bekannt, sagte Sprecherin Kerstin Krupp dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Freitag in Berlin. Die „Bild“-Zeitung hatte zuvor den Islamismus-Experten Ahmad Mansour mit den Worten zitiert, die Qatar Foundation International habe Verbindungen zu islamistischen Organisationen. Das „House of One“ verspiele durch die finanzielle Unterstützung Sympathien.

Das „House of One“ werde von der Qatar Foundation International für ein Jahr mit einem Betrag im niedrigen sechsstelligen Bereich unterstützt, sagte Krupp. Damit würden sechs Teilzeitstellen im Bildungsbereich finanziert. Zwei der Pädagogen erteilten auch Arabisch-Unterricht in der evangelischen Schule Berlin-Mitte. Die Stiftung fördere das „House of One“ seit November 2018.

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Tschechiens Kirchen befürchten Ruin durch Besteuerung: „Unmoralisch und verfassungswidrig“

Panorama von Prag © N.N. (Pixabay)
Furcht vor einem finanziellen Kollaps: Vertreter der tschechischen Kirchen und Religionsgemeinschaften haben an diesem Mittwoch mit Sorge auf die Folgen einer Besteuerung der Restitution ihres Eigentums durch den Staat reagiert.

DOMRADIO.DE

Das Abgeordnetenhaus in Prag hatte am Vortag ein Veto des Senats gegen ein entsprechendes Vorhaben überstimmt.

In einer gemeinsamen Erklärung beklagten die Kirchenvertreter, dass die Besteuerung des finanziellen Ausgleichs für nicht mehr zu restituierendes früheres Kircheneigentum den Kirchen erhebliche finanzielle Schwierigkeiten bereiten würde. Einige kleinere Glaubensgemeinschaften stünden damit womöglich vor dem Ruin.

Änderungsantrag „unmoralisch und verfassungswidrig“

Die Erklärung wurde von den Vorsitzenden der tschechischen katholischen Bischofskonferenz, Dominik Duka, des Ökumenischen Rates der Kirchen, Daniel Zenaty, und des Bundes der jüdischen Gemeinden, Petr Papousek, veröffentlicht. Sie halten den Änderungsantrag, der von der Kommunistischen Partei (KSCM) eingebracht worden war, für „unmoralisch und verfassungswidrig“.

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Christlich-jüdischer Dialog: Ich bin nicht euer älterer Bruder

Die monotheistischen Religionen haben Abraham als Stammvater ihrer Religion (ImageBroker / GuenterxFischer)
Alte Brüder gleich Altes Testament? Genau da liege das Missverständnis, meint Autor Gerald Beyrodt. Wer Juden gönnerhaft ältere Brüder nenne, ignoriere, wie viel nach der Zeit Jesu passiert sei. Und freundlich sei das auch nicht.

Von Gerald Beyrodt | Deutschlandfunk

Komplimente gefallen mir immer. Egal, ob man mich intelligent oder gutaussehend oder sogar jung nennt und egal wie niedrig die Wahrheitsdichte des Komplimentes ist, ich freue mich über alles. Aber ich habe gelesen, dass Papst Johannes Paul der II Juden als „unsere älteren Brüder“ bezeichnet hat. Das ist sicher besser als sein emeritierter Nachfolger Benedikt, der sich nicht sicher ist, ob Gott seinen Bund mit Israel aufrecht erhalten oder aufgekündigt hat.  Aber irgendwie stört es mich, ein „älterer Bruder“ zu sein. Zudem hat der Kirchenmann die jüdischen Frauen vergessen,  aber „ältere Brüder und Schwestern“ klingt in meinen Ohren nicht besser.

Nichts passiert seitdem

Zweifelsohne hat Johannes Paul der II. seine Aussage ganz nett gemeint. Die Juden – das sind doch die, die die man fragen kann, wenn man wissen möchte, wie es zur Zeit Jesu so war. Oder wenn man irgendeine Anspielung auf die hebräische Bibel nicht versteht, die man selbstverständlich Altes Testament nennt. Alte Brüder, Altes Testament: ist doch griffig. Und genau da liegt das Missverständnis.

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Durchgreifende Korrekturen als Frage des Überlebens

Bild: Free-Photos
Unsere Zivilisation befindet sich in einer kollektiven Hyperventilation – regiert von einer veralteten Politikerkaste, die von der revoltierenden Schülergeneration hoffentlich bald abgewählt wird

Peter Bürger | TELEPOLIS

Vor knapp 250 Jahren konnte der Dichter Matthias Claudius (1740-1850) seine Leserschaft noch dazu ermuntern, täglich die Freude am eigenen Menschsein zu besingen: „Ich danke Gott, und freue mich / Wie ’s Kind zur Weihnachtsgabe, / Dass ich bin, bin! Und dass ich dich, / Schön menschlich Antlitz! habe.“ An die Schönheit der Gattung Mensch vermag heute ein Großteil des Publikums nicht mehr zu glauben. Zu offenkundig ist die Übermacht der zerstörerischen und selbstmörderischen Potenzen unserer Spezies geworden.

In einem seit langem kursierenden Witz, der gar nicht lustig ist, drückt sich Hilflosigkeit aus: Die Erde klagt auf einem Planetentreffen, sie sei von einer Krankheit mit Namen homo sapiens befallen. Sie wird von den anderen Planeten getröstet, diese Krankheit gehe gewiss bald vorüber.

Es scheint also schon ausgemacht zu sein, dass es kein „Happy End“ geben kann und der Mensch schlussendlich ob seiner Hässlichkeit abtreten muss: „Leben, dieses Wunder unseres Universums, entstand vor vier Milliarden Jahren. Der Mensch trat vor rund 200 Tausend Jahren auf. Und doch hat er es in dieser relativ kurzen Zeit geschafft, das Gleichgewicht der Natur zu gefährden.“ (Yann Arthus-Bertrand: Dokumentarfilm „Home“, 2009)

Angeblich soll zum Aufbegehren in unseren Tagen die grundlegende Theorie, „Erzählung“ oder Botschaft fehlen. Die radikale Fragestellung, die junge Menschen – trotz polizeistaatlicher Einschüchterungsmanöver und des ignoranten „Volkspartei“-Personals – zu Protesten im Hambacher Forst und anderswo oder zu den Schulstreiks in Bewegung setzt, wird bei diesem Lamento von Politstrategen übersehen, gerade weil sie so grundlegend ist. Sie lautet: „Scheitert der homo sapiens?“ Eine politische Bewegung, die im 21. Jahrhundert die Gattungsfrage nicht stellt, kann weder ernstgenommen werden noch erfolgversprechend sein.

Das Drama des Menschen: Angst, nicht Stolz

An dieser Stelle gilt es jedoch, innezuhalten. Wenn wir nicht auf der Stelle treten wollen, ohne weiterzukommen, müssen wir zunächst das Drama des Menschen erhellen. Die Mythen der Völker wollen wissen, wir seien ursprünglich eingebettet gewesen in ein paradiesisches Lebensgefüge. Ernst Bloch spricht von einer „Heimat“, die „allen in die Kindheit scheint (und worin noch niemand war)“. Sobald wir erwachen und zu Bewusstsein kommen, ist es uns offenbar verwehrt, träumend, kinderselig und „unschuldig“ durch die Weltgeschichte zu gehen.

Folgenreich ist jene Deutung des Paradiesverlustes, die besonders nachdrücklich Augustinus von Hippo vorgelegt hat. Der erste Mensch, so wollte dieser Kirchenvater wissen, sei der Sünde des Hochmutes verfallen und habe sich in einem Zustand wirklicher Wahlfreiheit aus eigenen Stücken – ohne Zwang – für das Böse entschieden.

In dieser Linie wird man der „Erzählung vom bösen Menschen“ folgen, die Bestandteil jeder Herrschaftsideologie ist. Es bleibt dann nur noch die Möglichkeit, die Menschen durch Zwang vom Schändlichen abzuhalten oder auf dem Weg der Moralpredigt zum Guten zu bewegen. Noch immer glauben gerade auch viele Gutgesinnte, das Weltgeschick ließe sich durch moralische Verurteilungen und Appelle zum Besseren hinlenken.

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Netanyahus letzter Bückling vor den Rechten

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bei einer Medienkonferenz Anfang April. (Bild: Ronen Zvulun / Reuters)
Israels Regierungschef sagt, er werde Siedlungen im Westjordanland annektieren, falls er gewählt werde. Ein Palästinenserstaat gefährde die nationale Sicherheit.

Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

In einem Interview mit dem israelischen Fernsehen hat Ministerpräsident Netanyahu am Samstagabend gesagt, falls er gewählt werde, plane er, diverse Siedlungen im Westjordanland zu annektieren, also zu israelischem Staatsgebiet zu machen. Doch wie so oft blieb Netanyahu in den Details vage. In den hiesigen Medien wird gerätselt, ob er von einzelnen Siedlungen sprach oder vom ganzen Westjordanland. Die jüdischen Siedlungen im Westjordanland werden von der Weltgemeinschaft als illegal und als wichtiges Hindernis auf dem Weg zu einer Friedenslösung betrachtet.

Jonglieren mit Vagheiten

Am Dienstag gehen die Israeli an die Urne, und Netanyahu, der nicht möchte, dass die Parteien zur Rechten allzu stark abschneiden, hat es offenbar für nötig befunden, deren Annexionspläne teilweise zu übernehmen. Das ist etwas, was er bisher explizit nicht getan hat. Seine Regierung sei daran, mit den USA die israelische Souveränität auf Maale Adumim «und andere Dinge» (sic) auszudehnen, sagte Netanyahu in dem Interview. Die nächste Legislatur werde schicksalshaft, da es darum gehe, Israels Sicherheit und Kontrolle in wichtigen Territorien im Westjordanland zu garantieren.

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Bundeswehr hat künftig Militärrabbiner

Rund 300 jüdische Soldaten dienen in der Bundeswehr © Karl-Josef Hildenbrand (dpa)
Mehr als 70 Jahre nach dem Holocaust bekommt die Bundeswehr eine jüdische Seelsorge – per Staatsvertrag soll es in den Streitkräften künftig Militärrabbiner geben. Passend dazu: eine Konferenz zum Thema in Berlin.

DOMRADIO.DE

Sein Schritt war umstritten. Als Michael Fürst Ende der 1960er Jahre, gut 20 Jahre nach dem Ende der Schoah, als erster Jude Zeitsoldat in der Bundeswehr war, gab es durchaus Gegenwind und Unverständnis. Etwa in der jüdischen Gemeinde in Hannover, wo er mit Uniform im Gottesdienst erschien, wie Fürst dem Deutschlandfunk einmal sagte.

Rund 300 jüdische Soldaten in der Bundeswehr

Und in der „Jüdischen Allgemeinen“ berichtete er von einem Ausbilder, der sich offen als Antisemit bezeichnet habe. Mittlerweile gibt es Schätzungen zufolge rund 300 jüdische Soldaten in der Bundeswehr – die nun eine jüdische Seelsorge bekommen soll, wie das Verteidigungsministerium am Dienstag ankündigte.

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Ist Säkularität ein Segen für die Religion? Eine interreligiöse Runde will es wissen

Ist Säkularität ein Segen für die Religion? © Julia Steinbrecht (KNA)
Es ist eine provokante Frage: Ist Säkularität ein Segen für die Religion? Auf die Suche nach einer Antwort begibt sich an diesem Mittwoch eine Diskussionsrunde mit Juden, Christen und Muslimen in der Kölner Kirche St. Agnes. Was steckt dahinter?

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: In der Kölner katholischen Pfarrgemeinde St. Agnes hängt ein sehr ungewöhnliches Hungertuch. Darauf zu sehen sind Porträts von Menschen aus Köln. Es sind Juden, Muslime, Christen, bekannte und weniger bekannte Gesichter.

Das ist der Hintergrund, um mittels einer Podiumsdiskussion zu klären, ob Säkularität ein Segen für die Religion ist. Wie kommen Sie darauf, dass eine sehr weltliche Gesellschaft ein Segen für die Religion sein könnte und nicht ein Fluch?

Peter Otten (Pastoralreferent in St. Agnes, Köln): Zum einen, weil das in dem Kunstwerk selber angelegt ist. Der Künstler Oscar Stocker hat 64 Menschen aus Köln gemalt und hat sie absichtlich so gemalt, dass keine Äußerlichkeiten von Religion oder Konfession sichtbar sind. Man sieht das reine Antlitz der Menschen. Oscar Stocker ist ein Mensch, der mit Religion wenig zu tun hat. Auf jeden Fall war das in den Vorgesprächen nie ein Thema. Und diesem Menschen vertrauen wir jetzt unsere Kirche an.

Er hat an einer sehr zentralen Stelle eine katholische Tradition wieder aufgegriffen, nämlich ein Hungertuch aufgehängt und im Prinzip damit eine moderne Ikonostase geschaffen. Das heißt, er hat quasi mit den Menschen von heute das Allerheiligste verdeckt. Damit drängen sich die Fragen auf, welche Bedeutung die säkulare Welt hat und welche Bedeutung Menschen wie du und ich haben, um Aussagen über Gott, über das Allerheiligste treffen zu können.

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