16jährige Palästinenserin steht vor israelischem Militärgericht

Die 16jährige Ahed Tamimi gestern beim Prozessauftakt.Foto: Ilia Yefimovich/dpa
Die Familie von Ahed Tamimi kämpft schon lange gegen die israelischen Soldaten im Westjordanland. Nun wird einer minderjährigen Tochter der Prozess gemacht.

Von Lissy Kaufmann | DER TAGESSPIEGEL

Knapp einen Monat nach der Verhaftung hat am Montag vor dem israelischen Militärgericht der Prozess gegen die 16-jährige Palästinenserin Ahed Tamimi begonnen. Das Mädchen hatte am 15. Dezember vor dem Haus der Familie in Nabi Saleh im Westjordanland einen israelischen Soldaten getreten und geschlagen. Ihre Mutter filmte den Vorfall, das Video kursierte kurze Zeit später in den sozialen Netzwerken. Die israelischen Soldaten sind darin zu sehen, wie sie sich nicht provozieren lassen und ruhig bleiben – auf israelischer Seite sind sie dafür gelobt worden.

Für Ahed Tamimi hatte der Vorfall Konsequenzen. Wenige Tage später, mitten in der Nacht, wurde sie festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft. Seit 1. Januar ist sie in zwölf Punkten angeklagt – auch weil sie in den vergangenen zwei Jahren unter anderem Steine geworfen und Soldaten gedroht haben soll. Beobachtern zufolge könnten ihr mehrere Jahre Haft drohen.

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Rewriting history, Abbas calls Israel a ‘colonial project’ unrelated to Judaism

Palestinian Authority President Mahmoud Abbas speaks during a meeting with the Palestinian Central Council, a top decision-making body, at his headquarters in the West Bank city of Ramallah, January 14, 2018. (AP Photo/Majdi Mohammed,l)
In speech ignoring Jewish ties to holy land, PA head implies European Jews chose to die in Holocaust rather than go to Palestine; claims Ben-Gurion forced Mideast Jews to Israel

By Dov Lieber | The Times of Israel

Palestinian Authority President Mahmoud Abbas on Sunday night implied European Jews during the Holocaust chose to undergo “murder and slaughter” over emigration to British-held Palestine, and alleged that the State of Israel’s first prime minister David Ben-Gurion imported Jews from Yemen and Iraq to the country against their will.

The Palestinian leader further asserted that the State of Israel was formed as “a colonial project that has nothing to do with Judaism” to safeguard European interests.

The PA leader delivered a mini-lecture on his understanding of the history of Zionism on Sunday, claiming the Jewish state deliberately stirred trouble in Arab countries in order to forcibly move Middle Eastern Jews into the sparsely populated nascent state.

Abbas, in his address, made no mention of the Jews’ historic presence and periods of sovereignty in the holy land. Israel is the only place where the Jews have ever been sovereign or sought sovereignty.

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Offener Brief an Sigmar Gabriel

Außenminister Sigmar Gabriel (M.) bei der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus. ©imago
Schreiben an Bundesaußenminister: Heftige Kritik wegen Apartheid-Vergleich

Jüdische Allgemeine

Die Kölnerin Malca Goldstein-Wolf hat sich in einem Offenen Brief an Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) gewandt. Anlass war sein Treffen mit muslimischen Vertretern bei der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA) .

Dies sei, so schreibt Goldstein-Wolf, grundsätzlich eine gute Idee. »Wenn Sie zu diesem Anlass allerdings Ihre Diffamierung über Israel als Apartheid-Staat wiederholen, dann ist das nicht nur kontraproduktiv, sondern scharf zu verurteilen.« Die Kölnerin fordert den Bundesaußenminister auf, sich für die Behauptung, Israel sei ein Apartheid-Regime, öffentlich zu entschuldigen. »Mit dieser Lüge liefern Sie den Jugendlichen, die Antisemitismus bereits mit der Muttermilch aufgesogen haben, weitere Munition, um Israel zu hassen.«

Solidaritätsbekundungen zu Israel und Juden hätten erst dann Gewicht, wenn die Worte nicht im Widerspruch zu den Taten stünden. »Wenn Sie Juden und auch Israel schon nicht schützen wollen, dann unterstützen Sie wenigstens nicht deren Feinde.« Es sollte Gabriel eigentlich eine Herzensangelegenheit sein, das Land, das seit seiner Existenz von Feinden bedroht wird, zu unterstützen, so Malca Goldstein-Wolf. »Stattdessen lassen Sie kaum ein Fettnäpfchen aus, um Israel zu brüskieren.«

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Delmenhorster Islamverein wirft dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Verleumdung vor

Pedro Benjamin Becerra, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, hatte zuletzt den Verein Islamischer Weg scharf kritisiert. Dieser wehrt sich nun gegen die Vorwürfe. Archivbild: Marco Julius
Der Islamische Weg wehrt sich gegen Vorwürfe aus der Jüdischen Gemeinde, wonach der Verein „gegen Israel und Juden“ agitiere. Der Vorsitzende der Gemeinde, Pedro Benjamin Becerra, hatte beim Neujahrsempfang der KAB kritische Worte geäußert.

Von Frederik Grabbe | OSNABRÜCKER ZEITUNG

Der Verein Islamischer Weg stellt sich Äußerungen des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Pedro Benjamin Becerra, entgegen, wonach der Verein „mitten in Delmenhorst gegen Israel und die Juden“ agitiere. Die Worte Becerras beim Neujahrsempfang der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) lässt der Islamische Weg nicht unwidersprochen. Der Vereinsvorsitzende Yavuz Özoguz wirft Becerra in einer Stellungnahme Verleumdung vor. „Dazu ist festzustellen, dass der Islamische Weg e.V. noch nie gegen das Judentum oder Anhänger der Religion agiert hat und das auch niemals tun wird. Ganz im Gegenteil ist das Judentum eine im Islam und von Muslimen respektierte Religion“, so Özoguz. Özoguz spricht in der Mitteilung von einer „völkerrechtswidrigen Besatzung“ Palästinas durch Israel, die der Verein kritisiere. Becerra vereinnahme das Judentum für völkerrechtswidrige Handlungen Israels.

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Britons View Atheists As More Moral Than Believers, Religion More Harmful Than Good

Image: Church and State
An eye-opening survey conducted in the UK reveals a truth many in the United States will find shocking. When asked if atheists are more or less moral than religious people, our allies across the pond favor atheists.

By Frank Minero | Church and State

The British feel those who identify as atheists are more likely to be good people. In fact, 12.5% of Britons believe atheists are more moral, while only 6% say atheists are less moral.

Fewer than a quarter of Britons believe religion is a force for good. On the contrary, over half believe religion does more harm than good. Even 20% of Britons who describe themselves as ‘very religious’ are on record stating religion is harmful to society.

The poll, conducted by Survation for the HuffingtonPost UK’s series Beyond Belief doesn’t address why Britons have come to this conclusion, however faith in God and religion is falling in America as well. Jerome Baggett, a professor at the Graduate Theological Union in Berkeley, California told The San Francisco Business Times why he thinks people are retreating from religion in the United States,

“Religious institutions themselves have lost their legitimacy in the eyes of many Americans due to sexual and financial scandals, or political overreaching ‘by the so-called Christian right.’”

Linda Woodhead, professor of the sociology of religion at Lancaster University, told The Huffington Post UK she found the results of the poll “striking,”

“This confirms something I’ve found in my own surveys and which leads me to conclude that religion has become a ‘toxic brand’ in the UK. What we are seeing is not a complete rejection of faith, belief in the divine, or spirituality, though there is some of that, but of institutional religion in the historic forms which are familiar to people.”

Woodhead explains the reason Britons are distancing themselves from religion are “numerous” and include: sex scandals involving Catholic priests and rabbis, as well as Islamist terror attacks and conflict in the Middle East,

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Reformationstag: Jüdische Gemeinden und Katholiken gegen Feiertag

links: Bildnis von Gewalt gegen Juden entstanden 1250 ;rechts: „Von den Juden und ihren Lügen“: mit dieser Schrift begann Martin Luthers Serie judenfeindlicher Schriften von 1543. Bild: zu-Daily.de
Einen zusätzlichen freien Tag im Jahr wollen viele, aber welcher es sein soll, darüber gibt es Streit. Jüdische Gemeinden und die Katholiken in Niedersachsen kritisieren nun den Vorschlag „Reformationstag“. Es gibt schon andere Ideen.

FOCUS ONLINE

Die Jüdischen Gemeinden und die katholischen Bistümer in Niedersachsen haben sich gegen den Reformationstag als zusätzlichen Feiertag ausgesprochen. In einem Brief an die Abgeordneten des Landtags schrieb der Präsident der Jüdischen Gemeinden, Michael Fürst, dass er eine solche Entscheidung für nicht nur fehlerhaft, sondern für untragbar halte. Fürst wies auf antisemitische Ausfälle des Reformators Martin Luther hin.

Prälat Felix Bernard kritisierte in der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ für die katholischen Bistümer: „Die Diskussion wird im Augenblick geführt, ohne dass ein ernsthaftes Gespräch mit den Religionsgemeinschaften stattgefunden hat.“ Mit dem Buß- und Bettag dagegen könnten alle Religionen etwas anfangen.

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Was diese Tonscheibe über Jerusalems Tempelberg verrät

„Vom Stadtgouverneur“: Die Archäologin Schlomit Weksler-Bdolach hält das rund 2700 Jahre alte, münzgroße Tonsiegel in die Kamera Quelle: picture alliance / Israeli antiq
Archäologen haben eine antike Tonscheibe entdeckt. Sie beweist, dass zur Zeit König Salomons tatsächlich eine jüdische Herrschaft am Tempelberg existierte. Der Zeitpunkt der Entdeckung ist heikel.

Von Gil Yaron | WELT

Eigentlich dachte der Archäologe Schimon Cohen, dass er es nur mit Dreck von einer Ausgrabung in Jerusalem zu tun habe. Der Staubhaufen, den man in sein Labor bei der israelischen Altertumsbehörde lieferte, stammte aus der Wand eines Gebäudes aus der Eisenzeit, das bei Ausgrabungen direkt neben der Klagemauer in Jerusalems Altstadt entdeckt wurde.

Doch als er das Material nass durchsiebte, trat eine 15 Millimeter große, drei Millimeter dicke Tonscheibe zutage. Nähere Untersuchungen ergaben, dass es sich um eine sehr alte Plakette handelt. Es könnte sich gar um einen der wichtigsten archäologischen Funde des letzten Jahres handeln. Die Behörde machte die Entdeckung nun an einem heiklen Augenblick publik. Denn laut israelischen Experten fand Cohen einen der ersten Beweise für die Existenz eines jüdischen Königreiches zu Zeiten des Ersten Tempels. Ein Gruß aus der Bibel, zu einer Zeit, in der ihr historischer Inhalt von vielen Menschen verneint wird.

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Israels Parlament erschwert mögliche Teilung Jerusalems

Jerusalem. Bild: Andrew Shiva / CC BY-SA 4.0
Das israelische Parlament hat mit einer umstrittenen Gesetzesänderung eine mögliche künftige Teilung Jerusalems erschwert.

Frankfurter Rundschau

Für die Aufgabe von Gebieten, die zur Stadt gehören, müssten künftig mindestens zwei Drittel der Abgeordneten stimmen, berichtete das israelische Parlament auf seiner Internetseite. Bisher hätte eine einfache Mehrheit gereicht. Die Entscheidung fiel knapp einen Monat nach der kontroversen US-Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt. Im Anschluss daran war es zu teilweise blutigen Unruhen und israelischen Luftangriffen im Gazastreifen gekommen, bei denen 13 Palästinenser starben.

Israels Regierungspartei fordert Annexion des besetzten Westjordanlandes

Versammlung im Gazastreifen zum 53. Fatah-Gründungstag  © 2018 AFP
Das Zentralkomitee von Israels Regierungspartei Likud hat am Wochenende eine Annexion des besetzten Westjordanlandes verlangt.

stern.de

Das Zentralkomitee von Israels Regierungspartei Likud hat am Wochenende eine Annexion des besetzten Westjordanlandes verlangt. In einer nicht-bindenden Resolution rief das Gremium die Likud-Abgeordneten in der Knesset auf, die „Souveränität Israels auf Judäa und Samaria ( Westjordanland)“ auszuweiten. Unterdessen riefen die Palästinenser ihren Gesandten in den USA zu Konsultationen zurück, nachdem US-Präsident Donald Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt hatte.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu, der Mitglied des Likud-Zentralkomitees ist, war bei der Abstimmung nicht anwesend. Er unterstützt offiziell weiter eine Zwei-Staaten-Lösung im Konflikt mit den Palästinensern. Zugleich hat er aber auch die Ausweitung der jüdischen Siedlungen im Westjordanland vorangetrieben, das seit 50 Jahren von Israel besetzt ist.

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Auch Jesus wurde beschnitten – für die Kirchen war das früher ein Grund zum Feiern

Guido Reni: Beschneidung Jesu. Bild. wikipedia.org/PD

Es ist ein altes Klischee, dass Jesus ein netter jüdischer Junge war. Und wie allen netten jüdischen Jungen wurde ihm gut eine Woche nach der Geburt ein kleines Stück Haut entfernt – damit der Rest noch jüdischer werden konnte.

Von Rabbiner Walter Rothschild | Jüdische Allgemeine

(Ich rate Eltern immer, dass sie, wenn sie ihre Söhne in zwei Teile schneiden – in ein großes und ein kleines – darauf achten sollen, das Richtige zu behalten. Andererseits könnte, wer weiß, ein Politiker daraus werden.)

Im sogenannten Neuen Testament heißt es bei Lukas 2,21: »Und als acht Tage um waren und man das Kind beschneiden musste, gab man ihm den Namen Jesus, wie er genannt war von dem Engel, ehe er im Mutterleib empfangen war.« Acht Tage nach Weihnachten, also am 1. Januar. Daher leitet sich in der katholischen Liturgie übrigens der Begriff Oktavtag ab.

Die Vorhaut des armen Jungen soll der Legende nach von einer Hebamme gestohlen und im Jahr 800 von einem Engel an König Karl gegeben worden sein, der sie wiederum dem Papst gab! Je nachdem, an welche Legende man glauben möchte, gab es später bis zu 18 Vorhäute Jesu im mittelalterlichen Europa (sollte das 18 für »Chai« stehen?). Und sie alle hatten übernatürliche Kräfte. Zugegeben, wenn das gleiche Stück des Penis an 18 Orten gleichzeitig sein kann, klingt das für mich schon ziemlich wunderbar. Die meisten Männer haben genug Probleme, ihn an einem Ort zu halten.

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Über 2000 Juden beten an Jerusalems Klagemauer für Regen

Mehr als 2000 Juden haben am Donnerstag an der Klagemauer in der Jerusalemer Altstadt für Regen gebetet. Landwirtschaftsminister Uri Ariel, der Organisator der Zeremonie, sagte im israelischen Radio, ein Gebet könne helfen. © 2017 AFP
Mehr als 2000 Juden haben am Donnerstag an der Klagemauer in der Jerusalemer Altstadt für Regen gebetet. Landwirtschaftsminister Uri Ariel, der Organisator der Zeremonie, sagte im israelischen Radio, ein Gebet könne helfen.

DONAUKURIER

Mehr als 2000 Juden haben am Donnerstag an der Klagemauer in der Jerusalemer Altstadt für Regen gebetet. Landwirtschaftsminister Uri Ariel, der Organisator der Zeremonie, sagte im israelischen Radio, ein Gebet könne helfen. Unter den Teilnehmern waren zwei Großrabbiner: David Lau für die aschkenasischen – also aus Osteuropa stammenden – Juden und Jizchak Josef für die sefardischen oder orientalischen Juden.

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„Alles an Jesus ist jüdisch“

Die Judaistin Edna Brocke zu Gast im Deutschlandfunk (Deutschlandradio / Andreas Main)
Jesus von Nazareth ist nach Ansicht der Judaistin Edna Brocke nicht angetreten, eine Religion zu begründen. Er sei durch und durch jüdisch. Es habe in der jüdischen Geschichte „viele Messiasse“ gegeben, sagte Brocke im Dlf. Jüdische Künstler und Denker hätten kein Problem mit Jesus, jedoch mit antijüdischen Folgen in der Kirchengeschichte.

Edna Brocke im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: Willkommen zu dieser Weihnachtsausgabe von „Tag für Tag“ unseren Informationen aus Religion und Gesellschaft. Am Mikrofon ist Andreas Main. Es ist fast ein Jahr her, da war in Jerusalem eine Ausstellung über Jesus zu sehen, jenen Mann, dessen Geburt Christen an diesem Weihnachtsfest feiern. In dieser Ausstellung im Israelmuseum ging es um Annäherungen jüdischer Künstler an Jesus. Es wurden Kunstwerke berühmter Künstler wie Chagall gezeigt, aber auch zeitgenössische, unbekanntere Arbeiten.

Eine hochkarätige Ausstellung, die allerdings hierzulande in den Feuilletons komplett ignoriert wurde. Nur bei „Tag für Tag – Aus Religion und Gesellschaft“ gab es einen Beitrag dazu und den hat Edna Brocke gehört, und zwar kurz nachdem sie die Ausstellung in Jerusalem begeistert gesehen hatte. Es entspann sich ein Dialog über Jesus in der Kunst. Und darüber reden wir heute. Edna Brocke ist Israelin, Jüdin, sie lebt in Krefeld und in der Nähe von Tel Aviv. Sie ist Judaistin. Von 1988 bis 2011 hat sie die Begegnungsstätte „Alte Synagoge Essen“ geleitet. Geboren 1943 in Jerusalem engagiert sich die Judaistin bis heute an Unis und im christlich-jüdischen Dialog. Unser Thema heute: „Als Jude geboren in Betlehem – wie sich jüdische Künstler und Denker zu Jesus äußern.“ Danke, dass Sie ins Studio gekommen sind, Frau Brocke, herzlich willkommen.

Edna Brocke: Danke schön.

Main: Gehen wir zum Ausgangspunkt unserer Überlegungen, zu dieser Ausstellung in Israel. Wie haben Sie die empfunden?

Brocke: Sehr eindrucksvoll, einmal, weil sie die Vielfalt jüdischer Künstler einerseits und israelische Künstler andererseits gezeigt hat. Zum anderen, weil – wie ein Basso continuo -bei all den Bildern und auch wenigen Plastiken war eigentlich die Gestalt an sich nicht so sehr zentral, sondern die Folgen historischer, politischer, ökonomischer Art, die durch diese Person dann in der Kirchengeschichte Platz ergriffen hat. Und der Haupteindruck war Bedrückung. Die Folgen des Wirksamwerdens dieser Gestalt mit dem Begriff „ha-isch ha-säah“ – das war ja eine jüdische ablehnende Form, dieser Mensch, eben nicht Ecce-homo, sondern in einer sehr pejorativen Art und Weise – das war der Titel der Ausstellung mit dem Untertitel „jüdische und israelische Künstler“. Bedrückung, ja.

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Aufbruch zum säkularen Tempel der Menschheit

Bildung ist der Schlüssel zur Aufklärung: Schülerinnen in Afghanistan.Foto: Ulrike Scheffer
Ein großer, politischer Traum: Frieden und Versöhnung – auch zwischen den Religionen. Was wäre dafür notwendig?

Von Caroline Fetscher | DER TAGESSPIEGEL

RÜCKKEHR DER LEBENSFREUDE

Abends tanzen sie wieder. Es gibt wieder Partys, Afrobeats, westliche Sounds, es gibt wieder Bier. Die Jugendlichen in Maiduguri, der Stadt im Norden Nigerias, wo 2009 der Terror der Boko Haram begann, gehen heute wieder aus. Ihre Feiern organisieren sie privat. Noch wechseln sie Räume, wenn Orte zu bekannt werden. Aber seit die Boko Haram aus der Stadt gedrängt wurde, kehrt zurück, was die Islamisten auslöschen wollten und wofür Maiduguri berühmt war: Lebensfreude.

„Boko Haram“ bedeutet so viel wie „books are haram“ also: Bücher sind unrein, Bildung ist gottlos. Die Organisation hatte Schulmädchen verschleppt, liberale Imame und Lehrer getötet, Musik und Alkohol verboten. Jetzt debattieren sie an der Uni, wo Moslems wie Christen studieren, sogar über Liebe, Sex und Feminismus. 2017 haben die Terrormilizen noch achtmal Attacken auf die Universität Maiduguri verübt. Die Gefahr ebbt nur allmählich ab, während Vernunft sich durchsetzt gegen religiösen Fanatismus. Nur ohne ihn hat demokratische Freiheit eine Chance, ganz gleich wo.

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Zentralratspräsident wirbt für Anerkennung Jerusalems

Jerusalem. Bild: Andrew Shiva / CC BY-SA 4.0
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat Europa zur Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt aufgerufen. Präsident Josef Schuster nannte dies „einen naheliegenden Schritt“.

DER TAGESSPIEGEL

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat Europa aufgerufen, ebenso wie die US-Regierung Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. US-Präsident Donald Trump habe mit seiner Anerkennung „eigentlich nur einen Punkt benannt, der sowieso schon Fakt ist“, sagte der Zentralratspräsident Josef Schuster der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstagsausgabe). „Das israelische Parlament, der Staatspräsident, der Ministerpräsident und die Mehrheit der Ministerien haben ihren Sitz in Jerusalem. Staatsbesuche finden in Jerusalem statt.

Insofern halte er eine Anerkennung Jerusalems durch die EU-Staaten „für einen naheliegenden und guten Schritt“, fügte Schuster hinzu.

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Mädchen gegen Soldat

Sucht Konfrontation: Hier stellt sich die junge Palästinenserin Ahed Tamimi (rechts) israelischen Soldatinnen entgegen. (Foto: Abbas Momani/AFP)
  • Im Netz verbreiten sich Videos einer Auseinandersetzung zwischen einer 16-jährigen Palästinenserin und zwei israelischen Soldaten.
  • Für die einen sind es Bilder einer echten Heldin. Die anderen wollen sie im Gefängnis sehen.
  • Es ist ein Beispiel dafür, wie Israelis und Palästinenser auch online um Interpretationshoheit ringen.

Alexandra Föderl-Schmid | Süddeutsche Zeitung

Eine Aufnahme, zwei Welten, zwei Sichtweisen: Das Video eines palästinensischen Mädchens, das zwei israelische Soldaten provoziert, schubst, sogar ins Gesicht schlägt, verbreitete sich rasant im Netz. „Das müssen Sie sich anschauen: Das ist es, was israelische Soldaten durchmachen müssen“, schrieb die Organisation Israel Project dazu, die als Erste die Aufnahmen am vergangenen Montag ins Netz gestellt hatte, und: „Sie werden das nie in den Nachrichten sehen.“ Binnen drei Stunden wurde das Video 170 000 Mal aufgerufen, inzwischen hat es mehrere Millionen Menschen erreicht. Es verbreitet sich viral über die sozialen Netzwerke.

Der Vorfall hatte sich vergangenen Freitag in Nabi Saleh im Westjordanland zugetragen. Die beiden Mädchen sind die 16-jährige Ahed Tamimi und ihre 20-jährige Cousine Nur Tamimi. Ausschnitte des Vorfalls waren noch am selben Tag auf dem Sender Ramallah News zu sehen. Sie erregten aber kein großes Aufsehen – bis proisraelische Organisationen und Personen für rasante Weiterverbreitung sorgten.

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Der Todesfluch von Beit Shemesh

Das Graffito an der Wand verlangt einen «sittsamen Kleiderstil», was diese orthodoxe Jüdin und ihre Kinder erfüllen. (Bild: Uriel Sinai / Getty)
In der israelischen Stadt kämpfen fünf säkulare Frauen gegen ultraorthodoxe Eiferer.

Von Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Wenn alle gefallenen Engel, die Engel des Verderbens und des Abgrunds, in einer kabbalistischen Zeremonie angerufen werden und durch gemeinsame Anstrengung dafür sorgen, dass einem Sünder die Gnade göttlicher Vergebung nicht zuteilwird, dann nennt man das Pulsa diNura, «Feuerpeitsche». «Ein Quatsch für schwachsinnige Religiöse» sei das, sagt uns fröhlich Rachel Lansky, eine 17-jährige Schülerin, die im Zentrum von Beit Shemesh auf den Bus wartet. «Nein, junge Frau, da muss man aufpassen», entgegnet ihr ein Mann, dessen Namen wir durch seinen grauen Bart hindurch als Guilherme Suzman verstehen. «Pulsa diNura. Ei, ei. Also ich wäre da vorsichtig. Man weiss nie.»

Für Zucht und Ordnung

In Beit Shemesh, einer Stadt 30 Kilometer westlich von Jerusalem, wird in diesen Tagen ernsthaft über die «Feuerpeitsche» gesprochen. Fünf säkulare Frauen werden tagtäglich beleidigt, bedroht und verwünscht, weil sie es gewagt haben, sich gegen das Diktat der Ultraorthodoxen zu stemmen. Einer von ihnen ist die flammende Peitsche angedroht worden.

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Fünf Religionen in fünf Monaten

Bild: Lukas Beck/orf.at
Der Kärntner Autor und Kabarettist Christian Schwab hat in einem Selbstversuch fünf Weltreligionen erkundet. Seine Erfahrungen packte er in das Buch „Oh mein Gott! Fünf Religionen in fünf Monaten“. Eine der Schlussfolgerungen: Alle Religionen „nehmen sich ein bisschen zu ernst.“

kaernten.ORF.at

Schwab wurde als Mitglied der Kabarettgruppe „Comedy Hirten“ bekannt, sowie als Prominenten-Parodist und Comedy-Texter für den Ö3-Wecker. Das Thema Religion beschäftigt den 38-jährigen seit frühen Kindheitstagen. Sein Vater war in St. Jakob bei St. Andrä in der katholischen Gemeinde aktiv, Schwab selbst war Ministrant. Mit 20 Jahren trat er aus der Kirche aus, doch das Thema Religion ließ ihn nicht los.

Vor rund einem Jahr wurde sein Buchprojekt dann konkreter. Den Ausschlag gab schließlich eine Kinderchristmette, die er letztes Jahr in St. Jakob mit der Familie besuchte. Gehalten wurde die Mette von einem katholischen Priester indischer Abstammung. „Ich dachte mir, wenn so ein kleines Dorf einen indischen Pfarrer akzeptiert, dann bin ich bereit für meinen Selbstversuch.“

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Deshalb lässt Israel den Bibelschatz nicht nach Deutschland

Die Qumran-Rollen gehen nicht auf die Reise von Jerusalem nach Frankfurt Quelle: picture-alliance / SCHROEWIG/CHL
In Frankfurt platzt eine Ausstellung der weltberühmten Qumran-Schriftrollen, weil Deutschland Israel eine Rückgabegarantie für den Bibelschatz verweigert. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft spricht von einem Skandal.

Von Thomas Schmoll | DIE WELT

Als der Kooperationsvertrag mit der Antikenbehörde Israels geschlossen wurde, feierte das Bibelmuseum in Frankfurt am Main eine Sternstunde seines Bestehens. Das Abkommen bildete die Grundlage für eine geplante Ausstellung in der hessischen Metropole, die eine Sensation gewesen wäre: 2019 sollten die weltberühmten Qumran-Rollen gezeigt werden. Die Schriftstücke sind die ältesten bekannten Bibelaufzeichnungen der Welt.

Unterzeichnet hatte den Vertrag die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, die das Frankfurter Bibelhaus finanziell weitgehend trägt. Ihr Präsident Volker Jung sprach damals in Jerusalem von einem „wichtigen Beitrag zur Stärkung der Beziehung“ zwischen Israel und Deutschland, der „den kulturellen und den wissenschaftlichen Austausch“ beider Länder fördere. Das war im Mai 2015.

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Nürnberger Blutgesetze: Wie die jüdischen Deutschen vogelfrei wurden

„Weltanschauliche Schulung“ im Hitlerjugendlager: Lehrer mit den Nürnberger Rassegesetzen. (Foto: Scherl/SZ Photo)
Die „Nürnberger Gesetze“ der Nazis öffneten den Weg bis zum millionenfachen Mord. Ein Band dokumentiert, wie es zum furchtbaren Bruch mit der Rechtstradition kam.

Rezension von Ludger Heid | Süddeutsche Zeitung

Die sogenannte Erbgesundheitspolitik in Deutschland war lange vor dem Beginn der NS-Diktatur im Schwange. „Erbgesund“ und „rasserein“ war das Credo der Völkischen, das Eingang ins Zentrum der NS-Ideologie fand. Ein Sammelband wirft nun einige Schlaglichter auf die Entstehung und die Wirkung der Nürnberger Gesetze.

Bereits vor 1914 wurde in Deutschland über Eheverbote mit „Eingeborenen“ in den Kolonien unter dem Aspekt der „Rassenmischung“ (Cornelia Esser), oder, wie es auch hieß, „Bastardisierung“ räsoniert. Das gehört ebenso zur Vorgeschichte der „Blutschutz“-Gesetze vom Herbst 1935 wie die weit verbreiteten antisemitischen Diskriminierungen, die dafür sorgten, dass sich manche deutsche Kurorte und Seebäder zu „No-go-Areas“ für Juden entwickelten (Frank Bajohr).

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Zentralrat der Juden nimmt Islamverbände in die Pflicht

Josef Schuster fordert von den Islamverbänden mehr Engagement gegen Antisemitismus. Foto: Imago
Zentralratspräsident Josef Schuster kritisiert antisemitische Tendenzen in Moscheegemeinden.

Frankfurter Rundschau

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Muslimverbände hierzulande aufgerufen, verstärkt gegen antisemitische Tendenzen in Moscheegemeinden vorzugehen. Repräsentanten der Muslime hätten sich durchaus gegen Antisemitismus positioniert, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster der Tageszeitung „Die Welt“ (Samstagsausgabe). Das Problem sei aber, dass die muslimischen Verbände meist nur einen kleinen Teil der Moscheegemeinden erreichten.

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