Eine verschlossene Welt – mitten in New York

Zwei Gemeindemitglieder in der New Yorker U-Bahn-Linie Eastern Parkway. Offen ist die multikulturelle Szenerie nur auf den ersten Blick: Die Chassidim leben abgeschottet © Benjamin Petit
Mitten im pulsierenden Brooklyn lebt eine orthodoxe jüdische Glaubensgemeinschaft, die sich dem weltlichen Leben Amerikas entzieht – auch seinen Gesetzen und den Werten von Freiheit und Gleichheit: die Chassidim. Einblicke in eine Parallelwelt.

Von Andreas Albes | stern.de

Bassy Schmukler sagt, sie habe ihr Haar nie gemocht. In wenigen Stunden wird die hübsche 24-Jährige es abschneiden. Für immer. Bassy Schmuklers Haar ist dunkel, gelockt, und es glänzt. Fortan wird sie eine Perücke tragen. So verlangt es ihre Religion, so verlangt es die Sittsamkeit. Viele in ihrer Gemeinde lassen nur ein paar Stoppeln auf der Kopfhaut stehen. Denn dann hält die Perücke am besten. Bassy sagt: „Ich wollte schon immer eine Perücke. Ist doch viel praktischer.“

Heute ist Bassys Hochzeit. Sie steht in ihrem weißen Brautkleid mitten in New York, in einem riesigen Ballsaal in Brooklyn, der geteilt ist durch einen langen Vorhang. Auf der rechten Seite feiert Bassy mit den Frauen, auf der linken ihr Bräutigam Chaim mit den Männern. Die Männer tragen lange Bärte und schwarze Hüte. Am Ende des Vorhangs steht eine Band, die spielt jetzt die Beatles – mit jiddischen Texten. Getanzt wird auch getrennt, man hält sich an den Händen und dreht sich im Kreis.

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Franz Rosenzweig und Martin Luther: „Jüdische Schizophrenie im Umgang mit Luther“

links: Bildnis von Gewalt gegen Juden entstanden 1250 ;rechts: „Von den Juden und ihren Lügen“: mit dieser Schrift begann Martin Luthers Serie judenfeindlicher Schriften von 1543. Bild: zu-Daily.de
Martin Luthers Judenhass war vor 100 Jahren durchaus bekannt. Dennoch verehrten ihn viele Juden – besonders liberale wie Franz Rosenzweig. Der jüdische Bibelübersetzer verehrte den Kollegen wegen seiner Sprachgewalt. Konnten oder wollten Juden die Ambivalenz des Reformators nicht sehen?

Von Thomas Klatt | Deutschlandfunk

Erstaunlich! Martin Luther war nicht nur die zentrale Figur im deutschen Protestantismus, sondern wurde auch im Judentum des 19. und frühen 20. Jahrhunderts hoch verehrt. Der Reformator wurde von vielen Juden als Lichtgestalt wahrgenommen, weiß der jüdische Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik.

„Weil für das deutsche Judentum, zumal das deutsche liberale Judentum, Martin Luther ein Vorkämpfer der Geistesfreiheit und des Geistes der Schrift und nicht so sehr der aus ihr erwachsenen Praxis gewesen ist.“

Martin Luther habe mit seiner Bibel dem deutschen Volk eine gemeinsame Sprache geschenkt und damit die Befreiung von der römisch-katholischen Bevormundung eingeläutet. Vor allem liberale Juden betrachteten in ihrer Auseinandersetzung mit der jüdischen Orthodoxie die Protestanten damit als natürliche Verbündete, weil diese einen ähnlichen Kampf gegen die römisch-katholische Kirche führten. Eine distanziertere Auseinandersetzung mit Martin Luther blieb meist aus – vor allem unter liberalen Juden in Deutschland.

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Weder Adam noch Noah, Weder Abraham noch Mose, weder David noch Jesus waren Moslems


Bild: Lucas Cranach d. Ä. 1530 (public domain)
Der absurde Versuch des Islams die alten Gestalten der Bibel für sich zu beanspruchen

Von Laila Mirzo | Jüdische Rundschau

Jeder Mensch kommt als Moslem auf die Welt. Sie, ich, ja sogar der Papst und natürlich auch alle Rabbiner. Jeder ist von Geburt an Moslem, bis es die Eltern gründlich vermasseln, indem sie uns jüdisch erziehen, uns taufen lassen oder noch schlimmer, uns erzählen, dass es keinen Gott gibt. Der Islam ist die einzige legitime Ordnung, alle anderen Religionen sind Abweichungen und von Menschen konzipierte Irrlehren – so das gängige Narrativ in der islamischen Welt.

Mit Adam, dem Menschenvater und erstem Propheten des Islam, begann die Kette der Gesandten Allahs. Nach islamischer Vorstellung war jeder einzelne von ihnen – Abraham, Noah, Mose und Jesus – Muslime. Doch die Menschen verdrehten die Lehre von dem einen Gott, brachen seine Gesetze oder stellten ihm einen Sohn und einen Heiligen Geist zur Seite. Aus diesem Grund entsandte Gott letztendlich Mohammed, um die korrumpierten Lehren der Christen und Juden zu „korrigieren“.

Jeder wird nach islamischer Vorstellung „als Moslem geboren“
Wenn also ausnahmslos jeder Mensch als Moslem geboren wird, während das Judentum und das Christentum Initiationsriten haben, wie die Beschneidung und die Taufe, hat der Islam durch seinen Besitzanspruch einen erheblichen „Wettbewerbsvorteil“ gegenüber den anderen Schriftreligionen.

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Religiöse Intoleranz: Experten setzen auf Dialog und Rechtsstaat

Im Kampf gegen religiöse Intoleranz setzen Vertreter der Religionsgemeinschaften in Köln auf einen starken Rechtsstaat und den Dialog.

evangelisch.de

„Die jüdische historische Erfahrung mit Toleranz ist schlecht“, sagte der jüdische Publizist Günther Bernd Ginzel am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion. Auch heute noch gebe es kein jüdisches Kind und keinen jüdischen Jugendlichen, der nicht schon antisemitische Erfahrungen gemacht habe. Deshalb sei wichtiger als Toleranz, dass die plurale Gesellschaft alles daransetze, gleiches Recht für alle durchzusetzen, so wie es Grundgesetz und der Rechtsstaat garantierten.

Es gebe auch kein muslimisches Kind und keinen muslimischen Jugendlichen, der nicht schon anti-islamische Erfahrungen gemacht habe, ergänzte die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor. Sie forderte dazu auf, Islamfeindlichkeit zu bekämpfen, nicht nur wegen des grundgesetzlich verbrieften Rechts der Religionsfreiheit. „Der Islamismus lebt von der Islamfeindlichkeit. Er kann immer darauf verweisen, dass die Welt feindlich ist und man sich wehren muss.“

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It’s Time to Give Up Circumcision

A rabbi cheers as another rabbi holds his son during the circumcision ceremony at the Chabad Lubawitsch Orthodox Jewish synagogue in Berlin, Germany, March 3, 2013. Credit: AP
Judaism can survive in the post-ethnic world only if its rabbis give up the ceremony of cutting off babies‘ foreskins of their own initiative

By Yigal Ben-Nun | HAARETZ

Circumcision, eating restrictions and resting on Shabbat differentiated Jews from the polytheistic nations of the Hellenist world and the Roman Empire. But during the period of the Jewish commonwealth and most of the Persian period, residents of the kingdoms of Israel and Judah didn’t circumcise their sons. All the kings of Israel and Judah, from King David through Zedekiah, were uncircumcised. The prophets, from Amos and Hosea to Jeremiah and Ezekiel, were also uncircumcised.

So why did the Jews adopt this problematic, sickening act as the sole definer of their identity? Hasn’t the time come for Judaism to abandon male circumcision, out of the same loathing that we feel toward female circumcision?

In the Bible, the phrase “And she conceived and bore a son” appears around 65 times, but not the obvious follow-up: “She conceived and bore a son and circumcised him and named him X.” The reason is obvious: The theological command that appears in the cycle of stories about Abraham in the Book of Genesis was written only toward the end of the Persian era. Only then did cutting off the foreskin of an 8-day-old baby receive the significance of forging a covenant between the people and its God.

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Israel: „Wir werden weder Juden noch Araber entwurzeln“

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu versprach, dass jüdische Siedlungen in besetzten Gebieten nie wieder geräumt werden. Foto: dpa
Die 50-Jahrfeier der „Befreiung von Judäa und Samaria“ stößt auch in Israel selbst auf Kritik. Unter dem Applaus seiner Anhänger gibt Premier Netanjahu eine Bestandsgarantie für Siedlungen ab.

Von Inge Günther | Frankfurter Rundschau

Der Aufwand war groß, der Erfolg eher zweifelhaft. Bei dem kontroversen Staatsakt, mit dem Israels Regierung am Mittwochabend „50 Jahre Siedlungen in Judäa und Samaria“, gemeinhin bekannt als das Westjordanland, zelebrierte, blieb ein Gutteil der 4000 Sitze im eigens eingerichteten Amphitheater des Siedlungsblocks Gusch Etzion leer. Umso vollmundiger fiel die Rede von Premier Benjamin Netanjahu aus, der unter dem Applaus der versammelten Anhängerschaft eine Bestandsgarantie für Siedlungen abgab. „Ich sage es klar“, so Netanjahu: „Siedlungen werden nicht noch mal im Land Israel geräumt“ – ein Begriff, der offenkundig die besetzten palästinensischen Gebiete einschließt. „Wir werden weder Juden noch Araber entwurzeln.“

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Zentralratspräsident: Angst vor AfD-Stimmungsmache gegen Juden

Bild: bb
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, befürchtet, dass die AfD in Zukunft Stimmung gegen Mitglieder seiner Religionsgemeinschaft machen könnte. „Es ist eine Partei, die gegen Minderheiten Stimmung macht“, sagte er dem Berliner „Tagesspiegel“ (Sonntag).

evangelisch.de

Im Moment attackiere die AfD vorwiegend Muslime. Künftig könne es auch andere Minderheiten treffen, dazu zählten Juden, sagte Schuster. Es bedrücke ihn, dass Umfrage-Institute einen Einzug der AfD in den Bundestag mit mehr als zehn Prozent für möglich halten. „Ich hätte mir vor vier, fünf Jahren nicht vorstellen können, dass einer rechtspopulistischen Partei in Deutschland ein zweistelliges Ergebnis vorausgesagt wird“, sagte Schuster.

Der Zentralratspräsident kritisierte, dass Alltagsrassismus in Deutschland wenig problematisiert werde. „Wir hatten in der deutschen Bevölkerung in den vergangenen Jahrzehnten konstant 20 Prozent, die antijüdische Ressentiments haben.“ Dieses Gedankengut sei tief verwurzelt. „Ich bin nicht so optimistisch, zu glauben, dass sich daran etwas ändern wird“, sagte Schuster.

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Iran: „Juden und Muslime respektieren einander“

Israel und Iran gelten offiziell als Todfeinde. Doch in der Islamischen Republik lebt bis heute die zweitgrößte jüdische Gemeinde im Nahen Osten. Für Siamak Morsadegh, Direktor des „Tehran Jewish Committees“, ist das kein Widerspruch.

Interview Theresa Tropper | Qantara.de

Wie lebt es sich als Jude in der Islamischen Republik?

Siamak Morsadegh: Viel besser als die meisten Leute denken. Juden sind hier eine anerkannte Minderheit, wir können unsere Religion also frei ausüben. Es gibt mehr als 20 aktive Synagogen allein in Teheran und mehr als fünf koschere Metzgereien. In manchen europäischen Ländern ist das nicht erlaubt, wegen des Tierschutzes. Hier schon. Generell kann man sagen, dass es den Juden hier im Iran immer besser ging als denen in Europa. In der Geschichte unseres Landes gab es nämlich keinen einzigen Tag, an dem alle Iraner die gleiche Religion, die gleiche Rasse oder die gleiche Sprache hatten – das erklärt die große Toleranz. Juden und Muslime respektieren einander, wissen aber auch, dass es Unterschiede gibt. Ehen zwischen Juden und Angehörigen anderer Religionen sind deshalb im Iran sehr selten, die Quote liegt bei weniger als 0,1 Prozent.

Heißt das, dass Juden im Iran zwar am gleichen Ort leben wie andere religiöse Gruppen, aber von ihnen getrennt?

Morsadegh: Im Gegenteil. Wir haben sehr enge wirtschaftliche Beziehungen zu Muslimen, meine engsten Freunde sind Muslime. Das Krankenhaus, in dem ich arbeite, ist ein jüdisches – aber mehr als 95 Prozent unserer Angestellten und unserer Patienten sind Muslime. Es ist dort streng verboten, nach der Religion zu fragen. Denn der wichtigste Vers der Torah, der über unserer Tür geschrieben steht, besagt: ‚Behandele andere Menschen wie dich selbst‘. Es heißt nicht ‚andere Juden‘, sondern ‚andere Menschen‘. Dass zeigt, dass wir eine praktische Beziehung zueinander haben und zusammenarbeiten, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

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Gerichtsurteil: Ultraorthodoxe Israelis müssen zum Militär

Archivbild eines israelischen Soldaten. – REUTERS
Das Gesetz, das ultraorthodoxe Juden vom Militärdienst befreit, müsse innerhalb eines Jahres aufgehoben werden, entschied der Oberste Gerichtshof Israels.

Die Presse.com

Der Oberste Gerichtshof Israels hat am Dienstag gegen die Wehrpflichtbefreiung ultraorthodoxer Juden entschieden. Jenes Gesetz, das ultraorthodoxe Juden vom Dienst in der Armee befreit, solange sich diese dem Religionsstudium widmen, müsse innerhalb eines Jahres aufgehoben werden, entschied das Gericht, wie die Zeitung „Haaretz“ am Dienstagabend in ihrer Onlineausgabe berichtete.

Die Entscheidung des neunköpfigen Gerichts unter Vorsitz der scheidenden Höchstrichterin Miriam Naor sei acht zu eins ausgefallen, so die Zeitung.

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BASEL: Kein Staatsgeld für Sicherheit von Religionsgemeinschaften

Die Basler Regierung ist dagegen, dass die laufenden Sicherheitskosten jüdischer Organisationen von der Staatskasse übernommen werden. Dagegen will die Exekutive einen Beitrag leisten an geplante Investitionen zur Erhöhung der Sicherheit.

Allein die Israelitische Gemeinde Basel (IGB) lässt sich die Sicherheit pro Jahr 460’000 Franken kosten. Dies geht aus der Stellungnahme der Regierung zu einem Budgetpostulat hervor, die am Freitag veröffentlicht wurde. Die im Vorstoss beantragte Übernahme dieser Kosten lehnt die Regierung ab.

«Präzedenzlos» und ein «Präjudiz»

Zwar anerkennt die Regierung die Problematik steigender Sicherheitskosten für jüdische Organisationen. Eine Übernahme durch den Kanton wäre jedoch «präzedenzlos», heisst es im Bericht. Zudem stellte ein solcher Staatsbeitrag ein Präjudiz dar für weitere religiöse oder andere Gemeinschaften, die überdurchschnittlichen Schutz benötigen oder hohe Sicherheitskosten haben.

Die Ablösung privater Sicherheitsleute durch die Polizei käme für die Basler Regierung einem Paradigmenwechsel bei. Die klare Trennung der Sicherheitsaufgaben zwischen Staat und Dritten habe sich jedoch bewährt. Der Staat sei für die generelle Gefahrenabwehr in der Öffentlichkeit und spezifischen Schutz bei einer konkreten Gefährdung zuständig.

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Zentralrat der Juden startet bundesweites Schulprojekt

Synagoge in Berlin. Themenbild Bild: bb
Mit einem bundesweiten Schulprojekt möchte der Zentralrat der Juden in Deutschland antisemitische Vorurteile abbauen. Das Projekt „Likrat – Jugend und Dialog“ starte bereits in diesem Schuljahr, teilte der Zentralrat am Freitag in Berlin mit.

evangelisch.de

Antisemitische Stereotype sollen demnach auf niederschwellige Weise durchbrochen werden, indem sich gleichaltrige jüdische und nichtjüdische Jugendliche begegnen und austauschen. Dafür sollen zwei ausgebildete jüdische Jugendliche auf Anfrage der Schulen in die Klassen kommen.

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Kommt nach dem IS der „schiitische Halbmond“?

Bild: heise.de/TP
Der Siegeszug über den Islamischen Staat heißt nicht Entwarnung im Nahen Osten

Von Behrouz Khosrozadeh | TELEPOLIS

„Viel Glück“, sagte Wladimir Putin zu Benjamin Netanjahu, als dieser drohte, Assads Amtssitz zu bombardieren. Der israelische Ministerpräsident ist nicht erfreut über das Südsyrienabkommen, welches beim G20-Gipfel in Hamburg zwischen Putin und Donald Trump vereinbart wurde. Da Russland den weitaus größeren Teil der Deeskalationszonen unter Kontrolle hat, befürchtet Jerusalem, dass Russlands Verbündeten, der Iran und die Hisbollah, freie Bahn zum Verkehr dicht an den Grenzen Israels erhalten werden, zumal im Abkommen kein Wort über Abzug dieser aus Syrien oder auch aus den Schutzzonen erwähnt worden ist.

Nach dem Siegeszug über den „Islamischen Staat“ sind neue Konstellationen im Nahen Osten eingetreten, die nicht zwingend hoffnungsträchtig sind. Henry Kissinger warnte Anfang August die Fachwelt und Politiker vor einem radikalen „Imperium Iran“.

Der ehemalige US-Außenminister in Zeiten des Kalten Krieges machte den Westen darauf aufmerksam, dass die Mullahs aus Teheran einen territorialen Gürtel von Teheran bis nach Beirut errichten könnten, wenn die Gebiete des geschlagenen IS durch die al-Qods-Brigade (Auslandsarm der iranischen Revolutionswächter) oder den vom Iran unterstützten schiitischen Milizen besetzt würden. Das würde bedeuten, dass die Revolutionswächter und Soldaten des Iran dicht an Israels Grenzen präsent sein würden, ein „no go“ für Jerusalem. Donald Trump darf solch Entwicklung – die Entstehung eines radikal-schiitischen iranischen Imperiums nicht zulassen, so die Kernbotschaft des 94jährigen Kissingers. In der Tat sprechen einige Indizien für die Befürchtung des Ex-Außenministers der Vereinigten Staaten von Amerika.

Amerikanische Top-Generäle zeigen seit Jahren mit dem Finger auf den Iran und machen ihn mit dessen Oktopus artigen Einmischungen quer über die Region des Nahen Ostens, verbunden mit dem Hass auf Amerika und Israel, als die strategische Gefahr und den Feind Nummer Eins aus. David Petraeus, ehemaliger Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte im Irak und in Afghanistan, konstatierte 2015 mit Nachdruck, der IS sei nicht das größte Problem, sondern der Iran. Petraeus, der wie etliche ranghohe US-Militärs eine top-akademische Ausbildung genossen hat – er ist ein PhD-Princeton-Absolvent in Internationalen Beziehungen -, sah bereits damals voraus:

Wenn Daesh (IS) aus dem Irak vertrieben wird und die Folge sein wird, dass die vom Iran unterstützte schiitische Milizen zur mächtigsten Kraft im Land mutieren und die irakischen Sicherheitskräfte in den Schatten stellen, wie es die Hisbollah im Libanon tut, wäre das ein desaströses Ergebnis für die Stabilität und Souveränität des Irak, ganz zu schweigen von unseren eigenen nationalen Interessen in der Region.

David Petraeus

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Weiße Christen in den USA nicht mehr in der Mehrheit

Die religiöse Landschaft in den USA unterliegt einer Studie zufolge einem tiefgreifenden Wandel.

evangelisch.de

Die einst dominierende Gruppe der weißen Christen mache inzwischen weniger als die Hälfte der im Land lebenden Erwachsenen aus, berichtete das „Public Religion Research Institute“ (PRRI) am Mittwoch in Washington. Zudem hätten die weißen Christen in weniger als der Hälfte der US-Bundesstaaten die Mehrheit. Keine religiöse Gruppe sei zudem größer als diejenige der Menschen ohne religiöse Bindung, hieß es weiter: „24 Prozent der Amerikaner sind konfessionslos.“

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Wem gehört die Klagemauer?

Orthodoxe jüdische Männer beten an der Klagemauer in Jerusalem. Foto: Caitlin Faw (Getty Images)
Liberale Juden wollen die Vorherrschaft der Orthodoxie zurückdrängen. Noch kann Israels Regierung Strömungen bremsen, die sich eine Trennung von Staat und Religion wünschen.

Von Richard C. Schneider | Tages Anzeiger

Mit Schrecken blickte die internationale Öffentlichkeit im Juli auf die blutigen Unruhen zwischen Israelis und Palästinensern am Tempelberg in Jerusalem – einem der heiligsten Orte für Muslime, Juden und Christen. Nur einen Monat zuvor war es an diesem Ort allerdings zu einer anderen Auseinandersetzung gekommen, die in der breiten Öffentlichkeit kaum verfolgt wurde. Denn es war ein innerjüdischer Konflikt, der unblutig verlief. Für den Staat Israel ist er jedoch von zentraler Bedeutung.

Es ging um das wichtigste Heiligtum des jüdischen Glaubens, die sogenannte Klagemauer, also die äussere Westmauer des zweiten jüdischen Tempels, der dort stand, wo sich heute der islamische Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee befinden. Die Mauer, die sich unterhalb des Tempelplateaus befindet, ist ein Reststück des Tempels, der 70 n. Chr. von den Römern zerstört wurde.

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Vom Bordell zur Frauenbadi – die Ängste der Wüstenreligionen

Ein Mann lehrt eine Frau Schwimmen: Gravierte Postkarte Foto: Archive Photos, Getty Images
Schwimmen ist nicht nur ein Sport. Es ist nicht nur ein Freizeitspass und nicht nur eine Überlebenstechnik. Das spüren wir, wenn wieder mal ein Fundamentalist seiner Tochter den Schwimmunterricht verbieten will. Der Sprung ins Wasser wirkt da offenbar moralisch zweifelhaft und kulturell getränkt.

Von Ralph Pöhner | Tages Anzeiger Blogs

Aber auch unsere lockere «Pack die Badehose ein»-Einstellung ist, historisch gesehen, eine sehr junge Sache. Dies können wir jetzt in einem neuen Buch über die Weltgeschichte des Schwimmens nachverfolgen, verfasst von Eric Chaline. Der englische Kulturhistoriker bemerkt dabei eine eigenartige Spannung: Der Mensch wird enorm stark angezogen vom Wasser, er springt fast natürlich hinein; kein anderes Landtier neigt so stark zum Schwumm, wenige sind sogar körperlich so gut angepasst dafür. Doch gleichzeitig hat sich der Mensch immer wieder vom Wasser abgewendet, hat es gefürchtet, verflucht und verteufelt.

Die Ängste der Wüstenreligionen

Sein Verhältnis zum Schwimmen spiegelt sein Verhältnis zum Körper. Die alten Griechen und Römer lebten zum Meer hin, sie bauten ihre Reiche über das Wasser, sie entwickelten auch eine prachtvolle Bade- und Thermenkultur. Und gleichzeitig stellten die antiken Mittelmeerreiche ganz selbstverständlich nackte Menschen aus, auf ihren Vasen, Mosaiken oder Statuen, ob Mann oder Frau.

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Rabbinatsgericht: Keine Heirat messianischer Juden in Israel

Leuchter, der Davidstern und der Fisch. Messianische Juden

Messianische Juden gelten als Christen und dürfen daher nicht in Israel heiraten. Das hat ein Rabbinatsgericht am Dienstag festgelegt.

kath.net

Das Rabbinatsgericht in Tel Aviv hat am Dienstag entschieden, dass messianische Juden nicht im Land heiraten dürfen. Grund dafür ist der Glaube, Jesus sei der Messias. Messianische Juden gehörten daher nicht zum Judentum, sondern zu einer „anderen Religion“, nämlich zum Christentum, hieß es in dem Richterspruch.

In dem konkreten Fall konnten die betreffenden Personen ihre jüdische Herkunft nachweisen. Gegenüber dem Richter machten sie deutlich, dass sie das Neue Testament für wahr halten. Zudem glaubten sie, dass Jesus Gott sei und dementsprechend an die Trinitätslehre. Ferner hätten sie sich taufen lassen.

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Bellum judaicum: „Der Wahnsinn der Fanatiker vernichtete Jerusalem“

„In der großen Menge häuften sich die Toten um den Brandopferaltar“, berichtet der jüdische Historiker Flavius Josephus Quelle: picture alliance / CPA Media Co.
Während die Römer im Sommer des Jahres 70 Jerusalem belagerten, tobte in der Stadt ein mörderischer Bürgerkrieg. Am Ende war die Stadt zerstört und das antike Judentum von Grund auf verändert.

Von Berthold Seewald | DIE WELT

In der Stadt tobte ein Kampf jeder gegen jeden. Man kannte keine Rücksicht mehr auf lebende Angehörige, und die Toten begrub man nicht mehr, berichtet der jüdische Historiker Flavius Josephus, der sich beizeiten den Römern ergeben hatte und im Stab ihres Feldherrn das blutige Geschehen verfolgte: „Die Freunde des Friedens mordeten sie als gemeinsame Feinde, sodass das Einzige, worin sie übereinstimmten, die Niedermetzelung derer war, die eine Rettung verdient hätten … keine Art von Grausamkeit ließen sie ungeschehen.“

So sah es aus im Jerusalem des Jahres 70 n. Chr. Seit vier Jahren tobte der Aufstand gegen die Herrschaft der Römer, die ihm den Namen Jüdischer Krieg gegeben hatten. Ganze Regionen waren zerstört, Städte ausgelöscht worden. Doch selbst als die Legionen sich der alten Hauptstadt Jerusalem näherten, verschlissen die Rebellen ihre Kräfte in mörderischen Kämpfen gegeneinander und ließen dabei ihrer Wut gegenüber jenen freien Lauf, die vielleicht das Unglück noch hätten abwenden können.

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Die Göttlichkeit von Bart und Haarkranz

Orthodoxe Juden, Bild. wdr5
Haare spielen auch in der Religion eine wichtige Rolle. Im Christentum machte sich bereits Apostel Paulus grundlegende Gedanken dazu. Für den Reformator Luther diente der Bart indes lediglich als profane Tarnung.

Von Stefan Reis Schweizer | Neue Zürcher Zeitung

Dass es mit dem Haar auch in der Religion etwas Besonderes auf sich hat, wird an den Überlieferungen in Judentum und Christentum deutlich. Das jüdische Religionsgesetz, die Halacha, konfrontiert heutige Juden mit nicht weniger als 613 Geboten und Verboten. Doch wenn es um Kopfhaare und Bart geht, werden vor allem die Bräuche der Vorväter hochgehalten. Am augenfälligsten ist das bei den Ultraorthodoxen zu beobachten, wie man sie etwa im Jerusalemer Stadtviertel Mea Shearim antrifft. Die Haredim, hebräisch für Gottesfürchtige, folgen einer Jahrhunderte alten Kleiderordnung, männliche Juden tragen dem Klischee entsprechend einen Vollbart und Schläfenlocken, die Pejes. Sie berufen sich dabei auf das 3. Buch Mose: «Ihr sollt nicht rund abnehmen die Seitenenden eures Haupthaares, und nicht zerstören die Enden eures Bartes.»

Eintritt in die Männerwelt

Verheiratete ultraorthodoxe Frauen verbergen aus Gründen der Sittsamkeit ihre Haare unter einer Perücke. Vordergründig erscheint das absurd, denn im Zweifelsfall kann das Kunsthaar attraktiver sein als das natürliche. Dennoch gilt das natürliche Haar als sinnlicher, darum muss es vor den Blicken der Männer geschützt werden. Bei manchen Ultraorthodoxen ist es gar üblich, dass Frauen ihr Kopfhaar komplett abrasieren.

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‚Israels Rechtssystem ist arabischen Staaten überlegen‘

Bild: phhesse/flickr

Saudischer Kolumnist äußert in Zeitungsartikel Bewunderung für das israelische Rechtssystem. Besonders beeindruckt zeigt er sich von der Verurteilung ranghoher Politiker im „zionistischen Gebilde“, das er eigentlich als den „Unterdrücker“ bezeichnet

kath.net

Israel ist arabischen Staaten in vielen Bereichen überlegen – auch im Rechtssystem. Diese Aussage kommt nicht etwa von Israelfreunden, sondern von einem Kolumnisten aus Saudi-Arabien. In einem Zeitungsartikel hat er auf Haftstrafen verwiesen, die gegen ranghohe israelische Politiker wie Ehud Olmert und Mosche Katzav verhängt wurden.

Die Kolumne erschien am 19. Juli in der saudischen Tageszeitung „Al-Dschasirah“ – nicht zu verwechseln mit dem katarischen Sender „Al-Dschasira“. Das israelisch-amerikanische Medienbeobachtungsinstitut MEMRI hat Abschnitte aus dem arabischen Text ins Englische übersetzt. Demnach schreibt Jasser al-Harbasch: „Wenn ein Bürger sicher ist, dass er in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Arbeitsplatz und Lebensbedingungen erhält, was er verdient, kann er sich auf die Freizeit konzentrieren und seinem Heimatland das Beste anbieten entsprechend seinen Begabungen und Fähigkeiten. Deshalb sind manche Gesellschaften anderen überlegen, es ist das Geheimnis hinter dem Vorteil des zionistischen Gebildes gegenüber seinen Nachbarn.“

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Judentum und Christentum: Es ist nicht nur ein Gott

Prophet Daniel in der Löwengrube. Foto: imago stock&people
Muss die Religionsgeschichte umgeschrieben werden? Eine wegweisende Debatte über das antike Judentum und das Verhältnis zum Christentum.

Von Dirk Pilz | Frankfurter Rundschau

Es sind die Details, an denen Welten hängen. Unter den Forschern zum antiken Judentum wird deshalb über einige wenige Verse im biblischen Buch Daniel gestritten. Sie sind von hoher Bedeutung für die Geschichte des Judentums, für die des Abendlandes – und für das, was damit überhaupt gemeint ist.

Die strittigen Verse stehen bei Daniel im siebten Kapitel. Der Prophet, berühmt durch seinen schadlosen Aufenthalt in einer Löwengrube, berichtet hier von einer Vision: „Ich schaute, bis man Throne aufstellte und ein Hochbetagter sich setzte.“ Vier Verse später berichtet er dann dies: „Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Mensch. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt.“ Und weiter: „Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben.“ Wer ist dieser „Hochbetagte“, und wer ist der „wie ein Mensch“?

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