Bericht: George Pell plant Berufung gegen Missbrauchsurteil

Anscheinend möchte er es noch ein letztes Mal probieren: Der wegen Missbrauchs in zweiter Instanz verurteilte Kardinal George Pell zieht Berichten zufolge vor das oberste australische Gericht. Es ist die letzte Möglichkeit einer Berufung – die Erfolgsaussichten werden jedoch skeptisch eingeschätzt.

katholisch.de

Für den australischen Kardinal George Pell endet in diesen Tagen die letzte Gelegenheit, doch noch vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen zu werden. Unter Hinweis auf „Freunde“ des zu sechs Jahren Haft Verurteilten berichtete das Nachrichtenportal „The Australian“ (Montag), Pells Anwälte würden spätestens am Mittwoch Berufung beim obersten australischen Gericht gegen die Verurteilung ihres Mandanten beantragen.

Die drei Richter eines Revisionsgerichts in Melbourne hatten am 21. August mit einer Zwei- zu Eins-Entscheidung die erste Revision Pells abgewiesen. Die gesetzliche Frist für den Einspruch gegen dieses Urteil läuft am Mittwoch ab.

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Wiedereintritt in die Kirche: Es werden nur Einzelne gewonnen

Statistisch gesehen verlässt jedes Jahr die Bevölkerung einer Stadt so groß wie Erfurt die katholische Kirche in Deutschland. Getaufte zurückzugewinnen ist keine leichte Aufgabe. Und so manche Initiative geht auch nach hinten los.

Christoph Paul Hartmann | katholisch.de

Aus der Kirche auszutreten ist ganz einfach: Einmal zum Standesamt oder Amtsgericht gehen, unterschreiben, fertig. Die Taufe ist zwar irreversibel, die Kirche als Körperschaft hat man dann aber verlassen. Wieder einzutreten erfordert dagegen etwas mehr Aufwand: Zuerst führt der Weg ins Pfarramt und zum zuständigen Seelsorger. Nach einem Gespräch bittet der den zuständigen Bischof um die Wiederaufnahme. Ist dieser einverstanden, muss der Eintrittswillige vor Zeugen seinen Wunsch bekunden. Das kann ganz nüchtern im Pfarrbüro geschehen oder bei einem kleinen Gottesdienst. Dann ist die Einheit mit der Kirche wieder hergestellt.

Austritte und Wiedereintritte in die katholische Kirche liegen zahlenmäßig sehr weit auseinander. 2018 traten 216.078 Menschen aus, nur 6.303 kamen wieder zurück. Die Gründe für Aus- und Wiedereintritte sind ebenso unterschiedlich: Wer austritt, hat den Kontakt zur Kirche oft schon lange verloren und will deshalb letztendlich keine Kirchensteuer mehr zahlen. Verstärkt treten Menschen mittlerweile allerdings auch wegen inhaltlicher Kritikpunkte aus der Kirche aus, dazu zählt unter anderem die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen, fehlende Gleichberechtigung oder die Sexualmoral. Wegen solcher Fälle verliert die Kirche sogar Mitglieder, die ihr grundsätzlich eigentlich noch verbunden sind.

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Die Kirche und der Sex: Große Kluft zwischen Lehre und Leben

„Die Moralverkündigung gibt der überwiegenden Mehrheit der Getauften keine Orientierung“, so Kardinal Marx. Beim geplanten Reformdialog in der Kirche soll daher auch die katholische Sexualmoral auf den Prüfstand kommen.

Joachim Heinz | katholisch.de

Wohl nirgends klaffen Lebenswirklichkeit und kirchliche Lehre so weit auseinander wie beim Thema Sex. Zumindest in westlichen Gesellschaften. Ob vorehelicher Geschlechtsverkehr, der Gebrauch von Kondomen oder Sex zwischen Menschen gleichen Geschlechts: All das gilt in der katholischen Kirche als sündhaft oder wider die menschliche Natur. Im 2010 erschienenen Jugendkatechismus „Youcat“ etwa heißt es über Homosexualität, die Kirche nehme Menschen mit entsprechenden Empfindungen „vorbehaltlos an“. Schwule und Lesben dürften nicht diskriminiert werden. „Gleichzeitig sagt die Kirche von allen Formen gleichgeschlechtlicher sexueller Begegnung, dass sie nicht der Schöpfungsordnung entsprechen.“

Für den Mainzer Moraltheologen Stephan Goertz verbirgt sich hinter solchen Aussagen ein grundsätzliches Dilemma. „Das Fatale ist, dass die in der Vergangenheit eingeschärften Verbote zum Kern katholischer Identität erklärt worden sind“, sagt der Zweite Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Moraltheologie. Reformen sind daher schwierig. Gleichzeitig verlor die Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund des sozialen Wandels in Europa und Nordamerika an moralischer Autorität.

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Deutsche Katholiken und der Vatikan: Es naht ein Konflikt ohnegleichen

Papst Franziskus hat sich von den reformbegierigen Deutschen abgewandt.Foto: picture alliance / Evandro Inett

Es geht um alles: Zölibat, Frauen, Laien. Die Deutschen wollen Reformen, Franziskus reagiert autoritär – und gefährdet seine Glaubwürdigkeit. Ein Kommentar.

Stephan-Andreas Casdorff | DER TAGESSPIEGEL

Die katholische Kirche in Deutschland und der Papst – auf diesem Verhältnis liegt zur Zeit kein Segen. Franziskus war die große Hoffnung auf Reformen, ironischerweise nach dem deutschen Pontifex Benedikt. Nun führt genau diese Bereitschaft der Deutschen zur Reform, zur Selbstvergewisserung nach dem grundstürzenden Missbrauchsskandal zu einem Konflikt ohnegleichen.

Der Streit um die Schwangerenkonfliktberatung war ein laues Lüftchen dagegen. Der Vatikan zeigt sich in diesem Fall in einer Weise, die man überwunden glaubte. Oder hoffte. Und das ausgerechnet bei Themen, die für die Glaubwürdigkeit der Institution Kirche von herausragender Bedeutung sind. Im aufgeklärten Europa zumal. Daran hängt viel für die zukünftige Akzeptanz.

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Juden, eine «verabscheuungswürdige, schmutzige Nation»

Bereits 2015 beschimpfte der heutige polnische Richter Jaroslaw Dudzicz die Juden in einem Online-Forum eine «verabscheuungswürdige, schmutzige Nation», die nichts verdienen würden.

tachles.ch

Noch 2017 wurde Dudzicz zum Gerichtspräsidenten in Gorzow Wielkopolski befördert. Seine hier zitierten Äusserungen schrieb er, als er noch Mitglied des Nationalrats des Rechtswesens war, der sich mit der Unabhängigkeit der polnischen Gerichte zu befassen hat. Die beanstandeten Äusserungen wurden letzte Woche als erste von der Zeitung «Gazeta Wyborcza» veröffentlicht.

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Papst kritisiert Haftbedingungen in Italien: „Das Gefängnis ist nicht die Lösung“

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild

Ein Gefängnis sei mehr ein Problem als ein Lösung, sagt Papst Franziskus. Bei einer Ansprache am Samstag ermutigte er Justizbeamte, Gefängnisseelsorger und Sträflinge gleichermaßen.

DOMRADIO.DE

Papst Franziskus hat mehr Anstrengungen für die Resozialisierung von Gefangenen sowie Maßnahmen gegen die Überfüllung italienischer Haftanstalten gefordert. „Es müssen würdige Lebensbedingungen geschaffen werden, sonst werden die Gefängnisse zu Pulverfässern der Wut anstatt zu Orten der Wiedereingliederung“, so das Kirchenoberhaupt am Samstag auf dem Petersplatz bei einer Ansprache vor rund 11.000 Mitarbeitern des italienischen Justizvollzugs.

Ihnen dankte Franziskus für ihre „verborgene, oft schwierige und wenig befriedigende, aber notwendige Arbeit“. Diese bestehe nicht allein darin, „Gefangene zu bewachen, sondern auch Schwache zu unterstützen“. Er wisse um die Schwierigkeiten in den Haftanstalten, so der Papst. „Aber vergesst bitte nicht das Gute, das ihr jeden Tag bewirken könnt: Euer Verhalten, eure Einstellungen, eure Blicke sind kostbar.“

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Der «Marsch fürs Läbe» ist im rot-grünen Zürich eine Provokation sondergleichen

Unter der Hardbrücke haben linksautonome Gegendemonstranten Container angezündet. (Bild:Keystone/Walter Bieri)

Christen und Rechtskonservative demonstrieren in Zürich. Nach einer Störaktion radikaler Linken setzt die Polizei Tränengas und Gummischrot ein. Protokoll eines Nachmittags der Extreme.

Daniel Fritzsche | Neue Zürcher Zeitung

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Protestaktionen gegen den von Abtreibungsgegnern organisierten «Marsch fürs Läbe» in Zürich-West ist es zu Ausschreitungen gekommen.
  • Linksextreme warfen Gegenstände, zündeten Abfallcontainer an und demolierten ein Polizeifahrzeug. Die Polizei setzte Tränengas und Gummischrot ein. Zwei Polizisten wurden leicht verletzt.
  • Ein 30-jähriger Mann ist wegen Gewalt und Drohungen festgenommen worden. 175 weitere Personen wurden von der Polizei kontrolliert.

Auf Besuch bei den «Christen-Fundis»

Auf dem Zürcher Turbinenplatz haben sie sich versammelt, die «Christen-Fundis», die «rechten Hetzer», die «Ewiggestrigen». Es sind wenig schmeichelhafte Etiketten, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmer des «Marsch fürs Läbe» angeheftet werden. Mehr als tausend von ihnen sind am Samstag nach Zürich-West gekommen, um gegen die Abtreibungspraxis in der Schweiz zu demonstrieren.

Wer sind diese Leute? Wie eine «Gefahr für die Schweizer Gesellschaft» wirken sie an diesem sonnigen Nachmittag nicht. Zu sehen sind viele ältere Personen, manche von ihnen gebrechlich, Menschen mit Behinderungen, Familien mit vier, fünf, sechs Kindern. Auch Jugendliche sind dabei, einige von ihnen geben sich als Mitglieder der Freikirche ICF zu Erkennen. Eine Gruppe aus Polen schwenkt Holzkreuze.

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Erzapostel Woelki sorgt sich um die Retouren der Verbraucher

Waren aus Retour-Sendungen im Onlinehandel sollten nach Ansicht des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki gespendet werden, statt sie zu vernichten. Die Vernichtung sei hierzulande manchmal einfacher als die Spende an Bedürftige, sagte Woelki am Sonntag in seinem „Wort des Bischofs“ im Bistumssender domradio.de. „Das muss sich ändern!“

evangelisch.de

Der Kardinal verwies darauf, dass nach Schätzungen des Umweltministeriums in Deutschland jedes Jahr Millionen Pakete mit Produktbestellungen zurückgeschickt werden. Dadurch würden Waren im Wert von mehreren Milliarden Euro vernichtet. Allerdings könne jeder mithelfen, dass die Flut der Rücksendungen kleiner werde: „Einfach mal bei einer Bestellung verantwortlicher auswählen und so Ressourcenverschwendung vermeiden“, riet Woelki.

Päpstlicher Hinterhalt

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild

Erst macht der Papst den Bischöfen Mut, einen Reformprozess anzustoßen. Doch als die ihn beim Wort nehmen, erklärt er sie für inkompetent und unzurechnungsfähig. Das ist einfach irre.

Daniel Deckers | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Was hatte Papst Franziskus sich nicht alles von den Christen gewünscht? Mehr Freimut. Von der Kirche: dass sie sich nicht länger an die eigene Verschlossenheit und Bequemlichkeit klammere. Oder von den Bischöfen: dass sie zu Subjekten mit konkreten Kompetenzbereichen würden. Nicht zu vergessen die Bischofskonferenzen: Organe mit einer gewissen authentischen Lehrautorität.

Das war 2013. Sechs Jahre später nehmen Bischöfe und Laien gemeinsam den Papst beim Wort. Doch Franziskus und seine Büchsenspanner im Vatikan fallen ihnen in einer Weise in den Rücken, welche die gewöhnliche Vorstellungskraft übersteigt.

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Australien: Gesetz zwingt Priester zum Bruch des Beichtgeheimnisses

Die Bestimmung soll eine Kultur schaffen, in der jeder Missbrauch eines Kindes angezeigt wird, sagte der Premierminister des Bundesstaates Victoria.

kath.net

Das Parlament des australischen Bundesstaates Victoria hat in dieser Woche ein Gesetz beschlossen, das Priester dazu verpflichtet, Fälle von Kindesmissbrauch anzuzeigen, auch wenn sie davon nur in der Beichte erfahren.

Bei einem Verstoß drohen bis zu drei Jahre Gefängnis. Daniel Andrews, der Premierminister von Victoria, sagte laut einem Bericht der Zeitung The Age, er hoffe, dass der Bundesstaat niemals Priester auf Grundlage dieses Gesetzes ins Gefängnis stecken müsse. Die Bestimmung solle eine Kultur schaffen, in welcher jeder Missbrauch und jede Misshandlung angezeigt werde, unabhängig davon, wie sie ans Licht gekommen sei.

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Mehrheit der kirchlichen Mitarbeiter darf am Klima-Streik teilnehmen

Die meisten katholischen Bistümer und evangelischen Landeskirchen in Deutschland wollen ihren Mitarbeitern die Teilnahme an den Klimaprotesten am 20. September ermöglichen.

evangelisch.de

Die Schüler-Bewegung „Fridays for Future“ ruft für kommenden Freitag zu einem globalen Streik auf, an dem sich auch Erwachsene beteiligen sollen. Eine Umfrage des Evangelischen Pressedienst (epd) unter den 20 evangelischen Landeskirchen und den 27 katholischen Diözesen ergab, dass die meisten Mitarbeiter zwar an den Protesten teilnehmen können, aber dafür nicht vom Dienst befreit werden.

Eine Teilnahme an den Protesten ist in einer Mehrheit der befragten Landeskirchen und Bistümer durch Überstundenausgleich, Urlaub oder Gleitzeit möglich.

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Essens Generalvikar Pfeffer kritisiert „Drohungen“ des Vatikan

Der Vatikan kritisiert den „synodalen Weg“. „Offenbar ist in Rom immer noch nicht verstanden worden, in welcher gewaltigen Krise die katholische Kirche nicht nur in Deutschland, sondern weltweit steckt“, antwortet Essens Generalvikar Klaus Pfeffer.

katholisch.de

Der Essener Generalvikar Pfeffer hat die Einwände des Vatikan gegen die geplante Reformdebatte der deutschen katholischen Kirche scharf kritisiert. „Es ist erschreckend: Offenbar ist in Rom immer noch nicht verstanden worden, in welcher gewaltigen Krise die katholische Kirche nicht nur in Deutschland, sondern weltweit steckt“, schreibt Pfeffer am Freitag in einem Facebook-Beitrag. „Wer heute immer noch glaubt, in der Kirche mit machtvollen Warnungen oder gar Drohungen Diskussionen im Keim zu ersticken, löst kein einziges Problem – im Gegenteil: Zerwürfnisse und Risse werden massiv verstärkt.“

Der Vatikan hat in einem am Freitag bekannt gewordenen Brief sowie in einem Gutachten Vorbehalte zu dem ab Dezember geplanten „synodalen Weg“ der deutschen Bischöfe und des Katholiken-Dachverbands ZdK bekundet.

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Deutsche Katholiken auf Konfrontationskurs mit dem Papst

Zwei Frauen der Initiative Maria 2.0 werben vor dem Freiburger Münster für „Weiheämter auch für Frauen“. Foto: Patrick Seeger/dpa

Angeredet wird Reinhard Marx von seinem römischen Kardinalskollegen Marc Ouellet aus dem Vatikan gestelzt-höflich mit „Eure Eminenz“. Aber dann hagelt es Kritik. In einem Gutachten lässt der Vatikan kaum ein gutes Haar am geplanten Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland.

Süddeutsche Zeitung

Worum geht es? Der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Kleriker hat das Vertrauen in die Kirche erschüttert. Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) – die Vertretung der Gläubigen – sind sich deshalb einig: Jetzt muss etwas geschehen. Sonst ist der Schaden irreparabel.

Deshalb wollen sie einen Reformprozess einleiten, den „synodalen Weg“. Es geht darin um vier Punkte: den Umgang der Kirche mit Macht, die kirchliche Sexualmoral, die umstrittene Ehelosigkeit von Priestern (Zölibat) und die Position von Frauen in der Kirche. All diese Punkte haben nach Expertenmeinung strukturell dazu beigetragen, dass der Missbrauch über so lange Zeit ungestraft stattfinden konnte.

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Das sind die Top-5-Verschwörungstheorien aus dem Vatikan

Johannes Paul I starb nach nur 33 Tagen im Amt. Seitdem hält sich die These, dass der Papst vergiftet wurde.© dpa

Papst Johannes Paul I. starb nach nur 33 Tagen im Amt. Wurde er mit einem Kaffee vergiftet? Über den Vatikan kursieren viele Verschwörungstheorien. Vor allem um Päpste, die für Veränderung stehen, ranken sich wilde Gerüchte.

BR24

„Dort, wo es viele Geheimnisse gibt, kann im Hintergrund viel gedeihen“, sagt Iacopo Scaramuzzi. „Ein Ort, der die öffentliche Meinung nicht mag, macht neugierig. Das bekommt manchmal schädliche Auswüchse.“ Scaramuzzi ist ein sogenannter „vaticanista“ – ein Journalist, der rund um den Vatikan berichtet. Er ist Experte für all das, was im Kirchenstaat passiert.

Reform-Päpste im Visier

„Der Heilige Stuhl ist eine sehr antike Institution, sie bewahrt ihre eigene Weltanschauung. Es gibt keine demokratischen Mechanismen. Die öffentliche Meinung – und in der Konsequenz die Journalisten – werden auf Distanz gehalten“, erklärt der Journalist gegenüber dem BR. Über den Vatikan zu berichten ist für Scaramuzzi deswegen immer wieder eine Herausforderung. Im Visier der Verschwörungstheorien stehen damals wie heute die Päpste – allen voran diejenigen, die für Veränderung stehen.

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Umfrage: Immer weniger Deutsche gehen regelmäßig zur Kirche

Wie viele Deutsche gehen wenigstens einmal im Monat in den Gottesdienst oder besuchen eine Kirche? Eine aktuelle Befragung offenbart einen enormen Abwärtstrend – und die Gründe dafür.

katholisch.de

Der Kirchgang gehört laut einer Studie für immer weniger Deutsche zum Alltag. In dem am Donnerstag in Hamburg vorgestellten „Freizeit-Monitor 2019“ der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen gaben 14 Prozent der Befragten an, wenigstens einmal im Monat einen Gottesdienst oder eine Kirche zu besuchen. 2007 hatte der Wert noch bei 21 Prozent gelegen, 2014 bei 15 Prozent.

Die Gründe für diesen Trend sind laut dem wissenschaftlichen Leiter der Stiftung, Ulrich Reinhardt, vielfältig. Sie reichten von der Konkurrenz anderer Freizeitangebote über den fehlenden Bezug bis hin zum Vertrauensverlust durch Missbrauchsfälle, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Dennoch bleibe die Bedeutung von Religion hoch. „Gerade in gefühlt unsicheren Zeiten suchen viele Bürger Antworten auf die zentralen Fragen des Lebens und wünschen sich Verlässlichkeit und Konstanz“, so Reinhardt.

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Grüne in NRW wollen Staatsleistungen an die Kirchen aufkündigen: „Wir müssen nicht auf den Bund warten“

Bild: tilly

Die Grünen in NRW wollen die Staatsleistungen des Landes an die beiden großen Kirchen aufkündigen. Einen entsprechenden Antrag brachte die Fraktion nun in den Landtag ein. Zahlungen an jüdische Gemeinden sollen aber bestehen bleiben.

DOMRADIO.DE

In ihrem Antrag fordern die Grünen die Landesregierung auf, mit den Kirchen über die Staatsleistungen in NRW zu verhandeln. Dabei handelt es sich um einen Betrag von etwa 25 Millionen Euro pro Jahr. Die Zahlungen an die jüdischen Gemeinschaften in Höhe von etwa zehn Millionen Euro sollten davon unberührt bleiben.

„Ablösegebot“ im Grundgesetz

In ihrem Antrag kritisieren die Grünen, dass dem ins Grundgesetz aufgenommenen „Ablösegebot“ der Staatsleistungen an die Kirchen bis heute nicht nachgekommen worden sei. Das aus der Weimarer Reichsverfassung von 1919 stammende Ablösegebot sei 1949 in das Grundgesetz übernommen worden. Die Aufkündigung der Staatsleitunen sei notwendig, „um eine überfällige weitere Entflechtung des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche voranzutreiben“, so die Grünen.

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Die katholische Kirche wird afrikanischer und konservativer werden

In der Kathedrale von Maputo, der Hauptstadt Moçambiques, wird Papst Franziskus begeistert empfangen (Bild: Luca Zennaro / EPA).

Auf seiner Afrikareise gab sich Papst Franziskus sozialkritisch und modern. Will der Vatikan allerdings der wachsenden Zahl der afrikanischen Christen gerecht werden, haben die progressiven Kräfte das Nachsehen.

David Signer | Neue Zürcher Zeitung

Die letzten Tage hat Papst Franziskus die afrikanischen Länder Moçambique, Madagaskar und Mauritius bereist. Er sprach über Korruption, Klimawandel, Abholzung und Arbeitslosigkeit. Er sprach von Versöhnung, von politischer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit als Grundlage des Friedens. Die Konflikte zwischen Christen und Muslimen sieht er vor allem als Folge der Armut und Perspektivenlosigkeit. Auch als Nichtkatholik oder Nichtgläubiger kann man die meisten seiner Aussagen unterschreiben; die Kommentare in Europa sind positiv.

Die wesentliche Frage aber ist, was die Afrikaner selbst glauben. Denn die Zukunft der katholischen Kirche und des Christentums überhaupt liegt in Afrika. Heute machen die Afrikaner 26 Prozent der weltweiten Christenheit aus. Im Jahr 2060 werden es laut dem Forschungsinstitut Pew 42 Prozent sein. Das hat weniger mit Missionierung als mit dem Bevölkerungswachstum in Afrika zu tun. Als Resultat dieser Entwicklung werden die Christen bis im Jahr 2060 32 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, die Muslime 31 Prozent. Will die katholische Kirche ihren Anteil am Kuchen behalten, muss sie ein offenes Ohr für die Anliegen der afrikanischen Christen haben. Der Katholizismus in Afrika ist allerdings sehr konservativ. Trägt der Vatikan dem nicht Rechnung, laufen ihm die Schäfchen davon – wahrscheinlich vor allem in die boomenden Freikirchen. Damit gerät der Vatikan in den Clinch mit seinen europäischen Anhängern, denen die Kirche eher zu rückständig ist. Es ist unmöglich, die beiden Lager zugleich zufriedenzustellen.

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Bistum Essen kündigt eigene Missbrauchsstudie an

Im Herbst 2018 hatten die deutschen Bischöfe ihre Missbrauchsstudie vorgestellt. Doch dem Bistum Essen reicht das nicht: In einer eigenen Studie soll explizit die Situation im Ruhrbistum untersucht werden. Generalvikar Klaus Pfeffer nennt Details.

katholisch.de

Das Bistum Essen will den sexuellen Missbrauch in der Kirche mit einer eigenen Studie wissenschaftlich untersuchen lassen. Das kündigte Generalvikar Klaus Pfeffer im neuen Bistumsmagazin „Bene“ an. Ein Institut mit entsprechender Expertise solle herausfinden, was in der Vergangenheit im Ruhrbistum dazu beigetragen habe, sexuellen Missbrauch durch Priester und andere Mitarbeitende zu ermöglichen. Auch gehe es um die Frage, warum Verbrechen nicht aufgedeckt, sondern verharmlost oder nicht wahrgenommen worden seien.

„Veränderungen vorantreiben“

Laut Pfeffer sollen die Wissenschaftler zudem klären, wie es geschehen konnte, dass Täter geschützt und stillschweigend versetzt wurden. Ein Ziel der Studie sei auch, den Betroffenen von sexualisierter Gewalt mehr Gehör und Aufmerksamkeit zu schenken. „Wir wollen wissen, was wir verändern müssen – und dann auch Veränderungen vorantreiben“, sagte der Generalvikar.

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Trend zur Urne lässt deutsche Friedhöfe drastisch schrumpfen

Bild: © katholisch.de

Stirbt der klassische Friedhof in Deutschland langsam aus? Das jedenfalls legen neueste Zahlen zur deutschen Bestattungskultur nahe. Der Trend hin zur Einäscherung ist nur einer von mehreren Gründen.

katholisch.de

Rund die Hälfte der Friedhofsflächen in Deutschland wird laut Experten nicht mehr für Bestattungen benötigt. Wegen des Trends zu kleinen Urnengräbern sowie Beisetzungen in Bestattungswäldern oder auf See seien rund 50 Prozent der etwa 35.000 Hektar Friedhofsfläche in der Bundesrepublik überflüssig geworden, teilte die Verbraucherinitiative Aeternitas am Dienstag in Königswinter mit. Auch würden die Nutzungsrechte an großen Familiengrabstätten selten verlängert.

Aeternitas forderte einen Bürgerdialog über den Umgang mit den sogenannten Überhangsflächen. Da die Kosten für Pflege und Unterhaltung den Gebührenzahlern nicht aufgebürdet werden dürften, versuchten Friedhofsträger diese zu veräußern oder anderen Zwecken zuzuführen. Diese berge Konfliktpotenzial – nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt der Pietät.

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Katholische Jugend kritisiert Woelkis Nein zum Frauenpriestertum

Der Kölner BDKJ-Vorsitzende Volker Andres wirft Erzbischof Rainer Maria Woelki vor, jede inhaltliche Diskussion über eine Reform der Kirche zu verweigern. Damit stärke er einen kirchlichen Fundamentalismus.

katholisch.de

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) reagiert „mit Bestürzung“ auf die ablehnende Haltung des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki zum Frauenpriestertum. Der Kölner BDKJ-Diözesanvorsitzende Volker Andres warf dem Erzbischof am Dienstag in Köln vor, jede inhaltliche Diskussion über eine Reform der Kirche zu verweigern und die Human- und Sozialwissenschaften gering zu schätzen. Damit stärke er einen kirchlichen Fundamentalismus.

Woelki hatte sich am Sonntagabend in einer Predigt gegen eine Diskussion über die Priesterweihe von Frauen ausgesprochen. Die Kirche habe hierzu „keinerlei Vollmacht“. Der Erzbischof wandte sich dagegen, die Kirche „dem politischen und gesellschaftlichen Mainstream“ anzupassen und deren Lehre besonders unter Hinweis auf die Sozial- und Humanwissenschaften zur Disposition zu stellen.

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