Ersatz für „Hitlerglocke“ in Rheinland-Pfalz eingeweiht

Einweihung einer neuen Glocke in der Wendelinuskapelle © Andreas Arnold (dpa)

Die neue Glocke der Wendelinuskapelle im Landkreis Südliche Weinstraße ist mit einem Festgottesdienst eingeweiht worden. Sie ist der Ersatz für die sogenannte Hitlerglocke, die wegen Aufschrift und Hakenkreuz abgehängt wurde.

DOMRADIO.DE

Wolfgang Volz vom Vorstand des Heimatvereins St. Wendelinus läutete am Sonntag in Essingen den neuen Klangkörper.

Die alte Glocke von 1936 trägt unter anderem die Aufschrift „Als Adolf Hitler Schwert und Freiheit gab dem deutschen Volk, goß uns der Meister Pfeifer Kaiserslautern“ und ein Hakenkreuz. Sie ist künftig in einem Museum untergebracht. Die neue Glocke trägt die Inschrift „Einer ist euer Meister, Christus; ihr aber alle seid Brüder“, ein Zitat aus dem Matthäus-Evangelium. Diese Worte standen auf einer Glocke, die einst im Turm hing, während des Zweiten Weltkriegs aber eingeschmolzen wurde.

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Ethiker: Rackete und Thunberg Heldinnen, aber keine Heiligen

Für den Berliner Ethiker Arnd Pollmann sind die beiden Aktivistinnen Carola Rackete und Greta Thunberg keine Heiligen oder Propheten. Auch frühere Aussagen des Berliner Bischofs diesbezüglich hält Pollmann für falsch.

katholisch.de

Aus Sicht des Berliner Ethikers Arnd Pollmann kann man die Klima-Aktivistin Greta Thunberg und die ehemalige Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete als „Heldinnen“ bezeichnen, aber nicht als „Heilige“. Heldinnen „tun außeralltägliche Dinge, Dinge, die teilweise weit über das hinausgehen, was sogenannte normale Menschen tun und als ihre moralische Pflicht begreifen würden“, sagte er am Montag im Deutschlandfunk.

Heldin oder Autistische Schulschwänzerin?

Dabei gingen sie teilweise ein großes persönliches Risiko ein und zeigten, was Menschen möglich sei, „wo wir selbst dazu in aller Regel zu feige sind. Und ich glaube eben, das trifft auch auf Greta Thunberg oder Carola Rackete zu.“ Allerdings sei dies keinesfalls Konsens, denn sie würden von manchen auch als „autistische Schulschwänzerin“ oder „gesetzlose Verbrecherin“kritisiert.

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Religionssoziologe Pollack zu Anstieg bei Kirchenaustritten: „Darüber reden, was an Kirche bindet“

Kirchen verlieren Mitglieder © Arne Dedert (dpa)

Die beiden großen Kirchen in Deutschland verzeichnen einen starken Anstieg von Austritten. Der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack blickt auf mögliche Gründe und Gegenmaßnahmen sowie die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte.

DOMRADIO.DE

KNA: Herr Pollack, welche Gründe sehen Sie für die Kirchenaustritte?

Pollack: Man muss unterscheiden zwischen Austritten aus der evangelischen und der katholischen Kirche. Wir haben relativ gute Daten, was die Kirchenaustrittsmotive aus der evangelischen Kirche angeht. Ganz wichtig ist, dass Menschen die Kirche verlassen, weil sie mit dem Glauben nichts mehr anfangen können, weil ihnen die Kirche nichts sagt, weil ihnen Kirche gleichgültig geworden ist. Das spielt bestimmt auch für einige Austretende aus der katholischen Kirche eine Rolle.

KNA: Gibt es noch weitere Gründe?

Pollack: Ein anderer Punkt ist, das betrifft vor allem die katholische Kirche, dass man unzufrieden ist, sich an der Kirche reibt – und da spielt natürlich der Missbrauchsskandal eine große Rolle. Das ist für die evangelische Kirche nicht so zentral. Wir haben immer wieder Umfragen durchgeführt in der evangelischen Kirche und danach gefragt, ob man die Stellungnahmen der Kirche kritisiert oder ob man mit der Arbeit der Pfarrerinnen und Pfarrer nicht zufrieden ist. Das ist ein eher unbedeutender Grund.

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Vatikan-Rätsel um vermisstes Mädchen: Experten entdecken «Tausende» von Knochen

Experten öffnen am Samstag das sogenannte Beinhaus auf dem deutschen Friedhof im Vatikan. (Bild: DTM MS / Vatican Media Handout)

1983 verschwand die damals 15 Jahre alte Tochter eines Vatikan-Dieners. Seitdem ranken sich um ihren Verbleib Verschwörungstheorien. Nun könnte ein Knochenfund neue Erkenntnisse bringen.

Neue Zürcher Zeitung

Der Vatikan will mit einem neuen Anlauf das Rätsel um ein vor 36 Jahren verschwundenes Mädchen lösen: Ein Expertenteam entdeckte am Samstag «Tausende» von Knochen auf dem deutschen Friedhof im Vatikan. Anhand dieser Überreste soll nun nicht nur geklärt werden, ob es die Überreste verschwundenen Tochter eines Vatikan-Dieners, Emanuela Orlandi, sind. Gesucht wird mittlerweile auch nach den Gebeinen zweier adeliger Frauen, die auf dem Friedhof bestattet worden sein sollen.

Um den Verbleib Orlandis ranken sich seit Jahren Verschwörungstheorien. Die damals 15-Jährige verschwand 1983 nach dem Besuch einer Musikschule. Auf der Suche nach ihr hatte der Vatikan Mitte Juli zwei Gräber auf dem deutschen Pilgerfriedhof Campo Santo Teutonico öffnen lassen: Von Sophie von Hohenlohe (gestorben 1836) und Herzogin Charlotte Friederike zu Mecklenburg (gestorben 1840). Doch überraschenderweise waren die beiden Gräber leer.

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Erzapostel Koch zu sinkenden Mitgliederzahlen der Kirche: „Wir werden auf ganz neue Weise Kirche sein müssen“

216.078 Austritte verzeichnet die katholische Kirche 2018. Ein Grund dafür sieht Erzbischof Heiner Koch in wegbrechenden Traditionen. Sich dem Mainstream anzupassen, ist für den Berliner Erzbischof jedoch keine Option.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Heute findet die 74. Schlesierwallfahrt zum Annaberg in Haltern am See statt. Sie sind zum ersten Mal dabei. Das Leitwort lautet „Wohin sollen wir gehen?“. Wie werden Sie dieses Wort aufgreifen angesichts der veröffentlichten Kirchenstatistik von 2018?

Dr. Heiner Koch (Erzbischof von Berlin): Die Frage ist zunächst mal existenziell bedeutsam für die Kirche. Diese Frage ist die Gegenfrage auf die Frage Jesu „Wollt nicht auch ihr gehen?“. Und das ist natürlich heute eine ganz brenzlige Situation. In diesen Tagen haben wir die neuen Zahlen über die Mitgliederentwicklung in der Kirche bekommen – unter anderem über die steigenden Austritte und die sinkende Taufhäufigkeit.

Viele fragen also „Wollt nicht auch ihr gehen?“ oder „Will nicht auch ich gehen?“. Die Situation ist, dass viele gehen, nicht mehr viele hinzukommen und es nicht mehr selbstverständlich ist, Kirche zu sein. Gott verliert an Bedeutung und der Glaube ist sicherlich auch nicht mehr durch Tradition und Brauchtum getragen.

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Polnischer Erzapostel: Kirchenkritiker nutzen Missbrauchsthema aus

Bild: © KNA

Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz fürchtet eine Instrumentalisierung des Themas Kindesmissbrauch gegen die katholische Kirche. „Libertäre Kräfte“ wollten das Thema Pädophilie nutzen, um die Kirche zum Schweigen zu bringen.

katholisch.de

Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, sieht die Gefahr einer Instrumentalisierung des Themas Kindesmissbrauch gegen die katholische Kirche. Die Schwierigkeit der aktuellen Lage sei, „dass das Thema Pädophilie – nicht nur in Polen, sondern fast auf der ganzen Welt – ein leicht ausnutzbares Thema für Angriffe auf die moralische Glaubwürdigkeit der Kirche geworden ist“, sagte er am Sonntag der polnischen Kirchenzeitschrift „Niedziela“. Die Kirche sei die letzte Stimme in der Gesellschaft, „die keine Kompromisse mit den gegenwärtigen demoralisierenden Strömungen eingeht“, so Gadecki. Es gebe „libertäre Kräfte“, die diese Stimme „zum Schweigen bringen und ausschalten“ wollten.

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Trumps Waffe, die Religionsfreiheit

Im Weißen Haus traf Donald Trump vor wenigen Tagen Menschen, die wegen ihrer Religion verfolgt werden. In der Vergangenheit aber machte er selbst häufig Stimmung gegen Muslime. (Foto: AFP)
  • In dieser Woche konferierten mehr als 1000 Staatenvertreter im Washingtoner State Department zum Thema Religionsfreiheit.
  • Es war die weltweit größte Konferenz dieser Art.
  • Trumps Regierung hat das Thema schon seit Längerem für sich entdeckt und nutzt es in der Außen- wie Innenpolitik.

Von Thorsten Denkler | Süddeutsche Zeitung

Die Bibel liegt im Büro von US-Außenminister Mike Pompeo offen und griffbereit. Mit deutlichen Gebrauchspuren, wie ein Reporter der New York Times bemerkt, der Gelegenheit hatte, Pompeo dort zu treffen. Diverse Textstellen seien markiert gewesen. Pompeo ist ein zutiefst religiöser Mensch. Einer der sagt, dass er es „als Christ durchaus für möglich hält„, dass Gott es war, der seinen Chef Donald Trump zur Erde gesandt hat, um Israel vor Iran zu schützen.

Als Christ hat es sich Pompeo und mit ihm die gesamte Trump-Regierung zudem zur Aufgabe gemacht, die Religionsfreiheit weltweit zu schützen. In dieser Woche konferierten deshalb mehr als 1000 Staatenvertreter im State Department zu diesem Thema. Es war die weltweit größte Konferenz dieser Art.

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Die Royal Navy ist am Persischen Golf überfordert

Der Iran hält diesen unter britischer Flagge fahrenden Öltanker fest. (Bild: Jan Verhoog / EPA / Marinetraffic.com)

Die Eskalation in der Meeresstrasse von Hormuz hat die britische Regierung unvorbereitet getroffen. Zum Schutz der Öltanker stehen zu wenige Fregatten zur Verfügung, und diplomatisch treibt Amerika London in die Enge.

Markus M. Haefliger | Neue Zürcher Zeitung

Der britische Aussenminister Jeremy Hunt hat am Samstag Teheran davor gewarnt, die Bedrohung von kommerziellen Schifffahrtslinien am Persischen Golf fortzusetzen. «Iran bewegt sich auf einem gefährlichen Weg», teilte Hunt mit. Die iranischen Revolutionswächter hatten am Freitag in der Strasse von Hormuz den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker «Stena Impero» aufgebracht; das Schiff und die internationale Besatzung werden im militärisch befestigten Hafen von Bandar Abbas festgehalten.

Die Regierung in London empfahl kommerziellen britischen Schiffen gleichzeitig, die Strasse von Hormuz vorerst zu meiden. Hunt hatte am Vorabend mit ernsthaften Konsequenzen gedroht, ohne deutlich zu machen, was er damit meinte. Militärische Massnahmen schloss er aus. Der Sicherheitsausschuss des Kabinetts tagte in der Nacht auf Samstag und am frühen Samstagmorgen insgesamt zwei Mal.

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Suche nach Orlandi im Vatikan geht weiter – keine neuen Erkenntnisse

Bild: © katholisch.de

Bei der Suche nach der vor 36 Jahren verschwundenen Schülerin Emanuela Orlandi sind auf dem deutschen Friedhof im Vatikan zwei weitere Gräber geöffnet worden. Dabei seien Überreste gefunden worden, die nun untersucht werden müssten.

katholisch.de

Eine neuerliche Suche im Vatikan nach der vor 36 Jahren verschwundenen Schülerin Emanuela Orlandi ist am Samstag ohne Zwischenergebnis unterbrochen worden. Wie Vatikansprecher Alessandro Gisotti mitteilte, brachte die Öffnung von zwei unterirdischen Gebeinkammern im deutschen Priesterkolleg Campo Santo Teutonico am Petersdom Überreste zutage, die einer ersten Begutachtung unterzogen wurden. Auf Anordnung der vatikanischen Staatsanwaltschaft würden die morphologischen Analysen der Funde kommenden Samstag fortgesetzt, hieß es. Die Bergung und die ersten Untersuchungen dauerten den Angaben zufolge sechs Stunden.

Die Nachforschungen sollen Licht in das Schicksal der jungen Vatikanbürgerin Emanuela Orlandi bringen, die am 22. Juni 1983 vom Musikunterricht nicht nach Hause zurückgekehrt war.

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Vatikan verhängt Sanktionen gegen US-Bischof

Bischof Bransfield und das Schreiben des Vatikans Foto: CNA Deutsch / Archiv

Die Vorwürfe stehen seit einiger Zeit im Raum: Bischof Michael J. Bransfield von Wheeling-Charleston soll Seminaristen, Priester und andere Erwachsene sexuell belästigt, genötigt und missbraucht haben.

Von AC Wimmer | CNA

Zudem ist belegt, dass er aus diözesanen Mitteln große Geldgeschenke finanzierte, die er dann an hochrangige Kirchenvertreter verteilte.

Wie der Vatikan am gestrigen Freitag mitteilte, darf Bransfield nun ab sofort nicht mehr an öffentlichen Messen teilnehmen oder in seiner ehemaligen Diözese leben. Das habe Papst Franziskus entschieden. Bransfield müsse zudem „persönliche Wiedergutmachung leisten“ für den Schaden, den er der Diözese zugefügt hat.

Die Stellungnahme des Vatikans vom 19. Juli, die am gestrigen Freitag auf der Website der Diözese Wheeling-Charleston veröffentlicht wurde, kam vom Apostolischen Nuntius der Vereinigten Staaten, Erzbischof Christophe Pierre.

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Mittelalter: Sergius wird Papst – der Beginn der „Pornokratie“ im Vatikan

Im 10. Jahrhundert geht es im Vatikan wenig christlich zu: Es ist die Zeit der Pornokratie zwischen der Inthronisierung von Sergius III. im Jahr 904 und der Absetzung von Johannes XII. im Jahr 963. Es geht um Macht und Einfluss. Außerdem spielen zwei Mätressen eine entscheidende Rolle.

Deutschlandfunk Nova

Als Karl der Große im Januar 814 stirbt, setzen Nachfolgekämpfe innerhalb der karolingischen Dynastie ein. Der stabilisierende Einfluss des römischen Kaisertums in Italien und im Vatikan geht zu Ende und ein Vakuum entsteht.

In der Folge geht es im Vatikan wenig christlich zu: Päpste kämpfen um Macht und Einfluss auf weltliche Entscheidungen. Mächtige italienische Familien versuchen, Kandidaten auf den Heiligen Stuhl zu bringen, die ihnen nahe stehen.

Der Einfluss von Theodora und Marozia

Zwischen 904 und 963 herrscht die sogenannte Pornokratie im Vatikan. Es ist die Zeit zwischen der Inthronisierung von Sergius III. als Papst im Jahr 904 und der Absetzung von Johannes XII. im Jahr 963.

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75 Jahre Hitler-Attentat: „Kirchen haben grandios versagt“

Reichsmarschall Hermann Göring (helle Uniform) und der Chef der ‚Kanzlei des Führers‘, Martin Bormann (l.), begutachten die Zerstörung im Raum der Karten-Baracke im Führerhauptquartier Rastenburg, wo Oberst Stauffenberg am 20. Juli 1944 eine Sprengladung zündete, mit der Absicht Hitler zu töten – APA/dpa/Heinrich Hoffmann/UPI

„Christlicher Widerstand kam von Einzelpersonen, aber nicht von der Amtskirche“, mahnt Historiker Wolfgang Benz zur Vorsicht im Umgang mit der Rolle des Glaubens beim Widerstand gegen den Diktator.

Die Presse.com

Am 20. Juli 1944 versuchte Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Adolf Hitler mit einer Bombe zu töten. Doch der Umsturzversuch deutscher Offiziere scheiterte, der Diktator überlebte leicht verletzt. Stauffenberg und seine Mitverschwörer wurden hingerichtet. Das offizielle Deutschland wird am Samstag im Berliner Bendlerblock, der Hinrichtungsstätte der Attentäter, der damaligen Ereignisse gedenken. Schon vorab meldete sich der Berliner Historiker Wolfgang Benz zu Wort – und zwar mit äußert kritischen gegenüber der Kirchen.

Man sollte die Rolle des Glaubens beim Widerstand gegen Hitler nicht überbewerten, betonte Benz: „Die beiden Kirchen haben grandios versagt – christlicher Widerstand kam von Einzelpersonen, aber nicht von der Amtskirche“, sagte er der „Augsburger Allgemeinen“ laut Kathpress anlässlich des 75. Jahrestags des Hitler-Attentats.

Zugleich warnte der Historiker vor einer Verklärung der Tat: „Ich sehe es mit einem gewissen Unbehagen, wenn zum 20. Juli ausschließlich an Stauffenberg erinnert wird und die kleine Gruppe um ihn, die unendlich spät, zu spät, nur noch eine symbolische Tat begangen hat.“ Es gehe gerade heute im Sinne des „demokratischen Erbes“ darum, den ganzen Widerstand gegen den Nationalsozialismus in den Blick zu nehmen: „Die Konservativen haben bislang immer vor allem den militärischen Widerstand in den Blick genommen, der aber ganz spät kam.“

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Das Volk Gottes wird immer schneller kleiner

Leere Kirchenstühle – hier im Magdeburger Dom.Foto: Rolf Kremming/imago

Erneut ist die Zahl der evangelischen und katholischen Christen gesunken. Ein Überblick über die Geschichte der Kirchenaustritte in Deutschland – und Gründe.

Von Andrea Dernbach | DER TAGESSPIEGEL

Wie haben sich die Zahlen entwickelt?
Im vergangenen Jahr haben noch mehr Menschen die beiden großen Kirchen verlassen als bisher. Die Zahl der Kirchenmitglieder in Deutschland sank von 44,8 Millionen im Jahr 2017 auf 44,14 Millionen. Das sind 53,2 Prozent der Gesamtbevölkerung, 2017 waren noch 54,2 Prozent. Rund 23 Millionen Bundesbürger waren katholisch, 21,14 Millionen evangelisch, wie die katholische Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mitteilten.
Der Trend ist sehr alt, die Zahl der eingetragenen Christinnen und Christen kennt seit mehr als hundert Jahren nur eine Richtung: bergab. Waren 1910 im Deutschland Kaiser Wilhelms noch praktisch alle Untertanen katholisch oder evangelisch, nämlich 98,3 Prozent, so sackte dieser Anteil in der Weimarer Republik bereits bis 1925 um zwei und bis 1933 um einen weiteren Prozentpunkt. Auf knapp 96 Prozent gingen die Kirchen auch aus dem Krieg hervor – allerdings in einem anderen Verhältnis der Konfessionen als heute. Im Kaiserreich waren etwa zwei Drittel der Deutschen evangelisch, ein Drittel katholisch, 1950 waren nur noch gut die Hälfte Protestanten und 44 Prozent katholisch. Über die Jahrzehnte pendelte sich das Verhältnis ein, mit mittlerweile wieder einem etwas größeren Anteil der katholischen Kirche. Der Schwund traf beide, in Westdeutschland nach den aufgewühlten 1968ern mit Wucht. Waren 1970 nur 6,4 Prozent der Bundesdeutschen nicht Mitglied in einer der großen Kirchen – das war in einem Jahrzehnt bereits eine deutliche Steigerung – so verdoppelte sich dieser Anteil in den nächsten fünf Jahren. Tendenz seither ungebrochen steigend. Inzwischen liegt der Anteil derer, die in Deutschland keiner der beiden Kirchen angehören, bei 53,2 Prozent, erneut ein Rückgang gegenüber den 54,2 Prozent 2017. Das ist allerdings noch weit entfernt von den Zahlen der DDR. Dort gehörten 1986, drei Jahre vor dem Mauerfall, zwei Drittel keiner Kirche an, ein knappes Drittel der Bevölkerung war evangelisch, katholisch 6,5 Prozent. Die Zukunft sieht für die Kirchen eher noch düsterer aus. In einer ersten gemeinsamen Prognose, die die katholische Deutsche Bischofskonferenz und die EKD beim Freiburger „Zentrum Generationenverträge“ in Auftrag gaben, rechneten die Fachleute um den Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen im vergangenen Mai mit einer Halbierung des aktiven Kirchenvolks bis 2060.

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Auch in Evangelischer Kirche starker Anstieg bei Kirchenaustritten

Bild: © KNA

Nicht nur der katholischen, auch der Evangelischen Kirche kehrten 2018 überproportional viele Menschen den Rücken. Die Austrittszahlen sind vergleichbar – auch wenn der Anstieg auf protestantischer Seite im Vergleich zum Vorjahr weniger hoch ist.

katholisch.de

Die Zahl der Kirchenaustritte in der Evangelischen Kirche in Deutschland ist deutlich angestiegen. Rund 220.000 Protestanten kehrten im vergangenen Jahr ihrer Kirche den Rücken. Damit lag die Zahl der Kirchenaustritte 2018 rund 11,6 Prozent über dem Vorjahr, wie die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Freitag in Hannover mitteilte.

Insgesamt gehören 21,14 Millionen Bundesbürger einer der 20 Gliedkirchen der EKD an; das sind 25,4 Prozent der Bevölkerung. Dies entspricht einem Rückgang von rund 1,8 Prozent.

Auf die finanzielle Situation der evangelischen Kirche hat der Rückgang bei den Mitgliederzahlen zunächst noch keine sichtbaren Auswirkungen. Bedingt durch die positive Entwicklung der Löhne und Einkommen stieg das Kirchensteueraufkommen 2018 leicht an auf 5,79 Milliarden Euro.

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216.078 Katholiken sind 2018 aus der Kirchen ausgetreten

Die Deutsche Bischofskonferenz hat die Zahlen ihrer jährlichen Statistik veröffentlicht. Die alarmierende Nachricht: 2018 verließen mehr als 200.000 Gläubige die Kirche. Es war das Jahr mit den zweitmeisten Kirchenaustritten seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

katholisch.de

Die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche in Deutschland ist dramatisch angestiegen. Im Jahr 2018 haben 216.078 Gläubige vor den staatlichen Behörden ihren Austritt erklärt, teilte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) am Freitag in Bonn mit. Gegenüber zum Vorjahr (2017: 167.504) stiegen die Kirchenaustritte um nahezu 29 Prozent an. Die Zahl der Katholiken in Deutschland lag im vergangenen Jahr bei 23.002.128 (2017: 23.311.321). Knapp 28 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung sind damit Mitglieder der katholischen Kirche (2017: 28 Prozent).

Zweithöchste Kirchenaustrittszahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs

Die aktuellen Kirchenaustrittszahlen sind zudem die zweithöchsten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Nur 2014 traten mehr Menschen aus der Kirche aus (217.716).

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Katholische Iraker in den USA fühlen sich von Trump geprellt

Bild: FB

Die drohende Abschiebung irakischer Katholiken aus den USA wirft einen Schatten auf die Washingtoner internationale Konferenz zu Religionsfreiheit. Wie die Zeitung „Guardian“ berichtet, gerät der Gastgeber der Konferenz selbst in die Kritik.

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Die US-Regierung von Präsident Donald Trump wolle 1.400 chaldäische Christen ausweisen, die als Flüchtlinge in die USA gekommen seien. Sie lebten überwiegend in Detroit, der derzeit größten chaldäischen Gemeinde weltweit außerhalb des Irak.

Die Trump-Regierung hat laut dem Bericht bereits 100 katholische Iraker abgeschoben. Die Heimatschutzbehörde erklärte, es handele sich dabei um straffällig gewordene Personen. Dem widerspricht die Bürgerrechtsbewegung ACLU und bezieht sich auf interne Mails der Einwanderungspolizei. Die ACLU vertritt zahlreiche Iraker in Ausweisungsverfahren.

Mehr als die Hälfte nicht straffällig geworden

Nach ihren Angaben sind von den 1.400 irakischen Staatsangehörigen mit endgültigen Abschiebeverfügungen mehr als die Hälfte nicht straffällig geworden. Andere hätten ein Vorstrafenregister, das zum Teil Jahrzehnte zurückreiche. Die ACLU fordert für irakische Staatsangehörige neue Anhörungen vor Einwanderungsrichtern; eine Rückkehr in den Irak sei viel gefährlicher als noch vor wenigen Jahren.

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Theologe Seewald: „Synodaler Weg“ kann Kirche nicht befrieden

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Der „synodale Weg“ sei lediglich eine Maßnahme, um „Druck aus dem Kessel zu nehmen“ – wirkliche Reformen werde er nicht hervorbringen: Davon ist der Münsteraner Dogmatiker Michael Seewald überzeugt.

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Der Münsteraner Theologe und Dogmatiker Michael Seewald glaubt nicht, dass die aktuelle Reformdebatte zu konkreten Veränderungen in der katholischen Kirche führen wird. Im Deutschlandfunk sagte er am Donnerstag, er könne sich kaum vorstellen, dass aus dem von den Bischöfen beschlossenen „verbindlichen synodalen Weg“ so konkrete Ergebnisse herauskommen, dass es „tatsächlich dauerhaft gelingt, die Kirche in Deutschland zu befrieden“.

Die Bischöfe wollen zusammen mit Laien und externen Fachleuten Positionen zu wichtigen Fragen klären. Dabei soll es vor allem um die Themen Macht, kirchliche Sexualmoral, Lebensform der Priester und Frauen in der Kirche gehen. Ende Juni hatte Papst Franziskus einen Brief an „An das pilgernde Volk in Deutschland“ verfasst, in dem er den deutschen Katholiken seine Unterstützung beim „synodalen Weg“ zusagt. Gleichzeitig appellierte er, bei den Gesprächen die Einheit mit der Weltkirche nicht aus dem Blick zu verlieren.

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Heterosexuell dank Jesus: In Ecuador werden Homosexuelle in illegale «Kliniken» eingesperrt

Auch in Quito feierte die LGBT-Gemeinschaft Ende Juni an der Pride-Parade. Doch an Homosexuellen in Ecuador haftet noch immer ein starkes soziales Stigma. (Bild: Franklin Jacome / Press South / Getty)

In dem südamerikanischen Land existieren illegale Entzugskliniken, die vorgeben, Homosexuelle zu «heilen». Ein Betroffener erzählt.

Nicole Anliker | Neue Zürcher Zeitung

An einem Tag im August 2012 standen zwei Polizisten vor Walter Arroyos Haustür, um ihn abzuführen. Als Grund für die Festnahme gaben sie an, Arroyo habe es versäumt, Unterhaltszahlungen für seinen Sohn zu leisten. Arroyo glaubte, es handle sich um ein Missverständnis. Er habe gewusst, dass alle Rechnung beglichen seien, sagt der 32-Jährige heute.

Doch die Uniformierten zerrten ihn in einen Streifenwagen, fuhren in den Süden Quitos und setzten ihn vor einem Haus ab. Es war nicht angeschrieben, doch Arroyo wurde erwartet. Der junge Mann weiss noch, wie ihn zwei kräftige Männer in Empfang nahmen und in den dreistöckigen Bau brachten. Darin wohnten zwei Dutzend Männer, in Schlafsälen mit Etagenbetten. Arroyo sagt, er habe nicht verstanden, was los war – bis er in einen Raum geführt und aufgeklärt wurde: «Du bist hier, weil du schwul bist.»

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Spanischer Geheimdienst kontrollierte Terrorzelle bis zu Anschlag in Barcelona

Der spanische Regierungschef Pedro Sánchez und der CNI-Direktor im Hauptquartier des Geheimdienstes. Bild: Moncloa

Die Zeitung Público legt erschreckende Dokumente vor, die zeigen, dass der CNI stets mit dem Chef der Terrorzelle in Kontakt stand und die Terroristen umfangreich überwacht hat

Ralf Streck | TELEPOLIS

Die Fortsetzungsgeschichte über die Verstrickungen des spanischen Geheimdienstes CNI, der allen Hinweisen nach auch in Deutschland sehr aktiv war, erreicht nun in der Zeitung Público einen zweiten Höhepunkt. Sie veröffentlicht heute am zweiten Tag brisante Daten und Dokumente zu Anschlägen islamistischer Terroristen vor knapp zwei Jahren im katalanischen Barcelona und Cambrils. Längst war bekannt, worüber Telepolis berichtete, dass der Chef der Terrorzelle ein Geheimdienstspitzel war. Längst war auch bekannt, dass auch andere spanische Sicherheitskräfte in Kontakt mit dem Imam Abdelbaki Es Satty standen.

Nun hat legt der Journalist Carlos Enrique Bayo – hier ein sehr interessantes Interview mit ihm – das Ergebnis seiner einjährigen Recherchen vor. Er zeigt auf, wie der CNI über einen toten Briefkasten im Internet mit dem Terrorchef kommunizierte. Beide hatten Zugriff auf das Email-Konto adamperez27177@gmail.com. Kommuniziert wurde so, wie auch schon Bin Laden mit seinen Anhängern kommunizierte. Es wurden nur Online-Nachrichten im Postfach geschrieben, die aber nicht als Email verschickt, sondern dort nur als Entwürfe abgelegt wurden.

Das Email-Konto

So konnte CNI und Es Satty kommunizieren, ohne dass ein Emailverkehr entstand. „ICH SEHE, DASS DU ZUGANG HAST, DU MUSST JETZT NUR EINE NACHRICHT WIE DIESEN ENTWURF SCHREIBEN UND ICH LESE ES. JETZT KANNST DU ANFANGEN, MIR SACHEN MITZUTEILEN. DANKE MEIN FREUND“, ist in einem Screenshot aus diesem Konto vom 24. Mai zu lesen. Knapp einen Monat später, als die Vorbereitung auf ein Massaker mit zwei Transporter-Bomben auf Hochtouren liefen, fragt der Kontaktmann den Imam: „HAST DU MIR NICHTS ZU SAGEN ODER KANNST DU NICHT.“

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Europäische Kirchen und Hilfswerke mit Appell zur Seenotrettung: „Wir sehen die EU in der Verantwortung“

Die „Sea Watch 3“ im Mittelmeer © Chris Grodotzki (dpa)

Anlässlich der Tagung der EU-Innen- und Justizminister am Donnerstag haben Kirchen und Hilfswerke in Europa eine EU-Seenotrettungsmission gefordert. Wichtig sind demnach ein Notfallplan sowie die Sicherung von Menschenrechten.

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In einem am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Appell forderten die Unterzeichner zugleich ein „Ende der Kriminalisierung von Nichtregierungsorganisationen, die Menschen aus Seenot retten“. Der Appell wird getragen von allen evangelischen Entwicklungs- und humanitären Hilfswerken, die in der ACT Alliance EU zusammengeschlossen sind, sowie den Mitgliedsorganisationen der Kirchlichen Kommission für Migranten in Europa (CCME) und der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), in der die protestantischen, anglikanischen und orthodoxen Kirchen Europas zusammengeschlossen sind.

Notwendig sei zudem ein „EU-Notfallplan für Bootsflüchtlinge sowie die Einstellung der Kooperationen mit Libyen und anderen Anrainerstaaten, in denen Menschenrechte nicht gesichert sind“. Ohne erweiterte Resettlement-Programme und legale Einreisewege werde das Sterben auf dem Mittelmeer kein Ende haben, sagte Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt und Vorsitzende der ACT. „Wir sehen die EU in der Verantwortung, die Unantastbarkeit, Würde und das Recht auf Leben aller Menschen zu fördern, zu respektieren und zu schützen – besonders unter den dramatischen Umständen, denen Flüchtlinge und Migrierende ausgesetzt sind!“

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