Archiv der Kategorie: Katholizismus

Der Papst als Star für die Luther-Party 2017?

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Viele Deutsche machen nicht mehr mit – nicht bei der Familie, nicht bei den Kirchen und auch nicht mehr bei den Parteien und Gewerkschaften. Seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts erlebten die traditionellen Säulen der Gesellschaft einen beispiellosen Niedergang.

Von Gerhard Besier | kath.net

Diese Entwicklung zeichnete sich seit langem ab, eine Gegensteuerung wurde aber nur halbherzig betrieben. Die Zeiten änderten sich eben, hieß es, und nur ewig Gestrige stemmten sich gegen die Modernisierungsbewegungen der jüngeren Generationen. Dabei hatte es etwas Gespenstisches, diese allmähliche Aushöhlung der tragenden gesellschaftlichen Säulen zu beobachten, deren Akteure ungerührt mit ihrer Alltagsroutine fortfuhren – einfach so weitermachten wie immer, obwohl immer weniger mitmachten.
Angebote ohne Nachfrage

Zuerst nahm das Interesse am kirchlichen Leben ab. Der Gottesdienstbesuch, die Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten, Beerdigungen waren immer weniger gefragt. Diese Beschreibung ist nicht beliebig, denn in unserer ökonomisierten Welt orientiert sich der Wert eines Unternehmens nun einmal daran, ob das offerierte Angebot auf genügend Nachfrage trifft. Wenn das nicht der Fall ist und alle Reformversuche scheitern, muss der Betrieb in Konkurs gehen – eigentlich. Denn was sich in der Welt der Wirtschaft als verheerend erwiesen hat, wird im Bereich der Kultur und der Politik eifrig weiterbetrieben – eine massive staatliche Subventionierung mit Steuergeldern, um das Aus des Betriebs zu verhindern.

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Warum der orthodoxe Islam mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist

Uwe Lehnert, Bild: freigeist-weimar.de

Uwe Lehnert ist vor allem durch sein Buch „Warum ich kein Christ sein will – Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung“ bekannt. Er äußert sich auch regelmäßig zu religions- und kirchenkritisches Themen.

Von Uwe Lehnert | Richard Dawkins-Foundation

Warum der orthodoxe Islam mit dem Grundgesetz nicht vereinbar und daher als verfassungswidrig einzustufen ist

Zwei Feststellungen möchte ich meinem Beitrag vorausschicken:

1. Eine ausländerfeindliche und fremdenfeindliche Einstellung ist generell abzulehnen. Insofern verurteile ich Äußerungen, wie sie vielfach von rechtsextremer Seite verbreitet werden. Wenn meine im Folgenden dargelegten Gründe einer den orthodoxen Islam ablehnenden Einstellung auch z.B. mit Positionen der Partei AfD übereinstimmen, kann mich das nicht abhalten, diese Positionen dennoch aufrecht zu erhalten. Ich habe auch partielle Übereinstimmungen in der Sicherheits-, Wirtschafts- oder z.B. Bildungspolitik mit der CDU, der SPD oder z.B. den LINKEN und stimme doch mit diesen Parteien in wesentlichen Fragen nicht überein.

2. Ich habe eine generell religionskritische Einstellung und lehne für mich speziell die Lehre des Christentums ab. Die Gründe dafür habe ich ausführlich in meinem Buch dargelegt »Warum ich kein Christ sein will – Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung« (Tectum-Verlag, 2015, 6. Auflage). Aus weitgehend den gleichen wissenschaftlichen, philosophischen und weiteren sachlichen Gründen lehne ich auch den Islam als Religion ab. Dennoch akzeptiere ich selbstverständlich Menschen, die dem Christentum oder dem Islam anhängen, als gleichberechtigte Bürger, dann nämlich, wenn sie ihren Glauben ohne Anspruch auf allgemein politisch-gesellschaftliche Verbindlichkeit als ihre private Angelegenheit betrachten.

Warum lehne ich den Islam, wie er sich weltweit und in zunehmendem Maße auch in Europa und Deutschland ausbreitet, als Religion ab? Warum ist der Islam, wie er im Koran beschrieben wird, mehr als ein religiöser Glauben, dem nicht die Religionsfreiheit gewährt werden kann, wie sie im Grundgesetz verbürgt wird?

Die von den Repräsentanten des Islam vertretene Glaubenslehre ist eine polit-religiöse Ideologie, die über ihr spirituelles Angebot hinaus den Anspruch erhebt, das individuelle wie das gesamtgesellschaftliche Leben nach den Vorgaben des Koran, der Hadithe (Überlieferungen) und der Scharia verbindlich zu gestalten. Dieser Anspruch ist grundgesetzwidrig, insbesondere weil er alle Mitglieder einer Gesellschaft einbezieht, unabhängig davon, ob sie sich zum Islam bekennen oder nicht.

In den Ländern Europas, in denen der Islam noch keine Möglichkeit hat, seine aus dem Koran abgeleiteten Forderungen politisch durchzusetzen, begnügt man sich muslimischerseits, diese vorerst nur auf muslimische Glaubensangehörige anzuwenden. In Ländern, in denen der Islam zur Staatsreligion erhoben wurde – viele Länder des arabischem Raums, Beispiel Saudi-Arabien, auch einige ostasiatische –, gelten die islamischen Gesetze grundsätzlich für alle Bürger, gleichgültig welchen Glaubens oder Nichtglaubens sie sind.

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Klöckner bei Katholikentag: «Es gibt kein Recht auf ein Kind»

Julia Klöckner (September 2015). Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA 4.0

CDU-Vize sagt bei Katholikentag: Politik müsse bei dem Thema Grenzen setzen und werde deshalb für Reproduktionsmediziner immer ein Spielverderber sein.

kath.net

Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner warnt vor einer Überhöhung der Reproduktionsmedizin. «Es gibt kein Recht auf ein Kind, auch kein Recht auf ein gesundes Kind», sagte Klöckner am Donnerstag beim Katholkentag in Leipzig. Politik müsse bei dem Thema Grenzen setzen und werde deshalb für Reproduktionsmediziner immer ein Spielverderber sein.
Bei gesetzlichen Regelungen müsse es um das Gemeinwohl gehen, betonte Klöckner, die auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist. Dabei gelte es auch, die Belange derjenigen in den Blick zu nehmen, die ihr Dasein einer künstlichen Befruchtung verdankten und beispielsweise wissen wollten, wer ihre Eltern seien.

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Wenn das Flüchtlingsboot zur Bütt wird

© dpa „Gott ist mitten in diesem Boot“: Kardinal Woelki bei seiner Predigt vor einem Flüchtlingsboot.
Ein Flüchtlingsboot aus dem Mittelmeer wird zum Altar: In seiner Predigt zu Fronleichnam erhebt der Kölner Kardinal Woelki eindringlich die Stimme in der Flüchtlingskrise – am Ende applaudieren die Gottesdienstbesucher.

Frankfurter Allgemeine

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat am Fronleichnamsfest eindringlich mehr Einsatz für Flüchtlinge gefordert. Beim Gottesdienst vor dem Kölner Dom diente ein sieben Meter langes Flüchtlingsboot aus Malta als Altar. „Wer Menschen im Mittelmeer ertrinken lässt, lässt Gott ertrinken – jeden Tag, tausendfach“, sagte der Erzbischof. „Wer Menschen in Lagern zu Tode quält, quält Gott zu Tode – tausend und abertausendfach.“

Der Altar sei immer ein Symbol für Christus, so Woelki. Er selber sei mitten „in diesem Boot, das Menschen, junge und alte, Frauen und Kinder, über das Mittelmeer schleuste“.

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Vatileaks-Prozess: Zeuge hat Angeklagte Chaouqui schwer belastet

Vati-Leaks-logo

Vor dem vatikanischen Gericht hatte die italienische PR-Beraterin Chaouqui den Vorwurf der Staatsanwaltschaft bestritten.

kath.net

Im Prozess um die Weitergabe interner Unterlagen aus dem Vatikan an Journalisten hat ein Zeuge die angeklagte Francesca Chaouqui  schwer belastet. Das frühere Mitglied einer päpstlichen Finanzuntersuchungskommission habe in einer ersten Vernehmung durch die vatikanische Gendarmerie gestanden, Dokumente über die Vermögensverwaltung an den italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi gegeben zu haben, sagte ein vatikanischer Polizist laut Prozessbeobachtern am Dienstag. Vor dem vatikanischen Gericht hatte die italienische PR-Beraterin Chaouqui den Vorwurf der Staatsanwaltschaft bestritten. Die Sitzung am Dienstag dauerte fünf Stunden und endete gegen 20 Uhr. Die nächste Sitzung ist für den 14. Juni geplant.

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Die Kirche ordnet sich der Parteipolitik unter

Der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, Thomas Sternberg, bei der Eröffnung des 100. Katholikentages. picture alliance
Heute beginnt der 100. Katholikentag in Leipzig. Doch unliebsame Themen wie die prekäre Lage christlicher Flüchtlinge in deutschen Unterkünften werden dort ausgeblendet. Auch mit der AfD will man nicht sprechen

Von Klaus-Rüdiger Mai | Cicero

Der CDU-Politiker und Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, Thomas Sternberg, hat in einem Interview die Flüchtlingskrise als zentrales Thema des gerade in Leipzig stattfindenden Katholikentages benannt. Dabei erweckte er den Eindruck, dass in seinen Augen scheinbar nur Muslime als Flüchtlinge zu gelten haben. Die teils katastrophale Situation von nichtmuslimischen Minderheiten in den Flüchtlingsheimen, von Christen und Jesiden, die laut einer Studie des christlichen Hilfswerks „Open Doors“ wegen ihres Glaubens geschlagen, beleidigt oder bedroht werden, sind für den Präsidenten hingegen kein Thema. Denn, so Sternberg: „Man muss sich davor hüten, es als typisch islamisch darzustellen, wenn Christen in mehrheitlich von Muslimen bewohnten Flüchtlingsheimen bedrängt werden.“

Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ hatte die dünne Faktenbasis der Studie bemängelt, Sternberg zieht diese jedoch an sich nicht in Zweifel. Die „Welt“ wiederum verwies auf mehrere selbst dokumentierte Einzelfälle schikanierter christlicher Flüchtlinge, die das Ergebnis der Studie bekräftigen sollten. Auch Open Doors widersprach dem FAS-Artikel.

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Pfaffenhofen: Pfarrer unter Verdacht

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Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt ermittelt wegen sexuellen Kindesmissbrauchs gegen den Stadtpfarrer im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm.

Süddeutsche.de

Das hat Generalvikar Harald Heinrich am Donnerstagvormittag während des Fronleichnamsgottesdiensts bekannt gegeben. Bereits am Abend zuvor hatte das Bistum Augsburg die Pfaffenhofener Fronleichnamsprozession abgesagt, zunächst ohne Angabe von Gründen. Der Priester sei vorläufig von seinem Amt entbunden, sagte Heinrich, für ihn gelte aber die Unschuldsvermutung.

Nach den Worten des Generalvikars ging Mitte März im Bischöflichen Sekretariat ein anonymes Schreiben ein, das einen Übergriff des Pfarrers schilderte. Am 8. April habe die eingeschaltete Diözesanbeauftragte für die Prüfung von Missbrauchsvorwürfen die Ingolstädter Staatsanwaltschaft informiert. Dieses Vorgehen sei in der Diözese Augsburg üblich. Am Dienstag habe das Bistum von dem Ermittlungsverfahren erfahren, danach sei der Pfarrer sofort bis auf weiteres von seinem Amt entbunden worden. Die Freistellung, so der Generalvikar, bedeute allerdings keine Vorverurteilung durch das Bistum, das die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nach allen Kräften unterstütze.

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Bayrischer AfD-Chef: Kirche bereichert sich an Flüchtlingskrise

Bayerns AfD-Landesvorsitzender Petr Bystron verlangt ein „Ende der Kirchensubventionierung durch Steuergelder“ © Matthias Balk/DPA
Für Bayerns AfD-Landesvorsitzenden Petr Bystron steht fest, dass die von der Kirche propagierte Flüchtlingsfreundlichkeit nur einen Grund hat: an der Krise zu verdienen – auf Kosten der Steuerzahler.
 

stern.de

Die AfD verschärft ihren Kurs gegenüber der katholischen und evangelischen Kirche. Bayerns AfD-Landesvorsitzender Petr Bystron wirft beiden Kirchen vor, über ihre Wohlfahrtsverbände „unter dem Deckmantel der Nächstenliebe“ ein Milliardengeschäft mit der Flüchtlingskrise zu machen.

Beide Kirchen hätten aus kommerziellen Gründen ein großes Interesse an weiterer Flüchtlingszuwanderung. „Die vordergründig propagierte Flüchtlingsfreundlichkeit finanziert zugleich eine gigantische Wohlfahrtsindustrie unter dem organisatorischen Dach der Kirchen“, sagte Bystron, der seine Kritik zuvor in einem Beitrag für die „Huffington Post“ veröffentlicht hatte. Branchenführer seien die katholische Caritas und das evangelische Diakonische Werk.

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Das Recht auf Luthers Seite

Foto: epd-bild/Alexander Baumbach. bearb.: bb
Foto: epd-bild/Alexander Baumbach. bearb.: bb
Dreißig Jahre früher, und es hätte keine Reformation in Deutschland gegeben: Erst der „Ewige Landfriede“ von 1495, der das Gewaltmonopol dem Staat überschrieb und Fehden zwischen regionalen Herrschern an das Reichsgericht verwies, gab den Fürsten die notwendige Eigenständigkeit, mit der der sächsische Kurfürst Friedrich den geächteten Martin Luther schützen konnte.

Von Marcus Mockler | EKD

Davon ist der Tübinger Rechtsprofessor Martin Heckel überzeugt. Der 86-jährige, vielfach ausgezeichnete Staats- und Kirchenjurist hat eine 700-seitige Studie über rechtliche Voraussetzungen und Konsequenzen der Reformation verfasst.

Als Luthers Lehren 1521 auf dem Wormser Reichstag verworfen und er selbst für vogelfrei erklärt wurde, brachten ihn Soldaten des Kurfürsten heimlich in Sicherheit auf die Wartburg. Luther hatte schon zuvor appelliert, dass ein Konzil über seine Sache entscheiden sollte. Dahinter steckte einerseits die Überzeugung, dass ein solches Gremium fairer mit seiner Kritik am Ablasshandel umgehen würde als macht- und geldgierige Regenten. Es war aber auch juristisch ein kluger Schachzug, denn dieser Appell konnte aufschiebende Wirkung haben. Das heißt: So lange nicht endgültig über Luthers Thesen entschieden war, durfte der Bann an ihm nicht vollstreckt werden.

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Vatikan-Bank: Ex-Deutschbanker Börsig geht im Streit

Vatikanbank
Vatikanbank
Bei der skandalgeplagten Vatikan-Bank ist ein Führungsstreit eskaliert. Wegen unterschiedlicher Auffassungen haben die nicht-klerikalen Vorstandsmitglieder Börsig und Salvatori das Institut verlassen.

SpON

Der frühere Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Clemens Börsig, verlässt die Führung der Vatikan-Bank im Streit. Er habe ebenso wie sein italienischer Vorstandskollege Carlo Salvatori wegen unterschiedlicher Ansichten über die Führung des Instituts seinen Posten geräumt, teilte der Vatikan mit.

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Verfassungsrechtler: Kritik an Schwulen-Urteilen geht zu weit

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)
Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Die Kritik des Justizministers an der damaligen Rechtsprechung unterstelle, man hätte schon damals berücksichtigen müssen, dass sich die allgemeine Auffassung in diesem Punkt später einmal vollständig ändern werde.

kath.net

Die Einlassungen von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zur deutschen Rechtsprechung gegen Homosexuelle stoßen auf Kritik. Der frühere Bundesverfassungsrichter Everhardt Franßen erklärte in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Mittwoch), die strafrechtlichen Urteile wegen praktizierter Homosexualität gemäß dem damaligen Paragrafen 175 des Strafgesetzbuches seien gedeckt durch ein höchstrichterliches Urteil aus dem Jahr 1957 und durch Artikel 2 des Grundgesetzes. Dort heißt es: «Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt … oder gegen das Sittengesetz verstößt.»
Franßen betonte, in früheren Jahrzehnten habe Konsens darüber bestanden habe, dass praktizierte Homosexualität gegen das Sittengesetz verstoße. Entsprechend habe auch das Bundesverfassungsgericht 1957 argumentiert und dabei unter anderem auf die übereinstimmende Haltung der beiden großen Kirchen in Deutschland und auf den damaligen weitgehenden Konsens der meisten Staaten hingewiesen.

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„Privilegien der Kirchen noch zeitgemäß?“

Donnerstag, 30. Juni 2016 19 bis 21 Uhr

Robert-Havemann-Saal im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin

 Humanistische Union

Jedes Jahr zahlen die Länder – außer Bremen und Hamburg – zusammen über 500 Millionen Euro sog. Staatsleistungen an die beiden Kirchen. Diese Zahlungen, vor 200 Jahren als Entschädigung für Folgen der Säkularisation gedacht, sind kaum mehr zeitgemäß. Demnächst berät der Deutsche Bundestag erstmals über einen Gesetzentwurf, wonach die Grundsätze für eine Ablösung der Staatsleistungen diskutiert werden sollen.

Über die Befreiung der beiden christlichen Kirchen von diversen Steuern und Gebühren wollen wir ebenso diskutieren wie über den Einzug der Kirchensteuer durch den Staat und darüber, dass staatliche Subventionen an Kirchen und deren Einrichtungen nicht der Prüfung durch Rechnungshöfe unterliegen.

Das Grundgesetz legt dem Staat „weltanschaulich-religiöse Neutralität auf. Es verwehrt die Einführung staatskirchlicher Rechtsformen und untersagt auch die Privilegierung bestimmter Bekenntnisse“, stellte das Bundesverfassungsgericht bereits in einem Urteil vom 14.12.1965 fest. Welche Widerstände gibt es in den Parteien gegen die Umsetzung dieses Verfassungsgebotes? Und nicht zuletzt: Wie verhalten sich die beiden Kirchen zu dieser Diskussion?

Darüber wollen wir diskutieren mit:

  • Oberkirchenrat Dr. Stephan Iro, Stellvertreter des Bevollmächtigten des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union
  • Dr. Martina Köppen, als Leiterin des Katholischen Büros Berlin-Brandenburg verantwortlich für die Kontakte zu Parlament, Regierung und Verwaltung in Berlin und Brandenburg
  • Johann-Albrecht Haupt, Mitglied des Beirates der Humanistischen Union und Autor eines Gesetzentwurfs zu den Grundsätzen der Ablösung der Staatsleistungen
  • Christine Buchholz (religionspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag / angefr.)
  • Bettina Jarasch, Mitglied im Bundesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen, Vorsitzende des Landesverbandes Berlin sowie der Kommission „Weltanschauungen, Religionsgemeinschaften und Staat“
  • Moderation: Jürgen Roth, Beirat der Humanistischen Union und Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Säkulare Grüne Berlin.

Unter dem Motto „Menschenrechte aktuell“ veranstalten das Haus der Demokratie und Menschenrechte, die Internationale Liga für Menschenrechte e.V. und die Redaktion der Zeitschrift Ossietzky jeweils am letzten Donnerstag des Monats einen Diskussionsabend mit kleinem Buffet (Brot und Käse, Wasser und Wein). Der Eintritt ist frei, eine Voranmeldung nicht notwendig.

Die Veranstaltung wird von der Humanistischen Union unterstützt.

Kardinal: Wiederverheiratete weiter von Kommunion ausgeschlossen

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Kardinal Caffarra: Wer sich in einer Lebenssituation befinde, die objektiv dem Sakrament der Eucharistie widerspreche, könne es auch weiterhin nicht empfangen.

kath.net

Das päpstlichen Schreiben «Amoris laetitia» lässt nach Ansicht des italienischen Kardinals Carlo Caffarra (77) keinen Ermessensspielraum für eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion. Wer sich in einer Lebenssituation befinde, die objektiv dem Sakrament der Eucharistie widerspreche, könne es auch weiterhin nicht empfangen, sagte er dem italienischen Online-Portal «La nuova bussola quotidiana» (Mittwoch).
Wenn der Papst die bisherige Lehre in dieser Frage hätte ändern wollen, hätte er dies klar und ausdrücklich tun müssen, so der frühere Erzbischof von Bologna. «Man kann die jahrhundertelange Disziplin der Kirche nicht durch eine Fußnote mit unklarem Tenor ändern.» Er verwies darauf, dass in der katholischen Kirche stets das Prinzip gegolten habe, in Zeifelsfällen sei eine lehramtliche Aussage in Kontinuität mit dem früheren Lehramt auszulegen. Caffarra war bis Oktober 2015 Erzbischof von Bologna. Er galt als einer der Wortführer des konservativen Flügels der Italienischen Bischofskonferenz.

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Die Kirche „verrecke“ entweder an Unverständlichkeit oder an bemühter Jugendlichkeit

Erik Flügge – politischer Stratege mit eigenem Unternehmen (Deutschlandradio/David Sievers, Squirrel & Nuts GmbH)
Der Kommunikationsberater Erik Flügge hat ein Buch über die Sprache in Predigten geschrieben. Die Kirche „verrecke“ entweder an Unverständlichkeit oder an bemühter Jugendlichkeit, sagt er. Er rät Geistlichen, so über Gott zu reden, als säßen sie mit Freunden in der Kneipe.

Erik Flügge im Gespräch mit Monika Dittrich | Deutschlandfunk

Monika Dittrich: Herr Flügge, was ist denn so furchtbar an der Sprache, die in Kirchen gesprochen wird?

Erik Flügge: Ich glaube im Kern, dass sie nicht funktioniert. Das ist das eigentliche Drama, das diese Sprache mit sich bringt. Sie klingt für jemanden, der da nicht jeden Tag ist, falsch. Die Wortbetonung ist an der falschen Stelle im Satz, es gibt Sprachbilder, die es sonst nirgendwo gibt. Und am Ende sitzen ganz viele Leute davor und sagen: verstehe ich nicht.

Dittrich: Können Sie mal ein Beispiel nennen?

Flügge: Ich habe ein sehr schönes Beispiel gerade entdeckt, es gibt eine Arbeitshilfe, die vom katholischen Seelsorgeamt in Freiburg herausgegeben wird und da steht drin, wie man mit Leuten in der Gemeinde ins Gespräch kommen soll. Und da soll man sich drüber unterhalten, welche Glutnester man entdecken kann und ich frage mich ernsthaft, welcher Erkenntnisgewinn soll denn jetzt da rauskommen, wenn die Leute über Glutnester reden. Und muss die Frage nicht heißen: An welcher Stelle fühlt Ihr Euch wohl und an welcher nicht?

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Sachsens Linke wollen Kirche und Staat endgültig trennen

Bild: Die Linke/Landesverband Rheinland-Pfalz
Bild: Die Linke/Landesverband Rheinland-Pfalz
80 Prozent der Sachsen sind konfessionslos, trotzdem fördert die Regierung des Freistaats den Kirchentag in Leipzig mit Millionenzuschüssen. Die Linke fordert jetzt mehr Laizismus – das gefällt nicht jedem, auch nicht in der eigenen Partei.

Von Stefan Locke | Frankfurter Allgemeine

Der Dresdner Linken-Landtagsabgeordnete André Schollbach ist ein bisweilen spitzfindiger Jurist, der die Öffentlichkeit sucht. Am vergangenen Donnerstag verkündete er in Dresden mal wieder eine „Ungeheuerlichkeit“: Seit 1993 habe Sachsen 580 Millionen Euro Steuergeld an die Kirchen überwiesen. In akribischer Frage- und Rechenarbeit hat Schollbach pauschale Leistungen, Geld für Religionsunterricht, für Seelsorge bei Polizei und im Justizvollzug sowie für kirchliche Jugendarbeit und Kulturdenkmale bis hin zum „geldwerten Vorteil“ kostenloser Sendezeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ermittelt und aufgelistet. „Die öffentlichen Kassen“, so sein Urteil, „werden systematisch für kirchliche Zwecke angezapft.“ Das müsse „dringend revidiert“ werden, damit die im Grundgesetz garantierte Trennung von Staat und Kirche nicht länger ausgehöhlt werde.

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Katholischer Pfarrer soll Haus angezündet haben – verschmähte Liebe

Tebartz-van Elst sucht die Nähe zu den Gläubigen: Als Zeichen der Bescheidenheit verbrennt er 500-Euro-Scheine (Bild: Solidarität mit Tebartz-van Elst)
Tebartz-van Elst sucht die Nähe zu den Gläubigen: Als Zeichen der Bescheidenheit verbrennt er 500-Euro-Scheine (Bild: Solidarität mit Tebartz-van Elst)
Ein katholischer Geistlicher in Oberbayern soll nach einem Bericht der «Passauer Neuen Presse» (Dienstag) einer Mesnerin nachgestellt und ihre Wohnung angezündet haben.

kath.net

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein bestätigte auf Anfrage lediglich, dass es gegen einen Pfarrer ein Ermittlungsverfahren gebe. Zu dessen Inhalten wollte er sich nicht äußern. Das Erzbistum München und Freising stellte den Pfarrer vom 1. Mai an für zunächst zwei Jahre von seiner Tätigkeit frei. Darüber wurde die betroffene Gemeinde am Wochenende in einem Brief informiert.
Darin heißt es, der Pfarrer sei erkrankt. Sein Gesundheitszustand habe sich nun soweit verschlechtert, dass er in den zeitlichen Ruhestand versetzt worden sei. Er solle sich in dieser Zeit «auf seine Gesundheit konzentrieren können».

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Spaghettimonsterkirchentag in Leipzig

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Vom 25. bis zum 29. Mai findet in Leipzig der 100. deutsche Katholikentag statt. Dabei werden mindestens 30.000 Besucher erwartet, die an Gottesdiensten und Veranstaltungen wie Speakers Corner – Say Something Nice, Fürbitte 2.0 – Werden Sie Ihre Sorgen und Wünsche los und Gebet XXL – Nehmen Sie Platz teilnehmen.

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Das kostet insgesamt 9,9 Millionen Euro, die nur zu einem knappen Drittel aus Beiträgen, Merchandise-Vekäufen und Spenden hereingewirtschaftet werden. Der Rest kommt von der Kirche und dem Staat. Die deutschen Bistümer zahlen mit 2,1 Millionen aber deutlich weniger dazu als die öffentliche Hand, die die Veranstaltung mit 500.000 Euro Bundes-, 3.000.000 Euro Landes- und 1.000.000 Stadtmitteln unterstützt.

Mit diesem städtischen Millionenzuschuss sind nicht alle Leipziger einverstanden. Die Piratenpartei-Stadträtin Ute Gabelmann hat deshalb eine Gegenveranstaltung organisiert. Die soll den Kirchentag nicht stören, aber Aufmerksamkeit erzeugen – mit einer Open-Air-Nudelmesse der Religionsparodie Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters, die am Sonntag um 11 Uhr 30 Uhr parallel zum katholischen Kirchentagsabschlussgottesdienstes auf dem Augustusplatz an der Ecke Radisson-Hotel stattfindet.

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Kurienkardinal Müller erwartet von Piusbrüdern Ökumene-Bereitschaft

Gerhard L. Müller links im Bild
Gerhard L. Müller links im Bild
Präfekt der Glaubenskongregation: «Wenn man voll und ganz katholisch sein will, muss man den Papst und auch das Zweite Vatikanische Konzil anerkennen».

kath.net

Der Leiter der römischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, erwartet von der traditionalistischen Piusbruderschaft eine vorbehaltlose Anerkennung von Glaubensfreiheit als Menschenrecht und eine Verpflichtung zur Ökumene. «Wenn man voll und ganz katholisch sein will, muss man den Papst und auch das Zweite Vatikanische Konzil anerkennen», sagte Müller der in Freiburg erscheinenden «Herder Korrespondenz» (Juni). Er erwarte auch eine Anerkennung jener Konzilserklärungen, die sich mit diesen Themen befassen.
Müller hob hervor, man könne das II. Vatikanum nicht «als Konzil eines nur pastoralen Geredes» abtun, nur weil es keine verbindlichen Dogmen verabschiedet habe. Auch die Auferstehung Christi sei schließlich nicht im formellen Sinn ein Dogma, aber es gehöre zentral in das Glaubensbekenntnis. «Ich kann nicht das eine annehmen und das andere ablehnen», so Müller.

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Zentralkomitee der deutschen Katholiken hält AfD für religionsfeindlich

zdkBeim 100. Deutschen Katholikentag wollen die Veranstalter der AfD kein Podium geben. ZdK-Präsident Sternberg verteidigt diese Haltung. Seiner Ansicht nach greift die Partei nicht nur den Islam, sondern auch das Christentum an.

evangelisch.de

Die religionspolitische Programmatik der AfD greift nach Ansicht des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) auch die Christen im Land an. Durch die entsprechenden Stellen im Grundsatzprogramm der Partei fühlten sich die Katholiken „ebenso bedroht“ wie islamische Glaubensgemeinschaften, sagte ZdK-Präsident Thomas Sternberg am Dienstag vor der Vollversammlung der Laienorganisation in Leipzig. Die AfD lege die „Axt an die Wurzel“ einer religionsfreundlichen Ordnung.

So lehne die AfD etwa das Tragen des Kopftuches aus religiösen Gründen ab. Die gleichen Ansichten könnten zum Beispiel auch bei einem Ordensgewand vorgebracht werden, warnte Sternberg. Wer zudem den islamischen Religionsunterricht ablehne, entziehe auch dem christlichen seine Legitimationsbasis. Auch sehe er die „Stellung in der Öffentlichkeit als Christen“ bedroht, „wenn man Muslime in dieser Art und Weise auszugrenzen versucht“, sagte der ZdK-Präsident.

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Kardinal Lehmann lehnt Dialog mit AfD wegen „Gerüchlein“ ab

Kardinal Lehmann (Bild: Wikimedia Commons/Kandschwar)
Kardinal Lehmann (Bild: Wikimedia Commons/Kandschwar)
„Nationalistisches Gerüchlein“: Kardinal Lehmann sieht keine Basis für Gespräche mit der AfD. Eine Zurückweisung sei aber kein Heilmittel. Im Interview nennt er Versäumnisse, von denen die AfD profitiere.

DIE WELT

Der scheidende Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, sieht derzeit keine Grundlage für einen Dialog zwischen der katholischen Kirche und der AfD. Das „nationalistische Gerüchlein“ der rechtspopulistischen Partei sei ihm zu groß, sagte der langjährige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in einem Interview mit dem Deutschlandfunk.

„Da würde ich also im jetzigen Stadium nicht mitmachen, obwohl es mich beunruhigt, dass zwölf Prozent der Wähler da sind, natürlich.“ Auf Dauer sei die Zurückweisung der AfD aber womöglich „kein Heilmittel“, fügte Lehmann hinzu. „Es gibt gewisse Versäumnisse, wovon die profitieren.“

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