Berliner Bürgermeister lobt Rolle der Kirche

© Bild: KNA/Romano Siciliani
Der Berliner Bürgermeister Michael Müller ist am Samstag von Papst Franziskus im Vatikan empfangen worden. Nach dem Treffen lobte Müller das Kirchenoberhaupt und die vermittelnde Rolle der Kirche.

katholisch.de

Papst Franziskus hat am Samstag den amtierenden Bundesratspräsidenten Michael Müller im Vatikan empfangen. Nach der Begegnung sagte Müller, der auch Berlins Regierender Bürgermeister ist, er sei überrascht gewesen, wie gut der vermeintlich so weit entfernte Papst über die Situation in Deutschland und die Probleme einer Stadt wie Berlin etwa im Umgang mit Migranten informiert sei.

Müller: Papst sprach auch Wahlerfolge der AfD an

Müller betonte, es sei „dramatisch wichtig“, dass sich die Kirche politisch engagiert und äußert. Vom Papst werde Orientierung erwartet. Er begrüße es, „dass in politisch schwierigen Zeiten diese Rolle vom Papst angenommen wird“. Die moderierende und vermittelnde Rolle der Kirche vielerorts sei „gar nicht hoch genug einzuschätzen und zu würdigen“, so der SPD-Politiker bei einer Pressekonferenz in Rom.

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Alte Männer im Vatikan bedauern Ausgang des irischen Referendums

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Bislang galt im katholisch geprägten Irland eines der strengsten Abtreibungsverbote in der EU. Dies wird sich nun ändern. Eine Entscheidung, die der Vatikan bedauert.

DOMRADIO.DE

Nach Darstellung der Medien ist es ein „Erdrutschsieg“ der Abtreibungs-Befürworter: Ihre Mehrheit liegt bei etwa 68 Prozent. Damit wird ein Satz, nach dem Mutter und ungeborenes Kind „dasselbe Recht auf Leben“ haben, aus der Verfassung kippen. Unklar ist allerdings, wie weit die Freigabe der Abtreibung geht, auf die sich die Politiker nun bald einigen müssen.

„Ich glaube, da gibt es keinen Sieg zu verkünden und nichts zu feiern“, sagt der Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, Erzbischof Vincenzo Paglia, im Interview mit Vatican News. !Alles, was in irgendeiner Weise dem Tod die Drecksarbeit leichter macht, stimmt uns nicht besonders froh! Was jetzt in Irland passiert, muss uns dazu bringen, das Leben nicht nur zu verteidigen, sondern auch zu fördern, zu begleiten. Damit die Bedingungen geschaffen werden, in denen es nicht mehr zu so dramatischen Entscheidungen kommt.“

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Greift der Papst bei Missbrauch hart genug durch?

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Ja, er habe Fehler gemacht, gab Franziskus kürzlich zu. Doch nun kümmert sich der Papst umso intensiver um den Missbrauchsskandal in Chile. Greift er dabei hart genug durch? Ja, sagt Chef vom Dienst Thomas Jansen. Sein Kollege Björn Odendahl hält dagegen: Da muss noch mehr gehen.

Thomas Jansen | katholisch.de

Pro: Der Papst greift durch

Mit Blick auf die jüngsten Vorgänge in Chile ist es leicht zu sagen, der Papst greife nicht hart genug durch im Kampf gegen sexuellen Missbrauch. Aber es stimmt trotzdem nicht. Franziskus war es schließlich, der im Jahr 2016 bischöflicher Willkür im Umgang mit sexuellem Missbrauch einen Riegel vorschob. Rein formal gesehen war sein Erlass „Wie eine liebende Mutter“ zwar nur eine Präzisierung des geltenden Kirchenrechts. Doch der Inhalt war geradezu revolutionär: Bischöfe können nach der neuen Rechtslage ihres Amtes enthoben werden, wenn sie einem Verdacht auf sexuellen Missbrauch nicht gründlich genug nachgehen. Die Botschaft ist klar: Auch für hohe kirchliche Würdenträger gibt es vom Papst kein Pardon mehr. Nach diesem Erlass kann nun nicht mehr ohne weiteres behaupten, in der Kirche hänge man die Kleinen und die Großen lasse man laufen, wenn es um die Ahndung solcher Delikte geht.

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Bayern will Umsetzung des Kreuz-Erlasses nicht kontrollieren

Das Kreuz mit den Religionen
Im Juni werden in bayerischen Behörden Kreuze aufgehängt. Der Freistaat werde jedoch keine Überprüfungen vornehmen. Denn Kontrollen seien ein „komisches Staatsverständnis“, meint Oliver Patzer, der Sprecher des Innenministeriums.

DOMRADIO.DE

Bezüglich des am 1. Juni in Bayern in Kraft tretenden Kreuz-Erlasses hat der Freistaat volles Vertrauen in die Leiter der jeweiligen Behörden. Dies erklärte der Sprecher des Innenministeriums, Oliver Platzer, am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). So sieht die Allgemeine Geschäftsordnung vor, dass im Eingangsbereich eines jeden Dienstgebäudes im Freistaat „gut sichtbar“ ein Kreuz anzubringen sei, und zwar „als Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns“. Laut Platzer werden keine Kontrolleure zum Einsatz kommen, um dies zu überprüfen.

„Wir freuen uns aber über jedes Kreuz, das hängt“

Dass Behörden nur unter Zwang handeln würden, sei schon ein „komisches Staatsverständnis“, kritisierte Platzer manch laut gewordene Befürchtungen. Schließlich regele die Geschäftsordnung auch viele andere Dinge, ohne dass dies kontrolliert werde. Grundsätzlich gelte die Vorschrift für Dienstgebäude, in denen Verwaltungsaufgaben stattfänden, so der Sprecher.

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Menke: Über Glaubensfragen entscheidet nicht die Mehrheit

Bild: katholisch.de©
Karl-Heinz Menke ist Mitglied der Internationalen Theologenkommission. Jetzt äußert er sich zum Eucharistie-Streit der deutschen Bischöfe. Ihre geplante Handreichung nennt er „mangelhaft“.

katholisch.de

Der Bonner katholische Theologe Karl-Heinz Menke ist dagegen, den Mechanismus demokratischer Mehrheitsentscheidungen auf theologische Debatten in der Kirche zu übertragen. Das von Papst Franziskus geforderte Prinzip der Synodalität sei „strikt zu unterscheiden von dem demokratischen Prinzip, dass stets die Mehrheit entscheidet“, sagte der emeritierte Dogmatik-Professor am Freitag dem Internetportal „domradio.de“.

„Man kann über die Wahrheit, die Christus ist, nicht nach dem Mehrheitsprinzip abstimmen“, betonte Menke. Gleichwohl könnten viele Fragen rund um Organisation und Struktur auch demokratisch geregelt werden: „Es geht ja nicht immer um Glaubensfragen oder um Themen, die von diesen Fragen nicht zu trennen sind.“

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Briten können mit Alexa beten

Amazon Echo, 1. Generation. Bild: wikipedia.org/CC BY-SA 3.0 – Frmorrison

Der Sprachassistent von Amazon, Alexa, kann in Großbritannien nun auch beten. Möglich macht das ein neuer Dienst der Kirche von England. Auf Kommando liest Alexa das Gebet des Tages vor, betet ein Morgen- oder Abendgebet oder spricht einen Segen vor einer Mahlzeit.

EKD

Außerdem kann Alexa Fragen zur Taufe beantworten, kennt sich mit Hochzeiten aus und weiß über Beerdigungen Bescheid. Der Sprachassistent ist auch in der Lage, die nächste Kirche in der Nähe zu finden.

Adrian Harris, Leiter der Digitalabteilung der Kirche von England sagte dem christlichen Radiosender „Premier Christian Radio“: „Plattformen wie Alexa geben der Kirche die Möglichkeit, die Menschen mit Gott zu verbinden und den Glauben in ihr tägliches Leben einzubauen, sei es über tägliche Gebete oder Fragen zum Christentum.“

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Abtreibung in Irland: „Wir raten ihnen, von einer Fehlgeburt zu sprechen“

Seit Wochen treibt das Referendum die Abtreibungsbefürworter und -gegner in Irland auf die Straße. (Foto: REUTERS)
In Irland drohen Frauen bei einer Abtreibung bis zu 14 Jahre Haft. Ärztin Rebecca Gomperts erklärt, wie sie ungewollt Schwangeren hilft. Mit Gesetzeslücken, Schiffen und Drohnen.

Interview von Leila Al-Serori | Süddeutsche Zeitung

Die New York Times nannte Rebecca Gomperts einmal die „erste Extremistin der Abtreibungsbewegung“. So will die niederländische Ärztin und Aktivistin aber lieber nicht bezeichnet werden – dann schon lieber als Piratin. Gomperts ist bekannt dafür, Frauen auf ihrem Boot in internationalen Gewässern einen legalen Schwangerschaftsabbruch zu ermöglichen. Ihre NGO „Women on Waves“ finanziert sich ausschließlich durch Spenden und Fundraising, fast alle Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich. Die 52-Jährige nutzt aber noch weitere Gesetzeslücken, um eine Abtreibung zu ermöglichen – darunter den Versand der nötigen Medikamente per Post. In Irland hat sie damit zu der Debatte beigetragen, die zum jetzigen Referendum führte. An diesem Freitag stimmen die Iren über den achten Zusatzartikel der Verfassung ab, der Schwangerschaftsabbrüche selbst im Falle einer Vergewaltigung unter Strafe stellt.

SZ: Frau Gomperts, Sie ermöglichen Hunderten Frauen jedes Jahr in Irland abzutreiben – obwohl das dort illegal ist. Wie machen Sie das?

Rebecca Gomperts: Was wir machen, ist nicht illegal. Auf unserer Website bekommen Frauen, die sich an niemanden sonst wenden können, ärztliche Beratung und können anschließend Abtreibungspillen bestellen, die dann per Post verschickt werden. Da der irische Zoll die Päckchen seit 2009 beschlagnahmt, werden diese nach Nordirland gesendet. Dort sind zwar Abtreibungen auch nicht erlaubt, aber medizinische Postsendungen schon. Wir schauen immer genau, wie die jeweilige Gesetzeslage ist – und dann suchen wir einen legalen Weg drumherum.

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Kreationismus 2.0

Symbolbild. Bild: hippo by swatts
Fraktal-Gemüse oder Schneckenhäuser stimmen mit perfekten mathematischen Formeln überein. Ja, in der Natur finden sich manchmal Muster, deren Vollkommenheit einem den Atem stocken lässt.

Nora Schleich | Lëtzebuerger Journal

Wie oft sieht die wunderschöne Landschaft wie von Geisterhand gemalt aus? Doch auch die Effizienz organischer Gebilde lässt uns nur staunen. Unser Körper ist zum Beispiel eine komplex interagierende Maschine, Organe, Gelenke, Muskeln, alles scheint seinen ganz bestimmten Zweck zu haben. Die Flügel der Vögel eignen sich perfekt zum Fliegen, die Nahrung der Natur hält uns am Leben. Sind dies nur glückliche Zufälle? Oder steckt tatsächlich ein Masterplan dahinter, konzipiert und verwirklicht von einer höheren Intelligenz, dem vollkommenen Wesen, Gott?

Thomas von Aquin (1224/25-1274) war von Letzterem überzeugt. Für die Existenz Gottes argumentierte er anhand Überlegungen zur Bewegung und Dynamik in der Natur. Jede Bewegung, so Aquin, muss von einem anderen, das sich selbst auch bewegt, bewegt werden. Es scheint nicht möglich, dass sich etwas spontan aus eigener Kraft ohne ein kinetisch Antreibendes bewegt.

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Kirchenasyl: Seit Januar 500 Abschiebungen verzögert

©KNA
Die AfD-Fraktion im Bundestag hatte nachgefragt, das Innenministerium antwortet: Seit Jahresbeginn gab es über 500 Fälle von Kirchenasyl. Fast immer führten sie zum angestrebten Ziel.

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Im ersten Quartal 2018 sind in 498 Fällen Abschiebungen durch Kirchenasyl verzögert oder verhindert worden. Das teilte das Bundesinnenministerium als Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion mit. 2017 seien es insgesamt 1.478 Fälle gewesen. 2016 seien die Fälle erst ab Mai erfasst worden. Bis Dezember seien es dann 527 Fälle gewesen, so das Ministerium in seiner Antwort, die der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegt.

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Erste Dienststelle verweigert sich Söders Kreuzpflicht

© Bild: dpa/Sven Hoppe
Am 1. Juni tritt der bayerische Kreuz-Erlass in Kraft. Aber wird man sich in allen Dienstgebäuden des Freistaats daran halten? In Nürnberg wurde jetzt der erste Ungehorsam angekündigt.

katholisch.de

Das staatliche Neue Museum in Nürnberg wird dem umstrittenen bayerischen Kreuz-Erlass nicht nachkommen. „Bei uns wird in der Sache gar nichts gemacht“, sagte Museumsdirektorin Eva Kraus der „Süddeutschen Zeitung“ am Donnerstag. Weil das Museum offiziell als staatliche Dienststelle gilt, ist der am 1. Juni in Kraft tretende Erlass für das Haus prinzipiell bindend. Dennoch habe sie sich entschieden, kein Kreuz aufzuhängen, so Kraus, und sie wisse auch nicht, ob man sie dazu zwingen könne.

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Erzbistum Berlin: Halbes Vermögen für Pensionen bestimmt

Bild: tilly
Das Erzbistum Berlin reserviert fast die Hälfte seines Vermögens für Pensionen seiner Mitarbeiter. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Geschäftsbericht für 2016 hervor.

DOMRADIO.DE

Demnach belief sich das Gesamtvermögen damals auf 646 Millionen Euro; das waren 53,7 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Zugleich stiegen die Rückstellungen, hauptsächlich für Pensionen (307,4 Millionen Euro), um 44 Millionen Euro auf insgesamt 385,6 Millionen Euro. Der Verwaltungschef des Erzbistums, Generalvikar Manfred Kollig, erklärte, der Geschäftsbericht stelle dar, „was finanziell möglich und wirtschaftlich verantwortbar ist“.

Finanzchef Bernd Jünemann erläuterte, um „Bewahrenswertes zu erhalten, aber überkommene Strukturen an zeitbedingte Erfordernisse anzupassen“, benötige man ein verlässliches finanzielles Fundament.

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Thurgauer ging Kirchenglocke gewaltig auf den Wecker – da griff er zu rabiaten Methoden

Die Kirche Wäldi. zvg
Weil die Kirche seiner Familie den Schlaf raubte, griff ein Anwohner zu rabiaten Mitteln. Die Kirchgemeinde zerrt den Mann sogar vor Gericht.

watson.ch

Das Bezirksgericht Kreuzlingen befasst sich derzeit mit einem äusserst skurrilen Fall.

Ein 45-jähriger Familienvater steht vor Gericht, weil er in der Kirche von Wäldi TG die Glocken zum Schweigen gebracht haben soll. Ende 2015 fiel das Morgengeläut aus unerklärlichen Gründen immer wieder aus. Darauf schickte die Kirchgemeinde mehrmals einen Turmtechniker, der keine Erklärung für die Panne fand.

Erst im Juli 2016 entdeckte man den Übeltäter, wie die Thurgauer Zeitung berichtet. Eine im Dachgebälk versteckte Zeitschaltuhr unterbrach jeweils um 6 Uhr morgens die Stromzufuhr zum Schlagwerk der Turmglocke!

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„Rebellion gegen Gott“

Darstellung des Zweiten Prager Fenstersturz aus dem Theatrum Europaeum. Bild: wikipedia.org/PD Johann Philipp Abelinus
War der Dreißigjährige Krieg ein Konfessionskrieg? 100 Jahre nach Beginn der Reformation ging es um den rechten Glauben. Aber auch um Macht. Vergleiche zu heutigen Konflikten sind schwierig, der Politologe Herfried Münkler versucht es dennoch.

Nils Sandrisser | evangelisch.de

Ein Haufen empörter Adliger zieht hinauf zur Prager Burg. Mit Degen und Pistolen in den Händen stellen die protestantischen Vertreter der böhmischen Stände die Statthalter des katholischen Königs zur Rede. Sie fürchten um die Religionsfreiheit. Die Lage eskaliert schnell: Die Adligen packen die Statthalter sowie einen Sekretär und werfen sie aus dem Fenster.

Dieser „Prager Fenstersturz“ vom 23. Mai 1618 gilt als Auslöser für den schrecklichsten aller Kriege der Frühen Neuzeit. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) stehen sich protestantische Fürsten und kaisertreue Katholiken gegenüber. Aber auch Schweden, Dänemark, Frankreich sowie das Habsburgerreich und der Papst. Am Ende sind weite Teile des Heiligen Römischen Reichs verheert, mehr als ein Viertel der Bevölkerung getötet.

Vorantreiben der Rekatholisierung

Krieg liegt schon lange in der Luft. Schon 1608 gründen protestantische Fürsten die „Union“ als Verteidigungsbündnis, die Katholiken schließen sich in der „Liga“ zusammen. In Böhmen kommt die Frage hinzu, was der Monarch entscheiden darf und was die Stände, also Adel und Städte. Als Kaiser Matthias die Rekatholisierung vorantreibt und Zugeständnisse zurücknimmt, die sein Vorgänger Rudolf II. den Protestanten in Böhmen und Österreich gemacht hat, setzen sich die böhmischen Stände zur Wehr.

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Sexualisierte Gewalt in der Kirche – Macht und Missbrauch

Zum Glück ist Missbrauch weiter Thema in der Kirche: Australien und Chile sind zu recht in den Schlagzeilen. Vertuschen und Wegsehen scheinen endlich Konsequenzen zu haben. Weltweit wächst die Sensibilität für den Schutz von Kindern und die Notwendigkeit von Missbrauchsprävention.

Felix Neumann | katholisch.de

Angesichts dieses wachsenden Bewusstseins irritiert eine Aussage des vatikanischen Sonderermittlers, Jordi Bertomeu Farnos. Im Unterschied zu den Missbrauchsskandalen in den USA und in Irland gehe es in Chile nicht nur um sexuellen Missbrauch, sondern auch um den von Macht, wird er von den Agenturen zitiert.

Wer die Debatte um Missbrauchsprävention in den vergangenen Jahren verfolgt hat, wundert sich darüber: Als ob es eine chilenische Besonderheit sei, dass sexualisierte Gewalt mit Macht zu tun hat. Als ob in den USA, Irland oder auch Deutschland Macht und Autorität keine Rolle dabei gespielt hätten, dass sich über Jahrzehnte Schweigekartelle halten konnten. Diese Verbrechen lassen sich nicht auf eine missgeleitete Sexualität reduzieren und individualisieren. Die persönlich verantwortlichen Täter handeln in einem Umfeld, das Missbrauch begünstigt hat, und ihre persönliche Macht ist ein wesentlicher Aspekt davon.

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NRW für „Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“ bei Kirchenasyl

Bei Fällen von Kirchenasyl für von Abschiebung bedrohte Flüchtlinge will die nordrhein-westfälische Landesregierung weiterhin nach dem „Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“ verfahren. Diese Vorgehensweise habe sich bewährt.

DOMRADIO.DE

Durch eine frühzeitige Konsultation zwischen Kirchengemeinde und Ausländerbehörde müssten in jedem konkreten Fall von Kirchenasyl „Handlungsspielräume im Rahmen des geltenden Rechts“ sorgfältig ausgelotet werden, erklärte NRW-Flüchtlingsminister Joachim Stamp (FDP) am Mittwoch auf eine parlamentarische Anfrage der AfD im Düsseldorfer Landtag.

Stamp erinnerte daran, dass es in NRW bereits seit mehr als 20 Jahren Absprachen mit den Kirchen für Fälle von Kirchenasyl gebe. Grundlage dafür sei eine Vereinbarung mit der Evangelischen Kirche im Rheinland aus dem Jahre 1995. Darin werde „dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“ eine besondere Bedeutung beigemessen.

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Forschungsprojekt über religiöse Radikalisierung

Ein auf zwei Jahre angelegtes Forschungsprojekt der Universitäten Bielefeld und Osnabrück untersucht die Rolle der Religiosität bei der Radikalisierung junger Muslime.

Dr. Michael Utsch | EZW

Im Projekt werden die umstrittenen Fragen diskutiert, ob junge Muslime aufgrund ihrer religiösen Orientierung besonders empfänglich für radikale Botschaften sind, ob Radikalisierungsprozesse mit einer „richtigen“ religiösen Unterweisung unterbunden werden können und ob Moscheegemeinden mit ihrer Bildungsarbeit aktuell ein Korrektiv bilden.

Gefördert wird das Vorhaben mit 397.000 Euro vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Die Förderung schließt an ein Projekt über junge Menschen im gewaltbereiten Islamismus an, fokussiert jetzt aber den Einfluss religiöser Bindungen und Orientierungen und den Prozess der Radikalisierung. Keinesfalls könne Radikalisierung pauschal auf einen Generalfaktor Religion zurückgeführt werden, so die Forscher. Deshalb wird die Religiosität der Befragten differenziert nach inhaltlichen und persönlichkeitsspezifischen Dimensionen untersucht.

Das Forschungsprojekt des Instituts für Islamische Theologie (Universität Osnabrück) und des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (Universität Bielefeld) untersucht den Faktor Religion in Radikalisierungsprozessen junger Menschen aus einer islamwissenschaftlichen, theologischen, erziehungswissenschaftlichen und sozialpsychologischen Perspektive. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein.

Bayerns Kreuzerlass ist amtlich – Kruzifixe für die Amtsstuben

Das Kreuz mit den Religionen
Nun ist es amtlich: Der bundesweit kontrovers diskutierte und auch innerkirchlich umstrittene bayerische Kreuzerlass wurde an diesem Dienstag im Bayerischen Gesetz- und Verordnungsblatt bekanntgemacht. Jetzt heißt es: Kreuze aufhängen.

DOMRADIO.DE

Der Kreuzerlass enthält aber keinerlei konkrete Angaben zu Art, Größe und Anzahl der Kreuze, die bereits am 1. Juni in Bayerns Dienstgebäuden anzubringen sind.

In Paragraf 28 der Allgemeinen Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaates Bayern heißt es lediglich: „Im Eingangsbereich eines jeden Dienstgebäudes ist als Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns gut sichtbar ein Kreuz anzubringen.“ Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums gibt es im Freistaat mehr als 1100 staatliche Hauptdienststellen.

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Missbrauch: Ackermann bedauert Fehler seiner Diözese

Bild: ©KNA
Bereits 2006 hatte es Missbrauchsvorwürfe gegen einen Priester des Bistums Trier gegeben. Die Diözese hätte damals „proaktiver und entschiedener“ handeln müssen, sagt Bischof Stephan Ackermann jetzt.

katholisch.de

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat Fehler im Umgang mit Hinweisen zu einem unter Missbrauchsverdacht stehenden Geistlichen eingestanden. „Ich bedaure, dass wir nicht schneller und klarer genug agiert haben“, sagte Ackermann nach Mitteilung der Bischöflichen Pressestelle vom Dienstag. Bei den 2006 aufgekommenen ersten Hinweisen in Zusammenhang mit dem ehemaligen Pfarrer von Freisen im saarländischen Landkreis Sankt Wendel hätte das Bistum „proaktiver und entschiedener“ handeln müssen. Ackermann selbst ist erst seit 2009 Oberhirte von Trier.

Gleichzeitig erinnerte der Bischof daran, dass es in solchen Verfahren immer auch gelte, die Persönlichkeitsrechte aller Betroffenen zu wahren. „Dazu gehört besonders die gebotene Diskretion, die in der Öffentlichkeit nicht selten als mangelnde Transparenz wahrgenommen wird.“ Der Geistliche bestreite die gegen ihn erhobenen Vorwürfe.

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Vorurteile werden erst hergestellt

Chris Buck, „Let’s talk about race“, 2017. Foto: Chris Buck
Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden zeigt „Rassismus – Die Erfindung von Menschenrassen“ und denkt über die Gründe der Ausgrenzung nach.

Von Arno Widmann | Frankfurter Rundschau

Es ist eine gar nicht so große Ausstellung und ihre zentrale Botschaft hat man schnell verstanden. Sie steht schon im Untertitel: „Die Erfindung von Menschenrassen“. Rassen sind also nicht einfach da. Sie werden geschaffen. Sie werden gezüchtet. Wer einen Wachhund möchte, der kann sich Hunde kaufen, die exakt dafür gezüchtet wurden. Wer ein Schoßhündchen möchte, kann es haben. Seit Tausenden von Jahren werden Hunde nach den unterschiedlichen Bedürfnissen der Menschen gezüchtet. Mal mit großem, mal mit weniger großem Erfolg.

Die Idee, dass das bei Menschen nicht viel anders sein könnte, liegt nahe. Schließlich gibt es sehr unterschiedliche Menschentypen. Es gibt die großen Schlanken, es gibt Pykniker und es gibt die Athleten. Es gibt die Glatthaarigen und die Kraushaarigen, die Langnasen und die mit den flachen Gesichtern. Es gibt Weiße und Schwarze. Und es gibt die „natürliche Zuchtwahl“. Jedenfalls sah das Charles Darwin so. Er erklärte: „Die Erhaltung günstiger individueller Verschiedenheiten und Abänderungen und die Zerstörung jener, welche nachteilig sind, ist es, was ich natürliche Zuchtwahl nenne oder Überleben des Passendsten.“

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Vom Misstrauen der Religionen gegenüber Frauen

Wohl alle Weltreligionen misstrauen Frauen – vom Buddhismus, der im fünften vorchristlichen Jahrhundert gegründet wurde, über den Hinduismus bis zum Islam und Christentum (imago stock&people / Philippe Lissac)
Frauen seien missratene Männer, behauptete der Kirchenlehrer Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert. Damit stand der Theologe nicht allein. Alle Weltreligionen setzen Frauen enge Grenzen. Deutungsmacht ist männlich. Ein Streifzug durch Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus.

Von Mechthild Klein | Deutschlandfunk

Der mittelalterliche Theologe Thomas von Aquin zerbrach sich den Kopf über die Frauen. Und kam zu einem ebenso schlichten wie folgenreichen Ergebnis: „Thomas von Aquin ist ja einer, für den klar war, dass Frauen verunglückte Männer sind, ein menschliches Wesen, das nicht die vollständige menschliche Form erreicht hat. Aber trotzdem ein Wesen, das es natürlich für die Reproduktion, für das Weitergehen des Menschengeschlechts braucht.“

Diese Position erscheine aus heutiger Sicht „sehr zeitbedingt“, sagt die katholische Theologin Marie-Theres Wacker. Es sei völlig klar, dass in diesem Bild Frauen keine vollwertigen Menschen sind oder dass sie in gleicher Weise Gott ebenbildlich sind wie die Männer. Geht man in der Geschichte noch weiter zurück, wird es nicht besser für die Frauen: „Zum Beispiel Augustinus, der große Kirchenlehrer des 5. Jahrhunderts, sich die Dinge so zurecht gelegt hat, dass Frauen zusammen mit den Männern Ebenbild Gottes sind, aber nicht allein. Wenn man solche Auslegungen der Tradition bis hin zur Hl. Schrift hat, dann ist es nicht verwunderlich, dass man Frauen nicht in Entscheidungspositionen hinein lässt“, so Wacker.

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