Archiv der Kategorie: Katholizismus

Katholische Akademie – entstanden in der DDR

Die Katholische Akademie feiert das 25. Jubiläum ihres Bestehens. Gefeiert wurde in Mitte. Die Festrede hielt Monika Grütters


Von Benjamin Lassiwe|DER TAGESSPIEGEL

Bild: tilly
Bild: tilly

Ein schlichter weißer Altar steht im holzgetäfelten Tagungsraum der Katholischen Akademie in der Hannoverschen Straße 5 in Mitte. Dichtgedrängt sitzen die Menschen im Saal, doch die Plätze reichen nicht an diesem Sonntag. Die Heilige Messe muss auf Monitoren ins Foyer übertragen werden. Der Grund für den eher ungewohnten Andrang: Es gibt etwas zu feiern. Vor 25 Jahren, im Frühjahr 1990, beschloss die damalige „Berliner Bischofskonferenz“, die Gemeinschaft der katholischen Bischöfe in der Noch-DDR, die Gründung einer Katholischen Akademie im Herzen der Hauptstadt.

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Warum wir die Kirchen brauchen

Die Verdrängung des Religiösen ins rein Private ist weder liberal noch gemeinwohldienlich. Empirische Studien belegen die Bedeutung des Glaubens für die gesellschaftliche Integration


Von Andreas Püttmann|Cicero

passion-christi_kreuzigung_360In seinem Plädoyer „Nehmt den Kirchen ihre Privilegien“ nimmt Timo Stein die Forderung des Zentralrats der Muslime nach einer offiziellen politischen Vertretung in Berlin – vergleichbar denen von EKD und katholischer Bischofskonferenz – zum Anlass, Tabula rasa zu machen: Weg mit der ganzen „Verquickung von Staat und Religion“! Weg mit der von den Kirchen gesuchten „staatlichen Nähe und Alimentierung“! Weg mit der „Sonderrolle beim Arbeitsrecht“! Weg mit „steuerlichen Begünstigungen“, dem Recht, „Steuern zu erheben“ und der Mitwirkung der faktischen „Staatskirchen“ in „staatlichen Beiräten“. Mehr „Augenhöhe“ von Kirchen und Islamverbänden „auf einem möglichst niedrigen Niveau“, im Sinne einer „Gleichstellung nach unten“! Statt weiterer Verteilung des „Subventionskuchens“ bitte eine „Kuchenzurückholungsaktion ganz im Sinne des Grundgesetzes. Säkular und frei“! Das Brüllen des laizistischen Löwen kommt gut an: über 3000 Facebook-Likes!

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Regenbogen: Zeichen für den Bund Gottes und nicht für Schwule

Johannes Hartl kritisiert Missbrauch des Regenbogens und zum Propagieren des Wortes „Stolz“ durch die Homobewegung: „celebrate pride“ halte er für einen „aussagekräftigen Titel“.


kath.net

Bild: bpb.de
Bild: bpb.de

Der bekannte katholische Theologe Johannes Hartl, Gründer des Gebetshauses Augsburg, hat sich am Montag kritisch zur Homosexuellenbewegung und zum Missbrauch des Regenbogens geäußert. „Ja, auch ich setze jetzt öffentlich und ohne Scham ein Zeichen!! Und zwar für die Treue zu Gottes Bund mit Noah. (Das Symbol dazu wird in jeder Kinderbibel erklärt).“ Hartl verwies dazu auf das Buch Genesis in der Heiligen Schrift: „Steht der Bogen in den Wolken, so werde ich auf ihn sehen und des ewigen Bundes gedenken zwischen Gott und allen lebenden Wesen, allen Wesen aus Fleisch auf der Erde.“ (Gen 9,16)

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Das lebensferne Nein der CDU zur Ehe für alle

In Deutschland stellt sich die Bundesregierung im Umgang mit der Ehe-Freigabe für alle weiterhin quer – obwohl der Kampf längst verloren ist. Foto: dpa
Während das Oberste Gericht in den USA die Ehe für alle freigibt, weigert sich die CDU weiter beharrlich – nicht mit Argumenten, sondern mit Verfahrenstricks. Sie versucht damit, einen längst verlorenen Posten irgendwie zu halten.


Von Holger Schmale|Berliner Zeitung

Das Oberste Gericht der USA verkündet stets vor der Sommerpause wichtige Urteile – es mag Zufall sein, dass seine Entscheidung zur Ehe für alle in die Tage der Christopher-Street-Feste gefallen ist. Ein besseres Datum aber hätten die Richter nicht finden können. Die Ehe ist ein Grundrecht, das schwulen oder lesbischen Paaren nicht verweigert werden darf, so klar lautet das Urteil aus Washington. Eine große Mehrheit im Bundestag sieht das genauso, und die Mehrheit der Bundesbürger auch.

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Vorstellung der Wiedergeburt schwächt christlichen Auferstehungsglauben

Image: scholemanfriends.com
Papst Franziskus hat die Christen aufgerufen, fest auf die Auferstehung und das ewige Leben zu vertrauen. “Das ganze Evangelium ist im Licht dieses Glaubens geschrieben: Jesus ist auferstanden, hat den Tod besiegt und durch diesen Sieg werden auch wir auferstehen”, sagte er am Sonntag bei seinem Angelus-Gebet auf dem Petersplatz.


kathweb
“Wir alle hier auf dem Platz werden uns im Haus des Herrn wiederbegegnen”, so Franziskus vor mehreren Zehntausend Pilgern und Besuchern. Wer wirklich an Jesus und die Auferstehung glaube, werde von ihm aufgenommen, erlange Vergebung und das ewige Leben. Auferstehung darf nach Franziskus’ Worten aber nicht mit Wiedergeburt verwechselt werden, wie es einige täten. Diese Anschauung trübe und schwäche den christlichen Glauben, betont er.

Der Papst bezog sich mit seinen Ausführungen auf den Bericht im fünften Kapitel des Markusevangeliums. Darin erweckt Jesus ein zwölfjähriges, kurz zuvor verstorbenes Mädchen wieder zum Leben, indem er dessen Hand nimmt. Eine Frau, die wegen dauernder Blutungen als unrein aus der Gesellschaft ausgestoßen wurde, wird durch die Berührung von Jesu Gewand von ihrem Leiden geheilt. In dem Kapitel bezeichnet Jesus den festen Glauben an Gottes Kraft als die Bedingung für die Überwindung von Krankheit und Tod.

Homo-Ehe: Legt den Turbo ein!

Ein Muslim in Hamburg beim Gebet | © Angelika Warmuth/dpa
Der islamische Glaube und die Homo-Ehe


Von Jens Spahn|ZEIT ONLINE

“Eine Homo-Ehe ist im Islam undenkbar”, schrieb Muhammad Sameer Murtaza in seinem Gastbeitrag vergangene Woche an dieser Stelle. Wieso eigentlich? Irland, ein zutiefst katholisches Land, das sich mit überwältigender Mehrheit für die Öffnung der Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare ausspricht – das war vor nicht allzu langer Zeit auch noch undenkbar. Heute ist es Realität und der gesellschaftliche Wandel fast schon unaufgeregte Normalität.

Natürlich ist Homosexualität keine Krankheit, natürlich kann ich als Schwuler ein guter Christ, Muslim oder Jude sein. Es ist schön, dass Murtaza das so schreibt, aber es ist eigentlich auch eine Banalität. Viel wichtiger ist doch, dass die muslimischen Gemeinden ihren Gläubigen vermitteln, dass Anders-Sein Teil von Gottes Schöpfung ist und man natürlich gemeinsam essen, feiern und beten kann und soll. Sicher, auch die christlichen Kirchen haben hier einen langen Weg zurückgelegt, und auch heute noch gibt es große innerkirchliche Vorbehalte gegen die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder von Schwulen und Lesben. Die muslimischen Gemeinden in Deutschland müssen sozusagen den Turbo einlegen und nachholen, wofür andere Jahrzehnte gebraucht haben. Das ist sicher nicht einfach, birgt aber auch große Chancen.

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“Die Sexualmoral muss sich ändern”

Die Homosexuellen-Ehe: Realität nun auch in den USA und in Irland. Warum gibt die katholische Kirche gleichgeschlechtlichen Partnerschaften nicht ihren Segen? Ein Interview mit dem Theologen Dr. Wunibald Müller.


Von Johannes Schröer|Domradio

Bild: bpb.de
Bild: bpb.de

domradio.de: Warum ist es uns in der katholischen Kirche nicht egal, ob ein Mensch hetero- oder homosexuell ist?

Dr. Wunibald Müller: Weil Homosexualität nach wie vor in unserer Gesellschaft tabuisiert wird, sie immer noch etwas Fremdes ist, wir die Last mittragen, dass Homosexualität noch in den 60er Jahren kriminalisiert und später pathologisiert wurde. Und manchmal auch, weil viele Menschen Angst haben, mit ihren eigenen homosexuellen Gefühlen in Berührung zu kommen, wenn sie das Thema zulassen. Und dann natürlich auch, weil viele innerhalb der Kirche davon ausgehen, dass die Homosexualität nicht der Schöpfungsordnung entspricht.

domradio.de: Die katholische Sexualmoral spricht von einer göttlichen Schöpfungsordnung, die auf heterosexueller Liebe aufbaut, weil nur so Fortpflanzung möglich ist. Ist das richtig? Sie sagen ja, dass die kirchliche Sexualmoral weiterentwickelt werden müsse…

Dr. Wunibald Müller: Dass die Fortpflanzung auf der heterosexuellen Liebe aufbaut, ist richtig, ob die Homosexualität damit der Schöpfungsordnung nicht entspricht, weiß ich nicht. Will die katholische Kirche, in dem, was sie zur gelebter Sexualität sagt, homosexuelle Menschen ansprechen, muss die Sexualmoral erweitert werden. Im Grunde genommen heißt es im Moment: Nur innerhalb der Ehe ist gelebte Sexualität moralisch gut. Es schließt also alle aus, die nicht innerhalb der Ehe ihre Sexualität leben. Und das betrifft natürlich auch die Homosexuellen.

Ich glaube, die Sexualmoral muss sich insofern ändern, dass man nicht mehr von der Heterosexualität als Norm ausgeht, sondern sagt: Es gibt das Potenzial der Sexualität und die Aufgabe der Kirche ist es, Menschen zu helfen, in ihrem Leben und in ihren Beziehungen dieses Potenzial der Sexualität so zu leben, dass es zu einer Bereicherung ihres Lebens beiträgt.

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Mehrheit glaubt: CDU rückt von christlich-konservativen Werten ab

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Die Mehrheit der Deutschen glaubt, dass die CDU unter Angela Merkel nach links gerückt ist.


evangelisch.de

Laut einer Emnid-Umfrage für “Bild am Sonntag” sind 53 Prozent der Ansicht, dass die CDU heute weniger als früher christlich-konservative Werte vertritt. Nur 23 Prozent meinen, dass sie es in gleichem Maße tut. Sechs Prozent finden, die vor 70 Jahren gegründete CDU sei heute konservativer als früher.

Knapp zwei Drittel der Bundesbürger sehen diese Entwicklung positiv, wie “Bild am Sonntag” weiter berichtet. 64 Prozent gaben an, die Partei habe sich unter der Bundeskanzlerin und Parteivorsitzenden Angela Merkel zum Vorteil verändert. 20 Prozent sehen eine Verschlechterung. Unter den Unions-Anhängern begrüßen sogar 91 Prozent die neue Linie.

Dodo Hahne: Wo Christliches drauf steht, muss es auch drin sein

Peter Hahne forderte bei Ökumenischen Medientagen dazu auf, die Botschaft der Bibel mutiger und offensiver weiterzusagen. Der christlichen Publizistik gehe es umso besser, je mehr sie bei ihrer Sache bleibe.


kath.net

800px-Peter_Hahne1Ein Erfolgsrezept für christliche Publizisten ist: Wo Christliches drauf steht, muss es auch drin sein. Diese Ansicht vertrat der ZDF-Moderator Peter Hahne (Berlin) bei den 1. Ökumenischen Medientagen, die vom 24. bis 26. Juni in Berlin stattfinden. Veranstalter der Tagung unter dem Motto „Fürchtet euch nicht, christliche Medien haben Zukunft“ sind der Katholische Medienverband sowie die Vereinigung Evangelischer Buchhändler und Verleger. Hahne forderte dazu auf, die Botschaft der Bibel mutiger und offensiver weiterzusagen. Der christlichen Publizistik gehe es umso besser, je mehr sie bei ihrer Sache bleibe. Hahne verwies auf eine Aussage des Apostels Paulus: „Ich schäme mich des Evangeliums von Jesus Christus nicht, denn es ist eine Kraft Gottes“ (Römer 1,16). Die biblische Botschaft habe Sprengkraft. Nach seiner Erfahrung gingen fromme Veröffentlichungen „weg wie warme Semmeln“.

Die Redaktionsleiterin der Beilage „Christ und Welt“ in der Wochenzeitung „Die Zeit“, Christiane Florin (Bonn), sagte, christliche Journalisten und Verleger sollten aufregend, frei und experimentierfreudig sein. Auch Jesus sei weder konfliktscheu noch langweilig. Er sei auch kein Zensor gewesen und habe keine Angst vor Kritik gehabt. Entsprechend sollten auch christliche Journalisten und Verleger aufregend, frei und experimentierfreudig sein.

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Drohne liefert Abtreibungspillen nach Polen

Frauenrechtlerinnen haben am Samstag eine Drohne mit Abtreibungspillen von Deutschland nach Polen geschickt.


evangelisch.de
pille_danachDie niederländische Organisation “Women on Waves” protestierte mit der Aktion gegen das Abtreibungsverbot in Polen. Nach dem Start der Drohne in Frankfurt (Oder) habe die deutsche Polizei eingegriffen, die Technik beschlagnahmt und die Piloten angezeigt, sagte eine Sprecherin der Organisation dem epd. Dennoch sei die Drohne sicher auf der polnischen Seite in Slubice gelandet. Zwei Polinnen hätten die Abtreibungspillen an sich nehmen können.

Judenhasser auf dem Bischofssitz

Terrortruppe: Mit fast 250.000 Mitgliedern war die Eiserne Garde die drittgrößte faschistische Bewegung in Europa, neben der deutschen NSDAP und der Nationalen Faschistischen Partei in Italien. Hier sind Angehörige der gewaltbereiten Organisation 1936 in Bukarest mit Hakenkreuzsymbolen zu sehen. ©AP
Terrortruppe: Mit fast 250.000 Mitgliedern war die Eiserne Garde die drittgrößte faschistische Bewegung in Europa, neben der deutschen NSDAP und der Nationalen Faschistischen Partei in Italien. Hier sind Angehörige der gewaltbereiten Organisation 1936 in Bukarest mit Hakenkreuzsymbolen zu sehen. ©AP
Im faschistischen Rumänien hetzte Viorel Trifa gegen Juden. In den USA machte er später eine steile Karriere in der Kirche – protegiert von J. Edgar Hoover. Bis seine dunkle Vergangenheit endgültig zum Vorschein kam.


Von Gerhard Köpernik|SpON EINESTAGES

“Es lebe Deutschland! Sieg Heil!”, brüllten etwa 10.000 Mitglieder der faschistischen “Eisernen Garde”, als sie am 20. Januar 1941 auf einem Protestmarsch an der deutschen Botschaft in Bukarest vorbeizogen. Ihr Zorn richtete sich gegen den rumänischen Staatsführer Ion Antonescu, der seinen von den Faschisten gestützten Innenminister wegen Unfähigkeit entlassen hatte. Am Tag zuvor war der deutsche Major Döring, Chef der Transportabteilung der deutschen Heeresmission in Bukarest, nahe seinem Dienstort erschossen worden.

Die “Eiserne Garde”, auch Legion genannt, bildete seit September 1940 mit Antonescu die Regierung, war aber bereits seit Wochen mit ihm zerstritten. Bei den Kundgebungen tat sich vor allem der Führer des Studentenverbandes der Legion, der Theologiestudent Viorel Trifa, hervor. Die Demonstranten verteilten von Trifa unterschriebene Flugblätter. “Wir verlangen, dass das freimaurerische und verjudete Personal in der Regierung durch anderes ersetzt wird”, war darauf zu lesen. “Wir verlangen eine legionäre Regierung.”

Am 21. Januar begannen Schießereien zwischen Gardisten, die öffentliche Gebäude besetzt hielten, und Armeeangehörigen. Es kam zu Plünderungen jüdischer Geschäfte, etwa 120 Juden wurden bestialisch ermordet. Zwei Tage später ergaben sich die aufständischen Legionäre.

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Zeitung: Antisemitische Passage im “dtv-Atlas Weltgeschichte”

Der “dtv-Atlas Weltgeschichte” muss wegen einer rassistischen und antisemitischen Passage überarbeitet werden.


evangelisch.de

Wie das “Hamburger Abendblatt” in seiner Samstagsausgabe berichtet, hat der Deutsche Taschenbuch Verlag eingeräumt, dass ein seit 1966 in 42 Auflagen gedruckter Absatz “peinlich und rassistisch” sei. In der für November 2015 geplanten Neuauflage werde der Passus korrigiert, kündigte das Lektorat des Verlages an. Darin ist in Zusammenhang mit der rechtlichen Gleichstellung von Juden im 19. und 20. Jahrhundert von deren “Wirtsvölkern” die Rede.

“Wirtsvölker” ist einer von vielen ursprünglich aus der Biologie stammenden Begriffe, die von Nationalsozialisten und anderen Rassisten für ihre antisemitische Ideologie missbraucht wurden. Biologen sprechen von “Wirtsvölkern”, wenn Parasiten zum Beispiel Bienen befallen. Nazi-Ideologen wandten den Terminus auf Juden an, die “parasitär” und “auf Kosten des (deutschen) Wirtsvolkes” leben würden.

Franz, der Papst der Endzeit

In seiner jüngsten Enzyklika zu Umweltfragen festigt Papst Franziskus sein Image als Apokalyptiker. Für Grautöne oder die Akzeptanz einer sozialen Marktwirtschaft ist in einer solchen Dramaturgie kein Platz.


Von Malte Lehming|DER TAGESPIEGEL

Bild bearb. BB
Bild bearb. BB

Vor rund 50 Jahren erschien ein Buch des italienischen Philosophen Umberto Eco mit dem Titel „Apokalyptiker und Integrierte“. Damit werden zwei extreme Pole einer Haltung beschrieben. Entweder der Mensch stellt sich außerhalb eines Phänomens und verwirft das Bestehende, oder er bildet ein Rädchen im Getriebe. Eco wollte zeigen, dass es einen dritten Weg gibt zwischen Revolution und Anpassung. Man könnte ihn als dynamischen Realismus bezeichnen: Die Dinge sind im Fluss, einiges entwickelt sich gut, anderes schlecht, Werte verändern sich, die Technik kann Freund und Feind des Menschen sein, Eigennutz, Lust und Streben nach Ruhm können die Welt bereichern oder ärmer machen. Je nachdem. Wahrscheinlich ist dies die Haltung der meisten Menschen in der westlichen Welt.

Die Apokalyptiker teilen sich in zwei Lager. Da sind, erstens, die Systemtheoretiker. „Die kapitalistische Produktion“, schreibt Karl Marx, „erzeugt mit der Notwendigkeit eines Naturprozesses ihre eigene Negation.“ Der britische Ökonom Thomas Malthus mahnte, die Nahrungsmittelproduktion werde nicht Schritt halten mit der Bevölkerungsexplosion. Bertrand Russell, Philosoph und Literaturnobelpreisträger, veröffentlichte 1948 einen Aufsatz, in dem er einen präventiven Atomkrieg gegen die Sowjetunion forderte („Towards a Short War with Russia“). Nur so könne verhindert werden, dass es zu einem Wettrüsten und dem dritten Weltkrieg komme.

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Von der Anarcho-Kommune in die katholische Kirche

Ein Bild aus alten Zeiten: Michael Ruge (vorne rechts) mit Mitgliedern seiner Kommune Foto: Michel Ruge
Vor einem Jahr lag unser Autor noch mit nackten Frauen und einer Kalaschnikow in der Badewanne. Sein Lebensziel: ein Bordell betreiben. Jetzt lebt er spirituell. Die Geschichte einer Wandlung.


Von Michael Ruge|DIE WELT

Gerade von mir hätte man das nie erwartet. Ich, der in Berlin-Mitte lange Zeit die Türen der Nachtclubs geleitet hat, der jahrelang einen Sportclub für Selbstverteidigung betrieb und einen Film über eine anarchistische Kommune drehte, bin zum Katholiken geworden. Letztes Jahr saß ich noch mit drei nackten Frauen und einer ungeladenen Kalaschnikow in der Badewanne, heute sitze ich mit meiner Verlobten und meiner Tochter auf der Kirchenbank.

Schon seit meiner Kindheit suchte ich tatsächlich innerhalb meines christlichen Glaubens Orientierung. Obwohl ich während meiner Jugend auf Hamburg-St.Pauli meine Kirche eher selten von innen gesehen habe, erinnere ich, dass mich die eindrucksvollen Zeremonien in der katholischen Kirche mehr als die in der evangelischen beeindruckten. Mein Gefühl sagte mir, hier wird das Ursprüngliche und Wahrhaftige des eucharistischen Mysteriums, des christlichen Glaubens, bewahrt.

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Homo-Ehe: US-Evangelikale und Katholiken fürchten um ihre Religionsfreiheit

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In den USA fürchten Katholiken und theologisch konservative Protestanten um die Freiheit ihrer Religionsausübung, nachdem das Oberste Gericht die „Homo-Ehe“ im ganzen Land zugelassen hat. Damit sind Gesetze einzelner Bundesstaaten, die die Ehe allein auf die Gemeinschaft von Mann und Frau beschränken, wirkungslos.


idea.de

In 36 von 50 Bundesstaaten war die „Homo-Ehe“ bereits zugelassen. Das Oberste Gericht fällte sein Urteil am 26. Juni mit fünf gegen vier Richterstimmen. Den Ausschlag gab der Katholik Anthony Kennedy. Er hatte in der Urteilsbegründung festgehalten, dass Bürger, die aus religiösen Gründen die „Homo-Ehe“ ablehnen, ihre Ansichten verkünden und lehren dürfen. Das bedeute aber nicht, dass sie sie auch ausleben dürften, betonte der Verfassungsrichter John Roberts, der die Minderheitsposition vertrat. So könnten religiöse Ausbildungsstätten ihre Steuerbefreiung verlieren. Sie dürften möglicherweise ihre Studentenwohnungen nicht mehr nur an heterosexuelle Ehepaare vermieten. Roberts fürchtet, dass jene US-Amerikaner, die am traditionellen Eheverständnis festhalten, jetzt ausgegrenzt werden. Dabei handele es sich beispielsweise um die rund 50 Millionen Bürger, die in den Bundesstaaten für die alleinige Ehe von Mann und Frau gestimmt haben.

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Komplizierte Glaubensfragen: Neue Götter

Religion war unter Mao in China verboten. Die Partei hatte dafür eine eigene Bibel. (Foto: Gino Begotti/ddp images)
China ist einerseits das atheistischste Land der Welt. Andererseits fragt keine Nation so hartnäckig nach Sinn und sucht so nach spiritueller Orientierung.


Von Kai Strittmatter|Süddeutsche.de

China ist ein Paradox, auch was den Glauben angeht. China ist das atheistischste Land der Welt. Stimmt. China ist das Volk mit den meisten Sinnsuchern, das Land, in dem die Religionen boomen. Stimmt auch.

Kulturrevolution: Der Staat schloss alle Tempel und Kirchen

Nirgendwo auf der Welt leben mehr Menschen, die von sich sagen, sie glaubten an keinen Gott. Umfragen belegen das immer wieder. Als die Firma WIN/Gallup International etwa vor zwei Jahren die Völker der Welt befragte, da bezeichneten sich 47 Prozent der Chinesen als überzeugte Atheisten. Dahinter kamen, mit weitem Abstand: Japaner, Tschechen, Franzosen. Der eine, offensichtliche Faktor ist dabei die Herrschaft der Kommunistischen Partei, die 1949 die Volksrepublik gründete und in den folgenden Jahrzehnten mit beispielloser Gründlichkeit und Grausamkeit daranging, alle Spuren von Religion auszumerzen. In den Jahren der Kulturrevolution, als dem ideologischen Irrsinn keinerlei Zügel mehr angelegt waren, schloss der Staat, von 1966 bis 1979, gar alle Tempel, Moscheen und Kirchen. Weltweit geschah das nur noch in Albanien, selbst die Sowjetunion unter Stalin hatte immer ein paar Hundert Kirchen offen gelassen. Diese schlimmen Jahre sind längst vorbei, die KP duldet Religion wieder, allerdings verlangt sie weiterhin die Unterwerfung der Religiösen unter ihre allumfassende Kontrolle.

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Religion weltweit: Nichtgläubige werden weniger

Mit der steigenden Weltbevölkerung wachsen sowohl das Christentum als auch der Islam – allerdings nicht in Europa.


Die Presse

Foto: brightsblog
Foto: brightsblog

Die Religion wird nicht verschwinden. Im Gegenteil. Weltweit werden die großen, institutionalisierten Glaubensrichtungen sogar zulegen. Wie eine aktuelle Studie des renommierten Pew Research Center ergeben hat, wird der Anteil der Menschen, die einer Religion angehören, steigen. Von geschätzten 9,3 Milliarden Menschen im Jahr 2050 sollen demnach nur 1,2 Milliarden keiner Religionsgemeinschaft angehören – was 13 Prozent der Weltbevölkerung entspricht.

Zum Vergleich: Im Jahr 2010 waren es bei 6,9 Milliarden Menschen noch 1,1 Milliarden – also noch 16 Prozent. Und glaubt man den Prognosen des Think Tanks aus Washington, wird sich das Gewicht der Weltreligionen deutlich verschieben – vor allem, weil der Islam in den kommenden vier Jahrzehnten massiv wachsen wird, stärker als alle anderen großen Religionen.

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“Philosemitismus ist keine Antwort auf die Probleme in Nahost”

Gespräch mit Rolf Verleger über Israelkritik zwischen Antisemitismus und Menschenrechtsidee
Eine soeben unter dem Titel “Israelkritik zwischen Antisemitismus und Menschenrechtsidee. Eine Spurensuche” veröffentlichte Untersuchung des inzwischen emeritierten Professors für Psychologische Methodenlehre und Friedensforschung, Wilhelm Kempf, geht der Frage nach Erscheinungsformen und Ausprägungen des Antisemitismus im Lande nach – und kommt zu überraschenden Ergebnissen. Telepolis sprach hierzu mit Rolf Verleger, der Kempfs von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstütztes Projekt als wissenschaftlicher Berater begleitet hat.


Von Jens Wernicke|TELEPOLIS

Rolf Verleger, Bild: heise.de

Herr Verleger, über den Antisemitismus im Land wird viel diskutiert und publiziert. Unlängst forderte Israels Premier Netanjahu die europäischen Juden sogar dazu auf, um ihrer eigenen Sicherheit Willen nach Israel auszuwandern. Es scheint also schlimm bestellt zu sein um die “Judenfeindlichkeit” der Europäer im Allgemeinen und der Deutschen im Besonderen – so schlimm wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr?

Rolf Verleger: Ach, Netanjahu … er spielt sich als Problemlöser auf; dabei ist Israel doch wesentlicher Teil des Problems.

Nein, Vorurteile gegen Juden wie auch gegen Muslime, Ausländer und alles, was irgendwie anders ist, bestehen in Deutschland wie in anderen Ländern stabil in einem Segment der Gesellschaft. Damit kann man einigermaßen leben, solange die große Mehrheit der Bevölkerung, Medien und Politik für Menschenrechte eintreten und zudem glaubhaft bedauern, was Deutschland unter Hitler angerichtet hat.

Daran hat sich in den letzten Jahrzehnten nichts geändert. Das war kurzzeitig Anfang der 90er anders, als das Asylrecht abgeschafft wurde, es die Pogrome in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen gab, die Familien Genç und Arslan in Solingen und Mölln und die Asylbewerber in der Lübecker Hafenstraße durch Brandstiftung starben und auch die Lübecker Synagoge angebrannt wurde.

Nichts dergleichen spielt sich heutzutage ab. Dies ist kein Anwachsen von Fremdenhass, sondern ein Einfordern von Menschenrechten. Denn was sich geändert hat, ist die Einstellung zu Israel. Das deutsche Bedauern der Nazi-Verbrechen und Abgrenzen vom “Dritten Reich” umfasste in der Vergangenheit wie selbstverständlich eine Unterstützung Israels.

In den letzten Jahren wird wegen Israels hemmungsloser Unterdrückung der Palästinenser aber immer offensichtlicher, dass Unterstützung von Menschenrechten und Unterstützung Israels nicht zusammenpassen. Mangels besserer Argumente unterstellt jetzt die Israel-Lobby den Leuten “Antisemitismus”, wenn sie sich gegen Israel auf die Seite der Menschenrechte und der unterdrückten Palästinenser stellen.

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Katholische Kirche zum US-“Homo-Ehe”-Entscheid: Ein tragischer Fehler

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Vorsitzender der katholischen US-Bischofskonferenz, EB Kurtz: Entscheidung des obersten Verfassungsgerichts im Fall genauso wenig wie einst das Abtreibungsurteil «Roe gegen Wade» in der Wahrheit verwurzelt: Wird am Ende keinen Bestand haben


kath.net

Der Vorsitzende der katholischen US-Bischofskonferenz, Erzbischof Joseph Kurtz, wertete die knappe Fünf-zu-vier-Entscheidung zugunsten der «Homo-Ehe» am Freitag als «einen tragischen Fehler, der dem Gemeinwohl und verletzlichsten unter uns schadet.» Die Entscheidung des obersten Verfassungsgerichts im Fall «Obergefell gegen Hodges» sei genauso wenig wie einst das Abtreibungsurteil «Roe gegen Wade» in der Wahrheit verwurzelt. «Beide werden am Ende keinen Bestand haben». Der Erzbischof sagte, es sei «unmoralisch und ungerecht» von der Regierung «zu behaupten, dass »zwei Menschen desselben Geschlechts eine Ehe schließen könnten«. Das sei allein dem »Bund von einem Mann und einer Frau« vorbehalten

Der Vorsitzende der katholischen US-Bischöfe drückt die auch von anderen Religionsgruppen geteilte Sorge aus, das Urteil könne dazu benutzt werden, die Kirche zu zwingen, gegen ihre Überzeugungen zu handeln. »Ich fordere nun alle auf, ihre Macht und Befugnisse so auszuüben, dass sie die gottgegebene Freiheit derer respektieren, die die Wahrheit suchen, leben und Zeugnis dafür ablegen.«

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Deutschland: Augen zu vor Menschenrechtsverletzungen

Themenbild. Screenshot: bb
Themenbild. Screenshot: bb
Die Bundesregierung beteuert stets, Menschenrechte seien zentral für ihre Außenpolitik, dabei wird auch Folter von Verbündeten gedeckt oder unterstützt


Von Ralf Streck|TELEPOLIS

Stets wird am heutigen 26. Juni der internationale Tag zur Unterstützung der Folteropfer begangen, der 1997 von der Hauptversammlung der Vereinten Nationen (UN) beschlossen wurde. Und auch die Bundesregierung behauptet stets, ihre Außenpolitik sei auf die Achtung der Menschenrechte ausgerichtet. Wenig ist davon aber im Verhältnis zu Verbündeten zu spüren, wie auch die Veröffentlichung des CIA-Folterreports schon gezeigt hat (Die Königin der Folter). Aber das gilt auch für massive Menschenrechtsverletzungen durch Marokko in der illegal besetzten Westsahara, wie eine Anfrage an die Bundesregierung gerade gezeigt hat.

Noch klarer wird es, wenn es sich um einen EU-Mitgliedsstaat wie Spanien handelt, das gerade erneut von den Vereinten Nationen (UN) gerügt wurde, weil nichts gegen Folter unternommen wird. Die trifft sogar Journalisten, wie auch der Straßburger Menschenrechtsgerichthof schon festgestellt hat.

Die Menschenrechte werden gerne und immer wieder beschworen und das Folterverbot gehört eigentlich zum Kernbestand der Menschenrechte. Und dennoch wird überall auf der Welt gefoltert oder Menschen an Folterländer abgeschoben oder ausgeliefert. Das hat gerade auch der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Richter am Bundesgerichtshof Wolfgang Neškovićs herausgearbeitet, der den CIA-Report in Deutschland herausgegeben hat.

Er weist auch darauf hin, dass die Menschenrechte im Fall von Russland oder anderen Ländern angeklagt werden, während bei Verbündeten die Augen vor deren Verbrechen verschlossen bleiben (Folter und die Herrschaft des Rechts, Von der VIP-Limousine in den Gefangenentransporter).

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