Psychologe: Kirche lässt Kleriker mit Zölibatsproblemen allein

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Joachim Reich berät Geistliche, die Schwierigkeiten mit dem Zölibat haben. Er sagt, die Kirche lasse sie mit ihren Problemen allein. Schließlich hätten sie sich für die Priesterweihe entschieden, heißt es oft. Die Folgen seien dramatisch.

katholisch.de

Die katholische Kirche lässt Kleriker in Krisen mit dem Zölibat aus Sicht des Berliner Psychologen Joachim Reich allein. „Wenn einer ein Problem damit hat, wird das von der Kirche sofort individualisiert. Schließlich habe er sich für die Priesterweihe entschieden, nun solle er selber damit zurechtkommen, so die Haltung“, kritisierte Reich in der Schweizer „Sonntagszeitung“. Die Kirche übernehme „keine Verantwortung dafür, wie die Priester dieses Gelübde leben können“. Reich berät Kleriker, wenn sie Schwierigkeiten mit dem Zölibat haben.

Sie könnten zwar „theoretisch in der Beichte über ihre Probleme mit der Sexualität sprechen, aber dort steht die Thematik sofort im Kontext von Schuld und Strafe“, betonte Reich. „Auch bei den geistlichen Begleitern hat man das Problem, dass sie keinerlei sexualtherapeutische Ausbildung haben.

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Missbrauch in der Kirche: Schweizer Bischöfe schicken Priester in die Psychotherapie oder auf Pilgerreisen

Die katholische Kirche wird seit vielen Jahren von Missbrauchsfällen durchgeschüttelt, die bis in höchste Kreise reichen. (Bild Jörg Sarbach / Keystone)
Wenn in der Schweiz ein Missbrauchsfall bekannt wird, reagiert die katholische Kirche in den meisten Fällen mit internen Sanktionen. Die fehlbaren Priester müssen Psychotherapien absolvieren oder es werden Ortsverbote oder Pilgerreisen angeordnet.

Erich Aschwanden | Neue Zürcher Zeitung

Das Thema Missbrauch lässt die römisch-katholische Kirche weiterhin nicht zur Ruhe kommen. In der vergangenen Woche wurde erneut ein Fall von massenhaften Verfehlungen von Kirchenleuten bekannt. Im US-Bundesstaat Illinois veröffentlichten Opfer eine Liste von fast 400 Priestern, denen vorgeworfen wird, Schutzbefohlene missbraucht zu haben. Ausserdem gab Papst Franziskus bekannt, dass er den Rücktritt von Kardinal Philippe Barbarin ablehnt. Der Erzbischof von Lyon war in Frankreich wegen Vertuschung von Missbrauch verurteilt wurde.

Justiz untersucht zehn Vorfälle

Auch die katholische Kirche in der Schweiz wird von solchen Skandalen nicht verschont. So deckte ein ehemaliger Bischof und der ehemals höchste Kapuziner der Schweiz während Jahrzehnten einen pädophilen Kapuzinerpater in der Westschweiz. Die sexuellen Übergriffe begannen 1958 und erstreckten sich über mehrere Jahrzehnte. Der Fall und seine systematische Vertuschung wurden erst in den vergangenen Jahren von der Schweizer Kapuzinerprovinz umfassend aufgearbeitet.

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Chilenischer Kardinal tritt von Bistumsleitung zurück: Papst nimmt Ezzatis Amtsverzicht an

Kardinal Ricardo Ezzati Andrello © Romano Siciliani (KNA)
Der im Zusammenhang mit dem katholischen Missbrauchsskandal unter Druck stehende chilenische Kardinal Ricardo Ezzati hat die Leitung seines Erzbistums Santiago abgegeben. Papst Franziskus habe den Amtsverzicht angenommen, teilte der Vatikan am Samstag mit.

DOMRADIO.DE

Als Übergangsleiter ernannte der Papst den Kapuziner Celestino Aos Braco, bislang Bischof von Copiapo in Nordchile.

Missbrauchsopfer werfen Ezzati wie auch seinem Vorgänger Kardinal Francisco Errazuriz seit Jahren vor, Täter geschützt und die Aufklärung verschleppt zu haben. Ezzati wurde im Januar 77 Jahre alt; mit 75 sind katholische Bischöfe gehalten, dem Papst ihren Rücktritt anzubieten.

„Ezzatis Tage sind gezählt“

Einer der prominentesten Kritiker Ezzatis, der als Jugendlicher von einem Priester in Chile sexuell missbrauchte Juan Carlos Cruz, hatte erst in einem am Freitag veröffentlichten Interview der chilenischen Zeitschrift „La Segunda“ gesagt, Ezzatis Tage seien gezählt. Für die chilenischen Bischöfe sei „der Karneval vorbei“. Cruz bekundete jedoch Sorge, Ezzati könne sich als gebürtiger Italiener in sein Heimatland absetzen, um sich einer Strafverfolgung in Chile zu entziehen.

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Bischöfe und Missbrauch: Jesuitenmagazin kritisiert Papst Franz

Bild: © Vatican Media/Romano Siciliani/KNA
Der Papst stammt aus dem Jesuitenorden und wird normalerweise von Publikationen der „Gesellschaft Jesu“ unterstützt. Nicht so bei seinem Umgang mit Bischöfen, die des sexuellen Missbrauchs oder der Vertuschung von Fällen bezichtigt werden.

katholisch.de

Das Jesuiten-Magazin „America“ hat Kritik am Umgang des Papstes mit der Missbrauchskrise geübt. In einem Leitartikel der aktuellen Ausgabe beklagt die innerkirchlich einflussreiche Publikation fehlende Transparenz im Umgang mit Bischöfen und Kardinälen, die entweder des Missbrauchs Minderjähriger oder der Untätigkeit angesichts von Missbrauchsvorwürfen in ihrem Zuständigkeitsbereich beschuldigt werden.

„Beides, das Verfahren und die Kommunikation müssen verbessert werden, um das Vertrauen des Gottesvolks wiederherzustellen“, heißt es in dem Meinungsbeitrag der Herausgeber. Dieser wirft einen Blick auf das unterschiedliche Vorgehen von Papst Franziskus mit den Beschuldigungen und Verurteilungen in den Fällen der Kardinäle Theodore McCarrick (USA), George Pell (Australien) und Philippe Barbarin (Frankreich).

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Vatikankommission: Keine Beweise für weibliche Diakone

Dies teilte Theologieprofessor Peter Hünermann gegenüber „LifeSiteNews“ mit – Ergebnis schon seit Mitte 2018 bekannt – Papst Franziskus soll Ergebnis laut Hünermann zurückhalten, weil ihm das Ergebnis nicht gefalle

kath.net

Der Vatikankommission über weibliche Diakone, die von Papst Franziskus eingesetzt wurde, hat offensichtlich keine historischen Beweise für die Existenz von weiblichen Diakonen entdecken können. Dies teilte der deutsche Theologieprofessor Peter Hünermann unter Berufung auf die Theologenkommission der Deutschen Bischofskonferenz „LifeSiteNews“ mit. Die Kommission wurde 2016 von Papst Franziskus einberufen und soll bereits Mitte 2018 den Bericht an Papst Franziskus übergeben haben. Für Hünermann ist die Nicht-Veröffentlichung durch Franziskus ein Zeichen dafür, dass er mit dem Ergebnis nicht einverstanden sei.

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Bistum Münster passt Einstellungsregeln an: Erzieher müssen nicht mehr katholisch sein

In einer Kita © Arno Burgi (dpa)
Erzieher im Bistum Münster müssen nicht mehr zwingend katholisch sein. Dies sei eine Reaktion auf kürzlich ergangene Arbeitsgerichtsurteile zum Diskriminierungsverbot, sagte der Personalchef der katholischen Diözese, Diethelm Schaden.

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Allerdings müssten sich Erzieher jedweder Konfession „mit den Zielen einer katholischen Kita identifizieren und sie im Sinn des Trägers umsetzen“, sagte Schaden dem Online-Magazin „Kirche und Leben“ aus Münster. Denkbar sei, dass auch Muslime beschäftigt werden.

Für Leitungspositionen von Kita-Verbünden und einzelnen Einrichtungen im Bistum werden laut dem Magazin aber weiterhin nur Katholiken eingestellt. Auf Mitarbeiter-Ebene werde dagegen nicht mehr nach der Konfession gefragt.

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Kurioser Vorfall in Großbritannien: Christentum keine friedliche Religion – Behörde lehnt Asylantrag ab

Bild: © Matthias Stolt/Fotolia.com (Symbolbild)
Ein zum Christentum konvertierter Iraner möchte in Großbritannien Asyl bekommen. Als Grund für seine Konversion nennt er die friedliche Natur des Christentums. Doch die Asylbehörde lehnt den Antrag ab – mit Verweis auf die Bibel.

katholisch.de

In Großbritannien sorgt der Brief einer Asylbehörde für Aufsehen, in dem das Christentum als gewalttätige Religion gesehen wird. Laut einem Bericht des „Catholic Herald“ vom Donnerstag hatte ein vom Islam zum Christentum konvertierter Iraner in Großbritannien Asyl beantragt, da ihm wegen seines Übertritts in seiner Heimat Verfolgung drohe. Als einen der Gründe für den Wechsel seiner Religion nannte er, dass er den Islam für gewalttätig halte, im Christentum hingegen „Frieden, Vergebung und Güte“ sehe. Die Behörde lehnte seinen Antrag ab: In der Bibel gebe es zahlreiche Passagen über Gewalt und Krieg, außerdem sage Jesus selbst: „Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“ (Mt 10,34) Die Argumentation des Iraners sei also inkonsistent. Der Antragsteller legte Einspruch ein.

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Religionen: Einmischung in die Politik erwünscht – Statements des Bundespräsidenten und des Bundestagspräsidenten

Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
In der Veranstaltungsreihe „Forum Bellevue zur Zukunft der Demokratie“ hat der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kürzlich mit Gästen über die Bedeutung von Religionen für die Gesellschaft und ihrem Verhältnis zur Politik diskutiert. Neben dem Christentum wurde vor allem die islamische Religion in den Blick genommen. Steinmeier führte dazu aus, dass „angesichts von Millionen Muslimen, die in unserem Land leben“ die Frage längst beantwortet sei, ob der Islam zu Deutschland gehört. Wichtiger sei die Frage, welcher Islam dazu gehört.

Dr. Hanna Fülling | EZW

Dieser zweiten Frage haben sich kürzlich zwei Unionspolitiker zugewandt und mit der Herausgabe des Buches „Der politische Islam gehört nicht Deutschland“ eine Antwort darauf versucht. Carsten Linnemann und Winfried Bausback definieren den politischen Islam darin als eine radikale Ausprägung der Religion, die den westlichen Lebensstil zum Feindbild erhebt und die freiheitliche-demokratische Rechtsordnung ablehnt und angreift (Linnemann/Bausback 2019, 7). Dass ein solcher Islam nicht zu Deutschland gehört, ist weitgehend unstrittig.

Wolfgang Schäuble weist in seinem Eröffnungsvortrag der Buchvorstellung jedoch darauf hin, dass der Titel des Buches provoziere, weil er verschiedene Lesarten ermögliche. Verstünde man den Begriff „politischer Islam“ nicht als radikalen, gewaltbereiten Islamismus, sondern als jegliche Form eines öffentlichen Islam, stehe er in Spannung zur sogenannten hinkenden Trennung von Staat und Religion, wie sie 1919 in der Weimarer Reichsverfassung (WRV) festgeschrieben und 1949 ins Grundgesetz aufgenommen wurde. Schäuble macht durch den Verweis auf die WRV darauf aufmerksam, dass Religion zwar nicht Politik sein darf, sie aber durchaus politisch sein kann. Die hinkende Trennung zwischen Staat und Religion hebe das sozialproduktive Potential von Religionen hervor und sei von der Überzeugung getragen, dass Religionen wesentlich zu den Voraussetzungen beitragen können, die der freiheitliche Staat selbst nicht schaffen kann. Mit diesem Verweis auf den Staats- und Verwaltungsrechtlicher Ernst-Wolfgang Böckenförde mahnt Schäuble an, dass nicht ein politischer Islam per se als problematisch gelten könne, sondern dass er „im Gegenteil so verstanden durchaus wünschenswert“ ist.

Schäuble weist mit diesem, in unserer heutigen Debattenlage durchaus provakanten, Statement darauf hin, dass die Diskussionspole nicht zwischen einem legitimen, privaten Islam auf der einen und einem gewaltbereiten, politischen Islam auf der anderen Seite verlaufen dürfen, sondern dass das Grundgesetz öffentliche Artikulationen und Interventionen von Religion befürwortet, solange sie sich nicht gegen die freiheitliche Grundordnung richten.

Der Bundespräsident Frank Walter Steinmeier fasst den Anspruch an die Religionsgemeinschaften enger. Er bezieht sich nicht auf die verfassungsrechtliche Grundlage, sondern formuliert eine gesellschaftliche Erwartung und fordert von jeder Religionsgemeinschaft in einer aufgeklärt-freiheitlichen Gesellschaft, „dass sie sich immer wieder selbst befragt: Ob sie den eigenen Ansprüchen an Friedfertigkeit, Moral und Wahrheitsliebe gerecht wird. Und wie sie ihr Verhältnis zu Gesellschaft, Staat und Rechtsordnung bestimmt“. Nur auf diese Weise, sei ein gesellschaftliches Miteinander langfristig möglich.

Positiv an diesen beiden Debattenbeiträgen ist unverkennbar, dass sich sowohl der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als auch der Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble mit der Rolle von Religion in der Gesellschaft und ihrem Verhältnis zur Politik befassen. Das zeigt, dass die politischen Akteure auf höchster Ebene die Notwendigkeit einer aufgeklärten Debattenkultur gerade auch im Zusammenhang mit Religion erkennen und sich dafür engagieren, sie zu etablieren und zu gestalten.

Chilenische Ermittler: Vatikan gibt keine Auskunft zu Missbrauch

Bild: © davidionut – stock.adobe.com
Der kirchliche Missbrauchsskandal hat Chile bis ins Mark erschüttert. Deshalb hat die Aufklärung der Fälle für die Justiz in dem Land oberste Priorität. Umso mehr zeigte sich der leitende Staatsanwalt nun verärgert über das Verhalten des Vatikan.

katholisch.de

Die chilenischen Behörden haben dem Vatikan fehlende Auskunftsbereitschaft bei den Missbrauchsermittlungen gegen Kleriker vorgeworfen. Der leitende Staatsanwalt Emiliano Arias sagte dem Sender Radio Cooperativa (Donnerstag), der Vatikan habe bisher „keine einzige“ Anfrage der Ermittler beantwortet. Auf die Frage, ob es irgendeine Art von Reaktion seitens der zuständigen vatikanischen Stellen gegeben habe, antwortete er: „Nichts, rein gar nichts.“

Derzeit ermittelt die chilenische Justiz in rund 150 Fällen wegen Missbrauchsvorwürfen gegen Kirchenmitarbeiter, wie chilenische Medien unter Berufung auf Angaben der Staatsanwaltschaft meldeten. Dabei gehe es um mehr als 250 mutmaßliche Opfer. Auch mehrere Bischöfe sollen in die Vorgänge verwickelt sein.

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Katholische Kirche: Hunderte Priester in den USA des Missbrauchs beschuldigt

Rechtsanwalt Jeff Anderson (Mitte) mit Joe Iacono (links) und Cindy Yesko: Das Anwaltsbüro Jeff Anderson & Associates ist auf Klerusmissbrauch spezialisiert Quelle: dpa/Kiichiro Sato
Ein Anwaltsbüro hat die Namen Hunderter katholischer Priester veröffentlicht, die in den vergangenen Jahrzehnten in Illinois Kinder sexuell missbraucht haben sollen. Unter den Beschuldigten sind auch Nonnen und Laien.

DIE WELT

Der sexuelle Missbrauch in der katholischen Kirche nimmt immer erschreckendere Ausmaße an. Jetzt gibt es neue Details aus den Vereinigten Staaten: Im US-Bundesstaat Illinois wurden fast 400 katholische Priester und Laien öffentlich mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert. Das Anwaltsbüro Jeff Anderson & Associates, das auf Klerusmissbrauch spezialisiert ist, veröffentlichte am Mittwoch (Ortszeit) in Chicago eine Liste mit 395 Namen.

Die Verdächtigen arbeiten oder hätten im Erzbistum Chicago und fünf weiteren Diözesen gearbeitet. „Das Datenmaterial enthüllt das erschreckende Ausmaß, in dem Priester Kinder bis zum heutigen Tag sexuell missbrauchen“, heißt es in dem Report. Unter den insgesamt 395 „glaubhaft Beschuldigten“ seien auch sechs Nonnen und einige Laien.

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Bullshistic zum Thema Atheismus

“Die Wissenschaft kann nur Antworten auf bestimmte Fragen geben. Wir sollten die Demut haben, anzuerkennen, dass vieles um uns ein Mysterium bleiben wird.“
Am 20.März wurde der Physik- und Astronomie Professor Marcelo Gleiser mit dem „Templeton-Preis“ ausgezeichnet, berichtet die offizielle Webseite des Preises.

Tabea Maria Hänsel | glaube.at

Die Jury ehrt mit der Auszeichnung Menschen, die einen außerordentlichen Beitrag zur Erforschung der spirituellen Dimension des Lebens geleistet haben. Sei es durch besondere Erkenntnisse, Forschungsarbeit oder praktische Arbeiten. Mit dem 1,5 Millionen US-Dollar dotierten Preis wurden schon der Dalai Lama, Desmond Tutu und Mutter Theresa geehrt.

Die Jury zeichnete Marcelo Gleiser deshalb aus, weil er eine prominente Stimme dafür ist, dass Wissenschaft allein nicht zur ultimativen Wahrheit führen kann. Gleiser erforscht die Zusammenhänge zwischen Natur- und Geisteswissenschaften und Spiritualität.

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Vorwürfe von rechten Blogs: Gewalt gegen Christen verschwiegen?

Bild: tagesschau.de
Nach dem Anschlag auf Muslime in Christchurch verweisen rechte Blogs auf Gewalt gegen Christen in Nigeria. Diese würde „verschwiegen“. Tatsächlich ist der Dauerkonflikt in Nigeria aber nicht religiös motiviert.

Von Patrick Gensing | ARD-faktenfinder

„120 Christen in Nigeria ermordet – Medien schweigen“, schreibt die Seite „Kath.net“; „Fulani-Islamisten ermorden 120 Christen in drei Wochen“ – das berichtet die Internet-Seite „Epoch Times“. Ähnliche Schlagzeilen sind seit dem Anschlag auf Muslime in Christchurch in verschiedenen rechten Blogs zu lesen. Viele behaupten, weltweit würde um Muslime getrauert, während Morde an Christen verschwiegen würden.

Als Basis für viele solcher Artikel und Kommentare in sozialen Medien dient das rechte Nachrichtenportal „Breitbart“, das am 16. März berichtete, militante Muslime hätten in Nigeria innerhalb von drei Wochen 120 Christen getötet. „Breitbart“ bezeichnete die Angreifer als Dschihadisten, also muslimische „Gotteskrieger“.

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VOX will Nazis ins spanische Parlament bringen

Demo der Rechten und VOX gegen die Regierung und die im Gefängnis befindlichen katalanischen Politiker. Bild: VOX/public domain
Faschistoide VOX-Partei will das Parlament mit rechtsradikalen Militärs und mit einem Holocaustleugner erobern, für den die Nürnberger Prozesse eine „Farce“ waren

Ralf Streck | TELEPOLIS

Deutsche Parteien sollten sich Gedanken darüber machen, mit wem sie in Spanien kooperieren, denn ihre lokalen Partner machen dort gestandene Nazis und Holocaustleugner hoffähig, da sie mit der faschistoiden VOX-Partei in Andalusien schon jetzt gemeinsame Sache machen. Das gilt vor allem für die Unionsparteien, die mit der ultrakonservativen Volkspartei (PP) verbunden sind, und die FDP, die mit der rechten Ciudadanos (Bürger/Cs) zusammenarbeitet.

Mit der faschistoiden VOX-Partei, eine Abspaltung der PP und ein Sammelbecken Ewiggestriger, regiert die PP-Cs-Koalition schon in Andalusien zusammen. Alle Umfragen prognostizieren, dass es bei den vorgezogenen Neuwahlen am 28. April eine Rechtsregierung in Spanien nur mit Unterstützung von VOX möglich ist, auf die PP und Cs hinarbeiten. Es ist auch nicht so, dass VOX die andalusische Rechtskoalition ohne Gegenleistungen duldet. PP und Cs sind den Ultras weit entgegengekommen. Ausgerechnet die Geschichtsrevisionisten und Feinde von Frauenrechten stehen nun den Kommissionen für die historische Erinnerung und Familie vor. Diese Posten haben zudem die Ciudadanos abgegeben, die in Deutschland gerne als „liberal“ bezeichnet werden. Und die tun stets so, als hätten sie mit dem Abkommen der PP und Rechtsradikalen nichts zu tun, dabei kandidieren auch auf ihren Listen immer wieder Falangisten und andere Ultras.

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Beschäftigung von Pädophilen – Staat verklagt Bistum

Bild: © helmutvogler/Fotolia.com
Hat das US-Bistum Wheeling-Charleston wissentlich pädophile Seelsorger in seinen Einrichtungen beschäftigt? Davon ist der Generalstaatsanwalt von West Virginia überzeugt. Die angeklagte Diözese weist einige der Vorwürfe zurück.

katholisch.de

Der Generalstaatsanwalt im US-Bundesstaat West Virginia hat das Bistum Wheeling-Charleston wegen wissentlicher Beschäftigung von Pädophilen angeklagt. Patrick Morrisey wirft in der am Dienstag (Ortszeit) eingereichten Zivilklage Bischof Michel Joseph Bransfield, der das Bistum zwischen 2005 und 2018 leitete, sowie seinen beiden verstorbenen Vorgängern Joseph Howard Hodges und Bernard William Schmitt zudem vor, keine ausreichenden Hintergrundüberprüfungen bei Seelsorgern und anderen Angestellten vorgenommen habe.

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Verfassungsrichterin: Staatskirchenrecht muss Islam integrieren

Das deutsche Staatskirchenrecht muss nach Einschätzung der Bundesverfassungsrichterin Christine Langenfeld andere Religionsgemeinschaften stärker integrieren.

evangelisch.de

Aktuell sei das Staatskirchenrecht mit seinen Vorschriften auf christliche Kirchen zugeschnitten, sagte Langenfeld am Montagabend auf einer Fachtagung in Mülheim an der Ruhr. Vor dem Hintergrund der Zuwanderung brauche es eine stärkere Integration von anderen Religionsgemeinschaften, vor allem des Islam.

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Gysi: Muss den Papst häufig verteidigen – gegenüber Katholiken

Bild: © dpa/Bernd von Jutrczenka (Archivbild)
Er glaubt zwar nicht an Gott, ist aber dennoch voll des Lobes für Papst Franziskus und die moralische Kraft der Religionen: Linkenpolitiker Gregor Gysi erzählt, warum er den amtierenden Pontifex sogar oft gegenüber Katholiken verteidigen muss.

katholisch.de

Der frühere Linke-Spitzenpolitiker Gregor Gysi hat das Engagement von Papst Franziskus gelobt. Trotz aller Kritik, die er am Papst in Fragen der Sexualmoral, des Umgangs mit Homosexualität oder den Missbrauchsfällen anbringen müsse, sei Franziskus „mit seinen immer wieder geäußerten Positionen zum Frieden und seiner Bedrohung und zu den sozialen und ökologischen Folgen kapitalistischen Wirtschaftens ein wichtiger Impulsgeber für die gesellschaftliche Entwicklung“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Europäischen Linken der jüngsten Ausgabe der österreichischen Zeitschrift „miteinander“. Angesichts dessen müsse er den Papst sogar „häufig gegenüber Katholiken verteidigen“, so der Politiker.

Gysi, der sich selbst als nicht-gläubig bezeichnet, würdigt im Magazin des Canisiuswerkes den Wert der Religionen für die Regeneration von Wert- und Moralvorstellungen in der Gesellschaft: So sehe er zur Zeit nur die Religionen in der Lage, „grundlegende Moral- und Wertvorstellungen allgemeinverbindlich in der Gesellschaft“ prägend zur Geltung zu bringen. Die Linke habe ihre Kraft in dieser Hinsicht spätestens seit dem Ende des real existierenden Sozialismus „für längere Zeit verwirkt“; die Rechte ordne indes Wert- und Moralvorstellungen den wirtschaftlichen Imperativen unter – „der Markt aber kann keine Moral- und Wertvorstellungen hervorbringen“.

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Missbrauch: Immer mehr Katholiken verlassen Kirche

Themenbild. Bild: bb
Seit immer wieder neue Missbrauchsfälle in der Kirche bekannt werden, ist die Zahl der Kirchenaustritte im Bistum Osnabrück drastisch angestiegen. Das hat eine Recherche von NDR 1 Niedersachsen ergeben.

NDR.de

Beim Standesamt in der emsländischen Kreisstadt Meppen sind es seit Jahresbeginn 63 Katholiken, die die Kirche verlassen haben – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. In Haren haben sich die Zahlen für diesen Zeitraum sogar verdreifacht: von zehn Austritten im vergangenen Jahr auf 32 in diesem Jahr.

Fall in Merzen hat Folgen

Anfang Dezember hatte das Bistum Osnabrück veröffentlicht, dass ein Priester in Merzen im Landkreis Osnabrück Kinder sexuell missbraucht haben soll. Die Ortschaft gehört zur Samtgemeinde Neuenkirchen.

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Papst lehnt Rücktritt von Kardinal Barbarin vorerst ab

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Angebotene Demission des erstinstanzlich wegen Nichtanzeige sexuellen Missbrauchs verurteilten Erzbischofs von Lyon „unter Gel­tend­ma­chung der Unschuldsvermutung“ nicht angenommen

kath.net

Papst Franziskus hat den Rücktritt des in erster Instanz wegen Nichtanzeige sexuellen Missbrauchs zu einer Bewährungsstrafe verurteilten französischen Kardinals Philippe Barbarin vorerst abgelehnt. Barbarin zieht sich aber ab sofort „für einige Zeit“ von der Ausübung des Bischofsamts zurück und übergibt die Leitung der Erzdiözese Lyon seinem Generalvikar Yves Baumgarten. Das teilten Kardinal Barbarin und Vatikansprecher Alessandro Gisotti am Dienstag in zwei parallel in Lyon und Rom veröffentlichten Kommuniques mit.

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Vorwurf der sexuellen Belästigung: Woelki beurlaubt Düsseldorfer Stadtdechanten

Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Gegen den Düsseldorfer Stadtdechanten ist der Vorwurf der sexuellen Belästigung gegenüber einem Erwachsenen erhoben worden. Der zuständige Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki reagierte umgehend.

katholisch.de

Kardinal Rainer Maria Woelki hat den Düsseldorfer Stadtdechanten Ulrich Hennes bis auf Weiteres und mit sofortiger Wirkung von allen Ämtern beurlaubt. Gegen ihn sei der Vorwurf der sexuellen Belästigung gegenüber einem erwachsenen Praktikanten erhoben worden, teilte das Erzbistum Köln am Dienstag mit. Die Diözese habe den entsprechenden Hinweis an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet und davon unabhängig ein innerkirchliches Verfahren eröffnet. Hennes bestreite den Vorwurf, hieß es weiter. Bis zum Abschluss der eingeleiteten Verfahren solle keine Vorverurteilung stattfinden; es gelte die Unschuldsvermutung, so das Erzbistum.

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Kopftücher müssen draußen bleiben, Kreuze nicht

Grafik: TP
Die Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs hätte emanzipatorisches Potential, wenn sie für alle Symbole gelten würde

Peter Nowak | TELEPOLIS

Art. 11 Abs. 2, der Richtern und Richterinnen, Staatsanwälten und Staatsanwältinnen sowie Landesanwälten und Landesanwältinnen unter be- stimmten Voraussetzungen das Tragen religiös oder weltanschaulich geprägter Symbole oder Kleidungsstücke in Verhandlungen sowie bei Amtshandlungen mit Außenkontakt verbietet, ist mit der Bayerischen Verfassung vereinbar. Das ist der Kern der heutigen Entscheidung des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs.

In dem erwähnten Gesetzestext BayRiStAG heißt es:

Richter und Richterinnen dürfen in Verhandlungen sowie bei allen Amtshandlungen mit Außenkontakt keine sichtbaren religiös oder weltanschaulich geprägten Symbole oder Kleidungsstücke tragen, die Zweifel an ihrer Unabhängigkeit, Neutralität oder ausschließlichen Bindung an Recht und Gesetz hervorrufen können.

Es ist positiv, dass das bayerische Gericht klarstellt, dass religiöse Symbole in Gerichtssälen nichts verloren haben. Auf das Kopftuch bezogen, ist dabei nicht ausschlaggebend, ob die Trägerinnen selber damit die islamische Ideologie verbreiten wollen. Es kommt darauf an, wie ein solches Symbol bei den Menschen ankommt, die in welcher Rolle auch immer den Gerichtssaal betreten müssen oder wollen. Man stelle sich beispielsweise vor, es handelt sich um jemanden, der Opfer islamistischer Gewalt wurde. Sie oder er könnte mit dem Kopftuch genau diesen islamistischen Herrschaftsanspruch verbinden, auch wenn der von den Kopftuchträgerinnen nicht beabsichtigt ist.

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