Archiv der Kategorie: Katholizismus

Immanente Religion – transzendente Technologie? Das Beispiel Digitalisierung

jesus_app
Bibel-Zitate App, Themenbild

Die Vortragsreihe „Religion und Gesellschaft“ wird am 10. Mai 2016 mit einem Vortrag von Frau Prof. Dr. Sabine Maasen in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften fortgesetzt. Im Mittelpunkt des Vortrags steht die Unterscheidung von Religion und Technologie am Beispiel der Digitalisierung.

Janina Amendt Pressestelle
Bayerische Akademie der Wissenschaften

Zwischen Religion und Technologie wird meist klar unterschieden. Religion ist das Unsichtbare. Technologie und Wissenschaft sind hingegen das Sichtbare, das Präsente. Demnach kann man Religion über Transzendenz und Technologie über Immanenz definieren. Am Beispiel der Digitalisierung wird Prof. Sabine Maasen versuchen, die herkömmlichen Unterscheidungen von Religion und Wissenschaft in Frage zu stellen.

Für die Immanenz von Religion ist zum Beispiel an religiöse Apps zu denken. Die App „Jesus Christ Whisperer“ stellt täglich Briefe von Jesus zu. Religion wird dadurch präsent und nah. Für die Transzendenz von Technologie wird z. B. auf die wachsende Bedeutung von Algorithmen verwiesen, die, wie es scheint, die Stelle Gottes als unbeobachteter Beobachter einzunehmen beginnen.

Prof. Dr. Sabine Maasen hat seit Ende 2013 den Friedrich Schiedel-Stiftungslehrstuhl für Wissenschaftssoziologie an der Technischen Universität München inne. Sie ist Direktorin des Munich Center for Technology in Society und steht dem Senat der Hochschule für Politik vor. Zuvor war sie Professorin für Wissenschaftsforschung/Wissenschaftssoziologie an der Universität Basel. Ihr Forschungsinteresse richtet sich auf Fragen, die das Leben in technisierten Gesellschaften betreffen.

Die Bayerische Akademie der Wissenschaften, gegründet 1759, ist die größte und eine der ältesten Akade-mien in Deutschland. Ihren Aufgaben als Gelehrtengesellschaft, außeruniversitäre Forschungseinrichtung und Ort des lebendigen wissenschaftlichen Dialogs mit Gesellschaft und Politik ist sie seit mehr als 250 Jahren verpflichtet. Der Schwerpunkt ihrer Forschung liegt auf langfristigen Vorhaben, die die Basis für weiterführende Forschungen liefern und das kulturelle Erbe sichern. Die Akademie ist ferner Trägerin des Leibniz-Rechenzentrums, eines der größten Supercomputing-Zentren Deutschlands, und des Walther-Meißner-Instituts für Tieftemperaturforschung. Den exzellenten wissenschaftlichen Nachwuchs in Bayern fördert sie in ihrem Jungen Kolleg.

Bayerische Akademie der Wissenschaften
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Janina Amendt
Alfons-Goppel-Straße 11, 80539 München
Tel.: +49 (0)89 230 31 1141
Tel.: +49 (0)89 230 31 1281
presse@badw.de
http://www.badw.de

SVP will Schweiz mit Stacheldraht einzäunen

Symbolbild / Bild: (c) APA/EPA/VALENTIN FLAURAUD (VALENTIN FLAURAUD)
Der neue Asylsprecher der Rechtspopulisten erwartet eine „Flüchtlingsinvasion“ – und zwar weil Österreich seine Grenzen „zumacht“.

Die Presse.com

Die europakritische rechtskonservative Schweizerische Volkspartei (SVP) fordert einen Stacheldraht an der grünen Grenze der Schweiz. Der neue SVP-Asylsprecher Andreas Glarner sagte in Zeitungsinterviews, er rechne mit einer „Flüchtlingsinvasion“, nachdem unter anderen Österreich seine Grenze „zumacht“. Und er fordert Gemeinden auf, keine Asylsuchende mehr aufzunehmen.

„Die Schweiz muss ihre grüne Grenze mit einem Stacheldrahtzaun abriegeln. Es wird zu einer Flüchtlingsinvasion kommen. Frankreich ist zu, Österreich macht zu, die Balkanroute ist zu. Der einzige Weg nach Europa führt über Italien. Italien ist aber kein Zielland. Die Flüchtlinge kommen in die Schweiz“, sagte Glarner im Interview, das am Dienstag im „Tages-Anzeiger“ und „Bund“ erschien.

weiterlesen

Neapel: Blutwunder besiegelt Ende in Streit um Kirchenfinanzen

Januarius, Bild: wikimedia.org/PD

In Neapel hat sich wieder das traditionelle Blutwunder des heiligen Januarius ereignet. Zum Abschluss einer Prozession mit den Reliquien des Stadtpatrons am frühen Samstagabend durch die Straßen der süditalienischen Stadt teilte Kardinal Crescenzio Sepe mit, dass sich das in einer Glasampulle aufbewahrte eingetrocknete Blut des frühchristlichen Märtyrers verflüssigt habe.

kath.net

Unmittelbar vor der Prozession legten die erzbischöfliche Kurie und ein katholisches Bürgerkomitee laut italienischen Medien einen längeren Streit bei, der die Zuständigkeiten für die Güter- und Finanzverwaltung der Januarius-Kapelle betraf. Zu dem Anlass reiste eigens Innenminister Angelino Alfano nach Neapel. Das Abkommen zwischen der Erzdiözese und der „Deputazione di San Gennaro“ wird nun nach Angaben Alfanos zur Prüfung dem Staatsrat vorgelegt, einem Verfassungsorgan für verwaltungsrechtliche Fragen. Kommentatoren werteten die Verflüssigung der Blutreliquie als Hoffnungszeichen für einen guten Ausgang.

weiterlesen

Missbrauch: Die Täter fühlten sich sicher

missbrauch_kathol

Carlos Ibanez (58) muss sich ziemlich sicher gefühlt haben. So sicher, dass er beim Besuch von Papst Franziskus in Paraguay am 12. Juli 2015 in der ersten Reihe jenes Platzes stand, der für katholische Priester reserviert war. Ein beeindruckter Ibanez verfolgte dabei genau, wie sein Landsmann nur wenige Meter an ihm vorbeischritt. Das zeigen TV-Bilder des Gottesdienstes in Nu Guasu, die die Tageszeitung „La Nacion“ vor wenigen Tagen veröffentlichte.

Von Tobias Käufer | katholisch.de

Seitdem ist die Kirche in Paraguay schockiert und muss einen unappetitlichen Missbrauchsskandal aufklären. Gegen Carlos Ibanez wurde bereits in dessen Heimatland Argentinien wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs ermittelt. Das hinderte den flüchtigen Priester allerdings nicht daran, im Nachbarland weiter seiner kirchlichen Tätigkeit nachzugehen.

„Netzwerk des Schweigens“

Insgesamt, so schreibt es „La Nacion“, seien fünf argentinische Priester in Paraguay untergetaucht, die von der Justiz Argentiniens wegen Missbrauchsvorwürfen gesucht würden. Das Blatt vermutet dahinter ein „Netzwerk des Schweigens“. Dieses habe das Untertauchen der Geistlichen erst möglich gemacht.

weiterlesen

Priester beichtete im Petersdom, Beichtvater spielte dabei Sudoku

DerverzweifelteJesusJunger chilenischer Priester schreibt offenen Brief an Papst Franzikus, nachdem er bei drei Beichten im Petersdom Beichtväter ablenkt fand – Ein beichtehörender Priester las während seines Sündengeständnisses die Tageszeitung.

Von Petra Lorleberg | kath.net

Während er im Petersdom beichtete und seine Sünden bekannte, „sah ich den Priester ‚Sudoku‘ spielen, ein japanisches Zahlenpuzzle. Durch das Beichtgitter sah ich zwei Spielmagazine. Auf höfliche Art drückte ich meinen Wunsch nach einer würdigen Feier des Sakraments aus. Doch der Priester sagte mir, ich solle einen anderen Beichtvater suchen, wenn ich Probleme mit dem ‚Sudoku‘ hätte, im Petersdom gäbe es ja viele. Ich verließ traurig den Beichtstuhl und ging zu einem anderen, wo mich ein Priester brüderlicher begrüßte.“ Dies schilderte Felipe Herrera Espaliat, chilenischer Priester, Journalist, Musiker und derzeit Student in Rom, in seinem offenen Brief, den er zu diesem Problem am 1.5.2015 an Papst Franziskus schrieb. Nach eigenen Worten reagierte er damit auf die Beichtkatechese, die Papst Franziskus einen Tag zuvor bei einer Generalaudienz gegeben hatte.

weiterlesen

Exorzismus: Die Teufelsaustreiber von Kairo

Bild: Marc Röhlig/bento.de
Wie Christen und Muslime in Ägypten durch Exorzismen zusammenfinden.

Von Julia Nikschick, Marc Röhlig | bento

Der Scheich ist zufrieden. Mit seiner linken Hand hält der Muslim einen Dschinn in einem Wasserglas gefangen, die rechte Hand wölbt er an seinem Mund, um Koransuren zu rezitieren. Neben ihm sitzt Magdy, ein Christ, und schaut gleichsam besorgt und belustigt auf das Spektakel. „Woher weiß ich, dass das mein Dämon ist?“, fragt er den Scheich. „Du musst es schon glauben“, grummelt dieser.Magdy, 33, lebt als Schweinezüchter im Armenviertel Manshiat Nasser der ägyptischen Hauptstadt Kairo. Seine breiten Oberarme spannen den gelben Stoff seines Hemdes, dunkle Locken fallen ihm fast bis auf die Schultern. Er ist ein hübscher Kerl.

„Aber die richtige Frau habe ich trotzdem noch nicht gefunden“, sagt er. „Hier in Ägypten darfst du nicht einfach ein Mädchen kennenlernen. Hier wirst du vermittelt oder gar nicht, das gilt für Muslime wie Christen.“weiterlesen

AfD beschließt Anti-Islam-Kurs

Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Nach einer hitzigen Debatte hat die AfD die Ablehnung des Islams in ihrem Grundsatzprogramm verankert. Die Mitglieder stimmten mit großer Mehrheit für die Formulierung „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“.

evangelisch.de

Die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) hat ihren strikten Anti-Islam-Kurs beschlossen. Die Delegierten des Bundesparteitags in Stuttgarts verabschiedeten am Sonntag mit großer Mehrheit das Kapitel „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ als Teil ihres Grundsatzprogramms. Unter dem Punkt „Kultur, Sprache und Identität“ heißt es weiter, dass „ein orthodoxer Islam, der unsere Rechtsordnung nicht respektiert oder sogar bekämpft und einen Herrschaftsanspruch als allein gültige Religion erhebt“, mit „unserer Rechtsordnung nicht vereinbar“ sei. Dem Beschluss ging eine kontroverse Diskussion voraus.

Die Partei sehe in der „Ausbreitung und Präsenz einer ständig wachsenden Zahl von Muslimen“ eine große Herausforderung, heißt es in dem Programm weiter. Dennoch bekenne sich die AfD „uneingeschränkt zur Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit“. Die Partei wolle jedoch der Religionsausübung Schranken setzen, durch „die staatlichen Gesetze, die Menschenrechte und unsere Werte“.

weiterlesen

Wahl Dodo des Monats April 2016

Dodo des Monats April 2016 ©HFR
Dodo des Monats April 2016
©HFR

Die Mediale Aufmerksamkeit im Monat April konzentrierte sich in aller Gänze auf Jan Böhmermann, der nun mit der Ermächtigung durch die Bundesregierung, strafrechtlich wegen Majestätsbeleidigung zur Verantwortung gezogen werden kann. Der „Irre vom Bosporus“ darf nun ganz öffentlich in Deutschland seinen paranoiden Gelüsten nachgehen. Aber auch Kirchtürme, Minarette, MIssion unter Muslimen und religiöse Parallelwelten spielten im Zirkus der öffentliche Meinung eine Rolle. Von extrem bis banal ist alles vertreten.
Die Wahl ist bis zum 07. Mai 2016, 18:00 Uhr befristet. Der Gewinner wird am folgenden Tag gewürdigt werden.
Viel Spaß!

Hier sind die Kandidaten:

  1.  Frauke Petry, „weiß die Architektur von Minaretten nicht zu schätzen.“
  2.  Volker Kauder, „will Moscheen überwachen lassen, seine christlichen Extremisten spart er aus.“
  3. Bono, „singt weniger, dafür mehr Religiotie.“
  4. Rainer Maria Woelki, „mag spitze Phallussymbole.“
  5. Aiman Mazyek, „braucht Fremd-Imame für seinen Glauben.“
  6. Christian Troll, „möchte unter Flüchtlingen christlich trollen.“
  7. Joachim Gauck, „möchte gekrönt werden.“
  8. Alexander Kissler, „katholisch demagogische Weltsichten.“
  9. Eckart von Hirschhausen, „die Einfachheit der Bibel im Medizin-Studium vermisst.“
  10. Bernd Lucke, „mit Vulgärsprache mediale Aufmerksamkeit.“
  11. Wolfgang Thierse, „beschwört den Religionsfrieden.“
  12. Dr. Georg Rüter, „mag dezente Hinrichtungswerkzeuge.“
  13. Andreas Kersten, „Kondome vom Bibel-Apotheker.“
  14. Ulrich Parzany, “ weiß dass die Apostel nicht schwul waren.“
  15. Gert Pickel, „Religionsphobie unter den neuen Atheisten.“
  16. Nabil Arab, „mit dem Islam kam die Befreiung der Frauen.
  17. Recep Tayyip Erdoğan, „gelebte Paranoia.“

Wahl Dodo des Monats April 2016 weiterlesen

Religiotie: Hindus stürmen christliche Hochzeit in Indien

Nadrenda Modi.
Nadrenda Modi.

In Indien reißt die Serie von Übergriffen radikaler Hindus auf Christen nicht ab. Wie indische Medien am Donnerstag berichteten, stürmte die militante Hinduorganisation Bajrang Dal eine christliche Hochzeit in einer Kirche im Bundesstaat Madhya Pradesh. Auch die Polizei sei an der Aktion beteiligt gewesen, bei der das Brautpaar und der Pastor festgenommen worden seien.

 

kath.net

Die Razzia sei damit begründet worden, dass der Pastor die Braut gegen ihren Willen zum Christentum bekehrt habe. Den Medienberichten zufolge waren jedoch sowohl der Bräutigam als auch die Braut bereits vor vier Jahren zum Christentum übergetreten. Sie hätten es aber versäumt, die Behörden über ihren Religionswechsel zu informieren, wie dies gesetzlich vorgeschrieben ist.

Als weiterer Grund sei die Minderjährigkeit der Braut angegeben worden. Die junge Frau sei 17 Jahre alt. Sie wäre wenige Tage nach der Hochzeit 18 Jahre alt und damit volljährig geworden.

weiterlesen

Wenn der Kölner Kardinal den Unterschied zwischen Kirchturm und Minarett nicht kennt

Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Wenn Bischöfe den Islam hofieren, der Kölner Kardinal den Unterschied zwischen Kirchturm und Minarett nicht mehr erkennt und der EKD-Ratsvorsitzende Mitglied eines Moscheenbauvereins ist, ist das dramatisch.

Von Hubert Windisch | kath.net

Im Augenblick wird eine erregte Debatte über den Islam in Deutschland geführt. Auf den ersten Blick mag die Äußerung des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Dieter Grimm in der FAZ vom 22. April 2016 (kath.net berichtete), wonach die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre, grundgesetzlich irrelevant sei, beruhigend wirken. Jedoch nur auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen erkennt man in dieser Aussage einen einseitig rechtspositivistischen Ansatz, der rein formal von der grundgesetzlich garantierten Religionsfreiheit schon auf das Recht des Islams, in Deutschland Religion zu sein, schließt. Der Islam gehöre demnach zu Deutschland. Man müsse sich nur jeweils gegen extremistische Verformungen des Islams zur Wehr setzen. Denn nicht nur Islam und Islamismus seien zu trennen, sondern auch der Islam und die private Praxis dieser Religion seien zwei paar Stiefel.
Doch so einfach geht diese Gleichung nicht auf. Abgesehen davon, dass man mit Sorge beobachten muss, wie mit steigendem muslimischen Anteil in der Bevölkerung auch immer mehr grundgesetzliche Achtsamkeit gefordert ist, vergisst man dabei, grundsätzlich danach zu fragen, welche theoretischen bzw. ideologischen Grundlagen den Islam als Religion bestimmen. Jede religiöse Praxis hat ja eine theoretische Grundlage. Jede Religion hat Inhalte.

weiterlesen

‚Jesus hat mich aus der Homosexualität befreit’

DerverzweifelteJesusDer US-amerikanische Internet-Missionar Michael Voris hat bekannt gegeben, vor seiner Bekehrung zum katholischen Glauben viele Jahre aktiv homosexuell gewesen zu sein. Jesus habe ihn davon befreit, wie er viele Menschen vor ihm aus der Sünde geholt habe. Er erwähnt auch die Gebete seiner Mutter, die ihre schwere Krankheit für seine Bekehrung aufgeopfert hat.

kath.net

Michael Voris betreibt die Internetseite „Church Militant“, die sich „gegen die Erosion des katholischen Glaubens während der letzten 50 Jahre“ einsetzt.

Er habe sich immer dazu bekannt, früher im Stand der schweren Sünde gelebt zu haben. Wäre er damals gestorben wäre er verdammt gewesen. Er habe nie verschwiegen, dass es sich um Verstöße gegen das Gebot der Keuschheit gehandelt habe, sei aber nicht näher auf deren Natur eingegangen, weil er es nicht für notwendig gehalten habe, sagt Voris in einem Video.

weiterlesen

Missbrauch: Wieviel Transparenz will die Kirche – Klaus Mertes ein Nestbeschmutzer

Seit 2011 ist Klaus Mertes Direktor des Kollegs St. Blasien. Wikimedia/Etzagots
Klaus Mertes deckte 2010 einen der grössten Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche auf. Über Jahre hinweg hatten zwei Patres am Canisius-Kolleg in Berlin hunderte von Schülern missbraucht. Mertes machte die Fälle öffentlich und wurde bald darauf in einen kleinen Ort im Schwarzwald versetzt.

Von Hansjörg Schultz | SRF

Als Klaus Mertes Kolleg-Rektor in Berlin war, haben sich ihm zwei ehemalige Schüler anvertraut. Er hat daraufhin sämtliche Schüler der betroffenen Jahrgänge des Canisius-Kollegs angeschrieben und nach ihren Erlebnissen mit Patres gefragt. Es stellte sich heraus, dass Hunderte missbraucht wurden, ohne dass es Konsequenzen für die Übeltäter gegeben hätte.

Mertes übernahm die Verantwortung für das Vertuschen und das Schweigen in seiner Kirche. Er brach ein Tabu, ging an die Öffentlichkeit und entschuldigte sich für seine katholische Kirche. Er erhielt jede Menge Preise, darunter in der Schweiz den Herbert-Haag-Preis.

«Das hätte man intern regeln können»

Nach weltlichen Massstäben hatte der Aufklärer etwas von einem Helden, er hatte eine 2000 Jahre alte, machtvolle Institution wachgerüttelt.

Für jene, die über Mertes in der Kirchenhierarchie sind, war und ist Mertes ein Kirchenrebell, ein Nestbeschmutzer. «Das hätte man doch auch intern regeln können», sagen sie. Und: Erst kommt die Kirche, dann kommen die Menschen.

weiterlesen

Wieder mehr verdächtige Finanztransaktionen im Vatikan

Vatikanbank
Vatikanbank
Nach einem Rückgang im vergangenen Jahr ist die Zahl der verdächtigen Finanztransaktionen im Vatikan wieder massiv gestiegen. Insgesamt 544 solcher Geschäfte seien im vergangenen Jahr gemeldet worden, teilte die Vatikan-Finanzaufsicht AIF in ihrem Jahresbericht mit, der am Donnerstag in Rom vorgestellt wurde.

Frankfurter Allgemeine

2014 waren nur 147 verdächtige Transaktionen gemeldet worden. AIF-Direktor Tommaso Di Ruzza betonte, der Anstieg bedeute nicht, dass es mehr illegale Aktivitäten gebe, sondern hänge mit mehreren Faktoren zusammen.

Dazu gehörten etwa das strikte Vorgehen gegen mutmaßliche Steuerbetrüger und eine generelle Stärkung des Meldesystems. 17 verdächtige Transaktionen gab die Aufsicht an die vatikanische Justiz weiter. Im vergangenen Jahr waren es 7 Fälle. Deutlich verstärkt hat der Vatikan die Zusammenarbeit mit den Behörden anderer Länder, 2015 geschah das in insgesamt 380 Fällen. „Der bilaterale Informationsaustausch hat sich bedeutend erhöht“, sagte AIF-Präsident René Brülhart.

weiterlesen

Spaemann: ‚Amoris laetitia‘ bricht mit der Lehrtradition der Kirche

Robert.SpaemannDer deutsche Philosoph Robert Spaemann kritisiert in einem Interview mit CNA das päpstliche Schreiben „amoris laetitia“. Spaemann hat vor allem im Artikel 305 mit der Anm. 351 von „amoris laetitia“ ein Problem und erklärt, dass sich der Bruch mit der Lehrtradition der Kirche „zweifellos für jeden denkenden Menschen, der die entsprechenden Texte kennt“ ergebe

kath.net

Die Kirche habe unbeschadet der menschlichen und moralischen Beurteilung des Einzelfalls, „keine Vollmacht, ohne vorherige Umkehr, ungeordnete sexuelle Beziehungen durch die Spendung von Sakramenten positiv zu sanktionieren und damit der Barmherzigkeit Gottes vorzugreifen“. Dies habe Johannes Paul II. in seinem Lehrschreiben „familiaris consortio“ (Art. 84) so festgelegt. Wie beim Frauenpriestertum sei diese Tür verschlossen. Die Vorstellung von Kardinal Kasper, „familiaris consortio“ durch eine Änderung in der Praxis der Sakramentenspendung „weiterzuentwickeln“ sei in Wirklichkeit „ein Bruch mit ihrer wesentlichen anthropologischen und theologischen Lehre über die menschliche Ehe und Sexualität“, nach der „die menschliche Sexualität … (ein) ´Realsymbol für die Hingabe der ganzen Personund zwarohne jede zeitliche oder sonstige Begrenzung`“ sei.

weiterlesen

Schulausflug in Kirche wegen Protesten abgesagt

Die Erstkommunion war bislang Anlass für einen Ausflug aller Drittklässler unter der Regie der katholischen Pfarrei Ebersberg. (Foto: Schunk)
  • Seit Jahren lädt die katholische Pfarrei Ebersberg die Drittklässler in die Kirche ein.
  • Anlass ist die Erstkommunion, bei dem Besuch sind aber immer auch nicht-katholische Kinder dabei.
  • Weil Eltern protestiert haben, muss der Ausflug nun außerhalb der Schulzeiten stattfinden.

Von Anja Blum | Süddeutsche.de

Die Grundschule Ebersberg bricht mit einer Tradition: Von diesem Jahr an wird der Kommunionsausflug für die dritten Klassen nicht mehr in der gewohnten Form stattfinden. Der geplante Termin am Dienstag, 10. Mai, wurde abgesagt. Grund dafür sind „berechtigte Einwendungen von Eltern“, wie Schulleiter Alexander Bär in einem Brief an die Betroffenen schreibt. Es sei „nicht statthaft“, Schüler und Eltern, die nicht der katholischen Konfession angehören, durch dieses Angebot „in persönliche Gewissensnöte und Bedrängnis zu bringen“.

Seit mehr als zehn Jahren lädt die katholische Pfarrei Ebersberg jeden Frühling alle Drittklässler zu einem Ausflug ein – Anlass ist die Heilige Erstkommunion. Teil des Vormittags war daher immer auch eine Eucharistiefeier, jedoch nur für die katholischen Kinder. Trotzdem: „Ziel der Schule und der Pfarrei war und ist es, dass alle Schüler überkonfessionell an dem Ausflug teilnehmen sollen, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. So soll, so kann es auch in diesem Jahr sein“, schrieb Rektor Bär noch vor kurzem, als er die Veranstaltung zunächst in gewohnter Form ankündigte. Allerdings habe man Verständnis, wenn sich eine Familie gegen die Teilnahme des Kindes entscheide: Für eine Betreuung in der Schule sei gesorgt.

weiterlesen

Vatikan gibt Frauenmagazin heraus – lächerliche Altmänner-Versuche

hailmaryDer Vatikan bringt ein eigenes Frauenmagazin auf den Markt. Die bisherige Monatsbeilage „Frau – Kirche – Welt“ der päpstlichen Tageszeitung „Osservatore Romano“ wird zur eigenständigen Zeitschrift, wie der „Osservatore“ meldet.

domradio.de

Einzelheiten wollen demnach Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und der päpstliche Medienchef Dario Vigano kommenden Dienstag vorstellen. Das Magazin soll dem „Osservatore“ zufolge monatlich mit einem Umfang von 40 Seiten erscheinen. Das inhaltliche Spektrum der bisherigen Beilage werde um das Thema Frau und Kunst sowie um Biblisches erweitert, hieß es. Beide Rubriken werden von Ordensschwestern aus dem norditalienischen Kloster Bose verantwortet.

Monatliche Beilage im „Osservatore“

„Frau – Kirche – Welt“ wird seit Mai 2012 jeweils zum Monatsbeginn mit der italienischen Ausgabe des „Osservatore“ ausgeliefert. Eine englische Ausgabe des Supplements erscheint mit der Zeitschrift „Catholic Women Speak“, eine französische mit der Wochenzeitung „la vie“. Seit März 2015 gibt es eine spanische Fassung als Beilage der Zeitschrift „Vida Nueva“. Die Schriftleitung der Stammausgabe hat die römische Historikerin Lucetta Scaraffia.

weiterlesen

Frankreich: Sexueller Missbrauch erschüttert die Kirche

Kardinal Barbarin, Bischof von Lyon wusste seit 2007 über einen Missbrauchsfall Bescheid. Die Justiz ermittelt gegen den Pfarrer und den Kardinal – eine Premiere in Frankreich (picture alliance / dpa / Aurélie Ladet)
Erst jetzt kommt das Thema sexueller Missbrauch auf die Agenda der katholischen Kirche in Frankreich. Opfer organisieren sich, täglich mehren sich Enthüllungen und Anklagen. Besonders pikant: Auch die traditionalistische Piusbruderschaft steht unter Verdacht.

Von Bettina Kaps | Deutschlandfunk

Aymeri Suarez-Pazos weiß, dass er schwere Vorwürfe formuliert, aber der Vorsitzende des französischen Selbsthilfevereins AVREF ist sich seiner Sache absolut sicher. Übersetzt bedeutet das Kürzel AVREF „Hilfe für Missbrauch-Opfer in religiösen Bewegungen und für ihre Familien“.

„Wir wissen, dass es viele Bischöfe gibt, die pädophile Pfarrer schützen. Und ausgerechnet auch jene Bischöfe, die sich neuerdings als Weltmeister des Bedauerns und des Mitleids mit den Opfern darstellen. Überall können neue Skandale aufbrechen. Es ist durchaus möglich, dass jetzt viele Opfer Klage einreichen werden.“

weiterlesen

«Fundamentalisten wissen, dass der Koran Christen als Freunde der Muslime anpreist.»

Seite an Seite, Prophet Mohammed (auf Kamel) und Jesus in einer Illustration aus dem 18. Jahrhundert. (Bild: AKG Images)
Im Koran stehe, Christen seien auf den Tod zu hassen, sagen Terroristen. Falsch, sagt ein katholischer Theologe im Interview. Seine jahrelange Forschung zeigt, dass der Koran mit Christen kein Problem hat. Ist der Religionskrieg ein Missverständnis?

Von Martin Helg | Neue Zürcher Zeitung

NZZ am Sonntag: Herr von Stosch, was bringt Sie als katholischen Fundamentaltheologen dazu, sich mit dem Christusbild im Koran zu befassen?

Klaus von Stosch: Innerhalb der systematischen Theologie, die ich als Wissenschafter vertrete, ist der Dogmatiker für die innere Architektur des Glaubens verantwortlich, und der Fundamentaltheologe trägt die Verantwortung nach aussen. Als eine Art Aussenminister muss er schauen, wo freundliche Nachbarn sind, mit denen man gute Beziehungen entwickeln kann, und wo die Schurkenstaaten, denen man eine klare Kante zeigen muss.

Der Islam ist derzeit wohl ein schwieriger Kandidat?

Das dachte ich mir zuerst auch. Ich bin kein Dialogonkel, der immer schon den Frieden der Religionen voranbringen wollte. Bis heute geht es mir so, dass mir im Koran aus meiner christlichen Perspektive heraus Entscheidendes fehlt. Aber es stehen eben auch Dinge drin, die mir etwas Wichtiges zu sagen haben und die mich auch im eigenen Glauben und Leben weiterbringen können.

weiterlesen

Gewalt und Religion: Der Mensch ist schuld

islam_christentum

Ob Religionen zur Gewalt anstacheln, wird derzeit auf vielen Podien erörtert. In der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften traf sich eine besonders illustre Expertenrunde zur Diskussion. Auch die fand zu keiner einfachen Antwort. Aber immerhin erfuhren die Zuhörer, warum das Geld für Sozialprogramme besser in die Spree gekippt werden sollte.

Von Cornelius Wüllenkemper | Deutschlandfunk

Ist Brutalität ein Wesensmerkmal des Monotheismus, und nicht nur eine extremistische Entgleisung fanatischer Glaubensanhänger? Mit dieser These hatte der Heidelberger Ägyptologe und Religionswissenschaftler Jan Assmann für Aufsehen gesorgt. Dem Theologen und Kirchenhistoriker Christoph Markschies, Vizepräsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, widerspricht: Religion könne grundsätzlich Gewalt ebenso entfachen wie eindämmen. Sie spiegle nur den Umgang mit Gewalt in einer Epoche. Assmanns steile Thesen in der Debatte über „Religion und Gewalt“ sind für Markschies einzig der Beweis dafür, wie Religion heute diffamiert werde.

weiterlesen

Polen: Priester des Hasses

kirche_polen

Die Debatte um einen jungen Kaplan offenbart, dass auch die katholische Kirche in Polen ein Problem mit Rechtsradikalismus hat.

Von Thomas Dudek | TELEPOLIS

„Unseren ausländischen Studenten raten wir, an diesem Abend nicht die Wohnheime zu verlassen“, hieß es am Samstag vergangener Woche in einer Empfehlung der Technischen Universität von Bialystok. Was in der ostpolnischen Stadt mittlerweile nicht ungewöhnlich ist. Seit Jahren gilt Bialystok als das Zentrum der rechtsradikalen Szene in Polen. Weshalb es wenig verwundert, dass das Nationalradikale Lager (ONR) ausgerechnet in der 300.000-Einwohner-Stadt seinen 82. Gründungsjahrestag feierte.

Doch für die negativen Schlagzeilen (Chemotherapie gegen das liberale Polen), über die Polen heute heftig debattiert, sorgten nicht die Rechtsradikalen, die bei ihrem Marsch fremdenfeindliche Parolen brüllten oder die Universitätsverwaltung, die ihre ausländischen Studenten warnte, aber gleichzeitig für den Abend Räumlichkeiten an den ONR vermietete, in denen dieser ein Konzert veranstaltete. Nein, für die meisten Diskussionen sorgte ausgerechnet ein Priester der katholischen Kirche.

„Null Toleranz für die jüdische Feigheit“, rief Jacek Miedlar in der Kathedrale von Bialystok, in der dieser eine Messe für die ONR-Anhänger abhielt. Während einer Predigt, die mit der christlichen Nächstenliebe nicht viel gemein hatte. In Anlehnung an das Alte Testament verglich der Geistliche das heutige Polen mit der Unterdrückung der Juden durch die Ägypter, die laut ihm nur deshalb möglich war, weil es im jüdischen Volk Verräter gab. „Wir müssen die Verräter hetzen“, sagte Miedlar und scheute sich nicht, den „nationalradikalen Katholizismus als eine Chemotherapie für Polen“ zu bezeichnen. Eine Therapie, die nach Meinung des Priesters auch die Kirche braucht. „Nichts schadete der Kirche so sehr wie die ewige Nachgiebigkeit“, so Miedlar.

weiterlesen

de omnibus dubitandum

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 10.970 Followern an

%d Bloggern gefällt das: