Papst ruft Armenier und Türken zur Versöhnung

Papst Franziskus und das Oberhaupt der armenisch-apostolischen Kirche, Katholikos Karekin II. pflanzen gemeinsam einen Baum. Reuters/Alessandro Bianchi
Mit einem Appell zur Versöhnung zwischen Armeniern und Türken hat Papst Franziskus den zweiten Tag seiner Armenien-Reise beendet. Zuvor besuchte der Papst die Gedenkstätte Zizernakaberd in der armenischen Hauptstadt Eriwan.

religion.ORF.at

„Gott segne eure Zukunft und gewähre, dass der Weg der Versöhnung zwischen dem armenischen und dem türkischen Volk wiederaufgenommen werde“, sagte er anlässlich eines ökumenischen Friedensgebets auf dem Platz der Republik in Jerewan. Zugleich mahnte der Papst eine friedliche Beilegung des Konflikts zwischen Armenien und dem Nachbarland Aserbaidschan um die Region Bergkarabach an.

Die Armenier müssten sich engagieren, „um die Fundamente für eine Zukunft zu legen, die sich nicht von der trügerischen Kraft der Rache vereinnahmen“ lasse, sagte Franziskus mit Blick auf die Massaker an den Armeniern, die das Osmanische Reich im Ersten Weltkrieg beging. Sie belasten das Verhältnis zwischen der Türkei, der Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reichs, und Armenien. Armenien erkennt die Grenze mit der Türkei bis heute nicht an. Zusätzlich angespannt ist die Lage in der Region durch den Konflikt um Bergkarabach, in dem die Türkei Aserbaidschan unterstützt. Seit 1993 hält die Türkei die Grenze zu Armenien geschlossen.

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Franz in Armenien: Papst legt sich mit Erdogan an

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
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Das dürfte Streit mit der Türkei geben: Bei einem Besuch in Erewan hat Papst Franziskus die Verfolgung der Armenier als „Genozid“ bezeichnet.

SpON

Papst Franziskus hat die Verfolgung der Armenier im Ersten Weltkrieg wie schon im Vorjahr als Völkermord eingestuft. „Diese Tragödie, dieser Genozid hat leider den Beginn der traurigen Serie von riesigen Katastrophen im vergangenen Jahrhundert markiert“, sagte das Kirchenoberhaupt bei einem Treffen mit dem armenischen Präsidenten Sersch Sarkissjan in Erewan.

Damit ist Streit mit der Türkei programmiert. Ankara hatte 2015 kurzzeitig den Botschafter aus dem Vatikan abberufen, nachdem Franziskus von einem Genozid gesprochen hatte. Der Botschafter des Vatikans war ins Außenministerium einbestellt worden. Die Türkei lehnt den Begriff Genozid ab.

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Grabeskirche Jesu: Hasskirche mit Gottesliebe

Von Berthold Werner CC BY-SA 3.0, wikimedia.org
Die Grabeskirche in Jerusalem ist der heiligste Ort des Christentums. Sechs Konfessionen streiten deshalb um jeden Quadratzentimeter. Die Renovierung soll Harmonie stiften – eine trügerische Hoffnung.

Von Gil Yaron | DIE WELT

Als der Fußtritt Andrew Hayworth in den Bauch traf, vergaß er alle seine guten Vorsätze: „Ich hätte zurückschlagen müssen“, sagt er. Der Ärger steht ihm eine Woche nach dem Zwischenfall ins Gesicht geschrieben. Und was ist mit der Aufforderung Jesu, einem Angreifer die andere Wange hinzuhalten? „Ach ja, vielleicht habe ich es deswegen nicht getan“, antwortet er beiläufig. Was überrascht, schließlich ist der aus Ghana stammende Diakon katholischer Hauptmesner der Grabeskirche in Jerusalem. Aber im wichtigsten Gotteshaus des Christentums gibt es armenische, griechisch-orthodoxe, syrisch-orthodoxe, koptische und äthiopische Mönche und Franziskaner. Und die ignorieren dort seit Jahrhunderten die Leitsätze ihres Glaubens und schlagen aufeinander ein, wie jener armenische Mönch, der Hayworth vor einer Woche mit einer Eisenstange angriff.

Die Kirche, unter der Jesus begraben liegen soll, ist der heiligste Ort des Christentums – und Symbol für die Spaltung der Glaubensgemeinschaften. Für jene Eifersucht und Machtgier, die seit 2000 Jahren zwischen den Strömungen wuchert. Nun aber sollte aus dem Gotteshaus des Hasses ein Ort der Harmonie werden. Mithilfe einer Renovierung der Kirche. Sie soll ein Symbol werden für die Kooperation der drei großen Kirchen – den Griechen, den Katholiken und den Armeniern. Zusammen mit Jordaniens König Abdullah II. haben sie rund drei Millionen Euro bereitgestellt für die Arbeiten an der Kirche, deren Grundstein 325 nach Christus vom römischen Kaiser Konstantin gelegt worden war.

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Frühsexualisierung und antihomosexuelle Propaganda

Bild: bpb.de
Bild: bpb.de
Der Kollege Alexander Wallasch ist auf die antihomosexuelle Propaganda (denn darum geht es tatsächlich) bei der WELT und von Birgit Kelle, die darauf spezialisiert ist, hereingefallen – und beruft sich auch noch auf das ominöse Internetorgan „gaystream“, des längst als Rechtspopulisten enttarnten David Berger. Berger hat sich inzwischen an ausgesprochene Gegner der Gleichstellung Homosexueller heran geschmeichelt, wenn es nur seinem Feldzug gegen die LGBT-Emanzipationsbewegung nützt.

Von Wolfgang Brosche | DIE KOLUMNISTEN

Vor einem Jahr schrieb ich für meinen Blog „Gespräche über Pflaumenbäume“ diesen Beitrag. Ich habe ihn für diese Gelegenheit auf den neuesten Stand gebracht.

Das Gespenst der Frühsexualisierung

Der bildungspolitische Sprecher der CDU in Thüringen hat im vergangenen Jahr der rot-rot-grünen Landesregierung in einer Presseerklärung vorgeworfen, daß die Berücksichtigung von LGBT-Themen im Thüringer Bildungsplan bis 18 Jahren „problematisch“ sei. Tichner warnte die Regierung davor, die Sexualerziehung „über die Köpfe der Eltern“ hinweg zu entscheiden. Die würden nämlich eine „zu frühe Sexualisierung ihrer Kinder“ befürchten.

Was ist das eigentlich „Frühsexualisierung“ – ein Begriff, den man seit den Demonstrationen gegen den Bildungsplan in Baden-Württemberg immer wieder von „besorgten Eltern“, der „Demo für Alle“, zu deren Umfeld auch Birgit Kelle gehört, und von religiös und äußerst rechts orientierten Figuren und Organisationen hört.

Bitte mal rasch googlen – man wird erfahren, daß es sich weder um einen Begriff aus der Psychologie, noch der Sexualwissenschaft oder der Soziologie handelt. Wenn man aber einmal die vielen Treffer genauer untersucht, wird man feststellen, daß dieser „Neologismus“ eine Erfindung der sexualpathologischen Rechtskatholiken ist, die sehr gerne von Evangelikalen Schwulenhassern übernommen wird und keine Frage eben auch von rechten Kämpfern für Normierung und Normalität im Sinne der AfD.

Der einzige „Fachmann“, der diesen Begriff in den Mund nimmt, ist der berüchtigte Psychiater Raphael Bonelli, opus-dei-Mitglied und Veranstalter ominöser Psychologie-Kongresse. Er müht sich seine ganze zweifelhafte Karriere hindurch Katholizismus und Psychologie zu verschmelzen – und er formuliert sehr deutlich, was „Frühsexualisierung“ für ihn bedeutet: es sei das Muster der Pädophilen schlechthin. Sexuelle Übergriffe gegen Minderjährige würden schließlich stets damit beginnen, „daß der Täter beim betroffenen Kind zuerst dessen Aufklärung fördert und in ihm ein außergewöhnliches, nicht-altersadäquates Interesse an Sexualität weckt.“ Pädophile würden ihre Opfer oft zu Autoerotik und zu Sexspielchen mit Gleichaltrigen anleiten. Daß bloßes Wissen über Sexualität vor Übergriffen schütze, so Bonelli weiter, ohne Belege zu bringen, sei widerlegt.

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Papst korrigiert Äußerung, dass die „große Mehrheit“ der kirchlichen Ehen ungültig ist

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
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Papst Franziskus hat eine auf dem Pastoralkongress der Diözese Rom gemachte Antwort auf einer Frage zur „Krise der Ehe“ korrigiert, wonach er die „große Mehrheit“ der kirchlich geschlossenen katholischen Ehen für ungültig hält: In der geänderten Fassung ist statt von der „großen Mehrheit“ nur mehr von einem „Teil“ der Ehen die Rede. Wie groß dieser Teil ist, bleibt offen.

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Die Ursache für die Ungültigkeit der Ehen sieht der Papst im Bewusstsein der Ehepartner: Diese haben seiner Ansicht nach oft keine ausreichende Vorstellung davon, wie dauerhaft und umfassend der Pakt ist, den sie mit dem Sakrament eingehen. Auch dann nicht, wenn sie vor dem Traualtar Versprechen dazu abgeben. „Sie wissen nämlich“, so Franziskus, „nicht, was sie sagen“, auch wenn sie „guten Willens“ sind.

Ohne das Bewusstsein darüber, dass katholische Ehen ein ganzes Leben lang gelten und nur durch den Tod gelöst werden können, seien Versprechen von Brautleuten „nur vorläufig“. Außerdem entgeht solchen ohne ausreichendes Bewusstsein über die Konsequenzen – und damit ungültig – verheirateten Ehepartnern seinen Worten nach die „Schönheit“ des Sakraments.

Deshalb forderte der Papst die anwesenden Priester auf, unverheiratete Katholiken, die bereits in einer gemeinsamen Wohnung leben, nicht in eine formelle Eheschließung hinein zu drängen und sie immer wieder zu fragen, warum sie nicht heiraten. Stattdessen empfahl er, in diesem „schwierigsten Bereich der Seelsorge“ abzuwarten, die Paare zu „begleiten“, sie bei der „inneren Reifung“ zu unterstützen und „der Treue zu helfen, heranzuwachsen“.

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Christen, Muslime und die Religionskritik: So schnell wird Gott nicht zornig

Die einen lachen, die anderen kommen ins Nachdenken, andere fühlen sich persönlich getroffen. Was darf Religionskritik? (imago stock&people)
Einst haben sich Muslime auch über ihre eigene Religion lustig gemacht. Doch das ist lange her. Aus dem dicken Fell ist eine dünne Haut geworden. Die Folge: Wer Religionen kritisiert, muss mit Anfeindungen rechnen – bis hin zu Gewalt. Weniger gewalttätig, aber doch erregt – so reagieren immer wieder auch Christen auf Kritik und Spott.

Von Burkhard Schäfers | Deutschlandfunk

Gott verspotten – das machen Menschen, seit es Menschen gibt:

„Du, der Du alle Geheimnisse kennst, kannst Du nicht einmal einen Esel von einer Kuh unterscheiden?“

Gott verspotten – das machen Menschen auch in Regionen und in Religionen und in Zeiten, wo wir es nicht vermuten würden.

„Du Geheimniswisser, zehn Tage hast Du gebraucht, nur um diesen Flicken zusammen zu nähen? Sind die anständigen Kleider in Deinem Schatzhaus etwa alle verbrannt, dass Du all diese Lumpen zusammenflicken musstest?“

Heißt es in Erzählungen von Fariduddin Attar, einem islamischen Mystiker. Attar verspottet Gott – scharf und bitterböse. Und das im 12. und 13. Jahrhundert in Persien. Gott verspotten – dabei ist Attar nicht allein. Dem persischen Dichter Omar Chajjam, der einige Jahrzehnte früher lebte, werden folgende Worte zugeschrieben:

„Du sagst, in den Flüssen wird Wein fließen – ist denn das Paradies eine Kneipe?“
„Ist das Paradies etwa ein wunderbares Bordell?“

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Jerusalem: Gott kann sein Grab nicht pflegen – ein Muslim bezahlt das

Jerusalem – AP
In Jerusalem hat die Renovierung der Grabstelle Jesu in der Grabeskirche begonnen. Ein Team der Technischen Universität Athen, das bereits die Akropolis renoviert hat, untersucht laut Angaben der „Washington Post“ derzeit die Statik einsturzgefährdeten Grabeskapelle.

Radio Vatikan

Zum Einsatz kommen dabei u.a. Radar- und Laserscanner sowie Drohnen, zudem soll erstmals seit über 200 Jahren auch das Grab Jesu geöffnet werden. Neun Monate sind für die Arbeiten veranschlagt, die Kosten trägt Jordaniens König Abdullah II. persönlich.

Die Sanierung wird durch komplizierte Besitz- und Nutzungsverhältnisse deutlich erschwert: Sechs christliche Konfessionen erheben auf das Heiligtum Anspruch und folgen seit 1852 einem starren Status quo, der akribisch regelt, wer wann wo feiern darf. Dass die aktuellen Arbeiten zustandekommen, gilt daher bereits als kleine Sensation. Da Heiligtum für Gebete und Gottesdienste weiterhin geöffnet bleiben, müssen die Arbeiten in der Nacht mit nur wenig künstlichem Licht stattfinden.

 

Piusbrüder-Oberer: ‚Wir sind keine Schismatiker‘ – Hassprediger

Bishop Bernard Fellay at an SSPX ordination ceremony for priests in Econe, southwest Switzerland, June 29, 2009/Denis Balibouse
Bishop Bernard Fellay at an SSPX ordination ceremony for priests in Econe, southwest Switzerland, June 29, 2009/Denis Balibouse
Fellay: „Bischofsweihen, die 1988 zur Exkommunikation führten, waren äußerlich gesehen Tat des Ungehorsams, aber nicht die Ablehnung der Autorität“ – Unter Papst Franziskus kommen sich Rom und die Bruderschaft immer näher.

kath.net

„Wir haben immer den Primat des Papstes anerkannt“ und „wollten um nichts in der Welt eine Trennung von Rom“: Das stellte der Generalobere der Piusbruderschaft, Bernard Fellay, am Dienstag in einem Interview mit den „Salzburger Nachrichten“ klar. Auch wenn jene Bischofsweihen, die 1988 zur Exkommunikation des Piusbruderschafts-Gründers Marcel Lefebvre und der von ihm geweihten Bischöfe geführt haben „äußerlich gesehen, eine Tat des Ungehorsams waren“, so seien sie als eine Art Akt der Notwehr zu sehen gewesen: „Wir sind keine Schismatiker, wir sind nicht von der Kirche getrennt“, so Fellay.

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Spaemann: Kirche durch Amoris-Laetitita-Konflikt schwer belastet

Robert.SpaemannPhilosoph wirft dem Papst in deutscher „Tagspost“ Unklarheit und Zweideutigkeit vor – Kritik u.a. an „Amoris laetitia“-Passage, wonach auch Jesus „nur ein anspruchsvolles Ideal vorgeschlagen hat“

kath.net

Die katholische Kirche ist durch Konflikte an der Kirchenspitze nicht grenzenlos belastbar, hat der deutsche Philosoph Robert Spaemann in einem weiteren kritischen Beitrag zum Papstdokument „Amoris laetitia“ gewarnt. Der Spaemann-Artikel erschien bereits in der Vorwoche in der Würzburger Zeitung „Die Tagespost“, wurde jetzt aber in zahlreiche Sprachen übersetzt. In ihm wird dem Papst Unklarheit und Zweideutigkeit vorgeworfen.

So behaupte „Amoris laetitia“ etwa, auch Jesus habe „nur ein anspruchsvolles Ideal vorgeschlagen“, kritisiert Spaemann und setzt dem anderslautende Bibelstellen entgegen. Jesus habe etwa gebieten können „wie einer, der Macht hat und nicht wie die Schriftgelehrten und Pharisäer“, und Jesus verweise im Gespräch mit dem reichen Jüngling „auf die innere Einheit der Nachfolge mit der Einhaltung der zehn Gebote“ (Lk 18,18-23). Jesus predige somit keineswegs bloß ein Ideal, wie dies der Papst schreibe, so Spaemann, „sondern er stiftet eine neue Realität, das Reich Gottes auf Erden“.

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A Bishop In The Exam Room: When Faith Dictates Health Care Instead Of Science

CREDIT: Laurel Raymond/Dylan Petrohilos
When Rita, a Michigan-based OB-GYN, learned that the hospital where she worked would be switching hands, she was dismayed.
 

By Erica Hellerstein & Josh Israel | THINKPROGRESS

The secular community hospital, Crittenton, had plans to join with Ascension Health, a prominent Catholic nonprofit hospital chain. Rita, who asked that her real name be withheld to protect her identity, knew the transition would profoundly impact her ability to do her job the way she saw fit. The OB-GYN specifically wanted to work at a place where she could practice the full scope of reproductive care, from preventing pregnancy to delivering babies. But now, with the hospital merger looming in the not-so-distant future, that possibility seemed increasingly unlikely.

Rita also understood the change in leadership meant that her patients’ medical options would be limited. That’s because Catholic hospitals follow a set of rules written by the U.S. Conference of Catholic Bishops, which often prohibit doctors from performing basic reproductive services — like contraception, sterilization, in vitro fertilization, abortion — and end-of-life care.

Although Rita knew certain services at the hospital would soon be banned, many of her patients had no idea. They also may not have known that mergers like Crittenton’s are becoming increasingly common.

As hospitals throughout the country struggle with financial woes, many have begun to merge with Catholic systems in order to stay in business. This means a growing number of patients are winding up in institutions guided by religious doctrine. Between 2001 and 2016, the number of hospitals affiliated with the Catholic Church increased by 22 percent. Today, one in six patients in the U.S. is cared for at a Catholic hospital — a troubling trend for health care providers like Rita, who worry that patients are increasingly being placed in centers that provide services based on faith rather than medical necessity.

“I do think as more places are being purchased by Catholic systems it’s going to become more of a problem,” she told ThinkProgress. “To take away the ability to provide services that people need or desire… I think it’s very upsetting both for an OB-GYN and also for a woman. Having those choices gives you the ability to participate in society.”

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Atheismus: Der Feind fehlt

Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten (Deutschlandradio / Michael Borgers)
In Italien ist die katholische Kirche noch immer einflussreich, aber die Zahl der Gläubigen geht zurück. Die organisierten und politisch aktiven Atheisten werden allerdings ebenfalls weniger. Radikale Kirchenfeindlichkeit kommt nicht mehr gut an, mancher atheistische Kirchenkritiker ist zum Papstfan geworden. Es bilden sich überraschende Allianzen.

Von Thomas Migge | Deutschlandfunk

„Ich denke, dass es in diesem Land leider immer noch unerlässlich ist, über bestimmte Anomalien nachzudenken, die typisch für Italien sind und die wir bekämpfen. Das Kruzifix in den Schulklassen ist ein Unding, denn unsere Verfassung ist laizistisch. Auch die Pflichtlehrstunde Religion gehört abgeschafft, unterrichtet doch ein Lehrer, der nicht vom Staat sondern vom Bischof ernannt wird“, sagt Adele Orioli. Wenn man sie auf den Einfluss der katholischen Kirche in Italien anspricht, ist die junge blonde Frau nur schwer zu stoppen. Dass sie von den Medien immer wieder gern als die „ungläubige Kreuzritterin“ genannt wird, ist angesichts ihres kämpferisch-laizistischen Auftretens leicht nachzuvollziehen: „Sobald einem Bischof der jeweilige Religionslehrer nicht mehr passt, weil der zum Beispiel etwas unterrichtet, was der kirchlichen Doktrin auch nur ein bisschen widerspricht, kuschen der Staat und das Bildungsministerium. Ach, wie viele konfessionelle Anomalien gibt es da in Italien!“

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Kirchensteuereinnahmen 2015 auf Rekordniveau

Bild: tilly
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Trotz sinkender Mitgliederzahlen neuer Rekord

kath.net

Deutschlands christliche Kirchen nahmen im vergangenen Jahr so viel Geld ein wie noch nie. Trotz sinkender Mitgliederzahlen erreiche die Kirchensteuereinnahmen 2015 mit mehr als 11,461 Milliarden einen neuen Rekord, berichtet die «Bild»-Zeitung (Mittwoch), der dazu Zahlen des Statistischen Bundesamtes vorlägen.
Demnach habe die katholische Kirche rund 6,09 Milliarden Euro eingenommen, die evangelische Kirche erhielte mehr als 5,365 Milliarden Euro. Im Vergleich zu 2014 (10,769 Milliarden Euro) sei das eine Zunahme von etwa 692 Millionen Euro.

Der Hauptgrund für den Einnahme-Rekord liegt der Zeitung zufolge in der guten Entwicklung der Löhne.

Die sicherste Methode gegen HIV-Infektionen: Abstinenz und Treue – KInderficken?

Aids-Virus, Bild: scrape TV
Aids-Virus, Bild: scrape TV
Erzbischof Auza, der Ständige Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen, erinnert an die Vorteile der katholischen Sexualmoral im Kampf gegen HIV/AIDS.
 

kath.net

Die einzig sicher und völlig zuverlässige Methode um die Verbreitung von HIV durch sexuelle Kontakte zu verhindern sind Enthaltsamkeit vor der Ehe und Respekt und Treue in der Ehe. Das sagte Erzbischof Bernardito Auza, der Ständige Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in New York.

Die katholische Kirche unterstütze alle Initiativen zur Bekämpfung der Verbreitung von HIV/AIDS und lehne die Stigmatisierung HIV-positiver Personen ab. Man müsse allerdings zwischen ungerechtfertigter Diskriminierung einerseits und Strategien gegen riskantes Verhalten die zu verantwortungsvollen und gesunden Beziehungen ermutigen andererseits unterscheiden, sagte Auza in einer Stellungnahme zur politischen Erklärung über die Bekämpfung von HIV und AIDS, die bei einem hochrangigen Treffen von den Mitgliedsstaaten verabschiedet worden ist.

Todesengel von Kalkutta: Mutter Teresa und das Geheimnis der glücklichen Augen

Sie ist die Heilige der Barmherzigkeit schlechthin: Mutter Teresa von Kalkutta. Am 4. September spricht Papst Franziskus sie in Rom heilig. Bis zu ihrem Tod 1997 wirkte sie mit nie versiegender Energie für die Armen und Sterbenden.

Radio Vatikan

Sie war eine große Betende und Missionarin durch und durch, diese kleine, drahtige und durchgeistigte Ordensfrau, deren christliches Lebensbeispiel durch die Geschichte leuchtet. Einer, der ihr oft begegnete, ist Vatikan-Kardinal Angelo Comastri. Der Erzpriester von Sankt Peter hat jüngst ein Buch über Mutter Teresa veröffentlicht und sagte im Gespräch mit uns:

„Mutter Teresa wird auch heute niemals müde, uns zu sagen: seid heilig. Ich erinnere mich, wie sie mir immer wieder irgendein Heiligenbild gab und dazu schrieb: be holy, sei heilig. Das sagt sie auch heute, denn das einzige, was zählt, ist Heiligkeit. Um es mit ihren Worten zu sagen: „Der einzige Koffer, den wir ins Jenseits mitnehmen, ist der Koffer der Nächstenliebe“. Und sie fügte hinzu, ich erinnere mich daran, wie sie es mir sagte: „solang du noch Zeit dazu hast, fülle diesen Koffer an, denn es ist der einzige Koffer, den du mit dir tragen wirst.“

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Die Kirche ist arm, wenn sie nichts aus ihrem Reichtum macht

Bild: tilly
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Das Erzbistum München-Freising hat seinen Besitz offengelegt: fast sechs Milliarden Euro. Ist das reich? Ja und nein.

Von Matthias Drobinski | Süddeutsche.de

Die sind so reich! Haben Schätze und Ländereien, kriegen Erbschaften, und der Staat zieht für sie auch noch die Kirchensteuer ein. Die Rede über die Kirchen und das Geld hat immer etwas Raunendes. Die Kirchen, die katholische zumal, haben daran ihren Anteil: Viele Jahre haben die Bistümer in Deutschland wenig Interesse daran gehabt, Auskunft über ihren wirklichen Besitz zu geben. Erst als der Skandal um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst offenbarte, wie viel Vertrauen dieses Verhalten kostete, setzte das Umdenken ein.

Das Erzbistum München-Freising hat nun, nach drei Jahren Arbeit, Transparenz in seine Finanzen gebracht, hat Haben und Soll nach den Vorgaben des Handelsgesetzbuches ermittelt – und siehe da: Die Münchner sind, wenn man alles zusammenzählt, mit fast sechs Milliarden Euro an Immobilien- und Anlagebesitz die Reichsten in Deutschland, noch vor den Paderbornern und den Kölnern; sie können jetzt mit den Schwestern und Brüdern in Chicago wetteifern, wer nun im reichsten Bistum der Welt in die Kirche geht.

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Erzbistum München hat ein Vermögen von 5,5 Milliarden Euro

Bild: tilly
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  • Das Erzbistum München hat sein Vermögen bewertet und ist auf fünfeinhalb Milliarden Euro gekommen – ein Spitzenwert in Deutschland.
  • Einen großen Teil der Summe hat die Kirche Stiftungen zugewiesen, die dem direkten Zugriff des Erzbistums entzogen sind und von unabhängigen Experten kontrolliert werden.

Von Christian Krügel, Jakob Wetzel | Süddeutsche.de

Das Erzbistum München und Freising hat am Montag erstmals sein Vermögen offengelegt und dabei eine Bilanzsumme von etwa 3,3 Milliarden Euro präsentiert. Hinzu kommen allerdings noch Vermögen von drei Stiftungen, die für die verschiedenen Aufgabengebiete des Erzbistums gegründet wurden. 1,3 Milliarden Euro übertrug das Erzbistum auf diese Stiftungen, zusätzlich zu deren bereits vorhandenen Vermögen.

So hat die Korbinian-Stiftung, die sich um die Seelsorge-Arbeit kümmern soll, nun ein Vermögen von 620 Millionen Euro. Die kirchliche Wohlfahrtspflege ist Aufgabe der Antonius-Stiftung, die 679,7 Millionen Euro hat. Die Bischof-Arbo-Stiftung, die sich der Bildungsarbeit widmet, ist mit 632,8 Millionen Euro ausgestattet. Hinzu kommen 236,6 Millionen Euro in der Emeritenanstalt, die für die Zahlung von Priesterpensionen zuständig ist. Der Erzbischöfliche Stuhl von Kardinal Reinhard Marx verfügt über 56,3 Millionen Euro.

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Katholische Gemeinden in Nordrhein-Westfalen geben Kirchen ab

Bild: tilly
Bild: tilly
Katholische Gemeinden in Nordrhein-Westfalen trennen sich wegen sinkender Mitgliederzahlen von Kirchengebäuden.
 

kath.net

So steht in Lüdenscheid die Pfarrkirche St. Petrus und Paulus im Stadtteil Honsel zum Verkauf. Sie könnte von der Friedenskirchengemeinde übernommen werden, die zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden) gehört. „Die Verhandlungen sind soweit gediehen, dass wir uns das vorstellen können. Es ist aber noch nichts entschieden“, sagte Leitungsmitglied Christoph Niedermeyer der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Ein Gemeindebeschluss werde wahrscheinlich in der zweiten Jahreshälfte gefasst werden. Zurzeit prüfe die Leitung noch, ob die Finanzierung gesichert werden könne. Der bisherige Gottesdienstraum sei für 150 Menschen ausgelegt, zu den Gottesdiensten kämen aber durchschnittlich 160 Besucher. „In den vergangenen Jahren sind immer mehr junge Familien zu uns gestoßen“, erklärt Niedermeyer. Auch für das Gemeindeleben unter der Woche werde es in den bisher genutzten Räumen eng. Die baptistische Gemeinde zählt 160 Mitglieder und neben verschiedenen Gruppen – etwa für Kinder, Jugendliche, Frauen und Senioren – 17 Hauskreise.

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Erz-Apostel Schick: „Eine Schwangerschaft reicht nicht“

FB-Seite des Bamberger Bishcofs Schick. Screenshot: BB
FB-Seite des Bamberger Bishcofs Schick. Screenshot: BB
Der Papst erklärt die meisten kirchlichen Ehen für ungültig – was denken deutsche Geistliche darüber? Bambergs Erzbischof Ludwig Schick begründet, warum er manche Paare lieber nicht traut.

Interview von Oliver Das Gupta | Süddeutsche.de

Von „Schnellschussehen“ hat Papst Franziskus in der vergangenen Woche gesprochen, und eine „Kultur der Vorläufigkeit“ bei jungen Verheirateten kritisiert. Wie bewerten katholische Geistliche hierzulande diese Äußerungen aus Rom? Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg, ist nicht nur über seinen Twitter-Account nah dran an seinen Gläubigen – im Gespräch erklärt der 66-Jährige, warum es sinnvoll sein kann, dass Paare mit Kindern ohne Trauschein zusammenleben.

SZ: Herr Erzbischof, haben Sie schon ungültige Ehen geschlossen?

Ludwig Schick: Soweit mir bekannt ist, wurden zwei Ehen, die ich getraut habe, von einem kirchlichen Gericht später für ungültig erklärt. Also habe ich „ungültige Ehen geschlossen“.

Papst Franziskus hält ziemlich viele kirchlich geschlossene Ehen für ungültig. Was sagen Sie zu seinem Befund?

Dieses Phänomen gibt es leider in der Welt. Aber für katholische Trauungen in Deutschland trifft das in den letzten 30 bis 40 Jahren sicherlich nicht so häufig zu. Es gibt ja neben der liturgischen Zeremonie vorher intensive Gespräche zur Ehevorbereitung, sodass die Trauworte und die innere Haltung meist übereinstimmen.

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Erster Diplomstudiengang ‘Schutz von Minderjährigen’ beendet

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Kirche nimmt besondere Verantwortung wahr gegen sexuellen Missbrauch bei Minderjährigen proaktiv vorzugehen.

kath.net

Am Kinderschutzzentrum der Päpstlichen Universität Gregoriana haben die ersten 19 Teilnehmer den Studiengang «Schutz von Minderjährigen» erfolgreich absolviert. Die Studierenden aus vier Kontinenten erhielten am Dienstag ihr Abschlusszeugnis vom Leiter des Kinderschutzzentrums, Hans Zollner. Das einsemestrige Qualifikationsprogramm bildet internationale Studenten geistlicher und säkularer Fachrichtungen zu Präventionsfachleuten für den Schutz von Minderjährigen vor sexuellem Missbrauch aus.
An einigen Orten auf der Welt sei die Kirche beim Kinderschutz federführend, trotzdem werde sich «jetzt nicht alles auf magische Weise ändern», so Zollner, Psychologie-Professor und Vizerektor der Gregoriana. Es gebe immer noch viel zu tun und die Kirche habe «auch eine besondere Verantwortung».

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Bayern fordert Schleier-Verbot vor Gericht

Bild: Wikimedia Commons/Steve Evans
Bild: Wikimedia Commons/Steve Evans

Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) fordert ein Verbot von Gesichtsschleiern in deutschen Gerichten. „Wir brauchen eine klare gesetzliche Regelung, wonach Verfahrensbeteiligte während der Gerichtsverhandlung alle Kleidungsstücke ablegen müssen, welche das Gesicht ganz oder teilweise verdecken“, sagte Bausback dem Magazin „Focus“. Dies sei nicht nur zur Feststellung der Identität zwingend notwendig, sondern auch für die Wahrheitsfindung, erklärte er.

idowa.de

Bausback kündigte an, einen entsprechenden Antrag noch im Juli in den Bundesrat einzubringen. Zunächst soll sich das bayerische Kabinett damit befassen. „Der Rechtsstaat darf in Gerichtssälen vor dem Gesichtsschleier nicht zurückweichen“, betonte der Jurist.

Zuletzt hatte sich eine Muslimin vor dem Münchner Amtsgericht geweigert, ihren Nikab – einen Gesichtsschleier – abzulegen. Der Richter ließ sie letztlich gewähren: Sie durfte in kompletter Verhüllung aussagen, nur ihre Augen waren zu sehen. Im Berufungsprozess vor dem Landgericht zeigte die Zeugin dann den Verfahrensbeteiligten ihr Gesicht; dem Publikum blieb es verborgen.

Eine Kleiderordnung für Zeugen gibt es – anders als für das Gericht selbst – bislang nicht. Letztlich liegt es im Ermessen des jeweils zuständigen Richters, wie er im konkreten Fall verfährt.