Etwas katholischer Big-Bang-Kreationismus

Albert Einstein im Gespräch mit Georges Lemaitre am 12. Januar 1933 im kalifornischen Pasadena. Bild: © picture alliance/akg-images

Kopernikus und der „Fall Galilei“ werden bis heute in der Schule gelehrt. Sie trieben einen Keil des Misstrauens zwischen Kirche und Wissenschaft. Doch es war auch ein katholischer Priester, der zuerst den Knall hörte.

Von Alexander Brüggemann | katholisch.de

„Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Die Erde aber war wüst und leer (…), und Gottes Geist schwebte über den Wassern.“ So wird der Anfang der Welt in der Genesis beschrieben, dem ersten Buch der Bibel. Dass dieser Schöpfungsbericht kein wissenschaftliches Traktat, sondern vielmehr ein mehr als 2.500 Jahre altes Glaubenszeugnis ist, hat sich außerhalb der kreationistischen Lehre herumgesprochen. Wissenschaftsfeindlichkeit wird der Kirche bis heute unterstellt. Aber es war ausgerechnet ein katholischer Priester, der die Gegentheorie vom „Urknall“ entwickelte: der Belgier Georges Lemaitre, der vor 125 Jahren, am 17. Juli 1894, geboren wurde.

Die wichtigste Erkenntnis dieses Astrophysikers und Theologen ist so simpel wie einleuchtend: Das Weltall hat seinen Ursprung in der Zeit. Wenn Galaxien permanent auseinanderdriften, dann müssen sie früher näher beieinandergelegen haben. Und das legt nahe, dass noch viel früher das gesamte Universum in einem einzigen Punkt konzentriert gewesen sein muss: dem „Ur-Atom“, das „im Moment der Entstehung des Universums explodierte“. Lemaitre ging davon aus, dass die kurz zuvor entdeckte Rotverschiebung von Sternennebeln nicht als Folge einer Bewegung von Galaxien im All, sondern der Ausdehnung des Weltalls selbst zu deuten sei.

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Widersinnige Ehrung

Anmerkungen zu kreationistischen Ökonomen, Hayek und zum Austrian Institute

Martin Rhonheimer | derStandard.de

Im Gastkommentar „Überholte Ideologien“bricht Helmut Kramer erfreulicherweise eine Lanze für den Sozialphilosophen und Ökonomen Friedrich A. von Hayek. Der Anlass dafür ist die heuer zum ersten Mal in Wien stattfindende Austrian Conference, auf welcher der umstrittene Historiker und Ökonom Tom Woods als Keynote-Speaker auftreten und den „Hayek Lifetime Achievement Award“ erhalten wird, mit dem so renommierte Persönlichkeiten wie Mario Vargas Llosa, Niall Ferguson, Dambisa Moyo oder Deirdre McCloskey geehrt wurden. Mitorganisator der Konferenz ist das von Barbara Kolm geleitete Wiener Hayek-Institut.

Woods, wie auch ein anderer Keynote-Speaker, Robert P. Murphy, sind Vertreter der Österreichischen (Wiener) Schule der Nationalökonomie, allerdings in der radikalen, anarchokapitalistischen Variante. Sie fordern – für Hayek, aber auch Mises ein Gräuel – eine reine Marktgesellschaft ohne Staat, Hayek ist aus ihrer Sicht ein „sozialdemokratischer“ Abweichler. Dazu kommt, dass Woods und Murphy Kreationisten, also fundamentalistische Gegner der – für Hayek zentralen – Evolutionstheorie sind. Woods unter Hayeks Namen zu ehren erscheint in der Tat widersinnig.

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Wissenschaftsleugner: Nicht den Falschen das Feld überlassen

Zähne zeigen, auch den Evolutionsleugnern: Szene aus „Jurassic Park 3“. Bild: obs
Wie umgehen mit radikalen Impfgegnern, Klimaleugnern und sonstigen Faktenverdrehern? Die Experimente dazu zeigen: Im öffentlichen Raum gibt es nur eins: Ausschwärmen und die Stirn bieten.

Von Sibylle Anderl | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Was macht man nur mit diesen Leuten? Die einerseits munter Handys nutzen, in Flugzeuge steigen und Navigationssysteme nutzen, die aber andererseits so tun, als wären die Wissenschaftler, ohne die es all diese Technologien letztlich gar nicht gäbe, ein korrupter Haufen gewissenloser Betrüger. Und damit sind keineswegs die „Skeptiker“ gemeint, Skepsis ist die Grundlage aller Forschung, zusammen mit der Bereitschaft, die eigenen Überzeugungen im Lichte widersprechender Evidenz jederzeit zu revidieren.

Überall gibt es krude Thesen

Es sind die „Wissenschaftsleugner“, deren Weltbild so festgefahren ist, dass es gegen jeden Widerspruch immun geworden ist, und die sich vorzugsweise daran erfreuen, die vermeintliche Gefährlichkeit von Impfungen, die menschliche Unschuld am Klimawandel oder auch die Falschheit evolutionärer Erklärungen zu verbreiten. In unserer heutigen Zeit allgemeiner Vernetzung gibt es kaum ein Entrinnen – ihre kruden Thesen finden sich überall und immer wieder.

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Fundamentalist Christian who founded ‘Biblical Flat Earth Society’ busted on 56 counts of child sexual exploitation

Image credit: RawStory

A fundamentalist Christian man who is the self-proclaimed founder of the “Biblical Flat Earth Society” was arrested this week and charged with 56 counts of child sexual exploitation.

By Brad Reed | RawStory

Local news station WTVD reports that Durham, North Carolina resident Phillip Stephen Stallings is facing dozens of charges of sexually exploiting minors after he allegedly “downloaded media that involved minors engaging in sexual activities.”

In addition to facing 28 counts of second-degree sexual exploitation of a minor and 28 counts of third-degree sexual exploitation of a minor, Stallings this week was also served with a warrant related to financial card theft and cyberstalking.

Stallings’s personal website promotes his belief that the Earth is flat and cites biblical justifications for this provably false belief. Stallings believes that there is a conspiracy among the so-called Illuminati to “cover up the flat Earth” that is “certainly connected to sun worship which goes all the way back to Nimrod and the tower of Babel.”

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Two by two they entered the ark … with lawyers close behind

Die nachgebaute Arche Noah in Grant County, Kentucky. bild: arkencounter

„Noah’s Ark owners sue for rain damage“ ran the headline in The Age. And while the world let out a collective sigh of bemused irony, the thought occurred: could there be a more retrospective claim of shoddy workmanship?

By Warwick McFadyen | THE AGE

Of course it was not the man himself, brought to life from the aspic of time, demanding reparation, nor his sons Shem, Ham and Japheth, nor their sons, nor their son’s sons, and so on. It was, in part, an Australian. How’s that for punching above your weight? And, of course, it wasn’t the original ark, which has never been found, and which some killjoys believe never existed.

It was Crosswater Canyon, the company behind Ark Encounter, a theme park of biblical proportions and foundations, that has begun legal proceedings against its insurers for damage to property caused by rain. Crosswater Canyon wants more than $1 million.

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Es bleibt Kreationismus – alte Argumente neu aufgebrüht

Symbolbild. Bild: hippo by swatts

Für Barbara Drossel sind Glaube und Naturwissenschaft keine Gegensätze, sondern zwei Welten, die Antworten auf unterschiedliche Fragen bereithalten. Die Physikprofessorin ist seit mehreren Jahren mit Vorträgen zum Thema „Glaube und Naturwissenschaft“ unterwegs und hat zwei Bücher dazu veröffentlicht.

Lisa Menzel | evangelisch.de

Sie sind Christin und Naturwissenschaftlerin. Sind Sie damit etwas Besonderes?

Barbara Drossel: Der Glaube ist für mich die Lebensgrundlage. Ich bin über die Sinn-Frage zum Glauben gekommen, dass es da jemanden gibt, der mich trägt, der mich begleitet und der mir Hoffnung gibt. Ich vertraue auf Gott, der bei mir ist und mich leitet; mir Kraft gibt. Da geht zum Beispiel eine Ehe leichter, und vieles andere auch. Auch die christliche Gemeinschaft ist mir viel wert.

Es gibt tatsächlich eine ganze Reihe von Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftlern, die glauben. Natürlich gibt es Menschen, die zwar Naturwissenschaftler sind und glauben, aber sonst nicht besonders aktiv auf diesem Gebiet sind. Und es gibt die, die ein Interesse daran haben, sich zu vernetzen und auszutauschen. Ich bin Mitglied bei Christians in Science und der Karl-Heim-Gesellschaft, wo ich mich mit Leuten über Naturwissenschaft und Glaube austauschen kann. Ich brauche diesen Austausch einfach.

Was gibt Ihnen den Antrieb, hier aktiv zu sein?

Drossel: Das kommt tatsächlich viel von außen. Ich wurde immer wieder gefragt, ob ich einen Vortrag zur Beziehung von Glauben und Naturwissenschaft halten kann. Dann wurde ich auch gefragt, ob ich etwas dazu aufgeschrieben habe. Und dann habe ich das erste Buch geschrieben. Es entstand aus Vorträgen von mir und ist sozusagen eine ausführlichere Version dieser Vorträge.

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„Plötzlich ist der Kreationismus wieder da“

Bärbel Auffermann, Gert Kaiser, und Beate Schneider (v.l.) im Gespräch über das Spannungsfeld von Religion und Wissenschaft. Foto: Alexandra Rüttgen

Interview Bärbel Auffermann, Gert Kaiser und Beate Schneider über Religion und Wissenschaft.

WESTDEUTSCHE ZEITUNG

Frau Auffermann, Frau Schneider, Herr Kaiser, wann hat sich das Thema „Kreationismus“ erstmals bemerkbar gemacht?

Bärbel Auffermann: Das Thema bewegt uns seit 2009, dem Darwin-Jahr. Seitdem beobachten wir den so genannten Kreationismus.

Gert Kaiser: Und es gibt eine wachsende Tendenz. In den USA gibt es Erhebungen, dass weit mehr Menschen an Gottes Schöpfung glauben als an die Evolution. Diese extremen Glaubensrichtungen wachsen viel, viel schneller als die traditionellen Kirchen. Das ist eine neue Situation für uns hier.

Wie empfinden Sie diesen Zweifel an Wissenschaft?

Kaiser: Plötzlich ist es wieder da, dieses Spannungsverhältnis zwischen Religion und Wissenschaft. Wir meinen, dass man einen gewissen Respekt vor religiösen Gefühlen haben muss, aber dass man die wissenschaftliche Position nicht aufgeben darf.

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Ist die Evolutionsbiologie eine Naturwissenschaft?

HP, screenshot:bb

In einer Zeit, in der fragwürdige oder gar falsche Behauptungen mit der beschönigenden Formulierung „alternative Fakten“ geadelt werden, haben es wissenschaftliche Erkenntnisse schwer. Rund 20 Prozent der Deutschen glauben, „alternative Heilmethoden“ hülfen im Krankheitsfall besser als die sogenannte „Schulmedizin“.

Von Martin Neukamm | AG Evolutionsbiologie

Ebenfalls ein Fünftel der Deutschen zweifelt an den Forschungs-Ergebnissen zum menschengemachten Klimawandel. Und auch der Anteil derer, die meinen, der Glaube an eine Schöpfung wäre ein vernünftiger Alternativentwurf zur wissenschaftlich abgesicherten Evolutionstheorie, liegt seit Jahren um 20 Prozent.

In Deutschland stellt vor allem die religiöse Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN die Evolutionstheorie lautstark infrage. Ihr Ziel ist es, die Tür der Wissenschaft für „Intelligent Design“ und Supranaturalismus zu öffnen. Jüngstes Beispiel ist eine Schrift aus der Feder ihres Geschäftsführers Reinhard JUNKER. Darin behauptet der Autor, die Evolutionstheorie sei als Ganzes nicht naturwissenschaftlich (JUNKER 2018). Er begründet dies etwa damit, dass das Formulieren von Gesetzen unmöglich sei, wo es um Makroevolution gehe. So böten Evolutionstheorien in Bezug auf evolutive Neuerungen keine Vorhersagen und Erklärungen an, die dem klassischen Schema nach HEMPEL & OPPENHEIM genügten.

Auch die moderne Version, die „erweiterte evolutionäre Synthese (EES)“, erkläre die Herkunft biotischer Innovationen nach JUNKERs Ansicht nicht. Da es unmöglich sei, „Evolution durch eine naturwissenschaftliche Theorie zu beschreiben“, könne „die Infragestellung einer allgemeinen Evolution sich auch nicht gegen die Naturwissenschaft wenden“ (S. 2). Makroevolution sei lediglich eine „konzeptionelle Vorgabe“, ein „Rahmen“, in dem die Biologen „Szenarien evolutiver Abfolgen“ entwickelten. Dieser Rahmen ergäbe sich „nicht zwingend aus naturwissenschaftlichen Befunden und Hypothesen“, sondern beruhe auf einer „Konvention“ der Wissenschaftler-Gemeinde. Im Klartext: Die Evolutionstheorie sei nicht alternativlos, sondern lasse sich genauso gut durch einen Schöpfungsrahmen ersetzen.

Da solche Aussagen oft Verwirrung stiften, wollen wir uns JUNKERs Argumentation genauer ansehen und prüfen, was von ihr zu halten ist.

1. Das HEMPEL-OPPENHEIM-Schema der Erklärung

JUNKER argumentiert wie folgt:

„Naturwissenschaftliche Theorien beschreiben Gesetzmäßigkeiten, die in eine Wenn-Dann-Form gebracht werden können: Immer wenn die Gesetze G und die Randbedingungen R gegeben sind, folgt das Ergebnis E. Evolutionstheorien, die den Artenwandel erklären sollen, gelten zwar weithin als naturwissenschaftliche Theorien. Doch dies trifft nur in einem eingeschränkten Sinne im mikroevolutiven Bereich zu (Populationsgenetik). Wenn es um die Entstehung des evolutionär Neuen geht, sind Formulierungen von Gesetzen nicht möglich. Dies äußert sich unter anderem darin, dass keine Vorhersagen in Bezug auf das Auftreten von Neuheiten gemacht werden können“ (S. 1).

„Aussagen, die nicht in eine Wenn-Dann-Struktur gebracht werden können, können daher nicht mit dem Anspruch, naturwissenschaftlich begründet zu sein, präsentiert werden. … Die Wenn-Dann-Struktur spiegelt sich auch im Hempel-Oppenheim-Schema wieder (kurz: HO-Schema)“ (S. 4).

„POSER … schreibt in diesem Zusammenhang: ‚Das Deutungsschema der Evolutionstheorie zu akzeptieren, bedeutet eine Zumutung, denn es verlangt in Gestalt der spontanen Mutation, in Gestalt des unvorhersehbaren Neuen in jedem Anwendungsbereich die Anerkennung des Zufalls.‘ …Das hat Folgen für die Art der ‚Erklärung‘ des evolutiven Wandels. Eine Wenn-Dann-Struktur ist nicht möglich und das oben erwähnte HO-Schema nicht anwendbar. … ‚Die Deutungsleistung des Evolutionsschemas wird erkauft durch einen Verzicht hinsichtlich des Anspruchs, die Welt erklären zu können'“ (S. 8).

JUNKER ignoriert hier, dass das HO-Schema (auch deduktiv-nomologisches Modell genannt), wonach ein zu erklärender Sachverhalt unter ein allgemeines Gesetz subsumiert wird, längst keine aktuelle „Theorie“ der naturwissenschaftlichen Erklärung mehr darstellt. (Zur Kritik siehe beispielsweise SCRIVEN 1962; RAILTON 1978, S. 208; SALMON 1984, S. 121ff; O’SHAUGHNESSY 1992, S. 17–19; MACHAMER et al. 2000, 21f; WOODWARD 2003, S. 10 und 154–161; WRIGHT & BECHTEL 2007, S. 46ff.). Dies hat mehrere Gründe, von denen wir hier die zwei wichtigsten andiskutieren wollen.

Erstens erklärt die Wenn-Dann-Relation von Aussagen allein gar nichts. Das Gesetz von BOYLE & MARIOTTE beispielsweise erlaubt die Voraussage eines Gasvolumens, wenn Druck und Temperatur des Gases bekannt sind. Druck, Temperatur und Volumen von Gasen werden unter das allgemeine Gasgesetz subsumiert. Doch das Gesetz erklärt nicht, warum dieser Zusammenhang besteht. Erst die kinetische Gastheorie, die (auf der Atomtheorie fußend) einen Mechanismus der Molekül-Bewegung bereitstellt, liefert die Erklärung (O’SHAUGHNESSY 1992, S. 17; SPOHN 2012, S. 306).

Zweitens spielen bei fast allen Naturprozessen Zufälle und kontingente Randbedingungen eine Rolle. Konkrete Entwicklungs-Prognosen sind selten möglich, weil die dafür erforderlichen Randbedingungen oft unüberschaubar und daher nicht (genau) bekannt sind. Lediglich im idealisierten Experiment, in dem der Wissenschaftler definierte Randbedingungen herstellt, entsteht ein „geschützter kontingenzfreier Raum“ (LANG 2015, S. 54), der Vorhersagen ermöglicht. So sind Wissenschaftler nicht in der Lage, den Einsturz einer Brücke, die Entstehung eines neuen Super-Vulkans oder die Bildung eines Planetensystems zu prognostizieren. Doch das hindert sie nicht daran, derlei Ereignisse (ex post facto) zu erklären (SCRIVEN 1962).

Dass sich die Erklärung komplexer Prozesse dem deduktiv-nomologischen Modell entzieht, verdeutlicht die aktuelle Diskussion um die Gefahren einer höheren Feinstaub- und Stickoxid-Belastung: Luftschadstoffe oder Zigarettenrauch töten nicht unmittelbar wie ein Giftcocktail. Zufallsfaktoren wie somatische Mutationen, erbliche Vorbelastungen, Krankheiten, Essverhalten und Alkoholkonsum führen zu einer faktoriellen Vielfalt, welche die Ursachenanalyse stark erschwert. Simple Erklärungen nach dem HO-Schema sind so in der Praxis kaum möglich.

Hier versagt auch das induktiv-statistische Erklärungs-Modell (BECHTEL 1988, S. 38). So gibt es nicht nur keine eindeutige Relation: „Wenn jemand raucht, dann bekommt er Lungenkrebs“. Dass dies geschieht, ist auch nicht besonders wahrscheinlich. Zwar lässt sich eine höhere Inzidenz von Lungenkrebs bei Rauchern gegenüber ansonsten gleichen Randbedingungen bei Nichtrauchern nachweisen (Ceteris-paribus-Klausel). Doch ein kausaler Zusammenhang ist damit nicht aufgezeigt, geschweige eine Erklärung. Nur das Vorliegen eines plausiblen Mechanismus, der das zu erklärende Faktum (Lungenkrebs) mit dem zeitlich vorausgehenden Sachverhalt (Rauchen) in Zusammenhang bringt, liefert die Erklärung.

Es bleibt festzuhalten: Die naturwissenschaftliche Erklärung hängt nicht am deduktiv-nomologischen Modell. Nicht allein Gesetze haben erklärenden Charakter, sondern in der Regel sind es Mechanismen, die über das „Warum“ eines Sachverhalts Aufschluss geben (RAILTON 1978; MACHAMER et al. 2000, S. 21f; MAHNER & BUNGE 2000, Kap. 3.6.). Und in der Evolutionstheorie ist genügend Platz für Mechanismen, die das Potenzial haben, die Entstehung von Neuheiten und Komplexitäten zu erklären. JUNKERs Kritik an der Evolutionstheorie beruht somit auf obsoleten wissenschaftstheoretischen Auffassungen. Im Übrigen lassen sich mithilfe evolutionär relevanter Mechanismen durchaus prüfbare Vorhersagen aus der Evolutionstheorie ableiten. Die Bestätigung einer eindrucksvollen Prognose diskutiert KERENG (2010).

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Wie können biblische Erzählungen mit der Evolution in Übereinstimmung gebracht werden?

Die biblische Erzählung von der Erschaffung des Menschen, Paradies, Sündenfall, Vertreibung aus dem Paradies und Tod als Folge der Sünde bildet die Begründung für die Erlösung der sündigen Menschheit durch Jesu Tod am Kreuz. Wie kann die mythische Sicht des Alten Testatments mit den Erkenntnissen der Evolution in Übereinstimmung gebracht werden? Lässt sich die theologische Deutung des Kreuzesopfers Jesu auch unter den Bedingungen der Evolution noch halten? (G.P.)

DOMRADIO.DE

Sehr geehrte Frau P.,

haben Sie Dank für Ihre Mail vom 8. März 2019, in der Sie nach der Vereinbarkeit von katholischer Erbsündenlehre und Evolution fragen! Dabei beziehen Sie sich offenkundig insbesondere auf den Zweiten Schöpfungsbericht des biblischen Buchs Genesis (2,4b-3,24), der vermutlich recht früh – wohl im 10. Jahrhundert vor Christus – verfasst wurde.

Ich habe Verständnis dafür, dass das Alte Testament auf viele heutige Leser wie ein mythischer Text wirkt. Tatsächlich zeigt aber der Vergleich mit dem babylonischen Schöpfungsmythos „Enūma eliš“ und anderen Mythen des altorientalischen Kulturkreises, dass – ganz im Gegenteil – die Bibel solche Texte sogar entmythologisiert! Die Kämpfe auf Leben und Tod zwischen Gottheit(en) und urzeitlichen Chaosungeheuern sind in der Bibel allenfalls noch ferne Reminiszenzen. Aus dem Ungetüm Levíatan beispielsweise macht der Schöpfungspsalm 104 (V. 26) eine Art „Schoßhund“, den Gott erschaffen hat, „um mit ihm zu spielen“ (!). Die Gestirne, in den Hochkulturen zur Zeit des Alten Israel als Götter verehrt, nennt der Erste Schöpfungsbericht lakonisch „Lampen“; eine atheistische Blasphemie in den Ohren damaliger Menschen!

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Kreationistischer Blödsinn: «Ich habe hart dagegen gekämpft!»

Eine bahnbrechende genetische Studie zeigt, dass die ganze Menschheit und fast alle Tierarten nur von jeweils einem einzigen Paar abstammen – und widerlegt den Zeitraum der Millionen Jahre.

Thomas Lachenmaier | FACTUM

In einer bahnbrechenden genetischen Studie1 kamen Wissenschaftler der Rockefeller University in New York und des Biozentrums der Universität Basel in der Schweiz zu dem Schluss, dass jeder einzelne heute lebende Mensch und mehr als 90 Prozent aller Tierarten jeweils von nur einem einzigen Paar abstammen. Ein weiteres Ergebnis der Studie unter Leitung von Prof. Mark Young Stoeckle (Rockefeller University New York) und Prof. David Solomon Thaler (Center for Life Sciences Universität Basel) ist, dass diese singulären Ahnenpaare nicht vor Hunderten Millionen Jahren, sondern vor nur hundert- oder zweihunderttausend Jahren gelebt haben sollen. Die Studie wurde im Wissenschaftsmagazin «Human Evolution» veröffentlicht.

Die Ergebnisse der Studie stellen alle Paradigmen der Evolutionstheorie infrage. «Die Schlussfolgerungen sind sehr überraschend», erklärte Prof. Mark Stoeckle, «und ich habe so hart wie möglich dagegen gekämpft. Unsere Ergebnisse stellen die Vorstellung infrage, dass die heutigen Tierarten Millionen Jahre alt sind.» Die humangenetischen Daten der Studie sind indes eindeutig: Sie «sind konsistent mit dem extremen Engpass eines einzigen Paares», so Prof. Thaler gegenüber dem Sender «Fox News»: Die ganze Menschheit stammt von einem Paar ab.

Forscher hatten vor zwei Jahrzehnten festgestellt, dass die in den Mitochondrien enthaltene DNA ein typisches Muster enthält. Der kanadische Genetiker Paul Herbert prägte dafür den Begriff DNA-Barcode, weil mit diesem Gen-Satz Tierarten wie Produkte an der Supermarktkasse mit Barcodes identifiziert werden können.

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„Sollte die Evolutionstheorie jemals widerlegt werden, wird sie von Experten widerlegt, nicht von Idioten“ (Richard Dawkins)

Image: FB/CW Brown/Godless Utopia

Evolutionstheorie hält wissenschaftlichen Argumenten nicht stand

idea.de

Die darwinistische Evolutionstheorie kann die Entstehung des Lebens und der heute existierenden Lebewesen nicht erklären. Diese Ansicht vertrat der Evolutionsbiologe Günter Bechly (Stuttgart) auf der Veranstaltung „Glaube ist denkbar“ des Forums Wiedenest, die vom 15. bis 17. Februar in Bergneustadt stattfand. Er hielt vor rund 300 Besuchern einen Vortrag mit dem Titel „Wissenschaftliche Argumente gegen den Neodarwinismus und für Intelligentes Design“. Darin sagte er, nach der sogenannten neodarwinistischen Theorie sei die heutige Vielfalt von Lebewesen durch zufällige Veränderungen des Erbguts und naturgesetzliche Auslese entstanden. Diese Annahme halte aber einer wissenschaftlichen Untersuchung nicht stand. So setze die Evolutionstheorie voraus, dass sich alle Lebewesen aus fortpflanzungsfähigen Ur-Zellen entwickelten hätten. Sie könne aber nicht erklären, wie diese Zellen entstehen konnten.

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God Delusion: More Than 1,000 „Scientists“ Worldwide Sign ‘Dissent From Darwinism’

While not necessarily expressing an adherence to biblical creation, more than 1,000 scientists worldwide have signed on to a “Dissent From Darwinism” statement that expresses skepticism over the theory of biological evolution and calls for the “careful examination” of Charles Darwin’s teachings.

By Heather Clark | Christian News

We are skeptical of claims for the ability of random mutation and natural selection to account for the complexity of life. Careful examination of the evidence for Darwinian theory should be encouraged,” the statement reads.

The list was first launched in 2001 by the Discovery Institute’s Center for Science & Culture, and has now grown to 1,000 and counting. The organization has launched a site where other scientists can sign the statement.

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Almost a third of Brits STILL don’t believe Charles Darwin’s theory of evolution

A significant number of Brits do not believe humans evolved from apes as Charles Darwin theorised

By Ruki Sayid | Mirror

If Charles Darwin were still around, it really would make him go ape.

Almost 160 years after he defied the ignorance of his time by publishing the theory of evolution, explaining where humanity comes from, around 31% of us still do not believe it.

A poll to mark Darwin Day today found only 50% are “certain” his theory of natural selection, set out in 1859’s On the Origin of Species, is correct.

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England: Darwin-Schulaufführung wegen religiöser Bedenken abgesagt

Eine britische Volksschule hat ihre Aufführung des Stücks „Darwin Rocks“ abgesagt. Religiöse Eltern hatten sich beschwert.

kurier.at

Im englischen Cheshire hat eine staatliche Volksschule eine Musical-Aufführung über den Evolutionsbiologen Charles Darwin abgesagt. Eine Gruppe christlicher Eltern hatte sich über die Inhalte des Stücks „Darwin Rocks“ beschwert, heißt es in einem Bericht des Independent.

Die Eltern störten sich an Referenzen an die Existenz von Sex und hielten darüber hinaus vor allem auch Teile davon für beleidigend gegenüber dem anglikanischen Bischof Samuel Wilberforce, berichtet die britische Zeitung. Wilberforce war ein Bischof von Oxford, der sich gegen Darwins Evolutionstheorie stellte, dass der Mensch vom Affen abstammt.

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Schöpfungsbullshistic oder wie alt ist der Dinosaurierzahn

Image: FB/CW Brown/Godless Utopia

Ein Gespräch über Wissenschaft und Evolution im Jüdischen Museum

Von Konstantin Schuchardt |Jüdische Allgemeine

Obgleich im 21. Jahrhundert kein ernsthafter Wissenschaftler mehr die Evolutionstheorie bezweifelt, wird in manchen Kreisen innerhalb aller abrahamitischen Religionen die Schöpfungsgeschichte weiterhin als Tatsachenbericht interpretiert und die Evolutionstheorie als Häresie zurückgewiesen.

Natan Slifkin, orthodoxer Rabbiner und Direktor des Biblischen Museums für Naturgeschichte in Beit Schemesch (Israel), und Fatimah Jackson, Biologin und Anthropologin an der Howard University in Washington, D.C., waren am vergangenen Donnerstag im Jüdischen Museum Berlin zu Gast.

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20 Years Ago, the Intelligent Design Movement’s “Wedge Document” Was Exposed

On February 5, 1999, the “not for distribution” Wedge Document was first uploaded online for the world to see. The document, produced by the Discovery Institute, explained the “master plan” of the Intelligent Design movement.

By Hemant Mehta | Friendly Atheist

Here, for example, were their five year goals:

To see intelligent design theory as an accepted alternative in the sciences and scientific research being done from the perspective of design theory.

To see the beginning of the influence of design theory in spheres other than natural science.

To see major new debates in education, life issues, legal and personal responsibility pushed to the front of the national agenda.

In twenty years, they wanted to see Intelligent Design as the “dominant perspective in science.”

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Kreationisten in Kreuzlingen: Arche Noah, Dinosaurier und Gottes Schöpfung im Film – religiöser Dummheit eine Gasse

Dinosaurier lebten vor wenigen tausend Jahren und nicht vor hundert Millionen Jahren, sagen die Kreationisten, welche die Ausstellung organisieren. Rechts hinten steht Arnold Zwahlen. (Bild: PD)

Ab heute finden im Dreispitz-Saal die «Filmtage: die Schöpfung» statt. Die Organisatoren bekennen sich zum Kreationismus. Sie wollen ermutigen, dass Leben aus einer anderen Sichtweise zu betrachten

Urs Brüschweiler | Tagblatt.ch

Atemberaubende Naturfilme, eine Ausstellung spannender Exponate und alles mit einem religiösen Hintergrund. Ab heute 18 Uhr bis am Sonntag finden im Dreispitz-Saal die «Filmtage: die Schöpfung» statt. Ein gewöhnlicher Event ist das nicht. «Die Welt ist geprägt von Harmonie und Originalität – und darum glauben wir, dass sie die Handschrift eines Schöpfers trägt», heisst es auf der Website der Veranstalter.

Nicht Darwin, sondern Gott

Die Organisatoren sind Kreationisten. Nicht die Evolution, wie sie Charles Darwin beschrieb, habe die Erde zu dem werden lassen, was sie ist, sondern alles sei erschaffen nach Gottes Plan, sind sie überzeugt.

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A Pathway to Objective Morality: Why the Case for Scientific Humanism is Rational

In response to my January, 2019 column (“Stein’s Law and Science’s Mission: The Case for Scientific Humanism”), California State University historian Richard Weikart, who is also a Senior Fellow of the Discovery Institute’s Center for Science and Culture (an Intelligent Design creationism advocacy organization), has written a critique in which he claims “Michael Shermer once again confuses science with atheism, and inexplicably claims that science can support humanism.”

By Michael Shermer | Skeptic.com

He says that I try “to rewrite history by insisting that science is built on atheist assumptions.” Even though I never mention atheism, in the following passage from my column Weikart says “scientific naturalism as defined here is atheism.” Judge for yourself:

Modern science arose in the 16th and 17th centuries following the Scientific Revolution and the adoption of scientific naturalism, or the belief that the world is governed by natural laws and forces that are knowable, that all phenomena are part of nature and can be explained by natural causes, and that human cognitive, social, and moral phenomena are no less a part of that comprehensible world.

Atheism is simply the lack of belief in a God. Full stop. It is not a worldview, paradigm, or ideology. Most atheists, of course, embrace scientific naturalism as I’ve defined it, but so do many modern theists such as the renowned geneticist and Director of the National Institutes of Health, Francis Collins, whom Weikart says would not accept “this atheistic definition of science.” On the contrary, I know Dr. Collins and include our dialogue on this very topic in my book The Believing Brain (2011, Henry Holt) in which he reiterates his rejection of Intelligent Design creationism (his book The Language of God is one of the best refutations of all forms of creationism) and affirms his commitment to scientific naturalism without an underlying atheist assumption. On the evolution of the moral sense, for example, Collins told me “that wouldn’t rule out that God planned it, since for a theistic evolutionist like myself, evolution was God’s awesome plan for all creation. If God’s plan could give rise to toenails and temporal lobes, why not also a moral sense?” As Collins defined it in a 2006 article in Nature titled “Building Bridges”, theistic evolution is the position that “evolution is real, but that it was set in motion by God.”

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CSU will Leitlinien: „Gott bleibt Schöpfer“ – christsozialer Polit-Kreationismus

Bild: © dpa/Matthias Balk

Für sie bleibe Gott der Schöpfer allen Lebens und Deutschland ein christliches Land: Die CSU-Landesgruppe im Bundestag fordert dementsprechende ethische Leitlinien, die vor allem dem Lebensschutz dienen sollen.

katholisch.de

Die CSU-Landesgruppe im Bundestag fordert klare Grenzen bei medizinischen Innovationen und spricht sich für ethische Leitlinien aus. „Für uns bleibt Gott der Schöpfer allen Lebens – und nicht der Mensch. Dieses Bekenntnis ist unsere Richtschnur in der Diskussion über und der Bewertung von medizinischen Innovationen“, heißt es in dem Entwurf für ein Papier der Christsozialen. Es soll auf der am Donnerstag beginnenden Klausurtagung beschlossen werden und liegt der „Passauer Neuen Presse“ (Donnerstag) vor.

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Das Design-Argument – Eine Kritik Teil 2

Foto: Pixabay.com / kellepics

Warum sich in der Natur kein „intelligentes Design“ offenbart

Von Martin Neukamm | RDF

Ein methodologischer Vergleich zwischen ID und der Archäologie

Das intelligente Design steht in der Biologie vor einem grundsätzlichen Problem: Es erklärt nichts, sondern verlagert „die eigentliche Erklärung lediglich einen Schritt nach hinten“ (MAHNER 2007, S. 350). Zwar würde ein intelligenter Designer gegebenenfalls erklären, wie die ersten Lebewesen auf die Erde kamen.

Doch die grundsätzlichere Frage, wie Leben (und sei es in Gestalt des Designers) entsteht, lässt er unbeantwortet. Außerdem kann ID keine potenziellen Designer vorweisen.

Gelegentlich kontern Design-Protagonisten mit Beispielen aus der Archäologie. So lesen wir beim DISCOVERY INSTITUTE (2012), unser Wissen über intelligente Ursachen erlaube Rückschlüsse auf Design, ohne Identität oder Herkunft der Designer zu kennen. Nach Meinung der Autoren verkörpere die Archäologie „Intelligent Design in Action“. Zum Beispiel sind moderne Technologien in der Lage, antike Verfahren zur Herstellung von Artefakten wie Tontafeln und Steinwerkzeugen zu rekonstruieren.

Dies wirft zwei fundamentale Fragen auf: Ist es unsinnig, Mechanismen und natürliche Erklärungen einzufordern, wo „geistige Entstehungsursachen“ gefragt sind? Und: Zeigt die Archäologie, dass spezifisches Wissen über Designer und ihre Methoden entbehrlich ist, um den Schluss auf Design zu ziehen?

Betrachten wir die methodologische Situation, stellen wir fest, dass dem nicht so ist:

  1. Die Archäologie befasst sich mit menschlichem Design. Das heißt, sie kennt die potenziellen Urheber archäologischer Zeugnisse und kann deren Existenz und Aktivität unabhängig von der Objektebene nachweisen.
  2. Die Archäologie bringt die menschlichen Zeugnisse mit bekannten (oder erforschbaren) Techniken in Verbindung. Sie kann Design-Modelle entwickeln, die konkrete Fertigungs-Mechanismen (bestimmte Schlagtechniken) beinhalten. In diesem Sinn liefert sie echte, mechanismische Erklärungen.
  3. Die experimentelle Archäologie erforscht den Ursprung von Tontafeln und Steinwerkzeugen. Ihr gelingt dies, indem sie die Fertigungs-Möglichkeiten und Grenzen ihrer Urheber nachvollzieht.
  4. Nur mithilfe dieses Wissens lassen sich Design-Vorstellungen rechtfertigen. Ohne dieses können wir nicht prüfen, ob bestimmte Schlagmerkmale an Steinen mit den Fertigkeiten des Urmenschen erklärbar sind.

Somit räumen wir explizit ein, dass designbasierte Ansätze im Rahmen der Naturwissenschaften Erklärungskraft entfalten (vgl. KOJONEN 2016, S. 86f). Doch aufgrund der Allgemeinheit des Design-Ansatzes in der Biologie ist diesem kein Erfolg beschieden.

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