Furcht vor einer Millionen teuren Sanierung – Kirche lässt das Jura-Museum fallen

Versteinerte Flug- und Fischsaurier zählen zu den bedeutendsten Exponaten des Jura-Museums in Eichstätt. (Foto: Andreas Hub/laif)
  • Die katholische Kirche ist der Träger des Jura-Museums in Eichstätt, das zu den bedeutendsten paläontologischen Museen in Deutschland gehört.
  • Das Bischöfliche Priesterseminar Eichstätt hat dem Wissenschaftsministerium jüngst die Kündigung für die Einrichtung geschickt.
  • Der Grund ist die Furcht vor einer Millionen teuren Sanierung.

Von Andreas Glas | Süddeutsche Zeitung

Er steht vor einem Aquarium, er geht ganz nah ran. Hinter der Scheibe, im Sand, sitzt ein gepanzertes, stacheliges Irgendwas. „Irre“, sagt Lars Bender, „wie kommt die Natur auf die Idee, so was zu entwickeln?“ Man fragt sich, ob dieses Irgendwas gerade das gleiche denkt über seinen Betrachter. Oder ob es etwas spürt von den Sorgen des Mannes auf der anderen Seite der Scheibe. Aber das Irgendwas rührt sich nicht. Es sitzt nur da.

Das Irgendwas heißt Pfeilschwanzkrebs. Er hat zehn Augen und einen Mund, wo andere einen Bauch haben. Dazu einen rattenartigen Schwanz, mit dem er sich zurück auf die Füße dreht, falls er mal wieder auf dem Rücken landet. Er ist ein lebendes Fossil, es gibt ihn seit Ewigkeiten. Andere Urzeitkreaturen sind längst ausgestorben, der Pfeilschwanzkrebs hat überlebt. Dem Menschen hat er 400 Millionen Jahre Evolution voraus. Ein lebender Beweis, „dass so was göttlich sein muss“, sagt Lars Bender. Er findet: „Da könnte die Kirchenlehre wunderbar einhaken.“

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Vogelfeder und Vogelflug durch die Brille des Kreationismus

Symbolbild. Bild: hippo by swatts
Warum die Kritik an der Evolution scheitert. Ein Kommentar zu: ‚Wort und Wissen‘ Special paper B-17-1

Hansjörg Hemminger | AG EvoBio

Bei dem Ende 2017 erschienenen „Special Paper“ zur Evolution des Vogelflugs handelt es sich um eine Fleißarbeit, die auf 117 Seiten eine Vielzahl von Informationen bietet. Thematisch spannt es den Bogen von der Anatomie und Physiologie der Vogelfeder über historische und neue Hypothesen zur evolutionären Entstehung von Federn und Vogelflug bis zu grundsätzlichen Überlegungen zur Methode der Modellbildung in der biologischen Evolution. Der Zweck des Papiers ist, mit der von WORT UND WISSEN bekannten argumentativen Strategie die Evolution von Vogelfeder und Vogelflug als unwahrscheinlich darzustellen. Die funktionell-morphologischen Zusammenhänge werden in Belege für ihren Kreationismus – genau genommen für „Intelligent Design“ – umgemünzt. Diese Zielsetzung wird bereits in der Einleitung (S.4) formuliert:

 

„Die Möglichkeit einer Schöpfung – einer willentlichen, zielorientierten Hervorbringung durch einen geistbegabten Schöpfer – kann nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Die Festlegung auf den naturalistischen Ansatz, wonach nur Naturgesetze, Zufall und plausible Randbedingungen in Erklärungen zugelassen, ist wissenschaftstheoretisch nicht zu rechtfertigen und führt zu Zirkelschlüssen. Zahlreiche Befunde im Bau von Federn und in der Fossilüberlieferung sowie das nachhaltige Scheitern naturalistischer Entstehungshypothesen zur Entstehung von Vogelfeder und Vogelflug können als Indizien für einen Schöpfer gewertet werden.“

 

Bemängeln als Grundton

Ein Merkmal der Argumentationsstrategie wird schnell offensichtlich: Eingestreut in die lexikalische Darstellung von Daten, Methoden und Theorien finden sich Bemerkungen dergestalt, dass eine komplizierte Struktur nicht überzeugend evolutionär ableitbar und eine hypothetische evolutionäre Entwicklung nicht zu belegen sei. Die Evolution der betreffenden Strukturen sei deshalb methodisch wie inhaltlich fragwürdig. Manche dieser Anmerkungen sind schon auf den ersten Blick abwegig, wie etwa auf S.32 die Feststellung, dass ein fossil bekannter Dinosaurier wegen seiner beachtlichen Größe „für eine stammesgeschichtliche Verbindung mit Vögeln … völlig ungeeignet“ sei. Diese Behauptung zielt nicht auf die Fakten, sondern auf die Intuition von Laien, die sich eine Abstammungsbeziehung von einem tonnenschweren Theropoden zu einer Blaumeise schwer vorstellen können. Zu fossilen Indizien für die Entstehung der Vogelfeder wird im Fazit JUNKERs gesagt:

„Die größte Vielfalt an unterschiedlichen, z. T. heute nicht mehr vorkommenden Integumentanhängen (Dino-Flaum, bandartige Federn, Konturfedern) ist entgegen der evolutionären Logik gerade zu Beginn der fossilen Überlieferung der betreffenden Formen verwirklicht.“

Sollte der Befund so sein wie behauptet, stünde dem keinerlei evolutionäre Logik entgegen (falls damit theoretische Schwierigkeiten gemeint sind). Er spräche eher für als gegen eine stammesgeschichtliche Ableitung der Vogelfeder von solchen Integumenten.

Unsachgemäße Kritik tritt immer dann gehäuft auf, wenn JUNKER die Hypothese diskutiert, dass der aktive Vogelflug sich bei gleitfliegenden, baumbewohnenden Theropoda entwickelt habe. Da diese Hypothese viel für sich hat (JUNKER zitiert die entsprechende Literatur selbst), wirken die in Tab.2 aufgelisteten Gegenargumente an den Haaren herbeigezogen. Zum Beispiel liest man dort: „Gleitflug ist eher ein gegenüber dem Schlagflug abgeleitetes Verhalten.“ Angesichts der Tatsache, dass es zahlreiche Wirbeltiergruppen gibt, die konvergent zu Gleitfliegern wurden und von denen keine aktiv flugfähige Vorfahren hat, ist diese Aussage mehr als irreführend. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass gleitfähige, kleine Theropoden aktiv fliegende Vorfahren hatten. Die einzige Begründung, die sich im Text findet, lautet, dass sich unter den aktiv fliegenden Vögeln einige Gruppen auf den Gleit- und Segelflug spezialisierten, ohne die aktive Flugfähigkeit aufzugeben. Richtig ist, dass segelfliegende Vögel auch gleiten, das heißt passiv in einem flachen Winkel abwärts segeln können. Von einem aus dem Schlagflug „abgeleiteten“ Verhalten zu sprechen, ist so unsinnig wie zu behaupten, der vierfüßige Gang sei gegenüber dem aufrechten Gang des Menschen ein evolutionär abgeleitetes Verhalten, weil Menschen (wenn es sein muss) sich auch auf allen Vieren fortbewegen können.

JUNKER nimmt dieses Argument selbst nicht ernst, denn ansonsten argumentiert er umgekehrt, nämlich dass sich aus dem Gleitflug der aktive Flug nicht habe entwickeln können. Unter anderem dient dem ein Argument, das lautet: „Bereits Gleitflug benötigt Kontrollmechanismen.“ Dass das Gleiten bestimmte motorische Fähigkeiten erfordert, ist selbstverständlich, die übrigens bereits für Baumbewohner erforderlich sind, die aktive Sprünge im Geäst ausführen. Doch warum sollte ein noch sehr rudimentärer Gleitflug Kontrollmechanismen benötigen, die über das hinausgehen, was bereits im Verhaltensrepertoire der Theropoden angelegt ist? Menschen sind keine Flieger, stammen aber von baumbewohnenden Primaten ab: Sie können problemlos lernen, mit Gleitschirmen und Drachen umzugehen, ohne dass dafür neue Hirnstrukturen nötig wären. Nichts spricht gegen eine Entwicklung von sprungfähigen Baumbewohnern zu Gleitfliegern und, über weitere funktionale Stufen, zum aktiven Flug.

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Kreationismus 2.0

Symbolbild. Bild: hippo by swatts
Fraktal-Gemüse oder Schneckenhäuser stimmen mit perfekten mathematischen Formeln überein. Ja, in der Natur finden sich manchmal Muster, deren Vollkommenheit einem den Atem stocken lässt.

Nora Schleich | Lëtzebuerger Journal

Wie oft sieht die wunderschöne Landschaft wie von Geisterhand gemalt aus? Doch auch die Effizienz organischer Gebilde lässt uns nur staunen. Unser Körper ist zum Beispiel eine komplex interagierende Maschine, Organe, Gelenke, Muskeln, alles scheint seinen ganz bestimmten Zweck zu haben. Die Flügel der Vögel eignen sich perfekt zum Fliegen, die Nahrung der Natur hält uns am Leben. Sind dies nur glückliche Zufälle? Oder steckt tatsächlich ein Masterplan dahinter, konzipiert und verwirklicht von einer höheren Intelligenz, dem vollkommenen Wesen, Gott?

Thomas von Aquin (1224/25-1274) war von Letzterem überzeugt. Für die Existenz Gottes argumentierte er anhand Überlegungen zur Bewegung und Dynamik in der Natur. Jede Bewegung, so Aquin, muss von einem anderen, das sich selbst auch bewegt, bewegt werden. Es scheint nicht möglich, dass sich etwas spontan aus eigener Kraft ohne ein kinetisch Antreibendes bewegt.

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Kreationismus: «Mich überkam tiefe, reine Freude»

© ZVG
Wer sich auf die Suche nach der Wahrheit macht, wird fündig werden. Der Physiker und Raumfahrtmanager Dr. Albrecht Kellner über seinen Weg zum Glauben: eine Expedition zum Ursprung.

Bettina Hahne-Waldscheck | factum

factum: Herr Kellner, schon als Kind haben Sie sich die Frage nach dem Sinn Ihres Daseins gestellt, deshalb entschieden Sie sich für das Studium der Physik. Von den Naturwissenschaften erhofften Sie sich Antwort darauf, woher wir kommen und wohin wir gehen. Hatte sich Ihre Hoffnung erfüllt?

Albrecht Kellner: Schon nach fünf Semestern an der Universität Göttingen wurde mir klar, dass diese Hoffnung nicht erfüllt werden konnte. Die Physik entpuppte sich als eine für meine Fragen nicht zuständige Instanz. Ich musste feststellen, dass mir kein Physiker so Grundlegendes wie etwa die Gravitation erklären konnte. Das eigentliche Wesen, die Essenz dieses Phänomens, wird nicht geklärt, es bleibt rätselhaft. Die Physik geht von der Vorgegebenheit der Phänomene aus, ohne diese Vorgegebenheit ihrem eigentlichen Wesen nach weiter zu hinterfragen. Ihre Zielsetzung besteht lediglich darin, diese weiterhin als rätselhaft belassenen Phänomene zu beobachten, auf Gesetzmässigkeiten zu untersuchen und diese in die Sprache der Mathematik zu übersetzen. Die Physik erklärt nicht, sie beschreibt nur.

factum: Sind physikalische Gesetze denn nicht in Stein gemeisselt, wie man immer denkt?

Kellner: Physikalische Theorien sind von einer gewissen Unsicherheit gekennzeichnet, da sich die zugrunde liegenden Modelle immer einer Überprüfung durch weitere Experimente stellen müssen. In diesem Sinne sind sie nie endgültig, da sie jederzeit durch neue empirische Erkenntnisse relativiert werden können. Das heisst, dass die Physik nicht nur das Wesen der Natur lediglich beschreibt, statt es zu erklären, sondern auch, dass diese Beschreibungen selbst einer ständigen Relativierung unterworfen sind.

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Streng gläubig und stramm rechts

Der „Wahrheits-Truck“ – bei der plakativen Selbstdarstellung der religiösen Rechten sind die USA wegweisend. Bild: Ibagli / gemeinfrei
Nicht nur in den USA, auch in Deutschland ist die christliche Rechte auf dem Vormarsch

Birgit Gärtner | TELEPOLIS

Als der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan im Sommer 2017 ankündigte, ab 2019 die Evolutionstheorie aus den Schulplänen streichen zu wollen, haben wir alle ganz tief eingeatmet. Doch Erdoğan ist mit seiner Ansicht nicht allein, denn laut einer Umfrage lehnen 70% der Befragten in der muslimisch geprägten Türkei die Evolutionstheorie nach Charles Darwin ab.

Doch wir müssen gar nicht in die Türkei schauen, denn auch hierzulande gibt es Menschen, die wissenschaftliche Erkenntnisse ablehnen oder so zurechtbiegen, dass die Erde wieder zur Scheibe wird: Sie halten fest an der biblischen Darstellung, nach der Gott die Erde in sieben Tagen schuf – und zwar vor 6.000 Jahren.

„Kreationismus“ nennt sich diese Glaubensrichtung und ist eine Spielart des christlichen Fundamentalismus. Die modifizierte Form ist, dass die Erde älter ist, aber Gott vor 6.000 Jahren die Menschen schuf.

Die wurden bislang allenfalls als Spinner abgetan, der christliche Fundamentalismus insgesamt nicht weiter ernst genommen. Doch spätestens seit dem „Marsch der Frauen“ im Januar 2018 in Berlin ist klar: Völkisches Denken paart sich mit christlichem Fundamentalismus, Rechte bieten z. B. Lebensschützerinnen eine Bühne, und der christliche Fundamentalismus bekommt plötzlich eine ganz neue gesellschaftliche Dimension. Dieser Eindruck täuscht, denn Kreationisten z.B. unterhalten schon lange Schulen in Deutschland, das Problem ist also nicht neu.

Christlicher Fundamentalismus spiegelt sich z. B. im AfD-Programm wieder, u.a. im Hinblick auf die Ablehnung der Ehe für Alle, die Haltung zur Homosexualität insgesamt oder auch die Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen. Letztere ist allerdings nicht nur der AfD vorbehalten, sondern mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist sie Regierungsprogramm.

Mit dem Christentum ist es nicht anders wie mit dem Verhältnis zwischen Islam und Islamismus: Ohne den Katholizismus hätte es weder Inquisition noch Hexenverbrennung gegeben und es gibt keinen Katholizismus ohne Inquisition und Hexenverbrennung. Es gibt höchstens Theologen und Gläubige, die sich von beidem distanzieren. Zeit also, sich mal mit den christlichen Kirchen zu beschäftigen, denn die haben auch in „Friedenszeiten“ starke Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Sehr viel stärker, als wir gemeinhin glauben.

Und der erstarkende christliche Fundamentalismus, dem die AfD auch eine parlamentarische Bühne bietet, ist eine ernsthafte Bedrohung für die Demokratie und erkämpfte Rechte, nicht nur im Hinblick auf die Möglichkeit des straffreien Schwangerschaftsabbruchs.

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Lehrer, die die Evolution leugnen

Symbolbild. Bild: hippo by swatts
Berlin. Montagmorgen, zehn Uhr. Auf dem Stundenplan steht Biologie. Das Thema: Evolutionstheorie. So ist es Normalität an Tausenden deutschen Schulen. Doch manchmal passieren Dinge, die es laut Lehrplan gar nicht geben dürfte.

Lion Grote | Hamburger Abendblatt

Der Lehrer erklärt, dass die Evolution, nach der sich auch der Mensch aus einem Urvorfahren heraus entwickelte, nur eine Idee ist. Es gebe da auch noch die Schöpfungsgeschichte, der zufolge Gott Himmel, Erde und alles Leben schuf – so steht es in der Bibel. Nach deutschem Gesetz haben Glaubensfragen in wissenschaftlichen Fächern wie Biologie aber nichts zu suchen. Und doch passiert es tagtäglich an deutschen Schulen. Experten warnen deshalb, dass auf diese Weise eine Generation von Wissenschaftsskeptikern herangezogen wird.

Im Fokus stehen vor allem Schulen von evangelikalen Freikirchen. Die Träger sind privat, die Schulen aber staatlich zugelassen. Diese Einrichtungen sind Keimzellen des Kreationismus in Deutschland, ist sich Dittmar Graf sicher. Graf ist Professor für Biologie und Didaktik an der Universität Gießen.

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Wahl Dodo des Monats Februar 2018

Dodo des Monats Februar 2018 ©HFR

Im vergangenen Monat gab es nur wenig Tage, an denen obskure und groteske Meinungen aus Politik und Kirchen nicht in die Medien schwemmten. Mögliche Kandidaten konnten nicht berücksichtigt werden, ob nun Dodo Laun, der Hilfsbischof aus Österreich, endlich in Rente, nicht darin gehindert größtmöglichen Blödsinn zu verkünden, natürlich alles im Namen seines himmlischen Freundes. Bedford-Strohm, der subalterne Regierungspfarrer bringt nun seinen Sohn um die Vergottung des Internets weiter entwickeln zu können. Zwangsmission via ZDF, Geld sammeln für ein fragwürdiges Projekt in Potsdam, die Kriegskirche. Vielleicht finden sich ja noch die Trophäen aus deutsch-französischen Kriegen, die man nach der Niederlage des 1. Weltkriegs schnell beseite geschafft hat. Und, und, und.
Seht selbst.

Die Wahl ist bis zum 07. März 2018, 18:00 Uhr, befristet. Am Folgetag wird der Gewinner hier gewürdigt werden. Viel Spaß!

  1.  Christian Gerlinger, „SPD-Ortsvorsitzender, mag keine Religionskritik.“
  2.  Manfred Lütz, „verbiegt die Geschichte des Christentums bis zum geht nicht mehr.“
  3.  Gemeinderat Herxheim am Berg, „mag es wenn das Hitler-Glöckchen Friedensmelodien läutet.“
  4.  Manfred Spieker, „die schwule Schöpfung seines Herrn will er nicht akzeptieren.“
  5.  Markus Dröge, „unterscheidet zwischen Flüchtlingen und Christen, bei letzteren soll bevorzugt werden.“
  6.  Monika Grütters, „politische Gottesmagd, die sich um Entchristlichung sorgt.“
  7.  Markus Söder, „Patrioten und Religiöse nicht zurücklassen, wann singt er ein Heimatlied?“
  8.  Peter Dabrock, „Vorsitzender Theologe des Ethikrates mit bigotter Ethik.
  9.  Eugen Brysch, „Kommunion und letzte Ölung auf dem OP?“
  10.  ZDF, „Staatsfernsehen mit Zwangsmission für Geldspenden zum Wiederaufbau einer Kriegskirche.“
  11.  Peter Homberger, „mit Kreationismus gegen den Kreationismus um die Evolutionstheorie zu widerlegen.“
  12.  Mechthild Löhr, „lebt ihre pränatalen Fruchtwasserträume aus.“
  13.  Alice Weidel, „nicht die hellste Kerze ihrer Partei.“
  14.  Angela Merkel, „normalisiert Länderbeziehungen, gut christlich, mit Waffengeschäften.“
  15.  Jens Spahn, „will seine dörfliche Leitkultur landesweit sehen.“
  16.  Heinz Josef Algermissen, „die Kirchenspaltung und der Atheismus, er ist 500 Jahre zurück.“

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Mit kreationistischen «Fakten» wider das «Spinner-Image»

In seinem «Faktencheck» versucht Hans Peter Homberger aufzuzeigen, dass man die Schöpfungstheorie nicht per se ausschliessen sollte. Bild: Madleine Schoder
Peter Homberger ist als promovierter Mikrobiologe und gläubiger Christ davon überzeugt, dass Gott die Welt erschaffen hat. In seinem Buch schreibt er gegen das Spinner-Image der Schöpfungs-Theoretiker an.

Der Landbote.ch

Nur zwei von drei Winterthurer Gemeinderäten glauben an die Evolutionstheorie, fast jeder fünfte ist sich nicht sicher und jeder zehnte lehnt sie gar ab. Das hat eine publizierte Umfrage des «Landboten» kürzlich ergeben. Evolution oder nicht? So einfach sei es eben nicht, begründeten einige ihre Antwort, Gläubige und Nicht-Gläubige. «Ich halte die biologische Evolution für nachvollziehbar. Aber erklärt das, wie das Leben entstanden ist?», fragte etwa eine Politikerin rhetorisch zurück.

Tatsächlich ist der Ursprung des Lebens wissenschaftlich ein nach wie vor ein ungelöstes Rätsel. Den sogenannten Missing Link zwischen Chemie und Biologie hat die Wissenschaft noch nicht gefunden, die Urknall – und Ursuppen-Theorien bleiben lückenhaft. Deswegen an die biblische Schöpfungsgeschichte zu glauben, die Entstehung der Erde in sieben Tagen, ist aber selbst für viele Gläubige keine Option mehr, für die meisten Wissenschaftler erst recht nicht.

Der gebürtige Winterthurer Hans Peter Homberger (63) hat am Institut für Zellbiologe an der ETH Zürich promoviert. Sein Fachgebiet war die Mikrobiologie: Die Organisation von Chromatin in Chromosomen bei der Zellteilung. Doch Homberger glaubt fest daran, dass Gott die Welt erschaffen hat. «Warum doch?» würde er fragen. Er, der Baptist ist und regelmässig zum Gottesdienst geht, sieht darin keinen Widerspruch. Die teilweise Arroganz von Wissenschaftlern und der Hass, mit dem Gläubige in Online-Foren als «weltfremde Spinner» abgekanzelt würde, habe ihn letztes Jahr dazu bewogen, ein Buch zu schreiben, kompakt auf 110 Seiten: «Schöpfung oder Evolution – ein Faktencheck».

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Unterkomplexe Kreationisten und ihr Baukasten der Schöpfung

Bild: AG EvoBio

Es ist eine beliebte Strategie der Evolutionsgegner, biologische Merkmale ins Auge zu fassen und zu behaupten, diese seien zu komplex, als dass ihre Entstehung durch Evolution erklärbar sei. Beispielsweise würden die erstaunlichsten Leistungen der Tarnung und Mimikry zu viele aufeinander abgestimmte Anpassungen gleichzeitig benötigen, als dass sie bei verschiedenen Organismengruppen (Taxa) schrittweise und mehrmals unabhängig (konvergent bzw. parallel) evolviert sein könnten. In diese Richtung argumentiert beispielsweise Reinhard JUNKER von der Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN, auf dessen Beitrag im Rahmen dieses Artikels eingegangen werden soll.

Von Martin Neukamm, Hans Zauner | AG EvoBio

Tarnung und Mimikry im Ameisennest

Um sich vor Räubern oder Angreifern zu schützen, verfügt die Tierwelt über ein Arsenal von Tarnvorrichtungen. Eine dieser Einrichtungen wird mit dem Begriff Mimese umschrieben. Darunter versteht man das Phänomen, dass sich das betreffende Tier optisch derart seiner Umgebung angepasst hat, dass es mit dem Wahrnehmungs-Hintergrund seiner Feinde verschmilzt und nicht mehr als Beute oder Eindringling wahrgenommen werden kann.

Zu den erstaunlichsten Beispielen mimetischer Anpassung zählen die so genannten „myrmecophilen“ Tiere. Das sind vorrangig Käfer bestimmter Entwicklungslinien, die als „Untermieter“ die Nester von Ameisen und Termiten bevölkern. Ein Ameisennest ist eine schwierige ökologische Nische, denn die Ameisen haben ja zunächst einmal nichts davon, wenn Käfer ihren Bau besiedeln. Ameisen sind äußerst wehrhafte Tiere und befördern unerwünschte Gäste rasch aus ihrem Bau oder bringen sie um. Eine Möglichkeit, sich dagegen zur Wehr zu setzen, besteht darin, sich evolutiv ein ameisenähnliches Aussehen zuzulegen. Die Käfer mischen sich unter die Ameisenmenge und werden in Ruhe gelassen. In manchen Nestern gibt es sogar Vertreter mehrerer Käfergattungen, die jeweils so aussehen wie ihre gastgebenden Ameisen – obwohl andere Mitglieder dieser Gattungen eher wenig Ähnlichkeit miteinander haben.

Ein ähnlicher Tarnmechanismus ist die so genannte Mimikry, wonach die Tiere optisch und in ihrem Verhalten giftige, wehrhafte oder ungenießbare Tierarten nachahmen oder ihren Feinden kooperatives Verhalten signalisieren. Man kennt zum Beispiel Kurzflügler, die im Ameisenbau chemische Signale freisetzen, die sie davor schützen, gefressen zu werden. Sie bieten den Ameisen Sekrete an, die dazu führen, dass sie sogar von ihnen in ihr Nest eingetragen werden.

Unlängst wurde darüber berichtet, dass 140 Tiere aus ganz verschiedenen Gliederfüßer-Gattungen (Ameisen, Käfer, Wespen, Spinnen, Wanzen) sehr ähnliche ameisenartige Gestalten – mit Warn-Elementen an Räuber – herausbildeten. Manche dieser Arten sind tatsächlich ungenießbar, andere sprangen quasi auf den Zug auf, sind aber eigentlich ungiftig.

Dass es neben optischer Mimikry, die auch Nichtfachleute als Anpassung der Gestalt wahrnehmen, noch andere Wege der Mimikry gibt, zeigen die Ameisengrillen mit dem suggestiven Namen Myrmecophilidae („Ameisenfreunde“). Diese Gruppe umfasst 71 Arten in fünf Gattungen mit einer einzigen Art in Europa. Es sind sehr kleine Heuschrecken, die gar nicht ameisenähnlich aussehen, dennoch als Kleptoparasiten in den Nestern verschiedener Ameisen- und sogar Termitenarten leben. In der Auswahl ihrer Wirte sind sie wenig wählerisch und wohl nicht spezifisch. Sie scheinen Pheromone (Lock- und Signalstoffe) der Ameisen auf ihrer Cuticula (Außenhaut) aufzunehmen und so den Nestgeruch anzunehmen. Daneben sind sie extrem beweglich und entkommen immer wieder den zu beobachtenden Angriffen ihrer Wirte durch schnelles Ausweichen. Allerdings wurden auch Tötungen beobachtet – also eine nicht ungefährliche Lebensweise, die genau das zeigt, was aus Sicht der Evolutionsbiologie zu erwarten ist: Zum einen gibt es viel mehr als nur einen Weg. Zum anderen sind die Anpassungen der sich im Wettbewerb befindenden Organismen auf beiden Seiten alles andere als perfekt.

Konvergenzen, Parallelismen

All diese Tarnvorrichtungen haben eines gemeinsam: Die betreffenden Tiere entwickelten vielfach unabhängig voneinander ganz ähnliche Merkmale, sie haben sie also nicht von ihrem gemeinsamen Vorfahren geerbt. Dieses Phänomen bezeichnet man in der Biologie allgemein als Konvergenz oder als Parallelismus (Parallelentwicklung). Von letzterem sprechen Biologen insbesondere dann, wenn die unabhängig erworbenen Merkmale bei relativ nahe verwandten Arten in geographisch getrennten Regionen auftreten.

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Türkei: Sendepause und Geldstrafe für Gucci-Kreationisten Adnan Oktar

foto: harun yahya international Gediegener Kreationist: Adnan Oktar hat nun Sendepause.
Sendepause für bizarren TV-Prediger, Schließung von Islamistenstiftung – Konservativer Orden im Aufwind

Von Markus Bernath | derStandard.at

In seiner Branche stand er nie hoch im Ansehen. „Tutti kurutti“ nannte ein Predigerkollege schon einmal die bizarre Mischung von religiösem Fernsehtalk und Bauchtanzeinlagen. „Kurut“ sind in der türkischen Küche die getrockneten, salzigen Joghurtkörner. Diese Woche aber hat es Adnan Oktar alias Harun Yahya tatsächlich erwischt: Fünf Sendungen Zwangspause und eine hohe, noch nicht bezifferte Geldstrafe verhängte die türkische Rundfunkanstalt. Hunderte von Fernsehzuschauern sollen sich über Oktar beschwert haben.

Mehr ins Gewicht fiel wohl, dass der neue Leiter der staatlichen Religionsbehörde in der Türkei, Ali Erbaş, öffentlich sowohl die spirituelle Mission wie auch den mentalen Zustand des 62-Jährigen anzweifelte. Strafanzeigen und Gerüchte über Drogen und Sexorgien hatten immer schon das Wirken des Sektenführers begleitet.

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Wie sich die Evolutionsgegner zum Affen machen

Wer gedacht hat, der Kampf gegen antiwissenschaftlichen Kreationismus sei längst gewonnen, hat sich getäuscht. Wir werden uns noch wundern, was alles möglich ist.

Von Florian Aigner | futurezone.at

Lange Zeit war es irgendwie lustig. Man las über religiöse Fundamentalisten in den USA, die wutschnaubend dagegen protestierten, dass ihre Kinder in der Schule mit der unheiligen Evolutionstheorie befleckt würden – wo doch in der Bibel eindeutig steht, dass Adam und Eva am sechsten Tag erschaffen wurden, voll funktionstüchtig und schön frisiert, ohne dass vorher irgendein haariger Australopithecus mit fragwürdigen Tischmanieren über die Savanne spazieren musste.

Diese Radikalreligiösen, die antike Mythen nicht von naturwissenschaftlichen Fakten unterscheiden können, erschienen uns kurios, weit weg und wenig bedrohlich. Man konnte sich lustig machen über diese ungebildeten Bible-Belt-Amerikaner. Wir sind schließlich aufgeklärte Europäer, hier ist Wissenschaft doch Grundkonsens. Ach, wie lagen wir falsch! Wir sollten uns darauf einstellen, immer häufiger wissenschaftliche Tatsachen gegen fundamentalistische Attacken verteidigen zu müssen. Das wird kein Spaß.

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Evolutionstheorie: Mit dem Koran unvereinbar?

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Hat Gott den Menschen erschaffen oder stammt der Mensch vom Affen ab? Nicht nur in den USA, auch in der Türkei ist die Antwort gar nicht so eindeutig. Denn auch 160 Jahre nachdem Charles Darwin seine Evolutionstheorie erstmals veröffentlichte, tut sich die Mehrheit der Muslime damit schwer – auch hierzulande.

Von Michael Hollenbach | NDR.de

„Heute ist der allergrößte Teil der muslimischen Gelehrsamkeit der Auffassung, dass die Evolutionstheorie so nicht stimme und es gibt viele Übernahmen aus dem amerikanischen Kreationismus, dem ‚intelligent design'“, sagt der Religionswissenschaftler Michael Blume. Dieser Kreationismus christlicher Fundamentalisten versucht, unbestreitbare Fakten der Evolutionslehre irgendwie in den Schöpfungsglauben zu integrieren. Wobei es der Islam eigentlich leichter hat als das Christentum, so Blume. Schöpfungsmythos und Evolutionstheorie seien im Islam besser zu vereinbaren, denn der Koran kennt – im Gegensatz zur jüdisch-christlichen Tradition – keine zusammenhängende Schöpfungsgeschichte: „Die Schöpfungslehre im Koran ist weniger spezifisch als in der Bibel. Da wird gesagt, dass der Mensch in Stufen geschaffen wurde oder dass er aus einem Tropfen Blut geformt sei.“

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Evolutionstheorie: Indischer Minister hat noch nie einen Affen zum Menschen werden gesehen

Der indische Bildungsminister Satyapal Singh zweifelt an Darwins Evolutionstheorie. dpa
Der indische Bildungsminister Satyapal Singh zweifelt an der Evolutionstheorie – und gibt dies auch öffentlich unumwunden zu. Seine Begründung ist dabei aber schon bemerkenswert.

Von Jana Henseler | General-Anzeiger

Der indische Bildungsminister Satyapal Singh ist kein Freund von Charles Darwins Evolutionstheorie – und widerspricht ihr jetzt auch öffentlich. Es habe „noch nie jemand gesehen, wie sich ein Affe in einen Menschen verwandelt hat“, zitiert ihn die englische Tageszeitung „The Telegraph“. Des weiteren sei der Darwinismus nur ein Mythos. „Kein Buch, das wir lasen und keine Geschichte, die uns von unseren Großeltern erzählt wurde, berichtete jemals über einen solchen Fall.“

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Zauberlehrling der Evolution

Rezension zum Buch „Kritische Studie zur Evolutionstheorie“

Von Klaus Steiner | Richard-Dawkins-Foundation

Bei den Herausgebern des Buchs handelt es sich um folgende Personen: Marian Christof GRUBER ist Professor für Philosophie an der Hochschule Heiligenkreuz (Österreich) und Vorstand des Instituts für Philosophie an der Päpstlichen Phil.-Theol. Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz, die eine Reihe von Schriften herausgebracht hat. Wolfgang WEHRMANN ist Professor an der Technischen Universität Wien und emeritierter Professor für Philosophie an der Hochschule Heiligenkreuz.

Das Buch ist in mehrere Kapitel fünf verschiedener Autoren aufgeteilt, die sich z. B. mit Erkenntnistheorie und Logik, mit Wahrheitstheorie und der Biologie, mit mathematischen und technischen Wissenschaften sowie mit der Frage der Lebensentstehung beschäftigen. Weitere Themen sind die Embryologie, Fossilien, der Menschen, Evolution im Biologieunterricht und der „Zauberlehrling der Evolution“. Gestützt wird sich auf Aussagen von Gewährsleuten wie Teilhard DE CHARDIN, Thomas VON AQUIN und AUGUSTINUS.

Die Autoren des Buches vertreten kreationistische Ansichten – deutlich erkennbar z. B. an Christof GRUBERs Bezeichnung der „fortgesetzten Schöpfung“ (S. 150/160), der „gestuften Schöpfung“ (S. 168) und der „totalen Schöpfung“ (S. 160/167/178). Einen kritisch-rational denkenden Atheisten mag das an den Rand der Erschöpfung bringen, da sich kreationistische Argumentation meist durch Unwissen auszeichnet. Dies mündet dann zumeist in unlogischen Schlussfolgerungen, absichtlichem oder unabsichtlichem Verdrehen oder Verschweigen von Fakten.

Wer wissen will, braucht nicht zu glauben

Im Anhang setzt sich einer der Autoren mit dem Thema „Tradition“ auseinander. Offenbar ist die Intention dafür Sorge zu tragen, dass seine Adressaten die von ihm verbreiteten „alternativen Fakten“ auch glauben und möglichst verbreiten. Ludwig WITTGENSTEIN muss mit einem eigenen Zitat als „Indoktrinator“ herhalten: „Das Kind lernt, indem es dem Erwachsenen glaubt“ (S. 195). Des Weiteren heißt es, die Tradition sei zugleich universal und konkret und habe das zu bieten, wonach allgemein das Bedürfnis stehe: weg vom Spezialistentum und kurzsichtigen, trivialen Problemperspektiven (vgl. S. 198). Im Folgenden werde ich aufzeigen, wie mit „Spezialistentum“ der „Wahrheit“ doch um einiges näher zu kommen ist.

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Natur, Kreationismus und Teleologie – pantheistische Beliebigkeit

Bild trailer Die Schöpfung

Die Bibel geht mit Selbstverständlichkeit davon aus, dass Gott, den „niemand je gesehen hat“ (Joh. 1,18), gleichwohl erfahrbar ist; dass die Welt eine theologische Aussage hat, die wir verstehen können, ja dass es durchaus nicht unmöglich ist, in ihren Spuren zu lesen. So heißt es im 19. Psalm: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt das Werk seiner Hände. Ein Tag sagt es dem andern und eine Nacht tut es der andern kund.“ Unbefangen erklärt das Buch Hiob (12,7-9): „Befrage doch das Tier, es wird dich lehren … Erzählen werden dir’s die Fische des Meeres: Wer weiß nicht Bescheid von dem allen, dass Gottes Hand dies gemacht hat?“ Die Welt ist durchlässig für die Wahrheit, die sich hinter Gottes Namen verbirgt. Die Natur ist transparent für ein uns entzogenes Geheimnis. Sie weist über sich selbst hinaus auf etwas, das nicht Natur ist und doch in jedem Einzelnen in ihr zur Erscheinung kommt. Doch wie bringen wir das mit den Evidenzen unseres modernen Weltbildes in Einklang?

Von Christian Link | Dialog Theologie & Naturwissenschaften

Unter den Theologen hat wie kein Zweiter Calvin diese biblische Erkenntniszuversicht in Anspruch genommen: „Die Menschen können ihre Augen gar nicht aufmachen, ohne Gott unweigerlich zu erblicken. Er hat seinen einzelnen Werken zuverlässige Kennzeichen seiner Herrlichkeit eingeprägt und zwar so deutlich, dass sich auch die unverständigsten Menschen nicht mit Unwissenheit entschuldigen können.“ Selbst bei Karl Barth, dem entschiedensten Gegner aller „natürlichen Theologie“, findet man den Satz: „Sollte Gott nicht in jeder Schneeflocke, in jedem Grashalm heilig sein?“ Auch diese Aussagen leben von einer Erfahrung, die uns offenbar nicht prinzipiell verschlossen sein muss, die Erfahrung, dass die Welt bis in ihre naturhafte Sphäre hinab unter dem Eindruck der Wirklichkeit Gottes steht.

Ein besonders Erfahrungsfeld schließlich sind die neutestamentlichen Gleichnisse, die mit den Mitteln der Welt Gott in der Welt bekannt machen und deshalb auf jede religiöse Staffage verzichten. Sie proklamieren „Gott“ nicht als eine abstrakte Wahrheit hinter und über den Dingen. Sie stellen ihm vielmehr die Welt zur Verfügung, damit er sich selbst in ihren alltäglichen Begebenheiten bekannt mache, und bewahren uns so vor den Trugbildern und Fehlschlüssen alles nur Gedanklichen. Was sie sagen und zur Evidenz bringen wollen, lässt sich daher (was meist zu wenig beachtet wird), begrifflich, in der logischen Form des Urteils, gar nicht ausdrücken. Was hier geschieht, muss man anders umschreiben: Gott stellt sich in der Welt dar; er macht die Welt zu seinem Darstellungsraum.

Warum die wissenschaftliche Empirie nicht in Frage kommt

Die erste und wichtigste Frage, die sogleich zu einer notwenigen Abgrenzung führt, lautet daher: Von welcher Welt ist hier die Rede? Da sich die neuzeitliche objektivierende Wissenschaft von ihren Anfängen an, d.h. seit Descartes, methodisch von Gott getrennt, ihn aus ihren Verfahrensregeln und Argumentationsgängen als einen zulässigen Faktor ausgeschlossen hat, kann man nicht erwarten, dass er sich am Ende doch noch mit ihrem Instrumentarium aufweisen ließe. Er verbirgt sich in dem „toten Winkel“, den sie mit ihren experimentellen Methoden und ihrer Erfahrungskontrolle sozusagen ex definitione gar nicht erreichen und ausleuchten kann. Wo sie weiß, was sie tut, wird sie das auch nicht beanspruchen. Wissenschaftliche Erfahrung ist prinzipiell wiederholbar und verfügbar. Das ist religiöse Erfahrung grundsätzlich nicht. Sie ist individuell einmalig, unaustauschbar, also nicht machbar und schon gar nicht erzwingbar. Empirisch (im Sinne wissenschaftlicher Standards) lässt sich Gottes Existenz nicht überprüfen und deshalb – das ist nicht unwichtig hinzuzufügen – auch nicht widerlegen, obwohl gerade das von Forschern, die sich zum Atheismus bekennen (Richard Dawkins ist nur ein herausragendes Beispiel) immer wieder versucht wird.

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Islam und Evolutionslehre: Von Affen und Allah

©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at
Vor 160 Jahren zeigte Charles Darwin mit seiner Evolutionstheorie, wie die Arten entstanden sind. Nämlich durch Entwicklung, Zufall und Anpassung an die Umwelt. Die katholische Kirche hat lange gebraucht, um diese Erkenntnis zu akzeptieren. Im Islam tun sich noch heute viele schwer damit.

Von Michael Hollenbach | Deutschlandfunk

Mirza Masroor Ahmad ist der Kalif der muslimischen Religionsgemeinschaft der Ahmadiyya. Das geistliche Oberhaupt von rund zwölf Millionen Muslimen erklärt die menschliche Entwicklung so:

„Die Theorie von Darwin stimmt nicht. Auf jeden Fall stammen wir nicht vom Affen ab. Ja, es hat eine Evolution gegeben, der Mensch hat sich weiterentwickelt. Jedoch gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Menschen und dem Affen. Der Mensch hatte seine eigene Entwicklung, unabhängig von Tieren. Prüft es doch allein daran, dass es noch heute Affen gibt – und wieso fand bei diesen keine Evolution statt?“

Diese Ansicht sei unter muslimischen Geistlichen sehr verbreitet, sagt Michael Blume. Dabei verweist der Religionswissenschaftler darauf, dass der Koran – im Gegensatz zur jüdisch-christlichen Tradition – keine zusammenhängende Schöpfungsgeschichte kennt:

„Die Schöpfungslehre im Koran ist weniger spezifisch als in der Bibel. Da wird gesagt, dass der Mensch in Stufen geschaffen wurde oder dass er aus einem Tropfen Blut geformt sei.“

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Austria: Mit dem „Spaghettimons­ter“ gegen Staat und Kirche

Anhänger des „Spaghettimonsters“ könnten am Montag die Vorstufe zur Religionsgemeinschaft erreichen. Für die Religionskritiker wäre es ein Erfolg.

Kurier.at

Bekommt das „Fliegende Spaghettimonster“ einen Platz neben Gott, Allah und Buddha? Am kommenden Montag wird am Bundesverwaltungsgericht diese grundlegende Frage verhandelt. Seit 2014 kämpft die „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters“, eine Satire-Religion, um die Anerkennung als staatliche Religionsgemeinschaft. Damals lehnte das Kultusamt das Ansinnen ab, nun könnte der Streit neu entschieden werden.

Im ersten Schritt geht es den Spaghettimonster-Aktivisten darum, nur als „religiöse Bekenntnisgemeinschaft“ eingetragen zu werden. Denn die Hürden, um als vollwertige Religionsgemeinschaft gesetzlich anerkannt zu werden, sind mittlerweile hoch. Man braucht dafür zum Beispiel zwei Promille der Bevölkerung, also 17.000 Menschen als Mitglieder. Auch muss die Gemeinschaft seit mindestens 20 Jahren in Österreich bestehen, zehn davon in organisierter Form.

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Grundtypen des Atheismus im Licht der Bibel

„Drei Arten von Menschen gibt es: die einen, die Gott dienen, weil sie ihn gefunden haben; die andern, die bemüht sind, ihn zu suchen, da sie ihn nicht gefunden haben; die dritten, die leben, ohne ihn zu suchen und ohne ihn gefunden zu haben. Die ersten sind vernünftig und glücklich, die letzteren sind töricht und unglücklich, die dazwischen sind unglücklich und vernünftig.“
(Pascal: Pensées,Frg. 257)

Prof. Dr. Edith Düsing | Wort und Wissen

Einleitung und Gliederung

Jeder Mensch sucht Gott oder aber flieht vor ihm kraft seines Fühlens, Denkens oder Wollens.

Daher lassen sich Grundtypen des Atheismus gemäß den Seelenvermögen unterscheiden:

  1.  Ein Atheismus trotzigen Aufbegehrens gegen das Leid: die Hiobsfrage, das Theodizeeproblem.
  2. Ein Atheismus der Weltbilder konstruierenden Vernunft: Der Glaube an die Erklärungskraft der Naturgesetze, in atheistischer Weltansicht beliebt, ist der Aberglaube der Moderne(Wittgenstein).
  3. Ein Atheismus, der Gott für ein Phantasieprodukt hält (Protagoras, Feuerbach). –Folgerungen:
  4. Atheismus der Gleichgültigkeit: Gottvergessenheit in einer genußsüchtigen Spaßgesellschaft.
  5. Gottlosigkeit im traditionellen Sinne: sittenwidrig böse Praxis, leben als ob es Gott nicht gäbe.

Zur aktuellen Lage

Ist Gott bloß Illusion, der Geist des Menschen ein physikalischer Zustand, seine Seele nur Tierseele? Zweieinhalb Jahrtausende galt in der abendländischen Kultur ‚Atheismus‘ als schwerste Anklage. Im 21. Jahrhundert hingegen preisen manche sich selbst als Atheisten. Dahinter steckt ein grundstürzender Wertewandel, von der ehemals selbstverständlichen, dem Menschen gemäßen Gott-suche hin zur – heute salonfähigen – Gottesverachtung. Postmoderne atheistische Positionen umweht ein Nimbus von radikaler Aufklärung und absolutem Humanismus.

Der Glaube an die Erklärungskraft der Naturgesetze, in atheistischen Weltansichten beliebt, wird von Wittgenstein ‚der Aberglaube der Moderne‘ genannt.1
Hinter der Wissenschaftsgläubigkeit, die einen zeugenden Weltgrund annimmt, an autarke Naturgesetze ohne einen Schöpfer glaubt, waltet ein Wille, der einen Abgott anbetet. Urknallphysik mit eingepackter Evolutionsbiologie verleugnet Christi Inkarnation, Kreuzestod und Auferstehung, so kristallklar Horst Waldemar Beck.2
Wird Selbstorganisation des Lebens aus dem Nichts, eine Hypothese, als erwiesene Tatsache behauptet, so legt sie einen Denkbann mit globaler Macht auf Wissenschaftler und glaubendes Volk: die Suggestion autarker Schöpfung ohne Schöpfer. Die Fiktion: ‚Am Anfang geschah alles von selbst’!

Eine biblische Einschätzung vorweg

Im Alten Testament ertönt aus dem Munde der „Spötter“ das harte Wort: „Non est Deus“ („Es gibt keinen Gott“: Psalm 14, 1: Vulgata). Verschiedene Arten von Gottlosigkeit tauchen hier auf: Gottvergessenheit, negative Theodizee, unvernünftige Gottesleugnung, Wunschphantasie. „Wohl dem Menschen“, so lautet die Seligpreisung, „der nicht sitzt im Rat der Gottlosen, wo die Spötter sitzen“ (Ps 1, 1), und bei Jeremia wehklagt Jahwe selbst: „Mich, die Quelle des Lebens verlassen sie und bauen sich löchrige Zisternen“; sie kehren mir den Rücken zu, nicht das Angesicht; „wenn aber die Not über sie kommt, sprechen sie: ‚Auf, hilf uns‘„(Jeremia 2, 13.27). Unsere Willensaktivität wird aufgerufen, indem vor einem „Sitzen“ bei den „Spöttern“ gewarnt wird. In dem Satz: „Es ist kein Gott, so sprechen die Toren“ (Psalm 53, 2) hebt der Psalmendichter auf ihre Vernunftwidrigkeit ab. Ein göttlicher Humor begleitet Irrende bis in ihre götzendienerischen Wahngedanken, sie sokratisch ihrer Absurdität überführend: „Götter, die du dir gemacht hast – wo sind sie?“ Sprichst du, Frau, zu ihnen: „Stein, du hast mich geboren“?! oder sprichst du, Mann, zu einem Holze: „mein Vater“?! (Jeremia 2, 27)

Kants Widerlegung des Atheismus

Immanuel Kant verdanken wir eine starke klare Widerlegung des Atheismus; er widmet ihm Aufmerksamkeit, so als habe er dessen künftige Popularität vorausgeahnt. Durch Untersuchung der Grenzen unsrer Vernunft zeigt er: Der Satz „Gott existiert nicht!“ ist eine unhaltbare Aussage —- über ein Sein an sich, das unerkennbar ist. Gottes Dasein ist nicht widerlegbar, auch nicht die Hoffnung eines künftigen Lebens. Dem Atheismus und Materialismus, könne ganz „die Wurzel abgeschnitten“ werden (KrV AA III 21). Kants Vernunftkritik widerlegt die Begründbarkeit der These: „Es ist kein“ Gott! „Denn wo will der angebliche Freigeist seine Kenntnis hernehmen?“ Dieser Satz liegt außerhalb der Grenzen menschlicher Einsicht. Wer ihn behauptet, vertritt ein negatives Dogma über die Vernunft hinaus. Wer Gott leugnet, muß, was er nicht kann, die negative Beweislast tragen! Und zwar logisch-erkenntnistheoretisch und existentiell-persönlich eschatologisch coram Deo. Der Verzicht des Agnostikers auf die nach dem Ursprung fragende Vernunft läuft auf den nicht vernünftigen dogmatischen Unglauben hinaus, der ohne Beweise Gottes Dasein bestreitet, worüber kein positiv oder negativ zwingendes Erkenntnisurteil gefällt werden kann. Also kann es nur außer vernünftige, nicht vernunftgemäße Gründe für den Atheismus geben. Fazit: Die Kritik der reinen Vernunft erhärtet: Schlechthin unmöglich ist es, Gottes Nichtdasein zu beweisen.

Geschichtliche Ursprünge des Atheismus

Kant zeigt durch Argumente, was im christlichen Abendland verbürgte Sicht war: Atheismus galt als widervernünftig, ja als intellektueller Selbstmord; wer Gott leugne, begehe ein doppeltes moralisches Verbrechen, er beleidigt die höchste Majestät und verstümmelt zugleich geistig sich selbst. Denn der Gottesgedanke gehöre jeder Menschenseele wesentlich zu, und wer ihn in sich auslösche, lege gleichsam im Innersten Hand an sich, analog zu dem, der seinen Leib antastet. Aufgrund seiner Unvernünftigkeit müsse er, einer „du coeur“ (des Herzens) sein, eine vorsätzlich zugezogene Selbstverblendung ein „aveuglement volontaire“ (eine freiwillige Erblindung), zuletzt in geistlicher Diagnose: „L’athéisme. Une maladie spirituelle“ (Der Atheismus. Eine geistliche Erkrankung)3.
Denn jeder Mensch verfüge, so Paulus in Römer 2, 15, über ein seiner Vernunft eingeborenes bzw. ihm in sein Herz geschriebenes Wissen von Gott, das der Atheist in sich selbst ausradiert.
Noch zur Zeit der Aufklärung war der Atheismus selten, eine Anomalie, ein „Grenzfall“4, – so wie in der ganzen Geschichte der Philosophie der Atheismus eine Ausnahmeerscheinung war. Die „Atheisterey“ galt weithin als ein „unvernünftiges Vorutheil“, etwa daherrührend, daß ihre Fürsprecher „ihrer todtkranken und verfinsterten Vernunft allzu viel einräumen“. Vor allem lud die bewunderungswürdige Ordnung der Natur zu physikotheologischen Betrachtungen ein, auf einen weisen Schöpfer hindeutend. Forscher ersten Ranges, als Astronomen, Mathematiker und Physiker wie Nikolaus Kopernikus, Johannes Kepler, Isaac Newton, kamen her vom biblischen Glauben an den in Christus offenbarten Gott und „erkannten“ darin, daß „die Welt durch Gottes Wort geschaffen …, alles Sichtbare aus Unsichtbarem entstanden ist“ (Hebräer 11, 3). So war die Bibel nicht nur kein Hemmfaktor in der Geschichte neu aufblühender Naturwissenschaft, wie Vorurteile besagten, sondern kraft Hypothesen derer, die auch im ‚Buch der Natur‘ Spuren von Gottes Wirken finden wollten,5 zuversichtlich Zusammenhänge vermuteten, Naturforschung beflügelnd.

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1 Ludwig Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus, London 1922; vgl. Robert Spaemann: Der letzte Gottesbeweis, München 2007, 11f; zur Widerlegung des Atheismus s. Edith Düsing: Gottvergessenheit und veruntreute Seele. Philosophische Streifzüge von Kant zu Nietzsche, München 2018; dies.: Atheismus und Agnostizismus, in: Verantwortlich glauben. Ein Themenbuch zur christlichen Apologetik, hg. von Christian Herrmann, Nürnberg 2016, 220-237.

2Zum Verhältnis von Glaube und Naturwissenschaft s. Horst W. Beck: Biblische Universalität und Wissenschaft. Interdisziplinäre Theologie im Horizont trinintarischer Schöpfungslehre, 2. Aufl. Weilheim-Bierbronnen 1994.

3Winfried Schröder: Ursprünge des Atheismus. Untersuchungen zur Metaphysik- und Religionskritik des 17. und 18. Jahrhunderts, 71ff. Die Seitenzahlen in Klammern beziehen sich im Folgenden auf dieses informative, der Intention nach freigeistige Werk.

4Jürgen Mittelstraß: Neuzeit und Aufklärung. Studien zur Entstehung der neuzeitlichen Wissenschaft und Philosophie, Berlin/ New York 1970, 130.

5Zur Forschung befördernden Ausstrahlung der Bibel s. aus fernöstlicher Perspektive Vishal Mangalwadi: Das Buch der Mitte: Wie wir wurden, was wir sind: Die Bibel als Herzstück der westlichen Kultur, Basel 2014.

Schweiz: Kreationismus, Piusbruderschaft und politische Doppelmoral von SVP und CVP

Piusbruder Matthias Gaudron lehrt in Wangs/SG den Kreationismus: SVP und CVP störts nicht
Eine Phalanx von SVP und CVP versenkte im St. Galler Kantonsrat eine Motion, die den Schulen der Piusbrüder Grenzen setzen wollte.

Von Kurt Marti | INFOsperber

Wenn es darum geht, die Werte der Freiheit und der Demokratie gegen den Islam zu verteidigen, stehen die christlich-abendländischen Vorkämpfer der SVP und der CVP mit grimmigen Gesichtern zuvorderst in der Reihe. Wie ernst es ihnen mit der Verteidigung dieser Werte tatsächlich ist, zeigt ihr Verhalten gegenüber fundamentalistischen Tendenzen in den eigenen Reihen.

Zum Beispiel im Kanton St. Gallen, dem Eldorado für Privatschulen, insbesondere der katholisch-konservativen Prägung wie die erzkatholische Piusbruderschaft, welche Kindergärten, Primar-, Sekundar- und Mittelschulen in Wangs, Oberriet und Wil betreibt. Nota bene mit dem offiziellen Segen des kantonalen Bildungsdepartementes.

Kriterien des Bundesgerichts nicht erfüllt

Rückblick: Im Oktober 2016 hat sich das Bundesgericht gegen die Eröffnung eines islamischen Kindergartens in Volketswil/ZH ausgesprochen, weil die Bildungsziele der Volksschule nicht erfüllt waren.

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