Die Hoffnung auf etwas „Un-Intelligent“ Design

Symbolbild. Bild: hippo by swatts
Was ist Leben eigentlich, also ich meine wissenschaftlich betrachtet? Was macht uns und unsere Umwelt auf dem Planeten Erde aus? Hat die Wissenschaft heute das Rätsel des Lebens gelöst? Und gibt es Leben jenseits unseres Planeten?

Von Andreas Losch | diesseits.ch

Mit solchen Fragen haben wir uns in einem interdisziplinären Projekt an der Universität Bern in den letzten Jahren intensiv beschäftigt, und auch damit, ob sie zusammenhängen. Heute erscheint die Frucht dieser Bemühungen, ein Buch zum Thema „What is Life? On Earth and Beyond“. Dabei gehen die Meinungen auseinander, ob die Frage, was das Geheimnis des Lebens ist, beantwortet ist. Die Biologen sagen ja, die Philosophen meinen „vielleicht“, und die Theologen fragen sich, ob das wohl stimmt. Naja, so grob jedenfalls.

Woran liegt das? Ich denke, es hat mit der Perspektive zu tun, mit der man die Frage stellt. In vergangenen Jahrhunderten dachte man oft an eine geheimnisvolle Vitalkraft in den Lebewesen, vielleicht ein Echo biblischer Geschichten, nach denen der Atem Gottes alles Leben am Leben erhält. Biologen haben bald herausgefunden, dass es diese Vitalkraft anscheinend nicht gibt, dass Leben nur Physik und Chemie ist, und keinen zusätzlichen Stoff enthält. Nun ja, nicht ganz, denn heutige Biologen sind da etwas schlauer, denn schließlich ist ja quasi alles Physik und Chemie, also ein Stein ja genauso. Besonders am Leben aber ist, dass es eine Geschichte hat, also der Evolution unterliegt. Die Ursprünge des Lebens hängen nun mit dem Beginn der biologischen Evolution zusammen, und tatsächlich hat man diese Frage, wann und wie das Leben entstanden ist, noch nicht gelöst.

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Hegemonie statt Biologie

©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at
In der Türkei soll Darwin vom Lehrplan gestrichen werden, der US-Vizepräsident Mike Pence beharrt auf der biblischen Schöpfungsgeschichte – wieso haben Autoritäre ein Problem mit der Evolution?

Von Stefan Schmitt | ZEIT ONLINE

Was ist das bloß mit der Evolutionstheorie, dass sie manche Gemüter so erhitzt? In Recep Tayyip Erdoğans Türkei wird sie aus dem Lehrplan gestrichen. In den USA sitzt mit Mike Pence ein Vizepräsident im Weißen Haus, der sich einst dafür ausgesprochen hat, dass „andere Theorien für den Ursprung der Arten“ unterrichtet werden. Und in Großbritannien finden sich in der nordirischen, protestantischen Königsmacher-Partei DUP Parlamentarier, die gegen Evolution im Biologieunterricht Front machen – da sie „die Schüler korrumpiert“.

Drei Beispiele aus ganz verschiedenen Ländern. Auf der Suche nach dem gemeinsamen Nenner ist es verlockend, der Religion die alleinige Schuld zuzuschieben. Verträgt sich doch Darwins Idee mit keinem wörtlichen Verständnis der Genesis oder entsprechender Suren.

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Creationist blames dreadful attendance at Ark theme park on tax-starved city not supplying ‘tourist services’

Die nachgebaute Arche Noah in Grant County, Kentucky. bild: arkencounter
The creationist behind Kentucky’s failing “Ark Encounter’ theme park is at it again.

By Noor Al-Sibai | RawStory

Ken Ham, the president and CEO of “Christian apologist ministry” Answers in Genesis, penned an op-ed that once again deflects the blame for the failure of his Noah’s Ark replica theme park. This time, Ham argued that the culprit is Williamstown which footed the $92 million bill for the park that now graces their city for not providing enough infrastructure to accommodate visitors to their new “attraction.”

“Williamstown, where the Ark is located, doesn’t have the tourist-related services that Dry Ridge [a neighboring tourist trap] has, so it needs more businesses like hotels and restaurants if it hopes to experience the growth that Dry Ridge is now enjoying,” Ham wrote.

There are a slew of problems with Ham’s reasoning. As Hemant Mehta at The Friendly Atheist points out, Williamstown has received no financial incentives to stoke growth in the area because Ham negotiated a “ridiculously low” 30-year property tax rate for the taxpayer-funded park. Ham is also garnishing his employees’ paychecks to help repay the loans taken out to complete the park.

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Kreationist darf doch im Grand Canyon Gesteinsproben sammeln

afp Laut Andrew Snelling entstand der Grand Canyon aufgrund der biblischen Sintflut vor gut 4.000 Jahren.
Der „Forscher“ klagte die US-Nationalparkbehörde. Dank eines neuen Gesetzes erhielt er nun die Erlaubnis, seine Sintflutthese zu „erhärten“

derStandard.at

Der australische Geologe und Kreationist Andrew Snelling glaubt an die biblische Schöpfungsgeschichte und an die Sintflut. Aus diesem Grund geht er auch davon aus, dass der Grand Canyon aufgrund dieser in der Bibel beschriebenen Katastrophe vor 4.300 Jahren ziemlich flott entstand, was er seit einigen Jahren mit Gesteinsproben aus dem Grand Canyon erhärten möchte. Doch die US-Nationalparkbehörde hat ihn bislang daran gehindert, wie DER STANDARD berichtete.

Snelling, der sein Geologie-Studium an der Universität Sydney 1982 mit einer Dissertation abschloss, arbeitet seit Jahrzehnten für kreationistische Organisationen, zuletzt für die fundamentalistisch-evangelikale Organisation „Answers in Genesis“, der das Creation Museum in Petersburg gehört, wo unter anderem vermittelt wird, dass der Mensch zur gleichen Zeit wie die Dinosaurier lebte.

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Creationist Ken Ham blames atheists and ‘fake news’ for failing Ark Encounter theme park

The Kentucky Tourism Development Finance Authority gave $18 million in tax breaks to fund a $92 million Noah’s Ark theme park
The organization behind a tax-payer subsidized “replica” of Noah’s Ark in Kentucky is blaming atheists for tax-payers getting fleeced by the project.

By Bob Brigham | RawStory

Creationist Ken Ham built the $92 million Ark Encounter project in Williamstown, Kentucky. The “dismal failure” of the project has backers lashing out at “intolerant atheists” for mocking the return on investment taxpayers have received.

“Sadly, they are influencing business investors and others in such a negative way that they may prevent Grant County, Kentucky, from achieving the economic recovery that its officials and residents have been seeking,” complained Ken Ham, president of Answers in Genesis.

“Why so many lies and misinformation? Simply because we are in a spiritual battle, and the intolerant secularists are so upset with such world-class attraction like the Ark (and Creation Museum) that publicly proclaim a Christian message,” Ham claimed. “They will resort to whatever tactics they deem necessary to try to malign the attractions.”

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„Gottgelenkte Evolution“

Pockenvirus – ein Ergebnis gelenkter, absichtsvoll vorausgeplanter Evolution?
Ein gescheiterter Versuch der Konsensfindung. Das Konzept einer „gottgelenkten Evolution“ wird als Kompromiss zwischen Kreationismus und der wissenschaftlichen Evolutionsbiologie angeboten.

Von Jori Wehner | Richard-Dawkins-Foundation

Mit einem wissenschaftlich begründeten Verständnis evolutionärer Prozesse ist dieses Konzept nicht vereinbar, denn alle Beobachtungen deuten auf ungelenkte Evolution hin. Zudem werfen Versuche einer Vereinigung beider Konzepte unlösbare theologische Probleme auf.

Es besteht ein unüberbrückbarer Konflikt zwischen „ungelenkter Evolution“ (die plausible Schlussfolgerung evolutionsbiologischer Forschung) und „gelenkter Evolution“ (die Behauptung christlicher und islamischer Theologie).

  1. Die Theologie postuliert an den Anfang der evolutionären Entwicklung einen intelligenten Schöpfer, der irgendwann damit begonnen haben soll, einen zuvor festgelegten Plan abzuarbeiten. Evolutionäre Prozesse laufen jedoch allem Anschein nach ungerichtet und ohne vordefiniertes Ziel ab. Genetische Mutationen folgen einer statistischen Zufälligkeit – keinem vordefinierten Ziel. Die meisten Mutationen sind phänotypisch neutral oder schädigen ihren Träger. Nur in extrem seltenen Fällen tritt eine fitness-steigernde Mutation auf, die ihrem Träger einen reproduktiven Vorteil verschafft und damit in der Population fixiert wird.  Der evolutionäre Prozess produziert also praktisch immer nur Ausschuss (was leicht übersehen werden kann, da unsere eigene Umwelt nur noch die seltenen Erfolgs-Ausnahmen enthält). Selbst die wenigen Individuen, die sich gegen ihre Konkurrenten innerhalb und außerhalb der eigenen Art behaupten können, sind immer nur zeitweilig erfolgreich. Mehr als 99% aller biologischen Spezies der Erdgeschichte sind ausgestorben. Das spricht gegen eine planvolle Steuerung evolutionärer Prozesse und ist ein deutlicher Beleg für ungeplante, ungerichtete, letztlich ziellose Entwicklung.

Evolutionsexperimente zeigen, dass die Evolution mit jedem Neustart desselben genetischen Ausgangsmaterials immer neue, überraschende, unvorhersehbare Verläufe nimmt.[1] Dabei zeigt sich Divergenz in neue, bisher unbeschrittene Wege durch den Raum der möglichen Permutationen.[2] Die statistische Wahrscheinlichkeit für Redundanz (für eine Wiederholung derselben Mutationssequenzen in nachfolgenden Generationen) geht gegen Null. Selbst konvergente Einwicklungen in der Evolution entstehen offenbar nicht planvoll, sondern durch den formenden Einfluss der Umweltbedingungen.

  1. Das Genom etlicher Spezies enthält funktionelle Verluste gegenüber früheren Evolutionsstufen. Im Genom der Primaten (einschließlich des Menschen) findet sich z.B. auf dem achten Chromosom ein defektes Gen für einen Stoffwechselweg zur Herstellung von körpereigenem Vitamin C. Menschen und andere Trockennasenaffen können kein eigenes Vitamin C mehr produzieren, wozu ihre evolutionären Vorfahren (und fast alle anderen höheren Tiere in unserer Umwelt) problemlos in der Lage sind.[3] Diese Pseudogene sind beeindruckende Zeugnisse der gemeinsamen Abstammung heutiger Arten – jedoch funktionell sinnlos. Es erscheint extrem unplausibel, dass ein intelligenter Schöpfer die Evolution nützlicher Gene veranlasst haben soll, um sie dann in einzelnen Spezies durch Punktmutation zum Schaden ihrer Träger wieder zu zerstören. Der Nachweis von defekten Pseudogenen bestätigt jedoch hervorragend die Annahme einer ungelenkten, ziellosen Evolution basierend auf zufälligen Mutationen.

Nicht nur auf makroskopischer Ebene sind die Spuren ungerichteter Evolution anhand von Rudimenten und Atavismen erkennbar. Die Erbinformation aller Spezies ist übersät mit den Artefakten zufälliger, meist schädlicher Kopierfehler, die sich im Verlauf von vier Milliarden Jahre währender, wiederholender DNA-Abschriften eingeschlichen haben. In der DNA aller Spezies finden sich tausende retrovirale Insertionen, Transposone, chromosomale Fusionen, sinnlose Einfügungen und Umstellungen, die vor Millionen Jahren bei einzelnen Individuen aufgetreten sind und sich seitdem durch ihre (in verschiedene Spezies aufgespaltete) Nachkommenschaft vererben. Auch wenn wir in unserem Genom nur noch solche Artefakte finden, die mit dem Leben und der Reproduktion ihrer Träger vereinbar gewesen sind, lässt ein Blick in das breite Spektrum der Erbkrankheiten erahnen, wieviele Milliarden Träger solcher zufälligen genetischen Modifikationen als evolutionärer Ausschuss ausselektiert wurden. Das bestätigt die Annahme einer ungerichteten, ungeplanten Evolution. Wer hier an der These eines vorausschauenden Planers der Evolution festhalten will, muss sich einreden, der intelligente Planer habe absichtlich eine Evolution entworfen, die exakt so aussieht, als folge sie absichtslosem Zufall.

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Young Earth Creationism Is Evolving

Image: FB/CW Brown/Godless Utopia
Despite the overwhelming scientific evidence in favor of evolution, some 40% of Americans reject the theory and adhere to young earth creationism. I have long believed that the most effective way to combat young earth creationism is within religion. Biologos, an organization promoting theistic evolution, is attempting just that—and with some success. Answers in Genesis has recently posted a series of blog posts combatting Biologos’ efforts—and making arguments that seem, as someone raised in an evangelical young earth creationists home, bizarre.

By Libby Anne | Love, Joy, Feminism

Earlier this year Biologos praised the publication of a new book: Adam and the Genome: Reading Scripture After Genetic Science, by Dennis Venema and Scot McKnight, a geneticist and a New Testament scholar. Together, the two scholars lay out the scientific evidence on the origins of man and examine the words of Paul and others, outlining and defending a theistic evolutionary perspective compatible with modern science. As Biologos explains:

Christians who take the Bible seriously want to interpret it correctly. We’re not looking to bend and shape it to our personal beliefs, but to have it shape us and our beliefs. As such, we should be open to considering whether we have inherited ways of interpreting Scripture that are more a product of previous cultures than they are the absolute and unchanging word of God. If science can help us see more clearly what God has communicated, then we should be grateful.

Unsurprisingly, Answers in Genesis has a serious problem with this, and has published a whole series of blog posts rebutting Venema and McKnight’s claims. Addressing one of Venema’s chapters on science and genetics, Answers in Genesis’ Nathaniel T. Jeanson writes that: 

Venema discusses four categories of scientific claims: (1) Venema says fossil transitional forms (like Tiktaalik) have been discovered—a finding which fails to reject evolution; (2) Venema implies that the order of fossils in the fossil record fails to reject evolution; (3) Venema claims that gaps in the fossil record are being filled—again, a finding which fails to reject evolution; and (4) Venema says multiple (e.g., paleontological, embryological) converging lines of evidence fail to reject evolution, further bolstering its scientific strength.

Has Venema applied the scientific method correctly?

Let’s apply it again to his evidences, this time considering competing (i.e., YEC) explanations. For Venema’s arguments to support evolution as a scientific explanation, they would not only have to fail to reject the evolutionary explanation; they would also have to successfully reject the YEC view.

Jeanson does not object to Venema’s statement there are transitional fossils, and that the gaps in the fossil record are being (or have been) filled. Instead, he accepts these claims. He asserts simply that transitional fossils and the increased filling of gaps in the fossil record are not incompatible with young earth creationism. In other words, they can be true and evolution can still be false, and young earth creationism true. What’s strange is that this argument is very different from the one I grew up hearing.

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Creationists Are Promoting a Book Featuring Noah Fighting a Dinosaur

Remember in the Bible when Noah battled a dinosaur in an arena?

By Hemant Mehta | Friendly Atheist

Answers in Genesis does. Or at least they have no problem promoting it in a book about how “God shapes [Noah] into the man who eventually saves humanity’s future.”

I would tell you this is a work of fiction… but isn’t everything on their site?

It’s also not the only Creationist reference to biblical characters fighting dinosaurs. Ken Ham has an entire diorama in Ark Encounter showcasing a batter between humans, giants, and dinosaurs. Because science.

Katholischer Lückenbüßer-Gott und Bildung

St. Galler Kantonsräte verschiedener Parteien fordern in einer Motion strengere Auflagen für Privatschulen. Sie wollen damit angeblich verhindern, dass Schüler an konfessionellen Schulen „gezielt indoktriniert“ werden.

Von Dominik Lusser | kath.net

Im Kanton St. Gallen gibt es derzeit 29 Privatschulen mit einer offiziellen Bewilligung. Das Volksschulgesetz macht die Erteilung einer Bewilligung von zwei Bedingungen abhängig: Erstens müssen die Privatschulen einen der öffentlichen Schule gleichwertigen, auf Dauer angelegten Unterricht gewährleisten. Zweitens müssen die obligatorischen Unterrichtsbereiche der öffentlichen Schule unterrichtet werden. Das Amt für Volksschule überprüft die Privatschulen regelmässig.

Manchen St. Galler Kantonsräten genügen diese Bestimmungen nicht. Im Kanton St. Gallen gäbe es Privatschulen, die zum Teil „religiös-fundamentalistischen Kreisen“ nahestünden, heisst es in einer Motion vom 25. April 2017. Zudem fehlten im Volksschulgesetz klare inhaltliche Vorgaben für den Unterricht an Privatschulen. Diese Lücke gelte es mit Blick auf einen weltanschaulich neutralen Unterricht zu schliessen. Bewilligungen für Privatschulen sollen demnach künftig nur noch erteilt werden, „wenn an der Privatschule keine religiöse bzw. weltanschauliche Beeinflussung stattfindet.“

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Kreationismus, Rechtspopulismus und die „Extended Evolutionary Synthesis“

HP, screenshot:bb
Zum Repertoire kreationistischer Argumente gehört die Behauptung, die Evolutionstheorie werde von wissenschaftlichen Experten selbst bezweifelt. Man gebe sich aus ideologischen Gründen nach außen hin jedoch sicherer, als es die „scientific community“ sei.

Von Hansjörg Hemminger | AG Evolutionsbiologie

Bereits Ende 2014 publizierte WORT & WISSEN eine Meldung mit der rhetorischen Frage „Brauchen wir eine neue Evolutionstheorie?“[1] unter Berufung auf einen weithin beachteten Artikel in der Fachzeitschrift „Nature“: „Does evolutionary theory need a rethink?“[2] Der Autor Reinhard JUNKER behauptet:

„Die Auseinandersetzung zeigt, dass es nicht die eine, alles erklärende Evolutionstheorie gibt, sondern eine Vielzahl von theoretischen Ansätzen, die zum Teil miteinander konkurrieren oder gar einander ausschließen.“

WORT & WISSEN versucht damit den Eindruck zu erwecken, die Evolutionstheoretiker würden ihren Erklärungsanspruch selbst einschränken. Deshalb könne man annehmen, ohne in Widerspruch zur Wissenschaft zu geraten, dass es keine Evolution gegeben habe, oder dass zumindest ein „intelligenter Designer“ dafür nötig gewesen sei. In einer Meldung vom 23.12.16 „Entstehung evolutionärer Neuheiten – ungelöst!“[3] heißt es:

„In populären Darstellungen über Evolution, in Schul- und Lehrbüchern oder auch in interdisziplinär-theologischen Abhandlungen wird schon seit Jahrzehnten behauptet, dass ein evolutionärer Ursprung der Lebewesen eine Tatsache sei. Darüber hinaus könne auch als geklärt gelten, dass und wie Evolution nach rein natürlichen Mechanismen – d. h. ohne zielgerichteten, schöpferischen Input – abgelaufen sei.“

Die „scientific community“, so behauptet WORT & WISSEN, stünde nicht hinter diesen Positionen. Nicht einmal die Studiengemeinschaft kann allerdings vorgeben, dass es in der wissenschaftlichen Literatur Zweifel am „evolutionären Ursprung der Lebewesen“ gibt. Deshalb stützt sich ihre Behauptung auf eine angebliche Krise der kausalen Theorie, u.a. auf die Unerklärtheit von evolutionären Innovationen und Makro-Ereignissen. Damit wäre „Intelligent Design“ (ID) in der Biologie wieder als vermeintlich alternative Erklärung für die Entwicklung des Lebens nötig oder möglich.

Bemängeln als Strategie

Eine solche Strategie des Bemängelns verfolgt WORT & WISSEN seit Jahrzehnten unabhängig vom Stand der naturwissenschaftlichen Diskussion. Was immer an Fortschritten erzielt wurde und wird, sei es in der Genomik, sei es in der Evolutionären Entwicklungsbiologie, sei es in der Ökologie: Immer behauptete WORT & WISSEN angebliche Defizite, die es weiterhin erlaubten, die Evolutionstheorie zu bezweifeln. Gelegentlich wird sogar behauptet, der Wissensfortschritt sei der „Freund“ des Intelligent-Design-Ansatzes, weil er Design plausibler werden lasse. Dabei wird ignoriert, dass die Studiengemeinschaft durch den Wissensfortschritt ständig zu Zugeständnissen gezwungen wurde. (Beispiele sind die Übergangsform Tiktaalik zwischen Fischen und Amphibien, die Endosymbiontentheorie, die widerlegten Wahrscheinlichkeitsberechnungen zur Entstehung der Bakterienflagelle usw.).

Dabei wird erst gar nicht versucht, eigene, alternative Theorien vorzulegen. Geschieht dies ausnahmsweise doch einmal, scheitert der Versuch, wie im Fall der Stammesgeschichte des Menschen.[4] Ihr Hauptprodukt, das „Kritische Lehrbuch“, verfolgt diese Strategie ebenfalls, wenn auch zumindest in der letzten Auflage vorsichtiger als JUNKER in den zitierten Meldungen. Allerdings zeigen diese eine interessante Entwicklung: Die Studiengemeinschaft scheint den Kontakt zum theoretischen Fortschritt zu verlieren. Während man früher von einer interessengeleiteten Verzerrung sprechen konnte, findet man den Stand der Forschung in diesen Texten nicht mehr wieder, auch nicht in kreationistischer Interpretation. Das wird im Folgenden zu begründen sein. Bisher hatte WORT & WISSEN innerhalb der evangelikalen Bewegung mit ihrer Strategie des Bemängelns Erfolg. Im Verbund mit rechtskatholischen Evolutionsgegnern, seit kurzem auch mit muslimischer Evolutionskritik, hat sich dort die Überzeugung etabliert, dass man den US-Kurzzeit-Kreationismus zwar nicht pauschal übernehmen könne, dass die Evolutionstheorie aber – je nach Ausprägung der Zweifel – „nur eine Theorie“ sei, oder „nur eine Weltanschauung“ oder „selbst ein Glaube“, jedenfalls keine solide Naturwissenschaft. Man hofft dabei auf einen Gottesbeweis aus der Natur, oder zumindest auf den Schatten eines Beweises in Form wissenschaftlicher Plausibilität für „Intelligent Design“.

Ob ein solcher handfester oder schattenhafter Gottesbeweis überhaupt wünschenswert ist, muss allerdings innerhalb jeder Glaubensgemeinschaft selbst diskutiert werden; dafür ist hier nicht der Ort. Die geistigen und gesellschaftlichen Kosten dieses Kreationismus sollten jedoch bedacht werden. In den USA ist er (ob „light“ oder radikal) ein Ausdruck der gesellschaftlichen Spaltung zwischen „Liberals“ und „Conservatives“, die unter anderem dazu führte, dass mit dem Präsidenten Donald Trump eine rechtspopulistische Regierung an die Macht kam. Die Behauptung, dass die Evolution (wie auch der anthropogene Klimawandel und andere unliebsame Realitäten) nicht wissenschaftlich begründet sei, sondern dem Kampf gegen die Religion oder wahlweise gegen konservative Werte diene, gehört zu den „alternativen Fakten“ ihres ideologischen Lagers. Tom KADEN hat dazu eine Untersuchung vorgelegt, die das vergiftete ideologische Klima in den USA eindrücklich beschreibt.[5]

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Evolutionstheorie: Urmenschen spalten Serbien

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Eine breite Initiative will den Ersatz von Darwins Lehre in Schulbüchern durch die biblische Schöpfungsgeschichte. Aufgeklärte Kritiker werden behördlich bedrängt.

Von Thomas Roser | Die Presse.com

Ausgerechnet eine oftmals als rückständig belächelte Weltregion kam dieser Tage überraschend in den Verdacht, sie, und nicht wie bisher angenommen Ostafrika, könnte die Wiege der Menschheit gewesen sein: Laut Wissenschaftlern der Universität Tübingen (Deutschland) deuteten Knochen- und Zahnfunde in Bulgarien und Nordgriechenland darauf hin, dass sich die Entwicklungslinien von Affe und Mensch auf dem Balkan getrennt hätten („Die Presse“ berichtete am 23. Mai). Man will durch die Funde eine neue Hominidenart, Graecopithecus freybergi, identifiziert haben, die vor 7,2 Millionen Jahre existiert haben soll. Das wäre sogar noch ein wenig früher, als es die herrschende Lehre für den Schauplatz Ostafrika (speziell Tansania, Äthiopien, Kenia) annimmt.

Die Forscher erwarten nach eigenen Angaben „heftige Reaktionen“, „viel Widerspruch“ und geben zu, dass die Indizienlage noch dünn sei. Und tatsächlich kommt Stolz über die neuen „Affenmenschen vom Balkan“ in der streitbaren Vielvölkerregion keineswegs bei allen Heutigen auf: Engagiert streitet nämlich in Serbien eine Initiative rechtsklerikaler Intellektueller gegen die Lehre der Evolutionstheorie in Schulbüchern.

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Die Affenmenschen vom Balkan – Evolutionstheorie raus aus den Schulbüchern

Jüngste Funde in Griechenland lassen vermuten, dass sich die Abstammungslinien von Schimpansen und Menschen möglicherweise in Südosteuropa und nicht in Afrika trennten. ©dpa
Eine serbische Initiative streitet für die Entfernung der Evolutionstheorie aus den Schulbüchern des Landes.

Von Thomas Roser | Sächsische Zeitung

Ausgerechnet einer oft als rückständig belächelten Region winkt die Aufwertung zur Wiege der Menschheit: Laut den jüngsten Erkenntnissen Tübinger Wissenschaftler könnten die ersten Vormenschen nicht wie bisher angenommen aus Ostafrika, sondern vom Balkan stammen.

Doch Freude und Stolz über die spät entdeckten Affenmenschen vom Balkan kommt in der streitbaren Vielvölkerregion keineswegs bei allen von deren Nachkommen auf. Engagiert streitet in Serbien eine Initiative rechtsklerikaler Intellektueller gegen die weitere Verbreitung der Evolutionstheorie in den heimischen Schulbüchern.

„Globalisten und Atheisten, die heute in der Welt die einflussreichsten Positionen einnehmen, finanzieren die Verbreitung der Evolutionstheorie, klagt eine zu Monatsbeginn veröffentlichte und von 166 Professoren, Wissenschaftlern, Ärzten und Geistliche unterzeichnete Petition, die die Einführung der biblischen Schöpfungsgeschichte im Biologie-Unterricht fordert.

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Kreationist verklagt Grand Canyon

Der Grand-Canyon-Nationalpark Weil ein Geologe keine Gesteinsproben entnehmen durfte, verklagt er nun den ganzen Park. © via pixabay / CC0 Public Domain
Ein Geologe wollte im Grand Canyon Gesteinsproben sammeln. Die sollten beweisen, dass die Felsschluchten durch die Sintflut Gottes entstanden. Doch die Verantwortlichen erlaubten ihm nicht, die Proben zu entnehmen. Deshalb verklagt er jetzt den ganzen Park.

Von Franziska Ottillinger |Galileo TV

Andrew Snelling ist ein Wissenschaftler mit dem Doktortitel in Geologie. Anders als seine akademischen Kollegen stellt er aber so ziemlich alles infrage, was die Wissenschaft in den letzten Jahrhunderten über die Entstehung der Welt herausfand.

Trotz seiner universitären Karriere ist er nämlich ein Anhänger des Kreationismus. Das ist so ziemlich das Gegenteil der Evolutionstheorie von Charles Darwin. Snelling und andere Kreationisten sind davon überzeugt, dass Gott die Welt vor wenigen tausend Jahren schuf und alles in der Bibel wahr ist. Adam, Eva, Noah, die Sintflut – laut dem Geologen sind das historische Fakten.

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Creationist claims that ‘satanic giants’ built Stonehenge

Blick auf Stonehenge. Die Blausteine sind die einzelnen Monolithen im Steinkreis. © gemeinfrei
Stonehenge is a magnificent structure and testament to human engineering and will. Like the pyramids, it’s one of the few wonders of the ancient world still standing. However, as amazing as it is, its purpose and function are a subject to as much debate as how the structure was built. Not all of that debate is logical.

By Thamiel Rosenkreuz | Church and State

You see, according to one creation “scientist,” Stonehenge is the result of “satanic giants” who want to destroy Israel.

Tools of the Devil

Stonehenge as we know it existed fully by 1600 BCE, but the very first stages of construction were laid down around 3500 BCE according to modern archaeologists. Unfortunately, the civilization that gave us Stonehenge didn’t have writing, so they left no records for us.

This means trying to figure out their motivation becomes a guessing game — dangerous but not unfamiliar territory for anyone in anthropology. Uncertainty, after all, is the name of the game in science.

This uncertainty drives creationists nuts. They need that absolutism, that black-and-white, clearly defined certainty to feel comfortable. This explains their hair-brained lunacy and near constant effort to try and force this black-and-white thinking on reality, as Dr. Dennis Lindsay demonstrated on Wednesday.

Lindsay is a creationist pseudo-scientist who is the chief executive officer for Christ For The Nations, Inc., or CFNI, which is an international Bible school founded in the 1970s. Lindsay joined discredited Televangelist Jim Bakker on his program to explain what really caused Stonehenge — a race of satanic giants.

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With God on Their Side: How Evangelicals Entered American Politics

Billy Graham preaching at Madison Square Garden, 1957. (Photo: Cornell Capa / International Center of Photograph)
When Jimmy Carter described himself as “born again” in his 1976 run for president, most academics and journalists had a vague idea of what he meant, but few experts on religion could be found within their precincts. Back in those days presidential candidates kept their faith to themselves unless, like John F. Kennedy or George Romney, they were adherents to a religion historically disdained by the Protestant majority.

By Alan Wolfe | State and Church

Here’s a quiz: What is the faith of Carter’s running mate, Walter Mondale? (It is not Lutheranism, the dominant religion of his home state of Minnesota.) If Mondale were running today, you would know.

In the same year in which Carter ran for president, Jerry Falwell, then emerging as a leader of the religious right, claimed that the notion that religion and politics should be kept apart “was invented by the Devil to keep Christians from running their own country.” The Devil having been last seen on American shores conversing with Daniel Webster in Stephen Vincent Benét’s 1937 short story, Falwell was actually suggesting that modern American politics would be taking a radically new direction. He was correct: We now expect confessional declarations from our candidates, even if, as in Donald J. Trump’s case, they lack any shred of spiritual sensibility.

Frances FitzGerald’s “The Evangelicals: The Struggle to Shape America” is a 700-page historical overview of the conservative Protestantism that has become so omnipresent in our public life, including its offshoots in fundamentalism and Pentecostalism. It is, simply put, a page turner: FitzGerald is a great writer capable of keeping a sprawling narrative on point, even as it descends into discussions of Keswickian holiness, pretribunalist rapture and theonomic governance. (Don’t ask.) Anyone curious about the state of conservative American Protestantism will have a trusted guide in this Bancroft and Pulitzer Prize winner who has previously written about Vietnam, Ronald Reagan’s Strategic Defense Initiative and American textbook controversies. In addition, FitzGerald clearly took her time; she reports on a visit to an important religious site as early as September 1987. We have long needed a fair-minded overview of this vitally important religious sensibility, and FitzGerald has now provided it.

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5 Kilo Fantastereien: Gucci-Kreationist Adnan Oktar missioniert Schweizer Parlamentarier

Symbolbild. Bild: hippo by swatts
Die Bundespolitiker bekamen das umstrittene Buch von Adnan Oktar zugeschickt. Er kämpft gegen die Evolutionslehre.

Von Sven Altermatt | Aargauer Zeitung

Es ist wahrlich dicke Post: Über fünf Kilogramm wiegt das 800 Seiten starke und aufwendig gebundene Buch, das zahlreiche Bundesparlamentarier in den vergangenen Tagen ungefragt nach Hause geschickt bekamen. Der «Atlas der Schöpfung» ist das Hauptwerk des türkischen Kreationisten Adnan Oktar. Unter seinem Pseudonym Harun Yahya hat er Dutzende Bücher veröffentlicht. Darin führt er einen Kreuzzug gegen den Darwinismus.

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Wenn die Blume des Obskurantismus blüht

Symbolbild. Bild: hippo by swatts

Vor ein paar Wochen wurde auf der Webseite Dialog Theologie und Naturwissenschaften, der evangelischen Akademie im Rheinland, ein Leitartikel von Michael Blume unter der Überschrift: „Vertragen sich Religion und Evolution“, veröffentlicht.

Blume versucht Schnittmengen von Theologie und Evolutionstheorie auszuloten. Dem Prozess der Evolution ist das völlig egal, vollzieht er sich doch seit hunderten von Millionen Jahren ohne uns. Die Erst-Beschreibung des Prozesses, den Versuch Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, zu interpretieren ist Darwins Werk. Seine Fixierung der Evolutionstheorien.

Charles Darwins Buch Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl ist wohl unstrittig das machtvollste Denkgebilde der letzten 200 Jahre. Die von ihm entwickelten Evolutionstheorien, Entwicklung der Organismen von der einfachen Zelle zum komplexen Organismus und die natürliche Auslese rissen einen Krater in die Gedankenwelt göttlicher Schöpfung. Das imago dei und heute lebende Affen haben gemeinsame Vorfahren. Die metaphorische Schöpfungsgeschichte der Bibel ein Märchen. Der gläubige Darwin wusste die Bedeutung dessen richtig einzuschätzen, er fühlte den scheinbare Mord, seiner Ehefrau musste er wiederholt bestätigen, dass die gewonnenen Erkenntnisse nicht auf die Menschen zutrafen. Auch wenn er in späteren Lebensjahren eine agnostische Position einnahm, Gott wurde von ihm nicht in Frage gestellt. Man könnte es durchaus Darwins Dilemma nennen. Gefangen im Glauben an den Gott der Bibel und den Schöpfungsberichten zeigen die Fakten eine andere Geschichte auf. Die Entwicklung des Lebens, vollzogen durch eine Maschine namens Evolution. Die Evolution ist, wer einigermaßen rational Denken kann, ein Faktum. In den Naturkundemuseen unserer Welt sind Millionen Tatsachen gesammelt und anschaulich, bildend dargestellt. Wir können durch Jahrmillionen der Entwicklungsgeschichte des Lebens wandern. Lücken sind benannt, was wir nicht Wissen als Nichtwissen dargestellt. Verblödete Zeitgenossen argumentieren dergestalt, dass der Teufel all diese gesammelten Fossilien(Fakten) versteckte, um die Sinne der Menschen zu verwirren. Die Erde 6.000 Jahre alt sei und der Mensch nach dem Ebenbild Gottes geschaffen wurde. Das sind die harten Fälle religiöser Verwirrung.

Unerheblich, welche mentalen Übungen religiöse Menschen unternehmen müssen, um anzuerkennen, dass ihre Weltsicht nicht stimmig mit den Fakten darstellbar ist. Wie religiöse Wissenschaftler evolutionstheoretische Fakten mit ihrem Weltbild in Übereinklang bringen ist deren Problem und muss uns nicht interessieren.

Die Darwinsche Kränkung wirkt fort, das Dilemma ebenso. Frömmler wie Michael Blume versuchen es mit einer Minimax-Strategie. Wenn ich schon nicht gewinnen kann, mach den Gegner, Anti-Theisten, Atheisten, Brights, was auch immer, bei sich jeder bietenden Gelegenheit fertig. Kinder handeln so, derartige Szenarien finden wir im Sandkasten unserer Kindheit, wir können darüber Lachen, Blume nicht. Man möchte meinen den „Leidartikel“ für die Plattform Dialog & Naturwissenschaften hat ein Fellow des Discovery Institutes geschrieben.

Blume kritisiert alles was mit evolutionär attributiert ist. Da es in seinen Argumentation-Rahmen passt erfindet er den Begriff der evolutionären Religionskritik. Nochmal, Darwin ist für ihn gut, da er Gott nicht in Frage gestellt hat. Nun verteidigt er, mit frömmelnder Obskuranz, Darwin gegen die Ungläubigen. Das er sozialdarwinistisch argumentiert ficht ihn nicht an, Minimax-Strategie. Eine saubere Trennung, nämlich den Unterschied von Darwinismus, der aus Darwins Idee eine Ideologie macht und Sozialdarwinismus darzustellen nimmt er nicht vor.

Religionskritiker erhoben dabei den Anspruch, durch die Wissenschaften seien Religionen „widerlegt“ worden und nicht wenige beriefen sich auch gleich auf die Evolutionstheorie, um sozialdarwinistische, rassistische und eugenische Menschenverachtung salonfähig zu machen.Leitartikel von Michael Blume: Vertragen sich Religion und Evolution?

Großzügig unterschlägt er, in bester Manier eines Propagandisten, die Verwerfungen seines Gottesglaubens, historisch allemal.

Blume lässt seinen Geist fließen. Richard Dawkins verzeiht er den Begriff des Gotteswahns nicht. Er findet eloquente Begründungen für das Zusammengehen von Evolutionstheorie und Religion. Dawkins hat ihn zutiefst gekränkt. Er will nicht gotteswahnsinnig sein und schon gar nicht als solcher verstanden werden. Den Argumenten, derer sich Dawkins bedient geht er aus dem Weg, stattdessen formuliert er, durchaus neurotisch, eine evolutionäre Religionskritik, die ebenso evolutionär entstanden ist wie die Religion.
Methodisch ist es nicht neu, was Blume zu bieten hat. Er nimmt Anleihen in der New Age Esoterik. Der „evolutionäre“ Theismus Teilhard de Chardins hat es ihm angetan, jener Jesuit, der selbst am Massensterben einen Anlass zur Freude sah. Das Universum sei ein selbst denkendes Objekt. Es entwickelt sich zum Omega-Punkt, an dem die gesamte Schöpfung, einschließlich der Menschheit, eins mit der Gottheit werden würde. Unweigerlich stellt sich die Frage, ob am LHC in Genf nicht Bruchstücke exotischer Materie entkommen sind, die mit dem ein oder anderen Religioten in Berührung kamen.

Blume mischt schlechte Geschichte mit fragwürdiger Wissenschaft. Mit seiner Argumentation, dass Wissenschaft für die Vertrauensverluste verantwortlich sei, die sich in Fake News, Verschwörungstheorien und sogenannten postfaktischen Wissen niederschlagen. Seine eigenen, religiös begründeten Weltsichten bezieht er nicht ein. Blume kennt den Plan Gottes und er lässt die armen dummen Menschen teilhaben an seinem Wissen. Die bösen Atheisten, wie Dawkins et al sind in seinem Plan nicht enthalten.

Immanuel Velikovski, Rael, Graham Hancock, Erich von Däniken, Zecharia Sitchin und Michael Drosnin haben in unterschiedlichen Themenbereichen kreationistische Hypothesen formuliert. Blumes Argumentation kommt ca. 20 Jahre zu spät, was ihn nicht daran hindert seine krude Pseudowissenschaft unters Volk zu bringen.

Formulierte Dawkins sinngemäß: „Meme sind kulturelle Information die durch Imitation weitergegeben werden.“ So nennt Blume Meme „virusartige“ Gebilde.

Der christliche Glaube selbst, wie jede Religion, ist ein erfolgreiches Mem. Das bekommt Frömmler Blume nicht in den Kopf. Wenn Gene die Grundbausteine des Lebens sind, sind Meme die Grundbausteine der Kultur. Das war Dawkins Anliegen.  Dass Meme in ihre deskriptiven Begrifflichkeit kritikwürdig sind ist unbestritten.

Blume spricht vom Vertrauensverlust der Wissenschaft, es sind Leute wie er, die Resultate, Erkenntnisse aus Wissenschaft und Technik sozial interpretieren, dabei völlig außer acht lassen, dass die Naturwissenschaften ein Werkzeug sind um unsere Realität zu erkennen und zu beschreiben. Es ist Sache der Politik aus den Erkenntnissen, wenn notwendig, Gesellschaftsrelevantes umzusetzen. Dass das Anwenden wissenschaftlicher Erkenntnis politisch unerwünscht ist sieht man anhand der Klimapolitik der aktuellen US-Regierung.

Blume unterteilt Menschen in Gruppen von Gläubigen, die eine hohe Reproduktionsrate haben, dass Kinder erst durch Indoktrination zu Gläubigen gemacht werden verschweigt er geflissentlich. Hohe Reproduktionsraten, bei Religiösen, sichern diesen einen evolutionären Überlebensvorteil. Er schwadroniert vom Tod des Atheismus. Atheistische Gesellschaften haben keinen Bestand. Da Atheisten eine niedrigere Reproduktionsrate haben. Was wäre denn, wenn Kindstaufen erst ab der Volljährigkeit möglich wären? Und Eltern ihren Zöglingen die Wahl, das Ob und Wenn einer religiösen Weltsicht überließen. Es gibt nicht wenige, auch Gläubige, die von einer Zwangstaufe reden, da man sich als Kleinkind gegen die Wahl der Eltern nicht wehren könne. Vor allem hat dies nichts mit Evolution zu tun, sondern ist eine sozio-kulturelle Angelegnheit. Signifikant, Blume weiß nicht was Evolution ist. Wenn dem so wäre, warum müssen Kinder getauft werden? Warum muss ein großer Zauber veranstaltet werden, um Kinder christlich, islamisch, jüdisch usw. werden zu lassen? Warum lässt der allmächtige Zausel im Himmel sein Volk nicht gläubig auf die Welt kommen? Man sollte Blume ein Labor geben und ihn ein paar Jahre Gene sequenzieren lassen, vielleicht findet er ja das Gottesgen. Gekennzeichnet mit C-E/K, I, J, H, B usw.

Der Höhepunkt Blumescher Religionssudelei findet sich am Ende. Theologie als Hüter der Wahrheitsfrage(n).

Schon jetzt gehören kirchliche Akademien, Institute und Bildungswerke zu den letzten Orten außerhalb der Hochschulen, an denen überhaupt noch Wahrheitsfragen im weltanschaulichen und interdisziplinären Dialog bearbeitet werden.ebenda

Und hier lässt er die Katze aus dem Sack der ewiggültigen Wahrheiten. Um die geht es ihm. Dass das Evolutionäre keine schlussendlichen Wahrheiten kennt übersteigt seinen Horizont und damit führt er seinen ganzen Leidartikel ad absurdum. Esoterisch-religiöser Stuss, New-Age-Esoterik mit kreationistischer Attitüde.

Er versucht den Eindruck zu erwecken, dass er an einer Theologie für Alle arbeitet. Sichtbar vermeidet Blume Attribute wie christlich oder islamisch. Vom Kreationismus scheint er sich zu distanzieren, dem Grunde nach ist er selbst ein Anhänger diese obskuranten Weltsicht.  Wir sind gespannt, wenn er den ersten Artikel bei Wort&Wissen veröffentlicht und die ganzheitliche Suche nach der Arche befördert.

„Je größer der Dachschaden um so schöner der Aufblick zum Himmel.“(Karlheinz Deschner)

Vielleicht entdeckt Michael Blume die Problematik der „evolutionären Homöopathie“ für sich, vielleicht gelingt es ihm das Gedächtnis des Wassers vom Anbeginn bis heute zu entschlüsseln und theologisch zu deuten, den Omega-Punkt dürfte er eh nicht erleben.

 

Vorhölle mit Vergnügungspark

Die nachgebaute Arche Noah in Grant County, Kentucky. bild: arkencounter
Im 27 Millionen Dollar teuren Kreationisten-Museum im US-Bundesstaat Kentucky erklären evangelikale Christen ihren Besuchern die Welt. Jetzt wurde in eine 100 Millionen Dollar teure Arche Noah investiert.

Von Sabine Mezler | General Anzeiger

Der Garten Eden liegt in Kentucky, die Arche Noah auch. Und beide haben dieses Jahr etwas zu feiern: das Paradies im Kreationisten-Museum sein zehnjähriges Bestehen, das biblische Schiff – ein 155 Meter langer, 100 Millionen Dollar teurer Nachbau der Arche – den Beginn des ersten richtigen Geschäftsjahres.

Geschaffen wurden beide Attraktionen, die gern auch als „Disneyland für Darwin-Gegner“ bezeichnet werden, von der AiG, der Evangelisten-Gemeinde „Answers in Genesis“ unter der Führung von Ken Ham. Wie der Name schon sagt, nimmt die Organisation die Bibel wörtlich und findet alle Antworten im ersten Buch Mose. Weshalb sie weder Kosten noch Mühen gescheut hat, um Orte entstehen zu lassen, in denen sie ihre Sicht auf die Welt vermitteln und die Menschen vor den vermeintlichen Irrlehren der Evolutionstheorie bewahren kann.

Am Anfang schuf Ham dazu 2007 das Kreationisten-Museum in Petersburg im US-Bundesstaat Kentucky, um (O-Ton) einen „Gegenpol zu den evolutionsgeschichtlichen Ausstellungen zu bilden, die den Geist gegen die Heilige Schrift und Jesus Christus, den Erschaffer des Universums, verdrehen“.

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Evolutionstheologie: 7 Tage Schöpfung ins Genom gequetscht

Bild, theologie-naturwissenschaften.de
Bild, theologie-naturwissenschaften.de

Wie die planvolle Schöpfung eines gütigen Gottes mit den Zufällen der Evolution zu vereinbaren sei, ist die zentrale Fragestellung des vorliegenden Buches von Wolfgang Schreiner. Der Autor ist Professor für Medizinische Computerwissenschaften, also Naturwissenschaftler und zudem „praktizierender Christ“. Diese Wortwahl macht deutlich, aus welchem christlichen Milieu der Autor kommt und er kann daher recht treffend darstellen, welche Probleme sich für ein bestimmtes christliches Selbstverständnis aus der Konfrontation mit den Evolutionsprozessen ergeben, wenn man diese nicht kreationistisch weginterpretieren will. Insofern ist das vorliegende Buch ein sehr ehrliches Buch.

Von Dr. Andreas Losch | Dialog Theologie & Naturwissenschaften

Wenn die evolutionären Genomveränderungen, mit denen sich der erste Teil des Buches befasst, tatsächlich zufällig verlaufen, wäre der Mensch ein Zufallsprodukt, seine Besonderheit in der Natur in Frage gestellt. Wie könnte man dann noch von seiner absichtsvollen Erschaffung durch Gott reden? Und wie lassen sich die vielen negativen Genomveränderungen, die Leiden und Krankheit verursachen, mit der Vorstellung eines gütigen und planenden Gottes zusammendenken? Wäre ein solch „würfelnder“ Gott noch gerecht?

Der Autor möchte den naturwissenschaftlichen Fakten ebenso gerecht werden ebenso wie dem Wortlaut der Bibeltexte, wobei er sich dessen bewusst ist, dass deren spätere Rezeption und Interpretation durchaus zu hinterfragen ist (S. 53). Den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen sind die ersten fünf Kapitel des Buches gewidmet, in denen anschaulich auf den Erkenntnisweg der Naturwissenschaften eingegangen und dann recht detailliert der Prozess der evolutionären Genomveränderungen geschildert wird.

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Christen-Clown Ken Ham: Dinosaurer, Menschen, Gladiatoren und Riesen kämpften gegeneinander

Ark Encounter Diorama zeigt einen Gladiator im Kampf zwischen Menschen, Riesen und Dinosaurier. (Twitter.com)
Ark Encounter Diorama zeigt einen Gladiator im Kampf zwischen Menschen, Riesen und Dinosaurier. (Twitter.com)

In alten Zeiten, Riesen, Menschen, Dinosaurier bekämpften einander. Ein Diorama in Ken Hams Arche-Noah-Museum zeigt die bildliche Darstellung. Mit christlichem Fundamentalismus ist die intellektuelle Entgleisung nicht mehr vermittelbar. Man darf gespannt sein, welche Themen Ham in der nächsten Zukunft besetzt, Orks, Elfen, Hobbits, Drachen, Formics, seine Fantasie ist grenzenlos, seine Interpretation des Märchenbuchs Bibel ebenso.
Edles Design wird ihm bescheinigt, ganz so, als will er sagen, die Geschichte habe in dieser Form stattgefunden.
Vor 65 Millionen Jahren starben die Dinosaurier aus, mit anderen Worten, 64.800.000 Jahre später entwickelte sich der erste Mensch. Ken Hams Zeitzählung beginnt vor 6.000 Jahren. Sein Gott schuf Adam aus Dreck, nach seinem Ebenbild, um später aus einer Rippe des dreckgeschöpften Adams Eva zu klonen. Klonschaf Dolly war nicht die erste.
Mit faktischer Evolutionstheorie ist Ken Ham nicht beizukommen, da braucht es schon einen guten Arzt.