A Pathway to Objective Morality: Why the Case for Scientific Humanism is Rational

In response to my January, 2019 column (“Stein’s Law and Science’s Mission: The Case for Scientific Humanism”), California State University historian Richard Weikart, who is also a Senior Fellow of the Discovery Institute’s Center for Science and Culture (an Intelligent Design creationism advocacy organization), has written a critique in which he claims “Michael Shermer once again confuses science with atheism, and inexplicably claims that science can support humanism.”

By Michael Shermer | Skeptic.com

He says that I try “to rewrite history by insisting that science is built on atheist assumptions.” Even though I never mention atheism, in the following passage from my column Weikart says “scientific naturalism as defined here is atheism.” Judge for yourself:

Modern science arose in the 16th and 17th centuries following the Scientific Revolution and the adoption of scientific naturalism, or the belief that the world is governed by natural laws and forces that are knowable, that all phenomena are part of nature and can be explained by natural causes, and that human cognitive, social, and moral phenomena are no less a part of that comprehensible world.

Atheism is simply the lack of belief in a God. Full stop. It is not a worldview, paradigm, or ideology. Most atheists, of course, embrace scientific naturalism as I’ve defined it, but so do many modern theists such as the renowned geneticist and Director of the National Institutes of Health, Francis Collins, whom Weikart says would not accept “this atheistic definition of science.” On the contrary, I know Dr. Collins and include our dialogue on this very topic in my book The Believing Brain (2011, Henry Holt) in which he reiterates his rejection of Intelligent Design creationism (his book The Language of God is one of the best refutations of all forms of creationism) and affirms his commitment to scientific naturalism without an underlying atheist assumption. On the evolution of the moral sense, for example, Collins told me “that wouldn’t rule out that God planned it, since for a theistic evolutionist like myself, evolution was God’s awesome plan for all creation. If God’s plan could give rise to toenails and temporal lobes, why not also a moral sense?” As Collins defined it in a 2006 article in Nature titled “Building Bridges”, theistic evolution is the position that “evolution is real, but that it was set in motion by God.”

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CSU will Leitlinien: „Gott bleibt Schöpfer“ – christsozialer Polit-Kreationismus

Bild: © dpa/Matthias Balk
Für sie bleibe Gott der Schöpfer allen Lebens und Deutschland ein christliches Land: Die CSU-Landesgruppe im Bundestag fordert dementsprechende ethische Leitlinien, die vor allem dem Lebensschutz dienen sollen.

katholisch.de

Die CSU-Landesgruppe im Bundestag fordert klare Grenzen bei medizinischen Innovationen und spricht sich für ethische Leitlinien aus. „Für uns bleibt Gott der Schöpfer allen Lebens – und nicht der Mensch. Dieses Bekenntnis ist unsere Richtschnur in der Diskussion über und der Bewertung von medizinischen Innovationen“, heißt es in dem Entwurf für ein Papier der Christsozialen. Es soll auf der am Donnerstag beginnenden Klausurtagung beschlossen werden und liegt der „Passauer Neuen Presse“ (Donnerstag) vor.

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Das Design-Argument – Eine Kritik Teil 2

Foto: Pixabay.com / kellepics
Warum sich in der Natur kein „intelligentes Design“ offenbart

Von Martin Neukamm | RDF

Ein methodologischer Vergleich zwischen ID und der Archäologie

Das intelligente Design steht in der Biologie vor einem grundsätzlichen Problem: Es erklärt nichts, sondern verlagert „die eigentliche Erklärung lediglich einen Schritt nach hinten“ (MAHNER 2007, S. 350). Zwar würde ein intelligenter Designer gegebenenfalls erklären, wie die ersten Lebewesen auf die Erde kamen.

Doch die grundsätzlichere Frage, wie Leben (und sei es in Gestalt des Designers) entsteht, lässt er unbeantwortet. Außerdem kann ID keine potenziellen Designer vorweisen.

Gelegentlich kontern Design-Protagonisten mit Beispielen aus der Archäologie. So lesen wir beim DISCOVERY INSTITUTE (2012), unser Wissen über intelligente Ursachen erlaube Rückschlüsse auf Design, ohne Identität oder Herkunft der Designer zu kennen. Nach Meinung der Autoren verkörpere die Archäologie „Intelligent Design in Action“. Zum Beispiel sind moderne Technologien in der Lage, antike Verfahren zur Herstellung von Artefakten wie Tontafeln und Steinwerkzeugen zu rekonstruieren.

Dies wirft zwei fundamentale Fragen auf: Ist es unsinnig, Mechanismen und natürliche Erklärungen einzufordern, wo „geistige Entstehungsursachen“ gefragt sind? Und: Zeigt die Archäologie, dass spezifisches Wissen über Designer und ihre Methoden entbehrlich ist, um den Schluss auf Design zu ziehen?

Betrachten wir die methodologische Situation, stellen wir fest, dass dem nicht so ist:

  1. Die Archäologie befasst sich mit menschlichem Design. Das heißt, sie kennt die potenziellen Urheber archäologischer Zeugnisse und kann deren Existenz und Aktivität unabhängig von der Objektebene nachweisen.
  2. Die Archäologie bringt die menschlichen Zeugnisse mit bekannten (oder erforschbaren) Techniken in Verbindung. Sie kann Design-Modelle entwickeln, die konkrete Fertigungs-Mechanismen (bestimmte Schlagtechniken) beinhalten. In diesem Sinn liefert sie echte, mechanismische Erklärungen.
  3. Die experimentelle Archäologie erforscht den Ursprung von Tontafeln und Steinwerkzeugen. Ihr gelingt dies, indem sie die Fertigungs-Möglichkeiten und Grenzen ihrer Urheber nachvollzieht.
  4. Nur mithilfe dieses Wissens lassen sich Design-Vorstellungen rechtfertigen. Ohne dieses können wir nicht prüfen, ob bestimmte Schlagmerkmale an Steinen mit den Fertigkeiten des Urmenschen erklärbar sind.

Somit räumen wir explizit ein, dass designbasierte Ansätze im Rahmen der Naturwissenschaften Erklärungskraft entfalten (vgl. KOJONEN 2016, S. 86f). Doch aufgrund der Allgemeinheit des Design-Ansatzes in der Biologie ist diesem kein Erfolg beschieden.

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Das Design-Argument – Eine Kritik Teil 1

Foto: Pixabay.com / Wokandapix
Warum sich in der Natur kein „intelligentes Design“ offenbart. Der Kern des Design-Arguments in der Biologie (WIDENMEYER & JUNKER 2016)

Von Martin Neukamm | RDF

Auf der Website des evangelikalen Vereins WORT UND WISSEN findet sich ein Grundsatzartikel über das Design-Argument in der Biologie. Letzteres nennt sich auch Intelligent Design, kurz: ID. Der Beitrag stammt von Markus WIDENMEYER und Reinhard JUNKER und dient Menschen als Handreichung, die „methodisch sauber“ für Schöpfung argumentieren wollen (WIDENMEYER & JUNKER 2016). Vollmundig heißt es, Kritiker würden am Kern des Design-Arguments „scheitern“. Entsprechend wird der Text beworben – als ein „must read“ für alle, die argumentativ „up to date“ sein möchten.

Der Leser erwartet also eine argumentativ gewichtige Abhandlung zum intelligenten Design. Doch die Erwartungen erfüllen sich nur teilweise. Tatsächlich unterscheidet sich die Argumentation der Autoren nicht wesentlich von vorangegangenen Publikationen. Gleichwohl lohnt sich die Detail-Analyse.

Zum einen stellt der Beitrag Design-Argumente kompakt statt bücherfüllend dar, was die Kritik erheblich erleichtert. Zum anderen arbeiten sich die Autoren erfreulicherweise wenig an biologischen Detailfragen ab. Dies kommt der Diskussion zugute, denn der Streit darüber, inwiefern die Evolutionstheorie diesen oder jenen Entwicklungsschritt zufriedenstellend erklärt, ist fruchtlos. Die Frage, ob die Fakten den Design-Ansatz erhärten, lässt sich nur auf dem Boden der Methodologie und Logik führen.

Es geht zuallererst um wissenschaftstheoretische Fragen: Ist Intelligent Design eine vernünftige Alternative zur (naturalistischen) Evolutionstheorie? Ist es rational begründet und durch Forschung zu untermauern? Sind die Einwände seiner Kritiker unzureichend, wie die Anhänger des intelligenten Designs behaupten? Um diese Fragen zu klären, widmen wir uns zunächst dem Kern der Argumentation nach WIDENMEYER & JUNKER (2016) und kritisieren ihn dann systematisch.

Der Kern des Design-Ansatzes

Als „Design-Ansatz“ bezeichnen die Autoren die These, bestimmte Naturgegenstände seien ursprünglich auf geistige Ursachen, das heißt auf Schöpfung, zurückführen (S. 2). Dieser Ansatz ist in logischer Hinsicht mit dem Design-Argument verknüpft – dem Rückgriff auf wissenschaftliche Befunde und logische Aspekte. Design-Argumente dienen dazu, den Design-Ansatz zu begründen (S. 1).

Nach WIDENMEYER & JUNKER besteht die Begründung für „eine geistige Verursachung und damit für das Design-Argument“ aus zwei Komponenten. Erstens:

„1. Der Naturgegenstand zeigt definierte Kennzeichen von Planung bzw. Zielorientierung (Teleologie), die wir in anderen Fällen ganz entsprechend unseren sonstigen Design- Erfahrungen (Technik, Kunst) ausschließlich auf einen geistigen Urheber zurückführen (wir sprechen dann von ‚Design-Indizien‘ oder ‚Design-Merkmalen‘ wie z. B. funktionale Komplexität; s. u.)“ S. 1-2.

Insbesondere seien „geistig hervorgebrachte“(1) Gegenstände wie Computer „so gestaltet, dass ihre Teile in z. T. äußerst komplexen und vielschichtigen Zweck-Mittel- Beziehungen stehen.“ Die Teile, ihre Form und Anordnung, seien „nur in Bezug auf ihre Funktionen und letztlich das Ganze, den Zweck des Gegenstands, zu verstehen“.

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Bryan Fischer: Dinosaurs Went Extinct – Because Plants Died Out After Noah’s Flood

During the „Focal Point“ show, Bryan Fischer, the American Family Association’s radio host, gave listener’s an education on how dinosaurs went extinct. Fischer asserted that “you had little tiny dinosaurs on the Ark,” but they didn’t survive after the flood receded because all of the vegetation had been destroyed.

By Atheist Republic

„Das Spiel mit der Angst hat zugenommen“

http://www.kleinezeitung.at
Ulrike Schiesser, Psychologin bei der Bundesstelle für Sektenfragen, über den steigenden Zulauf zu Wunderheilern, Betrug und einen unüberprüfbaren Berufsstand.

Eine „sektenartige, okkulte Gruppierung“ aus drei Frauen soll sich in Kärnten eine Million Euro von gutgläubigen Menschen erschlichen haben. Jetzt steht sie auch in Zusammenhang mit Mord und Brandstiftung. Ein Einzelfall?

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Kreationismus: «Die Theorie der Schöpfung ist wahrscheinlicher»

Im Darwin-Jahr 2009 organisierte Wissenschaftler Günter Bechly die grösste Evolutionsausstellung Deutschlands. Doch im Zuge der Recherchen entdeckte er: Viel wahrscheinlicher ist, dass es einen Schöpfer gegeben hat.

jesus.ch

Ich war schon immer absoluter Atheist und grosser Fan des Evolutionsbiologen Richard Dawkins. An Übernatürliches glaubte ich nicht und hatte auch kein Interesse an philosophischen oder metaphysischen Fragen. Ich wurde Paläontologe und Entomologe. 17 Jahre lang war ich Kurator für Bernstein und Insekten am Naturkundemuseum Stuttgart. Ich kümmerte mich dort um die Sammlung, war in der Forschung aktiv und schliesslich wurde ich im Darwin-Jahr 2009 der Projektleiter für die Sonderausstellung «Evolution – Der Fluss des Lebens». In Deutschland eines der grössten Ereignisse zum Darwin-Jahr.

Ich hatte die Idee, in der Ausstellung die Evolutionstheorie der Schöpfungstheorie gegenüberzustellen und wollte damit zeigen: Die Lehre Darwins wiegt schwerer als sämtliche Kritik von Kreationisten und Intelligent-Design-Anhängern. So begann ich mich mit evolutionskritischen Büchern zu beschäftigen. Doch zu meiner Überraschung waren darin keine hanebüchenen, religiös verbrämten und pseudowissenschaftlichen Argumente zu finden. Alles war derart wissenschaftlich fundiert begründet, dass ich anfangen musste, nach Gegenargumenten zu recherchieren. Doch selbst bei hochgeschulten Evolutionsbiologen aus aller Welt fand ich keine plausiblen Antworten auf meine Grundfragen.

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Kreationistischer Blödsinn

Symbolbild. Bild: hippo by swatts
Die Widersprüche des Neodarwinismus treten immer offener zutage. Die Frage nach dem Design in der Natur bricht inzwischen sogar auf Tagungen der ehrwürdigen britischen Royal Society auf.

Rainer Urban | FACTUM

Die Evolutionstheorie ringt mit ihren Widersprüchen. Es wird immer schwieriger, neue Erkenntnisse in das neodarwinistische Erklärungsmodell zu integrieren. Auch sind es zu grundlegende Fragen, die von der Evolutionstheorie unbeantwortet bleiben müssen. So stellt Siegfried Scherer, Professor für Mikrobielle Ökologie, zu Recht die Frage: Ist der Neodarwinismus inzwischen überholt?

Vertreter einer neuen Richtung unter den Biologen, die sich zum Lager der «Erweiterten Evolutionstheorie» zählen, bemängeln zusehends, dass das allgemein gängige «neodarwinistische Erklärungsmodell» der Höherentwicklung (Makro-Evolution), welches auch in den Schulen gelehrt wird, unzureichend ist. So gab der Evolutionsbiologe Prof. Gerd Müller in seinem Eröffnungsvortrag bei einer Tagung der ehrwürdigen Royal Society (Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften im Vereinigten Königreich Grossbritanniens) freimütig zu, dass der Neodarwinismus die Entstehung komplexer neuer Organe und abrupter Übergänge im Fossilbericht nicht erklären könne. 200 Evolutionsbiologen aus aller Welt hatten sich zu der Konferenz in London versammelt.

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Gehirn, Geist und Willensfreiheit

Foto: Pixabay.com / geralt
Besprechung des Buches „Welt ohne Gott“

Von Martin Neukamm | Richard-Dawkins-Foundation

Markus WIDENMEYER vertritt in seinem Buch die Ansicht, menschliche Absichten, Wünsche und Handlungen seien Ausdruck eines Willens, der nicht vollständig durch Hirnprozesse bestimmt (sprich: autonom) sei. Bewusstseinsinhalte seien das Produkt geistiger Subjekte, die „vom materiellen Bereich grundlegend unabhängig“ existierten (S. 88). Die Konsequenz wäre, dass wir unter exakt denselben inneren und äußeren materiellen Bedingungen (Zuständen) jeweils unterschiedliche Entscheidungen treffen könnten (KANITSCHEIDER 2006). Die Frage ist, ob es eine so verstandene Willensfreiheit gibt.

Eine teilweise aus dem Kausalstrom der materiellen Welt ausscherende Entschlusskraft erinnert an ARISTOTELES‘ „unbewegten Beweger“. Dieser inspirierte Thomas VON AQUIN zu seinem kosmologischen Gottesbeweis. WIDENMEYER knüpft insofern an dessen Tradition an, als er für die Notwendigkeit eines Geistes plädiert, der menschliches Denken und Handeln in wesentlichen Dingen unabhängig antreibt. Er vertritt die These, ein vollständig durch „nichtgeistige Prozesse“ determinierter Wille sei fremdbestimmt und versucht nachzuweisen, dass diese Sichtweise „absurde Konsequenzen“ (S. 54) nach sich ziehe. Den Theismus bezeichnet er als „folgerichtige Alternative zum Naturalismus“. Dabei ignoriert WIDENMEYER zwei Aspekte.

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Arizona Asked a Young Earth Creationist to Review Evolution Teaching Standards

Image: NASA
A Young Earth Creationist who says he was called by God to “teach from the Biblical creation perspective” is part of a team in charge of reviewing Arizona’s science standards for teaching evolution. To the surprise of absolutely no one, it’s not going well.

By David G. McAfee | Friendly Atheist

Joseph Kezele, the president of the Arizona Origin Science Association, was appointed by State Superintendent Diane Douglass to serve on the committee last month. They are working to revise curriculum for science — and things were already dire when we first reported on the science standards back in May.

Now it has been confirmed by the Phoenix New Times that Kezele, who makes Creationist videos and teaches biology at a Christian school in Phoenix, is part of a small group who review and amends the new standards.

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NRW will Islam-Reformkräfte stärken – Ditib als Partner raus


Die Politik will eine Loslösung der Ditib von Ankara. Das hatte erst Rot-Grün verlangt, dann Schwarz-Gelb vor einem Jahr. Getan hat sich: nichts.

Westfälische Rundschau

Die Landesregierung hat ihre Kooperation mit der Ditib als lange wichtigstem Islam-Ansprechpartner praktisch vollständig auf Eis gelegt. «Derzeit findet keine institutionelle Zusammenarbeit im Rahmen aktueller konkreter Projekte der Landesregierung mit der Ditib statt», sagte ein Sprecher des Integrationsministeriums auf Anfrage. Vor gut einem Jahr hatte NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) dem umstrittenen Moscheeverband Bedingungen für eine weitere Kooperation gestellt. Die Türkisch-Islamische Union Ditib dürfe in NRW «keine Erdogan-Politik vertreten», sonst scheide sie als Partner aus.

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Kreationismus: Die Schöpfungsgeschichte für Kinder erzählt – Bullshistic

Bevor Gott die Erde erschuf, gab es nichts – außer ihn. Er wollte aber nicht, dass es nur ihn gibt. Katholisch.de erklärt zum Tag der Schöpfung, was nach der Bibelerzählung an den sieben Tagen passiert ist.

Edda Görnert | katholisch.de

Heute feiern wir den Tag der Schöpfung – und zwar nicht nur wir, die katholisch sind, sondern auch die Menschen, die evangelisch sind. Auch wenn die einen katholisch und die anderen evangelisch sind, gehören wir nämlich als Christen alle zusammen. Am Tag der Schöpfung möchten wir Gott für alles danken, was er erschaffen hat: Uns, die Tiere, die Pflanzen und sogar die Erde selbst hat er gemacht. Außerdem möchten wir zusammen überlegen, wie wir gut mit der Erde umgehen und sie beschützen können. Die Bibel erzählt, wie unsere Erde entstand:

Der erste Tag

Am ersten Tag machte Gott die Erde. Zunächst war diese noch ein dunkler, ungemütlicher Ort, auf dem niemand leben konnte. Deshalb hat Gott das Licht erschaffen. „Es werde Licht“, sagte er und es wurde hell. Er sah, dass das Licht schön hell war. Gott wollte aber nicht, dass es immer nur hell war. Deshalb erschuf er die Finsternis. Er nannte das Licht „Tag“ und die Finsternis „Nacht“. So brach die erste Nacht herein. Der erste Tag war nun vorbei.

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Teleologisches Denken: Die Gemeinsamkeit von Verschwörungstheoretikern und Kreationisten

Ob nun Gott als Baumeister, der die Schöpfung der Welt zu seinem Selbstzweck bewerkstelligt oder aber die Verschwörungstheorien. Alles habe einen Zweck und ein Ziel. Trumps verschwörungstheoretisches Geschwafel über den Geburtsort Barack Obamas, jüdische Weltverschwörung einhergehend mit jüdischer Dominanz in Medien, den Banken usw. gipfelnd im Machwerk „Die Protokolle der Weisen von Zion.“ Selbst die Schulattentate in den USA seien nur zu dem Zweck möglich gewesen um die Waffengesetze zu verändern und das Waffenrecht zu verschärfen.  Der Klimawandel sei von China gemacht um die USA zu schädigen. Es gibt eine Fülle von verschwörungstheoretischen Ansätzen, einige sogar recht fundiert.

In ähnlicher Art und Weise finden wir diese Ansätze bei den Kreationisten, also, jeden Gläubigen die die Evolution, die Evolutionstheorie von Charles Darwin, genaugenommen die natürliche Selektion verleugnen. Alles habe einen Sinn, einen Zweck und ein Ziel. Die hartgesottenen Kreationisten, wie Ken Ham, meinen die Fossilien von Sauriern, Affen, Menschen seien nur zum Zwecke unserer Verwirrung vom Teufel persönlich versteckt worden.

„Wir finden einen bisher unbemerkten roten Faden zwischen dem Glauben an den Kreationismus und dem Glauben an Verschwörungstheorien“, sagt Sebastian Dieguez, Neurowissenschaftler an der Universität Fribourg, der die Forschungsergebnisse kürzlich, in der Fachzeitschrift Cell Biology veröffentlichte.

„Obwohl diese Glaubenssysteme auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind, sind sie mit einer einzigen und mächtigen kognitiven Verzerrung verbunden, die als teleologisches Denken bezeichnet wird und die Wahrnehmung von Endursachen und übergeordnetem Zweck in natürlich vorkommenden Ereignissen und Entitäten mit sich bringt.“

Teleologisches Denken beinhaltet das Zuweisen von Absichten und Zwecken zu Merkmalen der Welt, die überhaupt kein Bewusstsein oder Wünsche haben. Ein Beispiel, das Dieguez gab, ist der Gedanke, dass die Sonne aufgeht, um uns Licht zu geben – wenn in Wirklichkeit die Sonne wegen der Rotation der Erde im Sonnensystem am Himmel aufgeht.

Diese Denkmuster sind „Teil der frühesten Intuitionen der Kinder über die Welt“, notieren die Autoren unter der Leitung von Pascal Wagner-Egger.

„Diese Art des Denkens ist dem wissenschaftlichen Denken und insbesondere der Evolutionstheorie ein Gräuel und wurde berühmt von Voltaire verspottet, dessen Charakter Pangloss glaubte, dass ‚Nasen gemacht wurden, um eine Brille zu tragen'“, sagte Dieguez. „Aber es ist sehr widerstandsfähig in der menschlichen Wahrnehmung, und wir zeigen, dass es nicht nur mit dem Kreationismus, sondern auch mit dem Verschwörungsakt verbunden ist.“

Eine Möglichkeit, teleologisches Denken in Individuen zu entdecken, dass sie Ansichten wie „Nichts geschieht zufällig“ oder „Alles geschieht aus einem bestimmten Grund“ enthält. Die Forscher fanden heraus, dass diese Arten von Ansichten eng mit einer Neigung zu Verschwörungstheorien zu glauben entsprechen.

Aber diese Art des Denkens hat auch eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Kreationismus – die Ansicht, dass die darwinistische Evolution durch natürliche Selektion nicht stattgefunden hat und dass das Leben auf der Erde mit der Artenvielfalt, die wir sehen, speziell entworfen wurde (von Gott wird es normalerweise angenommen) heute.

Es ist erwähnenswert, dass diese Sichtweise selbst den entsprechenden Glauben tragen kann, dass evolutionäre Ansichten selbst das Ergebnis einer Verschwörung sind, die Öffentlichkeit über die Ursprünge des Lebens zu täuschen.

Dieguez und andere Forscher fanden in einer Reihe von Umfragen heraus, dass teleologisches Denken, Verschwörungstheorien und Kreationismus – wenn auch manchmal nur „bescheiden“ – miteinander korreliert waren.

„Indem wir die Aufmerksamkeit auf die Analogie zwischen Kreationismus und Verschwörung lenken, hoffen wir, einen der größten Fehler von Verschwörungstheorien aufzuzeigen und Menschen dabei zu helfen, sie zu erkennen, nämlich dass sie sich auf teleologische Überlegungen stützen, indem sie dem Weltgeschehen eine letzte Ursache und einen übergeordneten Zweck zuschreiben. „Dieguez sagt. „Wir denken, dass die Botschaft, dass Verschwörung eine Art von Kreationismus ist, der sich mit der sozialen Welt befasst, dazu beitragen kann, einige der verblüffendsten Merkmale unserer so genannten“ Post-Wahrheits-Ära „zu klären.“

Zu verstehen, wie sich diese Überzeugungen verbreiten und warum sie für die Menschen so zwingend sind – selbst wenn sie, wie im Fall von Q Anon, so offensichtlich Unsinn sind – ist von entscheidender Bedeutung, um einen Weg zu finden, ihre Verbreitung zu verhindern. Die Forscher hoffen, dass ihre Arbeit Pädagogen und Kommunikatoren helfen kann, falsche Theorien und Überzeugungen besser zu widerlegen und zu untergraben.

Den Optimismus der Forscher kann man praktisch nicht teilen. Kreationisten und Verschwörungstheoretiker haben sich gegen Fakten selbstimmunisiert, Fakten dienen letztlich dazu, eigene Positionen zu erhärten und werden als Bestätigung der persönlichen Weltsicht vereinnahmt.

Es bleibt ein interessanter Zusammenhang zwischen Verschwörungstheorien und Kreationismus, es bleibt spannend.

 

Nach einem Artikel von Cody Fenwick/Alternet

Genial daneben: das irreparable Design des Linsenauges

Bild: zdf

Kreationistische Irrtümer über die Qualität der Netzhaut

AG Evolutionsbiologie

Das Planmäßigkeits-Argument besagt, dass biologische Merkmale aufgrund ihrer Beschaffenheit den Eindruck erwecken, als seien sie gezielt erschaffen worden („intelligentes Design“). Wegen ihrer Zweckmäßigkeit und Zielgerichtetheit sei der Schluss auf einen Schöpfer naheliegend, ja sogar die einfachste Erklärung. Diese Argumentation hat mehrere Haken. Einer davon ist die Erkenntnis, dass, sobald man ins Detail geht, die meisten organischen Strukturen, so auch die Netzhaut des Linsenauges, konstruktive Mängel aufweisen, unzweckmäßig arrangiert sind und so in der Gesamtschau den Schluss auf eine zielgerichtete, intelligente Entstehungsursache vereiteln. Gegen diese Einsicht wehren sich Evolutionsgegner mit Händen und Füßen. Zum Beispiel sollen bestimmte retinale Ganglienzellen (sog. MÜLLER-Zellen) in der Netzhaut belegen, dass das Linsenauge optimal für seine Funktion gestaltet wurde. Im vorliegenden Diskussionsbeitrag wird die Argumentation im Detail diskutiert.

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Aus dem Inhalt

– Einleitung 

– Das Problem der teleologischen Argumentation 

– Ein Vergleich mit der Technik 

– Die Struktur der Netzhaut: Ein Argument für Evolution! 

– Kreationistische Missverständnisse und retinale MÜLLER-Zellen: Ein Merkmal, das alles verändert? 

– Inwieweit sind Netzhaut und MÜLLER-Zellen optimal für scharfes Sehen? 

– Gibt es „gute Gründe“ für eine inverse Retina? Ja, und die Evolutionstheorie kann sie sogar erklären! 

– Zusammenfassung / Literatur 

Zusammenfassung und Ausblick

Seit Bestehen der Evolutionstheorie wird über den Ursprung des menschlichen Auges gestritten wie über die Entstehung keines anderen Organs. Nach Ansicht der Kreationisten sei das Auge optimal und zweckmäßig für seine Funktion „gebaut“ und deute somit auf ein intelligentes Design hin. Dagegen ist nach Auffassung der Evolutionsbiologen das Auge aufgrund seiner konstruktiven Mängel genau so gebaut, wie man es von einem nicht zielgerichteten Optimierungsprozess erwarten würde: Die Existenz der „verkehrt“ im Augenbecher liegenden (inversen) Netzhaut ist die Konsequenz von Entwicklungszwängen, die sich historisch bis zu den Vorfahren der Wirbeltiere zurückverfolgen lassen. Nur die Evolutionstheorie  kann diesen Befund differenziert (ohne unprüfbare Ad-hoc-Annahmen, quasi-theologische Deutungen zu bemühen) erklären.

Nachdem vor einigen Jahren entdeckt wurde, dass die sog. „MÜLLER-Zellen“ der Netzhaut den Sehvorgang optimieren, da sie wie Lichtleiter wirken, kam noch einmal Bewegung in die Diskussion. Die Kreationisten sehen ihre Position bestätigt, dass das Auge keine Mängel aufweise. Dabei wird übersehen, dass die zweckwidrigen Merkmale nach wie vor existieren. Die MÜLLER-Zellen sind nur eine Behelfslösung, um die Unzulänglichkeiten der ursprünglichen Strukturen so gut wie möglich abzumildern. Die Addition neuer Merkmale zum Beheben konstruktiver Mängel ist ein Kennzeichen evolutionärer Optimierung. Intelligent Design kann insbesondere diese Strukturen des Auges nicht erklären.

Quelle

www.ag-evolutionsbiologie.net/pdf/2011/Design-Linsenauge-Netzhaut.pdf

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Autoren: Martin Neukamm / Andreas Beyer

Das gottgefällige Leben des Adnan Oktar

Bild: qantara.de
In der Türkei hat die jüngste Inhaftierung des dubiosen Fernsehpredigers Adnan Oktar für Schlagzeilen in den Medien gesorgt. Erstmals hatte der erklärte Gegner der Evolutionstheorie in den 1990er Jahren als Anführer einer Sekte von sich reden gemacht, die in mehrere Sexskandale verwickelt war.

Von Hakim Khatib | Qantara.de

Am 11. Juli 2018 wurde der Sektenführer und Fernsehprediger Adnan Oktar von der türkischen Polizei verhaftet – gemeinsam mit 234 anderen Personen, die mit ihm in Verbindung gebracht werden. Oktar wird unter anderem wegen Betrugs und sexueller Misshandlungen angeklagt. Außerdem wird ihm vorgeworfen, eine kriminelle Vereinigung gegründet zu haben.

Nachdem mehrere Betroffene im Alter zwischen elf und vierzig Jahren Klage eingereicht hatten, durchsuchte die Istanbuler Polizei 120 Wohnungen und Büros. Dafür, dass Adnan Oktar gemeinsam mit Dutzenden seiner Anhänger in Istanbul verhaftet wurde, machte er den „britischen Deep State“ verantwortlich.

Wer ist der türkische Fernsehprediger Adnan Oktar?

Als Sektenführer ist Oktar weniger für seine intellektuellen Beiträge bekannt, als für seine Fernsehshows mit Frauen (lit. Harem), aber das ist noch nicht alles: Oktar, der am 2. Februar 1956 im türkischen Ankara geboren wurde, ist ein überzeugter Kreationist und und hat unter dem Namen Harun Yahya (der von seinen Propheten Aaron und Yahya stammt) mehrere abstruse Bücher über Kreationismus und Freimaurerei verfasst.

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Besuch im Kreationismus-Museum: So lief die Weltgeschichte laut Bibel ab

Auf der Arche Noah befanden sich auch Saurier. Da einige Dinosaurier gewaltige Ausmaße hatten, nahm Noah – laut Kreationisten – nur Jungtiere mit. Themenbild.
Neben Dinosauriern, Wachsfiguren und Bibelzitaten hat das Kreationismus-Museum in den USA für historische Tatsachen und Naturwissenschaft keinen Platz gefunden. Aber um Kritik zu hören, ist es sowieso zu laut.

Lauren Ramoser | ze.tt

Ich sitze in einem halbrunden Raum und schaue mir gerade ein Video über die Erschaffung der Welt an. „An Tag sechs hat Gott alle Landtiere geschaffen und auch den Menschen …“ dröhnt es auf Englisch aus Lautsprechern. Außer der sehr tiefen Erzählerstimme ist es still im Raum. Alle anderen Besucher*innen starren gebannt auf den Bildschirm. Vor mir sitzt eine Familie, die sich ehrfürchtig im Arm hält. Als die Projektion endet, steht ein Mann aus der ersten Reihe auf und murmelt: „That was amazing!“

Das ist nur einer von vielen Räumen des Kreationismus-Museums, irgendwo auf einem einsamen Feld im Norden Kentuckys. Zum Zeitpunkt des Videos bin ich noch guter Dinge, bestens von den irrwitzigen Darstellungen unterhalten und nicht ahnend, dass mich der Rundgang noch fast drei Stunden kosten wird. Die Ausstellung präsentiert die Schöpfung der Welt, wie sie in der Bibel wörtlich beschrieben wird. Bibelzitate ersetzen Erklärtafeln und wo selbst die fehlen, gilt Gott als Ultima Ratio.

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Das Argument der Feinabstimmung der Naturkonstanten

Mehr Wald als gedacht. Bild: bb
In seinem Buch Welt ohne Gott? Eine kritische Analyse des Naturalismus setzt sich der Diplomchemiker und evangelikale Christ Markus WIDENMEYER mit der „Ordnung“ in der Natur auseinander und entwickelt daraus Argumente gegen den (ontologischen) Naturalismus der Naturwissenschaften.

Von Martin Neukamm | Richard-Dawkins-Foundation

Er vertritt sogar den Anspruch, den Naturalismus widerlegt zu haben (z.B. S. 10) und betrachtet den Schluss auf einen göttlichen Ursprung der Welt als Schluss auf die beste Erklärung. Im vorliegenden 3. Teil unserer Buchbesprechung widmen wir uns dem Argument der so genannten Feinabstimmung der Naturkonstanten, die notwendig zu sein scheint, um die Entstehung von Leben im Kosmos zu ermöglichen.

Das Argument der „zweckmäßig“ eingerichteten kosmischen Ordnung

WIDENMEYER (2014) setzt voraus, dass nur bestimmte, a priori sehr unwahrscheinliche kosmische Randbedingungen (die sich wiederum durch bestimmte Naturkonstanten und Naturgesetze ausdrücken lassen) Leben ermöglichen. Folglich brauche es einen Schöpfer, der diese hoch geordneten, zweckmäßigen Bedingungen (oder, wie viele sagen, die Feinabstimmung der Naturkonstanten) sowie das „komplexe Gerüst an physikalischen Naturgesetzen“ hervorgebracht habe. In WIDENMEYERs Buch fällt der Begriff Feinabstimmung (engl. fine-tuning) nicht explizit, aber das Argument lässt sich dort erschließen, wo auf die spezifisch „eingerichtete“ Ordnung des Universums, die Leben überhaupt erst ermögliche, Bezug genommen wird:

„Wir finden ein Universum vor, das in einem unvorstellbaren Grad geordnet und dabei ganz genau so eingerichtet ist, dass es eine hochkomplexe Chemie bis hin zu biologischem Leben geben kann. Seine Ordnung gehorcht mathematischen Prinzipien, die der menschliche Geist unabhängig von Beobachtungen des Universums erfassen kann. Im Rahmen des Naturalismus wäre diese Ordnung ein radikal unerklärlicher Zufall mit einer unvorstellbar geringen Wahrscheinlichkeit. Hier wäre ein völlig ungeordnetes und chaotisches Universum zu erwarten – oder eigentlich viel eher gar nichts.“ (ebd., 195)

„Die einzige funktionierende Erklärung für die unvorstellbare Ordnung einer Welt, die ganz exakt so eingerichtet ist, dass es eine hochkomplexe Chemie, mathematisch formulierbare Strukturen und schließlich Lebewesen geben kann, ist analog dazu [zu menschlicher Kreativität; M.N.] die kreative Konzeption und Erschaffung durch (mindestens) ein äußerst intelligentes Wesen, das auch die Macht besitzt, derartige Pläne zu realisieren. Nur so sind die gigantische Ordnung der physikalischen Welt und ihre mathematische, rationale Verstehbarkeit erklärbar. Eine andere rationale Erklärung gibt es nicht.“ (ebd., 198).

Einwand 1: Die Begrifflichkeiten setzen das zu Beweisende voraus

Zunächst einmal ist es hochproblematisch, von einer eingerichteten Ordnung der Welt zu sprechen, weil damit ein teleologischer Begriff auf die Natur übertragen wird, der schon voraussetzt, was belegt werden soll. Auch der Begriff Feinabstimmung ist kein physikalischer, sondern ein technologischer Ausdruck, der das zu Beweisende voraussetzt. Sofern der Ausdruck metaphorisch benutzt wird, ist die Redeweise unbedenklich, doch WIDENMEYER entwickelt daraus ein ontologisches Argument. Er erkennt aber nicht den fatalen Begründungszirkel: Eine „Welt, die ganz exakt so eingerichtet ist…“, wurde logischerweise eingerichtet (quod erat demonstrandum), aber dass die Welt eingerichtet wurde, das gilt es gerade zu belegen.

Man kann es auch anders formulieren: Alles, was wir wissen, ist, dass wir existieren, weil die Naturgesetze Leben ermöglichen (s. Einwand 4). Die Folgerung, dass die Welt so eingerichtet ist, damit Leben existieren kann, kann dagegen nur als empirisch unbegründete These vorausgesetzt werden (MITTELSTAEDT 2001, 143).

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Kreationismus in deutschen Grundschullehrplänen

Dass der Kreationismus überall dort blüht, wo fundamentalistische Kräfte walten, ist längst bekannt. Aber nicht nur in Ankara oder Kansas wird jungen Menschen das „Intelligent Design“ vermittelt, in deutschen Grundschulen ist das Unterrichten der Schöpfungsgeschichte die Regel und die Evolutionstheorie die Ausnahme. Die Analyse von über 70 Lehrplänen hält noch andere Überraschungen bereit.

Von Helge Brunswick | hpd.de

Gerade im Grundschulalter stellen Kinder elementare Fragen zu sich und der Welt. Diese Fragen aufzugreifen und in eine Erweiterung des Horizontes und der Erkenntnis zu wandeln, ist Aufgabe einer jeden Lehrkraft. Doch deutsche Grundschulen nutzen diese Chance nicht, wenn es um die Frage geht, woher der Mensch stammt.

Schon rein quantitativ zeigt sich: das Wort „Evolution“ kommt nur in zwei Lehrplänen vor, die „Schöpfung“ ist in über 30 Lehrplänen erwähnt. Die Evolutionstheorie wird, wenn sie denn überhaupt Eingang in den Unterricht findet, nicht dort vermittelt, wo sie hingehört. Kein einziger Sachkundelehrplan in Deutschland nimmt sich dem Thema an.

Der Bock zum Gärtner

Die religiösen Lehrpläne besetzen eine Lücke, die im Sachkundeunterricht klafft. Immerhin: in Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg und im Saarland werden naturwissenschaftliche Konzepte in ihrer inhaltlichen Aussagekraft biblischen Erzählungen übergestellt. So sei der Schöpfungsmythos „heute nicht mehr als naturwissenschaftliche Aussage zu interpretieren“, wie es im Lehrplan zum Fach „Evangelische Religion“ im Saarland heißt.

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Furcht vor einer Millionen teuren Sanierung – Kirche lässt das Jura-Museum fallen

Versteinerte Flug- und Fischsaurier zählen zu den bedeutendsten Exponaten des Jura-Museums in Eichstätt. (Foto: Andreas Hub/laif)
  • Die katholische Kirche ist der Träger des Jura-Museums in Eichstätt, das zu den bedeutendsten paläontologischen Museen in Deutschland gehört.
  • Das Bischöfliche Priesterseminar Eichstätt hat dem Wissenschaftsministerium jüngst die Kündigung für die Einrichtung geschickt.
  • Der Grund ist die Furcht vor einer Millionen teuren Sanierung.

Von Andreas Glas | Süddeutsche Zeitung

Er steht vor einem Aquarium, er geht ganz nah ran. Hinter der Scheibe, im Sand, sitzt ein gepanzertes, stacheliges Irgendwas. „Irre“, sagt Lars Bender, „wie kommt die Natur auf die Idee, so was zu entwickeln?“ Man fragt sich, ob dieses Irgendwas gerade das gleiche denkt über seinen Betrachter. Oder ob es etwas spürt von den Sorgen des Mannes auf der anderen Seite der Scheibe. Aber das Irgendwas rührt sich nicht. Es sitzt nur da.

Das Irgendwas heißt Pfeilschwanzkrebs. Er hat zehn Augen und einen Mund, wo andere einen Bauch haben. Dazu einen rattenartigen Schwanz, mit dem er sich zurück auf die Füße dreht, falls er mal wieder auf dem Rücken landet. Er ist ein lebendes Fossil, es gibt ihn seit Ewigkeiten. Andere Urzeitkreaturen sind längst ausgestorben, der Pfeilschwanzkrebs hat überlebt. Dem Menschen hat er 400 Millionen Jahre Evolution voraus. Ein lebender Beweis, „dass so was göttlich sein muss“, sagt Lars Bender. Er findet: „Da könnte die Kirchenlehre wunderbar einhaken.“

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Vogelfeder und Vogelflug durch die Brille des Kreationismus

Symbolbild. Bild: hippo by swatts
Warum die Kritik an der Evolution scheitert. Ein Kommentar zu: ‚Wort und Wissen‘ Special paper B-17-1

Hansjörg Hemminger | AG EvoBio

Bei dem Ende 2017 erschienenen „Special Paper“ zur Evolution des Vogelflugs handelt es sich um eine Fleißarbeit, die auf 117 Seiten eine Vielzahl von Informationen bietet. Thematisch spannt es den Bogen von der Anatomie und Physiologie der Vogelfeder über historische und neue Hypothesen zur evolutionären Entstehung von Federn und Vogelflug bis zu grundsätzlichen Überlegungen zur Methode der Modellbildung in der biologischen Evolution. Der Zweck des Papiers ist, mit der von WORT UND WISSEN bekannten argumentativen Strategie die Evolution von Vogelfeder und Vogelflug als unwahrscheinlich darzustellen. Die funktionell-morphologischen Zusammenhänge werden in Belege für ihren Kreationismus – genau genommen für „Intelligent Design“ – umgemünzt. Diese Zielsetzung wird bereits in der Einleitung (S.4) formuliert:

 

„Die Möglichkeit einer Schöpfung – einer willentlichen, zielorientierten Hervorbringung durch einen geistbegabten Schöpfer – kann nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Die Festlegung auf den naturalistischen Ansatz, wonach nur Naturgesetze, Zufall und plausible Randbedingungen in Erklärungen zugelassen, ist wissenschaftstheoretisch nicht zu rechtfertigen und führt zu Zirkelschlüssen. Zahlreiche Befunde im Bau von Federn und in der Fossilüberlieferung sowie das nachhaltige Scheitern naturalistischer Entstehungshypothesen zur Entstehung von Vogelfeder und Vogelflug können als Indizien für einen Schöpfer gewertet werden.“

 

Bemängeln als Grundton

Ein Merkmal der Argumentationsstrategie wird schnell offensichtlich: Eingestreut in die lexikalische Darstellung von Daten, Methoden und Theorien finden sich Bemerkungen dergestalt, dass eine komplizierte Struktur nicht überzeugend evolutionär ableitbar und eine hypothetische evolutionäre Entwicklung nicht zu belegen sei. Die Evolution der betreffenden Strukturen sei deshalb methodisch wie inhaltlich fragwürdig. Manche dieser Anmerkungen sind schon auf den ersten Blick abwegig, wie etwa auf S.32 die Feststellung, dass ein fossil bekannter Dinosaurier wegen seiner beachtlichen Größe „für eine stammesgeschichtliche Verbindung mit Vögeln … völlig ungeeignet“ sei. Diese Behauptung zielt nicht auf die Fakten, sondern auf die Intuition von Laien, die sich eine Abstammungsbeziehung von einem tonnenschweren Theropoden zu einer Blaumeise schwer vorstellen können. Zu fossilen Indizien für die Entstehung der Vogelfeder wird im Fazit JUNKERs gesagt:

„Die größte Vielfalt an unterschiedlichen, z. T. heute nicht mehr vorkommenden Integumentanhängen (Dino-Flaum, bandartige Federn, Konturfedern) ist entgegen der evolutionären Logik gerade zu Beginn der fossilen Überlieferung der betreffenden Formen verwirklicht.“

Sollte der Befund so sein wie behauptet, stünde dem keinerlei evolutionäre Logik entgegen (falls damit theoretische Schwierigkeiten gemeint sind). Er spräche eher für als gegen eine stammesgeschichtliche Ableitung der Vogelfeder von solchen Integumenten.

Unsachgemäße Kritik tritt immer dann gehäuft auf, wenn JUNKER die Hypothese diskutiert, dass der aktive Vogelflug sich bei gleitfliegenden, baumbewohnenden Theropoda entwickelt habe. Da diese Hypothese viel für sich hat (JUNKER zitiert die entsprechende Literatur selbst), wirken die in Tab.2 aufgelisteten Gegenargumente an den Haaren herbeigezogen. Zum Beispiel liest man dort: „Gleitflug ist eher ein gegenüber dem Schlagflug abgeleitetes Verhalten.“ Angesichts der Tatsache, dass es zahlreiche Wirbeltiergruppen gibt, die konvergent zu Gleitfliegern wurden und von denen keine aktiv flugfähige Vorfahren hat, ist diese Aussage mehr als irreführend. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass gleitfähige, kleine Theropoden aktiv fliegende Vorfahren hatten. Die einzige Begründung, die sich im Text findet, lautet, dass sich unter den aktiv fliegenden Vögeln einige Gruppen auf den Gleit- und Segelflug spezialisierten, ohne die aktive Flugfähigkeit aufzugeben. Richtig ist, dass segelfliegende Vögel auch gleiten, das heißt passiv in einem flachen Winkel abwärts segeln können. Von einem aus dem Schlagflug „abgeleiteten“ Verhalten zu sprechen, ist so unsinnig wie zu behaupten, der vierfüßige Gang sei gegenüber dem aufrechten Gang des Menschen ein evolutionär abgeleitetes Verhalten, weil Menschen (wenn es sein muss) sich auch auf allen Vieren fortbewegen können.

JUNKER nimmt dieses Argument selbst nicht ernst, denn ansonsten argumentiert er umgekehrt, nämlich dass sich aus dem Gleitflug der aktive Flug nicht habe entwickeln können. Unter anderem dient dem ein Argument, das lautet: „Bereits Gleitflug benötigt Kontrollmechanismen.“ Dass das Gleiten bestimmte motorische Fähigkeiten erfordert, ist selbstverständlich, die übrigens bereits für Baumbewohner erforderlich sind, die aktive Sprünge im Geäst ausführen. Doch warum sollte ein noch sehr rudimentärer Gleitflug Kontrollmechanismen benötigen, die über das hinausgehen, was bereits im Verhaltensrepertoire der Theropoden angelegt ist? Menschen sind keine Flieger, stammen aber von baumbewohnenden Primaten ab: Sie können problemlos lernen, mit Gleitschirmen und Drachen umzugehen, ohne dass dafür neue Hirnstrukturen nötig wären. Nichts spricht gegen eine Entwicklung von sprungfähigen Baumbewohnern zu Gleitfliegern und, über weitere funktionale Stufen, zum aktiven Flug.

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