Der Wahrheitsanspruch beendet jedweden religiösen Frieden

Die zehnte Weltversammlung von „Religions for Peace“ im süddeutschen Lindau war mit Vertretern aus 125 Ländern bunt und vielsprachig. Die strikte Absage an jede Form von Gewalt war aber zu leise, meint Christoph Strack.

Christoph Strack | Deutsche Welle

Religionen haben Konjunktur. Mit ihnen kann man sogar Wahlkampf führen und Stimmungen prägen. Donald Trump bezeichnete sich gerade als von Gott persönlich auserwählten US-Präsidenten. Gut 84 Prozent der Weltbevölkerung sind religiös. 

Religion ist oft auch politisch. Und längst gibt es einen Kampf um die Deutungshoheit sowie ein Ringen um die politische Dominanz im Bereich der Religion, auch um die religiöse Dominanz im Bereich der Politik. Es sind oft konservativste (und auch finanzstarke) Evangelikale und Freikirchler, die in Brasilien den Umwelt-Schänder Bolsonaro ins Amt puschten oder gelegentlich für Trump beten. Ihnen allen ist auch dieser so konservative wie revolutionäre Papst Franziskus aus dem Süden ein Dorn im Auge.

Parallele Konferenz in Sri Lanka

Und auf ganz anderer Bühne ist da immer auch noch der saudische Wahhabismus, der Fundamentalismen füttert. Und parallel auf Dialog setzt. Zeitgleich zum Lindauer Welttreffen der Religionsvertreter tagte in Sri Lanka eine Konferenz zu Frieden, Harmonie und Koexistenz, in deren Mittelpunkt der Generalsekretär der Islamischen Weltliga, Mohammad Alissa, stand.

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Georgien: Gottes Land und Stalins Beitrag

Verherrlichung ohne Hemmungen: Stalin-Fans mit Sowjetflagge vor dem Geburtshaus des Diktators in Gori Quelle: picture-alliance/ dpa/ dpaweb

Josef Stalin wird in seiner Heimat Georgien nicht so verehrt wie in Russland, wo er als „herausragende Person“ gilt. In seinem Geburtsort Gori herrscht dennoch ein bizarrer Kult um den sowjetischen Diktator.

Von Elian Ehrenreich | DIE WELT

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und als endlich alle Völker ihr eigenes Fleckchen hatten, da bemerkte Gott, dass er die Georgier vergessen hatte. Also überließ er ihnen einen Landstrich, den er eigentlich für sich selbst reserviert hatte: eine Region, gesäumt von den malerischen Berggipfeln des Großen Kaukasus im Norden, von bewaldeten Gebirgen durchzogen von reißenden Flüssen und einer lang gezogenen Schwarzmeerküste im Westen. So hört sich die Schöpfungsgeschichte auf Georgisch an.

Das Klima ist mild, Wasser gibt es reichlich, und die Natur ist üppig – tatsächlich könnte Georgien, flächenmäßig fast so groß wie Bayern und bewohnt von etwas weniger Einwohnern als Berlin, Gottes eigenes Land sein, gäbe es da nicht diesen schwierigen Nachbarn. Russlands Nähe – sie ist gleichzeitig Segen, in letzter Zeit aber eher Fluch. Jüngst kappte Moskau in einem einseitigen Akt alle Flugverbindungen zum Nachbarn. Eine Reaktion auf antirussische Proteste in Tiflis am 20. Juni.

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Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof: Der Tatverdächtige war in der Schweiz seit Donnerstag zur Verhaftung ausgeschrieben

Am Gleis 7 des Frankfurter Hauptbahnhofs wurde ein Junge auf die Schienen gestossen. (Bild: Ralph Orlowski / Reuters)

Der mutmassliche Täter stammt aus Eritrea, hat seinen Wohnsitz im Kanton Zürich und war in psychiatrischer Behandlung. Vergangene Woche war die Polizei wegen häuslicher Gewalt an seinen Wohnort ausgerückt.

Jonas Hermann, Benedict Neff, Marcel Gyr, Linda Koponen | Neue Zürcher Zeitung

Das Wichtigste in Kürze:

  • Am Montag hat ein 40-jähriger Mann eine Mutter und ihren Sohn ohne erkennbares Motiv vor einen einfahrenden ICE am Frankfurter Hauptbahnhof gestossen.
  • Die Mutter konnte sich retten, der achtjährige Junge verstarb noch vor Ort.
  • Bei dem mutmasslichen Täter handelt es sich um einen 40-Jährigen Mann mit eritreischer Staatsbürgerschaft. Er hat seinen Wohnsitz im Kanton Zürich und eine Niederlassungsbewilligung. Offenbar wurde er seit Donnerstag von der Schweizer Polizei gesucht, weil er seine Nachbarin mit einem Messer bedroht und sie dann eingesperrt haben soll.
  • Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat einen Haftbefehl wegen Mordes und zweifachen Mordversuches beantragt.

Pressekonferenz der Zürcher Kantonspolizei:

Der mutmassliche Täter lebt seit 2006 in der Schweiz und ist in Wädenswil wohnhaft. Er besitzt seit 2011 eine Niederlassungbewilligung C und ist Mitglied der christlich-orthodoxen Glaubensgemeinschaft. Laut der Kantonspolizei führte er mit seiner Familie ein unauffälliges Leben. Die polizeilichen Ermittlungen und eine Hausdurchsuchung ergaben denn auch keine Hinweise auf eine Radikalisierung oder ein ideologisches Motiv.

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Trumps Waffe, die Religionsfreiheit

Im Weißen Haus traf Donald Trump vor wenigen Tagen Menschen, die wegen ihrer Religion verfolgt werden. In der Vergangenheit aber machte er selbst häufig Stimmung gegen Muslime. (Foto: AFP)
  • In dieser Woche konferierten mehr als 1000 Staatenvertreter im Washingtoner State Department zum Thema Religionsfreiheit.
  • Es war die weltweit größte Konferenz dieser Art.
  • Trumps Regierung hat das Thema schon seit Längerem für sich entdeckt und nutzt es in der Außen- wie Innenpolitik.

Von Thorsten Denkler | Süddeutsche Zeitung

Die Bibel liegt im Büro von US-Außenminister Mike Pompeo offen und griffbereit. Mit deutlichen Gebrauchspuren, wie ein Reporter der New York Times bemerkt, der Gelegenheit hatte, Pompeo dort zu treffen. Diverse Textstellen seien markiert gewesen. Pompeo ist ein zutiefst religiöser Mensch. Einer der sagt, dass er es „als Christ durchaus für möglich hält„, dass Gott es war, der seinen Chef Donald Trump zur Erde gesandt hat, um Israel vor Iran zu schützen.

Als Christ hat es sich Pompeo und mit ihm die gesamte Trump-Regierung zudem zur Aufgabe gemacht, die Religionsfreiheit weltweit zu schützen. In dieser Woche konferierten deshalb mehr als 1000 Staatenvertreter im State Department zu diesem Thema. Es war die weltweit größte Konferenz dieser Art.

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Russland ist auch zur Lieferung von Kampfjets an die Türkei bereit

Nach der Lieferung des Luftabwehrsystems S-400 an die Türkei ist Russland auch zum Verkauf seiner Kampfflugzeuge an das Nato-Land bereit. «Aber warum denn nicht? Einen Präzedenzfall gibt es ja schon», sagte der russische Vize-Regierungschef Juri Borissow der Agentur Interfax am Mittwoch. Er lobte, dass die Türkei trotz aller Drohungen der USA beim S-400-Kauf standhaft geblieben sei.

Neue Zürcher Zeitung

Russland hatte diesen «Präzedenzfall», mit seinen Rüstungsgeschäften auf Nato-Gebiet vorzudringen, als grossen Erfolg gefeiert. Borissow reagierte damit auch auf Berichte, nach denen die Türkei wegen der Anschaffung der russischen Raketenabwehr nun von den USA nicht die Kampfjets des Typs F-35 erhalten wird.

Zugleich warf Borissow den USA vor, auch Indien vom Kauf des S-400-Systems abbringen zu wollen. Russland bietet seine Rüstungsgüter international als Alternative zu den amerikanischen Waffen an. Das S-400 konkurriert mit dem amerikanischen Patriot-System.

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Deshalb ist der S-400-Deal so brisant

Bild: tagesschau.de

Der Streit um das russische Waffensystem S-400 sorgt für massive Spannungen. Aber warum sind die Waffen so wichtig für die Türkei, weshalb hält sich die NATO zurück – und welche Rolle spielt eigentlich Deutschland?

tagesschau.de

Was ist das Waffensystem S-400 genau?

Die S-400 ist ein mobiles Luftabwehrsystem, das Flugzeuge, Geschosse und andere Objekte aus dem Himmel schießen kann. Die russischen Streitkräfte hatten es 2007 in Betrieb genommen. Es zündet Kurz-, Mittel- und Langstrecken-Raketen, die Ziele in größerer Entfernung und Höhe zerstören können als das amerikanische Patriot-System, heißt es nach russischen Angaben und auch in internationalen Fachmagazinen wie „Defence IQ“.

Außerdem kostet das System erheblich weniger. Der Staatssender TRT berichtete am Freitag, dass die Türkei „vier Batterien“ der Raketenabwehr bestellt habe. Das deckt sich mit Angaben aus Moskau. Der Generaldirektor des staatlichen russischen Technologiekonzerns Rostech, Sergej Tschemesow, hatte der Wirtschaftszeitung „Kommersant“ gesagt, die Türkei werde vier Einheiten zu einem Preis von 2,5 Milliarden US-Dollar erhalten. Eine Einheit hat der Agentur Interfax zufolge zwölf Startanlagen mit je vier Raketen.

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Jeder Zweite nimmt Islam als Bedrohung wahr

Muslimische Frauen mit Kopftüchern verfolgen in Berlin den Beginn der Islamkonferenz.(Foto: dpa)
  • Etwa die Hälfte der Bundesbürger nimmt einer Studie zufolge den Islam als Bedrohung wahr; nur ein Drittel der Bevölkerung nimmt ihn als Bereicherung wahr.
  • Unter Menschen, die keinen persönlichen Kontakt zu Muslimen haben, ist eine ablehnende Haltung besonders stark verbreitet.
  • Wie aus der Studie außerdem hervorgeht, hält die große Mehrheit von 89 Prozent der Bevölkerung – über alle Religionen hinweg – die Demokratie in Deutschland für eine gute Regierungsform.

Süddeutsche Zeitung

Eine Mehrheit der Deutschen sieht den Islam nicht als Bereicherung. Das geht aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. Demnach sprächen zwar etwa 70 Prozent anderen Religionen einen Wahrheitsgehalt zu und seien somit als religiös tolerant anzusehen. Doch nur knapp jeder Zweite in Deutschland meine, dass religiöse Pluralität die Gesellschaft bereichere. Den Islam betrachte nur ein Drittel der Bevölkerung als Bereicherung, so die Studie. Christentum, Judentum, Hinduismus und Buddhismus würden hingegen von einer Mehrheit als bereichernd empfunden.

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Russisch-orthodoxe Kirche will keine Atomwaffen mehr segnen

Ob Kampfjets, Atom-U-Boote oder Massenvernichtungswaffen: Der Segen der orthodoxen Kirche war russischen Waffen bisher sicher. Doch eine kirchliche Kommission verlangt nun Einschränkungen.

katholisch.de

Die russisch-orthodoxe Kirche will in Zukunft keine Massenvernichtungswaffen wie etwa Nuklearvorrichtungen mehr segnen. Wie unter anderem der britische „Telegraph“ am Dienstag berichtet, rät der Bericht einer kirchlichen Kommission von den Segnungen ab. Der Vizekanzler des Moskauer Patriarchats, Savva Tutunov, sagte, die Kirche müsse sich mit „neuen Realitäten“ auseinandersetzen.

Tutunov fasste die Kommissionseinschätzung zusammen: Von der Tradition her bekämen den Segen in erster Linie die Soldaten. Die von ihnen getragenen Waffen würden dabei mitgesegnet, als Teil des Segens für die Person. Waffen allein und Massenvernichtungswaffen sollten deshalb nicht mehr gesegnet werden.  

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Bischof: Sowjetsoldaten fielen im Krieg wegen ihrer Gottlosigkeit

Bild: © picture alliance / AP Images (Symbolbild)

Millionen Sowjetsoldaten verloren während des Zweiten Weltkriegs ihr Leben. Ein russischer Bischof hat dafür eine merkwürdige Erklärung parat – und erntet umgehend Widerspruch anderer Kirchenvertreter.

katholisch.de

Ein russisch-orthodoxer Bischof hat für den Tod von Millionen sowjetischer Soldaten im Zweiten Weltkrieg deren vermeintlichen Atheismus verantwortlich gemacht. „Hauptsächlich ungetaufte“ junge Männer seien ums Leben gekommen und Opfer ihrer „Gottlosigkeit“ geworden, sagte der Metropolit von Belgorod an der Grenze zur Ukraine, Ioann (58), bei einem Gedenkgottesdienst zum Jahrestag des Angriffs der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion Ende Juni 1941. Den Sieg über Deutschland verdanke die Sowjetunion den getauften Soldaten.

„Es ist klar, dass das nicht ganz stimmt“

Andere Kirchenvertreter widersprachen dem Metropoliten umgehend. „Es ist klar, dass das nicht ganz stimmt“, sagte der Militärbischof Stefan der Nachrichtenagentur RIA (Dienstagabend).

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Bielefeldt: Religionsfreiheit über Glaubensgrenzen hinaus verteidigen

Heiner Bielefeldt, Podium, 2011. Bild: brightsblog

Ob Christen, Juden, Muslime oder Nicht-Gläubige: Geht es nach Menschenrechtsexperte Heiner Bielefeldt, sollten sie alle gemeinsam für die Religionsfreiheit eintreten – auch wenn das zur Bewährungsprobe werden kann.

katholisch.de

Der Erlanger Theologe und Menschenrechtsexperte Heiner Bielefeldt (61) hat für mehr Dialogprojekte zwischen Vertretern „ganz unterschiedlicher religiöser und weltanschaulicher Positionen“ geworben. Dies könne dazu beitragen, die Bedeutung des Menschenrechts auf Religionsfreiheit deutlich zu machen, sagte Bielefeldt am Donnerstagabend bei einer Veranstaltung in Berlin.

Die Religionsfreiheit habe dann ihre Bewährungsprobe, wenn sie von Menschen verteidigt werde, „die sich sonst inhaltlich nicht verstehen“, betonte der frühere Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Religions- und Weltanschauungsfreiheit (2010-2016). Als Vorbild nannte er ein Dialogprojekt von Mormonen und Atheisten in den USA.

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Orthodoxe Kirche lehnt Papstbesuch in Russland ab

Metropolit Hilarion: „In unserer Kirche sind viele Bischöfe, Priester und Gläubige nicht dazu bereit, ihn zu empfangen“

kath.net

Russlands orthodoxe Kirche hat erneut Nein zu einem möglichen Besuch von Papst Franziskus gesagt. Eine Russlandreise des Oberhaupts der katholischen Kirche stehe „momentan nicht auf der Agenda der bilateralen Beziehungen“, erklärte der Außenamtschef des orthodoxen Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion, in einem Interview des Schweizer Portals „cath.ch“. „In unserer Kirche sind viele Bischöfe, Priester und Gläubige nicht dazu bereit, ihn zu empfangen.“

Das Moskauer Patriarchat wolle nicht, dass sich „durch solche Stimmungen“ das Verhältnis zwischen beiden Kirchen verschlechtere, so Hilarion. „Wir ziehen es vor, langsam vorzugehen, ohne plötzliche Schritte.“ Die Beziehungen sind laut dem Metropoliten auf einem „positiven“ Weg.

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„Fundamentalismus gehört zu jeder Religion“

Und damit sind nicht nur Terroranschläge von Islamisten gemeint, selbst Buddhisten verfolgen in Myanmar Muslime mit großer Brutalität. Religionen wollen für Liebe und Barmherzigkeit stehen, doch was nützen solche Ansprüche, wenn sich religiösen Menschen nicht daran halten?

DONAUKURIER

Diese Frage stellte der Friedensforscher und Theologe Professor em. Hermann Häring, Tübingen, bei seinem Vortrag im Kipfenberger Pfarrheim zu dem Thema „Versuchung Fundamentalismus – wie vernünftig ist der christliche Glaube? „.

„Wir haben eine viel zu ideale Vorstellung von Religion. Das hat sich in unserer Tradition so entwickelt. In der Religion wiederholt sich immer alles das, was in einer Gesellschaft geschieht“, erklärte Häring. Leider, bedauerte er, ließe sich Religion sehr leicht vor einen politischen Karren spannen; in sehr vielen Fällen, auch in der Gegenwart, präsentierten sich Religionen als gewalttätig. „Die Probleme selbst sind nicht religiöser Art, sie kommen meist aus bestimmten politischen Situationen, politischen oder sozialen Interessen. Diese werden dann benutzt, um die Religion hineinzuziehen. “ Das Christentum definiere sich als eine Religion der Liebe, der Islam als eine Religion der Barmherzigkeit. „Diese Definitionen nützen jedoch nichts, weil sie von den Religionen selbst als werbende Schlagworte vorgetragen werden. Wir Christen gehören auch zu denen, die ständig gegen die eigenen Gebote verstoßen, jede Religion behauptet, die einzig wahre zu sein. “

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Bürger verhindern Neubau von Kathedrale in Russland

Bild: © picture alliance / Artyom Geodakyan / TASS / dpa (Symbolbild)

Unter Diktator Josef Stalin war die Katharinenkathedrale von Jekaterinburg einst abgerissen worden. Bis 2023 sollte sie an alter Stelle wieder aufgebaut werden. Doch das ist jetzt am Widerstand der Bevölkerung gescheitert.

katholisch.de

In der russischen Millionenstadt Jekaterinburg ist der geplante Bau einer orthodoxen Kathedrale in einem Park im Stadtzentrum am Widerstand der Bevölkerung gescheitert. Der Gouverneur der Region Swerdlowsk, Jewgeni Kuwajschew, lenkte laut russischen Medienberichten (Mittwochabend) ein und sprach sich für den Wiederaufbau der 1930 gesprengten Kirche an einem anderen Ort aus. In einer Umfrage im Auftrag der Stadt am Uralgebirge hatten zuvor 58 Prozent der 3.000 befragten Einwohner den Bau der Kathedrale in dem Park abgelehnt.

Nach tagelangen unerlaubten Demonstrationen in dem Park gegen den Kirchenbau hatte Staatspräsident Wladimir Putin eine Befragung der Einwohner vorgeschlagen. Die Polizei nahm bei den am 13. Mai begonnenen Protesten nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax 96 Menschen fest.

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Geschacher um Raketenabwehrsysteme

S-400-Systeme auf dem russischen Stützpunkt in Syrien. Bild: Sputnik / Mihail Mokrushin

Noch will die Türkei trotz Androhung ernsthafter Folgen russische S-400-Systeme erwerben, jetzt kommt in der angespannten Lage in der Region auch noch der Irak hinzu

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Noch immer zögert die Türkei hinaus, das russische Luftabwehrsystem S-400 zu erwerben und damit russische Waffentechnik in die Nato zu bringen. Allen voran die USA üben Druck auf Ankara aus, nachdem die Türkei das amerikanische Patriot-System verschmähte. Angedroht wird, dafür die Türkei von der Herstellung von Teilen des F-35-Kampfflugszeugs auszuschließen und den geplanten Kauf von 100 Maschinen zu verhindern. Die Zulieferung von Bauteilen wurde bereits gestoppt.

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu gab sich jetzt unbeeindruckt und sagte, man werde den Kauf, der ab Juli erfolgen soll, weder aufschieben noch stoppen. Im Gespräch ist jetzt eine türkisch-amerikanische Arbeitsgruppe, um die Folgen eines Kaufs des S-400-Systems auf den Zugang zu F-35 zu diskutieren. 2,5 Milliarden US-Dollar sollen die S-400-Systeme kosten, beim Deal mit den F-35 geht es angeblich um mehr als 10 Milliarden.

„Die Annäherung an Wladimir Putin ist inakzeptabel“

Im Repräsentantenhaus von demokratischen und republikanischen Mitgliedern des Auswärtigen Ausschusses wurde gerade eine neue Resolution eingebracht, in der die Türkei aufgefordert wird, keine militärischen Beziehungen zu Russland aufzunehmen, die das Verhältnis zu den USA und zur Nato gefährden könnten. „Die Annäherung an Wladimir Putin ist inakzeptabel“, heißt es. „Der US-Kongress wird nicht untätig zuschauen, wenn Erdogan das russische Luftabwehrsystem S-400 erwirbt. Dieses Gesetz sendet eine klare Botschaft an Erdogan: Wenn Sie diesen Weg weiter gehen, werden sie mit ernsthaften Folgen rechnen müssen.“

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Lasst Gott aus dem Spiel

Helmut Ortner: EXIT – Warum wir weniger Religion brauchen Eine Abrechnung Mit Essays von Hamel Abdel-Samad, Constanze Kleis u.a. Nomen Verlag, 360 S., 24 Euro, erscheint am 15. Mai. © Nomen Verlag

Im Buch „Exit“ befassen sich Helmut Ortner und andere Autorinnen und Autoren mit der Frage, warum die Welt weniger Religion braucht – und der Glaube Privatsache sein sollte. Ein Auszug.

Frankfurter Rundschau

Unser Land darf weiterhin auf göttlichen Beistand hoffen. Ein überwiegend christliches Kabinett setzte auch im März 2018 im Berliner Reichstag auf gewohnte Dramaturgie: zwölf Bundesministerinnen und -minister beendeten ihren Amtseid mit der Formel „So wahr mir Gott helfe“. In den Niederungen der Realpolitik mag eine Dosis göttlicher Eingebung mitunter durchaus hilfreich sein, doch möglich ist es den Ministerinnen und Ministern auch, ihren Eid „ohne religiöse Beteuerung“ zu leisten. Sie sagen dann nur: „Ich schwöre es!“ Drei der neuen Minister nutzten die Formel ohne religiöse Beteuerung: Bundesfinanzminister Olaf Scholz, Bundesjustizministerin Bärbel Barley und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (alle SPD). Schon Kanzler Gerhard Schröder hatte einst auf das religiöse Beiwerk verzichtet, ebenso wie sein grüner Außenminister Joschka Fischer und Umweltminister Jürgen Trittin. Die moralischen Grundwerte des rot-grünen Abendlandes gerieten – trotz leicht atheistischer Einfärbung – nicht in ernsthafte Gefahr. Immerhin.

Auch ohne Gottesschwur: Gott mischt kräftig mit in der deutschen Politik. In den Parlamenten, den Parteien, den Institutionen. „Dabei wird so getan, als hätte er ein ganz natürliches Anrecht darauf, als gehörte er zur politischen Grundausstattung, zum politischen Personal der Bundesrepublik, zur deutschen Demokratie“, konstatiert Dirk Kurbjuweit.

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Exorzismus-Seminar erstmals für nichtkatholische Christen zugänglich

Bild: Bill Flavell, FB

Vertreter der verschiedenen christlichen Konfessionen wollen ihre Erfahrungen austauschen und vergleichen. Die Tagung behandelt das Thema Exorzismus aus verschiedenen Blickwinkeln.

kath.net

Das 14. Seminar zum Thema „Exorzismus und Befreiungsgebet“ an der Päpstlichen Universität Regina Apostolorum war erstmals für Angehörige aller christlichen Denominationen offen.

Etwa 250 Katholiken, Griechisch-Orthodoxe und Protestanten nehmen an der von 6. bis 11. Mai stattfindenden Tagung teil. Die Vertreter der verschiedenen christlichen Konfessionen würden ihre Erfahrungen mit Exorzismen austauschen und vergleichen, sagte Pedro Barrajon, einer der Organisatoren. Die Austreibung von Dämonen gehe bis in die ersten Ursprünge des Christentums zurück, erinnerte er.

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Todesurteil gegen ägyptische Mönche bestätigt

Bild: © Richard Oechsner/Fotolia.com

Der Fall löste große Bestürzung in der koptischen Gemeinschaft Ägyptens aus: Zwei Mönche sollen ihren eigenen Abt brutal erschlagen haben. Jetzt wurde das harte Urteil gegen die beiden Angeklagten bestätigt.

katholisch.de

Zwei koptische Mönche sind wegen des Mordes an dem Abt-Bischof des Makarios-Klosters im ägyptischen Wadi al-Natrun, Bischof Anba Epiphanios, zum Tode verurteilt worden. Das Strafgericht in Damanhur bestätigte am Mittwoch die im Februar verhängte Strafe, wie der Sender BBC am Donnerstag berichtete. Das Urteil war dem Großmufti zur Überprüfung vorgelegt worden. Die Beschuldigten können dagegen Berufung einlegen.

Bischof Epiphanios (64) war in der Nacht zum 28. Juli 2018 in dem Wüstenkloster nordwestlich von Kairo getötet worden. Nach Angaben des Ermittlungsleiters General Khaled Abdel-Hamid hatten die beiden Täter bereits zweimal versucht, den Abt-Bischof zu töten. Hintergrund seien Streitigkeiten zwischen den beiden Tätern und Epiphanios über Finanzvergehen sowie Verletzungen der monastischen Tradition, so der Bericht.

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Radikale Christen und Rechte führen einen systematischen Kampf gegen Frauen in Europa

Bild: kontrast.at

Die Petition „fairändern“ hat in Österreich 60.000 Unterschriften gegen Spätabbrüche von Schwangerschaften gesammelt – die Initiative wird auch von den Regierungsparteien ÖVP und FPÖ unterstützt. Dahinter steht ein internationales Netzwerk christlicher Fundamentalisten: In einer gemeinsamen Strategie greifen sie die Rechte von Frauen und Homosexuellen in Europa an. Dafür stehen Millionen zur Verfügung und Österreich steht im Zentrum.

Von Patricia Huber | Kontrast.at

Sie wollen Scheidung, Abtreibung und Verhütung verbieten, die Rechte von Homosexuellen sind ihnen ein Dorn im Auge – das christlich-fundamentalistische Netzwerk hat sich international organisiert und Geld für Kampagnen gesammelt. Begonnen hat alles 2013 in Österreich: Die ÖVP-Abgeordnete Gudrun Kugler hat die Gründung einer Lobby-Organisation angestoßen, um sexuelle Freiheit und Selbstbestimmung zurückzudrängen – im Namen der Religion.

Agenda Europe: Koordinierte Angriffe auf Frauenrechte in Europa

Herausgekommen ist Agenda Europe – eine verstecktes Netzwerk aus rund 300 Einzelpersonen und Organisationen aus über 30 Ländern. Religiös-konservative Kräfte arbeiten dort in gemeinsamen Treffen an einer Strategie, um Frauenrechte in den einzelnen Ländern zurückzudrängen. Journalisten sind nicht zugelassen, Teilnehmer verpflichten sich zur Verschwiegenheit.

Ihr Programm ist klar: Sex dient der Fortpflanzung – jede Form von sexueller Freiheit, aber auch Verhütung, Abtreibung oder Scheidungen sollen verboten werden. Alte religiöse Ideen werden dabei neu verpackt und populär gemacht. Wer das Recht auf Verhütungsmittel oder Abtreibung verteidigt, wird als Feind von Familie und Leben attackiert. Mit dem Kampfbegriff Gender-Ideologie werten sie alle Meinungen ab, die Liebe und Sexualität nicht allein in den Dienst der Fortpflanzung stellen wollen.

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Vatikanexperte über Skurrilitäten rund um das leere Grab Jesu: „Kampf“ um jeden Zentimeter Grabeskirche

Symbolische Grablegung Jesu in der Grabeskirche © Andrea Krogmann (KNA)

Die Auferstehung Jesu von den Toten ist der Kern des christlichen Glaubens. Allerdings gibt es viele offene Fragen rund um die historischen Gegebenheiten. Der Theologe und Vatikanexperte Ulrich Nersinger mit einem Antwortversuch.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Wie sicher können wir heute sein, dass die Grabeskirche tatsächlich der Ort der Auferstehung ist?

Ulrich Nersinger (Theologe und Vatikanexperte): Wir werden eigentlich immer sicherer. Bis vor wenigen Jahren konnten wir die archäologischen Funde und die Untersuchungen in die Kreuzfahrerzeit hinein verfolgen. Aber mittlerweile haben neue Forschungen ergeben, dass wir bis in die Zeit Kaiser Konstantins, also bis in die Anfänge des vierten Jahrhunderts, zurückgehen können und ganz neue Forschungen meinen sogar, dass wir noch weiter in die Vergangenheit einen Weg einschlagen können.

DOMRADIO.DE: Dieser ganz besondere Ort, über dem heute die Grabeskirche steht, wird von nicht weniger als gleich sechs christlichen Konfessionen betreut. Das müssen Sie mal erklären.

Nersinger: Die Kirche hat sich im Laufe der Zeit in verschiedene Konfessionen aufgeteilt. Es waren immer die einzelnen Kirchenvertreter, die einzelnen Patriarchate, immer im Heiligen Land präsent und sie haben natürlich mit einer gewissen Eifersucht versucht, ihren Einfluss und ihr Heiliges Land zu verteidigen und auch ihren Gläubigen zugänglich zu machen.

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Durchgreifende Korrekturen als Frage des Überlebens

Bild: Free-Photos

Unsere Zivilisation befindet sich in einer kollektiven Hyperventilation – regiert von einer veralteten Politikerkaste, die von der revoltierenden Schülergeneration hoffentlich bald abgewählt wird

Peter Bürger | TELEPOLIS

Vor knapp 250 Jahren konnte der Dichter Matthias Claudius (1740-1850) seine Leserschaft noch dazu ermuntern, täglich die Freude am eigenen Menschsein zu besingen: „Ich danke Gott, und freue mich / Wie ’s Kind zur Weihnachtsgabe, / Dass ich bin, bin! Und dass ich dich, / Schön menschlich Antlitz! habe.“ An die Schönheit der Gattung Mensch vermag heute ein Großteil des Publikums nicht mehr zu glauben. Zu offenkundig ist die Übermacht der zerstörerischen und selbstmörderischen Potenzen unserer Spezies geworden.

In einem seit langem kursierenden Witz, der gar nicht lustig ist, drückt sich Hilflosigkeit aus: Die Erde klagt auf einem Planetentreffen, sie sei von einer Krankheit mit Namen homo sapiens befallen. Sie wird von den anderen Planeten getröstet, diese Krankheit gehe gewiss bald vorüber.

Es scheint also schon ausgemacht zu sein, dass es kein „Happy End“ geben kann und der Mensch schlussendlich ob seiner Hässlichkeit abtreten muss: „Leben, dieses Wunder unseres Universums, entstand vor vier Milliarden Jahren. Der Mensch trat vor rund 200 Tausend Jahren auf. Und doch hat er es in dieser relativ kurzen Zeit geschafft, das Gleichgewicht der Natur zu gefährden.“ (Yann Arthus-Bertrand: Dokumentarfilm „Home“, 2009)

Angeblich soll zum Aufbegehren in unseren Tagen die grundlegende Theorie, „Erzählung“ oder Botschaft fehlen. Die radikale Fragestellung, die junge Menschen – trotz polizeistaatlicher Einschüchterungsmanöver und des ignoranten „Volkspartei“-Personals – zu Protesten im Hambacher Forst und anderswo oder zu den Schulstreiks in Bewegung setzt, wird bei diesem Lamento von Politstrategen übersehen, gerade weil sie so grundlegend ist. Sie lautet: „Scheitert der homo sapiens?“ Eine politische Bewegung, die im 21. Jahrhundert die Gattungsfrage nicht stellt, kann weder ernstgenommen werden noch erfolgversprechend sein.

Das Drama des Menschen: Angst, nicht Stolz

An dieser Stelle gilt es jedoch, innezuhalten. Wenn wir nicht auf der Stelle treten wollen, ohne weiterzukommen, müssen wir zunächst das Drama des Menschen erhellen. Die Mythen der Völker wollen wissen, wir seien ursprünglich eingebettet gewesen in ein paradiesisches Lebensgefüge. Ernst Bloch spricht von einer „Heimat“, die „allen in die Kindheit scheint (und worin noch niemand war)“. Sobald wir erwachen und zu Bewusstsein kommen, ist es uns offenbar verwehrt, träumend, kinderselig und „unschuldig“ durch die Weltgeschichte zu gehen.

Folgenreich ist jene Deutung des Paradiesverlustes, die besonders nachdrücklich Augustinus von Hippo vorgelegt hat. Der erste Mensch, so wollte dieser Kirchenvater wissen, sei der Sünde des Hochmutes verfallen und habe sich in einem Zustand wirklicher Wahlfreiheit aus eigenen Stücken – ohne Zwang – für das Böse entschieden.

In dieser Linie wird man der „Erzählung vom bösen Menschen“ folgen, die Bestandteil jeder Herrschaftsideologie ist. Es bleibt dann nur noch die Möglichkeit, die Menschen durch Zwang vom Schändlichen abzuhalten oder auf dem Weg der Moralpredigt zum Guten zu bewegen. Noch immer glauben gerade auch viele Gutgesinnte, das Weltgeschick ließe sich durch moralische Verurteilungen und Appelle zum Besseren hinlenken.

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