Vorurteile gegenüber Roma in evangelischer Kirche tief verwurzelt

Kirche © Sebastian Rittau @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Auch in der evangelischen Kirche sitzen Vorurteile gegenüber Sinti und Roma teilweise bis heute tief, wie eine Studie darlegt. Sie zeigt auch, dass sich die Kirche in der NS-Zeit an der Minderheit schuldig gemacht hat.

MiGAZIN

Vorurteile gegenüber Sinti und Roma sind einer Studie zufolge auch innerhalb der evangelischen Kirche tief verwurzelt und bis heute kaum aufgearbeitet. Laut einem am Mittwoch auf einer Tagung der Evangelischen Akademie in Berlin vorgestellten Gutachten der Heidelberger Historikerin Verena Meier über „Protestantismus und Antiziganismus“ gibt es zahlreiche Belege kirchlichen Versagens bis in die Gegenwart. Bis heute fehle es an einer systematische Forschung zu diesem Thema, sagte Meier und appellierte an die Kirche, sie müsse aus dem „Erinnerungsschatten“ heraustreten. Auftraggeber der Studie war der Zentralrat der Sinti und Roma.

Zementiert wurden die Vorurteile laut Meier bereits vom Reformator Martin Luther (1483-1546), der die Feindschaft gegen Sinti und Roma theologisch rechtfertigt habe. Die anhaltende Diskriminierung der Minderheit über die Jahrhunderte sei bei den Protestanten deshalb auf Desinteresse gestoßen, oder sie hätten sich aktiv daran beteiligt.

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Die Kirchen und das liebe Geld

Bild: tilly
In Deutschland sind Staat und Kirche eng verknüpft. Das zeigt sich auch daran, dass der Staat die Kirchensteuer einzieht. An diesem deutschen Sonderweg wollen fast alle Parteien festhalten. An anderen Punkten sehen sie Reformbedarf. Religion und Finanzen – das ist ein heißes Eisen.

Von Burkhard Schäfers | Deutschlandfunk

Finanzen und Steuern – darüber streiten die Parteien gern in Bundestagswahlkämpfen. Wenn es indes ums Thema Geld und Kirche geht, so herrscht ungewohnte Einigkeit: Die meisten Parteien wollen das derzeitige Modell der Kirchensteuer beibehalten. Nur die Linke fordert, die Kirchen sollten ihre Mitgliedsbeiträge selbst erheben. Ist die Hilfe durch den Staat noch zeitgemäß, oder bevorzugt er die Kirchen gegenüber anderen Religionsgemeinschaften? Kerstin Griese von der SPD erklärt den Hintergrund:

„Meistens wissen die Menschen nicht, dass das kein Privileg der Kirchen ist, sondern ein Recht, das das Grundgesetz allen Religionsgemeinschaften einräumt. Und was auch wenig bekannt ist, ist, dass die Kirchen den Staat dafür bezahlen, mit zwei bis vier Prozent des von ihm erhobenen Steueraufkommens. Das ist also eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Insofern ist die Trennung von Staat und Kirche gewahrt.“

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Religiöse Armutshilfe: Opium des Volkes, Anwalt für die Armen

foto: andy urban Karitative Initiativen wie die kostenlose Essensausgabe – im Bild eine Ausspeisung bei der Wiener Friedensbrücke durch den Canisibus der Caritas – stehen vor der Herausforderung, dass sie das nachhaltige Ziel verfolgen, sich selbst wieder in diesem Bereich abzuschaffen.
Glaubensbasierte Organisationen wie Caritas oder Diakonie in ambivalenter Rolle

Von Tanja Traxler | derStandard.at

Die großen Religionen der Welt haben eine jahrhundertealte Tradition, das Leid der Armen zu lindern. In der modernen Gesellschaft von heute spielen säkulare NGOs dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Doch weiterhin sind sogenannte glaubensbasierte Organisationen – im Englischen werden sie „faith-based organizations“, kurz FBOs, genannt – wie die katholische Caritas oder die evangelische Diakonie von zentraler Bedeutung für die Armutsbekämpfung. Im vergangenen Jahrzehnt sind FBOs sogar noch wichtiger geworden, sagt Emma Tomalin, Professorin an der Universität Leeds in Großbritannien und Direktorin des dortigen Centre for Religion and Public Life. In welchem Spannungsfeld sie sich in der Armutsbekämpfung bewegen, ist einer der Schwerpunkte, die diese Woche bei einer Konferenz an der Uni Salzburg zu Armutsforschung diskutiert werden.

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Marianne Birthler: Kirche muss politisch sein

Marianne Birthler, 2015. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 2.0 – Stephan Röhl

Das Evangelium habe für Birthler „ganz klar eine politische Dimension“, schreibt sie in einem Beitrag für die Berliner Wochenzeitung „Die Kirche“.

EKD

Die ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, hält nichts von einer unpolitischen Kirche. Das Evangelium habe für sie „ganz klar eine politische Dimension“, schreibt die ausgebildete Katechetin und frühere Grünen-Landesministerin in einem Beitrag für die Berliner Wochenzeitung „Die Kirche“ (Ausgabe 24. September).

Kirchen hätten schon immer hochwirksam auf Notsituationen der Gesellschaft reagiert, indem sie Schulen gründeten, wenn es nötig war, Krankenhäuser und Altenheime eröffneten, weil Menschen Not litten. Genauso hätten in den 1980er Jahren die Gemeinden in der DDR auf einen Notstand reagiert, indem sie mitten in einer Diktatur angstfreie Räume für Information, Diskurs und gegenseitige Ermutigung bereitstellten. „Man kann es auch politische Diakonie nennen“, erklärt Birthler.

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Kirchenpräsident schaut sich IT-Firmen an

Volker Jung (2013), Foto: Rolf Oeser. Bild: wikimedia.org/CC0

Kirchenpräsident Volker Jung war bei Facebook und Google zu Gast und sieht einige Parallelen zwischen Kirche und Internetkonzernen – aber auch wichtige Unterschiede.

Von Peter Hanack | Frankfurter Rundschau

Wie sieht es aus bei Facebook, Google und Co.? Was bewegt die Menschen, die dort arbeiten? Kirchenpräsident Volker Jung war auf Stippvisite in Kalifornien und hat einige überraschende Gemeinsamkeiten zwischen den dortigen Unternehmen und seiner Kirche gefunden – und große Unterschiede. Immerhin: Verkünder einer frohen Botschaft gibt es hier wie dort. Und den Glauben, die Welt verbessern zu können.

Herr Jung, haben Sie den Geist entdeckt, den Spirit, der die Menschen bei Facebook und Co. antreibt?  
Was zu spüren war, ist eine ausgesprochen positive Haltung zur eigenen Arbeit. Die Grundüberzeugung dort ist: Wir tun etwas Gutes.

Die Menschen dort glauben an das, was sie tun? 
Ja. Wir sind bei Google zum Beispiel einem Manager mit der für uns etwas seltsamen Berufsbezeichnung Chief Evangelist begegnet. Er war wie viele andere davon überzeugt, für eine Firma zu arbeiten, die die Welt verbessert. Das ist schon ein hoher Anspruch.

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Evangelische Kirchenvertreter schreiben Protestbrief an von der Leyen

Ursula von der Leyen (2010). Bild: wikipedia.org. bearb.: bb

Über 200 Vertreter der evangelischen Kirche haben laut einem Bericht der „Berliner Zeitung“ einen Brief an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) geschrieben. Dieser enthalte die Bitte, die Bundeswehr nicht weiter aufzurüsten, berichtet die Zeitung.

EKD

Viele Unterzeichner kämen aus Ostdeutschland. Hintergrund sei eine Erklärung von der Leyens, wonach sie dem Bundestag „einen 130-Milliarden-Euro-Plan für die Zeit bis 2030 vorgelegt“ habe, „der das Minimum von dem ist, was wir brauchen“.

In dem Brief heiße es: „Wir sind Christen und möchten Sie als Christin, als Frau und als Mutter fragen, wie Sie eine solche Forderung verantworten können in einer Zeit, da nahezu eine Milliarde Menschen an Hunger und Unterernährung leiden, große Armuts-Fluchtbewegungen das internationale Zusammenleben belasten und der Schutz der bedrohten Umwelt viel größere Anstrengungen erfordert als bisher.“

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Pfarrer verweigert Zahlung des Rundfunkbeitrages

Themenbild
Pfarrer Uwe Holmer, einer der bekanntesten Pastoren Deutschlands, verweigert ab sofort die Zahlung des Rundfunkbeitrags in Deutschland. Grund ist der wiederholte Verzicht von ARD und ZDF, über den „Marsch für das Leben“ zu berichten.

kath.net

Pfarrer Uwe Holmer, einer der bekanntesten Pastoren Deutschlands, verweigert ab sofort die Zahlung des Rundfunkbeitrags in Deutschland. Dies berichtet die Evangelische Nachrichtenagentur „idea“. Grund ist der wiederholte Verzicht von ARD und ZDF, über den „Marsch für das Leben“ zu berichten. In einem Brief an ARD und ZDF kritisiert der pensionierte evangelische Pastor den Verzicht auf eine Berichterstattung: „Von einer anderen Demonstration, sehr viel kleiner, haben Sie aber durchaus berichtet.“ Das sei eine „einseitige Politik“. Holmer: „Sie ziehen mir Pflichtgebühren ab. Damit übernehmen Sie die Pflicht, redlich zu berichten und nicht zu manipulieren.“ Die mehr als 7.500 Teilnehmer des Marsches für das Leben hätten darauf hingewiesen, dass in Deutschland jedes Jahr mehr als 100.000 Kinder im Mutterleib getötet werden. Sie forderten damit die Beachtung des gesetzlich verbrieften Rechtes auf Leben. Holmer zeigt sich empört: „Und ich habe ein Recht auf sachliche, ehrliche und wahrheitsgetreue Berichterstattung.“

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Brasilien legalisiert „Homo-Heilung“ nach 18 Jahren wieder

Fotalia.
Ein Verbot der Behandlungen untergrabe die Forschungsfreiheit, urteilte ein Richter in der Hauptstadt Brasilia

Von Michael Pfeffer | GGG.at

8 Jahre lang waren in Brasilien „Konversionstherapien“ zur angeblichen „Heilung“ von Homosexualität verboten. Dann hat eine evangelikale Psychologin gegen das Verbot geklagt – und jetzt gewonnen. Damit sind die wirkungslosen und sogar gefährlichen Behandlungen in dem südamerikanischen Land wieder legal.

Eine Psychologin, die mit Gott spricht, klagt gegen das Verbot der umstrittenen „Konversionstherapien“

Im Jahr 1999 hat der brasilianische Psychologenverband „Konversationstherapien“ verboten. Der Verband hatte entschieden, dass Homosexualität keine Krankheit sei und die „Therapien“ zu erheblichen psychologischen Schäden bei den Betroffenen führten. Brasilien war somit das erste Land der Welt, das ein derartiges Verbot erlassen hatte.

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Kirche muss sich ihrer „antiziganistischen“ Geschichte stellen

Monument to the Romani murdered in the Polish village of Borzęcin. Bild: wikimedia.org/GFDL – Zygmunt Put Zetpe0202
Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, hat die evangelische Kirche aufgefordert, sich ihrer „antiziganistischen“ Geschichte zu stellen.

evangelisch.de

Ein klares Bekenntnis zur Aufarbeitung der jahrhundertealten und bis in die Gegenwart reichenden Vorurteile und Stereotypen über Sinti und Roma innerhalb der Kirche wäre ein wichtiger Schritt, sagte Rose am Mittwoch in Berlin bei einer Tagung der Evangelischen Akademie über „Protestantismus und Antiziganismus“. Dabei wurde auch eine Studie zum Thema vorgestellt.

Noch immer gebe es in der Forschung zu „viele Leerstellen“, mit denen sich Kirchenhistoriker auseinandersetzen sollten. Dabei sind für Rose die „zähen und langlebigen Vorurteile“ gegenüber den Sinti und Roma, die unter anderem vom Reformator Martin Luther (1483-1546) in seinen Schriften befeuert worden seien, Ausdruck eines gesellschaftlichen Versagens.

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Exorzismen: Hier geht’s mit dem Teufel zu

Marcus Wegner ist Journalist und war bereits bei mehr als 100 Teufelsaustreibungen mit dabei. Bei allen war er eingeladen. Foto: Elke Böcker
In der Vortragsreihe bei Audi berichtete der Journalist Marcus Wegner von Exorzismen. Die sind alles andere als ein Relikt aus dem düsteren Mittelalter.

Von Elke Böcker | Augsburger Allgemeine

Marcus Wegner beschäftigt sich seit 15 Jahren mit dem Thema „Exorzismus“. Der Journalist berichtete in der Reihe Auditoirum bei Audi mit beeindruckender Sachlichkeit von der weltweit in vielen Religionen, Sekten und religiösen Gruppierungen verankerten Behandlung sogenannter Besessener. Im Anschluss gab es bei der von Anna Niemann (Audi Kommunikation) moderierten Gesprächsrunde für die Zuhörer die Möglichkeit, Fragen an Marcus Wegner zu stellen.

Wegner konnte als Journalist und geladener Beobachter bislang an mehr als 100 sogenannten Teufelsaustreibungen teilnehmen. Die Informationen und Zahlen, die er recherchiert hatte, ließen dann so manchem aus dem Publikum den Atem stocken. So werden die meisten und auch die brutalsten Exorzismen innerhalb verschiedener evangelischer Freikirchen durchgeführt, erklärte Wegner. Er berichtete von einem Exorzismus an einem dreijährigen Kind: Es war ungehorsam und hatte genascht, obwohl es verboten war. In der Esoterikszene müsse man von drei bis vier Fällen pro Tag in Deutschland ausgehen. Diese Teufelsaustreibungen würden unter anderem von sogenannten Geistheilern durchgeführt – und kosten natürlich auch Geld. Mehrere tausend Euro seien nicht unüblich.

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Theologe beklagt Zurückhaltung der Kirchen

Der Dresdner Frauenkirchen-Geschäftsführer Frank Richter vermisst eine deutliche Stimme der Kirchen in der Gesellschaft. 

EKD

Ganz anders sei das 1988/1989 gewesen, als die ökumenische Versammlung in der DDR wesentliche Impulse für Veränderungen in der Gesellschaft gegeben habe und damit eine entscheidende Grundlage für die friedliche Revolution gab, sagte Richter in einem Vortrag unter dem Motto „Politische Verantwortung. Beobachtungen eines Grenzgängers“ in der katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen.

„Wo ist die ökumenische Versammlung 2017?“, fragte der frühere Direktor der Landeszentrale für politische Bildung in Sachsen. Auch für das 500. Reformationsjubiläum und die damit verbundenen Feierlichkeiten hätte er sich eine Basisbewegung „von unten aus den Gemeinden heraus“ gewünscht – „ein bisschen mehr reformatorisch“, nicht „administrativ von oben organisiert“.

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Pastor who thinks mothers don’t belong in public office leads Bible study for Trump’s cabinet

Ralph Drollinger is a pastor known for inflammatory statements on everything from climate change to women’s right to work.
It’s an understatement to suggest that Republicans aren’t exactly forward thinking when it comes to women’s rights. Their legislative record, both at the state and federal levels, speaks for itself. In trying to limit women’s access to reproductive health care, it’s quite obvious that their version of progress is taking us back to a place in time when a woman’s place was solely limited to the home.

By Kelly Macias | Daily Kos/Church and State

Leading the way is Pastor Ralph Drollinger, a Californian and former UCLA basketball player, who is now teaching Bible study sessions for the members of Trump’s cabinet. He has some pretty retrograde views on women—and he doesn’t mind at all sharing them publicly.

He is the evangelical spiritual leader who once counseled a group of Sacramento lawmakers that female politicians with young children have no business serving in the Legislature. In fact, he called them sinners. […]

“It is one thing for a mother to work out of her home while her children are in school,” wrote Drollinger, a Californian who created a group called Capitol Ministries to teach evangelical interpretations of the Bible to politicians. “It is quite another matter to have children in the home and live away in Sacramento for four days a week. Whereas the former could be in keeping with the spirit of Proverbs 31, the latter is sinful.”

So according to the dear pastor, it may possibly be acceptable for a woman to work outside of the home, if her children are school-aged. But making a living while living apart from her children? That would send her straight to hell. Hmm … wonder if he feels the same way about a man who commutes for his job? Likely not. As far as the Bible study group itself from Trump’s cabinet—well, it’s comprised of the usual suspects. Take a moment to think of the most zealot-like members of the administration. Everyone you’d rather not be in charge of public policy specifically because they seem hellbent on bringing their religion into government. Did Mike Pence, Jeff Sessions and Betsy DeVos come to mind? Yup. It’s exactly those folks.

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Bullshistic: Bedford-Strohm – Kirchliche Feiertage sind Chance für Gesellschaft

Heinrich Bedford-Strohm (2011). Presseabteilung der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. bearb. bb
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat dazu aufgerufen, kirchliche Feiertage als Chance für die sich wandelnde Gesellschaft zu begreifen.

evangelisch.de

Die kirchlichen Feiertage gehörten „zu den fundamentalen Beiträgen des Christentums zur Kultur unserer Gesellschaft“, erklärte der Theologe am Mittwoch in Hannover. Sie seien kein Überbleibsel einer vergangenen Epoche, sondern dienten in ihrer humanisierenden Funktion auch heute noch der Gesellschaft im Ganzen.

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Evangelischer Kunstdienst: Goebbels willige Helfer

Marc Chagall, 1912, Still-life (Nature morte), oil on canvas, private collection. Bild: wikimedia.org/PD-US
Wie die Nazis zu „entarteter Kunst“ standen, ist bekannt. Dass sie sie aber für die Kriegskasse verkaufen wollten, wissen schon weniger Menschen. Und dass ein christlicher Verein dabei eine Rolle spielte, ist kaum bekannt. Eine ungeheuerliche Geschichte.

Von Thomas Klatt | evangelisch.de

„Nicht völkisch genug“ – dieses Urteil fällten die Nationalsozialisten über Künstler wie Käthe Kollwitz, Otto Dix, Marc Chagall und noch viele mehr. Doch nur ein Bruchteil der annähernd 20.000 konfiszierten Werke wurde in der berühmten Wanderausstellung als „Entartete Kunst“ gezeigt. Der allergrößte Teil sollte gegen Devisen verkauft werden. Kaum bekannt ist jedoch, dass ein kleiner christlicher Verein dabei eine nicht unerhebliche Rolle spielte.

Dabei sind die Wurzeln des Evangelischen Kunstdienstes alles andere als nationalsozialistisch geprägt. Der ehemalige Generalstabsoffizier und Domprediger an der Domkirche zu Dresden, Arndt von Kirchbach, suchte nach dem Zusammenbruch der kaiserlichen Monarchie Orientierung und Halt in einer neuen liturgischen Bewegung. Hinzu kam der Chemnitzer Buchhändler Gotthold Schneider, der bereits Kontakte zu Otto Dix, Ernst Barlach, Emil Nolde oder Walter Gropius unterhielt. Es fanden erste „Künstlernachmittage“ statt. Später stieß der Dresdner Kunsthistoriker Oskar Beyer dazu. Die Lösung des „religiösen Kunstproblems“ sei in der Schaffung eines „Ortes der Freiheit“ zu suchen, ohne die vorhandenen theologisch-dogmatischen Schranken der verfassten Kirchen, schrieb Beyer. Am 6. Februar 1928 wurde die „freie Arbeitsgemeinschaft für evangelische Gestaltung“ gegründet, der spätere Evangelische Kunstdienst. Eine Suborganisation, die mit ihrer Kirche stets verbunden blieb.

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Evolutionstheorie: Große Wissenslücken, erhöhte Zweifel

„Es gibt durchaus viele Menschen, die ganz, ganz viel wissen über Evolution und das sehr gut beschreiben können, aber trotzdem nicht davon ausgehen, dass es wirklich stattgefunden hat“, sagte die Biologiedidaktikerin Anna Beniermann im Dlf (picture alliance / dpa / Marijan Murat)
Die Wissenslücken bei der Evolutionstheorie und die Ablehnung ihr gegenüber seien viel höher als angenommen, auch bei angehenden Biologie-Lehrern, sagte die Biologiedidaktikerin Anna Beniermann im Dlf. Um dem entgegenzuwirken, müsse schon in der Grundschule der Unterricht beginnen.

Anna Beniermann im Gespräch mit Manfred Götzke | Deutschlandfunk

Manfred Götzke: Ob und wie die Evolutionstheorie bei uns in Deutschland akzeptiert und gekannt wird, darüber forscht die Biologiedidaktikerin Anna Beniermann von der Universität Gießen. Sie stellt dazu gerade ihre Doktorarbeit fertig, hallo!

Anna Beniermann: Hallo, guten Tag!

Götzke: Frau Beniermann, erst mal ganz allgemein gefragt: Wird die Evolutionstheorie in Deutschland im Großen und Ganzen akzeptiert?

Beniermann: Ja, insgesamt schon. Es gibt natürlich da auch einige Menschen, die die Evolution ablehnen, das ist aber sehr unterschiedlich, je nachdem welche Personengruppen man sich anschaut. Aber insgesamt ergibt sich ein sehr viel besseres Bild als in der Türkei oder in den USA.

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EKD-Beauftragter findet, dass religionskritische Kunst bereichernd sein kann

Martin Kippenberger(Frosch), Deborah Sengl(Huhn) u.Bernard Arnault(PissChrist) Montage: bb

Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, betrachtet religionskritische Kunst im öffentlichen Raum als einen guten Anstoß für Diskussionen.

evangelisch.de

„Oft stellt sich heraus, dass solche Werke große Bereicherungen sind“, sagte Claussen am Dienstag in einem epd-Gespräch zum Karlsruher „Genesis-Projekt“. Evangelische Christen hätten gelernt, gelassen mit vermeintlichen Blasphemien umzugehen. Es sei besser, neugierig zu sein, statt sich zu früh aufzuregen.

In Karlsruhe wird derzeit darüber diskutiert, dass der Künstler Markus Lüpertz die neue U-Bahn mit Reliefs der Schöpfungsgeschichte verzieren will. Kritiker sehen dies als einen Eingriff in den öffentlichen Raum. Bislang ist allerdings unklar, wie die Reliefs aussehen sollen, und ob das Werk nicht sogar antichristlich ausfallen wird.

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Deutschland: Einreiseverweigerung für evangelischen Bischof

Visaanträge aus afrikanischen oder anderen nichteuröpäischen Staaten werden oftmals abgelehnt – trotz guter Gründe für den Antrag – AFP
Einem Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) aus Nigeria ist offenbar die Einreise nach Deutschland verweigert worden. Wie die frühere Bischöfin der Methodisten, Rosemarie Wenner, auf „Facebook“ schreibt, kann der Nigerianer John Wesley Yohanna nicht an einer Tagung der Zukunftskommission der EmK teilnehmen, weil ihm das Visum verweigert wurde.

Radio Vatikan

Die Erfahrungen der Methodisten reihen sich ein in eine ganze Liste verweigerter Einreiseerlaubnisse für Teilnehmer von kirchlichen Austauschprojekten: Wie der Referent für internationale ökumenische Jugendarbeit der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Jugend (aej), Dirk Thesenvitz, am Sonntag der Katholischen Nachrichten-Agentur berichtete, ist erst kürzlich Teilnehmern aus Russland die Einreise zu einem von der Bundesregierung finanziell geförderten Jugendcamp in Wittenberg verweigert worden. Im August war auch ein Austauschprojekt des Brandenburger Kirchenkreises Oberes Havelland an verweigerten Visa gescheitert.

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Zwei Kirchenglocken mit Nazi-Symbolen in Niedersachsen

Propaganda der „Deutschen Christen“ in Berlin (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1985-0109-502 / CC-BY-SA)
In der hannoverschen Landeskirche gibt es nach Angaben des Landeskirchenamtes noch zwei Kirchenglocken mit eingegossenen Nazi-Symbolen. Dabei handelt es sich um Hakenkreuze mit einer Aufschrift im NS-Stil sowie einem Luftwaffenadler, wie ein Sprecher am Montag in Hannover mitteilte.

evangelisch.de

Die evangelische Landeskirche hatte in den vergangenen Wochen alle ihre 1.262 Gemeinden zwischen Hann. Münden und der Nordsee befragt, ob solche Glocken vor Ort noch existieren. Hintergrund ist der Fall der „Hitler-Glocke“ im pfälzischen Herxheim am Berg, die seit einiger Zeit für Aufsehen sorgt.

Die niedersächsischen Glocken hängen in der Michaelkirche in Faßberg bei Celle sowie im Turm der Kreuzkirche in Schweringen bei Nienburg. „Die betroffenen Gemeinden sind sich der Problematik dieser Glocken bewusst“, sagte Arend de Vries, Geistlicher Vizepräsident des Landeskirchenamtes in Hannover. Er empfiehlt den Gemeinden, die Glocken stillzulegen. „Da diese Glocken zu Gottesdiensten, Andachten und zum Gebet einladen, sind sie nicht nur historische Relikte, sondern Teil des aktuellen liturgischen Handelns.“ Er könne sich nur schwer vorstellen, dass diese Glocken weiterhin zu Gottesdiensten oder zu Friedensgebeten einladen.

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Medienbischof ruft zu kritischer Distanz gegenüber Sozialen Netzwerken auf

Bild: wikimedia.org/CC-2.5/MarkusAngermeier
Der evangelische Medienbischof Volker Jung ruft angesichts populistischer Stimmungsmache durch Fake News zu kritischer Distanz gegenüber Darstellungen in Sozialen Netzwerken auf. „Falsche Behauptungen, falsche Darstellungen hat es schon immer gegeben.

Von Karsten Frerichs | evangelisch.de

Es liegt auch an jedem selbst, sich zu einem kritischen Umgang mit Medien anzuhalten“, sagte der hessen-nassauische Kirchenpräsident dem Evangelischen Pressedienst (epd). Für den seriösen Journalismus sei es in Abgrenzung zu Sozialen Netzwerken eine „große Herausforderung zu zeigen, dass man sauber arbeitet und der Wahrheit verpflichtet ist“. Kritisch sehe er, „dass die Sogkraft einer stärkeren Personalisierung und Boulevardisierung auch die journalistischen Angebote verändert“. „Wirklichkeit muss natürlich ausgelegt und interpretiert werden, sie darf aber nicht verzerrt oder einem reinen Meinungsjournalismus geopfert werden“, sagte Jung. Er sei davon überzeugt, dass es für Qualitätsjournalismus immer einen Markt geben wird – „vielleicht sogar zunehmend mehr“.

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«Reformatoren fühlten sich vom humanistischen Denken angezogen»

Der Historiker Jan-Friedrich Missfelder erforscht Renaissance und Reformation. Die Verbindung sieht er im Humanismus.

Interview Christa Miranda | SRF

SRF: Wie sind Renaissance und Reformation miteinander verknüpft?

Jan-Friedrich Missfelder: Die Renaissance kann als übergreifende Epoche verstanden werden. Sie schliesst auch die Reformation mit ein. Die Verbindung ergibt sich vor allem über den Humanismus: Humanisten forderten damals «ad fontes», also «zurück zu den Quellen».

Zu welchen Quellen?

Zu den antiken Quellen, aber natürlich auch zu den christlichen Quellen: zu den Texten der Bibel und jenen der Kirchenväter.

Die Kirchenkritik verbindet einzelne Vertreter des Humanismus mit den Reformatoren. Beide übten Kritik an den Zuständen in den Kirchen, Kritik an Formen der Frömmigkeit, aber auch an Autoritäten. Dabei bezogen sie sich auf die wiederentdeckten Urtexte.

Wie kommt es, dass sich die beiden Grossereignisse in der gleichen Zeit und fast am gleichen Ort entwickelten?

Viele Reformatoren fühlten sich vom humanistischen Denken angezogen und entwickelten es weiter. Aber natürlich lässt sich das eine nicht unmittelbar vom anderen ableiten.

In Italien, dem Heimatland der Renaissance und Ursprungsland des Humanismus, gab es keine erfolgreichen reformatorischen Bewegungen. Es gab zwar solche Bewegungen, aber sie scheiterten.

«  Luther interessierte sich wohl schlicht nicht für naturwissenschaftliche Entdeckungen. »

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