Archiv der Kategorie: Protestantismus

Antisemitismus-Vorwurf: Dialog-Beauftragter der bremischen Kirche zurückgetreten

Nach Antisemitismus-Vorwürfen ist der Beauftragte für den Dialog mit den Religionen in der Bremischen Evangelischen Kirche, Pastor Volker Keller, am Donnerstag von seinem Amt zurückgetreten.

evangelisch.de

Er hatte sich in einer Mail in ironisch gemeinter Weise als „Antisemit“ bezeichnet. Diese Formulierungen seien außerordentlich missverständlich und unangemessen gewesen, räumte Keller ein: „Ich habe damit bei vielen Menschen massive Irritationen ausgelöst, insbesondere bei Menschen jüdischen Glaubens.“ Die Jüdische Gemeinde in Bremen hatte Keller Antisemitismus vorgeworfen.

Anlass des Konflikts war eine Lesung des Bremer Publizisten Arn Strohmeyer zum Nahostkonflikt in Bremen-Vegesack, wo Keller als Gemeindepastor arbeitet. Strohmeyer wird von Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde und von einem Journalisten der „Jerusalem Post“, Benjamin Weinthal, als Antisemit bezeichnet. Er ruft unter anderem zum Boykott gegen Produkte aus den von Israel besetzten Gebieten auf. Keller hatte versucht, die Kritik des Antisemitismus in einer, wie er selbst sagte, „Spottmail“ ironisch zurückzuweisen.

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Bayrischer AfD-Chef: Kirche bereichert sich an Flüchtlingskrise

Bayerns AfD-Landesvorsitzender Petr Bystron verlangt ein „Ende der Kirchensubventionierung durch Steuergelder“ © Matthias Balk/DPA
Für Bayerns AfD-Landesvorsitzenden Petr Bystron steht fest, dass die von der Kirche propagierte Flüchtlingsfreundlichkeit nur einen Grund hat: an der Krise zu verdienen – auf Kosten der Steuerzahler.
 

stern.de

Die AfD verschärft ihren Kurs gegenüber der katholischen und evangelischen Kirche. Bayerns AfD-Landesvorsitzender Petr Bystron wirft beiden Kirchen vor, über ihre Wohlfahrtsverbände „unter dem Deckmantel der Nächstenliebe“ ein Milliardengeschäft mit der Flüchtlingskrise zu machen.

Beide Kirchen hätten aus kommerziellen Gründen ein großes Interesse an weiterer Flüchtlingszuwanderung. „Die vordergründig propagierte Flüchtlingsfreundlichkeit finanziert zugleich eine gigantische Wohlfahrtsindustrie unter dem organisatorischen Dach der Kirchen“, sagte Bystron, der seine Kritik zuvor in einem Beitrag für die „Huffington Post“ veröffentlicht hatte. Branchenführer seien die katholische Caritas und das evangelische Diakonische Werk.

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Das Recht auf Luthers Seite

Foto: epd-bild/Alexander Baumbach. bearb.: bb
Foto: epd-bild/Alexander Baumbach. bearb.: bb
Dreißig Jahre früher, und es hätte keine Reformation in Deutschland gegeben: Erst der „Ewige Landfriede“ von 1495, der das Gewaltmonopol dem Staat überschrieb und Fehden zwischen regionalen Herrschern an das Reichsgericht verwies, gab den Fürsten die notwendige Eigenständigkeit, mit der der sächsische Kurfürst Friedrich den geächteten Martin Luther schützen konnte.

Von Marcus Mockler | EKD

Davon ist der Tübinger Rechtsprofessor Martin Heckel überzeugt. Der 86-jährige, vielfach ausgezeichnete Staats- und Kirchenjurist hat eine 700-seitige Studie über rechtliche Voraussetzungen und Konsequenzen der Reformation verfasst.

Als Luthers Lehren 1521 auf dem Wormser Reichstag verworfen und er selbst für vogelfrei erklärt wurde, brachten ihn Soldaten des Kurfürsten heimlich in Sicherheit auf die Wartburg. Luther hatte schon zuvor appelliert, dass ein Konzil über seine Sache entscheiden sollte. Dahinter steckte einerseits die Überzeugung, dass ein solches Gremium fairer mit seiner Kritik am Ablasshandel umgehen würde als macht- und geldgierige Regenten. Es war aber auch juristisch ein kluger Schachzug, denn dieser Appell konnte aufschiebende Wirkung haben. Das heißt: So lange nicht endgültig über Luthers Thesen entschieden war, durfte der Bann an ihm nicht vollstreckt werden.

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„Privilegien der Kirchen noch zeitgemäß?“

Donnerstag, 30. Juni 2016 19 bis 21 Uhr

Robert-Havemann-Saal im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin

 Humanistische Union

Jedes Jahr zahlen die Länder – außer Bremen und Hamburg – zusammen über 500 Millionen Euro sog. Staatsleistungen an die beiden Kirchen. Diese Zahlungen, vor 200 Jahren als Entschädigung für Folgen der Säkularisation gedacht, sind kaum mehr zeitgemäß. Demnächst berät der Deutsche Bundestag erstmals über einen Gesetzentwurf, wonach die Grundsätze für eine Ablösung der Staatsleistungen diskutiert werden sollen.

Über die Befreiung der beiden christlichen Kirchen von diversen Steuern und Gebühren wollen wir ebenso diskutieren wie über den Einzug der Kirchensteuer durch den Staat und darüber, dass staatliche Subventionen an Kirchen und deren Einrichtungen nicht der Prüfung durch Rechnungshöfe unterliegen.

Das Grundgesetz legt dem Staat „weltanschaulich-religiöse Neutralität auf. Es verwehrt die Einführung staatskirchlicher Rechtsformen und untersagt auch die Privilegierung bestimmter Bekenntnisse“, stellte das Bundesverfassungsgericht bereits in einem Urteil vom 14.12.1965 fest. Welche Widerstände gibt es in den Parteien gegen die Umsetzung dieses Verfassungsgebotes? Und nicht zuletzt: Wie verhalten sich die beiden Kirchen zu dieser Diskussion?

Darüber wollen wir diskutieren mit:

  • Oberkirchenrat Dr. Stephan Iro, Stellvertreter des Bevollmächtigten des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union
  • Dr. Martina Köppen, als Leiterin des Katholischen Büros Berlin-Brandenburg verantwortlich für die Kontakte zu Parlament, Regierung und Verwaltung in Berlin und Brandenburg
  • Johann-Albrecht Haupt, Mitglied des Beirates der Humanistischen Union und Autor eines Gesetzentwurfs zu den Grundsätzen der Ablösung der Staatsleistungen
  • Christine Buchholz (religionspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag / angefr.)
  • Bettina Jarasch, Mitglied im Bundesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen, Vorsitzende des Landesverbandes Berlin sowie der Kommission „Weltanschauungen, Religionsgemeinschaften und Staat“
  • Moderation: Jürgen Roth, Beirat der Humanistischen Union und Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Säkulare Grüne Berlin.

Unter dem Motto „Menschenrechte aktuell“ veranstalten das Haus der Demokratie und Menschenrechte, die Internationale Liga für Menschenrechte e.V. und die Redaktion der Zeitschrift Ossietzky jeweils am letzten Donnerstag des Monats einen Diskussionsabend mit kleinem Buffet (Brot und Käse, Wasser und Wein). Der Eintritt ist frei, eine Voranmeldung nicht notwendig.

Die Veranstaltung wird von der Humanistischen Union unterstützt.

Die Kirche „verrecke“ entweder an Unverständlichkeit oder an bemühter Jugendlichkeit

Erik Flügge – politischer Stratege mit eigenem Unternehmen (Deutschlandradio/David Sievers, Squirrel & Nuts GmbH)
Der Kommunikationsberater Erik Flügge hat ein Buch über die Sprache in Predigten geschrieben. Die Kirche „verrecke“ entweder an Unverständlichkeit oder an bemühter Jugendlichkeit, sagt er. Er rät Geistlichen, so über Gott zu reden, als säßen sie mit Freunden in der Kneipe.

Erik Flügge im Gespräch mit Monika Dittrich | Deutschlandfunk

Monika Dittrich: Herr Flügge, was ist denn so furchtbar an der Sprache, die in Kirchen gesprochen wird?

Erik Flügge: Ich glaube im Kern, dass sie nicht funktioniert. Das ist das eigentliche Drama, das diese Sprache mit sich bringt. Sie klingt für jemanden, der da nicht jeden Tag ist, falsch. Die Wortbetonung ist an der falschen Stelle im Satz, es gibt Sprachbilder, die es sonst nirgendwo gibt. Und am Ende sitzen ganz viele Leute davor und sagen: verstehe ich nicht.

Dittrich: Können Sie mal ein Beispiel nennen?

Flügge: Ich habe ein sehr schönes Beispiel gerade entdeckt, es gibt eine Arbeitshilfe, die vom katholischen Seelsorgeamt in Freiburg herausgegeben wird und da steht drin, wie man mit Leuten in der Gemeinde ins Gespräch kommen soll. Und da soll man sich drüber unterhalten, welche Glutnester man entdecken kann und ich frage mich ernsthaft, welcher Erkenntnisgewinn soll denn jetzt da rauskommen, wenn die Leute über Glutnester reden. Und muss die Frage nicht heißen: An welcher Stelle fühlt Ihr Euch wohl und an welcher nicht?

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Sachsens Linke wollen Kirche und Staat endgültig trennen

Bild: Die Linke/Landesverband Rheinland-Pfalz
Bild: Die Linke/Landesverband Rheinland-Pfalz
80 Prozent der Sachsen sind konfessionslos, trotzdem fördert die Regierung des Freistaats den Kirchentag in Leipzig mit Millionenzuschüssen. Die Linke fordert jetzt mehr Laizismus – das gefällt nicht jedem, auch nicht in der eigenen Partei.

Von Stefan Locke | Frankfurter Allgemeine

Der Dresdner Linken-Landtagsabgeordnete André Schollbach ist ein bisweilen spitzfindiger Jurist, der die Öffentlichkeit sucht. Am vergangenen Donnerstag verkündete er in Dresden mal wieder eine „Ungeheuerlichkeit“: Seit 1993 habe Sachsen 580 Millionen Euro Steuergeld an die Kirchen überwiesen. In akribischer Frage- und Rechenarbeit hat Schollbach pauschale Leistungen, Geld für Religionsunterricht, für Seelsorge bei Polizei und im Justizvollzug sowie für kirchliche Jugendarbeit und Kulturdenkmale bis hin zum „geldwerten Vorteil“ kostenloser Sendezeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ermittelt und aufgelistet. „Die öffentlichen Kassen“, so sein Urteil, „werden systematisch für kirchliche Zwecke angezapft.“ Das müsse „dringend revidiert“ werden, damit die im Grundgesetz garantierte Trennung von Staat und Kirche nicht länger ausgehöhlt werde.

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Haibatullah Achundsada neuer Taliban-Chef

Der vorherige Taliban-Anführer Mansur wurde bei einem US-Drohnenangriff getötet.Foto: dpa
Nach der Tötung von Achtar Mansur durch US-Drohnen haben die Taliban einen neuen Anführer gewählt.

DER TAGESSPIEGEL

Vier Tage nach der Tötung des Taliban-Chefs Mullah Achtar Mansur durch US-Drohnen haben die radikalen Islamisten einen neuen Anführer gewählt. In einer am Mittwochmorgen von Sprecher Sabiullah Mudschahid versandten E-Mail heißt es, einer der beiden bisherigen Mansur-Stellvertreter, Mullah Haibatullah Achundsada, sei neuer Anführer der Bewegung.

Achundsada ist ein anerkannter religiöser Führer und hochrangiger Taliban-Richter. Er hat bisher keine Rolle auf dem Schlachtfeld gespielt. Das ist ungewöhnlich für die Taliban.

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Verfahren gegen Heidi Mund eingestellt

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)
Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Die Staatsanwaltschaft hatte gegen die als radikale Christin und Politaktivistin bekanntgewordene Heidi Mund wegen Volksverhetzung ermittelt. Das Verfahren wurde nun eingestellt.

 

Von Katja Thorwarth | Frankfurter Rundschau

Gegen die rechte Politaktivistin Heidi Mund wird nicht länger ermittelt. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren gegen sie wegen Volksverhetzung eingestellt. Mund hatte zum „Tag der deutschen Einheit“ im vergangenen Jahr zu einer Menschenkette um Deutschland aufgerufen. Sie wollte „als geistliche Mauer, …, und mit der Autorität Gottes“ den „Mächten der Finsternis“ widerstehen, die sie in Gestalt muslimischer Flüchtlinge befürchtet.

„Hand in Hand betend für unser Land“ nannte sie die international ausgerufene Aktion am 3. und 4. Oktober. Viele sind dem Aufruf nicht gefolgt, ihre „Gebetsvorschläge“ brachten ihr jedoch eine Anzeige von Privat wegen Volksverhetzung ein.

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„Eagles of Death Metal“: Kniefall vor den Islamisten

Leadsänger Jesse Hughes, picture alliance
Vor sechs Monaten stürmten Islamisten ein Konzert der „Eagles of Death Metal“ in Paris. Nun ist die Band wegen kontroverser Statements ihres Frontmannes von zwei großen französischen Musikfestivals ausgeladen worden. Das kommt einer nachträglichen Aufwertung derer gleich, die sie damals zum Schweigen bringen wollten

Von Matthias Heitmann | CICERO

Die „Eagles of Death Metal“ waren ein umjubeltes Symbol für den Widerstand gegen Angst und Einschüchterung. Am 13. November 2015 hatten Islamisten ihr Konzert in Paris gestürmt, hatten zehn Minuten lang mit Kalaschnikows ins Publikum gefeuert und Handgranaten in die Menge geworfen. 89 Menschen starben, darunter auch ein Mitglied der Crew der Band. Doch schon kurz nach den Angriffen traten die Musiker auf Einladung wieder in Frankreich auf.

Doch die wohlwollende Stimmung ist nun gekippt. Anlass dafür waren kontroverse Äußerungen gegenüber Muslimen sowie eher abstruse Behauptungen zum Tathergang des Anschlags, mit denen sich Jesse Hughes, der Frontsänger der „Eagles of Death Metal“, in den vergangenen Monaten zu Wort gemeldet hatte. Hughes hatte unter anderem behauptet, er habe am Abend der Anschläge in Paris feiernde Muslime auf den Straßen gesehen: „Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen. In Echtzeit! Woher wussten die, was los ist? Es muss eine Form von Koordination gegeben haben.“

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Bob Dylan: „Na ja, ich bin ein wahrer Gläubiger“

Bob Dylan auf dem Azkena Rock Festival, 26. Juni 2010. Bild. wikimedia.org/CC BY 2.0

Einer der größten Musiker der Gegenwart wird 75. Seit über 50 Jahren prägt er die Musik. Unzählige Künstler haben seine Lieder gespielt und sich von ihm inspirieren lassen. Auch Religion spielt für Bob Dylan eine Rolle – als Motiv und Thema seiner Werke, und bisweilen auch als Motiv seines Lebens.

Von Felix Neumann | katholisch.de

Geboren wird Bob Dylan als Robert Allen Zimmerman in Duluth/Minnesota in eine jüdischen Familie – Nachfahren jüdischer Immigranten aus Odessa. Sehr religiös war er allerdings nicht, wichtiger war die Musik. Unter dem neuen Namen Bob Dylan in New York feiert er nur ein Fest, Weihnachten, sagt seine damalige Freundin Suze Rotolo über ihn.

Religiöse Motive sind für sein Werk trotzdem wichtig – als eine von vielen Quellen des anspielungsreichen Gewebes seiner Motive neben dem Stoff des „Great American Songbooks“, jener Sammlung der goldenen Ära der frühen amerikanischen populären Musik, neben der Literatur und neben der Mythologie. Gospel, Blues und Folk prägten den frühen Dylan, sein Debutalbum schließt mit „See That My Grave Is Kept Clean“ von Blind Lemon Jefferson, der in den 20ern aus dem Gospel den Texas Blues entwickelte. Das Album endet mit den Worten „Well my heart stopped beating and my hands turned cold / Now I believe what the Bible told.“ („Mein Herz hat aufgehört zu schlagen, meine Hände sind kalt / Jetzt glaube ich, was in der Bibel steht.“)

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Käßmann gegen Aufstockung der Bundeswehr

Themenbild. Bild: regensburg-digital.de
Themenbild. Bild: regensburg-digital.de
Die grundsätzliche Hoffnung der Pazifistin: „Eine Welt, in der wir Armeen nicht mehr benötigen.“

evangelisch.de

Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, kritisiert die geplante Aufstockung der Bundeswehr. „7.000 Soldaten mehr ändern nichts“, sagte die Theologin der „Bild am Sonntag“. Ihr gehe es „um die grundsätzliche Hoffnung, für die wir Pazifisten oft verlacht werden: eine Welt, in der wir Armeen nicht mehr benötigen.“ Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte angekündigt, die Bundeswehr in den kommenden sieben Jahren personell aufzustocken und den Wehretat bis 2020 von derzeit 34,2 auf 39,2 Milliarden Euro anzuheben.

Kriegseinsätze lehnte Käßmann ab. „Ich würde mir wünschen, dass Deutschland dafür bekannt würde, Konflikte nicht-militärisch zu lösen“, sagte die Botschafterin der evangelischen Kirche für das Reformationsjubiläum 2017. „Die Geschichte Deutschlands hat uns gelehrt: Krieg, den wir nach außen tragen, bringt ganz entsetzliches Leid über andere. Und auch über uns selbst.“

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Gehsteigberatung von Schwangeren in München erlaubt

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)
Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Die sogenannte „Gehsteigberatung“ des christlichen Vereins „Helfer für Gottes kostbare Kinder Deutschland“ vor einer Münchener Abtreibungspraxis war rechtmäßig.

kath.net

Das hat das Verwaltungsgericht München entschieden. Es widersprach damit der bayerischen Landeshauptstadt, die den Christen verboten hatte, vor der Praxis Schwangere anzusprechen, um sie über die Folgen von Abtreibungen und Hilfsmöglichkeiten zu informieren. Die Stadt hatte sich auf den Paragrafen 118 des Gesetzes über Ordnungwidrigkeiten berufen.
Demnach handle ordnungswidrig, „wer eine grob ungehörige Handlung vornimmt, die geeignet ist, die Allgemeinheit zu belästigen oder zu gefährden und die öffentliche Ordnung zu beeinträchtigen“. Das Gericht urteilte nun, dass dieser Paragraf „lediglich ein bedrängendes Ansprechen erfasst, nicht jedoch ein dezentes, respektvolles Ansprechen“. Genau das hätten die Vereinsmitglieder aber getan. Deshalb sei in diesem konkreten Fall das Verbot nicht gerechtfertigt. Wie der stellvertretende Pressesprecher des Gerichts, Florian Huber (München), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea mitteilte, kann die Stadt nun vor dem bayerischen Verwaltungsgericht die Zulassung zur Berufung beantragen.

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Bibel-Fundi im Kuratorium des Deutschen Instituts für Menschenrechte

Der Deutsche Bundestag hat die Islamwissenschaftlerin Prof. Christine Schirrmacher (Bonn) in das Kuratorium des Deutschen Instituts für Menschenrechte (Berlin) berufen. Sie soll dort wissenschaftliche Einrichtungen mit menschenrechtlichem Bezug vertreten. Das 18-köpfige Gremium legt die inhaltlichen Richtlinien der Arbeit des Instituts fest.

kath.net

Das Institut informiert nach eigenen Angaben die Öffentlichkeit über die Lage der Menschenrechte im In- und Ausland und will ihren Verletzungen vorbeugen. Es ist politisch unabhängig und wird aus den Mitteln von vier Bundesministerien finanziert. Schirrmacher ist seit 16 Jahren Gastdozentin an der Akademie Auswärtiger Dienst des Auswärtigen Amtes und unterrichtet bei verschiedenen Sicherheitsbehörden auf Landes- und Bundesebene. Sie hält Gastvorlesungen an Universitäten in aller Welt.

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Steht der Staat über der Religion?

Staat oder Religion? Bei einer Christi-Himmelfahrtsprozession wird eine Reliquie präsentiert. © Felix Kästle/dpa
Deutschland ist ein säkularer Staat, sagt Volker Kauder von der CDU: Die Religionen müssen sich den Gesetzen fügen, nicht umgekehrt. Stimmt das? Ja, sagt Wolfgang Thielmann, denn Recht gilt für alle. Nein, sagt Hannes Leitlein, dieser Satz kann nicht unwidersprochen bleiben.

Von Wolfgang Thielmann und Hannes Leitlein | ZEIT ONLINE

Volker Kauder liegt richtig: Im deutschen Recht steht der Staat über der Religion. Denn es gibt viele Religionen, aber nur einen Staat, eine Gesellschaft und ein Recht. Das Recht, das sich die Gesellschaft gibt, gilt für alle, und der Staat schützt es. Was eine Religion vorschreibt, muss sich an den für alle geltenden Gesetzen messen lassen.

Aber der freiheitliche Rechtsstaat lebt von Voraussetzungen, die er selber nicht garantieren kann. Diese Voraussetzungen müssen die Mitglieder und Gruppen der Gesellschaft beisteuern, darunter diejenigen, die die Religion vertreten. Dazu gehört der Islam. Die Rede von Navid Kermani vor einem Jahr im Bundestag, der sich für den Staat des Grundgesetzes bedankte, war ein Stück islamischen Verfassungspatriotismus. Leider lädt zwar der Bundestag Kermani ein, aber kein großer islamischer Dachverband.

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Es besteht keine Staatskirche

Frieder Otto Wolf. Foto: A. Platzek
Dieser Satz steht im deutschen Grundgesetz. Vom Staat verlangt es eine neutrale Haltung gegenüber den Religionen und Weltanschauungen. In der Realität ist davon allerdings wenig zu spüren.

Von Arik Platzek | diesseits.de

Als eine Ursache für die massive Privilegierung der christlichen Konfessionen benennt der Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands, Frieder Otto Wolf, „kirchliche Schablonen“ im Denken von Politikern, Richtern und Behörden – in die jedoch weder nichtreligiöse Bürger noch Angehörige nicht-christlicher Konfessionen passen. Wolf sagt, es sei angesichts der sich sprunghaft vollziehenden Pluralisierung unserer Gesellschaft dringend nötig, dass die vom Grundgesetz vorgesehene Haltung einer kooperativen Laizität staatlicher Institutionen endlich konsequent durchgesetzt wird.

Zum Start des Themenjahres der Antidiskriminierungsstelle des Bundes mit dem Motto „Freier Glaube. Freies Denken. Gleiches Recht.“ wurden die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage veröffentlicht. Laut ihr bezeichnen zwei Drittel der Deutschen die sogenannte „Kirchenklausel“ im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz als ungerecht. Von den auf dieser Regelung fußenden Benachteiligungen sind Millionen konfessionsfreie Arbeitnehmer betroffen. Warum ist dieses Thema nicht längst auf den Agenden der Parteien zu finden?

Frieder Otto Wolf: Die bis heute überwiegend in der alten Bundesrepublik gewachsenen politischen Apparate – zu denen ganz weitgehend auch die Parteien und die Parlamente gehören – sind in religions- und weltanschauungspolitischer Hinsicht immer noch von den 1950er Jahren geprägt. Zu dieser Zeit wurden allein die großen christlichen Kirchen als staatstragend anerkannt. Zudem haben viele den für Europa unrealistischen Traum einer „Rückkehr der Religion“ noch nicht aufgegeben – der lange Zeit auch als ein Moment der Nostalgie für die „goldenen Jahre“ des Nachkriegsfordismus fungierte.

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Ken Ham Really Doesn’t Understand Science

Ken Ham, Quelle: Answers Outreach
Ken Ham, Quelle: Answers Outreach
In 2014, popular science communicator Bill Nye “debated” creationist Ken Ham in a live webcast on YouTube. The event went pretty much as expected; Nye presented levelheaded evidence that science works, that evolution is real, and the Universe is very old, while Ham used bad logic, cherry-picking, and blatant twisting of scientific claims.

By Phil Plait | slate.com

At the time (and still today) I think Nye made the right decision to participate in the event. Ham runs the Answers in Genesis ministry, and also the Creation Museum in Kentucky, and is well-known for his outrageous statements. It might seem silly to elevate the debate by paying any attention at all to Ham, but that ignores the fact that polls consistently show that half of the American population believes in some form of creationism.

We ignore this at our own peril.

Debating creationists is slippery. When your opponent doesn’t have to adhere to facts or logic, it’s tricky to find traction. My friend Zach Weinersmith once wrote that it’s not that most creationists are anti-evolution, it’s that they’re anti-some distorted version of it told to them by their pastors.

He’s completely correct. That became even clearer to me when, shortly after the debate, BuzzFeed posted an article called “22 Messages From Creationists to People Who Believe in Evolution”. It was clear from the questions asked that the creationists involved had no idea about how evolution—even science itself—worked. The questions were universally based on false premises, a distortion of the science that made it actually pretty easy to answer those supposedly “gotcha” queries.

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Sterbehilfe-Weltkonferenz Das schwere Ringen um den sanften Tod

Ist die Entscheidung zu Sterbehilfe ein Selbstbestimmungsrecht des Menschen? © Oliver Berg/DPA
Für einige ist Sterbehilfe eine Schreckensvision – für andere das freie Recht des Menschen über seinen Körper bestimmen zu können. Auf einer Konferenz in Amsterdam zeigt sich: Das Thema sorgt weltweit für Zündstoff.

stern.de

Sue Carter will sterben. Die Kanadierin leidet an der Muskelkrankheit ALS. Immer mehr Körperfunktionen fallen aus, Sue leidet. Ihr Arzt darf ihr Leben aber nicht beenden, in Kanada ist Sterbehilfe verboten. 1992 zieht Sue vor Gericht und verliert. Zwei Jahre später stirbt sie – mit der Hilfe eines anonymen Arztes.

Das Schicksal von Sue Carter setzte in Kanada eine Debatte in Gang, die nicht mehr zu stoppen war, berichtete Julie Besner vom kanadischen Justizministerium bei der Weltkonferenz zur Sterbehilfe „Euthanasia“, die an diesem Samstag in Amsterdam zu Ende geht. Jetzt, fast ein Vierteljahrhundert nach dem Prozess, legte die Regierung einen Gesetzentwurf zur ärztlichen Sterbehilfe vor. „Es war ein langer Weg“, sagte die Juristin.

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„Der Islam gehört zur europäischen Kultur, die Muslime nicht“

Hārūn ar-Raschīd, Miniatur in Tausendundeine Nacht. Bild: wikimedia.org/PD

Ohne die Vermittlung muslimischer Gelehrter wäre das Wissen der Antike nicht nach Europa gekommen. Dort entwickelte es sich weiter – während in der islamischen Welt Stillstand eintrat.

Von Christoph Arens | DIE WELT

Der Islam gehöre nicht zu Europa, behaupten die AfD und andere fremdenfeindliche Populisten. Dagegen argumentiert Michael Borgolte, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Berliner Humboldt-Universität und Autor mehrerer Studien über die Beziehungen zwischen lateinischer Christenheit, Islam und Judentum: Die okzidentale Wissenskultur, so sein Credo, ist ohne den Beitrag muslimischer Gelehrter nicht denkbar.

Frage: Für die AfD gehört der Islam nicht zu Deutschland. Wie sehen Sie das als Historiker?

Michael Borgolte: Auch viele andere Politiker argumentieren ja, dass zwar die Muslime zu Deutschland gehören, aber nicht der Islam. Ich finde diesen Streit ziemlich unerquicklich und wenig hilfreich. Aber aus der Sicht des Mittelalterhistorikers muss ich die Prioritäten umkehren und klar formulieren: Nicht die Muslime gehören zu Deutschland, aber der Islam gehört zu den Fundamenten europäischer und deutscher Kultur.

Frage: Wie kommen Sie zu dieser Aussage?

Borgolte: Einerseits lebt eine größere Anzahl von Muslimen erst seit der Anwerbung türkischer Gastarbeiter ab 1961 in Deutschland. Zwar gab es auch schon am Hof Karls des Großen im 9. Jahrhundert oder im 18. Jahrhundert in Preußen eine Handvoll muslimischer Diplomaten oder Kriegsgefangener, aber sie haben sicherlich nicht das Land geprägt.

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Führender US-Evangelikaler nennt Trump ‚moralisches Abwasser‘

trump

Zwischen dem republikanischen US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump und einem führenden Evangelikalen in den USA ist es zu einem heftigen Streit gekommen.

kath.net

Der Präsident der Kommission für Ethik und Religionsfreiheit der Südlichen Baptisten, Russell Moore (Washington), hatte in der CBS-Fernsehsendung „Face the Nation“ (Gesicht der Nation) die theologisch konservativen Protestanten dazu aufgerufen, Trump nicht zu wählen. Er stehe für „jene moralische und kulturelle Dekadenz, die Konservative lange Zeit für ein Problem gehalten haben“. Moore nannte Trump „moralisches Abwasser“. Sollte er künftig die Kultur prägen, hätten Evangelikale nichts mehr zu sagen. Trump bezeichnete Moore daraufhin im Kurznachrichtendienst Twitter als „wirklich schrecklichen Vertreter“ der Evangelikalen. Er sei „ein fieser Kerl ohne Herz“. Wie die Internetzeitung Christian Post (Washington) berichtet, sei es nicht das erste Mal, dass Trump evangelikale Leiter kritisiere, die ihn nicht unterstützten. So habe er den Theologen und Geschäftsführer der Bewegung „Familien-Leiter“, Bob Vander Plaats (Sioux City/US-Bundesstaat Iowa), als „falsch“ und „schlechten Kerl“ bezeichnet. Plaats hatte sich öffentlich für die Wahl von Ted Cruz als Präsidentschaftskandidat der Republikaner ausgesprochen.

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Ausstellung „Luther, Bach – und die Juden“ in Eisenach

Foto: epd-bild/Alexander Baumbach. bearb.: bb
Foto: epd-bild/Alexander Baumbach. bearb.: bb
Eine neue Ausstellung in Eisenach spannt den Bogen von Martin Luthers antijüdischen Schriften über die Frage des Antijudaismus in Bachs Passionen bis hin zur Wiederentdeckung seiner Musik durch das jüdische Bürgertum.

evangelisch.de

Die Exposition trägt den Titel „Luther, Bach – und die Juden“, wie das Bachhaus der Wartburgstadt am Donnerstag mitteilte. Dort ist die Schau vom 24. Juni an zu sehen.

In einem ersten Teil der Ausstellung gehe es um Luthers Judenfeindlichkeit und dessen Nachwirken im Luthertum zu Johann Sebastian Bachs Lebzeiten. Thematisiert werde das Interesse des Komponisten an jüdischer Geschichte und dem Anti-Judaismus – belegt durch die Bücher in seiner „Theologischen Bibliothek“ – und die immer wiederkehrende Frage, ob Bachs Passionen judenfeindlich seien.

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