Die Basis der Kirche bröckelt leise

Gläubige im Dom St. Petri in Bautzen (Sachsen). (Foto: dpa)
  • Die Austrittszahlen in der evangelischen und der katholischen Kirche sind im vergangenen Jahr gesunken.
  • Dennoch treten immer noch weit mehr Menschen aus der Kirche aus als vor knapp zehn Jahren.
  • Durch den kleinen Babyboom in Deutschland gab es jedoch mehr Taufen, und auch die Einnahmen durch die Kirchensteuer liegen auf einem Rekordhoch.

Von Matthias Drobinski | Süddeutsche.de

Man kann die Zahlen positiv sehen: Das kirchliche Leben in Deutschland habe sich „im vergangenen Jahr als weitgehend stabil erwiesen“, erklärt erfreut die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Die evangelische und die katholische Kirche haben ihre Daten zum kirchlichen Leben veröffentlicht, im zweiten Jahr in ökumenischer Verbundenheit am gleichen Tag.

Tatsächlich sind die Austrittszahlen beider Kirchen gesunken: Verließen 2015 noch 210 000 Menschen die evangelische Kirche, waren es ein Jahr später nur noch 190 000. Bei den Katholiken gab es 2015 noch 182 000 Austritte und 2016 noch 162 000. 21,9 Millionen Menschen gehören nun der evangelischen Kirche an, 23,6 Millionen der katholischen; rechnet man noch die ungefähr drei Millionen freikirchlichen, orthodoxen und sonstigen Christen hinzu, sind 58,3 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen Christen. Dass Deutschland einem „Prozess forcierter Entchristlichung“ ausgesetzt sei, wie Kardinal Gerhard Ludwig Müller in der italienischen Zeitung Il Foglio klagte, lässt sich mit diesen Zahlen nicht belegen.

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Münchner Theologe beklagt Personenkult um Luther

Im Jahr des Reformationsjubiläums dreht sich alles nur um Martin Luther und der Reformationsgedanke wird vollkommen vernachlässigt? Die Theologen Lauster und Gundlach beziehen Stellung

evangelisch.de

Einen Personenkult um den Reformator Martin Luther hat der Münchner Theologieprofessor Jörg Lauster beklagt. Dieser Personenkult in der evangelischen Kirche komme auch dadurch zum Ausdruck, dass ein Bild Luthers das Symbol für das gesamte Reformationsjubiläum geworden sei, sagte Lauster dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dabei sei der Reformator den Menschen heute „in vielem erschreckend fremd“. Der Grund für den Personenkult sei, dass die evangelisch-lutherische Kirche als einzige Kirche den „Namen eines Menschen“ als Bezeichnung führt. Deshalb gab Lauster zu bedenken, ob die evangelischen Kirchen zum Reformationsjubiläum nicht auf den Zusatz „lutherisch“ hätten verzichten sollen.

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Kirchenaustritte 2016: 162.093 Katholiken, 190.000 Protestanten

Bild: tilly
Verantwortliche und Interessierte warten jedes Jahr mit Spannung auf die aktuellen Zahlen des kirchlichen Lebens. Am Freitag wurde die Statistik vorgestellt – und dürfte zumindest teilweise für Erleichterung sorgen. Katholisch.de präsentiert die wichtigsten Zahlen für 2016.

katholisch.de

Im zweiten Jahr in Folge ist die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche zurückgegangen. 2016 erklärten insgesamt 162.093 Menschen in Deutschland ihren Austritt, wie die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) am Freitag in Bonn bekanntgab. Das entspricht einem Rückgang von ungefähr 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr(2015: 181.925). Im Vergleich zum „Rekordjahr“ 2014 ist die Zahl der Kirchenaustritt gar um ein Viertel zurückgegangen. Fast unverändert war die Zahlen bei den Wiedereintritten (6.461; 2015: 6.474). Den größten Anteil der 2.574 Eingetretenen(2015: 2.685) stellten ehemals protestantische Konvertiten.

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Abkehr von Kirchen hat tiefwurzelnde Gründe

Bild: tilly
Der stetige Mitgliederschwund der Kirchen in Deutschland hat aus Sicht des Religionssoziologen Detlef Pollack tiefer gehende Gründe als akuter Ärger über die Kirchensteuer oder Skandale.

Westfälische Nachrichten

«Die Kirchensteuer ist über Jahrzehnte eines der wichtigsten Motive, aus der Kirche auszutreten. Aber das kann man nicht isoliert sehen. Die Kirchensteuer wird von vielen als Belastung angesehen, weil sie sich schon komplett von der Kirche entfremdet haben», sagte Pollack der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.» Auf einen Kirchenaustritt hätten aber vor allem langfristige Faktoren Einfluss.

«Der entscheidende Punkt ist, dass Eltern ihre Kinder heute viel weniger religiös erziehen und taufen lassen. Der wesentliche Abbruch erfolgt zwischen den Generationen», sagte Pollack. Es gebe für viele Menschen heute schlicht Wichtigeres als Religion. Für die Kirchen sei es wichtig, «die Kontaktflächen zur Gesellschaft» aufrechtzuerhalten – sei es bei der Hilfe in Katastrophenfällen oder bei der Flüchtlingsarbeit.

Katholische und Evangelische Kirche veröffentlichen am Freitag (12 Uhr) Zahlen zu Austritten und zur Mitgliederentwicklung. 2015 war die Zahl der Katholiken und Protestanten in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um über eine halbe Million auf rund 46 Millionen gesunken.

Diakonie kritisiert Lage der Flüchtlinge in Griechenland

Die Diakonie Deutschland hat die Lage der Flüchtlinge in Griechenland scharf kritisiert.

evangelisch.de

Wie Unterstützer der Menschen in den sogenannten Hotspots auf den griechischen Inseln am Dienstag in Berlin berichteten, sind die Auffanglager überfüllt und genügen kaum menschenrechtlich gebotenen Mindeststandards. Ankommende Flüchtlinge müssten in Zelten schlafen oder auf der Straße, die psychischen Belastungen seien enorm hoch und Kinder akut gefährdet, Opfer sexueller Gewalt zu werden.

Helfer der Initiative „Refugee Law Clinics Abroad„, die von der Diakonie Deutschland unterstützt wird, sind derzeit auf der Insel Chios tätig. Der Hotspot ist für rund 1.100 Flüchtlinge ausgelegt. Derzeit leben den Angaben zufolge mindestens 2.000 Menschen in dem Lager. Die Juristen informieren die Flüchtlinge über die Verfahren und ihre rechtliche Situation.

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Atheisten sind immer Klugscheißer – beten soll helfen

Ich habe seit Kurzem einen völlig neuen Lieblingstalkshowgast: Philipp Möller. Funktion: Klugscheißer! Das ist nicht etwa böswillige Polemik, er bezeichnet sich selbst als solchen, und ich habe selten ein so hohes Maß an Selbsterkenntnis bei einem Menschen erlebt.

Von Sebastian Moll | Die Tagespost

Möller wird derzeit mit Vorliebe in Sendungen eingeladen, bei denen es im weitesten Sinne um das Thema Religion und Kirche geht. Seine Rolle dabei ist die des atheistischen Klugscheißers, wobei dies im Grunde ein Pleonasmus ist. Atheisten sind immer Klugscheißer, das unterscheidet sie von den Agnostikern. Agnostiker und Atheisten verbindet ihre Ablehnung religiöser Institutionen. Doch während der Agnostiker die Beschränktheit des menschlichen Erkenntnisvermögens betont und somit eine gewisse intellektuelle Demut offenbart, ist der Atheist restlos von sich und seinem überlegenen Intellekt überzeugt, was ihm nach seiner Überzeugung das Recht gibt, jede Form von Religiosität in den Dreck zu ziehen.

Natürlich kann und will ich Herrn Möller sein Recht auf arrogante Selbstinszenierung nicht absprechen. Fraglich ist für mich allerdings, wie er darauf kommt, dass sich irgendjemand im Bereich der Kirche für seine Meinung interessieren könnte. Für gewöhnlich ist ein Verein, und letztlich ist die Kirche nichts anderes, in erster Linie seinen Mitgliedern verantwortlich. Was Außenstehende über ihn denken, kann dem Verein zunächst einmal egal sein.

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Darf Religion berufliche Anforderung sein?

Das Kreuz mit den Religionen
Erstmals behandelt der Europäische Gerichtshof einen Fall, der die besondere Stellung der Kirchen in Arbeitsverhältnissen betrifft. Das Urteil könnte für Deutschland eine maßgebliche Bedeutung haben.

Von Franziska Broich | katholisch.de

In Deutschland ist das Selbstverwaltungsrecht der Kirchen in Artikel 140 des Grundgesetzes verankert. Das bedeutet zum Beispiel, dass Kirchen entscheidenkönnen, wen sie einstellen. Das sei eine Besonderheit in Europa, sagt die Expertin für Religions- und Rechtsfragen Doris-Maria Schuster. In den meisten anderen EU-Staaten sei die Position der Kirchen nicht verfassungsrechtlich geschützt. Während das Bundesarbeitsgericht in Deutschland die Sonderstellung der Kirchen bereits in mehreren Urteilen bestätigte, ist das auf europäischer Ebene nicht der Fall.

Zum ersten Mal verhandelt am Dienstag der Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg darüber, ob es nach europäischen Recht eine Diskriminierung darstellt, wenn ein Bewerber bei einem kirchlichen Arbeitgeber wegen seiner Konfessionslosigkeit ausgeschlossen wird.

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Militärbischof lobt Mut von widerständigen Wehrmachtssoldaten

Sigurd Rink, die Apocalypse. bearb. BB

Der evangelische Militärbischof Sigurd Rink hat den Widerstand von einzelnen Soldaten gegen den Nationalsozialismus gewürdigt. „Ihr Widerstand als Angehörige der Wehrmacht ist für die Bundeswehr traditionswürdig“, erklärte der Bischof am Montag in Berlin.

evangelisch.de

Sie seien wie die Attentäter des 20. Juli mit ihrem Leben für Menschlichkeit und Recht eingestanden und in die Fänge eines willfährigen, dem Recht entfremdeten Staatsapparates geraten. Jeder, der in Wehrmachtsuniform den Zielen des NS-Regimes widerstanden, verbrecherische Befehle nicht befolgt und so Zeugnis für ein besseres Deutschland abgelegt habe, gebe der Bundeswehr heute ein Vorbild, erklärte Rink.

Dass hingegen bis zum Kriegsende insbesondere hohe Offiziere der Wehrmacht „falschen Gehorsam“ geleistet hätten, sei „mahnendes Beispiel für die Bedeutung persönlichen Mutes“, sagte der Bischof für die Seelsorge in der Bundeswehr. So sei der 20. Juli ein Appell, „eigene kritische Positionen gegen jeden ‚Führer‘ zu vertreten“. Das verpflichte alle mit einem Leitungsamt in der Bundeswehr zu besonderer „Courage nach oben“.

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„The Encyclopedia of Jewish-Christian Relations“ – Reif für neue Perspektiven

Das Kompendium zur jüdisch-christlichen Beziehung will den Blick aufeinander richten (imago stock&people/epd-bildx/xJoernxNeumann)
2000 Jahre ist die christlich-jüdische Beziehungsgeschichte alt, doch bisher fehlt eine gründliche Analyse: Eine neue Enzyklopädie soll diese Lücke schließen. Erzählt wird die Geschichte von Antijudaismus und Antisemitismus, Verfolgung und Vernichtung, gewürdigt werden aber auch bisher übersehene Gemeinsamkeiten.

Vom Carsten Dippel | Deutschlandfunk

Auf vier Bände ist das ambitionierte Projekt angelegt, das dereinst ein Standardwerk zur bald 2000-jährigen christlich-jüdischen Beziehungsgeschichte sein will: „The Encyclopedia of Jewish-Christian Relations“. Damit wird mehr als sieben Jahrzehnte nach der Shoah ein Werk präsentiert, das sowohl den Blick zurück als auch in die Gegenwart und Zukunft dieser vielfach belasteten, aber auch reichen Geschichte richtet. Der Anstoß zu diesem Mammutprojekt kam aus dem Potsdamer Abraham Geiger Kolleg sowie dem Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Rabbiner Walter Homolka, Direktor des Geiger-Kollegs, will das Lexikon als eine Ermunterung für eine stärkere internationale Perspektive verstanden wissen.

„Viele Erkenntnisse im deutschsprachigen Raum sind in den USA nicht bekannt und umgekehrt. Es gibt mittlerweile verschiedene Erklärungen, gibt aber auch eine große Zahl an Forschungsvorhaben und das einmal einer Gesamtschau zu unterziehen und dann vor allem auch den Blick in die Zukunft zu wagen und zu fragen: Was hat das dann für Auswirkungen für die Aussagen der christlichen Kirchen zum Judentum und für die Aussagen jüdischerseits zu den Kirchen? Das ist das Anliegen.“

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Kirchliche Trauungen: «Die weltliche Konkurrenz hat zugenommen»

Nicolas Mori von der reformierten Zürcher Landeskirche findet, die Kirche müsse sich öffnen, um verlorenes Terrain zurückzugewinnen.

Von Lena Schenkel | Neue Zürcher Zeitung

Zürcher Paare heiraten zwar nicht weniger häufig als vor zwanzig Jahren, aber immer weniger oft kirchlich (siehe Grafik). Selbst unter Kirchenmitgliedern heiratet nur jeder dritte Reformierte nach der zivilen Trauung auch kirchlich, bei den Katholiken sind es 23 Prozent. Bei Letzteren sorgt immerhin der hohe Ausländeranteil von rund 30 Prozent für eine steigende Zahl kirchlicher Trauungen von Zürcher Katholiken, die sich in der Statistik allerdings nicht wiederfinden – weil sie im Ausland abgehalten werden. Bei den Reformierten hingegen ist die Zahl der kirchlichen Trauungen innert 50 Jahren um gut drei Viertel eingebrochen.

Herr Mori, weshalb trauen sich nur noch so wenige Paare kirchlich?

Früher hatten Heiratswillige die Wahl zwischen einer nüchternen Trauung auf dem Standesamt und einer feierlichen Zeremonie in der Kirche – dazwischen gab es nichts. In Zürich können sie sich heute auch im Zunfthaus oder im Zoo standesamtlich trauen lassen. Die säkulare Konkurrenz hat zugenommen – heute zählt eben auch die Location.

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Die Hoffnung auf etwas „Un-Intelligent“ Design

Symbolbild. Bild: hippo by swatts
Was ist Leben eigentlich, also ich meine wissenschaftlich betrachtet? Was macht uns und unsere Umwelt auf dem Planeten Erde aus? Hat die Wissenschaft heute das Rätsel des Lebens gelöst? Und gibt es Leben jenseits unseres Planeten?

Von Andreas Losch | diesseits.ch

Mit solchen Fragen haben wir uns in einem interdisziplinären Projekt an der Universität Bern in den letzten Jahren intensiv beschäftigt, und auch damit, ob sie zusammenhängen. Heute erscheint die Frucht dieser Bemühungen, ein Buch zum Thema „What is Life? On Earth and Beyond“. Dabei gehen die Meinungen auseinander, ob die Frage, was das Geheimnis des Lebens ist, beantwortet ist. Die Biologen sagen ja, die Philosophen meinen „vielleicht“, und die Theologen fragen sich, ob das wohl stimmt. Naja, so grob jedenfalls.

Woran liegt das? Ich denke, es hat mit der Perspektive zu tun, mit der man die Frage stellt. In vergangenen Jahrhunderten dachte man oft an eine geheimnisvolle Vitalkraft in den Lebewesen, vielleicht ein Echo biblischer Geschichten, nach denen der Atem Gottes alles Leben am Leben erhält. Biologen haben bald herausgefunden, dass es diese Vitalkraft anscheinend nicht gibt, dass Leben nur Physik und Chemie ist, und keinen zusätzlichen Stoff enthält. Nun ja, nicht ganz, denn heutige Biologen sind da etwas schlauer, denn schließlich ist ja quasi alles Physik und Chemie, also ein Stein ja genauso. Besonders am Leben aber ist, dass es eine Geschichte hat, also der Evolution unterliegt. Die Ursprünge des Lebens hängen nun mit dem Beginn der biologischen Evolution zusammen, und tatsächlich hat man diese Frage, wann und wie das Leben entstanden ist, noch nicht gelöst.

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Trumps Evangelikale: Die Freundschaft hält – Eine Art Wohlstandsevangelium im Weißen Haus

Picture: Tiffany Trump/Facebook
Dear Lord, I pray in the Mighty name of Jesus, that you would give Donald J Trump wisdom and that you would protect him and fill him with Your Spirit and help him to withstand the fiery darts of the enemy
Weiße Evangelikale haben maßgeblich zum Wahlsieg von Donald Trump im vergangenen Jahr beigetragen. Der Rückhalt bleibt. Umfragen zeigen, dass die weitaus meisten mit der Amtsführung des neuen US-Präsidenten zufrieden sind.

evangelisch.de

Über traditionelle Werte predigende Pastoren und ein zeitweise ausfälliger Immobilienmogul: Das war bereits im Wahlkampf eine schwer zu verstehende, komplexe Freundschaft. Doch sie hält. US-Präsident Donald Trump kann sich offenbar auch bei Krisen auf seine betenden Fans verlassen. Deren Spektrum reicht von evangelikal und pfingstkirchlich bis zu Anhängern des im US-Protestantismus weit verbreiteten, doch oft verspotteten Wohlstandsevangeliums, dem zufolge Gott Gläubigen materielle Erfolg schenken will.

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Amerikas Rechte führt einen kulturellen Propagandakrieg

Nicht ohne meine Waffe: Die National Rifle Association macht Lobbyarbeit in den USA. (Foto: Bloomberg)
Die Waffen-Lobbyisten der National Rifle Association attackieren in zwei neuen Werbespots Kunst, Film und deren Stars als „Waffen“ der Linken.

Von Jens-Christian Rabe | Süddeutsche.de

In den sich weiter verhärtenden ideologischen Kampf zwischen Liberalen und Konservativen in den USA hat sich mal wieder die notorisch libertär-rechtskonservative National Rifle Association (NRA) eingeschaltet, eine der einflussreichsten Interessengruppen Amerikas, die traditionell erfolgreich jede Art gesetzlicher Waffenkontrolle bekämpft. Die beiden neuen, hochprofessionell produzierten NRA-Videos, die auch als Fernsehspots verbreitet wurden, sind allerdings nicht wie üblich nur Werbevideos für Waffenbesitz. Sie sind allgemeiner politischer Aktivismus.

Das erste, durch das die konservative Radio-Talkshow-Moderatorin führt, trägt den mittelschwer Bud-Spencer-haften Titel „The Clenched Fist of Truth“ (Die geballte Faust der Wahrheit) und wirft der liberalen Gegenseite vor, ihre mediale Macht dazu zu missbrauchen, zum gewalttätigen Widerstand gegen die Regierung aufzurufen. Diese müsse dann Sicherheitskräfte und Polizei energisch durchgreifen lassen, was die Liberalen wiederum als Bestätigung ihrer Vorbehalte gegenüber dem Staat verwendeten.

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Kirchlicher Sektenbeauftragter: Nur unsere Esoterik ist ungefährlich, alles andere nicht

Bild: svz.de

Von Bachblüten-Tropfen bis Pendeln: Das Millionengeschäft Esoterik boomt. So die Prognose der aktuellen Folge des WDR-Formats „daheim + unterwegs“. Um über das Thema „Esoterik“ zu diskutieren, wurde auch Andreas Hahn, früherer Pfarrer in Verl und Halle sowie Religionslehrer in Bielefeld, eingeladen. Der Sektenbeauftragte der evangelischen Kirche von Westfalen berät auch Esoterik-Aussteiger.

Von Melanie Wigger | Neue Westfälische

Der Kult ist im Trend. „Wir leben in einer hochindividualisierten Gesellschaft“ und in dieser könne man sich seine Religion wie an einem Buffet zusammenstellen. „So kann ich Yoga als Entspannungstechnik betreiben, ohne Buddhist zu werden.“

Zudem bieten die esoterischen Angebote Wege zur Selbstoptimierung: „Ich kann wecken, was in mir steckt – das ist natürlich hochattraktiv in unserer Gesellschaft. Es bietet Erlebnisqualitäten, die nur positiv besetzt sind.“

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Was es braucht, den Islam mit der säkularen freien Gesellschaft kompatibel zu machen

Koran essen
Aussagen des Koran zur Schönheit der Schöpfung sind vorhanden. Ob es gelingt, daraus eine Schöpfungstheologie zu formen, welche Säkularität nicht als Abfall von Gott zu verstehen vermag, ist offen

Von Martin Grichting | Neue Zürcher Zeitung

Der Islamische Staat und dessen Terror-Ableger in Europa haben liberal gesinnte Muslime auf den Plan gerufen. Sie finden mit ihren Aufrufen nach einer Neuinterpretation des Islam zu Recht im Feuilleton Resonanz, bilden jedoch keineswegs den Mainstream der muslimischen Welt ab. Hinzu kommt, dass reformerische Forderungen, religiös motivierte Aufrufe zu Mord, Versklavung und Verstümmelung nicht länger wörtlich zu nehmen, nicht ausreichen, um den Islam mit der säkularen freien Gesellschaft kompatibel zu machen.

Aufrufe zu Gewalt und entsprechende Taten sind freilich nicht ein Problem des Islam allein. Auch das Christentum und die Aufklärung haben diesbezüglich bekanntlich keine reine Weste. Und in hinduistisch sowie buddhistisch geprägten Ländern bekundet man heute noch Mühe, Andersgläubigen ihre vollen bürgerlichen Rechte zuzugestehen.

Letztlich vermögen Anhänger einer Religion nur friedlich und konstruktiv in einer freien und offenen Gesellschaft zu leben, wenn ihre Religion aus den eigenen Ressourcen diese Gesellschaftsform legitimiert. Judentum und Christentum gelingt dies, weil die Aufklärung ihr Kind ist, auch wenn sie dieses Kind lange als illegitim betrachtet haben mögen.

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Vatikan: Kritik an ultrakonservativen US-Katholiken

Headquarter des Konzerns.

Fremdenfeindlichkeit, Islamophobie, Schwarzweißmalerei: Der „Osservatore Romano“ macht einem Teil der konservativen US-Katholiken schwere Vorwürfe – und verweist dabei auf Papst Franziskus.

katholisch.de

Im Vatikan regt sich Kritik an  ultrakonservativen Katholiken im Lager von US-Präsident Donald Trump. Derzeit äußerten sich in den Staaten bisweilen „manche, die sich als Katholiken bezeichnen, in einer Art und Weise, die bis vor kurzem ihrer Tradition noch fremd war und sehr nah an evangelikalen Tönen ist“, heißt es in der aktuellen Ausgabe der vatikanischen Tageszeitung „Osservatore Romano“ (Freitag). Beide verbinde Fremdenfeindlichkeit, Islamophobie, Schwarzweißmalerei und eine apokalyptische Weltsicht. So entwickele sich eine „Ökumene des Hasses“ zwischen evangelikalen und katholischen Fundamentalisten.

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„Judensau“: Luther-gefällige Schmähskulptur

Bild: Peter Laskowski/FB
Die älteste hängt am Dom zu Brandenburg, eine andere gut sichtbar an dem von Köln, von Erfurt, von Regensburg. Im Jahr des 500. Reformationsjubiläums ist aber die Wittenberger „Judensau“ Ausgangspunkt der Debatte: dranlassen oder abnehmen?

Von Christina Özlem Geisler | evangelisch.de

Es ist um die Wende vom 12. auf das 13. Jahrhundert, als sie die Steinfigur in die Höhe hieven und an der Wittenberger Stadtkirche befestigen. Das Relief zeigt eine Sau, an deren Zitzen sich Menschen laben. Sie sollen Juden sein. Auch der Mann, der dem weiblichen Schwein unter dem Schwanz in den After blickt. Die Skulptur will Juden vor dem Niederlassen in der Stadt abschrecken und Christen vor den Juden als mutmaßlich verworfenes Volk warnen.

Rund 700 Jahre später versammeln sich Menschen mit Transparenten auf dem Wittenberger Marktplatz. „Was würde Jesus sagen wenn er die Judensau sehen würde?“, steht da etwa. Wer das Schmährelief im Mittelalter veranlasst hat, ist in der Geschichte verloren. Fest steht für die etwa 60 Teilnehmer der Mahnwache: Die „Judensau“ muss weg. Zuerst diese hier, dann auch die anderen. Und der Rummel im Reformationssommer 2017 ist ein guter Anlass, um Blicke und Kameralinsen auf dieses Anliegen zu lenken.

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Özdemir: Habe der Kirche viel zu verdanken

Cem Özdemir (2016). Bild: wikimedia.org/GFDL 1.2 – Ralf Roletschek

Als Kind sei er von seiner Mutter zum evangelischen Religionsunterricht geschickt worden, so Cem Özdemir. Diese und andere Erfahrungen mit der Kirche hätten den Grünen-Vorsitzenden viel gelehrt.

katholisch.de

Der Grünen-Parteivorsitzende Cem Özdemir hat als Kind am evangelischen Religionsunterricht teilgenommen. Es sei kein muslimischer Unterricht angeboten worden, und seine Mutter habe ihn dann dorthin geschickt, sagte Özdemir in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Freitag in Berlin. Auch darüber hinaus sei er in der evangelischen Kirche engagiert gewesen, so der Politiker, der sich selbst als nicht praktizierenden Muslim bezeichnet. So sei er in seiner Freizeit etwa beim evangelischen Jugendwerk, aber auch beim württembergischen Brüderbund aktiv gewesen. Zudem habe er an einer evangelischen Fachhochschule Sozialpädagogik studiert, so der Grünen-Spitzenkandidat.

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Diakonisches Werk erschüttert über Enthüllung zu Diakoniewerk Bethel

Bild: tilly
Das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat sich erschüttert über Enthüllungen zum Diakoniewerk Bethel und dessen Vorstand Karl Behle geäußert. In einer dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegenden Stellungnahme dringen Direktorin Barbara Eschen und Vorstandsmitglied Martin Matz auf die Erfüllung von vier konkreten Forderungen bis zum 31. Juli. Andernfalls könne das Diakoniewerk Bethel nicht Mitglied im Diakonischen Werk bleiben. Die Rechercheplattform „correctiv.org“ hatte vor wenigen Tagen berichtet, dass Vorstand Behle in den vergangenen Jahren das Diakoniewerk Bethel komplett unter seine Kontrolle gebracht haben soll.

evangelisch.de

Eschen und Matz schreiben dazu: „Die aufgedeckten Vorgänge wären in keiner Weise vereinbar mit den Grundsätzen der Arbeit der Diakonie.“ Unter dem heute 68 Jahre alten Vorstand Behle soll laut „correctiv“ 2011 der ursprüngliche Verein per Satzungsänderung in eine gemeinnützige GmbH überführt worden sein. Begründet worden sei dies seinerzeit damit, dass die Diakonissen von der Verantwortung für den unternehmerischen Teil entlastet werden wollten. Ersetzt wurde die ursprüngliche Konstruktion durch die Eduard-Scheve-Stiftung und die Berta-Scheve-Stiftung als Gesellschafter der neuen, gemeinnützigen GmbH. Inzwischen habe Behle zugegeben, dass er selbst der Stifter sei, schrieb „correctiv“.

Behle verantworte damit alle wesentlichen Gremien und kontrolliere sich faktisch selbst. Für Unruhe sorgte in den vergangenen Jahren unter anderem der Umgang mit den Pensionsansprüchen von drei ausgeschlossenen Diakonissen. Auch soll das Jahresgehalt von Behle bei bis zu 720.000 Euro liegen und damit fast das Zehnfache dessen betragen, dass Diakoniechefs nach Tarif erhalten. Die Umstände eines Villenerwerbs in Berlin-Lichterfelde seien ebenfalls merkwürdig.

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Gebet im Oval Office – Pastor legt Trump die Hand auf

Picture: Tiffany Trump/Facebook
Dear Lord, I pray in the Mighty name of Jesus, that you would give Donald J Trump wisdom and that you would protect him and fill him with Your Spirit and help him to withstand the fiery darts of the enemy
Das Weiße Haus hat eine Gruppe evangelikaler Führer empfangen. Im Oval Office traf die Gruppe auch auf US-Präsident Donald Trump. Und dann wurde das Präsidenten-Büro zum Gebetsraum.

DIE WELT

Göttlicher Beistand kann nicht schaden. Das sah der US-Präsident offenbar genauso, als er eine Gruppe evangelikaler Führer im Oval Office empfing. Beim gemeinsamen Gebet ließ sich Trump von einem Pastor die Hand auflegen.

Die religiöse Gruppe hatte sich am Montag mit Jennifer Korn getroffen, die im Weißen Haus zuständig ist für den Kontakt zu verschiedenen Interessengruppen. Unter den etwa 30 eingeladenen Gästen waren auch viele Mitglieder des Sachverständigenrates zu Religions- und Glaubensfragen, den Trump während seiner Wahlkampagne einberufen hatte. Beim ganztätigen Meeting wollten sie über verschiedene Themen wie Religionsfreiheit, eine Reform des Strafrechtssystems und die Unterstützung Israels sprechen.

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