Archiv der Kategorie: Protestantismus

Antisemitismus: “Bekenntnisse der Kirchen reichen nicht aus”

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Israels Botschafter verlangt mehr Engagement gegen Antisemitismus

Domradio

Luther und die Juden – mit der antisemitischen Seite des Reformators befasst sich am Wochenende eine Tagung in Wittenberg. Der Schirmherr, Israels Botschafter in Deutschland, Hadas-Handelsman, spricht im KNA-Interview über das Verhältnis von Christen und Juden.

Katholische Nachrichten-Agentur: Herr Botschafter, am Wochenende findet in Wittenberg die Tagung “Reformation und Israel” statt. Sie sind Schirmherr. Wie kam das?

Yakov Hadas-Handelsman: Zwei Dinge kommen hier zusammen: Das Jubiläum der Reformation im Jahr 2017 und die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland vor 50 Jahren. Wir wollten beides verbinden. Papst Franziskus hat bereits vor zwei Jahren die Juden als “ältere Brüder” der Christen begrüßt. Ich denke, es war an der Zeit, eine Veranstaltung mit den Kirchen zusammen zu machen.

KNA: Wie beurteilen Sie grundsätzlich die Beziehung zwischen Israel und den deutschen Kirchen?

Hadas-Handelsman: Die Beziehungen zwischen Judentum und Christentum waren aufgrund der Vergangenheit immer sensibel. Aber es gibt vieles, was in den vergangenen 50 Jahren zwischen Vertretern des Judentums und den Kirchen und auch zwischen Israel und dem Vatikan verwirklicht worden ist. Besonders Papst Franziskus setzt sich gegen Antisemitismus ein, wie aber auch schon einige Päpste vor ihm. Wenn es um Deutschland geht, gibt es aber immer diesen zusätzlichen Aspekt – den Holocaust, die Nazizeit. Das macht die Beziehung einzigartig. Und zur Vergangenheit gehören auch die deutschen Kirchen.

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Keine Abschiebung für Syrer: Kirchenasyl-Verein verlangt Klarheit

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirchenasyl hat den erklärten Verzicht auf Abschiebungen von Syrern in andere EU-Staaten begrüßt, allerdings auch mangelnde Klarheit beklagt.

evangelisch.de

Die Rede sei von einer “weitestgehenden faktischen” Aussetzung der Dublin-Verfahren, erklärte der Verein am Freitag in Berlin und ergänzte: “Dies bedeutet für die Betroffenen weiterhin Unsicherheit.”

Nach der Dublin-Regelung müssen Flüchtlinge in dem Land Asyl beantragen, über das sie in die EU gekommen sind. Reisen sie danach weiter, können sie von anderen Staaten wieder in dieses Land zurückgeschickt werden. In dieser Woche gab das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eine neue Leitlinie bekannt, nach der momentan auf Abschiebungen von Syrern verzichtet wird. Ihre Anträge werden in Deutschland bearbeitet.

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Bundesdrogenbeauftragte wenig einfallsreich – kein Alkohol-Verkauf nach 22 Uhr

Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler. dpa
“Wir brauchen ein gesellschaftliches Umdenken”, sagt Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler. Um Jugendliche von übermäßigem Alkoholkonsum abzuhalten, fordert sie ein nächtliches Verkaufsverbot.

DIE WELT

Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) befürwortet ein Verkaufsverbot für Alkohol ab 22 Uhr, um Jugendliche von übermäßigem Konsum abzuhalten. Eine solche Regelung habe sich in Baden-Württemberg bewährt, sagte sie der “Rheinischen Post” in Düsseldorf. In dem Bundesland darf in Supermärkten sowie an Tankstellen und Kiosken nachts zwischen 22 und 5 Uhr kein Alkohol verkauft werden. “Wir brauchen ein gesellschaftliches Umdenken im Umgang mit Alkohol”, forderte Mortler. Dazu gehöre auch, dass Alkohol- und Tabakkonsum während der Schwangerschaft tabu sein müssten.

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Schalke: Evangelische Gesamtschule bietet interreligiösen Religionsunterricht

Themenbild.Bild: katholisches.info
Themenbild.Bild: katholisches.info

Vor dem Klassenraum der 9A ist der Kinderlärm ohrenbetäubend. Doch kaum klingt die Schulglocke der Evangelischen Gesamtschule zum Pausenende, hört man nur noch ein Geräusch: arabische Gesänge vom Tonband.

Von Philipp Beng|EKD

Was für den Besucher nach Koranstunde klingen mag, ist hier der ganz normale Religionsunterricht. Heute geht es einmal nicht um Bergpredigt, Konfirmationen oder die Thesen Luthers. In dieser und den kommenden fünf Wochen sieht der Lehrplan muslimische Themen vor. Heute: die Kaaba. Wann wurde das steinerne Monument gebaut, zu dem jährlich Millionen Muslime pilgern? Und was hat Mohammed damit zu tun? Die meisten der Schüler sind evangelisch, trotzdem sind diese Fragen für sie ein Kinderspiel. “Mohammed hat so Götzen aus der Kaaba rausgeräumt”, sagt einer der Neuntklässler und schaut dann nachdenklich. “Aber was sind noch mal Götzen?”

Die Gesamtschule auf Schalke hat ein besonderes Konzept für den Religionsunterricht entwickelt. Nur die Kinder der Klassenstufen fünf bis acht werden nach Glaubensrichtung aufgeteilt: Katholiken, Protestanten und Muslime besuchen separate Religionsstunden und lernen, was zu ihrem eigenen Glauben gehört. Doch ab der neunten Klasse wird der Religionsunterricht konfessions- und religionsübergreifend gestaltet. Dann beschäftigen sich die verschiedenen Religionsgruppen gemeinsam mit Inhalten aus Bibel und Koran. In einer Stadt, in der der Anteil nicht-deutscher oder migrantischer Bewohner weit über einem Viertel liegt, ist der Kontakt zwischen Christen und Muslimen ohnehin Alltag – wieso sollte das im Religionsunterricht anders sein? Der Gedanke dahinter ist simpel: Wer in einer Gesellschaft mit verschiedenen Religionen schon früh miteinander, voneinander und übereinander etwas lernt, ist dem Anderen gegenüber toleranter.

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de Maizière: Kirche soll sich mit Ratschlägen an Politik zurückhalten

ekd

Bundesinnenminister: Der EKD würde „ein bisschen mehr Verantwortung und etwas weniger Gesinnung“ gut tun. Die protestantische Neigung, lieber abseits zu stehen und konkretes Handeln kritisch zu beäugen, ärgere ihn: „Das macht mich schier wahnsinnig“.

kath.net

Die Kirche sollte sich mit konkreten Handlungsratschlägen an die Politik zurückhalten. Dafür hat sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ausgesprochen. Zu viele Christen redeten nur klug, anstatt etwas zu tun, sagte der evangelische Christ am 25. August im Magdeburger Dom. Er sprach auf Einladung der Domgemeinde und des Vereins „Verantwortung und Werte“ über das „Gleichnis vom unehrlichen Verwalter“ (Lukas 16,1-13). Es sei „sehr bequem, anderen von der Predigtkanzel aus zu sagen, wie sie zu handeln haben“, anstatt selbst konkrete Schritte in die Wege zu leiten, so de Maizière. „Manchmal ist es nötig, zu kämpfen und nicht nur zu beten oder demütig zu schweigen.“ Aber dann werde es für Christen oft einsam. Als Beispiel nannte er den Kampf gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS). Hier ringe er mit seiner Kirche um eine angemessene Haltung zu Militäreinsätzen: „Ich sage noch heute: Die Anwendung von Gewalt gegen das Böse ist vielleicht unrecht und schuldbeladen, aber legitim.“ Der EKD würde „ein bisschen mehr Verantwortung und etwas weniger Gesinnung“ gut tun. Die protestantische Neigung, lieber abseits zu stehen und konkretes Handeln kritisch zu beäugen, ärgere ihn: „Das macht mich schier wahnsinnig!“

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USA: Homosexuelle unterstützen christlichen Bäcker

Bild: bpb.de
Bild: bpb.de

Ein christlicher Bäcker in den USA erhält Unterstützung von Homosexuellen, obwohl er sich geweigert hatte, schwulen Partnern eine Hochzeitstorte zu verkaufen.

kath.net

Wegen Verstoßes gegen das Anti-Diskriminierungsgesetz wurde Jack Phillips aus Lakewood (Bundesstaat Colorado) am 13. August dazu verurteilt, die Geschäftsprinzipien seiner Bäckerei zu ändern und Mitarbeiterschulungen durchzuführen. Seither erhält er nach eigenen Angaben Zuspruch aus der „LSBTTIQ-Szene“ (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle, Intersexuelle, Queer). Ein Anrufer, der sich selbst als schwul bezeichnete, habe Phillips gesagt, das Urteil sei vorwiegend politisch motiviert: „Sie haben das Recht uns abzulehnen, und diese Leute lassen uns aussehen, als wären wir Terroristen (…) Aber wir sind keine, wir wollen einfach unser Leben leben.“

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Theologen-Netzwerk: Schweiz soll Grenzen für Flüchtlinge öffnen

Ein ökumenisches Netzwerk von Theologen macht sich für eine Liberalisierung der Schweizer Flüchtlingspolitik stark. Über Flucht und Migration werde in den vergangenen Jahren immer mehr jenseits von ethischen Leitlinien diskutiert, schreiben reformierte und katholische Theologen in einer “Migrationscharta”, die am Mittwoch in Bern veröffentlicht wurde. “Die entsprechenden Verschärfungen der Migrations- und Asylgesetzgebung verletzen elementare Rechtsgrundsätze.”

evangelisch.de

In dem Dokument des Netzwerks “KircheNordSüdUntenLinks” wird an die Kirchen appelliert, sich mit “schärfstem Protest” zur aktuellen Migrationspolitik zu äußern. In der öffentlichen Debatte seien die Kirchen als Anwälte der ausgegrenzten Flüchtlinge und als Bündnispartner für Solidaritätsbewegungen kaum wahrnehmbar, beklagt Matthias Hui, einer der Initiatoren der Migrationscharta.

Wenn biblische Theologie die prinzipielle Gleichheit der Menschen betone, sei das “Recht auf freie Niederlassung für alle” weltweit die Richtschnur für kirchliches Engagement, argumentiert Hui. Mit Blick auf die Wahlen in der Schweiz wird deshalb gefordert, die rechtspopulistische Schweizerische Volkspartei SVP zu isolieren. Am 18. Oktober wird in der Schweiz das Parlament neu gewählt.

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Heidenau: Buhrufe bei Merkel-Besuch in Asylwerberheim

foto: reuters/axel schmidt Die deutsche Bundeskanzlerin wurde bei ihrem Besuch im Flüchtlingsheim im ostdeutschen Heidenau von Demonstranten empfangen

Deutsche Kanzlerin erntet Pfiffe bei Lokalaugenschein nach rechtsextremem Angriff auf Flüchtlingsheim

derStandard.at

Rechte Demonstranten haben den Besuch der deutschen Kanzlerin Angela Merkel im Flüchtlingsheim im ostdeutschen Heidenau (Sachsen) mit Buhrufen und lauten Pfiffen begleitet. “Volksverräter, Volksverräter”, skandierten Schaulustige am Mittwoch vor einem Supermarkt, der gegenüber der Flüchtlingsunterkunft in einem ehemaligen Baumarkt liegt.

Protestaufruf in sozialen Netzwerken

Demonstranten vor der Unterkunft riefen “Dem deutschen Volke” und “Wir sind das Pack”. Vizekanzler Sigmar Gabriel hatte die rechtsradikalen Demonstranten und Rassisten in dem Ort als “Pack” bezeichnet. Während des Besuchs der Kanzlerin fuhren mehrere Autos hupend an der Unterkunft vorbei. In sozialen Netzwerken hatten rechte Gruppen zu einer solchen Aktion aufgerufen.

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Asyl: “Wir importieren religiöse Konflikte”

Der Soziologe Hans-Georg Soeffner plädiert für eine schnelle Integration der Zuwanderer: Bleibt sie aus, drohen ernsthafte kulturelle Konflikte. Der Zusammenhalt der Gesellschaft werde aber nicht über die Kultur laufen.

Deutsche Welle

DW: Herr Soeffner, das Bundesinnenministerium rechnet mit rund 800. 000 Flüchtlingen allein in diesem Jahr. Macht Ihnen diese Zahl Sorgen?

Hans Georg Soeffner: Ja, einerseits macht sie mir Sorgen. Und zwar, weil wir eigentlich die Chance hätten, mit dieser Zahl fertig zu werden. Aber die Länder wie auch der Bund hängen mit der Frage, wie diese Zahl zu bewältigen wäre, sehr weit zurück. Wir wissen ja seit langem, dass diese Flüchtlingsströme kommen würden – und auch, dass sie zunehmen würden. Mich lässt die unendliche Langsamkeit verzweifeln, mit der sich Deutschland hier bewegt. Man muss sich klar machen, dass die Bundesrepublik das Land ist, das nach 1945 die meiste Zuwanderung hatte. Mehr als die ehemaligen Kolonialstaaten Frankreich und Großbritannien. Deutschland ist am meisten durchmischt worden, das Land hatte große Flüchtlingsströme zu bewältigen, große Abwanderungen und große Zuwanderungen, dazu die ersten sogenannten Gastarbeiterströme. Allein bis zum Jahr 2000 kamen 23 Millionen Menschen aus dem Ausland nach Deutschland. Gleichzeitig wanderten 17 Millionen Menschen ab. Wir haben also eine dauernde Durchmischung, und das lief verhältnismäßig gut. Aber im Moment habe ich den Eindruck, niemand macht sich so richtig klar, was das an Planung bedeutet.

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Die Bahai wollen die Einheit aller Religionen

Vielfalt der Religionen (picture alliance / dpa / Collage Deutschlandradio)
Am Wochenende öffnen in Berlin Kirchen, Moscheen, Synagogen und Tempel ihre Tore, um zu zeigen, wie vielfältig religiöses Leben in der Hauptstadt ist. Nicht nur die großen Religionen machen mit bei der Langen Nacht der Religionen, sondern auch viele kleine Religionsgemeinschaften. Eine von ihnen ist die Bahai-Religion. Ihr Anliegen: die Einheit der Menschheit.

Von Sandra Stalinski|Deutschlandfunk

“Gott ist der Allherrliche”, singen die Mitglieder der Bahai-Gemeinde in Berlin-Kreuzberg. Treffpunkt ist, wie jeden Mittwoch, das Wohnzimmer der Familie Blom in der Urbanstraße. Etwa 15 Leute sind gekommen, um gemeinsam zu beten, zu singen und sich auszutauschen. Auf dem Tisch verstreut liegen Bücher mit Gebetstexten und religiösen Schriften. Alexander Blom:

“Wir machen eine Andacht, so ähnlich wie es Bahai überall auf der Welt machen, das heißt, wir bieten die Bahai-Schriften an: Das sind geistige, auch sachliche Texte vom Stifter der Bahai-Religion Baha’u’llah, aber auch Gebete, die von ihm als Antwort gekommen sind auf bestimmte Fragen. Jeder ist eingeladen, darin zu lesen, davon etwas zu rezitieren, vielleicht auch einen Anlass zu nennen, an wen man gerade denkt, für wen man gerade ein Gebet sprechen möchte.”

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Kirchentags-Generalsekretärin Ueberschär rät Kirchen zu mehr Staatsferne

Bild: tilly
Bild: tilly

Die evangelische Kirche sollte nach Ansicht von Kirchentags-Generalsekretärin Ellen Ueberschär ihre “traditionelle Obrigkeitsnähe” überdenken. Ein Neuanfang im Verhältnis Staat und Kirche könnte sich an der Formel “Weniger Nähe zum Staat, dafür mehr Nähe zur Politik” orientieren, empfahl die Theologin am Dienstagabend im Brandenburger Dom.

evangelisch.de

Dies sei nicht Ausdruck von Misstrauen in die Demokratie und deren Institutionen. Vielmehr hätten die evangelischen Kirchen die Möglichkeiten “demokratischer Einmischung zugunsten eines verbesserlichen Kapitalismus noch lange nicht ausgeschöpft”, sagte die Generalsekretärin laut Redetext.

Das “staatsförmige Kleid, das die Kirchen tragen, ist zu weit geworden”, argumentierte Ueberschär. Als Beispiel für die bestehende staatsnahe Gemeinwohlverpflichtung verwies sie auf “Ökumenische Sozialinitiative” der beiden großen Kirchen von 2014. Deren Bekenntnis zum bundesdeutschen Modell und gesellschaftlichen System übertreffe bei weitem die Aussage des DDR-Kirchenbundes, Kirche im Sozialismus zu sein.

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Donald Trump führt Wahlkampf mit der Bibel

Donald Trump. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/Gage Skidmore

Milliardär vergleicht sich mit dem Evangelisten Billy Graham

kath.net

Der Anwärter auf die US-Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, Donald Trump, vergleicht sich mit dem 96-jährigen Evangelisten Billy Graham. Auch sein Lieblingsbuch sei die Bibel, sagte der Milliardär vor rund 20.000 Zuhörern in Mobile (Bundesstaat Alabama). Trump hatte sich bei einer Konferenz im Juli als reformierten Protestanten bezeichnet. Auf die Frage, ob er Gott jemals um Vergebung gebeten habe, antwortete er: „Ich bin mir nicht sicher (…). Ich denke, wenn ich etwas falsch gemacht habe, versuche ich es einfach richtig zu machen. Ich bringe Gott da nicht ins Spiel.“ Doch sei das Abendmahl eine Form, um Vergebung zu bitten. Er nehme daran so oft wie möglich teil, denn dadurch fühle er sich gereinigt.

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Bekenntnisschulen in NRW: Jetzt sind die Eltern am Zug

Schule © dierk schaefer auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
In Nordrhein-Westfalen gibt es über 900 Bekenntnisgrundschulen. Obwohl diese Schulen mit Steuergeldern finanziert werden, können Sie Schüler mit einer anderen Religion die Aufnahme verweigern. Es liegt an den Eltern, das zu ändern. Wie das geht, erklärt Max Ehlers.

Von Max Ehlers|MiGAZIN

Seit dem neuen Schuljahr gelten an den über 900 staatlichen Bekenntnisgrundschulen in Nordrhein-Westfalen neue Regeln. Sie können jetzt leichter in Gemeinschaftsschulen umgewandelt werden, die Kindern und Lehrkräften unabhängig von deren Glaubensüberzeugung offenstehen. Und: Kinder, die nicht dem Schulbekenntnis angehören, können jetzt Religionsunterricht im abweichenden eigenen Bekenntnis erhalten. In beiden Fällen müssen die Eltern an der jeweiligen Schule aktiv werden. Da im landesweiten Durchschnitt nur gut 50% der Schüler an den katholischen und evangelischen Grundschulen im Schulbekenntnis getauft sind, kann dies an vielen Schulen zu Veränderungen führen.

Zum ersten Punkt ein Beispiel: Wenn sich an einer katholischen Bekenntnisschule die Eltern von mindestens 12 muslimischen oder evangelisch getauften Kindern (egal welcher Klassenstufe!) zusammentun, so können Sie bei Ihrer Schulleitung unter Hinweis auf den Erlass des Schulministeriums vom 17. Juli 2015 beantragen, dass Religionsunterricht im jeweiligen Bekenntnis erteilt wird.

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Religion: Gewalt als Wesensmerkmal?

Hartmut Zinser Religion und Krieg Verlag: Fink, Paderborn 2015 ISBN: 9783770558339 24,90 €
Hartmut Zinser
Religion und Krieg
Verlag: Fink, Paderborn 2015
ISBN: 9783770558339
24,90 €

Der Autor ist pensionierter Professor für Religionswissenschaft an der FU Berlin. Im vorliegenden Buch möchte er das kriegerische Potenzial von Religionen erkunden. Dabei nimmt er tatsächlich stattgefundene Gewaltkonflikte in den Blick.

Von Ann-Kristin Flögel|Spektrum.de

Als Grundthese formuliert Zinser, Religionen seien nicht von sich aus friedfertig, ihnen müsse die Friedensliebe erst aufgedrängt werden. Auch wenn ein grundsätzlicher Gewaltverzicht zum Kern vieler Religionen gehöre, würden sie bewaffnete Auseinandersetzungen mitunter rechtfertigen, oft auf krummen Argumentationswegen. Diese These belegt der Autor anhand ausgewählter Beispiele, nachdem er sich ausführlich damit auseinander gesetzt hat, was man unter “Religion” und “Krieg” überhaupt zu verstehen hat.

Im Kern geht es Zinser darum, zu analysieren, welche Haltung die verschiedenen Religionen zum Krieg entwickelten und in welcher Weise sie diesen verbal verteidigten. Ein gewaltiges Unterfangen für ein Buch von knapp 200 Seiten, zumal der Autor kaum eine bedeutende Religion auslässt. Angefangen bei Überlegungen zu Heldentum, Ruhm und Herrschaft etwa bei den Germanen, spannt Zinser den Bogen über die römische Antike und die Theorie vom “bellum iustum” (vom “gerechten Krieg”) bis hin zum Christentum samt den Kreuzzügen. Auch mit den vermeintlich friedfertigen buddhistischen Lehren sowie dem Hinduismus setzt er sich kritisch auseinander, wenn auch weniger ausführlich.

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Leipziger Pfarrer Wolff sieht in Rechtsextremismus Politikversagen

Themenbild. Bild: Twitter @Rene_Wappler
Themenbild. Bild: Twitter @Rene_Wappler
Der ehemaliger Pfarrer der Leipziger Thomaskirche, Christian Wolff, führt rechtsextremes Gedankengut in Sachsen auf ein langjähriges Versagen vor allem der Politik zurück.

evangelisch.de

Die Akzeptanz des Rechtsstaates und der sozialen Demokratie lasse sehr zu wünschen übrig, sagte Wolff am Dienstag im Deutschlandradio Kultur: “Das, was wir jetzt mit Erschrecken sehen, Tag für Tag, das ist keine Eintagsfliege – das ist die Folge von langjährigem Versagen auf vielen Ebenen.” Dass Rechtsradikale Sachsen über zwei Jahrzehnte zum Aufmarschgebiet erklärt hätten, sei nicht zur Kenntnis genommen oder verniedlicht worden.

Jetzt müssten sich alle gesellschaftlichen Kräfte fragen, wie dem gegenzusteuern sei, sagte Wolff. Mit “straffen Parolen”, wie sie Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) am Montag in Heidenau geäußert habe, sei es nicht getan. Gabriel hatte harte Konsequenzen bis hin zu Gefängnisstrafen für die an Krawallen Beteiligten gefordert. Es gehe aber nicht darum, Leute wegzusperren, sondern darum, “dass wir rechtes Gedankengut offen debattieren und offenlegen, was sich eigentlich dahinter verbirgt und welche gefährlichen Folgen das hat”, sagte Wolff.

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Wo es schön ist, gehen weniger Menschen zur Kirche

Island. Bild: ©Alex Akesson.
Island. Bild: ©Alex Akesson.
US-Studie: Die Umgebung hat einen Einfluss auf die Religiosität


kath.net

Schöne Landschaften können Menschen vom Kirchenbesuch abhalten. Zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Studie, die von dem US-Religionssoziologen Todd Ferguson von der baptistischen Baylor-Universität (Waco/Bundesstaat Texas) durchgeführt wurde. Er war auf Parallelen zwischen landschaftlich attraktiven Regionen und geringer Religiosität gestoßen und fand diesen Zusammenhang in seinem Untersuchungen bestätigt. Er untersuchte mehr als 3.000 Landkreise (Counties) in den Vereinigten Staaten. Dabei fand er heraus, dass zum Beispiel im Nordwesten mit den Bergen der Rocky Mountains und der Küste mit einem milden Klima sowohl die Religionszugehörigkeit wie auch der Gottesdienstbesuch niedriger ausfiel als etwa im Mittelwesten. In dieser flachen Region mit heißen Sommern und sehr kalten Wintern dominieren große landwirtschaftliche Flächen, etwa der Mais- und Sojabohnen-Anbau.

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“Das Alte Testament war die Bibel des Jesus von Nazareth”

Der evangelische Theologe Christoph Markschies (dpa / picture alliance / Hannibal Hanschke)
Der Dialog der Religionen ist geprägt von großen Verwerfungen. Das Verhältnis von Juden und Christen ist dafür das Paradebeispiel. Christoph Markschies, Leiter des Instituts Kirche und Judentum, will dieses Verhältnis neu gestalten.

Christoph Markschies im Gespräch mit Kirsten Dietrich|Deutschlandradio Kultur

Kirsten Dietrich: Die Vielfalt der Religionen – auch wenn lange Nächte sie feiern, die Praxis sieht oft anders aus. Dialog ist nicht unmöglich, aber oft schwierig. Vor allem bei Religionen, die eng verwandt sind und sich eigentlich nahestehen müssten – das Verhältnis von Juden und Christen ist sicher das Paradebeispiel für ein solch nahes und schwieriges Verhältnis. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der direkten Herkunft ihrer Religion vom Judentum haben Christen im Lauf der letzten 2000 Jahre immer wieder versucht, sich als Überlegene abzugrenzen – oft mit schrecklichen Folgen für Juden und Jüdinnen. Seit der Katastrophe der Shoa mehren sich auch in den christlichen Kirchen die Versuche, dieses Verhältnis auf andere Füße zu stellen: christliche Schuld anzuerkennen und nach gemeinsamen Wurzeln zu fragen. Einer dieser Versuche ist das Institut Kirche und Judentum: gegründet vor 55 Jahren, 1960, von der Berliner evangelischen Kirche, inzwischen Teil der theologischen Fakultät an der Berliner Humboldt-Universität – und immer wieder Ort eines schwierigen Dialogs. Das Institut hat seit Mai einen neuen Leiter, Christoph Markschies, Professor für Kirchengeschichte. Ich habe ihn gefragt, was ihn an diesem Amt gereizt hat.

Christoph Markschies: Es gibt bestimmte Situationen im Leben einer Fakultät, einer Landeskirche und einer Person, da darf man nicht danach fragen, ob man noch genügend Zeit für eine Aufgabe hat, sondern da ist es einfach notwendig, dass die übernommen wird, und es ist eine Situation entstanden, in der wichtig war, dass sich Landeskirche und Berliner theologische Fakultät zum Institut Kirche und Judentum bekennen, und da ich selbst viel mit Jerusalem zu tun habe, dort studiert habe, mich mit antikem Judentum beschäftigte, habe ich mich der Anfrage, die an mich gerichtet wurde, dieses Institut zu übernehmen, nicht verschlossen und arbeite nun etwas mehr, aber ich tue es gern.

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Taufscheinchristen: Schweigende Mehrheit

Nach der Taufe im Taufbecken wird von der Taufpfarrei der Taufschein ausgestellt. Statistisch gesehen werden neun von zehn katholischen Täuflingen später zu Taufscheinchristen.Foto: Stuttgarter-Nachrichten.de
Wäre die Katholische Kirche eine Demokratie, hätten Taufscheinchristen die absolute Mehrheit im Parlament. In Wirklichkeit haben sie nichts zu sagen.


Von Markus Brauer|Kirchen-Blog/Stuttgarter Nachrichten

Das Internet ist eine tolle Sache. Nirgends sonst kann man so ausgiebig und ungestört stöbern. Für jeden Geschmack hält das www. etwas bereit. Ein Beispiel? Auf den Online-Seiten der Österreichischen Nationalbibliothek findet sich eine Ausgabe der Innsbrucker Nachrichten vom 13. Februar 1911. Dort ist nachzulesen, was der damalige Brixener Bischof Joseph Altenweisel über sogenannte Taufscheinchristen dachte. Also jenen Katholiken, die als Baby das Sakrament der Taufe empfangen haben, offiziell zur Kirche gehören und sich selbst als Christen bezeichnen, aber nicht mehr an wesentliche Teile der Lehre glauben und ein eher unchristliches Leben führen.

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Pegida regiert in Europa schon mit

Bild: pegida/FB, Screenshot:BB Die UN-Experten nennen keine Beispiele für den Rassismus, sondern sprechen nur von "bestimmten Parteien und Bewegungen".
Bild: pegida/FB, Screenshot:BB
Die UN-Experten nennen keine Beispiele für den Rassismus, sondern sprechen nur von “bestimmten Parteien und Bewegungen”.

Was in Deutschland bisher vor allem auf rechtspopulistischen Webseiten oder Pegida-Aufmärschen zur Abschreckung von Geflüchteten diskutiert wird, ist in manchen europäischen Ländern Regierungspolitik

Von Peter Nowak|TELEPOLIS

Das Niemandsland kommt nach Europa zurück. Dabei handelt es sich um ein Stück zwischen den Grenzen. Das kann einen anarchistischen Zug bekommen, wie am Norbert-Kubat-Dreieck, wo Autonome 1988 einen zeitweilig weder von Ost- noch von Westberlin kontrollierten Zipfel für eine Besetzung nutzten.

Ein Niemandsland kann aber auch zu einem Ort der Ausgrenzung und Abschiebung werden. 1938 schob Nazideutschland Tausende aus Osteuropa nach Deutschland migrierte Jüdinnen und Juden Richtung Polen ab. Weil die polnischen Grenzen versperrt wurden, mussten sie unter erbärmlichen Umständen im Niemandsland zwischen den beiden Ländern ausharren. Unter den so Exterritorialisierten waren auch die Eltern jenes Herschel Grünspan, der als Protest gegen deren unmenschliche Behandlung ein Attentat auf den deutschen Gesandten in Paris, Ernst vom Rath, verübte, was die NS-Führung als Vorwand für die Reichspogromnacht am 9. November 1938 nutzte.

Wer gedacht hat, solche exterritorialen Zonen gehörten zumindest in Europa endgültig der Vergangenheit an, wurde in den letzten Wochen eines Schlechteren belehrt. So mussten in der vergangenen Woche tagelang mehr als tausend Geflüchtete im Niemandsland zwischen Griechenland und Mazedonien ausharren. Die Polizei setzte Blendgranaten und Tränengas ein. Schließlich konnte sie nicht verhindern, dass die Menschen die Absperrungen durchbrachen und die Grenze nach Mazedonien überquerten. Nachdem der Notstand ausgerufen worden ist und die Grenzen auch mit der Hilfe von Soldaten geschlossen werden sollten, hat man die Blockade am Sonntag wieder aufgehoben. Hunderte konnten die Grenze wieder passieren.

Ähnliche Szenen wie in Südosteuropa spielten sich in den letzten Wochen auch rund um den Eurotunnel in Calais, der nun auch offiziell zur Festung ausgebaut wird.

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Kirche will keine anonymen Gräber: Ärger um die letzte Ruhe

Kein Name – kein Grab. Auf diese simple Formel bringt es der Friedhof der Kirchengemeinde St. Georg/Genin. Foto: Hauke-Christian Dittrich
In Lübeck gibt es Streit. Auf dem Friedhof der evangelischen Kirchengemeinde St. Georg/Genin sollen keine anonymen Bestattungen mehr zulässig sein. Auf dem über 700 Jahre alten Gottesacker an der Geniner Kirche soll es künftig verpflichtend für jedes Grab wenigstens ein Namensschild geben.

shz.de

„Wir sind der Auffassung, dass Verstorbenen über den Tod hinaus der Name bleiben sollte, als Menschen und Christen“, sagt die Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Monika Paustian. Schon 2009 habe man daher beschlossen, nach der Belegung des bisherigen Gräberfelds für anonyme Bestattungen kein weiteres derartiges Gräberfeld zu schaffen.

Die Gründe für eine anonyme Bestattung können persönlicher oder finanzieller Natur sein. Ein anonymes Grab verursacht geringere Kosten und entlastet vor allem einkommensschwache Familien. Zuweilen wird der Wunsch danach noch zu Lebzeiten geäußert. Eine anonyme Bestattung außerhalb von Friedhöfen ist unter anderem in Ruhewäldern oder auf See möglich.

Was in der Kirchengemeinde für Ärger sorgte: Kirchenmitglieder, die sich eine anonyme Bestattung wünschten, beschwerten sich öffentlich darüber, nun nicht mehr auf dem Friedhof der Gemeinde ruhen zu können, der sie seit ihrer Kindheit angehören.

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