Der Mord an Khashoggi macht Schluss mit den westlichen Illusionen über Saudiarabien

Die Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi nimmt den westlichen Alliierten des Königreichs alle Vorwände für ein gutes Gewissen. Die Kooperation mit dem Kronprinzen Mohammed fördert kein Reformregime, sondern eine brutale Diktatur. Das war seit Jahrzehnten so und dürfte auch so bleiben.

Peter Rásonyi | Neue Zürcher Zeitung

Nach drei Wochen des Lügens hat das saudische Königshaus seine eigene Version der finsteren Vorkommnisse im eigenen Konsulat in Istanbul vorgelegt. Kaum jemand in der westlichen Welt schenkt ihm Glauben. Viel zu schlecht passen die Behauptungen mit den bisher bekannten Fakten zusammen. Allzu offensichtlich ist der Zweck dieser Erzählung, der Weltöffentlichkeit mit der Benennung von 18 «Verantwortlichen» einen Sündenbock für die abscheuliche Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi vorzusetzen. Das soll den Verdacht des Auftragsmordes vom Königshaus ablenken und es den bisherigen Alliierten erlauben, weiterhin mit König Salman und dem jungen Kronprinzen Mohammed zusammenzuarbeiten.

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Nigeria: 55 Tote bei Kämpfen zwischen Muslimen und Christen

Bild: © natanaelginting/Fotolia.com
Wieder ist es in Nigeria zu Gewalt zwischen Muslimen und Christen gekommen. Aus einer „Meinungsverschiedenheit“ wurde schnell ein religiös aufgeladener Konflikt, so die Regierung zu den Todesfällen. Dabei ging es zunächst um einen einfachen Gegenstand.

katholisch.de

Bei blutigen Zusammenstößen zwischen Muslimen und Christen sind in Nigeria 55 Menschen ums Leben gekommen. Den Kämpfen sei ein Streit um eine Schubkarre vorausgegangen, sagte am Sonntag ein Regierungsvertreter aus der Ortschaft Kasuwan Magani im Bundesstaat Kaduna, der nicht namentlich genannt werden wollte. „Aus der Meinungsverschiedenheit wurde wegen jahrelanger Spannungen schnell ein religiöser Konflikt zwischen Christen und Muslimen.

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Irgendwann wird der grösste Medienclown zum Präsidenten

Der Medienwissenschafter Neil Postman hat vor mehr als dreissig Jahren den Aufstieg eines Donald Trump prophezeit und das Unterhaltungsspektakel vorausgesehen, das heute Wirklichkeit ist. Eine Würdigung.

Bernhard Pörksen | Neue Zürcher Zeitung

Donald Trump zuzuschauen, ihn anzusehen, wie er seine Regierung unter dem Gelächter des Publikums vor der Uno als eine der erfolgreichsten aller Zeiten lobt, Journalisten als Feinde des amerikanischen Volkes verhöhnt oder mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un den angeblich absolut perfekten Deal aushandelt oder mal eben mit der Schlagkraft seiner Atomraketen prahlt, ist ein bisschen wie Kartoffelchips essen. Es wird einem garantiert schlecht, aber man kann doch nicht aufhören. Und es stellt sich stets die Frage: Wie ist der Mann nur ins Oval Office gekommen? Und warum ist er immer noch da? Vermag ihm kein Skandal zu schaden, keine Blamage etwas anzuhaben?

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Bittere Armut und unmenschliche Minijobs

Grafik: TP
Dieses Erbe der letzten Regierung unter einem SPD-Kanzler bleibt präsent: Der Niedriglohnbereich, ausgebaut unter Gerhard Schröder, nimmt einen zentralen Platz im sogenannten Schattenbericht der Nationalen Armutskonferenz ein.

Thomas Pany | TELEPOLIS

Dort wird aufgezeigt, dass sich nicht nur Arbeitslose, sondern auch eine stetig wachsende Zahl von Menschen, die einem Erwerb nachgehen, selbst in Deutschland mit bitteren Phänomenen der Armut herumschlagen müssen. Dass dies aus unterschiedlichen Gründen versteckt wird, passt zum Namen des Berichts.

Offiziell wird der Begriff „Schattenbericht“ von Barbara Eschen, der Sprecherin der Nationalen Armutskonferenz (Mitglieder hier), damit begründet, dass er als eine Art Parallelbericht zum Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung (siehe dazu: „Westliche Demokratie“ ist hohl: Reichtum regiert fungieren soll. Es geht um eine Parallelwelt, die kaum, wenn überhaupt, von denen wahrgenommen wird, die damit nicht in Berührung kommen oder nicht in Berührung kommen wollen.

Große Teile des Schattenberichts schildern aus Sicht von Menschen mit Erfahrung, was es tatsächlich heißt, mit so wenig Mitteln auszukommen, von denen die Besserwisser behaupten, dass es reicht.

Das „Normale“ fehlt: Internet, Zeitung, Treffpunkte, Freizeitangebote, gute Wohnung und Arbeit, gesundes Essen und politische Beteiligung. Abgeordnete nehmen Arme kaum wahr. Die Folge: Je ärmer, desto niedriger die Wahlbeteiligung.

Schattenbericht der Nationalen Armutskonferenz

Die Erfahrungsberichte sind ein wichtiger Teil des Berichtes der Nationalen Armutskonferenz und sie kommen im Gegensatz zur Mehrheit der politischen Standortbestimmungen ohne Zeigefingergestus aus, beschreiben die Realität, die in den Politikproklamationen etwa der konservativen Parteien, die sich gerade in Bayern auf ein dickes Brett setzen, keine Rolle spielen.

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Meinungsfreiheit deckt nicht Nazi-Vergleich bei Stammzellenforschung

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Ein Abtreibungsgegner, der Stammzellenforschung mit Nazi-Experimenten verglichen hatte, ist mit seiner Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gescheitert. Die Verurteilung des Mannes in Deutschland wegen Beleidigung verstoße nicht gegen die Meinungsfreiheit, befand am Donnerstag der EGMR in Straßburg.

evangelisch.de

2007 hatte der Abtreibungsgegner eine Presseerklärung im Internet veröffentlicht, in der er die Stammzellenforschung und eine damit befasste Forschergruppe an der Universität Bonn kritisierte, erläuterte der EGMR. Dabei seien einer der Professoren namentlich genannt und die Forschung mit Experimenten an Menschen unter dem Regime der Nationalsozialisten verglichen worden. Im darauffolgenden Jahr wurde der Verfasser wegen Beleidigung zu 450 Euro Geldbuße verurteilt, seine Einsprüche vor der deutschen Justiz scheiterten.

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Union bekräftigt „Nein“ zur Streichung von Paragraf 219a

Bild: © Deutscher Bundestag / Achim Melde
Der Bundestag diskutiert am Donnerstagabend erneut über das geltende Werbeverbot für Abtreibungen. Vor der Debatte haben mehrere Fraktionen ihre Standpunkte in dieser Frage noch einmal deutlich gemacht.

katholisch.de

Die Union hat ihr „Nein“ zur Streichung des Werbeverbots für Abtreibungen bekräftigt. Sie befürchte eine veränderte gesellschaftliche Einstellung zum Abbruch einer Schwangerschaft, wenn Ärzte dafür werben könnten, sagte die rechtspolitische Sprecherin der Union, Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU), am Donnerstag im rbb. Eine Abtreibung könne dann wie eine Vorsorgeuntersuchung als eine normale Dienstleistung des Arztes angesehen werden. Auftrag des Staates sei es aber, das Lebensrecht des Kindes zu schützen.

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Keine Streitzeit mit AfD-Repräsentanten beim DEKT in Dortmund

Screenshot: bb
Mit Blick auf die Gründungsidee des Deutschen Evangelischen Kirchentages (DEKT) sei „in der Frage der AfD Deutlichkeit geboten.“ Es gebe „mittlerweile in der AfD einen fließenden Übergang zum Rechtsextremismus“.

Dr. Reinhard Hempelmann | EZW

Mit diesen Worten begründete das Präsidium des DEKT im September 2018 seine Entscheidung, AfD-Politikerinnen und Politiker von einer Teilnahme an Podien und Diskussionsveranstaltungen beim Kirchentag in Dortmund 2019 auszuschließen. In geheimer Sitzung wurde der Beschluss gefasst. Gleichzeitig wurde gesagt, dass Wähler und Sympathisanten der Partei zur Teilnahme eingeladen seien. Die Auseinandersetzung mit Rechtspopulismus und Rechtsextremismus soll stattfinden, sie soll ein zentrales Thema sein, aber ohne authentische Vertreterinnen und Vertreter.

Die vom Kirchentag herausgegebene Meldung, dass damit die bisherige Haltung im Umgang mit dem Rechtspopulismus bestätigt werde, trifft in der Sache nur teilweise zu. Denn 2016 hatte sich der DEKT dazu entschlossen, einem Streitgespräch zwischen Bischof der Evangelischen Kirche Berlin- Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Markus Dröge, und der damaligen Vorsitzenden der Bundesvereinigung „Christen in der AfD“, Annette Schultner, Raum zu geben. Die Auseinandersetzung war heftig und emotional. „Streitzeit“ hieß die Veranstaltungsreihe im Zentrum Weltanschauungen im Mai 2017 in der Sophienkirche in Berlin-Mitte, das von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) und Kolleginnen und Kollegen der kirchlichen Weltanschauungsarbeit vorbereitet und durchgeführt worden war. Der inszenierte Streit zum Thema „Christen in der AfD?“ fand größte mediale Aufmerksamkeit und wurde als vorbildliche und weiterführende Veranstaltung im Kirchentagsgeschehen gewürdigt. Im Austausch der Argumente wurde deutlich, wie wenig die AfD zu den politischen Gegenwartsfragen beizutragen hat. Im Vorfeld war versucht worden, die Veranstaltung zu verhindern, ohne Erfolg.

Die jetzige Entscheidung des Kirchentages stellt meines Erachtens einen Schritt zurück dar. Deutliche Abgrenzungen gegenüber der AfD sind fraglos nötig. Eine öffentliche Propaganda von Feindbildern und Ressentiments darf nicht sein. Der Kirchentag rühmt sich, ein Ort zu sein, wo mit Respekt und Toleranz unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen können. Seinen eigenen Grundsatz, dass niemand wegen seines Parteibuches ein- oder ausgeladen werden solle, stellt er mit dieser Entscheidung in Frage. Eine argumentative Bloßstellung des Rechtspopulismus ist möglich, wenn Begegnung und Auseinandersetzung stattfinden. Die diskursive Ausgrenzung der AfD ist gescheitert, wenn in fast allen Landesparlamenten und im Deutschen Bundestag die Partei präsent ist.

Die Ratlosigkeit im Umgang mit der AfD ist in Politik, Kirche und Gesellschaft groß. Es muss alles getan werden, um der AfD etwas entgegenzusetzen. Die Präsenz des anderen macht jeden Streit anstrengender, jede Auseinandersetzung anspruchsvoller. Podien dürfen fraglos nicht für fremdenfeindliche Propaganda genutzt werden. Das lässt sich jedoch verhindern, wie sowohl der DEKT 2017 wie auch der Katholikentag 2018 gezeigt haben. Es sind populistische Muster, die in Rhetorik und politischer Entscheidung von Exklusion bestimmt sind. Die christlichen Kirchen haben die Freiheit, auf Ausgrenzung nicht mit Ausgrenzung reagieren zu müssen. Sie sollten der Auseinandersetzung mit Populisten nicht pauschal ausweichen. Grenzen der Auseinandersetzung müssen allerdings dort markiert werden, wo Populismus zum Extremismus wird, wo demokratische Prinzipien angegriffen und Gewaltaktionen legitimiert werden.

Demokratie lebt auch vom Streit, für den Räume und Zeiten geschaffen werden müssen. Darauf hat mit Recht die Kammer für Öffentliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in einem wichtigen Orientierungstext „Konsens und Konflikt“ 2017 hingewiesen. Heute besteht die Gefahr, dass notwendige Auseinandersetzungen nicht stattfinden, wenn und weil die politische Meinungsbildung hauptsächlich in „positionell homogenen Teilöffentlichkeiten“ („Echokammern“ oder „separierten Wirklichkeiten“) stattfindet. Dem Populismus muss mit Argumenten für eine bessere Politik begegnet werden. Seine Entzauberung geschieht im offenen Streit mit authentischen Repräsentanten. Dazu wird es im nächsten Jahr in Dortmund voraussichtlich keine Gelegenheit geben.

Flüchtlinge im Kirchenasyl gelten nicht als „flüchtig“

Die Justizia © Manu_H @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Asylbewerber im Kirchenasyl sind nicht „untergetaucht“ und dürfen von Behörden nicht so behandelt werden. Das hat das Verwaltungsgericht Trier im Fall von sechs Sudanesen entschieden. Sie wehrten sich gegen ihre Abschiebung nach Italien.

MiGAZIN

Asylbewerber im Kirchenasyl dürfen nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Trier von den Behörden rechtlich nicht so eingestuft werden, als seien sie untergetaucht. Das Gericht gab in einer am Mittwoch veröffentlichten Entscheidung den Eilanträgen von sechs Sudanesen statt, die sich gegen ihre Abschiebung nach Italien gewehrt hatten (AZ: 7 L 5184 /18.TR – u. a.). Zuvor war bereits bekanntgeworden, dass die für Mittwoch geplanten ersten Rückführungen im buchstäblich letzten Moment gestoppt werden konnten. Um das Kirchenasyl für ursprünglich neun sudanesische Flüchtlinge im Rhein-Hunsrück-Kreis hatte es zuvor einen monatelangen Konflikt gegeben.

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Die Folgen der christlichen Sündenlehre

Julia, eine ehemals tiefgläubige Christin, erzählt ihre Geschichte.

Richard-Dawkins-Foundation

Sie ist Mitglied des Panels von „Faith to Faithless“, einer wachsenden britischen Organisation von Menschen, die aus allen ehemaligen Glaubensrichtungen kommen und die Religion hinter sich gelassen haben: Islam, Christentum, Judentum, Sekten, Esoterik etc.

http://faithtofaithless.com/

Gründer von Faith to Faithless sind zwei ehemalige Muslime: Imtiaz Shams und Aliyah Saleem.

Dieses Video entstand bei einer gemeinsamen Veranstaltung von Faith2Faithless und den Humanist Students UK.

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Christine Bergmann fordert EKD-weite Missbrauchsstudie

Die ehemalige Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD) fordert eine umfassende Studie über den Umgang der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit Kindesmissbrauch. Vorbild könnte die kürzlich veröffentlichte Missbrauchstudie der katholischen Deutschen Bischofskonferenz sein.

evangelisch.de

„Mich ärgert vor allem, dass bisher eine Aufarbeitung immer nur dann passiert ist, wenn Betroffene nicht lockergelassen haben“, sagte Bergmann, die Mitglied der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs ist, der „Zeit“-Beilage „Christ und Welt“, die am Donnerstag erscheint.

Die evangelische Kirche behandle Missbrauchsfälle immer noch als Einzelfälle, strukturelle Defizite in den kirchlichen Institutionen würden hingegen kaum bearbeitet. „Täterschutz und Institutionenschutz gingen auch bei den Protestanten vielfach vor Kinderschutz“, sagte Bergmann.

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Schulterschluss von AfD und Identitären

© Simon Berninger, FR
Der AfD-Bundestagsabgeordnete Volker Münz gibt das Buch „Rechtes Christentum?“ heraus und holt dafür die Identitäre Bewegung mit ins Boot.

Von Simon Berninger | Frankfurter Rundschau

Der Erzengel Michael hält das Kreuz aufrecht in der rechten Hand. In Bronze gegossen, steht er in martialischer Haltung auf dem Kiewer Ljadski-Tor – wie zum Angriff bereit. Könnte er sprechen, was riefe er wohl? „Deus vult“ vielleicht, „Gott will es“, wie es der Schlachtruf der Kreuzzügler im Mittelalter war? In diesen Kontext zumindest fügt sich eine Fotografie eben jener Bronzestatue, die der Bucheinband von „Rechtes Christentum?“ zeigt. Die Anfang Oktober erschienene Aufsatzsammlung listet unter anderem einen Essay mit ebensolchem Kampftitel: „Gegen Allahu akbar hilft nur Deus vult!“

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Evangelischer Medienbischof Jung will keine Roboter taufen

Der evangelische Medienbischof Volker Jung will keine Roboter taufen. Bei allen Fortschritten in der Künstlichen Intelligenz würden Roboter kein Bewusstsein entwickeln, sagte der hessen-nassauische Kirchenpräsident.

DOMRADIO.DE

Jung äußerte sich am Dienstag beim Evangelischen Medienkongresses in München. Man sollte die Trennung zwischen Menschen und Maschine wahren, so der Theologe, der dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angehört und dort für Medienthemen zuständig ist.

„Politik muss sich viel mehr mit dem Thema beschäftigen“

Jung forderte eine breite gesellschaftliche Debatte über das Thema der Künstlichen Intelligenz in der Gesellschaft. „Wir brauchen Dokumentationen dazu, auch die Politik muss sich viel mehr mit dem Thema beschäftigen“, sagte Jung. Es müsse vermieden werden, dass durch die Künstliche Intelligenz neuer Totalitarismus entstehe.

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Die Angst vor der Offensive auf Idlib

Bild: tagesschau.de
Kommt es zur Schlacht um die syrische Provinz Idlib, könnten darunter auch Christen in der Nachbarprovinz leiden. Sie werden seit Jahren aus Idlib beschossen und fürchten nun neue Angriffe.

Von Daniel Hechler | tagesschau.de

Sie beten um Frieden und Vergebung. Trotz allem, was war. Etwa 150 orthodoxe Christen sind zum Gottesdienst zusammengekommen. Kein Platz ist frei geblieben. In der kleinen Kirche herrscht feierliche Stimmung mit reichlich Weihrauch und vielen Kerzen. 23.000 Christen leben in Mhardeh, einem beschaulichen Ort wenige Kilometer südlich der Provinz Idlib Idlib. Sie eint der Wille, überleben zu wollen. „Der Frieden muss eine Chance bekommen in Idlib“, sagt Majed Naser nach dem Gottesdienst. „Wir sind doch freundschaftlich verbunden, in Liebe.“ Erstaunliche Worte nach traumatischen Erlebnissen.

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«Mein Bauch gehört mir» war gestern

Abtreibungsgegner (vorne) und Aktivistinnen für eine freie Wahl («free choice») (hinten) bringen ihre Anliegen auf Deutschlands Strassen. (Bild: Imago)
Ein umstrittener Paragraf hat in Deutschland eine Debatte über die Selbstbestimmung der Frau entfacht. Das hat auch mit dem Erstarken der Neuen Rechten zu tun.

Valerie Zaslawski | Neue Zürcher Zeitung

Die Gebärmutter ist erneut zum Schlachtfeld geworden: Nicht nur in den USA oder in Polen, auch in Deutschland wird seit einigen Monaten wieder über den Schwangerschaftsabbruch gestritten. Dabei zanken Christen mit Feministinnen und debattieren Anhänger der AfD mit Roten und Grünen darüber, was höher zu gewichten sei: das Recht auf Leben eines Ungeborenen oder die Selbstbestimmung der Frau. Im Zentrum der Debatte steht der Paragraf 219a. Dieser verbietet Werbung beziehungsweise Information über Schwangerschaftsabbrüche. Cornelia Möhring, die für die Linke im Bundestag sitzt, möchte ihn abschaffen: «Schwangerschaftsabbrüche müssen endlich aus der Tabuzone geholt werden, denn sie sind schon lange Realität.» Im vergangenen Jahr gab es rund deren 100 000. Straffrei sind sie allerdings nur unter bestimmten Umständen (siehe Zusatz).

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Bedford-Strohm: Sozialen Raum von Internetkonzernen zurückerobern

Heinrich Bedford-Strohm (2011). Presseabteilung der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. bearb. bb
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, wünscht sich europäische Initiativen, um der Marktmacht der US-Internetkonzerne zu begegnen.

evangelisch.de

„Es geht um die Rückeroberung des sozialen und öffentlichen Raums“, sagte Bedford-Strohm am Dienstag zur Eröffnung des Evangelischen Medienkongresses in München. Derzeit fehle es an Transparenz und Regulierung. Der Diskurs von mehreren Milliarden Menschen werde von einigen wenigen mächtigen Unternehmen wie Facebook kontrolliert.

Bedford-Strohm fragte, warum Straßen und Schienen aus guten Gründen in öffentlicher Hand seien, die digitale Infrastruktur des Netzes, in der Menschen täglich viel mehr Zeit verbrächten, aber nicht.

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Dröge sieht AfD-Ausschluss vom Kirchentag kritisch

Der Berliner Bischof Markus Dröge sieht den Ausschluss von AfD-Mitgliedern vom evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund kritisch. Bei der Vorstellung einer neuen „Politiker-Bibel“ sprach der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz am Montagabend in Berlin von einer „verpassten Chance“.

evangelisch.de

Die Pfarrer in den Gemeinden vor Ort müssten schließlich auch mit Anhängern populistischer Thesen diskutieren, dies sei auch immer die Stärke von Kirchentagen gewesen. „Wenn wir den Rechtspopulismus überwinden wollen, müssen wir dessen Thesen argumentativ bloßstellen“, sagte Dröge bei der Präsentation des Buches „Glaube, Liebe, Hoffnung – Die Bibel der Politikerinnen und Politiker“.

Der Berliner evangelische Bischof betonte, ihn interessiere schon, wie sich auf die Heilige Schrift berufende AfD-Vertreter „das was sie vertreten, aus der Bibel ableiten wollen“. Da habe er bisher noch nichts Überzeugendes gehört, fügte das EKD-Ratsmitglied Dröge an. Der Bischof hatte auf dem Kirchentag 2017 in Berlin auf einem Podium mit der damaligen Sprecherin der „Christen in der AfD“ debattiert.

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Rechtsphilosoph: „Kreuz im Klassenzimmer ist schwer zu rechtfertigen“

foto: heribert corn Stefan Hammer, Professor für Rechtsphilosophie, hält es für ein Problem, dass der säkulare demokratische Staat eigentlich immer nur religiöse, nicht aber nichtreligiöse Weltanschauungen einbezieht.

Stefan Hammer über Gott in der Schule, Kopftuchverbote und die Pflicht zum Ethikunterricht nur für Religionsabmelder

Lisa Nimmervoll | derStandard.at

Das Thema Religion taucht in der Politik immer wieder auf. Besonders oft im Zusammenhang mit Integrationsfragen, aber auch in der Bildungspolitik. Stichwörter: Kreuz, Kopftuch, Ethikunterricht. Zugleich wächst die Gruppe der Konfessionsfreien bzw. Nichtgläubigen am stärksten. Die Vortragsreihe „Fachdidaktik kontrovers“, in Kooperation von Philosoph Konrad Paul Liessmann und dem STANDARD organisiert, widmet sich daher der Frage „Wie viel Gott braucht die Schule? Über das Verhältnis von Religion und Bildung“. Zum Auftakt spricht Rechtsphilosoph Stefan Hammer am Mittwoch (17 Uhr, NIG, Hörsaal 3D, Universitätsstraße 7) zum Thema „Schulunterricht nur über oder auch in Religion: Was verhilft zur gebildeten Selbstbestimmung?“.

STANDARD: Der Titel der Vortragsreihe lautet: „Wie viel Gott braucht die Schule?“ Ich adaptiere die Frage für den Juristen: Wie viel Gott darf denn in die Schule in einem an sich säkularen Staat hinein?

Hammer: Säkularer Staat heißt ja nicht laizistischer Staat. Ein säkularer Staat grenzt Religion nicht aus, sondern lässt sie grundsätzlich im öffentlichen Raum, und damit auch in der Schule, zu – aus dem Verständnis heraus, dass auch Religionen etwas zum säkularen politischen Diskurs beitragen können. Nur muss das auf einer religiös und weltanschaulich neutralen Basis geschehen.

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Kirchenvertreter äußern sich nach der Wahl in Bayern – „Absage an Angstmacherei“

Die Kirchenvertreter sind sich nach der Wahl in Bayern einig: Weder die Wahlkampfstrategie der CSU, noch Angstmacherei seien zielführend gewesen. Sie appellieren, den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken.

DOMRADIO.DE

Der Würzburger katholische Bischof Franz Jung hat Kritik an der Wahlkampfstrategie der CSU geübt. Es stelle sich die Frage, ob es der richtige Weg gewesen sei, die AfD rechts überholen zu wollen, sagte Jung am Montag dem Bayerischen Rundfunk (BR). Es seien Wähler aus der gesellschaftlichen Mitte zu anderen Parteien abgewandert.

Viele Menschen hätten sich ernsthaft die Frage gestellt, „inwieweit die Symbolpolitik auf der einen Seite mit christlichen Inhalten auf der anderen Seite gefüllt ist“, so der Bischof mit Blick auf den Kreuzerlass. Offenbar hätten viele Menschen den Eindruck gehabt, dass dem nicht mehr so sei. Dabei verwies Jung auf Erhebungen von Wahlforschern, nach denen 47 Prozent der Befragten angaben, die CSU habe ihre christlichen Überzeugungen aufgegeben.

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Politiker-Bibel sammelt Lieblingszitate – ohne AfD

Bild: © Fotolia.com/B-C-designs
In einem neuen Buch schreiben Politiker über ihren Lieblingstext aus der Bibel und erklären, was dieser für ihr Leben und ihr politisches Handeln bedeutet. AfD-Politiker wurden an dem Projekt nicht beteiligt. Das sorgt für Unmut in der Partei.

katholisch.de

Der Hamburger „Kreuz Verlag“ hat ein neues Buch herausgebracht: Unter dem Titel „Glaube, Liebe, Hoffnung“ stellen 69 deutsche Vertreter aus Landes-, Bundes- sowie Europapolitik ihre Lieblingsstelle aus der Bibel vor, wie die evangelische Nachrichtenagentur „idea“ berichtet. Herausgeber ist Nikolaus Schneider, ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. AfD-Politiker wurden an dem Projekt nicht beteiligt.

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„Religion ohne Bildung ist gefährlich“

Bild: ©jdjuanci – stock.adobe.com
„Religion ist Privatsache. Ich gönne meinem Sohn lieber Freizeit und hab ihn vom Reli-Unterricht abgemeldet“ Solche Aussagen höre ich häufig, und ich muss gestehen, dass sie mich nicht nur betroffen, sondern zunehmend wütend machen. Nicht nur weil ich selbst, wie alle Vikare und Pfarrerinnen, an einer öffentlichen Schule Religion unterrichte. Sondern vor allem, weil ich weiß, was Religionsunterricht heutzutage bedeutet. Was er leistet und dass er heute wichtiger ist denn je.

Julia Schnizlein | krone.at

In welchem anderen Fach, wenn nicht in Religion, finden die existenziellen Fragen des Lebens breiten Raum? „Wofür lohnt es sich zu leben?“, „Wie finde ich meinen eigenen Weg?“ oder „Wer ist mein Nächster?“ – lauten Auszüge aus dem Lehrplan für evangelische Religion.

Wo, wenn nicht in Religion, lernen die Kinder in einer säkularen Welt noch, was die viel beschworenen christlichen Werte überhaupt sind? Woher sie kommen und was sie für ihr Leben bedeuten können. Und wo sonst wird den Schülern der Zugang zum eigenen Glauben und zugleich der kritische Umgang mit Glaubensinhalten und Religion vermittelt? Und das gilt für jeden aufgeklärten Religionsunterricht. Wenn also der bayerische Ministerpräsident Markus Söder im Wahlkampf durch Bierzelte tingelt und vor einem – Gott bewahre – flächendeckenden Islamunterricht an deutschen Schulen warnt, dann ist das populistisch. Und gefährlich.

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