Transformation statt Umbruch

Volker Leppin Die fremde Reformation Verlag: C.H.Beck, München 2016 ISBN: 9783406690815
Volker Leppin
Die fremde Reformation
Verlag: C.H.Beck, München 2016
ISBN: 9783406690815

„Ein Großer der Geschichte fällt nicht zwangsläufig vom Himmel, sondern ist stets ein Kind seiner Zeit, unter deren Einflüssen er steht.“ Ausgehend von diesem Satz des französischen Historikers Jacques Le Goff (1924-2014) begibt sich der Tübinger Kirchenhistoriker Volker Leppin auf die Suche nach den theologischen Wurzeln Martin Luthers.

Von Theodor Kissel | Spektrum.de

Im Gegensatz zu vielen anderen Darstellungen über die Reformation stellt Leppin seinen Protagonisten in die mystische Tradition des Spätmittelalters und zeigt auf, wo dessen Ideen herkamen, wie sie sich entwickelten und formten. Luther, so die Kernaussage des Buchs, musste nichts neu erfinden, sondern nur Vorhandenes neu denken. Denn Forderungen nach einer grundlegenden Reform der katholischen Kirche „an Haupt und Gliedern“ gab es schon lange vor dem Wittenberger Reformator.

Der Autor erzählt gut und mit der lockeren Souveränität dessen, der seine Materie beherrscht. Quellennah und auf aktuellem Forschungsstand legt er überzeugend dar, wie Luther aus der spätmittelalterlichen Frömmigkeitstheologie das reformatorische Denken entwickelte und daraus Impulse bezog, um Kirche und Gesellschaft zu ändern.

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Mittelalterliche „Judensau“: Wittenberger Streit

Mahnmal gegen die mittelalterliche „Judensau“, ein Schmäh- u. Spottbild auf die Juden, an der Stadtkirche St. Marien in der Lutherstadt Wittenberg. Foto: © epd-bild / Norbert Neetz
Ein Londoner Theologe fordert, das „Judensau“-Relief an der Stadtkirche zu entfernen und nur in einem Museum zu zeigen.
 

Von Dirk Pilz | Frankfurter Rundschau

Seit 700 Jahren findet sich an der Wittenberger Kirche St. Marien ein Sandsteinrelief. Es ist ein Spottbild, eine „Judensau“: Man sieht eine Sau, an deren Zitzen eine Schar Menschen säugen; sie tragen Spitzhüte und sind so als Juden gekennzeichnet. Hinter der Sau ist ein Rabbiner zu erkennen, der den Schwanz und eines der Hinterbeine der Sau hebt, um ihr in den Anus zu schauen.

Das ist unzweifelhaft eine antisemitische Karikatur: Juden im intimen Kontakt mit jenem Tier, das in der Thora als unrein gilt. 1570 wurde zudem die Inschrift „Rabini Schem Ha Mphoras“ hinzugefügt. Sie spielt auf eine Buchstabenspekulation der Kabbala an und gilt als Name Gottes. Martin Luther, der in der Stadtkirche predigte, hat in einer seiner antisemitischen Schriften von 1543 darauf Bezug genommen und die Karikatur indirekt verteidigt.

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Kult-Deutung durch die Deuter anderer Kulte – Bullshistic

Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen hält die Hizmet-Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen für problematisch.

evangelisch.de

Es gebe dort eine „hohe Sozialkontrolle“, sagte Referent Friedmann Eißler der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Gehorsam und Opferbereitschaft sind absolute, zentrale Werte, an denen natürlich auch das Verhalten der Anhängerinnen und Anhänger gemessen wird.“ Über Aussteiger würden häufig negative Geschichten verbreitet.

Das „Problem der Indoktrinierung“ entstehe nicht direkt in den Schulen und Nachhilfeeinrichtungen, sondern in deren Umfeld, erläuterte Eißler, der die Bewegung des türkischen Predigers seit langem beobachtet. „Indem die jungen Menschen für die inneren Kreise interessiert und angeworben werden – mit Hilfe von Hausbesuchen, mit Geschenken, mit intensiven Gesprächen mit den Eltern – kann auch ein gewisser Druck entstehen.“

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Politik und Religion: Mit Gott auf Stimmenfang?

Bild: Die Linke/Landesverband Rheinland-Pfalz
Bild: Die Linke/Landesverband Rheinland-Pfalz
Vor den Landtagswahlen gehen die Parteien auf Stimmenfang – Randparteien wie die Linke oder die AfD versuchen sich jetzt auch unter Christen neue Wählerkreise zu erschließen.
 

Von Veronika Wawatschek | BR24

Schon Mitte September könnte die Linke die Weichen für eine eigene Bundesarbeitsgemeinschaft „Christinnen und Christen“ stellen. Das deklarierte Ziel der bundesweiten Plattform ist es, die Interessen von Christen innerhalb und außerhalb der Partei zu vertreten. Denn einig über den Umgang mit der Religion ist man sich in der Partei bei Weitem nicht. Nach der Beobachtung von Erich Utz sehen viele Genossen Glaube und Sozialismus als Gegensatz. Sie würden Karl Marx zitieren, wonach Religion Opium fürs Volk sei, so der Katholik und Sprecher der bayerischen „Landesarbeitsgemeinschaft Christininnen und Christen“ bei der Linken.

„Ich habe Karl Marx gelesen. Viele glauben immer das wäre ein Gegensatz, aber das ist kein Gegensatz. Die einen nennen’s Nächstenliebe, die anderen Solidarität und dahinter können sich ganz viele Dinge verbergen, die gleich sind.“

Erich Utz, Katholik und bayerisches Linken-Mitglied

Bereits im Februar hatte ein Wahlplakat in Rheinland-Pfalz für Aufregung gesorgt. Darauf zu sehen: Papst Franziskus inklusive Kapitalismuskritik. „Wenn die Politik wirklich den Menschen dienen soll, darf sie nicht Sklave der Wirtschaft und Finanzwelt sein.“ Das Bistum Speyer sah darin eine „unzulässige Vereinnahmung des Papstes für den Wahlkampf“. Die Linken begründeten auf ihrer Webseite die Kampagne damit, dass sie „aufrütteln“ wollten. „Und wir hoffen, dass das Franziskus-Wort uns dabei hilft.“

Dodo Käßmann: Burka-Debatte ist hysterisch

Margot-KässmannDie evangelische Theologin Margot Käßmann hält die Forderungen nach einem Burka-Verbot für völlig überzogen. „Was jetzt an Debatte in Sachen Burka und Burkini läuft, grenzt an Hysterie“, schrieb die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der „Bild am Sonntag“.

evangelisch.de

Sie selbst lehne die Vollverschleierung kategorisch ab, finde Niqab und Burka schrecklich, stellte Käßmann klar. „Wenn ich eine Frau so verhüllt sehe, denke ich: Die tut mir leid! Und wenn sie sagt, sie macht es freiwillig, heißt das für mich: Sie hat echt ein Problem.“ Dennoch habe noch keine Frau mit Burka in Europa je einen Anschlag verübt, unterstrich die ehemalige hannoversche Landesbischöfin.

„Geschätzt tragen maximal 800 Frauen in Deutschland dieses frauenverachtende Teil“, ergänzte Käßmann. „Das sind 0,001 Prozent der Bevölkerung. Sie sollen unsere ganze Kultur bedrohen?“

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Antijudaismus – Die dunklen Flecken in Bachs Lebenswerk

Bach bezog sich in seinen Passionen auf Luther, der die Vertreibung und Vernichtung der Juden forderte / picture alliance
Johann Sebastian Bach war bekennender Anhänger Luthers und dessen haarsträubendem Antijudaismus. Im Nationalsozialismus dienten einige seiner Werke als Hymnen für die „Entjudung der deutschen Kultur“. Eine Ausstellung setzt sich nun damit auseinander

Von RAINER BALCEROWIAK | Cicero

Das Lutherjahr 2017 wirft seine Schatten voraus. Und natürlich sind die Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags in Wittenberg, der als Geburtsstunde der Reformation und des Protestantismus gilt, nicht ohne eine Betrachtung des Schaffens von Johann Sebastian Bach (1685-1750) denkbar. Denn der wohl bedeutendste Komponist des Barockzeitalters hat sozusagen den Soundtrack zum Protestantismus geschrieben, wenn auch erst rund 200 Jahre später.

„Luther, Bach und die Juden“ lautet daher der Titel einer Ausstellung, die noch bis zum 6. November im Bachhaus Eisenach gezeigt wird, dem Geburtsort des Komponisten. Anhand von Bildern, Texten und anderen Exponaten aus fünf Jahrhunderten wird dort das Spannungsfeld zwischen Protestantismus, Bachs Werk und dessen Rezeptionsgeschichte umfassend beleuchtet.

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Schweiz: Kulturkampf um Kirchen- und Kuhglocken

Läuten mit dem Segen des Bundesgerichts: Die Kirchenglocken von Gossau (ZH). (Bild: Christoph Beutler / NZZ)
Lautstark wird gegenwärtig über die Immissionen von urschweizerischen Traditionen debattiert. Befeuert werden die Kontroversen von einer durch und durch eidgenössischen Institution.

Von Erich Aschwanden | Neue Zürcher Zeitung

Die Angelegenheit hat Albert Rösti in derart negative Schwingungen versetzt, dass er sie unbedingt loswerden musste. An der DV in Wettingen berichtete der SVP-Präsident mit grosser Sorge, «der Zerfall unserer Werte wird von hochdekorierten Persönlichkeiten unseres Landes vorangetrieben». Hochdekoriert sind sie tatsächlich die ETH-Forscher, die herausgefunden haben, dass Glockenschläge die Schlafqualität verschlechtern. Wegen dieser Studie dürfen die Glocken der Kirche Worb nachts nur noch die vollen Stunden schlagen – statt jede Viertelstunde. Unter dem Applaus der Delegierten schimpfte Rösti, die gleichen Persönlichkeiten, die unseren Werten nicht mehr Sorge tragen, seien jene, die sich gegenüber anderen Kulturen besonders dem Islam inklusive der Verschleierung übertolerant zeigten.

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Kirchen waren nie tabu

Ein Kirchenturm © H. Füller @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Nach einem gewaltsam beendeten Kirchenasyl konnte eine Asyl-Initiative die drohende Abschiebung eines Flüchtlings stoppen. Neben der Erleichterung über den guten Ausgang nimmt jetzt die Kritik über das Abschiebungsverfahren zu. Landesinnenminister Jäger soll Erklärung abgeben.

MiGAZIN

Der 31-jährige Flüchtling, der gewaltsam aus einem Kirchenasyl in Münster abgeführt wurde, soll im westfälischen Nordkirchen untergebracht werden. Das Verwaltungsgericht Münster hatte im Zuge eines Eilantrages die drohende Abschiebung nach Ungarn ausgesetzt. Asyl-Initiativen kritisieren das Vorgehen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sowie des Kreises Coesfeld. Sie sehen einen Bruch des Kirchenasyls und fordern Aufklärung.

Der Flüchtling habe eine Bescheinigung des Kreises Coesfeld erhalten, dass er sich bis Donnerstag in Nordkirchen einfinden solle, sagte ein Sprecher der Gemeinde am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst. Bis zum Mittwochnachmittag sei er zwar noch nicht eingetroffen. Der Mann werde aber von ehrenamtlichen Helfern betreut. „Daher gehen wir davon aus, dass das klappt“, sagte der Sprecher. In Nordkirchen habe die Gemeinde Wohnungen für Flüchtlinge angemietet. Der Mann war auch vor seinem Kirchenasyl in Nordkirchen untergebracht.

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Ramelow: „Für mich gibt es die Opfergruppe der Christen in der DDR“

Bodo Ramelow, Bild: FB
Bodo Ramelow, Bild: FB

Thüringens Regierungschef Ramelow wirbt dafür, über Einzelschicksale hinaus das Systemische bei der Unterdrückung des Glaubens in der DDR aufzuarbeiten.

evangelisch.de

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow sieht Aufklärungsbedarf bei dem Verhältnis von Kirche und Staat in der DDR und den Folgen bis in die heutige Gesellschaft hinein. „Für mich gibt es die Opfergruppe der Christen in der DDR. Es gibt sie in bestimmten Phasen und auch in unterschiedlicher Stärke. Und ja, es gab später dann auch die umgekehrte Strategie des Umarmens und des Toddrückens. Auch das hat Folgen gehabt“, sagte der Linken-Politiker und evangelische Christ dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Ramelow widersprach damit Thüringens Kultur-Staatssekretär Babette Winter (SPD), die in der rot-rot-grünen Landesregierung die Aufarbeitung des SED-Unrechts koordiniert. Dass in ihrem ersten Zustandsbericht die Unterdrückung der Kirchen faktisch keinen Eingang fand, begründete sie damit, dass Christen in der DDR keine besondere Opfergruppe dargestellt hätten.

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George W. Bush soff auch gerne bis zur Erweckung

Bild.de Redakteur Daniel Böcking hat sich zum Christentum bekehrt (Christian Langbehn)
Daniel Böcking ist stellvertretender Chef von bild.de. Vor einigen Monaten bekannte er sich in einem Artikel zum Christentum. Der Glaube habe sein Leben verändert, sagt er. Er trinkt keinen Alkohol mehr und verbietet sich die üblichen Lästereien unter Kollegen. Vom Boulevardjournalismus will er sich nicht verabschieden, der diene der Wahrheitsfindung, behauptet er.

Von Marie Wildermann | Deutschlandfunk

Der Glaube spielte in seinem Leben lange überhaupt keine Rolle, sagt Daniel Böcking, stellvertretender Chefredakteur von bild.de. Im Leben des heute 39-Jährigen lief alles rund: Journalistenschule, Karriere bei der Bild-Zeitung, glücklich verheiratet, drei Kinder.

„Was mich wirklich zum Nachdenken gebracht hat, das waren viele Ereignisse im Jahr 2010. Da war ich direkt nach dem Beben in Haiti mit über 300.000 Toten dort vor Ort. Und da gab es natürlich wahnsinnig viel Leid, Trauer, Verzweiflung und trotzdem hat man dort immer wieder sehr viel Glauben gefunden, sehr viele betende Menschen. Wir waren dort mit sehr vielen Hilfsorganisationen, einige davon auch christlich. Es hat mich einfach total fasziniert, wie Menschen in solchen Situationen aus dem Glauben Kraft schöpfen können und das war auch das erste Mal, dass mir der Glaube an Jesus Christus näher gebracht wurde.“

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15.000 Norweger verlassen innerhalb von vier Tagen die Kirche

Foto: look/ORIGINAL zu : O:\\BILDER\\B_FERT Eine einsam gelegene Kirche im norwegischen Duoddar Sion nördlich von Alta. 15.000 Menschen weniger finden seit dem 15. August in die lutherische Volkskirche
Es scheint, als hätten 15.000 Mitglieder der lutherischen Volkskirche nur auf den richtigen Anlass gewartet, selbige zu verlassen. Der Grund für den Verlust ist eine technische Neuerung.

DIE WELT

Norwegens lutherische Volkskirche hat nach eigenen Angaben innerhalb von vier Tagen mehr als 15.000 Kirchenmitglieder durch Austritt verloren. Grund ist ein neues Onlineportal der Kirche, mit dem man vom heimischen Computer aus die Kirche verlassen oder sich als Mitglied registrieren lassen konnte.

Als das System am 15. August gestartet sei, hätten gleich am ersten Tag mehr als 10.000 Menschen die Kirche verlassen, teilte die Volkskirche in Oslo mit. Zugleich seien innerhalb von vier Tagen aber auch 549 Menschen aus anderen Kirchen dazugekommen oder in die Volkskirche zurückgekehrt.

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CSU will neues Doppelpassgesetz wieder abschaffen

Der Doppelpass © Fotomontage MiGAZIN
Die CSU will sich mit der doppelten Staatsbürgerschaft für bestimmte Migrantengruppen nicht anfreunden. CSU-Generalsekretär Scheuer wirbt dafür, zur alten Regelung zurückzukehren. SPD, Grüne und Linke wiederum sind für weitere Liberalisierungen.
 

MiGAZIN

Die CSU will das von der großen Koalition liberalisierte Einwanderungsrecht wieder einkassieren. „Der Doppelpass wird immer mehr zum Regelfall, das wollen wir nicht, daher müssen wir zum alten Staatsbürgerschaftsrecht zurück“, sagte Generalsekretär Andreas Scheuer der Rheinischen Post. Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt bezeichnete die doppelte Staatsangehörigkeit als „Angebot, sich nicht festlegen zu müssen“. Die SPD wies den Vorstoß der CSU zurück.

Scheuer erklärte, nur Einwanderer, die lange in Deutschland lebten, sich gut integriert hätten und sich eindeutig zu den Werten und Prinzipien bekennen würden, könnten die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. „Der deutsche Pass ist kein Ramschartikel, den man als Zweitpass mal noch so mitnimmt“, sagte er. Forderungen der Grünen, jedem in Deutschland geborenen Kind automatisch den deutschen Pass zu geben, seien „völlig daneben“. Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte sich kürzlich dafür ausgesprochen, in Deutschland zur Welt gekommenen Kindern von Flüchtlingen automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft zu verleihen. SPD und Grüne unterstützten den Vorschlag.

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Wie sich Gott und die Wissenschaft vertragen

Bild: (c) Die Presse (Clemens Fabry)
Das Verhältnis von Religion und Wissenschaft ist nicht immer ohne Probleme. Auf den Universitäten macht sich das Spannungsfeld vor allem in den theologischen Studien bemerkbar – bei den Inhalten und bei der Personalauswahl.

Von Erich Kocina | Die Presse.com

Glauben gehört in die Kirche, Wissen auf die Universität – es wäre ein grobe Vereinfachung, diesen Satz einfach so stehen zu lassen. Doch tatsächlich stehen Religion und Wissenschaft in einem gewissen Spannungsfeld. Dann nämlich, wenn es um das Verhältnis der beiden zueinander geht. Wie sehr soll etwa die Religion in einer wissenschaftlichen Einrichtung mitbestimmen können? Eine Frage, die sich vor allem bei den theologischen Studien stellt – und genau darüber wird heute, Mittwoch, auch in Alpbach diskutiert. Vertreter von Universitäten, Religionsgemeinschaften und Bund sprechen über „Universitätsautonomie und Theologien“.

Nur ist die Theologie überhaupt eine Wissenschaft? „Natürlich“, sagt Oliver Henhapel, Leiter des Kultusamts im Bundeskanzleramt. „Letztlich geht es um Textinterpretation und historische Interpretation.“ Und natürlich haben theologische Studien auch eine spirituelle Dimension. Relevanter sei aber die Frage, wie sich die Freiheit der Wissenschaft und die Freiheit der Religion gegenüberstehen. Praktisch herunterbrechen lässt sich das auf die Frage der Autonomie, die die Theologie an der Uni von ihrer Religionsgesellschaft hat bzw. wie stark sie an sie rückgebunden ist.

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Polizei räumt Kirchenasyl in Münster

Ein Kirchenasyl in Münster ist offenbar gewaltsam geräumt worden.
 

evangelisch.de

Am Dienstagmorgen sei ein 31-jähriger Flüchtling aus Ghana, dem in im örtlichen  Kapuzinerkloster seit Juli Kirchenasyl gewährt wurde, von der Polizei abgeführt worden, erklärte Julia Lis vom Netzwerk Kirchenasyl Münster. Dabei sei auch Gewalt angewendet worden. „Die Räumung eines Kirchenasyls in Nordrhein-Westfalen ist ein ungeheuerlicher und in dieser Form einmaliger Vorgang“, kritisierte Lis.

Die Polizei bestätigte den Einsatz und eine Auseinandersetzung mit dem Ghanaer sowie die Verwendung von Handschellen. Ein Kollege sei von dem Mann gebissen worden und sei den weiteren Tag dienstunfähig, sagte ein Sprecher der Polizei Münster dem Evangelischen Pressedienst (epd). Verantwortlich für die Abschiebung sei die Ausländerbehörde, betonte der Polizeisprecher. Die Polizei sei lediglich für den Vollzug hinzugezogen worden.

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Dummenfang mit christlichen Fußball-Profis

jesus_schaukel

Regisseur Kadel gegenüber dem Kölner „Express“: Er sei von „katholisch.de“ gefragt worden, „wer von den sieben Spielern des Films denn katholisch wäre“. Als er keine Katholiken nannte, kam „die trockene Absage“ – „katholisch.de“ vermutet PR-Aktion

kath.net

„Und vorne hilft der liebe Gott“. So heißt der neueste Film David Kadels über christliche Fußballpromis in Deutschland. Der Christ ist TV-Moderator, Kabarettist, Autor („Fußball-Bibel“), Journalist und – last not least – Motivationscoach u.a. für Fußball-Profis und die Deutsche Leichtathletik-Nationalmannschaft. Kadel erhielt von Internetportal „katholisch.de“ erst eine Anfrage und dann eine Ablehnung, er machte dies gegenüber der Kölner Tageszeitung „Express“ öffentlich. „Ich habe mich gefreut, als ich per email die Anfrage erhielt, über meinen Film zu berichten“, sagte Kadel, „doch sofort kam die Frage, wer von den sieben Spielern des Films denn katholisch wäre. Als ich antwortete, dass es allesamt Christen seien, aber keiner katholisch ist, kam die Frage zu meiner Person. Ich bin evangelisch und erhielt schließlich die trockene Absage, dass es dadurch leider unmöglich sei über diesen christlichen Film zu berichten!“
Mit einem letzten Vorstoß, so berichtete der „Express“ weiter, habe Kadel „die Macher des Portals zu überzeugen“ versucht, „dass viele katholische Fußball-Fans sicher Freude an den Bekenntnissen von Kloppo und Co. hätten“ doch er habe als Antwort nur erhalten: „Kein Interesse“.

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NRW-Grüne wollen Zahlungen an Kirchen zum Wahlkampfthema machen

Bild: tilly
Bild: tilly
Die nordrhein-westfälischen Grünen haben ihre Forderung nach einer Beendigung der sogenannten Staatsleistungen erneuert, die der Staat den Kirchen als Entschädigung für frühere Enteignungen jährlich zahlt.
 

evangelisch.de

Dieser Punkt solle in die Wahlprogramme für die Bundes- und die Landtagswahl im kommenden Jahr aufgenommen werden, sagte der Grünen-Landesvorsitzende Sven Lehmann dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Montagsausgabe). Zur Begründung erklärte er: „Jedes Jahr zahlen die Steuerzahler in Deutschland über 500 Millionen Euro an die beiden großen Kirchen, ohne dass diese dafür eine Leistung erbringen müssen.“

Die Haushalte der Kirchen seien auf das Geld nicht angewiesen, und die zahlungspflichtigen Bundesländer könnten es für soziale Zwecke gut gebrauchen, sagte Lehmann. Im März hatte sich bereits eine Kommission der Grünen für eine zügige Ablösung der Staatsleistungen ausgesprochen. Sie fordert die Einsetzung einer Expertenkommission durch die Bundesregierung, die Gesetzesvorschläge erarbeiten soll.

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Evangelikale in Brasilien: Wie aggressive Predigten Gewalt säen

Der brasilianische Kongress. Dort haben evangelikale Parlamentarier immer mehr Macht. Das zeigte sich auch bei der Abstimmung über die Amtsenthebung gegen Präsidentin Dilma Rousseff. (picture alliance / dpa / Cadu Gomes)
In Brasilien sind evangelikale Strömungen schon länger auf dem Vormarsch. Doch jetzt herrscht in manchen Predigten eine hohe Aggressivität gegenüber dem traditionellen afrobrasilianischen Kult. Sie wird für die steigende Gewalt gegen deren Anhänger verantwortlich gemacht.

Von Ole Schulz | Deutschlandradio Kultur

„Mit der Hilfe von Gott, meiner Familie und aller Evangelikalen im Land, sage ich Tschau zur `Liebsten´ Dilma und der PT, der Partei der Finsternis! Und ich stimme mit Ja zum Impeachment gegen Dilma!“

Mitte April im brasilianischen Kongress. Der konservative evangelikale Pastor und Parlamentarier Marcos Feliciano beim umstrittenen Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff. Dass die Opposition die Abstimmung gegen die Arbeiterpartei deutlich gewinnt, liegt auch an den vielen Evangelikalen im Kongress.

„Die evangelikalen Parlamentarier bilden inzwischen eine eigene Fraktion. Ihren Einfluss hat man beim Impeachment gesehen. Und durch ihre politische Macht ist es ihnen gelungen, Genehmigungen für Radio- und Fernsehstationen zu erhalten. Sie haben eine große Medienmacht.“

So Ivanir dos Santos. Er ist der Vorsitzende der „Kommission zur Bekämpfung von religiöser Intoleranz“, einer nichtstaatlichen Organisation. Laut dos Santos hat sich das gesellschaftliche Klima in Brasilien mit dem Vordringen der Evangelikalen in Politik und Medien verhärtet.

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Gotteswahn olympisch: „100% Jesus“ – Neymars Stirnband wird zum Streitfall

Im Grunde hatte Neymar Jesus ohnehin wahrhaftig bei sich: Gabriel Jesus heißt sein Mitspieler, der hier (li.) mit ihm feiert. (Foto: Getty Images)
Die Regeln bei Olympia sind klar: Das IOC verbietet religiöse Botschaften im Wettkampf – dass Neymar Brasiliens Fußball-Gold missionarisch feiert, könnte ein Nachspiel haben.

Von René Hofmann | Süddeutsche.de

Wenn sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) an seine Regeln hält, muss es die brasilianische Olympia-Mannschaft wegen des Verhaltens von Fußball-Profi Neymar mindestens rügen. Der 24-Jährige, der im Finale gegen Deutschland den entscheidenden Elfmeter im Finale verwandelte und der Gastgeber-Nation so die ersehnte Gold-Medaille in dem Wettbewerb sicherte, streifte sich zur Siegerehrung ein weißes Stirnband über, auf dem vorne in dunkler Schrift deutlich zu lesen war: „100% Jesus“. Anschließend lief Neymar mit dem Band auf dem Kopf eine Ehrenrunde und posierte mit einem Kind für Fotos.

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Die Religion wird nicht aus Deutschland verschwinden

Hat die Religion in Deutschland noch Zukunft? (Foto: dpa)
Zwölf Millionen Mitglieder haben die Kirchen in Deutschland innerhalb einer Generation verloren. An der christlichen Prägung des Landes wird das nichts ändern.

Von Matthias Drobinski | Süddeutsche.de

Es müsste den christlichen Kirchen eigentlich gutgehen in Deutschland, in ganz Westeuropa. Die Katholiken können sich über einen Papst Franziskus freuen, dem die Herzen zufliegen, weit über seine Kirche hinaus, bescheiden, väterlich und kapitalismuskritisch, wie er ist. Die Protestanten stehen vorm großen Reformationsjubiläum, das am 31. Oktober losgeht; es wird viel öffentliche Aufmerksamkeit bringen und die Erkenntnis, dass es insgesamt doch sehr gut war, dass es die Reformation gab und nun die evangelische Kirche gibt. In der Flüchtlingskrise haben sich beide Kirchen als Anwälte der Heimatlosen und Schwachen profiliert, ihre Sozialarbeit wird geschätzt. Und jetzt, wo so heftig über den Islam und seine künftige Rolle im Land debattiert wird, müsste doch eigentlich die Besinnung auf ihre christlichen Wurzeln viele dazu bringen, dass sie mal wieder in die Kirche gehen und sich sagen: Hier ist es gut, hier mache ich mit.

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Archion: Kirchenbücher im Internet

Screenshot: bb
Screenshot: bb
Sie sind eine der wichtigsten Fundgruben für Ahnenforscher in Deutschland: Kirchenbücher enthalten seit dem 16. Jahrhundert akribisch notiert Namen und Daten zu Personen. Ein kirchliches Projekt stellt diese Bücher online.

Von Marcus Mockler | evangelisch.de

Die Vorfahren der meisten Deutschen sind in Kirchenbüchern verewigt. Taufen, Trauungen und Todesfälle finden sich dort präzise notiert. „Wir können jeden Evangelischen namentlich benennen“, sagt Harald Müller-Baur, Geschäftsführer der Kirchenbuchportal GmbH in Stuttgart. Ähnlich sehe es bei den Katholiken aus. Sein Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gesetzt, alle Kirchenbücher nach und nach im Internet verfügbar zu machen. Damit funktioniert Ahnenforschung auch vom heimischen Sofa aus.

Wer seinen Urgroßeltern und weiteren Menschen in der Ahnengalerie nachspüren will, braucht neben einem Internetanschluss zwei Informationen: einen möglichst genauen Namen sowie den Ort, in dessen Kirchenbuch dieser Name wahrscheinlich festgehalten ist. Denn bislang sind die Kirchenbücher lediglich als Fotos eingescannt und müssen am Bildschirm durchgeblättert werden. Eine Volltextsuche funktioniert nicht, man kann den Namen nicht im Kirchenbuchportal Archion „googlen“.

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