Streit um „Spaghettimonster“-Kirche geht in nächste Runde

Screenshot: http://www.pastafari.eu/
Screenshot: http://www.pastafari.eu/
Die „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“ kämpft weiter dafür, Schilder mit Hinweisen auf die „Nudelmesse“ aufstellen zu dürfen.
 

Berliner Morgenpost

Neue Volte im Streit um die Schilder der „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“. Weil die Gemeinschaft gern – wie die anderen Kirchen – im Ort Templin Hinweisschilder auf ihre Messe aufstellen will, hat deren Vorsitzender Rüdiger Weida Strafanzeige und einen Strafantrag gestellt. Und er geht gegen das Urteil des Landgerichts Frankfurt (Oder) in Berufung, wie der Sender „RBB“ berichtet.

Das hatte im April nämlich entschieden, es sei in Ordnung, dass der Brandenburger Landesbetrieb Straßenwesen das Aufstellen der Schilder verbiete. Auf den Schildern wurde die „Nudelmesse“ angekündigt – samt Angabe, wann diese in Templin stattfinde. Es handelt sich also um genau solche Schilder, wie es sie für evangelische und katholische Gottesdienste auch gibt.

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Forschern gelingt Durchbruch bei schwarzem Hautkrebs

Foto: Getty Images/Photographer’s Choice Schwarzer Hautkrebs bildet schnell Metastasen, die Tumorzellen zur Besiedlung lebenswichtiger Organe aussenden
Bösartige Melanome führen oft zum Tod. Forscher haben nun herausgefunden, wie sich dieser Krebs ausbreitet. Die Entdeckung soll helfen, Melanome zu einer „leicht heilbaren Erkrankung zu machen“.
 

DIE WELT

Alle 52 Minuten stirbt ein Mensch aufgrund bösartger Melanome. Israelische Krebsforscher haben nun in Kooperation mit Heidelberger Wissenschaftlern aufgedeckt, wie diese aggressivste Form des Hautkrebs‚ andere Organe befällt. Das könnte die Behandlung dieser oft lebensbedrohlichen Erkrankung revolutionieren, teilte die Universität Tel Aviv am Dienstag mit.

Die Forscher fanden heraus, dass maligne Melanome winzige Bläschen, sogenannte Vesikel, aussenden, um andere Organe auf den Empfang von Metastasen vorzubereiten. Zugleich fanden sie chemische Substanzen, die diesen Prozess unterbinden „und damit aussichtsreiche Elemente künftiger Medikamente werden können“, hieß es in der Mitteilung der Universität.

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„Schöne neue Welt?“: Frankfurter Zukunfts-Symposium 2016

Bild: RDF
Die Zukunft hat uns eingeholt. Maßstäbe, die gestern noch verbindlich waren, haben ihre Gültigkeit verloren. Ob wir wollen oder nicht: Leistungsfähige Elektronik, Gentechnik, Mikrochirurgie und die zunehmende Verschmelzung von Gehirn und Computer fordern das traditionelle Menschenbild heraus. Dieser Herausforderung stellt sich das „Frankfurter Zukunfts-Symposium“ (29.-30. Oktober 2016), das von der Goethe Universität Frankfurt in Zusammenarbeit mit der Giordano- Bruno-Stiftung und dem Ethikverband der deutschen Wirtschaft ausgerichtet wird.

Richard Dawkins-Foundation

Wie sieht es aus mit den Auswirkungen der Technik auf den Menschen? Perfektioniert sie ihn oder macht sie ihn ersetzbar? Und welche Rolle spielen ethische Argumente gegenüber wirtschaftlichen und politischen Interessen? Können uns traditionelle Ethiken bei der Bewältigung zukünftiger Herausforderungen behilflich sein oder benötigen wir eine neue, postkonventionelle Ethik? Das im Turnus von zwei Jahren angesetzte „Frankfurter Zukunfts-Symposium“ soll unser Bewusstsein schärfen für intellektuelle Modelle und Strategien, die uns befähigen, Schritt zu halten mit der sich immer weiter verselbstständigenden Entwicklung autonomer technischer Systeme und Hilfsmittel für das menschliche Leben.

Folgende Referenten werden am Symposium teilnehmen:

Prof. Dr. Dieter Birnbacher
Prof. Dr. Michael Braungart
Prof. Dr. Klaus-Jürgen Grün
Dr. Dr. Michel Friedman
Ingrid Häußler
Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf
Mathias Horx
Dr. Irina Kummert
Prof. Dr. Reinhard Merkel
Prof. Dr. Thomas Metzinger
Dr. Michael Schmidt-Salomon
Prof. Dr. Stefan Lorenz Sorgner
Prof. Dr. Franz Josef Wetz
Prof. Dr. Christiane Woopen

Moderation: Thomas Forwe, Michel Friedman, Gert Scobel

Das Programm des Frankfurter Zukunfts-Symposiums umfasst drei Themenblöcke: 1. Apokalypse No! – Die offene Zukunft und ihre Feinde, 2. Virtuelle Realitäten und intelligente Roboter: Gefahren und Chancen der Digitalisierung, 3. Die Würde des Menschen ist … ungeklärt: Bio-Technologie und ihre Konsequenzen. Weitere Informationen zum Veranstaltungsprogramm finden Sie hier!

Das Frankfurter Zukunfts-Symposium vom 29. bis 30. Oktober 2016 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main Campus Westend (Hörsaal HZ 5, Theodor-W-Adorno-Platz 5, 60323 Frankfurt) beginnt am Samstag um 9:00 Uhr. Der Eintritt ist frei, für die Teilnahme am Kongress ist eine vorausgehende Anmeldung (über dieses Webformular) allerdings unbedingt erforderlich! Weitere Informationen (Programm, Anmeldung, Hotelempfehlungen) gibt es auf der Website zum Kongress: www.zukunftssymposium.de

Hier geht’s zum Originalartikel…

RDF Talk – Interview mit Uwe Lehnert

Warum ich kein Christ sein willProf. Uwe Lehnert ist emeritierter Universitätsprofessor, hat ein naturwissenschaftliches, technisches und erziehungswissenschaftliches Studium absolviert und war bis 2002 an der Freien Universität Berlin Lehrstuhlinhaber für Bildungsinformatik und Bildungsorganisation im Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie.

Von Richard Dawkins-Foundation

Uwe Lehnert ist Autor auf dem Gebiet der Bildungsinformatik und befasste sich nachberuflich mit Religionskritik. Sein religions- und kirchenkritisches  Buch »Warum ich kein Christ sein will« – Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung erschien 2015 in 6. Auflage.

RDF: Herr Lehnert, wurden Sie in ihrer Kindheit von einem stark religiösen Umfeld oder eher von einer orientiert indoktrinierten »Lightfassung« beeinflusst?

Uwe Lehert: Mein Vater war zeitlebens ein sehr kirchenkritisch eingestellter Mensch, meine Mutter war Katholikin, aber eher liberal in ihren Auffassungen, wenn der Begriff »liberal« im Zusammenhang mit »katholisch« überhaupt sinnvoll erscheint. Ich habe während der Schulzeit immer am Religionsunterricht teilgenommen, man konnte sich im Nachkriegsdeutschland dem ja kaum entziehen. Aber den sonntäglichen Kirchgang gab es in unserer Familie nicht. Allerdings wurde ich auf heftiges Drängen einer der Großmütter mit 14 Jahren zusammen mit meinen drei anderen Geschwistern evangelisch getauft. Meine Konfirmation folgte dann drei Jahre später.

Gab es ein Schlüsselerlebnis oder war es ein längerer Prozess, der Sie von einer religiösen hin zur naturalistischen Weltsicht führte?

Ein Schlüsselerlebnis, das schlagartig alles geändert hätte, hatte ich nicht. Aber eine skeptische Grundhaltung lag schon recht früh vor. Sie wurde im Konfirmandenunterricht verstärkt, als ich dem Pfarrer widersprach. Er meinte, dass Jesus ein unendlich großes Opfer für uns gebracht hat, weil er sich für uns am Kreuz töten ließ. Als ich daraufhin meinte, dass das Opfer so groß auch nicht wäre, weil er doch wusste, bald wieder aufzuerstehen, wurde ich so niedergeschrien, dass ich lange Zeit nicht mehr wagte, irgendetwas zu fragen, geschweige denn zu widersprechen. Ein zweiter Vorfall löste noch größere Vorbehalte gegen die christliche Lehre und Kirche aus, als ich einem Pfarrer im Religionsunterricht der Oberstufe vorhielt, dass er nur behaupten könne, dass es Gott gäbe und dass Jesus Gottes Sohn sei. Daran könnte ich jedenfalls nicht glauben. Daraufhin bekam ich eine solche Ohrfeige, dass ich in die Schulbank flog. Später allerdings entschuldigte er sich dafür und »belohnte« mich mit einer Eins in Religion wegen meines Mutes, wie er meinte.

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„Sie müssen sich eingestehen, mit der falschen Person verheiratet zu sein“

„Ein bisschen mehr Skeptizismus gegenüber Gefühlen wäre hilfreich“, sagt Alain de Botton. (Foto: Mathias Marx)
Warum trennen sich Paare heute so schnell? Und was ist das Geheimnis wahrer Liebe? Der Philosoph Alain de Botton hat verstörende Antworten.

Von Thorsten Schmitz | Süddeutsche.de

Sie haben noch nie von Alain de Botton gehört? Dann versuchen Sie mal, einen Termin zu bekommen! Drei Monate hat es gedauert, bis der Bestseller-Autor („Wie Proust Ihr Leben verändern kann“) und Philosoph für die SZ zu sprechen war. Er kommt gerade von einer Lesereise in den Vereinigten Staaten an Ost- und Westküste und in Australien. Sein neuestes Buch heißt „Der Lauf der Liebe“ – und alle Welt möchte jetzt vom Alltagsexperten de Botton wissen: Wie schafft man das, eine glückliche Beziehung zu führen?

De Botton lebt in London, im feinen Stadtteil Belsize Park. Er leitet in sein karges Arbeitszimmer, es gibt keinen Tee, sondern eine Flasche Sprudelwasser, die muss reichen. Die vor drei Monaten gebuchte Zeit fürs Gespräch nimmt er sich wach und konzentriert, aber nach der vereinbarten Stunde beginnt er auf die Uhr zu schauen. Morgen muss er nach Italien fliegen, Google-Chef Eric Schmidt hat ihn gebeten, auf einem Managertreffen über Liebe zu reden.

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Rio Reiser und die Religion

Rio Reiser, der eigentlich Ralph Christian Möbius hieß, auf einem Bild aus den späten 80er-Jahren. (Imago Stock & People)
So wenig der vor 20 Jahren verstorbene Rio Reiser auch mit der Amtskirche anfangen konnte, so stark sei sein Interesse für Religion gewesen, sagt sein Biograph Hannes Eyber. Der Sänger habe jeden Tag in der Badewanne die Bibel gelesen.
 

Hannes Eyber im Gespräch mit Philipp Gessler | Deutschlandradio Kultur

Philipp Gessler: Gestern vor 20 Jahren starb auf einem Hof in Schleswig-Holstein, im nordfriesischen Fresenhagen, Rio Reiser mit gerade einmal 46 Jahren. Reiser, mit bürgerlichem Namen Ralph Christian Möbius, war einer der bedeutendsten Liedermacher deutscher Sprache in den 70er- bis 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, eine Ikone der linken Szene, gerade in Berlin, vor allem im alternativen Kreuzberg. Nicht besonders bekannt ist Rio Reisers religiöse oder spirituelle Seite, obwohl sie einen in seinen Liedtexten manchmal geradezu anspringt. Über diesen Aspekt habe ich mit Hannes Eyber gesprochen. Eyber war ein Freund Rio Reisers und hat mit ihm seine Autobiographie „König von Deutschland“ geschrieben. Meine erste Frage an Eyber war, ob er noch häufig an seinen alten Freund Rio denke.

Hannes Eyber: Ja, also, ich meine, das war schon eine sehr intensive Zeit, und als ich da die Nachricht bekam, dass er gestorben ist, das hat mich nicht nur beeindruckt, sondern sehr traurig gemacht. Eigentlich war er so eine Art Lebensgefährte, was mein eigenes Leben betraf.

Ein sexueller Leidensweg

Gessler: Darf ich Sie direkt fragen – Lebensgefährte auch im Sinne von …

Eyber: Nicht in erotischer Art. Also da waren wir grundverschieden, aber ich hatte dadurch, dass wir eine sehr intensive Nähe hatten, so habe ich seinen sexuellen Leidensweg doch wahrgenommen und mitbekommen.

Gessler: Aber es war ja nicht nur ein Leidensweg. Er hatte ja Freunde.

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EU: Umverteilung der Flüchtlinge kommt nicht voran

Piräus, 2015. Foto: Wassilis Aswestopoulos
Flüchtlinge und Migranten kommen mittlerweile nicht nur an griechischen Grenzinseln an. Auch um die zentral gelegene Peloponnes herum, bei Kalamata, gab es die Ankunft eines Holzkahns mit 67 Flüchtlingen und Immigranten. Sogar auf der nur für begüterte Touristen erreichbaren Kykladeninsel Mykonos kam ein Dutzend von ihnen an.

Von Wassilis Aswestopoulos | TELEPOLIS

Die gegenüber der Türkei liegenden Inseln haben derweil täglich die Ankunft von knapp 150 Personen zu vermelden. Das ist immer noch weniger als die Tausenden des Vorjahres, jedoch scheint sich im gesamten Land eine Hysterie rund um die Flüchtlingsfrage zu entwickeln.

Bischof angezeigt

Ein Novum im griechischen politischen Leben ist, dass der Bischof von Chios, Markos, sich wegen einer Anzeige des Verstoßes gegen den Antirassismusparagraphen verantworten muss. Der Bischof hatte von der Kanzel aus gegen Flüchtlinge, Immigranten aber auch gegen die standesamtliche Trauung gehetzt. „Unsere Politiker haben die Hosen herunter gelassen und machen Bücklinge“, zeterte er, „es gibt keine Flüchtlinge, nur illegale Einwanderer“, verkündete er von der Kanzel.

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Absolute Religionsfreiheit gibt es nicht

Frauen mit Gesichtsschleier sind in deutschen Städten eine Ausnahmeerscheinung / picture alliance
Rechtsstaat oder Religionsfreiheit, was ist wichtiger? Für Alexander Grau ist die Sache klar: bereits heute steht das Strafrecht über religiösen Normen und Geboten. Der deutsche Staat sollte aufhören, sich bei Religionsgemeinschaften anzubiedern.

Von Alexander Grau | Cicero

Nun ist sie also offiziell: Die „Berliner Erklärung“, in der die CDU-Innenminister ein Verschleierungsverbot im öffentlichen Raum fordern, ein „Burka-Verbot light“, wie umgehend gespottet wurde.

Eine interessante Entwicklung, ist es doch erst wenige Tage her, dass Bundesinnenminister de Maizière ein Burka-Verbot verfassungsrechtlich für bedenklich hielt. Er betonte, man könne nicht alles verbieten, was man ablehne. Ähnlich hatte sich SDP-Chef Gabriel geäußert. Ob der sich allerdings ähnlich wendig zeigen wird wie de Maizière, bleibt abzuwarten. Sein Vize, Ralf Stegner, hatte noch letzte Woche zu Protokoll gegeben, ein Verschleierungsverbot sei mit der Religionsfreiheit nicht zu vereinbaren.

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Gesunder Menschenverstand – Ach was

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Er ist ein mächtiger Helfer in der Diskussionsnot. Selbst wenn man keine Argumente hat und auf verlorenem Posten steht, wenn die hässliche Frage nach dem Warum gestellt wird, wenn einem nichts mehr einfällt. Dann ist er stets zur Stelle. Bei jedem Thema. Ohne Ausnahme. Wie ein Notheiliger. Der Joker. Zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. Der gesunde Menschenverstand.

Von Heinrich Schmitz | DIE KOLUMNISTEN

Ich hatte dem vor ein paar Jahren bei The European schon mal eine gehörige Breitseite verpasst, aber der Kerl ist nicht tot zu bekommen, dabei ist er nur ein elender Blender und Betrüger. Ein talentierter Mr. Ripley der Diskussionskultur.

Immer wieder wird behauptet, der gesunde Menschenverstand sage irgendetwas. Das ist eine plumpe Lüge. In Wirklichkeit sagt nur derjenige etwas, der behauptet, der gesunde Menschenverstand habe ihm etwas geflüstert. Das soll seiner Aussage mehr Gewicht verleihen, als sie in Wirklichkeit hat. Früher konnte man noch erzählen, man habe seine absoluten Weisheiten im unmittelbaren Gespräch mit Gott erhalten und sie in Stein gemeißelt vom Berg geschleppt, aber das ist heute zu gefährlich. Da landet man sehr schnell in der Psychiatrie, selbst wenn es denn wahr wäre. Göttliche Nachrichten gelten heute als suspekt. Also nennt man stattdessen den gesunden Menschenverstand als Quelle seiner Erkenntnis und macht ein wichtiges, bedeutsames Gesicht dazu. Oder das, was man dafür hält.

Der gesunde Menschenverstand und ein bisschen finanzielle Bildung reichen völlig aus.

meint z.B. Christian W. Röhr, Gründer der Internetplattform Dividenden-Adel. Komischer Name, denn in manchen Regionen Deutschlands bedeute Adel auch Gülle. Aber egal, dann versuchen Sie mal damit Ihr Geld zu vermehren. Wenn’s nicht klappt, war Ihr Menschenverstand vermutlich ein wenig kränklich. Aber Sie hätten dann immerhin eine wichtige Erfahrung gemacht: Ihr Geld ist futsch.

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Kasseler Ortsgruppe der GBS übernimmt Kirchenaustrittsgebühr

ehem. Dominikanerkirche in Maastricht, jetzt Buchhandlung und Kaffeehaus
ehem. Dominikanerkirche in Maastricht, jetzt Buchhandlung und Kaffeehaus
Sie werben für die Gottlosigkeit und wollen nun zunächst für zehn Kirchenmitglieder deren Austrittsgebühr übernehmen: Die Kasseler Ortsgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung.

Von Bastian Ludwig | HNA

Am morgigen Samstag präsentiert sie sich ab 11 Uhr an einem Infostand auf dem Friedrichsplatz. Der Zusammenschluss von Atheisten, Religionskritikern und Naturalisten glaubt, dass viele Menschen aus reiner Faulheit der Kirche nicht den Rücken kehren.

Ein wirtschaftlicher Anreiz sei die Übernahme der 25 Euro Verwaltungsgebühr für den Austritt nicht, gibt Christian Hachmann von der Giordano-Bruno-Stiftung aus Kassel zu. Mit der Aktion wollten er und seine Mitstreiter dennoch Menschen dazu ermuntern, den Schritt zu gehen. „Viele sind seit ihrer Geburt in der Kirche und vermutlich nur aus reiner Trägheit nicht ausgetreten“, sagt Hachmann.

Zwar verlören die Kirchen auch ohne das Zutun der Stiftung Mitglieder, aber der Prozess könne beschleunigt werden. Besonders die Taufen seien kritisch zu werten. „Eltern würden für ihr Kind auch niemals eine Parteimitgliedschaft abschließen, bevor es sich dazu äußern kann“, sagt Hachmann. Seine Stiftung – die Evolution und Schöpfungsglauben für unvereinbar hält – könne eine Ersatzgemeinde für die Ungläubigen sein.

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Drastischer Rückgang: Weniger „illegale“ Einreisen im ersten Halbjahr

Grenze zur Bundesrepublik Deutschland © Manolo Gómez @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Die Zahl „illegaler“ Einreisen nach Deutschland sinkt deutlich. Im ersten Halbjar 2016 wurden 12.700 Menschen registriert. Im gesamten Vorjahr waren es zehnmal so viele.

MiGAZIN

Die Zahl der Menschen, die ohne gültige Papiere nach Deutschland einreisen, sinkt. Im ersten Halbjahr 2016 hat die Bundespolizei nach einem Bericht der Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe bei Kontrollen 12.710 Fälle festgestellt. Im gesamten vergangenen Jahr wurden 128.655 Fälle entdeckt. Die Zeitung beruft sich auf die Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Parlamentsanfrage.

Die in diesem Jahr von der Bundespolizei kontrollierten Menschen ohne gültige Papiere kamen dem Bericht zufolge vor allem aus Afghanistan, Syrien und dem Irak. Im ersten Halbjahr 2016 haben Bundespolizisten demnach rund eine Million Menschen wegen des Verdachts auf Einreise ohne gültige Papiere kontrolliert. Im vergangenen Jahr gab es knapp drei Millionen Kontrollen.

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Vom Freidenker zum Humanisten: Die Kirche der Konfessionslosen

Der deutsche Philosoph und Zoologe Ernst Haeckel, einer der geistigen Leuchttürme der Freidenker (picture alliance / dpa)
Freidenker, die sich gegen religiöse oder kirchliche Autoritäten auflehnen, hat es immer gegeben. Aber im 19. Jahrhundert haben sie sich erstmals organisiert. Heute versucht der Humanistische Verband jenen, die sich als konfessionsfrei verstehen, weltanschauliche Orientierung zu geben. Humanisten betreiben so etwas wie eine säkulare Diakonie.
 

Von Doris Arp | Deutschlandfunk

„Kaufen, was einem die Kartelle vorwerfen, lesen, was einem die Zensoren erlauben; glauben, was einem die Kirche und Partei gebieten. Beinkleider werden zurzeit mittelweit getragen. Freiheit gar nicht.“

Der Journalist und Schriftsteller Kurt Tucholsky nahm sich Anfang des vergangenen Jahrhunderts die Freiheit und machte sich seine eigenen Gedanken. Die macht sich auch Joachim Kahl, einst Freidenker und heute Mitglied im Humanistischen Verband Deutschland.

„Man könnte sagen ein Freidenker ist ein Freigeist, ein Mensch, der sich nicht durch Autoritäten, speziell religiös-kirchlicher Art bevormunden lässt, sondern eben seinen eigenen Verstand, die eigene Vernunft nutzt, um seinen Reim auf die weltlichen und anderen Dinge zu machen.“

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Warum müsst ihr mitteilen, homosexuell zu sein?

Offensichtlich lesbisch.Foto: picture alliance / dpa
Die Kolumne im Queerspiegel: Heteros fragen, Homos antworten. Heute mit einer Frage zum Öffentlichmachen von Homosexualität.
 

Von Anja Kühne | DER TAGESSPIEGEL

Immerzu lese ich von Prominenten, die sich geoutet haben. Auch Kollegen von mir haben das getan. Warum müsst ihr ständig mitteilen, dass ihr homosexuell seid? – Anke, Heiligensee

Ich erinnere mich an eine Karikatur, die zwei Schwule im Café zeigt. Einer sagt zur Kellnerin: „Erstens sind wir schwul, zweitens hätten wir gerne zwei Himbeereis mit Sahne.“ Die Botschaft: Der Drang zur Selbstoffenbarung kennt bei Schwulen keine Grenzen, noch im unpassendsten Moment drängen sie wildfremden Leuten ihre Sexualität auf.

So wie der/die Karikaturist_in denken offenbar viele Heterosexuelle. „Die sexuelle Orientierung ist doch Privatsache!“, heißt es oft – warum müssen Schwule und Lesben also unbedingt am Arbeitsplatz ihre Homosexualität mitteilen, wo sich doch Heterosexuelle auch nicht öffentlich über ihr Intimleben auslassen?

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Pierre Bayle über Toleranz: Toleranz ist keine Gnade, sondern Vernunft

Nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes: Der Temple de Charenton, eine protestantische Kirche, wird abgerissen. Foto: imago/Leemage
Der andere ist ein Wesen gleich uns, auch wenn er aus unserer Sicht irrt: Die Schrift des hugenottischen Philosophen Pierre Bayle über die Religionsfreiheit ist immer noch und immer wieder aktuell.
 

Von Markus Schwering | Frankfurter Rundschau

Der eine Herr gewährte es, der andere nahm es wieder: Hatte der zum Katholizismus übergetretene König Heinrich IV. 1598 im Edikt von Nantes den calvinistischen Protestanten im katholischen Frankreich religiöse Toleranz und volle Bürgerrechte gewährt, so machte es sein Nachfolger Ludwig XIV. 87 Jahre später rückgängig.

Fixiert auf die absolutistische Uniformität seines Staatswesens und den päpstlichen Bündnispartner, beraubte er die Hugenotten sämtlicher religiöser und bürgerlicher Rechte. Das Ergebnis: Innerhalb weniger Monate flohen Hunderttausende außer Landes, unter anderem auch nach Preußen, wo sie zum entscheidenden Ferment beim wirtschaftlichen Aufbau des jungen Hohenzollernstaates wurden.

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A New George Carlin Album Will Be Out Next Month, Eight Years After His Death

Screenshot via YouTube
George Carlin recorded his special Complaints and Grievances on November 17, 2001. As with all of his albums, he had been working on the material for much of the previous year, testing out various permutations of the jokes on the road leading up to the big event. And a bit called “I Kinda Like It When a Lot of People Die” ended up on the cutting room floor after September 11 for obvious reasons. (That was also going to be the title of the special before the tragedy.)

By Hemant Mehta | Fiendly Atheist

That routine, in which Carlin discussed his joy in witnessing disasters likes famines and tornadoes, along with never-before-heard interviews and comedy bits, will be released by his estate next month as part of a new album (using that same original title).

You can hear some of the controversial bit below — the recording was made on the day before 9/11. It becomes apparent rather quickly why Carlin decided not to include this routine when he recorded his special:

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Syrien: Manbij vom IS befreit

Bild: heise.de
73 Tage dauerte der Kampf um die strategisch wichtige Stadt Manbij in Nordsyrien. Seit 2014 waren die Stadt und die umliegenden Dörfer in der Hand des IS. Die Syrian Democratic Forces (SDF) haben am Wochenende mit US-Luftunterstützung aus der Stadt die letzten IS-Kämpfer vertrieben und damit dem IS den letzten direkten Nachschubweg aus der Türkei abgeschnitten.

Von Elke Dangeleit | TELEPOLIS

In den Straßen von Manbij wurde gefeiert. Frauen verbrannten die Gesichtsschleier, zündeten sich Zigaretten an, Männer ließen sich öffentlich ihre Bärte abrasieren, die Menschen liefen freudestrahlend durch die Straßen. Auf den Bildern, die uns erreichen, sind erleichterte und freudestrahlende Gesichter zu sehen.

Am 01. Juni 2016 begann unter dem Kommando des Militärrats von Minbic die Operation „Abu Leyla“, benannt nach dem gefallenen Kommandanten der SDF. Er fiel am 5. Tag der Offensive. Sie war ein voller Erfolg – aber auch sehr verlustreich. Große Teile der Stadt sind zerstört, ungefähr 280 SDF-Kräfte wurden getötet, darunter auch einige Internationalisten.

Aber SDF-Kämpfer Ebu Eli aus Manbij ist glücklich. Er hat seine Stadt mit aus den Fängen des IS befreit. 7 Mitglieder seiner Familie wurden vom IS ermordet. Er rief die arabische Jugend auf, das Manbij Military Council zu unterstützen und für ein demokratisches und freies Syrien zu kämpfen.

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„Der Islam ist nicht mehr Weltreligion, sondern Sekte“

Bild: HUFFPO Religion
Bild: HUFFPO Religion
Der Islam hat seine Seele verloren, ist in Eindimensionalität und Gewalt gefangen. Er könnte sich mit Demokratie und Humanismus versöhnen – wenn die Muslime wollten, so Schriftsteller Zafer Senocak.

Von Andrea Seibel | DIE WELT

Die Welt:

Die Türkei ist in diesen Tagen sinnbildlich rot. Sie besteht aus einem Meer von roten Fahnen. Rot ist die Farbe der Liebe, aber auch des Blutes. Was wogt da?

Zafer Senocak: Die Türkei ist in Aufruhr. Täglich sterben dort Menschen oder verlieren ihre Lebensgrundlage. Ob durch Terror, einen brutalen Putschversuch, staatliche Willkür, das dürfte den Betroffenen egal sein. Wird ein solches Land gut regiert? Diese Frage müssten wir uns stellen. Rot ist die Farbe des Patriotismus in der Türkei. Doch was bedeutet die Liebe zum Vaterland? Ich frage mich, ob diese ganze Märtyrerrhetorik nicht ein Mittel der Machthaber ist, um sich aus der politischen Verantwortung zu stehlen.

Die Welt: Auch in Deutschland gingen besonders die jungen Türken der dritten Generation auf die Straßen. Was uns befremdete, weil wir es wie eine Illoyalität empfanden. Wieso?

Senocak: In Deutschland leben über eine Million türkische Staatsbürger. Es ist nicht verwunderlich, dass sie sich für die Belange ihres Heimatlandes interessieren und sich dort politisch engagieren. Eine unserer Lebenslügen ist, dass alle Türken in Deutschland zu Deutschen geworden sind, dem ist nicht so. Das trifft sicher auf eine Hälfte der Türken zu, aber eben nicht für alle. Es gibt eine türkische Diaspora in Europa. Das ist eine Tatsache.

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Boris Palmer: Ich bleibe dabei, kriminelle Flüchtlinge müssen wir abschieben

Foto: dpa „Einen moralischen Anspruch auf Hilfe ohne die gleichzeitige Verpflichtung zur Achtung des Helfenden gibt es nicht“, sagt Boris Palmer
Ich bin Rebell, ich bin Mathematiker, und deshalb sage ich: Nur wenn wir straffällige Asylbewerber hart anfassen, können wir mehr Syrer zu uns holen. Das ist weder rassistisch noch unmenschlich.

Von Boris Palmer | DIE WELT

Im Alter von etwa sieben Jahren war ich zu Besuch bei meinem Vater. Im Gefängnis. Wir, meine Mutter, mein kleiner Bruder und ich, wurden in eine Besuchszelle geführt, die in der Mitte durch eine Panzerglasscheibe getrennt war. Ein Beamter protokollierte auf der anderen Seite jedes Wort. Der engste Kontakt war Handauflegen am Panzerglas.

Mein Vater war ein Rebell. Er wurde dafür verurteilt, Unfallstellen an Straßen eigenmächtig zu entschärfen oder Beamte, die er für unfähig hielt, zu beleidigen – zugegebenermaßen wüst. Für das, was er unter Zivilcourage und Meinungsfreiheit verstand, verbrachte er 423 Tage im Gefängnis.

Seit ich mich im Herbst in einen Widerspruch zur Flüchtlingspolitik der Kanzlerin und implizit zur Programmatik meiner Partei begeben habe, merke ich, wie stark solche Erlebnisse prägen.

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Frei heißt nicht völlig beliebig

Julian Baggini Ich denke, also will ich Aus dem Englischen von Elisabeth Liebl Verlag: dtv, München 2016 ISBN: 9783423280839 16,90 €
Julian Baggini
Ich denke, also will ich
Aus dem Englischen von Elisabeth Liebl
Verlag: dtv, München 2016
ISBN: 9783423280839
16,90 €

Haben wir einen freien Willen? Oder ist jede unserer Entscheidungen vorgegeben durch Gene, Epigenetik, Erziehung, Erfahrungen und Umwelt? Trifft unser Gehirn die Entscheidungen gar ohne, dass wir bewusst daran mitwirken, wie manche neurowissenschaftlichen Studien nahelegen? Und falls ja, was würde das für unsere Vorstellungen von Moral und Verantwortung bedeuten?

Von Elena Bernard | Spektrum.de

Der Philosoph und Journalist Julian Baggini gibt in diesem Werk einen Überblick über einschlägige naturwissenschaftliche Forschungen, philosophische Überlegungen und ethische Betrachtungen. Sein Fazit: „Die allgemeine Vorstellung von Willensfreiheit, die die Wissenschaft uns absprechen will, war immer schon falsch.“ Willensfreiheit, argumentiert er, bedeute nicht, dass wir vollkommen unabhängig von genetischer und sozialer Prägung handeln könnten. Wer beispielsweise auf Grund von Erziehung und Lebenserfahrung davon überzeugt sei, dass jedes Leben wertvoll ist, der könne nicht aus heiterem Himmel einen Menschen ermorden. Doch eine solche Wahlfreiheit sei auch gar nicht erstrebenswert. Vielmehr gehe es beim freien Willen darum, dass wir so handeln können, wie es unseren Werten, Überzeugungen und Zielen entspricht – auch wenn das unter Umständen dazu führt, dass nur eine einzige Option in Frage kommt. Eine freie Entscheidung kann durchaus vorhersehbar sein und setzt nicht notwendig voraus, dass wir auch hätten anders handeln können.

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