Religiotisch: Suchmaschine „Hulbee zensiert Sex“

Suchmaschine "Hulbee". Screenshot: bb
Suchmaschine „Hulbee“. Screenshot: bb

Die Welt des christlichen Fundamentalismus ist retardiert. Sex etwas übles und Pornografie geht schon gar nicht. Bekannt ist, dass aus dem amerikanischen „Bible Belt“, schlicht der Playground des evangelikalen Weltverständnisse, die meisten Zugriffe auf Porno-Webseiten im Internet kommen, die meisten Schwangerschaften unter Jugendlichen auftreten und ebenso die meisten Abbrüche. Bibel-Fundis in Deutschland können aufatmen, die größere Dislozierung lässt solche Analysen, wie in den USA, unmöglich erscheinen.
Also schafft man eine Suchmaschine, weil ja die Datenkrake Google die Pornoschleuder schlechthin ist und Kinder übersexualisiert werden. Sex ist böse, gut nur, wenn er der Fortpflanzung dient und eine Familie dahinter steht. Der eigenen Homophobie kann man dann wundervoll frönen.
Gibt man in die Suchmaschine den Begriff „Sexualität“ ein, kommen die im Screenshot dargestellten Ergebnisse, das linke Bild ist dann auch für die lieben Kleinen, Herzijesulein sichtbar.

Pappa geht dann heimlich auf die einschlägigen Pornoseiten und weil Mama nicht kann, wird kräftig einer runtergeholt. Christliche Bigotterie. Hodenhasser und lebende Retros wollen zurück in die Wüste.

«Meine Brust, meine Rechte»: Hunderte von Müttern stillen aus Protest auf der Strasse

(Bild: Keystone)
Mit einem Massen-Stillen haben Hunderte von argentinischen Müttern für das Recht demonstriert, ihrem Kind öffentlich die Brust geben zu dürfen.

Neue Zürcher Zeitung

Auf Spruchbändern in Buenos Aires standen Slogans wie «Meine Brust, meine Rechte» oder «Stillen steht nicht zur Debatte».

Bei der Aktion auf einem Platz der Hauptstadt Buenos Aires zeigten die Frauen am Samstag (Ortszeit) ihren Unmut über die Festnahme einer jungen Mutter wegen öffentliche Stillens in der vergangenen Woche. Auch ausserhalb der Hauptstadt gingen argentinische Frauen am Samstag wegen des Vorfalls auf die Strasse.

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Schwuler Imam auf dem Christopher Street Day

Vor dem CSD Berlin diskutieren Vertreter von Religionsgemeinschaften über Homosexualität (picture alliance / dpa – Britta Pedersen)
Ein homosexueller Imam aus Frankreich erzählt von seinen Erlebnissen. Nicht nur muslimische Homosexuelle kämpfen um Anerkennung: Vertreter mehrerer Religionsgemeinschaften sind vor dem Christopher Street Day in Berlin zu einem runden Tisch zusammengekommen, um über ihr Verhältnis zum Thema Trans-, Bi-, und Homosexualität zu diskutieren.

Deutschlandfunk

„Es kann nicht dem Selbstverständnis von Gläubigen und Mitgliedern von Weltanschauungsgemeinschaften entsprechen, sich über die Abgrenzung zu und die Ausgrenzung von homosexuellen und transgeschlechtlichen Menschen zu definieren“, heißt es in der Schöneberger Erklärung für Vielfalt und Respekt, die die Teilnehmer des Runden Tischs gestern in Berlin unterzeichnet haben. Dazu zählten unter anderem Vertreter der Alt-Katholischen Kirche, der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, des Liberal-Islamischen Bunds und des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus. Niemand dürfe dazu genötigt werden, sich zwischen seinem Glauben und seiner sexuellen Identität entscheiden zu müssen. Das gelte auch für die jeweiligen Beschäftigten und Ehrenamtlichen.

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Quidditch-WM in Deutschland: Muggels auf Harry Potters Besen

© Isabella Gong Beim Quidditch geht es ordentlich zur Sache – wie hier im Duell zwischen den Boston Night Riders und Rochester United.
Was bei Harry Potter als Phantasie begann, ist nicht nur an amerikanischen Unis zur Realität geworden. Quidditch ist zu einem ernsthaften Sport geworden. Nun findet die dritte WM statt – in Deutschland.
 

Von Robin Knapp | Frankfurter Allgemeine

Das Japan-Festival in einem Park in Boston an der Ostküste der Vereinigten Staaten hat viele auffällig gekleidete Menschen angelockt: Mit Perücken, Umhängen und geschminkten Gesichtern huldigen die Manga-Anhänger ihren Helden aus den japanischen Comics. Gleich nebenan eine Gruppe, die in die merkwürdige Szenerie passt. Sie betreibt Sport, doch auch der sieht aus wie aus einer anderen Welt.

Die Spieler halten zwischen ihren Beinen: Besen, und es gibt nur ein bekanntes Spiel, das auf einem Besen sitzend gespielt wird: Quidditch, der Sport aus den Harry-Potter-Romanen von Joanne K. Rowling. Aber das hier ist kein Harry-Potter-Fantreffen. Das sieht nach ernstem Sport aus. Bälle fliegen durch Ringe, junge Männer und Frauen laufen über das Spielfeld und liefern sich harte Zweikämpfe. „Wir sind an einem Punkt, an dem Quidditch keine erfundene Sportart mehr ist, sondern eine tatsächliche, wettkampfmäßige Vollkontaktsportart“, sagt Jayke Archibald von den Boston Night Riders.

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Mehr als 1.600 Homo-Ehen 2015 in NRW geschlossen

Bild: bpb.de
Bild: bpb.de
Auf den Standesämtern in Nordrhein-Westfalen haben im vergangenen Jahr 1.663 Paare eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft geschlossen.

evangelisch.de

Das war ein Rückgang um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das statistische Landesamt am Donnerstag in Düsseldorf mitteilte. Die Daten zur Beurkundung von Homo-Ehen werden seit 2014 erhoben. Insgesamt gaben sich 2015 in NRW 857 weibliche und 806 männliche Paare das Ja-Wort, wie es weiter hieß. Die Frauen waren dabei im Durchschnitt 40,6 Jahre alt, die Männer 43,4 Jahre. Eheschließende waren dagegen zum Zeitpunkt der standesamtlichen Trauung mit 34,5 bzw. 37,3 Jahren um etwa sechs Jahre jünger. Der Altersunterschied der Lebenspartner lag bei 30 Prozent der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften zwischen zwei und knapp fünf Jahren.

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Terror: Wie sich die konservativen Islamverbände wegducken

Zentralmoschee der türkisch-islamischen Union Ditib in Köln / picture alliance
Die größte Gefahr geht nach Ansicht des Freiburger Islamwissenschaftlers Abdel-Hakim Ourghi nicht von polizeibekannten Salafisten aus, sondern von den konservativen muslimischen Dachverbänden. Sie seien noch „meilenweit“ von einem aufgeklärten Islam entfernt. Ourghi fordert drastische Maßnahmen.

Von ABDEL-HAKIM OURGHI | Cicero

Vor einigen Jahren sagte der heutige Präsident der Türkei, Recep Tayyip Erdoğan: „Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“ Gewiss prägen solche ideologischen Sätze das kollektive Gedächtnis und bestimmen den Umgang der türkischstämmigen Menschen mit Nichtmuslimen. Solche Sätze sind nicht nur sinnstiftend, sondern bilden sogar eine Barriere für die Integration der türkischstämmigen Menschen. Und sie sind auch die Ebnung eines Wegs für die Parallelgesellschaft, besonders wenn man bedenkt, dass die Mehrheit der türkischen Moscheen, wie etwa die der Ditib, von diesem finanziellen und ideologischen Einfluss abhängig sind.

Der türkische Islam wird immer islamistischer und nationalistischer. Er bildet sogar die Basis für einen „Ghetto-Glauben“ in die Parallelgesellschaft. Es ist auch kein Wunder, dass ein Drittel aller deutschen Gotteskrieger in Syrien und im Irak türkischstämmig ist. Aus Dinslaken-Lohberg ist eine Gruppe von 22 Jugendlichen geschlossen in den „Heiligen Krieg“ gezogen. Auch die Ditib-Jugendlichen posierten mit dem Finger als Siegeszeichen des IS im Netz. Auf der Internet-Seite der Ditib-Gemeinde in Melsungen sind im Jahre 2015 antisemitische Hetzparolen übelster Sorte gegen die Juden aufgetaucht.

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Der IS ist das Kalifat plus Twitter

Bernard-Henri Lévy in der Universität Tel Aviv. Photo by Itzik Edri. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Fünf Irrtümer im Umgang mit dem Dschihadismus: Der berühmte französische Starphilosoph Bernard-Henri Levy warnt in einem Essay für die Kleine Zeitung vor einer Politik der Beschwichtigung.

Kleine Zeitung

1.Psychopath oder Terrorist? Als ob es die Wahl gäbe. Als ob nicht alle Terroristen immer auch Psychopathen sind. Als ob die Handlanger der Nazis in den 20er- und 30er-Jahren, die SA-Wachposten, die die Juden und die Demokraten verfolgt haben, als ob die SS-Bestien, die mit der ideologischen Erziehung der deutschen Massen beauftragt worden waren, nie etwas anderes gewesen sind als mit Orden behangene, brutale Psychopathen. Mohamed Lahouaiej-Bouhlel, der Mörder im Lastwagen, der 84 Menschenleben auf dem Gewissen hat, war Terrorist und Psychopath. Er war labil, geistig verwirrt, und er war ein Mitglied der Armee des Verbrechens, die den Aufruf des IS befolgt hat: Nämlich einen Lastwagen wie „einen Rasenmäher zu verwenden“ (das sind die Formulierungen, die in der Propagandaschrift auftauchen), die „am dichtesten besiedelten Plätze“ aufzusuchen, um dann ein „Maximum an Geschwindigkeit aufzunehmen, ohne die Kontrolle über das Fahrzeug zu verlieren“, auf diese Weise das „Blutbad zu maximieren“ und sich auch „Handfeuerwaffen zuzulegen“, um, „sobald der Lastwagen nicht mehr weiterfahren kann“, die Überlebenden zu töten. Dem kann man nicht widersprechen. Das sind die zwei Gesichter der Barbarei.

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RDF Talk – Interview mit Gad Saad

Bild: RDF
Gad Saad ist ein kanadischer Wissenschaftler, der sich mit evolutionärer Verhaltens- und Konsumforschung beschäftigt. Er arbeitet an der Concordia University in Montreal und ist Inhaber des Lehrstuhls für „Evolutionary Behavioral Sciences and Darwinian Consumption“.

Das Interview führte Jörg Elbe | Richard Dawkins-Foundation

Er ist Autor mehrerer Bücher über Konsumverhalten. Zudem betreibt er einen Youtube Kanal, eine Facebook Seite und einen Blog über Psychologie (Links am Ende des Interviews).

Zunächst vielen Dank für die Gelegenheit dieses Interview mit Ihnen führen zu können. Fangen wir mit ein paar Fragen zu Ihrem Lebenslauf an. Sie wurden in Beirut in eine jüdische Familie geboren. Wie hat Ihre jüdische Identität Sie geformt und wie wurden Sie Atheist?

Es begann als ich 5 oder 6 Jahre alt war und die Synagoge im Libanon besuchte. Und üblicherweise fragte ich meinen Vater: „Warum müssen wir dieses oder jenes tun? Warum müssen wir jetzt aufstehen? Warum müssen wir uns jetzt hinsetzen?“ Und ich erhielt als Antwort nur ein abfälliges: „Tu es einfach! Befolge einfach die Regeln!“ Vielleicht begann sich mein intellektueller Verstand damals schon zu entwickeln und  mir gefielen diese Antworten einfach nicht. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, etwas einfach nur zu tun, weil jemand anderer wollte, dass ich es tat. Und so wurde ich schon in jungen Jahren misstrauisch gegenüber Religionen.

Als ich den Bürgerkrieg im Libanon miterlebt habe, sah ich das ganze Ausmaß des religiösen Hasses. Besonders den Hass gegen Juden. Wir mussten den Libanon verlassen, anderenfalls wäre es uns nicht gut ergangen. So habe ich mich schon sehr früh in meinem Leben auf eine irdische Weise als sehr jüdisch empfunden. Auf dieselbe Weise, auf die man auch Bayern München oder Borussia Dortmund liebt – auf eine sehr irdische Weise. Dies sind reale Anknüpfungspunkte, anhand derer wir uns als Mitglieder einer Gemeinschaft definieren und uns von der jeweils anderen Gruppe abgrenzen. So gesehen bin ich sehr jüdisch. Ich bin Teil einer Abstammungslinie einer langen Geschichte und eines Volkes. Aber von den religiösen Elementen des Judentums habe ich mich schon früh im Leben abgewandt. Es ist eine kulturelle Identität. Natürlich muss man vom Prinzip her als Jude bestimmte religiöse Narrative glauben. Aber wie Sie vielleicht wissen, waren die berühmtesten Juden der Geschichte alle sehr jüdisch und dennoch sehr atheistisch. Dies verwirrt viele Menschen, weil sie nicht begreifen, dass das Judentum eine äußert facettenreiche Identität ist. Und nur eine dieser Facetten besteht aus dem Befolgen religiöser Vorschriften. Ich esse gern Schweinefleisch – und das macht mich nicht weniger jüdisch. Aber dennoch bleibt es ein kulturelles Tabu, Schweinefleisch zu essen. Und in diesem Sinne gehöre ich einerseits zu dieser Gruppe, obwohl ich andererseits ihre religiösen Grundsätze ablehne.

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Transsexualität und evangelische Kirche: Wie eindeutig ist die Schöpfung?

Piktogramm für Männer- und Frauen-Toiletten: Mann, Frau und all das dazwischen. (picture alliance / dpa/ Jens Kalaene)
Lange galt Transsexualität als Störung. Das ändert sich – langsam. Die Gesellschaft tut sich weiter schwer mit ihnen. Die Kirchen sind da keine Ausnahme. Doch es gibt Theologen, die neue Wege gehen wollen.
 

Von Michael Hollenbach | Deutschlandradio Kultur

„Mein Name ist Elke Spörkel, ich bin fast 60 Jahre alt, und seit 32 Jahren Pfarrerin der Kirchengemeinde Haldern am Niederrhein.“

Elke Spörkel hat sich vor sechs Jahren öffentlich dazu bekannt, dass sie ein transsexueller Mensch ist. Es war für sie die entscheidende Wende in einem langen Prozess, der schon in der Kindheit begann, als der kleine Hans Gerd lieber ein Mädchen sein wollte:

„Ich hatte lange Zeit das Bild, dass ich der einzige Mensch bin auf dieser Welt, der so veranlagt ist, heimlich in ein anderes Geschlecht schlüpfen zu wollen.“

Hans Gerd Spörkel ließ sich später widerwillig auf die Männerrolle ein – wurde Pfarrer, gründete eine Familie. Doch als Spörkel auf die 50 zuging, wollte sie sich nicht mehr verstecken. Dass sie sich auch äußerlich vom Er zum Sie veränderte – mit einem anderen Haarschnitt, mit gezupften Augenbrauen, mit androgyner Kleidung -, blieb der Gemeinde natürlich nicht verborgen. Irgendwann tauchten Gerüchte auf, der Pfarrer trage Frauenkleider und wolle sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterziehen. Hans Gerd Spörkel fiel in ein tiefes Loch:

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Säkularen Bürgern wird eine angemessene Teilhabe verwehrt

Bild: glaeserne-waende.de
Der Staat hat kein Problem mit den unterschiedlichsten Religionen. Sie dürfen in ihrer Ausprägung sogar antiemanzipatorisch sein. Frauenfeindlich allemal. Er hat eher ein Problem mit säkularen Lebensentwürfen. Du wirst als Humanist, der sich an den Werten der Aufklärung orientiert, zwar respektiert, eine angemessene Teilhabe allerdings bleibt einem verwehrt. Siehe: weltanschaulicher Unterricht, Mitgliedschaft in Fernsehbeiräten, etc. Dem Staat ist der Vorwurf zu machen, dass er ungleich behandelt.

Michael Hans Höntsch, Mitglied des niedersächsischen Landtags | Hannover

glaeserne-wende.de

Rassismus und verfassungsfeindliche Positionen bei der CDU/CSU

cdu-csu-fraktion-bundestag-logoJüdische und antirassistische Aktivisten haben nach einem Fachgespräch der CDU/CSU-Bundestagfraktion zum Thema Islam harsche Kritik an den Organisatoren geübt. Die Union habe mit der Veranstaltung in den Räumen des Bundestags Rassisten Vorschub geleistet und verfassungsfeindlichen Positionen eine Bühne geboten, heißt es in einer Stellungnahme des Bündnisses gegen Rassismus und des Vereins Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost.

Von Harald Neuber | TELEPOLIS

Was war geschehen? Zum Fachgespräch zum Thema „Antisemitismus im fundamentalistischen Islam“ hatten die Unionsfraktionen am 4. Juli unter anderem die Vorsitzende des American Jewish Committee (AJC) Berlin Diedre Berger, eingeladen. Das AJC ist eine einflussreiche Lobbyorganisation aus den USA, die offensiv die Position der israelischen Regierung im Konflikt mit den Palästinensern vertritt.

Bei der Unionsfraktion forderte Berger, Geflüchtete abzuschieben, die „Israel nicht akzeptieren“. Ebenso wie Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, kritisierte sie zugleich „die patriarchalisch dominierten Strukturen in muslimischen Familien, die viele Kinder antijüdisch erzögen und in ihrem Hass gegen Israel indoktrinierten“.

Die Autoren der kritischen Replik zu dem Podium bezeichnen vor allem die Forderung nach Abschiebungen als „zynisch und populistisch“. Das Verlangen nach einem Bekenntnis zu Israel, das mit Repressalien gebunden wird, sei erniedrigend und werde allenfalls Lippenbekenntnisse erreichen. Im Übrigen seien solche Bekenntnisforderungen mit dem Artikel 4(1) des Grundgesetzes inkompatibel.

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UN: Eine Milliarde Kinder Opfer von Gewalt

Die Vereinten Nationen wollen verstärkt gegen Gewalt gegen Kinder vorgehen.

evangelisch.de

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte am Dienstag (Ortszeit) in New York, alle Kinder hätten das Recht, in Sicherheit und Frieden aufzuwachsen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erlitten im vergangenen Jahr weltweit bis zu eine Milliarde Kinder physische, sexuelle oder psychologische Gewalt.

Globale Partnerschaft

Ban stellte eine Globale Partnerschaft zum Ende der Gewalt gegen Kinder vor. Danach sollen sich Regierungen, Lehrer, Erzieher, Eltern und Vertreter der Religionen für ein gewaltfreies Leben der Mädchen und Jungen einsetzen. Ein spezieller Fonds zur Finanzierung von Projekten gegen Kindergewalt wurde geschaffen.

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Linke und Muslime: Wir sind nicht eure Kuscheltiere

muslim

Das linksliberale Spektrum tut sich schwer mit kritischen Muslimen. Es erklärt sich zum Beschützer konservativer Muslime und macht sie so zu Opfern.

Von Ahmad Mansour | taz.de

Anonym will die Frau bleiben, die mir neulich schrieb, die Mitarbeiterin eines Jugendamts. Sie war ratlos. Ihrem Amt sind Fälle bekannt, in welchen Familien „mit Migrationshintergrund“ Gewalt zur „traditionellen Erziehung“ gehört. Da haben kleine Mädchen und Jungen blaue Flecken, werden mit Drohungen eingeschüchtert und zum „Gehorsam“ erzogen. Doch die Mitarbeiter im Jugendamt sollen „kultursensibel“ mit Eltern und Kindern umgehen, und auch dann nicht unbedingt einschreiten, wo das rein rechtlich notwendig wäre. Ihr Brief sagte, zusammengefasst: „Das geht doch eigentlich nicht, oder?“ Als würde sie von mir ein Okay für etwas wollen, was menschlich und gesetzlich glasklar ist: Einschreiten, selbstverständlich, egal, woher jemand kommt.

Was die Mitarbeiterin dieses Amts geschrieben hat, ist nicht ungewöhnlich. Hunderte solcher Briefen bekomme allein ich. LehrerInnen und SozialarbeiterInnen schildern, in welchem Dilemma sie sich befinden: Sollen sie Rücksicht nehmen auf Tradi­tio­nen? Respekt vor autoritären Vätern haben? Die Ehre von Mädchen – und deren Familien – achten, die nicht am Schwimmunterricht teilnehmen sollen? Es sind liebe Menschen, die da schreiben – und völlig hilflose.

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Schwimmen – Das hat mit #Religion nichts zu tun! Oder doch?

Badebekleidung 1893. Bild: wikimedia.org/Wilhelm Dreesen/PD

Verwundertes Augenreiben: Für Frauen und Männer getrenntes Schwimmen im öffentlichen Schwimmbad. Das kenne ich doch, das habe ich doch schon mal gehört. Und ich erinnere mich an meine Kindheit und Jugend

Von Angela Klassmann | fraupolitik

Mein erzkatholischer Großvater verbot uns als jugendlichen Mädchen und Jungen, gemeinsam in unserem Schwimmbad zu schwimmen. Bikini? Hatte bei uns lebenslanges Hausverbot. Ganz im Sinne einer erzkatholischen Auslegung der Schöpfungsgeschichte mitsamt Vertreibung aus dem Paradies. Es war ja nun mal eine durch diese Geschichte belegte Tatsache: Die Frau, die Verführerin! Der arme Adam fiel doch nur ahnungslos auf die böse Eva herein. Schuld war und ist immer die Frau. Steht doch so schon in der Bibel, im christlichen Alten Testament. Diese Geschichte musste bei uns zu Hause immer herhalten, wenn es um das Benehmen und die Bekleidung von Frauen und Mädchen ging. Das Christentum hat die Texte des Alten Testaments übrigens vom Judentum. Auch der Islam verweist auf diese alten jüdischen Texte.

Wie habe ich aufgeatmet, als ich endlich verstand, dass dies nur Geschichten sind, die von Menschen im Kontext einer lang vergangenen Zeit als Zeugnisse ihrer Glaubenserfahrungen erzählt wurden. Geschichten, die seit mehr als zweitausend Jahren von Männern im Interesse des eigenen Machterhalts gedeutet und von Generationen von Frauen ungeprüft weiter getragen und vorgelebt wurden. Ob deshalb heute fundamentalistische evangelische und katholische Gruppen die Klagen fundamentalistischer islamischer Gemeinden mit Interesse beobachten? Gruppen, die religiöse Partikular-Interessen in Deutschland durchsetzen wollen? Hoffen Sie auf juristische und politische Entscheidungen, die Religionsfreiheit einzelner religiöser Gruppen wieder über den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte setzen? Hoffen Sie darauf, dass auch sie dadurch wieder mehr Einfluss auf den Staat ausüben können?

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„Das Leben des Brian“ und eine Verfassungsbeschwerde

Jeder ein Kreuz.
Jeder ein Kreuz.
„Religionsfrei im Revier“: Entgegen einem Gerichtsentscheid zeigt die Gruppe die Satire „Das Leben des Brian” der englischen Komikergruppe Monty Python jeden Karfreitag.

kath.net

Die Initiative „Religionsfrei im Revier“ (Bochum) hat beim Bundesverfassungsgericht Verfassungsbeschwerde gegen das Feiertagsgesetz in Nordrhein-Westfalen eingereicht. Die Gruppe unter der Leitung von Martin Budich zeigt seit 2013 am Karfreitag in Bochum die Satire „Das Leben des Brian” der englischen Komikergruppe Monty Python. Der Film verulkt das Leben und Sterben Jesu Christi und darf laut einem Gerichtsentscheid an dem Tag nicht öffentlich gezeigt werden. Weil die Initiative es trotzdem tat, wurden gegen sie Bußgelder verhängt. „Religionsfrei im Revier“ will nach eigenen Angaben nun erreichen, dass „diese staatliche Bevormundung mit kirchlichen Normen beendet wird“. Der pluralistische Geist des Grundgesetzes verbiete es, alle Menschen an einem Feiertag zu zwingen, auf jede Form von kollektiver Unterhaltung zu verzichten. Die „Verbindlichmachung religiöser Normen“ sei ein Zeichen fundamentalistischer Staaten. Ein freiheitlicher Staat habe aber die Aufgabe, den Einzelnen vor der „Übergriffigkeit von Religionsgesellschaften“ zu schützen.

Wortklaubereien reichen nicht – Gottesbezug hat in unserer Verfassung nichts zu suchen

Bild: RDF
Einzelne Abgeordneter aller Fraktionen des Schleswig-Holsteinischen Landtags wollen folgenden Gottesbezug in die Landesverfassung aufnehmen: „Die Verfassung schöpft aus dem kulturellen, religiösen und humanistischen Erbe Europas und aus den Werten, die sich aus dem Glauben an Gott oder aus anderen Quellen ergeben.“

Von Patrick Breyer | RDF

Der Fraktionsvorsitzende der PIRATEN, Dr. Patrick Breyer, erklärt dazu:

„Mit immer neuen Wortklaubereien versucht Herr Dr. Stegner zu verschleiern, dass er gegen den Willen der überwältigenden Mehrheit der Schleswig-Holsteiner[1] unsere Verfassung auf eine religiöse Grundlage stellen will. Die Menschenrechte als bisher gemeinsames Wertefundament in der Verfassung[2] sollen abgelöst werden durch einen religiösen Glauben. Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas im 21. Jahrhundert noch möglich ist.

Der Glaube an einen Gott ist und bleibt eine höchstpersönliche Entscheidung, die in einer Verfassung nichts zu suchen hat. Die eindeutige Trennung von Staat und Religion ist der Grundstein für unsere weltoffene und vielfältige Gesellschaft. Schleswig-Holsteins jahrzehntelange Verfassungstradition weltanschaulicher Neutralität darf nicht durch einen ‚Gottesstaat light‘ ersetzt werden!

Unsere Verfassung unverändert zu erhalten ist auch das eindeutige Mehrheitsvotum der vielen Experten, die der Landtag angehört hat, darunter der Professor einer theologischen Fakultät, Islamwissenschaftler, die Alevitische Gemeinde Kiel und der ehemalige Landesrabbiner.[3]

Generell sind wir PIRATEN der Überzeugung, dass der Landtag den Bürgern Verfassungsänderungen nicht überstülpen sollte. Änderungen an dem für alle gültigen ‚Gesellschaftsvertrag‘ sollten stattdessen zur Volksabstimmung vorgelegt werden.

Die Freiheit des Mandats ist für uns PIRATEN selbstverständlich.“

Der heutige Vorstoß stammt von einzelnen Abgeordneten aller Fraktionen, darunter auch Wolfgang Dudda von den PIRATEN. Der Landtag wird in zwei Wochen über zurzeit drei Vorschläge zur Aufnahme eines Gottesbezugs in die Schleswig-Holsteinische Landesverfassung abstimmen. Die Abstimmung erfolgt in Reaktion auf eine von Religionsgemeinschaften unterstützte Volksinitiative zur Einfügung eines Gottesbezugs.

[1] NDR-Umfrage

SHZ-Umfrage

[2] Bisherige Präambel (angenommen mit nur drei Gegenstimmen):

[3] Stellungnahmen der Sachverständigen

In Frankreich ist Religion Privatsache

laicite

Seit über 110 Jahren sind Kirche und Staat in Frankreich strikt getrennt. Religion ist Privatsache. Das hatte auch konkrete Auswirkungen auf die EM.

Münchner Kirchennachrichten

Im Halbfinale heißt der Gegner von Jogis Jungs: Frankreich. Wir spielen also gegen den Gastgeber. Im Vergleich zu der EM 2006 in Deutschland läuft in Frankreich vieles anders. So wurden zum Beispiel in Deutschland Spielern und Fans spezielle Seelsorger zur Verfügung gestellt. Nicht so in Frankreich, denn dort sind Staat und Kirche strikt getrennt. Dieses Konzept wird Laizismus genannt. Kurz gesagt: Religion ist Frankreich Privatsache. Im öffentlichen Leben soll Religion keine Rolle spielen. Das bedeutet, dass es keinen Religionsunterricht an staatlichen Schulen gibt und Mitarbeiter von Behörden keine sichtbaren religiösen Zeichen wie Kopftuch, Kippa oder Kreuz tragen dürfen.

Theresia Lipp ist Theologiestudentin in München und hat 2015/2016 ein Auslandssemester in Paris absolviert. Geprägt durch die Trennung von Kirche und Staat hat sie die Kirche in Frankreich ganz anders wahrgenommen als in Deutschland. Denn durch ein anderes Kirchensteuersystem unterstützen die Mitglieder ihre konkrete Pfarrei. Durch das Gefühl „Ich finanziere meinen Pfarrer“ entstehe eine ganz andere Verbundenheit, so Lipp gegenüber den Münchner Kirchennachrichten. Durch diese bewusste Entscheidung, Mitglied der Kirche zu werden, habe sie den Eindruck gehabt, dass sich die Franzosen viel mehr in der Gemeinde engagieren würden. Das müssten sie auch, denn Pastoralreferenten oder Gemeindereferenten gebe es dort nicht. Insgesamt hat Theresia Lipp die Kirche in Paris daher als „jung und lebendig“ wahrgenommen.

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Ruprecht Polenz: Dodo des Monats Juni 2016

Dodo des Monats Juni 2016 ©HFR
Dodo des Monats Juni 2016
©HFR

polenzDeutschland streitet über Kopftücher, Hidschabs, Niqabs, Burkas und Politik, die vermeint um des Hausfriedenswillen reaktionäre, rückwärtsgewandte Weltsichten gut gewaschen, getrocknet und gebügelt unter das Wahlvolk zu bringen. Es gibt genug Politiker die öffentlich verkünden religiöser Fundamentalismus habe nichts mit Religion zu tun, Terror noch weniger. Einig ist man hier mit den Aposteln und Pfaffen der nahöstlichen Mythologie, Christentum genannt. Terror habe nichts mit Religion zu tun. Das ist schlichtweg gelogen. Die jeweilige Religion, ob nun das Christentum, der Islam, das Judentum, Hinduismus, Buddhismus, liefert die normative und deskriptive Grundlage jedweden Terrors. Der Wahrheitsanspruch ist exklusiv. Wer nicht der eigenen Religion zugehörig ist, ist Dreck, minderwertig.

Eine Meldung auf der Online-Plattform The Scotsman.com, dass die schottische Polizei den Hidschab als Teil der Uniform schottischer Polizistinnen einführen will veranlasste CDU-Politiker Ruprecht Polenz zu der Aussage: „Wird Zeit, dass die deutsche Polizei das auch macht.“

Die islamische Kopfbedeckung verhüllt nicht das Gesicht, alles andere aber schon und es gibt Varianten, da ist aus dem Hidschab ein Niqab geworden, nur noch die Augen der betroffenen Person sind zu sehen.

Ruprecht Polenz, 300 Jahre Aufklärung für die Tonne. Ein Vertreter derjenigen Kreise, die religiösen Fundamentalismus in Deutschland salongfähig machen wollen. In der Hoffnung, dass die eigenen kruden rückwärtsgewandten Weltsichten niemanden mehr interessieren.

Was sagt das Tragen des Hidschabs aus:

Zu den Maßnahmen, die der islamische Hidschāb üblicherweise einschließt, gehören:

  • die Zugänglichkeit der Frau nur für diejenigen Männer, die in einem die Heirat ausschließenden Verwandtschaftsverhältnis (Mahram-Verhältnis) zu ihr stehen,
  • die Verhüllung der Frau vor allen Männern, die nicht in einem Mahram-Verhältnis zu ihr stehen,
  • der Rückzug der Frau in das Frauengemach im Haus bei Besuch von Männern, die zu diesem Kreis zählen,
  • die Verhüllung der Frau beim Ausgang auf der Straße und in der Öffentlichkeit.

Überhaupt kein Problem für einen toleranten modernen Menschen. Frauen die derartige Mode tragen wollen nicht kommunizieren, man kann sie also ignorieren. Burkaträgerinnen, manche erinnern an laufende Mülltüten, schon gar nicht, macht man einen Bogen darum. Das ist Toleranz. Die Kleidervorschriften religiöser Befindlichkeiten interessieren nicht. Man muss sie nicht verbieten, sie haben aber bei der Polizei, den Gerichten usw. nicht zu suchen. Traumtänzer wie Polenz, die sich irrlichternd durch den Zoo Gottes bewegen versuchen anderes zu vermitteln.

Stellen wir uns folgenden Sachverhalt vor. Ein Nomade, Sohn der arabischen Wüsten, gemeinhin als Tuareg bekannt, gelingt es in Deutschland Richter zu werden. Das Problem, bei den Tuareg sind die Männer verschleiert, die Frauen nicht. Dann sitzt also unser Tuareg-Richter vor uns und wir sehen nur seine Augen. Da kann man aufstehen und gehen, Kommunikation ist etwas anderes, durch den Gesichtschleier ist er zu dem noch akustisch gedämpft.

Statt sich darüber Gedanken zu machen ob die Polizei in Deutschland den Hidschab einführen sollte, könnte man überlegen, inwieweit die Trägerinnen überhaupt eindeutig zu identifizieren sind. Es gibt ja so etwas wie Vermummungsverbote.

All das ficht Ruprecht Polenz nicht an.

Bild: FB, Screenshot: bb
Bild: FB, Screenshot: bb

Es geht nicht um Bilder im Kopf, es geht um eine freie Gesellschaft, die für ihre Freiheiten einen heftigen Preis zu zahlen hatte. Es geht darum, dass arabische Mythologie um einen Schafhirten, dem es gelungen ist seine Traumbilder in materielle Gewalt umzusetzen nichts in einer aufgeklärten Gesellschaft zu suchen hat. Wer ja zum Hidschab, Niqab, Burka im öffentlichen Dienst sagt, sagt ja zur Gesellschafts-und Normenordnung des Islam. Brauchen wir nicht, wir haben eine gesellschaftliche Ordnung die durch Geschichte, Traditionen, Kultur geprägt ist. Die offen ist für anderes, für Weiterentwicklung und nicht Rückschritt in die Normenwelt der Wüste.
Wir brauchen keine Politiker die ihren persönlichen Glauben einhegen und den Begriff der Religionsfreiheit als Waffe gegen andere einsetzen. Religionsfreiheit ist kein Ehrschutz für irgendeine abrahamitische Mythologie.

Glaubt was ihr wollt, verschont diejenigen, die nichts mit Euren Weltsichten zu tun haben.

Wer wie ein Gespenst in der Öffentlichkeit aufreten will soll das tun, mit Gespenstern kann man nicht kommunizieren.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Drei milde Argumente für eine Verschärfung des Sexualstrafrechts

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)
Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Am 7. Juli wird der Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink wegen Falschaussage fortgesetzt. Er ist zum Politikum geworden, weil hier Opferschutz gegen Schutz vor falscher Beschuldigung steht. Den SPD-Ministern Schwesig und Maas dient der Fall als weiterer Beleg für die Notwendigkeit einer Verschärfung des Sexualstrafrechts. Gastautorin Gesine Palmer findet unterstützende Argumente.

Von Gesine Palmer | DIE KOLUMNISTEN

Drei seriöse Einwände gegen die Verschärfung des Sexualstrafrechts

Der Fall sei nicht der richtige, schrieb Dagmar Rosenfeld in der ZEIT vom 23. Juni 2016 über das Verfahren gegen Gina-Lisa Lohfink, man solle gerade ihn nicht als Argument für eine Verschärfung des Sexualstrafrechts heranziehen. Am Montag danach hatte sie wieder Gerichtstermin wegen vermuteter Falschaussage im Falle der von ihr gegen zwei Männer erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe, es wurde überall berichtet, die Beziehung auf den Vergewaltigungsparagrafen wurde nie ausgelassen. Ich solle mal bitte abwarten, was die Faktenprüfung ergebe, sagten mir die Kollegen von den „Kolumnisten“, als ich ankündigte, ich würde Lohfink kolumnistisch verteidigen. Es gebe schließlich Gründe für eine vorsichtige, rechtsstaatliche Prüfung aller Details. Wieder wer anders macht sich andere Sorgen: Mit der Verschärfung des Sexualstrafrechts würde die erotische Kultur unseres Landes zugrunde gehen, denn jeder erste Kuss sei eine Grenzüberschreitung und dann bald auch eine potentielle Belästigung. Das sind nur die ersten drei der seriöseren Einwendungen. Über die lauteren Geräusche aus dem Froschteich der selbsternannten Experten für die Unterscheidung von „Huren“ und „seriösen Frauen“, von „geltungssüchtiger, aufmerksamkeitsgieriger C-Prominenz“ und „reifen Frauen, die die sexuelle Selbstbestimmung auch verdienen“ schweige ich hier lieber.

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Wer ist auf der falschen Seite der Geschichte?

Die einstmals aufklärerische Linke, die immer auch religionskritisch war (man denke nur an Marx’ Diktum von Religion als „Opium des Volkes“), hat vor dem Kulturrelativismus kapituliert und tabuisiert ausgerechnet Kritik an einer antiaufklärerischen und menschenverachtenden religiösen Ideologie. Ein trauriges Beispiel hierfür ist der Artikel „Der religionsfeindliche Hochstapler“ von Timo al-Farooq, nach eigener Angabe Masterstudent der Asienwissenschaften an der HU-Berlin, welcher am 27.6. im Blog des Magazins Freitag erschienen ist. Mit aus dem Kontext gerissenen Zitaten und Polemik an der Grenze des guten Geschmacks bemüht sich der Autor, einen von unserer Hochschulgruppe „Säkularer Humanismus an Berliner Hochschulen“ (SHBH) durchgeführten Vortrag zu diskreditieren und dabei insbesondere den Referenten auf Basis substanzloser Anschuldigungen in ein fragwürdiges Licht zu rücken. Ohne uns auf das geschmacklose Niveau seines Artikels herabzubegeben, erscheint es uns deshalb sinnvoll, einige Anmerkungen zu al-Farooqs Ausführungen zu veröffentlichen.

hpd.de

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Asif Mohiuddin im Kreise der Säkularen Humanisten

Asif Mohiuddin im Kreise der Säkularen Humanisten

BERLIN. (hpd) Die einstmals aufklärerische Linke, die immer auch religionskritisch war (man denke nur an Marx’ Diktum von Religion als „Opium des Volkes“), hat vor dem Kulturrelativismus kapituliert und tabuisiert ausgerechnet Kritik an einer antiaufklärerischen und menschenverachtenden religiösen Ideologie. Ein trauriges Beispiel hierfür ist der Artikel „Der religionsfeindliche Hochstapler“ von Timo al-Farooq, nach eigener Angabe Masterstudent der Asienwissenschaften an der HU-Berlin, welcher am 27.6. im Blog des Magazins Freitag erschienen ist. Mit aus dem Kontext gerissenen Zitaten und Polemik an der Grenze des guten Geschmacks bemüht sich der Autor, einen von unserer Hochschulgruppe „Säkularer Humanismus an Berliner Hochschulen“ (SHBH) durchgeführten Vortrag zu diskreditieren und dabei insbesondere den Referenten auf Basis substanzloser Anschuldigungen in ein fragwürdiges Licht zu rücken. Ohne uns auf das geschmacklose Niveau seines Artikels herabzubegeben, erscheint es uns deshalb sinnvoll, einige Anmerkungen zu al-Farooqs Ausführungen zu veröffentlichen.

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Der Kontext

Al-Farooqs Pamphlet bezieht sich auf die von SHBH in Zusammenarbeit mit der Amnesty-Hochschulgruppe der HU durchgeführte Veranstaltung „Ermordet wegen Blasphemie“ vom 14.12.2015. Der Autor veröffentlichte seine Ausführungen somit 199 Tage nach dem Ereignis, was dieses aus jedem aktuellen Kontext herauslöst und insbesondere die Verifikation von Zitaten erschwert. De facto kann er dem Vortragenden somit nahezu beliebige Aussagen in den Mund legen, ohne dass diese im Detail überprüfbar wären. Während der Veranstaltung ist uns al-Farooq hingegen nicht im Speziellen aufgefallen, jedoch fanden wir beim Verlassen des Gebäudes mehrere der Plakate, die auf den Vortrag hingewiesen hatten, heruntergerissen oder mit Hitlerbärtchen beschmiert vor. Wir begrüßen jede Kritik, doch hätten wir uns gefreut, wenn diese konstruktiv und im Rahmen der Debatte im Anschluss an den Vortrag vorgebracht worden wäre.

Doch wer referierte überhaupt? SHBH und Amnesty International hatten den im deutschen Asyl lebenden, bengalischen Blogger Asif Mohiuddin eingeladen, über die Situation in seinem Heimatland und seine persönliche Geschichte zu sprechen. Mohiuddins Texte kritisierten Menschenrechtsverletzungen und Korruption in Bangladesh, insbesondere jedoch auch religiösen Fundamentalismus und ganz im Sinne der Aufklärung Religion an sich. Dies führte dazu, dass er im Januar 2013 von vier Islamisten niedergestochen wurde und knapp überlebte. Dieser Anschlag war der Beginn einer Serie von Morden an Bloggern, säkularen Aktivisten und Islamismus-Kritikern in Bangladesch, die bis heute andauert und bisher etwa zwei Dutzend Todesopfer gefordert hat. Wenige Monate nach diesem Angriff wurde er wegen Blasphemie für mehrere Monate verhaftet und sein Blog auf Drängen der Regierung gesperrt. Bis heute müsste er bei Rückkehr in sein Heimatland mit einem Prozess rechnen.

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