«Die liberale Demokratie hat mehr zum menschlichen Glück beigetragen, als Buddha es je getan hat»

An die Stelle der alten Metaphysik und der reinen Sprachanalyse setzte Richard Rorty eine Art philosophische Gelassenheit. (Bild: Steve Pyke)
Er entzauberte die grossen Metaphysiker und war ein Meister der feinen Ironie: der amerikanische Philosoph Richard Rorty (1931–2007). Die Demokratie verteidigte er ebenso wie den Kapitalismus – weil alle anderen Ordnungen noch schlechter seien. Wir publizieren eines seiner letzten Gespräche erstmals auf Deutsch.

Robert P. Harrison | Neue Zürcher Zeitung

Herr Rorty, was ist das, die analytische Philosophie?

Die analytische Philosophie startete als Reaktion gegen den Versuch, die wahre Natur der Wirklichkeit zu benennen. Das wurde als Metaphysik verurteilt, als unerwünschtes und unmögliches Unternehmen. Die Idee bestand darin, der Metaphysik über die Analyse von Sprache ein Ende zu setzen und der ganzen Philosophie ein Ende zu bereiten. Das passierte zwar nicht, aber diese Idee war es, die der Bewegung ihren Glanz verlieh.

Was geschah stattdessen?

Die Metaphysik erlebte gewissermassen eine Wiedergeburt innerhalb der analytischen Philosophie. Nachdem die Leute über Jahrzehnte Probleme «aufgelöst» und die «Begriffsverwirrung» offengelegt hatten, wurden sie dieses Verfahrens überdrüssig. Sie sagten dann: Nein, eigentlich möchten wir die Natur der Wirklichkeit ergründen, aber die Wissenschaft sagt uns das zum Glück ja schon – es sind Atome und das Leere. Alles besteht aus physikalischen Elementarteilchen. Leute wie ich sagen dagegen: Es gibt keine wahre «Natur der Welt», die Wissenschaft zeigt sie uns nicht, auch nichts anderes zeigt sie uns.

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Hunderttausende indigene Frauen wurden in den 1990er-Jahren in Peru zwangssterilisiert

Bild: tagesschau.de
Hunderttausende indigene Frauen wurden in den 1990er-Jahren in Peru zwangssterilisiert. Die Begründung: Armutsbekämpfung. Bis heute warten sie auf Entschädigung.

Von Matthias Ebert | tagesschau.de

Die Krankenschwestern kamen in Begleitung von Polizisten und schlugen die Tür von Rute Zuñigas Lehmhütte auf. Kurz darauf saß die Quechua-Frau aus einem Andental bei Cusco im örtlichen Gesundheitszentrum. Im Behandlungszimmer erklärten ihr die Ärzte, dass Zuñiga jetzt zwangssterilisiert werde – während ringsherum miserable hygienische Bedingungen herrschten.

Hände und Beine festgebunden

Als sich die damals 28-Jährige wehrte, band man ihr Hände und Beine fest, bevor die Operation losging. Weil die Betäubung offenbar nicht stark genug war, spürte Zuñiga, wie am Ende ihre Wunde zusammengenäht wurde.

All das passierte am 10. Februar 1999 – ein Datum, welches Zuñiga nie mehr vergessen wird. Die Bäuerin hatte bereits vier Kinder und ihr Mann gibt ehrlich zu, dass er heute froh ist, dass die arme Familie durch den Zwangseingriff nicht noch kinderreicher wurde. Doch für Zuñiga ist das Leben seitdem nicht mehr dasselbe.

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Gedankenverbrechen und Bestrafung

By LeonV – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34934403
Ein Jahr der Ausgrenzung und Rechtsstreite an einer kanadischen Universität

Von Lindsay Shepherd | RDF

Ende 2017 befand ich mich im Zentrum einer Kontroverse an der Wilfrid Laurier University (Waterloo, Kanada), wo ich als M.A. Student (Master of Arts) und Lehrassistent (TA) im Fachbereich Kommunikationswissenschaften tätig war. In dem Kurs, für den ich als TA arbeitete, spielte ich einen Teil einer Podiumsdiskussion, die im öffentlichen Fernsehen von Ontario ausgestrahlt wurde, vor. Wie viele Leser wissen, beinhaltete dieses Material Jordan Peterson, Professor an der University of Toronto, der gegen die Verwendung alternativer Geschlechterpronomen argumentierte, sowie die Argumente des Sexualdiversitätspädagogen Nicholas Matte, der zu dessen Gebrauch ermutigte.

Weil ich entschied, mich nicht von Petersons Ansichten zu distanzieren, bevor ich das Video zeigte, wurde ich in daraufhin vor einen Disziplinarausschuss zitiert. Der Betreuer des betreffenden Kurses, Nathan Rambukkana, sowie der Koordinator meines M.A.-Programms, Herbert Pimlott (manchmal auch bekannt als „Hillary X Plimsoll“), und die Managerin für geschlechtsspezifische Gewalt und Prävention von sexuellen Übergriffen, Adria Joel, beschuldigten mich, gegen das Gesetz zu verstoßen, indem ich ein Video mit Peterson im Klassenzimmer gezeigt, sowie Trans-Personen bedroht und angriffen habe, wodurch eine toxische Umgebung geschaffen wurde. All das ist bekannt, weil ich das ganze Treffen aufgezeichnet habe.

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Giftgasangriff? Was ist in Duma am 7. April 2018 passiert?

Der Gaskanister im Bett. Screenshot
Für die USA waren die Bilder der Weißhelme Beweis genug zur Bombardierung, ein investigativer US-Journalist hat sich bemüht, den Nebel des Krieges und der Propaganda vorurteilslos zu durchdringen.

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Passend zur Münchener Sicherheitskonferenz, wo die Veranstalter wie jedes Jahr einen drohenden Zusammenbruch, dieses Mal der „liberalen Weltordnung“, beschwören, ist auf Intercept der Bericht von James Harkin, Direktor des Centre for Investigative Journalism und Mitglied des Shorenstein Center der Harvard University, erschienen, der sich noch einmal den angeblichen Giftgasangriff auf das syrische Duma (Douma) im April 2018 vorgenommen hat (Das lässt aufhorchen: Angeblicher Chemiewaffenangriff in Ost-Ghouta).

Er war bereits Anfang Juli 2018 nach Duma gereist, um sich die Lage vor Ort anzusehen. Seine Reportage ist Pflichtlektüre, auch wenn man letztlich zu anderen Schlüssen kommen mag. Klar ist auf jeden Fall, dass viele Menschen umkamen, letztlich ist es egal, ob sie Opfer einer chemischen Waffe oder einer normalen Bombe wurden.

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Personhood & Abortion Rights: How Science Might Inform this Contentious Issue

Image: Skeptic
Although it has been 45 years since Roe v. Wade was decided by the Supreme Court of the United States (SCOTUS), abortion continues to be a highly controversial and polarizing issue within the body politic.

By Gary Whittenberger | Skeptic

At the two ends of the continuum are the radical pro-life and radical pro-choice advocates. The radical pro-life position is that from the moment of conception the human organism is a person that should have full human rights, including the right to life, and these rights should be fiercely protected by the state. On the other side, the radical pro-choice position is that the pregnant woman already has full human rights, including the right to bodily autonomy, and that she can freely decide to end her pregnancy at any time she wishes for any reason at all. Many pro-lifers view the zygote—the one-celled human organism resulting from fertilization—as sacred, and believe that causing the death of the zygote, embryo, or fetus, either directly or indirectly, is murder. By contrast, the pro-choicers believe that the organism becomes a person only after it leaves the womb and becomes disconnected from the life support of the mother. The main purpose of this essay is to articulate a third position that falls between these two extremes. Call it the “pro-person” position. Although it leans more towards the pro-choice stance, it has a much stronger philosophical and scientific foundation.

Most of us would agree that all persons should be assigned the full spectrum of human rights, e.g. rights to life, bodily autonomy, property, etc. But what is a person anyway? When does the human organism developing inside a woman become a person? Traditionally, the answer was left to theologians and religious leaders. The prevailing view during the time of Aristotle was that the human soul entered the forming body at 40 days in male embryos and at 90 days in female embryos.

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Napoleon und die Kirchen – der Papst und die Revolution: Pius salbt den Kaiser

Krönung von Napoleon Bonaparte in Anwesenheit von Papst Pius VII. © Wikimedia Commons/gemeinfrei
Der Papst als Verräter? Als Pius VII. Napoleon bei der Kaiserkrönung salbte, waren die Monarchisten empört – segnete das Kirchenoberhaupt damit doch die Französische Revolution. Doch Pius war alles andere als willfährig.

DOMRADIO.DE

Frankreich feiert in diesem Jahr den 250. Geburtstag von Napoleon Bonaparte. Der Feldherr und Kaiser, der am 15. August 1769 im korsischen Ajaccio zur Welt kam, hat Europas Landkarte umgekrempelt. Auch für Katholizismus und Kirche war seine Herrschaft ein Wendepunkt.

„Ich sterbe in der apostolischen und römischen Religion, in deren Schoß ich vor mehr als 50 Jahren geboren wurde.“ So heißt es im Testament, das Napoleon 1821 kurz vor seinem Tod am 15. Mai in der Verbannung auf St. Helena diktierte. Zuvor hatte er von zwei italienischen Patres die Sterbesakramente erhalten.

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Syrische Ex-Geheimdienstler in Deutschland wegen Folter festgenommen

In syrischen Foltergefängnissen verschwanden zahlreiche Oppositionelle. Nun könnten sich zwei Ex-Geheimdienstmänner für Gräueltaten in Deutschland verantworten müssen.

Neue Zürcher Zeitung

Wegen massenhafter Folterungen und körperlicher Misshandlungen von Oppositionellen durch den syrischen Geheimdienst hat der deutsche Generalbundesanwalt einen früheren Abteilungsleiter und einen von dessen Untergebenen festnehmen lassen.

Es geht um den Verdacht von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie die oberste deutsche Anklagebehörde am Mittwoch in Karlsruhe mitteilte. Die beiden 56 und 42 Jahre alten Syrer wurden den Angaben zufolge am Dienstag in Berlin und Rheinland-Pfalz gefasst und befinden sich inzwischen in Untersuchungshaft.

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Achtsam statt einsam: Kann Achtsamkeitstraining einsamen Menschen helfen?

Hilft Achtsamkeit bei Einsamkeit? © Maryna Patzen/ istock
Weg aus der Einsamkeit: Einsamen Menschen können womöglich Achtsamkeitsübungen helfen. Denn sie unterstützen Betroffene dabei, sich selbst zu akzeptieren – und somit auch offener gegenüber anderen zu werden, wie eine Studie zeigt. Probanden, die ein zweiwöchiges Training zur Achtsamkeit absolviert hatten, fühlten sich demnach nicht nur weniger einsam. Sie hatten im Alltag tatsächlich auch mehr soziale Interaktionen als vorher.

scinexx

Wer sich einsam fühlt, leidet längst nicht nur psychisch: Das Gefühl der sozialen Isolation kann auf Dauer auch konkrete körperliche Auswirkungen haben. So belegen Studien, dass einsame Menschen schlechter schlafen, anfälliger für Stress sind und Schmerzen oder Krankheitssymptome als schlimmer empfinden. Zudem hemmt die Einsamkeit das Immunsystem, sodass Betroffene häufiger krank werden – und möglicherweise sogar schneller altern.

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Sozialstaatssimulation und Flüchtlingsabwehr

Grafik: TP
Mit Klausuren bereiten sich SPD und CDU/CSU auf die nächsten Wahlkämpfe vor

Peter Nowak | TELEPOLIS

Hartz IV heißt jetzt Bürgergeld, einige „sinn- und unwürdige Sanktionen“ sollen abgeschafft werden, insgesamt sollen die Sanktionen aber nicht verschwinden. Einführen will man eine Kindergrundsicherung und der Mindestlohn soll auf 12 Euro angehoben werden. Das sind einige Kernpunkte eines Konzepts mit dem Namen „Sozialstaat 2025“, das die SPD am Wochenende auf einer Klausur in Berlin diskutiert und der Presse vorgestellt hat.

Damit will die SPD „Hartz IV hinter sich lassen“, wie die Parteivorsitzende Nahles seit Wochen betont. In der Wirtschaft gibt es allerdings Vertreter, die der Ansicht sind, Hartz IV habe sei 2005 den zugedachten Zweck erfüllt und zur Etablierung eines ausgedehnten Niedriglohnsektors in Deutschland beigetragen. Zudem könnte das Bundesverfassungsgericht, das gerade über die Frage entscheidet, ob die ausufernde Sanktionspraxis überhaupt mit dem Grundgesetz vereinbar ist, der Sanktionspraxis einige Grenzen setzen.

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Genfer Staatsangestellte dürfen kein Kopftuch, keine Kippa und kein Kreuz mehr tragen

Der Kanton Genf präzisiert den Umgang mit den verschiedenen Religionsgemeinschaften. Parlamentariern und staatlichen Mitarbeitern ist das Tragen von religiösen Symbolen nunmehr verboten. Das letzte Wort zum neuen Laizitätsgesetz sprechen aber die Gerichte.

Antonio Fumagalli |Neue Zürcher Zeitung

Der Kanton Genf ist in religiöser Hinsicht schon seit über einem Jahrhundert der radikalste Kanton der Schweiz. Das Prinzip der Laizität – also der Trennung zwischen Kirche und Staat – wurde schon 1907 festgehalten und nur gerade Neuenburg folgte dem Beispiel 1941, wenn auch aus anderen Beweggründen. Die Verfassungsänderung von 2012 bestätigte die Genfer Laizität.

Auf Bestreben von Staatsrat Pierre Maudet (fdp.) präzisierte in der Folge eine Arbeitsgruppe den Verfassungsgrundsatz. Das daraus entstandene Laizitätsgesetz fand im Parlament eine komfortable Mehrheit, nicht weniger als vier verschiedene Gruppierungen ergriffen jedoch das Referendum – vergeblich. Am Sonntag nahmen 55,05 Prozent der Stimmbevölkerung das neue Gesetz an.

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Ich will, wo Es ist: Versuch einer kleinen Psychopathologie der Neuen Deutschen Rechten

Grafik: TP
Wie krank sind Rechtspopulisten und Rechtsextremisten? Versuch einer kleinen Psychopathologie der Neuen Deutschen Rechten

Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Die ersten Gerüchte über Chemnitz, gestreut in den rechten Wahnräumen des Netzes, waren eindeutig sexuell konnotiert: Eine deutsche Frau sei von dunkelhäutigen Ausländern sexuell belästigt worden, die drei Deutsche töteten, als diese versuchten, die bedrängte Frau zu schützen. Die erste rechtsextreme Gewaltwelle, die sich spontan in Chemnitz am 26. August 2018 entlud, wurde gerade durch diese Gerüchte von einer versuchten Vergewaltigung durch Flüchtlinge angefacht.

Und dies ist ein immer wiederkehrendes Motiv der paranoiden rechten Gewaltphantasien, die einen regelrechten „Genozid“ am „deutschen Volk“ halluzinieren. Immer wieder erfinden Rechte schlicht sexuelle Übergriffe, wie etwa die angebliche Gruppenvergewaltigung einer Verkäuferin durch Flüchtlinge in Zwickau. In Görlitz wiederum hielten sich tagelang Gerüchte um Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Ausländer auf dem Gelände des dortigen Klinikums.

Auch in Chemnitz gab es im Vorfeld der Geschehnisse Ende August Gerüchte über Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Ausländer. Die in der Neuen Rechten allgegenwärtige, sexualisierte Angst vor dem Völkermord an den Deutschen, vor der „Umvolkung“ Deutschlands, sie ist eingebettet in einen hysterischen Opferwahn, der inzwischen bizarre Ausmaße angenommen hat.

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School shooters usually show these signs of distress long before they open fire: study

Image: AlterNet
Two years before he lined his schoolmates up against a classroom wall and executed them one by one, the student, who would become the gunman, tried to show his English teacher something important.

The Conversation | AlterNet

He had quietly slid up his sleeves to reveal the cut marks running down his arms. The teacher panicked. A novice educator at the time, she had never been coached or trained in what to do in these situations, what to say or how to help. So she passed the student off to another teacher, who then filed a form with the principal’s office. She felt fairly certain nothing else came of it.

“He was asking for help,” the teacher said in reflecting on the encounter during a recent interview. “If I’d had some training to help him, a five-step sheet to follow, say this, say that, maybe I could have made a difference?”

The story is one of dozens that we have collected over the past two years in our effort toward studying the life histories of mass shooters. It typifies what we believe is one of the biggest challenges that schools face when it comes to averting school shootings – and that is recognizing and acting upon warning signs that school shooters almost always give well before they open fire.

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The Philosopher Who Says We Should Play God

Illustration by Jackie Ferrentino/ NAUTILUS
Why ethical objections to interfering with nature are too late.

By Steve Paulson | NAUTILUS

Australian bioethicist Julian Savulescu has a knack for provocation. Take human cloning. He says most of us would readily accept it if it benefited us. As for eugenics—creating smarter, stronger, more beautiful babies—he believes we have an ethical obligation to use advanced technology to select the best possible children.

A protégé of the philosopher Peter Singer, Savulescu is a prominent moral philosopher at the University of Oxford, where he directs the Uehiro Centre for Practical Ethics. He also edits the Journal of Medical Ethics. Savulescu isn’t shy about stepping onto ethical minefields. He sees nothing wrong with doping to help cyclists climb those steep mountains in the Tour de France. Some elite athletes will always cheat to boost their performance, so instead of trying to enforce rules that will be broken, he claims we’d be better off with a system that allows low-dose doping.

So does Savulescu just get off being outrageous? “I actually think of myself as the voice of common sense,” he says, though he admits to receiving his share of hate mail. He’s frustrated by how hard it is to have reasoned arguments about loaded issues without getting flamed on the Internet. Savulescu thinks we need to become far more adept at sorting out difficult moral issues. Otherwise, he says, the human species will face dire consequences in the coming decades.

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Leben ist Evolution

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB
Drei Evolutionsforscher im Gespräch über Charles Darwin, die Evolution auf anderen Planeten und das Artensterben auf der Erde

Max-Planck-Gesellschaft

Mit dem am 12. Februar begangenen Darwin-Tag wird jedes Jahr dem Geburtstag des großen Naturforschers gedacht. Der britische Wissenschaftler hat im 19. Jahrhundert wesentliche Erkenntnisse über die Evolution gewonnen und damit das traditionelle Verständnis vom Leben auf der Erde und der Stellung des Menschen auf den Kopf gestellt. Für Diethard Tautz und Paul Rainey vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön sowie Ralf Sommer vom Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen hat Darwin das Fundament für die Erforschung der Evolution gelegt – ein Forschungsgebiet das nicht mehr nur in die Vergangenheit blickt, sondern auch immer mehr in die Zukunft.

Diethard Tautz: „Darwin war ein Revolutionär!“

Was war Ihrer Meinung nach die zentrale Erkenntnis Darwins?

Darwins große Leistung besteht darin, dass er die natürliche Selektion als treibende Kraft hinter der Evolution erkannt hat. Er hat die unglaubliche Vielfalt des Lebens auf der Erde dadurch erklärt, dass Individuen, die sich fortpflanzen und ihre Eigenschaften an Nachkommen weitergeben können, um knappe Ressourcen kämpfen. Dadurch passen sich die Individuen laufend an neue Umweltbedingungen an und bringen so die unterschiedlichsten Formen und Überlebensstrategien hervor. Ein verblüffend einfaches Prinzip für ein so ungeheuer vielfältiges Phänomen wie das Leben!

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Integration: „Großteil der Zugewanderten hat an unseren Angeboten kein Interesse“

Für den Präsidenten des Städte- und Gemeindebundes, Uwe Brandl, ist das Thema Integration „sehr zwiespältig“. Eine Maßnahme müsse für alle Migranten ab Tag eins gelten. Der CSU-Politiker warnt auch davor, abgehängte Regionen nur im Osten zu sehen.

Von Ricarda Breyton | DIE WELT

Uwe Brandl ist seit mehr als 25 Jahren Bürgermeister der niederbayerischen Kleinstadt Abensberg. Seit 2018 ist der 59-jährige CSU-Politiker Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Der kommunale Spitzenverband vertritt die Interessen von 11.000 Kommunen.

WELT: Herr Brandl, als Sie kürzlich in einem Interview nach den größten Herausforderungen für die Kommunen gefragt wurden, erwähnten Sie die Integration von Migranten gar nicht. Ist die Eingliederung von Flüchtlingen und anderen Zuwanderern also in Merkels Sinne „geschafft“?

Uwe Brandl: Geschafft ist sie natürlich nicht. Das ist und bleibt eine Daueraufgabe. Wir haben aber zügig funktionstüchtige Strukturen entwickelt, um die Personen, die als Gäste zu uns kamen, zu versorgen und zu betreuen. Aber ich sage auch ganz ehrlich: Das Thema Integration ist für mich sehr zwiespältig. Denn funktionierende Integration setzt auch das Wollen voraus, aktiv mitzumachen.

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Hat die Kirche Sonderrechte bei strafrechtlichen Ermittlungsverfahren?

Der Bund für Geistesfreiheit (BfG) Neuburg-Ingolstadt verschickte einen Brief an Johannes-Wilhelm Rörig, den Bundesbeauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Er kritisiert darin die schleppende Aufklärung des Missbrauchs.

Redaktion hpd.de

Der Bund für Geistesfreiheit Neuburg-Ingolstadt K. d. ö. R. versteht den sexuellen Missbrauch an Kindern in der katholischen Kirche nicht nur als Schaden, der an den Individuen verursacht wird, sondern erkennt darüber hinaus in der selektiv zurückhaltenden Anwendung rechststaatlicher Mittel zur Verfolgung dieser Taten einen Schaden an der Glaubwürdigkeit des Rechtsstaats.

Deshalb schrieb der Vorstand des BfG Neuburg-Ingolstadt am 4. Februar einen Brief an den Bundesbeauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig. In dem Schreiben heißt es: „die Kirche hat sich sexueller Verbrechen an Minderjährigen schuldig gemacht. In der breiten Öffentlichkeit werden diese Verbrechen als ‚Skandal‘ wahrgenommen und von Ihnen als ‚ungeheuerliches Unrecht‘ bezeichnet.“

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The Case for Professors of Stupidity

Bertrand Russell’s quip prefigured the scientific discovery of a cognitive bias—the Dunning–Kruger effect—that has been so resonant that it has penetrated popular culture.Wikicommons
On this past International Holocaust Remembrance Day, I reread a bit of Bertrand Russell. In 1933, dismayed at the Nazification of Germany, the philosopher wrote “The Triumph of Stupidity,” attributing the rise of Adolf Hitler to the organized fervor of stupid and brutal people—two qualities, he noted, that “usually go together.”

By Brian Gallagher | NAUTILUS

He went on to make one of his most famous observations, that the “fundamental cause of the trouble is that in the modern world the stupid are cocksure while the intelligent are full of doubt.”

Russell’s quip prefigured the scientific discovery of a cognitive bias—the Dunning–Kruger effect—that has been so resonant that it has penetrated popular culture, inspiring, for example, an opera song (from Harvard’s annual Ig Nobel Award Ceremony): “Some people’s own incompetence somehow gives them a stupid sense that anything they do is first rate. They think it’s great.” No surprise, then, that psychologist Joyce Ehrlinger prefaced a 2008 paper she wrote with David Dunning and Justin Kruger, among others, with Russell’s comment—the one he later made in his 1951 book, New Hopes for a Changing World: “One of the painful things about our time is that those who feel certainty are stupid, and those with any imagination and understanding are filled with doubt and indecision.” “By now,” Ehrlinger noted in that paper, “this phenomenon has been demonstrated even for everyday tasks, about which individuals have likely received substantial feedback regarding their level of knowledge and skill.” Humans have shown a tendency, in other words, to be a bit thick about even the most mundane things, like how well they drive.

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Illegal Abortions Exact a High Toll Among African Women

Residents of Lebeko, a rural village in Lesotho prepare for the funeral of Nontsikelo Njuza. The 21-year-old died from complications of an illegal abortion. (Photo courtesy of the Njuza family)
Nomathemba Njuza will never forget the traumatic loss she suffered on Aug. 23 last year. Two young women showed up at her family home in rural Lesotho with their schoolmate, Njuza’s 21-year-old daughter Nontsikelo, who was in severe pain. Nontsikelo’s friends said their teacher had asked them to bring her back from school.

Mamofuta Kale | truthdig

Njuza called neighbors for help because Nontsikelo was suffering from piercing cramps and heavy bleeding. “I hired a van to take her to a clinic, and by the time we arrived, she was lying in a pool of blood,” Njuza says. Nontsikelo’s condition was so severe she had to be transferred to a hospital 30 miles away. She died during the trip there.

Njuza knows exactly what killed her daughter. On the way to the clinic, Nontsikelo said she had taken an abortion pill from a man she found on Facebook.

Nontsikelo was the victim of an unsafe abortion—one performed by an unskilled practitioner or in a substandard medical environment. Her story is a common one in Africa, where more than 4 million unsafe abortions are performed each year. One out of every 150 African women who have an unsafe abortion dies from complications, and countless others come away scarred physically or emotionally.

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Bikini-Blick: Kranke Frauen werden nicht ernst genommen

(Illustration: Alexia Papadopoulos)
Die Forschung konzentriert sich bei Frauen auf Brust und Fortpflanzungsorgane. Bei unerklärbaren Krankheiten diagnostiziert man oftmals fälschlich hormonelle oder psychische Ursachen. Das Ergebnis: jahrelanges Leiden und früher Tod.

Von Regula Freuler, Theres Lüthi | Neue Zürcher Zeitung

Der Kopf sagt: Steh auf! Aber die Muskeln gehorchen nicht. Jede Bewegung verursacht rasende Schmerzen. Die Sicht ist verschwommen. Die Worte stolpern nur noch als Geblabber aus dem Mund. Das Gehirn brennt. Doch die Tests im klinischen Labor ergeben – nichts. Als Nächstes kommt die Aufforderung: Gehen Sie zum Psychiater.

So ergeht es Millionen von Menschen weltweit. Sie leiden unter chronischen Schmerzen, lähmender Erschöpfung bis zur Arbeitsunfähigkeit und müssen sich aus ihrem sozialen Netz verabschieden. Ein weiteres Merkmal: Es handelt sich mehrheitlich um Frauen.

Krankheiten wie Fibromyalgie, myalgische Enzephalomyelitis, Hashimoto-Thyreoiditis oder interstitielle Zystitis treffen zu 70 bis 90 Prozent das weibliche Geschlecht.

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