»Human Roots Award« an den Evolutionsbiologen Richard Dawkins überreicht

Richard Dawkins, Screengrab
Am 10. November 2017 verlieh das Archäologische Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution MONREPOS zum ersten Mal den »Human Roots Award« für herausragende wissenschaftliche Leistungen und ihren Einfluss auf die Archäologie der Menschwerdung. Mehr als 100 geladene Gäste aus dem In- und Ausland waren anwesend, als der mit 10.000 Euro dotierte Preis an den Evolutionsbiologen und Ethologen Professor Richard Dawkins übergeben wurde. Ausgezeichnet wurde er für die Bedeutung seiner Forschung auf das Verständnis der menschlichen Verhaltensevolution. Dawkins blieb über eine Woche zu Gast in Neuwied, um sich unter anderem mit den Wissenschaftlern in MONREPOS auszutauschen.
Christina Nitzsche Bildung und Kommunikation
Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) – Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie

„Wir wollen mit dem Preis den interdisziplinären wissenschaftlichen Dialog fördern und das öffentliche Bewusstsein für die Relevanz der Erkenntnisse aus der Erforschung der Menschwerdung für die Zukunft der Menschheit schaffen“, so beschrieb Prof. Sabine Gaudzinski-Windheuser, Leiterin von MONREPOS, die Bedeutung des neu geschaffenen Preises. Mit dem Award solle aus der archäologischen Sicht auf die „Menschwerdung“ und dem Blick auf das „Menschsein“ heute eine Brücke zwischen zum „Menschbleiben“ in der Zukunft geschlagen werden. Denn nur mit einer solchen humanistischen Agenda lasse sich die Zukunft der Menschheit nachhaltig gestalten.

In Vertretung seines Vaters, Prof. Irenäus Eibl-Eibesfeldt, dem Begründer der Humanethologie sowie Schirmherren des Preises, richtete Dr. Bernolf Eibl-Eibesfeldt ein Grußwort an die Gäste. Er freue sich besonders darüber, dass ein derart renommierter Wissenschaftler wie Richard Dawkins mit dem ersten »Human Roots Award« ausgezeichnet wurde.

Die Laudatoren, Dr. Lutz Kindler und Dr. Olaf Jöris, beide MONREPOS, zeichneten das wissenschaftliche Wirken Dawkins‘ nach und betonten seinen Einfluss auf die Erforschung der Menschwerdung und auf die Vermittlung von Wissenschaft. „Niemand setzt sich so sehr für die Anerkennung der Evolution als Fakt ein wie Richard Dawkins“, trug Kindler vor, „nicht nur um die Natur zu begreifen, sondern auch, um unser menschliches Selbstbild zu verstehen“. Dies mache ihn zu einem führenden Denker unserer Zeit. Seine Sicht auf die natürliche Selektion reiche weit über die Grenzen der Evolutionstheorie hinaus und habe eine enorme Auswirkung auf die Art und Weise, wie die Archäologie die Evolution des menschlichen Verhaltens untersucht und zu erklären versucht. „So ist Richard Dawkins nicht nur einer der Gründungsväter der Soziobiologie […], er ist zudem richtungsweisend für alle Disziplinen, die an der Schnittstelle zwischen Geisteswissenschaften, Sozial- und Biowissenschaften arbeiten, ganz wie wir hier in Monrepos unsere Archäologie verstehen.“

Jöris brachte in seinem Beitrag Dawkins’ Sicht auf die Bedeutung von Wissenschaft für die Gesellschaft („Public understanding of Science“) auf den Punkt: „Wissenschaft ist bedeutungslos oder überflüssig, wenn sie keine Konsequenzen für unser Leben und für unsere Zukunft hat!“. So setze sich auch MONREPOS unter anderem mit seiner Dauerausstellung »MenschlICHes VERSTEHEN« dafür ein, seine Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und dieser ihre Verantwortung für die Zukunft aufzuzeigen. Mit den Worten „Wie unsere zukünftige Welt aussehen wird, liegt in unseren Händen. Unser Menschbleiben hängt von der Summe der Erkenntnisse ab, die wir den Forschungen zum Menschsein heute entlocken, sowie den Einsichten aus unserer tiefen Vergangenheit, die im Pleistozän begann und in der sich unsere heutigen Verhaltensweisen formten und akkumulierten“, schloss Jöris seine Laudatio und leite zur Preisverleihung durch Eibl-Eibesfeldt über.

Dawkins zeigte sich gerührt von der Auszeichnung und widmete seinen Vortrag der Kernaussage all seiner wissenschaftlichen Arbeiten: der Bedeutung des Gens als zentraler Selektionseinheit der Evolution. Dass Wissenschaft keine trockene Materie ist, zeigte sich im Anschluss der Preisverleihung. Bis tief in die Nacht feierten die Gäste mit dem Preisträger.

Am nächsten Tag schloss eine Frühstücksdebatte zum Thema „Menschliche Universalien“ das Programm ab. 18 Teilnehmer – international renommierte Wissenschaftler aus den Bereichen Archäologie, Ethnologie, Sozialpsychologie, Physik, Philosophie, den Politik- und Wirtschaftswissenschaften – diskutierten über Ursachen und Formen innerartlicher Gewalt unter der Fragestellung „Ist der Mensch eine aggressive Spezies?“. Die Frage „Woher kommt unsere menschliche Historizität?“ leitete das zweite Thema der belebten Debatte ein. Bei beiden Fragen ging es wesentlich darum, sich einer Antwort zu nähern, die zu erkennen hilft, was den Menschen von Natur aus auszeichnet, und welches der Grad der kulturellen Überprägung oder Modulation seiner ist – ein Thema für weitere Debatten, das nur inter- bzw. transdisziplinär angegangen werden kann.

Die Verleihung des »Human Roots Award« lenke den Blick auf einen besonderen Forschungszweig des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, sagte der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf in einer Stellungnahme. „Mit seiner Außenstelle MONREPOS vermittelt es anschaulich und innovativ, wie sich menschliches Verhalten in der Frühzeit entwickelt hat und welche Verhaltensweisen bis heute fortwirken. Die Qualität der Forschungsleistungen und die Besonderheit des Vermittlungsansatzes von MONREPOS sind weithin anerkannt und wurden erst im letzten Jahr durch eine wissenschaftlichen Begutachtung als besonders positiv herausgestellt.“

Möglich gemacht wurde die Preisverleihung durch das private Engagement von Prof. Dr. Max Otte, einem bekannten deutsch-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler, der das Preisgeld großzügig zur Verfügung stellte.

„Die positive Resonanz der Gäste und aller Beteiligten ist auch von Einfluss für künftige Aktivitäten in MONREPOS“, berichtet Sabine Gaudzinski-Windheuser kurz nach der Veranstaltung. Zur nächsten Preisverleihung käme Dawkins gerne wieder als Gast nach MONREPOS, so die Abschiedsworte des Preisträgers nach seinem einwöchigen Aufenthalt in Neuwied.

Koordination
Univ.-Prof. Dr. Sabine Gaudzinski-Windheuser, Dr. Olaf Jöris; Dr. Lutz Kindler

Kontakt
Dr. Olaf Jöris | Tel.: +49 (0) 2631 9772 14 | Mail: joeris@rgzm.de

Pressestelle des RGZM
Ebru Esmen M.A. | Tel.: +49 (0) 6131 9124 165 | Mail: esmen@rgzm.de

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Ein neu gegründeter Verein unterstützt geflüchtete Ex-Muslime in Deutschland

Bild: hpd.de
„Ich hatte das Gefühl, Saudi-Arabien nie verlassen zu haben!“ Mit diesen Worten charakterisierte die Ex-Muslimin Rana Ahmad die Situation in dem Kölner Flüchtlingslager, in dem man sie nach ihrer Flucht aus Saudi-Arabien untergebracht hatte. Die besonderen Probleme von Ex-Muslimen, die vor dem politischen Islam nach Deutschland geflüchtet sind und in Flüchtlingslagern mit streng gläubigen Muslimen zusammenleben müssen, werden noch immer sträflich ignoriert. Um diesen Missstand zu beheben, wurde in Köln der Verein „Säkulare Flüchtlingshilfe“ gegründet, der am vergangenen Freitag beim internationalen Festakt „10 Jahre Ex-Muslime“ der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

hpd.de

Mit Unterstützung des Zentralrats der Ex-Muslime und der Giordano-Bruno-Stiftung hat der Verein eine Broschüre herausgebracht, die die „Herausforderungen und Ziele der Säkularen Flüchtlingshilfe“ (siehe Anlage) beschreibt. Die Broschüre zeigt die politischen Forderungen des Vereins auf, geht aber auch auf die Geschichte von Rana Ahmad ein, die in Köln feststellen musste, dass die Gefahr, vor der sie geflohen war, mit ihr gereist war, nämlich in Gestalt anderer Flüchtlinge. Rana wurde in Deutschland von streng gläubigen Muslimen bedroht – wie zuvor in Saudi-Arabien. Sie musste um ihr Leben fürchten – wie in Saudi-Arabien. In ihrer Verzweiflung nahm sie Kontakt zum Zentralrat der Ex-Muslime und zur gbs Köln auf und entschloss sich, mit ihrer Geschichte in die Öffentlichkeit zu gehen. Schon im Juni 2016 erschien ein erster großer Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, im September war sie gleich zwei Mal in der Sendung sternTV zu Gast.

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Philosoph Christoph Türcke: „Man braucht die Schulen eigentlich nicht mehr“

foto: imago / christian grube Christoph Türcke warnt vor einem neoliberalen Bildungssystem, in dem die Lehrer durch Maschinen und Programme ersetzt werden.

Christoph Türcke über die Ökonomisierung des Bildungsbetriebs, Lehrer, die zu Lernbegleitern mutieren, neue autoritäre Strukturen in der Schule und alte Effizienzfantasien, die in ihr Gegenteil kippen

Interview Lisa Nimmervoll | derStandard.at

STANDARD: Sie haben in einem Buch die „Lehrerdämmerung“ ausgerufen. Wer oder was bedroht denn die Spezies Lehrer?

Türcke: Ein neoliberales Bildungssystem, das unter dem Stichwort „Neue Lernkultur“ geführt wird, wo die Lehrer ihre ursprüngliche Rolle, nämlich das Zeigen von Sachverhalten, nicht mehr ausüben, sondern nur noch als Lernbegleiter fungieren sollen. Die Schüler lernen an vorgegebenen Lernmaterialien, die die Lernbegleiter bereitzustellen haben, möglichst für jeden individuell einen eigenen Arbeitsblattstapel. Das soll ganz wunderbar sein, weil dann jeder nach eigenem Wunsch, in eigener Reihenfolge, in eigenem Tempo voranschreiten kann und die Autonomie und Selbstständigkeit des Lernens die schönsten Blüten treibt. Keine autoritären Säcke mehr, die einer ganzen Klasse Inhalte vorgeben, wo doch jedes Individuum anders tickt und anders gestrickt ist. Statt Lehrern nur noch Ratgeber, die bei Bedarf zur Stelle sind, Tipps geben und spontanes Coaching durchführen.

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Mehr Schaden als Nutzen durch Religion

Eine repräsentative Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos in 23 Ländern weltweit ergab, dass sechs von zehn Deutschen (63 %) glauben, dass Religion der Welt mehr schadet als nützt.

Von Frank Nicolai | hpd.de

Die Deutschen liegen damit gemeinsam mit den Spaniern (63%) im globalen Vergleich auf Rang zwei. Nur in Belgien (68%) bewerten mehr Menschen den Einfluss von Religion negativ. In Russland (36%) und Japan (26%) stimmen die wenigsten zu.

Nur ein Viertel der Deutschen gab bei der Umfrage an, dass ihr Glaube sie als Person definiere. (global: 38%) Damit ist klar, dass die Religion in Deutschland einen geringen Einfluss auf der persönlichen Ebene hat. Umso mehr verwundert es, wenn Politiker immer wieder betonen, dass Deutschland ein „christlicher Staat“ sei. Zwar denken vier von zehn (37%) Deutschen, dass religiöse Bräuche und Praktiken wichtig für die Moral der Gesellschaft in ihrem Land sei. Doch dass religiöse Menschen die besseren Bürger seien, glaubt hingegen nur einer von sechs (17%).

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Schwarzafrikanische Asylsuchende in Melilla: Außen vor

Schier unüberwindbare Hindernisse: Melilla ist umgeben von Grenzzäunen, die zum Teil bis zu sieben Meter hoch sind. Um die beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla befinden sich die einzigen direkten Landgrenzen zwischen Marokko und der Europäischen Union. Regelmäßig versuchen afrikanische Flüchtlinge, dort auf EU-Territorium zu gelangen.
Die meisten, die in der spanischen Enklave Melilla in Nordafrika Asyl beantragen, sind Syrer, Jemeniten und Algerier. Menschen mit schwarzer Haut sind kaum darunter. Warum?

Von Santiago Sáez | Qantara.de

Ein kleines Stück Hoffnung – Hoffnung auf Asyl, ohne die lebensgefährliche Reise auf einem Schleuserboot über das Mittelmeer auf sich nehmen zu müssen – liegt an der Küste von Marokko: Melilla, eine spanische Enklave, 86.000 Einwohner, auf der Fläche einer deutschen Kleinstadt. Doch Hoffnung machen können sich vor allem Geflüchtete aus dem Nahen Osten und Nordafrikaner. Es nach Melilla zu schaffen, ist für niemand einfach, doch für schwarze Menschen fast unmöglich.

„Welche Asylbehörde? Eine Asylbehörde in Beni Ansar? Aber das ist für uns unmöglich. Wir kommen nicht mal in die Nähe der Grenze. Das ist nur was für Syrer“, so wird ein Mann aus Guinea im Jahresbericht 2016 der Andalusischen Menschenrechtsorganisation APDHA zitiert. Der Ort Beni Ansar liegt in Marokko, direkt an der Grenze zu Melilla. Um auf geregeltem Weg nach Melilla zu kommen, müssen Geflüchtete hier passieren – und damit auch den marokkanischen Grenzschutz.

Wie viele andere schwarze Migranten und Flüchtlinge lebte der Mann, der mit APDHA sprach, in den Wäldern der Provinz Nador. Dort bereiten sie sich auf den harten Weg nach Melilla vor. Es sind nur wenige Kilometer, die sie von der spanischen Enklave trennen. Doch die Stadt ist umgeben von bis zu sieben Meter hohen, mit scharfem Stacheldraht versehenen Grenzzäunen. Über sie zu klettern, kann tödlich enden, ebenso wie der Versuch, schwimmend den Hafen von Melilla erreichen, oder versteckt in einem Lastwagen.

Schwarzafrikaner werden weggeschickt

Ende 2014 eröffnete Spanien zwei Asylbüros in Nordafrika, je eins in Melilla und Ceuta, den beiden spanischen Exklaven in Marokko. Die Erwartung, dies könnten dazu beitragen, den Asylprozess humaner zu gestalten, wurden bitter enttäuscht. Das Büro in Ceuta ist mittlerweile geschlossen. Nach Melilla schaffen es nur wenige Asylsuchende, vor allem Araber und Nordafrikaner.

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Deutsche Gynäkologin wegen Werbung für Abtreibung vor Gericht

KollegInnen solidarisieren sich mit Kristina Hänel und kritisieren ein Gesetz aus dem Jahr 1933, das den Zugang zu Information erschwere

dieStandard.at

Ein gelb unterlegter Titel in schwarzen Lettern, dahinter viele Porträtbilder. Das Titelbild der aktuellen Wochenendausgabe der deutschen Tageszeitung „Taz“ erinnert sofort an das berühmte „Stern“-Cover aus dem Jahr 1971 mit dem Titel „Wir haben abgetrieben!“. Auch auf dem aktuellen Cover gegen es um Abtreibung. Darauf solidarisieren sich aber diesmal GynäkologInnen mit Kristina Hänel, die kommenden Freitag aufgrund des Verbots von „Werbung für den Abbruch einer Schwangerschaft“ vor Gericht steht.

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„Ich habe mit dem Begriff ‚Glauben‘ ein Problem“

© Bild: privat/katholisch.de
Alexander Waschkau ist Atheist, Eduard Habsburg-Lothringen Katholik – und beide sind gute Freunde. Für das letzte „Glaubensgespräch“ haben sie sich darüber unterhalten, was ihnen im Leben Kraft gibt.

Von Johanna Heckeley | katholisch.de

Für den letzten Teil der Serie „Glaubensgespräche“ diskutieren der Atheist Alexander Waschkau (41) und der Katholik Eduard von Habsburg-Lothringen (50) miteinander. Der Hamburger Psychologe und der Botschafter Ungarns beim Heiligen Stuhl haben sich über den Podcast „Hoaxilla“ von Alexander Waschkau und seiner Frau Alexa kennengelernt, über den sie Diskussionen führten. Seit fast vier Jahren machen sie selbst gemeinsam Podcasts zum Thema „Glaubenssache. Atheismus und Katholizismus im Diskurs“. Das sechste Glaubensgespräch findet, wegen der großen Entfernung, über Skype statt. Schon vor der ersten Frage entspinnt sich eine lebhafte Diskussion.

Eduard Habsburg-Lothringen: Unsere gemeinsame Theorie ist, dass, obwohl der eine glaubt und der andere nicht, Alexander und ich in unseren Grundprinzipien sehr nahe sind.

Frage: Woran glauben Sie denn?

Habsburg-Lothringen: Ich glaube, dass es einen Gott gibt, der nicht nur die ganze Welt, sondern auch mich erschaffen hat, der mich schrecklich gern hat und sehr gut kennt. Ich glaube also an eine persönliche Beziehung zu jemandem, mit dem man sein Leben verbringen kann. Das hat natürlich Konsequenzen für meinen Alltag und mein Verhalten, denn ich muss meinen Glauben leben, sodass es für andere spürbar ist. Ich versuche also, andere Menschen zu lieben, so gut ich kann, weil ich als Christ glaube, dass Gott das von mir möchte.

Alexander Waschkau: Ich habe mit dem Begriff „Glauben“ ein Problem und würde die Frage für mich umformulieren: Ich bin der Überzeugung, dass es keine höhere Macht gibt, die auf irgendeine Weise in einer Beziehung zu mir oder anderen Menschen steht. Zeitgleich bin ich der Überzeugung, dass die Menschheit insgesamt besser funktionieren würde, wenn wir alle humanistische Grundprinzipien annähmen. Wenn ich zu jedem Menschen, dem ich begegne, gut wäre, und er mir gegenüber auch gut wäre, hätten wir das Paradies auf Erden, um diesen religiösen Begriff zu entlehnen. Wenn alle Menschen humanistischen Grundprinzipien anhängen würden, bräuchten wir nicht unbedingt eine Religion. Es gibt Elemente der Religion, die dem Humanismus sehr nahe kommen, wie die Zehn Gebote. Weiter kondensiert wäre das der Kategorische Imperativ von Immanuel Kant, also nur nach der Maxime zu handeln, die jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte. Man muss also nicht gläubig sein, um die Zehn Gebote als gute Vorgaben zu sehen. Wenn sich alle an sie hielten, wären wir auch schon ein Stück weiter.

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„Liebe Salafisten, Hallo erstmal. Wir planen einen Schlag gegen euch, also räumt bitte auf und geht in Deckung!

Hamed Abdel-Samad, Bild: bb

Auf Unverständnis stießen Presseberichte des „Spiegel“ und anderer Medien, wonach in Nordrhein-Westfalen ein massiver Schlag gegen die salafistische Szene geplant sei, man wolle dort gegen radikale Moscheen und Vereine vorgehen.

kath.net

Dazu schrieb der deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad auf seinem Facebookauftritt sarkastisch: „Liebe Salafisten, Hallo erstmal. Wir planen einen Schlag gegen euch, also räumt bitte auf und geht in Deckung! Euer Freund und Helfer“. Der muslimische Publizist Abdel-Samad gilt als dezidierter Kritiker von radikalislamischen Vorstellungen.

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Antisemitismus: Der Beginn der Unterwerfung

Mathias Döpfner ist CEO der Axel Springer SE, zu der auch die WELT gehört Quelle: Die Welt, Andreas H. Bitesnich
Das Frankfurter Urteil, die Beförderung eines israelischen Passagiers sei für eine kuwaitische Airline nicht „zumutbar“, sorgt nur für wenig Empörung. Mich erinnert es an Auschwitz und Entebbe 1976.

Von Mathias Döpfner | DIE WELT

Ich habe den Atem angehalten. Ich wollte spüren und messen, wie lange es dauert nach dem schrecklichen Urteil von Frankfurt, in dem ein Richter es als „nicht zumutbar“ bezeichnet hat, dass Kuwait Airways einen Israeli von Frankfurt nach Bangkok transportiert. Ich wollte wissen, wie lange es dauert, bis eine grundstürzende Empörung den sonst so leicht zu empörenden medialen Raum erfüllt.

Wie schnell es geht, bis die sondierenden Parteichefs ihren seit Wochen andauernden Vorlese-Marathon von Parteiprogrammen unterbrechen, um sich zu einem wirklich wichtigen, hochpolitischen Grundsatz-Fall zu äußern. Und ich wollte wissen, ob und wann die Kanzlerin ein Machtwort spricht.

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Alice Schwarzer: „Sind Muslimen Solidarität schuldig“

„Die Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak im Gespräch mit der Journalistin und Publizistin Alice Schwarzer. – Stanislav Jenis
Islamisten sind für die Feministin Alice Schwarzer die „Faschisten des 21. Jahrhunderts“. Und aufgeklärte Muslime ihre ersten Opfer. Ein Gespräch mit „Die Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak.

Von Köksal Baltaci | Die Presse.com

Von Medienkritik zu sprechen wäre angesichts der Wortwahl glatt untertrieben. Was Alice Schwarzer zur Rolle der Medien in der Debatte über den politischen Islamismus sagt, kommt beinahe einer Abrechnung gleich. Dass es sich dabei ironischerweise um ihre eigene Zunft handelt, macht ihre Aussagen umso glaubwürdiger – ist sie doch selbst Journalistin und Publizistin, gründete 1977 die Frauenzeitschrift „Emma“ und gab zahlreiche Bücher heraus. Ihre konkrete Kritik: die Nichtunterscheidung zwischen Islam und Islamismus in der öffentlichen Diskussion, die zu einem „puren Rassismus“ gegenüber Muslimen in Europa geführt habe.

„Das ist ein dunkles Kapitel der Medien, die Ursünde dieser ganzen Debatte“, betonte Schwarzer am Freitagabend im Gespräch mit „Die Presse“-Chefredakteur und -Herausgeber Rainer Nowak im Wiener Stadtkino im Künstlerhaus. Und bekam – wie noch öfter bei dieser Diskussion, einer Kooperation zwischen dem Österreichischen Integrationsfonds und der „Presse“ – Szenenapplaus. „Ich sage das in aller Gelassenheit“, fuhr sie fort, „Islamisten sind die Faschisten des 21. Jahrhunderts; ihre ersten Opfer sind aufgeklärte Muslime, denen wir Solidarität schuldig sind.“ Besonderen Schutz verdienten die Kinder von Islamisten, die teilweise schon mit elf Jahren ein Kopftuch („die Flagge des islamistischen Kreuzzuges“) tragen müssten und dadurch sexualisiert würden. „Das ist ein Skandal, diese Kinder haben ein Recht auf Schutz.“

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Aussie rocker Nick Cave says he’s in Israel because of BDS

Aussie rocker Nick Cave addresses Israeli journalists during a press conference in Tel Aviv on Sunday, November 11, 2017 (screenshot: Israel Hayom)
Ahead of two sold-out concerts in Tel Aviv, the Bad Seeds singer says he kept away for 20 years, ‚acting scared,‘ but now decided to take a stand against censorship

By Jessica Steinberg | The Times of Israel

Australian rocker Nick Cave spoke about his love for Israel and his decision to stand up against BDS at a press conference ahead of his Sunday and Monday night sold-out performances in Tel Aviv.

Cave said his connection to Israel began years ago during an initial visit.

“People speak about loving a nation, but I felt a kind of connection that I couldn’t really describe,” he said.

Cave recalled that his 1997 album “The Boatman’s Call” didn’t do well in Israel and he didn’t include Israel in that tour — both because it was thought his music wasn’t popular here, and due to the logistical complications of bringing a tour to Israel.

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„Oury Jalloh, das war Mord!“

Polizeirevier Dessau-Roßlau. Ort des Geschehens, das am 5. Januar 2005 zum Tod des in Deutschland lebenden Sierra Leoners Oury Jalloh führte. Bild: M_H.DE / CC BY-SA 4.0
Ein beispielloser deutscher Justizskandal: Ein Mann wird in einer Polizeizelle verbrannt und niemand interessiert es

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Es war ein massiver Polizeieinsatz im Januar 2012, der aber nur in einer kleinen politischen Szene wahrgenommen wurde. Es waren vor allem Migranten aus Afrika, die wie jedes Jahr am 7. Januar auf die Straße gegangen sind, um am Todestag ihres Freundes und Bekannten Oury Jalloh zu gedenken. Jalloh war am 7.Januar 2005 in einer Dessauer Polizeizelle verbrannt.

Für die Polizei stand sofort fest, der Tote hat die Zelle selbst in Brand gesetzt. Ein kleiner Kreis von Jallohs Freunden und Bekannten wollte sich damit aber nicht zufriedengeben. Immer zum Todestag gingen sie in Dessau auf die Straße. Was 2012 geschehen ist, beschrieb die Initiative so:

Anlässlich des 7.Todestags von Oury Jalloh gab es am Sonnabend, den 7. Januar 2012, eine Gedenkdemonstration in Dessau. Im Laufe dieses Tages gab es vielfache, von der Polizei strategisch im Voraus geplante Übergriffe – explizit auf afrikanische Aktivistinnen der Initiative und ihre Unterstützer. Zwei Tage zuvor hatten Polizeibeamte Mouctar Bah in seinem Laden in Dessau aufgesucht und verkündet, die Initiative habe Meinungen wie „Oury Jalloh, das war Mord!“ zu unterlassen, sie unterstellten einen Straftatbestand. Mouctar Bah weigerte sich, sich der Drohung zu beugen.

Am Gedenktag selbst, und noch bevor die Demonstration von den 250 Teilnehmenden eröffnet wurde, kam es zu Übergriffen seitens der Polizeibeamten, die Aktivisten aus der Menge herausgriffen, Pfefferspray sprühten und mehrere Menschen stark verletzten. Einige Transparente und Schilder wurden den Demonstrierenden gewaltsam entrissen. Als die Demonstration schließlich los gehen sollte, haben die Versammlungsbehörde und die Polizei die Teilnehmenden über eine Stunde davon abgehalten, ihr Versammlungsrecht wahrzunehmen und das Recht auf freie Meinungsäußerung rechtswidrig unterbunden. All dies wurde mit damit begründet, die Parole „Oury Jalloh, das war Mord!“ stelle einen Straftatbestand dar.

Initiative Oury Jalloh

Es sollte noch häufiger vorkommen, dass Demonstrationen wegen Transparenten mit der Parole „Oury Jalloh, das war Mord“ angehalten wurden und es gab häufiger Strafbefehle gegen Menschen, die sie getragen oder gerufen haben. Und nun haben sich den Inhalt dieser inkriminierten und kriminalisierten Parolen nicht nur zahlreiche Feuer- und Brandexperten zu eigen gemacht.

Auch der Dessauer Oberstaatsanwalt Folker Bittmann geht mittlerweile von einem begründeten Mordverdacht im Fall Oury Jalloh aus. Das ist besonders brisant, weil Bittmann seit Jahren den ungeklärten Todesfall bearbeitet und lange Zeit ein Anhänger der offiziellen Version war, wonach Oury Jalloh die Zelle selber in Brand gesetzt hat. Von daher ist die Schlagzeile von ARD-Monitor berechtigt, wo von einer „dramatischen Wende im Fall Oury Jalloh“ berichtet wurde.

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10 Jahre Widerstand gegen den politischen Islam

Am Anfang war das Wort, heißt es in einem einschlägig bekannten Text. In diesem Fall hieß das Wort „Ex-Muslim“. Es trat im Jahr 2007 mit der Gründung des „Zentralrats der Ex-Muslime“ in die Öffentlichkeit und verbreitete sich rasant über den gesamten Globus. Heute findet Google unter diesem Stichwort mehr als 3,5 Millionen Einträge – ein Hinweis auf den Erfolg der Ex-Muslimen-Bewegung, deren Geschichte nun erstmals in einem Film dokumentiert wird.

Red. hpd.de

Die Filmemacherin Ricarda Hinz hat die 12-minütige Kurz-Doku „10 Jahre Ex-Muslime – Die Geschichte einer internationalen Menschenrechtsbewegung“ im Auftrag der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) produziert.

Der Film wurde am 17. November 2017 auf dem „Internationalen Festakt zum 10-jährigen Bestehen des Zentralrats der Ex-Muslime“ in Köln uraufgeführt und ist ab sofort online verfügbar.

Er klärt darüber auf, warum die Bewegung der Ex-Muslime „eine der wichtigsten politischen Widerstandsbewegungen der Welt ist“ (Michael Schmidt-Salomon) und zeigt nicht zuletzt auch den außergewöhnlichen Mut, den Ex-Muslime wie Mina Ahadi oder Maryam Namazie Tag für Tag in ihrem Widerstand gegen den politischen Islam beweisen.

Wo Muslimbrüder für Frauenrechte kämpfen

Eine missbrauchte Frau in Jordanien, die in einem Heim Schutz vor ihrer Familie fand, verhüllt ihr Gesicht. (Bild: Ali Jarekji / Reuters)
Nach Tunesien hat auch Jordanien dafür gesorgt, dass Vergewaltiger künftig nicht mehr straffrei bleiben, wenn sie ihr Opfer heiraten. Moderate Islamisten tragen die Neuerung mit.

Von Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Für jemanden, den es nicht gibt, ist Dima Tahboub sehr präsent. Eloquent hat die jordanische Parlamentarierin dem Gast erklärt, warum sie im August für die Abschaffung des Gesetzes gestimmt hat, das Vergewaltigern Straffreiheit gewährt, wenn sie ihre Opfer heiraten. «Gewalttat ist Gewalttat», sagt Tahboub. «Wir machen keine Kompromisse. Verbrecher werden nicht belohnt.» Die 41-jährige, sehr israelkritische Palästinenserin hat in Manchester doktoriert, ist Autorin, sieht sich als Feministin – und ist Mitglied der Islamischen Aktionsfront, des politischen Arms der Muslimbrüder. «Das macht mich wohl zur moderaten Islamistin», sagt Tahboub. «Und damit zu einer, die es für viele Europäer gar nicht geben kann.»

Morden als Akt der Ehre

Es weht ein frischer Wind durchs Morgenland – just zu einer Zeit, in der viele im Abendland an einer neuen Borniertheit Gefallen finden, die alles verteufelt, was mit Islam zu tun hat. Muslimische Frauen kämpfen hart für ihre Rechte, und sie gewinnen – nicht nur in Saudiarabien, wo sie eben medienwirksam das Recht erhalten haben, Auto zu fahren. Anfang August hat Jordanien mit weit weniger Trara sehr viel mehr erreicht. Im Parlament ist ein ganzes Gesetzespaket angenommen worden. Es macht nicht nur Schluss mit der Straffreiheit für Vergewaltiger, dem Paragrafen 308.

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Hundebesitzer leben länger

Spazierengehen und Stöckchenwerfen: Hundebesitzer sind viel in Bewegung. © Alexei_tm/ thinkstock
Schutzeffekt durch unseren „besten Freund“: Wer einen Hund hat, erkrankt seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und hat insgesamt ein geringeres Sterberisiko. Diesen erstaunlichen Zusammenhang haben nun schwedische Forscher aufgedeckt. Sie erklären sich die schützende Wirkung der Vierbeiner unter anderem damit, dass diese Herrchen und Frauchen zu mehr Bewegung animieren.

scinexx

Die gemeinsame Geschichte von Mensch und Hund dauert nun schon mindestens 15.000 Jahre. Als unsere Vorfahren damals begannen, die ersten Wölfe zu zähmen, legten sie den Grundstein für eine ganz besondere Beziehung. Aus den Vierbeinern wurden schließlich die sprichwörtlich besten Freunde des Menschen.

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Australien: Atheisten-Kongress wird abgesagt – wegen fehlenden Interesses

Bild: atheistconvention.org.au
Er sollte im Februar 2018 stattfinden, der Globale Atheisten-Kongress, bei dem unter anderem Richard Dawkins gesprochen hätte. Nun wurde er abgesagt, die Ticket-Verkaufszahlen lägen deutlich unter den Erwartungen, heisst es.

jesus.ch

«Reason to hope» (Grund zur Hoffnung) wäre das Motto eines atheistischen Kongresses in Australien gewesen, wobei die Betonung auf «Reason» liegt, was auf Englisch auch «Verstand» bedeutet. Doch die Konferenz, die für Februar 2018 geplant war, wurde abgesagt – aufgrund fehlenden Interesses, wie lokale Medien berichten.

Erwartungen nicht erfüllt

Hauptsprecher der Global Atheist Convention wäre der iranische Autor Salman Rushdie gewesen, ausserdem Richard Dawkins und Ben Goldacre. Doch nun wurde auf der Webseite der Atheistischen Stiftung Australiens, welche den Kongress organisiert hatte, die Absage bekannt gemacht; bereits gekaufte Tickets werden rückerstattet. Zur Begründung heisst es im Fragen- und Antworten-Bereich: «Der Ticket-Verkauf blieb erheblich unter den Erwartungen und unter den Verkaufszahlen früherer Kongresse. Deshalb kann der Kongress leider nicht durchgeführt werden.» Der letzte atheistische Kongress hatte 2012 mit über 4’000 Teilnehmern stattgefunden und war als grosser Erfolg bezeichnet worden.

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#meetoo-Welle: Juristen warnen vor neuer „McCarthy-Ära“

Demo in Los Angeles im Zuge der Protestwelle gegen sexuelle Übergriffe. Den verschachtelten Slogan kann man in etwa mit „Belästiger-Arschlöcher“ übersetzen. – imago/ZUMA Press
Deutsche Rechtsgelehrte und -Praktiker warnen vor einem Bruch rechtsstaatlicher Grundsätze angesichts der ausufernden medialen Verurteilung von Beschuldigten und ihrer faktischen Folgen durch die Möglichkeiten von Internet und sozialen Medien.

Die Presse.com

In der aktuell herrschenden Debatte um angebliche sexuelle Übergriffe kommt es nach Ansicht deutscher Rechtsexperten massiv zu faktischen außergerichtlichen Vorverurteilungen mit verheerenden Folgen. „Die derzeitige Hetzjagd von Prominenten erfolgt unter Missachtung rechtsstaatlicher Grundsätze“, sagt etwa der Medienrechtler Thomas Hoeren von der Uni Münster. Und: „Man kann nur hoffen, dass das Thema wieder in sachliche Bahnen kommt. Sonst droht eine unkontrollierte Verdachtsaktion mit Diffamierungen, die der McCarthy-Ära entsprechen.“

Mit dem Namen des US-Senators Joseph McCarthy (1908-1957) verbindet sich eine wilde Jagd samt Ermittlungen und schauprozessartiger Inszenierungen auf mutmaßliche Kommunisten und Spione für den Ostblock im Amerika der 1950er-Jahre. Die Zielpersonen waren vor allem Künstler, Medienleute, Schauspieler, Beamte und Wissenschaftler, am Ende sogar Militärangehörige. Meist war die Verdachtslage objektiv dünn bis nicht vorhanden, und oft sogar vorsätzlich konstruiert.

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Bevormundung ist barbarisch

Roger Bacon, ein früher Verfechter empirischer Wissenschaft. (Bild pd)

Der abendländische Humanismus gehört der ganzen Welt – ein paar Anregungen zur laufenden Debatte

Von Hans Widmer | Neue Zürcher Zeitung

Der Humanismus hat die Entwicklung der menschlichen Fähigkeiten in allen Dimensionen, intellektuell, ethisch, emotional, und in ihrer ganzen Tiefe zum Gegenstand. Dieser Blick auf den Menschen hat sich im Westen entwickelt. Deshalb stehen westliche Akteure oft vor der Frage, ob die humanistischen Werte, die ihr Handeln bestimmen, tatsächlich universell seien – andere Kulturen hätten doch auch ihre Geschichte und Würde.

Nun, der Humanismus hätte sich ebenso gut in andern Epochen und in andern Weltengegenden entwickeln können. Er entfaltet sich, wenn Menschen in Freiraum und Rechtssicherheit interagieren – er lässt sich weder herbeireden noch dekretieren, wie René Scheu richtig geschrieben hat (NZZ 28. 10. 17). Wohl haben die meisten Philosophen ihre Meinungen dazu kundgetan. Doch ist daraus kein Kanon geworden, einmal, da es sich um persönliche Einsichten und Befindlichkeiten handelt, und zweitens, da die verwendeten Begriffe unterschiedlich gedeutet werden. So lässt sich mit «progressiv», «konservativ», «reaktionär» und dergleichen beliebig Schaum schlagen, wie dies Dieter Thomä in seiner Replik auf immerhin unterhaltsame Weise tat (NZZ 3. 11. 17). Hingegen gibt es einen gewordenen, gelebten abendländischen Humanismus mit einsehbarer Herkunft und klaren Umrissen.

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Polen kündigt Hilfen für polnische Obdachlose in Berlin an

Endstation. Rund um den Ostbahnhof leben bis zu 100 Obdachlose viele davon aus Polen.HANNES HEINE
Mehr als 2000 Obdachlose aus Polen leben Schätzungen zufolge in der deutschen Hauptstadt. Ihre Regierung möchte nun selbst aktiv werden.

DER TAGESSPIEGEL

Polens Regierung will sich stärker an der Versorgung von in Berlin gestrandeten polnischen Obdachlosen beteiligen. „Im kommenden Jahr werden mit Hilfe polnischer Gelder Sozialarbeiter in Berlin Polen in Not aufsuchen und sie beraten“, sagte der Presseattaché der polnischen Botschaft, Dariusz Pawlos, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. „Sie sollen mit den Obdachlosen reden und Hilfen oder eine Heimfahrt vermitteln.“

Die Berliner Behörden und Hilfsorganisationen sind mit der Versorgung der wachsenden Zahl von Obdachlosen überfordert. Viele der vor allem männlichen Obdachlosen stammen aus östlichen EU-Staaten. „Wir können auf Basis der Informationen von den Hilfsorganisationen vor Ort nur Schätzungen vornehmen: Allein in Berlin leben demnach mehr als 2000 polnische Obdachlose“, sagte Pawlos. „Botschafter Andrzej Przylebski nimmt das Thema sehr ernst.“

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Stephen Hawking: Wir müssen die Erde verlassen!

Stephen Hawking leidet seit den sechziger Jahren an der Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose und kommuniziert über einen Spezialcomputer. ©AP
Klimawandel, Viren, Künstliche Intelligenz und ein Atomkrieg: Der Physiker Stephen Hawking zählt die seiner Ansicht nach großen Bedrohungen der Menschheit auf – ist aber am Ende nicht nur pessimistisch.

Frankfurter Allgemeine

Der weltberühmte Physiker Stephen Hawking hat ein weiteres Mal die Menschheit vor ihrem Untergang gewarnt. „Ich denke nicht, dass wir weitere 1000 Jahre überleben, wenn es uns nicht gelingt, bis dahin unseren zerbrechlichen Planeten zu verlassen“, sagte der 75 Jahre alte Wissenschaftler nach einem Bericht der britischen „Independent“ während einer Diskussionsveranstaltung.

Hawking hat dabei kein konkretes einzelnes Ereignis vor Augen und rechnet auch nicht damit, dass in den nächsten zehn Jahren eine gewaltige Katastrophe bevorsteht. Vielmehr zählt er regelmäßig eine Serie verschiedener Risiken auf – Klimawandel, Atomkrieg, genetisch veränderte Viren, Künstliche Intelligenz – die zu einer die gesamte Menschheit bedrohenden Krise führen könnten. In jedem einzelnen Jahr ist die Wahrscheinlichkeit gering, nicht aber mit Blick auf die kommenden 1000 oder 10.000 Jahre, wie Hawking das tut.

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