Atheismus: Die Ächtung der Ungläubigen

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Nicht zu glauben, ungläubig zu sein, war lange Zeit nicht nur in Europa eine Todsünde. Auch heute noch kann Atheismus in 13 islamisch geprägten Ländern mit dem Tod bestraft werden. Dabei ist der Unglaube vermutlich genauso alt wie der Glaube selbst, wie antike Texte zeigen. Und manchmal war er sogar der Karriere förderlich.

Von Eva-Maria Götz-Laufenberg | Deutschlandfunk

Atheismus gibt es, seitdem es Religion gibt, meint die Heidelberger Historikerin Susan Richter. Zahlreiche Quellen, die belegen, dass Menschen die Existenz einer transzendentalen Macht anzweifeln, finden sich bereits in der Antike. Und auch da stand der Unglauben schon unter Strafe. Das gilt insbesondere für die Zeit der Spätantike und des frühen Christentums.

„Etwa der Codex Justinianus hat im Jahr 529 bereits strafrechtliche Maßnahmen katalogisiert, wie mit einem „Apostaten“, also einem der sich gegen Gott stellt, und von Gott abwendet, umzugehen ist, nämlich damit, dass ihm die Rechtsfähigkeit zu entziehen ist, und dass er kein Testament aufstellen darf, nicht zuletzt, um seine Ideen nicht zu vererben.“

Die Begründung für die Verfolgung atheistischer Vorstellungen liegt auf der Hand: Religionen waren immer mit Werten verbunden und diejenigen, die die Existenz eines Gottes leugneten, standen unter dem Verdacht, damit auch den moralischen Verhaltenskodex von Staat und Gesellschaft infrage zu stellen. Sie wurden zur Bedrohung.

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Zum Affen gemacht: Wie eine atheistische Stiftung Stimmung gegen Muslime macht

Themenbild.
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Die Mehrheit der zukünftigen Lehrer muslimischen Glaubens lehnt die Evolutionstheorie ab. Das zumindest behauptet die religionskritische Giordano-Bruno-Stiftung. Doch die Studie, die das beweisen soll, genügt selbst keinen wissenschaftlichen Standards.

Von Fabian Köhler | IslamiQ

Wächst an unseren Universitäten eine Generation muslimischer Kreationisten im Lehrergewand heran? Lehren muslimische Pädagogen demnächst, die Entstehung des Menschen durch Lehm und Rippe anstatt durch Mutation und Selektion? Lernen unsere Kinder im Biologieunterricht bald die koranische Schöpfungsgeschichte anstatt der Mendelschen Gesetze?

Diesen Eindruck kann bekommen, wer dieser Tage auf islamfeindlichen Seiten in Sozialen Netzwerken unterwegs ist. Auslöser ist eine Meldung der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung (GBS). „Mehrheit der muslimischen Lehramtsstudenten bestreitet die Evolution“, schrieb diese vergangene Woche auf ihrer Website und viele Medien schrieben ab. Einer Befragung unter Lehramtsstudenten zufolge sollen 60 Prozent der zukünftigen Lehrer muslimischen Glaubens bestreiten, dass der heutige Mensch aus affenartigen Vorfahren hervorgegangen ist“. Sogar 70 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten würden die  Evolutionstheorie gleich ganz ablehnen.

Von einer „bildungspolitischen Katastrophe“ spricht der Vorsitzende der GBS Michael Schmidt-Salomon auf der Website der Stiftung: Wer die Evolutionstheorie ablehne, habe „keinen universitären Abschluss verdient“, schreibt der Philosoph dort und fordert, muslimische Lehramtsstudenten nicht weiter „auf wehrlose Kinder loszulassen“. [https://www.giordano-bruno-stiftung.de/meldung/muslime-evolution].

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Wer sich verpartnert, muss bei der Caritas mit Kündigung rechnen

Allein die Liebe zählt. Erst gleichgeschlechtliche Trauung am 12. August 2016 in der Berliner Landeskirche.Foto: Wolfram Kastl/dpa/p-a
Allein die Liebe zählt. Erst gleichgeschlechtliche Trauung am 12. August 2016 in der Berliner Landeskirche.Foto: Wolfram Kastl/dpa/p-a
Eine neue Folge unserer Kolumne Heteros fragen, Homos antworten. Diesmal geht es um Glaube und Homosexualität.

Von Anja Kühne | DER TAGESSPIEGEL

Für die meisten Glaubensgemeinschaften gilt Homosexualität als Sünde. Wie haltet ihr es also mit der Religion? – Hartmut, Falkensee

Es stimmt, die großen Religionen, jedenfalls das Christentum, das Judentum und der Islam, haben generell ein angespanntes Verhältnis zur Sexualität, wenn sie nicht bloß der Fortpflanzung dient. Entsprechend verurteilen die heiligen Schriften nach konventioneller Auslegung Homosexualität. Darauf berufen sich religiöse Menschen, wenn sie Homosexuelle herabsetzen, ausgrenzen oder – im Fall von Fanatikern – sogar physisch attackieren. Weltweit gibt es Prediger aller Richtungen, die regelmäßig dazu beitragen, die gesellschaftliche Atmosphäre zu vergiften.

Leider hat auch Papst Franziskus, für liberale Christen ein Hoffnungsträger, gerade erst den katholischen Katechismus bestätigt. Demnach verstoßen homosexuelle Handlungen „gegen das natürliche Gesetz“. Allerdings solle Homos „mit Achtung, Mitleid und Takt“ begegnet werden.

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Gegen Kopftuch, Kreuz, Kippa & Co. im öffentlichen Dienst

religionen

Dass ich als Naturwissenschaftler zur Debatte über das Kopftuch beitrage, finde ich eigentlich selbst befremdlich. Aber ich bin zutiefst davon überzeugt, dass langfristig nur die Äquidistanz des Staates zu den Religionen – unter gleichzeitiger Gewährleistung von deren Freiheit – den Frieden im Land erhalten kann.

Von Kurt Kotrschal | Die Presse.com

Nur so gedeiht jenes liberal-aufgeklärte Klima, in dem sich Wissenschaften und Künste entfalten können. Das war ja auch in der Vergangenheit so. Wo die Religionen friedlich zusammenlebten, blühten Kultur und Geist. Goldrichtig ist deshalb die Ansage von Heinz Fassmann von der Uni Wien, dem Leiter des Integrationsbeirats, über ein Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst.

Goldrichtig allerdings nur dann, wenn sie als Verbot jeglicher religiöser Insignien gemeint war – also auch von Kreuz und Kippa. Als Staatsbürger will ich nicht mit Beamten, Polizisten, Richtern oder Lehrern jeglicher Art zu tun haben, die mir durch Zurschaustellung ihrer Religion deutlich zu verstehen geben, dass sie einer religiösen Ideologie mehr verpflichtet sein könnten als dem staatstragenden Geist der Aufklärung.

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Naturforschung: 200 Jahre Senckenberg

Präparator Christian Kopp 1934 mit einem Elchkopf. Foto: Senckenberg
Präparator Christian Kopp 1934 mit einem Elchkopf. Foto: Senckenberg
Konzerte, Partys, Wettbewerbe, Ausstellungen – mit großem Programm geht die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung in ihr Jubiläumsjahr. Von der Stadt gibt es dazu ein symbolisches Präsent: Die U-Bahnstation Bockenheimer Warte erhält zusätzlich den Namen Senckenberg.

Von Thomas Stillbauer | Frankfurter Rundschau

Im kommenden November jährt sich zum 200. Mal der Gründungstag. Was bis dahin geplant ist, und auch, was die Wissenschaftler schon erreicht haben, darüber gaben sie am Montag Auskunft im Naturmuseum.

Ein würdiger Auftakt braucht einen würdigen Ehrengast. Zum offiziellen Start ins Senckenberg-Jubiläumsjahr sind am Montag gleich zwei gekommen: Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) – und Johann Christian Senckenberg höchstpersönlich. Na gut, fast persönlich. Der Uni-Dozent und Biologe Helmut Wicht, erfahrener Senckenberg-Mime, ist wieder mal ins Kostüm aus der Zeit des großen Naturwissenschaftlers, Stifters und Namenspatrons (1707–1772) geschlüpft.

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Gott und die Welt

Carel van Schaik, Kai Michel Das Tagebuch der Menschheit Verlag: Rowohlt, Reinbek 2016 ISBN: 9783498062163
Carel van Schaik, Kai Michel
Das Tagebuch der Menschheit
Verlag: Rowohlt, Reinbek 2016
ISBN: 9783498062163

Carel van Schaik, Evolutionsbiologe und Anthropologe, und Kai Michel, Historiker und Wissenschaftsjournalist, betrachten die Bibel aus ungewohnter Perspektive. Sie lesen die Heilige Schrift als Protokoll der menschlichen Evolution und versuchen, daran die kulturelle Entwicklung der Menschheit nachzuvollziehen.

Von Julia Schulz | Spektrum.de

Auf rund 500 Seiten setzen sie wissenschaftliche Ergebnisse aus Anthropologie und Evolutionsforschung in einen Sinnzusammenhang mit biblischen Texten, um den Widerspruch zwischen beiden aufzulösen. Dabei wird klar, dass viele Probleme heutiger Gesellschaften schon in den damaligen Geschichten eine Rolle spielten. Ungleich verteilter Besitz, Benachteiligung der Frauen, Ausbruch und Bekämpfung von Krankheiten sind nur einige hoch aktuelle Themen, die bereits vor 3.000 Jahren im Alten Testament dokumentiert wurden.

Van Schaik und Michel begreifen die Bibel als eine Komposition aus Zeitzeugenberichten. In mehr als 1.000 Jahren der Niederschrift kamen unzählige Autoren zu Wort und schafften eine Sammlung von Erzählungen zur kulturellen Evolution des Menschen. Es entstand ein Kaleidoskop der menschlichen Natur, die auch religionskritische Leser in den Bann ziehen kann.

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Private Helfer fordern Rettungsprogramm für Flüchtlinge im Mittelmeer

Seit Beginn des Jahres sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. dpa
Seit Beginn des Jahres sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. dpa
Tausende Menschen werden auch in diesen Tagen noch jede Woche aus dem Mittelmeer gerettet. Private Rettungsorganisationen rufen nach mehr staatlicher Hilfe.

evangelisch.de

Die private Hilfsorganisation „SOS Mediterranee“ hat ein umfassendes Seenotrettungsprogramm für Flüchtlinge im Mittelmeer gefordert. Immer wieder würden Menschen von Libyen aus in völlig überfüllten, nicht seetauglichen Booten auf die Reise nach Europa geschickt. „Keines dieser Boote schafft es ohne Hilfe nach Italien. Die Menschen werden gerettet oder sie ertrinken, eine andere Möglichkeit gibt es nicht“, sagte Geschäftsführer Timon Marszalek am Samstag.

Seit Donnerstag hat die Hilfsorganisation, die mit dem Rettungsschiff „Aquarius“ im Seegebiet zwischen Libyen und Italien kreuzt, nach eigenen Angaben 342 Flüchtende vor dem Ertrinken gerettet. Auf einem einzigen Schlauchboot seien 193 Menschen zusammengepfercht gewesen. Zwei Minderjährige hätten nur noch tot geborgen werden können. Insgesamt seien am Freitag und Samstag laut italienischer Küstenwache rund 1.000 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet worden. Mitte der Woche sei ein Notruf eines mit etwa 120 Menschen besetzten Bootes eingegangen. Trotz intensiver Suche sei es nicht gefunden worden.

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Brandenburg führt Bleiberecht für Opfer rechter Gewalt ein

Was tun, wenn ein Asylbewerber Opfer einer rechten Gewalttat wird? Brandenburg hat als erstes Bundesland ein befristetes Bleiberecht angeordnet. Mehrere andere Länder prüfen eine solche Regelung. Flüchtlingshilfsorganisationen begrüßen den Vorstoß.

evangelisch.de

Nur das Land Brandenburg hat ein Bleiberecht für Opfer rechter Gewaltstraftaten angeordnet. Das ergab eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) bei den zuständigen Ministerien der Bundesländer. Das brandenburgische Innenministerium hatte kurz vor Weihnachten einen entsprechenden Erlass an die Ausländerbehörden in den Landkreisen und kreisfreien Städten herausgegeben. Demnach sollen Flüchtlinge, deren Asylantrag abgelehnt worden war und die Opfer oder Zeugen rechter Gewalttaten wurden, mindestens bis zum Abschluss der Ermittlungs- und Strafverfahren nicht ausgewiesen werden – in enger Absprache mit der Staatsanwaltschaft und Strafgerichten.

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Dass Jesus gelebt habe, ist nicht mit letzter Sicherheit zu sagen

Richard David Precht (2012), Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 de/ Jens Komossa
Richard David Precht (2012), Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 de/ Jens Komossa
Er ist ein attraktiver Mann, er kann sehr gut reden, und er versteht es, das Philosophieren als Genuss des Wissens und des Denkens zu vermitteln: Richard David Precht (52), Bestseller-Autor („Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“) und Moderator der interessanten ZDF-Philosophiesendung „Precht“.

Von Stefan Meetschen | Die Tagespost

Nun liegt der erste Band einer auf insgesamt drei Bände angelegten Philosophiegeschichte Prechts vor und eigentlich könnte man diesen ersten Band sehr loben. Von der Antike bis zum Mittelalter, von Thales von Miles bis Meister Eckhart, von Platon und Aristoteles bis zu Augustinus und Thomas von Aquin – leicht verständlich, unterhaltsam und chronologisch führt Precht den Leser durch die verschiedenen Bezirke der Wahrheitssuche. Scharfsinnig und ohne falschen Respekt vor den Unzulänglichkeiten der Geistesgrößen des Abendlandes.

Beispiel Aristoteles: „Bei aller Hochachtung vor Aristoteles können wir eines nicht übersehen. Seine gesamte politische Philosophie ist auf dem Grundsatz aufgebaut, dass der tugendhafte Bürger nicht arbeitet.“ Schlimmer noch: „Arbeiten zu müssen bedeutet für Aristoteles, von der Tugend ausgeschlossen zu sein. Damit fallen Frauen und Sklaven durch den Rost… Für Aristoteles sind Frauen und Sklaven kognitive Mängelwesen.“ Precht folgert: „Aristoteles bescheinigt Frauen und Sklaven nicht nur eine unveränderliche Natur, sondern er zieht daraus auch politische Schlüsse. Dabei weiß er als Logiker eigentlich genau, dass man politische Spielregeln nicht lückenlos aus der Natur des Menschen ableiten kann.“

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Asyl ist kein Gruppenrecht

© Fotolia / Traumbild
© Fotolia / Traumbild
Nach den Angaben des UNHCR gab es 2015 58 Millionen Menschen, die auf der Flucht sind. Im Jahr 2016 ist die Zahl sprunghaft auf 65 Millionen angestiegen. In der ersten Oktoberwoche 2016 hat Amnesty International einen Anklagebericht gegen «reiche Länder» veröffentlicht, die nicht bereit sind, diese Flüchtlinge unbegrenzt aufzunehmen. Meine Reaktion darauf ist: Das ist der reine Wahnsinn.

Von Bassam Tibi | The European

Die grosse Völkerwanderung

Die EU hat für die Flüchtlingskrise ausser frommen Sprüchen keine Strategie zu bieten. Mit Gesinnungsterror wird jede freie Diskussion über das Thema unterdrückt.

Seit Beginn dieses Jahrhunderts und extrem seit der sogenannten Flüchtlingskrise von 2015/2016 befindet sich Westeuropa vor einer existenziellen Herausforderung durch eine demografische Explosion. Diese findet ausserhalb der europäischen Grenzen statt, trifft Europa aber ins Knochenmark dadurch, dass sie in sein Territorium eindringt. Die Bevölkerung der Region des Nahen Ostens und Nordafrikas hat sich in den wenigen vergangenen Jahrzehnten beinahe verdoppelt. Diese demografische Explosion wird unglücklicherweise von wirtschaftlicher Stagnation aller Länder der Region sowie durch einen politischen Rückfall in mittelalterlich-despotische Herrschaftsstrukturen begleitet. Die verzweifelten Nahost-Muslime suchen nach einem «Outlet» und glauben, dies in Europa zu finden; sie kommen zu Millionen und Europa ist auf diese demografische Lawine nicht vorbereitet.

In dieser Atmosphäre fand der Arabische Frühling statt und bot einen Hoffnungsschimmer für Freiheit, Demokratie und Entwicklung. Statt­dessen erfolgte Staatszerfall, woraus innere Kriege in Libyen, Syrien, Irak und Jemen resultierten, deren Ende nicht in Sicht ist. In den nächsten Jahren werden weitere nahöstliche Staaten folgen, vorrangig die Türkei und möglicherweise Ägypten und Algerien. Zur Globalisierung unserer Zeit gehört der Missstand, dass andere Staaten die Zeche für diese Fehlentwicklung im Nahen Osten zu zahlen haben, konkret ist hier Westeuropa angesprochen.

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„taz“ startet deutsch-türkisches Internetportal

Die Berliner „tageszeitung“ will den Eingriffen in die Pressefreiheit in der Türkei mit einem neuen Internetportal begegnen. Die Internetseite „taz.gazete“ soll am 19. Januar online gehen, kündigte die Zeitung am Freitag in Berlin an. Auf dem Portal würden vor allem türkische Autoren berichten. Alle Beiträge sollen in türkischer und deutscher Sprache erscheinen.

evangelisch.de

Grund für den Start des Internetportals sei die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, der immer aggressiver gegen die freie Presse vorgehe, erklärte die Zeitung. „Während das autoritäre türkische Regime ein Medium nach dem anderen ausschaltet, geben wir ein neues, freies und unabhängiges Medium heraus“, sagte „taz“-Redakteurin Fatma Aydemir, die das Projekt leiten wird.

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Staatspreis für das Kopftuch? In Absurdistan

Religionsfreiheit ist eben nicht die Wahlfreiheit zwischen Mitgliedschaften in verschiedenen Gottsucherbanden, sondern in erster Linie die Freiheit von Religion. Eine Replik auf Farid Hafez

Von Nikolaus Dimmel, Roland Fürst | derStandard.at

Die über weite Strecken seltsame Suada Farid Hafez‘ („Ein Staatspreis für das Kopftuch“, STANDARD, 9. Jänner) bringt es herausragend auf den Punkt: Zwischen Islam und Islamismus besteht kein Unterschied.

Groteskes Szenario

Er führt uns ein groteskes Szenario vor: Für ihn gibt es christliche und nichtchristliche Religionen als Player im Spiel um den Stellenwert der Religion im öffentlichen Raum. Zu viel Pro-Erdogan-Propaganda scheint dabei seinen Blick zu trüben, denn ein Drittel der Europäer sind unreligiös. Gerade noch 25 Prozent der Österreicher sind kirchentreu. 44 Prozent sind gottlos. Sogar 25 Prozent der Muslime sind säkular.

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Evokids-Projekt: Ein Geschenk für Erdogan


Die türkische Regierung führt seit Jahren einen beispiellosen Propagandafeldzug gegen die Evolutionstheorie. Sie sorgte dafür, dass der kreationistische „Atlas der Schöpfung“ von Harun Yahya eine Auflage von mehreren Millionen Exemplaren erreichte und an viele Schulen des Landes verteilt wurde, und ließ Internetfilter entwickeln, mit denen Webseiten zur Evolutionstheorie nicht mehr aufgerufen werden konnten. Vergeblich haben türkische Wissenschaftler vor den Folgen dieser Wissenschaftsfeindlichkeit gewarnt. Um sie zu unterstützen und türkischsprachigen Kindern einen Einblick in die faszinierende Welt der Evolution zu geben, hat das Evokids-Projekt heute eine türkische Fassung des Lehrfilms „Big Family – Die phantastische Reise in die Vergangenheit“ veröffentlicht.

Pressemitteilung GBS

Die deutsche Originalfassung des Films, der auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Michael Schmidt-Salomon und Anne-Barbara Kindler beruht, ist Teil der Evokids-Lehrmaterialien für den Evolutionsunterricht an Grundschulen. Nach Anfragen aus dem Ausland hat das Evokids-Team bereits im vergangenen Jahr eine englischsprachige Synchronfassung des Films erstellt. „Mit der englischen Fassung wollten wir ein Gegengewicht zu den Propagandamaterialien US-amerikanischer Kreationisten schaffen“, erklärt der Philosoph und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung Michael Schmidt-Salomon, einer der Leiter des Evokids-Projekts. „Diese Materialien hatten nicht nur in den USA durchschlagenden Erfolg, weshalb die US-Amerikaner keine Hemmungen hatten, mit Mike Pence einen bekennenden Kreationisten zum Vizepräsidenten zu wählen. Sie hatten auch immensen Einfluss auf die islamische Welt, insbesondere auf die Türkei. Deshalb haben wir beschlossen, nach der englischen auch eine türkischsprachige Fassung des Evokids-Films zu produzieren. Es ist ein besonderes Geschenk für den türkischen Präsidenten Erdogan. Allerdings ist davon auszugehen, dass er sich darüber nicht allzu sehr freuen wird. Denn seine Macht beruht nicht zuletzt auf dem Bildungsnotstand, der insbesondere in den ländlichen Regionen der Türkei vorherrscht.“

Nach der türkischen Fassung des „Big Family“-Films denkt das Evokids-Team über weitere fremdsprachige Versionen nach. „Es gab bereits einige Anfragen zu einer arabischen Übersetzung. Und nachdem Vladimir Putin eine bekennende Kreationistin zur Bildungsministerin ernannt hat, fassen wir auch eine russische Version ins Auge. Tatsächlich wächst derzeit der Bedarf an Lehrmaterialien zur Evolution weltweit, da der Kreationismus in vielen Ländern auf dem Vormarsch ist. Es ist bemerkenswert und erschreckend zugleich, wie einträchtig sich die antiliberalen Kräfte rund um den Globus hinter der Fahne des Kreationismus versammeln. So unterschiedlich die politischen Konzepte von Erdogan, Putin und Pence auch sind, so wollen sie doch gleichermaßen eine stärkere gesellschaftliche Akzeptanz der Evolutionstheorie verhindern. Offenkundig spüren diese Leute sehr deutlich, dass ihre autoritäre Berufung auf ‚ewig gültige Werte‘ – ob nun türkisch-islamischer, russisch-orthodoxer oder amerikanisch-evangelikaler Ausrichtung – schnell an Durchschlagskraft verliert, sobald den Menschen die basale Erkenntnis Charles Darwins bewusst wird, dass das einzig Beständige in der Welt der Wandel ist.“

Weitere Informationen: https://evokids.de/content/geschenk-fuer-erdogan

Pressekontakt:

(c) Elke Held, presse(AT)giordano-bruno-stiftung.de

Religiotie: 70 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten lehnen Evolutionstheorie ab

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB
Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Nicht nur unter evangelikalen Christen sind Zweifel an der Evolutionstheorie verbreitet. Laut einer Studie der Giordano-Bruno-Stiftung wird sie auch von fast 70 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten in Deutschland abgelehnt.

stern.de

Rund 70 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten in Deutschland lehnen die Evolutionstheorie ab. Das hat eine Studie der Giordano-Bruno-Stiftung ergeben. Der Vorstandssprecher der religionskritischen Denkfabrik, Michael Schmidt-Salomon, nannte das Ergebnis eine „bildungspolitische Katastrophe“. Wer religiös so voreingenommen sei, dass er nicht einmal die „hunderttausendfach belegte Tatsache der Evolution“ akzeptieren könne, habe keinen universitären Abschluss verdient, kritisierte der Philosoph.

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Die gefährliche Sehnsucht nach dem starken Staat

Mal richtig für Sicherheit sorgen.Foto: dpa
Mal richtig für Sicherheit sorgen.Foto: dpa
2016 hat Deutschland zum Opfer gemacht. Das befördert Unsicherheit, die in Angst umschlägt – und in Chauvinismus. Ein Kommentar.

Von Anna Sauerbrey | DER TAGESSPIEGEL

Selten hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) so viel Applaus bekommen. Seine sicherheitspolitischen Vorschläge vom Anfang der Woche sind so politisch undurchsetzbar (den Ländern den Verfassungsschutz klauen) wie alt und gefährlich (im Cyberspace zurückschießen). Dennoch folgte parteiübergreifendes Nicken. Die Deutschen sehnen sich nach einem starken Staat – und Thomas de Maizière verspricht ihn.

Deutschland ist gefährdet, die Angst geht um. Da ist es legitim, die bestehende Sicherheitsarchitektur zu überprüfen und wo nötig zu ändern. Doch Angst ist nur ein Quell der neuen Sehnsucht nach dem starken Staat. Die andere ist Chauvinismus.

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Stephen Hawking: Der Popstar der Physik

 In der Folge
In der Folge „Die Stadt der primitiven Langweiler“ hat Stephen Hawking einen Gastauftritt bei den „Simpsons“ (Foto: Die Simpsons, Fox / ProSieben, 10. Staffel)
Stephen Hawking wird am Sonntag 75. Er ist der größte Star der Wissenschaft, selbst zur Legofigur hat er es gebracht. Das kann man gut finden – oder bedenklich.

Von Christian Weber | Süddeutsche.de

Viele Wissenschaftler haben schon den Nobelpreis erhalten, aber nur einer hat es bis zur Lego-Figur gebracht: Im Internet finden sich Anleitungen, wie man aus 122 Plastiksteinchen einen waschechten Stephen Hawking samt Rollstuhl bastelt. Womit wir beim Thema wäre: Der britische theoretische Physiker Stephen Hawking, der an diesem Sonntag 75 Jahre alt wird, hat zwar vor vielen Jahren wichtige Beiträge zur Theorie der schwarzen Löcher geliefert, aber er ist keiner der ganz Großen der Physik, nicht zu vergleichen mit Einstein, Planck, Heisenberg. Oder kennen Sie Freeman Dyson?

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Entschädigung für Herero und Nama – eine moralische Frage

 Demonstration in Berlin zur Erinnerung an die afrikanischen Opfer von Versklavung, Kolonialismus und rassistischer Gewalt. (Foto: imago/IPON)
Demonstration in Berlin zur Erinnerung an die afrikanischen Opfer von Versklavung, Kolonialismus und rassistischer Gewalt. (Foto: imago/IPON)
  • Vertreter der Herero und Nama haben gegen Deutschland Klage eingereicht wegen des Völkermords zu Kolonialzeiten.
  • Damit könnten sie einen Präzedenzfall schaffen, der Deutschland zwingt Entschädigung zu leisten.
  • Das könnte weitere Klagen nach sich ziehen. Betroffen wäre nicht nur Deutschland.

Von Antonie Rietzschel | Süddeutsche.de

Deutschland gilt international als Vorbild im Umgang mit der eigenen Geschichte. Anlässlich einer Ausstellung in Berlin lobte die britische Zeitung Guardian vor Kurzem die Deutschen für ihre Auseinandersetzung mit der Kolonialzeit. Im Gegensatz zu anderen ehemaligen Kolonialmächten führe Deutschland aktiv Gespräche mit afrikanischen Ländern über mögliche Wiedergutmachungen. Die Zeitung stellt fest: Großbritannien kann viel von Deutschland lernen.

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Günther Jauch: Dodo des Monats Dezember 2016

Dodo des Monats Dezember 2016 ©HFR
Dodo des Monats Dezember 2016 ©HFR

jauch_guentherIm Bundesland Brandenburg, mit seinen rund 2,4 Millionen Einwohnern, sind 80% der Bevölkerung keinem religiösen Bekenntnis zu zuordnen. Eine wichtige Zahl, da mithin der Rest von 20% der überwiegenden Mehrheit des Landes sagt, wo es lang geht. Kulminiert kommt dies im Wiederaufbau, der im 2. Weltkrieg zerstörten und in den 60iger Jahren gesprengten Garnisonskirche von Potsdam zum Ausdruck. Anhand der Zahlen kann man sehr schnell den Bedarf an Kirchen im Lande einschätzen, wenn auch 20% religiöse Mitbürger sind, so sagt die Menge nichts darüber aus, inwieweit überhaupt noch Kirchgänger regelmäßig ihre Tempel aufsuchen. Ein Bedarf an einer Kirche besteht nicht. Die Protestanten sehen sich eher mit der Tatsache konfrontiert mittelfristig überhaupt keine Kirchen mehr zu benötigen. Was den religiösen Popanz des Landes natürlich nicht davon abhält diese eine Kirche, diesen Hort von Preußens Glanz und Gloria, an ihrem ehemaligen Platz, zumindest Turmweise wieder aufzubauen.
Das Bemühen um die Kirche zeigte Höhen und Tiefen, ein Oberstleutnant a.D. der Bundeswehr, der vom Bundesverteidigungsminister als rechtsextrem eingestuft wurde folgten 2004 Persönlichkeiten dem Ruf aus Potsdam die Kirche wieder aufzubauen. Schirmherren der Wiederaufbau-Initiative sind der ehemalige Bischof Wolfgang Huber, Ministerpräsident a. D. Matthias Platzeck und Innenminister a. D. Jörg Schönbohm. Mittlerweile hat man sogar eine Pfarrstelle eingerichtet. Wie gesagt, die Prominenz will, das Volk, der große Lümmel, will nicht. Und wie zu Ulbrichts Zeiten wird von Oben bestimmt freiheitlich-demokratisch-despotisch.
Durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien wurde 2013 die Garnisonkirche Potsdam als national bedeutendes Kulturdenkmal eingestuft und in Aussicht gestellt, den Wiederaufbau in den nächsten Jahren mit 12 Millionen Euro zu fördern.
Es gäbe ja noch andere, national bedeutende Kulturdenkmäler, z.B. all die Synagogen, die man in der Nazizeit dem Erdboden gleichgemacht hat. Aber es gibt ja nicht mehr genug Juden in Deutschland und damit auch keinen Willen sich kulturell zu betätigen. Das Dumme daran, im Land Brandenburg gibt es auch kaum noch Christen, die als Begründung für einen Wiederaufbau der Kirche herhalten könnten. Es bleibt, ein kleiner Christenklüngel schafft sich einen Tempel, in dem man sich dann selbst feiern kann, umgewidmet als Friedenskirche, die die Garnisonskirche nie war. Auch wenn Zivilisten zur Gemeinde der Kirche gehörten war sie immer eine Kirche des preußischen Militärs. Geklaute, eroberte Insignien preußisch-deutscher Siege auf den Schlachtfeldern Europas wurden dort aufbewahrt. Als man sie, wie im Rahmen des Versailler Vertrages an Frankreich zurückgeben sollte, verschwanden sie bis heute.

Leute wie Günther Jauch, mit ihren üppigen Spenden bringen den Christentempel voran und sorgen dafür, dass die Steuergelder des Bundes, nichts anderes ist diese Förderung letztendlich, fließen können. Das Hanseatengeschlecht der Jauchs war immer ein willfähriger Erfüllungsgehilfe der Macht. Mit 1,5 Millionen Euro will Günther Jauch die Aussichtsplattform finanziert wissen. Die Potsdamer wollen diese Kirche nicht, Jauch schon, als Spender erfüllt er sich so seinen Traum von der Günther-Jauch-Aussichtsplattform der Garnisonskirche zu Postdam, dort wo der Handschlag des Ersatzkaisers Hindenburg die Hölle von der Leine ließ, die letztlich zur Zerstörung des Tempels führte. Die Garnisonskirche zu Potsdam ist Täterkirche, da kann Dröge noch lange am Image putzen und Huber die Welt beschwurbeln.
Vielleicht kommt der Tag, an dem man die Standarten von Einheiten der deutschen Wehrmacht wieder in der Kirche ausgestellt werden können. Die Zeichen sehen gut aus, deutsche Panzer sind wieder an den Grenzen des russischen Großreiches zu sehen. Die Pfaffen und ihre weltlichen Lakaien werden auch das segnen und viele Worte dafür finden warum es ist, wie es ist.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo, oder wäre ein Sieg Heil angebrachter?

Der Hass auf die Meinungsfreiheit – 2. Jahrestag des Anschlags auf Charlie Hebdo

Bild: DIE KOLUMNISTEN
Bild: DIE KOLUMNISTEN
Der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo vor zwei Jahren war einer der traurigen Höhepunkte einer ganzen Serie weltweiter massiver Angriffe auf das Recht auf freie Meinungsäußerung. Angriffe, die muslimische Extremisten im Namen des Propheten Mohammed geführt haben und nach wie vor führen.

Von Nina Scholz | DIE KOLUMNISTEN

Heute ist der traurige zweite Jahrestag des Anschlags auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ in Paris.

Im Kugelhagel muslimischer Terroristen vor und in den Redaktionsräumen der berühmten linken Satirezeitschrift starben zwölf Menschen, darunter die Hälfte der Redaktionsmitglieder. Ein weiterer Attentäter erschoss in den folgenden zwei Tagen eine Polizistin auf der Straße und vier Menschen in einem koscheren Supermarkt.

In den ersten Tagen nach den Anschlägen von Paris waren fast alle Charlie. Schock und Trauer bestimmten die veröffentlichten Meinungen. Doch schon bald begannen die ersten zu relativieren, Täter und Opfer zu vertauschen und zu mutmaßen, ob Charlie Hebdo nicht vielleicht zu weit gegangen sei.
Zu weit womit? Wie weit darf man gehen, ohne die eigene Ermordung zu provozieren? Und: Waren die erschossenen Menschen im jüdischen Supermarkt in Paris auch zu weit gegangen?,

fragten mein Mitautor Heiko Heinisch und ich vor einem Jahr in unserem Buch „Charlie versus Mohammed. Plädoyer für die Meinungsfreiheit“.

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Köln, die Nafris und ein Tweet

Bild:DIE KOLUMNISTEN
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Der massive Polizeieinsatz der Kölner Polizei an Silvester sorgte für Sicherheit. Ein Tweet der Polizei sorgte für Fragen. Die Frage nach der Verhältnismäßigkeit des Einsatzes sorgte für einen Shitstorm. Warum eigentlich?

Von Heinrich Schmitz | DIE KOLUMNISTEN

Vor einem Jahr schrieb ich zu den bis dahin bekannten Silvesterereignissen in Köln

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte im Hinblick auf die Silvestervorfälle in Köln: »Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische Männergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen.« Doch genau das tut er.

Auch ich, der ich des Rassismus wohl wenig verdächtig bin, wies damals bereits auf die seit langem bekannte Trickdiebszene hin und darauf, dass diese – jedenfalls im Bereich des Kölner Doms – seit Jahren überwiegend aus „nordafrikanischen“ Männern bestehe. Früher waren da mal die Klau-Kids aus Rumänien führend.

Dass die überwiegend aus „nordafrikanischen“ Männern besteht, konnte jeder, also wirklich jeder, seit Jahren wissen. Die konnte auch jeder im Hauptbahnhof, im Umfeld des Bahnhofs und auf der Treppe an der Philharmonie beobachten, wenn er sich da mal ein Stündchen aufgehalten hat. Das ist nichts wirklich Neues.

Dieses Jahr war alles anders. Riesiges Polizeiaufgebot. Keine besonderen Vorkommnisse, jedenfalls sehr viel weniger Sexualstraftaten und Diebstähle. Hat die Polizei diesmal alles richtig gemacht? Nicht ganz.

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