Silent No More – Nicht länger schweigend

Bild. RDF
In den letzten Jahren ist viel über den Anstieg der „Keine“-Personen geschrieben worden, die bei Umfragen zur Religionszugehörigkeit das Kästchen für „keine“ ankreuzen.

Von Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

Eine Harris-Umfrage von 2250 amerikanischen Erwachsenen im Jahr 2013 ergab zum Beispiel, dass 23 Prozent aller Amerikaner die Religion aufgegeben haben. Eine Umfrage des Pew Research Center im Jahr 2015 ergab, dass 34 bis 36 Prozent der Millennials (die nach 1980 geborenen) „Keine“ sind, bestätigte damit die 23 Prozent Darstellung und ergänzte, dass dies ein dramatischer Anstieg seit 2007 war, als nur 16 Prozent der Amerikaner sagten, sie seien mit keiner Religion verbunden. In Rohzahlen bedeutet dies einen Anstieg von 36,6 Millionen auf 55,8 Millionen „Keine“. Obwohl sie weit hinter den 71 Prozent der Amerikaner zurückbleiben, die sich in der Pew-Umfrage als Christen identifizierten, sind sie immer noch ein bedeutende Wählergruppe, weit größer als Juden (4,7 Millionen), Muslime (2,2 Millionen) und Buddhisten (1,7 Millionen) zusammen (8,6 Millionen) und vergleichbar mit politisch mächtigen christlichen Sekten wie der Evangelikalen (25,4 Prozent) und Katholiken (20,8 Prozent).

Diese Verschiebung weg von der Dominanz einer bestimmten Religion ist gut für eine säkulare Gesellschaft, dessen Regierung so aufgebaut ist, dass sie Sammelbecken der Macht davon abhält, größer zu werden und auf das Privatleben der Menschen überzugreifen. Aber es ist wichtig zu beachten, dass diese „Keine“ nicht unbedingt Atheisten sind. Viele haben sich von den Mainstream-Religionen in spirituelle New-Age-Bewegungen verwandelt, wie eine Umfrage von 2017 zeigt, die einen Anstieg von 19 Prozent im Jahr 2012 auf 27 Prozent im Jahr 2017 bei denjenigen, die „spirituell, aber nicht religiös“ angaben, verzeichnet. Von dieser Gruppe bezeichneten nur 37 Prozent ihre religiöse Identität als atheistisch, agnostisch oder „nichts Besonderes“.

weiterlesen

Advertisements

Polizei erschoss laut Zeitung vergangenes Jahr 15 Menschen

Themenbild.
Polizisten haben nach einem Medienbericht im vergangenen Jahr 15 Menschen bei Einsätzen in Deutschland erschossen.

Frankfurter Rundschau

Das gehe aus einer Umfrage unter den Innenministerien und Polizeibehörden der Bundesländer hervor, berichtete die „Neue Osnabrücker Zeitung“. 40 weitere Menschen seien verletzt worden. Meistens hätten die Beamten aus Notwehr oder zur Nothilfe gehandelt – weil sie ihr eigenes Leben retten oder Menschen in Lebensgefahr helfen mussten, hieß es von der Zeitung.

Jenseits von Himmel und Hölle

Ägypten ist weit davon entfernt, eine gottlose Gesellschaft zu sein: Mitglieder einer Sufi-Bruderschaft gedenken Husseins, eines Enkels des Propheten Mohammed. (Bild: Amr Abdallah Dalsh / Reuters)
Wer in der arabischen Welt nicht an Gott glaubt, gilt wahlweise als Extremist oder als psychisch gestört. Auch in Ägypten steht Atheismus womöglich bald unter Strafe.

Daniel Steinvorth | Neue Zürcher Zeitung

Zweimal, sagt Ismail Mohamed, habe er echte Todesangst verspürt. Zweimal sei er nicht vorsichtig genug gewesen. Beim ersten Mal habe ihn ein Mann in ein Café in Alexandria eingeladen. «Der Typ schien eigentlich ganz freundlich zu sein. Er sagte, er hätte mich im Fernsehen gesehen. Er wollte mit mir über den Islam reden. Als ich aufstand und zur Toilette ging, richtete er eine Pistole auf mich.» Gott sei Dank, erzählt Mohamed, habe der Mann zu lange gezögert. «Seine Hand zitterte. Die Leute im Café konnten ihn deswegen überwältigen. Sie übergaben ihn der Polizei.»

Beim zweiten Mal habe er sich auf einer belebten Strasse in Kairo aufgehalten. Wieder sei er erkannt worden. «Ich hörte nur, wie jemand rief: ‹Der da, der glaubt nicht an Gott! Verprügelt ihn!› Plötzlich war ich von einer wütenden Menge umgeben. Alle redeten auf mich ein. Es war aussichtslos, mit den Leuten zu diskutieren. Einer zog ein Messer.» Gerade noch rechtzeitig sei Hilfe erschienen, die Polizei habe ihn auf die Wache genommen und verhört. Gott sei Dank sei er dort an keine Sadisten geraten und frei gelassen worden.

weiterlesen

Unterstützung für die Säkulare Flüchtlingshilfe

Förderung der Anliegen durch eine Spende, eine Fördermitgliedschaft oder Mitarbeit

Richard-Dawkins-Foundation

Mitglied werden, fördern oder spenden.

Wie kann man die Säkulare Flüchtlingshilfe unterstützen?

Fördermitglied werden

Am besten kann man als Fördermitglied helfen, mit einem frei wählbaren Jahresbeitrag. So kann die Säkulare Flüchtlingshilfe planen und informiert gelegentlich per Newsletter, wenn es gewünscht wird.

Ausdrucken, ausfüllen und per Post zusenden:
Fördermitgliedschaft und Lastschrift (PDF)

Mitglied werden

Eine einfache Mitgliedschaft (PDF) ist natürlich auch möglich. Auch hier informiert die Säkulare Flüchtlingshilfe auf Wunsch gelegentlich per Newsletter.

Spenden

Sollte es nur ein einmaliger Betrag sein, dann kann man die Säkulare Flüchtlingshilfe natürlich auch per Überweisung fördern:

Säkulare Flüchtlingshilfe e.V. – Atheisten helfen
IBAN: DE70 3705 0198 1933 9865 13
BIC: COLSDE33XXX
Am besten Name und Adresse angeben, damit eine Spendenquittung verschickt werden kann!

Oder die Unterstützung eines der Projekte auf betterplace.org.

Wie kann man sich einbringen?

Wer mehr als ein Fördermitglied sein und aktiv helfen möchte, jeder hat Fähigkeiten, die die Säkulare Flüchtlingshilfe gut gebrauchen kann.

Man kann im direkten Kontakt mit Flüchtlingen stehen und ihnen bei Behördengängen und im Alltag helfen.

Man kann Flüchtlingen beim Deutsch lernen helfen.

Wer fließend Arabisch oder Farsi spricht, kann bei der Übersetzung von Artikeln auf der Website der Säkulare Flüchtlingshilfe helfen.

Wer gute juristische Kenntnisse hat, kann Flüchtlinge und dem Verein in rechtlichen Fragen unterstützen.

Wer eine psychologische Ausbildung hat, kann die Säkulare Flüchtlingshilfe bei Einzelfragen oder bei der Suche nach den richtigen Therapieplätzen helfen.

Wer sich bereits in einem anderen Projekt für Flüchtlinge engagiert, kann seine Unterstützung anbieten.

Wer gerne schreibt, kann Artikel über die bewegenden Geschichten von Flüchtlingen für den Blog der Säkularen Flüchtlingshilfe erstellen.

Wer gerne Fotos oder Videos macht, Erfahrung mit der Bearbeitung von Bild- und Tonmaterial hat, IT-technisch versiert ist und sich mit Aufbau und Design von Websites auskennt, kann seine Erfahrung einbringen.

Man kann Flüchtlingen Nachhilfe geben, etwa auf den Gebieten Mathematik, Physik oder Chemie.

Wer ein Zimmer frei hat oder anderen Wohnraum, kann diesen temporär einzelnen Flüchtlingen zur Verfügung stellen kannst (i.d.R. für 3–7 Tage).

Wer organisatorisches Talent hat, kann gerne bei der Vereinsarbeit helfen.

Fast alles kann helfen. Kontakt: info@atheist-refugees.com

Das Berliner Neutralitätsgesetz auf dem Prüfstand

Am 16.04.2018 wurde im Berliner Abgeordnetenhaus in der Partei Bündnis 90/Die Grünen kontrovers über das Berliner Neutralitätsgesetz diskutiert. Dieses Gesetz wurde im Jahr 2005 beschlossen. Es fordert die Beschäftigten des Landes Berlin dazu auf, sich mit ihrem religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnis in den Bereichen, in denen Bürger*innen in besonderer Weise dem staatlichen Einfluss unterworfen sind, zurückzuhalten. Bereits im Dezember 2017 war eine Debatte angestoßen worden.

Hanna Fülling | EZW

Teile der Berliner Grünen bewerten das Berliner Neutralitätsgesetz als inkompatibel mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts gegen ein pauschales Kopftuchverbot aus dem Jahr 2015. Neben Kritikern gibt es jedoch glühende Verteidiger, die sich in der Initiative „Pro Berliner Neutralitätsgesetz“ zusammengeschlossen haben.

Für die Beibehaltung des Neutralitätsgesetztes spricht aus der Perspektive der Befürworter der Wunsch, religiös konnotierte Konflikte möglichst von Schulen fern zu halten und die Schülerinnen zu schützen. Für das Wohl der Schülerinnen müsse Lehrer*innen eine Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit abverlangt werden können.

Die Kritiker lehnen das Neutralitätsgesetz ab, da es diskriminiere, ausgrenze und kriminalisiere. Zudem werde dadurch eine Illusion von scheinbarer Homogenität in einigen öffentlichen Räumen erzeugt, die der gesellschaftlichen Diversität nicht entspreche. Gerade Schulen, in denen Konflikte im Umgang mit kultureller und religiöser Diversität trotz des Neutralitätsgesetzes allgegenwärtig seien, müssten über bessere Strategien und Ressourcen zur Bewältigung solcher Konflikte verfügen. Dazu bedürfe es keiner Verbote, sondern konkreter Hilfestellungen und neuer Ansätze in den Schulen.

Ein Konsens konnte an diesem Abend im Berliner Abgeordnetenhaus nicht erzielt werden. Die emotionale Stimmung der Diskussion machte deutlich, dass hinter der Debatte über das Berliner Neutralitätsgesetz grundsätzlichere gesellschaftliche Fragestellungen und Konflikte liegen, die nicht nur unter den Berliner Grünen nach einer konstruktiven Aufarbeitung verlangen. Brennglasartig bündeln sich im Streit über das Neutralitätsgesetz verschiedene offene gesellschaftspolitische Fragestellungen, die nicht nur die Frage nach Kopftuchverboten an öffentlichen Schulen betreffen.

Rana Ahmad: „Frauen dürfen hier nicht träumen“ – es ist noch viel schlimmer

Rana Ahmad bei der Buchvorstellung am Stiftungssitz der Giordano-Bruno-Stiftung. Foto: ©Udo Unger
Rana Ahmad floh unter Einsatz ihres Lebens nach Europa, weil sie es in Saudi-Arabien nicht mehr aushielt. In einer beklemmenden, äußerst lesenswerten Biographie erzählt sie ihre Geschichte. Es offenbart sich ein bisher kaum bekannter Blick auf Alltag und Gefühlswelt einer mutigen Frau im fundamentalistischsten Staat der Welt.

Von Gisa Bodenstein | hpd.de

Es ist schon viel geschrieben worden über Saudi-Arabien. Die meisten wissen inzwischen, dass Frauen dort bis jetzt nicht Auto fahren durften und Menschen zu Körperstrafen verurteilt werden, die zum Teil öffentlich vollstreckt werden. Es ist ein Blick von außen, den man so meistens erhält, ein unpersönlicher, sachlicher. Aus den Medien erfährt man selten etwas über die Menschen und ihren Alltag. Deshalb ist das Buch „Frauen dürfen hier nicht träumen – Mein Ausbruch aus Saudi-Arabien, mein Weg in die Freiheit“, das Rana Ahmad mit Unterstützung der Journalistin Sarah Borufka geschrieben hat, etwas Besonderes. Ahmad, die 2015 während der großen Flüchtlingswelle nach Deutschland kam, kann beide Perspektiven vergleichen. Sie kennt sowohl unsere Lebensweise – und schätzt sie wahrscheinlich mehr, als jeder, für den sie seit seiner Geburt selbstverständlich ist – als auch den Lebensalltag in Saudi-Arabien. Sie schafft es so, in ihren detailreichen Schilderungen genau die Aspekte herauszustellen, bei denen die kulturelle Diskrepanz am deutlichsten zu Tage tritt. Und man stellt fest: Das Leben dort – vor allem als Frau – ist noch viel schlimmer, als man angenommen hatte.

weiterlesen

Vom Versagen der Eliten

Liberale Elite: Bankangestellte im Londoner Finanzdistrikt Canaray Wharf in einer Bar Bild: Reuters
Seit Jahren eckt Jan Zielonka mit seinen Fragen und Theorien an. Der Oxforder Professor beklagt nun eine Gegenrevolution und greift die „liberalen Eliten“ an.

Von Jochen Buchsteiner | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die grundlegende Aufgabe der Intellektuellen ist es, alle angenommenen Weisheiten in Zweifel zu ziehen … und jene Fragen zu formulieren, die sich sonst niemand zu stellen wagt.“ Mit diesen Worten des deutschen Briten Ralf Dahrendorf beendete Jan Zielonka nicht nur sein jüngstes Buch – er lebt den Satz. Seit Jahren eckt der Professor für Europäische Politik in Oxford an. Zielonka, der sich als „Dahrendorf Fellow“ in den Fußstapfen des oft als „großer Europäer“ gewürdigten Soziologen sieht, nannte die EU „Imperium“, als sie noch hoch im Kurs stand, und fragte sich später, ob sie am Ende sei. In seinem jüngsten Buch knöpft er sich nun sein eigenes Umfeld vor – die „liberalen Eliten“.

weiterlesen

Richtige Hilfe für Bedürftige: Die etwas andere Medizin

Behinderte werden oft falsch behandelt, weil es an Ärzten fehlt, die auf sie eingehen können. Das soll sich ändern.

Von Jakob Simmank | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Jan Stuhr sitzt im Rollstuhl und lächelt. Mutter Waltraut lässt ihn Kakao trinken, in kleinen Schlucken aus einem Trinkkarton, damit der 33-Jährige sich nicht verschluckt. Seine Arme stehen unter Spannung, die Hände sind verdreht, und er drückt ziellos auf einem Smartphone herum. Bei seiner Geburt wirkte Jan Stuhr vollkommen gesund, aber schon innerhalb des ersten Jahres zeigte sich, dass er sich motorisch und geistig langsamer entwickelt als andere Kinder. Seinem X-Chromosom fehlt ein Stück, und er muss nicht nur zur Förderschule, sondern auch häufig zum Arzt.

An diesem Tag haben Jan und Waltraut Stuhr einen Termin am Sengelmann Institut für Medizin und Inklusion, einem ambulanten Zentrum für Menschen mit komplexen Behinderungen, das ans Alsterdorfer Krankenhaus in Hamburg angeschlossen ist. Zweimal im Jahr kommen sie seit 2015 zur Verlaufskontrolle, nehmen dafür die Stunde Autofahrt in Kauf. „Es ist ein großes Geschenk, dass es das SIMI gibt“, sagt Waltraut Stuhr. „Seit wir hierherkommen, geht es Jan viel besser.“

Die Studien sind rar

Rund 7,5 Millionen Menschen in Deutschland gelten nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes als schwerbehindert. Der Großteil ist über 65 Jahre alt und hat eine körperliche Behinderung, dazu zählt Herzschwäche ebenso wie ein Hüftschaden. Etwa 1,5 Millionen Deutsche sind geistig eingeschränkt, darunter jene 300.000, deren Probleme wie bei Jan Stuhr eine genetische Ursache haben. Sie werden heute zwar besser versorgt, doch das Gesundheitswesen könnte sich noch deutlich mehr auf ihre speziellen Bedürfnisse einstellen. Wie das gehen soll und ob das hohe Kosten bedeutet, wären dann schon zwei der Hauptfragen.

weiterlesen

Dobrindt fordert weniger Geld für abgelehnte Asylbewerber

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt Bild: EPA
Der CSU-Landesgruppenchef will abgelehnten Asylbewerbern weniger finanzielle Unterstützung bieten. Es müsse klar zwischen Menschen mit und ohne Bleiberecht unterschieden werden.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Alexander Dobrindt, fordert, Hartz-IV-Leistungen für abgelehnte Asylbewerber einzuschränken. „Bei abgelehnten Asylbewerbern sollten wir stärker auf Sachleistungen umstellen“, sagte er der „Welt am Sonntag“. „Wir müssen das Asylbewerberleistungsgesetz ändern und klar unterscheiden zwischen denjenigen, die berechtigt in Deutschland Schutz finden und denjenigen, die kein Bleiberecht haben oder sogar ihre Ausreise selbst verhindern.“

Im Koalitionsvertrag von Union und SPD sind Einschränken nur für jene Ausreisepflichtigen vorgesehen, die ihre Ausreise zu verhindern suchen – und ausdrücklich nicht für jene, die unverschuldet nicht ausreisen.

weiterlesen

Was ist das überzeugendste Argument für den Atheismus?

Foto: pixabay.com / kalhh
Das hängt davon ab, wie man Gott definiert, d. h., welche Eigenschaften man ihm zuschreibt.

Von Volker Dittmar | Richard-Dawkins-Foundation

Gläubige weigern sich häufig, selbst anerkannte angenommene Eigenschaften als gegeben anzunehmen, sobald man sie mit einem Argument gegen diese Eigenschaft konfrontiert.

Beispiel: Als ich in einem katholischen Forum die Allmacht kritisierte und zeigte, dass es sich um eine selbstwidersprüchliche Eigenschaft handelt, kam sofort als Einwand: Wer behauptet denn, dass Gott allmächtig ist?

Allmacht ist die einzige göttliche Eigenschaft, die im Glaubensbekenntnis zweimal erwähnt wird. Wenn also jemand die Allmacht Gottes bestreitet, dürfte er eigentlich das allgemeine Glaubensbekenntnis nicht mehr aufsagen.

Man kann jedes Argument damit aushebeln, dass man die Logik nicht anerkennt, auf der es basiert. Wenn mir jemand erzählt, dass Gott „über” der Logik steht (das ist nicht einmal eine sinnvolle Behauptung), dann kann auch kein Argument gegen Gott funktionieren.

Gott wird als transzendent und supernaturalistisch bezeichnet. Beides sind Begriffe mit einem Sinngehalt von Null. Aber damit kann man Gott jedem Argument entziehen.

Man kann also nur fragen: Was ist das Argument, was Atheisten zum größten Teil überzeugt, dass es nicht sinnvoll ist, an Gott zu glauben?

Antwort: Das Theodizeeproblem von Epikur. Es gibt keine überzeugende Antwort auf dieses Problem, obwohl es vorchristlich ist. Georg Büchner bezeichnete das Argument als „den Fels des Atheismus”.

Epikur hat es so formuliert:

Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht:
Dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft,
oder er kann es und will es nicht:
Dann ist Gott missgünstig, was ihm fremd ist,
oder er will es nicht und kann es nicht:
Dann ist er schwach und missgünstig zugleich, also nicht Gott,
oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt:
Woher kommen dann die Übel und warum nimmt er sie nicht hinweg?

Ich formuliere das Problem inzwischen anders als Epikur es tat. Man kann nämlich die Allmacht Gottes bestreiten, dann ist das Problem gelöst, aber siehe Glaubensbekenntnis!

weiterlesen

Religionskritik unter Polizeischutz

Der Islamwissenschaftler Hamed Abdel-Samad (2015 bei einer Veranstaltung in Weil) hat ein neues Buch mit dem Titel „Integration – Ein Protokoll des Scheiterns“ veröffentlicht. Foto: Martina David-Wenk
Der Grüne Cem Özdemir und der Islamwissenschaftler Hamed Abdel-Samad diskutieren in Berlin über deutsch-türkische Erdogan-Anhänger, Religionsfreiheit und Integration durch Bildung.

Von Bernhard Walker | Badische Zeitung

Es sind nicht zwei oder drei, sondern fünf. Fünf Personenschützer des Kriminalamts sind an diesem Abend in der Berliner „Urania“ zu sehen. Mitarbeiter der 130 Jahre alten Bildungsstätte durchsuchen die Taschen der Besucher, die hören wollen, was der Islamwissenschaftler Hamed Abdel-Samad und Cem Özdemir zum Thema „Integration“ zu sagen haben. Weil Abdel-Samad über Parallelgesellschaften, salafistische Umtriebe sowie arabische Clans und Islamisten schreibt, die zusammen einzelne Stadtteile kontrollierten, steht er unter Polizeischutz: In einem Rechtsgutachten, einer Fatwa, sprach sich ein ägyptischer Geistlicher 2013 für die Tötung Abdel-Samads aus. Gegen religiöse Fanatiker, wie er sie nennt, und den türkischen Nationalismus kämpft auch Özdemir. Auch der frühere Grünen-Chef wird dafür angefeindet und von Leibwächtern begleitet. Der Abend in der „Urania“ zeichnet somit ein trauriges Bild: Religionskritik kann sich nur in einer Art Hochsicherheitszone abspielen.

weiterlesen

Wissenschaftler streiten über den Begriff „Rasse“

Die Einteilung der Menschheit nach Hautfarbe und Kontinent sei willkürlich, sagen Forscher wie Ann Morning und Alan Goodman. (imago / derifo )
Genetische Unterschiede zwischen „Rassen“ könnten nicht länger ignoriert werden, schrieb der Genetiker David Reich in der New York Times. Dafür wurde er heftig kritisiert: Das sei einfach schlechte Wissenschaft, sagt der Bio-Anthropologe Alan Goodman.

Von Thomas Reintjes | Deutschlandfunk Kultur

Am 23. März 2018 erschien in der „New York Times“ ein Meinungsbeitrag von David Reich, einem Genetiker von der Universität Harvard. Reich schreibt unter anderem:

„Es ist einfach nicht länger möglich, die durchschnittlichen genetischen Unterschiede zwischen ‚Rassen‘ zu ignorieren.“

Das Wort „Rassen“ setzt er in Anführungszeichen:

„Neuere genetische Studien haben Unterschiede zwischen Populationen nicht nur in einfachen Merkmalen wie der Hautfarbe aufgezeigt, sondern auch bei komplexeren Merkmalen wie Körpermaßen oder der Anfälligkeit für Krankheiten.“

Genetiker Reich will sich nicht äußern

Reich stand nicht für ein Interview zur Verfügung, um diese Ausführungen zu erklären. Er empfiehlt die Lektüre seines neuen Buchs. In dem Artikel schreibt Reich allerdings auch, dass er gerade verhindern wolle, dass derartige Forschungsergebnisse ideologisch missbraucht werden.

weiterlesen

„Umgekehrte Flucht“: Immer mehr Syrer verlassen Deutschland wieder

Eine syrische Familie in Deutschland. Immer mehr Flüchtlinge kehren der Bundesrepublik wieder den Rücken, weil sie ihre Angehörigen derzeit nicht nachholen können (Symbolbild). © Swen Pförtner Picture Alliance
Immer mehr syrische Flüchtlinge – selbst mit gültigem Aufenthaltsstatus in Deutschland – verlassen offenbar die Bundesrepublik. In sozialen Netzwerken wie Facebook gebe es inzwischen Gruppen, in denen sich Tausende über eine Rückkehr in ihre Heimat austauschen, heißt es.

stern.de

Offenbar verlassen zunehmend anerkannte syrische Flüchtlinge Deutschland wieder, weil sie ihre Angehörigen nicht nachholen können. Dabei reisen viele Flüchtlinge illegal, auf zum Teil riskanten Routen und mithilfe von Schleusern in die Türkei, da sie kein Visum erhalten, berichteten das ARD-Politikmagazin „Panorama“ und das Reporterformat „STRG_F“ des Onlineangebots funk von ARD und ZDF am Donnerstag. Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl bestätigte die Entwicklung.

„Es gab schon im letzten Jahr Hinweise, dass Flüchtlinge sich hier in Deutschland unter Druck gesetzt fühlen und auf gefährlichen Wegen zurückkehren“, sagte Pro Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt der Nachrichtenagentur AFP. „Das betrifft besonders verzweifelte Syrer, die nur einen eingeschränkten Schutzstatus bekommen haben und von ihren Familien getrennt sind.“

weiterlesen

Amnesty: Todesstrafe wird weltweit immer häufiger bei Drogendelikten verhängt

Themenbild.

Amnesty International hat im vergangenen Jahr deutlich weniger Todesurteile und auch einen leichten Rückgang bei den Hinrichtungen weltweit verzeichnet.

Berliner Zeitung

Die Menschenrechtsorganisation zählte 993 Exekutionen und damit vier Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Todesurteile sank sogar um 17 Prozent von 3117 auf 2591.

Allerdings fehlt wie in den Vorjahren China in der Statistik, da das Land Angaben zur Todesstrafe unter Verschluss hält. Amnesty geht davon aus, dass es in dem bevölkerungsreichsten Land der Welt Jahr für Jahr Tausende Todesurteile und Hinrichtungen gibt.

weiterlesen

Michael Schmidt-Salomon im Club Voltaire

Der Philosoph und Autor Michael Schmidt-Salomon sprach im Club Voltaire über die Grenzen der Toleranz. ©Nina Saam

Eine offene Gesellschaft muss tolerant sein, aber auch klare Grenzen formulieren, um funktionieren zu können. Über die Grenzen der Toleranz und die Leitprinzipien einer offenen Gesellschaft sprach am Montag Michael Schmidt-Salomon im Club Voltaire.

Nina Saam | baden online

Vor zwei Jahren hat der aus Trier stammende Philosoph und Autor Michael Schmidt-Salomon sein Buch »Die Grenzen der Toleranz – warum wir die offene Gesellschaft verteidigen müssen« veröffentlicht, das angesichts der wachsenden Polarisierung und Abschottung einzelner Gruppen bis hin zu ganzen Gesellschaften aktueller denn je ist. Demagogen und Populisten schürten einen »Empörialismus«, in dem Stimmungsmache mehr zähle als rationale Argumente, so der Philosoph.

Vielfalt der Meinungen

Dabei sei eine gewisse Streitkultur in offenen Gesellschaften durchaus erwünscht: »Die Vielfalt der Meinungen ist der Nährboden des zivilisatorischen Fortschritts«, so Schmidt-Salomon. »Gesellschaften, die jeden Widerspruch im Keim ersticken, verharren im kulturellen Stillstand.« Doch einen zivilisierten Widerstreit könne es nicht ohne klare Spielregeln geben, die von allen Beteiligten Toleranz abverlangten. Doch was muss toleriert und was darf nicht mehr toleriert werden? Und was muss man akzeptieren, also nicht nur dulden, sondern gutheißen?

weiterlesen

Noch nicht festgestellte Verfassungswidrigkeit, oder das Kopftuch um jeden Preis

Themenbild
In Kürze gehen die Klagen gegen das Berliner Neutralitätsgesetz in eine neue Runde. Die von einem atheistischen Netzwerk unterstützten Befürworter der Beibehaltung des Gesetzes verlangen vom Staat die Aufgabe seiner neutralen Position und eine Parteilichkeit zu ihren Gunsten.

Von Gabriele Boos-Niazy | MiGAZIN

Die Verfassungswidrigkeit des Berliner Neutralitätsgesetzes in seiner derzeitigen Form wurde vielfach diskutiert; zuerst in einem von der SPD 2015 in Auftrag gegebenen Gutachten des Wissenschaftlichen Parlamentsdienstes des Abgeordnetenhauses von Berlin, das feststellte, dass das Gesetz nicht verfassungskonform ausgelegt werden kann, zuletzt in einer Gerichtsentscheidung1 und einer Güteverhandlung, in denen den Klägerinnen Entschädigungen aufgrund der Diskriminierung aus Gründen der Religion zugesprochen wurden.

Der Berliner Senat setzte daraufhin öffentlichkeitswirksam auf die „Staranwältin“ und „Menschenrechtsaktivistin“ Seyran Ateş, die das Gesetz retten soll. Das dürfte ihr nicht leicht fallen. Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hatte 2015 entschieden, dass ein pauschales Kopftuchverbot unzulässig ist,2 die Entscheidungen des BVerfGs sind für die Verfassungsorgane des Bundes und der Länder sowie alle Gerichte und Behörden bindend, die bisher in Berlin ergangenen Entscheidungen gaben entsprechend den Klägerinnen recht.

weiterlesen

Deutlich mehr Briten holen sich neue Staatsangehörigkeit in EU

Anti-Brexit-Demonstranten stehen Ende März vor dem Westminsterpalast in London. Bild: AFP
Um auch nach dem Brexit EU-Bürger zu bleiben, entscheiden sich viele Briten dazu, eine andere Staatsbürgerschaft anzunehmen. Zuletzt nahm die Zahl der Einbürgerungsverfahren um 165 Prozent zu.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der geplante EU-Austritt Großbritanniens bringt anscheinend viele Briten dazu, die Staatsangehörigkeit eines anderen EU-Landes zu erwerben.

Nach jüngsten Zahlen des europäischen Statistikamtes Eurostat haben bereits 2016, also im Jahr des britischen Referendums für den EU-Austritt, 6555 Bürger des Vereinigten Königreichs erfolgreich ein Einbürgerungsverfahren abgeschlossen.

Dies entspreche einem Anstieg um 165 Prozent im Vergleich zu 2015, teilten die Statistiker am Montag mit.

weiterlesen

Wer Sterbefasten unterstützt, leistet womöglich Beihilfe zur Selbsttötung

Zwischen Erhängen und dem Verzicht auf Essen und Trinken gibt es durchaus Parallelen, weshalb viele das Sterbefasten als Suizid ansehen. Entsprechend ordnet ein Expertenteam ärztliche Maßnahmen in bestimmten Fällen als Beihilfe dazu ein. Rechtlich befinden sich Kollegen nur dem Anschein nach auf der sicheren Seite.

Dr. Elisabeth Nolde | MEDICAL TRIBUNE

Der freiwillige Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit ist für unheilbar erkrankte Menschen eine Option, das Leben selbstbestimmt enden zu lassen. Studiendaten zufolge wird die Prävalenz des sogenannten Sterbefastens offenbar unterschätzt. Der Sterbeprozess gilt dabei allgemein als friedlich. Dennoch können Symptome auftreten, die eine medizinische Unterstützung erfordern, dazu zählen z.B. Durst, Schmerzen, Angst, Schlaflosigkeit und Delir.

Einige internationale Fachgesellschaften verurteilen einerseits das assistierte Sterben, befürworten andererseits aber zunehmend das Sterbefasten einschließlich medizinischer Hilfe. Und die westliche Rechtsprechung, auch in Deutschland, scheint diese Unterstützung zu dulden, schreiben Professor Dr. Dr. Ralf J. Jox, Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin, Ludwig-Maximilians-Universität München, und Kollegen.

weiterlesen

Plädoyer für die Neutralität des Staates in religiösen Fragen

Buchcover „Staat ohne Gott“ von Horst Dreier, im Hintergrund die Symbole der Weltreligionen (Verlag C.H.Beck / dpa / Urs Fueller)
Wohltuend besonnene Gedanken mitten in der hitzigen Debatte über den Islam: Der Verfassungsrechtler Horst Dreier formuliert in seinem Buch „Staat ohne Gott“ ein klares Plädoyer für die Religion als Privatsache – und einen Staat, der die Finger davon lässt.

Von Kirsten Dietrich | Deutschlandfunk Kultur

„Staat ohne Gott“ – das klingt wie eine Kampfschrift gegen die Religion, ist es aber nicht. Horst Dreier stellt gleich auf der ersten Seite klar: Welt, Gesellschaft, jeder einzelne Mensch, sie alle sollen Gott und Glauben gerne haben und behalten. Einzig der Staat muss die Finger von der Religion lassen. Das „Seelenheil des Bürgers geht den Staat nichts mehr an“, und er hat sich mit keiner Religion gemein zu machen, vertrete die auch noch so grundgesetzeskompatible Werte.

Das ist genau so im Grundgesetz festgelegt, muss aber heute neu betont werden: Denn von der einen Seite kritisieren organisiert nichtreligiöse Menschen die immer noch bestehenden Rechte und Pflichten, die der Staat organisierten Religionsgemeinschaften und vor allem den christlichen Kirchen einräumt.

weiterlesen

Die Entschlüsselung des Alterns: Tu was für deine Telomere!

Elizabeth Blackburn, Elissa Epel
Die Entschlüsselung des Alterns
Verlag: Mosaik, München 2017
ISBN: 9783442392889| Preis: 24,00 €

Nobelpreisträgerin Elizabeth Blackburn und Elissa Epel stellen ein fundiertes Fitnessprogramm für unser Erbgut vor.

Von Liesa Klotzbücher | Spektrum.de

Mit den Plastikkappen von Schnürsenkeln vergleicht Elizabeth Blackburn gerne ihre Lieblingsobjekte und Gegenstände ihrer Forschung, die Telomere. Das sind DNA-Abschnitte an den Enden der Chromosomen, die von einer Schutzhülle aus Proteinen umgeben sind. 2009 brachte ihr die Forschung darüber den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ein.

Gemeinsam mit der Stressforscherin Elissa Epel von der University of California in San Francisco hat die Molekularbiologin ein fast 500 Seiten dickes Buch geschrieben. „Ob wir uns jung und fit oder alt fühlen, hängt von den Telomeren ab“, erklären die Autorinnen darin. Im Lauf des Lebens verkürzen sich die Endkappen jedoch immer mehr. Ab einer bestimmten Länge hören die Zellen auf, sich zu teilen. Sie werden seneszent oder, wie es im Buch heißt, „desorientiert und erschöpft“. Dann setzen sie entzündungsfördernde Substanzen frei, die uns anfälliger für chronische Erkrankungen machen und den Prozess des Alterns steuern.

weiterlesen