Archiv der Kategorie: Humanismus

“Sorgen rechtfertigen nicht, dass man Nazis hinterherläuft”

Angriffe auf Flüchtlingsheime sind zum Alltag geworden. Menschenverachtende Kommentare in sozialen Netzwerken nicht weniger. “‚Wir sind das Pack’ – Rückt Deutschland nach rechts?” Darüber diskutierte Sandra Maischberger unter anderem mit Margot Käßmann.

Von Christiane Meister|evangelisch.de

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht vor einem Angriff auf ein Flüchtlingsheim berichtet wird. Bilder von pöbelnden Massen, die die Ankunft von Bussen mit Asylbewerbern aufhalten. Auf Facebook häufen sich rechtsradikale Kommentare: “Hoffentlich war die Hütte voll mit Asylschmarotzer, bevor es gebrannt hat!” oder “Dreckspack nach Auschwitz und Dachau”. Immer seltener werden solche Inhalte anonym verfasst – viele posten die menschenverachtenden Botschaften mit Klarnamen. Die meisten von ihnen bleiben trotz solcher Worte unbehelligt.

“Ist der rechte Mob nur eine lautstarke, aber kleine Minderheit? Oder vergiftet der Fremdenhass unser ganzes Land?”, fragte Sandra Maischberger in ihrer Talkshow und könnte damit eine wichtige Debatte weiterführen. Denn an diese Fragen schließen sich weitere an: Was sind die Ursachen für den Hass, der Flüchtlingen entgegenschlägt, was kann man dagegen tun? Doch statt zu versuchen, in 75 Minuten Sendezeit Antworten auf diese Fragen zu bekommen, versandet die Diskussion immer wieder in Nebensächlichkeiten.

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Die Evolution von Glauben und Moral

Im Verhalten der Bonobos erkennt der Primatenforscher Frans de Waal mögliche Vorformen der Religiosität. (picture-alliance / dpa / Benjamin Beytekin)
Schimpanse, Ratte oder Elefant: Sozial lebende Tiere haben natürlicherweise das Bedürfnis, gut miteinander auszukommen. Warum darin der Schlüssel zu moralischem Verhalten liege, erläutert der niederländische Zoologe Frans de Waal in seinem Buch “Der Mensch, der Bonobo und die zehn Gebote”.

Von Susanne Billig|Deutschlandradio Kultur

Wenn es in Strömen gießt, kauern Schimpansen sich unter das Blätterdach des Dschungels und setzen ihr schlecht gelauntes “Regengesicht” auf. Doch manchmal packt sie ein heiliger Furor: Dann springen sie mit gesträubtem Fell von den Bäumen und stampfen aufrecht auf zwei Beinen umher – bis der Regen verschwindet.

Auch das neueste Buch des niederländischen Zoologen Frans de Waal quillt von Geschichten aus der Tierwelt über: Schimpansenmütter, die ihre Kinder jahrelang aufwendig durch die Kindheit lotsen. Ratten, die auf Futter verzichten, um Artgenossen aus der Patsche zu helfen. Bonobos, die stundenlang neben einem gestorbenen Mitglied ihrer Gruppe ausharren, sichtlich von dessen Tod erschüttert. Und wer weiß – vielleicht soll der Regentanz ja Naturgewalten beschwören?

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Sprachwissenschaftler: Allein die Verwendung von Wort «Neger» nicht rassistisch

Eine Person, die das Wort «Neger» verwendet, ist nach Einschätzung des Sprachwissenschaftlers Albrecht Plewnia nicht automatisch ein Rassist.

Von Elisa Makowski|evangelisch.de

«Dennoch ist Neger kein wertneutrales Wort und ist mit einer Reihe von Negativassoziationen besetzt», sagte Plewnia, der am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim forscht, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Deshalb gäbe es einen breiten öffentlichen Konsens, dieses Wort nicht zu verwenden. Darin seien sich normalerweise alle politischen Amtsträger einig.

Unüberlegt gehandelt

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) löste eine gesellschaftliche Debatte aus, nachdem er in der Sendung «Hart, aber fair» im WDR am Montagabend sagte: «Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger, der den weißen Deutschen wunderbar gefallen hat.» Herrmann erklärte im ZDF-Morgenmagazin am Dienstag, er habe damit nur auf einen Anrufer reagiert. Der hatte gesagt, er wolle «Neger überhaupt nicht haben.» Herrmann sagte auch, dass er das Wort sonst überhaupt nicht verwende.

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Ken Follet: „Ich glaube nicht an einen Gott“

Ken Follet hält ein Leben nach dem Tod für wenig wahrscheinlich. Bild. Cicero
Wie würde der britische Schriftsteller Ken Follet seine letzten 24 Stunden verbringen? Obwohl er nicht religiös ist, stünde ein Besuch in der Kathedrale Westminster Abbey als Erstes auf dem Programm

Von Ken Follet|Cicero

Das ist also das Ende: ein sehr friedlicher Gedanke. Ich habe all diese Sachen gemacht, hatte meinen Spaß. Und nun laufen langsam meine letzten 24 Stunden ab. Für mich ist der Tod nicht Furcht einflößend, nicht traurig, vorausgesetzt, er kommt nicht zu früh. Solange das Alter angemessen ist, bleibt der Tod in meiner Vorstellung sanft und still.

Meine Eltern haben mich damals streng religiös erzogen. Als Kind glaubt man alles, was die Eltern erzählen. Doch als Teenager fängt man an, sie zu hinterfragen. Das tat ich und lehnte die ganze Sache ab. Ich bin heute nicht religiös. Ich glaube nicht an einen Gott und nicht an ein Leben nach dem Tod. Ich genieße lieber die Momente des Lebens.

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Der Protestantismus in der deutschen Demokratie

luther_1Anders als etwa in den Vereinigten Staaten oder in Skandinavien hatte sich der Protestantismus in Deutschland mit der Demokratie als Staatsform ungleich schwerer getan. Manches Ressentiment ist noch heute zu spüren.

Von Professor Dr. Hans Michael Heinig|Frankfurter Allgemeine

Religionen können in der freiheitlich-demokratischen Verfassungsordnung nur dann eine produktive öffentliche Rolle spielen, wenn sie sich die Ideen von Menschenrechten und Demokratie theologisch anverwandeln. Diese Konzeption öffentlicher Religion, die Jürgen Habermas in den vergangenen Jahren entwickelte, hat viel für sich. Die Religionen müssen sich „die normativen Grundlagen des liberalen Staates . . . unter eigenen Prämissen aneignen“, so Habermas. Wie mühsam sich dieser Prozess der Aneignung gestalten kann, lässt sich am Beispiel des deutschen Protestantismus zeigen. Sein Verhältnis zur Demokratie ist von Ambivalenzen geprägt. Die Kirche der Reformation hat sich theologisch und kirchenpolitisch erst nach 1945 mühsam mit dem westlichen Verfassungsstaat arrangiert.

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Es gibt ein West-Bundesland, in dem Ausländerhass so schlimm ist wie in Sachsen

Natürlich: Die Zahlen sind erschreckend. In keinem anderen Bundesland gab es in diesem Jahr mehr Brandanschläge auf Asylbewerberheime. Die AfD hat dort bei der Europawahl 2014 knapp acht Prozent der Stimmen bekommen. Und gleichzeitig fachen Politiker mit billigem Populismus das Rassismus-Problem noch weiter an.

Von Sebastian Christ|Huffington Post

Dumpfe, fremdenfeindliche Ressentiments sind hier seit Jahrzehnten verbreitet. Gerade auf dem Land. Dabei leben dort viele Regionen vom Tourismus – ein bisweilen genauso tragischer wie kurioser Umstand.

Wer jetzt auf seiner inneren Deutschlandkarte mit dem Finger nach Osten reist, liegt falsch. Es geht hier nicht etwa um Sachsen. Sondern um den Freistaat Bayern.

Sachsen ist nicht das einzige Problem

Rechtsextremismus ist kein ostdeutsches Problem. Viele Menschen im Westen wünschten sich das vielleicht, weil der Gedanke so verdammt praktisch ist. Frei nach dem Motto: Was ich nicht seh’, das tut mir nicht weh. Die „Zeit“ trieb diese absolut kurzsichtige Debatte auf die Spitze, als einer ihrer Redakteure jüngst den Rausschmiss Sachsens aus Deutschland forderte.

Klappe auf. Sachsen rein. Problem gelöst.

Aber so einfach ist es nicht.

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Poet der Medizin ist tot

(Luigi Novi / Wikimedia Commons)

Anlässlich des Todes von Oliver Sacks bringen wir nochmal die Rezension seiner bewegenden und spannenden Autobiografie “On the move: Mein Leben”, die Ende Mai erschienen ist.

Von Veronika Szentpetery|Technology Review

Der britische Neurologe und gefeierte Buchautor Oliver Sacks ist am Sonntag in New York an Krebs gestorben. Er wurde 82 Jahre alt. In seinen Büchern beschrieb er verständlich und mitfühlend Fallbeispiele für neurologische Krankheiten. Patienten waren für ihm nie bloße Diagnosen, sondern Lehrer, die die Medizin voranbrachten.”Es ist kein Zufall, dass viele der Eigenschaften, die Oliver Sacks zu einem brillanten Schriftsteller gemacht haben, ihn auch zu einem hervorragenden Arzt machten: seine scharfsinnige Beobachtungsgabe und Hingabe für Details, ein tiefes Mitgefühl und intuitives Verständnis für die endlosen Rätsel des menschlichen Gehirns und für die vertrackten Verbindungen zwischen Körper und Geist“, schreibt die New York Times. Die Süddeutsche Zeitung sekundiert: „Mit den Fallgeschichten, die witzig und einfach geschrieben sind, stellt Sacks die eigene Normalität immer wieder infrage. ‚Eine winzige Hirnverletzung, und wir geraten in eine andere Welt’, erklärte er einst.”

“Sie sind eine Gefahr für das Labor. Warum kümmern Sie sich nicht um Patienten – da werden Sie weniger Schaden anrichten.” Das Urteil seiner Vorgesetzten klingt zynisch, sollte sich für den Jung-Neurologen Oliver Sacks aber als goldrichtig erweisen. Gerade hat der schusselige Forscher sein Notizbuch auf der Stadtautobahn verloren, weil er es nicht ordentlich auf dem Motorradgepäckträger befestigt hatte. Darüber hinaus sind ihm auch Proben des Nervenbaustoffs Myelin im Labor abhandengekommen.

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Die dunkle Seite der Empathie!

Forschungen zeigen: Stress vermindert soziale Fähigkeiten und die Empathie bei Männern, während bei Frauen das Gegenteil der Fall ist. Ist das Klischee von den “bösen” Männern und den “guten” Frauen also doch wahr? Schauen wir uns das Ganze einmal genauer an!

Von Susanne Frisch|Huffington Post

Ein Forscherteam an der Uni Wien untersuchte 40 Männer und 40 Frauen in einem Experiment. Die Probanden wurden in eine stark belastende Situation gestellt. Diese bestand darin, dass die Teilnehmer einen Vortrag und komplexe Rechenaufgaben unter schweren Bedingungen lösen sollten.

Dass die Probanden auch wirklich gestresst waren, wurde über einen Anstieg der Pulsfrequenz und des Stresshormons Cortisol geprüft. Im Anschluss bekamen die Versuchspersonen verschiedene Aufgaben zur Messung ihrer Empathiefähigkeit.

Das waren die Ergebnisse!

Die Studie zeigte, dass Männer sich unter Stress anders verhielten als Frauen, und zwar egozentrischer. Frauen waren demnach empathischer und in der Lage, auch unter Druck angepasster auf andere Personen zu reagieren.

Insoweit bestätigt die Studie die gängigen Klischees. Aber heißt, das auch, dass Frauen netter und humaner sind? Natürlich nicht! Es sind nur verschiedene Überlebensmechanismen der Natur, die sich herausgebildet haben.

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„Kindheit ist keine Krankheit“

Kinderarzt; Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. Dr. Wolfram Hartmann Bild: wdr.de
Er ist seit zwölf ­Jahren Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), seit 24 Jahren dort im ­Vorstand, vor 36 Jahren, 1979, ließ er sich als Kinderarzt in Kreuztal nieder: Wolfram Hartmann kennt sich aus, wenn es um Gesundheit von Kindern und Jugendlichen geht. In diesem Herbst gibt der ­Siegerländer sein Amt ab. Wir sprachen mit Hartmann über seine Amtszeit, Kinder, Eltern und Flüchtlinge.
 

Von Lorenz Redicker|WAZ

Vorsorgeuntersuchungen

Es wird im Grundschulalter und für Jugendliche eine zusätzliche Vorsorgeuntersuchung geben, das sieht das neue Präventionsgesetz vor. Das ist ein wesentlicher Erfolg meiner Amtszeit, daran haben wir lange, lange gearbeitet.

Impfpflicht

Auch da tut sich etwas. Wir haben jetzt eine Beratungspflicht für Eltern, bevor die Kinder in eine Kindertageseinrichtung kommen. Sollte diese Beratung nicht den ­gewünschten Erfolg bringen – das wären Impfraten über 95 Prozent – dann denkt Bundesgesund­heits­minister Gröhe noch einmal über die Impfpflicht nach.

Beschneidung

Ein ganz wichtiges Thema in meiner Amtszeit. Es gab viele Diskussionen bis hin zum Euro­parat. Wir haben jetzt – aus ­Rücksicht auf die jüdischen ­Mitbürger – ein Gesetz, das die ­Beschneidung von Jungen erlaubt, auch durch Nicht-Mediziner. Das Thema ist aber noch nicht vom Tisch. ­Inter­national wird diskutiert, dass ­Jungen das gleiche Recht auf ­körperliche Unver­sehrtheit haben wie Mädchen. Es gibt kein geteiltes Menschenrecht. Aus medi­zinischen und ethischen Gründen ist es nicht ver­tretbar, die Vorhaut zu entfernen, ohne dass da ein krankhafter Befund vorliegt.

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Tabak-Studie: Raucher sind billiger

Rauchen kostet Frauen im Schnitt sieben Lebensjahre. Foto: REUTERS
Rein finanziell betrachtet profitiert die Gesellschaft vom Rauchen – zu diesem Schluss kommen zwei Wissenschafter. Die Mehrausgaben wegen des Rauchens seien deutlich kleiner als die „Einsparungen“ durch verkürzte Leben.

Von Timot Szent-Ivanyi|Frankfurter Rundschau

Raucher sind bedauernswerte Zeitgenossen. Sie sind Gefangene ihrer Sucht, haben gelbe Zähne, sind häufiger krank und sterben früher. Zudem wird ihnen – untermauert durch zahlreiche Studien – immer wieder der Vorwurf gemacht, durch ihre ungesunde Lebensweise die Sozialsysteme zu schädigen. Aber stimmt das überhaupt? Zwei Wissenschaftler haben für Deutschland alle Be- und Entlastungen bestimmt und zusammengerechnet, die durch Raucher entstehen. Das Ergebnis: Rein finanziell betrachtet profitiere die Gesellschaft enorm vom Rauchen.

Ausgangspunkt der Untersuchung von Florian Steidl und Berthold Wigger vom Karlsruher Institut für Technologie war die Frage, ob die Tabaksteuer mit Einnahmen von rund 14 Milliarden Euro jährlich die Kosten, die durch Raucher entstehen, tatsächlich deckt. Ausgehend von dem Basisjahr 2011 bestimmten die Autoren die bis zum Tode aller Altersgruppen entstehenden Kostenunterschiede zwischen der rauchenden und der nichtrauchenden Bevölkerung.

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Prominente gegen Fremdenhass: “Rassismus hat hier keinen Platz”

In einer Solidaritätsaktion haben sich 100 prominente Deutsche aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kirchen, Kultur und Sport gegen Flüchtlingshass gewandt.

evangelisch.de

Daran beteiligten sich auf Initiative der Zeitung “Bild am Sonntag” alle Minister der Bundesregierung, Unternehmenschefs, Gewerkschaftsführer und Schriftsteller.

SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel sagte: “Deutschland ist ein starkes und mitfühlendes Land. Nicht die Hetzer sind Deutschland, sondern all die Menschen, die mit Herz und Verstand helfen.” Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert nannte Deutschland ein weltoffenes Land: “Ich komme aus dem Ruhrgebiet, einer Region, die durch Zuwanderung entstanden und gewachsen ist.”

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Kirchen weiten Hilfe für Flüchtlinge aus

Matratzen für junge Asylbewerber liegen in der Pfarrei St. Otto in Cadolzburg (Bayern). /Illustration Foto: Daniel Karmann
Die Kirchen in Deutschland haben ihre Hilfe für Flüchtlinge deutlich ausgebaut. Viele katholische Bistümer und evangelische Landeskirchen haben – zum Teil millionenschwere – Sonderetats für die Betreuung der Asylsuchenden eingerichtet.

shz.de

Dies ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Hunderte Unterkünfte wurden zusätzlich bereitgestellt, etwa in Pfarrhäusern, Klöstern, Priesterseminaren, Kinder- und Jugendheimen. Allein in und um Köln sind mehr als 130 Immobilien der katholischen Kirche von Asylbewerbern bewohnt. Der evangelische Landesbischof von Hannover, Ralf Meister, stellt einen Teil seiner Dienstwohnung für Flüchtlinge zur Verfügung.

Zehntausende Ehrenamtliche in den Gemeinden kümmern sich um die Neuankömmlinge. Die Palette der Angebote ist groß: Deutschkurse, Begegnungs-Cafés, gemeinsames Kochen, Musikprojekte, Hausaufgabenhilfe, Kinderbetreuung, psychologische Hilfen, Geld für den Besuch einer Fahrschule, Einführungen ins Fahren mit Bus und Bahn. Ehrenamtliche begleiten die Flüchtlinge bei Behördengängen, zum Arzt, in Schützenvereine und Chöre. Einige Bistümer wie Paderborn übernehmen Kosten für Rechtsanwälte und Dolmetscher. Andere wie Magdeburg beteiligen sich an Flugkosten für das Zusammenführen von Familien. Auch die Ehrenamtlichen selbst erhalten Schulungsangebote.

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Neue Belege für das NPD-Verbot

Screenshot von der Seite der NPD Aachen heise.de
Bundesländer haben weitere Belege für das NPD-Verbot eingereicht. Angesichts des Kampfes gegen die “Asylflut” zeigen sich Partei und Anhängerschaft wieder radikaler
 

Von Michael Klarmann|TELEPOLIS

Die NPD steckt in einer Zwickmühle: Angesichts der Lage in Deutschland und der “Asylflut” wittern die rechtsextreme Szene und die NPD als deren wichtigster parlamentarischer Arm Morgenluft, dank der Radikalisierung rückt zudem der heiß ersehnte Straßenkampf im Stile der SA gegen das “Scheißsystem” und dem “Multikultiwahn” der Demokraten näher; zugleich schwebt das Damoklesschwert des Verbotsverfahrens über der rechtsextremistischen Partei und die neuerlichen Entwicklungen liefern den Verbotsbefürwortern viele neue Belege. Solche wurden nun nachgereicht.

Der Bundesrat hat beim Bundesverfassungsgericht diese vor Monaten nachgeforderten, neuen Beweisunterlagen im NPD-Verbotsverfahren eingereicht. Mit dem 140 Seiten umfassenden Schriftsatz solle unter anderem belegt werden, dass die NPD seit der ersten Materialsammlung für das nunmehr zweite Verbotsverfahren sich weiter radikalisiert hat. Angesichts der aktuellen, sehr aggressiven Stimmung wird dargelegt, dass auch die NPD oder deren Anhänger hetzerisch, aggressiv und radikal gegen Asylbewerber vorgehen. So spreche die NPD Flüchtlingen die Menschenwürde ab, schüchtere sie ein und wende Gewalt an, heißt es.

Beispiele sind nach den neuen Unterlagen auch die Vorfälle in Dresden im Juli und im sächsischen Heidenau im August. Anschläge auf Asylbewerberheime seien eine konsequente Umsetzung der NPD-Ideologie, “eine ausschließlich rassisch definierte Volksgemeinschaft” zu verwirklichen. In bestimmten Gegenden im Osten Deutschlands beeinträchtige die NPD demokratische Prozesse. Die Partei schaffe eine Atmosphäre der Angst und halte politisch Andersdenkende durch Drohungen davon ab, sich gegen Rechtsextremismus zu engagieren. Außerdem schüchtere sie ethnische und religiöse Minderheiten ein, heißt es in dem Schriftsatz.

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Im Osten rangiert der Glaube unter ‚ferner liefen‘

Wahrscheinlich gibt es keinen Gott, sorge dich nicht, erfreu dich an deinem Leben
Wahrscheinlich gibt es keinen Gott, sorge dich nicht, erfreu dich an deinem Leben
Soziologin: Die meisten Konfessionslosen sind „voll distanzierte Atheisten“.

kath.net

Das östliche Bundesgebiet gilt als eines der am stärksten verweltlichten Gebiete der Welt. Der Anteil der Konfessionslosen an den rund 14 Millionen Einwohnern nähert sich der 80-Prozent-Marke. Die meisten sind bereits in der zweiten Generation konfessionslos.

Etwa 58 Prozent von ihnen können als „voll distanzierte Atheisten“ gekennzeichnet werden; sie lehnen jegliche Religion als irrational ab. Etwa ein Viertel (23 Prozent) gelten als „normale Konfessionslose“. Ihnen ist jede Form von Religion fremd; sie halten die Beschäftigung mit Glaubensfragen für überflüssig. Das berichtet die Referentin für empirische Kirchen- und Religionssoziologie im Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD, Oberkirchenrätin Petra-Angela Ahrens (Hannover).

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Vertriebenen-Präsident fordert mehr Empathie für Flüchtlinge

Bernd Fabritius (2014). Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
  • Der Präsident des Bundes der Vertriebenen Bernd Fabritius ruft zu mehr Empathie mit Flüchtlingen auf.
  • Die Lage der Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg und der Flüchtlinge sei verschieden, doch genau das erfordere eine Öffnung der Herzen.

Südduetsche.de

BdV-Präsident fordert mehr Empathie für Flüchtlinge

Der Bund der Vertriebenen (BdV) hat zu verstärkter Solidarität mit Flüchtlingen in Deutschland aufgerufen. Den leidgeprüften Menschen müsse noch mehr Empathie entgegengebracht werden “als uns und unseren Müttern und Vätern vor 70 Jahren entgegengebracht wurde”, sagte BdV-Präsident Bernd Fabritius beim “Tag der Heimat” in Berlin. Nötig sei europäische Solidarität.

Die Vertreibung Deutscher nach dem Zweiten Weltkrieg und die Lage der Flüchtlinge heute sei nicht vergleichbar. Denn heute handele es sich um Menschen mit anderer Sprache und oft Religion. Das erschwere die Lage für die Betroffenen und für die aufnehmende Gesellschaft. Gerade deshalb müsse die Bevölkerung in Deutschland den Flüchtlingen mit offenen Herzen begegnen.

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Bouffier rechnet mit einer Million Flüchtlingen

Volker Bouffier rechnet mit einer Million Flüchtlingen im Jahr 2015 © Fredrik von Erichsen/DPA
Für das Jahr 2015 werden 800.000 Flüchtlinge erwartet. Laut Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier ist das unrealistisch. Er rechnet mit einer Million Menschen – und droht denen mit Härte, die Gewalt gegen Asylsuchende einsetzen.

stern.de

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) rechnet mit deutlich mehr Flüchtlingen als bisher von der Bundesregierung prognostiziert. “Ich schließe nichts aus, auch nicht die Million”, sagte Woidke dem “Tagesspiegel” (Sonntag). Ähnlich äußerte sich sein hessischer Kollege, Volker Bouffier (CDU), in einem Fernsehinterview des Hessischen Rundfunks (hr). Die Bundesregierung hatte ihre Jahresprognose zuletzt auf 800 000 Menschen erhöht.

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Wife of Raif Badawi: ‘All of this has taught me to be stronger’

Ensaf Haidar at her temporary home in Quebec Photo: Alexi Hobbs
In 2013, the Saudi blogger Raif Badawi was sentenced to 1,000 lashes and 10 years in jail. His wife Ensaf talks about the effect it has had on their family

By Jane Mulkerrins|The Telegraph

On an unremarkable residential street in the suburbs of Sherbrooke, southern Quebec, Ensaf Haidar has made a home for herself and her three children in a small third-floor apartment. It is comfortable and functional, with a tiny outdoor terrace, just large enough for a table and chairs, and is furnished simply with an Ikea sofa, sideboard and tables. It is a little soulless, perhaps, but it is a sanctuary, in every sense of the word, for the family.

To the right of the television, on which an Arabic station is showing a cooking programme, a shelving unit holds the family’s goldfish, Lelu, in its bowl, above two shelves of rather less usual ornaments, including two silver medals in cases, a blue glass courage award from the Geneva Summit of Human Rights, and a badge bearing the logo, i am raif.

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Vorboten einer neuzeitlichen Völkerwanderung

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus "Report Mainz"
Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus “Report Mainz”

Allmählich dämmert es auch den eifrigsten Verfechtern eines kurzen Prozesses mit „Asylbetrügern“ und „Wirtschaftsflüchtlingen“, dass es nicht damit getan ist, Ressentiments gegen Menschen in Not zu schüren. Denn was wir gerade beobachten können, ist nichts weniger als der Vorabend einer neuzeitlichen Völkerwanderung.

Von PETER VONNAHME|HINTERGRUND.de

Die Hunderttausende, die in unsere Städte und Dörfer strömen, sind nur die Vorhut. Viele Millionen stehen bereit, ihnen nachzufolgen. Der deutsche Innenminister musste deshalb die Jahresprognose für die in Deutschland ankommenden Asylbewerber kurzerhand von 450 000 auf 800 000 nahezu verdoppeln.

Die europäische Geschichte ist reich an Beispielen für solche Menschenströme mit ihren unvermeidlichen Dammbrüchen. Wir tun gut daran, uns mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass diesen Zug nichts aufhalten wird, weder das Dampfgeplauder der Stammtische, noch die Militanz der Pegidaaktivisten und auch nicht die zum Ritual verkommenen Wir-haben-alles-im-Griff-Parolen der Politiker und deren Claqueuren in dienstbeflissenen Medien. Wenn der CSU-Vorsitzende Seehofer beim Politischen Aschermittwoch mit heiserer Stimme tönt, dass er sich „bis zur letzten Patrone … gegen eine Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme“ sträuben werde, klingt das unerschrocken und heldenhaft. Es hat jedoch die gleiche Verlässlichkeit wie die Ankündigung eines durch Alkoholgenuss enthemmten Sprücheklopfers auf dem Marktplatz, er könne den bevorstehenden Sonnenuntergang aufhalten. Tatsache ist nämlich, dass es nichts mehr zum Aufhalten gibt. Denn die Zuwanderung ist seit Längerem im Verlauf und wir sind ohnmächtige Zeugen derselben. Es wird kein Zurück in die Beschaulichkeit der letzten Jahrzehnte geben.

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Stoßkraft der Reformation

Heinrich Heine: Die Reformation war nicht nur ein Bruch mit der katholischen Kirche, sie ermöglichte selbständiges Denken und wissenschaftliche Forschung. Ölgemälde von Émile Delpérée (1850–1896): »Luther 1521 in Worms« aus dem Jahr 1878 Foto: Archiv/public domain
»Der Gedanke geht der That voraus, wie der Blitz dem Donner.« Diesen Kernsatz plazierte Heinrich Heine wirkungsbewusst an den Schluss seines vor nunmehr 180 Jahren geschriebenen Pamphlets »Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland«.

Von Martin Hundt|jW

Dabei steht die in Hegel gipfelnde klassische deutsche Philosophie für den Gedanken, eine künftige gründliche gesellschaftliche Revolution für die Tat: »Der Gedanke geht der That voraus, wie der Blitz dem Donner. Der deutsche Donner ist freilich auch ein Deutscher und ist nicht sehr gelenkig, und kommt etwas langsam herangerollt; aber kommen wird er, und wenn Ihr es einst krachen hört, wie es noch niemals in der Weltgeschichte gekracht hat, so wisst: der deutsche Donner hat endlich sein Ziel erreicht. (…) Es wird ein Stück aufgeführt werden in Deutschland, wogegen die französische Revolution nur wie eine harmlose Idylle erscheinen möchte. Jetzt ist es freilich ziemlich still (…)«. Dennoch meinte Heine: Kant sei ein weit größerer Revolutionär als Robespierre gewesen.

Seinen ob solcher revolutionären Prophezeiungen gewiss schockierten Zeitgenossen – und ganz sicher nicht nur ihnen – leitete Heine auf rund 100 Seiten aus der Geschichte der deutschen Literatur (in der er Lessing besonders hervorhob) und vor allem aus der Geschichte der europäischen Philosophie (Spinoza!) mit tiefer Sachkenntnis ab: Es sei gerade die Reformation gewesen, die eine geistige Entwicklung in Bewegung setzte, gipfelnd in der klassischen deutschen Philosophie Kants, Fichtes und Hegels, die unerhörte Potentiale in sich berge.

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Wem hat GOTT das Land Kanaan versprochen?

Bild. wikimedia.org/PD
An der Spitze der zionistisch-jüdischen Argumente für die Berechtigung des jüdischen Volkes auf Palästina/Israel steht das Argument, dass „Gott“ dieses Land dem jüdischen Volk versprochen habe.

Von Abraham Melzer|DER SEMIT

Man muss demnach an „Gott“ glauben, um das zu akzeptieren, und es spielt für die fanatischen Zionisten keine Rolle, dass der Zionismus eigentlich eine säkulare Bewegung war, dass Theodor Herzl, der Begründer der zionistischen Bewegung, von „Gott“ keine Ahnung hatte und von der Bibel und den jüdischen Gesetzen noch weniger. Es spielt auch keine Rolle, dass die meisten Israelis gar nicht religiös und erst Recht nicht orthodox sind, obwohl das Land von einer orthodox-religiösen Mafia regiert wird, die sich bei vielen Angelegenheiten des Alltags und ganz besonders beim Anspruch auf das Land, auf die Bibel und die Halacha beruft, und auf einen Gott, den bis heute noch kein Mensch gesehen hat. 

Aber selbst wenn wir dieser Argumentation folgen und bereit wären, einen Gott zu akzeptieren, den wir nicht anerkennen und an dessen Lehre wir nicht glauben, sollten wir einmal die Geschichte des „Versprechens“, wie sie in der Bibel geschildert wird – und auf die sich der orthodoxe Zionismus beruft und damit dem jüdischen Volk, und gleichzeitig der gesamten Menschheit, eine nachhaltige Gehirnwäsche verpasst hat – überprüfen.

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