Archiv der Kategorie: Humanismus

Egoismus kann tödlich für eine Population sein

Gemeinsam sind wir stark – dieser Ansatz gilt auch in der Evolution. Denn wenn einzelne Mitglieder einer kleinen Populationen kooperieren und so die Ressourcen in ihrem Lebensraum effizienter Ausnutzen, können sie das Überleben der ganzen Population sichern. Im Gegensatz dazu kann Eigennutz tödlich sein und zum Aussterben einer Population führen. Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie haben nun ein mathematisches Modell entwickelt, mit dem man diese Zusammenhänge genauer als bisher simulieren kann.


Max-Planck-Gesellchaft

Das Modell basiert auf der sogenannten Spieltheorie. Mit ihr kann zum Beispiel untersucht werden, wie sich Menschen verhalten, wenn ihnen ein Gewinn winkt. In einem solchen Szenario können meist unterschiedliche Strategien gewählt werden: man maximiert den eigenen Gewinn auf Kosten aller Mitspieler, oder man erhöht den Gewinn aller Spieler, indem man kooperiert, gibt dadurch aber die Chance auf den eigenen Maximalgewinn auf.

Auch in der Natur gibt es solche Strategien, bei der sich ein bestimmtes Merkmal durchsetzt, das zwar für ein Individuum einen Nachteil bringen kann, für die gesamte Gruppe aber vorteilhaft ist. Die Dynamik solcher Strategien können dementsprechend mit der Evolutionären Spieltheorie beschrieben werden.

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Warum die Deutschen mit der Vielfalt fremdeln

Die Deutschen entsandten keine Schiffe, um die Welt zu entdecken. Sie erlebten nicht, wie bereichernd Ein­flüsse aus Übersee sind. Kein Wunder, dass ihre Identität starre, ja weltabgewandte Züge hat. Dabei ist die deutsche Seele kosmopolitischer, als viele glauben


Von Anjana Shrivastava|Cicero

Die fehlende Kolonialisierungserfahrung habe aus Deutschland eine kulturelle Insel gemacht, sagt Anjana Shrivastava Illustration für Cicero: Martin Haake

Zu Beginn der neunziger Jahre, als in Berlin die letzten Reste der Mauer geschliffen und in alle Welt verscherbelt worden waren, als Philosophen über das Ende der Geschichte sinnierten und Politiker eine neue globale Ordnung absteckten, erschien in der Zeitschrift The New Yorker ein erhellender Cartoon. Ein Wanderer stieg einen Berg hinauf, um dort einen weisen Einsiedler über die Zukunft zu befragen. Als er wieder herunterkam, machte er ein frustriertes Gesicht. „What did he say?“, fragten seine Freunde. „Er hat viel erzählt“, antwortete der Wanderer: „But it was all in German“ – es war alles auf Deutsch.

Der Cartoonist ahnte damals zweierlei. Erstens: Die Deutschen werden bald wieder sehr wichtig sein. Und zweitens: Sie haben Probleme, sich anderen mitzuteilen. Wollen sie das überhaupt? „Die deutsche Innerlichkeit will ihren Schlafrock und ihre Ruh“, ätzte der Brandenburger Dichter Gottfried Benn im Jahre 1930 über seine Landsleute. Die Weltabgewandtheit zählt zu den dominierenden nationalen Wesensarten.

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Saudi-Arabien: Bruch mit dem Islam am Smartphone

Frauen werden in Saudi-Arabien sofort verhaftet, wenn sie unverschleiert in die Öffentlichkeit gehen. Die Rechtssprechung folgt streng der Scharia. Doch das gilt wohl nicht für die Sozialen Netzwerke: Dort nämlich hat Amy Roko einen Weg der Emanzipation als Frau gefunden.


Von Maximilian Schönherr|Deutschlandfunk

islam_frauenAmy Roko ist ein Star. Nimmt man die Zahlen ihre Internet-Fans, kommt man leicht auf über eine Million. Sie ist Anfang 20, lebt und studiert in Riad, der Hauptstadt Saudi Arabiens. Die langen Strecken zur Uni, zum Buchladen, zum Krankenhaus kosten die Familie eine Menge Geld, denn sie darf nicht selbst am Steuer sitzen – weil sie eine Frau ist. Sie wehrt sich gegen die Erniedrigung von Frauen in ihrem Land, indem sie die Sozialen Netze des Internets nutzt, vor allem Vine und Instagram.

Statt ins Auto aufs Skateboard

Vine ist das Twitter-Portal für Filme, die nur wenige Sekunden lang sind; hier finden sich Hunderte von Videos von Amy Roko. Sie erscheint stets traditionell gekleidet, man sieht nur ihre Augen. In diesem Clip hier greift sie mit einem Tritt einen jungen Mann an.
In einem anderen Video fährt sie Skateboard.

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«Die Kirche kann diesen Fragen nicht mehr aus dem Weg gehen»

REUTERS/Yves Herman
REUTERS/Yves Herman
Die Theologin Eva-Maria Faber befasst sich mit Wiederverheirateten und Homosexuellen. Das beschäftigt auch die Weltbischofssynode im Herbst.


Mit Eva-Maria Faber sprach Michael Meier|Tages Anzeiger

Der Reformwillen der Bischofssynode wird daran gemessen, ob sie Wiederverheiratete zur Kommunion zulässt. Zeigt das nicht, wie weit weg die Kirche von den Menschen ist?
Die Kirche, das sind doch zuerst die Menschen selbst und alle, die mit ihnen auf dem Weg sind. In der seelsorgerlichen Praxis ist es selbstverständlich, dass man Menschen begleiten muss und nicht einfach Normen anwenden kann. Das Kirchenrecht kennt übriges kein Sak­ramentenverbot für Wiederverheiratete. Das ist nur eine Auslegung des Kirchenrechts. Solange es aber so ausgelegt wird, muss man darüber nachdenken. Man sollte auch kirchlicherseits merken, dass das Leben komplizierter ist, als das Ideal es will. In diesem Sinne möchten Wiederverheiratete so etwas wie eine Anerkennung. Und es gibt auch theologische Gründe, warum die «offizielle» Kirche ihre Haltung überdenken sollte.

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Kongo: “Wir sind der Kriege müde”

Im Osten des Kongo herrscht seit mehr als 20 Jahren Krieg. Es geht um Land, Rohstoffe und Macht. Auch die Präsenz der weltgrößten UN-Mission ändert daran nichts. Doch viele Bürger sind nicht länger bereit, das hinzunehmen.


evangelisch.de

Das Gesicht des Krieges, S. Dali 1940
Das Gesicht des Krieges, S. Dali 1940

Menschenrechtler schätzen, dass im Osten des Kongo jedes Jahr 25.000 Frauen vergewaltigt werden. In dem mehr als 20 Jahre andauernden Konflikt um Macht und Rohstoffe setzen Milizen und Armee sexuelle Gewalt als Waffe ein. Auch die 22.000 Mann starke UN-Mission ändert daran nichts. “Wir wollten der Not der Überlebenden nicht länger tatenlos zusehen”, erläutert Masika Kafanya den Grund, weshalb sie im Jahr 2000 mit weiteren Mitstreiterinnen in der Stadt Butembo die Hilfsorganisation FEPSI gründete.

Bei FEPSI, das seit 2007 von der Deutschen Welthungerhilfe unterstützt wird, erhalten die Überlebenden medizinische Betreuung und juristische Beratung. Außerdem bekommen sie Hilfe bei einem wirtschaftlichen Neustart. Die Mitarbeiterinnen gehen dabei ein hohes Risiko ein, denn Menschenrechtsverteidiger sind den Kriegsparteien ein Dorn im Auge.

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Darwin Day: Federal prisons agree to recognize humanism as a religion

Inmate Jason Michael Holden and the American Humanist Association filed the lawsuit last year, saying he and other inmates were prohibited from forming a study group at a federal prison in Sheridan, Oregon
  •  Federal prisoners who identify as humanist can now celebrate Darwin Day after Inmate Jason Michael Holden filed a lawsuit last year
  • Humanist inmates can now request access to study materials, observance of holy days, and time and space for religious activities
  • Humanism is similar to atheism though rather than simply rejecting belief in a god, humanists advocate rational thinking

By Mail Online

Federal prisoners who identify as humanist can now celebrate Darwin Day and get accommodations typically afforded to those inmates who believe in a deity.

The federal Bureau of Prisons agreed in the settlement of a lawsuit to add a section on humanism to its manual on inmate beliefs and practices.

Officials in the prison system will also consider requests from humanist inmates for access to study materials, observance of holy days, and time and space for religious activities.

Inmate Jason Michael Holden and the American Humanist Association filed the lawsuit last year, saying Holden and other humanist prisoners were prohibited from forming a study group at a federal prison in Sheridan, Oregon. 

The settlement was reached earlier this month, and the association announced the settlement in a news release issued on Monday.

Humanism is similar to atheism. But rather than simply reject belief in a god, humanists advocate rational thinking.

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Paartherapeutin Henning: “Kirche muss etwas zu Sex sagen”

toutlecine.com
Nach Ansicht der Paartherapeutin Ann-Marlene Henning darf die Kirche zum Thema Sexualität nicht schweigen.


evangelisch.de

“Die Kirche muss etwas dazu sagen”, sagte Henning, die die ZDF-Aufklärungssendung “Make love” moderiert, der Onlineausgabe des evangelischen Magazins “chrismon”. Die Menschen erwarteten hier Orientierung von der Kirche. Im vergangenen Jahr hatte die Evangelische Kirche in Deutschland die Arbeit an einem Papier zur Sexualethik gestoppt.

Henning warnte dabei jedoch vor einer zu strengen Moral der Kirche. “Wenn die Haltung der Kirche zu streng ist und der Mensch deswegen nur eine doppelte Moral entwickelt, muss sie lockerer werden”, sagte die dänische Psychologin. Sie sei aus der evangelischen Kirche ausgetreten, weil sie ihr “zu freudlos, zu ruhig, zu ernst ist”. Henning betonte: “Ich glaube nicht, dass Gott so ist.”

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Australien: Missbrauchs-Vertuschung bei Zeugen Jehovas

Die Zeugen Jehovas in Australien haben die systematische Vernichtung von Dokumenten über den sexuellen Missbrauch Minderjähriger eingeräumt.


Radio Vatikan

Themenbild.
Themenbild.

Man habe vermeiden wollen, dass die Aufzeichnungen „in falsche Hände fallen“, sagte ein Leitungsverantwortlicher der Religionsgemeinschaft, Max Horley, laut australischen Medien am Montag vor dem staatlichen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung des Umgangs mit Missbrauchsfällen.

Seit 1950 seien den Zeugen Jehovas 1.006 Fälle von Kindesmissbrauch bekanntgeworden. Alle diese Fälle seien intern behandelt worden, statt sie bei der Polizei anzuzeigen, so Horley. Man sei sich damals nicht bewusst gewesen, dass es sich um ein „kriminelles Vergehen“ handle. Schon zuvor waren in der Kommission Vorwürfe laut geworden, die Zeugen Jehovas hätten wiederholt übergriffige Verantwortungsträger in andere Positionen verschoben, um Missbrauch zu vertuschen.

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Wissenschaftler warnen vor autonomen Kampfrobotern

Bild: (c) EPA
Intelligente Drohnen, die eigenständig Menschen töten, könnten schon in wenigen Jahren verfügbar sein. 2000 Wissenschaftler, etwa Stephen Hawking, warnen.


Die Presse

Wissenschafter warnen vor dem Einsatz selbstständiger Kampfroboter im Krieg. Intelligente Drohnen, die anhand definierter Kriterien eigenständig Menschen töten können, seien möglicherweise schon in wenigen Jahren verfügbar, hieß es in einem offenen Brief, der anlässlich einer Technologie-Konferenz in Buenos Aires am Montag veröffentlicht wurde.

Unterzeichnet wurde das Schreiben unter anderem von dem Astrophysiker Stephen Hawking, Apple-Co-Gründer Steve Wozniak und Sprachwissenschaftler Noam Chomsky.

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Internet-Befragung: Vegetarier haben weniger Vorurteile

Vegetarier und Veganer in Deutschland haben einer Umfrage zufolge offenbar seltener Vorurteile gegenüber Minderheiten als Menschen, die Fleisch essen. Außerdem hätten sie auch weniger Sympathien für autoritäre Denkmuster und soziale Hierarchien, lautet das Ergebnis einer Internet-Befragung von knapp 1.400 Personen.


evangelisch.de

Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)
Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)

Vegan lebende Personen schnitten dabei jeweils noch etwas günstiger ab als Vegetarier. Die Studienergebnisse eines Forscherteams aus Mainz und Wuppertal sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift “British Food Journal” veröffentlicht worden.

Die Verfasser der Studie räumten allerdings selbst ein, dass die Ergebnisse nur eingeschränkt repräsentativ sind. Um Teilnehmer war aktiv in Vegetarier- und Veganer-Netzwerken geworben worden. Um auch Fleischliebhaber für eine Beteiligung zu gewinnen, wurde unter anderem in der Zeitschrift “Beef!” für die Untersuchung geworben.

There Was Nothing Wrong with Richard Dawkins’ Tweet That “Islam Needs a Feminist Revolution”

[Note from Hemant: There was an overwhelming response to a recent post on this site about a tweet made by Richard Dawkins, including strong disagreements within our writing team. For that reason, we’re posting some additional thoughts on the matter so the conversation can go beyond the comment threads.]

By Bo Gardiner|Friendly Atheist

I’ve disagreed with Richard Dawkins before on his insensitivity to women, feminism, and majority privilege. Some of it he’s apologized for, so I’d like to think we’re starting to be heard. I know all too well from environmental campaigns the importance of acknowledging our successes.

And thus, I part with my fellow Friendly Atheist contributor Lauren Nelson in her recent post, which struck out scathingly at Dawkins for the following single tweet:

There is nothing wrong with those words.  The question deserves answers, not attacks.

Lauren wrote:

It’s not unusual for renowned atheist Richard Dawkins to rub people of faith the wrong way. It’s not unheard of for him to get on the bad side of feminists. But it’s not every day that he pisses off the intersection of the two groups. But this week, with a series of tweets, that’s exactly what Dawkins did.

He started the hullabaloo off with this humdinger:  “Islam needs a feminist revolution. It will be hard. What can we do to help?”

When I first saw her headline — “Richard Dawkins Fails Spectacularly on Feminism and Islam” — I sighed and thought “Oh dear, what has he said now?” But when I arrived at his tweet, I kept scanning, looking for the bad part. I couldn’t believe it when I realized that was it.

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Bigotterie: Der Verlust der Scham

Bild: netzkraft-berlin.de
Über die zunehmende Schamlosigkeit in der deutschen Öffentlichkeit


Von Alexander Kissler|kath.net

Wer sich in diesen Tagen einer deutschen Großstadt nähert, wird am Bahnhof von einem moralischen Imperativ empfangen: „Mach’s mit!“. Die Aufforderung ergeht von Plakatwänden herab an alle – Kinder und Greise, Frauen und Männer. Mitmachen soll die Welt beim gummibewehrten Geschlechtsverkehr. Möglichst oft, gerne mit wechselnden Partnern gleichen oder anderen Geschlechts, immer aber mit Präservativ. So will es die Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Köln). Die Plakatgesichter strahlen und fordern den horizontalen Nachvollzug.

„Heute wirst Du flachbelegt“

Auf dem Weg aus dem Bahnhof kommt der Reisende an Tafeln eines Lieferservices vorbei. Pizza wird angepriesen mit den Worten „Heute wirst Du flachbelegt!“, ein Nudelgericht mit „Isch will mit dir Penne!“. Im Hotelzimmer läuft vielleicht nichtsahnend die FKK-Show von RTL, „Adam sucht Eva“, in der nackte Kandidaten sich über das Gewicht der männlichen primären und der weiblichen sekundären Geschlechtsorgane austauschen. Sollte es sich bei der deutschen Großstadt um Berlin handeln, kann der Blick aus dem Zimmer auf eine besondere Scheußlichkeit fallen. Am Bahnhof Zoo hat die Hauptstadt ein offen einsehbares Urinal aufgestellt. Dort erleichtern Männer sich vor aller Augen, rund um die Uhr.

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Religion auf dem Rückzug

Carlin_Religion

In muslimischen Ländern scheinen religiöse Extremisten die Szene zunehmend zu dominieren. Der Islam-Experte Olivier Roy konstatiert dennoch auch dort eine Ausdifferenzierung der Glaubenslandschaft.


Von Olivier Roy|Neue Zürcher Zeitung

Wir Europäer leben in säkularen – und nicht in prä- oder postsäkularen – Gesellschaften. Weltweit hat sich die Säkularisierung durchgesetzt, sogar in muslimischen Ländern. In einer Zeit, da wir vom Aufstieg des «Islamischen Staats» in Atem gehalten werden, mag diese Behauptung paradox klingen: Um sie zu erklären, muss der Wandel im Verhältnis zwischen Kultur und Religion und insbesondere die «Dekulturierung» der Religion beleuchtet werden.

Was ist Säkularisierung?

Es gibt ganz unterschiedliche Arten, Säkularisierung zu definieren. Als soziales Phänomen ist sie nicht ein abstrakter Prozess; es geht immer um die Säkularisierung einer bestimmten Religion, deren Natur sich im Verlauf der Säkularisierung wandelt. Gängige Definitionen der Säkularisierung umfassen in der Regel drei Elemente: erstens die Trennung von Staat und Religion, von Politik und Konfession, die aber nicht notwendigerweise auch eine Säkularisierung der Gesellschaft zur Folge hat. Amerika ist hiefür ein gutes Beispiel: Obwohl Kirche und Staat klar getrennt sind, ist ein grosser Teil der Bevölkerung immer noch religiös.

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Kuba: Krebswirkstoff für einen Dollar

Lungenkrebs ist eine der häufigsten und tödlichsten Krebsarten der Welt. Hoffnung kommt jetzt ausgerechnet aus Kuba, dessen größter Exportartikel Zigarren sind.


Von Katja Ridderbusch|Technology Review

Bild: heise.de

Im Zentrum für molekulare Immunologie (CIM) in Havanna haben Wissenschaftler den therapeutischen Impfstoff Cimavax entwickelt. Nach der Lockerung des Handelsembargos greifen jetzt auch die USA danach; hier soll nach erfolgreichen klinischen Studien in Kuba das Roswell Park Cancer Institute in Buffalo, New York, innerhalb der nächsten zwölf Monate ergänzende Tests beginnen. TR sprach mit dem leitenden Roswell-Forscher Kelvin Lee über den Wirkstoff.

Kelvin Lee ist Forschungsdirektor für Immunologie am Roswell Park Cancer Institute und Professor für Mikrobiologie an der State University of New York in Buffalo. Seit der Lockerung des Embargos nahm er an mehreren Handelsmissionen nach Kuba teil. Er bereitet die Tests für Cimavax in den USA vor und arbeitet eng mit den Kollegen in Kuba zusammen.

Technology Review: Herr Lee, was ist das Besondere an Cimavax?

Kelvin Lee: Anders als die meisten Immuntherapien gegen Krebs attackiert es den Tumor nicht direkt. Vielmehr stimuliert er das Immunsystem so, dass es ein Protein erkennt, das das Zellwachstum regelt, den Epidermalen Wachstumsfaktor (EGF). Bei manchen Krebsarten wie Lungen-, Brust-, Darm-, Prostata- und Bauchspeicheldrüsenkrebs produziert der Körper zu viel davon. Cimavax bildet Antikörper dagegen, die das Protein binden und damit den Tumor aushungern.

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Jesuit in Aleppo: „Wir sind in der Hand Gottes“

Helfer mit Toten nach einem Raketenangriff in Aleppo – AFP
Seit zwei Tagen führt die Türkei erstmals eine Militäroffensive gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) in Syrien. Offiziell hatte sich die Regierung in Ankara bisher aus dem Krieg in Syrien zurückgehalten.


Radio Vatikan

Der Kurswechsel kommt spät. Im nordsyrischen Aleppo – etwa 50 Kilometer von der Grenze zur Türkei entfernt – kämpfen Rebellen gegen Regierungstruppen: Während ein Bündnis aus islamistischen Gruppierungen den Osten der Stadt besetzt hält, kontrollieren Regimetruppen den Westen Aleppos. Mittendrin: Eine Hand voll Jesuiten. Sie gehören zum „Jesuit Refugee Service“ (JRS), dem Hilfsdienst der Jesuiten, der in Aleppo geblieben ist und hilft, wo er kann.

Eine Flüchtlingsorganisation in einer zerbombten Stadt. Wer sich Bilder aus Aleppo ansieht, mag nicht glauben, dass es noch Menschen gibt, die hier leben können. Bereits vor dem Krieg kümmerte sich der „Jesuit Refugee Service“ um Flüchtlinge aus dem Irak. Jetzt sind es Leute aus der eigenen Stadt, die Hilfe brauchen. Jesuitenpater Ghassani Sahoui, Leiter des JRS in Aleppo, berichtet:

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Kindsmisshandlung im Namen der Religion

Was wiegt schwerer: Das Wohl von Kindern oder die Religionsfreiheit? Die Antwort sollte klar sein, müsste man meinen. Ein Fall in Deutschland zeigt aber einmal mehr, dass die Glaubensfreiheit eine der letzten heiligen Kühe ist.


Von Hugo Stamm|blog.derbund.ch

Eine Esoterikerin zieht mit ihrem zwölfjährigen Sohn zu ihrem Lebenspartner, der als «Guru von Lonnerstadt» bekannt ist und in Erlangen-Höchstadt, Mittelfranken, lebt. Der Knabe leidet unter der unheilbaren Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose, bei der Schleim die Lunge verstopft. Er bräuchte dringend medizinische Betreuung und Medikamente. Der Guru verspricht dem Knaben Heilung durch Diät und Meditation. Oft muss er morgens um vier Uhr aufstehen und meditieren. Doch er magert um fast die Hälfte ab, die Lunge wird geschädigt.

Nach drei Jahren flüchtet der Knabe zu seinem leiblichen Vater. Dank medizinischer Betreuung erholt er sich allmählich. Später klagt er seine Mutter und den Guru, der sich als «Lehrer der zeitlosen Weisheit» bezeichnet, an.

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Mechanismus zur Regulierung der Zellgröße entschlüsselt

Krebszellen. Bild:  National Cancer Institute/PD
Krebszellen. Bild: National Cancer Institute/PD
Wiener Genetiker entdecken Proteinkomplex, der das Zellwachstum steuert


derStandard.at

Jede Zelle des menschlichen Körpers muss eine ganz bestimmte Größe haben, um richtig zu funktionieren. Nun haben Forscher rund um Markus Hengstschläger vom Institut für Medizinische Genetik der MedUni einen neuen Mechanismus entdeckt, der die Zellgröße reguliert.

Die Daten der Arbeitsgruppe weisen darauf hin, dass ein Proteinkomplex mit der Bezeichnung eIF3 ein entscheidender Regulator der Zellgröße ist. eIF3 interagiert mit dem Zellwachstumsfaktor mTOR und dem der S6Kinase-Enzym und ist andererseits ein wichtiger Initiator der allgemeinen Proteinsynthese von Zellen.

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Flüchtlingsgegner: In der Idiotie unübertroffen

Quelle: Huffington Post

Ausänderhass hat in Deutschland einen neuen, abscheulichen Höhepunkt erreicht. Flüchtlingsheime brennen, “besorgte Bürger” protestieren gegen die Aufnahme von Asylbewerbern.

Ein auf Facebook gepostetes Bild drückt perfekt aus, wie irre die Argumente der Flüchtlingsgegner sind. Denn was wäre, wenn die Hilfesuchenden nirgendwo auf der Welt willkommen wären?

Auch Spaghettimonster zahlen Rundfunkbeitrag

Ein Freidenkerclub ist keine Kirche: Wie ein Gericht in München eine Klage gegen den Rundfunkbeitrag ablehnt und dabei einiges klärt – über Gott und die Welt. Vor allem über Bayern.


Von Patrick Bahners|Frankfurter Allgemeine

Screenshot: http://www.pastafari.eu/
Screenshot: http://www.pastafari.eu/

Schon die Vereidigung der beiden ehrenamtlichen Richter zu Beginn der Verhandlung lässt ahnen, wie es um die Chancen von Michael Wladarsch vor der Kammer 6b des Verwaltungsgerichts München steht. Beide Laienrichter legen den Eid mit der religiösen Beteuerung „so wahr mir Gott helfe“ ab. Wladarsch ist der Vorsitzende der Münchner Ortsgemeinde des Bundes für Geistesfreiheit (BfG), einer Interessenvertretung der Konfessionslosen, die auf die Freireligiösen der Zeit der Revolution von 1848 zurückgeht. Wie die CSU gibt es den BfG nur in Bayern; er hat 4800 Mitglieder und ist als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Er gehört zu den Verbänden in der Freidenkerbewegung, die an der staatlichen Förderung der Religion teilhaben wollen, solange sie noch nicht abgeschafft ist.

Wladarsch hat gegen einen Gebührenbescheid des Bayerischen Rundfunks geklagt. Er beruft sich auf Paragraph 5 des Rundfunkbeitragsstaatsvertrags, wonach die Rundfunkgebühr für Betriebsstätten entfällt, wenn ein Ort „gottesdienstlichen Zwecken gewidmet ist“. Die Räume des von Wladarsch in Schwabing betriebenen Graphikbüros dienen zugleich als Vereinslokal der Freigeister. Wladarsch rügt eine Bevorzugung der Kirchen und möchte die vereinstypischen Diskussionen über Gefahren des Gottesglaubens als freigeistige Alternative zum Gottesdienst anerkannt sehen. Hilfsweise macht er geltend, die Vereinsräume seien eine Kultstätte der Religion des „Fliegenden Spaghettimonsters“.

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Ohne Gläubige keine Religion

Stéphane Charbonnier bevorzugte, «stehend zu sterben anstatt auf Knien zu leben». Foto: AFP, Getty Images
Kurz vor seiner Ermordung hat Stéphane Charbonnier, der Chefredaktor der Satirezeitung «Charlie Hebdo», einen «Brief an die Heuchler» verfasst.


Von Guido Kalberer|Tages Anzeiger

Auch das ist Ironie des Schicksals: Am 7. Januar 2015, als Stéphane Charbonnier von islamistischen Terroristen in Paris getötet wurde, erschien in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift «Charlie Hebdo» eine Karikatur mit der Überschrift «Noch keine Attentate in Frankreich». Die gezeichnete Antwort eines bewaffneten Islamisten lautete: «Warten Sie ab. Man hat bis Ende Januar Zeit, seine Festtagsgrüsse auszurichten.» Es war die letzte Zeichnung von Charb, der das satirische Magazin seit 2009 als Chefredaktor und Herausgeber geleitet hatte. Bei dem Attentat starb ein Dutzend kritische Geister, die mit spitzer Feder und scharfer Zunge das Zeitgeschehen kommentiert hatten.

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