Stellen Sie sich vor, es gäbe kein Universum

Andromeda Galaxie(M31) Bild: nasa/PD
Stellen Sie sich das Nichts vor! Los geht’s! Was sehen Sie? Ich sehe vor mir einen dunklen leeren Raum ohne Galaxien, Sterne und Planeten. Aber da wäre nicht nur keine Materie, da wäre auch weder Raum noch Zeit. Nicht einmal Dunkelheit. Und kein bewusstes Leben, welches das Nichts betrachten könnte. Einfach… nichts. Stellen Sie sich das vor! Es geht nicht.

Von Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

Hier stellen wir uns die ultimative Frage: Warum gibt es überhaupt irgendetwas? Ich habe einige Antworten aus mehreren Quellen zusammengestellt, einschließlich eines 2013 erschienenen Buches von John Leslie und Robert Lawrence Kuhn, mit dem Titel The Mystery of Existence [Das Geheimnis der Existenz] (Wiley-Blackwell) und des Buches von Lawrence M. Krauss The Greatest Story Ever Told—So Far [Die größte Geschichte, die jemals erzählt wurde – bis jetzt] (Atria Books) von 2017.

Ein Nichts ergibt keinen Sinn. Es ist unmöglich, sich ein Nichts vorzustellen – nicht nur keinen Raum, keine Zeit, Materie, Energie, kein Licht, keine Dunkelheit, keine bewussten Wesen, um das Nichts wahrzunehmen, sondern nicht einmal das Nichts als solches. So gesehen ist die Frage im eigentlichen Wortsinn un(vor)stellbar.

Das Nichts ist etwas.

Es ist ein logischer Irrtum, über „Nichts“ zu sprechen als wäre es ein „Etwas“, das aufhört, zu existieren. Hier stoßen wir auf das Problem, zu definieren, was wir mit „Nichts“ meinen, und auf die Beschränkungen, welche die Sprache dem Problem auferlegt. Der bloße Vorgang des Sprechens über „Nichts“ macht es zu einem „Etwas“. Andernfalls – worüber sprechen wir überhaupt?

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Saudischer Blogger Badawi: Nach Peitschenhieben nun 250.000 Euro Geldstrafe

Ensaf Haidar wurde wegen ihres Einsatzes für ihren Mann Raif Badawi schon mit mehreren Menschenrechtspreisen ausgezeichnet © DPA
Seit fast fünf Jahren sitzt der saudische Blogger Raif Badawi inzwischen in Haft. Nun ist klar, dass er auch die Geldstrafe aus seinem Urteil zahlen muss: rund 250.000 Euro. Wie es Badawi geht und welche Folgen die Strafe hat, sagt seine Frau Ensaf Haidar im stern-Interview.

stern.de

Montagmorgen begann mit einem Schock für Ensaf Haidar, Frau des in Saudi-Arabien inhaftierten Bloggers Raif Badawi. Sie erfuhr, dass ihr Mann tatsächlich die Strafe von einer Million Saudi-Riyal bezahlen muss – umgerechnet fast 250.000 Euro. Die Geldstrafe war Teil seiner Verurteilung, wurde bislang aber noch nicht vollzogen. Nun hat Saudi-Arabien diesen Teil des Urteils gegen Badawi bestätigt, schreibt Haidar in einer Mail an den stern. „Raif war sehr aufgewühlt von dieser Nachricht und hat sich geweigert, das Papier zu unterschreiben, mit dem ihm diese Entscheidung mitgeteilt wurde.“ Dem stern beantwortet Ensaf Haidar per Mail Fragen zur Situation ihres Mannes.

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Ärztekammer: So viele Behandlungsfehler machten Ärzte im vergangenen Jahr

Nach Angaben der Ärztekammer führten Behandlungsfehler im letzten Jahr in 96 Fällen zum Tod des Patienten © Ulrich Baumgarten/Picture Alliance
Ärzte haben für ihre Entscheidungen oft nur Sekunden – dabei geht es um das Wohl der Patienten, manchmal sogar um deren Leben. Aber nicht nur diese Drucksituationen führen zu Fehlern.

stern.de

Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Bundesärztekammer (BÄK) hatten im letzten Jahr einiges zu tun: 7639 Mal trafen sie sich, um nach Patientenbeschwerden über mögliche Behandlungsfehler zu entscheiden. Das waren gut 400 mehr als im Vorjahr. In 2245 Fällen habe tatsächlich ein Behandlungsfehler oder eine mangelnde Risikoaufklärung vorgelegen. Dies geht aus der jährlichen statistischen Erhebung der BÄK hervor.

In 1845 Fällen habe die Behandlung einen gesundheitlichen Schaden verursacht, der dann zu einem Anspruch des Patienten auf Entschädigung führte. In 96 Fällen starb der Patient an dem Fehler. In 400 Fällen konnte kein Zusammenhang zwischen Behandlungsfehler und einer nachfolgenden Gesundheitsschädigung festgestellt werden.

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§175: Bundesregierung rehabilitiert verurteilte Homosexuelle

Bild: bpb.de
  • Aufgrund des von den Nazis verschärften Paragrafen 175 wurden zehntausende homosexuelle Männer in der Bundesrepublik verurteilt.
  • Das Kabinett beschließt einen Gesetzesentwurf, der die Betroffenen rehabilitieren soll.
  • Für jedes begonnene Gefängnisjahr sollen die noch lebenden Opfer eine Entschädigung von 1500 Euro erhalten.

Süddeutsche.de

Die Bundesregierung hat die Rehabilitierung der Männer auf den Weg gebracht, die nach 1945 wegen ihrer Homosexualität in Deutschland verurteilt worden waren. Das teilte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) am Mittwoch mit. Zuvor hatte die Bundesregierung über den entsprechenden Gesetzesentwurf beraten. Demnach sollen die Urteile, die aufgrund des umstrittenen Paragrafen 175 gefällt wurden, aufgehoben werden. Für die noch lebenden Opfer soll es Entschädigungen geben.

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Daten-Religion

Die Menschheit hat schon viele Religionen gehabt, nun kommt der Dataismus. Sagt Yuval Noah Harari in seiner rasanten Prophetie „Homo Deus“.

Von Gustav Seibt | Süddeutsche.de

Dass die Menschheit vor entscheidenden Durchbrüchen stehe, dass sie bald die schlimmsten Krankheiten besiegen, die organische Alterung aufhalten, mechanische Arbeiten überflüssig machen, mit gigantischen elektronischen Rechenleistungen die Gesellschaft steuern und Kriege von blutigen Schlächtereien in technische Entwaffnung verwandeln könne; dass der Mensch selbst optimierbar sei, durch genetische Ummodelung, psychopharmakologische Unterstützung, durch Verbindung von organischer mit künstlicher Intelligenz, dass er gottgleich ins Räderwerk der Natur eingreifen werde – dergleichen liest man öfter. Aber meistens sind es Naturwissenschaftler, Technikutopisten, die solche Hochrechnungen von aktuellen Fortschritten auf die Zukunft vornehmen.

Als Historiker kann man das mit Interesse lesen und sich doch zurücklehnen: Wie viel vergangene Zukunft ist nicht schon den Zeitenbach heruntergegangen! Meist war sie ein kurioser Mix aus partiellem Scharfsinn und vollkommenem Danebenliegen. Das Industriezeitalter imaginierte seine Zukunft industriell, nur umfassender. Die Neuordnung der Welt in global vernetzten Algorithmen sah kaum jemand, bevor sie da war. Noch vor einem Vierteljahrhundert war sie unvorstellbar, obwohl alle Elemente längst bereitlagen.

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Der „Bund für Geistesfreiheit“ will an Karfreitag feiern

Auch andere Gruppen demonstrieren seit Jahren gegen das Tanzverbot am Karfreitag, im Bild etwa Jugendliche, die im Jahr 2012 einem Aufruf der Münchner Grünen gefolgt waren. (Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Der Münchner Ableger des „Bundes für Geistesfreiheit“ lädt am Karfreitag zur „Heidenspaß-Party“.
  • 2016 hat das Bundesverfassungsgericht das generelle Tanzverbot in Bayern an Karfreitag für verfassungswidrig erklärt. Seitdem müssen an den „stillen Tagen“ Ausnahmen möglich sein.
  • Das Kreisverwaltungsreferat will nun prüfen, ob die geplante Party mit den Vorgaben des Feiertagsgesetzes in Einklang steht.

Von Jakob Wetzel | Süddeutsche.de

Vor zehn Jahren ist er untersagt worden, jetzt aber soll dem Tanz am Karfreitag nichts mehr im Wege stehen: Nachdem das Bundesverfassungsgericht entschieden hat, dass ein entscheidender Halbsatz im bayerischen Feiertagsgesetz verfassungswidrig ist, hat der Münchner Ableger des „Bundes für Geistesfreiheit“ (BfG) erneut zur „Heidenspaß-Party“ geladen.

Unter dem Motto „10 Jahre verboten – jetzt erlaubt!“ sind im Oberangertheater in der Altstadt unter anderem eine Comic-Lesung, eine Filmvorführung, eine Tanz-Einlage und ein Kabarettprogramm vorgesehen. Ob die Party wie angekündigt stattfindet, ist allerdings auch nach der neuen Rechtslage noch unklar.

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Schlacht um Mosul und das Leiden der Zivilisten

Bombardierung von Zielen in Mosul. Bild: NinivehMC
Artilleriebeschuss und Luftangriffe auf die Altstadt lassen die Opferzahlen steigen, aber die Medienberichterstattung unterscheidet sich von der vergleichbaren Aleppo-Offensive

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Vereinzelt wird Kritik über die Offensive in Mosul (Mossul) laut, seit die irakischen Truppen und schiitischen Milizen, die mittlerweile formal in die Armee integriert wurden, mit der Unterstützung der Amerikaner auf dem Boden, vor allem aber aus der Luft, die Offensive auf die Altstadt begonnen haben (Mosul: Die Befreiung und die hässliche Fratze des Krieges. Dorthin haben sich die IS-Kämpfer zurückgezogen und buchstäblich in einem Labyrinth von Tunnels eingegraben. Und sie sind geschützt durch vermutlich noch einige hunderttausend Zivilisten, die noch nicht fliehen konnten oder dies auch nicht wollten. Die Bewohner sind eingeschlossen oder eingekesselt, nachdem auch die letzte Brücke zerstört wurde, sie erhalten keine Nahrung, Trinkwasser ist nach UN-Angaben knapp oder sie haben in vielen Stadtteilen keinen Zugang dazu, viele, die die Flucht geschafft haben, sind verletzt. Die Menschen fliehen vor dem IS, vor dem Beschuss durch die irakischen Truppen und die US-geführte Koalition und aufgrund von Hunger und Durst.

Aus West-Mosul sind nach Angaben der Vereinten Nationen seit Beginn der Offensive vor 23 Tagen um die 117.000 Menschen geflohen (täglich etwa 5000), aus ganz Mosul sind es bislang um die 250.000. Nach Berichten gibt es in der umstellten Stadt immer weniger Lebensmittel und Trinkwasser. Die Menschen fliehen zunehmend auch deswegen, weil sie zwischen den IS-Kämpfern und den Angriffen auf Mosul unter die Räder kommen.

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Spanien: „Am 9. April ist die ETA entwaffnet“

Die baskische Zivilgesellschaft führt die Entwaffnung nun durch und fordert von Frankreich, auf den „Weg des gesunden Menschenverstands“ einzuschwenken

Von Ralf Streck | TELEPOLIS

Fünf Jahre ist es her, seit die baskische Organisation „Euskadi ta Askatasuna (Baskenland und Freiheit/ETA) ihren bewaffneten Kampf für ein unabhängiges, vereintes und sozialistisches Baskenland „definitiv“eingestellt hat. Und nun soll die ETA bis 9. April entwaffnet sein, wurde am Samstag in französisch-baskischen Biarritz auf einem Kongress von Persönlichkeiten der Zivilgesellschaft erklärt. Sie nennen sich „Handwerker für den Frieden“ und wollen die Entwaffnung durchführen, welche spanische und französische Regierung bisher hintertrieben haben.

Michel Berhokoirigoin gehörte zu den fünf Aktivisten, die im vergangenen Dezember im Dorf Luhuso festgenommen wurden, da sie Waffen der ETA zerstören und sie danach an die französischen Behörden schicken wollten. Im überfüllten Bellevue-Saal des Seebads erklärte der Chef der Landwirtschaftskammer, dass über die erlittene Repression die Aktivisten nur weiter angetrieben wurden, auf ihrem Weg voranzuschreiten. „Wir waren uns bewusst darüber, dass die Entwaffnung der Schlüssel ist, um den blockierten Friedensprozess voranzubringen und dass die Zivilgesellschaft darin einbringen muss.“

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Das Schönste an der Heterosexualität… sind die Schwul

Anfang März starb 70jährig der amerikanische Psychologe und Autor Joseph Nicolosi, der behauptete, man könne mit seiner „Reparativtherapie“ Homosexuelle heilen. Sein Leben lang hat er sich manisch damit beschäftigt, Homosexuelle als nicht von Gott so vorgesehen zu erklären und deren Lieben und Begehren als unmännlich, unnatürlich und krankhaft zu definieren.

Von Wolfgang Brosche | DIE KOLUMNISTEN

Anfang März starb 70jährig der amerikanische Psychologe und Autor Joseph Nicolosi, der behauptete, man könne mit seiner „Reparativtherapie“ Homosexuelle heilen. Sein Leben lang hat er sich manisch damit beschäftigt, Homosexuelle als nicht von Gott so vorgesehen zu erklären und deren Lieben und Begehren als unmännlich, unnatürlich und krankhaft zu definieren – daraus leitete er folgerichtig die Berechtigung, ja die Notwendigkeit ab, sie „heilen“ zu müssen. Er stürzte sich schon auf Kinder (sein jüngster Patient war sieben Jahren alt), um sie auf seinen rechten Weg zu bringen. Seine scharlatanischen Pseudoforschungen werden weltweit von seriösen Wissenschaftlern abgelehnt. Damit er sie ungeschoren führen und verbreiten konnte, sie haben keine wissenschaftliche Grundlage, gründete er sogar seine eigene Klinik: was übrigens David Berger freuen wird, der ja über Thomas von Aquin promoviert hat, die ST. Thomas Aquinas Psychological Clinic in Kalifornien.
Auf Nicolosi berufen sich weltweit alle Feinde der Homosexuellen bei den Evangelikalen wie den Fundamentalkatholiken. Auch die deutschen Homosexuellengegner von der „Demo für Alle“ führen ihn immer wieder im (Kampf-)Schilde.
Dieser Text war eigentlich entstanden, um darzulegen, warum noch heute soviele Fanatiker Homosexuelle für krank, verfehlt und als Menschen zweiter Klasse bezeichnen – und meinte damit natürlich die deutsche Kampforganisation gegen Gleichberechtigung und Gleichstellung. Die „Demo für Alle“.
Der Tod Nicolosis läßt die Frage nach den wirklichen Motivationen der Homosexuellenfeinde noch einmal ganz virulent werden: denn gleichzeitig mit der Todesnachricht wurde auch bekannt, daß es allein in den USA rund 2000 christliche Zentren und Organisationen gibt, in denen die menschenverachtende Reparativtherapie und ähnliches zur Anwendung kommen. In Deutschland scheiterte dieser Tage im Bundestag erneut der Versuch, „Homo-Heilung“ zu verbieten.
Warum müssen Homosexuelle in der ganzen Welt noch immer um die menschliche Gleichberechtigung kämpfen?

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The First Spacewalker Cheated Death And Crash-Landed In a Forest Full of Wolves

Voskhod 2 commemorative stamp. Image: Russian Federation
March 18, 1965 was an ordinary Thursday for the majority of people located on planet Earth. But for 30-year-old cosmonaut Alexey Leonov, one of two people who happened to be off-world at the time, it was all about making history and cheating death.

By Becky Ferreira | MOTHERBOARD

Exactly 52 years ago this Saturday, Leonov and mission commander Pavel Belyayev blasted into space aboard the Soviet spacecraft Voskhod („Sunrise“) 2. Several crews, both Russian and American, had already orbited Earth, so Voskhod 2 had been tasked with pushing the boundaries of human spaceflight to the next level—a spacewalk, or EVA (extravehicular activity). His audacious mission has since been commemorated with books, stamps, pop culture homages, and an upcoming feature-length film.

About ninety minutes after lift-off, Leonov made his way into the ship’s Volga inflatable airlock, secured a 5.35-meter (17.6 foot) tether around his torso, opened the hatch, and ventured out into the unknown with only a spacesuit to protect him. It was the first time any human had left the safety of a spacecraft and free-floated in orbit. A Volga-mounted camera that Leonov had set up on his way out captured the extraordinary moment.

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Zehntausende Kurden trotzen Erdogan

Die zentrale Kundgebung zum kurdischen Neujahrsfest Newroz in Frankfurt teht im Schatten der im April geplanten Volksabstimmung in der Türkei. Foto: RALPH ORLOWSKI (X00960)
Rund 30.000 Kurden sind in Frankfurt auf die Straße gegangen. Es bleibt friedlich. Das Zeigen von verbotenen Fahnen und Symbolen wird wohl aber Konsequenzen haben.

Von Danijel Majic | Frankfurter Rundschau

Anlässlich des Neujahrsfestes Newroz haben Polizeiangaben zufolge am Samstag rund 30.000 Kurden in der Frankfurter Innenstadt demonstriert (lesen Sie hier das Minutenprotokoll).

Die aus dem gesamten Bundesgebiet angereisten Demonstranten zogen in zwei Zügen von der Bockenheimer Warte und dem Opernplatz aus los, ehe sich beide Züge am Platz der Republik vereinigten.

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Philosophie: „Wir kommen nicht hinterher“

Artist’s render of the TRAPPIST-1 system. Image: ESO/M.Kornmesser Themenbild
Der Philosoph Thomas Leinkauf über das beunruhigende Leben an der Schwelle zu einer neuen Zeit und die Arbeit „am offenen, pulsierenden Herzen des Wissens“.

Von Arno Widmann | Frankfurter Rundschau

Herr Leinkauf, wann haben Sie zuletzt ein Buch gelesen, das zweitausend Seiten Umfang hat?
Ich habe noch nie ein Buch gelesen, das zweitausend Seiten Umfang hat.

Warum muten Sie uns das zu?
Als ich anfing, das Projekt zu realisieren, war mir nicht klar, dass es einmal diesen Umfang haben würde. Aber das Buch ist so konstruiert, dass man es nicht von der ersten bis zur letzten Seite lesen muss. Querverweise und Indizes gestatten auch eine Benutzung, die auf ein bestimmtes Problem konzentriert ist oder bestimmte Begriffe in ihrem jeweiligen Kontext diskutiert sehen möchte.

Man diskutiert immer wieder bei Figuren jener Zeit – nehmen Sie zum Beispiel Nicolaus Cusanus oder Martin Luther – darüber, ob sie noch Repräsentanten des Mittelalters oder schon der Neuzeit seien.

Es geht Ihnen aber doch gerade ums Ganze der Renaissancephilosophie, nicht um eine Addition der einzelnen Disziplinen.
Man diskutiert immer wieder bei Figuren jener Zeit – nehmen Sie zum Beispiel Nicolaus Cusanus oder Martin Luther – darüber, ob sie noch Repräsentanten des Mittelalters oder schon der Neuzeit seien. Das scheint mir die Situation der Renaissance völlig zu verkennen. Sie markiert eine Schwelle, einen Übergang von einem in einen anderen Raum. Ihre Protagonisten sind in beiden Räumen und somit in keinem von beiden ganz.

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Vorhölle mit Vergnügungspark

Die nachgebaute Arche Noah in Grant County, Kentucky. bild: arkencounter
Im 27 Millionen Dollar teuren Kreationisten-Museum im US-Bundesstaat Kentucky erklären evangelikale Christen ihren Besuchern die Welt. Jetzt wurde in eine 100 Millionen Dollar teure Arche Noah investiert.

Von Sabine Mezler | General Anzeiger

Der Garten Eden liegt in Kentucky, die Arche Noah auch. Und beide haben dieses Jahr etwas zu feiern: das Paradies im Kreationisten-Museum sein zehnjähriges Bestehen, das biblische Schiff – ein 155 Meter langer, 100 Millionen Dollar teurer Nachbau der Arche – den Beginn des ersten richtigen Geschäftsjahres.

Geschaffen wurden beide Attraktionen, die gern auch als „Disneyland für Darwin-Gegner“ bezeichnet werden, von der AiG, der Evangelisten-Gemeinde „Answers in Genesis“ unter der Führung von Ken Ham. Wie der Name schon sagt, nimmt die Organisation die Bibel wörtlich und findet alle Antworten im ersten Buch Mose. Weshalb sie weder Kosten noch Mühen gescheut hat, um Orte entstehen zu lassen, in denen sie ihre Sicht auf die Welt vermitteln und die Menschen vor den vermeintlichen Irrlehren der Evolutionstheorie bewahren kann.

Am Anfang schuf Ham dazu 2007 das Kreationisten-Museum in Petersburg im US-Bundesstaat Kentucky, um (O-Ton) einen „Gegenpol zu den evolutionsgeschichtlichen Ausstellungen zu bilden, die den Geist gegen die Heilige Schrift und Jesus Christus, den Erschaffer des Universums, verdrehen“.

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Conspiracy Theories Are the Reason We Still Have Polio

Image: MOTHERBOARD
The Taliban, Boko Haram and antivaxxers have this one thing in common.

By Ankita Rao | MOTHERBOARD

At a train station in Bareilly, a dusty mid-sized city in the Indian state of Uttar Pradesh, teenage health workers wove through crowded platforms armed with small bottles of polio vaccination drops. They were looking for kids tiny enough to be under five years old, kids without the ink stain on their finger indicating they’d already been vaccinated.

Watching the moms in January convinced me that India’s decades-long campaign against polio is working. Moms don’t let strangers, even ones with official-looking bright yellow aprons, give their kids medicine unless they know it’s both important and legitimate. And now that it’s been six years since India’s last reported cases of poliovirus, which can lead to crippling deformities and paralysis, they know that these oral drops are vital without the pro-vaccination pamphlets or Bollywood actors in television ads saying so.

India announced that it had officially eradicated polio back in 2014 after a 20-year campaign that cost at least $200 million every year it was in effect. The Polio Pulse program was an unexpected success given the country’s population of 1.2 billion and rocky public health record. It was carried out by the government, nonprofit groups, and agencies like the World Health Organization and United Nations, with an effective combination of injectable and oral vaccines. India’s results helped the global number of polio cases drop from 350,000 in 1988 to just 74 in 2015.

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SPD – feiges Spiel um die Ehe für alle

Die SPD versprach die Ehe für alle, passiert ist nichts – obwohl die Partei in der Regierung sitzt. Bild: stern.de
CDU und CSU lehnen die Ehe für alle ab, doch der eigentliche Verhinderer heißt SPD: Die verspricht seit Jahren „hundert Prozent Gleichstellung“ für Schwule und Lesben, knickt im Bundestag jedoch ein. Ein feiges Spiel.

Von Stefan Mielchen | stern.de

Es geht um einen einzigen Satz im Bürgerlichen Gesetzbuch: „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.“ Mit dieser Formulierung wäre die rechtliche Gleichstellung lesbischer und schwuler Paare besiegelt. Die SPD ist dafür – eine rechnerische Mehrheit im Bundestag vorhanden. Mit etwas Mut könnte die deutsche Sozialdemokratie Geschichte schreiben. Genau hier liegt das Problem: Sie traut sich nicht.

Aktiv verhindert wird die Öffnung der Ehe durch CDU und CSU. Die Union entfernt sich dabei immer weiter von der Lebenswirklichkeit. 83 Prozent der Deutschen befürworten mittlerweile Heirat und volles Adoptionsrecht für Homo-Paare, wie eine repräsentative Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes Anfang Januar ergab. Das lässt die Konservativen kalt. Der Fortschritt ist zwar eine Schnecke, doch selbst die zieht lässig an Deutschland vorbei. In 14 Ländern Europas ist die Ehe für alle, auch bekannt als Homo-Ehe, inzwischen eingeführt, zuletzt stimmten die Finnen für die vollständige Gleichstellung. Die Bundesrepublik hinkt mächtig hinterher. Angela Merkel müsste das peinlich sein. Doch die Kanzlerin schweigt.

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It’s Time to Start Calling Evangelicals What They Are: The American Taliban

(Photo: Ben White / Unsplash)
The Council For National Policy” is a Conservative Think Tank, made up of a who’s who of prominent conservatives; Rick Santorum, Mike Huckabee, Reince Priebus, Tim LaHaye, Bobby Jindal, John McCain… the list goes on…

By JC Weatherby | Church and State

This article, published by the Washington Post, but reported elsewhere, lays out the group’s plan to “restore education in America,” by bringing god into classrooms.

I have said for years and years, the Christian Right is really seeking to establish a theocracy in the United States — at least regionally, throughout the deep south. And this latest effort by the “Council for National Policy” lays further proof to that claim. This is an effort which — in spite of what many Christian leaders say — is NOT supported by the Constitution. The Constitution strictly prohibits the establishment of Religion, as part of the First Amendment, which also guarantees Freedom of Speech and Freedom of the Press. The purpose of this “Separation of Church and State” is intended to do two things:

  1. It protects religious freedom for everyone.
  2. It prevents the tyranny of any one religion.

But this fact won’t stop many southern christians, who feel it is their duty — as christians — to make the United States “a godly nation” in their eyes. And they will cite the numerous biblical passages in which god exhorts all nations to be faithful to him and condemns those nations who are not, as the basis for this duty — which they feel is their right.

I grew up in this world, so I know what I’m talking about. As a kid, during the 1970’s, I attended churches in Atlanta with my devout grandmother. I heard Jerry Falwell speak numerous times at First Baptist on Peachtree. I was indoctrinated into the evangelical way of thinking by a fiery minister in Smyrna. I studied my “King James” bible. I feverishly read Ernest Angley’s book about the “end times” that depicted christians being boiled alive by the antichrist. I loved “The Omen” movies, wholly believing they portended something real. Trust me. I’ve been there. Fortunately, I had the sense to give it up. By age 15, at the peak of my adolescent sexual curiosity, I realized that any religion that demanded giving up my basic humanity was nuts.

Of course, not all christian evangelicals share this extreme view. Nevertheless, the extremists always give themselves away with their trademark refrain, “I’ll pray for you,” as if you are possessed by demons and in need of an exorcism. They seem completely unaware of how this statement makes them appear; that they alone understand “truth,” that everyone else is “ungodly” and in need of “redemption,” as they see it; by being “born again,” and baptized, and accepting their world view. This self-righteous arrogant presumption is at the root of all religious extremism.

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Über den Nike-Hidschāb

Bild: RDF
Der Sportartikelhersteller Nike hat eine Kollektion für muslimische Sportlerinnen angekündigt, zu der auch ein Hidschāb gehören wird (Pro Hijab).

Von Stephanie Guttormson | Richard-Dawkins-Foundation

Ex-Muslime:

„Hidschābs sind ein Symbol der Unterdrückung und sie zur Alltäglichkeit zu machen ist eine schlechte Idee. Die Gesetze, die das Tragen eines Hidschābs verlangen, sollten nicht unterstützt werden, noch sollte man sich an sie anpassen. Nike tut mit diesem Produkt genau das; es ist eine miserable Idee.“

Weiße Linke:

„Nee, das ist was Gutes, denn jetzt können diese Frauen an irgendwas teilnehmen, was sie vorher wegen genau der repressiven Gesetze nicht konnten, gegen die ich eigentlich bin, die ich aber aus Gründen, die mir gleich einfallen, jetzt doch unterstütze, wie Kapitalismus (und Nike ist amerikanisch, und USA! USA! USA!).“

Wenn ihr nichts dagegen habt, bleibe ich eine Verbündete und höre auf die Ex-Muslime, die in dieser Sache immer ziemlich klar waren. Nur weiße Linke überschlagen sich dabei, etwas zu verteidigen, das sie sonst nicht unterstützen würden.

Ich frage mich, wie weiße Linke auf ein Unternehmen reagieren würden, das für Kinder-Brautkleider wirbt. Wenn ihre obige Logik irgendein Indiz ist, so wird das etwa wie folgt aussehen: „Ja, aber das wird diese Kinderbräute befähigen, der Unterdrückung zu entrinnen, weil sie mehr Möglichkeiten haben!“

Vielleicht sollte ich betonen, dass besagte weiße Linke gegen die Unterdrückung von Frauen bei der „Fundamentalistischen Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ sind, bei der Quiverful-Bewegung oder bei den Amish People. Soll Nike Sportkleidung herstellen, die diesen Frauen erlaubt, getreu den Gesetzen ihrer Religion an irgendwas teilzuhaben? Nein. Warum? Weil das genau die Unterdrückung vertiefen würde, die wir versuchen zu bekämpfen. Dasselbe gilt für Nike und den Hidschāb; sie erklären repressive religiöse Gesetze für gültig. Weiße Linke sagten, ohne Ironie, dass der Nike-Hidschāb muslimischen Frauen erlaubt, an Dingen teilzunehmen, zu denen sie sonst keinen Zugang hätten. Ja aber – warum hätten sie denn keinen Zugang?

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In Deutschland darf man immer noch Homosexuelle „heilen“

Psychologische Behandlung mit Elektroschocks vor hundert Jahren. So ähnlich versuchen auch heute noch einige Ärzte, Homosexuelle zu behandeln | Foto: otisarchives4 | Flickr | CC BY-SA 2.0 Bild: VICE.com
„Tut mir leid, die Diagnose ist klar: Ihr Sohn ist schwul, Frau Müller. Aber keine Angst, das können wir heilen.“ So könnte ein Arztbesuch in Deutschland im Jahr 2017 aussehen. Denn es ist für Ärzte in der Bundesrepublik noch immer  legal, Menschen eine „Heilung“ ihrer Homosexualität zu versprechen. Dabei gilt die Veranlagung weltweit seit 25 Jahren nicht mehr als Krankheit, die Weltgesundheitsorganisation hat sie 1992 aus ihrem Diagnosekatalog gestrichen.

Von Simona Boscardin, Ani Kutlu | VICE.com

Kein Witz! Obwohl die Bundesregierung Konversionstherapien ablehnt, will sie diese weiterhin nicht verbieten. Das geht aus der Antwort auf eine Kleinen Anfrage der Grünen hervor. Es ist nicht das erste Mal, dass die Regierung sich weigert, solche Angebote zu verurteilen. Bereits 2013 hatte die Grünen Strafen für die Heilung von minderjährigen Homosexuellen gefordert – ohne Erfolg.

Ärzte versuchen, Homosexualität mit verschiedenen Techniken zu behandeln, beispielsweise mit Psychotherapie oder Aversionstherapie. Bei letzterer werden unerwünschte Verhaltensweisen mit unangenehmen Reizen wie Elektroschocks gekoppelt.

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Bitte nicht masturbieren! Was die AfD gegen Vibratoren hat

Masturbierende Frauen? Kein Wunder, dass die Geburtenrate so am Boden ist. Bild: Pexels
Die Hände bleiben über der Bettdecke, liebe Frauen! Wenn man denkt, man hat schon alles gehört, dann flattert die Nachricht ins Haus, dass die AfD Vibratoren sehr bedenklich findet.

Von Silvia Follmann | EDITION F

Masturbieren? Vibratoren? Teufelszeug! Die AFD macht gerade mit einer ganz besonders netten Meldung von sich hören – denn AFD-Politiker Thomas Hartung hat sich nun gegen Vibratoren ausgesprochen. Warum? Na, ist doch ein klarer Fall: Wenn Frauen masturbieren, dann bekommen sie weniger Kinder. Ähm, ja.

Aber worum geht’s eigentlich? Das ist schnell erklärt: das Startup Laviu GmbH hat an dem Wettbewerb „Future Sax“ des Landes Sachsen teilgenommen, der nach innovativen Projekten fragte. Ihre Idee: Ein lautloser Vibrator – das kam an, sie belegten den dritten Platz und kassierten 5.000 Euro für die Sextoys. Das allerdings war Thomas Hartung, dem zweiten Vorsitzende der sächsischen AfD, zu viel des Versauten, pardon, Guten. Er setzte also gleich eine Pressemitteilung auf um sich über die Auswahl der Gewinner aufzuregen.

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Komplizen des Holocaust

Warschau unter deutscher Herrschaft 1940: Eine Frau sitzt in einer Straßenbahn, mit der nur Juden fahren durften. Bei anderen Verkehrsmitteln wiederum war die Benutzung für Juden verboten. Auf diese Weise trennten die Besatzer Juden und Nicht-Juden voneinander. Wenig später begannen die NS-Führung mit der systematischen Ermordung der jüdischen Europäer. (Foto: Süddeutsche Zeitung Photo)
Historiker Götz Aly dokumentiert die Judenfeindschaft in Europa vor 1945 – und den Hass auf Holocaust-Überlebende nach dem Zweiten Weltkrieg.

Rezension von Barbara Distel | Süddeutsche.de

Es ist sicherlich nicht rufschädigend zu behaupten, dass Götz Aly, den die Welt als „Bestsellerautor, Journalist und Historiker“ tituliert, umstritten ist. Der heute fast Siebzigjährige hat es im Laufe von Jahrzehnten immer wieder verstanden, Mitglieder seiner Zunft vor den Kopf zu stoßen, persönlich zu kränken oder lächerlich zu machen.

Wandte sich in den 1980er Jahren seine Kampfeslust gegen das zeithistorische Establishment, so überraschte er seine Leser in späteren Jahren mit warmen Worten für Professor Ernst Nolte, der 1986 den Historikerstreit mit der Frage ausgelöst hatte, ob der Holocaust eine Reaktion der Nationalsozialisten auf vorausgegangene Massenverbrechen des Gulag-Systems in der Sowjetunion gewesen war.

Mitarbeiter von Gedenkstätten bezeichnete er als „schlecht getarnte Langweiler, die einfallslos und betulich an ihren Lebenszeitstellen kleben und den Status quo verteidigen“. Und in seinem Buch „Unser Kampf“ (2010) polemisierte er gegen die Studentenbewegung der 1968er Jahre, der er selbst angehört hatte und deren Wirken er im Nachhinein als „kollektiven Wahn“ apostrophierte.

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