Agaplesion gAG: Dodo des Monats November 2016

Dodo des Monats November 2016 ©HFR
Dodo des Monats November 2016 ©HFR

agaplesion_unternehmen_logoMan kann es die Konfessionalisierung des Gesundheitswesen nennen. Der Staat, die Kommunen ziehen sich in der Fläche aus der gesundheitlich-medizinischen Sorge zurück. Diese Zurückziehen geht mit der Übertragung des Sorge-und Vorsorge-Prinzips an konfessionelle Träger einher. Sofern der Bürger Mitglied des Klubs der konfessionell tätigen Gesundheitseinrichtungen ist dürfte kein Widerspruch entstehen. So ist es aber nicht. Die Regel, der Gesetzgeber überträgt vormundschaftliche Rechte an religiös gebundene Institutionen. Im Falle des Selbstbestimmungsrecht der Frauen, über sich selbst, über ihren Körper tritt die gesetzlich fixierte Entmündigung. Frauen wird das Recht abgesprochen, selbstbetreffende Entscheidungen zu verwirklichen. Menschenrechte, einschließlich das Selbstbestimmungsrecht des Menschen, geregelt im Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 Grundgesetz trifft für Frauen nicht zu. Man spricht ihnen den verantwortungsvollen Umgang mit Schwangerschaft ab.
Einhergehend mit der Tatsache, dass der Staat Funktionen seiner selbst an religiöse Einrichtungen des Sozial-und Gesundheitswesens abgibt tritt die Situation ein, dass pfäffische Entscheidungsträger zum Vormund von Frauen gekürt werden. Völlig außer acht lassend, dass kirchliche Institutionen nur im Rahmen ihren religiösen Auftrags tätig werden können. Mit anderen Worten, sie haben außer sich selbst, niemanden moralische, ethische und legale Vorschriften zu machen.

Nichts anderes ist im Landkreis Schaumburg passiert. Ein neues Krankenhaus wird gebaut, es gibt reichlich Steuergelder für den konfessionellen Träger der Einrichtung, hier also die Agaplesion gAG. Gemeinnützige Aktiengesellschaft

Die gemeinnützige Aktiengesellschaft (Abkürzung gAG) ist

  • eine Kapitalgesellschaft in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft,
  • ein Unternehmen, dessen Erträge für gemeinnützige Zwecke verwendet werden (§ 55 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 AO),
  • ein Unternehmen, das in Teilen von der Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer befreit ist.

Die Bezeichnung „gemeinnützige“ AG ist eine steuerrechtliche Besonderheit, mit der auf eine gemeinnützige Ausrichtung der AG hingewiesen werden soll. Entsprechen Satzung und tatsächliche Geschäftsführung den Anforderungen des Gemeinnützigkeitsrechts der Abgabenordnung, wird die Gesellschaft von bestimmten Steuern ganz oder zum Teil befreit.
Wikipedia

20 Aktionäre, Stiftungen, diakonische Rechtssubjekte, alle gut evangelisch, kein säkularer, weltanschaulich neutraler Aktionär involviert. Umsatz 2015 1,1Mrd. Euro, 6.300 Krankenhausbetten. Bezahlt aus den Kranken-und Pflegekassenbeiträgen der Patienten. Im Aufsichtsrat der gAG 18 Personen, davon zwei Frauen. Die Männer, Pfarrer, Pastoren, Staatsminister a.D.
Gesellschaftliche Kompetenz wurde in die Hände von Menschen gelegt, die ihren religiösen Obskurantismus ganz im Sinne Luthers, sola scriptura, allein durch die Schrift, auf die Allgemeinheit übertragen und im Landkreis Schaumburg gibt es keine Wahlfreiheit mehr. Das macht Angst, solcher Einrichtung möchte man nicht seine Gesundheit anvertrauen. Salafistische Christen, die über eine Milliarde Euro, im Jahr, umsetzen. Dort praktizierenden Ärzten, die ihre bigotte Moral an Abtreibungen festmachen kann man eigentlich nur mit tiefsten Misstrauen begegnen. Ein Vertrauensverhältnis von Patient – Arzt ist etwas anderes.
Beschäftigt man sich mit den Zahlen fallen andere Strukturen ins Auge. Die Sterbehilfe wurde in Deutschland vehement gegen Privatisierung verteidigt. Es war und ist schlicht ein Totschlag-Argument, dass Sterbehilfe-Vereine nicht im Sinne ihres Statuts wirksam werden können. Hochgerüstete Palliativ-Medizin, Hospize in Einrichtungen der Kirche müssen Umsatz erwirtschaften, also, genau das, was man den Sterbehilfe-Vereinen vorwirft wird praktisch realisiert. Sterbehilfe-Vereine stören das Geschäft. Unter dem Deckmantel Lebensschutz, der Bewahrung der Schöpfung werden Wettbewerber staatlich aus dem Markt geschmissen und die Monopolstellung der Krankenhauskonzerne gesichert. Politik bringt dann den Satz, dass Subsidiaritätsprinzip habe sich bewährt.
Die Würde des Menschen, sein Selbstbestimmungsrecht, formuliert und legalisiert im Zuge der Aufklärung, werden durch Staat und Kirche unterminiert.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

 

„Stadt ohne Juden“ wird dank Crowdfunding restauriert

''Stadt ohne Juden'' im Filmarchiv in Wien / Bild: (c) APA/AFP (JOE KLAMAR)
‚Stadt ohne Juden“ im Filmarchiv in Wien / Bild: (c) APA/AFP (JOE KLAMAR)
Der Stummfilm von 1924 auf fragilem Nitrofilm ist eine „Vorahnung der Vertreibung der Juden“. Vergangenes Jahr wurden verloren geglaubte Szenen entdeckt.

Die Presse.com

Das Filmarchiv Austria hat wenige Tage vor Ende seiner Crowdfunding-Kampagne zur Restaurierung von „Die Stadt ohne Juden“ die Zielsumme von 75.500 Euro erreicht. Bis Mittwochnachmittag sind knapp 76.400 Euro von 635 Unterstützern für die Basissicherung des österreichischen Stummfilms von Hans Karl Breslauer aus dem Jahr 1924 eingegangen. Die Initiative läuft noch bis Samstagabend.

Im Oktober 2015 waren verloren geglaubte Szenen des Schlüsselwerks auf einem Pariser Flohmarkt gefunden worden. Gedreht wurde er nach einer Romanvorlage des jüdischen Schriftstellers Hugo Bettauer.

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Menschenrechtsbericht: Flüchtlingsaufnahme war Verpflichtung

Humanität und Restriktionen: Der erste Bericht des Deutschen Instituts für Menschenrechte zieht eine gemischte Bilanz der deutschen Flüchtlingsaufnahme seit dem Sommer 2015.

evangelisch.de

In dem Bericht heißt es, Deutschland sei seinen menschenrechtlichen Verpflichtungen gerecht geworden, als das europäische Asylsystem versagte. Der zusätzlich in leichter Sprache verfasste Bericht bringt es noch kürzer auf den Punkt: „Deutschland hat besser gehandelt als viele andere Länder in Europa.“ Kritisch sehen die Autoren aber die zahlreichen Asylrechtsverschärfungen seitdem – und die durch den CDU-Parteitag aufgeflammte Debatte um härtere Regeln bei der Abschiebung.

Ein im vergangenen Jahr verabschiedetes Gesetz verpflichtet das Menschenrechtsinstitut dazu, einmal jährlich dem Bundestag einen Bericht über die Menschenrechtslage in Deutschland vorzulegen. Schwerpunkt der ersten Dokumentation, die den Zeitraum Januar 2015 bis Juni 2016 betrachtet und am Mittwoch in Berlin veröffentlicht wurde, war das Thema Flucht. Der Bericht lobt, dass Zugänge eröffnet und bürokratische Hürden abgebaut worden seien. Das betrifft etwa die Teilnahme an Integrationskursen und den Zugang zum Arbeitsmarkt.

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Wenn Mütter ihre Söhne missbrauchen

Foto: imago/ Roland Mühlanger
Foto: imago/ Roland Mühlanger
Mütter, die ihre eigenen Söhne missbrauchen. Das ist ein Satz, in dem so gar nichts zu stimmen scheint. Die Mutter ist der Inbegriff des Warmen, Wohligen, Kuscheligen, des „Hast du denn auch deine Mütze dabei?“ und „Alles wird gut!“. Und dennoch gibt es Jungen, die stillschweigend unter den sexuellen Übergriffen ihrer wichtigsten Bindungsperson leiden.
 

Von Christine Kewitz | VICE.com

Diesem Thema widmet sich nun ein Spielfilm von Florian Eichinger, der aktuell in den Kinos läuft: Die Hände meiner Mutter. Jessica Schwarz spielt die Ehefrau des 39-jährigen Markus (gespielt von Andreas Döhler). Markus wurde in seiner Kindheit das Opfer seiner eigenen Mutter, die sich mit seiner Hilfe körperliche Befriedigung holte. Dabei schafft es der Regisseur, die Geschichte ohne Klischees zu erzählen. Eichinger scheint viel recherchiert zu haben und so gelingt es ihm, der Realität in einem Spielfilm sehr nahe zu kommen.

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Kerry, in stinging rebuke of settlements, doesn’t rule out UN action

Secretary of State John Kerry speaks to Saban Forum on December 4, 2016 (Screenshot)
Secretary of State John Kerry speaks to Saban Forum on December 4, 2016 (Screenshot)
Outgoing US secretary of state excoriates Netanyahu government, slams Naftali Bennett for ‘disturbing’ remarks on two-state solution

By Rebecca Shimoni Stoil | The Times of Israel

Secretary of State John Kerry excoriated the Israeli right, claiming that support for settlement construction stems from a desire to subvert Israeli-Palestinian peace, during a speech before the Brookings Institution’s Saban Forum on Sunday afternoon.

A subdued Kerry, wearing reading glasses and referring to extensive notes, notably refrained from committing to veto any UN resolution intended to establish a Palestinian state, only promising a veto “if it is a biased, unfair resolution calculated to delegitimize Israel.”

US officials last week indicated that US President Barack Obama had nearly ruled out any major last-ditch effort to put pressure on Israel over stalled peace negotiations with the Palestinians, including at the United Nations.

Kerry, who will end his tenure as secretary of state in January, warned the audience that “you can fight about where we are in this process, but I’ll tell you this: There is no status quo. It is getting worse. It is moving in the wrong direction.”

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UN brauchen 2017 Rekordsumme für humanitäre Hilfe

Die Vereinten Nationen brauchen 2017 die Rekordsumme von 22,2 Milliarden US-Dollar, um Opfern von Konflikten und Naturkatastrophen zu helfen.

evangelisch.de

Mit dem Geld sollen dringend benötigte Lebensmittel, Medikamente, Unterkünfte und andere Hilfsgüter für knapp 93 Millionen Menschen in 33 Ländern wie Syrien finanziert werden, wie der UN-Nothilfekoordinator, Stephen O’Brien, am Montag in Genf erklärte.

Die Welt sehe sich mit der größten humanitären Krise seit dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert, sagte O’Brien. Insgesamt erfassten die UN mehr als 128 Millionen Menschen, die von Kriegen, Konflikten, Vertreibungen und Naturkatastrophen betroffen sind. Die größte einzelne humanitäre Hilfsaktion für 2017 hätten die UN und ihre Partnerorganisationen für die Opfer des Bürgerkriegs in Syrien geplant.

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Medien: Zwischen Willkommenskultur und Wutbürgern

WDR © Simon @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
WDR © Simon @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Was macht der Vorwurf „Lügenpresse“ mit Journalisten? Tappen sie in eine Falle, unbegründete Ängste ernst zu nehmen? Und machen sie es den „Wutbürgern“ dann um so mehr recht? Beim WDR-„Integrationsgipfel“ ging es heiß her.

Von Thuy-An Nguyen | MiGAZIN

„Wissen Sie was Herr Schönborn, ich glaube, Sie mögen mich nicht“, behauptet Naika Foroutan. „Ich glaube, Sie stellen sich vielleicht hierhin und denken ich bin eine Frau und kann Ihre Meinung nicht richtig verstehen. Oder vielleicht denken Sie, ich bin eine Ausländerin.“ Ein peinlich berührtes Schweigen folgt. „Sofort bringe ich Sie damit in die Defensive“, behauptet Foroutan weiter. „Sie müssen jetzt hier stehen, sich verteidigen und sagen, dass das, was ich gesagt habe, nicht stimmt. Wenn ich aber sage, so fühle ich nun einmal und ich finde es nicht richtig, dass Sie meine Ängste nicht ernst nehmen, dann sind Sie noch mehr in der Defensive.“

Der WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönborn und Naika Foroutan stehen sich bei einer Podiumsdiskussion des WDR-Integrationsgipfels gegenüber. Foroutan, Sozialwissenschaftlerin an der Humboldt Universität Berlin, veranschaulicht in dieser Szene eine grundsätzliche Problematik, die sie bei Journalisten der deutschen Medienlandschaft beobachtet hat.

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Bundeswehr-Ministerin: schwule Soldaten benachteiligt

Von der Leyen räumt die langjährige Benachteiligung schwuler Soldaten ein. (Symbolfoto) Foto: dpa
Von der Leyen räumt die langjährige Benachteiligung schwuler Soldaten ein. (Symbolfoto) Foto: dpa
Von der Leyen räumt eine langjährige Benachteiligung schwuler Soldaten in der Bundeswehr ein. Dies geht aus einem vertraulichen Papier hervor.

Frankfurter Rundschau

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ eingeräumt, dass Schwule in der Bundeswehr jahrzehntelang „erheblich“ benachteiligt wurden. In einem vertraulichen Papier des Ministeriums heißt es demnach, die Streitkräfte hätten homosexuellen Soldaten „Berufswege verstellt“ und ein Fortkommen in der Karriere „verhindert“.

Bis 1969 wurden homosexuelle Männer generell strafverfolgt, zu Zeiten von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) galten sie laut einer „Zentralen Dienstvorschrift“ als „Sicherheitsrisiko“. Bis 1984 wurden sie ausgemustert oder entlassen. Noch bis zum Jahr 2000 durften Homosexuelle nicht Berufssoldaten werden und als Vorgesetzte oder Ausbilder tätig sein.

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Amnesty: Kinderarbeit bei Palmöl-Zulieferer von Nestlé, Unilever, Colgate und Kellogg’s

Amnesty International deckt menschenunwürdige Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit auf Ölpalmplantagen in Indonesien auf. Palmöl des betroffenen Agrarunternehmens steckt in Produkten neun großer Konzerne, darunter Nestlé, Unilever, Colgate und Kellogg’s.

Von Anica Beuerbach | greenpeace magazine

Die Arbeitsbedingungen auf den indonesischen Plantagen des weltgrößten Palmöl-Produzenten Wilmar mit Sitz in Singapur verstoßen gegen die Menschenrechte, heißt es in einem heute veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Wilmar ist Zulieferer für neun führende Hersteller von Lebensmitteln und Haushaltsprodukten sowie Palmöl-Raffinerien: Afamsa, Archer Daniels Midland, Colgate-Palmolive, Elevance, Kellogg’s, Nestlé, Procter & Gamble, Reckitt Benckiser und Unilever.

„Unternehmensriesen wie Colgate, Nestlé und Unilever versichern uns Verbrauchern, dass ihre Produkte ‚Nachhaltiges Palmöl’ enthalten, aber unsere Recherchen zeigen, dass das Palmöl alles ist, nur das nicht“, erklärte Meghna Abraham, Leiterin der Untersuchungen bei Amnesty International.

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Chios: Frust auf der Gefangeneninsel

Ungewisse Situation: Ein Flüchtling wartet auf der Insel Chios.Foto: AFP
Ungewisse Situation: Ein Flüchtling wartet auf der Insel Chios.Foto: AFP
Auf der griechischen Insel Chios zeigt sich der Stillstand des Flüchtlingsabkommens mit der Türkei. Der Unmut der Migranten und auch der Einheimischen entlädt sich in Gewalt.

Von Markus Bernath | DER TAGESSPIEGEL

Es sollte ein schneller Mechanismus sein, ein Mittel für die Europäer, um das Flüchtlingsproblem loszuwerden. Für die Aboudans ist es ein absurdes System. „Die Interviews sind sinnlos“, sagt Madjib Aboudan, der Vater. Mitte Dezember hat er das dritte. Dieses Mal muss die Familie dafür nach Athen reisen. Das Ergebnis kennt der 46-jährige Syrer bereits: „Sie werden uns sagen, dass wir nicht zu unserem Sohn nach Deutschland können.“ Es heißt dann zurück zum Start für den Unternehmer aus Aleppo und seine Familie. Dann gilt nach sieben Monaten Bürokratie doch das Regelwerk des Flüchtlingsabkommens, das die EU mit der Türkei geschlossen hat.

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Katholische Kirche warnt davor, die „stillen Tage“ auszuhöhlen

 Besonders geschützt ist in Bayern der Karfreitag. (Foto: Stephan Rumpf)
Besonders geschützt ist in Bayern der Karfreitag. (Foto: Stephan Rumpf)
Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Tanzverbot an „stillen Tagen“ hoffen Münchner Club-Betreiber auf Erleichterungen.
Die katholische Kirche mahnt dagegen zu Zurückhaltung.

Von Jakob Wetzel, Veronika Wulf | Süddeutsche.de

Steht das strikte Tanzverbot an den „stillen Tagen“ nun vor dem Ende? Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts hoffen Münchner Club-Betreiber zumindest auf spürbare Erleichterungen. Die Richter hatten entschieden, dass Ausnahmen nicht pauschal per Gesetz ausgeschlossen werden dürfen.

Das Gericht habe damit klar Position bezogen, sagt Alexander Wolfrum, der Vorsitzende des Verbands der Münchner Kulturveranstalter. „Wir rechnen damit, dass Veranstalter jetzt Ausnahmeanträge für viele Tage stellen werden.“ Und die Verwaltung müsse sich künftig an den Spruch des Gerichts halten. Die katholische Kirche dagegen mahnt zu Zurückhaltung.

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Der lange Schatten des stalinistischen Terrors

Die Säuberungswelle von Josef Stalin forderte Millionen Opfer. / Bild: imago/Russian Look
Die Säuberungswelle von Josef Stalin forderte Millionen Opfer. / Bild: imago/Russian Look
Die Namen Tausender Schergen des Stalin-Regimes kommen ans Licht. Der Kreml versucht die Sache herunterzuspielen. Der Diktator liegt in Moskau wieder hoch im Trend.

Die Presse.com

Es herrscht das große Schweigen: Wie kamen sie um? Wie lange nach ihrer Deportation starben sie? Wurden sie gefoltert? Wer waren ihre grausamen Mörder? Oder sind sie noch am Leben? 20 Millionen Menschen fielen der stalinistischen Säuberungskampagne, die 1937 und 1938 ihren Höhepunkt erreichte, zum Opfer – durch Massenerschießungen, in den Gulags, durch Deportationen und die Massen-Hungersnot vor allem in der Ukraine.

Doch mehr als 60 Jahre nach dem Tod Josef Stalins 1953 sind seine Gräueltaten ein Tabuthema. Viele Angehörige und Nachkommen werden nie erfahren, was mit ihren Liebsten passiert ist: Offizielle Untersuchungen zu den Verbrechen an den unzähligen Regimekritikern und Unschuldigen gab es bisher keine.  Denis Karagodin will das ändern. Der 34-Jährige Russe will Anzeige gegen den Mann erstatten, der seinen Urgroßvater vor fast 80 Jahren exekutiert haben soll.

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Bottroper Apotheker soll Krebs-Medikamente gestreckt haben

 Nur wenige Apotheken in Deutschland sind auf die Herstellung der Krebsmedikamente spezialisiert. (Foto: dpa)
Nur wenige Apotheken in Deutschland sind auf die Herstellung der Krebsmedikamente spezialisiert. (Foto: dpa)
In Bottrop soll ein Apotheker in mindestens 40 000 Einzelfällen Krebsmedikamente zu gering dosiert haben. Der beschuldigte 46-Jährige sitzt derzeit in U-Haft. Mit den Krankenkassen soll er den vollen Betrag für die angeforderte Dosierung abgerechnet haben. Der finanzielle Schaden soll bei 2,5 Millionen Euro liegen.

Süddeutsche.de

Ein Apotheker in Bottrop steht im Verdacht, massenhaft Krebsmedikamente beim Zusammenmischen zu niedrig dosiert zu haben. Der Staatsanwaltschaft Essen zufolge sitzt der 46-Jährige derzeit in Untersuchungshaft und schweigt zu den Vorwürfen.

In mindestens 40 000 Fällen soll der Apotheker Infusionen zur Krebsimmuntherapie abweichend von den individuellen ärztlichen Verordnungen zu gering dosiert haben. Dabei seien die Infusionen „normalerweise abgestimmt auf die Heftigkeit des Krebses“, sagte der Vorsitzende des Bottroper Apothekerverbandes Florian Mies der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ).

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Caritas-Leiter: Im Südsudan findet eine Art Völkermord statt

Die Gewalt und die Schutzlosigkeit der Bevölkerung im Südsudan haben Helfern zufolge unfassbare Ausmaße erreicht.

Von Natalia Matter | evangelisch.de

„Was dort geschieht ist eine Art Völkermord am eigenen Volk“, sagte der Leiter von Caritas international, Oliver Müller, am Donnerstag in der südsudanesischen Hauptstadt Juba telefonisch dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Und es gibt kaum jemanden, der glaubt, dass sich die Lage bessern wird.“ Niemand in dem Land könne oder wolle die Menschen von den Übergriffen mehrerer Rebellenorganisationen und der Armee schützen, die gegeneinander kämpften.

„Der internationalen Gemeinschaft gelingt es nicht annähernd, den Bedarf der Bevölkerung an Hilfe abzudecken“, sagte Müller, der sich auf einer einwöchigen Reise in dem Land befindet. In dem bitterarmen Land, das erst 2011 unabhängig wurde, herrscht seit Ende 2013 ein blutiger Bürgerkrieg. Nach UN-Angaben wurden Zehntausende Menschen getötet, von den rund acht Millionen Südsudanesen sind etwa drei Millionen auf der Flucht. Auch der UN-Mission mit rund 13.000 Blauhelmen gelingt es nicht, die Menschen zu schützen.

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Atheisten kippen strenge Karfreitags-Verbote

Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden.Foto: dpa
Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden.Foto: dpa
Ein Freigeister-Bund hat in Bayern ein ganz großes Fass aufgemacht. Vor dem Bundesverfassungsgericht hat er durchgesetzt, dass am Karfreitag Musik gespielt werden darf.

Von Jost Müller-Neuhof | DER TAGESSPIEGEL

Wer sich als Durchschnittsberliner in das bayerische Feiertagsgesetz einliest, wird meinen, dass es kein Vorrecht afghanischer Taliban sein muss, bei öffentlichen Tanzvergnügen auf die Spaßbremse zu treten. An „stillen Tagen“ wie etwa zu Ostern, Heiligabend oder am Aschermittwoch, so wird in Bayern dekretiert, sind „Unterhaltungsveranstaltungen“ nur erlaubt, wenn der „ernste Charakter“ der Tage gewahrt werde. Die Gemeinden dürfen Ausnahmegenehmigungen erteilen, kein Pardon gibt es jedoch für den Karfreitag, an dem „in Räumen mit Schankbetrieb musikalische Darbietungen jeder Art verboten“ sind. Der Tag wird von allen Ausnahmen ausgenommen.

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Charlie Hebdo: Obszönität ist politisch

Bild: AFP. Shit or get off the pot. :D
Bild: AFP.
Heute probieren die Satiriker von „Charlie Hebdo“ das Heft erstmals auf Deutsch aus. Doch ist diese sehr gallische Auffassung von Humor exportierbar?

Von Stefan Brändle | Frankfurter Rundschau

Kann man, ja muss man sich Angela Merkel bald in zweideutiger Stellung mit Recep Tayyip Erdogan vorstellen? „Warum nicht?“, sagt Gérard Biard, der Chefredakteur von „Charlie Hebdo“. Dem Blattcredo treu verpflichtet, will er „nichts ausschließen“, wenn er am heutigen Donnerstag eine deutschsprachige Ausgabe lanciert. Die Startauflage beträgt 200 000 Exemplare. Im Wesentlichen handelt es sich um eine Übersetzung der französischen Stammausgabe, die durch die Mohammed-Karikaturen und den Terroranschlag von 2015 in die internationalen Schlagzeilen geraten war. Die Karikatur auf der Titelseite werde für die deutsche Ausgabe allerdings speziell hergestellt, sagt Biard. Zwei weitere Seiten werde man ändern, weil zu stark auf die französische Innenpolitik bezogen. „Einige Zeichnungen“ im Blattinnern werden aus dem gleichen Grund ersetzt.

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Wahl Dodo des Monats November 2016

Dodo des Monats November 2016 ©HFR
Dodo des Monats November 2016 ©HFR

Zum Jahresende gab es noch einige Paukenschläge. Die Synode der EKD beschließt die Abkehr von der Judenmission, was natürlich einige Evangelikale Protestrufe nach sich zieht. In Niedersachsen wird mit viel Geld vom Staat eine Klinik aufgebaut, Betreiber ein evangelischer Konzern, der natürlich nichts besseres weiß, als Abtreibungen zu verhindern. Steuergeld für einen Pfaffenkonzern, der noch meint Frauen entmündigen zu müssen. Das kann nicht sein.
Eine Reihe von Theologen haben das Thema des Atheismus für sich in Anspruch genommen, Richard Dawkins ein kleiner ungläubiger Wicht, Atheismus ist böse aber das Schlechteste noch lange nicht. Noch schlimmer als der Papst schwurbelt sich Heinrich Bedford-Strohm durch die Medien. Ohne Linie, schlüpfrig wie eine Nacktschnecke windet er sich durch die Höhepunkte der Zeit. Die EKD weiter im Abwärtstrend ihrer öffentlichen Wahrnehmung.

Die Wahl ist bis zum 07. Dezember 2016, 18:00 Uhr befristet. Der Gewinner wird am folgenden Tag gewürdigt werden. Viel Spaß!

  1.  Olaf Latzel, „will Juden missionieren, alles andere ist Antisemitismus.
  2.  Agaplesion-Konzern, „Geld stinkt nicht, aber Frauen sind zu bevormunden.“
  3.  Wilhelm Imkamp, „er duldet keine Hedonisten neben sich.“
  4.  Christiane Tietz, „Krampfhafte Selbstsorge, oder asoziales Klugscheißen.“
  5.  Daniel Böcking, „Stellv. Chefredakteur Bild.de mit Mission.“
  6.  Reiner Haseloff, „im atheistischen Sachsen-Anhalt kann Kirche nichts gestalten, es sei denn durch Zwang.“
  7.  Antonino Zichichi, „Kernphysiker mit teleologischer Attitüde.“
  8.  Neals Nowitzki, „Helfersyndrom für Luther-Happening.“
  9.  Tomáš Halí, „mit Aberglauben Aberglauben kritisieren.“
  10.  Rainer Wendt, „polizeilicher Wut-Gewerkschafter.“
  11.  Susan Neiman, „möchte die Bibel philosophisch einbringen.“
  12.  Heinrich Bedford-Strohm, „Kreuz ist unwichtig.“
  13.  Papst Franz, „möchte in Gebärmüttern mitbestimmen.“
  14.  Herfried Münkler, „Bestandteil eines dummen Volkes.“

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Tanzverbot an Karfreitag in Bayern ist verfassungswidrig

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Da Leben des Brian, Screengrab Youtube/BB
Das Bundesverfassungsgericht kippt die derzeit bestehende Regelung im Freistaat, wonach am Karfreitag generelles Tanz- und Musikverbot herrscht.
 

Süddeutsche.de

Der ausnahmslose Schutz des Karfreitags in Bayern verstößt gegen das Grundgesetz. Das hat das Bundesverfassungsgericht mit einem am Mittwoch veröffentlichten Beschluss festgestellt. Die Karlsruher Richter gaben damit einer Verfassungsbeschwerde des Bundes für Geistesfreiheit statt.

Die anerkannte Weltanschauungsgemeinschaft vertritt die Interessen konfessionsloser Menschen und will die strikte Trennung von Kirche und Staat. Um die bayerische Regelung gerichtlich prüfen zu lassen, hatte die Gruppierung am Karfreitag 2007 eine Veranstaltung in einem Münchner Theater organisiert. Die zum Abschluss geplante „Heidenspaß-Party“ wurde – wie abzusehen war – untersagt.

Zu Unrecht, sagt nun das Bundesverfassungsgericht. Zwar darf der Karfreitag als „stiller Tag“ laut Beschluss besonders geschützt werden. Jede Befreiungsmöglichkeit von vorneherein auszuschließen sei aber unverhältnismäßig.

„Charlie Hebdo“ auf Deutsch: Politisch Korrekte, bitte Abstand halt

Bild: AFP. Shit or get off the pot. :D
Bild: AFP.
Am Donnerstag erscheint die erste deutsche Ausgabe der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“. Die Werbung zeigt Angela Merkel auf dem Klo. Wer auf politische Korrektheit setzt, sollte nicht weiterlesen.

Von Martina Meister | DIE WELT

Angela Merkel muss sich jetzt warm anziehen. „Es tut Politikern immer ganz gut, sich an neuen Dingen zu reiben und zu lernen, was politische Satire ist“, sagt Gérard Biard, Chefredakteur der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“. Demnächst wird die deutsche Kanzlerin unvollständig bekleidet auf dem Klo zu sehen sein, erwischt bei der Lektüre von „Charlie Hebdo“.

„Wirkt befreiend“ steht auf dem Plakat mit Angela Merkel auf der Toilette, das ab Donnerstag an deutschen Kiosken hängen wird. Es ist Werbung in eigener Sache.

Am 1. Dezember wird das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ zum ersten Mal seine deutschsprachige Ausgabe herausbringen. Mit 200.000 Exemplaren wollen sie an den Start gehen. Allerdings wird sich das Blatt anfangs von dem französischen Original nicht groß unterscheiden. Die meisten Artikel werden schlicht ins Deutsche übersetzt.

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Michael Schmidt-Salom: Rechtspopulisten und Islamisten tolerieren, solange keine Gesetze verletzt werden

 Gegendemonstranten blockieren im April Delegierten der AfD den Zugang zu deren Bundesparteitag in Stuttgart. (Foto: Getty Images)
Gegendemonstranten blockieren im April Delegierten der AfD den Zugang zu deren Bundesparteitag in Stuttgart. (Foto: Getty Images)
Wo sind die Grenzen der Toleranz? Der Philosoph Schmidt-Salomon sagt, man solle Demagogen recht geben, wo sie recht haben – und zugleich ihre Lächerlichkeit aufzeigen.

Interview von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Die AfD ist in Deutschland sehr stark geworden, in den USA wird Donald Trump Präsident, in Frankreich könnte Marine le Pen die Regierung übernehmen. Was ist der richtige Umgang mit Rechtspopulisten, wo liegen die Grenzen der Toleranz, und wann wird Kritik zur Beleidigung? Fragen an den Philosophen und Publizisten Michael Schmidt-Salomon.

SZ: Manche Journalisten halten die Wahlerfolge von Trump oder der AfD für die Quittung dafür, dass Politik und Medien den Kontakt zu den „Unvernünftigen“, „Vergessenen“, „Abgehängten“ verloren haben und sie nur noch verachten und beschimpfen. Ist da was dran?

Michael Schmidt-Salomon: Der Erfolg der Rechtspopulisten ist, wie ich meine, auf zwei zentrale Faktoren zurückzuführen. Erstens auf eine zunehmende soziale Ungleichheit. Es ist ja leider so: Wenn Menschen ihren sozialen Status nicht verbessern können, wenn sie sich selbst als Individuen nicht mehr wahrgenommen fühlen, dann neigen sie dazu, sich über die Mitgliedschaft zu einer Gruppe zu definieren, was chauvinistische Abgrenzungen gegenüber „den anderen“ verstärkt.

Zweitens fehlt es tatsächlich an einer rationalen Streitkultur. Eine vernünftige gesellschaftliche Debatte hätte diesem Lagerdenken entgegenwirken können, aber dazu ist es in den letzten Monaten nicht gekommen.

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