Archiv der Kategorie: Humanismus

Dodo Marx fordert “Globalisierung der Solidarität”

Reinhard Marx, Chef der Deutschen Bischofskonferenz,
Reinhard Marx, Chef der Deutschen Bischofskonferenz,

Angesichts wachsender Flüchtlingszahlen mahnt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, eine “Globalisierung der Solidarität” ein. Die Zahl der Flüchtlinge werde nicht zurückgehen, so lange Gewalt, Krieg, Terror, Naturkatastrophen und Hunger nicht zurückgingen, sagte Marx gegenüber dem Bayrischen Rundfunk. Gefragt sei eine Mitverantwortung für soziale und politische Gerechtigkeit. Außerdem müssten der Schutz der Schöpfung und der Einsatz für Menschenwürde verstärkt werden.

kathweb

Es gebe “keine einfachen Lösungen”, räumte der Münchner Erzbischof ein. Die Herausforderungen verlangten einen langen Atem. Die drängendste Aufgabe aber sei es nun, Flüchtlinge und Asylsuchende menschenwürdig aufzunehmen: “Aufnehmen heißt, diese Menschen willkommen zu heißen, sie spüren zu lassen, dass sie nach entbehrungsreicher, oft lebensgefährlicher Flucht angekommen sind an einem Ort, wo ihnen mit Nächstenliebe und unbedingter Achtung ihrer Würde begegnet wird.”

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Wir haben mit der Fotografin des toten Flüchtlingsjungen über ihr Foto gesprochen

Nilufer Demir. Foto: DHA

Am Mittwoch letzter Woche sind mindestens 12 Menschen ertrunken, als sie versuchten, vom türkischen Festland in einem Gummifloß die griechische Insel Kos zu erreichen. Einer der Ertrunkenen war der dreijährige Aylan Kurdi, der mit seiner Familie aus dem syrischen Kobane geflüchtet war.

Von Ismail Küpeli|Vice.com

Das Foto des kleinen Jungen, der mit dem Gesicht nach unten am Strand von Bodrum liegt, verbreitet sich in Windeseile in den türkischen sozialen Medien und schließlich auf der ganzen Welt. Schon jetzt ist das Bild zum Symbol für das Elend der Flüchtlinge geworden. Gleichzeitig hat sich eine ernsthafte Debatte darüber entsponnen, ob solche Bilder in den Medien erscheinen sollten oder nicht.

Auf der einen Seite stehen die Journalisten, die mit Hinweis auf Würde des Verstorbenen und aus Rücksicht auf seine Familie darauf verzichtet haben, das Bild zu veröffentlichen. Andere Redaktionen entschieden sich fürs genaue Gegenteil und veröffentlichten das Bild. Ihr Argument: Gerade weil es so schrecklich ist, darf das Bild der Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden. Wenn das das Ergebnis unserer Abschottungspolitik ist, dann müssen die Menschen das sehen.

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“Mein Kampf” in Weimar: Wie man mit Giftmüll umgeht

Die Schauspieler Matthias Hageböck (links) und Volkan Türeli vom Berliner Theaterkollektiv Rimini Protokoll während der Fotoprobe zu “Adolf Hitler: Mein Kampf, Band 1 & 2”. (Foto: dpa)
Adolf Hitlers Hetzschrift “Mein Kampf” auf einer Theaterbühne – das könnte schiefgehen. Tut es aber nicht. Die Aufführung in Weimar reduziert einen Fetisch auf einen Alltagsgegenstand.

Von Jens Bisky|Süddeutsche.de

Adolf Hitlers Hetzschrift auf der Theaterbühne – funktioniert das?

Das funktioniert sehr gut, weil das Theaterkollektiv Rimini Protokoll nicht Hitler und “Mein Kampf” ins Zentrum der Aufführung stellt. Sondern sechs Menschen von heute und ihre Erfahrungen mit der Hetzschrift, deren ersten Band Hitler während der Haft in Landsberg schrieb. Sie berichten in kurzen Dialogen von ihren Recherchen und Erlebnissen, die zunächst oft kurios wirken.

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Union gegen Gesundheitskarte für Flüchtlinge, CDU-Bundesminister dafür

Krankenhaus © Wiesbaden112.de @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
CDU und CSU haben ihre Flüchtlingspolitik in einem Papier festgehalten. Unter anderem sprechen sie sich gegen Gesundheitskarten für Flüchtlinge aus. Durchdacht scheint das Papier aber nicht zu sein. Denn CDU-Gesundheitsminister Gröhe wirbt für diese Karte.

MiGAZIN

Die Unionsfraktion im Bundestag hat kurz vor dem Koalitionstreffen am Sonntag ein eigenes Papier zur Flüchtlingspolitik beschlossen. Das Papier sende zwei Botschaften, sagte der Fraktionsvorsitzende Volker Kauder (CDU) am Donnerstag nach der Klausursitzung in Berlin. Man wolle schutzbedürftige Flüchtlinge aufnehmen, ihnen eine Perspektive geben und dafür sorgen, dass die Bedingungen für sie in Deutschland so gut wie möglich sind. Auf der anderen Seite müsse dafür gesorgt werden, dass diejenigen, die kein Recht hätten, hier zu bleiben, das Land wieder verlassen.

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„Affen haben ein Recht auf sich selbst“

Karsten Brensing, Bild: greenpeace magazine

Ein Orang-Utan hat am Montag versucht, aus dem Duisburger Zoo auszubrechen – und wurde erschossen. Im Interview spricht der Verhaltensforscher Karsten Brensing über die Legitimität der Zoohaltung von Menschenaffen.

Interview Julia Huber|greenpeace magazine

Der Orang-Utan „Nias“ hat am Montag einen Fluchtversuch aus dem Duisburger Zoo mit dem Leben bezahlt. Er schlüpfte durch ein Oberlicht des Affengeheges, traf auf einen Artgenossen, lief durch den Zoo und versuchte, über den Außenzaun nach draußen zu klettern. Um zu verhindern, dass der panische Affe auf eine nahegelegene Straße läuft, wurde er von einem Zoomitarbeiter erschossen. Ein Betäubungsschuss hätte den Orang-Utan nicht stoppen können, erklärte die Zooleitung, da die Wirkung erst nach zehn Minuten eingesetzt hätte. Wie konnte es so weit kommen?

Der Meeresbiologe, Verhaltensforscher und Autor Dr. Karsten Brensing kämpft seit Jahren dafür, dass intelligente Tiere wie Menschenaffen gerecht behandelt werden.

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Eklat nach Friedenspreis für syrischen Lyriker Adonis

Adonis (2015) Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA-4.0

Kermani verweigert Laudatio und selbst der Übersetzer Adonis Werke hält Entscheidung für einseitig

islam.de

Die Vergabe des Osnabrücker Erich-Maria-Remarque- Friedenspreises an den syrisch-libanesischen Dichter Ali Ahmad Said (Adonis) ist teilweise auf Entsetzen und schroffe Ablehnung gestoßen. «Diese Entscheidung spricht dem Friedensgedanken Hohn und beleidigt alle Syrer, die Opfer des Assad-Regimes geworden sind», sagte der Journalist Ahmad Hissou (Deutsche Welle) dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Mittwoch). Said habe keinerlei Sinn für die politische und humanitäre Tragödie in seinem Land gezeigt, «nichts für den Frieden getan» und den syrischen Machthaber Baschar al-Assad als den legitimen, «gewählten Präsidenten» seines Volkes bezeichnet.

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New law implies thermodynamic time runs backwards inside black holes

The new area law states that the area of a future holographic screen (the solid blue line in [a]) is always increasing in one direction, while the area of a past holographic screen (the solid blue line in [b.]) is always increasing in a different direction. Credit: Bousso and Engelhardt. ©2015 American Physical Society
Black holes are known to have many strange properties, such as that they allow nothing—not even light—to escape after falling in. A lesser known but equally bizarre property is that black holes appear to “know” what happens in the future in order to form in the first place. However, this strange property arises from the way in which black holes are defined, which has motivated some physicists to explore alternative definitions.

By Lisa Zyga|PHYS.ORG

In a new paper published in Physical Review Letters, Raphael Bousso, a professor at the University of California, Berkeley, and Lawrence Berkeley National Laboratory, and Netta Engelhardt, a graduate student at the University of California, Santa Barbara, have reported a new area law in general relativity that is based on an interpretation of black holes as curved geometric objects called “holographic screens.”

“The so-called teleology of the black hole event horizon is an artifact of the way in which physicists define an event horizon: the event horizon is defined with respect to infinite future elapsed time, so by definition it ‘knows’ about the entire fate of the universe,” Engelhardt told Phys.org. “In general relativity, the black hole event horizon cannot be observed by any physical observer in finite time, and there isn’t a sense in which the black hole as an entity knows about future infinity. It is simply a convenient way of describing black holes.”

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Die Kinder der Anderen

Am Mittwoch wurde die Leiche eines Flüchtlingsjungen an einem türkischen Strand nahe Bodrum gefunden. Er wurde nur drei Jahre alt. © Nilufer Demir/Reuters
Das Bild eines toten Jungen an einem türkischen Strand schockiert die Welt. Er wurde nur drei Jahre alt. Die Politik trägt Verantwortung. Sie muss schnelle Antworten finden und sofort handeln.

Von Philipp Jessen|stern.de

Ein Junge liegt am Strand. Das kleine rote T-Shirt ist hochgerutscht. Er ist klitschnass. Seine Eltern sind nicht zu sehen. Er ist ganz alleine. Er heisst Ailan Kurdi. Er ist tot.

Dieses Foto tut unglaublich weh. Es bebildert auf tragische Weise das absolute Versagen der Politik. Wir ertrinken im Wohlstand. Syrische Kinder, auf der Flucht vor Krieg und Elend, ertrinken im Mittelmeer. Direkt vor Europas Küste. Dort, wo wir Sommerurlaub machen.

Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation. Und die Problemstellung, vor die uns die Massen an Flüchtlingen stellen, ist komplex. Aber der Tod eines Kindes ist nicht komplex. Sondern einfach nur grausam. Das Kind ist tot. Es wird nicht aufwachsen. Nicht mehr lachen. Nicht mehr spielen. Nicht mehr zu Schule gehen. Nicht mehr nachts in das Bett seiner Eltern krabbeln. Es wird in eine Kiste gesteckt – und in einem fremden Land, weit weg von zu Hause, vergraben.

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Gröhe befürwortet Gesundheitskarte für Flüchtlinge

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat die Einführung von Gesundheitskarten für Flüchtlinge durch die Bundesländer befürwortet.

evangelisch.de

Dadurch verringere sich der Verwaltungsaufwand bei der Abrechnung von medizinischen Leistungen in den Kommunen, sagte Gröhe am Mittwoch bei einem Besuch von Flüchtlingsunterkünften in Lebach und St. Wendel im Saarland. Für eine Regelung durch den Bund sehe er allerdings keine Notwendigkeit.

Das Saarland und Rheinland-Pfalz verhandeln derzeit darüber, ob sie gemeinsam eine solche Gesundheitskarte einführen. Nordrhein-Westfalen führte sie in der vergangenen Woche als erstes deutsches Flächenland ein. In Bremen und Hamburg gibt es die elektronische Gesundheitskarte für Flüchtlinge bereits seit längerem.

Gesetzlich Versicherte müssten nicht dafür zahlen

Gröhe widersprach zugleich Befürchtungen, die Ausgaben für die Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen gingen zulasten der gesetzlich Versicherten. “Gesundheitsleistungen sind Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz und werden aus Steuermitteln bezahlt”, betonte der Minister. “Die Krankenkassen werden dafür nicht in Anspruch genommen.”

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Der Körper macht die Musik

(Nagual Sounds)

Die Software Nagual Dance übersetzt Tanzbewegungen in harmonische Songs. Diese interaktiven Lieder sorgen auf Partys für Unterhaltung, könnten aber auch in der Medizin eingesetzt werden.

Von Jennifer Lepies|Technology Review

Die linke Hand gibt das Schlagzeug, die rechte Hand erzeugt die Gitarrenklänge. Die Füße übernehmen Trompete und Klavier. Was klingt wie ein ambitionierter Plan für eine Ein-Mann-Band, ist die Idee der Musiksoftware Nagual Dance. Jeder soll damit in der Lage sein, ein eigenes, einzigartiges Stück Musik zu erschaffen. Ohne musikalische Vorbildung – einfach durch die Tanzbewegungen von Armen und Beinen. Und es entsteht immer ein harmonischer Sound, versprechen die Entwickler der Software.

Dabei handelt es sich um das Brandenburger Start-up Nagual Sounds. Es startete 2012 mit Mark Moebius, ein klassischer Komponist, und Artur Reimer, einem Produzenten von elektronischer Musik. Mit der 3D-Tiefenkamera Kinect für Microsofts Xbox sahen sie die Möglichkeit, ihre Idee des kreativen Prozesses umzusetzen. Fortwährend entwickelten sie Prototypen, die bereits auf Messen und Events von tanzfreudigen Probanden und professionellen Tänzern getestet werden konnten.

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Ist die katholische Kirche mittlerweile ein reines Satireprojekt?

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Abtreibung ist eine unverzeihliche Sünde, zumindest im Katholizismus. Nicht mal durch erbittertes Beichten konnten sich Frauen bisher die Absolution Gottes erhoffen; eine Sache, die Papst Franziskus, der für Vatikanverhältnisse sowieso ziemlich weltoffen und proaktiv agiert, nun ändern möchte.

Von Lisa Ludwig|Vice.com

Alle Priester sollen die Erlaubnis erhalten, reuige Christinnen von ihrer ehemals unverzeihlichen Sünde freizusprechen—allerdings nur zwischen dem 8. Dezember 2015 und dem 20. November 2016, dem „heiligen Jahr”, dem „Jubiläum der Barmherzigkeit”. Solltet ihr, liebe Frauen, also ungestraft abtreiben wollen, legt eure ungewollten Schwangerschaften und Vergewaltigungen doch einfach in dieses Zeitfenster.

Lassen wir kurz die wirklich offensichtlichen Fragen beiseite wie „Warum beginnt das Jahr der Barmherzigkeit Anfang Dezember?” oder „Mit wem genau muss Papst Franziskus sich kurzschließen, um so was beschließen zu können?” (wahrscheinlich Gott). Fragen wir uns: Gibt es auf Seiten der Kirche irgendjemanden—und sei es die heilige Putzkraft im Petersdom—, der ab und an innehält und sagt: Moment mal, das ergibt doch jetzt gar keinen Sinn?

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Südtirol hilft Bayern bei Flüchtlingsunterbringung

Bayern erlebt zurzeit einen Rekord an Flüchtlingsankünften: Am Montag und Dienstag waren mehr als 3.000 Flüchtlinge, die über Ungarn und Österreich eingereist waren, am Münchner Hauptbahnhof angekommen. Jetzt will Südtirol bei der Flüchtlingsunterbringung helfen.

evangelisch.de

Die bayerische Staatsregierung habe das Land Südtirol gebeten, Asylbewerber zeitweise unterzubringen, teilte die Provinz Bozen am Mittwoch mit. 300 bis 400 Flüchtlinge sollen nun für einige Tage in Turnhallen wohnen können. Landeshauptmann Arno Kompatscher sagte, dass es zum europäischen Gedanken gehöre, «sich auch über regionale und nationale Grenzen hinaus solidarisch zu zeigen».

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Warum Weiße nie “Neger” sagen sollten

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann löste mit der Verwendung des Begriffs eine Debatte aus, die sich auch positiv entwickeln könnte. (Foto: dpa)
  • Innenminister Herrmann sagt, das Wort “Neger” gehöre nicht zu seinem Sprachgebrauch. Die Afrikanistin Marianne Bechhaus-Gerst hält die Talkshow-Szene hingegen für “entlarvend”.
  • Die Geschichte des Begriffs ist die der rassistischen Unterdrückung. Wer ihn verwendet, rechtfertigt aus Sicht des Historikers Sebastian Jobs Unterwerfung und Gewalt.
  • Die Aufregung um die Äußerung des bayerischen Innenministers könnte einen Bewusstseinswandel in Deutschland andeuten.

Von Sophie Rohrmeier|Süddeutsche.de

Afrikanistin hält Talk-Show-Szene für “entlarvend”

Auch wenn man die viel diskutierte Talkshow “Hart aber fair” am Montagabend gesehen hat und einmal dem bayerischen Innenminister glauben möchte, dass er den Satz “Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger” rein ironisch und als Konter auf einen zuvor gesendeten Einspieler verwendet habe: Das Wort geht Joachim Herrmann ganz locker über die Lippen. Lächelnd sagt er es, er scheint sich über sein Beispiel zu freuen. Die Empörung aber ist groß. Zu Recht, sagen Wissenschaftler, denn: Wer nicht schwarz ist, kann das Wort nur rassistisch verwenden.

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“Sorgen rechtfertigen nicht, dass man Nazis hinterherläuft”

Angriffe auf Flüchtlingsheime sind zum Alltag geworden. Menschenverachtende Kommentare in sozialen Netzwerken nicht weniger. “‚Wir sind das Pack’ – Rückt Deutschland nach rechts?” Darüber diskutierte Sandra Maischberger unter anderem mit Margot Käßmann.

Von Christiane Meister|evangelisch.de

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht vor einem Angriff auf ein Flüchtlingsheim berichtet wird. Bilder von pöbelnden Massen, die die Ankunft von Bussen mit Asylbewerbern aufhalten. Auf Facebook häufen sich rechtsradikale Kommentare: “Hoffentlich war die Hütte voll mit Asylschmarotzer, bevor es gebrannt hat!” oder “Dreckspack nach Auschwitz und Dachau”. Immer seltener werden solche Inhalte anonym verfasst – viele posten die menschenverachtenden Botschaften mit Klarnamen. Die meisten von ihnen bleiben trotz solcher Worte unbehelligt.

“Ist der rechte Mob nur eine lautstarke, aber kleine Minderheit? Oder vergiftet der Fremdenhass unser ganzes Land?”, fragte Sandra Maischberger in ihrer Talkshow und könnte damit eine wichtige Debatte weiterführen. Denn an diese Fragen schließen sich weitere an: Was sind die Ursachen für den Hass, der Flüchtlingen entgegenschlägt, was kann man dagegen tun? Doch statt zu versuchen, in 75 Minuten Sendezeit Antworten auf diese Fragen zu bekommen, versandet die Diskussion immer wieder in Nebensächlichkeiten.

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Die Evolution von Glauben und Moral

Im Verhalten der Bonobos erkennt der Primatenforscher Frans de Waal mögliche Vorformen der Religiosität. (picture-alliance / dpa / Benjamin Beytekin)
Schimpanse, Ratte oder Elefant: Sozial lebende Tiere haben natürlicherweise das Bedürfnis, gut miteinander auszukommen. Warum darin der Schlüssel zu moralischem Verhalten liege, erläutert der niederländische Zoologe Frans de Waal in seinem Buch “Der Mensch, der Bonobo und die zehn Gebote”.

Von Susanne Billig|Deutschlandradio Kultur

Wenn es in Strömen gießt, kauern Schimpansen sich unter das Blätterdach des Dschungels und setzen ihr schlecht gelauntes “Regengesicht” auf. Doch manchmal packt sie ein heiliger Furor: Dann springen sie mit gesträubtem Fell von den Bäumen und stampfen aufrecht auf zwei Beinen umher – bis der Regen verschwindet.

Auch das neueste Buch des niederländischen Zoologen Frans de Waal quillt von Geschichten aus der Tierwelt über: Schimpansenmütter, die ihre Kinder jahrelang aufwendig durch die Kindheit lotsen. Ratten, die auf Futter verzichten, um Artgenossen aus der Patsche zu helfen. Bonobos, die stundenlang neben einem gestorbenen Mitglied ihrer Gruppe ausharren, sichtlich von dessen Tod erschüttert. Und wer weiß – vielleicht soll der Regentanz ja Naturgewalten beschwören?

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Sprachwissenschaftler: Allein die Verwendung von Wort «Neger» nicht rassistisch

Eine Person, die das Wort «Neger» verwendet, ist nach Einschätzung des Sprachwissenschaftlers Albrecht Plewnia nicht automatisch ein Rassist.

Von Elisa Makowski|evangelisch.de

«Dennoch ist Neger kein wertneutrales Wort und ist mit einer Reihe von Negativassoziationen besetzt», sagte Plewnia, der am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim forscht, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Deshalb gäbe es einen breiten öffentlichen Konsens, dieses Wort nicht zu verwenden. Darin seien sich normalerweise alle politischen Amtsträger einig.

Unüberlegt gehandelt

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) löste eine gesellschaftliche Debatte aus, nachdem er in der Sendung «Hart, aber fair» im WDR am Montagabend sagte: «Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger, der den weißen Deutschen wunderbar gefallen hat.» Herrmann erklärte im ZDF-Morgenmagazin am Dienstag, er habe damit nur auf einen Anrufer reagiert. Der hatte gesagt, er wolle «Neger überhaupt nicht haben.» Herrmann sagte auch, dass er das Wort sonst überhaupt nicht verwende.

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Ken Follet: „Ich glaube nicht an einen Gott“

Ken Follet hält ein Leben nach dem Tod für wenig wahrscheinlich. Bild. Cicero
Wie würde der britische Schriftsteller Ken Follet seine letzten 24 Stunden verbringen? Obwohl er nicht religiös ist, stünde ein Besuch in der Kathedrale Westminster Abbey als Erstes auf dem Programm

Von Ken Follet|Cicero

Das ist also das Ende: ein sehr friedlicher Gedanke. Ich habe all diese Sachen gemacht, hatte meinen Spaß. Und nun laufen langsam meine letzten 24 Stunden ab. Für mich ist der Tod nicht Furcht einflößend, nicht traurig, vorausgesetzt, er kommt nicht zu früh. Solange das Alter angemessen ist, bleibt der Tod in meiner Vorstellung sanft und still.

Meine Eltern haben mich damals streng religiös erzogen. Als Kind glaubt man alles, was die Eltern erzählen. Doch als Teenager fängt man an, sie zu hinterfragen. Das tat ich und lehnte die ganze Sache ab. Ich bin heute nicht religiös. Ich glaube nicht an einen Gott und nicht an ein Leben nach dem Tod. Ich genieße lieber die Momente des Lebens.

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Der Protestantismus in der deutschen Demokratie

luther_1Anders als etwa in den Vereinigten Staaten oder in Skandinavien hatte sich der Protestantismus in Deutschland mit der Demokratie als Staatsform ungleich schwerer getan. Manches Ressentiment ist noch heute zu spüren.

Von Professor Dr. Hans Michael Heinig|Frankfurter Allgemeine

Religionen können in der freiheitlich-demokratischen Verfassungsordnung nur dann eine produktive öffentliche Rolle spielen, wenn sie sich die Ideen von Menschenrechten und Demokratie theologisch anverwandeln. Diese Konzeption öffentlicher Religion, die Jürgen Habermas in den vergangenen Jahren entwickelte, hat viel für sich. Die Religionen müssen sich „die normativen Grundlagen des liberalen Staates . . . unter eigenen Prämissen aneignen“, so Habermas. Wie mühsam sich dieser Prozess der Aneignung gestalten kann, lässt sich am Beispiel des deutschen Protestantismus zeigen. Sein Verhältnis zur Demokratie ist von Ambivalenzen geprägt. Die Kirche der Reformation hat sich theologisch und kirchenpolitisch erst nach 1945 mühsam mit dem westlichen Verfassungsstaat arrangiert.

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Es gibt ein West-Bundesland, in dem Ausländerhass so schlimm ist wie in Sachsen

Natürlich: Die Zahlen sind erschreckend. In keinem anderen Bundesland gab es in diesem Jahr mehr Brandanschläge auf Asylbewerberheime. Die AfD hat dort bei der Europawahl 2014 knapp acht Prozent der Stimmen bekommen. Und gleichzeitig fachen Politiker mit billigem Populismus das Rassismus-Problem noch weiter an.

Von Sebastian Christ|Huffington Post

Dumpfe, fremdenfeindliche Ressentiments sind hier seit Jahrzehnten verbreitet. Gerade auf dem Land. Dabei leben dort viele Regionen vom Tourismus – ein bisweilen genauso tragischer wie kurioser Umstand.

Wer jetzt auf seiner inneren Deutschlandkarte mit dem Finger nach Osten reist, liegt falsch. Es geht hier nicht etwa um Sachsen. Sondern um den Freistaat Bayern.

Sachsen ist nicht das einzige Problem

Rechtsextremismus ist kein ostdeutsches Problem. Viele Menschen im Westen wünschten sich das vielleicht, weil der Gedanke so verdammt praktisch ist. Frei nach dem Motto: Was ich nicht seh’, das tut mir nicht weh. Die „Zeit“ trieb diese absolut kurzsichtige Debatte auf die Spitze, als einer ihrer Redakteure jüngst den Rausschmiss Sachsens aus Deutschland forderte.

Klappe auf. Sachsen rein. Problem gelöst.

Aber so einfach ist es nicht.

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Poet der Medizin ist tot

(Luigi Novi / Wikimedia Commons)

Anlässlich des Todes von Oliver Sacks bringen wir nochmal die Rezension seiner bewegenden und spannenden Autobiografie “On the move: Mein Leben”, die Ende Mai erschienen ist.

Von Veronika Szentpetery|Technology Review

Der britische Neurologe und gefeierte Buchautor Oliver Sacks ist am Sonntag in New York an Krebs gestorben. Er wurde 82 Jahre alt. In seinen Büchern beschrieb er verständlich und mitfühlend Fallbeispiele für neurologische Krankheiten. Patienten waren für ihm nie bloße Diagnosen, sondern Lehrer, die die Medizin voranbrachten.”Es ist kein Zufall, dass viele der Eigenschaften, die Oliver Sacks zu einem brillanten Schriftsteller gemacht haben, ihn auch zu einem hervorragenden Arzt machten: seine scharfsinnige Beobachtungsgabe und Hingabe für Details, ein tiefes Mitgefühl und intuitives Verständnis für die endlosen Rätsel des menschlichen Gehirns und für die vertrackten Verbindungen zwischen Körper und Geist“, schreibt die New York Times. Die Süddeutsche Zeitung sekundiert: „Mit den Fallgeschichten, die witzig und einfach geschrieben sind, stellt Sacks die eigene Normalität immer wieder infrage. ‚Eine winzige Hirnverletzung, und wir geraten in eine andere Welt’, erklärte er einst.”

“Sie sind eine Gefahr für das Labor. Warum kümmern Sie sich nicht um Patienten – da werden Sie weniger Schaden anrichten.” Das Urteil seiner Vorgesetzten klingt zynisch, sollte sich für den Jung-Neurologen Oliver Sacks aber als goldrichtig erweisen. Gerade hat der schusselige Forscher sein Notizbuch auf der Stadtautobahn verloren, weil er es nicht ordentlich auf dem Motorradgepäckträger befestigt hatte. Darüber hinaus sind ihm auch Proben des Nervenbaustoffs Myelin im Labor abhandengekommen.

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