Wunderheiler darf in Offenbach auftreten

In der Stadthalle in Offenbach darf nicht jeder auftreten. Foto: Rolf Oeser
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz durfte in der Offenbacher Stadthalle nicht auftreten, ein Wunderheiler darf es aber schon. Das stößt bei der Humanistischen Gemeinschaft Neu-Isenburg auf Kritik.

Von Fabian Scheuermann | Frankfurter Rundschau

Kanzlerkandidat Martin Schulz (SPD) durfte in der Offenbacher Stadthalle keinen Wahlkampf machen – der als „Apostel“ bezeichnete Vladimir Muntyan darf dort am Samstag aber auftreten.

Verfassungskonforme „individuelle Weltanschauungen“ seien kein Grund dafür, eine Veranstaltung nicht zuzulassen, schrieb Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) als Antwort auf einen offenen Brief der Humanistischen Gemeinschaft Neu-Isenburg.

Die lokale Gruppe der säkularen Weltanschauungsgemeinschaft hatte kritisiert, dass mit dem „Geistlichen Zentrum Vozrozhdenie“ eine Gruppierung die Stadthalle nutzen wolle, die „eindeutig Formen des religiösen Fundamentalismus“ aufweise. So werbe der Veranstalter etwa mit Wunderheilungen.

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„Freiheit für politische katalanische Gefangene“

Kundgebung am 11. September in Barcelona. Bild: Omnium General/CC BY-SA-2.0
Zahllose Menschen fordern die Freilassung der Festgenommenen, erste Streiks beginnen – und plötzlich will Spanien über eine bessere Finanzierung verhandeln

Von Ralf Streck | TELEPOLIS

Die demokratische Massenbewegung in Katalonien kämpft nun nicht mehr allein für das Referendum über die Unabhängigkeit von Spanien am 1. Oktober. Nachdem bis zu 40.000 Menschen bis in die frühen Morgenstunden allein am Wirtschaftsministerium ausgeharrt hatten, das mit anderen Ministerien von der paramilitärischen Guardia Civil am Mittwoch durchsucht worden war, zogen die Massen am frühen Donnerstag zum Obersten Gerichtshof Kataloniens (TSJC). Dort soll die Kundgebung aufrechterhalten werden, bis alle Gefangenen frei sind. Das muss ernst genommen werden und die Richter müssen sich, wie die Guardia Civil im Wirtschaftsministerium auf eine lange Nacht einstellen.

Die Menschen fordern die Freiheit für die 15 zum Teil hohen Beamten, die am Vortag bei den Razzien festgenommen worden waren. Damit sei „harte Kern“ derer getroffen worden, die das Referendum vorbereitet hätten, sagte die spanische Regierung.

Unter ihnen befindet sich auch die Nummer zwei des Wirtschaftsministeriums. Josep Maria Jové ist die rechte Hand des Vizepräsidenten der katalanischen Regierung, Oriol Junqueras, und gehört der Republikanischen Linken (ERC) an. Er und andere werden unter dem Vorwurf des „Aufruhrs“ festgenommen, wofür eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren droht. Bisher sind sieben der Gefangenen freigelassen worden, aber Jové und andere hochrangige Beamte sind noch in den Händen der Guardia Civil.

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Kabinett billigt neue Antisemitismus-Definition

Antisemitismus © MiG
Deutschland schließt sich einer erweiterten Definition von Antisemitismus an. Danach wird pauschale Israelkritik als Judenhass verstanden. Was formell klingt, könnte Konsequenzen in der Bildungs- und Polizeiarbeit haben. Jüdische Organisationen begrüßen den Schritt als wichtiges Signal.

MiGAZIN

Die Bundesregierung hat die Bedeutung des Kampfes gegen Antisemitismus betont. Das Bundeskabinett stimmte am Mittwoch in Berlin der Antisemitismus-Definition der Internationalen Allianz für Holocaust-Gedenken (IHRA) zu, die in ihrer Erläuterung auch eine pauschale Israelkritik als Judenhass versteht. „Wir Deutschen sind besonders wachsam, wenn Antisemitismus in unserem Land um sich zu greifen droht“, erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Der Kampf gegen Judenhass gehöre zur Staatsräson. Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) sagte, Antisemitismus durchziehe leider noch immer die ganze Gesellschaft und gewinne wieder an Gewicht.

Die Definition der IHRA lautet: „Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nicht-jüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum, sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen.“ Mit der Annahme der Definition verbindet die Bundesregierung die Empfehlung, dies zur Grundlage in den Bereichen Bildung, Justiz und Polizei zu machen.

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HVD: Bundesverband verabschiedet neues Selbstverständnis

Bild: HVD
Die IX. Bundesdelegiertenversammlung des Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD) hat am Wochenende ein neues Präsidium gewählt.

HVD Bundesvorstand

Florian Zimmermann ist damit sechster Präsident des HVD-Bundesverbandes. Im Bundesverbandspräsidium war er bisher für Internationales, Flüchtlingspolitik und kleine Landesverbände zuständig.

Mehr als 60 Delegierte aus zwölf Bundesländern versammelten sich am vergangenen Samstag in Berlin, um über die Ergebnisse der Arbeit des Dachverbandes in den letzten Jahren und Schwerpunkte für die kommenden Monate zu beraten.

Frieder Otto Wolf begrüßte in seinem Resümee, dass die in den früheren Jahren entwickelte Wahrnehmung des HVD-Bundesverbandes in der allgemeinen Öffentlichkeit, gegenüber politischen Institutionen, seitens der Medien und auch bei anderen relevanten Stellen weiter ausgebaut und erhalten werden konnte.

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Die Rechte der Frauen sind genauso schutzbedürftig wie die der Flüchtlinge

Der Bahnhofsvorplatz in Köln, an dem es an Silvester 2015 zum Fanal für die Probleme der Flüchtlingspolitik kam: den massenhaften Übergriffen von Migranten gegen Frauen. (Foto: imago/Future Image)
Sexuelle Übergriffe durch Zuwanderer verunsichern die Frauen in Deutschland. Diese Unsicherheit muss dringend ernst genommen werden.

Von Ulrike Heidenreich | Süddeutsche.de

Viele, sehr viele Frauen waren es, die im Sommer 2015 an den Gleisen des Münchner Hauptbahnhofes standen. Als dort jeden Tag Tausende Flüchtlingeankamen, klatschten sie Beifall. Sie taten dies, um die Menschen willkommen zu heißen und um ihnen die Angst zu nehmen. Es war dort eine Stimmung, die anrührte, es war Gänsehaut und Glück, es war so viel Hoffnung und Hilfsbereitschaft. Die Stimmung ist umgeschlagen, schon seit einiger Zeit. Wenn Frauen heute einer größeren Gruppe von männlichen Geflüchteten begegnen, ist da immer wieder dieses Gefühl der Bedrohung.

Die Frauen haben die Kriminalitätsstatistik über Vergewaltigungen durch Flüchtlinge im Kopf – und damit auch die Angst. Vielen Frauen ist mulmig. Sie fürchten, durch ihr Auftreten falsche Signale auszusenden. Das kann nicht sein. Die Freiheit, sich so zu kleiden und so zu bewegen, wie man möchte, ist unverhandelbar. Selbst die Gutwilligsten tun sich keinen Gefallen, den Bruch in der Willkommenskultur auszublenden. Man muss die Fakten nüchtern benennen, ohne Dämonisierung einerseits und Verklärungen andererseits.

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Beratungszentrum für Rückkehrer in Marokko eröffnet

Marrakesch in Marokko © SuperCar-RoadTrip.fr @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Die Bundesregierung investiert Millionenbeträge im zweistelligen Bereich, um die Rückkehr von Marokkanern in ihre Heimat lukrativ zu gestalten. Zuletzt wurde in Casablanca ein Beratungszentrum für Rückkehrer eröffnet. Es soll auch über die Gefahren illegaler Migration informieren.

MiGAZIN

Deutschland und Marokko haben Mitte vergangener Woche in Casablanca ein Beratungszentrum für Rückkehrer aus Deutschland eröffnet. Die Mitarbeiter des Zentrums sollen ihnen bei der Jobsuche helfen und zudem die lokale Bevölkerung beraten, teilte das Bundesentwicklungsministerium in Berlin mit. Das Zentrum kläre auch über die Gefahren der illegalen Migration auf und informiere über legale Einwanderungsmöglichkeiten.

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Warum Los Angeles aus politischen Gründen jetzt weiße Straßen hat

Los Angeles lässt Straßen als Maßnahme gegen den Klimawandel weiß streichen Quelle: Los Angeles Street Services/Twitter
In Los Angeles wird seit wenigen Wochen weißer Straßenbelag getestet, der die Stadt abkühlen soll. Für die Bewohner hat dieser einen angenehmen Nebeneffekt, außerdem setzt die Stadt damit ein deutliches Zeichen.

DIE WELT

Für eine konsequente Linie in seiner Politik ist US-Präsident Donald Trump derzeit nicht gerade bekannt: Erst will er die Kinder von Einwanderern rauswerfen, dann trifft er sich doch mit den Demokraten, um über ihre Bleibeperspektiven zu sprechen. Erst erklärt er öffentlichkeitswirksam den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen, dann relativiert das Weiße Haus seinen Vorstoß: Unter bestimmten Bedingungen könnte man ja darüber nachdenken, doch dabeizubleiben.

Auf dieses Hin und Her wollen sich Klimaschützer nun nicht mehr verlassen. US-Bürgermeister und -Gouverneure kündigten schon unmittelbar nach Trumps Rede im Juni an, die Klimaziele wie geplant umsetzen zu wollen.

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Indien will 40.000 Rohingya-Flüchtlinge abschieben – Terrorgefahr

Nadrenda Modi.

Die Lage der Rohingya in Myanmar ist katastrophal. Die Bundesregierung fordert sofortigen Zugang für humanitäre Organisationen zu den Menschen.

evangelisch.de

Die Bundesregierung hat ihre Sorge über die Lage der Rohingya in Myanmar bekräftigt. „Wir haben – genau wie andere in der internationalen Gemeinschaft  – viel zu wenig Zugang zu dem, was da wirklich in der Provinz Rakhine passiert“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Montag in Berlin. Die Ereignisse müssten aufgeklärt werden und internationale Beobachter Zugang erhalten.

Die Bundesregierung forderte die Regierung Myanmars auf, humanitäre Organisationen nicht länger daran zu hindern, zu den Menschen in Not zu gelangen. Deutschland beteiligt sich über den UN-Hilfsfonds CERF (UN Central Emergency Response Fonds) an den finanziellen Hilfen für die Rohingya. Die humanitäre Notlage sowohl in Rakhine als auch in Bangladesch bezeichnete Regierungssprecher Steffen Seibert als „himmelschreiend“.

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INTERVIEW MIT EINEM CYBORG : „Ich wurde gehackt und es war gut“

Bild: FAZ.net
Neil Harbisson ist farbenblind und hat sich eine Antenne in den Schädel verpflanzen lassen, mit der er Farben hören kann. Warum er die Putzmittelabteilung in Supermärkten liebt und auch anderen Menschen empfiehlt, Cyborgs zu werden.

Von Nadine Bös | Frankfurter Allgemeine

Herr Harbisson, Sie können Farben hören. Wie klingt eine rote Ampel für Sie?

Das hängt ein bisschen von der Ampel ab. Es gibt verschiedene Rottöne bei Ampeln. Nicht alle haben ein pures Rot. Es sind verschiedene Abstufungen der Note F: F und Fis. Eine tiefe Note.

Können Sie das mal vorsingen?

Nein, ich bin kein guter Sänger. Ich kann die Farben nicht wirklich singen. Wenn wir jetzt ein Instrument hätten, wäre das was anderes. Nein, eine rote Ampel singen, das krieg ich nicht hin.

Mögen Sie lieber eine grüne Ampel versuchen?

Ich bin wirklich kein guter Sänger. Ich habe schon mal versucht, Farben zu singen, aber ich habe es immer bereut, weil es nicht klingt, wie es soll.

Schade! Sonst hätten Sie uns einen Regenbogen vorsingen können…

Ok, also Rot ist sehr tief, so hmmmmm, und dann kommt Orange, Grün und so weiter – es klingt wie eine einfache Tonleiter von F bis F. Rot ist das tiefste, danach kommt Orange, Gelb, Grün, Türkis, Blau und zum Schluss Violett. Eigentlich ist das tiefste Infrarot und das höchste Ultraviolett, die kann ich auch über die Antenne wahrnehmen. Es gibt Tausende Infrarot- und Ultravioletttöne, für den Menschen sind sie aber alle eigentlich unsichbar.

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Die Schönheit des Scheiterns: «Try again. Fail again. Fail better»

Charles Pépin: Die Schönheit des Scheiterns. Kleine Philosophie der Niederlage. Aus dem Französischen von Caroline Gutberlet. Carl Hanser, München 2017. 203 S., Fr. 29.90.

Der französische Philosoph Charles Pépin hat einen hübschen Essay über die Tugenden des Scheiterns geschrieben.

Von Uwe Justus Wenzel | Neue Zürcher Zeitung

In einer erfolgssüchtigen Gesellschaft können Misserfolge, kann der Umgang mit ihnen naturgemäss zu einem Problem werden. Es lässt sich freilich systemkonform lösen – dann, wenn die Versuche, ein Scheitern zu bewältigen, ihrerseits unter dem Aspekt des Erfolgs beurteilt werden. Und das werden sie augenscheinlich zunehmend. Die «Erfolgskultur» erweitert dergestalt unter dem Firmennamen einer «Kultur des Scheiterns» ihr Revier; und das schlägt sich – nicht verwunderlich – auch in ausufernder Ratgeberliteratur nieder.

«Die Kunst des erfolgreichen Scheiterns» lautet der einschlägige Titel. Weniger offenkundig systemkonform, aber keineswegs systemkritisch tönen – gleichfalls derzeit marktgängige – Titel wie «Die Kunst des spielerischen Scheiterns», «Lässig scheitern», «30 Minuten gescheit scheitern». Derlei Lebenshilfebücher, ob sie sich an Manager oder an Otto Normalverbraucher wenden, erscheinen zwar vermehrt, aber nicht erst seit der jüngsten Finanzmarktkrise. Schon der legendäre Laotse soll gesagt haben, Scheitern sei die Grundlage des Erfolgs. Mit diesem Diktum wird der altchinesische Weise zumindest nicht selten zitiert.

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Ig-Nobelpreis verliehen: Didgeridooklänge mindern Schnarchen

foto: reuters/gretchen ertl Didgeridoo-Lehrer Alex Suarez bei der 27. Ig-Nobelpreis-Zeremonie an der Harvard University.
Von großen Ohren und verschüttetem Kaffee: Auf den ersten Blick kuriose Forschung wurde in Boston geehrt

Von Christina Horsten | derStandard.at

Kaffee verschütten nervt. „Wir alle tun es und wir alle hassen es“, sagt Jiwon Han auf der Bühne des Sanders-Theaters der US-Eliteuniversität Harvard in Boston. „In meiner Schulzeit hatte ich zu viel Zeit und habe ein Physik-Forschungspapier darüber geschrieben.“ Das Ergebnis – und das Geheimnis nicht verschütteten Kaffees: Den Becher von oben festhalten, geradeaus schauen und rückwärts gehen.

„Aber ist das praktisch? Überhaupt nicht! Also ist der Deckel erfunden worden. Aber ich habe verstanden: Bei Forschung geht es nicht darum, wie alt man ist oder wie klug – sondern darum wie viel Kaffee man trinkt. Und mit ausreichend Kaffee und etwas Pech landet man dann in Boston.“ Dort nahm Jiwon Han in der Nacht auf Freitag seinen Ig-Nobelpreis für sein Forschungspapier über verschütteten Kaffee entgegen – einen von zehn Spaßpreisen für wissenschaftliche Veröffentlichungen, die „erst zum Lachen und dann zum Denken anregen“. Die Ig-Nobelpreise („ignoble“ heißt auf Deutsch „unwürdig“) wurden bereits zum 27. Mal an seriöse, wenn auch kuriose Forschungen verliehen – und sind längst Kult. Die undotierten Auszeichnungen sollen „das Ungewöhnliche feiern und das Fantasievolle ehren“.

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Missbrauchsstudie: „Zölibat ein begünstigender Faktor“

Australische Wissenschaftler haben eine Studie über die Ursachen sexuellen Missbrauchs von Kindern in der katholischen Kirche veröffentlicht. Darin habe man umfassend untersucht, ob es Gründe für sexuellen Missbrauch gibt, die im Gesamtsystem der katholischen Kirche weltweit begründet sind – also „systemische Ursachen“, heißt es in der von der RMIT University in Melbourne veröffentlichten Mitteilung.

Radio Vatikan

Zwei Gründe für sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche sehen die beiden Autoren Peter Wilkinson und Desmond Cahil im Zölibat und der großen Zahl der von der Kirche betriebenen Waisenhäuser. „Kinder (…) in Bildungs- und Wohlfahrtseinrichtungen sind einem Risiko ausgesetzt, wenn psychosexuell unreife und/oder sexuell benachteiligte zölibatär Lebende, einschließlich Priester und Ordensleute, zu ihnen Zugang haben“, heißt es in dem Bericht. Zudem weisen die Autoren auf eine niedrigere Zahl von Missbrauchsfällen in den katholischen Ostkirchen hin, in denen Priester heiraten dürfen.

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Wahlprogramme: ISLAM, KIRCHENSTEUER, BLASPHEMIE-VERBOT

Moscheekuppel bei Sonnenuntergang (Symbolfoto) © saaleha @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Der Streit um den Islam hat Religion wieder zurück in die öffentliche Debatte gebracht. Vor der Bundestagswahl kommen auch die Parteien nicht an einer Positionierung vorbei. Alle relevanten Parteien widmen dem Thema einen Teil ihres Wahlprogramms.

Von Corinna Buschow | MiGAZIN

„Verfassungswidrig“ nannte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) kürzlich Teile des AfD-Programms – darunter den Teil, der Teile muslimisch-religiöser Praxis wie Minarette und den Ruf des Muezzins verbieten will. Die Debatte um den Islam hat die Auseinandersetzung um Rechte von Religionsgemeinschaften wieder mitten in die öffentliche Debatte gebracht. Selbst im TV-Duell von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Herausforderer Martin Schulz nahm das Thema bereits innerhalb der ersten 30 Minuten Raum ein. Ein Unterschied zu früheren Zeiten, in denen Religion immer weniger Einflussnahme auf das gesellschaftliche Miteinander zugetraut wurde.

Auf dem Papier bekennen sich alle für den Einzug in den Bundestag relevanten Parteien zum Grundrecht auf Glaubens- und Gewissensfreiheit. In den konkreten Forderungen gibt es aber deutliche Unterschiede zwischen CDU, CSU, SPD, Grünen, Linken und FDP – und ohnehin mit der AfD, die auch den islamischen Religionsunterricht verbieten und die Lehrstühle für islamische Theologie wieder abschaffen will. Bei den Rechten der christlichen Kirchen geht die rechtspopulistische Partei indes nicht ins Detail.

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Neil deGrasse Tyson: Here’s What Earth Will be Like in 500 Years

Using the Age of Exploration as a basis, Neil deGrasse Tyson takes a close look at what life on Earth could look like in another 500 years. Spoiler Alert: It’s going to get crowded.
The exponential progress of society and technology makes predicting what will happen 50 years from now, or even just 5, an incredibly hard thing to do. So imagine how hard it would be to predict things 500 years from now.

By Jelor Gallego | Church and State

But in this video from Tech InsiderNeil deGrasse Tyson, an astrophysicist and head of the Hayden Planetarium, looks at what will be one of the most pressing problems of the 2500s, using human history as a guide.

Back 500 years ago, humanity was engaged in the Age of Exploration, seeding the far flung corners of the Earth with settlements galore. Since then, humans have been rapidly spreading across the globe, leading to the current fears of overpopulation.

Tyson suspects that the same problem will be manifest 500 years in the future—but much worse. He says that, if the current trend continues, we’ll only have enough room for everyone to live standing up. To solve that, we need to make substantive changes. We’ll have to terraform Mars, engage in population control, or start living vertically instead of horizontally (think: vertical gardens, houses, etc).

We may need to even do all three.

„Marsch für das Leben“ – Samstagszug der Religioten

Flyer des diesjährigen Marsches. Bild: bb

Am Samstag, dem 16. September 2017 ist es wieder soweit, gegen 13 Uhr beginnt in Berlin der Marsch der biblischen Bescheidwisser-und sager. Alexandra Maria Linder, Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht e.V. hat geladen.
Gut, dass es das Down-Syndrom gibt. Kinder bei denen auf Grund einer Genommutation das gesamte 21. Chromosom oder Teile davon dreifach vorhanden sind. Gottes Schöpfung ist fehlerbehaftet. Das Down-Syndrom wird von den Bibel-Fundamentalisten in hervorragender Art und Weise instrumentalisiert. „Menschen, die selbst von Abtreibung betroffen sind, die mit Krankheiten und Behinderungen leben oder Familien mit besonderen Kindern begleiten, die sich um Schwangere in der Not oder Sterbende kümmern, denen die Würde des Menschen in allen Stadien seiner Existenz, von der Zeugung bis zum Tod, wichtig ist.“ Lesen wir im Anschreiben des Bundesverbandes.
Die von pränatalen Fruchtwasserträumen gebeutelten geben vor „Die Schwächsten schützen“ zu wollen. Sie sind gegen den kassenfinanzierten PraenaTest, gegen Leihmutterschaft, Keimbahnmanipulationen und Experimente mit Mensch-Tier-Mischwesen. Sie sind gegen sexuelle Selbstbestimmung, das Recht der Frauen über ihren Körper, ihre Gesundheit bestimmen zu können. Sie sind gegen das Recht der Eltern gesunde Kinder zu zeugen. Sie wollen menschliche Reproduktion im Sinne ihres biblischen Weltverständnisses. Ihr Ziel ist es Politik so zu beeinflussen, dass Gesetze und Regeln gemäß der religiösen Weltsicht aufgestellt werden.

Unbestritten ihr Recht so zu leben wie sie es wünschen. Bestritten ist der Versuch ihre rückwärts gewandte Weltsicht auf Menschen übertragen zu wollen, die ihre Weltsicht nicht teilen, bestritten wird der Versuch Menschenrecht einzuschränken und Andersdenkende zu diskriminieren.  Die gleichen Leute, die am Samstag für das „Lebensrecht“ eintreten, sind gegen die Ehe für alle, diskriminieren die Würde von Homosexuellen und haben keine Hemmungen Andersdenkende zu diskreditieren.
Liest man die Liste der Grußworte dämmert die Drohung eines möglichen Gottesstaates auf. Wir finden Bosbach, Marx, Koch und jede Menge Religiotie die sich im Bundes-und Landtagen manifestiert. Die EKD und die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg versagen sich dem Bibel-Karneval.

Linder und Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, laden für den Freitag, 15. September 2017 zu einer „Fachtagung“ Bioethik und Menschenwürde ein. An der Wissenschaftlichkeit der „Fachtagung“ darf gezweifelt werden. Der Schlusssatz der Einladung meint, „Im Anschluss besteht die Gelegenheit zum gemeinsamen Abendessen.“ Das klingt wie eine Drohung.
Niemand vertritt evangelikale Ideologie deutlicher als Steeb, nicht von ungefähr seine Verbindungen zu Rechtspopulisten und rechtskonservativen Weltsichten. Er ist ein Beispiel dafür, wie christlicher Fundamentalismus  und rechtsextreme Ideologien zusammen gehen können.

„Die Religion schottet Menschen ab“

Eine muslimische Frau mit Kopftuch steht vor dem Brandenburger Tor in Berlin (picture-alliance / dpa / Wolfgang Kumm)
Alfred Schlicht war Diplomat und lebte in islamisch geprägten Ländern. „Gehört der Islam zu Deutschland?“, heißt sein neues Buch. Hilft eigentlich diese Frage bei der Integration? Ja, meint der Autor. „Wir müssen sehen, dass wir die Muslime zu deutschland-kompatiblen Mitmenschen hier machen.“

Monika Dittrich im Gespräch mit Alfred Schlicht | Deutschlandfunk

Monika Dittrich: In vielen westlichen Gesellschaften wird der Islam heutzutage vor allem als Problem gesehen – als Religion, die Integration verhindert, Frauen unterdrückt, Gewalt verherrlicht. Das Verhältnis zwischen Muslimen und Nichtmuslimen ist schwieriger geworden, auch in Deutschland. So beschreibt es Alfred Schlicht in seinem aktuellen Buch. Der promovierte Orientalist war jahrelang als Diplomat in muslimischen Ländern. Der Titel seines Buches heißt: „Gehört der Islam zu Deutschland?“. Ich wollte von ihm wissen, ob man diese Frage angesichts von mindestens viereinhalb Millionen Muslimen in der Bundesrepublik überhaupt stellen kann.

Herr Schlicht, Ihr Buch heißt „gehört der Islam zu Deutschland?“. Kann man das überhaupt fragen, angesichts von mindestens viereinhalb Millionen Muslimen, die hierzulande leben?

Alfred Schlicht: Es ist eine Frage, die gestellt worden ist. Es ist eine Frage, die immer noch viele Bürger beschäftigt. Aber in der Tat, wir haben sehr viele Muslime hier, wir haben eine wachsende Zahl von Muslimen, nicht nur durch die Flüchtlinge und insofern stellt sich die Frage mehr und mehr, denn die Frage bedeutet ja auch: Passen diese Leute zu uns? Passen diese Muslime zu uns? Und wie gehen wir mit ihnen um? Das beinhaltet diese Frage ja auch.

Dittrich: Und: Passen Sie zu uns?

„Wir haben eine große Zahl von Muslimen, die hier angekommen sind“

Schlicht: Auch da ist es wieder schwierig, eine eindeutige Antwort zu geben. Und deshalb ist dieses Buch ja geschrieben worden. All diejenigen, die glauben, dass man eine ganz einfache Antwort hierauf findet, sollten dieses Buch lesen. Für sie ist es geschrieben. Wir haben natürlich eine ganz große Anzahl von Muslimen, die hier angekommen sind. Muslime, die sich mit dem modernen Leben, mit der modernen Gesellschaft, mit dem Rechtsstaat, mit der Demokratie sehr gut arrangiert haben. Und wir haben natürlich leider immer noch Muslime, die beschränkt sind in ihrer wörtlichen Gläubigkeit an Aussagen des siebten Jahrhunderts. Und die müssen wir erst in unsere Realität hineinführen.

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Menschenrechtler erheben schwere Vorwürfe gegen Soldaten in Mali

Der für Menschenrechte zuständige malische Minister erklärte im französischen Auslandssender RFI, man werde die Vorwürfe prüfen und gegebenenfalls eine Untersuchung einleiten.

evangelisch.de

Die Einrichtung eines Anti-Terror-Zentrum in Mali wird von schweren Vorwürfen gegen die beteiligten Armeen überschattet. Human Rights Watch warf am Sonntag Soldaten der malischen und burkinischen Armee vor, in dem westafrikanischen Land mutmaßliche Terroristen verschleppt, gefoltert und umgebracht zu haben. Nahe der Stadt Mopti seien drei Massengräbern mit mindestens 14 Leichen entdeckt worden, zudem seien mindestens 27 Fälle dokumentiert worden, in denen Menschen spurlos verschwunden seien.

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Spanische Paramilitärs durchsuchen katalanische Zeitung

Bild: heise.de/TP
Nun hat sich das repressive Vorgehen auch auf die Presse ausgeweitet, doch die Katalanen feiern ihren Unabhängigkeitsweg, noch ist die Haltung der Bürgermeisterin von Barcelona unklar

Von Ralf Streck | TELEPOLIS

Bevor am morgigen Montag die Bevölkerung in Katalonien erneut für Katalonien als neuen Staat in Europa auf die Straße gehen, vermutlich so zahlreich wie nie zuvor am Nationalfeiertag, zeigt Spanien, dass es auch keinen Respekt vor Kommunikationsmedien hat.

Ein Bild geht seit Samstag per Twitter um die Welt. Es zeigt, wie wieder einmal paramilitärische Guardia Civil Beamte eine Zeitungsredaktion gegen Demonstranten absichern, während deren Kollegen sie durchsuchen.

Bekannt sind solche Bilder bisher aus dem Baskenland, allerdings hatten die katalanischen Kollegen noch relatives Glück. Die katalanischen Journalisten wurden (noch?) nicht verhaftet und gefoltert, ihre Zeitung – verfassungswidrig wie schon gerichtsfest festgestellt wurde – nicht „vorläufig“ geschlossen, wie die baskische Tageszeitung Egunkaria 2003. Für die Folter wurde Spanien inzwischen sogar vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg verurteilt.

Wie das Vorgehen gegen baskische Zeitung erfolglos war, so verlief auch der Vorgang in Tarragona. Wahlzettel und Wahlbriefe für das von Spanien verbotene Referendum über die Unabhängigkeit von Katalonien wurden in den fünf Stunden, die die Durchsuchung dauerte, nicht gefunden. Beschlagnahmt wurde aber der zentrale Computer der Redaktion und Dokumente, wogegen die katalanische Journalistenvereinigung scharf protestiert hat.

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Als die Guillotine das letzte Mal tötete

Das Foto zeigt Hamida Djandoubi im Februar 1977, als er von Polizisten durch einen Tunnel vom Verhandlungsraum im Gefängnis von Aix en Provence in eine Zelle gebracht wurde (Foto: AFP)
Der Zuhälter Hamida Djandoubi nimmt noch einen Schluck Rum. Dann schnellt das Fallbeil nieder – heute vor genau 40 Jahren in Marseille.

Von Lars Langenau | Süddeutsche.de

Hamida Djandoubi weiß, dass er sterben wird. Im Morgengrauen des 10. September 1977. Decken liegen auf dem Boden des Ganges im Gefängnis Les Baumettes in Marseille. Sie sollen die Schritte derjenigen dämpfen, die den Häftling von seiner Zelle zur Hinrichtungsstätte führen. Der 28-Jährige hat seit einem Unfall nur noch ein Bein. Für seinen letzten Weg schnallen ihm die Wärter eine Prothese an. Am Ende des Weges setzen sie Djandoubi auf einen Stuhl.

Er beschwert sich, hat Wünsche. Nur das kann er noch tun, um sein Leben um einige Minuten zu verlängern. „Wie ein Kind, das das Zubettgehen mit allen Möglichkeiten noch hinausschieben will“, protokolliert danach Untersuchungsrichterin Monique Mabelly. Zwei Filterzigaretten gestehen die Beamten Djandoubi noch zu, tief zieht er den Rauch in seine Lungen. Eine dritte Zigarette verweigert ihm Scharfrichter Marcel Chevalier: „Das reicht jetzt, wir waren großzügig genug, jetzt muss langsam Schluss ein.“

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Erbsenzählerei

Bild: 4ever.eu
In einem Forum erlebte ich es neulich, dass ein Indeterminist jemandem „Erbsenzählerei“ vorwarf – also zu genau zu sein: Übergenau. Der Vorwurf mag berechtigt sein, wenn Genauigkeit nichts bringt.

Föderation des Determinismus

Der Vorwurf der Ungenauigkeit im Denken geht aber gerade an die Indeterministen, die die Unbestimmtheit eines Vorgangs gerade zum Gegenstand ihrer Weltanschauung machen. Deshalb habe ich mich gefragt, ob sich das Bild des „Erbsenzählens“ nicht zur Darstellung des Indeterminismus verwenden lässt. Der Vorwurf der Unbestimmtheit im Denken lag schon dem Artikel „Pinkbox“ vom 25.04.2016 zugrunde.

Wir kennen verschiedene Formen von vorgestelltem Indeterminismus

  1. Grundlose Materieentstehung oder Schwund
  2. Grundlose Bewegung eines unbewegten Zustandes
  3. Grundlose Abweichungen in Vorgängen (z. B. Bewegungsabweichung)
  4. Vergleichbar, aber nicht ausdrücklich Indeterminismus: Annahme, dass bestimmten Eigenschaften der Materie (z. B. Magnetismus) nichts weiter zugrunde liegt, was diese Funktion irgendwie begründen könnte.

Allgemein kann man Indeterminismus als die Behauptung bezeichnen, dass überhaupt irgendeiner Eigenschaft, Erscheinung einem Objekt oder dessen Verhalten nichts weiter zugrunde liegt.

Plastische Musterbeispiele sind erforderlich, um klar zu machen, worum es geht, um die zwingenden Schlussfolgerungen indeterministischer Positionen zu verdeutlichen (vgl. Artikel Korollarium vom 16.02.2017), aber auch, um Missverständnisse zu vermeiden, z. B. aufgrund des unterschiedlichen Sprachgebrauchs in der Physik einerseits und der Alltagssprache andererseits (vgl. Über den anschaulichen Inhalt der quantentheoretischen Kinematik und Mechanik, 25.02.2015): Es muss also differenziert werden, ob man von dem bewiesenen Kenntnisstand über etwas spricht oder ob man davon redet, wie etwas wirklich ist – und das ist nicht nur in der Physik ein Problem.

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