Daniel Dennett: Es gibt nichts Übernatürliches

Für ihn ist der Mensch nur Materie: Daniel Dennett gilt als grosser Entzauberer der Philosophie. imago/ZUMA Press
Für Daniel Dennett hat der Mensch nichts Rätselhaftes an sich. Alles sei naturwissenschaftlich erklärbar, sagt der Philosoph. Wo bleibt da der Geist? Und wo die Freiheit?

Von Yves Bossart | SRF

Mit seinem weissen Rauschebart und dem selbstgeschnitzten Gehstock sieht er aus wie Gott persönlich. Passender wäre jedoch: wie Charles Darwin.

Der 75-jährige Starphilosoph Daniel Dennett sagt nämlich von sich selbst, er sei ein Roboter, konstruiert im Laufe der Evolution. Für Dennett gibt es nichts Übernatürliches. Alles ist prinzipiell naturwissenschaftlich erklärbar, auch unser Bewusstsein.

Das Ich ist nur eine Illusion

Gefühle und Gedanken seien, ebenso wie unser Ich, nichts weiter als Illusionen, die das Gehirn erzeuge, um einfacher funktionieren zu können. Der Geist sei letztlich nicht mehr als das Gehirn und somit ein Produkt der Evolution.

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Max „Marko“ Feingold: „Selbst bei den Sozialisten hieß es: Saujud, schleich Dich!“

Max „Marko“ Feingold ist mit 104 Jahren der älteste Holocaust-Überlebende Österreichs © Hans Hochstöger Stern (print)
Österreichs ältester KZ-Überlebender Max „Marko“ Feingold über den Antisemitismus in seiner Heimat, Hitlers Geburtshaus und wieso er seinen 105. Geburtstag mit der rechts-konservativen Regierung feiern will. Auftakt zu einer Mini-Serie über Deutschlands südlichen Nachbarn.

stern.de

Österreich – Deutschlands südlicher Nachbar steht nicht zuletzt wegen seiner rechtskonservativen Regierung unter besonderer Beobachtung. Was ist das für ein Land? Von welchen Stimmungen wird es aktuell geprägt? Der stern suchte und fand Antworten in fünf Gesprächen mit namhaften Österreichern. Heute: Max „Marko“ Feingold, den mit 104 Jahren ältesten Holocaust-Überlebenden Österreichs.

Lieber Herr Feingold, sie sind 104 Jahre alt, haben den Terror des Nationalsozialismus überlebt, aber auch genaue Erinnerungen an das Aufkommen des Faschismus in Italien und Österreich davor. Wann ist Ihnen bewusst geworden, wie gefährlich das alles werden würde?

Im faschistischen Italien, wo ich als Vertreter herumgereist bin, habe ich mir drüber kaum Gedanken gemacht. Aus einem ganz einfachen Grund: die Italiener wussten nicht so recht, was Juden sind. In Italien wollten wir das Totengebet für unsere verstorbene Mutter sagen, da fragten wir nach der Synagoge, und erklärten dem Polizisten wir suchen ‚eine Kirche für Juden‘ er sah uns an uns sagte ‚Das gibt es auch?‘ Insofern hat man uns dort nicht bekämpft. In Österreich war die Situation ganz anders.

Sie haben bereits in Österreichs erster Republik, die bis 1938 herrschte, Antisemitismus erfahren?

Der Judenhass war bereits in der Monarchie sehr präsent. Ich habe es seit der Volksschule hautnah erleben müssen. Manche Lehrer haben Schüler angerempelt, bloß weil sie jüdisch waren. Der Antisemitismus in Österreich war besonders absurd, weil er sogar von Juden ausgeübt wurde. Ich erinnere mich besonders unangenehm an den Onkel des späteren Bundeskanzlers Kreisky, den ich in der Realschule hatte – ein getaufter Jude, der uns fürchterlich behandelt hat.

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Paragraf 219a: Weitere Ärztinnen angezeigt

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Zwei weitere Ärztinnen sind in Hessen angezeigt worden, weil sie auf der Internetseite ihrer Praxis über Schwangerschaftsabbrüche informieren. Die Strafanzeige sei im vergangenen August gestellt worden, sagte die Frauenärztin Nora Szasz, die mit einer Kollegin eine Praxis in Kassel betreibt, am Freitag in Gießen dem Evangelischen Pressedienst (epd).

evangelisch.de

Die Staatsanwaltschaft habe angeboten, das Verfahren einzustellen, wenn die Ärztinnen den Eintrag von der Internetseite nehmen. Das hätten sie abgelehnt, sagte Szasz. „Jetzt geht es darum, ob die Anklage erhoben wird. Wir haben noch keine Rückmeldung.“

Das Amtsgericht Gießen hatte im November die Gießener Ärztin Kristina Hänel zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro verurteilt, weil sie auf der Internetseite der Praxis über Schwangerschaftsabbrüche informiert und damit laut Gericht gegen den Strafgesetzbuch-Paragrafen 219a verstoßen hatte. Das Urteil sorgte bundesweit für Aufsehen. Hänel hat mittlerweile Berufung eingelegt.

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Gibt es einen Gott?

Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Die Frage nach der Existenz Gottes ist in erster Linie eine Glaubensfrage. Unser Kolumnist Matthias Warkus erklärt, wie Philosophen sich ihr nähern.

Von Matthias Warkus | Spektrum.de

Wenn man mit Philosophie zu tun hat, erwarten viele Leute von einem, dass man eine Meinung dazu hat, ob es Gott gibt oder nicht. Mit dieser Ansicht bin ich bereits während meines Studiums konfrontiert worden und seitdem immer wieder. Meine erste Kolumne in dieser Reihe erhielt teilweise entrüstete Kommentare, allein weil das Wort „Gott“ darin vorkam. Manche scheinen regelrecht zu erwarten, dass man als Philosoph auch automatisch Atheist sein muss.

Tatsächlich musste ich mich bereits in meinem ersten Semester an der Universität in einer Pflichtveranstaltung mit der Frage nach der Existenz Gottes auseinandersetzen. Außerdem schleppte mich ein Kommilitone in ein Seminar namens „Gottesbeweise im 20. Jahrhundert“. Die Veranstaltung enthielt exakt das, was auf der Packung stand: Wir redeten das ganze Semester lang darüber, wie Philosophen der jüngeren Vergangenheit versucht hatten, zu beweisen (oder zu widerlegen), dass Gott existiert.

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Jedes sechste Kind wächst in einem Konfliktgebiet auf

Immer mehr Kinder auf der Welt leben in Konfliktgebieten. (Foto: dpa)
  • Jedes sechste Kind weltweit wächst in einer Krisenregion auf. Das zeigt ein Bericht von Save the Children.
  • Die Chefin der Hilfsorganisation fordert nun die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf.

Süddeutsche Zeitung

Seit den 1990er Jahren ist die Zahl der Kinder, die in Krisenregionen aufwachsen, um 75 Prozent gestiegen. Weltweit sind das mindestens 357 Millionen, also ein Sechstel aller Kinder. Ihnen drohe Tod, Gewalt, sexuelle Ausbeutung und Verschleppung, warnt die Chefin von Save the Children Helle Thorning-Schmidt. „Aus ihren Elternhäusern, Schulen und Spielplätzen sind Schlachtfelder geworden.“

Dem Bericht zufolge lebt mehr als die Hälfte dieser Kinder in Regionen mit besonders schweren Konfikten wie Syrien, Afghanistan und Somalia. Dort drohen ihnen auch schwere Menschenrechtsverletzungen wie Verstümmelung oder die Rekrutierung als Kindersoldaten.

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Hidschab und die Würde der Frauen

Schon Mädchen im Alter von neun Jahren sind in Iran gesetzlich dazu verpflichtet, sich zu verhüllen. Bild: AFP
Sie stehen auf öffentlichen Plätzen und protestieren gegen den Hidschab-Zwang: In Iran riskieren Frauen ihre Freiheit.

Von Karen Krüger | Frankfurter Allgemeine

Das iranische Regime hat die Demonstrationen gegen Korruption, Arbeitslosigkeit und soziale Missstände zu Beginn des Jahres niedergeschlagen. Protestaktionen gibt es jedoch immer noch. Die Akteurinnen sind vor allem mutige Frauen. Mit Kopftuch oder ohne stehen sie auf öffentlichen Plätzen und halten in der hochgereckten Hand einen Stock, an den ein Hidschab gebunden ist. Die Frauen sind jung oder alt – ein Video, das in den sozialen Medien kursiert, zeigt eine ältere Dame, die in einem verschneiten Park auf den Rand eines Brunnens geklettert ist und ihr Kopftuch an ihrem Krückstock schwenkt.

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The Future of Science Is Black

A decolonization-focused protest at the American Museum of Natural History in New York. Image: Sarah Luby Burke
I did not struggle through the academy as a Black girl from a marginalized socio-economic background just to teach white people that Black peoples are human.

Cynthia Malone | MOTHERBOARD

In January, H&M added itself to a very long list of retailers trafficking in scientific racism. The viral images, from H&M’s UK retail site, featured a young Black boy modeling a sweatshirt with the words “Coolest Monkey in the Jungle” and a young white boy modeling a sweatshirt with the words “Mangrove Jungle…Official Survival Expert.”

The internet erupted at this injustice. In South Africa, the Economic Freedom Fighters, a “radical and militant economic emancipation movement” and political party, led protests at six H&M stores in the Gauteng province of Johannesburg. Police fired rubber bullets at activists, and critics focused on the destruction of property rather than the violence of dehumanization.

We know this story. Just as former US President Barack Obama was frequently rendered a monkey in political cartoons, H&M styling those particular kids in those particular sweatshirts was not an accident. The part of the story we often leave out is how the history of this racism is intimately linked to the history of science.

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Jeden Tag vier antisemitische Straftaten in Deutschland

Bild: bb
Im vergangen Jahr wurden in Deutschland 1453 antisemitische Straftaten registriert.

stern.de

Im vergangen Jahr wurden in Deutschland 1453 antisemitische Straftaten registriert. Das sind ungefähr soviel wie 2016, aber mehr als 2015, wie der „Tagesspiegel“ (Montagausgabe) unter Berufung auf Angaben der Bundesregierung berichtete. Die Zahl von durchschnittlich vier Straftaten am Tag würden vermutlich noch steigen, da nicht alle Angaben der Länder bereits endgültig erfasst seien.

Bei 1377 aller Delikte gehen die Behörden von rechts motivierten Tätern aus, wie die Bundesregierung auf Fragen von Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) mitteilte. 33 Straftaten werden ausländischen Judenfeinden ohne Islamisten zugeschrieben, weitere 25 Delikte „religiös motivierten“ Antisemiten, also meist muslimischen Tätern ausländischer sowie deutscher Herkunft.

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Hohe Kosten für unbegleitete Kinder

Die Aufnahme unbegleiteter Flüchtlingskinder hat nach Recherchen der „Welt am Sonntag“ im vergangenen Jahr im Durchschnitt rund 50.000 Euro pro Fall gekostet. Dies berichtete die Zeitung nach einer Umfrage in den Bundesländern.

evangelisch.de

Besonders präzise Informationen kamen demnach aus Schleswig-Holstein: Dort wurden 2017 insgesamt 105,2 Millionen Euro für die Unterbringung und Versorgung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge aufgewendet. Betreut wurden 1.795 solcher Kinder und Jugendlicher. Damit gab das nördlichste Bundesland für einen Unbegleiteten im Schnitt rund 58.600 Euro aus.

Ähnlich hohe Kosten entstanden der Zeitung zufolge in Sachsen und Niedersachsen (rund 54.000 Euro). Weniger waren es in Thüringen (49.000 Euro) und Brandenburg (40.000 Euro). Die übrigen Bundesländer konnten laut „Welt am Sonntag“ keine oder nur veraltete Angaben machen, in vielen Fällen fehlten wesentliche Posten, wie es hieß.

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Gott ist auch ein armes Schwein

Master of Disaster: Ken Feinberg ist Amerikas berühmtester Entschädigungsexperte. (Foto: Real Fiction)
Wie viel ist ein Menschenleben wert? Das fragt der Dokumentarfilm „Playing God“ über Amerikas nationalen Problemlöser: den Entschädigungsspezialisten Ken Feinberg.

Von Martina Knoben | Süddeutsche Zeitung

Was ist das Leben eines Feuerwehrmannes wert, der am 11. September in den Twin Towers starb? Und warum ist das Leben eines Börsenmaklers, der in den Türmen ums Leben kam, deutlich „teurer“? Der Mann für diese seltsamen Fragen heißt Ken Feinberg – Amerikas berühmtester Entschädigungsspezialist. Zuletzt hat ihn Volkswagen engagiert, die Schadenersatzansprüche nach der Diesel-Affäre zu regulieren. Die Währung, in der körperlicher Schaden oder auch ein Menschenleben aufgewogen werden, ist der Dollar. „Es ist nicht fair, Menschen Geld zu geben, die ihre Liebsten verloren haben“, sagt Feinberg in dem neuen Dokumentarfilm „Playing God“, der seiner Arbeit gewidmet ist. „Aber es ist nun mal das amerikanische System.“

Das US-amerikanische Entschädigungswesen mit seinen teilweise horrend hohen Summen ist berühmt-berüchtigt – und Feinberg einer seiner bedeutendsten Köpfe. Als jungem Rechtsanwalt wurde ihm 1984 der Agent-Orange-Fall anvertraut. Zigtausende Veteranen des Vietnamkriegs litten unter den Spätfolgen des Einsatzes und klagten gegen die Chemiefirmen, die das Gift produziert hatten; Feinberg erreichte eine außergerichtliche Einigung.

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Heimatministerium: „Euphemismus für Grenzkontrolle“

In der Diskussion um die geplante Erweiterung des Bundesinnenministeriums hat der Historiker Paul Nolte vor einer Verklärung des Begriffs „Heimat“ gewarnt. „Heimat ist für mich an dieser Stelle ein Euphemismus für Grenzkontrolle und Immigrationspolitik“, sagte der Berliner Professor dem Evangelischen Pressedienst (epd) und ergänzte, „wahrscheinlich sogar ein Codewort für Immigrationsabwehr“. Nolte verwies auf den ähnlichen Namen beim Department of Homeland Security, dem Ministerium für innere Sicherheit in den USA.

evangelisch.de

„Das ist ein Nachmachen von institutionellen Entwicklungen im angelsächsischen Ausland“, sagte Nolte. Bedient werden solle eine kulturelle Sehnsucht nach Heimat. „Das US-Ministerium beschäftigt sich aber nicht in erster Linie mit Programmen wie ‚Unser Dorf soll schöner werden'“, sagte Nolte: „Sondern da geht es um Grenzkotrolle und Immigration.“ Der Begriff „Heimat“ changiere damit an der Schnittstelle von Nostalgie und Fremdenfeindlichkeit.

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Wohin mit den systematischen Folterern?

Screenshot Video The Telegraph, YouTube
Ausländische IS-Kämpfer: Zwei britische Peiniger, die zum Quartett um Jihadi John gehörten, sind Gefangene der SDF in Syrien. In der US-Regierung denkt man darüber nach, IS-Milizen nach Guantanamo zu bringen

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Die zwei ausländischen IS-Kämpfer Alexanda Kotey und El Shafee Elsheikh gehören nach den Schilderungen des französischen Journalisten Didier François (Libération, Europe 1) zu den schlimmsten Peinigern, denen er in seiner Gefangenschaft bei den Dschihadisten des IS begegnet ist. Sie dauerte 10 Monate lang, von Juni 2013 bis April 2014. In Erinnerung blieb ihm, dass vier britische IS-Fanatiker besonders sadistisch waren:

Das waren unseren brutalsten Bewacher, Gefolgsleute einer systematischen Folter mit einer ausgeprägten Neigung für Techniken, die Ertrinken oder Ersticken simulieren. Sie waren aber auch Anhänger von simulierten Hinrichtungen oder Kreuzigungen. Sobald sie eine Zelle betraten, hagelt es Schläge. Sie schlugen sehr hart zu und da sie dies mochten, konnte das sehr lange dauern.

Didier François

Die Sadisten mit dem britischen Akzent wurden „Beatles“ genannt, wie man in den Berichten erfährt, die sich damit beschäftigen, wie es mit Alexanda Kotey und El Shafee Elsheikh weiter gehen sollen. Die beiden anderen IS-Beatles heißen Aine Davis und Mohammed Emwazi, der als „Jihadi John“ weltweit eine Berühmtheit über Hinrichtungsvideos von ausländischen Geiseln erlangte, deren Gefangennahme wie im etwa Fall James Foley, David Haines, Peter Kassig oder Steven Sotloff durch die internationalen Medien gegangen waren.

Jihadi John wurde laut Berichten im November 2015 von einer US-Drohne getötet, Aine Davis soll sich in türkischer Gefangenschaft befinden.

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„Spirale aus Armut, mangelnder Bildung und Kriminalität prägt US-Gesellschaft noch“

Die Rassentrennung mag überwunden sein – hier ein Bild von 1957, auf dem eine Schülerin noch verhöhnt wird. Der strukturelle Rassismus aber, sagt die Theologin Andrea Strübind, prägt die US-Gesellschaft bis heute. (picture-alliance / dpa)
Die Folgen eines strukturellen Rassismus prägen die US-Gesellschaft bis heute.

Dlf24

Das hat Andrea Strübind im Deutschlandfunk erläutert – sie ist Professorin für evangelische Theologie an der Universität Oldenburg. Nach Strübinds Worten wurde durch die amerikanische Bürgerrechtsbewegung zwar 1964 mit dem Civil Rights Act zwar die Rassentrennung abgeschafft. Die zweite Phase der Bürgerrechtsbewegung aber richtete sich dann gegen einen strukturellen Rassismus, der sich in Armut, in Arbeitslosigkeit und mangelnden Bildungschancen zeige – und das nicht nur im Süden der USA, sondern auch im Norden. Diese Spirale, zu der leider auch hohe Kriminalitätsraten gehörten, sei heute noch ein Faktor, der die Gesellschaft präge.

Hören Sie zum Themenkomplex „Rassismus“ und zur Frage einer Unterschiedlichkeit von Rassen auch einen Beitrag von Dagmar Röhrlich aus der Sendung „Aus Kultur und Sozialwissenschaften“ im Dlf.

Religion tötet keine Menschen, Menschen mit Religion töten Menschen

Weshalb sollen wir jenen Menschen partout nicht glauben, dass ihr Handeln etwas mit Religion zu tun hat, wenn sie sich bei ihrem Handeln doch explizit auf göttliche Anleitung berufen?

Von Valentin Abgottspon | Richard-Dawkins-Foundation

Dieser Text wurde von Valentin Abgottspon ursprünglich am 5. Februar 2015 für die Freidenker-Kolumne auf news.ch nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo vom 7. Januar 2015 veröffentlicht.

Anlässlich von Terrorakten und Gräueltaten vernehmen wir immer wieder mal ein „Das hat mit (wahrer) Religion nichts zu tun!“ oder „Das sind keine Muslime, das hat mit dem Islam nichts zu tun!“ Eine Aussage, die mich befremdet.

Gar nichts habe es mit Religion, Allah oder anderen Göttern zu tun, wenn Menschen während sie Schwule von Hochhäusern stürzen, Piloten bei lebendigem Leibe anzünden, Homosexuellen sagen, dass sie in der Hölle schmoren werden, anderen Köpfe abhacken und so weiter und dabei laut schreien: „Allah/Gott/Jahwe ist groß!“ „Im Namen der Religion!“ „Für Gott!“. Mich befremdet es, dass ausgerechnet solche Handlungen angeblich nichts mit Religion zu tun haben sollen. Weshalb sollen wir jenen Menschen partout nicht glauben, dass ihr Handeln etwas mit Religion zu tun hat, wenn sie sich bei ihrem Handeln doch explizit auf göttliche Anleitung berufen?

Wir können verstehen oder zu verstehen versuchen, was auf dem politischen Parkett damit gemeint ist, wenn beispielsweise der französische Präsident in der Folge der islamischen Terrorakte gegen die Redaktion des Charlie Hebdo behauptete, das habe nichts mit dem Islam zu tun. Er meint damit: „Die Mehrheit der Muslime ist friedlich. Wir wollen und dürfen den Islam nicht unter Generalverdacht stellen und die Menschen, welche sich als Muslime bezeichnen dürfen wir nicht vorverurteilen.“ Es ist pragmatisch, dergleichen zu äußern. Damit die Grenze zu den Attentätern klarer wird. Ehrlicher und korrekter wäre es aber, zu formulieren: „Das hat mit Religiosität und Islam, wie ihn die Mehrheit hier lebt, nicht viel zu tun!“ Eben nicht nichts. Und schon gar nicht „gar nichts“.

Tut man denn dem Islam oder allgemein der Religion einen Dienst, wenn man ihre schlechten Seiten, die extremistischen Ausprägungen auszublenden sucht? Sie irgendwo anders anrechnen will, bloß nicht bei der Religion, damit diese schön rein und nur für Positives verantwortlich bleibt?

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Weltweit gebremste Freiheit

Weltkarte: Wikimedia / Public Domain. Quelle: Atlas der Zivilgesellschaft. Grafik: TP
Wo und warum Aktivisten gefährlich leben, erklärt der State Of Civil Society Report jetzt auch als „Atlas der Zivilgesellschaft“

Von Arno Kleinebeckel | TELEPOLIS

Ein Index aus 195 untersuchten Staaten bietet Ernüchterung: Der State Of Civil Society Report 2017 beschreibt den Freiraum für zivilgesellschaftliches Engagement erdenweit. Allen Freiheitsliebenden verpasst er einen gehörigen Dämpfer. Der Bericht stuft nur einen winzigen Bruchteil der Staatengebilde (22 Staaten) als wirklich „offen“ ein. Bei allen anderen Ländern hapert es offenbar an der Freiheit. Die Organisation Civicus, der Initiator des Reports, sieht sich selbst als Weltallianz der Zivilgesellschaften und koordiniert Anstrengungen auf globaler Ebene.

Im gerade vorgestellten Dossier werden die Länder in fünf Kategorien eingeteilt: closed / repressed / obstructed / narrowed / open. Mit dem Ergebnis: Nur zwei Prozent der Weltbevölkerung leben in Nationen, in denen sie ihre Grundrechte auf Meinungsäußerung, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit uneingeschränkt ausüben können. Mehr als die Hälfte der so Privilegierten soll in Deutschland leben, der Rest in Österreich, der Schweiz, Portugal, den baltischen Ländern, Norwegen, Finnland, Island und Irland. Deutschland wird so beschrieben:

Civic freedoms, including freedoms of association, peaceful assembly, and expression are widely respected in both law and practice in Germany. Civil society organisations can be formed and operate freely, most protests are peaceful and well-policed, while a vibrant media sector ensures there is a plurality of views in Germany’s public discourse. Recent political events, and the large numbers of refugees arriving in Germany in 2015 has led to an increase in hate speech, attacks on human rights defenders and others supporting refugees and some attacks by far-right groups on pro-refugee demonstrations.

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Sigmund Freuds Religionskritik: Der Gottkomplex

Sigmund Freud (1856-1939) hat zunächst mit der jüdischen Tradition seiner Familie gebrochen, bevor er durch den Antisemitismus eine jüdischen Identität annahm (imago stock&people)
Warum Menschen glauben, wollte Sigmund Freud wissen. Seine Antwort: Weil sie nicht erwachsen sind, sondern wie ein Kind Trost und Hilfe von einem Vater im Himmel erhoffen. Zum Judentum bekannte sich der Psychoanalytiker – zur jüdischen Religion nicht.

Von Klaus Englert | Deutschlandfunk

Der Vater der Psychoanalyse Sigmund Freud erzählte einmal mit süffisanter Ironie, wie ein ausgezeichneter Mann, der sich rühmte, sein Freund zu sein, ihn zur Religion habe bekehren wollen. Der Wiener Psychoanalytiker zeigte sich überrascht, denn er hatte ihm zuvor sein religionskritisches Pamphlet Die Zukunft der Illusion geschickt. In seinem Brief erzählte ihm der Bekannte, dass er in der Religion ein Gefühl von „Ewigkeit“, von etwas „Unbegrenztem“ verspürt. Er empfinde sogar ein „ozeanisches Gefühl“. Freud erwiderte darauf in seiner bekannt trockenen Art: Dieses „ozeanische Gefühl“ habe er selbst niemals an sich entdeckt. Allerdings könne er sich als Psychoanalytiker sehr wohl vorstellen, dass dieses Gefühl in der Sexualität anzutreffen ist. So schreibt er in dem 1930 publizierten Aufsatz Das Unbehagen in der Kultur:

„Auf der Höhe der Verliebtheit droht die Grenze zwischen Ich und Objekt zu verschwimmen.“ (Bd. XIV, 423)

Sigmund Freud bleibt bei der menschlichen Psyche, um dieses Gefühl zu ergründen. Er entdeckt es beim Säugling, der sein Ich noch nicht von der Außenwelt scheiden kann. Ein Ichgefühl entsteht nämlich erst – so Freud – durch die Trennung von Innen- und Außenwelt. Das ursprüngliche Gefühl von Einheit, das vom Kleinkind empfunden wird, bleibt in den tiefen Schichten des Seelenlebens erhalten. Als Psychoanalytiker sah Sigmund Freud nur zwei Wege, dieses Gefühl zu ergründen: Entweder seine im seelischen Haushalt abgelagerten „Spuren“ in der therapeutischen Praxis offen zu legen. Oder aber: Das mysteriöse, allumfassende Gefühl in ein Jenseits zu projizieren. So wie es Freuds Bekannter machte und dabei die Religion entdeckte.

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Bernd(Björn) Höcke: Dodo des Monats Januar 2018

Dodo des Monats Januar 2018 ©HFR

Es ist nicht Riad, nicht Dschidda und auch nicht Mekka, von denen die Bedrohung des christlichen Abendlandes ausgeht. Der saudische Wahhabismus und die Spielart der Salafiyya auch nicht. Das islamistische Übel beginnt am Bosporus, glaubt man Björn Höcke, dem thüringischen Landesvorsitzenden der Alternative für Deutschland. Oder besser, dem völkischen Volk, welches in Thüringen lebt und für das er vorgibt zu sprechen. Das Volk, das Deutsche, hat es ihm angetan, er verspricht Großes, Deutschland den Deutschen, es bleibt abzuwarten in welchen Grenzen Höcke seine Deutschtümelei verortet wissen will. Momentan ist das noch sein Geheimnis, gilt es doch Deutschland von den „Muselmannen“ zu befreien und dem wiederentstehenden Osmanischen Reich Sultan Erdogans rechtzeitig entgegenzutreten.

Lassen wir ihn zu Wort kommen.

„Das, was wir jetzt noch nicht durchsetzen können, weil wir nicht die Macht haben – aber wir werden die Macht bekommen – und dann werden wir das durchsetzen, was notwendig ist, damit wir unser freies Leben leben können. Dann werden wir die Direktive ausgeben, dass am Bosporus mit den drei großen M, Mohammed, Muezzin und Minarett, Schluss ist, liebe Freunde!“Björn Höcke, Eisleben

Es gilt den Islam in der Türkei zu verbieten, mittels Direktive. Die Methode ist uns nicht unbekannt, seit dem gescheiterten Putsch in der Türkei, wird das Land mittels Direktiven Erdogans regiert. Die Methode hat er also geklaut, viel besseres als Direktiven herauszugeben fällt ihm nicht ein. Da er in Thüringen, bei der nächsten Landtagswahl 2019, Ministerpräsident werden will konstruieren wir den Fall, dass er es schafft. Also, Ministerpräsident Höcke verbietet mittels Direktive den Islam am Bosporus, Mohammed, Muezzin und Minarett sind am Ende. Donald Trump lässt sich von seinem Berater erklären, dass die Thüringer kein Indianer-Volk aus den Black Hills sind, die kommunistische Partei Chinas verwendet einen Globus, da steht nur DDR. Verwirrung, global und international. Polen versetzt die Armee in erhöhte Gefechtsbereitschaft, weil sie damit rechnen, dass Höcke mittels Direktive Ostpreussen, Pommern und Schlesien, einschließlich Danzig, zum deutschen Volke gehörig erklärt. Und so werden Höckes Thüringer, Glasbläser, Spielzeugmacher, als Volk versteht sich, zu Eroberern. Der einzige, der wirklich handelt ist ein Psychiater. Er schickt vier kräftige Pfleger, die Höcke in der Bewegungsfreiheit hemmen und steckt ihn die Klappse. So könnte es sein, die Realität ist leider eine andere.

Nichts ist so obskur wie der Begriff des Volkes, eine willkürliche Setzung. Wir sind die in.group und zeigen allen anderen, wie wir uns Freiheit vorstellen, die out.group landet in Lagern, wird deportiert oder gleich erschossen. Hatten wir schon, die Resultate sind weithin bekannt, die Höckes bedienen sich demagogischer Metaphern, das Kollektiv Gleichgesinnter wird zur verbalen Gewaltzelle, noch.

Da es gilt das christliche Abendland zu retten, können die Kelles, von Storch‘, Beverfoerdes et al für die Verdummung der Kinder sorgen und ihre christlichen Bildungspläne des 19. Jahrhunderts in der Praxis umsetzen. Den abendländischen feministischen Spinnern wird der Garaus gemacht, für Frauen gilt dann wieder Kinder, Küche, Kirche.

Und weil das Volk angeblich so wichtig ist, die Sicht Heinrich Heines zum Thema:

O das Volk, dieser arme König in Lumpen, hat Schmeichler gefunden, die viel schamloser, als die Höflinge von Byzanz und Versailles, ihm ihren Weihrauchkessel an den Kopf schlugen. Diese Hoflakaien des Volkes rühmen beständig seine Vortrefflichkeiten und Tugenden, und rufen begeistert: wie schön ist das Volk! wie gut ist das Volk! wie intelligent ist das Volk! – Nein, ihr lügt. Das arme Volk ist nicht schön; im Gegenteil, es ist sehr häßlich. Aber diese Häßlichkeit entstand durch den Schmutz und wird mit demselben schwinden, sobald wir öffentliche Bäder erbauen, wo Seine Majestät das Volk sich unentgeltlich baden kann. Ein Stückchen Seife könnte dabei nicht schaden, und wir werden dann ein Volk sehen, das hübsch propre ist, ein Volk, das sich gewaschen hat. Das Volk, dessen Güte so sehr gepriesen wird, ist gar nicht gut; es ist manchmal so böse wie einige andere Potentaten. Aber seine Bosheit kommt vom Hunger; wir müssen sorgen, daß das souveräne Volk immer zu essen habe; sobald allerhöchst dasselbe gehörig gefüttert und gesättigt sein mag, wird es euch auch huldvoll und gnädig anlächeln, ganz wie die andern. Seine Majestät das Volk ist ebenfalls nicht sehr intelligent; es ist vielleicht dümmer als die andern, es ist fast so bestialisch dumm wie seine Günstlinge. Liebe und Vertrauen schenkt es nur denjenigen, die den Jargon seiner Leidenschaft reden oder heulen, während es jeden braven Mann haßt, der die Sprache der Vernunft mit ihm spricht, um es zu erleuchten und zu veredeln. So ist es in Paris, so war es in Jerusalem. Laßt dem Volk die Wahl zwischen dem Gerechtesten der Gerechten und dem scheußlichsten Straßenräuber, seid sicher, es ruft: »Wir wollen den Barnabas! Es lebe der Barnabas!« – Der Grund dieser Verkehrtheit ist die Unwissenheit; dieses Nationalübel müssen wir zu tilgen suchen durch öffentliche Schulen für das Volk, wo ihm der Unterricht auch mit den dazugehörigen Butterbröten und sonstigen Nahrungsmitteln unentgeltlich erteilt werde.Heinrich Heine, Geständnisse – Kapitel 5, Projekt Gutenberg.de

Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Shame

The state of Israel is about to commit a crime against itself. The imminent mass deportation of African asylum seekers will be a devastating blow to our moral credibility, undermining our ability to speak in the name of our religious values, our historical experience, our vital self-interests.

By Yossi Klein Halevi | Blogs/The Times of Israel

This act could have critical political consequences for Israel, alienating whole constituencies – from young American Jews whose attachment to Israel is already wavering, to black members of Congress who have stood with Israel for decades. I fear this move will haunt us for years to come.

The government insists it isn’t sending asylum seekers into mortal danger, that they will be repatriated to a so-far unnamed African country which is prepared to accept them. It notes that each asylum seeker is being offered a year’s worth of wages to begin a new life. It insists that it is complying with international norms.

But the asylum seekers have every reason to mistrust Israel’s assurances. Over the last few years, the government has promised a new life to deportees who would “voluntarily” leave for Rwanda – the alternative being open-ended imprisonment. And so several thousand accepted the deal. Recent accounts in the Israeli media reveal that deportees are left stranded without documents, and without prospects for work. Some end up hungry and on the streets. Some attempt to be admitted into UN refugee camps, without success. And so most leave Rwanda and begin wandering again.

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Neil deGrasse Tyson: „Das Universum für Eilige“ – Kosmische Perspektive auf das Leben

Buchcover „Das Universum für Eilige“ von Neil deGrasse Tyson, im Hintergrund die Darstellung eines kosmische Leuchtfeuers (Hanser Verlag / dpa / Kornmesser)
Es gibt mehr Sterne im All, als Sekunden seit der Entstehung der Erde vergangen sind: Das und viel mehr erfahren wir in „Das Universum für Eilige“ von Neil deGrasse Tyson. Darin streift der Physiker in eher essayistischer Weise viele kosmologische Phänomene.

Von Gerrit Stratmann | Deutschlandfunk Kultur

Warum ist es gut, etwas über Physik zu wissen? Damit einem der Kellner nicht weis machen kann, die vergessene Sahne sähe man nur deshalb nicht, weil sie am Boden des Kakaobechers schwimme. Denn: Die Gesetze der Physik gelten überall und ausnahmslos. In „Das Universum für Eilige“ stellt Neil deGrasse Tyson nicht nur einige dieser Gesetze vor, sondern auch, was Physiker mit ihrer Hilfe über die Erscheinungen in unserem Universum herausgefunden haben.

Von Hintergrundstrahlung, Quasaren und Galaxienhaufen

Auf gerade einmal 175 unbebilderten Seiten Text kommt dabei einiges zusammen. In zwölf Kapiteln geht es um den Urknall inklusive einer (sehr kompakten) Geschichte vom Anfang bis heute. Die Hintergrundstrahlung und was sie uns heute noch über den Anfang erzählt. Gravitationslinsen, Quasare, Galaxienhaufen, Neutronensterne.

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