Leonardo da Vincis genialer Panzer hatte 16 Geschütze

Universalgenie der Renaissance. Leonardo da Vinci(1452-1619) im Selbstportät. Quelle: picture alliance/Luisa Ricciar
Universalgenie der Renaissance. Leonardo da Vinci(1452-1619) im Selbstportät. Quelle: picture alliance/Luisa Ricciar
Er war nicht nur ein großer Künstler, sondern auch ein Militärtechniker. Leonardo da Vinci entwarf rollende Geschütze und eine Art Maschinengewehr. Den Triumph seiner Grundidee erlebte er noch.

Von Berthold Seewald | DIE WELT

Sein Name steht für die perfekte Verbindung von genialer Kunst und bahnbrechender Wissenschaft. Schon den Zeitgenossen galt Leonardo da Vinci (1452–1519) als Inbegriff eines Universalgelehrten, der das letzte Abendmal Christi ebenso formvollendet gestalten konnte wie den Palast eines Königs oder die Müllabfuhr von Mailand. Aber als italienischer Intellektueller der Renaissance wusste Leonardo seinen Marktwert auch durch Beiträge zu der dunklen Seite jener Epoche zu erhöhen: Mit einer Fülle von Kriegsgeräten faszinierte er seine Auftraggeber, die den Beginn der Neuzeit vor allem mit endlosen Kriegen begleiteten. Sogar ein Panzer gehörte zu seinen gefürchteten Konstruktionen.

Dass der Schöpfer der „Mona Lisa“ sich mit mörderischen Waffen beschäftigte, mag seine heutigen Bewunderer verblüffen. Zu seiner Zeit war es eher ein Ausweis von pragmatischer Intelligenz. Die bewies der Sohn eines Notars und einer Magd oder Sklavin, der in Florenz früh sein Talent als Maler hatte ausbilden können, als er sich 1482 nicht – wie viele seiner Freunde – um die Gunst des verschwenderischen Papstes Sixtus IV. bemühte, sondern sich bei den Sforza, den Herren Mailands, bewarb. Die waren zum einen mit den Medici von Florenz verbündet, zum anderen an militärischer Unterstützung im Kampf gegen Venedig interessiert. In seinem Bewerbungsschreiben versprach Leonardo, diese zu liefern.

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„Es ist nicht legitim, eine Frau zu behandeln, als wäre sie ein ausgeliehener Akkuschrauber“

„Die Menschen tun so, als würde sie das Thema nicht betreffen“: Die Autorin Nora Bossong hat Orte erkundet, an denen mit Sex Geld gemacht wird. (Foto: dpa)
Wie soll unsere Gesellschaft mit Prostitution umgehen? Und warum kaufen sich Frauen keinen Sex? Für ihr Buch „Rotlicht“ erforschte die Autorin Nora Bossong das Geschäft mit der Lust.

Interview von Luise Checchin | Süddeutsche.de

Wie verändert sich das Erleben von Sexualität, wenn man Geld dafür bezahlt? Das ist die Kernfrage in Nora Bossongs Reportagenband „Rotlicht“. Die 35-jährige Schriftstellerin hat dafür Orte erkundet, die sonst meist nur dem männlichen Blick vorbehalten sind: Von der Frankfurter Tabledancebar über eine Sexmesse in Berlin bis zur Verrichtungsbox auf dem Dortmunder Straßenstrich.

SZ.de: Beim Wort „Rotlicht“ hat jeder sofort bestimmte Bilder im Kopf. Sind Sie während Ihrer Erkundungen auch auf Orte gestoßen, die ganz anders waren als erwartet?

Nora Bossong: Das Sexkino in Hamburg hat mich überrascht. Ich hatte die naive Vorstellung, man gehe dorthin, um sich tatsächlich einen Porno auf einer Leinwand anzuschauen. Aber es ist ja eigentlich klar, dass das in Zeiten der Internetpornographie nicht mehr der Grund sein kann. Stattdessen wurde dort in einem der Räume live relativ extremer, orgiastischer Sex praktiziert, bei dem es mir schon mulmig wurde. Andere Orte widersprachen aber auch gar nicht so sehr meiner Vorstellung und trotzdem ist es immer noch einmal etwas anderes, sich die Dinge in der Realität anzugucken. Das Laufhaus, in dem ich war, sah auf den ersten Blick zum Beispiel aus wie erwartet: Flure, dahinter Zimmer. Aber es waren dann die Details, die Brüche oder Irritationen, die diesen Ort greifbar machten: Das Teelicht, das noch einen Rest an Behaglichkeit ausstrahlen sollte, aber total verloren wirkte an diesem ansonsten auf die Verrichtung ausgerichteten Ort. Oder die Bibel, in einem Plastikumschlag, die dort auf dem Tisch lag.

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Polizeigewahrsam für deutsch-türkischen Journalisten verlängert

 Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel befindet sich in der Türkei in Polizeigewahrsam © Can Merey/DPA
Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel befindet sich in der Türkei in Polizeigewahrsam © Can Merey/DPA
Seit bald einer Woche ist der deutsche Journalist Deniz Yücel in Polizeigewahrsam, wo er auf Antrag der Staatsanwaltschaft nun zunächst bleiben muss. Amnesty fordert die Behörden auf, Beweise für eine Straftat zu präsentieren – oder Yücel umgehend freizulassen.

stern.de

Der in der Türkei festgenommene „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel bleibt vorerst in Polizeigewahrsam. „Am Montag teilte die Polizei Yücels Rechtsanwälten mit, dass der Staatsanwalt die Verlängerung des Gewahrsams um weitere sieben Tage verfügt hat“, meldete die „Welt“. Der Journalist – der sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsbürgerschaft besitzt – hatte sich am vergangenen Dienstag bei der Polizei gemeldet, weil wegen Terrorverdachts nach ihm gefahndet wurde. Er war dann in Polizeigewahrsam genommen worden.

Während des Ausnahmezustands können Verdächtige in der Türkei sieben Tage in Polizeigewahrsam gehalten werden. Diese Frist wäre bei Yücel (43) am Dienstagnachmittag ausgelaufen. Der Gewahrsam kann – wie in seinem Fall geschehen – auf Beschluss des Staatsanwaltes um weitere sieben Tage verlängert werden. Spätestens nächste Woche Dienstag muss Yücel entweder freigelassen oder einem Haftrichter vorgeführt werden. Dieser Richter müsste dann über Untersuchungshaft entscheiden.

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Offener Brief des IBKA zum Berliner Neutralitätsgesetz

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(hpd)Der Landesverband Berlin-Brandenburg des Internationalen Bundes der Atheisten und Konfessionslosen e.V. (IBKA) hat an die Linksfraktion und die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen sowie den Justizsenator und den Kultursanator einen offenen Brief gesandt.

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Bestürzung haben wir, die Berliner Regionalgruppe des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) e.V., zur Kenntnis genommen, dass Sie das Kopftuch-Urteil des Landesarbeitsgerichtes (LAG) Berlin-Brandenburg zum Anlass nehmen wollen, das Berliner Neutralitätsgesetz aufzuweichen oder gar abzuschaffen. Als Begründung dafür geben Sie an, dass ein pauschales Kopftuchverbot nicht verfassungskonform sei.

Jedoch handelt es sich bei diesem Gesetz keinesfalls um das Verbot des Tragens von Kopftüchern und schon gar nicht um das Verbot eines Glaubens. Das Neutralitätsgesetz verlangt in seinem die Schule betreffenden Teil lediglich, dass Lehrkräfte und andere Beschäftigte mit pädagogischem Auftrag in den öffentlichen Schulen sich mit der Demonstration ihres Glaubens oder ihrer Weltanschauung zurückhalten. Es geht um das Verbot aller(!) religiösen und weltanschaulichen Symbole und Kleidungsstücke in wohldefinierten Situationen und Umgebungen. Auch ein Lehrer, der ein T-Shirt mit dem bekannten Marx-Zitat vom Opium des Volkes trüge, müsste es für die Dauer seiner dienstlichen Tätigkeit ablegen. Die klageführende Lehrerin jedoch wollte nicht einmal stundenweise für die Zeit des Unterrichts von Grundschulkindern auf die Demonstration ihres muslimischen Glaubens verzichten, obwohl auch ihr vermutlich klar ist, wie leicht beeinflussbar Kinder sind. Das lässt ernsthafte Zweifel aufkommen, ob der Lehrerin eine neutrale Erziehung der Kinder wirklich wichtig  ist. Andere Pädagogen können dieser Forderung im Interesse ihrer Schüler ohne weiteres nachkommen.

Es ist nicht nachvollziehbar, dass Grüne und Linke sich dafür einsetzen, einzelnen Interessengruppen zu gestatten, gegenüber unmündigen Kindern offensiv für ihre Ideologie zu werben. Der Erziehungs­wunsch konfessionsfreier Eltern wird in dieser Angelegenheit komplett ignoriert. Die Kinder selbst haben ein Recht darauf, Wissen zu erwerben und vor religiöser Beeinträchtigung geschützt zu werden. Und eine Lehrkraft mit Kopftuch, Kreuz oder Kippa mag vielleicht versuchen, sich neutral zu verhalten – durch das gesamte Erscheinungsbild wird immer eine Botschaft übermittelt. In diesem speziellen Fall die Botschaft, der Islam wäre eine wichtigere Religion als alle anderen, und muslimische Frauen haben die Pflicht, ein Kopftuch zu tragen.

Fatal ist auch die Auffassung, ein  Verbot von Kopftüchern an Schulen käme nur bei einer konkreten Störung des Schulfriedens in Frage. Eine solche Argumentation macht eine Störung des Schulfriedens geradezu erforderlich, um religiöse Symbole aus einer Schule zu verbannen. Abgesehen davon, dass es unseriös ist, politische Streitigkeiten auf dem Rücken der Kinder auszutragen – in der Konsequenz  leistet man damit einer Separierung der Schulen nach Glaubensrichtungen Vorschub. Lehrerinnen mit Kopftuch würden sich an Schulen konzentrieren, an denen Beispiele von Frauen, die sich religiösen Dogmen nicht unterwerfen, besonders nötig wären.

Das Neutralitätsgesetz auf ein Kopftuchverbot zu reduzieren oder gar als Glaubensverbot darzustellen, wäre eine Verfälschung der Tatsachen. Anders als in kirchlichen Einrichtungen wie Diakonie und Caritas, deren Betreibern es gestattet wird, ihre Angestellten zu christlichem Glauben und kirchengefälligem Privatleben zu verpflichten, dürfen staatliche Beamte und Lehrkräfte glauben, was sie wollen, oder es auch bleiben lassen. Mehr Religionsfreiheit geht nicht.

Das Berliner Neutralitätsgesetz trägt ganz wesentlich dazu bei, diese Freiheit zu schützen und ein gleichberechtigtes Zusammenleben von Menschen  aller Glaubens- und Denkrichtungen zu sichern. Sollte es aufgeweicht werden, dann würde auch die Neutralität kippen, dann würde eine Minderheit über neue Privilegien verfügen. Das ist kein Beitrag zu Integration. Deshalb fordern wir Sie auf, das Neutralitätsgesetz zu verteidigen.

Mit freundlichen Grüßen,
Silvia Kortmann, Wolfgang Mahnfitz, Frank Fuhlbrück
IBKA e.V. Landesverband Berlin-Brandenburg

Deniz Yücel – Opfer fragwürdiger Politik

© Reuters Proteste in Berlin gegen die Verhaftung des Journalisten Deniz Yücel durch die türkische Polizei
© Reuters Proteste in Berlin gegen die Verhaftung des Journalisten Deniz Yücel durch die türkische Polizei
Bei der Verhaftung des Korrespondenten Deniz Yücel geht es nicht nur um Journalismus. Auch auf politischer Ebene steht Einiges auf dem Spiel im Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland.

Von Michael Martens | Frankfurter Allgemeine

Wenn Menschen ungeschickt lügen, macht sie das oft sympathisch, liebenswert geradezu. Aber für das Auswärtige Amt wäre es vielleicht besser, wenn es einige weniger liebenswerte Leute in den eigenen Reihen hätte – zumindest in dem Fall, der hier geschildert werden soll. Eine Szene Mitte Januar, Ankara. Drei deutsche Journalisten unterhalten sich mit einer Person, die bei der deutschen Botschaft beschäftigt ist, über die Türkei. Es geht um das Verfassungsreferendum, den andauernden Ausnahmezustand, die Angst vor Terroranschlägen. Ein munteres Gespräch, offen werden Ansichten und Prognosen ausgetauscht, im Vertrauen natürlich, denn Diplomaten lassen sich nur selten zitieren, und in der Türkei in diesen Tagen schon gar nicht.

Als es um die Verfolgung von Journalisten geht, fragt ein Journalist in die Runde: „Was ist eigentlich mit Deniz Yücel? Der hat schon seit Wochen nichts mehr geschrieben.“ Yücel ist Türkei-Korrespondent der Tageszeitung „Die Welt“ mit Sitz in Istanbul – und seit Dienstag in Polizeigewahrsam. Seine Festnahme sorgt in Deutschland für Empörung. Als das Gespräch stattfand, war es schon mehr als einen Monat her, seit der letzte Artikel Yücels in der „Welt“ erschienen war. Und seltsam war, dass Yücel, eifriger Nutzer des Kurzmitteilungsdienstes Twitter, auch dort schwieg.

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Als erstes kam ein Gebührenbescheid

Die Trauer bleibt. Mit Blumen und Kerzen erinnert Berlin weiter an die Toten vom Breitscheidplatz.Foto: dpa/Jörg Carstensen
Die Trauer bleibt. Mit Blumen und Kerzen erinnert Berlin weiter an die Toten vom Breitscheidplatz.Foto: dpa/Jörg Carstensen
Bundespräsident Gauck und Innenminister de Maizière haben sich mit Angehörigen der Attentatsopfer vom Breitscheidplatz getroffen. Die kritisierten lange fehlende Informationen – aber einen schnellen Brief der Gerichtsmedizin.

Von Klaus Kurpjuweit | DER TAGESSPIEGEL

Der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck hat – ganz im Stillen – nochmals ein Zeichen gesetzt: Ohne Pomp hat er im Schloss Bellevue am Freitagnachmittag rund 50 Angehörige der Todesopfer des Attentats vom Breitscheidplatz empfangen und ihnen seine Anteilnahme ausgesprochen. Zwölf Menschen waren heute vor genau 2 Monaten getötet worden, eine offizielle Trauerfeier hatte es nicht gegeben. Gauck sowie der ebenfalls anwesende Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) versprachen nach Angaben von Teilnehmern, in Zukunft die Kommunikation bei ähnlichen Ereignissen – die nicht kommen sollten – zu verbessern.

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Schwingungen der Raumzeit

Günter Spanner Das Geheimnis der Gravitationswellen Verlag: Kosmos, Stuttgart 2016 ISBN: 9783440154137 19,99 €
Günter Spanner
Das Geheimnis der Gravitationswellen
Verlag: Kosmos, Stuttgart 2016
ISBN: 9783440154137
19,99 €

Der 14. September 2015 war ein besonderer Tag in der Geschichte der Physik. Er brachte den lang ersehnten direkten Nachweis von Gravitationswellen. Das sensationelle Ergebnis wurde allerdings fünf Monate lang geheim gehalten und erst am 11. Februar 2016 offiziell verkündet.

Von Wolfgang Steinicke | Spektrum.de

Nicht die lange Wartezeit ist erstaunlich – man benötigt sie, um die Daten zu prüfen und jeden erdenklichen Fehler auszuschließen –, sondern dass die rund tausend weltweit beteiligten Wissenschaftler so lange dichtgehalten haben. Offenbar steckte ihnen noch der Schock vom März 2014 in den Knochen. Damals hatten Kollegen voreilig gemeldet, Gravitationswellen des Urknalls im kosmischen Mikrowellenhintergrund nachgewiesen zu haben. Ein peinlicher Fehler, denn wie sich bald herausstellte, war eine banale „Verschmutzung“ in Form kosmischen Staubs die Ursache. Statt des erhofften Nobelpreises gab es weltweit Hohn und Spott.

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Wer bedroht unsere Gesellschaftsordnung?

Bild: bb
Bild: bb
Üblicherweise lautet die Antwort auf diese Frage, dass es der Rechtsextremismus sei, der unsere Gesellschaft bedroht, dass Parteien wie die NPD oder die AfD die Grundlagen unserer Verfassung in Frage stellen und aushöhlen würden.

Von Uwe Lehnert | Richard-Dawkins-Foundation

Zur NPD hat das Bundesverfassungsgericht jüngst erklärt, dass diese zwar verfassungswidrig, aber mangels Potenz und relevanter Anhängerschaft als Gefahr zu vernachlässigen sei. Was die AfD angeht, so wird diese Partei – von einigen im Zwielicht verfassungswidrigen Verhaltens sich bewegender Mitglieder abgesehen – vom Verfassungsschutz nicht als beobachtungsbedürftig eingeschätzt. Programm und Auftritte dieser Partei mögen rückwärtsgewandtes, in Teilen erzkonservativ-religiöses, europaskeptisches bis europafeindliches und nationalkonservatives bis nationalistisches Denken aufweisen – verboten sind solche Auffassungen nicht. Sie sind generell durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Verboten wären Aktivitäten, die gegen die verfassungsmäßige Ordnung gerichtet sind oder die Strafgesetze verletzen. Meinungsfreiheit schließt dennoch nicht aus, die politischen Ziele der AfD angesichts einer sich zunehmend multikulturell entwickelnden und global sich öffnenden Gesellschaft für falsch oder gefährlich zu halten.

Die eigentliche Gefahr für unsere freiheitsliebende, demokratische, offene, tolerante Gesellschaft geht von einer polit-religiösen Ideologie aus, die über Zuwanderung aus muslimisch geprägten Ländern zu uns gekommen ist und zusätzliche finanzielle und personelle Unterstützung aus dem muslimischen Ausland erhält. Dieser orthodoxe Islam wird vertreten in Deutschland zum Beispiel von der DITIB, einer von der türkischen Religionsbehörde in Ankara personell, finanziell und weisungsmäßig vollständig gesteuerten muslimischen Organisation. Ebenso zwielichtig einzuschätzen ist der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) unter der Führung von Aiman Mazyek. Ein Mitglied des ZMD ist die Islamische Gesellschaft in Deutschland (IGD). Für den bayerischen Verfassungsschutz ist die IGD ein Tarnverein für die islamistische und antidemokratische Muslimbruderschaft. Ein weiteres Mitglied im ZMD ist die Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa (ATIB), den wiederum der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz als Tarnverein den ultra-nationalistischen und faschistoiden Grauen Wölfen zuordnet. Von Milli Görüs, ebenfalls eine muslimische Organisation, ist bekannt, dass sie wiederholt ins Visier der deutschen Sicherheitsbehörden geraten ist. Dabei repräsentieren die verschiedenen muslimischen Verbände, die in erster Linie politisch agieren, dabei nur rund 15 Prozent der Muslime in Deutschland. Dennoch werden DITIB und ZMD bisher von der Bundesregierung als Vertreter »der« Muslime anerkannt und geradezu hofiert.

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Berlin verhindert Elternnachzug minderjähriger Flüchtlinge

Das Berliner Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten © MiG
Das Berliner Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten © MiG
Dem Berliner Koalitionsvertrag zufolge sollen Aufenthalt- und Asylrecht wohlwollend ausgelegt werden. In Wirklichkeit werden alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft, um Aufenthalte zu verhindern – selbst humanitär gebotene. Ein Fall aus der Praxis:

Von Tim Gerber | MiGAZIN

In einer juristischen Nacht- und Nebelaktion hat die Ausländerbehörde der Bundeshauptstadt den Nachzug eines syrischen Ehepaars zu ihrer minderjährigen Tochter in letzter Minute verhindert. SPD-Innensenator Andreas Geisel dürfte damit gegen die Koalitionsvereinbarungen mit Linken und Grünen verstoßen haben.

Es ist ein Schicksal wie so viele: Als sie zusammen mit ihren Eltern aus Syrien flüchten muss, ist das Mädchen 14 Jahre alt. Die Familie reist zunächst nach Ägypten, zweieinhalb Jahre später, im September 2015 fliegt sie allein zu ihrem „Verlobten“ in die Türkei. Der Mann, den sie aus ihrer Heimat nur „vom Sehen“ kennt, lässt sie allein dort zurück, sie schlägt sich „übers Meer“ durch bis nach Berlin. Sie wird vom Jugendamt der Hauptstadt „in Obhut genommen“, wie es im Amtsdeutsch heißt. Anfang April 2016 muss sie vor den Übergriffen ihres „Verlobten“ in einer Notunterkunft untergebracht werden. Im September 2016 wird sie vom Bundesamt als Flüchtling anerkannt, die Eltern der inzwischen 17jährigen sind noch immer in Ägypten auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat.

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Wie Winston Churchill über Aliens dachte

Winston Churchill hielt schon 1939 außerirdisches Leben für sehr wahrscheinlich - udn begründete auf erstaunlich moderne Weise, warum. © HG: NASA, Portrait: historisch
Winston Churchill hielt schon 1939 außerirdisches Leben für sehr wahrscheinlich – udn begründete auf erstaunlich moderne Weise, warum. © HG: NASA, Portrait: historisch
Erstaunlich modern: Schon vor gut 75 Jahren hielt der britische Premierminister Winston Churchill außerirdisches Leben durchaus für möglich – und begründete dies mit überraschend wissenschaftlichen Gedankengängen. Das belegt ein nie veröffentlichter Essay des Politikers aus dem Jahr 1939. Lange bevor der erste Exoplanet entdeckt wurde, spekulierte er schon über die Zahl fremder Planeten und die habitable Zone in einem Planetensystem.

scinexx

Winston Churchill ist heute vor allem als der britische Premier zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und als begnadeter Redner in Erinnerung. Doch der Politiker war auch ungewöhnlich stark an der Wissenschaft interessiert. Er traf sich regelmäßig mit Physikern, Astronomen und Ingenieuren und stellte 1940 als erster britischer Premierminister einen wissenschaftlichen Berater ein. „Zu einer Zeit, in der viele heutige Politiker von Wissenschaft nichts wissen wollen, finde ich diese Erinnerung besonders wichtig“, sagt der Astrophysiker Mario Livio.

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Frankfurter Freimaurer-Loge: Kein Geheimbund

Die Symbole der Freimaurer (Zirkel, Winkel, Hammer und Kelle) sind im Tor zur Loge in Frankfurt am Main zu sehen. Foto: dpa
Die Symbole der Freimaurer (Zirkel, Winkel, Hammer und Kelle) sind im Tor zur Loge in Frankfurt am Main zu sehen. Foto: dpa
Sie sollen Verschwörungen planen und okkulte Bräuche pflegen. Über Freimaurer kursieren viele Vermutungen. Um den Vorurteilen zu begegnen, öffnen sich die Logen inzwischen mehr nach außen. Und geben ab und zu einen kurzen Blick in ihr Innenleben frei.

Frankfurter Rundschau

Freimaurer haben einen geheimnisvollen Ruf. Viele Menschen wissen nicht, was sie eigentlich machen – auch weil die Freimaurer-Logen die Öffentlichkeit nicht gerade suchen. Doch sie sind aktiv, wenn auch unter dem Radar. Allein in Frankfurt gibt es acht Logen mit 438 Brüdern, wie sich die Mitglieder nennen.

Was machen Freimaurer? Am Mittwochabend gab es Gelegenheit, dazu etwas zu erfahren. Die Loge «Zur Einigkeit» feierte 275-jähriges Jubiläum. Londoner Diplomaten und Frankfurter Bürger gründeten sie im Jahr 1742. Es handelt sich um eine der ältesten Logen Deutschlands und die älteste in Frankfurt. Hessenweit gibt es nach Angaben des Dachverbands Vereinigte Großlogen von Deutschland 30 solche Zusammenschlüsse, im ganzen Bundesgebiet sind es rund 500 mit mehr als 15 000 Brüdern.

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Mosul: 750.000 Menschen sitzen „in der Falle“

Zerstörung In Mosul. Quelle: IS-Propagandaarm Amaq
Zerstörung In Mosul. Quelle: IS-Propagandaarm Amaq
Die UN hat ihre Hilfsleistungen für Mosul vorläufig eingestellt, weil die Sicherheitssituation die Fortsetzung momentan nicht zulasse, gab Lise Grande, zuständig für die Koordinierung der humanitären Hilfe im Irak, am Mittwoch bekannt.

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Die UN hat ihre Hilfsleistungen für Mosul vorläufig eingestellt, weil die Sicherheitssituation die Fortsetzung momentan nicht zulasse, gab Lise Grande, zuständig für die Koordinierung der humanitären Hilfe im Irak, am Mittwoch bekannt.

Dabei hat die Bevölkerung Hilfe und Versorgung dringend nötig. Im dicht bevölkerten Westteil der Stadt sollen 750.000 Menschen „in der Falle sitzen“, es komme kaum Nachschub durch, mahnt die Hilfsorganisation Oxfam. Deren Chef der Abteilung Irak, Andres Gonzales, fürchtet, dass demnächst alles noch viel schlimmer wird:

Die nächste Kampfphase bringt die höchsten Risiken für die Zivilisten. Der Gedanke, dass Familien inmitten schwerster Kämpfe festsitzen, besonders in den engen Straßen der Altstadt, ohne dass sie einigermaßen sicher fliehen könnte, ist eine entsetzliche Aussicht.

Andres Gonzales

Wie immer bei Städtekämpfen im Irak und in Syrien sind die Schätzungen der Einwohnerzahlen ungenau. Nicht zu übersehen ist, dass es um Leben und Leid einer sehr großen Zahl von Menschen geht. Knapp 162.000 Binnenflüchtlinge zählt der letzte Bericht der UN-Behörde OCHA. Die meisten von ihnen leben in den Lagern der Umgebung. Etwa 30.000 sollen in die Stadt zurückgekehrt sein, nachdem es hieß, dass der Ostteil Mosuls befreit worden sei.

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Islamistische Terrorgefahr: „Die Politik duckt sich weg“

„Auf allen Ebenen ist die Politik mit zweifelhaften islamischen Lobbyisten in Kontakt und oft sogar bereit, diese Leute vor Kritik zu schützen. Das ist gegenüber der Gesellschaft verantwortungslos.“ Sigrid Herrmann-Marschall gilt als Expertin in Sachen islamischer Fundamentalismus. Foto: Heike Lyding
„Auf allen Ebenen ist die Politik mit zweifelhaften islamischen Lobbyisten in Kontakt und oft sogar bereit, diese Leute vor Kritik zu schützen. Das ist gegenüber der Gesellschaft verantwortungslos.“ Sigrid Herrmann-Marschall gilt als Expertin in Sachen islamischer Fundamentalismus. Foto: Heike Lyding
Es ist was faul in Frankfurt und Umgebung. Staatsschutz und Polizei nehmen zunehmend islamische Vereine ins Visier und machen Razzien in Moscheen. Aber die für Integration zuständigen Politiker und Ämter bleiben passiv. Für Sigrid Herrmann-Marschall passt das ins Bild. Die Sozialdemokratin findet: Wenn es um Islamismus geht, versagt Kommunalpolitik an wichtigen Stellen. FNP-Mitarbeiter Mark Obert hat mit ihr über die Gründe gesprochen.

Frankfurter Neue Presse

Frau Herrmann-Marschall, haben Sie Feinde?

SIGRID HERRMANN-MARSCHALL: Mir schlagen Anfeindungen entgegen, ich erhalte auch Drohungen. Aber es ist nicht so schlimm und häufig, wie man meinen könnte. Obwohl mein Blog natürlich auch von Islamisten, Dschihadisten und Salafisten gelesen wird.

Sie decken seit drei Jahren in Ihrem Blog „Vorwärts und nicht vergessen“ Verbindungen von Moscheen und muslimischen Verbänden im Rhein-Main-Gebiet mit Hasspredigern und radikalen Gruppierungen auf. Wie kamen Sie dazu?

HERRMANN-MARSCHALL: Als politisch aktivem Mensch ist mir das zunehmende Problem mit dem Islamismus früh aufgefallen. Also habe ich mich entschieden, diese Verbindungen offen zu legen oder auf andere zu verweisen, die seriös recherchieren. Es ist mir wichtig, konkret zu benennen, auch um deutlich zu machen, wie ungerechtfertigt der Generalverdacht gegen Muslime ist. Die Debatte um Islam und Islamismus wird ja oft viel zu unkonkret geführt. Dadurch entsteht überhaupt erst diese diffuse Angst.

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Zwischen Political Correctness und alternativen Fakten

„Freedom of Speech“ von Ahdieh Ashram (flickr)
„Freedom of Speech“ von Ahdieh Ashram (flickr)
Debattenkultur heute. In wichtigen gesellschaftlichen Debatten ist das Sprechen miteinander einem Sprechen gegeneinander gewichen.

Von Felix Kruppa | Richard-Dawkins-Foundation

Nicht nur Verschwörungstheorien und Szenarien des Weltunterganges zeichnende Rechte, sondern auch linke Vertreter der Political Correctness, leisten durch das Übergehen von Fakten der politischen und gesellschaftlichen Lagerbildung Vorschub.

Experiment

Inwieweit würden Sie den einzelnen Aussagen zustimmen?

  1. Ideologien sind Systeme von Überzeugungen, die sich vor Kritik immunisieren, und darauf abzielen, Werte und Normen allgemeingültig durchzusetzen.
  2. Werte und Normen allgemeingültig durchzusetzen und sich dabei vor Kritik zu immunisieren, resultiert (historisch oft) in gefährlichen Konsequenzen.
    3. Monotheistische Religionen sind Ideologien
    4. Monotheistische Religionen sind gefährlich
    5. Das Christentum ist gefährlich
    6. Der Islam ist gefährlich.

Ich gehe davon aus, dass viele Leser den ersten Aussagen zustimmen, mit der Bejahung jeder weiteren Aussage (insbesondere Nr. 6) aber größere Schwierigkeiten haben. Wichtig ist vor allem, dass man die erste Definition von „Ideologie“ für sich annehmen kann. Der Begriff ist terminologisch schwer zu fassen, dürfte in der obigen Definition aber zumindest dem impliziten Wortverständnis vieler Menschen entsprechen. Alle weiteren Aussagen sind Extensionen (das ist die Menge der Gegenstände, die unter einen Begriff fallen) des Begriffes „Ideologie“. Und zwar weil monotheistische Religionen Intensionen bzw. Merkmale aufweisen, aufgrund derer sie als ideologisch bezeichnet werden können.

Gemeinsam haben sie die Merkmale meiner Arbeitsdefinition von „Ideologie“, die aus ihrem dogmatischen Charakter resultieren. Keine dieser Religionen kommt z.B. ohne das Dogma, also ohne unumstößlichen Wahrheitsanspruch aus. Auch benutzen sie einen metaphysischen Bezugsrahmen, um daraus gesellschaftliche Normen abzuleiten, die zudem für alle Zeiten gültig sein sollen. Infolgedessen sind also alle monotheistischen Religionen ideologisch. Mal abgesehen davon, dass es religiöse Narrative und Strömungen gibt, die mal mehr und mal weniger dogmatisch sind. Sie alle eint jedoch der absolute Wahrheitsanspruch. Hoch problematisch sind gerade deshalb Passagen in den „heiligen Schriften“, die zur Gewalt oder sogar Mord aufrufen. Die Zahl derer, die im Namen des Christentums oder des Islams töteten, ist groß. Je mehr Menschen eine Ideologie als Legitimationsgrundlage für die Anwendung von Gewalt benutzen (können), desto gefährlicher ist sie.

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Kirche und sexueller Missbrauch: Es ist ein Lügentheater

missbrauchWährend einer Veranstaltung beim ökumenischen Kirchentag in München, am 14.05 2010 als Pater Klaus Mertes zum Thema „Missbrauch“ sprach, hat der Vorsitzende von netzwerkB, Norbert Denef, seine Stimme für die vielen im Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt erhoben und lautstark gefordert:

„Beenden Sie diese Veranstaltung. Es ist ein Lügentheater. Treten Sie ab. Sie haben versagt.“

Pressemitteilung netzwerkB

Seitdem sind bald sieben Jahre vergangen. Eine Aufarbeitung der Verbrechen in der katholischen Kirche wird nach wie vor in Deutschland verhindert – unterstützt durch Politik und einer Justiz, die lieber die Augen verschließen wenn es um Gerechtigkeit geht.
In Australien hat die Justiz erschreckende Tatsachen öffentlich gemacht.
Die nun veröffentlichte Studie einer staatlichen Untersuchung durch eine Royal Commission, die auf höchster Ebene durch die australische Justiz geführt wird, hat 4500 Fälle von ‘sexuellem Missbrauch‘ von Kindern in den letzten 30 Jahren in mehr als 1000 kirchlichen Institutionen dokumentiert.

„Täter wurden von der einen in die andere Kirchengemeinde versetzt, statt sie zur Rechenschaft zu ziehen. So konnten sie ungehindert weitermachen, in einigen Fällen taten sie dies jahrzehntelang.“
Der Vorsitzende von netzwerkB, Norbert Denef, nimmt dazu wie folgt
Stellung:

Auch in Deutschland wurden die Täter in andere Gemeinden versetzt. Die Kardinäle und Bischöfe haben zu verantworten, dass aus Einzeltäter
Serientäter wurden.
Uns von netzwerkB liegt beispielhaft ein Fall vor, der diese von uns
erhobenen Vorwürfe gegen die katholische Kirche eindeutig nachweist. Der Fall ist dokumentarisch festgehalten; schriftliche Tätergeständnisse
liegen vor.

Bereits mehrfach haben wir den Bischof von Magdeburg, Dr. Gerhard Feige, der für den vorliegenden Fall Verantwortung trägt, gebeten, uns bei der Aufarbeitung zu unterstützen. Bischof Feige schweigt.

Den Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz Dr. Stephan Ackermann haben wir ebenfalls um Aufarbeitung gebeten. Auch Bischof Ackermann schweigt.

Liebe Vertreter von Presse, Funk und Fernsehen,

Sie haben uns in den vergangen Jahren immer wieder unterstützt, haben uns eine Stimme gegeben wo andere uns lieber wieder mundtod machen wollten.

Auch wenn es darum ging, der Politik zu verdeutlichen, dass es an der Zeit ist, das Schweigen zu beenden und gegen diese abscheulichen Verbrechen endlich etwas zu unternehmen, gaben Sie uns eine Stimme und haben darüber berichtet.

Leider hat das alles nicht viel gebracht, denn:

Kardinäle, Bischöfe und sonstige Würdenträger schweigen nach wie vor,
haben nicht das geringste Interesse an Aufarbeitung.
Die Politik hat mit einem ‚Missbrauchsbeauftragten‘, der keinerlei
Kompetenzen hat, sondern nur als Papiertiger auftreten kann, in der
Gesellschaft für Ruhe gesorgt.
Die Justiz denkt nicht daran und ist auch rechtlich von der Politik nicht
dazu befugt, die Verbrechen von damals aufzuklären.
Die Worte beim Kirchentag in München, im Mai 2010, treffen leider auch
heute zu:

„Beenden Sie diese Veranstaltung. Es ist ein Lügentheater. Treten Sie
ab. Sie haben versagt.“

Weiterführende Informationen:

SRF 06.02.2017 – Untersuchung in Australien:
http://www.srf.ch/news/international/sieben-prozent-der-katholischen-geistlichen-missbrauchten-kinder

ARD Brisant 14.05.2010 – Ökumenischer Kirchentag in München:
https://youtu.be/GEPjxAul2TA

Brief an Bischof Ackermann vom 23.09.2016:
http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2016/11/2016-09-23_an-Bischof-Ackermann.pdf

Waffenexporte: Kinder schießen mit deutschen Gewehren

 Ein Unicef-Transitzentrum für frühere Kindersoldaten im ostkongolesischen Goma. (Foto: dpa)
Ein Unicef-Transitzentrum für frühere Kindersoldaten im ostkongolesischen Goma. (Foto: dpa)
  • Das Bündnis Kindersoldaten stellte eine Studie vor, die den Zusammenhang zwischen deutschen Waffenexporten und dem Einsatz von Kindersoldaten untersucht.
  • Im vergangenen Jahr genehmigte die Bundesregierung dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge Kleinwaffenexporte in Höhe von 47 Millionen Euro.

Süddeutsche.de

Michael Davis weiß, wovon er spricht. Als 16-Jähriger wurde er in Sierra Leone von einer Rebellengruppe zwangsrekrutiert und kämpfte als Kindersoldat. Sie gaben ihm eine Waffe in die Hand und er hat geschossen. „Ich habe ein G3-Gewehr benutzt“, sagt er. Das G3 gehört zu den häufigsten Sturmgewehren der Welt. Hergestellt wird es von der deutschen Rüstungsfirma Heckler & Koch aus Oberndorf am Neckar.

Nach vier Jahren an der Front gelang Davis die Flucht, inzwischen lebt der heute 38-Jährige in Deutschland und engagiert sich im Deutschen Bündnis Kindersoldaten, einem Zusammenschluss von Terre des hommes, Brot für die Welt und weiterer Organisationen. Vergangene Woche stellte das Bündnis in Berlin eine Studie vor, die den Zusammenhang zwischen deutschen Waffenexporten und dem Einsatz von Kindersoldaten untersucht. Etwa eine Viertelmillion Minderjährige kämpfen Schätzungen zufolge in den Konflikten der Welt. Und fast überall, wo geschossen wird, trägt ein Teil der Waffen das Label „Made in Germany“.

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Zika: Das Virus bleibt gefährlich

Vor allem in Lateinamerika, wie hier in Brasilien, werden viele Kinder mit Fehlbildungen geboren, deren Mütter sich in der...Foto: dpa/Antonio Lacerda
Vor allem in Lateinamerika, wie hier in Brasilien, werden viele Kinder mit Fehlbildungen geboren, deren Mütter sich in der…Foto: dpa/Antonio Lacerda
Forschern ist erstmals eine konkrete Risikoabschätzung zu Missbildungen bei Embryos gelungen, die sich im Bauch der Mutter mit Zika infizierten. Die WHO verspricht Impfstoffe für 2020.

Von Hermann Feldmeier | DER TAGESSPIEGEL

Vor einem Jahr griff die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Anbetracht der dramatischen Ausbreitung des Zikavirus in Süd- und Mittelamerika zu einer äußerst selten genutzten Maßnahme und rief den internationalen Gesundheitsnotstand aus. Auslöser für die Alarmierung der Öffentlichkeit war die Beobachtung brasilianischer Frauenärzte über einen möglichen Zusammenhang zwischen einer Zikavirus-Infektion während der Schwangerschaft und Gehirnfehlbildungen des Kindes. Wie hoch allerdings das Missbildungsrisiko ist, blieb bislang unklar. Eine in dem Fachblatt „Journal of the American Medical Association“ veröffentliche Studie ermöglicht nun erstmals eine konkrete Risikoabschätzung.

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Schweiz erleichtert Einbürgerung von Einwanderern der dritten Generation

Im Hauptbahnhof von Zürich hängen Plakate gegen die erleichterte Einbürgerung junger Ausländer.Foto: dpa
Im Hauptbahnhof von Zürich hängen Plakate gegen die erleichterte Einbürgerung junger Ausländer.Foto: dpa
Die Schweiz zeigt sich weltoffen. Bei einem Volksentscheid stimmte eine Mehrheit für eine erleichterte Einbürgerung der Enkel von Einwanderern. Die rechte SVP scheiterte mit ihrer Angstkampagne.

Von Jan Dirk Herbermann | DER TAGESSPIEGEL

Eine klare Mehrheit der Eidgenossen stimmte am Sonntag für die erleichterte Einbürgerung junger Ausländer der dritten Generation. Damit folgen die Schweizer einem Vorschlag ihrer Regierung – und die Bürger des kleinen, reichen Landes demonstrierten, das sie in der Ausländerpolitik auch auf pragmatische Lösungen setzen. Eine ähnliche Initiative zur erleichterten Einbürgerung war noch 2004 gescheitert.

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Atheism or Non-Theism?

Excerpt from The Secular Outlook: In Defense of Moral and Political Secularism, by Paul Cliteur (Wiley-Blackwell, 2010). Reprinted with permission from the author.

By Paul Cliteur | Church and State

From Chapter 1: Atheism, Agnosticism, and Theism

Atheism or Non-Theism?

In other words, atheism seems to be superior to agnosticism. Does that mean that atheism is the best position? In a certain sense it is. Atheism in the sense defined before is highly defensible. The only problem is, hardly anybody follows the semantic convention that I, following Nagel and others, have proposed. In popular parlance atheism is associated with all kinds of negative ideas and attitudes, especially due to the way it can be defended (and undoubtedly has been defended). Atheists have a reputation for being arrogant, militant, missionary, zealous, and also impolite if not rude. For that very reason George Jacob Holyoake coined the word “secularism.”

George Jacob Holyoake (1817-1906) is most famous nowadays for his trial on the grounds of “blasphemy.”[183] During one of his lectures in Cheltenham he was confronted with a question from the audience about man’s duty to God. Holyoake’s response was that England was too poor to have a God. So it would not be a bad idea to put Him on “half pay.” For this remark he was convicted of blasphemy and sentenced to six months in jail. After his release he returned to Cheltenham. There he reiterated the exact words that had gotten him into trouble the first time.

Less well known is the fact that Holyoake coined the word “secularism.” He did this because he was convinced that “atheism” was in bad repute. He defined secularism as concern with the problems of this world. He summarized his position in the following words:

(1) Secularism maintains the sufficiency of Secular reason for guidance in human duties. (2) The adequacy of the Utilitarian rule which makes the good of others, the law of duty. (3) That the duty nearest at hand and most reliable in results is the use of material means, tempered by human sympathy for the attainment of social improvement. (4) The sinlessness of well-informed sincerity. (5) That the sign and condition of such sincerity are – Freethought – expository speech – the practice of personal conviction within the limits of neither outraging nor harming others.[184]

Holyoake may have been a learned man but he did not possess the gift of making snappy phrases. Nevertheless, in one respect he was right: the concept of “atheism” is hopelessly tainted with negative images, and any author who wants to put this epithet on the banner advertising his lifestyle is confronted with almost insurmountable difficulties. He is constantly obliged to explain his use of the term “atheism” while his audience reacts by saying: “All right, but is not atheism also …?” And then the whole litany against atheism starts all over again: isn’t it a bit arrogant to pretend to know that God does not exist? (Answer: the atheist does not proclaim that God does not exist, he affirms that the reasons to believe in his existence are inadequate.) Why are people not allowed to believe in God? (Answer: atheists are not against free speech or against freedom of conscience or freedom of religion; they only claim the right to disagree with anyone who affirms the existence of God.) Isn’t atheism a bit arrogant? (Answer: atheism is no more arrogant than agnosticism or theism. The “arrogance” is not in the position itself, but in the way that people hold their opinions: that is, if people are dogmatic or not willing to discuss their views. Atheists are usually fond of discussions.)[185]

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Warum Rita Wiederhold ihrem Leben selbst ein Ende setzte

Rita Wiederhold litt an einer tödlichen Nervenkrankheit. Sie wollte nicht leiden, wollte kein Pflegefall werden. Deshalb hatte sie vor langer Zeit beschlossen, den Zeitpunkt ihres Todes selbst zu wählen. Durch Sterbehilfe. Doch in Deutschland ist das nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

stern.de

Rita Wiederhold hatte den Zeitpunkt ihres Todes geplant. Die 69-Jährige setzte ihrem Leben nach einer letzten gemeinsamen Reise mit ihrer Familie vor einigen Wochen ein Ende. Sie wollte es nicht anders, hatte sie bereits vor über einem Jahr bei stern TV erklärt: „Das ist einfach ein langes Sterben. Warum soll ein Mensch so etwas ertragen?“
Rita Wiederhold litt an Amyotropher Lateralsklerose, kurz ALS – einer tödlichen Nervenkrankheit, die nach und nach den gesamten Körper lähmt und nach wenigen Jahren unweigerlich zum Tod führt. Zuletzt setzt die Atemmuskulatur aus. Das hatte Rita Wiederhold bei ihrer älteren Schwester erlebt, die ebenfalls an ALS erkrankt und 2012 daran gestorben war. „Sie wurde künstlich ernährt und beatmet. Sie konnte keinen Finger mehr bewegen, konnte nicht mehr sprechen“, erinnerte sich Rita Wiederhold. „Warum muss ein Mensch das aushalten? Das ist doch kein Leben mehr, das ist eigentlich nur Siechtum“, so ihre Meinung.

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