Archiv der Kategorie: Humanismus

Gehören Religionen zu Deutschland?

Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Eine gespenstisch rückschrittliche Vorstellung hat in Deutschland erneut Konjunktur. Der untote Wiedergänger intellektuellen Versagens ist nur unzureichend in der Aussage wiedergegeben, das Christentum gehöre zu Deutschland. Denn trotz der Uneinigkeit in der Einschätzung des Islam besteht doch der verbindende Konsens zwischen allen politischen Lagern in der noch weitergehenden Idee, das Christentum sei für Deutschland prägend und eine wichtige Säule seines Gemeinwesens.

Von Peter Heller | Achgut.com

Das Verharren großer Teile der muslimischen Welt in mittelalterlichen gesellschaftlichen Zuständen wird korrekterweise auf die dort herrschende Religion zurückgeführt. Naheliegend und begründet scheint daher, die ebenso klar erkennbare Fortschrittlichkeit der westlichen Welt als Auswirkung eines anderen, vermeintlich humaneren oder gar aufgeklärteren Glaubens anzusehen. Ein fahrlässiger Irrtum.

Nicht die Religion sondern die Geografie hat uns geholfen

Auf die Frage, warum gerade wir individuelle Freiheitsrechte (noch immer) so viel höher einschätzen, warum gerade wir auf so viel mehr künstlerische, technische und wissenschaftliche Höchstleistungen zurückblicken können, warum gerade wir vom Verbrennungsmotor bis zum Computer alles entwickelt haben, was die Technosphäre heute prägt, warum gerade wir zum Mond geflogen sind und islamisch geprägte Länder eben nicht, gibt es eine klügere Antwort: Die Geographie hat es entschieden, der glückliche Zufall unserer besonderen Position auf der Weltkarte.

Der Handel unterscheidet Menschen von Tieren. Die Fähigkeit zum gleichzeitigen Austausch unterschiedlicher Dinge zum gegenseitigen Vorteil, die Möglichkeit zur Kooperation bei unterschiedlichen Zielen, ist der Gattung Homo einzigartige Eigenschaft. Es mag Löwen geben, die sehr geschickt im Erlegen von Antilopen sind, denen aber Zebras einfach mehr munden. Es mag Löwen geben, bei denen sich dies genau entgegengesetzt verhält. Ein Treffen zweier solcher Löwen in der Savanne, die ihre jeweiligen Jagdbeuten miteinander austauschen, Antilope einer- und Zebra andererseits, wurde noch nie beobachtet. Für menschliche Jäger hingegen wäre ein solches Verhalten selbstverständlich. Der Handel schafft die Möglichkeit zur Arbeitsteilung, durch die spezifische Talente einzelner Individuen der gesamten Gruppe zur Verfügung stehen. Der Handel, der neben physischen Gütern auch Ideen und Konzepte betrifft, induziert Innovationen, die selbst als Waren dienen oder schlicht die Verteilung und Verbreitung solcher vereinfachen.

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Pastorin: „Ich glaube nicht an das menschliche Konstrukt eines Gottes“

Gretta Vosper, Bild: FB

Geht das: Atheistin sein und trotzdem Pastorin einer Kirchengemeinde? Die größte protestantische Kirche in Kanada will das in Kürze entscheiden. Der Pfarrerin der „West Hill“-Gemeinde in Toronto, Gretta Vosper, droht der Rauswurf.

Von Konrad Ege | evangelisch.de

Sie sei Atheistin, bekennt die 57-jährige Pastorin Gretta Vosper von der United Church of Canada (UCC) – ohne Wenn und Aber. „Ich glaube nicht an das menschliche Konstrukt eines Gottes“, sagt sie dem Evangelischen Pressedienst (epd). Jesus sei eine geschichtliche Figur und die Bibel „ein fehlerhaftes menschengeschriebenes Buch“.

Ihre „West Hill“-Gemeinde hält zu ihr, denn viele Mitglieder sind offenbar gemeinsam unterwegs mit ihrer Pastorin. Beim wöchentlichen Zusammenkommen verzichten die rund 100 Mitglieder auf die Bibel und das „Vater Unser“. In einem „Missionsauftrag“ der Gemeinde heißt es: „Aus Ehrfurcht vor dem Leben streben wir nach Gerechtigkeit für alle, wir stärken einander bei der Suche nach Wahrheit.“

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Martin Luthers Skandalbuch: „Von den Juden und ihren Lügen“

Bild: RDF
Seit 2008 feiert die Evangelische Kirche Deutschlands die „Lutherdekade“ und wird nicht müde, das Konterfei des Reformators bei jeder Gelegenheit zu präsentieren. Dabei hat sie allerdings ein erhebliches Problem: der Reformator war der wirkmächtigste Judenhasser bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.

Richard Dawkins-Foundation

Unter seinen judenfeindlichen Hetzschriften sticht sein Buch „Von den Juden und ihren Lügen“ von 1543 in makabrer Weise hervor. Darin entwickelte er sein berüchtigtes Sieben-Punkte-Programm zur Beseitigung des Judentums in Deutschland, das knapp 400 Jahre später von den Nationalsozialisten bereitwillig kopiert und ergänzt wurde:

  • Verbrennen ihrer Synagogen
  • Zerstörung ihrer Häuser und Zwangsunterbringung wie Zigeuner
  • Wegnahme ihrer religiösen Bücher
  • Lehrverbot für Rabbiner bei Androhung der Todesstrafe
  • Aufhebung der Wegefreiheit
  • Zwangsenteignung
  • Zwangsarbeit

Hatte der Philosoph Karl Jaspers also Recht, als er bemerkte: „Was Hitler getan, hat Luther geraten, mit Ausnahme der direkten Tötung durch Gaskammern“? Das „Meisterwerk“ des Reformators macht in bedrückender Weise deutlich, dass religiöse und nichtreligiöse Elemente seines Judenhasses nicht von einander zu trennen sind.

Bernd P. Kammermeier (Filmproduzent) stellt die Neuausgabe dieses Skandalbuches (erstmals in heutigem Deutsch) vor, das er gemeinsam mit Karl-Heinz Büchner, Reinhold Schlotz und Robert Zwilling im Alibri Verlag herausgegeben hat. Dabei wird auch auf die fatale Rolle des gefeierten Reformators bei der Verbreitung der Judenfeindschaft in Europa und seine furchtbare Wirkung bis in die jüngste Vergangenheit des Dritten Reiches hingewiesen.

Die vier Herausgeber zeigen, dass Luthers Antisemitismus – in Theologenkreisen euphemistisch „Antijudaismus“ genannt – keineswegs rein theologisch begründet ist, sondern – untrennbar miteinander verwoben – auch rassistische Merkmale aufweist. Das scheint besonders bedenklich angesichts der Feierlichkeiten um den Reformator im nächsten Jahr, dem Höhepunkt der „Lutherdekade“, die mit 150 Mio. € – größtenteils aus dem allgemeinen Steueraufkommen – zelebriert wird.

Wo:
Haus der Wissenschaft
Sandstr. 4/5
DE-28195 Bremen

Wann:
Freitag, 10. Juni 2016, 19:00 Uhr
(Einlass 18:00 Uhr)

Eintritt frei (Voranmeldung erwünscht, aber nicht erforderlich)
Kontakt: joerg@richarddawkins.net

Humanismus: Grundbegriffe

„Humanismus“ ist eine kulturelle Bewegung, ein Bildungsprogramm, eine Epoche, eine Tradition, eine Weltanschauung, eine Form von praktischer Philosophie, eine politische Grundhaltung, welche für die Durchsetzung der Menschenrechte und für humanitäre Praxis eintritt.

Humanistischer Verband Deutschlands

Das neue Kompendium erfasst die einfachen und allgemeinen Begriffe in ihrem Zusammenhang und stellt den Nutzen für die Erkenntnis gegenwärtiger Probleme in Medizin, Ethik, Ökonomie, Recht und Politik dar. Der Band enthält einen systematischen Teil und einen Teil mit den Grundbegriffen. Die verschiedenen Richtungen und Institutionen der humanistischen Bewegung in Geschichte und Gegenwart werden im Umriss sichtbar gemacht und die neuen Felder und Aufgaben gezeigt, die der Humanismus-Forschung durch die Entwicklung der modernen Medizin, der Menschenrechtspolitik und der Geschlechterstudien, der digitalen Revolution und der Globalisierung entstanden sind. Das humanistische Erbe aus Antike, Renaissance und Aufklärung wird kritisch mit diesen neuen globalen Anforderungen vermittelt.

Humanismus: Grundbegriffe versammelt neben einem knappen systematischen Teil vor allem kurze und prägnante Artikel zu insgesamt 38 Grundbegriffen: Von Arbeit, Aufklärung, Feier/Fest, Glück über Humanitäre Praxis, Liebe, Menschenrechte/Menschenwürde bis zu Religionskritik, Seelsorge, Wahrheit und Zweifel. Der Band resümiert einschlägige wissenschaftliche Arbeiten der letzten Jahre und stellt eine solide Grundlage nicht nur für weitere Forschungen, sondern auch für den praktischen Humanismus dar.

Für Getränke und einen kleinen Imbiss ist gesorgt. Um Anmeldung wird gebeten: info@humanistische-akademie-berlin.de

7. Juni 2016 – 17:0020:00

Buchvorstellung mit den Herausgebern Prof. Dr. Dr. h.c. Hubert Cancik, Dr. phil. habil. Horst Groschopp und Prof. Dr. phil. habil. Frieder Otto Wolf.

Kontexte und Perspektiven radikaler Philosophie

Frieder Otto Wolf lehrt Philosophie an der Freien Universität Berlin und ist u.a. Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands.

Fünfte Vorlesung: Rückfragen und Kritiken (1): Stefania Maffeis: Ansatz der transnationalen Ideenzirkulation als Impuls für die radikale Philosophie – Für eine Präzisierung der „Frage nach der Frage“

Frieder Otto Wolf

Download: Folien zur Vorlesung | AUDIODATEI

Warum der orthodoxe Islam mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist

Uwe Lehnert, Bild: freigeist-weimar.de

Uwe Lehnert ist vor allem durch sein Buch „Warum ich kein Christ sein will – Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung“ bekannt. Er äußert sich auch regelmäßig zu religions- und kirchenkritisches Themen.

Von Uwe Lehnert | Richard Dawkins-Foundation

Warum der orthodoxe Islam mit dem Grundgesetz nicht vereinbar und daher als verfassungswidrig einzustufen ist

Zwei Feststellungen möchte ich meinem Beitrag vorausschicken:

1. Eine ausländerfeindliche und fremdenfeindliche Einstellung ist generell abzulehnen. Insofern verurteile ich Äußerungen, wie sie vielfach von rechtsextremer Seite verbreitet werden. Wenn meine im Folgenden dargelegten Gründe einer den orthodoxen Islam ablehnenden Einstellung auch z.B. mit Positionen der Partei AfD übereinstimmen, kann mich das nicht abhalten, diese Positionen dennoch aufrecht zu erhalten. Ich habe auch partielle Übereinstimmungen in der Sicherheits-, Wirtschafts- oder z.B. Bildungspolitik mit der CDU, der SPD oder z.B. den LINKEN und stimme doch mit diesen Parteien in wesentlichen Fragen nicht überein.

2. Ich habe eine generell religionskritische Einstellung und lehne für mich speziell die Lehre des Christentums ab. Die Gründe dafür habe ich ausführlich in meinem Buch dargelegt »Warum ich kein Christ sein will – Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung« (Tectum-Verlag, 2015, 6. Auflage). Aus weitgehend den gleichen wissenschaftlichen, philosophischen und weiteren sachlichen Gründen lehne ich auch den Islam als Religion ab. Dennoch akzeptiere ich selbstverständlich Menschen, die dem Christentum oder dem Islam anhängen, als gleichberechtigte Bürger, dann nämlich, wenn sie ihren Glauben ohne Anspruch auf allgemein politisch-gesellschaftliche Verbindlichkeit als ihre private Angelegenheit betrachten.

Warum lehne ich den Islam, wie er sich weltweit und in zunehmendem Maße auch in Europa und Deutschland ausbreitet, als Religion ab? Warum ist der Islam, wie er im Koran beschrieben wird, mehr als ein religiöser Glauben, dem nicht die Religionsfreiheit gewährt werden kann, wie sie im Grundgesetz verbürgt wird?

Die von den Repräsentanten des Islam vertretene Glaubenslehre ist eine polit-religiöse Ideologie, die über ihr spirituelles Angebot hinaus den Anspruch erhebt, das individuelle wie das gesamtgesellschaftliche Leben nach den Vorgaben des Koran, der Hadithe (Überlieferungen) und der Scharia verbindlich zu gestalten. Dieser Anspruch ist grundgesetzwidrig, insbesondere weil er alle Mitglieder einer Gesellschaft einbezieht, unabhängig davon, ob sie sich zum Islam bekennen oder nicht.

In den Ländern Europas, in denen der Islam noch keine Möglichkeit hat, seine aus dem Koran abgeleiteten Forderungen politisch durchzusetzen, begnügt man sich muslimischerseits, diese vorerst nur auf muslimische Glaubensangehörige anzuwenden. In Ländern, in denen der Islam zur Staatsreligion erhoben wurde – viele Länder des arabischem Raums, Beispiel Saudi-Arabien, auch einige ostasiatische –, gelten die islamischen Gesetze grundsätzlich für alle Bürger, gleichgültig welchen Glaubens oder Nichtglaubens sie sind.

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Richterbund: „Das deutsche Recht ist im Sinkflug“

grundgesetz

Die Politik beuge Gesetze und die Bevölkerung orientiere sich an selbst gestrickten Vorstellungen von Gerechtigkeit, meint Jens Gnisa, Chef des Richterbunds. Er sieht schwarz für die deutsche Justiz.

Von Hannelore Crolly | DIE WELT

Kürzlich wagte sich der Richter Jens Gnisa in eine heikle Talkrunde von Frank Plasberg. Die „Hart aber fair“-Sendung rang um die Frage, wann eigentlich Gerichtsurteile gerecht sind. Wie ein Gericht junge Raser, die bei illegalen Autorennen Menschen getötet haben, mit Bewährung heimschicken kann. Wieso ein folgenloser Überfall mit Schreckschusspistole womöglich weit schärfer bestraft wird als ein Einbruch mit Verwüstungen, die die Opfer nachhaltig traumatisieren. Und grundsätzlich: Wie es so weit kommen konnte, dass jeder zweite Deutsche laut einer Allensbach-Umfrage unsere Justiz als zu lasch empfindet.

In der TV-Debatte ging es, ganz gemäß dem Motto, hart zur Sache. Ein Opfervater warf Gnisa und seinen Richterkollegen indirekt vor, den Wert eines Menschenlebens zu gering einzuschätzen. Ein Polizeigewerkschaftler stellte infrage, ob noch alle Urteile „im Namen des Volkes“ gesprochen werden dürften. Doch wirklich verblüfft, ja erschreckt hat Gnisa erst das, was nach der Sendung folgte.

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„Privilegien der Kirchen noch zeitgemäß?“

Donnerstag, 30. Juni 2016 19 bis 21 Uhr

Robert-Havemann-Saal im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin

 Humanistische Union

Jedes Jahr zahlen die Länder – außer Bremen und Hamburg – zusammen über 500 Millionen Euro sog. Staatsleistungen an die beiden Kirchen. Diese Zahlungen, vor 200 Jahren als Entschädigung für Folgen der Säkularisation gedacht, sind kaum mehr zeitgemäß. Demnächst berät der Deutsche Bundestag erstmals über einen Gesetzentwurf, wonach die Grundsätze für eine Ablösung der Staatsleistungen diskutiert werden sollen.

Über die Befreiung der beiden christlichen Kirchen von diversen Steuern und Gebühren wollen wir ebenso diskutieren wie über den Einzug der Kirchensteuer durch den Staat und darüber, dass staatliche Subventionen an Kirchen und deren Einrichtungen nicht der Prüfung durch Rechnungshöfe unterliegen.

Das Grundgesetz legt dem Staat „weltanschaulich-religiöse Neutralität auf. Es verwehrt die Einführung staatskirchlicher Rechtsformen und untersagt auch die Privilegierung bestimmter Bekenntnisse“, stellte das Bundesverfassungsgericht bereits in einem Urteil vom 14.12.1965 fest. Welche Widerstände gibt es in den Parteien gegen die Umsetzung dieses Verfassungsgebotes? Und nicht zuletzt: Wie verhalten sich die beiden Kirchen zu dieser Diskussion?

Darüber wollen wir diskutieren mit:

  • Oberkirchenrat Dr. Stephan Iro, Stellvertreter des Bevollmächtigten des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union
  • Dr. Martina Köppen, als Leiterin des Katholischen Büros Berlin-Brandenburg verantwortlich für die Kontakte zu Parlament, Regierung und Verwaltung in Berlin und Brandenburg
  • Johann-Albrecht Haupt, Mitglied des Beirates der Humanistischen Union und Autor eines Gesetzentwurfs zu den Grundsätzen der Ablösung der Staatsleistungen
  • Christine Buchholz (religionspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag / angefr.)
  • Bettina Jarasch, Mitglied im Bundesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen, Vorsitzende des Landesverbandes Berlin sowie der Kommission „Weltanschauungen, Religionsgemeinschaften und Staat“
  • Moderation: Jürgen Roth, Beirat der Humanistischen Union und Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Säkulare Grüne Berlin.

Unter dem Motto „Menschenrechte aktuell“ veranstalten das Haus der Demokratie und Menschenrechte, die Internationale Liga für Menschenrechte e.V. und die Redaktion der Zeitschrift Ossietzky jeweils am letzten Donnerstag des Monats einen Diskussionsabend mit kleinem Buffet (Brot und Käse, Wasser und Wein). Der Eintritt ist frei, eine Voranmeldung nicht notwendig.

Die Veranstaltung wird von der Humanistischen Union unterstützt.

Homöopathie: Schluss mit dem Hokuspokus

Ab Donnerstag treffen sich in Bremen über 500 Ärzte zum 165. Homöopathie-Kongress. Dass Mediziner im 21. Jahrhundert noch immer solchen Aberglauben pflegen ist ein Skandal, meint Fabian Schmidt in seinem Kommentar.
 

Von Fabian Schmidt | Deutsche Welle

Die Homöopathie ist eine obskure Irrlehre. Vermeintliche Heilungserfolge erklärt sie mit einem mystisch-magischen „Gedächtnis des Wassers“, mit „Energie“ und „Schwingungen.“ Dieser Hokuspokus ist um nichts wissenschaftlicher als die Geisterbeschwörungen der Santeria-Vodoo-Priester in Haiti.

Homöopathie ist durch die moderne Medizin eindeutig widerlegt. Damit gehört diese Ideologie allerhöchstens noch ins Gruselkabinett medizinhistorischer Forschung. Am besten legt man sie ganz hinten im letzten Regal ab – weit versteckt hinter den verstaubten, in Alkohol eingelegten Exponaten aus der pathologischen Sammlung von Rudolf Virchow. Denn dessen Grusel-Fundstücke sind immerhin noch ein Teil echter wissenschaftlicher Forschung gewesen und haben vor über einem Jahrhundert den Grundstein gelegt für die heutige moderne Medizin.

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Towel Day: Don’t panic

towel_day

Auch der Reiseführer Per Anhalter durch die Galaxis erwähnt den Alkohol. Da steht, der beste Drink, den es gibt, ist der Pangalaktische Donnergurgler.
Da steht, die Wirkung eines Pangalaktischen Donnergurglers ist so, als werde einem mit einem riesigen Goldbarren, der in Zitronenscheiben gehüllt ist, das Gehirn aus dem Kopf gedroschen.

(Per Anhalter durch die Galaxis)

Douglas Adams

Spaghettimonsterkirchentag in Leipzig

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Vom 25. bis zum 29. Mai findet in Leipzig der 100. deutsche Katholikentag statt. Dabei werden mindestens 30.000 Besucher erwartet, die an Gottesdiensten und Veranstaltungen wie Speakers Corner – Say Something Nice, Fürbitte 2.0 – Werden Sie Ihre Sorgen und Wünsche los und Gebet XXL – Nehmen Sie Platz teilnehmen.

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Das kostet insgesamt 9,9 Millionen Euro, die nur zu einem knappen Drittel aus Beiträgen, Merchandise-Vekäufen und Spenden hereingewirtschaftet werden. Der Rest kommt von der Kirche und dem Staat. Die deutschen Bistümer zahlen mit 2,1 Millionen aber deutlich weniger dazu als die öffentliche Hand, die die Veranstaltung mit 500.000 Euro Bundes-, 3.000.000 Euro Landes- und 1.000.000 Stadtmitteln unterstützt.

Mit diesem städtischen Millionenzuschuss sind nicht alle Leipziger einverstanden. Die Piratenpartei-Stadträtin Ute Gabelmann hat deshalb eine Gegenveranstaltung organisiert. Die soll den Kirchentag nicht stören, aber Aufmerksamkeit erzeugen – mit einer Open-Air-Nudelmesse der Religionsparodie Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters, die am Sonntag um 11 Uhr 30 Uhr parallel zum katholischen Kirchentagsabschlussgottesdienstes auf dem Augustusplatz an der Ecke Radisson-Hotel stattfindet.

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Auf dem Weg zu einer emanzipatorischen politischen Alternative

Frieder Otto Wolf lehrt Philosophie an der Freien Universität Berlin und ist u.a. Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands.

Zur Eröffnung einer Strategie-Tagung der grünen emanzipatorischen Linken in Frankfurt am Main sprach ich über mögliche Wege zu einer emanzipatorischen Alternative, die aus der gegenwärtigen großen und komplexen Krise herausführen können.

Von Frieder Otto Wolf

Nachdem ein links-links-grünes „Crossover“ nicht mehr als unmittelbare Handlungsoption erscheint, erinnerte ich an die Devise der Oral-History-Bewegung: „Grabe wo Du stehst!“ Dies heißt, jetzt gehe es darum, neben der breiten Bündnisarbeit gegen den drohenden Rechtspopulismus ganz spezifisch deutlich zu machen, welche wichtigen und vielfältigen konkreten Alternativen immer noch zu entwerfen und zu erkämpfen sind.

Das bessere Argument sticht – wieso beim Glauben nicht?

Wettbewerb der religiösen Interpretationen täte not: Panorama von Jerusalem. Bild: Keystone
Der Philosoph Carlos Fraenkel erprobte sein atheistisches Weltbild mit gläubigen Studenten. Dabei stiess er an die Grenzen rationaler Argumentation.

Von Guido Kalberer | Basler Zeitung

Wenn man sich unter Gleichgesinnten bewegt, versteht sich vieles von selbst. Wir brauchen uns mit Begründungen, wieso wir uns so und nicht anders verhalten, nicht besonders anzustrengen. Bloss: Auf diese Weise erfahren wir wenig über die Bedingungen und Voraussetzungen, die unser Denken und Handeln prägen – und damit auch über uns selbst.

Mehr über die impliziten «ungeprüften» Voraussetzungen seiner Weltsicht wollte Carlos Fraenkel in Erfahrung bringen, als er sich aufmachte, in fünf verschiedenen Ländern auf drei Kontinenten philosophische Workshops mit Studentinnen und Studenten abzuhalten. Zwischen 2006 und 2011 unterrichtete der deutsch-brasilianische Philosoph nicht nur an der palästinensischen Al-Quds-Universität in Ostjerusalem und an der islamischen Universität im indonesischen Makassar, er diskutierte auch mit chassidischen Juden in New York und mit afrobrasilianischen Schülern in Salvador da Bahia. Schliesslich traf er sich mit Angehörigen des indigenen Volkes der Mohawk in Nordamerika.

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Es besteht keine Staatskirche

Frieder Otto Wolf. Foto: A. Platzek
Dieser Satz steht im deutschen Grundgesetz. Vom Staat verlangt es eine neutrale Haltung gegenüber den Religionen und Weltanschauungen. In der Realität ist davon allerdings wenig zu spüren.

Von Arik Platzek | diesseits.de

Als eine Ursache für die massive Privilegierung der christlichen Konfessionen benennt der Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands, Frieder Otto Wolf, „kirchliche Schablonen“ im Denken von Politikern, Richtern und Behörden – in die jedoch weder nichtreligiöse Bürger noch Angehörige nicht-christlicher Konfessionen passen. Wolf sagt, es sei angesichts der sich sprunghaft vollziehenden Pluralisierung unserer Gesellschaft dringend nötig, dass die vom Grundgesetz vorgesehene Haltung einer kooperativen Laizität staatlicher Institutionen endlich konsequent durchgesetzt wird.

Zum Start des Themenjahres der Antidiskriminierungsstelle des Bundes mit dem Motto „Freier Glaube. Freies Denken. Gleiches Recht.“ wurden die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage veröffentlicht. Laut ihr bezeichnen zwei Drittel der Deutschen die sogenannte „Kirchenklausel“ im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz als ungerecht. Von den auf dieser Regelung fußenden Benachteiligungen sind Millionen konfessionsfreie Arbeitnehmer betroffen. Warum ist dieses Thema nicht längst auf den Agenden der Parteien zu finden?

Frieder Otto Wolf: Die bis heute überwiegend in der alten Bundesrepublik gewachsenen politischen Apparate – zu denen ganz weitgehend auch die Parteien und die Parlamente gehören – sind in religions- und weltanschauungspolitischer Hinsicht immer noch von den 1950er Jahren geprägt. Zu dieser Zeit wurden allein die großen christlichen Kirchen als staatstragend anerkannt. Zudem haben viele den für Europa unrealistischen Traum einer „Rückkehr der Religion“ noch nicht aufgegeben – der lange Zeit auch als ein Moment der Nostalgie für die „goldenen Jahre“ des Nachkriegsfordismus fungierte.

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Wie antisemitisch ist Deutschland?

Juden in Deutschland fühlen sich wieder bedroht.Foto: picture alliance / dpa
Deutschlands Strafverfolgungsbehörden haben 2015 fast 1400 antisemitische Straftaten erfasst. Volker Beck von den Grünen wirft der Regierung indes vor, die wahre Zahl der Delikte zu verschleiern.

Von Johannes C. Bockenheimer | DER TAGESSPIEGEL

Mit dem Antisemitismus ist es wie mit einer Wagner-Oper: Die Melodien variieren, das Leitmotiv aber bleibt immer das Gleiche – die Juden sind an allem schuld. Jesus sollen sie ermordet, Brunnen vergiftet und ihre Matzenbrote mit Christenblut gebacken haben. Man hat den Juden den Sozialismus in die Schuhe geschoben, genauso wie man sie für den Kapitalismus verantwortlich gemacht hat. Kaum ein Missstand oder Verbrechen wurde in den vergangenen Jahrhunderten nicht den Juden anzuhängen versucht.

Dass der Antisemitismus auch heute – 71 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz – keineswegs aus Deutschland verschwunden ist, beweisen nun neue Zahlen der deutschen Strafverfolgungsbehörden, die dem Tagesspiegel vorliegen. Wie die Bundesregierung dem Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Grüne) auf Anfrage mitteilte, wurden 2015 demnach 1366 Straftaten mit antisemitischem Hintergrund von den Ermittlungsbehörden erfasst – bei 36 davon handelte es sich um Gewalttaten.

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Ken Ham Really Doesn’t Understand Science

Ken Ham, Quelle: Answers Outreach
Ken Ham, Quelle: Answers Outreach
In 2014, popular science communicator Bill Nye “debated” creationist Ken Ham in a live webcast on YouTube. The event went pretty much as expected; Nye presented levelheaded evidence that science works, that evolution is real, and the Universe is very old, while Ham used bad logic, cherry-picking, and blatant twisting of scientific claims.

By Phil Plait | slate.com

At the time (and still today) I think Nye made the right decision to participate in the event. Ham runs the Answers in Genesis ministry, and also the Creation Museum in Kentucky, and is well-known for his outrageous statements. It might seem silly to elevate the debate by paying any attention at all to Ham, but that ignores the fact that polls consistently show that half of the American population believes in some form of creationism.

We ignore this at our own peril.

Debating creationists is slippery. When your opponent doesn’t have to adhere to facts or logic, it’s tricky to find traction. My friend Zach Weinersmith once wrote that it’s not that most creationists are anti-evolution, it’s that they’re anti-some distorted version of it told to them by their pastors.

He’s completely correct. That became even clearer to me when, shortly after the debate, BuzzFeed posted an article called “22 Messages From Creationists to People Who Believe in Evolution”. It was clear from the questions asked that the creationists involved had no idea about how evolution—even science itself—worked. The questions were universally based on false premises, a distortion of the science that made it actually pretty easy to answer those supposedly “gotcha” queries.

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Sterbehilfe-Weltkonferenz Das schwere Ringen um den sanften Tod

Ist die Entscheidung zu Sterbehilfe ein Selbstbestimmungsrecht des Menschen? © Oliver Berg/DPA
Für einige ist Sterbehilfe eine Schreckensvision – für andere das freie Recht des Menschen über seinen Körper bestimmen zu können. Auf einer Konferenz in Amsterdam zeigt sich: Das Thema sorgt weltweit für Zündstoff.

stern.de

Sue Carter will sterben. Die Kanadierin leidet an der Muskelkrankheit ALS. Immer mehr Körperfunktionen fallen aus, Sue leidet. Ihr Arzt darf ihr Leben aber nicht beenden, in Kanada ist Sterbehilfe verboten. 1992 zieht Sue vor Gericht und verliert. Zwei Jahre später stirbt sie – mit der Hilfe eines anonymen Arztes.

Das Schicksal von Sue Carter setzte in Kanada eine Debatte in Gang, die nicht mehr zu stoppen war, berichtete Julie Besner vom kanadischen Justizministerium bei der Weltkonferenz zur Sterbehilfe „Euthanasia“, die an diesem Samstag in Amsterdam zu Ende geht. Jetzt, fast ein Vierteljahrhundert nach dem Prozess, legte die Regierung einen Gesetzentwurf zur ärztlichen Sterbehilfe vor. „Es war ein langer Weg“, sagte die Juristin.

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IS-Flagge auf Saudi-Arabiens Botschaft projiziert

Provokation: Die IS-Flagge wurde am Donnerstagabend an die Fassade der saudischen Botschaft projiziert.Foto: Martin Peterdamm Photography
Aktivisten kritisieren mit Lichtinstallation Terror-Finanzierung und setzen sich für die Freilassung des saudischen Bloggers Raif Badawi ein.

Von Felix Hackenbruch | DER TAGESSPIEGEL

Der Protest dauerte nur wenige Minuten, doch die Symbolkraft ist enorm. Politische Kunst-Aktivisten haben am Donnerstagabend gegen 22 Uhr eine IS-Flagge auf die Fassade der Botschaft von Saudi-Arabien projiziert, um dagegen zu protestieren, dass der sogenannte „Islamische Staat“ mutmaßlich Geld aus dem arabischen Königreich erhält. Darüber stand „Daesh Bank“ – das Akronym „Daesh“ ist die arabische Abkürzung für „Islamischer Staat im Irak und Großsyrien“.

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Kein Aufenthaltsstatus: Tausende Kinder ohne medizinische Versorgung

Baby mit Opa © conorwithonen @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Aufgrund aufenthaltsrechtlicher Bestimmungen erhalten mehrere Tausend Kinder in Deutschalnd – darunter auch Babys – keine medizinische Versorgung. Die Ärzteorganisation IPPNW fordert anonyme Krankenscheine.

MiGAZIN

Mehrere Tausend Kinder ohne Aufenthaltsstatus erhalten nach Angaben der Ärzteorganisation IPPNW in Deutschland offiziell keine medizinische Versorgung. Selbst im akuten Krankheitsfall sei eine Behandlung nicht gesichert, kritisierten Vertreter der Organisation Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) am Donnerstag in Berlin. Schätzungen zufolge gibt es bundesweit einige Tausend bis einige Zehntausend Kinder und Jugendliche ohne Papiere. Insgesamt könnten in Deutschland bis zu 600.000 Menschen in der Illegalität leben, hieß es.

Betroffen von fehlender adäquater medizinischer Versorgung seien auch Babys, für die wegen des ungeregelten Aufenthalts ihrer Eltern auch keine gültige Geburtsurkunde existiere. Diese Kinder seien „in besonderer Weise rechtlich ungeschützt“, erklärte IPPNW. Ihre Eltern würden für die Kinder nur im äußersten Notfall medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, was dramatische Folgen haben könne.

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