How Your Brain Decides Without You

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
In a world full of ambiguity, we see what we want to see.

By Tom Vanderbilt | NAUTILUS

Princeton’s Palmer Field, 1951. An autumn classic matching the unbeaten Tigers, with star tailback Dick Kazmaier—a gifted passer, runner, and punter who would capture a record number of votes to win the Heisman Trophy—against rival Dartmouth. Princeton prevailed over Big Green in the penalty-plagued game, but not without cost:  Nearly a dozen players were injured, and Kazmaier himself sustained a broken nose and a concussion (yet still played a “token part”). It was a “rough game,” The New York Times described, somewhat mildly, “that led to some recrimination from both camps.”  Each said the other played dirty.

The game not only made the sports pages, it made the Journal of Abnormal and Social Psychology. Shortly after the game, the psychologists Albert Hastorf and Hadley Cantril interviewed students and showed them film of the game. They wanted to know things like: “Which team do you feel started the rough play?” Responses were so biased in favor of each team that the researchers came to a rather startling conclusion: “The data here indicate there is no such ‘thing’ as a ‘game’ existing ‘out there’ in its own right which people merely ‘observe.’ ” Everyone was seeing the game they wanted to see. But how were they doing this? They were, perhaps, an example of what Leon Festinger, the father of “cognitive dissonance,” meant when he observed “that people cognize and interpret information to fit what they already believe.”

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Wenn eine Mutter hinter Gittern sitzt

Nur wenige Haftanstalten in Deutschland verfügen über Mutter-Kind-Räume. (Foto: dpa)
Eine junge Frau bemerkt im Gefängnis, dass sie schwanger ist. Nach der Geburt kämpft sie darum, dass ihr Baby bei ihr bleiben darf. Doch die Justiz in Rheinland-Pfalz lehnt das ab. Über eine Trennung, die für alle Seiten grausam ist.

Von Jasmin Siebert | Süddeutsche Zeitung

Als Kristina Silberstein an einem Morgen im September 2017 im Kreißsaal der Klinik Homburg den kleinen Tim aus ihrem Körper presst, drehen ihr die beiden Vollzugsbeamtinnen der Justizvollzugsanstalt Zweibrücken den Rücken zu. Sie schauen diskret weg – immerhin. Aber auch das ganze Justizsystem schaut offenbar diskret weg bei diesem Drama.

Am Tag nach der Entbindung, es ist 14 Uhr, liegt Silberstein wieder in ihrer Zelle. Und der kleine Tim in einer Auffangstation für Säuglinge. Bis zuletzt hatte die dreifache Mutter dafür gekämpft, wenigstens ihren jüngsten Sohn behalten zu dürfen. Doch die Justiz blieb hart.

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RDF Talk – Carsten Frerk: Kirchenrepublik Deutschland

In seinem Vortrag zum gleichnamigen Buch „Kirchenrepublik Deutschland“ beschreibt Dr. Carsten Frerk erstmals, wie die Kirchen in Deutschland systematisch Einfluss auf die Politik nehmen. Dabei zeigt sich, dass katholische und evangelische Stellen in einer Weise in Gesetzgebungsverfahren eingebunden sind wie keine zweite zivilgesellschaftliche Kraft.

Richard-Dawkins-Foundation

Wie stark der Einfluss der Kirchen auf die Politik ist, zeigt unlängst die Entscheidung des Parlaments zum Thema Sterbehilfe. Laut Dr. Frerk ist die Verabschiedung des „Gesetzes zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ 2015 nicht unwesentlich auf die enge personelle Verflechtung von Kirche und Staat in Deutschland zurückzuführen.

So lassen die Kirchen ihre Interessen Realität werden, obwohl es dafür längst keine Mehrheiten in der Bevölkerung mehr gibt. Als größte private Arbeitgeber, als größte Grundbesitzer und als Milliarden umsetzende Wirtschaftskonzerne verfolgen die Kirchen massive Eigeninteressen.

Zum Referenten:

Carsten Frerk ist Politologe und wurde durch kirchen- und religionskritische Werke bekannt. Zudem ist er Autor historischer Romane. Im Mittelpunkt seines Werks stehen Buchveröffentlichungen über die finanziellen Verflechtungen von Staat und den beiden Amtskirchen in der Bundesrepublik Deutschland. Unter anderem deshalb gilt er als Kirchen- und Religionskritiker. Carsten Frerk ist Mitglied im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung.

„Jüdisches Kind“? „Muslimisches Kind“? „Christliches Kind“?

Bild: Richard-Dawkins-Foundation
Kulturelle Tradition hat ihren Stellenwert, aber keinen Platz in einer auf Fakten basierten Bildung.

Von Richard Dawkins | Richard-Dawkins-Foundation

Mein oft (manche mögen sagen, zu oft) wiederholter Hinweis auf die Absurdität – ja Bösartigkeit – der Etikettierung von Kindern mit der Religion ihrer Eltern („Würden Sie von einem ‘postmodernen Kind’ oder einem ‘gramscianischen-marxistischen Kind’ sprechen?) ist in der Regel erfolgreich. Die Leute verstehen den Punkt fast immer sofort, wiewohl es eine andere Frage ist, ob es bei ihnen ein zukünftiges Bewusstsein dafür schafft, bei dem sie tatsächlich zusammenzucken, so wie ich es tue, wenn sie von einem „katholischen Kind“ oder „muslimischen Kind“ hören. Aber es gibt ein Gegenargument, dem ich oft begegne, und es klingt oberflächlich plausibel. Es ist mein Anliegen, mich hier damit auseinanderzusetzen.

Die Gegner, von denen ich spreche, berufen sich oft auf den Sonderfall des Judentums, aber der Punkt kann allgemeiner formuliert werden. Es sei lächerlich und falsch, Eltern davon abzuhalten, ihre kulturellen Traditionen an ihre Kinder weiterzugeben. Sprache, Akzent, Kleidungsstile, Ernährung, Essgewohnheiten, Sprichwörter, poetische Anspielungen, Spiele, nonverbale Signale oder Grüße wie Kopfschütteln oder Nicken oder soziales Küssen werden kulturell vermittelt. Die Menschheit wäre ärmer, wenn wir sie verlieren würden. Religion, so wird behauptet, ist nur ein weiterer Punkt auf der Liste.

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Daniel Dennett: „Von den Bakterien zu Bach – und zurück – „Blick des Philosophen auf die Evolution des Geistes

Daniel Dennett beschreibt in seinem neuen Sachbuch, warum auch der menschliche Geist ein Ergebnis der Evolution ist. (Suhrkamp / imago / Collage: Deutschlandradio)
Körper und Geist, Natur und Kultur – dazwischen besteht kein grundlegender Unterschied. Vielmehr ist alles ein Ergebnis der Evolution. Diese These vertritt der US-amerikanische Philosoph Daniel Dennett. Anschaulich und mit Sprachwitz legt er sie dar in seinem neuen Buch „Von den Bakterien zu Bach – und zurück. Die Evolution des Geistes“.

Von Tomma Schröder | Deutschlandfunk

Daniel Dennett hält nicht viel von Übernatürlichem. Er glaube „nicht an Geister, nicht an Elfen, nicht an den Osterhasen und auch nicht an Gott“, schrieb der amerikanische Star-Philosoph mal in der „New York Times“. In seinem neuen Buch „Von den Bakterien zu Bach – und zurück“ wandelt er daher strikt auf den naturwissenschaftlichen Pfaden.

„Wenn wir die Reparaturmechanismen in Bakterien, die Atmung bei Kaulquappen und die Verdauung von Elefanten erklären können, warum sollte dann nicht auch das bewusste Denken des Homo sapiens seine Geheimnisse diesem sich immer weiter optimierenden Moloch Wissenschaft offenbaren?“

Dualismus von Materiellem und Immateriellem

Spätestens seit Descartes den Dualismus von Materiellem und Immateriellem in eine philosophische Theorie gegossen hat, gilt die Kluft zwischen Körper und Geist, zwischen Natur- und Geisteswissenschaften vielen als unüberwindbar. Die kartesische Wunde nennt Dennett dies – und er will sie heilen. Denn dem Philosophen zufolge, und er weiß viele Wissenschaftler an seiner Seite, existiert diese Wunde gar nicht. Für Dennett gibt es nichts Immaterielles, nichts Mirakulöses, das außerhalb der Reichweite der Naturwissenschaften verbleibt. Vom Bakterium bis zu Bach – und seinem Geist – ist alles ein Ergebnis der Evolution – auch wenn viele das nicht wahrhaben wollen.

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Gynäkologe Christian Fiala: „Die Familienpolitik ist zynisch bis bösartig“

foto: getty images/istockphoto martin-lang Kurze Nächte und das alltägliche Tohuwabohu: Die Pille ist zwar vergleichsweise günstig, Frauen mit Kindern und einem unregelmäßigen Alltag können aber schon mal auf sie vergessen.
Gynäkologe Fiala spricht darüber, warum kostenloser Zugang zu Verhütung nötig ist und ihm die Familienpolitik Österreichs peinlich ist

Interview Beate Hausbichler | dieStandard.at

Migrantinnen haben gegenüber in Österreich geborenen Frauen ein zweieinhalbmal größeres Risiko, ungewollt schwanger zu werden. Das vermeldete kürzlich das Gynmed-Ambulatorium in Wien, wo Frauen einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen können und Verhütungsberatung angeboten wird. Deren Leiter Christian Fiala fordert schon lange eine Kehrtwende in der Österreichischen Familienpolitik um die hohe Abtreibungsrate zu senken.

STANDARD: Hat es Sie überrascht, dass Frauen mit Migrationshintergrund proportional öfter eine Abtreibung haben (DER STANDARD berichtete)?

Fiala: Nein. Im Gynmed-Ambulatorium in Salzburg, das zur Landesklinik gehört, gibt es dieselben Ergebnisse. Auch in den wenigen anderen Ländern, die das Geburtsland erheben, zeigt sich das gleiche Bild. Für uns Fachkräfte war das nicht überraschend, es erklärt sich auch ganz einfach.

STANDARD: Und zwar wie?

Fiala: Frauen aus anderen Ländern wurden auch dort sozialisiert, und sie bringen auch das gewohnte Verhütungsverhalten mit. Da sprechen wir von Ländern, in denen es ein eher schlechtes Verhütungsverhalten gibt wie in muslimisch geprägten Ländern oder ehemals kommunistischen Ländern, wo es also entweder einen starken religiösen Einfluss oder eine Mangelwirtschaft gab und damit wenig wirksame Verhütung. Wenn es für diese Menschen dann in Österreich zu wenig Beratung in deren Muttersprache gibt und diese nicht kultursensitiv ist, dann verhüten sie wie gewohnt. Die Deutschkurse sind derzeit in aller Munde, aber es muss auch um die Gesundheitsversorgung von Migrantinnen gehen.

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„Fliegendes Spaghettimonster“ auf templin.de als Kirche geführt

Bild: Screenshot Templin.de
Für kurze Zeit hatte die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters dem Anschein nach ihr Ziel erreicht: Auf der offiziellen Website der Stadt Templin wurde sie unter der Rubrik „Kirchen“ geführt. Bis Dienstagvormittag.

Von Ula Brunner | rbb24

Gute zwei Wochen lang schien die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters endlich ihr Ziel erreicht zu haben – zumindest auf der Website der Stadt Templin. Seit dem 27. Juli 2018 konnte man dort unter dem Menüpunkt „Kirchen“ neben der Maria-Magdalenen-, der Herz-Jesu-Kirche und der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde auch die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters entdecken.

„Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V. wird ab sofort auf der offiziellen Website der Stadt Templin unter ‚Kirchen‘ geführt, neben evangelischer, katholischer und baptistischer Kirche“, ließ Rüdiger Weida, Gründer und Vorsitzender des satirischen Vereins, am Dienstagvormittag verlautbaren. Doch kurz darauf verschwand der Link sang- und klanglos wieder von der Templiner Kirchenseite.

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Vegan Religion?

Colin Goldner, ©brightsblog
Seit geraumer Zeit überzieht Spiegel Online seine Leserschaft mit einer Reihe an Artikeln und Kommentaren, die sich kritisch mit dem Thema Veganismus befassen. Tenor der Beiträge ist durchgängig, dass es sich bei Veganismus um einen „Irrglauben“ handle, eine „Religion“, die von ihren Anhängern mit „missionarischem Eifer“ vertreten werde: schließlich sei kaum jemand nerviger, von halal oder kosher lebenden Menschen einmal abgesehen, als ein Veganer beim Grillabend. Die Rede ist von „Extremisten“, die ihre „schrulligen Ernährungsgewohnheiten zur Identität hochgejazzt haben“. Wortreich wird gewarnt vor den Mangelerscheinungen, denen Veganerinnen und Veganer unterlägen, sollten sie ihre Versorgung mit Nährstoffen nicht regelmäßig ärztlich untersuchen lassen: es drohe das Risiko „schwerer neurologischer Störungen“ und zahlloser anderer Schäden. Eltern, die ihre Kinder vegan ernähren, werden mit Salafisteneltern ineinsgesetzt, die ohne Rücksicht auf Verluste ihre radikale Ideologie verfolgten; oder auch mit der Sekte „Zwölf Stämme“, die ihre „Kinder dem staatlichen Schulsystem entzogen und auf Prügelstrafe und Demütigung gesetzt haben“.

Claudia Goldner | hpd.de

gbs-Beirat Colin Goldner lebt seit gut 25 Jahren vegan. Seit je befasst er sich auch mit der Forschung zum Thema Veganismus. Hier ein Auszug aus einem Studiogespräch, das er mit Dr.med. Peter Pommer im „Gesundheitsmagazin“ von Radio LORA 924 geführt hat.

Was bedeutet der Begriff „Veganismus“?

Der Begriff „vegan“ bzw. „Veganismus“ geht zurück auf den Engländer Donald Watson, einen überzeugten Antimilitaristen, der im Jahre 1944 in England die Vegan Society gründete

Die heutige Definition des Begriffes „vegan“ bezeichnet Menschen, die die Nutzung tierlicher Produkte nach bestem Vermögen meiden, sprich: sich rein pflanzlich ernähren. Also: kein Fleisch, kein Fisch, keine Milch, keine Milchprodukte wie Joghurt oder Käse, keine Eier.

Ethisch motivierte Veganer achten zudem auch bei ihrer Kleidung oder ihren Schuhen darauf, dass sie frei von Tierprodukten sind – also kein Leder, keine Wolle, keine Seide, keine Daunen –, und dass die verwendeten Konsum- oder Gebrauchsgüter, auch Kosmetika, ohne Tierversuche hergestellt wurden.

Tierethisch motivierter Veganismus ist also weit mehr als nur eine bloße Ernährungsvariante, er ist eine Philosophie oder Lebensart, die versucht, so weit als möglich und praktisch durchführbar, alle Formen der Unterdrückung und Ausbeutung von Tieren für Nahrung, Kleidung oder für andere Zwecke zu vermeiden und zugleich tierleidfreie Optionen und Alternativen zu entwickeln. Ethisch motivierte Veganer wenden sich natürlich auch gegen Jagd und Fischerei oder gegen die Ausbeutung von Tieren zu Unterhaltungszwecken wie im Zirkus oder im Zoo; selbstredend auch gegen Tierversuche in der Pharmaindustrie.

Allerdings gibt es auch Veganerinnen und Veganer, denen tierethische Fragen oder auch Fragen des Umwelt- oder Klimaschutzes nicht so wichtig oder auch völlig egal sind, die vielmehr in erster Linie aus gesundheitlichen Gründen vegan leben. Und nicht zuletzt gibt es auch sogenannte Lifestyleveganer, denen es vor allem um Fitness geht oder die einfach auf einem Trend mitsurfen und gut aussehen wollen. Letztlich aber profitieren alle von einer veganen Lebensweise: die Tiere, die nicht qualgehalten, geschlachtet und zu Wurst verarbeitet werden, Umwelt und Klima, die weit weniger belastet werden, und auch der Mensch selbst, der gesünder bleibt oder wird.

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Das Klima im ideologischen Hexenkessel

Vertrocknete Halme ragen auf einem abgeernteten Feld in der Nähe von Köln in den Himmel. Bild: dpa
Klimawandelleugner verweisen gern auf die Maya, deren Kultur auch ohne Öl- und Kohleindustrie an Dürren zugrunde ging. Der menschengemachte Klimawandel jedoch verleiht natürlichen Kräften eine gefährliche Dimension.

Von Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Vielleicht ist jetzt, da die Brachialhitze wütet und die katastrophale Trockenheit an vielen Orten der Welt auch nach Monaten kein Ende findet, die Zeit gekommen, sich mit Überlebensfragen zu beschäftigen. Mit kühlem Kopf, versteht sich. Für die Populisten ist allerdings schon die Frage selbst alarmistisch. Was es mit dem extremen Wetter auf sich hat? Man nennt es Sommer, frotzelt Professor Meuthen auf Twitter, Ausrufezeichen, Smiley, Punkt. Klimapolitik, das ist noch immer ein ideologischer Hexenkessel.

Eine Hochkultur, der es lange Zeit an nichts mangelte, die eine eigene Sprache hervorbrachte, Mathematik, Riten und Kunst, die den Mais als Kulturpflanze für die Menschheit verfügbar machte und die Naturkräfte mit Bewässerungstechniken zu zähmen verstand, diese selbstbewusste Kultur namens Maya ist vor etwas mehr als tausend Jahren sang- und klanglos über solchen Dürre-„Sommern“ zugrunde gegangen. Vergangene Woche erst haben Wissenschaftler in alten Sedimenten entscheidende Nachweise geliefert: Über Jahrzehnte anhaltende Trockenphasen mit Wassereinbußen von mehr als fünfzig Prozent haben den gesellschaftlichen Zusammenbruch bewirkt und nicht etwa Kriege oder Epidemien.

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Hamed Abdel-Samad: Integration? Wie?

In seinem Buch „Integration – Protokoll eines Scheiterns“ beklagt Hamed Abdel-Samad nicht nur die Missstände im Umgang mit bestimmten Zuwanderergruppen.

Peter Grimm | achgut.com

Mag vieles auch noch so hoffnungslos klingen, es gibt Lösungen. Einige seiner Vorschläge kann Hamed Abdel-Samad auch hier im Gespräch ganz klar und kurz formulieren. Doch wenn es möglich ist, tatsächlich wirkungsvoll etwas für eine Integration der Zuwanderer zu tun, warum geschieht es dann nicht? Wahrscheinlich, weil man neben Geld auch die Bereitschaft braucht, Verantwortung zu übernehmen und sein Anliegen – nicht sein persönliches Fortkommen – gegen Widerstände durchzusetzen. Das steht in Kreisen vieler Berufspolitiker nicht gerade hoch im Kurs.

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Mittelmeer: Mehr als 1500 Menschen ertrunken

Bild: tagesschau.de
Bei der Mittelmeer-Überquerung sind in diesem Jahr bereits mehr als 1500 Menschen ertrunken – davon 850 im Juni und Juli. Dabei traten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur noch halb so viele Menschen die Flucht über das Meer an.

tagesschau.de

Mehr als 1500 Flüchtlinge sind nach UN-Angaben in den ersten sieben Monaten des Jahres im Mittelmeer ertrunken. Allein im Juni und Juli seien 850 Menschen gestorben, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit. Demnach stieg die Zahl der Todesfälle, obwohl die Gesamtzahl der über das Mittelmeer nach Europa gekommenen Menschen zuletzt deutlich sank. Die Todesrate sei „dramatisch und außergewöhnlich“, hatte UNHCR-Sprecherin Carlotta Sami bereits im Juli erklärt.

Laut UNHCR gelangten seit Januar ungefähr 60.000 Flüchtlinge nach Europa. In den ersten sieben Monaten des Vorjahres waren es etwa doppelt so viele.

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Missbrauchsfälle : Chiles Justiz geht hart gegen Kirche vor

Papst Franziskus bittet bei seinem Besuch in Chile Anfang des Jahres um Vergebung für den sexuellen Missbrauch durch einen Priester. Bild: Reuters
Die chilenische Justiz ermittelt in 104 Fällen von sexuellem Missbrauch gegen die katholische Kirche. Im Visier dabei: Kardinal Ricardo Ezzati. Er soll vom Pädophilen-Ring gewusst und zur Vertuschung beigetragen haben.

Von Matthias Rüb | Frankfurter Allgemeine Zeitung

In Chile hat der für die Untersuchung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche zuständige Sonderermittler Emiliano Arias einen Prozess von „historischem Ausmaß“ angekündigt. Arias hat in den vergangenen Wochen bei mehreren Hausdurchsuchungen – unter anderem in den Amtsräumen von Kardinal Ricardo Ezzati in Santiago – nach eigenen Angaben umfangreiches belastendes Material beschlagnahmt. Der Staatsanwalt verdächtigt Ezzati der Vertuschung schwerer Straftaten. Der Kardinal muss sich am 21. August persönlich einer Vernehmung durch Arias stellen.

Arias glaubt nachweisen zu können, dass in der katholischen Kirche Chiles zahlreiche Schriftstücke vernichtet wurden, in welchen Missbrauchsfälle dokumentiert worden waren. Mitte Juli wurde der Geistliche Oscar Muñoz, ehemaliger Kanzler der Erzdiözese Santiago und persönlicher Vertrauter Ezzatis, wegen des Verdachts des Kindesmissbrauchs in mindestens sieben Fällen festgenommen. Bei fünf der Opfer soll es sich um Neffen von Muñoz gehandelt haben. Der letzte Fall soll sich Ende 2017 ereignet haben und kann damit strafrechtlich verfolgt werden. Die Verjährungsfrist von Missbrauchsfällen beträgt nach chilenischem Recht zehn Jahre.

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Philosophie: Radikal pluralistisch

Giovanni Pico della Mirandola. Ölgemälde eines unbekannten Malers in den Uffizien Bild. wikipedia.org/PD

Mit „Neunhundert Thesen“ lud Giovanni Pico della Mirandola die Gelehrten Europas nach Rom. Aus dem Treffen wurde nichts, der Text vom Papst verboten. Eine neue Ausgabe erschließt das Plädoyer für Vielfalt.

Von Daniel-Pascal Zorn | Süddeutsche Zeitung

Im Winter des Jahres 1486 plant ein italienischer Graf aus Mirandola, einem beschaulichen Städtchen zwischen Mantua, Ferrara und Modena, eine wissenschaftliche Tagung. Nicht irgendeine Tagung – geplant ist, Gelehrte aus ganz Europa einzuladen, um mit dem Grafen die von ihm vorgelegten Thesen zu diskutieren. Die Reisekosten sollen ihnen selbstverständlich vergütet werden.

Der italienische Graf ist der Philosoph Giovanni Pico della Mirandola, von seinen Zeitgenossen wegen seines guten Aussehens und seines scharfen Verstandes als „Naturwunder“ gerühmt, „ein sozusagen göttlicher Geist“, wie der sechs Jahre jüngere Niccolò Machiavelli in seiner Geschichte der Stadt Florenz bewundernd schreibt.

Der Lobgesang ist nicht übertrieben: Pico della Mirandola ist eine echte Ausnahmegestalt in dieser Zeit von Ausnahmegestalten wie Leon Battista Alberti oder Leonardo da Vinci. Aufgewachsen als Spross einer aufstrebenden italienischen Adelsfamilie, studiert er Recht und dann sehr bald Rhetorik und Philosophie in Bologna, Ferrara und Padua. Noch als Student lernt er in Florenz Marsilio Ficino kennen, den Übersetzer Platons und Plotins.

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Türkei: Atheistinnen mit Kopftuch

Manche Türkinnen verschleiern mit dem Kopftuch ihren Unglauben (picture alliance / dpa / Arne Dedert)
Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan treibt die Islamisierung seines Landes voran. Schwierig ist die Situation für Atheisten: Sie erleben Anfeindungen und Repressalien. „Deshalb tun manche Atheisten so, als wären sie religiös“, sagte der Islamwissenschaftler Pierre Hecker im DLF.

Pierre Hecker im Gespräch mit Monika Dittrich | Deutschlandfunk

Jahrzehntelang galt in der Türkei der Grundsatz: Religion ist Privatsache. Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk hatte den Laizismus als Verfassungsprinzip etabliert und alles Religiöse und Islamische weitgehend aus dem öffentlichen Leben verbannt. Das war für ihn der Inbegriff einer modernen Türkei.

Seit einigen Jahren allerdings erlebt das Land eine Re-Islamisierung. Von einer „neuen Türkei“ und einer „frommen Generation“ ist die Rede. Dafür verantwortlich ist vor allem Recep Tayyip Erdogan, der Gründer der regierenden AK-Partei und Staatspräsident der Türkei.

Für Menschen, die nicht religiös sind und sich selbst als Atheisten bezeichnen, ist diese Entwicklung nach Ansicht des Marburger Islamwissenschaftlers Pierre Hecker problematisch. Hecker leitet ein Forschungsprojekt über türkischen Atheismus.

Dabei sei es nicht einmal einfach zu ermitteln, wie viele Atheisten überhaupt in der Türkei leben: „Den offiziellen Statistiken zufolge sind knapp 99 Prozent der Türken Muslime“, so Hecker im DLF. Tatsächlich gebe es aber eine große Zahl an Atheisten in der Türkei. Viele stammten „aus konservativen sunnitischen Haushalten“ – und zeigten sich aus Angst vor Anfeindungen und Repressionen nicht öffentlich, denn teils würden sie verbal und auch körperlich angegriffen.

Für viele Atheisten sei ihre Abkehr vom Glauben auch eine Form des politischen Protests geworden – als Antwort auf den autoritären Führungsstil und die Islam-Politik von Staatspräsident Erdogan.

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Erst retten, dann fragen

Brand auf einem Flüchtlingsschiff vor den Küsten Europas © Szene aus „Report Mainz“

Seit einem Jahr darf die „Iuventa“ im Mittelmeer keine Flüchtlinge mehr retten. Der Vorwurf: Zusammenarbeit mit Schleusern. Aber das sei Quatsch, sagt Kapitän Jonas Buja. „Wir sind wie die Feuerwehr. Die fragt auch nicht erst, warum etwas brennt.“

Jörg Nielsen | evangelisch.de

Das Bild der beiden toten jungen Frauen geht Jonas Buja nicht aus dem Sinn. Gleich am zweiten Tag seiner ersten Rettungsmission an Bord der „Iuventa“ vor der libyschen Küste konnte die Crew die beiden Flüchtlinge nur noch tot aus einem völlig überladenen Schlauchboot bergen. „Da habe ich gedacht, was machst du hier eigentlich? Das ist doch alles Sch…“, sagt der 26-Jährige. Doch dann habe er sich umgedreht und in das Gesicht eines jungen Mannes geblickt, der noch vor wenigen Minuten in dem selben Schlauchboot um sein Leben bangte und ihn nun freudig anstrahlte. „Da war mit klar, ich tue das Richtige, ich rette hier Menschen vor dem sicheren Ertrinken.“

Zwischen 2016 und Mitte 2017 war der nautische Offizier aus Leer in Ostfriesland fünfmal als Freiwilliger auf der „Iuventa“ im Mittelmeer im Einsatz, dreimal als Erster Offizier, zweimal als Kapitän. „Das war eine harte Zeit mit sehr wenig Schlaf“, sagt Buja. Der evangelische Kirchenvorsteher bezieht seine Motivation für den strapaziösen Einsatz aus seinem christlichen Glauben: „Als Gottes Geschöpf hat jeder ein Recht darauf, gerettet zu werden – auch schiffbrüchige Flüchtlinge.“

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Zivile Seenotretter starten neuen Einsatz vor libyscher Küste

Themenbild. dpa
Nach einem Monat sticht die „Aquarius“ wieder in die See – die zivilen Seenotretter werden vor der Küste Libyens im Einsatz sein. Andere Schiffe werden noch in Europa festgehalten.

evangelisch.de

Nach einer einmonatigen Pause bricht das zivile Seenotrettungsschiff „Aquarius“ wieder zu Einsätzen vor der Küste Libyens auf. Das von den Hilfsorganisationen „SOS Mediterranee“ und „Ärzte ohne Grenzen“ gecharterte Schiff lag den Rettern zufolge zum ersten Mal nach zwei Jahren ununterbrochener Such- und Rettungseinsätze auf See für eine längere Zeitspanne am Hafen von Marseille. Man habe sich „strategisch und technisch dem radikalen Wandel der Bedingungen“ anpassen müssen, hieß es.

Im Juni musste das mit Flüchtlingen voll besetzte Schiff rund eine Woche im Mittelmeer ausharren, weil Italien und Malta ihre Häfen für die Retter gesperrt hatten. Am 17. des Monats durfte es schließlich in Valencia anlegen, um die im Meer aufgegriffenen Menschen abzusetzen. Die 35-köpfige „Aquarius“-Crew besteht aus der Mannschaft sowie einem Rettungs- und einem medizinischen Team.

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Kirchenasyl: „Zuflucht zum heiligen Ort als ‚ultima ratio‘ bewahren“

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Das Kirchenasyl stellt kein Sonderrecht dar, sondern soll humanitäre Härten vermeiden. Nun will der Staat auf die Einhaltung bestimmter Fristen drängen.

DOMRADIO.DE

An diesem Mittwoch wird nicht nur die Neuregelung des Familiennachzugs für subsidiär geschützte Flüchtlinge in Kraft treten – es kommen auch neue Verfahrensweisen beim Kirchenasyl. Das betrifft Fälle, die im sogenannten Dublin-Verfahren aufgenommen wurden. Die Dublin-Verordnung sieht vor, dass das Land für ein Asylverfahren zuständig ist, in dem der Schutzsuchende die Europäische Union erstmals betritt – im Regelfall die süd- oder südosteuropäischen Länder.

Die meisten Kirchenasylfälle betreffen derzeit Menschen, die nach dieser Regel eigentlich innerhalb von sechs Monaten in eines dieser Länder rücküberstellt werden müssten – ansonsten ist Deutschland zuständig. Diese Frist soll nun auf 18 Monate verlängert werden, sofern Kirchengemeinden Verfahrensabsprachen nicht einhalten.

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Mach’s noch mal, Evolution

Rewind, reset. Könnte man 55 Millionen Jahre zurückspulen, fände man irgendwo im Geäst diesen winzigen Primaten. Liefe ab diesem…Illustration.: M. Severson, NIU
Entwicklungsgeschichte ist vorhersagbar, sagt der Zoologe Jonathan Losos. Ob sie auch uns erneut hervorbrächte?

Von Matthias Glaubrecht | DER TAGESSPIEGEL

Wie sähe die Erde ohne den Menschen aus? Wie wäre unsere Welt heute, wenn es Alexander den Großen, Kolumbus oder Kennedy, Nero, Nelson oder Napoleon nie gegeben hätte? Oder wenn einer von ihnen eine wichtige Entscheidung anders gefällt hätte? Man kann immer fragen, ob Geschichte auch ganz anders hätte verlaufen können. Die intuitive Antwort: Ja, natürlich wäre dann wohl alles anders gelaufen.

Oder wäre vielleicht doch unvermeidlich in jedem Fall Ähnliches passiert, vielleicht mit anderen Akteuren und über andere Zwischenschritte, aber wohl mit ähnlichem Ergebnis? Schnell ist man dann auch bei der Frage, ob wir Menschen unsere Existenz dem Zufall verdanken. Oder ob unser Weg vorgezeichnet war – und bei einem erneuten Versuch auch wieder wäre. Die Frage nach Vorhersehung und göttlichem Plan ist dann auch nicht mehr weit?

Würde der „blinde Uhrmacher“ namens Evolution immer die gleichen Uhren machen?

Biologen interessiert bei solchen Gedankenspielen eher, ob heute noch Dinosaurier über die Welt herrschen würden, wenn vor 66 Millionen Jahren kein Meteorit eingeschlagen wäre. Oder sie fragen gleich, ob die Evolution den Menschen als Krone der Schöpfung nicht zwangsläufig hervorbringen musste? Konnte sie vielleicht gar nicht anders, weil sie immer wieder auf gleiche Weise ablaufen würde?

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Frauenärzte-Präsident: Liste von Ärzten hilft Frauen in Not

Der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Christian Albring, begrüßt die Entscheidung des Kommunalverbands der Region Hannover, eine Liste von Ärzten zu erstellen, die Abtreibungen vornehmen. „Damit helfen wir den Frauen und Mädchen in Not“, sagte der Gynäkologe aus Hannover am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bislang biete in Deutschland allein Hamburg eine Übersicht über Ärzte, die Abtreibungen vornehmen, im Internet an.

evangelisch.de

Die Region Hannover hatte am Montag bekanntgegeben, künftig auf dem Portal www.hannover.de eine Liste von gynäkologischen Arztpraxen zu veröffentlichen, die Abtreibungen anbieten. Ärztinnen und Ärzte selbst dürfen nach dem umstrittenen Paragraf 219a nicht öffentlich angeben, dass sie in ihrer Praxis Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Der Paragraf war Ende vergangenen Jahres in den politischen Fokus gerückt, nachdem eine Gießener Ärztin zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Sie hatte auf ihrer Internetseite darüber informiert, dass sie Abtreibungen vornimmt.

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Flüchtlingszahlen: Spanien fordert europäische Lösung

Bild: tagesschau.de
Immer mehr Menschen machen sich auf den Weg von Afrika nach Spanien. Die Regierung bemüht sich, sie zu versorgen. Sie macht aber auch klar, dass eine europäische Lösung her muss.

Von Oliver Neuroth | tagesschau.de

Ein Schlauchboot mit gut 30 afrikanischen Migranten an Bord kommt an einem Strand an. Innerhalb weniger Sekunden springen die Menschen an Land und verschwinden in den Dünen. Urlauber schauen sich das Ganze verdutzt an.

Das sind Szenen, die sich seit einigen Tagen immer wieder an der südspanischen Küste abspielen. Im Schnitt erreichen 700 Migranten täglich das Land. In den meisten Fällen stoppt die spanische Seenotrettung die Boote einige Kilometer vor der Küste und nimmt die Flüchtlinge an Bord ihrer Schiffe.

In den andalusischen Häfen kümmern sich Helfer des Roten Kreuzes und der örtlichen Behörden um die Menschen. Von der spanischen Zentralregierung heißt es: Man habe die Situation absolut unter Kontrolle, investiere bis Ende des Jahren 30 Millionen Euro in die Soforthilfe.

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