Regenbogenfahne nicht vor Bundesgebäuden

Die Bundesregierung sträubt sich weiter gegen Regenbogenfahnen vor Bundesbehörden. Der Grünen Abgeordnete Volker Beck hält das für „pickelhaubig, vorgestrig und provinziell“.

Von Tilmann Warnecke | DER TAGESSPIEGEL

Um das Hissen der Regenbogenfahne in der CSD-Saison vor Bundesministerien und Bundesbehörden gibt es immer wieder Streit. Man denke an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes im vergangenen Jahr: Die durfte erst am Vorabend des Berliner Christopher Street Days die Fahne mit den Farben der homosexuellen Emanzipationsbewegung hissen – nachdem das zuvor die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, der das Gebäude gehört, verboten hatte.

Hintergrund des immer wiederkehrenden Theaters ist der Flaggenerlass des Innenministeriums. Der regelt detailliert, wie Dienstgebäude des Bundes flaggen dürfen. Die Regenbogenfahne ist dabei nicht vorgesehen. Einige SPD-geführte Ministerien – in der Vergangenheit etwa das Familien- oder Justizministerium – setzen sich inzwischen darüber hinweg, um ein Zeichen gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und trans- und intergeschlechtlichen Menschen zu setzen. Unionsgeführte Ministerien dagegen bleiben in der Regel unbeflaggt.

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Das Unterbewusstsein

Image: NOAA/Flickr
Bewusstsein heißt Freiheit. Dann ist der Einfluss des Unterbewusstseins Unfreiheit (Sofern wir hier von Freiheit sprechen wollen).

Föderation des Determinismus

Du glaubst, das ist bei Dir nicht der Fall? Du kannst Dich über Dein Unterbewusstsein hinwegsetzen? Nimm ein Brett von 20 cm Breite und 5 m Länge, lege es auf den Boden und spaziere darüber: Kein Problem. Jetzt das Brett über eine tiefe Schlucht. Und? Das Unterbewusstsein und vielleicht auch eine angeborene Angst vor der Tiefe greifen hier ein.

In meinem ganz persönlichen Umfeld kenne ich Menschen, die keine hohen Treppen hochsteigen, wenn man durch die Stufen hindurchsehen kann. Ein schönes Musterbeispiel ist der Petri-Kirchturm in Hamburg an der Mönckebergstraße, der gegen geringes Entgelt bestiegen werden kann. Die selben Stufen unten zu besteigen, ist kein Problem, oben greift das Unterbewusstsein ein und hindert einige Besucher an einem absolut sicheren und schönen Erlebnis.

Überhaupt findet so einiges in unserem Unterbewusstsein statt. Beim Lesen etwa interpretieren wir scharze und weiße Bereiche in Buchstaben, diese in Wörter und das ganze in Sprache, die dann wiederum in inhaltliches Verständnis übersetzt wird.

Oder: Wenn wir joggen, entscheiden wir uns zum Loslaufen. Die Beine bewegen sich nur, wenn wir es wollen. Dann übergeben wir an das Unterbewusstsein: Wir denken nicht mehr über jeden Schritt nach. Das Bewusstsein schweift ab und wir können über alles mögliche Nachdenken, ohne den Befehl zu geben, dass die Beine zu bewegen sind und die Füße eine komplexe Verwringungsbewegung ausführen sollen.

Blick Dich einmal in Deinem Raum um und betrachte alle roten Objeke. Jetzt schließt Du die Augen: Wie viele waren es? Vermutlich kannst Du es sagen. Aber während Du die roten Objekte betrachtet und vielleicht gezählt hast, könntest Du jetzt noch sagen, wie viele gründe und blaue Objekte dort waren? Du hast Dich konzentriert und Dein Unterbewusstsein hat die Wahrnehmung selektiert. Die anderen Gegenstände wurden ausgeblendet. Oder: Hat Deine Uhr Striche, die die Sekunden markieren? Befinden sich dort Ziffern? Wie viele Striche befinden sich zwischen den Ziffern? Wir sehen etlich male am Tag auf die Uhr, aber mit selektiver Wahrnehmung, weil wir uns auf die Zeit konzentrieren.

Ich hatte auch den Einfluss des Körpers angesprochen, von Hormonen und Drogen etwa. Bewusstsein und Körper stehen aber auch in Wechselwirkung: Wenn wir uns über etwas ärgern, verkrampfen sich bestimmte Muskelpartien. Versuch mal, Dich über etwas zu ärgern und gleichzeitig Deine Muskeln zu entspannen. Vor einem Auftritt auf der Bühne oder einem Vorstellungsgespräch sind wir vielleicht aufgeregt, dies kommt vom Kopf und schlägt sich auch körperlich nieder: Der Adrenalinpegel steigt, der Puls geht hoch, der Blutdruck steigt.

Auch auf Launen und Stimmungen hat unser Unterbewusstsein einen erheblichen Einfluss. Ob wir über ein Ereignis glücklich oder unglücklich sind, entscheidet unsere Stimmung und unsere zum Teil unterbewusste Erwartungshaltung. Niemand wird behaupten wollen, dass man mit bloßer Willensanstrengung seine Stimmung ändern kann: Dann bedürfte es keiner Psychiater, die sich mit Depressionen befassen.

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Thousands rally for peace in Tel Aviv amid renewed US efforts


Israelis participate in a pro-peace rally in Tel Aviv, May 27, 2017. Yellow signs read: ’50 years is enough, peace now‘ (AP Photo/Oded Balilty)
Herzog calls for Kulanu, Yesh Atid parties to join ‘one big political bloc’ as left-wing leaders slam government’s diplomatic inaction

By Times of Israel Staff

Thousands of people participated in a pro-peace demonstration in Tel Aviv’s Rabin Square Saturday to mark “50 years of occupation,” under the banner of “Two States — One Hope.”

Estimates of the crowd size varied between 15,000 and 20,000. Organizers claimed around 30,000 demonstrators were present.

At the protest, leaders of the Israeli left lambasted the country’s right-wing government and its policies and called for new, bold leadership that would take steps towards peace.

Opposition leader Isaac Herzog called on the leaders of the Yesh Atid and Kulanu parties to “put ego aside and join together into one big political bloc” that could replace the current government. (Centrist Yesh Atid is in the opposition; center-right Kulanu is in the coalition.)

“Together, only together… can we win, and come to power,” he said. Taking the stage, Herzog, whose leadership of the center-left Zionist Union will be challenged by several candidates in a vote on July 4, was met with audible booing from some in the crowd.

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Gläserne Wände für Nicht-Gläubige

Eine Jugendfeier des Humanistischen Verbands im Friedrichstadtpalast. Der Verband fordert mehr nicht-christliche Seelsorge in…Foto: imago stock&people
Werden nicht-religiöse Menschen in Deutschland diskriminiert? Ja, sagt der Humanistische Verband – und verweist auf die Staatsförderung der christlichen Kirchen in der Bildung. Andere widersprechen. Eine Diskussion auf dem Kirchentag.

Von Adelheid Müller-Lissner | DER TAGESSPIEGEL

„Höre des Herrn Wort“, so steht es über der Eingangstür zur Sophienkirche in Berlin-Mitte. In der Reihe „Streitzeit“ des Kirchentages wurde an diesem heiligen Ort nun auch das Wort eines dezidiert atheistischen Verbandes gehört. Der Humanistische Verband Deutschlands beklagt in seiner Schrift „Gläserne Wände“ die Benachteiligung nichtreligiöser Menschen in Deutschland. „Menschen, für die Religion keine Rolle spielt, sind nicht nichts“, sagte auf dem Podium Vorstand Michael Bauer.

Neben christlicher Seelsorge müsse in Krisensituationen, in Krankenhäusern oder Haftanstalten deshalb auch humanistische Seelsorge angeboten werden. In die Schulzimmer staatlicher Lehranstalten gehörten entweder gar keine Kreuze – die es trotz des „Kruzifix-Beschlusses“ des Bundesverfassungsgerichts von 1995 immer noch gibt – oder aber Symbole aller dort vertretenen Weltanschauungen. Das werde möglicherweise recht bunt, aber „entweder alle rein oder alle raus! Warum macht der Staat sich gemein mit nur einer Religion?“

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Luther darf nicht auf Messegelände des evangelischen Kirchentags

Bild: hpd.de/FB
Moses und Luther werden nicht auf das Messegelände beim evangelischen Kirchentag gelassen.

hpd.de/FB

Der Kirchentagsveranstalter blockierte den Zugang zum Gelände, obwohl eine Genehmigung für eine Versammlung vor dem Eingang vorlag.

Die Polizei hat ein berlinweites Platzverbot gegen die Luther-Figur erlassen. Der Anfangsverdacht der Volksverhetzung liege vor.

Flüchtlingsboot mit vielen Kindern kentert – zahlreiche Tote

Themenbild. dpa
Ein Flüchtlingsboot mit zahlreichen Kindern an Bord ist auf dem Mittelmeer gekentert. Bisher wurden 34 Leichen geborgen, die meisten davon kleine Kinder.

Frankfurter Rundschau

Nach Angaben einer Sprecherin der Hilfsorganisation MOAS waren drei Holzschiffe mit insgesamt rund 1500 Menschen vor der libyschen Küste unterwegs. Eines der Boote sei gekentert. Rund 200 Menschen seien ins Wasser gefallen, darunter viele Kinder und Frauen. „Das ist keine Szene aus einem Horrorfilm, das ist die Wirklichkeit vor den Toren Europas“, erklärte der Gründer der Hilfsorganisation MOAS, Chris Catrambone.

Der konzeptionelle Penis

Bild: RDF
Soziologiezeitschrift stolpert über „konzeptionellen Penis“ und die Probleme des Peer Reviews

Von Sebastian Wessels | Richard-Dawkins-Foundation

Peer Review, falls es jemand nicht weiß, ist ein Begutachtungsverfahren, das die Qualität von Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Zeitschriften sicherstellen soll. Eingereichte Texte werden – manchmal anonym, manchmal auch nicht – meist zwei Wissenschaftlern des entsprechenden Faches vorgelegt, die grünes Licht für die Veröffentlichung geben, sie ablehnen oder Nachbesserungen fordern.

Das klingt in der Theorie vernünftig. Was passiert aber, wenn die Gutachter mit hoher Wahrscheinlichkeit derselben geschlossenen Ideologie anhängen wie die Autoren eingereichter Arbeiten? Logisch: Dann ist das, was ursprünglich mal als Qualitätskontrolle gedacht war, bestenfalls noch eine Konformitätskontrolle. Ein institutionalisierter Confirmation Bias.

Und da ideologische Standpunkte von einem hohen Maß an Regelmäßigkeit und Stereotypie gekennzeichnet sind, lassen sich die auf ihnen beruhenden Argumentationen ganz gut vorhersehen und nachahmen.

Den Philosophen Peter Boghossian und James Lindsay ist es so gelungen, unter Pseudonymen einen bewusst schwachsinnigen Artikel über den „konzeptionellen Penis als soziales Konstrukt“ („The conceptual penis as a social construct“) in der soziologischen Zeitschrift Cogent Social Sciences zu veröffentlichen. Und ja, das Papier hat dabei auch eine Peer Review durchlaufen.

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Die Proben des Chemikers Primo Levi

Noch immer beeindruckt die unzynische, ruhigklagende Wärme seines Erzählens: Primo Levi um 1980. (Foto: imago/Leemage)
Einige Texte des italienischen Holocaust-Überlebenden erscheinen erstmals auf Deutsch. Seine Genauigkeit ist einprägsam, es sind die Details, die man nicht mehr los wird.

Rezension von Gustav Seibt | Süddeutsche.de

Primo Levi starb 1987 in demselben Haus, in dem er 1919 zur Welt gekommen war und fast sein ganzes Leben gewohnt hatte: Turin, Corso Re Umberto 85. Er führte das unauffällige Leben eines Familienvaters und leitenden Angestellten.

Bis zum Schluss lebte er mit seiner Frau bei der eigenen Mutter, was in Italien nicht ungewöhnlich ist, und war als Chemiker in einer Lackfabrik tätig, zuletzt als technischer Direktor. Die Wohnung war eine Mitgift der Großmutter gewesen.

Die Levis waren eine bürgerliche Familie, Geschäftsleute, Ingenieure, gebildet und kulturinteressiert. Wenn der junge Primo Levi sich ein Buch wünschte, dann kaufte es ihm sein Vater umgehend.

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Je mehr Urin, desto stärker der Chlor-Geruch

Nur drei Schwimmer im Becken – da dürfte die „Biofracht“ im Wasser gering sein. (Symbolbild) Foto: Axel Heimken (dpa)
Urin geht in Schwimmbädern mit dem Chlor im Badewasser eine unheilige Allianz ein. Trotzdem, sagen Experten, könne man in hessischen Schwimmbädern bedenkenlos baden.

Frankfurter Rundschau

Wenn es im Schwimmbad stark nach Chlor riecht, ist es dort besonders sauber? Falsch. Im Gegenteil. Die Chemikalie, die im Badewasser Keime abtötet, ist geruchlos. Erst zusammen mit einer anderen Substanz entsteht das typische Odeur. „Wenn es stark nach Chlor riecht, heißt das, dass viel Harnstoff ins Wasser eingetragen wurde“, sagt Alexander Kämpfe, Fachgebietsleiter
für Schwimm- und Badebeckenwasser beim Umweltbundesamt (UBA).

Chlor geht schnell Verbindungen mit anderen Stoffen ein. Aus dem geruchlosen „freien“ Chlor und dem ebenfalls geruchlosen Harnstoff wird „gebundenes» Chlor: zum Beispiel Trichloramin, das sehr stark riecht. Je mehr Harnstoff, desto mehr Trichloramin, desto mehr Schwimmbadgeruch. Igitt.

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Getrennt lebender Vater darf Tochter impfen lassen

Der Bundesgerichtshof stärkt in seinem Urteil den Impfungen befürwortenden Elternteil. (Foto: dpa)
Die Mutter hat Angst vor Impfschäden, doch der Vater will den kompletten empfohlenen Impfschutz. Jetzt hat der Bundesgerichtshof den Eltern-Disput entschieden.

Süddeutsche.de

Das Mädchen ist fast fünf Jahre alt, seine Eltern sind getrennt, teilen sich aber das Sorgerecht. In den meisten Dingen sind sich Vater und Mutter einig. Doch beim Thema Schutzimpfungen gibt es Streit. Die Mutter ist Impfgegnerin. Sie hat Angst, ihre Tochter könnte gesundheitliche Schäden davontragen. Außerdem traut sie den Ärzten und der Pharmaindustrie nicht.

Auch der Vater sorgt sich um seine Tochter. Doch geht es ihm darum, dass seine Tochter erst gar nicht an ansteckenden Krankheiten erkrankt. Er möchte, dass das Mädchen alle offiziell empfohlenen Impfungen bekommt.

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Let’s Remember Roger Moore With This Absurd ‘Moonraker’ Space Laser Battle

Image: Eddiesfedora77/MGM/YouTube
The beloved actor died on Tuesday at 89, but his sense of comic absurdity lives on.

By Becky Ferreira | MOTHERBOARD

At the climax of Moonraker, the eleventh film in the James Bond franchise and the fourth to star Sir Roger Moore as 007, an infamous laser fight breaks out in outer space. Following the lead of the Star Wars franchise, which popularized death rays and laser battles between spacecraft just two years before, Moonraker’s offensive added an extra layer of bravado with its free-floating mass of astronauts, like some zero-g riff on an infantry unit.

The scene has earned the 1979 film a lot of mockery because of its campy outlandishness. But in the wake of Moore’s death from cancer on Tuesday, at 89 years old, the entire sequence is worth a rewatch—along with the opening skydive chase—because it captures what was quintessentially special about the beloved actor’s take on Bond.

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Warum Deutschland eine Anti-Folter-Stelle braucht

Gibt es Folter in deutschen Gefängnissen? In Haftanstalten wird die Würde der Insassen manchmal unwissentlich verletzt. (Foto: dpa)
Gefesselte Senioren, Videokameras auf Toiletten, Häftlinge, die sich nackt ausziehen müssen: Die „Nationale Stelle zur Verhütung von Folter“ hat viel zu tun.

Von Bernd Kastner | Süddeutsche.de

Es ist ein paar Jahre her, da bat Rainer Dopp in einem Gefängnis um Einlass. Der Pförtner griff zum Telefon und meldete mit süffisantem Unterton nach oben: „Die Folter-Kommission ist da.“ Dopp gehört zu einer Einrichtung, die einzigartig ist in Deutschland und hin und wieder mit Stirnrunzeln oder Spott begrüßt wird, sie heißt „Nationale Stelle zur Verhütung von Folter“. Folter? In Deutschland?

Rainer Dopp, 68, zuletzt Justizstaatssekretär in Mecklenburg-Vorpommern, arbeitet ehrenamtlich für diese „Stelle“. Er sitzt jetzt am Konferenztisch in einer alten Wiesbadener Villa, der Jahresbericht für 2016 liegt auf dem Tisch. Darin ist gleich im Vorwort von verletzter Menschenwürde die Rede. Ja, in deutschen Haftanstalten.

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Das Vergnügen an der Verrohung ✠ Homonationalisten – ihre Ziele und Antriebe

Dresden am 15. Dezember 2014 Foto: Flickr-User Karl-Ludwig Poggemann – Eigenes Werk, CC BY 2.0
Unser Gastautor Wolfgang Brosche mit einer Bestandsaufnahme des Rechtsrucks und seiner Ursachen. Warum stehen manche schwule Männer auf Führertypen, warum neigen einige Homosexuelle zu Ausgrenzung und Hass. Welchen Einfluss hat dabei sexuelles Verlangen?

Von Wolfgang Brosche | blu.fm

Homonationalisten und der „Wille zur Macht“

Im Jahr 2007 prägte die Queer-Theoretikerin Jasbir Puar den Begriff Homonationalismus. Er bezeichnet die Akzeptanz und die Übernahme heteronormativer, rassistischer, und klassistischer Denkweisen in den queeren Diskurs. In der Tat kann man homonationalistische Phänomene und Personen beobachten, die Teil sind des allgemeinen Abgleitens in den rechten Sumpf der Entsolidarisierung, des brutalen Sozialdarwinismus und des faulig schimmernden Nationalismus. Die Tendenzen der Verrohung machen nicht vor homosexuellen Menschen halt, deren Erfahrung der Differenz zur Mehrheitsgesellschaft sie eben nicht zwangsläufig einsichtiger macht. Der Wunsch zur Mehrheit zu gehören, die Norm zu sein und die Norm zu bestimmen, entspringt dem „Willen zur Macht“ über andere, der das skrupellose Ausnutzen und Verbrauchen von Mensch und Umwelt rechtfertigen soll; in dieser traurigen Tatsache unterscheiden sich homosexuelle Menschen in Nichts von Heterosexuellen.

Die angeblich neue Rechte ist die alte. Der lärmende Aufwand, den sie betreibt, um ihre Ansprüche, Antriebe und Ziele zu rechtfertigen oder zu verschleiern mag andere Formen haben als vor 85 Jahren, seine Stoßrichtung führt jedoch genau wie damals ins Antizivilisatorische nach unten. Tatsächlich bietet die Rechte – auch wie damals – keine wirklich politischen Ziele, nichts Konstruktives, keine Bewältigungsversuche der sozialen, politischen, ökonomischen und ökologischen Probleme der Gegenwart, sondern nur Destruktion: Zerstörung, Gewalt, gigantische Fresssucht und letztendlich todessehnsüchtige Vernichtung dessen, was die Rechten nicht verstehen, geschweige denn meistern können. Die neue wie die alte Rechte legen eine barbarische Dummheit und ein gewalttätiges Unvermögen an den Tag, dessen End-Ziel die Beseitigung der Gegner, der „Anderen“, die mörderische Lust, der Lust-Mord ist. Das Pauken-Getöse um angeblich alte Werte, Traditionen, Patriotismus und Nationalismus ist nur Tarnung. Es geht tatsächlich um das primitive „Wir oder sie“, eine Maxime, vor deren endgültiger Konsequenz ihre Vertreter immer weniger zurückschrecken.

Das werde ich an einigen Fallbeispielen von Homonationalisten zeigen.

Nöler, Opportunisten, Kleingeister

Fangen wir unten an: die meisten der Homonationalisten sind subalterne Nöler, Opportunisten, Mitläufer, egoistische Kleingeister und Kleinbürger; manche spült der Zufall für kurze Zeit an die Oberfläche. Dann steigt ihnen der kurzfristige Bekanntheitsgrad zu Kopf und sie präsentieren ihre Ressentiments mit entlarvender Plumpheit und Schambefreitheit. Immer wieder spie zum Beispiel Mirko Welsch, der sich Sprecher der Schwulengruppe in der AfD nannte, Beleidigungen und Frechheiten aus gegen Personen, die ihm nicht passten und über politische Gedanken, die er nicht zu begreifen in der Lage war. Mit einer Hand voll von Schlagwörtern (jawohl, „Schlag“wörtern, er benutzte sie wie derbe Knüppel um zuzuschlagen, zu verletzen) versuchte er den Gegner auszuschalten.

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Kirchentag und Atheismus: Für mich bitte kein Kreuz

Bild: Leipziger Blatt
Messen sind oft große Shows, Gläubige engagieren sich, der Armenpapst wirkt bereichernd. Warum ich trotzdem nicht an Gott glaube: Bekenntnis eines Berliners zum Kirchentag.

Von Robert Ide | DER TAGESSPIEGEL

Heute werden sie wieder durch den Kiez klingen und in meinen Ohren, als Sinfonie unserer Großstadt, als schlagendes Herz meiner Nachbarschaft, als Unterbrechung des Alltags zumindest in Gedanken – die Kirchenglocken rufen wieder zum heiligen Sonntag. Ich werde sie gern hören und gleichzeitig überhören. Denn was ist Berlin schon heilig? Schon gar nicht die Kirche. Mir auch nicht.

Dies ist ein Bekenntnis zum Kirchentag, zu dem in der kommenden Woche Zehntausende nach Berlin pilgern werden, die an das Gute im Menschen und im Himmel glauben oder zumindest daran, dass selbst der Tod ein gutes Ende nehmen kann. Als neugieriger Mensch bedaure ich, dass mir diese Welt verschlossen ist und bleibt. Aber die Wahrheit, die ich mit vielen Berlinerinnen und Berlinern teile, ist schlicht und deshalb nicht schlecht: Ich kann mit der Kirche nichts anfangen, nicht an Gott glauben. Der Kirchentag wird trotz spannender Veranstaltungen an mir vorüberziehen wie einst die Loveparade. Verkleidete Menschen aus aller Herren und Frauen Bundesländer liegen sich zu mir unbekannten Liedern in den Armen. Wenigstens werden die Gotteskinder den Tiergarten nicht achtlos zumüllen.

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Eva Menasse: „Für Juden ist es befremdlich, wie Porzellanelefanten behandelt zu werden“

Eva Menasse liefert hohe Literatur aus fein ätzendem Humor und herzerweichender Melancholie. (Foto: Ekko von Schwichow)
Die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse irritiert bis heute die Verkrampftheit der Deutschen, wenn es um jüdisches Leben geht. Ihre Herkunft will sie deshalb aber nicht verstecken.

Von Thorsten Schmitz | Süddeutsche.de

Sie hat das Manzini vorgeschlagen, mehr Westberlin geht nun wirklich nicht: Kellner in bodenlangen weißen Schürzen, soignierte Herren, geliftete Damen. Die Schriftstellerin Eva Menasse schätzt das behagliche Berliner Lokal. Sie mag aber vor allem auch dessen Ravioli: „Die schmecken jedes Mal besser“.

2005 hatte die gebürtige Wienerin Menasse, 47, einen Bestseller geschrieben, die packende, rührende jüdisch-katholische Familiensaga „Vienna“. Es war ihr erster Roman überhaupt. Seitdem liefert sie hohe Literatur aus fein ätzendem Humor, herzerweichender Melancholie, immer gepaart mit Empathie für ihre Protagonisten. Und immer geht es in ihren Geschichten um das, was sie am meisten interessiert: den Menschen und seine (vertrackten) Beziehungen. Jetzt erhält die Schwester des österreichischen Schriftstellers Robert Menasse den Hölderlin-Preis der hessischen Stadt Bad Homburg.

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Cornel West and Bill Maher Have Screaming Match About Trump, Hillary and Bernie

West, a prominent backer of Sen. Bernie Sanders, insisted that the Vermont independent could have won the election.

By Tom Boggioni | Alternet

Friday night, HBO Real Time host Bill Maher went toe-to-toe with professor and social activist Cornel West over the 2016 election, with Maher confronting West for calling Hillary Clinton and President Donald Trump “equally awful.”

West, a prominent backer of Sen. Bernie Sanders, insisted that the Vermont independent could have won the election, and took a shot at Clinton after Maher pointed out that one of the former Secretary of State’s first speeches as a candidate was about mass incarceration that disproportionately affects young black men.

„Hillary gave speeches about a whole lot of stuff,“ West shot back,“ but it didn’t have a whole lot of integrity in it, brother.“

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Jane Goodall: „Wer sehr arm ist, wird Bäume fällen“

foto: the jane goodall institute Ihre Forschungsergebnisse wurden wegweisend für die Wahrnehmung dieser Tiere. Sie beschrieb ihre Charaktere, ihre Emotionen, ihre Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen, und zeigte damit, wie ähnlich sie uns Menschen sind.
Die Verhaltensforscherin berichtet, wie man die Umwelt durch den Bau von Toiletten in Schulen und Bildung von Mädchen stärken kann

Interview Julia Schilly | derStandard.at

Mit 23 Jahren und ohne Universitätsabschluss in der Tasche zog Jane Goodall los, um Schimpansen im Gombe-Stream-Nationalpark im Westen Tansanias zu erforschen. Das Budget kam von dem Paläoanthropologen Louis Leakey, der auch die Arbeit von Dian Fossey mit Gorillas und Birutė Galdikas mit Orang-Utans unterstützte. „Zu der Zeit waren wir alle sehr naiv in dem Alter“, sagt die Britin. Dennoch konnte sie bald erste Erfolge vorweisen: Schon im ersten halben Jahr sammelte sie bahnbrechende Erkenntnisse. So beobachtete sie etwa, wie Schimpansen mit Ästen nach Termiten fischten und mit Steinen Nüsse knackten. Den Gebrauch von Werkzeugen trauten sich die Menschen bis dahin nur selbst zu. der STANDARD traf die 83-Jährige am Donnerstag vor ihrem Vortrag in der ausverkauften Expedithalle in der Ankerbrotfabrik.

STANDARD: Ihre Arbeit Anfang der 1960er-Jahre wurde von Kollegen als unkonventionell bewertet: Sie gaben den Schimpansen Namen anstatt Nummern und betrachteten sie als Individuen mit eigenständigen Persönlichkeiten. War diese Herangehensweise ohne die Scheuklappen der damaligen wissenschaftlichen Regeln ein Vorteil?

Goodall: Mein Mentor Louis Leakey war überzeugt, dass diese Denkweise nicht durch die wissenschaftlichen Theorien jener Zeit eingeschränkt war. Ich weiß nicht, wie sehr mich ein akademischer Grad verändert hätte.

STANDARD: Sie beobachteten Schimpansen etwa beim Gebrauch von Werkzeugen. Wie war die Reaktion anderer Wissenschafter?

Goodall: Mir wurde nicht geglaubt. Ich hatte ja noch keine wissenschaftlichen Referenzen. Mir wurde sogar vorgeworfen, dass ich den Affen beigebracht hätte, die Werkzeuge zu verwenden. Wie sollte man das komplett wilde Tiere lehren? Das wäre doch ein brillanter Erfolg gewesen. (lacht)

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Belgien: Wallonie beschließt Schächtverbot

Symbolbild: Schächten im Schlachthof © flickr, CC 2., dierk schaefer.
In der belgischen Wallonie gilt ab 2018 ein Schächtverbot. Trotz Kritik der verschiedenen Religionsgemeinschaften wurde dies beschlossen.

IslamiQ

Das wallonische Parlament in Belgien hat am Mittwochabend ein Schächtverbot ab Juni 2018 beschlossen. Für Religionsgemeinschaften soll es bis zum 1. September 2019 noch eine Ausnahme geben, berichteten belgische Medien. Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche hatten in einer gemeinsamen Erklärung auf die Religionsfreiheit verwiesen. Sie schätzten soziale Sensibilität für den Tierschutz, verwiesen aber gleichzeitig auf die Traditionen und Vorschriften in Islam und Judentum.

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Gilbert & George: „Religion nimmt uns die Freiheit“

Die britischen Künstler Gilbert Prousch (l) und George Passmore vom Künstlerduos Gilbert & George stehen in Berlin in der St.-Matthäus-Kirche. ©dpa
Sie sind für ihre provokanten Aktionen bekannt. Jetzt stellen Gilbert & George, das britische Künstlerpaar, erstmals in einer Kirche aus. Es geht um Religion, Fundamentalismus und Terrorgefahr.

Sächsische Zeitung

„Luther und die Avantgarde“ – im Rahmen dieses ambitionierten Projekts stellt das britische Künstlerduo Gilbert & George (73 und 75) Bilder aus seiner „Sündenbock“-Serie in der Berliner Matthäus-Kirche aus. Das ist brisant. Denn die beiden sind für ihre harsche Kritik an Kirche und Religion bekannt. Nada Weigelt von der Deutschen Presse-Agentur erzählen sie, wie es dazu kam.

Pfarrer Neubert, der Hausherr der Kirche, der Sie mit eingeladen hat. Stimmt das?

Gilbert: Das denkt er!

George: Nein, das ist richtig. Wir sind moralische Künstler. Wir glauben an Gut und Böse. Wir glauben nur nicht an Gott. Alle Götter sind von Menschen erfunden, nichts weiter.

Sie greifen immer wieder die Kirche an …

George: … nur ihre kriminellen Seiten. Die Kirche war sehr, sehr langsam bei der Abschaffung der Sklaverei, sie war sehr langsam bei der Abschaffung der Todesstrafe. Und sie ist hintendran, was sexuelle Rechte, Homosexualität, Schwulenehe und Scheidung angeht. Die Kirche hält den Fortschritt auf.

Trotzdem bespielen Sie jetzt eine Kirche. Warum?

Gilbert: Wir wurden von der Stiftung für Kunst und Kultur in Bonn eingeladen. Wir sind bloß der Einladung gefolgt.

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Anleitung für eine richtige Leitkultur

Braucht es eine Leitkultur? Ja, aber nicht wie Thomas de Maizière sie skizziert. (Foto: Jessy Asmus)
Innenminister de Maizière erklärt, was ihm zufolge in Deutschland wirklich zählt. Doch sowohl er als auch seine Kritiker liegen falsch. Wir brauchen eine Leitkultur. Aber nicht diese.

Analyse von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

In jeder Demokratie werden Minderheiten gezwungen, unter Bedingungen zu leben, die eine von der Mehrheit gewählte Regierung ihnen zumutet. Seit der Einführung der Agenda 2010 etwa müssen etliche Bürgerinnen und Bürger mit weniger Geld vom Staat auskommen als zuvor – was für viele eine extreme Belastung war und ist. Im Prinzip ist es also üblich, dass eine Mehrheit in einer demokratischen Gesellschaft über das Leben von Minderheiten mitbestimmt.

Besonders heikel wird dies aber, wenn die betroffenen Mehrheiten und Minderheiten sich durch Sprache, Glaubensvorstellungen oder wichtige Traditionen unterscheiden – Merkmale, die mit einer Gruppenidentität zusammenhängen. Deshalb wird über den Begriff „Leitkultur“ und die Vorstellung, was er bedeuten soll, so leidenschaftlich gestritten.

Viele halten schon den Versuch für überheblich festzulegen, welche Werte und Normen rechtfertigen sollen, dass eine Kultur Vorrang vor allen anderen hat. Andere erklären einfach die eigenen Werte zu denen der Leitkultur. Das Niveau, auf dem die Debatte verläuft, lässt viel zu wünschen übrig – sowohl bei den konservativen Anhängern einer Leitkultur als auch auf der Seite der Kritiker, die meist dem liberalen oder linken Spektrum angehören.

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