Philosophie-Professor: «Warum sollte sich die Minderheit der Mehrheit fügen?»

Politphilosoph Georg Kohler im Lichthof der Universität Zürich. © LAB
Georg Kohler (71) über die Türkei, knappe Entscheidungen und rote Linien der Demokratie. Der Nahostkenner erklärt, warum auch grosse Minderheiten ein Interesse daran haben, sich der Mehrheit zu fügen.

Von Pascal Ritter | Aargauer Zeitung

Herr Kohler, der türkische Präsident Erdogan gewann das Referendum. Steht die Türkei vor einer Diktatur?

So einfach ist es nicht. In der Türkei sehen wir im Moment eine Mischung aus Machtergreifung und demokratischem Prozess. Es passiert etwas Ähnliches wie in Deutschland nach 1933. Erdogans Machtapparat ist zwar demokratisch legitimiert, nutzt aber seine Macht, um die demokratischen Institutionen zu knebeln oder gar zu zerstören. Erdogan ist aber kein Hitler, eher ein Putin.

Kann man mit demokratischen Mitteln die Demokratie abschaffen?

«Demokratie» ist ein mehrdeutiger Begriff. Demokratie, die den Namen verdient, ist niemals auf das Mehrheitsprinzip zu reduzieren. Denn zu ihr gehören notwendigerweise Institutionen der Machtbegrenzung, der Gewaltenteilung und der kategorischen Grundrechte, das heisst des Minderheitenschutzes. In einer richtigen Demokratie gibt es daher rote Linien, die den Absturz in die Diktatur verhindern.

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Die Top 10 der merkwürdigsten Dinge, die Menschen glauben

Bild: Pixabay.com
Michael Shermers „Hitliste“ abstruser Vorstellungen, die weit verbreitet sind. Im ersten Teil Platz 6 bis 10.

Von Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

Seit der Veröffentlichung meines Buches „Warum Menschen merkwürdige Sachen glauben“ (1997) wurde ich gefragt, was in meiner Erfahrung aus einem Vierteljahrhundert professionellen Skeptizismusses die abstrusesten Dinge seien, die Menschen glauben. Ich dachte, es wäre lustig und instruktiv eine Top 10 Liste zusammenzustellen. Natürlich sind die Kriterien, was „merkwürdig” ist zwangsläufig subjektiv, aber im Allgemeinen spreche ich über Dinge, die von den meisten Experten als unwahr abgetan werden, die aber dennoch in unserem kollektiven kulturellen Bewusstsein Fuß fassen konnten. Außerdem ziehe ich die allgemeinen Auswirkungen der Behauptungen auf die Gesellschaft in Betracht. Die Überzeugung, dass die Erde flach oder hohl ist, mag merkwürdig sein, aber es ist nichts über das die Allgemeinheit großartig nachdenkt. Im Gegensatz dazu scheinen die folgenden zehn Hirngespinste die Gedanken der Menschen nahezu anzuziehen.

#10. URALTE AUSSERIRDISCHE

Die Überzeugung, dass Außerirdische seit Jahrtausenden die Erde besuchen, wurde zur Massenbewegung, als Erich von Däniken 1968 sein Buch „Erinnerungen an die Zukunft“ veröffentlichte, das ein internationaler Bestseller wurde. Verlage lieben solche Goldesel und Verkäufe im zweistelligen Millionenbereich sorgten für zahlreiche Folgebücher, wie „Aussaat und Kosmos“, „Die Götter waren Astronauten“ und natürlich, gerade rechtzeitig zur Weltuntergangs Hysterie vom 21. Dezember 2012, „Götterdämmerung – Die Rückkehr der Außerirdischen“. Auf diese Rückkehr warten die Erdlinge noch heute.

Das jüngste Ventil für den Glauben, das antike Völker nicht in der Lage gewesen sein können, solche unglaublichen Leistungen wie das pyramidenförmige Aufeinanderstellen von zugeschnittenen Steinen zu vollbringen, ist der History Channel, oder genauer H2, dem bezeichnenderweise der Sauerstoff (O) des Originals fehlt. Dessen Serie „Ancient Aliens – Unerklärliche Phänomene“ präsentiert vom blauäuigen, volltourpierten Weltverbesserer Giorgio Tsoukalos, dessen Leitthema sich am besten in einem Poster mit seinem trotteligen Gesichtsausdruck und dem Ausspruch wiederfindet: „Ich sage nicht, dass es Außerirdische sind… aber es sind Außerirdische.”

Der Grund, dass es dieses Thema in die Top Ten geschafft hat, ist dessen Allgegenwart (77% der Amerikaner glauben, dass es Zeichen dafür gibt, dass Aliens zu irgendeiner Zeit die Erde besucht haben) und die Exemplarität für den logischen Trugschluss, den man als argumentum ad ignorantiam, bzw. Argument aus Unwissenheit kennt. Die unlogische Argumentation geht wie folgt: Wenn es keine zufriedenstellende irdische Erklärung für die ägyptischen Pyramiden oder beliebige andere antike Landmarken – wie die Nazca Linien Perus oder die Statuen der Osterinseln – gibt, so muss die extraterrestrische Theorie, dass sie von fremden Wesen geschaffen wurden, wahr sein.

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Die Top 10 der merkwürdigsten Dinge, die Menschen glauben#

Bild: Pixabay.com
Michael Shermers „Hitliste“ abstruser Vorstellungen, die weit verbreitet sind. Im zweiten Teil Platz 1 bis 5.

Von Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

Seit der Veröffentlichung meines Buches „Warum Menschen merkwürdige Sachen glauben“ (1997) wurde ich gefragt, was in meiner Erfahrung aus einem Vierteljahrhundert professionellen Skeptizismusses die abstrusesten Dinge seien, die Menschen glauben. Ich dachte, es wäre lustig und instruktiv eine Top 10 Liste zusammenzustellen. Natürlich sind die Kriterien, was „merkwürdig” ist zwangsläufig subjektiv, aber im Allgemeinen spreche ich über Dinge, die von den meisten Experten als unwahr abgetan werden, die aber dennoch in unserem kollektiven kulturellen Bewusstsein Fuß fassen konnten. Außerdem ziehe ich die allgemeinen Auswirkungen der Behauptungen auf die Gesellschaft in Betracht. Die Überzeugung, dass die Erde flach oder hohl ist, mag merkwürdig sein, aber es ist nichts über das die Allgemeinheit großartig nachdenkt. Im Gegensatz dazu scheinen die folgenden zehn Hirngespinste die Gedanken der Menschen nahezu anzuziehen.

 

#5. JFK VERSCHWÖRUNGSTHEORIEN

Kevin Costner hatte auf Anhieb Recht, als er in dem 1988 erschienenen Film Annies Männer Susan Sarandons Charakter erklärte: „Ich glaube Lee Harvey Oswald hat allein gehandelt“ (neben anderen Wahrheiten wie „Viele Ballaststoffe, guter Scotch, der richtige Zeitpunkt, Softcore Pornos, die Weihnachtsgeschenke am Morgen statt am Heiligen Abend zu öffnen” und höchst einprägsam, „Ich bin Anhänger von langen, langsamen, tiefen, sanften, nassen Küssen, die drei Tage andauern”). Im Gegensatz zu Costners 1991er Film JFK, in dem er unvergesslich immer und immer wiederholte „hinten und links”, um klar zu machen, dass es mehrere Schützen – mindestens drei Teams – gab, versteckt im Dealey Plaza, in Position im Dal-Tex Gebäude, auf der von Rasen bedeckten Anhöhe, hinter dem Zaun, auf der Autobahnbrücke… die Möglichkeiten werden nur durch die Vorstellungskraft beschränkt.

Diese Theorie schafft es auf die Liste, weil sie sich im Laufe des letzten halben Jahrhunderts zur Mutter aller Verschwörungstheorien entwickelt hat (vielleicht mittlerweile von der nächsten auf der Liste abgelöst) und bemerkenswerte Verbreitung in der Öffentlichkeit genießt. Eine 2009 von CBS News durchgeführte Umfrage zum Beispiel ergab, dass 60-80% der Amerikaner glauben, dass Präsident Kennedy das Opfer eines Mord Komplotts wurde.

Auch wenn die Verschwörungstheorien große Unterstützung haben, so sind sie doch alle falsch. Oswald handelte allein. Wenn Gerald Posners vernichtendes Enthüllungsbuch „Case Closed“ es Ihnen nicht klarmacht (für mich tat es das), Vincent Bugliosis gigantisches „Reclaiming History“ zerstört auf 1648 Seiten (oder in der „Kurzfassung“ „Four Days in November“ mit schlanken 688 Seiten) jede einzelne Behauptung, die für die Verschwörung sprechen. Betrachten wir nur ein paar der vielen Fakten, die nicht gerade für die Anhänger der Verschwörung sprechen:

Verschwörungstheoretiker machen viel Aufhebens um die Tatsache, dass Oswald gerade erst einen Job in einem Gebäude auf JFKs Route gefunden hatte, was darauf hindeute, dass er dort von Verschwörern eingeschleust wurde. Tatsächlich hat Gerald Posner die zeitliche Abfolge aber minutiös zurückverfolgt, bis zu dem Zeitpunkt an dem im Weißen Haus die Entscheidung fiel, dass Kennedy überhaupt nach Dallas reisen sollte, was weit nach der Einstellung Oswalds war. Es war reiner Zufall.

Oswalds Carcano Repetiergewehr – mitsamt seinen Fingerabdrücken – wurde im sechsten Stock des Texas Schulmittel-Lagerhauses, in dem er auch angestellt war, gefunden, in einem Scharfschützennest, das er aus Kartons, ebenfalls mit seinen Fingerabdrücken, gebaut hatte.

Drei dort gefundene Hülsen entsprechen den, laut Aussagen von 81% der Zeugenaussagen des Dealey Plaza berichteten, drei Schüssen.

Tests mit diesem Gewehrtyp ergaben, dass drei Schuss in der Zeit die Oswald hatte, möglich sind.

Das Carcano war die gleiche Waffe, die Oswald im März 1963 im Versandhandel kaufte.

Mitarbeiter sahen Oswald im sechsten Stock des Gebäudes kurz bevor JFKs Autokorso eintraf und sahen ihn auch kurze Zeit später, nach dem Attentat, das Gebäude verlassen.

Oswald ging nach Hause und holte seine Pistole, machte sich wieder auf den Weg und wurde kurze Zeit später von J.D. Tippet, einem Streifenpolizisten der Dallas Police gestoppt. Ihn erschoss Oswald mit vier Kugeln, was von zahlreichen Augenzeugen belegt ist. Er floh vom Tatort in ein nahegelegenes Theater ohne Eintritt zu zahlen. Die Polizei wurde gerufen und Oswald wurde gestellt. Er zog seinen Revolver und versuchte auf einen Polizisten zu schießen, hatte jedoch Ladehemmung und wurde verhaftet, was er mit den Worten „Nun, dann ist jetzt alles vorbei.“ quittierte.

Und so ist es. Vorbei ist’s mit all den JFK Verschwörungstheorien. Oswald handelte allein. Punkt.

#4. 9/11 VERSCHWÖRUNGSTHEORIEN

War 9/11 ein „Inside Job”? Soll heißen, hat die Bush Administration die Angriffe auf das World Trade Center und das Pentagon am 11, September 2001 fingiert? Nein.

Viele Leute denken, es wäre möglich, oder das Präsident Bush und seine Berater zumindest im Vorfeld der Angriffe von diesen wussten und sie geschehen ließen, um die amerikanische Öffentlichkeit für einen Krieg gegen den Irak zu einen. Um einen Job zu beenden, den Bushs Vater begonnen, aber nicht zu Ende gebracht hatte und die Interessen am irakischen Öl und an den Verbündeten im Mittleren Osten zu wahren. Genauso wie ich niemals geglaubt hätte, dass es die Holocaust-Leugnung irgendwie in die allgemeine Medienlandschaft schaffen würde, konnte ich mir nie vorstellen, dass 9/11 Leugnung irgendwie medial auf die Beine kommen würde. Aber jetzt kommt es nicht nur auf die Beine, sondern trägt sogar 7-Meilenstiefel und daher haben wir uns beim Skeptic Magazin entschlossen, eine vollständige Widerlegung aller 9/11 Verschwörungsthemen zu veröffentlichen.

Der Glaube, dass eine Handvoll ungeklärter Anomalien eine gängige Theorie unterminieren kann, ist das Herzstück jedes Verschwörungsdenkens und ist leicht durch die Anmerkung zu widerlegen, dass Glaube und Theorien nicht auf einzelnen Fakten beruhen, sondern auf einer Ansammlung von Beweisen aus verschiedensten Untersuchungen. Alle „Beweise“ für eine 9/11 Verschwörungstheorie fallen in diese Rubrik von Trugschlüssen. Im Gegensatz dazu sind die Beweise für eine echte Verschwörung durch Osama bin Laden und Al-Qaida überwältigend. Zum Beispiel:

Der Angriff auf die Armeeunterkünfte im Libanon von einer radikalen Hisbollah Fraktion 1983.

Der Bombenangriff auf das World Trade Center 1993.

Der Versuch, 12 von den Philippinen in Richtung USA gestartete Flugzeuge zu sprengen 1995.

Die Bombenanschläge auf die US Botschaft in Kenia und Tansania 1995, die 12 Amerikaner und 200 Kenianer und Tansanier töteten.

Die Angriffe auf den Khobar Tower in Saudi Arabien 1996, bei denen 19 amerikanische Militärangehörige starben.

Der versuchte Anschlag auf den Los Angeles International Flughafen durch Ahmed Ressam 1999.

Der Selbstmordanschlag 2000 mit einem Boot auf die U.S.S. Cole, bei dem 17 Seeleute getötet und weitere 39 verletzt wurden.

Die ausführlich dokumentierten Beweise, dass Osama bin Laden ein führender Finanzier und Führer Al-Qaidas war.

Die 1996 durch Bin Laden erklärte Fatwa, die den Jihad gegen die Vereinigten Staaten ausrief.

Die 1998 erlassene Fatwa, die seine Anhänger dazu aufrief „Amerikaner und ihre Verbündete zu töten – Zivilisten und Soldaten ist die persönliche Pflicht jedes Muslims der dazu in der Lage ist, in allen Ländern in denen es möglich ist.“

Nimmt man diese Beweise und die Tatsache, dass Osama bin Laden und Al-Qaida sich offiziell zu den Angriffen vom 9. September bekannt haben, sollten wir ihnen hier auch Glauben schenken.

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Somuncu über AKP-Anhänger: „Sie würden nicht eine Woche in der Türkei leben können“

Der türkischstämmige Kabarettist Serdar Somuncu versucht zu verstehen, warum so viele Deutschtürken für das Referendum gestimmt haben Quelle: pa/dpa/Karlheinz Schindler/dpa-ZB
Serdar Somuncu hat die Deutschtürken, die für Erdogans Referendum gestimmt haben, scharf kritisiert. Leute, die den Türken vorschrieben, sich einer Diktatur unterzuordnen, haben ihren „Platz hier verloren“.

DIE WELT

Mit scharfen Worten hat Kabarettist Serdar Somuncu die Türken in Deutschland kritisiert, die beim Verfassungsreferendum mit „Ja“ gestimmt haben.

„Viele von denen, die hierzulande die AKP bei dem Referendum unterstützt haben, würden wahrscheinlich nicht einmal eine Woche in der Türkei leben können, weil ihnen dann elementare Freiheiten fehlen würden“, sagte Somuncu in der Sendung Stern-TV.

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Trotzdem bin ich gegen Impfpflicht!

Bild: Centers for Disease Control/Barbara Rice (Public Domain – USGov)

Seuchen wie Masern sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Die Zahl der Impfgegner steigt, Einwanderer bringen Krankheiten mit. Soll der Staat eine Impfpflicht einführen? Unsere Autoren streiten.

Von Kathrin Spoerr, Holger Kreitling | DIE WELT

Dreihunderteinunddreißig Menschen erkrankten im letzten Jahr an Masern. Das ist wenig, wenn man große Zahlen dagegen hält: Ungefähr zehn mal so viele (3214) starben 2016 bei Unfällen im Straßenverkehr, 700 mal so viele (233.716) starben im Jahr davor an Krebs.

Es besteht also kein Grund, den nationalen Notstand auszurufen, nur weil eine Kinderkrankheit zurückkehrt, die Deutschland eigentlich bereits ausgerottet haben wollte. Das könnte man meinen. Das meinen auch viele. Bittesehr. Dies ist ein freies Land.

Wenn das Meinen aufhört und das Tun beginnt, dann ist auch die Grenze der Toleranz schnell erreicht. Zum Beispiel dann, wenn Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen. Sie entscheiden ja nicht für sich allein, was schon verrückt genug wäre, sondern für ihre Babys, die sich nicht gegen ihre Eltern wehren können. Es spricht sehr viel dafür, diesen Eltern die Freiheit zu nehmen und eine staatliche Impfpflicht einzuführen.

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Warum Türken in Deutschland auf Erdogan stehen – und Türken in den USA nicht

Die Türkin Gulay Turkmen-Dervisoglu arbeitet als Soziologin an der Universität Göttingen. Auch sie hat Ihre Stimme abgegeben. © Gulay Turkmen-Dervisoglu
In Deutschland gibt es unter den Wählern viel mehr Befürworter der Verfassungsreform von Präsident Erdogan als in der Türkei oder unter Türken, die in Übersee leben. Weshalb ist das so? Eine türkische Soziologin hat eine Erklärung.

stern.de

In der Türkei war die Wahlbeteiligung hoch, das Ja zur Verfassungsreform des Präsidenten knapp. In Deutschland stimmten knapp 50 Prozent der wahlberechtigten Türken ab – und sagten mit beinahe Zwei-Drittel-Mehrheit (63,1 Prozent) Ja zu Recep Tayyip Erdogan. In den USA, in Kanada und Großbritannien sieht das ganz anders aus. Weshalb findet Erdogan mehr Unterstützung bei den türkischen Wählern in Deutschland als sonstwo in der Welt? Die türkische Soziologin Gulay Turkmen-Dervisoglu erforscht an der Universität Göttingen den türkischen Nationalismus, insbesondere im Verhältnis zu Religion und Gewalt. Seit einem Jahr wohnt sie in Deutschland, zuvor lebte sie in den USA. Im Gespräch mit dem stern erzählt sie von dem Unterschied zwischen den Türken hierzulande und den Türken in Übersee.

Frau Turkmen-Dervisoglu, rund die Hälfte der Türken in Deutschland ist zur Wahl gegangen. Ist das Ihrer Meinung nach viel oder wenig?

Im Ausland ist die Wahlbeteiligung ja grundsätzlich eher niedriger, schon allein deshalb, weil es mit höherem Aufwand verbunden ist, wenn man wählen will. Ich zum Beispiel musste anderthalb Stunden bis nach Hannover fahren, um meine Stimme abgeben zu können. Dafür sind 46 Prozent Wahlbeteiligung natürlich recht viel. Allerdings ging es hier ja auch nicht um irgendeine Wahl, sondern um einen echten Wandel.

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Der Treuebruch der Linken

Sarah Haider. Bild: RDF
Ein Gespräch mit der ex-Muslima Sarah Haider

Von Jeffrey Tayler | Richard-Dawkins-Foundation

Was widerfährt im Amerika des 21. Jahrhunderts einer jungen Frau, die erwacht ist und von einer glaubensbasierten Ideologie Abschied genommen hat, die folgendes vertritt:

Frauen sind Menschen zweiter Klasse. Sie haben sich ihren Ehemännern unterzuordnen, auch gewalttätigen Ehemännern. Sie werden zugunsten ihres Partners teilweise enterbt. Steinigung von Ehebrechern (und speziell Ehebrecherinnen angesichts der frauenfeindlichen Launen der Beweis-Bewertung im Zusammenhang mit jener Ideologie). Gefangene Frauen werden zu Sex-Sklavinnen gemacht. Beschwerliche Kleidervorschriften. Weibliche Genitalverstümmelung wird gutgeheißen.

Erntet sie Beifall dafür, für ihre Rechte als Frau einzustehen? Tragen Progressive Lobreden vor, die ihre Tapferkeit besingen und ihre Weitsicht preisen? Wird sie mit Hilfsangeboten überschwemmt?

Fühlt sie, vielleicht zum ersten Male im Leben, dass die Vereinigten Staaten von Amerika sie vorbehaltlos als eine der Ihren willkommen heißen, jenes einzige Land der Welt, das zumindest gemäß seinen Gründungsdokumenten auf Redefreiheit, Unabhängigkeit und dem Streben nach Glück aufbaut?

Nicht unbedingt. Ist die Ideologie der Islam (und das ist sie) und die Frau eine ex-Muslima (auch das ist sie), muss sie sich stählen angesichts Morddrohungen, eines Hagels von Beschimpfungen von ihren einstigen Glaubensgenossen und hinterlistigen Verrats von jenen, die sich progressiv geben. Sie muss sich wappnen, um in unserem derzeitigen politischen Sumpf Versuche abzuwehren, sie mit ihren unbequemen Ansichten zum Schweigen zu bringen. Unerhörter noch – wenn die Frau versucht, anderen zu helfen, die um die herrliche säkulare Freiheit ringen, die sie selbst für sich erlangt hat, wächst sie zu einer Gefahr für das ganze Gebäude aus Heuchelei, Feigheit und unbelegtem Geschwätz, das eine Perspektive der Linken auf den Islam als „Religion des Friedens“ bildet, die nur von ein paar „verwirrten Bösewichten“ verzerrt wird. Kurz, im heutigen Amerika wird solch eine tapfere Frau keinen Zufluchtsort finden, sondern bildlich gesprochen vielmehr Horden mit Mistgabeln gegenüberstehen, begierig, sie aufzuspießen für das Verlassen ihrer Religion und die Verleumdung ihresgleichen. Mit Donald Trumps Aufstieg zur Präsidentschaft wird ihre Lage prekärer denn je.

Eine solche Frau ist Sarah Haider, geboren in Pakistan, vor Vollendung des achten Lebensjahres in die USA ausgewandert, Mitbegründerin und Direktorin der Beratungsstelle EXMNA, „Ex-Muslims of North America“. EXMNA, so die Website, „tritt ein für die Akzeptanz religiöser Meinungsverschiedenheiten, fördert säkulare Werte und strebt an, Diskriminierung von Menschen zu mindern, die den Islam verlassen“. Die Organisation stellt ihren Mitgliedern eine Auswahl von Leistungen (zeitweise Zuflucht, Beratung) zur Verfügung, in achtzehn über den Kontinent verteilten Ortsverbänden, und bietet ein Podium, von dem aus ex-Muslime in YouTube-Videos ihre persönlichen Geschichten von glaubensfreier Aufklärung erzählen können.

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Wenn der türkische Pass erst weg ist, hören auch die Albträume auf

Moritz Rinke (mit ausgebreiteten Armen) und sein Sohn in Berlin. (Foto: privat)
Warum der Schriftsteller Moritz Rinke versuchte, noch vor dem Referendum in der Türkei den zweiten Pass seines Sohnes loszuwerden. Und wie er dabei scheiterte.

Von Moritz Rinke | Süddeutsche.de

Seit Wochen habe ich Albträume. Keine Ungeheuer, keine Kannibalen, auch kein freier Fall in die Tiefe, sondern eine Passkontrolle in der Türkei mit anschließender Verhaftung meines zweijährigen Sohnes, der danach in Isolationshaft verwahrt und vom türkischen Staatspräsidenten, noch vor Anklage des Gerichts, als Putschist, als Fethullah-Gülen-Anhänger oder als PKK-Mitglied oder kurdischer Spion vorverurteilt wird.

Mein Sohn hat einen deutschen und einen türkischen Pass. Mein Sohn lebt in Deutschland, hat einen Schriftsteller als Vater, der schon den einen oder anderen kritischen Text über die türkische Regierung verfasst hat. Mein Sohn hat eine türkische Mutter, die nachweislich nicht die Regierungspartei wählt, im Gegenteil, sie demonstriert gegen sie. Mein Sohn hat Großeltern in Antalya und einen Cousin in Ankara. Und seine regierungskritische Mutter will unbedingt am 16. April, am Tag des Referendums, in die Türkei reisen, der Cousin feiert seinen fünften Geburtstag, und gegen die Zusammenführung türkischer Familien ist kein Kraut gewachsen. Nicht mal dieses schreckliche Referendum.

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Helfer retten 3000 Flüchtlinge im Mittelmeer

Seit Beginn des Jahres sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. dpa – Themenbild
„Wir mussten uns noch nie um so viele Menschen gleichzeitig kümmern“, sagt eine Helferin. Am Samstag haben Hilfsorganisation etwa 3000 Menschen vor der Küste Libyens geborgen.

SpON

Schiffe der italienischen Küstenwache und von privaten Hilfsorganisationen haben am Samstag 35 Rettungsaktionen gestartet, um rund 4000 Bootsflüchtlinge vor der libyschen Küste aufzunehmen. 15 Einsätze gingen bis in die Nacht zum Sonntag, wie die Küstenwache mitteilte. Nach Angaben der deutschen Nichtregierungsorganisation Jugend Rettet wurden am Samstag rund 3000 Menschen gerettet.

Bei Einbruch der Dunkelheit hätten mehr als tausend Menschen noch auf ihre Rettung gewartet, sagte Pauline Schmidt, Sprecherin von Jugend Rettet. Sechs Schlauchboote trieben noch in der Nähe ihres Schiffes. „Wir mussten uns noch nie um so viele Menschen gleichzeitig kümmern“, sagte Schmidt. Weitere Schiffe wurden zur Ablösung erwartet.

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Letzte bekannte Erdenbürgerin aus dem 19. Jahrhundert ist tot

Emma Morano, geboren am 29. November 1899, verstorben am 15. April 2017. – APA/AFP/OLIVIER MORIN
Die Italienerin Emma Morano wurde 117 Jahre alt. Sie war der letzte lebende Mensch, der noch im 19. Jahrhundert auf die Welt gekommen ist.

Die Presse.com

Die letzte bekannte Erdenbürgerin aus dem 19. Jahrhundert ist gestorben. Die Italienerin Emma Morano starb laut Medienberichten am Samstag mit 117 Jahren in ihrer Wohnung in Verbania am Lago Maggiore. „Ihr Leben war einzigartig“, erklärte der Bürgermeister von Verbania. „Wir werden uns immer an ihre Stärke erinnern, die uns dabei half, im Leben voranzukommen.“

Morano wurde am 29. November 117 Jahre alt. Sie wurde im Jahr 1899 geboren. Andere Menschen, die vor der Wende zum 20. Jahrhundert geboren wurden, sind nicht bekannt. Morano hat in drei Jahrhunderten gelebt, zwei Weltkriege und elf Päpste überdauert.

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„Die Partei“: Bewusste Provokation – Je Suis Brian

Nico Wehnemann (r.) und seine Parteikollegen wollen mit ihrem Stand vor dem Dom ein Zeichen setzen. Foto: Andreas Arnold
Bei einer Mahnwache von „Die Partei“ vor dem Dom wird der Film „Das Leben des Brian“ gezeigt. Kroatische Katholiken sind verärgert.

Von Steven Miksch | Frankfurter Rundschau

Als die Prozession der kroatischen katholischen Gemeinde in den Kaiserdom einzieht, positionieren sich die Mitglieder der Partei „Die Partei“ in ihrem Blickfeld und halten Blätter mit der Aufschrift „Je suis Brian“ (Ich bin Brian) nach oben. Hinter ihnen pfeifen ein paar Schaulustige das bekannte Lied „Always look on the bright side of life“ aus dem Film „Das Leben des Brian“. Es gibt ein paar böse Blicke, manche Kroaten schütteln den Kopf.

„Die Partei“ hatte am Karfreitag zu einer Mahnwache am Dom aufgerufen. An ihrem aufgebauten Stand schenken sie Glühwein aus, verteilen Kekse und zeigen eben jenen Film von Monty Python – eine Satire über die Kreuzigung Jesus. „Ja, wir provozieren“, sagt Nico Wehnemann, Frankfurter Stadtverordneter von „Die Partei“. Er sehe sich dabei in einer Reihe mit Martin Luther, der ja auch provoziert habe. Durchaus passend im Jubiläumsjahr der Reformation, findet Wehnemann.

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Arkansas: Pharma-Firmen klagen gegen Gebrauch ihrer Stoffe bei Hinrichtungen

Das Todesurteil gegen diese Männer will der US-Bundesstaat Arkansas in einer Hinrichtungsserie vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums des Giftcocktails vollstrecken. © Arkansas Department of Correction/AFP
Ehe das Haltbarkeitsdatum für den Giftcocktail abläuft, will der US-Bundesstaat Arkansas noch rasch mehrere Todeskandidaten hinrichten. Mehrere Pharma-Firmen wollen nun den Gebrauch ihrer Mittel vor Gericht verhindern.

stern.de

Eine US-Tochterfirma des deutschen Medizinkonzerns Fresenius geht gegen eine im US-Bundesstaat Arkansas geplante Serie von Hinrichtungen vor. Zusammen mit dem Unternehmen West-Ward Pharmaceuticals schloss sich Fresenius Kabi USA einer Klage vor einem Bezirksgericht in Arkansas an, wie ein Firmensprecher am Freitag mitteilte. Ziel ist es demnach, dass Arkansas Medikamente der Firmen nicht bei den geplanten Hinrichtungen verwenden darf. Der Bundesstaat beabsichtige, das Medikament Kaliumchlorid bei den geplanten Hinrichtungen zu verwenden – als Teil eines Giftcocktails.

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Atheisten verspotten Christen mit „Heidenspaß-Partys“

Ausnahmen vom Tanzverbot sind nach dem Gerichtsentscheid möglich, wenn eine Veranstaltung Ausdruck einer Abgrenzung gegenüber dem Christentum ist. Foto: picture-alliance/dpa
Atheisten in Bayern veranstalten am Karfreitag – an diesem Tag gedenken Christen der Kreuzigung Jesu – „Heidenspaß-Partys“ mit Tanz in München und Regensburg.

idea.de

Im Freistaat gilt zwar ein Tanzverbot an „stillen Tagen“ – darunter Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag –, aber das Bundesverfassungsgericht hatte im November entschieden, dass es in Bayern insbesondere am Karfreitag Ausnahmen von der Pflicht zur Stille geben muss. Das Gericht gab damit einer Beschwerde des „Bundes für Geistesfreiheit München“ statt. Ausnahmen vom Tanzverbot sind demnach möglich, wenn eine Veranstaltung Ausdruck einer Abgrenzung gegenüber dem Christentum ist.

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Saudi-Arabien: 200 Millionen US-Dollar täglich für den Krieg im Jemen

Zerstörungen in den Wohngebieten in der Nähe des Berges Attan bei Sanaa durch den Luftangriff vom 20. April 2015 während der Operation Decisive Storm. Bild: Ibrahem Qasim / CC BY-SA 4.0
Das WFP bräuchte etwa das Fünffache für den Rest des Jahres gegen die Hungersnot. Die Spendenbereitschaft der kriegführenden Länder ist gering

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Über die genauen Kosten der 59 Tomahawk-Marschflugkörper, die am 6. April auf den syrischen Militärflughafen abgefeuert wurden, gibt es unterschiedliche Angaben. Manche beziffern die Kosten auf 1 Million Dollar pro Rakete. Im Budget der Navy schlagen die neuesten Versionen mit 1,5 Millionen US-Dollar zu Buche.

Nimmt man den niedrigeren Preis, obwohl die älteren Raketen wahrscheinlich durch neuere Modelle ersetzt werden, so kommt man bei einer konservativen Schätzung auf materielle Gesamtkosten des Luftangriffs von etwa 60 Millionen Dollar.

Das liegt rund 7 Millionen Dollar unter der Jemen-Hilfe, wie sie das „Geber-Profil USA“ des Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) für das Jahr 2017 ausweist. Die Supermacht stellt demnach in diesem Jahr 66.865.626 Dollar für „sofortige, umfassende und nachhaltige Hungerhilfe“ im Jemen zur Verfügung.

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Bernau rehabilitiert Opfer der Hexenverfolgung

Das historische Stadttor in Bernau. Die Stadt ist die erste Gemeinde in Brandenburg, die Opfer der Hexenverfolgung rehabilitiert.Foto: Thilo Rückeis
Die Stadt Bernau würdigt die Opfer der Hexenjagd. Was kurios klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Der Schritt ist ein Zeichen gegen Diskriminierung.

Von Hannes Soltau | DER TAGESSPIEGEL

Am 18. August 1619 starb Orthie Meermann in Bernau an den Folgen der Folter. Ihre Geschichte als Angeklagte in einem Hexenprozess wurde von den Chronisten ausführlich dokumentiert. Nicht nur ihre Großmutter und ihre Mutter wurden im Zuge der Hexenverfolgung ermordet – auch ihre Tochter starb auf dem Scheiterhaufen. Die vier Bernauer Frauen wurden Opfer einer brutalen Hetzjagd, die in der frühen Neuzeit bis zu 60000 Menschen in ganz Europa das Leben kostete.

Als erste Kommune in Brandenburg hat nun die Stadt Bernau die Opfer der Hexenverfolgung öffentlich rehabilitiert. In der Begründung des Stadtparlaments heißt es: „Die Rehabilitierung der unschuldig gequälten und hingerichteten Opfer ist ein Akt im Geiste der Erinnerung und Versöhnung“. Sören-Ole Gemski, der für die Linke im Stadtparlament sitzt, hatte den Antrag eingereicht.

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«Es gibt keine direkte Linie von Luther zu Hitler»

Dass manche hofften, Luther werde gar zum Judentum konvertieren, entspricht nicht dem gängigen Klischee. (Bild: Stefan Sauer / Keystone)
Für viele Juden war Luther nicht einfach Antijudaist, sondern Antisemit. Hitlers Wüten wollen sie ihm dennoch nicht anlasten. Sie sehen viel Verbindendes zwischen Protestantismus und Judentum.

Von Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Der durchschnittliche Israeli hat keine Ahnung, wer Martin Luther war, und denen, die es wissen, ist er in der Regel egal. Das Eigene, der Judaismus, ist wichtiger, die Politik dominiert, und man hat genug andere Sorgen. Die Wissenschaft allerdings beschäftigt sich intensiv mit Martin Luther und der Reformation. Im Februar erst fand in Jerusalem eine grosse Konferenz über «500 Jahre Reformation – Juden und Protestanten, Judaismus und Protestantismus» statt, ein faszinierender Anlass mit über vierzig Wissenschaftern, vor allem Religionsspezialisten, aus aller Welt.

Begriffliche Untrennbarkeit

Geschichtsbewussten Juden ist Luther selbstverständlich ein Begriff. Es gibt einen regen akademischen Streit darüber, ob der Reformator Antisemit war oder einfach nur Herold einer antijudaistischen, nicht primär rassistisch, sondern religiös geprägten Haltung. Und in diesem Kontext interessiert dann nicht weniger die Frage, ob eine direkte Entwicklungslinie von Luther zu Hitler führe, ob es Luther gewesen sei, der «den Boden bereitet habe» für jenen urdeutschen, mörderischen Antisemitismus, den etwa Daniel Goldhagen diagnostiziert hat und der in dessen Analyse den Holocaust erst möglich machte.

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Why I Published Cartoons of Muhammad and Don’t Regret It

Image: Church and State
Almost a decade has passed since I commissioned drawings of the Prophet Muhammad to run in Jyllands-Posten. But despite countless op-eds and even a book that laid out my motivation for publishing the drawings, confusion and bizarre conspiracy theories continue to cause controversy about that fateful decision.

By Flemming Rose | Church and State

In 2006, for example, a Syrian television series portrayed me as a Ukrainian Jew with close ties to neoconservative circles in the U.S. My purpose for publishing cartoons of the Prophet Muhammad, according to the show, was to stir up conflict between the Muslim world and the West.

The echo of those cartoons still reverberates in different parts of the world. The recent attacks on cartoonists and artists in France and Denmark are just the two most recent examples.

A few days ago, a Guardian commenter wondered: “I’d like to ask Flemming Rose why he commissioned the infamous cartoons. What news story was he seeking to illustrate, or what political statement was he seeking to make?”

Well, I wasn’t making any political statement. Back in 2005, I was trying to cover a story about self-censorship and fear among writers, artists, museums, publishers, comedians and other people in cultural life in Denmark and Western Europe. A children’s writer had made headlines when he claimed that he had difficulties finding an illustrator for a book about the life of the Prophet Muhammad; the reason, he said, was fear. That was the starting point for a debate about self-censorship in dealing with Islam. Several other examples followed. In one example, a Danish comedian admitted he was afraid of mocking Islam the same way he did with Christianity. In another, two imams called on the Danish government to pass laws criminalizing criticism of Islam.

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Von Kurt Westergaard

Bereitschaft zur Aufnahme von Flüchtlingen sinkt

Flüchtlinge Willkommen © Ravi @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Als vor zwei Jahren deutlich mehr Flüchtlinge ins Land kamen, stand Deutschland beispielhaft für eine Willkommenskultur. Mittlerweile wird die Bevölkerung eine Studie zufolge kritischer. Derweil dankt Merkel Flüchtlingshelfern.

MiGAZIN

Gut anderthalb Jahre nach der großen Fluchtbewegung nach Deutschland und der Hilfswelle der Bevölkerung sinkt offenbar die Bereitschaft zur Aufnahme von Flüchtlingen. Mehr als jeder zweite Deutsche sieht nach einer am Freitag veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung inzwischen eine Belastungsgrenze erreicht. Viele wünschen sich demnach eine gleichmäßigere Verteilung der Menschen in Europa.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) empfing am Freitag rund 140 Flüchtlingshelfer, um ihnen für das Engagement bei der Aufnahme zu danken. Auch die Kanzlerin mahnte die Hilfsbereitschaft der anderen Europäer an. Die EU habe „klare Werte“ und „klare Prinzipien“, sagte sie.

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Antisemitismusexperten widersprechen Elternbrief

Bundespolitiker Volker Beck (Grüne) widerspricht dem Protestbrief von Eltern.Foto: Mike Wolff
Nach dem antisemitischen Vorfall an einer Friedenauer Schule schrieben Eltern einen öffentlichen Brief. Der Inhalt wird nun stark kritisiert.

Von Hannes Soltau | DER TAGESSPIEGEL

Im Streit um die Friedenauer Gemeinschaftsschule äußern sich nun renommierte Antisemitismusexperten. Der grüne Bundespolitiker Volker Beck möchte die Schule in dieser Woche sogar besuchen – der Direktor hat den Termin allerdings nicht bestätigt. Auch der Berliner Publizist Sergey Lagodinsky von der Heinrich-Böll-Stiftung erklärte sich in einem Onlinebeitrag für den Tagesspiegel zu den Vorfällen. Dass die Debatte um den Übergriff auf einen jüdischen Schüler in Friedenau anhält, hat auch mit der Reaktion einiger Eltern zu tun.

Wie berichtet, hatten sich zehn Väter und Mütter, deren Kinder auf die Schule gehen, mit einem Leserbrief an den Tagesspiegel gewandt. Sie zeigten sich „bestürzt über den Übergriff“, verteidigten aber die Schule gegen eine ihrer Meinung nach „unreflektierte und einseitige“ Berichterstattung. Die Presse würde dem „Ruf einer engagierten Schule nachhaltig schädigen“. Weiter heißt es in dem Brief, dass eine Stadt wie Berlin von den „Auswüchsen internationaler Konflikte wie des Nahostkonflikts nicht verschont“ bliebe. „Religiös motivierte Auseinandersetzungen“ seien die Folge.

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„Dass sich keiner hinter uns stellte, tat am meisten weh“

Synagoge in Berlin. Themenbild Bild: bb
Ein jüdischer Junge wird massiv gemobbt und muss die Schule verlassen. Kein Einzelfall. Antisemitismus ist in Deutschland ein Problem. Vier Juden berichten über Ressentiments und Beleidigungen im Alltag.

Von Ibrahim Naber | DIE WELT

Millionen Menschen in Deutschland haben feindliche Einstellungen gegenüber Juden. Das zeigen mehrere Studien. Über das konkrete Ausmaß von Antisemitismus existieren verschiedene Angaben. Laut der Bertelsmann-Studie von 2015 stimmt jeder vierte Bundesbürger der Aussage zu, „Juden haben auf der Welt zu viel Einfluss“.

In einer von der Bundesregierung beauftragten Studie kamen Experten im Jahr 2012 zu dem Ergebnis, dass 20 Prozent der Bevölkerung latente antisemitische Einstellungen aufweisen. Die Autoren der Studie „Die enthemmte Mitte“ der Universität Leipzig sprachen zwar 2016 von einer rückläufigen Entwicklung. Demnach seien nur noch 4,8 Prozent der deutschen Bevölkerung Antisemiten, gleichzeitig glaubten aber noch zehn Prozent, dass Juden mehr als andere Menschen mit üblen Tricks arbeiten, um ihre Ziele zu erreichen.

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