Begriffsverwirrung „Achtsamkeit“

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Bereits in dem ersten Artikel zum Thema Achtsamkeit/Gewahrsein hatte ich geschrieben, dass diese Begriffe abgenutzt und esoterisch besetzt sind. Wovon ich hier gesprochen habe, ist das Gewahrsein, das sich in „Eiland“ von Aldous Huxley findet.
Man kann diese unterschiedliche Begriffsverwendung eigentlich gar nicht kritisieren, denn andere Menschen haben eben einen anderen Fokus und wollen von etwas anderem sprechen. Es stellt sich daher nicht die Frage, ob irgendwer einen ursprünglich anders verwendeten Begriff später umdefiniert hat, vielleicht nicht das darunter verstanden hat, was eigentlich einmal gemeint war.

Föderation des Determinismus

Unzweifelhaft ist die Denkweise der Achtsamkeit in verschiedenen östlichen Strömungen enthalten. Huxley zum Beispiel hatte engen Kontakt zu Krishnamurti – zu einem seiner Bücher verfasste Huxley sogar ein Vorwort, in dem es auch um Achtsamkeit ging. Das war 1948 und es scheint, dass Huxley den Begriff aus der Religion und Strömungen der östlichen Philosophie gelöst und für seine eigenen Zwecke verwendet hat.

Andere Aussagen, die mit dem Gewahrsein von Huxley nicht vereinbar sind, die ich hier nur beispielhaft herausgreife:

  1. Gewahrsein bedeutet bewusste Konzentration auf etwas.

Das ist in dieser Form nicht verständlich. Wenn ich am Computer sitze, konzentriere ich mich auch bewusst auf meine Arbeit. Es geht beim Gewahrsein aber um das wertungsfreie Wahrnehmen der direkten Umgebung und des eigenen Körpers mitsamt dem eigenen Befinden. Gerade diesen Aspekt blende ich aber aus, wenn ich mich auf meine Arbeit konzentriere. Selbst wenn ich vor einem Ölbild im Museum sitze und mich in ein Meisterwerk vertiefe, dieses aufmerksam betrachte, auch wenn ich dabei nicht analysiere, so ist dabei doch überhaupt nicht enthalten, wie es mir dabei geht, wie die Stimmung im Raum ist und so weiter. Diese Form der Konzentration und des bewussten Wahrnehmens mag ein Thema für sich sein: Es geht dort aber nicht um die Realität des Hier und Jetzt.

  1. In der Musik kannst Du ganz aufgehen. Das ist Gewahrsein, die Musik vollständig zu erfassen, vielleicht sogar dazu zu tanzen und eins zu werden mit der Musik.

Wenn man ein Musikinstrument spielt, ist das etwas ganz selbstverständliches. Man muss den Emotionalen Ausdruck der Musik selbst fühlen, um ihn im Spielen ausdrücken zu können. Das ist kein rationaler Prozess, sondern in der Musik spiegelt sich die Emotionalität. Jede Rationale Überlegung wird dabei ausgeblendet (wenn man über die Stufe hinaus ist, an der Technik zu feilen), man fühlt sich eins mit der Musik. Sicherlich ist die Musik auch im Hier und Jetzt existent. Auch das ist aber etwas ganz anderes, als Gewahrsein in „Eiland“. Ich kann 45 min. Geige spielen und merke dann erst später, dass mir eigentlich die Finger schmerzen und das meiner Wirbelsäule die Haltung nicht gut getan hat. Das Versenken in die Musik hat durchaus einen innerlich erfüllenden Wert, in der man sich emotional erden kann und auch die Emotionen schon durch die Auswahl des Musikstücks steuern kann – wenn man denn nicht total unmusikalisch ist oder es quasi „angelernt“ hat, die emotionalen Wendungen von Musik auszublenden. Selbst wenn der Musikgenuss bewusst erfolgt, dies ist eher etwas derealisierendes und führt dazu, dass Aspekte des Hier und Jetzt ausgeblendet werden. Musik kann sogar der Flucht aus der Realität dienen. Aufgrund der Smartphoneapps ist es aktuell wieder modern geworden, mit Kopfhörern herum zu laufen und dabei Musik zu hören: Die Selbstwahrnehmung und die gesamte Szenerie, in der man sich bewegt, wird damit in eine andere Empfindungsrealität getunkt – was sicherlich auch der Sinne der Sache sein mag.

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«Rasse» in der Genetik – «Vor bestimmten Resultaten hätte ich zu viel Angst»

Bild: 4ever.eu
«Rasse» ist ein heikler Begriff im Zusammenhang mit Menschen. Heute herrscht Konsens: «Rasse» ist ein soziales Konstrukt, der Begriff biologisch nicht haltbar. Unter menschlichen Populationen gibt es keine so grossen Unterschiede, dass man von Rassen sprechen könnte.

Interview Sarah Herwig | SRF

An diesem Dogma rüttelt der US-amerikanische Genetiker David Reich in einem Artikel in der New York Times, Link öffnet in einem neuen Fenster: In den letzten 20 Jahren, so Reich, habe die Forschung gezeigt, dass genetische Unterschiede zwischen verschiedenen Menschengruppen doch grösser seien als angenommen. Sie bestimmten nicht nur die Hautfarbe, sondern beispielsweise auch die Körpergrösse oder die Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten.

Das Festhalten an diesem Dogma und das Schweigen über genetische Unterschiede biete Raum für pseudowissenschaftliche Stimmen, schreibt Reich. In den USA hat dies einen Aufschrei und eine Debatte ausgelöst.

Diese Debatte sei eine gute Reaktion auf den Artikel, sagt Evolutionsbiologe Claus Wedekind von der Universität Lausanne.

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Was ist das überzeugendste Argument für den Atheismus?

Foto: pixabay.com / kalhh
Das hängt davon ab, wie man Gott definiert, d. h., welche Eigenschaften man ihm zuschreibt.

Von Volker Dittmar | Richard-Dawkins-Foundation

Gläubige weigern sich häufig, selbst anerkannte angenommene Eigenschaften als gegeben anzunehmen, sobald man sie mit einem Argument gegen diese Eigenschaft konfrontiert.

Beispiel: Als ich in einem katholischen Forum die Allmacht kritisierte und zeigte, dass es sich um eine selbstwidersprüchliche Eigenschaft handelt, kam sofort als Einwand: Wer behauptet denn, dass Gott allmächtig ist?

Allmacht ist die einzige göttliche Eigenschaft, die im Glaubensbekenntnis zweimal erwähnt wird. Wenn also jemand die Allmacht Gottes bestreitet, dürfte er eigentlich das allgemeine Glaubensbekenntnis nicht mehr aufsagen.

Man kann jedes Argument damit aushebeln, dass man die Logik nicht anerkennt, auf der es basiert. Wenn mir jemand erzählt, dass Gott „über” der Logik steht (das ist nicht einmal eine sinnvolle Behauptung), dann kann auch kein Argument gegen Gott funktionieren.

Gott wird als transzendent und supernaturalistisch bezeichnet. Beides sind Begriffe mit einem Sinngehalt von Null. Aber damit kann man Gott jedem Argument entziehen.

Man kann also nur fragen: Was ist das Argument, was Atheisten zum größten Teil überzeugt, dass es nicht sinnvoll ist, an Gott zu glauben?

Antwort: Das Theodizeeproblem von Epikur. Es gibt keine überzeugende Antwort auf dieses Problem, obwohl es vorchristlich ist. Georg Büchner bezeichnete das Argument als „den Fels des Atheismus”.

Epikur hat es so formuliert:

Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht:
Dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft,
oder er kann es und will es nicht:
Dann ist Gott missgünstig, was ihm fremd ist,
oder er will es nicht und kann es nicht:
Dann ist er schwach und missgünstig zugleich, also nicht Gott,
oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt:
Woher kommen dann die Übel und warum nimmt er sie nicht hinweg?

Ich formuliere das Problem inzwischen anders als Epikur es tat. Man kann nämlich die Allmacht Gottes bestreiten, dann ist das Problem gelöst, aber siehe Glaubensbekenntnis!

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Michael Schmidt-Salomon im Club Voltaire

Der Philosoph und Autor Michael Schmidt-Salomon sprach im Club Voltaire über die Grenzen der Toleranz. ©Nina Saam

Eine offene Gesellschaft muss tolerant sein, aber auch klare Grenzen formulieren, um funktionieren zu können. Über die Grenzen der Toleranz und die Leitprinzipien einer offenen Gesellschaft sprach am Montag Michael Schmidt-Salomon im Club Voltaire.

Nina Saam | baden online

Vor zwei Jahren hat der aus Trier stammende Philosoph und Autor Michael Schmidt-Salomon sein Buch »Die Grenzen der Toleranz – warum wir die offene Gesellschaft verteidigen müssen« veröffentlicht, das angesichts der wachsenden Polarisierung und Abschottung einzelner Gruppen bis hin zu ganzen Gesellschaften aktueller denn je ist. Demagogen und Populisten schürten einen »Empörialismus«, in dem Stimmungsmache mehr zähle als rationale Argumente, so der Philosoph.

Vielfalt der Meinungen

Dabei sei eine gewisse Streitkultur in offenen Gesellschaften durchaus erwünscht: »Die Vielfalt der Meinungen ist der Nährboden des zivilisatorischen Fortschritts«, so Schmidt-Salomon. »Gesellschaften, die jeden Widerspruch im Keim ersticken, verharren im kulturellen Stillstand.« Doch einen zivilisierten Widerstreit könne es nicht ohne klare Spielregeln geben, die von allen Beteiligten Toleranz abverlangten. Doch was muss toleriert und was darf nicht mehr toleriert werden? Und was muss man akzeptieren, also nicht nur dulden, sondern gutheißen?

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Jens Spahn: Dodo des Monats März 2018

Dodo des Monats März 2018 ©HFR

Jens Spahn hat das Rennen um die kotztütenblaue Dronte souverän gewonnen. Der neue deutsche Politharte, der sich gern als Universalpolitiker darstellt, spricht über alles und über jeden. Morgens, beim hochfahren der Rechner kommt unweigerlich die Frage in den Sinn, was hat die Spahnplatte aus dem Dorf Ottensen wieder an Neuigkeiten produziert. Bei Spahn gibts Spoiler-Alarm. Armut, Hartz IV, sichere Aussengrenzen, Frontex, Recht und Ordnung und dem Familiennachzug von Flüchtlingen, alles Themen, die vom Bundesgesundheitsminister nebenbei abgehandelt werden. Pflegenotstand, Ärztemangel und Zweiklassenmedizin sind nicht seine Themen, da könnte Versagen öffentlich werden. Und so kam es wie es kommen musste, die ersten Wochen als Minister der neuen Bundesregierung kann man mit dem Titel, „aus dem Leben eines Taugenichts“ versehen. Sieht man ihn in den Medien fällt spontan Großmaul ein. Generator unablässiger Dampfplauderei und leerer Worthülsen, eingebettet in die Arroganz eines Höflings der Kanzlerin, der sich auf die Stirn geschrieben hat, dereinst den Posten zu übernehmen. Populistische Profilierung des Erbschleichers der Kanzlerin. Populismus ist in, auch christdemokratisch und so werden die Grenzen des Pseudokonservatismus der CDU verschoben, die Richtung ist klar.

Geht es um den § 219a StGB wird Spahn auch schon mal demagogisch. Wobei ich ja der persönlichen Aufassung bin, wenn es um Frauenrechte geht, sollten Männer sich nicht in die erste Reihe drängeln und schon gar nicht mit erhobenen Zeigefinger.

„Mich wundern die Maßstäbe: Wenn es um das Leben von Tieren geht, da sind einige, die jetzt für Abtreibungen werben wollen, kompromisslos.“Jens Spahn

Was für ein Vergleich, Tierrechte und Abtreibungen. Da weiß man sofort wo Spahn Frauen verortet.
Es geht beim § 219a StGB um Werbung, richtig, aber nicht um die Werbung die allabendlich in die Wohnzimmer des Kleinbürgers tröpfelt. Es geht nicht um Dichtedarstellungen von Tampons und Binden, bei denen der Nachweis, mittels Ersatzflüssigkeiten, optisch dargestellt wird.
Genau diesen Eindruck wollen Spahn und Co vermitteln. Es wird der Eindruck vermittelt als wäre ganz paternalistisch die Frau nicht geschäftsfähig, wenn es um ihren Körper geht.
Es geht um Information, das Recht der Frauen über ihren Körper, ihre Gesundheit und mögliche Karriere zu bestimmen. Diese Fach-und Sachinformationen können betroffene Frauen nur von der Fachfrau/mann bekommen. Die eigentliche Schwangerschaftsunterbrechung ist nicht Gegenstand des § 219a. Schaut man sich die Geschichte der besagten Rechtsnorm an, landet man im Deutschland der NS-Zeit.

In dem Sinne, herzlichen Glückwunsch zum Dodo. Ich bin der Überzeugung, dass es nicht bei dem einen bleibt.

 

Kritik am Naturalismus: Brauchen wir Gott für die Moral?

Der evangelikale Christ Markus WIDENMEYER schreibt in seinem Buch, Moral setze die Existenz eines zeitlosen, göttlichen Wesens voraus, das ihre objektive Gültigkeit garantiere:

AG Evolutionsbiologie

„Moral kann es nur geben, wenn die Welt so beschaffen ist, dass die Frage, warum eine bestimmte moralische Norm wirklich Gültigkeit besitzen soll, prinzipiell beantwortet werden kann. Eine moralische Intuition reicht hier nicht aus. Erstens kann sie zum Beispiel durch ideologische Einflüsse stark verfälscht sein. Noch wichtiger ist, dass solche Intuitionen moralische Sachverhalte bestenfalls anzeigen, aber nicht deren Gültigkeit erzeugen können. Ein wirklicher moralischer Anspruch setzt folglich das Vorhandensein einer absoluten moralischen Autorität voraus, die seine objektive Gültigkeit verbürgt“ (S. 34).

„Weder materielle nichtgeistige Dinge noch endliche Personen, wie wir es sind, kommen hierfür in Betracht … Nötig ist vielmehr eine absolute Person, die mit ihrem Wesen und Willen die absolute Gültigkeit universeller moralischer Maßstäbe garantiert“ (S. 198).

Der „Darwinismus und der Naturalismus“, so der Autor, seien „entscheidende Grundlagen der Ideen Hitlers und des Marxismus“ gewesen. Entsprechend hätten sich „diese Gedankensysteme … durch massive Menschenrechtsverletzungen hervorgetan“ (S. 91). Und: „Der Naturalismus ist … der eigentliche Unterbau der voranschreitenden sittlichen Verwahrlosung und Dekadenz unserer Zeit“ (S. 221). Da nichtreligiöse Menschen die Existenz übernatürlicher Wesenheiten verneinen, verfügten sie über keine Moral, die diesen Namen verdiene.

Was ist dran an dieser Argumentation? Gibt es objektiv gültige normative Aussagen? Lässt sich Moral mit „Gott“ rechtfertigen? Sind naturalistisch-humanistische Ethiken irrational und willkürlich? Tragen Darwinismus und Naturalismus Schuld an den Verbrechen der Nazis und Stalinisten? Und vor allem: Lässt sich eine verantwortbare Moral auf den Wortlaut der Bibel gründen? Um es vorwegzunehmen: Der Autor läuft in alle Gegenargumente, die Philosophen seit Jahrhunderten gegenüber der Begründung von Moral durch göttliche Autorität vorbringen.

Entweder Naturalismus oder Moral? Der falsche Gegensatz

Als erstes ist anzumerken, dass WIDENMEYERs Glaubensethik im breitgefächerten Spektrum des Theismus nur eine kleine Nische belegt. Sie genießt in den Offenbarungsreligionen wie dem Christentum und dem Islam eine gewisse Popularität. Andere Religionen, wie etwa der Buddhismus und Jainismus, begründen ihre Moral nicht mit einer „absoluten moralischen Autorität“, da sie weder Offenbarung noch Kulte kennen.

Auch im Christentum richtet sich die Ethik methodisch neu aus: Moraltheologen wie Alfons AUER, Franz BÖCKLE, Josef FUCHS und viele andere betonen, dass Religion keine argumentative Voraussetzung für die Legitimation sittlicher Normen sein könne (vgl. AUER 2016; VAZ 2014). Moral bedürfe einer vernünftigen, rational nachvollziehbaren Begründung statt des Verweises auf die Theologie.

Anders gesagt, der Autor baut einen falschen Gegensatz auf. Nicht der Naturalismus verkörpert die Antithese zu dessen Moraltheologie, sondern jede Religion und Ontologie, die von einer autonomen Moralbegründung ausgeht. Selbst in der christlichen Theologie stellt WIDENMEYERs strikte Glaubensethik heute eine Minderheiten-Position dar. Daher ist seine Argumentation gegen den Naturalismus so unergiebig.

Gibt es objektiv gültige moralische Werte (normative Aussagen)?

„Moralische Sachverhalte [Gebote, Verbote] bestehen, wenn es sie gibt, im eigentlichen, strengen Sinne objektiv: Sie hängen zum Beispiel nicht davon ab, was Menschen zu einer bestimmten Zeit als moralisch empfinden, allein schon deshalb nicht, weil unser moralisches Empfinden zum Beispiel durch Medien und Politik sehr stark beeinflussbar ist. Moral hängt nicht davon ab, was besonderen menschlichen Interessen entspricht oder was lediglich von Menschen erlassene Gesetze verbieten, befehlen oder erlauben. Moralische Sachverhalte sind selbstständig, sie können nicht auf andere, nicht-moralische Sachverhalte zurückgeführt werden und sie sind nicht von ihnen abhängig“ (S. 33).

Hinsichtlich der Frage, ob es objektiv gültige (absolute) normative Aussagen gibt, beziehen Naturalisten zumeist den Standpunkt des moralischen Subjektivismus (z. B. MACKIE 1977, S. 18). Danach sind Aussagen objektiv gültig, wenn sie unabhängig vom bewertenden Subjekt (faktisch) wahr sind. Wahr können in diesem Sinn nur beschreibende Aussagen sein, da Wahrheit Übereinstimmung einer Aussage mit der Realität bedeutet. Normative Aussagen (über das, was sein soll) gehören nicht in diese Kategorie. Zwischen dem, was ist und dem, was sein soll, klafft eine logische Lücke: Aus dem Sein lässt sich nicht ohne weiteres auf das Sollen schließen (HUMEs Gesetz).

Beschreibende und normative Aussagen haben einiges gemeinsam. Wir können sie postulieren, aus anderen Aussagen ableiten, auf Widerspruchsfreiheit testen, kritisieren usw. Gleichwohl bleibt ein entscheidender Unterschied:

„Beschreibende Aussagen können wahr sein, normative Aussagen nicht. Fakten werden in der Natur gefunden, Normen nicht. Deshalb können deskriptive Aussagen empirisch getestet werden, normative Aussagen nicht. Während wir gute Gründe haben mögen, für eine Beschreibung Wahrheit zu beanspruchen, können wir niemals gute Gründe haben, für Normen Geltung zu beanspruchen“ (VOLLMER 1985, S 184).

Das bedeutet nicht, dass sich Moral nicht auf Wahres beziehen kann und sollte. Die Aussage beispielsweise, dass chronischer Hunger Leid verursacht und dem friedlichen Zusammenleben schadet, ist faktisch wahr. Daraus lässt sich die Maxime ableiten, dass wir um der menschlichen Bedürfnisse Willen und im Interesse des friedlichen Zusammenlebens aller versuchen sollten, Hungersnöte einzudämmen.

So nachvollziehbar diese moralische Forderung ist, so wenig gibt es eine davon losgelöste, objektive Verpflichtung zur Beseitigung des Hungers. Frühchristliche Mönche, die Anachoreten, sahen im Hungern gar einen erstrebenswerten Zustand auf dem Weg zu Gott und in ihren Bedürfnissen ein Hindernis. Sie versetzten ihren Körper bewusst in einen elenden Zustand, denn Askese und Schmerzerfüllung waren für sie von hohem moralischem Wert. Wir müssen uns also, wie MACKIE (1977) betont, mit subjektiven Ansprüchen auf ethisch richtige Interessen begnügen.

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The truth about animals isn’t always pretty

TRUE STORY In The Truth About Animals, zoologist Lucy Cooke clears up misunderstandings about sloths and other creatures. GeorgePeters/iStockphoto
Nearly 2,000 years ago, Pliny the Elder reported that hippopotamuses find relief from overeating by piercing their skin in a hippo version of bloodletting. Eventually, scientists learned that the oozing red stuff Pliny described isn’t even blood but a secretion that may have antibacterial and sun-blocking properties.

By Erika Engelhaupt | ScienceNews

While chasing down the truth for herself, Lucy Cooke scooped the goo from a hippo and smeared it on her own skin — if nothing else, her hand was “noticeably silkier,” she writes in The Truth About Animals.

Cooke, a zoologist and documentary filmmaker, has a storehouse of such tales of animal adventure. She’s also the founder of the Sloth Appreciation Society, whose motto is “Being fast is overrated.” That motto gives a glimpse into her sense of humor, which shines through page after page, and her affinity for misunderstood creatures. Cooke battles the notion that sloths are lazy or stupid just because they’re slow-moving. In her book, she set out to, as she writes, “create my very own menagerie of the misunderstood.”

And quite a menagerie it is. Each chapter takes on a different animal — bats, storks, vultures and pandas, among others — long shrouded in myth or misconception. Some, like bats, are unfairly maligned; others are adored despite shocking behavior, such as Adélie penguins, whose sex lives were considered so depraved that, in 1915, London’s Natural History Museum boldly marked a paper about the birds’ mating behavior as “Not for Publication.”

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Trauerfeier für Hawking: Ein Philosoph abseits der Philosophie

Jahrhundertphysiker Stephen Hawking am 12. April 2016 in New York. Bild: Reuters
Für Stephen Hawking findet heute die Trauerfeier in Great St. Mary’s in Cambridge statt. Bestattet wird er bald darauf neben Newton und Darwin in Westminster Abbey. Tatsächlich war Hawking mehr als Physiker, er war ein großer Denker und Schreiber. Ein Sonderverhältnis hatte er dagegen zur Philosphie.

Von Sibylle Anderl | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Es gab eine ganze Reihe von Themen weit jenseits der eigenen Forschungsinteressen, bei denen der am 14. März verstorbene weltbekannte Physiker Stephen Hawking kein Blatt vor den Mund nahm. Aliens, Künstliche Intelligenz und die Existenz Gottes gehörten dazu. Keines dieser Themen schien Hawking aber über die Jahrzehnte hinweg so anhaltend zu beschäftigen wie sein Verhältnis zur Philosophie – ein Verhältnis, das als intensive Hassliebe bezeichnet werden kann.

Bereits in seinem Mega-Bestseller „Eine kurze Geschichte der Zeit“ von 1988 beklagte er, die Philosophen seien nicht in der Lage, mit der Entwicklung naturwissenschaftlicher Theorien Schritt zu halten. Ihre Reaktion sei daraufhin eine immer stärkere Einengung ihres Horizontes, für ihn gipfelnd in Wittgensteinscher Sprachphilosophie: „Was für ein Niedergang für die große philosophische Tradition von Aristoteles bis Kant!“.

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Ein Lob der Kichererbse

Hülsenfrüchte satt. Der Autor des „Ernährungskompasses“ lobt sie als wertvolle Kohlenhydrate-Quelle.Foto: Imago/Science Photo Library
Was die Wissenschaft über Essen herausgefunden hat – der „Ernährungskompass“ weist die Richtung.

Von Adelheid Müller-Lissner | DER TAGESSPIEGEL

Auf den Wochenmärkten, im Bioladen und im Supermarkt gibt es alles, und davon reichlich: frisches Obst und Gemüse, einheimisch und exotisch, Fleisch vom Bio-Metzger und vom Discounter, Milchprodukte in verwirrenden Varianten, knuspriges Baguette und ballaststoffreiche Vollkornbrote. Zur Vielfalt gesellt sich jedoch die Verwirrung: Soll man nun Rohkost oder gedünstetes Gemüse bevorzugen, vegetarisch leben oder aber mittels fleischlastiger „Steinzeitdiät“ gesund bleiben?

Ausgerechnet ein Mann, der sich um all das nach eigenem Bekunden lange Zeit kein bisschen scherte, hat nun ein Buch zum Thema Ernährung geschrieben. Der Wissenschaftsjournalist und frühere Tagesspiegel-Mitarbeiter Bas Kast nimmt zudem den Mund recht voll: Er verspricht im Untertitel zu seinem „Ernährungskompass“, der gerade im Bertelsmann-Verlag erschienen ist, nicht weniger als „Das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung“.

Zusätzlich stützt der Autor sich auf einen ganz besonderen Fallbericht: Er selbst hatte sich nämlich vor einigen Jahren vorgenommen, seine Ernährung radikal umzustellen, als er beim Joggen mit Schmerzen in der Brust zusammenbrach. Als studierter Psychologe und Biologe wollte er sich dabei von wissenschaftlichen Erkenntnissen leiten lassen.

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«Religion ist das, was die Armen davon abhält, die Reichen umzubringen»

Wie schon viele Denker und Philosophen in früheren Zeiten war auch Napoleon ein Atheist.

Hugo Stamm | watson.ch/blog

Viele Gläubige reagieren ungläubig, wenn ihr Gott oder ihre Heilslehre kritisiert oder in Frage gestellt werden. Egal, ob sie an Jesus als Sohn Gottes, an Allah, Krishna, Buddha oder sonst einen Religionsführer oder spirituellen Meister glauben. Es scheint, als mache für Strenggläubige ein Leben ohne religiösen Inhalt keinen Sinn.

Ihre heftigen Reaktionen auf Kritik nähren die Vermutung, dass skeptische Fragen für sie eine existenzielle Bedrohung darstellen. Oder einen Angriff auf ihren Glauben. Kritiker werden von ihnen gern auch als moralisch bedenklich eingestuft, weil sie glauben, dass nur der Glaube an einen Gott Menschen zu wertvollen und verantwortungsbewussten Wesen machen könne.

Fromme Christen beispielsweise sehen oft den Satan am Werk, wenn Skeptiker kritische Fragen stellen. Oder gar atheistische Positionen vertreten.

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Stephen Hawking: „Ich möchte wissen, was da draußen ist“ – R.I.P.

Stephen Hawking

„Das Universum kann sich selber aus dem Nichts erschaffen.“(Stephen Hawking)

Der 76-jährige Astrophysiker starb am Mittwochmorgen in seinem Haus in Cambridge. Der Professor zählte zu den grössten Wissenschaftern der Welt.

Unvergessen!

Manfred Lütz: Dodo des Monats Februar 2018

Dodo des Monats Februar 2018 ©HFR

Geschichtenerzähler Lütz liebt Geschichten, katholische natürlich. Sein Christentum, seine Kirche sind auf dem besten Wege sich  abzuschaffen. Das schmerzt. Der imaginäre Himmelsfreund schweigt, keine Antworten. Wer sein Leben in die Verantwortung anderer legt ist nicht erwachsen und so kommt Lütz daher, pseudo-wissenschaftlich, das katholische Gemüt kindlich.  Unweigerlich kommt Matthäus in den Sinn, „Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr.„(Lutherbibel 1912). Auf dieser Ebene bemüht sich Lütz. Er setzt sich hin und schreibt ein Buch über die Geschichte des Christentums, müdes Abwinken, wissenschaftlich wäre gewesen, ergebnisoffen zu argumentieren, das wollte er nie. Sein Buch ist eine Verteidigungschrift, die Sicht eines Mannes, der gern und oft, im Sinnes seines polytheistischen Gottes, Geschichte verbiegt, klittert und schön redet. Sein Gott ist Liebe, gemeint ist Gehorsam und all die Ungehorsamen schmerzen Lütz zutiefst. Sein Buch produzierte Fake News in Serie. Da er glaubt, beweist er nichts und bedient sich eines Taschenspielertricks. Wenn er sonst gegen die Trennung von Staat und Kirche wettert, politische Aktionen von Christen einfordert, bedient er sich genau dieser Separation um sein Christentum rein zu waschen. Es war die weltliche Macht, die geistliche Urteile vollstreckte, die Verbindung Thron-Kirche, Kaiser-Papst, blendet er aus, der Adel gab den Glauben vor und der war bis zur Reformation katholisch. Es dauerte nicht lange, bis die katholische Kirche, nachdem das Christentum Staatsreligion wurde, die ersten Ketzer und Häretiker hinrichten ließ. Die Anerkennung derselben sollte bis zum 2. Vaticanum andauern.
Nimmt man das Alte Testament so war die Sintflut der erste Völkermord in der Geschichte der Menschheit, immer vorausgesetzt man glaubt diesen Mist. Lütz glaubt an die Päpste, seine Väter im Glauben hatten Macht, sie hielten den Schlüssel in der Hand um den Feudeladel den Weg in alle Himmel zu weisen. Die Päpste hatten feudale, ökonomische und politische Macht, sie konnten Heere ausrüsten und für die Sache des Christengottes kämpfen lassen. Missioniert heute Politik von Oben, indem man dem ungläubigen Pöbel Kirchen vor die Nase setzt und Märchenstunden abhält, die allein durch die Wiederholung Hoffnung erzeugen sollen, ganz in christlicher Hinsicht. In der Geschichte des Christentums wurde mit dem Schwert missioniert, tötet sie alle, der Herr wird die Seinen schon erkennen. Die Päpste öffneten mit ihren Bullen die Tore der Hölle um die „Affen“ der Amerikas zu christianisieren. Die Erlaubnisse bekamen nicht die Landsknete, Glücksritter und Mörder, sie waren für Könige bestimmt. Das Christentum matschte sich durch die Welt um das Symbol des Kreuzes allerorten zu hissen. Schlimm wurde es mit der Reformation. Allein die Feststellung ob der Christengott evangelisch oder katholisch sei kostete ein Drittel der deutschen Bevölkerung das Leben. Schade eigentlich dass diese Armee der Toten nicht bei den Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum defilieren konnte. Selbst die katholische Liga verweltlicht in der Trickserei des Herrn Lütz. Zum katholischen Fundamentalismus kam nun der evangelische Extremismus. Die Taliban des Christentums, sola scriptura, Luthers nur die Schrift haben sich Jahrhunderte später Wahhabiten und Taliban zu eigen gemacht. Religiotie im Streit um den Wahrheitsbegriff, ganze Generationen verdummt und verblödet. Lütz generiert sich als göttliches Mietmaul, nichts anderes versucht er im Namen seines imaginären Freundes zu sein, mit Liebe natürlich.
Es braucht weltliches Geld um den Schinken des Herrn Lütz in die Bestsellerlisten zu hieven. Der Herder-Verlag knausert nicht, wohl wissend, wie man Bestseller produziert, das Produkt wird zum Hit, wenn es der Markt wahr genommen hat. Man muss die Lützsche Geschichte des Christentums nicht lesen. Es empfiehlt sich für Interessenten die Kriminalgeschichte des Christentums von Karlheinz Deschner zu lesen. Danach ist nicht nur die christliche Ursuppe versalzen. Anzunehmen ist, dass sich Lütz dieser Lektüre verweigert. Deschner hat mit dieser Bande von Gangstern, die sich Päpste, Kardinäle, Bischöfe und Äbte, Theologen, Nonnen, Mönche und Priester nennen aufgeräumt.

Herzlichen Glückwunsch zum zweiten Dodo.

„Je größer der Dachschaden, um so schöner der Aufblick zum Himmel.“(Karlheinz Deschner)

What Does David Attenborough Really Think of Darwin?

A casual viewer of nature documentaries—or anyone who hasn’t heard of or seen the film Attenborough wrote called, “Charles Darwin and the Tree of Life”—might surmise that the man was hired to narrate the scripts merely because he’s got a great voice. Photograph courtesy Johann Edwin Heupel / Flickr
The name “David Attenborough” has, to me, always been an enchanting but disembodied voice narrating the hidden struggles and splendors of the natural world.

By Brian Gallagher | NAUTILUS

In the last few months I’ve seen several of his documentaries (out of the 23 I could count on Netflix) from start to finish—Life, Africa, and Planet Earth. They’re mesmerizing, and some segments can be heart-racing, some distressing, and some morally confusing, as you feel your sympathies tugged in opposite directions (quite often, the offspring of one creature is taken as food to feed the offspring of another). Attenborough doesn’t take sides—the cruelty of necessity in nature is a spectacle he dramatizes neutrally.

What Attenborough doesn’t do in his nature documentaries is discuss Darwin and his theory of natural selection. Sure, every so often he’ll utter the word “evolve”—it’d be cumbersome not to, especially when it’s, say, birds with specialized, elongated beaks that he’s describing. But, watching these shows, you’ll rarely hear him mention genes or sexual selection, even when, for instance, ibex males, with their massive horns, are shown ramming each other in fights for access to females. “Losing one,” he says, “might mean never getting the chance to breed…ever.” Anyone curious to know what effect follows from females only mating with the winners of these contests won’t be gratified with an answer.

“That was the trigger which lead him to these extraordinary thoughts.”

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Nackter Luther: War der Protest gerechtfertigt?

Bild: Föderation des Determinismus
Aktivisten haben gegen den Reformationstag als gesetzlichen Feiertag protestiert. Die Religionswissenschaftlerin Gabriele Richter findet die Aktion legitim.

Milan Jaeger | buten un binnen

Die Empörung bei einigen Bremern war groß, als am Donnerstag plötzlich eine nackte Luther-Figur auf dem Marktplatz stand. Die Giordano-Bruno-Stiftung hatte die Figur aus Protest gegen die Pläne, den Reformationstag in Bremen als gesetzlichen Feiertag einzuführen, aufgestellt.

Auch auf Facebook wurde die Aktion kontrovers diskutiert. Ein Post von buten un binnen erreichte bis Freitagnachmittag mehr als 400.000 Nutzer. Wir haben mit der Religionswissenschaftlerin Gabriele Richter von der Universität Bremen über die Positionen von Martin Luther gesprochen.

Frau Richter, war Martin Luther ein Antisemit?
Er war ein Antijudaist. Er war sehr davon überzeugt, dass alle Juden, sobald er seine Übersetzung der Bibel ins Deutsche abgeschlossen hat, sich zum Christentum bekennen würden. Als das nicht eintrat, war er bitter enttäuscht und hat gegen Juden gehetzt. Aber nicht in der Art und Weise, wie es Antisemiten in späteren Zeiten taten, sondern auf Grundlage der Religion. Das soll Luthers Positionen aber nicht relativieren. Die waren trotzdem sehr problematisch.

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Alvys Fehler und der Sinn des Lebens

Foto: pixabay.com / geralt
Die Wissenschaft enthüllt unsere tiefste Bestimmung

Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

In einer Rückblende im Film Der Stadtneurotiker von 1977, will Woody Allens Charakter Alvy Singer, ein depressiver kleiner Junge, seine Hausaufgaben nicht machen, denn, so erklärt er seinem Doktor:

„Das Universum expandiert. […] Nun, das Universum ist alles und wenn es expandiert, wird es eines Tages auseinanderfallen und das wird dann das Ende der Welt sein.“

Seine wütende Mutter rügt ihn:

„Was hat das Universum bitteschön damit zu tun?! Du bist hier in Brooklyn. Brooklyn expandiert nicht!“.

Nennen wir es „Alvys Fehler“: Den Zweck von etwas auf der falschen Analyse-Stufe zu bewerten. Die Ebene auf der wir unser Handeln bewerten ist die menschliche Zeitskala von Tagen, Wochen, Monaten und Jahren – unsere Lebensspanne von 80 Jahren plus minus 10 – aber nicht die Milliarden Jahre auf dem kosmischen Kalender. Es ist ein Fehler, den Theologen häufig begeben, wenn sie behaupten, dass ohne eine externe Quelle, aus der sich Moral und Sinnstiftung ableiten lassen, nichts von Bedeutung ist.

Einer der prominentesten Theologen unserer Zeit, William Lane Craig, war vor Alvys Fehler nicht gefeit, als er 2009 in einer Debatte an der Columbia University mit dem Philosophen Shelly Kagan von der Universität Yale verkündete

„Gemäß der naturalistischen Sichtweise wird alles letztendlich des Universums im Wärmetod zugrunde gehen. Wenn das Universum expandiert, kühlt es nach und nach ab, bis die Energie verbraucht ist. Irgendwann sind alle Sterne ausgebrannt, alle Materie wird zu toten Sternen und schwarzen Löchern kollabieren, es wird kein Leben geben, keine Wärme, kein Licht – nur Sternenleichen und Galaxien, die in die ewige Dunkelheit entfliehen. In Anbetracht dieses Endes erscheint es mir schwer verständlich, warum unsere moralischen Entscheidungen irgendeine Art von Bedeutung haben sollten. Es gibt keine moralische Rechenschaft. Das Universum ist weder besser oder schlechter, egal was wir tun. Unser moralisches Leben wird ausgehöhlt, weil wir keinerlei kosmologische Bedeutung haben.“

Kagan nagelte Craig auf diese Aussage fest und bezog sich auf dessen Beispiel der gottlosen Folterer:

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Wahl Dodo des Monats Februar 2018

Dodo des Monats Februar 2018 ©HFR

Im vergangenen Monat gab es nur wenig Tage, an denen obskure und groteske Meinungen aus Politik und Kirchen nicht in die Medien schwemmten. Mögliche Kandidaten konnten nicht berücksichtigt werden, ob nun Dodo Laun, der Hilfsbischof aus Österreich, endlich in Rente, nicht darin gehindert größtmöglichen Blödsinn zu verkünden, natürlich alles im Namen seines himmlischen Freundes. Bedford-Strohm, der subalterne Regierungspfarrer bringt nun seinen Sohn um die Vergottung des Internets weiter entwickeln zu können. Zwangsmission via ZDF, Geld sammeln für ein fragwürdiges Projekt in Potsdam, die Kriegskirche. Vielleicht finden sich ja noch die Trophäen aus deutsch-französischen Kriegen, die man nach der Niederlage des 1. Weltkriegs schnell beseite geschafft hat. Und, und, und.
Seht selbst.

Die Wahl ist bis zum 07. März 2018, 18:00 Uhr, befristet. Am Folgetag wird der Gewinner hier gewürdigt werden. Viel Spaß!

  1.  Christian Gerlinger, „SPD-Ortsvorsitzender, mag keine Religionskritik.“
  2.  Manfred Lütz, „verbiegt die Geschichte des Christentums bis zum geht nicht mehr.“
  3.  Gemeinderat Herxheim am Berg, „mag es wenn das Hitler-Glöckchen Friedensmelodien läutet.“
  4.  Manfred Spieker, „die schwule Schöpfung seines Herrn will er nicht akzeptieren.“
  5.  Markus Dröge, „unterscheidet zwischen Flüchtlingen und Christen, bei letzteren soll bevorzugt werden.“
  6.  Monika Grütters, „politische Gottesmagd, die sich um Entchristlichung sorgt.“
  7.  Markus Söder, „Patrioten und Religiöse nicht zurücklassen, wann singt er ein Heimatlied?“
  8.  Peter Dabrock, „Vorsitzender Theologe des Ethikrates mit bigotter Ethik.
  9.  Eugen Brysch, „Kommunion und letzte Ölung auf dem OP?“
  10.  ZDF, „Staatsfernsehen mit Zwangsmission für Geldspenden zum Wiederaufbau einer Kriegskirche.“
  11.  Peter Homberger, „mit Kreationismus gegen den Kreationismus um die Evolutionstheorie zu widerlegen.“
  12.  Mechthild Löhr, „lebt ihre pränatalen Fruchtwasserträume aus.“
  13.  Alice Weidel, „nicht die hellste Kerze ihrer Partei.“
  14.  Angela Merkel, „normalisiert Länderbeziehungen, gut christlich, mit Waffengeschäften.“
  15.  Jens Spahn, „will seine dörfliche Leitkultur landesweit sehen.“
  16.  Heinz Josef Algermissen, „die Kirchenspaltung und der Atheismus, er ist 500 Jahre zurück.“

Weiterlesen „Wahl Dodo des Monats Februar 2018“

Richard Feynman & die Physik: Der Verständliche

Wenn ein Prinzip wirklich fundamental ist, dann muss man es in einfache Worte bringen können: Richard Feynman als frischgebackener Nobelpreisträger 1965 am Europäischen Kernforschungszentrum bei Genf Bild: akg / Science Photo Library
Am Werk Richard Feynmans kommt niemand vorbei, der die moderne theoretische Physik begreifen will. In seinem Buch erklärt Jörg Resag es dem Laien auf vorbildliche Weise.

Von Ulf von Rauchhaupt | Frankfurter Allgemeine Zeitung

In Europa war der 16. Februar 1988 bereits angebrochen, als in Los Angeles der Physiker Richard Feynman einem Krebsleiden erlag. Doch weniger den dreißigsten Todestag als den hundertsten Geburtstag im kommenden Mai hatte Jörg Resag mit diesem Buch im Auge. Auf den ersten Blick scheint es überflüssig, denn allenfalls über Albert Einstein gibt es heute noch mehr biographische Literatur als über den Mann, der auf besonders erfolgreiche Weise Bohrs und Heisenbergs Quantenphysik mit Einsteins spezieller Relativitätstheorie verband. Tatsächlich landete Feynman in einer Umfrage unter hundert führenden Vertretern des Fachs im Jahr 2000 nach den drei genannten auf Rang vier der besten Physiker des zwanzigsten Jahrhunderts. Paul Dirac, der eigentliche Erzvater der relativistischen Quantentheorie oder Quantenelektrodynamik (QED) folgt erst auf Rang fünf.

Neben der monumentalen Biographie aus der Feder des indisch-amerikanischen Wissenschaftshistorikers Jagdish Mehra aus dem Jahr 1994 sind über Feynman heute auch etliche populäre Lebensbeschreibungen und Anekdotensammlungen lieferbar. Doch die lustigen Episoden aus dem Leben des nonkonformistischen Nobelpreisträgers, der gerne auf Bongos trommelte oder auch mal einen Strip-Club besuchte, erklären Feynmans Bedeutung für die moderne Physik nur bedingt. Das tun die Fachhistoriker, neben Mehra der auf die Geschichte der QED spezialisierte Silvan Schweber. Doch deren Werke sind für Fachfremde harte Kost.

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Ein Hund schafft es in die SPD, ein Religionskritiker nicht

Bild: bb
„Für eine offene, freie Gesellschaft“ kann man auf der Startseite der SPD lesen. Dass diese Offenheit nicht unbedingt Religionskritik miteinschließt, zeigt ein Fall in Augsburg: David Farago wollte in die SPD eintreten und wurde abgelehnt – wegen kirchenkritischer Äußerungen im Internet.

Von Gisa Bodenstein | hpd.de

„Bei Wahlen gibt man seine Stimme ab. Wörtlich heißt das für mich, alle vier Jahre darf der Bürger einmal mitbestimmen, dann ist die Stimme wieder weg. Dass es eine Partei gibt, in der der Bürger seine Stimme behalten darf, finde ich fantastisch“, sagt David Farago, Mitarbeiter der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) und Initiator der Kunstaktion „11. Gebot“. „Ich hatte schon länger überlegt, in eine Partei einzutreten, obwohl eigentlich keine Partei so richtig zu mir passt. Aber ich denke, nur durch die SPD wird es möglich sein, dass sich in Deutschland politisch etwas ändert“. Das anstehende Mitgliedervotum gab den Ausschlag: Alle SPD-Mitglieder sind aufgerufen, bis zum 2. März über den Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD zu entscheiden.

Am 1. Februar suchte Farago die Geschäftsstelle der SPD in seinem Wohnort Augsburg auf und stellte einen Mitgliedsantrag. Der Stichtag, um an der Entscheidung über eine Neuauflage der Großen Koalition teilzunehmen, war der 6. Februar. Genug Zeit also, um rechtzeitig aufgenommen zu werden – sollte man meinen. Eine Woche später, am 8. Februar, erhielt David Farago ein Antwortschreiben der SPD. Allerdings nicht mit einer Aufnahmebestätigung, sondern einer Ablehnung:

„Die Geschäftsstelle Augsburg-Stadt hat uns als zuständigen Ortsverein über Ihren Wunsch informiert, der SPD beizutreten. Gemäß Organisationsstatut der SPD hat der Ortsvereinsvorstand über die Aufnahme zu entscheiden und kann binnen eines Monats die Aufnahme ablehnen. In diesem Fall hat der SPD-Ortsvereinsvorstand von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht und Ihren Aufnahmeantrag abgelehnt.

Sollten Sie gegen diese Entscheidung des Ortsvereinsvorstandes Widerspruch einlegen wollen, so steht Ihnen der Weg binnen eines Monats offen. In diesem Fall müssten Sie sich an den SPD-Unterbezirksvorstand Augsburg-Stadt wenden.“

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Warum KI die Welt besser regieren könnte als Menschen

Wenn es um künstliche Intelligenz und die Möglichkeit geht, dass sie ein Bewusstsein entwickelt, stoßen wir auf eine tiefsinnige philosophische Schwierigkeit. Ich bin philosophischer Naturalist. Ich bin Vertreter der Ansicht, dass nichts in unserem Gehirn die Gesetze der Physik verletzt, dass es nichts gibt, was prinzipiell nicht auch von Technologie reproduziert werden kann.

Von Richard Dawkins | Richard-Dawkins-Foundation

Es wurde noch nicht gemacht und wir sind vielleicht noch weit davon entfernt es zu tun, aber ich sehe keinen Grund zu glauben, warum wir nicht in der Zukunft an den Punkt gelangen sollten, an dem ein menschengemachter Roboter dazu in der Lage ist ein Bewusstsein zu entwickeln und Schmerzen zu empfinden. Wir können Schmerz empfinden, warum sollten sie es nicht können? Und die ist besonders verstörend, weil uns der Gedanke gegen den Strich geht, dass eine Maschine aus Metall und Siliziumchips Schmerz empfinden könnte, aber ich sehe keinen Grund, warum sie es nicht tun könnte.

Und deshalb wird es in der Zukunft moralische Überlegungen geben, wie man künstlich intelligente Roboter behandelt, ein Problem über das Philosophen und Moralphilosophen bereits sprechen. Noch einmal: Ich bin davon überzeugt, dass dies möglich ist. Ich vertrete die Ansicht, dass alles, was ein menschliches Gehirn kann, ebenfalls durch Silizium repliziert werden kann. Und ich kann die Bedenken, die von hochangesehenen Personen wie Elon Musik und Stephen Hawking geäußert wurden nachempfinden, laut denen wir nach dem Vorsorgeprinzip besorgt sein müssen, dass eine Machtergreifung durch Roboter, die wir selbst erschaffen haben, möglich ist, besonders, wenn sie sich selbst vervielfältigen können, sich fortentwickeln und nicht mehr auf uns angewiesen sind.

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Daniel Dennett: Es gibt nichts Übernatürliches

Für ihn ist der Mensch nur Materie: Daniel Dennett gilt als grosser Entzauberer der Philosophie. imago/ZUMA Press
Für Daniel Dennett hat der Mensch nichts Rätselhaftes an sich. Alles sei naturwissenschaftlich erklärbar, sagt der Philosoph. Wo bleibt da der Geist? Und wo die Freiheit?

Von Yves Bossart | SRF

Mit seinem weissen Rauschebart und dem selbstgeschnitzten Gehstock sieht er aus wie Gott persönlich. Passender wäre jedoch: wie Charles Darwin.

Der 75-jährige Starphilosoph Daniel Dennett sagt nämlich von sich selbst, er sei ein Roboter, konstruiert im Laufe der Evolution. Für Dennett gibt es nichts Übernatürliches. Alles ist prinzipiell naturwissenschaftlich erklärbar, auch unser Bewusstsein.

Das Ich ist nur eine Illusion

Gefühle und Gedanken seien, ebenso wie unser Ich, nichts weiter als Illusionen, die das Gehirn erzeuge, um einfacher funktionieren zu können. Der Geist sei letztlich nicht mehr als das Gehirn und somit ein Produkt der Evolution.

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