Wahl Dodo des Monats November 2016

Dodo des Monats November 2016 ©HFR
Dodo des Monats November 2016 ©HFR

Zum Jahresende gab es noch einige Paukenschläge. Die Synode der EKD beschließt die Abkehr von der Judenmission, was natürlich einige Evangelikale Protestrufe nach sich zieht. In Niedersachsen wird mit viel Geld vom Staat eine Klinik aufgebaut, Betreiber ein evangelischer Konzern, der natürlich nichts besseres weiß, als Abtreibungen zu verhindern. Steuergeld für einen Pfaffenkonzern, der noch meint Frauen entmündigen zu müssen. Das kann nicht sein.
Eine Reihe von Theologen haben das Thema des Atheismus für sich in Anspruch genommen, Richard Dawkins ein kleiner ungläubiger Wicht, Atheismus ist böse aber das Schlechteste noch lange nicht. Noch schlimmer als der Papst schwurbelt sich Heinrich Bedford-Strohm durch die Medien. Ohne Linie, schlüpfrig wie eine Nacktschnecke windet er sich durch die Höhepunkte der Zeit. Die EKD weiter im Abwärtstrend ihrer öffentlichen Wahrnehmung.

Die Wahl ist bis zum 07. Dezember 2016, 18:00 Uhr befristet. Der Gewinner wird am folgenden Tag gewürdigt werden. Viel Spaß!

  1.  Olaf Latzel, „will Juden missionieren, alles andere ist Antisemitismus.
  2.  Agaplesion-Konzern, „Geld stinkt nicht, aber Frauen sind zu bevormunden.“
  3.  Wilhelm Imkamp, „er duldet keine Hedonisten neben sich.“
  4.  Christiane Tietz, „Krampfhafte Selbstsorge, oder asoziales Klugscheißen.“
  5.  Daniel Böcking, „Stellv. Chefredakteur Bild.de mit Mission.“
  6.  Reiner Haseloff, „im atheistischen Sachsen-Anhalt kann Kirche nichts gestalten, es sei denn durch Zwang.“
  7.  Antonino Zichichi, „Kernphysiker mit teleologischer Attitüde.“
  8.  Neals Nowitzki, „Helfersyndrom für Luther-Happening.“
  9.  Tomáš Halí, „mit Aberglauben Aberglauben kritisieren.“
  10.  Rainer Wendt, „polizeilicher Wut-Gewerkschafter.“
  11.  Susan Neiman, „möchte die Bibel philosophisch einbringen.“
  12.  Heinrich Bedford-Strohm, „Kreuz ist unwichtig.“
  13.  Papst Franz, „möchte in Gebärmüttern mitbestimmen.“
  14.  Herfried Münkler, „Bestandteil eines dummen Volkes.“

„Wahl Dodo des Monats November 2016“ weiterlesen

Erster Heinz-Oberhummer-Award an Skeptiker und Zauberkünstler James Randi

James Randi, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 /James Randi Foundation
James Randi, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 /James Randi Foundation
Der mit 20.000 Euro und einem Glas Alpakakot dotierte Preis für „hervorragende Wissenschaftsvermittlung“ wird am 24. November verliehen

derStandard.at

Der kanadische Zauberkünstler, Autor und Pseudowissenschafts-Aufklärer James Randi (87) erhält den ersten nach dem 2015 verstorbenen Physiker und Kabarettisten benannten Heinz-Oberhummer-Award für Wissenschaftskommunikation. Am Todestag Oberhummers, dem 24. November, wird Randi den Preis im Wiener Stadtsaal entgegennehmen, wie die „Science Busters“ mitteilten.

Die Auszeichnung ist mit 20.000 Euro dotiert. Gemeinsam mit Oberhummers ehemaliger Kabarettgruppe, den „Science Busters“, stellen die Universität Graz, die Technische Universität Wien, der ORF und die Stadt Wien die Jury und finanzieren den Preis, zu dem es quasi als „Draufgabe“ noch ein Glas Alpakakot gibt.

weiterlesen

Säkularisierung: Kehrt die Religion zurück nach Europa?

Tomáš Halík ist ein tschechischer Priester und Intelektueller (Carl Court / AFP)
Tomáš Halík ist ein tschechischer Priester und Intelektueller (Carl Court / AFP)
Die Welt erlebt eine Wiederkehr der Religion, sie kommt in der Gestalt des Islams ins säkularisierte Europa zurück – sagt der tschechische Soziologe und Religionsphilosoph Tomáš Halik. Atheistische Denker widersprechen Haliks These: Sie sehen nach wie vor einen Niedergang der Religion, zumindest in unseren Breiten. Wer liegt richtig?

Von Burkhard Schäfers | Deutschlandfunk

„Gott ist tot – beziehungsweise hat nie gelebt.“ „Gott ist die Liebe.“ „Gott lässt sich mit unseren Worten nicht beschreiben.“ Es gibt so viele Formen von Glauben und Unglauben, wie es Menschen gibt, sagt der tschechische Soziologe und Denker Tomás Halik:

„Es gibt einen tiefen Glauben, es gibt auch eine politisch missbrauchte Religion, es gibt eine naive Bigotterie. Und auch im Atheismus gibt es einen militanten Atheismus, einen stolzen Atheismus – aber es gibt auch einen Atheismus der Schmerzen, von den Leuten, die sagen: Es gibt so viele schreckliche Dinge in meinem Leben.“

Tomás Halik vereint in seiner Person zwei Perspektiven: Die des soziologischen Beobachters religiöser Phänomene – und die des Gläubigen in einem säkularen Umfeld in Tschechien.

weiterlesen

Wahl Dodo des Monats Oktober 2016

Dodo des Monats Oktober 2016 ©HFR
Dodo des Monats Oktober 2016 ©HFR

Das Jahr neigt sich seinem Ende entgegegen, die Anzahl religiöser Feierlichkeiten steigt, eben so der Blödsinn, welcher von Politik und Pfaffen geäußert wird. Die Kanzlerin empfiehlt ihrem Volke bestehende Ängste, Zweifel am, mit dem Islam durch die Benutzung von Blockflöten und das Abspielen religiöser Gesänge auszumerzen. Solcher Art Vorschläge lassen einen tiefen Einblick in die Gemütslage der CDU-Vorsitzenden zu. Ein Einblick der normal ausgerüstete Zeitgenossen erschrecken lässt.
Die Diskussion um einen möglichen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten geben uns einen guten Ausblick auf die begrenzten Horizonte deutscher Spitzenpolitik, von Navid Kermani, Margot Käßmann und Wolfgang Huber hörte man, Erzapostel Schick würde sogar einen islamischen Kandidaten, ganz demokratisch natürlich, unterstützen wollen.
Die einen wollen unter Muslimen missionieren die anderen Homos heilen. Nichts richtet das institutionalisierte Christentum so auf wie die Formen von Sexualität. Homosexuelle sind eine „perverse Form, ohne jedwede Dynamik“. Solche Aussagen kommen von zölibateren Pfaffen, in deren ehemaligen Bistum über 400 Missbrauchsfälle dokumentiert wurden, alles Einzelfälle und herbeigeredet von den Medien, natürlich. Da spürt man den Neid, offiziell nicht vögeln zu dürfen und laienhafte Schilderungen ans Glaubensvolk bringen zu müssen.

Hier sind die Kandidaten. Die Wahl ist bis zum 07.11.2016, 18:00 Uhr befristet. Die Widmung des Siegers erfolgt hier auf dem Blog. Viel Spaß!

  1.  Bund katholischer Ärzte, „Homo-Heiler mit Theologie.“
  2.  Ludwig Schick, „alles, nur kein Ungläubiger als Bundespräsident.“
  3.  Susanne Kummer, „mit katholischer Pseudowissenschaft zum Thema Bioethik.“
  4.  Reiner Haseloff, „hält den christlichen Glauben im Osten für wichtig.“
  5.  Heinrich Bedford-Strohm, „billige Ausreden zum Brustkreuz in Jerusalem.“
  6.   Heinz Josef Algermissen, „Vater, Mutter, Kind. Wann stellt er die seinen vor?
  7.  Gregor Maria Hanke, „möchte in der Zivilehe mitreden dürfen.“
  8.  Günther Beckstein, „möchte Muslime missionieren, auf nach Raqqa.“
  9.  Heiner Koch, „ihm gelingt die Verbindung von Strafzettel und Buße.“
  10.  Angela Merkel, „mit Blockflöte und christlichen Schlachtgesängen gegen den Islam.“
  11.  Thea Dorn, „möchte den Literaturnobelpreis für den Judenhasser Luther.“
  12.  Gerhard Ludwig Müller, „Atheisten, Schwule, Lesben, und die Domspatzen, alles übelste Einzelfälle.“
  13.  Bodo Ramelow, „im Papstwahn.“

„Wahl Dodo des Monats Oktober 2016“ weiterlesen

„Gott ist nicht tot – er hat nie gelebt“

Foto: Robert Walser Auf dem Podium über „Glaube und Atheismus“ (von links): Professor für Soziologie an der Karlsuniversität Prag und Präsident der Tschechischen Christlichen Akademie, Tomáš Halík, Akadamiedirektor Florian Schuller, der freiberufliche Philosoph Joachim Kahl und der Ordenspriester der Abtei Münsterschwarzach, Anselm Grün OSB.
Foto: Robert Walser Auf dem Podium über „Glaube und Atheismus“ (von links): Professor für Soziologie an der Karlsuniversität Prag und Präsident der Tschechischen Christlichen Akademie, Tomáš Halík, Akadamiedirektor Florian Schuller, der freiberufliche Philosoph Joachim Kahl und der Ordenspriester der Abtei Münsterschwarzach, Anselm Grün OSB.
„Glaube und Atheismus“: Eine Diskussion mit Anselm Grün OSB, Professor Tomáš Halík und dem Atheisten Joachim Kahl in München.
 

Von Alexander Riebel | Die Tagespost

Es ist eine zutiefst existenzielle Frage, ob man an Gott glaubt oder nicht. In der Auseinandersetzung zwischen Glauben und Atheismus geht es ums Ganze. So auch im Podiumsgespräch zu „Glaube und Atheismus“ zwischen dem Ordenspriester der Benediktinerabtei Münsterschwarzach, Anselm Grün OSB, dem Professor für Soziologie an der Karlsuniversität Prag und Präsident der Tschechischen Christlichen Akademie, Tomáš Halík sowie dem freiberuflichen Philosophen Joachim Kahl, in der katholischen Akademie in München. Akademiedirektor Florian Schuller moderierte glänzend durch die Diskussion und nannte eingangs ein Flaubert-Zitat, das Bestseller-Autor Robert Harris dem letzten Teil seiner Cicero-Trilogie voranstellte: „Gerade, als die Götter schon nicht mehr da waren und Christus noch nicht gekommen, gab es diesen einzigartigen Augenblick in der Geschichte, von Cicero bis Mark Aurel, da stand der Mensch allein. Nirgends sonst finde ich diese besondere Majestät.“ Auch heute stehe der Menschen vielfach allein da, meinte Schuller, das Christentum müsse sich immer wieder neu bestimmen gegenüber allen Relativierungen dieser Zeit.

weiterlesen

Internationale Studie zu lebensweltlichen Identitäten Konfessionsfreier

Erstmals untersucht eine wissenschaftliche Befragung lebensweltliche Identitäten und weltanschauliche Auffassungen konfessionsfreier Menschen in fünf Ländern eingehender. Frieder Otto Wolf, Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands, hat die neue Studie begrüßt.

Humanistischer Verband Deutschlands

Rund ein Drittel der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland gehört keiner Kirche oder anderen Religionsgemeinschaft an, Tendenz steigend. Doch detailliertere Erkenntnisse, welche weltanschaulichen Auffassungen und wertebezogenen Orientierungen in der Gruppe der Konfessionsfreien verbreitet sind, lagen bisher kaum vor. Erstmals eingehender widmet sich dieser Fragestellung nun eine internationale Untersuchung mit dem Titel „Konfessionsfreie Identitäten“, die von vier einschlägig renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entwickelt worden ist. Dazu wurde vor kurzem eine Online-Befragung veröffentlicht, die sich an konfessionsfreie Menschen richtet. Die Studie unter federführender Leitung der Psychologin Tatjana Schnell (Universität Innsbruck) wird in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Dänemark durchgeführt.

Die Befragung zur wissenschaftlichen Untersuchung will genauer herausfinden, wodurch die lebensweltlichen Identitäten konfessionsfreier Menschen in den fünf europäischen Ländern geprägt sind. „Welche Weltbilder vertreten sie, welche Erfahrungen machen sie? Gibt es andere, nicht-religiöse Organisationen, denen sie sich zugehörig fühlen? Unser Ziel ist es, mehr Wissen über die Vielfalt unserer Weltbilder zu gewinnen. Nur so können die unterschiedlichen Anliegen auch angemessen in der Gesellschaft Gehör finden“, sagt die Psychologin Tatjana Schnell, assoziierte Professorin am Institut für Psychologie der Universität Innsbruck, zum Zweck der Untersuchung. Schnell hat die Untersuchung gemeinsam mit den Wissenschaftlern Elpine de Boer (Universität Leiden), Peter La Cour (Universität von Kopenhagen) und Hans Alma (Universität für Humanistische Studien, Utrecht) entwickelt.

weiterlesen

Gender-Irrlehre: Gottvater John Money & seine Jünger

In diesem Videofilm diskutiert Jörg Elbe (RDF) mit dem Evolutionsbiologen Prof. Dr. Ulrich Kutschera (Vorsitzender des Arbeitskreises [AK] Evolutionsbiologie) über das Thema „Gender-Kreationismus und die evolvierten Unterschiede zwischen Mann & Frau“. Die folgenden Themen werden angesprochen:

Richard-Dawkins-Foundation

  1. Die Gender-Lehre basiert auf den Thesen des US-Psychologen John Money (1921–2006). Der Harvard-Biologe David Haig hat über Zitier-Stammbäume nachgewiesen, dass der Gender-Begriff nach Money (1955) als das „psychosoziale Geschlecht“ definiert werden kann.
  2. Der Moneyismus ist eine Variante des biblischen Schöpfungsglaubens (Kreationismus, Intelligent Design-Version), da Charles Darwin & Co. ignoriert werden.
  3. Der doppelte Gender-Begriff: In der biologischen Forschung stehen „Sex & Gender“ für „Befruchtung“ bzw. „Geschlechtstiere“; die Gender-Biomedizin widerspricht John Moneys Geschlechter-Dogmatik.
  4. Wer war John Money? Lebenslauf und Charakter. Gibt es beim Menschen Hermaphroditen, wie es von Money behauptet worden ist? Das Gender-Paradoxon nach Money (1952).
  5. Intersex-Menschen können als Personen mit Entwicklungs-Störungen (Design-Fehler) interpretiert werden; 99 % der menschlichen Babys sind männlich bzw. weiblich, ca. 1 % intersex.
  6. Die Hauptthesen von John Money werden vorgestellt: Geschlechtsneutrale Geburt mit erzieherischer Prägung in m/w-Richtung; Pädophilie und Früh-Sexualisierung der Kinder; Biophobie und Rassismus-Vorwurf gegenüber Kritikern.

Schlussfolgerungen:

  1. Universitäre „Gender-Studies“ sowie die sozialwissenschaftliche „Geschlechter-Forschung“ basieren auf den widerlegten Vorstellungen des US-Psychologen John Money (1921–2006).
  2. Obwohl John Money ein fleißiger und kreativer Psychologe bzw. Erzieher war, dem man kaum unlautere Absichten unterstellen kann, muss seine „Gender-Theorie“ als absurde Irrlehre gekennzeichnet und zurückgewiesen werden (Pseudowissenschaft).

 

Richard David Precht: „Unvereinbar mit unserer Moral“

Publizist und Philosoph Richard David Precht beschäftigt sich seit einem Vierteljahrhundert mit tierethischen Fragen. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
Publizist und Philosoph Richard David Precht beschäftigt sich seit einem Vierteljahrhundert mit tierethischen Fragen. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
Der Philosoph Richard David Precht ist „sehr optimistisch“, dass es Fortschritte im Tierschutz geben wird. Die Gesellschaft müsse die „Reichweite des Mitgefühls stärker auf Tiere ausweiten“, forderte Precht im Deutschlandfunk. Der heutige Umgang mit Tieren sei „nicht mit unseren Vorstellungen von Moral, Liberalität und Sensibilität vereinbar.“

Richard David Precht im Gespräch mit Susanne Fritz | Deutschlandfunk

Susanne Fritz: In Deutschland leben rund 7,8 Million Vegetarier und etwa 900.000 Veganer. Neben allen gesundheitlichen Motiven spielt dabei auch nach wie vor eine ethische Verpflichtung gegenüber Tieren eine große Rolle. Die überwiegende Mehrheit der Menschen in den westlichen Ländern verzehrt mehr Fleisch denn je. Das funktioniert, weil viele das Elend in den Tierfabriken verdrängen und noch nie einen Schlachthof von innen gesehen haben. Aber auch, weil unser Verhältnis zu Tieren auf einer Ethik basiert, die Tiere nicht zu Mitgeschöpfen macht, sondern zu Sachen. Wie konnte es dazu kommen? Die Philosophie und die Religionen haben die Haltung der Menschen gegenüber den Tieren geprägt. Darüber habe ich mich mit dem Philosophen Richard David Precht unterhalten. Er hat ein Buch über Tierethik geschrieben, das heute unter dem Titel „Tiere denken – vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen“ erschienen ist. Herr Precht, das Verhältnis des Menschen zum Tier ist grotesk widersprüchlich: Einerseits verhätscheln wir unsere Haustiere – ob Hund, Katze oder Meerschweinchen –, andererseits beuten wir Tiere gnadenlos aus. Doch das ist ja alles seit langem bekannt. Was hat Sie gerade jetzt dazu veranlasst, das Thema wieder aufzugreifen und ein Buch über unseren Umgang mit Tieren zu schreiben?

Richard David Precht: Ich glaube, das Thema liegt heute noch sehr viel dringlicher in der Luft als früher – und zwar aus folgendem Grund: Auf der einen Seite ist die Zahl der Vegetarier und der Veganer in Deutschland rasant angestiegen. Ganz viele junge Leute wollen kein Fleisch mehr essen. Und auf der anderen Seite ist die Massentierhaltung heute noch grotesker, als sie vor 20, vor 50 oder vor 100 Jahren war.

weiterlesen

Who Are You Calling an Atheist?

Image: churchandstate.org.uk
Image: churchandstate.org.uk
Are there any good reasons these days to declare yourself an atheist? Won’t the label’s tribal militancy, its prickly company, its easy derision, dishonor your family, alienate your friends, and upend your career? And if you are one—and you don’t fess up—might not that lack of honesty trouble you?

By Thomas Larson | Church and State

After all, it is the truth, isn’t it? What’s more, if you don’t make the call (choose, instead, the less excitable “humanist” or “secularist”), someone else will mark you, a stamp that may stick, inerasable, like a Sharpie on your forehead. Whosoever’s badge you go with, how high on your chest will you wear it?

Take the astrophysicist Neil DeGrasse Tyson, host of Cosmos and director of the Hayden Planetarium in New York. When Bill Moyers asked him whether he supported “the effort” by well-meaning people “to reconcile faith and reason,” Tyson said flatly, “they’re irreconcilable.” All attempts to describe science with faith “have failed. Anyone who tried to explain the nature of the universe, based on Bible passages, got the wrong answer.” To the charge that dark matter is God, he perked up: “If that’s where you’re going to put your God in this world, then God is an ever-receding pocket of ignorance. Get ready to have that [mystery] undone.”

Because of such statements, Tyson says he’s assailed a few times a month by nonbelievers who pester him: “I thought you were an atheist.” No, he counters, he never uses that word. If he has to have one, it’s “agnostic,” but even that term has scant meaning, he admits, since he’s confident science will solve the “divine” mysteries. Recently, he told Bill Maher that only two descriptors fit him: scientist and educator. Physics has no religiosity, Tyson said. “You don’t ‘believe in’ science. It’s true whether or not you believe in it.” Not only does he sound unfailingly uninterested in religious belief, but Tyson makes no case that he’s agnostic about anything.

read more

Wunderheiler Hamer bekommt „Goldenes Brett vorm Kopf“ verliehen

Ryke Hamer stellt sich öffentlich gegen Chemotherapie. / Bild: (c) dpa ( POOL Old / Reuters)
Ryke Hamer stellt sich öffentlich gegen Chemotherapie. / Bild: (c) dpa ( POOL Old / Reuters)
Hamer zeige „sehr deutlich, wie gefährlich Pseudowissenschaft sein kann“. Der Preis geht jährlich an den „größten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres“.

Die Presse.com

Der ehemalige deutsche Arzt und Erfinder der „Neuen Germanischen Medizin“, Ryke Geerd Hamer, erhält das „Goldene Brett vorm Kopf“ für den „größten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres“. Er verbinde „gefährliche medizinische Ansichten mit wirren antisemitischen Verschwörungstheorien“, heißt es in der Begründung der Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP).

Mit ihren am Dienstagabend parallel in Wien und Hamburg verliehenen Satirepreisen „ehrt“ die GWUP jährlich Personen oder Institutionen, „die esoterische oder unwissenschaftliche Behauptungen verbreiten und sich durch eine ganz besondere Resistenz gegenüber wissenschaftlichen Fakten ausgezeichnet haben“. Neben Hamer in der engeren Auswahl waren heuer noch der Kabarettist und Neo-Parteigründer Roland Düringer für sein Kokettieren mit Verschwörungstheorien und das deutsche Krebszentrum Brüggen-Bracht für das Anbieten „100 Prozent biologischer“ Krebstherapien, die „frei von chemischen Giften“ sind.

weiterlesen

„Das naturalistische Verhängnis“

science_belief

Der Naturalismus dient oft als Grundlage für Argumente gegen den Glauben. Dabei wird meistens verdrängt, dass er selbst nur eine der möglichen philosophischen Perspektiven ist und der erhobene Anspruch, Anwalt der reinen Vernunft zu sein, pure Ideologie ist.

Von Johannes Hartl | Die Tagespost

Diskutieren Atheisten und Christen miteinander, ergibt sich oft eine typische Gegenüberstellung. Gläubige, nicht gewohnt zu argumentieren oder rationale Gründe für ihren Glauben überhaupt nur zu formulieren, flüchten sich in ein „ich glaube das einfach, weil das für mich nun mal wahr ist“, mit Logik müsse das überhaupt nichts zu tun haben. Diese Haltung nennt man Fideismus, er weicht den wichtigen Fragen aus. Von Seiten der Atheisten zielt die Argumentationsstruktur nicht selten auf den Versuch ab, eine Kluft zwischen naturwissenschaftlicher Erkenntnis und religiösem Glauben zu behaupten, wobei letzterer als irrational gekennzeichnet wird. Theisten sind dann entweder ungebildet und einer schlüssigen Rechtfertigung ihres Glaubens nicht fähig oder böswillig intellektfeindlich. An dieser Stelle endet die Diskussion meistens oder gleitet in beidseitige Belehrungen aus überheblicher Besserwisserperspektive („eines Tages wirst du auch noch die Wahrheit erkennen“) oder gar Polemik ab.

weiterlesen

Thomas Strobl: Dodo des Monats September 2016

Dodo des Monats September 2016 ©HFR
Dodo des Monats September 2016
©HFR

thomas_stroblIn einer Welt, in der sich politische Protagonisten als religiös, christlich, islamisch, jüdisch, hinduistisch usw. etikettieren ist die Schar der Ungläubigen, der Atheisten, Igtheisten, Objektivisten, Materialisten, Skeptiker, Agnostiker, Rationalisten, Freidenker, Taoisten, Utilitarier, Humanisten, Naturalisten, Existenzialisten, Positivisten und Säkularen der Aussatz. Und, sie machen es den Religioten leicht. Doch dazu später.
Beim ersten Hören und Lesen der Plattitüden des Dodos Thomas Strobl war spontan der Gedanke da, was für ein Idiot, ein Religiot, der Prototyp eines Demagogen. Sicherlich sind Fragmente von Idiotie verbunden mit religiösen Weltsichten vorhanden, welches aber nicht ausreichend ist, um die ständige Diskriminierung von Ungläubigen zu erklären. Machtkalkül, Stimmenfang, religiöse Autoerotik die bei der Außendarstellung für angenehme Wolllust im Inneren sorgt. In der Sendung „Maybritt Illner“, des Zentralen Deutschen Kirchensenders ZDF darf er ganz ungehindert sein demagogischen Halbwahrheiten verkünden.
Den blöden Satz, dass in Deutschland das Parlament Gesetze macht und nicht der Prophet, ersparen wir uns jetzt.
Thomas Strobl:

„Wenn wir überlieferte christliche abendländische Werte, wenn wir die behalten wollen, dann müssen wir sie auch leben. Und Christen machen nicht die Tür zu, wenn Menschen in Not zu uns kommen, die vor Tod, Vergewaltigung und Gewalt fliehen, sondern dann haben wir eine offene Tür und auch ein offenes Herz. Und wer sich da abschottet gegenüber solchen Menschen, der verrät abendländische Werte. Die christlich-demokratische Union – das sind Christen für Deutschland und die AfD sind Atheisten für Deutschland. Das sind nicht die Bewahrer des Abendlandes, das sind die Verräter des Abendlandes.“

Es gibt eben keine überlieferten christlichen abendländischen Werte. Vor hundert Jahren sah das so aus, Christ Deutsch schoss Christ Französisch eine Kugel in den Kopf, nach protestantischem Verständnis erteilte Deutsch dem Französisch die Absolution, das war vor Verdun, an der Somme und vielen anderen Orten so, mit Kugeln, Granaten und Giftgas schickte man den anderen Christen zu seinem Schöpfer. Liebliche, christliche Nächstenliebe, Christenwerte. Und so matschte sich das Christentum 1.000 Jahre lang durch Europa. Die Pfaffen aller Seiten weihten die Waffen, die Toten waren tot und der Christengott schaute mit Wohlgefallen auf die Schlachtfelder, auf Zwangstaufen mit dem Schwert, auf Andersgläubige die hingemetzelt wurden. Das sind die christlichen Werte auf die Demagoge Strobl so viel Wert legt. Historisch-kritische Betrachtung der Tätlichkeiten des Christentums ficht den Herrn Strobl nicht an. Der Gipfel des christlichen Abendlandes, der Kulminationspunkt von Antijudaismus und Antisemitismus war der Katholik Hitler, der die „Gottesmörder, Kinderschänder und Geldfrevler“ zu Millionen ermorden ließ. Ja, Antijudaismus war 2000 Jahre lang ein christlicher Wert, ohne das Christentum gäbe es solches nicht. Und weil man protestantisch-katholisch die Ahnung hatte Scheiße gebaut zu haben, gibt es den einen oder anderen Pfaffen, Politiker inklusive, die sich nicht entblöden können seit 1945 vom judäo-christlichen Abendland mit seinen Werten zu sprechen.
Die Mär vom christlichen Abendland ist eine Lüge. Ein politisch-ideologischer Kampfbegriff, den man immer dann nutzte, wenn es galt die armen Schweine für das große Schlachten gefügig zu machen.

Natürlich gibt es Anhänger, Sympathisanten, Mitläufer, Mitglieder in der Partei Alternative für Deutschland, die Atheisten sind. Auch wenn es schwer vorstellbar ist, dass man als Atheist vertrottelt einer Beatrix von Storch folgt, die mit ihrer christlichen Fürsorge Morula-Keime schützen will, Bildung und Erziehung zur großen Thematik Sexualität in die Zeit des Wilhelminischen Deutschlands zurückdrehen möchte und mit ihrer Homophobie die Würde der betroffenen Menschen täglich aufs neue verletzt.
Thomas Strobl möchte etwas bewahren, was es nie gab, politisch-christliches Nullsummenspiel.

Christen, wie Thomas Strobl gibt es reichlich. In den USA giftet Pat Robertson gegen die Atheisten, macht sie für Umweltkatstrophen, Klimawandel, Amokläufe verantwortlich. Politiker wie Strobl versuchen in Deutschland in ähnlicher Art und Weise den Bedeutungsverlust der Kirchen in der Gesellschaft auszugleichen, man ist schon lange der Gottesknecht, der Erfüllungsgehilfe für die nahöstliche Mythologie. Es ist ein großes Unglück für den Humanismus, dass er von den christlichen Kirchen begrifflich umgedeutet wurde und so kontaminiert in der Argumentation benutzt wird. Und hier liegt auch das Dilemma der Atheisten. Die öffentliche Wahrnehmung und die tatsächliche Bedeutung von christlichen Glauben, Religion und Kirchen verläuft azyklisch.  Die politischen Steigbügelhalter des Hinrichtungskreuzes haben die Stimme in den von ihnen religiös besetzten Massenmedien, Rundfunk und Fernsehen. Die sich säkular entwickelnde Gesellschaft und die sich religiös gebärdende Politik entfernen sich in immer stärkeren Maße, die Unterschiede sind schon heute gravierend, wobei säkular nicht heisst, dass die Gesellschaft sich atheistisch entwickelt. Die Institution Kirche ist lange eine Sache des Staates geworden, nicht zuletzt bezahlt der säkulare Staat Teile des Pfaffentums fürstliche Gehälter und gibt den Steuerbüttel.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo. Der grünverpackte Katholik Kretschmann hat auch schon einen.

Antiziganismus: Wo Roma täglich Ablehnung erfahren

Roma & Sinti © Adam Jones @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Roma & Sinti © Adam Jones @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Auch in Deutschland stoßen Roma immer wieder auf Ablehnung. Der Verein „Amaro Foro“ will das ändern: Er dokumentiert die zahlreichen Fälle von Diskriminierung – ob es ausbeuterische Arbeitsverhältnisse sind oder die Verweigerung von Handyverträgen.

Von Jutta Geray | MiGAZIN

Das rot umrandete Verbotsschild im Laden „Regenbogenlicht“ in der Emserstraße im Berliner Stadtteil Neukölln galt nur für Roma. Darauf erteilte die Ladenbesitzerin „einer auf Raub und Betrug spezialisierten Bevölkerungsgruppe absolutes Ladenverbot“. Sie erregte damit viel Aufsehen in den Medien. Das Schild hängt dort zwar nicht mehr. Dafür weist die Besitzerin nun ungefragt auf den „Zigeunerbesen“ hin, den sie in der Tür aufgestellt hat.

Der „Zigeunerbesen“ als Symbol entstammt dem Reich des Aberglaubens, als im Mittelalter Hexen, Juden und Roma als Verbündete des Teufels galten und ferngehalten werden sollten. Damit lebt ein jahrhundertealtes Stigma auf: „Alle Roma betrügen und stehlen“.

„Amaro Foro“ dokumentiert Diskriminierung

Der Verein „Amoro Foro“ in Berlin berät vorwiegend Romnija und Roma aus Rumänien und Bulgarien. Seit 2014 dokumentiert der Verein die Diskriminierung dieser Bevölkerungsgruppe und zeigt, wie sehr sie immer noch in weiten Teilen auf Ablehnung stößt.

weiterlesen

„Dann stürzen riesige Geier von den Bergen herunter und bedienen sich“

Reinhold Messner: „Für mich ist das die eleganteste Form des Verschwindens“ / picture alliance
Reinhold Messner: „Für mich ist das die eleganteste Form des Verschwindens“ / picture alliance
Der Bergsteiger Reinhold Messner würde sich nach seinem Tod am liebsten von Geiern auffressen lassen.

Cicero

In der neuen Ausgabe des Cicero sagt er: „Wenn es allein nach mir ginge und gesetzlich erlaubt wäre, würde ich die Himmelsbestattung mit Geiern vorziehen.“ Bei dieser Zeremonie wird der Leichnam aufgeschlitzt, „dann stürzen riesige Geier von den Bergen herunter und bedienen sich.“ Die Knochen und der Schädel werden anschließend zerschlagen und ebenfalls an die Geier verfüttert. „Ich finde“, erklärte Messner, „dieses Himmelsbegräbnis sehr eindrucksvoll, für mich die eleganteste Form des Verschwindens im All.“ Aus pragmatischen und juristischen Gründen aber werde er sich mit einer Feuerbestattung begnügen. An einen Gott glaubt Messner nicht, denn „alle Religionen mit ihren Göttern sind von uns Menschen erfunden worden. Wenn die Menschheit verschwindet, werden mit ihr alle Götter verschwinden.“

Wahl Dodo des Monats September 2016

Dodo des Monats September 2016 ©HFR
Dodo des Monats September 2016 ©HFR

Im Monat September gab es eine Fülle von religiotisch-obskuranten Äußerungen aus Politik, Kirchen und Geisteswissenschaften. Die Klerikalfaschisten um den Verein „Demo für alle“ nicht zu vergessen. Homosexuelle, Sexualkunde-Unterricht sind die ausgesprochenen Feinde der Unterleibsmafia.
Das „Völkische“, jener Begriff der historisch mit soviel Unheil, Verbrechen, Gewalt und Staatsterror verbunden ist, soll wieder positiv, AfD-gefällig konnotiert werden. Fast scheint es, dass Mitglieder der CDU, CSU und der AfD im Wettbewerb stehen die Schatten der deutschen Vergangenheit wieder aufleben zu lassen.
Schaut selbst.
Die Wahl ist bis zum 07.10. 2016 18:00 Uhr befristet. Der Gewinner wird am folgenden Tage gewürdigt werden.
Viel Spaß!

  1.  Stefan Oster, „die Hölle als soziales Korrektiv katholischer Religiotie.“
  2.  Rüdiger Safranski, „hat Angst vor der Säkularisierung.“
  3.  Gerd Müller, „schwadroniert über gesellschaftlich Gestaltungskräfte.“
  4.  ZDF, „Jubelsendungen für Judenhasser Luther.“
  5.  Angela Merkel, „mehr Abenteuer-Urlaube in arabischen Ländern.“
  6.  Wolfgang Huber, „mit Theologie Gentechnik erläutern wollen.“
  7.  Peter Schmidt „peinliches zum Thema Ernährung.“
  8.  Bettina Kudla, „mit Nazi-Jargon auf Stimmenfang.“
  9.  Demo für alle e.V., „klerikalfaschistisch gegen die Aufklärung.“
  10.  Sejm-Polen, „katholische Reaktion mit totalem Abtreibungsverbot.“
  11. Thomas de Maizière, „liebt nahöstliche Mythologie.“
  12.  Rainer Maria Woelki, „pflegt pränatale Fruchtwasserträume.“
  13.  Ralf K. Wüstenberg, „Terror hat nichts mir Islam zu tun.“
  14.  Reinhard Marx, „Gebärmütter lassen ihn aufleben.“
  15.  Westermann-Verlag, „Selbstzensur in vorauseilendem Gehorsam.“
  16.  Ludwig Spaenle, „Wiedereinführung des § 175 geplant?“
  17.  Frauke Petry, „braune Soße auf rot-blauem Grund.“
  18.  Thomas Strobl, „Dummes zum Thema Atheismus, Religiotie halt.“

„Wahl Dodo des Monats September 2016“ weiterlesen

Creationism Invades Europe

A sculptor's rendering of the hominid Australopithecus afarensis. Credit: DAVE EINSEL Getty Images
A sculptor’s rendering of the hominid Australopithecus afarensis. Credit: DAVE EINSEL Getty Images
An antiscience movement once limited mostly to the U.S. is gaining ground on the eastern side of the Atlantic
 

By Stefaan Blancke, Peter C. Kjærgaard | Scientific American

“This is outrageous!” Red-faced and visibly agitated, the 60-something was darting toward a hyperrealistic silicone reconstruction of Lucy, the world-famous, 3.2-million-year-old Australopithecus afarensis. After a highly confused couple of minutes it emerged that the man was operating within a 6,000-year biblical time frame. But he did not object to the evolutionary age of Lucy. He objected to her nakedness. “You have to cover her up! It’s almost as bad as going to the beach!”

Lucy is one of the star attractions on the Evolution Stairs in the central hall at Moesgaard Museum in Denmark. The new attraction had just opened, boosting annual visitor numbers from tens of thousands at the museum to a whopping 500,000 in the first year. Great care had been taken in giving the scientific reconstructions individual expressions, making them stand out as persons, not just distant evolutionary relatives.

read more

Wie verstehen Kinder die Evolutionsgeschichte?

Die Evolutionstheorie besagt nicht, dass wir vom Affen abstammen; es ist etwas komplizierter
Die Evolutionstheorie besagt nicht, dass wir vom Affen abstammen; es ist etwas komplizierter

Dissertation der Uni Bremen untersucht Zugänge von Grundschulkindern zu Darwins Abstammungslehre

Angelika Rockel | Pressestelle Universität Bremen

Nach Charles Darwin bleibt die absolute Zahl der Tiere und Pflanzen einer Art stabil, weil nicht alle Nachkommen überleben. Zwischen den einzelnen Individuen entbrennt vielmehr ein Kampf ums Dasein – die Selektionstheorie. Sie bildet die Grundlage für das Verständnis vieler biologischer Themen. Entwicklungspsychologische Studien legen nahe, dass bereits junge Kinder mit naturwissenschaftlichen Erklärungen vertraut sind. Dennoch werden wichtige Aspekte der Evolutionsbiologie meist erst am Ende des Mittleren Bildungsabschlusses gelehrt. Mit diesem Thema beschäftigte sich an der Universität Bremen die Sozialwissenschaftlerin Dr. Judith Werther in ihrer Dissertation „Evolutionstheorie und naturwissenschaftliche Grundbildung. Präkonzepte von Kindern zur Anpassung von Lebewesen unter Berücksichtigung des Naturzugangs“. Die Arbeit wurde von den beiden Uni-Professorinnen Brunhilde Marquardt-Mau und Doris Elster betreut.

In ihrer Studie untersucht Judith Werther, welche Konzepte Kinder in der Primarstufe zur Theorie der Anpassung haben. Dabei spielt insbesondere die Frage eine Rolle, inwieweit der Naturzugang der Kinder, Naturerfahrungen, soziale Kontakte, naturwissenschaftlich orientierte Medien und Lernorte einen Einfluss auf das evolutionsbiologische Verständnis hat. Dafür befragte die Wissenschaftlerin 112 Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren an zwei Bremer Grundschulen. Die Ergebnisse zeigen, dass bereits Primarschulkinder evolutionsbiologisch argumentieren können. Eine Unterscheidung zwischen Populations- und Individualebene, die zeitliche Einschätzung von Anpassung sowie die Vorstellung zufälliger Prozesse liegen nicht im alltäglichen Erfahrungsbereich der Kinder, so dass diese Prozesse nur bedingt nachvollzogen werden konnten. Grundsätzlich stellt die Autorin fest, dass die Kinder bei erlebbaren Aspekten von Anpassung eine höhere wissenschaftliche Verständnisstufe erreichen als bei nicht erlebbaren Aspekten.

Das Ausmaß des evolutionsbiologischen Verständnisses variiert mit der jeweiligen sozialen Lage der Kinder. Demnach sind Kinder in benachteiligter sozialer Lage stärker medienorientiert, ziehen häufiger schulische und außerschulische Lernorte als Naturzugänge heran und haben ein geringeres evolutionsbiologisches Verständnis. Dagegen beziehen sich die Kinder in begünstigten sozialen Lagen häufiger auf soziale Interaktionen und Printmedien, können auf ein ausgeprägteres Ausmaß an Naturerfahrungen zurückgreifen und verfügen über ein höheres evolutionsbiologisches Verständnis. Dennoch stellt Judith Werther in ihrer Arbeit fest, dass Naturerfahrungen das evolutionsbiologische Verständnis unabhängig von der sozialen Lage am stärksten prägen. Erst als zweithöchste Nennung tragen Medien zum Evolutionsverständnis bei. Die Aspekte soziale Kontakte, schulische sowie außerschulische Lernorte spielen nur eine marginale Rolle.

Aus den Ergebnissen entwickelt die Wissenschaftlerin Empfehlungen für den schulischen Unterricht: Naturerfahrungen im Rahmen des Forschenden Lernens ermöglichen, bereits in der Primarstufe die Kinder an das Thema heranführen, an bestehende Ideen der Kinder anknüpfen, die soziale Lage der Kinder berücksichtigen, das evolutionsbiologische Konzept der Anpassung im Unterricht veranschaulichen, unwissenschaftliche Denkfiguren bewusst machen und mit wissenschaftlichen Ansätzen vergleichen, auf Naturzugänge der Kinder aufbauen. Weitere Informationen zur Dissertation sind online einsehbar http://www.klinkhardt.de/verlagsprogramm/2103.html

Achtung Redaktionen: In der Uni-Pressestelle können Sie unter der E-Mail presse@uni-bremen.de ein Foto von Dr. Judith Werther anfordern.

Weitere Informationen

Universität Bremen
Dr. Judith Werther
Tel.: 0176/ 721 90 808
E-Mail: werther@uni-bremen.de

Winfried Kretschmann: Dodo des Monats August 2016

Dodo des Monats August 2016 ©HFR
Dodo des Monats August 2016 ©HFR

kretschmann150Winfried Kretschmann vollzieht praktisch, in schöner Regelmäßigkeit, seinen Tourismus zum Vizegott nach Rom. So wie früher die Staats-und Regierungschefs nach Moskau in den Kreml tingelten, ist heute Rom die bevorzugte Destination deutscher Politiker. Deutlich wird, Thron und Altar kungelten in der Vergangenheit die Schweinerein für die Untertanen aus. Der Thron wurde abgelöst durch den Habitus des Politikers. Heute versichern sich beide Seiten, der geschäftlichen Interessenlage zum beiderseitigen Vorteil. Der Staat schanzt den Pfaffen Steuergelder zu, insbesondere durch den in der Exekutive vorhandenen Gotteswahn und die Pfaffen bemühen sich die Untertanen, heute „Staatsbürger“ mit gesellschaftlicher Teilhabe mittels moralisierenden Zeigefinger bei der Fahne zu halten. Klappt nicht mehr so richtig. Das Kirchenvolk reduziert sich, die Bedeutung der Kirchen wird künstlich durch Politiker wie Kretschmann aufrechterhalten. Kretschmann selbst sitzt diesen Widerspruch aus, auch wenn er die Perfektion von Helmut Kohl, Probleme aussitzen zu können, weit verfehlt.

Tourismus zur römischen Spukgestalt, um mit dem absolutistischen Kirchenfürsten über „intelligentes“ Wirtschaftswachstum zu reden. Zwei Männer, die an sprechende Schlangen, Jungfraugeburt und Wiederauferstehung glauben kann man nicht als intelligent bezeichnen. Ein Wunder ist, dass solche Zeitgenossen die Errungenschaften moderner Medizin nutzen, statt die Rituale ihres Geisterbuches zu beschwören. Aber gut, Gottes begrenzte Schöpfung, die, nimmt man die Bücher nahöstlicher Mythologie, einst einen Kreis von rund 1.000km umfasste. Alles in der Mythologie beschriebene ereignete sich innerhalb dieses Kreises, Jerusalem wäre ein Punkt der westlichen Tangente dieses Kreises. Dort soll die Wirkmächtigkeit einer göttlichen Entität gegeben gewesen sein. Schönes Märchen.

Die begrenzte Schöpfung mag kein unbegrenztes Wirtschaftswachstum, weil die Ressourcen begrenzt sind, egal wie blöd oder auch intelligent man sein will. Es kommt der Punkt an dem Schluss ist. Der Theologe Traugott Holtz meinte dazu, “ immer dann, wenn die Wunder Gottes am Größten waren, war es die menschliche Dummheit auch.“

Demokratisch legitimierte Politik sollte sich nicht mit undemokratischen Gemeinwesen abgeben. Zumal die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen und der EU durch den Papst nicht anerkannt worden sind. Solange die Gleichberechtigung von Frauen verhindert wird, Homosexuelle, Transgender diskriminiert werden, Schwangerschaftsabbrüche mit Exkommunikation bestraft werden, Kondome mit zweifelhaften Begründungen verteufelt wurden und die Missbrauchsskandale, nach Jahren der Vertuschung, des Hinauszögerns immer noch einer umfassenden Auflärung harren, solange ist ein Gespräch auf Augenhöhe, auch mit dem Papst, nicht möglich. Die sogenannte „Umwelt-Enzyklika «Laudato si»“ ist eben mehr als nur Umwelt, es geht auch um Schwangerschaften, Abbrüche. Wissenschaft hat sich hier als Steigbügelhalter reaktionärer Weltsichten vereinnahmen lassen.
Glaubt man den Informationen steht die Anerkennung der Pius-Bruderschaft durch den Papst ins Haus. Theologe Schockenhoff nannte die Bruderschaft einen „rechtsradikalen Sumpf.“ Diese Pfaffenbande lehnt die religiöse Neutralität des Staates ab, die Todesstrafe solle wieder eingeführt werden, das Parteiensystem sei abzuschaffen und durch christliche Männer zu ersetzen. Eigentlich ein Fall für den Verfassungsschutz.
Wer mit dem Papst küngelt kommt mit katholischem Extremismus in Berührung. Den Grünen Kretschmann ficht das nicht an.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Richard Dawkins: „Jede Nacht werde ich vorübergehend geisteskrank“

Auch mit 75 Jahren ist Richard Dawkins keineswegs milde geworden. Auf Gegner wissenschaftlichen Fortschritts reagiert er „leidenschaftlich sauer“. © Don Arnold/Getty Images
Richard Dawkins ist der bekannteste Atheist unserer Zeit. Kürzlich erlitt der Evolutionsbiologe einen Schlaganfall. Ein Gespräch über die Launen der Natur, tierische Krawatten und den Sinn des Lebens.

Interview: Malte Herwig | stern.de

Professor Dawkins, Sie hatten vor Wochen einen Schlaganfall. Wie hat der sich auf Ihr Leben ausgewirkt?

Ich weine häufiger als sonst. Musik von Schubert oder Lyrik haben mich schon immer zu Tränen gerührt. Aber seit dem Schlaganfall ist es schlimmer geworden. Ich habe gerade erst eine Einladung zu einem Lyrik-Festival abgesagt, weil ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf der Bühne geweint hätte.

Als die Zeitungen von Ihrem Schlaganfall berichteten, rief die Anglikanische Kirche auf Twitter unter dem Hashtag #prayfordawkins dazu auf, für Sie zu beten. Hat Sie das berührt?

Es war sicher nett gemeint. Ich hoffe nur, sie haben nicht auch noch eine Ziege geopfert, denn das würde mich wirklich aufregen.

Sie verfechten den Atheismus so leidenschaftlich, als wäre er ein Glaube.

Wie kann man sich nicht leidenschaftlich für Vernunft und Logik einsetzen, wenn andere ihre Zeit mit Beten vergeuden oder damit, die Finger zu kreuzen, wenn ihnen eine schwarze Katze über den Weg läuft? Dieser ganze Aberglaube ist sinnlose Zeitverschwendung, er hindert die Menschen daran, die Schönheit der Wirklichkeit anzuerkennen, wie man sie naturwissenschaftlich und rational erfassen kann.*

(*Richard Dawkins: „Die Poesie der Naturwissenschaften“, Ullstein)

Viele Menschen suchen im Glauben Trost, nicht Erkenntnis.

Aber warum dieser Aberglauben gerade jetzt – in einem Jahrhundert, in dem wir schon so viel über das Leben, die Erde und das Universum wissen und auf der Schwelle zu neuen bahnbrechenden Erkenntnissen stehen? Das ist so eine großartige Aussicht, dass mich die Leidenschaft packt und ich leidenschaftlich sauer werde auf diejenigen, die dem Wissensfortschritt systematisch Steine in den Weg legen.

weiterlesen

Richard Dawkins: The Rational Revolutionary

dawkinsIn the 1960s and 70s, a revolution took place in the way we understand human nature. Out went Marx and Freud, and in came a rational, scientific approach to the way we see ourselves. At the vanguard of that revolution was Richard Dawkins, the evolutionary biologist whose book ‚The Selfish Gene‘ changed the thinking not just of other scientists but of all of us, and propelled its author to intellectual stardom as the modern heir to Darwin.

By Intelligence Squared

To mark the 40th anniversary of ‚The Selfish Gene‘ and Dawkins’ 75th birthday, Intelligence Squared staged a global event, bringing together luminaries from the worlds of science, philosophy and culture to engage with Dawkins about his life and work. Steven Pinker, celebrated cognitive scientist, and Daniel Dennett, philosopher and fellow ‘New Atheist’, were beamed in live from America. On-stage guests included the illusionist Derren Brown, an avowed fan of Dawkins’ theories about the workings of the mind, the science writer Susan Blackmore, who has further developed some of Dawkins’ important ideas, and the acclaimed novelist and playwright Michael Frayn.

It was Dawkins’ understanding of the gene as the fundamental unit of natural selection that captured the popular imagination. It was Dawkins, too, who invented the word ‘meme’ to describe the cultural equivalent of a gene – an idea, belief or practice that replicates itself from person to person and is subject to the same selective pressures as genes – whether it’s an age-old religious practice or a modern fad such as the ice bucket challenge.

And on the subject of religion, the publication of ‚The God Delusion‘ a decade ago marked the moment when Dawkins became the patron saint of atheism. The book turned him into the world’s leading controversialist – hero-worshipped by atheists, demonised by believers. But throughout the hubbub of being the celebrity scientist and the non-believers’ poster boy, Dawkins continued his scientific studies at New College, Oxford, and in obscure corners across the world – where he honed the art of observing and writing beautifully about nature, conveying his sense of wonder at how organisms developed their complexity over the ages.