Wahl Dodo des Monats Dezember 2017

Dodo des Monats Dezember 2017 ©HFR

Der Monat Dezember ist schon ein besonderer. Besonders deshalb, weil er zwar am Ende des Jahres liegt, aber der Beginn eines großen Märchens ist. Formte Gott den ersten Menschen aus Dreck, den zweiten produzierte er mit einem Klon-Experiment, entschied er sich nun, per Geburt auf der Welt zu erscheinen. Maria war sein Opfer, durch heterologe Insemination schwanger, wuchs Gott aus sich selbst heraus zum Baby Jesus. Justament in einem Stall, ließ er sich auf dem üblichen Weg zur Welt bringen. Alle mögliche Komplikationen in Kauf nehmend wird das Fest seiner Geburt überschwenglich gefeiert. Im Rahmen dessen muss man die Äußerungen von Aposteln, Politikern und Bescheidwissern sehen, die im Monat Dezember zur Höchstform religiöser Bullshistic aufliefen.
Die Wahl ist bis zum 07. Januar 2018, 18:00 Uhr befristet. Der Gewinner wird, wie üblich am folgenden Tag, hier gewürdigt werden. Viel Spaß!

Hier sind die Kandidaten.

  1.  DiTiB, „Gottesknechte von Erdogans Gnaden warnen vor Intoleranz in der Gesellschaft.“
  2.  Annegret Kramp-Karrenbauer, „rückwärtsgewandte CDU-Politikerin, die Frauen ihre Grundrechte nehmen will.“
  3.  Georg Welker, „Pfarrer im Ruhestand will seine Hitler-Glocke behalten.
  4.  Martin Hein, „Mannsbild möchte Frauen kontrollieren, bis zur Gebärmutter.“
  5.  Aiman Mazyek, „beschwört die Gleichheit aller Religionen.“
  6.  Heiner Koch, „Minderheiten-Apostel will maximal Staatsknete abgreifen.“
  7.  Dirk Behrendt, „will Kopftücher in Schulen sehen, Bullshit walks.“
  8.  Heinz Josef Algermissen, „mag Frauen als katholische Zuchtstuten.“
  9.  Rainer Maria Woelki, „mag politisches Geschwätz, muss er nicht verantworten.“
  10.  Edith Düsing, „professoraler Blödsinn zu den „Grundtypen“ des Atheismus.“
  11.  Reinhard Marx, dilettiert im die Entscheidung homosexuell zu sein.“
  12.  Jeff Halper, „Mossad ist böse, NanoTec zur Weltherrschaft.“
  13.  Schachweltverband Fide, „lässt sich von den Saudis kaufen und pflegt Antisemitismus.“
  14.  Gergor Gysi, „redet von Normen der Kirchen, Kinderficken?“
  15.  Markus Dröge, „Kirche kooperiert mit den Muslimbrüdern.“

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Religiös nicht nur zur Weihnachtszeit?

Weihnachtsgottesdienst in der evangelischen Kirchengemeinde Schloß-Ricklingen bei Hannover (imago/epd )
Fragen des Glaubens und generell das Thema Religion spielen derzeit vor allem in politischen Debatten eine Rolle. Offenbar gibt es Konfliktfelder zwischen „Staat“ und „Religion“. Wir fragen: Wie groß muss und kann der „Sicherheitsabstand“ zwischen Religion und Politik sein?

Moderation: Annette Riedel | Deutschlandfunk Kultur

„Heidenrepublik Deutschland“ nennt der Historiker Michael Wolffsohn die Bundesrepublik. Kaum jemand wisse mehr, warum Weihnachten überhaupt gefeiert würde. All jenen, in deren Augen Religion in der Moderne zum rein Folkloristischen verkommen ist, widerspricht der Soziologe Hans Joas. Er sagt: Das Religiöse sei in Deutschland und Europa keineswegs ungebremst auf dem Rückzug – anders als vorhergesagt. Er spricht von einer wieder erstarkenden „Macht des Heiligen“.

Fakt ist, dass nicht zuletzt durch Migranten, die mehrheitlich „Religion im Gepäck“ mitbringen, die Frage nach dem Glauben neue gesellschaftliche und politische Relevanz bekommen hat. Wie ist das Verhältnis zwischen den Religionen zu organisieren? Welche Konflikte birgt es? Und wie groß muss und kann der „Sicherheitsabstand“ zwischen Religion und Politik sein?

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Atheismus in Ostdeutschland: So funktioniert das Leben ganz ohne Gott

Tino Taubert und seine Ehefrau Vivienne Leis vor ihrer Hochzeitskapelle in Callenberg. Die Kapelle haben sie in ihrem Garten gebaut. Foto: Gerd Engelsmann
Wenn Gott ein Atheist wäre, würde ihm diese kleine Kapelle unter dem riesigen Bergahorn gefallen. Erhaben steht sie auf einem kleinen Hügel mitten im sächsischen Callenberg bei Chemnitz. Die Fenster sind schmal und hoch, und der Putz ist nicht etwa neumodisch glatt, sondern fast buckelig wie in längst vergangenen Zeiten.

Von Jens Blankennagel | Berliner Zeitung

Die weißen Außenwände strahlen und passen perfekt zum dunklen Schieferdach. Das Holz der reich verzierten Türen ist offensichtlich alt, aber so gut erhalten, dass Besucher ehrfürchtig mit der Hand darüber streichen.

„Und?“, fragt Tino Taubert, der hier seit Monaten arbeitet. „Wie sieht das Gebäude aus?“ Nun, wie eine fachgerecht sanierte Kirche aus der Renaissance-Zeit. Taubert ist sichtlich zufrieden, als er das hört.

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R. Dawkins schöpft aus dem Vollen – ganz ohne Schöpfung!

In welcher Position befinden sich Wissenschaflter, wenn Sie Forschungen über vergangene evolutionäre Ereignisse anstellen? R. Dawkins vergleicht das in Kapitel 1 mit einen Kommissar, der erst nach dem Verbrechen am Tatort eintritt und folglich auch kein Augenzeuge des Geschehens sein kann (vgl. S. 27). Skeptikern, die die Evolutionstheorie oft „nur“ als Spekulation/Theorie bezeichnen, kann man folgendes entgegnen: Eine einzige „Evolutionstheorie“, die alle Teilaspekte der Abstammung mit Abänderung erklärt, gibt es nicht. Wir sprechen daher heute von der Evolutionsbiologie, die ein System zahlreicher Theorien darstellt (Quelle 1, vgl. S. 168).

Von Ockham | Amazon

Der Essentialismus, welcher bis auf Platon zurückgeht, wird in Kapitel 2 angesprochen. Er war wohl dafür verantwortlich, dass Darwin erst so spät auf der Bildfläche erschien (vgl. S. 30). Darwin zog mit der Domestikation (Züchtung) gegen die angebliche Unveränderlichkeit der Arten zu Felde (vgl. S. 37). Ein bekanntes Beispiel ist die Umgestaltung des Wolfes zu den rund zweihundert Hunderassen durch den Menschen (vgl. S. 38).

Kapitel 3 beschreibt den Weg zur Makroevolution. Auch Tiere wie Insekten oder Kolibris kommen als Züchter in Frage (vgl. S. 58). Dies ist ein Beispiel für Koevolution (vgl. S. 98). Auf S. 73 kommen Schwebfliegen zur Sprache, die Wespen oder Bienen ähneln, aber keinen Stachel besitzen. Diese Art der Tarnung wird als „Mimikry“ bezeichnet (Quelle 2, vlg. S. 438). Wenn Arten nicht gegenseitig voneinander profitieren spricht man von „Rüstungswettlauf“, eine Art der Koevolution (vgl. S. 98).

Kapitel 4 beschäftigt sich mit der Altersbestimmung (ab S. 101), speziell der Dendrochronologie (Altersbestimmung anhand von Baumringen, ab S. 104), es geht um radioaktive Uhren (ab S. 108) und die C-14-Methode (ab S. 122). Als stichhaltiger Evolutionsbeleg wird das zeitliche Auftauchen von z. B. fossilen Säugetieren in ganz bestimmten Schichten angeführt, die in früheren Schichten gerade eben nicht zu finden sind (vgl. S. 118).

In Kapitel 5 geht es um Langzeitexperimente des Bakteriologen Richard Lenski, dessen Forschungsgegenstand das Bakterium Escherichia coli ist (vgl. S. 135). Mit der Arbeit Lenskis wird das Dogma der „nicht reduzierbaren Komplexität“ untergraben (vgl. S. 152).

Evolutionsskeptikern empfiehlt R. Dawkins in Kapitel 6 sich auf die Suche nach anachronistischen Fossilfunden zu machen (vgl. S. 167). Besonders „schlaue“ Kreationisten bemerken bei einem neuen Fossilfund, welcher sich zwischen zwei Fossilfunde taxonomisch einordnen lässt, dass jetzt zwei Lücken entstanden seien. Dazu entgegnet R. Dawkins, dass die Evolution auch bewiesen werden kann, ohne sich auf Fossilfunde stützen zu müssen (vgl. S. 165). Die vergleichende Untersuchung heutiger Arten (Kapitel 10) und ihre geographische Verteilung (Kapitel 9) sind der Schlüssel dazu (vgl. S. 166 f.). In diesem Zusammenhang wird auf den Piltdown-Betrug eingegangen (vgl. S. 171). R. Dawkins verweist indirekt auf den Gradualismus, wenn er erwähnt, dass Evolution allmählich ablaufen muss. Große Sprünge in einer einzigen Generation sind ebenso unwahrscheinlich wie die göttliche Schöpfung. Der Leser erfährt, dass die irrige Forderung nach fehlenden Bindegliedern ihre Grundlage im Mythos der Großen Seinskette („the great chain of being“) hat (vgl. S. 177). Der Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung, da die Evolution nicht auf den Menschen zugelaufen ist, wir sind auch nicht „das letzte Wort der Evolution“ (vgl. S. 181).
Der sensationelle Fund „Tiktalik“ schliesst die Lücke zwischen dem amphibienähnlichen Fisch Panderichthys und dem fischähnlichen Amphibium Acanthostega (vgl. S. 193). Meeresschildkröten sind vom Land ins Wasser zurückgekehrt. Erstaunlich ist, dass manche ihrer Vertreter die Entwicklung später sogar umdrehten und ein zweites Mal aufs Trockene zurückkehrten (vgl. S. 199)!

In Kapitel 7 (ab S. 208) geht es um die Evolution des Menschen. „Lucy“ wird als Zwischenform eines schimpansenähnlichen Vorfahren und uns Menschen vorgestellt (vgl. S. 231 f.). Der Gattungsname von Paranthropus boisei wurde zwei mal geändert, was die manchmal willkürliche Vorgehensweise bei der zoologischen Klassifikation zeigt – ein Streit um die biologische Systematik (vgl. S. 216 f.). Die Tatsache, dass die meisten Bindeglieder fehlen, macht eine Klassifikation mit verschiedenen Arten, Gattungen, Familien… überhaupt erst möglich (vgl. S. 223).

Kapitel 8 beschäftigt sich mit der Embryonalforschung. Hier wird auf den Konflikt zwischen zwei sich widersprechenden Lehren verwiesen, die Präformationstheorie und die Epigenese (vgl. S. 239), welche nicht mit der Epigenetik verwechselt werden sollte (vgl. S. 243). Bei der Epigenese handelt es sich um „Selbstmontage“ (vgl. S. 244). An dieser Übersetzung ist zu kritisieren, dass die Bezeichnung „Selbstorganisation“ (aus der in den meisten Fällen Emergenz entsteht, Quelle 3) gebräuchlicher ist – im engl. Original ist von „self-assembly“ die Rede (Quelle 4, vgl. S. 220). Am Beispiel der Programmierung des Schwarmverhaltens von Staren (vgl. S. 246) wird gezeigt, dass bei der Entwicklung Ordnung, Organisation und Struktur als Nebenprodukt aus Regeln erwächst, die nicht global sondern lokal befolgt werden. Es ist also keine zentrale Planung, kein Architekt notwendig (vgl. S. 247 f.). Für das „formieren“ von Zellen zieht R. Dawkins die Analogie des Papierfaltens (Origami) heran (vgl. S. 248). Nervenzellen, die aus dem Rückenmark oder Gehirn herauswachsen, finden ihren Weg zu ihrem Zielorgan durch chemische Anziehungskräfte, was mit einem Experimente des nobelpreisgekrönten Roger Sperry verdeutlicht wird (vgl. S. 262). Die Zelle als „chemische Fabrik“ kann unterschiedliche Substanzen „ausspucken“, abhängig davon, welches Enzymen vorhanden ist, und dies ist wiederum von eingeschalteten Genen abhängig (vgl. S. 273). Neben der natürlichen Selektion (vgl. S. 274) kommt auch die sexuelle Selektion zur Sprache, wenn sich potentielle Sexualpartner von ästhetischen Erwägungen leiten lassen (vgl. S. 283).

Artbildung ist das Thema des 9. Kapitels. Dabei ist von „Inseln“ die Rede, welches ein Modell der Evolution der Organismen in ihrer jeweiligen Umwelt meint (vgl. S. 285, engl. Original vgl. S. 253). Im Deutschen ist statt von „Inseln“ von der „adaptiven Landschaft“ die Rede (Quelle 2, vgl. S. 20). Auslöser für Artbildungsprozesse sind z. B. geographische Isolation (S. 288) oder die sympatrische Artbildung (S. 289). Dies wird anhand des Galapagos-Archipels verdeutlicht, auf welches Tiere über knapp tausend Kilometer Seeweg gekommen sein müssen, da es nie mit dem Festland verbunden war (vgl. S. 291). Die auf das Archipel gekommenen Schildkröten machten eine Evolution durch, die als „Insel-Riesenwuchs“ bezeichnet wird (vgl. S. 297). Ein weiteres Beispiel für Isolation ist die mehrere hundert Arten umfassende Buntbarschfauna des Victoria-, Tanganjika- und Malawisees (vgl. S. 300). R. Dawkins stellt an Kreationisten zu Recht die Frage, warum ein allmächtiger Schöpfer sich entschließen sollte, seine sorgfältig gestalteten Arten auf Inseln und Kontinenten genau nach dem Prinzip zu verteilen, die unwiderstehlich die Vermutung nahelegen, dass sie durch Evolution entstanden sind und sich von ihrem Entstehungsort aus verbreitet haben (vgl. S. 305). Welche Argumente gegen das Modell der „Grundtypen“ sprechen, erfahren Sie in der Quelle 5. Das Kapitel wird durch die Theorie der Kontinentalverschiebung (vgl. S. 309) bzw. die heutige Theorie der Plattentektonik (vgl. S. 310) abgerundet. Das Auseinanderdriften von z. B. Südamerika und Afrika sowie die Geschwindigkeit dieses Vorgangs ist ein Beleg für das gewaltige, unbiblische Alter der Erde (vgl. S. 313) – ein Stachel im Fleisch aller „Junge-Erde-Kreationisten“ (vgl. S. 320).

Kapitel 10 hat die Verwandtschaft zwischen Tieren zum Thema. Die Homologie wird anhand des Beispiels der Entsprechung unserer Finger und den langen Flügelknochen der Fledermaus erklärt (vlg. S. 322). Homologe Ähnlichkeiten sind solche, die von einem gemeinsamen Vorfahren ererbt wurden. Ähnlichkeiten, die auf gemeinsame Funktion aber nicht auf gemeinsame Abstammung zurückzuführen sind, werden „analog“ genannt (vgl. S. 351). Der Delphin verrät seine Abstammung von den Säugetieren dadurch, dass er den Schwanz auf und ab bewegt. Die seitliche Wellenbewegung der Fischwirbelsäule haben auch die Echsen und Schlangen geerbt (vgl. S. 334). Die Methode der Transformation (morphometrische Transformation) von D’Arcy Thompson wird vorgestellt, bei der ein Gittermuster auf mathematisch nachvollziehbare Weise verformt wird, bis sich die Form eines Tieres in die einer verwandten Spezies verwandelt hat (vgl. S. 347). Wird aus einer auf ein Gummituch gezeichneten menschlichen Hand nach Verzerrung die Hand einer Fledermaus, ist diese homolog. Mathematiker bezeichnen solche Strukturen als „homöomorph“ (vgl. S. 350). Außer dem anatomischen Vergleich kann auch die Molekulargenetik mit einbezogen werden (vgl. S. 353). Die DNA-Hybridisierung wird erläutert, die z. B. hinter der Aussage steht, dass Menschen und Schimpansen 98% ihrer Gene gemeinsam haben (vgl. S. 356). Der Unterschied zwischen den „Schmelzpunkten“ der Bindungen von DNA-Strängen ist ein Maß für den genetischen Abstand zweier Arten (vgl. S. 359). Die auf molekularer Ebene ablaufenden genetischen Veränderungen sind in ihrer Mehrzahl neutral. Damit wird auf die neutrale Theorie von Motoo Kimura verwiesen (vgl. S. 374). „Pseudogene“ hatten früher mal eine nützliche Funktion, wurden jetzt aber an den Rand gedrängt und somit nicht mehr transkribiert oder translatiert (vgl. S. 375). Die Phantasie der Kreationisten wird stark strapaziert, wenn sie einen überzeugenden Grund nennen sollen, warum ein intelligenter Gestalter ein Pseudogen erschaffen sollte, das keinerlei Funktion mehr ausübt und allem Anschein nach die ausgediente Version eines früher nützlichen Gens ist (vgl. S. 375). Wenn verglichen werden soll, vor wie vielen Jahren sich die Vorfahren zweier heute lebender Tiere getrennt haben, werden „fixierte“ Gene betrachtet (vgl. S. 378).

In Kapitel 11 geht es um „historische Überreste“ oder „Fehler“, die in der Evolution nachträglich korrigiert wurden (vgl. S. 384). Anstatt solch unintelligentes Design abzuliefern, hätte es ein Schöpfer – wie jeder Ingenieur auch – besser können müssen! Der gewundene, komplizerte Weg, der zum Blasloch des Delphins führte, legt Zeugnis von den auf dem Trockenen lebenden entfernten Vorfahren des Delphins ab (vgl. S. 384). Ebenso sind die noch heute vorhandenen Rudimente des Beckengürtels der Wale, Seekühe oder Sirenia ein Evolutionsbeleg (vgl. S. 384). Strauße und Emus tragen noch Stummelflügel als Erbe ihrer entfernten fliegenden Vorfahren, beim Kiwi sind noch Reste der Flügelknochen vorhanden und Moas haben die Flügel völlig verloren (vgl. S. 387). In der Heimat der Moas (Neuseeland) gibt es unverhältnismäßig viele flugunfähige Vögel, vermutlich weil es an Säugetieren fehlte und sich deshalb große ökologische Nischen auftaten (vgl. S. 387). Dort leben auch Kakapos, flugunfähige Papageien, die immer noch Flugversuche unternehmen, obwohl sie nicht mehr dafür ausgerüstet sind (vgl. S. 388). Des Weiteren geht es um das zurückgebildete Flügelpaar der Fliegen, die nur noch „Schwingkölbchen“ besitzen (vgl. S. 389), oder um Ameisenarbeiterinnen, die Flügel eingebüßt haben, aber nicht die Fähigkeit, welche vorzubringen (vgl. S. 392). Auch der Höhlensalamander ist ein Beleg für Evolution, da er zurückgebildete Augen besitzt, für die er keine Verwendung mehr hat. Warum sollte ein Schöpfer ihn mit Augenattrappen ausstatten, die eindeutig mit Augen verwandt sind, aber nicht funktionieren (vgl. S. 395)? Erklärt wird auch, dass schädliche Mutationen an den Genen zur Augenherstellung in völliger Dunkelheit nicht bestraft werden und positive Selektion das Wachstum schützender Haut über dem infektionsanfälligen Höhlen der Augen begünstigt (vgl. S. 397). Das Wirbeltierauge (und damit auch das menschliche Auge) hat „Fotozellen“, die nicht zur betrachteten Szene ausgerichtet sind (invers = verkehr herum) sowie den „blinden Fleck“ – R. Dawkins nennt diese die Konstruktion eines völligen Idioten (vgl. S. 399). Das Lieblingsbeispiel von R. Dawkins ist der Umweg des rückläufigen Kehlkopfnervs, der nicht Folge schlechter Konstruktion ist, sondern sich aus der Geschichte – der Evolution – ergibt (vgl. S. 401). Dann werden die „Kiemenbögen“ auch menschlicher Embryonen erwähnt, die eindeutig auf Kiemen unserer Vorfahren zurückgehen (vgl. S. 402). Daran ist zu kritisieren, dass man nicht von Kiemenspalte (-bögen/ -furche), sondern von Pharyngealbögen (-furche/-tasche) bzw. von Schlundbögen (-furche/-tasche) sprechen sollte, da es beim Menschen nicht zur Ausbildung eines Kiemenapparates kommt (Quelle 6, vgl. S. 148 f.)!

Kapitel 12 beschäftigt sich mit Übermaß und Vergeudung in der Natur – hier kommt der Rüstungswettlaufs zur Sprache (vgl. S. 420). Wussten Sie, warum Waldbäume so hoch wachsen? Weil sie gegeneinander konkurrieren! Würden sich alle Bäume auf ein maximales Höhenwachstum von z. B. drei Meter „gewerkschaftlich“ beschränken, könnten sie Holz und Energie einsparen (vgl. S. 423).
Ein weiteres Beispiel für einen Rüstungswettlauf ist der Gepard als Killer der Superlative und die Gazelle, die hervorragend dazu ausgerüstet ist, diesem Killer zu entkommen. Zu Recht fragt R. Dawkins, auf wessen Seite denn nun der „intelligente Designer“ stehe (vgl. S. 430)?
Wir Menschen können uns ökologisch betrachtet wie „kluge Räuber“ (nachhaltig) verhalten, wildlebende Räuber dagegen nicht (vgl. S. 435 f.). Abschließend wird die Frage beantwortet, warum es in der Evolution Leid gibt. Evolutionsbiologen sehen kein Problem im „Theodizee-Problem“, da Böses und Leiden in den Berechnungen zum Überleben der Gene nicht vorkommt (vgl. S. 441). Auch wenn nicht beantwortet werden kann, warum Schmerzen so stark sein müssen, können sie als „darwinistisches Hilfsmittel“ betrachtet werden, welches die Überlebensaussichten des Leidenden verbessern (vgl. S. 441 f.).

Die Schlupfwespe legt ein Ei in ihr Opfer, die Larve achtet dann ihrerseits darauf, die inneren Organe in der richtigen Reihenfolge aufzufressen! Welcher wohlwollende Gestalter hätte sich so etwas grausames ausgedacht (vgl. S. 444 f.)? Das Überleben der Gene ist eine hinreichende Erklärung dafür (vgl. S. 448).

In Kapitel 13 wird der Fehlschluss „argumentum ad consequentiam“ erklärt: Selbst wenn es stimmen würde, dass die Evolutionstheorie und ihre Behandlung im Unterricht der Unmoral Vorschub leisten würde, bedeutet es nicht, das sie deshalb falsch ist (vgl. S. 449).
Die DNA überlebt in einer unendlichen Reihe von Kopien (vgl. S. 453). R. Dawkins nennt noch drei weitere Wege, auf denen Informationen so archiviert werden können, dass sie in Zukunft zur Verbesserung der Überlebensaussichten nutzbar gemacht werden können: das Immunsystem, das Nervensystem und die Kultur (vgl. S. 454).
Unser Gehirn schliesst auch kollektive Erinnerungen (durch mündliche Überlieferung, Bücher, Internet) mit ein, die wir nicht auf genetischem Weg von früheren Generationen geerbt haben. Folgerichtig ist, dass R. Dawkins in diesem Zusammenhang es unterlässt, auf die Memtheorie zu verweisen – diese erklärt nämlich nicht, wie soziales Lernen funktioniert, somit ist sie explanatorisch trivial (Quelle 7, vgl. S. 13 f.). Warum Dawkins Unrecht hat: Eine Streitschrift Nach der häufigen Behauptung von Kreationisten widerspricht der zweite Hauptsatz der Thermodynamik der Evolution nicht, da die Sonnenenergie das Leben antreibt. Dieses Beispiel lässt sich als Parallele zur natürlichen Selektion verstehen, die die Komplexität des Lebens auf „den Gipfel der Unwahrscheinlichkeit“ schiebt (vgl. S. 465 f.). Zur Frage der Entstehung des Lebens wird auf Stanley Miller’s Versuche (S. 469), die Theorie der anorganischen Tonkristalle (S. 470), sowie die Theorie der RNA-Welt eingegangen (vgl. S. 471 f.). Da DNA und RNA in der Entstehung voneinander abhängig sind, wird mit der zuletzt genannten Theorie das Henne-Ei-Paradox gelöst.

44% der US-Amerikaner leugnen die Evolution völlig (vgl. S. 481). Mögen für einen großen Denker – wie R. Dawkins es ist – diese Missstände noch so traurig sein, entlässt er seine Leser trotz alledem mit einer Prise Humor. Er klärt darüber auf, dass 28% der Briten ihre naturwissenschaftlichen und historischen Kenntnisse offenbar von der Familie Feuerstein beziehen (vgl. S. 486). Wenn Sie nicht zu dieser Gruppe gehören möchten, kann ich Ihnen das Lesen des Buches nur wärmstens empfehlen!

Quellen:
Quelle 1: Designfehler in der Natur, U. Kutschera, 2014
Quelle 2: Evolution, Ein Lese- Lehrbuch, Hynek Burda u. Sabine Begall, 2009
Quelle 3: Wikipedia, Emergenz, Emergenz als disziplinübergreifendes Konzept
Quelle 4: The greatest show on earth, Richard Dawkins, 2009
Quelle 5: Internetseite der Ag-Evolutionsbiologie, Newsticker, Erläuterungen zum Grundtypmodell, Martin Neukamm, 27.01.2015
Quelle 6: Humanenbryologie: Lehrbuch und Atlas der vorgeburtlichen Entwicklung des Menschen, Klaus V. Hinrichsen, korrigierter Nachdruck 1993
Quelle 7: Meme, Meme, Meme: Darwins Erbe und die Kultur, M. E. Kronfeldner

Nora Illi: Dodo des Monats November 2017

Dodo des Monats November 2017 ©HFR

Ein Gespenst geht um. Nora Illi, Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrates der Schweiz. Eine kleine Splittergruppe von islamischen Fundamentalisten, ohne großen Rückhalt in der islamischen Community der Schweiz. Das Problem kennen wir aus Deutschland auch. Kleine bärbeißige Islamistenvereine die so tun als wenn alle in Deutschland lebenden Muslime hinter ihnen stehen würden. Wenn sie 20% repräsentieren dürfte das ausreichend sein. Konvertitin Illi, wie sehr oft unter Konvertiten zu finden, ist eine Glaubenseiferin, die es versteht mediale Aufmerksamkeit zu erheischen. Der von ihr bevorzugte Niqab tut ein übriges dazu. Der Beduinenkultur, der arabischen Halbinsel entsprungen, sollte der Niqab vor Sand, Sonne und Staub schützen. Praktisch allemal und vor allem notwendig. Es gibt keine religiöse Notwendigkeit im Islam, für Frauen, sich ständig zu verhüllen. Die Burka ist eine paschtunische Stammestracht aus Afghanistan, Tradition wurde im Laufe der Jahrhunderte religiös umgedeutet. Das Kopftuch ist ebenso nicht notwendig und schon gar nicht religiös begründbar. An der al-Azhar-Universität, der höchsten theologischen Instanz des sunnitischen Islam sogar per Fatwa verboten. Wer meint Religionsfreiheit als Begründung für islamischen Mummenschanz bringen zu müssen, liegt völlig falsch. Und seltsamerweise wird diese dann immer von Leuten eingefordert die für die Kennzeichnungspflicht von Polizisten eintreten. Widerspruchsfrei ist das nicht zu denken.

Also, man nimmt sich einen Niqab, Modell „Kinderschreck“ und begibt sich in die Medien. Dort sitzt man vor der Kamera, wie ein aufgeblasener Müllsack und stellt ikonografisch dar, eigentlich nicht kommunizieren zu wollen. Die Hälfte des Publikum schaut sich um, ob nicht Ellen Ripley im Studio ist, die bei Gefahr das verdammte Alien-Ding in ein Wanne mit geschmolzenem Stahl werfen kann.
Und dann geht es los, Diskriminierung, eingeschränkte Religionsfreiheit, nicht ausgelebte religiöse Kulte, Sexismus allein wegen der Verhüllung des weiblichen, islamischen Körpers. Der Körper gehört nur Allah und dem Ehemann, klingt irgendwie sklavisch ist es auch. Das wird dann als Freiheit der Persönlichkeit angeboten. In dem französischen Film „Alibaba und die 40 Räuber“, mit Fernandel, der mit dem Pferdegrinsen, hört sich das anders an. Er begibt sich auf den Basar und bekommt einen Notizzettel überreicht, „Alibaba, bring bitte zwei schöne fette Frauen mit.“ Allah in jener Zeit muss ein völlig anderer gewesen sein.

Wieder Niqab, diesmal Modell „Angst“, ein Bild vor dem Konzentrationslager Dachau, gut sichtbar das Eingangstor des KZs, links daneben Niqab Modell „Angst“. Wir wissen nicht, wer, was sich darunter befindet. Es kann alles sein. Text zum Bild lautet:

„Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.“ Nicht erst wenn es soweit ist. #Dachau #Neveragain #memoriesNora Illi

Niqab Modell „Angst“ interpretiert den Twitterpost: Sie wollte auf die vielen Gesetze in Europa hinweisen, die Muslime unterdrücken. Wer Verschleierungsverbote in Europa mit dem industriellen Massenmord der Nazis an den Juden vergleicht ist einfach nur blöd, aber medialer Aufmerksamkeit gewiss. Mit dem Begriff Holocaustrelativierung ist dieser Twitterpost vom Niqab Modell „Angst“ Nora Illi hinreichend beschrieben. Darüber hinaus stürzen sich hunderttausende Glaubensbrüder-und schwestern freiwillig in die westliche Unterdrückung. Der Widerspruch wird auch von Illi nicht aufgelöst, dabei könnte sie den unterdrückenden Elementen fliehen. Es gibt genug Länder auf dieser Erde, da können Muslime ungehindert ihr erlittenes Unrecht hinter sich lassen. Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache.

Illi benutzt ihren Niqab als Waffe, sie will provozieren, sie will erschrecken, sie will mediale Aufmerksamkeit. Die bekommt sie natürlich, sie instrumentalisiert ein Bekleidungsstück und wundert sich über Reaktionen, die zeigen, dass sie und der von ihr gelebte Glaube als abstoßend empfunden werden. Man muss andere Menschen, mit anderer kultureller und sozialer Prägung nicht überzeugen wollen, man kann aber viel dafür tun den Zustand der gegenseitigen Akzeptanz zu erreichen. Mit Illi wird das nix, sie hat sich schon vorher selbst diskreditiert. Kommunikation ist Senden – Empfangen – Decodieren – Feedback. Mit Gespenstern kann man nicht kommunizieren.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

«Säkularisten sind ältere, hoch gebildete, politisch links stehende Männer»

Jörg Stolz, Professor für Religionssoziologie | © zVg
«Säkulare in der Schweiz» lautet der Titel eines aktuellen Forschungsprojekts. Im Interview mit kath.ch erläutert Jörg Stolz, Professor für Religionssoziologie an der Universität Lausanne, erste Ergebnisse.

Von Sylvia Stam | kath.ch

Sie arbeiten an einer Studie über Säkulare in der Schweiz. Wie kam es zu dieser Studie?

Jörg Stolz: Konfessionslose sind vermehrt im Blick der Wissenschaft, weil diese Gruppe stark wächst. Bislang hatte man in der Religionssoziologie und -wissenschaft vor allem die verschiedenen Religionen angeschaut. Wir wollten daher ein Projekt über Säkulare und über organisierte Säkulare zu machen, die wir Säkularisten nennen.

Erklären Sie diesen Unterschied zwischen Säkularen und Säkularisten genauer.

Stolz: Wir nennen jemanden säkular, der von sich sagt, er sei Atheist oder gar nicht religiös oder beides. Säkularisten sind Personen, die sich einer Organisation anschliessen, die säkularistische Ziele hat, beispielsweise die Freidenker-Bewegung. Das heisst etwa, die Religion in der Öffentlichkeit zu kritisieren oder für eine Trennung von Staat und Kirche einzutreten. Sehr viele Leute sind säkular, etwa 22 Prozent, während nur sehr wenige, nämlich 0,024 Prozent, Säkularisten sind.

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Totgeglaubter Gott

Bild: erf.de
Vor genau 10 Jahren machen die „Brights“ von sich reden. Jene hellen Köpfe rund um Richard Dawkins und Sam Harris, die den Gottesglauben als einen dunklen Wahn identifizieren, der zu gewalttätigen Auswüchsen führt. Das Ende religiöser Vergewaltigung ist für sie ohne den Tod des Glaubens an Gott nicht denkbar.

Von Hans-Joachim Höhn | katholisch.de

Zwar gibt es überzeugende Einwände gegen die These, dass Religion und Gewalt stets miteinander gekoppelt sind. Aber eine religionskritische Grundfrage bleibt aktuell: Was ist geeignet, Gott und den Glauben an ihn in dieser Welt zum Verschwinden zu bringen? Wird Gott nur dort zu Tode geglaubt, wo man von ihm die Lizenz zur Tötung der Anders- und Ungläubigen ableitet?

Der Gottesglaube geht auch auf andere Weise zugrunde. Stiller, unspektakulärer, trivialer. Seine Verfechter müssen keineswegs aggressiv und intolerant auftreten. Im Gegenteil. Sie reden von einem „lieben“ Gott, der nichts verlangt und niemanden aufregt. Vor ihm darf man so sein, wie man ist, und Gott sagt: Gut so!

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Über das „Othering“ von Tieren

Ein sattsam bekannter Mechanismus: Über das Schmerzempfinden von Nutztieren geht der Mensch oft hinweg. (imago stock&people)
Tiere haben Gefühle! Was Bauern wie Hundehaltern seit jeher klar ist, will das britische Unterhaus nicht anerkennen. Das heißt aber nicht, dass die Abgeordneten wirklich daran zweifeln: Sie entschieden aus politisch-strategischem Kalkül.

Von Catherine Newmark | Deutschlandfunk Kultur

Zunächst mal: Anders als viele britische Medien entrüstet berichten, hat die konservative Mehrheit der Abgeordneten im britischen Unterhaus nicht dekretiert, dass Tiere keine Gefühle oder kein Schmerzempfinden hätten. Sie hat lediglich – schlimm genug – sich dagegen entschieden, diese kaum bestreitbare Tatsache in Gesetzesform zu gießen. Schlimm ist das, weil es reale und praktische Konsequenzen für den Tierschutz und insbesondere die Haltung von Nutztieren haben kann.

Denn ein Erkenntnisproblem besteht hier nicht. Dass Tiere Schmerz empfinden können, ist dem Menschen nicht nur in seinem Alltag mit Nutz- und Haustieren seit jeher evident, sondern wird auch in der Geschichte des Denkens von kaum jemandem bestritten. Zwar dominiert über Jahrhunderte die religiöse Vorstellung von der Sonderstellung des Menschen, die ihn zur instrumentellen Nutzung von Tieren berechtigt. Ganz wie es schon im ersten Buch der Bibel heißt:

„Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“

Und ja, René Descartes ließ sich im 17. Jahrhundert zu der These verleiten, dass Tiere nichts anderes als Maschinen seien, was aber auch damals schon kaum jemandem plausibel erschien.

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»Human Roots Award« an den Evolutionsbiologen Richard Dawkins überreicht

Richard Dawkins, Screengrab
Am 10. November 2017 verlieh das Archäologische Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution MONREPOS zum ersten Mal den »Human Roots Award« für herausragende wissenschaftliche Leistungen und ihren Einfluss auf die Archäologie der Menschwerdung. Mehr als 100 geladene Gäste aus dem In- und Ausland waren anwesend, als der mit 10.000 Euro dotierte Preis an den Evolutionsbiologen und Ethologen Professor Richard Dawkins übergeben wurde. Ausgezeichnet wurde er für die Bedeutung seiner Forschung auf das Verständnis der menschlichen Verhaltensevolution. Dawkins blieb über eine Woche zu Gast in Neuwied, um sich unter anderem mit den Wissenschaftlern in MONREPOS auszutauschen.
Christina Nitzsche Bildung und Kommunikation
Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) – Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie

„Wir wollen mit dem Preis den interdisziplinären wissenschaftlichen Dialog fördern und das öffentliche Bewusstsein für die Relevanz der Erkenntnisse aus der Erforschung der Menschwerdung für die Zukunft der Menschheit schaffen“, so beschrieb Prof. Sabine Gaudzinski-Windheuser, Leiterin von MONREPOS, die Bedeutung des neu geschaffenen Preises. Mit dem Award solle aus der archäologischen Sicht auf die „Menschwerdung“ und dem Blick auf das „Menschsein“ heute eine Brücke zwischen zum „Menschbleiben“ in der Zukunft geschlagen werden. Denn nur mit einer solchen humanistischen Agenda lasse sich die Zukunft der Menschheit nachhaltig gestalten.

In Vertretung seines Vaters, Prof. Irenäus Eibl-Eibesfeldt, dem Begründer der Humanethologie sowie Schirmherren des Preises, richtete Dr. Bernolf Eibl-Eibesfeldt ein Grußwort an die Gäste. Er freue sich besonders darüber, dass ein derart renommierter Wissenschaftler wie Richard Dawkins mit dem ersten »Human Roots Award« ausgezeichnet wurde.

Die Laudatoren, Dr. Lutz Kindler und Dr. Olaf Jöris, beide MONREPOS, zeichneten das wissenschaftliche Wirken Dawkins‘ nach und betonten seinen Einfluss auf die Erforschung der Menschwerdung und auf die Vermittlung von Wissenschaft. „Niemand setzt sich so sehr für die Anerkennung der Evolution als Fakt ein wie Richard Dawkins“, trug Kindler vor, „nicht nur um die Natur zu begreifen, sondern auch, um unser menschliches Selbstbild zu verstehen“. Dies mache ihn zu einem führenden Denker unserer Zeit. Seine Sicht auf die natürliche Selektion reiche weit über die Grenzen der Evolutionstheorie hinaus und habe eine enorme Auswirkung auf die Art und Weise, wie die Archäologie die Evolution des menschlichen Verhaltens untersucht und zu erklären versucht. „So ist Richard Dawkins nicht nur einer der Gründungsväter der Soziobiologie […], er ist zudem richtungsweisend für alle Disziplinen, die an der Schnittstelle zwischen Geisteswissenschaften, Sozial- und Biowissenschaften arbeiten, ganz wie wir hier in Monrepos unsere Archäologie verstehen.“

Jöris brachte in seinem Beitrag Dawkins’ Sicht auf die Bedeutung von Wissenschaft für die Gesellschaft („Public understanding of Science“) auf den Punkt: „Wissenschaft ist bedeutungslos oder überflüssig, wenn sie keine Konsequenzen für unser Leben und für unsere Zukunft hat!“. So setze sich auch MONREPOS unter anderem mit seiner Dauerausstellung »MenschlICHes VERSTEHEN« dafür ein, seine Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und dieser ihre Verantwortung für die Zukunft aufzuzeigen. Mit den Worten „Wie unsere zukünftige Welt aussehen wird, liegt in unseren Händen. Unser Menschbleiben hängt von der Summe der Erkenntnisse ab, die wir den Forschungen zum Menschsein heute entlocken, sowie den Einsichten aus unserer tiefen Vergangenheit, die im Pleistozän begann und in der sich unsere heutigen Verhaltensweisen formten und akkumulierten“, schloss Jöris seine Laudatio und leite zur Preisverleihung durch Eibl-Eibesfeldt über.

Dawkins zeigte sich gerührt von der Auszeichnung und widmete seinen Vortrag der Kernaussage all seiner wissenschaftlichen Arbeiten: der Bedeutung des Gens als zentraler Selektionseinheit der Evolution. Dass Wissenschaft keine trockene Materie ist, zeigte sich im Anschluss der Preisverleihung. Bis tief in die Nacht feierten die Gäste mit dem Preisträger.

Am nächsten Tag schloss eine Frühstücksdebatte zum Thema „Menschliche Universalien“ das Programm ab. 18 Teilnehmer – international renommierte Wissenschaftler aus den Bereichen Archäologie, Ethnologie, Sozialpsychologie, Physik, Philosophie, den Politik- und Wirtschaftswissenschaften – diskutierten über Ursachen und Formen innerartlicher Gewalt unter der Fragestellung „Ist der Mensch eine aggressive Spezies?“. Die Frage „Woher kommt unsere menschliche Historizität?“ leitete das zweite Thema der belebten Debatte ein. Bei beiden Fragen ging es wesentlich darum, sich einer Antwort zu nähern, die zu erkennen hilft, was den Menschen von Natur aus auszeichnet, und welches der Grad der kulturellen Überprägung oder Modulation seiner ist – ein Thema für weitere Debatten, das nur inter- bzw. transdisziplinär angegangen werden kann.

Die Verleihung des »Human Roots Award« lenke den Blick auf einen besonderen Forschungszweig des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, sagte der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf in einer Stellungnahme. „Mit seiner Außenstelle MONREPOS vermittelt es anschaulich und innovativ, wie sich menschliches Verhalten in der Frühzeit entwickelt hat und welche Verhaltensweisen bis heute fortwirken. Die Qualität der Forschungsleistungen und die Besonderheit des Vermittlungsansatzes von MONREPOS sind weithin anerkannt und wurden erst im letzten Jahr durch eine wissenschaftlichen Begutachtung als besonders positiv herausgestellt.“

Möglich gemacht wurde die Preisverleihung durch das private Engagement von Prof. Dr. Max Otte, einem bekannten deutsch-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler, der das Preisgeld großzügig zur Verfügung stellte.

„Die positive Resonanz der Gäste und aller Beteiligten ist auch von Einfluss für künftige Aktivitäten in MONREPOS“, berichtet Sabine Gaudzinski-Windheuser kurz nach der Veranstaltung. Zur nächsten Preisverleihung käme Dawkins gerne wieder als Gast nach MONREPOS, so die Abschiedsworte des Preisträgers nach seinem einwöchigen Aufenthalt in Neuwied.

Koordination
Univ.-Prof. Dr. Sabine Gaudzinski-Windheuser, Dr. Olaf Jöris; Dr. Lutz Kindler

Kontakt
Dr. Olaf Jöris | Tel.: +49 (0) 2631 9772 14 | Mail: joeris@rgzm.de

Pressestelle des RGZM
Ebru Esmen M.A. | Tel.: +49 (0) 6131 9124 165 | Mail: esmen@rgzm.de

Delfine geben sich Namen

Das Titelthema der aktuellen Ausgabe: Talk im Tierreich. Große Tümmler stellen sich ihren Artgenossen mit Namen vor. Der Biologe Mario Ludwig erläutert, wie sich Tiere verständigen. Foto: imago
Große Tümmler geben sich selbst einen Namen, manche Papageien wissen, was sie sagen. Biologe Mario Ludwig berichtet Erstaunliches über die Kommunikation von Tieren.

Von Pamela Dörhöfer | Frankfurter Rundschau

Wir Menschen haben leider keinen Einfluss auf unseren Namen, den wir ein Leben lang mit uns herumtragen müssen. Und bestimmt gibt es nicht wenige, die hadern mit dem, was sich die Eltern für sie ausgedacht haben.

Einem Großen Tümmler kann das nicht passieren. Diese Delfine geben sich selbst einen Namen (es sei denn, man wird als Hauptdarsteller einer Fernsehserie auserkoren und „Flipper“ genannt). Herausgefunden haben diese erstaunliche Tatsache schottische Wissenschaftler, der Biologe Mario Ludwig hat sie für sein Buch „Gut gebrüllt! Die Sprache der Tiere“ aufgeschrieben. Darin stellt er die verschiedenen Kommunikationsformen im Tierreich vor und versetzt die Leser ein ums andere Mal in Erstaunen. Dem Naturbuchautor gelingt das ganz leichtfüßig auf eine unterhaltsame Weise, ohne akademischen Jargon und mit einer bilderreichen, leicht verständlichen Sprache.

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„Hormonpapst“ Huber für „Goldenes Brett vorm Kopf“ nominiert

Ein Impfgegner, der selbsternannte „König von Deutschland“ und ein an Schutzengel glaubender „Hormonpapst“ sind für das „Goldene Brett vorm Kopf“ nominiert.

Die Presse.com

Das „Goldene Brett vorm Kopf“, ein Negativpreis für den „größten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres“, wird am 23. November von der Skeptiker-Vereinigung GWUP (Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) in Wien und Hamburg vergeben.

Mit seinen „antiwissenschaftlichen Behauptungen“ begründen die Skeptiker die Nominierung von dem immer wieder als „Hormonpapst“ titulierten Gynäkologen Johannes Huber, Professor an der Medizinischen Universität Wien. Konkret werden seine beiden Bücher „Es existiert: Die Wissenschaft entdeckt das Unsichtbare“ (2016) und „Der holistische Mensch: Wir sind mehr als die Summe unserer Organe“ (2017) genannt, in denen er „eine Vielzahl esoterischer Ideen präsentiert – von Schutzengel über magische Aura bis hin zu übersinnlicher Informationsübertragung und die Bedeutung früherer Leben für unser zukünftiges Schicksal“.

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Denkst du schon oder glaubst du noch? Weshalb Wissenschaften keine Ersatzreligion sind

Die Wissenschaften sind der Feind der Religionen. Das ist ein Gedanke, der viele Gläubigen auf die Palme bringt.

Von Hugo Stamm | watson.ch

Ein anderer: Gott fürchtet Menschen, die ihn mit wissenschaftlichen Erkenntnissen aus dem Universum bugsieren möchten. Man erinnere sich an den Bibelspruch: Selig sind die Armen im Geiste …

Tatsächlich sind sich Glaube und Wissenschaften oft spinnefeind. Ich bekomme dies seit vielen Jahren von gläubigen Bloggerinnen und Bloggern demonstriert, die mir in ihren Kommentaren mantramässig vorwerfen, ich sei wissenschaftsgläubig und habe ein mechanisches oder utilitaristisches Weltbild. Ein Vorwurf, den ich vehement bestreite. Doch davon später.

Tatsächlich ist es unmöglich, dass Glauben und Wissenschaften im Gleichschritt einen Walzer tanzen. Überdurchschnittlich viele Naturwissenschafter sind Agnostiker oder Atheisten. Sie sind gewohnt, die Welt nach wissenschaftlichen Kriterien zu erfassen. Religiöse Erklärungsmuster passen schlecht ins Puzzle, weil sie nicht überprüfbar sind.

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Kampfatheisten unter der Lupe

Der Walliser Valentin Abgottspon ist einer der bekanntesten Freidenker des Landes. (Bild: Karin Hofer/NZZ)
«Da ist wahrscheinlich kein Gott. Also sorg dich nicht – geniess das Leben.» Mit solchen Zitaten ziehen die Freidenker in den Kampf gegen die Religion. Was sind das für Menschen, die für ihre Überzeugung bereit sind, den Job zu opfern?

Von Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

Sie wollen die Kreuze von den Schweizer Berggipfeln verbannen und bekleben Busse und Plakatwände mit Botschaften wie «Da ist wahrscheinlich kein Gott. Also sorg dich nicht – geniess das Leben». Doch wer sind die Menschen, die solcherlei tun? Die Gruppe der sogenannten Säkularisten ist seit einigen Jahren Gegenstand der Forschungen von Religionssoziologen der Universitäten Lausanne, Bern und Strassburg. Nun liegen erste Erkenntnisse vor, die zeigen, wie die Religionskritiker ticken.

Es gibt nicht wahnsinnig viele von ihnen, nur rund 2000 Personen, von denen die meisten den Freidenkern angehören. Sie haben aber eine grosse mediale Präsenz. Einer der Autoren der Studie, der Religionssoziologe Jörg Stolz, erklärt dies mit dem Umstand, dass die Gruppe der Konfessionslosen permanent wächst: Sie machen bereits rund 22 Prozent der Bevölkerung aus, damit haben sie die Reformierten bald überholt. «Die Öffentlichkeit merkt, dass da etwas Umwälzendes im Gang ist – und es sind die Freidenker, die diesen Wandel verkörpern und stellvertretend für die Religions- und Konfessionslosen sprechen», sagt Stolz. Prominente Köpfe der Bewegung sind Andreas Kyriacou, der Präsident der Freidenker-Vereinigung (FVS), und sein Stellvertreter Valentin Abgottspon. Der Walliser wurde schweizweit bekannt, weil er sich als Oberstufenlehrer weigerte, ein Kruzifix im Schulzimmer aufzuhängen – und deshalb im Herbst 2010 fristlos entlassen wurde.

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Wahl Dodo des Monats Oktober 2017

Dodo des Monats Oktober 2017 ©HFR

Übersättigung gebiert Ekel. Damit lässt sich der Zustand beschreiben, der durch die Luther-Parties landauf-und ab erzeugt wurde. Man möchte Luther ins Grab kotzen. Kaum einer hat wie er die Medien im Monat Oktober befüllt. Kirche und Politik in wahrer Besoffenheit wenn es um die Darstellung des fetten Pfaffen aus Wittenberg ging. Der Eindruck, dass die Luthers Apologeten nicht nüchtern waren, ist nicht von der Hand zu weisen. Und so wurde der protofaschistische Puritaner Luther in den Himmeln gehoben, es steht zu befürchten, dass er zum tausendjährigen Jubiläum seiner Thesen Jesus ersetzt hat. Dann waren es nicht die Thesen, sondern Luther, welcher an das Portal seiner Kirche genagelt wurde. Der Personenkult um ihn erzeugt Brechreiz. In der Lutherdekade wurde reichlich mit Steuergeldern um sich geworfen. Die ersten Apologeten haben schon angefangen sich zu rechtfertigen, es ging nicht um Glauben, es ging um Denkmalschutz, Infrastruktur, Tourismus und Ökonomie. Luther lieferte das Deckblatt für staatliche Subventionen an die evangelische Kirche.

Die Wahl ist bis zum 07. November 2017, 18:00 Uhr befristet. Mehrfachabstimmungen sind möglich.  Der Gewinner wird am Tag darauf hier gewürdigt werden.

  1.  Margot Käßmann, „280 Millionen € für Luther sind kein Kommerz.“
  2.  Markus Dröge, „träumt den Traum der Staatskirche.“
  3.  Heinrich Bedford-Strohm, „wünscht sich die Globalisierung seiner EKD.“
  4.  Gregor Gysi, „hat Angst im gottlosen Dunkel.
  5.  Winfried Kretschmann, „sieht Toleranz u. Offenheit, es ist aber nicht klar, worüber er spricht.“
  6.  Angela Merkel, „kennt den Unterschied von Religionsfreiheit u. Laizismus nicht.“
  7.  Ilse Junkermann, „verteidigt die Wittenberger „Judensau.“
  8.  Andreas Germeshausen, „nicht integrierter Integrationsbeauftragter.
  9.  Bodo Ramelow, „Millionen für Luther, also Infrastruktur und Denkmalschutz.“
  10.  CDU-Fraktion Berlin, „wir weichen das Neutralitätsgesetz auf, hinten herum.“
  11.  Frank-Walter Steinmeier, „außenpolitische Erpressung Russlands, wegen einer Kirche.
  12.  Sandra Maischberger, „nicht der hellste Spot im Studio.“
  13.  Horst Seehofer, „will zurück ins 19. Jahrhundert.“
  14.  Stephan Ackermann, „mit dem Missbrauchsskandal seiner Kirche überfordert.
  15.  Martin Dutzmann, „bietet die Lösung für verängstigte, verzweifelte Wähler, Kirche.“
  16.  Johann Hinrich Claussen, „Lesen sei eine fast religiöse Tätigkeit.“
  17.  Robert Spaemann, „hatte es als Christ bei den Nazis besser.

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Die verborgene Natur der Liebe

Ein Vortrag von Thomas Junker am 24. Oktober 2017 im Haus der Wissenschaft in Bremen

Richard-Dawkins-Foundation

 

„Die verborgene Natur der Liebe“ erklärt, warum wir Sex haben. Und zwar sehr viel häufiger und sehr viel spielerischer, als es zur Fortpflanzung nötig ist. Sie beschreibt die Vielfalt der Beziehungsformen. Und sie gibt Regeln an für die Suche nach dem richtigen Partner oder der richtigen Partnerin. Die in den Genen gespeicherten evolutionären Erfahrungen verraten uns, welches Verhalten erfolgversprechend ist und welches nicht, warum wir so fühlen, wie wir fühlen. Warum beispielsweise das Leben in einer Zweierbeziehung so erstrebenswert ist, und warum gleichzeitig das Fremdgehen, angefangen mit einem harmlosen Flirt, so unwiderstehlich sein kann.

Thomas Junker zeigt, dass das, was wir Liebe nennen, nichts Selbstverständliches ist, sondern dass alles auch ganz anders sein könnte. Sein so unaufgeregtes wie aufregendes Buch gibt einen Eindruck davon, wie sehr wir im Grunde unseres Herzens Naturwesen geblieben sind, denen der kulturelle Zuckerguss von Moral und Erziehung nur wenig anhaben konnte.

http://www.thomas-junker-evolution.de/

Das Kopftuch, regressive Beißreflexe oder die Rückkehr der Wahnsinnigen

 Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.“Karl Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde

Schreckliches ist passiert. Eine Professorin der Julius-Maximilians-Universität Würzburg diskutiert über die Respektlosigkeit von Kopfbedeckungen in Hörsälen. Konkret wird eine Studentin angesprochen, die auf Grund ihrer religiösen Weltsicht ein Kopftuch trägt. Auch diese Art von Kopfbedeckung sei respektlos.
Schon gehen regressive Linke auf die Barrikade, sprich eintrainierte Beißreflexe, die sozialen Medien des Internets dazu und die Sau wird virtuell durchs Dorf getrieben. Liest man die Kommentare und Artikel in den verschiedensten Medien bleibt nur noch zu sagen, wenn sich die Professorin nicht selbst tötet wird sie von der aufgebrachten Meute der Bescheidwisser gesteinigt.
Islamophobie, Herabwürdigung der Menschenwürde, Grundrechte mit den Füßen getreten, Diskriminierung.
Seid ihr noch normal? Seit wann ist Religionsfreiheit grenzenlos? Wo steht geschrieben, dass man in einer Vorlesung, an einer Universität und damit im säkularen Raum, der weltanschaulich neutral seien soll, dauerhaft ein Religionsbekenntnis demonstriert werden darf?
Wer erlaubt euch die Integrität einer säkularen Person anzugreifen und all das was ihr der Studentin zubilligt abzusprechen. Hat die Professorin keine Rechte, muss sie die kontinuierliche religöse Darstellung in ihrer Vorlesung dulden? Nein.

An der al-Azhar-Universität in Kairo, der höchsten theologischen Autorität des sunnitischen Islam sind Kopfbedeckungen für Studentinnen verboten. Der Dekan, welcher gleichzeitig Großmufti von Ägypten ist, hat mal einer Studentin auf dem Campus das Kopftuch heruntergerissen. Kurze Zeit später wurde das Tragen jedweder Kopfbedeckungen per Fatwa verboten. Und hier erklären „progressive“ Linke was Religionsfreiheit ist. Mit anderen Worten für das Tragen eines Kopftuches gibt es keine religiöse Begründung. In diesem Zusammenhang ist auch unverständlich, warum sich Gerichte, Juristen und Politiker in Deutschland nicht an der Rechtsprechung einer theologischen Autorität, wie sie nun mal die al-Azhar ist, orientieren. Ist das Kopftuch religiös nicht begründbar, kann man sich nicht hinter dem Recht auf Religionsfreiheit verstecken.

Der weitaus schlimmere Aspekt dieser Diskussion liegt noch in anderer Hinsicht begründet. Stichtwort. Reformation des Islam. Wir kommen wieder zu Seyran Ateş, Abdel-Hakim Ourghi und Ahmad Mansour. Diese Muslime wollen eine Reform des islamischen Glaubens, auf der Grundlage von Humanismus und Liberalismus, nennen wir es vereinfacht säkularer Islam. Genau diesen Muslimen fallen die regressiven Linken in den Rücken. Seyran Ateş, Gründerin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin hat weit über 100 Morddrohungen erhalten. Als Rechtsanwältin vertritt sie die Stadt Berlin in der Thematik Kopftuch zur Durchsetzung des Neutralitätsgesetzes. In der Auseinandersetzung mit den Religionen haben die regressiven Linken ihr Kriegsbeil im Rücken fortschrittlicher Muslime begraben.

Hüten wir uns vor den uneingeschränkt Toleranten, sie machen die Intoleranz gesellschaftsfähig.

Jane Goodall Is on a ‚Mission to Save the World‘

Jane Goodall and infant chimpanzee Flint reach out to touch each other’s hands. Image: National Geographic Creative/ Hugo van Lawick
The legendary anthropologist and conservationist spoke to Radio Motherboard for the premiere of ‘Jane,’ a new documentary on her early career.

By Kaleigh Rogers | MOTHERBOARD

„World-famous scientist“ is a rare title these days, reserved for only the most legendary living minds. Jane Goodall would undoubtedly fall under this category.

The 83-year-old anthropologist and conservationist spent the first 26 years of her career living among chimpanzees and exponentially expanding our knowledge of their behavior. By the 80s, the looming threat of habitat destruction inspired Goodall to leave the jungle and begin advocating for conservation full time. She hasn’t stopped since.

„I think I was given a mission, and I feel something up there pushing me,“ Goodall told me during a recent interview in New York.

On the road an average of 300 days a year, Goodall was in town most recently to help promote the new film Janea documentary that features footage captured during her earliest expeditions in Gombe, Tanzania. I met with her and director Brett Morgen in a hotel room in Manhattan, where they were winding down from a day of back-to-back press engagements.

Jane, which premiered at the Toronto International Film Festival in September, follows Goodall’s early years as a young secretary-turned-scientist tasked with observing chimps in their natural habitat. The gorgeous footage was captured by Hugo van Lawick, a National Geographic wildlife videographer whom Goodall would go on to marry and raise a son (the couple divorced in 1974).

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Du hast noch nicht genug nach Gott gesucht

Foto: pixabay.com
So ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.

Von Jori Wehner | Richard-Dawkins-Foundation

Oft gehört: „Du bist Atheist? Dann hast Du noch nicht genug nach Gott gesucht. Sonst hättest Du ihn gefunden.“ Gott verspricht: „So ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen. (Jeremia 29:13).“

Das ist nicht einmal falsch – lässt sich aber genauso gut über jeden anderen, fiktiven Akteur sagen. Du glaubst nicht an Krishna? Dann hast Du noch nicht genug nach ihm gesucht. Wer Krishna wirklich offenen Herzens sucht, der wird ihn auch irgendwann finden: mit den bewährten Methoden der Autosuggestion, Wahnwahrnehmung und Bestätigungsfehler. Man frage die Hinduisten Südindiens! Krishnas Wirken ist doch nun wirklich unübersehbar! Glauben denn die Skeptiker, die Welt habe sich allein geschaffen? Glauben sie, die glückliche Ankunft meiner Mutter aus dem gefahrenvollen Kriegsgebiet wäre ohne Krishnas Güte und lenkende Hand möglich gewesen? Glauben sie ernsthaft, mein Nachbar hätte seine Drogensucht überwunden ohne Krishnas stärkende Hilfe, um die er täglich gebetet hat?

Wer nur intensiv genug sucht – womöglich durch tiefe emotionale Bedürftigkeit angetrieben – der mag sich irgendwann einreden, ein guter Schutzgeist wache über ihn. Und wer nicht an diesen Schutzgeist glaubt? Der hat noch nicht verzweifelt genug nach ihm gesucht.

Sind die Augen des „Glaubens“ erst einmal geöffnet, findet sich überall Bestätigung.

„Jesus wacht über mich!“ Heute Morgen habe ich eine Tüte Cornflakes umgestoßen – zwei Flocken sind zufällig genau in meine Müslischale gefallen. Wirklich zufällig? Zwei! Das Doppelgebot der Liebe! Jesus offenbart seine Gegenwart durch Gesten, die man nur mit offenem Herzen erkennen kann!

Oder waren es drei Cornflakes, die unzufällig, tiefsinnig, theologisch bedeutungsvoll in meine Müslischale gefallen sind? Drei! Glaube, Hoffnung, Liebe! Die Dreifaltigkeit! Jesus offenbart seine Gegenwart durch Gesten, die man nur mit offenem Herzen erkennen kann!

Oder waren es vier? Die Evangelien! Das Zeugnis seines irdischen Wirkens! Jesus offenbart seine Gegenwart durch Gesten, die man nur mit offenem Herzen erkennen kann!

Gibt es überhaupt eine zufällige Begebenheit, der sich nicht nachträglich und mutwillig eine tiefe, theologische Bedeutung überstülpen lässt? „So ihr mich von ganzem Herzen suchet, so will ich mich finden lassen.“ Das gilt aber dummerweise für jeden unsichtbaren Akteur, den Menschen sich ausdenken und verzweifelt wahrhaben wollen. Mit ausreichend starker Autosuggestion wird er sich finden lassen.

Wie kann der Gläubige erkennen, ob er noch ehrlich nach einem möglichen Gott sucht oder ob er sein Herz schon so weit geöffnet hat, dass er mittels Autosuggestion, Wahnwahrnehmung und Bestätigungsfehler überall Gespenster sieht?

„Das Goldene Brett 2017“: Aufruf zur Nominierung

Wer verantwortet die größten unwissenschaftlichen Fake News des Jahres? – Nominierungen ab sofort unter http://www.goldenesbrett.guru möglich

Pressemitteilung

Der größte unwissenschaftliche Unsinn des Jahres wird wieder prämiert: Bereits zum siebten Mal vergibt die Skeptiker-Vereinigung GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) am 23. November 2017 das Goldene Brett vom Kopf. Wer hat sich in diesem Jahr mit besonders wundersamen esoterisch-skurrilen Aussagen hervorgetan? Ab sofort kann jeder online unter www.goldenesbrett.guru geeignete Kandidaten nominieren.

Der Negativpreis geht an Personen oder Institutionen, die mit wissenschaftlich widerlegten oder unsinnigen Behauptungen Medienpräsenz anstreben, Angst machen oder Geld verdienen wollen.

Jeder kann nominieren

Die GWUP sammelt bis 10.11.17 unter www.goldenesbrett.guru online Nominierungen. Aus den eingereichten Vorschlägen wird eine Fachjury anschließend die diesjährigen Preisträger auswählen.  Die öffentliche Verleihungsfeier für „Das Goldene Brett vorm Kopf“ findet am 23. November 2017 um 20:15h (Einlass ab 20h) in der Urania in Wien (Uraniastraße 1) und gleichzeitig bei der Parallelveranstaltung in Hamburg im Schanzenkino73 (Schulterblatt 73) statt.

Gutgläubigkeit und Geschäftemacherei

Von der Astrologie bis zum Handel mit wirkungslosen Wundermittelchen, von der Auramassage bis zur politischen Verschwörungstheorie – auch in einer vermeintlich aufgeklärten und wissenschaftsorientierten Zeit bekommt man es täglich mit Behauptungen zu tun, die einem echten Faktencheck nicht standhalten. Skeptiker auf der ganzen Welt überprüfen derartige Theorien mit wissenschaftlichen Methoden. Doch auch wenn eine Theorie längst widerlegt ist, bleiben ihr viele Anhänger immer noch treu und setzen oft viel Geld oder ihre Gesundheit aufs Spiel.

Die Augen für wissenschaftliche Beweise völlig zu verschließen ist aber gar nicht einfach. Für so viel Widerstandskraft gegen die Realität braucht man schon ein ganz besonderes Brett vorm Kopf: Ein goldenes!

Die GWUP verleiht diesen Preis daher seit 2011 jährlich. Im Vorjahr ging das Goldene Brett an Ryke Geerd Hamer, den Erfinder der „Neuen Germanischen Medizin“. Neben dem jährlichen Gewinner gibt es jeweils auch eine Auszeichnung für das Lebenswerk: 2016 ging es an das „Zentrum für Gesundheit“, einer scheinbar neutralen Webplattform, die pseudomedizinische Texte verbreitet.

Skeptiker für Wissenschaft

In vielen Ländern gibt es mittlerweile Skeptiker-Vereinigungen, die mit wissenschaftlichen Argumenten gegen esoterische Geschäftemacherei und angstmachende Verschwörungstheorien vorgehen. In der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V., GWUP – die Skeptiker) sind 1400 Wissenschaftler/innen und wissenschaftlich Interessierte aus dem deutschsprachigen Raum organisiert. Sie ist mit gleichgesinnten Gruppierungen auf der ganzen Welt vernetzt.

Nominierungen und Informationen zu den Veranstaltungen unter www.goldenesbrett.guru

Rückfragen & Kontakt:

Christina Bisanz
GWUP e. V. (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V.)
Tel.: +43 676 94 65 003
E-Mail: christinabisanz@gmail.com
www.gwup.org

Blick in die Gedankenwelt des jungen Stephen Hawking

Der britsche Physiker Stephen Hawking bei einem Vortrag. Er hat jetzt seine Doktorarbeit frei zugänglich gemacht © NASA/ Paul Alers
Er ist einer der bekanntesten Astrophysiker weltweit: Stephen Hawking. Jetzt ist seine vor gut 50 Jahren geschriebene Doktorarbeit erstmals im Internet frei zugänglich. Die University of Cambridge hat die Arbeit in Absprache mit dem Physiker online gestellt, um den Open Access Gedanken voranzutreiben. Hawking hofft, dass sein Beispiel dazu beiträgt, den Zugang zu wissenschaftlichen Arbeiten künftig zu erleichtern.

scinexx

Der britische Physiker und Kosmologe Stephen Hawking hat unsere Sicht des Kosmos entscheidend geprägt. Er postulierte als erster grundlegende Eigenschaften Schwarzer Löcher, darunter die nach ihm benannte Hawking-Strahlung und präzisierte Theorien zum Ereignishorizont. Zudem beschäftigte er sich mit der quantenphysikalischen Erklärung des Urknalls und der kosmischen Inflation.

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