Christian conservatives want to regulate sex — and deny it to the poor

Unhappy couple in bed — Shutterstock
Sexual intimacy and pleasure are some of humanity’s most cherished experiences. The so-called “best things in life” include natural beauty, fine dining, the arts, thrilling adventures, creative pursuits and community service. But love and orgasms are among the few peak experiences that are equally available to rich and poor, equally sweet to those whose lives are going according to plan and to many whose dreams are in pieces.

By Valerie Tarico | Alternet/RawStory

Religious conservatives think that these treasured dimensions of the human experience should be available to only a privileged few people whose lives fit their model: male-dominated, monogamous, heterosexual pairs who have pledged love and contractual marriage for life. Some true believers—especially those in thrall to the Protestant Quiverfull Movement or the Vatican—would further limit sexual privileges even within hetero state-licensed, church-sanctified marriages to only couples who are open to intimacy producing a pregnancy and a child. Take your pick: it’s either reproductive roulette or no sex—although you might be able to game God by tracking female fertility and then bumping like bunnies during the low-risk times of the month.

Why Christianity Is Obsessed With Sex

To be clear, I’m not saying that Christianity’s sex rules are only a function of patriarchal Christian privilege. During the Iron Age, from whence Christianity’s sex rules got handed down, society was organized around kin groups, and the endlessly warmongering clans of the Ancient Near East were more at risk of extinction than overpopulation. Legally enforced monogamy created lines of inheritance and social obligation, clarifying how neighbors should be treated and who could be enslaved.

Also, hetero sex necessarily carried the risk of pregnancy, which made it adaptive to welcome resultant pregnancies. Children do best in stable, nurturing families and communities, and in the Ancient Near East, “No marriage? No sex!” may have served to protect the well-being of mothers and children as well as the social power of patriarchal men. But in today’s mobile, pluralistic societies with modern contraceptive options and social safety nets, God’s self-appointed sex police have little credible excuse save their own compelling need to bully and boss and stay on top.

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Und geheiligt werde die Willkür

Bild: RDF
Gender-Ideologen machen den Fehler, dass sie „Mann“ und „Frau“ rein kulturell verstehen. Zunächst einmal unterscheiden sich Männer und Frauen jedoch biologisch. Kulturelle Studien sind legitim, müssen aber von biologischen Grundlagen ausgehen.

Von Andreas Müller | Richard Dawkins-Foundation

Es gibt auch Frauen mit XY-Chromosomen. Das teilte man mir vor kurzem mit. Und ich Naivling meinte, Männer hätten XY-Chromosomen und Frauen XX-Chromosomen. Das Phänomen der XY-Frauen erklärt sich allerdings durch eine partielle oder komplette Testosteronblockade, zum Beispiel bei Fehlen des TDF-Proteins. Mit anderen Worten ist das nicht normal. Eine biologische Fehlfunktion führt zu diesem seltenen Phänomen der XY-Frauen. Das ist kein Vorwurf an die XY-Frauen oder an XX-Männer, es ist einfach so. Und dieses „die Dinge sind, wie sie sind“, die wissenschaftlich erkundbaren Tatsachen der Realität, drohen der politischen Korrektheit und dem Relativismus geopfert zu werden.

Es ist sinnvoll, „männlich“ und „weiblich“ biologisch zu definieren und voneinander abzugrenzen. Bereits Charles Darwin setzte sich in seinem „Ursprung der Arten“ mit dem Problem der zahlreichen Grenz-, Übergangs- und Ausnahmefälle in der Natur auseinander. Er schrieb, es sei manchmal schwierig, Arten eindeutig voneinander zu unterscheiden. Manche Forscher betrachteten eine Lebensform als Art, andere nur als Rasse. Und trotz der Grenz-, Übergangs- und Ausnahmefälle leugnen Biologen nicht, dass es Arten gibt.

Doch genau das ist die Tendenz unseres Zeitgeistes. An die Stelle der Unterscheidung – wozu klar definierte Begriffe dienen – tritt die Gleichmacherei. Letzten Endes sind dann aber nicht alle Menschen gleich, sondern alles ist gleich. Und somit ist alles nichts Bestimmtes. Ist es ein Mann? Ist es eine Frau? Warum nicht etwas dazwischen, warum nicht beides zugleich? Letztlich ist dann alles im Grunde nichts.

„An die Stelle der Unterscheidung tritt die Gleichmacherei.“

Die Kritiker meiner Artikel über Transgender sehen sich dem Problem ausgesetzt, dass sie im Namen der heiligen politischen Korrektheit, des gesegneten Relativismus, in die Richtung argumentieren: Es gibt keine Geschlechter. Wenn sie nämlich einräumen, dass es voneinander abgrenzbare Geschlechter gibt, dann kann sich nicht jeder einfach als „Frau“ oder „Mann“ definieren, weil er sich besser dabei fühlt. Schließlich müssen ihrer Weltanschauung zufolge auch biologische Frauen „eigentlich“ Männer sein dürfen und andersherum.

„Alles fließt“, wie Heraklit es ausdrückte. Mit anderen Worten gibt es keine Kontinuität und somit keine Attribute und somit keine Entitäten und somit – gibt es gar nichts. Ein Mann ist demzufolge nicht von Natur aus ein Mann, weil er natürliche männliche Eigenschaften einfach ablegen oder sie wegoperieren lassen kann. Und gibt es keine männlichen Eigenschaften, so gibt es auch keine Männer – wodurch sollen sich diese ohne Eigenschaften schließlich auszeichnen? Und wir können uns jede Diskussion über das gar nichts, was übrigbleibt, ersparen, alleine schon deshalb, weil wir dieser Logik zufolge selbst auch nicht existieren. Oder gibt es etwa doch Frauen und Männer?

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Das abenteuerliche Leben des Evolutionsbiologen Robert Trivers

Robert Trivers stürzte sich ins Nachtleben von Kingston und rauchte große Mengen Marihuana. (imago/ZUMA Press)
Er ist einer der berühmtesten lebenden Evolutionsbiologen. Seine Arbeiten zu Altruismus, Selbsttäuschung und egoistischen Genen haben neue Studienfelder begründet. Ebenso spektakulär wie seine Forschung ist das Leben von Robert Trivers. In „Wild Life“ erzählt er von diesen beiden Seiten.

Von Lennart Pyritz | Deutschlandfunk

Viele Wissenschaftler drehen ihre Runden im universitären Elfenbeinturm: Lesen, Laborarbeit, Seminare und wieder Lesen. In seinem Buch „Wild Life“ beweist der berühmte Evolutionsbiologe Robert Trivers, dass es auch abenteuerlicher geht.

„Ein Wissenschaftler erforscht das Leben und er lebt das Leben – und ich wollte nie, dass das eine das andere aussticht.“

So pendeln die wilden Lebenserinnerungen des 73-Jährigen zwischen den efeuberankten Hörsälen renommierter Universitäten und den verschlungenen Pfaden durch den Dschungel des Lebens. Als Student in Harvard bricht er mit Anfang 20 psychisch zusammen. Immer wieder muss er im Lauf seines Lebens wegen einer bipolaren Störung in Behandlung. Und immer wieder zieht es ihn als Forscher in die Wildnis – zu Affen in Indien oder auf Bäumen lebenden Echsen auf Jamaika.

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Die Spaghetti-Kirche ist clever!

Hinweisschild der „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters“ mit den Zeiten der sogenannten Nudelmesse in Templin; aufgenommen im November 2014 (picture alliance / dpa)
In Brandenburg gibt es Streit um die „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters“. Dabei verhält diese sich doch clever, meint Arno Orzessek. Denn die Anhänger der Spaghetti-Kirche füllen die Religionsfreiheit mit neuem Leben.

Von Arno Orzessek | Deutschlandradio Kultur

Die Sache ist kompliziert, also interessant – und Gott sei Dank witzig. 2012 hat das Finanzamt Templin der „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters“ be­scheinigt, tat­säch­lich „kirchliche Zwecke“ zu fördern, und darum Steuerfreiheit gewährt.

Die Pastafari der Spaghetti-Kirche sehen sich selbst jedoch gar nicht als Religions-, son­dern als Welt­an­schau­ungs­gemein­schaft. Und richten ihren Überbau am erdverbundenen „Manifest des Evolutionären Humanismus“ aus, das der Philo­soph Mi­chael Schmidt-Salomon verfasst hat.

Das erste der „Zehn Angebote des evolu­tio­nären Hu­manis­mus“ lautet: „Diene weder fremden noch heimischen ‚Göttern‘, sondern dem großen Ideal der Et­hik.“

Allerdings fordern die Pastafari Gleichbehandlung mit Religionsgemeinschaften im Sinne des An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­setzes und wollen in Templin auch künftig per Beschilderung zur „Nu­del­mes­se“ bei Teigwaren und Bier ein­laden.

Was wiederum das bierernste Kulturministerium Brandenburg nicht dul­den will. Die Spaghetti-Kir­che sei eben kei­ne Re­li­gi­onsgemeinschaft – drum weg mit den Schildern, die das christliche Fisch-Symbol mit Nudelbeilage zeigen.

Das Ministerium klammert sich also an die Differenz von Religion und Weltanschauung, die säku­la­re Spa­ghetti-Kir­che setzt dagegen auf gleiches Recht für beide.

Klar, im Zweifel lässt sich die Differenz rasch herbeidefinieren – und zwar so: Jede Re­li­gion un­ter­stellt eine trans­zendente Wirk­lich­keit, Welt­an­schauungen beschränken sich auf innerweltliche Un­ter­stel­lungen.

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Soziologe: „Dass Migranten Krankheiten einschleppen, stimmt meist nicht“

foto: regine hendrich „Für Menschen aus stark patriarchalisch geprägten Kulturen ist es oft wichtig, dass der Arzt das gleiche Geschlecht hat. Das hat unsere Studie bestätigt“, sagt der Soziologe Jürgen Pelikan.

Jürgen Pelikan hat die Gesundheitskompetenz von Migranten untersucht. Bildung, soziale und wirtschaftliche Voraussetzungen sind entscheidend.

Von Karin Pollack | derStandard.at

STANDARD: Gibt es einen Konnex zwischen Gesundheit und Kultur?

Pelikan: Kultur ist derzeit immer dann ein Thema, wenn es um die Konfrontation mit einer als fremd erlebten Kultur geht. Wenn es um Gesundheit geht, geht es um Leben. Dazu gehören Ernährung, Arbeit, Sexualität und die Interaktion mit anderen. Unsere Gesellschaft und damit unsere Kultur bestimmen, wie wir leben. Deshalb hängen Gesundheit und Gesellschaft zusammen.

STANDARD: Wie geht es Migranten in unserem Gesundheitssystem?

Pelikan: Menschen, die aus religiös geprägten Agrargesellschaften kommen, müssen sich erst an hiesige Bedingungen gewöhnen. Wir leben in einer Multioptionsgesellschaft. Jeder muss täglich viele Entscheidungen treffen, die Auswirkungen auch auf die Gesundheit haben, zum Beispiel im Supermarkt, wo es gesunde und ungesunde Lebensmittel gibt.

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Richard Dawkins: Arbeiter in Darwins Weinberg

Richard Dawkins, Screengrab
Richard Dawkins, Screengrab
„Charles Darwin ist mein größter Held der Wissenschaft… Die gesamte moderne Biologie ist mehr oder weniger eine Reihe von Fußnoten zu Darwin.

Von Wolfgang Taus|Wiener Zeitung

Keiner könnte etwas Besseres tun, als seinem Beispiel folgen“, so der britische Evolutionsbiologe und fast schon „militante Atheist“ – seit seinem 2006 erschienen Bestseller „Der Gotteswahn“, Richard Dawkins, in seiner jetzt auf Deutsch erschienen Autobiografie, die aus zwei Teilen besteht – gemäß zweier separaten Bände im englischen Original, die hier ungekürzt in einem Band erscheinen.

Dawkins, Jahrgang 1941, gehört zu jener Gruppe sogenannter neuer Atheisten, die aus der naturwissenschaftlichen Forschung und Beweislage heraus gegen jegliche theistische Glaubensvorstellungen Stellung beziehen.

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Cover_Dawkins

Warum auch Frauen einen männlichen Darm haben könnten

Foto: /numbeos/iStockphoto Nicht nur die Hormone bestimmen das Geschlecht.
Sogar die Organe unseres Körpers dürften ihre eigene weibliche oder männliche Identität haben.

Von Ingrid Teufl|Kurier.at

Wo genau im Körper entscheidet sich, ob man Frau oder Mann ist – nur in den voll entwickelten Sexualorganen oder auch in anderen Zellen? Dieser Frage wollten britische Forscher vom Clinical Science Center (Imperial College London) nachgehen. Sie untersuchten daher für ihre nun im Magazin Nature veröffentlichte Studie Stammzellen im Darm von Fruchtfliegen.

Mithilfe spezieller Werkzeuge griffen sie in die genetische Struktur der Zellen ein. Sie schalteten gewissermaßen manche ein und andere aus und feminisierten oder maskulinisierten die Zellen dadurch. So veränderte sich das Ausmaß, wie sie sich vermehrten: Weibliche Zellen waren dazu besser in der Lage. Die Forscher vermuten, dass dies mit der Fortpflanzung zusammenhängt, wo sich bei weiblichen Fruchtfliegen der Darm ausdehnt.

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Das Gender-Paradoxon 2016 von U. Kutschera vor der Auslieferung

Bild: RDF
Da in den letzten Wochen immer wieder Anfragen bzgl. des Fachbuchs „U. Kutschera: Das Gender-Paradoxon. Mann und Frau als evolvierte Menschentypen. LIT-Verlag, Berlin“ eingegangen sind, folgt hier die gewünschte Information.

Von Ulrich Kutschera|Richard Dawkins-Foundation

Entgegen der ersten Ankündigung hat die Monographie, als Ergänzungsband zum UTB-Lehrbuch „Evolutionsbiologie“ Die Gott-lose Evolution und ihre Antriebskräfte, ca. 445 Druckseiten mit 75 Originalabbildungen und wird daher zum Preis von 24,90 € Ende Februar erhältlich sein. Obwohl im UTB-Standardwerk der Mensch, von der ersten bis letzten Druckseite, immer wieder als Biospezies behandelt wird, konnten dort aus Platzgründen zahlreiche humanbiologische Aspekte nicht berücksichtigt werden (vorgegebene Seitenzahl durch den Verlag). Daher folgen im „Gender-Paradoxon“ mehrere Kapitel, z. B. zur „Frau als primärem Geschlecht“, zu dem „neuen evolutionsbiologischen Menschenbild (Ganzkörper-XY- bzw. -XX-Modell)“ sowie ausführliche Darlegungen zur „Homosexualität bei Tieren, Pflanzen und Menschen“. Während im UTB-Lehrbuch der Kreationismus ausführlich thematisiert und als Pseudowissenschaft widerlegt worden ist, sind im Ergänzungsband, neben biowissenschaftlichen Abhandlungen zu „Sex und Gender“, die Thesen der Gender-Ideologen ausführlich dargelegt und ad absurdum geführt. Grundlegende Begriffe, wie z. B. „Heteronormalität“, „Biophobie“, „homoerotische Handlungen“, „Moneyismus“ (als Synonym für die Gender-Irrlehre) werden eingeführt.

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»Man irrt sich empor«

Gerhard Vollmer. Bild: TUni Braunschweig

Der Welterklärung »aus der Natur« und der Kritik am Glauben stellte sich der Arbeitskreis Naturwissenschaft und Glaube bei einem Symposium im Januar.

Von Klaus Bratengeier|Evangelisch-methodistische Kirche

Mitte Januar traf sich der Arbeitskreis »Naturwissenschaft und Glaube« (AKNG) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) zu einem Symposium über das Thema »Naturalismus, Atheismus und christlicher Glaube« in Würzburg. Dabei stand der Naturalismus, eine unter vielen Naturwissenschaftlern verbreitete Denkart, im Mittelpunkt der Diskussion.

Gerhard Vollmer, emeritierter Professor für Philosophie an der Technischen Universität Braunschweig präsentierte als renommierter Philosoph und Physiker den Naturalismus als Programm zur Durchdringung der Welt. Dieser beschränke sich auf möglichst wenige Annahmen, wobei der Rückgriff auf Übernatürliches völlig vermieden werde. Der Rückgriff auf das Übernatürliche würde nämlich nicht wirklich etwas erklären, sondern stehe weiterer Forschung sogar im Wege. Wenn »Gott« als Erklärung zugelassen würde, bräuchte nicht mehr weitergedacht zu werden. Gerade mit diesem sparsamen Konzept habe die Forschung die Welt in so hohem Ausmaß erfassen können, wie es heutiger Stand der Wissenschaft sei. Andererseits sei man bei der Bildung von Theorien sehr selbstkritisch: »Man irrt sich empor«, denke bei der Bildung einer Hypothesen sogar mit, wie sie sich prüfen oder widerlegen lasse. Gottesvorstellungen und insbesondere Dogmen aller Art stehe er daher ablehnend gegenüber.

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Ethische Debatte über britische Gentechnik-Experimente

Dürfen menschliche Embryonen gentechnisch manipuliert werden? Großbritannien hat dies nun erlaubt und eine neue ethische Debatte ausgelöst.

evangelisch.de

Das britische Ja zu Genmanipulationen an Embryonen stößt in Deutschland überwiegend auf Skepsis. Die beiden großen Kirchen reagierten am Dienstag mit Kritik. Der Bioethik-Experte der Union, Hubert Hüppe (CDU), sprach von einem Tabubruch. Wissenschaftler in Großbritannien können künftig an gesunden menschlichen Embryonen über die Behandlung von Unfruchtbarkeit und die Ursachen von Fehlgeburten forschen.

CDU-Politiker Hüppe: Letztes Tabu gebrochen

Die britische Behörde für menschliche Befruchtung und Embryologie (HFEA) hatte am Montag einen entsprechenden Antrag des Londoner Francis-Crick-Instituts genehmigt. Die Embryonen stammen nach Angaben des Instituts von Paaren, die sich einer künstlichen Befruchtung unterzogen haben. Dabei reifen oft mehrere Embryos heran, die nicht alle in die Gebärmutter eingesetzt werden. Die Experimente am Erbgut sollen in den ersten sieben Tagen nach der Befruchtung erfolgen. Bevor die Forschung starten kann, muss noch eine Ethikkommission grünes Licht geben.

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In der Philosophie ist die Postmoderne längst Schnee von gestern

Kurt Bayertz. Bild: Uni Münster
Kurt Bayertz (geb. 1948) ist Professor für Philosophie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. In der Vergangenheit veröffentlichte er unter anderem zu den Themen Bioethik, Verantwortung, Solidarität und Eugenik. Sein Buch „Der aufrechte Gang – Eine Geschichte des anthropologischen Denkens“ wurde 2013 mit dem Tractatus-Preis für philosophische Essayistik ausgezeichnet. Im Gespräch mit Reinhard Jellen zeigt er sich der Auffassung, dass sich das philosophische Denken nach dem Rückgang von Weltfremdheiten aus der klassische Metaphysik zu anderen neuen Weltfremdheiten verleiten ließ.

Von Reinhard Jellen|TELEPOLIS

Herr Bayertz: Joseph Vogl hat in dieser Gesprächsreihe Philosophie und Wissenschaft als „zwei getrennte Kontinente“ bezeichnet. Existiert zwischen Wissenschaft und Philosophie aber nicht doch eine Verbindungslinie – und wenn ja, wie bestimmt sich diese näher?

Kurt Bayertz: Bei dieser Analogie hängt alles davon ab, wie wir sie verstehen. Denken wir an zwei Erdteile wie Europa und Asien, so sind diese insofern „getrennt“, als wir kein Problem damit haben, sie voneinander zu unterscheiden: Wenn wir auf die Landkarte sehen, liegt Madrid woanders als Tokio oder Peking. Insofern handelt es sich in der Tat um zwei separate Kontinente.

Wenn wir aber ins Detail gehen und beispielsweise fragen, wo am Ural zentimetergenau Europa endet und Asien beginnt, kommen wir in Schwierigkeiten. Denn es gibt Orte, die zum Teil in Europa und zum anderen in Asien liegen. Und natürlich leben dort Menschen, die ständig über die Grenze gehen.

Hinzu kommt, dass man von Madrid nach Peking mit dem Flugzeug, per Schiff oder sogar mit dem Auto reisen kann, dass es also einen regen Verkehr zwischen den Erdteilen gibt. Auch werden Waren von Europa nach Asien exportiert und umgekehrt importiert. Das heißt, selbst wenn es separate Kontinente sind, findet eine ganze Menge Austausch zwischen beiden statt. Sofern wir die Analogie in diesem Sinne verstehen, habe ich kein Problem mit ihr.

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Irrationales Weltbild: Von genderistischen Schöpfungsmythen

Bild trailer Die Schöpfung
Bild trailer Die Schöpfung
Ulrich Kutschera hat sich in den letzten Jahren einen Namen als Verteidiger von Rationalität und Wissenschaft gemacht. Wer für Rationalität kämpft und Wissenschaft als rationale Methode zur Gewinnung von Erkenntnis betrachtet (und was sollte sonst der Unterschied zu Willkür und Ideologie sein?), der stolpert über kurz oder lang über Kreationismus und Genderismus. Beides sind Anschläge auf die Rationalität und Versuche, den Erkenntnisfortschritt der Wissenschaft hinter Aristoteles zurückzudrehen.

Richard Dawkins Foundation

Ulrich Kutschera ist einer der wenigen deutschen Wissenschaftler, die sich gegen den Einbruch dieser Irrationalität in die Wissenschaft wehren, und er ist der einzige deutsche Wissenschaftler, der bislang den Mut hat, darauf hinzuweisen, dass Kreationismus und Genderismus aus der selben Wurzel der Irrationalität wachsen.

Wir freuen uns an dieser Stelle den ersten Teil eines Interviews wiederzugeben, das wir mit Ulrich Kutschera geführt haben. Der zweite Teil folgt im Neuen Jahr. Es gibt also schon einen Grund, auf das Neue Jahr gespannt zu sein.

ScienceFiles: Herr Kutschera, vielen Dank, dass Sie ScienceFiles ein Exklusivinterview geben. Für die Leser, die Sie nicht kennen, möchten wir Sie bitten, sich kurz vorzustellen: Wie sind Sie institutionell angebunden? Was lehren und forschen Sie?

Ulrich Kutschera: Ich habe eine biologische Doppel-Karriere durchlaufen. Während meines Biologie/Chemie-Studiums an der Universität Freiburg waren meine Schwerpunkte Evolution und Physiologie der Organismen. Meine erste Abschlussarbeit habe ich dann auch auf dem Gebiet der Zoologischen Systematik/Evolutionsforschung verfasst und mit der Entdeckung einer neuen Egel-Art (1981), die erst seit 2005 als invasive, weltweit verbreitete Spezies international bekannt geworden ist, meine wissenschaftliche Laufbahn begründet. Danach bin ich in die Pflanzenphysiologie gewechselt. An der Uni Freiburg waren das damals inhaltlich wie räumlich zwei völlig getrennte Welten, und habe mich dort weiterqualifiziert (Dr. rer. nat.). Nach Forschungsaufenthalten an der kalifornischen Stanford University sowie der Michigan State University habe ich mich an der Universität Bonn habilitiert und wurde kurz danach, im Alter von 37 Jahren, auf eine C4-Professur berufen (Universität Kassel). Seit über 30 Jahren publiziere ich auf mehreren Gebieten, angefangen von der Zoologie (Sexualverhalten/Evolution aquatischer Anneliden) über die Mikrobiologie (epiphytische Bakterien), der Entwicklungsphysiologie und Evolution der Pflanzen (u. a. Phytohormon-Wirkungen) bis zu evolutionstheoretischen Veröffentlichungen. Seit rund 10 Jahren bin ich zeitweise wieder dort zurück, wo meine unabhängige Karriere begonnen hatte: In Stanford, Kalifornien, wo ich an einem Forschungsinstitut einen Laborbereich leite, mit eigenen physiologisch/molekularbiologischen Projekten. Zusätzlich arbeite ich seit 2009 als Visiting Scientist an der University of California/Berkeley mit einem zoologisch/entwicklungsbiologischen Schwerpunkt.

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NASA Probes Giant Magnetic Explosions Around Earth

Credits: NASA Goddard/SWRC/CCMC/SWMF
We tend to think of space as this totally empty vacuum, although the reality is that it’s bubbling over with activity from electrically charged particles and electromagnetic fields

By Daniel Oberhaus|MOTHERBOARD

The interplay of these electrically charged particles creates what is considered to be a fourth state of matter called plasma. Plasma, which makes up 99 percent of the visible universe, is essentially a gas that is so hot that many of its atoms are split into electrons and ions that move independent of one another, yet still possesses its own magnetic field that affects how the particles in the plasma interact with one another. When these plasmas interact with electromagnetic fields around the Earth or the Sun the results can be pretty wild, ranging from stunning auroras to solar flares several times the size of Earth.

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Kernforschungszentrum CERN: Fabiola Gianotti übernimmt Institutsleitung

Fabiola Gianotti am CERN (Bild: CERN)
Mit Fabiola Gianotti rückt erstmals eine Frau an die Spitze des europäischen Kernforschungszentrums CERN. Die Forscherin arbeitet seit Jahrzehnten in Genf. Dort feiert man derweil den runden Geburtstag der allerersten Webseite.

Von Detlef Borchers|heise online

Die frühere Sprecherin des ATLAS-Experiments am Large Hadron Collider (LHC), Fabiola Gianotti, wird zum 1. Januar 2016 Direktorin des Genfer Kernforschungszentrums CERN. Sie löst damit Rolf-Dieter Heuer ab und ist die erste Frau, die das renommierte europäische Forschungsinstitut leitet. Turnusmäßig amtiert sie für fünf Jahre, eine weitere Amtszeit im Anschluss ist aber möglich.

Eigenwillige Präsentation

Die 1960 geborene italienische Physikerin Gianotti arbeitet seit 1987 am CERN und wurde für ihre Forschungen rund um die Bestätigung des Higgs-Bosons mehrfach ausgezeichnet. 1989 promovierte die weiterhin aktive Forscherin mit einer Arbeit über das UA2-Experiment. Sie ist Mitglied zahlreicher Wissenschaftsgremien, etwa im Beirat des Deutschen Elektronen-Synchrotrons (DESY) oder im wissenschaftlichen Beirat von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon.

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Kreationismus: Die Verteidigung des Schöpfers

Quelle:brightsblog
Quelle:brightsblog
Trotz rechtlicher Verbote lassen sich Kreationisten in den USA nicht davon abhalten, juristisch und politisch gegen das Lehren der Evolutionstheorie zu lobbyieren. Eine neue Studie zeigt, wie sie dabei vorgehen.

derStandard.at

Mit kaum etwas anderem kann man die Gegner der Evolutionstheorie mehr ärgern als mit der Analyse ihres Verhaltens mit Mitteln der Evolutionstheorie. Genau solch eine Analyse legt der Biologe Nicholas Matzke von der Austrialian National University Canberra in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Science“ vor. Er unterzieht dabei die Taktiken, mit denen Kreationisten gegen ihren Erzfeind, die Evolutionstheorie, vorgehen, einer Art stammesgeschichtlichen Untersuchung.

Im Detail ging es in Matzkes Studie mit dem angriffigen Titel „The evolution of antievolution policies“ um Gesetzestexte aus den USA aus den letzten zehn Jahren, mit denen versucht wird, die Evolutionstheorie zurückzudrängen. Unter Zuhilfenahme statistischer Tools der Evolutionsbiologie analysierte Matzke die Entstehung von Gesetzen, die vorgeschlagen oder beschlossen wurden, um evolutionstheoretische Thesen an öffentlichen Schulen abzuwehren und den Kreationismus zu fördern.

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Image via National Center for Science Education

Candomblé-Tempel in Berlin

Tänzer der Gruppe Afoxe Loni mit ihrem Candomblé-Priester bei ihrem Ritual auf dem Karneval der Kulturen in Berlin-Kreuzberg. (imago / IPON)
In Berlin-Kreuzberg steht der einzige Candomblé-Tempel in Deutschland. Candomblé ist eine vor allem in Brasilien verbreitete Naturreligion mit afrikanischen Wurzeln. Mehrmals im Jahr finden öffentliche Zeremonien für die afrobrasilianischen Gottheiten, die Orixas, statt. Doch ganz so einfach ist die Ausübung dieser Religion in Deutschland nicht.

Von Sandra Stalinski|Deutschlandfunk

Es ist schwierig, still zu sitzen, wenn im Candomblé-Tempel in Berlin-Kreuzberg für die Orixas getanzt und gesungen wird. Etwa 50 Leute haben sich in einem mit Tüchern und Popkornketten geschmückten Raum versammelt, um das mehrstündige Ritual mitzuerleben. Alle tragen weiße Kleidung. Denn Weiß sei zum einen die Farbe der Gemeinschaft. Zum anderen soll bei dem Ritual eine positive Energie entstehen, die auf die Anwesenden übergehen soll, erklärt Murah Soares, der sogenannte Babalorixá des Candomblé-Tempels, also so etwas wie ein Priester. Die Kraft der Orixas, der afrobrasilianischen Gottheiten, werde bei den Ritualen freigelegt.

„Erst einmal machen wir, weil wir die Orixa lieben. Weil wir glauben. Weil diese Energie ist präsent in unserem Leben. Wir machen das Ritual, um diese Kräfte zu verteilen und lebendig zu machen für uns und die Leute, die da sind. Diese Religion ist lebendig, diese Kraft ist lebendig.“

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Haskell „Das verborgene Leben des Waldes“: Wo Käfer Spinnen umtanzen

In Bauchlage: David George Haskell, seine Lupe und sein Stück Wald. Foto: Buck Butler
Ein Jahr, ein Quadratmeter Wald: Der US-amerikanische Biologe David G. Haskell erzählt in seinem Buch „Das verborgene Leben des Waldes“ von kleinen, großen Dingen.

Von Sylvia Staude|Frankfurter Rundschau

Können wir durch ein kleines, beschauliches Fenster aus Laub, Felsen und Wasser den ganzen Wald sehen?“ lautete die Frage, die sich der an der University of the South in Sewanee, Tennessee lehrende Biologe David George Haskell stellte. Er machte die Probe, suchte sich nahe der Uni einen Quadratmeter Urwald – an der Seite ein Felsen, auf dem er gut sitzen konnte –, nannte den Flecken sein Mandala.

Dort ging er ein Jahr lang regelmäßig hin, auch mit der Lupe. Nahm sich aber die Freiheit, diesen Quadratmeter nach oben, gleichsam ins All zu verlängern, um von Zug- und Raubvögeln zu erzählen, vom Regen, Sturm, der Temperatur, von der Schönheit und Wandelbarkeit der Eiskristalle (keiner wie der andere!) und der Farben, von der Sonne und ihren jahreszeitlichen Auswirkungen.

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Ostsee: Bizarre Hochseefische eingeschwemmt

Ein Mondfisch (Mula mula) kann bis zu drei Meter groß werden. © Per-Ola Norman/ gemeinfrei
Exotischer Gast: In der Ostsee tauchen momentan ungewöhnliche Fische auf. Sie sind ziemlich groß und rund wie ein bizarres Mondgesicht – was ihnen den Namen Mondfisch gab. Normalerweise ist dieser Hochseefisch in warmen Wassern des Atlantik beheimatet, doch mit einem Salzwasser-Einstrom aus der Nordsee werden Jungfische dieser Art nun auch in die Ostsee eingeschwemmt. Forscher bitten um Mithilfe beim Überwachen und Kartieren von Funden.

scinexx

Ein skurriler Anblick: Mondfische (Mula mula) sind nicht stromlinienförmig und langgestreckt wie die meisten anderen Fische, sondern sehen von der Seite fast kreisrund aus. Und sie sind enorm groß: Bis zu drei Meter groß und zwei Tonnen schwer kann ein ausgewachsener Mondfisch werden. Sie gelten damit als die schwersten Knochenfische der Welt. Normalerweise ist der Mondfisch eine Hochseeart, die in allen tropischen und subtropischen Meeren der Erde vorkommt. Mit dem Golfstrom gelangen die Tiere aber auch bis in die Nordsee.

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Was war zuerst da – die Henne oder das Ei?

Nicht gerade niedlich, aber faszinierend: Der Seeteufel. Foto: imago stock&people
Diese Frage ist heute kein Rätsel mehr, sagt der Evolutionsbiologe Andreas Wagner. Er erforscht, wie sich die Natur ständig neu erfindet und welche Prinzipien dahinter stecken. Im Interview erklärt er die überirdische Schönheit der Architektur des Lebendigen – und klärt die Ei-Frage.

Berliner Zeitung

Die ist das Leben einst entstanden? Wieso konnte es eine solche Vielfalt entwickeln? Solche Fragen interessieren wohl fast alle Menschen. Neue Antworten darauf gibt Andreas Wagner, Österreicher mit US-Pass und Professor für Evolutionäre Biologie an der Universität Zürich, in seinem Buch „Arrival of the Fittest – Wie das Neue in die Welt kommt“, das kürzlich in deutscher Übersetzung beim Fischer Verlag erschienen ist. Wagners Thesen finden große Beachtung. Welch eine Vielfalt das Leben in Jahrmillionen auf der Erde entwickelt hat, kann man an Fotobeispielen auf dieser Seite sehen. Sie reichen vom Schleimpilz über bizarre Tiefsee-Wesen bis zu hoch komplexen Landtieren und erinnern nicht selten an Aliens.

Herr Professor Wagner, wenn es um den Ursprung des Lebens geht, hört man immer wieder die Frage: Was war zuerst da – die Henne oder das Ei? Wissen Sie es?

Diese Frage ist heute kein Rätsel mehr. Alle Wirbeltiere stammen von Süßwasser-Fischen ab, die ihre Eier als Laich ablegten – ohne Schale. Als sie das Land eroberten, wurde dies aber gefährlich, weil die Embryos leicht vertrocknen konnten. Dagegen waren Wirbeltiere, die Eier mit Schalen legen konnten, unabhängig vom Wasser und konnten neue Lebensräume erobern.

Aber trotzdem stellt sich doch die Frage, ob beim ersten Vogel zunächst das Ei da war – oder das Weibchen, das dieses legte.

Möglicherweise legte ein Vorfahr, der noch kein Vogel war, eine Art Ei, aus dem sich der erste Vogel entwickelte. Das Ei hatte wahrscheinlich eine dünne Haut, und daraus wurde dann im Laufe vieler Generationen der Evolution eine Schale.

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