Der Naturalismus – ein Phänomen des Zeitgeistes?

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Oder: Hat die Wissenschaft Gott begraben? – Besprechung des Buches „Welt ohne Gott“

Von Martin Neukamm | Richard-Dawkins-Foundation

WIDENMEYER nähert sich über die Frage, was modern ist, der Diskussion über den ontologischen Naturalismus, wonach es im Kosmos überall „mit rechten Dingen“ zugeht. Wir Menschen, so der Autor, richteten uns gewöhnlich nach einem herrschenden Trend oder nach der vermuteten Mehrheitsmeinung aus. Die Ursachen für unsere Haltungen seien weitgehend unabhängig von der Intelligenz, womit der Autor impliziert, dass das Moderne oft das Ergebnis unreflektierter Entscheidungen, der soziale Konsens Folge einer gewissen Beliebigkeit des Zeitgeistes sei.

WIDENMEYER ist erkennbar bemüht, auch den Naturalismus, auf den sich die Realwissenschaften stützen, als das Ergebnis eines unreflektierten Konsenses darzustellen, sieht in dessen Akzeptanz sogar Gefährdungspotenziale, da er ihn als Grundlage „totalitäre[r] Systeme der Zeitgeschichte“ wie den Nationalsozialismus und Marxismus ausgemacht haben will (ebd., 11). Und er sieht die Gefahr, dass bei der Akzeptanz des Naturalismus…

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Biodiversität: Parallele Evolution bei Buntbarschen

Amphilophus citrinellus, eine der sieben untersuchten Buntbarsch-Arten (Bild: Claudius Kratochwil)
Allein in der Familie der Buntbarsche gibt es halb so viele Arten wie in der Klasse der Säugetiere insgesamt. Biologische Vielfalt ist im Tierreich sehr unterschiedlich verteilt. Aber warum? Dieser Frage geht der Evolutionsbiologe Axel Meyer mit seiner Arbeitsgruppe bei Buntbarschen in mehreren Kraterseen Nicaraguas nach.

Gespräch Lennart Pyritz | Deutschlandfunk Kultur

Lennart Pyritz: Nicht nur das Leben, auch die Forschung selbst hat sich seit den 1980er Jahren weiter entwickelt. Und damit auch die wissenschaftliche Diskussion, inwieweit die Evolution vorhersagbar ist. Inzwischen haben Studien im Freiland und im Labor neue Einblicke in die Fragen eröffnet, die Simon Conway Morris und Stephen Jay Gould einst aufgeworfen haben. Einer, der selbst in der freien Natur dazu forscht, ist der Biologe Axel Meyer von der Universität Konstanz. Ich habe ihn vor der Sendung gesprochen und zuerst gefragt, auf welcher Seite er steht: Simon Conway Morris und funktionale Zwänge, die die Evolution prägen, oder Stephen Jay Gould und der Zufall?

Axel Meyer: Das ist nicht ganz einfach. Ich glaube, dass unsere eigene Forschung eher auf der Seite von Simon Conway Morris ist, aber die bezieht sich auf kürzere evolutionäre Zeiträume von ein paar Millionen Jahren. Aber ich glaube, dass ich von meiner Einschätzung der Situation eher auf der Stephen-Jay-Gould-Seite bin, dass es also viele eingefrorene Zufälle gibt und dass Dinge mal im Kambrium eingefroren sind, und seitdem spielt die Evolution wie ein Bastler damit rum.

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Stichwortgeber der „Dritten Kultur“ – Kurator des Künftigen

Strippenzieher und Stichwortgeber: John Brockman. Foto: dpa FOTO: picture alliance / Robert Schles / Robert Schlesinger
US-Netzwerker John Brockman lässt auf seiner Homepage die hellsten Köpfe der Gegenwart über die Welt von morgen nachdenken.

Von Philipp Holstein | Saarbrücker Zeitung

Wenn John Brockman eines auf den Tod nicht ausstehen kann, dann sind das Kulturfuzzis, die meinen, sie seien Intellektuelle, nur weil sie einen Roman mehr gelesen haben als andere. Diese Aversion mag auf den ersten Blick verblüffen, denn Brockman hat sein Vermögen mit Büchern gemacht. Seine Agentur residiert in New York an der Fifth Avenue. Dort verkauft der 77-Jährige allerdings keine Fiction, sondern Science. Zu Brockmans Schäfchen gehören die klügsten Köpfe der populären Wissenschaftsliteratur. Als mächtige Herde besetzen sie regelmäßig die ersten Plätze der weltweiten Sachbuchbestenlisten: Nobelpreisträger Daniel Kahneman („Schnelles Denken, Langsames Denken“), Jaron Lanier („Wem gehört die Zukunft?“), Steven Pinker („Denken. Wie Denken im Kopf entsteht“), Richard Dawkins („Der Gotteswahn“) und Jared Diamond („Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften“). Diese Leute, sagt Brockman, seien die wirklichen Intellektuellen unserer Zeit.

Brockman ist Strippenzieher, Schlüsselfigur und Stichwortgeber. Er hat den Begriff der „dritten Kultur“ geprägt, denn er möchte die Kluft zwischen Geistes- und Naturwissenschaften überbrücken.

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Darwins Motten

(Foto: mauritius images/Prisma/Schwab Lukas)
Eines der berühmtesten Beispiele für die Evolution – der sogenannte Industriemelanismus – wird immer wieder angezweifelt. Britische Forscher haben jetzt herausgefunden: Die Kritiker der Evolutionstheorie liegen falsch.

Von Tina Baier | Süddeutsche Zeitung

Diese unscheinbaren Nachtfalter sind eines der berühmtesten und zugleich umstrittensten Beispiele für das Wirken der Evolution in der Natur. Ursprünglich sind Birkenspanner hell gefärbt (links) und so für ihre Feinde kaum sichtbar, wenn sie auf der weißen Rinde von Birken sitzen. Diese Tarnung versagte plötzlich, als sich im 19. Jahrhundert die Stämme wegen der starken Luftverschmutzung in englischen Industriegebieten dunkel verfärbten.

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Daniel Dennett – Der Geist kommt nicht von oben

Ob hier ein ganz besonders Bewusstsein zuhause war? Eine Ausstellung zeigt Teile von Albert Einsteins Gehirn. Bild: dpa
Vom Gen zum Mem zum Intellekt: Daniel Dennett knöpft sich Fragen zur Entstehung des Bewusstseins vor. Hat der Geist eine geistlose Entwicklung hinter sich?

Von Helmut Mayer | Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Bewusstsein“ ist ein Wort, dessen alltäglichem Gebrauch man kaum die Verwirrungen ansehen kann, die es abseits von ihm hervorbringt. Verliert einer das Bewusstsein, ist er nicht mehr ansprechbar. Tun wir etwas ganz bewusst, dann achten wir darauf und können davon mehr erzählen, als wenn wir es unachtsam tun. Genauso wie dann, wenn wir uns irgendeines Sachverhalts bewusst sind, nämlich ausdrücklich auf ihn achten. Oder auch auf eine eigene Tätigkeit achten, die wir ebenso gut ohne unser explizites Aufmerken ablaufen lassen könnten – sie also bewusst ausüben.

Aber kaum ist der Boden solcher alltäglichen Verwendungen verlassen, zeigt die Rede vom Bewusstsein ihre metaphysischen Mucken. Abgründige Probleme und Rätsel tun sich auf. Wir stellen uns etwa vor, dass jeder von uns sein eigenes inneres Bewusstseinskämmerchen hat, über dessen Inhalt nur er oder sie Bescheid weiß. Nie werden deshalb andere erfahren, wie meine Erfahrung der Farbe Rot sich für mich ausnimmt. Und überhaupt: Dieses innere Anfühlen der Welt und unserer Erfahrung von ihr in unserem Geist, wie soll es durch das wissenschaftliche Aufdröseln neuronaler Verarbeitungsmechanismen jemals erklärt werden?

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Genial daneben: das irreparable Design des Linsenauges

Bild: zdf

Kreationistische Irrtümer über die Qualität der Netzhaut

AG Evolutionsbiologie

Das Planmäßigkeits-Argument besagt, dass biologische Merkmale aufgrund ihrer Beschaffenheit den Eindruck erwecken, als seien sie gezielt erschaffen worden („intelligentes Design“). Wegen ihrer Zweckmäßigkeit und Zielgerichtetheit sei der Schluss auf einen Schöpfer naheliegend, ja sogar die einfachste Erklärung. Diese Argumentation hat mehrere Haken. Einer davon ist die Erkenntnis, dass, sobald man ins Detail geht, die meisten organischen Strukturen, so auch die Netzhaut des Linsenauges, konstruktive Mängel aufweisen, unzweckmäßig arrangiert sind und so in der Gesamtschau den Schluss auf eine zielgerichtete, intelligente Entstehungsursache vereiteln. Gegen diese Einsicht wehren sich Evolutionsgegner mit Händen und Füßen. Zum Beispiel sollen bestimmte retinale Ganglienzellen (sog. MÜLLER-Zellen) in der Netzhaut belegen, dass das Linsenauge optimal für seine Funktion gestaltet wurde. Im vorliegenden Diskussionsbeitrag wird die Argumentation im Detail diskutiert.

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Aus dem Inhalt

– Einleitung 

– Das Problem der teleologischen Argumentation 

– Ein Vergleich mit der Technik 

– Die Struktur der Netzhaut: Ein Argument für Evolution! 

– Kreationistische Missverständnisse und retinale MÜLLER-Zellen: Ein Merkmal, das alles verändert? 

– Inwieweit sind Netzhaut und MÜLLER-Zellen optimal für scharfes Sehen? 

– Gibt es „gute Gründe“ für eine inverse Retina? Ja, und die Evolutionstheorie kann sie sogar erklären! 

– Zusammenfassung / Literatur 

Zusammenfassung und Ausblick

Seit Bestehen der Evolutionstheorie wird über den Ursprung des menschlichen Auges gestritten wie über die Entstehung keines anderen Organs. Nach Ansicht der Kreationisten sei das Auge optimal und zweckmäßig für seine Funktion „gebaut“ und deute somit auf ein intelligentes Design hin. Dagegen ist nach Auffassung der Evolutionsbiologen das Auge aufgrund seiner konstruktiven Mängel genau so gebaut, wie man es von einem nicht zielgerichteten Optimierungsprozess erwarten würde: Die Existenz der „verkehrt“ im Augenbecher liegenden (inversen) Netzhaut ist die Konsequenz von Entwicklungszwängen, die sich historisch bis zu den Vorfahren der Wirbeltiere zurückverfolgen lassen. Nur die Evolutionstheorie  kann diesen Befund differenziert (ohne unprüfbare Ad-hoc-Annahmen, quasi-theologische Deutungen zu bemühen) erklären.

Nachdem vor einigen Jahren entdeckt wurde, dass die sog. „MÜLLER-Zellen“ der Netzhaut den Sehvorgang optimieren, da sie wie Lichtleiter wirken, kam noch einmal Bewegung in die Diskussion. Die Kreationisten sehen ihre Position bestätigt, dass das Auge keine Mängel aufweise. Dabei wird übersehen, dass die zweckwidrigen Merkmale nach wie vor existieren. Die MÜLLER-Zellen sind nur eine Behelfslösung, um die Unzulänglichkeiten der ursprünglichen Strukturen so gut wie möglich abzumildern. Die Addition neuer Merkmale zum Beheben konstruktiver Mängel ist ein Kennzeichen evolutionärer Optimierung. Intelligent Design kann insbesondere diese Strukturen des Auges nicht erklären.

Quelle

www.ag-evolutionsbiologie.net/pdf/2011/Design-Linsenauge-Netzhaut.pdf

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Autoren: Martin Neukamm / Andreas Beyer

Alexander Gauland – Dodo des Monats Juni 2018

Dodo des Monats Juni 2018 ©HFR

Der hetzende Polit-Opa Alexander Gauland hat sich gegenüber Jens Spahn durchsetzen können, auch wenn die ersten Tage Spahn wie einen Sieger aussehen lassen haben.

Um es vornweg zu nehmen. Gauland ist wie die meisten Mitlieder seiner Partei ein Kind der CDU, dort konnte er seine national-populistischen Attitüden pflegen und entwickeln. In ähnlicher Art und Weise wie Sozialdemokrat Sarrazin. Verbiesterte alte Männer, die einem mytholgischen Freiheitsbegriff anhängen, der scheinbar in der Moderne abhanden gekommen ist. Kerndeutsche Tugenden sind aber Gaulands Sache nicht. Unbezahlte Parkknöllchen führten zur Androhung des Führerscheinentzugs in Potsdam, schlampig oder aber viel geschworener Widerstand gegen das System. Egal, Gauland ist pragmatisch genug um auch einen Meineid zu leisten, wenn es der eigenen Sache dient, siehe die Affäre Gauland in Hessen.

Der Sachse Gauland offenbart hinsichtlich deutscher Geschichte einen lockeren Umgang mit derselben. Unkenntnis ist es nicht, gezielte Provokation schon eher, die Schnappatmung deutscher Politik ist ihm gewiss.

Der Partei- und Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag hatte beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative im thüringischen Seebach gesagt:

„Wir haben eine ruhmreiche Geschichte, daran hat vorhin Björn Höcke erinnert. Und die, liebe Freunde, dauerte länger als die verdammten zwölf Jahre. Und nur, wenn wir uns zu dieser Geschichte bekennen, haben wir die Kraft, die Zukunft zu gestalten. Ja, wir bekennen uns zu unserer Verantwortung für die zwölf Jahre. Aber, liebe Freunde, Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“ Alexander Gauland, ebenda.

Unterstellt man dem deutsch-nationalen Gauland Deutschland als Nationalstaat gemeint zu haben hat er schlicht und ergreifend Blödsinn von sich gegeben. Die Reichsgründung erfolgte 1871, bis dahin war deutsches Land provinziell. Die 1000 Jahre deutscher Geschichte beinhalten die Schweiz, selbst die Niederlande, von denen hat Gauland sicherlich nicht geredet. Erst im 19. Jahrhundert schied Österreich aus der Phalanx „deutscher“ Staaten aus, nach der Niederlage bei Königsgrätz. Der kurze Abriss deutscher Geschichte muss genügen. Die 12 Jahre nationalsozialistischer Herrschaft nicht. Die waren alles andere als ein Vogelschiss und man muss sich fragen welcher Vogel mittels Darmentleerung Gauland da wohl getroffen hat. Der Vogelschiss, welcher in Gaulands Gehirn eingeschlagen sein muss war tief braun. Und so verwundert es nicht, wenn Gauland, nach Hosendiebstahl, in leicht braunen Schwimmschlüpfern, unter polizeilicher Begleitung, die Straße entlang schlurft, so gesehen am Heiligen See in Potsdam. Die Enttäuschung war groß, ich hatte mir zumindest Buggsn mit Dackelmuster vorgestellt. Der Skandal war nicht die Abbildung Gaulands in seinen Badehosen, der Skandal ist die Relativierung deutscher Verantwortung in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Opfer sind egal, sie dienen nicht dem Zweck den Gauland verfolgt. Nationalismus, Revisionismus und eine gehörige Portion Chauvinismus lassen Gauland und die AfD deutsche Politik vor sich hertreiben.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Das Argument der Feinabstimmung der Naturkonstanten

Mehr Wald als gedacht. Bild: bb
In seinem Buch Welt ohne Gott? Eine kritische Analyse des Naturalismus setzt sich der Diplomchemiker und evangelikale Christ Markus WIDENMEYER mit der „Ordnung“ in der Natur auseinander und entwickelt daraus Argumente gegen den (ontologischen) Naturalismus der Naturwissenschaften.

Von Martin Neukamm | Richard-Dawkins-Foundation

Er vertritt sogar den Anspruch, den Naturalismus widerlegt zu haben (z.B. S. 10) und betrachtet den Schluss auf einen göttlichen Ursprung der Welt als Schluss auf die beste Erklärung. Im vorliegenden 3. Teil unserer Buchbesprechung widmen wir uns dem Argument der so genannten Feinabstimmung der Naturkonstanten, die notwendig zu sein scheint, um die Entstehung von Leben im Kosmos zu ermöglichen.

Das Argument der „zweckmäßig“ eingerichteten kosmischen Ordnung

WIDENMEYER (2014) setzt voraus, dass nur bestimmte, a priori sehr unwahrscheinliche kosmische Randbedingungen (die sich wiederum durch bestimmte Naturkonstanten und Naturgesetze ausdrücken lassen) Leben ermöglichen. Folglich brauche es einen Schöpfer, der diese hoch geordneten, zweckmäßigen Bedingungen (oder, wie viele sagen, die Feinabstimmung der Naturkonstanten) sowie das „komplexe Gerüst an physikalischen Naturgesetzen“ hervorgebracht habe. In WIDENMEYERs Buch fällt der Begriff Feinabstimmung (engl. fine-tuning) nicht explizit, aber das Argument lässt sich dort erschließen, wo auf die spezifisch „eingerichtete“ Ordnung des Universums, die Leben überhaupt erst ermögliche, Bezug genommen wird:

„Wir finden ein Universum vor, das in einem unvorstellbaren Grad geordnet und dabei ganz genau so eingerichtet ist, dass es eine hochkomplexe Chemie bis hin zu biologischem Leben geben kann. Seine Ordnung gehorcht mathematischen Prinzipien, die der menschliche Geist unabhängig von Beobachtungen des Universums erfassen kann. Im Rahmen des Naturalismus wäre diese Ordnung ein radikal unerklärlicher Zufall mit einer unvorstellbar geringen Wahrscheinlichkeit. Hier wäre ein völlig ungeordnetes und chaotisches Universum zu erwarten – oder eigentlich viel eher gar nichts.“ (ebd., 195)

„Die einzige funktionierende Erklärung für die unvorstellbare Ordnung einer Welt, die ganz exakt so eingerichtet ist, dass es eine hochkomplexe Chemie, mathematisch formulierbare Strukturen und schließlich Lebewesen geben kann, ist analog dazu [zu menschlicher Kreativität; M.N.] die kreative Konzeption und Erschaffung durch (mindestens) ein äußerst intelligentes Wesen, das auch die Macht besitzt, derartige Pläne zu realisieren. Nur so sind die gigantische Ordnung der physikalischen Welt und ihre mathematische, rationale Verstehbarkeit erklärbar. Eine andere rationale Erklärung gibt es nicht.“ (ebd., 198).

Einwand 1: Die Begrifflichkeiten setzen das zu Beweisende voraus

Zunächst einmal ist es hochproblematisch, von einer eingerichteten Ordnung der Welt zu sprechen, weil damit ein teleologischer Begriff auf die Natur übertragen wird, der schon voraussetzt, was belegt werden soll. Auch der Begriff Feinabstimmung ist kein physikalischer, sondern ein technologischer Ausdruck, der das zu Beweisende voraussetzt. Sofern der Ausdruck metaphorisch benutzt wird, ist die Redeweise unbedenklich, doch WIDENMEYER entwickelt daraus ein ontologisches Argument. Er erkennt aber nicht den fatalen Begründungszirkel: Eine „Welt, die ganz exakt so eingerichtet ist…“, wurde logischerweise eingerichtet (quod erat demonstrandum), aber dass die Welt eingerichtet wurde, das gilt es gerade zu belegen.

Man kann es auch anders formulieren: Alles, was wir wissen, ist, dass wir existieren, weil die Naturgesetze Leben ermöglichen (s. Einwand 4). Die Folgerung, dass die Welt so eingerichtet ist, damit Leben existieren kann, kann dagegen nur als empirisch unbegründete These vorausgesetzt werden (MITTELSTAEDT 2001, 143).

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Luigi-Tartufari International Prize für Axel Meyer – Herzlichen Glückwunsch

Prof. Axel Meyer, PH.D., Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz.
Bild: ebenda
Der Konstanzer Biologe Prof. Dr. Axel Meyer erhält den Luigi-Tartufari International Prize der italienischen Nationalakademie

Julia Wandt Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Universität Konstanz

Gerade kehrte er von einem Sabbatical am Radcliffe Institute for Advanced Study an der Harvard University nach Konstanz zurück. Nun wird der Zoologe und Evolutionsbiologe Prof. Dr. Axel Meyer am 22. Juni 2018 in Rom mit dem Luigi-Tartufari International Prize der italienischen Academia Nazionale dei Lincei ausgezeichnet. Eines der ersten Mitglieder dieser Akademie war der italienische Universalgelehrte Galileo Galilei. Axel Meyer wird er für seine Forschung in den Bereichen Molekular-, Zell und Evolutionsbiologie verliehen. Die italienische Nationalakademie ehrt den Konstanzer Biologen für sein wissenschaftliches Gesamtwerk, für das er bereits vielfach ausgezeichnet wurde.

Axel Meyer zählt zu den weltweit führenden und meistzitierten Experten auf dem Gebiet der Evolutionsbiologie. Er hat mehrere Jahrzehnte lang gültige Lehrbuchdogmen widerlegt und leistete Pionierarbeit in der Verwendung genetischer Daten in der Evolutionsbiologie. Durch empirische Daten widerlegte das Labor von Axel Meyer das Dogma, dass Artentstehung nur durch geographische Barrieren stattfinden kann. In den Kraterseen Nicaraguas konnte er außerdem zeigen, dass sich die Evolution bei bestimmten Fischarten unabhängig voneinander wiederholt hat. Für dieses Projekt erhielt er einen ERC Advanced Grant des European Research Council (ERC), verbunden mit einer Förderung von 2,5 Millionen Euro.

Durch Verwendung genetischer Daten wurden in der Evolutionsbiologie vergleichende Analysen mit bahnbrechenden Ergebnissen möglich. So konnte Axel Meyer mit genomischen Daten zeigen, dass in den Vorfahren aller Fische eine Verdopplung des gesamten Genoms stattfand und so Fische zunächst doppelt so viele Gene hatten wie Landwirbeltiere, wie zum Beispiel Amphibien, Vögel, Reptilien und Säugetiere – einschließlich dem Menschen. Auf der Grundlage des bislang größten und informationsreichsten Datensatzes, der je analysiert wurde, war er jüngst an der Lösung des Rätsels um die entwicklungsgeschichtlichen Beziehungen zwischen Wirbeltieren beteiligt. Es konnte gezeigt werden, dass Lungenfische näher mit den Menschen verwandt sind als der Quastenflosser oder dass Schildkröten näher mit Vögeln und Krokodilen verwandt sind als mit Eidechsen und Schlangen. Die derzeitige Forschung der Arbeitsgruppe von Axel Meyer versucht eine Brücke zwischen dem äußeren Erscheinungsbild von Arten und deren genetischen Grundlagen zu schlagen, um besser zu verstehen, welche genetischen Unterschiede für Anpassungen und Artunterschiede verantwortlich sind.

Axel Meyer hat in Marburg, Kiel, Miami, Berkeley und Harvard studiert und wurde im Alter von 28 Jahren zum Assistenzprofessor an der State University in New York berufen und dort mit 33 Jahren Associate Professor mit Tenure-Track. Er erhielt Rufe von weltweit führenden Universitäten, bevor er den Ruf auf die Professur in Konstanz als Nachfolger von Hubert Markl im Alter von 36 Jahren annahm. Für seine wissenschaftliche Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen – darunter die Carus-Medaille der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (2009), den Akademiepreis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (2000) und ein Guggenheim Fellowship (1996). Den EMBO-Preis der European Molecular Biology Organisation für Kommunikation in den Lebenswissenschaften erhielt er für seine Bemühungen um die verständliche öffentliche Vermittlung komplexer wissenschaftlicher Inhalte (2007). In allen drei genannten wissenschaftlichen Gesellschaften ist Axel Meyer Mitglied. Das Magazin Cicero nahm ihn in seine Liste von 2007 der 500 wichtigsten Intellektuellen Deutschlands auf.

Die Accademia dei Lincei wurde 1603 in Rom gegründet. Ihr Engagement für die Naturwissenschaften und ihr wissenschaftlicher Ansatz auf der Grundlage der neuen experimentellen Methoden machten sie zur weltweit ersten wissenschaftlichen Akademie. Der Internationale Prof. Luigi Tartufari-Preis wird in den vier Disziplinen Mathematik, Astronomie, Physik und Chemie sowie Molekular-, Zell- und Evolutionsbiologie an italienische und internationale Forscherinnen und Forscher vergeben. Als höchste kulturelle Institution Italiens ist die heutige italienische Nationalakademie offizielle Wissenschafts- und Kulturberaterin des italienischen Staatspräsidenten.

Faktenübersicht:
• Luigi-Tartufari International Prize für den Konstanzer Evolutionsbiologen Prof. Dr. Axel Meyer
• Forschungspreis der italienischen Nationalakademie Academia Nazionale dei Lincei zeichnet das Gesamtwerk des Konstanzer Biologen aus
• Pionierarbeit durch den Einsatz genetischer und genomischer Daten.

Hinweis an die Redaktionen:
Fotos können im Folgenden heruntergeladen werden:
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Bildunterschrift:
Prof. Dr. Axel Meyer
Bild: Marco Schilling

https://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2018/Bilder/Mit_Daten_gegen_…
Bildunterschrift: (v.l.) Andreas Härer, Dr. Julián Torres-Dowdall, Prof. Dr. Axel Meyer und Dr. Melisa Olave.
Bild: Ricardo Rayo

Kontakt:
Universität Konstanz
Kommunikation und Marketing
Telefon: + 49 7531 88-3603
E-Mail: kum@uni-konstanz.de

http://uni.kn


RDF Talk – Joachim Kahl: Klassischer Atheismus, neuer Atheismus

Richard-Dawkins-Foundation

Der Referent, ein prominenter Vertreter des klassischen Atheismus, den er auch gerne als weltlichen Humanismus vorstellt, skizziert die beiden Säulen des Atheismus und greift auf ausgewählte Zitate aus Richard Dawkins´ Bestseller „Der Gotteswahn“ zurück. Das Verdienst des „Neuen Atheismus“ besteht vor allem darin, durch seine steilen Thesen das Interesse an radikaler Religionskritik geweckt zu haben, so dass auch deren stillere, weil differenziertere Spielarten mehr Aufmerksamkeit zuteilwird. Ein Abend der Denkanstöße.

Über den Autor:

http://www.kahl-marburg.privat.t-online.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Kahl

Vogelfeder und Vogelflug durch die Brille des Kreationismus

Symbolbild. Bild: hippo by swatts
Warum die Kritik an der Evolution scheitert. Ein Kommentar zu: ‚Wort und Wissen‘ Special paper B-17-1

Hansjörg Hemminger | AG EvoBio

Bei dem Ende 2017 erschienenen „Special Paper“ zur Evolution des Vogelflugs handelt es sich um eine Fleißarbeit, die auf 117 Seiten eine Vielzahl von Informationen bietet. Thematisch spannt es den Bogen von der Anatomie und Physiologie der Vogelfeder über historische und neue Hypothesen zur evolutionären Entstehung von Federn und Vogelflug bis zu grundsätzlichen Überlegungen zur Methode der Modellbildung in der biologischen Evolution. Der Zweck des Papiers ist, mit der von WORT UND WISSEN bekannten argumentativen Strategie die Evolution von Vogelfeder und Vogelflug als unwahrscheinlich darzustellen. Die funktionell-morphologischen Zusammenhänge werden in Belege für ihren Kreationismus – genau genommen für „Intelligent Design“ – umgemünzt. Diese Zielsetzung wird bereits in der Einleitung (S.4) formuliert:

 

„Die Möglichkeit einer Schöpfung – einer willentlichen, zielorientierten Hervorbringung durch einen geistbegabten Schöpfer – kann nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Die Festlegung auf den naturalistischen Ansatz, wonach nur Naturgesetze, Zufall und plausible Randbedingungen in Erklärungen zugelassen, ist wissenschaftstheoretisch nicht zu rechtfertigen und führt zu Zirkelschlüssen. Zahlreiche Befunde im Bau von Federn und in der Fossilüberlieferung sowie das nachhaltige Scheitern naturalistischer Entstehungshypothesen zur Entstehung von Vogelfeder und Vogelflug können als Indizien für einen Schöpfer gewertet werden.“

 

Bemängeln als Grundton

Ein Merkmal der Argumentationsstrategie wird schnell offensichtlich: Eingestreut in die lexikalische Darstellung von Daten, Methoden und Theorien finden sich Bemerkungen dergestalt, dass eine komplizierte Struktur nicht überzeugend evolutionär ableitbar und eine hypothetische evolutionäre Entwicklung nicht zu belegen sei. Die Evolution der betreffenden Strukturen sei deshalb methodisch wie inhaltlich fragwürdig. Manche dieser Anmerkungen sind schon auf den ersten Blick abwegig, wie etwa auf S.32 die Feststellung, dass ein fossil bekannter Dinosaurier wegen seiner beachtlichen Größe „für eine stammesgeschichtliche Verbindung mit Vögeln … völlig ungeeignet“ sei. Diese Behauptung zielt nicht auf die Fakten, sondern auf die Intuition von Laien, die sich eine Abstammungsbeziehung von einem tonnenschweren Theropoden zu einer Blaumeise schwer vorstellen können. Zu fossilen Indizien für die Entstehung der Vogelfeder wird im Fazit JUNKERs gesagt:

„Die größte Vielfalt an unterschiedlichen, z. T. heute nicht mehr vorkommenden Integumentanhängen (Dino-Flaum, bandartige Federn, Konturfedern) ist entgegen der evolutionären Logik gerade zu Beginn der fossilen Überlieferung der betreffenden Formen verwirklicht.“

Sollte der Befund so sein wie behauptet, stünde dem keinerlei evolutionäre Logik entgegen (falls damit theoretische Schwierigkeiten gemeint sind). Er spräche eher für als gegen eine stammesgeschichtliche Ableitung der Vogelfeder von solchen Integumenten.

Unsachgemäße Kritik tritt immer dann gehäuft auf, wenn JUNKER die Hypothese diskutiert, dass der aktive Vogelflug sich bei gleitfliegenden, baumbewohnenden Theropoda entwickelt habe. Da diese Hypothese viel für sich hat (JUNKER zitiert die entsprechende Literatur selbst), wirken die in Tab.2 aufgelisteten Gegenargumente an den Haaren herbeigezogen. Zum Beispiel liest man dort: „Gleitflug ist eher ein gegenüber dem Schlagflug abgeleitetes Verhalten.“ Angesichts der Tatsache, dass es zahlreiche Wirbeltiergruppen gibt, die konvergent zu Gleitfliegern wurden und von denen keine aktiv flugfähige Vorfahren hat, ist diese Aussage mehr als irreführend. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass gleitfähige, kleine Theropoden aktiv fliegende Vorfahren hatten. Die einzige Begründung, die sich im Text findet, lautet, dass sich unter den aktiv fliegenden Vögeln einige Gruppen auf den Gleit- und Segelflug spezialisierten, ohne die aktive Flugfähigkeit aufzugeben. Richtig ist, dass segelfliegende Vögel auch gleiten, das heißt passiv in einem flachen Winkel abwärts segeln können. Von einem aus dem Schlagflug „abgeleiteten“ Verhalten zu sprechen, ist so unsinnig wie zu behaupten, der vierfüßige Gang sei gegenüber dem aufrechten Gang des Menschen ein evolutionär abgeleitetes Verhalten, weil Menschen (wenn es sein muss) sich auch auf allen Vieren fortbewegen können.

JUNKER nimmt dieses Argument selbst nicht ernst, denn ansonsten argumentiert er umgekehrt, nämlich dass sich aus dem Gleitflug der aktive Flug nicht habe entwickeln können. Unter anderem dient dem ein Argument, das lautet: „Bereits Gleitflug benötigt Kontrollmechanismen.“ Dass das Gleiten bestimmte motorische Fähigkeiten erfordert, ist selbstverständlich, die übrigens bereits für Baumbewohner erforderlich sind, die aktive Sprünge im Geäst ausführen. Doch warum sollte ein noch sehr rudimentärer Gleitflug Kontrollmechanismen benötigen, die über das hinausgehen, was bereits im Verhaltensrepertoire der Theropoden angelegt ist? Menschen sind keine Flieger, stammen aber von baumbewohnenden Primaten ab: Sie können problemlos lernen, mit Gleitschirmen und Drachen umzugehen, ohne dass dafür neue Hirnstrukturen nötig wären. Nichts spricht gegen eine Entwicklung von sprungfähigen Baumbewohnern zu Gleitfliegern und, über weitere funktionale Stufen, zum aktiven Flug.

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Berggorillas in Ruanda: Mein Freund, der Tourist

Wirtschaftsfaktor Berggorilla: Fast 40 000 Touristen reisten im vergangenen Jahr nach Ruanda, um die Tiere einmal aus der Nähe zu sehen. (Foto: Ivan Lieman/AFP)
Berggorillas bewohnen zwei kleine Gebiete im östlichen Afrika. Zuletzt gab es nur noch wenige. Jetzt hat ihre Zahl erstmals seit Jahrzehnten wieder die Grenze von 1000 Tieren überschritten.

Von Bernd Dörries | Süddeutsche Zeitung

Es ist eine Angelegenheit von höchster nationaler Wichtigkeit. Einmal im Jahr begibt sich Ruandas Präsident Paul Kagame zum Informationszentrum des Vulkan-Nationalparkes im Nord-Westen des Landes, um den jüngsten Nachwuchs zu begrüßen: 19 Berggorillas waren es im vergangenen Jahr, die im Beisein des Präsidenten getauft wurden, so wie jedes Jahr. „Es liegt in der Verantwortung von allen, die Artenvielfalt zu beschützen. Wir können nur gewinnen, wenn wir Gorillas schützen“, sagte Kagame 2017. Die Gorillas sind für das kleine Land ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, fast 40 000 Touristen kamen zuletzt, um die vom Aussterben bedrohten Tiere zu sehen. Es ist einer der seltenen Fälle, in denen der Tourismus den Schaden nicht zu vergrößern droht, sondern dabei hilft, das Überleben einer Art zu sichern.

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Michael Müller: Dodo des Monats Mai 2018

Dodo des Monats Mai 2018 ©HFR

Der Tourismus deutscher Politik in den Vatikan bestimmte in den letzten Tage die Schlagzeilen. In Reisegruppenstärke standen sie vor dem heiligen Stühlchen und versuchten Zipfel der Scheinheiligkeit des absolutistisch regierenden Kirchenfürsten zu erheischen. Nie wird der Anachronismus deutlicher, hier demokratisch gewählte Politiker, dort klerikaler Absolutismus. Man will die Bilder nicht sehen, wenn Ministerpräsidenten, regierende Bürgermeister wie hechelnde, subalterne Beamte dem höfischen Chor der Schmeichler einstimmen. Wer den Papst in den Arsch kriecht kann nicht mehr leuchten und so verglüht Politprominez im Gestank der römischen Kurie. Der sprücheklopfende Pappa und die in leeren Worthülsen denkende Politik.
Die römische Spukgestalt interessiert sich nicht für Wählerwillen, parteiliche Programmatik, ihr geht es um die Konsolidierung, den Ausbau und die Entwicklung der institutionellen Macht seiner Paladine, da eine katholische Fakultät, an einer staatlichen Universität, dort die Rekonstruktion eines Kirchleins, für die der Steuerzahler aufkommen muss.
7,1% der in den Regionen des Erzbistums Berlin lebenden Bevölkerung sind katholisch. Von 5,8 Millionen Einwohnern sind ganze 412.000 Katholiken. Die Party der katholischen Kirche bezahlen alle, ohne jedwedes Gefühl für Scham greift man in die Töpfe staatlicher Kassen. Die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft sehen es mit Wohlwollen, die gesellschaftlich geringer werdende Bedeutung des Fossils katholische Kirche interessiert nicht. Die Gemeinschaft aller bezahlt ein Kasperletheater in dem alte Männer die Fäden für die Puppen ziehen und der Pöbel klatscht Beifall.
Nun gar reden Politiker, wie Michael Müller, Erzapostel Koch und der Pappa gar von einem Konkordat, also einem Staatskirchenvertrag zwischen Berlin und dem „Heiligen Stuhl.“
Die Hauptstadt des Atheismus braucht so etwas nicht.
Woelki, Meisners Ziehsohn, legte am 16. August 2011, dem vom Reichkonkordat vom 20. Juli 1933 geforderten Treueid auf den Berliner Senat ab. Ein freiheitlich-demokratisch gewählter Senat lässt sich die Treue, auf der Grundlage eines Nazi-Vertrages, schwören.

Protestant Müller will es regeln, vertraglich, die Notwendigkeit hat er sich einreden lassen und das deutsche Episkopat quietscht vor Vergnügen.
Die alles entscheidende Frage ist, was heißt das in Euro? Die Stadt Berlin hat andere Probleme, als sich einen Zoo seltsam kleidender alter Männer leisten zu können.
Diderot auf unsere heute Zeit angepasst:“ »Die Menschen werden niemals frei sein bis man nicht den letzten Berufspolitiker mit den Eingeweiden des letzten Priesters erdrosselt hat.“

In dem Sinne. Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Gibt es prinzipielle Grenzen in den Naturwissenschaften?

Warum verhalten sich die Dinge gesetzmäßig, woher kommt die „Ordnung“ in der Natur? Warum gibt es überhaupt etwas und nicht nichts? Was ist das „innere Wesen“ der Dinge? Woher stammen Bewusstsein und Geist? In dem Buch Welt ohne Gott? Eine kritische Analyse des Naturalismus (2014) setzt sich der evangelikale Christ Markus WIDENMEYER mit solchen Fragen auseinander.

Martin Neukamm | AG Evolutionsbiologie

Er behauptet, aus Sicht des Naturalismus der Naturwissenschaften seien all diese Fragen nicht nur „radikal unerklärt“, sondern prinzipiell unerklärbar. Er entwickelt daraus Argumente gegen den Naturalismus und behauptet, die einzig rationale Antwort auf diese Fragen sei „Gott“ (bzw. der Supranaturalismus). In diesem Buch bündeln sich die Argumente religiös motivierter Naturalismuskritik; wir wollen es daher in 10 Teilen besprechen. Teil 1 widmet sich der Frage, ob es prinzipielle Grenzen der Naturwissenschaften gibt und ob der Supranaturalismus eine (plausible) Erklärung für sie liefern kann.

Metaphysische Fragen zur Existenz der Welt und Ordnung der Natur

Bei WIDENMEYER lesen wir:

„Die Naturwissenschaft kann die grundlegende Regelmäßigkeit und damit einen wesentlichen Aspekt der Ordnung, die wir in der Natur wahrnehmen, aus prinzipiellen Gründen nicht erklären. Vielmehr ist diese Regelmäßigkeit eine theoretisch-methodische und eine metaphysische Grundvoraussetzung, um überhaupt Naturwissenschaft betreiben zu können.“ (ebd., 103)

„Naturwissenschaft kann … nur dort funktionieren, wo die Natur sich durchgängig hochgeordnet verhält und Gesetzmäßigkeiten folgt. Für das Betreiben von Naturwissenschaft muss also notwendig eine umfassende natürliche Ordnung vorausgesetzt werden, weil nur unter dieser Voraussetzung ihre Gegenstände systematisch beschreibbar sind und nur dann Gegenstände überhaupt denkbar sind. Und was für eine Erklärung vorausgesetzt werden muss, kann im Rahmen dieser Erklärung natürlich nicht selber erklärt werden.“ (ebd., 106)

In der Tat, nur wenige Wissenschaftsphilosophen dürften bestreiten, dass es prinzipielle Erklärungsgrenzen gibt: Das zufällige Zusammentreffen zweier Ereignisse beispielsweise, die auf voneinander unabhängigen Kausalketten beruhen, kann nicht nur nicht erklärt werden, es wäre auch unvernünftig, nach Erklärungen zu suchen. Der Umstand etwa, dass Sonne und Mond dieselbe scheinbare Größe am Himmel haben, ist eine Koinzidenz, für die es keinen Kausalzusammenhang und keine Erklärung gibt (VOLLMER 1986, 66f). Die Existenz jener Strukturen des Kosmos, die einen Urknall erzeugt haben, ist ebenfalls keiner Erklärung zugänglich. Man versucht zwar, mit der Erklärung so weit wie möglich an den Anfang zurück zu gehen, aber irgendwo muss die Ursachenkette beginnen, sonst landet man in einem unendlichen Regress.

Zu der metaphysischen Frage, warum überhaupt etwas existiert und nicht nichts, bemerkt der Wissenschaftsphilosoph Bernulf KANITSCHEIDER (1999):

„Diese berühmte und geheimnisvolle Frage, die schon Martin Heidegger aufgeworfen hat … das ist sicher die letzte Frage der Kontingenz. Sie ist aber aufgrund der logischen Struktur einer Erklärung gar nicht lösbar – aber nicht, weil da ein letztes Mysterium dahintersteckt. Eine Erklärung kann immer nur etwas mit etwas anderem verknüpfen, aber niemals etwas mit nichts. Also gibt es auf diese Frage keine Antwort.“

Das gleiche gilt für die Frage, warum die Dinge konstant miteinander verbundene Eigenschaften haben, die man mithilfe von Naturgesetzen beschreiben kann: Warum verhalten sich die Naturgegenstände gesetzmäßig? Antworten auf diese Fragen kann man nicht geben, weil die Sachverhalte, auf die sich diese Fragen beziehen, zu den metaphysischen Voraussetzungen wissenschaftlichen Erklärens gehören – und als solche können sie nicht Gegenstand des Erklärens selbst sein. Es handelt sich um eine Grundeigenschaft der Welt, die sich nicht weiter hinterfragen lässt, denn der Erklärungsregress muss irgendwo ein Ende haben (MAHNER, pers. comm.).

Kurzum, es gibt Tatsachen, die keine Erklärung zulassen, so genannte facta bruta. Fraglich ist nur, ob man darin einen Mangel des Naturalismus zu sehen hat, wie WIDENMEYER zu glauben scheint, oder ob dies in der Natur der Dinge und in der logischen Struktur des Erklärens selbst liegt. Der Autor fordert von der naturalistischen Wissenschaftsphilosophie etwas ein, was diese explizit als unmöglich erachtet, nämlich die Auflösung von facta bruta. Daher ist seine Kritik am Naturalismus gegenstandslos, weil sie seinem Selbstverständnis widerspricht.

Warum „Gott“ keine vernünftige Antwort auf metaphysische Fragen ist

Noch fraglicher ist, ob der von WIDENMEYER konstatierte Erklärungsmangel durch den Supranaturalismus behoben werden kann: Wenn facta bruta wie die Tatsache, dass es einen gesetzmäßig beschreibbaren Kosmos gibt, schon aufgrund des endlichen Erklärungsregresses nicht auflösbar sind, warum sollte dann ausgerechnet Gott eine befriedigende Erklärung dafür sein? WIDENMEYER:

„Die einzige funktionierende Erklärung für die unvorstellbare Ordnung einer Welt, die ganz exakt so eingerichtet ist, dass es eine hochkomplexe Chemie, mathematisch formulierbare Strukturen und schließlich Lebewesen geben kann, ist … die kreative Konzeption und Erschaffung durch (mindestens) ein äußerst intelligentes Wesen, das auch die Macht besitzt, derartige Pläne zu realisieren.“ (ebd., 198)
Ein omnipotenter Schöpfer löst das Erklärungsproblem auch nicht, sondern verlagert die Erklärung nur einen Schritt weiter nach hinten. Die Theologie kann ja ihrerseits Gott nicht erklären, sieht sich also ebenfalls mit einem factum brutum konfrontiert. Dies scheint auch WIDENMEYER zu realisieren, denn er stellt fest:

„Dass Gott existiert, ist zwar nicht ‚erklärbar‘ im Sinne von ‚aus etwas noch Grundlegenderem ableitbar‘. Das kann auch gar nicht der Fall sein und es wurde von Theisten nie akzeptiert oder gar behauptet.“ (ebd., 203)
„‚Wer schuf Gott?‘ Diese Frage ist zumindest formal gegenstandslos, weil durch die Jahrtausende hindurch Theisten niemals von einem geschaffenen oder entstandenen Gott ausgingen. Dies wäre für ihr Konzept ein Widerspruch in sich. Stattdessen gibt es vielfältige theologische Konzepte eines ewigen, unerschaffenen Gottes, die uns nicht nur aus der Bibel, sondern auch zum Beispiel von den beiden bedeutendsten griechischen Philosophen, Platon und Aristoteles, überliefert sind. Aristoteles formulierte zum Beispiel im 12. Kapitel seiner Metaphysik das Konzept des ‚unbewegten Bewegers‘, also einer unverursachten Ursache. Der Theist antwortet auf diese Frage also einfach so, dass Gott, wie er für ihn relevant ist, sowieso unerschaffen und ewig existent sei, womit die Attacke des Atheisten ins Leere geht.“ (ebd., 200)
Leider scheint er nicht zu erkennen, dass damit auch seine „Attacke“ gegen den Naturalismus scheitert: Warum dürfen die Naturwissenschaftler nicht einen nicht mehr hinterfragbaren, unerschaffenen Grundzustand der Welt als metaphysische Anfangsbedingung voraussetzen, wenn die Theologen einen nicht mehr hinterfragbaren, unerschaffenen Gott als Erklärungsgrund voraussetzen dürfen? Das Voraussetzen eines materiellen Anfangszustandes, dessen Eigenschaften sich hypothetisieren, überprüfen, rekonstruieren, nötigenfalls revidieren (mit einem Wort: erforschen lassen), ist doch allemal erklärungsmächtiger und intellektuell befriedigender als eine fiktive Gott-Entität, die sich nicht zeigt, über die wir nichts wissen und für deren Materie-Interaktion wir keine Mechanismen kennen.

Es kommt hinzu, dass die thomistischen „Vernunftgründe“ für die Existenz Gottes, etwa das Argument vom „unbewegten Beweger“ und „unverursachten Verursacher“ (argumentum ex ratione causae efficientis) [2]
nicht stringent sind: Wenn wir mit der modernen Kosmologie davon ausgehen, dass der ursprünglichste Zustand der Welt eine Art Quantennatur besaß, in der es weder einen Zeitpfeil noch ein Kausalprinzip noch „versteckte Parameter“ zu geben scheint, gibt es auch keine Ursache (Gott), die in einer Zeit davor hätte wirken können. Das Kausalprinzip beschreibt lediglich den Ablauf der klassischen Welt, so dass fraglich ist, ob es im Anfang von Raum und Zeit Gültigkeit besaß (MORRISTON 2000). Die Frage, was „vor“ dem Urknall gewesen sein mag, lässt sich nicht mehr sinnvoll im Rahmen der normalen Raum-Zeit-Kategorien stellen. Lediglich die metaphysische Behauptung, dass ein Gott per Definition weder an raumzeitliche noch an materielle Strukturen gebunden sei, dass er weder räumlich, noch zeitlich, noch endlich, noch materiell, noch gesetzmäßig, noch begrifflich oder methodologisch fassbar sei, könnte WIDENMEYER aus dem Dilemma befreien. Damit aber fielen erst Recht alle rationalen Begründungsstrukturen, alle Vernunftgründe weg, die Gottexistenz für wahr zu halten. Denn die Annahme der Existenz von etwas, das sich weder semantisch einkreisen noch logisch fassen lässt und für dessen Wirken keine objektive Grenze angegeben werden kann, kann schlechterdings nicht für „wahr“ oder „falsch“ gehalten werden. Es gibt einfach keine Evidenz.

Die Schwäche in WIDENMEYERs Argumentation ist also, dass sie nirgendwo zeigen kann, wie der Supranaturalismus zu konkreteren Erkenntnissen oder gar Erklärungen gelangen könnte. Den an sich gestellten Anspruch, einen intelligibleren Lösungsansatz zu präsentieren als den Naturalismus, kann er nicht einlösen. Implizit kann sich der Supranaturalist, um es mit MACKIE (1985, 230) auszudrücken, lediglich auf den Glaubensgrundsatz berufen,

„… dass sich eine geistige Ordnung (wenigstens bei Gott) aus sich selbst erklärt, wohingegen alle materielle Ordnung nicht nur nicht sich selbst erklärt, sondern auch positiv unbegründet ist und einer weiteren Erklärung bedarf.“

Damit aber setzt WIDENMEYER etwas als gegeben voraus, was er nicht belegen kann, sondern einfach nur behauptet. In seiner Diktion liest sich dies so:

„In der relevanten Hinsicht ist aber die Existenz Gottes in sich verständlich, was insbesondere heißt, dass dieser Sachverhalt nicht mit einer sehr geringen a priori-Wahrscheinlichkeit oder gar einer Unmöglichkeit verbunden ist. Damit bleibt die anfangs gemachte Schlussfolgerung bestehen: Die Annahme der Existenz Gottes scheint für ein rationales Konzept der Wirklichkeit alternativlos zu sein.“ (S. 203)
Warum soll ausgerechnet die Existenz Gottes in sich verständlich sein? Wo ist der Beweis dafür? Dem Philosophen Hans ALBERT zufolge scheint ein solcher Nachweis gar nicht geführt werden zu können, weil jeder Versuch einer Letztbegründung in ein unauflösbares Trilemma führt (Abb. 1). Der Versuch, die Selbstverständlichkeit der Gottexistenz zu begründen, führt entweder in einen unendlichen Regress (jede Aussage muss durch weitere Aussagen begründet werden, was praktisch nicht durchführbar ist), zu einem Zirkelschluss (wonach das zu Beweisende bereits vorausgesetzt wird) oder zu einem willkürlichen Abbruch des Regresses (ALBERT 1991, 15). Die Behauptung, Gott sei in sich verständlich (oder a priori wahrscheinlich), kann nur dogmatisch (bzw. definitorisch) vorausgesetzt werden.
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Die Furcht vor dem „gottlosen Humanismus“

Bild: hpd.de
Christliche Theologie-Professoren haben sich in einer Erklärung vehement für Söders Kreuzerlass ausgesprochen. Die Argumente, mit denen sie ihre Position untermauern, verraten viel über den Ungeist, der offenkundig noch immer an vielen theologischen Lehrstühlen herrscht.

Von Michael Schmidt-Salomon | hpd.de

„Ganz in der Tradition unserer Verfassung ist der Blick auf das Kreuz zweifellos der Blick auf ein Wertefundament unserer pluralistischen Gesellschaft, da es für den menschlichen Zusammenhalt aus einem Geist des Miteinanders auch gegenüber dem vermeintlich Fremden steht“, heißt es in der „Ökumenischen Erklärung katholischer und evangelischer Professoren und Hochschullehrer der Theologie zum bayerischen Kreuzerlass„. Kaum, dass man den logischen Widerspruch zwischen einem staatlich verordneten „Blick auf das Kreuz“ und „unserer pluralistischen Gesellschaft“ verarbeitet hat, setzen die Autoren noch eins drauf: „Dieses Fundament freiheitlicher Toleranz ist sowohl im Grundgesetz als auch in der Bayerischen Verfassung gerade nicht auf einen gottlosen Humanismus (Hervorhebung durch den Verfasser) reduziert. Es gründet im Heilswerk und in der Botschaft Jesu Christi, die er selbst auf vollkommene Weise vorgelebt hat.“

Es ist schon beachtlich, in welchem Umfang die hochdekorierten Hochschullehrer, die die Erklärung unterzeichnet haben, das Verfassungsgebot der weltanschaulichen Neutralität des Staates ignorieren – oder wie sehr sie darauf pfeifen. Offenkundig lähmt sie die Furcht vor einem „gottlosen Humanismus“ so sehr, dass sie verkennen, dass niemand je einen „gottlosen Humanismus“ als Staatsideologie gefordert hat. In der Verfassung verankert ist allerdings – und nur das fordern säkular denkende Menschen aller Konfessionen – das Gebot eines „weltanschaulich neutralen Humanismus“, den jede Bürgerin und jeder Bürger nach eigenem Gutdünken religiös oder nichtreligiös deuten kann.

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Begriffsverwirrung „Achtsamkeit“

Themenbild: bb
Bereits in dem ersten Artikel zum Thema Achtsamkeit/Gewahrsein hatte ich geschrieben, dass diese Begriffe abgenutzt und esoterisch besetzt sind. Wovon ich hier gesprochen habe, ist das Gewahrsein, das sich in „Eiland“ von Aldous Huxley findet.
Man kann diese unterschiedliche Begriffsverwendung eigentlich gar nicht kritisieren, denn andere Menschen haben eben einen anderen Fokus und wollen von etwas anderem sprechen. Es stellt sich daher nicht die Frage, ob irgendwer einen ursprünglich anders verwendeten Begriff später umdefiniert hat, vielleicht nicht das darunter verstanden hat, was eigentlich einmal gemeint war.

Föderation des Determinismus

Unzweifelhaft ist die Denkweise der Achtsamkeit in verschiedenen östlichen Strömungen enthalten. Huxley zum Beispiel hatte engen Kontakt zu Krishnamurti – zu einem seiner Bücher verfasste Huxley sogar ein Vorwort, in dem es auch um Achtsamkeit ging. Das war 1948 und es scheint, dass Huxley den Begriff aus der Religion und Strömungen der östlichen Philosophie gelöst und für seine eigenen Zwecke verwendet hat.

Andere Aussagen, die mit dem Gewahrsein von Huxley nicht vereinbar sind, die ich hier nur beispielhaft herausgreife:

  1. Gewahrsein bedeutet bewusste Konzentration auf etwas.

Das ist in dieser Form nicht verständlich. Wenn ich am Computer sitze, konzentriere ich mich auch bewusst auf meine Arbeit. Es geht beim Gewahrsein aber um das wertungsfreie Wahrnehmen der direkten Umgebung und des eigenen Körpers mitsamt dem eigenen Befinden. Gerade diesen Aspekt blende ich aber aus, wenn ich mich auf meine Arbeit konzentriere. Selbst wenn ich vor einem Ölbild im Museum sitze und mich in ein Meisterwerk vertiefe, dieses aufmerksam betrachte, auch wenn ich dabei nicht analysiere, so ist dabei doch überhaupt nicht enthalten, wie es mir dabei geht, wie die Stimmung im Raum ist und so weiter. Diese Form der Konzentration und des bewussten Wahrnehmens mag ein Thema für sich sein: Es geht dort aber nicht um die Realität des Hier und Jetzt.

  1. In der Musik kannst Du ganz aufgehen. Das ist Gewahrsein, die Musik vollständig zu erfassen, vielleicht sogar dazu zu tanzen und eins zu werden mit der Musik.

Wenn man ein Musikinstrument spielt, ist das etwas ganz selbstverständliches. Man muss den Emotionalen Ausdruck der Musik selbst fühlen, um ihn im Spielen ausdrücken zu können. Das ist kein rationaler Prozess, sondern in der Musik spiegelt sich die Emotionalität. Jede Rationale Überlegung wird dabei ausgeblendet (wenn man über die Stufe hinaus ist, an der Technik zu feilen), man fühlt sich eins mit der Musik. Sicherlich ist die Musik auch im Hier und Jetzt existent. Auch das ist aber etwas ganz anderes, als Gewahrsein in „Eiland“. Ich kann 45 min. Geige spielen und merke dann erst später, dass mir eigentlich die Finger schmerzen und das meiner Wirbelsäule die Haltung nicht gut getan hat. Das Versenken in die Musik hat durchaus einen innerlich erfüllenden Wert, in der man sich emotional erden kann und auch die Emotionen schon durch die Auswahl des Musikstücks steuern kann – wenn man denn nicht total unmusikalisch ist oder es quasi „angelernt“ hat, die emotionalen Wendungen von Musik auszublenden. Selbst wenn der Musikgenuss bewusst erfolgt, dies ist eher etwas derealisierendes und führt dazu, dass Aspekte des Hier und Jetzt ausgeblendet werden. Musik kann sogar der Flucht aus der Realität dienen. Aufgrund der Smartphoneapps ist es aktuell wieder modern geworden, mit Kopfhörern herum zu laufen und dabei Musik zu hören: Die Selbstwahrnehmung und die gesamte Szenerie, in der man sich bewegt, wird damit in eine andere Empfindungsrealität getunkt – was sicherlich auch der Sinne der Sache sein mag.

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«Rasse» in der Genetik – «Vor bestimmten Resultaten hätte ich zu viel Angst»

Bild: 4ever.eu
«Rasse» ist ein heikler Begriff im Zusammenhang mit Menschen. Heute herrscht Konsens: «Rasse» ist ein soziales Konstrukt, der Begriff biologisch nicht haltbar. Unter menschlichen Populationen gibt es keine so grossen Unterschiede, dass man von Rassen sprechen könnte.

Interview Sarah Herwig | SRF

An diesem Dogma rüttelt der US-amerikanische Genetiker David Reich in einem Artikel in der New York Times, Link öffnet in einem neuen Fenster: In den letzten 20 Jahren, so Reich, habe die Forschung gezeigt, dass genetische Unterschiede zwischen verschiedenen Menschengruppen doch grösser seien als angenommen. Sie bestimmten nicht nur die Hautfarbe, sondern beispielsweise auch die Körpergrösse oder die Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten.

Das Festhalten an diesem Dogma und das Schweigen über genetische Unterschiede biete Raum für pseudowissenschaftliche Stimmen, schreibt Reich. In den USA hat dies einen Aufschrei und eine Debatte ausgelöst.

Diese Debatte sei eine gute Reaktion auf den Artikel, sagt Evolutionsbiologe Claus Wedekind von der Universität Lausanne.

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Was ist das überzeugendste Argument für den Atheismus?

Foto: pixabay.com / kalhh
Das hängt davon ab, wie man Gott definiert, d. h., welche Eigenschaften man ihm zuschreibt.

Von Volker Dittmar | Richard-Dawkins-Foundation

Gläubige weigern sich häufig, selbst anerkannte angenommene Eigenschaften als gegeben anzunehmen, sobald man sie mit einem Argument gegen diese Eigenschaft konfrontiert.

Beispiel: Als ich in einem katholischen Forum die Allmacht kritisierte und zeigte, dass es sich um eine selbstwidersprüchliche Eigenschaft handelt, kam sofort als Einwand: Wer behauptet denn, dass Gott allmächtig ist?

Allmacht ist die einzige göttliche Eigenschaft, die im Glaubensbekenntnis zweimal erwähnt wird. Wenn also jemand die Allmacht Gottes bestreitet, dürfte er eigentlich das allgemeine Glaubensbekenntnis nicht mehr aufsagen.

Man kann jedes Argument damit aushebeln, dass man die Logik nicht anerkennt, auf der es basiert. Wenn mir jemand erzählt, dass Gott „über” der Logik steht (das ist nicht einmal eine sinnvolle Behauptung), dann kann auch kein Argument gegen Gott funktionieren.

Gott wird als transzendent und supernaturalistisch bezeichnet. Beides sind Begriffe mit einem Sinngehalt von Null. Aber damit kann man Gott jedem Argument entziehen.

Man kann also nur fragen: Was ist das Argument, was Atheisten zum größten Teil überzeugt, dass es nicht sinnvoll ist, an Gott zu glauben?

Antwort: Das Theodizeeproblem von Epikur. Es gibt keine überzeugende Antwort auf dieses Problem, obwohl es vorchristlich ist. Georg Büchner bezeichnete das Argument als „den Fels des Atheismus”.

Epikur hat es so formuliert:

Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht:
Dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft,
oder er kann es und will es nicht:
Dann ist Gott missgünstig, was ihm fremd ist,
oder er will es nicht und kann es nicht:
Dann ist er schwach und missgünstig zugleich, also nicht Gott,
oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt:
Woher kommen dann die Übel und warum nimmt er sie nicht hinweg?

Ich formuliere das Problem inzwischen anders als Epikur es tat. Man kann nämlich die Allmacht Gottes bestreiten, dann ist das Problem gelöst, aber siehe Glaubensbekenntnis!

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Michael Schmidt-Salomon im Club Voltaire

Der Philosoph und Autor Michael Schmidt-Salomon sprach im Club Voltaire über die Grenzen der Toleranz. ©Nina Saam

Eine offene Gesellschaft muss tolerant sein, aber auch klare Grenzen formulieren, um funktionieren zu können. Über die Grenzen der Toleranz und die Leitprinzipien einer offenen Gesellschaft sprach am Montag Michael Schmidt-Salomon im Club Voltaire.

Nina Saam | baden online

Vor zwei Jahren hat der aus Trier stammende Philosoph und Autor Michael Schmidt-Salomon sein Buch »Die Grenzen der Toleranz – warum wir die offene Gesellschaft verteidigen müssen« veröffentlicht, das angesichts der wachsenden Polarisierung und Abschottung einzelner Gruppen bis hin zu ganzen Gesellschaften aktueller denn je ist. Demagogen und Populisten schürten einen »Empörialismus«, in dem Stimmungsmache mehr zähle als rationale Argumente, so der Philosoph.

Vielfalt der Meinungen

Dabei sei eine gewisse Streitkultur in offenen Gesellschaften durchaus erwünscht: »Die Vielfalt der Meinungen ist der Nährboden des zivilisatorischen Fortschritts«, so Schmidt-Salomon. »Gesellschaften, die jeden Widerspruch im Keim ersticken, verharren im kulturellen Stillstand.« Doch einen zivilisierten Widerstreit könne es nicht ohne klare Spielregeln geben, die von allen Beteiligten Toleranz abverlangten. Doch was muss toleriert und was darf nicht mehr toleriert werden? Und was muss man akzeptieren, also nicht nur dulden, sondern gutheißen?

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Jens Spahn: Dodo des Monats März 2018

Dodo des Monats März 2018 ©HFR

Jens Spahn hat das Rennen um die kotztütenblaue Dronte souverän gewonnen. Der neue deutsche Politharte, der sich gern als Universalpolitiker darstellt, spricht über alles und über jeden. Morgens, beim hochfahren der Rechner kommt unweigerlich die Frage in den Sinn, was hat die Spahnplatte aus dem Dorf Ottensen wieder an Neuigkeiten produziert. Bei Spahn gibts Spoiler-Alarm. Armut, Hartz IV, sichere Aussengrenzen, Frontex, Recht und Ordnung und dem Familiennachzug von Flüchtlingen, alles Themen, die vom Bundesgesundheitsminister nebenbei abgehandelt werden. Pflegenotstand, Ärztemangel und Zweiklassenmedizin sind nicht seine Themen, da könnte Versagen öffentlich werden. Und so kam es wie es kommen musste, die ersten Wochen als Minister der neuen Bundesregierung kann man mit dem Titel, „aus dem Leben eines Taugenichts“ versehen. Sieht man ihn in den Medien fällt spontan Großmaul ein. Generator unablässiger Dampfplauderei und leerer Worthülsen, eingebettet in die Arroganz eines Höflings der Kanzlerin, der sich auf die Stirn geschrieben hat, dereinst den Posten zu übernehmen. Populistische Profilierung des Erbschleichers der Kanzlerin. Populismus ist in, auch christdemokratisch und so werden die Grenzen des Pseudokonservatismus der CDU verschoben, die Richtung ist klar.

Geht es um den § 219a StGB wird Spahn auch schon mal demagogisch. Wobei ich ja der persönlichen Aufassung bin, wenn es um Frauenrechte geht, sollten Männer sich nicht in die erste Reihe drängeln und schon gar nicht mit erhobenen Zeigefinger.

„Mich wundern die Maßstäbe: Wenn es um das Leben von Tieren geht, da sind einige, die jetzt für Abtreibungen werben wollen, kompromisslos.“Jens Spahn

Was für ein Vergleich, Tierrechte und Abtreibungen. Da weiß man sofort wo Spahn Frauen verortet.
Es geht beim § 219a StGB um Werbung, richtig, aber nicht um die Werbung die allabendlich in die Wohnzimmer des Kleinbürgers tröpfelt. Es geht nicht um Dichtedarstellungen von Tampons und Binden, bei denen der Nachweis, mittels Ersatzflüssigkeiten, optisch dargestellt wird.
Genau diesen Eindruck wollen Spahn und Co vermitteln. Es wird der Eindruck vermittelt als wäre ganz paternalistisch die Frau nicht geschäftsfähig, wenn es um ihren Körper geht.
Es geht um Information, das Recht der Frauen über ihren Körper, ihre Gesundheit und mögliche Karriere zu bestimmen. Diese Fach-und Sachinformationen können betroffene Frauen nur von der Fachfrau/mann bekommen. Die eigentliche Schwangerschaftsunterbrechung ist nicht Gegenstand des § 219a. Schaut man sich die Geschichte der besagten Rechtsnorm an, landet man im Deutschland der NS-Zeit.

In dem Sinne, herzlichen Glückwunsch zum Dodo. Ich bin der Überzeugung, dass es nicht bei dem einen bleibt.