Zukunftslabor Lindau 2019: „Es reicht nicht, was bisher erreicht wurde“

Wolfgang Ketterle auf der Nobelpreisträgerung 2019 Bild: Christian Flemming

Die 69. Nobelpreisträgertagung am Bodensee war so kämpferisch aufgelegt wie selten. Für die Wissenschaft geht es ums Ganze: gegen Populismus und Demagogie. Physik, das Thema des Treffens, trat aber nur kurzzeitig in den Hintergrund, 580 Jungforscher aus 89 Ländern sorgten dafür, dass der Blick nach vorne ging.

Von Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Man kann die Sippe, die seit nun fast siebzig Sommern Jahr für Jahr in einem Inseldorf am Bodensee zusammengetrommelt wird, als einen höchst ungewöhnlichen, höchst elitären Menschenstamm begreifen. Man kann es aber auch wie Brian Schmidt sehen. Er ist Australier, Physik-Nobelpreisträger von 2011, und er hat auf dieser 69. Lindauer Nobelpreistragung in einer faszinierenden Eröffnungsrede den „Stamm“ der Wissenschaftler aufgerufen, alles zu tun, den Rest der Gesellschaft wieder an das gemeinsame Lagerfeuer zurückzuholen – auch die Ignoranten, Andersmeinenden und vor allem die Demagogen und „politischen Kräfte, die unsere Welt zerstören wollen“.

Gut 580 ausgewählte junge Wissenschaftler aus sage und schreibe 89 Ländern (Rekord!) hörten ihm ehrfürchtig zu, und auch die 39 Nobelpreisträger in der Inselhalle hingen an Schmidts Lippen. Denn was der Kosmologe zu sagen hatte, der sich inzwischen auch als politischer Anwalt der aufgeklärten Welt versteht, hatte etwas von einer Ruckrede. „Wir müssen es irgendwie schaffen“, sagte Schmidt, zusammen mit allen eine Zukunft zu bauen, „in der man Wissenschaft und Evidenz wieder vertraut.“ Schon Bettina Gräfin Bernadotte, Gastgeberin des Laureatentreffens, gab in ihrer Rede dieser Sehnsucht eine Stimme. Den antiwissenschaftlichen Strömungen müsse etwas Überzeugendes entgegengesetzt werden. „Es reicht nicht, sich mit dem zufrieden zu geben, was erreicht ist“, sagte die Gräfin mit Blick auf die vielen Nachwuchstalente. Ja, die Zeiten sind ganze besondere.

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Richard Dawkins on Poetry

Richard Dawkins, Screengrab

The evolutionary biologist reads Robert Frost.

By Michael Segal | Poetry on NAUTILUS

In some ways, Richard Dawkins has been thinking about contingency for most of his life.

The book that catapulted him to fame, The Selfish Gene, is about one kind of contingency, which shapes genetic codes and chooses winning species (and genes). This contingency is nested in many others. In his memoir, An Appetite For Wonder, Dawkins imagines a dinosaur that would have caught and eaten the shrew-like ancestor of all mammals, had it not sneezed. “We all can regard ourselves as exquisitely improbable,” he writes.

Then there are the contingencies of an individual life. Is it true, Dawkins wonders, that “the course of a named individual’s life is sucked back, magnetically, into predictable pathways, despite the Brownian buffetings of sneezes and other trivial, or not so trivial, happenings?” Would Dawkins still have been Dawkins, had he been raised in a religious household? If he’d had different tutors?

In this video, Harvard poetry professor Elisa New sits Dawkins down in a lush field outside the Aspen Institute and talks to him about the most famous American poem on the topic of contingency, Robert Frost’s “The Road Not Taken.” The conversation was recorded as part of New’s initiative, Poetry in America, which brings poetry into classrooms and living rooms around the world.

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Pseudowissenschaft und Verschwörungstheorie

Symbolbild. Bild: hippo by swatts

Welches sind die Gemeinsamkeiten verschiedener pseudowissenschaftlicher Strömungen?

AG Evolutionsbiologie

Aus Japan erreichen uns Meldungen über die Erfolge von Impfgegnern. Diese seien hier zum Anlass genommen, die Gemeinsamkeiten zwischen unterschiedlichsten pseudowissenschaftlichen Strömungen zu erörtern.

Kreationismus ist gegenwärtig in den Industrienationen beileibe nicht die einzige wissenschaftsfeindliche Strömung. So ist es mehr als erstaunlich, dass in modernen Bildungsgesellschaften dutzende pseudowissenschaftliche Ideengebäude und Verschwörungsmythen kursieren. Um nur einige Beispiele zu nennen: 9/11-Verschwörung, Astrologie, Bachblütentherapie, Chemtrails, Impfkritik, klassische Anthroposophie, Homöopathie, Klimawandel-Leugnung, Kreationismus, Mondlandungskritik, Numerologie, Prä-Astronautik, Radiästhesie,  Rutengängerei, (siderisches) Pendeln, Schüssler-Salz-Therapie, UFOlogie.

All diese Strömungen haben bemerkenswerte Gemeinsamkeiten: Sie beharren auf längst widerlegten Positionen, postulieren nicht nachweisbare Kräfte, stellen unbewiesene Behauptungen auf oder berufen sich auf falsche Fakten. Des Weiteren zitieren sie selektiv nur diejenigen wissenschaftlichen Ergebnisse, die in ihr Gedankengebäude zu passen scheinen, und ignorieren den großen Rest. Die Nicht-Anerkennung ihrer Positionen begründen sie mit einer Verschwörung des (wissenschaftlichen oder politischen) Establishments. Teils wird neben krudem Verdrehen wissenschaftlicher Fakten immer wieder auch auf Zitat(ver)fälschungen[1] zurückgegriffen.[2]

Besonders erschreckend ist dabei, dass ein erheblicher Anteil (oft sogar die Mehrheit der Bürger) auch in Bildungs-/Industrienationen mindestens einer dieser Ideen anhängt. Die Gründe dafür dürften komplex sein: Ein wichtiger Aspekt ist sicherlich die immense Komplexität unseres Wissens, das von keinem Menschen mehr annähernd überschaut werden kann. Pseudowissenschaften bieten hier simple und gut zu verstehende Alternativen.[3] Hinzu kommt die Tatsache, dass das „Weltgeschehen“ ebenso kompliziert und unüberschaubar geworden ist. Wie kommt es zu den Zyklen von Wirtschaftskrisen? – um nur ein einziges Beispiel zu nennen. Auch hier bieten Pseudowissenschaften und Verschwörungsmythen einfache und griffige Gegenentwürfe.[3]

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Vom Ende der Existenz

Franz Josef Wetz
Tot ohne Gott
Verlag: Alibri, Aschaffenburg 2019
ISBN: 9783865692498 | Preis: 20,00 €

Wie können nichtgläubige Menschen mit dem Sterben umgehen? Eine philosophische Reflexion.

Von Arne Baudach | Spektrum.de

»Wir werden alle sterben« ist nicht nur ein beliebter Videocast zweier Spektrum-Mitarbeiter, sondern auch ein unentrinnbares Faktum, mit dem wir uns früher oder später auseinandersetzen sollten. Der Philosoph Franz Josef Wetz bietet in diesem Buch reichlich Gelegenheit dazu. Dabei wendet er sich vor allem an jene, die Göttern oder anderen übernatürlichen Instanzen nichts abgewinnen können. Wetz, der naturalistische Positionen vertritt, lässt neben seinen eigenen Reflexionen viele Denker zu Wort kommen, die sich dem Thema über die Jahrhunderte hinweg gewidmet haben.

Dankenswerterweise verzichtet der Autor auf philosophischen Fachjargon und lockert den düsteren Stoff immer wieder mit Sequenzen aus den zitierten Originaltexten auf. Er möchte sein Buch als »Aufklärungs- und Trostschrift mit hoher lebenspraktischer Relevanz« verstanden wissen. Menschen, die ein empirisch-naturwissenschaftliches Weltbild bevorzugen und dieses konsequent zu Ende denken möchten, lässt sich der Band empfehlen. Ihn zu lesen, kostet allerdings Zeit und Kraft. Innerlich für das Thema Sterben »bereit zu sein«, ist dennoch keine Voraussetzung für eine gewinnbringende Lektüre. Bestenfalls stößt das Lesen eine konstruktive Auseinandersetzung damit an.

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Antivegane Religioten

Colin Goldner, ©brightsblog

Und schon wieder erschien ein Artikel auf dem hpd, der sich um das Thema „Veganismus“ dreht. Sehr zum Missfallen all jener Leserinnen und Leser, die es lieber sähen, wenn der hpd bei seinen „Kernthemen“ bliebe, sich also mit Atheismus, Religionskritik, Trennung von Staat und Kirche und dergleichen befasste, anstatt in nachgerade sektenhaft anmutendem Glaubenseifer vegane Ernährung zu einer Art Ersatzreligion zu stilisieren.

Colin Goldner | hpd.de

Ich selbst, der ich vor knapp einem Jahr in einem Artikel „Vegan Religion?“ eben diesen Vorwurf aufgriff und dabei in einem Nebensatz erwähnte, seit gut 25 Jahren vegan zu leben, musste mich von einem Leserbriefschreiber belehren lassen, dass die „eifrigsten Veganverfechter“, zu denen er offenbar auch mich zählt, „nicht wahrhaben wollen oder können, dass ihre Ideologie deutliche Züge einer missionarischen Heilslehre zeigt“; ganz abgesehen davon, dass „all die hier immer wieder auftauchende penetrante Werbung in veganer – und somit in letzter Konsequenz inhumaner – Sache nervt.“ Anderweitig erboste sich ein Leser, dass schon wieder „Veganismus“ thematisiert werde, obwohl doch kürzlich erst „massenhaft dagegen Einspruch erhoben wurde, dass ein dem Rationalismus verpflichtetes Forum ständig dafür mißbraucht wird, für eine sektenähnliche Minderheit Propaganda zu machen“. Echt jetzt? Der hpd als Plattform für eine Art Vegansekte, die in penetrant-missionarischer Manier Propaganda macht für ihre irrational-inhumane Minderheitensache?

In der Tat scheinen die Artikel Daniela Wakoniggs, Armin Pfahl-Traughbers, Falko Pietschs und anderer zum Thema „Veganismus“ einen Nerv zu treffen, was sich nicht zuletzt an der jeweils überdurchschnittlich hohen Zahl an Leserzuschriften zeigt, die die Redaktion erreichen; einschließlich einer überdurchschnittlich hohen Zahl an Beschwerden, dass ausgerechnet in einem säkularen Medium wie dem hpd (quasi-)religiös besetzte Unsinnsthemen wie „Veganismus“ – oder in weiterem Sinne: Beiträge zu Tier- Arten-, Natur- und Klimaschutz – sich breitmachten.

Beyond Meat

Als hpd-Autor Sebastian Hackauf unlängst über den Megahype berichtete, den der rein pflanzliche „Beyond Meat“-Burger in den USA auslöste – ein fleischloses Burger-Pattie, das in Aussehen, Textur und Geschmack von echtem Fleisch kaum mehr zu unterscheiden ist – beklagte sich einer der Dauerleserbriefeschreiber darüber, auf hpd immer wieder parareligiös verkleisterte oder schlicht antihumanistische Veganpropaganda lesen zu müssen, nach dem Motto: „Werdet gefälligst vegan oder wir unterstützen euch nicht mehr! Unterstützt gefälligst die Tierrechte oder wir unterstützen keine Menschenrechte mehr! Wer Tiere nutzt, ist ein Nazi!“

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6 things I wish people understood about atheism in America

Born Again Atheist Badge“ by BirchallDanny~commonswiki / Public Domain

The first time I remember openly identifying as an atheist was when I announced to my high school freshman English class that I didn’t believe in God. Later that day in gym, I broke my collarbone playing dodgeball. Was it God’s revenge for my blasphemy? I didn’t think so, but for a while there, I kept my atheism on the down low just in case.

By Jay Wexler | Richard-Dawkins-Foundation

Not anymore. Although I have an affinity for Asian religions like Buddhism and Taoism and even have a master’s degree in religious studies from a divinity school, I’ve been an unabashed atheist for my entire adult life. I’ve taught First Amendment law at Boston University for nearly 20 years, am a strong supporter of the separation of church and state, and have recently published a book called Our Non-Christian Nation, which is about how atheists and other minority groups are demanding their equal place in public life alongside the Christian majority.

As part of my research, I traveled around the country and talked to leaders of minority groups to find out how they felt about the Christian dominance of our nation’s public life. I watched an atheist give an invocation before a town board she had previously sued for violating the First Amendment, attended a Veterans Day ceremony held by a pagan priestess who successfully sued the federal government to approve the Wiccan pentacle for placement on national cemetery headstones, and sat on a 9-foot-tall bronze sculpture of a goat-headed occult figure that the Satanic Temple wants to put up on government property someday.

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Edward O. Wilsons Lebenswerk: Kribbeln, krabbeln, kooperieren

Alles fürs Nest: Edward O. Wilson mit vergrößerten Objekten seiner Forschung Bild: Getty

Vom Sozialleben der Ameisen zur Entschlüsselung der menschlichen Natur: Dass sich der Begriff „Biodiversität“ durchgesetzt hat, ist nicht zuletzt dem Biologen Edward O. Wilson zu verdanken. Jetzt wird er 90 Jahre alt.

Von Helmut Mayer | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Es ist eher ungewöhnlich für einen Biologen, ein Buch des Titels „Der Sinn des menschlichen Lebens“ vorzulegen. Aber Edward O. Wilson ist nun einmal ein Biologe, der seiner Disziplin Antworten auf Grundfragen zutraut. Denn sie ist es in seinen Augen, die uns zuletzt, wenn tragfähige Einsichten verlangt sind, ein richtiges Bild unserer selbst liefert. Weshalb sie auch zuständig ist, wenn es um die Fragen geht: „Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?“

Es sind die Fragen, einem Gemälde Paul Gauguins entlehnt, die Wilson seinem 2012 erschienenen Buch „Die soziale Eroberung der Erde“ vorangestellt hat. Sein Untertitel lautet „Eine biologische Geschichte des Menschen“, und er war Programm. Es galt, die auf biologischem Terrain vertrauten Erklärungen evolutionärer Prozesse möglichst weit in die Kulturgeschichte der Menschheit hinein zu verlängern. Die Ameisen spielen dabei, wie es sich beim Doyen der Erforschung sozialer Insekten und insbesondere der Ameisen fast von selbst versteht, eine wichtige Rolle. Denn sie wie wir haben den im Tierreich seltenen Übergang zu sozialen Lebensformen gefunden, weshalb sich an ihnen Mechanismen sozialer Koordination gleichsam aus der Außenperspektive betrachten lassen.

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Skeptiker-Konferenz: Mondlandung ein Fake? Wissenschaftler entkräften Verschwörungstheorien

Ist der Mann auf dem Mond nur eine Fälschung? Wissenschaftler wie der Kernphysiker Holm Hümler versuchen, solche Verschwörungstheorien zu widerlegen. Bild: nasa.dpa

Verschwörungstheorien werden immer beliebter. Bei der „Skepkon“ treffen sich Wissenschaftler, die solche Mythen entkräften wollen. Was hilft gegen Panikmache?

Von Veronika Lintner | Augsburger Allgemeine

Falls noch in diesem Jahr der Vesuv explodieren sollte, magnetische Pole und Erdplatten sich ruckartig verschieben, der Planet kippt und Menschen millionenfach ins Unglück stürzen – dann hatte die Apokalyptikerin Rose Stern wohl doch recht. Aber: „Das ist alles sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich“, sagt die Geowissenschaftlerin Lydia Baumann. Die junge Doktorandin aus Hamburg steht in Augsburg auf der Bühne, vor fachkundigem Publikum. Geduldig, mit Diagrammen und Karten, widerlegt sie die Untergangstheorie, die Stern eben noch in einem Interviewclip auf der Leinwand des Saals verkündet hatte.

Magnetische Polwanderungen sind normal, erklärt Baumann. Sie geschehen, wenn es schnell geht, innerhalb von mehreren hundert Jahren – oder aber binnen Jahrmillionen. Und die Folgen für die Menschheit? Höchstens kleine Funkstörungen in unserer digitalen Infrastruktur. Die Apokalypse ist abgesagt. Und die „Skepkon“ hat soeben begonnen.

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Humboldts 250. Geburtsjahr – „Die Natur muss gefühlt werden“

Quelle: AP

2019 feiert der weltberühmte Naturforscher Alexander von Humboldt seinen 250. Geburtstag. Er war seiner Zeit weit voraus und warnte schon damals vor der zerstörerischen Menschheit.

Von Andrea Wulf | ZDF.de

Es wird in diesem Juniläumsjahr Veranstaltungen und Konferenzen in Deutschland geben, genauso wie in Südamerika und den USA – aber nichts Vergleichbares zu den Feierlichkeiten anlässlich der Hundertjahrfeier von Humboldts Geburtstag, am 14. September 1869. Schon damals war der Forscher ein Weltstar: Es gab Partys in Europa, Afrika und Australien, genauso wie in Nord- und Südamerika. 80.000 Bewunderer kamen allein in Humboldts Geburtsstadt Berlin zusammen und 25.000 Menschen marschierten damals durch die Straßen von Manhattan.

Humboldt war ein Visionär, der sowohl Wissenschaftler beeinflusste, als auch Künstler, Dichter und Politiker. Charles Darwin erklärte, dass Humboldt der Grund war, weshalb er überhaupt an Bord des Forschungsschiffs Beagle gegangen war. Goethe erklärte, dass ein paar Tage mit Humboldt so lehrreich waren, „als hätte ich Jahre verlebt“ und Thomas Jefferson sprach von ihm als „dem größten Gelehrten seines Zeitalters“. Nach Humboldt sind heute mehr Plätze, Pflanzen und Tiere benannt als nach irgendjemand sonst – vom Humboldtstrom zu den Humboldtpinguinen. Sogar eine Region auf dem Mond trägt seinen Namen.

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Dr. Michael Shermer — “Are the Miracles of Jesus Unbelievable?” Debate Postmortem

In this AMA special Dr. Shermer conducts a postmortem on his debate with the evangelical Christian theologian Luuk van de Weghe, with Windmill Ministries, before an audience of about 400 people, the vast majority of which were evangelicals.

Skeptic „Science Salon“

Dr. Shermer argues in the affirmative to the debate proposition that the miracles of Jesus are unbelievable. In this postmortem Dr. Shermer elaborates on his notes for the debate, suggesting ways to think about miracles from a scientific or naturalistic perspective.

Schöner Streiten mit Christopher Hitchens

In den USA und Großbritannien bekannt wie ein Popstar: der 2011 verstorbene Religionskritiker und Journalist Christopher Hitchens. (picture alliance / dpa / Peter Foley)

Umstrittene Polemiken gegen jene, die Macht hatten und sie missbrauchten: Das Vermächtnis des 2011 verstorbenen britisch-amerikanischen Autors und scharfen Religionskritikers Christopher Hitchens ist auch ein Plädoyer für eine andere Debattenkultur.

Von Jana Wuttke | Deutschlandfunk Kultur

Unsere Redakteurin Jana Wuttke kann nachts manchmal nicht schlafen, dann schaut sie sich auf Youtube Videos an. In einer dieser Nächte stößt sie auf Videos von Auftritten des britisch-amerikanischen Journalisten Christopher Hitchens, der neben Sam Harris, Daniel Dennett und Richard Dawkins als Vertreter des „neuen Atheismus“ gilt. Sie beginnt eine imaginäre Diskussion mit dem 2011 verstorbenen Religionskritiker, der in der angelsächsischen Welt wie ein Popstar gefeiert wurde, in Deutschland aber kaum bekannt ist.

„Ich wurde in eine himmlische Diktatur hineingeboren, die ich mir nicht aussuchen konnte. Ich begebe mich nicht freiwillig unter ihre Herrschaft. Mir wird erklärt, dass sie mich sehen kann, wenn ich schlafe. Mir wird gesagt, – und das ist die Definition des Totalitarismus – dass sie mich für Verbrechen der Gedanken, für das, was ich denke, verurteilen und verdammen kann. Und dass, wenn ich etwas Gutes tue, dies nur tun würde, um dieser Bestrafung zu entgehen. Wenn ich dagegen etwas Falsches mache, werde ich nicht nur unabwendbar zu meinen Lebzeiten dafür bestraft, sondern sogar nachdem ich gestorben bin.“
(Christopher Hitchens, 2007)

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So viel zahlt der Staat für die Kirche

Bild: tilly

Die Stadt Trier zahlt noch heute Zinsen an die Kirche für einen 430 Jahre alten Schuldschein. Dabei geht es um eine vergleichsweise geringe Summe – betrachtet man mal genau, wo der Staat die Kirche überall unterstützt.

SWR Aktuell

Die Gesamtkosten für die staatlichen Leistungen an die Kirche beliefen sich auf etwa 520 Millionen Euro im vergangenen Jahr, wie eine Umfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur in allen 16 Bundesländern ergab.

2017 gingen an die katholische Kirche laut Deutscher Bischofskonferenz zirka 6,4 Milliarden Euro an Einnahmen aus der Kirchensteuer und an die Evangelische Kirche in Deutschland rund 5,7 Milliarden Euro. Der Prozentsatz, den die Länder für den Verwaltungsaufwand von der Kirchensteuer einbehalten, schwankt. Er liegt bei zirka 3 Prozent.

Kirche und Staat historisch eng verwoben

Für den Religionskritiker Michael Schmidt-Salomon von der Giordano-Bruno-Stiftung hat dieser Status quo mehrere Gründe: „Erst in den 1970er Jahren begann die Gesellschaft, sich mit der Säkularisierung, also der Trennung von Kirche und Staat, auseinanderzusetzen.“ Außerdem seien viele Politiker, zum Beispiel im Bundeskabinett, selbst Kirchenmitglieder.

Als ganz aktuelles Beispiel nennt Schmidt-Salomon die SPD: Die Sozialdemokraten weigerten sich, einen offiziellen Arbeitskreis, der die Staatsleistungen an Kirchen abschaffen will, zuzulassen.

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Ist die deutsche Politik in einer religiösen Filterblase gefangen? / Podiumsdiskussion und Vorstellung der „säkularen Buskampagne 2019“ am 6. April in Berlin

Die jüngsten Angriffe der SPD-Führung auf die „säkularen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten“ haben wieder einmal gezeigt, dass die Interessen konfessionsfreier Menschen in Deutschland sträflichst ignoriert werden.

DER TAGESSPIEGEL

Über die religiöse Filterblase der deutschen Politik wird am kommenden Samstag, dem 6. April, ein hochkarätig besetztes Podium im Meistersaal am Potsdamer Platz diskutieren. Mit von Partie ist die ehemalige SPD-Spitzenpolitikerin Ingrid Matthäus-Maier, eine der führenden Repräsentantinnen des säkularen Flügels der deutschen Sozialdemokratie.

Die Verurteilung der Ärztin Kristina Hänel hat viele Menschen dazu gebracht, auf die Straße zu gehen, um gegen die Gängelungen des § 219a StGB und für eine Stärkung der Selbstbestimmungsrechte ungewollt schwangerer Frauen zu demonstrieren. Doch § 219a ist kein Einzelfall: Es gibt in Deutschland unzählige Gesetze, welche die Freiheiten der Bürgerinnen und Bürger aufgrund von überkommenen religiösen Normen einschränken, obwohl dies gegen fundamentale Bestimmungen der Verfassung verstößt.

Die Podiumsdiskussion „Wem gehört der Staat?“ bildet den Auftakt für die Aktivitäten der Giordano-Bruno-Stiftung zum Schwerpunktthema 2019 „70 Jahre Grundgesetz – 100 Jahre Verfassungsbruch“. In diesem Zusammenhang wird es auch zu einer Neuauflage der „säkularen Buskampagne“ kommen, die 2009 unter dem Motto „Gottlos glücklich“ für Schlagzeilen sorgte. Motto und Konzept der diesjährigen Buskampagne sollen im Rahmen der Veranstaltung am 6. April erstmals vorgestellt werden.

Neben Ingrid Matthäus-Maier, die schon in den 1970er Jahren für eine Abschaffung der Kirchenprivilegien kämpfte, werden an der Podiumsdiskussion Experten mitwirken, die sich in besonderer Weise für den säkularen Verfassungsstaat eingesetzt haben, nämlich der Politikwissenschaftler Carsten Frerk, der den christlichen Lobbyismus und die Vermögensverhältnisse der Kirchen wie kein anderer deutscher Forscher aufgedeckt hat, die Juristin Jacqueline Neumann, die als Koordinatorin des Instituts für Weltanschauungsrecht (ifw) bundesweite Strafanzeigen gegen kirchliche Missbrauchstäter stellte, sowie der Philosoph Michael Schmidt-Salomon, der als Buchautor und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung entschieden für den weltanschaulich neutralen Staat eintritt. Moderiert wird die Diskussion von Bestsellerautor Philipp Möller, der vor zehn Jahren als Sprecher der säkularen Buskampagne 2009 erstmals öffentlich in Erscheinung trat.

Der Einlass zur Podiumsdiskussion im Meistersaal am Potsdamer Platz (Köthener Str. 38, 10963 Berlin) beginnt um 19.00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Unterstützt wird die Veranstaltung der Giordano-Bruno-Stiftung vom Institut für Weltanschauungsrecht (ifw), der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) sowie von den Evolutionären Humanisten Berlin-Brandenburg (ehbb). Alle Interessierten sind herzlich zur Debatte eingeladen!

Pressekontakt:
c/o Elke Held (gbs)
https://www.giordano-bruno-stiftung.de/content/pressekontakt

Original-Content von: Giordano Bruno Stiftung, übermittelt durch news aktuell

Presseportal-Newsroom: Giordano Bruno Stiftung

Michael Shermer im Interview

Über Religion, Leben nach dem Tod, Skeptizismus & die Zukunft der Menschheit

Von acTVism | Richard-Dawkins-Foundation

In diesem Interview mit Dr. Michael Shermer, Bestsellerautor und Gründer des Skeptic Magazine, sprechen wir über Religion, das Leben nach dem Tod und die Wissenschaft. Darüber hinaus untersuchen wir den Skeptizismus – die Rolle, die er für den Einzelnen spielen sollte, seine Grenzen und warum er für die Gesellschaft wichtig ist. Schließlich diskutieren wir, warum die Linke so zögerlich ist, wenn es darum geht, Religion konstruktiv zu kritisieren, und warum Wissenschaftspädagogen es vermeiden, die Entwicklung des kritischen Denkens mit der Wirtschaft und der Zukunft der Menschheit in Verbindung zu bringen.

Um die vollständige Abschrift zu diesem Video zu lesen, klicken Sie bitte hier.

Video mit deutschem Voiceover.

Michael Shermer ist Buchautor, Gründer und Herausgeber des „Sceptic Magazine“ und schreibt für die Zeitschrift „Scientific American“. Im November 2018 erschien die deutsche Ausgabe von „The Moral Arc“: Der moralische Fortschritt

Empathy, Morality, Community, Culture—Apes Have It All

Image: Illustration by John Hendrix/NAUTILUS

Primatologist Frans de Waal takes exception with human exceptionalism.

By Steve Paulson | NAUTILUS

Frans de Waal calls his new book Mama’s Last Hug in reference to an emotional encounter between Mama, a 58-year-old chimpanzee, and Jan van Hooff, an 80-year-old biology professor. Mama is frail and near death when Van Hooff, who had overseen her care for decades, enters her cage at Burgers Zoo in the Netherlands. Mama smiles and Van Hooff bends toward her. She strokes his white hair and drapes one of her arms around his neck, patting the back of his head with her long fingers. “This was typical Mama,” writes De Waal, who had long observed the chimpanzee. De Waal gave her the name Mama because of her matriarchal position. “She had the air of a grandmother who had seen it all and didn’t take nonsense from anybody,” De Waal writes. “I had never sensed such wisdom and poise in any other species but my own.” When Van Hooff entered Mama’s cage, “she must have sensed Jan’s trepidation about invading her domain, and she was letting him know not to worry. She was happy to see him.”

The touching scene between Mama and Van Hooff has been viewed over 10 million times on YouTube. Clearly it has struck a deep emotional chord in people, no doubt because of the joy and tenderness that the chimpanzee displays at the end of her long life. De Waal, who runs Living Links Center at the Yerkes National Primate Research Center in Atlanta, uses the scene to open his investigation into the emotions of animals, from primates to dogs to rats. “Let me start off with a radical proposal: emotions are like organs,” he writes. “They are all needed, and we share them with all with other mammals.” Those who are familiar with De Waal’s research know the proposal is not so radical, as the primatologist has for decades been showing humans that we are not as special as many of our species seem to think we are. The title of his previous book offers a keen summary of his outlook: Are We Smart Enough to Know How Smart Animals Are?

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Über die „Dritte Kultur, Brights und Legenden – man sollte Schweigen, bei Ahnungslosigkeit

Die „Süddeutsche Zeitung“ druckt Beiträge der atheistischen Gruppe „Dritte Kultur“ zur Künstlichen Intelligenz nach.

Von Alexander Riebel | Die Tagespost

Wer zu den Brights gehört, scheint einfach einen Vorsprung zu haben. Die hellen Köpfe stehen nicht nur in der Tradition der Aufklärung, viel mehr noch treiben sie diese aktiv voran: Noch weniger Religion, noch mehr Technik. Nur waren das nicht die Ziele der Aufklärung – Kant etwa hielt gegenüber seinen französischen Kollegen an Gott, Seele und Unsterblichkeit fest, und die Technik war ihm gerade nicht das Zeichen für den Fortschritt der Menschheit, sondern das war für ihn allein die Entwicklung der Rechtsprinzipien. Die Brights wollen also etwas Neues gegenüber der Aufklärung, nämlich eine verschärfte Sicht der Dinge, die sich ihre eigene Tradition schafft. Dazu gehört auch eine eigene Legendenbildung. Nicht nur die „Süddeutsche Zeitung” holt diese Ideen jetzt verstärkt nach Deutschland, bereits der frühere FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher hatte engen Kontakt zu dem Kreis und dessen Ideen ins Blatt gebracht.

Die Brights sind mit ihrer „Dritten Kultur“, ihrer Verbindung von Natur- und Geisteswissenschaft, seit 1996 auf der Internetseite Edge.org mit Debattenbeiträgen zur biologischen und kulturellen Evolution, zu Maschinenmenschen, Psychoanalyse, Bewusstseinstheorien oder zur Künstlichen Intelligenz.

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Achtbeinige Genies

Nicht identifizierte Springspinnenart (Eventuell eine nicht ausgewachsene Thiodina sylvana). Bild: USGS / CC-BY-2.0

Oktopoden und Spinnen faszinieren mit hoher Intelligenz, die aus völlig andersartigen Gehirnen entsteht

Konrad Lehmann | TELEPOLIS

Ob es an den Beinen liegt? Vermutlich nicht. Aber ein unbefangener Beobachter – etwa von einem fremden Planeten -, der ergründen wollte, welche Tiere besonders intelligent sind und warum, könnte allerlei Korrelationen aufstellen und zum Ergebnis kommen, dass, sobald man das Reich der Wirbeltiere verlässt, die Intelligenz ihr Maximum bei acht Beinen erreicht: Oktopoden und Spinnen.

Tatsächlich wird das wohl Zufall sein. Ein anderer Zusammenhang ist schlüssiger. Vegetarier müssen jetzt ganz tapfer sein, aber es ist so: Schaut man sich im Tierreich um, dann sind die Jäger meist heller als die Pflanzen- (und Plankton-)fresser. Zahnwale übertreffen die Bartenwale (von Seekühen ganz zu schweigen), Wölfe die Schafe, Würfelquallen die Ohrenquallen, Raben die Hühner. Das liegt einfach an den unterschiedlichen Anforderungen der Nahrungsgewinnung. Eine grüne Weide braucht man nicht zu umzingeln, Krill muss man nicht austricksen, an einen reifen Apfel muss man sich nicht anpirschen, und es ist auch nicht nötig, aufzupassen, dass der Grünkohl einen nicht sieht. Es ist die Jagd, die Strategiebildung, Vorausschau und Perspektivwechsel fordert.

Doch es sind die Achtbeiner unter den Jägern, die am meisten faszinieren. Sie gleichen Aliens, die mitten unter uns leben; unabhängig evolvierte Intelligenzen, deren letzter gemeinsamer Vorfahr mit uns vor rund 560 Millionen Jahren lebte – oder noch früher – und so einfach strukturiert war, dass ein Regenwurm im Vergleich dazu wie Einstein wirkt. Aus ein paar über den Körper verteilten Nervenbahnen und einem Augenfleck entstand mehrfach ein leistungsstarkes Gehirn, das seine Umwelt mit mehreren Sinnen erfassen, lernen, Pläne schmieden und erinnern kann.

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Philosoph Schmidt-Salomon: Mit Humanismus gegen moralischen Starrsinn

Der Philosoph Michael Schmidt-Salomon plädiert für mehr Gelassenheit in aufgeheizten Zeiten. (picture alliance / dpa / M. C. Hurek)

Weltweit sind Fundamentalisten auf dem Vormarsch und auch hierzulande prägen oft unversöhnliche Gegensätze die Debatte. Was dagegen hilft? Moralische Gelassenheit und ein „evolutionärer Humanismus“, so der Philosoph Michael Schmidt-Salomon.

Moderation: Joachim Scholl | Deutschlandfunk Kultur

Entspannt euch!, rät Michael Schmidt-Salomon in seinem neuen Buch. Dahinter steckt aber kein Wellness-Ratgeber, sondern ein umfassendes Denkgebäude. Denn der Philosoph und Pädagoge ist schon lange überzeugt: Humanismus ist das beste Rezept gegen ein weltweites Problem der Gegenwart: gegen moralischen Dogmatismus. Bereits vor fünfzehn Jahren hat er mit seinem „Manifest des evolutionären Humanismus“ einen Bestseller gelandet. Einige seiner Thesen hat er nun zu einer „Philosophie der Gelassenheit“ weiter entwickelt.

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Personhood & Abortion Rights: How Science Might Inform this Contentious Issue

Image: Skeptic

Although it has been 45 years since Roe v. Wade was decided by the Supreme Court of the United States (SCOTUS), abortion continues to be a highly controversial and polarizing issue within the body politic.

By Gary Whittenberger | Skeptic

At the two ends of the continuum are the radical pro-life and radical pro-choice advocates. The radical pro-life position is that from the moment of conception the human organism is a person that should have full human rights, including the right to life, and these rights should be fiercely protected by the state. On the other side, the radical pro-choice position is that the pregnant woman already has full human rights, including the right to bodily autonomy, and that she can freely decide to end her pregnancy at any time she wishes for any reason at all. Many pro-lifers view the zygote—the one-celled human organism resulting from fertilization—as sacred, and believe that causing the death of the zygote, embryo, or fetus, either directly or indirectly, is murder. By contrast, the pro-choicers believe that the organism becomes a person only after it leaves the womb and becomes disconnected from the life support of the mother. The main purpose of this essay is to articulate a third position that falls between these two extremes. Call it the “pro-person” position. Although it leans more towards the pro-choice stance, it has a much stronger philosophical and scientific foundation.

Most of us would agree that all persons should be assigned the full spectrum of human rights, e.g. rights to life, bodily autonomy, property, etc. But what is a person anyway? When does the human organism developing inside a woman become a person? Traditionally, the answer was left to theologians and religious leaders. The prevailing view during the time of Aristotle was that the human soul entered the forming body at 40 days in male embryos and at 90 days in female embryos.

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Almost a third of Brits STILL don’t believe Charles Darwin’s theory of evolution

A significant number of Brits do not believe humans evolved from apes as Charles Darwin theorised

By Ruki Sayid | Mirror

If Charles Darwin were still around, it really would make him go ape.

Almost 160 years after he defied the ignorance of his time by publishing the theory of evolution, explaining where humanity comes from, around 31% of us still do not believe it.

A poll to mark Darwin Day today found only 50% are “certain” his theory of natural selection, set out in 1859’s On the Origin of Species, is correct.

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