Hamed Abdel-Samad: Integration? Wohin?

In diesem Teil unseres Gesprächs mit Hamed Abdel-Samad anlässlich seines jüngsten Buches „Integration – Protokoll eines Scheiterns“ geht es um die Illusion, dass man sich nur am Grundgesetz orientieren müsse, und schon könnten sich Migranten integrieren.

Peter Grimm | Achgut.com

Doch statt von Zuwanderern zu fordern, die hiesigen Regeln zu respektieren, verhandeln wir die Grundrechte mit konservativen Islamverbänden. Die fordern unter Verweis auf die Religionsfreiheit von der Gesellschaft die Akzeptanz der Beschneidung vieler anderer Grundrechte, wenn sie nach den Regeln Allahs und seines Propheten geboten ist. Und deutsche Regierungen und Behörden gehen darauf auch noch ein.

Keiner wagt auszusprechen, dass es – so man tatsächlich einen gesellschaftlichen Zusammenhalt statt auseinanderdriftender Parallelgesellschaften haben will – eigentlich um Assimilation gehen muss. Da kommt allerdings auch ein spezielles deutsches Problem hinzu: Wohin sollen sich denn Zuwanderer integrieren? Wie sollen sie sich denn positiv zu Deutschland bekennen, wenn selbiges unter Deutschen offenbar als anrüchig gilt?

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RDF Talk – Joachim Kahl: Klassischer Atheismus, neuer Atheismus

Richard-Dawkins-Foundation

Der Referent, ein prominenter Vertreter des klassischen Atheismus, den er auch gerne als weltlichen Humanismus vorstellt, skizziert die beiden Säulen des Atheismus und greift auf ausgewählte Zitate aus Richard Dawkins´ Bestseller „Der Gotteswahn“ zurück. Das Verdienst des „Neuen Atheismus“ besteht vor allem darin, durch seine steilen Thesen das Interesse an radikaler Religionskritik geweckt zu haben, so dass auch deren stillere, weil differenziertere Spielarten mehr Aufmerksamkeit zuteilwird. Ein Abend der Denkanstöße.

Über den Autor:

http://www.kahl-marburg.privat.t-online.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Kahl

Atheistischer Verleger in Bangladesch ermordet: »Er hat dem Säkularismus sein Leben gewidmet«

Am Montag wurde der Verleger und Politiker Shahzahan Bachchu in Munsiganj nahe der bangladeschischen Hauptstadt Dhaka ermordet. Bachchu war als säkularer und atheistischer Autor und Aktivist bekannt.

Von Frederik Schindler | jungle world

In dem von ihm gegründeten Verlag »Bishaka Prakashani« wurden Gedichte und Bücher veröffentlicht, die Humanismus und Freidenkertum zum Thema hatten. Zudem war er aktiv in der Kommunistischen Partei Bangladeschs aktiv, beispielsweise als Generalsekretär des Stadtverbands aus Munsiganj.

Vier Männer auf zwei Motorrädern schossen auf den 60-jährigen Verleger, der sich gerade vor einer Teestube in seinem Heimatdorf aufhielt. Nach Schüssen auf den Rücken starb Bachchu noch am Ort des Angriffs. Zudem wurden zwei Rohbomben geworfen, um die umstehenden Passanten einzuschüchtern und um den Rückweg freizuhalten.

Durba Zahan, eine Tochter des Verlegers und ebenso atheistische Aktivistin, bestätigte den Mord auf Facebook: »Mein Vater wurde heute in unserem Dorf mit zwei Schüssen getötet.« »Die Art der Durchführung des Mordes und der Hintergrund des Opfers deuten stark darauf hin, dass trainierte Mitglieder von radikalen Gruppen verantwortlich sind«, sagten in den Fall eingebundene Polizisten der bangladeschischen Tageszeitung The Daily Star.

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Michael Müller: Dodo des Monats Mai 2018

Dodo des Monats Mai 2018 ©HFR

Der Tourismus deutscher Politik in den Vatikan bestimmte in den letzten Tage die Schlagzeilen. In Reisegruppenstärke standen sie vor dem heiligen Stühlchen und versuchten Zipfel der Scheinheiligkeit des absolutistisch regierenden Kirchenfürsten zu erheischen. Nie wird der Anachronismus deutlicher, hier demokratisch gewählte Politiker, dort klerikaler Absolutismus. Man will die Bilder nicht sehen, wenn Ministerpräsidenten, regierende Bürgermeister wie hechelnde, subalterne Beamte dem höfischen Chor der Schmeichler einstimmen. Wer den Papst in den Arsch kriecht kann nicht mehr leuchten und so verglüht Politprominez im Gestank der römischen Kurie. Der sprücheklopfende Pappa und die in leeren Worthülsen denkende Politik.
Die römische Spukgestalt interessiert sich nicht für Wählerwillen, parteiliche Programmatik, ihr geht es um die Konsolidierung, den Ausbau und die Entwicklung der institutionellen Macht seiner Paladine, da eine katholische Fakultät, an einer staatlichen Universität, dort die Rekonstruktion eines Kirchleins, für die der Steuerzahler aufkommen muss.
7,1% der in den Regionen des Erzbistums Berlin lebenden Bevölkerung sind katholisch. Von 5,8 Millionen Einwohnern sind ganze 412.000 Katholiken. Die Party der katholischen Kirche bezahlen alle, ohne jedwedes Gefühl für Scham greift man in die Töpfe staatlicher Kassen. Die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft sehen es mit Wohlwollen, die gesellschaftlich geringer werdende Bedeutung des Fossils katholische Kirche interessiert nicht. Die Gemeinschaft aller bezahlt ein Kasperletheater in dem alte Männer die Fäden für die Puppen ziehen und der Pöbel klatscht Beifall.
Nun gar reden Politiker, wie Michael Müller, Erzapostel Koch und der Pappa gar von einem Konkordat, also einem Staatskirchenvertrag zwischen Berlin und dem „Heiligen Stuhl.“
Die Hauptstadt des Atheismus braucht so etwas nicht.
Woelki, Meisners Ziehsohn, legte am 16. August 2011, dem vom Reichkonkordat vom 20. Juli 1933 geforderten Treueid auf den Berliner Senat ab. Ein freiheitlich-demokratisch gewählter Senat lässt sich die Treue, auf der Grundlage eines Nazi-Vertrages, schwören.

Protestant Müller will es regeln, vertraglich, die Notwendigkeit hat er sich einreden lassen und das deutsche Episkopat quietscht vor Vergnügen.
Die alles entscheidende Frage ist, was heißt das in Euro? Die Stadt Berlin hat andere Probleme, als sich einen Zoo seltsam kleidender alter Männer leisten zu können.
Diderot auf unsere heute Zeit angepasst:“ »Die Menschen werden niemals frei sein bis man nicht den letzten Berufspolitiker mit den Eingeweiden des letzten Priesters erdrosselt hat.“

In dem Sinne. Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Gibt es prinzipielle Grenzen in den Naturwissenschaften?

Warum verhalten sich die Dinge gesetzmäßig, woher kommt die „Ordnung“ in der Natur? Warum gibt es überhaupt etwas und nicht nichts? Was ist das „innere Wesen“ der Dinge? Woher stammen Bewusstsein und Geist? In dem Buch Welt ohne Gott? Eine kritische Analyse des Naturalismus (2014) setzt sich der evangelikale Christ Markus WIDENMEYER mit solchen Fragen auseinander.

Martin Neukamm | AG Evolutionsbiologie

Er behauptet, aus Sicht des Naturalismus der Naturwissenschaften seien all diese Fragen nicht nur „radikal unerklärt“, sondern prinzipiell unerklärbar. Er entwickelt daraus Argumente gegen den Naturalismus und behauptet, die einzig rationale Antwort auf diese Fragen sei „Gott“ (bzw. der Supranaturalismus). In diesem Buch bündeln sich die Argumente religiös motivierter Naturalismuskritik; wir wollen es daher in 10 Teilen besprechen. Teil 1 widmet sich der Frage, ob es prinzipielle Grenzen der Naturwissenschaften gibt und ob der Supranaturalismus eine (plausible) Erklärung für sie liefern kann.

Metaphysische Fragen zur Existenz der Welt und Ordnung der Natur

Bei WIDENMEYER lesen wir:

„Die Naturwissenschaft kann die grundlegende Regelmäßigkeit und damit einen wesentlichen Aspekt der Ordnung, die wir in der Natur wahrnehmen, aus prinzipiellen Gründen nicht erklären. Vielmehr ist diese Regelmäßigkeit eine theoretisch-methodische und eine metaphysische Grundvoraussetzung, um überhaupt Naturwissenschaft betreiben zu können.“ (ebd., 103)

„Naturwissenschaft kann … nur dort funktionieren, wo die Natur sich durchgängig hochgeordnet verhält und Gesetzmäßigkeiten folgt. Für das Betreiben von Naturwissenschaft muss also notwendig eine umfassende natürliche Ordnung vorausgesetzt werden, weil nur unter dieser Voraussetzung ihre Gegenstände systematisch beschreibbar sind und nur dann Gegenstände überhaupt denkbar sind. Und was für eine Erklärung vorausgesetzt werden muss, kann im Rahmen dieser Erklärung natürlich nicht selber erklärt werden.“ (ebd., 106)

In der Tat, nur wenige Wissenschaftsphilosophen dürften bestreiten, dass es prinzipielle Erklärungsgrenzen gibt: Das zufällige Zusammentreffen zweier Ereignisse beispielsweise, die auf voneinander unabhängigen Kausalketten beruhen, kann nicht nur nicht erklärt werden, es wäre auch unvernünftig, nach Erklärungen zu suchen. Der Umstand etwa, dass Sonne und Mond dieselbe scheinbare Größe am Himmel haben, ist eine Koinzidenz, für die es keinen Kausalzusammenhang und keine Erklärung gibt (VOLLMER 1986, 66f). Die Existenz jener Strukturen des Kosmos, die einen Urknall erzeugt haben, ist ebenfalls keiner Erklärung zugänglich. Man versucht zwar, mit der Erklärung so weit wie möglich an den Anfang zurück zu gehen, aber irgendwo muss die Ursachenkette beginnen, sonst landet man in einem unendlichen Regress.

Zu der metaphysischen Frage, warum überhaupt etwas existiert und nicht nichts, bemerkt der Wissenschaftsphilosoph Bernulf KANITSCHEIDER (1999):

„Diese berühmte und geheimnisvolle Frage, die schon Martin Heidegger aufgeworfen hat … das ist sicher die letzte Frage der Kontingenz. Sie ist aber aufgrund der logischen Struktur einer Erklärung gar nicht lösbar – aber nicht, weil da ein letztes Mysterium dahintersteckt. Eine Erklärung kann immer nur etwas mit etwas anderem verknüpfen, aber niemals etwas mit nichts. Also gibt es auf diese Frage keine Antwort.“

Das gleiche gilt für die Frage, warum die Dinge konstant miteinander verbundene Eigenschaften haben, die man mithilfe von Naturgesetzen beschreiben kann: Warum verhalten sich die Naturgegenstände gesetzmäßig? Antworten auf diese Fragen kann man nicht geben, weil die Sachverhalte, auf die sich diese Fragen beziehen, zu den metaphysischen Voraussetzungen wissenschaftlichen Erklärens gehören – und als solche können sie nicht Gegenstand des Erklärens selbst sein. Es handelt sich um eine Grundeigenschaft der Welt, die sich nicht weiter hinterfragen lässt, denn der Erklärungsregress muss irgendwo ein Ende haben (MAHNER, pers. comm.).

Kurzum, es gibt Tatsachen, die keine Erklärung zulassen, so genannte facta bruta. Fraglich ist nur, ob man darin einen Mangel des Naturalismus zu sehen hat, wie WIDENMEYER zu glauben scheint, oder ob dies in der Natur der Dinge und in der logischen Struktur des Erklärens selbst liegt. Der Autor fordert von der naturalistischen Wissenschaftsphilosophie etwas ein, was diese explizit als unmöglich erachtet, nämlich die Auflösung von facta bruta. Daher ist seine Kritik am Naturalismus gegenstandslos, weil sie seinem Selbstverständnis widerspricht.

Warum „Gott“ keine vernünftige Antwort auf metaphysische Fragen ist

Noch fraglicher ist, ob der von WIDENMEYER konstatierte Erklärungsmangel durch den Supranaturalismus behoben werden kann: Wenn facta bruta wie die Tatsache, dass es einen gesetzmäßig beschreibbaren Kosmos gibt, schon aufgrund des endlichen Erklärungsregresses nicht auflösbar sind, warum sollte dann ausgerechnet Gott eine befriedigende Erklärung dafür sein? WIDENMEYER:

„Die einzige funktionierende Erklärung für die unvorstellbare Ordnung einer Welt, die ganz exakt so eingerichtet ist, dass es eine hochkomplexe Chemie, mathematisch formulierbare Strukturen und schließlich Lebewesen geben kann, ist … die kreative Konzeption und Erschaffung durch (mindestens) ein äußerst intelligentes Wesen, das auch die Macht besitzt, derartige Pläne zu realisieren.“ (ebd., 198)
Ein omnipotenter Schöpfer löst das Erklärungsproblem auch nicht, sondern verlagert die Erklärung nur einen Schritt weiter nach hinten. Die Theologie kann ja ihrerseits Gott nicht erklären, sieht sich also ebenfalls mit einem factum brutum konfrontiert. Dies scheint auch WIDENMEYER zu realisieren, denn er stellt fest:

„Dass Gott existiert, ist zwar nicht ‚erklärbar‘ im Sinne von ‚aus etwas noch Grundlegenderem ableitbar‘. Das kann auch gar nicht der Fall sein und es wurde von Theisten nie akzeptiert oder gar behauptet.“ (ebd., 203)
„‚Wer schuf Gott?‘ Diese Frage ist zumindest formal gegenstandslos, weil durch die Jahrtausende hindurch Theisten niemals von einem geschaffenen oder entstandenen Gott ausgingen. Dies wäre für ihr Konzept ein Widerspruch in sich. Stattdessen gibt es vielfältige theologische Konzepte eines ewigen, unerschaffenen Gottes, die uns nicht nur aus der Bibel, sondern auch zum Beispiel von den beiden bedeutendsten griechischen Philosophen, Platon und Aristoteles, überliefert sind. Aristoteles formulierte zum Beispiel im 12. Kapitel seiner Metaphysik das Konzept des ‚unbewegten Bewegers‘, also einer unverursachten Ursache. Der Theist antwortet auf diese Frage also einfach so, dass Gott, wie er für ihn relevant ist, sowieso unerschaffen und ewig existent sei, womit die Attacke des Atheisten ins Leere geht.“ (ebd., 200)
Leider scheint er nicht zu erkennen, dass damit auch seine „Attacke“ gegen den Naturalismus scheitert: Warum dürfen die Naturwissenschaftler nicht einen nicht mehr hinterfragbaren, unerschaffenen Grundzustand der Welt als metaphysische Anfangsbedingung voraussetzen, wenn die Theologen einen nicht mehr hinterfragbaren, unerschaffenen Gott als Erklärungsgrund voraussetzen dürfen? Das Voraussetzen eines materiellen Anfangszustandes, dessen Eigenschaften sich hypothetisieren, überprüfen, rekonstruieren, nötigenfalls revidieren (mit einem Wort: erforschen lassen), ist doch allemal erklärungsmächtiger und intellektuell befriedigender als eine fiktive Gott-Entität, die sich nicht zeigt, über die wir nichts wissen und für deren Materie-Interaktion wir keine Mechanismen kennen.

Es kommt hinzu, dass die thomistischen „Vernunftgründe“ für die Existenz Gottes, etwa das Argument vom „unbewegten Beweger“ und „unverursachten Verursacher“ (argumentum ex ratione causae efficientis) [2]
nicht stringent sind: Wenn wir mit der modernen Kosmologie davon ausgehen, dass der ursprünglichste Zustand der Welt eine Art Quantennatur besaß, in der es weder einen Zeitpfeil noch ein Kausalprinzip noch „versteckte Parameter“ zu geben scheint, gibt es auch keine Ursache (Gott), die in einer Zeit davor hätte wirken können. Das Kausalprinzip beschreibt lediglich den Ablauf der klassischen Welt, so dass fraglich ist, ob es im Anfang von Raum und Zeit Gültigkeit besaß (MORRISTON 2000). Die Frage, was „vor“ dem Urknall gewesen sein mag, lässt sich nicht mehr sinnvoll im Rahmen der normalen Raum-Zeit-Kategorien stellen. Lediglich die metaphysische Behauptung, dass ein Gott per Definition weder an raumzeitliche noch an materielle Strukturen gebunden sei, dass er weder räumlich, noch zeitlich, noch endlich, noch materiell, noch gesetzmäßig, noch begrifflich oder methodologisch fassbar sei, könnte WIDENMEYER aus dem Dilemma befreien. Damit aber fielen erst Recht alle rationalen Begründungsstrukturen, alle Vernunftgründe weg, die Gottexistenz für wahr zu halten. Denn die Annahme der Existenz von etwas, das sich weder semantisch einkreisen noch logisch fassen lässt und für dessen Wirken keine objektive Grenze angegeben werden kann, kann schlechterdings nicht für „wahr“ oder „falsch“ gehalten werden. Es gibt einfach keine Evidenz.

Die Schwäche in WIDENMEYERs Argumentation ist also, dass sie nirgendwo zeigen kann, wie der Supranaturalismus zu konkreteren Erkenntnissen oder gar Erklärungen gelangen könnte. Den an sich gestellten Anspruch, einen intelligibleren Lösungsansatz zu präsentieren als den Naturalismus, kann er nicht einlösen. Implizit kann sich der Supranaturalist, um es mit MACKIE (1985, 230) auszudrücken, lediglich auf den Glaubensgrundsatz berufen,

„… dass sich eine geistige Ordnung (wenigstens bei Gott) aus sich selbst erklärt, wohingegen alle materielle Ordnung nicht nur nicht sich selbst erklärt, sondern auch positiv unbegründet ist und einer weiteren Erklärung bedarf.“

Damit aber setzt WIDENMEYER etwas als gegeben voraus, was er nicht belegen kann, sondern einfach nur behauptet. In seiner Diktion liest sich dies so:

„In der relevanten Hinsicht ist aber die Existenz Gottes in sich verständlich, was insbesondere heißt, dass dieser Sachverhalt nicht mit einer sehr geringen a priori-Wahrscheinlichkeit oder gar einer Unmöglichkeit verbunden ist. Damit bleibt die anfangs gemachte Schlussfolgerung bestehen: Die Annahme der Existenz Gottes scheint für ein rationales Konzept der Wirklichkeit alternativlos zu sein.“ (S. 203)
Warum soll ausgerechnet die Existenz Gottes in sich verständlich sein? Wo ist der Beweis dafür? Dem Philosophen Hans ALBERT zufolge scheint ein solcher Nachweis gar nicht geführt werden zu können, weil jeder Versuch einer Letztbegründung in ein unauflösbares Trilemma führt (Abb. 1). Der Versuch, die Selbstverständlichkeit der Gottexistenz zu begründen, führt entweder in einen unendlichen Regress (jede Aussage muss durch weitere Aussagen begründet werden, was praktisch nicht durchführbar ist), zu einem Zirkelschluss (wonach das zu Beweisende bereits vorausgesetzt wird) oder zu einem willkürlichen Abbruch des Regresses (ALBERT 1991, 15). Die Behauptung, Gott sei in sich verständlich (oder a priori wahrscheinlich), kann nur dogmatisch (bzw. definitorisch) vorausgesetzt werden.
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Das kan(ns)t du nicht ernst meinen – der Utilitarismus und seine Unbehagen

Foto: pixabay.com / TeroVesalainen
Würden Sie Ihr eigenes Bein abschneiden, wenn es der einzige Weg wäre, das Leben einer anderen Person zu retten? Würden Sie jemanden foltern, wenn Sie dachten, es würde zu Informationen führen, die verhindern, dass eine Bombe explodiert und Hunderte von Menschen tötet?

Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

Würden Sie ein Volk für eine begrenzte Zeit politisch unterdrücken, wenn dies das allgemeine Wohlbefinden der Bürger erhöhen würde? Wenn Sie diese Fragen bejahen, dann sind Sie vielleicht ein Utilitarist, das Moralsystem, das vom englischen Philosophen Jeremy Bentham (1748-1832) begründet und in dem Prinzip „das größte Glück der größten Zahl“ zusammengefasst wurde.

Der moderne Utilitarismus wird im berühmten Trolley-Gedankenexperiment exemplarisch dargestellt: Sie stehen neben einer Gabelung eines Gleises und einer Weiche, die einen Waggon umleitet, der fünf Arbeiter töten wird, es sei denn, Sie legen die Weiche um und leiten den Wagon in eine Nebenbahn, wo er einen Arbeiter töten wird. Die meisten Leute sagen, dass sie den Schalter umlegen würden – einen töten, um fünf zu retten. Das Problem des Utilitarismus zeigt sich in einem weiteren Gedankenexperiment: Sie sind ein Arzt mit fünf sterbenden Patienten und einer gesunden Person im Wartezimmer. Würden Sie die Organe des einen entnehmen, um die fünf zu retten? Wenn Ihre Antwort ja ist, sind Sie vielleicht ein psychopathischer Mörder.

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Die Furcht vor dem „gottlosen Humanismus“

Bild: hpd.de
Christliche Theologie-Professoren haben sich in einer Erklärung vehement für Söders Kreuzerlass ausgesprochen. Die Argumente, mit denen sie ihre Position untermauern, verraten viel über den Ungeist, der offenkundig noch immer an vielen theologischen Lehrstühlen herrscht.

Von Michael Schmidt-Salomon | hpd.de

„Ganz in der Tradition unserer Verfassung ist der Blick auf das Kreuz zweifellos der Blick auf ein Wertefundament unserer pluralistischen Gesellschaft, da es für den menschlichen Zusammenhalt aus einem Geist des Miteinanders auch gegenüber dem vermeintlich Fremden steht“, heißt es in der „Ökumenischen Erklärung katholischer und evangelischer Professoren und Hochschullehrer der Theologie zum bayerischen Kreuzerlass„. Kaum, dass man den logischen Widerspruch zwischen einem staatlich verordneten „Blick auf das Kreuz“ und „unserer pluralistischen Gesellschaft“ verarbeitet hat, setzen die Autoren noch eins drauf: „Dieses Fundament freiheitlicher Toleranz ist sowohl im Grundgesetz als auch in der Bayerischen Verfassung gerade nicht auf einen gottlosen Humanismus (Hervorhebung durch den Verfasser) reduziert. Es gründet im Heilswerk und in der Botschaft Jesu Christi, die er selbst auf vollkommene Weise vorgelebt hat.“

Es ist schon beachtlich, in welchem Umfang die hochdekorierten Hochschullehrer, die die Erklärung unterzeichnet haben, das Verfassungsgebot der weltanschaulichen Neutralität des Staates ignorieren – oder wie sehr sie darauf pfeifen. Offenkundig lähmt sie die Furcht vor einem „gottlosen Humanismus“ so sehr, dass sie verkennen, dass niemand je einen „gottlosen Humanismus“ als Staatsideologie gefordert hat. In der Verfassung verankert ist allerdings – und nur das fordern säkular denkende Menschen aller Konfessionen – das Gebot eines „weltanschaulich neutralen Humanismus“, den jede Bürgerin und jeder Bürger nach eigenem Gutdünken religiös oder nichtreligiös deuten kann.

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Wahl Dodo des Monats Mai 2018

Dodo des Monats Mai 2018 ©HFR

Söders politische Zwangsevangelisierung, per Kabinettsbeschluss lässt die Wogen hoch gehen.
Im zweiten Film „Der Planet der der Affen“(Rückkehr), findet der durch die Zeit gesprungene Astronaut Brent eine Gruppe fanatischer Menschen, die eine Kobaltbombe anbeten. Eine sehr ernste Aussage. Denn das Kreuz ist nichts anderes, ein Tötungsinstrument. Die fanatischen Anhänger des Kreuzes möchte man an selbiges Nageln, Tackern oder Bolzenschussgerät wäre zeitgemäß, wäre auch wesentlich humaner. Auffallend in der ganzen Debatte, religiös, religiotisch, Markus. Die krudesten Aussagen zum Thema Christentum kommen von Personen, die Markus heißen, dass ist Vorsehung. Die Generation, mit dem Modenamen Markus scheint es in Sachen Religiotie besonders erwischt zu haben.

Die Wahl ist bis zum 07. Juni 2018, 18:00 Uhr befristet. Mehrfachnennungen sind möglich. Der Gewinner wird am folgenden Tag gewürdigt werden. Viel Spaß!

Hier sind die Kandidaten:

  1.  Land Bayern, „gut christlicher Abschiebeversuch einer Hochschwangeren.“
  2.  Michael Müller, „nach Papstaudienz wird ein Konkordat vorbereitet.“
  3.  Franz-Josef Overbeck, „beschwört die Notwendigkeit katholischer Militärseelsorge.“
  4.  Heiner Koch, „der katholische Erzbistums-Verein möchte ein Konkordat.“
  5.  Julia Klöckner, „Inkompetenz in Sachen Frauenrechten den Flüchtlingen nachgesagt.“
  6.  Markus Dröge, „kleine Kreuzspiele im Reli-Unterricht.“
  7.  Markus Grübel, „Kognitive Dissonanzen in Sachen Abendland und Nächstenliebe sind signifikant.“
  8.  Peek & Cloppenburg, „der sprichwörtliche Griff ins Klo, mit einem Werbespruch.
  9.  Jeffrey Myers, „Judenhasser Luther als Ampelmännchen in Worms.“
  10. Landesregierung Brandenburg, „Rückabwicklung der Säkularisation auf Kosten der Steuerzahler.
  11.  Ralf Brauksiepe, „Patientenbeauftragter mit christlicher Agenda.“
  12.  Annegret Kramp-Karrenbauer, „schwört auf religiöse Wellness ein.“
  13.  Markus Blume, „der Abstand zwischen Brett und Stirn ist sein Horizont.“
  14.  Volker Jung, „Pfarrer der das Internet regulieren will um Qualitätsjournalismus zu retten.

Weiterlesen „Wahl Dodo des Monats Mai 2018“

Aktionstag gegen Söders Kreuz-Verordnung

Bild: GBS
Pünktlich zum Inkrafttreten der neuen Kreuz-Verordnung in Bayern am Freitag, dem 1. Juni 2018, veranstalten die Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) und der Bund für Geistesfreiheit (bfg) einen „Aktionstag für ein weltoffenes Bayern und einen weltanschaulich neutralen Staat“. Der Düsseldorfer Künstler Jacques Tilly hat hierzu eine Karikatur von Markus Söder gezeichnet, der mit einer Säge das deutsche Grundgesetzbuch auf Kreuzform zurückgeschnitten hat. Am Wochenende wird das Söder-Plakat in München vielerorts zu sehen sein.

Giordano-Bruno-Stiftung

Die von der gbs unterstützte Aktionsgruppe „Das 11. Gebot„, die im vergangenen Jahr mit ihrem „nackten Luther“ für Furore sorgte, wird am Freitag mit dem Plakat sowie der Skulptur „Der Quengel-Bischof“ durch die Fußgängerzone ziehen, während ein PR-Car mit dem Söder-Plakat von Freitag bis Dienstag durch die Münchener Innenstadt fahren und an symbolträchtigen Orten haltmachen wird. Für Presseanfragen und Fotos gibt es am Freitag folgende Gelegenheiten:

  • 09:30 Uhr: Marienplatz/Dienerstraße (mobile Einheit mit Söder-Plakat und Quengel-Bischof + PR-Car)
  • 13:30 Uhr: Max-Joseph-Platz/Residenzstraße (mobile Einheit mit Söder-Plakat und Quengel-Bischof)
  • 14.00 Uhr: Hofgarten/Bayerische Staatskanzlei (mobile Einheit mit Söder-Plakat und Quengel-Bischof)
  • 17:00 Uhr: Marienplatz/Dienerstraße (mobile Einheit mit Söder-Plakat und Quengel-Bischof + PR-Car)

Bei dem Termin um 14.00 Uhr an der Bayerischen Staatskanzlei soll dem bayerischen Ministerpräsidenten ein besonderes Präsent überreicht werden. Ob Markus Söder der Einladung folgen und die angebotene Möglichkeit zur Aussprache nutzen wird, ist nicht bekannt.

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Atheisten – Terroristen? Die arabischen Regime suchen ihre Feinde am falschen Ort

Kairos Moscheen sind schön – aber für Atheisten senden sie eine bedrohliche Botschaft aus. (Bild: Asmaa Waguih / Reuters)
Wer sich von Gott abwendet, hat in muslimischen Gesellschaften einen schweren Stand. In Ägypten wird Atheismus gerade als Straftatbestand festgeschrieben, Saudiarabien unterstellt ihn sogar dem Terrorgesetz.

Kacem El Ghazzali | Neue Zürcher Zeitung

Es gibt eine Sache, worüber bei den meisten politischen Mächten in der islamischen Welt Einigkeit herrscht: In der Verteufelung und Unterdrückung von Atheisten sind Regierungen wie Oppositionsparteien auf Augenhöhe. Es ist keineswegs übertrieben, zu behaupten, dass ein Bekenntnis zum Atheismus in muslimischen Ländern mehr Mut erfordert, als den Umsturz von Monarchien oder einen Regimewechsel zu verlangen.

Atheisten werden in islamischen Ländern nicht nur häufig ausgegrenzt und geächtet, sondern auch des Terrorismus bezichtigt oder als «soziale Gefahr» gerichtlich belangt. Saudiarabien etwa hat den Atheismus in sein Terrorgesetz mit aufgenommen. Unter der Kuppel des ägyptischen Parlaments arbeiten die Minister gerade an einem Gesetzentwurf zur Kriminalisierung des Atheismus. Gemeinsam mit der Al-Azhar-Universität, der höchsten religiösen Autorität im Land, berät das Religionskomitee über Strafmassnahmen, die Atheisten zukünftig abschrecken sollen.

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RDF Talk – Hamed Abdel-Samad: Integration

Vortrag von Hamed Abdel-Samad am 9. Mai 2018 im „Haus der Wissenschaft“ in Bremen.

Richard-Dawkins-Foundation

Der ägyptische Politikwissenschaftler und Historiker Hamed Abdel-Samad ist einer der international wichtigsten Kritiker des politischen Islam. In Deutschland gehört er zu den gefragtesten Islamexperten in Presse, Funk und Fernsehen. Zu seinen Veröffentlichungen zählen u.a. die Bücher: „Abschied vom Himmel“ (2009), „Der Untergang der islamischen Welt“ (2010), „Krieg oder Frieden: Die arabische Revolution und die Zukunft des Westens“ (2011), „Der Islamische Faschismus“ (2014), „Mohamed“ (2015) und „Ist der Islam noch zu retten?“ (2017). Hamed Abdel-Samad ist Mitglied im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung.

Über das Buch:
https://www.droemer-knaur.de/buch/9558029/integration

Der Autor:
https://www.droemer-knaur.de/autoren/6896619/hamed-abdel-samad

Sollen religiöse Symbole in der Schule erlaubt sein?

Die Journalistin Daniela Wakonigg und der katholische Theologe Klaus von Stosch
Nicht erst seit dem bayerischen Beschluss über Kreuze in Behörden wird über die Verwendung von religiösen Symbolen in öffentlichen Gebäuden diskutiert. In Schulen stand vor allem häufig das Tragen des Kopftuches muslimischer Leherinnen im Fokus. Die Journalistin Daniela Wakonigg und der Theologe Klaus von Stosch diskutieren.

Daniela Wakonigg und Klaus von Stosch im Gespräch mit Christiane Florin | Deutschlandfunk

Daniela Wakonigg ist Journalistin und Leiterin des Ketzerstammtischs in Münster. Sie sagt:

Nein, religiöse Symbole in Schulen sollten meiner Meinung nach nicht erlaubt sein. Für die Schule gilt – ebenso wie für andere staatliche Einrichtungen – das Neutralitätsgebot. Und zwar sowohl für den Ort als auch für die Personen, die den Staat repräsentieren. Die sollten zwar frei darin sein, eine Weltanschauung zu haben, aber eben nicht darin, sie jederzeit vollumfänglich ausleben zu dürfen. Religiöse Symbole können Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Freizeit gern tragen, aber eben nicht, während sie gerade den neutralen Staat repräsentieren.

Schwieriger ist es bei Schülerinnen und Schülern, die ja nicht den Staat repräsentieren. Allerdings muss man diesbezüglich zwei Fragen stellen. Erstens: Ist bei einem Verbot religiöser Symbole hier wirklich die Religionsfreiheit verletzt? Denn inwiefern kann man z.B. bei einem 8-jährigen Mädchen von einer freien Entscheidung für das Kopftuch sprechen, wenn man sagt, dass ein Kind erst ab 14 religionsmündig ist? Und zweitens: Welche Auswirkungen hat das demonstrative Tragen religiöser Symbole auf die Gemeinschaft der Schüler?

Klaus von Stosch ist katholischer Theologe und Autor des Buches „Herausforderung Islam. Christliche Annäherung“. Er sagt:

Ein Grundirrtum des europäischen Umgangs mit Religion besteht darin, dass diese eine rein innerliche Angelegenheit sind. Richtig ist, dass viele Religionen sich in Symbolen ausdrücken wollen, ja ausdrücken müssen.

Die meisten katholischen Priester verstehen ihr Amt so, dass sie auch im Alltag und dann auch in der Schule in ihrer Rolle erkennbar sein sollen und sie tragen deshalb ein kleines Kreuz am Revers. Viele Rabbiner denken, dass sie auch außerhalb der Synagoge und also auch in der Schule ihre Kippa tragen sollten. Der weltanschaulich neutrale Staat hat nicht darüber zu befinden, ob diese Ausdrucksgestalt von Religion wirklich erforderlich ist, sondern er muss sich entscheiden, ob er Religionsfreiheit gewähren will oder nicht.

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Markus Söder: Dodo des Monats April 2018

Dodo des Monats April 2018 ©HFR

Bayern im Frühjahr 2018. Markus Söder besteigt den Thron des Landesherren und verfügt überall soll Kreuz sein. Zwangsmission wie im Mittelalter, gerade so, als wenn die Aufklärung der letzten 300 Jahre überhaupt nicht stattgefunden habe. Landesherrlich verkündet Protestant Söder die Hegemonie des Kreuzes für bayrische Behörden.  Grundgesetz, was juckt das Grundgesetz, den Gotteswahnsinnigen juckt es nicht, nur die Gesetze seines imaginären Freundes im Nirgendwo.
Die religiös-weltanschauliche Neutralität des Staates ist kein Begriff aus dem Verfassungstext, ist jedoch aus den Artikeln 3 III, 4 I, 33 III GG und Artikel 136 I, IV Weimarer Reichsverfassung herleitbar. Soweit die Theorie, es sind Politiker wie Söder, und er ist da bei weitem nicht der einzige, die das Gebot der religiös-weltanschaulichen Neutralität mit den Füßen treten und mit den Händen schlagen.  Söder verordnet seinen Untertanen behördliches Christentum. Die sinkende Bedeutung der Kirchen machen Politiker wie der Protestant Söder wett, azyklisch versteht sich, geht es der Politik um den Glauben wird gelogen, dass sich die Balken des Kreuzes biegen. Er ist nicht die hellste Kerze auf der Torte namens CSU aber mit einem durchaus krankhaft zu nennenden Ehrgeiz behaftet, der Gotteswahn tut ein übriges dazu. Man wartet auf den Tag, an dem Söder ausruft: „Ich bin Jesus.“ Ein Politiker der seine Religion wie ein radschlagender Pfau in der Öffentlichkeit prostituiert. Politisch-religiöse Nuttigkeit.

Das Kreuz sei Liebe. Soviel Liebe, dass vor Jahren der Ratzinger-Papst vom Kreuz stieg, weil er dessen überdrüssig war und ein beschauliches Klosterleben vorzog.

Das Kreuz in wandelbarer Tradition, ob nun als Tatzenkreuz des Deutschen Ritterordens, der Templer, das Eiserne Kreuz bis hin zum Balkenkreuz der Wehrmacht und der Bundeswehr. In der Tradition steht das Kreuz der Christenheit für Aggression, Eroberung, Krieg, Dinge die Protestant Söder noch nicht einmal in Erwägung zieht. Das Kreuz als Macht-und Anspruchssymbol. Und so tut er ein übriges dazu, den Untertanen das Kreuz zu verordnen.

Leere Kirchen, aber spuckt man in bayrischen Landen aus, trifft man unweigerlich ein Christen-Kreuz. Bedford-Strohm umschleicht seinen Ministerpräsidenten wie ein subalterner Lakai, Marx anfänglich durchaus kritisch, kriecht mittlerweile zu Kreuze. Herrlich, wenn wir schon als Kirchen zu blöd sind unseren Bedeutungsverlust umzukehren, haben wir in Söder ja einen der rigoros missioniert.

Wie chronisch und vor allem tief manifestiert der Gotteswahn bei Söder ist, zeigt folgendes Beispiel:

In der Debatte um die MTV-Zeichentrickserie Popetown, für die der Sender mit einem vom Kreuz gestiegenen lachenden Christus vor einem TV-Gerät warb, forderte Söder 2006 ein klares Verbot von Blasphemie im Strafrecht. Wenn Kirche und Papst in einer Zeichentrickserie für Jugendliche lächerlich gemacht würden, habe das „nichts mehr mit Satire zu tun“. Er forderte, der § 166 des Strafgesetzbuches müsse um konkrete Schutztatbestände erweitert werden. Er begründete seine Position im Folgenden weiterhin damit, dass religiöse Symbole endlich gesetzlich geschützt werden müssten.

Nachdem Volker Beck erklärt hatte, der § 166 StGB sei „nicht mehr zeitgemäß“ und „ein Relikt aus voraufklärerischer Zeit“, erwiderte Söder: „Volker Beck spinnt.“ Er erklärte, der Schutz und die Achtung religiöser Gefühle gehörten zu den „Grundwerten unserer Gesellschaft“. Mit der CSU werde es daher eine Abschaffung des strafrechtlichen Verbots der Gotteslästerung „niemals“ geben. Stattdessen sei eine Verschärfung des Paragrafen notwendig, um religiöse Symbole besser vor Verunglimpfungen zu schützen.Wikipedia

Söder ist erst wenige Wochen im Amt, wir dürfen gespannt sein, welche Religiotie in Bayern noch verkündet werden wird.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Dodo Lütz, Kotzschalen und fragwürdige Wissenschaft

Nachdem sich im Humanistischen Pressedienst bereits Prof. Dr. Rolf D. Herzberg sowie auch Dr. Josef Breinbauer über das aktuelle Buch von Manfred Lütz, „Der Skandal der Skandale“, geäußert haben, nimmt nun auch der Autor selbst dazu Stellung.

Manfred Lütz | hpd.de

Deutsche Atheisten geben sich gewöhnlich einen wissenschaftlichen Anstrich, berufen sich auf den kritischen Rationalismus, aber offenbar ist es dann im konkreten Fall damit nicht immer weit her.

Im Mittelalter war es bei den so genannten Disputationes üblich, dass man zuerst die Argumente der anderen Seiten so überzeugend wie möglich zusammenfassen musste und erst dann kam die Antwort: „respondeo …“. Die Reaktionen von Atheisten auf mein Buch „Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums“ liegen zumeist weit unter diesem Niveau. Wenn ich mal von primitiven atheistischen Hassmails absehe, so glänzt da die hessische Sektion der Giordano-Bruno-Stiftung mit einem Paket von 100 Kotzschalen aus Pappe, die man mir ins Krankenhaus schickte. Es scheint da eine atheistische Stammtischatmosphäre zu herrschen, wo man so etwas wahnsinnig witzig findet und sich auf die Schenkel schlägt. Ehrlich gesagt war ich eher traurig, wie tief das intellektuelle Niveau des Atheismus offenbar seit Friedrich Nietzsche gesunken ist. Ich habe daraufhin Herrn Schmidt-Salomon eine ernsthafte intellektuell redliche Diskussion mit vier Kritikern bei einer seiner Atheisten-Versammlungen vorgeschlagen, darauf aber noch keine definitive Antwort. An polemischen Schlagabtäuschen bin ich nicht interessiert.

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Wahl Dodo des Monats April 2018

Dodo des Monats April 2018 ©HFR

Drei Haupthemen haben die Medien im Monat April beherrscht, der § 219a StGB, das Werbeverbot für Abtreibungen, die antisemitischen Vorkommnisse, religiöses Mobbing und die bayrische Kreuzespflicht. Markus Söders Gotteswahn spaltet die Gesellschaft, einschließlich derer, für die er vorgibt zu sprechen. Wurde früher mit dem Schwert missioniert erfolgt dies heute mittels Kabinetts-Ordre, demokratisch begründet. In Bayern sitzen die wahren Christen, alles andere sind Idioten, so die Botschaft des bayrischen Ministerpräsidenten. Wenn im Herbst der neue bayrische Landtag gewählt werden wird, ist das Kreuz auf dem Wahlzettel gleichzeitig christliche Botschaft, Söder wird seinen Zettel voller Rührung ankreuzen. Gottespartei CSU, nichts gilt mehr.

Die Wahl ist bis zum 07.05. 2018, 18:00 Uhr befristet. Der Gewinner wird am folgenden Tag gewürdigt werden. Viel Spaß. Hier sind die Kandidaten.

  1.  Helge Braun, „Plakate am Straßenrand, die für Abtreibung werben sind ihm ein Gräuel.“
  2.  Ursula von der Leyen, „braucht mehr Geld für ihre Bundeswehr, sie könnte es auch gleich verbrennen.“
  3.  Peter Tauber, „Trennung von Kirche und Politik sind ihm nicht vorstellbar, verdammter Mangel an Fantasie.“
  4.  Markus Blume, “ wer das Kreuz verweigert ist ein Religionsfeind.“
  5.  Aiman Mazyek, „Antisemitismus ist eine Sünde im Islam.“
  6.  Kollegah, „für seine profunde Widerlegung der Evolutionstheorie.“
  7.  DiTiB, „spielt Krieg in den Moscheen und ist dann über sich selbst entrüstet.“
  8. Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland, „Luthers Judenhass ist Gotteslästerung.“
  9. Markus Söder, „in jeder Behörde Bayerns muss ein Kreuz hängen.“
  10. Markus Dröge, „möchte Menschen vorschreiben, wie nach ihrem Tod mit ihnen verfahren wird.
  11.  Alexander Dobrindt, „offenbart Wissensdefizite in Sachen Demokratie.“

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Silent No More – Nicht länger schweigend

Bild. RDF
In den letzten Jahren ist viel über den Anstieg der „Keine“-Personen geschrieben worden, die bei Umfragen zur Religionszugehörigkeit das Kästchen für „keine“ ankreuzen.

Von Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

Eine Harris-Umfrage von 2250 amerikanischen Erwachsenen im Jahr 2013 ergab zum Beispiel, dass 23 Prozent aller Amerikaner die Religion aufgegeben haben. Eine Umfrage des Pew Research Center im Jahr 2015 ergab, dass 34 bis 36 Prozent der Millennials (die nach 1980 geborenen) „Keine“ sind, bestätigte damit die 23 Prozent Darstellung und ergänzte, dass dies ein dramatischer Anstieg seit 2007 war, als nur 16 Prozent der Amerikaner sagten, sie seien mit keiner Religion verbunden. In Rohzahlen bedeutet dies einen Anstieg von 36,6 Millionen auf 55,8 Millionen „Keine“. Obwohl sie weit hinter den 71 Prozent der Amerikaner zurückbleiben, die sich in der Pew-Umfrage als Christen identifizierten, sind sie immer noch ein bedeutende Wählergruppe, weit größer als Juden (4,7 Millionen), Muslime (2,2 Millionen) und Buddhisten (1,7 Millionen) zusammen (8,6 Millionen) und vergleichbar mit politisch mächtigen christlichen Sekten wie der Evangelikalen (25,4 Prozent) und Katholiken (20,8 Prozent).

Diese Verschiebung weg von der Dominanz einer bestimmten Religion ist gut für eine säkulare Gesellschaft, dessen Regierung so aufgebaut ist, dass sie Sammelbecken der Macht davon abhält, größer zu werden und auf das Privatleben der Menschen überzugreifen. Aber es ist wichtig zu beachten, dass diese „Keine“ nicht unbedingt Atheisten sind. Viele haben sich von den Mainstream-Religionen in spirituelle New-Age-Bewegungen verwandelt, wie eine Umfrage von 2017 zeigt, die einen Anstieg von 19 Prozent im Jahr 2012 auf 27 Prozent im Jahr 2017 bei denjenigen, die „spirituell, aber nicht religiös“ angaben, verzeichnet. Von dieser Gruppe bezeichneten nur 37 Prozent ihre religiöse Identität als atheistisch, agnostisch oder „nichts Besonderes“.

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Jenseits von Himmel und Hölle

Ägypten ist weit davon entfernt, eine gottlose Gesellschaft zu sein: Mitglieder einer Sufi-Bruderschaft gedenken Husseins, eines Enkels des Propheten Mohammed. (Bild: Amr Abdallah Dalsh / Reuters)
Wer in der arabischen Welt nicht an Gott glaubt, gilt wahlweise als Extremist oder als psychisch gestört. Auch in Ägypten steht Atheismus womöglich bald unter Strafe.

Daniel Steinvorth | Neue Zürcher Zeitung

Zweimal, sagt Ismail Mohamed, habe er echte Todesangst verspürt. Zweimal sei er nicht vorsichtig genug gewesen. Beim ersten Mal habe ihn ein Mann in ein Café in Alexandria eingeladen. «Der Typ schien eigentlich ganz freundlich zu sein. Er sagte, er hätte mich im Fernsehen gesehen. Er wollte mit mir über den Islam reden. Als ich aufstand und zur Toilette ging, richtete er eine Pistole auf mich.» Gott sei Dank, erzählt Mohamed, habe der Mann zu lange gezögert. «Seine Hand zitterte. Die Leute im Café konnten ihn deswegen überwältigen. Sie übergaben ihn der Polizei.»

Beim zweiten Mal habe er sich auf einer belebten Strasse in Kairo aufgehalten. Wieder sei er erkannt worden. «Ich hörte nur, wie jemand rief: ‹Der da, der glaubt nicht an Gott! Verprügelt ihn!› Plötzlich war ich von einer wütenden Menge umgeben. Alle redeten auf mich ein. Es war aussichtslos, mit den Leuten zu diskutieren. Einer zog ein Messer.» Gerade noch rechtzeitig sei Hilfe erschienen, die Polizei habe ihn auf die Wache genommen und verhört. Gott sei Dank sei er dort an keine Sadisten geraten und frei gelassen worden.

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Unterstützung für die Säkulare Flüchtlingshilfe

Förderung der Anliegen durch eine Spende, eine Fördermitgliedschaft oder Mitarbeit

Richard-Dawkins-Foundation

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Wie kann man die Säkulare Flüchtlingshilfe unterstützen?

Fördermitglied werden

Am besten kann man als Fördermitglied helfen, mit einem frei wählbaren Jahresbeitrag. So kann die Säkulare Flüchtlingshilfe planen und informiert gelegentlich per Newsletter, wenn es gewünscht wird.

Ausdrucken, ausfüllen und per Post zusenden:
Fördermitgliedschaft und Lastschrift (PDF)

Mitglied werden

Eine einfache Mitgliedschaft (PDF) ist natürlich auch möglich. Auch hier informiert die Säkulare Flüchtlingshilfe auf Wunsch gelegentlich per Newsletter.

Spenden

Sollte es nur ein einmaliger Betrag sein, dann kann man die Säkulare Flüchtlingshilfe natürlich auch per Überweisung fördern:

Säkulare Flüchtlingshilfe e.V. – Atheisten helfen
IBAN: DE70 3705 0198 1933 9865 13
BIC: COLSDE33XXX
Am besten Name und Adresse angeben, damit eine Spendenquittung verschickt werden kann!

Oder die Unterstützung eines der Projekte auf betterplace.org.

Wie kann man sich einbringen?

Wer mehr als ein Fördermitglied sein und aktiv helfen möchte, jeder hat Fähigkeiten, die die Säkulare Flüchtlingshilfe gut gebrauchen kann.

Man kann im direkten Kontakt mit Flüchtlingen stehen und ihnen bei Behördengängen und im Alltag helfen.

Man kann Flüchtlingen beim Deutsch lernen helfen.

Wer fließend Arabisch oder Farsi spricht, kann bei der Übersetzung von Artikeln auf der Website der Säkulare Flüchtlingshilfe helfen.

Wer gute juristische Kenntnisse hat, kann Flüchtlinge und dem Verein in rechtlichen Fragen unterstützen.

Wer eine psychologische Ausbildung hat, kann die Säkulare Flüchtlingshilfe bei Einzelfragen oder bei der Suche nach den richtigen Therapieplätzen helfen.

Wer sich bereits in einem anderen Projekt für Flüchtlinge engagiert, kann seine Unterstützung anbieten.

Wer gerne schreibt, kann Artikel über die bewegenden Geschichten von Flüchtlingen für den Blog der Säkularen Flüchtlingshilfe erstellen.

Wer gerne Fotos oder Videos macht, Erfahrung mit der Bearbeitung von Bild- und Tonmaterial hat, IT-technisch versiert ist und sich mit Aufbau und Design von Websites auskennt, kann seine Erfahrung einbringen.

Man kann Flüchtlingen Nachhilfe geben, etwa auf den Gebieten Mathematik, Physik oder Chemie.

Wer ein Zimmer frei hat oder anderen Wohnraum, kann diesen temporär einzelnen Flüchtlingen zur Verfügung stellen kannst (i.d.R. für 3–7 Tage).

Wer organisatorisches Talent hat, kann gerne bei der Vereinsarbeit helfen.

Fast alles kann helfen. Kontakt: info@atheist-refugees.com

Rana Ahmad: „Frauen dürfen hier nicht träumen“ – es ist noch viel schlimmer

Rana Ahmad bei der Buchvorstellung am Stiftungssitz der Giordano-Bruno-Stiftung. Foto: ©Udo Unger
Rana Ahmad floh unter Einsatz ihres Lebens nach Europa, weil sie es in Saudi-Arabien nicht mehr aushielt. In einer beklemmenden, äußerst lesenswerten Biographie erzählt sie ihre Geschichte. Es offenbart sich ein bisher kaum bekannter Blick auf Alltag und Gefühlswelt einer mutigen Frau im fundamentalistischsten Staat der Welt.

Von Gisa Bodenstein | hpd.de

Es ist schon viel geschrieben worden über Saudi-Arabien. Die meisten wissen inzwischen, dass Frauen dort bis jetzt nicht Auto fahren durften und Menschen zu Körperstrafen verurteilt werden, die zum Teil öffentlich vollstreckt werden. Es ist ein Blick von außen, den man so meistens erhält, ein unpersönlicher, sachlicher. Aus den Medien erfährt man selten etwas über die Menschen und ihren Alltag. Deshalb ist das Buch „Frauen dürfen hier nicht träumen – Mein Ausbruch aus Saudi-Arabien, mein Weg in die Freiheit“, das Rana Ahmad mit Unterstützung der Journalistin Sarah Borufka geschrieben hat, etwas Besonderes. Ahmad, die 2015 während der großen Flüchtlingswelle nach Deutschland kam, kann beide Perspektiven vergleichen. Sie kennt sowohl unsere Lebensweise – und schätzt sie wahrscheinlich mehr, als jeder, für den sie seit seiner Geburt selbstverständlich ist – als auch den Lebensalltag in Saudi-Arabien. Sie schafft es so, in ihren detailreichen Schilderungen genau die Aspekte herauszustellen, bei denen die kulturelle Diskrepanz am deutlichsten zu Tage tritt. Und man stellt fest: Das Leben dort – vor allem als Frau – ist noch viel schlimmer, als man angenommen hatte.

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Irak: Justiz erlässt Haftbefehl gegen Atheisten

Bild: mena-watch

„Der Justizbehörde des in der Provinz Dhi Qar gelegenen Bezirks Garraf zufolge ist gegen vier des Atheismus beschuldigte Iraker Haftbefehl erlassen worden.

mena-watch

Die Bekanntgabe dieses Sachverhalts hat in den regulären und sozialen Medien etliche Reaktionen hervorgerufen. Manche meinen, diese Art der Verfolgung verstoße gegen die Rechte des irakischen Volks, dessen Verfassung ihre Religions- und Meinungsfreiheit garantiere. Andere argumentieren, die Kampagne sei teilweise politisch motiviert.

Der oberste Richter in Garraf Dhidan al-Ekili teilte den örtlichen Zeitungen am 11. März mit, die Sicherheitskräfte hätten einen der vier Angeklagten verhaften können. Die drei anderen würden noch gesucht. Ekili erklärte, die vier Männer hätten sich strafbar gemacht, indem sie ‚bei gesellschaftlichen Veranstaltungen Seminare abgehalten haben, um die Vorstellung zu propagieren, das Gott nicht existiere, und den Atheismus zu verbreiten und zu popularisieren.’ Die örtliche Justizverwaltung habe die Geheimdienste gebeten, gegen das ‚Phänomen des Atheismus’ durchzugreifen. Das Vorgehen stehe mit dem irakischen Strafgesetzbuch im Einklang. Doch der Politikwissenschaftler und Rechtsexperte Ali Bajer al-Tamimi erklärte Al-Monitor gegenüber, dass ‚es keine Paragraphen im irakischen Strafgesetzbuch gibt, die den Atheismus direkt unter Strafe stellen, noch gibt es irgendwelche Sondergesetze, die eine Bestrafung von Atheisten vorsehen’. Allerdings ‚gibt es Paragraphen, die die Entwürdigung von Religionen unter Strafe stellen’. Die irakische Verfassung garantiert die ‚Glaubens- und Meinungsfreiheit’. (…)

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