Gotteserfahrungen als »Beweis«

Ich komme nun zu einem Punkt besonderer Art, und zwar zu den sogenannten Gotteserfahrungen. Ich will im Folgenden erläutern, warum sogenannte Gotteserfahrungen für manche Menschen eine ihr Leben umwälzende Erfahrung bedeuten können, für mich dennoch keinen Beweis für die Existenz Gottes darstellen.

Uwe Lehnert | Richard-Dawkins-Foundation

Diese Gotteserfahrungen sind mir in Diskussionen mit gläubigen Menschen meist in zwei Formen begegnet. Erstens

Die Schöpfung als sichtbares Zeichen der Existenz Gottes

Viele gläubige Menschen meinen, in der Natur Gott zu erkennen. Zum Beispiel bei einer Bergwanderung oder beim Anblick eines Sonnenuntergangs am Meer. In diesem Zusammenhang wird dann auf die uns oft überwältigende Schönheit der Natur verwiesen und auf die wunderbare Ordnung, die in der Tier- und Pflanzenwelt zu beobachten sei.

Das Alles könne nur einem Schöpfer zu verdanken sein, der das geschaffen habe – so heißt es dann.

Wir wissen, dass die Naturwissenschaften, insbesondere in Form der Evolutionstheorie, dafür andere Erklärungen anbieten. Diese wissenschaftlichen Begründungen halte ich für weitaus überzeugender.

Wie der Artenreichtum im Pflanzen- und Tierreich sich entwickelte, kann die Evolutionstheorie inzwischen detailliert erläutern und belegen. Selbst die Entstehung von Leben überhaupt dürfte in naher Zukunft vollständig geklärt sein. Der Irrtum vieler Gottgläubiger besteht darin, dass sie das aufeinander abgestimmte Leben von Pflanzen und Tieren, diese beeindruckende, durch Regelkreise sich einstellende Ordnung, sich nur begreiflich machen können durch eine zielorientiert und planvoll vorgehende, übernatürliche Kraft, gemeinhin Gott genannt.

Ihr gewohntes und täglich angewandtes Denken in den Kategorien von Ziel und Plan beziehungsweise Absicht und Zweck projizieren Gläubige auch in die Natur hinein. Was existiert, das erscheint ihnen aufgrund seiner Ästhetik und Perfektion als gewollt und geplant, eine andere Erklärung widerspricht ihrer täglichen Erfahrung. Die Natur jedoch, genauer: die Evolution, kennt keine Ziele, sie folgt nur Ursachen und löst Wirkungen aus nach den Gesetzmäßigkeiten dieser materiellen Welt.

Tatsächlich ist das, was unter Zufallseinfluss zum Beispiel durch Mutationen entstand und heute existiert und bewundert wird, nur das ist, was unter den jeweils gegebenen Umständen »funktionierte«, folglich überlebte. Alles andere ist längst wieder untergegangen und allenfalls in Form von Fossilien erhalten. Eines Schöpfers und Lenkers dieses Prozesses bedarf die Natur nicht.

Wird somit die Gültigkeit der Evolutionstheorie aufgrund der erdrückenden Beweislast von den Wissenschaften und – wie schon früher erwähnt – selbst von der katholischen und evangelischen Kirche im Grundsatz nicht mehr bestritten, so wird die Frage ihrer Bedeutung in Bezug auf das Selbstverständnis des Menschen keinesfalls einhellig beantwortet. Für die Kirche bleibt der Mensch das gottgewollte Ziel der Evolution und der Endpunkt dieser Entwicklung, das Ebenbild Gottes, ausgestattet mit einer unsterblichen Seele.

Aber für metaphysische Begriffe wie Ebenbild Gottes oder unsterbliche Seele gibt es aus naturwissenschaftlicher Sicht keinerlei Ansatzpunkte. Und so sind für den Naturwissenschaftler solche Charakterisierungen zwar streng genommen nicht als falsch zu bezeichnende, weil nicht widerlegbare, aber überflüssige, weil zu Erklärung und Verständnis nicht beitragende Behauptungen.

Wenn ich von der Richtigkeit der Evolutionstheorie überzeugt bin, welchen Anlass sollte ich dann haben, einer etwa dreitausend Jahre alten biblischen Legende Glauben zu schenken, dass ich mein Dasein und meine Bedeutung in dieser Welt einem separaten Schöpfungsakt verdanke? Für mich gibt es nicht die geringsten Hinweise, dass der Mensch außerhalb der biologischen Gesetze stünde und er zu seiner Erklärung außernatürlicher, überirdischer Kräfte bedürfte.

Ein an die Mitwirkung Gottes Glaubender müsste nachweisen, dass ohne die Hypothese Gott die Entstehung der Artenvielfalt und des Menschen nicht möglich ist. Die christliche Botschaft vom planvollen Eingreifen Gottes bei der Entstehung der Welt und des Menschen hat für mich nur noch historische und literarische Bedeutung.

Ziel und Plan, Absicht und Zweck sind typisch menschliche Kategorien, nach denen wir die Welt als Ganzes beurteilen möchten. Das Existierende erscheint uns nur deshalb als »gewollt«, weil wir gewohnt sind, Zweckmäßiges und Angepasstes in den Kategorien von Ziel und Plan zu interpretieren. Es ist aber vielmehr so: Das Vorhandene existiert nur, weil es durch Mutation und Auslese an seine Umwelt zweckmäßig angepasst ist. Alles andere ist längst untergegangen.

Eine weitere Form der Gotteserfahrung ist zweitens

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Kanada: Erzapostel verurteilt öffentliche ‚schwarze Messe’

Die atheistische Organisation ‚The Satanic Temple’ hat zur ersten öffentlichen ‚schwarzen Messe’ Kanadas geladen. Jede Verwicklung in okkulte Praktiken kann ein Tor in das Reich des Bösen öffnen, warnt der Erzbischof.

kath.net

Terrence Prendergast, der Erzbischof von Ottawa (Kanada), hat eine für Samstag angesetzte „satanistische schwarze Messe“ als schändlich und abscheulich verurteilt.


Die Organisation „The Satanic Temple“ hat für den 17. August die erste öffentliche schwarze Messe in einer Heavy-Metal Bar in Ottawa angesetzt. Organisator Nicholas Marc hat 50 Eintrittskarten zu je 20 Dollar angeboten.

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„Wir müssen lauter werden“

Armin Navabi, Gründer von „Atheist Republic“, erläuterte dem Düsseldorfer Publikum, wie man den Islam bekämpft, ohne Muslime zu bekämpfen. Bild: Ricarda Hinz

Wenn wir das politische Spiel nicht mitspielen, verlieren wir – das ist die klare Botschaft von Armin Navabi, Gründer von „Atheist Republic“, bei seinem Vortrag in Düsseldorf. Er appellierte an Atheisten, sich füreinander zu engagieren, so wie es religiöse Gemeinschaften sehr erfolgreich tun. Andernfalls werde sich an der kritischen Lage der Ungläubigen in der Welt nichts ändern. Im Zuge dessen sprach der hpd mit ihm.

hpd.de

Armin Navabi ist ein Promi in der internationalen Atheisten-Szene. Er ist der Gründer von „Atheist Republic“, einer Organisation, die Ungläubige weltweit vernetzen und unterstützen will. 2011 ging die Facebook-Seite online, heute haben sie 2,3 Millionen Menschen mit „Gefällt mir“ markiert. Die Online-Community hat 1,7 Millionen Mitglieder, kann man auf der Website nachlesen. Dort gibt es unter anderem eine Sammlung atheistischer Blogs, einen Podcast, dem Besucher der Seite ihre selbst aufgenommenen Ansichten und Botschaften zur Verfügung stellen können und eine Galerie von Menschen, die sich selbst mit Schildern oder T-Shirts des Netzwerks ablichten.

Ein besonders Berühmtes ist das Bild von Rana Ahmad, die einen „Atheist Republic“-Zettel mit der Kaaba im Hintergrund fotografierte. So wurde die Online-Community auf sie aufmerksam und half ihr über eine Fundraising-Kampagne schließlich auch bei ihrer Flucht. Aber nicht nur das: Ranas Geschichte habe ihn inspiriert, nicht nur atheistische Inhalte zu verbreiten, sondern sich auch politisch zu engagieren und „Atheist Republic“ zu einer Hilfsorganisation zu machen, sagte Armin Navabi dem hpd: „Als ich dieses Foto gesehen habe, konnte ich es nicht fassen. Das kann man jemandem, der nicht selbst mal Muslim war, überhaupt nicht beschreiben, was das bedeutet. Das ist der heiligste Ort in der islamischen Welt. Was sie getan hat, war unglaublich mutig.“ Heute gebe es Vertretungen seiner Organisation in jeder größeren Stadt der Welt.

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Studie: Konfessionslose werden in immer mehr Ländern schikaniert &mdash& Zunahme der Verfolgung

Nicht nur die Angehörigen bestimmter Religionsgruppen, auch religiös nicht gebundene Menschen geraten laut Experten weltweit unter Druck. Das Spektrum der Angriffe reicht von verbalen Attacken, über körperliche Gewalt bis hin zu Mord.

DOMRADIO.DE

Wie das Washingtoner Pew Research Center in einer am Montag veröffentlichten Analyse ermittelte, sehen sich Freidenker und Atheisten in 23 Ländern der Welt zunehmender Verfolgung ausgesetzt. Die Untersuchung bezieht sich auf Zahlen aus dem Jahr 2017 und dokumentiert einen deutlichen Anstieg um neun Länder im Vergleich zu 2016.

Verbale Attacken bis hin zu körperlicher Gewalt

Zu den Belästigungen nicht-religiöser Menschen zählen demnach verbale Attacken bis hin zu körperlicher Gewalt und Mord. Die Repressionen gehen laut Pew sowohl von Regierungen, Gruppen als auch von Einzelpersonen aus.

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„Der Staat muss gottlos sein“

Gegen die Kreuzungen von Kirche und Staat hat Helmut Ortner eine Streitschrift verfasst (imago images / Joker / Hartwig Lohmeyer)

In dem Buch „Exit“ rechnen mehr als 20 Autorinnen und Autoren mit der Religion ab. Deutschland sei noch immer kein säkularer Staat, erklären sie. Herausgeber Helmut Ortner kritisiert im Dlf, dass es eine „große, unabgesprochene Allianz“ zwischen Politik und Kirchen gebe.

Helmut Ortner im Gespräch mit Christiane Florin | Deutschlandfunk

Christiane Florin: Die Religion wurde vor 100 Jahren gezähmt durch die Weimarer Reichsverfassung. Das haben wir gerade gehört. Aber das reicht nicht, sagen Religionskritiker. Der Weg zum wirklich säkularen deutschen Staat ist noch weit. Verschiedene Autorinnen und Autoren, darunter so bekannte Namen wie Hamed Abdel-Samad, Michael Schmidt-Salomon und Ingrid Matthäus-Maier haben nun unter dem Titel „Exit“ eine Abrechnung mit der Religion veröffentlicht. Die Botschaft des tiefschwarzen Buches mit pinkem Titel: Religion verblendet, ja, verblödet, vergiftet. Herausgeber ist der Journalist Helmut Ortner. Er ist jetzt aus Frankfurt zugeschaltet. Guten Morgen Herr Ortner.

Helmut Ortner: Guten Morgen.

„Trennung von Staat und Kirche noch nicht vollzogen“

Florin: Herr Ortner, gestern fand bei Ihnen in Frankfurt auf dem Bahnhofsvorplatz eine ökumenische Trauerandacht für den getöteten achtjährigen Jungen statt, der auf ein Gleis gestoßen und vom ICE erfasst worden ist. Was haben Sie gegen derart öffentlich praktizierte Religion?

Ortner: Gar nichts. Eine kollektive öffentliche Andacht kann Trost spenden, kann Schmerz lindern. Das kann aber auch eine ebenso nicht-kirchliche Zusammenkunft leisten. Es kommt darauf an, dass für die Trauer die richtigen Worte gefunden werden. Und das ist immer ein Zeichen von Humanität, gesellschaftlicher Solidarität und Empathie, unabhängig, ob es ein Priester spricht, die Worte, oder ein Philosoph oder ein Schriftsteller.

Florin: Und warum heißt Ihr Untertitel „Warum wir weniger Religion brauchen“? Was stört Sie an öffentlicher Religion?

Ortner: Wir haben eben den Beitrag gehört. Natürlich gibt es einen Verfassungstext, aber es hapert an der Umsetzung. Die Verfassungswirklichkeit sieht anders aus. Die Autorinnen/Autoren in dem „Exit“-Band beschreiben das deutlich und eindringlich und fordern die konsequentere Trennung von Staat und Kirche. Das heißt, die strikte Beachtung des Verfassungsgebots der weltanschaulichen Neutralität des Staates, die ist immer noch nicht gegeben. Etwa, wir zahlen immer noch die Bischofsgehälter aus dem allgemeinen Steuertopf und im Arbeitsrecht unterlaufen die Kirchen gewisse Standards. Wir haben auch gesehen, dass bei den katholischen Missbrauchstätern die Strafverfolgung nicht das leistet, was ein Rechtsstaat ansteht. Und bis hin zu schwerstkranken Menschen, denen das Recht verwehrt wird, selbstbestimmt zu sterben. All das macht deutlich, dass die Trennung von Kirche und Staat noch nicht in der Weise vollzogen ist, wie ich mir das wünsche und die Mehrzahl der Autoren in dem Band.

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Amerika: Atheisten wissen mehr über Religion als Christen

Die Christen in den USA sind nicht diejenigen, die sich mit dem Thema Religion am besten auskennen. Bei ihrer eigenen schneiden sie zwar gut ab, wenn es jedoch um das Thema im Allgemeinen geht, liegen Atheisten und Agnostiker auf den Plätzen vor ihnen. Dies zeigt eine Studie des Pew-Research-Centers.

jesus.ch

Juden, Atheisten und Agnostiker wissen in den USA am besten über Religion Bescheid. Das fand eine Studie des Pew-Research-Centers heraus. 11’000 erwachsene Amerikaner mussten 32 Multiple-Choice-Fragen rund um das Thema Religion beantworten. Es ging zum Beispiel um die Bibel, das Christentum, die Weltreligionen und Religion im öffentlichen Leben. Amerikaner jüdischen Glaubens konnten durchschnittlich 18,7 Fragen richtig beantworten, Atheisten 17,9 und Agnostiker 17. Protestanten und Katholiken wussten über 14 Fragen von 32 Bescheid. Unter den Protestanten ordnete die Studie auch die Evangelikalen ein. Diese wussten durchschnittlich 15,5 Fragen richtig zu beantworten.

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Don’t Panic: „Per Anhalter durch die Galaxis“ wird als TV-Serie umgesetzt

(Bild: Hulu)

Douglas Adams‘ „Per Anhalter durch die Galaxis“ kommt wieder auf den Bildschirm. Die TV-Serie soll auf Hulu ausgestrahlt werden.

Von Daniel Herbig | heise online

Der US-amerikanische Streaming-Dienst Hulu bekommt eine Serien-Umsetzung von „Per Anhalter durch die Galaxis“. Das Werk von Douglas Adams soll vom „Lost“-Showrunner Carlton Cruse umgesetzt werden, berichtet das Magazin Deadline. Ebenfalls an der Produktion beteiligt ist demnach der Autor Jason Fuchs, der unter anderem an „Wonder Woman“ gearbeitet hat.

Weitere Details zur geplanten Serienumsetzung von „Per Anhalter durch die Galaxis“ (im Original „A Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“) nennt der Deadline-Bericht nicht. Unklar ist zum Beispiel, welche Schauspieler an dem Projekt beteiligt sein werden. Die Serie werde ein „modernes Update“ für das kultige Sci-Fi-Franchise, heißt es lediglich. Die Rechte für „Per Anhalter durch die Galaxis“ gehören Disney.

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Ayaan Hirsi Ali: Was tun gegen den politischen Islam?

Ayaan Hirsi Ali

Präsident Trump erkennt die Notwendigkeit eines ideologischen Kampfes gegen den „radikalen Islam“. Dies ist eine wohltuende Einstellung, die Mut macht und einem Paradigmenwechsel gleichkommt. Präsident Bush hat häufig über den „Krieg gegen den Terror“ gesprochen, aber Terror ist bloß eine Taktik, die in den Dienst völlig unterschiedlicher ideologischer Ziele gestellt werden kann (siehe hier).

Ayaan Hirsi Ali | Achgut.com

Präsident Obama erklärte sich als Gegner von „gewaltbereitem Extremismus“ und organisierte sogar ein internationales Gipfeltreffen zu diesem Thema (siehe hier). Trotzdem erweckte er manches Mal den Eindruck, dass ihm eher die Islamophobie als der radikale Islam Sorgen bereitet. In einer Rede vor der UN-Generalversammlung 2012 stellte er fest: „Die Zukunft darf nicht denen gehören, die den Propheten des Islam beleidigen.“ 

Mein Gegenstand hier ist jedenfalls der politische Islam, nicht der radikale Islam. Der politische Islam ist nicht einfach eine Religion in dem Sinn, wie die Bürger der westlichen Welt das Wort „Religion“ im Sinne einer Glaubensgemeinschaft interpretieren. Es ist auch eine politische Ideologie, eine Rechtsordnung und in vielfältiger Weise auch eine mit den Feldzügen des Propheten Mohammed assoziierte Militärdoktrin (siehe hier sowie (1)). Der politische Islam lehnt jeglichen Unterschied zwischen Religion und Politik sowie Moschee und Staat ab, er lehnt sogar den modernen Staat zugunsten des Kalifats ab. Meine zentrale Aussage ist: Die Staatsordnung des politischen Islams ist grundsätzlich unvereinbar mit der Verfassung der USA und mit der „Verfassung der Freiheit“, die die Grundlage des american way of life ist.

Es ist sinnlos zu leugnen, dass der politische Islam als Ideologie in der islamischen Doktrin wurzelt (siehe hier). Dennoch bilden die Bezeichnungen IslamIslamismus und Muslime einen jeweils unterschiedlichen Begriff ab. Nicht alle Muslime sind Islamisten, geschweige denn gewaltbereit, aber alle Islamisten (inklusive derjenigen, die Gewalt anwenden) sind Muslime. Ich glaube, dass der religiöse Islam reformiert werden könnte, und sei es, damit er klarer von der politischen Ideologie des Islamismus unterschieden werden kann. Aber dies muss die Aufgabe von Muslimen sein. 

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Nach Atheistenprotest entfernt US-Schule eine Zehn-Gebote-Tafel

Themenbild. The American Mirror

Atheistenprotest Zehn-Gebote-Tafel
US-Prediger Franklin Graham: „Ich schlage vor: ‚Hängt sie wieder auf!‘“

kath.net

„Ich schlage vor: ‚Hängt sie wieder auf!‘“ So kommentierte der bekannte evangelische US-Prediger Franklin Graham, Sohn von Billy Graham, die Nachricht, dass die Joseph Welty Middle School in New Philadelphia (US-Bundesstaat Ohio) eine Tafel mit den Zehn Geboten nach über 90 Jahren entfernt hat. Die Tafel war von der Abschlussklasse des Jahres 1926 aufgehängt worden. „Sie ist ein Teil der Geschichte und des Erbes der Schule, und ich hoffe, man entscheidet sich dafür, sie wieder sichtbar zu machen. Kinder müssen auch sehen und verstehen, wo die Standards für richtig und falsch kommen, nämlich von Gottes Heiligem Wort“, schrieb Graham auf seinem Facebookauftritt.


Über die Gebotstafel hatte sich die in Wisconsin ansässige Gruppe „Freedom From Religion Foundation“ beschwert, berichtete „Fox News“. Die Atheisten behaupteten, die Tafel würde die gesetzlich vorgeschriebene Religionsfreiheit beeinträchtigen.

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Esoterik- und Religionskritik über den Dächern von Fürth

Dr. Michael Schmidt-Salomon in Fürth. Foto: © Karin Becker
In der Reihe „Geist in Fürth 2019“ stellten Burger Voss, André Sebastiani und Michael Schmidt-Salomon ihre neuen Bücher vor, in denen es um den gesellschaftlichen Wert von Atheisten, haarsträubende Aspekte der Anthroposophie und hilfreiche Erkenntnisse für den richtigen Umgang mit sich selbst geht.

Von Brynja Adam-Radmanic | hpd.de

Im Café Terrazza im 4. Obergeschoss der Volksbücherei Fürth mit seinem spektakulären Blick über die Innenstadt lasen die Autoren an drei aufeinanderfolgenden Dienstagabenden Ende Mai bis Anfang Juni aus ihren neuen Büchern. Veranstaltet wurde die Reihe „Geist in Fürth 2019“ vom Bund für Geistesfreiheit (bfg) Fürth in Kooperation mit dem Institut für populärwissenschaftlichen Diskurs Kortizes.

Ausgeglaubt! Warum Atheisten für die Gesellschaft wertvoll sind

Den Anfang machte am 21. Mai Burger Voss, der vor etwa 50 Interessierten sein 2018 bei Tectum erschienenes Buch „Ausgeglaubt! Warum Atheisten für die Gesellschaft wertvoll sind“ vorstellte. Es ist das zweite Buch des Lebensmittelchemikers mit dem Hamburger Zungenschlag, der bei Youtube unter dem Namen „Ze German Scientist“ firmiert. Beim ersten Buch mit dem Titel „Vom Anfang und Ende aller Dinge: Eine Entdeckungsreise durch die Geschichte der Wissenschaften“ (2015) hatte noch die Wissenschaft im Zentrum gestanden und der Atheismus bekam ein Kapitel. Im neuen Buch ist es nun umgekehrt.

Die Wissenschaft bezeichnete Voss als das „Beste, was wir haben“, um Denkfehler von Einzelnen zu eliminieren und räumte dabei mit einer Fehlvorstellung auf: „Wissenschaftler sind außerhalb ihrer Fachgebiete genauso religiös und esoterisch wie ihre Zeitgenossen“, erklärte er. Der Wert der Wissenschaft stützt sich daher nicht auf den Guru-Status Einzelner, sondern auf die Methode des Erkenntnisgewinns. Individuelle Forscher seien keine Rationalitätsmaschinen, die Wissenschaft als Ganzes schon. Deswegen sei es auch – anders als Gläubige oft denken – völlig ohne Belang, was Einstein oder Heisenberg über Gott gesagt haben.

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Konfessionslosigkeit breitet sich weiter aus

Bild: erf.de
Bereits vor 50 Jahren, im März 1969, fand im Vatikan eine 1. Internationale Tagung „Die Kultur des Unglaubens“ statt. Unter der Schirmherrschaft von Peter Berger und in Zusammenarbeit mit kalifornischen Religionssoziologen tauschten sich damals Experten über die Folgen wachsender Konfessionslosigkeit aus und versuchten besser zu verstehen, woran Ungläubige eigentlich glauben (Rokko Caporale, Antonio Grumelli (Hg.), The Culture of Unbelief. Berkley 1971).

Dr. Michael Utsch | EZW

Ende Mai 2019 trafen sich an der päpstlichen Gregoriana-Universität in Rom erneut 70 Fachleute für Atheismus und Agnostizismus, um „Kulturen des Unglaubens“ aus aktueller Sicht zu analysieren. Weltweit gelten heute rund 1,2 Milliarden Menschen laut dem Meinungsforschungsinstitut „Pew Forum“ als religionsfern. In Deutschland ist etwa ein Drittel der Bevölkerung konfessionslos. Auf der Tagung im Vatikan wurde erneut daran erinnert, dass mit „ungläubig“ ganz unterschiedliche Standpunkte gemeint sein können: radikale Atheisten, moderne Agnostiker, Humanisten oder Freidenker lehnen Religionen ab und suchen Sinn und Glück auf anderen Wegen (vgl. Michael Utsch: Studie differenziert Motive für den Unglauben. Materialdienst der EZW 11/2013, 423f).

Das Vorurteil, dass ungläubige Menschen keine Wertvorstellungen hätten, konnte eine britische Soziologin auf der Tagung in Rom durch ihre Studie widerlegen. In einem anderen Vortrag wurde gefragt, warum viele Atheisten an Übernatürliches glauben. Demnach bestreiten nur 35 Prozent US-amerikanischer Atheisten die Existenz übernatürlicher Phänomene, unter chinesischen Atheisten seien es sogar nur 8 Prozent. Es greife zu kurz, so der referierende Anthropologe, den Menschen nur als rationales, kühl abwägendes Wesen zu sehen. Möglicherweise sind Glauben, Lieben und Hoffen universelle menschliche Eigenschaften, die emotionalen Grundbedürfnissen darstellen und konfessionelle Etiketten sprengen.

Manche Teilnehmer der Tagung störte die Tatsache, dass die religionsfreundliche John-Templeton-Stiftung die Tagung mit 2,6 Millionen Euro gefördert hat und sie im Vatikan stattfand. Aber auch atheistische Forscherverbände beschäftigen sich mit der Grenze zwischen Glaube und Unglaube. Früher hat sich die Konversionsforschung eher mit der Hinwendung zum Christentum beschäftigt (vgl. Michael Utsch: Konversion. Materialdienst der EZW 10/2016, 391ff). In einer neuen Studie wurden jetzt 111 biografische Erzählungen analysiert, in denen Atheisten darüber berichteten, warum sie zum christlichen Glauben konvertiert sind. Entscheidende Motive sahen die Forscher in krisenhaften Lebensumständen, Begegnungen mit glaubwürdigen Christinnen und Christen und der Überzeugung, keinen Lebenssinn in einer atheistischen Weltsicht zu finden.

Die Tagung und die neue Studie verdeutlichen, wie wichtig Gespräche zwischen religiös und säkular eingestellten Menschen sind, um Vorurteile abzubauen, Andersglaubende besser zu verstehen und viele Gemeinsamkeiten zu entdecken.

Richard Dawkins on Poetry

Richard Dawkins, Screengrab

The evolutionary biologist reads Robert Frost.

By Michael Segal | Poetry on NAUTILUS

In some ways, Richard Dawkins has been thinking about contingency for most of his life.

The book that catapulted him to fame, The Selfish Gene, is about one kind of contingency, which shapes genetic codes and chooses winning species (and genes). This contingency is nested in many others. In his memoir, An Appetite For Wonder, Dawkins imagines a dinosaur that would have caught and eaten the shrew-like ancestor of all mammals, had it not sneezed. “We all can regard ourselves as exquisitely improbable,” he writes.

Then there are the contingencies of an individual life. Is it true, Dawkins wonders, that “the course of a named individual’s life is sucked back, magnetically, into predictable pathways, despite the Brownian buffetings of sneezes and other trivial, or not so trivial, happenings?” Would Dawkins still have been Dawkins, had he been raised in a religious household? If he’d had different tutors?

In this video, Harvard poetry professor Elisa New sits Dawkins down in a lush field outside the Aspen Institute and talks to him about the most famous American poem on the topic of contingency, Robert Frost’s “The Road Not Taken.” The conversation was recorded as part of New’s initiative, Poetry in America, which brings poetry into classrooms and living rooms around the world.

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6 things I wish people understood about atheism in America

Born Again Atheist Badge“ by BirchallDanny~commonswiki / Public Domain

The first time I remember openly identifying as an atheist was when I announced to my high school freshman English class that I didn’t believe in God. Later that day in gym, I broke my collarbone playing dodgeball. Was it God’s revenge for my blasphemy? I didn’t think so, but for a while there, I kept my atheism on the down low just in case.

By Jay Wexler | Richard-Dawkins-Foundation

Not anymore. Although I have an affinity for Asian religions like Buddhism and Taoism and even have a master’s degree in religious studies from a divinity school, I’ve been an unabashed atheist for my entire adult life. I’ve taught First Amendment law at Boston University for nearly 20 years, am a strong supporter of the separation of church and state, and have recently published a book called Our Non-Christian Nation, which is about how atheists and other minority groups are demanding their equal place in public life alongside the Christian majority.

As part of my research, I traveled around the country and talked to leaders of minority groups to find out how they felt about the Christian dominance of our nation’s public life. I watched an atheist give an invocation before a town board she had previously sued for violating the First Amendment, attended a Veterans Day ceremony held by a pagan priestess who successfully sued the federal government to approve the Wiccan pentacle for placement on national cemetery headstones, and sat on a 9-foot-tall bronze sculpture of a goat-headed occult figure that the Satanic Temple wants to put up on government property someday.

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Kirchenkritiker veranstalten „Ketzertag Dortmund 2019“

Bild: hpd.de

Am Mittwoch beginnt in Dortmund der Evangelische Kirchentag. Doch die Christen bekommen Konkurrenz, denn zeitgleich findet auch der „Ketzertag Dortmund 2019“ statt, der das Thema Religion sowie die staatliche Privilegierung der Kirchen kritisch beleuchten wird

Daniela Wakonigg | hpd.de

Im vergangenen Jahr fand anlässlich des Katholikentags in Münster mit dem Ketzertag Münster 2018 der erste deutsche Ketzertag statt. Mit religions- und kirchenkritischen Veranstaltungen setzte er dem staatlich finanzierten christlichen Großevent eine deutliche säkulare Stimme entgegen.

Nach dem Erfolg im letzten Jahr wird es nun auch in diesem Jahr einen Ketzertag parallel zum alljährlichen Kirchentagsevent geben: den Ketzertag Dortmund 2019. Veranstaltet wird er von der säkularen Vereinigung Religionsfrei im Revier, dem Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) e. V. sowie der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs). Der Ketzertag Dortmund 2019 richtet sich primär gegen die Privilegierung der Kirchen durch den Staat, die umfangreiche Finanzierung sowie die privilegierte Behandlung im Arbeits- und Steuerrecht, er kritisiert jedoch auch Religion und Kirche selbst.

„‚Ketzer‘ sind Menschen, die sich weigern, die kirchliche Lehre als Wahrheit anzuerkennen. Dafür gibt es gute Gründe, die auf dieser 4-tägigen Veranstaltungsreihe vorgestellt und diskutiert werden sollen“, heißt es auf der Webseite des Ketzertags. „Das Wort Ketzer leitet sich ab von den ‚Katharern‘, innerkirchlichen Kritikern, die den Glauben reformieren wollten. Die mitwirkenden religionsfreien Referent*innen sind jedoch – ganz im Sinne der veranstaltenden Organisationen – der Auffassung, dass die Kirche ein grundsätzliches Problem für die moderne und aufgeklärte Gesellschaft darstellt. So kommt der Ketzertag ohne übersinnliche Erscheinungen aus und stellt die „natürliche Gegenveranstaltung“ zum Kirchentag dar!“

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Autor Niko Alm über Kirche und Staat: „Alle Religionen sind menschengemachte Ideologien“

Der Autor Niko Alm trägt auf seinem Führerschein ein Nudelsieb auf dem Kopf – er ist Anhänger der Bewegung des Fliegenden…Foto: dpa

Wird mit Religion Politik gemacht? Autor Niko Alm, der leidenschaftliche Streiter für den Laizismus, fährt schwere Geschütze auf. Eine Buchkritik.

Von Malte Lehming | DER TAGESSPIEGEL

Wer denkt öfter über Gott nach – der Gläubige oder der Atheist? Die Frage ist schwer zu beantworten. Jemand kann sein Leben einer höheren Macht widmen oder dem Kampf gegen die Behauptung, dass es eine höhere Macht gibt.

In die zweite Kategorie fällt Niko Alm, 44-jähriger Österreicher und ehemaliger Politiker. Alm ist Gründer der Initiative gegen Kirchenprivilegien, Gründungsmitglied der Giordano-Bruno-Stiftung in Österreich, bekennender Atheist und „Pastafari“, wie sich die Anhänger der religionsparodistischen Bewegung des Fliegenden Spaghettimonsters nennen, und seit acht Jahren der Vorsitzende des Zentralrats der Konfessionsfreien. Sein Buch „Ohne Bekenntnis“ ist ein flammendes Plädoyer für eine strikte Trennung von Kirche und Staat nach dem Vorbild der französischen Laizität.

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Berliner Katholiken diskutieren mit Atheisten über Gott: Keine Chance im hippen Berlin?

Bild. Global Atheist

Christen präsentieren sich oft als geschlossene Gesellschaft. Dagegen will der Berliner Erzbischof Heiner Koch angehen. Ein „Symposium“ auch mit kirchenkritischen Gästen offenbarte viele ganz unterschiedliche Einsichten.

DOMRADIO.DE

„Gott hatte seine Chance bei mir“, ließ Philipp Möller seine Zuhörer wissen. Doch der Allmächtige hat sie offenbar nicht genutzt. Unter dem Titel „Gottlos glücklich“ hat Möller auch in einem Buch bereits ausgeführt, „warum wir ohne Religion besser dran wären“.

Es war für fromme Christen der stärkste Tobak, der am Wochenende bei einer Veranstaltung des Erzbistums Berlin geboten wurde. Zur Frage „Heute von Gott reden?“ hatte Erzbischof Heiner Koch eingeladen zum „Versuch, einen Gesprächsfaden zu knüpfen und auch nichtkirchlichen Sichtweisen Raum zu geben“. Das Angebot traf offenbar einen Nerv, schon früh waren alle Plätze ausgebucht. Auf die Podien kamen auch Gäste, die bei solchen Veranstaltungen sonst nicht anzutreffen sind.

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Die Säkulare Flüchtlingshilfe stellt sich vor

Der gemeinnützige Verein finanziert seine Arbeit ausschließlich über Zuwendungen. Spenden sind daher sehr willkommen.

Richard-Dawkins-Foundation

An die Säkulare Flüchtlingshilfe wenden sich Menschen, die nach Deutschland geflohen sind, weil sie wegen ihres Abfalls von der Religion in ihren Herkunftsländern in ihrer Freiheit oder des Lebens bedroht sind. Es handelt sich zurzeit ausschließlich um Ex-Muslime, deren Glaubensabfall in vielen Gesellschaften ein todeswürdiges Vergehen ist.

Hier angekommen, machen sie die Erfahrung, dass sie in Unterkünften mit Menschen zusammenleben, vor denen sie im Prinzip gerade geflohen sind.

Auch gibt es für Asylsuchende eine gesetzliche Wohnsitzauflage, die sie dazu zwingt, 3 Jahre nach Anerkennung des Asyls in der Region der ersten Unterbringung zu bleiben. Bedrohlicher ist dabei jedoch, dass fast alle in der Region als Ex-Muslime/Atheisten identifiziert werden, so dass ihre Familien, von denen sie verfolgt werden, oder die Botschaft ihres Herkunftslandes über ihren Aufenthaltsort genau informiert sind.

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https://www.facebook.com/atheistenhelfen

https://atheist-refugees.com/

Religionskritik: Kein Appeasement mit dem Islamismus

Kritischer Muslim: der deutsch-ägyptische Schriftsteller und Politologe Hamed Abdel-Samad Bild: dpa

Ist es rassistisch, den Islam zu kritisieren? Nein, meint der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad. Er verteidigt auf einer Konferenz an der Goethe-Uni in Frankfurt seine Freiheit auf Kritik.

Von Theresa Weiß | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Damit Hamad Abdel-Samad frei sprechen kann, stehen sechs Personenschützer vor dem Konferenzraum des Exzellenzclusters „Normative Ordnungen“ der Goethe-Uni. Der ägyptisch-deutsche Politikwissenschaftler ist Muslim und kritisiert den Islam: „Der Islam will von der deutschen Aufklärung profitieren, weigert sich aber, Teil dieses Prozesses zu werden.“  Auch wollen religiös-politische Gruppen Kritiker mundtot machen und somit ihren Einfluss auf die Politik ausbauen. Abdel-Samad  ist überzeugt, dass sich immer weniger Deutsche trauen, Kritisches über den Islam zu sagen, weil sie sofort den Vorwurf bekommen, rassistisch zu sein. Solche Aussagen provozieren. Doch wo, wenn nicht an der Universität solle kontrovers diskutiert werden, fragt er.

Abdel-Samad ist nicht allein. Wer sich kritisch zum Islam positioniert, sieht sich in Deutschland Bedrohungen ausgesetzt. Ein Frankfurter Beispiel aus jüngster Zeit: Zehn Menschen gehören zur „Initiative Säkularer Islam“, einer Gruppe aus Wissenschaftlern und Publizisten, die über den Islam diskutieren will und ein totalitäres Verständnis von Religion ablehnt. Vier davon müssen inzwischen von Personenschützern bewacht werden. „Weil sie auf der Abschussliste von irgendwelchen Radikalen stehen“, sagt Susanne Schröter. Die Professorin der Goethe-Universität und Direktorin des „Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam“ will die kritische Auseinandersetzung mit der Religion vorantreiben. Auch darum hat sie zur Konferenz „Säkularer Islam und Islamismuskritik“ eingeladen, auf der auch Abdel-Samad und Mouhanad Khorchide, Professor für Islamische Theologie in Münster, sprechen.

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Das Internet bietet Marokkos Atheisten eine Heimat

Atheismus ist kein neues Phänomen in der islamischen Welt. Doch mit der Etablierung der sozialen Netzwerke bietet sich einer Vielzahl von jungen Arabern der Raum, öffentlich über ihre eigene Abkehr vom Glauben zu sprechen und Religion zu kritisieren. Das gilt insbesondere für den Islam, dem viele dieser jungen Menschen zuvor angehörten.

Das Internet ermöglicht es nicht nur, sich zum Atheismus zu bekennen, sondern auch mittels Kritik an Religion im Allgemeinen und dem Islam im Speziellen atheistische Überzeugungen in die Diskussion einzubringen und zu stärken. Ismail Azzam sprach mit jungen Marokkanern, die sich vom Islam abgewendet haben.

Ismail Azzam | Qantara.de

Atheismus ist kein neues Phänomen in der islamischen Welt: Bereits in den vergangenen Jahrhunderten bekannten sich verschiedene wichtige Persönlichkeiten in der Region zum Atheismus. Aber mit der Etablierung der sozialen Netzwerke bietet sich einer Vielzahl von jungen Marokkanern der Raum, öffentlich über ihre eigene Abkehr vom Glauben zu sprechen und Religion zu kritisieren. Das gilt insbesondere für den Islam, dem viele dieser jungen Menschen zuvor angehörten.

„Paltalk“ war das erste Medium, auf dem der Aktivist mit dem Pseudonym Hisham Nousteek über Atheismus sprach. Später wechselte er dann zur Videoplattform YouTube, über die er mittlerweile auf verschiedenen Kanälen Videos zum Thema Religion verbreitet. Darüber hinaus betreibt er eine eigene Webseite und ist auch auf seiner Facebook-Seite weiterhin sehr aktiv. Als erster Atheist Marokkos hat er zudem ein gedrucktes Buch veröffentlicht: In „Memoiren eines Ungläubigen“ schildert er im marokkanischen Dialekt seinen Weg vom Glauben zum Atheismus.

„Ein marokkanischer Ungläubiger“

„Das Internet hat unser Leben grundlegend verändert. Das hat sich auch auf unsere Überzeugungen ausgewirkt und die Art, wie wir sie thematisieren, geändert. Es war der ausschlaggebende Faktor für mich, mit meiner Kritik an Religion und meiner Abkehr vom Glauben an die Öffentlichkeit zu gehen. Auf einmal konnte ich ganz einfach und problemlos mit Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt treten“, sagt Nousteek im Gespräch mit Qantara.de. In seinen Worten spiegelt sich die weit verbreitete Idee, dass durch die sozialen Netzwerke und die Möglichkeit, öffentlich und ohne Tabus zu diskutieren, eine große Anzahl von Muslimen zu Atheisten werden könnte.

Die Verbreitung atheistischen Denkens über die sozialen Netzwerke ist jedoch nicht die einzige Veränderung, die das Internet mit sich gebracht hat: „Dank des Internets stehen den Menschen heutzutage Informationen und Quellen zur Verfügung, die es früher nur in teuren Büchern gab. Dadurch begannen viele zu hinterfragen, was sie als Kinder zu glauben gelernt haben“, erklärt Nousteek.

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Kutschera übt Selbstkritik – ohne seine Thesen zu revidieren

Evolutionsbiologe Prof. Kutschera: „Als ich mit Ihnen damals das beanstandete Interview zur ‚Ehe für alle‘ führte, konnte ich nicht erahnen, welch heftige Reaktionen folgen würden.“

kath.net

Am 5. Juli 2017 wurde auf kath.net ein Interview mit dem Evolutionsbiologen Prof. Dr. Ulrich Kutschera unter dem Titel „Ehe für alle? ‚Diese widersinnige Entscheidung überrascht mich nicht‘“ publiziert. Es folgte eine ungewöhnlich ungewöhnliche Medienresonanz, wobei bei uns fast alle Kommentare positiv ausfielen. Am 5. Juli 2019 fand im Kasseler Amtsgericht ein Prozess gegen den umstrittenen Biologen statt – als Anschuldigungen wurden „Volksverhetzung und Fahrerflucht“ genannt. Wir befragten Prof. Kutschera auf Grundlage der Medienberichte zur aktuellen Situation.

kath.net: Herr Prof. Kutschera, in den deutschen Medien sind Sie im Moment in den Schlagzeilen. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation bezüglich unseres Online-Mediums?

Prof. Kutschera: Als ich mit Ihnen damals das beanstandete Interview zur „Ehe für alle“ führte, konnte ich nicht erahnen, welch heftige Reaktionen folgen würden.

Zunächst einmal, weil ich als Biologe Probleme erforsche, für die sich die Allgemeinbevölkerung wenig interessiert, zum anderen, weil ich die Reichweite von kath.net unterschätzt hatte. Ich finde es großartig, dass Sie, als gläubige Katholiken, einem „bekennenden Atheisten“ wie mir, der schon vor vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten ist, ein Forum bieten. So sollte ein demokratisch-divers organisiertes Miteinander funktionieren: Man respektiert die unterschiedlichen Standpunkte und diskutiert sie ergebnisoffen-undogmatisch aus.

Zum aktuellen Fall: Nach derzeitigem Stand liegen zehn Medienberichte vor, von unterschiedlicher Qualität.

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