Evolutionspsychologe Steven Pinker erhält »Human Roots Award«

Am 9. November 2018 verlieh das Archäologische Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution MONREPOS des RGZM zum zweiten Mal den »Human Roots Award« für herausragende wissenschaftliche Leistungen und ihren Einfluss auf die Archäologie der Menschwerdung. Der diesjährige Preisträger ist Harvard-Professor Steven Pinker. Er ist einer der einflussreichsten Vertreter der evolutionären Psychologie, der sich als Kolumnist und Sachbuchautor auch an ein breites Publikum wendet. Für seine Forschungen zur Verhaltensentwicklung bekam er vom Vorjahrespreisträger und diesjährigem Schirmherrn Richard Dawkins die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung überreicht.

Christina Nitzsche Stabsstelle Medien
Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) – Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie

Univ.-Prof. Dr. Sabine Gaudzinski-Windheuser, Leiterin von MONREPOS, begrüßte die mehr als einhundert Gäste, die zur Verleihung erschienen waren. Mit dem Human Roots Award wolle die Institution des Leibniz-Forschungsinstituts für Archäologie eine Brücke zwischen den Menschen heute und unserer Verhaltensentwicklung in der Vergangenheit schlagen, mit dem Ziel, deren humanistische Agenda des »Menschbleibens« in der Zukunft zu fördern. „Und gerade darin liegt die entscheidende Bedeutung der pleistozänen Archäologie“, führte Gaudzinski-Windheuser fort. „Denn wir Archäologinnen und Archäologen sind Verwalter materieller Archive, die sich über die letzten drei Millionen Jahre menschlichen Verhaltens gebildet haben.“ So sei die pleistozäne Archäologie ein Teil des interdisziplinären Orchesters von Disziplinen, die sich der Erforschung des Menschen widmeten.

Entwicklung menschlicher Verhaltensmuster verstehen

Dr. Lutz Kindler, Archäologe in MONREPOS, fasste in seiner Laudatio Pinkers Werk zusammen: Steven Pinkers preisgekrönten Bücher über Wahrnehmung und Denken in unserem Gehirn, den Sprachinstinkt, die menschliche Natur und nicht zuletzt über die Rolle der Gewalt in der Menschheitsgeschichte seien allesamt Bestseller der wissenschaftlichen Literatur. „Sein Ausblick auf unsere Zukunft basiert auf Wissenschaft und Geschichte, Statistik und Humanismus“, erklärte Kindler. „Je besser wir den langen Prozess des Werdens zu den Menschen verstehen, die wir heute sind, desto besser wird es uns gelingen, auch in Zukunft diese Menschen zu bleiben.“ Dabei betont er, dass die Archäologie dazu einen wesentlichen Beitrag zu diesem Verständnis leisten könne. Denn nur die Archäologie beschäftige sich mit der materiellen Aufzeichnung menschlichen Verhaltens in der langen Evolutionsgeschichte des Menschen. „Um das ‚Wann‘, ‚Warum‘ und ‚Wie‘ unserer Verhaltensentwicklung zu verstehen, ist die Archäologie ein wichtiger fächerübergreifender Beitrag zum Verständnis zum heutigen Verhalten. Steven Pinker ist ein Augen- und Türöffner für das interdisziplinäres Denken und Arbeiten! 2014 war er uns bei der Konzeption unserer neuen Ausstellung eine große Inspiration.“

»Statistiken sprechen für gesunden Optimismus«

Schirmherr des Human Roots Awards 2018 war der englische Evolutionsbiologe und Preisträger 2017 Professor Richard Dawkins. „Ich betrachte Steven Pinker als unseren führenden Intellektuellen, der in der Öffentlichkeit steht. Wenn der Literatur-Nobelpreis an einen Wissenschaftler vergeben würde – und das sollte er –, dann wäre er der Hauptanwärter“ würdigte Dawkins Pinker vor der Preisübergabe. „Ich freue mich sehr, ihm hier in MONREPOS den »Human Roots Award« überreichen zu können“.

In seiner Dankesrede stellte Pinker die Thesen seines jüngsten Buches »Aufklärung jetzt!« vor, in dem er Entwicklungen vergangener Jahrhunderte im Vergleich zu heute untersucht. Mit anschaulichen Grafiken verdeutlichte er dem Publikum, dass es den Menschen rein statistisch gesehen immer besser gehe. Sie wären gesünder, würden älter und dank Demokratie und globaler Wirtschaft gebe es weniger Kriege. „Leider verkaufen sich schlechte Nachrichten besser als gute und so sehen wir in den Medien viel Negativität. Dies führt dazu, dass wir denken, es gehe uns schlechter, als es tatsächlich der Fall ist.“ So plädiert Pinker darauf, sich auf Vernunft und die Werte der Aufklärung zu besinnen und sich so der derzeit grassierenden Negativität und dem Populismus entgegenzustellen.

Im Anschluss wurde erst im Saal, dann auf der Feier angeregt diskutiert. Zudem trafen sich am Morgen nach der Preisverleihung zehn Expertinnen und Experten, um sich mit Pinker im Zuge eine Frühstücksdebatte zum Thema „Gewalt und Krieg“ aus der Perspektive verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen auszutauschen.

Der Human Roots Award

Im Jahr 2017 rief das Archäologische Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution MONREPOS den »Human Roots Award« ins Leben. Der internationale Archäologiepreis versteht sich als Brückenschlag zwischen den Wissenschaften. Er soll den interdisziplinären wissenschaftlichen Dialog fördern, um die archäologische Sichtweise auf die »Menschwerdung« mit der humanistischen Agenda des »Menschseins« zu verknüpfen. Der Preis ehrt Archäologen oder Forscher anderer wissenschaftlicher Disziplinen für bahnbrechende Beiträge zum Verständnis der menschlichen Verhaltensevolution.

Pressematerialien

Download: Pressemitteilung, Bildunterschriften und Pressebilder (ZIP-Datei):
https://cloud.rgzm.de/index.php/s/GdE2G1IUiB1Qsb6

Koordination

Univ.-Prof. Dr. Sabine Gaudzinski-Windheuser, Dr. Olaf Jöris; Dr. Lutz Kindler

Answering the Hard Question

Image credit: skeptic.com
“You’re an Atheist?! How Do You Find Meaning and Morality in Life if There Is No God?”

By Ralph Lewis | Skeptic.com

As a psychiatrist working with people facing many kinds of adversity, sometimes people ask about my own religious beliefs. In those cases where it is appropriate for me to provide a frank and direct answer to this question, it is not uncommon for some, especially religious believers, to respond with the question “You’re an atheist?! How do you find meaning and morality in life if there is no God?” What follows is my answer, addressed to a religious believer.

The age-old assumption that there must be some sort of higher purpose to life fits with an intuitive human tendency to think that “everything happens for a reason” (and it’s all about us). This assumption has powerful potential to affect motivation— positively or negatively. The belief that life has inherent purpose is a double-edged sword: It can be reassuring and comforting, but can also lead to bitter anguish and feelings of abandonment when suffering cruel adversity (“Why me?!”). In contrast, the realization that life is fundamentally random is anxiety provoking, but liberates people from destructive unfounded self-blame, and the realization that meaning is something we make for ourselves can be empowering.

I see how the human tendency to think that events have inherent purpose and to think that such purpose refers to oneself (“everything happens for a reason and it’s all about me!”) becomes magnified ad absurdum in psychiatric disorders: as paranoid delusions in psychosis, grandiosity in mania, and irrational magical thinking in obsessive-compulsive disorder. Many aspects of human nature, and our many cognitive biases, are writ large in mental disorders, exposing the flaws in these intuitions more plainly. Interestingly, there are evolutionary reasons why we all have this tendency to mistakenly overidentify pattern and purpose.

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Islamkritik als legitimer Akt der Selbstverteidigung

Foto: Pixabay.com / kalhh
Religiöse Verfolgung hört mit der Flucht in das westliche Land der Freiheit nicht auf

Von Kacem El Ghazzali | RDF

„Wären sie von der Strafe für den Glaubensabfall befreit worden, gäbe es den Islam heute nicht mehr.“
Yusuf al-Qaradawi, islamischer Theologe und Vorsitzender der Internationalen Union muslimischer Gelehrter, über Apostaten

Es gibt keinen islamischen Staat und auch keine islamische ‚Republik‘, die Gedanken- und Glaubensfreiheit garantierte. Religiöse Minderheiten in muslimischen Mehrheitsgesellschaften wie etwa Christen leiden unter gesellschaftlicher Unterdrückung. Auch Apostaten sehen sich oft gnadenloser Repression ausgeliefert, da das Verlassen der Religion als unverzeihbares Tabu gilt. Unter Verfolgung und Gesetzen, die nicht nur den Glaubensabfall, sondern auch jede Religionskritik kriminalisieren, leiden religiöse Minderheiten, ex-muslimische Individuen und säkulare muslimische Liberale gleichermaßen.

Obgleich die Bestrafung derjenigen, die keiner Religion mehr angehören wollen, gemäß den vier wichtigsten islamischen Rechtsschulen die Todesstrafe ist, und es 13 muslimische Länder gibt, in denen Glaubensabfall und Religionskritik mit dem Tode bestraft werden, sind die Chancen von Ex-Muslimen aus muslimischen Ländern auf ein Bleiberecht in Europa sehr gering; der Austritt aus dem Islam oder der Wechsel zu einer anderen Religion ist meist kein hinreichender Grund für politisches Asyl. Der Asylbewerber muss beweisen, dass er in seinem Herkunftsland unter islamischer Herrschaft einer direkten Gefahr ausgesetzt ist. Und die meisten derjenigen, denen in Europa schließlich doch politisches Asyl gewährt wird, sind meist nicht nur Ex-Muslime, sondern auch politische Aktivisten, Schriftsteller oder Blogger, die entweder direkt mit dem Tod bedroht oder wegen Blasphemie zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden.

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Why the singular of “data” is not “anecdote”

This column was first published in the November 2018 issue of Scientific American.

For a documentary on horror movies that seem cursed, I was recently asked to explain the allegedly spooky coincidences associated with some famous films.

By Michael Shermer

Months after the release of Poltergeist, for example, its 22-year-old star, Dominique Dunne, was murdered by her abusive ex-boyfriend; Julian Beck, who played the preacher “beast,” succumbed to stomach cancer before Poltergeist II’ s release; and 12-year-old Heather O’Rourke died months before the release of what would be her last starring role in Poltergeist III.

The Exorcist star Linda Blair hurt her back when she was thrown around on her bed when a piece of rigging broke; Ellen Burstyn was injured on set when flung to the ground; and actors Jack MacGowran and Vasiliki Maliaros both died while the film was in postproduction (their characters died in the film).

When Gregory Peck was on his way to London to make The Omen, his plane was struck by lightning, as was producer Mace Neufeld’s plane a few weeks later; Peck avoided aerial disaster again when he canceled another flight at the last moment (that plane crashed, killing everyone onboard); and two weeks after filming, an animal handler who worked on the set was eaten alive by a lion.

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Der Stammtisch der Gottlosen

„Man versteht sich, weil es die gleiche Wellenlänge ist“, sagt Michael Geyer (links). Wolf Steinberger (daneben) hat den Gottlosenstammtisch vor 20 Jahren gegründet. (Foto: Robert Haas)
Seit 20 Jahren treffen sich Atheisten, Agnostiker und ehemalige Taufscheinchristen, um über Gott und die Welt zu disputieren. Die Gruppe will ein Sprachrohr sein für Ungläubige.

Von Wolfgang Görl |Süddeutsche Zeitung

Ah, die Gottlosen“, ruft der Kellner in die Runde. „Geht’s euch gut?“ Michael Wladarsch antwortet prompt: „Ja, Gott sei dank.“

Ein Kneipenabend, der so beginnt, kann nicht ganz schlecht sein, auch wenn sehr fromme Menschen, wüssten sie, dass man sich hier unter dem Motto „Gottlosenstammtisch“ trifft, womöglich dreimal das Kreuz schlagen würden. Für den Kellner aber sind die etwa 20 Stammtischschwestern und -brüder ein gewohnter Anblick. Sie sind jeden vierten Donnerstag im Monat im Café Mariandl, und sollte jemand auf die Idee kommen, mit einem Blick unter den Tisch zu prüfen, ob in dem einen oder anderen Schuh ein Bocksfuß steckt, wäre das Ergebnis enttäuschend: Alle haben, so weit man sehen kann, ganz normale menschliche Beine.

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Wer nervt hier wen?

Foto: Pixabay.com / RobinHiggins
Atheisten oder Christen nerven Journalisten

Von Uwe Lehnert | Richard-Dawkins-Foundation

Die Online-Zeitung »Pro – Christliches Medienmagazin« zitiert am 15.11.2018 unter dem Titel »Wenn Atheisten nerven« den ZEIT-Journalisten Raoul Löbbert. Es heißt dort, dass seiner Auffassung nach heutige Atheisten nicht diskutieren, sondern nur die eigene Ignoranz bestätigt sehen wollen. Und weiter klagt er, dass er meistens einer Tirade von Anfeindungen ausgesetzt sei, wenn er auf einer Party davon berichte, dass er gläubig sei. Dabei sei er sich sicher, dass es auch für hartgesottene Atheisten Momente gebe, wo sie existenziellen Trost brauchen würden.

Ich vermute dagegen, dass der Herr Journalist eher einen Ungläubigen nervt mit seinen einfältigen Ansichten über Religion, Kirche und Katholizismus. Die Zeiten, als »Atheisten« den Drang verspürten, sich gegenüber der Übermacht von meist ja christlichen Gläubigen rechtfertigen zu müssen und mit wissenschaftlichen Erkenntnissen auftrumpften, sind doch längst vorbei. Heute begegnet ein Ungläubiger, also so ein »nervender Atheist«, einem seinen Glauben fröhlich und manchmal in freundlich-naiver Weise äußernden Menschen mit Nachsicht, mit freundlichem Verständnis, keinesfalls mit einem Schwall von Argumenten. Auch wenn es überheblich klingen mag, manchmal ist es eher Mitleid, das man mit einem Menschen empfindet, der von Kindesbeinen an geistig vergewaltigt wurde durch eine Lehre, die er als Kind überhaupt nicht verstehen, sondern nur glauben konnte – glauben im Vertrauen auf die Autorität von Pfarrer und Eltern. In diesem Alter werden solche Legenden und Versprechungen so tief im Unterbewusstsein verankert, dass sie später rationalen Argumenten so gut wie nicht mehr zugänglich sind.

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Der teleologische Gottesbeweis

Bild: Hannes Grobe (CC BY 3.0)
Schlussfolgerung von der Ordnung bzw. der scheinbaren Zweckhaftigkeit der Natur auf die Existenz eines Gottes.

Von Johannes Heinle | Richard-Dawkins-Foundation

Der teleologische Gottesbeweis (auch: desgin-argument) schlussfolgert von der Ordnung bzw. der scheinbaren Zweckhaftigkeit der Natur a posteriori auf dieExistenz eines intelligenten Designers (Gott)1:

  • (P1) Das Universum ist (a) lebensfreundlich geordnet bzw. (b) zweckmäßig.
  • (P2) Wenn eine Entität geordnet oder zweckmäßig ist, wurde sie von einem intelligenten Designer erschaffen.
  • (C1) Das Universum wurde von einem intelligenten Designer erschaffen.
  • (C2) Dieser intelligente Designer ist (der abrahamitische) Gott.

Dieses Argument wird häufig mit der Uhrmacher-Analogie untermauert2:

  • (A1) Das Universum und Uhren sind sich ähnlich (sind geordnet bzw. zweckhaft).
  • (A2) Uhren haben die Eigenschaft von einem ID erschaffen wurden zu sein.
  • (K1) Also wurde auch das Universum von einem ID erschaffen.

„Sie flanieren an einem Strand entlang und finden dort unverhofft eine Uhr.   Natürlich werden Sie annehmen, dass diese Uhr von einem Uhrmacher erschaffen wurde. Dann muss aber auch das Universum erschaffen wurden sein, da dieses noch viel geordneter und zweckhafter ist als eine Uhr.“3

Oder der teleologische G. wird als Schluss auf die beste Erklärung formuliert:

  • (A1*) Das Universum ist (a) lebensfreundlich geordnet bzw. (b) zweckmäßig.
  • (A2*) Die beste (oder vielleicht sogar einzige) Erklärung für geordnete bzw. zweckmäßige Entitäten ist ein intelligenter Designer.
  • (K1*) Das Universum wurde von einem intelligenten Designer erschaffen.

1. Kritik

1.1. Prämissen

(P1a) Das Universum ist lebensfreundlich geordnet.

Die Prämisse P1a ist unwahr. Das Universum ist überwiegend nichtlebensfreundlich geordnet. Sie müsste eigentlich lauten:

(P1a) Unser Planet Erde ermöglicht die irdische Form von Leben.

Das ist aber eine triviale Beobachtung: (i) Denn jedes Lebewesen muss sich notwendig immer in einer für das Lebewesen lebensfreundlichen Ordnung vorfinden, wäre dies nicht der Fall, könnte es gar nicht existieren (A. Prinzip).

(ii) Es ist auch nicht verwunderlich, dass unsere Lebensform so gut auf der Erde leben kann. Denn sie hat sich in evolutionärer Anpassung an die irdischen Umweltbedingungen entwickelt. Anders als der TG uns glauben lassen möchte, ist also nicht unsere Umwelt an uns, sondern wir an unsere Umwelt angepasst.

Es könnte auch noch ganz andere Lebensformen geben. Aus der Stringtheorie folgt die Existenz von 10500 Multiversen mit jeweils 1022 kosmischen Objekten. Das entspricht unvorstellbaren 10522 kosmischen Objekten. Für jedes dieser Objekte mag die Entstehung von Leben unwahrscheinlich sein. Dass aber überhaupt auf einem dieser kosmischen Objekte zeitweilig eine Form von Leben entstanden ist, war womöglich sehr wahrscheinlich.

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1Der Teleologische Gottesbeweis wird im Englischen daher oft als „argument from design“ bezeichnet. Da man dabei jedoch von einem Tatbestand bloßer Ordnung auf einen Planer dieser Ordnung schließen will, wäre der Ausdruck „argument to design“ adäquater. Vergleich: Antony Flew: Revisiting Arguments to Design (1999), S. 52 – 53.

2Analogieschlüsse haben generell die Form:

  • (P1) As und Bs sind sich ähnlich.
  • (P2) As haben die Eigenschaft F.
  • (K1) Bs haben ebenfalls die Eigenschaft F.

3Die Analogie geht nicht auf: Wenn die Uhr bereits dem gesamten Universum entspricht, haben Strand, Beobachter etc. keine Entsprechungen mehr.

Steven Pinker: „Aufklärung jetzt“

Das Buch des Harvard-Professors ist ein erholsamer Gegenentwurf zu Wissenschaftsfeindlichkeit und Verschwörungstheorien, die sich in Politik und Gesellschaft in den letzten Jahren breitgemacht haben. (Buchcover: S.Fischer Verlag / Hintergrund: dpa/Bifab)
Er ist einer der Popstars im internationalen Wissenschaftsbetrieb: Steven Pinker. Der Psychologieprofessor an der Universität Harvard schreibt Bestseller-Bücher und regelmäßig Beiträge für die „New York Times“ oder den „Guardian“. In seinem neuesten Werk singt er ein Loblied auf die Aufklärung.

Von Benjamin Dierks | Deutschlandfunk

Der wohl größte Fan von Steven Pinkers Buch „Aufklärung jetzt“ ist Bill Gates. Gleich nach Erscheinen erklärte der Microsoft-Gründer es zu seinem „absoluten Lieblingsbuch aller Zeiten“. Gates setzt sich mit seiner Stiftung gegen Hunger, Armut und Krankheit ein. Da wird ihm gefallen, dass mit Pinker mal jemand kommt und die Erfolge feiert, die auf diesem Gebiet erzielt wurden. Auf der anderen Seite hat Gates sein Leben lang Computer gebaut und ist es gewohnt, die Welt in Nullen und Einsen einzuteilen. Da liegt es nahe, dass ihm Pinkers Mission gefällt, denn der setzt auch auf Zahlen, um die Welt zu erklären. Mit ihrer Hilfe will der Harvard-Psychologieprofessor aufzeigen, dass es uns heute allen Klagen zum Trotz so gut geht wie noch nie und in Zukunft voraussichtlich sogar noch besser gehen wird.

„Für Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt“ – der Untertitel klingt nach einem Manifest. Pinker will in seiner 600 Seiten langen Abhandlung nachweisen, dass Aufklärung und Wissenschaft, die Naturwissenschaft vor allem, den Menschen mehr Wohltaten bereitet haben, als es viele heute wahrhaben wollen.

„Ich bin auf Datensätze gestoßen, die belegten, dass es den Menschen immer besser geht. Die schien niemand zu kennen, weil nicht über sie berichtet wurde. Ich wollte sie abbilden und erklären.“

Pinker hat in der Tat sehr viele ermunternde Daten zusammengetragen. In 15 Kapiteln von Gesundheit über Wohlstand, Sicherheit und Demokratie bis hin zu Lebensqualität und Glück zählt er penibel auf, was sich für den Menschen verbessert hat: Die Lebenserwartung liegt heute im weltweiten Durchschnitt bei 71 Jahren – im Vergleich zu 30 Jahren im 18. Jahrhundert. Die Arbeitszeit ist gesunken, die Zahl der Demokratien gestiegen, Krankheiten, die vor nicht langer Zeit noch Millionen Todesopfer forderten, sind mit Medikamenten und Impfstoffen eingedämmt oder ausgerottet worden.

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Ein- und Ansichten eines Vernunftmenschen und eines Forschers aus Leidenschaft

Richard Dawkins, Screengrab
Rezension zu Richard Dawkins: Forscher aus Leidenschaft – Gedanken eines Vernunftmenschen

Von Uwe Lehnert | Richard-Dawkins-Foundation

Die Rede ist von Richard Dawkins – Evolutionsbiologe, Aufklärer und Religionskritiker. In seinem 1976 erschienenen Buch »Das egoistische Gen« vertrat er die provozierende These, dass wir allein von unseren von Generation zu Generation weitergegebenen Genen gesteuert werden und dass alle biologischen Organismen vor allem dem Überleben und der Unsterblichkeit der Erbanlagen dienen. Dawkins klärte uns aber darüber auf, dass wir aufgrund der inzwischen gewonnenen Einsichten in den naturgesteuerten Ablauf diesem Gen-Schicksal dennoch nicht hilflos ausgeliefert seien. Spätestens mit dem Erscheinen seines weltweit verbreiteten Buches »Der Gotteswahn« wurde er auch einer großen Öffentlichkeit als vehementer Religionskritiker bekannt. »Der Gotteswahn« ist eine leidenschaftliche Streitschrift gegen das Irrationale, Fortschrittsfeindliche und Zerstörerische der Religionen. Dawkins gilt seither als einer der bekanntesten Vertreter des sog. Neuen Atheismus.

Man darf gewiss ohne Übertreibung sagen, dass Richard Dawkins einer der einflussreichsten gegenwärtigen Intellektuellen ist. Nach einer sehr fruchtbaren Phase als Wissenschaftler und Forscher, die 1967 in Berkeley/USA begann, übernahm er 1995 an der Universität Oxford eine »Professur für die Förderung des Wissenschaftsverständnisses in der Öffentlichkeit« (Professor of the Public Understanding of Science). Eine wohl einmalige Einrichtung in der internationalen Wissenschaftslandschaft, die die Informationsdefizite in der Gesellschaft in Bezug auf wissenschaftliche Erkenntnisse beseitigen helfen soll. Diese Kluft an Einsichten besteht zwischen dem wissenschaftlichen und aufgeklärten Denken einer gesellschaftlichen Minderheit und dem durch Unwissen, Aberglauben und kompromissloses Festhalten an religiösen »Wahrheiten« gekennzeichneten Verhalten einer großen Mehrheit. Im Jahr 2008 zog sich Dawkins aus Altersgründen aus dem akademischen Betrieb zurück. Als Vortragender und Autor zu wissenschaftlichen, speziell evolutionsbiologischen, aufklärerischen, religionskritischen sowie politischen Themen ist er dennoch bis heute aktiv geblieben.

Das nachfolgend zu würdigende Buch umfasst 41 Aufsätze und Vorträge aus 40 Jahren wissenschaftlicher und publizistischer Tätigkeit, meist mit aktualisierenden Nachworten versehen, wobei die neueren Texte überwiegen. Die Herausgeberin Gillian Somerscales hat zusammen mit Dawkins die Texte ausgewählt, thematisch gruppiert und jeweils einleitend mit klugen und hilfreichen Kommentierungen versehen.

Teil I ist überschrieben mit: »Wert(e) der Wissenschaft«. Im Beitrag »Die Werte der Wissenschaft und die Wissenschaft der Werte« meint Dawkins mit Blick auf die Wissenschaftler: »Grundlage ihres Berufes ist die Überzeugung, dass es so etwas wie eine objektive Wahrheit gibt, die über kulturelle Unterschiede hinausgeht; wenn demnach zwei Wissenschaftler die gleiche Frage stellen, gelangen sie unabhängig von ihren vorgegebenen Überzeugungen, ihrer kulturellen Herkunft und innerhalb gewisser Grenzen auch ihrer Fähigkeiten zu der gleichen Antwort.« (S. 31f)

Während Teil I davon handelt, was Wissenschaft ist, befasst sich Teil II: »All ihre gnadenlose Pracht« damit, wie Wissenschaft betrieben wird. Es folgen ausführliche, gut verständliche Betrachtungen zur Wirkungsweise der Evolution, wobei übliche Missverständnisse geduldig geklärt werden. Es schließt sich eine Würdigung des Beitrags von Alfred Russel Wallace, eines Zeitgenossen Darwins, zur Entwicklung der Evolutionstheorie an. Erwähnt wird, dass Darwin und Wallace trotz der brisanten Konkurrenzsituation eine freundschaftliche Beziehung entwickelten. Bei aller Schönheit der Ergebnisse der Evolution macht Dawkins – wie schon in Teil I – darauf aufmerksam, dass Evolution eine höchst »blutige Angelegenheit« ist. »Die läuferische Eleganz von Geparden und Gazellen wurde auf beiden Seiten mit einem gewaltigen Blutzoll und dem Leiden unzähliger Vorfahren erkauft.« (S. 44) Neues und angepassteres Leben baut auf dem Töten und Fressen der weniger angepassten und damit unterlegenen Individuen auf. Zahllose Vorläufer beispielsweise von Antilopen oder Gazellen mussten sterben, um heutige Antilopen und Gazellen sich entwickeln zu lassen, die genügend schnell sind, um eine Überlebenschance zu haben, wenn sie von den fleischfressenden Geparden oder Löwen gejagt werden.

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Islamischer Extremismus in der Schweiz

Symbolbild, welches nicht in der Schweiz aufgenommen wurde. Bild: RDF
Einer neupublizierte Studie von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) zum Thema Extremismus in der Schweiz hat ergeben, dass knapp die Hälfte der befragten muslimischen Jugendlichen eine abwertende Haltung gegenüber westlichen Gesellschaften hat.

Interview mit Giordano Brunello | Richard-Dawkins-Foundation

26.1% der Befragten finden beispielsweise, dass die Frauen in der Schweiz viel zu viele Freiheiten hätten. 29.1% der Befragten gaben an, dass sie die Lebensweise der Menschen in der westlichen Welt, etwa die Kleidung, abstoßend finden würden. Circa ein Viertel der befragten 670 jungen Muslimen haben sogar angegeben, dass sie sich die Scharia auch in der Schweiz wünschen.

Ich wurde heute von einer Journalistin kontaktiert, die mir im Zusammenhang mit dieser Studie einige Fragen gestellt hat. Ich habe diese relativ umfassend beantwortet, weshalb meine Ausführungen im fraglichen Medium nicht vollständig wiedergegeben werden können. Darüber hinaus sollen auch andere Experten zu Wort kommen. Da meine Antworten in der etwas umfassenderen Form vom allgemeinen Interesse sein könnten, habe ich diese nachfolgend wiedergegeben:

Sie kennen bzw. zeigen die Folgen der Scharia auf. Was denken Sie, wieso haben jugendliche Muslime diese Anti-Haltung gegenüber der westlichen Gesellschaft und ihren Werten?

Zunächst möchte ich definieren, was Scharia überhaupt ist, weil die meisten Menschen hier in Europa eine falsche respektive ungenügende Vorstellung davon haben, was dieser Begriff bedeutet. Scharia (häufig mit „Weg zur Quelle“ übersetzt) ist die Gesamtheit der islamischen Rechts- und Verhaltensnormen (inklusive Methode der Rechtsfindung), die sehr umfassend sind. Die Scharia übertrifft das, was wir uns üblicherweise unter dem Begriff Recht vorstellen, bei weitem. So sagt die Scharia beispielsweise auch, dass ein Gläubiger sich die Zähne putzen sollte. Sie gibt dem Muslim die Gebetsrichtung vor. Sie sagt, dass er eine Pilgerfahrt durchführen sollte und sie gibt die Regeln bei einer Scheidung vor. Scharia ist also Recht im weitesten Sinne.

Die Scharia ist aber kein Buch. Vielmehr existieren verschiedene Quellen der Scharia. Die Hauptquelle der Scharia ist der Koran, das über den Erzengel Gabriel und mittels den Propheten Mohammed gegenüber den Menschen offenbarte Wort Gottes. Darüber hinaus sind insbesondere die sog. Hadithe eine Quelle der Scharia. Insbesondere dort sind Befehle, Gebote und Verhaltensweisen des Propheten zu finden und darüber hinaus der Offenbarungszusammenhang der koranischen Suren, damit diese interpretiert werden können. Die Hadithe sind rund 200 Jahre nach dem Koran schriftlich verfasst und kanonisiert worden. Zuvor seien sie mündlich übertragen worden, so die Angabe der islamischen Tradition. Wenn ein gläubiger Muslim oder Muslimin den Regeln der Scharia folgt, namentlich die Gebote und Verbote des Koran einhält und das angeblich vorbildliche Verhalten des Propheten kopiert und auch dessen Befehlen folgt, die insbesondere in diesen Hadithen niedergelegt sind, führt er oder sie damit ein gottgefälliges Leben. Genau darum geht es in der Scharia. Sie beantwortet den Muslimen, wie sie ein gottgefälliges Leben führen können. Scharia ist also bei weitem nicht bloss das islamische Zivilrecht oder das Strafrecht mit den barbarischen Körperstrafen.

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Steven Pinker and Michael Shermer in Conversation

Image: eSkeptic
Thanks to Pangburn Philosophy and Travis Pangburn Harvard University psychologist Dr. Steven Pinker and Skeptic publisher Dr. Michael Shermer had an enlightening conversation for a full house at the L’Olympia theater in Montreal, where Pinker grew up.

eSkeptic

Pinker and Shermer discussed morality and science, morality and politics, good and evil, moral progress in an era of Populism and Nationalism, the negativity bias and how to put into perspective all the bad news reported daily by the media, and how to find meaning and purpose in a humanistic nontheist worldview.

Dr. Steven Pinker is a Johnstone Family Professor in the Department of Psychology at Harvard University where he conducts research on language and cognition. He writes for publications such as the New York Times, Time and The Atlantic, and is the author of ten books, including The Language Instinct, How the Mind Works, The Blank Slate, The Stuff of Thought, The Better Angels of Our Nature, and most recently, Enlightenment Now: The Case for Reason, Science, Humanism, and Progress.

Dr. Michael Shermer is the Publisher of Skeptic magazine, a monthly columnist for Scientific American, and a Presidential Fellow at Chapman University where he teaches Skepticism 101. He is the author of Why People Believe Weird Things, Why Darwin Matters, The Science of Good and Evil, and The Moral Arc. His new book is Heavens on Earth: The Scientific Search for the Afterlife, Immortality & Utopia.

This conversation took place on September 16th, 2018 at the Olympia Theatre in Montréal, Canada.

 

Richard Dawkins und die Verteidigung menschlicher Vernunft

Richard Dawkins: Forscher aus Leidenschaft. Foto: Ralf Julke
Von fundamentalen Dummköpfen nicht irre machen lassen

Ralf Julke | Leipziger Internet Zeitung

Es ist erstaunlich: Zu Beginn des 21. Jahrhunderts kämpfen wir nun wieder gegen ein Dunkelmännertum, das eigentlich in dieser Vernunftfeindlichkeit zuletzt im 17. Jahrhundert zu finden war. Es wird an Verschwörungstheorien und Astrologie geglaubt, an göttliche Pläne und heimliche Kräfte. Und umso mehr fällt ein Bursche auf, der seit Jahrzehnten mit Witz und Sarkasmus für die Benutzung des gesunden Menschenverstandes wirbt.

Zum ersten Mal so richtig ins Hornissennest gestochen hat der englische Evolutionsbiologe Richard Dawkins ja bekanntlich 1976 mit der Veröffentlichung seine Buches „The Selfish Gene“, das in der deutschen Variante dann als „Das egoistische Gen“ erschien. Was natürlich all den Diskutanten, die nur das Wörtchen „egoistisch“ lasen, suggerierte, Dawkins würde die Gene geradezu personifizieren und den Egoismus zur neuen Triebkraft der Evolution erklären. Tatsächlich erzählte er mit seinem Buch sehr plastisch, wie die darwinistische Evolution tatsächlich vor sich geht – nämlich auf Basis der Gene, den Informationsträgern des Lebens.

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Steven Pinker und die Antifa

Steven Pinker Bild: Picture-Alliance
Der Bestsellerautor aus Harvard trat in Berlin bei der Max-Planck-Gesellschaft auf. Die Anschaulichkeit des Vortrags begeisterte, doch eine Folie der Präsentation fiel aus dem Rahmen.

Von Patrick Bahners | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Es ist leicht, die Heiterkeit von Steven Pinker als Unernst misszuverstehen. Grinsend tritt der Silberlockenkopf aus Harvard ans Rednerpult, wie ein Hampelmann breitet er die Arme aus und klappt sie wieder zusammen. So geschehen jetzt in Berlin, wo der Psychologe die Thesen seines Buches „Aufklärung jetzt: Für Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt. Eine Verteidigung“ (S. Fischer; F.A.Z. vom 12. Oktober) im Rahmen der jährlichen Harnack-Vorlesung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) vorstellte. Mit hoher Stimme und scheinbar spöttisch gespitzten Lippen beginnt er: „Von Zeit zu Zeit stellen wir uns alle ein paar tiefgründige und schwierige Fragen.“

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Dokumentarfilm über NY Public Library – Neue Räume schaffen

Mehr als Bücher ausleihen: Lernen gehört zum Bildungsangebot in der Public Library Foto: Kool
Der Dokumentarfilm „Ex Libris. Die Public Library von New York“ von Frederick Wiseman zeigt, wie sich die Bibliothek stets neu erfindet.

Fabian Tietke | taz.de

Im Foyer des Hauptgebäudes der New York Public Library an der Fifth Avenue hat sich eine kleine Menschenmenge versammelt. Vorne auf der Bühne steht der Biologe Richard Dawkins und bricht eine Lanze für die nichtreligiösen 20 Prozent der US-amerikanischen Bevölkerung. Mit nur halb unterdrücktem Grinsen führt Dawkins aus, dass er eigentlich nicht sonderlich kämpferisch sei, sondern einfach nur ein Freund der Wahrheit. So sei das auch gewesen, als er schrieb: „Jeder, der behauptet, ein Kreationist zu sein, ist entweder dumm, unwissend oder verrückt.“

Unnötig zu sagen, dass er sich damit in der evangelikalen Bewegung der USA nicht nur Freunde gemacht hat. Doch vor dem Gewicht des versammelten Wissens von 51 Millionen Medien, die in der New York Public Library ihr Zuhause haben, bekommt der Satz etwas von nüchternem Beharren auf Entlarvung von religiösem und anderem Unfug.

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„Weltbürger statt Reichsbürger!“ / In Berlin findet vom 11.-18. November die „Säkulare Woche der Menschenrechte“ statt

Bild: Presseportal/obs/Giordano Bruno Stiftung
Die universellen Menschenrechte sind durch den Vormarsch von Nationalisten und Fundamentalisten weltweit bedroht.

Presseportal-gbs

Aus diesem Grund erinnert die „Säkulare Woche der Menschenrechte“ (Berlin, 11.-18. November) an die weltbürgerliche Haltung, die der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ zugrunde liegt. Mit von der Partie sind u.a. Richard Dawkins, Hamed Abdel-Samad, Ingrid Matthäus-Maier, Michael Schmidt-Salomon, Mina Ahadi, Michael Shermer und Philipp Möller.

Den Auftakt macht am Sonntag, dem 11. November, eine Podiumsdiskussion in der Urania Berlin zwischen dem britischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins und dem amerikanischen Wissenschaftsjournalisten Michael Shermer. Am Montag (12.11.) stellt die Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) im Haus der Bundespressekonferenz die Anliegen der „Säkularen Woche der Menschenrechte“ sowie ihre Broschüre „Die Menschenrechte: Wie sie entstanden sind – und warum wir sie verteidigen müssen“ vor. Im Rahmen der Pressekonferenz wird sich zudem der Verein „Säkulare Flüchtlingshilfe“ (Atheist Refugee Relief) präsentieren, der religionsfreie Menschen unterstützt, die vor dem politischen Islam nach Deutschland geflohen und auch hierzulande besonders gefährdet sind.

Zum Gedenken an den vor 50 Jahren unter mysteriösen Umständen gestorbenen hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer findet am Donnerstag (15.11.) im Kino Hackesche Höfe eine Vorführung des Dokumentarfilms „Fritz Bauer – Tod auf Raten“ mit anschließendem Gespräch zwischen der Regisseurin Ilona Ziok und dem Philosophen Michael Schmidt-Salomon statt. „Islam und Menschenrechte – verschiedene Kulturen, die gleichen Probleme?“ lautet das Thema der Podiumsdiskussion am Freitagabend (16.11.) im Veranstaltungszentrum Palisa. Mitwirkende sind u.a. Hamed Abdel-Samad („Der islamische Faschismus“), Mina Ahadi (Vorsitzende des „Zentralrats der Ex-Muslime“) und Rana Ahmad („Frauen dürfen hier nicht träumen“).

Am Samstagabend (17.11.) kommt es im Kino Hackesche Höfe zu einer Europäischen Filmpremiere: Der Film „The World is My Country – The Garry Davis Story“ dokumentiert die abenteuerliche Geschichte des „Weltbürgers Nr. 1“ Garry Davis, der, unterstützt u.a. von Albert Camus und Albert Einstein, am 19. November 1948 die UN-Vollversammlung besetzte. Die von Davis initiierte „Weltbürgerbewegung“, der sich in kürzester Zeit Hunderttausende anschlossen, erzeugte einen so starken zivilgesellschaftlichen Druck, dass die UN-Delegierten gar nicht anders konnten, als die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ am 10.12.1948 zu verabschieden.

Die „Säkulare Woche der Menschenrechte“ endet am Sonntagmorgen (18.11.) mit einer Podiumsdiskussion zur Frage „Wie sieht der säkulare Staat der Zukunft aus?“ Der Vorsitzende des Koordinierungsrates säkularer Organisationen (KORSO) Helmut Fink diskutiert über dieses Thema mit Ingrid Matthäus-Maier (ehemalige SPD-Spitzenpolitikerin und Juristin), Michael Schmidt-Salomon (gbs), Thomas Heinrichs (HVD) sowie mit Vertreterinnen und Vertretern der deutschen Politik.

Pressekontakt:

Elke Held (gbs-Geschäftsführung)
https://www.giordano-bruno-stiftung.de/content/pressekontakt

Missbrauch in der Kirche: Ein Kinofilm, der den Tabubruch wagt

Regisseur Wojciech Smarzowski spricht vor der Polen-Premiere seines Spielfilm «Kler» (übersetzt: Klerus). Bild: Stach Leszczynski/PAP/dp
Sexueller Missbrauch durch katholische Priester war in Polen bislang nicht thematisiert. Ein Kinofilm bricht nun das Schweigen und empört viele Geistliche.

Von Gerhard Gnauck | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ein Tabu ist gebrochen, ein Land ist in Aufruhr. Die Debatte über Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche zieht in Polen immer weitere Kreise. Mit seinen fast 90 Prozent Katholiken galt das Land bisher als eine der treuesten Töchter der römisch-katholischen Kirche.

Diese Institution war – als Polen geteilt war, dann unter deutscher und sowjetischer Besatzung und schließlich in gut vier Jahrzehnten Kommunismus – die oberste Autorität, Wahrer der nationalen Identität und bis 1989 sogar eine Trutzburg, in deren Mauern frei diskutiert werden konnte. Wahrer der Identität: In dieser Rolle sehen viele Geistliche ihre Kirche auch heute.

Auch die nationalkonservative Regierungspartei PiS sieht die Kirche in dieser Funktion. Umgekehrt kann die PiS auf die wohlwollende Unterstützung eines großen Teils der kirchlichen Hierarchie zählen.

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Atheisten für den Islam

Als am vergangenen Sonntag in Berlin gegen Fremdenfeindlichkeit demonstriert wurde, war auch eine Organisation mit dabei, die sich bisher durch ihr Eintreten gegen den Einfluss jeglicher Religion in Staat und Gesellschaft auszeichnete.

Archi W. Bechlenberg | Achgut.com

Es ist die Giordano-Bruno-Stiftung, benannt nach dem 1600 von der Heiligen Inquisition auf dem Scheiterhaufen als Ketzer verbrannten italienischen Priester, Dichter, Philosophen und Astronomen gleichen Namens. Im Gegensatz zu Opfern des IS Terrors, so erklärte mir einmal ein katholischer Theologe, sei Bruno nicht etwa unrechtmäßig hingerichtet worden; es habe zuvor ein ordentliches Gerichtsverfahren gegeben.

Die GBS nennt sich „Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung“, sie tritt ein für eine „tragfähige humanistische, rationale und evidenzbasierte Alternative zu den traditionellen Religionen“ und möchte dieser „gesellschaftlich zum Durchbruch zu verhelfen.“

Ob der Stiftung ihr Mitdemonstrieren gegen Fremdenfeindlichkeit bei in Deutschland lebenden Japanern, Griechen, Italienern, Vietnamesen oder Luxemburgern positiv aufgefallen ist, ist zumindest fraglich.

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„Afterdienst“: Ein kritischer Blick auf die atheistische Missionsstrategie – poehse Atheisten

Die atheistische Bedrohung

Am Samstag, 10. November, lädt die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) im Landkreis Kelheim um 9.30 Uhr zu einem Studientag mit Professor Dr. Bertram Stubenrauch in das Kloster Weltenburg ein. Das Thema lautet: „Gott auf der Anklagebank? – Ein kritischer Blick auf die atheistische Missionsstrategie“.

Wochenblatt

„Es gab immer schon Menschen, die so lebten, als gäbe es Gott nicht. Und manche haben Gottes Existenz mit Argumenten ausdrücklich bestritten. Inzwischen aber hat der Atheismus einen geradezu missionarischen Eifer entwickelt: Man predigt aggressiv gegen den Gottesglauben und beginnt Gleichgesinnte miteinander zu vernetzten“, so die Beobachtung des Referenten. Der Studientag geht der Frage nach, mit welchen Methoden, mit welchen Argumenten und auf welchem Niveau atheistische Propaganda vorgeht. Er informiert über die Geschichte des Atheismus und seinen aktuellen Ist-Stand, diskutiert aber auch Versäumnisse auf Seiten der Glaubenden, mit der Herausforderung, die atheistisches Gedankengut darstellt, angemessen umzugehen. Ziel des Seminars ist die eingehende Diskussion der Teilnehmenden untereinander und mit dem Referenten. Dem dienen einführende Impulse des Referenten und die Vorstellung charakteristischer Texte.

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fowid: Weniger Kirchenmitglieder, mehr Konfessionsfreie

fowid
Im Jahr 2017 verlor die römisch-katholische Kirche 269.000 Mitglieder in Deutschland, die evangelische Kirche (EKD) sogar 394.000. Die Gruppe der konfessionsfreien Menschen wuchs um 499.000 Personen an, die Gruppe der konfessionsgebundenen Muslime um 105.000. Dies geht aus einer Übersicht der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) hervor, die aktuell auf der Website der Forschungsgruppe veröffentlicht wurde.

GBS | hpd.de

Nach fowid-Angaben stellten die Konfessionsfreien 2017 mit 37 Prozent den größten Bevölkerungsanteil in Deutschland. Mit deutlichem Abstand folgen die Katholiken (28 Prozent), die Protestanten (26 Prozent), die konfessionsgebundenen Muslime (5 Prozent) sowie die Mitglieder sonstiger Religionsgemeinschaften (4 Prozent).

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