Gleichberechtigung im Islam?

Bild: RDF
Immer wieder behaupten Islamapologeten aber vor allem Islamapologetinnen in Fernsehsendungen und Artikeln, dass im Islam Frauen und Männer gleichberechtigt seien.

Von Giordano Brunello | Richard-Dawkins-Foundation

Sie gehen manchmal so weit wie beispielsweise Khola Maryam Hübsch und geben an, dass Mohammed der erste Feminist gewesen sei. Nachfolgend möchte ich zunächst eine berühmte Stelle aus dem Koran, namentlich Sure 4:34, zitieren, welche die entsprechenden absurden Behauptungen sofort widerlegt, wonach der Scharia-Islam so etwas wie die Gleichberechtigung der Geschlechter kenne. Die Übersetzung stammt von Rudi Paret, die in Fachkreisen als die beste Koranübersetzung in deutscher Sprache gilt.

„Die Männer stehen über (qauwāmūn ʿalā) den Frauen, weil Gott sie (von Natur aus vor diesen) ausgezeichnet hat und wegen der Ausgaben, die sie von ihrem Vermögen (als Morgengabe für die Frauen?) gemacht haben. Und die rechtschaffenen Frauen sind (Gott) demütig ergeben und geben acht auf das, was (den Außenstehenden) verborgen ist, weil Gott (darauf) acht gibt (d.h. weil Gott darum besorgt ist, dass es nicht an die Öffentlichkeit kommt). Und wenn ihr fürchtet, dass (irgendwelche) Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie (wa-dribū-hunna)! Wenn Sie euch (daraufhin wieder) gehorchen, dann unternehmt (weiter) nichts gegen sie! Gott ist erhaben und groß.“

Im ersten Teil dieser Koranstelle wird klar die Überordnung des Mannes gegenüber der Frau festgelegt. Dies steht einerseits wortwörtlich dort und ferner entspricht diese Interpretation auch der Meinung der Tradition. Darüber hinaus – und das ist das Wichtigste – ist dies die praktizierte Realität in der islamischen Welt, was für alle Menschen, die in der Lage sind, objektiv zu denken, völlig offensichtlich ist. Der Schluss der vorzitierten Koranstelle sieht – so wie man dort nachlesen kann – ein Züchtigungsrecht des Mannes gegenüber seiner Frau vor. Dabei gibt es eine Kaskade von drei Stufen, was von gewissen Musliminnen und Muslimen als eine Art Errungenschaft empfunden wird. Zuerst soll die Frau ermahnt werden und nicht gleich geschlagen. Dann gibt es Sexentzug, was insbesondere für jene muslimische Frauen, die ohne eigene Einwilligung in einer Ehe leben müssen, eine enorme Strafe sein muss. Erst dann, wenn selbst das nicht gewirkt hat, dann soll geschlagen werden. Dazu gibt es übrigens Regeln. Man(n) schlägt seine Frau nicht einfach so, wie es einem gerade passt! Die Scharia gibt dazu nützliche Tipps, wie diese beiden Damen aus Australien in diesem Film mit viel Detailwissen darlegen. Auch andere Filme auf YouTube sagen darüber ähnliche Dinge. Der Mann soll mit einem kleinen Stecken schlagen, mit einem Tuch oder mit der flachen Hand jedoch nicht mit der Faust und vor allem niemals mit Verletzungsabsicht (weil man(n) sein “Eigentum” nicht zerstören sollte, ist schließlich Gabe Gottes).

Nach Kenntnis dieser Koranstelle kann nicht wirklich behauptet werden, dass im Islam Frau und Mann gleichberechtigt seien. Dies widerspricht dem klaren Wortlaut des Koran und entsprechende Behauptungen sind nichts anderes als Taqiya, um den Islam vor Kritik von “Ungläubigen” zu verteidigen, außer die Person, die solchen Unsinn ausspricht, hätte tatsächlich keine Ahnung vom Islam. Jedenfalls sollten solche Äußerungen nicht ernst genommen werden. Wer in Anbetracht dieser Koranstelle von Gleichberechtigung sprechen will, hat sicherlich nicht das gleiche Verständnis davon, was normalerweise unter diesem Begriff verstanden wird. Wer solchen Unsinn verbreitet wie, dass Mohammed der erste Feminist gewesen sei wie Khola Maryam Hübsch im oben verlinkten Artikel, unterscheidet sich nicht wirklich von Kellyanne Conways mit ihren “Alternative Facts“.

Um es noch deutlicher zu machen, weshalb nach islamischer Vorstellung Frauen Männern untergeordnet sind, möchte ich aus dem Nasihat al Muluk (Ratgeber für Könige) des “großen” islamischen Denkers al-Ghazali zitieren. Damit die Bedeutung und der Stellenwert dieses al-Ghazali im Islam von den Lesern eingeordnet werden kann, hier ein Auszug aus dem Wikipedia-Eintrag über diesen “Philosophen”:

„Abū Hāmid Muhammad ibn Muhammad al-Ghazālī, kurz auch Alghazāli (arabisch أبو حامد محمد بن محمد الغزالي, DMG Abū Ḥāmid Muḥammad b. Muḥammad al-Ġazzālī; persisch ابو حامد محمد غزالی; lateinisch Algazel; geboren 1058 in Tūs bei Maschhad; gestorben am 19. Dezember 1111, mit dem ehrenden Beinamen Huddschat al-Islām, war ein persischer islamischer Theologe, Philosoph und Mystiker. Ghazali zählt bis heute zu den bedeutendsten religiösen Denkern des Islams. (…) Während er einerseits für den Untergang der Philosophie im islamischen Osten (im Gegensatz zum islamischen Spanien, wo sie aufblühte) verantwortlich gemacht wird, bewirkte er auf der anderen Seite eine Wiederbelebung der Theologie.“

Mit anderen Worten stellt das Werk Nasihat al Muluk etwas Ähnliches dar wie Il Principe (Der Fürst) von Machiavelli im Westen, wobei al-Ghazali in der islamischen Welt eine ähnliche Rolle spielt wie der bedeutende Denker der Renaissance. Jedenfalls ist dieser al-Ghazali so bedeutend, dass vier seiner Werke in die UNESCO-Sammlung repräsentativer Werke aufgenommen wurden, wobei ich fairerweise einräumen muss, dass Nasihat al Muluk nicht dazu gehört.

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Warum KI die Welt besser regieren könnte als Menschen

Wenn es um künstliche Intelligenz und die Möglichkeit geht, dass sie ein Bewusstsein entwickelt, stoßen wir auf eine tiefsinnige philosophische Schwierigkeit. Ich bin philosophischer Naturalist. Ich bin Vertreter der Ansicht, dass nichts in unserem Gehirn die Gesetze der Physik verletzt, dass es nichts gibt, was prinzipiell nicht auch von Technologie reproduziert werden kann.

Von Richard Dawkins | Richard-Dawkins-Foundation

Es wurde noch nicht gemacht und wir sind vielleicht noch weit davon entfernt es zu tun, aber ich sehe keinen Grund zu glauben, warum wir nicht in der Zukunft an den Punkt gelangen sollten, an dem ein menschengemachter Roboter dazu in der Lage ist ein Bewusstsein zu entwickeln und Schmerzen zu empfinden. Wir können Schmerz empfinden, warum sollten sie es nicht können? Und die ist besonders verstörend, weil uns der Gedanke gegen den Strich geht, dass eine Maschine aus Metall und Siliziumchips Schmerz empfinden könnte, aber ich sehe keinen Grund, warum sie es nicht tun könnte.

Und deshalb wird es in der Zukunft moralische Überlegungen geben, wie man künstlich intelligente Roboter behandelt, ein Problem über das Philosophen und Moralphilosophen bereits sprechen. Noch einmal: Ich bin davon überzeugt, dass dies möglich ist. Ich vertrete die Ansicht, dass alles, was ein menschliches Gehirn kann, ebenfalls durch Silizium repliziert werden kann. Und ich kann die Bedenken, die von hochangesehenen Personen wie Elon Musik und Stephen Hawking geäußert wurden nachempfinden, laut denen wir nach dem Vorsorgeprinzip besorgt sein müssen, dass eine Machtergreifung durch Roboter, die wir selbst erschaffen haben, möglich ist, besonders, wenn sie sich selbst vervielfältigen können, sich fortentwickeln und nicht mehr auf uns angewiesen sind.

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Daniel Dennett: Es gibt nichts Übernatürliches

Für ihn ist der Mensch nur Materie: Daniel Dennett gilt als grosser Entzauberer der Philosophie. imago/ZUMA Press
Für Daniel Dennett hat der Mensch nichts Rätselhaftes an sich. Alles sei naturwissenschaftlich erklärbar, sagt der Philosoph. Wo bleibt da der Geist? Und wo die Freiheit?

Von Yves Bossart | SRF

Mit seinem weissen Rauschebart und dem selbstgeschnitzten Gehstock sieht er aus wie Gott persönlich. Passender wäre jedoch: wie Charles Darwin.

Der 75-jährige Starphilosoph Daniel Dennett sagt nämlich von sich selbst, er sei ein Roboter, konstruiert im Laufe der Evolution. Für Dennett gibt es nichts Übernatürliches. Alles ist prinzipiell naturwissenschaftlich erklärbar, auch unser Bewusstsein.

Das Ich ist nur eine Illusion

Gefühle und Gedanken seien, ebenso wie unser Ich, nichts weiter als Illusionen, die das Gehirn erzeuge, um einfacher funktionieren zu können. Der Geist sei letztlich nicht mehr als das Gehirn und somit ein Produkt der Evolution.

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Sigmund Freuds Religionskritik: Der Gottkomplex

Sigmund Freud (1856-1939) hat zunächst mit der jüdischen Tradition seiner Familie gebrochen, bevor er durch den Antisemitismus eine jüdischen Identität annahm (imago stock&people)
Warum Menschen glauben, wollte Sigmund Freud wissen. Seine Antwort: Weil sie nicht erwachsen sind, sondern wie ein Kind Trost und Hilfe von einem Vater im Himmel erhoffen. Zum Judentum bekannte sich der Psychoanalytiker – zur jüdischen Religion nicht.

Von Klaus Englert | Deutschlandfunk

Der Vater der Psychoanalyse Sigmund Freud erzählte einmal mit süffisanter Ironie, wie ein ausgezeichneter Mann, der sich rühmte, sein Freund zu sein, ihn zur Religion habe bekehren wollen. Der Wiener Psychoanalytiker zeigte sich überrascht, denn er hatte ihm zuvor sein religionskritisches Pamphlet Die Zukunft der Illusion geschickt. In seinem Brief erzählte ihm der Bekannte, dass er in der Religion ein Gefühl von „Ewigkeit“, von etwas „Unbegrenztem“ verspürt. Er empfinde sogar ein „ozeanisches Gefühl“. Freud erwiderte darauf in seiner bekannt trockenen Art: Dieses „ozeanische Gefühl“ habe er selbst niemals an sich entdeckt. Allerdings könne er sich als Psychoanalytiker sehr wohl vorstellen, dass dieses Gefühl in der Sexualität anzutreffen ist. So schreibt er in dem 1930 publizierten Aufsatz Das Unbehagen in der Kultur:

„Auf der Höhe der Verliebtheit droht die Grenze zwischen Ich und Objekt zu verschwimmen.“ (Bd. XIV, 423)

Sigmund Freud bleibt bei der menschlichen Psyche, um dieses Gefühl zu ergründen. Er entdeckt es beim Säugling, der sein Ich noch nicht von der Außenwelt scheiden kann. Ein Ichgefühl entsteht nämlich erst – so Freud – durch die Trennung von Innen- und Außenwelt. Das ursprüngliche Gefühl von Einheit, das vom Kleinkind empfunden wird, bleibt in den tiefen Schichten des Seelenlebens erhalten. Als Psychoanalytiker sah Sigmund Freud nur zwei Wege, dieses Gefühl zu ergründen: Entweder seine im seelischen Haushalt abgelagerten „Spuren“ in der therapeutischen Praxis offen zu legen. Oder aber: Das mysteriöse, allumfassende Gefühl in ein Jenseits zu projizieren. So wie es Freuds Bekannter machte und dabei die Religion entdeckte.

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Bernd(Björn) Höcke: Dodo des Monats Januar 2018

Dodo des Monats Januar 2018 ©HFR

Es ist nicht Riad, nicht Dschidda und auch nicht Mekka, von denen die Bedrohung des christlichen Abendlandes ausgeht. Der saudische Wahhabismus und die Spielart der Salafiyya auch nicht. Das islamistische Übel beginnt am Bosporus, glaubt man Björn Höcke, dem thüringischen Landesvorsitzenden der Alternative für Deutschland. Oder besser, dem völkischen Volk, welches in Thüringen lebt und für das er vorgibt zu sprechen. Das Volk, das Deutsche, hat es ihm angetan, er verspricht Großes, Deutschland den Deutschen, es bleibt abzuwarten in welchen Grenzen Höcke seine Deutschtümelei verortet wissen will. Momentan ist das noch sein Geheimnis, gilt es doch Deutschland von den „Muselmannen“ zu befreien und dem wiederentstehenden Osmanischen Reich Sultan Erdogans rechtzeitig entgegenzutreten.

Lassen wir ihn zu Wort kommen.

„Das, was wir jetzt noch nicht durchsetzen können, weil wir nicht die Macht haben – aber wir werden die Macht bekommen – und dann werden wir das durchsetzen, was notwendig ist, damit wir unser freies Leben leben können. Dann werden wir die Direktive ausgeben, dass am Bosporus mit den drei großen M, Mohammed, Muezzin und Minarett, Schluss ist, liebe Freunde!“Björn Höcke, Eisleben

Es gilt den Islam in der Türkei zu verbieten, mittels Direktive. Die Methode ist uns nicht unbekannt, seit dem gescheiterten Putsch in der Türkei, wird das Land mittels Direktiven Erdogans regiert. Die Methode hat er also geklaut, viel besseres als Direktiven herauszugeben fällt ihm nicht ein. Da er in Thüringen, bei der nächsten Landtagswahl 2019, Ministerpräsident werden will konstruieren wir den Fall, dass er es schafft. Also, Ministerpräsident Höcke verbietet mittels Direktive den Islam am Bosporus, Mohammed, Muezzin und Minarett sind am Ende. Donald Trump lässt sich von seinem Berater erklären, dass die Thüringer kein Indianer-Volk aus den Black Hills sind, die kommunistische Partei Chinas verwendet einen Globus, da steht nur DDR. Verwirrung, global und international. Polen versetzt die Armee in erhöhte Gefechtsbereitschaft, weil sie damit rechnen, dass Höcke mittels Direktive Ostpreussen, Pommern und Schlesien, einschließlich Danzig, zum deutschen Volke gehörig erklärt. Und so werden Höckes Thüringer, Glasbläser, Spielzeugmacher, als Volk versteht sich, zu Eroberern. Der einzige, der wirklich handelt ist ein Psychiater. Er schickt vier kräftige Pfleger, die Höcke in der Bewegungsfreiheit hemmen und steckt ihn die Klappse. So könnte es sein, die Realität ist leider eine andere.

Nichts ist so obskur wie der Begriff des Volkes, eine willkürliche Setzung. Wir sind die in.group und zeigen allen anderen, wie wir uns Freiheit vorstellen, die out.group landet in Lagern, wird deportiert oder gleich erschossen. Hatten wir schon, die Resultate sind weithin bekannt, die Höckes bedienen sich demagogischer Metaphern, das Kollektiv Gleichgesinnter wird zur verbalen Gewaltzelle, noch.

Da es gilt das christliche Abendland zu retten, können die Kelles, von Storch‘, Beverfoerdes et al für die Verdummung der Kinder sorgen und ihre christlichen Bildungspläne des 19. Jahrhunderts in der Praxis umsetzen. Den abendländischen feministischen Spinnern wird der Garaus gemacht, für Frauen gilt dann wieder Kinder, Küche, Kirche.

Und weil das Volk angeblich so wichtig ist, die Sicht Heinrich Heines zum Thema:

O das Volk, dieser arme König in Lumpen, hat Schmeichler gefunden, die viel schamloser, als die Höflinge von Byzanz und Versailles, ihm ihren Weihrauchkessel an den Kopf schlugen. Diese Hoflakaien des Volkes rühmen beständig seine Vortrefflichkeiten und Tugenden, und rufen begeistert: wie schön ist das Volk! wie gut ist das Volk! wie intelligent ist das Volk! – Nein, ihr lügt. Das arme Volk ist nicht schön; im Gegenteil, es ist sehr häßlich. Aber diese Häßlichkeit entstand durch den Schmutz und wird mit demselben schwinden, sobald wir öffentliche Bäder erbauen, wo Seine Majestät das Volk sich unentgeltlich baden kann. Ein Stückchen Seife könnte dabei nicht schaden, und wir werden dann ein Volk sehen, das hübsch propre ist, ein Volk, das sich gewaschen hat. Das Volk, dessen Güte so sehr gepriesen wird, ist gar nicht gut; es ist manchmal so böse wie einige andere Potentaten. Aber seine Bosheit kommt vom Hunger; wir müssen sorgen, daß das souveräne Volk immer zu essen habe; sobald allerhöchst dasselbe gehörig gefüttert und gesättigt sein mag, wird es euch auch huldvoll und gnädig anlächeln, ganz wie die andern. Seine Majestät das Volk ist ebenfalls nicht sehr intelligent; es ist vielleicht dümmer als die andern, es ist fast so bestialisch dumm wie seine Günstlinge. Liebe und Vertrauen schenkt es nur denjenigen, die den Jargon seiner Leidenschaft reden oder heulen, während es jeden braven Mann haßt, der die Sprache der Vernunft mit ihm spricht, um es zu erleuchten und zu veredeln. So ist es in Paris, so war es in Jerusalem. Laßt dem Volk die Wahl zwischen dem Gerechtesten der Gerechten und dem scheußlichsten Straßenräuber, seid sicher, es ruft: »Wir wollen den Barnabas! Es lebe der Barnabas!« – Der Grund dieser Verkehrtheit ist die Unwissenheit; dieses Nationalübel müssen wir zu tilgen suchen durch öffentliche Schulen für das Volk, wo ihm der Unterricht auch mit den dazugehörigen Butterbröten und sonstigen Nahrungsmitteln unentgeltlich erteilt werde.Heinrich Heine, Geständnisse – Kapitel 5, Projekt Gutenberg.de

Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Richard Dawkins über die Zeit

Proteinuhr

2001 führte das Ashmolean Museum in Oxford eine Ausstellung mit dem Namen „Über Zeit” durch, in der Uhren und Zeitmesser aller Zeitalter zu sehen waren. Lesen Sie die Eröffnungsrede von Autor Richard Dawkins, die auch in seiner jüngsten Sammlung von Texten Science in the Soul (deutsche Ausgabe „Forscher aus Leidenschaft“ im Oktober 2018) erschienen ist.

Von Richard Dawkins | Richard-Dawkins-Foundation

Das Ashmolean Museum ist Oxfords führendes Museum für Kunst und Antiquitäten. 2001 führte es eine Ausstellung mit dem Namen „Über Zeit” durch, in der Uhren und Zeitmesser aller Zeitalter zu sehen waren. Ich fühlte mich geehrt, dazu eingeladen worden zu sein, sie zu eröffnen und hier ist die Rede, mit der ich das tat.

Zeit ist recht mysteriöses Material – fast so ungreifbar und schwer festzuhalten wie das wache Bewusstsein selbst. Sie scheint zu fließen – wie ein immerwährender Fluss – aber was genau fließt da? Wir haben das Gefühl, dass die Gegenwart die einzige Instanz der Zeit ist, die tatsächlich real existiert. Die Vergangenheit ist eine verschwommene Erinnerung, die Zukunft eine vage Unsicherheit. Physiker sehen es anders. Die Gegenwart hält keinen privilegierten Status in ihren Gleichungen. Einige Physiker der neueren Zeit sind sogar so weit gegangen, die Gegenwart als ein Produkt des Gehirns des Beobachters, als eine Illusion zu beschreiben.

Für Poeten ist Zeit keineswegs eine Illusion. Sie hören das Herannahen ihres geflügelten Streitwagens, sie versuchen Fußspuren in ihrem Sand zu hinterlassen, wünschen es gäbe mehr von ihr – um dazustehen und in die Ferne zu starren, laden sie ein, ihre Karawane anzuhalten, sei es auch nur für einen Tag. Sprichwörter definieren Aufschub als ihren Dieb oder sie berechnen mit unwahrscheinlicher Genauigkeit die Rate ihrer möglichen Einsparungen. Archäologen entdecken rosarote Städte, halb so alt wie die Zeit selbst. Kneipenbesitzer rufen sie auffordernd an die Gentlemen aus. Wir verschwenden sie, verbringen sie, holen sie heraus, vergeuden sie, schlagen sie tot.

Lange bevor es Uhren oder Kalender gab, haben wir – tatsächlich alle Tiere und Pflanzen – unsere Leben in astronomischen Zyklen gemessen. Nach den Umläufen dieser riesigen Uhren im Firmament: der Rotation der Erde um ihre Achse, der Rotation der Erde um die Sonne und der Rotation des Mondes um die Erde.

Nebenbei, es ist erstaunlich, wie viele Leute denken, dass die Erde im Sommer näher an der Sonne ist als im Winter. Wenn dem wirklich so wäre, hätten die Australier ihren Winter zur selben Zeit wie wir. Ein leuchtendes Beispiel für diese Art von Nördlicher Hemisphären Arroganz war eine Science-Fiction Geschichte, in der eine Gruppe von Weltraumreisenden, weit draußen in einem fernen Sternensystem, nostalgisch über den Heimatplaneten sinnierten: „Man stelle sich nur mal vor, es ist jetzt Frühling zuhause auf der Erde”.

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Islamwissenschaftler erforschen türkischen Atheismus

Fordert Atheismus die herrschende Elite der Türkei heraus, sofern er im öffentlichen Raum sichtbar ist? Fragen wie diese stehen im Fokus eines neuen Forschungsprojektes, das seit Kurzem am Marburger Centrum für Nah- und Mittelost-Studien (CNMS) angesiedelt ist. Das Vorhaben mit dem Titel „Glücklich ist derjenige, der sich Atheist nennt – Atheismus und die politische Bedeutung von Kultur in der zeitgenössischen Türkei“ ist Teil des Programms „Blickwechsel: Studien zur zeitgenössischen Türkei“ der „Stiftung Mercator“, welche die Arbeit am Fachgebiet Islamwissenschaft mit 300.000 Euro fördert.

Johannes Scholten Stabsstelle Hochschulkommunikation
Philipps-Universität Marburg

„Die Bedeutung des Themas Atheismus ist im Zusammenhang mit dem Kulturkampf zu sehen, der sich gegenwärtig in der Türkei vollzieht“, sagt der Islamwissenschaftler Dr. Pierre Hecker, der das Vorhaben leitet. Schon seit geraumer Zeit strebe die herrschende Elite danach, die von ihr favorisierte Kultur eines frommen Konservatismus zur gesellschaftlichen Norm zu erheben, um auf diese Weise ihre politische Macht in Staat und Gesellschaft zu festigen.

„Wir verstehen Kultur als ein Feld politisch-ideologischer Auseinandersetzungen“, führt der Islamwissenschaftler aus. Moralisch-religiös sensible Themen wie Nacktheit, Sexualität, Alkoholkonsum, Evolutionsbiologie oder Religionskritik unterlägen in der Türkei in zunehmendem Maße einer systematischen Verbannung aus Bildung und Medien; gleichzeitig ließen sich eine Stärkung religiöser Bildungsangebote durch den Staat ebenso beobachten wie eine zunehmende Sichtbarkeit religiöser Referenzen und Symboliken in Politik und Gesellschaft. „Das erklärte Ziel der Erziehung einer neuen, religiösen Generation stellt das bisherige Modell des türkischen Säkularismus und die sich aus diesem speisende nationale Identität zunehmend in Frage“, erläutert Projektleiter Hecker. Praktiken eines nicht-religiösen Lebensstils werden in diesem Kontext als widerständig betrachtet.

Wie Hecker erklärt, existiert bislang so gut wie keine Sekundärliteratur zum Thema Atheismus in der Türkei. Es gebe zwar Daten zu religiöser Zugehörigkeit, die von verschiedenen Meinungsforschungsinstituten erhoben worden seien, diese Daten seien meist aber nur bedingt zuverlässig.

„Das Projektteam analysiert den öffentlichen Diskurs um Atheismus unter anderem über eine systematische Auswertung von Twitter-Daten“, legt Hecker dar, „etwa zum Umgang mit nichtreligiösen Lebensweisen während des Fastenmonats Ramadan, volksverhetzenden Äußerungen von Politikern und Geistlichen gegen Atheistinnen und Atheisten oder dem Gerichtsprozess gegen den international renommierten Komponisten und selbsterklärten Atheisten Fazıl Say“.

Das CNMS kooperiert bei diesem Vorhaben mit Wissenschaftlern zweier Istanbuler Hochschulen, nämlich mit Professor Dr. Kaya Akyıldız von der Bahçeşehir Universität und mit Professor Dr. Ivo Furman von der Bilgi Universität. Vom 14. bis 16. Februar 2018 veranstaltet das CNMS in Marburg einen internationalen Workshop unter dem Titel „The Politics of Culture in Contemporary Turkey“, in dem es um die Frage geht, welche politische Bedeutung dem Feld der Kultur in der aktuellen Auseinandersetzung um Hegemonie und Widerstand in der Türkei zukommt.

Mit ihrem Programm „Blickwechsel. Studien zur zeitgenössischen Türkei“ versucht die „Stiftung Mercator“ zu einem differenzierteren Bild der Türkei beizutragen, dessen Verhältnis zu Deutschland und Europa derzeit stark von tagespolitischen Ereignissen belastet erscheint. Die Stiftung Mercator fördert außerdem den Austausch von Journalisten, Kulturmanagern, Wissenschaftlern, Nachwuchsführungskräften und einer Reihe von zivilgesellschaftlichen Akteuren zwischen Europa, Deutschland und der Türkei.

Das Marburger Centrum für Nah- und Mittelost-Studien bündelt seit zehn Jahren die nahostbezogenen Kompetenzen in Hessen. Philologisch und historisch ausgerichtete Professorinnen und Professoren lehren und forschen hier zusammen mit gesellschafts- und wirtschaftswissenschaftlichen Kolleginnen und Kollegen.

Weitere Informationen:
Ansprechpartner: Dr. Pierre Hecker,
Centrum für Nah- und Mittelost-Studien
Tel.: 06421 28-24957
E-Mail: pierre.hecker@staff.uni-marburg.de

Projektinformationen beim CNMS: http://www.uni-marburg.de/cnms/aktuelles/news/2016-11-atheismus-tuerkei

Projektinformationen bei der Mercator-Stiftung: http://www.blickwechsel-tuerkei.de/de/Projekte/aktuell/Atheismus/index.php

Wahl Dodo des Monats Januar 2018

Dodo des Monats Januar 2018 ©HFR

Kaum waren die letzten Knaller der Silvesternacht verklungen, die Raketen erloschen schritt die politisch-religiöse Bande von Ehrwürdigkeiten daran die geleerten Sprechblasen mit Unsinn, kruder Weltsicht und jeder

Menge Bullshistic zu füllen.Protestantin Merkel tat was sie in den letzten Jahren so erfolgreich ausgeübt hatte, Aussitzen, Katholik Seehofer zerfaserte sich mit seinem ungeliebten Finanzminister Söder, so dass die zweite Reihe der Hofschranzen des Kanzlerinnenamtes in die Öffentlichkeit drängen konnten. Bei zelebrieren von Tee versuchte Gabriel ein paar Rüstungsgeschäfte gut christlich an den Mann zu bringen und scheiterte grandios an der neurotischen Politik seines Kollegen aus der Türkei. Die Pfaffen der Kirchen brachten ungehinderte ihre rückwärts gewandte Weltsicht ans Wahlvolk und sehnt sich nach alten Zeiten, alter Größe und Herrlichkeit.

Die Wahl ist bis zum 07. Februar 2018, 18:00 Uhr befristet. Am folgenden Tag, wird der Gewinner gewürdigt werden.

  1.  Mustafa Yoldas, „gebt ihm einen Kampfanzug und ab ins Kurdengebiet.“
  2.  Ansgar Puff, „Willkommen im Mittelalter.“
  3.  Michael Borgholte, „verhandelt lieber mit konservativen Islam-Verbänden, Flexibilität geht anders.“
  4.  Georg Welker, „möchte die Geschichte unter der Hitler-Glocke neu deuten.“
  5.  Bernd(Björn) Höcke, „will das christliche Abendland in Istanbul retten.“
  6.  Uwe Becker, „5 Millionen Euro Steuergelder für arme, bettelnde Christenkirchen.
  7.  Manfred Scheuer „erkennt die Menschenrechte nicht an, warnt aber vor aggressiven Atheismus.“
  8.  Heinrich Bedford-Strohm, „bestimmt über Frauen, die ihn nichts angehen, mag nur Werbung für seinen imaginären Daddy.“
  9.  Franz-Josef Overbeck, „braucht die mögliche islamische Militärseelsorge um seine christliche vor dem Koma zu retten.“
  10.  Heiner Koch, „weg mit dem Berliner Neutralitätsgesetz, Freiheit für das Joch unterm Kreuz.“
  11.  Johanna Rahner, „islamische Theologie als Waffe gegen den Terror. Katholischer Größenwahn.“
  12.  Stephan Weil, „Niedersachsen braucht einen Reformationstag um die Kultur des Antisemitismus Luthers zu pflegen.“
  13.  Jens Maier, „gelebter Rassismus.“
  14.  Aiman Mazyek, „sollte endlich seine Version des Korans offenlegen.
  15.  Rainer Maria Woelki, „lebt in der Angst, dass mittels CRISPR ein Woelki geklont werden könnte.“

Weiterlesen „Wahl Dodo des Monats Januar 2018“

Austria: „Pastafaris“ beklagen Hürden vor Gericht

Die Anhänger der „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“ – Obmann ist Neos-Politiker Niko Alm – sehen sich diskriminiert

derStandard.de

Die „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters“ beklagt im Verfahren um ihre Anerkennung Hürden durch die Justiz. 300 Zeugen – alle bekennende „Pastafaris“ – will das Bundesverwaltungsgericht (BVwG) befragen, aus Zeitgründen gestaffelt. Um der Aussagepflicht zu entgehen, sei Anhängern der Religion vom Gericht die Option angeboten worden, auszutreten, berichtete Vereinsobmann Niko Alm der APA.

Im April 2014 hatte die Satire-Religion einen Antrag auf offizielle Anerkennung als religiöse Bekenntnisgemeinschaft in Österreich gestellt. Das Kultusamt entschied im Juni desselben Jahres dann negativ für die „Pastafari“.

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Kholoud Bariedah: „Alle zwei Wochen, immer am Freitag, bekam ich 50 Hiebe“

„I am my own Guardian“, steht auf dem Armband von Kholoud Bariedah, „Ich bin mein eigener Vormund“. Die Aktivistin kämpft dafür, die Vormundschaft von Männern über Frauen in ihrem Heimatland abzuschaffen. Foto: AKUD/Lars Reimann
Kholoud Bariedah ist zwanzig Jahre alt, als sie mit ein paar Freunden in ihrer Heimatstadt Dschidda in Saudi-Arabien eine Party feiert – und die Religionspolizei sie dafür verhaftet. Der Richter schickt sie in eine Besserungsanstalt nach Mekka. Sie wird gedemütigt, muss Stockschläge einstecken und wird in der Einzelhaft beinahe verrückt.

Von Silvia Perdoni | Berliner Zeitung

Nach ihrer Entlassung sagt sie sich vom Islam los, bekennt sich öffentlich zum Atheismus und flieht ins Ausland. Erst in die Türkei, dann über Schweden nach Deutschland, wo sie im Jahr 2015 Asyl erhält.

Heute ist sie 32, lebt in Berlin und hat ein Buch über ihre Zeit in Haft geschrieben. Viele Seiten, sagt sie in recht gutem Deutsch, entstanden in dem kleinen Café am Treptower Park, in das sie an diesem Januartag zum Interview kommt.

Frau Bariedah, Ihr Buch beginnt mit einem Alptraum. Wie oft lassen die Erlebnisse Sie heute noch aufschrecken?

Ich konnte nicht frei sein, bis ich die Geschichte aufgeschrieben habe. Jetzt bin ich es. Ich erkenne einen Sinn: Bis heute hat niemand über Frauengefängnisse in Saudi-Arabien geredet. Ich sollte das wohl erleben, um es der Welt mitzuteilen.

Was ist damals, im Jahr 2006, passiert?

Wir waren nur fünf Personen in einer Wohnung mit einem DJ. Doch dass Männer und Frauen gemeinsam feiern, war in Saudi-Arabien nicht erlaubt. Es kamen Polizisten von der Tugendbehörde, in zivil, ohne offizielle Uniform. Sie brachen die Tür auf. Ich geriet in Panik, wusste nicht, ob das vielleicht Terroristen oder andere Moralwächter waren, die Frauen vergewaltigen. Deswegen schlug ich um mich und traf einen der Männer, ich schrie, riss ich mich los und rannte – zur Polizei, um mich über die Männer zu beschweren.

“Wir sind unserem Gott furzegal”

Er glaubt an das Fliegende Spaghettimonster und setzt sich für Toleranz und gegen Diskriminierung ein: Erpi Bruno ist Mitgründer der italienischen Pastafari-Kirche.

Von Lisa Maria Gasser | salto.bz.de

WWAPD? What Would A Pirate Do?
Was würde ein Pirat tun? Diese Frage steht über allem im Leben eines Pastafaris. Er verehrt das Fliegende Spaghettimonster, glaubt daran, dass es die Welt erschaffen hat. Und im Pastafari-Paradies warten ein Biervulkan und eine Stripper- und Stripperinnen-Fabrik.
Die Anhänger wandeln mit einem Nudelsieb auf dem Kopf umher, bisweilen sind sie auch als Piraten unterwegs.
Was wie ein Spaß klingt, ist für Erpi Bruno alles andere als das. Er ist Bischof, “Frescovo” von Brixen, sein Pastafari-Name lautet “Fra Bernardo de la Fiasca”. Er hat die italienische Kirche des Heiligen Spaghettimonsters mit gegründet, ist Mitglied des “Erektionsteams” und “Ritter des Pastafari-Tempelordens”. “Es handelt sich dabei um selbsternannte Titel – genauso wie jene anderer Religionen”, präzisiert der überzeugte Pastafari.

salto.bz: Für die, die es nicht wissen: Was ist der Pastafarianismus?

Erpi Bruno: Der Pastafarianismus ist eine ernst zu nehmende Religion

Tatsächlich? Man könnte meinen, es sei Satire, eine Parodie!

Wir sind weder als Parodie, oder Satire zu verstehen, sondern eine Religion wie jede andere, auch wenn wir von außen etwas “abstrus” erscheinen mögen. Wir wollen jedoch zeigen, dass eigentlich alle Religionen von außen betrachtet “bizarr” erscheinen.

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Die Flucht einer Atheistin

Rana Ahmad lebt als Atheistin im deutschen Exil (Christian Faustus)
Rana Ahmad verließ vor zwei Jahren ihre Heimat. Sie flüchtete über Istanbul nach Köln. Vorher musste sie die Scharia und die saudische Religionspolizei ertragen. Im Exil in Deutschland ist nun ihr Buch erschienen über ihren „Ausbruch aus Saudi Arabien“ und den „Weg in die Freiheit“.

Von Marie Wildermann | Deutschlandfunk

Rana Ahmad heißt nicht Rana Ahmad. Sie nutzt ein Pseudonym, um sich zu schützen. Sich und die Familie in Saudi-Arabien, vor Hass und Morddrohungen. Aber seitdem sie öffentlich erklärt hat, dass sie sich vom Islam abgewandt hat, ist das Pseudonym eigentlich überflüssig. Denn Rana Ahmad ist gegenwärtig das weibliche Gesicht der Apostasie, des Abfalls vom Islam. Sie wird beschimpft und bedroht von Muslimen aus der ganzen Welt.

„In muslimischen Gesellschaften ist es nicht üblich, dass Frauen sich zum Atheismus bekennen. Nach meinem Interview habe ich viele Drohungen bekommen. Ich glaube, ich bin die erste Frau, die öffentlich in den Medien gesagt hat: Ich habe den Islam verlassen, ich bin Atheistin, weil ich frei sein wollte. Und das schlug ein wie eine Bombe. Drei Millionen Menschen haben den Film auf Deutsche Welle-TV gesehen.“

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Atheisten nicht länger totschweigen!

Kampagne von Atheisten 2009 in Berlin: „Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott.“ (Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)
Menschen, die nicht an einen Gott glauben, werden oft ungerecht behandelt. Jetzt wurden sie in Berlin mit Katholiken und Protestanten offiziell gleichgestellt. Eine spektakuläre Nachricht. Doch sie wurde kaum wahrgenommen. Genau das ist das Problem und ein Kern vieler sozialer Konflikte.

Von Lamya Kaddor | T-Online

Es war Zufall… obwohl… nach meiner Überzeugung gibt es ja keine Zufälle. Also hatte es wohl einen Sinn, dass ich Anfang der Woche auf die Nachricht aufmerksam wurde. Es war nur eine lokal begrenzte Meldung in den Medien, doch aus meiner Sicht hat sie eine zukunftsweisende gesellschaftspolitische Bedeutung.

Atheisten, die den Glauben an einen Gott nicht teilen, Agnostiker, die die Frage nach göttlicher Existenz für ungeklärt halten, Konfessionsfreie, die keiner Religionsgemeinschaft angehören, kurz: säkulare Menschen sind nun offiziell gleichgestellt mit Katholiken und Protestanten; jedenfalls in Berlin. Der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg (HVD) ist als Körperschaft des Öffentlichen Rechts (KdÖR) anerkannt worden und das wurde am Wochenende im Beisein von Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) feierlich begangen.

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Das Münchhausen-Trilemma

Foto: pixabay.com / Pauline_17
Oder: Ist es möglich, sich am eigenen Schopfe aus dem Sumpf zu ziehen?
Vortrag auf dem Symposium zu Hans Alberts 80. Geburtstag (erschienen in: Sonderheft „Hans Albert“ der Zeitschrift Aufklärung und Kritik. 2001)

Von Michael Schmidt-Salomon | Richard-Dawkins-Foundation

Vorbemerkung

Hans Alberts Bücher und Aufsätze waren in meiner Biographie von großer Bedeutung – und das ist durchaus ungewöhnlich, denn ich bin von Haus aus Pädagoge. Pädagogen gehören bzw. gehörten noch vor einigen Jahren, als ich begann, dieses Fach zu studieren, zu jener merkwürdigen hominiden Gattung, die ich scherzhaft, „die Gutmenschen“ nenne. Pädagogen wollen die Welt und die Menschen zum Guten hin verbessern, wollen „alle alles lehren“, für Gleichberechtigung und Freiheit sorgen, die Werte der Humanität verteidigen usw. usf. Wie man sich denken kann, verfügen derart moralische Menschen oft über ein sehr einfaches Gut-Böse-Schema. Die „Guten“ waren in den 70er und 80er Jahren die kritischen Theoretiker und ihr Umfeld – Theoretiker wie Horkheimer, Adorno, Marcuse, Fromm, Bloch oder Habermas, die der bösen Welt ein entschiedenes Nein entgegenschleuderten. Die Kritischen Rationalisten hingegen – allen voran Popper und Albert – residierten im „Reich des Bösen“, standen sie doch in dem Ruf, alle Ungerechtigkeiten dieser Welt mittels oberflächlicher Sozialtechnologie konservieren zu wollen. Zweifellos war das ein haltloses Vorurteil, aber es wurde dadurch erhärtet, dass der Kritische Rationalismus innerhalb der Pädagogik vor allem in Gestalt des Wolfgang Brezinka auftrat, eines Pädagogen, der einerseits als rationaler Erziehungswissenschaftler berühmt, andererseits als neokonservativer Erziehungsphilosoph berüchtigt war und ist. (1)

Es kostete mich also einige Überwindung, Popper und Albert unvoreingenommen im Original zu lesen. Kaum aber hatte ich Poppers „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ (2) und Alberts „Traktat über kritische Vernunft“ (3) zur Hand genommen, musste ich feststellen, dass diese Bücher einige Punkte weit besser zur Sprache brachten als die dialektischen Predigten meiner alten pädagogischen Leib- und Magenphilosophen. Meine Sympathien für den Kritischen Rationalismus wuchsen weiter an, als ich Alberts Buch über „Das Elend der Theologie“ (4) las. So klar und präzise war kaum einer der kritischen Theoretiker jemals dem Hirngespinst der christlichen Religion zu Leibe gerückt. Um es kurz zu machen: Ich verdanke es nicht zuletzt Hans Albert, dass ich der Unart des pädagogischen Moralisierens entronnen bin und die Welt heute etwas nüchterner, problemorientierter gegenüberstehe.

Zu meiner Vorgehensweise: Ich werde im ersten Kapitel kurz umreißen, was Hans Albert im Sumpf der Letztbegründungen entdeckt hat und welche Konsequenzen er aus dem sogenannten „Münchhausen-Trilemma“ zog. Im zweiten Kapitel will ich Alberts Ideen mit denen seines alten Weggefährten Paul Feyerabend konfrontieren. Im dritten und letzten Kapitel soll aufgezeigt werden, dass alles Denken auf Unbegründbarem gründet und warum dennoch das Prinzip der kritischen Prüfung von großem, praktischen Nutzen ist.

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„Frauen dürfen hier nicht träumen“: Vorstellung der bewegenden Autobiographie von Rana Ahmad

Bild: Giordano-Bruno-Stiftung
Rana Ahmad verließ ihre Familie und ihr Heimatland Saudi-Arabien, weil sie nicht mehr an Gott glaubte, wohl aber an ein Leben als selbstbestimmte Frau. Ihre Erlebnisse als Atheistin im saudischen Gottesstaat sowie ihre Flucht nach Deutschland schildert sie in dem bewegenden Buch „Frauen dürfen hier nicht träumen – Mein Ausbruch aus Saudi-Arabien, mein Weg in die Freiheit“, das gerade bei btb (Random House) erschienen ist.

Pressemitteilung GBS

Nach der offiziellen Buchpremiere am vergangenen Sonntag am Sitz der Giordano-Bruno-Stiftung in Oberwesel wird Rana Ahmad ihr Buch am Freitag in der Urania Berlin vorstellen. Begleitet wird sie dabei von der Journalistin und Moderatorin Ute Soldierer, die Auszüge aus dem Werk lesen wird, sowie von Michael Schmidt-Salomon, der vor 10 Jahren an der Gründung der Bewegung der Ex-Muslime beteiligt war und nun mit Rana Ahmad über ihre Erfahrungen als Ex-Muslimin, ihre Flucht über die Mittelmeerroute und ihr neues Leben in Deutschland sprechen wird.

Richard Dawkins („Der Gotteswahn“, „Die Schöpfungslüge“) schrieb zu Ranas Lebensgeschichte: „Saudi-Arabien ist eine Schande für die Menschheit und, vor allem für Frauen, die Hölle auf Erden. Rana Ahmad ist eine der wenigen tapferen Frauen, die unter einem großen persönlichen Risiko dem Regime getrotzt haben und geflohen sind. Ihre bewegende Geschichte ist eine mutige und wichtige Kampfansage, ein Aufruf, Menschenrechte vor der Unterdrückung durch theokratische Regime zu schützen und zu verteidigen.“ Auch Michael Schmidt-Salomon („Hoffnung Mensch“, „Die Grenzen der Toleranz“) zeigte sich von dem Buch beeindruckt: „Rana Ahmad ist eine außergewöhnlich mutige, junge Frau, die sich von religiösen Fundamentalisten nicht einschüchtern ließ und die Hoffnung auf ein Leben in Freiheit niemals aufgegeben hat. Ihre Lebensgeschichte, die sie mit Unterstützung der Berliner Autorin Sarah Borufka verfasst hat, ist berührend, aufwühlend, engagiert und klug. Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der die Hoffnung auf eine bessere Welt noch nicht aufgegeben hat, denn es zeigt wie kaum ein anderes, was aufrechter Gang wirklich bedeutet.“

Die Veranstaltung am Freitag, dem 19. Januar 2018, in der Urania Berlin (Kleist-Saal, An der Urania 17, 10787 Berlin) beginnt um 19.30 Uhr. Es wird empfohlen, Tickets für die Veranstaltung, die von der Urania Berlin in Kooperation mit der Giordano-Bruno-Stiftung und der Verlagsgruppe Random House ausgerichtet wird, vorab zu kaufen oder zu reservieren.

Weitere Informationen: http://ots.de/fEKdL

Berlin: Berufsschulen wollen keine Kopftücher

Themenbild
Wann ist ein Schüler reif genug, um mit offensiven religiösen Bekenntnissen seiner Lehrer entspannt umgehen zu können? Dazu haben sich nun Berliner Schulleiter zu Wort gemeldet.

Von Susanne Vieth-Entus | DER TAGESSPIEGEL

Berliner Berufsschulleiter protestieren dagegen, dass für ihre Schulen das Neutralitätsgesetz mitsamt Kopftuchverbot für Lehrkräfte nicht gilt. „Viele Schüler der berufsbildenden Schulen sind minderjährig und befinden sich in einer Phase jugendlicher Sinnsuche“, heißt es in einer Stellungnahme vom Freitag. Es leuchte also nicht ein, dass die Berufsschulen – anders als die allgemeinbildenden Schulen – vom Neutralitätsgesetz ausgenommen seien.

„Lehrer sind sehr prägend“

„Ich glaube, dass Lehrerpersönlichkeiten sehr prägend für Schüler sind“, bekräftigte der Vorsitzende der Vereinigung „Berufliche Bildung Berlin“ (BBB), Ronald Rahmig, auf Anfrage. Daher lehne es „die übergroße Mehrheit“ der Mitglieder ab, dass Lehrer ihr Verhältnis zur Religion oder einer Weltanschauung in der Schule „zur Schau stellen“ dürfen.

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Dodo des Monats Dezember 2017: Dirk Behrendt

Dodo des Monats Dezember 2017 ©HFR

Der Berliner Senator für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, Dirk Behrendt, möchte muslimischen Lehrerinnen das Tragen eines Hijab zu erlauben.

Dem Wunsch des Senators steht das Berliner Neutralitätsgesetz entgegen.

Lehrkräfte und andere Beschäftigte mit pädagogischem Auftrag in den öffentlichen Schulen nach dem Schulgesetz dürfen innerhalb des Dienstes keine sichtbaren religiösen oder weltanschaulichen Symbole, die für die Betrachterin oder den Betrachter eine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft demonstrieren, und keine auffallenden religiös oder weltanschaulich geprägten Kleidungsstücke tragen. Dies gilt nicht für die Erteilung von Religions- und Weltanschauungsunterricht.Gesetz zu Artikel 29 der Verfassung von Berlin.Vom 27. Januar 2005.GVBl. 2005, 92

Behrendt sieht Diskriminierung für Lehrerinnen, die auf Grund ihrer Religion Kopftuch tragen wollen.

Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

Kopftuchtragende Frauen sind nichts anderes als glückliche Sklaven. Die Not Sklavin einer Religion zu sein wird zur Tugend. Nicht wenige behaupten ihre Verhüllung freiwillig zu tragen. Warum nehmen sie dann diese nicht freiwillig wieder ab? Und schon wird die Freiwilligkeit ad absurdum.
Der Senator meint die Diskriminierung liege in der Einstellung von muslimischen Lehrern begründet, die ja völlig unverschleiert daher kämen. Wie grünäugig muss man sein derart zu denken und zu unterstellen. Es sind eben jene Männer, die ihren Frauen die Freiwilligkeit der Verhüllung einreden. Welche naive Weltsicht steht hinter der Auffassung ein Gesetz aufzuweichen, welches religiös-weltanschauliche Neutralität für alle garantiert. Der säkulare Staat mischt sich nicht in die Dinge des Glaubens ein, sichert aber auch, dass er selbst weltlich neutral bleibt. Das gewährleistet die Handlungsfähigkeit des Staates gegenüber jedweder Religion und Weltanschauung. Der Pastafari-Lehrer kann nicht mit dem Nudelsieb auf dem Kopf zum Unterricht erscheinen, der Hindu darf seinen geliebten Ganesh nicht aufs Pult stellen usw. In weltlichen Angelegenheiten bestimmt der Staat, in Sachen Himmel und Hölle die vermeintlichen irdischen Hilfskräfte imaginärer Himmelsgeister.

Was wäre denn die Signalwirkung einer Lehrerin mit Hidschab? Schon jetzt werden muslimische Schülerinnen von Mitschülern unter Druck gesetzt. Der Druck wird auch aus den Moscheen heraus an die Schülerinnen vermittelt. Die kopftuchtragende Lehrerin wird zum Hebel den Druck auf muslimische Schülerinnen zu erhöhen.
Behrendt meint, Mission finde trotz Kopftuch nicht statt. Bei solch geradezu kindlicher Naivität entsteht die Frage wie man Senator in Berlin werden kann. Eine kopftuchtragende Lehrerin ist Dauermission, Propaganda. Außerdem, wie will er überprüfen, dass eben keine Mission stattfindet. Das Kopftuch höchst selbst steht für Handlungen die mit unseren Grundrechten nicht korrespondieren. Die glückliche Sklavin diskriminiert sich selbst, sie begibt sich in eine Rolle als Frau, welche dem Gleichberechtigungsgedanken des Grundgesetzes entgegensteht. Dort liegt die Diskriminierung muslimischer Kopftuchträgerinnen. Kindern soll vorgelebt werden, dass Frauen nur an Männer herantreten können, dürfen, wenn sie Kopftuch tragen. Gehts noch? 300 Jahre Aufklärung im Müll der Geschichte.
Ich würde mein Kind sofort von der Schule nehmen, angesichts dieser religiösen Indoktrinationsversuche.
Heute reden wir über kopftuchtragende Lehrerinnen, morgen darf der Scientologen-Lehrer seine Xenu-Puppe den Kinder vorführen. Vielleicht will ja der Berliner Justizsenator eine religiös-plurale Theokratie.
2001 urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte: Das Erziehungsrecht der Eltern und die negative Religionsfreiheit des Kindes (also frei von Religion zu sein) sowie der staatliche Bildungsauftrag müssen höher bewertet werden, als das Recht auf freie Berufswahl der Lehrerin.

Die Grünen-Abgeordnete Bettina Jarasch auf dem Parteitag der Grünen im Dezember 2017: „Das Neutralitätsgesetz gehöre auf den Prüfstand.“

Es ist erschreckend zu sehen wie angebliche Feministinnen religiöse Unterdrückungsszenarien legitimieren wollen, unabhängig der Tatsache, sich selbst lächerlich zu machen.
Mit den Berliner Grünen werden wir es erleben, religiöser Mummenschanz auf den Richterbänken, die Richterin in Burka und über allen schwebt das Kreuz. Lichtenergie, Gong-Meditation, die grinsende Glatze vom Dalai Lama hängt neben den Lattenjupp. Die Burka-Polizistin und die Niqab-Frau vom Ordnungsamt, die grüne Welt pluralen Gotteswahns. Wer es versucht allen recht zu machen hat nicht mehr alle Latten am Zaun.

Behrendt verweist auf die derzeitige Rechtslage. Kopftuch-Lehrerinnen können in Berlin auf Entschädigung klagen, wenn sie nicht eingestellt werden. Dieser juristische Streit ist aber noch nicht letztinstanzlich entschieden. Das vom Senator ebenfalls zitierte Bundesverfassungsgericht hat „pauschale Kopftuch-Verbote“ auch nur dann als rechtswidrig eingestuft, wenn nicht alle äußeren religiösen Bekundungen unterschiedslos für alle Glaubens- und Weltanschauungsrichtungen verboten werden.

Die freudige Einfalt von Dirk Behrendt wird uns eine Vielfalt bescheren, die selbst Marokko und Tunesien als fundamentalistischen Islam erkennen werden.
Das Kopftuch ist ein religiöses und politisches Statement, wer das nicht erkennt leidet unter kognitiven Dissonanzen. Das Erschreckende daran, wie leicht Politik Erfüllungsgehilfe religiösen Konservatismus wird, statt liberal dem Freiheitsgedanken zu folgen.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Britons View Atheists As More Moral Than Believers, Religion More Harmful Than Good

Image: Church and State
An eye-opening survey conducted in the UK reveals a truth many in the United States will find shocking. When asked if atheists are more or less moral than religious people, our allies across the pond favor atheists.

By Frank Minero | Church and State

The British feel those who identify as atheists are more likely to be good people. In fact, 12.5% of Britons believe atheists are more moral, while only 6% say atheists are less moral.

Fewer than a quarter of Britons believe religion is a force for good. On the contrary, over half believe religion does more harm than good. Even 20% of Britons who describe themselves as ‘very religious’ are on record stating religion is harmful to society.

The poll, conducted by Survation for the HuffingtonPost UK’s series Beyond Belief doesn’t address why Britons have come to this conclusion, however faith in God and religion is falling in America as well. Jerome Baggett, a professor at the Graduate Theological Union in Berkeley, California told The San Francisco Business Times why he thinks people are retreating from religion in the United States,

“Religious institutions themselves have lost their legitimacy in the eyes of many Americans due to sexual and financial scandals, or political overreaching ‘by the so-called Christian right.’”

Linda Woodhead, professor of the sociology of religion at Lancaster University, told The Huffington Post UK she found the results of the poll “striking,”

“This confirms something I’ve found in my own surveys and which leads me to conclude that religion has become a ‘toxic brand’ in the UK. What we are seeing is not a complete rejection of faith, belief in the divine, or spirituality, though there is some of that, but of institutional religion in the historic forms which are familiar to people.”

Woodhead explains the reason Britons are distancing themselves from religion are “numerous” and include: sex scandals involving Catholic priests and rabbis, as well as Islamist terror attacks and conflict in the Middle East,

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Austria: Mit dem „Spaghettimons­ter“ gegen Staat und Kirche

Anhänger des „Spaghettimonsters“ könnten am Montag die Vorstufe zur Religionsgemeinschaft erreichen. Für die Religionskritiker wäre es ein Erfolg.

Kurier.at

Bekommt das „Fliegende Spaghettimonster“ einen Platz neben Gott, Allah und Buddha? Am kommenden Montag wird am Bundesverwaltungsgericht diese grundlegende Frage verhandelt. Seit 2014 kämpft die „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters“, eine Satire-Religion, um die Anerkennung als staatliche Religionsgemeinschaft. Damals lehnte das Kultusamt das Ansinnen ab, nun könnte der Streit neu entschieden werden.

Im ersten Schritt geht es den Spaghettimonster-Aktivisten darum, nur als „religiöse Bekenntnisgemeinschaft“ eingetragen zu werden. Denn die Hürden, um als vollwertige Religionsgemeinschaft gesetzlich anerkannt zu werden, sind mittlerweile hoch. Man braucht dafür zum Beispiel zwei Promille der Bevölkerung, also 17.000 Menschen als Mitglieder. Auch muss die Gemeinschaft seit mindestens 20 Jahren in Österreich bestehen, zehn davon in organisierter Form.

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Predigt: Atheismus 2.0. und die »Sunday Assemblies«

Dürfen Christen auch über Atheismus nachdenken? Über die Kraft der Mythen in dem Kinofilm »Krieg der Sterne« und andere Mythen.

Von Werner Tiki Küstenmacher | Sonntagsblatt

Es kommt nur etwa alle sieben Jahre vor, dass der letzte Tag des Jahres auf einen Sonntag fällt. Heuer ist es wieder einmal so weit. Trägt ein Sonntag das Datum 31. Dezember, bekommt er den schönen Namen Altjahresabend – auch schon am Vormittag. Ein Jahr neigt sich dem Ende zu, und so wie man am Abend zurückschaut auf den Tag, so sehen wir heute zurück auf ein ganzes Jahr.

Exodus als Bild für die Anwesenheit Gottes

Als biblische Hilfe wird für den diesjährigen Altjahresabend eine kleine Passage aus dem 2. Buch Mose vorgeschlagen, dem Buch Exodus. Es geht um den großen Zug des Volks Israel aus der ägyptischen Sklaverei.
Und der Herr zog vor ihnen her, am Tag in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

Ein mächtiges Bild, mit dem sich die Juden die permanente Anwesenheit Gottes während der langen Reise durch die Wüste ausgemalt haben. Man erzählt sich alte Geschichten, weil die Vergangenheit eine Bedeutung hat für heute: So, wie wir damals aus der Gefangenschaft frei gekommen sind, so werden wir uns jetzt nie wieder versklaven lassen. Ein kraftvoller Mythos.

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