Missbrauch in der Kirche: Ein Kinofilm, der den Tabubruch wagt

Regisseur Wojciech Smarzowski spricht vor der Polen-Premiere seines Spielfilm «Kler» (übersetzt: Klerus). Bild: Stach Leszczynski/PAP/dp
Sexueller Missbrauch durch katholische Priester war in Polen bislang nicht thematisiert. Ein Kinofilm bricht nun das Schweigen und empört viele Geistliche.

Von Gerhard Gnauck | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ein Tabu ist gebrochen, ein Land ist in Aufruhr. Die Debatte über Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche zieht in Polen immer weitere Kreise. Mit seinen fast 90 Prozent Katholiken galt das Land bisher als eine der treuesten Töchter der römisch-katholischen Kirche.

Diese Institution war – als Polen geteilt war, dann unter deutscher und sowjetischer Besatzung und schließlich in gut vier Jahrzehnten Kommunismus – die oberste Autorität, Wahrer der nationalen Identität und bis 1989 sogar eine Trutzburg, in deren Mauern frei diskutiert werden konnte. Wahrer der Identität: In dieser Rolle sehen viele Geistliche ihre Kirche auch heute.

Auch die nationalkonservative Regierungspartei PiS sieht die Kirche in dieser Funktion. Umgekehrt kann die PiS auf die wohlwollende Unterstützung eines großen Teils der kirchlichen Hierarchie zählen.

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Atheisten für den Islam

Als am vergangenen Sonntag in Berlin gegen Fremdenfeindlichkeit demonstriert wurde, war auch eine Organisation mit dabei, die sich bisher durch ihr Eintreten gegen den Einfluss jeglicher Religion in Staat und Gesellschaft auszeichnete.

Archi W. Bechlenberg | Achgut.com

Es ist die Giordano-Bruno-Stiftung, benannt nach dem 1600 von der Heiligen Inquisition auf dem Scheiterhaufen als Ketzer verbrannten italienischen Priester, Dichter, Philosophen und Astronomen gleichen Namens. Im Gegensatz zu Opfern des IS Terrors, so erklärte mir einmal ein katholischer Theologe, sei Bruno nicht etwa unrechtmäßig hingerichtet worden; es habe zuvor ein ordentliches Gerichtsverfahren gegeben.

Die GBS nennt sich „Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung“, sie tritt ein für eine „tragfähige humanistische, rationale und evidenzbasierte Alternative zu den traditionellen Religionen“ und möchte dieser „gesellschaftlich zum Durchbruch zu verhelfen.“

Ob der Stiftung ihr Mitdemonstrieren gegen Fremdenfeindlichkeit bei in Deutschland lebenden Japanern, Griechen, Italienern, Vietnamesen oder Luxemburgern positiv aufgefallen ist, ist zumindest fraglich.

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„Afterdienst“: Ein kritischer Blick auf die atheistische Missionsstrategie – poehse Atheisten

Die atheistische Bedrohung

Am Samstag, 10. November, lädt die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) im Landkreis Kelheim um 9.30 Uhr zu einem Studientag mit Professor Dr. Bertram Stubenrauch in das Kloster Weltenburg ein. Das Thema lautet: „Gott auf der Anklagebank? – Ein kritischer Blick auf die atheistische Missionsstrategie“.

Wochenblatt

„Es gab immer schon Menschen, die so lebten, als gäbe es Gott nicht. Und manche haben Gottes Existenz mit Argumenten ausdrücklich bestritten. Inzwischen aber hat der Atheismus einen geradezu missionarischen Eifer entwickelt: Man predigt aggressiv gegen den Gottesglauben und beginnt Gleichgesinnte miteinander zu vernetzten“, so die Beobachtung des Referenten. Der Studientag geht der Frage nach, mit welchen Methoden, mit welchen Argumenten und auf welchem Niveau atheistische Propaganda vorgeht. Er informiert über die Geschichte des Atheismus und seinen aktuellen Ist-Stand, diskutiert aber auch Versäumnisse auf Seiten der Glaubenden, mit der Herausforderung, die atheistisches Gedankengut darstellt, angemessen umzugehen. Ziel des Seminars ist die eingehende Diskussion der Teilnehmenden untereinander und mit dem Referenten. Dem dienen einführende Impulse des Referenten und die Vorstellung charakteristischer Texte.

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fowid: Weniger Kirchenmitglieder, mehr Konfessionsfreie

fowid
Im Jahr 2017 verlor die römisch-katholische Kirche 269.000 Mitglieder in Deutschland, die evangelische Kirche (EKD) sogar 394.000. Die Gruppe der konfessionsfreien Menschen wuchs um 499.000 Personen an, die Gruppe der konfessionsgebundenen Muslime um 105.000. Dies geht aus einer Übersicht der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) hervor, die aktuell auf der Website der Forschungsgruppe veröffentlicht wurde.

GBS | hpd.de

Nach fowid-Angaben stellten die Konfessionsfreien 2017 mit 37 Prozent den größten Bevölkerungsanteil in Deutschland. Mit deutlichem Abstand folgen die Katholiken (28 Prozent), die Protestanten (26 Prozent), die konfessionsgebundenen Muslime (5 Prozent) sowie die Mitglieder sonstiger Religionsgemeinschaften (4 Prozent).

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Flucht vor Allah – gefährlich für atheistische Frauen

Für atheistische Frauen aus islamischen Ländern kann es in Flüchtlingsunterkünften gefährlich sein. Das Risiko, auf konservative Männer zu stoßen, ist groß. (dpa / picture alliance / Frank Rumpenhorst)
Atheismus kann lebensgefährlich sein. Worood Zuhair, Biologin aus dem Irak, und Mahmudul Haque Munshi, Blogger aus Bangladesch, bekamen Todesdrohungen, weil sie in ihrer Heimat als unislamisch galten. Jetzt leben sie in Deutschland. Als Asylgrund wird Religionskritik aber nicht anerkannt.

Von Astrid Prange | Deutschlandfunk

Kann Atheismus ein Asylgrund sein? Ja, sagen Worood Zuhair, Biologin aus dem Irak, und Mahmudul Haque Munshi, Blogger aus Bangladesch. Für beide war ihr Hadern mit Gott eine Frage von Leben und Tod. Denn in vielen asiatischen und arabischen Ländern kann der Abfall vom Glauben mit der Todesstrafe geahndet werden.

Mahmudul Haque Munshi und Worood Zuhair werden in Köln von der Säkularen Flüchtlingshilfe betreut. Sie sind mittlerweile als Flüchtlinge anerkannt.

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Und alle so: Huch, herrje!

© dotpolka, flickr.com, CC BY-NC-ND 2.0
Kirchenvertreter zeigen sich schockiert über den sexuellen Missbrauch, den ihre Kollegen weltweit zigtausendfach begangen haben. Die Wahrheit ist: Diese perfide Form der Unterdrückung ist in Ideologie und Struktur der Kirche bereits angelegt.

Von Klaus Ungerer | hpd.de

Wie um Himmels Willen konnte das passieren? Die nun allseits verlautbarte Betroffenheit ist groß. Kirchliche Vortragskünstler gucken mit traurigen Gesichtern in die Kameras, offensichtlich haben auch sie schwer, schwer zu tragen daran: Tausende von jungen Menschen sind von ihren Kollegen, hauptberuflichen Märchenerzählern einer religiösen Organisation, an Leib und Seele massiv geschädigt worden, aus Geilheit und Machtgenuss, was ja gerade bei Männern oft ineinanderfällt. Ja, sapperlot noch einmal, wie überraschend! Wie unglaublich betroffen machend, nachdem der ganze Saustall das jahrzehntelang gedeckt und die Schuldigen im besten Fall weggelobt hat!

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Gehirn, Geist und Willensfreiheit

Foto: Pixabay.com / geralt
Besprechung des Buches „Welt ohne Gott“

Von Martin Neukamm | Richard-Dawkins-Foundation

Markus WIDENMEYER vertritt in seinem Buch die Ansicht, menschliche Absichten, Wünsche und Handlungen seien Ausdruck eines Willens, der nicht vollständig durch Hirnprozesse bestimmt (sprich: autonom) sei. Bewusstseinsinhalte seien das Produkt geistiger Subjekte, die „vom materiellen Bereich grundlegend unabhängig“ existierten (S. 88). Die Konsequenz wäre, dass wir unter exakt denselben inneren und äußeren materiellen Bedingungen (Zuständen) jeweils unterschiedliche Entscheidungen treffen könnten (KANITSCHEIDER 2006). Die Frage ist, ob es eine so verstandene Willensfreiheit gibt.

Eine teilweise aus dem Kausalstrom der materiellen Welt ausscherende Entschlusskraft erinnert an ARISTOTELES‘ „unbewegten Beweger“. Dieser inspirierte Thomas VON AQUIN zu seinem kosmologischen Gottesbeweis. WIDENMEYER knüpft insofern an dessen Tradition an, als er für die Notwendigkeit eines Geistes plädiert, der menschliches Denken und Handeln in wesentlichen Dingen unabhängig antreibt. Er vertritt die These, ein vollständig durch „nichtgeistige Prozesse“ determinierter Wille sei fremdbestimmt und versucht nachzuweisen, dass diese Sichtweise „absurde Konsequenzen“ (S. 54) nach sich ziehe. Den Theismus bezeichnet er als „folgerichtige Alternative zum Naturalismus“. Dabei ignoriert WIDENMEYER zwei Aspekte.

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Jesus – alternativ in Brandenburg, braun in der Unterwolle

Die AfD-Fraktion im Landtag Brandenburg gab sich am vergangenen Wochenende die Ehre. Sie war Gastgeber der Tagung „AfD und Amtskirchen – gemeinsam für ein christliches Abendland“, auf der die „Potsdamer Erklärung der Christen in der AfD Nordost“ verabschiedet wurde.
Der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Landtag Brandenburg, Andreas Kalbitz, gab dazu folgende Erklärung ab:

„Die Potsdamer Erklärung der Christen in der AfD Nordost ist ein deutliches Zeichen im Sinne eines klaren Bekenntnisses zu unserer abendländischen Identität. Das kulturelle Erbe Brandenburgs, das sich auch in den rund 1800 Kirchen in Brandenburg manifestiert, hat seine Wurzeln im Christentum. Und dieses Erbe gilt es heute mehr denn je zu schützen im Kulturkampf gegen die Islamisierung des Abendlandes, gegen die weitere Islamisierung Deutschlands. Der identitäre Werte-Anker unserer Gesellschaft ist immer noch weitgehend durch unser christlich-jüdisches Erbe geprägt. Das betrifft auch die vielen Menschen, vor allem in Ostdeutschland, die nicht Mitglieder einer der beiden großen Kirchen sind. Gleichzeitig ist die Potsdamer Erklärung als Dialogangebot an die Amtskirchen zu verstehen. Dialoge, auch wenn sie kritisch geführt werden, statt Ausgrenzung, das sollte für Christen selbstverständlich sein.“Andreas Kalbitz

Es ist die alte Mär des Abendlandes, Rechtsextremist Kalbitz fügt dem Märchen des Okzidents noch die für ihn hochwichtige Identität bei. Zur Legitimierung des christlichen Erbes im Bundesland Brandenburg führt er die rund 1.800 Kirchen des Landes als Beleg an. Zunächst sind die Kirchen Gebäude, nicht mehr und nicht weniger, all diese Kirchen teilen sich rd. 25% der Einwohner des Landes, die sich noch zu den christlichen Kirchen bekennen, gottesdienstliches Bekenntnis dürfte im einstelligen Prozentbereich liegen. Die Kirchen als Erbe.

Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.Albert Schweitzer

Genau auf diesem Level befindet sich Kalbitz mit seiner obskuren Geschichte vom christlichen Abendland. Und weil es so schön ist, die Juden immer ein gutes Alibi hergeben, schließlich will man sich ja nach Auschwitz nicht als Antisemit etikettieren, faselt man vom christlich-jüdischen Abendland.
Die reale Geschichte des Judentums, im Abendland, völlig außer acht lassend. Die Geschichte ist eine Geschichte der Unterdrückung, Diskriminierung, Mord, Pogrome, rassistisch allemal und gipfelte letztlich gut christlich in Auschwitz und im Holocaust. Mit dieser Verquickung von christlicher und jüdischer Geschichte ist die AfD um Kalbitz nicht allein. Gern benutzen Politiker die Mär vom christlich-jüdischen Erbe und lügen sich in die eigenen Taschen. Wir nehmen das Judentum mit ins Boot und stellen uns als die Guten in der Geschichte dar. Philosemiten und ihre Pseudos handeln letztlich rassistisch, wie ihre antisemitischen Gegenspieler.
Man möchte den Gedanken von Kalbitz nicht zu Ende denken, was wird er mit der Anzahl der Garagen, Apotheken und Schulen, im Land Brandenburg, begründen wollen.
Mit der Verwendung des Begriffs vom identitären Werteanker lässt Kalbitz die Katze aus dem Sack, hier können wir erkennen, dass er selbst von seinem rechtsextremen Gedankengut, als Ex-Republikaner versteht er sich in diesem Geschäft, nicht lassen kann.
Die Geschichte des Christentums in Europa ist eine Geschichte von Kriegen, von Gewalt, Tod und Unterdrückung. Christen haben sich immer und zu jeder Zeit getötet, mit den gleichen göttlichen Schlachtrufen, nur in anderen Sprachen.
Die Geschichte und damit das Erbe des christlichen Abendlandes ist nicht als Einheit zu haben, regionale, nationale und kulturelle Unterschiede prägen diese Gewaltorgie.

Und so verkündet Kalbitz den Kulturkampf gegen die Islamisierung des Abendlandes. Kulturkampf. Politiker wie Kalbitz sind bereit für ihren imaginären Freund im Himmel, den gleichen imaginären Freund anderer notfalls mit Gewalt zu bekämpfen. Hatten wir schon alles. Die Ergebnisse sind bekannt, was Extremisten wie Kalbitz nicht daran hindert zu den Fahnen zu rufen, Jesus, eignet sich hervorragend dazu. Wenn die Geisterbeschwörer der Religionen warnen, dass ohne Gott alles möglich sei, so zeigt uns die Geschichte, mit ihm auch.

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Ein Leben ohne Tod würde uns zu Zombies einer leeren Ewigkeit machen

 

Zeichnung: Peter Gut

 

War der Traum vom ewigen Leben bisher an ein Jenseits gebunden, scheint er mit den Möglichkeiten fortgeschrittener Technik nun real werden zu können. Wie glücklich aber könnte ein Dasein ohne Ende sein?

 

Ein Gastkommentar von Peter Strasser in der nzz.ch .

Der Traum vom ewigen Leben ist so alt wie der Traum vom Fliegen. Dieser ist zum Albtraum einer Massen-Flugrealität geworden, mit all der Nervosität und Langeweile, die man auf Flughäfen und Fernflügen zu erdulden hat. Der menschliche Traum vom Fliegen unterliegt unserer Natur: Wir sind nicht zum Fliegen geboren. Schon im Schlaf plagt den selig Schwebenden die Angst, plötzlich in die Tiefe zu stürzen wie einst Ikarus, als er der Sonne zu nahe kam. Der Mensch ist kein Vogel, darüber kann keine titanische Himmelseroberung hinwegtäuschen.Der Traum vom ewigen Leben ist so alt wie der Traum vom Fliegen. Dieser ist zum Albtraum einer Massen-Flugrealität geworden, mit all der Nervosität und Langeweile, die man auf Flughäfen und Fernflügen zu erdulden hat. Der menschliche Traum vom Fliegen unterliegt unserer Natur: Wir sind nicht zum Fliegen geboren. Schon im Schlaf plagt den selig Schwebenden die Angst, plötzlich in die Tiefe zu stürzen wie einst Ikarus, als er der Sonne zu nahe kam. Der Mensch ist kein Vogel, darüber kann keine titanische Himmelseroberung hinwegtäuschen.Der Traum vom ewigen Leben ist so alt wie der Traum vom Fliegen. Dieser ist zum Albtraum einer Massen-Flugrealität geworden, mit all der Nervosität und Langeweile, die man auf Flughäfen und Fernflügen zu erdulden hat. Der menschliche Traum vom Fliegen unterliegt unserer Natur: Wir sind nicht zum Fliegen geboren. Schon im Schlaf plagt den selig Schwebenden die Angst, plötzlich in die Tiefe zu stürzen wie einst Ikarus, als er der Sonne zu nahe kam. Der Mensch ist kein Vogel, darüber kann keine titanische Himmelseroberung hinwegtäuschen.

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Wie trennen wir Staat und Kirche?

Im Gespräch: Vertreter säkularer Organisationen und politischer Parteien in Hessen.(c)Alexander von der Nahmer

Die erst vor einem knappen Jahr gegründete AG Säkulare Organisationen in Hessen hatte am vergangenen Freitagabend zu einer mit rund 70 Personen gut besuchten Podiumsdiskussion alle im Landtag vertretenen Parteien eingeladen. Auf dem Podium waren denn auch mit Dr. Arijana Neumann (SPD), Dieter Kellermann (FDP), Hermann Schaus (Die Linke) und Marcus Bocklet (B’90/Die Grünen) fast alle dieser Parteien vertreten. Lediglich die CDU hatte zum Bedauern des Veranstalters auf eine Teilnahme verzichtet.Von Ingo Heise | hpd.de

Die Podiumsrunde wurde komplettiert durch Martin Wagner, der in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten in Hessen (IBKA Hessen) die veranstaltende AG Säkulare Organisationen in Hessen repräsentierte, sowie den Moderator Dirk Vielmeyer. Im Vorfeld der Veranstaltung hatte die AG Säkulare Organisationen in Hessen, zu der neben dem IBKA die hessischen Regionalgruppen der gbs (Giordano Bruno Stiftung) sowie die aktuell fusionierenden humanistischen Organisationen HuGH (Humanistischen Gemeinschaft Hessen) und HVD (Humanistischer Verband Deutschlands – Hessen) gehören, an alle zur Wahl antretenden Parteien säkulare Wahlprüfsteine zum Spannungsfeld Staat und Religion verschickt. Die Antworten der Parteien waren zwischenzeitlich eingegangen und von der AG in einer Broschüre, die am Rande der Veranstaltung an die Besucher verteilt wurde, zusammengefasst.

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Große Männer nerven eher

thierry ehrmann, flickr.com, CC BY 2.0
Gott ist überwunden. Aber der Glaube an das Erhabene und „große Männer“ bleibt uns treu – wohin wir auch gehen, wo hinein wir auch blättern. Zum Beispiel in diesen neu aufgelegten Atheismus-Dialog von Diderot.

Von Klaus Ungerer | hpd.de

Vom Glauben an eine Monogottheit ist uns, nachdem diese zerplatzt ist, der Glaube an das Erhabene geblieben. Wie eine Hintergrundstrahlung zieht sich die Vorstellung davon durch unsere Verrichtungen: Selbst wenn es keinen Gott gibt, sagt uns unsere Sehnsucht, so muss es doch irgendwie etwas Herausgehobenes, zu Verehrendes geben. Wenn es schon nichts Übernatürliches gibt, gebt uns doch wenigstens etwas Über-Alltägliches. Wir wollen Gefühle, so groß wie Kinoleinwände, wollen an das Magische in den Künsten glauben, wir schnitzen uns, je nach Bedarf, „große Männer“ zurecht in Politik, Kultur, Medien und Historie, die unser Bedürfnis nach Heiligenverehrung stillen, der ein uneingestandener Transzendenzwunsch innewohnt: Da kauft man dem indischen Kaufmannssohn Gandhi gern seine Selbstinszenierung als Jesus 2.0 ab, traktiert einander unter Gebildeten mit Luhmann- oder Derrida-Zitaten, um mal in die Aura eines Bildungspriesters einzutauchen. Da werden literarische Autoren zu ihren politischen Meinungen gefragt als wären sie Auguren mit tieferem Durchblick – obwohl sie doch auch nur ein Zeitungsleser voller Vorurteile sind, ganz wie du und ich, nur eben verquaster.

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Klingt «Allahu akbar» aggressiv?

Manche empfinden arabische Klänge als bedrohlich. Das hat aber nichts mit der Sprache zu tun.

Von Rolf Maag | 20min.ch

Richard Dawkins ist Evolutionsbiologe und der wohl bekannteste Religionskritiker der Welt. Dennoch verfiel er kürzlich in eine sentimentale Stimmung, als er den Glockenklängen der Kathedrale von Winchester (England) lauschte. «So viel angenehmer als das aggressiv klingende ‹Allahu akbar›. Oder ist das nur meine kulturelle Prägung?», twitterte er kurz darauf.

Damit handelte sich Dawkins einen regelrechten Shitstorm ein. Seine Aussage rieche nach Intoleranz und sei von Vorurteilen geprägt, hiess es. Ein Kommentator nannte ihn sogar einen «ermüdenden alten Rassisten» (tedious old racist).

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Organspende: Ein Brief an den Gesundheitsminister

Sehr geehrter Herr Bundesminister für Gesundheit Spahn,

der Vorschlag, eine Neuregelung zum Thema Organspende anzustoßen, ist zur begrüßen. Die Toten, die aufgrund mangelnder Spenderorgane sterben, gehen nicht nur auf das Konto der
Organspendeverweigerer, sondern insbesondere auch auf das Konto der aktuellen Regelungen, die sich insofern als erfolglos erwiesen haben. Diese Toten gehen also auf das Konto derjenigen, die die alte Regelung stützen.

Von Seiten der Religiösen wurde jetzt eingewandt, eine Widerspruchslösung verstoße auch gegen das Selbstbestimmungsrecht: Man dürfe nicht gezwungen sein, sich dazu zu äußern.
Wir schlagen daher folgendes vor:

1. Die Bereitschaft zur Organspende wird auf der Krankenkassenkarte gespeichert, damit die Information im Zweifelsfalle sofort verfügbar ist.
2. Vor Ausstellung der Krankenkassenkarte wird jeder Versicherte befragt, ob er Spender sein will oder nicht: Die Frage selbst verletzt keine Rechte. Nur dann, wenn mit „ja“ geantwortet wird, wird die Bereitschaft zur Organspende – ggf. mit den genannten Einschränkungen – auf der Krankenkassenkarte gespeichert. Wird mit „nein“ geantwortet oder keine Antwort abgegeben, so wird die Person nicht als Organspender geführt. Das verletzt nicht mehr die Rechte, als es dies heute tut: Wer also will, der kann seine Organspendebereitschaft auf der Karte festhalten lassen, wer dies nicht will, der lässt es bleiben.
3. Parallel sollte die Möglichkeit der Organspende durch den bisherigen Organspendeausweis erhalten bleiben, damit aus einer auf der Krankenkassenkarte nicht vorhandenen Eintragung nicht geschlossen werden kann, dass die Person kein Organspender ist, so dass eine dadurch verursachte Diskriminierung ausgeschlossen wird.

Ziel ist ein Optimum an Rechtsschutz für die Organspendebedürftigen einerseits und ein Optimum an Freiheit für Spender und Nichtspender andererseits.

Mit freundlichen Grüßen

Von Föderation des Determinismus

Katholizismusverursachtes „finsteres Mittelalter“

Bild. hpd.de
In dem Buch „Machtkampf. Die Geburt der Staatskirche“ von Rolf Bergmeier wird dargelegt, wie sich der Katholizismus vom ursprünglichen Christentum trennt und eine Allianz aus Thron und Altar Mitteleuropa klerikalisiert, enturbanisiert und feudalisiert. Eine Rezension von Hermann Josef Schmidt.

Von Hermann Josef Schmidt | hpd.de

Viele Tabus dominieren nicht nur alltägliche Gespräche, sondern leider selbst Wissenschaften. Und dies vor allem dann, wenn gewichtige Interessen nicht nur berührt, sondern betroffen sind. Sind es gar Interessen von Institutionen oder Religionen, die zwar Jahrhunderten ihren Stempel aufzudrücken vermochten, dies später aber, wenn Fehlverhalten aufgelistet, Verantwortlichkeiten fixiert und Rechnungen präsentiert werden, „nicht mehr wissen wollen“, ist wohlwollendes Schweigen oder lieberdienerisches Verhalten derer, die „es eigentlich besser wissen müssten“, noch immer fast die Regel.

Wohl auch deshalb gibt es vielleicht nicht viele Titel, die in eine Handbibliothek derer gehören sollten, die kultur- und religionskritisch interessiert, sich nicht verdummen lassen wollen, die auf Schärfung ihres eigenen Blicks sowie Verständnisses setzen und mit überschaubarem Aufwand für sie wichtige Gegenstandsfelder so aufarbeiten wollen, dass sie in Diskussionen selbst mit Fachleuten zu bestehen vermögen.

Was generell Religionskritik mit dem Schwerpunkt auf den sog. abrahamitischen Religionen, also Judentum, Christentum und Islam betrifft, habe ich unter dem Titel „Kritischer Volltreffer“ im Humanistischen Pressedienst (hpd) am 08. Februar 2018 mit Argumente kontra Religion. Werkzeugkasten für Religionskritik, 2018, von Gottfried Beyvers ein optimal lesbares Bändchen bescheidenen Umfangs vorgestellt.

Wegen seiner Bedeutung verweise nun auch ich auf einen im hpd am 12. Juli 2018 von Gerfried Pongratz bereits überzeugend besprochenen, ebenfalls wenig umfangreichen, glänzend geschriebenen und bestverständlichen Band, weil dieser in beeindruckender Manier ein für jeden geistes- und religionsgeschichtlich Interessierten an Brisanz kaum überbietbares Thema aufgreift, das kurioser- oder auch bezeichnenderweise, wenn überhaupt erwähnt, in seiner Bedeutung maximal heruntergespielt wird. Schließlich wird dabei ein Sachverhalt verdeutlicht, den zu erkennen und zu berücksichtigen einen anderen Blick auf die zumal mitteleuropäische Geschichte der letzten knapp 1700 Jahre verleiht.

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Daniel Dennett – Der Geist kommt nicht von oben

Ob hier ein ganz besonders Bewusstsein zuhause war? Eine Ausstellung zeigt Teile von Albert Einsteins Gehirn. Bild: dpa
Vom Gen zum Mem zum Intellekt: Daniel Dennett knöpft sich Fragen zur Entstehung des Bewusstseins vor. Hat der Geist eine geistlose Entwicklung hinter sich?

Von Helmut Mayer | Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Bewusstsein“ ist ein Wort, dessen alltäglichem Gebrauch man kaum die Verwirrungen ansehen kann, die es abseits von ihm hervorbringt. Verliert einer das Bewusstsein, ist er nicht mehr ansprechbar. Tun wir etwas ganz bewusst, dann achten wir darauf und können davon mehr erzählen, als wenn wir es unachtsam tun. Genauso wie dann, wenn wir uns irgendeines Sachverhalts bewusst sind, nämlich ausdrücklich auf ihn achten. Oder auch auf eine eigene Tätigkeit achten, die wir ebenso gut ohne unser explizites Aufmerken ablaufen lassen könnten – sie also bewusst ausüben.

Aber kaum ist der Boden solcher alltäglichen Verwendungen verlassen, zeigt die Rede vom Bewusstsein ihre metaphysischen Mucken. Abgründige Probleme und Rätsel tun sich auf. Wir stellen uns etwa vor, dass jeder von uns sein eigenes inneres Bewusstseinskämmerchen hat, über dessen Inhalt nur er oder sie Bescheid weiß. Nie werden deshalb andere erfahren, wie meine Erfahrung der Farbe Rot sich für mich ausnimmt. Und überhaupt: Dieses innere Anfühlen der Welt und unserer Erfahrung von ihr in unserem Geist, wie soll es durch das wissenschaftliche Aufdröseln neuronaler Verarbeitungsmechanismen jemals erklärt werden?

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Atheistischer Aktivist Amed Sherwan: „Es muss normal sein, nicht mehr zu glauben“

Amed Sherwan ist Ex-Muslim, bekennender Atheist, Blogger und Aktivist. (privat)
Amed Sherwan wuchs im Nordirak auf, als strenggläubiger Muslim. Mit 14 zündete er als Mutprobe einen Koran an. Für seine öffentliche Abkehr vom Glauben wurde er gefoltert. In Deutschland fand er Asyl, doch auch hier wird er bedroht, seit er per T-Shirt verkündete: „Allah ist schwul“.

Von Ina Hildebrandt | Deutschlandfunk Kultur

Zwischen all den bunt, schrill und knapp bekleideten Menschen auf dem Christopher Street Day in Berlin wirkt Amed Sherwan eher unscheinbar. Schmächtig, schwarze dichte Haare, kurzer Bart.

Provokant ist, was auf seinem T-Shirt steht: „Allah is gay“, Allah ist schwul. Amed hält zwei regenbogenfarbene Schilder in den Himmel. Auf einem steht: „Ex-Muslime für Diversität“, auf dem anderen „Solidarität für Homosexuelle und Transgender“.

Morddrohungen aus der muslimischen Community

„Ich freue mich, dass ich in einem freien Land leben kann und sowas hochhalten kann und so ein T-Shirt mit „Allah is gay“ haben kann“, sagt der 19-jährige Blogger und Aktivist, der seine Botschaften schon vorher auf seiner Facebook-Seite gepostet hatte. Weil er kurze Zeit später Morddrohungen aus der muslimischen Community erhält, wird er beim CSD nicht nur von Freunden begleitet, sondern auch von der Polizei.

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RDF Talk – Carsten Frerk: Kirchenrepublik Deutschland

In seinem Vortrag zum gleichnamigen Buch „Kirchenrepublik Deutschland“ beschreibt Dr. Carsten Frerk erstmals, wie die Kirchen in Deutschland systematisch Einfluss auf die Politik nehmen. Dabei zeigt sich, dass katholische und evangelische Stellen in einer Weise in Gesetzgebungsverfahren eingebunden sind wie keine zweite zivilgesellschaftliche Kraft.

Richard-Dawkins-Foundation

Wie stark der Einfluss der Kirchen auf die Politik ist, zeigt unlängst die Entscheidung des Parlaments zum Thema Sterbehilfe. Laut Dr. Frerk ist die Verabschiedung des „Gesetzes zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ 2015 nicht unwesentlich auf die enge personelle Verflechtung von Kirche und Staat in Deutschland zurückzuführen.

So lassen die Kirchen ihre Interessen Realität werden, obwohl es dafür längst keine Mehrheiten in der Bevölkerung mehr gibt. Als größte private Arbeitgeber, als größte Grundbesitzer und als Milliarden umsetzende Wirtschaftskonzerne verfolgen die Kirchen massive Eigeninteressen.

Zum Referenten:

Carsten Frerk ist Politologe und wurde durch kirchen- und religionskritische Werke bekannt. Zudem ist er Autor historischer Romane. Im Mittelpunkt seines Werks stehen Buchveröffentlichungen über die finanziellen Verflechtungen von Staat und den beiden Amtskirchen in der Bundesrepublik Deutschland. Unter anderem deshalb gilt er als Kirchen- und Religionskritiker. Carsten Frerk ist Mitglied im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung.

„Jüdisches Kind“? „Muslimisches Kind“? „Christliches Kind“?

Bild: Richard-Dawkins-Foundation
Kulturelle Tradition hat ihren Stellenwert, aber keinen Platz in einer auf Fakten basierten Bildung.

Von Richard Dawkins | Richard-Dawkins-Foundation

Mein oft (manche mögen sagen, zu oft) wiederholter Hinweis auf die Absurdität – ja Bösartigkeit – der Etikettierung von Kindern mit der Religion ihrer Eltern („Würden Sie von einem ‘postmodernen Kind’ oder einem ‘gramscianischen-marxistischen Kind’ sprechen?) ist in der Regel erfolgreich. Die Leute verstehen den Punkt fast immer sofort, wiewohl es eine andere Frage ist, ob es bei ihnen ein zukünftiges Bewusstsein dafür schafft, bei dem sie tatsächlich zusammenzucken, so wie ich es tue, wenn sie von einem „katholischen Kind“ oder „muslimischen Kind“ hören. Aber es gibt ein Gegenargument, dem ich oft begegne, und es klingt oberflächlich plausibel. Es ist mein Anliegen, mich hier damit auseinanderzusetzen.

Die Gegner, von denen ich spreche, berufen sich oft auf den Sonderfall des Judentums, aber der Punkt kann allgemeiner formuliert werden. Es sei lächerlich und falsch, Eltern davon abzuhalten, ihre kulturellen Traditionen an ihre Kinder weiterzugeben. Sprache, Akzent, Kleidungsstile, Ernährung, Essgewohnheiten, Sprichwörter, poetische Anspielungen, Spiele, nonverbale Signale oder Grüße wie Kopfschütteln oder Nicken oder soziales Küssen werden kulturell vermittelt. Die Menschheit wäre ärmer, wenn wir sie verlieren würden. Religion, so wird behauptet, ist nur ein weiterer Punkt auf der Liste.

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Daniel Dennett: „Von den Bakterien zu Bach – und zurück – „Blick des Philosophen auf die Evolution des Geistes

Daniel Dennett beschreibt in seinem neuen Sachbuch, warum auch der menschliche Geist ein Ergebnis der Evolution ist. (Suhrkamp / imago / Collage: Deutschlandradio)
Körper und Geist, Natur und Kultur – dazwischen besteht kein grundlegender Unterschied. Vielmehr ist alles ein Ergebnis der Evolution. Diese These vertritt der US-amerikanische Philosoph Daniel Dennett. Anschaulich und mit Sprachwitz legt er sie dar in seinem neuen Buch „Von den Bakterien zu Bach – und zurück. Die Evolution des Geistes“.

Von Tomma Schröder | Deutschlandfunk

Daniel Dennett hält nicht viel von Übernatürlichem. Er glaube „nicht an Geister, nicht an Elfen, nicht an den Osterhasen und auch nicht an Gott“, schrieb der amerikanische Star-Philosoph mal in der „New York Times“. In seinem neuen Buch „Von den Bakterien zu Bach – und zurück“ wandelt er daher strikt auf den naturwissenschaftlichen Pfaden.

„Wenn wir die Reparaturmechanismen in Bakterien, die Atmung bei Kaulquappen und die Verdauung von Elefanten erklären können, warum sollte dann nicht auch das bewusste Denken des Homo sapiens seine Geheimnisse diesem sich immer weiter optimierenden Moloch Wissenschaft offenbaren?“

Dualismus von Materiellem und Immateriellem

Spätestens seit Descartes den Dualismus von Materiellem und Immateriellem in eine philosophische Theorie gegossen hat, gilt die Kluft zwischen Körper und Geist, zwischen Natur- und Geisteswissenschaften vielen als unüberwindbar. Die kartesische Wunde nennt Dennett dies – und er will sie heilen. Denn dem Philosophen zufolge, und er weiß viele Wissenschaftler an seiner Seite, existiert diese Wunde gar nicht. Für Dennett gibt es nichts Immaterielles, nichts Mirakulöses, das außerhalb der Reichweite der Naturwissenschaften verbleibt. Vom Bakterium bis zu Bach – und seinem Geist – ist alles ein Ergebnis der Evolution – auch wenn viele das nicht wahrhaben wollen.

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