Säkulare Buskampagne

Atheistisch-laizistische Akteure haben für 2019 eine „Säkulare Buskampagne“ angekündigt. Das Motto der Initiative lautet „Kirchenstaat? Nein Danke.“ Sie wird von der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) in Kooperation mit dem Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) sowie dem Humanistischen Pressedienst (hpd) durchgeführt.

Dr. Hanna Fülling | EZW

Die Kampagne zielt darauf ab, vermeintliche „Kirchen-Privilegien“ abzuschaffen. Als Kirchen-Privilegien werden etwa Rechte bezeichnet, die sich aus der Organisationsform als selbstständigem Verwaltungsträger des öffentlichen Rechts, dem Körperschaftsstatus, ergeben. Doch plädieren die Initiatoren auch dafür, den christlichen Einfluss auf ethische Debatten wie er sich am Beispiel von Schwangerschaftsabbrüchen und Sterbehilfe manifestiere, zurückzudrängen. Es scheint der Kampagne also nicht nur daran gelegen, die sogenannte hinkende Trennung von Staat und Religionsgemeinschaften durch laizistische Impulse zu verändern, sondern auch die Einflussnahme von religiös fundierten Argumentationen und Wertebindungen aus dem politischen Raum zurückzuweisen.

Der Zeitpunkt der Kampagne ist bewusst gewählt, denn 2019 finden zwei wichtige Jubiläen in Deutschland statt: 100 Jahre Weimarer Reichsverfassung – aus der wesentliche Religionsartikel in das Grundgesetz inkorporiert wurden – sowie 70 Jahre Grundgesetz. Mit der Buskampagne möchten die Initiatoren „die Politikerinnen und Politiker aus ihrer religiösen Filterblase […] befreien“. Sie verstehen die Kampagne als Aufklärung der unaufgeklärten Geister. Allerdings macht der Vorstandssprecher der gbs Michael Schmidt-Salomon mit einem augenzwinkernden Verweis auf Karl Marx deutlich, dass es der Kampagne nicht nur um Bewusstseinsbildung geht, sondern dass eine Neuordnung der Verhältnisse angestrebt wird.

Die Kampagne ist nicht die erste dieser Art. Bereits vor zehn Jahren gab es eine Initiative, in der Busse unter dem Motto „Gottlos glücklich“ durch Deutschland fuhren. Die Veranstalter erklären sich mit dem Ergebnis von 2009 sehr zufrieden, da inzwischen in der Gesellschaft angekommen sei, dass es keinen Gott für ein sinnerfülltes Leben brauche. Sie möchten an diese Wirkung anknüpfen und auch 2019 Menschen von ihrer religionskritischen Botschaft überzeugen.

Die Deutsche Bahn hat den Initiatoren untersagt, Großplakate zur Bewerbung der Kampagne aufzuhängen, da sie ihr fehlende Neutralität attestiert. Die Initiatoren können das Argument nicht nachvollziehen. Sie verstehen ihre Botschaft gegen den Einfluss von Kirche und Religion im politischen und öffentlichen Raum nicht als eigene Weltanschauung, sondern als Neutralitätsimpuls.

Die Neutralität ist ein umkämpftes Prinzip, das wird daran einmal mehr deutlich. Sie sollte als kritisch-normatives Prinzip verstanden werden, durch das bestehende Ungerechtigkeiten aufgezeigt und Veränderungen angeregt werden. Sie darf jedoch nicht als Argument verwendet werden, um eine eigene Weltanschauung zur Doktrin zu erheben.

Ist die Evolutionsbiologie eine Naturwissenschaft?

HP, screenshot:bb
In einer Zeit, in der fragwürdige oder gar falsche Behauptungen mit der beschönigenden Formulierung „alternative Fakten“ geadelt werden, haben es wissenschaftliche Erkenntnisse schwer. Rund 20 Prozent der Deutschen glauben, „alternative Heilmethoden“ hülfen im Krankheitsfall besser als die sogenannte „Schulmedizin“.

Von Martin Neukamm | AG Evolutionsbiologie

Ebenfalls ein Fünftel der Deutschen zweifelt an den Forschungs-Ergebnissen zum menschengemachten Klimawandel. Und auch der Anteil derer, die meinen, der Glaube an eine Schöpfung wäre ein vernünftiger Alternativentwurf zur wissenschaftlich abgesicherten Evolutionstheorie, liegt seit Jahren um 20 Prozent.

In Deutschland stellt vor allem die religiöse Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN die Evolutionstheorie lautstark infrage. Ihr Ziel ist es, die Tür der Wissenschaft für „Intelligent Design“ und Supranaturalismus zu öffnen. Jüngstes Beispiel ist eine Schrift aus der Feder ihres Geschäftsführers Reinhard JUNKER. Darin behauptet der Autor, die Evolutionstheorie sei als Ganzes nicht naturwissenschaftlich (JUNKER 2018). Er begründet dies etwa damit, dass das Formulieren von Gesetzen unmöglich sei, wo es um Makroevolution gehe. So böten Evolutionstheorien in Bezug auf evolutive Neuerungen keine Vorhersagen und Erklärungen an, die dem klassischen Schema nach HEMPEL & OPPENHEIM genügten.

Auch die moderne Version, die „erweiterte evolutionäre Synthese (EES)“, erkläre die Herkunft biotischer Innovationen nach JUNKERs Ansicht nicht. Da es unmöglich sei, „Evolution durch eine naturwissenschaftliche Theorie zu beschreiben“, könne „die Infragestellung einer allgemeinen Evolution sich auch nicht gegen die Naturwissenschaft wenden“ (S. 2). Makroevolution sei lediglich eine „konzeptionelle Vorgabe“, ein „Rahmen“, in dem die Biologen „Szenarien evolutiver Abfolgen“ entwickelten. Dieser Rahmen ergäbe sich „nicht zwingend aus naturwissenschaftlichen Befunden und Hypothesen“, sondern beruhe auf einer „Konvention“ der Wissenschaftler-Gemeinde. Im Klartext: Die Evolutionstheorie sei nicht alternativlos, sondern lasse sich genauso gut durch einen Schöpfungsrahmen ersetzen.

Da solche Aussagen oft Verwirrung stiften, wollen wir uns JUNKERs Argumentation genauer ansehen und prüfen, was von ihr zu halten ist.

1. Das HEMPEL-OPPENHEIM-Schema der Erklärung

JUNKER argumentiert wie folgt:

„Naturwissenschaftliche Theorien beschreiben Gesetzmäßigkeiten, die in eine Wenn-Dann-Form gebracht werden können: Immer wenn die Gesetze G und die Randbedingungen R gegeben sind, folgt das Ergebnis E. Evolutionstheorien, die den Artenwandel erklären sollen, gelten zwar weithin als naturwissenschaftliche Theorien. Doch dies trifft nur in einem eingeschränkten Sinne im mikroevolutiven Bereich zu (Populationsgenetik). Wenn es um die Entstehung des evolutionär Neuen geht, sind Formulierungen von Gesetzen nicht möglich. Dies äußert sich unter anderem darin, dass keine Vorhersagen in Bezug auf das Auftreten von Neuheiten gemacht werden können“ (S. 1).

„Aussagen, die nicht in eine Wenn-Dann-Struktur gebracht werden können, können daher nicht mit dem Anspruch, naturwissenschaftlich begründet zu sein, präsentiert werden. … Die Wenn-Dann-Struktur spiegelt sich auch im Hempel-Oppenheim-Schema wieder (kurz: HO-Schema)“ (S. 4).

„POSER … schreibt in diesem Zusammenhang: ‚Das Deutungsschema der Evolutionstheorie zu akzeptieren, bedeutet eine Zumutung, denn es verlangt in Gestalt der spontanen Mutation, in Gestalt des unvorhersehbaren Neuen in jedem Anwendungsbereich die Anerkennung des Zufalls.‘ …Das hat Folgen für die Art der ‚Erklärung‘ des evolutiven Wandels. Eine Wenn-Dann-Struktur ist nicht möglich und das oben erwähnte HO-Schema nicht anwendbar. … ‚Die Deutungsleistung des Evolutionsschemas wird erkauft durch einen Verzicht hinsichtlich des Anspruchs, die Welt erklären zu können'“ (S. 8).

JUNKER ignoriert hier, dass das HO-Schema (auch deduktiv-nomologisches Modell genannt), wonach ein zu erklärender Sachverhalt unter ein allgemeines Gesetz subsumiert wird, längst keine aktuelle „Theorie“ der naturwissenschaftlichen Erklärung mehr darstellt. (Zur Kritik siehe beispielsweise SCRIVEN 1962; RAILTON 1978, S. 208; SALMON 1984, S. 121ff; O’SHAUGHNESSY 1992, S. 17–19; MACHAMER et al. 2000, 21f; WOODWARD 2003, S. 10 und 154–161; WRIGHT & BECHTEL 2007, S. 46ff.). Dies hat mehrere Gründe, von denen wir hier die zwei wichtigsten andiskutieren wollen.

Erstens erklärt die Wenn-Dann-Relation von Aussagen allein gar nichts. Das Gesetz von BOYLE & MARIOTTE beispielsweise erlaubt die Voraussage eines Gasvolumens, wenn Druck und Temperatur des Gases bekannt sind. Druck, Temperatur und Volumen von Gasen werden unter das allgemeine Gasgesetz subsumiert. Doch das Gesetz erklärt nicht, warum dieser Zusammenhang besteht. Erst die kinetische Gastheorie, die (auf der Atomtheorie fußend) einen Mechanismus der Molekül-Bewegung bereitstellt, liefert die Erklärung (O’SHAUGHNESSY 1992, S. 17; SPOHN 2012, S. 306).

Zweitens spielen bei fast allen Naturprozessen Zufälle und kontingente Randbedingungen eine Rolle. Konkrete Entwicklungs-Prognosen sind selten möglich, weil die dafür erforderlichen Randbedingungen oft unüberschaubar und daher nicht (genau) bekannt sind. Lediglich im idealisierten Experiment, in dem der Wissenschaftler definierte Randbedingungen herstellt, entsteht ein „geschützter kontingenzfreier Raum“ (LANG 2015, S. 54), der Vorhersagen ermöglicht. So sind Wissenschaftler nicht in der Lage, den Einsturz einer Brücke, die Entstehung eines neuen Super-Vulkans oder die Bildung eines Planetensystems zu prognostizieren. Doch das hindert sie nicht daran, derlei Ereignisse (ex post facto) zu erklären (SCRIVEN 1962).

Dass sich die Erklärung komplexer Prozesse dem deduktiv-nomologischen Modell entzieht, verdeutlicht die aktuelle Diskussion um die Gefahren einer höheren Feinstaub- und Stickoxid-Belastung: Luftschadstoffe oder Zigarettenrauch töten nicht unmittelbar wie ein Giftcocktail. Zufallsfaktoren wie somatische Mutationen, erbliche Vorbelastungen, Krankheiten, Essverhalten und Alkoholkonsum führen zu einer faktoriellen Vielfalt, welche die Ursachenanalyse stark erschwert. Simple Erklärungen nach dem HO-Schema sind so in der Praxis kaum möglich.

Hier versagt auch das induktiv-statistische Erklärungs-Modell (BECHTEL 1988, S. 38). So gibt es nicht nur keine eindeutige Relation: „Wenn jemand raucht, dann bekommt er Lungenkrebs“. Dass dies geschieht, ist auch nicht besonders wahrscheinlich. Zwar lässt sich eine höhere Inzidenz von Lungenkrebs bei Rauchern gegenüber ansonsten gleichen Randbedingungen bei Nichtrauchern nachweisen (Ceteris-paribus-Klausel). Doch ein kausaler Zusammenhang ist damit nicht aufgezeigt, geschweige eine Erklärung. Nur das Vorliegen eines plausiblen Mechanismus, der das zu erklärende Faktum (Lungenkrebs) mit dem zeitlich vorausgehenden Sachverhalt (Rauchen) in Zusammenhang bringt, liefert die Erklärung.

Es bleibt festzuhalten: Die naturwissenschaftliche Erklärung hängt nicht am deduktiv-nomologischen Modell. Nicht allein Gesetze haben erklärenden Charakter, sondern in der Regel sind es Mechanismen, die über das „Warum“ eines Sachverhalts Aufschluss geben (RAILTON 1978; MACHAMER et al. 2000, S. 21f; MAHNER & BUNGE 2000, Kap. 3.6.). Und in der Evolutionstheorie ist genügend Platz für Mechanismen, die das Potenzial haben, die Entstehung von Neuheiten und Komplexitäten zu erklären. JUNKERs Kritik an der Evolutionstheorie beruht somit auf obsoleten wissenschaftstheoretischen Auffassungen. Im Übrigen lassen sich mithilfe evolutionär relevanter Mechanismen durchaus prüfbare Vorhersagen aus der Evolutionstheorie ableiten. Die Bestätigung einer eindrucksvollen Prognose diskutiert KERENG (2010).

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„Spaghettimonster-Kirche“ beschwert sich beim Gerichtshof für Menschenrechte

Schild der FSM an der Vietmannsdorfer Straße in Templin. (Bild: pastafari.eu)
Kritik an Religion und Dogmatismus ist integraler Teil der humanistischen Weltanschauung. Darum und noch anderes geht es den Pastafari in ihrer Beschwerde.

Von Andreas Wilkens | heise online

Die „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V.“ (FSM) hat beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg Beschwerde eingelegt. Sie werde in Deutschland diskriminiert, bringt sie mit Hilfe des Rechtsanwalts Winfried Rath vor. Unterstützt wird sie dabei von der Giordano Bruno Stiftung und dem Institut für Weltanschauungsrecht.

„Der Beschwerdeführer sieht sich selbst als Weltanschauungsgemeinschaft und möchte von seinem Recht auf Weltanschauungsfreiheit Gebrauch machen und seine weltanschaulichen Rituale praktizieren. Dieser Status wird ihm von deutschen Gerichten jedoch abgesprochen und die Ausübung seiner Weltanschauungsfreiheit in Teilen verweigert. Auch findet eine Diskriminierung gegenüber Religionsgemeinschaften im Bezug auf die Gewährung von Privilegien statt“, heißt es in einer Mitteilung der sich Pastafari nennenden Anhänger der Kirche.

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Schöner Streiten mit Christopher Hitchens

In den USA und Großbritannien bekannt wie ein Popstar: der 2011 verstorbene Religionskritiker und Journalist Christopher Hitchens. (picture alliance / dpa / Peter Foley)
Umstrittene Polemiken gegen jene, die Macht hatten und sie missbrauchten: Das Vermächtnis des 2011 verstorbenen britisch-amerikanischen Autors und scharfen Religionskritikers Christopher Hitchens ist auch ein Plädoyer für eine andere Debattenkultur.

Von Jana Wuttke | Deutschlandfunk Kultur

Unsere Redakteurin Jana Wuttke kann nachts manchmal nicht schlafen, dann schaut sie sich auf Youtube Videos an. In einer dieser Nächte stößt sie auf Videos von Auftritten des britisch-amerikanischen Journalisten Christopher Hitchens, der neben Sam Harris, Daniel Dennett und Richard Dawkins als Vertreter des „neuen Atheismus“ gilt. Sie beginnt eine imaginäre Diskussion mit dem 2011 verstorbenen Religionskritiker, der in der angelsächsischen Welt wie ein Popstar gefeiert wurde, in Deutschland aber kaum bekannt ist.

„Ich wurde in eine himmlische Diktatur hineingeboren, die ich mir nicht aussuchen konnte. Ich begebe mich nicht freiwillig unter ihre Herrschaft. Mir wird erklärt, dass sie mich sehen kann, wenn ich schlafe. Mir wird gesagt, – und das ist die Definition des Totalitarismus – dass sie mich für Verbrechen der Gedanken, für das, was ich denke, verurteilen und verdammen kann. Und dass, wenn ich etwas Gutes tue, dies nur tun würde, um dieser Bestrafung zu entgehen. Wenn ich dagegen etwas Falsches mache, werde ich nicht nur unabwendbar zu meinen Lebzeiten dafür bestraft, sondern sogar nachdem ich gestorben bin.“
(Christopher Hitchens, 2007)

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So viel zahlt der Staat für die Kirche

Bild: tilly
Die Stadt Trier zahlt noch heute Zinsen an die Kirche für einen 430 Jahre alten Schuldschein. Dabei geht es um eine vergleichsweise geringe Summe – betrachtet man mal genau, wo der Staat die Kirche überall unterstützt.

SWR Aktuell

Die Gesamtkosten für die staatlichen Leistungen an die Kirche beliefen sich auf etwa 520 Millionen Euro im vergangenen Jahr, wie eine Umfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur in allen 16 Bundesländern ergab.

2017 gingen an die katholische Kirche laut Deutscher Bischofskonferenz zirka 6,4 Milliarden Euro an Einnahmen aus der Kirchensteuer und an die Evangelische Kirche in Deutschland rund 5,7 Milliarden Euro. Der Prozentsatz, den die Länder für den Verwaltungsaufwand von der Kirchensteuer einbehalten, schwankt. Er liegt bei zirka 3 Prozent.

Kirche und Staat historisch eng verwoben

Für den Religionskritiker Michael Schmidt-Salomon von der Giordano-Bruno-Stiftung hat dieser Status quo mehrere Gründe: „Erst in den 1970er Jahren begann die Gesellschaft, sich mit der Säkularisierung, also der Trennung von Kirche und Staat, auseinanderzusetzen.“ Außerdem seien viele Politiker, zum Beispiel im Bundeskabinett, selbst Kirchenmitglieder.

Als ganz aktuelles Beispiel nennt Schmidt-Salomon die SPD: Die Sozialdemokraten weigerten sich, einen offiziellen Arbeitskreis, der die Staatsleistungen an Kirchen abschaffen will, zuzulassen.

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Ist die deutsche Politik in einer religiösen Filterblase gefangen? / Podiumsdiskussion und Vorstellung der „säkularen Buskampagne 2019“ am 6. April in Berlin

Die jüngsten Angriffe der SPD-Führung auf die „säkularen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten“ haben wieder einmal gezeigt, dass die Interessen konfessionsfreier Menschen in Deutschland sträflichst ignoriert werden.

DER TAGESSPIEGEL

Über die religiöse Filterblase der deutschen Politik wird am kommenden Samstag, dem 6. April, ein hochkarätig besetztes Podium im Meistersaal am Potsdamer Platz diskutieren. Mit von Partie ist die ehemalige SPD-Spitzenpolitikerin Ingrid Matthäus-Maier, eine der führenden Repräsentantinnen des säkularen Flügels der deutschen Sozialdemokratie.

Die Verurteilung der Ärztin Kristina Hänel hat viele Menschen dazu gebracht, auf die Straße zu gehen, um gegen die Gängelungen des § 219a StGB und für eine Stärkung der Selbstbestimmungsrechte ungewollt schwangerer Frauen zu demonstrieren. Doch § 219a ist kein Einzelfall: Es gibt in Deutschland unzählige Gesetze, welche die Freiheiten der Bürgerinnen und Bürger aufgrund von überkommenen religiösen Normen einschränken, obwohl dies gegen fundamentale Bestimmungen der Verfassung verstößt.

Die Podiumsdiskussion „Wem gehört der Staat?“ bildet den Auftakt für die Aktivitäten der Giordano-Bruno-Stiftung zum Schwerpunktthema 2019 „70 Jahre Grundgesetz – 100 Jahre Verfassungsbruch“. In diesem Zusammenhang wird es auch zu einer Neuauflage der „säkularen Buskampagne“ kommen, die 2009 unter dem Motto „Gottlos glücklich“ für Schlagzeilen sorgte. Motto und Konzept der diesjährigen Buskampagne sollen im Rahmen der Veranstaltung am 6. April erstmals vorgestellt werden.

Neben Ingrid Matthäus-Maier, die schon in den 1970er Jahren für eine Abschaffung der Kirchenprivilegien kämpfte, werden an der Podiumsdiskussion Experten mitwirken, die sich in besonderer Weise für den säkularen Verfassungsstaat eingesetzt haben, nämlich der Politikwissenschaftler Carsten Frerk, der den christlichen Lobbyismus und die Vermögensverhältnisse der Kirchen wie kein anderer deutscher Forscher aufgedeckt hat, die Juristin Jacqueline Neumann, die als Koordinatorin des Instituts für Weltanschauungsrecht (ifw) bundesweite Strafanzeigen gegen kirchliche Missbrauchstäter stellte, sowie der Philosoph Michael Schmidt-Salomon, der als Buchautor und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung entschieden für den weltanschaulich neutralen Staat eintritt. Moderiert wird die Diskussion von Bestsellerautor Philipp Möller, der vor zehn Jahren als Sprecher der säkularen Buskampagne 2009 erstmals öffentlich in Erscheinung trat.

Der Einlass zur Podiumsdiskussion im Meistersaal am Potsdamer Platz (Köthener Str. 38, 10963 Berlin) beginnt um 19.00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Unterstützt wird die Veranstaltung der Giordano-Bruno-Stiftung vom Institut für Weltanschauungsrecht (ifw), der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) sowie von den Evolutionären Humanisten Berlin-Brandenburg (ehbb). Alle Interessierten sind herzlich zur Debatte eingeladen!

Pressekontakt:
c/o Elke Held (gbs)
https://www.giordano-bruno-stiftung.de/content/pressekontakt

Original-Content von: Giordano Bruno Stiftung, übermittelt durch news aktuell

Presseportal-Newsroom: Giordano Bruno Stiftung

Michael Shermer im Interview

Über Religion, Leben nach dem Tod, Skeptizismus & die Zukunft der Menschheit

Von acTVism | Richard-Dawkins-Foundation

In diesem Interview mit Dr. Michael Shermer, Bestsellerautor und Gründer des Skeptic Magazine, sprechen wir über Religion, das Leben nach dem Tod und die Wissenschaft. Darüber hinaus untersuchen wir den Skeptizismus – die Rolle, die er für den Einzelnen spielen sollte, seine Grenzen und warum er für die Gesellschaft wichtig ist. Schließlich diskutieren wir, warum die Linke so zögerlich ist, wenn es darum geht, Religion konstruktiv zu kritisieren, und warum Wissenschaftspädagogen es vermeiden, die Entwicklung des kritischen Denkens mit der Wirtschaft und der Zukunft der Menschheit in Verbindung zu bringen.

Um die vollständige Abschrift zu diesem Video zu lesen, klicken Sie bitte hier.

Video mit deutschem Voiceover.

Michael Shermer ist Buchautor, Gründer und Herausgeber des „Sceptic Magazine“ und schreibt für die Zeitschrift „Scientific American“. Im November 2018 erschien die deutsche Ausgabe von „The Moral Arc“: Der moralische Fortschritt

Dodo Blume und der stille Rückzug des Islam – Religionskritik als Feindbild

Dr. Michael Blume

Bereits mein letzter Blog handelte von Dr. Michael Blume, dem Antisemitismus-Beauftragten des Landes Baden-Württemberg, der einen eigenwilligen und klar falschen Antisemitismus-Begriff verwendet, der neuerdings nicht nur den Hass respektive Vorurteile gegenüber Juden umschreiben soll, sondern sämtliche Angehörige von abrahamitischen Religionen als mögliche Betroffene einbeziehen will. Ich verwies dabei auf eine Filmaufnahme von ihm auf YouTube, auf der genau dies zu hören ist (ab circa Min. 11:00).

Giodarno Brunello |Freiheit oder Scharia

Zu meinem großen Bedauern stellte ich leider erst nachträglich fest, dass Dr. Michael Blumes neues Buch just diese absurde These sogar im Titel wiedergibt und ich deshalb gar nicht so weit hätte suchen müssen. „Warum der Antisemitismus uns alle bedroht“ heißt das neue Werk des Antisemitismus-Beauftragten und aus der Buchbeschreibung kann entnommen werden, die ich aus urheberrechtlichen Gründen nur verlinken möchte, dass Dr. Michael Blume auch mit der Publikation dieses Buches die Absicht verfolgt, den Begriff des Antisemitismus willkürlich auszuweiten und diese Falschbehauptung sogar einem größeren Publikum kundzutun, was ich in Anbetracht seiner Position für extrem bedenklich halte.

Ich bin froh, dass es auch andere Menschen gibt, welche die Brisanz dieser Thematik und das Problem bei dieser eigenwilligen Definition des Antisemitismus durch einen Antisemitismus-Beauftragten erfassen und dies auch öffentlich zu erkennen geben. In der vergangenen Woche habe ich insbesondere die Entgegnung von Prof. Susanne Schröter sehr geschätzt, nachdem sich Dr. Michael Blume darüber empört hatte, dass sie es gewagt hatte, meinen letzten Blog-Artikel auf Facebook zu teilen und gemäß Angaben von Blume daraus zu zitieren, wobei das Letztere übrigens nicht zutraf. Prof. Schröter schrieb dazu die folgenden beiden Kommentare, nachdem Blume auf seiner Wall auf Facebook „Freiheit oder Scharia“ wahrheitswidrig als einen „muslimfeindlichen Blog“ bezeichnet hatte und mir implizit eine rassistische Haltung unterstellte:

„Rassismus ist eigentlich eine ziemlich ernste Sache. Aber in der momentanen Debatte wird der Begriff von vielen, darunter von Michael Blume, nur noch als Instrument einer Diskreditierung von Kritikern verwendet. Damit spart man es sich, ein Argument für die eigene Meinung vorzutragen. Letztendlich ist es ein armseliger Versuch die eigene Position gegen Einsprüche zu immunisieren, frei nach dem Motto: jeder, der anderer Meinung ist als ich, ist ein Rassist und Rassisten werden aus dem Diskurs ausgeschlossen. Was verbirgt sich dahinter? Nichts anderes als der Wunsch nach Zensur.

Dazu kommt, dass seine Definition von Antisemitismus höchst bedenklich ist. Er richte sich gegen “Migrantinnen und Muslime, gegen Demokratinnen und Juden, gegen Gottes- und Medienhäuser”. Abgesehen davon, dass das wirklich eine krude Mischung darstellt, steht unzweifelhaft die Absicht dahinter, Muslime implizit zu Opfern von Antisemitismus zu erklären. Dann kann man guten Gewissens mit Organisationen wie Juma zusammenarbeiten.“

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Innsbrucker Theologe: Atheisten argumentieren häufig unter Niveau

Öffentliche Wortmeldungen von Atheisten und Naturwissenschaftlern zu Fragen von Religion, Kirche oder Theologie können zu einem wahren Ärgernis werden, wenn sie unter Niveau bleiben.

kathpress

Das stellt der Innsbrucker Theologe Prof. Jozef Niewiadomski in einem Gastbeitrag in der aktuellen Ausgabe der „Tiroler Tageszeitung“ (TT, Mittwoch) fest. „Als Wissenschafter und Theologe kann ich nur noch beten, dass auch die Atheisten lernen, rational und niveauvoll zu argumentieren.“ Anlass der Wortmeldung Niewiadomskis war ein Interview mit der Biochemikerin und bekennenden Atheistin Renée Schroeder am 8. März, dem Weltfrauentag, ebenfalls in der TT. Darin hatte Schroeder u.a. die These aufgestellt, Gott sei „eine Erfindung der Männer“ und Frauen in der Kirche unterdrückt.

Die Aussagen Schroeders seien „ein besonders krasses Beispiel“ für eine Tendenz im öffentlichen Diskurs, Fragen von Religion und Glaube auf einem geradezu kindlichen Niveau abzuhandeln und Gläubige Menschen damit zugleich zu infantilisieren, kritisierte Niewiadomski. Schroeders Aussagen würden daher die Frage aufwerfen, was es eigentlich bedeutet, „dass ausgewiesene Wissenschafter die Grenze ihres Faches radikal überschreiten und mit ihren Stellungnahmen den Eindruck erwecken, als würden sie wissenschaftlich begründete Ansichten zum Besten geben?“

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Niko Alm: „Politik versucht Immunisierung über Religion“

Das Kreuz mit den Religionen
Niko Alm tritt seit Langem für eine echte Trennung von Religion und Staat ein. Die neue Karfreitagsregelung findet seine Zustimmung.

Carmen Baumgartner-Pötz | Tiroler Tageszeitung

Was früher ein hoher kirchlicher Feiertag war, ist es nun nicht mehr, stattdessen gibt es mit dem „persönlichen Feiertag“ vermutlich den ersten Anwärter auf das Unwort des Jahres. Mit der Änderung der Karfreitagsregelung hat die Bundesregierung eine Entscheidung getroffen, die diese Woche für große Aufregung und Debatten gesorgt hat – vor allem in der evangelischen Kirche und bei Arbeitsrechtlern. Hintergrund war das Urteil des Europäischen Gerichtshofs, der es für diskriminierend befunden hatte, dass nur Vertreter bestimmter Religionsgruppen am Karfreitag frei haben.

„Entweder haben alle frei oder keiner, aber ich kann nicht eine Minderheit bevorzugen“, findet Niko Alm das EuGH-Urteil und die Reaktion der Regierung absolut nachvollziehbar. Der Unternehmer, der in der vergangenen Legislaturperiode für die NEOS im Nationalrat saß und eine Zeit lang als deren Religionssprecher fungierte, wird gemeinhin als „Laizismus-Aktivist“ bezeichnet, was dem 43-Jährigen immer noch lieber ist als die Zuschreibung „Religionskritiker“: „Religionskritik findet für mich intern statt, ich kritisiere ja nur die Wirkung von Religion auf den Staat, der sich meiner Meinung nach neutral verhalten sollte“, so Alm im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung.

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Atheismus: Von Saudi-Arabien nach Köln – Warum Rana Ahmad aus ihrer Heimat floh

Noch immer werden in Saudi-Arabien Frauen unterdrückt und kontrolliert. Das Vormundschaftsrecht gibt Vätern und Ehemännern das Recht dazu. Immer mehr Frauen beschließen deshalb aus dem Land zu fliehen – und riskieren damit ihr Leben. Bild: ZDF heute
In Saudi-Arabien wäre Rana Ahmad heute vermutlich tot. Weil sich die 33-Jährige zum Atheismus bekennt, muss sie fliehen – vor der Regierung, der Gesellschaft und der Familie.

Von Julia Lösch | ZDF heute

Heute lebt Rana Ahmad in Deutschland. In Freiheit. Mit 26 Jahren beginnt Rama den Islam zu hinterfragen. Im Internet liest sie von Darwin und Nietzsche, setzt sich mehr und mehr mit dem Atheismus auseinander. Darauf steht in Saudi-Arabien die Todesstrafe. Doch Rana kann nicht aufhören, das System zu hinterfragen, nach Wegen aus ihrem „eingesperrten Leben“, zu suchen.

Als ihr Bruder davon erfährt, versucht er Rana, in ihrem Zimmer zu erwürgen – im letzten Moment kommt ihr Vater dazwischen. Ranas Mutter möchte sie wieder auf den „vermeintlich“ rechten Weg führen, pilgert mit ihr nach Mekka – der heiligsten Stätte für Muslime auf der ganzen Welt. Doch zu diesem Zeitpunkt wusste Rana schon, dass sie als Atheistin leben möchte. Der Islam nehme ihr alle Rechte, die sie sich so sehr wünscht. Selbstbestimmtheit, Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen.

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Schwierigkeiten mit den Fakten – Bundesstiftung Aufarbeitung will Fördermittel von der ARD zurück

Webseite der Bundesstiftung. Screenshot: bb
Die Bundesstiftung Aufarbeitung hat Fördergelder für den ARD-Film „Ewige Schulden: Ostdeutschlands Kirchen und die Staatsleistungen“ zurückgefordert. Die Dokumentation habe mit der ursprünglichen Intention im Förderantrag nichts mehr zu tun, sagte Vorstandsmitglied Christine Lieberknecht (CDU) der in Weimar erscheinenden mitteldeutschen Kirchenzeitung „Glaube + Heimat“ (Ausgabe 24. Februar).

Alle Geschichte ist LügeTheodor Lessing

Am 18. Februar, um 23:55 Uhr wurde o.g. Film im Ersten ausgestrahlt. Die Bundesstiftung Aufarbeitung hatte die Produktion des Filmes mit 26.000 Euro gefördert. Die Verantwortlichkeiten lagen bei MDR und NDR. Nun will man die Fördermittel zurück haben. In der dargestellten Fassung hätte die Stiftung den Film nicht fördern wollen. In der Kurzbeschreibung zum Film habe gestanden:

„Über den Rückgriff auf Zäsuren der DDR-Kirchengeschichte soll deutlich gemacht werden, wie weitreichend die gesellschaftlichen Folgen der repressiven DDR-Religionspolitik bis heute sind und wie die Strukturen der SED-Diktatur die Menschen in den neuen Ländern in Glaubensfragen immer noch prägen“

Die Recherchen zum Film, immerhin zwei Jahre Arbeit, brachten wohl andere Ergebnisse zutage, Resultate, die die weinerliche Opferrolle der evangelischen Kirchen in der DDR, nicht belegten. Schlagworte wie Christenverfolgung, religiöse Diskriminierung und mangelhafte Religionsfreiheit wären nötig gewesen um die untergegangene DDR schlicht zum Reich des Bösen zu zählen. Gut beraten ist, wer die Institution evangelische Kirche in der DDR und gläubige Protestanten trennt, rein methodisch. Letztere wurden wegen ihres Glaubens diskriminiert, benachteiligt und ausgegrenzt, dass ist ein Fakt. Die Institution evangelische Kirche in der DDR war Teil der Religionspolitik der DDR, und somit Teil des Problems. Kirchlichen Institutionen, selbst Pfarrern ging es in der DDR nicht schlecht, satt und zufrieden konnte der West-Pkw bestellt, oder aber die Brüder und Schwestern im freiheitlichen Westen aufgesucht werden, ohne die allgemeingültigen Reiserestriktionen aushalten zu müssen.

Und nebenbei, auch in der DDR wurden Staatsleistungen an die Kirchen gezahlt. Pro Jahr immerhin 15,4 Millionen Mark der DDR. Die Beträge unterlagen aber ziemlich großen Schwankungen, so 12 Millionen Mark(1956 ff.) bis zu 20,2 Millionen im Jahre 1981. In den Jahren ihrer Existenz, 41, zahlte die DDR rund 630 Millionen Mark an die Kirchen. Die größten Schreihälse, immer wehleidig und weinerlich, die evangelische Kirche der DDR, erhielt davon rund 93%. Kleinere Religionsgemeinschaften, wie z.B. die griechisch-orthodoxe Kirche oder jüdische Gemeinden, erhielten aus diesen Staatsleistungen kleinere Beträge.

Dieses religiös-ökonomische Schaulaufen, tränenreich und Aufmerksamkeit erheischend, erinnert an kirchliche Wegelagerei des Mittelalters.

Es wäre an der Zeit, die historische Rolle der evangelischen Kirche in der DDR eben unter dem Aspekt der Kollaboration mit dem Staat zu untersuchen, bis hin zu inoffizieller Tätigkeit protestantischer Hofschranzen für das Ministerium für Staatssicherheit der DDR.

Laizistisches Bündnis fordert Beendigung von Staatsleistungen

Bild: tilly
2019 ist ein Jahr der Erinnerungen: an die Weimarer Verfassung bzw. Reichsverfassung (WRV), die am 14. August 1919 in Kraft trat und die erste parlamentarische Demokratie in Deutschland von 1919 bis 1933 begründete. Die sogenannten Religionsartikel der WRV (136,137,138, 139,141) wurden 1948 in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland inkorporiert, das am 23. Mai 1949 feierlich in Bonn nach der Schlusssitzung des Parlamentarischen Rates verkündet wurde. In Art 138 (1) steht der Satz: „Die auf Gesetz, Vertrag oder besonderen Rechtstiteln beruhenden Staatsleistungen an die die Religionsgesellschaften werden durch die Landesgesetzgebung abgelöst.

Dr. Reinhard Hempelmann | EZW

Die Grundsätze hierfür stellt das Reich auf.“ Staatsleistungen – Entschädigungszahlungen für die Enteignung kirchlicher Güter zu Beginn des 19. Jahrhunderts – haben demnach eine klare Rechtsgrundlage. Richtig ist jedoch auch, dass es einen Verfassungsauftrag zu ihrer Ablösung gibt. Er wurde nach 100 Jahren WRV und nach 70 Jahren GG noch nicht umgesetzt.

Nicht die Ablösung, sondern eine sofortige Beendigung der Staatsleistungen wird gegenwärtig von einem laizistischen Bündnis vehement gefordert. Dem Bündnis gehören verschiedene Organisationen an: die Bürgerrechtsbewegung Humanistische Union, das 2017 gegründete und der Giordano-Bruno-Stiftung nahestehende Institut für Weltanschauungsrecht (ifw), der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IKBA), in dem sich nichtreligiöse Menschen zusammengeschlossen haben, um eine „konsequente Trennung von Staat und Kirche“ durchzusetzen, die Giordano-Bruno-Stiftung (gbs), die das Leitbild eines evolutionären Humanismus und die Vision einer religionsfreien Gesellschaft vertritt, der Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO), dem eine ganze Reihe religions- und kirchenkritischer Organisationen angehört und der in seinen politischen Forderungen einen säkularistischen Staat fordert. Die Humanistische Union stellt als Bürgerrechtsbewegung in der Aufzählung eher die Ausnahme dar, da sie sich einem laizistischen Verständnis der Zuordnung von Religion und Politik verpflichtet sieht, jedoch nicht den Anspruch erhebt, eine atheistisch-humanistische Weltanschauung zu vertreten.

Aus dem Parteienspektrum des Bundestages gehören dem Bündnis die Jungen Liberalen, die Linksjugend (’solid), die Bundesarbeitsgemeinschaft der säkularen Grünen und die Säkularen Sozis an. Weitere regionale Gruppen haben sich dem Bündnis angeschlossen: u. a. die Säkularen Humanisten – GBS Rhein-Neckar e.V., der Bund für Geistesfreiheit, München, die Giordano-Bruno-Stiftung, Regionalgruppe München, das Säkulare Forum Hamburg, die LAG Laizismus – DIE LINKE, Hessen, die Gruppe Religionsfrei im Revier (RiR) und das Säkulare Netzwerk NRW. Eine Unterstützung durch weitere Organisationen wird ausdrücklich gewünscht. Die genannten Organisationen haben sehr geringe Mitgliedszahlen, spielen in öffentlichen Diskursen jedoch eine bedeutsame Rolle. Ihre inhaltlichen Forderungen lauten: Der Deutsche Bundestag soll ein Ablösegesetz verabschieden (1.), ebenso ein Ablösegrundsätzegesetz (2.). Die Länder sollen die Staatsleistungen ohne Zahlung weiterer Entschädigungssummen einstellen (3.). Die evangelische und katholische Kirche sollen auf weitere Staatsleistungen verzichten (4.).

Von kirchlichen Repräsentantinnen und Repräsentanten wird eine Ablösung der Staatsleistungen keineswegs abgelehnt. Ein Bundesgesetz müsste den Ablösefaktor vorgeben. Bezogen auf die jährlich gezahlten Staatsleistungen (ca. 500 Millionen Euro) ist von einem Faktor zwischen ca. fünf und ca. fünfzehn die Rede. Die Forderung, Art. 138 umzusetzen, hat Plausibilität. Das laizistische Bündnis will aber keineswegs nur dies. Es will einen laizistischen Staat. Das religionsfreundliche Modell der WRV und des GG soll gerade nicht fortgesetzt werden. Die Erinnerung an den Verfassungsauftrag dient einem religionspolitischen Systemwechsel. Die in der Weimarer Verfassung geforderte Ablösung wird als längst erfolgt betrachtet. Das religionsfreundliche Modell des Verfassungsrechts in Deutschland wird grundsätzlich infrage gestellt: kein Körperschaftsstatus für religiöse Gemeinschaften, kein Einzug der Kirchensteuer durch Finanzämter, kein Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, keine theologischen Fakultäten an Universitäten, keine Lehrstühle für islamische Theologie …

Im Jahr der Erinnerung an die WRV und das GG sollte nicht nur über Staatsleistungen nachgedacht werden. Zentrale religionspolitische Zukunftsfragen sind zu beantworten. Warum und inwiefern ist die grundgesetzlich eröffnete Möglichkeit einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Staat und Religion auch in Zeiten weltanschaulicher Pluralisierungsprozesse zukunftsfähig? Im Unterschied zu Ländern mit laizistischer Ordnung gewährt und fördert der deutsche Staat die Eigenständigkeit und zivilgesellschaftliche Rolle von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften nach dem „Prinzip der respektvollen Nicht-Identifikation“ (Heiner Bielefeldt).

Die in WRV ausgesprochen Orientierungen zum Staat-Kirche-Verhältnis und ihre Rezeption im GG können auch angesichts unverkennbarer Prozesse eines zunehmenden religiös- weltanschaulichen Pluralismus eine ausgleichende und dem öffentlichen Frieden dienende Wirkung entfalten. Die grundlegenden Perspektiven der WRV und des GG sind m. E. pluralismusfähig. Es war ein Akt der Weisheit, dass im Verfassungstext kein Staat-Kirche-Verhältnis formuliert und festgelegt wurde, sondern ein Verhältnis des Staates zu den Religionsgesellschaften. Die grundgesetzlich eröffnete Möglichkeit einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Staat und Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften gilt für alle. Denn der säkulare Rechtsstaat identifiziert sich nicht mit einer bestimmten Religion, sondern ist Heimstatt für alle und gibt den Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften „den gleichen weltlichen Boden der freien Entfaltung“. (Martin Heckel)

BA§TA Bündnis altrechtliche Staatsleistungen abschaffen

Konfessionslos – ein Leben ohne Gott

Symbolbild.
Geben wissenschaftliche Erkenntnisse Antworten auf alle Lebensfragen? Oder bleibt Raum für Göttliches? Eine Einladung, in zwei ungleiche Welten einzutauchen, die so verschieden gar nicht sind

Peter Mayr, Markus Rohrhofer | DERSTANDARD

Selbst der scharfzüngige Aufklärer und ewige Kirchenkritiker Voltaire legte zwei Monate vor seinem Tod die Beichte ab und ließ einen Priester an sein Totenbett holen. Offen bleibt, ob der Philosoph in den letzten Atemzügen nur vor der Kirche buckelte, um ein ordentliches Begräbnis zu bekommen – oder ob er tatsächlich quasi auf den letzten Drücker noch versuchte, einen Draht nach oben zu bekommen.

Zumindest eint Gläubige und Ungläubige eines: Es gibt Momente des kritischen Innehaltens. Selbst wenn Religionen ihren Anhängern klare Richtlinien vorgeben, gehört ein Hadern und Zaudern dazu. Und der Ungläubige steht vor der nicht minder schwierigen Aufgabe, ohne religiösen Wegweiser eine moralisch vertretbare Lebensrichtung finden zu müssen.
Weltanschauliche Neutralität

Auch wenn das Selbstverständnis, religiös zu sein, in Österreich unverändert hoch und stabil ist, scheint doch für immer mehr Menschen ein Leben ohne Gott eine attraktivere Variante zu sein. Die Zahl der Atheisten steigt kontinuierlich (siehe Grafik). Das wird sich fortsetzen, sagt Detlef Pollack, Religionssoziologe an der Universität Münster.

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Gay atheist Polish Mayor is out to diminish power of Catholic Church

Image via YouTube
GIVEN that Poland is overwhelmingly Catholic, and thus fanatically homophobic, it must have come as a shock to many when, in 2011, atheist Robert Biedroń , was elected to the country’s Parliament, becoming the first openly gay official.

By Barry Duke | thefreethinker

The staunchly pro-EU politician made history again in 2014, after becoming the mayor of Slupsk, a town in Poland.

Now Biedroń, an LGBT activist, above, has the Catholic Church in his sights, having just announced plans on Sunday to establish a new political party – Wiosna – to diminish the Church’s influence in his country by placing tighter restrictions on it.

In launching Wiosna, Biedroń intends opposing the conservative Law and Justice party which supports the Catholic Church.

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Hat die Kirche Sonderrechte bei strafrechtlichen Ermittlungsverfahren?

Der Bund für Geistesfreiheit (BfG) Neuburg-Ingolstadt verschickte einen Brief an Johannes-Wilhelm Rörig, den Bundesbeauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Er kritisiert darin die schleppende Aufklärung des Missbrauchs.

Redaktion hpd.de

Der Bund für Geistesfreiheit Neuburg-Ingolstadt K. d. ö. R. versteht den sexuellen Missbrauch an Kindern in der katholischen Kirche nicht nur als Schaden, der an den Individuen verursacht wird, sondern erkennt darüber hinaus in der selektiv zurückhaltenden Anwendung rechststaatlicher Mittel zur Verfolgung dieser Taten einen Schaden an der Glaubwürdigkeit des Rechtsstaats.

Deshalb schrieb der Vorstand des BfG Neuburg-Ingolstadt am 4. Februar einen Brief an den Bundesbeauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig. In dem Schreiben heißt es: „die Kirche hat sich sexueller Verbrechen an Minderjährigen schuldig gemacht. In der breiten Öffentlichkeit werden diese Verbrechen als ‚Skandal‘ wahrgenommen und von Ihnen als ‚ungeheuerliches Unrecht‘ bezeichnet.“

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Aufgeklärt, voraufgeklärt, falsch aufgeklärt: Steven Pinker kontert ein Jahr nach dem Erscheinen seines Bestsellers «Aufklärung jetzt» seine heissesten Kritiker

Ohne die Aufklärung undenkbar: Freizeitsport für alle. (Felipe Dana / AP)
Obwohl alle von ihnen profitieren, stehen sie von allen Seiten unter Druck: Vernunft, Humanismus und Wissenschaft. Dabei kann kein Zweifel bestehen: Die Welt wird immer besser. Aber je besser die Welt, desto krasser die Nörgelei! Ein Argumentarium gegen die notorischen Kulturpessimisten.

Steven Pinker | Neue Zürcher Zeitung

Es ist kaum zu glauben, dass eine Verteidigung von Vernunft, Wissenschaft und Humanismus zu Kontroversen führen sollte, zumal wir in einer Zeit leben, in der diese Ideale jede Hilfe brauchen können. Aber ein Kollege sagte mir: «Du hast die Köpfe der Leute explodieren lassen.»

Mein Buch «Aufklärung jetzt» ist deshalb von Kritikern auf der Linken wie auf der Rechten attackiert worden. Sie gaben der Aufklärung die Schuld für Rassismus und Imperialismus, existenzielle Bedrohungen und epidemische Einsamkeit, Depressionen und Suizid. Sie mäkelten, die Daten, die den Fortschritt belegen, beruhten nur auf Rosinenpicken. Und sie höhnten, mit kaum verhüllter Schadenfreude, die Aufklärung sei eine Idee mit Verfallsdatum, sie habe im Zeitalter des autoritären Populismus, der sozialen Netzwerke und der künstlichen Intelligenz keine Zukunft.

Deshalb nehme ich Stellung zu den Kontroversen, die im Jahr seit der Veröffentlichung von «Aufklärung jetzt» ausgebrochen sind. Ich denke also über den Stand des Projekts der Aufklärung und auch über ihre Feinde nach.

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Steins Gesetz und die Mission der Wissenschaft

Foto: Pixabay.com / geralt
In der Scientific American Ausgabe vom April 2001 begann ich diese Kolumne mit einem Beitrag mit dem Titel „Bunte Kieselsteine und Darwins Diktum“, inspiriert von der Bemerkung des britischen Naturforschers, dass „jede Beobachtung für oder gegen eine Ansicht sein muss, wenn sie von Nutzen sein soll“.

Von Michael Shermer | RDF

Charles Darwin schrieb diesen Kommentar in einem Brief an die Kritiker, die ihm vorwarfen, in seinem Buch über den Ursprung der Arten von 1859 zu theoretisch zu sein. Sie bestanden darauf, dass er die Fakten einfach für sich sprechen lassen sollte. Darwin wusste, dass Wissenschaft eine sehr feine Mischung aus Tatsachen und Theorie ist. Zu diesen füge ich ein drittes Bein zum Schemel der Wissenschafts-Kommunikation hinzu. Wenn wir unsere Ideen nicht klar an andere weitergeben können, schlummern Tatsachen und Theorie vor sich hin.

Seit nunmehr 214 aufeinanderfolgenden Monaten versuche ich, meine eigenen und die Gedanken anderer über die Tatsachen und Theorie der Wissenschaft so klar wie möglich zu vermitteln. Aber in Übereinstimmung mit (Herb) Steins Gesetz – Dinge, die nicht ewig weitergehen können, werden es auch nicht – endet diese Kolumne mit der Neugestaltung des Magazins. Eine notwendige Strategie in der Entwicklung dieses Nationalheiligtums, die auf 174 Jahre kontinuierlicher Veröffentlichung folgt. Ich fühle mich geehrt, einen flüchtigen Moment dieser langen Geschichte geteilt zu haben, den Redakteuren, Künstlern und Produktionstalenten für jeden Monat dankbar, in welchem ich meine Ansichten mit euch teilen durfte. Ich werde dies an anderer Stelle fortsetzen, bis meine eigene Beschäftigung in diesem provisorischen Proszenium (eine weitere Instanziierung von Steins Gesetz) viele Jahre in der Zukunft endet, so wie es die Natur und der Zufall will. Erlaubt mir daher, darüber nachzudenken, was meiner Meinung nach die Wissenschaft in das Projekt der Menschheit einbringt, von welchem wir alle ein Teil sind.

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Darf man über Religion lachen? – Ausschreibung zum Kunstpreis „Der Freche Mario 2019“

lllustration: Jacques Tilly
Seit dem 7. Januar 2019 läuft die inzwischen siebte Ausschreibung zum Kunstpreis Der Freche Mario. Der mit 3.000 Euro dotierte Preis zeichnet Kunstwerke aus, die sich mit Glauben und Religion auseinandersetzen. Mit der alle zwei Jahre stattfindenden Ausschreibung möchten die Organisatoren des Kunstpreises, der Bund für Geistesfreiheit München (bfg München), die Kulturbühne Hinterhalt, die Galerie der Kirchenkritik, 84 GHz – Raum für Gestaltung und die Giordano Bruno Stiftung alle Künstler ermutigen, sich ohne Schere im Kopf mit den sog. ewig währenden religiösen Wahrheiten und Autoritäten satirisch-kritisch zu beschäftigen

Bund für Geistesfreiheit München

Darf man über Religion lachen? Nicht nur im Iran oder Saudi-Arabien kann das für Künstler und Kulturschaffende gefährlich werden. In vielen Ländern Europas gibt es noch immer „Blasphemiegesetze“, auch in Deutschland. Hierzulande müssen Kulturschaffende den „Gotteslästerungs-Paragrafen“ 166 StGB („Beschimpfung“ von Bekenntnissen, Religionsgemeinschaften und Weltanschauungsgemeinschaften) fürchten. Die Forderung nach Abschaffung des § 166 ist deshalb eine Kernforderung der Organisatoren des Kunstpreises.

„Als humanistische Demokraten setzen wir uns dafür ein, dass Meinungs-, Presse-, Kunst- und Religionsfreiheit keine hohlen Floskeln sind, sondern geachtet und verteidigt werden. Schließlich sind diese Grundrechte mühsam genug durchgesetzt worden, insbesondere gegen die Vertreter der monotheistischen Religionen,“ sagt Assunta Tammelleo, stellvertretende Vorsitzende des bfg München.
Wie wichtig der weltweite Einsatz für Kunst- und Meinungsfreiheit ist, zeigt nicht zuletzt das tödliche Attentat auf die Redaktion des Satire-Magazins „Charlie Hebdo“ am 7. Januar 2015 in Paris.

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Dr. Michael Schmidt-Salomons Grußwort zur Eröffnung des „Evolutionsweges“

Bild: leimenblog.de
Ich freue mich sehr, ein Grußwort zur heutigen Eröffnung des Evolutionsweges in Leimen sprechen zu dürfen. Denn die Evolutionstheorie ist nicht nur der wichtigste Baustein des modernen Weltbildes, sie hilft uns auch zu begreifen, wer wir sind und woher wir stammen. Nicht zuletzt schärft sie unseren Blick für das, was wesentlich und was unwesentlich ist. Denn wer die Evolution wirklich verstanden hat, der begreift auch, dass Religionen, Nationen, Völker bloß vorrübergehende Konstrukte sind, die eine fundamentale Tatsache des Lebens tragischerweise oft verdecken, nämlich dass uns Menschen untereinander sehr viel mehr verbindet als trennt.

leimenblog.de

Zusammen mit allen anderen Lebensformen auf der Erde bilden wir eine einzigartige große Familie, deren Ursprünge in winzig kleinen Zellen liegen, welche vor Urzeiten auf der Erde entstanden sind. Und wer diese große Geschichte des Lebens erst einmal im Kopf hat, der wird sich von den kleinen hinterwäldlerischen Erzählungen religiöser Fundamentalisten oder chauvinistischer Nationalisten, die momentan leider weltweit auf dem Vormarsch sind, so schnell nicht mehr hinters Licht führen lassen.

Tatsächlich gibt es einen bemerkenswerten statistischen Zusammenhang zwischen der Evolutionsverleugnung auf der einen Seite und fundamentalistischen, nationalistischen, autoritären, antidemokratischen, patriarchalen Werten auf der anderen Seite. Vermutlich ist dies darauf zurückzuführen, dass diejenigen, die in ihrem Weltbild von festen, unverrückbaren, ewig gültigen Fundamenten ausgehen, sich mit der zentralen Aussage der Evolutionstheorie kaum anfreunden können, nämlich dass das einzig Beständige in dieser Welt der Wandel ist.

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