RDF Talk – Carsten Frerk: Kirchenrepublik Deutschland

In seinem Vortrag zum gleichnamigen Buch „Kirchenrepublik Deutschland“ beschreibt Dr. Carsten Frerk erstmals, wie die Kirchen in Deutschland systematisch Einfluss auf die Politik nehmen. Dabei zeigt sich, dass katholische und evangelische Stellen in einer Weise in Gesetzgebungsverfahren eingebunden sind wie keine zweite zivilgesellschaftliche Kraft.

Richard-Dawkins-Foundation

Wie stark der Einfluss der Kirchen auf die Politik ist, zeigt unlängst die Entscheidung des Parlaments zum Thema Sterbehilfe. Laut Dr. Frerk ist die Verabschiedung des „Gesetzes zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ 2015 nicht unwesentlich auf die enge personelle Verflechtung von Kirche und Staat in Deutschland zurückzuführen.

So lassen die Kirchen ihre Interessen Realität werden, obwohl es dafür längst keine Mehrheiten in der Bevölkerung mehr gibt. Als größte private Arbeitgeber, als größte Grundbesitzer und als Milliarden umsetzende Wirtschaftskonzerne verfolgen die Kirchen massive Eigeninteressen.

Zum Referenten:

Carsten Frerk ist Politologe und wurde durch kirchen- und religionskritische Werke bekannt. Zudem ist er Autor historischer Romane. Im Mittelpunkt seines Werks stehen Buchveröffentlichungen über die finanziellen Verflechtungen von Staat und den beiden Amtskirchen in der Bundesrepublik Deutschland. Unter anderem deshalb gilt er als Kirchen- und Religionskritiker. Carsten Frerk ist Mitglied im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung.

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„Jüdisches Kind“? „Muslimisches Kind“? „Christliches Kind“?

Bild: Richard-Dawkins-Foundation
Kulturelle Tradition hat ihren Stellenwert, aber keinen Platz in einer auf Fakten basierten Bildung.

Von Richard Dawkins | Richard-Dawkins-Foundation

Mein oft (manche mögen sagen, zu oft) wiederholter Hinweis auf die Absurdität – ja Bösartigkeit – der Etikettierung von Kindern mit der Religion ihrer Eltern („Würden Sie von einem ‘postmodernen Kind’ oder einem ‘gramscianischen-marxistischen Kind’ sprechen?) ist in der Regel erfolgreich. Die Leute verstehen den Punkt fast immer sofort, wiewohl es eine andere Frage ist, ob es bei ihnen ein zukünftiges Bewusstsein dafür schafft, bei dem sie tatsächlich zusammenzucken, so wie ich es tue, wenn sie von einem „katholischen Kind“ oder „muslimischen Kind“ hören. Aber es gibt ein Gegenargument, dem ich oft begegne, und es klingt oberflächlich plausibel. Es ist mein Anliegen, mich hier damit auseinanderzusetzen.

Die Gegner, von denen ich spreche, berufen sich oft auf den Sonderfall des Judentums, aber der Punkt kann allgemeiner formuliert werden. Es sei lächerlich und falsch, Eltern davon abzuhalten, ihre kulturellen Traditionen an ihre Kinder weiterzugeben. Sprache, Akzent, Kleidungsstile, Ernährung, Essgewohnheiten, Sprichwörter, poetische Anspielungen, Spiele, nonverbale Signale oder Grüße wie Kopfschütteln oder Nicken oder soziales Küssen werden kulturell vermittelt. Die Menschheit wäre ärmer, wenn wir sie verlieren würden. Religion, so wird behauptet, ist nur ein weiterer Punkt auf der Liste.

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Daniel Dennett: „Von den Bakterien zu Bach – und zurück – „Blick des Philosophen auf die Evolution des Geistes

Daniel Dennett beschreibt in seinem neuen Sachbuch, warum auch der menschliche Geist ein Ergebnis der Evolution ist. (Suhrkamp / imago / Collage: Deutschlandradio)
Körper und Geist, Natur und Kultur – dazwischen besteht kein grundlegender Unterschied. Vielmehr ist alles ein Ergebnis der Evolution. Diese These vertritt der US-amerikanische Philosoph Daniel Dennett. Anschaulich und mit Sprachwitz legt er sie dar in seinem neuen Buch „Von den Bakterien zu Bach – und zurück. Die Evolution des Geistes“.

Von Tomma Schröder | Deutschlandfunk

Daniel Dennett hält nicht viel von Übernatürlichem. Er glaube „nicht an Geister, nicht an Elfen, nicht an den Osterhasen und auch nicht an Gott“, schrieb der amerikanische Star-Philosoph mal in der „New York Times“. In seinem neuen Buch „Von den Bakterien zu Bach – und zurück“ wandelt er daher strikt auf den naturwissenschaftlichen Pfaden.

„Wenn wir die Reparaturmechanismen in Bakterien, die Atmung bei Kaulquappen und die Verdauung von Elefanten erklären können, warum sollte dann nicht auch das bewusste Denken des Homo sapiens seine Geheimnisse diesem sich immer weiter optimierenden Moloch Wissenschaft offenbaren?“

Dualismus von Materiellem und Immateriellem

Spätestens seit Descartes den Dualismus von Materiellem und Immateriellem in eine philosophische Theorie gegossen hat, gilt die Kluft zwischen Körper und Geist, zwischen Natur- und Geisteswissenschaften vielen als unüberwindbar. Die kartesische Wunde nennt Dennett dies – und er will sie heilen. Denn dem Philosophen zufolge, und er weiß viele Wissenschaftler an seiner Seite, existiert diese Wunde gar nicht. Für Dennett gibt es nichts Immaterielles, nichts Mirakulöses, das außerhalb der Reichweite der Naturwissenschaften verbleibt. Vom Bakterium bis zu Bach – und seinem Geist – ist alles ein Ergebnis der Evolution – auch wenn viele das nicht wahrhaben wollen.

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„Fliegendes Spaghettimonster“ auf templin.de als Kirche geführt

Bild: Screenshot Templin.de
Für kurze Zeit hatte die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters dem Anschein nach ihr Ziel erreicht: Auf der offiziellen Website der Stadt Templin wurde sie unter der Rubrik „Kirchen“ geführt. Bis Dienstagvormittag.

Von Ula Brunner | rbb24

Gute zwei Wochen lang schien die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters endlich ihr Ziel erreicht zu haben – zumindest auf der Website der Stadt Templin. Seit dem 27. Juli 2018 konnte man dort unter dem Menüpunkt „Kirchen“ neben der Maria-Magdalenen-, der Herz-Jesu-Kirche und der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde auch die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters entdecken.

„Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V. wird ab sofort auf der offiziellen Website der Stadt Templin unter ‚Kirchen‘ geführt, neben evangelischer, katholischer und baptistischer Kirche“, ließ Rüdiger Weida, Gründer und Vorsitzender des satirischen Vereins, am Dienstagvormittag verlautbaren. Doch kurz darauf verschwand der Link sang- und klanglos wieder von der Templiner Kirchenseite.

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Türkei: Atheistinnen mit Kopftuch

Manche Türkinnen verschleiern mit dem Kopftuch ihren Unglauben (picture alliance / dpa / Arne Dedert)
Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan treibt die Islamisierung seines Landes voran. Schwierig ist die Situation für Atheisten: Sie erleben Anfeindungen und Repressalien. „Deshalb tun manche Atheisten so, als wären sie religiös“, sagte der Islamwissenschaftler Pierre Hecker im DLF.

Pierre Hecker im Gespräch mit Monika Dittrich | Deutschlandfunk

Jahrzehntelang galt in der Türkei der Grundsatz: Religion ist Privatsache. Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk hatte den Laizismus als Verfassungsprinzip etabliert und alles Religiöse und Islamische weitgehend aus dem öffentlichen Leben verbannt. Das war für ihn der Inbegriff einer modernen Türkei.

Seit einigen Jahren allerdings erlebt das Land eine Re-Islamisierung. Von einer „neuen Türkei“ und einer „frommen Generation“ ist die Rede. Dafür verantwortlich ist vor allem Recep Tayyip Erdogan, der Gründer der regierenden AK-Partei und Staatspräsident der Türkei.

Für Menschen, die nicht religiös sind und sich selbst als Atheisten bezeichnen, ist diese Entwicklung nach Ansicht des Marburger Islamwissenschaftlers Pierre Hecker problematisch. Hecker leitet ein Forschungsprojekt über türkischen Atheismus.

Dabei sei es nicht einmal einfach zu ermitteln, wie viele Atheisten überhaupt in der Türkei leben: „Den offiziellen Statistiken zufolge sind knapp 99 Prozent der Türken Muslime“, so Hecker im DLF. Tatsächlich gebe es aber eine große Zahl an Atheisten in der Türkei. Viele stammten „aus konservativen sunnitischen Haushalten“ – und zeigten sich aus Angst vor Anfeindungen und Repressionen nicht öffentlich, denn teils würden sie verbal und auch körperlich angegriffen.

Für viele Atheisten sei ihre Abkehr vom Glauben auch eine Form des politischen Protests geworden – als Antwort auf den autoritären Führungsstil und die Islam-Politik von Staatspräsident Erdogan.

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In eigener Sache: Regionale Chemotherapie, unerwünschte Inhalte und schlechte Reputation

Am 27. April 2017 wurde, hier auf dem Blog, ein Artikel der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel Die AfD-Politikerin und das Märchen von der Krebs-Heilung
textlich angerissen und verlinkt. Die Autorin Julia Bergmann hatte diesen Artikel zum Thema geschrieben und die SZ veröffentlicht. Im besagten Artikel ging es um das Medias Klinikum GmbH & Co. KG in Burghausen. Das Klinikum warb u.a. damit, hoffnungslos erkrankten Krebspatienten, mit einer speziellen Krebstherapie, geholfen zu haben. In der Sache wurde von der SZ und Aftonbladet recherchiert und festgestellt, dass einige der als Erfolg gemeldeten Patienten zwischenzeitlich bereits verstorben waren.
Ich erspare mir hier die Wiederholung der, von der SZ, dargestellten Fakten.

Am Donnerstag dem 19. Juli flatterte eine Mail ins Postfach des Blogs. Hier der ungeschönte Inhalt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

unser Auftraggeber Medias Klinikum GmbH & Co. KG, vertreten durch Herrn Giuseppe Zavattieri beauftragte yourreputation24.com mit der Verbesserung seiner Online-Reputation. Wir kontaktieren Sie im Auftrag unseres Auftraggebers, da auf Ihrer Webseite unerwünschte Inhalte, bzw. Daten gefunden wurden. Wir verweisen dabei auf die Links:

https://brightsblog.wordpress.com/2017/04/27/die-afd-politikerin-und-das-maerchen-von-der-krebs-heilung/

Schon beim Lesen der ersten Zeilen, ernsthafte Zweifel, „unerwünschte Inhalte, Daten“, letztlich bleibt die Feststellung, dass alle Inhalte im Internet Daten sind, aber unerwünscht? Nimmt man soziale Plattformen ist der Begriff unerwünschter Inhalt recht schnell fixiert, Hassrede, terroristische Propaganda oder Bilder mit Ausbeutung von Kindern, wäre z.B. ein unerwünschter Inhalt bei Facebook. Der Artikel von Julia Bergmann gehört nicht dazu, nicht unerwünscht, sondern gewünscht. Gewünschte Aufklärung zur kritikwürdigen Heilmethoden.
Es geht um „Regionale Chemotherapie.“ Sie ist eine experimentelle Variante der onkologischen Chemotherapie zur Behandlung von Tumoren. In der Fachwelt wird sie allenfalls als Spezialanwendung für einen kleinen Kreis von Patienten angesehen. Laut Deutschem Krebsforschungszentrum komme die Methode „nur für sehr wenige Krebsarten und nur in ganz bestimmten Situationen infrage“.
So weit zur Therapie.

In der Mail wird dann folgendes gefordert:

Der kritische Eintrag befindet sich scheinbar (öffentlich) auf Ihrer Internetseite, wir haben Sie als zuständigen Betreiber (bzw. Hosting-Provider mit der Bitte um Weiterleitung) ermittelt.

Im gegenseitigen Interesse bitten wir Sie nun um Kooperation und Entfernung / Veränderung des benannten Online-Eintrages. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie diesem Wunsch und der Bitte nachkommen.

Für Ihre Bemühungen bedanken wir uns herzlich. Selbstverständlich stehen wir Ihnen bei etwaigen Rückfragen oder Problemen gerne persönlich als Ihr Ansprechpartner zur Verfügung. Nutzen Sie in diesem Fall aus organisatorischen Gründen bitte möglichst die Textform (Brief, Fax, Mail).

Bitte geben Sie bei allen Antworten und Rückfragen unbedingt das Aktenzeichen (AZ) TC/034886/P2018 an.

Der „kritische Eintrag“ ist nicht nur scheinbar sondern tatsächlich öffentlich und das wird so bleiben. Dieser Blogpost wird weder entfernt noch verändert werden. Zumal es sich nur um eine Verlinkung zu einem Artikel der Süddeutschen Zeitung handelt. Der gesamte Artikel der SZ bliebe online, eine dem Auftraggeber gefällige Veränderung der Aussagen des Artikels wäre Medienmanipulation übler Sorte. Vertrauen und Glaubwürdigkeit eines Unternehmens erlangt man nicht indem man Daten manipuliert, seinen Ruf durch fragwürdige Methoden aufhübscht. Die Manipulation wäre eh nur von kurzer Dauer und würde der Reputation massiv schaden. Und weil es sich so schön liest und den Kern des Anliegens entspricht:

Reputation kann in der Terminologie Pierre Bourdieus als symbolisches Kapital verstanden werden, eine Ressource, die auf kollektiver Anerkennung des ökonomischen, kulturellen und sozialen Kapitals des Reputationsträgers basiert und diesen mit entsprechendem gesellschaftlichem Ansehen sowie „diskursiver Definitionsmacht“ ausstattet.
[…]
Bei Unternehmen zählt Reputation zum immateriellen Vermögen und ist Bestandteil des Firmenwertes wie beispielsweise auch Patente und Markenrechte.
Wikipedia

Wer mit kritikwürdigen Methoden den Marktwert seines Unternehmens schmälert ist selbst schuld. Da gibt es keine Stellschrauben fürs Feintuning. Im industrialisierten Gesundheitswesen entscheidet auch der Patient ob überhaupt und welche Methodik der Behandlung zum Tragen kommt.

Zum Abschluss noch etwas auf den Weg:

Mediale Beachtung in Deutschland fand die RCT im April 2017, als unseriöse Werbemethoden für RCT publik wurden. Karl Reinhard Aigner musste einräumen, als Angestellter des Medias-Klinikums im oberbayrischen Burghausen der privaten Werbeagentur amonpress aus Germering „ein monatliches Pauschalhonorar“ für werbliche Zeitschriftenbeiträge unter dem Deckmantel einer seriösen Berichterstattung gezahlt zu haben. Die Agentur hatte durch die Journalistin Linda Amon positive Berichte zu angeblichen Behandlungserfolgen in deutschen Boulevard-Medien und Frauenzeitschriften verfasst, obwohl die Behandlungsmethode zumindest umstritten ist.Wikipedia

Der Artikel ist sachlich, seriös und durchaus mit entsprechender Distanz verfasst. Verbraucherschutz wie er sein sollte. Manipuliert wird da nix.

Zumal es reichliche Verlinkungen und Veröffentlichungen gibt, nicht nur die Süddeutsche Zeitung, auch FOCUS Online, der Spiegel und bei PSIRAM gibt es zahlreiche Nennungen zur Thematik.

Alexander Gauland – Dodo des Monats Juni 2018

Dodo des Monats Juni 2018 ©HFR

Der hetzende Polit-Opa Alexander Gauland hat sich gegenüber Jens Spahn durchsetzen können, auch wenn die ersten Tage Spahn wie einen Sieger aussehen lassen haben.

Um es vornweg zu nehmen. Gauland ist wie die meisten Mitlieder seiner Partei ein Kind der CDU, dort konnte er seine national-populistischen Attitüden pflegen und entwickeln. In ähnlicher Art und Weise wie Sozialdemokrat Sarrazin. Verbiesterte alte Männer, die einem mytholgischen Freiheitsbegriff anhängen, der scheinbar in der Moderne abhanden gekommen ist. Kerndeutsche Tugenden sind aber Gaulands Sache nicht. Unbezahlte Parkknöllchen führten zur Androhung des Führerscheinentzugs in Potsdam, schlampig oder aber viel geschworener Widerstand gegen das System. Egal, Gauland ist pragmatisch genug um auch einen Meineid zu leisten, wenn es der eigenen Sache dient, siehe die Affäre Gauland in Hessen.

Der Sachse Gauland offenbart hinsichtlich deutscher Geschichte einen lockeren Umgang mit derselben. Unkenntnis ist es nicht, gezielte Provokation schon eher, die Schnappatmung deutscher Politik ist ihm gewiss.

Der Partei- und Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag hatte beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative im thüringischen Seebach gesagt:

„Wir haben eine ruhmreiche Geschichte, daran hat vorhin Björn Höcke erinnert. Und die, liebe Freunde, dauerte länger als die verdammten zwölf Jahre. Und nur, wenn wir uns zu dieser Geschichte bekennen, haben wir die Kraft, die Zukunft zu gestalten. Ja, wir bekennen uns zu unserer Verantwortung für die zwölf Jahre. Aber, liebe Freunde, Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“ Alexander Gauland, ebenda.

Unterstellt man dem deutsch-nationalen Gauland Deutschland als Nationalstaat gemeint zu haben hat er schlicht und ergreifend Blödsinn von sich gegeben. Die Reichsgründung erfolgte 1871, bis dahin war deutsches Land provinziell. Die 1000 Jahre deutscher Geschichte beinhalten die Schweiz, selbst die Niederlande, von denen hat Gauland sicherlich nicht geredet. Erst im 19. Jahrhundert schied Österreich aus der Phalanx „deutscher“ Staaten aus, nach der Niederlage bei Königsgrätz. Der kurze Abriss deutscher Geschichte muss genügen. Die 12 Jahre nationalsozialistischer Herrschaft nicht. Die waren alles andere als ein Vogelschiss und man muss sich fragen welcher Vogel mittels Darmentleerung Gauland da wohl getroffen hat. Der Vogelschiss, welcher in Gaulands Gehirn eingeschlagen sein muss war tief braun. Und so verwundert es nicht, wenn Gauland, nach Hosendiebstahl, in leicht braunen Schwimmschlüpfern, unter polizeilicher Begleitung, die Straße entlang schlurft, so gesehen am Heiligen See in Potsdam. Die Enttäuschung war groß, ich hatte mir zumindest Buggsn mit Dackelmuster vorgestellt. Der Skandal war nicht die Abbildung Gaulands in seinen Badehosen, der Skandal ist die Relativierung deutscher Verantwortung in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Opfer sind egal, sie dienen nicht dem Zweck den Gauland verfolgt. Nationalismus, Revisionismus und eine gehörige Portion Chauvinismus lassen Gauland und die AfD deutsche Politik vor sich hertreiben.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

IBKA gegen Islam-Institut an der Humboldt-Universität

Foto: © Frank Nicolai
Der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) Berlin-Brandenburg kritisiert die Einrichtung eines Instituts für Islamische Theologie an der Humboldt-Universität. „Staat und Religion müssen endlich getrennt werden“, sagte Landessprecherin Silvia Kortmann.

hpd.de

Wegen ihrer Bindung an bestimmte Bekenntnisse könne Theologie keine echte Wissenschaft sein. Die Ausbildung religiöser Funktionäre dürfe nicht die Aufgabe staatlicher Fakultäten sein. Die IBKA-Sprecherin weiter: „Die Hoffnung, sich einen staatskonformen moderaten Islam heranzuziehen, ist illusorisch und offenbart ein fragwürdiges Verhältnis zur Religionsfreiheit. Die gleichfalls fragwürdige Beiratskonstruktion verschafft konservativ ausgerichteten Islamverbänden unangemessenen Einfluss auf das Bildungssystem. Sogar der Vorwurf des Extremismus gegen einzelne Verbände steht im Raum. Anstatt weitere theologische Fakultäten einzurichten, sollten die bestehenden abgeschafft beziehungsweise in den Verantwortungsbereich der Religionsgemeinschaften verlagert werden, in den sie gehören.“

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Das Argument der Feinabstimmung der Naturkonstanten

Mehr Wald als gedacht. Bild: bb
In seinem Buch Welt ohne Gott? Eine kritische Analyse des Naturalismus setzt sich der Diplomchemiker und evangelikale Christ Markus WIDENMEYER mit der „Ordnung“ in der Natur auseinander und entwickelt daraus Argumente gegen den (ontologischen) Naturalismus der Naturwissenschaften.

Von Martin Neukamm | Richard-Dawkins-Foundation

Er vertritt sogar den Anspruch, den Naturalismus widerlegt zu haben (z.B. S. 10) und betrachtet den Schluss auf einen göttlichen Ursprung der Welt als Schluss auf die beste Erklärung. Im vorliegenden 3. Teil unserer Buchbesprechung widmen wir uns dem Argument der so genannten Feinabstimmung der Naturkonstanten, die notwendig zu sein scheint, um die Entstehung von Leben im Kosmos zu ermöglichen.

Das Argument der „zweckmäßig“ eingerichteten kosmischen Ordnung

WIDENMEYER (2014) setzt voraus, dass nur bestimmte, a priori sehr unwahrscheinliche kosmische Randbedingungen (die sich wiederum durch bestimmte Naturkonstanten und Naturgesetze ausdrücken lassen) Leben ermöglichen. Folglich brauche es einen Schöpfer, der diese hoch geordneten, zweckmäßigen Bedingungen (oder, wie viele sagen, die Feinabstimmung der Naturkonstanten) sowie das „komplexe Gerüst an physikalischen Naturgesetzen“ hervorgebracht habe. In WIDENMEYERs Buch fällt der Begriff Feinabstimmung (engl. fine-tuning) nicht explizit, aber das Argument lässt sich dort erschließen, wo auf die spezifisch „eingerichtete“ Ordnung des Universums, die Leben überhaupt erst ermögliche, Bezug genommen wird:

„Wir finden ein Universum vor, das in einem unvorstellbaren Grad geordnet und dabei ganz genau so eingerichtet ist, dass es eine hochkomplexe Chemie bis hin zu biologischem Leben geben kann. Seine Ordnung gehorcht mathematischen Prinzipien, die der menschliche Geist unabhängig von Beobachtungen des Universums erfassen kann. Im Rahmen des Naturalismus wäre diese Ordnung ein radikal unerklärlicher Zufall mit einer unvorstellbar geringen Wahrscheinlichkeit. Hier wäre ein völlig ungeordnetes und chaotisches Universum zu erwarten – oder eigentlich viel eher gar nichts.“ (ebd., 195)

„Die einzige funktionierende Erklärung für die unvorstellbare Ordnung einer Welt, die ganz exakt so eingerichtet ist, dass es eine hochkomplexe Chemie, mathematisch formulierbare Strukturen und schließlich Lebewesen geben kann, ist analog dazu [zu menschlicher Kreativität; M.N.] die kreative Konzeption und Erschaffung durch (mindestens) ein äußerst intelligentes Wesen, das auch die Macht besitzt, derartige Pläne zu realisieren. Nur so sind die gigantische Ordnung der physikalischen Welt und ihre mathematische, rationale Verstehbarkeit erklärbar. Eine andere rationale Erklärung gibt es nicht.“ (ebd., 198).

Einwand 1: Die Begrifflichkeiten setzen das zu Beweisende voraus

Zunächst einmal ist es hochproblematisch, von einer eingerichteten Ordnung der Welt zu sprechen, weil damit ein teleologischer Begriff auf die Natur übertragen wird, der schon voraussetzt, was belegt werden soll. Auch der Begriff Feinabstimmung ist kein physikalischer, sondern ein technologischer Ausdruck, der das zu Beweisende voraussetzt. Sofern der Ausdruck metaphorisch benutzt wird, ist die Redeweise unbedenklich, doch WIDENMEYER entwickelt daraus ein ontologisches Argument. Er erkennt aber nicht den fatalen Begründungszirkel: Eine „Welt, die ganz exakt so eingerichtet ist…“, wurde logischerweise eingerichtet (quod erat demonstrandum), aber dass die Welt eingerichtet wurde, das gilt es gerade zu belegen.

Man kann es auch anders formulieren: Alles, was wir wissen, ist, dass wir existieren, weil die Naturgesetze Leben ermöglichen (s. Einwand 4). Die Folgerung, dass die Welt so eingerichtet ist, damit Leben existieren kann, kann dagegen nur als empirisch unbegründete These vorausgesetzt werden (MITTELSTAEDT 2001, 143).

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Hexenjagd in der Hallertau

Die Hexenprobe. Zeichnung von G. Franz aus „Germania“ von 1878 (public domain)

Wie schwer das Leben für nicht religiöse Menschen selbst im Deutschland des 21. Jahrhunderts noch sein kann, das erlebt seit vielen Jahren eine Familie in Bayern. Diskriminierung und Mobbing schlagen derzeit hohe Wellen, weil die Familie dafür kämpft, dass das riesige Kruzifix aus einem Schulfoyer verschwindet.

Von Daniela Wkonigg | hpd.de

Die Hallertau ist eine jener Regionen Bayerns, die japanischen Touristen die Kameras vor die tränenden Augen treiben. Eine Idylle, in der sich Fuchs und Hase zwischen Kirchtürmen und Hopfendolden gute Nacht sagen. Ja, in der Hallertau ist die Welt noch in Ordnung. Wenigstens für Christen.

Nicht religiöse Menschen hingegen führen in der Hallertau nicht unbedingt ein idyllisches Leben. Eine Erfahrung, die Familie A.* seit vielen Jahren machen muss. In den vergangenen Monaten war es so schlimm wie selten zuvor, denn die Familie setzt sich dafür ein, dass das Gymnasium von Wolnzach, das von den beiden Töchtern besucht wird, aus seinem Foyer das Kruzifix entfernt.

Bereits vor Jahren hatten die heute 16-jährige Emma A.* und die 14-jährige Mia* zusammen mit ihren Eltern erstritten, dass in ihren Klassenzimmern die Kreuze abgenommen werden müssen. Laut Bundesverfassungsgericht ihr gutes Recht. Auch und gerade in Bayern. Doch das über ein Meter hohe Kruzifix im Foyer, das dort bereits weit vor Söders Kreuzerlass hing, will sich die Schule nicht nehmen lassen.

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Wahl Dodo des Monats Juni 2018

Dodo des Monats Juni 2018 ©HFR

Der Monat Juni war angereichert mit einer Fülle von kruden Obskurantismus. Der Papst stellt immer mehr unter Beweis ein Schwätzer zu sein, mit einer großen Diskrepanz zwischen Wort und Tat.
Alexander Gauland mit seinem Vogelschiss-Getöse und einer Beschönigung deutscher Geschichte die ihresgleichen sucht. Markus Söder übt sich weiter in der Prostitution seines Glaubens, der Tatsache zum trotz, dass es bis auf einige Theologen so richtig niemanden interessiert.
Die Bundesfamilienministerin Giffey findet Burkinis, als Badebekleidung für Mädchen ganz toll, und schmeißt so, ganz nebenbei ein paar wichtige Errungenschaften der Aufklärung ins Klo.
Religiotie ist zur Staatsdoktrin verkommen und einmal mehr erweisen sich Politiker als willfährige Steigbügelhalter der Gegenaufklärung.

Die Wahl ist bis zum 07. Juli 2018, 18:00 Uhr befristet. Mehrfachauswahl ist möglich. Der Preisträger wird am folgenden Tag hier gewürdigt werden. Viel Spaß!

  1.  Vitus Huonder, „alter Mann, der gern in fremden Schlafzimmern mitreden will.“
  2.  Jens Spahn, „selbstbestimmtes Sterben Schwerkranker verhindert er postalisch.“
  3.  Deutsche Zentrumspartei, „bedient sich in der Debatte um Abtreibungen nationalsozialistischer Vergleiche. Den Tenor kennen wir von den Kirchen.“
  4.  Sigurd Rink, „mit Waffen für den Frieden, ist wie Vögeln für die Jungfräulichkeit.“
  5.  Franziska Giffey, „ist es eine Frage der Zeit, wann sie in einer Burka auftritt?“
  6.  Joachim Heinz, „dilettiert gern über die Staatsleistungen an die Kirchen.“
  7.  Matteo Salvini, „weg mit der Impfpflicht in Italien.“
  8.  Detlev F. Neufert, „der Jesus-Walker von München.“
  9.  Gero Winkelmann, „Homoheiler mit Glaubulis. Zucker ist alles.“
  10.  Papst Franz, „sein Familienverständnis ist aus der Zeit gefallen.“
  11.  Rainer Hangler, „Homosexualität ist Mord.“
  12.  Jürgen Klopp, „betet des Ball ins Tor.“
  13.  Peter Dabrock, „mit bigotter christlicher Moral zum Werbeverbot von Abtreibungen.“
  14.  Alexander Gauland, „verzerrte Wahrnehmung in Sachen Vogelscheiße.“

Weiterlesen „Wahl Dodo des Monats Juni 2018“

Atheismus: Nietzsche gab es immer wieder

Karfreitag in Jerusalem. Foto: afp
Es wird viel über Religion geredet. Aber auch der Atheismus hat eine lange Tradition. Nicht Gott hat die Menschen, sondern die Menschen haben die Götter geschaffen.

Von Arno Widmann | Frankfurter Rundschau

Tim Whitmarsh, geboren 1969, ist Professor für die Kultur des klassischen Griechenlands an der Universität Cambridge. 2016 veröffentlichte er im Verlag Faber & Faber das Buch „Battling the Gods – Atheism in the Ancient World“. Dreihundert Seiten für die Auseinandersetzung mit den Göttern und mit Gott von Homer bis zu Justin dem Märtyrer, also um eintausend Jahre Atheismus. Das klingt nach einem sehr schnellen Durchlauf durch hochkomplexe Materien. Whitmarsh ist aber ein sehr gründlicher Leser und der Reiz seines Buches besteht darin, dass wir, solange wir ihm folgen, auch zu gründlichen Lesern werden.

Zu dieser Gründlichkeit gehört natürlich, dass er uns beibringt, dass a-theos, zunächst, seit dem 5. vorchristlichen Jahrhundert, der genannt wurde, den Gott verlassen hatte. Ein Atheist war also ein Mensch, von dem die Götter ihre schützenden Hände abgezogen hatten. Erst danach wurde Atheist der genannt, der sich von Gott losgesagt hatte, der seine Existenz leugnete. In dem ihm auch wegen Gottlosigkeit gemachten Prozess erklärte Sokrates – so sein Schüler Platon – „Ich glaube sicher an Götter– ich bin Atheist“.

Wie es zu dieser zweiten Bedeutung kam, darüber schreibt Whitmarsh nicht. Weil die Quellen sich darüber ausschweigen.

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«Ein Pfarrer kann sich schwer in einen Atheisten hineinversetzen»

Den Rosenkranz beten wollen Atheisten am Sterbebett gewiss nicht. (Bild: Keystone)
Freidenker-Präsident Andreas Kyriacou fordert gleich lange Spiesse für Säkulare: Sie sollen bei der Seelsorge in Spitälern weder gegenüber Christen noch Muslimen diskriminiert werden.

Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

Immer mehr Kantone überlegen sich, wie sie Muslimen eine professionelle Seelsorge bieten können. Die Freidenker sehen diese Entwicklung kritisch. Warum?

Andreas Kyriacou: Es mag sein, dass stark religiös geprägte Muslime eine eigene Seelsorge brauchen. Aber das ist nur eine kleine Gruppe unter den Muslimen, die meisten sind religionsfern. Die islamischen Verbände, mit denen einzelne Kantone zusammenarbeiten, sind meistens konservativ-orthodox ausgerichtet und können damit nicht für die Mehrheit sprechen. Heikel ist auch, dass Projekte für muslimische Seelsorge wie jenes im Kanton Zürich eine Ungleichbehandlung befördern.

Was meinen Sie damit?

Die am stärksten wachsende Gruppe in der Schweiz sind die Konfessionslosen, mittlerweile stellen sie einen Viertel der Bevölkerung. Wenn der Staat findet, eine niederschwellige Form von Beratung und Betreuung sei eine notwendige und unterstützungswürdige Aufgabe, kann er die Säkularen nicht einfach davon ausschliessen.

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Hamed Abdel-Samad: Integration? Wohin?

In diesem Teil unseres Gesprächs mit Hamed Abdel-Samad anlässlich seines jüngsten Buches „Integration – Protokoll eines Scheiterns“ geht es um die Illusion, dass man sich nur am Grundgesetz orientieren müsse, und schon könnten sich Migranten integrieren.

Peter Grimm | Achgut.com

Doch statt von Zuwanderern zu fordern, die hiesigen Regeln zu respektieren, verhandeln wir die Grundrechte mit konservativen Islamverbänden. Die fordern unter Verweis auf die Religionsfreiheit von der Gesellschaft die Akzeptanz der Beschneidung vieler anderer Grundrechte, wenn sie nach den Regeln Allahs und seines Propheten geboten ist. Und deutsche Regierungen und Behörden gehen darauf auch noch ein.

Keiner wagt auszusprechen, dass es – so man tatsächlich einen gesellschaftlichen Zusammenhalt statt auseinanderdriftender Parallelgesellschaften haben will – eigentlich um Assimilation gehen muss. Da kommt allerdings auch ein spezielles deutsches Problem hinzu: Wohin sollen sich denn Zuwanderer integrieren? Wie sollen sie sich denn positiv zu Deutschland bekennen, wenn selbiges unter Deutschen offenbar als anrüchig gilt?

RDF Talk – Joachim Kahl: Klassischer Atheismus, neuer Atheismus

Richard-Dawkins-Foundation

Der Referent, ein prominenter Vertreter des klassischen Atheismus, den er auch gerne als weltlichen Humanismus vorstellt, skizziert die beiden Säulen des Atheismus und greift auf ausgewählte Zitate aus Richard Dawkins´ Bestseller „Der Gotteswahn“ zurück. Das Verdienst des „Neuen Atheismus“ besteht vor allem darin, durch seine steilen Thesen das Interesse an radikaler Religionskritik geweckt zu haben, so dass auch deren stillere, weil differenziertere Spielarten mehr Aufmerksamkeit zuteilwird. Ein Abend der Denkanstöße.

Über den Autor:

http://www.kahl-marburg.privat.t-online.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Kahl

Atheistischer Verleger in Bangladesch ermordet: »Er hat dem Säkularismus sein Leben gewidmet«

Am Montag wurde der Verleger und Politiker Shahzahan Bachchu in Munsiganj nahe der bangladeschischen Hauptstadt Dhaka ermordet. Bachchu war als säkularer und atheistischer Autor und Aktivist bekannt.

Von Frederik Schindler | jungle world

In dem von ihm gegründeten Verlag »Bishaka Prakashani« wurden Gedichte und Bücher veröffentlicht, die Humanismus und Freidenkertum zum Thema hatten. Zudem war er aktiv in der Kommunistischen Partei Bangladeschs aktiv, beispielsweise als Generalsekretär des Stadtverbands aus Munsiganj.

Vier Männer auf zwei Motorrädern schossen auf den 60-jährigen Verleger, der sich gerade vor einer Teestube in seinem Heimatdorf aufhielt. Nach Schüssen auf den Rücken starb Bachchu noch am Ort des Angriffs. Zudem wurden zwei Rohbomben geworfen, um die umstehenden Passanten einzuschüchtern und um den Rückweg freizuhalten.

Durba Zahan, eine Tochter des Verlegers und ebenso atheistische Aktivistin, bestätigte den Mord auf Facebook: »Mein Vater wurde heute in unserem Dorf mit zwei Schüssen getötet.« »Die Art der Durchführung des Mordes und der Hintergrund des Opfers deuten stark darauf hin, dass trainierte Mitglieder von radikalen Gruppen verantwortlich sind«, sagten in den Fall eingebundene Polizisten der bangladeschischen Tageszeitung The Daily Star.

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Michael Müller: Dodo des Monats Mai 2018

Dodo des Monats Mai 2018 ©HFR

Der Tourismus deutscher Politik in den Vatikan bestimmte in den letzten Tage die Schlagzeilen. In Reisegruppenstärke standen sie vor dem heiligen Stühlchen und versuchten Zipfel der Scheinheiligkeit des absolutistisch regierenden Kirchenfürsten zu erheischen. Nie wird der Anachronismus deutlicher, hier demokratisch gewählte Politiker, dort klerikaler Absolutismus. Man will die Bilder nicht sehen, wenn Ministerpräsidenten, regierende Bürgermeister wie hechelnde, subalterne Beamte dem höfischen Chor der Schmeichler einstimmen. Wer den Papst in den Arsch kriecht kann nicht mehr leuchten und so verglüht Politprominez im Gestank der römischen Kurie. Der sprücheklopfende Pappa und die in leeren Worthülsen denkende Politik.
Die römische Spukgestalt interessiert sich nicht für Wählerwillen, parteiliche Programmatik, ihr geht es um die Konsolidierung, den Ausbau und die Entwicklung der institutionellen Macht seiner Paladine, da eine katholische Fakultät, an einer staatlichen Universität, dort die Rekonstruktion eines Kirchleins, für die der Steuerzahler aufkommen muss.
7,1% der in den Regionen des Erzbistums Berlin lebenden Bevölkerung sind katholisch. Von 5,8 Millionen Einwohnern sind ganze 412.000 Katholiken. Die Party der katholischen Kirche bezahlen alle, ohne jedwedes Gefühl für Scham greift man in die Töpfe staatlicher Kassen. Die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft sehen es mit Wohlwollen, die gesellschaftlich geringer werdende Bedeutung des Fossils katholische Kirche interessiert nicht. Die Gemeinschaft aller bezahlt ein Kasperletheater in dem alte Männer die Fäden für die Puppen ziehen und der Pöbel klatscht Beifall.
Nun gar reden Politiker, wie Michael Müller, Erzapostel Koch und der Pappa gar von einem Konkordat, also einem Staatskirchenvertrag zwischen Berlin und dem „Heiligen Stuhl.“
Die Hauptstadt des Atheismus braucht so etwas nicht.
Woelki, Meisners Ziehsohn, legte am 16. August 2011, dem vom Reichkonkordat vom 20. Juli 1933 geforderten Treueid auf den Berliner Senat ab. Ein freiheitlich-demokratisch gewählter Senat lässt sich die Treue, auf der Grundlage eines Nazi-Vertrages, schwören.

Protestant Müller will es regeln, vertraglich, die Notwendigkeit hat er sich einreden lassen und das deutsche Episkopat quietscht vor Vergnügen.
Die alles entscheidende Frage ist, was heißt das in Euro? Die Stadt Berlin hat andere Probleme, als sich einen Zoo seltsam kleidender alter Männer leisten zu können.
Diderot auf unsere heute Zeit angepasst:“ »Die Menschen werden niemals frei sein bis man nicht den letzten Berufspolitiker mit den Eingeweiden des letzten Priesters erdrosselt hat.“

In dem Sinne. Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Gibt es prinzipielle Grenzen in den Naturwissenschaften?

Warum verhalten sich die Dinge gesetzmäßig, woher kommt die „Ordnung“ in der Natur? Warum gibt es überhaupt etwas und nicht nichts? Was ist das „innere Wesen“ der Dinge? Woher stammen Bewusstsein und Geist? In dem Buch Welt ohne Gott? Eine kritische Analyse des Naturalismus (2014) setzt sich der evangelikale Christ Markus WIDENMEYER mit solchen Fragen auseinander.

Martin Neukamm | AG Evolutionsbiologie

Er behauptet, aus Sicht des Naturalismus der Naturwissenschaften seien all diese Fragen nicht nur „radikal unerklärt“, sondern prinzipiell unerklärbar. Er entwickelt daraus Argumente gegen den Naturalismus und behauptet, die einzig rationale Antwort auf diese Fragen sei „Gott“ (bzw. der Supranaturalismus). In diesem Buch bündeln sich die Argumente religiös motivierter Naturalismuskritik; wir wollen es daher in 10 Teilen besprechen. Teil 1 widmet sich der Frage, ob es prinzipielle Grenzen der Naturwissenschaften gibt und ob der Supranaturalismus eine (plausible) Erklärung für sie liefern kann.

Metaphysische Fragen zur Existenz der Welt und Ordnung der Natur

Bei WIDENMEYER lesen wir:

„Die Naturwissenschaft kann die grundlegende Regelmäßigkeit und damit einen wesentlichen Aspekt der Ordnung, die wir in der Natur wahrnehmen, aus prinzipiellen Gründen nicht erklären. Vielmehr ist diese Regelmäßigkeit eine theoretisch-methodische und eine metaphysische Grundvoraussetzung, um überhaupt Naturwissenschaft betreiben zu können.“ (ebd., 103)

„Naturwissenschaft kann … nur dort funktionieren, wo die Natur sich durchgängig hochgeordnet verhält und Gesetzmäßigkeiten folgt. Für das Betreiben von Naturwissenschaft muss also notwendig eine umfassende natürliche Ordnung vorausgesetzt werden, weil nur unter dieser Voraussetzung ihre Gegenstände systematisch beschreibbar sind und nur dann Gegenstände überhaupt denkbar sind. Und was für eine Erklärung vorausgesetzt werden muss, kann im Rahmen dieser Erklärung natürlich nicht selber erklärt werden.“ (ebd., 106)

In der Tat, nur wenige Wissenschaftsphilosophen dürften bestreiten, dass es prinzipielle Erklärungsgrenzen gibt: Das zufällige Zusammentreffen zweier Ereignisse beispielsweise, die auf voneinander unabhängigen Kausalketten beruhen, kann nicht nur nicht erklärt werden, es wäre auch unvernünftig, nach Erklärungen zu suchen. Der Umstand etwa, dass Sonne und Mond dieselbe scheinbare Größe am Himmel haben, ist eine Koinzidenz, für die es keinen Kausalzusammenhang und keine Erklärung gibt (VOLLMER 1986, 66f). Die Existenz jener Strukturen des Kosmos, die einen Urknall erzeugt haben, ist ebenfalls keiner Erklärung zugänglich. Man versucht zwar, mit der Erklärung so weit wie möglich an den Anfang zurück zu gehen, aber irgendwo muss die Ursachenkette beginnen, sonst landet man in einem unendlichen Regress.

Zu der metaphysischen Frage, warum überhaupt etwas existiert und nicht nichts, bemerkt der Wissenschaftsphilosoph Bernulf KANITSCHEIDER (1999):

„Diese berühmte und geheimnisvolle Frage, die schon Martin Heidegger aufgeworfen hat … das ist sicher die letzte Frage der Kontingenz. Sie ist aber aufgrund der logischen Struktur einer Erklärung gar nicht lösbar – aber nicht, weil da ein letztes Mysterium dahintersteckt. Eine Erklärung kann immer nur etwas mit etwas anderem verknüpfen, aber niemals etwas mit nichts. Also gibt es auf diese Frage keine Antwort.“

Das gleiche gilt für die Frage, warum die Dinge konstant miteinander verbundene Eigenschaften haben, die man mithilfe von Naturgesetzen beschreiben kann: Warum verhalten sich die Naturgegenstände gesetzmäßig? Antworten auf diese Fragen kann man nicht geben, weil die Sachverhalte, auf die sich diese Fragen beziehen, zu den metaphysischen Voraussetzungen wissenschaftlichen Erklärens gehören – und als solche können sie nicht Gegenstand des Erklärens selbst sein. Es handelt sich um eine Grundeigenschaft der Welt, die sich nicht weiter hinterfragen lässt, denn der Erklärungsregress muss irgendwo ein Ende haben (MAHNER, pers. comm.).

Kurzum, es gibt Tatsachen, die keine Erklärung zulassen, so genannte facta bruta. Fraglich ist nur, ob man darin einen Mangel des Naturalismus zu sehen hat, wie WIDENMEYER zu glauben scheint, oder ob dies in der Natur der Dinge und in der logischen Struktur des Erklärens selbst liegt. Der Autor fordert von der naturalistischen Wissenschaftsphilosophie etwas ein, was diese explizit als unmöglich erachtet, nämlich die Auflösung von facta bruta. Daher ist seine Kritik am Naturalismus gegenstandslos, weil sie seinem Selbstverständnis widerspricht.

Warum „Gott“ keine vernünftige Antwort auf metaphysische Fragen ist

Noch fraglicher ist, ob der von WIDENMEYER konstatierte Erklärungsmangel durch den Supranaturalismus behoben werden kann: Wenn facta bruta wie die Tatsache, dass es einen gesetzmäßig beschreibbaren Kosmos gibt, schon aufgrund des endlichen Erklärungsregresses nicht auflösbar sind, warum sollte dann ausgerechnet Gott eine befriedigende Erklärung dafür sein? WIDENMEYER:

„Die einzige funktionierende Erklärung für die unvorstellbare Ordnung einer Welt, die ganz exakt so eingerichtet ist, dass es eine hochkomplexe Chemie, mathematisch formulierbare Strukturen und schließlich Lebewesen geben kann, ist … die kreative Konzeption und Erschaffung durch (mindestens) ein äußerst intelligentes Wesen, das auch die Macht besitzt, derartige Pläne zu realisieren.“ (ebd., 198)
Ein omnipotenter Schöpfer löst das Erklärungsproblem auch nicht, sondern verlagert die Erklärung nur einen Schritt weiter nach hinten. Die Theologie kann ja ihrerseits Gott nicht erklären, sieht sich also ebenfalls mit einem factum brutum konfrontiert. Dies scheint auch WIDENMEYER zu realisieren, denn er stellt fest:

„Dass Gott existiert, ist zwar nicht ‚erklärbar‘ im Sinne von ‚aus etwas noch Grundlegenderem ableitbar‘. Das kann auch gar nicht der Fall sein und es wurde von Theisten nie akzeptiert oder gar behauptet.“ (ebd., 203)
„‚Wer schuf Gott?‘ Diese Frage ist zumindest formal gegenstandslos, weil durch die Jahrtausende hindurch Theisten niemals von einem geschaffenen oder entstandenen Gott ausgingen. Dies wäre für ihr Konzept ein Widerspruch in sich. Stattdessen gibt es vielfältige theologische Konzepte eines ewigen, unerschaffenen Gottes, die uns nicht nur aus der Bibel, sondern auch zum Beispiel von den beiden bedeutendsten griechischen Philosophen, Platon und Aristoteles, überliefert sind. Aristoteles formulierte zum Beispiel im 12. Kapitel seiner Metaphysik das Konzept des ‚unbewegten Bewegers‘, also einer unverursachten Ursache. Der Theist antwortet auf diese Frage also einfach so, dass Gott, wie er für ihn relevant ist, sowieso unerschaffen und ewig existent sei, womit die Attacke des Atheisten ins Leere geht.“ (ebd., 200)
Leider scheint er nicht zu erkennen, dass damit auch seine „Attacke“ gegen den Naturalismus scheitert: Warum dürfen die Naturwissenschaftler nicht einen nicht mehr hinterfragbaren, unerschaffenen Grundzustand der Welt als metaphysische Anfangsbedingung voraussetzen, wenn die Theologen einen nicht mehr hinterfragbaren, unerschaffenen Gott als Erklärungsgrund voraussetzen dürfen? Das Voraussetzen eines materiellen Anfangszustandes, dessen Eigenschaften sich hypothetisieren, überprüfen, rekonstruieren, nötigenfalls revidieren (mit einem Wort: erforschen lassen), ist doch allemal erklärungsmächtiger und intellektuell befriedigender als eine fiktive Gott-Entität, die sich nicht zeigt, über die wir nichts wissen und für deren Materie-Interaktion wir keine Mechanismen kennen.

Es kommt hinzu, dass die thomistischen „Vernunftgründe“ für die Existenz Gottes, etwa das Argument vom „unbewegten Beweger“ und „unverursachten Verursacher“ (argumentum ex ratione causae efficientis) [2]
nicht stringent sind: Wenn wir mit der modernen Kosmologie davon ausgehen, dass der ursprünglichste Zustand der Welt eine Art Quantennatur besaß, in der es weder einen Zeitpfeil noch ein Kausalprinzip noch „versteckte Parameter“ zu geben scheint, gibt es auch keine Ursache (Gott), die in einer Zeit davor hätte wirken können. Das Kausalprinzip beschreibt lediglich den Ablauf der klassischen Welt, so dass fraglich ist, ob es im Anfang von Raum und Zeit Gültigkeit besaß (MORRISTON 2000). Die Frage, was „vor“ dem Urknall gewesen sein mag, lässt sich nicht mehr sinnvoll im Rahmen der normalen Raum-Zeit-Kategorien stellen. Lediglich die metaphysische Behauptung, dass ein Gott per Definition weder an raumzeitliche noch an materielle Strukturen gebunden sei, dass er weder räumlich, noch zeitlich, noch endlich, noch materiell, noch gesetzmäßig, noch begrifflich oder methodologisch fassbar sei, könnte WIDENMEYER aus dem Dilemma befreien. Damit aber fielen erst Recht alle rationalen Begründungsstrukturen, alle Vernunftgründe weg, die Gottexistenz für wahr zu halten. Denn die Annahme der Existenz von etwas, das sich weder semantisch einkreisen noch logisch fassen lässt und für dessen Wirken keine objektive Grenze angegeben werden kann, kann schlechterdings nicht für „wahr“ oder „falsch“ gehalten werden. Es gibt einfach keine Evidenz.

Die Schwäche in WIDENMEYERs Argumentation ist also, dass sie nirgendwo zeigen kann, wie der Supranaturalismus zu konkreteren Erkenntnissen oder gar Erklärungen gelangen könnte. Den an sich gestellten Anspruch, einen intelligibleren Lösungsansatz zu präsentieren als den Naturalismus, kann er nicht einlösen. Implizit kann sich der Supranaturalist, um es mit MACKIE (1985, 230) auszudrücken, lediglich auf den Glaubensgrundsatz berufen,

„… dass sich eine geistige Ordnung (wenigstens bei Gott) aus sich selbst erklärt, wohingegen alle materielle Ordnung nicht nur nicht sich selbst erklärt, sondern auch positiv unbegründet ist und einer weiteren Erklärung bedarf.“

Damit aber setzt WIDENMEYER etwas als gegeben voraus, was er nicht belegen kann, sondern einfach nur behauptet. In seiner Diktion liest sich dies so:

„In der relevanten Hinsicht ist aber die Existenz Gottes in sich verständlich, was insbesondere heißt, dass dieser Sachverhalt nicht mit einer sehr geringen a priori-Wahrscheinlichkeit oder gar einer Unmöglichkeit verbunden ist. Damit bleibt die anfangs gemachte Schlussfolgerung bestehen: Die Annahme der Existenz Gottes scheint für ein rationales Konzept der Wirklichkeit alternativlos zu sein.“ (S. 203)
Warum soll ausgerechnet die Existenz Gottes in sich verständlich sein? Wo ist der Beweis dafür? Dem Philosophen Hans ALBERT zufolge scheint ein solcher Nachweis gar nicht geführt werden zu können, weil jeder Versuch einer Letztbegründung in ein unauflösbares Trilemma führt (Abb. 1). Der Versuch, die Selbstverständlichkeit der Gottexistenz zu begründen, führt entweder in einen unendlichen Regress (jede Aussage muss durch weitere Aussagen begründet werden, was praktisch nicht durchführbar ist), zu einem Zirkelschluss (wonach das zu Beweisende bereits vorausgesetzt wird) oder zu einem willkürlichen Abbruch des Regresses (ALBERT 1991, 15). Die Behauptung, Gott sei in sich verständlich (oder a priori wahrscheinlich), kann nur dogmatisch (bzw. definitorisch) vorausgesetzt werden.
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Das kan(ns)t du nicht ernst meinen – der Utilitarismus und seine Unbehagen

Foto: pixabay.com / TeroVesalainen
Würden Sie Ihr eigenes Bein abschneiden, wenn es der einzige Weg wäre, das Leben einer anderen Person zu retten? Würden Sie jemanden foltern, wenn Sie dachten, es würde zu Informationen führen, die verhindern, dass eine Bombe explodiert und Hunderte von Menschen tötet?

Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

Würden Sie ein Volk für eine begrenzte Zeit politisch unterdrücken, wenn dies das allgemeine Wohlbefinden der Bürger erhöhen würde? Wenn Sie diese Fragen bejahen, dann sind Sie vielleicht ein Utilitarist, das Moralsystem, das vom englischen Philosophen Jeremy Bentham (1748-1832) begründet und in dem Prinzip „das größte Glück der größten Zahl“ zusammengefasst wurde.

Der moderne Utilitarismus wird im berühmten Trolley-Gedankenexperiment exemplarisch dargestellt: Sie stehen neben einer Gabelung eines Gleises und einer Weiche, die einen Waggon umleitet, der fünf Arbeiter töten wird, es sei denn, Sie legen die Weiche um und leiten den Wagon in eine Nebenbahn, wo er einen Arbeiter töten wird. Die meisten Leute sagen, dass sie den Schalter umlegen würden – einen töten, um fünf zu retten. Das Problem des Utilitarismus zeigt sich in einem weiteren Gedankenexperiment: Sie sind ein Arzt mit fünf sterbenden Patienten und einer gesunden Person im Wartezimmer. Würden Sie die Organe des einen entnehmen, um die fünf zu retten? Wenn Ihre Antwort ja ist, sind Sie vielleicht ein psychopathischer Mörder.

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Die Furcht vor dem „gottlosen Humanismus“

Bild: hpd.de
Christliche Theologie-Professoren haben sich in einer Erklärung vehement für Söders Kreuzerlass ausgesprochen. Die Argumente, mit denen sie ihre Position untermauern, verraten viel über den Ungeist, der offenkundig noch immer an vielen theologischen Lehrstühlen herrscht.

Von Michael Schmidt-Salomon | hpd.de

„Ganz in der Tradition unserer Verfassung ist der Blick auf das Kreuz zweifellos der Blick auf ein Wertefundament unserer pluralistischen Gesellschaft, da es für den menschlichen Zusammenhalt aus einem Geist des Miteinanders auch gegenüber dem vermeintlich Fremden steht“, heißt es in der „Ökumenischen Erklärung katholischer und evangelischer Professoren und Hochschullehrer der Theologie zum bayerischen Kreuzerlass„. Kaum, dass man den logischen Widerspruch zwischen einem staatlich verordneten „Blick auf das Kreuz“ und „unserer pluralistischen Gesellschaft“ verarbeitet hat, setzen die Autoren noch eins drauf: „Dieses Fundament freiheitlicher Toleranz ist sowohl im Grundgesetz als auch in der Bayerischen Verfassung gerade nicht auf einen gottlosen Humanismus (Hervorhebung durch den Verfasser) reduziert. Es gründet im Heilswerk und in der Botschaft Jesu Christi, die er selbst auf vollkommene Weise vorgelebt hat.“

Es ist schon beachtlich, in welchem Umfang die hochdekorierten Hochschullehrer, die die Erklärung unterzeichnet haben, das Verfassungsgebot der weltanschaulichen Neutralität des Staates ignorieren – oder wie sehr sie darauf pfeifen. Offenkundig lähmt sie die Furcht vor einem „gottlosen Humanismus“ so sehr, dass sie verkennen, dass niemand je einen „gottlosen Humanismus“ als Staatsideologie gefordert hat. In der Verfassung verankert ist allerdings – und nur das fordern säkular denkende Menschen aller Konfessionen – das Gebot eines „weltanschaulich neutralen Humanismus“, den jede Bürgerin und jeder Bürger nach eigenem Gutdünken religiös oder nichtreligiös deuten kann.

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