Archiv der Kategorie: Umwelt

Wissenschaftstheorie: Auch Physiker sind Philosophen

In seinem letzten Essay spricht sich der kürzlich verstorbene Physiker Victor Stenger dafür aus, dass die Philosophie auch im Rahmen der modernen theoretischen Physik ihre Berechtigung hat.


Von Victor Stenger|Spektrum.de

Themenbild: ruhr-uni-bochum.de

Im April 2012 führte Ross Andersen ein Interview mit dem theoretischen Physiker, Kosmologen und Bestsellerautor Lawrence Krauss, das unter dem Titel “Hat die Physik Philosophie und Religion überflüssig gemacht?” in der Zeitschrift The Atlantic erschien. Krauss’ Antwort auf diese Frage empörte Philosophen, denn er sagte: “Die Philosophie war einmal ein Fachgebiet mit Inhalten”, und fügte später hinzu: “Die Philosophie ist ein Fachgebiet, das mich leider an diesen alten Woody-Allen-Witz erinnert: ‘Wer nichts kann, der lehrt, und wer nicht lehren kann, unterrichtet Sport.’ Und das übelste Teilgebiet der Philosophie ist die Wissenschaftsphilosophie; die einzigen Leute, so weit ich das beurteilen kann, die Aufsätze von Wissenschaftsphilosophen lesen, sind andere Wissenschaftsphilosophen. Sie haben keinerlei Einfluss auf die Physik, und ich bezweifle, dass andere Philosophen sie lesen, denn sie sind ziemlich fachspezifisch. Zu verstehen, was sie rechtfertigt, fällt deshalb wirklich schwer. Und so würde ich sagen, dass diese Spannung auftritt, weil sich Philosophen bedroht fühlen – und sie haben jedes Recht dazu, denn die Wissenschaft macht Fortschritte und die Philosophie nicht.”

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In 100 Jahren von 40 auf 80

Die Menschen, insbesondere in den westlichen Ländern, werden immer älter. An ihrem 30. Geburtstag hat eine heute 15-jährige noch um die 70 Jahre zu leben und für die Neugeborenen von heute ist ein Alter von 135 Jahren nicht mehr unrealistisch.


Von Franziska Müschenich|Spektrum.de

Rudi Westendorp Alt werden, ohne alt zu sein Aus dem Niederländischen von Bärbel Jänicke und Marlene Müller-Haas Verlag: Beck, München 2015 ISBN: 9783406667626 19,95 €
Rudi Westendorp
Alt werden, ohne alt zu sein
Aus dem Niederländischen von Bärbel Jänicke und Marlene Müller-Haas
Verlag: Beck, München 2015
ISBN: 9783406667626
19,95 €

Das sind die Vorhersagen des Niederländers Rudi Westendorp, der als Geriater und Professor für Medizin an der niederländischen Universität Leiden arbeitet. Sein lesenswertes Buch gibt Tipps, wie modernes Altern gelingen kann. Die kurzen Zusammenfassungen vor allen 13 Kapiteln sowie die klare Gliederung erleichtern den Überblick und stellen das Wesentliche heraus.

Westendorps wissenschaftliche Karriere begann mit der Frage, warum wir überhaupt altern. Um Antworten zu finden, verließ er die Medizin und begab sich in biologische Labore. Durch Untersuchungen an Süßwasserpolypen, Mäusen und anderen Tieren gelang es ihm, die Prozesse des Alterns, der Regeneration sowie der Evolution besser zu verstehen und miteinander in Beziehung zu bringen. Indem er immer wieder seine eigenen Erfahrungen als Forscher und Dozent einfließen lässt, verleiht er dem Buch eine persönliche Note.

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Wir brauchen Kojoten: Kojoten halten Katzen fern

Katzen jagen Vögel und Mäuse, Kojoten jagen Katzen – und bewahren damit das ökologische Gleichgewicht, wo sie vorkommen. Das zeigt eine Studie aus dem Osten der USA.


Von Daniel Lingenhöhl|Spektrum.de

Kojote, Yosemite-Nationalpark, Bild: wikimedia.org/CC-BY-3.0/ Yathin S Krishnappa

“Streunende Hauskatzen erbeuten in den USA jährlich unzählige Kleinsäuger und Vögel”, sagt der Biologe Roland Kays vom North Carolina State College of Natural Resources. Doch niemand wisse, wo die Tiere genau auf die Jagd gehen. Beschränken sie sich auf Siedlungsgebiete und stadtnahe Grünflächen – oder stellen die hier biologisch fremden Katzen den einheimischen Arten auch in Naturschutzgebieten nach, wo ihr Verhalten rasch problematisch werden könnte? Kays und Co analysierten daher Kamerafallenbilder von mehr als 2100 Standorten: Freiwillige Helfer unterstützten sie dabei, mehrere Millionen Aufnahmen aus sechs verschiedenen Bundesstaaten im Nordosten der USA auszuwerten.

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“Die Gier ist älter als der Kapitalismus”

Welche Wirtschaftsform entspricht am ehesten der Natur der Menschen? Hat die Evolution den Kapitalismus befördert? Um eine Antwort zu finden, hat sich Professor Eckart Voland ziemlich lange mit Topmanagern beschäftigt – und mit Affen.


Von Ann-Kathrin Eckardt|Süddeutsche.de

Was ist uns zentral? (CC-by.2.0 von wahlkampf09)
Was ist uns zentral? (CC-by.2.0 von wahlkampf09)

Als Professor für Biophilosophie hat Eckart Voland an der Uni Gießen 20 Jahre lang Verhaltensprofile von gefangen gehaltenen Halbaffen untersucht oder die Evolution des Gewissens analysiert. Viele Interviews hat er gegeben, doch bei dieser Anfrage hat er gezögert. Nicht, weil er seit drei Monaten in Rente ist, sondern weil er über den Kapitalismus und die Natur des Menschen reden soll. Mit diesem Thema hat er sich schon mal Ärger eingehandelt. Nach einem Vortrag musste er sich wüst beschimpfen lassen. “Ihr Kapitalismus ist so natürlich wie Polyester” war eine der harmloseren Tiraden. Aber dann hat er doch zugesagt. Gut gelaunt empfängt er in seinem leergeräumten Büro.

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Entdeckt:der Hundertfüßer aus der “Hölle”

Photo credit: Geophilus hadesi. Photo taken in situ in the Lukina jama–Trojama cave system, 980 meters (3,215 feet) below the surface, August 2011. J. Bedek CC-BY 4.0
Eine der tiefsten Karsthöhlen der Welt in Kroatien offenbart eine kleine zoologische Sensation: ein Spitzenraubtier für die Unterwelt.


Von Daniel Lingenhöhl|Spektrum.de

Höhlen bilden ein ganz eigenes Ökosystem mit einer ganz eigenen Tierwelt, die im Dunkeln haust. Das belegt eine Art, die Biologen um Pavel Stoev von der Croatian Biospeleological Society in den Karsthöhlen des kroatischen Velebit-Gebirges entdeckt und neu beschrieben wurde: Geophilus hadesi, der Hadeshundertfüßer lebt noch in Tiefen von mehr als 1100 Metern unter der Erdoberfläche – was ihn zu einem der am tiefsten lebenden Organismen der Erde macht. Benannt nach dem griechischen Herrscher der Unterwelt kennzeichnen typische Merkmale den Gliederfüßer: Wie viele andere Höhlenbewohner besitzt er keine Augen – die in der Dunkelheit wenig nützen –, dafür aber verlängerte Fühler, mit denen er nach Beute und Hindernissen tastet. Um nicht unvermittelt in den Spalten abzustürzen, weisen seine Füße kräftige Klauen auf, mit denen er sich gut am Gestein festhalten kann. Zudem verfügt er wie seine oberirdisch lebenden Verwandten über Giftdrüsen an den Kieferwerkzeugen, mit denen er Beute fest packen kann.

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“From Piss to Pilsener”: Kann man Bier aus dem eigenen Urin gewinnen?

Mit Bierdosen kann man Vieles machen. Doch auch das in den Dosen enthaltene Bier lässt sich auf vielfältige Weise herstellen. Bild: stern.de
Zwei Dinge fließen bei einem Festival in rauen Mengen: Bier und Urin. Warum nicht beides zusammenbringen? Im Rahmen des Roskilde-Festivals läuft gerade das Projekt “Beercycling” – aus dem Urin soll später wieder Bier werden. Kann das klappen?


Von Carsten Heidböhmer|stern.de

Es ist mehr als ein populärer Mythos: Urin ist ein hervorragender Dünger. Manche Wissenschaftler bezeichnen ihn sogar als “Dünger der Zukunft“. Denn darin sind zahlreiche Mineralstoffe enthalten, die Pflanzen zum Wachsen brauchen, darunter Kalzium, Magnesium, Kalium und vor allem Phosphor. Bei einem Rockfestival wird naturgemäß viel Bier getrunken und auf diese Weise viel Urin produziert. Bei mehr als 100.000 Besuchern kommt beim Festival im dänischen Roskilde, das noch bis Samstag läuft, einiges an Pipi zusammen.

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Vatikan-Klimakonferenz: „Megafon“ der Umwelt-Enzyklika

Naomi Klein im Vatikan – AFP
Als eine Art „Megafon“ der päpstlichen Umwelt-Enzyklika versteht sich eine Vatikan-Klimakonferenz, die an diesem Donnerstag und Freitag rund 200 Wissenschaftler, Politiker, Menschenrechtler und Kirchenvertreter an der Päpstlichen Universität Augustinianum in Rom versammelt.


Radio Vatikan

Neben Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und der UN-Sondergesandten für den Klimawandel Mary Robinson trägt auch die kanadische Globalisierungsgegnerin Naomi Klein auf der Tagung vor. Die Veranstaltung hat der Päpstliche Friedensrat zusammen mit dem Dachverband katholischer Entwicklungsorganisationen CIDSE organisiert.

Viele Etiketten hat Papst Franziskus‘ Enzyklika seit ihrer Veröffentlichung schon erhalten – so aber wurde sie bislang wohl kaum beschrieben: „Laudato sì“ sei „poetisch“ und zugleich „mutig“, sagte die kanadische Globalisierungsgegnerin Naomi Klein am Mittwoch vor Journalisten im Vatikan; das päpstliche Lehrschreiben sei ein „Dokument des Gemeinsinns“, das nicht nur zur katholischen Welt, sondern zu „allen Menschen auf dem Planeten“ spreche. Dass Franziskus in dem weit gefächerten Text auch auf wirtschaftliche Aspekte des Komplexes Klima und Umwelt eingeht, hatten einige Kritiker bemängelt. Klein sieht das anders:

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Goldener Reis: Wenn Technikfeindlichkeit tötet

Viele tausend Kinder sterben jedes Jahr an Vitamin-A-Mangel. Eine spezielle genmanipulierte Reissorte könnte diese Kinder retten. Doch das erlauben wir nicht.


Von Florian Aigner|futurezone.at

Bild: International Rice Research Institute (IRRI) CC BY 2.0
Bild: International Rice Research Institute (IRRI) CC BY 2.0

Vitamin-A-Mangel ist eines der großen Gesundheitsprobleme in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern. Am schlimmsten betroffen sind kleine Kinder. Hunderttausende erblinden jedes Jahr, sie sind besonders anfällig für Infektionskrankheiten, man schätzt dass jedes Jahr 670.000 Kinder im Alter von weniger als fünf Jahren daran sterben.

In Europa verdient man Geld mit Schlankheitstipps und Abmagerungskuren, man diskutiert über die gesundheitsfördernde Wirkung irgendwelcher neuer Lifestyle-Grüntee-Mixgetränke, man erkundigt sich, ob das Biovollkornbrot auch mit energetisiertem Wasser gebacken wurde. Und gleichzeitig sterben auf der anderen Seite der Erde Menschen an Vitamin A-Mangel. Das Schlimmste daran ist: Man könnte das ändern. Doch das erlauben wir nicht.

Vitamin-A-Magel betrifft vor allem Länder in Afrika und Südostasien. Wer sich abwechslungsreich ernährt und viel Gemüse isst, der muss davor keine Angst haben. Doch wer in Staaten wie Indien, Bangladesch oder den Philippinen wenig Geld hat, versorgt seine Familie hauptsächlich mit Reis, und genau dadurch kommt es zu Mangelkrankheiten.

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Kurios: Spinnen “segeln” auf dem Wasser

Diese Spinne nutzt einen SPinnenfaden als Anker, um nicht unkontrolliert abgetrieben zu werden. © Alex Hyde
Gewiefte Seefahrer: Spinnen sind keineswegs hilflos, wenn sie ins Wasser fallen – ganz im Gegenteil. So strecken einige ihre Beine oder den Hinterkörper wie Segel in die Höhe, um sich vom Wind vorantreiben zu lassen. Andere werfen Spinnennetze aus, um sich an der Wasseroberfläche zu verankern. Wieder andere trippeln mit Hilfe ihrer wasserabweisenden Beine auf der Oberfläche entlang, wie Forscher im Fachmagazin “BMC Evolutionary Biology” berichten.


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Spinnen haben mehr Bewegungstricks auf Lager als einfach nur zu krabbeln: Einige schlagen Flickflacks, andere nutzen Spinnfäden und sogar kleine Netze, um sich vom Wind verwehen zu lassen. “Diese Verbreitung durch die Luft ist sogar einer der einflussreichsten Mechanismen, mit denen Spinnen große, sogar interkontinentale Distanzen zurücklegen können”, erklären Morito Hayashi von der University of Nottingham und seine Kollegen.

Schon Darwin staunte

“Sogar Darwin berichtete schon über fliegende Spinnen, die Kilometer von jedem Land entfernt auf das Deck der Beagle fielen”, so Hayashi. Doch genau dieser Lufttransport über See sorgte für Rätselraten unter Biologen. Denn für die Spinne ist das Risiko dabei enorm, abzustürzen und dann sozusagen schiffbrüchig auf dem Wasser festzusitzen oder sogar zu ertrinken. Eigentlich wäre damit diese Verbreitungsform viel zu riskant.

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Komet “Chury” hat Löcher

Diese Aufnahme zeigt eines der aktivsten Löcher auf “Chury”. © Vincent et al./ Nature
Rätselhafte Krater: Die ESA-Raumsonde Rosetta hat auf dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko ungewöhnlich tiefe, kreisrunde Löcher entdeckt. Sie ähneln zwar auf den ersten Blick Einschlagskratern, entstanden aber wahrscheinlich eher durch Kräfte von unten: Durch Hohlräume im Untergrund des Kometen, deren Decke einbricht. Das könnte auch erklären, warum besonders viele Staub- und Gasfontänen von diesen Löchern ausgehen, wie die Forscher im Fachmagazin “Nature” berichten.


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Die Raumsonde Rosetta und ihr kürzlich wieder erwachter Compagnon Philae haben schon einige spannende Details über den Kometen “Chury” übermittelt. So entdeckte Rosettas Kamera OSIRIS einen Wackelstein und eine rätselhafte Staubfontänen auf der Nachtseite des Kometen. Je näher der Komet der Sonne kommt, desto mehr Eis und anderes Material verdampft zudem.

Rätselhafte Löcher

Aufnahmen von Rosetta zeigen aber auch, dass viele der größeren Ausbrüche von seltsamen, kreisförmigen Kratern auszugehen scheinen. “Diese Löcher sind bemerkenswert symmetrisch, haben alle eine ähnliche Größe und zeigen interessante morphologische Details”, berichten Jean-Baptiste Vincent vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen und seine Kollegen. Die steilen Wände der Löcher sind von horizontalen Schichten und Terrassen durchzogen. Ihr Durchmesser variiert von mehreren Dutzend bis zu mehreren hundert Metern.

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Ist das Universum leerer als gedacht?

Bisher sehen wir nur die hellsten Galaxien im fernen Universum, wie viele es noch gibt, ist unklar. © NASA/CXC/STSci/ DSS/ Magellan
Kein Gedränge im frühen Kosmos: In der Frühzeit des Universums könnte es sehr viel weniger Galaxien gegeben haben als bisher angenommen. Denn auf jede sehr helle, für uns sichtbare Galaxie kommen möglicherweise nur rund zehn lichtschwächere, wie Astronomen anhand eines Computermodells ermittelt haben. Bisher ging man von hundert- bis tausendfach mehr frühen Galaxien aus, die wir bisher aufgrund der zu schwachen Teleskope schlicht nicht sehen.


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Dank immer besserer Teleskope reich der Blick der Astronomen heute schon zurück bis in die Zeit der allerersten Galaxien und Sterne. Doch selbst die scharfen Augen des Hubble-Weltraumteleskops können nur die hellsten und größten Vertreter dieser frühen Population aufspüren. Wie viele lichtschwächere Galaxien es im fernen Universum gibt, ist daher bisher Gegenstand der Spekulation.

Wie viele kleinere Galaxien gibt es?

“Frühere Schätzungen gingen davon aus, dass die Menge der lichtschwachen Galaxien im frühen Universum um das Hundert- bis Tausendfache größer ist als die Zahl der wenigen hellen Sternenansammlungen, die wir mit dem Hubble-Teleskop sehen können”, erklärt Erstautor Brian O’Shea von der Michigan State University.

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Plötzliche Trockenheit im Paläo-Tschadsee

Auf dem Trockenen: Fossiler Fisch aus dem Tschadbecken © University of Royal Holloway London
Von schwappenden Wellen zu staubigen Dünen: Der Klimawandel von der fruchtbaren Savanne zur heutigen Sahara ließ auch den Tschadsee plötzlich schrumpfen. Britische Wissenschaftler haben den Wandel des Sees vom größten Süßwassersee zur größten Staubquelle der Erde rekonstruiert. Daraus ergeben sich neue Fragen, die bis in den südamerikanischen Regenwald reichen, schreiben die Forscher in den “Proceedings of the National Academy of Sciences”.


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Die Sahara und die südlich davon gelegene Sahelzone sind berüchtigt für Hitze und Wassermangel. Doch das war nicht immer so: Noch vor rund 10.000 Jahren erstreckte sich in der heutigen Wüstenregion eine fruchtbare Savannenlandschaft, in der auch nomadische Frühmenschen lebten. Diese Idylle war jedoch nicht von Dauer: Ein plötzlicher Klima-Umschwung schuf die Wüste, die wir heute kennen.

Schrumpfende Süßwasserquelle

Betroffen davon war auch der Tschadsee südlich der Sahara, eine wichtige Wasserquelle für die angrenzenden Staaten Tschad, Niger, Nigeria und Kamerun. Heute droht der See durch die intensive Wassernutzung durch den Menschen zu schrumpfen. Vor tausenden von Jahren schwand das Wasser des Sees jedoch in noch viel größerem Ausmaß: Während der fruchtbaren Zeit der Sahara war der Paläosee “Mega-Tschad” der größte Süßwassersee der Erde.

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Ratten träumen von Orten, an denen sie gerne wären

Bild: ratten.de
Mit Hilfe von Elektroden lauschen Forscher die Träume schlafender Ratten ab. Es zeigt sich: In Gehirn der Tiere geht so einiges vor sich.


Von Jan Dönges|Spektrum.de

Ratten können von einem Ort träumen, obwohl sie ihn noch nie besucht, sondern nur gesehen haben. Das zeigt jetzt eine Studie von Hirnforschern um Hugo Spiers vom University College London, die das Gehirn der schlafenden Tiere mit Elektroden angezapft haben. Offenbar verfügen die Tiere also über ein gewisses Maß an Vorstellungsvermögen.

Die Träume einer Ratte zu erforschen, ist möglich dank der Aktivität so genannter Ortszellen in ihrem Hippocampus. Jede dieser Zellen spezialisiert sich auf einen bestimmten Punkt in der Umgebung des Tiers und wird immer dann aktiv, wenn die Ratte an diesen Ort gelangt. Schläft das Tier, beginnen die Ortszellen erneut zu feuern, wobei die Reihenfolge, in der sie aktiv werden, nahelegt, dass die Ratte gedanklich durch ihren Käfig läuft.

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Zweite Bedrohung für den Nordatlantikstrom

Der entscheidende Motor für die Meeresströmungen im Atlantik liegt im Nordatlantik © Brisbane/CC-by-sa 3.0
Gefahr für die Pumpe: Forscher haben eine zweite Bedrohung für die “Fernheizung Europas” ausgemacht. Der Nordatlantikstrom wird demnach nicht nur durch einströmendes Schmelzwasser geschwächt, auch das schwindende Meereis bremst ihn aus. Denn am Eisrand gibt das von Süden kommende warme Meerwasser besonders viel Wärme ab und kann absinken. Fehlt das Eis, verlangsamt sich diese Wärmeabgabe und damit auch die nordatlantische Umwälzströmung, so die Forscher im Fachmagazin “Nature Climate Change”.


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Im Nordatlantik, kurz vor Grönland, liegt gewaltige Umwälzpumpe: Hier stürzt warmes Oberflächenwasser mehr als 2.000 Meter in die Tiefe und fließt dann als kalte Tiefenströmung nach Süden. Der Sog dieser Pumpe wiederum zieht warmen Wassernachschub aus tropischen Breiten in den Norden. Angetrieben wird diese sogenannte atlantische meridionale Umwälzströmung (AMOC)
von Unterschieden im Salzgehalt und in der Temperatur des Meerwassers – das aber macht sie sensibel für den Klimawandel.

Erst März 2015 stellten Forscher fest, dass der Nordatlantikstrom, der warmes Wasser auch nach Europa bringt, sich bereits abgeschwächt hat. Ein Grund dafür ist der Einstrom von Schmelzwasser in der Arktis. Weil es sich dabei um Süßwasser handelt, senkt dies den Salzgehalt des Meerwassers und verhindert, dass das warme Oberflächenwasser im Nordatlantik in die Tiefe absinken kann.

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Heute Abend: Himmlisches Rendezvous

Venus und Jupiter stehen heute Abend nur ein Drittel Grad auseinander – wie ein heller Doppelstern. © Sky and Telescop
Heute Abend lohnt ein Blick an den Himmel: Über dem Westhorizont stehen Venus und Jupiter so eng zusammen, dass sie fast zu verschmelzen scheinen. Die beiden hellsten Himmelsobjekte nach Sonne und Mond sind bei diesem Rendezvous nicht zu übersehen. Auch in den nächsten Tagen werden die beiden Planeten noch eng beisammen am Abendhimmel leuchten, sie entfernern sich dabei aber allmählich wieder voneinander.

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Der Gasriese Jupiter und unser nächster Nachbarplanet, die Venus, sind schon unter normalen Umständen die hellsten Lichter am Nachthimmel – nach dem Mond. Schon seit einigen Wochen bewegen sich diese beiden hellen Planeten am Himmel langsam aufeinander zu. Blickt man abends nach Westen, stehen sie dort kurz nach Sonnenuntergang nebeneinander über dem Horizont.

Helles Doppellicht am Westhorizont

Heute Abend nun kommt es zur engsten Begegnung der beiden Planeten: Venus und Jupiter sind dann nur noch ein Drittel Grad voneinander getrennt. Sie erscheinen als hellleuchtender Doppelstern über dem Westhorizont. “Jeder, der eine Weile lang nicht in den Abendhimmel geschaut hat, wird überrascht sein, wie dramatisch diese Paarung ist”, sagt Kelly Beatty vom Magazin Sky and Telescope.

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Schwerewellen verursachen Kobold-Blitze

Falschfarben-Aufnahme von Sprites über einem Gewitter in Kansas aus dem Jahr 2000 © Walter Lyons, FMA Research, Fort Collins, Colorado
Rätselhafte Himmelslichter: Blitzeinschläge am Boden können auch oberhalb von Gewitterwolken spektakuläre Entladungen fast bis in 100 Kilometer Höhe auslösen. Einen wichtigen Faktor bei der Entstehung dieser “Sprites” haben Wissenschaftler nun ausgemacht: Schwerewellen in der oberen Atmosphäre verstärken demnach Störungen in elektrischen Feldern und lassen so die Blitze auch weit nach oben ausschlagen, schreiben die Forscher im Journal “Nature Communications”.


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Die Blitze bei einem starke Gewitter bieten schon vom Boden aus gesehen einen spektakulären Anblick. Trotz intensiver Gewitterforschung werfen sie jedoch noch viele Fragen auf – und noch viel rätselhafter ist, was oberhalb einer Gewitterwolke geschieht: Bei starken Blitzeinschlägen flackern dort ebenfalls elektrische Entladungen bis in Höhen von 80 Kilometern in der Mesosphäre, oberhalb der Stratosphäre. Wie sie so flüchtig und rätselhaft sind, erhielten diese Blitze die Bezeichung “Sprites”, englisch für “Kobolde”. Wissenschaftlich belegt sie erst seit 1989. Wie sie entstehen ist aber noch weitgehend unklar.

Feuerwerk in der Mesosphäre

Sprites sind manchmal bei Nacht mit bloßem Auge vom Boden aus erkennbar, die meisten Aufnahmen stammen aber bisher von Flugzeugen, Space Shuttles oder der Internationalen Raumstation. Sie sind meist rötlich gefärbt und erscheinen wie eine Stichflamme, die sich nach oben verzweigt. Viele haben auch strahlenartige Ausläufer nach unten und erinnern geradezu an eine explodierende Feuerwerksrakete – allerdings mit einem Lichterspiel von bis zu 50 Kilometern im Umkreis.

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The Underfunded, Disorganized Plan to Save Earth from the Next Giant Asteroid

Man looking out over the Barringer Crater just east of Flagstaff in Northern Arizona, which was created by a meteorite measuring only 50 meters in diameter. Image: Daniel Oberhaus
It is a cold January afternoon on the peak of Mt. Bigelow, an hour’s drive north from Tucson, and the wind burns my face as I watch the colors of the desert sunset bleed into the foothills of the Catalina mountains.


By Daniel Oberhaus|MOTHERBOARD

This is the home of the University of Arizona’s Catalina Sky Survey, a secluded astronomical observatory whose mission it is to discover and monitor Near Earth Objects (NEOs), comets and asteroids which pass within roughly 120 million miles of Earth’s orbit and therefore have the greatest potential to obliterate humanity.

I traveled here with Eric Christensen, a University of Arizona scientist and the principal investigator for the survey, who is letting me tag along to observe for an evening. Eric is 37, easy-going, and soft-spoken, with dark eyebrows accentuated by his shaved head. We unload groceries from his truck and haul them into the cramped combined kitchen-bedroom where he will be based for the next three nights while scanning the skies for NEOs—weather permitting, of course.

After he stores his groceries, Eric and I watch the sunset and the mass of thunderclouds amassing on the horizon. “It’s not looking good,” he says.

Arizona gets around 300 days of clear skies a year and as luck would have it I happened to pick one of the few stormy nights to participate in an activity that demands perfect visibility.

“The effects of an impact, even a comet or asteroid of a modest size, would be devastating.”

Eric’s phone rings; it’s his four-year-old daughter calling to say goodnight. He disappears into the observatory for a few minutes and then comes back outside. He takes another look at the sky as night descends, beckoning me indoors in the hope that we might be able to run some observations before our view is totally obscured by thunderheads.

For an outpost tasked with preventing mass extinction, the pace is certainly relaxed here at Catalina.

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Franz, der Papst der Endzeit

In seiner jüngsten Enzyklika zu Umweltfragen festigt Papst Franziskus sein Image als Apokalyptiker. Für Grautöne oder die Akzeptanz einer sozialen Marktwirtschaft ist in einer solchen Dramaturgie kein Platz.


Von Malte Lehming|DER TAGESPIEGEL

Bild bearb. BB
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Vor rund 50 Jahren erschien ein Buch des italienischen Philosophen Umberto Eco mit dem Titel „Apokalyptiker und Integrierte“. Damit werden zwei extreme Pole einer Haltung beschrieben. Entweder der Mensch stellt sich außerhalb eines Phänomens und verwirft das Bestehende, oder er bildet ein Rädchen im Getriebe. Eco wollte zeigen, dass es einen dritten Weg gibt zwischen Revolution und Anpassung. Man könnte ihn als dynamischen Realismus bezeichnen: Die Dinge sind im Fluss, einiges entwickelt sich gut, anderes schlecht, Werte verändern sich, die Technik kann Freund und Feind des Menschen sein, Eigennutz, Lust und Streben nach Ruhm können die Welt bereichern oder ärmer machen. Je nachdem. Wahrscheinlich ist dies die Haltung der meisten Menschen in der westlichen Welt.

Die Apokalyptiker teilen sich in zwei Lager. Da sind, erstens, die Systemtheoretiker. „Die kapitalistische Produktion“, schreibt Karl Marx, „erzeugt mit der Notwendigkeit eines Naturprozesses ihre eigene Negation.“ Der britische Ökonom Thomas Malthus mahnte, die Nahrungsmittelproduktion werde nicht Schritt halten mit der Bevölkerungsexplosion. Bertrand Russell, Philosoph und Literaturnobelpreisträger, veröffentlichte 1948 einen Aufsatz, in dem er einen präventiven Atomkrieg gegen die Sowjetunion forderte („Towards a Short War with Russia“). Nur so könne verhindert werden, dass es zu einem Wettrüsten und dem dritten Weltkrieg komme.

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Astronomen finden Planet mit Kometenschweif

Es sieht aus wie ein Komet, ist aber ein Exoplanet – Gliese 436b (Illustration) © Ehrenreich, Bourrier/ Universität Genf, Gracia Berná/ Universität Bern
Ein Schweif wie ein Komet: Astronomen haben erstmals einen Exoplaneten beobachtet, der einen gewaltige Wolke aus Wasserstoffgas hinter sich her zieht. Sie entsteht, weil die harte Strahlung des nahen Sterns Atome aus der Gashülle des Planeten Gliese 436b wegreißt. Diese Entdeckung stützt die Theorie, nach der auch manche Gesteinsplaneten früher eine dichte Gashülle besaßen, berichten die Forscher im Fachmagazin “Nature”.


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Der Exoplanet Gliese 436b gehört zu den heißen Neptunen: Er ist etwa genauso groß wie sein Namensvetter im Sonnensystem, aber statt eisiger Kälte herrschen auf ihm Temperaturen von rund 800 Kelvin, wie Messungen ergaben. Der Grund dafür ist simpel: Gliese 436b kreist in einer Umlaufbahn, die seinem Stern extrem nahe ist. Er streift während seines nur 2,64 Tage langen Umlaufs sogar die Hülle dieses kühlen Roten Zwergs.

Tausend Tonnen Gas pro Sekunde

Dass das nicht ohne Folgen bleibt, haben nun David Ehrenreich vom Observatorium der Universität Genf und seine Kollegen festgestellt. Als sie mit Hilfe des Hubbble-Weltraumteleskops das UV-Lichtspektrum von Stern und Exoplanet genauer analysierten, fanden sie Überraschendes: Der Planet zieht eine gewaltige Wolke aus Wasserstoffatomen hinter sich her. Wandert Gliese 436b vor seiner Sonne vorbei, bedeckt dieser Schweif 56 Prozent der sichtbaren Sternenoberfläche.

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Älteste Schildkröte der Welt in Deutschland entdeckt

So könnte die Ur-Schildkröte Pappochelys vor 240 Millionen Jahren ausgesehen haben © SMNS/ R. Schoch
Sensationsfund in Baden-Württemberg: Bei Grabungen nahe Vellberg haben Paläontologen das Fossil einer 240 Millionen Jahre alten Ur-Schildkröte entdeckt. Das Tier besaß noch keinen vollständigen Panzer, seine Rippen waren aber schon verbreitert. Der neue Fund bildet damit ein perfektes Bindeglied zwischen den frühen Echsen und den Schildkröten, es ist ein echtes Missing Link, wie die Forscher im Fachmagazin “Nature” berichten.


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Heutige Schildkröten sind klar an ihrem typischen Panzer zu erkennen: Die Rippen von Brust und Rücken sind zu zwei starren Platten verschmolzen, die den Körper des Reptils komplett bedecken. Doch wann dieser Panzer entstand und aus welchen Reptilien sich die Schildkröten entwickelten, war lange strittig – auch weil es nur wenige Fossilien von möglichen Übergangsformen gab. Meist vermutete man den Schildkröten-Urahn unter primitiven Reptilien, den sogenannten Anapsiden. Diese trugen im Gegensatz zu Krokodilen oder Schlangen in ihrem Schädel keine zusätzlichen Öffnungen hinter den Augen.

Unvollständiger Panzer und zwei Schädelfenster

Der neue Fund wirft nun ein anderes Licht auf die Wurzeln der Schildkröten. Denn in Vellberg ausgegrabenen Fossilien gehören einer 240 Millionen Jahre alten Ur-Schildkröte, deren Panzer noch nicht vollständig geschlossen war – und deren Schädel gut erhalten ist. “So ein herausragendes Fossil findet man, wenn überhaupt, nur einmal im Leben”, sagt Rainer Schoch vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart. “Das geologische Alter der Ur-Schildkröte passt genau in die zeitliche Lücke, in der man solche Übergangsformen erwartet hatte.”

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