Dodo Kretschmann lästert über seine Partei – „Ihr habt keine Ahnung“

Wie stabil ist der Frieden bei den Grünen? Ein Wutausbruch von Oberrealo Winfried Kretschmann über einen Beschluss der eigenen Partei ist im Netz gelandet. Das passt so gar nicht zur die Wahlkampfstrategie der demonstrativen Einigkeit.

stern.de

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat beim Bundesparteitag der Grünen über einen Beschluss seiner Partei gelästert – und verärgert auf eine heimliche Videoaufzeichnung reagiert. In den Aufnahmen kritisiert er in erregtem Ton den Parteitagsbeschluss, ab 2030 keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr neu zuzulassen. Unter anderem sagt er: „Jetzt kommt der Hofreiter immer mit seiner tollen Story vom Tesla. Überleg dir mal, jetzt fahren fünf Millionen Elektroautos rum. Wo tanken die? (…) Ihr habt keine Ahnung! Aber die Leute sagen, ab dem Jahr 2030 kann man das alles machen. Das sind doch Schwachsinns-Termine.“ Regierungssprecher Rudi Hoogvliet sprach am Donnerstagabend mit Blick auf die Veröffentlichung von einer „Verwilderung der Sitten“. Zuvor hatten „Stuttgarter Zeitung“ und die „Badische Zeitung“ (Online) darüber berichtet.

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Risiken und Nebenwirkungen erweiterter DNA-Analysen

Bild: heise.de/tp
In Freiburg wurde über Gefahren und Chancen einer Technik debattiert, nach der schnell im Rahmen spektakulärer Kriminalfälle gerufen wird

Von Ralf Streck | TELEPOLIS

Die Morde an der Freiburger Studentin Maria L. im vergangenen Oktober und der Joggerin Carolin G. im vergangenen November im nahen Endingen haben die Gemüter nicht nur in Südwestdeutschland erregt. Seither tobt eine Debatte über erweiterte DNA-Analysen. Die hat über Bundesratsinitiativen aus Baden-Württemberg und Bayern längst den Weg nach Berlin gefunden. Auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) lässt nun einen Entwurf erarbeiten. Die Chancen der neuen Technologien werden aber meist völlig überschätzt und die Risiken unterschätzt, wenn sie in der erregt geführten Debatte überhaupt wahrgenommen werden. Auf einem Symposium wurde das Thema ausführlich kürzlich in Freiburg debattiert. Die Justizminister von Bund und Ländern werden auf ihrer Konferenz am Mittwoch und Donnerstag beraten.

Natur- und Sozialwissenschaftler, Kriminalisten, Juristen, Datenschützer und Anthropologen kamen kürzlich in Freiburg zusammen, um eine „Qualitätsoffensive“ zu starten. Denn tatsächlich ist die Debatte oft von unrealistischen Vorstellungen geprägt, die von der US-Serie CSI geprägt zu sein scheinen. Gerne wird so getan, als habe man damit ein objektives Allheilmittel zur Verbrechensaufklärung zur Hand. „Die Möglichkeiten werden deutlich überschätzt, die Risiken dagegen massiv unterbewertet“, erklärt deshalb auch Prof. Dr. Anna Lipphardt, die am Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie forscht, gegenüber Telepolis.

Mit ihrer Schwester Prof. Dr. Veronika Lipphardt gehört sie zu den Initiatorinnen des Symposiums. Beide gehören einer multidisziplinären Wissenschaftlergruppe Freiburg, Berlin, Basel und Newcastle an, die sich gegen eine vorschnelle, nicht regulierte Einführung erweiterter DNA-Analysen in der Forensik wendet, aber sich nicht grundsätzlich dagegen stellt. Aber zu viele wissenschaftliche, rechtliche und ethische Fragen seien offen, für die es eine breit aufgestellte Expertise von Wissenschaftlern und Praktikern brauche. Wünschenswert wäre beispielsweise „ein Konzept für eine wissenschafts- und praxisübergreifende Initiative“ um zunächst „Regulierungs- und Qualitätsstandards für den möglichen Einsatz“ zu formulieren, erklären die Forscherinnen gegenüber Telepolis.

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Äthiopien: Klimawandel bedroht Kaffeeanbau

Geröstete Kaffeebohnen – Grundlage für eines der beliebtesten Getränke der Welt © Gemeinfrei
Bedrohte Bohne: Der Klimawandel setzt der Kaffeeindustrie in Äthiopien zu. Eine Studie zeigt: Steigen die Temperaturen ungebremst an, könnten bis zum Ende dieses Jahrhunderts bis zu 60 Prozent der heutigen Anbauflächen für die Kultivierung der Bohne unbrauchbar werden. Ein Ausweichen auf höhere Lagen könne den Verlust zwar zunächst ausgleichen. Langfristig werde jedoch nur der Kampf gegen die Erderwärmung Äthiopien als Wiege des Kaffees und größten Kaffeeproduzenten Afrikas bewahren, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Nature Plants“.

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Ob als Cappuccino oder Espresso, gebrüht oder gefiltert: Kaffee ist eines der beliebtesten Getränke der Welt und für viele Menschen unentbehrlich. Geschätzt wird das schwarze Gold als Muntermacher am Morgen ebenso wie als wohlschmeckender Begleiter durch den Tag. Außerdem entpuppt es sich immer mehr als Gesundmacher. So könnte Kaffeetrinken unter anderem vor Leberzirrhose schützen, Diabetes vorbeugen und sogar unsere DNA vor Brüchen bewahren.

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Die Angst der Wissenschaft vor Trump

Aus Sorge um die Freiheit der Forschung demonstrieren Wissenschaftler weltweit, wie hier in Amsterdam, gegen den US-Präsidenten Donald Trump. (Foto: imago/Paulo Amorim)
Forscher fürchten Zensur und Eingriffe der US-Regierung. Eine engagierte Professorin aus Pennsylvania versucht nun, sensible Daten in Sicherheit zu bringen – bevor es zu spät ist.

Von Roman Deininger | Süddeutsche.de

Man werde übrigens zu dritt sein beim Gespräch, sagt Bethany Wiggin, „aber keine Sorge“, der Überraschungsgast werde einem gefallen. „Er ist sehr kompetent bei unserem Thema.“ Das Thema ist Wissenschaft und Politik, oder präziser: die Angst der amerikanischen Forscher vor dem Präsidenten Donald Trump.

Wiggin, Mitte vierzig, blonde Haare, Jeansjacke, ziemlich cool für eine Professorin, eilt über den Campus der University of Pennsylvania: „Ben wartet auf uns.“ In einem schattigen Eck bleibt sie vor einer Bronzestatue stehen, die lebensgroße Skulptur eines Mannes, der lesend auf einer Parkbank lümmelt: „Darf ich vorstellen: der ehrenwerte Benjamin Franklin.“

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Südkorea steigt aus der Atomenergie aus

AKW Kori. Bild: IAEA/CC BY-SA-2.0
Der älteste Atommeiler ist vom neuen Präsidenten persönlich abgeschaltet worden

Von Ralf Streck | TELEPOLIS

Südkorea steigt mit der endgültigen Abschaltung seines ältesten Atomreaktors in den Ausstieg aus der Atomkraft ein. Der neue Präsident Moon Jae-In hat am Sonntag persönlich Hand angelegt. Bei der Abschaltung des Atomreaktors Kori-1 hat er gleich den kompletten Ausstieg des Landes aus der Nuklearenergie angekündigt. Die Abschaltung sei „der erste Schritt“ zu einem Paradigmenwechsel und zu einem sichereren Südkorea: „Wir treten in die postnukleare Ära ein“, sagte er.

Der Mitte-Links-Politiker hatte die wegen Korruptionsskandalen abgesetzte konservative Park Geun Hye nach Neuwahlen abgelöst. Er kündigte nun an, dass alle Pläne für Neubauten und Laufzeitverlängerungen eingestampft würden. Der nun abgeschaltete Reaktor war inzwischen 40 Jahre am Netz. Eigentlich hätte Kori-1 schon vor 10 Jahren abgeschaltet werden sollen. Doch, wie das so oft der Fall ist, werden altersschwache Reaktoren gerne mit Laufzeitverlängerungen von Regierungen bedacht. Das soll zumindest in Südkorea nun Geschichte sein.

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Hitze bedroht 75 Prozent der Weltbevölkerung

Ab 37 Grad Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit wird es für den menschlichen Körper kritisch… © Tomwang112/ thinkstock
Tödliche Hitze: Geht der Klimawandel so weiter, werden knapp 75 Prozent der Weltbevölkerung bis 2100 regelmäßig lebensbedrohlichen Hitzewellen ausgesetzt sein, wie Klimaforscher prognostizieren. Betroffen sind besonders die Tropen, aber auch große Metropolen in den gemäßigten Breiten. Das Beunruhigende: Selbst bei drastischem Klimaschutz steigt die Zahl der exponierten Menschen auf rund die Hälfte der Weltbevölkerung an, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature Climate Change“ prognostizieren.

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Dass mit dem Klimawandel auch die Hitzewellen zunehmen werden, ist nichts Neues: Schon jetzt häufen sich in vielen Regionen der Erde die Wärmerekorde und „Jahrhundertsommer“. In 50 Jahren könnten solche Wetterextreme sogar zur Regel werden. Forscher prognostizieren, dass die zunehmende Hitze weite Teile des Nahen Ostens und Nordafrikas unbewohnbar machen könnte.

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Hatte unsere Sonne einst einen Zwilling?

Geburt eines Mehrfachsternsystems in der Perseus-Molekülwolke, aufgenommen von den ALMA-Teleskopen. © Bill Saxton, ALMA (ESO/NAOJ/NRAO), NRAO/AUI/NSF
Verlorener Partner: Den mystischen Sonnenzwilling „Nemesis“ könnte es einst wirklich gegeben haben. Denn unsere Sonne wurde wahrscheinlich einst als Doppelstern geboren. Das legen neue Beobachtungen in der Perseus-Sternenwiege nahe. Demnach könnten alle Sterne zunächst als Doppelsterne entstehen. Ein Teil von ihnen trennt sich dann kurz darauf und wird so zu „Einzelgängern“, wie die Astronomen berichten. Sollte sich dies bestätigen, wirft dies ein neues Licht auf die Sternbildung im Kosmos.

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Doppelsterne sind im Kosmos keine Seltenheit – im Gegenteil. Bei den massereichen Sternen könnte ihr Anteil sogar bei 90 Prozent liegen, wie Astronomen festgestellt haben. Auch unserer nächster Nachbar, Alpha Centauri, ist ein Doppelsternsystem. Diese und andere Beobachtungen ließen einige Forscher sogar vermuten, dass möglicherweise die meisten, wenn nicht sogar alle Sterne zunächst als Paar entstehen.

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Die Grünen und die Kohle: Fauler Kompromiss

Braunkohlekraftwerk Niederaußem bei Köln. Bild: Harald Hillemanns/CC-BY-3.0
Werden die Grünen nun, die Fünf-Prozent-Hürde fest im Blick, doch wieder etwas radikaler? Bis 2030 soll die Bundesrepublik aus der Kohle aussteigen. So steht es trotz des Widerstands des Spitzenduos Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt im neuen Wahlprogramm, das am Wochenende in Berlin von rund 800 Delegierten beschlossen wurde.

Von Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Der Beschluss ist ein Kompromiss. Einerseits hatte der letzte Parteitag vor gerade einem halben Jahr im westfälischen Münster die Zielmarke bereits bei 2025 angelegt, seinerzeit gegen den Widerstand der Parteiführung und der Bundestagsfraktion.

Andererseits hatte der Bundesvorstand in seinem Entwurf für das Wahlprogramm 2037 als Zieljahr genannt. Die „20 dreckigsten Kohlekraftwerke“ sollen „unverzüglich vom Netz“. Außerdem seien die übrigen Kohlekraftwerke schrittweise innerhalb der nächsten 20 Jahre abzuschalten. Das hatte Kritik aus einigen Umweltverbänden und bei der Parteijugend auf den Plan gerufen, die den Münsteraner Beschluss verteidigten.

Herausgekommen ist nun also der Kompromiss, der das anvisierte Ausstiegsziel auf 2030 festlegt, wobei es weiter heißt, dass die „20 dreckigsten“ Kohlekraftwerke sofort vom Netz gehen müssen. Mittel auf dem Weg dahin soll unter anderem eine „aufkommensneutrale CO2-Bepreisung“ sein, für die im Gegenzug die Stromsteuer abgeschafft wird.

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Verbrauchernahe und flexible Stromerzeugung unerwünscht?

Wasserkraftanlage Sandfang in Freiburg. Bild: Christoph Jehle
Wenn die linke Hand will, was der rechten Hand gar nicht gefällt, gerät die Energiewende ins Stolpern

Von Christoph Jehle | TELEPOLIS

Eine erfolgreiche Energiewende, die sich in beträchtlichem Umfang auf Energiequellen stützt, deren Verfügbarkeit rund um die Uhr nicht gesichert werden kann, benötigt zusätzliche Speicher und Flexibilitäten sowie erneuerbare Energien mit deren Hilfe eine möglichst konstinuierliche Stromerzeugung möglich ist. Die Nutzung kleiner dezentraler Wasserkraftanlagen in Verbrauchernähe könnte hier zwar nicht die Lösung, aber einen Beitrag liefern. Wenn da nicht Vorschriften, Zuständigkeiten und der vielgerühmte Bürgerwillen in die Quere kämen.

Nachdem die frühere Antiatomkraft-Bewegung nach Fukushima von der Partei der Kanzlerin absorbiert wurde, AKWs zur Abschaltung bis in fünf Jahren verurteilt wurden, wendet sich die öffentliche Meinung von der Frage der Stromerzeugung weitgehend ab und der Nörgelei über die sichtbaren Umstände von Stromerzeugung und Stromtransport zu.

Strom soll für die Mehrheit offensichtlich als ubiquitäre Dienstleistung wieder vornehmlich aus der Steckdose kommen. Zumindest soll der Endverbraucher sich der optischen Belästigung durch Stromerzeugungsanlagen und Stromleitungen entziehen können. Wirft man den Windkraftanlagen zu Lande eine Verspargelung der Kulturlandschaft vor und will gleichzeitig aber auch den Bau von Hochspannungsfernleitungen nicht akzeptieren, so wird inzwischen auch wieder verstärkt gegen den Bau von Wasserkraftanlagen opponiert (vgl. Irgendjemand ist immer dagegen).

Im Falle des Pumpspeicherkraftwerks Johanneszeche haben die Bürger von Lam in einem Bürgerentscheid mit 85 Prozent bei einer Beteiligung von 78 Prozent entschieden, dass sie kein Pumpspeicherkraftwerk in ihrer Gemeinde wollen. In der Folge hat dann auch das katholische Bistum Regensburg als lokaler Grundeigentümer seine Liebe für die nicht mehr ganz so unberührte Natur im ehemaligen Bergbaurevier entdeckt und sich aus der Projektidee verabschiedet. Nach Aussage der christ-sozialen bayerischen Regierungspartei sollte mit der Ablehnung des Wasserkraftwerks jetzt in Lam wieder Ruhe einkehren.

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Für die Grünen wird der Wahlkampf zum Existenzkampf

Miese Umfragewerte, inhaltliche Spaltung – auf ihrem Parteitag versuchen die Grünen sich per öffentlicher Selbsttherapie neuen Schwung zu verleihen. Und dabei finden sie sogar einen gemeinsamen Nenner.

Von Claudia Kade | DIE WELT

Seltsam einig sind sich die Grünen diesmal. In der Führungsspitze genauso wie tatsächlich auch an der Basis. Und das ist bei den streitverliebten Grünen ein beunruhigendes Signal. Es geht nicht um eine neue inhaltliche Einmütigkeit, natürlich nicht. Aber auf dem Parteitag zum Start in den Bundestagswahlkampf machen sich die Grünen kollektiv auf die Suche nach der eigenen Existenzberechtigung.

Winfried Kretschmann ist der Erste, der offen ausspricht, was viele insgeheim bedrückt. „Wozu braucht es die Grünen noch?“ Der einzige grüne Ministerpräsident hat in Baden-Württemberg ein 30-Prozent-Ergebnis im Rücken und keine Existenzsorgen.

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Erste Tiere entstanden früher als gedacht

Wann entstanden die ersten Vorläufer heutiger Tiergruppen? © cienpies/ thinkstock
Überraschend alte Wurzeln: Die Vorfahren aller großen Tierstämme könnten schon vor mehr als 700 Millionen Jahren entstanden sein. Dies legt eine Rekonstruktion mithilfe der „genetischen Uhr“ nahe. Sollte sich dies bestätigen, dann hätten die Urahnen der heutigen Tiergruppen sogar die Ära des „Schneeball Erde“ überlebt – eine extreme Vereisung des Planeten. Der Genstammbaum spricht zudem dafür, dass die Tiergruppen sich extrem schnell voneinander abspalteten, wie die Forscher im Fachmagazin „Scientific Reports“ berichten.

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Wann entstanden die ersten mehrzelligen Lebewesen auf der Erde – und damit die Vorfahren aller heutigen Tiere und Pflanzen? Diese Frage ist bisher hoch umstritten, auch weil fossile Belege Mangelware sind. Zahlreiche Funde belegen allerdings, dass schon zu Beginn des Kambriums vor etwa 540 Millionen Jahren die Vorfahren fast aller heutigen Tierstämme existierten – von Krebsen über Spinnentiere bis hin zu den Urahnen der Deuterostomen. Auch wesentliche Körpermerkmale wie das Gehirn, die Muskeln oder das Herz waren schon vorhanden.

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Klima: Das Ende der Kohle

Bild: Kohlekraftwerk und Kohlehafen in Mehrum, Landkreis Peine Foto: Crux / CC BY-SA 2.5
Die weltweite Kohleförderung geht im dritten Jahr in Folge zurück, ohne dass eine Weltwirtschaftskrise der Anlass wäre

Von Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

„Das ist das Ende der Kohle-Ära“, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg. Das klingt dramatisch, aber die Zahlen, die der Einschätzung zugrunde liegen, sind beeindruckend: Die Weltkohleförderung ist 2016 im dritten Jahr in Folge gesunken und zwar zuletzt um fast 231 Millionen Tonnen Öläquivalente oder 6,2 Prozent, wie aus dem Annual Review des Ölkonzerns BP hervorgeht, auf den sich die Agentur beruft.

Das war der größte, je registrierte Rückgang in den Aufzeichnungen der globalen Kohleförderung – und das obwohl die Weltwirtschaft derzeit relativ rund läuft. Der Rückgang ist also nicht durch eine Wirtschaftskrise verursacht, sondern Ergebnis von Verdrängung. Die Kohle muss anderen Energieträgern Platz machen.

In China, das bis vor wenigen Jahren einen beispiellos rasanten Anstieg des Kohleverbrauchs erlebte, ist der Verbrauch inzwischen auf den Stand von vor sechs Jahren zurückgefallen. Die Volksrepublik hatte zuvor nach vielen Jahren eher langsamen Wachstums Kohleförderung und -verbrauch zwischen 2002 und 2012 etwas mehr als verdoppelt. 2016 ging die Förderung dort um 7,9 und der Verbrauch um 1,6 Prozent zurück.

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Viele Massentierhalter bekommen EU-Gelder, obwohl sie nachweislich das Grundwasser verschmutzen

Masthähnchen in einem Stall in Mecklenburg-Vorpommern. Foto: dpa
Eine Reform der widersprüchlichen Agrarpolitik wäre dringend nötig, doch ausgerechnet Deutschland blockiert durch das CSU-geführte Agrarministerium umfassende Verbesserungen.

Von Justus von Daniels, Stefan Wehrmeyer | greenpeace magazin

Sie haben riesige Tierställe für tausende Schweine oder Hühner: Massentierhalter wie der Geflügelmäster WIMEX bei Köthen in Sachsen-Anhalt. Messungen des Grundwassers im unmittelbaren Umkreis der Hühnerfarm zeigen einen deutlich erhöhten Nitratwert. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass WIMEX großzügige Subventionen von der EU erhält.

WIMEX ist nur ein Beispiel von vielen. Das Recherchezentrum CORRECTIV ist der Frage nachgegangen, welche Bauern besonders hohe EU-Agrarsubventionen erhalten und welche dieser Massenbetriebe viel umweltschädliches Ammoniak ausstoßen – das als Nitrat ins Grundwasser gelangt. Das Ergebnis der Datenauswertung: Die EU fördert die Hälfte aller großen Massentierhaltungsbetriebe aus öffentlichen Geldern, obwohl diese einen großen Anteil zur Nitratbelastung des Grundwassers beitragen.

In Sachsen-Anhalt beispielsweise erhalten 20 Massentierhalter je 100.000 Euro und mehr an jährlichen Zahlungen aus Brüssel. Gleichzeitig fällt bei diesen Betrieben weit mehr Ammoniak und Gülle an, als die Natur in der unmittelbaren Umgebung vertragen kann.

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A Texas-Sized Area of Antarctica Turned to Slush Last Year

AWARE instruments in Antarctica. Image: Colin Jenkinson/Australian Bureau of Meteorology
A slush puddle nearly twice the size of California appeared in Antarctica in January of 2016, according to a new paper in Nature Communications that marks one of the first times scientists have documented the fact that Antarctica is actually melting from above because of warm air.

By Lisa Cumming | MOTHERBOARD

Researchers have known for years that warming ocean water is melting the coastal ice shelves of the West Antarctic Ice Sheet (WAIS). But surface melt is harder to track and understand. In this study, scientists found that warm air is also melting the WAIS from above.

Number of days in January 2016 when surface melt was detected from passive microwave satellite observations. Image: Julien Nicolas/Ohio State University

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Atomkraft: AKW werden nicht mehr benötigt

Bild: heise.de/tp
Solar- und Windenergie haben schon wieder einen neuen Rekord aufgestellt

Von Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Am 7. Juni dürfte es einen neuen Rekord bei der Erzeugung von Wind- und Sonnenstrom gegeben haben. Nach Angaben des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) wurden an diesem Tag um die Mittagszeit 54,02 Gigawatt (GW) von Solar- und Windkraftanlagen ins Netz eingespeist. Das waren beachtliche 68,9 Prozent der Nettostromproduktion zu dieser Zeit, während Wasser- und Biogaskraftwerke weitere knapp sechs Prozent beitrugen.

Insgesamt hat der Beitrag der Erneuerbaren zur Nettostromerzeugung der deutschen Kraftwerke im öffentlichen Netz in der vergangenen Woche 49,7 Prozent beigetragen, wie die vom Fraunhofer ISE zusammengetragenen Daten zeigen. Nettoerzeugung heißt in diesem Fall Stromproduktion der Kraftwerke abzüglich des Eigenverbrauchs, der in AKW bei 5,5, in Braunkohlekraftwerken bei 7,1, in Steinkohlekraftwerken gar bei 8,3 und in Gaskraftwerken 3,4 Prozent liegt.

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Klimawandel macht Seen immer wärmer

Nass ja, aber immer weniger kühl. Weltweit erwärmen sich Seen durchschnittlich um mindestens 0,36 Grad pro Dekade. Hier ein Wanderer am Easedale Tarn See im Britischen Lake District. (Foto: Tim Graham/imago)
  • Um 0,34 Grad Celsius innerhalb von jeweils zehn Jahren ist die durchschnittliche Sommer-Oberflächentemperatur von 235 untersuchten Seen weltweit gestiegen.
  • Der Klimawandel verschärft den Stress, den Gewässer durch Überfischung und die intensive Nutzung der Ufer haben, erklären Forscher.
  • „Wir unterschätzen den Trend eher, als dass wir ihn überschätzen“, sagt die Leitautorin der Studie.

Von Christopher Schrader | Süddeutsche.de

Es lächelt der See, er lockt zum Bade – die ersten Worte aus Schillers Drama „Wilhelm Tell“ sind spätestens seit Pfingsten wieder aktuell: Teich, Tümpel, Weiher, Maar, Talsperre oder Baggersee, ganz egal, Hauptsache nass und kühl.

Nass werden die Binnengewässer auch in Zukunft sein, aber ob das mit der Kühle so bleibt, ist ungewiss. Viele Seen erwärmen sich im Zuge des Klimawandels offenbar schneller als Land und Luft. Um 0,34 Grad Celsius innerhalb von jeweils zehn Jahren ist die durchschnittliche Sommer-Oberflächentemperatur von 235 untersuchten Seen weltweit gestiegen.

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Ozonloch wirkt bis in die Tropen

© NASA/GSFC Ozohloch über der Antarktis im September 2016. WIe sich jetzt zeigt, reicht die Fernwirkung dieses Ozonschwunds bis in die Tropen.
Ozonschwund mit Fernwirkung: Das Ozonloch über der Antarktis hat weitreichendere Folgen als bisher angenommen. Denn es wirkt sich sogar auf das Klima im 10.000 Kilometer entfernten tropischen Pazifik aus, wie eine Studie enthüllt. Über veränderte Luftströmungen sorgt der polare Ozonschwund für verstärkte Regenfälle in dieser Region. Dies belegt erneut, dass wir längst nicht alle Zusammenhänge im komplexen Klimasystem unseres Planeten kennen.

scinexx

Bis zum Montreal-Protokoll von 1987 hat die Menschheit große Mengen ozonzerstörender Halogenkohlenwasserstoffe in die Atmosphäre freigesetzt und dadurch die Ozonschicht langanhaltend geschädigt. Als Folge reißt bis heute in jedem Frühjahr ein Ozonloch über der Antarktis auf und auch über der Arktis ist der Ozonschwund noch immer gravierend. Zwar erholt sich die Ozonschicht langsam, Emissionen neuer „Ozonkiller“, aber auch Vulkanausbrüche können dies jedoch bremsen.

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Wo leben die meisten Bioinvasoren?

Der Indische Halsbandsittich (Psittacula krameri manillensis) stammt aus Asien, kommt aber inzwischen auch in Großbritannien vor. © Tim Blackburn
Hotspots für Neuankömmlinge: Forscher haben erstmals ermittelt, wo auf der Welt die meisten einschleppten oder eingeführten Tier- und Pflanzenarten vorkommen. Hotspots für Bioinvasoren liegen demnach auf Hawaii und der Nordinsel von Neuseeland, aber auch an der Küste von Florida. Auch an Europas Küsten haben sich viele neue Pflanzen, Säugetiere, Fische und Spinnenarten etabliert, wie die Forscher berichten. Ursachen sind der Seehandel, aber auch Bevölkerungsdichte, Wirtschaftskraft und das Klima.

scinexx

Ob die Beifuß-Ambrosie, der Asiatische Marienkäfer oder Pythons in den Everglades: Immer mehr Pflanzen- und Tierarten breiten sich heute in Gebieten aus, in denen sie ursprünglich nicht heimisch waren. Diese Bioinvasoren können für bedrohte Arten zur Gefahr werden.

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Astronomie: Forscher vermuten gefährliche Asteroiden in Meteorstrom

Ein heller Feuerball der Tauriden (Bild: Academy of Sciences of the Czech Republic)
Zweimal im Jahr kommt die Erde mit dem Meteorschauer der Tauriden in Berührung und dann laden Sternschnuppen zum Wünschen ein. Teil des Himmelsphänomens sind aber wohl auch große Asteroiden, die der Erde gefährlich werden können, haben Forscher ermittelt.

Von Martin Holland | heise online

Wissenschaftler haben mehrere Asteroiden mit dem Meteorstrom der Tauriden in Verbindung gebracht und vermuten, dass der noch weitere Himmelskörper umfasst, die der Erde gefährlich werden könnten. Das berichten die tschechischen Forscher, die 144 sogenannte Feuerbälle – besonders helle Meteore – der Tauriden untersucht haben. Dadurch konnten sie zwei Asteroiden mit einem Durchmesser von 200 bis 300 Metern einem neuen Zweig der Tauriden zuordnen, die zweimal im Jahr den Orbit der Erde kreuzen. Weil es wahrscheinlich sei, dass dazu weitere große Objekte gehören, erhöhten sich die Gefahren des Zusammentreffens mit der Erde deutlich, schreiben sie in einer Mitteilung der Tschechischen Akademie der Wissenschaften.

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Feinstaub: Metallpartikel dringen bis ins Gehirn

Autoabgase setzen auch größere Mengen metallischer Nanopartikel frei – und diese können bis in unser Gehirn gelangen. © yocamon/ thinkstock
Tiefgehende Wirkung: Metallpartikel aus Feinstaub können bis ins menschliche Gehirn vordringen und sich dort anreichern. Eine Studie zeigt, dass bereits im Gehirn von jungen Menschen aus der Großstadt hohe Konzentrationen solcher Partikel vorhanden sind. Womöglich könnte dies die Häufung von kognitiven Problemen bei Kindern und Jugendlichen in besonders mit Feinstaub belasteten Gebieten erklären.

scinexx

Feinstaub ist gesundheitsschädlich – daran besteht kaum Zweifel mehr. Die schwebenden Nanopartikel aus Verkehrsabgasen, Schiffsabgasen oder anderen Verbrennungsprozessen schädigen nicht nur die Lunge und fördern Lungenkrebs. Sie können auch Infektionen begünstigen, die Wirkung von Antibiotika hemmen und womöglich sogar Frühgeburten fördern.

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