Türkei Regierung streicht Evolutionsunterricht

Angeblich zu kontrovers und zu kompliziert: Das türkische Bildungsministerium will offenbar die Evolutionslehre aus dem Stundenplan der Schüler streichen.

SpON

Evolution soll an türkischen Schulen künftig nicht mehr unterrichtet werden, wie ein hochrangiger Vertreter des Bildungsministeriums mitteilte. Der Beamte Alpaslan Durmus sagte, Evolution sei umstritten, kontrovers und zu kompliziert. „Wir glauben, dass dieses Unterrichtsfach das Verständnis der Schüler übersteigt“, so Durmus in einem Video, das auf der Homepage des Bildungsministeriums veröffentlicht wurde.

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Risiken und Nebenwirkungen erweiterter DNA-Analysen

Bild: heise.de/tp
In Freiburg wurde über Gefahren und Chancen einer Technik debattiert, nach der schnell im Rahmen spektakulärer Kriminalfälle gerufen wird

Von Ralf Streck | TELEPOLIS

Die Morde an der Freiburger Studentin Maria L. im vergangenen Oktober und der Joggerin Carolin G. im vergangenen November im nahen Endingen haben die Gemüter nicht nur in Südwestdeutschland erregt. Seither tobt eine Debatte über erweiterte DNA-Analysen. Die hat über Bundesratsinitiativen aus Baden-Württemberg und Bayern längst den Weg nach Berlin gefunden. Auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) lässt nun einen Entwurf erarbeiten. Die Chancen der neuen Technologien werden aber meist völlig überschätzt und die Risiken unterschätzt, wenn sie in der erregt geführten Debatte überhaupt wahrgenommen werden. Auf einem Symposium wurde das Thema ausführlich kürzlich in Freiburg debattiert. Die Justizminister von Bund und Ländern werden auf ihrer Konferenz am Mittwoch und Donnerstag beraten.

Natur- und Sozialwissenschaftler, Kriminalisten, Juristen, Datenschützer und Anthropologen kamen kürzlich in Freiburg zusammen, um eine „Qualitätsoffensive“ zu starten. Denn tatsächlich ist die Debatte oft von unrealistischen Vorstellungen geprägt, die von der US-Serie CSI geprägt zu sein scheinen. Gerne wird so getan, als habe man damit ein objektives Allheilmittel zur Verbrechensaufklärung zur Hand. „Die Möglichkeiten werden deutlich überschätzt, die Risiken dagegen massiv unterbewertet“, erklärt deshalb auch Prof. Dr. Anna Lipphardt, die am Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie forscht, gegenüber Telepolis.

Mit ihrer Schwester Prof. Dr. Veronika Lipphardt gehört sie zu den Initiatorinnen des Symposiums. Beide gehören einer multidisziplinären Wissenschaftlergruppe Freiburg, Berlin, Basel und Newcastle an, die sich gegen eine vorschnelle, nicht regulierte Einführung erweiterter DNA-Analysen in der Forensik wendet, aber sich nicht grundsätzlich dagegen stellt. Aber zu viele wissenschaftliche, rechtliche und ethische Fragen seien offen, für die es eine breit aufgestellte Expertise von Wissenschaftlern und Praktikern brauche. Wünschenswert wäre beispielsweise „ein Konzept für eine wissenschafts- und praxisübergreifende Initiative“ um zunächst „Regulierungs- und Qualitätsstandards für den möglichen Einsatz“ zu formulieren, erklären die Forscherinnen gegenüber Telepolis.

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Warum Schimpansen an der Grenze patrouillieren

Symbolbild: Ein Schimpanse. – (c) AFP (GUILLAUME SOUVANT)
Sie sind soziale Primaten wie wir – aber worauf baut ihre Moral? Und kennen sie Mitgefühl?

Die Presse.com

Wie hilfsbereit sind unsere nächsten Verwandten im Tierreich? Und wenn sie einander helfen, tun sie’s aus Mitgefühl oder aus Berechnung? Das ist schon bei Menschen nicht leicht zu entscheiden, im Fall der Schimpansen sind die Wissenschaftler uneins. Vor allem Forscher um Michael Tomasello – bekannt für Arbeiten über Spiegelneuronen – neigen dazu, den Schimpansen die Empathie abzusprechen: 2016 erklärten sie in Nature Communications (20. 12.), dass die Affen ihresgleichen weder helfen noch schaden wollen, das sei ihnen schlicht egal.

Aber offenbar merken sie sich, wenn ihnen ein Artgenosse geholfen hat – und belohnen die Hilfe später. Das zeigten die Forscher um Tomasello, indem sie die Schimpansen vor die Wahl stellten, sich selbst und einen Kollegen oder nur sich selbst mit Nahrung zu versorgen. Sie entschieden sich für die altruistische Variante, auch wenn sie ihnen einen Nachteil brachte, wenn dieser Kollege ihnen davor geholfen hatte.

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Wir sind einzigartiger als wir glauben

Bild: 4ever.eu
Einflussreiche Unterschiede: Dass sich das Erbgut von Mensch zu Mensch unterscheidet, ist nichts Neues. Eine Studie zeigt nun jedoch: Der Einfluss dieser genetischen Variationen scheint weitaus stärker zu sein als bisher angenommen. Denn durch sie unterscheiden sich die Proteine zweier Menschen im Mittel um 20.000 Bausteine – und diese Varianten beeinflussen die Funktion dieser Eiweiße erheblich, wie die Simulationen der Forscher offenbaren.

scinexx

Unsere genetische Betriebsanleitung umfasst drei Milliarden Buchstaben und würde ausgedruckt einige Bücher füllen. Dennoch passt sie bequem in die kleinste Einheit unseres Organismus: in unsere Zellen. Dort dient die DNA als Bauplan, nach dem Aminosäuren zu Proteinen zusammengesetzt werden – biologische Moleküle, die im menschlichen Körper für Stoffwechsel, Wachstum und Regeneration sorgen. Ohne sie würde keine einzige unserer Zellen funktionieren.

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Gentherapie: „Das Menschsein wird sich verändern“

foto: raj k. raj/ getty images Siddhartha Mukherjee ist ein amerikanischer Arzt mit indischen Wurzeln. Er ist Forscher am Columbia University Center. Für sein Buch „Der König aller Krankheiten“ wurde er mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Mukherjee lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in New York.

Die Möglichkeit, das menschliche Genom manipulieren zu können, ist ein Wendepunkt, warnt der Arzt, Genforscher und Bestsellerautor Siddhartha Mukherjee

derStandard.at

STANDARD: Sie sind Onkologe. Warum haben Sie dieses für Laien verständliche und spannende Buch über Gene geschrieben?

Mukherjee: Wir leben in aufregenden Zeiten. Seit vielen Jahren arbeiten Wissenschafter daran, das Genom nicht nur lesen, sondern es auch interpretieren zu können. Wir sind aber an einem Punkt, an dem wir mit von uns entwickelten Technologien in den Bauplan des menschlichen Lebens eingreifen können. Das ist ein Wendepunkt. Es wird das gesamte Menschsein verändern.

STANDARD: Inwiefern?

Mukherjee: Es ist wie eine Maschine, die plötzlich selbstständig zu denken beginnt und, möglicherweise ohne dass man eingreifen kann, ihr Programm verändert.

STANDARD: Das klingt beängstigend.

Mukherjee: Es ist, als ob man die Evolution an den Hörnern packt und versucht, eine Bestie zu reiten. Wir wissen nicht, was passieren wird. Es gibt eine Unzahl ungeklärter Fragen, die das Leben jedes Einzelnen beeinflussen könnten. Was ist machbar, was ethisch vertretbar? Wer soll Grenzen setzen? Solche Entscheidungen sollten nicht von ein paar Eingeweihten getroffen werden. Jeder sollte mitreden können. Deshalb habe ich dieses Buch geschrieben.

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Erste Tiere entstanden früher als gedacht

Wann entstanden die ersten Vorläufer heutiger Tiergruppen? © cienpies/ thinkstock
Überraschend alte Wurzeln: Die Vorfahren aller großen Tierstämme könnten schon vor mehr als 700 Millionen Jahren entstanden sein. Dies legt eine Rekonstruktion mithilfe der „genetischen Uhr“ nahe. Sollte sich dies bestätigen, dann hätten die Urahnen der heutigen Tiergruppen sogar die Ära des „Schneeball Erde“ überlebt – eine extreme Vereisung des Planeten. Der Genstammbaum spricht zudem dafür, dass die Tiergruppen sich extrem schnell voneinander abspalteten, wie die Forscher im Fachmagazin „Scientific Reports“ berichten.

scinexx

Wann entstanden die ersten mehrzelligen Lebewesen auf der Erde – und damit die Vorfahren aller heutigen Tiere und Pflanzen? Diese Frage ist bisher hoch umstritten, auch weil fossile Belege Mangelware sind. Zahlreiche Funde belegen allerdings, dass schon zu Beginn des Kambriums vor etwa 540 Millionen Jahren die Vorfahren fast aller heutigen Tierstämme existierten – von Krebsen über Spinnentiere bis hin zu den Urahnen der Deuterostomen. Auch wesentliche Körpermerkmale wie das Gehirn, die Muskeln oder das Herz waren schon vorhanden.

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Homo sapiens ist viel älter als gedacht

Karge Karsthöhle: Die Grabungsstätte Djebel Irhoud hat zahlreiche menschlicher Fossilien hervorgebracht. (Foto: Shannon McPherron, MPI EVA Leipzig)
  • Leipziger Wissenschaftler haben ermittelt, dass der moderne moderne Mensch Homo sapiens bereits vor rund 300 000 Jahren in Nordafrika lebte.
  • Die Paläoanthropologen haben Knochen, Zähne und Werkzeuge aus Feuerstein nahe der marrokanischen Stadt Marrakesch untersucht. Dabei nutzten sie eine neue Datierungsmethode.
  • Der Fundort gilt als ungewöhnlich, da der Ursprung des modernen Menschen eher im südlichen Afrika vermutet wird.

Von Kathrin Zinkant | Süddeutsche.de

Die aufregendsten Orte der Menschheitsgeschichte wirken nicht immer spektakulär. Steine, Staub, ein paar halbvertrocknete Grasbüschel – die Wüste zwischen Marrakesch und der marokkanischen Küste ist ein unwirtlicher Ort, heiß, trocken und leer. Kaum vorstellbar, dass dies einst eine Geburtstätte der erfolgreichsten Spezies auf dem Planeten Erde gewesen sein soll. Und doch: Wie zwei Forscherteams um Jean-Jaques Hublin vom Leipziger Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie im Wissenschaftsjournal Nature berichten, haben rund 100 Kilometer von der marokkanischen Wüstenstadt entfernt die bislang ältesten bekannten Vertreter des modernen Menschen, des Homo sapiens gelebt. Beweisstücke sind neue Funde aus der Höhlenformation Djebel Irhoud. Die Fossilien an sich sind dabei nicht die Sensation, man hatte in derselben Höhle schon in den 1960er Jahren beachtliche Funde gemacht. Die Überraschung ist vielmehr das neu bestimmte Alter der ausgegrabenen Knochen und Zähne: Sie sind mehr als 100 000 Jahre älter als alle bislang entdeckten Relikte des Homo sapiens.

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We Are Programmed to Die Early, and That’s a Good Thing

Image: JuliusKielaitis/Shutterstock
Complex systems theorists have created a model that overturns longstanding assumptions about the relationship between death and natural selection.

By Daniel Oberhaus | MOTHERBOARD

Since the late 19th century, evolutionary biologists have assumed that natural selection favors individuals with long lifespans. It makes some intuitive sense: the longer you live, the more time you have to get busy making babies, maximizing your reproductive potential.

As for what determines an individual organism’s lifespan in the first place, scientists have largely concluded that this is a result of a mix of extrinsic factors (such as predation, disease, or accidents) and intrinsic factors (the biological decay that eventually results in death).

„Lifespans are selected for and genetically programmed.“

But according to new research published earlier this year in PLOS One, these theories are wrong: it turns out it’s natural selection may have pushed organisms to have an internal time for how long they’re supposed to life. We are, in essence, genetically programmed to self-destruct.

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Katholischer Lückenbüßer-Gott und Bildung

St. Galler Kantonsräte verschiedener Parteien fordern in einer Motion strengere Auflagen für Privatschulen. Sie wollen damit angeblich verhindern, dass Schüler an konfessionellen Schulen „gezielt indoktriniert“ werden.

Von Dominik Lusser | kath.net

Im Kanton St. Gallen gibt es derzeit 29 Privatschulen mit einer offiziellen Bewilligung. Das Volksschulgesetz macht die Erteilung einer Bewilligung von zwei Bedingungen abhängig: Erstens müssen die Privatschulen einen der öffentlichen Schule gleichwertigen, auf Dauer angelegten Unterricht gewährleisten. Zweitens müssen die obligatorischen Unterrichtsbereiche der öffentlichen Schule unterrichtet werden. Das Amt für Volksschule überprüft die Privatschulen regelmässig.

Manchen St. Galler Kantonsräten genügen diese Bestimmungen nicht. Im Kanton St. Gallen gäbe es Privatschulen, die zum Teil „religiös-fundamentalistischen Kreisen“ nahestünden, heisst es in einer Motion vom 25. April 2017. Zudem fehlten im Volksschulgesetz klare inhaltliche Vorgaben für den Unterricht an Privatschulen. Diese Lücke gelte es mit Blick auf einen weltanschaulich neutralen Unterricht zu schliessen. Bewilligungen für Privatschulen sollen demnach künftig nur noch erteilt werden, „wenn an der Privatschule keine religiöse bzw. weltanschauliche Beeinflussung stattfindet.“

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On the way home – Diskussion mit Dawkins

Foto: Brian Engler/RDF
Auf seiner US-Tour traf Richard Dawkins am 24. Mai 2017 in Washington den Biologen Jerry Coyne zu einer Diskussion.

Von Jerry Coyne | Richard-Dawkins-Foundation

Ich hänge am R*agan Airport in DC fest, den ich lieber bei seinem alten Namen „National Airport“ nenne. Nach Chicago-Zeit um Mittag herum werde ich zu Hause sein.

Vielleicht erinnert Sie die erste Hälfte dieses Posts an einen Beatles-Song; wenn Sie sagen können, auf welchem Album er war, gibt’s Extrapunkte.

Die Veranstaltung mit Richard Dawkins gestern Abend im Lisner-Auditorium (George Washington University, 24. Mai 2017) lief gut, jedenfalls erschien es mir so. 900 Besucher, der VIP-Bereich schon vorher ausverkauft, und ich glaube, unser Gespräch war recht lehrreich, auch wenn das immer schwer zu sagen ist, wenn man von der Bühne aus das Publikum nicht sehen kann (das Scheinwerferlicht war heftig). Ich versuchte, mich auf Evolution zu konzentrieren, wenngleich ich Richard dazu bekam, etwas über den freien Willen (im dualistischen Sinne) zu sagen, nachdem er in seinem demnächst erscheinenden (und empfohlenen) Essay-Band „Science in the Soul“ folgendes schrieb:

„Nach meinen öffentlichen Reden graust es mir vor der unvermeidlichen Frage ‚glauben Sie an den freien Willen‘ und ich nehme manchmal Zuflucht zu Christopher Hitchens typisch geistreicher Antwort, ‚Ich habe keine andere Wahl‘.“

Naja, schlagfertig ist das, aber nicht wirklich eine Antwort, also fragte ich ihn, ob er zustimmt, dass all unsere Handlungen vorherbestimmt sind, mit Ausnahme eventueller Quantenereignisse im Gehirn. Das räumte er ein und fügte hinzu, den Kompatibilismus und andere Versuche, den freien Willen zu „retten“, nicht recht zu verstehen. Diese Aspekte vertiefte ich nicht, und so diskutierten wir kurz die Implikationen eines reinen Determinismus für Gesellschaft und Rechtssystem.

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Kreationismus, Rechtspopulismus und die „Extended Evolutionary Synthesis“

HP, screenshot:bb
Zum Repertoire kreationistischer Argumente gehört die Behauptung, die Evolutionstheorie werde von wissenschaftlichen Experten selbst bezweifelt. Man gebe sich aus ideologischen Gründen nach außen hin jedoch sicherer, als es die „scientific community“ sei.

Von Hansjörg Hemminger | AG Evolutionsbiologie

Bereits Ende 2014 publizierte WORT & WISSEN eine Meldung mit der rhetorischen Frage „Brauchen wir eine neue Evolutionstheorie?“[1] unter Berufung auf einen weithin beachteten Artikel in der Fachzeitschrift „Nature“: „Does evolutionary theory need a rethink?“[2] Der Autor Reinhard JUNKER behauptet:

„Die Auseinandersetzung zeigt, dass es nicht die eine, alles erklärende Evolutionstheorie gibt, sondern eine Vielzahl von theoretischen Ansätzen, die zum Teil miteinander konkurrieren oder gar einander ausschließen.“

WORT & WISSEN versucht damit den Eindruck zu erwecken, die Evolutionstheoretiker würden ihren Erklärungsanspruch selbst einschränken. Deshalb könne man annehmen, ohne in Widerspruch zur Wissenschaft zu geraten, dass es keine Evolution gegeben habe, oder dass zumindest ein „intelligenter Designer“ dafür nötig gewesen sei. In einer Meldung vom 23.12.16 „Entstehung evolutionärer Neuheiten – ungelöst!“[3] heißt es:

„In populären Darstellungen über Evolution, in Schul- und Lehrbüchern oder auch in interdisziplinär-theologischen Abhandlungen wird schon seit Jahrzehnten behauptet, dass ein evolutionärer Ursprung der Lebewesen eine Tatsache sei. Darüber hinaus könne auch als geklärt gelten, dass und wie Evolution nach rein natürlichen Mechanismen – d. h. ohne zielgerichteten, schöpferischen Input – abgelaufen sei.“

Die „scientific community“, so behauptet WORT & WISSEN, stünde nicht hinter diesen Positionen. Nicht einmal die Studiengemeinschaft kann allerdings vorgeben, dass es in der wissenschaftlichen Literatur Zweifel am „evolutionären Ursprung der Lebewesen“ gibt. Deshalb stützt sich ihre Behauptung auf eine angebliche Krise der kausalen Theorie, u.a. auf die Unerklärtheit von evolutionären Innovationen und Makro-Ereignissen. Damit wäre „Intelligent Design“ (ID) in der Biologie wieder als vermeintlich alternative Erklärung für die Entwicklung des Lebens nötig oder möglich.

Bemängeln als Strategie

Eine solche Strategie des Bemängelns verfolgt WORT & WISSEN seit Jahrzehnten unabhängig vom Stand der naturwissenschaftlichen Diskussion. Was immer an Fortschritten erzielt wurde und wird, sei es in der Genomik, sei es in der Evolutionären Entwicklungsbiologie, sei es in der Ökologie: Immer behauptete WORT & WISSEN angebliche Defizite, die es weiterhin erlaubten, die Evolutionstheorie zu bezweifeln. Gelegentlich wird sogar behauptet, der Wissensfortschritt sei der „Freund“ des Intelligent-Design-Ansatzes, weil er Design plausibler werden lasse. Dabei wird ignoriert, dass die Studiengemeinschaft durch den Wissensfortschritt ständig zu Zugeständnissen gezwungen wurde. (Beispiele sind die Übergangsform Tiktaalik zwischen Fischen und Amphibien, die Endosymbiontentheorie, die widerlegten Wahrscheinlichkeitsberechnungen zur Entstehung der Bakterienflagelle usw.).

Dabei wird erst gar nicht versucht, eigene, alternative Theorien vorzulegen. Geschieht dies ausnahmsweise doch einmal, scheitert der Versuch, wie im Fall der Stammesgeschichte des Menschen.[4] Ihr Hauptprodukt, das „Kritische Lehrbuch“, verfolgt diese Strategie ebenfalls, wenn auch zumindest in der letzten Auflage vorsichtiger als JUNKER in den zitierten Meldungen. Allerdings zeigen diese eine interessante Entwicklung: Die Studiengemeinschaft scheint den Kontakt zum theoretischen Fortschritt zu verlieren. Während man früher von einer interessengeleiteten Verzerrung sprechen konnte, findet man den Stand der Forschung in diesen Texten nicht mehr wieder, auch nicht in kreationistischer Interpretation. Das wird im Folgenden zu begründen sein. Bisher hatte WORT & WISSEN innerhalb der evangelikalen Bewegung mit ihrer Strategie des Bemängelns Erfolg. Im Verbund mit rechtskatholischen Evolutionsgegnern, seit kurzem auch mit muslimischer Evolutionskritik, hat sich dort die Überzeugung etabliert, dass man den US-Kurzzeit-Kreationismus zwar nicht pauschal übernehmen könne, dass die Evolutionstheorie aber – je nach Ausprägung der Zweifel – „nur eine Theorie“ sei, oder „nur eine Weltanschauung“ oder „selbst ein Glaube“, jedenfalls keine solide Naturwissenschaft. Man hofft dabei auf einen Gottesbeweis aus der Natur, oder zumindest auf den Schatten eines Beweises in Form wissenschaftlicher Plausibilität für „Intelligent Design“.

Ob ein solcher handfester oder schattenhafter Gottesbeweis überhaupt wünschenswert ist, muss allerdings innerhalb jeder Glaubensgemeinschaft selbst diskutiert werden; dafür ist hier nicht der Ort. Die geistigen und gesellschaftlichen Kosten dieses Kreationismus sollten jedoch bedacht werden. In den USA ist er (ob „light“ oder radikal) ein Ausdruck der gesellschaftlichen Spaltung zwischen „Liberals“ und „Conservatives“, die unter anderem dazu führte, dass mit dem Präsidenten Donald Trump eine rechtspopulistische Regierung an die Macht kam. Die Behauptung, dass die Evolution (wie auch der anthropogene Klimawandel und andere unliebsame Realitäten) nicht wissenschaftlich begründet sei, sondern dem Kampf gegen die Religion oder wahlweise gegen konservative Werte diene, gehört zu den „alternativen Fakten“ ihres ideologischen Lagers. Tom KADEN hat dazu eine Untersuchung vorgelegt, die das vergiftete ideologische Klima in den USA eindrücklich beschreibt.[5]

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Löwen droht ähnliches Schicksal wie den Säbelzahnkatzen

Foto: apa/dpa/patrick pleul Keine Großkatze, aber Größeres hat Europa heute nicht mehr zu bieten: der Luchs.
Forscher errechneten, warum die eiszeitlichen Großkatzen ausstarben, und zogen Parallelen zu den heute noch lebenden Arten

derStandard.at

Mit 120 Zentimeter Körperlänge und gut 20 Kilogramm Gewicht ist der Luchs heute die größte wildlebende Katzenart Europas – ein müder Abklatsch dessen, was einmal war. Noch in der Antike lebten in Südosteuropa Löwen, gegen Ende der letzen Kaltzeit hatte es weitere Spezies gegeben.

Mindestens drei große Katzenarten sollte es auf unserem Kontinent natürlicherweise noch geben, wenn nur ausreichend Beutetiere vorhanden wären: Das sagt Dawn Burham von der Wildlife Conservation Research Unit der Universität Oxford nach Berechnungen der Großtier-Artenvielfalt auf allen Kontinenten, heute und in prähistorischer Zeit. Ohne die Aussterbewellen im Zeitalter des Menschen gäbe es heute in nahezu jeder Region der Welt bis zu fünf Katzenarten, ergänzt ihr Kollege David Macdonald.

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Evolutionstheorie: Urmenschen spalten Serbien

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Eine breite Initiative will den Ersatz von Darwins Lehre in Schulbüchern durch die biblische Schöpfungsgeschichte. Aufgeklärte Kritiker werden behördlich bedrängt.

Von Thomas Roser | Die Presse.com

Ausgerechnet eine oftmals als rückständig belächelte Weltregion kam dieser Tage überraschend in den Verdacht, sie, und nicht wie bisher angenommen Ostafrika, könnte die Wiege der Menschheit gewesen sein: Laut Wissenschaftlern der Universität Tübingen (Deutschland) deuteten Knochen- und Zahnfunde in Bulgarien und Nordgriechenland darauf hin, dass sich die Entwicklungslinien von Affe und Mensch auf dem Balkan getrennt hätten („Die Presse“ berichtete am 23. Mai). Man will durch die Funde eine neue Hominidenart, Graecopithecus freybergi, identifiziert haben, die vor 7,2 Millionen Jahre existiert haben soll. Das wäre sogar noch ein wenig früher, als es die herrschende Lehre für den Schauplatz Ostafrika (speziell Tansania, Äthiopien, Kenia) annimmt.

Die Forscher erwarten nach eigenen Angaben „heftige Reaktionen“, „viel Widerspruch“ und geben zu, dass die Indizienlage noch dünn sei. Und tatsächlich kommt Stolz über die neuen „Affenmenschen vom Balkan“ in der streitbaren Vielvölkerregion keineswegs bei allen Heutigen auf: Engagiert streitet nämlich in Serbien eine Initiative rechtsklerikaler Intellektueller gegen die Lehre der Evolutionstheorie in Schulbüchern.

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Die Affenmenschen vom Balkan – Evolutionstheorie raus aus den Schulbüchern

Jüngste Funde in Griechenland lassen vermuten, dass sich die Abstammungslinien von Schimpansen und Menschen möglicherweise in Südosteuropa und nicht in Afrika trennten. ©dpa
Eine serbische Initiative streitet für die Entfernung der Evolutionstheorie aus den Schulbüchern des Landes.

Von Thomas Roser | Sächsische Zeitung

Ausgerechnet einer oft als rückständig belächelten Region winkt die Aufwertung zur Wiege der Menschheit: Laut den jüngsten Erkenntnissen Tübinger Wissenschaftler könnten die ersten Vormenschen nicht wie bisher angenommen aus Ostafrika, sondern vom Balkan stammen.

Doch Freude und Stolz über die spät entdeckten Affenmenschen vom Balkan kommt in der streitbaren Vielvölkerregion keineswegs bei allen von deren Nachkommen auf. Engagiert streitet in Serbien eine Initiative rechtsklerikaler Intellektueller gegen die weitere Verbreitung der Evolutionstheorie in den heimischen Schulbüchern.

„Globalisten und Atheisten, die heute in der Welt die einflussreichsten Positionen einnehmen, finanzieren die Verbreitung der Evolutionstheorie, klagt eine zu Monatsbeginn veröffentlichte und von 166 Professoren, Wissenschaftlern, Ärzten und Geistliche unterzeichnete Petition, die die Einführung der biblischen Schöpfungsgeschichte im Biologie-Unterricht fordert.

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Intelligenzgene identifiziert

Unsere Intelligenz beruht zwar zu fast 80 Prozent auf genetischer Veranlagung. Bisher sind jedoch nur einige der Genfaktoren dafür bekannt. © Phonlamai/ thinkstoc
52 Gene – mindestens: Unsere Intelligenz beruht auf unzähligen Genfaktoren, statt auf nur einem oder einigen wenigen Genen. Das bestätigt die bisher umfassendste Großfahndung nach Intelligenzgenen im menschlichen Erbgut. Sie identifizierte 52 Gene mit Einfluss auf unsere geistigen Leistungen. Doch selbst diese Gene bestimmen nur knapp fünf Prozent unserer Intelligenz, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature Neuroscience“ berichten. Ein genetischer IQ-Test droht daher wohl auch in Zukunft nicht.

scinexx

Was bestimmt, wie intelligent ein Mensch wird? Sind es die Gene, die Umwelt oder doch beides? Nachdem jahrzehntelang darüber gestritten wurde, welche Faktoren den größeren Anteil an unserer Intelligenz haben, scheint sich nun die Vererbung als wichtigster Einflussfaktor durchzusetzen. Nach neueren Schätzungen könnten bei Erwachsenen sogar rund 80 Prozent der geistigen Leistungsfähigkeit auf die Gene zurückgehen.

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Kreationist verklagt Grand Canyon

Der Grand-Canyon-Nationalpark Weil ein Geologe keine Gesteinsproben entnehmen durfte, verklagt er nun den ganzen Park. © via pixabay / CC0 Public Domain
Ein Geologe wollte im Grand Canyon Gesteinsproben sammeln. Die sollten beweisen, dass die Felsschluchten durch die Sintflut Gottes entstanden. Doch die Verantwortlichen erlaubten ihm nicht, die Proben zu entnehmen. Deshalb verklagt er jetzt den ganzen Park.

Von Franziska Ottillinger |Galileo TV

Andrew Snelling ist ein Wissenschaftler mit dem Doktortitel in Geologie. Anders als seine akademischen Kollegen stellt er aber so ziemlich alles infrage, was die Wissenschaft in den letzten Jahrhunderten über die Entstehung der Welt herausfand.

Trotz seiner universitären Karriere ist er nämlich ein Anhänger des Kreationismus. Das ist so ziemlich das Gegenteil der Evolutionstheorie von Charles Darwin. Snelling und andere Kreationisten sind davon überzeugt, dass Gott die Welt vor wenigen tausend Jahren schuf und alles in der Bibel wahr ist. Adam, Eva, Noah, die Sintflut – laut dem Geologen sind das historische Fakten.

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Tyrannosaurus knackte selbst dicke Knochen

Mächtige Kiefer, scharfe Zähne: Der Schädel eines Tyrannosaurus ist gewaltig. © David Monniaux / CC-by-sa 3.0
Enorme Bisskraft: Der Tyrannosaurus rex konnte die dicken Knochen selbst großer Beutetiere problemlos knacken – seine Bisskraft reichte dafür locker aus. Denn der Raub-Dinosaurier übte mit jeder seiner Zahnspitzen eine Kraft aus, die dem Gewicht von rund 30.000 Kilogramm pro Quadratzentimeter entspricht, wie ein biomechanisches Modell nahelegt. Der T. rex konnte damit selbst die dicken Knochen eines Triceratops aufbrechen, so die Forscher im Fachmagazin „Scientific Reports“.

scinexx

Der Tyrannosaurus rex war einer der größten Fleischfresser der Kreidezeit. Der bis zu sieben Tonnen schwere Raubdinosaurier konnte zudem ziemlich schnell rennen und besaß Zähne so scharf wie Steakmesser. Doch ob seine Bisskraft ausreichte, um beispielsweise die Knochen großer Pflanzenfresser zu knacken oder ob er eher Jungtiere fraß, blieb bisher strittig.

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Watch War-Painted Female Fruit Flies Fight After Sex

Caught in the act. Image: Amy Hong
The lady insects have some sick fighting moves, including leg-fencing and headbutts.

By Becky Ferreira | MOTHERBOARD

The French coined the term „la petite mort,“ meaning the little death, to describe the mellow, bittersweet buzz that many people report experiencing after sex. But female fruit flies, in contrast, feel no such post-coital chill, opting for more of a „fight to the death“ vibe.

According to new research published on Monday in Nature Ecology & Evolution, there is a consistent uptick in aggressive bullying behavior between female Drosophila melanogaster fruit flies after they have mated with males, a shift that may be triggered by sex peptides in fruit fly semen. This conclusion was reached after several observations of recently bedded females duking it out with slap-fights, shoves, and even the dreaded fruit fly headbutt.

Yes, there’s video evidence, and yes, it’s adorable. Behold, a sperm-fueled gladiatorial showdown in a tiny „contest arena.“

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Urzeitwal füllt evolutionäre Lücke

Illustration von Mystacodon selenensis. Der Vorfahre heutiger Bartenwale hat vermutlich bodennah nach Beute gejagt. © Alberto Gennari
Als Bartenwale die Zähne verloren: Fossilienfunde werfen ein neues Licht auf die Evolutionsgeschichte von Bartenwalen. Die versteinerten Skelette eines Urzeit-Wals weisen Zähne und rudimentäre Hinterbeine auf. Damit stellt der Fund ein lange gesuchtes Bindeglied zwischen aktiv jagenden Basilosauriern und den heutigen zahnlosen Bartenwalen wie Blauwal und Co dar.

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Wenn Paläontologen die Evolution verschiedener Tierarten zurückverfolgen, stehen sie oft vor einem Problem: Es fehlen die entscheidenden Fossilien eines „Missing Links“, eines Bindeglieds zwischen zwei bekannten Arten. Wenn solche seltenen Funde gemacht werden, sorgt dies entsprechend für besonderes Aufsehen, wie zuletzt bei der Entdeckung von Teleocrater rhadinus, einem Verwandten von Krokodilen und Dinosauriern.

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Klimawandel: Die Verlierer-Pflanzen

Der Klimawandel könnte die Pflanzenwelt auf der Erde drastisch verändern. © Romolo Tavani/ thinkstock
Stark spezialisiert und genetisch nicht sehr flexibel: Es sind Pflanzenarten wie diese, die der Klimawandel mit seiner aktuellen Geschwindigkeit wohl vor unüberwindbare Herausforderungen stellt. Das haben Forscher nun exemplarisch an zwei Schaumkresse-Arten gezeigt. Die beiden Spezies haben im Laufe ihrer Entwicklung an genetischer Vielfalt verloren und sind außerdem nur in einem begrenzten Lebensraum verbreitet – das könnte ihnen in Zukunft zum Verhängnis werden.

scinexx

Durch den Klimawandel verändern sich die Lebensräume auf unserem Planeten in Zukunft drastisch. Das gilt auch für die Pflanzenwelt. Forscher gehen davon aus, dass sich die zunehmende Erwärmung in vielen Regionen negativ auf die dortige Artenvielfalt auswirkt. Denn wer es nicht schafft, sich an die neuen Bedingungen anzupassen, muss zwangsläufig weichen.

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