Arizona Asked a Young Earth Creationist to Review Evolution Teaching Standards

Image: NASA
A Young Earth Creationist who says he was called by God to “teach from the Biblical creation perspective” is part of a team in charge of reviewing Arizona’s science standards for teaching evolution. To the surprise of absolutely no one, it’s not going well.

By David G. McAfee | Friendly Atheist

Joseph Kezele, the president of the Arizona Origin Science Association, was appointed by State Superintendent Diane Douglass to serve on the committee last month. They are working to revise curriculum for science — and things were already dire when we first reported on the science standards back in May.

Now it has been confirmed by the Phoenix New Times that Kezele, who makes Creationist videos and teaches biology at a Christian school in Phoenix, is part of a small group who review and amends the new standards.

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Gene „aus dem Nichts“

Wie entstehen neue Gene? © Ktsimage/ thinkstock
Plötzlich da: In unserem Erbgut entstehen ständig neue Gene spontan und quasi aus dem Nichts. Wie Forscher jetzt herausgefunden haben, bilden sich die Kandidaten für solche proteinkodierenden DNA-Abschnitte permanent aus der sogenannten Juni-Dna. Ein Großteil dieser Genvorläufer verschwindet allerdings schnell wieder. Nur aus einigen wenigen gehen wirklich funktionstüchtige Gene hervor – Code-Abschnitte, die einem Organismus grundlegend neue Eigenschaften bescheren können.

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Kopieren und schrittweise verändern ist einfacher, als etwas völlig Neues zu entwickeln: Lange Zeit dachten Forscher, dieses Prinzip gelte auch für die Evolution von Genen. Demnach entstehen neue proteinkodierende Abschnitte der DNA durch die Vervielfältigung und punktuelle Veränderung bereits bestehender Gene. Dass vollständig neue Gene und damit neue Eigenschaften quasi aus dem Nichts auftauchen, galt dagegen jahrzehntelang als undenkbar.

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In Turkey, Darwin is being removed from textbooks

A copy of Darwin’s „Origin of Species“ in front of a stone bust of Charles Darwin at London’s Natural History Museum. Soon, references to the pioneering biologist and his theory of evolution will be removed from Turkish textbooks (SHAUN CURRY/AFP/Getty Image
Science education is being attacked in several countries at the same time, including right here in the good ol‘ U. S. of A.

By Brandon A. Weber | big think

The latest? The country of Turkey has banned the teaching of evolution and even the mention of natural selection and Charles Darwin from the biology textbooks of secondary school children. The law was passed to make such changes soon after an attempted political coup in 2016. Since that move, the country’s government has moved toward a much more authoritarian model—one that regards religious fundamentalism above science and schools. Erdogan’s government is also creating a massive refugee crisis as those who do not wish to live under sharia law escape the country, mainly to Greece.

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„Duft der Frauen“ enträtselt

Unabängig von individuellen Vorlieben wirkt der Körpergeruch einiger Frauen auf Männer attraktiver. Warum, haben Forscher nun herausgefunden. © puhha/ iStock
Verführerischer Duft: Dass der individuelle Körpergeruch auch bei der Partnerwahl eine Rolle spielt, ist nicht neu. Jetzt aber enthüllt ein Experiment, dass einige Frauen für Männer grundsätzlich anziehender duften als andere – unabhängig von den persönlichen Präferenzen oder Merkmalen der Schnuppernden. Der Grund sind die Geschlechtshormone: Frauen mit hohem Östrogenspiegel und wenig Progesteron sind besonders fruchtbar – und das verrät ihr Körpergeruch.

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Sowohl im Tierreich als auch beim Menschen spielt der Geruch für Partnerwahl und Sozialverhalten eine wichtige Rolle. Die individuelle Duftnote verrät unter anderem unser Alter, unseren Gemütszustand und die Konfiguration unseres Immunsystems. Bei Frauen sorgen die im Verlauf ihres Zyklus schwankenden Hormone dafür, dass sie für Männer während ihrer fruchtbaren Tage am anziehendsten duftet.

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Zufall oder Zwang: Der Streit um das Wesen der Evolution

Dem Einschlag eines Asteroiden wird nicht nur die Verantwortung für das Ende der Dinosaurier zugeschrieben, er formte auch den 180 Kilometer weiten Chicxulub-Krater (imago / Leemage)
Es ist eine der größten Fragen der Biologie: Ist das Auftreten des Menschen ein unwahrscheinlicher Zufall in der Evolution? Oder musste es auf die eine oder andere Weise zwangsläufig auf die Entwicklung der menschlichen Spezies hinauslaufen?

Von Dagmar Röhrlich | Deutschlandfunk

Harry Whittington war fassungslos. Der Cambridge-Forscher hatte 1972 in einem Vortrag ein Fossil aus einer berühmten Fundstätte in den kanadischen Rocky Mountains vorgestellt, den Burgess-Shales. Die Schiefer sind mehr als 500 Millionen Jahre alt und stammen aus der Zeit der Kambrischen Explosion. Damals tauchten große Tiere scheinbar aus dem Nichts auf. Und eines war Opabinia, dessen Rekonstruktion das Publikum gerade mit einem Lachkrampf bedacht hatte. Denn Opabinia hatte fünf Augen auf dem Kopf und einen Rüssel mit Greifzange an der Spitze.

„Als in den 70er- und 80er-Jahren die ersten Rekonstruktionen der Fossilien aus den Burgess-Shales vorgestellt wurden, schienen die Körperpläne der Tiere vollkommen anders zu sein als alles, was wir kennen.“

Die Tiere erschienen fremdartig, erinnert sich Simon Conway Morris von der University of Cambridge. Und auch er war der Überzeugung, dass es von ihnen keinerlei Nachfahren gebe. Und dieser Gedanke war der Grundstein für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung, die bis heute nachhallt:

„Stephen Jay Gould hat aus dieser Überzeugung dann die berühmte Frage entwickelt: Wenn wir zur Lebenswelt der Burgess Shales zurückkehrten und von da an das Band des Lebens neu abspielen könnten: Würde es sich zu den Formen entwickeln, die wir heute sehen? Würde es Menschen geben? Für ihn – und damals auch für mich – lautete die Antwort: Nein. Der Mensch wäre sozusagen ein Unfall in der Geschichte.“

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Biodiversität: Parallele Evolution bei Buntbarschen

Amphilophus citrinellus, eine der sieben untersuchten Buntbarsch-Arten (Bild: Claudius Kratochwil)
Allein in der Familie der Buntbarsche gibt es halb so viele Arten wie in der Klasse der Säugetiere insgesamt. Biologische Vielfalt ist im Tierreich sehr unterschiedlich verteilt. Aber warum? Dieser Frage geht der Evolutionsbiologe Axel Meyer mit seiner Arbeitsgruppe bei Buntbarschen in mehreren Kraterseen Nicaraguas nach.

Gespräch Lennart Pyritz | Deutschlandfunk Kultur

Lennart Pyritz: Nicht nur das Leben, auch die Forschung selbst hat sich seit den 1980er Jahren weiter entwickelt. Und damit auch die wissenschaftliche Diskussion, inwieweit die Evolution vorhersagbar ist. Inzwischen haben Studien im Freiland und im Labor neue Einblicke in die Fragen eröffnet, die Simon Conway Morris und Stephen Jay Gould einst aufgeworfen haben. Einer, der selbst in der freien Natur dazu forscht, ist der Biologe Axel Meyer von der Universität Konstanz. Ich habe ihn vor der Sendung gesprochen und zuerst gefragt, auf welcher Seite er steht: Simon Conway Morris und funktionale Zwänge, die die Evolution prägen, oder Stephen Jay Gould und der Zufall?

Axel Meyer: Das ist nicht ganz einfach. Ich glaube, dass unsere eigene Forschung eher auf der Seite von Simon Conway Morris ist, aber die bezieht sich auf kürzere evolutionäre Zeiträume von ein paar Millionen Jahren. Aber ich glaube, dass ich von meiner Einschätzung der Situation eher auf der Stephen-Jay-Gould-Seite bin, dass es also viele eingefrorene Zufälle gibt und dass Dinge mal im Kambrium eingefroren sind, und seitdem spielt die Evolution wie ein Bastler damit rum.

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Auch Belugas und Narwale haben Wechseljahre

Belugaweibchen mit ihren Jungen. Diese Walart gehört zu den wenigen Säugetierer, bei denen die Weibchen noch nach den Wechseljahren weiterleben. © Tony Fox/ CC-by-sa 3.0
Nützliche „Omas“: Auch Belugas und Nawal-Weibchen durchleben die Wechseljahre. Sie gehören damit neben dem Menschen und zwei weiteren Walarten zu den einzigen Säugetieren, von denen eine Menopause bekannt ist. Der Grund für das vorzeitige Ende der Fruchtbarkeit bei uns und diesen Walen könnte im „Oma-Effekt“ liegen: Ältere, nicht mehr fortpflanzungsfähige Weibchen haben mehr Zeit und Energie, um sich um den Nachwuchs ihrer engen Verwandten zu kümmern.

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Bei fast allen bekannten Tierarten pflanzen sich die Weibchen bis an ihr Lebensende fort – Wechseljahre gibt es bei ihnen nicht. Evolutionär gesehen hat dies auch seinen Sinn: Es geht darum, seine Gene weiterzugeben. Ist ein Tier nicht mehr fortpflanzungsfähig, hat es seine Aufgabe erfüllt und ist sozusagen überflüssig. Insofern sind menschliche Frauen echte Sonderlinge der Evolution. Denn sie gehören zu den wenigen Säugetieren, die noch Jahrzehnte nach der Menopause weiterleben.

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Auch Papageien denken ökonomisch

Kluge Vögel: Papageien, hier ein Blaukopfara, erkennen sehr genau, wann es sich lohnt zu warten. © DickDaniels (http://carolinabirds.org/)/ CC-by-sa 4.0
Wer wartet, profitiert: Dieses oft gültige ökonomische Prinzip begreifen auch Papageien, wie nun Experimente belegen. Wenn sie die Wahl zwischen einem schlechten Futterstück jetzt und einer Leckerei später haben, entscheiden sie sich für später. Diese Fähigkeit der Impulskontrolle und der vorausschauenden Entscheidung galt lange als rein menschliche Domäne, inzwischen aber haben Affen und mehrere Vogelarten dies als Irrtum entlarvt – darunter nun auch die Papageien.

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An dieser Hürde scheitern vierjährige Kinder regelmäßig: Wenn sie auf den sofortigen Genuss einer Leckerei verzichten sollen, um später die doppelte Portion zu bekommen, greifen die meisten Kleinkinder trotzdem zu. Sie verstehen noch nicht, dass es lohnender ist, zu warten. Denn dafür müssten sie sich in zukünftige Situationen versetzen und unmittelbare Bedürfnisse zugunsten des langfristigen Ziels zurückstellen – doch diese Fähigkeit entwickeln wir erst beim Heranwachsen.

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Teleologisches Denken: Die Gemeinsamkeit von Verschwörungstheoretikern und Kreationisten

Ob nun Gott als Baumeister, der die Schöpfung der Welt zu seinem Selbstzweck bewerkstelligt oder aber die Verschwörungstheorien. Alles habe einen Zweck und ein Ziel. Trumps verschwörungstheoretisches Geschwafel über den Geburtsort Barack Obamas, jüdische Weltverschwörung einhergehend mit jüdischer Dominanz in Medien, den Banken usw. gipfelnd im Machwerk „Die Protokolle der Weisen von Zion.“ Selbst die Schulattentate in den USA seien nur zu dem Zweck möglich gewesen um die Waffengesetze zu verändern und das Waffenrecht zu verschärfen.  Der Klimawandel sei von China gemacht um die USA zu schädigen. Es gibt eine Fülle von verschwörungstheoretischen Ansätzen, einige sogar recht fundiert.

In ähnlicher Art und Weise finden wir diese Ansätze bei den Kreationisten, also, jeden Gläubigen die die Evolution, die Evolutionstheorie von Charles Darwin, genaugenommen die natürliche Selektion verleugnen. Alles habe einen Sinn, einen Zweck und ein Ziel. Die hartgesottenen Kreationisten, wie Ken Ham, meinen die Fossilien von Sauriern, Affen, Menschen seien nur zum Zwecke unserer Verwirrung vom Teufel persönlich versteckt worden.

„Wir finden einen bisher unbemerkten roten Faden zwischen dem Glauben an den Kreationismus und dem Glauben an Verschwörungstheorien“, sagt Sebastian Dieguez, Neurowissenschaftler an der Universität Fribourg, der die Forschungsergebnisse kürzlich, in der Fachzeitschrift Cell Biology veröffentlichte.

„Obwohl diese Glaubenssysteme auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind, sind sie mit einer einzigen und mächtigen kognitiven Verzerrung verbunden, die als teleologisches Denken bezeichnet wird und die Wahrnehmung von Endursachen und übergeordnetem Zweck in natürlich vorkommenden Ereignissen und Entitäten mit sich bringt.“

Teleologisches Denken beinhaltet das Zuweisen von Absichten und Zwecken zu Merkmalen der Welt, die überhaupt kein Bewusstsein oder Wünsche haben. Ein Beispiel, das Dieguez gab, ist der Gedanke, dass die Sonne aufgeht, um uns Licht zu geben – wenn in Wirklichkeit die Sonne wegen der Rotation der Erde im Sonnensystem am Himmel aufgeht.

Diese Denkmuster sind „Teil der frühesten Intuitionen der Kinder über die Welt“, notieren die Autoren unter der Leitung von Pascal Wagner-Egger.

„Diese Art des Denkens ist dem wissenschaftlichen Denken und insbesondere der Evolutionstheorie ein Gräuel und wurde berühmt von Voltaire verspottet, dessen Charakter Pangloss glaubte, dass ‚Nasen gemacht wurden, um eine Brille zu tragen'“, sagte Dieguez. „Aber es ist sehr widerstandsfähig in der menschlichen Wahrnehmung, und wir zeigen, dass es nicht nur mit dem Kreationismus, sondern auch mit dem Verschwörungsakt verbunden ist.“

Eine Möglichkeit, teleologisches Denken in Individuen zu entdecken, dass sie Ansichten wie „Nichts geschieht zufällig“ oder „Alles geschieht aus einem bestimmten Grund“ enthält. Die Forscher fanden heraus, dass diese Arten von Ansichten eng mit einer Neigung zu Verschwörungstheorien zu glauben entsprechen.

Aber diese Art des Denkens hat auch eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Kreationismus – die Ansicht, dass die darwinistische Evolution durch natürliche Selektion nicht stattgefunden hat und dass das Leben auf der Erde mit der Artenvielfalt, die wir sehen, speziell entworfen wurde (von Gott wird es normalerweise angenommen) heute.

Es ist erwähnenswert, dass diese Sichtweise selbst den entsprechenden Glauben tragen kann, dass evolutionäre Ansichten selbst das Ergebnis einer Verschwörung sind, die Öffentlichkeit über die Ursprünge des Lebens zu täuschen.

Dieguez und andere Forscher fanden in einer Reihe von Umfragen heraus, dass teleologisches Denken, Verschwörungstheorien und Kreationismus – wenn auch manchmal nur „bescheiden“ – miteinander korreliert waren.

„Indem wir die Aufmerksamkeit auf die Analogie zwischen Kreationismus und Verschwörung lenken, hoffen wir, einen der größten Fehler von Verschwörungstheorien aufzuzeigen und Menschen dabei zu helfen, sie zu erkennen, nämlich dass sie sich auf teleologische Überlegungen stützen, indem sie dem Weltgeschehen eine letzte Ursache und einen übergeordneten Zweck zuschreiben. „Dieguez sagt. „Wir denken, dass die Botschaft, dass Verschwörung eine Art von Kreationismus ist, der sich mit der sozialen Welt befasst, dazu beitragen kann, einige der verblüffendsten Merkmale unserer so genannten“ Post-Wahrheits-Ära „zu klären.“

Zu verstehen, wie sich diese Überzeugungen verbreiten und warum sie für die Menschen so zwingend sind – selbst wenn sie, wie im Fall von Q Anon, so offensichtlich Unsinn sind – ist von entscheidender Bedeutung, um einen Weg zu finden, ihre Verbreitung zu verhindern. Die Forscher hoffen, dass ihre Arbeit Pädagogen und Kommunikatoren helfen kann, falsche Theorien und Überzeugungen besser zu widerlegen und zu untergraben.

Den Optimismus der Forscher kann man praktisch nicht teilen. Kreationisten und Verschwörungstheoretiker haben sich gegen Fakten selbstimmunisiert, Fakten dienen letztlich dazu, eigene Positionen zu erhärten und werden als Bestätigung der persönlichen Weltsicht vereinnahmt.

Es bleibt ein interessanter Zusammenhang zwischen Verschwörungstheorien und Kreationismus, es bleibt spannend.

 

Nach einem Artikel von Cody Fenwick/Alternet

Darwins Motten

(Foto: mauritius images/Prisma/Schwab Lukas)
Eines der berühmtesten Beispiele für die Evolution – der sogenannte Industriemelanismus – wird immer wieder angezweifelt. Britische Forscher haben jetzt herausgefunden: Die Kritiker der Evolutionstheorie liegen falsch.

Von Tina Baier | Süddeutsche Zeitung

Diese unscheinbaren Nachtfalter sind eines der berühmtesten und zugleich umstrittensten Beispiele für das Wirken der Evolution in der Natur. Ursprünglich sind Birkenspanner hell gefärbt (links) und so für ihre Feinde kaum sichtbar, wenn sie auf der weißen Rinde von Birken sitzen. Diese Tarnung versagte plötzlich, als sich im 19. Jahrhundert die Stämme wegen der starken Luftverschmutzung in englischen Industriegebieten dunkel verfärbten.

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Daniel Dennett – Der Geist kommt nicht von oben

Ob hier ein ganz besonders Bewusstsein zuhause war? Eine Ausstellung zeigt Teile von Albert Einsteins Gehirn. Bild: dpa
Vom Gen zum Mem zum Intellekt: Daniel Dennett knöpft sich Fragen zur Entstehung des Bewusstseins vor. Hat der Geist eine geistlose Entwicklung hinter sich?

Von Helmut Mayer | Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Bewusstsein“ ist ein Wort, dessen alltäglichem Gebrauch man kaum die Verwirrungen ansehen kann, die es abseits von ihm hervorbringt. Verliert einer das Bewusstsein, ist er nicht mehr ansprechbar. Tun wir etwas ganz bewusst, dann achten wir darauf und können davon mehr erzählen, als wenn wir es unachtsam tun. Genauso wie dann, wenn wir uns irgendeines Sachverhalts bewusst sind, nämlich ausdrücklich auf ihn achten. Oder auch auf eine eigene Tätigkeit achten, die wir ebenso gut ohne unser explizites Aufmerken ablaufen lassen könnten – sie also bewusst ausüben.

Aber kaum ist der Boden solcher alltäglichen Verwendungen verlassen, zeigt die Rede vom Bewusstsein ihre metaphysischen Mucken. Abgründige Probleme und Rätsel tun sich auf. Wir stellen uns etwa vor, dass jeder von uns sein eigenes inneres Bewusstseinskämmerchen hat, über dessen Inhalt nur er oder sie Bescheid weiß. Nie werden deshalb andere erfahren, wie meine Erfahrung der Farbe Rot sich für mich ausnimmt. Und überhaupt: Dieses innere Anfühlen der Welt und unserer Erfahrung von ihr in unserem Geist, wie soll es durch das wissenschaftliche Aufdröseln neuronaler Verarbeitungsmechanismen jemals erklärt werden?

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Zu viele Ameisen verderben den Tunnelbau

Ameisen kommen auch bei Platznot gut aneinander vorbei. (Bild: Getty)
Die Arbeitsteilung von Feuerameisen beim Graben von Tunnels könnte der Steuerung von autonomen Robotern als Vorbild dienen. Die Tiere arbeiten effizient und ohne sich gegenseitig zu blockieren.

Philipp Hummel | Neue Zürcher Zeitung

Schon seit längerem arbeiten Wissenschafter und Ingenieure an maschinellen Systemen, die sich selbstbestimmt in schwer zu navigierenden Umgebungen bewegen können. Ein Beispiel sind Roboterschwärme, die nach einer Katastrophe Schutt beseitigen; ein anderes Nanoroboter, die, in den menschlichen Blutkreislauf eingeschleust, Medikamente an bestimmte Stellen des Körpers liefern sollen. Doch bei solchen Systemen aus individuellen, aktiven Objekten kann es zu unerwünschten Staus kommen. Schon wenige Räumroboter können sich gegenseitig blockieren und so den Fluss des gesamten Systems bremsen oder gar zum Erliegen bringen.

Untätigkeit ist nützlich

Forscher um Jeffrey Aguilar und Daria Monaenkova vom Georgia Institute of Technology in Atlanta, USA, haben nun in Experimenten mit Feuerameisen untersucht, wie die Tiere beim Tunnelbau das Risiko für Staus verringern.1 Ihre Erkenntnisse überprüften sie anhand von Computersimulationen und Experimenten mit Robotern. Die Forscher fanden heraus, dass das Staurisiko sinkt, wenn das Arbeitsaufkommen ungleich verteilt wird; das heisst, einige der Akteure leisten mehr Arbeit als andere. Ausserdem stellten sie fest, dass bestimmte Strategien die Ameisen davor schützten, sich gegenseitig zu behindern: In manchen Situationen bleiben sie gänzlich untätig, oder sie ziehen sich zum Ausgang eines bereits besetzten Tunnels zurück, ohne dabei Material zu transportieren.

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Spektakulärer Fund eines Flugsauriers

Rekonstruierter Schädel des Pterosauriers Bild: BYU
Amerikanische Forscher haben einen erstaunlichen Fund gemacht: Sie entdeckten in Utah fossile Überreste eines schätzungsweise 200 Millionen Jahre alten Flugdrachen. Die Knochen sind erstaunlich gut erhalten.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Im Nordwesten des amerikanischen Bundesstaats Utah haben amerikanische Wissenschaftler ein besonders gut erhaltenes Skelett eines Flugsauriers entdeckt. Die fossilen Knochen sind älter als  200 Millionen Jahre und  gehörten einer Pterosaurier-Art, die die Paläontologen von der Brigham Young University in Utah Caelestiventus hanseni getauft haben.  Wie Brooks Britt und seine Kollegen in der Zeitschrift „Nature Ecology & Evolution“ schreiben, hatte das Tier eine Flügelspannweite von schätzungsweise anderthalb Metern sowie 112 Zähne. Es flog nur bei der Nahrungssuche und bewegte sich ansonsten mit seinen vier Füßen auf dem Boden, so die Forscher.

Flugsaurier leben von der späten Trias vor 215 Millionen Jahren bis zu ihrem Aussterben am Ende der Kreidezeit  vor 66 Millionen Jahren.  „Es gibt nur wenige Fossilien von Flugsauriern aus dem Trias und  diese wurden überwiegend in Europa gefunden“, sagte der Erstautor der Veröffentlichung, Brooks Britt.

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Genial daneben: das irreparable Design des Linsenauges

Bild: zdf

Kreationistische Irrtümer über die Qualität der Netzhaut

AG Evolutionsbiologie

Das Planmäßigkeits-Argument besagt, dass biologische Merkmale aufgrund ihrer Beschaffenheit den Eindruck erwecken, als seien sie gezielt erschaffen worden („intelligentes Design“). Wegen ihrer Zweckmäßigkeit und Zielgerichtetheit sei der Schluss auf einen Schöpfer naheliegend, ja sogar die einfachste Erklärung. Diese Argumentation hat mehrere Haken. Einer davon ist die Erkenntnis, dass, sobald man ins Detail geht, die meisten organischen Strukturen, so auch die Netzhaut des Linsenauges, konstruktive Mängel aufweisen, unzweckmäßig arrangiert sind und so in der Gesamtschau den Schluss auf eine zielgerichtete, intelligente Entstehungsursache vereiteln. Gegen diese Einsicht wehren sich Evolutionsgegner mit Händen und Füßen. Zum Beispiel sollen bestimmte retinale Ganglienzellen (sog. MÜLLER-Zellen) in der Netzhaut belegen, dass das Linsenauge optimal für seine Funktion gestaltet wurde. Im vorliegenden Diskussionsbeitrag wird die Argumentation im Detail diskutiert.

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Aus dem Inhalt

– Einleitung 

– Das Problem der teleologischen Argumentation 

– Ein Vergleich mit der Technik 

– Die Struktur der Netzhaut: Ein Argument für Evolution! 

– Kreationistische Missverständnisse und retinale MÜLLER-Zellen: Ein Merkmal, das alles verändert? 

– Inwieweit sind Netzhaut und MÜLLER-Zellen optimal für scharfes Sehen? 

– Gibt es „gute Gründe“ für eine inverse Retina? Ja, und die Evolutionstheorie kann sie sogar erklären! 

– Zusammenfassung / Literatur 

Zusammenfassung und Ausblick

Seit Bestehen der Evolutionstheorie wird über den Ursprung des menschlichen Auges gestritten wie über die Entstehung keines anderen Organs. Nach Ansicht der Kreationisten sei das Auge optimal und zweckmäßig für seine Funktion „gebaut“ und deute somit auf ein intelligentes Design hin. Dagegen ist nach Auffassung der Evolutionsbiologen das Auge aufgrund seiner konstruktiven Mängel genau so gebaut, wie man es von einem nicht zielgerichteten Optimierungsprozess erwarten würde: Die Existenz der „verkehrt“ im Augenbecher liegenden (inversen) Netzhaut ist die Konsequenz von Entwicklungszwängen, die sich historisch bis zu den Vorfahren der Wirbeltiere zurückverfolgen lassen. Nur die Evolutionstheorie  kann diesen Befund differenziert (ohne unprüfbare Ad-hoc-Annahmen, quasi-theologische Deutungen zu bemühen) erklären.

Nachdem vor einigen Jahren entdeckt wurde, dass die sog. „MÜLLER-Zellen“ der Netzhaut den Sehvorgang optimieren, da sie wie Lichtleiter wirken, kam noch einmal Bewegung in die Diskussion. Die Kreationisten sehen ihre Position bestätigt, dass das Auge keine Mängel aufweise. Dabei wird übersehen, dass die zweckwidrigen Merkmale nach wie vor existieren. Die MÜLLER-Zellen sind nur eine Behelfslösung, um die Unzulänglichkeiten der ursprünglichen Strukturen so gut wie möglich abzumildern. Die Addition neuer Merkmale zum Beheben konstruktiver Mängel ist ein Kennzeichen evolutionärer Optimierung. Intelligent Design kann insbesondere diese Strukturen des Auges nicht erklären.

Quelle

www.ag-evolutionsbiologie.net/pdf/2011/Design-Linsenauge-Netzhaut.pdf

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Autoren: Martin Neukamm / Andreas Beyer

Daniel Dennett: „Von den Bakterien zu Bach – und zurück – „Blick des Philosophen auf die Evolution des Geistes

Daniel Dennett beschreibt in seinem neuen Sachbuch, warum auch der menschliche Geist ein Ergebnis der Evolution ist. (Suhrkamp / imago / Collage: Deutschlandradio)
Körper und Geist, Natur und Kultur – dazwischen besteht kein grundlegender Unterschied. Vielmehr ist alles ein Ergebnis der Evolution. Diese These vertritt der US-amerikanische Philosoph Daniel Dennett. Anschaulich und mit Sprachwitz legt er sie dar in seinem neuen Buch „Von den Bakterien zu Bach – und zurück. Die Evolution des Geistes“.

Von Tomma Schröder | Deutschlandfunk

Daniel Dennett hält nicht viel von Übernatürlichem. Er glaube „nicht an Geister, nicht an Elfen, nicht an den Osterhasen und auch nicht an Gott“, schrieb der amerikanische Star-Philosoph mal in der „New York Times“. In seinem neuen Buch „Von den Bakterien zu Bach – und zurück“ wandelt er daher strikt auf den naturwissenschaftlichen Pfaden.

„Wenn wir die Reparaturmechanismen in Bakterien, die Atmung bei Kaulquappen und die Verdauung von Elefanten erklären können, warum sollte dann nicht auch das bewusste Denken des Homo sapiens seine Geheimnisse diesem sich immer weiter optimierenden Moloch Wissenschaft offenbaren?“

Dualismus von Materiellem und Immateriellem

Spätestens seit Descartes den Dualismus von Materiellem und Immateriellem in eine philosophische Theorie gegossen hat, gilt die Kluft zwischen Körper und Geist, zwischen Natur- und Geisteswissenschaften vielen als unüberwindbar. Die kartesische Wunde nennt Dennett dies – und er will sie heilen. Denn dem Philosophen zufolge, und er weiß viele Wissenschaftler an seiner Seite, existiert diese Wunde gar nicht. Für Dennett gibt es nichts Immaterielles, nichts Mirakulöses, das außerhalb der Reichweite der Naturwissenschaften verbleibt. Vom Bakterium bis zu Bach – und seinem Geist – ist alles ein Ergebnis der Evolution – auch wenn viele das nicht wahrhaben wollen.

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Alter „Feind“ schützt Koalas vor Viren

Unter den Koalas in Australien gehen Krankheiten um, die von Retroviren übertragen werden. © Oversnap/ istock
Unerwartete Hilfe: Ein ehemaliger Feind hilft Koalas offenbar beim Kampf gegen krankmachende Retroviren. Wie eine Studie zeigt, schleusen sich uralte, im Genom der Tiere enthaltene Virus-Schnipsel in das Erbgut dieser Erreger ein. Auf diese Weise werden die normalerweise hoch infektiösen Retroviren unschädlich – und können sich nicht mehr vermehren. Dieser Mechanismus könnte auch die Entstehung einiger Junk-DNA-Elemente im menschlichen Genom erklären.

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Das menschliche Genom enthält eine Reihe von Sequenzen, die dort eigentlich nichts zu suchen haben: retrovirale DNA. Sie ist in unserem Erbgut enthalten, weil unsere Vorfahren irgendwann einmal von Retroviren infiziert wurden. Solche Erreger schreiben ihr RNA-Erbgut in DNA um und fügen es dann in das Genom ihres Wirts ein. Auf diese Weise können sie dessen Zellmaschinerie nutzen, um sich zu vermehren.

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Haie: Profiteure des Massenaussterbens?

Urzeitliche Haie am Ende der Kreidezeit. Viele von ihnen überstanden das Massenaussterben – aber nicht alle… © Julius Csotonyi
Gewinner und Verlierer zugleich: Die Haie verdanken ihre heutige Artenvielfalt einer globalen Katastrophe – dem Massenaussterben am Ende der Kreidezeit. Denn Vergleiche fossiler Haizähne enthüllen, dass die zuvor dominierende Haiordnung damals stark dezimiert wurde. Dafür breiteten sich die Vorfahren der heutigen Grundhaie stark aus und legten so den Grundstein für ihre heutige Dominanz. Warum einige Haigruppen damals profierten und andere verschwanden, ist allerdings noch unklar.

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Haie gehörten schon in der Ära der Dinosaurier zu den Top-Prädatoren der Ozeane. Damals dominierten vor allem Arten aus der Ordnung der Makrelenhaiartigen (Lamniformes), unter ihnen Vorfahren der heutigen Weißen Haie, der Mako- und Sandhaie, aber auch des vor rund 2,6 Millionen Jahren ausgestorbenen Riesenhais Megalodon.

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Skurril: Tausendfüßler als Medizin

Plagen sie Magen-Darm-Beschwerden, greifen Rotstirnmakis zu einer skurrilen Arznei: Tausendfüßlern. © Louise Peckre
Tierische Arznei: Was für uns Tabletten und Tropfen, sind für Rotstirnmakis Tausendfüßler. Forscher haben herausgefunden, dass die Primaten die Gliederfüßer als Medizin benutzen. Sie reiben sich mit deren Sekreten ein und schlucken sie sogar. Diese Form der Selbstmedikation dient wahrscheinlich als Therapie gegen lästige Magen-Darm-Parasiten – und wird von den Affen womöglich sogar zur Prävention eingesetzt.

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Wenn unsereins ein Wehwehchen plagt, gehen wir in die Apotheke. Unsere Vorfahren hatten es da noch nicht so leicht. Sie mussten sich ihre Arzneien in der Natur suchen. Viele indigene Naturvölker machen das bis heute so – doch sie sind nicht die einzigen, die den Medizinschrank von Mutter Erde für sich zu nutzen wissen. Auch Tiere können sich bei Krankheit selbst helfen und nehmen gezielt Medikamente ein.

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Mach’s noch mal, Evolution

Rewind, reset. Könnte man 55 Millionen Jahre zurückspulen, fände man irgendwo im Geäst diesen winzigen Primaten. Liefe ab diesem…Illustration.: M. Severson, NIU
Entwicklungsgeschichte ist vorhersagbar, sagt der Zoologe Jonathan Losos. Ob sie auch uns erneut hervorbrächte?

Von Matthias Glaubrecht | DER TAGESSPIEGEL

Wie sähe die Erde ohne den Menschen aus? Wie wäre unsere Welt heute, wenn es Alexander den Großen, Kolumbus oder Kennedy, Nero, Nelson oder Napoleon nie gegeben hätte? Oder wenn einer von ihnen eine wichtige Entscheidung anders gefällt hätte? Man kann immer fragen, ob Geschichte auch ganz anders hätte verlaufen können. Die intuitive Antwort: Ja, natürlich wäre dann wohl alles anders gelaufen.

Oder wäre vielleicht doch unvermeidlich in jedem Fall Ähnliches passiert, vielleicht mit anderen Akteuren und über andere Zwischenschritte, aber wohl mit ähnlichem Ergebnis? Schnell ist man dann auch bei der Frage, ob wir Menschen unsere Existenz dem Zufall verdanken. Oder ob unser Weg vorgezeichnet war – und bei einem erneuten Versuch auch wieder wäre. Die Frage nach Vorhersehung und göttlichem Plan ist dann auch nicht mehr weit?

Würde der „blinde Uhrmacher“ namens Evolution immer die gleichen Uhren machen?

Biologen interessiert bei solchen Gedankenspielen eher, ob heute noch Dinosaurier über die Welt herrschen würden, wenn vor 66 Millionen Jahren kein Meteorit eingeschlagen wäre. Oder sie fragen gleich, ob die Evolution den Menschen als Krone der Schöpfung nicht zwangsläufig hervorbringen musste? Konnte sie vielleicht gar nicht anders, weil sie immer wieder auf gleiche Weise ablaufen würde?

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Ist Evolution vorhersagbar?

Prof. Axel Meyer, PH.D., Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz. Bild: ebenda
Konstanzer Biologen weisen parallele Evolution in nicaraguanischem Kratersee nach

Julia Wandt Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Universität Konstanz

Angenommen, wir könnten die Zeit zurückdrehen und die Evolution von vorn beginnen lassen: Würden sich dieselben Arten bilden, die wir heute kennen? Mit anderen Worten: Wiederholt sich Evolution? Ist die Entstehung von Arten und deren evolutionäre Anpassung vorhersagbar? Biologen der Universität Konstanz fanden nun deutliche Hinweise auf eine sich wiederholende, sogenannte „parallele“ Evolution zumindest in kürzeren Zeitspannen von rund 1.500 Jahren. Das Forscherteam um den Konstanzer Evolutionsbiologen Prof. Dr. Axel Meyer untersuchte genetische und phänotypische Veränderungen von sieben unterschiedlichen Buntbarsch-Arten, die in Nicaragua dieselben Kraterseen besiedelten. Das Ergebnis: Alle sieben Fischarten zeigen parallele evolutionäre Anpassungen an den gemeinsamen Lebensraum. Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die Anpassung des Auges der sieben Fischarten an die Lichtbedingungen der Kraterseen. Die Forschungsergebnisse wurden am 17. Juli 2018 im Forschungsmagazin „Evolution Letters“ online frei verfügbar veröffentlicht.

Die sieben untersuchten Fischarten stammen ursprünglich aus den beiden großen Seen Nicaraguas und besiedelten von dort aus mehrere kleinere Kraterseen. Für die Evolutionsbiologie ist dies ein ideales Untersuchungsfeld: Schließlich können hier die jüngeren Fischpopulationen der Kraterseen mit ihren Artgenossen aus den älteren Populationen, die in den großen Seen Nicaraguas geblieben sind, verglichen werden.

Im Auge des Barsches
Während die großen Seen trübes Wasser haben, das wenig Licht durchlässt, sind die Kraterseen kristallklar. Die Fischarten, die in diese Kraterseen übersiedelten, fanden sich daher in veränderten Lichtbedingungen wieder: „Die Lichtbedingungen sind verschoben von langwelligem, rötlichem Licht hin zu kurzwelligem, blauem Licht“, schildert Andreas Härer, Hauptautor der Studie. „Wir haben die Vorhersage getroffen, dass die Fische ihre visuelle Sensitivität hin zu kürzeren Wellenlängen verändern werden – und das ist exakt, was wir vorgefunden haben“, führt Härer aus. In den evolutionären Anpassungen des Auges an die veränderten Lichtbedingungen fanden die Biologen ein hervorragendes „natürliches Experiment“ unter den Buntbarschen. Schließlich mussten sich alle sieben untersuchten Fischarten, so unterschiedlich sie auch sind, an diesen einen gemeinsamen Faktor anpassen: ans Licht.

Sieben Opsine
„Wir haben alle Gene, die in der Retina des Fischauges aktiv sind, bestimmt. Wir filterten daraufhin die Opsine heraus, die für das Farbsehen zuständig sind“, erläutert Andreas Härer. Ein Opsin ist ein Protein des Sehpigments. Menschen besitzen nur drei verschiedene Opsine, eines für Rot, eines für Grün, eines für Blau. Buntbarsche verfügen hingegen über sieben verschiedene Opsine und damit über eine größere Vielfalt, um Farben wahrzunehmen. „Typischerweise verwenden sie ebenfalls nur drei davon, aber wenn die Lichtbedingungen sich ändern, können sie ein anderes Set an Opsinen verwenden“, so Härer.

Wie also verlagert sich das jeweilige Set an Opsinen, das die Fische nutzen, durch die veränderten Lichtbedingungen des Kratersees? „Welche Opsine sich im Einzelnen verändert haben, unterscheidet sich zwar zwischen den unterschiedlichen Arten – aber alle veränderten sich in dieselbe Richtung, hin zu kürzeren Wellenlängen. Netto gesehen ist das Bild einheitlich“, zieht Andreas Härer sein Fazit. Bildlich gesprochen: In ihrem „evolutionären Fahrplan“ nutzen die Arten im Detail zwar unterschiedliche Routen, aber das Ziel ist dasselbe. Gleiche Lebensräume haben bei sieben unterschiedlichen Fischarten zu gleichartigen evolutionären Anpassungen des Auges geführt.

Prognosen für die Evolution
Ob sich die Evolution nun exakt wiederholen mag, wenn wir die Zeit Milliarden Jahre zurückspulten, lässt sich nur mutmaßen. Die Konstanzer Evolutionsbiologen können aber zeigen, dass wir für kürzere Zeitspannen von mehreren tausend Jahren sehr wohl Vorhersagen treffen können, wie sich Arten wiederholt und in ähnlicher Weise an neue Umweltbedingungen anpassen werden. „Wir haben folglich die Möglichkeit, die Veränderungen, die zu erwarten sind, vorherzusehen. Zum Beispiel in Bezug auf den Klimawandel erlauben Studien wie unsere, genauere Prognosen zu liefern, wie sich Arten anpassen werden“, zeigt Andreas Härer das größere Bild auf.

Das Forschungsprojekt findet im Rahmen des ERC Advanced Grants „Comparative genomics of parallel evolution in repeated adaptive radiations“ von Prof. Dr. Axel Meyer statt, das vom Europäischen Forschungsrat (ERC) mit 2,5 Millionen Euro gefördert wird.

Faktenübersicht:

– Konstanzer Evolutionsbiologen zeigen parallele Evolution von sieben unterschiedlichen Buntbarsch-Arten auf, die in denselben Lebensraum übergesiedelt sind.

– Originalpublikation: Andreas Härer, Axel Meyer, Julián Torres-Dowdall: Convergent phenotypic evolution of the visual system via different molecular routes: How Neotropical cichlid fishes adapt to novel light environments. Evolution Letters. Juli 2018. https://doi.org/10.1002/evl3.71

– Molekularbiologische Analyse der Evolution des Auges von sieben Fischarten bei ihrer Anpassung an neue Lichtbedingungen.

– Gleiche Lebensräume haben bei allen sieben untersuchten Fischarten zu einer gleichartigen evolutionären Veränderung des Auges geführt, einer Anpassung der Opsine (Proteine des Sehpigments) hin zu kürzeren Wellenlängen.

– Forschungsprojekt im Rahmen des ERC Advanced Grants „Comparative genomics of parallel evolution in repeated adaptive radiations“ von Prof. Dr. Axel Meyer.

– Gefördert durch den Europäischen Forschungsrat (ERC) sowie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).

Hinweis an die Redaktionen:
Fotos können im Folgenden heruntergeladen werden:

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Bildunterschrift: Amphilophus citrinellus, eine der sieben untersuchten Buntbarsch-Arten.
Bild: Claudius Kratochwil

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Bildunterschrift: Vom Nicaraguasee (Bild) aus besiedelten die Buntbarsch-Arten die kleineren und klareren Kraterseen.

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Bildunterschrift: Kratersee Xiloá in Nicaragua. Das deutlich klarere Wasser führte zu evolutionären Anpassungen des Auges der Buntbarsch-Arten.

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