Was noch zur sexuellen Orientierung gesagt werden muss

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Gene oder Umwelt, Störung oder Normalität? Gedanken fürs 21. Jahrhundert

Stephan Schleim | TELEPOLIS

Am 30. August erschien eine neue Forschungsarbeit über die Genetik der sexuellen Orientierung sowie mein begleitender Kommentar (Science: Genetik kann Sexualverhalten nicht erklären). Kurz gesagt ergab die Untersuchung von rund einer halben Million Briten und US-Amerikanern, dass Gene nur einen moderaten Einfluss darauf haben, ob wir ausschließlich mit anders- oder auch mit gleichgeschlechtlichen Partnern Sex haben.

Das geht viel w eiter als die Widerlegung der Idee eines spezifischen „Schwulen-“ oder „Lesbengens“, die seit den 1990ern in unserer Kultur herumgeistert. Denn selbst wenn man die Effekte aller von den Forschern gefundenen Genabschnitte – es waren zwei für Frauen und Männer, zwei nur für Männer und einer nur für Frauen – zusammennimmt, erklärt die Genetik nur einen kleinen Teil.

Der genetische Forschungsansatz

Wie zu erwarten war, sangen Verfechter des verhaltensgenetischen Ansatzes das alte Lied von der Gruppengröße: Man brauche eben die Daten von noch mehr Menschen, um das Phänomen genetisch zu erklären. Das setzt aber erstens voraus, dass eine starke genetische Erklärung wahrscheinlich ist. Dem widersprechen andere Daten, auf die ich noch eingehen werde. Und auch bei anderen Fragestellungen hat die Verhaltensgenetik nicht halten können, was vor und seit dem Humangenomprojekt versprochen wurde und wofür seit Jahrzehnten Milliardengelder fließen.

Zweitens werden noch größere Versuchsgruppen vor allem zum Fund immer kleinerer Effekte führen. Das ist schlicht Mathematik. Das heißt, die Liste der Genabschnitte, die man mit dem Sexualverhalten in Zusammenhang bringt, würde dann zwar immer länger. Diese neuen Funde würden aber für sich genommen immer weniger erklären. Dass die heute verbreiteten Verfahren zum Durchbruch führen, ist daher so gut wie ausgeschlossen. Deshalb bezeichnete ich diesen Forschungsansatz als widerlegt.

Fragen von Leserinnen und Lesern

Ich war dann aber doch über manche Fragen überrascht, die in der Diskussion des Artikels aufkamen: Ist Homosexualität nun angeboren oder nicht? Ist die gleichgeschlechtliche sexuelle Orientierung vielleicht doch eine Störung? Bedeuten die Forschungsdaten nicht, dass Homosexualität therapierbar ist? Und was besagen biologische Erklärungen im Vergleich zur Pädophilie?

Diese Fragen sind wichtig, weil auch im 21. Jahrhundert die Diskussion über Toleranz und Regulierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen (Stichwort: „Homo-Ehe“) noch nicht vom Tisch ist. Die gute Nachricht: Auf die meisten genannten Fragen gibt es zwar keine genetischen, wohl aber philosophische, psychologische oder soziologische Antworten – oder zumindest vielversprechende Ansätze zur Beantwortung. Eigens für diesen Artikel habe ich mir die neuesten Forschungsarbeiten der letzten zehn Jahre noch einmal näher angeschaut.

Warum Homosexualität keine psychische Störung ist

Am einfachsten lässt sich begründen, dass Homosexualität keine psychische Störung ist. Bis in die 1970er Jahre dachte man in Psychologie und Psychiatrie darüber noch anders. Zusammen mit der Einführung der Begriffe Hetero- und Homosexualität pathologisierten überhaupt erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts Mediziner die gleichgeschlechtliche Liebe. Entkriminalisiert wurde sie darum aber nicht.

Aus Gründen, deren Erklärung hier zu weit führen würde, halte ich selbst nicht so viel von der Unterteilung der Menschen in die Kategorien homo-, bi- oder heterosexuell (Vom Nachteil, „Homosexuell“ zu sein). Dem Verständnis halber will ich sie hier aber verwenden. Außerdem passt es zu unserem Zeitgeist, allem einen Stempel aufzudrücken. (Zu nennen wären dann noch: a-, metro-, pan-, sapio- oder wasauchimmersexuell.)

Unter dem Druck von Aktivisten überdachten führende Psychiater in den 1970ern ihre Ansichten. Eine neue Definition von „psychische Störung“ sah in den USA zunächst – und bis heute – vor, dass subjektives Leiden oder ein eingeschränktes Funktionieren hierfür wesentlich sind (Die „amtliche“ Fassung). Im nächsten Schritt musste man dann einräumen, dass dort, wo Homo- oder Bisexuelle leiden oder eingeschränkt sind, das an der Ausgrenzung durch die Gesellschaft lag.

So entschied die Führungsriege der American Psychiatric Association im November/Dezember 1973, Homosexualität nicht länger als psychische Störung anzusehen. Ein Mitgliederentscheid im Mai des Folgejahres bestätigte dies mehrheitlich. Es gab jedoch auch inneren Widerstand, zumal einige Psychiater mit Therapieversuchen viel Geld verdienten.

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Im Reich der Pflanzen

Alexander als Pflanze. Der Berliner Bildhauer Gerald Matzner (1943–2018) hat den Botaniker Humboldt auf originelle Weise verewigt.Foto: Rena Matzner

Durchaus kein „trocknes Studium“: Wie Alexander von Humboldt die Botanik in Bewegung brachte. Eine Neuerscheinung.

Dorothee Nolte | DER TAGESSPIEGEL

Festgewurzelt sind sie, die Pflanzen, an ihren Ort gefesselt, schön anzusehen, aber doch ein wenig langweilig. Wer mag sich schon im Detail mit ihnen befassen, mit ihren Variationen und ihren langen lateinischen Namen?

Er entwarf die Vision einer „Pflanzengeographie“

Alexander von Humboldt selbst hat die Botanik einmal als „trocknes, hyperlangweiliges Studium“ bezeichnet. Damit meinte er aber nur jene Pflanzenwissenschaft, die stubenhockerisch auf Feldforschung verzichtet. Grundsätzlich stand für ihn fest: „Die Botanik ist die Wissenschaft, von der sich die menschliche Gesellschaft am meisten zu versprechen hat“, der Pflanzenbau sei „die edelste und wichtigste Beschäftigung des Menschen“. Bereits in jungen Jahren entwarf der preußische Adlige die Vision einer neuen Disziplin, der „Pflanzengeographie“. Damit ging er weit über die Tradition des Klassifizierens hinaus, die der schwedische Botaniker Carl von Linné begründet hatte. Auf seiner Amerikareise schickte er kistenweise Herbarbelege nach Europa – und betrachtete sie im Zusammenhang mit der menschlichen Kultur. „In das Gebiet dieser Wissenschaft“, so Humboldt, „gehören Betrachtungen über lange Seefahrten und Kriege, durch welche ferne Nationen vegetabilische Produkte sich zu verschaffen oder zu verbreiten suchen. So greifen die Pflanzen gleichsam in die moralische und politische Geschichte des Menschen ein.“

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Der Mist mit den Rassen

Der Kampf gegen Rassismus wütet auch in der Modemetropole Mailand. Bild: dpa

Streicht den Begriff „Rasse“, fordern Biologen, denn Rassismus hat wissenschaftlich null Substanz. Wenn das so einfach wäre. Über Säuberungsversuche im Reich der Mythen.

Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Es ist fast schon ein Naturgesetz: Wann immer der Mensch sich aufmacht, seinen Platz in der Natur zu finden, geht etwas schief. Manchmal ist es nur komisch, meistens aber wirklich zum Mäusemelken. Unser Blick vom Ufer auf den schottischen Süßwassersee Loch Ness etwa ist heute leider nicht mehr ungetrübt. Seit anderthalbtausend Jahren verbindet der Mensch am See die Aussicht aufs Wasser mit der dringenden Erwartung eines schlangenähnlichen Riesenmonsters, das schon Menschen angegriffen haben und sogar fotografiert worden sein soll.

Die Frage für jeden war: Sind die sagenumwobenen Plesiosaurier immer noch unter uns? Die Menschen mochten dran glauben, die Biologen nicht. Und deshalb haben diese jetzt so viel DNA aus ihren Wasser- und Sedimentproben analysiert, dass sie meinen, sicher sagen zu können: Es ist ein Aal. Ein großer Aal zwar, vielleicht ein paar Meter lang und oberschenkeldick, aber eben ein Aal und kein Dinosaurier. Dass die Entmythologisierung des Loch-Ness-Ungeheuers damit gelingt, ist schwer vorstellbar. Die irrige Vorstellung, der Mensch stehe als Krönung an der Spitze der Schöpfung oder, noch billiger, der Mensch stamme vom Affen ab und Schokolade mache schlank, hält sich ja auch weiterhin, obwohl Heere von Naturgelehrten von Charles Darwin bis zu Hightech-Forschern wie Craig Venter all das längst widerlegt haben.

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Stressreaktion kommt aus den Knochen

Welche Rolle spielt unser Skelett für die Stressreaktion? © metamorworks/ istock

Überraschende Entdeckung: In Gefahrensituationen schütten auch unsere Knochen ein Stresshormon aus. Dieser Botenstoff spielt offenbar eine noch wichtigere Rolle für die akute Stressreaktion des Körpers als das Adrenalin, wie Forscher berichten. Sie haben damit einen bisher völlig unbekannten Mechanismus aufgedeckt, der Tiere und wahrscheinlich auch Menschen auf „Kampf oder Flucht“ vorbereitet.

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In Gefahren- und Stresssituationen reagiert unser Körper sofort: Veranlasst durch Signale des Gehirns schütten die Nebennieren das Hormon Adrenalin aus. Als Folge werden Herzschlag und Atmung schneller, die Muskeln spannen sich an – jede Faser unseres Organismus ist nun auf Kampf oder Flucht vorbereitet.

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Brasilien: Das Erbgut freigesetzter Gentech-Mücken konnte sich wider Erwarten in der Natur halten

Stechmücken der Art Aedes aegypti in einem Oxitec-Labor. (Bild: Paulo Whitaker / Reuters)

Gentechnisch veränderte Mücken sollten in Brasilien die Stechmücken reduzieren – und dann aus dem Freiland verschwinden. Doch nun haben Forscher deren Erbgut in heimischen Mücken nachgewiesen. Was bedeutet das?

Stephanie Lahrtz | Neue Zürcher Zeitung

In Jacobina in Brasilien wurden von Juni 2013 bis September 2015 jede Woche rund 450 000 gentechnisch veränderte Männchen der Stechmückenart Aedes aegypti ausgesetzt. Die Moskitos waren in den Labors der britischen Firma Oxitec entwickelt und in Brasilien vermehrt worden. Ziel des Grossversuchs war es, die lokale Mückenpopulation zu dezimieren: Die gentechnisch veränderten Männchen sollten sich mit freilebenden Weibchen paaren und der entstehende Nachwuchs aufgrund eines gentechnischen Eingriffs absterben. Die Reduktion der Mücken sollte die Zahl der Dengue- und Zika-Infektionen senken. Denn die dafür verantwortlichen Viren werden von Aedes aegypti auf Menschen übertragen.

Die Moskitopopulation konnte zwar während der Freisetzungsperiode um bis zu 70 Prozent reduziert werden. Aber nur wenige Monate nach der letzten Freisetzung stieg sie wieder deutlich an. Und offenbar überlebten auch einige der Gentech-Nachkommen.

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Ein Schatz an Fussspuren gibt Einblicke in das Leben der Neandertaler

Die Ausgrabungen bei Le Rozel. (Bild: Dominique Cliquet)

Was die Forscher aus ihrem Fund im Norden Frankreichs herauslesen, klingt für Erwachsene nach einem anstrengenden Leben: Die Gruppe, die dort ihre Fussspuren hinterliess, bestand aus zehn Kindern und Jugendlichen – und einem einzigen Erwachsenen.

Stephanie Kusma | Neue Zürcher Zeitung

Der Fund war spektakulär: fast 260 Fussabdrücke, die Neandertaler vor etwa 80 000 Jahren hinterlassen haben. Le Rozel, so der Name der Fundstätte, ist ein Dünensystem, das heute zwischen einem Strand und einer Klippe in der Normandie im Norden Frankreichs liegt. Nun haben Forscher einen Teil der Spuren vermessen und von ihnen auf die Zusammensetzung der Neandertaler-Gruppe geschlossen. Was sie aufgrund ihrer Resultate in der amerikanischen Fachzeitschrift «Proceedings of the National Academy of Sciences» beschreiben, erinnert an eine Mischung aus Kindertagesstätte und Schulhort.

Dass man fast 260 Spuren an einer einzigen Fundstätte findet, sei wahrhaft bemerkenswert, sagt die Paläoanthropologin Isabelle De Groote von der Liverpool John Moores University: Bis anhin kannte man neun Neandertaler-Fussabdrücke, von vier verschiedenen Orten. Die Spuren von Le Rozel sind unterschiedlich klar, aber bei einer ganzen Reihe sind sowohl die Ferse als auch der Zehenbereich abgebildet. Die vierzehn besten Abdrücke analysierten die Forscher genau und verglichen sie sowohl mit deutlich früheren afrikanischen Spuren als auch mit jenen des modernen Menschen (Homo sapiens). Von ersteren unterscheiden sie sich demnach deutlich. Denen des letzteren ähneln sie zwar, sind aber insgesamt breiter.

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Kleine Menschen erkranken häufiger an Diabetes

Wie groß werde ich? Erstaunlicherweise ist diese Frage auch im Zusammenhang mit Diabetes von Bedeutung. © xefstock/ istock

Überraschendes Phänomen: Das individuelle Diabetes-Risiko wird auch von der Körpergröße beeinflusst. Wie eine Studie nun bestätigt, erkranken kleinere Menschen häufiger an Diabetes Typ 2 als große. Ein möglicher Grund dafür: Kleine Personen haben im Schnitt offenbar mehr Leberfett und einen insgesamt ungünstigeren Stoffwechsel. Sie sollten im Rahmen der Früherkennung daher womöglich engmaschiger untersucht werden, so das Fazit des Teams.

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300 Millionen Menschen weltweit leiden an Diabetes mellitus Typ 2. Bei dieser Form der Zuckerkrankheit kann das Hormon nicht mehr genügend Wirkung entfalten, um Zucker aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Als wichtige Risikofaktoren für die Erkrankung gelten neben einer gewissen genetischen Veranlagung unter anderem Übergewicht, Bewegungsmangel und eine falsche Ernährungsweise.

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Gene für Linkshändigkeit identifiziert

Vier Genorte sind bei Linkshändern auffällig verändert. © Creative Family, ho To/ iStock

Fund im Erbgut: Forscher haben erstmals Gene für die Linkshändigkeit identifiziert. In der bisher größten DNA-Studie dazu fanden sie vier Genorte, die bei Linkshändern signifikant häufig verändert sind. Drei dieser Genregionen stehen in engem Zusammenhang mit Hirnentwicklung und beeinflussen offenbar auch die funktionelle Verknüpfung der Sprachzentren beider Hirnhälften, wie die Wissenschaftler berichten.

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Rund zehn Prozent der Menschen sind Linkshänder – doch was genau hinter dieser Bevorzugung der linken Hand bei alltäglichen Tätigkeiten steckt, ist bislang nur teilweise geklärt. So gibt es Hinweise darauf, dass vorgeburtliche Prägungen eine Rolle spielen und sogar die Jahreszeit der Geburt. Beides geht möglicherweise auf hormonelle Einflüsse auf das Ungeborene zurück. Gleichzeitig deuten Zwillingsstudien und familiäre Häufungen aber auch darauf hin, dass die Linkshändigkeit zu rund 25 Prozent erblich bedingt sein könnte.

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Korallen-Sex gerät aus dem Takt

Faszinierend schönes Schauspiel: Korallen (Acropora eurystoma) entlassen pinke Bündel aus Geschlechtszellen ins Wasser. © Tom Shlesinger

Falscher Rhythmus: Das jährliche Korallenlaichen ist normalerweise ein exakt synchronisiertes Massenereignis. Doch bei manchen Arten scheint dieses Fortpflanzungsschauspiel zunehmend aus dem Takt zu geraten, wie eine Studie enthüllt. Einige Korallen im Roten Meer laichen demnach inzwischen unkoordiniert – mit fatalen Folgen für das Ökosystem. Welche Ursachen dahinterstecken, ist noch unklar.

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Einmal im Jahr spielt sich in den Korallenriffen der Ozeane ein faszinierendes Schauspiel ab. Tausende Nesseltiere schleudern zeitgleich ihre Eizellen und Spermien ins Wasser, die dann wie bunte Schneeflocken im Wind durch die Unterwasserwelt tanzen. Die Zahl der entlassenen Gameten ist dabei so hoch, dass sie mitunter sogar aus dem All zu sehen sind. „Das Korallenlaichen wird oft als größte Orgie der Welt beschrieben und ist eines der schönsten Beispiele für synchronisierte Phänomene in der Natur“, erklärt Yossi Loya von der Universität Tel Aviv.

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Warum sollten sich nicht auch Kinder für Naturwissenschaften begeistern können?

Charles Darwin erkundet mit der HMS «Beagle» die Welt mit ihren Lebewesen und entwickelt die Evolutionstheorie. (Bild: Jérémie Royer / Knesebeck-Verlag)

In Geschichten und Bildern wird greifbar, was die Welt im Innersten zusammenhält. Darin besteht die hohe Kunst von Kinderbüchern über Physik oder Biologie.

Manuela Kalbermatten | Neue Zürcher Zeitung

Was für eine Idee: «Quantenphysik für Babys» im Papp-Format! Bücher zur Frühförderung florieren. Sie sind Ausdruck des breit abgestützten Willens, schon bei den Jüngsten die Freude am Denken zu wecken. Sie sind aber auch Produkte eines Markts, der blitzschnell auf Trends reagiert, von denen erwartet wird, dass sie sich Erziehern gut verkaufen lassen. Welches Kind wünscht sich schon ein «Yoga-Bilderbuch» oder eine Anleitung zur «Achtsamkeit»?

Und nun sollen die Kleinen also lernen, was Protonen und Elektronen sind. Erschienen ist das Buch in der Reihe «Baby-Universität». Unter dem Motto «Es ist niemals zu früh, ein Quantenphysiker / Raketenwissenschafter / Evolutionsbiologe zu werden» erklärt der Physiker Chris Ferrie darin die Naturgesetze.

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Eichhörnchen belauschen Vögel

Grauhörnchen hören Vögeln ganz genau zu. © Julian Nyča, „CC-by-sa 3.0

Tierischer Lauschangriff: Eichhörnchen reagieren nicht nur auf Alarmsignale von Vögeln, sondern auch auf deren sorgloses Gezwitscher. Wie ein Experiment zeigt, entspannen sich die Nager nach einer Gefahrensituation schneller, wenn von gefiederten Arten solche Laute zu hören sind. Das Gezwitscher dient ihnen demnach als Indiz für „reine Luft“.

scinexx

Viele Vögel stoßen schrille Alarmrufe aus, um ihre Artgenossen vor Feinden zu warnen. Doch auch andere Tierarten werden hellhörig, wenn diese Schreie ertönen. So erkennen afrikanische Grünmeerkatzen beispielsweise die Warnrufe von Staren. Und Eichhörnchen wie das Grauhörnchen reagieren sogar auf das Gezeter mehrerer Vogelarten, wenn Gefahren wie nahende Raubvögel drohen.

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Denkleistung: Frauen sind ausdauernder

Frauen können ihre Denkleistung in Tests offenbar länger aufrechterhalten. © Fat Camera/ istock

Geschlechterunterschied: Frauen können ihre Leistung in Testsituationen offenbar länger aufrechterhalten als Männer. Wie eine Studie zeigt, liefern sie im Prüfungsverlauf konstantere Ergebnisse ab. Dieser Effekt ist so groß, dass er sogar geschlechtsspezifische Leistungsunterschiede ausgleichen kann – zum Beispiel in Mathe. Je länger ein Test dauert, desto geringer wird demnach die Leistungslücke zwischen Männern und Frauen.

scinexx

Typisch Mann, typisch Frau: Klischees über die Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es viele – und in manchen steckt tatsächlich ein wahrer Kern. Zwar ist „das“ männliche oder weibliche Gehirn ein Mythos. Dennoch scheinen die Talente von Frauen oftmals in anderen Bereichen zu liegen als bei den Männern.

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Älteste Kriechspuren entdeckt?

Forscher haben ein 550 Millionen Jahre altes Urzeit-Wesen mitsamt seiner Kriechspur entdeckt – ein besonderer Fund. © Virginia Tech College of Science

Urzeitliche Bewegungsspuren: Forscher haben in China das 550 Millionen Jahre alte Fossil eines Urtiers entdeckt – mitsamt seiner Kriechspuren. Sowohl die Anatomie des Wesens als auch die von ihm hinterlassenen Abdrücke legen nahe, dass es sich um ein gegliedertes Tier mit der Fähigkeit zur gerichteten Fortbewegung handelte. Damit könnte es ein ganz früher Vertreter der sogenannten Bilateria sein – jener großen Tiergruppe, zu denen auch der Mensch gehört.

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Im Ediacarium-Zeitalter vor 630 bis 540 Millionen Jahren tummelten sich bizarre Kreaturen auf unserem Planeten. Einige dieser Wesen glichen halbaufgepumpten Luftmatratzen, andere fraktalen Farnen oder elliptischen Blasen. Lange Zeit war deshalb umstritten, ob es sich überhaupt schon um Tiere handelte.

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Beeinflusst Testosteron die Empathie?

Beeinflusst das Hormon Testosteron, wie gut wir uns in andere hineinversetzen können? © Antonio Guillem/ istock

Angebliche Nebenwirkung: Das Hormon Testosteron steht im Verdacht, die Fähigkeit zur Empathie zu beeinflussen. In einer aktuellen Untersuchung mit männlichen Probanden konnten Forscher allerdings keine Hinweise auf einen solchen Zusammenhang finden. Der Hormonspiegel wirkte sich demnach nicht spürbar auf das Abschneiden in Empathietests aus. Damit seien auch Theorien zum Einfluss von Testosteron auf Störungen wie Autismus weiterhin fragwürdig, wie das Team betont.

scinexx

Das Hormon Testosteron beeinflusst wesentlich mehr als nur das Geschlecht und die Sexualität eines Menschen. So deuten Untersuchungen darauf hin, dass sich der Botenstoff unter anderem auch auf den Bewegungsdrang, das Konsumverhalten und sogar das Talent für Mathe auswirken kann. Außerdem soll das männliche Geschlechtshormon eine wesentliche Rolle für die Empathie spielen. Ein hoher Testosteronspiegel vermindert demnach angeblich die Fähigkeit, die Gedanken und Emotionen von Mitmenschen zu verstehen und sich gleichsam in sie hineinzuversetzen.

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Forscher beobachten dramatischen Vogelschwund

Ein weiblicher Haussperling (Passer domesticus), volkstümlich als Spatz bekannt: Binnen 30 Jahren ist die Population am Bodensee um 50 Prozent eingebrochen
Quelle: dpa/Nicolas Armer

Erst verschwanden die Insekten, dann die Vögel: Forscher zählen am Bodensee immer weniger Brutpaare. Auch in anderen Regionen Deutschlands zeigt sich, dass Arten, die einst als Allerweltsvögel galten, massiv zurückgehen.

WELT

Binnen 30 Jahren ist die Zahl von Vogelbrutpaaren am Bodensee um ein Viertel gesunken. Das zeigt eine Studie von Wissenschaftlern der Ornithologischen Arbeitsgruppe Bodensee und des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie. 1980 lebten demnach am Bodensee noch rund 465.000 Brutpaare, 2012 nur noch 345.000. Einst häufige Vogelarten wie Haussperling, Amsel oder Star seien besonders stark zurückgegangen, so Hans-Günther Bauer, einer der Autoren des Beitrags, der in der Zeitschrift „Vogelwelt“ veröffentlicht ist. Die Entwicklung am Bodensee spiegele zugleich einen europaweiten Abwärtstrend wider.

Auch in anderen Regionen Deutschlands brachen die Bestandszahlen vieler Arten laut dem Ornithologen ein. Allerdings nicht überall genauso dramatisch wie am Bodensee: „Die westlichen und südlichen Regionen sind stärker betroffen als die östlichen und nördlichen.“

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Die Psychoanalyse erinnert den Menschen an seine Grenzen, die Neurowissenschaft lädt ihn ein, sie zu überwinden

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project

Die Neurowissenschaft ist die Leitdisziplin des 21. Jahrhunderts. Sie verspricht dem Menschen Freiheit: Der französische Soziologe Alain Ehrenberg denkt über «Die Mechanik der Leidenschaften» nach.

Oliver Pfohlmann | Neue Zürcher Zeitung

Die Frage, welche Implikationen die Hirnforschung für das Bild hat, das der Mensch sich von sich selber macht, scheint zurzeit schnell beantwortet: Das Bewusstsein, sagt zum Beispiel der amerikanische Neurowissenschafter David Eagleman, sei nur eine Art Beifahrer, so etwas wie eine «Simulation des Gehirns», meint der deutsche Philosoph Thomas Metzinger. Deshalb könnten wir das Konzept Freiheit getrost verabschieden und mit ihm zugleich die grundlegenden Prinzipien des Strafrechts. Denn wo keine Freiheit bestehe, sondern nur neuronale Prozesse herrschten, da, so der deutsche Hirnforscher Gerhard Roth, gebe es natürlich auch keine individuelle Schuld.

Nach der Lektüre von Alain Ehrenbergs neuem Buch über den Aufstieg der Neurowissenschaften im späten 20. Jahrhundert und darüber, was dieser Erfolg über die Gesellschaft aussagt, fragt man sich, ob die zahlreichen diesbezüglichen provokanten Wortmeldungen von Hirnforschern oder dieser Richtung nahestehenden Philosophen nicht primär nur dem Ziel dienten, Aufmerksamkeit zu erwecken.

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The Tricky Problem with Other Minds

Image: NAUTILUS

How our mental states overlap with and diverge from those of other species.

Joseph Ledoux | NAUTILUS

Human “exceptionalism” is for many people an unquestioned assumption. For the religious, it is a God-given fact; for humanists, it is a celebration of our unique mental capacities. No other species has created music, art, literature, or built skyscrapers, or imagined going to the moon and figured out how to go there and how to get back. No other species has found treatments for common illnesses and fatal diseases. We are the only animals that use language to share inner experiences with one another.

Our unique features emerged through changes that made us different from our primate and other mammalian ancestors. The fact is, we continue to change over time. If our species survives long enough, future humans will be different from us, and perhaps new human species, with yet unimaginable capacities, will emerge.

Every species is, by definition, different. We care about our differences because they are ours. But from an evolutionary perspective across the long history of life, our traits are not better or more valuable than those possessed by any other organism.1 They are just different.

One of our purported differences is a source of much debate. And that, of course, concerns the nature of the human mind. To what extent do our mental states overlap with and diverge from those of other species? No one would ever confuse the body of another animal with that of a human. Even our closest primate relatives have bodies that are distinct from ours. Yet we freely attribute mental states similar to those we experience to other animals.

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Von wegen Naturkinder in der Steinzeit: Der Mensch hatte schon viel früher erheblichen Einfluss auf die Umwelt als bisher angenommen

Die Waldbrände in Brasilien und hier in Bolivien sind in aller Munde. Doch schon die Jäger und Sammler des späten Pleistozäns beeinflussten mit Feuern die Umwelt. (Bild: Juan Karita / AP)

Für gewöhnlich gilt die Mitte des 20. Jahrhunderts als Zeitpunkt, da der Mensch die Umwelt in grossem Stil zu verändern begann. Eine Auswertung archäologischer Daten aus aller Welt legt jetzt eine ganz andere Datierung nahe.

Esther Widmann | Neue Zürcher Zeitung

Früher war nicht alles besser. Aber zumindest der Mensch war besser zu seiner Umwelt, so die gängige Annahme: Erst mit der Industrialisierung und vor allem im 20. Jahrhundert habe er begonnen, die Umwelt im grossen Stil zum Negativen zu verändern. Es scheint logisch, dass Jäger und Sammler und später ein paar Kleinbauern die Natur weniger belasten als Massentierhaltung, Billigflüge und Fracking. Das ist vermutlich im Grossen und Ganzen auch so. Aber mit einer Studie, für die sie von Kollegen auf der ganzen Welt Daten gesammelt haben, haben Wissenschafter jetzt herausgefunden, dass der Mensch schon viel früher einen erheblichen Einfluss auf die Umwelt hatte als bisher angenommen: Bereits vor 3000 Jahren sei die Erde durch menschliche Aktivitäten substanziell verändert worden, schreiben sie in der Zeitschrift «Science».1 Diese Erkenntnis steht in deutlichem Kontrast zu der Jahreszahl, die für den Beginn des Anthropozäns, also des Erdzeitalters, in dem der Mensch den Planeten verändert, häufig gehandelt wird: 1950.

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Genvarianten für die sexuelle Orientierung identifiziert

Subtiler Einfluss: Forscher haben fünf Genvarianten identifiziert, die ein gleichgeschlechtliches Sexualverhalten fördern. Allerdings hat jeder einzelne dieser Faktoren nur minimalen Einfluss und nur zwei wirken bei beiden Geschlechtern, wie die bisher umfangreichste DNA-Vergleichsstudie zu diesem Thema ergab. Damit scheint klar: Es gibt weder das eine „Schwulengen“, noch lässt sich die sexuelle Orientierung eines Menschen allein an den Genen ablesen, wie auch die Forscher im Fachmagazin „Science“ betonen.

scinexx

Warum bevorzugen einige Menschen gleichgeschlechtliche Sexualpartner, andere dagegen Menschen des anderen Geschlechts? Klar scheint, dass die sexuelle Orientierung sowohl von psychosozialen wie biologischen Einflüssen geprägt ist. Doch die genauen Ursachen sind unbekannt. Allerdings legt die Häufung von Homosexualität in Familien und bei eineiigen Zwillingen nahe, dass es eine genetische Basis für die sexuellen Vorlieben gibt – ihr Einfluss wird auf rund 30 Prozent geschätzt.

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Ältester Australopithecus bekommt ein Gesicht

Der erste Fund eines Schädels von Australapithecus anamensis gibt diesem Vormenseh nun erstmals ein Gesicht. © Dale Omori, Matt Crow/ Cleveland Museum of Natural History, Rekonstruktion von John Gurche

Spektakulärer Fund: In Äthiopien haben Forscher den ersten Schädel eines Australopithecus anamensis entdeckt – des ältesten Vormenschen dieser Gattung. Der 3,8 Millionen Jahre alte Schädel enthüllt erstmals, wie diese Hominiden aussahen und ermöglicht die Rekonstruktion ihres Gesichts. Gleichzeitig liefert das Fossil wertvolle Informationen über die Evolution der Vormenschen, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten.

scinexx

Bisher fehlte in der menschlichen Ahnengalerie ein wichtiges Portrait: das des Vormenschen Australopithecus anamensis. Dieser Hominide lebte vor rund vier Millionen Jahren in der Afar-Region Äthiopiens – derselben Gegend, in der vor 3,2 Millionen Jahren auch die berühmte Vormenschenfrau „Lucy“ und ihre Spezies Australopithecus afarensis lebte. Deshalb galt der ältere A. anamensis bisher als direkter Vorfahre von Lucy und ihren Artgenossen.

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