Australien: Mensch gegen Riesenwombat

 Echsen, Wombats, tonnenschwere Kängurus: Durch Australien streiften einst riesenhafte Tiere. (Foto: Peter Trusler, Monash University)
Echsen, Wombats, tonnenschwere Kängurus: Durch Australien streiften einst riesenhafte Tiere. (Foto: Peter Trusler, Monash University)
Einst bewohnten gigantische Tiere den australischen Dschungel – wie viel Schuld tragen Jäger und Sammler an ihrem Verschwinden?

Von Ali Vahid Roodsari | Süddeutsche.de

Die Erde zittert, auf der Suche nach Nahrung marschiert ein zwei Tonnen schwerer Wombat durchs Gebüsch. Eine sieben Meter lange Eidechse kriecht aus Angst eilig davon. Eine Schildkröte, so groß wie ein Volkswagen, zieht zum Schutz den Kopf in den Panzer.

So ähnlich könnte eine Szene im australischen Dschungel vor rund 45 000 Jahren ausgesehen haben. Damals bevölkerten noch riesige Tiere – genannt Megafauna – den Kontinent. Irgendwann verschwanden aber die großen Verwandten der heutigen Echsen, Wombats und Schildkröten. Als Grund verdächtigten Forscher bisher den Klimawandel, aber eine neue Studie zeigt: Der Mensch ist wahrscheinlich schuld. (Nature Communications)

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Zum Affen gemacht: Wie eine atheistische Stiftung Stimmung gegen Muslime macht

Themenbild.
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Die Mehrheit der zukünftigen Lehrer muslimischen Glaubens lehnt die Evolutionstheorie ab. Das zumindest behauptet die religionskritische Giordano-Bruno-Stiftung. Doch die Studie, die das beweisen soll, genügt selbst keinen wissenschaftlichen Standards.

Von Fabian Köhler | IslamiQ

Wächst an unseren Universitäten eine Generation muslimischer Kreationisten im Lehrergewand heran? Lehren muslimische Pädagogen demnächst, die Entstehung des Menschen durch Lehm und Rippe anstatt durch Mutation und Selektion? Lernen unsere Kinder im Biologieunterricht bald die koranische Schöpfungsgeschichte anstatt der Mendelschen Gesetze?

Diesen Eindruck kann bekommen, wer dieser Tage auf islamfeindlichen Seiten in Sozialen Netzwerken unterwegs ist. Auslöser ist eine Meldung der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung (GBS). „Mehrheit der muslimischen Lehramtsstudenten bestreitet die Evolution“, schrieb diese vergangene Woche auf ihrer Website und viele Medien schrieben ab. Einer Befragung unter Lehramtsstudenten zufolge sollen 60 Prozent der zukünftigen Lehrer muslimischen Glaubens bestreiten, dass der heutige Mensch aus affenartigen Vorfahren hervorgegangen ist“. Sogar 70 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten würden die  Evolutionstheorie gleich ganz ablehnen.

Von einer „bildungspolitischen Katastrophe“ spricht der Vorsitzende der GBS Michael Schmidt-Salomon auf der Website der Stiftung: Wer die Evolutionstheorie ablehne, habe „keinen universitären Abschluss verdient“, schreibt der Philosoph dort und fordert, muslimische Lehramtsstudenten nicht weiter „auf wehrlose Kinder loszulassen“. [https://www.giordano-bruno-stiftung.de/meldung/muslime-evolution].

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Warum sich „weibliche Gene“ stärker mischen

Hamletbarsche sind Zwitter und können zugleich Vater und Mutter ihrer Nachkommen sein. Die Gene ihrer Eizellen werden dabei stärker durchmischt als die ihrer Spermien. (Bild: © O. Puebla)
Hamletbarsche sind Zwitter und können zugleich Vater und Mutter ihrer Nachkommen sein. Die Gene ihrer Eizellen werden dabei stärker durchmischt als die ihrer Spermien. (Bild: © O. Puebla)

Ein Hamletbarsch kann Vater und Mutter seiner Nachkommen sein – eine Eigenschaft, die Forschern hilft aufzuklären, warum Gene in einem Geschlecht – meistens dem weiblichen – oft stärker rekombiniert werden. Demnach halten diese unterschiedlichen Rekombinationsraten besonders egoistische Gene im Zaum. Die Rekombination ist eine wichtige Triebfeder der Evolution.

Von Dr. Kerstin Mehnert, Dr. Harald Rösch | LABOR PRAXIS

Ob Pflanze oder Tier – beim Übergang von einer Generation zur nächsten werden die Gene neu gemischt, bevor sie auf Ei- und Samenzellen verteilt werden. In der Regel werden die Gene in den Keimzellen des Elternteils mit unterschiedlichen Geschlechtschromosomen, meistens also dem männlichen Organismus, jedoch weniger oder gar nicht gemischt. Forscher des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie in Plön haben zusammen mit Kollegen vom Helmholtz Zentrum für Meeresforschung in Kiel, der Universität Kiel und dem Smithsonian Tropical Institute in Panama eine mögliche Ursache für dieses Phänomen gefunden. Dazu analysierten sie die Rekombinationsraten eines ungewöhnlichen Modellorganismus: des aus der Karibik stammenden Schwarzen Hamletbarsches Hypoplectrus nigricans.

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Naturforschung: 200 Jahre Senckenberg

Präparator Christian Kopp 1934 mit einem Elchkopf. Foto: Senckenberg
Präparator Christian Kopp 1934 mit einem Elchkopf. Foto: Senckenberg
Konzerte, Partys, Wettbewerbe, Ausstellungen – mit großem Programm geht die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung in ihr Jubiläumsjahr. Von der Stadt gibt es dazu ein symbolisches Präsent: Die U-Bahnstation Bockenheimer Warte erhält zusätzlich den Namen Senckenberg.

Von Thomas Stillbauer | Frankfurter Rundschau

Im kommenden November jährt sich zum 200. Mal der Gründungstag. Was bis dahin geplant ist, und auch, was die Wissenschaftler schon erreicht haben, darüber gaben sie am Montag Auskunft im Naturmuseum.

Ein würdiger Auftakt braucht einen würdigen Ehrengast. Zum offiziellen Start ins Senckenberg-Jubiläumsjahr sind am Montag gleich zwei gekommen: Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) – und Johann Christian Senckenberg höchstpersönlich. Na gut, fast persönlich. Der Uni-Dozent und Biologe Helmut Wicht, erfahrener Senckenberg-Mime, ist wieder mal ins Kostüm aus der Zeit des großen Naturwissenschaftlers, Stifters und Namenspatrons (1707–1772) geschlüpft.

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Schlangen: Rasanter Todes-Biss

Temporeicher Angriff: Schlange beißen oft so schnell zu, dass ihre Beute kaum eine Chance hat. Forschern ist es nun zum ersten Mal gelungen, diese rasanten Angriffe mit Highspeed-Kameras in der freien Natur zu filmen. Ihre Aufnahmen von Klapperschlangen bei der Jagd auf Kängururatten zeigen: Die Vipern sind mitunter noch schneller als gedacht – aber trotzdem nicht immer erfolgreich.

scinexx

Im Tierreich kommt es oft auf das richtige Timing an. Wer als Jäger Erfolg haben will, muss seiner Beute möglichst unbemerkt auflauern und dann im perfekten Moment zuschlagen. Je schneller der Angriff, desto schlechter stehen dabei meist die Überlebenschancen für die Beute. Denn Zeit zu reagieren bleibt dann kaum noch.

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Dinosaurier: Tod durch Kälte?

Der Einschlag eines Asteroiden beendete die Ära der Dinosaurier © satori13/ thinkstock
Der Einschlag eines Asteroiden beendete die Ära der Dinosaurier © satori13/ thinkstock
Katastrophaler Dauerfrost: Die Dinosaurier sind vor rund 66 Millionen Jahren wahrscheinlich schlicht erfroren. Denn eine neue Klimasimulation legt nahe, dass sich die Erde nach dem Einschlag des Asteroiden katastrophal abkühlte. Die globalen MItteltemperaturen könnten unter den Gefrierpunkt gefallen sein – und dieser Frost dauerte mehrere Jahre an, wie die Forscher ermittelten.

scinexx

Zwar ist klar, dass die Dinosaurier vor rund 66 Millionen Jahren aussterben, was aber ihr Erde verursachte und wie schnell es kam, darüber wird seit Jahren gestritten. Einige sehen im Einschlag des Chicxulub-Asteroiden den Hauptschuldigen, andere in den katastrophalen Vulkanausbrüchen der Dekkan Trapps oder in einem Doppelschlag von beidem. Strittig ist auch, ob die Dinosaurier ohnehin schon im Niedergang begriffen waren oder ob sie das Ende plötzlich traf.

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Evolutionstheorie: Studie sieht Akzeptanz besonders unter muslimisch geprägten Lehramtstudenten schwinden

Die Evolutionstheorie besagt nicht, dass wir vom Affen abstammen; es ist etwas komplizierter
Die Evolutionstheorie besagt nicht, dass wir vom Affen abstammen; es ist etwas komplizierter

Rund 70 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten in Deutschland lehnen die Evolutionstheorie ab, fast 60 Prozent bestreiten, dass der heutige Mensch aus affenartigen Vorfahren hervorgegangen ist.

News4teachers

Die Daten, die die „Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland“ (fowid) auf ihrer Website veröffentlicht hat, belegen nach Ansicht des Philosophen und Vorstandssprechers der Giordano-Bruno-Stiftung Michael Schmidt-Salomon eine „bildungspolitische Katastrophe“. Wer religiös so voreingenommen sei, dass er nicht einmal die „hunderttausendfach belegte Tatsache der Evolution“ akzeptieren könne, habe keinen universitären Abschluss verdient.

In der Debatte um das Kopftuch in der Schule argumentierten Verteidiger des Kopftuchs, es komme nicht darauf an, was eine Person auf ihrem Kopf habe, sondern was sie in ihrem Kopf habe. Nimmt man dieses Argument ernst, stimmen die Daten bedenklich, die der Biologiedidaktiker Dittmar Graf in Deutschland und in der Türkei erhob und für die „Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland“ (fowid) anhand der Religionszugehörigkeiten neu analysierte.

Denn Graf fand in seinen Studien heraus, dass nicht nur 94 Prozent der Lehramtsstudenten in der Türkei, sondern fast 70 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten in Deutschland die Evolutionstheorie ablehnten. Nur 41 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten an deutschen Universitäten stimmten der Aussage zu, die Evolutionstheorie sei eine wissenschaftlich anerkannte Theorie – konfessionsfreie Studenten waren mit dieser Aussage immerhin zu 84 Prozent einverstanden, Katholiken und Protestanten zu 80 bzw. 81 Prozent. Nur bei den freikirchlich organisierten Lehramtsstudenten war der Anteil derer, die der Evolutionstheorie eine wissenschaftliche Grundlage zubilligten, mit 44 Prozent ähnlich gering ausgeprägt.

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Warum werden Frauen früh unfruchtbar?

 Orca mit Nachwuchs. (Foto: AFP)
Orca mit Nachwuchs. (Foto: AFP)
Aus Sicht der Evolution ist es wenig sinnvoll, dass Frauen nur bis zur Hälfte ihres Lebens Kinder bekommen können. Ein Blick auf Killerwale aber zeigt: Die Menopause bewahrt sie vor Konflikten.

Von Kai Kupferschmidt | Süddeutsche.de

Für die meisten Menschen sind Großmütter ein Geschenk des Himmels, doch für Biologen sind sie ein Problem: Warum werden Frauen schon mit 50 Jahren unfruchtbar, wenn sie doch noch Jahrzehnte weiterleben? Im Wettlauf der Gene hat derjenige einen Vorsprung, der die meisten Kopien ins Rennen schickt.

Da scheint die beste Strategie für Weibchen klar zu sein: Nachfahren zeugen bis zum Lebensende. Die meisten Tiere machen das, doch nicht der Mensch. Warum? Nun glauben Wissenschaftler herausgefunden zu haben, woher die Güte der Großmütter stammt – ausgerechnet durch eine Studie an Killerwalen.

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Plattentektonik: Indien war doch nicht isoliert

Am Ende der Kreidezeit war Indien noch dabei, auf Asien zuzudriften. Wie isoliert der Subkontinent dabei war, ist strittig. © Stebner et al. /PLoS ONE, CC-by-sa 4.0
Am Ende der Kreidezeit war Indien noch dabei, auf Asien zuzudriften. Wie isoliert der Subkontinent dabei war, ist strittig. © Stebner et al. /PLoS ONE, CC-by-sa 4.0
Gängige Theorie widerlegt? Indien war während seiner Drift nach Norden offenbar weniger isoliert als gedacht. Denn in indischem Bernstein haben Forscher 54 Millionen Jahre alte Mücken entdeckt, die damals auch in Europa und Asien vorkamen. Das spricht dafür, dass es während der Drift Indiens sehr wohl einen Faunenaustausch zwischen Indien und den anderen Landmassen gab, so die Forscher im Fachmagazin „PloS ONE“.

scinexx

Der indische Subkontinent hat bereits eine lange Reise hinter sich: Noch vor rund 130 Millionen Jahren bildete Indien mit der Antarktis und Australien einen Teil des Südkontinents Gondwana. Dann brach Indien zusammen mit Madagaskar und den Seychellen davon ab und begann, nach Norden zu driften. Vor rund 80 Millionen Jahren trennten sich auch die beiden Inseln ab und Indien driftete im Turbotempo auf Asien zu.

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Das genetische Totenbuch

Bild: 4ever.eu
Bild: 4ever.eu
Die natürliche Auslese stattet jedes Lebewesen mit den Genen aus, die seinen Vorfahren – einer wortwörtlich ununterbrochenen Abstammungslinie von ihnen – in ihrer jeweiligen Umwelt das Überleben ermöglichte. Zu dem Grad, wie seine gegenwärtige Umwelt derjenigen seiner Vorfahren ähnelt, ist ein modernes Tier für das Überleben und für die Weitergabe seiner Gene gut gerüstet. Die „Adaptionen“ eines Tieres, seine anatomischen Details, Instinkte und seine interne Biochemie, sind eine Serie von Schlüsseln, die genau in die Schlösser der Umwelt seiner Vorfahren passen.

Von Richard Dawkins | Richard-Dawkins-Foundation

Hat man einen Schlüssel, kann man das Schloss nachbauen, in das er passt. Geht man von einem bestimmten Tier aus, sollte man in der Lage sein, die Umwelt zu rekonstruieren, in der die Vorfahren jenes Tieres überlebten. Ein Zoologe mit dem entsprechenden Fachwissen kann anhand eines ihm vormals unbekannten Tieres einige der Schlösser nachbauen, die man mit den passenden Schlüsseln öffnen kann. Viele von diesen sind offensichtlich. Füße mit Schwimmhäuten verweisen auf ein Leben am oder im Wasser. Tiere mit einem Tarnmuster und einer Tarnfarbe auf dem Fell tragen wortwörtlich ein Bild der Umwelt auf ihrem Rücken, in der ihre Vorfahren einst Raubtieren entwischt sind.

Die meisten Schlüssel, mit denen ein Tier ausgestattet ist, sind allerdings nicht offensichtlich. Viele sind tief in der zellulären Chemie vergraben. Alle von ihnen sind auf eine noch schwerer identifizierbare Weise auch in ihrem Genom verborgen. Könnten wir nur das Genom auf eine angemessene Weise lesen, so wäre es eine Art Negativbild-Abdruck uralter Welten, eine Beschreibung der uralten Umwelt der Spezies: das genetische Totenbuch.

„Könnten wir nur das Genom auf eine angemessene Weise lesen, so wäre es eine Beschreibung der uralten Umwelt der Spezies: das genetische Totenbuch.“

Natürlich werden die Inhalte des Buches die zeitlich näher an der Gegenwart liegenden Umweltbedingungen der Vorfahren bevorzugt behandeln. Das Buch des Kamel-Genoms beschreibt die vergangenen Jahrtausende, als die Vorfahren des Kamels durch Wüsten wanderten. Es muss darin aber auch Beschreibungen der Meere des devonischen Zeitalters geben, bevor die weit entfernten Vorfahren des Säugetiers einst auf das Land gekrochen sind. Das genetische Buch einer Riesenschildkröte beschreibt den Lebensraum seiner jüngsten Vorfahren auf den Galapagos-Inseln am lebhaftesten; und daraufhin die Zeit davor auf dem südamerikanischen Festland, wo ihr kleinerer Vorfahre gediehen ist. Wir wissen aber auch, dass sich alle modernen Landschildkröten einst aus Meeresschildkröten entwickelt haben und darum wird das genetische Buch der Galapagos-Schildkröte etwas ältere Meeresszenen beschreiben. Diese älteren Meeresschildkröten stammten allerdings selbst von noch viel älteren Landschildkröten aus dem Trias-Zeitalter ab. Und wie alle Landwirbeltiere stammen diese Trias-Schildkörten von Fischen ab. Das genetische Buch der Galapagos-Riesenschildkröte ist ein verwirrendes Palimpsest aus Wasser, das von Land bedeckt ist, auf dem Wasser liegt, das von Land bedeckt ist.

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Forscher aktivieren bei Mäusen Jagdinstinkt per Knopfdruck

 Ausgangspunkt für die Untersuchung war die Frage, welche Mechanismen und Nervenverbindungen Wirbeltieren die Jagd ermöglichen. © Picture Alliance
Ausgangspunkt für die Untersuchung war die Frage, welche Mechanismen und Nervenverbindungen Wirbeltieren die Jagd ermöglichen. © Picture Alliance
Auf den Anblick von Beute reagieren viele Tiere unmittelbar: Alle Sinne sind nur noch darauf fixiert, zu jagen und zu töten. Solches Verhalten lässt sich künstlich auslösen – mit einem einfachen Lichtsignal. Attackiert wird dann alles. Abgesehen von Artgenossen.

stern.de

Forscher können Mäuse auf Knopfdruck zu wilden Killermaschinen machen. Möglich werde das über die Aktivierung von Neuronen im Mandelkern des Gehirns über Lichtsignale, berichten Forscher aus Brasilien und den USA im Fachjournal „Cell“. Dort liegen die Wurzeln des Jagdverhaltens von Tieren, dort wird die Verfolgung und Tötung von Beutetieren initiiert.

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Evokids-Projekt: Ein Geschenk für Erdogan


Die türkische Regierung führt seit Jahren einen beispiellosen Propagandafeldzug gegen die Evolutionstheorie. Sie sorgte dafür, dass der kreationistische „Atlas der Schöpfung“ von Harun Yahya eine Auflage von mehreren Millionen Exemplaren erreichte und an viele Schulen des Landes verteilt wurde, und ließ Internetfilter entwickeln, mit denen Webseiten zur Evolutionstheorie nicht mehr aufgerufen werden konnten. Vergeblich haben türkische Wissenschaftler vor den Folgen dieser Wissenschaftsfeindlichkeit gewarnt. Um sie zu unterstützen und türkischsprachigen Kindern einen Einblick in die faszinierende Welt der Evolution zu geben, hat das Evokids-Projekt heute eine türkische Fassung des Lehrfilms „Big Family – Die phantastische Reise in die Vergangenheit“ veröffentlicht.

Pressemitteilung GBS

Die deutsche Originalfassung des Films, der auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Michael Schmidt-Salomon und Anne-Barbara Kindler beruht, ist Teil der Evokids-Lehrmaterialien für den Evolutionsunterricht an Grundschulen. Nach Anfragen aus dem Ausland hat das Evokids-Team bereits im vergangenen Jahr eine englischsprachige Synchronfassung des Films erstellt. „Mit der englischen Fassung wollten wir ein Gegengewicht zu den Propagandamaterialien US-amerikanischer Kreationisten schaffen“, erklärt der Philosoph und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung Michael Schmidt-Salomon, einer der Leiter des Evokids-Projekts. „Diese Materialien hatten nicht nur in den USA durchschlagenden Erfolg, weshalb die US-Amerikaner keine Hemmungen hatten, mit Mike Pence einen bekennenden Kreationisten zum Vizepräsidenten zu wählen. Sie hatten auch immensen Einfluss auf die islamische Welt, insbesondere auf die Türkei. Deshalb haben wir beschlossen, nach der englischen auch eine türkischsprachige Fassung des Evokids-Films zu produzieren. Es ist ein besonderes Geschenk für den türkischen Präsidenten Erdogan. Allerdings ist davon auszugehen, dass er sich darüber nicht allzu sehr freuen wird. Denn seine Macht beruht nicht zuletzt auf dem Bildungsnotstand, der insbesondere in den ländlichen Regionen der Türkei vorherrscht.“

Nach der türkischen Fassung des „Big Family“-Films denkt das Evokids-Team über weitere fremdsprachige Versionen nach. „Es gab bereits einige Anfragen zu einer arabischen Übersetzung. Und nachdem Vladimir Putin eine bekennende Kreationistin zur Bildungsministerin ernannt hat, fassen wir auch eine russische Version ins Auge. Tatsächlich wächst derzeit der Bedarf an Lehrmaterialien zur Evolution weltweit, da der Kreationismus in vielen Ländern auf dem Vormarsch ist. Es ist bemerkenswert und erschreckend zugleich, wie einträchtig sich die antiliberalen Kräfte rund um den Globus hinter der Fahne des Kreationismus versammeln. So unterschiedlich die politischen Konzepte von Erdogan, Putin und Pence auch sind, so wollen sie doch gleichermaßen eine stärkere gesellschaftliche Akzeptanz der Evolutionstheorie verhindern. Offenkundig spüren diese Leute sehr deutlich, dass ihre autoritäre Berufung auf ‚ewig gültige Werte‘ – ob nun türkisch-islamischer, russisch-orthodoxer oder amerikanisch-evangelikaler Ausrichtung – schnell an Durchschlagskraft verliert, sobald den Menschen die basale Erkenntnis Charles Darwins bewusst wird, dass das einzig Beständige in der Welt der Wandel ist.“

Weitere Informationen: https://evokids.de/content/geschenk-fuer-erdogan

Pressekontakt:

(c) Elke Held, presse(AT)giordano-bruno-stiftung.de

Religiotie: 70 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten lehnen Evolutionstheorie ab

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB
Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Nicht nur unter evangelikalen Christen sind Zweifel an der Evolutionstheorie verbreitet. Laut einer Studie der Giordano-Bruno-Stiftung wird sie auch von fast 70 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten in Deutschland abgelehnt.

stern.de

Rund 70 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten in Deutschland lehnen die Evolutionstheorie ab. Das hat eine Studie der Giordano-Bruno-Stiftung ergeben. Der Vorstandssprecher der religionskritischen Denkfabrik, Michael Schmidt-Salomon, nannte das Ergebnis eine „bildungspolitische Katastrophe“. Wer religiös so voreingenommen sei, dass er nicht einmal die „hunderttausendfach belegte Tatsache der Evolution“ akzeptieren könne, habe keinen universitären Abschluss verdient, kritisierte der Philosoph.

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Dinosaurs Took a Surprisingly Long Time to Hatch

Model of an embryonic dinosaur. Image: Natural History Museum, Vienna/Xenophon
Model of an embryonic dinosaur. Image: Natural History Museum, Vienna/Xenophon
There’s an iconic scene in Jurassic Park depicting the “birth” of a baby velociraptor in a laboratory nest. Defenseless and adorable, the newly hatched predator is cradled by the characters as they ask the park’s staff about its engineering and physiology.

By Becky Ferreira | MOTHERBOARD

But there’s one question the film conveniently leaves out: How long are these dinosaur embryos incubated before they break free of their shells? Do they hatch quickly, like modern birds, or do they take several months to develop, like modern reptiles?

For the purposes of a blockbuster monster movie, the answer is pretty much irrelevant. But for real-life paleontologists, who don’t have the luxury of handling resurrected dinosaur babies like their fictional counterparts, estimating incubation periods has been a persistent mystery due to the sheer scarcity of embryos in the fossil record.

“They’re really cute. Unfortunately, they’re dead. But they’re really cute.”

“Dinosaur embryos are the rarest of the rare,” said Gregory Erickson, a paleobiologist and professor based at Florida State University, in a phone interview with Motherboard. “There’s a very small window [for preservation]. Somehow, the fossilization environment has to percolate down and get minerals to the bones to fossilize them.”

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Geparden sprinten ins Aus

Bedrohter Sprinter: Dem Verlust von Beute und Lebensraum kann selbst der Gepard nicht weglaufen. © ZSL
Bedrohter Sprinter: Dem Verlust von Beute und Lebensraum kann selbst der Gepard nicht weglaufen. © ZSL
Forscher schlagen Alarm: Der schnellste Sprinter im Tierreich ist akut vom Aussterben bedroht. Die Geparden-Bestände sind in den letzten Jahren förmlich zusammengebrochen, weltweit bleiben nur noch 7.100 Tiere übrig. Von den asiatischen Geparden existieren sogar nur noch 50 Exemplare. Ursache der alarmierenden Verluste ist vor allem der enorme Flächenbedarf des schnellen Jägers, der die Geparden aus den Schutzgebieten herausbringt.

scinexx

Geparden gelten als die schnellsten Landtiere der Erde. Dank ihrer herausragenden Lauftechnik erreichen die zierlichen Großkatzen kurzzeitig ein Tempo von gut 100 Kilometern pro Stunde. Die schnellen Jäger waren noch Ende des 19. Jahrhunderts in Afrika und Asien weit verbreitet. Heute jedoch ist ihr Verbreitungsgebiet auf nur noch wenige kleine Überbleibsel geschrumpft – und mit ihnen die Bestände der Geparden.

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Lebt der Denisova-Urmensch in Eskimos weiter?

Eskimofamilie (1929). Bild: heise.de/tp
Eskimofamilie (1929). Bild: heise.de/tp
2008 entdeckte man in der Denisova-Höhle im sibirischen Altaigebirge in einer zwischen 30.000 und 50.000 Jahre alten Schicht einen Fingerknochen und Zahnstücke, die weder zum Homo Sapiens noch zum Neandertalern passten. Eine DNA-Analyse ergab, dass sie zu einem vorher unbekannten Urmenschen gehören, der darauf hin nach der Höhle benannt wurde (vgl. Ein neuer Mensch).

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Als das Denisova-Genom mit dem anderer Menschen verglichen, stießen sie zuerst lediglich auf Hinterlassenschaften im Erbgut von Melanesiern in Neuguinea, australischen Aborigines und philippinischen Negritos (vgl. Von Sibirien bis Papua-Neuguinea). Später fanden sie Denisovaner-DNS auch in einem 400.000 Jahre alten Oberschenkelknochen in der nordspanischen Höhle Sima de los Huesos (vgl. Urahnen-Gene) und – allerdings nur zu 0,2 Prozent – bei Asiaten und Indianern (vgl. Frühmenschlicher Sex-Reigen).

2014 zeigte die Evolutionsgenetikerin Emilia Huerta-Sanchez in einer in Nature veröffentlichten Studie mit Tibetern, dass Denisovanergene vor allem dort überlebten, wo sie sich als nützlich für das Überleben erwiesen – in einer Variante des Gens EPAS1, die den Bewohnern des Himalaya-Gebirges das Auskommen mit weniger Sauerstoff ermöglicht. Dort, in Höhenlangen von bis zu 4.000 Metern, enthält die Luft etwa 40 Prozent weniger Sauerstoff als auf Meereshöhe.

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Zappa-Schnecken, Jagger-Wassernymphen und Lemmy-Borstenwürmer

 Seit einem Jahr lebt auch sein Namenspate nicht mehr: Kalloprion kilmisteri Quelle: Pressestelle Stadt Chemnitz
Seit einem Jahr lebt auch sein Namenspate nicht mehr: Kalloprion kilmisteri Quelle: Pressestelle Stadt Chemnitz
Wer zählt die Arten, nennt die Namen? In Chemnitz lassen sich jetzt die schönsten Fossilien bewundern, die nach Musikern benannt sind. Zappa-Schnecken, Jagger-Wassernymphen und Lemmy-Borstenwürmer.

Von Michael Pilz | DIE WELT

Der Mensch erkennt die Welt, indem er sie benennt. Amaurotoma zappa heißt die ausgestorbene Meerschnecke, die 1972 in der Wüste von Nevada aus dem Sediment auftauchte. Der Paläobiologe Leo P. Plas Jr. gab ihr ihren Namen. Im Naturkundemuseum Chemnitz ruht die Schnecke hinter Glas als Sündenfall der taxonomischen Nomenklatur, darüber hängt ein Album von Frank Zappa. Seit man ein versteinertes Geschöpf nach ihm benannt hat, werden neu entdeckte Urtiere gern mit den Namen großer Musiker versehen. Wie der Borstenwurm Kalloprion kilmisteri, ein Meeresungeheuer wie aus einem Horrorfilm: Es lebte im Silur vor mehr als 400 Millionen Jahren und wurde 2006 vom Schweden Mats E. Erikson nach Lemmy Kilmister von Motörhead benannt.

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Winzlinge auf Wanderung

 Marienkäfer verhalten sich offenbar manchmal wie Zugvögel: Wenn die Zeit gekommen ist, die Winde günstig stehen, dann brechen sie zu Abertausenden auf, um einen besseren Ort zu finden. (Foto: San Martin Gilles; CC 2.0)
Marienkäfer verhalten sich offenbar manchmal wie Zugvögel: Wenn die Zeit gekommen ist, die Winde günstig stehen, dann brechen sie zu Abertausenden auf, um einen besseren Ort zu finden. (Foto: San Martin Gilles; CC 2.0)
Schmetterlinge, Falter, Schwebfliegen – Billionen Insekten ziehen wie Zugvögel über weite Strecken. Das Ausmaß wird Wissenschaftlern erst jetzt klar.

Von Elizabeth Pennisi | Süddeutsche.de

Vögel und menschliche Touristen in Flugzeugen sind nicht die einzigen Kreaturen, die sich jedes Jahr auf dem Weg nach Norden oder Süden in die Lüfte erheben. Auch Insekten zählen zu den Fernreisenden: Alleine im südlichen Großbritannien schwirren zwei bis fünf Billionen Fluginsekten zwischen einzelnen Regionen hin und her. Das haben Messungen mit Radargeräten in den vergangenen Jahren gezeigt. Die fliegenden Insekten sind derart zahlreich, dass sie alleine in der beobachteten Region mehrere Tonnen Biomasse auf die Waage bringen würden. Es ist ein großes Summen und Schwirren: Die Tiere legen jeden Tag bis zu mehrere Hundert Kilometer zurück – was zeigt, dass nicht nur Zugvögel, sondern auch Insektenpopulationen über lange Strecken ziehen.

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Dezember 1831: Darwin startet mit der Beagle in die Welt

foto: mary evans/picturedesk Das Vermessungsschiff HMS Beagle (hier in der Magellanstraße dargestellt) ging in die Wissenschaftsgeschichte ein.
foto: mary evans/picturedesk Das Vermessungsschiff HMS Beagle (hier in der Magellanstraße dargestellt) ging in die Wissenschaftsgeschichte ein.
An Bord des Vermessungsschiffes HMS Beagle bricht der 22-jährige Forscher zu einer fünfjährigen Expedition auf. Danach wird er die Biologie umkrempeln

Von David Rennert | derStandard.at

Als Charles Robert Darwin im August 1831 von einer geologischen Exkursion nach Wales zurück in sein Elternhaus im englischen Shrewsbury kehrte, wartete der folgenreiche Brief bereits auf ihn. Absender war der Botaniker und Geologe John Stevens Henslow, den Darwin in Cambridge kennengelernt und dessen Vorlesungen er mit großer Begeisterung besucht hatte.

Henslow schrieb ihm nun, dass ein gewisser Kapitän Robert FitzRoy für eine kartografische Expedition nach Südamerika einen naturwissenschaftlich qualifizierten Begleiter suche – und er ihm Darwin dafür vorgeschlagen habe. Die voraussichtlich etwa zwei Jahre dauernde Reise, so Henslow, biete für einen jungen Forscher eine geradezu einmalige Chance.

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Die Gefahr, die aus der Kälte kam

 Expedition in einem sibirischen Krater im November 2014. Rechts unten, als kleines Licht, einer der Wissenschaftler und Permafrost-Experten Quelle: REUTERS
Expedition in einem sibirischen Krater im November 2014. Rechts unten, als kleines Licht, einer der Wissenschaftler und Permafrost-Experten Quelle: REUTERS
Der Permafrostboden der Arktis konserviert alles, was einmal lebendig war. Doch durch die globale Erwärmung tauen jetzt seine Geheimnisse auf – einige davon wären besser verborgen geblieben.

Von Caroline Ring | DIE WELT

Es war ein kleines Eichhörnchen, das vor 30.000 Jahren der Nachwelt einen großen Dienst erwies. Früchte und Samen hatte es im Boden Sibiriens vergraben, im Sommer, als die Erde nicht gefroren war. Doch dann im Winter hatte es vergessen, wo seine Schätze lagen. Und so ruhten die Vorräte lange Zeit unberührt im eisigen Boden, Jahr um Jahr wurde die Schicht darüber dicker. Dreißig Meter waren es, als das Versteck wieder zum Vorschein kam. Wie russische Geologen 2012 berichteten, trafen sie zufällig darauf, als sie eine Bodenprobe entnahmen.

Überrascht stellten die Forscher der Russischen Akademie der Wissenschaften fest, dass sich im Labor aus den gefrorenen Früchten noch eine Pflanze ziehen ließ: Silene stenophylla, ein kleines Gewächs mit zarten weißen Blüten. Noch größer war das Erstaunen, als das französische Forscherpaar Jean-Michel Claverie und Chantal Abergel 2014 noch etwas anderes in dem Erdbrocken fand, was all die Zeit unbeschadet überstanden hatte: ein riesiges, bis dahin unbekanntes Virus.

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