Archiv der Kategorie: Evolutionstheorie

Überraschender Fund in den Fußspuren von Laetoli

Diese Grafik zeigt die digital getrennten Abdrücke der zweiten Fährte von Laetoli © Bournemouth University
Prähistorische Spuren: Die ältesten Fußspuren unserer Vorfahren könnten nicht nur von drei, sondern sogar von vier Individuen stammen. Indizien dafür haben britische Forscher entdeckt, als sie mit Hilfe modernster Forensik-Software die überlagerten Abdrücke trennten und analysierten. Dabei zeigte sich, dass sie von vier verschiedenen Personen stammen könnten. Ihre virtuelle Auftrennung macht es nun erstmals möglich, mehr über diese prähistorischen Wanderer zu erfahren.

scinexx

Die Fußabdrücke von Laetoli im Norden Tansanias sind weltberühmt, denn sie sind das älteste Zeugnis eines aufrechtgehenden Vormenschen: Schon vor rund 3,6 Millionen Jahren wanderten hier Vertreter des Australopithecus afarensis über den mit vulkanischer Asche bedeckten Grund. Neuere Analysen dieser 1976 von der Anthropologin Mary Leakey entdeckten Spuren belegen zudem, dass die Zeitgenossen der berühmten Vormenschenfrau “Lucy” schon einen erstaunlich modernen Gang besaßen.

weiterlesen

Darwins Streiter

Darwin statt Kreuz. Die Bücher von Richard Dawkins (75) kreisen um die Ideen des Begründers der Evolutionstheorie.Foto: Aus dem Buch
Biologe, Autor und Atheist: Der streitbare und umstrittene Richard Dawkins hat seine Memoiren vorgelegt.

Von Hartmut Wewetzer | DER TAGESSPIEGEL

1976 brachte ein junger Wissenschaftler von der Universität Oxford die Welt der Biologie in Unordnung. Seine Name: Richard Dawkins. Mit seinem ersten Buch, dem er den provokanten Titel „Das egoistische Gen“ gab, löste der 35-Jährige ein bis heute nachhallendes geistiges Beben aus. Und bis heute ist Dawkins jemand, der keine lauwarmen Reaktionen zulässt. Man kann ihn lieben oder hassen, ist für oder gegen ihn – gleichgültig lässt er kaum jemanden. „Man kann mir vieles vorwerfen, aber nicht, dass ich ein Langweiler bin“, hat Dawkins dazu mit dem ihm eigenen Sarkasmus bemerkt. Pünktlich zu seinem 75. Geburtstag ist nun seine Autobiografie unter dem Titel „Die Poesie der Naturwissenschaften“ auf Deutsch erschienen.

„Das egoistische Gen“ ist eigentlich eine Abrechnung mit der Idee der Gruppenselektion. Also der Vorstellung, dass die Ebene der Gruppe eine wichtige Bühne ist, auf der sich die Evolution, die Entwicklung der Lebewesen, abspielt. Die natürliche Auslese (Selektion), der Motor der Evolution, begünstigt demnach Gruppen von Organismen. Der Einzelne tritt hinter dem Kollektiv zurück.

weiterlesen

Wo der Kult beginnt

Schimpansen-Ritual (Foto: MPI-EVA PanAf/Chimbo Foundation)
  • Schimpansen zeigen Rituale, deren Sinn sich Wissenschaftlern noch nicht erschließt.
  • Manche werfen mit Steinen auf Bäume, andere zeigen “Regen-” oder “Wasserfall-Tänze”.
  • Einige Forscher halten dies für mögliche Hinweise auf den Ursprung von Religiosität.

Von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Für die meisten Strenggläubigen ist klar: Überirdische Wesen sind in der Vergangenheit auf die eine oder andere Weise in Kontakt mit Menschen getreten, haben sich als Götter offenbart oder – wie viele Mythen besagen – ins Weltgeschehen eingegriffen.

Die alternative Erklärung ist: Religiosität hat sich im Rahmen der Evolution des Menschen entwickelt. Nicht Götter haben den Menschen erschaffen, sondern es war umgekehrt. Irgendwann sind demnach unsere Vorfahren auf die Idee gekommen, dass hinter unbegreiflichen Vorgängen göttliche Mächte stecken. Spätestens seit der Steinzeit vor etwa 120 000 Jahren sprechen jedenfalls Grabbeilagen sowohl bei Neandertalern als auch beim Homo sapiens immerhin für Bestattungsrituale.

weiterlesen

“Are We Smart Enough to Know How Smart Animals Are?”

Image: Frans de Waal/FB
Image: Frans de Waal/FB
Tomorrow (Monday: 25 April, 2016) will be the official pub date of my book “Are We Smart Enough to Know How Smart Animals Are?” This means that the English version is, or should be, in the stores and that if you order the book from an internet provider, it will be shipped to you right away. Many translations are either coming out or in the works, while the UK edition will appear early September, 2016, in London.

By Frans de Waal | Facebook

It has been a long journey from writing to production to having the book available, and I appreciate all of the patience of those who wanted to read it right away. If you have read the book and liked it and wish to promote it, one great way is to put a glowing review on the Amazon.com website. Amazon ratings and reviews do matter. Another way, of course, is the good-old word-of-mouth method of recommending the book to others.
Several reviews of the book have already appeared in print or on the internet, and I am sure many more will follow in the coming days and weeks. There is even a placement on the “best new books” list of, yes, People magazine. It is also on Publisher’s Weekly tip sheet. The New York Times published an extract as well as a book review, as did Slate.com. Science Friday did a radio interview on the book on April 22nd – you can listen to it here. In the meantime in the Netherlands, the book entered within days the top ten of non-fiction books.
The key message that animals are a lot smarter than science has given them credit for is likely to resonate. The book pays ample attention to the history of my field, including the question why it has taken so long to reach this conclusion. We stand at the beginning of a new way of looking at animal intelligence. The present generation of scientists focuses on the animals themselves rather than on the tired old question of what makes humans special. The book’s goal is to make new knowledge accessible. The first reviews indicate that everyone thinks it is fun to read.

Schöpfung: Wieviel Evolution darfs denn sein?

intelligent_design

Dieser Vortrag war eine intellektuelle Herausforderung: Den Tag mit einigen erbaulichen Gedanken über Religion und die Entstehung der Welt langsam ausklingen zu lassen, war nicht möglich. Dafür gab es umso mehr zu erfahren.

SBÜ |Onetz

Mit Professor Dr. Wolfgang Schoberth hatte der Freundeskreis Evangelische Akademie Tutzing einen bekannten Geisteswissenschaftler geladen, der religiöse und philosophische Gedanken auf einem sehr hohen Niveau vortrug. Wer die gedanklichen Reise zu Evolution und Schöpfung dennoch mitmachte, wurde belohnt.

Schoberth ist Theologe, Philosoph und Soziologe an der Universität in Erlangen. So beleuchtet er die biblische Schöpfungsgeschichte und die naturwissenschaftlichen Evolutionstheorien aus verschiedensten Blickwinkeln. Mit Verweis auf die naturwissenschaftlichen Erklärungen der Entstehung von Erde und Weltraum stellte er die Frage: “Hat sich die biblische Vorstellung, dass Gott die Quelle allen Ursprungs ist, erledigt?” Ähnlich auch die Frage: “Wo ist noch Raum für einen aktiv handelnden Gott?”

Glaube an Gott obsiegt

Dass beim Theologen Schoberth am Ende der Glaube an Gott als Schöpfer der Welt obsiegt, überrascht zwar nicht. In seinen Überlegungen, auf dem Weg dahin, liegt jedoch der eigentliche Erkenntniswert. Erster zentraler Gedanke zur Frage, ob Schöpfungsglaube oder Evolutionstheorie die Entstehung unseres Universums erklärt, lautet: “Solange die beiden Sichtweisen innerhalb eigener Logik- und Systemgrenze bleiben, gibt es keinen Konflikt.”

weiterlesen

Babys der Riesen-Dinos waren frühreif

Das Jungtier des Rapetosaurus war bei seinem Tod nur etwa hundegroß. © R. Martin und K. Curry Rogers
Exakte Miniatur-Kopie: Die Jungtiere des 15 Meter langen Dinosauriers Rapetosaurus waren offenbar erstaunlich frühreif, wie der Fund eines noch sehr kleinen Jungtiers zeigt. Denn dieses nur knapp bis zu unseren Knien reichende Dino-Baby hatte bereits die gleichen Körperproportionen wie seine riesenhaften Eltern. Das spricht dafür, dass diese Sauropoden bereits kurz nach dem Schlupf schon sehr selbstständig waren, so die Forscher im Fachmagazin “Science”.

scinexx

Sie waren die größten Landtiere unseres Planeten: Pflanzenfressende Titanosaurier wie der 60 Tonnen schwere Dreadnoughtus, der bis zu 40 Meter lange Argentinosaurus oder der immerhin noch 15 Meter lange Rapetosaurus waren echte Giganten. Doch wie ihr Nachwuchs aussah und vor allem, wie er es schaffte, auf eine so gewaltige Größe heranzuwachsen, war aus Mangel an Fossilien unbekannt – bis jetzt.

weiterlesen

Lebende Gesellschaften und aussterbende Gender-Unisexmenschen

Bild: RDF
In SHIFT Vol. 3 haben wir vier Debatten-Beiträge zum Thema „Gender Mainstreaming“ veröffentlicht. Prof. Dr. Ulrich Kutschera hat sich in diesem zusätzlichen Online-Kommentar nochmal näher mit den Beiträgen und ihren Argumenten auseinandergesetzt.

Von Ulrich Kutschera | Richard Dawkins-Foundation

Als Physiologe und Evolutionsbiologe mit jahrzehntelanger Erfahrung im Bereich der ergebnisoffenen Grundlagenforschung begrüße ich es nachdrücklich, dass die Zeitschrift SHIFT eine vierteilige Serie von Kommentaren publiziert hat, in welchen der Themenbereich „Soziologische Geschlechterforschung“ bzw. „Politikprogramm Gender Mainstreaming (GM)“ thematisiert worden ist. Was können wir aus diesen Kommentaren lernen?

Der erste Autor, ein Gender-kritischer Selbstdenker, beginnt seine Ausführungen mit der Beschreibung der Doku-Videos des Norwegers Harald Eia. Auch ich schätze diese Filme sehr, da sie auf eindrucksvolle Weise vor Augen führen, dass die soziologischen Spekulationen staatlich alimentierter „Gender-Forscherinnen“ durch naturwissenschaftliche Fakten ad absurdum geführt werden können. Leider musste ich jedoch nach Ansicht der exzellenten Videofilme feststellen, dass kaum ein Argument der interviewten Gender-Kritiker durch entsprechende Fachpublikationen bestätigt werden kann. So findet man z. B. die dort gezeigten Kleinkind-Experimente in Verbindung mit dem Namen des interviewten Wissenschaftlers in keiner Quelle (Jungen krabbeln zu Spielzeugautos und Werkzeug, während die Mädchen bevorzugt nach weichen Bällen und Puppen greifen). Ebenso wenig wird man fündig, wenn man die Aussagen der renommierten Psychologen überprüfen möchte. Kurz: Die wertvollen H. Eia-Videos können von Gender-Ideologinnen problemlos als „unbelegte Diffamierungen ihrer Forschungen“ abqualifiziert werden — es fehlen ganz einfach die Quellenverweise.

Korrekt und sachkundig wird im ersten Kommentar die Geschichte der Einschleusung politischer „Gender-Perspektiven“ in die Berufswelt sowie die Konfusion der Gleichberechtigung mit dem Dogma einer „Macht-Gleichstellung“ thematisiert. Am Ende „outet“ sich der belesene Autor leider als Kreationist: Er glaubt, Gott hätte uns mit guten Absichten ergänzend als Mann und Frau geschaffen. Diese biblische Sicht der Dinge wird unserer evolutiv herausgebildeten „Mann-Frau-Natur“ in keiner Weise gerecht, insbesondere nicht unter Berücksichtigung des „Gender-Paradoxons“.

weiterlesen

Skurril: Wapitis pfeifen wie die Ringgeister

Sieht aus wie ein röhrender Hirsch, zu hören ist aber vor allem ein geisterhaft hoher Schrei. © Yathin S Krishnappa/ CC-by-sa 3.0
Pfeifen statt Röhren: Der Schrei der nordamerikanischen Wapitis passt so gar nicht zu ihrer imposanten Statur. Denn sie stoßen hohe, durchdringende Schreie aus, die eher wie die Rufe der Ringgeister aus dem Herrn der Ringe klingen. Wie diese Hirsche diese seltsam hohen Rufe hervorbringen, haben Biologen nun erstmals aufgeklärt. Sie entdeckten dabei auch, dass die Wapitis tiefe und hohe Töne zugleich erzeugen können.

scinexx

Normalerweise verrät die Tonhöhe einer Stimme oder eines Rufs zumindest in etwa die Größe des Rufers. Große Tiere – oder große Menschen – besitzen längere Stimmbänder und erzeugen daher auch tiefere Rufe. Es verwundert daher nicht, dass Elefanten sogar per Infraschall kommunizieren, währen der höchste Laut im Tierreich von einer kleinen Heuschrecke ausgestoßen wird.

weiterlesen

Space-Grown Mouse Embryos Are a Step Toward Human Colonization

Image of the embryos having developed to the blastocyst stage 80 hours after launch. Image: Enkui Duan. prep.: bb
Image of the embryos having developed to the blastocyst stage 80 hours after launch. Image: Enkui Duan. prep.: bb
Chinese scientists are creeping a tiny bit closer to the future dream of humans colonizing and reproducing in space.

By Emiko Jozuka | MOTHERBOARD

They’ve succeeded, reports the Chinese Academy of Sciences, in developing early-stage mouse embryos aboard the SJ-10, a satellite that was launched into orbit on April 6 from the Jiuquan Satellite Launch Center in northwest China’s Gansu Province.

“This research is a very first step for [we humans] to make interstellar travel and planet colonization come true,” Enkui Duan, the principal investigator of the space mouse embryos project and a researcher at the State Key Laboratory of Stem Cell and Reproductive Biology in Beijing told me over email.

I caught Duan as he spent a sleepless night travelling to retrieve the mouse embryos (some of which survived) from Sizi Wangqi in Inner Mongolia—where the SJ-10 satellite landed on April 18—and back again to his team’s lab in Beijing for further analysis.

weiterlesen

Handbuch zu Genetik und Naturschutz

Der Wildtierökologe Gernot Segelbacher informiert über Möglichkeiten und Grenzen neuer Analysemethoden

Rudolf-Werner Dreier | Universität Freiburg i.Br.

Die Scheu vor dem Einsatz genetischer Methoden im Naturschutz abbauen: Dies ist das Ziel eines neuen Handbuchs, das der Wildtierökologe Prof. Dr. Gernot Segelbacher von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit herausgegeben hat. Zugleich stellen die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dar, welche Möglichkeiten diese Methoden bieten und wo deren Grenzen liegen. Damit richtet sich das Handbuch an Praktikerinnen und Praktiker in Naturschutzorganisationen und Behörden sowie an Entscheidungsträgerinnen und -träger in Politik und Gesellschaft. „Genetische beziehungsweise molekulare Methoden entwickeln sich in den vergangenen Jahren in rasantem Tempo“, sagt Segelbacher. „Sie bieten große Möglichkeiten und wecken Erwartungen, stoßen aber auch auf Unverständnis und führen zu Verunsicherung. Doch gerade im Naturschutz sind genetische Methoden für viele Fragen besonders gut geeignet, für andere ergänzen sie herkömmliche Untersuchungen.“

Bei seiner Forschung an der Universität Freiburg sammelt Segelbacher Daten von Wildtieren wie Auerhühnern, Birkhühnern und Siebenschläfern mit dem Ziel, diese vor dem Aussterben zu retten. Aus Proben von Federn, Kot und Eierschalen kann er im Labor den genetischen Fingerabdruck der einzelnen Individuen erstellen. In seinem Beitrag zum Handbuch zeigt er beispielhaft, wie es möglich ist, die Anzahl von Individuen einer Tierart in einem Gebiet mittels Kotproben zu identifizieren oder den Austausch von Individuen zwischen den Flächen eines Biotopverbundes festzustellen. Derartige Befunde liefern wichtige Informationen für Naturschutz und Raumplanung: Sie geben Aufschluss über die Verbreitung bedrohter Tierarten und zeigen, welche Flächen geschützt werden müssen und wo Korridore und Wildbrücken über Straßen oder Bahnstrecken nötig sind, damit ein genetischer Austausch zwischen mehreren Verbreitungsgebieten stattfinden kann.

Artikel über Gernot Segelbachers Forschung im Magazin uni’wissen:
http://www.pr2.uni-freiburg.de/publikationen/uniwissen/uniwissen-2014-1/#/24

Videointerview mit Gernot Segelbacher auf dem Forschungsportal Surprising Science:
http://www.pr.uni-freiburg.de/pm/surprisingscience/festtage/artenschutz-segelbacher

Originalpublikation:
Holderegger, R./Segelbacher, G. (Hrsg.) (2016): Naturschutzgenetik. Ein Handbuch für die Praxis. Bern.

Kontakt:
Prof. Dr. Gernot Segelbacher
Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-3798
E-Mail: gernot.segelbacher@wildlife.uni-freiburg.de


Insektensterben: Der Trend geht zur sauberen Frontscheibe

Wildbienen im Anflug auf den Bienenstock. © DPA
Die Zahl der Insektenarten ist in Deutschland drastisch gesunken. Auch deshalb sind die Biodiversitätsforscher alarmiert: Denn es fehlt noch ein solides Monitoring.

Von Christian Schwägerl | Frankfurter Allgemeine

Im Orbroicher Bruch nordwestlich von Krefeld wiederholt sich jedes Jahr dasselbe wissenschaftliche Schauspiel. Entomologen rücken in das von Wald und Weiden geprägte, rund hundert Hektar große Naturschutzgebiet ein und stellen weiß leuchtende Zelte auf. Malaise-Fallen heißen die Installationen. Sie sind benannt nach dem schwedischen Insektenkundler René Malaise. Dieser hat sie nicht etwa dafür entwickelt, lästige Mücken zu töten, sondern dafür, einen wissenschaftlich fundierten Überblick über die Insektenfauna eines Gebiets bekommen zu können.

weiterlesen

Kein Leisetreter

Cover_DawkinsDieses Werk ist ein klassischer Wälzer: dick, schwer, inhaltsreich und anspruchsvoll. Mehr als 700 Seiten über ein Leben, das zur Zeit des Erscheinens erst 72 Jahre währte – heute eigentlich kein richtiges Alter mehr. Streng genommen sind es zwei Bücher, die der Verlag zusammengebunden hat und die 2013 beziehungsweise 2015 einzeln in England erschienen. Gemeinsam ergeben sie die Autobiografie von Richard Dawkins, dem weithin bekannten Zoologen, Evolutionsbiologen und Kirchenkritiker.

Von Jürgen Alberti | Spektrum.de

Im ersten Band schildert Dawkins seine frühen Jahre. Unter dem Titel “Staunende Neugier” (original “An Appetite for Wonder”) stellt er seine Kindheit und Jugend sowie seine Entwicklung zum Wissenschaftler dar, bis hin zum Erscheinen seines ersten und bis heute bekanntesten Buchs “Das egoistische Gen” (1976). Sein Werdegang als Kind aus reichem, britischem, bürgerlichem Elternhaus führte über standesgemäße Internate und konnte im Grunde nicht anders enden als mit einer Promotion 1966 an der University of Oxford. Dort freilich nicht irgendwo, sondern am 1263 gegründeten Balliol College, und auch nicht bei irgendwem, sondern beim späteren Nobelpreisträger Niko Tinbergen (1907-1988).

Ein Faible für Philosophie

Dawkins ist ein großer Erzähler, und auch die Übersetzung seiner Prosa liest sich angenehm, wenngleich nicht locker. Man erfährt eine Menge über die Zeit des niedergehenden British Empire, als die Familie in Afrika weilte. Man liest viel über die britischen Internate mit ihren strengen Regeln und teils grausamen Ritualen in den Nachkriegsjahren, als die Dawkins wieder zurück in England waren. Immer wieder fällt auf, welche Freude die Familie und auch der junge Dawkins an umfangreicher Bildung hatten: “Es ist wunderschön, Wissen zu sammeln und Erkenntnis zu erlangen. Das ist tatsächlich Poesie im Leben.”

weiterlesen

Das abenteuerliche Leben des Evolutionsbiologen Robert Trivers

Robert Trivers stürzte sich ins Nachtleben von Kingston und rauchte große Mengen Marihuana. (imago/ZUMA Press)
Er ist einer der berühmtesten lebenden Evolutionsbiologen. Seine Arbeiten zu Altruismus, Selbsttäuschung und egoistischen Genen haben neue Studienfelder begründet. Ebenso spektakulär wie seine Forschung ist das Leben von Robert Trivers. In “Wild Life” erzählt er von diesen beiden Seiten.

Von Lennart Pyritz | Deutschlandfunk

Viele Wissenschaftler drehen ihre Runden im universitären Elfenbeinturm: Lesen, Laborarbeit, Seminare und wieder Lesen. In seinem Buch “Wild Life” beweist der berühmte Evolutionsbiologe Robert Trivers, dass es auch abenteuerlicher geht.

“Ein Wissenschaftler erforscht das Leben und er lebt das Leben – und ich wollte nie, dass das eine das andere aussticht.”

So pendeln die wilden Lebenserinnerungen des 73-Jährigen zwischen den efeuberankten Hörsälen renommierter Universitäten und den verschlungenen Pfaden durch den Dschungel des Lebens. Als Student in Harvard bricht er mit Anfang 20 psychisch zusammen. Immer wieder muss er im Lauf seines Lebens wegen einer bipolaren Störung in Behandlung. Und immer wieder zieht es ihn als Forscher in die Wildnis – zu Affen in Indien oder auf Bäumen lebenden Echsen auf Jamaika.

weiterlesen

Baum des Lebens wird umgebaut

Die “Candidate Phyla Radiation” bildet einen ganz neuen Ast am Stammbaum – und könnte einer der artenreichsten sein. © Zosia Rostomian/ Lawrence Berkeley National Laboratory
Die wirklichen Herrscher unseres Planeten sind nicht wir, sondern die Bakterien. Neue DNA-Analysen enthüllen, dass Mikroben zwei der drei großen Äste im Baum des Lebens bilden – und dass alle Tiere und Pflanzen zusammen nur einen Bruchteil des dritten Asts einnehmen. Einer der drei Hauptäste im Stammbaum setzt sich zudem komplett aus Bakterien zusammen, von denen wir bisher nur ihre DNA kennen, wie Forscher im Fachmagazin “Nature Microbiology” berichten.

scinexx

Sie sind die Dunkle Materie der Biologie: Mikroorganismen stellen 70 Prozent der Biomasse auf unserem Planeten – doch erforscht und bekannt ist erst ein Bruchteil von ihnen. Einer der Gründe dafür: Viele Bakterien sind bisher unbekannt, unzählige weitere lassen sich nicht im Labor kultivieren. Kein Wunder, dass sie bisher im Baum des Lebens extrem unterrepräsentiert waren.

weiterlesen

Neandertaler: Infiziert mit Krankheiten unserer Vorfahren?

Verhängnisvolle Erreger: Aus Afrika brachte der Homo sapiens Krankheiten mit, die das Immunsystem des Neandertalers nicht kannte. © Nachosan/ CC-by-sa 3.0
Krankmachendes Mitbringsel: Als der Mensch nach Europa und Asien kam, brachte er wahrscheinlich auch schon Erreger von Infektionskrankheiten mit in die neue Heimat – zum Leidwesen seiner Verwandten. Bis dato unbekannte Bakterien wie Helicobacter pylori könnten den Neandertalern zum Verhängnis geworden sein, wie genetische Untersuchungen nahelegen. Womöglich waren die neuen Krankheiten sogar einer der Gründe für ihr Aussterben.

scinexx

Das nach geologischen Maßstäben relativ plötzliche Verschwinden der Neandertaler vor rund 35.000 bis 40.000 Jahren gibt Anthropologen bis heute Rätsel auf. Die inzwischen ausgestorbenen Verwandten des modernen Menschen wurden damals nahezu vollkommen durch den aus Afrika einwandernden Homo sapiens verdrängt.

weiterlesen

Erbgut im Menschen: Wir sind Neandertalerin

Neues Model eines Neandertalers (Mann und Frau) im Neandertal-Museum, Neandertal, Düsseldorf, Deutschland. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Der moderne Mensch trägt Spuren des Neandertaler-Genoms in sich. Jetzt haben Forscher darin eine klaffende Lücke bemerkt: Es sind nur Gene von Frauen zu finden, keine von Neandertaler-Männern. Warum?

Von Frank Patalong | SpON

Es gibt Gene, die nur von Männern an ihren männlichen Nachwuchs weitergegeben werden können: Es ist das Y-Chromosom, das sich nur in den männlichen Genen findet, das Männlein und Weiblein scheidet. Während Frauen ihre Gene dem Nachwuchs beider Geschlechter spendieren, werden Eigenschaften auf dem Y-Chromosom nur auf der männlichen Linie vererbt.

Bisher hatte niemand bemerkt, dass die Gene des modernen Europäers zwar 2,5 bis vier Prozent Neandertaler-Erbe enthält, aber keinerlei Erbgut aus dem Y-Chromosom. In uns stecken also nur weibliche Neandertaler-Gene.

Was das bedeutet, sei klar, schreibt ein internationales Forscherteam nun im “American Journal of Human Genetics”: Es gab zwar Nachwuchs aus Verbindungen zwischen Neandertalern und modernen Menschen – aber darunter keinerlei Männer.

weiterlesen

Ist es eine Theorie? Ist es ein Gesetz? Nein, es ist eine Tatsache

Bild: RDF
Das Wort Theorie hat im umgangssprachlichen und wissenschaftlichen Sinn eine unterschiedliche Bedeutung . Diese Unkenntnis wird nicht nur von den Vertretern einer kreationistischen Weltanschauung ausgenutzt. Richard Dawkins plädiert für ein Umdenken.

Von Richard Dawkins |Richard Dawkins-Foundation

Ich habe einmal versucht, die Besucher einer atheistischen Konferenz in den USA davon zu überzeugen, dass der Aufdruck „In God We Trust“ auf den amerikanischen Geldscheinen ein belangloses kosmetisches Detail ist. Wir sollten nicht länger darüber jammern und unsere Energie lieber bedeutenderen Themen widmen, darunter dem steuerbefreiten Status der Religionsgemeinschaften. Ich wurde vom geschätzten Bürgerrechtler Edwin Kagin entschlossen zurechtgewiesen, der nun leider verstorben ist. Er sagte, dass der Aufdruck wirklich ein wichtiges Thema sei, weil viele Amerikaner, die mit der Landesgeschichte nicht so gut vertraut sind (die Phrase wurde erst im Jahr 1957 ergänzt) auf den Aufdruck „In God We Trust“ als Beleg dafür verweisen, dass Amerika als christliches Land gegründet wurde.

Unsere Angewohnheit, von der „Evolutionstheorie“ zu sprechen, wird gleichermaßen missbraucht, um die Menschen irrezuführen. Sehr viele Leute lassen sich von der Phrase „Nur eine Theorie“ verunsichern. Dieser Essay dient dazu, die Verwirrung aufzuheben. Ich schlage vor, den Begriff „Theorie“ gar nicht mehr zu verwenden, wenn man mit Kreationisten spricht.

weiterlesen

Neuroscientists Hack the Brain’s Circuitry for Winning and Losing

We may be programmed in such ways as to predispose us toward “winning” or “losing,” according to research published this week in Science by neuroscientists at the RIKEN Brain Science Institute in Japan. This is the case, at least, for zebrafish, which were found to have separate neural circuits whose relative activity could be used to predict the outcome of fights. Generally, what they’ve found is a biological mechanism for conflict resolution and social aggression.

By Michael Byrne|MOTHERBOARD

The neural subregions in question are both part of the dorsal habenula (dHb), a wad of neurons right in the brain’s central nut responsible for such things as stress and pain responses, reproductive behavior, and learning.

“Losing” zebrafish were found to have increased neural activity in the lateral regions of the dHb—particularly a pathway linking it to another brain region called the interpeduncular nucleus (IPN)—while “winning” fish were found to have increased activity in the medial regions of the dHb.

Moreover, by selectively silencing these regions, the researchers were able to essentially hard-wire different fish for winning and losing. Which is a bit weird.

“Aggression is an evolutionarily conserved behavior critical for animal survival,” the authors explain. “When conflict is unavoidable, animals use aggression to establish a social hierarchy that determines how to share limited resources. Most animal conflicts aim at establishing a social hierarchy rather than causing lethal damage to opponents, which achieves the best cost-benefit for the group. However, the biological mechanisms governing the resolution of social conflict remain largely unknown.”

read more

305 Millionen Jahre alte “Fast-Spinne” entdeckt

Auf CT-Aufnahmen basierende Rekonstruktion der Fast-Spinne Idmonarachne brasieri © Garwood et al./ University of Manchester
Bindeglied der Spinnen-Evolution: In Frankreich haben Paläontologen eine 305 Millionen Jahre alte “Fast-Spinne” entdeckt. Das Fossil repräsentiert die bisher engste Spinnenverwandte aus dieser frühen Zeit. Sie besaß bereits die typischen klauenbewehrten Mundwerkzeuge der Spinnen und konnte Spinnseide produzieren, ihr fehlten aber noch die Spinndrüsen, wie die Forscher berichten. Sie nehme damit eine Schlüsselposition in der Evolution der Spinnen ein.

scinexx

Spinnentiere gehören zu den ältesten Tieren, die das Land eroberten. Schon vor rund 410 Millionen Jahren krabbelten die Achtbeiner umher und jagten Beute. Die ersten echten Spinnen entwickelten sich wahrscheinlich im späten Karbon vor rund 315 Millionen Jahren, wann genau und wie dies geschah, ist jedoch bisher weitgehend unklar – auch aus Mangel an Fossilien.

weiterlesen

Anthropologie: Hobbits und Menschen lebten getrennt

 Die Liang-Bua-Höhle auf der indonesischen Insel Flores. Hier wurde das rätselhafte Frauenskelett gefunden. (Foto: Smithsonian Digitization Program Office/Liang Bua Team)

Die Liang-Bua-Höhle auf der indonesischen Insel Flores. Hier wurde das rätselhafte Frauenskelett gefunden.
(Foto: Smithsonian Digitization Program Office/Liang Bua Team)
Auf der indonesischen Insel Flores fanden Archäologen Skelette merkwürdig kleiner erwachsener Menschen. Eine neue Studie zeigt, dass die “Hobbits” viel früher lebten als gedacht.

Von Christian Weber|Süddeutsche.de

Sie lag sehr lange Zeit unter der Erde, sechs Meter tief, in einer malerischen Höhle auf der entlegenen indonesischen Insel Flores, vergessen von der Welt (Bild). Insgeheim mag mancher Paläoanthropologe denken: Wäre sie doch dort gelieben; es gäbe weniger Probleme.

Seitdem nämlich im Jahr 2003 der neuseeländische Paläoanthropologe Mike Morwood das Skelett einer merkwürdig kleinen, aber zweifellos erwachsenen Menschenfrau in der Liang-Bua-Höhle ausgrub, tobt eine Debatte in der Fachwelt: Wie ist der Fund zu interpretieren? Gerade mal 106 Zentimeter groß war die Zwergenfrau, ihr Gehirn so klein wie das eines Schimpansen. Später wurden 13 weitere, ähnlich kleinwüchsige Wesen in der Höhle gefunden.

Gehörten sie dennoch zur Gattung Homo sapiens und waren nur das Opfer einer Krankheit geworden, einer Mikrozephalie oder einer Wachstumsstörung? Oder waren sie die Produkte einer sogenannten Inselverzwergung? Man weiß von vielen Säugetieren, dass sie kleiner werden, wenn sie auf isolierten Inseln leben, wo wenig Feinde sie bedrohen und die Nahrung knapp ist. Letztlich konnte Mike Morwood seine 2004 im Fachmagazin Nature publizierte Meinung durchsetzen. Die Zwergenmenschen von Flores werden seither in den Akten der Wissenschaft als eigenständige Gattung Homo floresiensis (“Mensch von Flores”) geführt. In den Medien sprach man flapsig von “Hobbits”.

weiterlesen