Das unberechenbare Genom

Model eines DNA-Moleküls (imago/Westend61)
Model eines DNA-Moleküls (imago/Westend61)
Leicht, lebendig und verständlich – so bringen die beiden Biologen und Science-Slammer Helga Hofmann-Sieber und Timo Sieber Forschungsergebnisse der Molekulargenetik auf den Punkt. Sie zeichnen dabei ein grelles Bild unserer wilden, sprunghaften Gene.

Von Michael Lange | Deutschlandradio Kultur

Molekulargenetik muss nicht kompliziert oder langweilig sein. Selbst neueste Forschungsergebnisse lassen sich leicht, lebendig und verständlich auf den Punkt bringen. Und wer könnte das besser als zwei erfolgreiche Science-Slammer, die auch auf einer Comedy-Bühne für Stimmung sorgen können?

Helga Hofmann-Sieber und Timo Sieber haben gelernt, in zehn Minuten ein meist junges Publikum in ihren Bann zu ziehen. Obwohl oder gerade weil sie über Wissenschaft reden: schnell, originell, locker, flapsig und rotzfrech. Was auf der Bühne funktioniert, das gelingt dem Paar jetzt auch in Buchform. Dabei kopieren sie nicht eins zu eins die Scherze, die auf der Bühne funktionieren. Statt auf knallige Effekte oder zotige Witze setzen die beiden auf einleuchtende Vergleiche, einfache Metaphern und schräge Alltagsgeschichten.

Begeisterung, die ansteckend wirkt

Ribosomen, Promotoren und Transposons: Weder komplizierte Themen oder Fachausdrücke sparen die beiden Molekularbiologen aus. Sie erklären, wie springende Gene in unserem Erbgut herumhüpfen, wie Viren mit molekularen Tricks unser Erbgut überlisten und wie erste Lebensformen aus RNA auf sich allein gestellt auf der frühen Erde zurechtkamen. Alles auf dem neuesten Stand der Wissenschaft. Der Inhalt könnte auch in einem modernen Lehrbuch der Molekularbiologie stehen. Statt auf Didaktik oder Vereinfachung setzen sie auf Begeisterung, und die wirkt ansteckend.

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Affenweibchen fördern aggressives Verhalten von Männchen

Grünmeerkatzen. Foto: Wouter van Vllet. Lizenz: CC BY 2.0
Grünmeerkatzen. Foto: Wouter van Vllet. Lizenz: CC BY 2.0
Beobachtung von Grünmeerkatzen zeigt, dass die weiblichen Tiere positive und negative Verstärker einsetzen, um die männlichen zur Teilnahme an Gruppenkämpfen zu bewegen
 

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

In einer in der aktuellen Ausgabe der Proceedings of the Royal Society erschienenen Studie mit dem Titel „„Female monkeys use both the carrot and the stick to promote male participationin intergroup fights“ zeigen die Schweizer Forscher Jean Marie Arseneau-Robar, Anouk-Lisa Taucher, Eliane Müller, Carel van Schaik, Redouan Bshary und Erik Willems, dass Grünmeerkatzenweibchen in Südafrika Kämpfe zwischen männlichen Artgenossen nicht nur passiv dulden, sondern Männchen aktiv dazu motivieren, mit anderen Männchen zu kämpfen.

Diesen Anreiz schaffen sie sowohl mit Zuckerbrot“, als auch mit der „Peitsche“: Als positiven Verstärker widmen sie Männchen, die sich an solchen Kämpfen beteiligen, bei der Fellpflege und bei anderen sozialen Aktivitäten deutlich mehr Aufmerksamkeit als solchen, die sich heraushalten. Letztere werden mit negativen Verstärkern konfrontiert, indem man sie demonstrativ ignoriert oder aggressiv zurückweist. Dadurch sinkt ihr Status innerhalb der Gruppe.

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Kreationismus auf dem Vormarsch in Europa

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB
Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Kreationisten lehnen die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Evolution ab. Bisher gab es ihre Bewegung primär in den USA, doch langsam breitet sich ihr Gedankengut auch auf unserer Seite des Atlantiks aus.

Von Stefaan Blancke, Peter C. Kjærgaard | Spektrum.de

„Einfach unglaublich!“ Mit hochrotem Kopf und sichtlich erregt schritt der knapp über 60-Jährige auf eine Person zu – eine aus Silikon geformte, hyperrealistische Rekonstruktion von Lucy, dem weltweit bekanntesten und 3,2 Millionen Jahre alten Australopithecus afarensis. Nach ein paar Minuten völligen Durcheinanders war klar, dass der Mann in einer anderen, biblischen Zeitrechnung lebte – für ihn dauerte die Erdgeschichte erst 6000 Jahre lang. Aber er störte sich in erster Linie nicht an Lucys evolutionärem Alter – er entrüstete sich mehr über ihren nackten Körper. „Sie müssen sie unbedingt bedecken! Das ist ja schon fast so schlimm wie am Strand!“

Lucy steht auf der Evolutionstreppe in der zentralen Halle des Prähistorischen Museums Moesgaard in Dänemark und ist wahrlich einer der Stars hier: Die neue Attraktion ließ die Besucherzahlen des Museums schon im ersten Jahr von 10 000 auf 500 000 in die Höhe schnellen. Bei der wissenschaftlichen Rekonstruktion wurde besonders darauf geachtet, eine individuelle Person darzustellen und nicht nur einen in der Evolution weit entfernten Vorfahren des heutigen Menschen. Und da steht sie nun – dunkelhäutig und wild, einen Meter groß und mit selbstsicherer Ausstrahlung. Der aufgebrachte Besucher war Anhänger der Kreationisten und erkannte noch nicht einmal den Affen in ihr – er sah nur ihren nackten Körper. Die Vorgeschichte bedeutete ihm viel weniger als die Moral, und die Ausstellung tat das ihr Übriges.

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Kanadische Ureinwohner: Die genetischen Narben der Kolonialisierung

Maske aus der Sammlung Claude Lévi-Strauss, „Tsimshian-Maske“ aus dem Nisga'a-Gebiet am unteren Nass River
Maske aus der Sammlung Claude Lévi-Strauss, „Tsimshian-Maske“ aus dem Nisga’a-Gebiet am unteren Nass River. Bild: wikimedia.org/PD
Die DNA der kanadischen Ureinwohner erzählt von der Leidensgeschichte der Stämme: Erbgut und Immunsystem verloren viel von der Anpassung an das einstige Leben vor Ort.

Spektrum.de

Von Europäern eingeschleppte Krankheiten haben im 18. und 19. Jahrhundert die kanadische Urbevölkerung drastisch dezimiert. Das Ergebnis lässt sich heute deutlich in ihren Genen ablesen, berichtet ein Team um Ripan Malhi von der University of Illinois in Urbana: Sie betrachteten wichtige Immunsystemgene und verglichen die Varianten, die sie bei 25 heute lebenden Angehörigen der Küsten-Tsimshian fanden, mit denen, die sie aus ebenso vielen 1000 bis 6000 Jahre alten Skeletten extrahierten.

Es zeigte sich, dass Varianten, die vor der Einwanderung positiv selektiert – und demnach besonders günstig für die Menschen waren – erheblich an Verbreitung eingebüßt haben. Sie waren nach dem Kontakt offenbar nicht mehr so günstig wie zuvor. Malhi und Kollegen haben insbesondere die Pocken im Verdacht, aber auch andere Krankheiten wie Masern oder Tuberkulose wirkten sich verheerend auf die Einheimischen aus und könnten darum Auslöser der genetischen Veränderung gewesen sein. Die Epidemien überlebten vor allem jene Menschen, deren Immunsystem besser mit den Erregern umgehen konnte. Sie prägten den Genpool der heutigen Generation.

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Toxikologie: Diese Schlange tötet einzigartig

Die Blaue Bauchdrüsenotter jagt eine spezielle und gefährliche Beute: andere Giftschlangen. Dafür verwendet sie ein unter Schlangen einzigartiges und hochwirksames Toxin.

Von Daniel Lingenhöhl | Spektrum.de

Schlangenbisse, die innerhalb von Sekunden töten, gibt es nur in Hollywoodfilmen. Selbst bei den giftigsten Arten dauert es normalerweise mehrere Stunden, bis ihr Toxin letal wirkt – genug Zeit also, um ein Gegenmittel zu verabreichen, sofern dieses vorhanden und in Reichweite ist. Das gilt wahrscheinlich auch für die Blaue Bauchdrüsenotter (Calliophis bivirgata) aus Südostasien, mit der bislang nur sehr wenige menschliche Todesfälle in Verbindung stehen. Dabei besitzt die Art nicht nur eine der größten Giftdrüsen unter den Schlangen, sondern ebenso ein unter ihresgleichen einzigartiges Toxin, das die bevorzugte Beute sehr schnell kampfunfähig macht und tötet. „Die Blaue Bauchdrüsenotter ist der Killer der Killer“, so Bryan Fry von der University of Queensland, der mit seinem Team das Gift der Tiere untersucht hat: Die Ottern jagen andere Giftschlangen wie Kobras und müssen deshalb ständig lebensgefährliche Gegenattacken ihrer Opfer fürchten.

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Gregor Mendel, das Erben und die Erbsen

Bild: br.de
Bild: br.de
Gregor Johann Mendel züchtete Tausende von Erbsen, um die Gesetze der Vererbung zu erforschen. Vor 150 Jahren veröffentlichte er seine Genetik-Regeln. Heute werden sie in der Schule gelehrt, doch zu Lebzeiten blieb Mendels Arbeit unbeachtet.

BR.de

Über Jahre hinweg züchtete der Augustinermönch und Naturforscher Gregor Johann Mendel ( 20. Juli 1822 bis 6. Januar 1884) massenhaft Erbsen im Klostergarten in Brünn im heutigen Tschechien. Unermüdlich experimentierte er mit Kreuzungen, wertete sie statistisch aus. Wie veränderten sich zum Beispiel Blüten und Schoten von einer Generation zur nächsten? Am Ende stand eine rund 40-seitige Schrift, deren Kern Generationen von Schülern im Bio-Unterricht als Mendelsche Regeln büffelten. Vor 150 Jahren, im Jahr 1866, veröffentlichte Mendel seine Arbeit „Versuche über Pflanzen-Hybriden“. Er gilt heute als Vater der Genetik.

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Wo blieb die Neandertaler-DNA?

Schädel eines Homo sapiens und eines Neandertalers im Vergleich: Unsere frühen Verwandten vererbten unseren Vorfahren einst zahlreiche Gene. © Hairymuseummatt/ CC-by-sa 2.0
Schädel eines Homo sapiens und eines Neandertalers im Vergleich: Unsere frühen Verwandten vererbten unseren Vorfahren einst zahlreiche Gene. © Hairymuseummatt/ CC-by-sa 2.0
Verschwundenes Erbe: Neandertaler gaben unseren Vorfahren einst zahlreiche Gene weiter. Doch ein Großteil dieses durch Kreuzungen vererbten Guts wurde im Laufe der Evolution wieder gelöscht. Schuld daran war offenbar die stärkere Populationsgröße der modernen Menschen, wie Forscher nun berichten. Schwache Genvarianten, die bei der kleinen Neandertaler-Population auch durch Selektion nicht beseitigt werden konnten, hatten beim Menschen dagegen keine Chance.

scinexx

Die Neandertaler sind vor rund 35.000 Jahren ausgestorben – ein Teil von ihnen lebt jedoch in uns weiter: Die Frühmenschen haben im Erbgut moderner Menschen ihre Spuren hinterlassen. Wir Europäer tragen zum Beispiel rund zwei Prozent Neandertaler-DNA in uns, weil sich einige unserer Vorfahren mit Neandertalern paarten und Kinder zeugten.

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Auch Bonobos werden altersweitsichtig

Ältere Bonobos brauchen gehörigen Abstand zwischen Augen und Fingern, um bei der Fellpflege den Durchblick zu behalten. © Heungjin Ryu
Ältere Bonobos brauchen gehörigen Abstand zwischen Augen und Fingern, um bei der Fellpflege den Durchblick zu behalten. © Heungjin Ryu
Wenn der Arm immer länger wird: Auch Bonobos leiden offenbar unter Altersweitsichtigkeit. Forscher haben beobachtet, dass die Primaten bei der gegenseitigen Fellpflege im Alter einen größeren Abstand zu ihren Artgenossen einhalten – ähnlich wie Menschen, die die Zeitung möglichst weit von den Augen weghalten. Genau wie bei uns verschlechtert sich das Nahsehen bei den Affen etwa ab dem vierzigsten Lebensjahr. Das nachlassende Sehvermögen sei demnach kein Phänomen der modernen Gesellschaft, so die Wissenschaftler.

scinexx

Viele Menschen leiden im Alter unter Weitsichtigkeit. Etwa ab dem vierzigsten Lebensjahr verschlechtert sich das Nahsehen, weil das Auge Objekte in nächste Nähe nicht mehr scharf abbilden kann. Verantwortlich dafür ist die nachlassende Elastizität der Linse – eine normale Alterserscheinung.

Reicht eine Armeslänge nicht mehr aus, um die Zeitung oder ein Buch zu lesen, muss eine Lesebrille her. Doch nicht nur alternde Menschen plagt oftmals nachlassendes Sehvermögen. Auch unsere nächsten Verwandten, die Bonobos, könnten im Alter durchaus eine Sehhilfe gebrauchen. Sie leiden offenbar genauso unter Altersweitsichtigkeit wie wir.

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Die seltsame Wiederauferstehung des Trofim Lyssenko

Trofim Lyssenko surft posthum auf der Epigenetik-Welle mit, doch Loren Graham holt ihn in seinem neuen Buch vom ideologisch zurecht gezimmerten Surfbrett. Loren Graham,
Trofim Lyssenko surft posthum auf der Epigenetik-Welle mit, doch Loren Graham holt ihn in seinem neuen Buch vom ideologisch zurecht gezimmerten Surfbrett. Loren Graham, „Lysenko’s Ghost. Epigenetics and Russia“. € 22,50 / 209 Seiten. Harvard Univ. Press, Cambridge 2016
Der US-Wissenschaftshistoriker Loren Graham zeigt am Beispiel des sowjetischen Genetik-Gegners Lyssenko den Missbrauch von schlechter Biologie durch Ideologie

Von Klaus Taschwer | derStandard.at

Es gab wohl keinen Forscher, der in der kurzen Geschichte der Sowjetunion mehr Schaden anrichtete als Trofim Denissowitsch Lyssenko. Der 1898 geborene Agrarwissenschafter wurde unter Stalin ab 1935 zur Schlüsselfigur in der Biologie und sorgte sowohl in der Landwirtschaft wie auch in der Genetik für Katastrophen.

Lyssenko, der aus bäuerlichen Verhältnissen stammte, war von den neuen genetischen Erkenntnissen, die aus dem Westen kamen, ganz und gar nicht angetan, egal, ob sie von Gregor Mendel, August Weismann oder Thomas Hunt Morgan kamen. Er vertraute stattdessen auf eine krude Theorie der Vererbung erworbener Eigenschaften. Lyssenko behauptete vor allem, Winterweizen könne schon im Frühjahr reif werden, wenn die Samen längere Zeit bei niedrigen Temperaturen gelagert werden.

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Gender-Deutsch an Unis: Professx trifft Student*innen

© Reuters Eine Sprachform für jedes Geschlecht - ist das Quatsch?
© Reuters Eine Sprachform für jedes Geschlecht – ist das Quatsch?
Politisch korrekt oder unsäglich? Sogenanntes Gender-Deutsch treibt Befürworter und Gegner auf die Barrikaden. Der Ton an den Unis wird rauher.

Von Josefine Janert | Frankfurter Allgemeine

Nicht nur in der Wirtschaft, auch an deutschen Hochschulen gibt es mittlerweile regelmäßige Mitarbeitergespräche. Wenn es nach der Gleichstellungsbeauftragten der Universität zu Köln geht, sollten diese aber anders genannt werden. In einem Grundsatzpapier mit dem Titel „ÜberzeuGENDERe Sprache“, das auf ihrer Homepage steht, schlägt die Sozialpädagogin Annelene Gäckle folgende Alternativen vor: „Mitarbeitendengespräche, MitarbeiterInnengespräche, Mitarbeiter/innengespräche, Mitarbeiter_innengespräche, Mitarbeiterinnengespräche“. Der Unterstrich, der sogenannte Gender-Gap, soll signalisieren, dass das Wort alle Menschen meint, also auch Personen, die sich nicht eindeutig dem männlichen oder dem weiblichen Geschlecht zuordnen. Das Sternchen in „Mitarbeiterinnengespräche“ steht ebenfalls für alle Geschlechter, es sei „eine weitere sprachliche Repräsentationsform jenseits des binären Systems“, wie es akademisch-kompliziert in dem Papier heißt.

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Sensationeller Fund im Outback – Geschichte Australiens muss umgeschrieben werden

 Ein Fund beweist: Bereits vor 49.000 Jahren bewohnten Menschen die australische Gebirgskette Flinders Ranges. © Picture Alliance/DPA
Ein Fund beweist: Bereits vor 49.000 Jahren bewohnten Menschen die australische Gebirgskette Flinders Ranges. © Picture Alliance/DPA
Auf der Suche nach einem stillen Örtchen machte ein Australier eine sensationelle Entdeckung. In einer Höhle stieß er auf die Überreste der ältesten menschlichen Siedlung der Region. Ein Fund, der die prähistorische Geschichte des Kontinents neu schreibt.

stern.de

Ein erstaunlicher Zufall hat zu einer sensationellen historischen Entdeckung im australischen Outback geführt. Clifford Coulthard arbeitete zusammen mit dem Archäologen Giles Hamm eigentlich an der Vermessung der nördlichen Region der Gebirgskette Flinders Ranges. Auf der Suche nach einem ruhigen Plätzchen, um sich zu erleichtern, machte er einen kleinen Abstecher und stieß dabei auf die Reste der ältesten Menschensiedlung, die in Südaustralien jemals entdeckt wurde.

Wie der australische Sender ABC News berichtet, befindet sich der Fund in einer Felsenschlucht rund 550 Kilometer nördlich von Adelaide und gilt jetzt schon als einer der bedeutendsten prähistorischen Zeugnisse des Landes. Denn die Höhlenbehausung zeigt, dass die Aborigines bereits vor 49.000 Jahren die Gegend bewohnten – also rund 10.000 Jahre länger als bislang angenommen.

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Schimpansen und Bonobos hatten Sex

Die Vorfahren dieser in Uganda lebenden Schimpansendamen paarten sich immer wieder mit Bonobos. © Kevin Langergraber
Die Vorfahren dieser in Uganda lebenden Schimpansendamen paarten sich immer wieder mit Bonobos. © Kevin Langergraber
Heimliche Beziehung: Schimpansen und Bonobos haben sich im Laufe ihrer Geschichte offenbar immer wieder miteinander gepaart. Was viele Forscher bislang für unmöglich hielten, belegen nun umfangreiche Genomanalysen. Sie zeigen: Einige Schimpansen-Unterarten tragen rund ein Prozent Bonobo-Gene in sich. Die Arten vermischten sich demnach ähnlich wie etwa unsere Vorfahren und die Neandertaler.

scinexx

Schimpansen und Bonobos sind unsere engsten noch lebenden Verwandten. Während sich die beiden Primatenarten in Gefangenschaft durchaus miteinander paaren, interagieren sie in freier Wildbahn nie miteinander. Denn die Menschenaffen trennt im tropischen Afrika eine gewaltige Barriere: der Fluss Kongo. Die Bonobos leben südlich davon, die Schimpansen nördlich.

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Treffen sich zwei Moleküle im Labor – flapsig aber fundiert

Martin Moder Treffen sich zwei Moleküle im Labor Mit Illustrationen von Mandy Fischer Verlag: Ecowin, Wals bei Salzburg 2016 ISBN: 9783711000934
Martin Moder
Treffen sich zwei Moleküle im Labor
Mit Illustrationen von Mandy Fischer
Verlag: Ecowin, Wals bei Salzburg 2016
ISBN: 9783711000934

Martin Moder gewann 2014 als Fliege verkleidet die erste Science-Slam-Europameisterschaft, indem er über „Hirnamputierte Fruchtfliegen zur Tumorbekämpfung“ referierte. Jetzt hat der Molekularbiologe mit „Treffen sich zwei Moleküle im Labor“ sein erstes Buch vorgelegt. Es unterstreicht ebenso konsequent wie gelungen, wie talentiert der Autor Wissenschaft und Unterhaltung verbindet.

Von Björn Lohmann | Spektrum.de

Warum Katzenkot furchtlos macht, wie lang der optimale Blickkontakt beim Flirten ist, und was es mit diesen hirnamputierten Fruchtfliegen nun auf sich hat – all das schildert der Autor, gestützt auf wissenschaftliche Fakten. Nun gibt es eine ganze Reihe Bücher, die kuriose Dinge aus der Forschung bündeln. Anders als viele dieser Werke eignet sich der vorliegende Band aber nicht nur für kluge Sprüche auf Partys, sondern präsentiert neben Kuriosem auch so manch relevante und praktische Erkenntnis.

Auch wenn Moder die Belastbarkeit des Garns manchmal ganz schön auf die Probe stellt, zieht sich doch ein roter Faden durch sein Buch. Beginnend bei den molekularen Ursprüngen des Lebens geht die erzählerische Reise quer durch die Biologie bis hin zu hochaktuellen Themen, etwa dem Genome-Editing-Verfahren CRISPR/Cas. Um interessierte Laien in den Stoff einzuführen, benötigt Moder – von einzelnen Ausnahmen abgesehen – stets so wenige Worte, dass versierte Leser sich dabei nicht langweilen. Solide recherchiert sind die Fakten immer, auch wenn sich besonders kuriose Beobachtungen manchmal naturgemäß auf eine einzelne Studie stützen. Jedenfalls dürften selbst fachlich Versierte die eine oder andere Überraschung erleben.

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Edward O. Wilson – hoffnungslos utopisch

Edward Osborne Wilson Die Hälfte der Erde Aus dem Englischen von Elsbeth Ranke Verlag: C.H.Beck, München 2016 ISBN: 9783406697852
Edward Osborne Wilson
Die Hälfte der Erde
Aus dem Englischen von Elsbeth Ranke
Verlag: C.H.Beck, München 2016
ISBN: 9783406697852

Der halbe Planet soll unter Naturschutz gestellt werden? Nichts weniger verlangt der Biologe Edward O. Wilson, einer der Großen seines Fachs, im vorliegenden Buch. Es trägt die Forderung bereits im Titel: „Die Hälfte der Erde“. Wie diese radikale Idee Realität werden soll, ist die Frage, mit der man gespannt zu lesen beginnt.

Von Ilona Jerger | Spektrum.de

Leider ist gleich das Vorwort des Werks verunglückt. Ein Lektor hätte dies leicht vermeiden können, ebenso spätere Fehlangaben, etwa dass der Baikalsee in Europa liege. Wilson, mittlerweile 87 Jahre alt, präsentiert sich unkonzentriert, springt in der Argumentation, nimmt verwirrende Perspektivwechsel vor und bringt dann auch noch wenig gelungene Sprachbilder (der Mensch „ein denkendes Wesen, sprudelnd von Religion“). Man sollte diese ersten Seiten vielleicht überblättern.

Sieben Jahrzehnte Insektenkunde

70 Jahre lang hat Wilson seinen Blick auf den Boden geheftet, um Ameisen zu erforschen. Das tat er mit überwältigendem öffentlichen Erfolg, auch weil er großartige Prosa verfassen kann. Der mittlerweile emeritierte Professor der Harvard University bekam höchste wissenschaftliche Auszeichnungen nebst zwei Pulitzerpreisen und begründete die Soziobiologie, eine Disziplin, die das Wechselspiel von Evolution und sozialem Verhalten betrachtet.

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„Gene durch Lebensweise verändern – das ist Quatsch“

Hält mitreißende Vorlesungen: die britische Expertin für Epigenetik Leonie Ringrose.Foto: Matthias Heyde
Hält mitreißende Vorlesungen: die britische Expertin für Epigenetik Leonie Ringrose.Foto: Matthias Heyde
Biologie-Professorin Leonie Ringrose ist Expertin für Epigenetik – und klärt über Missverständnisse rund um unser Erbgut auf.

Von Katja Riek | DER TAGESSPIEGEL

Frau Professor Ringrose, was erforscht die Epigenetik?
In der Epigenetik geht es um die Regulation von Genen. Stellen Sie sich eine Raupe und einen Schmetterling vor. In beiden Stadien ist die DNA des Insekts gleich, es sieht jedoch komplett anders aus. Das heißt, seine Erscheinungsform, der sogenannte zelluläre Phänotyp, hat sich verändert, die DNA aber nicht. Teilweise wird dieser Phänotyp auf der Ebene von langfristigen Änderungen in der Genregulation aufrechterhalten. Wir untersuchen die Mechanismen, auf denen solche epigenetischen Veränderungen beruhen, und wollen verstehen, wie diese auf molekularer Ebene funktionieren.

Wie hängen Genetik und Epigenetik zusammen?
Die Gesamtheit unserer DNA nennen wir Genom. Man kann sich die DNA als eine sehr spezielle Sprache aus vier Buchstaben vorstellen, die genau wie jede andere Sprache Informationen enthält. Unter dem Epigenom versteht man Moleküle, die sich auf der DNA befinden und die dafür verantwortlich sind, welche Gene wann in welchem Ausmaß aktiv oder inaktiv sind. Bildlich gesprochen könnte man sagen, dass das Epigenom den DNA-Text formatiert und festlegt, welche Informationen in welchen Situationen wichtiger sind als andere – wie im Fall der sich verwandelnden Raupe.

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AI Won’t Takeover the World, and What Our Fears of the Robopocalypse Reveal

Image: bigthink.com
Image: bigthink.com
Robots taking over has been a favorite sci-fi subgenre for ages. It’s a subject that has caused fear in movies, books, and real life for about as long as there have been computers in the first place. Now that there are things like predictive text and self-driving cars, modern culture seems to be edging closer and closer to real-life intelligent computers that could indeed take over the world if we don’t safe guard ourselves.

By Steven Pinker | big think

There are already debates about the morality of self-driving cars. It’s sure to follow into the world of future organically ‘thinking’ computers.

As Steven Pinker (experimental psychologist, and professor of psychology at Harvard University) points out, Darwinism has ensured that most creatures that possess high intellect are competitive by nature. Humanity is one of these creatures, and some of us can be manipulative and cruel in order to stay ahead of the pack. It’s this part of our nature that sets off warning bells when we think about artificial intelligence because, unbeknownst to us, we’re thinking: what if this robot does what I would do if I were a robot? Overturn those who tell us what to do. Kill the captors. Wreak. Motherf*cking. Havoc.

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Noam Chomsky: „Was für Lebewesen sind wir?“

Der Philosoph und Linguist Noam Chomsky (dpa/picture-alliance/Martin Bialecki)
Der Philosoph und Linguist Noam Chomsky (dpa/picture-alliance/Martin Bialecki)
Noam Chomsky ist einer der bekanntesten linken Intellektuellen der USA. Sein neues Buch stellt die titelgebende Frage: „Was für Lebewesen sind wir?“ Die Antworten sind nicht so klar, wie man vermuten würde. Chomsky liest sich wie eine Mischung aus Sisyphos und Karl Marx.

Von Ingo Arend | Deutschlandradio Kultur

„Fortschritt ist langsam, aber über lange Zeithorizonte hinweg dramatisch“, befand vor ein paar Jahren US-Forscher Noam Chomsky. Der Linguist, politische Aktivist und weltweit vielzitierte Wissenschaftler gilt selbst als lebendes Beispiel für den Siegeszug geistiger Aufklärung.

Umso überraschter ist man, in seinem neuen Buch auf einen Fortschrittsskeptiker zu treffen. Darin beschwört der heute 88-Jährige nämlich die „Geheimnisse, die für die menschliche Intelligenz undurchdringlich sind“.

„Was für Lebewesen sind wir“ ist kein Buch im klassischen Sinn, bündelt der Band doch die vier Vorträge der Dewey-Lectures, die Chomsky 2013 an der New Yorker Columbia-University gehalten hat. Auf den ersten Blick gehören die vier Fragen, die er darin stellt, nicht zwingend zusammen. Doch was naturphilosophische Reflexionen wie „Was ist Sprache?“, „Was können wir verstehen?“, „Die Geheimnisse der Natur“ mit der politischen Frage „Was ist Gemeinwohl?“ verbindet, ist, dass die Antworten darauf immer unklarer werden.

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Sprich, Tier, sprich!

Der Frosch besticht durch filigrane Anmut und ausufernde Wortgewalt
Der Frosch besticht durch filigrane Anmut und ausufernde Wortgewalt Foto: dpa
Charles Darwin zeigte, dass nicht Gott die Lebewesen geschaffen hat, sondern die Evolution und dass speziell die Menschen aus Affen hervorgingen, die irgendwann von Afrika aus im aufrechten Gang, der ja laut Ernst Bloch zuletzt gelernt wird, losmarschierten. Bekanntlich hatte Gott uns, als er noch nicht von Nietzsche für tot erklärt worden war, die Sprache verliehen – als Alleinstellungsmerkmal quasi. Deswegen hatte Darwin nach seiner Evolutionstheorie die Not, zu erklären, wie die menschliche Sprache denn nun wirklich entstand.

Von Helmut Höge | taz.de

Hundert Jahre zuvor hatten die Universitäten in Paris und London bereits so viele Preise für den klügsten Essay über den „Ursprung der Sprache“ ausgeschrieben, dass sie beschlossen, dazu keine Texte mehr anzunehmen. Die Suche nach der „Ursprache“ hatte die gelehrten Gesellschaften mit einer Lawine von „Denkschriften“ überhäuft. Im Grunde suchte man die „Ursprache“ schon seit 2.500 Jahren. Überliefert ist das Sprachexperiment des ägyptischen Pharaos Psammetich I.: Er übergab einem Hirten zwei Neugeborene, die als „Ansprechpartner“ nur einige Ziegen hatten. Nach zwei Jahren konnten sie gerade einmal meckern.

Einen ähnlichen Versuch führte dann im Jahr 1240 der empiriefreudige Stauferkaiser Friedrich II. durch: Seine Versuchskinder wuchsen auf, ohne dass Erwachsene sie ansprachen. Alle Kinder starben – nahezu stumm. Friedrich II resümierte: „Sie vermochten nicht zu leben ohne das Händepatschen und das fröhliche Gesichterschneiden und die Koseworte ihrer Ammen“.

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A Kentucky Scientist’s Blistering Review of the Noah’s Ark Theme Park

Dan Phelps, the President of the Kentucky Paleontological Society, has been a vital source for journalists looking for information about Ark Encounter, and he finally posted his own thoughts on what’s inside the $100 million attraction.

By Hemant Mehta | Friendly Atheist

It’s a comprehensive, blistering review of a “museum” that deserves those quotation marks.

Alas, the content of the Ark is even more non-scientific and anti-scientific than the Creation “Museum.” I never would have thought that possible. Some of the most over-the-top claims made in Ark Encounter aren’t just attacks on conventional science and history, but are simply made up. Ark Encounter claims “artistic license,” but if a real natural history museum were to engage in the same level of invention of details and made-up stories as are present in the Ark, AiG would be having a field day attacking such a museum. AiG and Ken Ham’s blog have attacked what are admittedly fictional movies for playing loose with the meager descriptions of the myth of Noah and the Flood in Genesis, yet it is somehow acceptable when the Ark Encounter embellishes the story with unbridled flights of the imagination.

If you want to save yourself the $40 cost of admission, read his full review at the National Center for Science Education’s website.

Climate Change Helped These Giant Dinosaurs Colonize Australia

Concept art of Savannasaurus elliottorum based on the type specimen (“Wade”) and comparisons with titanosaurs from around the world. Image: Travis Tischler / © Australian Age of Dinosaurs Museum of Natural History
Concept art of Savannasaurus elliottorum based on the type specimen (“Wade”) and comparisons with titanosaurs from around the world. Image: Travis Tischler / © Australian Age of Dinosaurs Museum of Natural History
The most massive animals ever known to walk on land were the titanosaurs, a group of long-necked, plant-eating dinosaurs that spread widely across Cretaceous Earth. Some titanosaurs measured over 120 feet from head to tail and are estimated to have weighed around 140,000 pounds, equivalent to a mid-sized commercial airplane. If ever there was an embodiment of the wisdom of eating your vegetables, it was these gargantuan herbivores.

By Becky Ferreira | MOTHERBOARD

Now, research published Thursday in Scientific Reports announces the discovery of two extraordinary Australian titanosaur specimens from the Winton Formation in Queensland. While these aren’t the first titanosaurs found in Australia—indeed, titanosaur remains have been recovered from every continent on Earth—they open a fascinating window into this dinosaur family’s colonization of Australia.

One of the fossilized skeletons represents an entirely new genus and species that has been named Savannasaurus elliottorum (nicknamed “Wade” in honor of the renowned Australian paleontologist Mary Wade, who died in 2005 while the specimens were being excavated).

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