Elf Millionen Jahre altes Robbenskelett entdeckt

Die rund elf Millionen Jahre alten Knochen eines Robbenskeletts wurden an der Ausgrabungsstelle präsentiert.Foto: dpa
Diese Kiesgrube ist für Fossiliensammler buchstäblich eine Fundgrube. Jetzt wurde ein etwa elf Millionen Jahre altes Robben-Skelett entdeckt.

DER TAGESSPIEGEL

Eine Gruppe von Hobby-Paläontologen hat ein schätzungsweise elf Millionen Jahre altes Robbenskelett in einer Kiesgrube nördlich von Hamburg ausgegraben. Der Fund in Groß Pampau sei eine kleine Sensation, sagte Grabungsleiter Gerhard Höpfner am Samstag bei der Vorstellung des Fundes. Weltweit gebe es bisher kaum vergleichbare Funde aus dieser Zeit. Seit 1984 haben die engagierten Freizeit-Forscher in der Grube bereits zehn Skelette von Walen und Haien gefunden. Die Tiere schwammen nach ihren Erkenntnisse vor rund elf Millionen Jahren in der Ur-Nordsee, die damals weite Teile Norddeutschlands bedeckte.

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Unsere genialen Vorfahren

Homo heidelbergensis aus der „Sima de los huesos“ bei Atapuerca. Bild: José-Manuel Benito Álvarez/CC-BY-SA-2.5
Die Menschen der Urzeit hatten ein größeres Gehirn als der moderne Mensch und waren womöglich auch intelligenter
 

Von Patrick Zimmerschied | TELEPOLIS

Das Bild, das gemeinhin von dem Urmenschen gezeichnet wird, ist das eines primitiven Halbaffens, dessen Intelligenzniveau nur marginal über dem eines Schimpansen liegt. Schaut man jedoch genauer hin, so ergibt sich allerdings ein differenzierteres Bild.

Bisher nahm man beispielsweise an, dass die ersten Boote vor rund 7.000 Jahren gebaut wurden. Nun hat das Team um Curtis Runnels von der Boston University und Thomas Strasser vom Providence College Hinweise entdeckt, dass Menschen bereits vor über 130.000 Jahren in See stachen.

Auf Kreta fanden die Archäologen Werkzeuge aus der frühen Steinzeit, die nahelegen, dass die Insel bereits deutlich eher bewohnt war als bisher angenommen. Kreta liegt rund 100 Kilometer vom griechischen Festland entfernt und ist seit mehr als drei Millionen Jahren von ihm getrennt. In der Vergangenheit war man davon ausgegangen, dass die erste Besiedelung um 6000 vor Christus stattfand.

Die neuen Erkenntnisse machen es jedoch wahrscheinlicher, dass die ersten Menschen Hunderttausende von Jahre früher die Küste betreten haben. Mehr als 2000 Steinwerkzeuge wurden in Plakias an der Südküste Kretas in Schichten gefunden, die ein Alter von über 130.000 Jahren aufweisen, teilweise sogar bis zu 1,5 Millionen Jahren. Vermutlich waren die ersten Seefahrer, die dort angekommen sind, von Libyen aus aufgebrochen. Das Alter der Funde lässt darauf schließen, dass diese urzeitlichen Entdecker noch vor dem Aufkommen des Homo sapiens lebten. Die Vorstellung, dass den frühen Exemplaren der Spezies Homo die Fähigkeit fehlte, komplexe intellektuelle Probleme zu lösen, hat damit einen schweren Schlag erlitten.

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Homo erectus: Er ging wie wir

Homo erectus-Skelett des etwa neun Jahre alten „Turkana Boys“. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 2.0/Claire Houck

Vor 1,5 Millionen Jahren lebte der Homo erectus – beim Gehen ähnelte er offenbar schon damals dem modernen Menschen. Das zeigen Fußabdrücke.

SpON

Das Gangbild des Homo erectus ähnelte offenbar bereits stark demjenigen heutiger Menschen. Das berichtet ein internationales Forscherteam um Experten des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie im Magazin „Scientific Reports“. Es analysierte eineinhalb Millionen Jahre alte Fußabdrücke dieser Urmenschenart in Kenia. Diese seien hinsichtlich ihrer Form nicht von modernen zu unterscheiden, teilte das Institut mit.

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Radiation From Ancient Supernovae May Have Given Evolution an Astrophysical Push

Remnant of supernova RCW 86. Image: NASA BlueShift/CC BY 2.0
Remnant of supernova RCW 86. Image: NASA BlueShift/CC BY 2.0
According to new research by astrophysicists at the University of Kansas, Earth’s early biology was tested repeatedly by fierce gusts of cosmic wind originating from twin supernovae some 300 million light-years from Earth.

By Michael Byrne | MOTHERBOARD

For weeks, the night sky may have glowed with eerie blue light while Earth’s animals received radiation doses equivalent to roughly one CT scan for every creature living on land or in shallower water. The cosmic rays would have been enough to ionize the planet’s troposphere, possibly contributing to a minor mass extinction linked to global cooling.

The group’s work is published in Monday’s issue of the Astrophysical Journal Letters. As noted by the paper’s lead author, physicist Adrian Melott, the findings were unexpected. „I was expecting there to be very little effect at all,“ he offered in a statement. „The supernovae were pretty far way—more than 300 light years—that’s really not very close.“

According to Melott, while the nighttime glow would have persisted for a weeks, the cosmic ray increase overall would have lasted for potentially hundreds or thousands of years and would have boosted ray intensity several hundred times over. „The high-energy cosmic rays are the ones that can penetrate the atmosphere,“ he said. „They tear up molecules, they can rip electrons off atoms, and that goes on right down to the ground level. Normally that happens only at high altitude.“

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XY – gelöst: Wie Nettie Stevens die Geschlechter entdeckte

Ein X-Chromosom (imago /Science Photo Library)
Was macht den Mann zum Mann? Und die Frau zur Frau? Die US-Forscherin Nettie Stevens hat das Rätsel gelöst: Sie erkannte, dass X- und Y-Chromosomen über das Geschlecht eines Lebewesens entscheiden. Ihr Name ist dennoch nur Fachleuten ein Begriff: Den Ruhm für die Entdeckung – inklusive Nobelpreis – bekam ein anderer: einer mit Y-Chromosom.

Deutschlandfunk

Man kann Nettie Maria Stevens guten Gewissens eine Pionierin nennen. Heute vor 155 Jahren in Cavendish, Vermont, geboren, lernte und arbeitete sie zu einer Zeit, als Bildung und wissenschaftliche Forschung für Frauen keineswegs selbstverständlich waren. Sie und ihre Schwester Emma Julia – die beiden überlebenden von vier Geschwistern – hatten Glück: Der Vater erwirtschaftete als Zimmermann genügend Geld, dass er beide zur Schule schicken konnte. Schon dort fiel Nettie als gute Schülerin auf. Um sich das Biologie-Studium in Stanford zu finanzieren, arbeitete sie zunächst als Lehrerin – die Ausbildung dafür absolvierte sie in zwei statt der vorgesehenen vier Jahre. Die Zytologie, also die Zellbiologie, wurde ihr Spezialgebiet, das Mikroskop eines ihrer wichtigsten Arbeitsgeräte.

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Aufstieg und Niedergang des Patriarchats

Muslimin in Sao Paulo, Brasilien (Foto: Reuters)
Islam und Unterdrückung der Frau – das ist zu kurz gesprungen. Das Streben des Mannes nach Kontrolle über die Frau ist älter. Und es hat zu tun mit Sex, Evolution, Kultur und Religion.

Von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Unterdrückung der Frau, sexuelle Gewalt und Islam – es steckt eine Menge Sprengkraft in der seit Köln häufig aufgestellten Behauptung, diese Dinge hätten grundsätzlich etwas miteinander zu tun. Allerdings springt man mit diesem hässlichen Dreiklang tatsächlich zu kurz. Es gibt einen größeren Zusammenhang: den zwischen Sex, Evolution, Patriarchat und Religion.

Das zeigen Erkenntnisse von Soziobiologen und Evolutionspsychologen, die in der Debatte um Gleichberechtigung und Patriarchat immer noch zu kurz kommen. Dabei beschäftigen sich sowohl feministische Theorien als auch die Evolutionsbiologie mit den gleichen Aspekten: Es geht vor allem um Macht und die Kontrolle weiblicher Sexualität.

Allerdings gehen „Evolutionsbiologen auch der tieferen Frage nach, warum Männer überhaupt die Kontrolle über Frauen ausüben wollen, während Feministinnen dazu neigen, dies als gegeben zu betrachten“. Das stellte die amerikanische Feministin und Biologin Barbara Smuts bereits 1995 in einem wegweisenden Artikel fest.

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Evolutionäre Aufspaltung ohne geografische Barriere

Prof. Axel Meyer, PH.D., Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz. Bild: ebenda
Prof. Axel Meyer, PH.D., Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz. Bild: ebenda
Konstanzer Evolutionsbiologen gelang empirischer Nachweis von sympatrischer Artbildung
 

Julia Wandt Stabsstelle Kommunikation und Marketing | Universität Konstanz

Eine fundamentale Frage der Evolutionsforschung lautet: Ist für die Entstehung neuer Arten eine geografische Barriere notwendig, die eine Ursprungspopulation in zwei genetisch voneinander getrennte Populationen aufteilt? Oder ist hingegen auch eine sogenannte sympatrische Artbildung möglich – die evolutionäre Auseinanderentwicklung einer Population im selben geografischen Gebiet? Weltweit sind nur sehr wenige Beispiele für sympatrische Artbildung bekannt, selbst diese sind nicht unumstritten. Konstanzer Evolutionsbiologen schlossen nun die bislang ausführlichste Untersuchung von sympatrischer Artbildung ab. Anhand von rund 20.000 genetischen Merkmalen von 450 Fischen dokumentierten sie die parallele Evolution von Buntbarschen in den nicaraguanischen Kraterseen Apoyo und Xiloá. Die Arbeit der Biologen um Prof. Axel Meyer, Ph.D., und Dr. Andreas Kautt erlaubt Rückschlüsse auf mögliche evolutionäre Mechanismen sympatrischer Artbildung. Zugleich untermauerten die Wissenschaftler die empirische Beweislage für eine vielbeachtete Vorarbeit Axel Meyers zur sympatrischen Artbildung dieser Buntbarsche, die im Jahr 2006 im Wissenschaftsjournal Nature publiziert worden war. Die aktuellen Forschungsergebnisse sind in der Ausgabe vom 30. Juni 2016 von PLOS Genetics veröffentlicht.

Die Buntbarsche der vulkanischen Kraterseen Apoyo und Xiloá in Nicaragua sind eines der seltenen Beispiele sympatrischer Artbildung. In nur rund 800 Generationen – ein Zeitraum von geschätzt 1.000 bis 1.500 Jahren – hat sich hier jeweils eine Fischpopulation in vier bis fünf unterschiedliche Arten weiterentwickelt, obwohl die Fische über die gesamte Zeit hinweg im selben geographisch abgeschlossenen See zusammenlebten. Der Konstanzer Evolutionsbiologe Axel Meyer beschrieb dieses erstaunliche evolutionäre Phänomen bereits 2006 im Wissenschaftsjournal Nature. Gemeinsam mit Andreas Kautt schlüsselte er nun detailliert den genetischen Stammbaum der Fischpopulationen auf.

„Unsere Daten deuten darauf hin, dass es eine zweite Welle der Kolonialisierung unmittelbar vor der Aufteilung in zwei Arten gegeben hat“, erläutert Andreas Kautt. Demnach gelangte eine zweite Gruppe derselben Buntbarsch-Spezies in den Kratersee. Die Biologen vermuten, dass diese zweite Besiedlungswelle den Genpool der Buntbarsche aufgefrischt hatte und den Ausschlag für den Aufteilungsprozess in zwei Arten gab.

In der Evolutionsforschung sind drei Modelle für sympatrische und vermeintliche sympatrische Artbildung bekannt. Das erste Modell, die „reinste Form“ sympatrischer Artbildung, beschreibt die Entwicklung von zwei Arten aus einer gemeinsamen Population heraus. Im zweiten Modell finden zwei oder mehrere Wellen der Besiedlung eines Lebensraums durch dieselbe Art statt, bevor eine Aufspaltung in zwei Arten stattfindet. Gemäß diesem Szenario geht der sympatrischen Artbildung also die Bildung eines Schwarms aus mehreren Populationswellen derselben Ahnenlinie voraus – und folglich eine Auffrischung des Genpools. „Unsere Daten sprechen dafür, dass die Artbildung in den Kraterseen Apoyo und Xiloá so abgelaufen ist. Die zweite Welle der Kolonialisierung wurde in den Genpool der Kraterseepopulation integriert, bevor die evolutionäre Aufspaltung stattfand. Der Aufspaltungsprozess in zwei Arten hat sich anschließend ohne geographische Barrieren abgespielt“, erläutert Andreas Kautt.

Das dritte Modell, das nur sehr schwer zu unterscheiden ist und von Kritikern häufig als Einwand angeführt wird, beschreibt eine nur vermeintliche sympatrische Artbildung. Dieses Szenario geht ebenfalls von einer zweiten Populationswelle aus. Allerdings habe sich demnach die erste Population des Kratersees bereits weiterentwickelt, bevor die zweite Populationswelle hinzukam. Zum Zeitpunkt ihres Aufeinandertreffens seien die beiden Schwärme aus gleicher Ahnenlinie also bereits getrennte Arten gewesen. In diesem Szenario läge keine echte sympatrische Artbildung vor, da eine geografische Barriere zum Zeitpunkt der Auseinanderentwicklung eine Rolle spielte. Anhand der Genanalyse konnten die Konstanzer Evolutionsbiologen diesen Fall jedoch ausschließen: Die genetischen Stammbäume der Fische zeigen, dass die Aufspaltung in zwei Arten erst nach der zweiten Populationswelle stattfand. Damit lieferten die Genetiker den empirischen Beweis für die sympatrische Artbildung in den nicaraguanischen Kraterseen Apoyo und Xiloá.

Das Forschungsprojekt fand im Rahmen von Axel Meyers ERC Advanced Grant „Comparative genomics of parallel evolution in repeated adaptive radiations“ statt. Der Europäische Forschungsrat (ERC) hatte Axel Meyer 2011 diesen renommierten Wissenschaftspreis zur Erforschung paralleler Evolution zugesprochen. Die wissenschaftlichen Arbeiten an den Kraterseen Nicaraguas sollen in den kommenden Jahren weiter vertieft werden. Unter anderem planen die Konstanzer Evolutionsbiologen eine vollständige Sequenzierung der Genome der Fischpopulationen.

Originalpublikation: Kautt AF, Machado-Schiaffino G, Meyer A (2016) Multispecies Outcomes of Sympatric Speciation after Admixture with the Source Population in Two Radiations of Nicaraguan Crater Lake Cichlids. PLoS Genetics 12(6): e1006157. doi:10.1371/journal.pgen.1006157

Hinweis an die Redaktionen:
Fotos können im Folgenden heruntergeladen werden:

https://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2016/46/Fischfang-Managua-Un…
Bildunterschrift: Dr. Andreas Kautt und Dr. Gonzalo Machado-Schiaffino beim Fischfang in Nicaragua.

https://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2016/46/Kratersee-Xiloa-Uni-…
Bildunterschrift: Spuren vulkanischer Aktivität im Kratersee Xiloá.

https://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2016/46/Kratersee-Apoyo-Uni-…
Bildunterschrift: Kratersee Apoyo.

https://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2016/46/Axel-Meyer-Uni-KN-20…
Bildunterschrift: Prof. Axel Meyer, PH.D., Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz.

Kontakt:
Universität Konstanz
Kommunikation und Marketing
Telefon: 07531 88-3603
E-Mail: kum@uni-konstanz.de

Chameleon Spit Is a Wonder of Physics

Chameleons may be the source material for many a stuffed toy and a series of really pretty strange beer commercials, but, make no mistake, when it comes to predatory behavior, they’re complete assassins. The chameleon tongue is a wonder of evolutionary engineering, enabling these old world lizards to hunt opportunistically—waiting, waiting, and then, zap. The tongue is deployed in a blur of slime, retrieving prey from up to a third of the chameleon’s body weight and from distances of over twice its body length. As such, the chameleon can essentially hunt without moving.

By Michael Byrne | MOTHERBOARD

How chameleons actually accomplish this remains something of a mystery. The „ballistic projection“ of the tongue is only part (a fascinating part) of the story—the chameleon still has to reel its prey back in to be chomped upon. It does this thanks to an extremely sticky tongue, obviously, but how this stickiness is actually implemented is of great interest to biologists and physicists. Now, according to a paper published Monday in Nature Physics by Pascal Damman and colleagues at the Université de Mons in Belgium, we may have some answers. It’s all in the spit.

More specifically, it’s all in the viscosity of the spit, which is about 400 times that of human spit. Given the right conditions, it can even behave more like an elastic solid than a proper liquid, however sticky. This is key.

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Welt im Wandel

Schulterblatt Brachiosaurus brancai, Naturkundemuseum Berlin
Schulterblatt Brachiosaurus brancai, Naturkundemuseum Berlin

Mit dem Studium der Natur verbanden noch im 18. Jahrhundert viele Gelehrte das Ziel, mehr über das Wirken Gottes beziehungsweise den göttlichen Schöpfungsplan zu erfahren. In der Anpassung von Arten an unterschiedliche Lebensbedingungen sahen die sogenannten Naturtheologen einen Beweis für ihre Auffassung, dass Gott jede Art zu einem bestimmten Zweck erschaffen habe. Das heutige Denken ist dagegen von den Vorstellungen geprägt, die im 19. Jahrhundert der britische Naturforscher Charles Darwin entwickelt hat. Das Leben in seiner jeweils aktuellen Erscheinungsform ist danach das Ergebnis zahlloser kleiner Veränderungen in Organismen, das heißt einer langen Entwicklungsgeschichte, der Evolution. Welche Veränderungen sich durchsetzen, hängt von der natürlichen Auslese ab, der Selektion. Darwins Überlegungen bedeuteten eine wissenschaftliche Revolution. Wichtige Vorarbeiten hatten aber bereits andere geleistet.

Von Jürgen Wendler | Weser Kurier

Dass Darwins Evolutionstheorie am Ende auf fruchtbaren Boden fallen konnte, hing auch mit den Erkenntnissen zusammen, die Forscher beim Studium von Fossilien gewonnen hatten. Der Ausdruck Fossil geht auf das Lateinische zurück, bedeutet so viel wie ausgegraben und bezeichnet versteinerte Überreste oder andere Zeugnisse – etwa Spuren – von Pflanzen und Tieren, die in früheren Phasen der Erdgeschichte gelebt haben. Die meisten Fossilien finden Forscher in Sedimentgesteinen. Solche Gesteine können zum Beispiel dadurch entstehen, dass sich Sand und anderes Material wie die Überreste von Lebewesen am Grund von Meeren ablagern. Die Wissenschaft von der Erforschung der Lebewesen vergangener Erdzeitalter wird als Paläontologie bezeichnet. Zu ihren Begründern gehört der Franzose Georges Cuvier (1769 bis 1832). Er erkannte, dass sich anhand verschiedener Schichten mit den darin enthaltenen Fossilien die Geschichte des Lebens nachzeichnen lässt. Auch die Tatsache, dass nicht nur neue Arten auftauchen, sondern immer wieder auch Arten aussterben, blieb Cuvier nicht verborgen. Die Veränderungen führte er allerdings nicht auf eine allmähliche Entwicklung zurück, sondern auf Naturkatastrophen wie Sturmfluten oder Dürren.

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Diese Bienen haben Männer abgeschafft – und leben gut damit

Apis mellifera capensis, die Kap-Honigbiene. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/Discott
Männer? Völlig unnötig für eine isoliert lebende Honigbienen-Population aus Südafrika. Sie pflanzt sich jetzt asexuell fort.

SpON

Eine Gruppe Honigbienen aus Südafrika, die Kapbienen, hat die Fortpflanzung mit Männern abgeschafft. Wissenschaftler haben nun das Genom der Tiere untersucht und mit dem von Honigbienen verglichen, die noch Männchen für die Fortpflanzung brauchen. So wollten sie herausfinden, was das reine Frauenvolk genetisch von den anderen Bienen unterscheidet, wie sie im Fachmagazin „Plos Genetics“ berichten.

Die allermeisten Tiere pflanzen sich sexuell fort – es braucht Männchen und Weibchen, um Nachwuchs zu bekommen und um die Art am Leben zu erhalten. Auch Honigbienen machen das normalerweise so: Die Königin lässt ihre Eier von einer männlichen Biene befruchten, bevor sie sie ablegt. Nur die Kapbienen, eine besondere Population Honigbienen, die isoliert im Süden des Kap von Afrika lebt, halten es anders mit der Fortpflanzung.

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Rassismus – Evolution – Schöpfung. Ein Streitgespräch

Video Nr. 1 aus der neuen Serie: „Evolution und Gesellschaft – Glaube contra Wissen im 21. Jahrhundert“ des AK Evolutionsbiologie in Zusammenarbeit mit der Richard Dawkins Foundation.

AK Evolutionsbiologie | Richard Dawkins-Foundation

Video-Serie Nr. 4: Evolution und Gesellschaft – Glaube contra Wissen im 21. Jahrhundert

Nachdem von 2010 bis 2012 zehn Videoproduktionen in der Serie „Tatsache Evolution. Was Darwin nicht wissen konnte“ veröffentlicht worden sind und die Nachfolgereihe „Design-Fehler in der Natur. Wallace und die Gott-lose Evolution“ Ende 2014 abgeschlossen war, startet das Kasseler Evolutionsbiologen-Team eine neue Reihe. Während im Rahmen der Serie Nr. 3 „Evolution ist überall“ inhaltlich zusammenhanglose Lehrfilme veröffentlicht werden, hat die im Juni 2016 eröffnete Reihe Nr. 4 wieder ein inhaltliches Konzept. Unter dem Titel „Evolution und Gesellschaft – Glaube contra Wissen im 21. Jahrhundert“ werden politisch relevante Themengebiete, wie z. B. der Rassismus, die Gender-Ideologie usw. thematisiert. Die Serie wird vom Arbeitskreis (AK) Evolutionsbiologie in Zusammenarbeit mit der Richard Dawkins Foundation für Vernunft und Wissenschaft (RDF) organisiert und produziert.

Video Nr. 1: Rassismus – Evolution – Schöpfung. Ein Streitgespräch

Vor 150 Jahren hat der Jenaer Evolutionsforscher Ernst Haeckel (1834–1919) sein Hauptwerk mit dem Titel „Generelle Morphologie der Organismen“ publiziert. Neben der Einführung grundlegender Begriffe und Konzepte, wie z. B. Ökologie, Ontogenie, Phylogenie, Drei Organismenreiche, das Biogenetische Gesetz usw. hat Haeckel (1866) die biblische Vorstellung einer göttlichen Schöpfung als „Irrtum“ zurückgewiesen. Der Zoologe hat dargelegt, dass der Mensch, gemäß der Darwin-Wallace’schen Deszendenztheorie, von „affenartigen Säugetieren“ abstammt. Da Ernst Haeckel von „Rassen“ und „Arten“ spricht, und in späteren Schriften die Verwandtschaftsbeziehungen ethnischer Menschengruppen behandelt, wird der Zoologe noch heute mit dem politischen Begriff „Rassismus“ in Verbindung gebracht.
In dem aufgezeichneten Streitgespräch zwischen dem Evolutionsbiologen Prof. Dr. Ulrich Kutschera und dem katholischen Theologen Prof. Dr. Thomas Schärtl werden die folgenden Haeckel‘schen Themen diskutiert:

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Vorsicht vor dem genetischen Turbo

Wunderwaffe gegen Malaria? Die neue Methode könnte zur Ausrottung der Anopheles-Mücke benutzt werden. Foto: Sumuay-Fotolia
US-Forscher haben einen Bericht über die Technik des Gene Drive verfasst – eine gentechnologische Methode, die alle bisherigen Verfahren in den Schatten stellt.

Von Nik Walter | Tages Anzeiger

«Gene Drive». Diese Bezeichnung für eine neue Methode der Gentechnologie sollte man sich unbedingt merken. Denn Gene Drive, auf Deutsch etwa «genetischer Antrieb», ist mit nichts zu vergleichen, was die Gentechnik bislang zustande gebracht hat. Die Technologie birgt das Potenzial, dass der Mensch gezielt in Ökosysteme eingreifen, ganze Arten (und nicht nur Individuen) genetisch verändern und Schädlinge flächendeckend ausrotten kann.

Die Aussichten sind einerseits verlockend. Denn mit Gene Drive könnten dereinst Populationen von Anopheles-Mücken dazu gebracht werden, keine Malaria-Parasiten mehr zu übertragen, oder man könnte die Mücken, die jährlich für den Tod von 500 000 Menschen verantwortlich sind, sogar ganz ausrotten. Auch den Zika und Dengue übertragenden Tigermücken oder schädlichen invasiven Arten wie etwa der Aga-Kröte in Australien könnte die Technologie den Garaus machen. Die Gene-Drive-Technik könnte aber auch beim Artenschutz zum Einsatz kommen, etwa indem sie hilft, bedrohte Arten von potenziell tödlichen Erregern oder Parasiten zu befreien.

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Physicists confirm there’s a second layer of information hidden in our DNA

Space-filling model animation of B-DNA. Image: wikimedia.org/PD

Theoretical physicists have confirmed that it’s not just the information coded into our DNA that shapes who we are – it’s also the way DNA folds itself that controls which genes are expressed inside our bodies.

By Fiona MacDonald | science alert

That’s something biologists have known for years, and they’ve even been able to figure out some of the proteins responsible for folding up DNA. But now a group of physicists have been able to demonstrate for the first time through simulations how this hidden information controls our evolution.

Let’s back up for a second here, because although it’s not necessarily news to many scientists, this second level of DNA information might not be something you’re familiar with.

As you probably learnt in high school, Watson and Crick discovered in 1953 that the DNA code that determines who we are is made up of a sequence of the letters G, A, C, and T.

The order of these letters determines which proteins are made in our cells. So, if you have brown eyes, it’s because your DNA contains a particular series of letters that encodes for a protein that makes the dark pigment inside your iris.

But that’s not the whole story, because all the cells in your body start out with the exact same DNA code, but every organ has a very different function – your stomach cells don’t need to produce the brown eye protein, but they do need to produce digestive enzymes. So how does that work?

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„Hobbit“-Menschen stammen vermutlich vom Homo erectus ab

So könnte er ausgesehen haben. Diese Nachbildung eines Homo floresiensis ist im National History Museum in Washington zu sehen….Foto: Alamy Stock Photo
Die Zwerg-Menschen von der Insel Flores stammen nicht vom modernen Menschen ab. Sie lebten seit mindestens 700.000 Jahren dort – viel länger als bisher gedacht.

Von Roland Knauer | DER TAGESSPIEGEL

Der Fund war eine Sensation. 2003 entdeckten Forscher um den Australier Mike Morwood in der Liang Bua-Höhle auf der indonesischen Insel Flores Knochen, die von einem Zwergenmenschen stammen. Etwa einen Meter groß war er, der „Flores“-Mensch – oder „Hobbit“, wie er auch genannt wird. Vor 18 000 Jahren lebte er dort, nahmen Forscher zunächst an. Einer aktuellen Untersuchung zufolge waren es wohl mindestens 60 000 Jahre. Zwei der größten Fragen konnten die Wissenschaftler bisher aber nicht beantworten: Warum waren die Hobbit-Mensch so klein, und wo kamen sie her?

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Saurier gegen Säugetiere: Der lange Anlauf zur Weltkatastrophe

Bild: Public Domain
Bild: Public Domain

Ein kosmischer Einschlag besiegelte das Schicksal der Dinosaurier und schaffte Platz für Säugetiere – richtig? Nein, behaupten nun zwei Evolutionsforscher: Der Wachwechsel war längst im Gange.

Von Frank Patalong | SpON

Es ist Bild, das so fest in unseren Köpfen verankert ist, dass man es sich plastisch vorstellen kann: Als sich der Rauch endlich verzieht, reckt sich eine kleine, rosa Schnüffelnase mit zitternden Barthaaren kundschaftend aus einem Erdloch. Von Disney verfilmt, zöge sodann eine kleine Tierfamilie von hamsterhafter Niedlichkeit vorsichtig hinaus in die Welt, vorbei an einem noch dampfenden Fleischberg, der eben noch ein furchterregender T-Rex war.

Das Ende der Herrschaft der Dinosaurier und der bescheidene Beginn der Säuger-Vorherrschaft ist so etwas wie ein moderner Schöpfungsmythos. Große Veränderungen oder Erkenntnisse verbinden wir eben gern mit Geschichten. Ereignisse sind für uns besser vorstellbar als Prozesse.

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Tanzende Haare als Elektrosensoren

männliche Baumhummel (Bombus hypnorum). Bidl: wikimedia.org/CC BY-SA 2.5

Vibrierender Pelz: Forscher haben erstmals herausgefunden, wie Hummeln die schwachen elektrischen Felder von nektarreichen Blüten erkennen. Fliegen sie durch ein elektrisches Feld, beginnen die feinen Haare ihres Pelzes zu vibrieren. Die Bewegung der Haare wiederum regt Nerven an der Basis der Haare zum Feuern an – je stärker das Feld, desto schneller die Signale. Ähnliche Haarsensoren könnten auch anderen Insekten einen Elektrosinn verleihen.

scinexx

Hummeln finden ihre Blüten nicht nur über Duft oder Farbe – auch elektrische Felder verraten ihnen, wo ein lohnender Nektarvorrat lockt. Untersuchungen zeigen, dass viele nektargefüllte Blüten eine leicht negative Ladung erzeugen. Hummeln erkennen dies und fliegen solche Blüten deutlich häufiger an als weniger stark geladene Blütenstände. Doch womit die pummeligen Bienen diese elektrischen Felder erkennen, blieb bisher unklar.

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So sieht es im Inneren der Homo naledi-Höhle aus

Die Rekonstruktion zeigt die Struktur des verwinkelten Rising Star-Höhlensystems in Südafrika © University of the Witwatersrand
Einblicke in die letzte Ruhestätte von Homo naledi: Paläontologen haben mithilfe aufwendiger digitaler Verfahren das südafrikanische Höhlensystem kartiert, in dem vor kurzem eine neue Menschenart entdeckt wurde. Die dreidimensionale Karte offenbart erstmals die Struktur der nur schwer zugänglichen Höhle sowie die genaue Lage der Fossilien. Die Forscher erhoffen sich von ihr nun neue Erkenntnisse über den spektakulären Fundort.
 

scinexx

Der umfangreichste Fund frühmenschlicher Fossilien, den Forscher je auf dem afrikanischen Kontinent entdeckt haben, hat dem Stammbaum des Menschen im vergangenen Jahr einen neuen Ast beschert: den Homo naledi. Bereits 2013 waren Paläontologen um Lee Berger von der Universität Witwatersrand in Südafrika auf die Skelette von mindestens 15 Hominiden dieser bis dahin noch unbekannten Menschenart gestoßen.

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Aminosäure auf Rosettas Komet entdeckt

© ESA/Rosetta/NavCam CC BY-SA
© ESA/Rosetta/NavCam
CC BY-SA
Eisiger Lebensbringer: Die Raumsonde Rosetta hat erstmals eine Aminosäure auf einem Kometen nachgewiesen. Ihr Massenspektrometer detektierte die Aminosäure Glycin, sowie den DNA-Baustein Phosphor in der Gas- und Staubhülle des Kometen Churyumov-Gerasimenko. Dies liefert weitere Indizien dafür, dass Kometen der jungen Erde einst als Lieferanten für organische Moleküle gedient haben könnte, so die Forscher im Fachmagazin „Science Advances“.

scinexx

Schon seit längerem mehren sich die Indizien dafür, dass Kometen der jungen Erde wichtige Lebensbausteine und möglicherweise auch einen Teil ihres Wassers brachten. Messdaten zeigen, dass die eisigen Brocken DNA-Bausteine und weitere komplexe organische Moleküle wie Zucker und die Vorstufen von Aminosäuren enthalten können.

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176.500 Jahre alte Kreise, tief in der Dunkelheit

Genaue Vermessung der aus Tropfstein erbauten Kreise in der Bruniquel-Höhle. Foto: Etienne FABRE - SSAC
Genaue Vermessung der aus Tropfstein erbauten Kreise in der Bruniquel-Höhle. Foto: Etienne FABRE – SSAC
Es wird immer deutlicher, dass der Neandertaler viel mehr Fähigkeiten hatte, als ihm die Experten lange zutrauten. Er war kein tumber, affenähnlicher Primitivling, der seine Keule schwang, sondern ein anderer Mensch, der feine Werkzeuge schuf, höchst erfolgreich jagte, Kleidung und Schmuck trug. Längst ist klar, dass sich Neandertaler und Neandertalerinnen über Sprache verständigten. Dennoch halten gängige Modelle bisher an der Vorstellung der Überlegenheit des anatomisch modernen Mensch fest und schreiben jeden Fund künstlerischer Artefakte automatisch dem Homo sapiens zu.
 

Von Andrea Naica-Loebell | TELEPOLIS

Symbolisches Denken wird dem Homo neanderthalensis generell abgesprochen, seine Unterlegenheit soll sich nach Meinung vieler Anthropologen vor allem in einer minderwertigen sozialen Organisation manifestiert haben, was letztlich zu seinem Verschwinden führte.

Ein Bild, das immer mehr Risse bekommt. Jetzt zeigen aktuelle Forschungsergebnisse, dass die Neandertaler vor 176.000 Jahren aus Tropfsteinbruchstücken mehrere kreisförmige Strukturen sehr tief in einer Höhle errichteten.

Im Südwesten Frankreichs, im Departement Tarn-et-Garonne, hoch über dem Fluss Aveyron befindet sich die Bruniquel-Höhle, die seit dem Pleistozän durch einen Felssturz verschlossen war, bis sich 1990 Höhlenforscher einen Zugang frei gruben. Die Speläologen fanden eine faszinierende Unterwelt voller Tropfsteine und einen unterirdischen See, schon im früheren Eingangsbereich Spuren von Höhlenbären, Fußabdrücke und Klauenritzungen und ganz tief im Innern der lang gezogenen Höhle eine Halle mit seltsamen Kreis-Formationen auf dem Boden.

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Horizontaler Gentransfer bei Stabschrecken

Kaum zu erkennen ist diese zweigähnliche malaysische Stabschrecke (Phobaeticus serratipes). © Christoph Seiler
Überraschende Übernahme: Im Erbgut von Stabschrecken haben Forscher die Bauanleitung für ein Enzym entdeckt, das normalerweise nur Bakterien besitzen. Sie vermuten daher, dass das Insekt diese Gene einst von seinen Darmbakterien übernommen und ins eigene Genom eingebaut haben muss. Ein solcher horizontaler Gentransfer galt bisher im Tierreich als extrem selten – könnte aber in der Evolution eine größere Rolle gespielt haben als bisher angenommen.

scinexx

Viele Pflanzenfresser – von der Kuh bis zur Termite – sind für die Verdauung harten Pflanzenmaterials auf die Mithilfe von Bakterien angewiesen. Denn die Mikroben verfügen über Enzyme, die das schwer abbaubare Pflanzenmaterial zersetzen können, beispielsweise Pektinasen, die die stabilen Zucker in den Zellwänden der Pflanzen zerlegen. „Um derartige Symbionten beherbergen zu können, haben Pflanzenfresser in der Regel Blindsäcke und ähnliche Erweiterungen im Magen-Darm-Trakt entwickelt“, erklärt Sven Bradler von der Universität Göttingen.

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