Kreationisten in Kreuzlingen: Arche Noah, Dinosaurier und Gottes Schöpfung im Film – religiöser Dummheit eine Gasse

Dinosaurier lebten vor wenigen tausend Jahren und nicht vor hundert Millionen Jahren, sagen die Kreationisten, welche die Ausstellung organisieren. Rechts hinten steht Arnold Zwahlen. (Bild: PD)
Ab heute finden im Dreispitz-Saal die «Filmtage: die Schöpfung» statt. Die Organisatoren bekennen sich zum Kreationismus. Sie wollen ermutigen, dass Leben aus einer anderen Sichtweise zu betrachten

Urs Brüschweiler | Tagblatt.ch

Atemberaubende Naturfilme, eine Ausstellung spannender Exponate und alles mit einem religiösen Hintergrund. Ab heute 18 Uhr bis am Sonntag finden im Dreispitz-Saal die «Filmtage: die Schöpfung» statt. Ein gewöhnlicher Event ist das nicht. «Die Welt ist geprägt von Harmonie und Originalität – und darum glauben wir, dass sie die Handschrift eines Schöpfers trägt», heisst es auf der Website der Veranstalter.

Nicht Darwin, sondern Gott

Die Organisatoren sind Kreationisten. Nicht die Evolution, wie sie Charles Darwin beschrieb, habe die Erde zu dem werden lassen, was sie ist, sondern alles sei erschaffen nach Gottes Plan, sind sie überzeugt.

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Flechten: Vier Partner statt zwei – Symbiose mit drei Pilzen bei Wolfsflechten torpediert gängige Vorstellungen

Von wegen Zweierbeziehung: Die meisten Wolfsflechten (Letharia) bilden eine Symbiose aus gleich vier Partnern. © Jason Hollinger/ CC-by-sa 3.0
Verblüffende Entdeckung: Einige Flechten bestehen nicht nur aus zwei symbiotischen Partnern, sondern gleich aus vier – entgegen der seit 150 Jahren etablierten Lehrmeinung. In Wolfsflechten aus aller Welt haben Forscher neben einer Algenart und dem Hauptpilz noch einen Hefepilz und einen Gallpilz in enger Gemeinschaft entdeckt. Diese verborgenen Partner werfen ein ganz neues Licht auf die Biologie der Flechten und ihre komplexe Symbiose, so die Forscher im Fachmagazin „Current Biology“.

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Flechten sind das klassische Beispiel für eine erfolgreiche Symbiose: Das Leben im Inneren der Pilzfäden schützen die symbiontischen Algen oder Cyanobakterien vor dem Austrocknen, dafür liefern sie dem Pilz über ihre Photosynthese überlebenswichtige Nährstoffe. Diese Zweckgemeinschaft ermöglicht es den Flechten, selbst die unwirtlichsten Lebensräume zu besiedeln und sich an Klimawechsel anzupassen. Möglicherweise könnten Flechten sogar auf dem Mars überleben.

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Ernst Haeckel als Erzieher

Zeichnung von E. Haeckel
Biologiedidaktiker der Uni Jena geben Reprint der Dodel-Schrift „Ernst Haeckel als Erzieher“ mit heraus

Stephan Laudien Abteilung Hochschulkommunikation/Bereich Presse und Information
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Ernst Haeckel (1834-1919) zählt zu den bedeutendsten Gelehrten, die die Universität Jena hervorbrachte. Insbesondere seine Beschreibungen und Darstellungen von Radiolarien und Quallen machten ihn weit über die Saalestadt hinaus bekannt. Hinzu kam sein vehementes Eintreten für die von Charles Darwin entwickelten Evolutionstheorien.

Der „deutsche Darwin“, dessen 100. Todestag im nächsten Jahr ansteht, setzte auch Maßstäbe in der Lehre: Sage und schreibe 96 Semester lang stand Haeckel vor seinen Studenten am Pult. Ein Zeitgenosse Haeckels, Arnold Dodel, gab 1906 die Schrift „Ernst Haeckel als Erzieher“ heraus. Jetzt erscheint ein Reprint dieses Buches, angereichert durch ein Vorwort und einen Kommentar von Wissenschaftlern der Universität Jena.

„Dodel beschreibt Ernst Haeckel als innovativ, mutig, humoristisch, liebevoll und kompetent“, sagt Dr. Karl Porges. Der Biologiedidaktiker von der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) nennt zudem die ausgeprägte Fehlerkultur Haeckels, die den Beifall Dodels fand. Der kritische Umgang mit dem eigenen Werk werde beispielsweise sichtbar an den zahlreichen verbesserten Neuauflagen der Werke Haeckels.

Prof. Dr. Uwe Hoßfeld, der Leiter der AG Biologiedidaktik, ergänzt: „Das sind Attribute, die bis heute einen guten Pädagogen auszeichnen!“ Schon deshalb könne Arnold Dodels Schrift von 1906 als durchaus noch zeitgemäß angesehen werden. Dodels lange vergessene Schrift werfe zudem ein Schlaglicht auf den Menschen Ernst Haeckel, der sonst meist hinter dem Gelehrten verschwinde. Dabei, so Karl Porges, schilderte Arnold Dodel Haeckel kaum aus eigenem Erleben. „Arnold Dodel und Ernst Haeckel waren Kollegen und sie stimmten in vielen Ansichten überein.“ So gehörte Dodel zu den Erstunterzeichnern der Gründung des Deutschen Monistenbundes in Jena 1906, die Haeckel initiiert hatte.

Der Schweizer Botaniker Arnold Dodel (1843-1908) stammte aus ärmlichen Verhältnissen. Der Sohn eines Bauern wurde zunächst Lehrer, studierte danach und lehrte schließlich Botanik in Zürich. Seinen Beruf als Lehrer habe er nie aus den Augen verloren, sagt Dr. Porges. Auch hier lohne ein Blick nach Jena, gehörte die Stadt an der Saale doch zu den Hochburgen pädagogischer Reformbestrebungen.

Das Buch „Ernst Haeckel als Erzieher“ erscheint zur Ausstellung „100 Jahre Ernst Haeckel. Meilensteine der Evolutionsforschung“, die im Museum für Naturkunde Gera (Nicolaiberg 3) noch bis zum 2. Juni 2019 zu sehen ist. Es kann über das Museum bestellt werden, Telefon 0365 / 52003, E-Mail museum.fuer.naturkunde[at]gera.de. Museumsdirektor Dr. Thomas Hoppe war ebenfalls an der Herausgabe beteiligt.


Bibliographische Angaben:
Arnold Dodel: „Ernst Haeckel als Erzieher“, Reprint der Ausgabe von 1906, Gera 2018, 66 Seiten, 9,95 Euro, ISBN: 978-3-00-061230-5.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

apl. Prof. Dr. Uwe Hoßfeld
Arbeitsgruppe Biologiedidaktik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Steiger 3 (Bienenhaus), 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949491
E-Mail: uwe.hossfeld[at]uni-jena.de

Forscher entdeckten ein genetisches Muster der Monogamie

Monogame Mäuse, Vögel, Frösche und Fische weisen spezifische Genaktivitäten im Gehirn auf, die bei polygamen Verwandten fehlen

David Rennert | derStandard.at

Ihre biologischen Besonderheiten sind den Präriewühlmäusen nicht auf den ersten Blick anzusehen. Die recht unscheinbaren kleinen Nager, die in Nordamerika heimisch sind, halten den Säugetierrekord in Sachen längster Paarung: Bis zu 40 Stunden dauert der erste Geschlechtsakt dieser Mäuse – und markiert den Beginn einer lebenslangen Beziehung. Präriewühlmäuse zählen nämlich auch zu den wenigen Säugetieren, die ihr gesamtes Leben lang einem einzigen Partner die Treue halten.

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Der Ursprung des Wortes „Mem“

Was haben LOLcats mit Evolutionsbiologie zu tun?

Von Johanna Mayer | RDF

Erste bekannte Verwendung: 1976

Wortherkunft: Ein Evolutionsbiologe vermischte das altgriechische Wort mimeme (nachahmen) mit dem englischen Wort gene, um die Voraussetzungen für LOLcats, Success Kid, Rick Rolling und so viel mehr zu schaffen.

Ein mundgerechtes Stück Kultur

„Ein Großteil dessen, was am Menschen ungewöhnlich ist, lässt sich in einem einzigen Wort zusammenfassen“, schreibt der Evolutionsbiologe Richard Dawkins in seinem 1976 erschienenen Buch Das egoistische Gen. „Kultur.“

Aber was hat Kultur mit Evolutionsbiologie zu tun? Wie Gene, so argumentiert er, bringt die kulturelle Vererbung einen Pfad zur Evolution hervor.

„Ich meine, dass auf diesem unserem Planeten kürzlich eine neue Art von Replikator aufgetreten ist“, schreibt Dawkins. „Er starrt uns ins Gesicht. Zwar ist er noch jung, treibt noch unbeholfen in seiner Ursuppe herum, aber er ruft bereits evolutionären Wandel hervor, und zwar mit einer Geschwindigkeit, die das gute alte Gen weit in den Schatten stellt. Das neue Urmeer ist die ‚Suppe‘ der menschlichen Kultur.“

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Die Entstehung der Arten ergründen

© Colourbox/ETH Zürich
Die Geschwindigkeit der Evolution lässt sich von Fossilien oder Verwandtschaftsbäumen ableiten. Die Ergebnisse unterscheiden sich oft.

Forschung & Lehre

Mit indirekten Methoden versuchen Wissenschaftler, Entstehungs- und Aussterberaten abzuleiten. Wichtige Informationen liefern zum einen Fossilienfunde aus verschiedenen geologischen Zeitaltern. Zum anderen können auch auf DNA-Analysen basierende, sogenannte phylogenetische Verwandschaftsbäume heute lebender Arten Hinweise geben. Aus diesen Stammbäumen lässt sich mit statistischen Methoden ebenfalls ableiten, wie oft in der Vergangenheit neue Arten entstanden und alte ausstarben. Allerdings liefern diese beiden genannten Methoden Forschern zufolge oft abweichende Ergebnisse. Das geht aus einer Mitteilung der ETH-Zürich hervor.

Demnach sind die aus Fossilienfunden abgeleiteten Entstehungs- und Aussterberaten oft viel höher als jene von phylogenetischen Methoden. Eine Erklärung, wie es zu dieser Abweichung kommt, liefert nun das ETH-Team um Rachel Warnock und Tanja Stadler mit Hilfe eines eigens entwickelten Computermodells. „Die beiden Methoden basieren auf unterschiedlichen Annahmen, wie Artbildung abläuft“, so Warnock. Deshalb gelangten sie zu verschiedenen Ergebnissen. Ginge man jedoch von denselben Annahmen aus, ließen sich die Ergebnisse der beiden Methoden in Deckung bringen.

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Das Design-Argument – Eine Kritik Teil 2

Foto: Pixabay.com / kellepics
Warum sich in der Natur kein „intelligentes Design“ offenbart

Von Martin Neukamm | RDF

Ein methodologischer Vergleich zwischen ID und der Archäologie

Das intelligente Design steht in der Biologie vor einem grundsätzlichen Problem: Es erklärt nichts, sondern verlagert „die eigentliche Erklärung lediglich einen Schritt nach hinten“ (MAHNER 2007, S. 350). Zwar würde ein intelligenter Designer gegebenenfalls erklären, wie die ersten Lebewesen auf die Erde kamen.

Doch die grundsätzlichere Frage, wie Leben (und sei es in Gestalt des Designers) entsteht, lässt er unbeantwortet. Außerdem kann ID keine potenziellen Designer vorweisen.

Gelegentlich kontern Design-Protagonisten mit Beispielen aus der Archäologie. So lesen wir beim DISCOVERY INSTITUTE (2012), unser Wissen über intelligente Ursachen erlaube Rückschlüsse auf Design, ohne Identität oder Herkunft der Designer zu kennen. Nach Meinung der Autoren verkörpere die Archäologie „Intelligent Design in Action“. Zum Beispiel sind moderne Technologien in der Lage, antike Verfahren zur Herstellung von Artefakten wie Tontafeln und Steinwerkzeugen zu rekonstruieren.

Dies wirft zwei fundamentale Fragen auf: Ist es unsinnig, Mechanismen und natürliche Erklärungen einzufordern, wo „geistige Entstehungsursachen“ gefragt sind? Und: Zeigt die Archäologie, dass spezifisches Wissen über Designer und ihre Methoden entbehrlich ist, um den Schluss auf Design zu ziehen?

Betrachten wir die methodologische Situation, stellen wir fest, dass dem nicht so ist:

  1. Die Archäologie befasst sich mit menschlichem Design. Das heißt, sie kennt die potenziellen Urheber archäologischer Zeugnisse und kann deren Existenz und Aktivität unabhängig von der Objektebene nachweisen.
  2. Die Archäologie bringt die menschlichen Zeugnisse mit bekannten (oder erforschbaren) Techniken in Verbindung. Sie kann Design-Modelle entwickeln, die konkrete Fertigungs-Mechanismen (bestimmte Schlagtechniken) beinhalten. In diesem Sinn liefert sie echte, mechanismische Erklärungen.
  3. Die experimentelle Archäologie erforscht den Ursprung von Tontafeln und Steinwerkzeugen. Ihr gelingt dies, indem sie die Fertigungs-Möglichkeiten und Grenzen ihrer Urheber nachvollzieht.
  4. Nur mithilfe dieses Wissens lassen sich Design-Vorstellungen rechtfertigen. Ohne dieses können wir nicht prüfen, ob bestimmte Schlagmerkmale an Steinen mit den Fertigkeiten des Urmenschen erklärbar sind.

Somit räumen wir explizit ein, dass designbasierte Ansätze im Rahmen der Naturwissenschaften Erklärungskraft entfalten (vgl. KOJONEN 2016, S. 86f). Doch aufgrund der Allgemeinheit des Design-Ansatzes in der Biologie ist diesem kein Erfolg beschieden.

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Wiege der Pflanzen-Evolution entdeckt

Dieser fossile Wedel eines Samenfarns ist rund 255 Millionen Jahre alt und damit einer der ältesten Vertreter dieser Pflanzengruppe. © Palaeobotany Research Group Münster/ Blomenkemper et al.
Spektakulärer Fund: Am Ostufer des Toten Meeres haben Forscher einen wahren Schatz an mehr als 250 Millionen Jahre alten Pflanzenfossilien entdeckt. Unter den Relikten sind die ältesten Fossilien von gleich drei Stammeslinien der Samenpflanzen: der Nadelbäume, der Samenfarne und der Bennettitales, heute ausgestorbener Vorfahren der Blütenpflanzen. Die Funde belegen, dass diese Pflanzengruppen deutlich älter sind als bisher gedacht, so die Forscher im Fachmagazin „Science“.

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Nachdem Millionen Jahre lang das irdische Leben nur in den Ozeanen stattfand, begann vor rund 515 Millionen Jahren die entscheidende Wende: Die ersten Pflanzen besiedelten das Land – und ebneten so auch der Tierwelt den Weg auf die Kontinente der Urerde. Nach und nach entwickelten sich dann die verschiedenen Großgruppen des Pflanzenreichs – erst Moose und Farne, dann auch die ersten Nadelbaumartigen und zuletzt, vor rund 240 Millionen Jahren, auch die Blütenpflanzen.

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Why We Love Dinosaurs

Naturkundemuseum Berlin, Quelle: Brightsblog
If museums of natural history are temples to science, dinosaurs are their shrines.

By Boria Sax | NAUTILUS

People have always known of dinosaurs, though they have called them by many names. Old legends that place Western dragons in caves or beneath the earth may have originated with fossils. The plumed serpent, prominent in mythologies of Mexico and Latin America, is often a creator of life. The Rainbow Serpent of Aboriginal tales was present at the beginning of time, and helped prepare the landscapes for human beings and other animals. The Asian dragon, which combines features of many animals, symbolizes primordial energy and is the bringer of rain. These figures resemble our reconstructions of dinosaurs in appearance, and accounts place them in worlds that existed before humankind. The major reason for this similarity might be that human imagination works in much the same way as evolution. Both constantly recycle familiar forms such as wings, claws, crests, fangs, and scales, which may repeatedly vanish and then reappear through convergence. The figure of Tyrannosaurus rex suggests a kangaroo, while pterosaurs resemble bats, but the similarities are not due to common ancestry.

Children, who are just learning the basic expectations of their society, are in ways outside of culture. Their attraction to dinosaurs suggests that the giant creatures appeal to something innate, or at least very elemental, in the human psyche. One highly speculative explanation is that this is a genetic legacy, going back to the days when early humans faced gigantic, prehistoric lizards such as the megalania or perhaps even the days when our remote mammalian ancestors had to contend with dinosaurs themselves. A simpler explanation is that images of dinosaurs convey the excitement of danger while posing no actual threat. It could also be that dinosaurs, from a child’s point of view, seem like grown-ups, since they are both very old and very big.

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Ältester Riesen-Raubsaurier entdeckt

Knapp acht Meter lang und gut eine Tonne schwer: Der Raubdinosaurier Saltriovenator zanellai war zu Lebzeiten ein echter Riese. © Davide Bonadonna, Gabriele Bindellini
Sensationeller Fund: Paläontologen haben in Norditalien den bisher ältesten Vertreter der großen Raubdinosaurier entdeckt – den größten Fleischfresser des frühen Jura. Das Fossil der Saltriovenator zanellai getauften Art ist fast acht Meter lang, zu Lebzeiten wog dieser Riese vermutlich gut eine Tonne. Das Fossil wirft ein neues Licht auf die Größenentwicklung der Raubsaurier, ist aber auch ein wichtiges Bindeglied zur Vogelevolution.

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Ob Tyrannosaurus rex, Allosaurus oder Megalosaurus: Diese zweibeinig laufenden Raubdinosaurier gehören zu den größten Vertretern der fleischfressenden Urzeit-Echsen. Sie wurden bis zu 15 Meter lang und wogen mehr als eine Tonne. Selbst gigantische Pflanzenfresser wie Brachiosaurus oder Brontosaurus waren deshalb nicht vor diesen Räubern sicher. Bisher jedoch war unklar, wann der Riesenwuchs der fleischfressenden Theropoden begann.

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Haben Affen einen Sinn für Musik?

Schon Weißbüscheläffchen haben einen rudimentären Sinn für musikalische Struktur. © Vedrana Šlipogor
Erbe unserer Vorfahren: Schon die gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Affe könnten einen Sinn für Musik besessen haben. Denn Experimente mit Weißbüscheläffchen zeigen, dass diese strukturelle Abhängigkeiten in Melodien erkennen. Fehlen Töne in einer Melodie, stutzen sie ähnlich wie wir Menschen auch. Spannend ist diese Fähigkeit auch deshalb, weil sie für die Entwicklung der menschlichen Sprache eine wichtige Rolle spielte.

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Die Musik ist tief in unserer Natur verankert: Schon Ungeborene im Mutterleib reagieren auf Melodien und auch unsere Vorfahren nutzten offenbar schon Musik bei Ritualen und Festen, wie steinzeitliche Musikinstrumente belegen. Doch wann begannen unsere Ahnen ein Verständnis für Musik zu entwickeln oder sogar zu singen? Erbten sie diese Fähigkeiten womöglich schon von ihren äffischen Vorfahren? Immerhin erzeugen alle Affenarten eine Vielzahl an Lauten, doch wie musikalisch die Tiere sind, ist bisher umstritten.

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Dinosaurier-Abdrücke mit Schuppen und Haut

Zwei Iguanodon-Fußspuren mit Klauen- und Hautabdrücken. Gut 80 weitere Dinosaurierspuren haben Forscher jetzt in Südengland entdeckt. © Neil Davies
Paläontologischer Schatz: An der Küste Südenglands haben Forscher die bisher reichhaltigste Ansammlung von kreidezeitlichen Dinosaurierspuren der britischen Inseln entdeckt. Es handelt sich um 85 Fußabdrücke, die von mindestens sieben verschiedenen Dinosaurierarten hinterlassen wurden. – sowohl Pflanzenfressern als auch Raubdinosauriern. Die Abdrücke sind so gut erhalten, dass sogar noch Details der Haut, Schuppen und Klauen erkennbar sind.

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Dinosaurier dominierten die Lebenswelt des Jura und der Kreidezeit, auf nahezu allen Kontinenten wurden schon Fossilien solcher „Riesenechsen“ entdeckt. Doch auch ihre Spuren haben sich an manchen Stellen erhalten – sie finden sich in Deutschland, in Schottland, Frankreich und sogar im hohen Norden Alaskas. Diese Fußabdrücke verraten viel darüber, wie die Dinosaurier lebten und mit wem sie ihren Lebensraum teilten.

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Das Design-Argument – Eine Kritik Teil 1

Foto: Pixabay.com / Wokandapix
Warum sich in der Natur kein „intelligentes Design“ offenbart. Der Kern des Design-Arguments in der Biologie (WIDENMEYER & JUNKER 2016)

Von Martin Neukamm | RDF

Auf der Website des evangelikalen Vereins WORT UND WISSEN findet sich ein Grundsatzartikel über das Design-Argument in der Biologie. Letzteres nennt sich auch Intelligent Design, kurz: ID. Der Beitrag stammt von Markus WIDENMEYER und Reinhard JUNKER und dient Menschen als Handreichung, die „methodisch sauber“ für Schöpfung argumentieren wollen (WIDENMEYER & JUNKER 2016). Vollmundig heißt es, Kritiker würden am Kern des Design-Arguments „scheitern“. Entsprechend wird der Text beworben – als ein „must read“ für alle, die argumentativ „up to date“ sein möchten.

Der Leser erwartet also eine argumentativ gewichtige Abhandlung zum intelligenten Design. Doch die Erwartungen erfüllen sich nur teilweise. Tatsächlich unterscheidet sich die Argumentation der Autoren nicht wesentlich von vorangegangenen Publikationen. Gleichwohl lohnt sich die Detail-Analyse.

Zum einen stellt der Beitrag Design-Argumente kompakt statt bücherfüllend dar, was die Kritik erheblich erleichtert. Zum anderen arbeiten sich die Autoren erfreulicherweise wenig an biologischen Detailfragen ab. Dies kommt der Diskussion zugute, denn der Streit darüber, inwiefern die Evolutionstheorie diesen oder jenen Entwicklungsschritt zufriedenstellend erklärt, ist fruchtlos. Die Frage, ob die Fakten den Design-Ansatz erhärten, lässt sich nur auf dem Boden der Methodologie und Logik führen.

Es geht zuallererst um wissenschaftstheoretische Fragen: Ist Intelligent Design eine vernünftige Alternative zur (naturalistischen) Evolutionstheorie? Ist es rational begründet und durch Forschung zu untermauern? Sind die Einwände seiner Kritiker unzureichend, wie die Anhänger des intelligenten Designs behaupten? Um diese Fragen zu klären, widmen wir uns zunächst dem Kern der Argumentation nach WIDENMEYER & JUNKER (2016) und kritisieren ihn dann systematisch.

Der Kern des Design-Ansatzes

Als „Design-Ansatz“ bezeichnen die Autoren die These, bestimmte Naturgegenstände seien ursprünglich auf geistige Ursachen, das heißt auf Schöpfung, zurückführen (S. 2). Dieser Ansatz ist in logischer Hinsicht mit dem Design-Argument verknüpft – dem Rückgriff auf wissenschaftliche Befunde und logische Aspekte. Design-Argumente dienen dazu, den Design-Ansatz zu begründen (S. 1).

Nach WIDENMEYER & JUNKER besteht die Begründung für „eine geistige Verursachung und damit für das Design-Argument“ aus zwei Komponenten. Erstens:

„1. Der Naturgegenstand zeigt definierte Kennzeichen von Planung bzw. Zielorientierung (Teleologie), die wir in anderen Fällen ganz entsprechend unseren sonstigen Design- Erfahrungen (Technik, Kunst) ausschließlich auf einen geistigen Urheber zurückführen (wir sprechen dann von ‚Design-Indizien‘ oder ‚Design-Merkmalen‘ wie z. B. funktionale Komplexität; s. u.)“ S. 1-2.

Insbesondere seien „geistig hervorgebrachte“(1) Gegenstände wie Computer „so gestaltet, dass ihre Teile in z. T. äußerst komplexen und vielschichtigen Zweck-Mittel- Beziehungen stehen.“ Die Teile, ihre Form und Anordnung, seien „nur in Bezug auf ihre Funktionen und letztlich das Ganze, den Zweck des Gegenstands, zu verstehen“.

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Evolutionsbiologie: Die Liebe kennt ganz verschiedene Formen

©mauritius images/Westend61/Doris.H
Warum lieben wir, wie wir lieben? Wie hängen Lust, Fürsorge und Liebe zusammen? Aktuelle Erkenntnisse aus der Evolutionsbiologie.

Thomas Junker | Forschung & Lehre

Romantische Liebe, Zweierbeziehungen und häufiger Sex gehören zur Natur des Menschen. Gemeinsam dienen sie einer unverzichtbaren biologischen Funktion: eine verlässliche und dauerhafte Betreuung der Kinder sicherzustellen. Ohne die damit verbundenen Mühen und Anstrengungen gäbe es weder Verliebtheit, noch feste Bindungen noch die besondere Lust beim Sex. Und seit wann gibt es die enge Verknüpfung von Lust, Liebe und Fürsorge? – Seit es Menschen gibt!

Dies zumindest behauptet das sogenannte Standardmodell der menschlichen Evolution. Schon unsere frühen Vorfahren, die vor etwa zwei Millionen Jahren lebten, hätten Gefühle wie Verliebtheit, Verbundenheit und Eifersucht gekannt. Spätestens zu dieser Zeit hätten die Männer einzelne Frauen begleitet und die Frauen ihrerseits waren ihrem Partner sexuell treu, auch wenn sie andere Optionen hatten. Die Paarbindungen wiederum gelten als eine unentbehrliche Voraussetzung für väterliche Fürsorge. Damit waren zum einen die materiellen Bedingungen für die Evolution des Gehirns gegeben: eine ausreichende und hochwertige Nahrung.

Zum anderen erhielt der kulturelle Fortschritt eine völlig neue Dynamik: Denn jetzt konnten nicht mehr nur die Mütter und Großmütter, sondern auch die Väter und Großväter ihre Erfahrungen und ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben. Wenn dieses Argument richtig ist, dann haben die romantische Liebe, die Eifersucht beider Geschlechter sowie das fortdauernde sexuelle Begehren die evolutionäre Entwicklung von unseren noch äffischen Vorfahren zu echten Menschen erst möglich gemacht.

Traditionen werden als naturgegeben wahrgenommen

Alles in allem erinnert das Standardmodell an traditionelle Vorstellungen von Ehe und Familie. Es wird zwar nicht die lebenslange Einehe gefordert, sondern lediglich, dass die Paare zusammenbleiben, solange die gemeinsamen Kinder intensive und andauernde Zuwendung benötigen. Dementsprechend würde man von einigen Jahren ausgehen. Nichtsdestoweniger werden Traditionen, mit denen man aufwächst, wie Verliebtheit, Heirat und Familie, leicht für selbstverständlich und naturgegeben gehalten, obwohl sie es vielleicht gar nicht sind.

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Wie Neandertaler-Gene unser Gehirn beeinflussen

illustration: philipp gunz Schädel eines Neandertalers (links) und eines modernen Menschen im Vergleich. Die runde Form beim Homo sapiens ist einzigartig
Zwei bis vier Prozent der DNA heutiger Europäer und Asiaten stammen von Neandertalern. Forscher entdeckten darunter Gene, die Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung haben

David Rennert | derStandard.at

Zu den einzigartigen biologischen Merkmalen des modernen Menschen zählt definitiv sein Kopf: Im Vergleich zu früheren Menschenarten wie den Neandertalern haben wir eine ungewöhnlich runde Schädelform. Wissenschafter nehmen an, dass sich der „Rundkopf“ bei unseren Vorfahren erst langsam entwickelte und er bedeutende Veränderungen in der Gehirnorganisation widerspiegelt. Womöglich hängen sogar spezifische Verbindungen verschiedener Gehirnareale und damit auch kognitive Fähigkeiten mit der veränderten Kopfform zusammen.

Ein internationales Forscherteam hat sich nun auf die Suche nach Genen und biologischen Mechanismen gemacht, die bei dieser Formwandlung eine Rolle gespielt haben könnten. Wie die Wissenschafter im Fachblatt „Current Biology“ berichten, fanden sie dabei nicht nur bemerkenswerte Unterschiede zwischen heute lebenden Menschen, sie stießen auch auf DNA-Fragmente von Neandertalern, die nach wie vor einen Einfluss auf unsere individuellen Schädelformen haben. –

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Kambrische „Explosion“ des Lebens überraschend kurz

Ein Fossil aus der Zeit der kambrischen Explosion – diese Phase der rasanten Evolution war noch kürzer als gedacht. © Senckenberg/ Linnemann
Evolution im Turbogang: Das Kambrium mit seiner rasanten Explosion der Artenvielfalt begann später als bisher gedacht, wie eine neue Datierung enthüllt. Der Startschuss für eine Turbo-Evolution vieler neuer Baupläne und Arten fiel demnach vor 538,8 Millionen Jahren. Überraschend auch: Diese kambrische Explosion der Artenvielfalt dauerte nur gut 400.000 Jahre – nach Maßstäben der Evolution sei das ein echter „Sprint“, sagen die Forscher.

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Am Beginn des Kambrium-Zeitalters gab es einen abrupten Zuwachs der irdischen Artenvielfalt. Innerhalb kurzer Zeit entwickelten sich die Baupläne fast aller heute bekannten Tiergruppen. Zu keiner anderen Zeit in der Erdgeschichte hat es eine so rapide Evolution neuer Organismen gegeben. Sogar Charles Darwin grübelte schon über diesen seltsamen Ausbruch des Lebens – und bis heute sind der Verlauf und die Ursachen dieser kambrischen „Explosion“ weitgehend ungeklärt.

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Supernova schuld an Massenaussterben?

War eine Sternexplosion in 150 Lichtjahren Entfernung schuld am Massenaussterbern vor vor 2,6 Millionen Jahren? © NASA
Kosmische Strahlendusche: Eine Sternexplosion könnte vor 2,6 Millionen Jahren ein Massenaussterben verursacht haben. Denn in nur 150 Lichtjahren Entfernung ereignete sich damals eine Supernova, die die Erde mit kosmischer Strahlung bombardierte. Vor allem große Meerestiere wie der Riesenhai Megalodon könnten durch diese energiereichen Myonen erkrankt und gestorben sein, so die Hypothese der Forscher.

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Es traf Wale, Meeresvögel, Schildkröten und den berühmten Riesenhai Carcharocles megalodon: Vor rund 2,6 Millionen Jahren raffte ein Massenaussterben rund ein Drittel aller großen Meerestiere dahin. Was jedoch die Ursache für diesen Tod der marinen Megafauna war, ist bisher rätselhaft. Einige Forscher sehen die Klimaveränderungen des beginnenden Eiszeitalters als Auslöser, andere die Veränderungen der globalen Meeresströmungen durch die sich schließende Landbrücke von Panama.

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Sibirisches „Einhorn“ überlebte länger

Das Urzeit-Nashorn Elasmotherium sibiricum wird wegen seines ungewöhnlich langen Horns auch als sibirisches Einhorn bezeichnet. © DiBgd/ CC-by-sa 3.0
Die letzten ihrer Art: Noch vor 38.000 Jahren gab es echte „Einhörner“ in den Steppen Sibiriens und der Mongolei – unsere Vorfahren könnten ihnen daher begegnet sein. Denn entgegen bisherigen Annahmen starb das Urzeit-Nashorn Elasmotherium sibiricum nicht schon vor 200.000 Jahren aus, sondern überlebte bis in die letzte Eiszeit hinein. Das belegen neue Radiokarbondatierungen von Fossilien dieses ungewöhnlichen Wesens.

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Die letzten Einhörner Sibiriens waren weder weiß noch zart besaitet: Elasmotherium sibiricum trug ein dichtes schwarzes Fell und wog 3,5 Tonnen – es war damit eines der größten Nashornarten des Quartärs. Dennoch trägt es seinen Spitznamen „sibirisches Einhorn“ durchaus zu Recht: Dieses Urzeit-Nashorn besaß trotz seiner Masse relativ schlanke Gliedmaßen und vor allem ein ungewöhnlich langes Horn: Es könnte bis zu einem Meter lang gewesen sein.

Diese ungewöhnliche Nashorn-Art war einst in weiten Teilen Eurasiens verbreitet. Sein Lebensraum reichte vom Westen Russlands und der Ukraine über Zentralasien bis nach China und in die Mongolei hinein.

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Primordiale RNA könnte Inosin statt Guanin als Genbuchstaben enthalten haben

Nutzten die ersten Zellen in der „Ursuppe“ Insosin statt Guanin als Genbuchstaben? © Harvard University
Ausgetauschter Genbuchstabe: Das allererste Leben auf unserer Erde könnte einen leicht anderen Gencode genutzt haben als die heutigen Organismen. Statt der RNA-Base Guanin nutzten die Urzellen möglicherweise das leichter verfügbare Inosin als Ersatz. Entgegen bisheriger Annahme ermöglicht auch diese Ersatzbase eine schnelle Replikation des Gencodes ohne viele Fehler, wie die Forscher berichten.

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Wie und wo das erste Leben auf der Erde entstand, ist noch immer weitgehend ungeklärt. Wissenschaftler vermuten jedoch, dass die allerersten Zellen noch nicht die heute vorherrschende DNA als Erbmolekül nutzten, sondern die chemisch eng verwandte RNA. Unter Mithilfe bestimmter Phosphorverbindungen könnten sich aus ersten Nukleotidbausteinen die RNA-Stränge gebildet haben, an die sich dann vier Basen als „Genbuchstaben“ anlagerten.

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Darwin neu übersetzt: Eine Frage des Überlebens

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Mit seinem „Ursprung der Arten“ erschütterte Charles Darwin vor bald 150 Jahren unser Weltbild. Jetzt liegt das Buch in neuer Übersetzung vor.

Ulli Kulke | Berliner Morgenpost

Ein Begriff ist es vor allem, den wir mit Charles Darwin, dem Begründer der Evolutionstheorie, verbinden. Dabei stammt er nicht einmal von ihm. Im englischen Original lautet er „Survival of the fittest“. Übersetzt heißt es: „Das Überleben des …“ – ja, wessen Überleben eigentlich? So klar ist das nicht in der deutschen Sprache. Etwa des Stärksten, des Gesündesten, des Klügsten? Eine Überlebensfrage, bei der es um mehr geht als um Wortklauberei.

Wir lesen den Begriff in Darwins berühmtesten Buch, in dem er uns – nach jahrelanger Forschungsweltreise – die Systematik erklärt, in der sich das Leben entwickelt, auf Basis welcher Naturgesetze sich Tier- und Pflanzenarten ausgebildet haben. Insbesondere aber, wie sie sich stets wandelnden Bedingungen anpassten, durch Änderung ihrer Merkmale über unzählige Generationen – oder ausstarben, das Überleben nicht schafften. „On the Origin of Species“, lautet sein Titel, in der deutsche Ausgabe „Die Entstehung der Arten“ – oder jetzt, seit November 2018, „Der Ursprung der Arten“. Wir sehen auch hier: Es ist sprachlich manches interpretierbar, derzeit einiges im Fluss bei dem Buch, das in seiner weltweiten Wirkmacht gerade noch von der Bibel oder dem Koran übertroffen wird, „Das Kapital“ von Karl Marx aber abhängt. Sprache ist im Wandel, wenn ein solches Jahrhundertbuch einer Neuübersetzung unterzogen wird, wie es bei Darwin jetzt der Fall ist.

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