Archiv der Kategorie: Evolutionstheorie

Australopithecus sediba war doch kein “Nussknacker”

Schädel des Australopithecus sediba und ein 3D-Modell der Belastung während eines Bisses © Brett Eloff/ Lee Berger, University of the Witwatersrand
Schwacher Kiefer: Der rätselhafte Vormensch Australopithecus sediba war offenbar doch nicht an harte Nahrung angepasst. Denn seine Kiefer und Zähne waren nicht stabil genug, um auf Dauer Nüsse zu knacken oder Baumrinde und harte Blätter zu kauen, wie Forscher jetzt festgestellt haben. Das macht ihn uns ähnlicher als viele seiner damaligen Zeitgenossen, wie die Forscher im Fachmagazin “Nature Communications” berichten.

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Der in einer Höhle in Südafrika entdeckte Vormensch Australopithecus sediba lebte vor rund zwei Millionen Jahren und könnte damit ein Vorfahre der ersten Frühmenschen der Gattung Homo gewesen sein. Doch aufgrund seiner ungewöhnlichen Mischung aus modernen und urtümlichen Merkmalen ist seine Position im Menschstammbaum strittig.

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In Asien verbreiteter Haplotyp starb in Europa nach Gletscherwachstum aus

Phylogenese der menschlichen Haplotypen. Grafik: Vincent Macaulay und Martin Richards. Lizenz: CC BY-SA 2.5
Forscher des Jenaer Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte haben in der Fachzeitschrift Current Bology die Ergebnisse von Genuntersuchungen an 35.000 bis 7.000 Jahre alten Knochen aus Deutschland, Frankreich und anderen europäischen Ländern veröffentlicht, die sie mit bereits vorher bekannten mitochondrialen Gendaten von 20 alten Europäern verglichen. Ihre Studie zeigt, dass es den heute in Asien, Australien und Amerika verbreiteten Haplotyp M früher auch in Europa gab – und dass er wahrscheinlich durch das letzte glaziale Maximum ausstarb.

Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

Das schließen die Humangenetiker daraus, dass sich diese Haplogruppe nur in den Überresten von drei Menschen fand, die vor 35.000 bis 28.000 Jahren lebten. Danach wurde es deutlich kälter und die Gletscher wuchsen bis nach Sachsen und Irland. Aber auch südlich davon war es durch Berggletscher vor 20.000 Jahren nicht überall eisfrei.

Diese Kälterperiode führte den Schätzungen der Forscher dazu, dass die Bevölkerung Europas um 60 bis 90 Prozent schrumpfte und dass durch diesen Rückgang auch die genetische Vielfalt zurückging. Erst als es vor 14.500 Jahren wieder wärmer wurde, wuchs die Bevölkerung wieder.

Bei den Menschen, die sich danach dort ausbreiteten, dominierte die Haplogruppe R mit ihren Untergruppen H, V, T, J, U, K – daneben behaupteten sich die Haplogruppen I, W und X. In Süd- und Ostasien vermehrte sich neben der Haplogruppe M (aus der die Gruppen C, D, E, G, Z und Q hervorgingen) auch die Haplogruppe N (aus der A, B, F, Y und X entstanden).

Obwohl die Gruppen M und N aus Afrika kommen, sind sie dort heute eher selten zu finden. Hier dominieren Gruppen die aus dem Haplotyp L hervorgingen. Der höhere M-Anteil in Äthiopien könnte durch die “eurasische Rückwanderung” vor 3.000 bis 3.500 Jahren entstanden sein, die man im letzten Jahr entdeckte (vgl. Out of Afrika und zurück). Möglich ist aber auch, dass der M-Anteil dort höher ist, weil der Haplotyp dort herkommt.

Abgründig hündisch

Lupus, der Wolf. Genetisch fast identisch mit dem Hund, und doch völlig anders.

Wie jede gute Geschichte über Hunde muss auch diese mit dem Wolf beginnen – Tom Appleton glaubt, dass die Vorfahren der heutigen Haustiere auch als Nahrungsspeicher und Müllbeseitiger domestiziert wurden

Von Tom Appleton|TELEPOLIS

Eigentlich ist es ein bisschen arg blöd, aber als Illustration zur Einstimmung brauchte ich hier ein Bild-Zitat, und dazu bietet sich der Titel dieser australischen Medizinerzeitschrift als durchaus tauglich an. Die Grafik-Firma, die das Heft produziert, sollte eine Story über die Auto-Immun-Erkrankung “Lupus” illustrieren. Also wanderte man in den Zoo, vermutlich in Sydney, fotografierte den nächstbesten amerikanischen Wolf, und mit etwas Photoshopping stand das Tier auch schon im Phantasie-Schnee und blickte — leicht dusselig — in die Welt hinaus.

Doch für meine Zwecke reicht es. So sieht er eben aus — der Wolf, von dem der heutige Hund, in all seiner Vielgestaltigkeit, abstammt.

Darüber hinaus kann uns dieses Bild nun aber auch beim Google-Test helfen. Man gibt die Wörter “North”, “American”, “Indian”, “Dog” ein, und es erscheinen genügend Beispiele für einen Hund — mit den gleichen, aufgestellten, dreieckigen Ohren und dem senkrecht nach unten zeigenden Schwanz, wie dieser Wolf — und mit zudem einer leicht gelblichen Färbung des dicken Pelzes.

Das Interessante an diesem gelben Hund ist nun, dass er genau so aussieht wie der einheimische Hund der Maori in Neuseeland, der unter dem Namen “Kuri” bis 1830 überlebte.

“Kuri”, das sollte man noch hinzufügen, ist ein schwedisches Wort – für “Hund”. Das schottische Wort “cur” für “Hund” — ausgesprochen “kör” — stammt von den Norwegern, die dort einst als Wikinger eingefallen waren. Insofern mag der englische Entdecker Neuseelands, Captain James Cook, im Jahr 1769 gemeint haben, es sei wohl ganz natürlich, dass ein Hund eben “Kuri” hieße.

Andererseits gibt es in der Maori-Sprache noch ein zweites Wort für das gleiche Tier, “Pero”. Das spanische Wort für “Hund” schreibt sich “Perro”, mit Doppel-R. Ist ansonsten aber identisch.

Das hat in der offiziellen Geschichtsschreibung Neuseelands noch nie eine Augenbraue zur Fragezeichenform hochschnellen lassen – vielleicht, weil man die Rechtmäßigkeit des Anspruchs der britischen Krone auf diese Kolonie nicht in Zweifel ziehen wollte.

Und auch heute noch tun sich die Neuseeländer ein bisschen schwer damit, die Geschichte des Kuri zu untersuchen. So stellte die Internetseite stuff.co.nz beispielsweise in einer Story zum Thema “Warum starb der Kuri aus?” fest, der Maori-Hund sei “aus ungeklärten Gründen […] irgendwann im 19. Jahrhundert” ausgestorben. Die Frage, warum das passiert sei, werde nun von zwei Genetikerinnen anhand von Haaren aus Museumspelzen untersucht.

Dabei kann man aus historischen Quellen erfahren, dass der letzte Kuri oder die letzten seiner Art um 1830 zu einer rituellen Mahlzeit verarbeitet wurden.

Obwohl das flauschige Fell dieses Hundes gern als prestigeträchtige Kleidung der Maori-Häuptlinge diente, haben sich — wenn überhaupt — nur wenige ausgestopfte Ganzkörperpräparate erhalten. Im Wellingtoner Te Papa Museum befindet sich ein lächerliches Objekt, das so wirkt, als hätte man ein Tierfell mit etlichen Sofakissen vollgestopft, und dann den Schwanz in Marsupilami-Form hintendran durch die Luft schweben lassen wollen.

Die oben verlinkte stuff-Seite zeigt ein weiteres Tierpräparat, das dem Kuri ähnlich sieht, aber keineswegs echt zu sein braucht. Dafür, dass es an die 200 Jahre alt ist, oder sein müsste, befindet es sich in einem geradezu “unglaublichen” Zustand. Ohne eine genetische Probe hätte ich für dieses Versteigerungsobjekt keinen Pfifferling geboten.

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Geheimnis der Tiefseesocken ist geklärt

Xenoturbella bocki
Xenoturbella bocki
Sie liegen auf dem Meeresgrund wie schlaffe Luftballons oder gebrauchte Kondome. Biologisch waren diese Tiere lange ein Rätsel – bis vier neue Arten gefunden wurden.

Von Daniel Lingenhöhl|Spektrum.de

1915 holten Biologen aus der Ostsee vor der schwedischen Küste ein merkwürdiges Lebewesen, das sie nicht so recht einzuordnen wussten: Zuerst packten sie die letztlich sogar erst 1949 beschriebene Art Xenoturbella bocki zu den Plattwürmern, später galt sie als sehr einfaches Weichtier und schließlich als Stachelhäuter. Es sieht auch zu merkwürdig aus: Das Tier verfügt nur über eine Körperöffnung, hat weder Augen noch Kiemen, und innere Organe sind mehr oder weniger Fehlanzeige. Wovon es sich ernährt, ist ebenfalls unklar; vermutlich fressen die Meeresbodenbewohner Muscheln und Schnecken, doch das Wie ist unbekannt. Glücklicherweise entdeckten Biologen um Greg Rouse von der University of California in San Diego jedoch weitere Arten dieser Strudelwürmer in mexikanischen und kalifornischen Gewässern, welche die evolutionär wichtige Stammbaumfrage wohl klären.

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Skurril: Urzeit-Antilope mit Dinosaurier-Nase

Der fossile Schädel einer Rusingoryx -Antlilope, gelb markiert ist der Nasenkamm. © Cell Press
Überraschender Fund: In Kenia haben Paläontologen eine Steinzeit-Antilope mit einem auffallenden Nasenkamm entdeckt. Das Ungewöhnliche daran: Eine solche knöcherne Struktur war bisher nur von Dinosauriern bekannt. Bei Säugetieren wurde ein solcher Knochenkamm dagegen noch nie gefunden. Wozu der seltsame Kamm diente, ist unklar, er könnte den Steinzeit-Antilopen aber vielleicht Infraschall-Rufe ermöglicht haben, so die Forscher im Fachmagazin “Current Biology”.

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Im Osten des Victoriasees in Kenia liegt eine kleine Insel, Rusinga Island. Auf ihr ereignete sich vor rund 18.000 Jahren ein wahres Massaker, wie Ausgrabungen von Paläontologen ergaben. Denn sie fanden dort die durcheinander geworfenen Knochen einer ganzen Herde von urzeitlichen Antilopen, zusammen mit Steinwerkzeugen und zerschlagenen Skelettteilen. Wie genau diese Antilopen, Rusingoryx atopocranion getauft, aussahen, blieb jedoch unklar, weil intakte Schädel fehlten.

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Glauben : Wo ist Gott? – Kreationismus

Expansion des Universums und Entwicklungsstadien als Modell (Bild: NASA / WMAP Science Team, Public Domain)
Expansion des Universums und Entwicklungsstadien als Modell (Bild: NASA / WMAP Science Team, Public Domain)
Wenn es um den Sinn des Lebens geht, stehen sich Religion und Wissenschaft meist als Widersacher gegenüber. Völlig zu Unrecht, findet Martin Nowak, Professor für Evolutionsbiologie in Harvard. Ein Gespräch über sein Vertrauen in Gott und in die Naturgesetze.

Interview: Andreas Lebert und Christian Schwägerl|ZEIT ONLINE

Charles Darwin hat Theologie studiert und sollte auf Wunsch seines Vaters Geistlicher werden. Doch nach seiner epochalen Forschungsreise wuchsen Darwins Zweifel an der christlichen Lehre, er bezeichnete sich später als Agnostiker. Viele prominente Evolutionsbiologen unserer Zeit distanzieren sich viel deutlicher vom Glauben als Darwin. Nicht so Martin Nowak, einer der weltweit führenden Forscher auf diesem Gebiet. Wir treffen den Harvard-Professor in seinem Geburtsort Klosterneuburg bei Wien, wo er zu Besuch ist. Dort ist in den vergangenen Jahren das österreichische Institute of Science and Technology entstanden, ein Ort der Spitzenforschung, für den Nowak als Berater wirkt. Auf den Fluren laufen einem dort Ameisenforscher, Immunexperten, Robotiker und Physiker über den Weg. Nur in einem Raum geht es an diesem Nachmittag nicht um Spitzenforschung, sondern um ein Glaubensbekenntnis.

ZEIT Wissen: Herr Nowak, was macht Ihnen Angst?

Martin Nowak: Was mir Angst macht, ist, dass wir Menschen die Möglichkeit haben, Böses zu tun.

ZEIT Wissen: Lässt das Böse in der Welt Sie an Gott zweifeln?

Nowak: Augustinus zufolge ist die Natur Gottes, dass er das Gute auch aus dem Bösen erschaffen kann. Das Böse hat nicht die gleiche Existenz wie das Gute.

ZEIT Wissen: Sie sind Professor für Biologie und Mathematik an der Universität Harvard und leiten ein Programm für Evolutionsbiologie. Zugleich sind Sie gläubiger Katholik. Passt das zusammen?

Nowak: Sehr gut. Es gibt keinen Widerspruch zwischen Naturwissenschaft und christlicher Weltanschauung.

ZEIT Wissen: Das sehen oder sahen viele Ihrer sehr bekannten Kollegen in der Biologie anders, von denen einige große Namen behaupten, Wissenschaft und Glauben seien komplett inkompatibel.

Nowak: Aber die Argumente, die dabei vorgebracht werden, sind nicht wissenschaftlich, sondern subjektive Weltanschauungen. Sie liefern keinen Beweis, ob es Gott gibt oder nicht. Die Existenz Gottes kann man nicht wissenschaftlich prüfen. Jetzt zu sagen, ich interpretiere die wissenschaftlichen Beobachtungen, als ob sie zeigen würden, dass es Gott nicht gibt, das ist nicht wissenschaftlich. Das ist selbst eine Art von Religion. Eine Religion des Atheismus. Diese Haltung ist unter Biologen aus irgendeinem Grund häufiger verbreitet als unter Mathematikern und Physikern.

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Das Gender-Paradoxon 2016 von U. Kutschera vor der Auslieferung

Bild: RDF
Da in den letzten Wochen immer wieder Anfragen bzgl. des Fachbuchs „U. Kutschera: Das Gender-Paradoxon. Mann und Frau als evolvierte Menschentypen. LIT-Verlag, Berlin“ eingegangen sind, folgt hier die gewünschte Information.

Von Ulrich Kutschera|Richard Dawkins-Foundation

Entgegen der ersten Ankündigung hat die Monographie, als Ergänzungsband zum UTB-Lehrbuch „Evolutionsbiologie“ Die Gott-lose Evolution und ihre Antriebskräfte, ca. 445 Druckseiten mit 75 Originalabbildungen und wird daher zum Preis von 24,90 € Ende Februar erhältlich sein. Obwohl im UTB-Standardwerk der Mensch, von der ersten bis letzten Druckseite, immer wieder als Biospezies behandelt wird, konnten dort aus Platzgründen zahlreiche humanbiologische Aspekte nicht berücksichtigt werden (vorgegebene Seitenzahl durch den Verlag). Daher folgen im „Gender-Paradoxon“ mehrere Kapitel, z. B. zur „Frau als primärem Geschlecht“, zu dem „neuen evolutionsbiologischen Menschenbild (Ganzkörper-XY- bzw. -XX-Modell)“ sowie ausführliche Darlegungen zur „Homosexualität bei Tieren, Pflanzen und Menschen“. Während im UTB-Lehrbuch der Kreationismus ausführlich thematisiert und als Pseudowissenschaft widerlegt worden ist, sind im Ergänzungsband, neben biowissenschaftlichen Abhandlungen zu „Sex und Gender“, die Thesen der Gender-Ideologen ausführlich dargelegt und ad absurdum geführt. Grundlegende Begriffe, wie z. B. „Heteronormalität“, „Biophobie“, „homoerotische Handlungen“, „Moneyismus“ (als Synonym für die Gender-Irrlehre) werden eingeführt.

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Tödlicher Kampf zwischen Orang-Utan-Weibchen

Das Orang-Utan Weicbehn Sidony starb nach einem Kampf mit ihrer Artgenossin Kondor und deren “Schläger” © Anna Marzec
Überraschend brutal: Im Regenwald Indonesiens haben sich zwei wilde Orang-Utan-Weibchen einen tödlichen Kampf geliefert. Unterstützt von ihrem männlichen “Bodyguard” biss und schlug eine Äffin ihre Artgenossin so lange, bis diese schwerverletzt am Boden lag. Ein solcher Gewaltausbruch zwischen Weibchen wurde bei diesen Menschenaffen noch nie zuvor beobachtet, wie die Biologen berichten. Auch das “Anheuern” eines männlichen Helfers sei extrem außergewöhnlich.

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Menschenaffen können durchaus aggressiv werden. Davon zeugen Schimpansen, die Rivalen attackieren, gemeinsam Jagd auf andere Affen machen oder gegen konkurrierende Trupps vorgehen. Sogar eine nervende Kameradrohne wurde schon von einer Zoo-Schimpansin attackiert.

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Theodor Lessing: “Alle Geschichte ist Lüge”

“Der Mensch ist mehr als sein Zahn”, sagt einer der Kritiker des historischen Anspruchs der Evolutionsbiologen. (picture alliance / ZB / Waltraud Grubitzsch)
Im 2014 gegründeten Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte hocken keine Historiker zwischen Bücherregalen, sondern Genetiker im Labor. Mit Hilfe der Evolutionsbiologie soll Geschichte neu geschrieben werden. Klassischen Historikern gefällt das gar nicht – das wurde bei einer Tagung in Darmstadt deutlich.

Von Ludger Fittkau|Deutschlandradio Kultur

Die Historiker fühlen sich von Genetikern und Evolutionsbiologen herausgefordert. Denn seit zwei Jahren gibt es in Jena das Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte. Dort leitet Wolfgang Haak eine Forschungsgruppe mit dem Namen “Molekulare Anthropologie”. Haak erläuterte diesen Forschungsansatz auf dem Darmstädter Podium den skeptischen Geschichtswissenschaftlern am Beispiel von Genanalysen, die sein Team aus Jahrtausende alten menschlichen Überresten gewann. Es geht um Ähnlichkeiten und Unterschiede im Erbgut der Jäger und Sammler gegenüber den ersten Ackerbauern:

“Es hat sich da herausgestellt basierend auf den genetischen Analysen, dass die Jäger und Sammler sich ganz deutlich von den Früh-Bauern unterscheiden in ihrer genetischen Zusammensetzung. Die Jäger und Sammler haben eine genetische Komponente, die ist sehr homogen, egal wo wir schauen in Europa. Die spanischen Jäger und Sammler sehen so aus wie die südskandinavischen. Eine Probe, die wir aus Luxemburg hatten, sieht sehr ähnlich aus wie die aus Russland.”

“Der Mensch ist mehr als sein Zahn”

Die Früh-Bauern wiederum hätten teilweise andere Gene, lauten die Laborergebnisse der Jenaer Evolutions-Biologen. Nur: Was sagt uns das konkret über die Ereignisse dieser historischen Epoche oder gar die Entwicklung der gesamten Menschheitsgeschichte? Die Historiker auf dem Darmstädter Podium warnten vor biologischen Determinismus.Jörg Feuchter, Mittelalter-Historiker der Berliner Humboldt-Uni:

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Frühaufstehen liegt in unseren Genen

Ob wir Frühaufsteher oder Nachteulen sind, bestimmt auch unsere DNA © Bruce Rolff/ thinkstock
15 Gene machen den Unterschied: Ob wir Frühaufsteher oder Nachteule sind, wird auch von unseren Genen bestimmt. Welche dies sein könnten, haben Forscher nun durch DNA-Vergleich bei fast 90.000 Menschen herausgefunden. Demnach unterscheiden sich Morgenmenschen in 15 Genen von ihren länger schlafenden Mitmenschen, wie die Forscher im Fachmagazin “Nature Communications berichten.

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Unsere innere Uhr bestimmt den Tagesrhythmus unseres Körpers: Sie beeinflusst, wann wir müde werden, wann bestimmte Stoffwechselprozesse auf Hochtouren laufen und auch, ob wir Frühaufsteher oder Nachteulen sind. Aber warum quälen sich einige Menschen morgens mühevoll aus dem Bett, während andere schon beim Morgengrauen topfit sind?

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Großbritannien erlaubt Genmanipulation an Embryonen

foto: apa/epa/rbm online In Großbritannien dürfen Forscher Veränderungen am Genom lebender menschlicher Embryonen im Entwicklungsfrühstadium durchführen
Forscher dürfen künftig gezielt Gensequenzen menschlicher Embryonen verändern. Sie hoffen, mithilfe der Methode Crispr/Cas9 Fehlgeburten verhindern zu können.

derStandard.at

Großbritannien hat erstmals die Genmanipulation an Embryonen zu Forschungszwecken erlaubt. Der entsprechende Antrag von Kathy Niakan vom Francis Crick Institute in London auf eine Ausweitung der bisherigen Forschungszulassung sei genehmigt worden, teilte die zuständige Behörde Human Fertilisation & Embryology Authority (HFEA) am Montag mit.

Zusatz: Die veränderten Zellen dürfen auch weiterhin nicht in Frauen eingepflanzt werden. Die Entscheidung der Behörde dürfte dennoch die ethische Debatte über Genmanipulationen am Menschen weiter anheizen.

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Penis in Bernstein konserviert

Dieser Weberknecht wurde vor 99 Millionen Jahren sozusagen “in Flagranti” beim Sex konserviert. © Naturkundemuseum Berlin / Jason Dunlop
In Flagranti ertappt: Vor rund 99 Millionen Jahren wurde ein Urzeit-Webknecht unsanft beim Sex gestört: Ein Tropfen Baumharz schloss ihn ein und konservierte damit das Spinnentier bis heute in paarungsbereiter Stellung. Deutlich ist der ausgestreckte Penis des Weberknechts im Bernstein zu erkennen. Das belegt, dass diese Tiere schon damals ihre Weibchen direkt begatteten, wie Forscher im Fachmagazin “Science of Nature” berichten. Zudem erlaubt die Penis-Morphologie die Artbestimmung des Weberknechts.

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Bernstein ist im Prinzip nichts anderes als Baumharz, das im Laufe der Zeit zu einer festen, halbtransparenten Masse erstarrt. Dem plötzlichen Tod von Urzeit-Tieren in diesem Harz verdanken wir viele Einblicke in die Lebensweise von urzeitlichen Insekten und Spinnentieren. So wurde frühe Brutpflege ebenso konserviert wie eine Stechmücke mit Blut im Bauch oder eine Spinne beim Angriff.

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Wüstenfisch verblüfft Forscher

Blick auf das Devil’s Hole im Death Valley – hier leben die Teufelskärpflinge. © Ken Lund/ CC-by-sa 2.0
Eigentlich müsste er längst ausgestorben sein: In einem Wasserloch mitten im amerikanischen Death Valley lebt die seltenste Fischart der Welt – der Teufelskärpfling. Wie und wann dieser Fisch in diese Wüste gelangte, haben US-Forscher nun aufgeklärt. Das überraschende Ergebnis: Der Fisch lebt erst seit maximal 800 Jahren in der Warmwasserquelle. Irgendwie hat er offenbar Mittel und Wege gefunden, die mehreren Kilometer heißer, trockener Wüste bis zu seinem isolierten Lebensraum zu durchqueren.

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Der Teufelskärpfling (Cyprinodon diabolis) ist ein echter Sonderling. Denn dieser Fisch lebt ausgerechnet in der heißesten und trockensten Wüste der Erde – dem Death Valley. Sein Refugium ist das Devil’s Hole, eine Warmwasserquelle, die nur über eine wenige Meter große Felsspalte zugänglich ist. Doch optimal ist das Leben auch dort nicht: Das Wasser ist mehr als 30 Grad warm und zudem fehlt es den nur 80 bis 150 Fischen im Winter, wenn kein Sonnenlicht mehr durch den Felsspalt fällt, an Algennahrung.

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Das Liebesregime der Hippie-Affen

Illustration: Joe Webb/Bild: Süddeutsche.de
Bonobo-Affen haben sieben Mal häufiger Sex als ihre nächsten Artverwandten. Der Grund dafür könnte auch menschliche Alphatiere zum Umdenken bewegen.

Von Alena Schröder|Süddeutsche.de

Der Weltfrieden läge in greifbarer Nähe, könnten sich all die kleinen Männer mit den dicken Eiern und den Weltherrschaftsphantasien nur ein einziges Mal zu einem gemeinsamen Besuch im Affenhaus eines beliebigen Zoos treffen. Genauer gesagt vor den Gehegen unserer genetisch nächsten Artverwandten – den Schimpansen und den Bonobos. Zu 99 Prozent gleicht das menschliche Erbgut diesen beiden Affentypen, die sich untereinander optisch so gut wie gar nicht unterscheiden, dafür aber in komplett unterschiedlichen Sozialstrukturen leben: Bei den Schimpansen haben die Männchen das Sagen, während die Bonobos Matriarchate bilden.

Am Schimpansengehege könnten also die menschlichen Alphatiere wunderbar ihre eigenen Machtstrategien beobachten: Schimpansenverbände werden von einzelnen Alphamännchen dominiert, die eine ziemliche Show abziehen, um ihre Untertanen zu beeindrucken und Seilschaften knüpfen, um sich ihre Macht zu sichern. Männliche Jungtieren schließen sich zu Gangs zusammen, die sehr aggressiv werden können: Sie töten einander im Kampf um Territorien, verhalten sich extrem fremdenfeindlich, foltern ihre Gegner, vergewaltigen die Weibchen und töten häufig die Nachkommen anderer Artgenossen. Dazu haben Schimpansen funktionalen Sex, der vorrangig der Fortpflanzung dient.

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Pest versteckte sich mehr als 300 Jahre lang in Europa

Spätmittelalterliche Darstellung des Schwarzen Todes © historisch
Kein Import aus Asien: Der Pest-Erreger, der in Europa noch bis ins 18. Jahrhundert hinein immer wieder Seuchen auslöste, wurde offenbar nicht ständig neu eingeschleppt. Stattdessen überdauerte der Verursacher der großen mittelalterlichen Pandemie auch danach noch mehr als 300 Jahre lang in Europa – in einem noch unbekannten Wirt, wie gleich zwei Forschergruppen voneinander unabhängig herausfanden. Welcher Wirt das war und warum es diesen Pest-Erreger heute nicht mehr gibt, ist dagegen noch unbekannt.

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Die Pest gehört zu den berüchtigtsten Seuchen der Menschheitsgeschichte. Schon seit der Bronzezeit befällt das Bakterium Yersinia pestis den Menschen und löst, unterstützt durch Umweltbedingungen wie Vulkanausbrüche und Kälteeinbrüche immer wieder Epidemien aus. Allein im Mittealter starb dadurch ein Drittel bis die Hälfte der europäischen Bevölkerung.

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Wales: 200 Millionen Jahre alter Raubsaurier entdeckt

So könnte der junge Dracoraptor hanigani ausgesehen haben. © Bob Nicholls
Paläontologen haben in Wales einen seltenen Fund gemacht: Sie entdeckten das Fossil eines jungen Raubsauriers, der aus dem frühen Jura stammt – einer Zeit, aus der in Europa kaum Dinosaurier-Fossilien existieren. Zudem ist das Dinosaurier-Skelett zu gut 40 Prozent erhalten – auch das ist für diese Ära eine rechte Rarität, wie die Forscher im Fachmagazin “PLOS ONE” berichten. Der Dracoraptor getaufte Raubsaurier war eher klein und wendig, aber noch nicht voll ausgewachsen.

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Nach gängiger Theorie erlebten die Theropoden, die zweibeinig laufenden Raubsaurier, mit dem Beginn des Jura-Erdzeitalters ihren großen Aufstieg. Damals müssen in kurzer Zeit viele neue Arten dieser Sauriergruppe entstanden sein. Doch Fossilien aus dieser Zeit sind extrem rar und größtenteils unvollständig. Entsprechend wertvoll sind Funde wie die kürzlich auf der schottischen Insel Skye entdeckten Dinosaurier-Spuren aus dem Jura.

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Hawking warnt vor Selbstausrottung

Der Physiker Stephen Hawking ist selbst auf modernste Technik angewiesen. Foto: dpa
Ein Atomkrieg, die Erderwärmung und durch Gentechnik erzeugte Viren gehören zu den existenziellen Gefahren für die Menschheit, sagt der Physiker Stephen Hawking und warnt die Menschheit vor einem selbst verschuldeten Untergang. Er zeigt auch einen Ausweg auf.

Frankfurter Rundschau

Was ist die größte Gefahr für die Menschheit? Starphysiker Stephen Hawking glaubt: Sie selbst. Eindringlich warnt der 74-jährige Brite seine Mitmenschen vor einem selbst verschuldeten Untergang. Ein Atomkrieg, die Erderwärmung, durch Gentechnik erzeugte Viren und Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie gehörten zu den existenziellen Gefahren, sagt Hawking in einer BBC-Vortragsreihe, deren erster Teil am 26. Januar ausgestrahlt wird. Es ist nicht das erste Mal, dass der Astrophysiker mahnt – und zugleich einen Ausweg aufzeigt.

Das Risiko einer Katastrophe auf der Erde in einem bestimmten Jahr sei zwar gering, aber für die nächsten 1000 oder 10 000 Jahre «beinahe Gewissheit», sagt Hawking. Seine Botschaft: «Bis dahin sollten wir uns ins All ausgebreitet haben und zu anderen Sternen, so dass ein Desaster auf der Erde nicht das Ende der Menschheit bedeuten würde.» Da man in den kommenden 100 Jahren aber noch nicht so weit sein werde, müssten die Erdbewohner in dieser Zeit «sehr vorsichtig» sein.

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Warum Spiderman von der Wand fallen müsste

Spiderman klebt an der Wand wie eine Spinne – eine biologische Unmöglichkeit? © gemeinfrei
Gäbe es Spiderman wirklich, müsste er kläglich abstürzen – eigentlich. Denn in der Natur folgen alle tierischen Haftorgane einer Größenregel, wie Forscher herausgefunden haben. Nach dieser muss die Haftfläche bei höherem Körpergewicht überproportional stark wachsen. Spiderman müsste daher fast seine gesamte Vorderseite mit Haftstrukturen bestücken – oder Haftschuhe der Größe 145 tragen, wenn er an senkrechten Wänden haften will.

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Scheinbar mühelos klettert Spiderman selbst senkrechte Wände hoch und hängt kopfüber an der Decke. Die Haftkraft dafür verdankt er – so erzählen es Comic und Film – einem Patent der Natur. Denn Spiderman erhielt seine außergewöhnlichen Fähigkeiten von einer Spinne. Sie nutzt, ähnlich wie viele Insekten und auch die Geckos, spezielle Nanostrukturen an ihren Füßen als Haftorgane. Mittels Adhäsion halten die nanostrukturierten Zehen dieser Tiere sie an der Wand fest.

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Ötzis Mutter gehörte zu einem ausgestorbenen Bergvolk

Hand in Hand mit Ötzi, der EIsmumie aus der Kupferzeit © Südtiroler Archäologiemuseum/ EURAC/ M.Lafogler
Ausgestorbenes Bergvolk: Die Mutter von Ötzi gehörte wahrscheinlich zu einem lokalen Bergvolk der Alpen, das heute ausgestorben ist. Denn die Eismumie trägt eine mitchondriale DNA, die sich in heutigen Europäern nicht mehr findet, wie Forscher anhand von Genanalysen herausgefunden haben. Wahrscheinlich ließ eine neue Einwanderungswelle nach Europa in der Bronzezeit diesen Volksstamm aussterben.

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Es gibt wohl kaum einen Vertreter der frühen europäischen Vergangenheit, der so gut untersucht ist wie Ötzi, der im Eis der Ötztaler Alpen konservierte Mann aus der Kupferzeit. So wurde bei dem vor 5.000 Jahren gestorbenen Mann ein Befall mit dem Magenkeim Helicobacter diagnostiziert, außerdem schlechte Zähne. Erbgut-Analysen enthüllten zudem, dass Ötzi keinen Milchzucker vertrug, braune Augen besaß und über die männliche Abstammungslinie mit den heutigen Bewohnern Sardiniens verwandt ist.

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Geniales Katapult der Farne enträtselt

Das Sporen-Katapult der Farne erzeugt die schnellsten Bewegungen im Pflanzenreich. © Noblin et al./ Royal Society Interface
Außergewöhnliche Erfindung der Natur: Ein raffiniertes Katapult erlaubt es den Farnen, ihre Sporen weit hinaus zu schleudern – und dabei die schnellsten Bewegungen des gesamten Pflanzenreichs auszuführen. Aber nicht nur das: Die Konstruktion dieser natürlichen Schleuder ist auch ein echter Geniestreich der Natur. Denn die Farnpflanze benötigt dafür nur zwei Zutaten: eine Reihe von Zellen und Wasser.

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Die Natur hat unzählige geniale Technologien entwickelt: Ob die an- und abschaltbaren Haftkünste der Geckos, die Bungee-Nerven des Blauwals oder die enorme Sprungkraft der Froschbeine – der Mensch kommt trotz allen technischen Fortschritte an viele dieser Erfindungen nicht heran.

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