Urzeitlicher „Vampirhirsch“ in Süddeutschland entdeckt

So könnte der im Steinheimer Becken entdeckte Moschushirsch vor 15 Millionen Jahren ausgesehen haben. © Staatliches Museum für Naturkunde
Kleiner Hirsch mit langen Hauern: Im Meteoritenkrater von Steinheim haben Paläontologen ein besonderes Fossil entdeckt. Denn es stammt von einer bisher unbekannten Art von Moschushirschen – kleinen Huftieren, deren Männchen lange, spitze Eckzähne tragen. Das 15 Millionen Jahre alte Fossil belegt erstmals, dass damals in Mitteleuropa mindestens zwei Arten dieser auch als „Vampirhirsche“ bezeichneten Tierart gemeinsam lebten.

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Die heute nur noch in den Bergregionen Asiens vorkommenden Moschushirsche (Moschidae) ähneln auf den ersten Blick kleinen, geduckt laufenden Rehen. Doch schaut man näher hin, erkennt man bei den Männchen eine sonst nur von Fleischfressern wie den Säbelzahnkatzen bekannte Besonderheit: Ihre oberen Eckzähne sind stark verlängert und ragen weit aus dem Mund heraus. Sie dienen dem Imponieren von Rivalen und Weibchen und werden auch bei Konkurrenzkämpfen der Männchen eingesetzt.

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Selbst ist die Schöpfung

„Desmonema annasethe“. Die Tentakel hatten Haeckel an die Haare seiner Frau erinnert. Ernst Haeckel. Scan: Ragesoss. Cleanup: Ilmari Karonen. – Kunstformen der Natur (1904), plate 8: Discomedusae. PD

Ernst Haeckel machte Biologie zur Zeichenkunst: Jetzt leuchten seine Discoquallen so prächtig wie nie

Von Michael Pilz | DIE WELT

Ernst Haeckel hatte recht. In seiner Serie „Kunstformen der Natur“, die zwischen 1899 und 1904 erschienen, schrieb er zu seinen Bildern: „Die Natur erzeugt in ihrem Schoße eine unerschöpfliche Fülle von wunderbaren Gestalten, durch deren Schönheit und Mannigfaltigkeit alle vom Menschen geschaffenen Kunstformen weitaus übertroffen werden.“ Haeckel warb im Morgengrauen der Moderne für den Teil der Schöpfung, den die Aufklärung vom Menschlichen getrennt hatte. Wenn er die Staatsquallen wie Rokoko-Koketten zeichnete, die Kalkschwämme wie Kathedralen und die Strahlentierchen wie Skulpturen von vollkommener Symmetrie, verschwanden alle Dualismen. Aus Natur wurde Kultur. Geist und Materie wurden eins.

Alles war eins bei Haeckel, auch Leben und Werk: An seinem 30. Geburtstag im Jahr 1864, als ihm die bedeutsame Cothenius-Medaille für seine wissenschaftlichen Verdienste angeheftet wurde, starb seine Frau Anna Sethe. Es war wohl der Blinddarm, jenes rätselhafte evolutionäre Erbe. Haeckel, der die Lehren Darwins volkstümlich ins Deutsche übersetzt und auf den Menschen ausgeweitet hatte, fuhr in seiner Trauer nach Italien. In einem Gezeitentümpel stieß er auf eine noch unentdeckte Scheibenqualle. Er nannte sie Desmonema annasethe, zeichnete ihre Tentakel wie das goldene Haar seiner verstorbenen Frau und kleidete sie in türkisfarbene Rüschen.

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Evolution : „Der Mensch als solcher wird zwangsläufig verschwinden“

Auch der Homo sapiens entwickelt sich weiter. © Mads Perch/Getty Images, Montage ZEIT ONLINE
Seit Jahrmillionen entwickelt sich Leben auf der Erde. Kreucht es andernorts auch? Ein Gespräch über irdische Evolution – und das Ende der Menschheit

Von Alina Schadwinkel | ZEIT ONLINE

Die Evolution kennt kein Halten. Seit mehr als vier Milliarden Jahren gibt es auf der Erde Leben und von der ersten Sekunde an hat es sich rasant entwickelt – darauf deuten Fossilienfunde bislang hin. Von plumpen Einzellern ging es über Bakterien und Viren zu größeren Organismen, zu Pflanzen und noch komplizierteren Lebewesen wie Tier und Mensch. Da stellen sich unseren Lesern die Fragen: Wieso kam es überhaupt zu dieser Entwicklung? Woher hat die Evolution ihre Motivation? Und wenn es auf der Erde möglich war, muss es dann nicht irgendwo anders im Universum weitere Lebensformen geben? Mit Forschern haben wir im Liveblog Antworten auf diese Fragen gesucht.

Die junge Erde – sie war völlig anders als der blaue Planet, den wir heute kennen. Es seien extreme Zeiten mit hohen Temperaturen gewesen, die die Entwicklung von Leben begünstigt hätten, erklärte die Biologin Anna Müllner. Sie ist eine von drei Bloggerinnen der Wissenschaftsplattform SciLogs, die sich am zweiten Tag unserer Serie Die großen Fragen an die Wissenschaft gestellt hat. Auch die Zoologin Bettina Wurche und die Planetenforscherin Ludmila Carone haben versucht, Antworten auf die Fragen unserer Leser zu finden.

Charles Darwins Theorien haben bis heute Bestand

Müllner führte zu Beginn der Diskussion weiter aus: „Die Teilchen, aus denen wir bestehen, sind sehr komplex und die Begebenheiten damals haben beschleunigt, dass diese Komplexität bestehen konnte – einfach weil alles so hoch herging“. Es sei ein bisschen, als wäre unsere Erde damals in der Pubertät gewesen. „Da sind ja auch Jugendliche gerne sehr kreativ.“

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EVOLUTIONSBIOLOGIE: Begehren Frauen von Natur aus alte reiche Männer?

WAS ICH KRITISIERE, SIND KONSTRUKTE VON GLEICHHEIT, WO SIE SCHLICHT NICHT EXISTIERT. […] DIE MENSCHHEIT IST JEDENFALLS WUNDERBAR DIVERS, WIE DIE GANZE NATUR.
DR. AXEL MEYER,Professor f. Evolutionsbiologie an der Uni Konstanz
Quelle: Getty Images/Digital Vision Vectors/JakeOlimb
Frauen können schlecht einparken, Männer sind wenig emphatisch – von Natur aus. Stimmt das? Ein Evolutionsbiologe behauptet nun, dass gewisse geschlechtsspezifische Veranlagungen genetisch bedingt seien.

Von Charlotte Simons | DIE WELT

Frauen haben keinen Orientierungssinn und Männer fragen nicht nach dem Weg. Männer können nicht zuhören, Frauen sagen immer das Gegenteil von dem, was sie meinen. Einparken lässt man besser die Männer und wenn es um Gefühle geht, dann überlässt man lieber Frauen das Steuer. Frauen suchen sich starke, reiche Männer, die wiederum suchen sich junge, schöne Frauen.

Wer jetzt noch nicht die Augen verdreht, der ist wahrscheinlich noch nicht häufig genug mit den gängigen Klischees konfrontiert worden. Oder hat sie bereits als Wahrheit akzeptiert? Zugegeben, in manchen dieser Aussagen finden wir uns vielleicht wieder. Oder wir können zumindest darüber lachen.

Aber nehmen wir dann diese Vorurteile an, weil sie tatsächlich zutreffen – oder treffen sie manchmal zu, weil wir daran glauben? Und in den Fällen, in denen sie zutreffen, handelt es sich dabei um angeborene Verhaltensweisen?

Provokanter formuliert: Wenn ich als junge Frau auf einen alten Porschefahrer stehe, ist das dann meiner biologischen Komposition als weibliches Lebewesen geschuldet?

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“We admit that we are like apes, but we seldom realize that we are apes.”

Richard Dawkins – A Devil’s Chaplain: Reflections on Hope, Lies, Science, and Love

 

China: Frühmensch-Genom entschlüsselt

Skelett des 40.000 Jahre alten Tianyuan-Menschen aus China © Fu Qiaomei
40.000 Jahre alter „Chinese“: Forscher haben das Genom des ältesten je in China gefundenen modernen Menschen entschlüsselt. Wie sie herausfanden, ist der Homo sapiens-Vertreter ein entfernter Cousin heute lebender Asiaten. Gleichzeitig ist er mit Ureinwohnern aus Südamerika verwandt – nicht jedoch mit Indianern aus dem Norden. Dieses überraschende Verwandtschaftsverhältnis scheint nun die vor kurzem aufgestellte These zu bestätigen, dass nicht eine, sondern mindestens zwei eigenständige Bevölkerungsgruppen aus Asien nach Amerika einwanderten.

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Vor rund 60.000 Jahren machte sich der Homo sapiens von Afrika aus auf, die Welt zu erobern. In unterschiedlichen Strömen breitete er sich in Europa, Asien und schließlich in Amerika aus. Zwischendurch traf er wahrscheinlich im Mittleren Osten auf den Neandertaler und zeugte Mischlinge mit ihm. Bis heute tragen Europäer und Asiaten daher rund zwei Prozent DNA der ausgestorbenen Eiszeitmenschen in sich.

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Evolutionstheorie hat heute mehr Gegner als zu Darwins Zeit

Die Evolutionstheorie hat mehr Gegner denn je. Bild: akg
Die Gegner der Evolutionstheorie sind lauter denn je – und zahlreicher. Sie scheuen auch vor Drohungen gegenüber Wissenschaftlern nicht zurück.

Von Harald Ries | WESTFALENPOST

Zwei Kommentare zu einem Interview, das Angela Schwarz, Geschichts-Professorin an der Uni Siegen, als Herausgeberin von „Streitfall Evolution“ gegeben hat, einer allgemein verständlichen, großzügig bebilderten und enorm facettenreichen Kulturgeschichte zum Wesen und Wirken von Darwins folgenreicher Theorie.

Eine Minderheit meldet sich lautstark zu Wort. Zunehmend lauter. „Heute gibt es mehr christlich-fundamentalistische Gegner, seit etwa hundert Jahren Kreationisten genannt, als im Jahr 1859, als Charles Darwin ‘Die Entstehung der Arten’ veröffentlichte“, sagt Angela Schwarz. Christen, die die Bibel wörtlich nähmen, an einen einmaligen Schöpfungsakt glaubten, in dem alle Pflanzen und Tiere so geschaffen wurden, wie wir sie heute vorfinden, hätten sich von den USA aus ausgebreitet: „Auch im Siegerland gibt es Sympathisanten, die fordern, ihre Lehre vom Kreationismus oder intelligenten Design müsse gleichberechtigt in den Schulen behandelt werden.“

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Neue Studie: Leben auf der Erde entstand viel früher als gedacht

Wie entstand das Leben auf der Erde? Getty Images/Magnilion
Es ist eines der noch ungeklärten Rätsel: Wie entstand unsere Erde und das Leben darauf? Forscher werteten interdisziplinäre Daten aus und kamen zu neuen Ergebnissen. Diese stützen nicht nur Darwins Theorie, sondern liefern auch Anhaltspunkte dafür, weshalb auf dem blauen Planeten Leben möglich ist.

Von Michael Odenwald | FOCUS ONLINE

Wie entstand auf der Erde vor rund vier Milliarden Jahren das Leben? Dies ist eine der großen Fragen der Wissenschaft. Hypothesen dazu gibt es viele, doch jede davon hat Schwächen, deshalb fehlt bis heute ein stimmiges Bild.

Neues Szenario

Jetzt entwickelten Forscher der kanadischen McMaster University und des Max-Planck-Instituts für Astronomie (MPIA) in Heidelberg anhand von astronomischen, geologischen, chemischen und biologischen Daten jedoch ein Szenario, das den bislang wahrscheinlichsten Ablauf der Lebensentstehung skizziert. Ihre Ergebnisse legten sie in den „Proceedings der US National Academy of Sciences“ vor.

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Die Pizza-Maus: Lässt New Yorker Fast Food eine neue Art entstehen?

Symbolbild. – EPA
Forscher haben festgestellt, dass Stadtmäuse sich im Erbgut von ländlichen Artgenossen unterscheiden. Die Ernährung soll daran Schuld sein.

Die Presse.com

Das üppige Fast-Food-Angebot New Yorks könnte zur Entstehung einer daran angepassten neuen Mäuse-Art führen. Dieser Überzeugung sind zumindest US-Wissenschafter, die Stadtmäuse und ihre Landverwandtschaft genetisch untersuchten. Es gebe bereits Erbgutunterschiede in Bereichen, die bei der Verdauung und anderen Stoffwechselprozessen eine Rolle spielten. Zudem hätten Stadtmäuse eine größere Leber.

Stephen Harris von der State University und Jason Munshi-South von der Fordham University in New York hatten in drei Stadt-Parks und drei ländlichen Gegenden insgesamt 48 Weißfußmäuse (Peromyscus leucopus) gefangen und ihr Erbgut untersucht. Unterschiede fanden sich demnach zum Beispiel bei Genen, die für die Verarbeitung von Fettsäuren bedeutsam sind. Fast Food enthält üblicherweise eine Menge Fett.

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Wie wissenschaftlich ist die Gender-Forschung?

Bild: FB

Ob gerechte Sprache oder Frauenquote – viele Themen und Forderungen des Feminismus berufen sich auf Ergebnisse der Gender-Forschung. Doch die steht in der Kritik. Zu Recht?

Von Jan-Martin Wiarda | Spektrum.de

Es war ein Vorwurf mit Aufmerksamkeitsgarantie. Die Genderstudies seien „der akademische Sargnagel der Frauenemanzipation“, schrieb ein ehemaliger Gender-Student in der „Emma“. Die meisten Lehrveranstaltungen der Geschlechterforschung hätten kein Interesse mehr an feministischem Gedankengut, sie trügen Titel wie „Muslim Queer Subjectivities and Islamic Ethics“, diskutiert werde über „Critical Whiteness“, „Intersektionalität“ oder „Femonationalismus“.

Soweit eine normale Auseinandersetzung unter Fachvertretern, könnte man denken, mit spitzer Feder, aber so entstehen halt akademische Debatten. Doch dann holte Vojin Saša Vukadinović, inzwischen Koordinator eines Graduiertenkollegs an der Universität Zürich, die ganz große Keule raus: Der queerfeministische Nachwuchs, befand er, „pöbelt auf dem Campus“, die Sprache des Fachs sei unverständlich, das methodische Vorgehen stehe in merklichem Kontrast zur Arbeit anderer Disziplinen. Die Studierenden lernten nicht, globale Probleme objektiv zu erfassen, sondern sie durch eine hochgradig antiimperialistische Agenda zu filtern. „Das Studium der Genderstudies macht Studierende oft nicht schlauer, sondern in vielen Fragen dümmer.“

Zu wenig feministisch?

Da war er wieder, der Vorwurf, mit dem sich die Genderstudies regelmäßig auseinandersetzen müssen, eigentlich seit ihrem Bestehen: Das ist doch keine richtige Wissenschaft oder, wie der Konstanzer Evolutionsbiologe Axel Meyer es formuliert: „Wer Beiträge der bekanntesten Gender-Forscherin Judith Butler liest, merkt sofort, dass ihre Äußerungen größtenteils auf Ideologie und Aktivismus gründen und weniger auf empirischer und wissenschaftlicher Fundierung.“

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Antibiotika-Alternative: Forscher fordern klare Regeln für Einsatz von Bakteriophagen

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Bakteriophagen, die sich an eine Bakterienzelle geheftet haben. Diese Viren haben die Größe und Form des Coliphagen T1. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 – Dr. Graham Beards

Multiresistente Keime, Lebensmittelskandale, Tierseuchen: Eine Lösung für diese und andere Probleme könnten Bakteriophagen darstellen. Dabei handelt es sich um Viren, die sich in Bakterien einnisten und diese abtöten.

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Für Zellen des Menschen, von Tieren oder Pflanzen sind sie dagegen völlig harmlos In vielen osteuropäischen Ländern sind sie seit Jahrzehnten im Alltag in Gebrauch, in Deutschland erschweren fehlende Regelungen medizinische und hygienische Anwendungen. Zum Auftakt des 1. Deutschen Bakteriophagen-Symposiums an der Universität Hohenheim in Stuttgart fordern Wissenschaftler mehr Forschung und eine schnelle und klare Regulierung, um die potentielle Anwendung zu beschleunigen. Das Symposium läuft noch bis 11. Oktober, Tagungsort ist das Steinbeis-Haus für Management und Technologie (SHMT), Filderhauptstraße 142 70599 Stuttgart. Mehr Infos zum Symposium unter https://1st-german-phage-symposium.uni-hohenheim.de

„Vom Schnupfen über Durchfall bis zur Lungenentzündung: Bereits jetzt lassen sich bakterielle Infekte bei Mensch und Tier mithilfe von dafür geprüften Bakteriophagen bekämpfen“, erklärt PD Dr. Wolfgang Beyer. Ein Ansatz, der auch in Deutschland und Westeuropa endlich Anwendung finden muss, so die Überzeugung von PD Dr. Beyer, Scientific Director des 1. Deutschen Bakteriophagen-Symposiums.

Noch bis 11. Oktober 2017 treffen sich über 150 internationale Vertreter der Bakteriophagen-Forscher mit Vertretern von Politik, Wirtschaft und Regulierungsbehörden. Das erste deutsche Bakteriophagen-Symposium an der Universität Hohenheim in Stuttgart soll den internationalen Forschungsstand zusammenfassen und künftigen Forschungs- und Regelungsbedarf ausleuchten.

Organisiert wird das Symposium durch das Forschungszentrum für Gesundheitswissenschaften der Universität Hohenheim. Zu den Höhepunkten des Symposiums gehört die deutschsprachige Abschluss-Diskussion „Quo vadis, deutsche Bakteriophagenforschung?“ am 3. Konferenztag, den 11. Oktober 2017 ab 10:30 Uhr. Auf der Agenda steht außerdem die Gründung eines nationalen Phagen-Forums. Die allgemeine Konferenzsprache dagegen ist Englisch.

Spezielle Viren als Verbündete in der Krankheitsbekämpfung

Das Prinzip der Bakteriophagen sei simpel, erklärt PD Dr. Beyer: Die Viren dringen in die Bakterien ein und töten diese ab. „Für jedes krank machende Bakterium gibt es einen passenden Phagen, der es zerstört. Man muss nur den richtigen finden. Dann lassen sich viele Infektionen bekämpfen – ganz ohne oder auch in Kombination mit Antibiotika.“

Gegen viele Infekte könne dabei schon ein standardisierter Phagen-Mix helfen. In schwierigeren Fällen könne ein Mikrobiologe den Erreger beim Patienten genau bestimmen und dann den dazu passenden Phagen suchen – eine ganz auf den individuellen Patienten zugeschnittene Behandlung.

Aus Reisen in Osteuropa wisse PD Dr. Beyer, dass es dort Phagen-Mischungen rezeptfrei in Apotheken zu kaufen gibt. In Deutschland hingegen nicht: „Es ist zwar nicht verboten, Phagen in Deutschland zu vertreiben. Um sie als zugelassenes Arzneimittel auf den Markt zu bringen, sind allerdings teure und langwierige Tests nötig. Dieses Zulassungsverfahren gilt es zu beschleunigen, denn die tradierten Antibiotika versagen zunehmend im Kampf gegen multiresistente Keime. Wir brauchen die Bakteriophagen als Alternative, und zwar jetzt.“

Im Kalten Krieg vergessen, von der Forschung aus dem Blick verloren

Dass Bakteriophagen von der medizinischen Forschung in Deutschland und der westlichen Welt so lange nicht beachtet wurden, habe historische Gründe, so PD Dr. Beyer. Entdeckt wurden sie bereits Anfang des 20. Jahrhunderts; am berühmten Pariser Institut Pasteur forschte man dazu in den 1930er-Jahren ebenso wie im georgischen Tiflis.

Doch mit der Spaltung Europas in Ost und West und dem Siegeszug des Penizillin gerieten Bakteriophagen in den westlichen Ländern nach 1945 zunehmend in Vergessenheit. „Dank des erfolgreichen Einsatzes der Antibiotika hatte man im Westen schlicht keinen Bedarf an Bakteriophagen“, so PD Dr. Beyer. „Heute, im Kampf gegen multiresistente Keime, sieht das anders aus.“

In den Sowjetstaaten blieben die Bakteriophagen jedoch im Einsatz und sind es bis heute, sicherlich auch, weil in diesen Ländern Antibiotika deutlich teurer oder gar nicht zu bekommen waren. „Bakteriophagen erfüllen jedoch die gleiche Funktion und werden dort bis heute als wirksames, aber noch unzureichend erforschtes Medikament eingesetzt“, erklärt PD Dr. Beyer.

Dass Bakteriophagen in der EU nicht generell zur medizinischen Behandlung zugelassen sind, erschwere auch die Forschung: „Medizinische Studien sind schwierig durchzuführen, da Ärzte die Bakteriophagen als alternative Methode nur dann verabreichen dürfen, wenn alle anerkannten Therapien nachweislich versagt haben. Dann ist es für die Patienten jedoch oft schon zu spät.“

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Neandertaler-Erbe beeinflusst sogar unsere Psyche

Die Neandertaler-Gene in uns beeinflussen weit mehr als nur unsere Haut- und Haarfarbe. © כ.אלון/ CC-by-sa 3.0
Mehr als nur die Hautfarbe: Die Neandertaler-Gene in uns haben sogar Einfluss auf unsere Stimmung und unseren Biorhythmus, wie eine Genstudie nahelegt. So häufen sich bestimmte Neandertaler-Genen bei „Nachteulen“, andere sind vor allem bei Rauchern aktiv. Und auch das Bräunungsverhalten unserer Haut und sogar eine Neigung zu Gleichgültigkeit und sozialer Isolation könnten von diesen archaischen Genen beeinflusst sein, wie die Forscher berichten.

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Auch wenn der Neandertaler längst ausgestorben ist, lebt ein Teil von ihm in uns weiter. Denn wir Europäer tragen rund zwei Prozent Neandertaler-DNA in uns – und dies durchaus zu unserem Vorteil: Die von unserem prähistorischen Vetter geerbten du noch immer aktiven Gene helfen uns beim Fettabbau, stärken unser Immunsystemund verleihen uns unsere helle Haut.

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Neuronaler Determinismus

Bild: Ben Brahim Mohammed (Creative Commons)
Logische Verknüpfung von Determinismus und Naturgesetz in der Wissenschaft

Von Johannes Heinle | Richard-Dawkins-Foundation

Mit der logischen Verknüpfung von Determinismus und Naturgesetz hat die Idee des Determinismus Einzug in die Wissenschaft gehalten. Der Neurodeterminismus (auch: neuronaler Determinismus) besagt, dass alle mentalen Zustände M (insbesondere Willensentscheidungen!) durch neuronale Zustände N vollständig festgelegt sind.

1. Wissenschaftlicher Determinismus

Die Vorstellung von vollständig vorherbestimmten Prozessen hat in der abendländischen Kultur schon viele Ausprägungen erfahren und die unterschiedlichsten Weltbilder erfasst. Ob die Allmacht Gottes, historische Notwendigkeit (strenger Historizismus) oder Naturgesetze als verantwortlich für das determinierte Weltgeschehen angesehen werden, alle Formen des Determinismus sind durch eine zentrale Idee verbunden, die für sämtliche Ausprägungen charakteristisch ist: Jedes Ereignis ist vorherbestimmt!

Die Auffassung des allgemeinen Determinismus kann in folgender Weise formuliert werden: Jeder Zustand eines Systems ist zu jedem Zeitpunkt durch vorherige Systemzustände vollständig festgelegt. Der gegenwärtige Zustand Z1, der den nächsten Zustand Z2 festlegt, ist also selbst durch den vergangenen Zustand Z0 festgelegt (siehe hier: Problem der Letztbegründung). Diese Auffassung duldet keine Ausnahmen.

Sollte sich ein Ereignis finden, das nicht festgelegt ist, muss die Auffassung von einer deterministischen Entwicklung durch die des sog. Indeterminismus ersetzt werden, da nur der Indeterminismus Entwicklungen kennzeichnet, in denen nicht alle Ereignisse festgelegt sind. Daraus folgt: Der Indeterminismus kann mit einer „nur“ nahezu vollständig festgelegten oder ziemlich stark bestimmten Entwicklung verbunden sein, der Determinismus kann dies nicht.

Mit der logischen Verknüpfung von Determinismus und Naturgesetz hat die Idee des Determinismus Einzug in die Wissenschaft gehalten (wissenschaftlicher Determinismus). Die Auffassung, dass der Determinismus die notwendige Folge der Gültigkeit mathematisch formulierbarer Naturgesetze ist, hatte sich zum ersten Mal im Anschluss an die von Isaac Newton gefundenen physikalischen Gesetze herausgebildet. Dieser physikalische Determinismus, der wir auch als den ersten naturgesetzlichen Determinismus bezeichnen können, liegt in der mathematischen Struktur von Differentialgleichungen begründet, in der diese Gesetze formuliert werden. Differentialgleichungen symbolisieren eine Art deterministisches Ideal; mit mathematischer Strenge wird darin vollkommene Festlegung wissenschaftlich formuliert. Newtons Entdeckungen kamen einer Revolution der Naturbetrachtung gleich. Der außergewöhnliche Erfolg der Theorien und ihre technischen Konsequenzen bestärken die Aussicht, dass die gesamte physikalisch erfahrbare Wirklichkeit mit diesen Naturgesetzen vollständig beschrieben werden kann. Und wäre dies der Fall, das schien nur folgerichtig, ist diese Wirklichkeit vorherbestimmt.

Die Situation änderte sich mit der Entdeckung der Quantentheorie zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Diese Änderung hatte einen nicht minder revolutionären Charakter als die Entdeckungen Newtons einige hundert Jahre zuvor. Die Physiker begannen sogar den grundlegend anderen Charakter der neuen Theorie in der Sprache kenntlich zu machen, indem sie sämtliche physikalische Theorien wie die newtonsche Mechanik, Elektrodynamik, Thermodynamik, Optik, einschließlich der gerade erst gefundenen speziellen Relativitätstheorie gemeinsam unter dem Begriff „klassische Physik“ zusammenfassten, um sie dadurch von der Quantenphysik zu unterscheiden. Diese Unterscheidung – Quantenphysik und klassische Physik – hat sich bis heute erhalten. Als Konsequenz der Quantentheorie wurde der physikalische Determinismus durch den physikalischen Indeterminismus abgelöst (siehe u. a. Heisenbergsche UnschärferelationKopenhagener Deutung der Quanten-mechanik). Heutige Physiker gehen nicht mehr davon aus, dass die gesamte Entwicklung aller Ereignisse im Universum bereits feststeht.

2. Die neuronale Determinierung

Einige Entwicklungen können aber sehr wohl feststehen – und zwar jene, für die die indeterministische Quantenphysik keine Rolle spielt. Laut einer landläufigen Auffassung sind Quantenphänomene nur bei kleinen und kalten Systemen relevant, und da das Gehirn groß und warm ist, vertreten die meisten Wissenschaftler einen sog. neuronalen Determinismus. Der neuronale Determinismus ist der Auffassung, dass alle mentalen Vorgänge durch neuronale Vorgänge festgelegt bzw. determiniert sind. Genauer: Alle mentale Zuständen – ob bewusst, vor- und unbewusst – sind vollständig und in allen Einzelheiten durch neuronale Prozesse festgelegt. Diese für unser Selbstverständnis als Menschen folgenschwere These ist seit dem ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert von etlichen Neurobiologen und Hirnforschern formuliert wurden, wenn auch nicht immer unter ausdrücklicher Verwendung des Namens „neuronaler Determinismus“.

Von seinen Vertretern wird der neuronale Determinismus als unausweichliche Folge naturwissenschaftlicher Erkenntnisse angesehen, als logische Konsequenz neurobiologischer Theorien über Struktur und Funktion der Gehirne und Nervensysteme. Formulierungen wie „mentale Vorgänge beruhen auf neuronalen Prozessen“ oder „mentale Vorgänge gehen aus neuronalen Vorgängen hervor“ oder auch „Gehirnfunktionen liegen mentalen Vorgängen zugrunde“, präzisieren die angenommenen Verknüpfungsverhältnisse freilich noch nicht. Gleichwohl versuchen die Autoren darin schon mehr oder weniger direkt, die vom neuronalen Determinismus angenommene zeitliche und ursächliche Aufeinanderfolge der angenommenen Gehirn-Gehirn-Verbindung auszudrücken: Zuerst findet ein Gehirnvorgang statt, der und nur der einen vollständig festgelegten mentalen Zustand hervorruft. Diese Auffassung soll durch empirische Untersuchungen bestärkt werden.

Mithilfe eines Gedankenexperiments kann das Modell des neuronalen Determinismus veranschaulicht werden: Nehmen wir an, eine Person sitzt allein in einem Raum und spricht nicht. Während einer Minute wird mit den modernsten Apparaturen die Gehirnaktivität der Person gemessen und registriert. Was die Person in dieser Minute fühlt, erinnert, denkt, erlebt – alles, was ihr in dieser Zeit einfällt und durch den Kopf geht, nennen wir die Inhaltes ihres Bewusstseins oder auch mentale Zustände. Es gibt zwei grundlegende Zugänge zu mentalen Zuständen, erstens die subjektiv-qualitative Erlebnisperspektive und zweitens die objektiv-quantifizierbare Perspektive der Wissenschaften. Dem einminütigen Strom des Bewusstseins steht damit ein einminütiger Strom registrierter Gehirnaktivitäten gegenüber. Jetzt zerschneiden wir gedanklich das einminütige bewusste Erleben in Zeitscheiben von jeweils einer Millisekunde Länge und erhalten dadurch sechzigtausend „mentale Zeitscheiben“: M1, M2, …, M60000. Innerhalb jeder Zeitscheibe sind nun die gesamten Inhalte des Bewusstseins dieser Person enthalten, die ihr in dieser Millisekunde „durch den Kopf gegangen“ sind.

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Diesem Vormenschen verdanken wir Genitalherpes

Der Vormenschen-Vetter Paranthropus boisei brachte wahrscheinlich das HSV-2-Virus in unsere Ahnenlinie. © Louise Walsh / CDC
Prähistorische Infektion: Fast wäre die Menschheit um den lästigen Genitalherpes herumgekommen. Doch dann passierte das Missgeschick: Vor rund zwei Millionen Jahren steckte sich der Hominine Paranthropus boisei beim Verzehr von Schimpansenfleisch mit dem Herpes-Virus an. Kurze Zeit später gab er den Erreger an unseren Vorfahren, den Homo erectus, weiter. Dieses Szenario haben Forscher anhand von genetischen und epidemiologischen Analysen rekonstruiert.

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Während das Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1) bei uns die lästigen Lippenbläschen auslöst, befällt HSV-2 die Schleimhäute der Genitalregionen und verursacht den Genitalherpes. Beide Herpes-Viren aber sind ebenso hartnäckig wie ansteckend: Hat man sich einmal infiziert, wird man diese Erreger nicht mehr los – und das galt schon für unsere Vorfahren. Forscher gehen davon aus, dass wir HSV-1 schon von unseren äffischen Vorfahren geerbt haben.

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Wow-Effekt im Senckenberg-Museum

Tiger im Sprung, Frischling schaut zu, alles echt ? und mit Absicht unsortiert. Foto: peter-juelich.com (peter-juelich.com)
Zum Staunen: die Senckenberg-Ausstellung in Frankfurt im Jubiläumsjahr, alles an einer Wand. Bäm.

Von Thomas Stillbauer | Frankfurter Rundschau

Das wünscht man sich auch zu seinem eigenen 200. Geburtstag, wenn es mal so weit ist: Geschenke, Geschenke, noch mal Geschenke, ein ganzes Jahr lang, auch wenn es zum großen Teil Geschenke der Senckenberger an sich selbst sind. Da gab es neue (oder neu benannte) Gebäude ohne Ende, öffentliche und private Millionenzuwendungen, sogar eine eigene U-Bahn – und eine eigene U-Bahn-Station zum 200-jährigen Bestehen der Forschungsgesellschaft. Und jetzt: „Wow“, wie Senckenberg-Generaldirektor Volker Mosbrugger sagt.

Oder auch: „Bäm!“, wie sich manch anderer denken wird. Oder: „Hui!“ Wer nämlich durch die Tür in den Wolfgang-Steubing-Saal des Naturmuseums tritt, der sagt erst mal: eben. Die ganze Wand, das ganze Panorama – ein einziges Staunen. „Es soll mit einem gewissen Wow-Effekt klarmachen, was Senckenberg ist“, sagt Mosbrugger. Und es ist eindeutig: Faszination Vielfalt. So heißt denn auch diese Ausstellung. Sie besteht aus 1138 Objekten, ausgewählt aus jenen fast 40 Millionen, die die Naturforscher gesammelt und an sieben Standorten in Deutschland aufbewahrt haben. Jetzt alle 1138 quasi in einem Regal. An einer Wand. Bäm.

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Keine Sachargumente, dafür jede Menge Bullshistic

Einge Evolutionsbiologen behaupten, Frauen würden auf Alphamännchen stehen. (imago/Ikon Images)
Junge Frauen stehen auf Sex mit alten Porschefahrern. Was wie ein schlechter Altherrenwitz klingt, ist durchaus ernst gemeint. Einige Evolutionsbiologen behaupten, es gebe bei Menschen eine naturgegebene Ungleichheit – und kämpfen gegen Gleichberechtigung.

Von Gaby Mayr | Deutschlandfunk Kultur

Axel Meyer ist Professor für Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz. Außerdem: Engagiert gegen die Gleichstellung von Männern und Frauen. Gleichstellung sei gegen die Natur, sagt der Biologe, denn die habe durch Evolution die Geschlechter unterschiedlich geprägt.

„Frauen wollen ja auch starke Männer, die reich sind und die Sicherheit bringen können. Warum fahren denn alte, graue Männer mit Porsches durch die Gegend? Weil junge Frauen auf solche Männer ansprechen. Und Männer kriegen den Sex, den sie mit ihrem Porsche bezahlen. Das ist doch was ganz Tiefes und was ganz Ursprüngliches, das Sie mit noch so vielen Gleichstellungsprogrammen nicht ausmerzen können.“

Auch Ulrich Kutschera von der Universität Kassel äußert sich – ausdrücklich als Evolutionsbiologe – zum Verhältnis von Mann und Frau.

„Es ist ein ganz riesiges Glück, dass natürlich gebliebene, normal gebliebene Frauen noch immer das evolutionäre Erbe in sich tragen und sich in der Regel, sag ich jetzt mal, den Alphamännchen zuwenden.“

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Homo sapiens ist tatsächlich älter

Über Genanalysen lässt sich rekonstruieren, wann und wie sich der frühe Homo sapiens entwickelte. © Siri Stafford, ho Toh/ thinstock
Uralte Wurzeln: Eine Genstudie bestätigt, dass der moderne Mensch älter ist als lange gedacht. Den neuen DNA-Vergleichen nach müssen die ersten Vertreter des Homo sapiens schon vor gut 300.000 Jahren gelebt haben. Denn schon damals trennten sich die Vorfahren der heutigen Khoe-San-Buschleute von allen anderen Menschenvölkern ab, wie Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten. Außerdem könnte sich der Homo sapiens vielleicht sogar an mehreren Orten Afrikas gleichzeitig entwickelt haben.

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Die Wiege des Homo sapiens stand in Afrika. Doch wann und wo sich dort unsere Vorfahren entwickelten, ist alles andere als klar. Lange galten 190.000 Jahre alte Fossilien aus Äthiopien als die ältesten bekannten Vertreter des Homo sapiens – und als Beleg dafür, dass seine Wiege in Ostafrika stand. Doch bereits 2011 lieferten Genvergleiche Indizien dafür, dass die frühesten Menschen stattdessen in Südafrika gelebt haben könnten.

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Riesenratte knackt selbst Kokosnüsse

Die neuentdeckte Riesenratte wird ein Kilogramm schwer und 45 Zentimeter lang. © Velizar Simeonovski/ The Field Museum
Größer als manche Katze: Auf den Salomoninseln haben Biologen eine neue, riesenhafte Rattenart entdeckt. Sie wird rund 45 Zentimeter lang und bis zu einem Kilogramm schwer – das ist viermal größer als unsere heimischen Wanderratten. Ungewöhnlich auch: Die Uromys vika getaufte Riesenratte lebt auf Bäumen und ernährt sich unter anderem von Kokosnüssen. Schon jetzt allerdings gilt die neue Rattenart als akut bedroht, denn ihr Lebensraum wird gerade abgeholzt.

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Als der Biologe Tyrone Lavery vom Field Museum in Chicago vor einigen Jahren die Salomon-Inseln im Südpazifik besuchte, kam ihm ein seltsames Gerücht zu Ohren: Auf einer der Inseln sollte es riesenhafte Ratten geben, die auf Bäumen leben und sogar Kokosnüsse knacken. Eine solche Riesenratte war jedoch der Forschung bisher nicht bekannt – sollte es sich um eine noch unbekannte Art handeln?

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Meeresschwämme als Auslöser der kambrischen Explosion

Der für die Artenexplosion nötige Anstieg des Sauerstoffgehalts in den Ozeanen geht womöglich auf Kieselschwämme zurück

derStandard.de

Vor etwa 540 Millionen Jahren stieg die Zahl der Tierarten auf der Erde sprunghaft an. In dieser Phase des frühen Erdzeitalters Kambrium erschienen innerhalb von wenigen Millionen Jahren praktisch alle heute existierenden Tierstämme. Laut einer neuen Studie von Grazer und Berliner Wissenschaftern könnten Meeresschwämme die Grundlage für diese „kambrische Explosion“ geschaffen haben.

Schon Charles Darwin grübelte über das ziemlich abrupte Einsetzen einer vielgestaltigen Tierwelt. Was letztlich den plötzlichen Sprung in der Evolution auslöste, ist bis heute ungelöst, auch wenn unterschiedliche genetische, ökologische und geologische Ursachen diskutiert werden.

Anstieg der Sauerstoffkonzentration

In der urzeitlichen Welt des Kambriums enthielten die damaligen Ozeane vorerst noch so wenig Sauerstoff, dass heutige Fische dort schnell sterben würden. Für die an der TU Graz lehrende Geowissenschafterin Dorothee Hippler ist klar, dass für die Entstehung komplexer Lebensformen ein Anstieg der Sauerstoffkonzentration in der Atmosphäre und im Meerwasser vorausgesetzt werden muss. „Da mehrzellige Organismen Sauerstoff zum Atmen benötigen, war das für die Entstehung sichtbaren Lebens entscheidend“, so die Forscherin.

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Selbst Quallen schlafen

Die Schirmqualle Cassiopeia kann schlafen – als erstes bisher bekanntes Tier ohne Gehirn. © Caltech
Die Fähigkeit zu schlafen ist überraschend alt: Selbst Quallen zeigen nachts die typischen Merkmale des Schlafs – obwohl sie zu den urtümlichsten Tieren gehören und nicht einmal ein Gehirn besitzen. Doch ein Experiment belegt: Schirmquallen sind nachts weniger aktiv, reagieren in Ruhe nur verzögert auf Außenreize und holen bei Schlafentzug diesen tagsüber nach. Die Nesseltiere weisen damit alle drei Merkmale eines echten Schlafs auf, wie Forscher im Fachmagazin „Current Biology“ berichten.

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Schlaf ist für uns lebenswichtig: Diese Ruhepause regeneriert unseren Körper und verschafft unserem Gehirn die Zeit, um Abfälle auszuschwemmen und Nervenverbindungen zu rekalibrieren. Fehlt uns der Schlaf, lernen wir schlechter, werden reizbar und neigen eher zu Stoffwechselkrankheiten und Übergewicht.

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U. Kutschera: Pseudowissenschaft bei Spektrum.de?

In den 1990er Jahren war das populäre US-Journal Scientific American eine zentrale Info-Quelle für populäre Darstellungen größerer biowissenschaftlicher Zusammenhänge.

Von Ulrich Kutschera | Richard-Dawkins-Foundation

So gibt es aus dieser Zeit noch heute lesenswerte Beiträge zur Abstammung des Menschen, der Evolution der Landwirbeltiere oder dem Sozialverhalten von Ameisen. Nach der Etablierung von Spektrum der Wissenschaft im Januar 1993, einem deutschen Ableger des anerkannten US-Magazins, konnte man sich ebenso sachkundig und kompetent Jahrzehnte lang informieren. Diese Ära geht leider mit der Vereinnahmung von Spektrum d. W. durch Moneyistische Gender-Ideologen (m/w) zu Ende.

Ich erinnere mich noch an ein Editorial, erschienen Anfang 2016, in welchem sich die Herausgeber gewundert hatten, dass bei einigen Ingenieur-Studiengängen der Männeranteil bei über 90 % und jener der Damenwelt unter 10 % liegt. Das kann und darf doch nicht sein, irgendetwas ist hier in der Erziehung falsch gelaufen, war der verärgerte Tenor aus dem Herausgeber-Stab. Ich hatte damals höflich darauf hingewiesen, dass es empirische Studien gibt, die belegen, dass dieser Gender-Gap im Wesentlichen biologisch ist. Auf diesen gut gemeinten Ratschlag erfolgte keine verwertbare Antwort. Als dann der respektable Autor und Wissenschaftsjournalist H. Rehm mein Fachbuch Das Gender-Paradoxon. Mann und Frau als evolvierte Menschentypen (Berlin, 2016), nach heftigen Widerständen seitens der Redaktion bei Spektrum d. W. besprechen durfte (Rezension „Gefährliche Ideologie“ vom 24.06.2016), hätte man vermuten können, dass ein Umdenken in Richtung Vernunft, d. h. biologischem Sachverstand, eintreten würde. Leider war das jedoch nicht der Fall.

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