Archiv der Kategorie: Evolutionstheorie

Menschliche Intelligenz ist “kein Zufall”

intelligent_designWar die Entstehung von menschlichem Leben auf der Erde blanker Zufall oder etwas, das passieren musste? Darüber sind sich Evolutionsbiologen bis heute nicht einig. Der britische Forscher Simon Conway Morris glaubt nicht an eine zufällige Entwicklung von Intelligenz – und hält es für wahrscheinlich, dass sie sich auf anderen Planeten wiederholt hat.


Interview: Theresa Aigner|science.ORF.at

Warum haben wir dann aber noch keinerlei Beweise für die Existenz von außerirdischem Leben? Diese Fragen diskutiert der Paläobiologe von der Universität Cambridge heute an der Akademie der Wissenschaften in Wien – und vorab in einem science.ORF.at-Interview.

science.ORF.at: Die Entwicklung von intelligentem Leben auf der Erde war in Ihren Augen kein Produkt verschiedener Zufälle, sondern etwas, das passieren musste. Warum?

Simon Conway Morris: Das Leben auf der Erde hat sehr unterschiedliche Formen. Wir haben Bäume, Giraffen und Blauwale sowie tausende andere Pflanzen, Tiere und Pilze. Wenn man all das ein bisschen genauer betrachtet, zeigen sich immer wieder die gleichen biologischen Arrangements. Das nennt man “konvergente Evolution”.

Ein bekanntes Beispiel ist die Ähnlichkeit zwischen einem menschlichen Auge und dem eines Oktopus. Sie haben evolutionär zwar ganz unterschiedliche Ursprünge, dennoch sind sie sich sehr ähnlich. Konvergente Evolution bedeutet, dass sich Nervensysteme, Intelligenz oder die Fähigkeit Werkzeuge zu bauen, immer wieder an unterschiedlichen Stellen unabhängig voneinander entwickelt haben.

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Sauberer Schnitt in die menschliche Evolution

DNA, image: Mirny et al/MIT

DNA, image: Mirny et al/MIT

Eine neue Genetik erlaubt präzise Eingriffe in das menschliche Erbgut. Befürworter hoffen auf das Ende von Krebs und Diabetes. Kritiker befürchten die Manipulation von Embryonen.


Von Kathrin Zinkant|Süddeutsche.de

Das Napa Valley ist zu Jahresbeginn kein schlechter Ort für eine kleine Reise. Während anderswo noch Tristesse herrscht, explodiert zwischen den Rebstöcken Kaliforniens das Leben. Die strahlend gelbe Senfblüte beginnt, und mit ihr strömen Erholungswillige, Hochzeitspaare, Weinliebhaber ins berühmte Tal. Bisweilen kommen aber auch Forscher hinzu, wie vor wenigen Wochen, als sich eine Gruppe namhafter Wissenschaftler ins idyllische Carneros zurückzog. Unter ihnen: der Nobelpreisträger Paul Berg und einer der Pioniere der Gentechnik, David Baltimore vom California Institute of Technology in Pasadena. Der Anlass des Treffens war ernst. Die Forscher mussten reden. Über ein recht junges, aber schon weit verbreitetes Verfahren, das sogenannte Genome Editing oder Genomic Engineering. Es gestattet mit nie da gewesener Präzision einen Eingriff ins Erbgut aller Lebewesen, auch in das des Menschen. Und – bislang theoretisch – auch in das Erbgut von menschlichen Keimzellen oder Embryonen, die durch künstliche Befruchtung entstehen. Ob das aber wirklich noch Theorie ist?

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Neandertaler: Vulkanausbruch als Todesstoß?

Noch heute gibt es zahlreiche Gasaustritte in den Phlegräischen Feldern © Mentnafunangann / CC-by-sa 4.0

Beschleunigte eine Katastrophe das Ende? Der Ausbruch eines Supervulkans in Italien könnte den letzten Neandertalern den Todesstoß versetzt haben. Denn die Eruption vor 40.000 Jahren verteilte nicht nur Asche über weite Teile Europas, sie führte auch zu einer Klimaabkühlung um mehrere Grad, wie Forscher herausfanden. Dieser vulkanische Winter könnte das Aussterben der Neandertaler beschleunigt haben, wie Forscher im Fachmagazin “Geology” berichten.


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Mindestens 250.000 Jahre lang trotzten die Neandertaler erfolgreich allen Unbilden seiner Umwelt. Doch vor rund 35.000 Jahren war ihre Ära in Europa endgültig vorbei – die Neandertaler waren ausgestorben. Warum dies geschah und warum stattdessen unser Vorfahre, der Homo sapiens, überlebte, bleibt bis heute unklar. Eine Rolle gespielt haben könnten Klimawechsel, soziale Faktoren oder auch ein größerer Fortpflanzungserfolg des Homo sapiens.

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Artensterben: Diese 15 haben die geringsten Chancen

Ein Frosch der in Brasilien vorkommenden besonders bedrohten Art Physalaemus soaresi. © Ivan Sazima

Die letzten ihrer Art? Für eine Maus in Kamerun, einen Salamander in der Türkei und eine Lerche in Somalia wird die Zeit knapp. Denn sie gehören zu den 15 bedrohtesten Tierarten der Erde. Sie stehen ganz am Ende einer Liste Tierarten, die sich einem internationalen Forscherteam zufolge aber mit sofortigen Schutzmaßnahmen noch retten lassen könnten. Die Wissenschaftler nennen im Magazin “Current Biology” auch die Kosten für den nötigen Schutz – sie fallen vergleichsweise niedrig aus.


scinexx

Tausende von Tierarten weltweit sind vom Aussterben bedroht – Schuld daran ist in den meisten Fällen der Mensch. Maßnahmen zum Artenschutz gibt es zwar mehr und mehr, sie können aber bislang kaum mithalten, um ein drohendes Massenaussterben abzuwenden. Nach den im Rahmen der UN-Biodiversitäts-Konvention im Jahr 2010 beschlossenen Zielen soll der Artenschutz deshalb bis 2020 deutlich ansteigen: Natürliche Lebensräume sollen besser geschützt, die Überfischung der Ozeane gestoppt und große Flächen der Erde unter Naturschutz gestellt werden.

Wissenschaftler unter der Leitung von Dalia Conde von der Süddänischen Universität in Odense haben nun untersucht, wie hoch der Aufwand und die Kosten wären, um besonders bedrohte Tierarten zu retten. Dabei konzentrierten sie sich auf Arten, die nach Angaben der Schutzorganisation “Alliance for Zero Extinction” (AZE) nur noch an jeweils einem einzigen Ort auf der Erde existieren. Auch das bereits existierende Fachwissen und die Schwierigkeit, eine Art in Zoos zu erhalten, bezogen die Forscher mit ein. Das Ergebnis ist eine Liste von 841 Tierarten, bei denen Aussicht auf Rettung besteht – ein “conservation opportunity index”.

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Urzeit-Krokodil als Schreckensechse

Knapp drei Meter lang und auf den Hinterbeinen laufend: Carnufex war ziemlich furchteinflößend © Jorge Gonzales

Das überrascht selbst die Paläontologen: Vor rund 230 Millionen Jahren war nicht ein Dinosaurier, sondern ein auf zwei Beinen rennender Krokodilvorfahre der Top-Prädator in Nordamerika. Das in North Carolina entdeckte Fossil dieses Ur-Krokodils ist das größte und älteste der gesamten Tiergruppe, wie die Forscher im Fachmagazin “Current Biology” berichten.


scinexx

Vor 231 Millionen Jahren herrschte in weiten Teilen der Erde ein tropisch-warmes Klima, der Riesenkontinent Pangäa begann damals gerade, auseinanderzubrechen. In der Tierwelt profitierten besonders viele große Raubtiere von den wechselnden Bedingungen der Späten Trias. Auf der Südhalbkugel begannen damals erste Dinosaurier ihren Siegeszug. Doch in der Landmasse, aus der später Nordamerika entstand, waren andere die Herrscher, wie der neue Fossilfund nun zeigt.

Lindsay Zanno von der North Caroline State University und ihre Kollegen entdeckten das Fossil in der Pekin-Formation in North Carolina. Es besteht aus den Fragmenten eines Schädels, der Wirbelsäule und der vorderen Oberschenkel. Zunächst war aus den Bruchstücken kaum erkennbar, um was es sich dabei handelte, deshalb nutzen die Forscher Computerscans, um die Knochen zu analysieren und zu einem Modell des Tieres zusammenzufügen.

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Scientists finally solve the mystery of the animal Darwin called ‘the strangest’

Macrauchenia, a humpless camel with an extended snout, is actually related to modern horses. (Illustration by Peter Schouten from the forthcoming book “Biggest, Fiercest, Strangest” W. Norton Publishers (in production))

When the father of evolution found the first fossilized example of what would become the genus Toxodon in South America, he called it the “strangest animal ever discovered.” Charles Darwin’s find had the curved tooth of a rodent, but also seemed to share features with hippos and sloths, among other things. To hedge their bets, he and his colleagues suggested that it could presumably be a relative of any number of these animals.


By Rachel Feltman|The Washington Post

In a new study published Wednesday in Nature, the secrets of the group that included this and another of Darwin’s strange finds are finally revealed.

According to analysis of the protein in the bones of Toxodon and Macrauchenia bones, these strange creatures — one a bit like a toothy hippo, the other something of an elephant-nosed, flat-backed camel — are most closely related to Perissodactyla, a group of animals that includes horses, tapirs, and rhinos.

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Yeti-Rätsel bleibt weiter offen

Was steckt hinter der Legende vom Yeti? Ist es ein exotischer Bär? © thinkstock

Was ist dran am Yeti? Ist das legendäre Himalaya-Wesen vielleicht ein mysteriöser Urzeit-Bär, der Jahrmillionen versteckt im Gebirge überlebte? Neueste Gendaten scheinen diese Yeti-Theorie zu widerlegen. Denn die vermeintlichen Yeti-Haarproben könnten demnach auch von ganz normalen Himalaya-Braunbären stammen, wie die Forscher berichten. Sollte der Yeti doch etwas anderes sein, dann glänzt dieses bisher vor allem durch Fehlen jeglicher handfester Belege.


scinexx

Yeti, Bigfoot, Almasty oder Sasquatch – in vielen Regionen der Erde kursieren Gerüchte über seltsame Wesen, die halb Mensch, halb Tier zu sein scheinen. Einige halten die Schneemenschen der Hochgebirge für urtümliche Primaten oder aber für urzeitliche Säugetier-Arten. Im Jahr 2014 dann gingen Forscher dieser Frage auf den Grund und analysierten erstmals systematisch die DNA von 30 Haarproben aus aller Welt, die angeblich von Yeti und Co stammen sollten. Wie sich zeigte, stammten die meisten Haare von ganz profanen Tieren, von Rindern, Wölfen oder Bären.

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Finnish Band Nightwish Releases Latest Single, Featuring Narration by Richard Dawkins

Image. Friendly Atheist

The Finland-based symphonic metal band Nightwish is about to release their new album, drawing inspiration from the natural world and the work of Richard Dawkins. (In fact, Dawkins appears on the album as a narrator for two of the songs.)


By Hemant Mehta|Friendly Atheist

I posted the first single last month. Today, they released their latest single (audio only), “Shudder Before The Beautiful,” and it’s one of the songs featuring Dawkins (albeit briefly):

Schöpfung Teil 2

TheCreation_399Forscher bauen künstliche DNA und Bakterien mit maßgeschneiderten Eigenschaften. Und das ist erst der Anfang der Synthetischen Biologie


Von Norbert Lossau|DIE WELT

Die Erschaffung künstlicher Menschen ist seit mindestens zwei Jahrtausenden eine Idee, die sich in den Köpfen von Naturforschern, Philosophen, Künstlern und Alchemisten festgesetzt hat. Der Homunkulus in Goethes “Faust” ist ein Klassiker: “Es leuchtet! Seht! – Nun lässt sich wirklich hoffen, dass, wenn wir aus viel hundert Stoffen durch Mischung – denn auf Mischung kommt es an – den Menschenstoff gemächlich komponieren …”

Goethe war beileibe nicht der Erste mit dieser Idee. Aus der Zeit um 250 n. Chr. stammen Berichte, in denen die Herstellung künstlicher Menschen beschrieben wird – aus Luft, Wasser und Blut. Schmunzeln lässt uns auch die in der Schrift “De natura rerum” aus dem Jahre 1538 überlieferte Anleitung von Paracelsus zur Kreation von Homunkuli. Demnach müsse man menschliches Sperma zusammen mit Pferdemist 40 Tage in einem Gefäß agieren lassen. Später entdeckten die Alchemisten das Thema und schließlich auch Hollywood. “Frankenstein” ist hier wohl das bekannteste Beispiel.

So abwegig der Gedanke eines Kunstmenschen klingen mag, die Fortschritte der modernen Biologie geben dieser Idee neue Nahrung. Dass sich mithilfe der Gentechnik bestimmte Eigenschaften von Organismen gezielt verändern und Lebewesen klonen lassen, ist längst Stand der Technik. Gentechnisch optimierter Reis oder Mais stehen in vielen Ländern bereits auf dem Speiseplan. Über genetisch identische Kopien von Schafen oder Pferden staunt kaum jemand mehr.

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Wir sind nicht allein in unseren Genen

DNA, image: Mirny et al/MIT

DNA, image: Mirny et al/MIT

Wir Menschen tauschen nicht nur untereinander Erbgut aus, sondern bisweilen auch mit anderen Lebewesen. Biologen machten nun eine neue Bestandsaufnahme.


Von Daniel Lingenhöhl|Spektrum.de

Unser Erbgut umfasst rund 20 000 bis 23 000 Gene – und manche davon könnten wir von anderen Organismen wie Bakterien oder Pilzen sowie von Viren übernommen haben. Mindestens 145 unserer Gene könnten demnach durch den so genannten horizontalen Gentransfer zwischen Arten in unser Erbgut übergegangen sein, meinen Alastair Crisp von der University of Cambridge und seine Kollege im Journal Genome Biology. Bei diesem Vorgang gelangen fremde Gene etwa von Bakterien beispielsweise während einer Infektion in das eigene Genom und werden dort so integriert, dass sie im Laufe der Evolution funktionell werden. Als unser Genom 2001 vollständig sequenziert vorlag, hatte man bereits entsprechende Fremdgene entdeckt, doch galten die meisten davon als Verschmutzungen, die während der Analyse im Labor aufgetreten sind.

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13. März 1925 – Verbot der Evolutionslehre in Tennessee: Schöpfungsglaube per Gesetz

Die Stammesgeschichte des Menschen nach Charles Darwin

Mensch und Affe haben gemeinsame Vorfahren – sagt Charles Darwin in seiner 1871 veröffentlichten Evolutionstheorie. In den frommen US-Südstaaten gilt das allerdings als Blasphemie. Der Mensch sei schließlich Gottes Schöpfung.


WDR

Deshalb soll Darwins Lehre an Schulen gesetzlich verboten werden. Entsprechende Initiativen in Kentucky und Florida scheitern jedoch knapp. Darum nimmt John Washington Butler die Angelegenheit in die Hand. Der Weizen- und Tabakfarmer bewirbt sich erfolgreich um einen Sitz im Kongress des Staates Tennessee und verfasst einen Gesetzestext, der ihn landeweit bekannt macht.

Mit großer Mehrheit verabschiedet der Kongress in Tennessee am 13. März 1925 das Verbot, “irgendeine Theorie zu unterrichten, welche die göttliche Schöpfung des Menschen leugnet, wie sie in der Bibel gelehrt wird, und stattdessen unterrichtet, dass der Mensch von einer niedrigeren Tierart abstammt.” Jeder Verstoß dagegen soll mit einer Geldstrafe zwischen 100 und 500 Dollar geahndet werden. Gegen diese neue Regelung gibt es allerdings Widerstand. Die US-Bürgerrechtsunion will gegen dieses Gesetz klagen und sucht per Anzeige einen Musterfall.

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Die Zeit des Menschen

Menschheitsspuren. Staudämme verändern das Antlitz der Erde – und nicht nur optisch. Sand und andere Sedimente werden aufgehalten und ganze Landschaften verändert. – Foto: AFP

Forscher diskutieren, wann das „Anthropozän“ beginnen soll. Und ob das geologische Zeitalter überhaupt nötig ist.


Von Ralf Nestler|DER TAGESSPIEGEL

Aus der Entfernung werden die Dinge oft deutlicher. Elf Kilometer, die Reiseflughöhe eines Flugzeugs, genügen, um zu erkennen, wie stark die Menschheit die Oberfläche des Planeten gestaltet: begradigte Flüsse, Staudämme, Steinbrüche. Schätzungen zufolge bewegt Homo sapiens dank der von ihm ersonnenen technischen Möglichkeiten bis zu zehnmal so viel Gestein und Sediment auf dem Globus wie natürliche Vorgänge – etwa Erosion durch strömende Flüsse. Hinzu kommt ein Artensterben, wie es der Planet lange nicht erlebt hat.

Wann begann der Mensch die Erde zu formen?

Für manche Forscher steht fest, dass der Mensch nicht länger nur ein Bewohner der Erde ist wie Ratten oder Kellerasseln, sondern ein geologischer Faktor.

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Researchers nearly double the size of worker ants

Melanie Couture and Dominic Ouellette Florida carpenter ant workers run the gamut from dainty minors (far left) to hefty majors (far right).

Researchers have changed the size of a handful of Florida ants by chemically modifying their DNA, rather than by changing its encoded information. The work is the latest advance from a field known as epigenetics and may help explain how the insects—despite their high degree of genetic similarity—grow into the different varieties of workers needed in a colony.


By Mitch Leslie|Sciencemag.org

This discovery “takes the field leaps and bounds forward,” says entomologist Andrew Suarez of the University of Illinois, Urbana-Champaign, who wasn’t connected to the study. “It’s providing a better understanding of how genes interact with the environment to generate diversity.”

Ant nests have division of labor down pat. The queen spends her time pumping out eggs, and the workers, which are genetically similar sisters, perform all the other jobs necessary to keep the colony thriving, such as tending the young, gathering food, and excavating tunnels. Workers in many ant species specialize even further, forming so-called subcastes that look different and have different roles. In Florida carpenter ants (Camponotus floridanus), for example, workers tend to fall into two groups. Minor workers, which can be less than 6 mm long, rear the young and forage for food. Major workers, which can be almost twice as long, use their large jaws to protect the colony from predators.

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Das Henne-Ei-Problem: Evolutionsbiologisch, philosophisch und Bullshit

Noch Ei oder schon Küken? Bild. wikimedia.org/CC BY-SA 2.0/grendelkhan

Um eines gleich vorweg zu klären: Dass alle Hühner Eier legen können, stimmt schon einmal überhaupt nicht. Das können nur die weiblichen Tiere der Unterart „Gallus gallus domesticus“. Die nennen sich nun einmal korrekterweise „Henne“, denn auch ein Hahn ist ein Huhn. Weit weniger einfach ist die Antwort auf die uralte Frage, was denn nun zuerst da war – die Henne oder ihr Ei? Denn schließlich muss jedes Ei von einer Henne gelegt werden, die ihrerseits wieder irgendwann aus einem Ei geschlüpft ist.


Von Anke Velten|Weser Kurier

Das Online-Lexikon Wikipedia definiert als „Henne-Ei-Problem“ „eine vermeintlich nicht zu beantwortende Frage nach dem ursprünglichen Auslöser einer Kausalkette, deren Ereignisse wechselseitig Ursache und Wirkung darstellen.“ Den Kopf zerbrochen haben sich darüber schon die alten Griechen, und auch heute noch zeigt Google bei diesem Schlagwort mehr als 1,3 Millionen Treffer an. 

Vor zwei Jahren brüsteten sich Wissenschaftler englischer Universitäten damit, die endgültige Antwort auf die Frage gefunden zu haben. Mittels eines Supercomputers hatten sie in der Schale von Hühnereiern ein bestimmtes Protein entdeckt, das sonst nur in Eierstöcken der Hennen zu finden ist. Also musste ja logischerweise die Henne vor dem Ei da gewesen sein, folgerten die Forscher aus Warwick und Sheffield. Leider lieferten sie nicht die Antwort auf die Frage mit, woher denn nun die eierlegende Henne plötzlich auftauchte.

Die Lösung des „Henne-Ei“-Problems bleibt also nach wie vor alles andere als endgültig geklärt – und die Frage kann von ganz unterschiedlichen Seiten betrachtet werden. Falls Sie irgendwann einmal wieder gefragt werden: Für die Leserinnen und Leser des Weser Kurier opferten freundlicherweise drei ausgewiesene Experten die Zeit und lieferten den letzten Stand der Forschung. Lesen sie hier, was Philosophie, Evolutionswissenschaft und Theologie dazu zu sagen haben. Und nein, niemand hat gesagt, dass die Antworten so schlicht und kurz sein müssen wie die Frage.

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Hungrige Darwin-Finken gefährden Ökosystem

Kaktus-Grundfink (Geospiza scandens), Bild. wikimedia.org/PD

Die Vogelwelt der Galapagosinseln ist berühmt. Doch der große Appetit der Finken bedroht laut einer neuen Studie die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt des Archipels.


SpON

Die Vögel der Galapagosinseln fressen, was ihnen vor den Schnabel kommt: Vermutlich weil Insekten auf den Inseln knapp sind, naschen sie auch Pollen oder Nektar von Pflanzen. Doch das hat eine Schattenseite, wie ein internationales Forscherteam im Fachblatt “Nature Communications” berichtet: Die Vögel spielten nicht nur eine wichtige Rolle als Bestäuber, sondern trügen auch zur Gefährdung des einzigartigen Ökosystems der Inselwelt bei. Da sie recht wahllos heimische und fremde Pflanzenarten besuchen, erleichterten sie eingeschleppten Arten die Ausbreitung auf dem Archipel.

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Genetik: Herkunft afrikanischer Sklaven

Sklaven im Jahre 1895 vor ihrer Hütte auf einem Baumwollfeld. (Imago / UIG)

Der Sklavenhandel gilt als die größte Migration in der jüngeren Geschichte. Zwischen 1500 und 1850 wurden mehr als zwölf Millionen Afrikaner versklavt und nach Amerika geschifft. Woher sie stammten, war bislang nicht bekannt. Nun haben Forscher aus Kopenhagen neue Erkenntnisse aus genetischen Herkunftsanalysen im Fachblatt “PNAS” vorgestellt.


Von Michael Stang|Deutschlandfunk

“Generell verhält sich DNA wie Eiscreme: wenn es kalt und trocken ist, erhält sie sich sehr gut, aber wenn es heiß und auch noch feucht ist eben nicht.”

Seit einigen Jahren beschäftigt sich Hannes Schroeder vom Centre for GeoGenetics der Universität von Kopenhagen mit der genetischen Herkunftsanalyse von afrikanischen Sklaven. Dazu untersucht der deutsche Genetiker rund 400 Jahre alte Gebeine von Unfreien vor allem aus dem karibischen Raum. Jedoch stößt er immer wieder auf dasselbe Problem: Je älter die Proben – also Haare, Zähne oder Knochen – sind, desto weniger DNA ist noch enthalten. Diese Hürde der biomolekularen Archäologie muss er umgehen, um aus den alten Knochen noch analysierbares Erbgut zu gewinnen. Denn:

“Mit der DNA-Analyse haben wir eben eine Methode, mit der sich ziemlich genau die Herkunft von Menschen bestimmen lässt.”

Doch warum ausgerechnet die Genetik? Will man die Herkunft eines afrikanischen Sklaven herausfinden, reicht doch ein Blick in die alten Handelsaufzeichnungen oder Bordbücher. Dort ist festgehalten, dass die Menschen, die ab dem 16. Jahrhundert gefangen genommen und versklavt wurden, aus Elmina oder Cape Coast Castle stammen. Soweit so ungenau. Diese Orte waren aber nur die Anlegestellen der Sklavenschiffe in Westafrika. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass einer der Sklaven tatsächlich zuvor in Küstennähe gelebt hat.

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R. Dawkins: Homosexuality didn’t evolve as natural population control

Richard Dawkins, Screengrab

Richard Dawkins, Screengrab

To celebrate Darwin Day, noted atheist and evolutionary biologist Richard Dawkins answered a series of questions from his Twitter followers, the first of which asked whether homosexuality could have evolved as a natural form of population control.


By Scott Kaufman|Raw Story

“I’ve always believed that homosexuality was nature’s population control, so we that we don’t overpopulate. Thoughts?” read the question.

“That’s a very tempting error,” Dawkins replied, “not with respect to homosexuality, but with respect to the idea that nature does population control. That’s not the way nature works.”

“It’s so tempting to think that things will be best for the species, so nature will do whatever it takes to keep the species going. But that’s just not the way evolution works.”

“Natural selection,” he continued, “works at the level of the individual gene. So in order for natural selection to favor population control, [it] would have to favor a gene or genes within an individual that limited that individual’s reproduction.”

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“Der Fisch in uns”, 3sat: Unterhaltsame Wissenschaft

Eine Computeranimation: Neil Shubin am Strand mit drei alten Spezies. Wissenschaftler untersuchen die Folgen, die unsere Abstammung von diesen Tieren auf unser Leben hat. Foto: ZDF und Mike Coles; Tangled Bank Studios

Ein US-Wissenschaftler reist um die Welt, um die menschliche Entwicklung zu erkunden. Die digitale Filmtechnik hilft ihm, sie vor der Kamera zu erklären.


Von Daland Segler|Frankfurter Rundschau

Dass wir aus dem Wasser kommen, wissen wir. Aber wie sind wir da bloß herausgekommen? Schon Charles Darwin versuchte, diese Frage zu beantworten, aber der Vater der Evolutionsforschung hatte weder die Kenntnisse noch die Mittel, um dem Rätsel auf die Spur zu kommen.

Heute, fast 200 Jahre später, stehen den Wissenschaftlern ungleich mehr Forschungsergebnisse und vor allem -Möglichkeiten zur Verfügung. So darf der amerikanische Paläontologe Neil Shubin denn auch um die ganze Welt reisen, um seine Untersuchungen voranzutreiben. Und das demonstriert er in seiner dreiteiligen Dokumentation über die menschliche Entwicklung ausgiebig – und etwas zu sehr ichbezogen: kaum eine Sequenz, in der Shubin sich nicht ins Bild rückt.

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Anthropologie: Urmenschen waren primitiver als gedacht

Chalachew Seyoum with jawbone. Photo: Brian Villmoare Bild: MOTHERBOARD

Zwei Jahrmillionen alte Kieferknochen – der eine gerade erst entdeckt, der andere schon seit 50 Jahren bekannt – liefern neue Einblicke in die menschliche Evolution.


Von Daniela Zeibig|Spektrum.de

Knochenfunde aus den frühen Tagen der Gattung Homo vor schätzungsweise zweieinhalb bis drei Millionen Jahren sind rar. Der Ursprung der menschlichen Abstammungslinie gibt Forschern daher bis heute noch so manches Rätsel auf. Neue Einblicke in dieses Kapitel der Menschheitsgeschichte bieten nun drei Studien, die in den Fachmagazinen “Science” und “Nature” erschienen sind.

Die Arbeit von Fred Spoor vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und seinen Kollegen wirft dabei zunächst ein neues Licht auf den Homo habilis, der zu den ältesten Vertretern der Gattung Homo zählt. Homo habilis wurde erstmals 1964 beschrieben, als Typusexemplar gilt das Fossil OH 7 bestehend aus Unterkiefer, Teilen der Schädeldecke und Handknochen, die Wissenschaftler in rund 1,8 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten in der Oldvai-Schlucht im Norden Tansanias entdeckten. Der Kiefer ist dabei allerdings so stark verzogen, dass Forschern der Vergleich mit anderen Knochenfunden in den vergangenen Jahrzehnten schwer fiel.

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