Archiv der Kategorie: Evolutionstheorie

Atheistenpreis für “Bad Religion”-Sänger Greg Graffin

Bad Religion

Promovierter Evolutionsbiologe ist er, aber auch eine Punkrock-Ikone. Jetzt erhielt „Bad Religion“-Sänger Greg Graffin in Köln den Atheistenpreis.


Von Thomas Mader|WAZ

Eine Punkrock-Ikone stellt man sich, nun ja, unfrisierter vor. Ordentliche schlohweiße Haare (mit 50 Jahren), ein unscheinbares Hemd und Wanderturnschuhe – äußerlich entspricht der Amerikaner Greg Graffin eher dem Klischee seiner anderen Profession: Der „Bad Religion“-Sänger ist auch promovierter Evolutionsbiologe. In Köln verlieh ihm am Samstag der „Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten“ seinen Preis „Sapio“ – weil Graffin es sich zur Mission gemacht hat, für Selbstbestimmung und gegen Denkverbote einzutreten.
Punk für eine bessere Gesellschaft

In seinem neuen Buch „Population Wars“ (etwa „Kriege der Völker“) zum Beispiel, das im September erscheint, will Graffin zeigen, dass es nicht um Sieg oder Ausrottung geht, wenn Bakterien oder Tiere sich bekämpfen, dass das Bild vom Krieg als Treiber der Evolution falsch ist.

„Wenn eine Population sich erst mal etabliert hat, ist sie nur sehr schwer auszulöschen. Viel öfter enden Konflikte mit Assimilation.“ Und wären Kriege, wie Menschen sie führen, nicht vermeidbar, wenn wir einen neuen Blick darauf gewännen?

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Ist Alzheimer eine Nebenwirkung unserer Intelligenz?

brain

Wir Menschen sind die einzige bekannte Art, die Alzheimer bekommt. Verantwortlich sind wohl Genveränderungen, die unsere Hirnleistung verbesserten – und uns zum Menschen machten.


Von Daniel Lingenhöhl|Spektrum.de

Vor 50 000 bis 200 000 Jahren sorgte die Evolution dafür, dass sich sechs Gene veränderten, die stark an der Entwicklung unseres Gehirns beteiligt sind. Sie führten wahrscheinlich dazu, dass sich unsere Neurone besser miteinander verknüpften und ein ausgeprägtes neuronales Netzwerk entstand, das letztlich Homo sapiens intellektuell über seine Hominidenvorfahren hob. Doch diese Entwicklung hatte womöglich einen Preis, meinen der Populationsgenetiker Kun Tang von den Shanghai Institutes for Biological Sciences und seine Kollegen nach einer umfangreichen Genomstudie. Denn die gleichen Gene sind auch mit daran beteiligt, dass sich Alzheimer im menschlichen Denkapparat ausbilden kann – eine neurodegenerative Erkrankung, die einzig uns Menschen trifft, aber beispielsweise nicht bei unserem nächsten Verwandten, dem Schimpansen, auftritt. Tang und Co untersuchten dazu 90 Genome von Menschen mit afrikanischen, asiatischen und europäischen Wurzeln nach bestimmten Genmustern, die durch natürliche Auslese und veränderliche Bevölkerungsgrößen verursacht werden, wie “Nature” berichtet.

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Wie digitale Transparenz die Welt verändert

Hauptplatine eines Rechners.

Hauptplatine eines Rechners.

So paradox es klingt: Die Entwicklung des Lebens im urzeitlichen Ozean kann uns einiges über die Zukunft unserer Gesellschaft lehren. Da im Zeitalter der digitalen Vernetzung kein Geheimnis mehr sicher ist, stehen wir an der Schwelle einer Epoche, die das Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatleben ganz neu definieren muss.


Von Daniel C. Dennett und Deb Roy|Spektrum.de

Vor rund 543 Millionen Jahren ereignete sich die so genannte kambrische Explosion: eine spektakuläre Häufung biologischer Innovationen. Binnen weniger Millionen Jahre – nach geologischen Maßstäben fast augenblicklich – entwickelten Lebewesen völlig neue Körperformen, neue Organe, neue Strategien für Angriff und Verteidigung. Die Evolutionsbiologen streiten noch über die Ursache dieser erstaunlichen Welle von Neuerungen. Aber eine besonders überzeugende Hypothese des Zoologen Andrew Parker von der University of Oxford besagt, dass Licht der Auslöser war. Parker zufolge wurden damals die seichten Ozeane und die Atmosphäre durch plötzliche chemische Veränderungen viel lichtdurchlässiger. Zu jener Zeit gab es nur in den Meeren tierisches Leben, und sobald Sonnenlicht das Wasser durchdrang, wurde Sehkraft zum entscheidenden Evolutionsvorteil. Zugleich mit der rapiden Entwicklung von Augen entstanden auch entsprechend angepasste Verhaltensformen und weitere körperliche Besonderheiten.

Während zuvor alle Wahrnehmungen nur die nächste Nähe erfassten – durch direkten Kontakt oder durch Gespür für chemische Konzentrationsänderungen oder Druckwellen –, konnten Tiere nun auch entfernte Objekte identifizieren und verfolgen. Raubtiere schwammen gezielt auf ihre Beute zu; diese konnte sehen, dass sich Feinde näherten, und die Flucht ergreifen. Fortbewegung verläuft langsam und unsicher, solange sie nicht von Augen geleitet wird, und Augen sind nutzlos, wenn man sich nicht bewegen kann. Darum entwickelten sich Wahrnehmung und Bewegung parallel. Diese Koevolution war ein Hauptgrund für die Entstehung der heutigen Artenvielfalt.

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Älteste Steinwerkzeuge der Menschheit entdeckt

Eines der 3,3 Millionee Jahre alten Steinwerkzeuge – auf den ersten Blick ein ganz normaler Stein. © MPK-WTAP

Überraschender Fund: Am Turkanasee in Kenia haben Forscher die bisher ältesten menschengemachten Steinwerkzeuge entdeckt: Sie sind rund 3,3 Millionen Jahre alt – und entstanden damit schon vor Auftreten des Homo habilis, der bisher als der erste Werkzeugmacher galt. Wer allerdings diese primitiven Faustkeile schuf, ist bisher ein Rätsel, wie Forscher im Fachmagazin “Nature” berichten.


scinexx

Bisher galt der Homo habilis, der “geschickte Mensch”, als der erste Werkzeugmacher unter unseren Vorfahren. Denn die bisher ältesten Steinklingen und Faustkeile stammen aus der Zeit vor rund 2,3 bis 2,6 Millionen Jahren und wurden zusammen mit Homo habilis Fossilien in der Olduvai-Schlucht in Tansania gefunden. Frühere Vormenschen, so glaubte man, hätten noch nicht die erforderliche mentale Kapazität und Auge-Hand-Koordination besessen, um gezielt verschiedenen Werkzeuge herzustellen.

Zufallsfund beim Umweg

“Man ging davon aus, dass nur unsere direkten Vorfahren den kognitiven Sprung machten und lernten, Steine so gegeneinander zu schlagen, dass scharfe Klingen entstanden”, erklären Sonia Harmand von der Stony Brook University in New York und ihre Kollegen. “Dies galt als das Fundament für unseren evolutionären Erfolg.” Andererseits aber erforderten die Olduwan-Werkzeuge bereits ziemlich viel Übung und Geschick – ein Indiz dafür, dass sie vielleicht doch nicht die ersten Versuche unserer Vorfahren mit dieser Technologie darstellen.

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Evolution: Neuer Stammbaum der Schlangen berechnet

Nachts auf der Jagd nach grosser Beute: So stellen sich Evolutionsbiologen der Yale-Universität die Urschlange vor. (Bild: Julius Csotonyi)

Winzige Hinterbeine und nachts auf Jagd nach grosser Beute – so stellen sich Forscher die Urschlange vor. Sie soll vor etwa 128 Millionen Jahren in warmen Waldgebieten gelebt haben.


Neue Zürcher Zeitung

Schlangen sind vermutlich doch an Land und nicht im Wasser entstanden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Yale-Universität in New Haven im US-Gliedstaat Connecticut. Der Urahn heutiger Schlangen war demnach ein nächtlicher Jäger in Waldgebieten, der relativ grosse Beute verschlang und winzige Hinterbeine hatte.

Für ihre Untersuchung analysierten die Wissenschafter die Gene, die Anatomie oder Fossilien von 73 lebenden und ausgestorbenen Schlangen- und Echsenarten. Aus den erhobenen Daten erstellten sie dann einen Stammbaum. Das Team um Allison Hsiang veröffentlichte die Studie im Online-Journal «BMC Evolutionary Biology».

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Why Males Exist

Tribolium castaneum, the flour beetle used in the experiment. Image: Public Domain/Wikimedia

Males: who needs them? It’s a valid question—the existence of the male sex is a real scientific inquiry.


By Victoria Turk|MOTHERBOARD

On a survival-of-the-species level, males are basically only needed to provide sperm. In light of that, sex seems like a pretty inefficient way of reproducing in comparison to asexual reproduction. Half the offspring produced are also incapable of directly bearing future generations, and parents have to dilute their genes for the pleasure. Not to mention the hassle of finding a suitable mate in the first place.

So why has evolution allowed two-parent reproduction to persist when it seems so inefficient? Why is sex still a thing? Why don’t we just have females who can reproduce by themselves?

In a paper in Nature, biologists suggest a solution to the mystery: the existence of males and of sex allows for sexual selection, which helps keep a species healthy so it doesn’t go extinct. They tested their hypothesis in populations of beetles.

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Lavamassen vor Japan: Wie das Leben eine neue Insel erobert

Nishinoshima, Bild: JapanTimes.co.jp

Vor Japan ist jüngst eine neue Insel entstanden, aufgetürmt aus den Lavamassen eines Vulkans. Nun fragen sich Biologen, welche Arten das Eiland wohl als Erste besiedeln.


SpON

Vogelkot ist eine entscheidende Zutat in den Prognosen von Naoki Kachi. Vögel, die weite Strecken übers Meer fliegen und Zwischenstopps auf kleinen Inseln einlegen, lassen dort ihren Kot zurück, und der ist wertvoller Dünger. Kachi, der an der Tokyo Metropolitan University arbeitet, will gemeinsam mit Kollegen in den kommenden Jahren erforschen, wie sich Flora und Fauna auf einer neu entstandenen japanischen Insel entwickeln.

Noch ist Nishinoshima kein besonders lebensfreundlicher Ort. Die Insel in der Ogasawara-Kette besteht aus Lava, die aus einem aktiven Vulkan fließt und erkaltet. Im November 2013 durchbrach die sich auftürmende Lava erstmals die Meeresoberfläche. Seitdem ist ein stattliches Eiland gewachsen, das sich im Laufe seiner Entstehung eine kleine Nachbarin einverleibt hat. Nishinoshima ist jetzt knapp 2,5 Quadratkilometer groß.

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Universität Lüneburg: Affe und Adam – Evolutionsbiologie und Theologie

Dr. Celia Deane-Drummond, von der katholischen Universität University of Notre Dame (Indiana/USA). Bild: leuphana.de

Lässt sich in Anbetracht von Evolution sinnvoll vom Garten Eden und Sündenfall sprechen? Die Biologin und Theologin Prof. Dr. Celia Deane-Drummond von der University of Notre Dame (Indiana/USA), die unter anderem die Europäische Bischofskonferenz berät, geht in ihrer Forschung dieser Frage nach und hielt am 13. Mai an der Leuphana einen Gastvortrag zum Thema „In Adam all die? Questions at the boundary of niche construction, community evolution and original sin”.


Meldungen Universität Lüneburg

Die Geschichte von Adam und Eva ist jedem bekannt: Über ihre religiöse Bedeutung hinaus ist sie Teil unseres kollektiven Gedächtnisses. Dass die Menschheit mit einem Pärchen begann, welches nackt und zufrieden in einem Garten lebt, dann etwas Dummes tut, die Schuld dafür einander („die Frau, die Du mir gegeben hast, war’s“) und der Natur („die Schlange war’s“) zuschiebt, aber nicht selbst eingesteht, den Garten verlassen muss und sich anschließend Kleidung anzieht, hat für uns immer noch eine narrative Plausibilität.

Evolution und Religion

Gleichzeitig wissen wir aber, dass es Evolution gibt, ein graduelles Anpassen und Verändern von Spezies. Deane-Drummond betont, dass die Evolution dem Menschen keine Sonderstellung gönnt: Der Homo Sapiens Sapiens ist nur einer in einer ganzen Reihe von Primaten, jemand der erst ganz zum Schluss dazu kam und über lange Zeit hinweg nur eine kleine Population neben seinen sehr viel zahlreicheren und körperlich besser ausgestatteten Verwandten stellte. Ganz offensichtlich passen diese beiden Diskurse nicht direkt zusammen. Dabei ist die Geschichte von Eden für das Christentum nicht bloß eine unter vielen, sondern eine zentrale, da es ohne Adam und den Sündenfalls keine Erlösung bräuchte. Umso wichtiger ist, dass die Theologie angeben kann, wie diese beiden Dinge zueinander passen: „Theology that wants to be relevant needs to follow science“ (Deane-Drummond).

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Paleo diet ignores basic evolutionary biology: ‘We can eat foods our hunter-gatherer ancestors could not’

Caveman with fork and knife paleo diet (Shutterstock)

Scientists are speaking out against the paleo diet – saying the fad is based on a fundamental misunderstanding of how evolution works.


By Travis Gettys|Raw Story

Marlene Zuk, an evolutionary biologist at the University of Minnesota, will present her findings Thursday at a dieticians conference in Australia.

“The Paleo diet is based on the idea that human genetics have not changed or evolved over the past 10,000 years, since the time before the use of agriculture,” Zuk said.

“Plenty of evidence exists that our genes have changed over the last few thousand years, and these changes mean we can eat foods our hunter-gatherer ancestors could not,” she added. “The ability to digest milk is an example of this.”

Ironically, the paleo diet was popularized as “the optimal diet (for) which we are genetically adapted” by American scientist Loren Cordain.

However, Zuk said – no one knows enough about what early humans ate to effectively mimic their diet.

“Almost all of the foods available today are vastly different from the forms that our Paleolithic ancestors would have eaten,” Zuk said. “This does not just mean ice cream, chips or even flour, but basics such as meats, fruit and vegetables.”

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Komplexität als Kerngeschäft

Die Evolutionstheorie besagt nicht, dass wir vom Affen abstammen; es ist etwas komplizierter

Die Evolutionstheorie besagt nicht, dass wir vom Affen abstammen; es ist etwas komplizierter

Viele Menschen erwarten von der Wissenschaft einfache Antworten auf komplexe Fragen. Doch Forschungsergebnisse haben es an sich, die Dinge nicht einfacher, sondern komplizierter zu machen.


Von Servan|NZZ Campus

In einem früheren Beitrag hatte ich die Fehlbarkeit von Hypothesen als eine entscheidende Stärke der Wissenschaft bezeichnet. Wissenschaftliche Forschung ist nur deshalb so erfolgreich, weil das regelmässige Korrigieren von Fehlern zum Tagesgeschäft gehört.

Wenn es aber darum geht, neue wissenschaftliche Erkenntnisse einem breiten Publikum zu vermitteln, dann kann die Fehlbarkeit rasch zur Bürde werden.

Grauzonen statt Schwarz und Weiss

Viele von uns erwarten klare Antworten und einfache Lösungen von der Wissenschaft. Sie soll uns zeigen, wie wir die Herausforderungen des Klimawandels meistern, gesund bleiben und glücklich durch das Leben schreiten können – und das Ganze am liebsten so schnell, bequem und günstig wie möglich.

Doch Wissenschaft hat die Angewohnheit, aus einem «Entweder-Oder» ein Kontinuum zu schaffen; Schwarz und Weiss in Grauzonen zu verwandeln. Kurz: Sie ist sehr erfolgreich darin, die Dinge ausgesprochen kompliziert zu machen.

Wissenschaftliche Erklärungen sind selten intuitiv

Die Erarbeitung der Evolutionstheorie ist ein hervorragendes Beispiel dafür. Mitte des 19. Jahrhunderts räumten Charles Darwin und Alfred Wallace mit der Idee auf, dass es so etwas wie eine von Gott gegebene Hierarchie der Arten mit dem Menschen an der Spitze gibt. Ihre Erläuterungen sind auch heute noch weitgehend schlüssig, doch intuitiv zugänglich waren sie nie. Im Gegenteil: Die Evolutionstheorie hat die Beschreibung der Welt nicht einfacher, sondern komplizierter gemacht.

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«Piled Higher and Deeper» by Jorge Cham, http://www.phdcomics.com

Ancient Fossil Brain Gives Clues on How Arthropods of Today Got Heads

Odaraia alata. Image: Jean Bernard Caron (Royal Ontario Museum)

Odaraia alata. Image: Jean Bernard Caron (Royal Ontario Museum)

When Javier Ortega-Hernández realised he was looking at a well-preserved fossilised brain over 500 million year old at the Smithsonian Institute, he knew he’d made a remarkable discovery.


By Emiko Jozuka|MOTHERBOARD

“Preserved nervous systems allow us to understand the origin of the head in arthropods, the animal group that includes insects, crustaceans, millipedes and spiders,” said Ortega-Hernández, who is a research fellow in Paleobiology in the Department of Earth Sciences at the University of Cambridge, over email. As arthropods are all over the world these days, Ortega-Hernández noted that figuring out how they originated would lead to greater understanding on the origin of modern ecosystems and complex animal life.

In a study published today, Ortega-Hernández reports on some of the oldest brains preserved in the fossil record, which originated from a middle Cambrian locality known as the Burgess Shale in British Columbia, Canada. The Cambrian period, more commonly known as the Cambrian Explosion, is an era dating back 500 million years when major groups of animals first appear in the fossil record—primarily when arthropods with hard exoskeletons and jointed limbs emerged. Prior to this period, organisms on earth were mostly made up of algae and soft-bodied jellyfish-like creatures.

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Archaeen als Vorfahren aller Eukaryoten?

In der Nähe dieser hydrothermalen Schlote wurden die Lokiarcheota entdeckt © Centre for Geobiology University of Bergen/ R.B. Pedersen

Sah so der Urahn aller zellkerntragenden Zellen aus? In den Tiefen des Atlantiks haben Forscher Mikroorganismen entdeckt, die den gesamten Stammbaum des Lebens durcheinander bringen könnten. Denn diese zu den Archaeen gehörenden Wesen sind die engsten Verwandten aller Eukaryoten – und damit aller mehrzelligen Organismen und aller Einzeller mit Zellkern. Ein urzeitlicher Vertreter dieser Archaeengruppe könnte einst zum ersten Eukaryoten geworden sein, wie Forscher im Fachmagazin “Nature” berichten.


scinexx

Nach gängiger Theorie gibt es drei Domänen des Lebens: die Bakterien, die ebenfalls zellkernlosen Archaeen und die Eukaryoten – Organismen, deren Zellen einen Kern und verschiedene Organellen besitzen. Zu diesen gehören auch alle Mehrzeller inklusive des Menschen. Der Endosymbiontentheorie nach entstand die erste eukaryotische Zelle, als eine Vorläuferzelle ein Bakterium in sich aufnahm und damit den Grundstein für eine interne Gliederung legte.

Woher allerdings die Empfängerzelle kam und worum es sich bei ihr handelte, war bisher unklar. Zwar deuten einige genetische Ähnlichkeiten darauf hin, dass es ein Archaeon gewesen sein könnte. Die bisher bekannten Vertreter der Archaeen erschienen aber zu simpel und primitiv, um als direkte Vorläufer oder enge Verwandte der Eukaryoten in Frage zu kommen.

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Hamburg: „Evolution“ nicht mehr Thema im Abitur

evolvefishlogo.gifNeben Genetik und Ökologie stand bei den Hamburger Abitur-Prüfungen in Biologie bisher auch das Thema Evolution auf dem Prüfungsplan. Doch das ändert sich ab 2017. In einem Brief an einen renommierten Wissenschaftler kritisieren die Schüler das und bitten ihn um Unterstützung.


Von Sandra Schäfer|Hamburger Morgenpost

Aus Sicht der Schüler gehört die Thematik zum bildungspolitischen Auftrag der Schule. Insbesondere die Einflussnahme religiöser Fundamentalisten auf gesellschaftliche Diskussionen sehen sie als einen Grund, unbedingt am Prüfungsthema festzuhalten.

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Phyletisches Museum – Petersdom der Evolution

Ernst Haeckel, Bild:Phyletisches Museum. barb.:bb

Ernst Haeckel, Bild:Phyletisches Museum. bearb.:bb

Im Foyer des Phyletischen Museums zu Jena begrüßt ein wuchtiges Männchen, dem man ob seines muskulösen Körperbaus und starker Behaarung in freier Wildbahn nicht begegnen möchte, hinter Glas.


Von Wolfgang Hirsch|Thüringische Landeszeitung

„Ja, aber!“ ruft Professor Martin Fischer – und zwar von der anderen Seite, „das ist kein gewöhnlicher Gorilla. Lesen Sie doch mal das Schild!“ Tatsächlich klärt sich prompt auf, dass Ernst Haeckels Tochter das stolze Tierpräparat anno 1909 in Hamburg erworben und dem Vater zum 75. Geburtstag geschenkt hat. Da wissen Kundige sofort, wo sie sind: in einem einzigartigen Museum, das die Entwicklung des Lebens auf unserem Planeten veranschaulicht, und zugleich an wissenschaftshistorischer Stätte.

Denn Ernst Haeckel (1834-1919) persönlich, die Nummer Zwei in seiner damals sehr jungen und heftig umstrittenen Disziplin nach Charles Darwin, hat das Haus den Jenaern gestiftet, um seine sensationelle Abstammungslehre in allgemeiner Anschaulichkeit zu etablieren. Fischer indes, Lehrstuhlinhaber für Spezielle Zoologie an der Universität Jena und zugleich Museumsdirektor, geht noch einen Schritt zurück: Er bittet wieder hinaus vor die Tür des schmucken Jugendstilbaus und deutet auf die Fußabdrücke im Zementbett eines flachen Brunnens: „Abgüsse aus Tansania“, liest er eine der Spuren. „etwa 3,5 Millionen Jahre alt.“ Die haben uns Ahnen namens Australopithecus hinterlassen, die lange vor jenem Homo sapiens auftraten, der sich mit seinem Kind gleich daneben verewigt hat.

Wie ungeheuerlich solche – durch Grabungsfunde und Gen-Analysen inzwischen längst bestätigten – Theorien zu Zeiten Darwins und Haeckels waren, weil sie eine wörtliche Auslegung der Schöpfungsgeschichte in der Bibel un­terlaufen, ahnen wir heute noch, wenn wir etwa mit evangelikalen Fundamentalisten darüber debattieren. Ernst Haeckel indes hielt sich selbst für eine Reinkarnation Goethes und verstieg sich derart in esoterische Weltanschauungen, dass er sich 1906 in Rom vom Monistenbund zum Gegenpapst krönen ließ. Das Jenaer Museum wäre somit gleichsam sein Pe­tersdom gewesen, erzählt Martin Fischer mit Schmunzeln.

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Gendertheorie: Pseudowissenschaft und ihre Konsequenzen

Bild: FB

Bild: FB

Beim Humanistischen Pressedienst(hpd) konnte man vor einigen Tagen einen Artikel über Kreationismus lesen. Geschrieben von Prof. Dr. Ulrich Kutschera. Der Inhalt des Artikel, grob skizziert, die deutsche Anti-Darwin-Bewegung und der mit ihr geistesverwandte Genderismus.
Als Begründung für die Zensur schreibt Kutschera auf der Webseite der evolutionsbiologen.de:

[…] haben sich Humanisten, die der Genderismus-Ideologie nahestehen beschwert, und diesen Beitrag als nicht der hpd-Linie entsprechend kritisiert. Die Redaktion hat sich daraufhin entschlossen, die Publikation des kontroversen Artikels rückgängig zu machen […].

Hier nun der Artikel im originalen Wortlaut:

STANFORD, CA, USA (hpd). Vor zwei Monaten (Freitag, 13. Februar 2015) fand auf dem AAAS Annual Meeting in San Jose, Kalifornien (USA) ein Symposium zum Thema „Creationism in Europe“ statt. Hierbei wurde neben der deutschen Anti-Darwin-Bewegung auch der damit geistesverwandte Genderismus thematisiert.

Die 1848 gegründete „American Association for the Advancement of Science (AAAS)“ veranstaltet ein jährliches, internationales Wissenschaftlertreffen (Annual Meeting), das jeweils in einer größeren Stadt durchgeführt wird und bis zu 2000 Redner umfasst. Bereits 2007 wurde auf dem AAAS Annual Meeting in San Francisco, CA, das Thema „Is Anti-Evolutionism spreading in Europe?“ diskutiert, wobei mir damals die Aufgabe übertragen worden war, über die deutsche Anti-Evo-Bewegung zu referieren. In einer anschließenden Pressekonferenz wurden die „Invited Speakers“ gebeten, Vorschläge zur Eindämmung der wissenschaftsfeindlichen Kreationisten-Propaganda zu unterbreiten. Meine Anregung, den Begriff „Darwinismus“ durch „Evolutionsbiologie“ zu ersetzen, wurde positiv aufgenommen und in einem 2008-Science-Artikel vertiefend begründet.

Im „Weismann-Jahr 2014“ wurde von den Organisatoren des AAAS Annual Meeting 2015 ein Symposium zum Thema „Creationism in Europe“ durchgeführt, bei dem auch das mit dem deutschen Arbeitskreis (AK) Evolutionsbiologie kooperierende US National Center for Science Education (Oakland, CA) beteiligt war. Die von zahlreichen Journalisten besuchte Vortragsveranstaltung führte zu einer lebhaften Diskussion, wobei die Information, dass die evangelikale Studiengemeinschaft Wort und Wissen (Sg. W+W), über ihr Mitglied Prof. Siegfried Scherer, die universitäre Webpage der TU München benutzt, um die pseudowissenschaftliche „Grundtypen-Biologie“ zu bewerben, mit Erstaunen zur Kenntnis genommen. In einem am 7. April von der US-Journalistin Nala Rogers (Science Communication Program, UC Santa Cruz, CA) publizierten Interview mit dem Titel „Ulrich Kutschera, evolutionary biologist“ sind u. a. Details zur kreationistischen Unterwanderung des deutschen Biologieunterrichts dargelegt.

In der nur informell geführten Diskussion zum „Genderismus in Europa“ wurde klar, dass diese fundamentalistische Anti-Darwin-Ideologie dieselben Wurzeln hat wie der wörtlich verstandene biblische Schöpfungsglaube (Kreationismus). Genderisten glauben, dass das „soziale Geschlecht“ des Menschen, d. h. die Maskulinität und Femininität (Mann- bzw. Frau-Sein) unabhängig vom biologischen Geschlecht (XY- bzw. XX-Chromosomensatz, Testosteron- bzw. Östrogen-Pegel usw.) zum Ausdruck kommt, und als „gesellschaftliches Konstrukt“ interpretiert werden kann. Eine faktenbasierte, naturwissenschaftliche Analyse dieses destruktiven, quasi-religiösen Glaubens steht derzeit noch aus, aber eine Schlussfolgerung kann definitiv gezogen werden: „Nichts in den Geisteswissenschaften ergibt einen Sinn, außer im Lichte der Biologie“.

Die Diskussion in San Jose, CA, führte zum folgenden Konsens: Evolutionsbiologen sollten den Genderismus, eine universitäre Pseudowissenschaft, die den deutschen Steuerzahler jährlich viele Millionen Euro kostet, mit demselben Ernst analysieren und sachlich widerlegen, wie den damit geistesverwandten Kreationismus.

“Gene drive”: Erst Fakten schaffen, dann diskutieren?

Die Mücke Anopheles stephensi ist eine der Arten, die Malaria übertragen. Bild: CDC

Schon bald könnte es möglich sein, das Erbgut freilebender Tiere zu verändern. Wie involviert man eine desinteressierte Öffentlichkeit in die Diskussion um Nutzen und Risiken?


Von Volker Henn|TELEPOLIS

Gentechnisch manipulierte Mücken sollen die Ausbreitung von Malaria eindämmen, indem sie das Erbgut wildlebender Artgenossen verändern. Dank einer neuen Methode könnte bereits Ende dieses Jahres ein geeigneter Mücken-Stamm verfügbar sein. Setzt dieser Schritt eine längst überfällige öffentliche Diskussion in Gang? Oder erhöht er nur die Gefahr, dass sich die Methode unkontrolliert verbreitet? Wissenschaftler streiten um den richtigen Kurs.

“Mutagene Kettenreaktion” – bereits der Name deutet an, dass diese Methode Ereignisse in Gang setzt, die rasch außer Kontrolle geraten können. Es handelt sich dabei um eine genetische Manipulation von Fruchtfliegen, die effizient von einzelnen Tieren auf den ganzen Schwarm überspringt. Und das innerhalb kurzer Zeit: Ein manipuliertes Tier unter hundert Fliegen genügt, um nach zehn Generationen die gesamte Population zu verändern. Und sie funktioniert vermutlich auch in freier Natur.

Damit sind Forscher auf gutem Weg, bald einen “gene drive” verwirklichen zu können – den Austausch von Genen in einer wildlebenden Population. Die Folgen für die Umwelt wären schwer abschätzbar. Und so haben führende Wissenschaftler bereits im Juli letzten Jahres zu großer Vorsicht aufgerufen (“Gene drive” – ein Eingriff in das Erbgut frei lebender Organismen). Gefordert wurden ein behutsame Entwicklung der Methode, der Einbau von Kontrollpunkten und die Vorbereitung von Maßnahmen, die im schlimmsten Fall eine Rücknahme der genetischen Manipulationen erlauben. Und auch die Öffentlichkeit wurde in die Pflicht genommen: Sie soll sich an der Diskussion über Nutzen und Risiken beteiligen.

Dieser Appell könnte schon bald Makulatur werden. Die mutagene Kettenreaktion, entwickelt von den US-Forschern Valentino Gantz und Ethan Bier an der University of California in San Diego, kommt zumindest theoretisch der Umsetzung eines “gene drive” sehr nahe (Gantz und Bier, Science, März 2015: The mutagenic chain reaction: A method for converting heterozygous to homozygous mutations). Die Forscher benutzten daher auch strengste Sicherheitsmaßnahmen, um ein Entweichen der genmanipulierten Fliegen in die Umwelt zu verhindern. Die Methode selbst machten sie jedoch uneingeschränkt öffentlich: Die Publikation im renommierten Science-Magazins enthält alle Anweisungen und Protokolle, die eine einfache Reproduktion erlauben.

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The Humanness of Death

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Image: ​Richard Cassan/Flickr

I’ve got some bad news: You’re going to die. Well, probably; thanks to the new wave of immortality innovation, you might not.


By Ryan Haupt|MOTHERBOARD

So what happens if we ditch our biological bodies for technological ones that don’t face the limitations of organic DNA and death? Technological evolution has the potential to decouple us from death and other basic biological constraints, which would allow us to move forward with the group instead of waiting to become obsolete and, well, dead. This is probably a good thing, but also a potentially terrible thing too.

If you have offspring, that offspring isn’t you. They have some of your DNA and some of your partner’s in a new combination that adds variation to the population at large. This is how evolution works—it’s not like X-Men or Pokemon, where an individual can evolve in their own lifetime. Evolution acts on the population, not the person.

I think this is the greatest tragedy of evolution. It doesn’t happen to each of us; it happens to all of us. And the only way for the whole to progress is for you, me, and everyone else to eventually be left behind.

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Aubrey de Grey argues that aging is a disease that can be cured, which relies on the technological form of evolution, not the biological one.

Überraschung im Mikrobiom der Yanomami

Die Yanomami leben weitgehend isoliert von der westlichen Zivilisation © Cmacauley/ CC-by-sa 3.0

Vielfältig und resistent: Die Bakterien im Körper der Yanomami sind so artenreich wie bei keinem zuvor analysierten Menschen – ein Hinweis darauf, wie stark unsere westliche Lebensweise unsere mikrobiellen Mitbewohner verändert hat. Überraschend auch: Das isolierte Amazonasvolk trägt bakterielle Resistenzen selbst gegen modernste synthetische Antibiotika, obwohl sie nie in Kontakt mit der modernen Medizin waren, wie Forscher im Fachmagazin “Science Advances” berichten.


scinexx

Jeder von uns trägt mehr Mikroben im Körper als eigene Zellen. Die meisten dieser Mitbewohner sind nicht nur harmlos, sie sind auch essenziell für unsere Gesundheit. Sie beeinflussen unser Immunsystem, helfen bei der Verdauung und beeinflussen vermutlich sogar, was wir essen. Auch für die Weitergabe von Resistenzen an Krankheitserreger spielt die Darmflora eine wichtige Rolle.

Isoliertes Amazonasvolk

Bei jedem von uns ist das Mikrobiom durch typische Einflüsse der Zivilisation wie industriell hergestellte Lebensmittel und die Einnahme von Antibiotika und anderen Medikamenten geprägt. “Aber wie stark sich das menschliche Mikrobiom durch unseren westlichen Lebensstil verändert hat, war bisher unbekannt”, erklären Jose Clemente von der Icahn School of Medicine am Mount Sinai Hospital in New York und seine Kollegen. Um das herauszufinden, haben sie nun erstmals das Mikrobiom der Yanomami analysiert.

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Die Evolution wiederholt sich doch

Evo-Devo oder: Der gelenkte ZufallWieso suchen seit 250 Millionen Jahren immer wieder Landbewohner den Weg zurück ins Meer, und warum ähneln sie sich am Ende so sehr? Die Antwort auf diese Rätsel, behauptet eine aktuelle Studie, sei auch aktuell von Relevanz.


Von Frank Patalong|SpON

Die Evolution, wird oft behauptet, verläuft immer anders. Tatsächlich findet sie neue Lösungen, wenn das gebraucht wird. Doch gar nicht einmal so selten wählt sie auch bewährte Pfade, wenn sich das anbietet, wie eine aktuelle, im Fachblatt “Science” veröffentlichte Studie eindrucksvoll zeigt: Diese sogenannte konvergente Evolution, ist häufiger, als man vermutet. Entwicklungen laufen dabei unabhängig voneinander ab, finden aber mehr oder minder identischen Lösungen.

So wie beim Myoglobin, das mit Lungen atmendenden Wirbeltieren lange Aufenthalte unter Wasser erlaubt: Es bindet Sauerstoff und gibt ihn sukzessive an das Muskelgewebe ab.

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Forscher wollen das erste künstliche Lebewesen erschaffen

Im Kieler Wirkstoff-Zentrum werden Substanzen aus marinen Mikroorganismen untersucht und patentiert Sieg/Nölting, IFM-GEOMAR

Sie sollen Treibstoff produzieren, Krankheiten heilen oder Umweltgifte entschärfen. Synthetische Lebewesen sollen viele Probleme des 21. Jahrhunderts lösen. Bei ihrer Entwicklung entfernen sich Forscher von der universellen Sprache des Lebens. Das bietet Chancen und birgt Risiken.


FOCUS ONLINE

  • Wissenschaftler wollen Lebewesen synthetisch herstellen.
  • Bei den künstlich veränderten Lebewesen handelt es sich um Mikroorganismen.
  • Die Forscher wollen durch ihre Forschung Lebewesen von den „Fesseln der Evolution“ befreien.

Der Golem, Frankensteins Monster oder die Dinosaurier aus “Jurassic Park”: Leben künstlich zu erschaffen, fasziniert Menschen seit jeher – bis vor kurzem meist nur als Fiktion. Doch inzwischen streben Forscher gezielt die Herstellung neuartiger Organismen an und wetteifern darum, wer das erste synthetische Lebewesen erschafft.

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