Antijudaismus – Die dunklen Flecken in Bachs Lebenswerk

Bach bezog sich in seinen Passionen auf Luther, der die Vertreibung und Vernichtung der Juden forderte / picture alliance
Johann Sebastian Bach war bekennender Anhänger Luthers und dessen haarsträubendem Antijudaismus. Im Nationalsozialismus dienten einige seiner Werke als Hymnen für die „Entjudung der deutschen Kultur“. Eine Ausstellung setzt sich nun damit auseinander

Von RAINER BALCEROWIAK | Cicero

Das Lutherjahr 2017 wirft seine Schatten voraus. Und natürlich sind die Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags in Wittenberg, der als Geburtsstunde der Reformation und des Protestantismus gilt, nicht ohne eine Betrachtung des Schaffens von Johann Sebastian Bach (1685-1750) denkbar. Denn der wohl bedeutendste Komponist des Barockzeitalters hat sozusagen den Soundtrack zum Protestantismus geschrieben, wenn auch erst rund 200 Jahre später.

„Luther, Bach und die Juden“ lautet daher der Titel einer Ausstellung, die noch bis zum 6. November im Bachhaus Eisenach gezeigt wird, dem Geburtsort des Komponisten. Anhand von Bildern, Texten und anderen Exponaten aus fünf Jahrhunderten wird dort das Spannungsfeld zwischen Protestantismus, Bachs Werk und dessen Rezeptionsgeschichte umfassend beleuchtet.

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Gutachten: Manipulationen bei Dieselabgasen seit 2010 bekannt

Bild: dpa-Zentralbild/Patrick Pleul
Deutsche Experten erheben schwere Vorwürfe gegen die Politik und die Autoindustrie. Das betreffe „Dieselfahrzeuge aller Hersteller“, so die Gutachter.

Die Presse.com

Manipulationen der Autohersteller bei Dieselabgasen sind laut Experten schon jahrelang bekannt. Ein vom Deutschen Bundestag beauftragter Gutachter sei zu dem Schluss gekommen, dass spätestens eine Studie im Jahr 2010 auf das Problem aufmerksam gemacht habe, berichten „Süddeutsche Zeitung“ (Samstagsausgabe), NDR und WDR.

Motoren seien so manipuliert worden, dass die Grenzwerte bei Tests gerade noch eingehalten werden. Das betreffe „Dieselfahrzeuge aller Hersteller“.

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The Language of Aliens Will Always Be Indecipherable

Image: ESO
Image: ESO
There’s about 170 billion galaxies in the observable universe—and as the technology of our telescopes improves, humans will probably discover as many as a trillion galaxies. Galaxies, like our own, can contain 200 billion or more planets and stars. Inevitably, some of those celestial worlds are capable of bringing forth and nurturing intelligent life. In fact, to some top astronomers, the question is not whether aliens exist, but how many millions of different intelligent extraterrestrial species exist.

By Istvan Zoltan | MOTHERBOARD

With so many possible advanced life forms out there, the obvious question is: Why haven’t humans made contact with them yet? This famous conundrum is called the Fermi Paradox.

There are at least a dozen cogent answers to the Fermi Paradox, but only a few delve into the communication of extraterrestrial civilizations—something which must exist in some form for us to even know about them. And none of the answers about communication adequately discuss what happens to alien language in an accelerating intelligence explosion, which is what must happen for them to be advanced enough to make contact with us.

We will never have more than a few seconds to understand or even notice our millions of neighbors.

Modern day humans—and presumably other advanced intelligent species—are generally in a state of exponential technological and evolutionary growth. That growth may not perfectly reflect Moore’s Law (where microprocessor speeds double approximately every 24 months), but it’s probably somewhere in the ballpark.

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Polnische Geschichtspolitik: Beim dunklen Kapitel blind

© AP Stein auf Stein: Der Gedenkfeier zu dem 75 Jahre zurückliegenden Massaker von Jedwabne, bei dem 340 Juden ums Leben kamen, blieben politische Vertreter fern.
Der grenzenlose Patriotismus der polnischen Regierung hat längst auch die Geschichtspolitik erfasst. Kritiker erkennen darin Revisionismus, der Jüdische Weltkongress protestiert.

Von Joseph Croitoru | Frankfurter Allgemeine

Die polnische Regierung verschärft ihren nationalistischen Kurs in der Geschichtspolitik und hat damit auch auf jüdischer Seite heftige Reaktionen ausgelöst. Warschaus neuer Vorstoß begann im Mai mit der Novellierung des Gesetzes, das die Struktur und Arbeit des polnischen „Instituts für Nationales Gedenken“ (IPN) regelt. Die Wahl seines Leiters erfolgt jetzt nicht mehr im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung; er wird vom Parlament ernannt. Die PiS installierte nicht nur ihre Wunschkandidaten im Institutsrat, sondern machte auch ihren Favoriten Jaroslaw Szarek zum Leiter.

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Keine Erde 2.0, aber eine potentiell habitable extrasolare Nachbarwelt

Künstlerische Darstellung des neu entdeckten Planeten um Proxima Centauri. Bild: ESO/M. Kornmesser
Astronomen entdecken den erdnächsten und erdähnlichsten Exoplaneten, der in einer bewohnbaren Zone liegt und theoretisch ein Hort des Lebens sein könnte

Von Harald Zaun | TELEPOLIS

Dem europäischen Jean-Schneider-Katalog zufolge haben bislang 3515 ferne Welten den Sprung in den exoplanetaren Olymp geschafft. Jetzt gesellt sich ein weiterer hinzu, den man kaum mehr als ferne Welt bezeichnen kann, umkreist er doch den nur 4,22 Lichtjahre entfernten sonnennächsten Stern Proxima Centauri. Wie ein internationales Forscherteam in der aktuellen Nature-Ausgabe berichtet, ist der neue Exoplanet erdähnlich und liegt in der Ökosphäre seines Systems. Könnte auf dem Gesteinsplaneten flüssiges Wasser existieren – und könnten dort extremophile Lebensformen überleben? Und könnte dorthin dereinst auch eine Robotermission starten?

Das System ist nur einen interstellaren Steinwurf von der Sonne entfernt. Mit einer Distanz von 4,34 Lichtjahren zur Erde hat sich Alpha Centauri (α Cen) als erdnächstes extrasolares multiples Sternsystem nicht nur in der Planetenforschung, sondern auch im Science-Fiction-Genre einen Namen gemacht.

Das am Südhimmel in dem Sternbild Centaurus (Zentaur) gelegene Mehrfachsystem, bestehend aus dem gelben Hauptreihenstern Alpha Cen A und dem orangefarbenen Alpha Cen B, entstand vor 6,5 Milliarden Jahre und befindet sich derweil in einer stabilen Phase. Beide Sterne weisen ungefähr die Größe der Sonne auf, wohingegen der dritte im Bunde, Proxima Centauri, als Roter Zwergstern der jüngste und mit 3.050 Kelvin auch der lichtschwächste, dafür aber mit 4,22 Lichtjahre Entfernung (rund 40 Billionen Kilometer) de facto der erdnächste Stern ist. Über die Frage, ob Letzterer wirklich der Dritte des vermeintlichen Trios im Alpha Cen Systems ist, gehen gegenwärtig die Meinungen der Experten auseinander.

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Argentinien: Schüler der Deutschen Schule feiern mit Hakenkreuzen

Klassenfahrt mit Nazisymbolen / Bild: (c) imago stock&people (imago stock&people)
Die Abiturienten waren zudem bei einem Kostümfest in Bariloche in eine Schlägerei mit jüdischen Schülern verwickelt.

Die Presse.com

In Argentinien schlägt ein Vorfall hohe Wellen, der am Donnerstag bekannt wurde, sich aber bereits am Dienstag ereignete: Abiturienten der Deutschen Schule Lanus im Süden von Buenos Aires tauchten bei einem Kostümfest in einer Disco in Bariloche im Süden Argentiniens am Abend mit Hakenkreuzen und anderen Nazi-Symbolen sowie mit Hitlerbart auf.

Es gab Rangeleien mit ebenfalls anwesenden Schülern des jüdischen Haupstadtkollegs ORT. Der Touristenort Bariloche gehört zu den beliebtesten Zielen von Klassenfahrten in Argentinien.

Direktorin ortet „“verabscheungswürdigen“ Vorfall

Aus den Rangeleien wurde eine Schlägerei, und alle Beteiligten wurden der Disco verwiesen. Die Direktorin der Deutschen Schule, Silvia Fazio, äußerte sich „entsetzt“. Der Vorfall sei „verabscheungswürdig“, Entschuldigungen reichten nicht, die Betreffenden müssten „den Schaden mit Taten wieder gutmachen“ und würden bei ihrer Rückkehr nach Buenos Aires bestraft.

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NASA’s Latest Mission Will Attempt To Land on an Asteroid—And Bring a Piece Home

Image: NASA's Goddard Space Flight Center
Image: NASA’s Goddard Space Flight Center
Earth lives in the middle of a shooting gallery. We are surrounded by thousands of asteroids that whiz close to our planet. While we don’t know of an imminent threat to humanity as of now, history shows that eventually, something big will hit us. Just ask the dinosaurs.

By Elizabeth Howell | MOTHERBOARD

On September 8, if all goes according to plan, an SUV-sized spacecraft will blast off on its mission to a potentially hazardous nearby asteroid called Bennu. One important goal of OSIRIS-REx (Origins, Spectral Interpretation, Resource Identification, Security, Regolith Explorer) is to help scientists better predict the path of these small, rocky bodies as they careen through the solar system.

The NASA-led mission, which includes participation from the Canadian Space Agency, will stay at Bennu for two years, mapping its shape and size, and scooping a sample from the surface to return to Earth in 2023. For asteroid defense purposes, scientists will watch how solar heating affects the asteroid’s movements through a phenomenon called the Yarkovsky effect. “The asteroid absorbs the heat and it re-radiates that heat, which gives a subtle push to its orbit,” said Lindley Johnson, NASA’s planetary defense officer, in an interview with Motherboard. “Over time, especially for smaller asteroids, it changes the orbit subtly.”

Scientists have tracked Bennu’s Yarkovsky effect since 1999, when the Arecibo Observatory in Puerto Rico took measurements using radio wavelengths. Those measurements were repeated in 2005 and 2011, said mission principal investigator Dante Lauretta at a televised NASA press conference Aug. 17.

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Erdnächster Exoplanet: Wo ein Jahr nur elf Tage dauert

Artist's render of the TRAPPIST-1 system. Image: ESO/M.Kornmesser Themenbild
Artist’s render of the TRAPPIST-1 system. Image: ESO/M.Kornmesser Themenbild
Unser Nachbarstern Proxima Centauri hat einen erdähnlichen Begleiter. Zu diesem Exoplaneten haben Forscher nun Details veröffentlicht. Er ist uns so nah ist wie kein anderes bekanntes Exemplar.
 

SpON

Sind wir allein im Universum? Mit einem großen Arsenal astronomischer Instrumente haben Wissenschaftler bereits Tausende Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Nun berichten sie über ein besonderes Exemplar in unserer direkten kosmischen Nachbarschaft.

Wie der SPIEGEL schon Mitte August enthüllt hat, umkreist der aufgespürte Exoplanet den Stern Proxima Centauri. Der ist mit einer Entfernung von nur 4,24 Lichtjahren der nächste Nachbarstern unserer Sonne. Daher handelt es sich bei dem Planeten auch um das erdnächste bekannte Exemplar jenseits unseres Sonnensystems.

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Höhlenbär starb aus, weil er Veganer war

Höhlenbärskelett aus der Sophienhöhle. Foto: Rainer Lippert. Lizenz. CC0 1.0
Der Höhlenbär lebte bis vor etwa 25.000 Jahren in Europa. In der Vergangenheit glaubte man, er wurde vom Menschen ausgerottet, der die Höhlen, in denen der Bär überwinterte, als Behausung haben wollte.
 

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Nun hat ein Forscherteam um Hervé Bocherens vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) an der Universität Tübingen anhand der Untersuchung der Isotopenzusammensetzung von Aminosäuren im Bindegewebe gut erhaltener Höhlenbär-Skelette aus dem belgischen Goyet herausgefunden, dass er sich (anders als heute lebende Bärenarten) ausschließlich von pflanzlicher Kost ernährte. Diese Einschränkung sehen sie in einem im aktuellen Journal of Quaternary Science veröffentlichten Aufsatz als Grund dafür an, warum das Tier, das mit einer Schulterhöhe von 1,70 Meter und einer Länge von 3,50 Meter deutlich größer war als der heutige Braunbär, im späten Pleistozän ausstarb.

„Ähnlich wie der heutige Pandabär waren die Höhlenbären demnach sehr unflexibel, was ihre Nahrung betrifft“, so Bocherens: „Wir gehen davon aus, dass diese einseitige Ernährungsweise in Kombination mit dem geringeren Pflanzenangebot während der letzten Eiszeit letztlich zum Aussterben der Höhlenbären führte.“ Die „Bindung an eine rein vegane Lebensweise“ war seiner Ansicht nach „der ausschlaggebende Punkt“ dafür. Gab es nicht genug pflanzliche Nahrung, reichte der Fettvorrat des Höhlenbären nämlich nicht, um den Winter zu überstehen.

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The Global Human Footprint Is Running Out of Globe

Image: Venter et al
The physical, geographical impact of humans on global ecosystems—what’s known as the human footprint—has grown more slowly than Earth’s human population, finds a study published this week in Nature Communications. That is, as more humans are added to the planet, the rate of increase of those humans‘ impact on the planet in terms of land use has not kept pace. The implication is that on a per-person average, humans are leaving a smaller ecological imprint now than they had been previously.

By Michael Byrne | MOTHERBOARD

The human footprint generally refers to land taken up by humans for urbanization and agricultural purposes. It was first measured on a global scale in the 1990s, but has apparently not been updated since then. To this end, ecosystems researcher Oscar Venter and colleagues set about creating an updated footprint measurement using existing data on built surfaces, roads, crop and pasture land, nighttime lights, and human population density.

What they found was a footprint increase of about 9 percent between 1992 and 2009. This is in contrast to an increase in the human population on planet Earth of about 23 percent. That’s a fairly dramatic improvement, but we also don’t have any data to about how this relationship has changed through other periods in history.

„The primary aims of this study are to update the original human footprint map to provide a contemporary view of human pressures, and to create the first temporally consistent maps of the human footprint, such that patterns of change over time can be analysed,“ Venter and co. write.

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Israel: Eine Statistik macht Hoffnung

Junge Israelis in einem arabischen Viertel von Jerusalem. Leider nichts Normales. Foto: REUTERS
Eine Erhebung des israelisch-palästinensischen Verhältnisses zeigt Chancen für Frieden. Vor mehr als zwei Jahren wurden die Friedensverhandlungen zwischen Israel und Palästina abgebrochen.

Von Inge Günther | Frankfurter Rundschau

Was Israelis und Palästinenser voneinander halten, lässt auf trübe Friedensaussichten schließen. Nur noch eine knappe Mehrheit ist für eine Zwei-Staaten-Lösung. Fast jeder zweite Israeli wie Palästinenser glaubt indes laut aktueller Umfragen, dass die jeweils andere Seite gar keinen Frieden will. Den Preis, also die nötigen Konzessionen für ein Abkommen, ist auch nur eine Minderheit bereit zu zahlen. Ein Lösungspaket, das neun Kernpunkte beinhaltet, wird gerade mal von 39 Prozent der palästinensischen Befragten unterstützt. Die

Zustimmungsrate unter jüdischen Israelis ist genauso gering. Allerdings befürworten 90 Prozent der arabischen Israelis die Vorschläge, die sich an den Kompromisslinien früherer Verhandlungsrunden orientieren, so dass das israelische Gesamtergebnis in diesem Aspekt auf 46 Prozent kommt.

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„Schöne neue Welt?“: Frankfurter Zukunfts-Symposium 2016

Bild: RDF
Die Zukunft hat uns eingeholt. Maßstäbe, die gestern noch verbindlich waren, haben ihre Gültigkeit verloren. Ob wir wollen oder nicht: Leistungsfähige Elektronik, Gentechnik, Mikrochirurgie und die zunehmende Verschmelzung von Gehirn und Computer fordern das traditionelle Menschenbild heraus. Dieser Herausforderung stellt sich das „Frankfurter Zukunfts-Symposium“ (29.-30. Oktober 2016), das von der Goethe Universität Frankfurt in Zusammenarbeit mit der Giordano- Bruno-Stiftung und dem Ethikverband der deutschen Wirtschaft ausgerichtet wird.

Richard Dawkins-Foundation

Wie sieht es aus mit den Auswirkungen der Technik auf den Menschen? Perfektioniert sie ihn oder macht sie ihn ersetzbar? Und welche Rolle spielen ethische Argumente gegenüber wirtschaftlichen und politischen Interessen? Können uns traditionelle Ethiken bei der Bewältigung zukünftiger Herausforderungen behilflich sein oder benötigen wir eine neue, postkonventionelle Ethik? Das im Turnus von zwei Jahren angesetzte „Frankfurter Zukunfts-Symposium“ soll unser Bewusstsein schärfen für intellektuelle Modelle und Strategien, die uns befähigen, Schritt zu halten mit der sich immer weiter verselbstständigenden Entwicklung autonomer technischer Systeme und Hilfsmittel für das menschliche Leben.

Folgende Referenten werden am Symposium teilnehmen:

Prof. Dr. Dieter Birnbacher
Prof. Dr. Michael Braungart
Prof. Dr. Klaus-Jürgen Grün
Dr. Dr. Michel Friedman
Ingrid Häußler
Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf
Mathias Horx
Dr. Irina Kummert
Prof. Dr. Reinhard Merkel
Prof. Dr. Thomas Metzinger
Dr. Michael Schmidt-Salomon
Prof. Dr. Stefan Lorenz Sorgner
Prof. Dr. Franz Josef Wetz
Prof. Dr. Christiane Woopen

Moderation: Thomas Forwe, Michel Friedman, Gert Scobel

Das Programm des Frankfurter Zukunfts-Symposiums umfasst drei Themenblöcke: 1. Apokalypse No! – Die offene Zukunft und ihre Feinde, 2. Virtuelle Realitäten und intelligente Roboter: Gefahren und Chancen der Digitalisierung, 3. Die Würde des Menschen ist … ungeklärt: Bio-Technologie und ihre Konsequenzen. Weitere Informationen zum Veranstaltungsprogramm finden Sie hier!

Das Frankfurter Zukunfts-Symposium vom 29. bis 30. Oktober 2016 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main Campus Westend (Hörsaal HZ 5, Theodor-W-Adorno-Platz 5, 60323 Frankfurt) beginnt am Samstag um 9:00 Uhr. Der Eintritt ist frei, für die Teilnahme am Kongress ist eine vorausgehende Anmeldung (über dieses Webformular) allerdings unbedingt erforderlich! Weitere Informationen (Programm, Anmeldung, Hotelempfehlungen) gibt es auf der Website zum Kongress: www.zukunftssymposium.de

Hier geht’s zum Originalartikel…

Öffentliche Kunst: Die Tyrannei der Beleidigten

© Ullstein Steinrelief des Anstoßes: Die „Judensau“ an der Wittenberger Stadtkirche. Wieder einmal wird die Entfernung des infamen mittelalterlichen Bildwerks gefordert.
Im Namen politischer Korrektheit fordern Kritiker die Beseitigung irritierender Kunstwerke aus dem öffentlichen Raum. Was nicht in unser Weltbild passt, gilt zunehmend als unzumutbar, wie an einem Fall in Wittenberg zu sehen ist.

Von Arnold Bartetzky | Frankfurter Allgemeine

Seit mehr als sieben Jahrhunderten prangt ein bösartiges Schmähbild an der Wittenberger Stadtkirche St.Marien. Es zeigt eine Sau, an deren Zitzen Menschenkinder säugen, die mit ihren Spitzhüten als Juden gekennzeichnet sind. Hinter dem Tier hockt ein Rabbiner und hebt dessen Schwanz und Hinterbein, um in den Anus zu schauen. Die besondere Perfidie der Darstellung von Juden im intimen Kontakt mit einer Sau besteht darin, dass das Schwein im Judentum als unrein gilt. Das Steinrelief sollte die Juden demütigen und zugleich Christen gegen sie aufhetzen. Die Wittenberger „Judensau“ ist ein drastisches Zeugnis des mittelalterlichen Antisemitismus, der sich immer wieder in Pogromen entlud. Martin Luther, der in der Stadtkirche predigte, steigerte den Bekanntheitsgrad der Darstellung, indem er sie in einer seiner Schmähschriften zum Ausgangspunkt für die Verhöhnung des jüdischen Glaubens nahm.

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Über den Antisemitismus in Deutschland

Bild: bb
Bild: bb
Öfter als man denkt, werden Juden beschimpft und geschlagen. Zur Polizei gehen sie meist nicht. Ein Meldesystem in Berlin erfasst seit einem Jahr die Fälle.

Von Ulrike Schleicher | SÜDWEST PRESSE

Es war kaum zu sehen. Das Hakenkreuz am Küchenfenster der Familie Seelig im Berliner Stadtteil Wedding. Nur nachts im Gegenlicht der Straßenbeleuchtung tauchte es wie von Geisterhand am oberen Teil des Fensters auf und löste zunächst ungläubiges Staunen bei Nathalie Seelig aus. „Ich habe es angeschaut und gedacht: Vielleicht bin ich ja verrückt. Es ist kein Hakenkreuz, es ist irgendetwas anderes.“

Das Symbol aus den dunkelsten Zeiten Deutschlands war von innen mit einer ölhaltigen Flüssigkeit an die Scheibe gemalt worden, sagt sie. Tagsüber war es unsichtbar. „Deshalb haben wir es nach unserem Urlaub gar nicht bemerkt und nur durch Zufall an diesem Abend.“

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Accessible Synthetic Biology Raises New Concerns for DIY Biological Warfare

For a few hundred dollars you can experiment with genome editing at your kitchen table. Image: MOTHERBOARD
This December, the signatory nations of the Biological Weapons Convention (BWC) will meet, as they do every five years, to discuss the state of bioweapons globally. In at least one way, the world has radically changed since they last met, in 2011. The discovery of several novel gene-editing techniques, most famous being CRISPR-Cas9, might be the scientific breakthrough of this century. It has unleashed a torrent of studies that aim to cure everything from cancer to world hunger.

By Joseph Neighbor | MOTHERBORAD

But this new era of synthetic biology has a dark side. Scientific discoveries generally outpace our ability to legislate sensible limits, or even understand exactly what we’re playing with; that’s the point of experimental research, after all: to chart the unknown. The discovery last year that scientists in China have begun using gene-editing techniques on human embryos—a troubling, unprecedented step towards a sci-fi dystopia —has ignited a vigorous global debate about the limits we ought to have when manipulating biology.

The advent of CRISPR has corresponded with a widespread democratization of biology. Gene-editing kits are cheap, legal, and relatively easy to use. DIY biohacking spaces have proliferated throughout the world, teaching amateurs how to perform elementary gene-editing themselves. This approach, too, holds much promise; after all, some of this nation’s most celebrated scientific achievements were discovered by tinkering amateurs in the garage.

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Schule des Lebens

Die wahre und kluge Samstagskolumne von Heinrich Schmitz über den schäbigen Unsinn des „gesunden Menschenverstandes“, an den zu glauben genauso fatal ist, wie an das „gesunde Volksempfinden“, hat bei mir eine Erinnerung geweckt.

Von Wolfgang Brosche | DIE KOLUMNISTEN

Eigentlich wollte ich etwas schreiben über die neuerliche Internetniedertracht der Beatrix Storch (Adel als politische Macht ist in Deutschland abgeschafft und deshalb kriegt diese AfD-Dame kein „von“ zugestanden – und von menschlichem Adel kann bei ihr schon gar nicht die Rede sein) – jene blutige Häme über ein kleines verstörtes Kind aus Aleppo.

Meine Erinnerung erklärt vielleicht deutlicher als jede Analyse, woher diese grausame Kaltschnäuzigkeit, geistige Unbeweglichkeit, dieser grüne Neid und diese sättigungslose emotionale Gier stammen, die nicht nur Beatrix Storch auszeichnen, sondern vor allem die Massen, die ihr ungeniert zujubeln und behaupten, sie hätte verteidigungswerte, unangreifbare „Meinungen“, die auf gesundem Menschenverstand und ebensolchem Empfinden beruhten.

Zwergschule in Sennelager

Ich habe zwei Jahre meiner Grundschulzeit in einer Zwergschule in Sennelager verbracht, jenem künstlichen Kaff am ehemals größten deutschen Truppenübungsplatz, der schon in der Kaiserzeit dazu diente, aus Menschen Soldaten zu machen. In bloß zwei Klassenräumen waren sämtliche Jahrgangsstufen untergebracht über die zwei Lehrer herrschten, die wohl von einem allliterarisch begeisterte Schulrat hierher abgeschoben worden waren: Herr Pippert war der Jüngere und hatte wohl das Ende des Krieges als Werwolf erleben müssen. Herr Pagel erschien uns Siebenjährigen uralt; ein Erich von Stroheim mit Unteroffiziersstiernacken, dessen Sprache an das Bellen und Kläffen eines mittelgroßen Hundes denken ließ, der – so sehe ich es heute – sich weder den Dackeln, noch den Bulldoggen zurechnen konnte.

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Scientists Made Mice That Are See-Through, Shrunken, and Glow in the Dark

A lab mouse that has made transparent and shrunk with the uDISCO technique. Image: Ali Ertürk/Ludwig Maximilians University of Munich
Imagine being able to peer deep inside of a creature, without needing to dissect it first. If you were studying a specific organ or tumour, that would be incredibly useful—not to mention quite a sight to behold, seeing the inner machinery of the body. Scientists have found a way to make whole animals (like lab mice and rats) transparent, and their bits and pieces fluoresce. Down the road, it could be a useful technique to map and study the human brain.

By Bryson Masse | MOTHERBOARD

The technique is called “ultimate 3D imaging of solvent-cleared organs,” or uDISCO. It basically works around the fact that mammals are filled with water and lipids—fats that block the light from filtering through an organism. Right now, scientists have to use comparatively low resolution imaging techniques, like MRI or ultrasound, to actually see inside lab animals (unless they are willing to slice the sample up into thin slivers, and put them under a microscope).

“People take a very small piece of the tissue, let’s say a mouse’s visual cortex, and make very thin slices, image [them] with an electron microscope, and then put [the images] together,” Ali Ertürk of Ludwig Maximilians University of Munich, lead author of the new study, which is published this week in Nature Methods, explained to Motherboard over the phone. “It has very high resolution, but the issue is that it’s very laborious.” Mapping out an entire mouse brain in this way would be so time-consuming that it just isn’t really feasible.

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Epigenetik: Angriff auf Darwin

DNA-Stränge enthalten den Bauplan der Organismen. Über die Epigenetik kann die Umwelt Einfluss darauf nehmen, wie er gelesen wird. (Foto: Imperial College London)
Was Eltern erleben, kann an ihre Kinder vererbt werden, behaupten Verfechter der Epigenetik. Beobachten wir eine Revolution in der Biologie – und eine Abkehr von der Evolutionstheorie?
 

Von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Seit einigen Jahren geistert ein Begriff durch die Medien und Fachpresse, der für bahnbrechende Erkenntnisse von Biologen und Medizinern stehen soll: Epigenetik. Häufig wird von einer „Revolution“ oder einem „Paradigmenwechsel“ gesprochen, oder davon, dass Lehrbücher umgeschrieben werden müssten. An Universitäten taucht die Epigenetik als Fach immer häufiger auf, Lehrstühle tragen ihn inzwischen im Namen. Aber es gibt auch Zweifel daran, dass die neuen Erkenntnisse tatsächlich so bahnbrechend sind. Haben wir es vielleicht nur mit einem Hype zu tun?

Tatsächlich wirken die Ergebnisse mancher epigenetischer Untersuchungen spektakulär: So sollen Erfahrungen, die Tiere oder Menschen im Laufe ihres Lebens gemacht haben, sich auf deren Nachwuchs auswirken können – und zwar manchmal sogar dann, wenn sie stattfanden, bevor der Nachwuchs gezeugt und ausgetragen wurde.

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Der Ablass war eine gute Idee

© Getty Lucas Cranach hat mit seinen Holzschnitten wie diesem aus dem Jahr 1527 entscheidend zur Popularität Luthers beigetragen.
2017 wird die Reformation 500 Jahre alt. Ist die Bundesrepublik heute protestantisch? Hätte Luther getwittert? Und war er selbst je Protestant? Fragen an den Luther-Biografen Willi Winkler.

 

Interview Tobias Rüther | Frankfurter Allgemeine

Ein Buch über Martin Luther. Fünfhundert Jahre Reformationsgeschichte, ein Berg von Material. Wie und wo fängt man da nur an?

Mit Größenwahn. Eigentlich wollte ich eine Geschichte der Renaissance schreiben, aber dann wurde ein Luther-Buch daraus. Die kleindeutsche Lösung sozusagen.

Das Panorama Ihres Buchs wird trotzdem immer größer. Oft verschwindet Luther seitenweise daraus.

Ich fand es interessant, die Zeit zu rekonstruieren, in die wie in einem Wandteppich plötzlich Luther hineingewebt wird. Als ich fertig war, dachte ich: Ich habe noch viel zu wenig gemacht. Wie geht es zum Beispiel zum Dreißigjährigen Krieg weiter? Der ja eine mittelbare Folge der Reformation ist. Bei Luther geht die Geschichte friedlich aus, er wird nicht geköpft und nicht verbrannt – aber dann kommt das Massensterben, das Schlachten. Der Dreißigjährige Krieg war ja kein Religionskrieg, es ging um die Vorherrschaft in Europa.

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„Veganismus ist keine Lösung“

Bild: DER TAGESSPIEGEL
Jeanette Koepsel ist Tierärztin und Berlins einzige Stadtjägerin. Beim Italiener in Spandau erzählt sie, was ihr im Sommer vor die Flinte kommt.

Von Stefanie Golla | DER TAGESSPIEGEL

Auf Trophäen legt sie keinen Wert. Aber bei Bedarf holt Jeanette Koepsel das Fell eines Keilers hervor, den sie am Wasserwerk in Tegel erlegt hat. Das Tier lief mehrmals über die Straße und provozierte Unfälle. Mit einem Tellerschuss hinters Ohr hat sie ihn zur Strecke gebracht. Der Tod tritt so am schnellsten ein, weil die Kugel direkt ins Gehirn geht. Der Keiler lag sofort, was wichtig ist, wenn man in der Stadt jagt, denn ein angeschossenes Tier kann viel Schaden anrichten. Den zu vermeiden, ist Aufgabe der 30 Stadtjäger in Berlin. Jeanette Koepsel ist die einzige Frau.

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