Graue Mausmakis: Die kleinsten Primaten der Erde

Die Weibchen der Grauen Mausmakis leben in Gruppen, die Männchen sind hingegen Einzelgänger.Foto: imago/blickwinkel
Ihr Gehirn wiegt nur zwei Gramm, trotzdem sind Mausmakis ziemlich schlau. Mit den riesigen Knopfaugen erkennen sie Beute auch bei wenig Licht.

Von Marcel Kunzmann | DER TAGESSPIEGEL

Sie sind klein, flauschig – und ihre Körperteile sind für manch Überraschung gut. Im Halbdunkel des Nachttierhauses, versteckt zwischen dicken Ästen, leben die Mausmakis des Berliner Zoos. Während draußen die Sonne hoch am Himmel steht, turnt der Mausmaki munter durchs finstere Kellergehege, immer in dem Glauben, es sei gerade Nacht. Der umgedrehte Tag-Nacht-Zyklus ist vor allem im Interesse der Besucher, denn die kleinen Makis gehen erst nach Einbruch der Dunkelheit auf große Raubzüge: von Blütennektar über Insekten bis hin zu Fröschen steht allerlei auf dem Speiseplan der gefräßigen Äffchen.Mausmakis

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Nassere Winter und trockenere Sommer

Überflutung an der Mulde am 4. Juni 2013. Der Klimawandel könnte die Hochwassersaison in Deutschland zunehmend in den Winter verschieben. © UFZ / André Künzelmann
Dürren im Sommer und Überschwemmungen im Winter: Wetterextreme in Folge des Klimawandels machen sich schon jetzt in Deutschland zunehmend bemerkbar. Wie sich Niederschläge und Pegelstände der Flüsse bis zum Jahr 2100 entwickeln werden, haben Forscher nun untersucht. Demnach werden sich die Extreme weiter verstärken – mit Folgen für Landwirtschaft, Binnenschifffahrt und Energieversorgung.

scinexx

Der Klimawandel sorgt regelmäßig für Schlagzeilen. Die Temperaturrekorde von 2016 könnten mit dem laufenden Jahr schon wieder gebrochen werden. Die Auswirkungen der Erderwärmung werden in Deutschland besonders in den Skigebieten bemerkt, die zunehmend mit Schneemangel zu kämpfen haben. Auch der Regen wird immer unberechenbarer und kommt vermehrt als Starkregen in Form von plötzlichen Schauern herunter, anstatt als länger andauernder, leichter Landregen.

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Bundestag beschließt Endlager-Gesetz

Bild: GNS Gorleben
Die Suche nach einem geeigneten Ort für radioaktiven Müll soll bis 2031 abgeschlossen sein. Bereits jetzt ist klar: Das Suchverfahren wird anstrengend und heikel.

evangelisch.de

Der Bundestag hat am Donnerstag mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und Grünen das Gesetz zur Suche nach einem Standort für radioaktiven Müll beschlossen. Die Linksfraktion lehnte die Vorlage ab. Die meisten Abgeordneten bekräftigten das Verfahren der „weißen Landkarte“. Dass der umstrittene Standort Gorleben nicht ausgenommen wurde, stieß jedoch auf scharfe Kritik.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte zum Auftakt der Debatte im Bundestag die Bedeutung des Gesetzes betont. „Es ist meine tiefe Überzeugung, dass nur mit festen Regeln und mit absoluter Transparenz eine ergebnisoffene und bundesweite Suche nach einem Endlagerstandort gelingen kann“, sagte Hendricks.

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Kehrt El Niño zurück?

Auswirkungen von El Niño, Dezember 2002, Ocean Beach, San Diego. Foto: PDPhoto.org / gemeinfrei
Schwere Niederschläge in Peru in sonst ariden Regionen zeugen von ungewöhnlichem Wetter. Meteorologen vermuten, dass es nach nur einem Jahr erneut zu einem El-Niño-Ereignis kommen könnte

Von Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Verheerende Überschwemmungen haben in den letzten Wochen zahlreiche Todesopfer gefordert, wie neben viele anderen der britische Sender BBC berichtet. Die Fluten seien die schlimmsten im beinahe 30 Jahren und mehr als die Hälfte des sei betroffen. In über 800 kleineren und größeren Ortschaften sei der Notstand ausgerufen worden.

Für gewöhnlich leiden viele der jetzt von Sturzfluten heimgesuchten Landstriche erheblich unter Trockenheit. Das hat damit zu tun, dass die Küstengewässer vor Peru eher kühl, dafür aber sehr nährstoffreich sind, weil dort Tiefenwasser aufquillt. Das beschert den Fischern reichlich Fänge, hat aber vergleichsweise geringe Verdunstung zur Folge. Daher ist die Luft, die Meerwinde an Land tragen eher trocken und Niederschläge folglich selten.

Alle paar Jahre kehren sich die Verhältnisse jedoch um. Dann nimmt das Aufquellen vor der Küste ab, die Fischschwärme bleiben aus und die Oberflächentemperatur des Meeres nimmt merklich zu. El Niño wird dieses Ereignis genannt, was der spanische Namen für das Christkind ist und darauf anspielt, dass das Phänomen in Peru meist in der Vorweihnachtszeit beginnt. Auf der anderen Seite des Pazifiks, in Australien, Indonesien und auf den Philippinen sorgt das gleiche Phänomen derweil für das Ausbleiben der Niederschläge.

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Überraschung in der Namibwüste

Sonnenuntergang in der Namibwüste – einer der trockendsten Wüsten der Erde. © Lixin Wang/ Purdue University
Verblüffende Entdeckung: Entgegen gängiger Lehrmeinung ist der Ozean nicht die Hauptquelle für den berühmten Nebel der Namibwüste. Stattdessen stammt mehr als die Hälfte des Wassers in Nebel und Tau aus dem Boden und dem Grundwasser, wie eine Studie enthüllt. Sie zeigt auch: Die vom Küstennebel versorgte Fläche der Namib schrumpft – und das hat Folgen für Flora und Fauna der Küstenwüste, so die Forscher im Fachmagazin „Science Advances“.

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Die Wüste Namib ist nicht nur eine der ältesten und größten Sandwüsten der Erde. Sie gilt auch als Paradebeispiel für eine Küstenwüste: Der kalte Benguelastrom vor der Südwestküste Afrikas verhindert die Bildung von Regenwolken und macht das Küstengebiet dadurch extrem trocken und regenarm.

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Arrest of Gaza manager exposes Hamas’s Turkish connection

Ismail Haniyeh, Gaza Strip’s Hamas premier, left, and his Turkish counterpart Recep Tayyip Erdogan salute the lawmakers and supporters of Erdogan’s Islamic-rooted Justice and Development Party at the Parliament in Ankara, Turkey, January 3, 2012 (photo credit: AP)
Even though Jerusalem and Ankara restored ties, organizations in Turkey continue to assist the Islamist terror group’s efforts to attack Israel

By Avi Issacharoff | The Times of Israel

The arrest and interrogation of Muhammad Murtaja, the manager of the Gaza branch of the Turkish International Cooperation and Development Agency (TIKA), should set off alarm bells in Israel.

Murtaja was arrested last month on suspicion that he was working on behalf of Hamas, the Shin Bet announced on Tuesday. The 40-year-old Murtaja was arrested as he attempted to travel from Gaza to Turkey.

The arrest exposes deep ties between Hamas and organizations in Turkey, which is of particular concern as Jerusalem and Ankara have just restored relations after years of acrimony.

According to the indictment, there is a deep suspicion that someone residing in Turkey not only sought to use Murtaja to transfer money to the Hamas terror group, but also to give the organization’s military wing sensitive military intelligence concerning Israel.

Most of the indictment focuses on the blatant way in which Murtaja and his associates from Hamas’ military wing, the Izz Ad-Din Al-Qassam Brigades, shamelessly sought to profit from aid that was meant to go to impoverished residents of the Gaza Strip.

Murtaja’s first scheme involved food packages bought with money given to him by TIKA which were supposed to be distributed to needy families in Gaza. He instead handed over some 7,000 of these 14,000 packages to Hamas operatives.

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Rosetta-Mission: Staub-Lawinen auf Kometen Tschuri

© ESA/Rosetta/NavCam
CC BY-SA
Die Rosetta-Mission ist beendet, die Sonde sendet keine Bilder. Doch nun gibt es erste Auswertungen von der Oberfläche des Kometen Tschuri. Die Landschaft verändert sich.

Von Rainer Kayser | DER TAGESSPIEGEL

Am 10. Juli 2015 kollabierte auf der Oberfläche des Kometen Tschurjumow-Gerassimenko – kurz Tschuri – eine Felswand und löste so einen Staub-Ausbruch aus. Das zeigen hochaufgelöste Bilder der Raumsonde Rosetta, die ein internationales Forscherteam jetzt präsentiert. Es sei das erste Mal, dass ein direkter Zusammenhang zwischen einem solchen Staub-Ausbruch und einem Erosions-Ereignis auf einem Kometen dokumentiert werden konnte, so die Wissenschaftler im Fachblatt „Nature Astronomy“. Im Fachblatt „Science“ berichtet das Rosetta-Team außerdem über die Beobachtung weiterer Veränderungen auf der Oberfläche von Tschuri.

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Vermarktung Luthers in Berliner Ausstellung zu sehen

Bild: mdr.de

Die kommerzielle Vermarktung und politische Instrumentalisierung des Reformators Martin Luthers (1483-1546) steht im Mittelpunkt einer Sonderausstellung des Berliner Museums Nikolaikirche.

evangelisch.de

Die Exponate zeugten vom Bedeutungs- und Wertewandel einer ganzen Epoche und der glühenden Verehrung, mit der Luther zur Kultfigur verklärt wurde, teilten die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und die Stiftung Stadtmuseum Berlin am Mittwoch mit. Die Ausstellung steht unter dem Motto „Sankt Luther – Reformator zwischen Inszenierung und Marketing“ und ist vom 1. April bis 28. Mai 2017 im ältesten Kirchenbauwerk Berlins zu sehen.

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Abwasser als Ressource

Der 22. März ist „Tag des Wassers“. © UNESCO
Noch immer werden täglich Unmengen Abwasser achtlos in die Umwelt entlassen. Dabei könnte ein Großteil dieses Wassers nach Aufbereitung wiederverwendet werden. Ob zur Bewässerung von Äckern, als Kühlwasser in Fabriken oder sogar als Trinkwasser – der UN- Wasserbericht zum Weltwassertag ruft zu verantwortlicherem Umgang mit der Ressource Abwasser auf.

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Die Erdoberfläche ist zu 72 Prozent mit Wasser bedeckt. Doch nur 0,3 Prozent davon steht uns als Trinkwasser zur Verfügung. Dennoch nutzt die Menschheit die wertvolle Ressource bisher verschwenderisch: Abwasser wird vielerorts nicht gereinigt und wiederverwertet, sondern ungeklärt in die Gewässer geleitet. Und selbst bei uns gelangen trotz Abwasserreinigung Mikroplastik, Kontrastmittel und Arzneimittelrückstände in die Gewässer.

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Philosophie des Arschlochs

Klo-Rolle nicht ersetzt: Hier war ein Arschloch am Werk. Bild: Peter Dazeley (Getty Images)
Kürzlich hat Stan Wawrinka Roger Federer als «Arschloch» bezeichnet. Es war im Spass, und wir alle wissen, dass Federer ziemlich sicher kein solches ist. Doch auf wen trifft die Bezeichnung zu? Und wann ist jemand ein Arschloch und eben kein Trottel oder Sauhund?

Von Philippe Zweifel | Basler Zeitung

Damit beschäftigt sich nicht nur der Stammtisch, sondern auch die Philosophie. Nun sind Leute, die andere Leute in Arschlöcher und Nichtarschlöcher einteilen, selber nicht ganz unverdächtig. Aaron James, Harvard-Abgänger und Professor in Kalifornien, hat es mit dem Buch «Assholes: A Theory» trotzdem gewagt.

Die Definition des Philosophen lautet: Ein Arschloch ist jemand, der sich systematisch Freiheiten herausnimmt, die andere stören, und durch sein tief verwurzeltes Anspruchsdenken immun gegenüber Reklamationen ist. Auch ist ein Arschloch meistens narzisstisch und unfreundlich, vom Soziopathen unterscheidet es sich eigentlich nur, dass es sich ans Gesetz hält. Wie der Soziopath löst es bei seinen Mitmenschen jedoch Ohnmachtsgefühle, Angst oder Wut aus.

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§175: Bundesregierung rehabilitiert verurteilte Homosexuelle

Bild: bpb.de
  • Aufgrund des von den Nazis verschärften Paragrafen 175 wurden zehntausende homosexuelle Männer in der Bundesrepublik verurteilt.
  • Das Kabinett beschließt einen Gesetzesentwurf, der die Betroffenen rehabilitieren soll.
  • Für jedes begonnene Gefängnisjahr sollen die noch lebenden Opfer eine Entschädigung von 1500 Euro erhalten.

Süddeutsche.de

Die Bundesregierung hat die Rehabilitierung der Männer auf den Weg gebracht, die nach 1945 wegen ihrer Homosexualität in Deutschland verurteilt worden waren. Das teilte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) am Mittwoch mit. Zuvor hatte die Bundesregierung über den entsprechenden Gesetzesentwurf beraten. Demnach sollen die Urteile, die aufgrund des umstrittenen Paragrafen 175 gefällt wurden, aufgehoben werden. Für die noch lebenden Opfer soll es Entschädigungen geben.

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Global-2000-Report zeigt Krebsgefahr durch Glyphosat auf

Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)
„Glyphosat und Krebs – Gekaufte Wissenschaft“ weist auf wissenschaftliche Mängel bei Studien hin, welchen die EU folgt

derStandard.at

Am Donnerstag veröffentlicht Global 2000 den rund hundert Seiten umfassenden Report „Glyphosat und Krebs – Gekaufte Wissenschaft“, der unter anderem aufzeigen soll, wie der US-Saatgutriese Monsanto aktiv daran beteiligt war, dass das Herbizid weiter verwendet werden darf.

Der gemeinsam mit Peter Clausing und Claire Robinson verfasste Report enthält zum Teil bekannte Argumente der Glyphosat-Gegner, jedoch hat die Thematik einerseits durch die dieses Jahr auslaufende Zulassung des Herbizids und zuletzt auch durch in den USA publik gewordene E-Mails von Monsanto aktuell wieder an Brisanz gewonnen. Diese „legen den Verdacht nahe, dass Monsanto offenbar versucht hat, auf Studien einzelner Forscher Einfluss zu nehmen“, schrieb dazu die „Süddeutschen Zeitung“ vergangenen Mittwoch.

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Amazonas ist neun Millionen Jahre alt

Der Amazonas wurde erst vor neun Millionen Jahren zu dem Flussgiganten, der er heute ist. © NASA
Vom Fluss zum transkontinentalen Strom: Forscher haben erstmals das Alter des Amazons genauer bestimmt. Demnach entstand der gewaltige Strom vor rund neun Millionen Jahren. Erst zu diesem Zeitpunkt verlagerten sich seine Quellen in die Andenregion und machten aus einem lokalen Gewässer einen quer durch Südamerika reichenden Flussgiganten. Die Belege dafür liefern Sedimentbohrkerne aus der Amazonasmündung.

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Der Amazonas ist mit Abstand der wasserreichste Fluss der Erde – er liefert ein Fünftel des gesamten in die Ozeane strömenden Süßwassers. Mit der Entstehung dieses gewaltigen Stroms begann für Südamerikas Natur eine ganz neue Epoche. Denn seither bildet der Amazonas sowohl eine Verbindung als auch eine Barriere quer durch den Kontinent.

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Daten-Religion

Die Menschheit hat schon viele Religionen gehabt, nun kommt der Dataismus. Sagt Yuval Noah Harari in seiner rasanten Prophetie „Homo Deus“.

Von Gustav Seibt | Süddeutsche.de

Dass die Menschheit vor entscheidenden Durchbrüchen stehe, dass sie bald die schlimmsten Krankheiten besiegen, die organische Alterung aufhalten, mechanische Arbeiten überflüssig machen, mit gigantischen elektronischen Rechenleistungen die Gesellschaft steuern und Kriege von blutigen Schlächtereien in technische Entwaffnung verwandeln könne; dass der Mensch selbst optimierbar sei, durch genetische Ummodelung, psychopharmakologische Unterstützung, durch Verbindung von organischer mit künstlicher Intelligenz, dass er gottgleich ins Räderwerk der Natur eingreifen werde – dergleichen liest man öfter. Aber meistens sind es Naturwissenschaftler, Technikutopisten, die solche Hochrechnungen von aktuellen Fortschritten auf die Zukunft vornehmen.

Als Historiker kann man das mit Interesse lesen und sich doch zurücklehnen: Wie viel vergangene Zukunft ist nicht schon den Zeitenbach heruntergegangen! Meist war sie ein kurioser Mix aus partiellem Scharfsinn und vollkommenem Danebenliegen. Das Industriezeitalter imaginierte seine Zukunft industriell, nur umfassender. Die Neuordnung der Welt in global vernetzten Algorithmen sah kaum jemand, bevor sie da war. Noch vor einem Vierteljahrhundert war sie unvorstellbar, obwohl alle Elemente längst bereitlagen.

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Wie umgehen mit Luthers Judenhass?

Ursula Rudnick, Kirchenbeauftragte für das Judentum und Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann verbinden der Luther-Statue in Hannover die Augen. Die Aktion am 9.11.2016 sollte die „Blindheit“ Martin Luthers gegenüber dem Judentum symbolisieren. (picture-alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
Der junge Martin Luther wollte die Integration von Juden. Der alte Luther wollte Juden vertreiben und Synagogen niederbrennen. Wie sollen Protestanten heute mit diesem Erbe umgehen? Wie zentral ist die Judenfeindschaft in Luthers Lehre? Fragen, die im Reformationsjubiläum gestellt werden. Auch von Juden, die Luther – trotz allem – Positives abgewinnen können.

Von Christian Röther | Deutschlandfunk

Am Hauptsitz der Evangelischen Kirche in Deutschland wehen die Luther-Fahnen. In dreifacher Ausführung blickt der Reformator auf Herrenhausen herab, einen Stadtteil von Hannover. „Luther 2017“ steht groß auf den Fahnen – und etwas kleiner: „500 Jahre Reformation“. Martin Luther ist das Gesicht der EKD-Kampagne zum Reformationsjubiläum. Der Mann, der die Bibel ins Deutsche übersetzt hat, der die Reformation ins Rollen brachte – und der Juden vertreiben wollte und Synagogen niederbrennen.

„Dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke und das, was nicht verbrennen will, mit Erden überhäufe und beschütte, dass kein Mensch ein Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich. Und solches soll man tun unserm Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, dass wir Christen seien.“

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Unterschiedlicher Umgang mit sexuellem Missbrauch in Religionsgemeinschaften

Nach den Missbrauchs-Skandalen in der Katholischen Kirche in Irland und den USA wurden seit 2010 auch in Deutschland Sexualdelikte in katholischen Einrichtungen in größerem Umfang bekannt. Im Unterschied zu den Vereinigten Staaten oder Irland ging der Anstoß für eine gesamtgesellschaftliche Debatte über Missbrauchsfälle in der römisch-katholischen Kirche in Deutschland jedoch von dem Leiter einer kirchlichen Institution aus, dem Jesuiten Klaus Mertes, bis 2011 Rektor des Berliner Canisius-Kollegs.

Von Dr. Michael Utsch | EZW

Als eine Folge der Aufarbeitung dunkler Seiten ihrer Geschichte hat die Deutsche Bischofskonferenz 2015 eine Arbeitsgruppe für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes eingerichtet. Zudem wurde eine externe Experten-Kommission mit der wissenschaftlichen Erforschung dieser Verbrechen beauftragt. In Einzelgesprächen mit 150 Opfern und 70 Tätern sowie durch die Sichtung ausgewählter kirchlicher Personalakten wollen die Forscher herausfinden, wie es zu Missbrauchsfällen durch Geistliche und andere kirchliche Mitarbeiter kommen konnte. Das Projekt kostet die Bischofskonferenz knapp eine Million Euro, die Ergebnisse sollen Ende dieses Jahres vorliegen.

2016 wurde darüber hinaus eine Vereinbarung mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung geschlossen, um Opfer angemessen zu entschädigen und Kinder und Jugendliche in der Kirche wirksamer vor sexualisierter Gewalt zu schützen. Dazu wurden in den Diözesen Stabsstellen für Prävention eingerichtet und die kirchlichen Richtlinien gegen Missbrauch und Gewalt überarbeitet. Künftig müssen alle Mitarbeiter eine Verpflichtungserklärung unterschreiben, mit der sie ihre Mitverantwortung für ein gewaltfreies Miteinander in der Kirche dokumentieren. Auch die Priesterausbildung wird weltweit überarbeitet. Schon seit einigen Jahren durchläuft jeder Priesteramtsanwärter ein psychologisches Auswahlverfahren, bei dem seine Eignung für ein zölibatäres Leben überprüft wird.

Bisherige Studien über sexuellen Missbrauch in Religionsgemeinschaften zeigen, dass streng hierarchische Machtstrukturen das Ausleben von Machtgefühlen von Tätern begünstigen. Die Strukturen und Dynamiken einer geschlossenen Gruppe bieten darüber hinaus einen Schutzraum, der relativ leicht auszunutzen ist. Die Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen hat seit Jahren mit Vorwürfen zu kämpfen, Missbrauchsvorfälle in ihren Reihen zu vertuschen. Besonders gravierend scheinen lange zurück liegende Ereignisse bei Jehovas Zeugen in Australien zu sein.

Auch dort arbeiten staatliche Behörden seit einigen Jahren an der Aufarbeitung der Missbrauchsskandale in Religionsgemeinschaften. Vor dem staatlichen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung des Umgangs mit Missbrauchsfällen hat ein Vertreter der Zeugen Jehovas in Australien die systematische Vernichtung von Dokumenten über den sexuellen Missbrauch Minderjähriger eingeräumt. Andere Fälle sind nur intern behandelt worden, ohne die mutmaßlichen Täter bei der Polizei anzuzeigen.

Durch die Kommission sind viele Skandale innerhalb dieser und anderer Religionsgemeinschaften aus früheren Zeiten ans Licht gekommen. Die katholischen Bischöfe Australiens räumten dabei ein katastrophales Versagen im Umgang mit Verdachtsfällen ein und haben ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Verbesserung auf den Weg gebracht.

Dagegen haben Jehovas Zeugen zwar einige Empfehlungen angenommen, um eine größere Transparenz zu gewährleisten. An der sog. „Zwei-Zeugen-Regel“ wollen sie allerdings weiter festhalten, wie ein Sprecher der Gemeinschaft kürzlich vor der Kommission bestätigte. Diese Regel stammt aus der internen Ethikrichtlinie und sieht vor, dass einem Fehlverhalten, das den Ältesten der Gemeinschaft angezeigt wird, nur dann nachgegangen wird, wenn zwei Zeugen dies belegen können. Auch ein Missbrauchsvorwurf wird also nur dann überprüft, wenn zwei Zeugen dabei waren und dies bestätigen.

Die australischen Richter sind erschüttert darüber, dass die Organisation realitätsfremd an ihren Richtlinien festhält, auch wenn es um Kindesmissbrauch geht, der in der Regel versteckt verübt werde. Sie halten die Richtlinien der Zeugen Jehovas für den Umgang mit sexuellem Missbrauch für völlig unangemessen und unpassend. Die Beibehaltung überholter Richtlinien zeigt, wie wenig Verständnis und Sensibilität bei Jehovas Zeugen für das Wesen dieser zerstörerischen Straftat besteht.

Alarmierende Wetterdaten aus der Arktis

Die Eisdecke auf dem Arktischen Ozean am Nordpol, aufgenommen am 16. August 2015. Foto: Ulf Mauder (dpa)
Klimaforscher melden alarmierende Wetterdaten aus der Arktis: Auf dem Höhepunkt des Winters gab es in der Arktis Tage mit Temperaturen fast am Schmelzpunkt. Auch andere Wetterextreme bereiten Sorgen.

Frankfurter Rundschau

Klimaforscher haben nach dem neuen Wärmerekord im Jahr 2016 im gerade auf der Nordhalbkugel zu Ende gegangenen Winter weitere alarmierende Wetterdaten aufgezeichnet. Mindestens drei Mal sei es in der Arktis zu so etwas wie Hitzewellen gekommen, berichtete die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf. Mächtige atlantische Stürme hätten warme, feuchte Luft in die Arktis gebracht. Auf dem Höhepunkt des Winters und der eigentlichen Gefrierperiode habe es Tage mit Temperaturen fast am Schmelzpunkt gegeben. Das habe den polaren Jetstream – einen der Windströme, die sich in großer Höhe um den Planeten ziehen – und damit das Wetter global beeinflusst.

weiterelsen

Filme von US-Atomwaffentests veröffentlicht

The „Baker“ explosion, part of Operation Crossroads, a nuclear weapon test by the United States military at Bikini Atoll, Micronesia, on 25 July 1946. United States Department of Defense/PD
Aus dem „Giftschrank“ geholt: 750 Filmaufnahmen von US-Kernwaffentests sind jetzt erstmals öffentlich zugänglich – und können teilweise auf Youtube betrachtet werden. Nach rund 50 Jahren wurde die Geheimhaltung für die aus der Zeit von 1945 bis 1962 stammenden Filme aufgehoben. Anlass dafür ist die Digitalisierung und Neuanalyse der rund 10.000 bei US-Kernwaffentests aufgenommenen Videos. Sie enthüllt auch, dass viele Filme damals falsch ausgewertet worden sind.

scinexx

Zwischen 1945 und 1962 führten allein die USA 210 atmosphärische Kernwaffentests durch -zunächst in der Wüste von New Mexico, später unter anderem auf dem Bikini-Atoll im Pazifik. Die Explosionen der Atom- und Wasserstoffbomben hinterließen ein bis heute strahlendes Erbe. Denn die freigesetzten radioaktiven Nuklide dieser Tests sind bis heute in der Atmosphäre nachweisbar und viele der ehemaligen Testgebiete im Pazifik sind bis heute unbewohnbar.

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Ruanda/Vatikan: Papst bekennt Mitschuld der Kirche an Genozid

Ein entschlossener Schritt für den Frieden: Papst Franziskus und Paul Kagame – REUTERS
Papst Franziskus hat für das Fehlverhalten von Priestern und Ordensleuten beim Völkermord von Ruanda 1994 um Vergebung gebeten. Das Eingestehen der Schuld soll nach dem Willen des Papstes den Weg zu einer friedlichen Zukunft in dem Land ebnen.

Radio Vatikan

An diesem Montag empfing Franziskus den Präsidenten Ruandas, Paul Kagame, in Privataudienz. Die ungewöhnliche Mitteilung des Heiligen Stuhles im Anschluss an die Begegnung spricht vom „tiefen Schmerz des Papstes, des Heiligen Stuhles und der Kirche wegen des Völkermordes an den Tutsi“, dem damals in nur 100 Tagen etwa 800.000 Menschen zum Opfer fielen.

Franziskus habe den Opfern und allen, die heute noch an den Folgen des dramatischen Gemetzels litten, seine Solidarität versichert.

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Nazi-Methoden zum Begreifen

Konzentrationslager in Sachsenhausen © Mikel Larreategi @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Wer den Nationalsozialismus kennt, muss sich jeden Nazi-Vergleich im Schlagabtausch aktueller politischer Auseinandersetzungen verbieten. Wir Deutsch-Türken leben in diesem Land. Wir sind damit Teil dieser Geschichte.

Von Murat Kayman | MiGAZIN

Das Ermächtigungsgesetz vom 24.03.1933 trug offiziell den Namen „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“. Es übertrug faktisch alle gesetzgebende Gewalt auf die Regierung unter Adolf Hitler. Es setzte de facto die Verfassung außer Kraft, ermöglichte es der Exekutive auch legislative Gewalt auszuüben, insbesondere auch verfassungswidrige Gesetze zu erlassen und war damit die Grundlage für die Etablierung und den Ausbau der NS-Diktatur.

Aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Reichstag und der Ablehnung der Gesetzesvorlage durch die SPD-Fraktion waren die Stimmen der Deutschen Zentrumspartei ausschlaggebend. Ihr Ja zur Gesetzesvorlage begründete der Vorsitzende des Zentrums, Ludwig Kaas, mit folgenden Worten:

„Die gegenwärtige Stunde kann für uns nicht im Zeichen der Worte stehen, ihr einziges, ihr beherrschendes Gesetz ist das der raschen, aufbauenden und rettenden Tat. Und diese Tat kann nur geboren werden in der Sammlung.

Die deutsche Zentrumspartei, die den großen Sammlungsgedanken schon seit langem und trotz aller vorübergehenden Enttäuschung mit Nachdruck und Entschiedenheit vertreten hat, setzt sich zu dieser Stunde, wo alle kleinen und engen Erwägungen schweigen müssen, bewusst und aus nationalem Verantwortungsgefühl über alle parteipolitischen und sonstigen Gedanken hinweg. […]

Im Angesicht der brennenden Not, in der Volk und Staat gegenwärtig stehen, im Angesicht der riesenhaften Aufgaben, die der deutsche Wiederaufbau an uns stellt, im Angesicht vor allem der Sturmwolken, die in Deutschland und um Deutschland aufzusteigen beginnen, reichen wir von der deutschen Zentrumspartei in dieser Stunde allen, auch früheren Gegnern, die Hand, um die Fortführung des nationalen Aufstiegswerkes zu sichern.“

Die Abgeordneten der liberalen Deutschen Staatspartei stimmten dem Ermächtigungsgesetz ebenfalls zu. Der Abgeordnete Reinhold Maier begründete die Entscheidung seiner Fraktion mit den Worten:

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