Die Gesichter des Bösen

Sie stellen ihre Ziele über das Wohl anderer, nehmen Schäden für Mitmenschen bewusst in Kauf: Laut einer Studie haben Narzissten, Psychopathen und Sadisten einen gemeinsamen Persönlichkeitsfaktor, den „dark factor“. Theologe Utsch hält dagegen.

Ulrike Roll | evangelisch.de

Die Bosheit hat viele Gesichter. Menschen können maßlos egoistisch, gehässig, narzisstisch oder sadistisch sein. Manche haben übertriebene Ansprüche, das Beste ist gerade gut genug. Andere denken, Moral gelte nicht für sie selbst. Es gibt Psychopathen und Machiavellisten. Bei Letzteren heiligt der Zweck die Mittel, und sie manipulieren andere ohne Mitgefühl. So verschieden diese zerstörerischen Neigungen sind – sie beruhten alle auf einem dunklen Persönlichkeitskern, erklärten Psychologen in einer im vergangenen Herbst veröffentlichten Studie.

„Es gibt Dutzende dunkle Eigenschaften, doch alle lassen sich auf das gleiche Prinzip zurückführen: Menschen verfolgen ihre Ziele rücksichtslos, auch wenn sie andere schädigen“, erklärt Morten Moshagen, Professor an der Universität Ulm. Das bezeichnen die Wissenschaftler als den „dunklen Faktor“ oder D-Faktor.

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Ernst Haeckel als Erzieher

Zeichnung von E. Haeckel
Biologiedidaktiker der Uni Jena geben Reprint der Dodel-Schrift „Ernst Haeckel als Erzieher“ mit heraus

Stephan Laudien Abteilung Hochschulkommunikation/Bereich Presse und Information
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Ernst Haeckel (1834-1919) zählt zu den bedeutendsten Gelehrten, die die Universität Jena hervorbrachte. Insbesondere seine Beschreibungen und Darstellungen von Radiolarien und Quallen machten ihn weit über die Saalestadt hinaus bekannt. Hinzu kam sein vehementes Eintreten für die von Charles Darwin entwickelten Evolutionstheorien.

Der „deutsche Darwin“, dessen 100. Todestag im nächsten Jahr ansteht, setzte auch Maßstäbe in der Lehre: Sage und schreibe 96 Semester lang stand Haeckel vor seinen Studenten am Pult. Ein Zeitgenosse Haeckels, Arnold Dodel, gab 1906 die Schrift „Ernst Haeckel als Erzieher“ heraus. Jetzt erscheint ein Reprint dieses Buches, angereichert durch ein Vorwort und einen Kommentar von Wissenschaftlern der Universität Jena.

„Dodel beschreibt Ernst Haeckel als innovativ, mutig, humoristisch, liebevoll und kompetent“, sagt Dr. Karl Porges. Der Biologiedidaktiker von der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) nennt zudem die ausgeprägte Fehlerkultur Haeckels, die den Beifall Dodels fand. Der kritische Umgang mit dem eigenen Werk werde beispielsweise sichtbar an den zahlreichen verbesserten Neuauflagen der Werke Haeckels.

Prof. Dr. Uwe Hoßfeld, der Leiter der AG Biologiedidaktik, ergänzt: „Das sind Attribute, die bis heute einen guten Pädagogen auszeichnen!“ Schon deshalb könne Arnold Dodels Schrift von 1906 als durchaus noch zeitgemäß angesehen werden. Dodels lange vergessene Schrift werfe zudem ein Schlaglicht auf den Menschen Ernst Haeckel, der sonst meist hinter dem Gelehrten verschwinde. Dabei, so Karl Porges, schilderte Arnold Dodel Haeckel kaum aus eigenem Erleben. „Arnold Dodel und Ernst Haeckel waren Kollegen und sie stimmten in vielen Ansichten überein.“ So gehörte Dodel zu den Erstunterzeichnern der Gründung des Deutschen Monistenbundes in Jena 1906, die Haeckel initiiert hatte.

Der Schweizer Botaniker Arnold Dodel (1843-1908) stammte aus ärmlichen Verhältnissen. Der Sohn eines Bauern wurde zunächst Lehrer, studierte danach und lehrte schließlich Botanik in Zürich. Seinen Beruf als Lehrer habe er nie aus den Augen verloren, sagt Dr. Porges. Auch hier lohne ein Blick nach Jena, gehörte die Stadt an der Saale doch zu den Hochburgen pädagogischer Reformbestrebungen.

Das Buch „Ernst Haeckel als Erzieher“ erscheint zur Ausstellung „100 Jahre Ernst Haeckel. Meilensteine der Evolutionsforschung“, die im Museum für Naturkunde Gera (Nicolaiberg 3) noch bis zum 2. Juni 2019 zu sehen ist. Es kann über das Museum bestellt werden, Telefon 0365 / 52003, E-Mail museum.fuer.naturkunde[at]gera.de. Museumsdirektor Dr. Thomas Hoppe war ebenfalls an der Herausgabe beteiligt.


Bibliographische Angaben:
Arnold Dodel: „Ernst Haeckel als Erzieher“, Reprint der Ausgabe von 1906, Gera 2018, 66 Seiten, 9,95 Euro, ISBN: 978-3-00-061230-5.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

apl. Prof. Dr. Uwe Hoßfeld
Arbeitsgruppe Biologiedidaktik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Steiger 3 (Bienenhaus), 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949491
E-Mail: uwe.hossfeld[at]uni-jena.de

Die pakistanische Armee hat gewonnen

In Pakistan haben die Armee und Geheimdienste das Sagen. Foto: Gilbert Kolonko
Die Gewinner des Abzugs amerikanischer Truppen aus Afghanistan sind die pakistanischen Generäle – erfolgreich haben sie die USA an der Nase herumgeführt

Gilbert Kolonko | TELEPOLIS

Zwei Tage nach dem Fall der Türme des Word Trade Centers änderte sich auch die Welt für die pakistanischen Generäle. Nur wegen ihrer militärischen und finanziellen Hilfe war es möglich, dass sich das grausame Taliban-Regime so lange an der Macht halten konnte – trotz völliger Inkompetenz, ein Land zu regieren.

In Washington bestellte der Staatssekretär Richard Armitage den pakistanischen Botschafter und den Chef des pakistanischen Geheimdienstes Inter-Services Intelligence (ISI) ein und stellte sieben Forderungen: darunter auch jene, die Unterstützung für die Taliban zu beenden. Laut des damaligen pakistanischen Diktators General Pervez Musharraf soll Armitage sogar damit gedroht haben, Pakistan zurück in die Steinzeit zu bomben.

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»Die deutsche Rechtspraxis ist ein Skandal«

Die betreffende Gesetzgebung spielt in der Brexit-Debatte eine besondere Rolle. Foto: dpa
Laut Oppositionspolitikern verhindert eine Gesetzeslücke, dass viele weibliche NS‐Verfolgte und ihre Nachkommen die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten können. »Eine solche Ungerechtigkeit, für die niemand mehr Verständnis hat, ist nicht zu rechtfertigen«, sagte FDP‐Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff der Zeitung »taz« (Montag).

Jüdische Allgemeine

Der Bundestag müsse den Betroffenen den Weg in die deutsche Staatsangehörigkeit eröffnen. Derzeit spiele dies in der Brexit‐Debatte eine besondere Rolle.

NACHFAHREN Nach bestehender Gesetzeslage können laut dem Bericht die Nachfahren weiblicher NS‐Verfolgter, die vor Inkrafttreten des Grundgesetzes im Jahr 1949 geboren wurden, die deutsche Staatsbürgerschaft nicht erlangen, weil für sie weiterhin das Reichs‐ und Staatsangehörigkeitsgesetz von 1913 Gültigkeit besitzt. Danach wird die Staatsangehörigkeit ausschließlich durch den Vater weitergegeben.

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Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es kaum Schranken: Der gefährlichste Schritt der Medizin

«Versuchskaninchen»: Eine Illustration aus dem Jahr 1891 zeigt, wie einer jungen Frau eine Ziegenbluttransfusion verabreicht wird. Magazin «L’Illustration» vom 7. März 1891 © De Agostini via Getty Images
Menschenversuche sind in der Forschung unvermeidlich –wann sie riskiert werden dürfen, ist schwierig anzugeben. Seit 1947 müssen Teilnehmer an Studien freiwillig zustimmen und dürfen nicht unnötig geschädigt werden. Das war nicht immer so.

Von Christoph Bopp | Aargauer Zeitung

«Es ist Unsinn, an die Materie zu glauben und zugleich an einen Humanismus, man kann nur an die Materie glauben und an das Ich.» Der Satz stammt aus dem Roman «Der Verdacht» von Friedrich Dürrenmatt, 1951/52 in Fortsetzungen im «Beobachter» erschienen. Gesprochen wurde er von Emmenberger, einem angesehenen Arzt und Klinikdirektor. Der Ehrenmann hat sich leider im Lauf der Geschichte als Sadist entpuppt und während des Zweiten Weltkriegs in den Konzentrationslagern der Nazis Vivisektionen durchgeführt. Dürrenmatts Held Kommissar Bärlach hat sich als Patient in die Klinik von Emmenberger einweisen lassen, um ihn zu überführen. Wie bei Dürrenmatt üblich, verliert aber Bärlach die Kontrolle, und Emmenberger droht, ihn am nächsten Morgen ebenfalls «zu operieren».

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Nobelpreisträger James Watson verliert Ehrentitel wegen rassistischer Aussagen

James Watson, 2012, Bild: wikipedia.org/PD
Der Nobelpreisträger James Watson, einer der Entdecker der Molekularstruktur der DNA, kann es nicht lassen. Schon 2007 hatte er sich abfällig über die Intelligenz von Schwarzen geäussert. Jetzt hat er seine Bemerkungen wiederholt.

Neue Zürcher Zeitung

Der amerikanische Nobelpreisträger James Watson hat wegen rassistischer Bemerkungen die Ehrentitel seiner früheren akademischen Wirkungsstätte verloren. Das auf Long Island bei New York ansässige Cold Spring Harbor Laboratory teilte in einer Stellungnahme mit, dass dem 90-Jährigen der Titel des emeritierten Kanzlers, des emeritierten Professors und des Ehrentreuhänders aberkannt wurden. Die Forschungsinstitution wies Watsons jüngste Bemerkungen zu Ethnien und Genetik als «verwerflich» und «wissenschaftlich nicht haltbar» zurück.

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Umstrittene „Nakba“-Ausstellung kommt nach Reutlingen

Die Wanderausstellung „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“ wird von 17. Januar an in der Reutlinger Volkshochschule gezeigt. Im vergangenen Jahr hatte die Schau in Stuttgart, Bad Boll und Heiningen bei Göppingen Aufsehen erregt.

evangelisch.de

Der württembergische Pfarrer Michael Volkmann, landeskirchlicher Beauftragter für das Gespräch zwischen Christen und Juden, warf ihr sachliche Fehler und selektive Zitate vor. Die Kuratorin der Ausstellung, Ingrid Rumpf, wies die Kritik am Samstag im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) zurück.

Nach Rumpfs Überzeugung ist in Deutschland zu wenig bekannt, wie sehr die Erfahrung der „Nakba“ die Identität der Palästinenser bestimmt.

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Am Anfang war das Bit

Bis heute können sich die Gelehrten nicht darauf einigen, was die Quantentheorie eigentlich beschreibt. Liefert sie Informationen über eine Realität, die unabhängig vom Beobachter existiert? Oder ist es der Beobachter, der durch seine Ja-Nein-Fragen erst die Realität erschafft?

Eduard Kaeser | Neue Zürcher Zeitung

Die moderne Quantenphysik ist ein einziges verstörendes Paradox. Sie ist die bisher erfolgreichste Theorie der Materie, aber zugleich die unverständlichste. Sie erklärt eine atemberaubende Breite von Phänomenen – von den Prozessen zwischen Quarks bis zu den Prozessen in Weissen Zwergen und Schwarzen Löchern –, aber es gibt «Interpretationen» der Quantentheorie, als ob es sich um Lyrik handelte.

1926 war eine Art Annus mirabilis in der Geschichte der Quanten. Erwin Schrödinger legte eine neue Formulierung vor, die er Wellenmechanik nannte. Darin führte er eine für das damalige Verständnis eher obskure Wellenfunktion ein, die als theoretisches Beschreibungsmittel für das seltsame Zwitterverhalten von Materie und Licht auf atomarer Stufe dienen sollte: Teilchen verhalten sich unter Umständen wellenförmig und Lichtwellen unter Umständen teilchenförmig. Schrödinger begriff seine Funktion durchaus in einem realistischen Sinn: Sie beschreibt ein reales Substrat – Materiewellen.

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Dodo Marx kritisiert Begriff „christliches Abendland“: „Friedliches Europa kein Selbstläufer“

Gegen den Begriff „christliches Abendland“ wendet sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Er hält ihn für ausgrenzend und hofft auf Gläubige, die ihren Glauben an einen Gott nicht missbrauchen lassen.

DOMRADIO.DE

Kardinal Reinhard Marx hat sich gegen die Rede vom „christlichen Abendland“ gewandt.

„Davon halte ich nicht viel, weil der Begriff vor allem ausgrenzend ist“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Donnerstagabend in Berlin.

Friedliches Europa mit verschiedenen Religionen

Dies verkenne die „große Herausforderung, in Europa dafür zu sorgen, dass verschiedene Religionen mit jeweils eigenen Wahrheitsansprüchen friedlich zusammenleben“, so Marx bei einer Diskussion mit dem Publizisten Michel Friedman im Theater „Berliner Ensemble“. Er betonte: „Ein friedliches Europa ist kein Selbstläufer.“

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Die Filterblase existiert, seit es Menschen gibt

Eli Parisers Theorie von der «filter bubble» ist populär. Doch Studien zeigen: Wer einen klaren politischen Standpunkt hat, der wird diesen nicht so leicht aufgeben – unabhängig davon, mit wem er spricht und was er liest.

Markus Ziener | Neue Zürcher Zeitung

Zum Jahresende konnte auch der deutsche Bundespräsident nicht widerstehen und musste die sozialen Netzwerke als Ursache allen Übels in Haftung nehmen. Immer mehr Menschen, so Frank-Walter Steinmeier in seiner Weihnachtsansprache, zögen sich «in die eigene Blase» zurück, «wo alle immer einer Meinung sind – auch einer Meinung darüber, wer nicht dazugehört». In den sozialen Netzwerken werde gegiftet, gelärmt, täglich empöre man sich. Gräben vertieften sich, wirklich gesprochen werde kaum noch. Die sozialen Netzwerke als Geissel der Menschheit, als Grund für die Polarisierung, die wir allenthalben ausmachen?

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Antisemitismus im weißen Kittel

Katja Ridderbusch fragt sich, wie eine Ärztin in den USA dazu kommt, Juden falsch behandeln zu wollen

Von Katja Ridderbusch |Jüdische Allgemeine

Die Cleveland Clinic im US‐Bundesstaat Ohio macht in der Regel wegen ihrer medizinischen Spitzenleistungen von sich reden. Nicht so im Fall von Lara Kollab. Die junge Ärztin, Amerikanerin mit palästinensischen Wurzeln, hatte sich mit antisemitischen Tiraden in sozialen Medien profiliert, hatte Juden als »Hunde« bezeichnet, Israel mit Nazideutschland verglichen, den Holocaust als Übertreibung abgetan, Allah gebeten, die Juden zu töten, und erklärt, sie würde »absichtlich allen Juden die falschen Medikamente geben«. Es war wohl vor allem ihre Ankündigung, den hippokratischen Eid zu brechen, der die Klinik veranlasste, Kollab zu feuern.

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„Der monotheistische Gottesglaube ist die Grundform des Ideologischen“

Bild:TP
Im Zuge der Zunahme und Verschärfung der gesellschaftlichen und sozialen Widersprüche im Kapitalismus kommt es zu einer Renaissance religiös-irrationaler Bewegungen und Elemente, die nach dem Zeitalter der Aufklärung bereits als ad acta gelegt galten.

Reinhard Jellen | TELEPOLIS

Hartmut Krauss zeigt in seinem Buch Die Marxsche Theorie und ihre Bedeutung für eine herrschaftskritische Gesellschafts- und Subjektwissenschaft, wie diese Phänomene mit Rückgriff auf Marx grundlegend erklärt und dementsprechend kritisiert werden können.

Herr Krauss, wie zentral waren für Marx Ideologie- und Religionskritik?

Hartmut Krauss: Marx sagt selbst unter dem Eindruck von Feuerbachs „Wesen des Christentums“, dass die Kritik der Religion die Voraussetzung aller Kritik ist. Dabei ist natürlich mitbedacht, dass das Religiöse und insbesondere der monotheistische Gottesglaube die Grundform des Ideologischen im Sinne falschen Bewusstseins darstellt (religiöse Selbstentfremdung) und zugleich als zentrale Legitimationsinstanz vormoderner Herrschaftsverhältnisse wirkt. Insofern fallen Religions- und Ideologiekritik zusammen. Marx verdeutlicht diesen grundlegenden Sachverhalt anhand der „sozialen Prinzipien des Christentums“:

„Die sozialen Prinzipien des Christentums haben die antike Sklaverei gerechtfertigt, die mittelalterliche Leibeigenschaft verherrlicht und verstehen sich ebenfalls im Notfall dazu, die Unterdrückung des Proletariats, wenn auch mit etwas jämmerlicher Miene, zu verteidigen. Die sozialen Prinzipien des Christentums predigen die Notwendigkeit einer herrschenden und einer unterdrückten Klasse und haben für die letztere nur den frommen Wunsch, die erstere möge wohltätig sein.“

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Ist Mona Lisas magischer Blick nur ein Mythos?

Forscher wollen Mona Lisas magischen Blick als Legende enttarnt haben. © historisch / Louvre
Faszinierender Blick: Wenn Betrachter eines Portraits den Eindruck haben, die Augen der abgebildeten Person würden ihnen folgen, spricht man vom „Mona-Lisa-Effekt“. Doch nun stellt sich heraus: Ausgerechnet auf die namensgebende Frau aus da Vincis berühmten Gemälde trifft dieser Effekt womöglich gar nicht zu. Demnach sind die Augen der Gioconda zu weit nach rechts gerichtet, um dem Betrachter gefühlt überall hin zu folgen.

scinexx

Die Mona Lisa von Leonardo da Vinci ist eines der berühmtesten Gemälde der Welt – die auf dem Ölbild dargestellte Frau zieht jeden Betrachter unwillkürlich in ihren Bann. Neben ihrem rätselhaften Lächeln soll vor allem ihr magischer Blick ein Grund für diese Faszination sein. Denn die Gioconda scheint Betrachtern mit ihren Augen zu folgen, heißt es. Demnach blickt sie uns stets an, egal ob wir frontal vor ihr stehen oder nicht.

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Pazifik: Tiefsee wird kälter statt wärmer

Die pazifische Tiefsee kühlt sich ab – aber warum? © Larry Madin/ Woods Hole Oceanographic Institution
Ozeanisches Paradox: Obwohl die Meere weltweit immer wärmer werden, gilt dies nicht für die pazifische Tiefsee. Das Wasser unterhalb von 2.000 Metern Tiefe wird sogar um 0,02 Grad pro Jahrhundert kälter, wie die vergleichende Auswertung historischer Messungen enthüllt. Der Grund dafür: Der tiefe Pazifik reagiert mit einer Verzögerung von mehreren Jahrhunderten auf Temperaturtrends der Oberfläche – und befindet sich daher zeitlich noch in der „Kleinen Eiszeit“.

scinexx

Die Ozeane sind ein wichtiger Klimapuffer unseres Planeten. Sie nehmen sowohl Kohlendioxid als auch Wärme aus der Umgebung auf und sorgen so für einen klimatischen Ausgleich. Während das Oberflächenwasser dabei relativ schnell auf Umweltveränderungen reagiert, ist dies bei der Tiefsee nicht der Fall: Wegen eines relativ langsamen Wasseraustauschs kann es Jahrhunderte dauern, bis sich Temperaturveränderungen oder CO2-Gehalte auch im Tiefenwasser niederschlagen.

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Es ist Unsinn, über Gott zu reden

Bild: Foto: Wittgenstein Archive Cambridge, dpa
Abenteuerlich, wie vor 100 Jahren ein Buch in die Welt kam, das das Denken revolutionieren sollte. Und dabei wird etwas Wesentliches in ihm meist übersehen! Ludwig Wittgensteins „Tractatus“ bleibt faszinierend

Von Wolfgang Schütz | Augsburger Allgemeine

Es gibt nicht wenige Sätze in diesem dünnen Buch, die legendär geworden sind. Darunter der letzte: „7 Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ Denn gemeint ist damit ja Wesentliches von dem, was die Philosophie bis dahin über 2000 Jahre hinweg beschäftigt hat: die Moral, der Sinne des Lebens, Gott … Und zuvor schon: „5.6 Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt …“ Oder: „5.632 Das Subjekt gehört nicht zur Welt, sondern es ist eine Grenze der Welt.“

Gedanken wie in Marmor gemeißelt sind das, präsentiert wie Verordnungen. Mit einem Zahlensystem im Aufbau geordnet und in der Hierarchie gegliedert – wie ein mathematischer Beweis. Oder das Gesetzbuch.

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Laacher See: Eifelvulkan ist noch aktiv

Unter dem Laacher See in der Eifel steigt Magma auf – das bestätigt die anhaltende Aktivität dieses Vulkans © CC-by-sa 4.0
Verborgene Aktivität: Unter dem Laacher See in der Eifel steigt offenbar Magma in die Erdkruste auf. Darauf deuten mehrere niederfrequente Erdbebenserien hin, die Seismologen seit 2013 unter der Eifel registriert haben. Diese Erschütterungen bestätigen, dass dieser Vulkan nicht erloschen ist, sondern nur ruht – und dass sich die Magmakammer unter dem Vulkan allmählich wieder füllt. Ein akutes Ausbruchsrisiko besteht aber nicht, wie die Forscher betonen.

scinexx

So idyllisch der Laacher See in der Eifel heute ist – vor rund 12.900 Jahren war er der Schauplatz eines wahren Vulkan-Infernos. Die explosive Eruption schleuderte 16 Kubikkilometer Material aus der einbrechenden Caldera des Vulkans, die Aschewolken zogen bis nach Schweden und Norditalien. Die Ausbruchstrümmer blockierten zeitweise den Rhein und lösten beim Bruch der Blockade einen verheerenden Tsunami aus.

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Theologe Ulf Schlüter: Christentum wird bald Minderheit sein

Der Theologische Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen, Ulf Schlüter, hat die christlichen Kirchen aufgerufen, ihre Kräfte zu bündeln und Synergien zu nutzen, um ihrem Auftrag in der Gesellschaft gerecht zu werden.

evangelisch.de

Im nächsten Jahrzehnt wird das Christentum Minderheit sein in dieser Gesellschaft“, sagte er am Montag vor der Landessynode der rheinischen Kirche in Bad Neuenahr.

Kirchengemeinden, Kirchenkreise und Landeskirchen müssten das Denken in Pfründen, Provinzen, Fürstentümern, Königreichen und Kirchenstaaten beharrlich und zügig überwinden. „Wir haben einen gemeinsamen Auftrag: das Evangelium zu kommunizieren, zum Vertrauen zu rufen, in Wort und Tat der Welt und dem Menschen heute zum Wohl und zum Heil zu dienen“, betonte Schlüter. Kirche dürfe niemals selbstgenügsam sein.

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250 Jahre Alexander von Humboldt: Leitfigur einer neuen Weltbetrachtung

Humboldt hatte gewaltigen Einfluss auf Dichter und Wissenschaftler in den USA. Seine Büste steht heute am Central Park. Foto: Alamy Stock Photo
Eine Wissenschaft, die mit den Menschen kommuniziert

Von Rüdiger Schaper | DER TAGESSPIEGEL

Humboldt bringt Natur- und Geisteswissenschaft auf exemplarische Weise zusammen. Das entwickelt heute eine starke Anziehungskraft. Es inspiriert Künstler ebenso wie Wissenschaftler. Die Dschungel- und Hightech-Fotografien von Thomas Struth haben etwas Humboldtisches. Es geht ihm, wie er im ersten Band des „Kosmos“ schreibt, um die „tiefere Einsicht in das Wirken der physischen Kräfte“ – und darum, wie sie zusammenhängen. Schließlich: „Alles ist Wechselwirkung“. Er verbindet Emotion und Analyse.

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«Luther fälschte sein Geburtsdatum – für ein besseres Horoskop»

Die Astrologie existiert seit 3000 Jahren – ihre Geschichte ist entsprechend bewegt: Einige Religionen haben sie bekämpft, bei anderen ist sie integraler Bestandteil der Tradition. Welches Verhältnis Religion und Astrologie haben, weiss Religionswissenschaftler Kocku von Stuckrad.

Interview Olivia Röllin |SRF

SRF: Astrologie ist für einige Leute auch eine Orientierungshilfe. Hat Astrologie religiöse Züge?

Kocku von Stuckrad: Seit ihrer Entstehung hat die Astrologie immer auch religiöse Züge gehabt. Im alten Babylonien waren es die Priester, die die Bewegungen der Sterne interpretieren mussten. Denn diese deuteten auf den Willen der Göttinnen und Götter hin, die sich in «ihren» Sternen manifestierten. Auch in Griechenland und Rom waren die Sterne mit der Götterwelt verbunden. Dies kann man an Namen wie Jupiter oder Venus erkennen.

Und wie ist das heute?

Heute sehen das die meisten Leute entspannter. Es gibt auch viele Christen, die Astrologie betreiben. Im gesamten Bereich von heutiger Spiritualität und psychologischer Astrologie könnte man sagen: Astrologie hat in dem Sinne religiöse Züge, dass sie den Menschen in einen grösseren, metaphysischen Gesamtzusammenhang einbindet.

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Erst seit dem 14. Jahrhundert ist einer der drei Könige schwarz Henker, Hexen, Teufel – und dann ein König

Die Heiligen Drei Könige in der Krippe auf dem Petersplatz © Harald Oppitz (KNA)
Black is beautiful? In der Malerei und Literatur des Mittelalters galt schwarze Hautfarbe noch als Symbol für Hexer, Teufel und Außergesetzliche. Erst ab dem 14. Jahrhundert wird einer der drei Könige ein Schwarzer.

DOMRADIO.DE

Der Vorwurf lautet auf Diskriminierung und Rassismus: Seit mehreren Jahren spaltet der „Zwarte Piet“ (Schwarze Peter) die Niederländer. Auch im abgelaufenen Jahr diskutierte das Land einmal mehr über die Hautfarbe des Nikolaushelfers, der in der Regel schwarz geschminkt ist, die Lippen rot angemalt hat und Ohrringe trägt. Auch in Deutschland gab es bisweilen Proteste, weil katholische Sternsinger, als Heilige Drei Könige verkleidet, zur Weihnachtszeit mit einem schwarz geschminkten König von Haus zu Haus zogen. In manchen Gemeinden wird aufs Schminken mittlerweile ganz verzichtet.

Das sogenannte „Blackfacing“ – 2015 als Begriff zum Anglizismus des Jahres gewählt – als Angriff auf die Menschenwürde? Dabei können die Anfänge der Darstellung eines dunkelhäutigen Königs in der christlichen Bildsprache und in der europäischen Kunst geradezu als Zeichen der Aufgeschlossenheit für Afrika gedeutet werden.

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