Haben Extraterrestrische Lebewesen die Erde bereits besucht?

Exo-Planet Kepler-10. Künstlerische Darstellung. Bild: Nasa

US-Astronomen haben ein Modell entwickelt, um zu zeigen, ob und wie schnell eine Zivilisation die Milchstraße besiedeln könnte, um das Fermi-Paradox auszuhebeln

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Die Frage bleibt drängend, ob die Menschen die einzigen intelligenten Lebewesen in unserer Galaxie sind. Manche glauben zwar, sie seien schon da gewesen, andere sehen irgendwelche Flugkörper, aber das sind Phantasien, denen eine wirkliche Bestätigung fehlt. Daher beschäftigen sich immer einmal wieder Wissenschaftler mit dem Fermi-Paradox. Eigentlich sollte sich intelligentes Leben vielfach in unserer Galaxie entwickelt und längst schon die Erde besucht haben, aber es wurde – allerdings erst seit Jahrzehnten der Suche – noch nicht einmal ein Signal empfangen, das auf intelligentes Leben da draußen hinweist..

Gibt es also keine anderen intelligenten Lebewesen, wie das der Astrophysiker Michael Hart in einem Paper 1975 postulierte. In den Milliarden Jahren seit Entstehung der Milchstraße habe es genügend Zeit für extraterrestrisches intelligentes Leben gegeben, um Weltraumfahrt zu entwickeln und unsere Galaxie wie die Menschen die Erde zu kolonisieren. Da kein solches Lebewesen auf der Erde ist, sei zu vermuten, dass es keine weiteren intelligenten Lebewesen gibt. Frank bezog sich allerdings mit seinem „Fact A“ auf materielle Besuche, nicht auf Signale. Dass Aliens einmal dagewesen sein oder kein Interesse an der Erde haben könnten, weil sie für diese vielleicht unwirtlich oder aus irgendeinem Grund nicht attraktiv ist, interessierte ihn nicht weiter.

Weltraumkolonisation in einer bewegten Galaxie

Eine Gruppe von Astronomen haben in einem Paper, das kürzlich im Astronomical Journal erschienen ist, einmal im Kontext des Fermi-Paradoxons erörtert, wie denn überhaupt Weltraumreisen für eine Exo-Zivilisation zur Besiedlung anderer Planeten in einer deutlich kürzeren Zeit als das Alter des Universums möglich wären. Die Annahme, dass die bislang ergebnislose Suche nach Signalen einer extraterrestrischer Intelligenz (SETI) bedeuten würde, dass es keine gibt, sehen sie nicht als begründet an. Das sei so, als würde man im Meer nur einen Schwimmbecken großen Teil nach Delfinen absuchen und sagen, wenn dort keinen gefunden hat, es auch im übrigen Meer keine gebe. Bislang wurden etwas mehr als 4000 erdähnliche Planeten gefunden, von den vielleicht 100 Milliarden Exo-Planeten könnten 10 Milliarden erdähnlich und davon auch einige oder viele bewohnt sein.

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Es gärt im Amri-Komplex

Screenshot aus dem von RBB24 veröffentlichten Video einer Überwachungskamera.

Videomaterial zum Anschlagsgeschehen wirft Fragen auf – Abgeordnetenhaus verklagt Bundesinnenministerium – Bundeskanzlerin in Abschiebungen von Amri-Komplizen involviert?

Thomas Moser | TELEPOLIS

Nichts geht im Falle des Terroranschlages auf dem Breitscheidplatz in Berlin seinen geregelten Ermittlungsgang: -Neues Videomaterial zum Tatgeschehen zieht die offizielle Version ein weiteres Mal in Zweifel.

  • Die parlamentarischen Untersuchungsausschüsse werden mit Beweismaterial beliefert, aber allem Anschein nach unvollständig.
  • Wussten die Sicherheitsbehörden schon frühzeitiger, dass der Tunesier Anis Amri bei der Tat dabei gewesen sein soll, als es eingeräumt wird?
  • Das Abgeordnetenhaus von Berlin verklagt die Bundesregierung auf vollständige Herausgabe von Akten zum Tatgeschehen. Und der Berliner Untersuchungsausschuss beantragt die Verhängung eines Ordnungsgeldes gegen zwei Beamte des Landeskriminalamtes wegen Auskunftsverweigerung.
  • Im Untersuchungsausschuss des Bundestages erfährt man gar, dass die Bundeskanzlerin in Abschiebevorgänge von Kontaktpersonen Amris involviert war.
  • Schließlich: Wiederholt treffen sich der Bundesinnenminister und der Berliner Innensenator mit Anschlagsopfern und versprechen wiederholt „lückenlose Aufklärung“.

Video lässt neue Fragen aufkommen

Im August wurde weiteres Videomaterial zum Tatgeschehen öffentlich, das die Frage aufwirft, wohin sich der Lenker des Tat-LKW bewegte, nachdem er in die Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt gefahren war. Von der Todesfahrt selber kennt die Öffentlichkeit bisher nur eine 12 Sekunden lange Videosequenz, die das ARD-Magazin Kontraste ausgestrahlt hat. Der Film bricht ab, als der LKW zum Stehen kommt.

Das 12-Sekunden-Video ist ein Ausschnitt aus einem mehrere Minuten langen Video, aufgenommen aus dem Europacenter-Hochhaus am Breitscheidplatz. Auf ihm sieht man in der Folge, wie beim LKW die Fahrertür aufgeht und eine Person aussteigt. Das geschieht erst mehrere Sekunden, nachdem der LKW zum Stillstand gekommen war. In den zwei bis drei Sekunden nach dem Aussteigen rennt diese Person aber nicht etwa über die Straße auf die andere Straßenseite in Richtung U-Bahn-Eingang, sondern verbleibt in der Nähe des LKW.

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Missing Link: Den Kapitalismus reparieren – die große Illusion der Maker

(Bild: Miriam Doerr, Martin Frommherz/Shutterstock.com)

Die Maker-Bewegung – „postkapitalistische Praxis“ oder nur Bastelecke? Der letzte Teil der Reihe über technologische Heilsversprechen und den Kapitalismus.

Timo Daum | heise online

Der Ökonom Joseph Schumpeter bemerkte einmal, die historische Leistung des industriellen Kapitalismus habe nicht darin bestanden, mehr Seidenstrümpfe für Königinnen zu liefern, sondern sie für das Heer der Arbeiterinnen zugänglich gemacht zu haben. Die massenhafte Verfügbarkeit erschwinglicher Güter hat aber auch ihre Schattenseiten: Von verschweißten Handy-Gehäusen über unterschiedlichen Stecker-Typen bis hin zur allgegenwärtigen dynamischen Obsoleszenz – lauter Tricksereien, die eben jenen massenhaften Konsum am Laufen halten sollten, den der Ökonom einst als Errungenschaft feierte.

Spätestens seit den 1970er-Jahren regte sich Widerstand gegen die Konsum- und Wegwerfkultur, die mit der Massenproduktion einherging; eine Bewegung entstand, die unter dem Banner der drei R (reuse, reduce, recycle) Wiederverwendung, Verzicht und Recycling anmahnte. In den vergangenen Jahren ist noch ein weiteres R hinzugekommen: R für Reparieren (repair). Eine zunehmend breiter werdende Bewegung stemmt sich gegen die künstliche Verkürzung der Lebensdauer von Geräten und Nutzungsbeschränkungen bei Hardware und Software; sie fordert Einsicht in Baupläne, längere Lebensdauer von Geräten, die Möglichkeit sie zu reparieren und die Verwendung von standardisierten Teilen.

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Was noch zur sexuellen Orientierung gesagt werden muss

Bild: pixabay.com

Gene oder Umwelt, Störung oder Normalität? Gedanken fürs 21. Jahrhundert

Stephan Schleim | TELEPOLIS

Am 30. August erschien eine neue Forschungsarbeit über die Genetik der sexuellen Orientierung sowie mein begleitender Kommentar (Science: Genetik kann Sexualverhalten nicht erklären). Kurz gesagt ergab die Untersuchung von rund einer halben Million Briten und US-Amerikanern, dass Gene nur einen moderaten Einfluss darauf haben, ob wir ausschließlich mit anders- oder auch mit gleichgeschlechtlichen Partnern Sex haben.

Das geht viel w eiter als die Widerlegung der Idee eines spezifischen „Schwulen-“ oder „Lesbengens“, die seit den 1990ern in unserer Kultur herumgeistert. Denn selbst wenn man die Effekte aller von den Forschern gefundenen Genabschnitte – es waren zwei für Frauen und Männer, zwei nur für Männer und einer nur für Frauen – zusammennimmt, erklärt die Genetik nur einen kleinen Teil.

Der genetische Forschungsansatz

Wie zu erwarten war, sangen Verfechter des verhaltensgenetischen Ansatzes das alte Lied von der Gruppengröße: Man brauche eben die Daten von noch mehr Menschen, um das Phänomen genetisch zu erklären. Das setzt aber erstens voraus, dass eine starke genetische Erklärung wahrscheinlich ist. Dem widersprechen andere Daten, auf die ich noch eingehen werde. Und auch bei anderen Fragestellungen hat die Verhaltensgenetik nicht halten können, was vor und seit dem Humangenomprojekt versprochen wurde und wofür seit Jahrzehnten Milliardengelder fließen.

Zweitens werden noch größere Versuchsgruppen vor allem zum Fund immer kleinerer Effekte führen. Das ist schlicht Mathematik. Das heißt, die Liste der Genabschnitte, die man mit dem Sexualverhalten in Zusammenhang bringt, würde dann zwar immer länger. Diese neuen Funde würden aber für sich genommen immer weniger erklären. Dass die heute verbreiteten Verfahren zum Durchbruch führen, ist daher so gut wie ausgeschlossen. Deshalb bezeichnete ich diesen Forschungsansatz als widerlegt.

Fragen von Leserinnen und Lesern

Ich war dann aber doch über manche Fragen überrascht, die in der Diskussion des Artikels aufkamen: Ist Homosexualität nun angeboren oder nicht? Ist die gleichgeschlechtliche sexuelle Orientierung vielleicht doch eine Störung? Bedeuten die Forschungsdaten nicht, dass Homosexualität therapierbar ist? Und was besagen biologische Erklärungen im Vergleich zur Pädophilie?

Diese Fragen sind wichtig, weil auch im 21. Jahrhundert die Diskussion über Toleranz und Regulierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen (Stichwort: „Homo-Ehe“) noch nicht vom Tisch ist. Die gute Nachricht: Auf die meisten genannten Fragen gibt es zwar keine genetischen, wohl aber philosophische, psychologische oder soziologische Antworten – oder zumindest vielversprechende Ansätze zur Beantwortung. Eigens für diesen Artikel habe ich mir die neuesten Forschungsarbeiten der letzten zehn Jahre noch einmal näher angeschaut.

Warum Homosexualität keine psychische Störung ist

Am einfachsten lässt sich begründen, dass Homosexualität keine psychische Störung ist. Bis in die 1970er Jahre dachte man in Psychologie und Psychiatrie darüber noch anders. Zusammen mit der Einführung der Begriffe Hetero- und Homosexualität pathologisierten überhaupt erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts Mediziner die gleichgeschlechtliche Liebe. Entkriminalisiert wurde sie darum aber nicht.

Aus Gründen, deren Erklärung hier zu weit führen würde, halte ich selbst nicht so viel von der Unterteilung der Menschen in die Kategorien homo-, bi- oder heterosexuell (Vom Nachteil, „Homosexuell“ zu sein). Dem Verständnis halber will ich sie hier aber verwenden. Außerdem passt es zu unserem Zeitgeist, allem einen Stempel aufzudrücken. (Zu nennen wären dann noch: a-, metro-, pan-, sapio- oder wasauchimmersexuell.)

Unter dem Druck von Aktivisten überdachten führende Psychiater in den 1970ern ihre Ansichten. Eine neue Definition von „psychische Störung“ sah in den USA zunächst – und bis heute – vor, dass subjektives Leiden oder ein eingeschränktes Funktionieren hierfür wesentlich sind (Die „amtliche“ Fassung). Im nächsten Schritt musste man dann einräumen, dass dort, wo Homo- oder Bisexuelle leiden oder eingeschränkt sind, das an der Ausgrenzung durch die Gesellschaft lag.

So entschied die Führungsriege der American Psychiatric Association im November/Dezember 1973, Homosexualität nicht länger als psychische Störung anzusehen. Ein Mitgliederentscheid im Mai des Folgejahres bestätigte dies mehrheitlich. Es gab jedoch auch inneren Widerstand, zumal einige Psychiater mit Therapieversuchen viel Geld verdienten.

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„Das Grauen wurde Normalität“

Leonora Messing und ihre erste Tochter Bild: privat

Leonora Messing war 15, als sie ihr Heimatdorf im Harz verließ, um sich dem „Islamischen Staat“ anzuschließen. Ein Gespräch mit ihrem Vater über das Unerklärliche, das Leben seiner Tochter als Drittfrau und ihre mögliche Rückkehr.

Paula Lochte | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Herr Messing, im März 2015 wollte Ihre Tochter angeblich nur das Wochenende bei ihrer Mutter ein paar Dörfer weiter verbringen – dort kam sie nie an. Wann wurde Ihnen klar, dass sie sich auf den Weg zum „Islamischen Staat“ (IS) gemacht hatte?

Schon bei der ersten Vernehmung. Sie verschwand an einem Freitag. Noch am selben Abend haben wir eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Wir waren an den ältesten Polizeibeamten in ganz Sachsen-Anhalt geraten. Der bediente die Tastatur mit zwei Fingern. Es war grauenhaft. Plötzlich kam die beste Freundin meiner Tochter rein: „Leo hat sich gerade gemeldet, die ist in der Türkei!“. Der Kriminalbeamte guckte komisch und ich sagte: „Das kann doch gar nicht sein! Wie soll eine Fünfzehnjährige in die Türkei kommen?“. Auf ihrem Laptop haben wir dann die Flugbuchung gefunden. Sie hatte meine Unterschrift auf einer Einverständniserklärung gefälscht. Der Polizist sagte: „Die kommt schon wieder.“ In ihrem Tagebuch habe ich dann zum ersten Mal dieses Wort gelesen: Syrien. Doch selbst da habe ich noch nicht begriffen, was das eigentlich bedeutet. Wirklich verstanden habe ich es erst sechs Tage nach Leos Verschwinden. Beamte vom Landeskriminalamt durchsuchten gerade ihr Zimmer, als mich ein Mann anrief, der sagte, dass Leo bei ihm sei. Auf dem Profilfoto des Anrufers bei Whatsapp war ein junger Mann zu sehen, mit Sturmhaube, Knarre und IS-Flagge.

Der Mann war Martin Lemke aus Sachsen-Anhalt, der sich nun Nihad Abu Yasir nannte. Seit ein paar Tagen war er Leonoras Ehemann – sie seine fast zehn Jahre jüngere Drittfrau. Hatten Sie das kommen sehen?

Es gab keine Alarmsignale. Rückblickend muss ich sagen: Es war zu schön, zu normal. Leo war gut in der Schule, sie war Klassensprecherin und hat ehrenamtlich im Altenheim vorgelesen. Sie war im dörflichen Leben integriert. Kurz vor ihrer Ausreise hat sie noch beim Karneval als Funkenmariechen getanzt – also relativ freizügig. Sie hat weder Kopftuch getragen, noch völlig auf Schweinefleisch verzichtet. Auch an feste Gebetszeiten, zu denen ihre Zimmertür verschlossen gewesen wäre, hat sie sich nicht gehalten. Sie war so wie immer. Aber das war eine Fassade.

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Hunderte wurden erschlagen, zerteilt und entfleischt

Bei Herxheim in der Pfalz wurden vor gut 7000 Jahren bis zu tausend Individuen brutal geopfert Quelle: Armin Kübelbeck, CC-BY-SA, Wikimedia Commons /Armin Kübelbeck

Funde zahlreicher Massaker belegen, dass Mitteleuropa vor 7000 Jahren von einer schweren Krise erschüttert wurde. In ihrer Not verfielen steinzeitliche Bauern in der Südpfalz auf ein tödliches Ritual.

Florian Stark | WELT

Gehört der Krieg „jeder gegen jeden“ zur DNA der menschlichen Existenz oder wuchs Homo sapiens die Bereitschaft, Konflikte mit Waffengewalt zu lösen, erst im Lauf seiner zivilisatorischen Entwicklung zu? Eine grausige Entdeckung in der Pfalz macht es zumindest schwer, der These des französischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau zu folgen, der einen glücklichen Urzustand des Menschen postulierte. Denn seit 1996 legen Archäologen in Herxheim bei Landau Gruben frei, die mit zahllosen Zeugnissen brutaler Gewalt angefüllt sind: Skelettreste von Hunderten Individuen, hingeschlachtet vor gut 7000 Jahren.

Wie dieser Fund interpretiert werden könnte und in welchem historischen Zusammenhang er womöglich steht, will die Dokumentation „Tatort Steinzeit“ entschlüsseln, die das ZDF am Sonntag in seinem Format „Terra X“ ausstrahlt. Denn Herxheim ist kein Einzelfall. Zahlreiche Spuren von Massakern, die in den vergangenen Jahren in Mitteleuropa entdeckt wurden, zeigen, dass das Leben am Ende der Jungsteinzeit keineswegs friedlich war, sondern von Gewaltausbrüchen geprägt wurde.

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Im Reich der Pflanzen

Alexander als Pflanze. Der Berliner Bildhauer Gerald Matzner (1943–2018) hat den Botaniker Humboldt auf originelle Weise verewigt.Foto: Rena Matzner

Durchaus kein „trocknes Studium“: Wie Alexander von Humboldt die Botanik in Bewegung brachte. Eine Neuerscheinung.

Dorothee Nolte | DER TAGESSPIEGEL

Festgewurzelt sind sie, die Pflanzen, an ihren Ort gefesselt, schön anzusehen, aber doch ein wenig langweilig. Wer mag sich schon im Detail mit ihnen befassen, mit ihren Variationen und ihren langen lateinischen Namen?

Er entwarf die Vision einer „Pflanzengeographie“

Alexander von Humboldt selbst hat die Botanik einmal als „trocknes, hyperlangweiliges Studium“ bezeichnet. Damit meinte er aber nur jene Pflanzenwissenschaft, die stubenhockerisch auf Feldforschung verzichtet. Grundsätzlich stand für ihn fest: „Die Botanik ist die Wissenschaft, von der sich die menschliche Gesellschaft am meisten zu versprechen hat“, der Pflanzenbau sei „die edelste und wichtigste Beschäftigung des Menschen“. Bereits in jungen Jahren entwarf der preußische Adlige die Vision einer neuen Disziplin, der „Pflanzengeographie“. Damit ging er weit über die Tradition des Klassifizierens hinaus, die der schwedische Botaniker Carl von Linné begründet hatte. Auf seiner Amerikareise schickte er kistenweise Herbarbelege nach Europa – und betrachtete sie im Zusammenhang mit der menschlichen Kultur. „In das Gebiet dieser Wissenschaft“, so Humboldt, „gehören Betrachtungen über lange Seefahrten und Kriege, durch welche ferne Nationen vegetabilische Produkte sich zu verschaffen oder zu verbreiten suchen. So greifen die Pflanzen gleichsam in die moralische und politische Geschichte des Menschen ein.“

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Der Mist mit den Rassen

Der Kampf gegen Rassismus wütet auch in der Modemetropole Mailand. Bild: dpa

Streicht den Begriff „Rasse“, fordern Biologen, denn Rassismus hat wissenschaftlich null Substanz. Wenn das so einfach wäre. Über Säuberungsversuche im Reich der Mythen.

Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Es ist fast schon ein Naturgesetz: Wann immer der Mensch sich aufmacht, seinen Platz in der Natur zu finden, geht etwas schief. Manchmal ist es nur komisch, meistens aber wirklich zum Mäusemelken. Unser Blick vom Ufer auf den schottischen Süßwassersee Loch Ness etwa ist heute leider nicht mehr ungetrübt. Seit anderthalbtausend Jahren verbindet der Mensch am See die Aussicht aufs Wasser mit der dringenden Erwartung eines schlangenähnlichen Riesenmonsters, das schon Menschen angegriffen haben und sogar fotografiert worden sein soll.

Die Frage für jeden war: Sind die sagenumwobenen Plesiosaurier immer noch unter uns? Die Menschen mochten dran glauben, die Biologen nicht. Und deshalb haben diese jetzt so viel DNA aus ihren Wasser- und Sedimentproben analysiert, dass sie meinen, sicher sagen zu können: Es ist ein Aal. Ein großer Aal zwar, vielleicht ein paar Meter lang und oberschenkeldick, aber eben ein Aal und kein Dinosaurier. Dass die Entmythologisierung des Loch-Ness-Ungeheuers damit gelingt, ist schwer vorstellbar. Die irrige Vorstellung, der Mensch stehe als Krönung an der Spitze der Schöpfung oder, noch billiger, der Mensch stamme vom Affen ab und Schokolade mache schlank, hält sich ja auch weiterhin, obwohl Heere von Naturgelehrten von Charles Darwin bis zu Hightech-Forschern wie Craig Venter all das längst widerlegt haben.

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Alpen: Der Aletschgletscher schrumpft

Blick auf den Aletschgletscher von der Mossfluh aus (oberhalb Riederalp) im Kanton Wallis. (Bild: Simon Tanner / NZZ)

Geht der Klimawandel ungebremst weiter, wird der grösste Gletscher der Alpen, der Aletschgletscher, bis 2100 fast völlig verschwinden. Mit energischem Klimaschutz liesse sich jedoch rund ein Drittel des heutigen Gletschervolumens retten.

Neue Zürcher Zeitung

Die majestätischen Eismassen des Aletschgletschers sind ein Touristenmagnet. Jedoch dürften Ende des Jahrhunderts nur noch eine Handvoll kleiner Eisflecken vom grössten Eisstrom der Alpen übrig sein, wenn es mit dem Klimawandel ungebremst weitergeht. Um zu zeigen, welcher Anblick sich aus der Luft oder von verschiedenen Aussichtspunkten im Jahr 2100 bieten wird, haben Guillaume Jouvet und Matthias Huss von der ETH Zürich nun ein dreidimensionales Computermodell des Gletschers erstellt.

Die Simulation liessen sie mit regionalen Klimaszenarien laufen: eine Erwärmung von 1 bis 2 Grad, 2 bis 4 Grad oder 4 bis 8 Grad im Vergleich zur Periode zwischen 1960 und 1990 – bevor sich die Klimaerwärmung rasant beschleunigte.

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Warum Greta Thunberg eine Untertreiberin ist

Greta Thunberg spricht am 9. September vor der Gesellschaft für Kultur der Ethik in New York. Am 23. September wird sie am Klimagipfel der Uno auftreten. (AP Photo/Jeenah Moon)

Unsere Lebensgrundlagen sind aufgrund des menschengemachten Klimawandels ernsthaft bedroht. Die Klimatologen agieren nicht alarmistisch, sondern besonnen. Und auch Greta Thunberg hält sich, bei Lichte besehen, ziemlich zurück. Eine Replik.

Edward Kanterian | Neue Zürcher Zeitung

Auf der Osterinsel im südöstlichen Pazifik standen einmal die grössten Palmen der Erde. Doch dann gerieten die Dorfsippen in einen Prestigewettstreit und bauten immer grössere Steinstatuen, für deren Bau sie viel Holz brauchten. Irgendwann gab es keinen Wald mehr. Eine ökologische und soziale Katastrophe war die Folge, von Jared Diamond in «Kollaps. Warum Gesellschaften untergehen oder überleben» (deutsch 2006) eindrucksvoll beschrieben. Die einst blühende Inselkultur hatte abgewirtschaftet.

Hat wirklich niemand den Untergang kommen sehen? Stellen wir uns einen aufgeweckten Teenager vor, der abseits des Machtkampfes stand und die Torheit des ganzen Treibens einsah. Dieser Teenager stellte seinen Dorfpriester zur Rede. Dessen Antwort? Die Ahnenverehrung folge unantastbaren Gesetzen, das Nachbardorf besitze eine grössere Statue, neue Bäume würden sich schon finden. Ohnehin: Ein törichtes Kind solle sich nicht in so wichtige Dinge einmischen.

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Das sind die Top-5-Verschwörungstheorien aus dem Vatikan

Johannes Paul I starb nach nur 33 Tagen im Amt. Seitdem hält sich die These, dass der Papst vergiftet wurde.© dpa

Papst Johannes Paul I. starb nach nur 33 Tagen im Amt. Wurde er mit einem Kaffee vergiftet? Über den Vatikan kursieren viele Verschwörungstheorien. Vor allem um Päpste, die für Veränderung stehen, ranken sich wilde Gerüchte.

BR24

„Dort, wo es viele Geheimnisse gibt, kann im Hintergrund viel gedeihen“, sagt Iacopo Scaramuzzi. „Ein Ort, der die öffentliche Meinung nicht mag, macht neugierig. Das bekommt manchmal schädliche Auswüchse.“ Scaramuzzi ist ein sogenannter „vaticanista“ – ein Journalist, der rund um den Vatikan berichtet. Er ist Experte für all das, was im Kirchenstaat passiert.

Reform-Päpste im Visier

„Der Heilige Stuhl ist eine sehr antike Institution, sie bewahrt ihre eigene Weltanschauung. Es gibt keine demokratischen Mechanismen. Die öffentliche Meinung – und in der Konsequenz die Journalisten – werden auf Distanz gehalten“, erklärt der Journalist gegenüber dem BR. Über den Vatikan zu berichten ist für Scaramuzzi deswegen immer wieder eine Herausforderung. Im Visier der Verschwörungstheorien stehen damals wie heute die Päpste – allen voran diejenigen, die für Veränderung stehen.

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Brasilien: Das Erbgut freigesetzter Gentech-Mücken konnte sich wider Erwarten in der Natur halten

Stechmücken der Art Aedes aegypti in einem Oxitec-Labor. (Bild: Paulo Whitaker / Reuters)

Gentechnisch veränderte Mücken sollten in Brasilien die Stechmücken reduzieren – und dann aus dem Freiland verschwinden. Doch nun haben Forscher deren Erbgut in heimischen Mücken nachgewiesen. Was bedeutet das?

Stephanie Lahrtz | Neue Zürcher Zeitung

In Jacobina in Brasilien wurden von Juni 2013 bis September 2015 jede Woche rund 450 000 gentechnisch veränderte Männchen der Stechmückenart Aedes aegypti ausgesetzt. Die Moskitos waren in den Labors der britischen Firma Oxitec entwickelt und in Brasilien vermehrt worden. Ziel des Grossversuchs war es, die lokale Mückenpopulation zu dezimieren: Die gentechnisch veränderten Männchen sollten sich mit freilebenden Weibchen paaren und der entstehende Nachwuchs aufgrund eines gentechnischen Eingriffs absterben. Die Reduktion der Mücken sollte die Zahl der Dengue- und Zika-Infektionen senken. Denn die dafür verantwortlichen Viren werden von Aedes aegypti auf Menschen übertragen.

Die Moskitopopulation konnte zwar während der Freisetzungsperiode um bis zu 70 Prozent reduziert werden. Aber nur wenige Monate nach der letzten Freisetzung stieg sie wieder deutlich an. Und offenbar überlebten auch einige der Gentech-Nachkommen.

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Frauen sind zäher als Männer

Frauen sind zäher als Männer, sagt die Gendermedizinerin Frau Dr. Vera Regitz-Zagrosek. (Eyeem / Grlls Mnmxms)

Frauen werden auf andere Weise krank als Männer. Dieses Phänomen untersucht die Ärztin Vera Regitz-Zagrosek, sie leitet das einzige Institut für Gendermedizin in Deutschland. Eines ihrer Ziele: maßgeschneiderte Therapien für Frauen.

Moderation: Ulrike Timm | Deutschlandfunk Kultur

Frauen ticken nicht nur anders als Männer – sie zeigen bei Krankheiten auch andere Symptome und reagieren oft auch unterschiedlich auf Medikamente. Warum dies so ist – und was daraus folgen sollte – das ist das Forschungsfeld von Prof. Dr. Vera Regitz-Zagrosek. Die Medizinerin leitet seit 2003 das Institut für Gendermedizin an der Charité in Berlin, das einzige seiner Art in Deutschland.

„Verstehen wir nicht – das ist ’ne Frau“

Regitz-Zagrosek erinnert sich noch gut an ihre erste Begegnung mit dem Thema in den 90er Jahren: Sie arbeitete am Herzzentrum München, eine junge Frau wurde eingeliefert, schwerstkrank – alles sah nach einem Herzinfarkt aus. Die Patientin zeigte jedoch nicht die typischen Symptome, wie sie bei Männern vorkommen. „Wir konnten uns das damals nicht erklären. Und der leitende Oberarzt ging aus dem Raum und sagte: ‚Verstehen wir nicht – das ist ’ne Frau.‘“

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Wann verbietet ihr endlich den Kaffee?

Kaffeeduft
Kaffeeduft (CC-by-sa/3.0/en by Takkk)

Wie heißt der Deutschen populärstes Pestizid? Nein, nicht Glyphosat. Es handelt sich vielmehr um ein Insektizid, noch dazu eines, das viele Menschen Tag für Tag sehnsüchtig erwarten: das Koffein.

Udo Pollmer | Nordkurier

Damit schützt sich der Kaffeestrauch vor Insektenfraß. Ganz ungeniert verleibt sich der Deutsche täglich etwa 300 Milligramm dieses „Insektentods“ ein, um guten Mutes sein Tagwerk zu beginnen. Mengenmäßig ist das viel, viel mehr als das, was wir an Pestizidrückständen so mitverspeisen.

Böse Zungen können stolz auf sich sein: Haben sie nicht vor dem gefährlichen Trunk gewarnt? Vor dem „Genußgift“ Koffein, das den toxikologischen Kennwerten zufolge giftiger ist als Glyphosat? Sie pflegen damit eine alte Tradition: Überall dort, wo Menschen Freude empfinden, wähnen sie das Werk des Teufels, der die armen Sünder verführen und ins Verderben locken will. Was haben die Gesundheitsapostel in den vergangenen Jahrhunderten nicht alles gegen den Kaffee vorgebracht?

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Ein Schatz an Fussspuren gibt Einblicke in das Leben der Neandertaler

Die Ausgrabungen bei Le Rozel. (Bild: Dominique Cliquet)

Was die Forscher aus ihrem Fund im Norden Frankreichs herauslesen, klingt für Erwachsene nach einem anstrengenden Leben: Die Gruppe, die dort ihre Fussspuren hinterliess, bestand aus zehn Kindern und Jugendlichen – und einem einzigen Erwachsenen.

Stephanie Kusma | Neue Zürcher Zeitung

Der Fund war spektakulär: fast 260 Fussabdrücke, die Neandertaler vor etwa 80 000 Jahren hinterlassen haben. Le Rozel, so der Name der Fundstätte, ist ein Dünensystem, das heute zwischen einem Strand und einer Klippe in der Normandie im Norden Frankreichs liegt. Nun haben Forscher einen Teil der Spuren vermessen und von ihnen auf die Zusammensetzung der Neandertaler-Gruppe geschlossen. Was sie aufgrund ihrer Resultate in der amerikanischen Fachzeitschrift «Proceedings of the National Academy of Sciences» beschreiben, erinnert an eine Mischung aus Kindertagesstätte und Schulhort.

Dass man fast 260 Spuren an einer einzigen Fundstätte findet, sei wahrhaft bemerkenswert, sagt die Paläoanthropologin Isabelle De Groote von der Liverpool John Moores University: Bis anhin kannte man neun Neandertaler-Fussabdrücke, von vier verschiedenen Orten. Die Spuren von Le Rozel sind unterschiedlich klar, aber bei einer ganzen Reihe sind sowohl die Ferse als auch der Zehenbereich abgebildet. Die vierzehn besten Abdrücke analysierten die Forscher genau und verglichen sie sowohl mit deutlich früheren afrikanischen Spuren als auch mit jenen des modernen Menschen (Homo sapiens). Von ersteren unterscheiden sie sich demnach deutlich. Denen des letzteren ähneln sie zwar, sind aber insgesamt breiter.

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Kleine Menschen erkranken häufiger an Diabetes

Wie groß werde ich? Erstaunlicherweise ist diese Frage auch im Zusammenhang mit Diabetes von Bedeutung. © xefstock/ istock

Überraschendes Phänomen: Das individuelle Diabetes-Risiko wird auch von der Körpergröße beeinflusst. Wie eine Studie nun bestätigt, erkranken kleinere Menschen häufiger an Diabetes Typ 2 als große. Ein möglicher Grund dafür: Kleine Personen haben im Schnitt offenbar mehr Leberfett und einen insgesamt ungünstigeren Stoffwechsel. Sie sollten im Rahmen der Früherkennung daher womöglich engmaschiger untersucht werden, so das Fazit des Teams.

scinexx

300 Millionen Menschen weltweit leiden an Diabetes mellitus Typ 2. Bei dieser Form der Zuckerkrankheit kann das Hormon nicht mehr genügend Wirkung entfalten, um Zucker aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Als wichtige Risikofaktoren für die Erkrankung gelten neben einer gewissen genetischen Veranlagung unter anderem Übergewicht, Bewegungsmangel und eine falsche Ernährungsweise.

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Bericht: Bis in 80er Jahre Misshandlungen in Kinderkurheimen

Bei Erholungsaufenthalten in Kinderkurheimen soll es einem Medienbericht zufolge bis in die 1980er Jahre hinein teilweise zu systematischen Misshandlungen von Kindern gekommen sein. Recherchen von „Report Mainz“ kommen zu dem Ergebnis, dass Kurkinder in einigen der Heime geschlagen oder dadurch gequält wurden, dass sie ihr eigenes Erbrochenes essen mussten.

evangelisch.de

Dem SWR-Politikmagazin liegen nach eigenen Angaben vom Dienstag 250 Erlebnisberichte vor, in denen von derartigen Erniedrigungen die Rede ist. Anja Röhl, die Gründerin einer Initiative ehemaliger „Verschickungskinder“, forderte eine umfassende Aufarbeitung und staatliche Hilfen nach dem Vorbild des Fonds für ehemalige Heimkinder.

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Der erste Atheist der Neuzeit trat in Jena in Erscheinung

Stadtansicht Jenas aus dem Jahr 1674. Damals verteilte Knutzen die Flugblätter in der Jenaer Stadtkirche. Bild: Stadtmuseum

Wie Matthias Knutzen vor 345 Jahren ganz Jena und die Region in Aufruhr brachte.

Immanuel Voigt | Ostthüringer Zeitung

Wir schreiben das Jahr 1674, genauer gesagt Sonnabend, den 5. September. Gegen Abend begibt sich ein bis dato in Jena unbekannter Mann in die Stadtkirche. Unbehelligt legt er in der vordersten Reihe des Kirchengestühls heimlich Flugblätter aus, die er zuvor selbst geschrieben hatte. Anschließend verlässt er das Gotteshaus wieder und ward zunächst in der Stadt nicht mehr gesehen. Was er allerdings hinterlassen hat, war gesellschaftlicher Sprengstoff. Schon bald wurden die Blätter gefunden und das Entsetzen war groß.

In den in deutscher und lateinischer Sprache verfassten Schreiben behauptete der Verfasser: „Es gibt weder Gott noch Teufel“, weder „Obrigkeit noch Priester müsse man achten“. Stattdessen solle man vielmehr anstelle der Obrigkeit und des Klerus „das Wissen und die Vernunft mit dem Gewissen verknüpfen“, da dieses einen lehre „ehrlich zu leben, niemanden zu beleidigen und jedem das Seine zu achten“.

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Der nette Nazi von Nebenan

Grafik: TP

Bei der ganzen Aufregung um einen NPD-Gemeindevorsteher wird vergessen, dass in den 1980er sogar ein Bürgermeister sich mit NPD-Stimmen hat wählen lassen

Peter Nowak | TELEPOLIS

Eigentlich ist die neonazistische NPD auf dem absteigenden Ast. Ihr laufen die Wähler weg. Und finanziell sieht es auch nicht gut aus, seitdem sie in keinem Landesparlament mehr sitzt. Nun macht diese Rechtspartei bundesweit Schlagzeilen, weil ein prominentes Mitglied im hessischen Altenstadt einstimmig, das heißt mit den Stimmen von CDU, FDP und SPD, zum Ortsvorsteher der dortigen Waldsiedlung gewählt worden war.

Die AfD, immer auf Abgrenzung zu ihrer rechteren Konkurrenz bemüht, attestiert diesen Parteien nun ein Extremismusproblem. Noch peinlicher sind die Begründungen der Vertreter der anderen Parteien für die Wahl. Der kannte sich mit dem Internet aus, lautete eine der Begründungen. Doch auch die bundesweiten Reaktionen der Parteien ist Publicity für die NPD. Sie, die sonst immer betonen, dass Wahlen zu akzeptieren sind, fordern nun in diesem Fall, die Entscheidung ganz schnell zurück zu korrigieren.

Als sich ein CDU-Politiker mit NPD-Stimmen zum Oberbürgermeister wählen ließ

Der ehemalige CDU-Generalsekretär Peter Tauber sprach im Deutschlandfunk von parteiübergreifender Naivität bei dem Fall des NPD-Funktionärs und erklärte vollmundig, dass die CDU nie für einen NPD-Mann die Hand heben würde. Allerdings hatte sich ein CDU-Mitglied in Hessen mit Stimmen der NPD zum Bürgermeister von Bad Hersfeld wählen lassen. Es handelt sich um Hartmut Böhmer.

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Die Kirchen im Zweiten Weltkrieg: Glöckengeläut und Gebete für den Sieg

Die deutschen Kirchen setzten der Kriegspolitik Hitlers nichts entgegen (picture alliance/A0009_dpa)

Bischöfe beider Konfessionen forderten die Gläubigen zu treuer Pflichterfüllung an Front und „Heimatfront“ auf. Sie beschworen in ihren Predigten göttlichen Beistand für den deutschen Sieg. Bis heute wird eher an den Widerstand erinnert als an die Unterstützung der Propaganda.

Michael Hollenbach | Deutschlandfunk

Schon einen Tag nach dem Angriff auf Polen veröffentlichte der evangelische „Geistliche Vertrauensrat“, das Leitungsgremium der Deutschen Evangelischen Kirche, einen Aufruf zum Kriegsbeginn:

„Seit dem gestrigen Tage steht unser deutsches Volk im Kampf für das Land seiner Väter, damit deutsches Blut zu deutschem Blut heimkehren darf. Die deutsche evangelische Kirche stand immer in treuer Verbundenheit zum Schicksal des deutschen Volkes. Zu den Waffen aus Stahl hat sie unüberwindliche Kräfte aus dem Wort Gottes gereicht: die Zuversicht des Glaubens, dass unser Volk und jeder einzelne in Gottes Hand steht, und die Kraft des Gebetes, die uns in guten und bösen Tagen stark macht.“

Die evangelische und die katholische Kirche standen hinter Hitlers Angriffskrieg. Nur wenige Christen – wie Dietrich Bonhoeffer – äußerten öffentlich eine kritische bis ablehnende Position zum nationalsozialistischen Militarismus. Von dem Geist der Bergpredigt – selig sind die Friedfertigen – war in beiden großen Kirchen wenig zu spüren.

Glocken für Führer und Vaterland

Der Krieg wurde nicht bejubelt, aber als nationale Pflicht und Zeit der Bewährung gepriesen. Als die deutschen Truppen wenige Wochen nach dem Überfall auf Polen siegreich in Warschau einmarschierten, läuteten in Deutschland die Glocken der evangelischen wie katholischen Gotteshäusern.

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