Archiv der Kategorie: Geschichte

Ozon: Was wäre wenn…

Entwicklung des antarktischen Ozonlochs von 1957 bis 2001 © RedAndr/ CC-by-sa 3.0

Ein Ozonloch über dem Nordpol, UV-Alarm in unseren Breiten und viermal so viel Hautkrebs: Wenn es 1987 das Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht nicht gegeben hätte, wäre all dies heute Realität. Das belegt eine ungewöhnliche “Was wäre wenn”-Studie von Klimaforschern im Fachmagazin “Nature Communications”. Ihre Simulation belegt, dass das Verbot vieler ozonzerstörender Substanzen sich bereits messbar positiv auf die Ozonschicht ausgewirkt hat.


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Die irdische Ozonschicht ist unser wichtigster Schutz vor schädlicher UV-Strahlung. Doch anthropogene Emissionen chlorhaltiger Treibgase und anderer Halogenkohlenwasserstoffe setzte in der Ozonschicht eine zerstörerische Kettenreaktion in Gang, die über der Antarktis ein Ozonloch verursachte und die Ozonschicht auch in anderen Regionen ausdünnte. Um dem Einhalt zu gebieten, beschloss die internationale Staatengemeinschaft 1987 im Montreal-Protokoll, chlor- und bromhaltige ozonabbauende Substanzen zu verbieten oder ihre Produktion zumindest stark zu reduzieren.

Was wäre wenn…?

Allerdings war damals schon klar, dass sich die Ozonschicht wegen der Langlebigkeit der Chlorverbindungen nur mit großer Verzögerung erholen wird. So hat sich das antarktische Ozonloch zwar seither bereits verkleinert, im Winter 2011 riss aber dafür ein Ozonloch über dem Nordpol auf, ausgelöst durch eine ungewöhnliche Kälte. Studien zeigen zudem, dass die irdische Ozonschicht noch immer um rund vier Prozent unter dem langjährigen Mittel liegt.

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Das Dach der Welt verliert sein Eis

Blick auf Mount Everest und Co vom Dubh Kosi Becken aus © Patrick Wagnon

Himalaya ohne Schnee? Die Gletscher rund um den höchsten Berg der Welt könnten schon bald drastisch schrumpfen: Bis 2050 droht eine Halbierung des Eisvolumens in der Mount Everest-Region, bis 2100 könnte sogar fast alles Eis verschwinden, wie Forscher im Fachjournal “Cryosphere” berichten. Für die Bewohner Nepals und anderer angrenzender Gebiete wäre dies fatal, denn ihre Wasserversorgung hängt größtenteils von den Himalaya-Gletschern ab.


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Die Gletscher des Himalaya sind das größte irdische Eisreservoir außerhalb der Polargebiete. Ihr Eis spielt daher für den Wasserhaushalt der Region, aber auch für das Klima Asiens eine wichtige Rolle. Wie sich der Klimawandel auf diese Region auswirkt, ist aber bisher nur in Teilen klar. “Die meisten Regionen zeigen in den letzten Jahren deutliche Gletscherrückgänge”, berichten Joseph Shea vom International Centre for Integrated Mountain Development (ICIMOD) in Kathmandu und seine Kollegen. Es gibt aber auch Ausnahmen, darunter der Karakorum und das Pamirgebirge.

Dach der Welt im Computermodell

Wie sensibel die Himalaya-Region rund um den Mount Everest reagiert, haben Shea und seine Kollegen nun ermittelt. Sie untersuchten das Gebiet des sogenannten Dudh Kosi-Beckens. Dieses umfasst nicht nur die Gipfel des Mount Everest, des Nuptse, Makalu und anderer Gebirgsriesen, es enthält auch gut 400 Quadratkilometer Eisfläche. “Diese Region gilt als potenziell sensibel gegenüber der globalen Erwärmung”, erklären die Forscher. Aber weil 80 Prozent der Gletscher im Dubh Kosi-Becken oberhalb von 5.000 Metern liegen, sind Messdaten rar.

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Pietistische Mission nannte Juden zur NS-Zeit einen “Fluch”

Bild: wikimedia.org

Die evangelikale Liebenzeller Mission hatte laut neuen Forschungsergebnissen während des Nationalsozialismus einen rassistischen Umgang mit Juden, selbst wenn sie zum Christentum übergetreten waren.


evangelisch.de

So heißt es in einer 1934 veröffentlichten Stellungnahme der Missionsleitung, die Juden seien “für die anderen Völker der Erde ein Fluch”. Der evangelische Pfarrer und Dozent Helmuth Egelkraut legte am Dienstag im baden-württembergischen Bad Liebenzell das Ergebnis seiner Recherchen vor, die er im Auftrag der Liebenzeller Mission in den vergangenen zweieinhalb Jahren über die Geschichte des Werks unternommen hatte.

Egelkraut zufolge war die Mission stark einem preußischen und patriotischen Denken verhaftet. Deshalb habe sie die Machtübernahme Hitlers begrüßt. Gleichzeitig heißt es in der Stellungnahme der damaligen Leitung, man habe “Mäckerer” und “kritische Stimmen in unseren Versammlungen” gegen die Hitler-Regierung nicht geduldet.

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Schmidt-Salomon sagt Laudatio auf Peter Singer ab

M. Schmidt-Salomon, Bild: BB

M. Schmidt-Salomon, Bild: BB

Der Philosoph und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, Michael Schmidt-Salomon, hat seine Beteiligung am Festakt zur Verleihung eines Tierschutzpreises an den australischen Philosophen Peter Singer abgesagt.


giordano bruno stiftung

Grund ist ein aktuelles Interview mit Singer, das die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) am gestrigen Sonntag veröffentlichte: „Peter Singer hat in diesem Interview Positionen vertreten, die meines Erachtens nicht nur im Widerspruch zu einem humanistisch-emanzipatorischen Politikverständnis, sondern auch im Widerspruch zu seinen früheren Standpunkten stehen“, sagte Schmidt-Salomon. „In dieser Situation muss ich die Reißleine ziehen, denn ich kann keine Laudatio auf einen Preisträger halten, bei dem ich nicht einschätzen kann, welche Positionen er tatsächlich vertritt.“

Michael Schmidt-Salomon hob in seinem Statement hervor, „dass Peter Singer die ethische Debatte über Tierrechte, Anti-Diskriminierung, Bekämpfung der absoluten Armut, Schwangerschaftsabbruch und Sterbehilfe befruchtet hat wie kaum ein anderer Philosoph weltweit“. Seine Impulse für eine zeitgemäße ethische Debatte seien unverzichtbar, seine aktuellen Äußerungen jedoch unverständlich, wenn nicht gar unverantwortlich: „Falls Peter Singer tatsächlich die Auffassungen vertritt, die in dem aktuellen NZZ-Interview zum Ausdruck kommen, muss man seine Argumente nicht nur auf philosophischer, sondern auch auf politischer Ebene entschieden kritisieren.“

Peter Singer hatte in dem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung erklärt, dass die Geburt „keine scharfe Grenze“ markiert und „andere Faktoren“ entscheidend sind, etwa „ob das Kind Schmerz empfindet oder Selbstbewusstsein entwickelt“. Ein „Frühgeborenes im Alter von 23 Wochen“ habe „keinen anderen moralischen Status als ein Kind mit 25 Wochen in der Gebärmutter“. Die NZZ fasste dies – von Singer unwidersprochen – mit den Worten zusammen: „Ein Neugeborenes halten Sie nicht für schützenswerter als einen Embryo.“

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Das Rätsel um den Reichstagsbrand

Foto: Getty Images Am 27. Februar 1933 brennt der Berliner Reichstag. Bis heute wird darüber diskutiert, wer dafür verantwortlich war

Der Reichstagsbrand markierte den Beginn der Nazi-Diktatur. Der Glaube an einen Einzeltäter hält sich – obwohl viel dagegen spricht. Wer hätte ein Interesse, die Existenz mehrerer Täter zu vertuschen?


Von Benjamin Carter Hett|DIE WELT

Historiker wissen, welche giftige Debatte jahrelang über die Frage geführt wurde, wer das Feuer im Reichstag legte, am 27. Februar 1933, einen Monat nach der Machtergreifung Hitlers. Der Reichstagsbrand wurde von den Nationalsozialisten ein Tag später benutzt, um die “Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat” zu verkünden. Es war der entscheidende Schritt in Richtung auf eine Diktatur. Die Nationalsozialisten rechtfertigten die Notverordnung mit der Behauptung, die Brandstiftung sei Teil einer kommunistischen Verschwörung gewesen.

Seitdem wird darüber gestritten, ob der am Tatort festgenommene 24-jährige niederländische Maurergeselle und Anarchosyndikalist Marinus van der Lubbe den Brand im Reichstag als Einzeltäter allein gelegt hat – oder ob die Nationalsozialisten auf irgendeine Weise an der Brandstiftung beteiligt waren.

Die These von der Alleinschuld van der Lubbes

Es ist bekannt, dass einige Verfechter der These von der Nazi-Täterschaft ihre Behauptung durch gefälschte Dokumente zu stützen versuchten. Auch aus diesem Grund herrscht seit Jahrzehnten fast einhelliger Konsens, dass van der Lubbe Einzeltäter war und den Brand ohne Hilfe von Kommunisten oder Nationalsozialisten gelegt hat. Kommunistische Funktionäre, die mit ihm vor Gericht gestanden hatten, wurden freigesprochen, was nach Hitlers Machtergreifung keinesfalls zu erwarten war.

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Wie die Philosophie “weißgewaschen” wurde

Scan aus dem Buch “My bondage and my freedom” des Schrifstellers und Abolitionisten Frederick Douglass

Vor 200 Jahren wurde am Wiener Kongress der Sklavenhandel abgeschafft. Das lag weniger an der Philosophie der Aufklärung und mehr an politisch-ökonomischem Kalkül. Denn die “großen, weißen Aufklärer” kümmerten sich wenig um die schwarze Sklaverei. Das hat Folgen bis heute: Der Kanon der Philosophie wurde “weißgewaschen”.


Von Aaron Salzer|science.ORF.at

Dies meint der Philosoph Nathaniel Adam Tobias Coleman vom University College London im Gespräch mit science.ORF.at. Bei Coleman berühren sich wissenschaftliches Interesse und biografischer Hintergrund. Er streicht seinen Namen durch, weil sich dahinter die Geschichte der Sklaverei verbirgt. In dem Namen sei die historische Hoffnung weißer Sklavenhalter eingeschrieben, ihren Sklavenbestand beständig zu erweitern.

“Weiße Menschen haben quasi Sklaven gezüchtet. Sie haben den Nachwuchs ihrer afrikanischen Sklavinnen Namen gegeben. Also eine Art Emblem, um ihren Besitzanspruch geltend zu machen. Heute besitzt diesen Nachwuchs zwar niemand mehr. Aber die Hoffnung auf den Besitzanspruch lebt in den Namen weiter.”

“Afrikaner sind Philosophen”

Im Rahmen des Wiener Kongresses wurden 1814/15 die Herrschaftsverhältnisse und Grenzen Europas neu geordnet. Dabei wurde auch der Handel mit Sklaven weltweit verboten. Umgesetzt wurde das allerdings erst schleppend in den Jahrzehnten danach: 1888 beendete Brasilien als letztes den Sklavenhandel.

Großbritannien war jenes Land, welches am Wiener Kongress von den anderen Teilnehmern forderte, den Sklavenhandel abzuschaffen – so wie es das Empire bereits 1807 getan hatte. Nach dem Beschluss hätten sich die Großmächte selbst auf die Schulter geklopft und dies als plötzliche Einsicht in die Prinzipien von Humanität und universeller Moral beschrieben, sagt Coleman. Dabei stellten sie sich nicht mehr als Sklavenhalter dar, sondern als Emanzipatoren.

Das und anderes entlarvt sich bei genauerer Betrachtung als “Weißwaschung” der Geschichte: Neben der beschönigenden emanzipatorischen Darstellung gebe es auch die Vorstellung, dass “große weiße Männer” einmal Argumente lieferten, um die Sklaverei zu rechtfertigen und dann ihre Meinung änderten und aufforderten, Afrikanern zu helfen und zu sagen: Sklaverei sei verkehrt.

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Nepal: Monströse Welle

Bodenveränderung nach Erdbeben: Blau zeigt Senkung, Rot Hebung. NASA/ ESA/ DLR/ JPL

Bodenveränderung nach Erdbeben: Blau zeigt Senkung, Rot Hebung. NASA/ ESA/ DLR/ JPL

Das schwere Erdbeben in Nepal hat das Land gewellt: Der Süden beulte aus, der Norden dellte ein. Die Veränderung des Bodens verrät einen monströsen Ruck in der Tiefe.


SpON

Die Haut, so sagt man, sei der Spiegel der Seele. Genauso zeigt das Geschehen auf dem Erdboden, was im Inneren des Planeten vorgeht. Daten des Radarsatelliten “Sentinel-1″ dokumentieren die gewaltigen Veränderungen des Bodens in Nepal nach dem schweren Erdbeben am 25. April. Die Bilder verraten kolossale Vorgänge in der Tiefe.

Das Beben war eines der schrecklichsten der vergangenen Jahrzehnte. Tausende Menschen starben unter Trümmern in Kathmandu und Umgebung, Abertausende wurden verletzt, noch mehr verloren ihre Wohnung. Mitte Mai suchte ein zweites starkes Beben die Region heim, wieder gab es viele Opfer, obwohl das Beben fünfmal schwächer war als das erste.

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Ist Alzheimer eine Nebenwirkung unserer Intelligenz?

brain

Wir Menschen sind die einzige bekannte Art, die Alzheimer bekommt. Verantwortlich sind wohl Genveränderungen, die unsere Hirnleistung verbesserten – und uns zum Menschen machten.


Von Daniel Lingenhöhl|Spektrum.de

Vor 50 000 bis 200 000 Jahren sorgte die Evolution dafür, dass sich sechs Gene veränderten, die stark an der Entwicklung unseres Gehirns beteiligt sind. Sie führten wahrscheinlich dazu, dass sich unsere Neurone besser miteinander verknüpften und ein ausgeprägtes neuronales Netzwerk entstand, das letztlich Homo sapiens intellektuell über seine Hominidenvorfahren hob. Doch diese Entwicklung hatte womöglich einen Preis, meinen der Populationsgenetiker Kun Tang von den Shanghai Institutes for Biological Sciences und seine Kollegen nach einer umfangreichen Genomstudie. Denn die gleichen Gene sind auch mit daran beteiligt, dass sich Alzheimer im menschlichen Denkapparat ausbilden kann – eine neurodegenerative Erkrankung, die einzig uns Menschen trifft, aber beispielsweise nicht bei unserem nächsten Verwandten, dem Schimpansen, auftritt. Tang und Co untersuchten dazu 90 Genome von Menschen mit afrikanischen, asiatischen und europäischen Wurzeln nach bestimmten Genmustern, die durch natürliche Auslese und veränderliche Bevölkerungsgrößen verursacht werden, wie “Nature” berichtet.

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Debatte geht anders

cc bycc by sa “Thinker” von “Martin Fisch” lizensiert unter “CC-BY-SA”

Weil Debatten niemals enden, endet auch diese nicht. Noch einmal zum Thema Orient und Okzident, wer hat wem was zu verdanken?


Von Heiko Heinisch|The European

The European definiert sich schon im Untertitel ausdrücklich als Debattenmagazin, und so ist es zu begrüßen, dass Muhammad Sameer Murtaza auf meinen Einwand gegen seinen Artikel mit einer Erwiderung reagiert. Eine Debatte zeichnet sich dadurch aus, dass verschiedene Seiten ihre Argumente vortragen und versuchen, die des Gegners zu widerlegen, um Leserinnen und Leser – eventuell auch den Gegner – von den eigenen Thesen zu überzeugen. Aber anstatt in diesem Sinne auf die vorgetragenen Argumente einzugehen, verlegt sich Murtaza leider darauf, mir Aussagen zu unterstellen und andere sinnentstellend aus dem Zusammenhang zu reißen, nur um diese dann widerlegen zu können. Ganz nebenbei nimmt er seine bereits kritisierte Apologetik von Neuem auf. Debatte geht anders.

Leere Behauptungen sind keine konstruktive Kritik

Schon im ersten Satz unterstellt Murtaza, mein Artikel wolle eine Minderwertigkeit des Islam festschreiben, würde ich doch behaupten, die „seit mehr als 1000 Jahren andauernde Anwesenheit der Muslime in Europa habe überhaupt keine Rolle auf dessen Entwicklung gehabt“. Ewas weiter unten schreibt er, ich würde den Einfluss muslimischer Religionsgelehrter und Philosophen unterschlagen und den Muslimen lediglich den Transfer griechischer Schriften und griechischen Wissens zugestehen. Dass er diese Behauptungen nicht durch entsprechende Zitate untermauern kann, liegt daran, dass sich derlei Ausführungen in meinem Text nicht finden lassen. An keiner Stelle leugne ich die Leistungen arabischer und persischer Denker, Philosophen und Wissenschaftler, und an keiner Stelle schreibe ich, diese hätten nur Wissen transferiert. Im Gegenteil.

Die Rolle ibn Rushds als maßgeblicher Kommentator der Werke Aristoteles’, seinen Einfluss auf die Scholastik und damit auf die Aufklärung hebe ich dezidiert hervor. Man könnte noch präzisieren, dass ibn Rushd von den Scholastikern meist in Anlehnung an die Bezeichnung der Philosoph für Aristoteles schlicht der Kommentator genannt, also mit größter Hochachtung bedacht wurde.

Murtaza weiß auch, dass die muslimischen Eroberungen von mir nicht erwähnt wurden, um von den Kreuzzügen abzulenken, sondern einzig, weil er die Kreuzzüge zum ersten „weniger friedlichen Wissenstransfer“ zwischen Christen und Muslimen erklärt – womit er die Jahrhunderte islamischer Eroberungen, die ihnen vorausgingen, einfach unterschlägt.

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Wie digitale Transparenz die Welt verändert

Hauptplatine eines Rechners.

Hauptplatine eines Rechners.

So paradox es klingt: Die Entwicklung des Lebens im urzeitlichen Ozean kann uns einiges über die Zukunft unserer Gesellschaft lehren. Da im Zeitalter der digitalen Vernetzung kein Geheimnis mehr sicher ist, stehen wir an der Schwelle einer Epoche, die das Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatleben ganz neu definieren muss.


Von Daniel C. Dennett und Deb Roy|Spektrum.de

Vor rund 543 Millionen Jahren ereignete sich die so genannte kambrische Explosion: eine spektakuläre Häufung biologischer Innovationen. Binnen weniger Millionen Jahre – nach geologischen Maßstäben fast augenblicklich – entwickelten Lebewesen völlig neue Körperformen, neue Organe, neue Strategien für Angriff und Verteidigung. Die Evolutionsbiologen streiten noch über die Ursache dieser erstaunlichen Welle von Neuerungen. Aber eine besonders überzeugende Hypothese des Zoologen Andrew Parker von der University of Oxford besagt, dass Licht der Auslöser war. Parker zufolge wurden damals die seichten Ozeane und die Atmosphäre durch plötzliche chemische Veränderungen viel lichtdurchlässiger. Zu jener Zeit gab es nur in den Meeren tierisches Leben, und sobald Sonnenlicht das Wasser durchdrang, wurde Sehkraft zum entscheidenden Evolutionsvorteil. Zugleich mit der rapiden Entwicklung von Augen entstanden auch entsprechend angepasste Verhaltensformen und weitere körperliche Besonderheiten.

Während zuvor alle Wahrnehmungen nur die nächste Nähe erfassten – durch direkten Kontakt oder durch Gespür für chemische Konzentrationsänderungen oder Druckwellen –, konnten Tiere nun auch entfernte Objekte identifizieren und verfolgen. Raubtiere schwammen gezielt auf ihre Beute zu; diese konnte sehen, dass sich Feinde näherten, und die Flucht ergreifen. Fortbewegung verläuft langsam und unsicher, solange sie nicht von Augen geleitet wird, und Augen sind nutzlos, wenn man sich nicht bewegen kann. Darum entwickelten sich Wahrnehmung und Bewegung parallel. Diese Koevolution war ein Hauptgrund für die Entstehung der heutigen Artenvielfalt.

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Biowissenschaftler kritisiert Vorherrschaft der Gender-Studien

Hans Peter Klein, Professor für Didaktik der Biowissenschaften, kritisiert die Vorherrschaft der sogenannten „Gender Studien“. Foto: PR

Scharfe Kritik an einer zunehmenden Vorherrschaft der sogenannten „Gender Studien“ in Schule und Wissenschaft übt der Professor für Didaktik der Biowissenschaften Hans Peter Klein (Frankfurt am Main). Wie er in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt, haben die Propagandisten des „Gender Mainstreaming“ Fachbereiche an Universitäten und Schulfächer fest im Griff. Wer dagegen aufbegehre, werde als „reaktionär“ abgestempelt; dabei hielten die gender-orientierten Lehrpläne wissenschaftlichen Ansprüchen nicht stand.


idea.de

Die feministisch geprägten Gender Studien lehren, dass die Geschlechterverhältnisse weder naturgegeben, noch unveränderlich, sondern sozial und kulturgeprägt seien. Klein verweist unter anderem auf die Diskussion um den baden-württembergischen Bildungsplanentwurf, der vorsieht, in allen Schulen und Fächern „gendersensibel“ zu unterrichten. Bereits Achtklässler sollten sich Klarheit darüber verschaffen, ob sie wirklich heterosexuell sein wollen. Laut Klein steht die Gender-Lehre aber „im eklatanten Widerspruch zu den Erkenntnissen der Biologie“.

Gender-Erziehungsprogramm ohne demokratische Legitimation

Inzwischen seien an den deutschen Universitäten fast 200 Professuren für Gender-Studien eingerichtet worden. Durch öffentliche Proteste seien ihre Repräsentanten nicht von ihrem Weg abzubringen. Klein: „Sie wollen, dass alle Menschen so denken wie sie, weil sie sich im Besitz der Wahrheit wähnen, die alle anderen missachten oder nicht zur Kenntnis nehmen wollen.“ Dieses Erziehungsprogramm habe keine demokratische Legitimation: „Es ist erstaunlich wie Minoritäten – offenbar mit politischer Unterstützung – der Mehrheit ihre Vorstellungen mit fast religiösem Eifer diktieren können.“ Sie schafften ein Klima, in dem Andersdenkende durch Verdächtigungen und Anschuldigungen eingeschüchtert und verängstigt würden. Klein: „Wer dagegen aufbegehrt, muss mit der Diffamierung und Diskreditierung der eigenen Person oder der Zensur kritischer Beiträge rechnen.“

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Wittenberg erhält Riesenpanorama “Luther 1517″

HP Asisi GmbH. Screenshot: bb

HP Asisi GmbH. Screenshot: bb

Die Lutherstadt Wittenberg bekommt zum 500. Jahrestag des Reformationsbeginns 2017 ein historisches Riesenpanorama des Künstlers Yadegar Asisi. Für das 75 mal 25 Meter große Rundbild mit dem Titel “Luther 1517″ wird im Zentrum eigens eine Rotunde errichtet, wie Bürgermeister Torsten Zugehör am Donnerstag bekanntgab. Das fotorealistische Bild zeige das örtliche Stadtleben vor 500 Jahren, als Martin Luther mit der Veröffentlichung seiner Ablassthesen am 31. Oktober 1517 den Beginn der Reformation auslöste.


kathweb

Die Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum, Margot Käßmann, begrüßte das Projekt: “Ich freue mich sehr auf Asisis Panorama, das Wittenberg zur Zeit Martin Luthers erlebbar machen wird. Das wird ein großer Anziehungspunkt sein im Jubiläumsjahr 2017.” Die EKD ist über einen “Verein Reformationsjubiläum” Auftraggeber des Kunstwerks, zu dessen Kosten noch nichts bekannt wurde.

Asisi erklärte, Entwicklung und Herstellung des Rundbildes seien für ihn Ehre, Verantwortung und Herausforderung zugleich. Sein Ziel sei es, das Leben und die Besonderheiten Wittenbergs vor 500 Jahren in verschiedenen Szenen darzustellen. Dabei würden die unterschiedlichsten Berufsgruppen und Stände gezeigt, von den Bauern über den Adel bis zum Klerus.

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Älteste Steinwerkzeuge der Menschheit entdeckt

Eines der 3,3 Millionee Jahre alten Steinwerkzeuge – auf den ersten Blick ein ganz normaler Stein. © MPK-WTAP

Überraschender Fund: Am Turkanasee in Kenia haben Forscher die bisher ältesten menschengemachten Steinwerkzeuge entdeckt: Sie sind rund 3,3 Millionen Jahre alt – und entstanden damit schon vor Auftreten des Homo habilis, der bisher als der erste Werkzeugmacher galt. Wer allerdings diese primitiven Faustkeile schuf, ist bisher ein Rätsel, wie Forscher im Fachmagazin “Nature” berichten.


scinexx

Bisher galt der Homo habilis, der “geschickte Mensch”, als der erste Werkzeugmacher unter unseren Vorfahren. Denn die bisher ältesten Steinklingen und Faustkeile stammen aus der Zeit vor rund 2,3 bis 2,6 Millionen Jahren und wurden zusammen mit Homo habilis Fossilien in der Olduvai-Schlucht in Tansania gefunden. Frühere Vormenschen, so glaubte man, hätten noch nicht die erforderliche mentale Kapazität und Auge-Hand-Koordination besessen, um gezielt verschiedenen Werkzeuge herzustellen.

Zufallsfund beim Umweg

“Man ging davon aus, dass nur unsere direkten Vorfahren den kognitiven Sprung machten und lernten, Steine so gegeneinander zu schlagen, dass scharfe Klingen entstanden”, erklären Sonia Harmand von der Stony Brook University in New York und ihre Kollegen. “Dies galt als das Fundament für unseren evolutionären Erfolg.” Andererseits aber erforderten die Olduwan-Werkzeuge bereits ziemlich viel Übung und Geschick – ein Indiz dafür, dass sie vielleicht doch nicht die ersten Versuche unserer Vorfahren mit dieser Technologie darstellen.

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Evolution: Neuer Stammbaum der Schlangen berechnet

Nachts auf der Jagd nach grosser Beute: So stellen sich Evolutionsbiologen der Yale-Universität die Urschlange vor. (Bild: Julius Csotonyi)

Winzige Hinterbeine und nachts auf Jagd nach grosser Beute – so stellen sich Forscher die Urschlange vor. Sie soll vor etwa 128 Millionen Jahren in warmen Waldgebieten gelebt haben.


Neue Zürcher Zeitung

Schlangen sind vermutlich doch an Land und nicht im Wasser entstanden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Yale-Universität in New Haven im US-Gliedstaat Connecticut. Der Urahn heutiger Schlangen war demnach ein nächtlicher Jäger in Waldgebieten, der relativ grosse Beute verschlang und winzige Hinterbeine hatte.

Für ihre Untersuchung analysierten die Wissenschafter die Gene, die Anatomie oder Fossilien von 73 lebenden und ausgestorbenen Schlangen- und Echsenarten. Aus den erhobenen Daten erstellten sie dann einen Stammbaum. Das Team um Allison Hsiang veröffentlichte die Studie im Online-Journal «BMC Evolutionary Biology».

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Indischer Ozean “versteckt” Erderwärmung

Wasserstandsänderungen durch den indo-pazifischen Durchstrom und Oberflächentemperaturen des Wassers. © NOAA

Rätsel gelöst? Eine Erklärung für die Pause in der globalen Erwärmung liegt offenbar im Indischen Ozean. Dieses Meer hat sich seit Ende der 1990er Jahre deutlich erwärmt und so einen großen Teil der Erderwärmung abgepuffert, berichtet ein internationales Forscherteam. Die aufgenommene Wärme stammt jedoch ursprünglich aus dem Pazifik – ein Beispiel für die Bedeutung der Meeresströmungen für den Klimawandel, schreiben die Forscher im Fachmagazin “Nature Geoscience”.


scinexx

Durch den Klimawandel steigt die Temperatur im weltweiten Durchschnitt an. Ein Rätsel brachte die Klimaforscher nach dieser Vorhersage jedoch in Erklärungsnot: Um den Jahrhundertwechsel legte die globale Erwärmung eine Pause ein. Für dieses überraschende Phänomen waren lange keine Ursachen bekannt.

Als möglicher Grund galt die Funktion der Meere als Wärmespeicher, insbesondere die gewaltigen Wassermassen des Pazifischen Ozeans: “Wir haben zunächst vermutet, dass der Pazifik überdurchschnittlich viel Wärme gespeichert hat”, sagt Wonsun Park vom GEOMAR Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung Kiel. “Diese Hypothese mussten wir aber verwerfen, da die Messungen sogar einen Rückgang des Wärmeinhalts im Pazifik zeigten.”

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Soldatengrab: SS-Runen, jahrzehntelang gepflegt

Mit einem Gedicht über den “süßen und ehrenhaften Tod fürs Vaterland” wird auf dem Friedhof in Offenhausen dreier SS-Soldaten gedacht. Bis vor kurzem zierten das Kreuz auch SS-Runen und drei Stahlhelme. (Foto: OH)

  • In Offenhausen gibt es Unmut über ein Grab auf dem Kirchhof. Hier sollen drei Soldaten der Waffen-SS beerdigt sein.
  • Bis vor kurzem standen vor ihren Namen die SS-Runen, an die Enden eines Birkenkreuzes waren drei grüne Stahlhelme montiert.
  • Über Jahre wurde das Grab gepflegt und renoviert. Nun kritisiert eine Pfarrerin das Vorgehen scharf – und sieht sich nun Anfeindungen ausgesetzt.


Von Lisa Schnell|Süddeutsche.de

Tausende abgemagerte Elendsgestalten schleppten sich im April 1945 durch die Straßen von Hersbruck im Nürnberger Land. Viele konnten sich kaum auf den Füßen halten. Wer zusammenbrach, wurde zurückgelassen oder erschossen. Es waren Insassen der Außenlager des KZ Flossenbürg in Hersbruck und Happurg, die von den Nazis auf einen Todesmarsch nach Dachau geschickt wurden. Erst dieses Jahr, 70 Jahre später, soll eine Gedenkstätte entstehen, die an die Opfer erinnert. Dreier mutmaßlicher Täter wird dagegen seit Jahrzehnten gedacht.

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Riesenkrater auf dem Seegrund

“Crazy Crater” im Querschnitt: Durch den schlammgefüllten Schlot unter dem Krater steigt Wasser auf. © ETH Zürich / Reusch et al.

Unerwarteter Fund: Auf dem Grund des Neuenburgersees in der Schweiz befinden sich mehrere riesige Krater. Ihr Ursprung ist nicht etwa vulkanisch, sondern es handelt sich um riesige Wasserquellen, wie ein Team von Geologen nun herausgefunden hat. Die überraschenden Krater gehören zu den größten derartigen Unterwasserstrukturen der Welt, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift “Geophysical Research Letters”.


scinexx

Eine Routinefahrt auf dem Neuenburgersee in der Schweiz brachte für Anna Reusch von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) und ihre Kollegen eine im wahrsten Sinne riesige Überraschung. Bei Sonar-Messungen von ihrem Forschungsboot aus zeichnete sich auf dem Kontrollbildschirm plötzlich eine ungewöhnliche Kontur ab: Kreisrund, mit einem Durchmesser von 160 Metern. Genauere Auswertung der Daten zeigte, dass es sich um einen zehn Meter tiefen Krater am Grund des Sees handelt.

“Crazy Crater” mit 160 Metern Durchmesser

Ursprünglich hatten die Geologen im Sediment des Sees nach Hinweisen auf vergangene Erdbeben gesucht. Doch der Überraschungsfund ließ diese Suche in den Hintergrund treten – denn es blieb nicht bei einem einzigen Krater. “Die Krater waren so interessant, dass wir dieses Phänomen unbedingt genauer untersuchen wollten”, sagt Reusch. Insgesamt vier dieser Strukturen machten die Forscher im Neuenburgersee ausfindig.

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Griechenland: Affront in Kavala

Kavala, Altstadt mit byzantinischer Festung. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/SohnIthakas

Wegen des Davidsterns lehnte der Stadtrat von Kavala in Nordgriechenland am vergangenen Donnerstag die Einweihung eines Holocaustmahnmals für die 1.484 in KZs des Dritten Reichs ermordeten griechischen Juden Kavalas ab. Das Mahnmal hätte eigentlich am vergangenen Sonntag enthüllt werden sollen.


Von Wassilis Aswestopoulos|TELEPOLIS

Impulsgeber für diesen Schritt war die Bürgermeisterin Kavalas Dimitra Tsanaka. Die aus dem Lager der Schwesterpartei der CDU, der Nea Dimokratia, stammende studierte Ärztin wollte, dass der Gedenkstein des Mahnmals ohne Davidstern und nur mit dem auf Hebräisch, Griechisch und Englisch notierten Text “Erinnere Dich und vergesse nicht”, einem aus dem Deuteronomium, Kapitel 25, 16 – 19 entlehnten Spruch, neu erstellt werden.

Wie nicht anders zu erwarten, rief dies den Zentralrat der Juden Griechenlands (KIS) auf den Plan. In einer entsprechenden Presseerklärung informiert der Zentralrat darüber, dass die Bürgermeisterin sich am Davidstern stören würde. Der KIS lehnt die Entfernung des Davidsterns ab.

Der Kommentator der konservativen Zeitung Kathimerini, der Archäologe Michalis Lychounas, fand das Verhalten des Stadtrats ebenfalls ungeheuerlich. “Das Drama für Kavalas 1484 verlorene Juden ist, dass der gelbe Stern, der sie in die Gaskammern und Krematorien geführt hat, ihnen nicht als öffentliches Signal in der Stadt, die sie als ihre Heimat hatten, erlaubt wird. Vom Holocaust für die Menschen kommen wir so zum Holocaust der Erinnerung!”, schließt Lychounas seinen Beitrag zur öffentlichen Diskussion.

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Intelligenzbegriff bei Pflanzen: Die Würde der Blumen

Mancher glaubt, dass Pflanzen Erfahrungen machen, lernen und sich erinnern. (Foto: dpa)

Sind Pflanzen intelligent? Nein, sagen die meisten Botaniker. Ja, sagt Stefano Mancuso. Mit seiner Forschung will er zeigen, dass Pflanzen nicht nur überleben, sondern gedeihen wollen.


Von Magdalena Hamm|Süddeutsche.de

Mimose! Diese Pflanze könnte man vielleicht für sensibel oder schreckhaft halten – aber doch nicht für clever. Doch genau das meint der italienische Botaniker Stefano Mancuso. Er hält die berührungsempfindlichen Gewächse für äußerst gelehrig. “Mimosen klappen ihre Blätter nicht bei jeder beliebigen Berührung zusammen, sie sind in der Lage, zwischen gefährlichen und ungefährlichen Reizen zu unterscheiden”, erklärt Mancuso. “Und sie können aus Erfahrungen lernen.”

Um das zu demonstrieren, ließ der Botaniker eingetopfte Mimosen wiederholt aus geringer Höhe auf eine weiche Unterlage fallen. Anfangs falteten die Pflanzen ihre Blätter nach jedem Aufprall zusammen, aber spätestens nach dem sechsten Sturz zeigten sie keine Reaktion mehr. Offenbar hatten sie gelernt, dass ihnen die Erschütterung nicht schadet. Selbst einen Monat später konnten sich die Pflanzen noch an ihr gelerntes Wissen erinnern und blieben von erneuten Stürzen unbeeindruckt.

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Historiker: “Wir sind mehr der Antike verpflichtet als dem Christentum”

foto: reuters / yannis behrakis Die Akropolis in Athen: “Von diesem griechischen Erbe zehrt und lebt unser Republikanismus”, sagt der deutsche Althistoriker Egon Flaig: “Und solange wir an ihm festhalten, kann die Religion nicht das Fundament unserer politischen Ordnung sein.

Europa und Griechenland? Krise! Dabei verbindet sie mehr, als viele ahnen, sagt Egon Flaig


Interview | Lisa Nimmervoll|derStandard.at

STANDARD: Sie fordern in Ihrem Buch “Gegen den Strom”, die EU, die Sie für “ein Meisterwerk technokratischer Bankrotteure” halten, “muss aufgelöst werden”. Warum und was kommt danach?

Flaig: Die EU ist kein demokratisches Gebilde – es gibt kein europäisches Parlament, keine gleichen Wahlen. Die EU ist nicht entstanden als politische Union aus dem gemeinsamen Willen der Völker, sondern aus einer Wirtschaftsgemeinschaft. Das war ein schwerwiegender Konstruktionsfehler, denn eine Wirtschaftsgemeinschaft verbindet die Menschen als Wirtschaftssubjekte, und als solche sind sie tendenziell Konkurrenten: Sie sind zufrieden, solange die ökonomische Gemeinschaft Gewinne abwirft; sie werden unzufrieden, wenn es nicht mehr so gut läuft und wenn plötzlich von Lastenausgleich die Rede ist. Und sie werden zu Feinden, wenn nicht Gewinne, sondern Verluste umverteilt werden sollen. Genau das bekommen wir jetzt zu sehen. Richtig wäre gewesen, ein Vereinigtes Europa als politische Gemeinschaft zu gründen. In der steht man füreinander ein, weil man zusammengehören will. Das tut man nicht in einer Wirtschaftsgemeinschaft. Zusammengehörigkeit fällt in die politische Dimension.

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