Hartnäckige Legendenbildung um den Vietnamkrieg – die USA waren nicht einfach der böse «Imperialist»

Der Vietnamkrieg war bis dahin der längste Krieg der USA seit ihrer Gründung und der einzige, den sie verloren. – Am 11. April 1968. (Bild: Terry Fincher / Express / Getty)

Spricht man über den Vietnamkrieg, begegnet man oftmals nur rudimentären Vorstellungen. Durchgesetzt hat sich die Einschätzung der 68er, wonach die imperialistischen USA einen neokolonialistischen Kampf führten. Doch das geht an der Sache vorbei: Der Kontext des heissen Kalten Krieges wird völlig ausgeblendet.

nzz.ch

Der Vietnamkrieg von 1965 bis 1973 ist bis heute das grosse Trauma Amerikas. Seit 50 Jahren beschäftigt sich das Land geradezu besessen mit ihm – in Hollywoodfilmen, Romanen, Sachbüchern. Fünf Millionen Menschen besuchten 2017 die ergreifende Gedenkstätte an der Mall in Washington mit den in schwarzen Granit sandgestrahlten Namen der mehr als 58 000 Gefallenen. Im Herbst des vergangenen Jahres zeigte der Bildungskanal PBS eine epische zehnteilige, siebzehnstündige Dokumentation über den Krieg. Sie wurde eine der meistgesehenen Produktionen in der Geschichte des Senders, in den USA und ausserhalb: Zuschauer in 88 Ländern streamten die Serie, allein in Deutschland, wo Arte sie ausstrahlte, 1,5 Millionen Mal. Es gab sogar eine Version mit vietnamesischen Untertiteln.

Dass der Vietnamkrieg im kollektiven Bewusstsein der Amerikaner noch ähnlich präsent ist wie der Bürgerkrieg und der Zweite Weltkrieg, liegt nicht allein an den Opferzahlen. Der Koreakrieg von 1950 bis 1953 kostete 36 000 GI das Leben und ist doch weitgehend vergessen. Erst 1995 erhielten die dort Gefallenen ein eigenes Kriegerdenkmal, 13 Jahre nach Eröffnung der Vietnam-Gedenkstätte. Aber der Koreakrieg sah nur 16 Monate intensiver Kämpfe, endete mit einem unbefriedigenden Patt, war in den Medien wenig präsent und fand in einem Klima der innenpolitischen Ruhe statt.

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Säugetiere: Erfolg durch Schrumpfen?

Rekonstruktion des Säugetier-Vorläufers Morganucodon – er war nur vier bis sechs Zentimeter groß. © Bob Nicholls/ Paleocreations.com
Rätselhafter Umbau: Die Evolution unserer frühen Säugetier-Vorfahren könnte erst durch eine Miniaturisierung möglich geworden sein. Denn nur die geringe Körpergröße verringerte die Kaubelastung ihrer Kiefer genügend, um diese quasi „im laufenden Betrieb“ umzubauen, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten. Aus dem vielteiligen Reptilienkiefer wurden so vor rund 200 Millionen Jahren die Gehörknöchelchen und der nur noch einteilige Säugetier-Unterkiefer.

scinexx

Vor rund 200 Millionen Jahren bahnte sich eine umwälzende Veränderung bei den Vorläufern der ersten Säugetiere an: Die Knochen ihrer bis zu siebenteiligen Reptilien-Unterkiefer verlagerten sich und verschmolzen. Im Laufe von rund 100 Millionen Jahren entstanden so der typische Unterkiefer und die Gehörknöchelchen der Säugetiere. Dabei bildete sich ein neues Kiefergelenk, das alte Reptiliengelenk verschwand und ein Teil der alten Kieferknochen wurden zu Hammer, Amboss und Steigbügel – zu den entscheidenden Komponenten unseres Gehörs.

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„Atemnot“ im Sankt-Lorenz-Golf

Der Nordwest-Atlantik vor der Mündung des Sankt-Lorenz-Stroms verliert Sauerstoff. Schuld daran sind Klimawandel und und Meerströmungen.© Mariona Claret/ University of Washington Zoom Washington
Verlagerte Strömungen: Das Meeresgebiet an der Mündung des Sankt-Lorenz-Stroms in Kanada leidet unter zunehmender „Atemnot“. Der Sauerstoffgehalt des Meerwassers ist hier doppelt so schnell gesunken wie im Rest des Nordatlantiks. Der Grund dafür: Der kalte, sauerstoffreiche Labradorstrom hat sich durch den Klimawandel abgeschwächt, dafür dringt der warme Golfstrom immer weiter nach Norden vor, wie Forscher im Fachmagazin „Nature Climate Change“ berichten.

scinexx

Der Sauerstoffschwund der Ozeane bereitet Forschern schon länger Sorgen, denn in vielen Meeresgebieten breiten sich sich sauerstoffarme „Todeszonen“ immer weiter aus – unter anderem im Indischen Ozean, im Schwarzen Meer, im Golf von Oman und vor der US-Küste, aber auch in der Ostsee und sogar auf dem offenen Atlantik. Als Ursachen dafür gelten die Erwärmung des Meerwassers durch den Klimawandel, aber auch der Einstrom von Nährstoffen.

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Warum wurde Hitler nicht exkommuniziert?

Kürzlich gab es eine Anfrage zu Adolf Hitler. Ergänzend dazu die Fragen: Warum wurde Hitler nicht exkommuniziert und „Mein Kampf“ auf den Index gesetzt?

Susanne Haverkamp | Kirchenzeitung

Über die Beweggründe des Umgangs der katholischen Kirche mit dem Nationalsozialismus und mit Adolf Hitler gibt es endlose Debatten. Leider oft ohne beweisbare Ergebnisse – es bleibt bei Vermutungen.

Bleiben wir zunächst in Deutschland: Zu Beginn der 1930er Jahre vertraten einige Bischöfe die Meinung, ein Katholik könne nicht Mitglied der NSDAP oder einer ihr nahestehenden Organisation sein. Exkommunikation wurde angedroht. Doch nach dem Wahlsieg im März 1933 und nach einem Gespräch, das Bischof Berning im Auftrag der deutschen Bischöfe mit Hitler führte, wurde das Verbot der Mitgliedschaft in einer Botschaft an die Gläubigen aufgehoben. Zum Schutz der Gläubigen? Aus Angst vor Repressalien? Aus Respekt vor dem gewählten Kanzler? Aus Überzeugung? Wer weiß …

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KZ-Gedenkstätten auf Holocaust-Leugner vorbereitet

Häftlinge im KZ Sachsenhausen (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-78612-0008 / CC-BY-SA)
Die KZ-Gedenkstätten in Deutschland stellen sich verstärkt auf Besucher ein, die nationalsozialistische Verbrechen verharmlosen. „Die Grenzen des Sagbaren haben sich in den vergangenen Jahren eindeutig nach rechts verschoben“, sagte der Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Jens-Christian Wagner, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Wie eine epd-Umfrage ergab, sind die Gedenkstätten auf Besucher vorbereitet, die bei Führungen mit einer rechtsextremen Weltanschauung auftreten oder gar den Holocaust leugnen.

evangelisch.de

Am 10. Juli war es in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen zu massiven Störungen durch eine AfD-Besuchergruppe gekommen. Einige der Teilnehmer sollen NS-Verbrechen verharmlost und die Existenz von Gaskammern bezweifelt haben. Nach dem Vorfall wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung eingeleitet. Solche Störungen sind allerdings eher die Ausnahme. Das ergab eine bundesweite epd-Umfrage unter den Gedenkstätten, die an die Gräuel der NS-Zeit erinnern.

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Das älteste Bier der Welt

Steinzeitliche Braukunst: In Israel haben Archäologen die ältesten Spuren des Bierbrauens entdeckt – und den ältesten menschengemachten Alkohol überhaupt. Die 13.000 Jahre alten Rückstände in Steingefäßen belegen, dass schon die halbsesshaften Menschen der Natufien-Kultur Bier aus Wildgetreide und anderen Pflanzenzusätzen brauten. Bier könnte damit sogar älter sein als das Brotbacken – und rituellen Zwecken gedient haben, wie die Forscher berichten.

scinexx

Bier ist heute eines der beliebtesten alkoholischen Getränke – und der Gerstensaft hat eine lange Tradition. Schon vor gut 4.000 Jahren tranken die Sumerer einen vergorenen Getreidesaft, im Süden Ägyptens wurde vor rund 2.000 Jahren Bier als Medizin gegen Infekte konsumiert und auch bei den Galliern war das Brauen alltäglich. Die bisher ältesten Zeugnisse für Bier stammen jedoch aus dem alten China: Hier produzierten Braumeister schon vor 5.000 Jahren Getränke aus fermentiertem Getreide.

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Der Dichter als Evoluzzer

Raoul Schrott, geboren 1964 in Landeck, TirolFoto: Peter-Andreas Hassiepen/Hanser
Internatioales Literaturfestival Berlin: Raoul Schrott untersucht die naturgeschichtliche Entwicklung des Menschen.

Von Ulrike Baureithel | DER TAGESSPIEGEL

Die Naturwissenschaften haben dem Menschen schon viele narzisstische Kränkungen beigebracht – angefangen mit Charles Darwin, der die göttliche Krone der Schöpfung mit seiner Evolutionstheorie wieder ins Tierreich einsortierte, über die Fruchtfliege Drosophila, jenen Modellorganismus, der ihn über seine eigenen genetischen Geheimnisse aufklärt, bis hin zu den Memen, den soziokulturell vererbten Codes des menschlichen Verhaltens. 95 Prozent dieser Codes, erklärt der Schriftsteller Raoul Schrott derzeit täglich seinem Publikum beim Internationalen Literaturfestival, laufen völlig unbewusst ab und blamieren Descartes’ Annahme, dass der Mensch ist, wo er denkt.

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Technologische Allmachtphantasien

Bild: Mike MacKenzie/CC BY-2.0
In den 1970er-Jahren gelang den Biologen ein bedeutender Durchbruch: Die Entdeckung so genannter Restriktionsenzyme versetzte sie in die Lage, „Gen-Transplantationen“ durchzuführen.

Lars Jaeger | TELEPOLIS

Es war die Geburtsstunde der Gentechnik. Künstliche Gene produzierten bestimmte Proteine, mit denen sich dann entsprechende menschliche Krankheiten behandeln ließen. Mit dieser Form des „genetischen Engineering“ erregten die Biowissenschaften mit einem Schlag die Phantasie und das Interesse der Unternehmer.

Ein Pionier dieser Entwicklung war Molekularbiologie Herbert Boyer. Dieser traf sich im Jahr 1976 mit dem Manager und Finanzinvestor Robert Swanson, um ihm seine Ergebnisse zu erläutern. Das Ergebnis dieser Unterhaltung: Beide gründeten zusammen ein Unternehmen, das die Forschungsergebnisse Boyers in konkrete medizinische Produkte umsetzen sollte. Südlich von San Francisco, dort, wo zeitgleich zahlreiche neue Computerfirmen entstanden, gründeten sie die Firma „Genentech“. Nur wenige Jahre später (1982) brachte Genentech mit Insulin das erste gentechnisch hergestellte Medikament auf den Markt.

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Gene „aus dem Nichts“

Wie entstehen neue Gene? © Ktsimage/ thinkstock
Plötzlich da: In unserem Erbgut entstehen ständig neue Gene spontan und quasi aus dem Nichts. Wie Forscher jetzt herausgefunden haben, bilden sich die Kandidaten für solche proteinkodierenden DNA-Abschnitte permanent aus der sogenannten Juni-Dna. Ein Großteil dieser Genvorläufer verschwindet allerdings schnell wieder. Nur aus einigen wenigen gehen wirklich funktionstüchtige Gene hervor – Code-Abschnitte, die einem Organismus grundlegend neue Eigenschaften bescheren können.

scinexx

Kopieren und schrittweise verändern ist einfacher, als etwas völlig Neues zu entwickeln: Lange Zeit dachten Forscher, dieses Prinzip gelte auch für die Evolution von Genen. Demnach entstehen neue proteinkodierende Abschnitte der DNA durch die Vervielfältigung und punktuelle Veränderung bereits bestehender Gene. Dass vollständig neue Gene und damit neue Eigenschaften quasi aus dem Nichts auftauchen, galt dagegen jahrzehntelang als undenkbar.

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In Turkey, Darwin is being removed from textbooks

A copy of Darwin’s „Origin of Species“ in front of a stone bust of Charles Darwin at London’s Natural History Museum. Soon, references to the pioneering biologist and his theory of evolution will be removed from Turkish textbooks (SHAUN CURRY/AFP/Getty Image
Science education is being attacked in several countries at the same time, including right here in the good ol‘ U. S. of A.

By Brandon A. Weber | big think

The latest? The country of Turkey has banned the teaching of evolution and even the mention of natural selection and Charles Darwin from the biology textbooks of secondary school children. The law was passed to make such changes soon after an attempted political coup in 2016. Since that move, the country’s government has moved toward a much more authoritarian model—one that regards religious fundamentalism above science and schools. Erdogan’s government is also creating a massive refugee crisis as those who do not wish to live under sharia law escape the country, mainly to Greece.

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Verfassungsschutz hatte Amri seit Januar 2016 auf dem Schirm

Dicke Aktenordner, viele offene Fragen: Am Freitag tagte auch der Amri-Ermittlungsausschuss. Foto: dpa
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat im Januar 2016 begonnen, Informationen über den späteren Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri zu sammeln.

Berliner Zeitung

Eine Mitarbeiterin der Behörde sagte am Donnerstag während einer Befragung im Untersuchungsausschuss des Bundestages zum Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz, Amri sei einer von 40 bis 50 islamistischen Gefährdern gewesen, über die sie in dieser Zeit Akten geführt habe. Im Februar und März 2016 habe sie die Befragung von „Quellen“ zu Amri in Berlin und Nordrhein-Westfalen veranlasst.

Die Islamismus-Expertin sagte, sie habe sich in ihrer täglichen Arbeit aber im Vergleich zu anderen Fällen „relativ selten“ mit seinem Fall befasst. Amri sei von ihr damals aufgrund von Erkenntnissen der nordrhein-westfälischen Polizei als „Sympathisant“ der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eingeschätzt worden.

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Warum Hitler bis heute die Erziehung von Kindern beeinflusst

Adolf Hitler auf dem Predigtstuhl, Bad Reichenhall, Mutter mit Tochter © imago
Für eine Generation aus Mitläufern forderten die Nazis von Müttern, die Bedürfnisse ihrer Kinder zu ignorieren. An den zerrütteten Beziehungen leiden noch die Enkel.

Von Anne Kratzer | ZEIT ONLINE

Sie wolle ihre Kinder ja lieben – doch irgendwie schaffe sie es einfach nicht. Renate Flens kommt mit einer Depression in die Praxis der Psychotherapeutin Katharina Weiß. Die Expertin vermutet schon bald, dass hinter den Problemen ihrer Patientin im Grunde die Frustration steckt, Menschen nicht nah an sich heranlassen zu können.

Nach einer ausgiebigen Spurensuche in Flens‘ Vergangenheit glauben die beiden Frauen schließlich, eine Schuldige dafür gefunden zu haben: die Ärztin Johanna Haarer, die zur Zeit des Nationalsozialismus in Ratgebern erklärte, wie man Kinder für den Führer erzieht. Dabei ist Renate Flens, die in Wirklichkeit anders heißt, gerade einmal in den 1960ern – also erst nach dem Krieg geboren worden. Doch Haarers Bücher waren Bestseller.

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„Duft der Frauen“ enträtselt

Unabängig von individuellen Vorlieben wirkt der Körpergeruch einiger Frauen auf Männer attraktiver. Warum, haben Forscher nun herausgefunden. © puhha/ iStock
Verführerischer Duft: Dass der individuelle Körpergeruch auch bei der Partnerwahl eine Rolle spielt, ist nicht neu. Jetzt aber enthüllt ein Experiment, dass einige Frauen für Männer grundsätzlich anziehender duften als andere – unabhängig von den persönlichen Präferenzen oder Merkmalen der Schnuppernden. Der Grund sind die Geschlechtshormone: Frauen mit hohem Östrogenspiegel und wenig Progesteron sind besonders fruchtbar – und das verrät ihr Körpergeruch.

scinexx

Sowohl im Tierreich als auch beim Menschen spielt der Geruch für Partnerwahl und Sozialverhalten eine wichtige Rolle. Die individuelle Duftnote verrät unter anderem unser Alter, unseren Gemütszustand und die Konfiguration unseres Immunsystems. Bei Frauen sorgen die im Verlauf ihres Zyklus schwankenden Hormone dafür, dass sie für Männer während ihrer fruchtbaren Tage am anziehendsten duftet.

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Deutschland: 3.677 Opfer von Geistlichen missbraucht

In knapp zwei Wochen wollen die deutschen Bischöfe die umfangreichen Ergebnisse einer neuen Missbrauchsstudie vorstellen. Doch schon jetzt wurden erste Zahlen und Fakten der Untersuchung bekannt. Dabei handelt es sich laut Autoren um eine „konservative Annahme“.

katholisch.de

Laut einem Vorabbericht des „Spiegel“ dokumentiert eine neue Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz insgesamt 3.677 Opfer, die von mindestens 1.670 Priestern und Ordensleuten in den Jahren von 1946 bis 2014 missbraucht wurden. Die Bischöfe wollen die umfangreiche Untersuchung am 25. September bei ihrer Herbstvollversammlung in Fulda vorstellen. Der „Spiegel“ beruft sich auf eine dem Magazin vorliegende Zusammenfassung der Ergebnisse. Laut offizieller Kriminalstatistik werden in Deutschland jedes Jahr rund 12.500 Fälle von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen bekannt.

Für die Langzeit-Studie der kirchlichen Fälle sind laut „Spiegel“ mehr als 38.000 Personal- und Handakten aus allen 27 deutschen Bistümern ausgewertet worden. Die Opfer seien überwiegend männliche Minderjährige gewesen, mehr als die Hälfte von ihnen seien zum Tatzeitpunkt jünger als 14 Jahre gewesen. In etwa jedem sechsten Fall sei es zu einer Form von Vergewaltigung gekommen. Drei Viertel aller Betroffenen hätten mit den Beschuldigten in einer kirchlichen oder seelsorgerischen Beziehung gestanden.

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Halleluja, Gleichheit ist der EU heiliger als die Kirche

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Die Kündigung eines wieder verheirateten katholischen Chefarztes kann Diskriminierung sein, befand das EuGH. Ein wichtiges europäisches Signal für die Gleichheit

Von Luisa Jacobs | ZEIT ONLINE

Eine Ärztin ist keine weniger gute Ärztin, weil sie eine Frau ist. Ein Pfleger ist kein weniger guter Pfleger, weil er Männer liebt. Und eine Krankenschwester macht ihre Arbeit nicht schlechter, weil sie eine nicht weiße Hautfarbe hat. In Deutschland regelt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, dass Menschen nicht aus Gründen der Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung benachteiligt werden dürfen. Diskriminierung ist laut deutschem Arbeitsrecht verboten. Eigentlich.

Die katholische Kirche aber tut genau das. Sie diskriminiert. Wenn beispielsweise ein katholischer Arzt gegen katholische Moralvorstellungen verstößt, dann soll er auch nicht mehr in einem katholischen Krankenhaus arbeiten. So sieht das, vereinfacht gesagt, die katholische Kirche. Sie darf das so sehen, weil die Kirchen in Deutschland ihr eigenes Arbeitsrecht haben.

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New Zealand’s oldest oak tree dies at Waimate North

New Zealand’s oldest oak tree came crashing down on Sunday in a paddock at Waimate North. Photo / Peter de Graaf
New Zealand’s oldest oak tree has died at the grand old age of 194.

Peter de Graaf | nzherald

The old oak, in Northland, survived fire, witnessed the emergence of one of New Zealand’s first mission stations and the country’s first European-style farm, lived through the Northern Wars, and was admired by the naturalist Charles Darwin.

Last Sunday, however, a gust of wind proved too much for the venerable old oak, which came crashing down in a paddock at Waimate North, 15km north east of Kaikohe.

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Two Riders were approaching: Der Anfang vom Ende der deutschen Medien

Bild: 9/11 Photos/CC BY-2.0
Es gehört zum Komplettversagen der Linken, dass sie sich die Sache mit der Lügenpresse von den Dumpfbacken der Pegida aus der Hand nehmen ließ

Wolf Reiser | TELEPOLIS

Seit dem experimentellen Kosovo-Fake haben sich „unsere“ Medien von ihrer grundsätzlichen Funktion verabschiedet und sich schrittweise von ihrer Existenzberechtigung befreit. Wer die „Arbeit“ der öffentlich-rechtlichen Sender und der „führenden“ Tageszeitungen & Magazine über den Zeitraum 1990- 2018 verfolgen konnte oder musste und noch einen Funken historisches Bewusstsein in sich trägt, weiß …
Menschen, die in diesem frühen September 2018 in meinem Schwabinger Kaffeehaus nach wenigen Minuten eines Leseversuchs ihre einst so geliebte SZ zu Seite legen, fragen mich immer wieder – da sie gehört haben, dass ich für eine sehr lange Zeit für viele nennenswerte Printorgane gearbeitet habe, was eigentlich aus uns Journalisten geworden ist, wann das „irgendwie“ alles begann mit dem sittlichen Zerfall und ob sich die Branche irgendwann einmal wieder von dieser Implosion erholen wird und ob das eine Delle ist oder eine Art Grippe, wie Aids halt und man das wieder in den Griff bekommt.

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Schöner denken mit Kant und Hegel

Georg Wilhelm Friedrich Hegel prägt weiterhin die deutsche Philosophie. (Bild: Imago)
Ohne die alten Haudegen geht in der zeitgenössischen Philosophie nicht viel. Das zeigt ein internationaler Kongress in Basel. Doch worin genau besteht die Aktualität der deutschen Meisterdenker?

Urs Hafner | Neue Zürcher Zeitung

Was machen eigentlich die Philosophen? Sie lesen Hegel, Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831). Und Kant, Immanuel Kant (1724–1804). Und Fichte und Schelling. Sie kultivieren ihre Meisterdenker, als ob intellektuell seit zweihundert Jahren nicht mehr viel passiert wäre. Gehen die Philosophen also wie die Theologen vor, die ihre kanonischen Texte sogar seit zweitausend Jahren auslegen? Nein. Die Philosophen verbleiben mit ihren Idolen, selbst wenn sie ihnen schier Übermenschliches zutrauen, im Reich von Vernunft und Wissenschaft, während für die Theologen die Bibel letztlich mehr als Menschenwerk ist, da sie von Göttlichem kündet.

Vor allem aber debattieren die Philosophen kontrovers über ihren Kanon. Ernsthafte junge Männer vorwiegend deutscher Herkunft bringen mit beträchtlichem Scharfsinn und rhetorischer Gewandtheit Argumente vor, prüfen sie, lehnen sie ab oder nehmen sie auf. Aus dem Gedächtnis rezitieren sie Kant- und Hegel-Passagen. Jeder Satz muss sitzen, keine Äusserung ohne Begründung. Der Philosoph kommt zum Punkt, und falls nicht, weisen ihn seine Mitphilosophen freundlich, aber bestimmt darauf hin, worauf er ins Grübeln gerät. Die Philosophen sind sogar imstande, über einen von einem Asiaten in unverständlichem Deutsch abgelesenen Vortrag zu diskutieren, Cassirer herbeiziehend.

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Nationalismus kann religiös und antireligiös sein

Sinnbild für die Verbindung von neuem Nationalismus und Religion? „Pegida“-Anhänger demonstrieren mit einem schwarz-rot-gold angemalten Kreuz in Dresden. (dpa / Kay Nietfeld)
Ob Religion Nationalismus verstärkt oder sich ihm entgegen stellt, hängt von den Frontverläufen in einer Gesellschaft ab, sagt Hans Joas. Auch das Christentum laufe trotz seines „Menschheitsethos“ Gefahr, mit nationalen Interessen zu verschmelzen.

Hans Joas im Gespräch mit Anne Françoise Weber | Deutschlandfunk Kultur

Anne Françoise Weber: Schwarz-rot-golden angemalte Kreuze sind bisweilen bei Pegida-Demonstrationen zu sehen – sinnbildlicher kann man die Verbindung von neuem Nationalismus und Religion ja eigentlich kaum machen. Das Ganze ist kein rein deutsches Phänomen, hier noch zwei andere Beispiele: 2016 feierte der polnische Staatspräsident das 25-jährige Bestehen des privaten nationalkatholischen Senders Radio Maryja mit. Und der ungarische Ministerpräsident Victor Orbán, selbst Calvinist, will das „christliche Europa“ vor dem Islam retten, und dazu schließt er vorsorglich erst mal die Grenzen seines Landes.

Wie funktioniert dieses Zusammengehen von Religion und neuem Nationalismus? Ist das ein spezifisch europäisches Phänomen, eine Gegenreaktion auf die europäische Einigung? Mit solchen Fragen hat sich in den vergangenen Tagen eine Konferenz des Instituts für öffentliche Theologe der Berliner Humboldt-Universität befasst. Einer der Mitwirkenden war Hans Joas, Sozialphilosoph und Ernst-Troeltsch-Professor für Religionssoziologie eben an der Humboldt-Universität. Ich habe vor der Sendung mit ihm gesprochen und ihn gefragt: Herr Joas, bevor wir jetzt auf die neuen Nationalismen in Europa kommen, ein Schritt zurück – wie viel hat denn die Überwindung des Nationalismus, die europäische Einigung mit Religion zu tun? Es ist ja doch auffällig, dass die Protagonisten der Einigung – Adenauer, de Gaulle oder Robert Schuman – alles gläubige Katholiken waren.

Hans Joas: Also was diese Frühgeschichte der europäischen Einigung betrifft, gibt es ganz verschiedene Erzählungen, und das halte ich auch für ziemlich natürlich. Wenn etwas kontrovers ist, kämpft man auch um die Erzählungen der Entstehung dieses Phänomens. Die einen betonen sicher, wie Sie gerade, dass es eine Art Vision gab für eine künftige, friedliche Ordnung in Europa und dass die sehr stark mit Religion zusammenhing. Die anderen betonen eher, dass es strategische Motive waren, und legen den Akzent darauf, dass das ja nur eine Friedensordnung in Europa sein sollte, dass beispielsweise die Franzosen und die Briten in derselben Zeit sich um die Aufrechterhaltung ihrer Kolonialreiche mit allen Mitteln bemüht haben, auch mit brutalen, kriegerischen Mitteln …

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Zufall oder Zwang: Der Streit um das Wesen der Evolution

Dem Einschlag eines Asteroiden wird nicht nur die Verantwortung für das Ende der Dinosaurier zugeschrieben, er formte auch den 180 Kilometer weiten Chicxulub-Krater (imago / Leemage)
Es ist eine der größten Fragen der Biologie: Ist das Auftreten des Menschen ein unwahrscheinlicher Zufall in der Evolution? Oder musste es auf die eine oder andere Weise zwangsläufig auf die Entwicklung der menschlichen Spezies hinauslaufen?

Von Dagmar Röhrlich | Deutschlandfunk

Harry Whittington war fassungslos. Der Cambridge-Forscher hatte 1972 in einem Vortrag ein Fossil aus einer berühmten Fundstätte in den kanadischen Rocky Mountains vorgestellt, den Burgess-Shales. Die Schiefer sind mehr als 500 Millionen Jahre alt und stammen aus der Zeit der Kambrischen Explosion. Damals tauchten große Tiere scheinbar aus dem Nichts auf. Und eines war Opabinia, dessen Rekonstruktion das Publikum gerade mit einem Lachkrampf bedacht hatte. Denn Opabinia hatte fünf Augen auf dem Kopf und einen Rüssel mit Greifzange an der Spitze.

„Als in den 70er- und 80er-Jahren die ersten Rekonstruktionen der Fossilien aus den Burgess-Shales vorgestellt wurden, schienen die Körperpläne der Tiere vollkommen anders zu sein als alles, was wir kennen.“

Die Tiere erschienen fremdartig, erinnert sich Simon Conway Morris von der University of Cambridge. Und auch er war der Überzeugung, dass es von ihnen keinerlei Nachfahren gebe. Und dieser Gedanke war der Grundstein für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung, die bis heute nachhallt:

„Stephen Jay Gould hat aus dieser Überzeugung dann die berühmte Frage entwickelt: Wenn wir zur Lebenswelt der Burgess Shales zurückkehrten und von da an das Band des Lebens neu abspielen könnten: Würde es sich zu den Formen entwickeln, die wir heute sehen? Würde es Menschen geben? Für ihn – und damals auch für mich – lautete die Antwort: Nein. Der Mensch wäre sozusagen ein Unfall in der Geschichte.“

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