Archiv der Kategorie: Geschichte

Joss Whedon: Politicians Who Deny Climate Change ‘Deny Basic Scientific Truth’

Avengers’ writer and director Joss Whedon is quite familiar with dystopian futures. CREDIT: Photo by Jordan Strauss/Invision/AP

If there’s anything to be gleaned about Joss Whedon’s worldview from his hit show Firefly, it might be that he’s pessimistic about the future of politics.


By Emily Atkin|CLIMATEPROGRESS

“Nothing will change in the future,” Whedon, who also wrote and directed the enormously successful Avengers movie, once said about the dystopian universe depicted in Firefly. “Technology will advance, but we will still have the same political, moral, and ethical problems as today.”

On Wednesday — Earth Day — Whedon revealed that he thinks one of those political problems of today is climate change. In a series of tweets, the Buffy the Vampire Slayer creator chastised U.S. politicians who don’t accept climate science, saying they are denying “basic scientific truth.”

“The climate IS changing — if we can’t, that makes us dumber than weather #ClimateChangeIsReal,” he tweeted. “Policy makers who deny basic scientific truth should also be denied penicillin, horseless carriages, [and] air time on the magic box of shadows,” read a subsequent tweet.

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“Zeugen Jehovas zerstören Menschenleben”

wachtturm„Ich bin der Ansicht, dass du ein Anrecht darauf hast, zu wissen, wie der Redaktionsalltag der ‘Paradies GmbH’ so aussieht. Das sind die Menschen, auf deren Führung du während des Weltuntergangs vertrauen sollst. […] Menschen, die behaupten, in Gottes Auftrag zu handeln. Menschen, die […] behaupten, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben […] Menschen, die keine Widerrede dulden und jeden Widerspruch mit sozialer Isolation bestrafen. Menschen, die Menschen sterben lassen, weil sie Prinzipien reiten.” (Misha Anouk, ehemaliger „Zeuge Jehovas” und Buchautor)


Von Dr. Sandra Maxeiner|The Huffington Post

Heute spreche ich mit einer der interessantesten Frauen, die ich bislang interviewen durfte: Mit der 61-jährigen Margit Ricarda Rolf. Couragiert und beherzt setzt sie sich für ein „Leben ohne Angst” ein. Sie kämpft als Gründerin und Leiterin der Mobbingzentrale für Mobbingopfer und Aussteiger und engagiert sich außerdem für Menschen, die die Zeugen Jehovas – jene umstrittene Glaubensgemeinschaft, die Misha Anouk in seinem Buch als „Paradies GmbH” bezeichnet – verlassen wollen.

Sie setzt sich ein für Menschen, die sich von den Zeugen belästigt fühlen oder für solche, die Gefahr laufen in deren Fänge zu geraten. Ricarda, die selbst 15 Jahre lang Zeugin Jehovas war, möchte, dass Menschen verstehen, dass dies keine harmlose Religionsgemeinschaft ist, sondern eine destruktive Sekte, die Familien und Menschenleben zerstört. Man spürt in jedem ihrer Worte, dass es ihr ein Herzensanliegen ist.

Erst jetzt, nachdem ich das Buch „Goodbye Jehova!” von Misha Anouk gelesen habe, ahne ich, warum es Ricarda so wichtig ist, dass Menschen ohne Angst leben können – tut die „Glaubensgemeinschaft” doch wirklich alles, damit das nicht möglich ist: Ihre „Jünger” leben ständig mit einem „Schleier der Sorge, der Angst, der Verantwortung, der sich über alles legt.”

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“Hubble” – das scharfe Auge im All

Astronauten der letzten Reparaturmission haben dieses Bild von Hubble im Mai 2009 aufgenommen. Seitdem war kein Mensch mehr bei dem Weltraumteleskop. Foto: NASA/REUTERS

Es ist seit knapp 25 Jahren im All unterwegs und hat den Blick der Menschheit auf das Universum verändert: Das Hubble-Weltraumteleskop wird 25 und kommt langsam in die Jahre. Doch Ersatz ist bereits in Planung.


Von Tanja Banner|Frankfurter Rundschau

Es ist seit knapp 25 Jahren im All unterwegs und hat den Blick der Menschheit auf das Universum verändert: Das Weltraumteleskop Hubble. Am 24. April 1990 startete das Space Shuttle “Discovery” (STS-31) mit Hubble ins All, am 25. April 1990 wurde es in einer Erdumlaufbahn ausgesetzt und blickt seitdem in die Tiefen des Weltalls. In einer Höhe von etwa 550 Kilometern umkreist Hubble den blauen Planeten mit einer Geschwindigkeit von gut 28.100 Kilometern pro Stunde und blickt tief hinein ins Universum, ohne störende Wolken oder die Erdatmosphäre, die die Sicht beeinträchtigen würde. Sterne, Planeten, Galaxien – kaum etwas ist vor dem scharfen Auge Hubbles sicher.

Dabei lief zu Beginn nicht alles glatt: Ursprünglich sollte das Teleskop im Oktober 1986 von einem Space Shuttle ins All transportiert werden. Doch das “Challenger”-Unglück, bei dem im Januar 1986 sieben Astronauten ums Leben kamen, veränderte die Planung. Erst vier Jahre später, im April 1990 startete die Hubble-Mission. Das Space Shuttle “Discovery” brachte Hubble in seine Umlaufbahn. Kaum dort angekommen, sorgte jedoch ein Fehler im Hauptspiegel des Teleskops für Ärger: Die Bilder, die das Teleskop lieferte, waren nicht zu gebrauchen, eine teure Reparaturmission wurde notwendig.

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Austria: Höhere Strafen für „Adelige“ gefordert

Symbolbild / Bild: (c) APA/HELMUT FOHRINGER

Eine alte Norm sieht 14 Cent Strafe vor, wenn jemand einen Adelstitel führt. Die grüne Abgeordnete Daniela Musiol will die Strafe nun erhöhen. Doch das Gesetz steht im Verfassungsrang.


Von Philipp Aichinger|Die Presse

Adel verpflichtet. Heutzutage aber nur mehr dazu, Strafe zu zahlen. Schon 1919 wurde es verboten, sich als adelig auszugeben. Und diese Norm ist auch heute noch in Kraft, samt der damaligen Strafdrohung. Demnach droht Personen, die Adelsbezeichnungen im Namen führen, eine Verwaltungsstrafe von „20.000 Kronen“ oder „Arrest bis zu sechs Monaten“ (§ 2 Adelsaufhebungsgesetz). 20.000 Kronen – das war nicht wenig Geld: So betrug der Wochenlohn eines österreichischen Buchdruckers 1919 nur 105 Kronen, ein qualifizierter Metallarbeiter kam auf 280 Kronen. Heute aber sind 20.000 Kronen nach Inflation und diversen Umrechnungen nur mehr 14 Cent wert.

Die grüne Verfassungssprecherin Daniela Musiol will daher das Gesetz nun ändern. Sie brachte im Nationalrat einen Entschließungsantrag ein. Mit dem der „Presse“ vorliegenden Antrag soll die Bundesregierung dazu aufgefordert werden, eine Novelle samt höherer Geldstrafe für Leute, die sich als adelig bezeichnen, auszuarbeiten. Die jetzige Norm sei nämlich kein Zustand mehr, meint Musiol: „Eine derart niedrige Geldstrafe hat keinen abschreckenden Charakter und hält die Täter nicht davon ab, mit ihrem rechtswidrigen Verhalten aufzuhören“, sagt sie. Und verweist auf das republikanische Grundprinzip Österreichs.

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Tenach: Antijudaismus in neuem Gewand?

Zwei Bücher der Hebräischen Bibel: Mischlej (Sprüche, l.) und das Buch Daniel mit Kommentaren von Raschi und Abraham ibn Esra ©Thinkstock

Ein Berliner Theologieprofessor möchte die Hebräische Bibel aus dem christlichen Kanon entfernen


Von Micha Brumlik|Jüdische Allgemeine

Anfang April versandte der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (DKR) ein Schreiben, in dem er auf einen bisher nicht bekannt gewordenen Skandal hinwies: »Theologieprofessor will das Alte Testament aus der Heiligen Schrift verbannen«, so die Überschrift.

Im Text heißt es: »Mit nachfolgender Stellungnahme macht Friedhelm Pieper, evangelischer Präsident des DKR, einen theologischen Skandal im deutschen Protestantismus namhaft, der bislang beschämenderweise ohne Kritik und Widerstand im protestantischen Raum schweigend geduldet oder ignoriert wurde. Der DKR hofft, mit dieser theologischen Stellungnahme diese Mauer des Schweigens durchbrechen und eine kritische Debatte in der evangelischen Kirche anregen zu können.«

Worum geht es? Schon 2013 hatte der an der Berliner Humboldt-Universität Systematische Theologie lehrende Notger Slenczka (Jahrgang 1960) im wenig bekannten, aber renommierten Marburger Jahrbuch Theologie XXV einen Aufsatz veröffentlicht, in dem er zu begründen versuchte, warum das sogenannte Alte Testament (AT) in der Kirche keine kanonische Geltung mehr haben soll. »Damit ist aber«, so Slenczka, »das AT als Grundlage einer Predigt, die einen Text als Anrede an die Gemeinde auslegt, nicht mehr geeignet: Sie – die christliche Kirche – ist als solche in den Texten des AT nicht angesprochen.«

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Menschenversuche in Guatemala: Opfer klagen in den USA

Archivbild: John-Hopkins-Universität in den USA. / Bild: (c) Via Bloomberg News

Einige amerikanische Institutionen werden beschuldigt, mehr als 1500 Menschen ohne deren Einwilligung zu Forschungszwecken mit Geschlechtskrankheiten infiziert zu haben.


Die Presse

774 Opfer haben gegen mehrere amerikanische Institutionen wie die John-Hopkins-Universität und die Rockefeller-Stiftung in den USA wegen der Beteiligung an Menschenversuchen vor mehr als 50 Jahren in Guatemala Klage eingereicht. Das berichtete diese Woche die auf Lateinamerika spezialisierte Internet-Plattform “amerika21.de”.

Sie werden beschuldigt, in einem US-Regierungsprogramm zur Erforschung der Übertragung von Geschlechtskrankheiten von 1945 bis 1956 mindestens 1500 Menschen absichtlich und ohne deren Einwilligung mit Geschlechtskrankheiten infiziert zu haben. Unter den Opfern waren Sexarbeiterinnen, Gefangene, Soldaten, Waisenkinder und Patienten von psychiatrischen Krankenhäusern.

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Armenier und Türken: Der Konflikt reicht bis Köln

Die Türkische Nationalversammlung "Der Souverän ist ausnahmslos das Volk" (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG

Die Türkische Nationalversammlung “Der Souverän ist ausnahmslos das Volk” (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG

In diesen Tagen gedenken armenische Christen in aller Welt der Opfer des Völkermords durch das Osmanische Reich (heute Türkei) vor hundert Jahren. Die türkische Regierung bestreitet weiterhin, dass es sich um einen Genozid handelte. Ausgetragen wird dieser Konflikt überall, wo Armenier und Türken aufeinandertreffen – auch in Köln, dem Sitz der größten armenischen Kirchengemeinde Deutschlands.


Von Helene Pawlitzki|evangelisch.de

Als der Gottesdienst beginnt, ist die Luft in der Surp Sahak Mesrop-Kirche bereits voller Nebel und Musik. Eine Stunde lang haben Pfarrer Hratsch Biliciyan und seine Diakone gesungen, immer im Wechsel. Drei Ministranten haben dazu Weihrauchgefäße geschwenkt. Als nun, um halb elf, die Vorfeier vorbei ist und der eigentliche Gottesdienst beginnt, kommen nach und nach immer mehr Menschen in die Kirche: große und kleine Familien, junge und alte Pärchen, Teenager mit ihren Freunden, Kinder mit ihren Großeltern. Am Ende des zweieinhalbstündigen Gottesdienstes wird die Kirche so voll sein, dass einige von ihnen keinen Sitzplatz mehr bekommen.

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Türkei beruft Botschafter nach Ankara ein

Recep Tayyip Erdogan (Bild: Regierung v. Chile, CC-BY 3.0)

Recep Tayyip Erdogan (Bild: Regierung v. Chile, CC-BY 3.0)

Die Regierung in Ankara protestiert mit der Maßnahme gegen die Verwendung des Wortes “Völkermord” in einer Erklärung des österreichischen Nationalrats.


Die Presse

Die türkische Regierung hat aus Protest gegen die Erklärung des Österreichischen Nationalrats zum Völkermord an den Armeniern 1915 ihren Botschafter Mehmet Hasan Gögüs zu Konsultationen nach Ankara einberufen.  Davon informierte Gögüs die “Presse” Mittwochabend auf dem Weg zum Flughafen.

Dies sei ein erster Schritt, sagte der Botschafter und kündigte eine offizielle Stellungnahme des Außenministeriums in Ankara an.

“Aufgrund der historischen Verantwortung – die österreich-ungarische Monarchie war im Ersten Weltkrieg mit dem Osmanischen Reich verbündet – ist es unsere Pflicht, die schrecklichen Geschehnisse als Genozid anzuerkennen und zu verurteilen”, hatte es in einer Erklärung der Klubobleute Andreas Schieder (SPÖ), Reinhold Lopatka (ÖVP), Heinz-Christian Strache (FPÖ), Eva Glawischnig (Grüne), Waltraud Dietrich (Team Stronach) und Matthias Strolz (Neos) am Dienstag geheißen, und weiter:  “Ebenso ist es die Pflicht der Türkei, sich der ehrlichen Aufarbeitung dunkler und schmerzhafter Kapitel ihrer Vergangenheit zu stellen und die im Osmanischen Reich begangenen Verbrechen an den Armeniern als Genozid anzuerkennen.”

Studie: Kein Autismus durch Masern-Impfung

Bild: Centers for Disease Control/Barbara Rice (Public Domain - USGov)

Bild: Centers for Disease Control/Barbara Rice (Public Domain – USGov)

Erneute Entwarnung: Die Angst vor einem erhöhten Autismus-Risiko von Kindern durch die Masern-Mumps-Röteln -Impfung ist unbegründet. Das belegt die bisher größte Studie dazu mit gut 95.000 Kindern. Sie zeigt erneut, dass unter den als Säugling geimpften Kindern nicht mehr Autismus-Fälle auftreten als bei den nichtgeimpften. Dies galt selbst in den Familien, in denen es bereits ältere Geschwister mit Autismus gab, wie die Forscher im Fachmagazin “JAMA” betonen.


scinexx

Das Gerücht, die Masern-Mumps-Röteln-Kombinationsimpfung (MMR) würde Autismus verursachen, kuriert seit Ende der 1990er Jahre. Auslöser war damals eine Veröffentlichung im Fachmagazin “The Lancet”, die sich hinterher nicht nur als falsch herausstellte, sondern sogar als teilweise auf gefälschten Daten beruhend. Seither haben zahlreiche Studien diesen vermuteten Zusammenhang wiederlegt.

Längst widerlegt – doch Ängste bleiben

Zudem weiß man heute, dass sich Indizien für einen Autismus bei den betroffenen Kindern schon lange vor der Impfung feststellen lassen: Sie zeigen unter anderem veränderte Hirnströme und ein stärkeres Kopfwachstum. Die auffallenden Symptome im Verhalten treten allerdings meist erst mit etwa eineinhalb bis zwei Jahren auf – und damit nach der MMR-Impfung. Deshalb hält sich die Angst mancher Eltern vor der Impfung hartnäckig – auch angeheizt durch Impfgegner.

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Holocaust Polen: FBI-Chef nennt Polen „Komplizen“

US-Botschafter Stephen Mull (rechts) legt Blumen am Denkmal für den Aufstand im Warschauer Ghetto nieder. Jetzt muss er einmal wieder die Wogen zwischen Warschau und Washington glätten. Foto: dpa

James Comeys Aussage über die Rolle von Polen als „Komplizen“ der Nazi-Mörder verärgert die Regierung in Warschau. Hier sorgen missverständliche oder falsche Aussagen über die Rolle Polens während des Holocaust regelmäßig für Empörung.


Von Jan Opielka|Frankfurter Rundschau

Alles andere als differenziert war der US-amerikanische Chef des FBI, James Comey, mit seiner Aussage zu Ursachen des Holocaust nicht. Am Donnerstag hatte Comey in einem Beitrag für die „Washington Post“ geschrieben, „die Mörder und ihre Komplizen in Deutschland, Polen und Ungarn, und vielen anderen Orten“ hätten wegen ihrer Überzeugung nichts Böses getan. „Sie versicherten sich selbst, dass es die richtige Sache war, die sie tun mussten“, so Comey, der ausgerechnet die Bildung über den Holocaust für FBI-Agenten thematisierte.

In Polen traf diese Aussage auf ein ungeteilt kritisches Echo. Präsident Bronislaw Komorowski sprach von „Ignoranz und dem Mangel an historischem Wissen“. Regierungschefin Ewa Kopacz betonte am Sonntag, das Land sei „nicht Täter, sondern Opfer des Zweiten Weltkrieges“ gewesen. Das Außenministerium in Warschau berief den US-Botschafter in Polen ein und verlangt in einer Protestnote eine Entschuldigung seitens der USA. Tatsächlich stellte US-Botschafter Stephen Mull klar, dass die Worte Comeys nicht die Position der US-Regierung wiedergäben. Das FBI hat bislang nicht auf den Protest geantwortet.

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Völkermord an den Armeniern: „Es gab eine direkte deutsche Schuld”

Genozid-Gedenkstätte in der armenischen Hauptstadt Eriwan. picture alliance

Die Bundesregierung hat sich schwer getan mit dem Wort „Völkermord” in Bezug auf die Verbrechen an den Armeniern 1915. Der armenische Historiker Gerard Libaridian, dessen Großvater dank der Intervention eines deutschen Soldaten überlebte, sieht eine Mitverantwortung des Deutschen Reiches.


Von Krisztian Simon|Cicero

Gerard Libaridian war bis 2012 Professor für moderne armenische Geschichte an der University of Michigan. In den neunziger Jahren arbeitete er als Berater des armenischen Präsidenten und war auch Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates, wo er sich mit türkisch-armenischen Beziehungen befasste. Er ist Autor und Herausgeber mehrerer Bücher über das moderne Armenien.

Herr Libaridian, nach dem Ersten Weltkrieg hat der letzte Sultan des Osmanischen Reiches, Mehmed VI., ein Sondermilitärgericht  eingerichtet, um gegen die Täter zu verhandeln. Mehrere Leute wurden damals hingerichtet. Warum gab es nach diesem viel versprechenden Anfang keine wirkliche Aufarbeitung der Geschehnisse?
Das Sondergericht war wichtig und brachte sehr viele Informationen zutage. Aber das Gericht wurde nur auf Druck der Alliierten eingerichtet. Nach der Machtübernahme Mustafa Kemals wurde es wieder eingestellt. Kemal wusste natürlich, was mit den Armeniern passiert war, aber er wollte nicht, dass sein neuer Staat von der Vergangenheit gefangen gehalten wurde. In seinem Nationalstaat sollte die Geschichte erst mit dem Jahr 1919, also mit seiner Ankunft in Anatolien anfangen. Die Ideologie der neuen Türkei ließ es nicht zu, dass man über diese Geschehnisse sprach.
Das heutige Leugnen hat aber auch andere Gründe. Manche Leute wollen nicht mit der möglichen Schuld ihrer Väter oder Großväter konfrontiert werden. Dabei wissen sehr viele gar nicht, was passiert ist. Da ist einerseits der schlechte Unterricht Schuld. Aber man muss auch wissen, dass das Alphabet im Jahre 1928 geändert wurde. Die neuen Generationen konnten also die alten Texte, die sich mit diesen Geschehnissen befasst haben, gar nicht mehr verstehen. Und natürlich will die Politik auch nicht, dass man sich mit diesen Fragen beschäftigt. Der heutige Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan sagte noch in seiner Zeit als Ministerpräsident, ein Muslim könne per definitionem keinen Völkermord begehen. Das zeigt sehr klar, was seine Haltung zur Genozidfrage ist, obwohl man auch sehen kann, dass sich unter Erdoğan die Situation etwas verbessert hat. Zum Beispiel wird kein Strafverfahren mehr eingeleitet, wenn jemand das Wort „Völkermord” im Zusammenhang mit diesen Geschehnissen benutzt.

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Rätsel um Kalten Fleck gelöst?

Der Kalte Fleck (Kreis) hebt sich deutlich von den sonstigen Fluktuationen in der kosmischen Hintergrundstrahlung ab. © ESA Planck Collaboration

Gigantische Anomalie: Ein riesiger kalter Fleck im kosmischen Mikrowellen-Hintergrund gibt seit Jahren Rätsel auf. Jetzt könnten Astronomen eine Erklärung gefunden haben: eine gigantische fast leere Zone im All, die direkt vor dem kalten Fleck liegt. Sie ist 1,3 Milliarden Lichtjahre groß und damit die größte kosmische Struktur, die jemals beobachtet wurde, wie die Forscher berichten. Diese “Super-Leere” könnte die Hintergrundstrahlung so beeinflussen, dass der Eindruck eines kalten Flecks entsteht.


scinexx

Der “Kalte Fleck” gibt seit mehr als zehn Jahren Rätsel auf. Denn in ihm liegt die Temperatur des kosmischen Mikrowellenhintergrunds deutlich unter denen des sonstigen kosmischen Mikrowellenhintergrunds. Auch die normalen Fluktuationen der Hintergrundstrahlung können ein so großes, ungewöhnlich kaltes Gebiet im All nicht erklären. “Das ist die größte Einzelstruktur, die die Menschheit jemals entdeckt hat”, erklärt Istvan Szapudi von der University of Hawaii in Manoa. “Die Erklärungen dafür reichen von einem statistischen Fehler bis hin zu bisher unentdeckter Physik.”

Neue Physik oder Vordergrundstruktur?

Wäre der Kalte Fleck wie die restliche Hintergrundstrahlung kurz nach dem Urknall entstanden, dann könnte es ein Zeichen für bisher unbekannte Prozesse in dieser frühen Urzeit des Kosmos sein. Theoretisch wäre es aber auch möglich, dass der Fleck durch sekundäre Effekte verursacht wird, beispielsweise Strukturen im kosmischen Vordergrund, die die Hintergrundstrahlung auf ihrem Weg zu uns verändern.

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Putin schenkte Tsipras verschwundene Ikone aus Sparta

Friedrich-Wilhelm Müller(l), Bild: http://www.militaryphotos.net

Als “Osterüberraschung” hat der russische Präsident Wladimir Putin Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras bei dessen Besuch in Moskau eine wertvolle Ikone aus dessen Heimat zurückgegeben, wie die deutsche katholische Nachrichtenagentur KNA am Dienstag berichtet. Das Doppelbild mit den heiligen Nikolaus und Spyridon war während der deutschen Besatzung aus einem Kloster bei Sparta “verschwunden”. Nach Berichten von Augenzeugen hatte es sich General Friedrich-Wilhelm Müller während seiner Stationierung auf dem griechischen Festland angeeignet.


kathweb

Der spätere Kommandant der “Festung Kreta” wurde nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 bei Athen als Kriegsverbrecher hingerichtet. Danach verlieren sich die Spuren der geraubten Ikone. Bisher wurde angenommen, dass sie als sowjetische Kriegsbeute aus Deutschland – Müller war zuletzt Kommandant der 4. Armee in Ostpreußen – nach Moskau gelangt sei.

Nach der jetzigen Darstellung von Putins Pressesprecher Dimitri Peskow habe sie aber erst unlängst ein russischer Sammler den Erben von General Müller abgekauft. Der Sammler wollte sie demnach den Griechen zurückgeben.

Warum zum Geier eine Religion auf Greifvögel angewiesen ist

In Zoroastrismus gelten Frauen zu gewissen Zeiten als unrein – und sind von religiösen Handlungen ausgeschlossen. Keystone

Geier sind für diese Religion unersetzlich: Denn im Zoroastrismus werden die Toten weder verbrannt, noch beerdigt – sondern eben den Aasfressern überlassen. Weil Geier immer seltener werden, steht die kleine, aber alte Religionsgemeinschaft vor grossen Herausforderungen.


Von Deborah Sutter|SRF

Bisher waren die Geier sozusagen die Bestatter: Traditionellerweise legen Zoroastrierinnen und Zoroastrier in Indien und im Iran ihre Toten in runde Türme, die sich ausserhalb der Stadt befinden und die nach oben offen sind.

Das war eine sehr schnelle Angelegenheit: «Ein Leichnam war innerhalb von sechs Stunden mehr oder weniger restlos weg, so dass nur noch Knochen übrig waren. Diese Knochen verfielen in der heissen Sommersonne relativ schnell zu Staub. Das Problem heute ist aber, dass es praktisch keine Geier mehr gibt in Indien», sagt die Religionswissenschaftlerin Dorothea Lüddeckens.

Die Geier sterben, weil sie Kadaver von Rindern fressen, die mit einem für Geier giftigen Medikament behandelt worden sind. «Die Gemeinschaft der Zoroastrier sucht unter Hochdruck nach Lösungen», so Dorothea Lüddeckens. Sie hat den Zoroastrismus jahrelang erforscht und reist immer wieder nach Mumbai. 60’000 Gläubige leben dort, von insgesamt etwa 130‘000.

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The Humanness of Death

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Image: ​Richard Cassan/Flickr

I’ve got some bad news: You’re going to die. Well, probably; thanks to the new wave of immortality innovation, you might not.


By Ryan Haupt|MOTHERBOARD

So what happens if we ditch our biological bodies for technological ones that don’t face the limitations of organic DNA and death? Technological evolution has the potential to decouple us from death and other basic biological constraints, which would allow us to move forward with the group instead of waiting to become obsolete and, well, dead. This is probably a good thing, but also a potentially terrible thing too.

If you have offspring, that offspring isn’t you. They have some of your DNA and some of your partner’s in a new combination that adds variation to the population at large. This is how evolution works—it’s not like X-Men or Pokemon, where an individual can evolve in their own lifetime. Evolution acts on the population, not the person.

I think this is the greatest tragedy of evolution. It doesn’t happen to each of us; it happens to all of us. And the only way for the whole to progress is for you, me, and everyone else to eventually be left behind.

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Aubrey de Grey argues that aging is a disease that can be cured, which relies on the technological form of evolution, not the biological one.

Is It Finally Game Over for Ethanol?

Ethanol plant in West Burlington, Iowa. Image: ​Wiki

Remember ethanol? Once America’s magic elixir for energy independence, the biofuel has spent a few years out of the national limelight. Now, the corn ethanol industry is back in the headlines over a growing movement to strip the ethanol industry of federal subsidies and blend quotas, which guarantees sales to corn growers, and is decried as an unnecessary handout by critics.


By Leandro Oliva|MOTHERBOARD

At the same time, the corn ethanol industry continues to respond to criticisms that biofuels present little environmental benefit, and that the growing of staple crops like corn for use as fuel represents a threat to global food production.

The key to America’s corn ethanol industry’s future is the 2014 Renewable Fuel Standard, which for reasons that could make sense only to bureaucrats and their industry appendages, has yet to be determined, and will set ethanol production mandates and determine ethanol blend limits last set in 2005.

At the same time, the US shale gas boom has led to a slump in oil prices, and profit margins have been wiped out for many corn ethanol producers, some of which have already scaled back operations.

The next few months could well prove to be the moment of truth for the industry as a whole, as the one-two punch might bring the whole enterprise to a screeching halt. All of this is a far cry from what the situation was about a decade ago, so where did things go off the rails?

Historically, it was buoyed by Jimmy Carter’s move in 1980 to enact the Energy Security Act in the wake of the OPEC oil embargo, and given another bump upwards by amendments to the Clean Air Act by 1990 that required “oxygenates” in fuel to decrease smog. Blends of ethanol available in the Midwest’s corn belt met that requirement. Coincidentally, the other popular oxygenate used in the US is MTBE, a petroleum product.

Biofuels again became fashionable during the end of the Bush administration, when high oil prices and environmental concerns pushed the US government to redraw energy policy to address both high dependency on foreign oil producers, as well as emissions standards.

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Man möchte Luther schon jetzt ins Grab kotzen

Margot-KässmannWas ist Kirche noch wert heute? Brauchen wir sie überhaupt? Die Entwicklung ist eindeutig: 2014 haben die beiden großen Kirchen in Deutschland haben noch mehr Mitglieder verloren als in den Jahren zuvor.


Von Jan David Sutthoff|The Huffington Post

Dennoch: Kirche ist wichtiger denn je, sagt die Theologin und Pfarrerin Margot Käßmann. Deutschlandweit bekannt wurde sie als Landesbischöfin in Hannover und als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland – von beiden Ämtern trat sie im Februar 2010 nach einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss zurück. Aber ihr Wort hat noch immer Gewicht in der Gesellschaft.

Im exklusiven Interview mit der Huffington Post kritisiert sie die Kirche für ihre Abgehobenheit und die Deutschen für ihre Gleichgültigkeit. Und sie sagt, warum von Entwicklungen wie Pegida momentan keine Gefahr ausgeht.

Huffington Post: Frau Käßmann, Sie sind Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017. Wozu ist so ein Jubiläum gut, wenn sich eh niemand mehr für Kirche interessiert?
Margot Käßmann: Damit wir zurückblicken, aber auch nach vorn schauen. Die Frage ist: Was ist reformatorisch heute? Wo stehen die Kirchen heute?

HuffPost: Wo stehen die Kirchen denn heute?
Käßmann: Mir ist wichtig, dass die Reformatoren gebildeten Glauben wollten. Luther wollte die Volksschule für alle. Die Menschen sollten selber denken, nicht nur übernehmen, was andere ihnen sagen. Selber lesen, selber denken. Das ist auch heute eine wichtige Ansage.

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KZ Neuengamme: Wenn Opa ein Nazi-Mörder war

Neugestaltung des ehemaligen Stammlagers. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 2.0 de

Kinder und Enkel von NS-Tätern treffen sich in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, um die Geschichte ihrer Eltern und Großeltern kennenzulernen. Auch, wenn dabei die Familien-Fassade zerbrechen kann.


Von Per Hinrichs|DIE WELT

Als der Abspann über die Leinwand zieht, gibt es kaum jemandem im Gruppenraum der ehemaligen Häftlingsunterkunft, der keine roten Augen hat. Einer schneuzt sich, eine weint leise in ihr Taschentuch, eine andere heult hemmungslos drauflos. “Ich finde das nicht fair, uns mit diesen Szene zu konfrontieren”, sagt die 35-jährige Annika (Name geändert) unter Tränen. Zuvor sahen die Teilnehmer der Gruppe historische Aufnahmen in Schwarz-Weiß von der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen im April 1945 – ausgemergelte Gestalten blicken in die Kameras, Leichenberge sind zu sehen, immer wieder tote, halb verhungerte, geschundene Körper.

Die Szenen stammen aus dem Film “Close to Evil”, der die Geschichte des Holocaust-Überlebenden Tomi Reichental wiedergibt. Der Jude wurde mit neun Jahren ins KZ Bergen-Belsen verschleppt und versuchte 2014 erfolglos, die heute 93-jährige Hamburgerin Hilde Michnia zu treffen, die in dem Lager als Aufseherin arbeitete – ein Film über Schuld, Wahrheit und Versöhnung, der eine Strafanzeige gegen die ehemalige SS-Angehörige und ein Ermittlungsverfahren der Hamburger Staatsanwaltschaft nach sich zog.

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Erdoğan will Papst strafen und Hagia Sophia in Moschee umwandeln

Mit seinen Äußerungen könnte Papst Franziskus den Moschee-Befürwortern in die Hände gespielt haben. (Foto: Flickr/ Hagia Sophia, Istanbul at dusk by David Spender CC BY 2.0)

Papst Franziskus hat die Vorfälle des Jahres 1915 als ersten Genozid des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Diese Einschätzung könnte jetzt die Wiedereröffnung der berühmten Hagia Sophia als Moschee beschleunigen. In den Reihen der Bürger und der Politik gibt es seit Jahren Bestrebungen in diese Richtung.


Deutsch Türkische Nachrichten

Forderungen, die weltbekannte Hagia Sophia wieder zur Moschee zu machen, sind in der Türkei nicht neu. Jetzt könnte jedoch ausgerechnet das Oberhaupt der Katholischen Kirche diese mit seiner Einschätzung der Ereignisse von 1915 befeuert haben. Zuletzt beschäftigte sich das türkische Parlament im Jahr 2013 mit einem entsprechenden Antrag auf Nutzungsänderung.

„Ich glaube ehrlich gesagt, dass die Bemerkungen des Papstes den Prozess, die Hagia Sophia, für die Anbetung wieder zu eröffnen, nun beschleunigen werden“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet den Mufti von Ankara, Professor Mefail Hızlı. Hızlı zufolge hätte die Aussage des Papstes die „moderne Couleur der Kreuzzüge“ gehabt, die in diesen Ländern seit Jahrhunderten geführt würden. Diese Länder seien jedoch seit langem die „Fahnenträger“ der muslimischen Welt, was viele Feinde, sowohl innerhalb als außerhalb des Landes sowie Angriffe mit verschiedenen Methoden bedeuten würde.

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Völkermord an Armeniern: Der geleugnete Genozid

Im Hintergrund des Denkmalkomplexes in Jerewan liegt der Sehnsuchtsort der Armenier: der Berg Ararat. / Bild: (c) Streihammer

Der Völkermord treibt viele Armenier im Schatten des Ararats noch heute um. Auch, weil mit der Katastrophe Politik gemacht wird.


Von Jürgen Streihammer|Die Presse

Die 102 Jahre alte Frau sagt kein Wort. Amaljan Arevalujs richtet sich das Kopftuch, dann legt sie die faltigen Hände in den Schoß und fixiert mit finsterem Blick den Boden. Also erzählen der Sohn, 80 Jahre jung, seine Frau und die Gattinnen der Enkelkinder die Lebensgeschichte der Amaljan Arevalujs, die da auf der Couch kauert. Es ist ein Drama. Ohne Happy End.

Zwei Jahre ist Amaljan Arevalujs alt, als sie 1915 ihren Vater töten. Amaljans Mutter, „eine bildhübsche Frau“, wird mit dem Pascha verheiratet. Eine Hochzeit mit einem Türken, die Amaljan das Leben rettet – und die sie ihrer Mutter trotzdem nie verzeihen wird. „Für mich ist sie tot. Sie hätte bei uns bleiben und wir hätten gemeinsam sterben sollen.“ Das habe sie oft gesagt, erzählt die Familie. Und sie meint es so. Die Mutter setzt sich Jahrzehnte später aus der Türkei zu Brüdern nach Syrien ab („sie wollte als Armenierin sterben“) und erfährt dort, dass ihre Tochter noch lebt – und zwar seit 1926 in Armeniens Hauptstadt Jerewan. Aber Amaljan lehnt ein Wiedersehen ab. Die Mutter stirbt, so erzählen sie es, im Alter von 107 Jahren – ohne die Tochter noch einmal in die Arme geschlossen zu haben. „Wie soll ich vergessen?“ Vor 100 Jahren bricht Medz Yeghern, also „die große Katastrophe“, über die Armenier herein. Die systematische Vertreibung und Vernichtung im Osmanischen Reich reißt nach Angaben Armeniens 1,5 Millionen Angehörige des Christenvolks in den Tod. Die Überlebenden verstreuen sich über die ganze Welt, eine große Diaspora hält sich fest an der Erinnerung an die Massaker, die der Rechtsnachfolger des Osmanischen Reiches, die Türkei, bis heute nicht als Genozid anerkennen will. Im heutigen Armenien, diesem verarmten, seit 1991 unabhängigen Kaukasus-Staat östlich der Türkei, ist der Genozid ein nationales Trauma. Auch weil sie hier das Gefühl haben, dass der Völkermord ohne Anerkennung der Türkei politisch ungesühnt bleibt.

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