Archiv der Kategorie: Geschichte

Weltanschauung vieler Muslime nicht kompatibel

Bild: Reuters
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Ich werde hier nicht wiederholen, was Sie bereits überall gehört haben. Ich werde also nicht schreiben, dass zum Beispiel die Anschläge von Paris ohne Beispiel sind. Das sind sie nicht. Ich werde auch nicht sagen, dass daraufhin alle Welt an der Seite Frankreichs stand. Das ist nur eine leere Phrase. Daran glaubte ich ebenso wenig wie an die Ankündigung des französischen Präsidenten François Hollande, erbarmungslos Rache zu nehmen. Stattdessen werde ich Ihnen zeigen, wie unser Umgang mit dem Terrorismus zum Zerfall unserer Zivilisation führt.

Von Niall Ferguson|The European

Der englische Historiker Edward Gibbon beschrieb Ende des 18. Jahrhunderts die Plünderung Roms folgendermaßen: „Die Straßen waren übersät mit blutenden Körpern. Wann immer die Barbaren auf Widerstand trafen, massakrierten sie auch noch die Schwachen, Unschuldigen und Hilflosen.“ Beschreibt das nicht auch die Szenen, die wir im vorigen Jahr in Paris beobachten mussten?

Ende der Zivilisation?

Mein Kollege Bryan Ward-Perkins sieht den Untergang des Römischen Reichs als den Zerfall einer komplexen Zivilisation. Er spricht gar vom “Ende der Zivilisation”. Andere Historiker betonen die Rolle der Völkerwanderung und der organisierten Gewalt für den Untergang Roms.

Ähnliche Kräfte sind heute dabei, die Europäische Union zu zerstören. So, wie das Römische Reich im frühen fünften Jahrhundert nach Christi Geburt seinen äußeren Feinden das Feld überließ, so lässt auch Europa heute seine Verteidigungsbereitschaft zerbröseln. Im gleichen Maße wie der Reichtum Europas gewachsen ist, hat seine militärische Leistungsfähigkeit nachgelassen und ist sein Selbstbewusstsein gesunken. Diese Dekadenz zeigt sich in den Shopping Malls und in den Sportstadien. Zur gleichen Zeit hat Europa seine Türen geöffnet für Außenseiter, die am Reichtum des Kontinents teilhaben wollen, ohne aber der Gewalt des Glaubens ihrer Vorfahren abzuschwören.

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Ernst Mach: Einsteins österreichischer Seelenverwandter

foto: picturedesk.com/imagno “Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Mach auf die Relativitätstheorie gekommen wäre, als er jugendfrischen Geistes war”, schrieb Albert Einstein (unten) in seinem Nachruf auf den Physiker Ernst Mach (oben), der am 19. Februar 1916 starb.
Einer der einflussreichsten Denker rund um 1900 starb vor genau hundert Jahren. Auch Albert Einstein verehrte den Physiker und Philosophen

Von Karl Sigmund|derStandard.at

Das Ende kam nicht unerwartet: “Seien Sie nicht zu sehr überrascht”, hatte Ernst Mach seinem jungen Anhänger geschrieben, dem Physiker Friedrich Adler, “wenn Sie hören, ich hätte mich in das Nirwana zurückgezogen, wozu es ja eigentlich schon Zeit wäre.

” Auf dem Partezettel, den Mach eigenhändig verfasst hatte, stand: “Bei seinem Ausscheiden aus dem Leben grüßt Professor Ernst Mach alle, die ihn kannten, und bittet, ihm ein heiteres Andenken zu bewahren.” Heiter hatte er sich auch bei seinem Abschied aus Wien von der Akademie der Wissenschaften abgemeldet: “Sollte dieser Brief mein letzter sein, so bitte ich nur anzunehmen, dass Charon, der alte Schalk, mich nach einer Station entführt hat, die noch nicht dem Welt-Post-Verein angehört.”

Die letzten drei Jahre hatte Mach in häuslicher Pflege bei seinem Sohn Ludwig in der Nähe Münchens verbracht. Mach starb am 19. Februar 1916, am Tag nach seinem 78. Geburtstag. Friedrich Adler veröffentlichte einen mehrseitigen Nachruf für die von seinem Vater Victor Adler herausgegebene “Arbeiter-Zeitung”. Auch zahlreiche andere Zeitungen widmeten Machs Leben und Werk umfangreiche Betrachtungen. Sie verdrängten die üblichen Schlachtberichte von den ersten Seiten. Das Toben des Weltkriegs habe Ernst Mach in seiner Einsamkeit nur mehr ganz schwach vernommen, schrieb Friedrich Adler, “abseits von jener Welt, in der alle Furien der Barbarei entfesselt sind”.

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Weniger Schnee: Wie lange können wir noch in Deutschland Ski fahren?

Bei Plusgraden am Fichtelberg können auch die Schneekanonen nicht mehr helfen. Foto: picture alliance / ZB
Der Klimawandel verändert die Zukunft des Skitourismus in Deutschland. 61 Prozent der Skigebiete in den Bayerischen Alpen sind laut Bundesregierung bald nicht mehr schneesicher. Rund ein Drittel könnte nur mit Kunstschnee überdauern.

Von Rebecca Häfner|greenpeace magazine

Schon ein Temperaturanstieg um zwei Grad Celsius hat drastische Auswirkungen für die Skigebiete in den Alpen und den Mittelgebirgen in Deutschland. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag hervor. So steigt bei zwei Grad mehr die Schneegrenze um 300 Meter an. Bereits seit drei Jahren sei die Hälfte der Skigebiete in den Bayerischen Alpen auf Kunstschnee angewiesen, heißt es in der Antwort. Die Bundesregierung stützt ihre Aussagen dabei auf Daten einer OECD-Studie aus dem Jahr 2006 und einer beauftragten Analyse des Deutschen Alpenvereins (DAV) von 2013.

Weiter heißt es in dem Papier, dass diese Prognose nur bei einer Erwärmung um lediglich zwei Grad gelte. In diesem Szenario seien 61 Prozent der Bayerischen Alpen gar nicht mehr schneesicher. Rund ein Drittel müsste mit Kunstschnee am Leben gehalten werden. Die schneesicheren Gebiete würden auf 15 Prozent in Oberbayern und auf elf Prozent im Allgäu sinken. Nach Angaben der Bundesregierung sei aber gerade für Gebirgsregionen ein höherer Temperaturantstieg zu erwarten.

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“Wir konnten es erst gar nicht glauben”

Zwei Schwarze Löcher verschmelzen – und senden Gravitationswellen aus © Caltech
Die Entdeckung der Gravitationswellen ist nicht nur ein Meilenstein der Physik – es war auch ein echter Glücksfall. Denn die Forscher des LIGO-Kollaboration registrierten das Signal der beiden verschmelzenden Schwarzen Löcher sogar noch vor Beginn ihres offiziellen Neustarts – im Testbetrieb. LIGO-Physiker erzählen, wie dies ablief.

scinexx

Es kam völlig überraschend – und weitaus schneller als erwartet. Denn die beiden 3.000 Kilometer voneinander entfernten Detektoren der LIGO-Kollaboration sind erst im Sommer 2015 auf höhere Empfindlichkeit aufgerüstet worden. Ihr Laser-Interferometer kann seither noch zehnfach schwächere Veränderungen des Untergrunds durch Gravitationswellen detektieren.

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56 Jahre nach der Tat: Priester für Mord an Schönheitskönigin verhaftet

Bild: stern.de
1960 wird in Texas eine junge Schönheitskönigin erwürgt aufgefunden. Der mysteriöse Mordfall schockiert die USA – bleibt aber über Jahrzehnte unaufgeklärt. Jetzt hat die Polizei einen Priester verhaftet.

stern.de

Vor 56 Jahren wird Irene Garza im texanischen Örtchen McAllen ermordet. Der Fall schockiert das ganze Land und gilt lange als einer der am längsten unaufgeklärten Morde der US-Geschichte. Umso erstaunlicher die Meldung der Polizei von Texas: Laut eines Berichts der “New York Times” wurde nun ein seit Jahren Tatverdächtiger verhaftet – der 83-jährige John Feit.

Feit war damals junger Priester der Gemeinde und lebt heute zurückgezogen in Scottsdale, Arizona. Nach seiner Verhaftung wurde er in ein Gefängnis in Phoenix überstellt. Die ganze Sache ergebe aber keinen Sinn, erklärte Feit vor Gericht – schließlich sei das Verbrechen bereits 1960 verübt worden. “Es gibt keine Verjährung für diese Art von Verbrechen”, erwiderte Paula Williams, Vorsitzende des Gerichts.

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Erbe der Urzeit: Neandertaler-Gene machen uns krank – zumindest ein bisschen

Der Mensch und sein Urahn. Spuren des genetischen Einflusses des ausgestorbenen Neandertalers (rechts) finden sich bei Europäern und Asiaten. – Montage: Vanderbilt University
Von der Haut bis zur Psyche: Wie Erbanlagen vom Neandertaler die Gesundheit des heutigen Menschen beeinflussen.

Von Hartmut Wewetzer|DER TAGESSPIEGEL

Vor rund 60.000 Jahren brach der moderne Mensch aus Afrika in Richtung Europa und Asien auf. Dort vermischte er sich mit seinem Cousin, dem Neandertaler. Noch heute finden sich die genetischen Spuren dieser Liaison im Erbgut der Europäer und Asiaten. Zwischen ein und vier Prozent ihrer Erbinformation DNS entstammen dem Neandertaler. Forscher haben nun in einer im Fachblatt „Science“ veröffentlichten Studie untersucht, wie sich die Neandertaler-Gene auf den Körper und seine Krankheiten auswirken – und sind dabei auf bemerkenswerte Spuren des ausgestorbenen Verwandten gestoßen.

„Das Hauptergebnis ist, dass die Neandertaler-DNS bestimmte medizinische Merkmale des modernen Menschen beeinflusst“, sagte der Studienleiter John Capra von der Vanderbilt-Universität im amerikanischen Nashville laut einer Pressemitteilung. „Wir haben Verbindungen zu Krankheiten des Immunsystems, der Haut, des Nervensystems, zu psychiatrischen Leiden und zu Störungen der Fruchtbarkeit gefunden.“

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Christentum: Die gewaltbereite friedliebende Gesellschaft

Die eigene Wahrheit wurde bei den Kreuzzügen mit Gewalt durchgesetzt. Foto: imago/United Archives
Woher rührt das apokalyptische Denken, das die derzeitige Debatte um die Flüchtlinge bestimmt? Historiker beleuchten aktuell die nachhaltig wirkende Gewaltgeschichte des Christentums.

Von Dirk Pilz|Frankfurter Rundschau

Die sogenannte Flüchtlingskrise, die Lage der Nation, die Merkel’sche Politik – viele Kommentare dazu derzeit mit schrillen Katastrophentönen. Als gäbe es nur das große Entweder-Oder. Entweder das Abendland verbarrikadiert sich oder Europa geht unter. Entweder Sieg oder Niederlage. Woher rührt dieses apokalyptische Denken? Und woher die wachsende Bereitschaft zur Gewalt dabei? Wer in der Flüchtlingsfrage nach Obergrenzen ruft, fordert implizit immer den Einsatz von Gewalt. Und diese Forderung erfreut sich wachsender Zustimmung – in einer Gesellschaft, die sich für friedliebend hält. Wie kann das sein?

Um solche Widersprüche zu verstehen, müssen wir zu den Anfängen des Christentums zurück, sagt der französische Historiker Philippe Buc. Er tut es in seinem Buch „Heiliger Krieg“ auf erschreckend erhellende Weise und spricht dabei von religiösen Konzepten, die „den Weg in die Moderne überstanden haben, indem sie sich in Ideen und Ideologien verwandelten, die ohne das Übernatürliche und Gott auskamen, aber vergleichbare Strukturen beibehielten“. Es sind Ideen wie jene, dass man um des Guten und Richtigen willen Opfer bringen müsse, dass die größte Gefahr von vermeintlichen Verrätern dieses Guten und Richtigen ausgehe, dass die eigene Freiheit auch mit Gewalt verteidigt werden dürfe.

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Gewaltige Sauerstoff-Quelle im Erdmantel entdeckt

Im Erdmantel entstehen zwei bisher unbekannte Eisenoxide – und geben dabei große Mengen Sauerstoff ab. © HG: Johannes Gerhardus Swanepoel/ thinkstock
Im Erdmantel gibt es offenbar eine gewaltige, bisher unbekannte Sauerstoffquelle. Denn unter dem hohen Druck und der Hitze in diesen Tiefen bilden sich zwei neuartige Eisenoxid-Formen, wie Forscher bei Hochdruck-Experimenten entdeckt haben. Bei dieser Umwandlung geben die Eisenminerale große Mengen Sauerstoff ab. Wie sich dies auf die Prozesse im Erdmantel auswirkt, ist bisher jedoch noch unbekannt, so die Wissenschaftler im Fachmagazin “Nature Communications”.

scinexx

Eisenoxide sind Minerale, die in der Natur in verschiedenen kristallinen Strukturen vorkommen. Besonders weit verbreitet sind Hämatit (Fe2O3) und Magnetit (Fe3O4). Diese Eisenerz-Minerale haben einen Eisengehalt von über 70 Prozent und sind damit wichtige Rohstoffe für die Gewinnung von Eisen und Stahl. Bei hohem Druck und hohen Temperaturen können jedoch noch weitere Eisenoxid-Varianten entstehen – das ist unter anderem im Erdmantel der Fall.

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Der Patriarch, der Papst und ein Handschlag nach 1000 Jahren

Kyrill I. – Foto: Maxim Shemetov/REUTERS
Wer ist Kyrill I., der am Freitag auf Kuba Papst Franziskus trifft? Ein kleines Porträt des russisch-orthodoxen Patriarchen.

Von Claudia Keller|DER TAGESSPIEGEL

Der Patriarch residiert wie ein Großfürst, fährt Maybach und soll über ein Vermögen von vier Milliarden Dollar verfügen. Welch Gegensatz zum bescheiden auftretenden Papst Franziskus! Und doch ist diesen beiden christlichen Oberhäuptern gelungen, was ihre Vorgänger über 1000 Jahre nicht erreicht haben: sich so weit zu verständigen, dass ein öffentliches Treffen möglich ist.

Am Freitag wollen sie im Flughafen von Havanna eine Erklärung unterzeichnen. Es ist ein großer Schritt, um das Schisma zu überwinden, das die Christen seit 1054 spaltet.

Damals hatten sich die lateinisch geprägten Christen in Rom und die griechischen in Konstantinopel auseinandergelebt, feierten die Gottesdienste unterschiedlich und waren sich theologisch fremd geworden. Doch Papst Leo IX. wollte seine Vorherrschaft auf den Osten ausdehnen. Der dortige Patriarch sah sich als gleichrangiges Oberhaupt und lehnte Machtstreben und Vorrangstellung des Papstes als Häresie ab. Es kam zur gegenseitigen Exkommunikation.

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Auschwitz-Prozess: Ehemaliger SS-Mann trifft auf Überlebende

© AFP Reinhold H. war als SS-Mann in Auschwitz. Heute ist er 94 Jahre alt.
Wieder steht ein ehemaliger SS-Mann vor Gericht. Der Vorwurf: Beihilfe zum Mord in 170.000 Fällen. Reinhold H. sagt nur wenig. Ein Überlebender aber spricht ihn direkt an.

Von Reiner Burger|Frankfurter Allgemeine

Man sieht Reinhold H. sein Alter nicht gleich an: Im Dezember konnte der Rentner aus Lage im Lipper Land seinen 95. Geburtstag feiern. Etwas wackelig auf den Beinen ist der Mann schon. Sicherheitshalber hat er sich deshalb bei seinem Verteidiger untergehakt, als er den zum Prozesssaal umfunktionierten großen Konferenzraum der Industrie- und Handelskammer Lippe betritt. Im Detmolder Landgericht wäre nicht genug Platz für all die Journalisten und Kamerateams und die rund 40 Nebenkläger aus all den verschiedenen Ländern gewesen.

Seit Donnerstag muss sich der ehemalige SS-Mann Reinhol d H. wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 170.000 Fällen verantworten. H., damals Anfang 20, war von Januar 1942 bis Juni 1944 als Mitglied eines sogenannten SS-Totenkopfsturmbanns in Auschwitz eingesetzt.

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Erstmals Nachweis von Gravitationswellen gelungen

schwerkraft

Es ist ein wissenschaftlicher Paukenschlag: US-Forscher haben die vor 100 Jahren von Albert Einstein vorhergesagten Gravitationswellen erstmals nachgewiesen. Damit ist ihnen der Nobelpreis sicher.

Von Thomas Bürke|DIE WELT

Wenn Wissenschaftler zeitgleich zu einer Presskonferenz in Washington, Moskau, Pisa und Hannover einladen, dann haben sie Großes zu verkünden. Jetzt ist es offiziell: Es ist erstmals gelungen, eine Gravitationswelle direkt nachzuweisen.

Es war ein kleines Zittern des Raumes, aber ein großes Beben für die Physik, als am 14. September letzten Jahres eine Gravitationswelle über die Erde hinwegrauschte. Kein Mensch bemerkte etwas davon, nur zwei Messinstrumente namens Advanced Ligo (Laser-Interferometer Gravitationswellen-Observatorium) in den USA registrierten eine kurzzeitige Verbiegung des Raumes.

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Schon Säuglinge begreifen Physik

Dass sich Wasser anders verhält als Feststoffe wissen sogar wenige Monate alte Säuglinge schon. © Micha Kerwath/ freeimages
Wasser fließt und ein Ball fällt nach unten: Diese simplen Grundprinzipien der Alltagsphysik erkennen und verstehen schon Säuglinge. Wenige Monate nach der Geburt stutzen sie bereits, wenn ein Objekt gegen diese Regeln zu verstoßen scheint, wie Experimente belegen. Dabei verstehen die Kleinkinder sogar schon, dass Wasser durch ein Sieb fließen kann, ein Feststoff aber nicht, wie Forscher im Fachmagazin “Psychological Science” berichten.

scinexx

Säuglinge sind wie kleine Lernmaschinen: Ihr ganzes Wesen ist darauf ausgerichtet, neue Eindrücke einzuordnen und so die Welt und ihre Regeln verstehen zu lernen. Schon lange bevor sie selbst sprechen können, erkennen sie daher beispielsweise, wenn jemand völlig falsche Silbenkombinationen äußert und sie besitzen schon einen Sinn für Mengen.

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Sex-und Machtspiele: In der “Kloake” Avignon feierten die Päpste Orgien

Johannes XXII.. Bild: wikimedia.org/PD
Mit Johannes XXII. begann 1316 die “Babylonische Gefangenschaft” der Päpste in Avignon. Für mehr als 60 Jahre dämmerte die Kurie in Gelagen und Machtspielen dahin, Auftakt zum Großen Schisma.

Von Berthold Seewald|DIE WELT

Jacques Duèse war alles andere als ein begnadeter Theologe. Dafür kannte sich der kränkliche und kleinwüchsige Mann aus dem französischen Midi umso besser in Juristerei und Politik aus, was ihm 1310 den Bischofshut von Avignon eintrug. Sechs Jahre später, vor 700 Jahren, krönten die Kardinäle diese bemerkenswerte Karriere mit der Wahl zum Papst. Da war Duèse 72 Jahre alt. Als Johannes XXII. saß er 18 Jahre auf dem Stuhl Petri, länger als viele seiner Vorgänger und Nachfolger. “Mit ihm kam eine der unwürdigsten Persönlichkeiten auf den päpstlichen Thron”, urteilt der Kirchenhistoriker und Vatikanspezialist Georg Denzler.

Als gewiefter Jurist widerrief Johannes mit seiner Bulle “Quia nonnunquam” die Lehre, dass Jesus und seine Jünger kein Eigentum besessen hätten, und machte sich umgehend daran, als Stellvertreter Christi mit entsprechendem Beispiel voranzugehen. Er unterwarf kirchliche Ämter und Pfründe mit einem raffinierten Steuersystem, das ihn zum reichsten Herrscher des Abendlandes machte, setzte dem Nepotismus neue Maßstäbe, indem er fünf Verwandte zu Kardinälen ernannte, und weigerte sich, Rom zu besuchen. Statt dessen residierte er in seinem Palast in Avignon, das er damit für mehr als 60 Jahre zum Zentrum der abendländischen Christenheit machte.

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Rekord-Ozonloch über der Arktis droht

Aufnahme einer Polaren Stratosphärischen Wolke über Kiruna © AWI
Über der Arktis könnte in diesem Frühjahr ein starkes Ozonloch aufreißen. Schon jetzt ist dort ein Viertel des Ozons in der oberen Atmosphäre zerstört, wie Atmosphärenforscher berichten. Als Folge könnten die Ozonwerte im März und April ein neues Rekordtief erreichen – mit Folgen auch für Mitteleuropa. Schuld an dem starken Ozonschwund ist eine ungewöhnliche Kältephase in der Stratosphäre, die den Ozonabbau begünstigt.

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Lange Zeit galt das Ozonloch als typisches Frühjahrs-Phänomen der Antarktis. Dort bilden sich im Winter bei sehr niedrigen Temperaturen polare Stratosphärenwolken. In ihnen reagiert Chlor unter Einfluss des Sonnenlichts mit dem Ozon der Ozonschicht und zersetzt es in einer Kettenreaktion zu normalem Sauerstoff. Die Folge ist eine starke Ausdünnung der Ozonschicht – ein Ozonloch.

Doch im Frühjahr 2011 trat ein solches Ozonloch erstmals auch über dem Nordpol auf und erreichte Rekordwerte. Über der Arktis fiel die Dichte der Ozonschicht zeitweise um mehr als 80 Prozent. Als Folge stieg die UV-Belastung selbst in Mitteleuropa messbar.

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Strafender Gott als kulturelle Triebkraft?

Sorgte erst der Glaube an einen strengen Gott für Kooperation in den frühen Gesellschaften? © Darko Kuslan / freeimages
Religion als Sozialkitt? Der Glaube an eine allwissende, strafende Gottheit könnte unseren Vorfahren die Bildung erster Zivilisationen erleichtert haben. Denn diese religiöse Überzeugung fördert die Kooperation mit Unbekannten gleichen Glaubens, wie ein Experiment mit Menschen aus acht verschiedenen Kulturen belegt. Der Glaube könnte damit den Übergang von Familienclans zu großen, komplexen Gesellschaften gefördert haben, wie Forscher im Fachmagazin “Nature” berichten.

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Glaube und Religion sind nicht nur Privatsache, sie beeinflussen auch, wie wir mit anderen umgehen und prägen damit unsere Gesellschaften. Gleichzeitig beeinflusst die Umwelt, welches Gottesbild in einer Kultur dominiert. Ob umgekehrt der Glaube vielleicht auch eine Triebkraft bei der Entstehung der ersten Zivilisationen war, darüber spekulieren Forscher schon seit längerem.

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Längere Flugzeiten durch Klimawandel

In Zukunft länger in der Luft: Flugzeuge über dem Atlantik © freeimages
Schlechte Nachrichten für Vielflieger: Transatlantische Flüge könnten in Zukunft länger dauern als gewohnt. Denn durch die Erderwärmung verändern sich die Windverhältnisse in Flughöhe. Der sogenannte Jetstream wird schneller, wie ein britischer Forscher berechnet hat. Vor allem für Flüge in Richtung Westen bedeutet das nicht nur einen erheblichen Zeitverlust – sondern auch mehr Kosten für Treibstoff und zusätzliche umweltschädliche Emissionen.

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Der Klimawandel wird in Zukunft viele Bereiche unseres Lebens merklich beeinflussen – auch den Verkehr. Schon jetzt sorgt tauender Permafrost in der Arktis dafür, dass Flughäfen und Straßen aufgrund instabil gewordener Gebiete verlegt werden müssen. Und auch wenn es paradox klingt: Die Erderwärmung könnte sogar die bisher nur in einigen arktischen Sommern befahrbare Nordwestpassage stärker blockieren, anstatt den Seeweg freizulegen, wie Wissenschaftler prognostizieren.

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Ex-Nazis in Behörden: Innenministerium – brauner als gedacht

Bundesinnenministerium in Berlin Zwei Drittel der Führungskräfte sollen 1961 frühere Nazis gewesen sein. (Foto: dpa)
Unter den leitenden Mitarbeitern im Bundesinnenministerium waren bis in die siebziger Jahre hinein weit mehr Nazis als bisher angenommen. Das ergibt eine neue Studie. Andere Behörden waren noch brauner.

Von Barbara Gillmann|Handelsblatt

2010 gab es großen Wirbel um eine Studie zum Einfluss der Nazis im Außenministerium – während und nach der Nazizeit. In der Folge verlor das Auswärtige Amt den Nimbus, ein Hort des Widerstandes gewesen zu sein. Nun rückt ein weiteres bedeutendes Bundesministerium in den Fokus der Forschung: Im Bundesinnenministerium (BMI) war die Quote der Ex-Nazis nach dem Krieg besonders hoch, wie eine Studie der beiden zeitgeschichtlichen Leibniz-Institute ZZF Potsdam und IfZ München-Berlin zeigt.

1950 war demnach jede zweite Führungskraft im Innenministerium ein ehemaliges NSDAP-Mitglied. Der Anteil stieg bis Ende der 1950er-Jahre, 1961 lag die Quote der Ex-Nazis daher sogar bei zwei Drittel. Die Sensibilität, was persönliche Verstrickungen im Nationalsozialismus betrifft, sank und spielte bei der Personalpolitik eine noch geringere Rolle als nach dem Zweiten Weltkrieg. Das sei ein „allgemeiner gesellschaftlicher Trend“ gewesen, der auch in anderen Bundesbehörden zu beobachten gewesen sei, heißt es in der Studie. Im Schnitt der Jahre 1949 – 70 ergab sich eine Quote von 54 Prozent im Innenministerium.

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Knapp 900 Galaxien hinter der Milchstraße entdeckt

Von uns aus gesehen hinter der Milchstraße haben Astronomen 883 neue Galaxien entdeckt © ICRAR
Entdeckung hinter der Sternenscheibe: Direkt hinter unserer Milchstraße haben Astronomen knapp 900 neue Galaxien entdeckt. Unter diesen bisher von unserer Galaxie verdeckten Sternenansammlungen sind auch mehrere Galaxiencluster. Ihre Bewegungen könnten helfen, den Großen Attraktor zu enträtseln – ein Zentrum der Anziehung, auf das sich nahezu alle Galaxien in unserem lokalen Universum zubewegen.
 

scinexx

Die Lage der Erde am Rand der Milchstraße gibt uns einen relativ freien Blick nach außen und auf das Geschehen im Zentrum unserer Galaxie. Was jedoch auf der anderen Seite der Milchstraße liegt, ist für optische Teleskope weitgehend unsichtbar. Selbst die bisher vollständigste Himmelsdurchmusterung im Nahinfrarot, der 2MASS-Survey, hat in einem Gebiet von fünf bis acht Grad und die galaktische Ebene herum eine Lücke.

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Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?

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Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Von Immanuel Kant|DAS BLÄTTCHEN

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, u.s.w., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Daß der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, daß diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperrten, wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen droht, wenn sie es versuchen allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen; allein ein Beispiel von der Art macht doch schüchtern und schreckt gemeinhin von allen ferneren Versuchen ab.
Es ist also für jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinahe zur Natur gewordenen Unmündigkeit herauszuarbeiten. Er hat sie sogar lieb gewonnen und ist vor der Hand wirklich unfähig, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, weil man ihn niemals den Versuch davon machen ließ. Satzungen und Formeln, diese mechanischen Werkzeuge eines vernünftigen Gebrauchs oder vielmehr Mißbrauchs seiner Naturgaben, sind die Fußschellen einer immerwährenden Unmündigkeit. Wer sie auch abwürfe, würde dennoch auch über den schmalsten Graben einen nur unsicheren Sprung tun, weil er zu dergleichen freier Bewegung nicht gewöhnt ist. Daher gibt es nur Wenige, denen es gelungen ist, durch eigene Bearbeitung ihres Geistes sich aus der Unmündigkeit heraus zu wickeln und dennoch einen sicheren Gang zu tun.
Daß aber ein Publikum sich selbst aufkläre, ist eher möglich; ja es ist, wenn man ihm nur Freiheit läßt, beinahe unausbleiblich. Denn da werden sich immer einige Selbstdenkende sogar unter den eingesetzten Vormündern des großen Haufens finden, welche, nachdem sie das Joch der Unmündigkeit selbst abgeworfen haben, den Geist einer vernünftigen Schätzung des eigenen Werts und des Berufs jedes Menschen selbst zu denken um sich verbreiten werden. Besonders ist hierbei: daß das Publikum, welches zuvor von ihnen unter dieses Joch gebracht worden, sie danach selbst zwingt darunter zu bleiben, wenn es von einigen seiner Vormünder, die selbst aller Aufklärung unfähig sind, dazu aufgewiegelt worden; so schädlich ist es Vorurteile zu pflanzen, weil sie sich zuletzt an denen selbst rächen, die oder deren Vorgänger ihre Urheber gewesen sind. Daher kann ein Publikum nur langsam zur Aufklärung gelangen. durch eine Revolution wird vielleicht wohl ein Abfall von persönlichem Despotismus und gewinnsüchtiger oder herrschsüchtiger Bedrückung, aber niemals wahre Reform der Denkungsart zustande kommen; sondern neue Vorurteile werden ebensowohl als die alten zum Leitbande des gedankenlosen großen Haufens dienen.
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