Kein Eis mehr auf der Donau

Die Donau bei Tulcea in Rumänien: Eine winterliche Eisdecke auf dem Fluss ist heute die absolute Ausnahme. © alex78tl/ CC-by-sa 3.0
Die Donau – Europas zweitgrößter Fluss – zeigt klare Symptome des Klimawandels. Denn bis vor rund 70 Jahren fror Unterlauf der Donau im fast jedem Winter wochenlang zu. Seit den 1950er Jahren aber ist eine Eisdecke die absolute Ausnahme geworden, wie die Auswertung von Langzeitdaten belegt. Hinter diesem drastischen Eisschwund steckt vor allem der Anstieg der Wintertemperaturen in Europa, wie Forscher im Fachmagazin „Scientific Reports“ berichten.

scinexx

Viele alte Gemälde und historische Aufzeichnungen zeugen davon, dass zugefrorene Flüsse im winterlichen Europa früher keine Seltenheit waren. Das bestätigt auch die Klimaforschung: „Auf der Nordhalbkugel erfahren rund 60 Prozent aller Flüsse signifikante saisonale Effekte in Form von Wintereis“, erklären Monica Ionita vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) und ihre Kollegen. Heute jedoch sind solche Winter mit eisbedeckten Gewässern eher selten – so scheint es jedenfalls.

weiterlesen

Advertisements

Anti-Aufklärung? Kriegstechnologie?

Grafik: TP

Solange etwas ist, ist es nicht das, was es gewesen sein wird.

Martin Walser

Joachim Paul | TELEPOLIS

„Das Menschenbild des Silicon Valley ist das der Kybernetik, nicht das der Aufklärung“, äußerte der Philosoph Richard David Precht am 16.12.2017 in einem Interview des Magazins Focus anlässlich einer Buchveröffentlichung. Auf die Rückfrage des Interviewers, was das denn bedeute, erläuterte er, dass „die Aufklärung … den Menschen als Individuum“ betrachte, sie seinen Wunsch des Gebrauchs der Freiheit respektiere und ihn auffordere, „die eigene Urteilskraft zu schärfen, damit er als mündiger Bürger zur Entwicklung der Gesellschaft beitragen“ könne. Allerdings, so führte Precht weiter aus, müsse „dieser Bürger natürlich auch eine Struktur in der Gesellschaft vorfinden, die es ihm ermöglicht, sich mit seinen individuellen Vorstellungen an ihr zu beteiligen.“

Grundlegend anders sei hingegen das Menschenbild der Kybernetik. Es gehe laut Precht davon aus, „dass sich der Mensch seiner Umwelt anpasst“:

Was Lust auslöst, das findet der Mensch gut, und was Unlust auslöst, findet er schlecht. Wenn ich also das Verhalten der Menschen verändern will, dann muss ich – wie bei Tierversuchen im Labor – einfach ihre Umweltbedingungen verändern, indem gezielt andere Lust- bzw. Erfolgsreize gesetzt werden, gewinne ich Einfluss auf das Verhalten der Leute, ohne Rücksicht auf Vorstellungen von individueller Freiheit, Urteilskraft oder Mündigkeit zu nehmen.

Richard David Precht

Der Physiker und Kybernetiker Heinz von Foerster, damals Leiter eines führenden Kybernetik-Instituts, des Biological Computer Lab (BCL) an der University of Illinois, Urbana-Champaign, äußerte sich in seinem Grundsatzreferat „Die Verantwortung des Experten“1 auf der Herbsttagung der American Society for Cybernetics am 19.12.1971 wie folgt:

Der Großteil unserer institutionalisierten Erziehungsbemühungen hat zum Ziel, unsere Kinder zu trivialisieren. … Da unser Erziehungssystem daraufhin angelegt ist, berechenbare Staatsbürger zu erzeugen, besteht sein Zweck darin, alle jene ärgerlichen inneren Zustände auszuschalten, die Unberechenbarkeit und Kreativität ermöglichen. Dies zeigt sich am deutlichsten in unserer Methode des Prüfens, die nur Fragen zulässt, auf die die Antworten bereits bekannt (oder definiert) sind, und die folglich vom Schüler auswendig gelernt werden müssen. Ich möchte diese Fragen als „illegitime Fragen“ bezeichnen.

Heinz von Foerster

Schon beim bloßen Überfliegen der beiden Aussagen fällt auf, dass hier etwas ganz und gar nicht passen will. Der Philosoph deutet Kybernetik als Anpassung und projiziert sie sogleich als Menschenbild auf das Silicon Valley, der Kybernetiker hingegen spricht sich für Unberechenbarkeit und Kreativität aus, mehr noch, später entwickelt er im Nachgang zum kategorischen Imperativ des Aufklärers Kant einen (kybern-)ethischen Imperativ: „Handle stets so, dass die Zahl der Wahlmöglichkeiten größer wird.“

weiterlesen

„Stiller Staatsstreich in Spanien“

Mariano Rajoy bei der Verkündigung der verordneten Neuwahlen am 3. Oktober 2017. Bild: Gobierno de España
Obwohl im Senat im Herbst beschlossen wurde, dass der Verfassungsartikel 155 automatisch mit einer Regierungsbildung fällt, wollen sich die PP, die PSOE und die Ciudadanos auch darüber hinwegsetzen

Ralf Streck | TELEPOLIS

Der Ausnahmezustand in Katalonien soll nun weiter aufrecht erhalten bleiben, obwohl Katalonien eine Regierung gebildet hat. Eigentlich hatte die Volkspartei (PP) von Mariano Rajoy mit den Sozialdemokraten (PSOE) und den rechten Ciudadanos (Bürger) im vergangenen Herbst beschlossen, dass der Artikel 155 automatisch mit einer Regierungsbildung in Katalonien aufgehoben werden muss. Doch auch daran will sich in Spanien, das sich mit großen Schritten immer weiter von einer formalen Demokratie entfernt, nun niemand mehr halten, weil es nicht gelungen ist, die Amtseinführung von Quim Torra vergangene Woche zu verhindern.

Er war schon der vierte Kandidat, nachdem die Regierung über viele juristische Tricks durch das ihr hörige Verfassungsgericht verhindert, dass Carles Puigdemont wieder ins Amt gewählt wird. Nun hat sich der spanische Regierungschef Rajoy am Wochenende mit dem Sozialdemokraten Pedro-Sánchez und Albert Rivera abgestimmt, die Ernennung der Minister schlicht nicht im Amtsblatt zu veröffentlichen, womit sie nicht effektiv wird. Gleichzeitig wurde beschlossen, dass die Zwangsverwaltung über Katalonien aufrechterhalten werden soll.

Man darf vermuten, dass das Abkommen auch eine Regelung zur Verabschiedung des Haushalts umfasst, um nicht mehr von den Stimmen der Baskisch-Nationalistische Partei (PNV) abhängig zu sein. Die PNV hatte stets erklärt, sie werde den Haushalt nicht abnicken, solange der 155 in Kraft ist. Vermutlich erhält Rajoy nun die dafür nötigen Stimmen von den Sozialdemokraten (PSOE). Die blieben sich treu – nicht ihren Wählen -, denn gegen das Wahlversprechen verhalfen sie Rajoy zur Macht, obwohl sie stets versprochen hatten, ihn keinesfalls zu wählen.

weiterlesen

Berlin rehabilitierte bislang acht verurteilte Homosexuelle

Bild: bpb.de
In den ersten neun Monaten seit seiner Geltung haben in Berlin acht Menschen vom Gesetz zur Rehabilitierung verurteilter Homosexueller profitiert. Wie aus einer am Montag vom Abgeordnetenhaus veröffentlichten Antwort des Berliner Senats auf eine Grünen-Anfrage hervorgeht, wurden bis zum 24. April zwölf Anträge auf strafrechtliche Rehabilitierung gestellt.

evangelisch.de

Acht davon seien positiv beschieden worden. In zwei Fällen erfolgte den Angaben zufolge eine teilweise Rehabilitierung, weil das zugrundeliegende Urteil auch andere Delikte umfasste.

Zwei der zwölf Fälle wurden nach Angaben der Justizverwaltung an andere Staatsanwaltschaften abgegeben, weil Berlin nicht zuständig war. In einem Fall wurde der Antrag wegen fehlender Glaubhaftmachung abgelehnt, hieß es. Ein Fall sei nicht entschieden worden, weil der Antragsteller zwischenzeitlich starb. Alle Anträge wurden nach Senatsangaben von den früher verurteilten Personen selbst gestellt.

weiterlesen

Die US-Wahl und der tiefe Staat – FBI-Informant war CIA-Mann

(Bild: dpa, Carolyn Kaster)
Der skurrile Wahlkampf um das Weiße Haus von 2016 beschäftigt Justiz, Medien und Comedians auf vielfacher Ebene. In diesem als bislang schmutzigstem Wahlkampf geltenden Drama fiel nunmehr eine weitere Personalie auf.

Markus Kompa | TELEPOLIS

Nach bis vor Kurzem geltendem Informationsstand soll das FBI auf eine mögliche Verwicklung Russlands in den Skandal mit Hillary Clintons E-Mails durch die Geschwätzigkeit von Trumps Wahlkampfhelfer George Papadopulos gekommen sein. Papadopulos prahlte in feuchtfröhlicher Runde mit australischen Diplomaten aus, dass das Trump-Lager Clinton mit russischem Schmutz am Zeug flicken wolle. Papadopulos‘ Kolportage brachte das FBI auf die Spur einer mögliche Einflussnahme Russlands auf die US-Wahl – sowie zur Ermittlung einer möglichen Konspiration der Russen mit Trump.

Nun aber scheint es, dass das FBI bereits vorher über die Trump-Kampagne von einem gut vernetzten Professor informiert war. Zwar bemühte man sich in Washington darum, den Namen des Professors aus der Öffentlichkeit zu halten, doch Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald sah sich diesem Codex jedoch nicht verpflichtet. Bei dem geheimen FBI-Informanten handelt es sich um einen ehemaligen CIA-Mann, der bereits bei Reagans infamen Wahlkamp von 1980 durch geheimdienstliche Kolportagen mitmischte.

weiterlesen

„Religion ist potenziell gefährlich“

Peter Schäfer ist Direktor des Jüdischen Museums in Berlin und einer der renommiertesten Judaisten weltweit (Deutschlandradio / M. Hucht)
Juden, Christen und Muslime erheben Anspruch auf Jerusalem. Das führt oft zu Gewalt. Peter Schäfer, Direktor des Jüdischen Museums Berlin, plädiert für eine Unterordnung der Religion. Religionsführer müssten „das Primat der demokratischen Rechtsordnung anerkennen“, sagte Schäfer im Dlf.

Peter Schäfer im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: Im Dezember wurde im Jüdischen Museum in Berlin eine große Jerusalem-Ausstellung eröffnet. Sie hat den Titel „Welcome to Jerusalem“. Diese Ausstellung habe ich hier in der Sendung bei „Tag für Tag“, unseren Informationen „Aus Religion und Gesellschaft“, besprochen – und zwar ausgesprochen positiv. Danach entspann sich ein Dialog mit Peter Schäfer, dem Direktor des Jüdischen Museums. An einem Punkt widersprach er meinen Einschätzungen. Sein Widerspruch kulminiert in diesem einen Satz, den ich jetzt einfach mal vorlesen möchte. Zitat: „Politik und Religion sind gerade hier in Jerusalem seit der Antike untrennbar miteinander verquickt. Diese unheilvolle Verquickung ist der Kern des Problems. “ – Zitatende.

Und dann haben wir uns verabredet, diese These zu vertiefen. Und nun ist es endlich so weit. Wir sitzen uns gegenüber in unserem Berliner Funkhaus, wo wir das Gespräch aufzeichnen. Peter Schäfer, einer der renommiertesten Judaisten weltweit, schön, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben. Guten Morgen, Herr Schäfer.

Peter Schäfer: Guten Morgen, ich freue mich hier zu sein.

Main: Fangen wir mal provozierend an, Herr Schäfer. Wenn Religion und Politik in Jerusalem von der Antike an miteinander verquickt sind, und wenn das eine unheilvolle Verquickung ist, die bis heute wirkt, dann können wir eigentlich unser Gespräch hier an dieser Stelle beenden, weil eh nichts zu retten ist.

Schäfer: Das ist eine starke Aussage. Was ist zu retten? Was kann man tun? Was kann man tun, um diese unheilvolle Verquickung von Politik und Religion nicht zu beenden? Ich glaube, die lässt sich nie beenden, denn die ist eingegraben. Aber was kann man tun, um sie aufzulockern? Was kann man tun, um rational damit umzugehen?

weiterlesen

Warum unser Wertefundament nicht christlich ist

Unsere deutschen Werte gründen nicht auf dem Christentum, sondern auf den Menschenrechten / picture alliance
Erst müssen wieder Kreuze in bayrischen Behörden hängen, dann fordert Markus Söder Religions- und Werteunterricht für Flüchtlingskinder. Die katholische Kirche drängt zurück in den Alltag. Dabei mussten wir unsere Werte erst gegen sie durchsetzen

Von Ortlieb Fliedner | Cicero

Gerade einmal etwas mehr als die Hälfte der Deutschen gehört einer christlichen Kirche an. Trotzdem wird die Debatte um die Werte in unserer Gesellschaft, die unsere Identität ausmachen sollen, von Befürwortern christlicher Wertvorstellungen vollkommen dominiert. Die christlich-abendländische Leitkultur wird Fremden, die in unser Land kommen, wie ein Gesslerhut hingehalten. Kreuze werden in Bayern in jede Amtsstube gehängt, damit „die geschichtlich-kulturelle Identität und Prägung Bayerns“ nicht vergessen wird.

Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters definierte jüngst in der Zeit sogar unsere Demokratie als christlich. Damit schließt sie sich dem Votum von Professoren an, nach dem die Neutralität des Staates ein Mythos sei. Diese Wiedererweckung christlicher Werte hat allerdings vor allem den Sinn, eine andere Religion auszugrenzen. „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, sagte erst kürzlich wieder Bundesheimatminister Horst Seehofer.

weiterlesen

An der maritimen Seidenstraße

Kra-Kanal, ausgewählte Projektvarianten und Lage im Hauptschifffahrtsnetz. Bisher gab es insgesamt 14 verschiedene vorgeschlagene Kanalrouten. Ob der Kanal am Ende gebaut wird, bleibt offen. Sollte er kommen, hätte das deutliche Auswirkungen auf das geostrategische Kräftespiel in Südostasien. Bild: Maximilian Dörrbecker (Chumwa) – CIA World Factbook, gemeinfrei
China baut beharrlich seine Präsenz an strategisch wichtigen Orten aus

Bernd Schröder | TELEPOLIS

Es gab bereits Angebote zur Finanzierung des Kra-Kanals (Wie China das Malakka-Dilemma umschiffen will), insbesondere aus Chinas Privatwirtschaft. Das Interesse der Chinesen wurde um 2005 erstmals publik, dann blieb es zunächst ruhig. Mit der One Belt, One Road-Initiative (OBOR) ist das Thema wieder auf dem Tisch.

Die Chinesen sehen die Möglichkeit, ihrer neuen maritimen Seidenstraße mit dem Kra-Kanal einen weiteren Mosaikstein hinzuzufügen – auch wenn der Kanal bis zumindest vor kurzem nicht offiziell Teil von OBOR war.

In Peking hält man sich bedeckt, man möchte nicht vorgreifen, solange das Projekt kein grünes Licht aus Bangkok hat. Doch Lyu Jian, Chinas Botschafter in Thailand, hatte auf hochrangigen Treffen klargemacht, dass der Kanal durchaus Teil von OBOR ist. Das war die erste Äußerung offizieller chinesischer Stellen zum Thema, auch wenn chinesische Unternehmen längst vor Ort sind und das Potential des Vorhabens ausloten.

Darüber hinaus wollen die Chinesen die Zusammenarbeit mit der thailändischen Militärregierung stärken. Die will mit dem Eastern Economic Corridor die Entwicklung von Industrie, Logistik und Bauwesen voranbringen und die Wirtschaft des Landes wiederbeleben, die zwar die zweitgrößte Südostasiens ist, jedoch seit einigen Jahren schwächelt. Eines der chinesisch-thailändischen Gemeinschaftsprojekte: die Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke, die beide Länder über Laos verbinden soll.

Global betrachtet geht es bei der OBOR-Infrastruktur-Offensive um die Modernisierung uralter asiatischer Handelswege, zu denen auch die Route entlang der chinesischen Küste durch die Straße von Malakka nach Indien und weiter zum Persischen Golf und ins Zweistromland oder zum Roten Meer und nach Ägypten oder Palästina gehörte. Die Chinesen wollen ihr Land mit einem Netzwerk aus Straßen, Schienensträngen und Seewegen an die Welt ankoppeln und setzen dabei auf Zusammenarbeit. Das wird insbesondere in jenen Ländern geschätzt, denen der Kolonialismus europäischer Prägung leidvolle Erfahrungen in ihre Geschichte gebrannt hat.

weiterlesen

Das Recht auf Waffenbesitz ist eine neue Erfindung

Das Geschäft: Shooters Grill. Der Ort: Rifle, Colorado. (Foto: AFP)
Auch nach der Massentötung in Santa Fe wird die NRA wieder betonen, dass laut US-Verfassung jeder Bürger Pistolen und Gewehre tragen darf. So eindeutig ist das aber gar nicht.

Von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche Zeitung

Zehn Tote an einer Schule in Santa Fe, erschossen von einem 17-jährigen Mitschüler. Sofort sind die Erinnerungen an das Massaker an der High School in Parkland wieder da. Die jüngste Tat reiht sich ein in die lange Liste der Massentötungen in den USA.

Während sich vom US-Präsidenten abwärts alle Politiker bestürzt zeigen und versprechen, die Schüler und Lehrer zu schützen, scheinen die jüngsten Aktivisten trotz des Schocks nicht zu resignieren, sondern weiter kämpfen zu wollen.

Denn nach dem Massaker an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida ist etwas in Bewegung gekommen: Schülerinnen und Schüler selbst organisierten den „March for our Lives“ in der US-Hauptstadt Washington, Hunderttausende vor allem junge Menschen nahmen an den Demonstrationen in Hunderten von Städten teil.

weiterlesen

Expertin Scholl: „Wir züchten psychische Zeitbomben“

foto: robert newald Susanne Scholl: „Tschetschenen wurden ins Mittelalter gebombt.“

Deportation, Kriegsgräuel, Punzierung als Untermenschen: Tschetschenien-Kennerin Susanne Scholl wundert nicht, dass mancher von dort Geflüchtete gewalttätig wird. Sie sieht die Gründe in der Geschichte des Landes

Interview Gerald John | derStandard.at

STANDARD: Geraten Tschetschenen wegen einer Gewalttat, wie etwa wegen Mordes an einem siebenjährigen Mädchen, in die Schlagzeilen, denken und posten viele Menschen: Typisch Tschetschenen! Hatten Sie auch schon einmal diesen Reflex?

Susanne Scholl: Ich nicht, aber ich kenne ja auch Land und Leute – und gerade der aktuelle Mord ist schon gar kein Anlass für diesen Reflex. Der mutmaßliche Täter war offenbar ein psychisch schwerst gestörter Bursche, wie es ihn auch in einer original österreichischen Familie geben kann. Mit dem ethnischen und kulturellen Hintergrund hat die Tat überhaupt nichts zu tun.

STANDARD: Die Erfahrungen des Burschen, der mit zwei Jahren aus Tschetschenien nach Wien kam, können schon eine Rolle spielen.

Scholl: Natürlich. Dieser Bub wurde in einen Krieg hineingeboren. An seiner Tat gibt es nichts zu relativieren, aber ich gehe davon aus, dass er ein Trauma mitschleppt, und wenn es jenes der Eltern ist. Wer als Kind in Tschetschenien war, hat erlebt, wie Maskierte Verwandte verschleppten, Spielkameraden von Minen zerfetzt wurden – und während der russischen Bombardements haben die Großeltern in den Kellern erzählt, wie sie unter Stalin in Viehwaggons nach Kasachstan deportiert wurden und nur deshalb den Winter überlebten, weil sie sich in Erdlöchern eingruben. Da ist es kein Wunder, dass tschetschenische Familien unter schweren posttraumatischen Belastungsstörungen leiden.

weiterlesen

Schiffswrack: „Made in China“ vor 800 Jahren

Reiche Fracht: 800 Jahre alte Keramikgefäße eines vor Java gesunkenen Frachters aus dem alten China © The Field Museum/ Pacific Sea Resources
Älter als gedacht: In einem Schiffswrack vor der Küste Indonesiens haben Taucher einen entscheidenden Fund gemacht. Sie fanden Keramik mit eingeritzten Herkunftszeichen – eine alte Version des heutigen „Made in China“. Das Spannende daran: Der darin genannte Ortsname existierte nur bis zur Mongoleninvasion im Jahr 1278. Das Schiff und seine Fracht sind daher rund hundert Jahre älter als gdacht – und stammen aus einer wichtigen Umbruchszeit in Chinas Handel.

scinexx

In den 1980er Jahren stießen Fischer in der Javasee zwischen Java und Borneo auf das Wrack eines halbzerfallenen Schiffs. Der hölzerne Rumpf war größtenteils zerstört, so dass die reiche Fracht dieses Schiffes zutage trat: Der Frachter hatte tausende von Keramikgefäßen und luxuriöse Handelswaren geladen, darunter auch Elefantenstoßzähne und wohlriechende Harze. Ersten Schätzungen nach kam dieser Frachter aus China und war rund 700 Jahre alt – so dachte man jedenfalls.

weiterlesen

Hans-Christian Ströbele: „Ich trage einige Geheimnisse der RAF mit mir herum“

„Ich war gut im Schießen“: Western-Fan Ströbele Foto: Paulus Ponizak
Die Antwort kam prompt. Und sie fiel positiv aus. „Lieber Herr Ströbele, würden Sie mir ein Interview über das Altern geben?“, hatte ich per SMS gefragt. Und Hans-Christian Ströbele hatte rasch geantwortet: „Ja, würde ich. Bitte rufen Sie nächste Woche an.“

Von Markus Decker | Berliner Zeitung

Als ich im Büro des 78-Jährigen in Berlin-Moabit erscheine, ist er reservierter. „Ich muss ja nicht alles beantworten“, sagt er, leicht mürrisch. Das allzu Persönliche und Emotionale behagt Ströbele nicht. Die Antworten fallen dann kürzer aus. Und während der Anwalt und langjährige grüne Bundestagsabgeordnete bei den heiteren Themen auf seinem Bürostuhl vorrutscht, rutscht er bei den weniger heiteren schon mal ein Stück zurück.

Tatsächlich hat für Hans-Christian Ströbele hat eine neue Lebensphase begonnen, nachdem er das Parlament im Herbst verlassen und sein Büro Unter den Linden geräumt hat. Sein Renteneintritt kommt über zehn Jahre später als üblich. Und nach wie vor hat Ströbele keine Lust auf Ruhestand. Als wir uns nach neunzig Minuten bei einbrechender Dämmerung im Flur verabschieden, ist er wieder ganz in seinem Element. Es geht um die Politik – und um die Zukunft. Das ist sein Leben.

weiterlesen

Mein Gott – oder was ist christlich?

© Bild: APA/dpa/Karl-Josef Hildenbrand
Das Christentum hat ein Verhältnis zum Staat gefunden, das ein friedliches Zusammenleben ermöglicht.

Helmut Brandstätter | kurier.at

Viktor Orbán will eine „christliche Demokratie des 21. Jahrhunderts“, Papst Franziskus mahnt im neuen Dokument „Oeconomicae et pecuniaeriae quaestiones“ ein gerechteres Wirtschaftssystem ein und kritisiert die Finanzindustrie als „Ort der Egoismen und Missbräuche“, der Chef der historisch antiklerikalen FPÖ zeigte bei Wahlkämpfen das Kreuz wie eine Monstranz, und bei der türkisen ÖVP vermissen manche christlich-soziale Traditionen. Was ist christlich? Und welche Rolle soll der Glaube in der Politik aufgeklärter Staaten spielen?

Pfingsten ist heute, der 50. Tag nach Ostern, Aufbruch für das Christentum. Die Apostelgeschichte erzählt vom Treffen der Jünger Jesu zum jüdischen Fest Schawout: „Als der Pfingstsonntag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten. Auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem heiligen Geist erfüllt und begannen in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“

weiterlesen

Einsteins kosmologische Konstante

Abb. 1: Die Erde verformt den Raum lokal. Andere Massen werden damit vom geraden Weg abgelenkt. Bild: TP
Vor hundert Jahren veröffentlichte Albert Einstein seine fundamental neue Gravitationstheorie allerdings unter der Bezeichnung „Allgemeine Relativitätstheorie“. Das Neue dieser Theorie im Vergleich mit Newton war, dass die Bewegung von sich anziehenden Massen als ungestörte Inertialbewegung im gekrümmten Raum beschrieben werden konnte.

Raúl Rojas | TELEPOLIS

Die übliche Visualisierung der einsteinschen Theorie ist in Abb. 1 wiedergegeben. Das Raumzeitgewebe um die Erde krümmt sich durch die Gravitation, so dass z.B. ein Ball, welcher anfänglich in diesem Gravitationsfeld geradeaus „abrollt“, sofort abgelenkt wird. Statt wie bei Newton eine Fernwirkung zwischen Massen zu postulieren, wird gegenseitige Anziehung als ungestörte Bewegung in einem lokalen Raum verstanden, der jetzt einer gewissen Krümmung unterliegt. Beispielsweise beugen sich Lichtstrahlen, die keine Ruhemasse besitzen, der Krümmung des Raumes folgend. Das ist in der klassischen Theorie nicht so ohne Weiteres verständlich.

Allerdings war Einstein über die kosmologischen Konsequenzen der neuen Theorie besorgt. Es reiche nicht, wenn man erklären könne, wie Raum und Zeit sich in der Umgebung von Himmelskörpern verhalten. Man müsse auch an die Unendlichkeit des Raumes denken und sich die Grenzbedingungen vorstellen. Eine Welt, in der nur die Anziehung der Gravitation am Werk ist, kann nicht statisch sein und läuft Gefahr in sich zu kollabieren. Einstein dachte jedoch, das Universum bestünde seit ewigen Zeiten und würde für immer existieren.

Im Jahr 1917 veröffentlichte Einstein die Arbeit „Kosmologische Betrachtungen zur allgemeinen Relativitätstheorie“. Dort bespricht er zunächst die Newtonsche Theorie, um dann zur eigenen überzugehen. Wir können hier die Einstein-Gleichung nicht im Detail begründen, aber für unsere Zwecke reicht es zu wissen, dass diese die Form hat:

Geometrie der Raum-Zeit = Verteilung von Energie und Materie

Der Physiker John Wheeler hat die Einstein-Gleichung so beschrieben: „Der Raum sagt der Materie, wie diese sich zu bewegen hat, die Materie sagt dem Raum, wie sich dieser zu krümmen hat.“ Raum und Zeit sollte man also nicht von Materie und Energie getrennt denken.

weiterlesen

Martin Walser bezeichnet Paulskirchenrede als „menschliches Versagen“

ARCHIV – 19.12.2016, Baden-Württemberg, Birnau: Der Schriftsteller Martin Walser. (zu dpa: „Schriftsteller Walser verliert Buch mit persönlichen Notizen“ vom 25.04.2018) Foto: Felix Kästle/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: dpa/Felix Kästle
Im Jahr 1998 hat Martin Walser eine umstrittene Rede in der Frankfurter Paulskirche gehalten. Damals sprach er von der „Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken“. Heute spricht er von einem „Fehler“.

DIE WELT

In einem Gastbeitrag für die WELT AM SONNTAG bezeichnet der Schriftsteller Martin Walser sein Verhalten bei und nach seiner umstrittenen Paulskirchenrede im Jahr 1998 als „Fehler“ und „menschliches Versagen“.

Als er damals von der „Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken“ sprach, habe er die deutschen Intellektuellen Günter Grass und Walter Jens und ihre Haltung zur deutschen Wiedervereinigung gemeint, ihre Namen aber nicht genannt und so das Missverständnis zugelassen, er spreche von jüdischen Organisationen.

weiterlesen

Quantenmessung

Bild: SPEA-2014
Wenn ein makroskopischer Messprozess unter denselben Bedingungen wiederholt wird, stellt sich immer dasselbe Ergebnis ein.

Von Johannes Heinle | Richard-Dawkins-Foundation

Die Anfangsbedingungen determinieren also den Messzustand.

Der Zustand Z1 eines (isolierten) Makrosystems determiniert Z2.

Bei einem mikroskopischen Messprozess kann es hingegen vorkommen, dass wiederholte Messungen unter exakt denselben Bedingungen zu verschiedenen Messergebnissen führen. Diese Abweichungen lassen sich nicht durch praktische Ungenauigkeiten der Messapparate oder eine theoretische Unvollständigkeit der Quantenmechanik begründen. Vielmehr lässt sich für jedes mögliche Messergebnis nur eine Wahrscheinlichkeit in Form der Wellenfunktion angeben. Der endgültige Messzustand kann prinzipiell nur durch den Messprozess erkannt und nicht aus den Anfangsbedingungen abgeleitet werden.

Der Zustand Z1 eines Mikrosystems determiniert nicht Z2

Die Interpretationen der Quantenmechanik beschäftigen sich mit den ontologischen und philosophischen Konsequenzen u.a. aus dieser empirischen Erkenntnisgrenze. Die Kopenhagener Deutung geht davon aus, dass das Messergebnis erst durch den Messvorgang bestimmt wird. Der Aufenthaltsort eines Elektrons ist zum Beispiel vor der Messung verschwommen und durch die Wellenfunktion repräsentiert. Erst mit der Messung kollabiert diese Wellenfunktion und der Aufenthaltsort wird festgelegt. Die Übertragung dieser Deutung auf die für uns mit unseren Sinnen unmittelbar zugängliche Welt, hat zu solch markanten Sprüchen wie „Existiert der Mond auch dann, wenn keiner hinsieht?“ oder Schrödingers berühmten Katze geführt.

Das seltsame an dieser Interpretation ist, dass Teilcheneigenschaften nach ihr bis zu dem Messvorgang keinen konkreten Wert haben sollen. Dieser Wert sei also nicht nur epistemologisch nicht feststellbar, sondern ontologisch unbestimmt. Meiner Meinung nach entsteht diese Seltsamkeit aber nur dadurch, dass man behauptet, das Teilchen hätte vor der Messung eine bestimmte Eigenschaft, und nur dessen Wert läge nicht fest. Wenn man aber den Aufenthaltsort oder den Spin nicht als eine Eigenschaft des Teilchens, sondern der Wechselwirkung des Teilchens ansieht, verschwindet die ganze Verwirrung. Das Teilchen erhält die Eigenschaft Spin mitsamt seinem Wert erst im Moment der Wechselwirkung. Das bedeutet jedoch nicht, es gäbe keine festen Regeln, bei welchen Wechselwirkungen welche Eigenschaften entstehen, deren Werte gemessen werden können.

weiterlesen

Der Schrecken der Amerikaner gewinnt die Wahl im Irak

Muktada al-Sadr hat die Parlamentwahlen im Irak gewonnen. (Bild: Kamal Akrayi / EPA)
Der Geistliche Al-Sadr hat mit seiner Liste die Parlamentswahl im Irak definitiv gewonnen. Nun muss er sich bei der Regierungsbildung auf die Suche nach Partnern machen.

Neue Zürcher Zeitung

Der schiitische Geistliche Muktada al-Sadr hat die Parlamentswahl im Irak gewonnen. Seine Liste Sairun (Wir marschieren) werde 54 der 329 Sitze im Parlament erhalten, teilte die Wahlkommission am frühen Samstagmorgen mit. Auf Platz zwei folgt das Bündnis des Politikers Hadi al-Amiri, das den schiitischen Milizen nahesteht und enge Beziehungen zum benachbarten Iran hat (47 Mandate). Lediglich auf Platz drei kam der amtierende schiitische Regierungschef Haidar al-Abadi mit seiner Liste (42 Sitze). Dieses Ergebnis war Prognosen zufolge bereits nach der Wahl vom 12. Mai erwartet worden. Es gilt aber dennoch als überraschend.

weiterlesen

Südostasien: drei große Einwanderungswellen

Forscher bei der Ausgrabung prähistorischer Toter in Vietnam. Ihre DNA half bei der Rekonstruktion der Frühgschichte Südostasiens. © Lorna Tilley/ Australian National University
Von Migrationen geprägt: Südostasien hat in seiner Frühgeschichte drei große Einwanderungswellen erlebt, wie DNA-Vergleiche enthüllen. Im Gegensatz zu Europa vermischten sich die Gene dieser prähistorischen Immigranten aber nur zum Teil – das spiegelt sich bis heute im genetischen Erbe der Menschen wider, wie die Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten. Die Migrationen könnten aber auch erklären, warum in Südostasien heute zwei große Sprachfamilien vertreten sind.

scinexx

Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte der Migrationen: Sowohl Europa als auch Nordamerika erlebten bereits in der Frühgeschichte mehrfache Einwanderungswellen, die bis heute Spuren in Erbgut und Kultur der Bevölkerung hinterlassen haben.

Rätselfall Südostasien

Für Südostasien jedoch ist die Besiedlungsgeschichte bisher nur in Teilen geklärt. So zeugen prähistorische Handabdrücke auf Sulawesi davon, dass der Homo sapiens seit mindestens 40.000 Jahren in dieser Region lebte. Australien dagegen scheint der moderne Mensch sogar schon vor rund 65.000 Jahren erreicht zu haben. Doch wie die Geschichte weiterging und woher beispielsweise die ersten Bauern kamen, war strittig. Auch der Ursprung der Sprachen in dieser Region blieb offen.

weiterlesen

Ultraviolet Radiation from Low-Mass Stars Could Render Planets Uninhabitable

An artist’s impression of an active red dwarf star irradiating an orbiting planet. Credit: G. Bacon (STScI)/NASA/ESA
Low-mass stars are currently the most promising targets when searching for potentially habitable planets, but new research has revealed that some of these stars produce significant amounts of ultraviolet (UV) radiation throughout their lifetimes. Such radiation could hinder the development of life on any orbiting planets. 

By Amanda Doyle | SPACE.com

M-dwarfs are stars that are cooler and less massive than stars like our Sun, and are the most common type of star in the Galaxy, meaning that it is vital that we better understand them and the influence they have on their planets.

Detecting terrestrial planets in the habitable zone — the region where liquid water can exist on a planet’s surface — when they pass in front of, or transit, Sun-like stars is difficult. This is partly because we only see a small dip in the light as the planet crosses the star, and also partly because their orbits are long enough that we have to wait several years to observe multiple transits. However, because M-dwarfs are smaller and cooler, the planets in their habitable zone are much closer to their star, resulting in larger and more frequent drops in light, making them easier to detect. [How to Tell Star Types Apart (Infographic)]

This makes M-dwarfs ideal candidates when searching for potentially habitable planets, which has led to habitable zone terrestrial planets being discovered around M-dwarfs including Proxima Centauri, TRAPPIST-1 and Ross 128.

read more

Der Prager Fenstersturz: Beginn einer europäischen Tragödie

Zeicherische Darstellung des Prager Fenstersturzes, der zum Dreißigjährigen Krieg führte. Chromolithographie von 1936. (Datum geschätzt) (imago / Leemage)
Er sollte eine der größten europäischen Katastrophen auslösen: Der Prager Fenstersturz, der sich in der kommenden Woche zum 400. Mal jährt. Der Krieg, der darauf folgte, ist auch schon von Zeitgenossen als Dreißigjähriger bezeichnet worden: ein Kampf um Macht, Religion und Wahrheit.

Von Barbara Weber | Deutschlandfunk

„Wir befinden uns hier im Museum des Dreißigjährigen Krieges.“

Wittstock an der Dosse. Die spätmittelalterliche Bischofsburg beherbergt heute das Museum. Hier besiegten die Schweden 1636 die kaiserlich-kursächsische Armee.

„Wenn ich das auslöse…“ Antje Zeiger, Direktorin des Museums, steht vor einem großen Uhrwerk aus dem 17. Jahrhundert mit vielen Zahnrädern, die ineinandergreifen. „Das ist gewissermaßen unser akustischer Fahrstuhl und damit landen wir im Jahr 1618 mit dem Beginn des 30jährigen Krieges am 23.Mai 1618.“

Mit Pistolen und Degen bewaffnete protestantische böhmische Adelige stürmen damals die Böhmische Kanzlei in der Prager Burg. Sie können und wollen nicht akzeptieren, dass die ihnen von dem katholischen Kaiser Rudolf II. zugesicherte Religionsfreiheit von seinem Nachfolger Matthias nicht gewährt wird. Nach einem hitzigen Wortgefecht mit den kaiserlichen Statthaltern werden diese aus dem Fenster geworfen.

weiterlesen