Weltgrößter Tyrannosaurus rex entdeckt – In Kanada gefundenes Fossil erweist sich als schwerster und größter Raubdinosaurier

Das Skelett des Tyrannosauriers „Scotty“: Er ist der größte und schwerste aller jemals entdeckten Raubdinosaurier dieser Art. © Amanda Kelley
Urzeitlicher Gigant: Ein in Kanada entdecktes Tyrannosaurus-Fossil ist der größte bekannte Vertreter dieser Art – und der massigste Raubdinosaurier, der jemals entdeckt wurde. Das Tier war zu Lebzeiten 13 Meter lang und wog knapp neun Tonnen, wie die Paläontologen berichten. Besonders auch: Der Tyrannosaurier war nach Dinomaßstäben schon ziemlich betagt als er starb und trug zu Lebzeiten offenbar zahlreiche Verletzungen davon.

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Der Tyrannosaurus rex – der „König der Schreckensechsen“ – war eines der größten Raubtiere der Erdgeschichte. Bis zu zwölf Meter lange Skelette haben Paläontologen von diesem zweibeinig laufenden Dinosaurier bisher gefunden. Dank seines einzigartigen Schädels, einer enormen Bisskraft und Zähnen scharf wie Steakmessern konnte der T. rex selbst große Beute überwältigen und deren Knochen knacken. Trotz seiner Masse war dieser Fleischfresser zudem erstaunlich wendig.

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Aging Is a Communication Breakdown

Image: NAUTILUS
Genes that can’t express themselves may be hallmarks of cancer.

By Jim Kozubek | NAUTILUS

Johann Wolfgang von Goethe, the 18th-century poet and philosopher, believed life was hardwired with archetypes, or models, which instructed its development. Yet he was fascinated with how life could, at the same time, be so malleable. One day, while meditating on a leaf, the poet had what you might call a proto-evolutionary thought: Plants were never created “and then locked into the given form” but have instead been given, he later wrote, a “felicitous mobility and plasticity that allows them to grow and adapt themselves to many different conditions in many different places.” A rediscovery of principles of genetic inheritance in the early 20th century showed that organisms could not learn or acquire heritable traits by interacting with their environment, but they did not yet explain how life could undergo such shapeshifting tricks—the plasticity that fascinated Goethe.

A polymathic and pioneering British biologist proposed such a mechanism for how organisms could adapt to their environment, upending the early field of evolutionary biology. For this, Conrad Hal Waddington became recognized as the last Renaissance biologist. This largely had to do with his idea of an “epigenetic landscape”—a metaphor he coined in 1940 to illustrate a theory for how organisms might regulate which of their genes get expressed in response to environmental cues or pressures, leading them down different developmental pathways. It turned out he was onto something: Just a few years after coining the term, it was found that methyl groups—a small molecule made of carbon and hydrogen—could attach to DNA, or to the proteins that house it, and alter gene expression. Changing how a gene is expressed can have drastic consequences: Every cell in our body has the same genes but looks and functions differently only due to the epigenetics that controls when and how genes get turned on. In 2002, one development biologist wondered whether Waddington’s provocative “ideas are relevant tools for understanding the biological problems of today.”

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In fünf Jahren ist die Terrormiliz IS rasant aufgestiegen – und gefallen

Bild: nationalreview.com
Im Jahr 2014 beherrscht der IS ein Gebiet in der Grösse von Grossbritannien. Doch die Belagerung der nordsyrischen Stadt Kobane sollte zum Fanal für das IS-Kalifat werden. Eine Chronologie des Terrors.

Jan Hudec | Neue Zürcher Zeitung

2006

Der IS geht aus der irakischen al-Kaida hervor. Als der damalige Anführer des irakischen Ablegers, Abu Musab al-Zarqawi, bei amerikanischen Luftangriffen getötet wird, übernimmt Abu Omar al-Baghdadi die Führung. Die Gruppe nennt sich neu «Islamischer Staat im Irak» (ISI) und verübt im Land zahlreiche Terroranschläge.

2010

Der ISI-Chef wird ebenfalls bei einem Luftangriff getötet, neu übernimmt Abu Bakr al-Baghdadi.

2011

Als die Krise sich in Syrien zuzuspitzen beginnt, entsendet Baghdadi Männer nach Syrien, wo sie einen neuen Kaida-Ableger gründen: die Nusra-Front.

2013

Das Syrische Regime gibt im März die Stadt Rakka auf, die in der Folge von Rebellen übernommen wird. Baghdadi bricht mit der Nusra-Front und gründet den Isis, den «Islamischen Staat im Irak und in Syrien». In der Folge setzt der Isis zu seinem Siegeszug an.

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1999: Der Holocaust als Rechtfertigung für einen Angriffskrieg

Bombardierung von Belgrad. Erste ZIele waren Rundfunk- und Fernsehsender. Bild: Darko Dozet/CC BY-SA-3.0
Vor 20 Jahren begann der Kosovo-Krieg: Von Ursachen, Hintergründen und Folgen eines bis heute kaum aufgearbeiteten Ereignisses

Kurt Gritsch | TELEPOLIS

Vom 24. März 1999 an bombardierte die NATO 78 Tage lang Jugoslawien, bis es im Juni die Stationierung westlicher Soldaten in seiner Krisenprovinz Kosovo akzeptierte. Begründet wurde der Luftkrieg damit, den Albanern im Kosovo gegen die Unterdrückung durch Serbien zu helfen. Weil aber keine Ermächtigung durch den UN-Sicherheitsrat vorlag (Russland und China unterstützten zwar Sanktionen, drohten aber im Kriegsfall mit einem Veto), argumentierte man damit, einen drohenden Völkermord zu verhindern.

Von einem „neuen Auschwitz“ (so der damalige deutsche Außenminister Joseph „Joschka“ Fischer) konnte allerdings keine Rede sein (Konstruktion von Medienrealität im Kosovo-Krieg). UNO-Generalsekretär Kofi Annan etwa stellte fest, dass Serben und Albaner gleichermaßen die Verantwortung für den jahrelangen politischen Konflikt, der ab 1998 zum Bürgerkrieg eskaliert war, trügen. Er rief zu einer politischen Lösung auf, die aber von allen Konfliktparteien – Serbien, UÇK und NATO – ignoriert wurde.

Während das Transatlantische Bündnis jegliche Verantwortung für die Eskalation dem „neuen Hitler“ Slobodan Milošević zuschrieb, verhinderten die Luftangriffe indes nicht, dass Hunderttausende vor serbischen Vertreibungen und westlichen Bomben flohen. Die NATO wiederum beschloss im April 1999 anlässlich ihres 50. Geburtstags, zukünftig weltweit zugunsten von unterdrückten Völkern einzugreifen. Was die einen als Schritt zur globalen Friedenssicherung begrüßten, kritisierten andere als Verwandlung eines Verteidigungs- in ein Angriffsbündnis und somit als Schritt Richtung neuer Angriffskriege.

Als Begründung für den Völkerrechtsbruch wurde im Fall Kosovo dezidiert die Geschichte des 20. Jahrhunderts bemüht. Die richtigen Lehren aus der Shoa, aus dem Massenmord der Nationalsozialisten an den europäischen Juden, zu ziehen, bedeute, so die einen, jeden „potentiellen Holocaust“ bereits im Ansatz militärisch zu verhindern. Die anderen wiederum bekrittelten, dass damit der historische Holocaust seiner Einzigartigkeit beraubt werde, indem er mit zahllosen Bürgerkriegsereignissen weltweit gleichgesetzt werde. Zudem, so der Einwand der Friedensforschung, könne das Menschenrechtsargument nahezu beliebig verwendet werden, um über ökonomische, strategische und geopolitische Interessen der NATO-Mitglieder hinwegzutäuschen.

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Menschheitsgeschichte: Es gibt keine Rassen

Die vielerorts verbreitete helle Hautfarbe gibt es in Europa erst seit vier- bis fünftausend Jahren (Imago)
„Rasse“ – dieser Begriff hat viel Leid über die Menschheit gebracht. Die Idee, dass Menschen unterschiedlich viel wert sein sollten, je nach Herkunft und Hautfarbe. Doch es ist bewiesen, dass so etwas wie „Rasse“ gar nicht existiert: Die Menschen auf der Erde sind genetisch betrachtet fast gleich.

Von Dagmar Röhrlich | Deutschlandfunk

Der Begriff „Rasse“, wie wir ihn heute verstehen, entwickelte sich in der Zeit, als Europäer die Erde „entdeckten“, fremde Kontinente und Kulturen. Im 18. Jahrhundert, mit dem Entstehen der modernen Wissenschaften, begannen Philosophen und Naturforscher in ihrem Bestreben, die Welt zu ordnen und zu erklären, äußerlichen Unterschieden Wertungen beizumessen:

„Europäer – weiß, sanguinisch, muskulös

Amerikaner – rot, cholerisch, aufrecht

Asiaten – gelb, melancholisch, steif

Afrikaner – schwarz, phlegmatisch, schlaff

Carl von Linné, Systema Naturae, Zehnte Auflage, 1758“

Diese Auffassung von „Rasse“, die in der Aufklärung entstand, bildete das geistige Fundament, auf dem sich der Kolonialismus entfalten konnte, der Imperialismus und später die völkischen Rassenideologien des 19. und 20. Jahrhunderts und der Holocaust.

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Starke Götter als Kitt der Hochkulturen

Religionen mit strengen Moralvorgaben und Gottheiten stärkten den Zusammenhalt in komplexen, multiethnischen Hochkulturen. (Bild: imagineGolf/ iStock)
Warum und wann haben sich Religionen mit starken Göttern und strengen Moralregeln entwickelt? Darauf haben Forscher nun eine überraschende Antwort gefunden. Denn entgegen gängiger Annahme waren solche Religionen nicht die Triebkraft für die Entwicklung komplexer Gesellschaften, sondern eher ihr Kitt: Sie entstanden erst nach den komplexen Großreichen, sorgten dann aber dafür, dass diese Sozialgebilde auf Dauer stabil blieben, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten.

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Ob Christentum, Islam, Judentum oder Buddhismus: In vielen großen Weltreligionen gibt es strenge moralische Gebote und starke Gottheiten, die ihren Gläubigen bestimmte Regeln auch im sozialen Umgang untereinander auferlegen. Das Auffallende daran: Religionen mit starken moralisierenden Gottheiten haben sich vor allem in Hochkulturen entwickelt, aber nur selten bei Naturvölkern. Schon länger vermuten Wissenschaftler deshalb einen engen Zusammenhang zwischen der Umwelt, der gesellschaftlichen Komplexität einer Kultur und der Art ihrer Religion.

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VOX will Nazis ins spanische Parlament bringen

Demo der Rechten und VOX gegen die Regierung und die im Gefängnis befindlichen katalanischen Politiker. Bild: VOX/public domain
Faschistoide VOX-Partei will das Parlament mit rechtsradikalen Militärs und mit einem Holocaustleugner erobern, für den die Nürnberger Prozesse eine „Farce“ waren

Ralf Streck | TELEPOLIS

Deutsche Parteien sollten sich Gedanken darüber machen, mit wem sie in Spanien kooperieren, denn ihre lokalen Partner machen dort gestandene Nazis und Holocaustleugner hoffähig, da sie mit der faschistoiden VOX-Partei in Andalusien schon jetzt gemeinsame Sache machen. Das gilt vor allem für die Unionsparteien, die mit der ultrakonservativen Volkspartei (PP) verbunden sind, und die FDP, die mit der rechten Ciudadanos (Bürger/Cs) zusammenarbeitet.

Mit der faschistoiden VOX-Partei, eine Abspaltung der PP und ein Sammelbecken Ewiggestriger, regiert die PP-Cs-Koalition schon in Andalusien zusammen. Alle Umfragen prognostizieren, dass es bei den vorgezogenen Neuwahlen am 28. April eine Rechtsregierung in Spanien nur mit Unterstützung von VOX möglich ist, auf die PP und Cs hinarbeiten. Es ist auch nicht so, dass VOX die andalusische Rechtskoalition ohne Gegenleistungen duldet. PP und Cs sind den Ultras weit entgegengekommen. Ausgerechnet die Geschichtsrevisionisten und Feinde von Frauenrechten stehen nun den Kommissionen für die historische Erinnerung und Familie vor. Diese Posten haben zudem die Ciudadanos abgegeben, die in Deutschland gerne als „liberal“ bezeichnet werden. Und die tun stets so, als hätten sie mit dem Abkommen der PP und Rechtsradikalen nichts zu tun, dabei kandidieren auch auf ihren Listen immer wieder Falangisten und andere Ultras.

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Das sind 10 Restposten der Evolution – hast du alle?

wikimedia
Wir sind einen weiten Weg gegangen, seit vor mehr als 50 Millionen Jahren die Primaten entstanden. Aus den kleinen, vermutlich baumbewohnenden Säugern entstanden im Zuge der Evolution die heutigen Affen und damit auch wir Menschen (wir gehören zur Unterordnung der Trockennasenaffen).

watson.ch

Einige körperliche Merkmale unserer Vorfahren haben wir allerdings beibehalten – obwohl wir sie gar nicht mehr gebrauchen. Hier sind zehn dieser biologischen Rudimente:

Manche Menschen haben am Aussenrand ihrer Ohrmuscheln einen Knorpelfortsatz, der – benannt nach Charles Darwin – Darwin-Ohrhöcker heisst. Darwin erkannte darin ein evolutionäres Überbleibsel einer früher spitzen Ohrform, wie sie viele Säugetiere aufweisen.

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Jack the Ripper: Täter mittels DNA entlarvt?

Bis heute ist ungeklärt, welcher der damaligen Verdächtigen wirklich Jack the Ripper war. Jetzt liefern DNA-Analysen neue Indizien. © George Peters/ iStock
Kriminalfall wieder aufgerollt: Forscher haben einen möglichen Hinweis auf die wahre Identität von Jack the Ripper gefunden – dem berüchtigten Serienmörder des viktorianischen London. DNA-Spuren auf dem blutverschmierten Halstuch eines der Opfer stimmen demnach mit DNA-Abschnitten einer Nachfahrin des damaligen Hauptverdächtigen überein. Nach Ansicht der Wissenschaftler spricht dies dafür, dass der psychisch kranke Barbier Aaron Kosminski der Mörder war.

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Er ist einer der berühmtesten Serienmörder der Geschichte: Im Herbst 1888 tötete Jack the Ripper in London gleich fünf Frauen auf brutale Weise. Er durchschnitt seinen Opfern die Kehle und verstümmelte sie zum Teil. Obwohl die Londoner Polizei damals alle Anstrengungen unternahm, den Mörder zu finden, ist bis heute unklar, wer wirklich hinter Jack the Ripper steckte. Unter den Verdächtigen waren ein russischer Arzt und Ex-Sträfling, ein irischer Quacksalber, ein homosexueller Anwalt und ein psychisch kranker Barbier aus Polen.

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Oswald Mosley, das passende Vorbild

Italy’s Duce Benito Mussolini (left) with Oswald Mosley (right) during Mosley’s visit to Italy in 1936. Bild: wikipedia.org/PD
Brenton Tarrant, der der Ermordung von mindestens 50 muslimischen Gläubigen in einer Moschee im neuseeländischen Christchurch dringend verdächtigt wird, bezeichnete in einem 73 Seiten starken Manifest den britischen Faschisten und Antisemiten Oswald Mosley als sein Vorbild, von dem er Inspiration schöpfte.

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Sein Motiv für das Massaker, das in seiner Schrift am meisten hervorsticht, lautete: «Entfernung von Nicht-Europäern aus europäischem Land». Und weiter schreibt Tarrant: «Ich stimme weitgehend mit Sir Oswald Mosleys Ansichten überein und betrachte mich als einen Eco-Faschisten von Natur aus».

Der Australier Tarrant dementiert, ein Antisemit zu sein, zumindest so lange, wie Juden in Israel leben. «Ein in Israel lebender Jude ist nicht mein Feind, so lange er nicht versucht, mein Volk zu unterwandern, oder ihm Schaden zuzufügen». Eine ähnliche Ansicht über Juden vertrat Anders Behring Breivik, der weisse Rassist, der 2011 in Norwegen 77 junge Leute ermordete, und den Tarrant als Rollenmodell anführt.

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Does Light Experience Time? And Other Riddles

This visualization shows a jet blasting from a black hole near the speed of light. When objects reach near lightspeed, time behaves very strangely.
We really don’t understand time yet

By Paul Sutter | SPACE.com

We don’t understand the concept of time much at all.

Everyone experiences time — literally every day — but rigorous and comprehensive understanding of the topic is … lacking. Then again, we do know some things, especially when we look at time through the lens of special and general relativity. Einstein’s work taught us many things: that space and time are connected, that you can never travel faster than light, that our universe has a finite age and that different observers experience different lengths of time.

All these revelations lead to some interesting questions. It’s time (pun intended) for a roundup.

How old is the universe?

Our universe is 13.77 billion years old, according to our current best estimates, which are very good, thank you very much. But when special relativity is invoked, we also understand that everyone measures time differently, depending on their speed. We, on Earth, whizzing around the sun, with the sun spinning around the Milky Way, and the Milky Way blasting through the intergalactic vacuum, should have a different perspective on the flow of time than someone else on a different planet around a different sun in a different galaxy. That said, how can we possibly pin down a „real“ age of the universe?

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Die „neue englische Krankheit“ – Geht doch endlich, ihr nervigen Briten, und beendet Euer absurdes Brexit-Theater

„Brexit Banner“. Bild: Richard Leeming / CC BY-SA 2.0

„Unsre Unfähigkeit, die Wahrheit zu erkennen, ist die Folge unsrer Verderbnis, unsres moralischen Verfalls.“
Pascal

Rüdiger Suchsland | TELEPOLIS

Und täglich grüßt der Brexit. Jeden Tag neue Politiker- und Journalistenspekulationen, jede Woche neue Abstimmungen in dem zur Lachbude verkommenen britischen Parlament. Und jeden Morgen im Radio und Frühstücksfernsehen irgendeine neue Wasserstandsmeldung, irgendeine Korrespondenten- und Kommentatorenspekulation, ob er denn nun wirklich stattfindet, was er für Folgen hat, und ob er sich noch verhindern lässt.

Eingerahmt in Interviews mit verzweifelt flehenden Remainern und surrealistischen Brexeteers, die erklären, warum es Großbritannien nach einem EU-Austritt viel besser geht als vorher: „Wir werden endlich ein freies und unabhängiges Land sein. …“

Der Brexit wird stattfinden. Und zwar mit Pauken und Trompeten. Wir alle werden es zu unseren Lebzeiten erleben, wie ein souveränes Land sich selbst an die Wand fährt, zerlegt, zerstört. Wir werden erleben, wie Großbritannien sich abschafft. Wie Schottland das Vereinigte Königreich verlässt, wie in Nordirland der alte bürgerkriegsähnliche Konflikt wieder ausbricht, bevor die Katholiken ihn gewinnen, wie sich das verbliebene Wurmfortsatz-England in den Schoß eines längst reaktionär erstarrten Amerika flüchtet, immerhin seiner ehemaligen Kolonie.

Wir werden den Untergang einer Großmacht erleben. Den Selbstmord aus Angst vor dem Tode. Aber der Brexit wird stattfinden.

Und das ist auch gut so.

Großbritannien nervt und ruiniert die EU

Denn sie nerven. Sie wollen immer eine Extra-Sausage. Sie sind nicht mal halb so witzig, wie sie sich selber finden. In Gruppen sind sie immer besoffen und grölen den Kontinent zusammen. Sie behaupten, sie seien die „älteste Demokratie der Welt“, aber ruinieren zuerst ihren eigenen Parlamentarismus mit ihrer albernen Volksabstimmung zum EU-Austritt und haben dann aber Angst davor, ihr eigenes Volk zum zweiten Mal zu fragen, ob sie an ihrer Entscheidung festhalten wollen.

Stattdessen wird der Parlamentarismus diffamiert, sobald es passt: Dass sich die Abgeordnete dem „Willen des Volkes“ verweigern oder ihn verbiegen, plärren die europafeindlichen Blätter, als ob diese Abgeordneten nicht – übrigens nach dem Brexit-Referendum – von genau diesem Volk gewählt wurden, um ihren „Willen“ in Gesetzesform zu gießen, als ob nicht 49% „des Volkes“ gegen den Brexit gestimmt hätten. Die „älteste Demokratie der Welt“ hat längst vergessen, was Demokratie heißt.

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Europaparlamentspräsident Tajani: „Mussolini hat positive Dinge getan“

Antonio Tajani. Bild: Europäisches Parlament
Die Forderungen nach Rücktritt des Berlusconi-Fans Antonio Tajani werden nach dessen neuem Eklat lauter

Ralf Streck | TELEPOLIS

„Zum zweiten Mal binnen eines Monats tut sich EP-Präsident Antonio Tajani mit geschichtsrevisionistischen Äußerungen hervor“, twittert der Linken-Abgeordnete Andrej Hunko und fügt an: „Sein Rücktritt ist überfällig.“ Dass der Europaparlamentspräsident auf dem rechten Auge blind ist, hatte er in den letzten Wochen nun mehrfach deutlich gemacht. Nun hatte er seiner Gesinnung in einem Interview mit dem italienischen Radio 24 freien Lauf gelassen.

Der italienische Faschist und Diktator Mussolini habe vor der Einführung der Rassengesetze und vor der Kriegserklärung „an die ganze Welt“ auch „einige positive Dinge getan“, hatte Tajani erklärt. Und auf Nachfrage merkte er nicht einmal, dass er sich noch tiefer in den braunen Sumpf verstrickte. „Ich bin kein Faschist, ich war nie ein Faschist. Aber wenn wir ehrlich sein wollen, hat er Straßen, Brücken, Gebäude, Sportanlagen gebaut.“ In Deutschland wäre der Rücktritt des Italieners besiegelt. Denn es geht hier (noch) nicht durch, wenn sich Politiker so zu Hitler äußern, was in Spanien in Bezug auf Franco ebenfalls konsequenzlos durchgeht.

Geschichtsrevisionistische Ausfälle von Tajani sind wahrlich nicht neu. Vor einem Monat schrieb auch Der Spiegel über eine „historischen Entgleisung“, da er das „italienische Istrien“ und das „italienische Dalmatien und die italienischen Exilierten“ hochleben ließ und damit für Entrüstung in Slowenien und Kroatien sorgte. Zufällig war auch dieser Ausspruch nicht, denn er sprach ihn im italienischen Basovizza an der Grenze zu Slowenien ausdrücklich als Europaparlamentspräsident aus. Er hatte auch keine Probleme, neben Fahnenträgern in Uniform und dem Chef der rechtsradikalen Lega, Matteo Salvini zu stehen.

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„Der Klassenbegriff ist planmäßig zerstört worden“

Grafik: TP
Bernd Stegemann über die Aufstehen-Bewegung, über Ausgrenzung, Doppelmoral und das Fehlen einer linken Erzählung, „die die soziale Frage ins Zentrum stellt“

Paul Schreyer | TELEPOLIS

Herr Stegemann, Sie sind seit 20 Jahren Dramaturg am Theater, außerdem Professor an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin, Autor von politischen Sachbüchern und seit 2018 auch Vorsitzender des Trägervereins der Aufstehen-Bewegung. Zunächst: Wie ist zur Zeit der Stand bei „Aufstehen“? Wie geht es weiter nach dem Rückzug von Sahra Wagenknecht aus der Spitze der Sammlungsbewegung?

Bernd Stegemann: Wagenknecht zieht sich aus gesundheitlichen Gründen aus dem organisatorischen Tagesgeschäft von Aufstehen zurück, so wie sie auch nicht mehr als Fraktionsvorsitzende der Linkspartei kandidieren wird. Sie hat Aufstehen gegründet und wird auch weiterhin Teil der Bewegung bleiben, die sie nach Maßgabe ihrer Kräfte solidarisch unterstützt.

Wie geht es nun weiter?

Bernd Stegemann: Brecht würde sagen, damit sind wir endgültig in den „Mühen der Ebene“ angekommen. Nach der großen Anfangseuphorie, wo wir wirklich überrascht und sehr erfreut waren, haben sich viele Detailprobleme aufgetürmt, überwiegend organisatorischer Natur, die wir jetzt versuchen müssen zu lösen. Und das ist natürlich sehr schwer bei einer Bewegung, die nur aus Ehrenamtlichen und Freiwilligen besteht. Vom Programmieren der Webseite bis zur Verwaltung der Daten, der Finanzen und so weiter ist das ein Wust an Arbeit, der momentan noch keine entsprechende Organisationsstruktur gefunden hat, um sie wirklich zu bewältigen.

Gibt es in diesem Jahr größere Aktionen?

Bernd Stegemann: Ja, die gibt es laufend. Ende Februar fand ein großes Aktionscamp in Dortmund statt. Am 14. März gibt es eine große Veranstaltung in Hamburg, wo Sahra Wagenknecht auftritt, außerdem in Leipzig, es gibt in Berlin ein großes Treffen der dortigen Gruppen im April. Aufstehen lebt in über 200 lokalen Gruppen, die sich alle regelmäßig treffen. Auf der konkreten Ebene läuft es eigentlich verblüffend gut, auf der Ebene der Gesamtorganisation schleppt’s.

Mormonische Vielehe in TV-Serien: Der Mann als zeugender Gott

Ist Polygamie gottgewollt? Ein mormonischer Missionar malt unter anderem „Der Plan Gottes“ in eine Fußgängerzone (dpa picture alliance/ Fredrik von Erichsen)
Die Vielehe ist in den USA zwar gesetzlich verboten, trotzdem praktizieren einige mormonische Familien sie bis heute. Damit befassen sich auch zwei TV-Serien: eine fiktionale und eine dokumentarische. Beide beleuchten die sozialen Auswirkungen der Polygamie.

Von Tim Baumann | Deutschlandfunk

„Hallo Schatz, der Hackbraten braucht noch zehn Minuten.“

Wenn Bill Henrickson von der Arbeit nach Hause kommt, begrüßt er zunächst seine Frau Barbara…

„Wo ist deine Mama? Hallo Schatz, da steckst Du!“

…dann seine Frau Nicolette…

„Hi!“ / „Hallo!“ / „Probier mal – Kartoffelsalat“ / „Mmh!“

…und schließlich seine Frau Marge.

In der US-Dramaserie „Big Love“ verfolgen die Zuschauer, wie die Henricksons ihren Alltag bestreiten – stets um Geheimhaltung ihrer Familienkonstellation bemüht: Denn ein Ehemann mit drei Ehefrauen und sieben Kindern – das ist nicht nur unkonventionell, sondern in den USA auch illegal.

Sex statt Religion

Dennoch bietet „Big Love“ die Möglichkeit, sich mit den Protagonisten zu identizieren. Denn die Serie des amerikanischen Edel-TV-Anbieters HBO nimmt sich deutlich mehr Zeit für alltägliche Konflikte als für religiöse Dispute – so gewinnt das Publikum allerdings weniger Einblicke in die religiösen Überzeugungen der Henricksons als in ihr Sexualleben.

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Am Beginn der Weimarer Republik standen Staatsmassaker

An den Märzkämpfen beteiligt: Freikorps Reinhard (in der Straße Unter den Linden, Berlin 1919). Foto: Bundesarchiv, Bild 183-S60769 / CC-BY-SA 3.0 de
In diesen Tagen jähren sich Ereignisse, die zeigen, wie schmal die Trennung zwischen bürgerlichem Staat und Faschismus ist

Peter Nowak | TELEPOLIS

Paul Brandt, Ernst Bursian, Werner Weber: Das sind nur drei von 29 Namen, die am Montagvormittag vor dem Gebäude der Französischen Straße 32 in Mitte in die Höhe gehalten wurden. Dort waren diese Männer am 11. März 1919 erschossen worden.

Etwas mehr als 100 Jahre später trafen sich nun etwa 50 Menschen zu einer Gedenkveranstaltung. Initiiert wurde sie vom Regisseur und Buchautor Klaus Gietinger. Er hat in den letzten Jahren über die Gewalt geforscht, mit der im Frühjahr 1919 rechte Freikorps gegen aufständische Arbeiter und sie unterstützende Soldaten vorgegangen sind.

Auf der Seite der Arbeiter kämpfte auch die Volksmarinedivision, über deren Geschichte Gietinger kürzlich sein neuestes Buch mit dem Titel „Blaue Jungs mit roten Fahnen“ im Unrast-Verlag veröffentlichte. Auch das Massaker vom 11. Januar 1919 wird dort behandelt.

„Tausendfache Morde in den Monaten der Noske-Zeit“

An diesem Tag wurden die Matrosen mit dem Versprechen, dass ihr Sold ausgezahlt wird, in den Hof der Französischen Straße 32 gelockt. Dort wurden sie von den Freikorps mit schweren Waffen empfangen. Gietinger sprach von einem der schlimmsten Massaker der Revolution vor 100 Jahren. Den Auftrag gab der Reichswehrminister Gustav Noske (SPD).

Die unmittelbar für die Ermordung der Matrosen verantwortlichen Wilhelm Reinhard, sein Adjutant Eugen von Kessel und Leutnant Marloh wurden nie bestraft und machten im Nationalsozialismus Karriere.

Die Sozialwissenschaftlerin Dania Alasti zitiert in ihrem kürzlich erschienenen Buch „Frauen der Novemberrevolution“ (ebenfalls Unrast-Verlag) die Frauenaktivistin Lydia Gustava Heymann, die die 1941 in der Schweiz erschienenen Lebenserinnerungen geschrieben hat:

Fritz Ebert und Genossen machten nicht nur gemeinsame Sache mit diesem Bürgerstande, den sie in Erscheinung und Lebensform schon lange nacheiferten und ihm gleichten wie ein Ei dem anderen, sondern auch mit den Generälen, der Großindustrie und den Junkern. Anstatt das deutsche Volk nach erlittenen Bismarckschen Sozialistengesetzen, nach jahrzehntelangem Kampf für Beseitigung preußischer Militärgewalt, Ausbeutung und Unterdrückung (Dreiklassenwahlrecht), nach den endlosen Opfern und Leiden des Weltkriegs – der Freiheit und Selbstverantwortung entgegenzuführen, trieben es des die früheren Genossen Schritt für Schritt, aber langsam und sicher, dem Abgrund des III. Reiches zu.

Lydia Gustava Heymann

Der linksliberale Publizist Sebastian Haffner hat schon über die Morde an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht geschrieben:

Der Mord vom 15. Januar 1919 war ein Auftakt – der Auftakt zu den tausendfachen Morden in den folgenden Monaten der Noske-Zeit, zu den millionenfachen Morden in den folgenden Jahrzehnten der Hitler-Zeit.

Sebastian Haffner

Die Morde an den 30 Matrosen gehörten zu den von Haffner beschriebenen „tausendfachen Morde in den Monaten der Noske-Zeit“. In den Märztagen 1919 wurden über 1.200 Menschen, in der Regel unbewaffnete Arbeiter, in den Ostbezirken Berlins ermordet. Deutsche Militärflugzeuge warfen Bomben über Arbeiterquartieren hat.

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Dr. Frans de Waal — When Animals Weep (and laugh, love, fight, are afraid, get angry, seek revenge, and other human-like emotions)

Based on his latest book — Mama’s Last Hug: Animal Emotions and What They Tell Us about Ourselves — the legendary biologist and primatologist Frans de Waal continues his empirical and theoretical work on animal societies, politics, intelligence, sentience, consciousness and, now, feelings and emotions.

SCIENCE SALON # 57 | Skeptic

In this conversation Dr. de Waal and Dr. Shermer discuss:

  • the difference between feelings and emotions
  • the problem of “other minds” (how do we know what other people, much less animals, are thinking and feeling?)
  • why it took a century since Darwin’s book on the evolution of animal and human emotions before scientists took up the mantle
  • the push back from social scientists that Paul Ekman and other scientists, including de Waal, got for suggesting emotions evolved
  • A.I. and emotions (can we program feelings into robots?)
  • the six different emotions and why there are very probably more
  • the nature/nurture debate in the study of emotions
  • primate politics in U.S. elections: a biologist analyzes the Trump-Clinton debate #2
  • is Trump an alpha male or a bully?
  • the difference between sentience and consciousness
  • animal rights and the future of factory farming.

Die Witwe sticht zu, und der Kopf des Feldherrn rollt: In der Bibel gibt es Geschichten, die man dort nicht erwarten würde

Eine blutige Geschichte, aber ja, sie stammt aus der Bibel: Judith ermordet den assyrischen Feldherrn Holofernes, nicht ohne vorher ihre erotischen Reize ausgespielt zu zu haben. Das wiederum faszinierte Gustav Klimt, der 1901 sein düster-laszives Bild malte. (Bild: Österreichische Galerie Belvedere, Wien)
Für das Judentum gehören sie nicht zum Alten Testament: die deuterokanonischen Schriften. Der Anhang zur neuen Zürcher Bibel enthält sie in einer neuen Übersetzung. Sie geben Einblick in eine fast vergessene Epoche der jüdischen Kultur.

Bernhard Lang | Neue Zürcher Zeitung

Titelheldin des Dramas «Judith» von Rolf Hochhuth ist eine politisch orientierte, treffsicher argumentierende, vor nichts zurückschreckende Journalistin. In ihr Visier gerät der amerikanische Präsident, als dieser die Herstellung chemischer Waffen wieder zulässt. Ihren Plan, ein Attentat auf den Präsidenten zu verüben, setzt sie in die Tat um.

Die Gestalt der Judith hat Hochhuth einem antiken jüdischen Roman entlehnt. Dieser handelt von einer jungen und schönen jüdischen Witwe, die als Mörderin des feindlichen Feldherrn Holofernes zur Heldin wird. Auch ein Gemälde von Gustav Klimt hat zur Verewigung des Ruhmes der Heldin beigetragen, die ihre körperlichen Reize hemmungslos ausspielt, um für ihr Volk zu kämpfen.

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Schwere Strahlendusche traf Erde – Sonnensturm um 660 v. u. Z. war zehnfach stärker als alle heute gemessenen

Solare Plasmaausbrüche können Millarden energiereiche Partikel ins All schleudern. Ein besonders schwerer Sonnensturm dieser Art traf offenbar auch 660 v. u. Z. die Erde. © NASA/GSFC, SDO
Kosmischer Volltreffer: Im Jahr 660 v. u. Z. wurde die Erde von einem extrem starken Sonnensturm getroffen, wie Bohrkern-Analysen enthüllen. Der Einstrom energiereicher Partikel war bei diesem Sonnensturm zehnfach stärker als bei allen bisher gemessenen Ereignissen der Neuzeit. Dies spreche dafür, dass die Gefahr durch solche solaren Stürme bisher unterschätzt worden sei, warnen die Wissenschaftler.

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Starke Sonnenstürme sind eine potenzielle Gefahr für Satelliten, Kommunikationssystem und die Stromnetze der Erde. Denn der Einstrom energiereicher geladener Teilchen durchdringt dabei selbst das schützende Erdmagnetfeld und erreicht sogar die Erdoberfläche. 1972 sorgte ein solcher Sonnensturm für weltweite Störungen der Elektronik und Telekommunikation. 1967 lösten Störungen durch einen solaren Strahlenausbruch sogar fast einen Atomkrieg aus.

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Manche Bienen-Väter beteiligen sich an der Brutpflege

Ein Weibchen kommt beim Nest an. (Bild: Michael Mikát)
Zumindest von Honigbienen kennt man es ganz anders. Aber bei einer Keulhornbienen-Art machen sich die Männchen mit mehr als ihrem Samen nützlich, wie Forscher berichten.

Stephanie Kusma | Neue Zürcher Zeitung

Bei Vögeln ist es üblich, dass sich beide Elternteile zusammen um den Nachwuchs kümmern. Bei anderen Wirbeltieren ist eine solche gemeinsame elterliche Pflege zwar unüblicher, aber nicht selten, und selbst bei Gliedertieren kommt sie vor. Bei Bienen allerdings kannte man diese sogenannte biparentale Brutpflege bis anhin nicht. Bei den Honigbienen etwa können sie quasi nur eines: sich fortpflanzen. Abgesehen davon tragen sie nichts zum Wohl des Stockes bei, sie müssen sogar gefüttert werden.

Doch es geht auch nützlicher, selbst bei Bienen: Bei der nicht staatenbildenden Keulhornbienen-Art Ceratina nigrolabiata passt ein Männchen auf das Nest auf, während das Weibchen nach Futter sucht, wie Forscher der Charles University in Prag nun in der Fachzeitschrift «Proceedings of the National Academy of Sciences» berichten. Das Männchen verwehrt beispielsweise Ameisen, die der Brut gefährlich werden könnten, den Eintritt ins Nest oder wirft Eindringlinge hinaus, wie die Wissenschafter bei Experimenten herausfanden.

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