Archiv der Kategorie: Geschichte

Augenzeugen der Conquista

Habgier war ihr Motiv, Mord ihr Mittel. Skrupel kannten sie nicht, und Mitleid war ihnen fremd. Seit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus (1492) strömte eine wachsende Zahl von Abenteurern in die Neue Welt, viele von ihnen Desperados wie der ehemalige Schweinehirt Franzisco Pizarro (1475-1541), die in der Fremde zu finden hofften, was sie in der Heimat nicht bekamen: “oro y gloria”, Gold und Ruhm.


Von Theodor Kissel|Spektrum.de

Celso Gargia, Caspar de Carvajal, Samuel Fritz Die Eroberung von Peru Evamaria und Robert Grün (Hg.) Verlag: Edition Erdmann, Wiesbaden 2015 ISBN: 9783737400145 24,00 €
Celso Gargia, Caspar de Carvajal, Samuel Fritz
Die Eroberung von Peru
Evamaria und Robert Grün (Hg.)
Verlag: Edition Erdmann, Wiesbaden 2015
ISBN: 9783737400145
24,00 €

Robert und Evamaria Grün sind ausgewiesene Kenner auf dem Gebiet der Historischen Geographie und des Zeitalters der Entdeckungen. In ihrem neuen, äußerst lesenswerten Buch lassen sie drei Zeitzeugen zu Wort kommen, die in persönlichen Tagebüchern den welthistorisch so bedeutsamen wie folgenschweren Kulturkontakt zwischen Alter und Neuer Welt reflektierten. Ansätze für eine friedliche Koexistenz findet man darin kaum; meist drehen sich die Texte um blutige Auseinandersetzungen zwischen den spanischen Kolonialherren und der indigenen Bevölkerung Perus.

Im Irrsinn des Goldrauschs

Befeuert von dem verheißungsvollen Gerücht über ein legendäres Goldland “El Dorado” zog es um die Mitte des 16. Jahrhunderts Hunderte Hasardeure in die dünne Luft der Anden und in die grüne Hölle des Amazonas, um für die spanische Krone Land in Besitz zu nehmen. Die rechtliche Voraussetzung dafür schufen die “capitulationes”, staatliche Eroberungslizenzen, mit denen Spaniens König Karl V. die Kolonisierung Amerikas für private Investoren freigab und diesen ein befristetes Monopol zur kommerziellen Ausbeutung des Lands gewährte.

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“Die Homo-Ehe ist nur eine Frage der Zeit”

Deutschland tut sich schwer mit der Homo-Ehe, dabei wurde hier die Homosexualität erfunden, sagt Robert Beachy. Wie er das meint und was das Ende des deutschen Kaiserreichs für Homosexuelle bedeutete, erklärt der US-Historiker hier.


Von Alexander Sarovic|SpON

cartoon-herzSPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass Deutschland die Homo-Ehe einführen wird?

Beachy: Ja. Das ist nur eine Frage der Zeit.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt nach wie vor politischen Widerstand. Was stimmt Sie so zuversichtlich?

Beachy: Der allgemeine historische Trend spricht für die Einführung der Homo-Ehe. Außerdem wäre sie ein weiterer Schritt in der langen Geschichte der Homosexuellenbewegung in Deutschland.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Buch “Das andere Berlin” bezeichnen Sie Homosexualität sogar als eine “deutsche Erfindung”.

Beachy: Die Vorstellung, dass Homosexualität angeboren ist, entsteht in Deutschland in den Fünfziger, Sechziger- und Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit halten die meisten Homosexualität für eine Perversion. Es sind deutsche Ärzte, Wissenschaftler und Aktivisten, die erstmals sagen: Nein, das ist keine Krankheit, sondern ein Teil des Wesens einer Gruppe von Menschen. So prägen sie unser heutiges Verständnis von Homosexualität.

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“Die Gier ist älter als der Kapitalismus”

Welche Wirtschaftsform entspricht am ehesten der Natur der Menschen? Hat die Evolution den Kapitalismus befördert? Um eine Antwort zu finden, hat sich Professor Eckart Voland ziemlich lange mit Topmanagern beschäftigt – und mit Affen.


Von Ann-Kathrin Eckardt|Süddeutsche.de

Was ist uns zentral? (CC-by.2.0 von wahlkampf09)
Was ist uns zentral? (CC-by.2.0 von wahlkampf09)

Als Professor für Biophilosophie hat Eckart Voland an der Uni Gießen 20 Jahre lang Verhaltensprofile von gefangen gehaltenen Halbaffen untersucht oder die Evolution des Gewissens analysiert. Viele Interviews hat er gegeben, doch bei dieser Anfrage hat er gezögert. Nicht, weil er seit drei Monaten in Rente ist, sondern weil er über den Kapitalismus und die Natur des Menschen reden soll. Mit diesem Thema hat er sich schon mal Ärger eingehandelt. Nach einem Vortrag musste er sich wüst beschimpfen lassen. “Ihr Kapitalismus ist so natürlich wie Polyester” war eine der harmloseren Tiraden. Aber dann hat er doch zugesagt. Gut gelaunt empfängt er in seinem leergeräumten Büro.

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Die Rolle der Juden in der christlichen Heilsgeschichte

“Heilsgeschichte” ist ganz allgemein jede religiöse Interpretation von Geschichte, und dazu gehören auch die christlichen Vorstellungen der “Endzeit”. Da das Christentum dem Judentum entspringt, gehört den Endzeitvorstellungen auch eine Positionierung gegenüber dem Judentum.


Von Ulrike Heitmüller|TELEPOLIS

Brennende Synagoge 1938 (Bild: Jewish Virtual Library, Public Domain)
Brennende Synagoge 1938 (Bild: Jewish Virtual Library, Public Domain)

Wie Christen Juden sehen, hat sich im Lauf der Zeiten immer wieder geändert. Das Spektrum ist breit und oft ambivalent, die Themen überlappen sich. Aber es gibt Schwerpunkte: Erstens den allgemein verbreiteten völkischen Rassismus vor 1945. Zweitens die in gewissen evangelikalen Kreisen verbreitete Naherwartung nach Kriegsende – der Massenmord sei ein Gericht Gottes gewesen, die Juden müssten nach Palästina “zurückkehren”, damit Jesus auf die Erde zurückkommen und die Welt erlösen könne.

Mein Großvater Friedrich Heitmüller, Leiter der Freien evangelischen Gemeinde Hamburg und Direktor des Diakoniewerkes Elim, vertrat diese beiden Sichtweisen in beispielhafter Weise. Drittens, vor allem seit den 1980er Jahren, ein inzwischen oft politisch orientierter christlicher Zionismus. Und viertens Judenmission – existent seit den Anfängen des Christentums und gerade aktuell, weil entsprechende Gruppen auf dem Kirchentag nicht aktiv sein dürfen.

Tanach und Altes Testament: eine gemeinsame Heilige Schrift

Der Tanach – für Christen: das “Alte Testament” (AT) – beinhaltet die Heiligen Schriften der Juden. Die Bibel – bestehend aus Altem und Neuen Testament (NT) ist das Heilige Buch der Christen. Der so genannte “Kanon”, also was als Bestandteil festgelegt wurde, stimmt, was das AT betrifft, zwischen Judentum und Christentum nicht ganz überein, und was die Bibel betrifft, auch nicht zwischen orthodoxen, katholischen und evangelischen Christentum.

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Entdeckt:der Hundertfüßer aus der “Hölle”

Photo credit: Geophilus hadesi. Photo taken in situ in the Lukina jama–Trojama cave system, 980 meters (3,215 feet) below the surface, August 2011. J. Bedek CC-BY 4.0
Eine der tiefsten Karsthöhlen der Welt in Kroatien offenbart eine kleine zoologische Sensation: ein Spitzenraubtier für die Unterwelt.


Von Daniel Lingenhöhl|Spektrum.de

Höhlen bilden ein ganz eigenes Ökosystem mit einer ganz eigenen Tierwelt, die im Dunkeln haust. Das belegt eine Art, die Biologen um Pavel Stoev von der Croatian Biospeleological Society in den Karsthöhlen des kroatischen Velebit-Gebirges entdeckt und neu beschrieben wurde: Geophilus hadesi, der Hadeshundertfüßer lebt noch in Tiefen von mehr als 1100 Metern unter der Erdoberfläche – was ihn zu einem der am tiefsten lebenden Organismen der Erde macht. Benannt nach dem griechischen Herrscher der Unterwelt kennzeichnen typische Merkmale den Gliederfüßer: Wie viele andere Höhlenbewohner besitzt er keine Augen – die in der Dunkelheit wenig nützen –, dafür aber verlängerte Fühler, mit denen er nach Beute und Hindernissen tastet. Um nicht unvermittelt in den Spalten abzustürzen, weisen seine Füße kräftige Klauen auf, mit denen er sich gut am Gestein festhalten kann. Zudem verfügt er wie seine oberirdisch lebenden Verwandten über Giftdrüsen an den Kieferwerkzeugen, mit denen er Beute fest packen kann.

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Kurios: Spinnen “segeln” auf dem Wasser

Diese Spinne nutzt einen SPinnenfaden als Anker, um nicht unkontrolliert abgetrieben zu werden. © Alex Hyde
Gewiefte Seefahrer: Spinnen sind keineswegs hilflos, wenn sie ins Wasser fallen – ganz im Gegenteil. So strecken einige ihre Beine oder den Hinterkörper wie Segel in die Höhe, um sich vom Wind vorantreiben zu lassen. Andere werfen Spinnennetze aus, um sich an der Wasseroberfläche zu verankern. Wieder andere trippeln mit Hilfe ihrer wasserabweisenden Beine auf der Oberfläche entlang, wie Forscher im Fachmagazin “BMC Evolutionary Biology” berichten.


scinexx

Spinnen haben mehr Bewegungstricks auf Lager als einfach nur zu krabbeln: Einige schlagen Flickflacks, andere nutzen Spinnfäden und sogar kleine Netze, um sich vom Wind verwehen zu lassen. “Diese Verbreitung durch die Luft ist sogar einer der einflussreichsten Mechanismen, mit denen Spinnen große, sogar interkontinentale Distanzen zurücklegen können”, erklären Morito Hayashi von der University of Nottingham und seine Kollegen.

Schon Darwin staunte

“Sogar Darwin berichtete schon über fliegende Spinnen, die Kilometer von jedem Land entfernt auf das Deck der Beagle fielen”, so Hayashi. Doch genau dieser Lufttransport über See sorgte für Rätselraten unter Biologen. Denn für die Spinne ist das Risiko dabei enorm, abzustürzen und dann sozusagen schiffbrüchig auf dem Wasser festzusitzen oder sogar zu ertrinken. Eigentlich wäre damit diese Verbreitungsform viel zu riskant.

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Jan Assmann „Exodus“: Welthistorisch einmalig

„Mose steigt vom Sinai“ (2. Mose 19, 25): Holzstich nach einer Zeichnung von Gustave Doré (1832–1883). Foto: © epd-bild / akg-images
Mit seinem Buch „Exodus“ setzt Jan Assmann seine Analyse des revolutionären Monotheismus fort. Micha Brumlik über den „Monotheismus der Treue“ und die Frage, ob er tatsächlich nicht überprüfbar ist.


Von Micha Brumlik|Frankfurter Rundschau

Der Sinn der Schöpfung ist Freiheit, politische Freiheit. Das jedenfalls beglaubigen fromme Juden jeden Freitag Abend in ihrem häuslichen Gottesdienst, mit dem der Sabbat, die Erinnerung an die Schöpfung, beginnt. Im Segensspruch über den Wein heißt es: „Du hast Gefallen an uns. Du lässt uns teilhaben an deinem heiligen Ruhetag, der daran erinnert, dass du alles geschaffen hast. Er ist der erste Tag der ,Tage heiliger Versammlung‘, eine Erinnerung an den Auszug aus Ägypten.“

Dieser Segen entwickelt ein Gebet weiter, das von Rabbinen der späten Antike verfasst wurde und in dem Schöpfung und Bundesschluss am Sinai in einem Atemzug genannt werden. Freilich, das ist schon Religionskritikern der Aufklärung aufgestoßen, handelt es sich beim Exodus um die Geschichte eines dramatischen Aufbruchs israelitischer Sklaven ebenso wie um die Gabe eines Gesetzes, das Wahrheit und Gehorsam postuliert. In der biblischen Exodusgeschichte kommt das zum Ausdruck, was der Ägyptologe Jan Assmann lange Jahre als „Monotheismus der Wahrheit“ als „mosaische Unterscheidung“ bezeichnet hat: die Übertragung der Unterscheidung von „wahr“ und „falsch“ in die Religion. Ein, wovon Assmann überzeugt ist, welthistorischer Einzelfall!

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Ingress: Handy-Spiel nutzt Konzentrationslager als Kulisse

Ingress-Spieler trugen ihre virtuellen Kämpfe auch in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen aus. (Foto: AP)
  • Holocaust-Überlebende haben Google scharf kritisiert.
  • Das Handy-Spiel “Ingress” der Google-Tochter Niantic Labs ließ Nutzer virtuelle Kämpfe an KZ-Gedenkstätten austragen.
  • Mittlerweile hat sich Google entschuldigt und Konsequenzen angekündigt.


Von Simon Hurtz und Mirjam Hauck|Süddeutsche.de

Ein Handy-Spiel, das seine Nutzer virtuell in Holocaust-Gedenkstätten und an den Orten ehemaliger Konzentrationslager gegeneinander kämpfen lässt? “Ingress”, das weltweit bislang elf Millionen Mal heruntergeladen wurde, hat das jahrelang zugelassen, ohne dass es jemandem aufgefallen wäre. Dann berichtete das Zeit-Magazin am Donnerstag, dass historisch bedeutende Orte wie Erinnerungsstätten und Gedenkzeichen als Spielorte verwendet werden.

Bei Vertretern von Holocaust-Überlebenden löste das Empörung aus. Der Präsident des Verbandes der Überlebenden des KZ Dachau und ihrer Nachkommen, Jean-Michel Thomas, forderte ein “Verbot dieser Schändung”. Er sei entsetzt über diesen Missbrauch des Ortes. Auch Gabriele Hammermann, die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, reagierte fassungslos: Das Spiel betreibe eine “Tilgung und Überformung der an diesen Orten repräsentierten Geschichte” und stelle damit “eine unerträgliche Verharmlosung” dar. Die Gedenkstätte sei für die Überlebenden und ihre Angehörigen ein Ort der Trauer.

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Ist das Universum leerer als gedacht?

Bisher sehen wir nur die hellsten Galaxien im fernen Universum, wie viele es noch gibt, ist unklar. © NASA/CXC/STSci/ DSS/ Magellan
Kein Gedränge im frühen Kosmos: In der Frühzeit des Universums könnte es sehr viel weniger Galaxien gegeben haben als bisher angenommen. Denn auf jede sehr helle, für uns sichtbare Galaxie kommen möglicherweise nur rund zehn lichtschwächere, wie Astronomen anhand eines Computermodells ermittelt haben. Bisher ging man von hundert- bis tausendfach mehr frühen Galaxien aus, die wir bisher aufgrund der zu schwachen Teleskope schlicht nicht sehen.


scinexx

Dank immer besserer Teleskope reich der Blick der Astronomen heute schon zurück bis in die Zeit der allerersten Galaxien und Sterne. Doch selbst die scharfen Augen des Hubble-Weltraumteleskops können nur die hellsten und größten Vertreter dieser frühen Population aufspüren. Wie viele lichtschwächere Galaxien es im fernen Universum gibt, ist daher bisher Gegenstand der Spekulation.

Wie viele kleinere Galaxien gibt es?

“Frühere Schätzungen gingen davon aus, dass die Menge der lichtschwachen Galaxien im frühen Universum um das Hundert- bis Tausendfache größer ist als die Zahl der wenigen hellen Sternenansammlungen, die wir mit dem Hubble-Teleskop sehen können”, erklärt Erstautor Brian O’Shea von der Michigan State University.

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Ewiggestrig: Adelsfrauen, die täglich für den Kaiser beten

Vor 250 Jahren verstarb der Gemahl Maria Theresias unerwartet in Innsbruck. Bis heute beten für ihn täglich drei dafür eigens bezahlte Adelsfrauen in einem Stift des Landes Tirol


Von Katharina Mittelstaedt|derStandard.at

foto: günter richard wett Bis vor kurzem wurde in der Kapelle der Innsbrucker Hofburg einmal jährlich die Kaiserhymne gesungen.

So hatte Maria Theresia sich die Feierlichkeiten gewiss nicht vorgestellt. Vor genau 250 Jahren machte sie sich mit ihrem Gatten Franz Stephan von Lothringen, einigen Verwandten und ihrer Entourage auf den Weg von Wien nach Innsbruck. Einer der Söhne des kaiserlichen Paares, Erzherzog Leopold, sollte dort die spanische Prinzessin Maria Ludovica ehelichen. Ein mehrwöchiges Fest, für das Unsummen ausgegeben wurden, zahlreiche Gäste, der ganze Pomp – und dann die Tragödie.

Es gibt mehrere Erzählungen, wie sich das Unglück genau abgespielt habe, was die Ursache war. Fest steht, Maria Theresias geliebter Gemahl ist während dieser Hochzeit verstorben. Nach einer Theateraufführung soll ihm übel geworden sein, er habe sich gerade noch in die kaiserliche Residenz, die Innsbrucker Hofburg, schleppen können, auf dem Bett eines Dienerzimmers brach er schließlich nieder und war tot.

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Narkolepsie: Krank durch Schweinegrippe-Impfung

Die Betroffenen nicken einfach so ein, bei starken Emotionen versagen ihre Muskeln: Narkolepsie ist bislang nicht heilbar. Auch in Deutschland könnten einige Fälle auf die Schweinegrippe-Impfung zurückgehen. Entschädigungsforderungen laufen.


stern.de

Bild: AP, bearb.: bb
Bild: AP, bearb.: bb

Lucy ist 13 Jahre alt, als sie plötzlich dauernd vor dem Fernseher einschläft. Wenn sie lachen muss, kommt es vor, dass sie unvermittelt nach vorn sackt. Einige Monate vor dem Auftreten der merkwürdigen Symptome war das Mädchen gegen Schweinegrippe geimpft worden – wie etwa sechs Millionen andere Briten in den Jahren 2009 und 2010. Heute ist Lucy 18 Jahre alt – und leidet nach wie vor unter Narkolepsie. Etwa 40 Mal am Tag schläft sie ein, ohne sich dagegen wehren zu können, wie sie der britischen Tageszeitung “Guardian” berichtete.

Vorbeugende Impfungen sollen vor Krankheiten schützen. Umso größer war der Schock, als für den Schweinegrippe-Impfstoff Pandemrix ein gegenteiliger Verdacht aufkommt: Im August 2010 informierte die schwedische Arzneimittelbehörde über Narkolepsie-Fälle bei Kindern und Jugendlichen nach der Impfung. Weitere Analysen in Finnland, Irland, Frankreich und England stützten diese Vermutung, dass Pandemrix in seltenen Fällen die unheilbare Schlafkrankheit auslösen kann. Inzwischen fließen Entschädigungszahlungen – von Behörden, nicht vom Hersteller.

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Plötzliche Trockenheit im Paläo-Tschadsee

Auf dem Trockenen: Fossiler Fisch aus dem Tschadbecken © University of Royal Holloway London
Von schwappenden Wellen zu staubigen Dünen: Der Klimawandel von der fruchtbaren Savanne zur heutigen Sahara ließ auch den Tschadsee plötzlich schrumpfen. Britische Wissenschaftler haben den Wandel des Sees vom größten Süßwassersee zur größten Staubquelle der Erde rekonstruiert. Daraus ergeben sich neue Fragen, die bis in den südamerikanischen Regenwald reichen, schreiben die Forscher in den “Proceedings of the National Academy of Sciences”.


scinexx

Die Sahara und die südlich davon gelegene Sahelzone sind berüchtigt für Hitze und Wassermangel. Doch das war nicht immer so: Noch vor rund 10.000 Jahren erstreckte sich in der heutigen Wüstenregion eine fruchtbare Savannenlandschaft, in der auch nomadische Frühmenschen lebten. Diese Idylle war jedoch nicht von Dauer: Ein plötzlicher Klima-Umschwung schuf die Wüste, die wir heute kennen.

Schrumpfende Süßwasserquelle

Betroffen davon war auch der Tschadsee südlich der Sahara, eine wichtige Wasserquelle für die angrenzenden Staaten Tschad, Niger, Nigeria und Kamerun. Heute droht der See durch die intensive Wassernutzung durch den Menschen zu schrumpfen. Vor tausenden von Jahren schwand das Wasser des Sees jedoch in noch viel größerem Ausmaß: Während der fruchtbaren Zeit der Sahara war der Paläosee “Mega-Tschad” der größte Süßwassersee der Erde.

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The Inside Story of Hobby Lobby’s New Bible Museum on the National Mall

Image: The Slice
Two years ago, I drove through a torrential summer downpour to the Creation Tour at Glen Eyrie, a 19th century English Tudor estate in Colorado Springs, built by the city’s founder, industrialist General William Jackson Palmer, and purchased in 1953 by the evangelical outreach ministry The Navigators.


By Sarah Posner|THE SLICE

As my group of five strolled across the manicured grounds, our awkward, self-taught anti-Darwinist tour guide spun a creationist yarn that the spectacular red rock formations that ring the city’s western edge were not shaped by hundreds of millions of years of geological changes, as a city-owned park down the road explains in helpfully scientific signage. Instead, the Creation Tour teaches that these peaks were shaped just 5,000 years ago by Noah’s flood, after which humans and dinosaurs together roamed what was to become America’s evangelical mecca.

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Papst: «Unwiderrufliches Nein zum Antisemitismus»!

Papst Franz hat ein klares Bekenntnis zum Judentum abgelegt: «Die Christen, alle Christen haben jüdische Wurzeln».


kath.net

Bild bearb. BB
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Papst Franziskus hat ein klares Bekenntnis zum Judentum abgelegt. «Die Christen, alle Christen haben jüdische Wurzeln», sagte er am Dienstag bei einem Treffen mit dem Internationalen Rat der Christen und Juden (ICCJ) im Vatikan. Bestandteil der katholischen Lehre sei ein «unwiderrufliches Nein zum Antisemitismus», betonte er unter Verweis auf die vor 50 Jahren verabschiedete Konzilserklärung «Nostra aetate».

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Bibel: Wozu gibt es das Alte Testament?

Gott ist auf diesem Deckenbild aus der Kirche “Unser lieben Frauen auf dem Berge” in Penig, Sachsen, fleißig mit der Erschaffung der Welt befasst. Foto: © epd-bild / Rainer Oettel
Sollte das Alte Testament aus dem biblischen Kanon verschwinden? Der Berliner Theologe Notger Slenczka hat einen heftigen Bibel-Streit in Gang gesetzt. Seine Thesen, nicht neu, aber neu diskutiert, sind eine Provokation.


Von Dirk Pilz|Frankfurter Rundschau

Es gibt in den Wissenschaften Fragen, die immer wieder diskutiert werden, obwohl sie als längst entschieden gelten. Sie sind es offenbar nicht. Eine der heikelsten dieser Fragen lautet: Wozu braucht das Christentum ein Altes Testament? Bereits Marcion von Sinope hat in der Mitte des zweiten Jahrhunderts darauf gedrungen, dieses Alte Testament aus der christlichen Bibel zu verbannen. Er trennte dabei scharf zwischen einem angeblich dunklen, zürnenden Gott des Alten und einem Erlösergott im Neuen Testament.

Diese grob dualistische Lehre wurde von der Alten Kirche jedoch abgelehnt und Marcion aus der Gemeinde von Rom ausgeschlossen. Er gründete eine Gegenkirche, die bis ins 5. Jahrhundert Anhänger fand.

In der Kirche setzte sich dagegen die Lehre durch, dass der heilsgeschichtliche Zusammenhang zwischen Altem und Neuem Testament, Judentum und Christentum nicht zerschnitten werden dürfe; andernfalls verliere das Christentum seine Wurzel.

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Papst will in Südamerika Aufarbeitung der Diktaturen fördern

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Vatikan-Sprecher Lombardi: Reise nach Ecuador, Bolivien und Paraguay soll zur demokratischen Teilhabe ermutigen – Koka-Kauen gegen Höhenluft möglich und auch “nicht überraschend” – Verschiedene Themenschwerpunkte in jedem Besuchsland


kathweb

Papst Franziskus will mit seiner Südamerika-Reise nach Aussage von Vatikansprecher Federico Lombardi auch die Aufarbeitung der Militärdiktaturen und autoritären Regime in Ecuador, Bolivien und Paraguay fördern. Der Papst wolle zu einer “Erneuerung des sozialen und politischen Lebens” und zur “demokratischen Teilhabe” in den drei Ländern ermutigen, sagte Lombardi am Dienstag vor Journalisten im Vatikan. Franziskus besucht vom 5. bis zum 13. Juli Ecuador, Bolivien und Paraguay. Erste Station seiner neunten Auslandsreise ist am Sonntag die ecuadorianische Hauptstadt Quito.

Die bekannteste Militärdiktatur war die des deutschstämmigen Generals Alfredo Stroessner, der von 1954 bis 1989 in Paraguay mit brutaler Hand regierte. In Bolivien war von 1971 bis 1978 der ebenfalls deutschstämmige General Hugo Banzer an der Macht. In Ecuador herrschte von 1972 bis 1976 General Guillermo Rodriguez Lara. Diese Vergangenheit ist bislang kaum aufgearbeitet.

Franziskus hat Opfern und Angehörigen der Militärdiktatur in seinem Heimatland Argentinien wiederholt seine Hilfe bei der Aufarbeitung der Vergangenheit in Aussicht gestellt. Derzeit lässt er dazu eine Freigabe der Akten über die Militärdiktatur in den Vatikanischen Archiven prüfen.

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Bakterien-Evolution: Wie die Pest zum Todesbringer wurde

Allein im 14. Jahrhundert starben etwa 50 Millionen Menschen an der Pest. Entstanden ist der Erreger aus einem relativ harmlosen Darmbakterium. Zwei Gen-Veränderungen machten es zum Todesbringer.


SpON

Pesterreger Yersinia pestis, Bild: wikimedia.org/PD

Bis heute ist die Pest nicht abschließend besiegt. Nun haben Forscher genauer untersucht, wie der tödliche Erreger entstanden ist. Wyndham Lathem und seine Kollegen von der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago haben die Fähigkeiten verschiedener Erregerstämme verglichen, die Krankheit auszulösen.

Ausgangspunkt war das Darmbakterium Yersinia pseudotuberculosis, das Krankheiten im Verdauungstrakt verursachen kann, ohne einem Säugetier oder dem Menschen wirklich gefährlich zu werden. Aus ihm hat sich das Bakterium Yersinia pestis entwickelt – der Auslöser der lebensgefährlichen Pest. “Jedoch ist nicht bekannt, wann Yersinia pestis die Fähigkeit erwarb, eine fulminante Lungenentzündung zu verursachen”, schreiben die Forscher im Fachmagazin “Nature Communications”.

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Das mit der Gentherapie klärt die Wissenschaft lieber selbst

Neue Methoden erlauben gezielte Eingriffe in das Erbgut des Menschen. Damit könnte man einmal genetische Krankheiten heilen – vielleicht auch mehr. Muss man die genetische Optimierung des Menschen verbieten? Die Nobelpreisträger würden auf eine politische Debatte lieber verzichten.


Von Alexander Mäder|Stuttgarter-Zeitung.de

Bild: merakname.com
Bild: merakname.com

Eigentlich sind sich die vier Wissenschaftler einig: Die neue Methode CRISPR (ausgesprochen: „Krisper“) ist zwar vielversprechend, funktioniert aber noch lange nicht gut genug, um sie bei menschlichen Embryonen einzusetzen. Mit CRISPR kann man, so die Idealvorstellung, krankhaft veränderte Gene ersetzen und dadurch einem heranwachsenden Kind eine Erbkrankheit ersparen. Doch eine Studie von Junjiu Huang und seinem Team von der Sun Yat-sen Universität im chinesischen Guangzhou hat vor einigen Wochen gezeigt, dass CRISPR noch viele weitere Veränderungen im Erbgut vornimmt, ohne dass die Wissenschaft verstehen würde, warum. Und nur bei 4 von 86 Embryonen hatte das Ersetzen des Gens überhaupt geklappt. (Die chinesischen Forscher hatten Embryonen verwendet, die bei künstlichen Befruchtungen aussortiert worden waren. Womöglich hat das die Fehlerrate zusätzlich erhöht.) Die vier Wissenschaftler auf dem Podium der Nobelpreisträgertagung in Lindau halten es daher für verfrüht und unverantwortlich, jetzt schon klinische Anwendungen von CRISPR in Erwägung zu ziehen.

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Hunderte Buddhisten protestieren in England gegen den Dalai Lama

Konflikt mit Shugden-Gemeinde sorgt seit Jahren für Streit


DIE WELT

Statue von Dorje Shugden, Bild: wikimedia.org/CC-BY-3.0/JoeMabel

Mehrere hundert Buddhisten haben am Montag im südenglischen Aldershot gegen den Dalai Lama protestiert. Die Anhänger der Shugden-Gemeinde warfen dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter religiöse Verfolgung vor. “Dalai Lama, hör auf zu lügen!”, riefen sie, als der Tibeter eintraf, um das erste buddhistische Gemeindezentrum in Großbritannien einzuweihen. Die Anhänger des Dalai Lama hielten eine Gegendemonstration ab.

Zweite Bedrohung für den Nordatlantikstrom

Der entscheidende Motor für die Meeresströmungen im Atlantik liegt im Nordatlantik © Brisbane/CC-by-sa 3.0
Gefahr für die Pumpe: Forscher haben eine zweite Bedrohung für die “Fernheizung Europas” ausgemacht. Der Nordatlantikstrom wird demnach nicht nur durch einströmendes Schmelzwasser geschwächt, auch das schwindende Meereis bremst ihn aus. Denn am Eisrand gibt das von Süden kommende warme Meerwasser besonders viel Wärme ab und kann absinken. Fehlt das Eis, verlangsamt sich diese Wärmeabgabe und damit auch die nordatlantische Umwälzströmung, so die Forscher im Fachmagazin “Nature Climate Change”.


scinexx

Im Nordatlantik, kurz vor Grönland, liegt gewaltige Umwälzpumpe: Hier stürzt warmes Oberflächenwasser mehr als 2.000 Meter in die Tiefe und fließt dann als kalte Tiefenströmung nach Süden. Der Sog dieser Pumpe wiederum zieht warmen Wassernachschub aus tropischen Breiten in den Norden. Angetrieben wird diese sogenannte atlantische meridionale Umwälzströmung (AMOC)
von Unterschieden im Salzgehalt und in der Temperatur des Meerwassers – das aber macht sie sensibel für den Klimawandel.

Erst März 2015 stellten Forscher fest, dass der Nordatlantikstrom, der warmes Wasser auch nach Europa bringt, sich bereits abgeschwächt hat. Ein Grund dafür ist der Einstrom von Schmelzwasser in der Arktis. Weil es sich dabei um Süßwasser handelt, senkt dies den Salzgehalt des Meerwassers und verhindert, dass das warme Oberflächenwasser im Nordatlantik in die Tiefe absinken kann.

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