Die Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen

Fernsehbild vom Pogrom in Rostock-Lichtenhagen
Heute vor 25 Jahren verübten Rechtsextremisten im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen die schwersten fremdenfeindlichen Ausschreitungen nach der Wende.

MiGAZIN

Vor 25 Jahren, vom 22. bis zum 26. August 1992, ereigneten sich im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen die schwersten fremdenfeindlichen Ausschreitungen nach der Wende. Im Verlauf der vier Tage gerieten dabei 150 Menschen in akute Lebensgefahr, nachdem ein Wohnhaus vietnamesischer DDR-Vertragsarbeiter in Brand gesetzt worden war. Mehr als 200 Polizisten wurden verletzt, einer davon schwer.

Die Gewalt, die sich durch Parolen, Sprechchöre, Steine und schließlich Brandbomben ausdrückte, richtete sich gegen die damalige Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber, gegen Wohnungen der Vietnamesen und gegen die Polizei. Zu den Tätern gehörten auch Rechtsextremisten aus ganz Deutschland. Die Krawalle einiger hundert Gewalttäter wurden durch 2.000 bis 3.000 Sympathisanten und Schaulustige vor Ort unterstützt.

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Assad: Das westliche Projekt ist in Syrien gescheitert

Screenshot der Rede Assads. Video der Nachrichtenagentur Sana auf YouTube.
Der syrische Präsident erklärt in einer Rede zur Zukunft Syriens eine klare „Ostorientierung“

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Es ist ein eklatanter Kontrast. Zwischen dem Papier eines US-Think-Tanks und der Rede Baschar al-Assad zur Zukunft Syriens liegen Welten. Zwar räumt das Atlantik-Council-Papierein, dass es nicht sicher sei, in welchem Ausmaß die USA am Wiederaufbau Syriens beteiligt sein wird, aber man mahnt dort schon einmal an, dass es prioritär darum gehen müsse, den Fokus auf die syrische Zivilgesellschaft zu richten, um das Land zu „stabilisieren“.

Jeder, der lesen kann, weiß, welche Wünsche hinter den Empfehlungen des Atlantic Councils stecken, die Mitwirkung der Zivilgesellschaft an der Regierungsarbeit zu stärken. Der Atlantik Council-Denkbunker ist seit jeher Unterstützer eines Umsturzes in Syrien. So bedeutet der Vorschlag lediglich einen Umweg, um zu bewirken, was auf anderem Weg nicht gelang, die Beschneidung der Macht Assads. Auf lange Frist bleibt es beim Ziel, Assad von der Regierung zu entfernen. Nun halt durch den Aufbau einer Opposition über das Governance-Paradigma.

Ganz anders stellt sich die Lage aus Sicht des syrischen Präsidenten dar. Er ging in seiner Rede am gestrigen Sonntag (auf Arabisch hier, englisch, von der syrischen Nachrichtenagentur Sana zusammengefasst, hier) auf diesen Ansatz ein:

Wir werden es unseren Feinden und Rivalen nicht erlauben, über Politik das zu erreichen, woran sie mit der Unterstützung von Terroristen gescheitert sind. (…) Alles, was mit der Zukunft von Syrien zu tun hat, ist zu 100 Prozent eine Angelegenheit Syriens.

Baschar al-Assad

Manche, wie der syrisch-amerikanische Beobachter Ehsani2, halten die etwa einstündige Rede Assads für eine seiner wichtigsten, weil sie eine Grundausrichtung formuliert, und das angegebene Zitat für einen Schlüsselsatz. Damit, so Ehsani2, könne sich der UN-Sonderbotschafter de Mistura von seinem Posten zurückziehen, die Genfer Gespräche seien nicht mehr sinnvoll, da Assad sich vom Westen und seinen arabischen Verbündeten nicht in die politische Gestaltung hineinreden lassen wolle.

Tatsächlich lässt es Assad bei seiner vom TV übertragenen Rede zu einer Konferenz des Außenministeriums nicht an Deutlichkeit fehlen, wenn es um sein Verhältnis zum Westen und dessen arabische Partnern und Erdogan geht. Für die westliche Politik der Einflussnahme in Syrien erhebt er nicht nur den Vorwurf der Unterstützung von Terroristen, er vergleicht sie mit Bulldozer und Schlangen.

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How Physics Dooms Average Ants

Wiki/Pollinator
A quirk of friction offers up ant meals to nightmarish antlion larvae.

By Michael Byrne | MOTHERBOARD

It sounds like a particularly clever feature of hell. You are almost, but not quite, reaching distance from safety as the mandibles of death-larvae threaten from just behind. Almost out of harm’s way, you lunge forward—but the ground below your feet gives. Every other push forward only pushes the earth backward. Safety is no closer as the ground becomes a stairmaster under your feet. Soon, you’re sliding backward and downward. The hell-creature at the bottom has its meal.

Of course, a lot of nature winds up sounding like different perspectives on hell—take parasitic wasps for example—but ants really do seem to have it bad. There’s that zombie fungus, for one thing, but consider also antlion death-pits. Here, a quirk of friction leaves ants vulnerable to a truly unpleasant end at the hands of larval antlions. This is what a larval antlion looks like:

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Auf dem Neptun regnet es Diamanten

Forscher konnten festhalten, wie auf dem Neptun kleine Diamanten entstehen Quelle: Infografik Die Welt
Der Neptun ist der äußerste Planet unseres Sonnensystems. Wissenschaftler haben seine physikalischen Verhältnisse im Labor nachgebaut und sagen: Dort regnet es tatsächlich kleine Diamanten.

Von Norbert Lossau | DIE WELT

Astrophysiker gehen davon aus, dass Neptun – und ebenso Uranus – einen festen Kern besitzt, der von dichten Schichten aus Kohlenwasserstoffen, Ammoniak und Wasser umhüllt ist. Sie spekulieren schon lange, dass bei den extrem hohen Drücken, die im Inneren eines solchen Planeten herrschen, die Kohlenwasserstoffverbindungen aufgetrennt werden. Im nächsten Schritt kristallisiert der dabei freigesetzte Kohlenstoff zu Diamant. Diese Diamanten würden dann ins Innere des Planeten sinken, also gleichsam regnen.

Was bislang eine Theorie war, konnte jetzt durch ein Experiment in einem irdischen Labor verifiziert werden. Die Forscher verwendeten einen speziellen Kunststoff, nämlich Polystyrol, das aus Kohlenstoff- und Wasserstoffatomen aufgebaut ist.

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„Wir würden noch viel mehr Terror aushalten können“

Hat jahrelang zu Angstthemen geforscht: Borwin Bandelow, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Göttingen Quelle: picture alliance / Stefan Rampfe
Terroranschläge in Europa werden zum traurigen Alltag. Doch anstatt sich zu fürchten, gewöhnen sich viele Menschen an die neue Situation. Der Angstforscher Borwin Bandelow hält das für absolut natürlich.

Von Anett Selle | DIE WELT

Paris, Brüssel, Berlin und zuletzt Barcelona: Terroranschläge werden für die Europäer zur traurigen Realität. Und damit auch der Umgang mit den schrecklichen Ereignissen. Eine gewisse Gewöhnung stellt sich nach den Anschlägen ein. Doch wie schlimm ist es wirklich, wenn wir uns an Terror gewöhnen? Borwin Bandelow (66) ist Professor an der Universität Göttingen und forscht seit Jahren zu dem Phänomen Angst.

DIE WELT: Herr Bandelow, die deutschen Reaktionen auf die Anschläge in Barcelona reichen von „Es war ein Horror, und ich konnte nicht schlafen“ bis hin zu „Ich finde schlimm, wie wenig es mich berührt“. Wie abgestumpft darf man sein?

Borwin Bandelow: „Abstumpfen“ ist negativ konnotiert und soll einem ein schlechtes Gewissen einreden. Ich würde davon absehen, dieses Wort zu benutzen. Viele Leute denken, dass sie abgestumpft seien, wenn sie nicht mehr so betroffen sind wie bei anderen Anschlägen. Ich denke, niemand muss sich Gedanken machen, dass man zu wenig Mitgefühl habe, wenn man nach so vielen Anschlägen nicht mehr so emotional betroffen ist. Was da abläuft, ist eine natürliche Reaktion.

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McMaster will Truppen in Afghanistan aufstocken

Herbert Raymond „H. R.“ McMaster. Foto: Chief Mass Communication Specialist James E. Foehl, U.S. Navy
Taliban und IS sollen gemeinsam ein Massaker in der Provinz Sar-i Pul verübt haben

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Politico berichtet unter Berufung auf zwei Quellen aus dem Weißen Haus und der Administration, dass der Nationale Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster US-Präsident Donald Trump dazu bringen will, die Zahl der aktuell 8.400 US-Soldaten in Afghanistan aufzustocken. Vizepräsident Mike Pence, der den Politico-Informanten nach McMaster beim Überreden Trumps unterstützt, ließ über sein Büro ausrichten, er sehe sich als „ehrlichen Makler“ und stehe lediglich „auf der Seite der Objektivität“.

In Afghanistan führen die Amerikaner inzwischen seit 16 Jahren einen Krieg gegen paschtunische Taliban und andere Islamisten, der sie bis jetzt 2.257 Tote, 20.257 Verletzte und alleine zwischen 2003 und 2015 760 Milliarden Dollar Steuergeld kostete. Trump twitterte am Samstag zwar, man habe „wichtige Beschlüsse“ zu Afghanistan gefasst – seine Sprecherin Sarah Huckabee Sanders bestätigte aber lediglich Gespräche und meinte, der Präsident werden seine Entscheidung erst dann verkünden, wenn er alle Optionen gründlich geprüft habe. Das wird Verteidigungsminister James Mattis zufolge heute Abend der Fall sein.

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Der Terror kann Spanien nichts anhaben

Eine Frau hält nach dem Anschlag von Barcelona einen Zettel in die Höhe: „Ich bin Muslimin und Katalanin, keine Terroristin. Der Islam ist Frieden.“ (Foto: AP)
Nach dem Attentat von Barcelona wird sich die offene Haltung gegenüber Muslimen im Land kaum ändern. Doch die Politik hat einen entscheidenden Fehler gemacht.

Von Thomas Urban | Süddeutsche.de

Wird sich Spanien durch den Terroranschlag von Barcelona verändern? Wenig spricht dafür. Denn das Land und seine Menschen sind nicht zum ersten Mal von terroristischer Gewalt betroffen. Schon vor dreizehn Jahren, als Islamisten vier Pendlerzüge in Sichtweite des Madrider Bahnhofs Atocha in die Luft sprengten und 191 Menschen in den Tod rissen, verfiel Spanien nicht in Hysterie. Auch heute sind kaum Stimmen vernehmbar, die nach Vergeltung und Repression rufen.

Wahrscheinlich wird die Politik an der bisherigen Doppelstrategie festhalten: Einerseits werden islamistische Gefährder scharf überwacht, es wird weiterhin vorbeugende Inhaftierungen geben; ebenso wird der Nachzug von Migranten aus dem Maghreb sowie den Ländern südlich der Sahara sehr begrenzt bleiben. Andererseits werden verstärkt Angebote für den gesellschaftlichen Aufstieg der bereits im Lande lebenden Muslime gemacht.

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Sonnenfinsternis: So könnte die Korona aussehen

So könnte die solare Korona heute Abend während der Sonnenfinsternis aussehen © Predictive Science Inc.
Test für Vorhersage-Modelle: US-Forscher haben schon einmal prognostiziert, wie die Korona bei der heutigen Sonnenfinsternis aussehen könnte – und sogar eine Sonneneruption für den heutigen Tag vorhergesagt. Ob ihr Modell richtigliegt, werden sie heute Abend beobachten können. Denn die Sonnenfinsternis bietet ihnen eine perfekte Chance, die Vorhersage-Modelle zur Sonnenaktivität und dem Verhalten der solaren Atmosphäre zu testen.

scinexx

Heute Abend gegen 20:00 Uhr unserer Zeit wird sich über den USA eine totale Sonnenfinsternis ereignen. Der Pfad der Totalität wandert dabei einmal quer über den Kontinent. Die Phase der Verfinsterung ist nicht nur ein faszinierender Anblick, er bietet Forschern auch eine einmalige Chance, die innere Korona der Sonne genauer zu studieren – einen normalerweise vom Sonnenlicht überstrahlten Bereich.

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Entführung im Vatikan – Wo ist Emanuela Orlandi?

Emanuela war die jüngste Bürgerin des Vatikanstaats. Sie verschwand spurlos. Ihr Bruder stößt bis heute auf eine Mauer des Schweigens © Mattia Balsamini
Sie ist die jüngste Bürgerin des Kirchenstaats, sie wird entführt. Aber von wem? Von Mädchenfängern? Geheimdiensten? Der Mafia? Ihr Bruder rennt auch noch nach 34 Jahren gegen die Mauern des Schweigens im Vatikan an.

Von Nicolas Büchse | stern.de

Gleich werden sich zwei Menschen begegnen, der eine ist Papst, der andere Bruder eines verschollenen Mädchens, sie werden sich die Hände schütteln, und Papst Franziskus wird einen Satz sagen, der Pietro Orlandi trifft wie ein Faustschlag in die Magengrube.

Noch aber muss Franziskus seine Predigt zu Ende bringen, es ist der Morgen des 17. März 2013, der erste Sonntag nach seiner Wahl zum neuen Pontifex. Er spricht über die Barmherzigkeit Gottes vor einer erwartungsfrohen Gemeinde in St. Anna, der Hauptkirche des Vatikanstaats.

Pietro Orlandi war lange Teil dieser Gemeinde, doch ihn treibt weder sein Glaube noch die Neugier auf den Neuen in die Kirche. Er will ein Verbrechen aufklären. Und dazu braucht er den Papst.

Er will von ihm wissen, was seiner Schwester Emanuela widerfahren ist.

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No, You Can’t Feel Sorry for Everyone

UNIVERSAL MORALITY: Eleanor Roosevelt peruses the English version of the United Nation’s 1948 Universal Declaration of Human Rights. Image: UN.org/Nautilus
The world seems to be getting more empathetic. Americans donate to charity at record rates. People feel the pain of suffering in geographically distant countries brought to our attention by advances in communications and transportation. Violence, seen on historical timescales, is decreasing.

By Adam Waytz | Nautilus

The great modern humanitarian project of expanding the scope of our empathy to include the entire human race seems to be working. Our in-group (those we choose to include in our inner circle and to spend our energies on) is growing, and our out-group (everybody else) shrinking. But there’s a wrinkle in this perfect picture: Our instinctive tendency to categorize the world into “us” and “them” is difficult to overcome. It is in our nature to favor helping in-group members like friends, family, or fellow citizens, and to neglect or even punish out-group members. Even as some moral circles expand, others remain stubbornly fixed, or even contract: Just think of Democrats and Republicans, Sunnis and Shiites, Duke and North Carolina basketball fans.

The endpoint of the liberal humanitarian project, which is universal empathy, would mean no boundary between in-group and out-group. In aiming for this goal, we must fight our instincts. That is possible, to a degree. Research confirms that people can strengthen their moral muscles and blur the divide between in-group and out-group. Practicing meditation, for example, can increase empathy, improving people’s ability to decode emotions from people’s facial expressions1 and making them more likely to offer a chair2 to someone with crutches. Simply increasing people’s beliefs in the malleability of empathy increases the empathy they express toward ideologically and racially dissimilar others.3 And when all else fails, people respond to financial gain. My co-authors and I have shown that introducing monetary incentives for accurate perspective-taking increased Democrats’ and Republicans’ ability to understand each other and to believe that political resolutions were possible.4

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References

  1. Mascaro, J.S., Rilling, J.K., Tenzin Negi, L., & Raison, C.L. Compassion meditation enhances empathic accuracy and related neural activity. Social Cognitive and Affective Neuroscience 8, 48-55 (2013).

  2. Condon, P., Desbordes, G., Miller, W.B., & DeSteno, D. Meditation Increases Compassionate Responses to Suffering. Psychological Science 24, 2125-2127 (2013).

  3. Schumann, K., Zaki, J., & Dweck, C.S. Addressing the empathy deficit: Beliefs about the malleability of empathy predict effortful responses when empathy is challenging. Journal of Personality and Social Psychology 107, 475-493 (2014).

  4. Waytz, A., Young, L.L., & Ginges, J. Motive attribution asymmetry for love vs. hate drives intractable conflict. Proceedings of the National Academy of Sciences 111, 15687-15692 (2014).

„Eine Gesellschaft aus Atheisten könnte perfekt funktionieren“

Aber wie? Philosoph Andreas Urs Sommer über das Fast-Verschwinden der Religion, Angst vor dem Tod und die Frage: Ist uns die Suche nach dem Sinn des Lebens einfach egal?

ZEIT Campus ONLINE

ZEIT Campus ONLINE: Herr Sommer, es ist doch so: In die Kirche gehen junge Menschen, wenn überhaupt, nur noch an Weihnachten. Vielleicht schicken wir vor schweren Klausuren noch ein Stoßgebet in den Himmel. Aber mehr auch nicht. Ist Religion für uns heute überflüssig geworden?

Andreas Urs Sommer: Überflüssig nicht — jedenfalls nicht für alle. Für viele Menschen unserer pluralen Gesellschaft hat Religion aber tatsächlich als Lebensorientierung jede Bedeutung verloren. Und für nicht wenige ist Religion lediglich ein schönes Accessoire zu feierlichen Anlässen, weil man noch keine überzeugenden säkularen Riten gefunden hat: zur Taufe, an Weihnachten, bei einer Beerdigung.

ZEIT Campus ONLINE: Glauben Sie, solche säkularen Riten werden sich noch entwickeln?

Sommer: Eher nicht, denn ich glaube, Religion wird niemals vollkommen erledigt sein, so wie sich das etwa atheistische Aufklärer des 18. und 19. Jahrhunderts gewünscht haben. Das ist eine Illusion — zumal das An-den-Rand-Drängen von Religion im menschlichen Leben eine sehr westlich-europäische Erscheinung ist und Religion breiten Bevölkerungsschichten in anderen Erdteilen Halt gibt. Das hat damit zu tun, dass unsere westlichen Gesellschaften dem Individuum weiten Freiraum bei der privaten Sinnstiftung gewähren, während andere Gesellschaften eher auf Sinnvermittlung von oben herab gepolt sind: Man erwartet dort, dass autoritäre Instanzen, als die sich religiöse Anführer gerne gebärden, den Sinn des Lebens vorgeben.

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Wichtigstes Informatikproblem soll gelöst worden sein

armin karner Seit vielen Jahrzehnten vergeblich gesucht: Eine Lösung für das Problem P versus NF. Nun steht ein weiterer möglicher Beweis zur Diskussion
Es ist eines der sieben Millenniums-Probleme, für die es je eine Million US-Dollar gibt. Ein deutscher Mathematiker hat einen neuen Beweis für P ungleich NP vorgelegt

Von Klaus Taschwer | derStandard.at

So richtig berühmt ist das sogenannte P-NP-Problem-Problem erst seit den 1970er Jahren und dem Anbruch des Computerzeitalters. Doch zumindest zwei der größten Denker des 20. Jahrhundert haben schon rund 20 Jahre früher Versionen davon formuliert: John Forbes Nash („A Beautiful Mind“) 1950 in einem Brief an die National Security Agency, in dem es um Kryptographie ging, sowie der aus Wien stammende Logiker Kurt Gödel sechs Jahre später in einem Schreiben an den Computerpionier John von Neumann.

Worum geht es bei diesem Problem, das eines der sieben Millienniums-Probleme ist, für deren Lösung das Clay Mathematics Institute im Jahr 2000 je eine Million US-Dollar auslobte? Es handelt sich dabei um eine Frage aus dem Gebiet der Komplexitätstheorie; etwas konkreter geht es um das Problem, wie schnell ein Computer Aufgaben bestimmter Komplexität lösen kann. Dabei unterscheidet man zwischen sogenannten P-Problemen und NP-Problemen.

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Hunderte demonstrieren gegen Neonazis bei Heß-Gedenken

Mehrere hundert Menschen haben am Samstag in Berlin-Spandau gegen einen Aufzug von Neonazis zum 30. Todestag des NS-Kriegsverbrechers Rudolf Heß (1894-1987) demonstriert. Zu den Gegendemonstrationen aufgerufen hatten mehrere Kirchengemeinden, Initiativen und linke Gruppen.

evangelisch.de

In der Spandauer Altstadt läuteten Kirchenglocken, um damit ein Zeichen für Frieden und Toleranz zu setzen. Heß hatte bis zu seinem Suizid 1987 im Spandauer Kriegsverbrechergefängnis gelebt. Die Polizei bezifferte die Zahl der Neonazis zunächst ebenfalls mit mehreren hundert. Angemeldet waren rund 500 Teilnehmer. Die verschiedenen Demonstrationen sollten noch bis zum Samstagabend andauern. Rund 1.000 Polizisten wurden eingesetzt, um Zwischenfälle zu verhindern.

Die Polizei kontrollierte nach eigenen Angaben die Teilnehmer des rechten Aufmarsches vorab unter anderem nach verfassungsfeindlichen Symbolen. So sollte die Verherrlichung des Kriegsverbrechers Heß ausgeschlossen werden.

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Polens Greencard öffnet Migranten alle Tore zur EU

Blick auf Warschau: Die polnische Hauptstadt braucht händeringend Fachkräfte Quelle: Getty Images
Viele Ukrainer und Weißrussen träumen vom besseren Leben in der EU. Polen ebnet ihnen den Weg – mit der Karta Polaka. Die Qualifizierung dafür ist recht einfach. Für Deutschland kann das unkontrollierte Zuwanderung bedeuten.

Von Laurin Meyer, Damian Daszko | DIE WELT

Das polnische Weihnachtslied „Gdy sie Chrystus rodzi“ wird Jewgeni wohl nie vergessen. Schließlich hat das Lied über seine Zukunft entschieden. Der 19-Jährige stammt aus Krassyliw, einer Kleinstadt im Westen der Ukraine. Im Frühling 2014 entschließt er sich, nach Polen zu gehen, um dort zu studieren.

Er ist 15 und hat gerade die Hochschulreife erworben. Die letzte Hürde zwischen Jewgeni und seinem großen Ziel: Er muss einem polnischen Konsul beweisen, dass er sich mit polnischen Traditionen und dem katholischen Glauben auskennt.

Zunächst läuft alles glatt, aber wann feiert man in Polen den Nikolaustag? Der junge Ukrainer versucht abzulenken, erzählt von Weihnachten, erzählt von seinem Engagement im heimischen Chor. „Und da hat der Konsul mich aufgefordert,“ sagt er, „ein polnisches Weihnachtslied zu singen.“

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Sicherungsverwahrung

Gefängnis (Public Domain)

In meiner letzten Kolumne ging es die Frage der Dauer einer lebenslangen Freiheitsstrafe bei Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Einige Leser hielten die Verlängerung der Verbüßungszeit für eine Sicherungsverwahrung. Aber nein, das ist sie nicht. Ein Anlass sich erneut mit der Sicherungsverwahrung zu beschäftigen.

Von Heinrich Schmitz | DIE KOLUMNISTEN

Was macht der deutsche Staat mit gefährlichen Straftätern? Wissen Sie nicht? Was würden Sie denn machen? Nein, nicht Sie von „Keine Gnade für Kinderschänder“ oder „Todesstrafe für Kinderschänder“, Sie können meine Kolumnen zur Todesstrafe lesen und Ihre Phantasien danach entweder begraben oder Ihre sadistischen Triebe weiter im Internet ausleben. Wie sagte bereits der Dichter 海因里希

Will der Nazi einen Ständer, brüllt er, Tod dem Kinderschänder

Nein, ich meine Sie, die Sie sich berechtigte Sorgen um die Sicherheit Ihrer Kinder und um Ihre eigene Sicherheit machen, aber aus guten Gründen nicht darauf aus sind, den Rechtsstaat aufzugeben und sich auf eine Stufe mit Gewalttätern  zu stellen. Sie meine ich!

Wenn Sie eine Weile überlegt haben, werden Sie vermutlich auf eine Möglichkeit stoßen, die der frühere Rechtsanwalt, Bundeskanzler und Putin-Freund Gerhard Schröder 2001 wie folgt formulierte:

Wegschließen – und zwar für immer.

Nur, das geht in einem Rechtsstaat, der in Art. 1 GG auf die Menschenwürde eines jeden Menschen verpflichtet ist, nicht ganz so einfach wie im Staat des lupenreinen Demokratenkumpels. Wegschließen, ja – für immer, eventuell, aber eben nicht zwingend. In Deutschland nennt man das Sicherungsverwahrung.

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200 Jahre Senckenberg

Bunt illuminiert ist im Senckenberg Museum in Frankfurt am Main das versteinerte Skelett eines Tyrannosaurus Rex. (Archiv) Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)
In Frankfurt feiert die Senckenberg-Gesellschaft ihr 200-jähriges Jubiläum. Wanka würdigt das Forschungsinstitut als „Leuchtturm der deutschen Wissenschaftslandschaft.“

Frankfurter Rundschau

Mit 400 geladenen Gästen hat die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung am Freitagabend in Frankfurt ihr 200-jähriges Jubiläum gefeiert. Mit einem „science slam“ präsentierten Senckenberg-Wissenschaftler den Gästen aus Politik, Wissenschaft und Kultur, was aktuell im Mittelpunkt des Forschungsinteresses liegt. Mit 300 Wissenschaftlern an elf Standorten betreibt Senckenberg unter anderem Forschungen zu Artenvielfalt und Klimawandelfolgen.

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Eheknast für alle!

Foto: pixabay.com
Vor lauter medialer und politischer Begeisterung darüber, dass die „Ehe für alle“ nun beschlossene Sache ist, hat man die entscheidenden Fragen völlig übersehen: Ist die Zweierbeziehung überhaupt eine geeignete Form des Zusammenlebens?

Von Thomas Junker | Richard-Dawkins-Foundation

Und was passiert, wenn man die Ehe entbiologisiert, indem man sie von der Reproduktion trennt? Bleibt dann mehr als ein Steuersparmodell und Poesiealbumskitsch?

Liebe als Zirkusnummer

Kürzlich verkündete die Soziologin Barbara Kuchler: „Die moderne Gesellschaft […] schätzt die Ehe – das intime Zusammenleben zweier Menschen – als einen Zweck in sich selbst. Ihr Wert ist unabhängig vom biologischen Tatbestand der Reproduktion, vielmehr geht es um die soziale Dimension der Sache: um […] all das, was wir ‚Liebe‘ nennen.“ Da dieses „Projekt“ aber „schwierig und unwahrscheinlich genug“ sei, soll es sich um eine „anerkennenswerte Leistung [handeln], die die moderne Gesellschaft ebendeshalb schätzt und schützt“ (F.A.Z, „‚Ehe für alle‘. Alles ganz normal mit der sozialen Ordnung der Dinge“, 18.07.2017).

Wenn ich die Autorin richtig verstehe, dann soll der Staat eine emotionale und psychologische Zirkusnummer – die Ehe – fördern, auch wenn sie keinen erkennbaren gesellschaftlichen Zweck erfüllt. Und das Finanzamt soll zwei Liebenden unter die Arme greifen, weil das intime Zweisamkeitsprojekt so wunderbar romantisch und schwierig zugleich ist. Auf solche Ideen kann man nur kommen, wenn man jeden Bezug zur Realität verloren hat. Zur biologischen und zur ökonomischen Realität.

Dagegen wirken ja selbst die Versponnenheiten der 1968er noch erfrischend nüchtern. Es ist noch nicht so lange her, da galt die Ehe weithin als Refugium für hoffnungslose Spießer. Und von feministischer Seite hieß es, dass die Befreiung aus den Zwängen des „Eheknasts“ vor allem im Sinne der Frauen wäre. Bei aller Blindheit für die positiven Seiten einer stabilen Zweierbeziehung war zumindest ein Gefühl dafür vorhanden, dass die Einmischung von Staat (und Kirche) in die sexuellen und Liebesbeziehungen letzteren oft nicht gut bekommt. Auch aus biologischer Sicht ist es alles andere als selbstverständlich, dass die Zweierbeziehung das ursprüngliche oder das unter den heutigen Bedingungen beste Lebensmodell ist.

Warum es ohne Biologie nicht geht

In meinem letzten Blogbeitrag habe ich behauptet, dass bei gesellschaftspolitischen Kontroversen ein Blick in die Biologie nicht schaden kann. Was heißt das konkret? Wie lässt sich die Frage nach dem Sinn oder Unsinn der Zweierbeziehung biologisch beantworten? Eine probate Methode ist schon vergleichsweise alt und stammt aus der Zeit vor der Entdeckung der Evolution: die vergleichende Anatomie. Schon im 18. Jahrhundert stellte man fest, dass es eine enge Beziehung zwischen dem Körperbau eines Tieres und seiner Lebensweise gibt. Dass man beispielsweise am Gebiss eines Tieres ablesen kann, ob es sich um ein Raubtier oder um einen Pflanzenfresser handelt.

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Die „ideologische Halluzination“ Al-Andalus

Vor allem jugendliche Islamisten träumen von der muslimischen Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel 

Von Jan Marot | derStandard.at

Der 2. Jänner 1492 ist ein Datum, das in islamistischen Kreisen bis heute schmerzlich in Erinnerung ist. Königin Isabella I. von Kastilien und König Ferdinand II. von Aragón nahmen damals mit dem südspanischen Granada das letzte muslimische Herrschaftsgebiet auf der Iberischen Halbinsel ein.

Es war der Schlusspunkt von knapp 800 Jahren arabischer Herrschaft – und einer Ära, wie die des Kalifats von Córdoba, die zeitgenössische Autoren damals als ein „goldenes Zeitalter“ beschrieben.

Aufrufe zur Rückeroberung

Vor allem die junge Generation heutiger Jihadisten träumt davon, eben jene Dominanz über das einstige „Al-Andalus“ – das den überwiegenden Teil Spaniens und Portugals umfasste – wiederzuerlangen. 2014 kursierten auf islamistischen Youtube-Channels erste Videos in spanischer Sprache, wie das der marokkanischen IS-Kämpfer in Syrien, Nouredin Majdoub und Salahedin Ghaitu. Darin rufen sie auf, Spanien, „das Land ihrer Großväter, zurückzuerobern“. Dem Appell schloss sich auch Mohamed Hamduch alias „Kokito Castillejos“ an, der Berühmtheit erlangte, weil er mit einem halben Dutzend abgetrennter Köpfe posierte. Ende 2015 starb er in Syrien.

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Bistum Hildesheim liegt das Missbrauchsgutachten jetzt vor

Die Ergebnisse werden allerdings erst im Oktober der Öffentlichkeit bekannt gemacht.

kath.net

Das Gutachten über die Missbrauchsfälle im Bistum Hildesheim liegt jetzt der Bistumsleitung vor. Die Ergebnisse werden aber erst im Oktober der Öffentlichkeit bekanntgemacht, wie der NDR berichtete. „Wir werden das Gutachten jetzt genau lesen und schauen, welche Schlüsse wir aus den Ergebnissen ziehen müssen“, erläuterte dazu Weihbischof Heinz-Günter Bongartz. Das Bistum hatte das Gutachten vor einem Jahr selbst beim Münchner Institut IPP in Auftrag gegeben, es geht nicht zuletzt um Missbrauchsvorwürfe gegen den 1988 verstorbenen früheren Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen und gegen den pensionierten Priester Peter R. zu prüfen. Nach Angaben des NDR wird der derzeitige Hildesheimer Bischof Norbert Trelle zum Zeitpunkt der Öffentlichmachung der Ergebnisse aber nicht mehr im Amt sein, denn er wird im September Papst Franziskus das Rücktrittgesuch unterbreiten müssen, da er 75 Jahre alt wird.

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Gerhard Schröder, Rosneft und seine Kritiker

Langwährende Freundschaft: Schröder und Putin in Moskau, 2005. Foto: Kremlin.ru / CC BY 4.0
Warum soll es verwerflicher sein, für Rosneft statt für VW zu arbeiten?

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Gerhard Schröder und die SPD gehören zusammen wie Pech und Schwefel. Es spricht für sich, dass ein Politiker, der es als eine besondere Auszeichnung empfindet, Genosse der Bosse zu sein, der mit der Agenda 2010 den Boom im deutschen Niedriglohnsektor zu verantworten hat, und der angibt, mit „Bild und Glotze“ regiert zu haben, vom aktuellen Kanzlerkandidaten als Mutmacher und Stimmungskanone angefragt wurde. Doch aufregen darüber könnten sich eigentlich nur die unermüdlichen Protagonisten von Rosa-Rot-Grün, die noch immer von einer solchen Konstellation eine Hoffnung eines Politikwechsels erhoffen.

Dabei war nie zu erwarten, dass sich die SPD von Schröder distanziert. Schließlich gehört er zur SPD wie auch Gustav Noske, der sich selber 1918 als Bluthund gegen aufmüpfige Arbeiter von den Freikorps feiern ließ. Bei der SPD ist er trotzdem nie in Ungnade gefallen und gehört weiterhin zum Partei-Inventar. Dass ehemalige SPD-Politiker wie ihre Kollegen aus anderen bürgerlichen Parteien später in die Wirtschaft gehen und dort hochdotierte Posten einnehmen, gehört ebenfalls zum politischen Spiel im Kapitalismus.

Die Nichtregierungsorganisation LobbyControl versucht seit Jahren, dort so etwas wie zivilisatorische Maßstäbe einzuziehen. Es soll eine gewisse Karenzzeit eingeführt werden, bis Politiker ihr Insiderwissen der Wirtschaft zur Verfügung stellen können. Doch solange wollen die meisten betroffenen Politiker nicht warten. Sie wissen natürlich, dass sie am meisten verdienen, wenn sie möglichst schnell von der Politik in die Wirtschaft wechseln.

Immer wenn sich die Drehtür zwischen Politik und Wirtschaft zu schnell dreht, gibt es mehr oder weniger heftige Debatten, die immer auch parteipolitisch geprägt sind. Doch sie werden schnell auch wieder beendet. Denn alle Parteien in Regierungsverantwortung sind grundsätzlich zum Wechsel in die Wirtschaft bereit und daher werden sie dann auch nur einige Details, nie aber das Prozedere als solches kritisieren.

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