Bundesanstalt für Geowissenschaften – Umweltstudien: Gutes Geld für steile Thesen

Der Mensch spielt bei der Erderwärmung nur eine untergeordnete Rolle? Eine Studie die das behauptet, zeichnete die Hans-Joachim-Martini-Stiftung mit 50 000 Mark aus. (Foto: Arno Burgi/dpa)
  • 1982 gründen Industrievertreter den „Hans-Joachim-Martini-Fonds“, der die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe unterstützt.
  • Der Fonds – heute eine Stiftung – vergab „Ehrungen“ und Fördermittel an bemerkenswerte Projekte: An Studien, die den menschengemachten Anteil am Klimawandel als gering einstufen – oder solche, die Zweifel am Salzstock Gorleben zerstreuen.
  • Die Grünen haben grundsätzliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Bundesanstalt.

Von Michael Bauchmüller | Süddeutsche.de

Gerd Anger hat gute Argumente, als er 1981 an seinen Vorstand bei Bayer herantritt. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, kurz BGR, ist schließlich nicht irgendwer – sondern der „geologische Dienst“ der Bundesrepublik. „Ihr obliegen vor allem die Beratung der Bundesministerien in geowissenschaftlichen Fragen“, nebst der Suche nach Rohstoffen in aller Welt, schreibt Bayer-Chefgeologe Anger. Mehr noch: Die Bayer AG habe „seit 1971 Jahr für Jahr die aktive und tatkräftige Unterstützung von Herren aus der BGR erfahren“. Angers Ziel: Fortan soll es andersherum laufen. Die Herren der BGR sollen die aktive und tatkräftige Unterstützung der Wirtschaft erfahren.

Der Plan geht auf. Anfang der Achtzigerjahre entsteht ein von der Industrie gefüllter Topf, aus dem regelmäßig Mittel an die Bundesanstalt fließen – zur „Ehrung“ verdienter Mitarbeiter, als Portokasse zur Finanzierung von Tagungen, als Geldspritze zur Anschaffung von Computern.

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Forscher entschlüsseln das Geheimnis der Migräne

Foto: Getty Images/Cultura RF Patienten, die unter Migräne leiden, sind todmüde, jede Bewegung verstärkt ihre Schmerzen und Übelkeit
Jeder siebte leidet unter den Kopfschmerzattacken. Doch wie entstehen sie? Ein Forscherteam hat 375.000 Menschen untersucht – und jetzt mehrere neue Hinweise auf die Ursache der Krankheit gefunden.

Von Wiebke Hollersen | DIE WELT

Nein, es sind nicht „nur Kopfschmerzen„. Es fühlt sich erstens nicht so an, als habe man am Abend zuvor ein paar Glas Wein zu viel getrunken. Und zweitens ist Migräne eine Krankheit, die sich leider nicht auf ein Pochen hinter den Schläfen beschränkt.

Magen und Darm rebellieren, Ohren und Augen reagieren überempfindlich auf Reize. Man ist todmüde, jede Bewegung verstärkt Schmerzen und Übelkeit. Jeder siebte Erwachsene kennt diese Zustände. Und den Spott der anderen. Ach, mal wieder Migräne, und da hilft wieder nichts? Schon klar.

Was ist denn da los in deinem Kopf? Das ist eine der netteren Fragen – auf die es nun endlich eine wissenschaftliche Antwort geben könnte. Forscher aus zwölf Ländern haben zahlreiche „genetische Schlüssel“ für die Migräne gefunden.

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Endlager-Kommission beschließt Abschlussbericht

Bild: GNS Gorleben
Bild: GNS Gorleben
Wie der Bundestag am Dienstag mitteilte, wurde das Ergebnis zweijähriger Arbeit in der Nacht zu Dienstag mit großer Mehrheit besiegelt.

evangelisch.de

Die Kommission war vom Bundestag beauftragt worden, Kriterien für ein Endlager des hochradioaktiven Atommülls festzulegen. Den Angaben zufolge plädiert die Kommission für ein Bergwerk, schließt aber kein bislang genanntes Gestein aus. Damit bleibt auch der umstrittene Standort Gorleben weiter möglich.

Der Kommission gehören 32 Mitglieder an. 16 sind Vertreter aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Jeweils acht nicht stimmberechtigte Mitglieder entsandten Bundestag und die Bundesländer. Die Kommission kommt am nächsten Dienstag zu ihrer letzten Sitzung zusammen. Dann soll auch der Abschlussbericht an Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) übergeben und der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

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Gefräßige Giftfische breiten sich im Mittelmeer aus

Eigentlich kommt der Rotfeuerfisch im Roten Meer und Indischen Ozean vor. Im Bild ein Artgenosse aus Kuba. / Bild: APA/AFP/YAMIL LAGE
Aufgrund des Klimawandels expandiert der Indische Rotfeuerfisch rasant. Mit seinen Giftstacheln kann er auch Menschen gefährlich werden.

Die Presse.com

Es sind giftige Vielfraße, die sich noch dazu schnell vermehren – und sie dürften sich bereits im Mittelmeer ansiedeln. Die Indischen Rotfeuerfische kommen normalerweise im Roten Meer und im Indischen Ozean vor, fühlen sich wegen der steigenden Wassertemperaturen jedoch auch in unseren Gefilden immer wohler.

Der Pterois miles habe innerhalb eines Jahres fast die gesamte Südostküste von Zypern besiedelt, schreiben Forscher der Mittelmeerinsel und der britischen Universität Plymouth im Fachmagazin „Marine Biodiversity Records“. Zuvor hat es den Angaben zufolge nur wenige Sichtungen im Mittelmeer gegeben. Die Wissenschafter stützen sich unter anderem auf Angaben von Tauchern und Fischern.

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Check Out These Images of Jupiter’s Glowing Cloud Layers

Image: ESO
Image: ESO
A team of astronomers released spectacular new views of Jupiter a week before NASA’s Juno spacecraft is set to arrive at the gas giant.

By Amy Thompson | MOTHERBOARD

The images will be used to create high-resolution maps and will help scientists better understand the planet’s interior prior to the spacecraft’s arrival.

“Over the past five to six months, we’ve been making regular observations of the giant planet,” Leigh Fletcher, team lead from Leicester University said during a Google Hangout today. “We want to better understand what the planet is like today, before Juno’s arrival.”

This view compares a lucky imaging view of Jupiter from VISIR (left) at infrared wavelengths with a very sharp amateur image in visible light from about the same time (right). Credit: ESO

The high-resolution maps and images were created by combining data from VISIR (a thermal camera on the Very Large Telescope) and the TEXES spectrograph on NASA’s Infrared Telescope Facility in Hawaii to produce the first global spectral maps of Jupiter taken from Earth.

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Umweltschützer – In höchster Gefahr

Berta Cáceres kämpfte gegen einen Staudamm, der den heiligen Fluss ihres Volkes, der Lenca, bedroht. Drei Mit-Kämper waren in den…Foto: Pedro Pardo/AFP
Die britische Organisation Global Witness dokumentiert Morde an Umweltschützern seit 2002. Nie wurden mehr getötet als 2015. Die meisten in Brasilien, den Philippinen, aber auch im Kongo leben vor allem Ranger gefährlich.

Von Dagmar Dehmer | DER TAGESSPIEGEL

Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) Global Witness seit 2002 in jährlichen Berichten, in denen die Morde an Umweltschützern dokumentiert werden. Die Organisation stützt sich dabei auf öffentlich zugängliche Quellen und geht deshalb davon aus, dass sie nur einen Bruchteil der tatsächlichen Fälle aufarbeiten kann. Als Beispiel benennt die Organisation die Proteste von Angehörigen des Oromo-Volkes in Äthiopien, das einem Staudammprojekt weichen soll. Bis zu 200 Oromo sollen bei Protesten erschossen worden sein. Allerdings sah sich Global Witness nicht in der Lage, dafür genügend Beweise zu finden, was kein Wunder ist, weil die äthiopische Regierung Berichte über die Proteste unterdrückt. Von Pressefreiheit kann in Äthiopien keine Rede sein, und auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch konnte nur Zeugenaussagen von geflüchteten Oromo dokumentieren.
Im aktuellen Bericht zählt Global Witness 185 Morde im Jahr 2015. Brasilien führt diese Liste mit 50 Morden an. Meistens sind es Angehörige von Minderheitenvölkern, die im Amazonas-Regenwald leben – und dort mit Mienenkonzernen, Holzfällern oder Milizen von Agrarkonzernen in Konflikt geraten. Nummer zwei sind die Philippinen, wo es ebenfalls vor allem um Landkonflikte mit Bergbauunternehmen geht. Auch dort sind Angehörige von Minderheitenvölkern überproportional auf der Todesliste zu finden.

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Slavoj Zizek: Gedanken zum Brexit – Unordnung unter dem Himmel

Slavoj Žižek bei der Vorstellung seines Buches „Blasphemische Gedanken“ auf der Leipziger Buchmesse 2015. Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA 4.0/Amrei-Marie
Europa hängt fest zwischen Brüsseler Trägheit und brennendem Nationalismus – der Brexit ist nur Symptom. Doch er könnte der Weckruf für ein neues, echtes, paneuropäischen Projekt sein.

Von Slavoj Žižek | SpON

Freud war kein ganz junger Mann mehr, als er mit der berühmt gewordenen Frage: „Was will das Weib?“ zu erkennen gab, dass die weibliche Sexualität ihm Rätsel aufgab. Eine ähnliche Ratlosigkeit befällt uns heute angesichts des Brexit-Referendums: Was will Europa?

Worum es bei diesem Referendum wirklich geht, wird klar, wenn wir es in einen größeren historischen Kontext einordnen. Sowohl in West- als auch in Osteuropa sind Anzeichen für eine langfristige Neuordnung des politischen Raums zu erkennen. Bis vor Kurzem war dieser im Wesentlichen geprägt von der Gegenüberstellung zweier großer Parteien: einer rechts der Mitte (Christdemokraten, Liberalkonservative, „Volkspartei“), einer links der Mitte (Sozialisten, Sozialdemokraten …).

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Erlebtes und das Wissen darüber

Michael Pauen Die Natur des Geistes Verlag: S. Fischer, Frankfurt M. 2016 ISBN: 9783100024084
Michael Pauen
Die Natur des Geistes
Verlag: S. Fischer, Frankfurt M. 2016
ISBN: 9783100024084

Sich mit der Philosophie des Geistes zu beschäftigen, ist ein undankbares Geschäft. Denn mit Hilfe des Geistes über den Geist nachzudenken, ähnelt dem Versuch, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Baron Münchhausen soll das angeblich gelungen sein, und so versucht der Philosoph Michael Pauen, es ihm gleichzutun.

Von Eckart Löhr | Spektrum.de

Wir glauben im Allgemeinen, dass wir zu unseren mentalen oder phänomenalen (auf die Wesenserscheinung der Dinge bezogenen) Erfahrungen einen privilegierten Zugang haben und diese dadurch über einen erkenntnistheoretischen Sonderstatus verfügen. Das heißt, wir sind davon überzeugt, Schmerzen zu haben, sobald wir sie fühlen – und somit der Ansicht, mit dieser phänomenalen Erfahrung auch schon etwas über ihren Wahrheitsgehalt ausgesagt zu haben. Diese Gleichsetzung von mentaler Erfahrung und dem Wissen darüber hält der Autor für historisch gewachsen und ungerechtfertigt, und er widerspricht ihr auf gut 300 Seiten nachdrücklich.

Fehleranfällige Introspektion

Pauen plädiert für eine Trennung der beiden, wobei er einige interessante Gedankenexperimente zu Hilfe nimmt. Das Wissen um eine phänomenale Erfahrung, die so genannte Introspektion, basiert ihm zufolge „auf einer ganzen Reihe von kognitiven Fähigkeiten, insbesondere setzt es Gedächtnis, Sprache und Selbstbewusstsein voraus. (…) Da die zu Grunde liegenden kognitiven Operationen prinzipiell fehlerbehaftet sind, muss man davon ausgehen, dass introspektive Überzeugungen falsch sein können.“

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Vatikan verteidigt Papst gegen scharfe Kritik aus der Türkei

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
  • Papst Franziskus bezeichnet das Massaker an den Armeniern bei seinem Besuch in Eriwan zum wiederholten Male als Völkermord.
  • Das empfindet die Türkei als „Kreuzfahrermentalität“, woraufhin der Vatikan vehement widerspricht.
  • Die Gräultaten des Osmanischen Reiches sind in der Türkei ein Politikum, der Begriff „Völkermord“ wird dort strikt abgelehnt.

Süddeutsche.de

Der Ton zwischen dem Vatikan und der Türkei wird schärfer. Nachdem Papst Franziskus am ersten Tag seiner Armenienreise das Massaker im Osmanischen Reich vor 101 Jahren als Völkermord verurteilte, reagierte der türkische Vize-Regierungschef Nurettin Canikli empört. Die Erklärung sei „sehr unglücklich“, habe „keinerlei Bezug zur Realität“ und zeige eine „Kreuzfahrermentalität“ des Papstes.

Das wiederum wollte der Vatikan nicht auf sich sitzen lassen. „Der Papst befindet sich nicht auf einem Kreuzzug“, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Franziskus versuche nicht, Kriege zu organisieren oder Mauern zu erreichten, er wolle Brücken bauen. „Er hat die Menschen in der Türkei nicht angegriffen oder beleidigt“. sate Lombardi.

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Papst ruft Armenier und Türken zur Versöhnung

Papst Franziskus und das Oberhaupt der armenisch-apostolischen Kirche, Katholikos Karekin II. pflanzen gemeinsam einen Baum. Reuters/Alessandro Bianchi
Mit einem Appell zur Versöhnung zwischen Armeniern und Türken hat Papst Franziskus den zweiten Tag seiner Armenien-Reise beendet. Zuvor besuchte der Papst die Gedenkstätte Zizernakaberd in der armenischen Hauptstadt Eriwan.

religion.ORF.at

„Gott segne eure Zukunft und gewähre, dass der Weg der Versöhnung zwischen dem armenischen und dem türkischen Volk wiederaufgenommen werde“, sagte er anlässlich eines ökumenischen Friedensgebets auf dem Platz der Republik in Jerewan. Zugleich mahnte der Papst eine friedliche Beilegung des Konflikts zwischen Armenien und dem Nachbarland Aserbaidschan um die Region Bergkarabach an.

Die Armenier müssten sich engagieren, „um die Fundamente für eine Zukunft zu legen, die sich nicht von der trügerischen Kraft der Rache vereinnahmen“ lasse, sagte Franziskus mit Blick auf die Massaker an den Armeniern, die das Osmanische Reich im Ersten Weltkrieg beging. Sie belasten das Verhältnis zwischen der Türkei, der Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reichs, und Armenien. Armenien erkennt die Grenze mit der Türkei bis heute nicht an. Zusätzlich angespannt ist die Lage in der Region durch den Konflikt um Bergkarabach, in dem die Türkei Aserbaidschan unterstützt. Seit 1993 hält die Türkei die Grenze zu Armenien geschlossen.

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Schlaf Gut! Anleitung zum nächtlichen Nichtstun

Guy Meadows Schlaf Gut! aus dem Englischen von Diane von Weltzien Verlag: Rowohlt, Reinbek 2016 ISBN: 9783499631092
Guy Meadows
Schlaf Gut!
aus dem Englischen von Diane von Weltzien
Verlag: Rowohlt, Reinbek 2016
ISBN: 9783499631092

„Was tun Sie, um gut zu schlafen?“ An der Antwort erkennt man, ob der Gefragte unter Schlafproblemen leidet, meint der britische Schlafexperte Guy Meadows. Während ein normaler Schläfer nichts tue, außer sich ins Bett zu legen und die Augen zu schließen, schliefen ausgerechnet jene am schlechtesten, die sich am meisten darum bemühen. Einfach wegdämmern? Fehlanzeige!

Von Elena Bernard | Spektrum.de

Guy Meadows’ Fünf-Wochen-Programm ist ein Wegweiser aus diesem Teufelskreis heraus. Ziel ist nicht, der Schlaflosigkeit den Garaus zu machen, sondern sie zu akzeptieren. Der Autor verortet sich in der Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT), welche unter anderem verhaltenstherapeutische und achtsamkeitsbasierte Strategien miteinander verknüpft.

In Woche eins erfahren die Leser viel über die physiologischen Grundlagen des Schlafs, Risikofaktoren und klassische Bewältigungsstrategien. Tenor: Gelegentliche Schlafstörungen sind ganz normal und werden in vielen Fällen erst durch den Aktionismus der Betroffenen zum Problem. In der zweiten Woche gilt es, die eigene Schlaflosigkeit anzunehmen. Meadows verwendet hier viel Mühe darauf, seine Leser bei der Stange zu halten. Er zählt hinderliche Gedanken auf und widerlegt jeden einzelnen von ihnen. In zahlreichen Fallgeschichten kann man sich wiederfinden und lernen, welches Verhalten sinnvoll und welches schädlich ist.

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Gauland warnt seine AfD im Antisemitismus-Streit

Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
AfD-Vize Gauland attackiert das Vorgehen im Skandal um den baden-württembergischen Abgeordneten Gedeon: Man brauche kein Gutachten, um Antisemitismus zu erkennen. Und er spricht eine Warnung aus.

Von Matthias Kamann | DIE WELT

Tagelang haben AfD-Politiker herumgedruckst im Antisemitismusstreit. Jetzt aber bekennt Parteivize Alexander Gauland offen, dass er das Vorgehen der baden-württembergischen AfD-Landtagsfraktion im Fall des Abgeordneten Wolfgang Gedeon für falsch hält.

„Die Vorstellung, dass bei uns nun bis zum Herbst diskutiert werden soll, was Antisemitismus ist und was nicht, erfreut mich überhaupt nicht“, sagte Gauland der „Welt am Sonntag“. Damit kritisierte Gauland, dass Gedeon entgegen dem ursprünglichen Plan des AfD-Landtagsfraktionschefs und Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen nicht aus der Fraktion ausgeschlossen wird, sondern seine Fraktionsmitgliedschaft bis zum Herbst nur ruhen lässt.

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Frankreich: Druckwasser-Reaktoren unter Verdacht einer „Anomalie“

Kernkraftwerk Fessenheim (auch auf der Liste der „verdächtigen“ Reaktoren). Bild: Florival fr/CC BY-SA 3.0
Laut einer Einschätzung der Behörde für nukleare Sicherheit ist die Umkleidung der Reaktordruckbehälter weniger widerstandskräftig als erwartet

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Die Druckwasser-Reaktoren in Frankreich sind erneut wegen Sicherheitsmängel in der Diskussion. Eine Analyse der Behörde für nukleare Sicherheit (ASN) bemängelt „Anomalien“ am Boden des Reaktordruckbehälters in der Art, wie sie vor gut einem Jahr in Flamanville festgestellt wurden (Flamanville: „Anomalien“ beim Reaktordruckbehälter). Das Material, die Stahlumkleidung des Druckbehälters, sei durch den Einschluss von Kohlenstoff weniger widerstandsfähig als erwartet. Es sei nicht ausgeschlossen, dass bei einer hohen Belastung Risse entstehen können.

Die Beanstandungen betreffen 18 Reaktoren (von neun AKWs) der insgesamt 58 Reaktoren des französischen Nuklearparks und, wie hervorgehoben wird, im Gegensatz zur Anomalie-Affäre bei dem EPR in Flamanville, sind diesmal Reaktoren betroffen, die aktiv sind.

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Franz in Armenien: Papst legt sich mit Erdogan an

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Das dürfte Streit mit der Türkei geben: Bei einem Besuch in Erewan hat Papst Franziskus die Verfolgung der Armenier als „Genozid“ bezeichnet.

SpON

Papst Franziskus hat die Verfolgung der Armenier im Ersten Weltkrieg wie schon im Vorjahr als Völkermord eingestuft. „Diese Tragödie, dieser Genozid hat leider den Beginn der traurigen Serie von riesigen Katastrophen im vergangenen Jahrhundert markiert“, sagte das Kirchenoberhaupt bei einem Treffen mit dem armenischen Präsidenten Sersch Sarkissjan in Erewan.

Damit ist Streit mit der Türkei programmiert. Ankara hatte 2015 kurzzeitig den Botschafter aus dem Vatikan abberufen, nachdem Franziskus von einem Genozid gesprochen hatte. Der Botschafter des Vatikans war ins Außenministerium einbestellt worden. Die Türkei lehnt den Begriff Genozid ab.

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It’s Safe to Eat These 4 Crops Grown in ‚Martian Soil‘

A photo of the cress that was grown in normal, ‚moon‘, and ‚martian‘ soil. Image: Wieger Wamelink
Remember that scene in The Martian where actor Matt Damon grows crops in a makeshift greenhouse on Mars so he can eat them? There are people on Earth making that a reality.

By Emiko Jozuka | MOTHERBOARD

Since 2013, a Dutch researcher has successfully been cultivating crops and wild plant varieties in a soil that closely resembles that from the red planet and the moon. Now lab results have shown that four of his crops are safe for human consumption.

Wieger Wamelink, an ecologist at the Wageningen University in the Netherlands initially wanted to grow a garden in a computer simulation using the scientific data he had on Martian and moon soil. However, when he discovered that NASA sold “Mars soil”—soil that is found on Earth but shares similar chemical properties to Martian soil—Wamelink knew he had to try it out for real.

“Nobody could tell what would happen if you tried growing crops in this soil as NASA had made it to test habitats, rovers, and not for crop cultivation,” explained Wamelink. “People couldn’t even tell me what would happen if I added water to it.”

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Hannah Arendt: Was es heißt, fremd zu sein

Hannah Arendt. Foto: imago stock&people
Hannah Arendt zu lesen, macht es leichter, die Gegenwart zu verstehen. Jetzt in einer Sonderausgabe des „Philosophie Magazins“ abgedruckt: Der Text „Wir Flüchtlinge“. Sein erster Satz: „Vor allem mögen wir es nicht, wenn man uns ‚Flüchtlinge‘ nennt.“

Von Dirk Pilz | Frankfurter Rundschau

Sie gilt noch immer als Außenseiterin, dabei gehört sie längst zu den zentralen Figuren des 20. Jahrhunderts. Und hat wie wenige sonst gezeigt, dass es keine Philosophie gibt, die nicht politisch wäre, will sie nicht „weltlos“ sein. Sie hat aber auch beschrieben, wie gefährlich die Verwandtschaft von Philosophie und Politik, von Denken und Handeln ist.

Hannah Arendt hat in ihren Schriften immer die umstrittenen Fragen der Gegenwart verhandelt, weil sie nie den Kontakt zu den harten Fakten verloren hat. Es sind Fragen nach der Rolle der Arbeit in der Moderne (die Erfüllung verspricht, aber gerade nicht erfüllend ist), nach der Charakteristik totaler Herrschaft, nach dem Bösen, den Menschenrechten, dem Einzelnen in der Masse und der Frau in einer männerdominierten (Geistes-)Geschichte.

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Grabeskirche Jesu: Hasskirche mit Gottesliebe

Von Berthold Werner CC BY-SA 3.0, wikimedia.org
Die Grabeskirche in Jerusalem ist der heiligste Ort des Christentums. Sechs Konfessionen streiten deshalb um jeden Quadratzentimeter. Die Renovierung soll Harmonie stiften – eine trügerische Hoffnung.

Von Gil Yaron | DIE WELT

Als der Fußtritt Andrew Hayworth in den Bauch traf, vergaß er alle seine guten Vorsätze: „Ich hätte zurückschlagen müssen“, sagt er. Der Ärger steht ihm eine Woche nach dem Zwischenfall ins Gesicht geschrieben. Und was ist mit der Aufforderung Jesu, einem Angreifer die andere Wange hinzuhalten? „Ach ja, vielleicht habe ich es deswegen nicht getan“, antwortet er beiläufig. Was überrascht, schließlich ist der aus Ghana stammende Diakon katholischer Hauptmesner der Grabeskirche in Jerusalem. Aber im wichtigsten Gotteshaus des Christentums gibt es armenische, griechisch-orthodoxe, syrisch-orthodoxe, koptische und äthiopische Mönche und Franziskaner. Und die ignorieren dort seit Jahrhunderten die Leitsätze ihres Glaubens und schlagen aufeinander ein, wie jener armenische Mönch, der Hayworth vor einer Woche mit einer Eisenstange angriff.

Die Kirche, unter der Jesus begraben liegen soll, ist der heiligste Ort des Christentums – und Symbol für die Spaltung der Glaubensgemeinschaften. Für jene Eifersucht und Machtgier, die seit 2000 Jahren zwischen den Strömungen wuchert. Nun aber sollte aus dem Gotteshaus des Hasses ein Ort der Harmonie werden. Mithilfe einer Renovierung der Kirche. Sie soll ein Symbol werden für die Kooperation der drei großen Kirchen – den Griechen, den Katholiken und den Armeniern. Zusammen mit Jordaniens König Abdullah II. haben sie rund drei Millionen Euro bereitgestellt für die Arbeiten an der Kirche, deren Grundstein 325 nach Christus vom römischen Kaiser Konstantin gelegt worden war.

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Curiosity: Überraschender Fund auf dem Mars

Image credit: NASA/JPL-Caltech/MSSS)
Image credit: NASA/JPL-Caltech/MSSS)
Der Mars-Rover „Curiosity“ findet auf dem Mars das Mineral Tridymit, das nur durch kieselsäurereichen Vulkanismus entsteht. Muss die Geschichte des Mars neu geschrieben werden?

Von Tanja Banner | Frankfurter Rundschau

Seit knapp vier Jahren untersucht der Rover „Curiosity“ den Mars. Nun haben Forscher eine überraschende Entdeckung gemacht: In einer Gesteinsprobe, die der Rover vor einem Jahr am so genannten Gale-Krater entnommen hat, haben die Forscher Tridymit gefunden. Der Fund des Minerals habe die Forscher überrascht, teilte die US-Raumfahrtorganisation Nasa mit. Tridymit werde normalerweise mit kieselsäurereichem Vulkanismus in Zusammenhang gebracht, so die Forscher. Diesen Vulkanismus gebe es auf der Erde, man habe jedoch nicht geahnt, dass es ihn auch auf dem Mars geben könnte.

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Vom Riesenstern zur Gravitationswelle

LIGO/Aurore Simonnet/Sonoma State University
LIGO/Aurore Simonnet/Sonoma State University
Die erste Messung einer Gravitationswelle war ein Meilenstein der Physik. Forscher haben nun ihre Vorgeschichte rekonstruiert. Sie beginnt mit zwei gewaltigen Sternen.

Von Rainer Kayser | DER TAGESSPIEGEL

Im September empfingen zwei große Detektoranlagen in den USA erstmals Gravitationswellen aus dem fernen Kosmos. So bezeichnen Physiker minimale Stauchungen der Raumzeit, die Albert Einstein bereits vor hundert Jahren vorhergesagt hatte. Die erste Messung von Gravitationswellen gilt als Meilenstein in der Wissenschaft. Computersimulationen eines Forscherteams aus Polen und den USA zeigen jetzt, wie sich mit solchen Beobachtungen neue Erkenntnisse über die Entstehung und Entwicklung von Sternen im frühen Kosmos gewinnen lassen. Die Gravitationswellen stammen demnach von Schwarzen Löchern, die ursprünglich Riesensterne mit der 40- bis 100-fachen Masse unserer Sonne waren, schreiben die Autoren im Fachblatt „Nature“.

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Jerusalem: Gott kann sein Grab nicht pflegen – ein Muslim bezahlt das

Jerusalem – AP
In Jerusalem hat die Renovierung der Grabstelle Jesu in der Grabeskirche begonnen. Ein Team der Technischen Universität Athen, das bereits die Akropolis renoviert hat, untersucht laut Angaben der „Washington Post“ derzeit die Statik einsturzgefährdeten Grabeskapelle.

Radio Vatikan

Zum Einsatz kommen dabei u.a. Radar- und Laserscanner sowie Drohnen, zudem soll erstmals seit über 200 Jahren auch das Grab Jesu geöffnet werden. Neun Monate sind für die Arbeiten veranschlagt, die Kosten trägt Jordaniens König Abdullah II. persönlich.

Die Sanierung wird durch komplizierte Besitz- und Nutzungsverhältnisse deutlich erschwert: Sechs christliche Konfessionen erheben auf das Heiligtum Anspruch und folgen seit 1852 einem starren Status quo, der akribisch regelt, wer wann wo feiern darf. Dass die aktuellen Arbeiten zustandekommen, gilt daher bereits als kleine Sensation. Da Heiligtum für Gebete und Gottesdienste weiterhin geöffnet bleiben, müssen die Arbeiten in der Nacht mit nur wenig künstlichem Licht stattfinden.