Ibiza-Affäre: Entlarvung der rechten Macht- und Medienpolitik

Am Donnerstag, den 16. 5., war die rechtskonservative Welt noch in Ordnung. Bild: Bundeskanzleramt Österreich
Wir starren nur auf die Bühne, gewählt werden aber die korrupten Machtpolitiker von den Bürgern, die meist als besorgte Bürger entschuldigt werden

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Man traut Rechten und Rechtspopulisten so einiges zu. Das kommt auch daher, dass sie zwar vorgeben, Volkes Stimme zu sein, sie aber statt Demokratie und Rechtstaat eher mit einem autoritären System kokettieren. Dazu werden Führerfiguren geschaffen und inszeniert, die sich durch Radikalität bei Überschreitung von ethischen Prinzipien, Machtgeilheit, Narzissmus und Geschäftemachereien auszeichnen, die auch Korruption ermöglichen. Eine auffällige Eigenschaft ist auch, dass freie und vor allem kritische Medien und Intellektuelle nicht geschätzt werden. Die gelten als Lügenpresse, während man sich Medien zuwendet oder diese schafft, die nicht weniger einseitig, oft laut und kreischend wie die Galionsfiguren selbst sind, aber die die eigene Macht befördern.

Die Ibiza-Affäre, bei der der Vizekanzler Österreichs und FPÖ-Parteichef Heinz- Christian Strache und FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus in eine Falle durch eine angebliche reiche hübsche Russin gelockt wurden, entlarvt die rechten Machtspiele und -gelüste, die diejenigen vieler Systemparteien überbieten. Zum eigenen Vorteil ist man bereit, Gesetze zu umgeben und Korruption auf höchster Ebene zu begehen, aber sich auch die Berichterstattung zu kaufen. Man ahnt, dass die Vorwürfe gegenüber den nicht-rechten Medien als gesteuerte Lügenpresse auf die eigene Vorstellung zurückgehen, wie Medien für die eigenen Interessen instrumentalisiert werden sollen, indem Medien gekauft oder über ihre Besitzer politisch und personell gesteuert werden sollen.

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Afrikas Geiersterben bedroht die Menschen

foto: beckie garbett via ap Charles Darwin nannte sie „widerliche Biester“, doch sie sind ziemlich nützlich: Geier.
Geier ernähren sich von Aas. Damit sorgen sie dafür, dass sich Anthrax oder Tuberkulose nicht noch weiter verbreiten

Johannes Dieterich | derStandard.at

Sie gelten als Vorboten und als Wegweiser des Todes: Doch nun droht ihnen selbst der Exitus. Fachleute sprechen von einem beispiellosen Geiersterben vor allem in Afrika – mit verheerenden Folgen für die Umwelt und nicht zuletzt für ihren größten Feind, den Menschen.

Naturschützer trafen sich kürzlich in der nigerianischen Hafenstadt Lagos, um die Alarmglocken zu läuten: Sollten die Aasfresser tatsächlich aussterben, muss nach den Worten Muktari Aminu-Kanos, des Generaldirektors der Nigerianischen Naturschutz-Stiftung (NCF), mit wachsenden Seuchengefahren, mit vermehrten Krankheiten und Todesfällen auch unter Menschen gerechnet werden.

Wichtige Funktion

Die Riesenvögel mit dem noch größeren Reputationsproblem – schon Charles Darwin nannte sie „widerliche Biester“ – übernehmen in der freien Wildbahn eine wichtige Funktion: Sie sorgen dafür, dass verstorbene Lebewesen nicht weiter vergammeln und gefährliche Erreger wie Anthrax, Tuberkulose oder Tollwut in die Natur abgeben.

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Der unheimliche Tag, an dem die Welt beinahe unterging

So sahen Zeitgenossen den „Dark Day“ 1780 Quelle: Archiv
Am 19. Mai 1780 wurde es dunkel in Neuengland. Bunte Wolken zogen über Massachusetts. Tiere flohen, Menschen fürchteten sich vor der Apokalypse. Bis heute ist das Phänomen nicht abschließend geklärt.

Von Berthold Seewald | DIE WELT

Es war gegen 10.30 Uhr, als Nathan Read am Harvard College in Cambridge (Massachusetts) eine beängstigende Beobachtung machte. „Eine ungewöhnliche Dunkelheit kam auf und breitete sich ziemlich schnell aus.“ Eine halbe Stunde später war Reads Dozent „Mr. Wigglesworth nicht mehr in der Lage, die Bibel am Fenster zu lesen“. Um 12.21 Uhr fügte er hinzu: „Mr. W. kann Kolumnentitel einer großen Bibel nicht lesen. – Kerzen müssen angezündet werden.“ Und um 12.45 Uhr musste Read feststellen, dass er die Zeiger einer Uhr mit hellem Hintergrund nicht mehr erkennen konnte, obwohl der Raum über drei Fenster verfügte.

Der 19. Mai 1780 ist als Dark Day in die Geschichte Neuenglands eingegangen. In Massachusetts, New Hampshire und Maine verschwand binnen weniger Minuten das Tageslicht und machte einer Dunkelheit Platz, die viele Menschen in Panik versetzte. Beherzte Zeugen wie Professor Samuel Williams vom Harvard College machten sich umgehend daran, das unheimliche Phänomen zu dokumentieren. Danach war die Dunkelheit noch in der Stadt New York und in New Jersey zu sehen, während sie weder in Philadelphia oder in Pennsylvania bemerkt wurde. Die Suche nach den Ursachen dauert bis heute an.

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Die Linke ist zu blöd für ihre eigene Theorie geworden

Thomas Metscher. Bild: Mangroven-Verlag
Der Philosoph Thomas Metscher über den Marxismus als Philosophie, Teil 1

Reinhard Jellen | TELEPOLIS

Das hätte man bereits bei Hegel lernen können: Eine gegnerische Position kritisiert man am wirkungsvollsten nicht, indem man den Kontrahenten moralisch denunziert, seine Argumentation verkürzt und verkleinert und anschließend mit der moralischen Fliegenpatsche draufhaut, sondern im Gegenteil, indem man ihn voll zur Kenntnis nimmt, um daraus die eigene Gegenposition zu entwickeln. Man muss sich in den Umkreis der Stärke dessen stellen, was man kritisiert, man muss den Gegner voll begriffen haben, ihn richtig stark machen, um dann nach seinen blinden Flecken forschen.

Von außen kritisieren kann der Volldepp auch. Leider hat sich bei der Linken Letzteres durchgesetzt. So lässt sich bis auf wenige Ausnahmen auch für die sich marxistisch verstehende Linke konstatieren: Die Linke ist zu blöd für ihre eigene Theorie geworden. Einen Ausweg aus diesem absoluten Degenerationsfiasko präsentiert der Philosoph Thomas Metscher mit seinem Buch „Integrativer Marxismus“.

Herr Metscher – Sie haben Ihr Buch „Integrativer Marxismus“ genannt. Was hat es damit auf sich?
Thomas Metscher: Die Grundhypothese des vorliegenden Buchs ist von der Vermutung getragen, dass der Marxismus noch über unausgelotete Möglichkeiten der Entwicklung verfügt, die ihn befähigen, in der Zukunft erneut eine weltgestaltende Rolle zu spielen. Er wird dies freilich nicht in jeder beliebigen, sondern allein in einer gegenüber den heute gängigen Marxismen veränderten Gestalt tun können. Zudem ist nicht von oben herab zu deklarieren, wie die „neue“ Gestalt des Marxismus verfasst sein soll, vielmehr ist dies argumentativ zu erkunden. Solche Erkundungen versucht das vorliegende Buch zu leisten. In diesem Sinn stellen sie Überlegungen zum Marxismus – seiner Restauration, seiner Weiterentwicklung, seiner zukünftigen Gestalt – zur Diskussion.

Der Begriff des Integrativen zeigt die Richtlinie der vorgenommenen Erkundung an. Mit dem Begriff ist keine neue Form des Marxismus gemeint – an Marxismen haben wir schon übergenug -, vielmehr will er, in Erinnerung an die Klassiker, das Gemeinsame der oft sektenförmig zerstrittenen Marxismusformen in Erinnerung rufen. Dieses Gemeinsame, die Kernkategorie des von Marx und Engels begründeten „neuen“ Materialismus, ist die Dialektik – und ihr zugeordnet die Geschichte. Das Eine ist ohne das Andere nicht zu denken, beide stehen in dialektischer Relation. Es gibt keine Geschichte, die nicht durch Gegensätze strukturiert wäre (der Klassenkampf ist ein solcher Gegensatz) – wie es keine Dialektik gibt, die nicht auf die eine oder andere Art geschichtlich wäre: Teil eines prozessualen Geschehens.

Wenn, nach Wittgenstein, die Welt alles ist, „was der Fall ist“, das heißt „die Gesamtheit der Tatsachen“, so ist alles, was der Fall ist, dialektisch verfasst und kann in dieser Dialektik auch nur dialektisch erfasst werden. Die Tatsachen selbst sind werdend-gewordene, dialektisch-prozessual. In diesem Sinn ist Dialektik eine Seins-Kategorie, zugleich aber ist sie eine Kategorie der Methode, also des Verfahrens, Seinsverhältnisse theoretisch zu erfassen.

Dialektik ist, mit Lenin4 , Weg des Denkens und Bewegung des Seins, eine zugleich logische und ontologische Kategorie. Hinzugefügt sei, dass hier die logisch-methodologische und die ontologische Kategorie – Subjekt und Objekt – selbst ein dialektisches Verhältnis bilden. Für uns (den menschlichen Geist) gibt es keine Welt ohne Subjekt, wie es ohne Welt kein Subjekt gibt. Subjekt und Objekt bilden eine dialektische Relation. Welt als menschliche ist nur als vielschichtig vermittelte prozessuale Subjekt-Objekt-Struktur. Es ist dies die Grundstruktur eines vielschichtigen In-der-Welt-Seins, und diese Struktur gilt für den Raum wie sie für die Zeit gilt. Menschliches Dasein ist Sein in der Zeit wie es Sein im Raum ist- diese Einsicht gilt unterscheidet die marxistische Humanontologie von jeder existentialen.

«Kunstformen der Natur»: Ausstellung über Ernst Haeckel

„Desmonema annasethe“. Die Tentakel hatten Haeckel an die Haare seiner Frau erinnert. Ernst Haeckel. Scan: Ragesoss. Cleanup: Ilmari Karonen. – Kunstformen der Natur (1904), plate 8: Discomedusae. PD
Schwungvolle Quallen-Tentakel und schillernde Seeanemonen: Eine neue Ausstellung gibt einen Überblick über das kreative Schaffen von Ernst Haeckel. Von Samstag an sind in der Kunstsammlung Jena rund 50 Zeichnungen und 30 Druckgrafiken des Biologen zu sehen.

DIE WELT

Haeckel (1834-1919) baute Ideen von Charles Darwin zu einer speziellen Abstammungslehre aus. Eine Reihe wissenschaftlicher Begriffe wie etwa «Ökologie» gehen auf ihn zurück. In Jena arbeitete er als Professor für Zoologie. Haeckel war aber nicht nur Forscher, sondern auch Künstler – die Zeichnungen seiner Tier- und Pflanzenwelt sind bis heute populär.

Lebewesen – meist aus dem Meer – werden in seinen detailverliebten Zeichnungen zu ornamentalen Kunstwerken.

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Vulkane: Rutschung als Kollaps-Vorbote?

3D-Visualisierung von Ritter Island und des umgebenden Meeresbodens mit den Spuren der Hangrutschung von 1888. © Jens Karstens/GEOMAR
Subtile Vorboten: Die Flanken vieler Inselvulkane wie die des Ätnas rutschen ganz langsam in Richtung Meer – dies könnten bereits Zeichen einer drohenden Katastrophe sein. Denn wie Forscher nun herausgefunden haben, gingen auch dem Kollaps der Ritter Island in Neuguinea im Jahr 1888 langsame Rutschungsbewegungen voran. Erst später kam es dann zu einer großen Abrutschung, die einen katastrophalen Tsunami auslöste.

scinexx

Einige der schlimmsten Tsunamis der Geschichte wurden nicht von Erdbeben ausgelöst, sondern von Vulkanen. Zu ihnen gehören die Bronzezeit-Flut im Mittelmeer nach dem Ausbruch des Santorini-Vulkans, aber auch die 40-Meter-Flutwellen nach der Eruption des Vulkans Krakatau im Jahr 1883. Sie entstanden, als die Hänge des Feuerberges kollabierten und Tonnen von Material ins Meer rutschten. Auch die erneute Eruption dieses Vulkans im Dezember 2018 löste verbunden mit einer Hangrutschung einen Tsunami aus.

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Theologin Bahr protestiert gegen judenfeindliches Wahlplakat

Bild: Recherche-& Informationsstelle Antisemitismus RIAS/Twitter

Die evangelische Regionalbischöfin Petra Bahr aus Hannover hat scharfe Kritik an einem judenfeindlichen Plakat zur Europawahl geäußert.

evangelisch.de

Das Wahlplakat der rechtsextremistischen Partei „Die Rechte“ trägt den Slogan „Israel ist unser Unglück! Schluss damit!“ und ist überall in Deutschland zu sehen. „Das ist die Verschiebung des Sagbaren in Richtung Volksverhetzung und ein Angriff auf die Staatsraison“, sagte Bahr am Freitag. „Antisemitismus ist keine politische Meinung.“

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Neandertaler: Frühe Trennung vom Homo sapiens?

Vergleiche von Zähnen legen eine frühe Trennung der evolutionären Line des Neandertalers und der unsrigen nahe. © Aida Gomez-Robles
Länger getrennt als gedacht: Die Abstammungslinien von Neandertaler und Homo sapiens könnten sich bereits vor 800.000 Jahren voneinander getrennt haben – und damit deutlich früher als bisher vermutet. Zu diesem Ergebnis ist eine Forscherin nun nach vergleichenden Zahnanalysen gekommen. Ihre Theorie befeuert damit erneut die Debatte um die Evolutionsgeschichte moderner Menschen und ihrer Steinzeit-Cousins.

scinexx

Der Neandertaler ist der wohl berühmteste ausgestorbene „Vetter“ des Homo sapiens. Zu welchem Zeitpunkt sich die Abstammungslinien dieser beiden Menschen trennten, ist allerdings bis heute strittig. DNA-Analysen und anatomische Vergleiche der Schädelstruktur legen eine Trennung vor 300.000 bis 500.000 Jahren nahe. Doch einzelne archäologische Funde wollen nicht so recht zu diesem Befund passen.

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Wegen Termitenbefall: Kathedrale von Valencia einsturzgefährdet

Bild: © Sergii Figurnyi – stock.adobe.com
Die Kathedrale von Valencia ist in keinem guten Zustand: Termiten haben tragende Balken der Kirche befallen, eine schnelle Renovierung des mittelalterlichen Gotteshauses ist dringend nötig. Ansonsten droht ein „Kollaps“ der Kathedrale.

katholisch.de

Ein Teil der Kathedrale von Valencia ist aufgrund von Termiten einsturzgefährdet. Die „Lonja de los Canónigos“, eine an die Nordostseite der Kathedrale angebaute Tribüne, und die dazugehörige Fassade sind besonders betroffen, berichtete die Zeitung „ABC“ am Dienstag. Durch den Termitenbefall und die aufgrund von Nässe vorhandenen faulen Stellen an den etwa 40 Balken des Renaissance-Anbaus müsse schnell gehandelt werden, sagte der valencianische Dombaumeister Santiago Vila. Ansonsten stehe ein „teilweiser Kollaps“ der Kathedrale bevor.

Die Termitenplage habe man inzwischen unter Kontrolle, dennoch müssten einige der tragenden Balken abgestützt werden, um einen Einsturz zu verhindern, so Vila weiter.

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Ein altes Buch beginnt zu reden: Ist das Voynich-Manuskript entschlüsselt?

Das Voynich-Manuskript hat Generationen von Forschern fasziniert und zu kontroversen Interpretationen beflügelt. (Bild: Imago)
Ein Handbuch der Alchemie, ein Scherz, eine Anleitung für geheime Verschwörungen, eine Fälschung? Alles falsch, sagt ein englischer Romanist, der behauptet, das Rätsel des Voynich-Manuskripts gelöst zu haben.

Thomas Ribi | Neue Zürcher Zeitung

Vielleicht ist es das rätselhafteste Buch, das es gibt. Entziffert worden ist es schon unzählige Male, allerdings ohne dass wirklich überzeugende Lösungen vorgelegt worden wären. Das Voynich-Manuskript, eine reich illustrierte Handschrift aus dem 15. Jahrhundert, schien nicht zu knacken. Da es in einer Schrift verfasst ist, die an nichts Vertrautes anzuschliessen schien, wurde nur schon die Frage, in welcher Sprache der Text geschrieben ist, kontrovers diskutiert.

Vielleicht eine Kunstsprache?

Die rund 170 000 Schriftzeichen, die sich auf den 240 Seiten des Manuskripts finden, wurden hin und her gewendet, interpretiert, gedeutet und analysiert. Bisher allerdings, ohne dass man hätte sagen können, das Problem sei ein für allemal gelöst. Ein Vorschlag, der vor einem Jahr aufgrund einer Computeranalyse vorgelegt wurde, kam zum Schluss, es könnte sich um eine semitische Sprache handeln – aber vielleicht auch um eine eigens für das Buch geschaffene Kunstsprache.

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Warum starben Australiens große Raubtiere aus?

Während Beutellöwe und Beutelwolf ausgestorben sind, hat der „Tasmanische Teufel“ überlebt. Eine bösartige Krebserkrankung macht ihm seit längerem zu schaffen. Bild: dapd
Beutellöwe, Beutelwolf und Beutelteufel bevölkerten einst große Teile Australiens. Ihr Schicksal zeigt, wie die Fleischfresser einst auf dem Kontinent Fuß fassten und untergingen. Eine Spurensuche.

Von Diemut Klärner | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Familie der Beutellöwen zählte einst zu Australiens Säugetierfauna. Wie ihr Gebiss verrät, waren ihre Urahnen wohl Vegetarier, die aus unbekannten Gründen Geschmack an Fleisch gefunden hatten. Fast so groß wie ein Löwe, präsentierte sich der Beutellöwe des Pleistozäns – mit wissenschaftlichem Namen Thylacoleo carnifex – als letzter und stattlichster Vertreter dieser karnivoren Beuteltiere.

Als vor etwa 60.000 Jahren erstmals Menschen nach Australien kamen, streifte er dort noch zahlreich umher. Doch schon bevor das Eiszeitalter zu Ende ging, ist er vor etwa 40.000 Jahren ausgestorben. Damals gab es keine heftigen Klimaschwankungen, die als Ursache in Frage kämen.

Wie viele Kollegen halten deshalb auch Wissenschaftler um Christopher Sandom von der Universität Aarhus für plausibel, dass ambitionierte Jäger ihre Hände im Spiel hatten. Welche Rolle dabei indirekte Effekte wie die Dezimierung von Beutetieren und gezielt gelegte Brände spielten, bleibt eine offene Frage.

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Diakonie Neuendettelsau: Wie tief verstrickt die Verantwortlichen wirklich waren

NS-„Euthanasie“ bei der Diakonie Neuendettelsau: Laut Forschern sind viele Fragen bei der Aufarbeitung noch offen.Die Diakonie Neuendettelsau hat 1991 mit dem Buch „Warum sie sterben mussten“ ihre Verstrickung in die „Euthanasie“-Verbrechen der Nazis aufgearbeitet. Später hat sie die Zeit bis 1955 in einem zweiten Buch beleuchtet. Doch es gibt immer noch Fragen.

Vanessa Hartmann | evangelisch.de

Es war ein Erdbeben, das die Diakonie Neuendettelsau Anfang der 1990er Jahre auslöste. Als erste diakonische Anstalt in Bayern hatte das Sozialwerk seine Verstrickung in die „Euthanasie“-Morde der Nazis von zwei unabhängigen Wissenschaftlern untersuchen lassen. Bundesweit interessierten sich Medien dafür. „Das war für die Öffentlichkeit sehr erschütternd: Es kann doch nicht sein, dass eine kirchliche Einrichtung keinen Deut besser war als eine staatliche“, erinnert sich Hans-Ludwig Siemen, einer der Autoren. In mehreren Deportationen waren 1940/41 mehr als 1.200 Bewohner der Diakonissenanstalt in staatliche Heil- und Pflegeanstalten verlegt worden, mindestens zwei Drittel starben.

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Christen und Juden kritisieren Wahlplakat als volksverhetzend—“Verstoß gegen Völkerverständigung“

Ein rechtsextremer Demonstrant steht zwischen Deutschlandfahnen. © Caroline Seidel (dpa)
Ein Wahlplakat der Partei „Die Rechte“ erzürnt Mitglieder der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Das Plakat mit der Aufschrift „Israel ist unser Unglück“ sei volksverhetzend und störe den Religionsfrieden im Land.

DOMRADIO.DE

Die Bonner Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) hat das auch in Bonn zu sehende Wahlplakat der Partei „Die Rechte“ zur Europawahl als volksverhetzend kritisiert. Das Plakat mit dem Text „Israel ist unser Unglück“ bediene sich des Vokabulars antisemitischer Hetze des 19. Jahrhunderts und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, erklärte die Gesellschaft am Dienstag.

Gemeinsam mit dem Bonner Stadtdechanten Wolfgang Picken und Superintendent Eckart Wüster appelliert sie an die Strafverfolgungsbehörden und die Stadt Bonn, die Verbreitung der Plakate strafrechtlich zu ahnden beziehungsweise Strafanzeige zu stellen.

Plakat stört Religionsfrieden im Land

Die Aussage des Plakats sei nicht vom Grundrecht der Meinungsfreiheit gedeckt, erklärte die GCJZ. Die Aussage diene heute wie damals der Volksverhetzung und sei geeignet, den Religionsfrieden im Land zu stören. Die Aussage sei auch gegen die erklärte Staatsräson der Solidarität Deutschlands mit dem Staat Israel gerichtet.

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Der Urvogel war nicht allein: Forscher finden einen bisher unbekannten Verwandten

Der fossile Flügel, der in Kalkablagerungen aus der Periode des Juras gefunden wurde, gehört zu einer bisher unbekannten Vogelart. (Bild: O. Rauhut, LMU/SNSB)
Archaeopteryx gilt als das berühmte Bindeglied zwischen Reptilien und Vögeln. Ein nun beschriebener zweiter Urvogel lebte in der gleichen Zeit, war aber in der Entwicklung schon weiter.

Sven Titz | Neue Zürcher Zeitung

Seit seiner Entdeckung im Jahr 1861 gilt der Archaeopteryx als der Urvogel schlechthin. Er lebte vor ungefähr 150 Millionen Jahren, in der Periode des Juras, und wird als Übergangsform zwischen den Reptilien und den Vögeln angesehen. Jetzt aber haben Forscher aus Deutschland und der Schweiz im Fachjournal «eLife» einen zweiten Urvogel dokumentiert. Zwar liegt von Alcmonavis poeschli, wie die Fachleute den Vogel getauft haben, nur ein Flügel vor. Doch der reicht womöglich aus, um der Diskussion über die Evolution der Vögel und des Vogelflugs neue Impulse zu geben.

Der Fund stammt aus einem Steinbruch am Schaudiberg bei Mörnsheim im bayrischen Altmühltal. Beschrieben haben den zweiten Urvogel Wissenschafter um Oliver Rauhut von der Ludwig-Maximilians-Universität München. «Wir hatten erst angenommen, dass auch dieses Exemplar ein Archaeopteryx ist», sagte Rauhut gemäss einer Pressemitteilung. Es seien Ähnlichkeiten da, aber seine fossilen Reste liessen vermuten, dass es sich um einen etwas höher entwickelten Vogel handle.

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Der Mond ist «lebendiger», als man denkt

Der Nasa-Astronaut Buzz Aldrin installiert das erste seismische Experiment auf dem Mond. (Bild: Nasa)
Die Oberfläche des Mondes ist von einem Netz von seismischen Verwerfungen überzogen. Eine neue Auswertung alter Apollo-Daten liefert Hinweise, dass diese Merkmale erst in jüngster Zeit entstanden sind.

Christian Speicher | Neue Zürcher Zeitung

Der Mond könnte auch heute noch tektonisch aktiv sein. Das legt zumindest eine neue Auswertung von 28 Mondbeben nahe, die während der Apollo-Missionen aufgezeichnet worden waren. Laut der Analyse ereigneten sich acht der Beben im näheren Umkreis von tektonischen Verwerfungen, die man in den letzten Jahren auf hochaufgelösten Satellitenaufnahmen entdeckt hatte. Das Team um Thomas Watters von der Smithsonian Institution in Washington D. C. folgert daraus, dass die Verwerfungen erst in jüngster Zeit entstanden sind.

Die Daten, die die Forscher nun neu ausgewertet haben, stammen von Seismometern, die von den Apollo-Missionen 12, 14, 15 und 16 auf dem Mond installiert worden waren. Heute sind diese Geräte nicht mehr aktiv. Zwischen 1969 und 1977 zeichneten sie jedoch insgesamt 28 Mondbeben mit einer Stärke zwischen 1,5 und 5 auf.

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Arktis: Faust- oder Völkerrecht?

Eisbrecher Healy (WAGB-20) in der Arktis. Bild: U.S. Coast Guard
Auf dem Polarmeer sind die meisten Seegrenzen umstritten und harren einer Klärung. Gleichzeitig verschärfen die USA den Ton, haben aber die Seerechtskonvention noch immer nicht ratifiziert

Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

In der Arktis hat die warme Jahreszeit mit aller Macht begonnen. Das Eis befindet sich auf dem Rückzug, und zwar schneller und weiter als in den allermeisten anderen Jahren seit Beginn der Satellitenmessungen, wie man hier beim US-amerikanischen National Snow and Ice Data Center sehen kann.

Dies ist das Ergebnis und im gewissen Umfang auch die Ursache der Tatsache, dass sich die Arktis im Rahmen der sich ausbreitenden Klimakrise rund doppelt so schnell erwärmt wie der Rest des Planeten. Klimamodelle haben das bereits in de 1980er Jahren nahegelegt und die Messungen seitdem bestätigt.

Entsprechend öffnen sich seit Beginn des aktuellen Jahrzehnts im Spätsommer meist die Seewege entlang der Küsten. Das Eis, das früher eine Passage vom Atlantik in den Pazifik durch die kanadische Inselwelt oder entlang der Küste Sibiriens nahezu unmöglich machte, verschwindet oder wird derart dünn und löchrig, dass es zumindest für entsprechend verstärkte Schiffe keine undurchdringliche Barriere mehr darstellt.

Die Begehrlichkeiten sind groß. Zum einen wäre ein Seeweg durch die Arktis eine erhebliche Abkürzung im Vergleich zu den sonst üblichen Routen. Im Warenaustausch zwischen Ostasien und Europa oder der US-Ostküste könnten erheblich Zeit und Geld gespart werden. Zum anderen verbergen sich unter den flachen Schelfmeeren, die sich insbesondere vor Russlands Küsten ausbreiten, mit großer Scherheit gigantische Lagerstätten von Erdöl und -gas.

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Polen: Rechtsextreme marschieren gegen Holocaust-Entschädigung

Far right demonstrators protest against the US Senate’s 447 Holocaust Restitution bill, in Warsaw on May 11, 2019. (Photo by Alik KEPLICZ / AFP)/The Times of Israel
Polnische Nationalisten machen gegen den Druck der amerikanischen Regierung mobil. Entschädigung für die Taten der Nazis sollten für Polen geleistet werden, nicht aber für Juden.

tachles.ch

Wie von topnews wiederholt berichtet, setzt sich die «World Jewish Restitution Organization» (WJRO) in den letzten Jahren verstärkt für eine umfassende Entschädigung jüdischer Nazi-Opfer aus Polen ein. Der Dachverband jüdischer Organisationen ausserhalb Israels findet dabei starke Unterstützung aus dem amerikanischen Kongress und dem Weissen Haus (Link).

Die rechts-nationalistische Regierung von Premier Mateusz Morawiecki zeigt indes keinerlei Anstalten, dem Druck aus Amerika nachzugeben. Seine Regierung besteht auf einer eng begrenzten «Wiedergutmachung», die nach 1945 aus Polen geflohene Überlebende und deren Nachkommen von Ansprüchen ausschliessen würde. Polen hat als einziges Land in der EU noch kein Restitutions-Gesetz für Ansprüche aus dem Holocaust verabschiedet.

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Nordsee: Suche nach dem versunkenen Land

Zwischen England und dem Festland erstreckte in der Eiszeit eine weite Landfläche – Doggerland. Jetzt fahnden Forscher in einem Teil dieser alten Landbrücke nach Spuren steinzeitlicher Siedlungen. © NASA
Versunkene Landbrücke: Noch vor 10.000 Jahren verband das Doggerland Großbritannien mit dem Kontinent – bis der steigende Nordseepegel diese ausgedehnten Landflächen versinken ließ. Jetzt fahndet eine Schiffsexpedition nach alten Siedlungsspuren im versunkenen Doggerland. Zuvor haben Forscher dort schon eiszeitliche Flüsse, Hügel, alte Küstenlinien und sogar Kalksteinklippen entdeckt, doch die entscheidenden Beweise für eine Besiedlung stehen noch aus.

scinexx

Einst weideten hier Mammuts und Fellnashörner und Säbelzahnkatzen jagten nach Beute: Noch bis vor 10.000 Jahren lagen weite Teile der heutigen Nordsee trocken. Die als Doggerland bekannte Landbrücke reichte von der Ostküste Englands bis nach Dänemark, Südschweden und den Niederlanden. Über tausende von Kilometer erstreckte sich dort damals weites, fruchtbares Land von der Größe der heutigen Niederlande. Archäologen vermuten schon seit langem, dass diese von Flüssen durchzogene Landschaft von Menschen besiedelt war.

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Denken, wie zu denken und zu leben sei

Ihre Philosophie hat sie immer auch gelebt: Ágnes Heller. Bild: Picture-Alliance
Als Fünfzehnjährige entkam sie in Budapest knapp dem Holocaust. Sie wurde die engste Mitarbeiterin von Georg Lukács. Heute wird die Philosophin und öffentliche Intellektuelle Ágnes Heller neunzig.

Von Josef Mitterer | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Geschick, Mut und Glück retteten Ágnes Heller im Jahr 1944 in Budapest mehr als einmal das Leben. Die damals Fünfzehnjährige war schon eingereiht in eine Kolonne zum Bahnhof, von dem die Züge nach Auschwitz fuhren, wo ihr Vater umkam. Doch plötzlich bot sich eine Gelegenheit, sie sprang mit ihrer Mutter auf eine langsam vorbeifahrende Straßenbahn. Und als die Juden an der Donau erschossen wurden, da hörte das Morden auf, bevor sie an die Reihe kam. Nach dem Krieg wird Ágnes Heller dann Studentin, schließlich die engste Mitarbeiterin von Georg Lukács und zu einem führenden Mitglied der Budapester Schule.

Ihre Philosophie hat Ágnes Heller immer auch gelebt. Opportunistische Kompromisse sind ihre Sache nicht. Kritisches Denken und öffentliches Engagement brachten sie immer wieder in Konflikt mit den politischen Regimes, von denen sie im Laufe ihres Lebens einige miterlebt hat. Aus der kommunistischen Partei, der sie mit achtzehn Jahren beigetreten war, wird sie schon zwei Jahre später wieder ausgeschlossen. Durch die Beteiligung an der Revolution von 1956 und ihre Weigerung, Lukács zu denunzieren, verliert sie ihre Professur an der Universität. Dazu kommen Reise- und Publikationsverbote, Hausdurchsuchungen und Bespitzelung. Im August 1968 unterzeichnet sie einen Aufruf gegen den Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei. Wieder wird sie entlassen, diesmal von der Akademie der Wissenschaften.

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Vor 85 Jahren: Muttertag wird Staatsfeiertag in NS-Deutschland — „Ehrfurcht vor der deutschen Frau“

Mutterkreuz in Gold. Bild; wikipedia.org/PD – own

„Urgrund aller Deutschheit“, „Burg und Wall des Volkes“: Mit solch hehren Worten priesen die Nationalsozialisten die deutsche Mutter. Vor 85 Jahren begingen sie den Muttertag erstmals als offiziellen Staatsfeiertag.

DOMRADIO.DE

Nein, erfunden haben sie den Muttertag nicht. Das Urheberrecht dafür hat die amerikanische Methodistin Ann Jarvis, die ab 1907 in einer weltweit erfolgreichen Privatinitiative für einen Mütter-Ehrentag kämpfte. Aber unbestreitbar ist, dass die Nazis dem Muttertag in Deutschland zu einer großen Bedeutung verhalfen. Vor 85 Jahren, im Mai 1934, wurde der zuvor eher privat begangene Tag erstmals zum offiziellen Staatsfeiertag erhoben und als „Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter“ in den NS-Festtagskalender integriert.

Und im Mai vor 80 Jahren, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, verlieh die Partei erstmals das „Ehrenkreuz für deutsche Mütter“, das sogenannte Mutterkreuz. Beides macht deutlich, welche Rolle die NSDAP den Frauen im Dritten Reich zugedacht hatten.

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