Großbritannien möchte assoziiertes EU-Mitglied werden

foto: apa Britische Parlamentarier bekommen eine Kopie des Weißbuchs zum Brexit. Premierministerin Theresa May will das Ausscheiden ihres Landes aus der EU möglichst „weich“ gestalten.
Neuer Brexit-Minister stellt Weißbuch vor, Finanzindustrie spricht von einem „echten Tiefschlag“

Sebastian Borger | derStandard.at

Drei Tage nach seinem Amtsantritt hat Brexit-Minister Dominic Raab am Donnerstag das lange erwartete Weißbuch zum zukünftigen Verhältnis Großbritanniens und der EU vorgelegt. Ziel sei ein „prinzipientreuer und praktikabler Brexit“, sagte der Kabinettsneuling im Unterhaus. Die konservative Regierung von Premierministerin Theresa May sei zuversichtlich, dass die britischen Ideen Grundlage für eine „dauerhafte Abmachung“, ein sogenanntes Assoziierungsabkommen, sein könnten.

Das 98-seitige Dokument basiert auf dem Chequers-Papier vom vergangenen Freitag, das nach einer langen und kontroversen Sitzung des Kabinetts zustande gekommen war. Statt des zwei Jahre lang propagierten harten Brexits samt Austritt aus Binnenmarkt und Zollunion werden nun ein weicher Brexit und wirtschaftlich enge Verflechtung mit dem Kontinent angestrebt. Deshalb waren zu Wochenbeginn Raabs Vorgänger David Davis sowie Außenminister Boris Johnson zurückgetreten. Dieser soll Mays Vorgehen als „Scheißhaufen“ (turd) bezeichnet haben.

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Sisi gewährt Offizieren Immunität für Massaker an Muslimbrüdern

Der ägyptische Präsident Abdelfatah al-Sisi bei der Vereidigung für seine zweite Amtszeit Anfang Juni im Parlament. (Bild: Handout / Reuters)
Ein neues ägyptisches Gesetz verhindert, dass hochrangige Offiziere wegen eines Massakers an Muslimbrüdern im Jahr 2013 belangt werden können. Die Militärs erhalten zudem diplomatische Privilegien, die bisher nur Ministern zustanden.

Samuel Misteli | Neue Zürcher Zeitung

Der ägyptische Staatspräsident Abdelfatah al-Sisi macht deutlich, dass er nicht beabsichtigt, an der Sonderstellung des Militärs zu rütteln. Auf Vorschlag der Regierung verabschiedete das Parlament Anfang Juli ein Gesetz, das hochrangige Offiziere mit diplomatischen Privilegien ausstattet und ihnen Immunität für Verbrechen gewährt, die nach dem Militärputsch im Juli 2013 begangen wurden.

Die Offiziere, für die das Gesetz gilt, werden vom Präsidenten direkt bestimmt. Sie geniessen neu Immunität, wenn sie ins Ausland reisen, ein Privileg, das bisher Ministern und Mitgliedern diplomatischer Missionen zustand. Zudem gewährt das Gesetz den ausgewählten Offizieren Immunität für Verbrechen, die zwischen dem 3. Juli 2013 und dem 10. Januar 2016 begangen wurden. Es ist dies die Zeitspanne zwischen dem Militärputsch gegen die Regierung des Muslimbruders Mohammed Mursi und der Wiederaufnahme der Arbeit durch das ägyptische Parlament. Künftig ist allein der Oberste Rat der Streitkräfte befugt, gerichtliche Schritte gegen die Offiziere einzuleiten.

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Älteste Menschenspuren Asiens entdeckt

Dieses Steinwerkzeug ist einer der bis zu 2,12 Millionen Jahre alten Funde aus Shangchen in China. © Zhaoyu Zhu
Überraschender Fund: Die ersten Frühmenschen könnten Afrika deutlich früher verlassen haben als bisher gedacht. Indizien dafür liefern 2,12 Millionen Jahre alte Steinwerkzeuge, die in Zentralchina entdeckt wurden. Sie sind älter als alle zuvor in Asien entdeckten Menschenspuren, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature“ berichten. Sollte sich dies bestätigen, muss der zeitliche Ablauf der Menschheitsgeschichte möglicherweise neu überdacht werden.

scinexx

Wann verließen die ersten Frühmenschen Afrika? Bisher gibt es auf diese Frage keine eindeutige Antwort. Klar scheint nur, dass Vertreter der Gattung Homo – vermutlich der Homo erectus – wahrscheinlich die ersten waren, die von Afrika aus andere Kontinente besiedelten. Dafür sprechen vor allem Funde von 1,5 bis 1,7 Millionen Jahre alten Homo erectus-Relikten auf Java und in China. Als bisher älteste nichtafrikanische Relikte der Gattung Homo aber gelten 1,85 Millionen Jahre alte Schädel und Knochen, die in Dmanissi in Georgien gefunden wurden.

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Das düstere Geheimnis von „Alice im Wunderland“

Lewis Carroll alias Charles Lutwidge Dodgson (1832 bis 1898) Quelle: Getty Images
Im bürgerlichen Leben lehrte Charles Dodgson Logik. Als Lewis Carroll schrieb er „Alice im Wunderland“– ein Buch, das mit aller Logik bricht. Und einigen Biografen heute verdächtig vorkommt.

Von Denis Scheck | DIE WELT

Stop making sense: Das ist im Leben wie in der Literatur gar nicht so einfach. Aber der Nonsens kann, wird er richtig auf die Spitze getrieben, große Kunst sein. Der Inbegriff des Nonsens ist der Doppelroman „Alice im Wunderland“ von 1865 und seine sechs Jahre später erschienene Fortsetzung „Alice hinter den Spiegeln“, die der unter dem Pseudonym Lewis Carroll schreibende Mathematiker Charles Dodgson veröffentlichte. Gedacht war der erste Teil als Weihnachtsgeschenk für ein Mädchen namens Alice Liddell, in das sich Dodgson vergafft hatte.

Angefangen hatte alles mit einem Ausflug im Ruderboot. Dodgson erfand bei einer Bootspartie mit den drei Töchtern des Deans des Christ Church College in Oxford eine Geschichte, die Alice Liddell so gut gefiel, dass Dodgson sie aufzuschreiben begann. Es war noch ein zweiter Ausflug nötig, um die Geschichte Gestalt annehmen zu lassen, und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von „Alice hinter den Spiegeln“ war die Beziehung zwischen Dodgson und der Familie Liddell schon zerbrochen – über die Ursache spekulieren Biografen bis heute.

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Quantenkosmologie: „Vielleicht waren die Philosophen zu höflich“

Die Kindheit des Universums: Die Karte zeigt kosmische Hintergrundstrahlung, die entstand, als das All erst 380.000 Jahre alt war. Bild: AP
Der Stringtheoretiker Robert Brandenberger setzt große Hoffnungen in einen Dialog zwischen theoretischen Physikern und Philosophen. Wir haben ihn nach seinen konkreten Erwartungen gefragt.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Professor Brandenberger, Ihren Vortrag hier auf dem Workshop zur Philosophie der Kosmologie haben Sie mit der Aussage begonnen, dass Sie von den Philosophen etwas lernen wollen. Was genau?

Als naive Wissenschaftler, als naive Kosmologen führen wir verschiedene Berechnungen durch. Und wir behaupten, dass wir über Theorien verfügen, die mit den Beobachtungen übereinstimmen. Wir vergleichen gemittelte theoretische Werte mit räumlich gemittelten Himmelsbeobachtungen. Aber ist das so in Ordnung?

Die Philosophen sollen Ihnen also sagen, wie eine gute wissenschaftliche Theorie aussehen soll?

Nein, ich wüsste gerne, was wir darüber hinaus tun sollten, um zu demonstrieren, dass die Theorie mit den Beobachtungen in Einklang steht.

Aber was können Philosophen dazu sagen?

Vielleicht sagt der Philosoph: Ihr habt eure Arbeit getan, und jetzt müssen wir sie interpretieren. Das ist eine Antwort. Aber vielleicht wird der Philosoph auch sagen: Damit wir über diese Fragen auf einer philosophisch soliden Basis diskutieren können, benötigen wir mehr Informationen. Und das könnte uns dazu bringen, zusätzliche Berechnungen anzustellen.

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Nach fünf Jahren NSU-Prozess: Schuldspruch für Beate Zschäpe

Beate Zschäpe könnte als Mittäterin an zehn Morden eine lebenslange Haftstrafe bekommen. – REUTERS
Die NSU-Hauptangeklagte Beate Zschäpe wird des zehnfachen Mordes schuldig gesprochen. Das Oberlandesgericht in München verhängt eine lebenslange Haftstrafe.

Die Presse.com

Nach fünf Jahren Prozess wegen der Morde des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) gab es Mittwochvormittag Urteil gegen die fünf Angeklagten. Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe wurde des zehnfachen Mordes schuldig gesprochen. Das Oberlandesgericht München sprach eine lebenslange Haftstrafe aus.

Das Gericht folgte mit dem Urteil der Empfehlung der Bundesanwaltschaft. Zschäpe war als Mittäterin an zehn Morden, zwei Bombenanschlägen und fünfzehn Raubüberfällen des NSU angeklagt. Wie der „Spiegel“ schreibt, könnte Zschäpes Strafe bei guter Führung und günstiger Sozialprognose frühestens nach 15 Jahren Haft zur Bewährung ausgesetzt werden.

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Gingen schon die Römer auf Walfang?

Verarbeiteten die Römer in ihren Fischfabriken auch Wale? © gemeinfrei
Jagd auf Meeressäuger: Schon die Römer könnten industriellen Walfang betrieben haben. Darauf deuten 2.000 Jahre alte Knochen zweier Walarten hin, die Forscher in den Ruinen römischer Fischfabriken gefunden haben. Sie belegen, dass der Grauwal und der Atlantische Nordkaper einst auch im Mittelmeer verbreitet waren – dann aber von dort verschwanden.

scinexx

Zunächst war der Mensch hinter ihrem Tran her, aus dem sich Seifen, Lampenöl und Margarine herstellen ließen, später jagte er die Wale auch für ihr Fleisch: Jahrhunderte des Walfangs haben viele Arten dieser Meeressäuger an den Rand des Aussterbens gebracht. Im Atlantik fielen etwa der Nordkaper und der Grauwal den Harpunen zum Opfer. So existieren dort heute nur noch drastisch reduzierte Restbestände der einstigen Nordkaper-Populationen und der Grauwal ist sogar ganz verschwunden. Er ist inzwischen nur noch im Pazifik heimisch.

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Jedes Gehirn ist einzigartig – fast wie ein Fingerabdruck

Die Wülste und Furchen verlaufen auch bei Zwillingen unterschiedlich, hier jeweils drei Ansichten von zwei verschiedenen Gehirnen. (Bild: Lutz Jäncke, Universität Zürich)
Die Einzigartigkeit eines jeden Menschen zeigt sich nicht nur auf der finktionellen Ebene im Gehirn, sondern auch in einer individuellen Anatomie.

Neue Zürcher Zeitung

Dass Erfahrungen im Gehirn Spuren hinterlassen, ist schon lange bekannt. So weisen Profimusiker oder Schachspielerinnen Besonderheiten in den Hirngebieten auf, die sie für ihre Expertise besonders stark beanspruchen.

Doch auch kürzere Ereignisse können sich in der Hirnanatomie niederschlagen. Wird beispielsweise der rechte Arm für zwei Wochen ruhiggestellt, reduziert sich die Dicke der Hirnrinde in den Gebieten, die für die Kontrolle des immobilisierten Armes zuständig sind.

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Wildbook und seine Follower

Bild: wildbook.org
Wildbook soll das Facebook für Tiere in freier Wildbahn werden. Fast jedenfalls

Harald Taglinger | TELEPOLIS

Gut, auf den ersten Blick möchte man meinen, dass Wildbook nun endlich der neue Name für den Dating Service von Facebook sein soll, den Zuckerberg Ende April lanciert hat. Mitnichten. Bei Wildbook handelt es sich um ein ernstzunehmendes Projekt aus der akademischen Ecke, und dabei soll es auch um Arterhaltung gehen. Allerdings sind Menschen dabei eher nicht die Zielgruppe.

Es handelt sich um eine Plattform, die mit den MItteln von Socila Media und mittels einer – sagen wir – Elefantenerkennung auf Artificial-Intelligence-Basis helfen soll, vor allem selten vorkommende und eher im Aussterben befindliche Tierarten über Aufnahmen ihrer Exemplare zu katalogieren. Also kurz gesagt: Wir fotografieren alle wilde Tiere, laden die Aufnahmen in die Cloud und dann kommt AI daher und sagt: Ja, das ist doch die Tante Elefantenkuh, und ihre drei Kinder erkenne ich auch auf dem Bild. Daraus bilden sich dann digitale Herden und Rotten ab. Der Bestand einer Tierart wird geocoded dokumentiert.

Und so können wir uns alle glücklich und zufrieden wieder der Artenausrottung widmen. Ist ja jetzt alles im Netzwerk.

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Das Spitzel-Spiel – oder wie skrupellos der Verfassungsschutz die Wahrheit vertuscht

Bild: stern.de
Er wusste angeblich nichts über den NSU-Terror – und überlebte den Skandal trotzdem nicht. Leben und Tod des V-Manns „Corelli“ zeigen, wie sinnlos und riskant es ist, wenn Extremisten dem Staat dienen. Oder umgekehrt. Sein Fall ist ein Paradebeispiel für das V-Mann-Unwesen des Verfassungsschutzes.

Von Kerstin Herrnkind, Holger Witzel | stern.de

Die Leiche muss weg. Niemand soll erfahren, wer der Tote war. Fast so, als hätte es diesen Mann nie gegeben. Und damit das so bleibt, weiht der Verfassungsschutz diesmal sogar die lokalen Behörden ein. Sie treffen sich am 9. April 2014 zu einer „geheimen Unterredung“ im Bielefelder Polizeipräsidium. Zu den Verschwörern zählen neben einer Abteilungsleiterin aus dem Bundesamt und einem ihrer Mitarbeiter, die Polizeipräsidentin selbst, drei ihrer Mordermittler und der zuständige Oberstaatsanwalt aus Paderborn.

Der Verfassungsschutz hatte ein Problem. Zwei Tage zuvor war Thomas Richter tot in seiner Wohnung gefunden worden. Unter dem Deckmantel „Corelli“ hatte Richter fast 20 Jahre lang die Neonazi-Szene für den Verfassungsschutz ausspioniert. Eine angebliche „Top-Quelle“ und einer von vielen Spitzeln, die den Terroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) zumindest sehr nahe gekommen waren, aber deren Morde, Raubüberfälle und Sprengstoffanschläge nicht verhindern konnten oder wollten.

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Pompeji: Schädel des „Geköpften“ entdeckt

So wurde der Tote in Pompeji gefunden: balb begraben unter einem mächtigen Steinblock. Doch wie sich nun zeigt, wurde er nicht von ihm erschlagen. © Pompeji – Parco Archeologico
Doch keine „Enthauptung“: Erst vor wenigen Wochen sorgte ein in Pompeji entdecktes Skelett für Aufsehen. Denn der junge Mann schien auf der Flucht vor dem Vulkanausbruch von einem Steinblock erschlagen worden zu sein. Jetzt haben Archäologen seinen Schädel gefunden – weitgehend intakt. Der Tote wurde demnach nicht enthauptet, sondern starb im Glutstrom der Eruption. Sein Schädel löste sich erst Jahrhunderte später vom Körper.

scinexx

Ende Mai haben Archäologen bei Ausgrabungen in Pompeji einen spannenden Fund gemacht: In einem Grabungsgebiet nördlich der bereits bekannten Stadtteile des antiken Ortes stießen sie auf das Skelett eines toten Mannes, dessen Brustkorb und Kopf unter einem einen Meter großen Steinblock vergraben lagen. Die Archäologen nahmen an, dass dieser Block vom Glutstrom der Vesuv-Eruption mitgerissen wurde und dann den flüchtenden Mann erschlug. Den zertrümmerten Oberkörper und Schädel des Toten vermuteten sie noch unter dem Steinblock.

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„Weihrauch ist keine Droge“

© Bild: KNA
Der Theologe Michael Pfeifer ist Weihrauch-Experte. Ihn freut, dass es in der Liturgie eine Renaissance des Räucherwerks gibt – und zwar nicht unbedingt in der Messe. Denn Weihrauch stehe gar nicht für Feierlichkeit, sagt er im Interview.

Agathe Lukassek | katholisch.de

Schon seit seiner Zeit als Ministrant ist Michael Pfeifer fasziniert vom Weihrauch. Später schrieb er seine Doktorarbeit und ein Buch über den Stoff. Gegenüber katholisch.de verriet er, warum er Feuer fing und was einen guten Weihrauch ausmacht.

Frage: Herr Pfeifer, was fasziniert Sie seit Jahrzehnten an dem Thema Weihrauch?

Pfeifer: Ich habe die klassische Karriere eines langjährigen Ministranten durchlaufen, der mit dem Weihrauch umzugehen hat. Nachdem unser Pfarrer gestorben war und der Weihrauch zur Neige ging, haben wir im Kreis der Ministranten ein „Weihrauchseminar“ veranstaltet. Wir haben verschiedene Sorten ausprobiert, um die beste Qualität für unsere Gemeinde bestellen zu können. Da ich derjenige war, der Theologie studieren wollte, habe ich mir den biblisch-liturgischen Hintergrund angelesen. Mein Oberministranten-Kollege übernahm den medizinisch-chemischen Teil. So kam ich 1986 zu dem Thema und fing sozusagen Feuer. Schließlich habe ich auch meine Diplomarbeit über den Weihrauch geschrieben und sie 1997 zu einem ersten Buch verarbeitet.

Ermittler der NSU-Morde: „Ich hab’s nicht glauben können“

tagesschau.de
Nach fünf Jahren endet am Mittwoch der NSU-Prozess. Zuvor hatte es elf Jahre gedauert, bis die rechte Terrorzelle entdeckt wurde. „Die ermittlerische Phantasie hat damals nicht gereicht“, sagt ein Ermittler.

Von Holger Schmidt | tagesschau.de

Die Ermittlungen im Fall „NSU“ begannen mit einem gescheiterten Banküberfall. Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten am Morgen des 4. November 2011 eine Sparkasse in Eisenach überfallen und flüchteten mit einem Wohnmobil. Als die Polizei sie kurz darauf kontrollieren wollte, zündeten sie das Wohnmobil an und erschossen sich.

Vom Bankraub zum Polizistenmord

Beim Durchsuchen des Wohnmobils fanden die Beamten nicht nur die Leichen der beiden Männer, sondern auch ein umfangreiches Waffenarsenal, erinnert sich Einsatzleiter Michael Menzel: „Da war eigentlich schon klar, dass das wahrscheinlich Täter sind, die nicht nur diesen einen Bankraub verübt haben.“ Dennoch sei das Erstaunen groß gewesen, als die Ermittler in der Nacht die Waffe P2000 gefunden hatten, denn: „Wir haben den Treffer bekommen, dass das die Waffe von unserer verstorbenen Kollegin Kiesewetter ist.“

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Teils hunderte Kilometer: Elektrische Felder lassen Spinnen fliegen

Das Phänomen fliegender Spinnen ist seit Langem bekannt. (Foto: Michael Hutchinson/dpa)
Sie haben keine Flügel, fliegen aber trotzdem: Einige Spinnen lassen sich an Fäden baumelnd über weite Strecken durch die Luft tragen. Der Wind ist dabei wohl nicht das einzige Transportmittel.

n-tv.de

Einige Spinnen können elektrische Felder in der Luft wahrnehmen und sich mit ihrer Hilfe transportieren lassen. Sie spüren die Elektrizität mit winzigen Haaren an ihrem Körper, berichten Forscher der University of Bristol im Fachblatt „Current Biology“. „Wir wissen nicht, ob elektrische Felder nötig sind, um das ‚Luftschiffen‘ der Spinnen zu erlauben“, erläutert Erica Morley. „Wir wissen aber, dass sie dazu ausreichen.“

Das Phänomen fliegender Spinnen ist seit Langem bekannt. Die Tiere klettern dazu auf eine Anhöhe, etwa eine Blüte, stellen sich auf die Zehenspitzen und recken ihren Hinterleib in die Höhe. Dann bilden sie mehrere Seidenfäden, die sie auffächern, und werden schließlich an ihnen baumelnd in die Luft gehoben. Sie können auf diese Weise hunderte Kilometer überwinden.

Im Altweibersommer fallen häufig die Netze der Baldachinspinnen (Linyphiidae) auf, die sie meist in Bodennähe auf Wiesen spinnen. Die Fäden, an denen sie durch die Luft segeln, sollen einer Erklärung zufolge an die Haare alter Frauen erinnern – daher womöglich der Name Altweibersommer.

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Offizieller Plan: Das machen die Schotten, sollten sie das Loch-Ness-Ungeheuer fangen

Sagenumwobenes Gewässer: Loch Ness im schottischen Hochland © Yui Mok/ Picture Alliance
Seit Jahrzehnten ranken sich die Mythen um das Ungeheuer von Loch Ness. Auch in diesem Jahr machten sich wieder Forscher auf, um Proben aus dem Gewässer zu nehmen. Und wer hätte es gedacht: Die Schotten haben tatsächlich einen offiziellen Plan, sollten sie das Monster jemals finden.

stern.de

Es ist eines der sagenumwobensten Gewässer der Welt: Loch Ness im schottischen Hochland. Seit Jahrhunderten munkelt man, dass der Süßwassersee ein riesiges Ungeheuer beherbergen soll – von den Einheimischen liebevoll „Nessie“ getauft.

Was nur wenige wissen: Tatsächlich gibt es einen offiziellen Plan zum Vorgehen, sollte die Existenz des Loch Ness Monsters jemals bestätigt werden. Bereits im Jahre 2001 entwarf die „Scottish Natural Heritage“ (kurz: SNH), eine staatlich geförderte Behörde, ein Papier, in dem die einzelnen Schritte niedergeschrieben sind. Der Plan sei „halb lustig, halb ernst“ gemeint, sagte man damals.

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Alexander Gauland – Dodo des Monats Juni 2018

Dodo des Monats Juni 2018 ©HFR

Der hetzende Polit-Opa Alexander Gauland hat sich gegenüber Jens Spahn durchsetzen können, auch wenn die ersten Tage Spahn wie einen Sieger aussehen lassen haben.

Um es vornweg zu nehmen. Gauland ist wie die meisten Mitlieder seiner Partei ein Kind der CDU, dort konnte er seine national-populistischen Attitüden pflegen und entwickeln. In ähnlicher Art und Weise wie Sozialdemokrat Sarrazin. Verbiesterte alte Männer, die einem mytholgischen Freiheitsbegriff anhängen, der scheinbar in der Moderne abhanden gekommen ist. Kerndeutsche Tugenden sind aber Gaulands Sache nicht. Unbezahlte Parkknöllchen führten zur Androhung des Führerscheinentzugs in Potsdam, schlampig oder aber viel geschworener Widerstand gegen das System. Egal, Gauland ist pragmatisch genug um auch einen Meineid zu leisten, wenn es der eigenen Sache dient, siehe die Affäre Gauland in Hessen.

Der Sachse Gauland offenbart hinsichtlich deutscher Geschichte einen lockeren Umgang mit derselben. Unkenntnis ist es nicht, gezielte Provokation schon eher, die Schnappatmung deutscher Politik ist ihm gewiss.

Der Partei- und Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag hatte beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative im thüringischen Seebach gesagt:

„Wir haben eine ruhmreiche Geschichte, daran hat vorhin Björn Höcke erinnert. Und die, liebe Freunde, dauerte länger als die verdammten zwölf Jahre. Und nur, wenn wir uns zu dieser Geschichte bekennen, haben wir die Kraft, die Zukunft zu gestalten. Ja, wir bekennen uns zu unserer Verantwortung für die zwölf Jahre. Aber, liebe Freunde, Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“ Alexander Gauland, ebenda.

Unterstellt man dem deutsch-nationalen Gauland Deutschland als Nationalstaat gemeint zu haben hat er schlicht und ergreifend Blödsinn von sich gegeben. Die Reichsgründung erfolgte 1871, bis dahin war deutsches Land provinziell. Die 1000 Jahre deutscher Geschichte beinhalten die Schweiz, selbst die Niederlande, von denen hat Gauland sicherlich nicht geredet. Erst im 19. Jahrhundert schied Österreich aus der Phalanx „deutscher“ Staaten aus, nach der Niederlage bei Königsgrätz. Der kurze Abriss deutscher Geschichte muss genügen. Die 12 Jahre nationalsozialistischer Herrschaft nicht. Die waren alles andere als ein Vogelschiss und man muss sich fragen welcher Vogel mittels Darmentleerung Gauland da wohl getroffen hat. Der Vogelschiss, welcher in Gaulands Gehirn eingeschlagen sein muss war tief braun. Und so verwundert es nicht, wenn Gauland, nach Hosendiebstahl, in leicht braunen Schwimmschlüpfern, unter polizeilicher Begleitung, die Straße entlang schlurft, so gesehen am Heiligen See in Potsdam. Die Enttäuschung war groß, ich hatte mir zumindest Buggsn mit Dackelmuster vorgestellt. Der Skandal war nicht die Abbildung Gaulands in seinen Badehosen, der Skandal ist die Relativierung deutscher Verantwortung in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Opfer sind egal, sie dienen nicht dem Zweck den Gauland verfolgt. Nationalismus, Revisionismus und eine gehörige Portion Chauvinismus lassen Gauland und die AfD deutsche Politik vor sich hertreiben.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

Asyldebatte: Die Konferenz, auf der die Welt die Juden verriet

Auch der englische Delegierte Lord Winterton wollte in Évian keine Zugeständnisse machen Quelle: ullstein bild – Heinrich Hoffman
Im Juli 1938 berieten 32 Staaten in Évian, ob man mehr Juden aus Hitlerdeutschland aufnehmen solle. Das Scheitern des Treffens wird in der aktuellen Asyldebatte gern zitiert. Mit falschen Schlüssen.

Von Sven Felix Kellerhoff | DIE WELT

Es gibt nicht viele Plätze in Europa, die eleganter sind als das „Hotel Royal“ in Évian: Majestätisch thront das 1909 eröffnete Grandhotel über dem Südufer des Genfer Sees, mit Blick auf einen mondänen Kurort und die Gipfel des schweizerischen Jura im Norden.

Ausgerechnet in dieser makellos heilen Welt kamen Anfang Juli 1938 auf Initiative von US-Präsident Franklin D. Roosevelt Vertreter von 32 Staaten und rund zwei Dutzend Hilfsorganisationen zusammen, um das damals drängendste humanitäre Problem zu beraten: Wie umgehen mit den deutschen und österreichischen Juden, die im nun „Großdeutschen Reich“ verfolgt wurden?

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Wer wird was im Termitenstaat?

Am IST Austria in Klosterneuburg habe ich viele Freiheiten, meine Forschungsrichtung zu entwickeln“, sagt die Evolutionsbiologin Ann Kathrin Huylmans. Derzeit arbeitet sie in einem FWF-Projekt an der Geschlechtsbestimmung von Termiten. – (c) Clemens Fabry
Weibliche und männliche Lebewesen haben dasselbe Erbgut. Welche Faktoren das Geschlecht bestimmen, erforscht Evolutionsbiologin Ann Kathrin Huylmans an Termiten.

Von Uschi Sorz | Die Presse.com

Wenn man beginnt, die ungeheure Vielschichtigkeit der Natur besser zu verstehen, sieht man die Welt mit anderen Augen“, sagt Ann Kathrin Huylmans. „Das ist das wirklich Spannende an meinem Fach.“ Seit zweieinhalb Jahren beschäftigt sich die Evolutionsbiologin aus Paderborn am Klosterneuburger Institute of Science and Technology (IST Austria) mit der Biologie von Geschlechtschromosomen und den für die Ausbildung spezieller Eigenschaften verantwortlichen Evolutionsprozessen. Als die Forscherin Beatriz Vicoso von Berkeley ans IST Austria kam, um dort eine Arbeitsgruppe aufzurichten, bewarb sie sich gleich um eine Postdoc-Stelle bei ihr. „Ich bin stolz, dass ich genommen wurde. Sie ist eine Koryphäe auf meinem Forschungsgebiet.“

Zuvor studierte die 31-Jährige in Münster Biologie und machte in München ihr Doktorat. „Am Anfang hat mir das hohe Lernpensum zugesetzt“, erinnert sie sich. „Aber als ich endlich bei echten Forschungsprojekten mitmachen durfte, wusste ich, dass das genau das Richtige für mich ist.“ Zunächst liebäugelte sie mit Meeres- und Neurobiologie und kam fast ein wenig zufällig zu ihrem heutigen Schwerpunkt. „Mir machten die Evolutionsbiologie- und Bioinformatikkurse so großen Spaß, ich konnte gar nicht verstehen, dass das vielen Studienkollegen nicht so lag. Also dachte ich, das könnte vielleicht meine Nische sein.“ Sie ergriff die Initiative und fragte einen Bioinformatikprofessor, ob sie bei ihm Programmieren lernen dürfe. „Bei ihm habe ich dann meine Bachelor- und Masterarbeit geschrieben, und wir kollaborieren bis heute.“

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Warum in Westeuropa der Hass auf Juden immer wieder aufflammt

Judensau an der Stadtkirche Wittenberg. Bild: wikimpedia.org/CC-BY-SA 4.0 – Posi66
Ob Deutschland oder Frankreich – immer wieder begehen muslimische Einwanderer Straftaten gegenüber Juden. Doch Migration allein kann nicht erklären, wieso Antisemitismus in Westeuropa in Wellen auftaucht.

Andreas Ernst, Haluka Maier-Borst | Neue Zürcher Zeitung

Das deutschsprachige Feuilleton weiss es schon lange: Mit den Asylsuchenden aus Nahost und Nordafrika hat sich Europa einen neuen militanten Antisemitismus «importiert». Auch angesehene Politiker wie der deutsche Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble warnen vor «mehr Judenhass durch Migration». Und die brutalen Übergriffe auf Juden in Deutschland oder Frankreich durch muslimische Migranten scheinen den Zusammenhang zu bestätigen: Der Antisemitismus in Europa ist wieder auf dem Vormarsch und wird vor allem von Einwanderern getragen. Die Debatte ist emotional und beruht kaum je auf überprüfbaren Daten.

Doch es gibt sie. Die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft beauftragte David Feldman vom Pears Institute for the Study of Antisemitism an der Birkbeck Universität in London, dem möglichen Zusammenhang zwischen Antisemitismus und Migration nachzugehen. Feldman und seine Forschergruppe konzentrierten sich dabei auf Deutschland, Frankreich, Belgien, die Niederlande und Grossbritannien.

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Treibstoff fast alle: Weltraumteleskop Kepler erst einmal stillgelegt

(Bild: NASA)
Dem Weltraumteleskop Kepler geht der Treibstoff aus. Vor dem Ende sollen noch einmal Daten zur Erde geschickt werden. Erst einmal wurde es aber abgeschaltet.

Martin Holland | heise online

Wie erwartet geht der Treibstoff des Weltraumteleskops zur Neige und nun will die NASA sicherstellen, dass davor noch einmal wertvolle Daten zur Erde geschickt werden. Wie die US-Weltraumagentur mitteilte, wurde die Sonde diese Woche vorsorglich in einen Ruhemodus versetzt, in dem sie keinen Treibstoff verbraucht. Nach den nötigen Vorbereitungen soll sie Anfang August wieder aufgeweckt werden und jene Daten zur Erde schicken, die sie in ihrer 18. Beobachtungsmission gesammelt hat. Mit dem bisschen Treibstoff, der ihr dann bleibt, soll sie danach trotzdem noch eine weitere Beobachtungsmission beginnen: Die Ingenieure wollen bis zur allerletzten Möglichkeit nach Exoplaneten fahnden.

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