„Jane Roe“ gestorben – die Frau hinter dem US-Abtreibungsrecht

(c) REUTERS (SHAUN HEASLEY)
(c) REUTERS (SHAUN HEASLEY)
Die 69-Jährige erstritt einst das Abtreibungsrecht, später bezeichnete sie die von ihre erkämpfte Legalisierung als größten Fehler ihres Lebens.

Die Presse.com

Die Amerikanerin Norma McCorvey, die unter dem Pseudonym Jane Roe den Frauen in den USA vor Gericht das Abtreibungsrecht erstritt, ist im Alter von 69 Jahren gestorben. Das bestätigte der Journalist Joshua Prager, der an einem Buch über den Fall arbeitet, der dpa in einer E-Mail. Demnach starb McCorvey am Samstag in Katy (Texas) an Herzversagen.

Sie war 22 Jahre alt, arm und unverheiratet, als sie schwanger wurde und ein texanisches Gesetz anfocht, das Abtreibungen als verfassungswidrig verbot – es sei denn, das Leben der Mutter wäre gefährdet. Ähnliche Gesetze gab es damals fast überall in den USA. Zum Schutz ihrer Identität wurde sie zu „Jane Roe“, der Rechtsfall als „Roe v. Wade“ bekannt. Später enthüllte sie aber selber ihre Identität.

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US-Regierung und Vatikan: Duett im Dunkeln

 Frisch ernannte Kardinäle während eines Festakts im Vatikan © Vatican Pool/Getty Images
Frisch ernannte Kardinäle während eines Festakts im Vatikan © Vatican Pool/Getty Images
Die Trump-Regierung will die Welt wieder christlicher machen. Dafür sucht Chefberater Stephen Bannon den Schulterschluss mit konservativen Kräften im Vatikan. Die haben ihre eigene Agenda: Papst Franziskus schwächen und das Rad der Zeit zurückdrehen.

Von Julius Müller-Meiningen | ZEIT ONLINE

Am 27. Juni 2014 war Donald Trump noch ein halbseidener New Yorker Milliardär und Stephen Bannon trug noch keine Jacketts. Der Chef der ultrarechten amerikanischen Nachrichtenseite Breitbart News saß an diesem Tag vor seinem Computer in einem Hotel in Los Angeles. Bannon war per Skype mit dem Vatikan verbunden. Dort, in einem prächtigen Renaissance-Palazzo mitten in den Vatikanischen Gärten, im Sitz der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, warteten ein paar Dutzend Zuhörer. 50 Minuten lang skizzierte Bannon seine ganz persönliche Apokalypse in einem düsteren Videotelefonat.

Am gleichen Tag beging Raymond Leo Kardinal Burke das sechste Jubiläum seiner Nominierung als Präfekt der Apostolischen Signatur, des höchsten Vatikangerichts. Burke spürte damals, im Frühsommer 2014, wie ihm langsam der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Papst Franziskus hatte den erzkonservativen Kardinal im Vorjahr bereits aus zwei Kongregationen abberufen, ein paar Monate später sollte er vom Papst auch als Chef des obersten Vatikangerichts abgesetzt und zum Malteserorden abgeschoben werden – als dessen Kardinalpatron. Burke war schon damals Franziskus’ schärfster innerkirchlicher Kritiker.

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Die Suche nach dem Sinn des Kitzelns – Hihihihihihi

 Wahrscheinlich fällt dieser Affe vor Lachen bald vom Ast. Trotzdem scheint er das Kitzeln zu genießen. (Foto: Science Source/Getty Images)
Wahrscheinlich fällt dieser Affe vor Lachen bald vom Ast. Trotzdem scheint er das Kitzeln zu genießen. (Foto: Science Source/Getty Images)
Kitzeln ist schön und schrecklich zugleich. Das gilt nicht nur für den Menschen, sondern auch im Tierreich. Die Frage ist nur: Warum hat die Natur diese Spielerei überhaupt erfunden?

Von Tina Baier | Süddeutsche.de

Wenn Schimpansen gekitzelt werden, lachen sie wie Ernie aus der Sesamstraße. Gorillas reagieren mit Gezirpe, das fast so klingt wie Vogelgezwitscher. Bonobos keckern, und Orang-Utans grunzen. Dass nicht nur Menschen kitzlig sind, sondern auch Tiere, hat schon Charles Darwin, der Begründer der Evolutionstheorie, beobachtet. Doch bis heute ist Wissenschaftlern das merkwürdige Verhalten von Kitzelopfern – egal ob Mensch oder Tier – weitgehend unerklärlich.

Was soll das unkontrollierte Gelächter, bei dem sämtliche Körpermuskeln wackeln und ihre Spannung verlieren? Warum ist Kitzeln schön und schrecklich zugleich? Seltsamerweise machen Gekitzelte nämlich während sie lachen heftige Abwehrbewegungen und haben oft einen gequälten Gesichtsausdruck. Und warum funktioniert Kitzeln nur, wenn alle Beteiligten gute Laune haben? „The mind must be in a pleasurable condition“, schrieb Darwin in seinem 1872 veröffentlichten Buch „Der Ausdruck der Gemütsbewegungen beim Menschen und den Tieren„.

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Umweltministerin verbietet Fleisch und Fisch für ihre Gäste

Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)
Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)
Das Ministerium von Barbara Hendricks serviert seinen Gästen seit Februar nur noch vegetarische Speisen. Die Behörde müsse schließlich Vorbild sein. Ernährungsminister Schmidt kritisiert die Regelung.

DIE WELT

Nicht Fisch, nicht Fleisch: Gäste des Bundesumweltministeriums (BMUB) werden auf Anweisung von Ministerin Barbara Hendricks (SPD) seit Anfang Februar nur noch vegetarisch verköstigt. Das berichtet die „Bild“-Zeitung.

Demnach erhielten die Abteilungsleiter per E-Mail eine entsprechende Aufforderung. „Dienstleister/Caterer, die Veranstaltungen des BMUB beliefern, … verwenden weder Fisch oder Fischprodukte noch Fleisch oder aus Fleisch hergestellte Produkte“, zitierte die Zeitung.

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‚Raid Alerts‘ Wants to Warn Undocumented Immigrants With an App

Image: Celso Mireles
Image: Celso Mireles
Like many of the over 11 million undocumented immigrants living in the United States, 27-year-old developer Celso Mireles spent much of his life haunted by the specter of surprise deportations of the kind that we saw across the country this week. Although he’s recently documented, Mireles came to the country as a child with two undocumented parents and then spent over 25 years undocumented while seeing friends and community members deported.

By Patrick Howell O’Neill | MOTHERBOARD

Now Mireles is building a new app aiming to provide crowdsourced and verified warnings about immigration raids so undocumented individuals can be alerted and avoid them. News of the app comes in the wake of new Homeland Security immigration raids totalling more than 680 arrests. The app has been in the works since the Obama administration was busy deporting more people than any president in history, but the recent raids motivated its developer to pick it up again.

The open source project, known as redadalertas (Raid Alerts), needs to solve a range issues if it wants to do more good than harm, but it’s also gaining a lot of support. New volunteers have come in from GitHub and email lists to build an active resistance to Trump’s anti-immigrant actions.

„The process is to crowdsource information [on raids] and verify it,“ Mireles said. „If someone reports a raid, there has to be multiple verifications. Organizers from the immigrant community want to defend against trolls. Then the system will know and send a message to everyone in 10 to 20 mile radius.“

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Pakistan: Das Leugnen wird weitergehen – auch in Europa

Die Anhänger des Sufismus sind den Wahhabis zu kauzig, zu lustig und zu tolerant. Bild: heise.de/TP
Die Anhänger des Sufismus sind den Wahhabis zu kauzig, zu lustig und zu tolerant. Bild: heise.de/TP
In Pakistan kamen bei einem Selbstmordanschlag wieder mehr als 80 Menschen ums Leben, darunter 20 Kinder – Gilbert Kolonko sieht die eigentliche Verantwortung dafür bei Politikern und Generälen

Von Gilbert Kolonko | TELEPOLIS

Vor drei Monaten traf es den Sufischrein von Bilawal Shah Norani, auch dort wartete der Attentäter bis das sufistische Dharmal Ritual begann, und riss dann 52 Menschen mit in den Tod. Davor waren es Anwälte in Quetta. Anfang der Woche eine Demonstration im Herzen von Lahore. Und nun den berühmtesten Schrein Pakistans, den des roten Sufis in Lal Shahbaz Qalandar in der südlichen Region Sindh. Jedes Jahr ist er das Pilgerziel von Millionen Pakistanern. Sie zeigen damit auch, dass es weiterhin der tolerante Sufismus ist, der die meisten Muslime Pakistans prägt.

Premiere Minister Nawaz Sharif, der gerade wegen der Panama-Offshore Konten vor Gericht steht, und die pakistanischen Generäle gaben sofort die üblichen Kondolenz Sätze von sich, dazu, dass man alles tun werde, um den Terror zu besiegen. Bei einer ausgerufenen Fahndung wurden landesweit 25 „Verdächtige“ erschossen.

Die Brutstätten des Terrors in Pakistan und die Umstände die ihnen immer wieder Rekruten zutreiben, sind jedoch weiterhin unangetastet: Die kostenlosen Religionsschulen und die materielle Armut eines großen Teil der Bevölkerung – dazu das staatliche Versagen auch den Ärmsten eine anständige kostenlose Schulbildung zu ermöglichen.

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Der Umbau von Deutschland

Federführend am Leitfaden: Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz / picture alliance
Federführend am Leitfaden: Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz / picture alliance
Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat zum Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft einen Leitfaden veröffentlicht. Darin steht, wie sich die Linke offenbar die Zukunft vorstellt: Deutschland soll zu einer transformatorischen Siedlungsregion in der Mitte Europas werden

Von Alexander Grau | Cicero

„Niemand ist neutral“, so steht es in dem „Leitbild und Agenda für die Einwanderungsgesellschaft“ genannten Opus, das die Friedrich-Ebert-Stiftung diese Woche vorgelegt hat. Nehmen wir es vorweg: Zumindest dieser Satz ist wahr.

Denn was die Autoren unter dem Vorsitz von Aydan Özoguz, Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, zusammengeschrieben haben, ist ein besonders aufschlussreiches Kompendium dessen, wie sich die politische Linke die Zukunft vorstellt. Um es vorwegzunehmen: Man will Deutschland umbauen und zwar gründlich.

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Warum die Arbeiterschaft in Scharen den Populisten ins Netz geht

foto: apa / epa / julien warnand Szene von einer Parteiversammlung des französischen Front National: Auf dem rechten Arm prangt Che Guevara, auf der Brust die – nicht zwangsläufig diplomatisch gemeinte – erste Zeile der Nationalhymne: Wie konnte das passieren?
foto: apa / epa / julien warnand Szene von einer Parteiversammlung des französischen Front National: Auf dem rechten Arm prangt Che Guevara, auf der Brust die – nicht zwangsläufig diplomatisch gemeinte – erste Zeile der Nationalhymne: Wie konnte das passieren?
Die Sozialdemokratie hat eine große Mitschuld am Aufstieg der Rechten, sagte der französische Starsoziologe Didier Eribon

Von Philipp Bauer, Christoph Winder | derStandard.at

Didier Eribon ist ein vielbeschäftigter Mann. Er wird von Veranstaltung zu Veranstaltung gereicht, er liest in Paris, Berlin, Buenos Aires oder, wie vergangene Woche, erstmals auch in Wien, wo er im Bruno-Kreisky-Forum vor einem bis zum Bersten gefüllten Auditorium referierte.

Den durchgetakteten Stundenplan verdankt der 1953 geborene, an der Universität Amiens lehrende französische Soziologe einem einzigen Buch. Sein 2009 erschienener Erinnerungsband „Retour à Reims“ wurde in Frankreich schlagartig zu einem Politklassiker, dessen Ruf sich inzwischen weit über die französischen Grenzen hinaus verbreitet hat.

Die im vergangenen Jahr bei Suhrkamp erschienene deutsche Übersetzung („Rückkehr nach Reims“) geriet ebenfalls zu einem kleinen Sensationsbestseller; für die Zeitschrift „Spex“ war es das sechstwichtigste Buch des Jahres 2016, weit vor den jüngsten Werken solcher Schwergewichte wie Ian McEwan, Elena Ferrante oder Jonathan Franzen. „Es ist eine Geschichte“, sagt der introvertiert-freundliche Eribon im Gespräch mit dem STANDARD, „in der sich viele wiedererkennen.“

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NSU-Aufklärung: BfV-Präsidenten als Scheinriesen

Grafik: TP
Grafik: TP
Im Bundestagsuntersuchungsausschuss erlebt man Geheimdienstchefs ohne Wissen und Führungskraft – Soll das vielleicht sogar so sein?

Von Thomas Moser | TELEPOLIS

Ganz oben und ziemlich unten. – Zwei Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) sowie ein V-Mann standen auf der Zeugenliste des NSU-Bundestagsausschusses bei der jüngsten Sitzung. Während Hans-Georg Maaßen und sein Vorgänger Heinz Fromm in öffentlicher Sitzung befragt wurden und sich dabei als Figuren ohne wirkliche Macht präsentierten, konnte man sich von ihrem früheren Zuträger Michael See alias „Tarif“ keine eigenes Bild machen. Seine Vernehmung lief hinter verschlossenen Türen ab.

Immerhin war es eine Premiere: See ist der erste V-Mann überhaupt, den dieser Ausschuss vorgeladen hat. In den U-Ausschüssen von Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen dagegen sind mehrere V-Leute vernommen worden.

Michael See stand von 1994/1995 bis 2001 in Diensten des BfV. Er bewegte sich in der rechtsextremen Szene Thüringens und hatte Kontakt zum Thüringer Heimatschutz (THS). Unter Kontrolle des BfV gab er das Neonazi-Magazin „Sonnenbanner“ heraus. Ob er das Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos, Beate Zschäpe persönlich kannte, ist unklar.

Von Bedeutung, aber umstritten, ist folgender Vorgang: Nach dem Untertauchen des Trios will See von dem Jenaer THS-Aktivisten André Kapke gefragt worden sein, ob er die drei verstecken könne. Das will er seinem V-Mann-Führer mitgeteilt haben, der ihn davon abgehalten haben soll. Das BfV bestreitet das. Kapke selber sagte vor dem Oberlandesgericht in München als Zeuge im Zschäpe-Prozess, er kenne See gar nicht.

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Forscher wollen Mammut schon bald aufleben lassen

 Wenn es nach dem Wunsch einiger Wissenschaftler geht, soll das Wollhaarmammut schon bald zu neuem Leben erweckt werden (Symbolfoto) © Picture Alliance
Wenn es nach dem Wunsch einiger Wissenschaftler geht, soll das Wollhaarmammut schon bald zu neuem Leben erweckt werden (Symbolfoto) © Picture Alliance
Schon in zwei Jahren könnte es soweit sein: Der haarige, ausgestorbene Vorfahre der Elefanten, dass Wollhaarmammut, könnte auf die Erde zurückkehren. Möglich wird dies, durch eine Revolution in der Gentechnik.

Von Alexander Mayer-Thoene | stern.de

Vor 4000 Jahren verschwand das letzte Wollhaarmammut vom Angesicht der Erde. Heute geht man davon aus, dass die haarigen Vertreter der Elefanten-Familie mit den markanten Stoßzähnen einer Kombination aus Klimaveränderungen sowie der verstärkten Jagd durch Menschen zum Opfer fielen. Doch nun sieht es tatsächlich danach aus, als ob das Wollhaarmammut wiedergeboren werden könnte. Zweifelsfrei wäre dies eine wissenschaftliche Sensation – und auch ein Meilenstein in der Menschheitsgeschichte. Schließlich hat nie zuvor eine Spezies eine andere wieder zum Leben erweckt.

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Vatikan bot Juden im Nationalsozialismus Schutz – später dann Nazis

Blick auf Castel Gandolfo am Lago Albano mit der Sommerresidenz des Papstes in der italienischen Provinz Latium. (picture alliance / dpa / Udo Bernhart)
Blick auf Castel Gandolfo am Lago Albano mit der Sommerresidenz des Papstes in der italienischen Provinz Latium. (picture alliance / dpa / Udo Bernhart)
Der Vatikan hat Zahlen zur Rettung jüdischer Bürger in der Zeit des Nationalsozialismus genannt.

Deutschlandfunk

Der Archivar des vatikanischen Staatssekretariats, Ickx, teilte auf einer Tagung in Rom mit, allein in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo hätten 3.000 Menschen Unterschlupf gefunden. 5.000 weitere seien in Klöstern versteckt worden, fast 1.500 in katholischen Privathäusern. Auch im Vatikan selbst seien Juden untergekommen. Die Zahlen gingen aus den Akten des vatikanischen Archivs hervor.

Pannenserie in Fukushima: Erkundungsroboter in Reaktor 2 blieb stecken

Roboter Sasori (Skorpion). Bild: Tepco
Roboter Sasori (Skorpion). Bild: Tepco
Der Roboter konnte nicht mehr geborgen werden, mit einem anderen Roboter soll im März Reaktor 1 erkundet werden, wo es auch eine Kernschmelze gab

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Eigentlich ist Japan ein Land, das führend in der Robotertechnik ist. Der Staat unterstützt die Entwicklung massiv, zumal Roboter in der noch weitgehend abgeschlossenen und sich gegen Zuwanderung sträubenden vergreisenden Gesellschaft Arbeiten in der Dienstleistungsbranche wie bei der Kranken-und Altenpflege ausführen sollen, für die ohne Einwanderung Personal fehlt (Obergrenze: Japan nimmt bis 2021 höchstens 300 syrische Flüchtlinge auf). Allerdings ist der Einsatz von Robotern im havarierten AKW Fukushima schleppend und von Pannen begleitet.

Am 30. Januar waren nicht mittels eines Roboters, sondern mit einer an einer Teleskopstange befestigen Kamera erste Aufnahmen aus dem Inneren des Sicherheitsbehälters von Reaktor 2 gemacht worden, wo sich wie in Reaktor 1 und 3 eine Kernschmelze ereignet hat. Festgestellt wurde dabei erstmals nach 6 Jahren, dass das radioaktive Material aus dem Druckbehälter durchgebrochen ist, vermutlich ein Loch in dem darunter befindliche Gitter für Wartungsarbeiten durchgefressen hat und auf den Boden des Sicherheitsbehälters gefallen ist.

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Lan-Party für die Wissenschaft: Aktivisten sichern Klimadaten vor Trump

Die amerikanische Weltraumorganisation Nasa forscht auch zu Klimaphänomenen wie El Niño. Foto: dpa
Die amerikanische Weltraumorganisation Nasa forscht auch zu Klimaphänomenen wie El Niño. Foto: dpa
Alles sichern, bevor es verschwindet. Das war bis jetzt die Maxime der Studenten, Hacker und Wissenschaftler, die in den letzten Wochen Klimadaten von US-Regierungsseiten gespeichert haben. Ihr nächstes Ziel: Sie wollen vorgenommene Änderungen analysieren und ihr Netzwerk dezentraler ausbreiten.

Von Hanna Gieffers | Greenpeace Magazin

Renee Bell wird seinen Samstag vor dem Laptop verbringen. Zusammen mit 260 anderen Studenten und Mitarbeitern des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. Der Mathematikstudent und seine Mitstreiter werden Webseiten speichern, deren Änderungen verfolgen, Leitfäden schreiben. „Viele Wissenschaftler, die vorher nichts mit Umweltfragen zu tun hatten, engagieren sich plötzlich“, sagt Bell. „Auch mir war die Sache zu wichtig ist, um nichts zu tun.“

Was wie eine riesige Lan-Party aussehen wird, ist ein Kampf gegen das Vergessen – und das Löschen von wissenschaftlichen Daten. Allein dieses Wochenende finden in vier US-Städten solche Treffen statt. Dahinter stecken die Organisation „Environmental Data & Governance Initiative“ ( EDGI) und die Plattform „DataRefuge“. Sie helfen, die Ereignisse zu strukturieren und stellen lokalen Aktivisten Software zur Verfügung. Ziel ist es, ein umfassendes Archiv aller Umwelt- und Klimadaten der staatlichen Internetseiten aufzubauen. Neuerdings nutzen die Aktivisten auch Programme, mit denen sie Änderungen auf Webseiten nachvollziehen können. Außerdem wollen sie Leute darin schulen, von überall aus Internetseiten zu durchsuchen, auch wenn das oft eine mühevolle Sisyphusarbeit ist.

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Despite Trump’s indifference, the two-state solution isn’t dead… yet

PM Netanyahu and US President Donald Trump at the White House, February 15, 2017 (Avi Ohayun/GPO)
PM Netanyahu and US President Donald Trump at the White House, February 15, 2017 (Avi Ohayun/GPO)
Netanyahu won’t say the words, and Abbas won’t come to the talks, but it’s still the two-state deal, and no other, that they’re not doing

By Raphael Ahren | The Times of Israel

Theodor Herzl, the founding father of political Zionism, famously said of a revived Jewish homeland, “If you will it, it is no dream.”

Nearly 70 years after Herzl’s vision became a reality with the founding of the State of Israel, Donald Trump on Wednesday said that, if you will it, the Jewish state can be turned into a binational Jewish-Arab state. Whatever you guys want.

“I’m looking at two-state and one-state, and I like the one that both parties like,” the American president said at a press conference in the White House, as Prime Minister Benjamin Netanyahu stood alongside him, chuckling. “I can live with either one.”

Delivered in a remarkably nonchalant manner, Trump’s was a dramatic statement that appeared to upend decades of US foreign policy. In Israel, right-wingers cheered and left-wingers lamented what sounded like a death knell for the two-state solution.

But the truth is that while Palestinian aspirations for an independent state took a hit on Wednesday, it isn’t time to bury the two-state solution just yet. It may have been deep-frozen. But if and when the current circumstances change, it can be resuscitated, at Israeli and Palestinian discretion. It’s diplomatic cryonics, Middle East-style.

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Warum Schlangenbisse immer noch tödlich enden

Die Greifschwanz-Lanzenotter beißt ohne Warnung zu. Das getroffene Gewebe stirbt ab, Gliedmaßen müssen amputiert werden. Foto: imago/Nature Picture Library
Die Greifschwanz-Lanzenotter beißt ohne Warnung zu. Das getroffene Gewebe stirbt ab, Gliedmaßen müssen amputiert werden. Foto: imago/Nature Picture Library
Millionen Menschen kämpfen jährlich mit den schweren Folgen eines Schlangenbisses. Oft fehlt das Gegengift, weil sich für Pharmafirmen die Produktion nicht lohnt.

Von Nicole Simon | Potsdamer Neueste Nachrichten

Wenn der Regen kommt, ist es besonders schlimm. Mit den Wolkengüssen kriecht eine tödliche Gefahr hervor. Der Regen drängt Kobras, Vipern und Mambas aus ihren Verstecken. Jedes Jahr werden rund fünf Millionen Menschen von Schlangen gebissen, rund 100 000 von ihnen sterben. Mehr als dreimal so viele verlieren Gliedmaßen, werden entstellt oder entwickeln andere schwere Behinderungen.

Die meisten Opfer leben in Afrika und Südostasien. Es sind Menschen in ländlichen Gebieten und mittellose Kleinbauern, die ihre Felder noch mit einfachsten Mitteln bewirtschaften. Wer den ganzen Tag mit bloßen Händen Unkraut jätet, mit nackten Füßen das Vieh auf die Felder führt oder Getreide erntet, ist den Tieren schutzlos ausgeliefert. Je ärmer eine Bevölkerung ist, umso wahrscheinlicher wird das tödliche Aufeinandertreffen. Rund ein Viertel der Toten sind Kinder. In den kleinen Körpern ist der Schaden, der das Gift anrichtet, besonders groß.

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Im Geheimen Kardinal

REUTERS/Yves Herman
REUTERS/Yves Herman
Dieses Mittel setzten Päpste in der Vergangenheit gerne ein: Sie ernannten Bischöfe „in pectore“, also im Geheimen, zu Kardinälen – aus den verschiedensten Gründen. Papst Franziskus hat das zwar bisher nicht getan. Dennoch ranken sich um die Kardinäle inkognito nach wie vor viele Gerüchte.

Von Gabriele Höfling | katholisch.de

Gerade wollen sich die Kardinäle zum Konklave einschließen, da gibt es einen Zwischenfall. Ein Mann kommt in die Sixtinische Kapelle, der behauptet, einer von ihnen zu sein. Er gibt sich aus als der Bischof von Bagdad, den der gerade verstorbene Papst im Geheimen zum Kardinal ernannt habe. Die Nachricht überrumpelt die Kardinäle — und stellt die Dynamik der Papstwahl auf den Kopf.

Zugegeben, dieses Szenario ist reine Phantasie. Es stammt aus dem Roman „Konklave“, den der Bestseller-Autor Robert Harris im vergangenen Jahr veröffentlichte. Doch vollkommen unrealistisch ist die Szene nicht. Denn tatsächlich können die Päpste Kardinäle „in pectore“, also „im Herzen“ ernennen. Dann geben sie im Konsistorium nur bekannt, dass es außer den öffentlich kreierten noch einen oder mehrere weitere Kardinäle gibt. „Wer das ist, wissen jedoch nur der Papst und idealerweise der Kandidat selbst“, erklärt Vatikanexperte Ulrich Nersinger. Die Gründe für das geheimnisvolle Vorgehen seien meist politisch: „Es geht darum, unter schwierigen Umständen die jeweilige Person zu schützen – etwa in Ländern, in denen Christen verfolgt werden.“

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Wie Winston Churchill über Aliens dachte

Winston Churchill hielt schon 1939 außerirdisches Leben für sehr wahrscheinlich - udn begründete auf erstaunlich moderne Weise, warum. © HG: NASA, Portrait: historisch
Winston Churchill hielt schon 1939 außerirdisches Leben für sehr wahrscheinlich – udn begründete auf erstaunlich moderne Weise, warum. © HG: NASA, Portrait: historisch
Erstaunlich modern: Schon vor gut 75 Jahren hielt der britische Premierminister Winston Churchill außerirdisches Leben durchaus für möglich – und begründete dies mit überraschend wissenschaftlichen Gedankengängen. Das belegt ein nie veröffentlichter Essay des Politikers aus dem Jahr 1939. Lange bevor der erste Exoplanet entdeckt wurde, spekulierte er schon über die Zahl fremder Planeten und die habitable Zone in einem Planetensystem.

scinexx

Winston Churchill ist heute vor allem als der britische Premier zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und als begnadeter Redner in Erinnerung. Doch der Politiker war auch ungewöhnlich stark an der Wissenschaft interessiert. Er traf sich regelmäßig mit Physikern, Astronomen und Ingenieuren und stellte 1940 als erster britischer Premierminister einen wissenschaftlichen Berater ein. „Zu einer Zeit, in der viele heutige Politiker von Wissenschaft nichts wissen wollen, finde ich diese Erinnerung besonders wichtig“, sagt der Astrophysiker Mario Livio.

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Warum Erdogan die Universitäten schleift

Auch nach gewaltsamen Polizeiaktionen gegen Proteste an der Universität Ankara demonstrierten Studierende und Lehrende weiter...Foto: Foto: AFP/Adem Altan
Auch nach gewaltsamen Polizeiaktionen gegen Proteste an der Universität Ankara demonstrierten Studierende und Lehrende weiter…Foto: Foto: AFP/Adem Altan
Massenentlassungen angeblicher „Gülenisten“ und Friedensaktivisten: Der „Kahlschlag“ gilt dem kritischen Denken in der Türkei. Die scientific community ist entsetzt – auch in Berlin.

Von Amory Burchard | DER TAGESSPIEGEL

„Das kritische Denken in der Türkei wird mundtot gemacht.“ Sonja Hegasy, stellvertretende Direktorin des Berliner Leibniz-Zentrums Moderner Orient (ZMO), spricht aus, was die scientific community derzeit umtreibt – in der Türkei, aber auch in Deutschland und in vielen anderen Ländern. Die Entlassungen von Professorinnen, Professoren und Dozenten an den türkischen Universitäten kämen einem „Kahlschlag vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften“ gleich.

Das neue Jahr hat in der Türkei begonnen, wie das alte geendet hat – mit Massenentlassungen. Die AKP-Regierung nutzt weiterhin den nach dem Putschversuch im Juli 2016 verhängten Ausnahmezustand, um per „Notstandsdekret“ Staatsbedienstete zu kündigen. Zehntausende werden beschuldigt, als angebliche Anhänger der Gülen-Bewegung mit den Putschisten zu sympathisieren. Am 8. Februar traf es erneut fast 4500 Staatsdiener, darunter 330 Hochschullehrkräfte.

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Das muslimische Kamasutra

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Sinnlichkeit und Homoerotik: Jahrhundertelang existierte in der islamischen Welt eine lebendige erotische Kultur. Zeit, heutige Muslime an diese Traditionen zu erinnern.

Von Ali Ghandour | ZEIT ONLINE

Man kann sich kaum vorstellen, so etwas von heutigen Gelehrten zu hören.

Nichts verdeutlicht den drastischen Wandel des muslimischen Denkens in den vergangenen 200 Jahren deutlicher als das Thema Sex und Erotik. Denn bis zum 19. Jahrhundert existierte in der islamischen Welt eine lebendige erotische Kultur, die sich in der Dichtung, in Geschichten oder Ratgebern niederschlug.

Während es heute unvorstellbar ist, dass ein Korankommentator einen erotischen Roman à la Shades of Grey schreibt, finden wir in den muslimischen Traditionen der Vormoderne zahlreiche Gelehrte, die neben theologischen Werken auch erotische Texte verfassten. Heute wissen viele Muslime kaum etwas über dieses Erbe, das zum größten Teil in Form von Handschriften in Bibliotheken und Archiven verstreut liegt.

Die offene Haltung früherer Muslime zur Erotik kommt nicht von ungefähr. Selbst im Koran, der für die Muslime die göttliche Rede ist, wird über Sex gesprochen. Ja, im Koran werden die Erotik und das sexuelle Genießen als etwas Positives gesehen. Vom Propheten Muhammad gibt es zudem zahlreiche Überlieferungen, denen zufolge er seinen Anhängern Ratschläge gab, wie sie und ihre Frauen die sexuelle Beziehung genießen können. Er verwies etwa auf die Bedeutung des Vorspiels und gebot seinen Gefährten, den Geschlechtsakt erst zu beenden, wenn auch die Frau zum Höhepunkt gekommen ist. Ob sich seine Anhänger heute wohl an dieses prophetische Gebot halten?

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Alpen: Bald kein Schnee mehr?

Wird Wintersport in den Alpen künftig noch möglich sein? Und wenn ja, wo? © Ingram Publishing/ thinkstock
Wird Wintersport in den Alpen künftig noch möglich sein? Und wenn ja, wo? © Ingram Publishing/ thinkstock
Schlechte Aussichten für Wintersportler: In Zukunft wird die Schneesaison in den Alpen immer kürzer und spärlicher ausfallen. Skigebiete unterhalb von 1.000 Metern werden bis 2100 so gut wie keinen Schnee mehr haben, in Lagen um 1.500 verkürzt sich die Skisaison um gut ein Vierteljahr, wie eine neue Prognose enthüllt. Selbst effektiver Klimaschutz kann den Schneeverlust nur noch teilweise aufhalten, wie die Forscher berichten.

scinexx

In diesem Jahr haben Wintersportler Glück: Kälte und reichlich Schnee im Januar haben in vielen Skigebieten der Alpen für gute Bedingungen gesorgt. Aber wie lange wird dies angesichts des sich ändernden Klimas noch möglich sein? Schon jetzt schrumpfen die Alpengletscher rapide, weil dieses Gebirge zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen gehört.

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