„Der Fehler der Kirche ist die Annahme, dass Europa christlich ist“

Kruzifix Saal 600

Der Fundamentalismusforscher Olivier Roy spricht im Interview mit der FR über die Kruzifix-Offensive nicht nur in Bayern.

Von Michael Hesse | Frankfurter Rundschau

Professor Roy, in Italien und Deutschland wird über Kruzifixe im öffentlichen Raum lebhaft debattiert. Man will, so die Befürworter, die jeweilige Identität stärken. War und ist Europa überhaupt christlich?
Früher war Europa christlich, die meisten Menschen praktizierten den Glauben und waren vor allem Gläubige. Natürlich gab es die Reformation, die dann zwei Christenheiten hervorbrachte. Europa war also lange Zeit christlich in religiöser Hinsicht. Seit den 60er Jahren haben die säkularen Werte wie sexuelle Befreiung, Abtreibung, Homo-Ehe die christlichen Werte säkularisiert. Noch zu Beginn der 60er gab es keine großen Unterschiede zwischen Gläubigen und Nicht-Gläubigen in Bezug etwa auf Geschlechtergleichheit, also dass Männer mehr Macht haben sollten als Frauen und diese zuallererst Mütter seien und für den Haushalt zu sorgen hätten. Diese Werte wurden allgemein geteilt. Gleiches gilt für das Bild der Familie oder dass sexuelle Freiheiten kontrolliert werden sollten. Erst seit den 60ern haben wir eine wachsende Kluft.

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Heavy Metal und Jesus: Kirche in Rio buhlt mit Rockmusik um Gläubige

Es geht um Gott und Gitarren, um Erlösung und Ekstase: In einem Slum in Rio predigt ein evangelikaler Pastor das Evangelium mit Hilfe von Metallica und Motörhead. In Lateinamerika sind die Freikirchen auf dem Vormarsch – nicht alle sind so liberal wie die Metal-Christen.

DOMRADIO.DE

Ein brachiales Gitarrenriff lässt die Wände erzittern. Laute Rockmusik schallt durch den Raum im ersten Stock eines verwahrlosten Gebäudes in der Favela Maré im armen Norden von Rio de Janeiro. Die Noten Heavy Metal, die Texte tiefreligiös. Rogério Santos holt eine Bibel hervor und beginnt zu beten. Während um ihn herum musikalisch die Hölle losbricht, richtet der Kuttenträger seine Worte gen Himmel.

Gotteshaus erinnert an Kellerclub

„In Maré gibt es ein großes Bedürfnis nach Spiritualität“, sagt der 47-Jährige. In der evangelikalen Kirche Metanoia (griechisch für Umkehr) findet er die beiden wichtigsten Dinge in seinem Leben: „Musik und Religion“.

Auf den ersten Blick erinnert das Gotteshaus eher an einen Kellerclub: Graffiti und historische Plattencover von den Ramones, Motörhead und Deep Purple zieren die Wände, in einer Ecke stehen leistungsstarke Lautsprecher, ein Schlagzeug und Mikrofone. An der Decke aber hängen Kreuze. Jemand hat „Jesus ist der Herr des Underground“ in weißer Farbe an die Mauer gesprüht. „Jesus hat gesiegt“, steht in einem an die Wand gelehnten Sarg.

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Ausbleibende Empörung – christliche Glaubwürdigkeit beim Lebensschutz

Am Mittwoch wies Günter Assenmacher hier Donald Trumps Rede von Migranten als „Tiere“ zurück. Er zitierte, zunächst zustimmend, einen FAZ-Kommentar zum Bruch „mit einem zivilisatorischen Minimum. Wo bleibt der weltweite Aufschrei?

Andreas Püttmann | katholisch.de

Der Protest der vielen Christen, denen nichts heiliger ist als das ungeborene Leben?“ – befand aber dazu: „Den Seitenhieb hätte sich der Kommentator sparen können.“ Wirklich?

Die Überzeugungskraft der christlichen Botschaft und ihrer Lehre von der Unantastbarkeit menschlichen Lebens hängt nicht nur von ihrer ideellen Plausibilität, sondern auch vom praktischen Zeugnis der Christen ab, einschließlich ihrer Distanz zu menschenfeindlichen Positionen oder Politikern. Wo immer Kirche sich im Bett autoritärer Kräfte prostituierte oder selbst inhuman agierte, blieb ihre Glaubwürdigkeit lange lädiert.

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Abtreibung in Irland: „Wir raten ihnen, von einer Fehlgeburt zu sprechen“

Seit Wochen treibt das Referendum die Abtreibungsbefürworter und -gegner in Irland auf die Straße. (Foto: REUTERS)
In Irland drohen Frauen bei einer Abtreibung bis zu 14 Jahre Haft. Ärztin Rebecca Gomperts erklärt, wie sie ungewollt Schwangeren hilft. Mit Gesetzeslücken, Schiffen und Drohnen.

Interview von Leila Al-Serori | Süddeutsche Zeitung

Die New York Times nannte Rebecca Gomperts einmal die „erste Extremistin der Abtreibungsbewegung“. So will die niederländische Ärztin und Aktivistin aber lieber nicht bezeichnet werden – dann schon lieber als Piratin. Gomperts ist bekannt dafür, Frauen auf ihrem Boot in internationalen Gewässern einen legalen Schwangerschaftsabbruch zu ermöglichen. Ihre NGO „Women on Waves“ finanziert sich ausschließlich durch Spenden und Fundraising, fast alle Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich. Die 52-Jährige nutzt aber noch weitere Gesetzeslücken, um eine Abtreibung zu ermöglichen – darunter den Versand der nötigen Medikamente per Post. In Irland hat sie damit zu der Debatte beigetragen, die zum jetzigen Referendum führte. An diesem Freitag stimmen die Iren über den achten Zusatzartikel der Verfassung ab, der Schwangerschaftsabbrüche selbst im Falle einer Vergewaltigung unter Strafe stellt.

SZ: Frau Gomperts, Sie ermöglichen Hunderten Frauen jedes Jahr in Irland abzutreiben – obwohl das dort illegal ist. Wie machen Sie das?

Rebecca Gomperts: Was wir machen, ist nicht illegal. Auf unserer Website bekommen Frauen, die sich an niemanden sonst wenden können, ärztliche Beratung und können anschließend Abtreibungspillen bestellen, die dann per Post verschickt werden. Da der irische Zoll die Päckchen seit 2009 beschlagnahmt, werden diese nach Nordirland gesendet. Dort sind zwar Abtreibungen auch nicht erlaubt, aber medizinische Postsendungen schon. Wir schauen immer genau, wie die jeweilige Gesetzeslage ist – und dann suchen wir einen legalen Weg drumherum.

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Abtreibung soll aus Belgiens Strafgesetzbuch gestrichen werden: Nur noch eine „medizinische Maßnahme“?

Belgische Politiker wollen Abtreibung aus dem Strafgesetzbuch streichen. Schwangerschaftsabbrüche sollen nach ihren Wünschen künftig in einem Gesundheitsgesetz als medizinische Maßnahme angesiedelt sein.

DOMRADIO.DE

Am Mittwochabend diskutierten sie über die Gesetzesvorschläge zum Thema, wie belgische Zeitungen (Donnerstag) berichten.

Abtreibungsfristen verlängern

Einige Politiker wollen gleichzeitig die Abtreibungsfristen von der 12. bis zur 20. Schwangerschaftswoche verlängern. Das solle „Abtreibungstourismus“ in die Niederlande reduzieren, wo diese Frist für straffreie Abbrüche bereits gilt.

Nach Wunsch mancher belgischer Politiker soll auch die Zeit zwischen dem ersten Arztbesuch und dem eigentlichen Schwangerschaftsabbruch von sechs auf zwei Tage reduziert werden, heißt es weiter. Ob es im Parlament noch vor der Sommerpause Ende Juli zu einer Abstimmung kommt, ist noch nicht klar.

Katholische Kirche gegen Abtreibung

Die katholische Kirche lehnt Abtreibungen ab. Die Kirche erlaubt jedoch einen medizinischen Eingriff zum Schutz der Mutter, der laut Glaubenskongregation „als Nebeneffekt den Tod des Kindes zur Folge haben kann“.

Wie Christen rechte Positionen übernehmen

Manche Christen kommen zu dem Schluss, dass die AfD eine Alternative ist. (imago /Jens Jeske)
Abtreibung, Homosexualität, Gender Mainstreaming: Dagegen laufen christliche Fundamentalisten seit langem Sturm. Auch in Deutschland, sagt die Autorin Liane Bednarz, die darüber das Buch „Die Angstprediger“ geschrieben hat.

Liane Bednarz im Gespräch mit Christian Rabhansl | Deutschlandfunk Kultur

Christian Rabhansl: Christliche Fundamentalisten, Evangelikale, denen im Kampf gegen die Abtreibung jedes Mittel recht ist, die nichts außer Mutter und Vater und Kind als Familie gelten lassen und die sich in ihrer Religionsfreiheit diskriminiert fühlen, wenn sie zum Beispiel Homosexuelle nicht länger diskriminieren dürfen. Solche Fundamentalisten kennen wir vor allem aus den USA, wo sie schon lange eine starke politische Kraft bilden. Vielleicht auch aus Polen, wo derzeit ein regelrechter Kulturkampf um die Freiheitsrechte von Frauen tobt. Aber aus Deutschland? Gibt es hierzulande christliche Fundamentalisten?

Es gibt sie schon eine ganze Weile, nur waren sie lange Zeit eine kleine, unauffällige Minderheit. In den letzten Jahren sieht es aber so aus, als würden sie zu einer schrillen Minderheit, die sich mittlerweile auch echten politischen Einfluss sichert. Diesen Eindruck muss man zumindest gewinnen, wenn man das jüngste Buch der Journalistin Liane Bednarz liest. „Die Angstprediger“ heißt es, „Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern“. Guten Tag!

Liane Bednarz: Hallo, schönen guten Tag!

Wo verläuft die Grenze zwischen konservativ und rechts?

Rabhansl: Vielleicht sollten wir erst mal mit einer kurzen Begriffsklärung anfangen. Es ist ja nicht jeder konservative oder auch erzkonservative Christ gleich rechts oder rechtsradikal. Wo ziehen Sie die Grenze?

Bednarz: Das ist ein sehr guter Punkt, und das ist im Grunde ja auch das Grundanliegen dieses Buches, diese Grenze stärker zu definieren. Man kann die Grenze thematisch ziehen, zum Beispiel wie man mit dem Islam umgeht oder auch in der Flüchtlingsfrage, ob man Probleme anspricht oder ob man gezielt Ressentiments äußert oder auch weiter verstärkt.

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Kanadisches Gericht: ‚Begründete Grenzen der Religionsfreiheit’

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Ärzte, die Euthanasie oder Abtreibung ablehnen, müssen Patienten an Mediziner überweisen, die dazu bereit sind.

kath.net

Ein Gericht des kanadischen Bundesstaates Ontario hat in einem Urteil festgestellt, dass Ärzte, die selbst Euthanasie ablehnen, ihre Patienten an Kollegen die dazu bereit sind, überweisen müssen. Gleiches gilt für Ärzte, die keine Abtreibungen durchführen.

Das College of Physicians and Surgeons of Ontario (CPSO) hat diese Regelung in seinen Vorschriften über die Ausübung medizinischer Berufe aufgenommen. Ärzte, die nicht bereit waren, Patienten gegen ihr Gewissen an andere Mediziner zu verweisen, die Euthanasie oder Abtreibungen durchführen, haben gegen diese Bestimmung geklagt.

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Woelkis pränatale Fruchtwasser-Träume

Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Kardinal Woelki übt scharfe Kritik am schwarz-roten Kompromiss über den Familiennachzug bei Flüchtlingen. Er habe mit Kardinal Meisner nie über Amoris laetita gesprochen.

kath.net

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hat scharfe Kritik am schwarz-roten Kompromiss über den Familiennachzug bei Flüchtlingen geübt. Die Einigung von Union und SPD sei aus christlicher Sicht ein „Skandal“, sagte Woelki der Kölnischen/Bonner Rundschau: „Es darf nicht durch die Hintertür zu einer Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen aus humanitären Gründen kommen.“ Der Kompromiss, durch den der Familiennachzug zunächst ausgesetzt und dann auf 1000 Fälle im Monat begrenzt werden soll, trage zu „menschlichem Elend“ bei, betonte Woelki: „Ich finde es nicht haltbar und nicht tragbar, dass wir auf der einen Seite in der Verfassung den Schutz von Ehe und Familie verankert haben und dann solche Lösungen gefunden werden.“ Auf die Frage der Zeitung, ob die Unionsparteien lieber auf das C wie christlich verzichten sollten, antwortete der Erzbischof: „Das habe ich nicht zu beantworten, das muss so eine Partei schon selbst tun. Aber sie muss sich an dem messen lassen, was die Botschaft des Evangeliums ist.“

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Glüh-Phosphat-Minister Schmidt: Kirchen mischen sich zu sehr ein

Christian Schmidt (2013). Bild: wikipedia.org/CC BY-SA 3.0 de – Thomas Lother

Sie sollten sich um Themen wie Abtreibung und Sterbehilfe zu kümmern – und sich weniger in die Flüchtlingspolitik einmischen.

kath.net

Aus der CSU gibt es erneut Kritik an den Kirchen in Deutschland. CSU-Politiker Christian Schmidt, der geschäftsführende Bundeslandwirtschaftsminister, wirft den Kirchen vor, dass sich diese zu sehr in die Flüchtlingsdebatte ein. Gegenüber der Rheinischen Post meinte Schmidt, dass derzeit von den Kirchen tagespolitische Probleme wie Fragen von Flucht und Migration stärker thematisiert als christliche Werte und deren Wurzeln.

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Weniger als ein Viertel der Berliner ist noch in der Kirche

Image: Louis Berk/CC BY-ND 2.0
Die beiden großen Kirchen in Berlin verlieren weiter an Attraktivität. In den vergangenen zehn Jahren sank der Anteil der Berlinerinnen und Berliner, die noch evangelisch oder katholisch sind, auf unter 25 Prozent. Die Linken fordern kirchenpolitische Konsequenzen.

rbb|24

Nur noch 24,96 Prozent der Berlinerinnen und Berliner gehörten zum Jahresende 2016 der evangelischen oder katholischen Kirche an. Das ergibt die Antwort der Senatsverwaltung für Justiz auf eine Anfrage des Abgeordneten Sebastian Schlüsselburg (Linke), die der Tageszeitung „Neues Deutschland“ vorliegt.

Zahl der Austritte hat geringfügig abgenommen

Demnach traten 8.667 Hauptstädter im Jahr 2016 aus der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) aus, 5.298 kehrten der katholischen Kirche den Rücken. Mit insgesamt knapp 14.000 ist die Zahl der Austritte gegenüber 2015 (14.278 Austritte) allerdings leicht gesunken.

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EX-MUSLIMIN WIRD CHRISTIN: «Selbst als egoistische Atheistin empfand ich Trauer bei der Abtreibung»

DERYA LITTLE MIT IHREM BUCH «FROM ISLAM TO CHRIST»
Nach zwei Abtreibungen wird aus der ehemaligen Muslimin und späteren Atheistin Derya Little eine Lebensschützerin und Christin. Einst war die gebürtige Türkin der Meinung, Zugang zu Geburtenkontrolle und Abtreibung würde Frauen «von der Tyrannei der Männer» befreien. Doch selbst als «egoistische Atheistin empfand ich Trauer bei der Abtreibung».

jesus.ch

Schon im Teenager-Alter beginnt die Muslimin Derya Little, ihren Glauben zu hinterfragen. Sie gerät auf Abwege, nimmt Drogen und gelangt zu einer rücksichtslosen Einstellung. Diese führt dazu, dass sie zweimal schwanger wird und sich in beiden Fällen für eine Abtreibung entscheidet. «Mein Atheismus erleichterte mich von den Gewissenslasten. Sex vor der Ehe war kein Problem, sondern ein Bedürfnis. Sexuelle Unterdrückung führt zu Aggression und Gewalt. Abtreibung war kein Mord für mich, da ich den Fötus als einen Zellklumpen sah.»

Tief berührt

Sie glaubte nicht, dass das ein Baby sei, sondern einfach ein Gewebehaufen, «der zur Bedrohung meines Lebensstils und meiner Zukunft werden könnte». Ihr Freund und sie hätten nicht einmal darüber diskutiert. Als der Urin-Test positiv wurde, wurde mit dem Gynäkologen ein Termin vereinbart und die Abtreibung durchgeführt.

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Wenn der Trumpismus über Trump siegt

Bild: FAZ.net
Roy Moore will Alabamas Senator in Washington werden. Der Erzkonservative sieht Amerika in einer Welle aus „Verbrechen, Korruption, Immoralität, Abtreibung, Sodomie und sexueller Perversion“ versinken.

Von Andreas Ross | Frankfurter Allgemeine

In dieser Woche hat der Trumpismus über Trump obsiegt. Die meisten republikanischen Wähler in Alabama ignorierten alle Aufrufe des Präsidenten, in der Vorwahl den amtierenden Senator Luther Strange zu unterstützen. Strange hatte vorläufig den Sitz von Jeff Sessions geerbt, als dieser Justizminister wurde. Gerade weil die Begeisterung für Trump in Alabama ungebrochen scheint, flogen die Herzen aber einem anderen Kandidaten zu. Viel feuriger als Strange gelobte der Richter Roy Moore, er werde treu zu Trump stehen und „Amerika wieder großartig machen“. Dafür muss er nach seinem Sieg in der innerparteilichen Stichwahl nur noch im Dezember einen Demokraten bezwingen. Was in Alabama als Formsache gilt.

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Wer bestimmt, was Kinder lernen?

© PICTURE-ALLIANCE Eltern bringen ihr Kind zur Schule – ab da entscheidet der Staat, was gelehrt wird.
Erziehungsrecht der Eltern und Erziehungsauftrag des Staates stehen gleichberechtigt nebeneinander. Aber was passiert, wenn die Schule etwas lehrt, das den Eltern missfällt – vor allem, wenn es um Sexualität und Religion geht?

Von Volker Kitz | Frankfurter Allgemeine

Im Kapitel „Begattung und Befruchtung“ lesen die Eltern: „Dabei führt der Mann das versteifte Glied in die Scheide der Frau ein.“ Ihre Tochter ist gerade in die fünfte Klasse gekommen und hat das neue Biologiebuch nach Hause gebracht. Die Eltern finden, für solche Sätze sei sie zu jung; in einem gerichtlichen Eilverfahren wollen sie ihr Kind vom Sexualkundeunterricht befreien lassen. In der Stuttgarter Innenstadt drängen Tausende, halten Transparente: „Aufklärung ab 4. Klasse – wie krank sind wir?“ Gegendemonstranten marschieren auf sie zu, brüllen: „Schützt eure Kinder vor euch selbst!“ Polizisten ziehen Sturmmasken übers Gesicht und Schlagstöcke aus dem Halter, in Hundertschaften bilden sie eine Kette zwischen den Gruppen, Farbbeutel, Tomaten klatschen auf, Knüppel sausen durch die Luft, und Menschen liegen am Boden.

Was sich liest wie eine Geschichte, sind zwei Geschichten. Die Szenen spielen im selben Bundesland, aber in verschiedenen Jahrtausenden. Die Fünftklässlerin hatte im August 1974 ihren ersten Tag im Gymnasium in Baden-Württemberg. In Stuttgart fielen die Menschen in den vergangenen beiden Jahren übereinander her, da war das Mädchen von damals schon fünfzig. Erst kürzlich haben die Gegner der „Sexualpädagogik der Vielfalt“ zu einem Symposium nach Wiesbaden eingeladen.

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Franziskus beruft Abtreibungsbefürworter an Akademie für das Leben

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Abtreibung sollte bis zu 18 Wochen nach der Empfängnis legal sein. Erst dann seien Gehirntätigkeit und damit Bewusstsein nachweisbar, sagt Nigel Biggar.

kath.net

Mit dem anglikanischen Geistlichen Nigel Biggar hat Papst Franziskus einen Wissenschaftler an die Päpstliche Akademie für das Leben berufen, der die Ansicht vertritt, Abtreibung solle bis 18 Wochen nach der Empfängnis legal sein.

Biggar ist Professor für Moral- und Pastoraltheologie an der Universität Oxford und leitet deren Zentrum für Theologie, Ethik und das öffentliche Leben. Er ist außerdem Kanoniker an der Christ Church Cathedral.

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Kirche und Medien: „Kirche muss auch bei Google stattfinden“

Religiöser Spam

Viele Menschen seien auf der Suche nach Sinnhaftigkeit und würden ihre Antworten bei Google suchen, sagt der Mediendirektor des Erzbistums Köln, Ansgar Mayer, im DLF. Es sei wichtig, dass Kirche im Internet präsent ist und damit den seelsorgerischen Auftrag der Kirche erfüllen kann.
Ansgar Mayer im Gespräch mit Stefan Koldehoff | Deutschlandfunk

Stefan Koldehoff: Manchmal führt guter Journalismus ja auch dazu, dass man sich von gut gepflegten Vorurteilen verabschieden muss. Mal sehen, ob das gelingt im Gespräch mit Ansgar Mayer, studierter Politikwissenschaftler, katholischer Theologe, früher beim FAZ-Business Radio, dann Leiter der Crossmedia-Abteilung bei Springer und bei „Computer Bild“ – und nun seit knapp anderthalb Jahren „Direktor für Medien und Kommunikation“ des Erzbistums Köln. Guten Tag Herr Mayer.

Ansgar Mayer: Schönen guten Tag Herr Koldehoff.

Koldehoff: Den Wechsel von „Computer Bild“ zum Erzbistum Köln – den müssen Sie uns bitte zuerst mal erklären.

Mayer: Es gibt die scherzhafte Variante, die lautet: nach knapp zehn Jahren Springer und BILD musste ich ein bisschen Buße tun, und es gibt die andere Variante, die da sagt: Auch das Erzbistum hier und namentlich Kardinal Woelki sind dabei, sowas wie die Digitalisierung sehr, sehr ernst zu nehmen und zu sagen, wir müssen in unseren Strukturen in irgendeiner Form darauf reagieren. Und das knüpfte daran an, dass ich zum einen katholische Wurzeln habe und immer wieder Schnittstellen zur katholischen Kirche und zum anderen bei Springer an verschiedenen Stationen dieses Thema Digitalisierung sowohl in seiner Außenwirkung als auch mit der Frage, was heißt das für unsere Workflows, für unsere Strukturen, ja ganz gut mitleben und Erfahrungen mitbringen konnte und die darf ich jetzt hier ‚bei Kirchens‘ einsetzen.

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Abtreibungen sind des Teufels – glauben fromme Christen

Priester der stockkonservativen Piusbruderschaft in Ecône VS (2014). Bild: KEYSTONE
Sie kamen immer am Freitag, dem 13. Die Frommen der Piusbruderschaft, der erzkonservativen katholischen Sekte, einer Priestervereinigung mit Zehntausenden von Anhängern. Ihr Treffpunkt war die Kapelle des Lausanner Universitätsspitals. Dort beteten sie zu Gott, er möge den Gynäkologen das Handwerk bei Abtreibungen legen.

Von Hugo Stamm | Sektenblog/watson.ch

Nun hat die Spitalleitung reagiert, und die radikalen Abtreibungsgegner aus dem «Tempel» geworfen. Wie einst Jesus die Pharisäer.

Für christliche Fundis aller Couleur ist Abtreibung Mord. Nicht alle mögen es in der Öffentlichkeit so radikal formulieren, die meisten empfinden es aber so. Die Frommen verschiedener freikirchlicher Denominationen, katholische Traditionalisten und christliche Sekten.

Für sie sind Ärzte, die Abtreibungen vornehmen, des Teufels. Für manche gar Massenmörder. Gott hat es gegeben – das Leben –, Gott wird es nehmen, glauben sie. Betroffene Ärzte greifen in ihren Augen in Gottes Schöpfung ein und verstossen – angeblich – gegen das wohl wichtigste Gebot: Du sollst nicht töten.

Weltfremde christliche Fundis

Nun ist für die katholischen Priester der Piusbrüder fertig mit Beten im Lausanner Spital. Das ist gut so. Ein wichtiges Signal. Es zeigt den Fundis, dass sie religiöse Prämissen nicht über das säkulare Leben stellen können. Und dass unser Alltag so weit wie möglich nach Vernunftskriterien organisiert wird und nicht nach verqueren Glaubensgrundsätzen.

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Caffarra: Mit Abtreibung und ‚Homo-Ehe’ fordert Satan Gott heraus

Carlo Kardinal Caffarra (auf dem Weltjugendtag in Madrid 2011) Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Abtreibung und Ehe betreffen zwei Säulen der göttlichen Schöpfung. Der Satan setze hier an, um eine ‚Gegen-Schöpfung’ zu konstruieren. Die Gläubigen seien aufgerufen, das Evangelium des Lebens und der Ehe zu verkünden.

kath.net

Der Satan schleudere Gott „die ultimative und schreckliche Herausforderung“ entgegen, indem er eine „Gegen-Schöpfung“ errichte, von der die Menschen glauben würden, sie sei besser als die Schöpfung Gottes. Mit diesen dramatischen Worten beschrieb Carlo Kardinal Caffarra, der emeritierte Erzbischof von Bologna, die gegenwärtige Situation.

Diese Konfrontation finde jetzt statt und betreffe in erster Linie die Familie und die Ehe, sagte Caffarra beim diesjährigen „Rome Life Forum“, das von der Familienorganisation „Voice of the Family“ in der italienischen Hauptstadt veranstaltet wurde.

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Katholikenrat fördert „Marsch für das Leben“ nicht

Bild: katholoisch de./©KNA
Der „Marsch für das Leben“ muss auf die Hilfe des Berliner Diözesanrats verzichten. Einem Antrag der Organisatoren zum Teilnahmeaufruf stimmt der Katholikenrat nicht zu. Das hat einen bestimmten Grund.

katholisch.de

Der diesjährige „Marsch für das Leben“ in der Hauptstadt findet ohne Rückhalt des Berliner Diözesanrats der Katholiken statt. Die höchste Laienvertretung im Erzbistum lehnte einen Antrag zur Unterstützung bei ihrer jüngsten Vollversammlung mit großer Mehrheit ab, wie der Ratsvorsitzende Bernd Streich am Mittwoch bestätigte. Der 13. Marsch dieser Art in Berlin ist für den 16. September geplant. Organisiert wird er von 13 deutschen Lebensschutzorganisationen.

Laut dem von Ratsmitgliedern eingebrachten Antrag sollte der Katholikenrat die Katholiken des Erzbistums zur Teilnahme an dem Marsch aufrufen. Die Kundgebung wendet sich unter anderem gegen Abtreibung und Euthanasie. Dagegen kam nach Angaben des Ratsvorsitzenden in der Aussprache vor der Abstimmung der Einwand, dass viele Befürworter des Marsches eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem komplexen Thema des Lebensschutzes vermissen ließen.

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USA: Trump unterzeichnet Präsidialerlass zur Religionsfreiheit

Die Regierung Trump bekennt sich zum umfassenden Schutz der Religionsfreiheit. Das Dokument sieht Ausnahmeregelungen für ‚Obama-Care’ und den Schutz öffentlicher religiöser Stellungnahmen etwa gegen die ‚Homo-Ehe’ und Abtreibung vor.

kath.net

„Freiheit ist nicht ein Geschenk des Staates. Sie ist ein Geschenk Gottes“, sagte Donald Trump am Donnerstag bei der Unterzeichnung des Präsidialerlasses zur Religionsfreiheit. „Wir sind angetreten, um die Rechte aller Amerikaner zu verteidigen“, fügte er hinzu.

In dem Erlass verpflichtet Trump seine Regierung, Ausnahmeregelungen für Arbeitgeber zu finden, die aus religiösen Gründen keine Verhütungsmittel in die Krankenversicherung ihrer Mitarbeiter aufnehmen wollen. Der Orden der „Religious Sisters of the Poor“ hat wegen dieser Regelung im Rahmen des „Affordable Care Act“ („Obama-Care“) einen Prozess vor dem Obersten Gerichtshof angestrengt. Vertreterinnen des Ordens waren zur Unterzeichnung des Erlasses in das Weiße Haus eingeladen.

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R.M. Woelki wühlt gerne in den Gebärmüttern

Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Kölner Kardinal Woelki: „Als Christen wehren wir uns dagegen, dass in unserem Land diese hunderttausendfache Abtreibung als die Normalität einer liberalen, humanen und aufgeklärten Gesellschaft ausgegeben wird.“

kath.net

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat sich am 28. Dezember, am Tag der unschuldigen Kinder, bei einer Predigt im Kölner Dom klar gegen Abtreibung ausgesprochen. Woelki meinte wörtlich: „Das Leben eines Menschen ist vom ersten Moment seiner Existenz an bis zum letzten Augenblick ein heiliges Gut. Daher hat niemand das Recht, über menschliches Leben zu verfügen, auch nicht in den ersten zwölf Wochen.“

Der Kölner Erzbischof kritisierte die hohe Zahl der Abtreibung in Deutschalnd, wo es mehr als 100 000 Tötungen im Mutterleib pro Jahr geben soll. „Als Christen wehren wir uns dagegen, dass in unserem Land diese hunderttausendfache Abtreibung als die Normalität einer liberalen, humanen und aufgeklärten Gesellschaft ausgegeben wird.“