Jahrestreffen der „Skeptiker“: Zweifeln hält gesund

Für Verschwörungstheoretiker ganz klar: Chemtrails – böse Regierungen lassen bewusstseinsverändernde Substanzen versprühen, um so das Volk besser manipulieren zu können. Foto:dpa
„Skeptiker“ ziehen gegen Geistheilung, Homöopathie und andere Pseudowissenschaften zu Felde. Bekämpft wird alles, was nicht in ihr Weltbild passt.

Von Manfred Ronzheimer | taz.de

Es begann mit gebogenen Löffeln. Als der Zauberkünstler Uri Geller in den 70er Jahren in Fernsehshows vorführte, wie sich metallenes Essbesteck scheinbar mit Geisteskraft verformen ließ, da wuchs bei dem Industrieforscher Amardeo Sarma die Skepsis. „Das war für uns die Initialzündung“, blickt der Vorsitzende der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) auf die Gründung seines Vereins vor 30 Jahren zurück. Aus den zehn Zweiflern von damals ist heute eine Organisation mit 1.500 Mitgliedern geworden, die sich kurz „Skeptiker“ nennen.

Ihr Ziel: Gegen irrige Glaubenssätze, die gleichwohl reale Handlungsmuster von Menschen bestimmen, mit wissenschaftlichem Faktencheck anzutreten, sie zu entzaubern. Das Feld ist weit: Es reicht von der Parapsychologie und der Beobachtung unbekannter Flugobjekte (Ufos), zu Verschwörungstheorien in Gestalt der „Chemtrails“–Wolkenmustern am Himmel, bis hin zur Leugnung des Klimawandels und den Versprechen einer Alternativmedizin mit zuweilen tödlichen Folgen. Am vergangenen Wochenende kamen die GWUP-Skeptiker zu ihrer Jahreskonferenz in der Berliner Urania zusammen.

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„Genmanipulierte Lebensmittel sind nicht schädlich“

Bild: International Rice Research Institute (IRRI) CC BY 2.0
Bild: International Rice Research Institute (IRRI) CC BY 2.0
Diplom-Biologin Julia Offe hält die Befürchtungen für völlig absurd und sieht sogar Chancen. Im Interview spricht sie außerdem über Heilpraktiker, Wünschelrutengänger und Impfgegner.

Von Marco Tripmaker | DIE WELT

Persönliche Heilungsgebete für fünf Euro, hellseherischer Kontakt zu Verstorbenen und Klangschalen, die auf dem Bauch stehend zur Ich-Findung und Entspannung beitragen sollen:

Diplom-Biologin Julia Offe (43) überfällt auch Wochen nach dem Besuch der letzten Esoterik-Messe ein Schmunzeln, wenn sie über die Dinge, die sie dort gesehen hat, spricht. Gepaart mit einem Gefühl von Wut, „denn es ist doch unglaublich, wie viele Menschen auf solchen Veranstaltungen hinters Licht geführt werden.“

Julia Offe ist Vorstandsmitglied bei der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften – kurz Skeptiker –, ein Verein mit bundesweit 1400 Mitgliedern, der sich gegen Pseudowissenschaften und Esoterik wendet. Bis Sonnabend tagen die Skeptiker mit interessanten, öffentlich zugänglichen Vorträgen in der HAW Hamburg. Die „Welt“ sprach mit Julia Offe über Gentechnik, Heilpraktiker und Wünschelrutengänger.

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«Schamanismus ist wieder extrem trendy»

Schamanismus boomt in der Schweiz, vor allem Junge fahren darauf ab. Laut Religionswissenschaftler Georg Otto Schmid sehnen sie sich nach der Natur und wollen aus ihrer globalisierten Welt ausbrechen. Bild: epa/how Hwee Young
Junge Schweizer sind auf dem Esoterik-Trip. Sie interessieren sich für geistige Heilung, Tierkommunikation und Wahrsagerei.

Von T. Bircher | 20 minuten

Dass sich die Organisation Ayahuasca International in der Romandie niedergelassen hat und nun öffentlich für Drogenrituale wirbt, alarmiert Suchtexperten. Doch nicht nur die Amazonas-Droge fasziniert die Schweizer. Die Hinwendung zur Spiritualität allgemein erlebt hierzulande ein Revival – vor allem bei den Jungen.

Der Trend funktioniert aber anders als früher, wie Sektenexperte und Religionswissenschaftler Georg Otto Schmid sagt: «Sie interessieren sich im Gegensatz zu den 80er- und 90er-Jahren weniger für die Ideologie oder die Theorie dahinter, sondern greifen nur punktuell auf gewisse Angebote der Esoterik zurück.» Besonders beliebt seien Themen wie Heilung, Alternativmedizin, Wahrsagerei, Tierkommunikation und Jenseitskontakte.

«Esoterik wird heute einfach mit allem verbunden»

Lucius Werthmüller ist Präsident des Basler Psi-Vereins, der Seminare rund um das Thema Spiritualität organisiert. Er sieht an seinen Veranstaltungen immer mehr junge Leute: «Viele finden in den etablierten Religionen keine Antwort mehr auf ihre Fragen und suchen nun woanders.»

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„Homöopathie kann lebensgefährlich sein“

Symbolbild, Bild: brightsblog
Symbolbild, Bild: brightsblog

Kritiker spotten gern, dass in den homöopathischen Globuli kein einziges Wirkstoffmolekül enthalten ist. Das bedeutet aber nicht, dass sie niemandem schaden

Von Edzard Ernst | GEO.de

Die Homöpathie ist von allen Formen der Alternativmedizin die am wenigsten plausible. Auch wenn nicht alle Ergebnisse einheitlich sind – klinische Studien legen den Schluss nahe, dass homöopathische Heilmittel nicht wirksamer sind als Placebos, also als Scheinmedikamente ohne Wirkstoff. Auch die australische Gesundheitsbehörde erkannte 2014, nach Auswertung der bis dahin umfassendsten unabhängigen Analyse: „Keine Wirksamkeit der Homöopathie bei der Behandlung der untersuchten Krankheitsbilder“.

Aber mehr noch: Im Gegensatz zu dem, was wir so oft zu hören bekommen, gibt es sehr wohl Risiken bei der Homöopathie. Wenn etwa ein Schwerkranker sich für eine unwirksame Behandlung entscheidet, statt eine effektive Therapie zu wählen – dann können scheinbar harmlose Mittel lebensgefährlich sein. Ja, jetzt höre ich wieder den verzweifelten Aufschrei der aufgebrachten Homöopathen.

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Wissenschaft & Blödsinn: Zauberei soll Luxus bleiben

#Esoterik Florian Aigner warnt vor der Gefahr, dass die wirkungslose Alternativmedizin zur gefährlichen Alternative im Gesundheitssystem werden könnte – Foto: Hudelist/vsl/mediacolors
Gesundheitsversorgung für alle, Alternativmedizin als teures Extra – damit kann man leben. Aber was, wenn sich das eines Tages umkehrt?

Von Florian Aigner | futurezone.at

Alternativmedizin ist ein Massenmarkt. Der eine lässt sich für teures Geld Zaubersymbole aufs Gesicht malen, der andere lässt sich durch Räucherstäbchen seine Aura einrenken. Es ist leicht, darüber Witze zu machen, und das sollte man auch tun.

Im Großen und Ganzen kann man solche esoterischen Irrwitzigkeiten aber meistens eher entspannt sehen. Es gibt fanatische Anti-Esoteriker, die mit wütendem Zorn den Untergang des aufgeklärten Abendlandes verkünden, wenn das Leben nicht mit orthodoxer Wissenschaftlichkeit vollzogen wird. Das finde ich manchmal ähnlich anstrengend wie den esoterischen Unfug selbst.

Die moderne Medizin wird nicht beschädigt, nur weil Oma ihren Rheuma mit bunten Heilkristallen bekämpft. Die Ideale der Aufklärung werden nicht in den Dreck gezogen, wenn sich Onkel Harald seine Chakren reinigen lässt. Und wenn Tante Uschi homöopathische Globuli kauft, dann zahlt sie zwar einen abartig hohen Preis für reinen Zucker, aber andere Leute geben hunderte Euro für eine Flasche Whiskey aus, die sie im Blindtest auch nicht vom Billigprodukt unterscheiden könnten. Wozu also die Aufregung?

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Behörden verbieten umstrittene Bienenluft-Therapie

Foto: dpa Die Heilpraktikerin Janett Conrad aus Jena im Sommer bei einer Bienenluft-Behandlung. Sie traf nun das erste Verbot
Wer unter Asthma oder Bronchitis leidet, soll von der Luft aus Bienenstöcken geheilt werden. Als erstes Bundesland geht Thüringen gegen die Angebote vor: Die Behandlung könne lebensgefährlich sein.

Von Friedhelm Berger|DIE WELT

Die neueste Heilmethode heißt also Bienenluft. Das klingt niedlich und ein bisschen sonderbar. Die Methode soll Menschen kurieren, die an Asthma oder Bronchitis leiden. Sie bekommen eine Maske über Mund und Nase und inhalieren die Luft aus einem Bienenstock.

Die Methode ist „eine Gefahr für Leib und Leben“ der Patienten. Das fürchten die Behörden in Thüringen – und haben Behandlungen mit Bienenluft nun verboten. Andere Bundesländer könnten bald folgen. Die Branche der alternativen Heiler ist in Aufruhr und rüstet sich für den Widerstand.

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Natalie Grams: Ex-Homöopathin – „Globuli sind Betrug am Patienten“

Sie hat zehn Jahre Homöopathie gelernt, jährlich mindestens fünf Fortbildungen belegt, ihre Patienten waren hochzufrieden.


Berliner Kurier

Symbolbild, Bild: brightsblog
Symbolbild, Bild: brightsblog

Natalie Grams leitete als erfolgreiche Homöopathin eine eigene Privatpraxis in Heidelberg – bis sie beschloss, ein Buch als flammendes Plädoyer für die Heilmethode zu schreiben, um endlich alle Kritiker der Alternativmedizin zu überzeugen. Doch stattdessen wuchsen im Zuge der Recherche bei Grams selbst die Zweifel an der Homöopathie. Am Ende gab Natalie Grams sogar ihre Praxis auf – weil sie ihre Patienten nicht länger betrügen wollte…

Für ihr Buch durchforstete Natalie Grams Studien und auch die Original-Quellen von Samuel Hahnemann, der als „Vater der Homöopathie“ ab 1796 nach dem Prinzip „Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt“ propagierte, Leiden mit stark verdünnten Tinkturen aus Heilsubstanzen zu behandeln. So stark verdünnt, dass sie im Grunde genommen keine messbare therapeutische Wirkung erzielen können, meint Grams. „Bei der Homöopathie geht eine Wirksamkeit nicht über ein Placebo hinaus. Was nicht verwunderlich ist, da ihre Medikamente nichts enthalten.“

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Esoterik und Aberglaube: Argumente gegen „Bullshit“

Bild: brightsblog
Bild: brightsblog
Die Skeptiker Rhein-Main wollen Anhänger von Esoterik und Verschwörungstheorien von der Realität überzeugen. Doch manchmal hilft nur Kopfschütteln.


Von Leonie Feuerbach|Frankfurter Allgemeine

Himalaya-Salz hat eine ganz andere Energie als gewöhnliches Salz. Im Zeichen des Steinbocks Geborene sind ernsthafte Menschen, jene mit Sternzeichen Löwe lebensbejahende. Wer erste Zeichen einer Erkältung spürt, sollte das homöopathische Mittel Umckaloabo nehmen. Was diesen Aussagen gemein ist? Sie sind wissenschaftlich nicht haltbar. Und sie treiben Holm Gero Hümmler auf die Palme. Hümmler ist promovierter Physiker und Mitglied der Skeptiker Rhein-Main. Er will esoterische Mittelchen und Verschwörungstheorien mit den Methoden der Wissenschaft entlarven.

An einem Abend im Januar steht Hümmler auf der Bühne des Club Voltaire in der Innenstadt. Die Zuhörer drängeln sich von der Bühne im hinteren Teil des Kellergewölbes bis vorne an die Bar. Quantenmechanik und Relativitätstheorie, sagt Hümmler zum Publikum, würden oft bemüht, um abstruse Konzepte vermeintlich wissenschaftlich zu belegen. Hinter alldem steckt laut Hümmler das gleiche Schema. Die Autoren nehmen wissenschaftliche Begriffe und verwenden sie in ihrer Alltagsbedeutung. So werde etwa aus Masse Energie und daraus die Energie der Gedanken. „Das ist aus Sicht der Relativitätstheorie totaler Bullshit.“ In der Quantenphysik geht es um kleinste Teilchen, die sich auf eine Art und Weise verhalten, die nur schwer vorstellbar ist, wie er erklärt.

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Heilpraktiker auf dem Vormarsch: Krankenkassen werben mit dubiosen Therapien

Bild: rbb
Immer mehr Gesetzliche Krankenkassen locken neue Mitglieder durch Kostenübernahmen für Alternativmedizin. Doch das Sozialgesetzbuch untersagt den Kassen eigentlich, Rechnungen von Heilpraktikern zu begleichen. Denn deren Kenntnisse sind oftmals ungenügend, die Methoden umstritten. Die IKK Südwest bricht nun ganz offensiv die Regeln im Kampf um Kunden: Auch teure Heilpraktiker-Gespräche werden abgerechnet.

Kontraste—RBB

Homöopathie, die sanfte Heilbehandlung, – für die einen Hokuspokus, die anderen schwören auf die Heilkraft der Globuli, der kleinen weissen Kügelchen. Immer mehr Menschen in Deutschland sind der Meinung: Homöopathie hilft, wo Schulmedizin versagt. Inzwischen übernehmen viele Krankenkassen sogar die Kosten für homöopathische und andere alternative Behandlungen. Das allerdings sorgt bei den Ärzten für großen Ärger. Denn die Homöopathen dürfen viel mehr Zeit für Patientengespräche abrechnen als die Ärzte. Chris Humbs, André Kartschall und Markus Pohl haben recherchiert.

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Studie: Homöopathie wirkungslos

Bild: brightsblog
Bild: brightsblog

Eine große Überblicksstudie der australischen Gesundheitsbehörde stellt fest, dass der wissenschaftliche Beweis für die Wirksamkeit homöopathischer Mittel weiter aussteht.

Telepolis – Thomas Pany

Wirken homöopathische Mittel? Die australische Gesundheitsbehörde NHMRC ist der Frage, die große Streitigkeiten auch unter Medizinern, in der Öffentlichkeit, in Foren und in Familien auslöst, anhand klar definierter wissenschaftlicher Kriterien in einer evidenzbasierten Studie nachgegangen. Sie ist zu einem Ergebnis gekommen, das die Wirkungsfrage dorthin verweist, wo sie für viele Skeptiker ohnehin angesiedelt ist: in der privaten Halbwelt des religionsgleichen Glaubens.

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Prototyp Alternativmedizin: 40-jährig, norddeutsch, Beamtin, Grün-wählend

Bild: Der Spiegel
Bild: Der Spiegel
Natürliche Heilmethoden sind in Deutschland umstritten, doch selbst viele Skeptiker probieren hin und wieder Alternativmedizin aus. Hier erfahren Sie, welchem Prototyp Sie ähneln: dem Zweifler oder dem Überzeugten.

SpON

Chemiekeule oder Kügelchen? Schmerzmittel oder Akupunktur? Für viele Deutsche ist Alternativmedizin vor allem eines: ein interessantes Experimentierfeld. Fast zwei Drittel aller Deutschen haben bereits Erfahrungen gemacht mit natürlichen Heilmethoden wie Phytotherapie, Irisdiagnostik oder Osteopathie. Das hat eine repräsentative Umfrage unter 1782 Personen ergeben, die Bertelsmann-Stiftung und Barmer-GEK 2012 durchgeführt haben.

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Parawissenschaft: Das große Geschäft mit Hildegard von Bingen

foto: epa/joerg carstensen
In der Alternativmedizin wird gut und gerne mit dem Namen Hildegard von Bingen geworben – Nicht selten verdient das die Bezeichnung „Etikettenschwindel“

Von Günther BrandstetterderStandard.at

Kaum eine historische Persönlichkeit erfuhr eine derartige Kommerzialisierung und Instrumentalisierung wie die Nonne und Äbtissin Hildegard von Bingen. – Immerhin tragen zahllose Kräutermischungen, Liköre, Nahrungsmittel, Tinkturen, Elixiere, Öle, Kosmetika, Edelsteine, Kochbücher, Gesundheitsratgeber und sogar Schulen, Hotels oder Wellnesstempel ihren Namen. Könnte die Benediktinerin heute ihre Vermarktung kommentieren, „würde sie wohl mit dem heiligen Zorn der Prophetin reagieren“, ist der Historiker Peter Dinzelbacher vom Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Uni Wien überzeugt.

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Bernd Kramer über Esoterik und esoterische Selbstversuche

Bild: tip-berlin.de
Der Berliner Journalist Bernd Kramer wagte einige esoterische Selbstversuche: Er ließ sich reinkarnieren, übte hellsehen und trat sogar als Heiler auf. Jetzt hat er ein Buch geschrieben: „Erleuchtung gefällig?“

tip-Berlin

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie im Rahmen Ihres Esoterik-Selbstversuchs reinkarniert, also in Ihre angeblich frühere Existenz als Mönch Josef zurückgeführt wurden?
Ich war hin- und hergerissen: Inwiefern lasse ich mich jetzt darauf ein? Diese Reinkarnation funktioniert ja nur, wenn man sich da reinfallen und Bilder hochkommen lässt. Andererseits wollte ich ja nur austesten, wie da vorgegangen wird. Trotzdem war ich dann in diese Mönchs-Geschichte involviert, in die man mich suggestiv hineingelockt hatte.

Warum haben Sie sich überhaupt in die Esoterik-Szene begeben?
Mir war aufgefallen, dass Esoterik ganz beiläufig in immer mehr Lebensbereichen auftaucht. Yoga zum Beispiel wird heute zwar vor allem als Sport oder als Entspannungstechnik begriffen, weist aber immer noch viele esoterische Elemente auf. Als Journalist beschäftige ich mich im Alltag außerdem schwerpunktmäßig mit Bildungsthemen. Und da hatte ich mich gefragt, warum die Arbeitsagentur etwa eine Weiterbildung zum Astrologen fördert oder was Esoterik in Uni-Kursen zu suchen hat.

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DIE GRÜNEN: Alternativlos in die sozial-esoterische Teilhabe?

Die_GruenenBundestagswahljahr 2013. Entsprechend bringen die Parteien ihre Wahlprogramme auf Vordermann. Am kommenden Wochenende nun wollen die GRÜNEN/Bündnis90 über ihr Programm zur Bundestagswahl abstimmen.

Die Öko-Partei, längst in der politischen Mitte der Gesellschaft angekommen macht sich stark und mit Barbara Steffens wissen wir dass es Themen sind wie Alternativmedizin, Homöopathie, Anthroposophische Medizin welche über die sogenannte „Solidargemeinschaft“ finanziert werden sollen. Dagegen steht die evidenzbasierte Medizin, ein selbsterklärender Begriff, sollte man meinen. Den grünen Polit-Schamanen ist das nicht genug.
In der Bundesdelegiertekonferenz steht das Parteiprogramm zur Wahl, dort heißt es im Kapitel „G) Teilhaben an sozialer Sicherung“

„Patientinnen und Patienten müssen Wahlmöglichkeiten zwischen den unterschiedlichen Behandlungsarten auch unter Einbeziehung anerkannter alternativer Behandlungsmethoden haben

Eine sehr dehnbare Formulierung, sie kann aber als Bezugnahme auf den „Binnenkonsens“ der „Alternativmedizin“ interpretiert werden.

Es wird erfreulicher. Der Kreisvorstand Hagen, noch nicht im Zuckerkügelchen-Sumpf der Glaubuli-Fundamentalisten ersoffen, stellt den Antrag BTW-S-01-165.

In Z. 165/166 ist die Formulierung „unter Einbeziehung anerkannter alternativer Behandlungsmethoden“ mit dem Adjektiv „wissenschaftlich“ zu ergänzen. Die Formulierung soll lauten: „unter Einbeziehung wissenschaftlich anerkannter alternativer Behandlungsmethoden“

Begründung

In den beiden Abschnitten ab Z. 167 bzw. Z. 174 bekennen wir uns richtigerweise zu wissenschaftlich validierten Wirksamkeits- und Nutzenbewertungen für Medizinprodukte, Behandlungsmethoden und Arzneimittel. Gerade im Bereich der alternativen Behandlungsmethoden muss sichergestellt sein, dass von diesen tragfähigen Standards nicht abgewichen werden kann, wenn die Solidargemeinschaft zukünftig mit den Kosten solcher Behandlungsformen belastet werden soll.

Folgt man den im Antrag genannten wissenschaftlich validierten Wirksamkeits-und Nutzensbewertungen wird schnell klar, da bleibt nichts mehr übrig, von alternativen Heilmethoden, Schamanentum und Wunderheilerpraxis.

Der zweite Antrag(Kreisvorstand Freiburg), mit der Nummer BTW-S-01-165-1 postuliert nun:

Ersetze „auch unter Einbeziehung alternativer Behandlungsmethoden“ durch: „haben, sofern diese nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin anerkannt sind.“

Begründung

Die bisherige Formulierung verlangt, dass Patientinnen und Patienten auch Zugang zu anerkannten „alternativen“ Behandlungsmethoden haben, aber ohne zu klären, was mit diesem Begriff gemeint ist. Alternativ zu was? Vermutlich ist hier die „Schulmedizin“ gemeint, die aber als Begriff genauso wenig definiert ist. Wesentliches und einziges Kriterium dafür, ob Patientinnen und Patienten Zugang zu bestimmten Methoden haben sollen, sprich: ob die gesetzliche Krankenversicherung die Methode in den Leistungskatalog der beitragsfinanzierten Angebote übernehmen muss, sollte die Anerkennung der Methode nach fachlich-wissenschaftlichen Standards der Evidenzbasierten Medizin sein. Dies schließt eine gemeinsame Entscheidungsfindung unter Einbeziehung des Stands der Wissenschaft, der Präferenzen der Patientin/des Patienten und der Erfahrung des/der Behandelnden ein. Allein die wissenschaftliche Methode ist geeignet, einen ausreichenden Grad an Objektivität herzustellen, der davor schützt, dass Methoden ohne Nutzennachweis mit Kassenmitteln finanziert werden müssen. Durch die vorgeschlagene Formulierung wird der unklare Begriff „alternativ“ überflüssig, ohne die Behandlungsmethoden a priori auf die „Schulmedizin“ zu beschränken. Der Begriff der „anerkannten“ Methoden wird präzisiert.

Deutlicher kann man es nicht formulieren. Insider, die, die hierarchischen Hinterzimmer-Spielchen, durchaus kein Alleinstellungsmerkmal grüner Politiker, kennen befürchten nun, dass folgender Antrag die Mehrheit der Bundesdelegiertenkonferenz finden wird.

Herr Andreas Roll, Mitglied im Kreisvorstand Ludwigsburg spricht nun schon von „qualifizierter homöopathischer Behandlung.“

Antragsnummer: BTW-S-01-166-2
AntragstellerIn: Andreas Roll KV Ludwigsburg
Änderungsantrag zu BTW-S-01

Nach Zeile 166 („Patientinnen und Patienten müssen Wahlmöglichkeiten zwischen den unterschiedlichen Behandlungsarten auch unter Einbeziehung anerkannter alternativer Behandlungsmethoden haben.“) wird der folgende Satz eingefügt:

„Dabei machen wir uns auch stark für den allgemein freien Zugang zu jeder Allgemeinärztin und jedem Allgemeinarzt unabhängig von einer Kassenzulassung.“

Begründung:

Die berechtigte grüne Forderung nach Wahlmöglichkeiten bei den Behandlungsarten bleibt wirkungslos, wenn wir den Patientinnen und Patienten weiterhin die entsprechenden ärztlichen Strukturen versperren.
Gerade in den anerkannten und wirksamen alternativen Therapierichtungen wie z.B. der klassischen Homöopathie, ist diese Wahlfreiheit innerhalb der kassenvertragsärztlichen Versorgung nicht gewährleistet. Eine qualifizierte homöopathische Behandlung wird bisher fast ausschließlich privatärztlich erbracht, auch wenn viele Kassenärztinnen und -ärzte diese Therapierichtung aus Marketinggründen formal anbieten.
Keiner Patientin und keinem Patienten wird deshalb die Einschränkung der Wahl auf ÄrztInnen innerhalb eines Monopols der Kassenärztlichen Vereinigung gerecht. Die Krankenkassen müssen verpflichtet werden, auch die Kosten anerkannter alternativer Therapieverfahren zu übernehmen. Damit wird eine tatsächliche Wahlfreiheit für alle Patientinnen und Patienten unabhängig von deren sozialem Status sichergestellt.

Die beiden vernünftigen Änderungsanträge haben wohl keine Chance auf dem Parteitag angenommen zu werden, dort wird die Unvernunft grassieren und die Idiotie fröhliche, alternative Urständ feiern.

Zum Abschluss möchte ich Prof. Edzard Ernst zu Worte kommen lassen. In einem Interview mit dem Schweizer “Tagesanzeiger” sprach Prof. Edzard Ernst über tatsächlich wirkungsvolle Komplementärmedizin, den Placebo-Effekt bei Säuglingen, mittelalterliche Homöopathie-Mythen und den aktuellen Stand der Forschung.

Demnach ist Prof. Ernst überzeugt, dass

“die Homöopathie auf Grund der heutigen Datenlage eine widerlegte Methode ist. Die wissenschaftlichen Methoden sind zwar nicht geeignet, einen Negativbeweis zu erbringen. Aber irgendwann kommt man zum Punkt, an dem man die Wirkungslosigkeit einer Methode eingestehen muss. […]

Denn über alle 200 vorliegenden Studien betrachtet ist die Wirkung der Homöopathie nicht belegt. Ihre beiden Hauptprämissen – starke Verdünnung soll stärkere Effekte bringen und Ähnliches soll mit Ähnlichem geheilt werden – sind wissenschaftlich nicht haltbar. […]

Wir haben uns deshalb zu folgender Wette entschlossen: Wenn jemand den wissenschaftlichen Nachweis für die Wirksamkeit der Homöopathie liefert, zahlen wir ihm 100.000 Dollar. Das Angebot besteht seit einem Jahr. Abgeholt wurde das Geld bisher nicht.”

Vielleicht sollte sich Herr Andreas Roll um die ausgelobten 100KUS$ bewerben.

Danke für den Tipp. 😉

Alternativmedizin: Edzard gegen Charles

Edzard Ernst war der erste Professor für Alternativmedizin in Großbritannien.

Edzard Ernst erforscht die Alternativmedizin mit wissenschaftlichen Methoden – und ernüchternden Resultaten. Damit hat er sich viele Feinde gemacht, bis ins britische Königshaus. Als seine Universität ihn loswerden wollte, kam es zum Machtkampf.

Von Max RaunerZEIT ONLINE

Es ist schon Mittag, aber noch ruhig. Keine Hassmails von Homöopathen, keine Briefe von Anwälten, kein Ärger mit Prinz Charles. Aber das kann ja noch kommen. Edzard Ernst sitzt im Restaurant der Royal Society of Medicine in London und bestellt ein Sirloin-Steak medium rare, dazu Wasser, keinen Wein, er muss noch Vorträge halten. Mit Lesebrille, Schnauzbart und Doppelkinn sieht er sehr britisch aus, aber vielleicht ist das Einbildung, jedenfalls ist Ernst, geboren 1948 in Wiesbaden, seit zwölf Jahren britischer Staatsbürger. Er liebt dieses Land, er sagt: »Man wird hier nicht nach der Größe des Autos beurteilt.« Nur die Sache mit dem Königshaus, die könne man sich als Deutscher nicht vorstellen.

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Heiler Braco verzückt die Massen – das menschliche Placebo

Kann alles und tut wenig: Braco.

«Die Leute schwanken, zittern und weinen»: Im Kongresshaus lässt Heiler Braco seine angeblichen Wunderkräfte wirken. Er bewegt sich dabei auf dünnem Eis.

Von Hugo StammTages Anzeiger

Braco, ein Name, der bei vielen Anhängern der Esoterik und Alternativmedizin die Augen zum Leuchten bringt und ihnen ein verklärtes Lächeln ins Gesicht zaubert. Braco ist alles – und nichts. Er kann alles – und tut wenig. Braco ist ein Phänomen, das Wunder vollbringen soll. Mindestens bezeugen es seine Anhänger. Und davon gibt es viele. In Europa, den USA und Japan. Und in der Schweiz. Dies stellt der Wunderheiler am Sonntag im Kongresshaus unter Beweis, wenn Hunderte, vielleicht Tausende anreisen.

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Homöopathie & Co Bullshistic, ein uferloses Thema

Quelle: cimddwc.net

“Alternativmedizin” – wirklich eine Alternative?

Von Bernd HarderGWUP-Blog

Die Zeitschrift Arzneiverordnung in der Praxis wird herausgegeben von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.

In der aktuellen (Juli-) Ausgabe findet sich ein bemerkenswertes Editorial von Prof. Dr. med. Klaus-Dietrich Bock (Kreuth) und Prof Dr. med. Manfred Anlauf (Bremer­haven) zu der Fragestellung “Ist die alternative Medizin eine Alternative”?

Darin fordern sie unter anderem ein Pflicht- und Prüfungsfach “Theorie der Wissenschaftli­chen Medizin” im Studium.

Der Beitrag streift überdies zahlreiche Stichworte und Überlegungen, die auch in den Skeptiker-Blogs schon diskutiert worden sind, deshalb im Folgenden einige Auszüge.

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Medizin ist keine Naturwissenschaft!

Eine Wand. Herr Müller sitzt bequem im Stuhl. Die Wand mit einem riesigen Regal, kleine Fächer, fast wie in einem Setzkasten der Drucker. Statt Bleilettern befindet sich in jedem Fach eine kleine Flasche mit Zuckerkügelchen. Globulis.

Sein Arzt hat ihm erklärt, dass er zur weiteren Behandlung des nicht heilbaren Reizhustens nun herausfinden will, auf welches homöopathische „Medikament“ denn der Herr Müller besonders reagiere.  Zu diesem Zweck wird der Puls gefühlt und der Dok nimmt einzelne Fläschchen in die Hand. Bei einem beschleunigtem Puls würde er eine Beziehung von Körper und „Medikament“ feststellen.  Wie das wirken soll ist dem Herrn Müller ein Rätsel, aber in Vertrauen auf seinen Arzt lässt er sich die Prozedur gefallen und die Hoffnung den lästigen Reizhusten loszuwerden wird stärker.

So, oder ähnlich werden in Deutschland tagtäglich die kleinen runden Zuckerkügelchen zur Behandlung von Leiden separiert und dann eingesetzt.

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Schweiz: Alternativmedizin in die Grundversicherung

Schamane(Arzt, 2012, Schweiz), Quelle: wheel-of-games.com

Die Homöopathie, die anthroposophische Medizin, die Neuraltherapie sowie die Phytotherapie und die Traditionelle Chinesische Medizin werden in der Schweiz ab 2012 wieder Teil der Grundversorgung. Auf diese Entscheidung des Gesundheitsministers Didier Burkhalter hat der Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) im Januar hingewiesen.

Deutsches Ärzteblatt

Der frühere Gesundheitsminister Pascal Couchepin hatte die fünf komplementärmedizinischen Behandlungsmethoden 2005 aus dem Leistungskatalog gestrichen. Bei einer Volksbefragung, der sogenannten Komplementärmedizin-Initiative, sprachen sich die Schweizer 2009 aber zu zwei Dritteln für die Alternativmedizin aus.

Anders die Eidgenössische Kommission für Leistungen und Grundsatzfragen (ELGK): Sie empfahl dem Bundesrat im vergangenen Dezember, die genannten Heilverfahren nicht wieder in den Leistungskatalog der obligatorischen Krankenversicherung aufzunehmen. Die Stellungnahme der Kommission war im Streit um die Komplementärmedizin von Bedeutung. Sie galt als maßgebliche Grundlage für einen Entscheid von Gesundheitsminister Didier Burkhalter.

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Künast – die grüne Esotante

Renate Künast, wikipedia

Die SPD initiiert im Sommerloch eine kleine mediale Explosion. Die Krankenkassen sollen auf Grund knapper Kassen homöopathische Leistungen nicht mehr bezahlen.

Karl Lauterbach, Gesundheitspolitiker der SPD hat die Brandfackel geworfen. Homöopathie, der Glaube an Zucker, Wasser und nicht näher bestimmbare Wirkstoffe. Nun ist ja die SPD so progressiv nicht. In einer Vielzahl von esoterischen Messen, Veranstaltungen fungieren SPD-Politiker als Schirmherren und schreiben den Esospinnern nette Worte in die Poesie-Alben. Homöopathie und Alternativmedizin sind nicht wissenschaftlich zu belegen. Heilungserfolge zweifelhaft und oftmals nicht zu reproduzieren, trotzdem ein Milliardenmarkt. Der Glaube ans Placebo versetzt bekanntlich Berge. Von Plutonium bis Hundescheisse reicht die Palette angeblich homöopathischer Wirkstoffe. All das wird bisher von den Krankenkassen bezahlt, billig sind solche Medikamente nicht.

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