Katholiban: Polnisches Parlament stimmt für völliges Abtreibungsverbot

foto: afp photo / wojtek radwanski Protest gegen das geplante Abtreibungsverbot in Warschau am Donnerstag.
foto: afp photo / wojtek radwanski Protest gegen das geplante Abtreibungsverbot in Warschau am Donnerstag.
267 Abgeordnete stimmten in erster Lesung für das umstrittene Gesetz, das Schwangerschaftsabbrüche nur noch bei Lebensgefahr zulässt. Bei Verstößen drohen fünf Jahre Haft

dieStandard.at

Das polnische Parlament hat am Freitag einen umstrittenen Gesetzesentwurf für ein Abtreibungsverbot in erster Lesung angenommen. Das Projekt der Bürgerinitiative „Stop Aborcji“ (Stoppt Abtreibungen) wurde zur Überarbeitung in einen Ausschuss weitergeleitet. Dafür stimmten 267 Abgeordnete, 154 waren dagegen, elf enthielten sich.

Das Gesetz sieht ein komplettes Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen sowie Haftstrafen für ÄrztInnen und Frauen vor. Die drohende Rechtsverschärfung führte zu Protesten, Frauen würden dadurch entmündigt, kritisieren GegnerInnen. In sozialen Medien wird unter dem Hashtag #czarnyprotest (schwarzer Protest) gegen die Entrechtung der Frauen protestiert. Als Zeichen der Solidarität tragen AktivistInnen schwarze Kleidung.

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Bundesregierung: Ärzte verhindern Abschiebungen

© dpa Eine Ärztin untersucht in einer mobilen Praxis einen Flüchtling aus Syrien
© dpa Eine Ärztin untersucht in einer mobilen Praxis einen Flüchtling aus Syrien
Viele Ärzte in Deutschland verhindern offenbar durch falsche Atteste die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber – behauptet zumindest die Bundesregierung. Doch es gibt zahlreiche Einzelfälle, in denen die Rückführung tatsächlich bedenklich ist.

Von Julian Staib | Frankfurter Allgemeine

An Erijon Havolli kann man sehen, wie schwierig das alles ist. Der acht Jahre alte Junge aus dem Kosovo lebt mit seiner Familie – Mutter, Vater und dem sechs Jahre alten Bruder – in Bammental, im Norden Baden-Württembergs. Der Junge ist schwer krank. Er leidet an einer Fehlbildung des Darmes, musste bereits mehrere Operationen über sich ergehen lassen, ist gezwungen stets Windeln zu tragen, die häufig gewechselt werden müssen, und muss wohl sein Leben lang ein tägliches Darmspülverfahren über sich ergehen lassen. In Kindergarten oder Schule geht er nicht, weil der Gestank, der von ihm ausgeht, so groß ist. Dem Jungen sei in der Heimat der Bauch „zerschnibbelt“ worden, sagt ein Ehrenamtlicher, der sich für das Kind einsetzt, und wenn er von dessen Schicksal erzählt, dann versagt ihm die Stimme.

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Hautkrebs-Spezialisten loben den Burkini

burkiniDer politisch höchst umstrittene Burkini ist aus Sicht von Ärzten eine wirksame Methode zur Vorbeugung von Hautkrebs.

n-tv

Da die Wirkung von Sonnenschutzmitteln einer Studie zufolge begrenzt sei, wäre entsprechende Kleidung der beste Schutz, sagte der Präsident der Europäischen Vereinigung der Dermato-Onkologen, Claus Garbe. Eine denkbare Variante sei der Burkini. Dieser sei ursprünglich von einer Australierin entwickelt worden. In Australien ist die Gefahr, an Hautkrebs zu erkranken, besonders hoch. 50 Prozent der Burkinis würden von Nicht-Musliminnen gekauft, meint Garbe.

Christen-Moralisten warnen vor „Abtreibungsautomatismus“

Ist das Baby behindert? Mit Ultraschall-Untersuchungen allein lässt sich das nicht herausfinden.Foto: picture alliance / dpa
Müssen Krankenkassen neue Schwangerschaftstests bezahlen, die gezielt nach Behinderungen suchen? Die Zuständigen wollen das nicht alleine entscheiden.

Von Rainer Woratschka | DER TAGESSPIEGEL

Gewöhnlich lassen sich gesetzliche Krankenversicherer, Ärzte und Kliniken nur ungern in ihre Entscheidungen hineinreden, was als Kassenleistung bezahlt wird und was nicht. Doch bei der Frage, ob ein neuer Schwangerschaftstest zum Leistungskatalog gehören soll, rufen sie im Gemeinsamen Bundesausschuss nun nach dem Gesetzgeber.

Die Angelegenheit berühre „fundamentale ethische Grundfragen unserer Werteordnung“, die man nicht allein mit wissenschaftlich-technischen Prüfkompetenzen beantworten dürfe, lautet die Begründung. Das Parlament sei „gefordert, hier Grenzen und Bedingungen zu definieren“.

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Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung bleibt in Kraft

St. Isidor, Schutzpatron des Internet
St. Isidor, Schutzpatron des Internet
Das Gesetz zur anlasslosen Vorratsdatenspeicherung vom 10. Dezember 2015 bleibt vorerst weiter in Kraft.
 

evangelisch.de

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat in zwei am Freitag veröffentlichten Beschlüssen Eilanträge gegen das Gesetz zur anlasslosen Vorratsdatenspeicherung zurückgewiesen. Unter anderem mehrere Journalisten, der Deutsche Journalisten Verband (DJV), Ärzte, Anwälte und auch Mitglieder des Bundestages und des Berliner Abgeordnetenhauses wollten das Gesetz im Eilverfahren stoppen. (AZ: 1 BvQ 42/15 und 1 BvR 229/16)

Das Gesetz sieht vor, dass bei der Nutzung von Telekommunikation, Internet und Mobilfunk alle Verbindungsdaten der Bürger generell gespeichert werden. Nach einer Übergangsfrist von 18 Monaten sollen Netzbetreiber die Verbindungsinformationen ihrer Kunden zehn Wochen lang und Standortdaten einen Monat lang speichern. Auf diese Weise soll die Aufklärung von Straftaten erleichtert werden.

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Auf der Jagd nach der nächsten großen Seuche

Höchste Sicherheitsstufe im CDC: Spezialanzüge schützen vor den tödlichen Erregern Foto: picture alliance / dpa
Der Auftrag: Seuchen finden und bekämpfen. Das Budget: Milliardenschwer. Die Menschen: Cool und professionell. Zu Gast bei der mächtigste Seuchenschutzbehörde der Welt, im Center for Disease Control.

Von Katja Ridderbusch | DIE WELT

Ängste schürt Anne Schuchat nicht leichtfertig. Dafür ist sie zu sachlich, zu unaufgeregt, zu geerdet. Doch im Fall von Zika, jenem Virus, das von Mücken übertragen wird und schwere Schädelfehlbildungen bei ungeborenen Kindern auslösen kann, wählt sie deutliche Worte. „Zika ist gefährlich. Gefährlicher noch, als wir zunächst befürchtet haben.“

Schuchat ist Ärztin im Admiralsrang des National Health Service, des öffentlichen Gesundheitsdienstes der USA. Aber vor allem ist sie die mächtigste Seuchenjägerin der USA. Sie ist Vizechefin der amerikanischen Gesundheits- und Seuchenschutzbehörde, der Centers for Disease Control and Prevention, kurz CDC.

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So verkauft der IS seine Sex-Sklaven via Whatsapp

Lamiya Aji Bashar war Sexsklavin des IS. Sie wurde bei der Flucht von einer Mine schwer verletzt. Die Terroristen nutzen Messenger wie Whatsapp und Telegram, um die Frauen zu verkaufen © Picture-Alliance
Unter der Terror-Herrschaft des IS leiden vor allem junge Frauen. Sie werden wie Vieh gehandelt – und per Aktion bei Messengern wie Telegram oder Whatsapp versteigert. Sogar Kinder sind darunter.

Von Malte Mansholt | stern.de

Dass gerade Frauen unter der Herrschaft der Terror-Organisiation „Islamischer Staat“ (kurz IS) leiden, wurde schon häufig dokumentiert. Die selbsternannten Gotteskrieger zwingen sie, sich zu verschleiern, ihre Rechte werden extrem beschnitten. Vermeintlich ungläubigen Frauen droht aber ein besonders dramatisches Schicksal: Sie werden als Sex-Sklavinnen gehalten – und wie Vieh verkauft. Vor allem über verschlüsselte Messenger wie Whatsapp und Telegram.

In den Apps fühlen sich die Terroristen sicher. Sie nutzen sie nicht nur zur Rekrutierung und Kommunikation mit ihren Anhängern. In offenen Gruppen werden Frauen regelrecht versteigert. Die US-Nachrichtenagentur „Associated Press“ ist nun erstmals an solche Chats gelangt. Beliebt ist vor allem der im Nahen Osten verbreitete Messenger Telegram, aber auch Whatsapp und Facebook werden für den perversen Handel missbraucht, erzählt Lamiya Aji Bashar der Agentur. Die 18-Jährige Jesidin konnte aus den Fängen ihres Besitzers entkommen.

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Türkei verweigert Flüchtlingen Ausreise nach Deutschland

Die Türkische Nationalversammlung "Der Souverän ist ausnahmslos das Volk" (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
Die Türkische Nationalversammlung „Der Souverän ist ausnahmslos das Volk“ (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
In Dutzenden Fällen untersagt die Türkei die Ausreise von Syrern – obwohl die Menschen deutsche Visa haben. Vor allem Ingenieure und Ärzte sollen zurückgehalten werden.
 

Süddeutsche.de

Dutzende syrische Flüchtlinge dürfen nicht nach Deutschland weiterreisen, obwohl sie ein Visum haben. Die Türkei verwehrt ihnen die Ausreise, teilte das Bundesinnenministerium mit. Seit Inkrafttreten des Flüchtlingspakts hätten die türkischen Behörden 52 Syrer  zurückgehalten.

Bei 292 Syrern sei die Ausreise dagegen erlaubt worden. Sie seien seit April in die Bundesrepublik übergesiedelt. Zuletzt ging ein Flug von Istanbul aus am vergangenen Donnerstag. Die Ausreisegenehmigung ist der letzte Schritt vor der legalen Übersiedlung nach Deutschland. Zuvor werden die Flüchtlinge überprüft, ihnen werden Visa erteilt und sie werden auf Flüge gebucht. An der Ausreisegenehmigung scheiterte demnach gut jeder siebte Flüchtling, der bereits eine Einreisegenehmigung für Deutschland bekommen hat.

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Verbrechen durch NS-Ärzte: Morden im Namen der Wissenschaft

USHMM / NARA
In unvorstellbar grausamen Experimenten töteten und quälten Ärzte im „Dritten Reich“ unter dem Deckmantel der Forschung. Medizinische Institute leugneten ihre dunkle Vergangenheit – über viele Jahrzehnte.

Von Yvonne Schymura|EINESTAGES/SpON

Im Keller des Straßburger Instituts für Anatomie stehen große, gekachelte Becken. Mit ihren Abdeckungen wirken sie wie riesige Gefriertruhen. Doch werden darin Leichen präpariert – heute wie vor 70 Jahren. Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied.

Ab Oktober 1941 leitete der Anatom und Medizinprofessor August Hirt die „Reichsuniversität Straßburg“. Anders als heutige Mediziner wartete Hirt jedoch nicht auf das Eintreffen der Körper etwa durch Krankheit oder Unfälle Verstorbener – er gab die Toten direkt in Auftrag: Im nahegelegenen KZ Natzweiler ließ Hirt jüdische Männer und Frauen vergasen, um an ihre Knochen zu kommen.

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Syrische Flüchtlinge überdurchschnittlich gebildet

Foto: dpa Klassen mit Flüchtlingen gehören in Deutschland mittlerweile an vielen Schulen zum Alltag wie hier in Ravensburg
Eine Statistik des UN-Flüchtlingshilfswerks zeigt: Aus Syrien fliehen speziell Angehörige gebildeter Schichten. 86 Prozent besitzen Abitur oder einen Uniabschluss. Das Hilfswerk fordert Konsequenzen.

DIE WELT

Syrien verliert seine intellektuelle Elite: Einer neuen Umfrage zufolge, zählen zu den Flüchtlingen, die Europa erreichen, überproportional viele Menschen aus gebildeten Schichten. Das geht aus einer Befragung von mehr als 1200 Asylsuchenden hervor, deren Ergebnisse das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR am Dienstag in Genf veröffentlichte.

Den Angaben zufolge besitzen 86 Prozent der syrischen Flüchtlinge einen Oberschul- oder Universitätsabschluss. Die größten Gruppen stellten Studenten und Fachkräfte, darunter Lehrer, Rechtsanwälte, Ärzte, Bäcker, Designer, Friseure und IT-Fachleute. Gut 62 Prozent stammten aus den größten syrischen Städten Damaskus und Aleppo.

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UNO: IS zahlt Rekrutierern bis zu 10.000 Dollar pro Kämpfer

Bild: REUTERS
Die höchsten Summen werden UN-Experten zufolge für gut ausgebildete IS-Unterstützer wie Computerspezialisten oder Ärzte gezahlt.
 

Die Presse.com

Die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) zahlt nach Angaben von UN-Experten viel Geld für die Rekrutierung ausländischer Kämpfer für Syrien und den Irak: In Belgien hätten Rekrutierer bis zu 10.000 Dollar (8.700 Euro) pro angeworbenem Kämpfer erhalten, sagte Elzbieta Karska, die im Auftrag des UN-Menschenrechtsrats den Einsatz ausländischer Kämpfer beim IS untersucht, am Freitag in Brüssel.

Die höchsten Summen würden für gut ausgebildete IS-Unterstützer wie Computerspezialisten oder Ärzte gezahlt, erklärte die polnische Menschenrechtsanwältin. Nach Schätzungen ihrer Arbeitsgruppe sind bisher rund 500 Extremisten aus Belgien zum Kämpfen nach Syrien und in den Irak gereist. Das Durchschnittsalter der Kämpfer liegt den Angaben zufolge bei 23 Jahren – Tendenz sinkend. Gestiegen ist dagegen zuletzt die Zahl der ausgereisten Mädchen und Frauen.

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Kalifornien: Ärzte dürfen künftig beim Suizid von Patienten helfen

In Kalifornien ist es Ärzten nun in bestimmten Fällen erlaubt, beim Suizid zu assistieren. © Picture Alliance
Die Sterbehilfe ist ein großes Thema: In Kalifornien wird sie nun in manchen Fällen möglich sein. Per Gesetz wird Ärzten erlaubt, beim Suizid von todkranken Patienten zu assistieren.
 

stern.de

Im US-Bundesstaat Kalifornien sollen Ärzte künftig todkranken Patienten beim Suizid helfen dürfen. Gouverneur Jerry Brown unterzeichnete am Montag das entsprechende Gesetz, um das es im Vorfeld heftige Diskussionen gegeben hatte. Er habe vor der Unterschrift sowohl mit Ärzten gesprochen als auch mit Vertretern der katholischen Kirche, die die Sterbehilfe ablehnt. „Am Ende habe ich mich gefragt, was ich im Angesicht meines eigenen Todes wollen würde“, erklärte Brown.

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Warum Medien über den Terror berichten

Möchten gerne wissen, wo und wann genau Anschläge stattgefunden haben und ob mit weiteren zu rechnen ist – und zwar bevor die Behörden sie darüber informieren: Urlauber in Tunesien. (Foto: dpa)
Machen sich Journalisten zu Handlangern des internationalen Terrors, indem sie groß über die Anschläge berichten? Dieser Vorwurf fällt immer wieder – vor allem aber von Leuten, die jede Meldung begierig lesen.


Von Ruth Schneeberger|Süddeutsche.de

Terroristen brauchen Öffentlichkeit. Im stillen Kämmerlein Touristen, Journalisten, „Ungläubige“ zu enthaupten oder zu erschießen, bringt kaum den gewünschten Effekt, der da lautet: weltweit Angst und Schrecken zu verbreiten, um die eigene Macht zu vergrößern und weitere Anhänger zu gewinnen. Ohne Berichterstattung kein – falscher – Ruhm, ohne ständige Liveticker zu jedem neuen Attentat wäre zumindest weniger Stilisierung zu Helden innerhalb der Terroristen-Szene möglich. Je mehr Berichterstattung über terroristische Anschläge stattfindet, desto mächtiger werden die Täter und Strippenzieher. Meinen sie.

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Entwurf für ärztliche Suzidhilfe

Hat gemeinsam mit Abgeordneten anderer Fraktionen einen Entwurf für ärztliche Suizidhilfe eingebracht: CDU-Parlamentarier Peter Hintze Foto: CDU/CSU
Eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten hat nach einem Bericht der „Welt am Sonntag“ einen Gesetzentwurf mit Bedingungen verfasst, unter denen nach ihrer Meinung Ärzte Sterbehilfe für todkranke Menschen leisten dürfen. Nach geltender Rechtslage sind Suizid und Beihilfe nicht strafbar, aktive Sterbehilfe ist dagegen verboten.


pro Medienmagazin

In diesem Jahr will der Bundestag über eine Neuregelung der Sterbehilfe entscheiden. Eine Gruppe um CDU-Bundestagsvizepräsident Peter Hintze und den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach verzichte auf strafrechtliche Vorschriften, schreibt die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf den Entwurf. Stattdessen wolle sie im Bürgerlichen Gesetzbuch einen neuen Paragrafen zur „ärztlich begleiteten Lebensbeendigung“ einfügen.

Festgelegt werde dabei, dass die Hilfe des Arztes „freiwillig“ sein müsse. Erfolgen dürfe sie nur, wenn der Patient dies „ernsthaft und endgültig“ wünsche und eine ärztliche Beratung über andere Behandlungsmöglichkeiten sowie über die Durchführung der Suizidassistenz stattgefunden habe. Zudem müsse die Unumkehrbarkeit des Krankheitsverlaufs sowie die Wahrscheinlichkeit des Todes medizinisch festgestellt und ebenso wie der Patientenwunsch und die Einwilligungsfähigkeit des Patienten durch einen zweiten Arzt bestätigt werden.

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Die Würde im Tod

Rund 60 Interessierte aus ganz Deutschland nahmen an der Veranstaltung in Bielefeld teil. © Heinz-Peter Katlewski
Ärzte, Rabbiner und Pflegekräfte diskutierten über das Ende des Lebens


Von Heinz-Peter Katlewski|Jüdische Allgemeine

Zu einem Seminar über jüdische Perspektiven auf das Sterben waren von Donnerstag bis Sonntag 60 Teilnehmer aus ganz Deutschland nach Bielefeld gekommen. Die meisten von ihnen vertraten jüdische Gemeinden. Eingeladen hatten das Klinikum Bielefeld, die Allgemeine Rabbinerkonferenz, die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland und die Jüdische Kultusgemeinde Bielefeld.

Zum ersten Mal hatten Rabbiner, Ärzte, Pflegekräfte und Ehrenamtliche in der jüdischen Sozialarbeit Gelegenheit, sich in Quellen zu vertiefen und darüber auszutauschen, wie aus der jüdischen Tradition heraus die Würde des Menschen zu verstehen und zu wahren sei, vor allem, ob und in welcher Weise der Sterbeprozess beeinflusst werden dürfe. Neun Rabbinerinnen und Rabbiner der liberalen und konservativen Richtung im Judentum nahmen an dieser Veranstaltung teil, außerdem nichtjüdische Ärzte und Mitarbeiter von Palliativstationen.

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Medizindaten: Von elektronischer Patientenkarte bis zur digitalen Selbstvermessung

Immer mehr Patienten betreiben Selbstvermessung. (Deutschlandradio Kultur)
Das digitale Datenvolumen verdoppelt sich etwa alle zwei Jahre. Auch immer mehr Ärzte, Forscher und Firmen im Gesundheitsbereich arbeiten mit großen Datenmengen, die Patienten teilweise selbst generieren. Über die ethischen und rechtlichen Herausforderungen von Big Data haben Experten nun bei der Jahrestagung des Ethikrates diskutiert.


Von Jennifer Rieger|Deutschlandfunk

Auch im medizinischen Bereich hält die Digitalisierung Einzug, sagt Klaus Mainzer, Professor für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Technischen Universität München:

„Wir kennen das alle aus der ärztlichen Praxis, der Mediziner oder die Medizinerin sitzen dann in der Regel am Computer, während sie mit uns Patienten sprechen und halten die Daten fest und dann kommen noch die Krankenhausdaten dazu und, und, und, das heißt es entsteht im Laufe der Zeit ein Profil von uns, das natürlich sehr hilfreich ist, die Daten können auch sofort zur Verfügung stehen, wenn uns irgendwas passiert.“

Doch nicht nur die Behandlungsdaten einzelner Patienten und die Ergebnisse klinischer Studien tragen bei zur Datenflut – inzwischen generieren Patienten auch selbst gesundheitliche Daten. Mit der Hilfe mobiler Apps oder sogenannter Wearables – digitalen Geräten, die die Nutzer am Körper tragen – können sie genau aufzeichnen, wie sie sich verhalten, was sie essen, wie viel Sport sie treiben und wie tief sie schlafen. Und auch wer seine Grippesymptome googelt, hinterlässt Hinweise auf seinen gesundheitlichen Zustand im Netz.

Enormes Potenzial für die Wissenschaft

Big Data, das steht für diese riesigen heterogenen Datenmengen – und den Umgang mit ihnen. Für die medizinische Forschung birgt Big Data enormes Potenzial, erläutert Epidemiologe Henry Völzke von der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.

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Sterbehilfe und christliche Intelligenzallergie

sterben

„Dörflinger und Sensburg verweisen zu Recht darauf, dass eine Ausnahmeregelung für den durch Angehörige und Ärzte assistierten Suizid einen völlig neuartigen Erwartungs- und Entscheidungshorizont am Lebensende eröffnen würde.“


Von Dr. Axel W. Bauer|kath.net

Die beiden Bundestagsabgeordneten Thomas Dörflinger und Patrick Sensburg haben einen Gesetzentwurf zum geplanten § 217 StGB vorgelegt, der sehr zu begrüßen ist. Durch diesen Entwurf sollen Anstiftung und Beihilfe zum Suizid ausnahmslos unter Strafe gestellt werden. Insbesondere soll es keine Ausnahmen und Privilegien für Angehörige und Ärzte geben.

Dörflinger und Sensburg verweisen zu Recht darauf, dass eine Ausnahmeregelung für den durch Angehörige und Ärzte assistierten Suizid einen völlig neuartigen Erwartungs- und Entscheidungshorizont am Lebensende eröffnen würde. Wenn lebenserhaltende Therapie und Tod als gleichwertige Alternativen gesehen würden, so würde der Patient, der sich für die Lebenserhaltung entschiede, den Angehörigen und der Gesellschaft gegenüber dafür begründungspflichtig. Mit seiner Entscheidung verursachte er in der Folge nämlich weitere Kosten für Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung und belastete dadurch seine Familie. Das Leben wäre nur noch eine von zwei möglichen Alternativen, zwischen denen er entscheiden soll. Dieser Erwartungs- und Entscheidungshorizont eröffnet sich für den Betroffenen in einer gesundheitlichen Lage, in der er schwach und an der Grenze seiner Entscheidungsfähigkeit angelangt ist.

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Sterbehilfe: Meinungen von Kirche und Gesellschaft gehen auseinander

Bild: letzte-hilfe.de
Bild: letzte-hilfe.de
Bei der Diskussion um die Sterbehilfe prallen weltliche und christliche Wertesysteme aufeinander. Die Kirche positioniert sich deutlich dagegen.


Von Stefanie Schoene|Augsburger Allgemeine

Ignatz Meszaros ist fest im Glauben verwurzelt, seine Haltung zur Selbsttötung klar: „Meine Frau ist seit sechs Jahren sehr schwer krank. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Leben ausgelöscht wird. Gott hat es ihr geschenkt, es zu nehmen, wäre gegen seinen Plan.“ Von der Informationsveranstaltung „Sterben nach Plan?“ des Diözesanrats der Katholiken erhofft er sich eine klare Stellungnahme der Kirche zu Freitod und Sterbehilfe.

Die Beihilfe zur Selbsttötung – also das Gift besorgen – ist bisher eine straffreie Form der Sterbehilfe, weil die Haupttat, der Suizid, nicht strafbar ist. Voraussetzung: Der Sterbewillige muss die Kontrolle haben, also das Gift selbst einnehmen. Die Helfer riskieren auch nicht mehr, wegen unterlassener Hilfeleistung belangt zu werden, weil sie keine Rettung versucht haben. 2010 sprach ein Gericht einen Notarzt von der Rettungsverpflichtung bei einem eindeutig autonomen Freitod frei.

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Citizen Science: „Nur Laien können Experten kontrollieren“

Bild. heise.de
Sie sammeln Daten, forschen über Lokalgeschichte, bieten mit fundiertem Wissen der Atom-Lobby Paroli oder arbeiten emsig an frei zugänglichen Enzyklopädien wie Wikipedia mit: die Laien-WissenschaftlerInnen. Peter Finke, pensionierter Professor für Wissenschaftstheorie und Kulturökologie, hat diese „Forscher-Szene“ in dem Buch „Citizen Science – Das unterschätzte Wissen der Laien“ analysiert. Im Telepolis-Email-Interview erklärt Finke, warum er heute nicht mehr studieren möchte und akademische ebenso wie politische Maßstäbe neu justiert werden müssen, um eine echte Wissensgesellschaft zu formen.


Von Brigitte Zarzer|TELEPOLIS

Herr Professor Finke, Sie sind Wissenschaftstheoretiker und lehrten ab 1982 an der Universität Bielefeld. Im Jahr 2006 traten Sie aus Protest gegen die Bologna-Reform aus dem regulären Dienst aus. – Was hat Sie damals besonders geärgert, was waren Ihre Befürchtungen?

Peter Finke: Die Selbstverständlichkeit, mit der die Politik von der Wissenshaft verlangt hat, sie solle europaweit die Universitätsstrukturen so umbauen, wie sie es vorschreibt, einheitlich noch dazu: Das fand ich unmöglich, frech, unzumutbar. Das ist erstens Fremdbestimmung, passt nicht zu den Lobreden auf die Freiheit der Wissenschaft, und zweitens ist es dumm, denn niemand kennt die beste Struktur; man muss Vielfalt zulassen und Verschiedenes ausprobieren dürfen. Es war also weniger meine Kritik an der Bachelor-Master-Struktur (die nur in zweiter Linie), sondern die am Übergriff der Politik auf einen Bereich, wo sie nichts zu suchen hat.

Meine Befürchtungen waren: (1) Wenn die Wissenschaftler das hinnehmen, dann machen die Politiker das immer wieder, und (2) dass durch die Reform, die Verwaltung abbauen und alles international vereinfachen sollte, das Gegenteil bewirkt wird. Und so ist es gekommen: Nichts ist dadurch so gewachsen wie die Verwaltungsebenen und Evaluierungskommissionen.

Wenn Sie die Entwicklung an den Universitäten beobachten: Was stört Sie heute am meisten?

Peter Finke: Am meisten stört mich die Lethargie der Wissenschaftler. Wir haben uns früher noch immer gegen das meiste gewehrt, was aus den Ministerien kam. Jetzt nimmt man alles meist schulterzuckend hin. Fremdbestimmung pur. Freiheit der Wissenschaft? Dass ich nicht lache.

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Schwachsinn: Bei assistiertem Suizid sind Pfarrer eher gefragt als Ärzte

sterben

In der Debatte um eine Freigabe des assistierten Suizids durch eine bestimmte Berufsgruppe sieht der Medizinethiker Eckhard Nagel Seelsorger eher gefragt als Ärzte.


Von Corinna Buschow|evangelisch.de

„Wenn die Gesellschaft jemanden sucht, der diese Aufgabe übernimmt, dann sind es eher Pastorinnen und Pfarrer, sicherlich nicht Ärzte“, sagte er in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Am Donnerstag debattiert der Deutsche Ethikrat in öffentlicher Sitzung über Sterbehilfe. Nagel ist Mitglied in dem Gremium.

Die Kirchen hätten sich schon immer in besonderer Art den Sterbenden zugewandt, sagte Nagel, der auch dem Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags angehört. Für den assistierten Suizid, das Überlassen eines tödlichen Medikaments, brauche man kein spezielles medizinisches Vorwissen, erklärte der Ärztliche Direktor des Uniklinikums Essen. „Warum sollte das nicht mit einem geistlichen Gespräch oder vielleicht einem gemeinsamen Gebet gemacht werden“, sagte er. Nagel ergänzte, er wisse, dass die Entscheidung zum Suizid in katholischer oder protestantischer Glaubensüberzeugung kaum zu akzeptieren sei.

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