Hausgemachte Tuberkuloseepidemie in Indien

foto: apa / epa / farooq khan Bis zu 6,8 Millionen Tuberkulosepatienten gibt es in Indien, wie eine neue Studie zeigt. In staatliche Spitäler, wie hier in Kaschmir, kommen nur 41 Prozent – auch weil Ärzte sie nicht informieren.
foto: apa / epa / farooq khan Bis zu 6,8 Millionen Tuberkulosepatienten gibt es in Indien, wie eine neue Studie zeigt. In staatliche Spitäler, wie hier in Kaschmir, kommen nur 41 Prozent – auch weil Ärzte sie nicht informieren.
Doppelt so viele Menschen sind im Land an Tuberkulose erkrankt, als bisher angenommen wurde. Apotheker verkaufen illegal Medikamente. Auch Ärzte verdienen

Von Agnes Tandler | derStandard.at

„Ich wurde immer wieder krank“, erzählt Rekha Shinde. Die 35-Jährige bekam erst Typhus, dann Malaria, danach eine Lungenentzündung. Sie wog nur noch 30 Kilo, ihr quälender Husten wollte nicht aufhören. Ein Arzt verschrieb ihr Antibiotika. Doch die Medikamente halfen nicht und verdeckten nur das wahre Problem: Tuberkulose (TB). Rekha ist ein typischer Fall für Indien. Trotz eines staatlichen Bekämpfungsprogramms wird die Infektionskrankheit oft erst spät entdeckt. Das Ausmaß des Problems ist weit größer als bisher bekannt.

Rund 2,2 Millionen Patienten – fast ein Drittel aller TB-Kranken in Indien – werden ausschließlich in privaten Kliniken betreut. Doch jahrelang wurden solche Fälle nicht in der offiziellen Statistik erfasst, die offenbar nur diejenigen registrierte, die im Zuge der staatlichen TB-Programme behandelt wurden. Tuberkulose erschien so unter Kontrolle.

weiterlesen

„In der Türkei ist jeder zweite ein potenzieller ‚Terrorist‘, so lächerlich ist die Situation“

 Verhaftungswelle gegen kurdische Oppositionelle: Die HDP-Politikerin Sebahat Tuncel wird in der Kurdenmetropole Diyarbakir von der Polizei abgeführt. © Ilyas Akengin/AFP
Verhaftungswelle gegen kurdische Oppositionelle: Die HDP-Politikerin Sebahat Tuncel wird in der Kurdenmetropole Diyarbakir von der Polizei abgeführt. © Ilyas Akengin/AFP
In der Türkei steigt der Druck auf Regierungskritiker und Kurden. Esra Mungan, Dozentin in Istanbul und selbst im Visier der türkischen Justiz, spricht im stern-Interview über die Lage in ihrem Land und den zerstörten Ruf Europas.

Interview Marc Drewello | stern.de

Frau Mungan, Anfang des Jahres haben Sie gemeinsam mit mehr als 1000 Wissenschaftlern eine Petition mitorganisiert und unterzeichnet, in der die türkische Regierung aufgefordert wurde, ihre „Vernichtungs- und Vertreibungspolitik“ im kurdisch geprägten Südosten des Landes zu beenden und die Friedensverhandlungen mit den Kurden wieder aufzunehmen. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat ihnen deshalb „Verrat“ vorgeworfen, es läuft ein Prozess wegen angeblicher „Propaganda für eine Terrororganisation“ gegen Sie – und Ankaras Feldzug gegen die Kurden geht weiter. Nun hat die türkische Polizei sogar mehrere Abgeordnete der pro-kurdischen HDP festgenommen, darunter die beiden Vorsitzenden der Oppositionspartei. Warum geht die türkische Justiz so hart gegen die HDP vor?

Der „Feldzug gegen die Kurden“, wenn ich Ihren Ausdruck benutzen darf, hatte eigentlich nie aufgehört. Zum Beispiel im Jahr 2009 wurden tausende von kurdischen Politikern verhaftet. Dies war die Zeit der Fethullah Gülenists. Und heute, nachdem nun die gleiche Bewegung von der Regierung als Erzfeind ernannt ist, sind wir Augenzeugen der Verhaftung von Abgeordneten, die sechs Millionen Stimmen in der gesamten Türkei vertreten!

Damals aber kümmerten sich die Meisten im Westen der Türkei nicht sehr um diese Ereignisse. Sehr viele sogar, die sich als Demokraten ansahen, hatten jene Unterdrückungen sich selbst gegenüber immer irgendwie verteidigen oder zumindest trivialisieren können. Schon damals hatte man gewarnt, dass jegliche Unterdrückung in den kurdischen Gebieten mit Sicherheit eines Tages auch weitverbreitet im Westen der Türkei erlebt werden wird, weil das Problem nicht nur die Kurden sind, sondern die Forderungen nach Demokratie, Freiheit und Gleichheit. Dass jene Prophezeiung richtig war, konnten wir leider sofort 2013 während der Gezi-Proteste sehen. Selbstverständlich hatten jegliche links-orientierte Gruppen und/oder die alevitische Bevölkerung gewaltsame Unterdrückungen schon längst erlebt, auch im Westen, aber auch diese Gruppen wurden ständig als marginal bezeichnet.

weiterlesen

Frauen in Saudi-Arabien: „Ich lebe in einer Lüge, damit ich nicht getötet werde“

 Langsam ändert sich das Königreich: Im Dezember 2015 durften Frauen erstmals an einer Wahl teilnehmen. © Ahmed Yosri/EPA
Langsam ändert sich das Königreich: Im Dezember 2015 durften Frauen erstmals an einer Wahl teilnehmen. © Ahmed Yosri/EPA
Die „New York Times“ fragte nach dem Leben der Frauen in Saudi Arabien. Die Antworten erstaunen. Die meisten leiden mehr unter ihren Verwandten als unter der Regierung. Aber einige Frauen ziehen die patriarchalen Strukturen auch dem westlichen Lebensstil vor.

stern.de

Die „New York Times“ fragte die Frauen in Saudi Arabien, wie ihr Leben aussieht, und über 6000 Frauen antworteten. Die Idee zu der Aktion hatte die Redakteurin Mona El-Naggar. Sie drehte zuvor eine Dokumentation über die erste Wahl im Königreich, an der Frauen teilnehmen durften. Bei den Dreharbeiten bemerkte sie einen Schatten, der auf allen Saudi-Frauen lastete, nämlich den ihres männlichen Vormunds. Immer wieder sprach sie mit Frauen, die Angst hatten, sich zu äußern. Nicht, weil sie die repressive Regierung fürchteten, sondern weil die mögliche Reaktion ihrer männlichen Verwandten sie in Schrecken versetzte. Männer, die jede ihrer Lebensregungen kontrollierten.

weiterlesen

Abrechnungsbetrug der Krankenkassen alarmiert Aufsichtsamt

 Jens Baas:
Jens Baas: „Die Kassen bezahlen zum Beispiel Prämien von zehn Euro je Fall für Ärzte, wenn sie den Patienten auf dem Papier kränker machen.“ (Foto: dpa)
  • Krankenversicherungen hätten Ärzte dazu gebracht, falsche Diagnosen zu stellen, um mehr Geld zu kassieren, sagt der Chef der Techniker Krankenkasse.
  • Das Bundesversicherungsamt hat den mutmaßlichen Abrechnungsbetrug scharf verurteilt.
  • Andere Krankenkassen wiesen die Vorwürfe vehement zurück.

Von Kim-Björn Becker, Thomas Öchsner | Süddeutsche.de

Das Bundesversicherungsamt hat den mutmaßlichen Abrechnungsbetrug von gesetzlichen Krankenkassen scharf verurteilt. Wenn Ärzte von Krankenkassen dazu veranlasst werden, falsche Diagnosen zu dokumentieren, sei das „rechtswidrig und zu unterbinden“, erklärte die Bonner Behörde. Zugleich kündigte sie an, jedem einzelnen Fall nachzugehen, wenn ein mögliches Fehlverhalten einer Kasse bekannt wird. Die kommunalen Krankenhäuser verlangten, dass umgehend Staatsanwälte Ermittlungen einleiten müssten. Es gehe um „ungerechtfertigte Zahlungen“ an die Kassen.

weiterlesen

„Black Monday“ in Polen: Zehntausende Frauen demonstrieren gegen radikales Abtreibungsverbot

kirche_polen

Das polnische Abtreibungsrecht zählt zu den strengsten in Europa, bald könnte es noch verschärft werden. Am Montag gingen Zehntausende Frauen gegen diesen Plan auf die Straße.

SpON

Zehntausende polnische Frauen haben am Montag in schwarzer Kleidung gegen ein noch strengeres Abtreibungsverbot protestiert. Trotz starken Regens versammelten sich mindestens 22.000 Menschen zum sogenannten „schwarzen Protest“ in der Warschauer Innenstadt, wie Stadtsprecher Bartosz Milczarczyk mitteilte.

Weitere „Black Monday“-Protestkundgebungen und -märsche gab es unter anderem in Breslau, Krakau, Posen und Stettin. In Warschau hatten Frauen bereits am Samstag auf der Straße demonstriert.

weiterlesen

Katholiban: Polnisches Parlament stimmt für völliges Abtreibungsverbot

foto: afp photo / wojtek radwanski Protest gegen das geplante Abtreibungsverbot in Warschau am Donnerstag.
foto: afp photo / wojtek radwanski Protest gegen das geplante Abtreibungsverbot in Warschau am Donnerstag.
267 Abgeordnete stimmten in erster Lesung für das umstrittene Gesetz, das Schwangerschaftsabbrüche nur noch bei Lebensgefahr zulässt. Bei Verstößen drohen fünf Jahre Haft

dieStandard.at

Das polnische Parlament hat am Freitag einen umstrittenen Gesetzesentwurf für ein Abtreibungsverbot in erster Lesung angenommen. Das Projekt der Bürgerinitiative „Stop Aborcji“ (Stoppt Abtreibungen) wurde zur Überarbeitung in einen Ausschuss weitergeleitet. Dafür stimmten 267 Abgeordnete, 154 waren dagegen, elf enthielten sich.

Das Gesetz sieht ein komplettes Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen sowie Haftstrafen für ÄrztInnen und Frauen vor. Die drohende Rechtsverschärfung führte zu Protesten, Frauen würden dadurch entmündigt, kritisieren GegnerInnen. In sozialen Medien wird unter dem Hashtag #czarnyprotest (schwarzer Protest) gegen die Entrechtung der Frauen protestiert. Als Zeichen der Solidarität tragen AktivistInnen schwarze Kleidung.

weiterlesen

Bundesregierung: Ärzte verhindern Abschiebungen

© dpa Eine Ärztin untersucht in einer mobilen Praxis einen Flüchtling aus Syrien
© dpa Eine Ärztin untersucht in einer mobilen Praxis einen Flüchtling aus Syrien
Viele Ärzte in Deutschland verhindern offenbar durch falsche Atteste die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber – behauptet zumindest die Bundesregierung. Doch es gibt zahlreiche Einzelfälle, in denen die Rückführung tatsächlich bedenklich ist.

Von Julian Staib | Frankfurter Allgemeine

An Erijon Havolli kann man sehen, wie schwierig das alles ist. Der acht Jahre alte Junge aus dem Kosovo lebt mit seiner Familie – Mutter, Vater und dem sechs Jahre alten Bruder – in Bammental, im Norden Baden-Württembergs. Der Junge ist schwer krank. Er leidet an einer Fehlbildung des Darmes, musste bereits mehrere Operationen über sich ergehen lassen, ist gezwungen stets Windeln zu tragen, die häufig gewechselt werden müssen, und muss wohl sein Leben lang ein tägliches Darmspülverfahren über sich ergehen lassen. In Kindergarten oder Schule geht er nicht, weil der Gestank, der von ihm ausgeht, so groß ist. Dem Jungen sei in der Heimat der Bauch „zerschnibbelt“ worden, sagt ein Ehrenamtlicher, der sich für das Kind einsetzt, und wenn er von dessen Schicksal erzählt, dann versagt ihm die Stimme.

weiterlesen

Hautkrebs-Spezialisten loben den Burkini

burkiniDer politisch höchst umstrittene Burkini ist aus Sicht von Ärzten eine wirksame Methode zur Vorbeugung von Hautkrebs.

n-tv

Da die Wirkung von Sonnenschutzmitteln einer Studie zufolge begrenzt sei, wäre entsprechende Kleidung der beste Schutz, sagte der Präsident der Europäischen Vereinigung der Dermato-Onkologen, Claus Garbe. Eine denkbare Variante sei der Burkini. Dieser sei ursprünglich von einer Australierin entwickelt worden. In Australien ist die Gefahr, an Hautkrebs zu erkranken, besonders hoch. 50 Prozent der Burkinis würden von Nicht-Musliminnen gekauft, meint Garbe.

Christen-Moralisten warnen vor „Abtreibungsautomatismus“

Ist das Baby behindert? Mit Ultraschall-Untersuchungen allein lässt sich das nicht herausfinden.Foto: picture alliance / dpa
Müssen Krankenkassen neue Schwangerschaftstests bezahlen, die gezielt nach Behinderungen suchen? Die Zuständigen wollen das nicht alleine entscheiden.

Von Rainer Woratschka | DER TAGESSPIEGEL

Gewöhnlich lassen sich gesetzliche Krankenversicherer, Ärzte und Kliniken nur ungern in ihre Entscheidungen hineinreden, was als Kassenleistung bezahlt wird und was nicht. Doch bei der Frage, ob ein neuer Schwangerschaftstest zum Leistungskatalog gehören soll, rufen sie im Gemeinsamen Bundesausschuss nun nach dem Gesetzgeber.

Die Angelegenheit berühre „fundamentale ethische Grundfragen unserer Werteordnung“, die man nicht allein mit wissenschaftlich-technischen Prüfkompetenzen beantworten dürfe, lautet die Begründung. Das Parlament sei „gefordert, hier Grenzen und Bedingungen zu definieren“.

weiterlesen

Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung bleibt in Kraft

St. Isidor, Schutzpatron des Internet
St. Isidor, Schutzpatron des Internet
Das Gesetz zur anlasslosen Vorratsdatenspeicherung vom 10. Dezember 2015 bleibt vorerst weiter in Kraft.
 

evangelisch.de

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat in zwei am Freitag veröffentlichten Beschlüssen Eilanträge gegen das Gesetz zur anlasslosen Vorratsdatenspeicherung zurückgewiesen. Unter anderem mehrere Journalisten, der Deutsche Journalisten Verband (DJV), Ärzte, Anwälte und auch Mitglieder des Bundestages und des Berliner Abgeordnetenhauses wollten das Gesetz im Eilverfahren stoppen. (AZ: 1 BvQ 42/15 und 1 BvR 229/16)

Das Gesetz sieht vor, dass bei der Nutzung von Telekommunikation, Internet und Mobilfunk alle Verbindungsdaten der Bürger generell gespeichert werden. Nach einer Übergangsfrist von 18 Monaten sollen Netzbetreiber die Verbindungsinformationen ihrer Kunden zehn Wochen lang und Standortdaten einen Monat lang speichern. Auf diese Weise soll die Aufklärung von Straftaten erleichtert werden.

weiterlesen

Auf der Jagd nach der nächsten großen Seuche

Höchste Sicherheitsstufe im CDC: Spezialanzüge schützen vor den tödlichen Erregern Foto: picture alliance / dpa
Der Auftrag: Seuchen finden und bekämpfen. Das Budget: Milliardenschwer. Die Menschen: Cool und professionell. Zu Gast bei der mächtigste Seuchenschutzbehörde der Welt, im Center for Disease Control.

Von Katja Ridderbusch | DIE WELT

Ängste schürt Anne Schuchat nicht leichtfertig. Dafür ist sie zu sachlich, zu unaufgeregt, zu geerdet. Doch im Fall von Zika, jenem Virus, das von Mücken übertragen wird und schwere Schädelfehlbildungen bei ungeborenen Kindern auslösen kann, wählt sie deutliche Worte. „Zika ist gefährlich. Gefährlicher noch, als wir zunächst befürchtet haben.“

Schuchat ist Ärztin im Admiralsrang des National Health Service, des öffentlichen Gesundheitsdienstes der USA. Aber vor allem ist sie die mächtigste Seuchenjägerin der USA. Sie ist Vizechefin der amerikanischen Gesundheits- und Seuchenschutzbehörde, der Centers for Disease Control and Prevention, kurz CDC.

weiterlesen

So verkauft der IS seine Sex-Sklaven via Whatsapp

Lamiya Aji Bashar war Sexsklavin des IS. Sie wurde bei der Flucht von einer Mine schwer verletzt. Die Terroristen nutzen Messenger wie Whatsapp und Telegram, um die Frauen zu verkaufen © Picture-Alliance
Unter der Terror-Herrschaft des IS leiden vor allem junge Frauen. Sie werden wie Vieh gehandelt – und per Aktion bei Messengern wie Telegram oder Whatsapp versteigert. Sogar Kinder sind darunter.

Von Malte Mansholt | stern.de

Dass gerade Frauen unter der Herrschaft der Terror-Organisiation „Islamischer Staat“ (kurz IS) leiden, wurde schon häufig dokumentiert. Die selbsternannten Gotteskrieger zwingen sie, sich zu verschleiern, ihre Rechte werden extrem beschnitten. Vermeintlich ungläubigen Frauen droht aber ein besonders dramatisches Schicksal: Sie werden als Sex-Sklavinnen gehalten – und wie Vieh verkauft. Vor allem über verschlüsselte Messenger wie Whatsapp und Telegram.

In den Apps fühlen sich die Terroristen sicher. Sie nutzen sie nicht nur zur Rekrutierung und Kommunikation mit ihren Anhängern. In offenen Gruppen werden Frauen regelrecht versteigert. Die US-Nachrichtenagentur „Associated Press“ ist nun erstmals an solche Chats gelangt. Beliebt ist vor allem der im Nahen Osten verbreitete Messenger Telegram, aber auch Whatsapp und Facebook werden für den perversen Handel missbraucht, erzählt Lamiya Aji Bashar der Agentur. Die 18-Jährige Jesidin konnte aus den Fängen ihres Besitzers entkommen.

weiterlesen

Türkei verweigert Flüchtlingen Ausreise nach Deutschland

Die Türkische Nationalversammlung "Der Souverän ist ausnahmslos das Volk" (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
Die Türkische Nationalversammlung „Der Souverän ist ausnahmslos das Volk“ (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
In Dutzenden Fällen untersagt die Türkei die Ausreise von Syrern – obwohl die Menschen deutsche Visa haben. Vor allem Ingenieure und Ärzte sollen zurückgehalten werden.
 

Süddeutsche.de

Dutzende syrische Flüchtlinge dürfen nicht nach Deutschland weiterreisen, obwohl sie ein Visum haben. Die Türkei verwehrt ihnen die Ausreise, teilte das Bundesinnenministerium mit. Seit Inkrafttreten des Flüchtlingspakts hätten die türkischen Behörden 52 Syrer  zurückgehalten.

Bei 292 Syrern sei die Ausreise dagegen erlaubt worden. Sie seien seit April in die Bundesrepublik übergesiedelt. Zuletzt ging ein Flug von Istanbul aus am vergangenen Donnerstag. Die Ausreisegenehmigung ist der letzte Schritt vor der legalen Übersiedlung nach Deutschland. Zuvor werden die Flüchtlinge überprüft, ihnen werden Visa erteilt und sie werden auf Flüge gebucht. An der Ausreisegenehmigung scheiterte demnach gut jeder siebte Flüchtling, der bereits eine Einreisegenehmigung für Deutschland bekommen hat.

weiterlesen

Verbrechen durch NS-Ärzte: Morden im Namen der Wissenschaft

USHMM / NARA
In unvorstellbar grausamen Experimenten töteten und quälten Ärzte im „Dritten Reich“ unter dem Deckmantel der Forschung. Medizinische Institute leugneten ihre dunkle Vergangenheit – über viele Jahrzehnte.

Von Yvonne Schymura|EINESTAGES/SpON

Im Keller des Straßburger Instituts für Anatomie stehen große, gekachelte Becken. Mit ihren Abdeckungen wirken sie wie riesige Gefriertruhen. Doch werden darin Leichen präpariert – heute wie vor 70 Jahren. Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied.

Ab Oktober 1941 leitete der Anatom und Medizinprofessor August Hirt die „Reichsuniversität Straßburg“. Anders als heutige Mediziner wartete Hirt jedoch nicht auf das Eintreffen der Körper etwa durch Krankheit oder Unfälle Verstorbener – er gab die Toten direkt in Auftrag: Im nahegelegenen KZ Natzweiler ließ Hirt jüdische Männer und Frauen vergasen, um an ihre Knochen zu kommen.

weiterlesen

Syrische Flüchtlinge überdurchschnittlich gebildet

Foto: dpa Klassen mit Flüchtlingen gehören in Deutschland mittlerweile an vielen Schulen zum Alltag wie hier in Ravensburg
Eine Statistik des UN-Flüchtlingshilfswerks zeigt: Aus Syrien fliehen speziell Angehörige gebildeter Schichten. 86 Prozent besitzen Abitur oder einen Uniabschluss. Das Hilfswerk fordert Konsequenzen.

DIE WELT

Syrien verliert seine intellektuelle Elite: Einer neuen Umfrage zufolge, zählen zu den Flüchtlingen, die Europa erreichen, überproportional viele Menschen aus gebildeten Schichten. Das geht aus einer Befragung von mehr als 1200 Asylsuchenden hervor, deren Ergebnisse das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR am Dienstag in Genf veröffentlichte.

Den Angaben zufolge besitzen 86 Prozent der syrischen Flüchtlinge einen Oberschul- oder Universitätsabschluss. Die größten Gruppen stellten Studenten und Fachkräfte, darunter Lehrer, Rechtsanwälte, Ärzte, Bäcker, Designer, Friseure und IT-Fachleute. Gut 62 Prozent stammten aus den größten syrischen Städten Damaskus und Aleppo.

weiterlesen

UNO: IS zahlt Rekrutierern bis zu 10.000 Dollar pro Kämpfer

Bild: REUTERS
Die höchsten Summen werden UN-Experten zufolge für gut ausgebildete IS-Unterstützer wie Computerspezialisten oder Ärzte gezahlt.
 

Die Presse.com

Die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) zahlt nach Angaben von UN-Experten viel Geld für die Rekrutierung ausländischer Kämpfer für Syrien und den Irak: In Belgien hätten Rekrutierer bis zu 10.000 Dollar (8.700 Euro) pro angeworbenem Kämpfer erhalten, sagte Elzbieta Karska, die im Auftrag des UN-Menschenrechtsrats den Einsatz ausländischer Kämpfer beim IS untersucht, am Freitag in Brüssel.

Die höchsten Summen würden für gut ausgebildete IS-Unterstützer wie Computerspezialisten oder Ärzte gezahlt, erklärte die polnische Menschenrechtsanwältin. Nach Schätzungen ihrer Arbeitsgruppe sind bisher rund 500 Extremisten aus Belgien zum Kämpfen nach Syrien und in den Irak gereist. Das Durchschnittsalter der Kämpfer liegt den Angaben zufolge bei 23 Jahren – Tendenz sinkend. Gestiegen ist dagegen zuletzt die Zahl der ausgereisten Mädchen und Frauen.

weiterlesen

Kalifornien: Ärzte dürfen künftig beim Suizid von Patienten helfen

In Kalifornien ist es Ärzten nun in bestimmten Fällen erlaubt, beim Suizid zu assistieren. © Picture Alliance
Die Sterbehilfe ist ein großes Thema: In Kalifornien wird sie nun in manchen Fällen möglich sein. Per Gesetz wird Ärzten erlaubt, beim Suizid von todkranken Patienten zu assistieren.
 

stern.de

Im US-Bundesstaat Kalifornien sollen Ärzte künftig todkranken Patienten beim Suizid helfen dürfen. Gouverneur Jerry Brown unterzeichnete am Montag das entsprechende Gesetz, um das es im Vorfeld heftige Diskussionen gegeben hatte. Er habe vor der Unterschrift sowohl mit Ärzten gesprochen als auch mit Vertretern der katholischen Kirche, die die Sterbehilfe ablehnt. „Am Ende habe ich mich gefragt, was ich im Angesicht meines eigenen Todes wollen würde“, erklärte Brown.

weiterlesen

Warum Medien über den Terror berichten

Möchten gerne wissen, wo und wann genau Anschläge stattgefunden haben und ob mit weiteren zu rechnen ist – und zwar bevor die Behörden sie darüber informieren: Urlauber in Tunesien. (Foto: dpa)
Machen sich Journalisten zu Handlangern des internationalen Terrors, indem sie groß über die Anschläge berichten? Dieser Vorwurf fällt immer wieder – vor allem aber von Leuten, die jede Meldung begierig lesen.


Von Ruth Schneeberger|Süddeutsche.de

Terroristen brauchen Öffentlichkeit. Im stillen Kämmerlein Touristen, Journalisten, „Ungläubige“ zu enthaupten oder zu erschießen, bringt kaum den gewünschten Effekt, der da lautet: weltweit Angst und Schrecken zu verbreiten, um die eigene Macht zu vergrößern und weitere Anhänger zu gewinnen. Ohne Berichterstattung kein – falscher – Ruhm, ohne ständige Liveticker zu jedem neuen Attentat wäre zumindest weniger Stilisierung zu Helden innerhalb der Terroristen-Szene möglich. Je mehr Berichterstattung über terroristische Anschläge stattfindet, desto mächtiger werden die Täter und Strippenzieher. Meinen sie.

weiterlesen

Entwurf für ärztliche Suzidhilfe

Hat gemeinsam mit Abgeordneten anderer Fraktionen einen Entwurf für ärztliche Suizidhilfe eingebracht: CDU-Parlamentarier Peter Hintze Foto: CDU/CSU
Eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten hat nach einem Bericht der „Welt am Sonntag“ einen Gesetzentwurf mit Bedingungen verfasst, unter denen nach ihrer Meinung Ärzte Sterbehilfe für todkranke Menschen leisten dürfen. Nach geltender Rechtslage sind Suizid und Beihilfe nicht strafbar, aktive Sterbehilfe ist dagegen verboten.


pro Medienmagazin

In diesem Jahr will der Bundestag über eine Neuregelung der Sterbehilfe entscheiden. Eine Gruppe um CDU-Bundestagsvizepräsident Peter Hintze und den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach verzichte auf strafrechtliche Vorschriften, schreibt die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf den Entwurf. Stattdessen wolle sie im Bürgerlichen Gesetzbuch einen neuen Paragrafen zur „ärztlich begleiteten Lebensbeendigung“ einfügen.

Festgelegt werde dabei, dass die Hilfe des Arztes „freiwillig“ sein müsse. Erfolgen dürfe sie nur, wenn der Patient dies „ernsthaft und endgültig“ wünsche und eine ärztliche Beratung über andere Behandlungsmöglichkeiten sowie über die Durchführung der Suizidassistenz stattgefunden habe. Zudem müsse die Unumkehrbarkeit des Krankheitsverlaufs sowie die Wahrscheinlichkeit des Todes medizinisch festgestellt und ebenso wie der Patientenwunsch und die Einwilligungsfähigkeit des Patienten durch einen zweiten Arzt bestätigt werden.

weiterlesen

Die Würde im Tod

Rund 60 Interessierte aus ganz Deutschland nahmen an der Veranstaltung in Bielefeld teil. © Heinz-Peter Katlewski
Ärzte, Rabbiner und Pflegekräfte diskutierten über das Ende des Lebens


Von Heinz-Peter Katlewski|Jüdische Allgemeine

Zu einem Seminar über jüdische Perspektiven auf das Sterben waren von Donnerstag bis Sonntag 60 Teilnehmer aus ganz Deutschland nach Bielefeld gekommen. Die meisten von ihnen vertraten jüdische Gemeinden. Eingeladen hatten das Klinikum Bielefeld, die Allgemeine Rabbinerkonferenz, die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland und die Jüdische Kultusgemeinde Bielefeld.

Zum ersten Mal hatten Rabbiner, Ärzte, Pflegekräfte und Ehrenamtliche in der jüdischen Sozialarbeit Gelegenheit, sich in Quellen zu vertiefen und darüber auszutauschen, wie aus der jüdischen Tradition heraus die Würde des Menschen zu verstehen und zu wahren sei, vor allem, ob und in welcher Weise der Sterbeprozess beeinflusst werden dürfe. Neun Rabbinerinnen und Rabbiner der liberalen und konservativen Richtung im Judentum nahmen an dieser Veranstaltung teil, außerdem nichtjüdische Ärzte und Mitarbeiter von Palliativstationen.

weiterlesen