Beschneidung ja, Nasenkorrektur nein

Die Beschneidung gilt vor allem in traditionell-muslimischen Kreisen als das wichtigste männliche Aufnahmeritual (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
Die Beschneidung von Jungen ist im Islam keine Glaubenspflicht, wohl aber zählt sie zu den wichtigsten Empfehlungen. Immer wieder wird über diese Praxis gestritten: Manche sehen darin eine Körperverletzung, für andere ist es eine religiöse Tradition. Was sagt der Koran zu Eingriffen in den Körper?

Von Hüseyin Topel | Deutschlandfunk

Önder Özgeday sitzt in einem türkischen Café und bestellt einen Mocca alla Turca. Der gebürtige Heidelberger hat türkische Vorfahren, er wohnt aus beruflichen Gründen in Bochum. Dort setzt er sich gegen die Beschneidung von Jungen ein – und zwar bei „MOGiS“, einem Verein für die körperliche Unversehrtheit von Kindern.

Özgeday bezeichnet sich selbst als Betroffenen und argumentiert daher aus eigener Erfahrung: „Ich fühle mich sehr verletzt von dieser Community, zu der ich ganz positive Erfahrungen hatte, bevor das geschehen ist. Nach diesem Ereignis ist eine Zäsur passiert, ich habe das als sehr manipulativ gefühlt, dass man mich überredet hat, zu einer Sache, unter dem Vorwand: ‚Du bist dann ein Mann! Du gehörst dann zu uns, wir sind dann stolz.‘“

Beschneidung als männliches Aufnahmeritual

Die Beschneidung gilt vor allem in traditionell-muslimischen Kreisen als das Aufnahmeritual in die Männlichkeit schlechthin – für viele Eltern ein so wichtiges Ereignis, dass die Beschneidung pompös gefeiert wird. Der Einladung der Familie folgen oft hunderte Gäste. Meist werden teure Hochzeitssäle angemietet.

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Religionsvertreter gegen mögliches Beschneidungsverbot in Island

Christen, Juden und Muslime in Europa kritisieren das in Island diskutierte Verbot der Beschneidung von Jungen.

evangelisch.de

Das Verbot würde die Religionsfreiheit verletzen und signalisieren, dass Juden und Muslime in dem Land unwillkommen seien, hieß es in einer am Donnerstag in Brüssel und Sankt Gallen veröffentlichten Erklärung der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), der sich Vertreter des Judentums und des Islams anschlossen.

In der jüdischen, islamischen und in gewissen christlichen Traditionen, beispielsweise in der Eritreischen und Äthiopischen Orthodoxen Kirche, sei die Beschneidung von Jungen „ein grundlegendes Merkmal der Religionspraxis“, urteilen KEK und CCEE. Die männliche Beschneidung dürfe dabei „nicht mit der grausamen Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung verwechselt werden“, welche den Körper, die Rechte und Würde der Frauen verletze.

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„Kindheit ist keine Krankheit“

Kinderarzt; Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. Dr. Wolfram Hartmann Bild: wdr.de
Er ist seit zwölf ­Jahren Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), seit 24 Jahren dort im ­Vorstand, vor 36 Jahren, 1979, ließ er sich als Kinderarzt in Kreuztal nieder: Wolfram Hartmann kennt sich aus, wenn es um Gesundheit von Kindern und Jugendlichen geht. In diesem Herbst gibt der ­Siegerländer sein Amt ab. Wir sprachen mit Hartmann über seine Amtszeit, Kinder, Eltern und Flüchtlinge.
 

Von Lorenz Redicker|WAZ

Vorsorgeuntersuchungen

Es wird im Grundschulalter und für Jugendliche eine zusätzliche Vorsorgeuntersuchung geben, das sieht das neue Präventionsgesetz vor. Das ist ein wesentlicher Erfolg meiner Amtszeit, daran haben wir lange, lange gearbeitet.

Impfpflicht

Auch da tut sich etwas. Wir haben jetzt eine Beratungspflicht für Eltern, bevor die Kinder in eine Kindertageseinrichtung kommen. Sollte diese Beratung nicht den ­gewünschten Erfolg bringen – das wären Impfraten über 95 Prozent – dann denkt Bundesgesund­heits­minister Gröhe noch einmal über die Impfpflicht nach.

Beschneidung

Ein ganz wichtiges Thema in meiner Amtszeit. Es gab viele Diskussionen bis hin zum Euro­parat. Wir haben jetzt – aus ­Rücksicht auf die jüdischen ­Mitbürger – ein Gesetz, das die ­Beschneidung von Jungen erlaubt, auch durch Nicht-Mediziner. Das Thema ist aber noch nicht vom Tisch. ­Inter­national wird diskutiert, dass ­Jungen das gleiche Recht auf ­körperliche Unver­sehrtheit haben wie Mädchen. Es gibt kein geteiltes Menschenrecht. Aus medi­zinischen und ethischen Gründen ist es nicht ver­tretbar, die Vorhaut zu entfernen, ohne dass da ein krankhafter Befund vorliegt.

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Glaubenssache – In vielen Teilen der Welt erstarken die Religionen

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Wie sich kluge Menschen doch irren können: Religionen sind noch nicht von der Bildfläche verschwunden. Im Gegenteil: In vielen Regionen der Welt erstarken sie, zum Teil mit problematischen Begleiterscheinungen.

Von Elizabeth Zoll|SÜDWEST PRESSE

Für eine Totgesagte gebärdet sich die Patientin erstaunlich lebendig. Sie steht Pate für Kriege, wird benutzt, um wirkungsvoll Macht und wirtschaftliche Interessen durchzusetzen. Die Rede ist von der Religion, wobei es „die“ Religion gar nicht gibt. Es ist in Wirklichkeit eine Vielzahl unterschiedlicher Weltanschauungen. Da schüren neue Sekten gegen traditionelle Religionen, kämpfen Schiiten gegen Sunniten, Alawiten gegen Aleviten, all diese gegen Juden, Muslime gegen Christen, Hindus gegen Muslime, Fanatiker gegen Nichtgläubige, christliche Fundamentalisten gegen alles, was fremd ist. Selbst innerhalb der Religionsgemeinschaften herrscht Streit. Liberale machen Traditionalisten den Wahrheitsanspruch streitig – und umgekehrt, spalten sich immer neue Gruppierungen von alten Gemeinschaften ab.

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Islam in Deutschland: Gleiche Freiheit heißt gleiche Verantwortung

islam_christentumMuss der Staat Muslimen mehr Rechte einräumen? Justizminister Heiko Maas beschreibt in einem Gastbeitrag, was sich in Staat und Gesellschaft ändern müsse, um Gleichberechtigung unter den Religionen zu erreichen. Und was Muslime dazu beitragen können.


SpON

Religion ist nicht „generell Blödsinn“, wie Jan Böhmermann findet. Zum Evangelischen Kirchentag kommen hunderttausend Teilnehmer. Kirche und Glauben haben weiter für viele Menschen eine große Bedeutung. Gleichzeitig bleibt nicht zu übersehen, dass Deutschland säkularer und religiös vielfältiger wird. Ein Drittel der Bevölkerung ist heute religionslos, vier Millionen Muslime leben in Deutschland, das Judentum wächst wieder – mit Blick auf die deutsche Geschichte ein unverdientes Glück! -, und auch an den Rändern der Großkirchen wird die Landschaft bunter, etwa durch evangelikale Christen.

Diese Vielfalt ist eine große Bereicherung, und doch nehmen auch die Konflikte zu. Das Kreuz im Klassenzimmer oder die Beschneidung von Jungen erregen die Gemüter. In Münster wurde gerade über einen städtischen Zuschuss für den Katholikentag erbittert gestritten. Wenn irgendwo in Deutschland eine Moschee gebaut werden soll, sind öffentliche Proteste nicht selten programmiert. Gerade in der Begegnung mit dem Islam wittern viele Menschen eine Gefahr für die eigene Kultur. Oft richten sich die Blicke dann aufs Recht und manche fragen, ob wir das Verhältnis von Staat und Religionsgemeinschaften nicht neu ordnen sollten.

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Verletzung von Kinderrechten in Deutschland – Wie viel darf´s denn sein?

beschneidung

MOGiS e.V.

„Zu der in § 1631d Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) geregelten Beschneidung von Jungen äußerte sich der ehemalige Marburger Universitätsprofessor Dieter Rössner. Die Regelung sei ein „religionspolitisches Basta“ gewesen. Der Gesetzgeber habe vorschnell gehandelt und die empirischen Hintergründe nicht ausreichend ermittelt.

Dies stellten freilich in der anschließenden Diskussion sowohl der am Gesetzgebungsverfahren beteiligte ehemalige grüne Bundestagsabgeordnete Jerzy Montag als auch der Richter am Bundesgerichtshof (BGH) und Abteilungsreferent Prof. Henning Radtke in Frage. Radtke mahnte insgesamt „etwas mehr Nüchternheit in der Diskussion“ an. Über das elterliche Erziehungsrecht würden irrationale religiöse Gründe rationalisiert, so Dieter Rössner. Die Regelung stehe in eindeutigem Widerspruch zum Recht der Kinder auf eine gewaltfreie Erziehung. Schließlich sei es entwürdigend, wenn aus religiösen Motiven dem Einzelnen für sein ganzes Leben lang eine Kennzeichnung seiner Religionszugehörigkeit beigebracht werde.

Dem wurde aus dem Teilnehmerkreis entgegengehalten, dass auch hygienische Gründe für eine Beschneidung ausreichend sein müssten. Anders als es das Gutachten von Prof. Tatjana Hörnle fordere, müsse die Motivation der Eltern keine tragende Säule von deren Erziehungskonzept sein. Der Gutachterin wurde auch vorgeworfen, sie überspanne die Anforderungen an die Hygiene, wenn sie Beschneidungen nur in Arztpraxen und Operationssälen zulasse. Schließlich machten Ärzte auch Hausbesuche und leisteten eine hygienisch einwandfreie Notversorgung bei Unfällen.

Hinsichtlich der in § 226a StGB unter Strafe gestellten Verstümmelung weiblicher Genitalien sprach sich die Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes Ramona Pisal deutlich gegen die vom vorgelegten Gutachten vorgeschlagene geschlechtsneutrale Formulierung der Vorschrift aus. Frauen und Mädchen seien in besonderer Weise betroffen, hob Pisal hervor. Außerdem plädierte sie für die Anhebung des Strafrahmens. In diesem Kontext betonte Gutachterin Hörnle in Reaktion auf eine Falschmeldung des Berliner Kurier, dass sie nicht die Beschneidung von Mädchen erlauben wolle, sondern sich vielmehr für eine Erhöhung der Strafe ausspreche.“

Man mag sich langsam die Frage stellen, ob es möglich ist, sich mit Verweis auf ein geplantes Jurastudium schon in den unteren Schulklassen vom Biologieunterricht freistellen zu lassen – so absurd sind wieder einmal die Vergleiche, die uns zum Thema Vorhautamputation bei Minderjährigen erreichen – diesmal vom 70. Deutschen Juristentag in Hannover.

Hier ist es allen Ernstes der Hinweis auf eine angebliche „Überspannung der Hygienevorschriften“ bei einem Arztpraxenvorbehalt und der Vergleich mit Notversorgung bei Unfällen sowie ärztlichen Hausbesuchen.

Um vorab das eigentlich Selbstverständliche klarzustellen: eine Vorhautamputation ist ein chirurgischer Eingriff und unterliegt damit nach geltenden Vorschriften selbstverständlich dem Vorbehalt, in einer Arztpraxis bzw. Operationssaal ausgeführt zu werden. Des weiteren handelt es sich bei dieser Operation nicht um einen Notfall. Sehr wohl aber gibt es (wie bei jeder Operation) die Gefahr von Komplikationen, die eine Notversorgung erforderlich machen können, die wiederum nur in einer Klinik sicher gewährleistet ist.

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34 Prozent mehr Beschneidungen bei Jungen

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Bei Jungen unter fünf Jahren haben Beschneidungen in den letzten fünf Jahren um gut ein Drittel zugenommen. Allerdings hat die Zahl der versicherten Jungen im gleichen Zeitraum abgenommen. Außerdem soll der eine oder andere Arzt bei der Abrechnung tricksen.

Healthnews – Ronny Richert

In einigen Ländern werden Jungen unter fünf Jahren wegen religiösen Gründen beschnitten. In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der ambulanten Beschneidungen von Jungen unter fünf Jahren um gut 34 Prozent gestiegen. Für Kinderchirurgen sind diese Eingriffe ein gutes Geschäft. Doch seit einiger Zeit gibt es auch Hinweise auf Abrechnungsbetrug.

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US-Regierung kritisiert Religionsfreiheit in Europa

Bild: Anton Loehmer
In Deutschland und dem restlichen Westeuropa ist die Religionsfreiheit vor allem im öffentlichen Raum nicht optimal gesichert.

Deutschlandradio Kultur

Zu diesem Schluss kommt eine Kommission der US-Regierung. In einem Bericht des Gremiums heißt es, in einigen Ländern herrsche ein „sehr aggressiver Säkularismus“. Als Beispiel führt die Kommission das Urteil des Kölner Landgerichts an, in dem die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen als Körperverletzung bewertet wurde. Auch das Burkaverbot in Frankreich wurde kritisiert. Im Allgemeinen,so die Kommission, werde die Religionsfreiheit in Westeuropa aber gut geschützt.