Religionspolitik: Warum das Zögern der Politik die AfD stark macht

Der Münsteraner Politikwissenschaftler Ulrich Willems (Sarah Batelka)
Der Münsteraner Politikwissenschaftler Ulrich Willems fordert eine neue Religionspolitik. Wegen der bisherigen Versäumnisse habe sich das Misstrauen gegenüber dem Islam einnisten können. Nicht nur Muslime, auch Konfessionslose würden benachteiligt. Über wichtige Themen wie Kirchensteuer, Beschneidung oder das Kopftuch werde nur noch im Krisenmodus diskutiert, sagte er im DLF.

Ulrich Willems im Gespräch mit Monika Dittrich | Deutschlandfunk

Monika Dittrich: Der Politikwissenschaftler Ulrich Willems hat der deutschen Politik auf diesem Feld kürzlich ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Die Parteien hätten die Religionspolitik zu lange vernachlässigt.  Ulrich Willems ist Professor an der Universität Münster, wo er auch dem Exzellenzcluster Religion und Politik angehört. Jetzt ist er uns zugeschaltet – guten Morgen Herr Willems!

Ulrich Willems: Einen schönen guten Morgen, Frau Dittrich, und auch einen schönen guten Morgen Ihren Hörerinnen und Hörern!

Dittrich: Herr Willems, Sie üben scharfe Kritik an der Bundesregierung und den etablierten Parteien. Was haben die versäumt?

Willems: Spätestens seit 1990, seit der deutschen Wiedervereinigung steht eine Reform der religionspolitischen Ordnung der Bundesrepublik auf der Tagesordnung. Das hat damit zu tun, dass die religionspolitische Ordnung, die man Ende der 40er Jahre, Anfang der 50er Jahre verabschiedet hat, gewisse Asymmetrien aufweist. Sie räumt den Kirchen einen besonderen Status ein. Und zugleich ist spätestens seit 1990 deutlich geworden, dass die größte religiöse Minderheit – die Muslime – im Land bleiben werden. Seitdem warten wir darauf, dass die Politik Vorschläge vorlegt. Wenn Sie sich ansehen, was seitdem passiert ist: Wir haben immer noch nicht in allen Bundesländern islamischen Religionsunterricht, obwohl Religionsgemeinschaften nach Artikel 7, Absatz 3 darauf Anspruch haben; die Frage des Körperschaftsstatus für Religionsgemeinschaften ist noch nicht geregelt; erst seit 2012 – und das auch im Rahmen erst eines Modellversuches – gibt es islamische Fakultäten an vier Universitäten in der Bundesrepublik. Also man sieht, es hat sehr, sehr lange gedauert. Die Fragen sind immer noch nicht durchdiskutiert. Das Problem besteht darin, dass die Muslime – wenn wir über diese Gruppe vornehmlich reden – dementsprechend immer vehementer ihr Recht auf gleiche Religionsfreiheit fordern. Und dann entsteht der Eindruck, da wolle eine Gruppe jetzt in irgendeiner Art und Weise Sonderrechte erlangen. Das ist der Diskussion nicht förderlich.

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Grünen-Politiker Volker Beck fordert Akzeptanz für religiöses Schächten und Beschneidung

Volker Beck (2010). Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Der Innenexperte der bündnisgrünen Bundestagsfraktion, Volker Beck, hat deutlich gemacht, dass seines Erachtens die Integration vieler Flüchtlinge auch davon abhänge, ob man in Deutschland bereit sei, die religiösen Bedürfnisse der Flüchtlinge zu akzeptieren.

finanzen.net

„Notwendig ist auch der Respekt der Mehrheitsgesellschaft gegenüber den religiösen Vorstellungen und Vorschriften von Minderheitsreligionen“, erklärte Beck in der Sendung Unter den Linden im Fernsehsender phoenix und erwähnte explizit religiöse Kopfbedeckungen, das religiös begründete Schächten von Tieren und die Beschneidung. Natürlich müssten die Menschen, die hier um Asyl bitten würden, zugleich auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau wie auch die friedliche Auseinandersetzung bei unterschiedlicher Meinung akzeptieren.

Beck sprach sich darüber hinaus für die Einrichtung qualitativ unterschiedlicher Integrationskurse aus. „Wir können doch nicht in denselben Kurs den Ingenieur oder Arzt mit dem Analphabeten stecken und brauchen hier mehr Flexibilität.“ Der grüne Bundestagsabgeordnete votierte zudem dafür, Asylsuchenden früher die Möglichkeit einzuräumen, an diesen Kursen teilzunehmen. „Ansonsten blockieren wir Integration.“

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Slenczka AT-Kritik hat im christlich-jüdischen Dialog ‚viel zerstört‘

Bild: wikimedia.org/PD
Evangelischer Landesbischof Meister hat Äußerungen des Theologieprofessors Notger Slenczka zur Bedeutung des Alten Testaments heftig kritisiert. Slenczka behauptet, das AT dürfe nicht zum biblischen Kanon gehören

kath.net

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat Äußerungen des Berliner Theologieprofessors Notger Slenczka zur Bedeutung des Alten Testaments heftig kritisiert. Slenczka behauptet, es habe den gleichen Status wie die Apokryphen (außerbiblische Schriften) der Lutherbibel und dürfe somit nicht zum biblischen Kanon gehören. Er hat damit laut Meister im jüdisch-christlichen Dialog „unglaublich viel zerstört“. „Er hat nicht nur ein Glas vom Tisch gestoßen, sondern gleich das ganze Tischtuch weggerissen“, sagte Meister in einer Veranstaltung zur Zukunft des jüdisch-christlichen Dialogs. Der christliche Glaube müsse sich an den Texten der ganzen Bibel festmachen. Meister beklagte zugleich, dass man bei diesem Dialog auch nach 50 Jahren immer noch am Anfang stehe: „Wir hören in unserem Gemeinden immer wieder das gleiche.“ Ein Beispiel dafür gab der Rabbiner Julian Chaim Soussan (Frankfurt am Main). So werde von Christen oft vorgebracht, dass der Gott des Alten Testaments gewalttätig sei, aber der des Neuen Testaments friedlich. Dafür werde auf Bibelverse wie „Auge um Auge, Zahn und Zahn“ hingewiesen. Doch dieser Vers beschreibe keine Haltung Gottes, es gehe vielmehr um ein Regelwerk für Menschen in Rechtsstreitigkeiten.

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Israel: Alles eine Frage des religiösen Status

Bild:  phhesse/flickr
Bild: phhesse/flickr
Die israelische Regierung hat Übertritte zum Judentum erleichtert, denn viele Bürger empfinden die Kurse zur Konversion und die hohen Hürden als schmerzhafte Zurückweisung. Doch die Reform stößt auf Widerstand strenggläubiger Rabbiner.

 

Von Hans-Christian Rößler|Frankfurter Allgemeine

Für Noam Cohen gab es nie einen Zweifel an ihrer Identität. „Ich wurde in Israel geboren. Seit ich denken kann, bin ich jüdisch“, sagt die temperamentvolle Frau, die vor wenigen Monaten ihren Militärdienst beendet hat. Ihr Lebenslauf könnte auch sonst kaum israelischer sein: Ihre Eltern lernten sich in dem Kibbuz im Norden des Landes kennen, in dem sie selbst vor 21 Jahren zur Welt kam und bis heute lebt. Ihre schottische Mutter hatte dort als Freiwillige gearbeitet und sich in Noams Vater verliebt. Sie heirateten im Ausland und bekamen drei Kinder. Doch Noam Cohen musste schmerzhaft erfahren, dass israelisch zu sein nicht auch bedeutet, jüdisch zu sein. „Mir ist das aber nicht weniger wichtig“, sagt die junge Frau, die ihrem Land selbstverständlich als Soldatin diente. Da aber ihre schottische Mutter keine Jüdin ist, erkannte sie der Staat nicht als jüdisch an.

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Studie: Beschneidungsdebatte hat Juden und Muslime getroffen

beschneidung

Präsentation einer Oxforder Studie erfolgte im Rahmen des Begleitprogramm der Berliner Ausstellung zur Beschneidung „Haut ab! – Haltungen zur rituellen Beschneidung.“


kathweb

Juden und Muslime haben sich durch die sogenannte Beschneidungsdebatte in Deutschland vor zwei Jahre laut einer Studie gesellschaftlich stark ausgegrenzt gefühlt. Wie aus einer wissenschaftlichen Untersuchung der Universität Oxford hervorgeht, die am Donnerstagabend im Jüdischen Museum in Berlin präsentiert und diskutiert wurde, war vor allem für jüdische Mitbürger die Debatte um die Beschneidung ein „Wendepunkt“. Erstmals standen sie gefühlt im Fokus religionskritischer und -feindlicher Debatten. Ausgeprägt sei das „Entsetzen über die Vehemenz und Bandbreite der Anti-Beschneidungspositionen“ gewesen, so das Fazit der Studie.

Auch für Muslime sei die Debatte ein „ausgrenzendes Erlebnis“ gewesen. Allerdings habe sich für sie die Diskussion in eine Vielzahl von antiislamischen Debatten eingereiht, etwa den Kopftuchstreit und vor allem die Diskussion um die Positionen von Thilo Sarrazin.

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Beschneidung: Ein Schnitt ins Leben

Frische Schnitte, frei und fromm. Bild: http://s.gullipics.com
Frische Schnitte, frei und fromm.
Bild: http://s.gullipics.com
Diese Operationen sind in der Türkei ein Grund für Familienfeste: Zu Besuch im Istanbuler Beschneidungspalast.

Von Cigdem AkyolFrankfurter Allgemeine

Gleich wird es blutig. Dann müssen die sieben Jungs im weißen Prinzenkostüm und mit turbanähnlichem Hut auf dem Kopf zu dem Mann mit dem Skalpell, einer nach dem anderen. Während ihre Eltern ihnen auf der Bühne die kleinen Hände halten, zieht ihnen der Beschneider die Hose herunter. Die Jungs schauen stolz und unsicher zugleich, als sich der glatzköpfige Mann mit dem tätowierten Unterarm über ihren entblößten Schoß beugt. Endlich sind der Clown, der Sänger und der Keyboardspieler einmal still. Nur ein dicker Imam auf der Bühne spricht ein Gebet, Mütter weinen still. Es riecht nach Desinfektionsmittel und verbranntem Fleisch.

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Christensekte: „Zwölf Stämme“ zeigen Fernsehreporter an

zwoelf_staemme_klosterzimmernDie Christensekte „Zwölf Stämme“ hat wegen Misshandlungen das Sorgerecht für ihre Kinder verloren – nun gehen die Fundamentalisten gegen den Reporter vor, der die Beweise lieferte. Ihre Erklärung: Züchtigen sei „ein Gesamtkonzept“.

Von Carola Padtberg-KruseSpON

Auf dem bayerischen Gut Klosterzimmern sollen Kinder der christlichen Sekte „Zwölf Stämme“ jahrelang systematisch verprügelt worden sein, heimliche Videoaufnahmen lassen daran kaum Zweifel. Die Urchristen streiten die Vorwürfe nicht ab, trotzdem wehren sie sich nun: Sie wollen ihre Kinder zurück.

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Beschneidung—nach Routine-OP: Patient wacht ohne Penis auf

Zwei Skalpellklingenformen, Bild: wikimedia.org/CC-BY-3.0
Den Schock seines Lebens erlitt wohl ein US-Amerikaner: Für eine Routine-Operation in Narkose versetzt, erwachte er in einem wahren Alptraum-Szenario. Statt ihn zu beschneiden, hatten ihm die Ärzte den Penis amputiert.

FOCUS ONLINE

Ein Mann hatte sich für eine Routine-Operation am Unterleib in die Hände der Ärzte in einer Klinik im US-Bundesstaat Alabama begeben und sah sich, als er wieder aufwachte, mehr als nur einer unangenehmen Überraschung gegenüber. Die Ärzte hatten ihm, statt eine Beschneidung vorzunehmen, den Penis amputiert.

Ägypten nimmt Beschneidung nicht mehr hin

Bild: evangelisch.de
Staatlichen Statistiken zu Folge sind in Ägypten 81 Prozent der Frauen zwischen 15 und 19 Jahren beschnitten. In den Altersgruppen darüber sind es deutlich mehr. Erstmals steht ein Arzt wegen Totschlags vor Gericht.

Von Julia GerlachBerliner Zeitung

Staubige Straßen, Häuser aus roten Ziegeln: Diayrb Bektaris ist ein Dorf wie tausend andere in Ägypten und auch die Familie al-Bata’a unterscheidet sich kaum von der Mehrheit der Ägypter. Das gleiche gilt für Raslan Fadl, der im Dorf eine Arztpraxis betreibt. Er ist ein angesehener Mann. Deswegen versteht in Diayarb Bektaris auch kaum jemand, warum der Arzt und das Familienoberhaupt Mohammed al-Bata’a jetzt vor Gericht stehen; noch dazu wegen Totschlags und Genitalverstümmelung. Es geht um den Tod der 13-jährigen Sohair al-Bata’a. Sie starb vor einem Jahr, nachdem Doktor Raslan ihr die Klitoris entfernt hatte – in Ägypten ein Routineeingriff und vor allem in den armen Dörfern auf dem Land verzichtet kaum eine Familie darauf, ihre Töchter beschneiden zu lassen.

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Wer wird im Land der Täter zum Juden?

Bild: brightsblog
Bild: brightsblog
Zum Judentum überzutreten ist gar nicht so einfach. Viele Deutsche versuchen es trotzdem – knapp über 100 im Jahr, aus verschiedensten Gründen. Nicht immer treffen sie damit auf Verständnis.

Von Jan SchapiraDIE WELT

Ein Pfarrer freut sich bekanntlich über jedes Schäfchen, das zum rechten Glauben findet. Rabbiner sehen es dagegen als ihre Pflicht an, jeden potenziellen Konvertiten erst einmal abzuweisen. So will es die gute Sitte.

Das Judentum ist nicht missionarisch. Und Konvertiten werden in den Gemeinden mitunter misstrauisch beäugt. Und trotzdem gibt es viele Menschen, die zum Judentum übertreten. Auch in Deutschland.

So wie Felix Eliyah Havemann. Er sitzt in Leipzig auf einem Podium und liest aus seinem Buch „Wie werde ich Jude? Und wenn ja, warum?“. Er trägt ein dunkles Sakko, auf seinen kurzen, zur Seite gekämmten Haaren thront eine schwarze Kippa.

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„Beschneidung ist Verstümmelung“

Die menschenrechtlichen Grundlagen unserer demokratischen Verfassungsstaaten werden durch klerikale Machtansprüche bedroht sagt Matthias Franz.

Religiöse-rituelle Vorhautamputation hat eine medizinische Komplikationsrate von 5%. Der schmerzhafte Eingriff wird bis heute großteils ohne Narkose vorgenommen. Er wirkt daher traumatisierend und kann später zu sexuellen Empfindungsstörungen führen da die freiliegende Peniseichel desensibilisiert wird. Es wird höchste Zeit, dass man aufhört, die Augen zu verschließen vor den möglichen körperlichen, sexuellen und seelischen Langzeitfolgen, die auch empirisch belegt sind. Man muss als Arzt nur danach fragen, dann hört man nicht selten traurige Geschichten. Trotzdem herrscht — verglichen mit der berechtigten Empörung über die rituelle Verletzung weiblicher Genitalien — eine bemerkenswerte Verleugnungs­haltung und kollektive Empathieverweigerung gegenüber kleinen Jungen. Das ist unreflektierten Traditionen geschuldet und Ausdruck des männlichen Rollenkäfigs, der Jungen und Männern immer noch schweigsame Härte abverlangt.

Buch: http://www.v-r.de/de/title-0-0/die_be…
Interview Matthias Franz:
http://www.v-r.de/de/newsdetail-1-1/w…

Liga für das Kind bekräftigt Ablehnung von Jungen-Beschneidung

Logo Deutsche Liga für das Kind
Logo Deutsche Liga für das Kind
Die Deutsche Liga für das Kind hat ihre Ablehnung der medizinisch nicht erforderlichen Beschneidung von Jungen bekräftigt.

evangelisch.de

Zwei Jahre nach der Urteilsverkündung durch das Kölner Landgericht, das eine medizinisch nicht indizierte Vorhautbeschneidung als strafbare Körperverletzung wertete, fehle eine zufriedenstellende gesetzliche Lösung, erklärte die Organisation zum Kongress „Genitale Autonomie“ am Dienstag in Köln.

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Die Beschneidung des Jungen (und des Mädchens) – Jahrtausende altes Glaubensgut versus Selbstbestimmung

beschneidungDie Beschneidung eines Vierjährigen, die auf Wunsch der Eltern vorgenommen worden war, wurde am 7.5.2012 vom Kölner Landgericht als Körperverletzung und als Straftat gewertet. Auf den Sturm der Entrüstung hin, vor allem von Juden und Muslimen, die darin eine tiefe Verletzung ihrer Kultur sahen, ließ der Bundestag einen Gesetzesparagraphen hinzuzufügen „Beschneidung des männlichen Kindes“ (§ 1631d BGB), der die Beschneidung ohne medizinischen Anlass erlaubte.

Dr. Bernd HolstiegeWeltexpress

Befürworter

Dieser Paragraph blieb heftig umstrittenen. Die Befürworter, hauptsächlich Juden und Muslime, argumentierten mit einem jahrtausende alten Gedankengut bzw. Glaubensgut  (weil schließlich an die Gedanken geglaubt wurde) oder einer Überlieferung. Diese Tradition ist unhinterfragbar, vollkommen   selbstverständlich und kann deshalb keine Straftat sein. Die Gründe für diese Überlieferung sind im Dunkeln. Heute wird argumentiert, entweder religiös, zur Hingabe an Gott und den Bund mit Gott, oder modern medizinisch, zur Phimose-Behandlung (der Beseitigung der Vorhautverengung) und der Reinlichkeit oder sogar der vermehrten Krebsgefahr. Die Beschneidung soll zwar fachgerecht durchgeführt werden, am besten von Ärzten. Dies wird aber nicht überprüft und den Beschneidern selbst überlassen. Dem Missbrauch sind somit alle Türen geöffnet.

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Deutsch-Israelische Literaturtage: Wohin mit der Vorhaut?

Der Autor Assaf Gavron. Foto: imago stock&people
Was für ein bizarres Ritual die Beschneidung doch sei, schreibt Assaf Gavron in seiner Erzählung, die aus Anlass der Deutsch-Israelischen Kulturtage entstanden ist. Und er fragt sich, warum es auch säkulare Juden beibehalten, und was für einer Art Glauben es dient.

Von Assaf GavronBerliner Zeitung

Vor ungefähr acht Jahren, als ich in London lebte, riefen meine guten Freunde Naomi und Michael an und fragten mich, ob ich Zeuge der Beschneidung ihres Sohnes sein wollte. Sie würden keine religiöse Zeremonie daraus machen, versicherten sie mir. Der „Mohel“ – so nennt man die Person, die die Beschneidung durchführt – sei ein Arzt. Die Beschneidung sollte bei ihnen zu Hause stattfinden ohne Gäste, Gebete oder Feierlichkeiten.

Natürlich sagte ich sofort zu. In freudiger Aufregung über die Geburt des ersten Kindes meiner langjährigen Freunde und meine Rolle bei diesem ganz speziellen Ereignis, fuhr ich die kurze Strecke zu ihrer Wohnung in Primrose Hill, dem wunderschönen Viertel in North London.

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Meine Beschneidung

Bild: FBW
Wenn es eines gibt, auf das der neunjährige Ümit so gar keine Lust hat, dann auf einen Ausflug mit seiner Familie in die Türkei. Erst recht nicht, wenn es um die Beschneidung geht, die dort auf ihn wartet.

FBW-Pressetext

Ümit vermisst seine Freunde in Deutschland, findet alle, vor allem seinen Cousin Haluk, blöd und fühlt sich total fehl am Platz. Aber Tradition ist Tradition und so stellt sich Ümit seinen Ängsten. Aber nicht ohne sein Trikot von Mesut Özil! Eine kleine feine Geschichte über das Kindsein, das Erwachsenwerden und das Entstehen einer ungewöhnlichen Freundschaft ist Arne Ahrens hier gelungen. Dabei nutzt er das Ritual der Beschneidung nur als kulturellen Hintergrund und konzentriert sich vielmehr auf die Perspektive der Cousins Ümit und Haluk. Durch sie verhandelt der Film, der auf einer wahren Begebenheit beruht, in nur 17 Minuten einen gewaltigen Culture Clash, bei dem am Ende die alte Wahrheit gilt: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Und gemeinsam ist man immer stärker. Verpackt wird diese grenzüberschreitende Botschaft in ein spritziges Drehbuch, dazu kommt ein authentisches Spiel der Darsteller. Wunderbar leichtes und unterhaltsames Kurzfilmkino.

Jury-Bründung: Prädikat besonders wertvoll

Der Titel macht bereits auf ein Thema aufmerksam, dass aktuell konträr und von vielen Seiten vehement und nahezu unnachgiebig diskutiert wird.
Dieser Tendenz entgeht der Film, und auch das macht ihn besonders wertvoll. Ganz selbstverständlich fährt der in Deutschland aufgewachsene neunjährige Ümit mit seinen Eltern in deren türkische Heimat, um dort zusammen mit seinem türkischen Cousin Haluk beschnitten zu werden.
Schon bei der ersten Begegnung der beiden Jungen prallen unterschiedliche Erfahrungen und daraus erwachsende kulturelle Prägungen aufeinander, die kurz darauf nahezu explodieren und letztendlich in doch vorhandenen Gemeinsamkeiten verschmelzen.
Arne Ahrens gelingt es in seinem Film, mit Leichtigkeit Gewichtiges perfekt zu erzählen. Leiser Humor, fantasievolle Einfälle, eine gelungene Sprache und Musik verschmelzen miteinander und lassen diesen Kurzfilm gelingen.

Beschneidung: »Was tue ich da meinem Sohn eigentlich an?«

Matthias Franz, Bild: v-r.de
Der Bundestagsbeschluss vom 12.12.2012 und das Inkrafttreten eines neuen Beschneidungsgesetzes vom 28.12.2012 haben zu einer heftigen Debatte geführt. Religiös-dogmatische Setzungen, ungeprüfte Annahmen und Unterstellungen, heftige Polarisierung und zum Teil politische Instrumentalisierung haben diese Diskussion bestimmt.
Was nach dem Sturm jedoch folgen sollte, ist eine Zeit der Faktenwahrnehmung und des ruhigen Nachdenkens:
Aufklärung zu betreiben, ist das Anliegen dieses Buches!

Vandenhoeck&Ruprecht

Ein Interview mit Professor Matthias Franz.

Guten Tag, Herr Professor Franz! Sie sind Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychoanalytiker. Ist die Erfahrung von Beschneidung bei ihren männlichen Patienten tatsächlich ein Thema?

Ja, der Leidensdruck ist hoch. Einer meiner Patienten resümiert zum Beispiel: »Meine Beschneidung ist das Schlimmste, das man mir je angetan hat. Sie hat mein ganzes Leben beeinflusst.« Und ein anderer kommentiert: »Man wird vergewaltigt und kann es nicht vergessen.«
Es wird höchste Zeit, dass diese Patienten gehört werden, und dass man aufhört, die Augen zu verschließen vor den möglichen körperlichen, sexuellen und seelischen Langzeitfolgen, die ich in meiner Praxis erlebe und die auch empirisch belegt sind. Man muss als Arzt nur danach fragen, dann hört man nicht selten traurige Geschichten. Trotzdem herrscht – verglichen mit der berechtigten Empörung und Verurteilung der rituellen Verletzung weiblicher Genitalien – eine bemerkenswerte Verleugnungs­haltung und kollektive Empathieverweigerung gegenüber den kleinen Jungen. Das ist unreflektierten Traditionen geschuldet und Ausdruck des männlichen Rollenkäfigs, der Jungen und Männern immer noch schweigsame Härte abverlangt. Es ist traurig, dass man das heute noch betonen muss: Auch kleine Jungen werden durch die genitale Beschneidung großem Leid und bedeutenden Risiken ausgesetzt. Ein gesellschaftlicher Dialog kann nur entstehen, wenn die Erlebnisse der Betroffenen Gehör finden. Einer meiner Patienten erzählt in meinem Buch seine Geschichte. Es ist ein erschütternder Erlebnisbericht…

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Israels Parlament erklärt im Film die Beschneidung

In dem Kurzfilm kommen Ärzte von Israels führenden Krankenhäusern zu Wort. Sie verweisen auf Vorteile der Vorhautentfernung bei der Verhütung gegen sexuell übertragbare Krankheiten

kath.net

Mit einem Kurzfilm will das israelische Parlament beim Europarat für ein Recht auf die rituelle Beschneidung von Jungen werben. In dem fünfminütigen Beitrag erklärt Parlamentssprecher Juli Edelstein, das jüdische Volk werde gegen alle Gesetzgebungen an dieser Praxis als einem der wichtigsten Gebote des jüdischen Glaubens festhalten. Die Produktion mit dem Titel «Für das Leben», die am Dienstag auch auf der Videoplattform YouTube eingestellt wurde, soll bei einer Sitzung des Sozial- und Gesundheitskomitees des Europarates gezeigt werden.

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Facepalm: Beschneidungsfeier beim KiKA

kika_beschneidungDie Idiotie wird am 19.Januar 2014 auf dem Kinderkanal gefeiert.
Der kleine Tahsin feiert sein Beschneidungsfest und die kleinen Zuschauer dürfen an der medialen Verblödung teilhaben. Die kritische Debatte zum Thema Zirkumzision wird durch den Fernsehsender völlig ausgeblendet.
Die Argumentation des Senders, dass man durch eine Beschneidung zum Manne wird ist nicht nachvollziehbar.

KiKA:

„Wenn ich beschnitten bin, dann bin ich ein echter Mann“ – freut sich Tahsin. Jeder muslimische Junge muss beschnitten werden, so verlangt es die religiöse Tradition. Häufig geschieht das im Alter von bis zu drei Jahren. Doch Tahsins Vater wollte, dass seine Söhne diesen Schritt im Leben bewusst miterleben. Und trotz aller Ängste vor dem Eingriff und vor allem vor der Betäubungsspritze, fiebert Tahsin diesem Tag entgegen.

Mediale Verblödung, indoktriniert durch das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

Beschneidung ohne Einwilligung des Vaters: strafbare Körperverletzung

Bild: tlz.de
Ein Urteil bezüglich der Beschneidung eines männlichen Säuglings stellt klar, dass die Vorhautentfernung als Körperverletzung zu werten ist. Hier müssten beide Eltern einwilligen.

Von Twister (Bettina Hammer) – TELEPOLIS

Ob und wann ein Junge bzw. Mann beschnitten werden soll und darf, ist seit langem schon ein Streitpunkt – nicht erst seit der entsprechenden Gesetzesänderung in Deutschland. In Uster (Schweiz) wurde nun ein Urteil gesprochen, was einige heftige Diskussionen mit sich brachte.

Eine Frau aus Westafrika hatte beschlossen, ihren Sohn im Alter von 2 Jahren beschneiden zu lassen, doch der Ehemann sprach sich dagegen aus. Im Rahmen von häuslicher Gewalt war die Polizei auf die Familie aufmerksam geworden und erfuhr so, dass der Kindsvater sich erbost darüber zeigte, dass seine Ehefrau das Kind gegen seinen Willen hatte beschneiden lassen. Der Eingriff war in einer Tagesklinik für Kinderchirurgie vorgenommen worden. Der Kindsvater und Ehemann fühlte sich nicht nur verraten, sondern auch in seiner elterlichen Sorge verletzt.

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