Bundestagswahl: Widerspruch heißt einfach „Nein“

Von Martin Sonneborn getwitterte Parodie eines CDU-Wahlplakats
Wahlkampf ist eine Inszenierung von Politikern und Journalisten – Ein Kommentar

Von Timo Rieg | TELEPOLIS

„Es muss auch in diesem Wahlkampf mehr gestritten werden“, schließt Claudius Seidl, Feuilleton-Chef der FAZ, seinen Riemen zum Bundestagswahlkampf 2017 (Das deutsche Dösen).

Seidl ist gelangweilt. Wahlplakate und Videowerbung findet er unkreativ, rätselhaft, widersinnig oder gleich „komplett sinnlos“. Seidl sieht „Enge und Borniertheit“ statt radikalen „Widerspruch zu den bestehenden Verhältnissen“.

Inhaltlich ähnlich, nur meist nicht so akrobatisch, äußern sich derzeit viele Meinungsjournalisten, die lieber Sportkommentatoren oder gleich Spin-Doktor geworden wären. „Kraftakt ohne Wumms“ titelte die Süddeutsche Zeitung am Wochenende (und empfahl Martin Schulz, „den Wahlkampf nicht ganz so ernst zu nehmen“, um Angela Merkel „gefährlich werden“ zu können).

Im Handelsblatt beklagt Stefan Wachtel („Coach bei ExpertExecutive“), dass die SPD-Kanzlerkandidaten stets authentisch waren, womit halt kein Blumentopf zu gewinnen sei; stattdessen müsste jemand zu Schulz sagen: „Du bist nicht der Martin, sondern hier wird ein Stück aufgeführt, und du darfst der Hauptdarsteller sein.“ Im langen Merkel-Interview des Handelsblatts wurde eine Kampfansage der Kanzlerin vermisst, ebenso nach ihrem Auftritt vor der Bundespressekonferenz am Dienstag:

„Kanzlerin der Langeweile?“ fragt der Berliner Tagesspiegel. Die Deutsche Welle titelt : „Merkel läutet seelenruhig den Wahlkampf-Endspurt ein“. Und Jakob Augstein berichtete bereits am Montag investigativ aus „Dr. Merkels Schlaflabor“ und brachte die Weisheit mit:

Der Wahlkampf heißt so, weil die Demokratie Auseinandersetzung braucht. Die Menschen sollen aus dem Schlaf der Selbstgerechten geweckt werden und sich fragen: Sind die Dinge gut im Land? Was muss sich ändern? Darum gehört zum Kampf der Lärm der Waffen, das Getöse. Aber Dr. Merkel liebt es leise.

(Jakob Augstein)

Eine wirkliche Begründung für die Forderung nach spektakulärem Wahlkampf ist das alles jedoch nicht. Für wen braucht es Duelle und Getöse – außer für Journalisten, die irgendwas zum Berichten und Kommentieren haben wollen, und Politiker, die in die Medien wollen?

Dass es eine andere Politik braucht, ist gut begründet. Praktisch alle journalistische Berichterstattung speist sich ja nur aus politischem Versagen, aus Unzulänglichkeiten, Intrigen, Macht- und Karrierespielchen, Indiskretionen und Diskreditierungen.

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‚Israels Rechtssystem ist arabischen Staaten überlegen‘

Bild: phhesse/flickr

Saudischer Kolumnist äußert in Zeitungsartikel Bewunderung für das israelische Rechtssystem. Besonders beeindruckt zeigt er sich von der Verurteilung ranghoher Politiker im „zionistischen Gebilde“, das er eigentlich als den „Unterdrücker“ bezeichnet

kath.net

Israel ist arabischen Staaten in vielen Bereichen überlegen – auch im Rechtssystem. Diese Aussage kommt nicht etwa von Israelfreunden, sondern von einem Kolumnisten aus Saudi-Arabien. In einem Zeitungsartikel hat er auf Haftstrafen verwiesen, die gegen ranghohe israelische Politiker wie Ehud Olmert und Mosche Katzav verhängt wurden.

Die Kolumne erschien am 19. Juli in der saudischen Tageszeitung „Al-Dschasirah“ – nicht zu verwechseln mit dem katarischen Sender „Al-Dschasira“. Das israelisch-amerikanische Medienbeobachtungsinstitut MEMRI hat Abschnitte aus dem arabischen Text ins Englische übersetzt. Demnach schreibt Jasser al-Harbasch: „Wenn ein Bürger sicher ist, dass er in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Arbeitsplatz und Lebensbedingungen erhält, was er verdient, kann er sich auf die Freizeit konzentrieren und seinem Heimatland das Beste anbieten entsprechend seinen Begabungen und Fähigkeiten. Deshalb sind manche Gesellschaften anderen überlegen, es ist das Geheimnis hinter dem Vorteil des zionistischen Gebildes gegenüber seinen Nachbarn.“

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Praktizierte Religionsfreiheit, auch für den Islam in Berlin

Das Berliner Institut für islamische Theologie soll an der Humboldt-Universität entstehen.FOTO: DORIS SPIEKERMANN-KLAAS
Schluss mit der Bevormundung: Das geplante HU-Institut für islamische Theologie braucht Ruhe, um offene Fragen zu klären. Ein Debattenbeitrag des Gründungsdirektors.

Von Michael Borgolte | DER TAGESSPIEGEL

Seitdem die Humboldt-Universität Anfang des Jahres die lange geplante Gründung eines Instituts für Islamische Theologie in Angriff genommen hat, können sich die Verantwortlichen vor gut gemeinten Ratschlägen von außen kaum retten. Zuerst lancierte eine Gruppe von Professorinnen und Professoren der evangelisch-theologischen Fakultät den Vorschlag, unter Einbeziehung auch von Juden und Katholiken eine große Fakultät der monotheistischen Religionen zu gründen. Damit fanden sie viel Zustimmung in der Öffentlichkeit und in der Politik. Wer wollte auch die Chance verpassen, den Traum der Aufklärung von einem allgemeinen Religionsfrieden in die Wirklichkeit universitärer Forschung und Lehre überzuführen?

Inzwischen ist freilich Ernüchterung eingekehrt, und die Protagonisten der Idee sind unverkennbar in die Defensive geraten. Neben juristischen Gründen und administrativen Bedenken wurden gerade theologische Gegenargumente vorgebracht: Das Konzept von Theologie selbst sei von christlichen Traditionen bestimmt und weder auf die religiöse Lehre und Praxis von Juden noch von Muslimen übertragbar. Auch hatten die evangelischen Theologen ihr Anliegen dadurch in Misskredit gebracht, dass es ihnen unverhohlen um Eigeninteressen ging, nämlich um die Rettung ihrer eigenen vor einer befürchteten Integration in die Philosophische Fakultät.

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Die islamische Welt gegen den Fortschritt

Bild. RDF
Die allergrößte Mehrheit der islamischen Strömungen führt zu einer Stagnation der islamischen Gesellschaften.

Von Felix Kruppa | Richard-Dawkins-Foundation

Der ganzen Welt geht es seit vier Jahrzehnten immer besser. Nie lebten die Menschen gesünder, länger, gebildeter und toleranter als heute. Vor 40 Jahren lebte noch die Hälfte aller Menschen in extremer Armut, heute ist es nur noch ein Zehntel aller Erdbewohner. Dieser Fortschritt fällt in islamischen Ländern weitaus geringer aus. Neben dem Westen ist vor allem der politische Islam als Ursache für das Leid der islamischen Welt zu nennen.

1. Bildung

Bildung im Vergleich zu anderen Religionen

Die Bildung von Muslimen ist im weltweiten Vergleich zu anderen Religionsangehörigen und Konfessionslosen besonders schlecht.[1] Im Durchschnitt waren Muslime weltweit 5,6 Jahre lang in der Schule. Zum Vergleich: Christen besuchten die Schule im Durchschnitt 9,3 Jahre lang, Konfessionslose 8,8 Jahre und Juden sogar 13,4 Jahre.

Sonderfall Afrika

Besonders erschreckend ist der Bildungsmangel bei Muslimen in Afrika südlich der Sahara. Dort haben Muslime, im Vergleich mit Christen, mehr als doppelt so häufig überhaupt keine formale Schulbildung (65% zu 30%).[2] Während Christen im Schnitt 6 Jahre in der Schule waren, ist der Unterschied zu Muslimen (2,6 Jahre) hier besonders auffällig. Diese großen Unterschiede sind selbst innerhalb einzelner Länder zu verzeichnen (z.B. in Nigeria, Kenia, der Elfenbeinküste oder Kamerun).

Gender Equality Gap

Muslimische Frauen besuchen die Schule im Schnitt 1,5 Jahre kürzer als muslimische Männer, bei Christen beträgt diese Geschlechterdifferenz nur 0,4 Jahre, bei Hinduisten allerdings sogar 2,7 Jahre.[3]
Laut UNICEF sind von den 24 Nationen, in denen weniger als 60% der Mädchen die Grundschule besuchen, 17 islamisch. Die Alphabetisierungsraten zwischen den Geschlechtern sind nirgendwo unterschiedlicher und auch generell in der islamischen Welt überdurchschnittlich schlecht. In Afghanistan beispielsweise waren 2011 nur 32% der Bevölkerung alphabetisiert (45 % der Männer und 18% der Frauen).[4]
Eine Studie des Weltwirtschaftsforums untersuchte diesen Bildungsunterschied zwischen Männern und Frauen 2012 in 135 Ländern. Von den 18 Ländern, die hier am schlechtesten abschneiden, sind 17 Mitglied der Organisation für Islamische Zusammenarbeit: (Algerien, Jordanien, Libanon, Nepal, Türkei, Oman, Ägypten, Iran, Mali, Marokko, Elfenbeinküste, Saudi Arabien, Syrien, Tschad, Pakistan, Jemen).[5] Nirgendwo sonst sind Frauen gemäß dieser Studie folglich weniger gebildet als Männer.

Bücher und Buchdruck in der islamischen Welt

Während der Buchdruck in der (damals) christlichen Welt im 15. Jahrhundert eine geistige Revolution auslöste, liefen die Druckpressen in der islamischen Welt erst 300 Jahre später. Bis dato hatten sich die Rechtsgelehrten gegen das Teufelswerk gewehrt, weil sie die Bildung der Massen als gefährlich für die damalige Gesellschaftsordnung ansahen. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Die repressive Sakralität verhindert jene Literalität, die den Westen in die Moderne geführt hat. Es gibt kaum Buchimporte aus anderen nicht-islamischen Ländern. In der marokkanischen Nationalbibliografie wurden zwischen 2007 und 2009 nur 172 neue Buchtitel angezeigt. In fast allen islamischen Ländern weichen die Kinos und Buchhandlungen zunehmend den Minaretten. Kritische Stimmen und nicht koran- und systemkonforme Akademiker werden zum Schweigen gebracht oder getötet.

Mangelnde Bildung gilt als eines der größten Hindernisse gesellschaftlicher Entwicklung.

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Arbeiten Katholiken weniger gern?

Dolcefarniente: Luciano Pavarotti in der Hängematte. Foto: Jean-Claude (Getty)
Sind protestantische Länder wirtschaftlich erfolgreicher als katholische? Im 500. Jahr der Reformation ist Max Webers berühmte These für viele gültig wie eh und je. Und schaut man sich die Situation in Europa seit der Finanzkrise von 2008 an, kann man sich ja auch bestätigt fühlen.

Von Alan Cassidy | Tages Anzeiger Blogs

Sind es nicht gerade Italien, Spanien und Portugal, die katholischen Länder des Südens, die besonders verschuldet sind? Und geht es dem protestantischen Norden nicht deutlich besser?

Der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron sagte es so: «Es gibt eine Art Religionskrieg zwischen dem calvinistischen Nordeuropa, das den Sündern nicht verzeihen will, und einem katholischen Südeuropa, das dies alles hinter sich lassen will.» Macron sagte dies vor zwei Jahren; er war damals noch Wirtschaftsminister, und er sprach über den Umgang mit der Eurokrise. Seine Aussage zeigt: Webers Behauptung von der Prägung durch die Religion ist bis heute eine der meistdiskutierten der Soziologie.

Arbeit religiös überhöht

Max Weber suchte nach einer Antwort auf die Frage, woher der «Geist des Kapitalismus» kommt, das Streben nach immer mehr Wachstum, nach immer grösserer Produktivität. Die Erklärung fand er in der Reformation. Nicht in jener Luthers, sondern in jener Calvins – und in dessen Auffassung von Arbeit. Calvin, der am Seelenheil interessierter war als an Ökonomie, habe die Arbeit religiös überhöht: Wer reich werde auf Erden, der geniesse ganz offensichtlich die Gnade Gottes. Zur Bildung einer «protestantischen Arbeitsethik» habe beigetragen, dass besonders der Calvinismus die Menschen zu einer «asketischen Lebensführung» anhalte, schrieb Weber. Das heisst auch: Man verprasst sein Geld nicht, sondern spart – und bildet Kapital.

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Wegbereiter des Kapitalismus

Gerhard Streminger
Adam Smith
Verlag: C.H.Beck, München 2017
ISBN: 9783406706592
26,96 €

„Dass ein fast 250 Jahre altes Buch immer noch Grundlage und wichtige Inspirationsquelle einer ganzen Wissensdisziplin ist, die sich zudem als besonders modern und wegweisend gibt, ist einmalig.“ Der Philosoph Gerhard Streminger räumt in seiner Biografie des schottischen Aufklärers und Ökonomen Adam Smith mit einigen gängigen Klischees und Irrtümern auf.

Von Hans-Martin Schönherr-Mann | Spektrum.de

Nein, der wirkmächtigste Philosoph der jüngeren Vergangenheit war nicht Karl Marx, sondern Smith (1723-1790), der 1776 mit seinem Hauptwerk „Der Wohlstand der Nationen“ das Fundament des modernen Kapitalismus legte – jener Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, mit der sozialistische Modelle zumeist erfolglos konkurrierten. Smith begründete die moderne politische Ökonomie, das heißt die Volkswirtschaftslehre. Weithin bekannt ist seine These von der unsichtbaren Hand, die den freien Markt im Hintergrund so lenkt, dass Wohlstand entsteht. Diese Ideen prägten nicht nur das Denken jener Eliten, die Großbritannien im folgenden Jahrhundert zur ökonomisch erfolgreichsten Nation machten. Viele meinen auch, Smith sei für heutige neoliberale Bestrebungen verantwortlich, den Kapitalismus zu entfesseln.

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Dodo Käßmann: Mit Bildung gegen Fundamentalismus

„Es ist eine verdammte, verfluchte Sache mit dem tollen Pöbel. Niemand kann ihn so gut regieren wie die Tyrannen. Die sind der Knüppel, der dem Hund an den Hals gebunden wird. Könnten sie auf bessere Art zu regieren sein, würde Gott auch eine andere Ordnung über sie gesetzt haben als das Schwert und die Tyrannen. Das Schwert zeigt deutlich an, was für Kinder es unter sich hat, nämlich nichts als verdammte Schurken, wenn sie es zu tun wagten. Darum rate ich, dass ein jeder, der hier mit einem guten Gewissen handeln und das Rechte tun will, mit der weltlichen Obrigkeit zufrieden sei und sich nicht an ihr vergreife.“ Martin Luther: Ob Kriegsleute in seligem Stande sein können, 1526

Die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, hat dazu aufgerufen, Fundamentalismus mit Bildung zu bekämpfen.

evangelisch.de

„Gegen jede Art von Fundamentalismus ist es wichtig, dass wir die Bücher, die uns heilig sind – in dem Sinne, dass sie für unseren Glauben fundamentale Bedeutung haben – kritisch lesen dürfen“, sagte Käßmann am Sonnabend in einem Vortrag bei der Jahresversammlung der Büchereiarbeit der hannoverschen Landeskirche in Hannover: „Glaube und Vernunft sind kein Widerspruch.“

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Wissenschaft in der Türkei: Mit eisernem Besen durch die Hörsäle

foto: apa/afp/turkish presidential press office/ kayhan ozer Ehrendoktor Erdogan: Der türkische Staatschef hat sich mit einem seiner Dekrete das Recht gegeben, selbst die Rektoren für die Universitäten in der Türkei auszuwählen.
foto: apa/afp/turkish presidential press office/ kayhan ozer Ehrendoktor Erdogan: Der türkische Staatschef hat sich mit einem seiner Dekrete das Recht gegeben, selbst die Rektoren für die Universitäten in der Türkei auszuwählen.
Tayyip Erdoğan richtet Uni-Lehre und Bildung in seinem Sinn neu aus. Die Verbannung der Evolutionstheorie aus dem Lehrplan der Schulen ist nur ein Symbol

Von Markus Bernath | derStandard.at

Es war ein verzweifelt anmutender Versuch: Erol Önen setzte sich Ende vergangener Woche mit Frau und Kindern ins Auto und fuhr von Istanbul nach Edirne an die Grenze. Der Assistenzprofessor für Elektrotechnik von der Technischen Universität Istanbul (ITÜ) wollte irgendwie über die Maritza kommen, den Grenzfluss nach Bulgarien und Griechenland. Doch die Familie fiel der türkischen Polizei leicht in die Hände. Gegen Önen lag ein Haftbefehl vor. Seinen Job an der Universität hatte der Elektrotechniker bereits bei einer der Massenentlassungen der vergangenen Monate verloren.

Bisher knapp 7.000 „Putschisten“ und „Terroristen“ haben die konservativ-islamische Führung der Türkei und ihre Justiz an den Universitäten des Landes ausgemacht. Angebliche Mitglieder der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen – lange Jahre ein Verbündeter des heutigen Staatspräsidenten und dessen Partei AKP – sowie Hochschulmitarbeiter, bei denen Verbindungen zur kurdischen Untergrundarmee PKK vermutet werden, wurden per Dekret entlassen, manche auch gleich ins Gefängnis gesteckt.

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Dodo Kretschmann fordert Toleranz für Homophobe – Menschenwürde verhandelbar?

kretschmann150Man müsse den anderen nicht gut finden, aber ertragen, meinte Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident bei einer Podiumsdiskussion in Tübingen.

QUEER.DE

Bei einer Diskussion zum Thema „Bildung und Religion“ im evangelischen Stift in Tübingen hat sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Freitagabend dafür ausgesprochen, homophobe Einstellungen und Äußerungen zu tolerieren. „Eine liberale Gesellschaft muss auch sperrige Positionen aushalten“, sagte der Grünen-Politiker nach einem Bericht der „Schwäbischen Zeitung“ vor rund 250 Gästen. „Wenn jemand sagt ‚Ich will nicht, dass Schwule Kinder adoptieren‘, ist das eine Haltung, die man ertragen muss.“

Die Anschlussfähigkeit gelte in beide Richtungen, mahnte der Ministerpräsident. Toleranz müsse nicht Akzeptanz sein. Man müsse den anderen ertragen, aber nicht gut finden.

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Lobbyismus: König Bertelsmann

Das Kommandantenhaus. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/Beek100
Das Kommandantenhaus. Hauptstadtrepräsentanz der Bertelsmann AG und der Bertelsmann Stiftung Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/Beek100
Joachim Paul von der Fraktion der Piratenpartei verteidigte kürzlich im NRW-Landesparlament die Große Anfrage der Piraten zu Lobbyismus und Einfluss von Bertelsmann.

Von Thomas Barth | TELEPOLIS

Das wirtschaftsstärkste Bundesland NRW ist von Bevölkerung und BIP her eine „europäische Mittelmacht“. Das Land beherbergt in Gütersloh nicht nur den Hauptsitz des Bertelsmann-Konzerns und seiner Stiftung sowie ein Bertelsmann-Projekt in Sachen Politik-Privatisierung, sondern in Ostwestfalen auch den Wahlkreis des Europa-Politikers Elmar Brok (CDU), der für enge und langjährige Beziehungen zu dem Konzern bekannt ist und in Brüssel auch schon als „Mister Bertelsmann“ bezeichnet wurde.

Dazu gibt es noch die Bertelsmann-Tochter Arvato, die das ServiceCenter der Landesregierung technisch betreut, die ihren Beitrag zum Funktionieren der Regierung in Düsseldorf aber nicht an die große Glocke hängt.

Der Begriff Lobbyismus erhält damit in NRW eine völlig neue Dimension: Dort verwaltet Bertelsmann inzwischen buchstäblich den Schlüssel zur Lobby der Landesregierung selbst, wie man erstmals durch diese Anfrage der Piraten Anfang Dezember erfahren konnte.

Die Landeshauptstadt Düsseldorf wurde Schauplatz der mit 55 Minuten hierzulande vermutlich bislang längsten parlamentarischen Redeschlacht über den Einfluss eines Lobbyisten: Bertelsmann (Videomitschnitt ab 5:35 – 6:30).

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Beauftragte stellt Aussetzung des Familiennachzugs infrage

Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoğuz (SPD) © MiGAZIN
Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoğuz (SPD) © MiGAZIN
Bei Integration denken viele momentan an Flüchtlinge. Auch bei vor langer Zeit Zugewanderten und deren Kindern bleibt sie aber ein Thema. Der Integrationsbericht der Bundesregierung zeigt, wo es Fortschritte gibt – und wo weiteren Handlungsbedarf.

MiGAZIN

Deutschland ist nach Einschätzung der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Aydan Özoğuz (SPD), bei der Chancengleichheit für Menschen mit Migrationshintergrund auf einem guten Weg. Am Freitag stellte Özoğuz den am gleichen Tag im Bundeskabinett verabschiedeten 11. Lagebericht ihres Arbeitsstabes vor, der umfangreiche Daten zur Teilhabe unter anderem in den Bereichen Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheit, Medien, Ehrenamt und Sport zusammenträgt. Der Bericht zeigt Erfolge bei den Bildungsabschlüssen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Bei Ausbildung und Arbeit gibt es nach den Worten von Özoğuz aber noch Probleme.

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50 Millionen: Weltweit so viele Kinder auf der Flucht wie noch nie

Bild:connistefanski/FB
Bild:connistefanski/FB
28 Millionen Kinder mussten wegen Konflikten und Kriegen ihre Heimat verlassen. Fast 385 Millionen Kinder leben in extremer Armut
 

derStandard.at

Anlässlich des Internationalen Tages der Kinderrechte hat das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF daran erinnert, dass immer mehr Kinder durch Konflikte und extreme Wetterbedingungen ihre Heimat verlassen müssten. Noch nie seien weltweit so viele Kinder auf der Flucht gewesen wie im Jahr 2016, so UNICEF in einer Aussendung. 2,3 Millionen syrische Mädchen und Buben seien bereits geflohen.

Fast 50 Millionen Kinder weltweit sind von ihrem Zuhause entwurzelt – 28 Millionen davon mussten aufgrund von Konflikten und Kriegen flüchten. Und die Zahl der Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen müssen, steigt weiter an. Insgesamt lebt rund eines von neun Kindern weltweit in Krisenregionen. Kinder in belagerten Gebieten wie in Syrien, dem Irak und dem Norden von Nigeria seien außerdem häufig Kinderrechtsverstößen ausgesetzt, so UNICEF. Oft sind ihre Schulen, Krankenhäuser und ihr Zuhause unter Beschuss.

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„Warum nicht ein Neu-Aleppo in Vorpommern gründen?“

Querdenker vom Dienst: Der Wahlhamburger Kurt Edler, grüner Ex-Realo, legt gern den Finger in die Wunde der Gesellschaft Quelle: Pressebild.de/Bertold Fabricius
Querdenker vom Dienst: Der Wahlhamburger Kurt Edler, grüner Ex-Realo, legt gern den Finger in die Wunde der Gesellschaft Quelle: Pressebild.de/Bertold Fabricius
Der Islamismus-Experte Kurt Edler hält die Angst vor islamistischen Jugendlichen in Deutschland für überzogen. Und er hat teils erstaunlich einfache Ideen, um die Menschen hier zu integrieren.

Von Jana Werner | DIE WELT

Draußen spazieren beinahe im Minutentakt fremdsprachige Passanten vorüber, während drinnen, in einem Café im Hamburger Stadtteil Ottensen, Kurt Edler sein Unverständnis kundtut. Der Alt-Grüne versteht die Hysterie um das Merkelsche „Wir schaffen das“ ebenso wenig wie die Sorge vor massenhaften Selbstmordattentätern in Europa. Der Islamismus, sagt der 66-Jährige, sei nach den Bluttaten in Bayern, der Festnahme von „Schläfern“ bei Hamburg und dem Fall des mutmaßlichen Terroristen Dschaber al-Bakr in Leipzig zwar in Deutschland angekommen. Doch gebe es einen Weg, Jugendliche vor der Radikalisierung zu bewahren. Und der klingt verblüffend einfach und erfolgversprechend zugleich.

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Franzosen sind die größten Impfskeptiker

 © Jaho92 | photocase.de
© Jaho92 | photocase.de
Masern, Mumps, Röteln, Tuberkulose, Pocken – das sind alles potenziell tödliche Krankheiten, gegen die man sich ziemlich einfach schützen kann. Trotzdem haben viele Menschen Angst vor Impfungen und halten sie für gefährlich. In einer internationalen Umfrage hat ein Forscherteam jetzt mehr als 65.000 Menschen in 67 Ländern nach ihrer Meinung zu Impfungen gefragt.

DRadio Wissen

Heraus kam: In Europa zum Beispiel sind die meisten Menschen der Meinung, dass Impfungen wichtig sind – aber auch riskant. Das ist besonders krass in Frankreich, wo über 40 Prozent der Bevölkerung Impfungen für nicht sicher halten. In Deutschland liegt der Anteil der Impfskeptiker bei etwas über 10 Prozent.

Generell sagen die Autoren, kann man mit Bildung und Aufklärung viel dafür tun, damit Menschen die Bedeutung von Impfungen verstehen. Allerdings sei es auch so, dass sich die Angst vor Impfrisiken durch Bildung nicht bekämpfen lasse.

Wo Ost und West sich unterscheiden – und wo nicht

 Grenze und Mauer sind schon lange abgebaut. Aber manche Dinge trennen die Menschen in Ost- und Westdeutschland noch immer. (Foto: dpa)
Grenze und Mauer sind schon lange abgebaut. Aber manche Dinge trennen die Menschen in Ost- und Westdeutschland noch immer. (Foto: dpa)
Einkommen, Bildung, Zufriedenheit: Der Osten hat seit der Wiedervereinigung in vielen Bereichen aufgeholt. Doch Daten belegen immer noch erhebliche Unterschiede zum Westen.

Von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Zum Tag der Deutschen Einheit betonen Politiker gerne, wie sehr die Bundesländer im Osten und Westen sich seit der Wiedervereinigung angeglichen haben. Die wirtschaftlichen Fortschritte in den neuen Bundesländern seien beachtlich, heißt es dann. Andere halten dagegen, die Entwicklung sei alles andere als zufriedenstellend. Arm seien die Menschen im Osten – und vielleicht gerade deshalb auch oft fremdenfeindlich.

Was sich tatsächlich getan hat, zeigen Daten, die Behörden wie das Bundesamt für Statistik regelmäßig veröffentlichen. An den Zahlen lässt sich gut erkennen, wo es weiterhin Unterschiede zwischen Ost und West gibt – und wo nicht.

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Weltweit 50 Millionen Kinder auf der Flucht

Syrische Flüchtlinge © Freedom House @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Syrische Flüchtlinge © Freedom House @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Konflikte, Gewalt und Armut treiben weltweit fast 50 Millionen Kinder in die Flucht. Einem aktuellen UN-Bericht zufolge überleben viele Kinder die Flucht nicht oder sind traumatisiert.

MiGAZIN

Fast 50 Millionen Kinder sind laut den Vereinen Nationen auf der Flucht vor Konflikten, Gewalt und Armut. Viele von ihnen überleben die Flucht nicht, weil sie ertrinken oder ermordet werden, wie es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des Kinderhilfswerks Unicef heißt. Oft seien die Mädchen und Jungen traumatisiert, litten an Unterernährung und seien sexueller Ausbeutung und Gewalt ausgesetzt. Die Regierungen der Heimat-, Transit- und Aufnahmeländer müssten die Minderjährigen viel besser vor Diskriminierung und Gewalt schützen, verlangte Unicef.

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Deutschland: Innenminister kündigt partielles Burkaverbot an

Auf Ämtern und im Bildungsbereich sollen Frauen keine Burka tragen dürfen. / Bild: APA/dpa/Frank Leonhardt
De Maizière und Kanzlerin Merkel stemmen sich gegen ein generelles Verbot der Vollverschleierung. In bestimmten Bereichen soll sie aber verboten werden.

Die Presse.com

Die deutsche Regierungspartei CDU scheint im Streit über ein generelles Burkaverbot zu einer Einigung gekommen zu sein: Die Vollverschleierung von Frauen soll nur in ausgewählten Bereichen verboten werden, berichtet der ZDF. Nach der sogenannten Berliner Erklärung, die die Parteispitze heute bekannt geben will, soll die Vollverschleierung nur mehr in bestimmten Bereichen verboten werden: im öffentlichen, im Bildungsbereich und vor Gericht.

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Uni erforscht Zusammenhang von Bildung und Religion

jesus_guillotineBraucht Religion Bildung oder Bildung Religion? Dieser Frage wollen Wissenschaftler der Universität Göttingen in einem Sonderforschungsbereich auf den Grund gehen.

Frankfurter Rundschau

Mit dem Zusammenhang von Bildung und Religion beschäftigt sich ein neuer Sonderforschungsbereich an der Universität Göttingen. Er wird am 26. und 27. Mai mit einer Feierstunde und einem wissenschaftlichen Symposium offiziell eröffnet, wie die Hochschule am Donnerstag mitteilte. An den Vorhaben sind Forscherinnen und Forscher der Theologischen und der Philosophischen Fakultät beteiligt.

Sie beschäftigen sich unter anderem mit der Frage, ob Religion Bildung und ob Bildung Religion braucht. Der Forschungsbereich werde das Verhältnis zwischen Bildung und Religion im Geflecht griechisch-römischer, jüdischer, christlicher und islamischer Kulturen des antiken und mittelalterlichen Mittelmeerraums sowie in der Moderne untersuchen, hieß es.

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Studie: Religion spielt für Integration geringere Rolle als angenommen

Gehört der Islam zu Deutschland? Die Deutschen sind in dieser Frage zwiegespalten. (Foto: Carsten Koall/Getty)
Das fanden Forscher in einem Gutachten heraus. Entscheidend für den Erfolg in der Schule und auf dem Arbeitsmarkt sei der soziale Hintergrund.
 

Von Jan Bielicki | Süddeutsche.de

Alle reden vom Islam – doch nach Ansicht führender deutscher Migrationsforscher wird die Rolle, die Religion für die Integration von Einwanderern spielt, „allgemein überschätzt“. Und zwar gleich in doppelter Hinsicht: Zum einen sehen die Wissenschaftler keine belastbaren Belege dafür, dass die Religion oder die Religiosität eines Migranten dessen Teilhabe an Bildung oder Arbeitsmarkt grundsätzlich erschwert. Zum anderen lassen sich für sie Unterschiede, die es bei der Integration verschiedener religiöser Gruppen gibt, auch „nicht in erster Linie“ auf die Religionszugehörigkeit zurückführen.

Zentraler Erklärungsfaktor für Erfolg und Misserfolg in der Schule und am Arbeitsmarkt „ist und bleibt der soziale Hintergrund“, heißt es in dem Jahresgutachten, das der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) am Dienstag in Berlin vorstellte.

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Der Islamismus als Empörungsparadigma

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Der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad, der, nebenbei angemerkt, in Deutschland nur unter Polizeischutz leben kann – hat sich die politische Linke eigentlich dazu geäußert? – vergleicht in seinem Buch Der islamische Faschismus strukturähnliche Prinzipien zwischen dem politischen Islam und den rechtsnationalen Ausprägungen des europäischen Totalitarismus.
 

Von Alexander Meschnig | Achgut.com

Charismatische Führer, die unbedingten Gehorsam fordern, die Idee der Auserwähltheit, die Dichotomie von Gut und Böse, der Kult der Militanz als Lebensform, die Verachtung von Individualismus, der exterministische Umgang mit den ideologischen Todfeinden. Die von Abdel-Samad angeführten Fakten und Übereinstimmungen sind von zwingender Stringenz und machen sein 2014 erschienenes Buch zu einer Pflichtlektüre für kritische Leser.

Interessanterweise hat der, inzwischen als „rechter Denker“ denunzierte Sozialphilosoph Peter Sloterdijk, in Zorn und Zeit einen ähnlichen, mehr geschichtsphilosophischen Versuch unternommen, dafür aber den linksfaschistischen Teil der totalitären Bewegungen, den Kommunismus, als Vergleich mit dem politischen Islam herangezogen. Für Sloterdijk gibt es in der abendländischen Geschichte nur zwei mächtige „Zornkollektive“ die thymotische Energien freisetzen konnten: die katholische Zorn-Gottes-Lehre und die kommunistische Organisation, als Sammlung der Zornmasse der Unterdrückten definiert. Die faschistischen Bewegungen sind für Sloterdijk, politisch nicht ganz korrekt, nur Klone der leninistischen Direktiven vom Spätherbst 1917, eine These, die etwa auch der sowjetische Nobelpreisträger der Physik, Lew Davidowitsch Landau, in den 50er Jahren vertrat.

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