Jihad statt Atatürk

In der Türkei krempelt die AKP-Regierung radikal das Bildungswesen um. Die säkulare Bevölkerung versucht sich dagegen zu wehren – wohl erfolglos.

Von Marco Kauffmann Bossart | Neue Zürcher Zeitung

Nur vier Tage sind verstrichen, bis Recep Tayyip Erdogans Wunsch erhört worden ist. Die Übertrittsprüfung für die Oberstufe gehöre abgeschafft, hatte der türkische Staatspräsident am 15. September in einem Fernsehinterview erklärt. Das Examen setze die Schüler zu stark unter Druck, so die Begründung. Am 19. September meldete Bildungsminister Ismet Yilmaz: Auftrag erfüllt. Die sogenannte TEOG-Prüfung sei gestrichen. Man habe die Kinder wie Rennpferde behandelt, sagte Yilmaz. Er klang wie ein Echo Erdogans.

Das Examen entschied in der Türkei bisher darüber, wer von jährlich rund 1,3 Millionen Kandidaten einen der 400 000 Plätze an einem öffentlichen Gymnasium erhielt. Für leistungsschwächere Schüler, deren Eltern nicht über die finanziellen Mittel für eine Privatschule verfügten, blieb oft nur ein Platz an einer religiösen, sogenannten Imam-Hatip-Schule übrig.

weiterlesen

Obama: Kirchen sollen sich in Debatte über Armut einmischen

Obama Hope
Obama Hope
Kirchen und religiöse Verbände in den USA sollten sich nach Ansicht von Präsident Barack Obama stärker in die politische Debatte über Armut und Einkommensverteilung einmischen.


evangelisch.de

Die Gesellschaft könne die Armut verringern, „wenn wir wirklich etwas tun wollen“, sagte Obama am Dienstag (Ortszeit) bei einer Konferenz in der katholischen Georgetown-Universität in Washington. In den Kirchengemeinden habe das Thema Armut oft einen geringeren Stellenwert als etwa Abtreibung, erklärte der US-Präsident.

Obama verwies darauf, dass Programme gegen Armut in den 60er Jahren die Armutsquote in den USA stark gesenkt hätten. Die Schaffung von Arbeitsplätzen sei das beste Mittel im Kampf gegen Armut. Zudem müsse man in das Bildungswesen investieren und die Infrastruktur verbessern. Zugleich lobte Obama in seiner Rede vor Vertretern katholischer und protestantischer Verbände Papst Franziskus, der immer wieder betone, wie wichtig im Christentum der Kampf gegen Armut sei.

Kirchliche Rechtsberater: Religionsfriede in EU braucht Verträge

Bild: fis-kirchenrecht.de
Bild: fis-kirchenrecht.de
Die Rechtsberater der europäischen Bischofskonferenzen haben bei ihrer vorwöchigen Jahreskonferenz die Notwendigkeit der Begleitung des Grundrechts der Meinungs- und Pressefreiheit durch eine „ausgewogene, vernünftige Balance“ zwischen staatlichen Grundrechten und Rechten der Religionsgemeinschaft betont.


kathweb

Sie folgten damit der Sicht der Vizepräsidentin des italienischen Verfassungsgerichtshofs, Marta Cartabia, die sich bei der Tagung für bilaterale Verträge mit den Religionsgemeinschaften aussprach. Staaten mit entsprechenden Verträgen seien in Konflikten besser gefahren, betonte sie. Damit werde gesellschaftlicher Pluralismus gewahrt, ohne Aufhebung der Unterschiede und Vereinheitlichung.

Hintergrund der vom Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) veranstalteten Tagung in Pressburg (Bratislava) waren die Anschläge auf Karikaturisten in Paris und Kopenhagen. Weitere Diskussionsthemen waren das Recht auf Gewissenvorbehalt, die Definition von „Eheschließung“ vor dem Hintergrund der Öffnung der Ehe für Homosexuelle in Slowenien, die Sicht von Papst Franziskus zu Europa sowie die Lage in der Ukraine.

Zum Thema „Gewissensvorbehalt“ hielten die Teilnehmer in der Abschlusserklärung fest, es gebe in den EU-Staaten einen auffälligen Gegensatz zwischen dem Trend zur Stärkung individueller Rechte im Bereich auf Lebensanfang und Lebensende und der Schwächung des Grundrechts auf Gewissensfreiheit in ethischen Fragen, vor allem in der Medizin und dem Bildungswesen. „Die Gewissensfreiheit, ein Grundrecht, das zu den Grundlagen der Demokratie und des Rechtsstaats der europäischen Länder gehört, wird vor allem im Bereich der Medizin und der Bildung immer mehr in Frage gestellt“, so der CCEE. Der Gewissensvorbehalt sei „gegen niemanden gerichtet“ und habe „nicht das Ziel einer Aushöhlung des Rechtssystems, sondern den eines Dienstes am Gemeinwohl“.

weiterlesen

Homosexualität: Bäcker als Eheberater

Darf ein Konditor sich weigern, Schwule zu bedienen? Darüber wird in den USA gerade vor Gericht verhandelt
Foto: Amy Walters/Fotolia
Ein amerikanischer Konditor will ein schwules Paar nicht beliefern und steht deshalb vor Gericht. Ist die Religionsfreiheit bedroht oder reagiert der Christ schlicht über? Die pro-Redakteure Moritz Breckner und Anna Lutz haben den Fall aus unterschiedlichen Blickwinkeln kommentiert.

pro Medienmagazin

von Moritz Breckner

Verfechter der Homo-Ehe behaupten gerne, Heterosexuelle seien von homosexuellen Partnerschaften überhaupt nicht betroffen. Weder dem Durchschnitts-Hetero, noch Christen, die sich gegen die staatliche Aufwertung von Homosexualität engagieren, entstünde ein Nachteil, wenn gleichgeschlechtliche Partnerschaften der Ehe gleichgestellt würden.

Weit gefehlt! Im US-Bundesstaat Colorado steht ein christlicher Bäcker vor Gericht, weil er die „Hochzeit“ zweier Männer nicht mit der Lieferung einer Torte unterstützen wollte. Im Bundesstaat Washington läuft ein Verfahren gegen eine Floristin, die keine Blumen für die Trauzeremonie eines schwulen Paares liefern wollte. Der von einem Christen gegründeten Online-Partnervermittlung eHarmony wurde mit Prozessen gedroht, bis sie begann, auch homosexuell Orientierte zu vermitteln.

weiterlesen

Türkei: Nach dem Kopftuch kommt jetzt Geschlechtertrennung

Recep Tayyip Erdogan (Bild: Regierung v. Chile, CC-BY 3.0)
Recep Tayyip Erdogan (Bild: Regierung v. Chile, CC-BY 3.0)

Nein, männliche und weibliche Studenten sollen nicht „unter einem Dach“ zusammenleben, findet der türkische Premierminister Erdogan. Gemischte Wohnheime sollten abgeschafft werden. Torpediert der konservative Regierungschef das koedukative Erziehungswesen?

Spiegel Online

An deutschen Unis wabert die Geschlechterdiskussion seit Jahrzehnten. In guten Phasen hat sie zu mehr Gerechtigkeit geführt, zu mehr Respekt. In schlechten reduziert sie sich darauf, ob das Binnen-I in ProfessorInnen Sprachgerechtigkeit herstellt oder ob es nicht doch der Gender-Gap in Professor_innen sein muss. Besonders Progressive streiten für das flexible Gendern: Der Unterstrich fällt zufällig irgendwo ins Wort, um kein Geschlecht besonders zu betonen – also Prof_essorinnen oder Pr_ofessorinnen.

weiterlesen

Ein freier Tag für alle? Luthers Vermächtnis ist es wert?

Bild: heiligenlexikon.de
Arbeitgebervertreter haben vor einem Milliardenschaden für deutsche Unternehmen gewarnt, wenn die Länder einen einmaligen bundesweiten Feiertag am Reformationstag 2017 zulassen. Sie verkennen dabei aber, dass die Reformation nicht nur zur Gründung der protestantischen Kirchen geführt hat, sondern Luther Deutschland und die Welt verändert hat – auch zugunsten der Wirtschaft.

Von Janek Rauheevangelisch.de

Es ist eine gewaltige Zahl: Mehrere Milliarden Euro könnten der deutschen Wirtschaft entgehen, wenn im Jahr 2017 alle Arbeitnehmer am 31. Oktober frei bekämen – an diesem Tag hat Martin Luther vor 500 Jahren der Legende nach seine 95 Thesen an die Tore der Schlosskirche von Wittenberg genagelt. Damit rechnet der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Nordrhein-Westfalen, Luitwin Mallmann. 500 Millionen Euro verlören allein die Arbeitgeber in Mallmanns Stammland NRW. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände spricht sich aus Kostengründen ebenfalls gegen einen gesetzlichen Feiertag aus.

weiterlesen

Kretschmanns Gottes-Grün – ein erschreckendes Menschenbild

Winfried Kretschmann, Sven Giegold Bild:PR
Gegen eine rigorose Trennung von Kirche und Staat haben sich zwei prominente Mitglieder der Partei Bündnis90/Die Grünen ausgesprochen.

idea.de

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Stuttgart) und der finanzpolitische Sprecher seiner Fraktion im Europäischen Parlament, Sven Giegold (Düsseldorf), stellten am 21. Juni in Stuttgart ein Positionspapier vor, das sich von anderen Stellungnahmen der Partei grundlegend unterscheidet. Während beispielsweise die Grünen in Bayern die historisch gewachsenen Bindungen zwischen dem Staat und den Kirchen schrittweise auflösen wollen, plädieren die Kretschmann und Giegold für eine „kooperative Trennung von Staat und Kirche“. Kretschmann zufolge erkennt der Staat den gesellschaftlichen Charakter von Religion ausdrücklich an. Dies sei die Grundlage dafür, dass die Kirchen durch den Religionsunterricht und die theologischen Fakultäten an den Hochschulen und im Bildungswesen verankert seien.

weiterlesen

Falsche Adresse: Albanischer Staatspräsident spricht mit Papst über EU-Beitritt

Bamir Topi, Bild: euronews.com

Der albanische Staatspräsident Bamir Topi hat mit Papst Benedikt XVI. über einen EU-Beitritt seines Landes gesprochen.

kathweb

Benedikt XVI. empfing Topi am Samstag zu einer Privataudienz im Vatikan. Weitere Themen der rund 20-minütigen Unterredung waren nach vatikanischen Angaben die Wirtschaftskrise, der interreligiöse Dialog sowie das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und albanischer Gesellschaft. Zudem erörterten beide den Beitrag der Kirche für das Bildungswesen und die soziale Fürsorge.

Der Vatikan charakterisierte das Gespräch im Apostolischen Palast als „herzlich“. Man habe die guten Beziehugen zwischen Albanien und dem Heiligen Stuhl hervorgehoben. Nach der Begegnung mit dem Papst traf Topi mit Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und dem vatikanischen Außenminister Erzbischof Dominique Mamberti zusammen. Es war die zweite Zusammenkunft Topis mit dem Papst im Vatikan. Das erste Mal war das Staatsoberhaupt im Dezember 2007 fünf Monate nach seinem Amtsantritt von Benedikt XVI. empfangen worden. Albanien ist ein potenzieller Kandidat für einen EU-Beitritt. Das Land hat seinen Antrag auf Mitgliedschaft im April 2009 gestellt.