Missbrauch bei Pfadfindern jahrelang vertuscht

Immer wieder stand die amerikanische Pfadfinder-Organisation in den vergangenen Jahren wegen Missbrauchs in den Schlagzeilen (Archivbild). Bild: AP

Fast 800 frühere Pfadfinder-Mitglieder haben in Amerika Klage gegen die Organisation eingereicht. Über Jahre soll sie die Namen von hunderten Betreuern verschwiegen haben, die Kinder missbrauchten.

Von Christiane Heil | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Pfadfinderorganisation Boy Scouts of America (BSA) soll die Namen von mehr als 350 Betreuern verschwiegen haben, die wiederholt Kinder und Jugendliche sexuell missbrauchten. Fast 800 frühere Mitglieder der Organisation reichten bei einem Gericht im Bundesstaat Pennsylvania Klage ein, weil die BSA die mutmaßlichen Täter trotz Meldungen von Übergriffen weiter mit Minderjährigen in Kontakt brachte. „Es mag sich übertrieben anhören, aber wir haben es mit Menschenhandel zu tun. Die Pfadfinder sind der größte Pädophilenring der Welt“, sagte der Anwalt Tim Kosnoff, der die Opfer vertritt.

Laut Klageschrift sollen ehrenamtliche Betreuer die Jungen bewusst an sich gebunden haben, um sie später zu missbrauchen. Ein 57 Jahre alter früherer Pfadfinder wurde als Jugendlicher angeblich mehrere hundert Mal von seinem Betreuer vergewaltigt. Die Namen des Pfadfinders und des mutmaßlichen Täters sollen in den Akten der Organisation aber bewusst unterschlagen worden sein.

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US-Pfandfinder: 7.000 Täter, 12.000 Opfer, Konkurs droht

Anwalt Jeff Anderson spricht während einer Pressekonferenz in New York über die Opfer des Missbrauchs bei den Boy Scouts of America (23. April). (Bild: Brendan McDermid / Reuters)

In einem eigenen Register listen die Boy Scouts of America über 7000 Täter und 12 000 Opfer sexuellen Missbrauchs auf. Doch die Dunkelziffer unter den Millionen von Mitgliedern ist vermutlich erheblich.

Peter Winkler | Neue Zürcher Zeitung

Der Skandal um den sexuellen Missbrauch von jungen Pfadfindern durch erwachsene Freiwillige droht die Organisation Boy Scouts of America in den Konkurs zu stürzen. Verschiedene Gliedstaaten sind per Gesetz gegen die Verjährungsfrist für solche Verbrechen vorgegangen. In New York beispielsweise können Opfer ein Jahr lang klagen, auch wenn die Beschuldigungen Taten betreffen, die im Normalfall verjährt wären. Beobachter erwarten, dass damit die Schleusen für eine Flutwelle an Klagen geöffnet werden.

Aussetzung der Verjährung

Wie amerikanische Medien berichteten, haben Anwaltsbüros bereits ihre Anzeigenkampagne verstärkt, mit der sie Opfer ermutigen, sich zu melden. Dies könnte auch zu einer zahlenmässigen Ausweitung des Skandals führen. Einer der betroffenen Anwälte erklärte gegenüber der Agentur AP, von 186 neuen Klienten aus Dutzenden von Gliedstaaten in den letzten Wochen hätten 166 die Namen von Verdächtigen genannt, die noch nicht in der Datenbank der Pfadfinder eingetragen seien.

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