Pierre Teilhard de Chardin und der kosmische Christus

Virtuose der Frömmigkeit: Teilhard de Chardin verband eine rationale, naturwissenschaftliche Weltsicht mit mystischem Denken. (Bild: PD)
Ist der christliche Glaube mit dem naturwissenschaftlichen Weltbild vereinbar? Der Jesuit und Naturwissenschafter Pierre Teilhard de Chardin sagte Ja – und war deshalb in der Kirche umstritten. Nun soll er rehabilitiert werden.

Von Jan-Heiner Tück | Neue Zürcher Zeitung

Die Überzeugung, dass der Mensch die «Krone der Schöpfung» sei, hat im Denken der Neuzeit einige Kränkungen erlitten. Die erste erfolgte durch Kopernikus, der mit der Vorstellung brach, dass der Mensch in der Mitte des Universums wohne. Die zweite verursachte Darwin durch die These, dass der Mensch evolutionsgeschichtlich mit Affen gemeinsame Vorfahren habe. Und die dritte Kränkung lancierte Freud durch den Verdacht, dass der Mensch nicht Herr im eigenen Hause sei und mehr durch Triebe gesteuert werde, als ihm bewusst sei.

Nicht nur die katholische Kirche hat sich mit dieser Entthronung des Menschen schwergetan. Die These des Kopernikus wurde von Calvin und Luther als schriftwidrig verdammt. Die Auseinandersetzung mit Darwins Evolutionslehre und Freuds Psychoanalyse hält bis heute an. Die Entstehung der Arten durch Mutation und Selektion kommt bekanntlich ohne den Rückgriff auf einen planenden Gott aus.

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Islam und Evolutionslehre: Von Affen und Allah

©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at
Vor 160 Jahren zeigte Charles Darwin mit seiner Evolutionstheorie, wie die Arten entstanden sind. Nämlich durch Entwicklung, Zufall und Anpassung an die Umwelt. Die katholische Kirche hat lange gebraucht, um diese Erkenntnis zu akzeptieren. Im Islam tun sich noch heute viele schwer damit.

Von Michael Hollenbach | Deutschlandfunk

Mirza Masroor Ahmad ist der Kalif der muslimischen Religionsgemeinschaft der Ahmadiyya. Das geistliche Oberhaupt von rund zwölf Millionen Muslimen erklärt die menschliche Entwicklung so:

„Die Theorie von Darwin stimmt nicht. Auf jeden Fall stammen wir nicht vom Affen ab. Ja, es hat eine Evolution gegeben, der Mensch hat sich weiterentwickelt. Jedoch gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Menschen und dem Affen. Der Mensch hatte seine eigene Entwicklung, unabhängig von Tieren. Prüft es doch allein daran, dass es noch heute Affen gibt – und wieso fand bei diesen keine Evolution statt?“

Diese Ansicht sei unter muslimischen Geistlichen sehr verbreitet, sagt Michael Blume. Dabei verweist der Religionswissenschaftler darauf, dass der Koran – im Gegensatz zur jüdisch-christlichen Tradition – keine zusammenhängende Schöpfungsgeschichte kennt:

„Die Schöpfungslehre im Koran ist weniger spezifisch als in der Bibel. Da wird gesagt, dass der Mensch in Stufen geschaffen wurde oder dass er aus einem Tropfen Blut geformt sei.“

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Was mag ein Tier schon fühlen?

Die muss noch viel lernen: Mit sechs Monaten hat das weibliche Baby eines Westlichen Gorillas (Gorilla gorilla) im Zoo von Cincinnati allen Grund zum Staunen. Foto: Joel Sartore, National Geographic
Unter Verhaltensforschern war es lange Zeit verpönt, Tieren Emotionen zuzuschreiben. Allmählich ändert sich das.

Von Cord Riechelmann | Frankfurter Allgemeine

Ein Hund, der gerade ein Stück Fleisch vom Küchentisch gestohlen und im Blumentopf versteckt hat, kommt einem mit eingezogenem Schwanz entgegen und schleicht sich mit verstohlenem Seitenblick an einem vorbei.

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Unwillkürlich neigt man dazu, dem Hund ein Bewusstsein seiner Tat zu unterstellen. Charles Darwin ging, nachdem er einmal eine ähnliche Szene erlebt hatte, noch einen Schritt weiter. Es war für ihn klar, dass sein Hund sich schämte.

Für den Begründer der Evolutionslehre bestand überhaupt nicht der geringste Zweifel, dass Tiere Gefühle entwickeln und sie auch zeigen. In seinem 1872 erschienenen Werk „The Expression of the Emotions in Man and Animals“ ging es ihm vor allem darum, mit welchen Verhaltensmustern Tiere ihre Gemütszustände ausdrücken.

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Darwins Jahrhundertwerk

Bild: Theiss-Verlag

Ja, das ist das Buch, von dem alle gehört, das aber wohl nur wenige wirklich gelesen haben: Charles Darwins „Über die Entstehung der Arten“ (On the Origin of Species).

Von Frank Schubert | Spektrum.de

Es liegt jetzt neu aufbereitet in adaptierter deutscher Übersetzung vor – illustriert mit wunderbaren Fotos und Abbildungen aus Darwins Werken, mit Gemälden und historischen Karikaturen. Auszüge aus seiner Autobiografie, seinen Reisebeschreibungen und Briefen gesellen sich hinzu. Heraus kommt ein mächtiger Band, der seine Leser fordert, aber großartige Lektüre bietet.

Ein wenig erstaunt es, dass der Verlag die Übersetzung Heinrich Georg Bronns von 1860 herangezogen hat (und leicht modifizierte, um sie an heutige Sprachgewohnheiten anzupassen). Sie ist verschiedentlich kritisiert worden, da sie sich inhaltliche Veränderungen herausnahm. Als Standardübersetzung dient meist die von Julius Victor Carus (1876).

Der lange Weg zur publizierten Theorie

In einer schönen Einführung umreißt Wissenschaftsautor David Quammen die Geschichte hinter dem berühmten Buch. Als 16-Jähriger beginnt Darwin ein Medizinstudium. Da es ihn langweilt, bricht er nach zwei Jahren ab und wechselt zur Theologie. 1831 macht er sein Examen darin und geht als Naturforscher an Bord des Vermessungsschiffs „Beagle“. Während der folgenden mehrjährigen Reise reift er zu einem akribischen Wissenschaftler. Die Beobachtungen, die er weltweit macht, lassen ihn schon bald vermuten, dass die Arten veränderlich sind.

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Hartnäckige Fake News

„Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“ – stammt wohl doch nicht von Einstein. © fotolia/Jag_cz
Schwankenden Wahrheitsgehalt ortet Martin Rasper in seinem lehrreichen „Buch der falschen Zitate“.

Von Heiner Boberski | Wiener Zeitung

„No sports!“ Mit diesen Worten erklärte angeblich der legendäre britische Staatsmann Winston Churchill, warum er so lange politisch aktiv bleiben und ein hohes Alter erreichen konnte. Vor allem Zeitgenossen, die dem Alkohol und dem Nikotin zuneigen und wenig Interesse an körperlicher Anstrengung haben, verwenden gerne dieses Zitat, da es auch bei einem eher ungesunden Lebenswandel lange Rüstigkeit verheißt.

Dabei hat Churchill, wie der deutsche Journalist Martin Rasper schon im Titel seines neuen Buches festhält, diese Aussage nie gemacht. Sie ist auch in Großbritannien völlig unbekannt, dagegen aber – ungefähr seit den 1960er Jahren – in deutschen Landen verbreitet. Vor allem in jungen Jahren war Churchill sehr sportlich, insbesondere als Reiter, ein echtes Zitat von ihm lautet: „Keine Stunde Lebenszeit, die man im Sattel verbringt, ist vergeudet.“ In Raspers Klassifikation von Zitaten hat „No sports!“ einen Wahrheitsgehalt von null Prozent, wer Churchill als Erster diese Worte in den Mund gelegt hat, ist freilich unbekannt. Bei einem anderen angeblichen Churchill-Satz, „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“, ist sehr wahrscheinlich, dass er auf Nazipropaganda zurückgeht. Auch dieses „Zitat“ hat laut Martin Rasper einen Wahrheitsgehalt von null Prozent.

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Die Aktualität der alten Darwin-Debatten

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Ein Symposion der Ignaz-Lieben-Gesellschaft und der ÖAW geht der frühen Rezeption Darwins in Zentraleuropa nach

Von Klaus Taschwer | derStandard.de

Im katholischen Österreich hatte es Charles Darwin nie ganz einfach. Das wusste man zu dessen Lebzeiten sogar im Ausland: In einer frühen Besprechung von „Über die Entstehung der Arten“ (1859) beglückwünschte der anonyme Rezensent (womöglich Charles Dickens) den englischen Naturforscher, dass er weder im intoleranten 16. Jahrhundert noch in Österreich leben müsse.

Dabei kam hier nur wenig später mit der kurzen Phase des Liberalismus ein Klima auf, das der Evolutionstheorie gegenüber aufgeschlossen war: So gab es bereits 1860 im neuen Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse in Wien die ersten öffentlichen Vorträge über Darwins (r)evolutionäre Theorie.

Verewigung in der Fassade

Diese wurde damals nicht nur in wissenschaftlichen Kreisen, sondern auch in literarischen Zirkeln eifrig diskutiert und inspirierte österreichische Schriftsteller des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Darwin wurde in Wien sogar architektonisch gewürdigt: Er war der einzige damals lebende Naturforscher, den man 1876 in der Fassade das Naturhistorischen Museums Wien verewigte.

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Atheismus in der arabischen Welt: „Ketzer“ als Schreckgespenster

Als vermeintliche Gralshüter des Glaubens missbrauchen viele arabische Regime ihre religiöse Macht dazu, um den Mangel an demokratischer Legitimität ihrer Staaten auszugleichen. Daher wittern sie im Atheismus die große Gefahr, die ihre Länder in Chaos und Sittenlosigkeit stürzen könnte.

Von Brian Whitake | Qantara.de

Die meisten arabischen Länder reagieren auf Atheismus und Abfall vom islamischen Glauben in der Regel mit großer Panik. In Ägypten wurden beispielsweise gleich zwei Regierungsministerien damit beauftragt, einen nationalen Plan zur „Eliminierung des Atheismus“ zu entwickeln. Und in Saudi-Arabien wird jeglicher „Aufruf zum Atheismus“ im Rahmen der jüngsten Anti-Terror-Gesetze als terroristisches Vergehen betrachtet.

Insbesondere in einer Zeit, in der uns diejenigen, die im Namen ihrer Religion töten, viele Sorgen bereiten, wirkt diese Verfolgung von Atheisten doch recht bizarr. Aber die arabischen Gesellschaften hegen allgemein eine Abneigung gegen jedweden Nonkonformismus, und die Regierungen der Region favorisieren daher häufig eine offizielle Version des Islam, die ihren politischen Interessen dient. Also wird sowohl der Dschihadismus als auch der Atheismus – obwohl die beiden sich völlig voneinander unterscheiden – als Form sozialer oder politischer Abweichung betrachtet. In den arabischen Medien wird dann die Angst verbreitet, die Ideen derjenigen, die Gott und die Religion ablehnen, könnten sich durchsetzen und dann zu Chaos und Sittenlosigkeit führen.

In sechs arabischen Ländern – in Kuwait, in Qatar, in Saudi-Arabien, im Sudan, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Jemen – kann die Abkehr vom Glauben mit dem Tode bestraft werden. In den letzten Jahren fanden zwar diesbezüglich keine Hinrichtungen statt, allerdings werden gegen Menschen, denen vorgeworfen wird, die Religion verunglimpft zu haben, lange Haftstrafen verhängt – egal wie trivial diese Beschimpfungen auch gewesen sein mögen.

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Türkei Lehrplan: Darwin raus – Dschihad rein

Ab September wird in türkischen Schulklassen auch der „Heilige Krieg“ unterrichtet. Foto: wikipedia.org, AFP, krone.at-Grafik (Montage)
Wie berichtet, soll die Evolutionstheorie von Charles Darwin künftig nur noch in abgespeckter Form an türkischen Schulen unterrichtet werden . Dafür kommt der „Heilige Krieg“ als neues Unterrichtsfach. Denn künftig soll der Dschihad in Schulen unterrichtet werden. Während die Regierungspartei AKP diese „Reinigung“ des Lehrplans lobt, wittern Oppositionsparteien und die religiöse Minderheiten der Alewiten Gefahr.

Von Gabor Agardi | krone.at

„Den Dschihad als eine Art Gottesdienst in Schulen zu unterrichten, steht im Einklang mit den Doktrinen der Terrormiliz Islamischer Staat und ist sehr gefährlich“, warnt Erdogan Döner, der Präsident des Alewiten-Dachverbandes Cem Vakfi. Die Alewiten stellen die größte religiöse Minderheit, sie machen geschätzte 20 Prozent der 80 Millionen Einwohner aus und stehen den Schiiten näher als den Sunniten, die weltweit und auch in der Türkei die Mehrheit der Muslime stellen.

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Hilfe für die Bibelausleger

©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at
Die Wissenschaft muss Charles Darwins Erkenntnisse immer mehr verteidigen, weil immer mehr Menschen seine Evolutionslehre ablehnen.

Von Jean-Martin Büttner | Der Bund

Klimawandel? Der amerikanische Präsident hat ihn abgeschafft. Umweltschutz? Sein Umweltminister hält nichts von Umweltpolitik. Wahrheit, Echtheit, Transparenz? Sind bei Donald Trump nicht zu haben. Es passt zu seiner Vorstellung von Wissenschaft, dass eine grosse Mehrheit der Amerikanerinnen und Amerikaner die Evolutionslehre von Charles Darwin zurückweist oder stark relativiert. Vierzig Prozent glauben nicht daran, dass der Mensch sich aus dem Affen und ohne Gottes Hilfe entwickelt hat. Vierzig weitere Prozent akzeptieren die Evolutionslehre, sehen diese aber göttlich gelenkt und sprechen von einem «intelligent design».

Das ergab eine Umfrage des Gallup-Instituts von 2014. Zudem zeigte sie auf, dass nur einer von hundert Kirchgängern der Evolutionstheorie vertraut. Dafür breiten sich die Kreationisten aus mit ihrer Behauptung, Gott habe die Erde vor ungefähr 10’000 Jahren geschaffen, und sowieso habe die Bibel in allem recht.

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Glaube und Evolution, passt das zusammen?

Dinosaurs of Eden by Ken Ham
Die meisten Muslime und auch viele Christen lehnen die Evolutionstheorie ab. Aber manche halten sie doch für vereinbar mit ihrem Glauben. Der Faktor Zufall bleibt allerdings ein Problem.

Von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Unter Naturwissenschaftlern gibt es kaum etwas, das weniger umstritten wäre als die Evolutionstheorie. Seit Charles Darwin sie im 19. Jahrhundert vorgestellt hat, haben Forscher aus den verschiedensten Fachgebieten die Mechanismen der Entstehung der Arten immer weiter aufgedeckt.

Noch sind nicht alle Fragen beantwortet, vieles ist noch unverstanden. Aber nach und nach fügen sich die wachsenden Erkenntnisse der Biologen in diese Theorie ein. Wer etwas entdecken würde, das sie widerlegt, wäre ein sicherer Kandidat für den Nobelpreis.

Und doch lehnen sehr viele Menschen die Evolutionstheorie ab. Es sind jene Gläubigen, die überzeugt davon sind, dass die Erde und das Leben, so wie es derzeit existiert, von Gott geschaffen wurden. Andere zeigen sich aufgeschlossener, halten jedoch an dem Glauben fest, dass Gott zumindest lenkend eingegriffen hat, damit schließlich der Mensch entstand. Doch auch das widerspricht der Evolutionstheorie, für die der Faktor Zufall eine grundlegende Rolle spielt. Das lässt sich nur schwer mit einem Plan Gottes vereinbaren.

Trotzdem gibt es gläubige Muslime und Christen, die davon überzeugt sind, dass sich ihr Glaube wirklich mit der Evolutionstheorie vereinbaren lässt.

Widerstand gegen die Evolutionstheorie weltweit

Besonders stark ist die Ablehnung der Evolutionstheorie in den USA verbreitet. Zwei Drittel bis drei Viertel der Bevölkerung sind überzeugt, dass Gott den Menschen entweder erschaffen oder seine Entwicklung gesteuert hat.

Auch in Deutschland zeigten sich 2009 in einer Umfrage 20 Prozent überzeugt davon, dass der Mensch „von Gott geschaffen wurde, wie es in der Bibel steht“, fast ebenso viele waren sich nicht sicher.

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Die Leistung der kulturellen Evolution

Manche Forscher glauben, dass künstliche Intelligenz Teil unserer weiteren Entwicklung sein wird. Foto: SWR
Tom Theunissen versucht sich in seinem Dokumentarfilm-Essay in philosophischen Gedankenflügen, die von biologischen Einschätzungen und Forschungen ausgehen.

Von Hans-Jürgen Linke | Frankfurter Rundschau

Vor vielleicht 100 000 Jahren ist die Kunst entstanden, vor 40 000 Jahren war das Genre der Höhlenmalerei zu einer erstaunlichen Blüte entwickelt, vor etwa 10 000 Jahren lernte Homo Sapiens, Milch zu verdauen. Das war in der Evolution des Menschen wohl der letzte wirklich revolutionäre Sprung. Wie konnte es geschehen, dass diese Säugetiergattung sich seither zum Herrscher des Planeten aufgeschwungen hat? Oder ist das eine Selbsttäuschung? Sind wir als selbst ernannte Krone der Schöpfung wirklich erfolgreicher als die Saurier vor 60 Millionen Jahren oder, sagen wir, die Ameisen heute? Und: Ist unsere Evolution zu Ende oder halten Wandel und Auslese an?

Tom Theunissen versucht sich in seinem Dokumentarfilm-Essay in philosophischen Gedankenflügen, die von biologischen Einschätzungen und Forschungen ausgehen. Auf dem weiten Feld der biologischen Welterklärung ist seit anderthalb Jahrhunderten Charles Darwin und sein Werk „Die Entstehung der Arten“ – im englischen Original etwas präziser und länger „On the Origin of Species by Means of Natural Selection, Or The Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life“ – das Standardwerk, wobei Darwins Gedanken mittlerweile auf ein paar wenige Thesen geschrumpft sind. Vielleicht ist auch das Evolution: Konzentration und Vereinfachung.

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Über religiöse Einbahnstraßen zum Extremismus

Charles Darwin und die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich.

Von Efgani Dönmez | Die Presse.com

Bei Interviews klopfen Journalisten ihr Gegenüber gerne auf direktem Wege ab. Fix im Repertoire ist die Frage an Kirchenvertreter, wie man denn zum Zölibat stehe; oder die Frage an FPÖ-Vertreter, wie man es denn mit dem Judentum halte. Will man wiederum Vertreter der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreichs (IGGIÖ) aus der Reserve locken, reicht offenbar schon, den Naturwissenschaftler und Begründer der Evolutionstheorie Charles Darwin anzuführen.

Zur Erinnerung: der IGGIÖ-Präsident Ibrahim Olgun sprach sich in einem Interview für wissenschaftsbasierten Islam aus. So weit, so gut. Als dies jedoch in türkischen Medien als Befürwortung von Darwins Evolutionstheorie interpretiert wurde, sah sich der offizielle Vertreter der österreichischen Muslime gezwungen, auf Distanz zu gehen und wie in Rage in türkischen Kanälen seine zuvor getätigten Aussagen zu dementieren und zu relativieren. Heute hören wir nun: die IGGIÖ lehnt Darwin ab.

„No Publicity“: Enthüllende Briefe vom Mitbegründer der Evolutionstheorie

stereoscopic & photographic company Alfred Russel Wallace auf einem Foto aus dem Jahr 1895. Der etwas mürrische Herr war der vielen Medaillen „müde“, er wollte sich für die Überreichung des Order of Merit keinen neuen Anzug kaufen. Und ein Grab in der Westminster Abbey lehnte er ab, weil er „gegen unnötige Zeremonien“ war.

Am Mittwoch werden 24 Schriftstücke des Naturforschers Alfred Russel Wallace versteigert, die erhellen, warum er weniger berühmt ist als Charles Darwin

derStandard.at

Wissen Sie, wer den Begriff „Origin of Species“ – also „Entstehung der Arten“ – erfand? Nein, das war nicht Charles Darwin, sondern sein Zeitgenosse Alfred Russel Wallace (1823 –1913), der zumindest in Fachkreisen gemeinsam mit Darwin als gleichberechtigter Mitbegründer der Evolutionstheorie gilt. Wallace, der in den 1850er Jahren in Indonesien forschte, informierte Darwin über seine revolutionäre Idee, was 1858 dazu führte, dass beide ihre Versionen der Evolutionstheorie den Mitgliedern der Linnean Society präsentierten. Doch wie kam es, dass der Name Darwins den von Wallace heute so sehr überstrahlt? Liegt es womöglich daran, dass sich Wallace später mit seinen seltsamen Interessen für den Spiritismus schadete?

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Austro-Türken distanzieren sich von „Darwinismus“-Bann in Türkei

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Der türkisch-islamische Verein ATIB hat sich von der Entscheidung der türkischen Regierung distanziert, die Evolutionstheorie von Charles Darwin aus den gesetzlichen Schullehrplänen zu streichen.

Salzburger Nachrichten

Man sei in dieser Frage „überhaupt nicht“ einer Meinung, sagte ATIB-Sprecher Selfet Yilmaz gegenüber dem „Neuen Volksblatt“.

„Wir wollen Wissenschaft und Religion nicht gegeneinander ausspielen“, so Yilmaz weiter. „Die Evolutionstheorie gehört unserer Meinung nach dazu und sollte auch gelehrt werden.“

Der Dachverband ATIB, zu dem in Österreich Dutzende Moscheevereine gehören, ist eine Einrichtung der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet.

Auch die Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) sprach sich für die Evolutionstheorie als festen Bestandteil des Unterrichtes aus. „Der Islam steht immer für einen überzeugten, durch Wissenschaft belegten Glauben“, erklärte Präsident Ibrahim Olgun.

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Hegemonie statt Biologie

©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at
In der Türkei soll Darwin vom Lehrplan gestrichen werden, der US-Vizepräsident Mike Pence beharrt auf der biblischen Schöpfungsgeschichte – wieso haben Autoritäre ein Problem mit der Evolution?

Von Stefan Schmitt | ZEIT ONLINE

Was ist das bloß mit der Evolutionstheorie, dass sie manche Gemüter so erhitzt? In Recep Tayyip Erdoğans Türkei wird sie aus dem Lehrplan gestrichen. In den USA sitzt mit Mike Pence ein Vizepräsident im Weißen Haus, der sich einst dafür ausgesprochen hat, dass „andere Theorien für den Ursprung der Arten“ unterrichtet werden. Und in Großbritannien finden sich in der nordirischen, protestantischen Königsmacher-Partei DUP Parlamentarier, die gegen Evolution im Biologieunterricht Front machen – da sie „die Schüler korrumpiert“.

Drei Beispiele aus ganz verschiedenen Ländern. Auf der Suche nach dem gemeinsamen Nenner ist es verlockend, der Religion die alleinige Schuld zuzuschieben. Verträgt sich doch Darwins Idee mit keinem wörtlichen Verständnis der Genesis oder entsprechender Suren.

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Darwins merkwürdiges Tier enträtselt

Das „Langhalsige Lama“ war Darwin ein Rätsel.BILD: AFP/AMERICAN MUSEUM OF NATIONAL HISTORY/JORGE BLANCO
Die Knochen eines höckerlosen Kamels mit Nashornfüßen, die einst Charles Darwin in Patagonien fand, gehörten zu einer ausgestorbenen Lama-Art.

DER TAGESSPIEGEL

Als Charles Darwin auf einer seiner Reisen in Patagonien die Knochen eines seltsamen Tiers fand, war der Biologe und spätere Entdecker der Evolutionsprinzipien ratlos. Die Fossilien hätten „anders ausgesehen als alles, was er kannte“, sagt Michael Hofreiter von der Universität Potsdam. „Stellen Sie sich ein Kamel ohne Höcker vor mit Füßen wie ein schlankes Nashorn und einem Kopf wie ein Saiga“, einem Huftier mit einer Art Rüssel. Zweihundert Jahre lang konnten Paläontologen den Fund nicht eindeutig zuordnen. Jetzt hat Hofreiter das laut Darwin „merkwürdigste Tier, das jemals gefunden wurde“, mithilfe einer Analyse weniger Erbgutreste aus den Knochen identifizieren können.

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„Das sind einfach dumme Leute, die das Sagen haben“ in der Türkei

In der Türkei und in Polen setzen sich die Evolutionskritiker durch und wollen Charles Darwin und seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse aus den Schulen verbannen. (picture alliance / dpa / De_Agostini/Photoshot)
Der Diplomphysiker Ernst Peter Fischer hat die Evolutionstheorie von Charles Darwin verteidigt. Der frühere Professor für Wissenschaftsgeschichte sprach von „Borniertheit“ in Polen oder der Türkei, wenn dort Darwin aus dem Schulunterricht genommen werde.

Ernst Peter Fischer im Gespräch mit Ute Welty | Deutschlandfunk Kultur

Die Evolutionstheorie Charles Darwins soll ab 2019 aus den türkischen Schulbüchern verschwinden. Der neue Lehrplan wird am heutigen Dienstag vorgestellt, der von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan bereits abgesegnet sein soll. Die Evolutionstheorie sei für Schüler dieses Alters zu kontrovers und kompliziert und sowieso umstritten, hieß es zur Begründung aus dem türkischen Bildungsministerium. Daher solle das Kapitel aus dem Biologieunterricht entfernt werden. Darwins Lehre von der Entstehung der Arten werde erst später an der Universität gelehrt. Auch in Polen gibt es solche Bestrebungen, Darwin aus den Schulbüchern zu verdammen.

Rückfall in frühere Zeiten

Für den Diplomphysiker Ernst Peter Fischer spricht diese Entscheidung allein von „Borniertheit“. Der emeritierte Professor für Wissenschaftsgeschichte sagte im Deutschlandfunk Kultur: „Das sind einfach dumme Leute, die das Sagen haben und die jetzt meinen, sie könnten jetzt etwas besonders machen, in dem die Darwin wieder ins 19. Jahrhundert zurück katapultieren.“

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Kreationist verklagt Grand Canyon

Der Grand-Canyon-Nationalpark Weil ein Geologe keine Gesteinsproben entnehmen durfte, verklagt er nun den ganzen Park. © via pixabay / CC0 Public Domain
Ein Geologe wollte im Grand Canyon Gesteinsproben sammeln. Die sollten beweisen, dass die Felsschluchten durch die Sintflut Gottes entstanden. Doch die Verantwortlichen erlaubten ihm nicht, die Proben zu entnehmen. Deshalb verklagt er jetzt den ganzen Park.

Von Franziska Ottillinger |Galileo TV

Andrew Snelling ist ein Wissenschaftler mit dem Doktortitel in Geologie. Anders als seine akademischen Kollegen stellt er aber so ziemlich alles infrage, was die Wissenschaft in den letzten Jahrhunderten über die Entstehung der Welt herausfand.

Trotz seiner universitären Karriere ist er nämlich ein Anhänger des Kreationismus. Das ist so ziemlich das Gegenteil der Evolutionstheorie von Charles Darwin. Snelling und andere Kreationisten sind davon überzeugt, dass Gott die Welt vor wenigen tausend Jahren schuf und alles in der Bibel wahr ist. Adam, Eva, Noah, die Sintflut – laut dem Geologen sind das historische Fakten.

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Weiterentwicklung der Evolutionstheorie?

Eva Jablonka, Marion J. Lamb
Evolution in vier Dimensionen
Aus dem Englischen von Martin Battran und Sabine Grauer

Bei Debatten rund um die Evolutionstheorie kommt das Gespräch heute rasch auf den Kreationismus, also die Auffassung, alle Lebewesen seien durch das Eingreifen eines schöpferischen Gottes in natürliche Vorgänge entstanden.

Von Maren Emmerich | Spektrum.de

Die Verfechter dieser Pseudowissenschaft artikulieren sich in den Vereinigten Staaten dermaßen lautstark, dass sie einen durchaus erheblichen Einfluss auf das Bildungswesen nehmen konnten. In Europa ist der Kreationismus eine Randerscheinung, findet aber Zulauf. Dazu mag beitragen, dass die Synthetische Evolutionstheorie, welche die klassischen Arbeiten von Alfred Russel Wallace und Charles Darwin mit der Genetik und anderen neueren Fachdisziplinen verknüpft, noch etliche Fragen offen lässt, obwohl sie wissenschaftlicher Konsens ist. Evolutionsbiologen arbeiten deshalb daran, die Theorie zu erweitern und die Wissenslücken zu schließen.

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Die Suche nach dem Sinn des Kitzelns – Hihihihihihi

 Wahrscheinlich fällt dieser Affe vor Lachen bald vom Ast. Trotzdem scheint er das Kitzeln zu genießen. (Foto: Science Source/Getty Images)
Wahrscheinlich fällt dieser Affe vor Lachen bald vom Ast. Trotzdem scheint er das Kitzeln zu genießen. (Foto: Science Source/Getty Images)
Kitzeln ist schön und schrecklich zugleich. Das gilt nicht nur für den Menschen, sondern auch im Tierreich. Die Frage ist nur: Warum hat die Natur diese Spielerei überhaupt erfunden?

Von Tina Baier | Süddeutsche.de

Wenn Schimpansen gekitzelt werden, lachen sie wie Ernie aus der Sesamstraße. Gorillas reagieren mit Gezirpe, das fast so klingt wie Vogelgezwitscher. Bonobos keckern, und Orang-Utans grunzen. Dass nicht nur Menschen kitzlig sind, sondern auch Tiere, hat schon Charles Darwin, der Begründer der Evolutionstheorie, beobachtet. Doch bis heute ist Wissenschaftlern das merkwürdige Verhalten von Kitzelopfern – egal ob Mensch oder Tier – weitgehend unerklärlich.

Was soll das unkontrollierte Gelächter, bei dem sämtliche Körpermuskeln wackeln und ihre Spannung verlieren? Warum ist Kitzeln schön und schrecklich zugleich? Seltsamerweise machen Gekitzelte nämlich während sie lachen heftige Abwehrbewegungen und haben oft einen gequälten Gesichtsausdruck. Und warum funktioniert Kitzeln nur, wenn alle Beteiligten gute Laune haben? „The mind must be in a pleasurable condition“, schrieb Darwin in seinem 1872 veröffentlichten Buch „Der Ausdruck der Gemütsbewegungen beim Menschen und den Tieren„.

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