Die Suche nach dem Sinn des Kitzelns – Hihihihihihi

 Wahrscheinlich fällt dieser Affe vor Lachen bald vom Ast. Trotzdem scheint er das Kitzeln zu genießen. (Foto: Science Source/Getty Images)
Wahrscheinlich fällt dieser Affe vor Lachen bald vom Ast. Trotzdem scheint er das Kitzeln zu genießen. (Foto: Science Source/Getty Images)
Kitzeln ist schön und schrecklich zugleich. Das gilt nicht nur für den Menschen, sondern auch im Tierreich. Die Frage ist nur: Warum hat die Natur diese Spielerei überhaupt erfunden?

Von Tina Baier | Süddeutsche.de

Wenn Schimpansen gekitzelt werden, lachen sie wie Ernie aus der Sesamstraße. Gorillas reagieren mit Gezirpe, das fast so klingt wie Vogelgezwitscher. Bonobos keckern, und Orang-Utans grunzen. Dass nicht nur Menschen kitzlig sind, sondern auch Tiere, hat schon Charles Darwin, der Begründer der Evolutionstheorie, beobachtet. Doch bis heute ist Wissenschaftlern das merkwürdige Verhalten von Kitzelopfern – egal ob Mensch oder Tier – weitgehend unerklärlich.

Was soll das unkontrollierte Gelächter, bei dem sämtliche Körpermuskeln wackeln und ihre Spannung verlieren? Warum ist Kitzeln schön und schrecklich zugleich? Seltsamerweise machen Gekitzelte nämlich während sie lachen heftige Abwehrbewegungen und haben oft einen gequälten Gesichtsausdruck. Und warum funktioniert Kitzeln nur, wenn alle Beteiligten gute Laune haben? „The mind must be in a pleasurable condition“, schrieb Darwin in seinem 1872 veröffentlichten Buch „Der Ausdruck der Gemütsbewegungen beim Menschen und den Tieren„.

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Türkische Schüler „werden von moderner Welt abgeschnitten“

kreationismus

Mit dem Plan, die Evolutionstheorie aus Schulbüchern zu entfernen, wolle die AKP-Regierung kritisches Denken unmöglich machen, kritisiert ein türkischer Forscher.

Die Presse.com

„Für einen zivilisierten, gebildeten Menschen ist das undenkbar“, kritisiert der türkische Geologe Celal Sengör im APA-Gespräch die Pläne des türkischen Bildungsministeriums, die Evolutionstheorie von Charles Darwin aus den Schulbüchern zu entfernen. „Die Evolutionstheorie zu streichen heißt, die moderne Menschheit zu streichen“, so Sengör, der der bekannteste Atheist und Erdbebenforscher der Türkei ist.

Für die Schüler seien die Pläne des Bildungsministeriums eine intellektuelle Katastrophe. „Die werden von der modernen Welt abgeschnitten“. Die AKP ziehe eine unwissende und religiöse Generation heran. Ein kritisches und selbstständiges Nachfragen solle so unmöglich gemacht werden. Damit wolle die Regierung das Volk leichter beherrschen. Denn „kritisches Denken ist immer eine Bedrohung“. Die Türkei werde dann demnächst dasselbe Bildungsniveau wie Afghanistan haben, so der 62-jährige Anhänger von Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk.

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Lässt sich Evolution beobachten?

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB
Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Charles Darwin beschrieb im 19. Jahrhundert, wie sich Arten entwickeln und wie neue Arten entstehen. Seine Evolutionstheorie gilt heute als wissenschaftlich bewiesen – zumindest in weiten Teilen der Welt. In der Türkei soll Darwins Evolutionslehre nun aus den Lehrplänen fliegen und auch in Trumps Amerika gibt es vielfältige Bemühungen, Gott an die Stelle der Evolution zu setzen. Aber lässt sich Evolution nicht auch beobachten? Diese Frage versucht Thomas Prinzler zu beantworten.

INFOradiorbb

Jetzt gerät also auch noch die Evolution in den Fokus der Potentaten. Ministerpräsident Erdogan will eine islamische Türkei und sein Bildungsminister Ismet Yilmaz lässt schon mal die Lehrpläne korrigieren. Für gute Muslime ist Gott der Schöpfer und der Mensch kann nicht vom Affen abstammen. Dabei zeigen seit Jahren archäologische Funde nicht nur in Afrika  und paläogenetische Untersuchungen, wie sich Arten verändern und neu bilden.

Und vor wenigen Jahren waren es Berliner Forscher vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, die die Geburt einer neuen Elefantenart beobachteten, wie sich Elefanten in Thailand in zwei Arten aufspalten.

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Auch Mohammed war ein Nacktaffe

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB
Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Die Evolutionstheorie von Charles Darwin könnte in der Türkei aus den gymnasialen Lehrplänen gestrichen werden, kündigt Bildungsminister Ismet Yilmaz von der AKP an. Ein Plan, der Kritiker der islamisch-konservativen Regierung von Recep Tayyip Erdoğan mit Sorge erfüllt.

Von Bernhard Ichner | kurier.at

Sieht es doch so aus, als ob die türkische Mehrheitspartei sukzessive die religiösen Inhalte in den Bildungseinrichtungen stärkt – etwa indem sie den Kreationismus unterstützt. Dessen Anhänger (wie es sie unter Muslimen ebenso gibt, wie unter Christen) lehnen die Evolutionstheorie ab und vertreten die Ansicht, dass alles Leben von Gott erschaffen wurde. Aber was glauben die Türken in Österreich? Und wie gehen Islamlehrer oder Imame bei uns mit dem Thema um? Der KURIER fragte nach.

Die Antworten sind vielfältig. „Ich glaube nicht an die Evolution. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Mensch und Affe einen gemeinsamen Ursprung haben“, sagt etwa Limousinenfahrer Harun Göksu. Der 33-Jährige entstammt einer religiösen Familie und besuchte ein theologisches Gymnasium in der Türkei.

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Charles Darwin fliegt aus türkischen Lehrplänen

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB
Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Säkularismus, Wiedergeburt und Atheismus sollen in Religionsbüchern als „Krankheiten“ eingestuft werden. Mustafa Kemal Atatürk immer mehr aus den Unterrichtsinhalten verschwinden.

Die Presse.com

Säkularismus, Wiedergeburt und Atheismus sollen in Religionsbüchern als „problematische Überzeugungen“ und als „Krankheiten“ eingestuft werden. Die Evolutionstheorie von Charles Darwin muss aus den gymnasialen Lehrplänen gestrichen werden. Der Gründer der laizistischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk, soll immer mehr aus den Unterrichtsinhalten verschwinden. Diese Neuerungen in den türkischen Lehrplänen kündigte nun Bildungsminister Ismet Yilmaz an. Zwar handelt es sich noch um Vorschläge, doch geht es nach dem Willen des Bildungsministeriums, soll das Maßnahmenpaket bereits ab Februar in Kraft treten.

Damit würde dann umgesetzt werden, was Säkularisten in der Türkei schon seit langer Zeit fürchten: Die islamisch-konservative AKP-Regierung stärkt Schritt für Schritt die religiösen Inhalte in Bildungsanstalten, indem sie etwa die Theorie des Kreationismus unterstützt. Der Kreationismus lehnt die Evolutionstheorie ab und geht davon aus, dass alle Arten von Gott geschaffen wurden. „Die Beseitigung der Evolutionstheorie aus den türkischen Schulen scheint die jüngste Runde im Jahrhunderte alten Kulturkrieg zu sein“, kommentierte der regierungskritische Journalist Mustafa Akyol den jüngsten Vorstoß im Internetmagazin „Al-Monitor“.

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Dezember 1831: Darwin startet mit der Beagle in die Welt

foto: mary evans/picturedesk Das Vermessungsschiff HMS Beagle (hier in der Magellanstraße dargestellt) ging in die Wissenschaftsgeschichte ein.
foto: mary evans/picturedesk Das Vermessungsschiff HMS Beagle (hier in der Magellanstraße dargestellt) ging in die Wissenschaftsgeschichte ein.
An Bord des Vermessungsschiffes HMS Beagle bricht der 22-jährige Forscher zu einer fünfjährigen Expedition auf. Danach wird er die Biologie umkrempeln

Von David Rennert | derStandard.at

Als Charles Robert Darwin im August 1831 von einer geologischen Exkursion nach Wales zurück in sein Elternhaus im englischen Shrewsbury kehrte, wartete der folgenreiche Brief bereits auf ihn. Absender war der Botaniker und Geologe John Stevens Henslow, den Darwin in Cambridge kennengelernt und dessen Vorlesungen er mit großer Begeisterung besucht hatte.

Henslow schrieb ihm nun, dass ein gewisser Kapitän Robert FitzRoy für eine kartografische Expedition nach Südamerika einen naturwissenschaftlich qualifizierten Begleiter suche – und er ihm Darwin dafür vorgeschlagen habe. Die voraussichtlich etwa zwei Jahre dauernde Reise, so Henslow, biete für einen jungen Forscher eine geradezu einmalige Chance.

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If Not Darwin, Who?

Image by by Jackie Ferrentino/Nautilus
Image by Jackie Ferrentino/Nautilus
What would physics look like if Einstein had never existed, or biology without Darwin? In one view, nothing much would change—the discoveries they made and theories they devised would have materialized anyway sooner or later. That’s the odd thing about heroes and heroines of science: They are revered, they get institutions and quantities and even chemical elements named after them, and yet they are also regarded as somewhat expendable and replaceable in the onward march of scientific understanding.

By Philip Ball | NAUTILUS

But are they? One way to find out is to ask who, in their absence, would have made the same discovery. This kind of “counterfactual history” is derided by some historians, but there’s more to it than a new parlor game for scientists (although it can be that, too). It allows us to scrutinize and maybe challenge some of the myths that we build around scientific heroes. And it helps us think about the way science works: how ideas arise out of the context of their time and the contingencies and quirks of individual scientists.

For one thing, the most obvious candidate to replace one genius seems to be another genius. No surprise, maybe, but it makes you wonder whether the much-derided “great man” view of history, which ascribes historical trajectories to the actions and decisions of individuals, might not have some validity in science. You might wonder whether there’s some selection effect here: We overlook lesser-known candidates precisely because they weren’t discoverers, even though they could have been. But it seems entirely possible that, on the contrary, greatness always emerges, if not in one direction then another.

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Warum Affen nicht sprechen können

Gut gebrüllt. Makaken fehlt die neuronale Steuerung für Sprache.Foto: imago/Nature Picture Library
Gut gebrüllt. Makaken fehlt die neuronale Steuerung für Sprache.Foto: imago/Nature Picture Library
Studie bestätigt Annahme von Charles Darwin: Den Affen fehlt nicht der Sprechapparat, sondern die entsprechenden Verschaltungen im Gehirn.
 

Von Roland Knauer | DER TAGESSPIEGEL

Die Stimme krächzte ein wenig und ein unbekannter Akzent schwang bei der Frage „Willst du mich heiraten?“ mit. Aber sonst kamen die vier Wörter klar verständlich aus dem Sprachcomputer – zur Überraschung der Sprachforscher. Schließlich ahmte der Rechner Lippen, Zunge und Kehlkopf eines Affen nach.

Seit mehr als 50 Jahren waren Forscher überzeugt, dass die Anatomie die Tiere am Sprechen hindert. Ihr Körperbau erlaube Affen zwar, Warnrufe und andere Laute zu formen. Eine Sprache wie beim Menschen sei damit aber unmöglich. „Es geht doch!“, schreiben nun Tecumseh Fitch von der Universität Wien und seine Kollegen im Fachblatt „Science Advances“.

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Warum sich die Kirchen dem Islam unterwerfen

REUTERS/Yves Herman
REUTERS/Yves Herman
Michael Wolfssohn fragt, ob Juden wie er die letzten Verteidiger des Christentums seien. Leser M.E.S. ergänzt: „Nicht nur die Juden müssen bald die Bewahrer des Christentums sein, sondern auch die aus den Kirchen Ausgetretenen.“

Von Ingrid Ansari | TICHYS EINBLICK

“Warum sind die christlichen Kirchenvertreter, allen voran ihre ‘Chefs’, plötzlich so ‘unchristlich’?” fragt Leser Walter Eiden. Bezug nehmend auf meinen Text “Das Reformationsjubiläum und die Unterwerfung der Kirchen unter den Islam” vom 19. November erhielt ich viele hoch interessante, gedankenreiche und auch leidenschaftliche Leserkommentare. Der Austausch mit den Lesern ist bei Tichys Einblick immer sehr anregend und motivierend für weiteres Nachdenken. Walter Eiden und Alfred E. vermissen z.B. zu Recht einen Ansatz auf die Frage WARUM sich die Kirchen so verhalten. Viele andere Beiträge suchen selber nach Gründen.

Der Großinquisitor

Doch bevor ich näher darauf eingehe, möchte ich gerne auf einen Text von Fjodor Dostojewskij Bezug nehmen, der mir bei Fragen der christlichen Religion immer wieder in den Sinn kommt und vielleicht parabelhaft einige Antworten in sich trägt. Es handelt sich um ein Kapitel aus dem Roman “Die Brüder Karamasow” mit dem Titel “Der Großinquisitor”.

Diese Binnenerzählung des großen Romans handelt davon, dass Jesus im Sevilla des 16. Jahrhunderts auf die Erde zurückkehrt. Es ist das Zeitalter der Inquisition: Hunderte von Ketzern werden unter Qualen hingerichtet. Obwohl Jesus kaum spricht, erkennen ihn die Menschen. Doch schließlich wird auch der greise Großinquisitor auf ihn aufmerksam und lässt ihn in den Kerker werfen – mit der Absicht, ihn am nächsten Morgen auf dem Scheiterhaufen verbrennen zu lassen. In einem nächtlichen Monolog teilt er Jesus mit, dass dieser kein Recht gehabt habe, die weltliche Macht, die ihm einst der Satan angeboten hatte, zurückzuweisen und somit dem Einzelnen eine Freiheit zuzumuten, die dieser nicht zu tragen vermöge, weil er unmündig und wankelmütig sei. Es läge in der Natur des Menschen, sich unterzuordnen. Und es sei daher die Aufgabe der Kirche, dem Menschen die ihm von Christus zugemutete Freiheit wieder zu nehmen und sein an sich chaotisches Leben für ihn – unter Androhung und Ausübung von drastischen Mitteln bis zur Gewalt – zu ordnen. Die römisch-katholische Kirche habe sich diese Bürde zum Wohle der Menschen wissentlich auf die Schultern geladen. – Daraufhin verlässt Jesus schweigend den Kerker – mit der Anweisung des Großinquisitors, niemals wiederzukommen.

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Sprich, Tier, sprich!

Der Frosch besticht durch filigrane Anmut und ausufernde Wortgewalt
Der Frosch besticht durch filigrane Anmut und ausufernde Wortgewalt Foto: dpa
Charles Darwin zeigte, dass nicht Gott die Lebewesen geschaffen hat, sondern die Evolution und dass speziell die Menschen aus Affen hervorgingen, die irgendwann von Afrika aus im aufrechten Gang, der ja laut Ernst Bloch zuletzt gelernt wird, losmarschierten. Bekanntlich hatte Gott uns, als er noch nicht von Nietzsche für tot erklärt worden war, die Sprache verliehen – als Alleinstellungsmerkmal quasi. Deswegen hatte Darwin nach seiner Evolutionstheorie die Not, zu erklären, wie die menschliche Sprache denn nun wirklich entstand.

Von Helmut Höge | taz.de

Hundert Jahre zuvor hatten die Universitäten in Paris und London bereits so viele Preise für den klügsten Essay über den „Ursprung der Sprache“ ausgeschrieben, dass sie beschlossen, dazu keine Texte mehr anzunehmen. Die Suche nach der „Ursprache“ hatte die gelehrten Gesellschaften mit einer Lawine von „Denkschriften“ überhäuft. Im Grunde suchte man die „Ursprache“ schon seit 2.500 Jahren. Überliefert ist das Sprachexperiment des ägyptischen Pharaos Psammetich I.: Er übergab einem Hirten zwei Neugeborene, die als „Ansprechpartner“ nur einige Ziegen hatten. Nach zwei Jahren konnten sie gerade einmal meckern.

Einen ähnlichen Versuch führte dann im Jahr 1240 der empiriefreudige Stauferkaiser Friedrich II. durch: Seine Versuchskinder wuchsen auf, ohne dass Erwachsene sie ansprachen. Alle Kinder starben – nahezu stumm. Friedrich II resümierte: „Sie vermochten nicht zu leben ohne das Händepatschen und das fröhliche Gesichterschneiden und die Koseworte ihrer Ammen“.

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Rettet die Vielfalt unseres Essens!

 Nie schien die Auswahl im Supermarkt größer - was für ein Trugschluss. (Foto: Alessandra Schellnegger)
Nie schien die Auswahl im Supermarkt größer – was für ein Trugschluss. (Foto: Alessandra Schellnegger)
Die Auswahl an Lebensmitteln schien nie größer, aber der Schein trügt. Wir bekommen immer mehr Einheitsbrei vorgesetzt. Der Verlust von Pflanzenarten ist dramatisch – jetzt gilt es zu retten, was zu retten ist.
 

Von Silvia Liebrich | Süddeutsche.de

Als Charles Darwin vor 180 Jahren von seiner großen Weltreise zurückkam, hatte er mehr als 5400 Proben aller Art im Gepäck. Darunter viele unbekannte Pflanzen aus Südamerika, Australien, Neuseeland, Südafrika, von den Galapagos-Inseln und aus anderen Regionen der Erde. Darwin, der sich selbst für einen schlechten Botaniker hielt, schrieb damals einem Freund: „Ich wusste nicht mehr von den Pflanzen, die ich gesammelt hatte, als der Mann im Mond.“

Die Sammlung, deren Auswertung mehr als zwei Jahrzehnte in Anspruch nahm, wurde zur Lebensaufgabe für den Naturforscher. Als Darwin schließlich sein Hauptwerk „Über die Entstehung der Arten“ veröffentlichte, löste er zunächst eine Welle der Entrüstung aus. Heute steht fest, dass kaum ein Buch davor und danach das Verständnis der Evolution so grundlegend verändert hat.

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Wie verstehen Kinder die Evolutionsgeschichte?

Die Evolutionstheorie besagt nicht, dass wir vom Affen abstammen; es ist etwas komplizierter
Die Evolutionstheorie besagt nicht, dass wir vom Affen abstammen; es ist etwas komplizierter

Dissertation der Uni Bremen untersucht Zugänge von Grundschulkindern zu Darwins Abstammungslehre

Angelika Rockel | Pressestelle Universität Bremen

Nach Charles Darwin bleibt die absolute Zahl der Tiere und Pflanzen einer Art stabil, weil nicht alle Nachkommen überleben. Zwischen den einzelnen Individuen entbrennt vielmehr ein Kampf ums Dasein – die Selektionstheorie. Sie bildet die Grundlage für das Verständnis vieler biologischer Themen. Entwicklungspsychologische Studien legen nahe, dass bereits junge Kinder mit naturwissenschaftlichen Erklärungen vertraut sind. Dennoch werden wichtige Aspekte der Evolutionsbiologie meist erst am Ende des Mittleren Bildungsabschlusses gelehrt. Mit diesem Thema beschäftigte sich an der Universität Bremen die Sozialwissenschaftlerin Dr. Judith Werther in ihrer Dissertation „Evolutionstheorie und naturwissenschaftliche Grundbildung. Präkonzepte von Kindern zur Anpassung von Lebewesen unter Berücksichtigung des Naturzugangs“. Die Arbeit wurde von den beiden Uni-Professorinnen Brunhilde Marquardt-Mau und Doris Elster betreut.

In ihrer Studie untersucht Judith Werther, welche Konzepte Kinder in der Primarstufe zur Theorie der Anpassung haben. Dabei spielt insbesondere die Frage eine Rolle, inwieweit der Naturzugang der Kinder, Naturerfahrungen, soziale Kontakte, naturwissenschaftlich orientierte Medien und Lernorte einen Einfluss auf das evolutionsbiologische Verständnis hat. Dafür befragte die Wissenschaftlerin 112 Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren an zwei Bremer Grundschulen. Die Ergebnisse zeigen, dass bereits Primarschulkinder evolutionsbiologisch argumentieren können. Eine Unterscheidung zwischen Populations- und Individualebene, die zeitliche Einschätzung von Anpassung sowie die Vorstellung zufälliger Prozesse liegen nicht im alltäglichen Erfahrungsbereich der Kinder, so dass diese Prozesse nur bedingt nachvollzogen werden konnten. Grundsätzlich stellt die Autorin fest, dass die Kinder bei erlebbaren Aspekten von Anpassung eine höhere wissenschaftliche Verständnisstufe erreichen als bei nicht erlebbaren Aspekten.

Das Ausmaß des evolutionsbiologischen Verständnisses variiert mit der jeweiligen sozialen Lage der Kinder. Demnach sind Kinder in benachteiligter sozialer Lage stärker medienorientiert, ziehen häufiger schulische und außerschulische Lernorte als Naturzugänge heran und haben ein geringeres evolutionsbiologisches Verständnis. Dagegen beziehen sich die Kinder in begünstigten sozialen Lagen häufiger auf soziale Interaktionen und Printmedien, können auf ein ausgeprägteres Ausmaß an Naturerfahrungen zurückgreifen und verfügen über ein höheres evolutionsbiologisches Verständnis. Dennoch stellt Judith Werther in ihrer Arbeit fest, dass Naturerfahrungen das evolutionsbiologische Verständnis unabhängig von der sozialen Lage am stärksten prägen. Erst als zweithöchste Nennung tragen Medien zum Evolutionsverständnis bei. Die Aspekte soziale Kontakte, schulische sowie außerschulische Lernorte spielen nur eine marginale Rolle.

Aus den Ergebnissen entwickelt die Wissenschaftlerin Empfehlungen für den schulischen Unterricht: Naturerfahrungen im Rahmen des Forschenden Lernens ermöglichen, bereits in der Primarstufe die Kinder an das Thema heranführen, an bestehende Ideen der Kinder anknüpfen, die soziale Lage der Kinder berücksichtigen, das evolutionsbiologische Konzept der Anpassung im Unterricht veranschaulichen, unwissenschaftliche Denkfiguren bewusst machen und mit wissenschaftlichen Ansätzen vergleichen, auf Naturzugänge der Kinder aufbauen. Weitere Informationen zur Dissertation sind online einsehbar http://www.klinkhardt.de/verlagsprogramm/2103.html

Achtung Redaktionen: In der Uni-Pressestelle können Sie unter der E-Mail presse@uni-bremen.de ein Foto von Dr. Judith Werther anfordern.

Weitere Informationen

Universität Bremen
Dr. Judith Werther
Tel.: 0176/ 721 90 808
E-Mail: werther@uni-bremen.de

Kurzweiliger Blick in die Naturgeschichte

Schön und komplex: Die Feder ist ein Wunderwerk (picture alliance / dpa / Hinrich Bäsemann)
Der amerikanische Biologe Thor Hanson hat ein wunderbares Buch über Federn geschrieben. Es besticht nicht nur durch Inhalt und Kenntnisreichtum, sondern auch durch seine Aufmachung.

Von Susanne Billig | Deutschlandradio Kultur

„Wann immer ich der Schwanzfeder eines Pfaus ansichtig werde“, gestand der Übervater der Evolutionsforschung Charles Darwin, „macht mich das ganz krank!“ In seinem Buch „Federn“ listet der amerikanische Biologe Thor Hanson die Fragen auf, die Darwin schier verzweifeln ließen: Auf welche Weise haben sich Federn im Laufe der Naturgeschichte entwickelt? Gab es etwas Ähnliches schon bei den Dinosauriern? Und wenn Federn zum Fliegen gut sind – warum um alles in der Welt statten sich so viele männliche Vögel dann mit Schmuckfedern aus, die schon einen normalen Fußgang erheblich erschweren?

Ausflüge in die Kulturgeschichte

Alles das beantwortet Thor Hanson in seinem Buch – und noch viel mehr. Er unternimmt Ausflüge in die Kulturgeschichte, erzählt vom Handel mit Daunenfedern und dem Gebrauch des Vogelkleids als Zahnstocher, Staubwedel, Schreibfeder, Puderquaste oder Hut- und Körperschmuck.

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Saudi-Arabien: Oberste religiöse Instanz frischt Fatwa gegen Pokémon auf

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Noch ist Pokémon Go in Saudi-Arabien offiziell noch gar nicht zu haben, doch vorsichtshalber hat die oberste religiöse Instanz des Landes eine 15 Jahre alte Fatwa zu dem Vorgänger des Smartphone-Spiels wieder aufgelegt.

FOCUS ONLINE

Der Ständige Ausschuss für Forschung und Fatwas stellte das islamische Rechtsgutachten von 2001 am Mittwoch auf seine Website, nachdem es nach eigenen Angaben wegen des Spiels zahlreiche Anfragen erhalten hatte.

In der Fatwa wird Pokémon mit einem Glücksspiel verglichen. Weiter heißt es, die Figuren schienen auf der Evolutionslehre von Charles Darwin zu basieren – beides wird vom Islam abgelehnt.

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Think Through Christopher Hitchens’ ‘Deathbed Conversion’

Christopher HitchensLarry Taunton’s recollections of Christopher Hitchens’ struggles with Christianity are not the unprovable fancies of a manipulative evangelist making up a story to appease insecure evangelicals.

By Jake Meador | the FEDERALIST

In a recent essay for the New Yorker, Lawrence Krauss bemoaned the common habit among some conservative Christians of conjuring up fanciful deathbed conversion narratives about prominent non-Christians. He specifically mentions the well-known tale of evangelist Elizabeth Cotton, who made up such a story about Charles Darwin. She claimed that he told her from his deathbed that he wished to “recant the doctrine of evolution in exchange for Christian salvation.”

Krauss’s odd phrasing aside, he points to a problem that really does exist in pockets of conservative Christianity. In addition to the stories of Darwin, other conservative Christians have made up similar tales about other prominent enemies of the faith—Voltaire and Thomas Paine, most notably. Making up a conversion story about a famous person is obviously a horrible thing to do. At its root it is lying about a person’s views of God, which is horrifying enough, but it also implies a certain distressing insecurity in the believer. Krauss is right to condemn this sort of thing.

What is curious about Krauss’s piece, however, is how he framed the criticism: He begins the essay by referencing a recent book by prominent evangelical apologist Larry Taunton called “The Faith of Christopher Hitchens,” in which the author describes his relationship with Hitchens and the famous atheist’s odd relationship to faith in his final years. Unfortunately, it seems Krauss did not read beyond the title page of Taunton’s book. Indeed, if he had he would’ve found the following excerpt written by Taunton in the book’s final chapter:

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Wie die Evolution Männer und Frauen dirigiert

Leichte Beute. Die Existenz des Pfaus widerspricht auf den ersten Blick den Gesetzen der Evolution.Foto: picture alliance / dpa
Charles Darwin erkannte, worauf die Geschlechterunterschiede beruhen. Seine Theorie hat sich bestätigt, trotz Kritik aus der Genderforschung.

Ein Kommentar von Hartmut Wewetzer | DER TAGESSPIEGEL

Warum unterscheiden sich Mann und Frau? Wer dieser Frage nachgeht und sie nicht gleich als „falsch“ einstuft, weil die Geschlechter angeblich nur sozial erwünschte Rollen spielen und alle Unterschiede (bis auf die biologischen) gesellschaftlich bedingt sind, der stößt auf die Theorie der sexuellen Auslese. Sie geht auf Charles Darwin zurück, den Begründer der Evolutionstheorie. Darwin bereitete der prächtige Pfauenschwanz Kopfzerbrechen. Der konnte eigentlich unmöglich die Überlebenschancen vergrößern. Er verbrauchte Ressourcen, machte die Tiere unbeweglich und auffällig und so zu einer leichten Beute. Der Pfauenschwanz verstieß gegen elementare Regeln der von Darwin formulierten Theorie der natürlichen Auslese – die Natur müsste den Blender längst ausgemustert haben.

Darwins geniale Lösung: Der Pfau vermehrte sich nicht trotz, sondern wegen seines Federschmucks. Die Theorie der sexuellen Auslese (Selektion) war geboren. Je makelloser der Radschlag, umso größer die Erfolgschancen bei den Pfauenweibchen. Im Zentrum des Gedankengebäudes steht die fundamentale Ungleichheit der Keimdrüsen. Sie produzieren bei weiblichen Tieren die großen, wenigen Eizellen und bei männlichen die kleinen, vielen Spermien. Ein Unterschied mit Folgen. „Billige“ Spermien werben um „kostbare“ Eizellen. Männchen investieren in die Balz und konkurrieren untereinander, Weibchen kümmern sich um die Brutpflege. Männchen mit mehr Partnerinnen haben mehr Nachkommen, bei Weibchen gilt das nicht.

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Darwins Streiter

Darwin statt Kreuz. Die Bücher von Richard Dawkins (75) kreisen um die Ideen des Begründers der Evolutionstheorie.Foto: Aus dem Buch
Biologe, Autor und Atheist: Der streitbare und umstrittene Richard Dawkins hat seine Memoiren vorgelegt.

Von Hartmut Wewetzer | DER TAGESSPIEGEL

1976 brachte ein junger Wissenschaftler von der Universität Oxford die Welt der Biologie in Unordnung. Seine Name: Richard Dawkins. Mit seinem ersten Buch, dem er den provokanten Titel „Das egoistische Gen“ gab, löste der 35-Jährige ein bis heute nachhallendes geistiges Beben aus. Und bis heute ist Dawkins jemand, der keine lauwarmen Reaktionen zulässt. Man kann ihn lieben oder hassen, ist für oder gegen ihn – gleichgültig lässt er kaum jemanden. „Man kann mir vieles vorwerfen, aber nicht, dass ich ein Langweiler bin“, hat Dawkins dazu mit dem ihm eigenen Sarkasmus bemerkt. Pünktlich zu seinem 75. Geburtstag ist nun seine Autobiografie unter dem Titel „Die Poesie der Naturwissenschaften“ auf Deutsch erschienen.

„Das egoistische Gen“ ist eigentlich eine Abrechnung mit der Idee der Gruppenselektion. Also der Vorstellung, dass die Ebene der Gruppe eine wichtige Bühne ist, auf der sich die Evolution, die Entwicklung der Lebewesen, abspielt. Die natürliche Auslese (Selektion), der Motor der Evolution, begünstigt demnach Gruppen von Organismen. Der Einzelne tritt hinter dem Kollektiv zurück.

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Richard Dawkins: „Die Poesie der Naturwissenschaften“: Ein moderner Darwin blickt zurück

Cover_DawkinsRichard Dawkins passte die Evolutionstheorie an die Wissenschaft des 20. Jahrhunderts an. Seine Autobiografie entführt den Leser in die Denkweise des streitbaren Atheisten. Auf eine Abrechnung mit seinen zahlreichen Kritikern verzichtet er aber.

Von Michael Lange|Deutschlandradio Kultur

Für die einen ist der Biologe Richard Dawkins der einzig legitime Nachfolger von Charles Darwin, denn er passte die Evolutionstheorie an die Wissenschaft des 20. Jahrhunderts an. Für andere ist er ein gottloser Polemiker, der sich selbst zu wichtig nimmt. Seine Autobiografie illustriert beide Seiten dieser Persönlichkeit mit Anekdoten zum Schmunzeln und Stoff zum Nachdenken.

In England ist Richard Dawkins als Evolutionstheoretiker, Welterklärer und als streitbarer Atheist bekannt. Seine Bücher sind Bestseller, und auch im britischen Fernsehen taucht er immer wieder auf. Kennzeichnend für ihn sind seine klare Sprache und seine ungewöhnlichen Gedanken. Im Alter von fast 75 Jahren blickt er nun zurück, gewährt Einblick in das Leben seiner Eltern und Verwandten, erzählt von seiner Jugendzeit in Afrika, entwirft ein Bild des spätkolonialen Englands mit seiner Klassengesellschaft und erklärt so nebenbei auch noch die Vererbungslehre. Das hat Charme.

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Richard Dawkins: Arbeiter in Darwins Weinberg

Richard Dawkins, Screengrab
Richard Dawkins, Screengrab
„Charles Darwin ist mein größter Held der Wissenschaft… Die gesamte moderne Biologie ist mehr oder weniger eine Reihe von Fußnoten zu Darwin.

Von Wolfgang Taus|Wiener Zeitung

Keiner könnte etwas Besseres tun, als seinem Beispiel folgen“, so der britische Evolutionsbiologe und fast schon „militante Atheist“ – seit seinem 2006 erschienen Bestseller „Der Gotteswahn“, Richard Dawkins, in seiner jetzt auf Deutsch erschienen Autobiografie, die aus zwei Teilen besteht – gemäß zweier separaten Bände im englischen Original, die hier ungekürzt in einem Band erscheinen.

Dawkins, Jahrgang 1941, gehört zu jener Gruppe sogenannter neuer Atheisten, die aus der naturwissenschaftlichen Forschung und Beweislage heraus gegen jegliche theistische Glaubensvorstellungen Stellung beziehen.

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