„No Publicity“: Enthüllende Briefe vom Mitbegründer der Evolutionstheorie

stereoscopic & photographic company Alfred Russel Wallace auf einem Foto aus dem Jahr 1895. Der etwas mürrische Herr war der vielen Medaillen „müde“, er wollte sich für die Überreichung des Order of Merit keinen neuen Anzug kaufen. Und ein Grab in der Westminster Abbey lehnte er ab, weil er „gegen unnötige Zeremonien“ war.

Am Mittwoch werden 24 Schriftstücke des Naturforschers Alfred Russel Wallace versteigert, die erhellen, warum er weniger berühmt ist als Charles Darwin

derStandard.at

Wissen Sie, wer den Begriff „Origin of Species“ – also „Entstehung der Arten“ – erfand? Nein, das war nicht Charles Darwin, sondern sein Zeitgenosse Alfred Russel Wallace (1823 –1913), der zumindest in Fachkreisen gemeinsam mit Darwin als gleichberechtigter Mitbegründer der Evolutionstheorie gilt. Wallace, der in den 1850er Jahren in Indonesien forschte, informierte Darwin über seine revolutionäre Idee, was 1858 dazu führte, dass beide ihre Versionen der Evolutionstheorie den Mitgliedern der Linnean Society präsentierten. Doch wie kam es, dass der Name Darwins den von Wallace heute so sehr überstrahlt? Liegt es womöglich daran, dass sich Wallace später mit seinen seltsamen Interessen für den Spiritismus schadete?

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Austro-Türken distanzieren sich von „Darwinismus“-Bann in Türkei

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Der türkisch-islamische Verein ATIB hat sich von der Entscheidung der türkischen Regierung distanziert, die Evolutionstheorie von Charles Darwin aus den gesetzlichen Schullehrplänen zu streichen.

Salzburger Nachrichten

Man sei in dieser Frage „überhaupt nicht“ einer Meinung, sagte ATIB-Sprecher Selfet Yilmaz gegenüber dem „Neuen Volksblatt“.

„Wir wollen Wissenschaft und Religion nicht gegeneinander ausspielen“, so Yilmaz weiter. „Die Evolutionstheorie gehört unserer Meinung nach dazu und sollte auch gelehrt werden.“

Der Dachverband ATIB, zu dem in Österreich Dutzende Moscheevereine gehören, ist eine Einrichtung der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet.

Auch die Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) sprach sich für die Evolutionstheorie als festen Bestandteil des Unterrichtes aus. „Der Islam steht immer für einen überzeugten, durch Wissenschaft belegten Glauben“, erklärte Präsident Ibrahim Olgun.

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Hegemonie statt Biologie

©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at
In der Türkei soll Darwin vom Lehrplan gestrichen werden, der US-Vizepräsident Mike Pence beharrt auf der biblischen Schöpfungsgeschichte – wieso haben Autoritäre ein Problem mit der Evolution?

Von Stefan Schmitt | ZEIT ONLINE

Was ist das bloß mit der Evolutionstheorie, dass sie manche Gemüter so erhitzt? In Recep Tayyip Erdoğans Türkei wird sie aus dem Lehrplan gestrichen. In den USA sitzt mit Mike Pence ein Vizepräsident im Weißen Haus, der sich einst dafür ausgesprochen hat, dass „andere Theorien für den Ursprung der Arten“ unterrichtet werden. Und in Großbritannien finden sich in der nordirischen, protestantischen Königsmacher-Partei DUP Parlamentarier, die gegen Evolution im Biologieunterricht Front machen – da sie „die Schüler korrumpiert“.

Drei Beispiele aus ganz verschiedenen Ländern. Auf der Suche nach dem gemeinsamen Nenner ist es verlockend, der Religion die alleinige Schuld zuzuschieben. Verträgt sich doch Darwins Idee mit keinem wörtlichen Verständnis der Genesis oder entsprechender Suren.

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Darwins merkwürdiges Tier enträtselt

Das „Langhalsige Lama“ war Darwin ein Rätsel.BILD: AFP/AMERICAN MUSEUM OF NATIONAL HISTORY/JORGE BLANCO
Die Knochen eines höckerlosen Kamels mit Nashornfüßen, die einst Charles Darwin in Patagonien fand, gehörten zu einer ausgestorbenen Lama-Art.

DER TAGESSPIEGEL

Als Charles Darwin auf einer seiner Reisen in Patagonien die Knochen eines seltsamen Tiers fand, war der Biologe und spätere Entdecker der Evolutionsprinzipien ratlos. Die Fossilien hätten „anders ausgesehen als alles, was er kannte“, sagt Michael Hofreiter von der Universität Potsdam. „Stellen Sie sich ein Kamel ohne Höcker vor mit Füßen wie ein schlankes Nashorn und einem Kopf wie ein Saiga“, einem Huftier mit einer Art Rüssel. Zweihundert Jahre lang konnten Paläontologen den Fund nicht eindeutig zuordnen. Jetzt hat Hofreiter das laut Darwin „merkwürdigste Tier, das jemals gefunden wurde“, mithilfe einer Analyse weniger Erbgutreste aus den Knochen identifizieren können.

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„Das sind einfach dumme Leute, die das Sagen haben“ in der Türkei

In der Türkei und in Polen setzen sich die Evolutionskritiker durch und wollen Charles Darwin und seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse aus den Schulen verbannen. (picture alliance / dpa / De_Agostini/Photoshot)
Der Diplomphysiker Ernst Peter Fischer hat die Evolutionstheorie von Charles Darwin verteidigt. Der frühere Professor für Wissenschaftsgeschichte sprach von „Borniertheit“ in Polen oder der Türkei, wenn dort Darwin aus dem Schulunterricht genommen werde.

Ernst Peter Fischer im Gespräch mit Ute Welty | Deutschlandfunk Kultur

Die Evolutionstheorie Charles Darwins soll ab 2019 aus den türkischen Schulbüchern verschwinden. Der neue Lehrplan wird am heutigen Dienstag vorgestellt, der von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan bereits abgesegnet sein soll. Die Evolutionstheorie sei für Schüler dieses Alters zu kontrovers und kompliziert und sowieso umstritten, hieß es zur Begründung aus dem türkischen Bildungsministerium. Daher solle das Kapitel aus dem Biologieunterricht entfernt werden. Darwins Lehre von der Entstehung der Arten werde erst später an der Universität gelehrt. Auch in Polen gibt es solche Bestrebungen, Darwin aus den Schulbüchern zu verdammen.

Rückfall in frühere Zeiten

Für den Diplomphysiker Ernst Peter Fischer spricht diese Entscheidung allein von „Borniertheit“. Der emeritierte Professor für Wissenschaftsgeschichte sagte im Deutschlandfunk Kultur: „Das sind einfach dumme Leute, die das Sagen haben und die jetzt meinen, sie könnten jetzt etwas besonders machen, in dem die Darwin wieder ins 19. Jahrhundert zurück katapultieren.“

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Kreationist verklagt Grand Canyon

Der Grand-Canyon-Nationalpark Weil ein Geologe keine Gesteinsproben entnehmen durfte, verklagt er nun den ganzen Park. © via pixabay / CC0 Public Domain
Ein Geologe wollte im Grand Canyon Gesteinsproben sammeln. Die sollten beweisen, dass die Felsschluchten durch die Sintflut Gottes entstanden. Doch die Verantwortlichen erlaubten ihm nicht, die Proben zu entnehmen. Deshalb verklagt er jetzt den ganzen Park.

Von Franziska Ottillinger |Galileo TV

Andrew Snelling ist ein Wissenschaftler mit dem Doktortitel in Geologie. Anders als seine akademischen Kollegen stellt er aber so ziemlich alles infrage, was die Wissenschaft in den letzten Jahrhunderten über die Entstehung der Welt herausfand.

Trotz seiner universitären Karriere ist er nämlich ein Anhänger des Kreationismus. Das ist so ziemlich das Gegenteil der Evolutionstheorie von Charles Darwin. Snelling und andere Kreationisten sind davon überzeugt, dass Gott die Welt vor wenigen tausend Jahren schuf und alles in der Bibel wahr ist. Adam, Eva, Noah, die Sintflut – laut dem Geologen sind das historische Fakten.

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Weiterentwicklung der Evolutionstheorie?

Eva Jablonka, Marion J. Lamb
Evolution in vier Dimensionen
Aus dem Englischen von Martin Battran und Sabine Grauer

Bei Debatten rund um die Evolutionstheorie kommt das Gespräch heute rasch auf den Kreationismus, also die Auffassung, alle Lebewesen seien durch das Eingreifen eines schöpferischen Gottes in natürliche Vorgänge entstanden.

Von Maren Emmerich | Spektrum.de

Die Verfechter dieser Pseudowissenschaft artikulieren sich in den Vereinigten Staaten dermaßen lautstark, dass sie einen durchaus erheblichen Einfluss auf das Bildungswesen nehmen konnten. In Europa ist der Kreationismus eine Randerscheinung, findet aber Zulauf. Dazu mag beitragen, dass die Synthetische Evolutionstheorie, welche die klassischen Arbeiten von Alfred Russel Wallace und Charles Darwin mit der Genetik und anderen neueren Fachdisziplinen verknüpft, noch etliche Fragen offen lässt, obwohl sie wissenschaftlicher Konsens ist. Evolutionsbiologen arbeiten deshalb daran, die Theorie zu erweitern und die Wissenslücken zu schließen.

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Die Suche nach dem Sinn des Kitzelns – Hihihihihihi

 Wahrscheinlich fällt dieser Affe vor Lachen bald vom Ast. Trotzdem scheint er das Kitzeln zu genießen. (Foto: Science Source/Getty Images)
Wahrscheinlich fällt dieser Affe vor Lachen bald vom Ast. Trotzdem scheint er das Kitzeln zu genießen. (Foto: Science Source/Getty Images)
Kitzeln ist schön und schrecklich zugleich. Das gilt nicht nur für den Menschen, sondern auch im Tierreich. Die Frage ist nur: Warum hat die Natur diese Spielerei überhaupt erfunden?

Von Tina Baier | Süddeutsche.de

Wenn Schimpansen gekitzelt werden, lachen sie wie Ernie aus der Sesamstraße. Gorillas reagieren mit Gezirpe, das fast so klingt wie Vogelgezwitscher. Bonobos keckern, und Orang-Utans grunzen. Dass nicht nur Menschen kitzlig sind, sondern auch Tiere, hat schon Charles Darwin, der Begründer der Evolutionstheorie, beobachtet. Doch bis heute ist Wissenschaftlern das merkwürdige Verhalten von Kitzelopfern – egal ob Mensch oder Tier – weitgehend unerklärlich.

Was soll das unkontrollierte Gelächter, bei dem sämtliche Körpermuskeln wackeln und ihre Spannung verlieren? Warum ist Kitzeln schön und schrecklich zugleich? Seltsamerweise machen Gekitzelte nämlich während sie lachen heftige Abwehrbewegungen und haben oft einen gequälten Gesichtsausdruck. Und warum funktioniert Kitzeln nur, wenn alle Beteiligten gute Laune haben? „The mind must be in a pleasurable condition“, schrieb Darwin in seinem 1872 veröffentlichten Buch „Der Ausdruck der Gemütsbewegungen beim Menschen und den Tieren„.

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Türkische Schüler „werden von moderner Welt abgeschnitten“

kreationismus

Mit dem Plan, die Evolutionstheorie aus Schulbüchern zu entfernen, wolle die AKP-Regierung kritisches Denken unmöglich machen, kritisiert ein türkischer Forscher.

Die Presse.com

„Für einen zivilisierten, gebildeten Menschen ist das undenkbar“, kritisiert der türkische Geologe Celal Sengör im APA-Gespräch die Pläne des türkischen Bildungsministeriums, die Evolutionstheorie von Charles Darwin aus den Schulbüchern zu entfernen. „Die Evolutionstheorie zu streichen heißt, die moderne Menschheit zu streichen“, so Sengör, der der bekannteste Atheist und Erdbebenforscher der Türkei ist.

Für die Schüler seien die Pläne des Bildungsministeriums eine intellektuelle Katastrophe. „Die werden von der modernen Welt abgeschnitten“. Die AKP ziehe eine unwissende und religiöse Generation heran. Ein kritisches und selbstständiges Nachfragen solle so unmöglich gemacht werden. Damit wolle die Regierung das Volk leichter beherrschen. Denn „kritisches Denken ist immer eine Bedrohung“. Die Türkei werde dann demnächst dasselbe Bildungsniveau wie Afghanistan haben, so der 62-jährige Anhänger von Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk.

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Lässt sich Evolution beobachten?

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB
Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Charles Darwin beschrieb im 19. Jahrhundert, wie sich Arten entwickeln und wie neue Arten entstehen. Seine Evolutionstheorie gilt heute als wissenschaftlich bewiesen – zumindest in weiten Teilen der Welt. In der Türkei soll Darwins Evolutionslehre nun aus den Lehrplänen fliegen und auch in Trumps Amerika gibt es vielfältige Bemühungen, Gott an die Stelle der Evolution zu setzen. Aber lässt sich Evolution nicht auch beobachten? Diese Frage versucht Thomas Prinzler zu beantworten.

INFOradiorbb

Jetzt gerät also auch noch die Evolution in den Fokus der Potentaten. Ministerpräsident Erdogan will eine islamische Türkei und sein Bildungsminister Ismet Yilmaz lässt schon mal die Lehrpläne korrigieren. Für gute Muslime ist Gott der Schöpfer und der Mensch kann nicht vom Affen abstammen. Dabei zeigen seit Jahren archäologische Funde nicht nur in Afrika  und paläogenetische Untersuchungen, wie sich Arten verändern und neu bilden.

Und vor wenigen Jahren waren es Berliner Forscher vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, die die Geburt einer neuen Elefantenart beobachteten, wie sich Elefanten in Thailand in zwei Arten aufspalten.

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Auch Mohammed war ein Nacktaffe

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB
Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Die Evolutionstheorie von Charles Darwin könnte in der Türkei aus den gymnasialen Lehrplänen gestrichen werden, kündigt Bildungsminister Ismet Yilmaz von der AKP an. Ein Plan, der Kritiker der islamisch-konservativen Regierung von Recep Tayyip Erdoğan mit Sorge erfüllt.

Von Bernhard Ichner | kurier.at

Sieht es doch so aus, als ob die türkische Mehrheitspartei sukzessive die religiösen Inhalte in den Bildungseinrichtungen stärkt – etwa indem sie den Kreationismus unterstützt. Dessen Anhänger (wie es sie unter Muslimen ebenso gibt, wie unter Christen) lehnen die Evolutionstheorie ab und vertreten die Ansicht, dass alles Leben von Gott erschaffen wurde. Aber was glauben die Türken in Österreich? Und wie gehen Islamlehrer oder Imame bei uns mit dem Thema um? Der KURIER fragte nach.

Die Antworten sind vielfältig. „Ich glaube nicht an die Evolution. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Mensch und Affe einen gemeinsamen Ursprung haben“, sagt etwa Limousinenfahrer Harun Göksu. Der 33-Jährige entstammt einer religiösen Familie und besuchte ein theologisches Gymnasium in der Türkei.

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Charles Darwin fliegt aus türkischen Lehrplänen

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB
Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Säkularismus, Wiedergeburt und Atheismus sollen in Religionsbüchern als „Krankheiten“ eingestuft werden. Mustafa Kemal Atatürk immer mehr aus den Unterrichtsinhalten verschwinden.

Die Presse.com

Säkularismus, Wiedergeburt und Atheismus sollen in Religionsbüchern als „problematische Überzeugungen“ und als „Krankheiten“ eingestuft werden. Die Evolutionstheorie von Charles Darwin muss aus den gymnasialen Lehrplänen gestrichen werden. Der Gründer der laizistischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk, soll immer mehr aus den Unterrichtsinhalten verschwinden. Diese Neuerungen in den türkischen Lehrplänen kündigte nun Bildungsminister Ismet Yilmaz an. Zwar handelt es sich noch um Vorschläge, doch geht es nach dem Willen des Bildungsministeriums, soll das Maßnahmenpaket bereits ab Februar in Kraft treten.

Damit würde dann umgesetzt werden, was Säkularisten in der Türkei schon seit langer Zeit fürchten: Die islamisch-konservative AKP-Regierung stärkt Schritt für Schritt die religiösen Inhalte in Bildungsanstalten, indem sie etwa die Theorie des Kreationismus unterstützt. Der Kreationismus lehnt die Evolutionstheorie ab und geht davon aus, dass alle Arten von Gott geschaffen wurden. „Die Beseitigung der Evolutionstheorie aus den türkischen Schulen scheint die jüngste Runde im Jahrhunderte alten Kulturkrieg zu sein“, kommentierte der regierungskritische Journalist Mustafa Akyol den jüngsten Vorstoß im Internetmagazin „Al-Monitor“.

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Dezember 1831: Darwin startet mit der Beagle in die Welt

foto: mary evans/picturedesk Das Vermessungsschiff HMS Beagle (hier in der Magellanstraße dargestellt) ging in die Wissenschaftsgeschichte ein.
foto: mary evans/picturedesk Das Vermessungsschiff HMS Beagle (hier in der Magellanstraße dargestellt) ging in die Wissenschaftsgeschichte ein.
An Bord des Vermessungsschiffes HMS Beagle bricht der 22-jährige Forscher zu einer fünfjährigen Expedition auf. Danach wird er die Biologie umkrempeln

Von David Rennert | derStandard.at

Als Charles Robert Darwin im August 1831 von einer geologischen Exkursion nach Wales zurück in sein Elternhaus im englischen Shrewsbury kehrte, wartete der folgenreiche Brief bereits auf ihn. Absender war der Botaniker und Geologe John Stevens Henslow, den Darwin in Cambridge kennengelernt und dessen Vorlesungen er mit großer Begeisterung besucht hatte.

Henslow schrieb ihm nun, dass ein gewisser Kapitän Robert FitzRoy für eine kartografische Expedition nach Südamerika einen naturwissenschaftlich qualifizierten Begleiter suche – und er ihm Darwin dafür vorgeschlagen habe. Die voraussichtlich etwa zwei Jahre dauernde Reise, so Henslow, biete für einen jungen Forscher eine geradezu einmalige Chance.

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If Not Darwin, Who?

Image by by Jackie Ferrentino/Nautilus
Image by Jackie Ferrentino/Nautilus
What would physics look like if Einstein had never existed, or biology without Darwin? In one view, nothing much would change—the discoveries they made and theories they devised would have materialized anyway sooner or later. That’s the odd thing about heroes and heroines of science: They are revered, they get institutions and quantities and even chemical elements named after them, and yet they are also regarded as somewhat expendable and replaceable in the onward march of scientific understanding.

By Philip Ball | NAUTILUS

But are they? One way to find out is to ask who, in their absence, would have made the same discovery. This kind of “counterfactual history” is derided by some historians, but there’s more to it than a new parlor game for scientists (although it can be that, too). It allows us to scrutinize and maybe challenge some of the myths that we build around scientific heroes. And it helps us think about the way science works: how ideas arise out of the context of their time and the contingencies and quirks of individual scientists.

For one thing, the most obvious candidate to replace one genius seems to be another genius. No surprise, maybe, but it makes you wonder whether the much-derided “great man” view of history, which ascribes historical trajectories to the actions and decisions of individuals, might not have some validity in science. You might wonder whether there’s some selection effect here: We overlook lesser-known candidates precisely because they weren’t discoverers, even though they could have been. But it seems entirely possible that, on the contrary, greatness always emerges, if not in one direction then another.

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Warum Affen nicht sprechen können

Gut gebrüllt. Makaken fehlt die neuronale Steuerung für Sprache.Foto: imago/Nature Picture Library
Gut gebrüllt. Makaken fehlt die neuronale Steuerung für Sprache.Foto: imago/Nature Picture Library
Studie bestätigt Annahme von Charles Darwin: Den Affen fehlt nicht der Sprechapparat, sondern die entsprechenden Verschaltungen im Gehirn.
 

Von Roland Knauer | DER TAGESSPIEGEL

Die Stimme krächzte ein wenig und ein unbekannter Akzent schwang bei der Frage „Willst du mich heiraten?“ mit. Aber sonst kamen die vier Wörter klar verständlich aus dem Sprachcomputer – zur Überraschung der Sprachforscher. Schließlich ahmte der Rechner Lippen, Zunge und Kehlkopf eines Affen nach.

Seit mehr als 50 Jahren waren Forscher überzeugt, dass die Anatomie die Tiere am Sprechen hindert. Ihr Körperbau erlaube Affen zwar, Warnrufe und andere Laute zu formen. Eine Sprache wie beim Menschen sei damit aber unmöglich. „Es geht doch!“, schreiben nun Tecumseh Fitch von der Universität Wien und seine Kollegen im Fachblatt „Science Advances“.

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Warum sich die Kirchen dem Islam unterwerfen

REUTERS/Yves Herman
REUTERS/Yves Herman
Michael Wolfssohn fragt, ob Juden wie er die letzten Verteidiger des Christentums seien. Leser M.E.S. ergänzt: „Nicht nur die Juden müssen bald die Bewahrer des Christentums sein, sondern auch die aus den Kirchen Ausgetretenen.“

Von Ingrid Ansari | TICHYS EINBLICK

“Warum sind die christlichen Kirchenvertreter, allen voran ihre ‘Chefs’, plötzlich so ‘unchristlich’?” fragt Leser Walter Eiden. Bezug nehmend auf meinen Text “Das Reformationsjubiläum und die Unterwerfung der Kirchen unter den Islam” vom 19. November erhielt ich viele hoch interessante, gedankenreiche und auch leidenschaftliche Leserkommentare. Der Austausch mit den Lesern ist bei Tichys Einblick immer sehr anregend und motivierend für weiteres Nachdenken. Walter Eiden und Alfred E. vermissen z.B. zu Recht einen Ansatz auf die Frage WARUM sich die Kirchen so verhalten. Viele andere Beiträge suchen selber nach Gründen.

Der Großinquisitor

Doch bevor ich näher darauf eingehe, möchte ich gerne auf einen Text von Fjodor Dostojewskij Bezug nehmen, der mir bei Fragen der christlichen Religion immer wieder in den Sinn kommt und vielleicht parabelhaft einige Antworten in sich trägt. Es handelt sich um ein Kapitel aus dem Roman “Die Brüder Karamasow” mit dem Titel “Der Großinquisitor”.

Diese Binnenerzählung des großen Romans handelt davon, dass Jesus im Sevilla des 16. Jahrhunderts auf die Erde zurückkehrt. Es ist das Zeitalter der Inquisition: Hunderte von Ketzern werden unter Qualen hingerichtet. Obwohl Jesus kaum spricht, erkennen ihn die Menschen. Doch schließlich wird auch der greise Großinquisitor auf ihn aufmerksam und lässt ihn in den Kerker werfen – mit der Absicht, ihn am nächsten Morgen auf dem Scheiterhaufen verbrennen zu lassen. In einem nächtlichen Monolog teilt er Jesus mit, dass dieser kein Recht gehabt habe, die weltliche Macht, die ihm einst der Satan angeboten hatte, zurückzuweisen und somit dem Einzelnen eine Freiheit zuzumuten, die dieser nicht zu tragen vermöge, weil er unmündig und wankelmütig sei. Es läge in der Natur des Menschen, sich unterzuordnen. Und es sei daher die Aufgabe der Kirche, dem Menschen die ihm von Christus zugemutete Freiheit wieder zu nehmen und sein an sich chaotisches Leben für ihn – unter Androhung und Ausübung von drastischen Mitteln bis zur Gewalt – zu ordnen. Die römisch-katholische Kirche habe sich diese Bürde zum Wohle der Menschen wissentlich auf die Schultern geladen. – Daraufhin verlässt Jesus schweigend den Kerker – mit der Anweisung des Großinquisitors, niemals wiederzukommen.

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Sprich, Tier, sprich!

Der Frosch besticht durch filigrane Anmut und ausufernde Wortgewalt
Der Frosch besticht durch filigrane Anmut und ausufernde Wortgewalt Foto: dpa
Charles Darwin zeigte, dass nicht Gott die Lebewesen geschaffen hat, sondern die Evolution und dass speziell die Menschen aus Affen hervorgingen, die irgendwann von Afrika aus im aufrechten Gang, der ja laut Ernst Bloch zuletzt gelernt wird, losmarschierten. Bekanntlich hatte Gott uns, als er noch nicht von Nietzsche für tot erklärt worden war, die Sprache verliehen – als Alleinstellungsmerkmal quasi. Deswegen hatte Darwin nach seiner Evolutionstheorie die Not, zu erklären, wie die menschliche Sprache denn nun wirklich entstand.

Von Helmut Höge | taz.de

Hundert Jahre zuvor hatten die Universitäten in Paris und London bereits so viele Preise für den klügsten Essay über den „Ursprung der Sprache“ ausgeschrieben, dass sie beschlossen, dazu keine Texte mehr anzunehmen. Die Suche nach der „Ursprache“ hatte die gelehrten Gesellschaften mit einer Lawine von „Denkschriften“ überhäuft. Im Grunde suchte man die „Ursprache“ schon seit 2.500 Jahren. Überliefert ist das Sprachexperiment des ägyptischen Pharaos Psammetich I.: Er übergab einem Hirten zwei Neugeborene, die als „Ansprechpartner“ nur einige Ziegen hatten. Nach zwei Jahren konnten sie gerade einmal meckern.

Einen ähnlichen Versuch führte dann im Jahr 1240 der empiriefreudige Stauferkaiser Friedrich II. durch: Seine Versuchskinder wuchsen auf, ohne dass Erwachsene sie ansprachen. Alle Kinder starben – nahezu stumm. Friedrich II resümierte: „Sie vermochten nicht zu leben ohne das Händepatschen und das fröhliche Gesichterschneiden und die Koseworte ihrer Ammen“.

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Rettet die Vielfalt unseres Essens!

 Nie schien die Auswahl im Supermarkt größer - was für ein Trugschluss. (Foto: Alessandra Schellnegger)
Nie schien die Auswahl im Supermarkt größer – was für ein Trugschluss. (Foto: Alessandra Schellnegger)
Die Auswahl an Lebensmitteln schien nie größer, aber der Schein trügt. Wir bekommen immer mehr Einheitsbrei vorgesetzt. Der Verlust von Pflanzenarten ist dramatisch – jetzt gilt es zu retten, was zu retten ist.
 

Von Silvia Liebrich | Süddeutsche.de

Als Charles Darwin vor 180 Jahren von seiner großen Weltreise zurückkam, hatte er mehr als 5400 Proben aller Art im Gepäck. Darunter viele unbekannte Pflanzen aus Südamerika, Australien, Neuseeland, Südafrika, von den Galapagos-Inseln und aus anderen Regionen der Erde. Darwin, der sich selbst für einen schlechten Botaniker hielt, schrieb damals einem Freund: „Ich wusste nicht mehr von den Pflanzen, die ich gesammelt hatte, als der Mann im Mond.“

Die Sammlung, deren Auswertung mehr als zwei Jahrzehnte in Anspruch nahm, wurde zur Lebensaufgabe für den Naturforscher. Als Darwin schließlich sein Hauptwerk „Über die Entstehung der Arten“ veröffentlichte, löste er zunächst eine Welle der Entrüstung aus. Heute steht fest, dass kaum ein Buch davor und danach das Verständnis der Evolution so grundlegend verändert hat.

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Wie verstehen Kinder die Evolutionsgeschichte?

Die Evolutionstheorie besagt nicht, dass wir vom Affen abstammen; es ist etwas komplizierter
Die Evolutionstheorie besagt nicht, dass wir vom Affen abstammen; es ist etwas komplizierter

Dissertation der Uni Bremen untersucht Zugänge von Grundschulkindern zu Darwins Abstammungslehre

Angelika Rockel | Pressestelle Universität Bremen

Nach Charles Darwin bleibt die absolute Zahl der Tiere und Pflanzen einer Art stabil, weil nicht alle Nachkommen überleben. Zwischen den einzelnen Individuen entbrennt vielmehr ein Kampf ums Dasein – die Selektionstheorie. Sie bildet die Grundlage für das Verständnis vieler biologischer Themen. Entwicklungspsychologische Studien legen nahe, dass bereits junge Kinder mit naturwissenschaftlichen Erklärungen vertraut sind. Dennoch werden wichtige Aspekte der Evolutionsbiologie meist erst am Ende des Mittleren Bildungsabschlusses gelehrt. Mit diesem Thema beschäftigte sich an der Universität Bremen die Sozialwissenschaftlerin Dr. Judith Werther in ihrer Dissertation „Evolutionstheorie und naturwissenschaftliche Grundbildung. Präkonzepte von Kindern zur Anpassung von Lebewesen unter Berücksichtigung des Naturzugangs“. Die Arbeit wurde von den beiden Uni-Professorinnen Brunhilde Marquardt-Mau und Doris Elster betreut.

In ihrer Studie untersucht Judith Werther, welche Konzepte Kinder in der Primarstufe zur Theorie der Anpassung haben. Dabei spielt insbesondere die Frage eine Rolle, inwieweit der Naturzugang der Kinder, Naturerfahrungen, soziale Kontakte, naturwissenschaftlich orientierte Medien und Lernorte einen Einfluss auf das evolutionsbiologische Verständnis hat. Dafür befragte die Wissenschaftlerin 112 Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren an zwei Bremer Grundschulen. Die Ergebnisse zeigen, dass bereits Primarschulkinder evolutionsbiologisch argumentieren können. Eine Unterscheidung zwischen Populations- und Individualebene, die zeitliche Einschätzung von Anpassung sowie die Vorstellung zufälliger Prozesse liegen nicht im alltäglichen Erfahrungsbereich der Kinder, so dass diese Prozesse nur bedingt nachvollzogen werden konnten. Grundsätzlich stellt die Autorin fest, dass die Kinder bei erlebbaren Aspekten von Anpassung eine höhere wissenschaftliche Verständnisstufe erreichen als bei nicht erlebbaren Aspekten.

Das Ausmaß des evolutionsbiologischen Verständnisses variiert mit der jeweiligen sozialen Lage der Kinder. Demnach sind Kinder in benachteiligter sozialer Lage stärker medienorientiert, ziehen häufiger schulische und außerschulische Lernorte als Naturzugänge heran und haben ein geringeres evolutionsbiologisches Verständnis. Dagegen beziehen sich die Kinder in begünstigten sozialen Lagen häufiger auf soziale Interaktionen und Printmedien, können auf ein ausgeprägteres Ausmaß an Naturerfahrungen zurückgreifen und verfügen über ein höheres evolutionsbiologisches Verständnis. Dennoch stellt Judith Werther in ihrer Arbeit fest, dass Naturerfahrungen das evolutionsbiologische Verständnis unabhängig von der sozialen Lage am stärksten prägen. Erst als zweithöchste Nennung tragen Medien zum Evolutionsverständnis bei. Die Aspekte soziale Kontakte, schulische sowie außerschulische Lernorte spielen nur eine marginale Rolle.

Aus den Ergebnissen entwickelt die Wissenschaftlerin Empfehlungen für den schulischen Unterricht: Naturerfahrungen im Rahmen des Forschenden Lernens ermöglichen, bereits in der Primarstufe die Kinder an das Thema heranführen, an bestehende Ideen der Kinder anknüpfen, die soziale Lage der Kinder berücksichtigen, das evolutionsbiologische Konzept der Anpassung im Unterricht veranschaulichen, unwissenschaftliche Denkfiguren bewusst machen und mit wissenschaftlichen Ansätzen vergleichen, auf Naturzugänge der Kinder aufbauen. Weitere Informationen zur Dissertation sind online einsehbar http://www.klinkhardt.de/verlagsprogramm/2103.html

Achtung Redaktionen: In der Uni-Pressestelle können Sie unter der E-Mail presse@uni-bremen.de ein Foto von Dr. Judith Werther anfordern.

Weitere Informationen

Universität Bremen
Dr. Judith Werther
Tel.: 0176/ 721 90 808
E-Mail: werther@uni-bremen.de