Warum sich die Kirchen dem Islam unterwerfen

REUTERS/Yves Herman
REUTERS/Yves Herman
Michael Wolfssohn fragt, ob Juden wie er die letzten Verteidiger des Christentums seien. Leser M.E.S. ergänzt: „Nicht nur die Juden müssen bald die Bewahrer des Christentums sein, sondern auch die aus den Kirchen Ausgetretenen.“

Von Ingrid Ansari | TICHYS EINBLICK

“Warum sind die christlichen Kirchenvertreter, allen voran ihre ‘Chefs’, plötzlich so ‘unchristlich’?” fragt Leser Walter Eiden. Bezug nehmend auf meinen Text “Das Reformationsjubiläum und die Unterwerfung der Kirchen unter den Islam” vom 19. November erhielt ich viele hoch interessante, gedankenreiche und auch leidenschaftliche Leserkommentare. Der Austausch mit den Lesern ist bei Tichys Einblick immer sehr anregend und motivierend für weiteres Nachdenken. Walter Eiden und Alfred E. vermissen z.B. zu Recht einen Ansatz auf die Frage WARUM sich die Kirchen so verhalten. Viele andere Beiträge suchen selber nach Gründen.

Der Großinquisitor

Doch bevor ich näher darauf eingehe, möchte ich gerne auf einen Text von Fjodor Dostojewskij Bezug nehmen, der mir bei Fragen der christlichen Religion immer wieder in den Sinn kommt und vielleicht parabelhaft einige Antworten in sich trägt. Es handelt sich um ein Kapitel aus dem Roman “Die Brüder Karamasow” mit dem Titel “Der Großinquisitor”.

Diese Binnenerzählung des großen Romans handelt davon, dass Jesus im Sevilla des 16. Jahrhunderts auf die Erde zurückkehrt. Es ist das Zeitalter der Inquisition: Hunderte von Ketzern werden unter Qualen hingerichtet. Obwohl Jesus kaum spricht, erkennen ihn die Menschen. Doch schließlich wird auch der greise Großinquisitor auf ihn aufmerksam und lässt ihn in den Kerker werfen – mit der Absicht, ihn am nächsten Morgen auf dem Scheiterhaufen verbrennen zu lassen. In einem nächtlichen Monolog teilt er Jesus mit, dass dieser kein Recht gehabt habe, die weltliche Macht, die ihm einst der Satan angeboten hatte, zurückzuweisen und somit dem Einzelnen eine Freiheit zuzumuten, die dieser nicht zu tragen vermöge, weil er unmündig und wankelmütig sei. Es läge in der Natur des Menschen, sich unterzuordnen. Und es sei daher die Aufgabe der Kirche, dem Menschen die ihm von Christus zugemutete Freiheit wieder zu nehmen und sein an sich chaotisches Leben für ihn – unter Androhung und Ausübung von drastischen Mitteln bis zur Gewalt – zu ordnen. Die römisch-katholische Kirche habe sich diese Bürde zum Wohle der Menschen wissentlich auf die Schultern geladen. – Daraufhin verlässt Jesus schweigend den Kerker – mit der Anweisung des Großinquisitors, niemals wiederzukommen.

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Sprich, Tier, sprich!

Der Frosch besticht durch filigrane Anmut und ausufernde Wortgewalt
Der Frosch besticht durch filigrane Anmut und ausufernde Wortgewalt Foto: dpa
Charles Darwin zeigte, dass nicht Gott die Lebewesen geschaffen hat, sondern die Evolution und dass speziell die Menschen aus Affen hervorgingen, die irgendwann von Afrika aus im aufrechten Gang, der ja laut Ernst Bloch zuletzt gelernt wird, losmarschierten. Bekanntlich hatte Gott uns, als er noch nicht von Nietzsche für tot erklärt worden war, die Sprache verliehen – als Alleinstellungsmerkmal quasi. Deswegen hatte Darwin nach seiner Evolutionstheorie die Not, zu erklären, wie die menschliche Sprache denn nun wirklich entstand.

Von Helmut Höge | taz.de

Hundert Jahre zuvor hatten die Universitäten in Paris und London bereits so viele Preise für den klügsten Essay über den „Ursprung der Sprache“ ausgeschrieben, dass sie beschlossen, dazu keine Texte mehr anzunehmen. Die Suche nach der „Ursprache“ hatte die gelehrten Gesellschaften mit einer Lawine von „Denkschriften“ überhäuft. Im Grunde suchte man die „Ursprache“ schon seit 2.500 Jahren. Überliefert ist das Sprachexperiment des ägyptischen Pharaos Psammetich I.: Er übergab einem Hirten zwei Neugeborene, die als „Ansprechpartner“ nur einige Ziegen hatten. Nach zwei Jahren konnten sie gerade einmal meckern.

Einen ähnlichen Versuch führte dann im Jahr 1240 der empiriefreudige Stauferkaiser Friedrich II. durch: Seine Versuchskinder wuchsen auf, ohne dass Erwachsene sie ansprachen. Alle Kinder starben – nahezu stumm. Friedrich II resümierte: „Sie vermochten nicht zu leben ohne das Händepatschen und das fröhliche Gesichterschneiden und die Koseworte ihrer Ammen“.

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Rettet die Vielfalt unseres Essens!

 Nie schien die Auswahl im Supermarkt größer - was für ein Trugschluss. (Foto: Alessandra Schellnegger)
Nie schien die Auswahl im Supermarkt größer – was für ein Trugschluss. (Foto: Alessandra Schellnegger)
Die Auswahl an Lebensmitteln schien nie größer, aber der Schein trügt. Wir bekommen immer mehr Einheitsbrei vorgesetzt. Der Verlust von Pflanzenarten ist dramatisch – jetzt gilt es zu retten, was zu retten ist.
 

Von Silvia Liebrich | Süddeutsche.de

Als Charles Darwin vor 180 Jahren von seiner großen Weltreise zurückkam, hatte er mehr als 5400 Proben aller Art im Gepäck. Darunter viele unbekannte Pflanzen aus Südamerika, Australien, Neuseeland, Südafrika, von den Galapagos-Inseln und aus anderen Regionen der Erde. Darwin, der sich selbst für einen schlechten Botaniker hielt, schrieb damals einem Freund: „Ich wusste nicht mehr von den Pflanzen, die ich gesammelt hatte, als der Mann im Mond.“

Die Sammlung, deren Auswertung mehr als zwei Jahrzehnte in Anspruch nahm, wurde zur Lebensaufgabe für den Naturforscher. Als Darwin schließlich sein Hauptwerk „Über die Entstehung der Arten“ veröffentlichte, löste er zunächst eine Welle der Entrüstung aus. Heute steht fest, dass kaum ein Buch davor und danach das Verständnis der Evolution so grundlegend verändert hat.

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Wie verstehen Kinder die Evolutionsgeschichte?

Die Evolutionstheorie besagt nicht, dass wir vom Affen abstammen; es ist etwas komplizierter
Die Evolutionstheorie besagt nicht, dass wir vom Affen abstammen; es ist etwas komplizierter

Dissertation der Uni Bremen untersucht Zugänge von Grundschulkindern zu Darwins Abstammungslehre

Angelika Rockel | Pressestelle Universität Bremen

Nach Charles Darwin bleibt die absolute Zahl der Tiere und Pflanzen einer Art stabil, weil nicht alle Nachkommen überleben. Zwischen den einzelnen Individuen entbrennt vielmehr ein Kampf ums Dasein – die Selektionstheorie. Sie bildet die Grundlage für das Verständnis vieler biologischer Themen. Entwicklungspsychologische Studien legen nahe, dass bereits junge Kinder mit naturwissenschaftlichen Erklärungen vertraut sind. Dennoch werden wichtige Aspekte der Evolutionsbiologie meist erst am Ende des Mittleren Bildungsabschlusses gelehrt. Mit diesem Thema beschäftigte sich an der Universität Bremen die Sozialwissenschaftlerin Dr. Judith Werther in ihrer Dissertation „Evolutionstheorie und naturwissenschaftliche Grundbildung. Präkonzepte von Kindern zur Anpassung von Lebewesen unter Berücksichtigung des Naturzugangs“. Die Arbeit wurde von den beiden Uni-Professorinnen Brunhilde Marquardt-Mau und Doris Elster betreut.

In ihrer Studie untersucht Judith Werther, welche Konzepte Kinder in der Primarstufe zur Theorie der Anpassung haben. Dabei spielt insbesondere die Frage eine Rolle, inwieweit der Naturzugang der Kinder, Naturerfahrungen, soziale Kontakte, naturwissenschaftlich orientierte Medien und Lernorte einen Einfluss auf das evolutionsbiologische Verständnis hat. Dafür befragte die Wissenschaftlerin 112 Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren an zwei Bremer Grundschulen. Die Ergebnisse zeigen, dass bereits Primarschulkinder evolutionsbiologisch argumentieren können. Eine Unterscheidung zwischen Populations- und Individualebene, die zeitliche Einschätzung von Anpassung sowie die Vorstellung zufälliger Prozesse liegen nicht im alltäglichen Erfahrungsbereich der Kinder, so dass diese Prozesse nur bedingt nachvollzogen werden konnten. Grundsätzlich stellt die Autorin fest, dass die Kinder bei erlebbaren Aspekten von Anpassung eine höhere wissenschaftliche Verständnisstufe erreichen als bei nicht erlebbaren Aspekten.

Das Ausmaß des evolutionsbiologischen Verständnisses variiert mit der jeweiligen sozialen Lage der Kinder. Demnach sind Kinder in benachteiligter sozialer Lage stärker medienorientiert, ziehen häufiger schulische und außerschulische Lernorte als Naturzugänge heran und haben ein geringeres evolutionsbiologisches Verständnis. Dagegen beziehen sich die Kinder in begünstigten sozialen Lagen häufiger auf soziale Interaktionen und Printmedien, können auf ein ausgeprägteres Ausmaß an Naturerfahrungen zurückgreifen und verfügen über ein höheres evolutionsbiologisches Verständnis. Dennoch stellt Judith Werther in ihrer Arbeit fest, dass Naturerfahrungen das evolutionsbiologische Verständnis unabhängig von der sozialen Lage am stärksten prägen. Erst als zweithöchste Nennung tragen Medien zum Evolutionsverständnis bei. Die Aspekte soziale Kontakte, schulische sowie außerschulische Lernorte spielen nur eine marginale Rolle.

Aus den Ergebnissen entwickelt die Wissenschaftlerin Empfehlungen für den schulischen Unterricht: Naturerfahrungen im Rahmen des Forschenden Lernens ermöglichen, bereits in der Primarstufe die Kinder an das Thema heranführen, an bestehende Ideen der Kinder anknüpfen, die soziale Lage der Kinder berücksichtigen, das evolutionsbiologische Konzept der Anpassung im Unterricht veranschaulichen, unwissenschaftliche Denkfiguren bewusst machen und mit wissenschaftlichen Ansätzen vergleichen, auf Naturzugänge der Kinder aufbauen. Weitere Informationen zur Dissertation sind online einsehbar http://www.klinkhardt.de/verlagsprogramm/2103.html

Achtung Redaktionen: In der Uni-Pressestelle können Sie unter der E-Mail presse@uni-bremen.de ein Foto von Dr. Judith Werther anfordern.

Weitere Informationen

Universität Bremen
Dr. Judith Werther
Tel.: 0176/ 721 90 808
E-Mail: werther@uni-bremen.de

Kurzweiliger Blick in die Naturgeschichte

Schön und komplex: Die Feder ist ein Wunderwerk (picture alliance / dpa / Hinrich Bäsemann)
Der amerikanische Biologe Thor Hanson hat ein wunderbares Buch über Federn geschrieben. Es besticht nicht nur durch Inhalt und Kenntnisreichtum, sondern auch durch seine Aufmachung.

Von Susanne Billig | Deutschlandradio Kultur

„Wann immer ich der Schwanzfeder eines Pfaus ansichtig werde“, gestand der Übervater der Evolutionsforschung Charles Darwin, „macht mich das ganz krank!“ In seinem Buch „Federn“ listet der amerikanische Biologe Thor Hanson die Fragen auf, die Darwin schier verzweifeln ließen: Auf welche Weise haben sich Federn im Laufe der Naturgeschichte entwickelt? Gab es etwas Ähnliches schon bei den Dinosauriern? Und wenn Federn zum Fliegen gut sind – warum um alles in der Welt statten sich so viele männliche Vögel dann mit Schmuckfedern aus, die schon einen normalen Fußgang erheblich erschweren?

Ausflüge in die Kulturgeschichte

Alles das beantwortet Thor Hanson in seinem Buch – und noch viel mehr. Er unternimmt Ausflüge in die Kulturgeschichte, erzählt vom Handel mit Daunenfedern und dem Gebrauch des Vogelkleids als Zahnstocher, Staubwedel, Schreibfeder, Puderquaste oder Hut- und Körperschmuck.

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Saudi-Arabien: Oberste religiöse Instanz frischt Fatwa gegen Pokémon auf

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Noch ist Pokémon Go in Saudi-Arabien offiziell noch gar nicht zu haben, doch vorsichtshalber hat die oberste religiöse Instanz des Landes eine 15 Jahre alte Fatwa zu dem Vorgänger des Smartphone-Spiels wieder aufgelegt.

FOCUS ONLINE

Der Ständige Ausschuss für Forschung und Fatwas stellte das islamische Rechtsgutachten von 2001 am Mittwoch auf seine Website, nachdem es nach eigenen Angaben wegen des Spiels zahlreiche Anfragen erhalten hatte.

In der Fatwa wird Pokémon mit einem Glücksspiel verglichen. Weiter heißt es, die Figuren schienen auf der Evolutionslehre von Charles Darwin zu basieren – beides wird vom Islam abgelehnt.

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Think Through Christopher Hitchens’ ‘Deathbed Conversion’

Christopher HitchensLarry Taunton’s recollections of Christopher Hitchens’ struggles with Christianity are not the unprovable fancies of a manipulative evangelist making up a story to appease insecure evangelicals.

By Jake Meador | the FEDERALIST

In a recent essay for the New Yorker, Lawrence Krauss bemoaned the common habit among some conservative Christians of conjuring up fanciful deathbed conversion narratives about prominent non-Christians. He specifically mentions the well-known tale of evangelist Elizabeth Cotton, who made up such a story about Charles Darwin. She claimed that he told her from his deathbed that he wished to “recant the doctrine of evolution in exchange for Christian salvation.”

Krauss’s odd phrasing aside, he points to a problem that really does exist in pockets of conservative Christianity. In addition to the stories of Darwin, other conservative Christians have made up similar tales about other prominent enemies of the faith—Voltaire and Thomas Paine, most notably. Making up a conversion story about a famous person is obviously a horrible thing to do. At its root it is lying about a person’s views of God, which is horrifying enough, but it also implies a certain distressing insecurity in the believer. Krauss is right to condemn this sort of thing.

What is curious about Krauss’s piece, however, is how he framed the criticism: He begins the essay by referencing a recent book by prominent evangelical apologist Larry Taunton called “The Faith of Christopher Hitchens,” in which the author describes his relationship with Hitchens and the famous atheist’s odd relationship to faith in his final years. Unfortunately, it seems Krauss did not read beyond the title page of Taunton’s book. Indeed, if he had he would’ve found the following excerpt written by Taunton in the book’s final chapter:

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Wie die Evolution Männer und Frauen dirigiert

Leichte Beute. Die Existenz des Pfaus widerspricht auf den ersten Blick den Gesetzen der Evolution.Foto: picture alliance / dpa
Charles Darwin erkannte, worauf die Geschlechterunterschiede beruhen. Seine Theorie hat sich bestätigt, trotz Kritik aus der Genderforschung.

Ein Kommentar von Hartmut Wewetzer | DER TAGESSPIEGEL

Warum unterscheiden sich Mann und Frau? Wer dieser Frage nachgeht und sie nicht gleich als „falsch“ einstuft, weil die Geschlechter angeblich nur sozial erwünschte Rollen spielen und alle Unterschiede (bis auf die biologischen) gesellschaftlich bedingt sind, der stößt auf die Theorie der sexuellen Auslese. Sie geht auf Charles Darwin zurück, den Begründer der Evolutionstheorie. Darwin bereitete der prächtige Pfauenschwanz Kopfzerbrechen. Der konnte eigentlich unmöglich die Überlebenschancen vergrößern. Er verbrauchte Ressourcen, machte die Tiere unbeweglich und auffällig und so zu einer leichten Beute. Der Pfauenschwanz verstieß gegen elementare Regeln der von Darwin formulierten Theorie der natürlichen Auslese – die Natur müsste den Blender längst ausgemustert haben.

Darwins geniale Lösung: Der Pfau vermehrte sich nicht trotz, sondern wegen seines Federschmucks. Die Theorie der sexuellen Auslese (Selektion) war geboren. Je makelloser der Radschlag, umso größer die Erfolgschancen bei den Pfauenweibchen. Im Zentrum des Gedankengebäudes steht die fundamentale Ungleichheit der Keimdrüsen. Sie produzieren bei weiblichen Tieren die großen, wenigen Eizellen und bei männlichen die kleinen, vielen Spermien. Ein Unterschied mit Folgen. „Billige“ Spermien werben um „kostbare“ Eizellen. Männchen investieren in die Balz und konkurrieren untereinander, Weibchen kümmern sich um die Brutpflege. Männchen mit mehr Partnerinnen haben mehr Nachkommen, bei Weibchen gilt das nicht.

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Darwins Streiter

Darwin statt Kreuz. Die Bücher von Richard Dawkins (75) kreisen um die Ideen des Begründers der Evolutionstheorie.Foto: Aus dem Buch
Biologe, Autor und Atheist: Der streitbare und umstrittene Richard Dawkins hat seine Memoiren vorgelegt.

Von Hartmut Wewetzer | DER TAGESSPIEGEL

1976 brachte ein junger Wissenschaftler von der Universität Oxford die Welt der Biologie in Unordnung. Seine Name: Richard Dawkins. Mit seinem ersten Buch, dem er den provokanten Titel „Das egoistische Gen“ gab, löste der 35-Jährige ein bis heute nachhallendes geistiges Beben aus. Und bis heute ist Dawkins jemand, der keine lauwarmen Reaktionen zulässt. Man kann ihn lieben oder hassen, ist für oder gegen ihn – gleichgültig lässt er kaum jemanden. „Man kann mir vieles vorwerfen, aber nicht, dass ich ein Langweiler bin“, hat Dawkins dazu mit dem ihm eigenen Sarkasmus bemerkt. Pünktlich zu seinem 75. Geburtstag ist nun seine Autobiografie unter dem Titel „Die Poesie der Naturwissenschaften“ auf Deutsch erschienen.

„Das egoistische Gen“ ist eigentlich eine Abrechnung mit der Idee der Gruppenselektion. Also der Vorstellung, dass die Ebene der Gruppe eine wichtige Bühne ist, auf der sich die Evolution, die Entwicklung der Lebewesen, abspielt. Die natürliche Auslese (Selektion), der Motor der Evolution, begünstigt demnach Gruppen von Organismen. Der Einzelne tritt hinter dem Kollektiv zurück.

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Richard Dawkins: „Die Poesie der Naturwissenschaften“: Ein moderner Darwin blickt zurück

Cover_DawkinsRichard Dawkins passte die Evolutionstheorie an die Wissenschaft des 20. Jahrhunderts an. Seine Autobiografie entführt den Leser in die Denkweise des streitbaren Atheisten. Auf eine Abrechnung mit seinen zahlreichen Kritikern verzichtet er aber.

Von Michael Lange|Deutschlandradio Kultur

Für die einen ist der Biologe Richard Dawkins der einzig legitime Nachfolger von Charles Darwin, denn er passte die Evolutionstheorie an die Wissenschaft des 20. Jahrhunderts an. Für andere ist er ein gottloser Polemiker, der sich selbst zu wichtig nimmt. Seine Autobiografie illustriert beide Seiten dieser Persönlichkeit mit Anekdoten zum Schmunzeln und Stoff zum Nachdenken.

In England ist Richard Dawkins als Evolutionstheoretiker, Welterklärer und als streitbarer Atheist bekannt. Seine Bücher sind Bestseller, und auch im britischen Fernsehen taucht er immer wieder auf. Kennzeichnend für ihn sind seine klare Sprache und seine ungewöhnlichen Gedanken. Im Alter von fast 75 Jahren blickt er nun zurück, gewährt Einblick in das Leben seiner Eltern und Verwandten, erzählt von seiner Jugendzeit in Afrika, entwirft ein Bild des spätkolonialen Englands mit seiner Klassengesellschaft und erklärt so nebenbei auch noch die Vererbungslehre. Das hat Charme.

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Richard Dawkins: Arbeiter in Darwins Weinberg

Richard Dawkins, Screengrab
Richard Dawkins, Screengrab
„Charles Darwin ist mein größter Held der Wissenschaft… Die gesamte moderne Biologie ist mehr oder weniger eine Reihe von Fußnoten zu Darwin.

Von Wolfgang Taus|Wiener Zeitung

Keiner könnte etwas Besseres tun, als seinem Beispiel folgen“, so der britische Evolutionsbiologe und fast schon „militante Atheist“ – seit seinem 2006 erschienen Bestseller „Der Gotteswahn“, Richard Dawkins, in seiner jetzt auf Deutsch erschienen Autobiografie, die aus zwei Teilen besteht – gemäß zweier separaten Bände im englischen Original, die hier ungekürzt in einem Band erscheinen.

Dawkins, Jahrgang 1941, gehört zu jener Gruppe sogenannter neuer Atheisten, die aus der naturwissenschaftlichen Forschung und Beweislage heraus gegen jegliche theistische Glaubensvorstellungen Stellung beziehen.

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Düsseldorf: Grundschüler lernen die Evolution

Jungen und Mädchen der Theodor-Heuss-Schule vor dem Wandbild zur Evolutionsgeschichte. Foto: Hans-Jürgen Bauer
Sämtliche Grundschulen erhalten Bücher und DVDs des Projekts „Evokids“. Die religionskritische, nicht unumstrittene Giordano-Bruno-Stiftung und Jacques Tilly gehören zu den Ideengebern. Für die Stadt ist das kein Problem.

Von Beate Werthschulte|RP ONLINE

Mit der Evolution beschäftigen sich Schüler und Lehrer der Theodor-Heuss-Schule bereits seit sechs Jahren. Sie laufen im wahrsten Sinne des Wortes täglich an ihr vorbei. Denn damals haben Schulkinder und ein Team rund um Künstler Jacques Tilly das mit 50 Metern längste Wandbild Düsseldorfs gemalt: Es zeigt die gesamte, auf den Erkenntnissen des englischen Wissenschaftlers Charles Darwin fußende Lehre von der Entwicklung des Lebens und der Arten. Das, was an der Wand hängt, soll nun Unterrichtsthema in allen Düsseldorfer Grundschulen werden.

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Evolutionäre Idiotie und Antisemitismus

Dr Seyfi Şahin. Bild: youtube.
Dr Seyfi Şahin. Bild: youtube.

Einige Kreationisten meinen ja, dass der Teufel Fossilien vergraben und versteckt hat, um die Menschen zu verwirren. Andere wiederum suchen ihren imaginären Freund auf dem Genom, Bakterien, Mikroben, was auch immer, fündig geworden ist noch keiner. Und wenn man meint, alles Verrückte im wesentlichen zu kennen, kommt einer um die Ecke und setzt der Idiotie die Krone auf. Dr Seyfi Şahin ist so einer. Präsidentschaftskandidat der MHP(Milliyetçi Hareket Partisi), 2012, in der Türkei. Der türkische Nazi erklärt seinen Mitmenschen die Evolutionstheorie von Charles Darwin.
Lassen wir ihn zu Wort kommen.
Seyfi Şahin:

Darwin war Jude. Er glaubte und lebte entsprechend seiner Religion, so wurde er auch beerdigt. Sein wirkliches Ziel waren die Muslime.

Diese profunden Kenntnisse über Darwin bringt er hier zum Ausdruck.

Weiter führt er aus:

Ich glaube, dass heute, in den Wäldern Nordafrikas, lebende Schimpansen und Gorillas, von Gott verfluchte Juden sind. Sie sind pervertierte, mutierte Menschen. Das zu denken ist wesentlich stärker und wissenschaftlicher als die Theorie von Darwin.

Zum Abschluss führt er aus:

dass Gott all jene, die ihm nicht gefolgt sind, als Affen, Schweine und Teufelsanbeter auf der Welt verstreut hat.[…] Gut dass wir Muslime sind und
Hirn, Religion und Gott haben.

Dieser Mann gibt auf seiner Facebook-Seite an, dass er Mediziner ist und an der Universität in Ankara studiert hat. Da wird einem Angst und bange.

Ich glaube es war Richard Dawkins, der sich zur Widerlegung der Evolutionstheorie, wie folgt geäußert hat: Natürlich kann die Evolutionstheorie widerlegt werden, wenn, dann wird sie von Wissenschaftlern widerlegt und nicht von Idioten.

Passend zur evolutionären Idiotie, gepaart mit Antisemitismus bleibt nur noch zu sagen, als Mensch zu blöde, für einen Affen zu wenig Sprungkraft.

(Pascha aus Neukölln, danke für die Übersetzung.)

Ben Carson: Der krude Möchtegern-Präsident

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Der Republikaner Ben Carson ist bekannt für seine sonderbaren Ansichten. So glaubt er, dass der Teufel Charles Darwin befohlen habe, die Evolutionstheorie zu entwickeln. Vielen konservativen Amerikanern gefällt das. Seine Konzeptlosigkeit ist kein Problem.

Von Damir Fras|Berliner Zeitung

Seine Theorien sind, sagen wir, gewöhnungsbedürftig bis wirr: Die Pyramiden in Ägypten seien keine Grabstätten für Pharaonen gewesen, sondern Getreidespeicher aus biblischer Zeit. Gefängnisse, sagt er, seien Anstalten, in denen Heterosexuelle schwul werden. Obamacare, das Millionen von Amerikanern zum ersten Mal in ihrem Leben finanziellen Schutz im Krankheitsfall bietet, sei das „Schlimmste, was diesem Land seit der Sklaverei passiert ist“. Der Teufel habe Charles Darwin befohlen, die Evolutionstheorie zu entwickeln. Und so weiter und so fort.

Kaum ein Thema, zu dem Ben Carson im Vorwahlkampf nicht mindestens einen Beitrag der schrillen Art geliefert hätte. Erstaunlicherweise hat ihm das bislang nicht geschadet. Im Gegenteil: Der Neurochirurg im Ruhestand steht zusammen mit dem Polterer Donald Trump an der Spitze der Riege der republikanischen Möchtegern-Präsidenten. Carson und Trump seien der Beleg dafür, dass politische Inhaltsleere im Amerika des Jahres 2015 kein Grund ist, im konservativ gesinnten Wahlvolk nicht beliebt zu sein, sagen Kritiker.

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Zum ehrlichen Unterricht gehört auch die Evolution

Kuckuck und Teichrohrsänger – Kinder fragen im Untericht von selbst, wieso Vögel verschiedene Schnabelformen haben. Anhand solcher Beispiele lässt sich die Evolution gut erklären. (Foto: dpa)
Mehr als 80 Wissenschaftler und Pädagogen fordern, das Thema Evolution in die Grundschullehrpläne aufzunehmen. Fragen an André Sebastiani, der mit seinen Schülerinnen und Schülern bereits über die Evolution spricht.

Von Markus C. Schulte von Drach|Süddeutsche.de

Mehr als 80 Wissenschaftler, Pädagogen und Philosophen haben eine Resolution verabschiedet, in der sie fordern, das Thema Evolution in die Grundschullehrpläne aufzunehmen. Auf einem Kongress in Gießen wurde dazu Lehrmaterial des Projekts Evokids vorgestellt, mit dem Lehrkräfte die Entstehung und Entwicklung des Lebens schon Kindern ab der 3. Klasse näherbringen könnten. André Sebastiani ist Grundschullehrer in Bremen. Er spricht bereits mit seinen Schülerinnen und Schülern über die Evolution.

SZ.de: Die Evolution steht nicht in den Lehrplänen für Grundschulen. Sie sprechen das Thema bei Ihren Schülerinnen und Schülern trotzdem an. Was für Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

André Sebastiani: Das Thema ist zwar nicht vorgesehen, aber hin und wieder gibt es die Gelegenheit, es anzusprechen. Im Sachunterricht behandeln wir zum Beispiel Singvögel und beobachten sie auch in der Nachbarschaft der Schule. Da entdecken die Kinder selbst Unterschiede zwischen den Arten – etwa die verschiedenen Schnabelformen – und fragen, wie das kommt.

Da denkt man natürlich gleich an den Klassiker von Charles Darwin: Die Galapagosfinken.

Genau. Es bietet sich natürlich an, ihnen etwas darüber zu sagen, dass die verschiedenen Vogelarten aus gemeinsamen Vorläufern entstanden sind. Ich habe meine Zweitklässler auch konkret gefragt, was sie darüber wissen, wie die Welt und das Leben entstanden sind. Und es hat sich herausgestellt: eine ganze Menge.

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Korallenriff-Paradoxon gelöst

Steinkorallen-Fragmente für Inkubationsexperimente zur Kohlenstoff- und Stickstoff-Fixierung © Malik Naumann
Wimmelnde Lebensgemeinschaften im nährstoffarmen Wasser – wie ist das möglich? In Korallenriffen liefern Mikroorganismen eine Lösung für dieses Paradoxon, haben Meeresbiologen herausgefunden: Bakterien fixieren so effizient den raren Stickstoff für die Korallen, dass diese mit weiterer Hilfe von Mikroalgen das ganze Jahr hindurch wachsen können – selbst wenn die Nährstoffe besonders knapp werden. Die Studie in den „Proceedings of the Royal Society B“ verdeutlicht, wie stark solche wichtigen Wachstumsprozesse miteinander verknüpft sein können.

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Tropische Korallenriffe sind die artenreichsten Lebensräume auf unserem Planeten: Neben den Korallen, die die Riffe wachsen lassen, leben dort auch unzählige Fische, Krebse und Weichtiere. Doch dieses wimmelnde Leben stellt Wissenschaftler vor ein Rätsel: Die Meeresgebiete, in denen die tropischen Riffe beheimatet sind, sind extrem arm an Nährstoffen. Besonders der lebenswichtige Stickstoff ist dort ein absolutes Mangelelement. Schon Charles Darwin formulierte 1842 dieses sogenannte Riff-Paradoxon. Wie also ernähren sich die blühenden Lebensgemeinschaften am Riff in diesen kargen Regionen?

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Wenn Evolution den Turbogang einlegt

Einige Rotkehl-Anolis entwickelten innerhalb weniger Jahre klebrigere Füße, um sich gegen Konkurrenten durchzusetzen (Foto: Tim Gage / Flickr / CC by SA)
Die Evolution arbeitet viel schneller, als Charles Darwin glaubte. Einige Arten haben sich in kürzester Zeit rasant verändert.

Von Tina Baier|Süddeutsche.de

Charles Darwin würde staunen. Der Begründer der Evolutionstheorie war überzeugt, dass die Wechselwirkung von Mutation und Selektion ein langsamer Prozess ist, der Jahrtausende oder sogar Jahrmillionen dauert. Dabei kann Evolution auch schnell ablaufen, wie jetzt wieder eine Untersuchung britischer Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Biology Letters (online) zeigt.

Die Forscher der Oxford University analysierten das Erbgut in den Mitochondrien einer Gruppe Hühner, die alle dieselben gemeinsamen Vorfahren haben. Zu ihrer Überraschung stellten sie fest, dass sich dort in den vergangenen 50 Jahren zwei Mutationen ereignet hatten. „Bisher galt als sicher, dass sich das mitochondriale Erbgut in einer Million Jahre um höchstens zwei Prozent verändert“, schreiben die Forscher. Ihre Entdeckung belege, dass es 15-mal so schnell geht.

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Satan ‚encouraged‘ Charles Darwin to conceive evolution theory — Ben Carson

©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at
©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at
For Republican presidential candidate Ben Carson, the theory of evolution espoused by geologist Charles Darwin was not driven by science. It was „encouraged“ by Satan himself.

By Andre Mitchell|ChristianToday

Reviving a speech he made before the 2011 Celebration of Creation conference at Australia’s Avondale College, the retired neurosurgeon pointed out that unlike some scientists, Darwin did not believe in God.

„A lot of people believe in God, but I personally believe that this theory that Darwin came up with was something that was encouraged by the adversary [Satan],“ Carson said in his speech, as quoted by CNS News.

„And it has become what is scientifically politically correct. Amazingly, there are a significant number of scientists who do not believe it but they’re afraid to say anything,“ he added.

Carson said not all scientific theories are evil. In fact, he praised Albert Einstein’s theory as a „relatively modern science concept.“

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Sachbuch „Die 4. Revolution: „Das digitale Menschenbild

Ein Magnet im Zeigefinger – schon jetzt optimieren Menschen ihren Körper mit Implantaten. (picture alliance / dpa / Ole Spata)
Nach Kopernikus, Darwin und Freud sieht Luciano Floridi die Menschheit auf dem Wege zu einem neuen philosophischen Selbstverständnis. „Die 4. Revolution“ sei angebrochen, so der Titel seines Buchs, in dem er eine „Onlife“-Zukunft vorhersagt. Aber ist diese Erkenntnis wirklich neu?

Von Tobias Nagorny|Deutschlandradio Kultur

Welches Selbstbild hat der Mensch im digitalen Informationszeitalter? Um diese Frage zu beantworten, holt der renommierte italienische Informationstheoretiker Luciano Floridi historisch ziemlich weit aus. Ein spannendes und verkopftes Unterfangen.

Das philosophische Selbstverständnis des Menschen hat sich in den vergangenen Jahrhunderten bereits dreimal revolutioniert. Unsere frommen Ansichten über die zentrale Stellung der Erde im Universum wurden von Nikolaus Kopernikus gehörig korrigiert. Der Mensch zog sich, ein wenig bescheidener, zumindest auf seine zentrale Stellung auf der Erde zurück: Als biblische „Krone der Schöpfung“. Doch mit Charles Darwin und seiner Evolutionstheorie wurde auch dieses Weltbild wissenschaftlich widerlegt.

Es blieb noch die beherrschende Stellung im Raum unseres Denkens und unseres Bewusstseins. Doch auch die Formel „Ich denke, also bin ich“ vom französischen Philosophen René Descartes wurde mit der Entdeckung des Unbewussten von Sigmund Freud zertrümmert.

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