Islam im Dritten Reich: Für Führer und Prophet

Muslimische Waffen-SS-Mitglieder lesen ein Heft mit dem Titel: ‚Islam und Judentum‘. (HO / AFP)
Hitler konnte das Christentum nicht ausstehen. Dem Islam konnte er etwas abgewinnen. Das NS-Regime ließ Hunderttausende muslimische Rekruten für Deutschland kämpfen. Dahinter stand „militärisches Kalkül“, sagte der Historiker David Motadel im Dlf. Ideologische Motive waren sekundär.

David Motadel im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: Es geht hier und jetzt um eine merkwürdige Allianz: um die Allianz der Nazis mit den Muslimen. Die hat ein junger Historiker erforscht. Er heißt David Motadel. Er ist 1981 in Detmold geboren – als Sohn iranisch-deutscher Eltern mit Wurzeln in viele Religionsgemeinschaften. Er lehrt heute in England als Professor für Internationale Geschichte an der London School of Economics. Sein Buch über die Allianz der Nazis mit den Muslimen ist zuerst in den USA und England erschienen. Jetzt drei Jahre später auch auf Deutsch. Es hat den Titel „Für Prophet und Führer. Die Islamische Welt und das Dritte Reich“.

Ian Kershaw, einer der wichtigsten Forscher zum Nationalsozialismus, hat es als „herausragend“ bezeichnet, womit der Verlag auch – berechtigterweise – Werbung macht. Auch die Kritik in Deutschland ist ausgesprochen positiv ausgefallen. Ich kann nur ergänzen: Das ist ein Buch, das einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Hochgradig spannend – gerade, weil es so nüchtern und sachlich ist. Ich bin nun verbunden mit David Motadel. Willkommen und hallo, David Motadel.

David Motadel: Hallo Herr Main.

Main: Herr Motadel, lassen Sie uns mit der Tür ins Haus fallen. Heutige Neonazis hassen alle gleichermaßen: Juden, Gelbe, Braune, Schwarze, auch Muslime. Damit stehen sie im Gegensatz zum Original. Führende Nazis des sogenannten Dritten Reiches bewunderten Muslime offenbar. Verkehrte Welt?

Motadel: Ja, einige führende Nazis, also allen voran Hitler und Himmler, waren vom Islam tatsächlich fasziniert. Und sie haben auch wiederholt ihre Sympathie für den Islam bekundet. Das heißt zum Beispiel: Wann immer Hitler während der Kriegsjahre die katholische Kirche kritisierte, verglich er sie gleichzeitig mit dem Islam als gewissermaßen positives Gegenbeispiel.

Das heißt, während er den Katholizismus als schwache, verweichlichte Religion verurteilte, lobte er den Islam oft als starke, aggressive Kriegerreligion. Also, da gab es eine gewisse Faszination für den Islam.

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Religiotie: Orbán warnt vor Islamisierung – „Christentum ist Europas letzte Hoffnung“

Ungarns Regierungschef Viktor Orban. – (c) APA/AFP/ATTILA KISBENEDEK (ATTILA KISBENEDEK)
Berlin, Brüssel und Paris beabsichtigten, Ungarn zum „Einwanderungsland“ zu machen, polterte Ungarns Premier zum Wahlkampfauftakt. Die Fidesz-Partei hat gute Chancen, am 8. April die Verfassungsmehrheit zu holen.

Die Presse.com

Victor Orbán rüstet sich für den Wahlkampf: Am 8. April finden in Ungarn Parlamentswahlen statt. In seiner Rede zur Nation wählte Ungarns Premier einmal mehr scharfe Worte gegen Zuwanderer.

„Das Christentum ist Europas letzte Hoffnung“, sagte Orbán, dessen Fidesz-Partei gute Aussichten auf eine dritte Amtszeit hat. Mit der Massen-Eineinwanderung, hauptsächlich aus Afrika, „könnten unsere schlimmsten Albträume wahr werden. Der Westen wird fallen, während Europa nicht einmal bemerkt, dass es überrannt wird“, sagte er in seiner Ansprache vor treuen Parteigängern.

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Die Bibel: Das zersägte Testament

Luther-Bibel aus Nürnberg (um 1700) (picture alliance / dpa / Martin Schutt)
Wie wichtig ist das Alte Testament? Weniger wichtig als das Neue, befand vor vier Jahren der evangelische Theologe Notger Slenczka. Die Debatte hält bis heute an. Gestritten wird über den biblischen Kanon – und über das Verhältnis zwischen Christentum und Judentum.

Von Carsten Dippel | Deutschlandfunk

„Fürchte Dich nicht. Ich habe Dich erlöst. Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen. Du bist mein.“(Jesaja 43, Vers 1)

Es ist ein beliebter Taufspruch, die bekannte Stelle aus Jesaja 43. Eigentlich jedoch umfasst der Vers aus dem Alten Testament einen entscheidenden Punkt mehr. Denn der Spruch, der unter Christen als segensreich gilt, hat einen ganz konkreten Adressaten, der vorangestellt ist. So beginnt der Vers mit den Worten:

„So spricht Gott zu Jacob, so spricht Gott zu Israel: Fürchte Dich nicht. Ich habe Dich erlöst. Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ (Jesaja 43,1)

Es ist die unmittelbare Anrede Gottes an sein Volk Israel. Wenn Christen diesen Vers zur Taufe ihrer Kinder auswählen, dann jedoch nicht, weil sie sich in den Bund Gottes mit Israel gestellt sähen. Sie stellen ihn vielmehr in einen neuen Sinnzusammenhang.

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Was muslimische Märtyrer von christlichen unterscheidet

Bild: Screenshot DIE WELT
Künstler zeigen in Berlin Bilder von islamistischen Massenmördern und nennen sie „Märtyrer“. Die französische Botschaft protestiert. Christentum und der Islam verstehen unter Märtyrern nicht dasselbe.

Von Matthias Heine | DIE WELT

Wie fremd unserer säkularisierten Welt vieles aus der fast 2000-jährigen Tradition des Christentums ist, zeigt beispielhaft der Begriff Märtyrer, über den in diesen Tagen gestritten wird. Das Wort, das einmal einen fast magischen Klang hatte, weil man Menschen, die für ihren Glauben lebendig geröstet oder gehäutet wurden, als Schutzheilige gegen die Nöte des Daseins anrufen konnte, ist zum Vehikel schaler Witze geworden, die mit dem Klang spielen, weil sie die Bedeutung nicht mehr verstehen: „Was haben Jesus und ein Opel Kadett gemein? Beide sind Mehrtürer.“

Dass der Begriff trotzdem immer noch starke Affekte auslösen kann, wenn er in einem provokativen Zusammenhang gebraucht wird, erweist sich gerade in Berlin. Ein dänisches Künstlerkollektiv zeigte in Kreuzberg beim durchaus renommierten Festival Nordwind eine Ausstellung mit dem Titel „Martyr Museum“. In der Schau, die vom 8. Dezember an auch in Hamburg zu sehen sein wird, hängen unterschiedslos Bilder von Menschen wie Martin Luther King oder Maximilian Kolbe neben Fotos von islamistischen Attentätern, darunter denjenigen, die vor zwei Jahren das Gemetzel unter Konzertbesuchern im Pariser Bataclan veranstalteten.

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Kampfatheisten unter der Lupe

Der Walliser Valentin Abgottspon ist einer der bekanntesten Freidenker des Landes. (Bild: Karin Hofer/NZZ)
«Da ist wahrscheinlich kein Gott. Also sorg dich nicht – geniess das Leben.» Mit solchen Zitaten ziehen die Freidenker in den Kampf gegen die Religion. Was sind das für Menschen, die für ihre Überzeugung bereit sind, den Job zu opfern?

Von Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

Sie wollen die Kreuze von den Schweizer Berggipfeln verbannen und bekleben Busse und Plakatwände mit Botschaften wie «Da ist wahrscheinlich kein Gott. Also sorg dich nicht – geniess das Leben». Doch wer sind die Menschen, die solcherlei tun? Die Gruppe der sogenannten Säkularisten ist seit einigen Jahren Gegenstand der Forschungen von Religionssoziologen der Universitäten Lausanne, Bern und Strassburg. Nun liegen erste Erkenntnisse vor, die zeigen, wie die Religionskritiker ticken.

Es gibt nicht wahnsinnig viele von ihnen, nur rund 2000 Personen, von denen die meisten den Freidenkern angehören. Sie haben aber eine grosse mediale Präsenz. Einer der Autoren der Studie, der Religionssoziologe Jörg Stolz, erklärt dies mit dem Umstand, dass die Gruppe der Konfessionslosen permanent wächst: Sie machen bereits rund 22 Prozent der Bevölkerung aus, damit haben sie die Reformierten bald überholt. «Die Öffentlichkeit merkt, dass da etwas Umwälzendes im Gang ist – und es sind die Freidenker, die diesen Wandel verkörpern und stellvertretend für die Religions- und Konfessionslosen sprechen», sagt Stolz. Prominente Köpfe der Bewegung sind Andreas Kyriacou, der Präsident der Freidenker-Vereinigung (FVS), und sein Stellvertreter Valentin Abgottspon. Der Walliser wurde schweizweit bekannt, weil er sich als Oberstufenlehrer weigerte, ein Kruzifix im Schulzimmer aufzuhängen – und deshalb im Herbst 2010 fristlos entlassen wurde.

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„Der Islam ist nicht nur friedlich“

Foto: René Garzke

Der Potsdamer Religionsforscher Hans-Michael Haußig spricht im PNN-Interview über das Verhältnis von Islam und Demokratie. Und erklärt, weshalb es in der Debatte oft zu Missverständnissen kommt.

Von René Garzke | Potsdamer Neueste Nachrichten

Herr Haußig, am heutigen Montag endet in der Wissenschaftsetage eine Tagung zum Thema „Islam und Demokratie“. Ist der Islam eine kriegerische Religion?

Für viele mag es im Moment so aussehen. Grundsätzlich würde ich aber sagen, dass der Islam nicht kriegerischer ist als andere Religionen. Das Christentum war etwa zu Zeiten der Kreuzzüge kriegerischer als der Islam. Und selbst „friedfertige“ Religionen wie der Buddhismus führen Krieg – etwa in Birma gegen die muslimischen Rohingya.

Ist es dann Zufall, dass sich in der ganzen Welt Terroristen auf den Koran berufen?

Es ist falsch, zu sagen, dass der Islam mit Gewalt gar nichts zu tun hat und nur eine friedliche Religion ist. Genauso ist der Islam aber auch nicht nur gewalttätig. Entscheidend ist, wie Muslime den Islam auslegen. „Den“ Islam gibt es nicht, sondern nur verschiedene Interpretationen des Islams. Aber natürlich sucht sich der Islamische Staat Verse aus dem Koran raus, die Gewalt zu legitimieren scheinen.

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Viele Länder behandeln bestimmte Religionen bevorzugt

Laut einer neuen Untersuchung des US-amerikanischen Pew Research Center favorisieren viele Länder weltweit jeweils eine bestimmte Religion – offiziell oder inoffiziell. Die am weitesten verbreitete Staatsreligion ist der Islam. Allerdings werden auch dem Christentum in vielen Ländern Privilegien eingeräumt.

Pew Research Center/Daniela Wakonigg | hpd.de

199 Länder weltweit wurden vom Pew Research Center untersucht. In 43 dieser Länder gibt es eine offizielle Staatreligion – am häufigsten ist es der Islam. Er ist in 27 Ländern offizielle Staatsreligion, gefolgt vom Christentum oder speziellen christlichen Konfessionen, die in 13 Ländern offizielle Staatsreligion sind.

Darüber hinaus gibt es jedoch 40 Staaten weltweit, die inoffiziell eine bestimmte Religion bevorzugen. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um eine Form des Christentums. Christliche Kirchen werden in insgesamt 28 Ländern bevorzugt behandelt – und damit häufiger als jede andere inoffiziell bevorzugte Religion.

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Kardinal warnt davor, das Christentum mit europäischer Kultur gleichzusetzen

Japanischer Edelmann im Gespräch mit einem Jesuiten: Bild eines unbekannten japanischen Künstlers, um 1600 Foto: Wikimedia / Gemeinfrei
Eine „irreführende Identifizierung“ des Christentums mit der europäischen Kultur kann die Verbreitung des Glaubens verhindern, so Kardinal Filoni

CNA

„Zu den größten Hindernissen bei der Vebreitung des Glaubens in Japan scheint die falsche Identifizierung des Christentums mit der europäischen Kultur zu gehören“: Das mahnte Kardinal Fernando Filoni, Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker bei seinem Treffen mit den japanischen Bischöfen am 25. September.

Wie die Agentur „Fides“ berichtet, erinnerte der Kardinalpräfekt auch an die geheimnisvolle Beziehung zwischen der Geschichte des katholischen Glaubens in Japan und dem Martyrium zu deren Beginn: Im 16. Jahrhundert, so der Kardinal, seien die ersten Missionare bei der Ankunft in Japan „auf einen für die Verkündigung des Evangeliums fruchtbaren Boden gestoßen. Trotz der Verfolgung durch Toyotomi Hideyoshi hatte die Zahl der Katholiken rasch zugenommen – auf bis zu 650.000“.

Nach der Verfolgung habe die Erfahrung der so genannten „Untergrundkirche“ – kokure Kirishitan –, die den Glauben über ein Jahrhundert ohne Priester und ohne Kontakte zur restlichen christlichen Welt bewahrte, ein „außerordentliches Zeugnis“ davon abgelegt, wie es möglich ist, die Christusnachfolge auch unter schwierigen Umständen aufrecht zu erhalten, so der Kardinal:

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Vom Bordell zur Frauenbadi – die Ängste der Wüstenreligionen

Ein Mann lehrt eine Frau Schwimmen: Gravierte Postkarte Foto: Archive Photos, Getty Images
Schwimmen ist nicht nur ein Sport. Es ist nicht nur ein Freizeitspass und nicht nur eine Überlebenstechnik. Das spüren wir, wenn wieder mal ein Fundamentalist seiner Tochter den Schwimmunterricht verbieten will. Der Sprung ins Wasser wirkt da offenbar moralisch zweifelhaft und kulturell getränkt.

Von Ralph Pöhner | Tages Anzeiger Blogs

Aber auch unsere lockere «Pack die Badehose ein»-Einstellung ist, historisch gesehen, eine sehr junge Sache. Dies können wir jetzt in einem neuen Buch über die Weltgeschichte des Schwimmens nachverfolgen, verfasst von Eric Chaline. Der englische Kulturhistoriker bemerkt dabei eine eigenartige Spannung: Der Mensch wird enorm stark angezogen vom Wasser, er springt fast natürlich hinein; kein anderes Landtier neigt so stark zum Schwumm, wenige sind sogar körperlich so gut angepasst dafür. Doch gleichzeitig hat sich der Mensch immer wieder vom Wasser abgewendet, hat es gefürchtet, verflucht und verteufelt.

Die Ängste der Wüstenreligionen

Sein Verhältnis zum Schwimmen spiegelt sein Verhältnis zum Körper. Die alten Griechen und Römer lebten zum Meer hin, sie bauten ihre Reiche über das Wasser, sie entwickelten auch eine prachtvolle Bade- und Thermenkultur. Und gleichzeitig stellten die antiken Mittelmeerreiche ganz selbstverständlich nackte Menschen aus, auf ihren Vasen, Mosaiken oder Statuen, ob Mann oder Frau.

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Die Göttlichkeit von Bart und Haarkranz

Orthodoxe Juden, Bild. wdr5
Haare spielen auch in der Religion eine wichtige Rolle. Im Christentum machte sich bereits Apostel Paulus grundlegende Gedanken dazu. Für den Reformator Luther diente der Bart indes lediglich als profane Tarnung.

Von Stefan Reis Schweizer | Neue Zürcher Zeitung

Dass es mit dem Haar auch in der Religion etwas Besonderes auf sich hat, wird an den Überlieferungen in Judentum und Christentum deutlich. Das jüdische Religionsgesetz, die Halacha, konfrontiert heutige Juden mit nicht weniger als 613 Geboten und Verboten. Doch wenn es um Kopfhaare und Bart geht, werden vor allem die Bräuche der Vorväter hochgehalten. Am augenfälligsten ist das bei den Ultraorthodoxen zu beobachten, wie man sie etwa im Jerusalemer Stadtviertel Mea Shearim antrifft. Die Haredim, hebräisch für Gottesfürchtige, folgen einer Jahrhunderte alten Kleiderordnung, männliche Juden tragen dem Klischee entsprechend einen Vollbart und Schläfenlocken, die Pejes. Sie berufen sich dabei auf das 3. Buch Mose: «Ihr sollt nicht rund abnehmen die Seitenenden eures Haupthaares, und nicht zerstören die Enden eures Bartes.»

Eintritt in die Männerwelt

Verheiratete ultraorthodoxe Frauen verbergen aus Gründen der Sittsamkeit ihre Haare unter einer Perücke. Vordergründig erscheint das absurd, denn im Zweifelsfall kann das Kunsthaar attraktiver sein als das natürliche. Dennoch gilt das natürliche Haar als sinnlicher, darum muss es vor den Blicken der Männer geschützt werden. Bei manchen Ultraorthodoxen ist es gar üblich, dass Frauen ihr Kopfhaar komplett abrasieren.

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Reichtum und Christentum: Durch das Nadelöhr in den Himmel

Bild: tilly
Wie das frühe Christentum es mit dem Reichtum hielt, wie Rom unterging und wie die Kirche aufstieg: Der Historiker Peter Brown führt es in einem meisterlichen neuen Werk vor Augen.

Von Stefan Rebenich | Neue Zürcher Zeitung

Wer kennt Jesu Wort aus dem Matthäusevangelium nicht? «Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben.» Der reiche Jüngling, dem diese Aufforderung galt, wollte aber von seinem Besitz nicht lassen und wandte sich ab. Jesus erklärte daraufhin seinen Jüngern: «Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt.»

Peter Brown hat dem schwierigen Verhältnis von christlichem Glauben und irdischem Reichtum sein neuestes Buch gewidmet. Einmal mehr schreibt der grosse irische Historiker, der in Oxford, London, Berkeley und Princeton geforscht hat, ein faszinierendes Kapitel der Geschichte der Spätantike. Die englische Originalausgabe erschien 2012 unter dem Titel «Through the Eye of a Needle. Wealth, the Fall of Rome, and the Making of Christianity in the West, 350–550 AD».

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Apostel Oster: „Christentum ist nie unpolitisch“

FB-Page, Screenshot:bb
Im Mittelpunkt der Predigt von Bischof Dr. Stefan Oster am Fest Maria Himmelfahrt in Altötting stand zwar die Gottesmutter und ihre Bedeutung für die Christen, doch mit Blick auf die Bundestagswahl wurde der Passauer Oberhirte auch politisch: „Christentum ist nie unpolitisch. Christen haben eine Aufgabe in der Welt. Sie müssen schauen, dass die Familie, dass jeder Mensch in seiner Würde geschützt wird, dass die Schöpfung bewahrt, dass Gerechtigkeit geschaffen wird.“

Alt-Neuöttinger Anzeiger

Als Vertreter der Staatsregierung war Innenminister Joachim Herrmann nach Altötting gekommen. Im Gespräch mit der Heimatzeitung sagte Herrmann, der CSU-Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl ist, die Predigt sei eine „Ermunterung und Erinnerung“ gewesen, die christliche Botschaft als Basis für die eigene Arbeit zu nehmen. Eine „Wahlpredigt“ oder gar Empfehlung jedoch sei dies nicht gewesen, so Herrmann.

Weitere Themen des Redaktionsgesprächs waren der Weiterbau der A94, die Innen- und Sicherheitspolitik und die – so Herrmann – „starke Rolle“ von MdB Stephan Mayer auf diesen Feldern sowie die Frage, warum Stadt und Landkreis Altötting bei öffentlichen Projekten immer mit hohen staatlichen Förderquoten bedacht würden.

 

Getaufte Flüchtlinge fordern Asyl-Entscheider heraus

Außenstelle der Asyl-Behörde Bamf. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf): Defizite bei der Bearbeitung und Entscheidung von Asylanträgen. (Foto: dpa)
Immer wieder steht das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wegen Defiziten in Asylverfahren in der Kritik. Eine besondere Herausforderung stellen muslimische Flüchtlinge dar, die zum Christentum übergetreten sind.

Von Dietmar Neuerer | Handelsblatt

Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen: In einer Flüchtlingsunterkunft ersticht Anfang Juni ein Asylbewerber einen Jungen – offenbar weil er sich von spielenden Kindern gestört fühlt. Der Täter hätte nach Afghanistan abgeschoben werden sollen. Weil er sich dort als konvertierter Christ bedroht sah, durfte er bleiben.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) forderte daraufhin eine genaue Prüfung von zum Christentum konvertierten Asylbewerbern. Es müsse geprüft werden, ob es weitere Fälle gebe, in denen jemand angebe, zum Christentum übergetreten zu sein. Die gibt es. Die Asyl-Entscheider vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sind damit immer wieder konfrontiert. Und nicht immer entscheiden sie für den Asylbewerber.

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El-Shamy: „Die Hassprediger sitzen in den politischen Ämtern und Ministerien“

Foto: Kurier/Juerg ChristandlSalafist, Amir El Shamy
Der 27-jährige Muslim über Extremismus-Vorwürfe, die Organisation „Iman“ und die Entscheidung, Frauen nicht die Hand zu reichen.

Von Michaela Reibenwein | kurier.at

Amir El-Shamy wählt seine Worte genau. Das hat er gelernt. Sieben Jahre lang engagierte er sich bei der SPÖ in Wien. Vor wenigen Wochen gab er seinen Austritt bekannt. Es ist ein jäher Schnitt. El-Shamy war nicht nur Nachwuchs-Politiker. Er war auch Integrationsbotschafter beim Integrationsfonds, hatte sich außerdem beim Jugendrat der islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) engagiert. All das ist Geschichte. Jetzt konzentriert er sich auf die „Aufklärung“. Konkret ist der Student Generalsekretär bei „Iman“. Die Organisation steht unter Salafismus-Verdacht.

[…]

Ein „normaler Muslim“

Er sei ein „ganz normaler Muslim“, erklärt er im folgenden Gespräch mehrfach, der sich an das österreichische und das islamische Recht halte. Das Zitat hätte er auch gerne als Titel zu dieser Geschichte.

Ein ganz normaler Muslim? Diese Meinung teilt nicht jeder. Ermittler des Verfassungsschutzes beobachten „Iman“. Die Organisation gilt als bedenklich, als Verfechter eines politischen Islam. Auf der Straße werden von den Unterstützern Flyer verteilt, um die Menschen „zum Islam zu führen“. In sozialen Medien werden Videos veröffentlicht, in denen Menschen auf der Straße vom „einzig wahren Glauben“ überzeugt werden sollen.

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Erzapostel Schönborn: «Ich möchte eine christliche Türkei»

Christen gegen Muslime: Historisches Gemälde zur Schlacht am Kahlenberg im September 1683, als die Osmanen Wien belagerten. Bild: akg-images
Christentum und Islam seien beides missionarische Religionen, sagt der Wiener Kardinal Christoph Schönborn. Beide kämpften um weltweiten Einfluss.

Interview Michael Meier | Der Bund

Sie fragten neulich beim Gedenken an den Sieg gegen die Türken vor 333 Jahren in der Schlacht am Kahlenberg. «Wird es jetzt einen dritten Versuch einer islamischen Eroberung Europas geben? Viele Muslime denken und wünschen sich das und sagen: Dieses Europa ist am Ende.» Ist das Ihre Angst?
Meist wurde in den Medien nur dieser Satz zitiert, nicht aber der folgende: Ich verstehe, dass Muslime sich wünschen, dass Europa muslimisch wird. Ich wünsche mir ja auch, dass Nordafrika wieder christlich wird oder die heutige Türkei, das Kernland des Christentums. Das ist nicht verwerflich. Ich hatte vor Jahren an der Imam-Sadr-Universität in Teheran gesagt: Christentum und Islam sind beide missionarische Religionen. Wir Christen ­stehen unter dem Auftrag Jesu: Geht in alle Welt und macht die Völker zu meinen Jüngern.

Ist dieser Missionsauftrag auch heute gültig?
Er ist konstitutiv für das Christentum. Wir können nicht darauf verzichten, allen Menschen das Evangelium anzubieten. Aber auch der Islam hat einen universellen Anspruch, dass sich alle Menschen Gott unterwerfen, wie es der Koran als Offen­barung Gottes allen Menschen zugedacht hat. Beide Religionen haben diesen universalen und ­absoluten Anspruch. Die Frage ist, wie wir damit umgehen. Man kann sich so lange bekriegen, bis einer Sieger ist . . .

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Sahra Wagenknecht: Kirche und Sozialismus sind kein Gegensatz

Bild: Die Linke/Landesverband Rheinland-Pfalz
Die Linken-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht wünscht sich von den Kirchen eine stärkere kritische Begleitung der Politik. Im Interview zieht sie zudem Parallelen zwischen Christentum und Sozialismus und stellt sich hinter die Staats-Kirchen-Verträge.

Interview Anna Mertens, Christoph Scholz | domradio.de

KNA: Will die Linke auch zur Bundestagswahl mit Papst Franziskus-Plakaten werben?

Wagenknecht: Ich fand das damals in Rheinland-Pfalz eine gute Idee. Wir wollen den Papst nicht vereinnahmen. Aber seine Kritik an der Gleichgültigkeit gegenüber Tod und Elend auf dieser Welt ist beispielhaft. Seine Aussage „diese Wirtschaft tötet“ ist leider hochaktuell.

KNA: Ist die historische Entgegenstellung von Kirche und Sozialismus für Sie überwunden?

Wagenknecht: Für mich gibt es da keinen Gegensatz. Sicherlich haben die Kirchen in ihrem Verhältnis zu Macht und Unterdrückung eine widersprüchliche Geschichte. Das gilt allerdings auch für die Parteien, die sich auf den Sozialismus berufen haben. Ich sehe in der christlichen Religion ganz viel, was dem Bestreben von Sozialisten ähnelt. Wenn ich mit Christen diskutiere, bin ich immer wieder überrascht, wie viele Gemeinsamkeiten es gibt. Das Gebot der Nächstenliebe und das Gebot der Solidarität stehen beide im Widerspruch zur neoliberalen Ellbogengesellschaft.

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Witz der Woche: Christentum war schon immer „Multikulti“

Propaganda der „Deutschen Christen“ in Berlin (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1985-0109-502 / CC-BY-SA)
Das Christentum war nach den Worten des deutschen Caritas-Präsidenten Peter Neher „von Beginn an ein multikulturelles Experiment“.

kathpress

Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Schichten hätten sich von dem jungen Glauben angezogen gefühlt, sagte Neher am Mittwoch in München. „Ohne Offenheit für andere Kulturen wäre das Christentum eine galiläische Sekte geblieben und nicht zu einer Weltreligion geworden.“ Deswegen gehöre es „zu einer christlich-abendländischen Leitkultur“, sich für eine Gesellschaft einzusetzen, „in der alle Menschen ihre eigene Lebensperspektive entwickeln und am sozialen Leben teilhaben können“.

Neher äußerte sich in einem Grußwort bei der Feier des 100-jährigen Bestehens des Landes-Caritasverbands Bayern. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer würdigte bei dem Festakt das Wirken der Caritas. Der Verband sei „das mitmenschliche Gesicht unserer Gesellschaft, Retter und Engel in der Not“, sagte der Regierungschef: „Ich möchte mir ein Bayern ohne die Kirchen und Wohlfahrtsverbände nicht vorstellen.“

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Diese Religion haben die Menschen heute – und diese 2060

Das Jahr 2060: 9,6 Milliarden Menschen werden dann schätzungsweise auf der Welt leben – 32 Prozent mehr als noch 2015. Fliegende Autos, Roboter, künstliche Intelligenz, immer höher werdenden Wolkenkratzer – all das ist dann vielleicht schon keine Zukunftsmusik mehr. Bei all der Unsicherheit ist eines ziemlich sicher: Vieles wird sich in den kommenden Jahrzehnten verändern. Auch die religiöse Landschaft weltweit.

Von Lena Ohm | evangelisch.de

Das Christentum ist weltweit die Religion mit den meisten Anhängern: im Jahr 2015 waren fast ein Drittel der Weltbevölkerung (31 Prozent) Christen. Die Muslime machten in dem Jahr fast ein Viertel (24 Prozent) der Weltbevölkerung aus und diejenigen, die sich keiner Religion zugehörig fühlten, hatten einen Anteil von 16 Prozent. Hindus (15 Prozent) und Buddhisten (7 Prozent) folgten auf den Plätzen vier und fünf.

Doch das wird sich ändern, prognostiziert das PEW Research Center, ein amerikanisches Meinungsforschungsinstitut, in seinem 2017 erschienenen „The Changing of the Global Landscape“ Report. So werden vorrausichtlich ab dem Jahr 2035 mehr muslimische als christliche Babys geboren werden – ein absolutes Novum. Das liegt dem PEW Research Center zufolge daran, dass die religiöse Gruppe der Muslime gleichzeitig die durchschnittlich jüngste und fruchtbarste Gläubigenschar umfasst. So kommt es, dass die Zahl der Muslime womöglich um 70 Prozent steigen wird, während die Zahl der Christen bei 34 Prozent nur knapp über dem allgemeinen, globalen Bevölkerungswachstum liegen könnte. Das liegt unter anderem an der Überalterung vieler westlicher, überwiegend christlich geprägter Gesellschaften: Christen haben einen überdurchschnittlichen hohen Anteil an der weltweiten Sterbestatistik (37 Prozent). In Deutschland starben zwischen 2010 und 2015 beispielsweise 1,4 Millionen mehr Christen als geboren wurden – eine Entwicklung, die sich so ähnlich in vielen anderen europäischen Ländern (24 von 42) derzeit und auch in Zukunft finden lassen wird.

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Christlicher Mörder: Dodo Käßmann warnt vor Pauschalverdacht gegen konvertierte Flüchtlinge

Die Theologin Margot Käßmann hat vor einem Pauschalverdacht gegenüber Flüchtlingen gewarnt, die zum Christentum konvertieren wollen. Die allermeisten Menschen gingen diesen Schritt „aus tiefster Überzeugung“, schrieb Käßmann in der „Bild am Sonntag“.

evangelisch.de

Ein afghanischer Asylbewerber hatte am 3. Juni in einer bayerischen Flüchtlingsunterkunft einen fünfjährigen Jungen erstochen. Der Angreifer wurde von der Polizei erschossen. Der verurteilte Straftäter war vor Jahren zum christlichen Glauben übergetreten und hatte sich mit diesem Argument erfolgreich gegen eine Abschiebung nach Afghanistan gewehrt.

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Taufe von Muslimen sorgfältig prüfen

Evangelischer Landesbischof von Hannover nach Mord an Kind durch afghanischen Asylbewerber: „Missbräuchliche, erschlichene Taufen können nicht geduldet werden“ – Der Asylbewerber hatte eine Konversion zum Christentum geltend gemacht

kath.net

Der evangelische Landesbischof von Hannover, Ralf Meister, hat sich gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland dafür ausgesprochen, bei Taufen muslimischer Flüchtlinge genauer hinzusehen. „Missbräuchliche, erschlichene Taufen können nicht geduldet werden“, meinte Meister, der dafür plädierte, dass die jeweilige Lebenssituation von Taufwilligen genau bekannt sein müsste und Pastoren sich dabei nicht unter Druck setzen lassen sollten. Für ihn sei aber auch klar, dass selbst bei sorgfältiger Prüfung nicht ausgeschlossen werden, dass es im Einzelfall zu Missbrauch kommen könnte. Dann sei laut Meister aber mehr die Kirche zuständig sondern das staatliche Gericht. Meister äußerte sich, nachdem bekannt geworden war, dass der afghanische Asylbewerber, der in Bayern ein fünfjähriges Kind vor den Augen seines sechsjährigen Bruders getötet und dessen Mutter schwer verletzt hatte, eine Konversion zum Christentum gelten gemacht hatte, um die drohende Abschiebung zu verhindern, kath.net hat berichtet. Der Afghane, der bereits wegen eines schweren Gewaltdelikts eine mehrjährige Haftstrafe abgebüßt hatte, war im Zug seiner Gewalttat von der herbeigerufenen Polizei erschossen worden.

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