Bericht: Christentum im Nahen Osten droht die Auslöschung

Bild: © dpa/Valeriy Melnikov
Horrorprognose der Gesellschaft für bedrohte Völker: In Ländern wie dem Irak oder Syrien könnte das Christentum in absehbarer Zeit zur Gänze verschwinden. Ein Grund sei die geringe Unterstützung aus anderen Teilen der Welt – scharfe Kritik richten die Menschenrechtler hier an die Kirchen im Westen.

katholisch.de

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) sieht die Zukunft der christlichen Gemeinschaften in Syrien und dem Irak existenziell gefährdet. In beiden Ländern sei die Zahl der Christen infolge ihrer Flucht vor Bürgerkrieg und der Gewalt durch militante Muslime massiv zurückgegangen, heißt es in einem am Mittwoch in Göttingen veröffentlichten Bericht.

So lebten im Irak nur noch 150.000 Christen, rund 0,4 Prozent der Bevölkerung. Vor dem ersten Irakkrieg (1991) hätten sie noch zehn Prozent, vor dem zweiten (2003) noch fünf Prozent gestellt. „Es wird befürchtet, dass es bis 2020 im Irak keine Christen mehr geben wird.“

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Vertreter des Abdullah-Zentrums: „Unglaubliche Heuchelei Österreichs“

Foto: apa
Direktoriumsmitglied Rabbiner Rosen: Zentrum habe zur Öffnung der Gesellschaft in Saudi-Arabien beigetragen

derStandard.de

Der britische Rabbiner David Rosen wirft Österreich nach dem Nationalratsvotum zur Schließung des Wiener König-Abdullah-Zentrums (KAICIID) „unglaubliche Heuchelei“ vor. So würden sich die damaligen Regierungsparteien ÖVP und SPÖ, die das Zentrum vor sieben Jahren in Wien ansiedelten, nun dagegen stellen, kritisierte das KAICIID-Direktoriumsmitglied laut Vorabmeldung (Samstag) im „profil“.

Das „König Abdullah Bin Abdulaziz Zentrum für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog“ sorgt seit Jahren für innenpolitische Kontroversen. Im Herbst 2012 von Saudi-Arabien, Österreich und Spanien eröffnet, wird es größtenteils von Riad mit rund 15 Millionen Euro pro Jahr finanziert. Der Vatikan hat Beobachterstatus.

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Zu Pfingsten: Exegese in Christentum und Islam

Schnorr von Carolsfeld – Die Erschaffung Evas (1825)
Dürfen die Texte, auf die sich Christentum und Islam berufen, in der aktuellen Sprache ausgelegt werden oder sind sie unverrückbar heilig?

Christoph Jehle | TELEPOLIS

Es soll an dieser Stelle nicht darum gehen, nachzuweisen, ob es ein höheres Wesen gibt oder nicht, sondern in erster Linie darum, ob man die Texte der Heiligen Schriften im aktuellen Zusammenhang von Wissenschaft und Kultur auslegen kann und darf oder ob die Gläubigen an das schriftlich überlieferte Wort gebunden sind, auch wenn ihnen der entsprechende Wortschatz inzwischen völlig fremd geworden ist.

Im Christentum muss man auch die Tatsache berücksichtigen, dass das sogenannte Neue Testament nicht in der Sprache verfasst wurde, die zu Zeit Jesu gesprochen wurde, sondern in der damaligen Weltsprache (Bibel-)Griechisch und damit wurde auch natürlich auch griechisches Gedankengut in die Texte aufgenommen. Dazu kam dann im Laufe der Zeit, dass die Schrift mehrmals in eine andere Sprache übersetzt wurde, was durchaus zumindest zu Ungenauigkeiten führen konnte.

So kamen im Zusammenhang mit der Übersetzung in die lateinische Sprache dann weitere Änderungen zum Tragen. So wurde aus dem ″geweihten Atem″, der in der Schöpfungsgeschichte den lebenden Menschen vom toten unterscheidet, in der lateinischen Sprache der ″spritus sanctus″ im Deutschen wird daraus der ″Heilige Geist″. Ebenfalls im Umfeld der Schöpfungsgeschichte wurde aus dem lateinischen ″malus″, dem Bösen, der Apfelbaum, denn im Lateinischen kann ″malus″ beide Bedeutungen haben.

Die Kanonisierung der biblischen Schriften

Dass die heutige Bibel ihren Autoren von Gott selbst diktiert wurde, ist heute zumeist keine Annahme mehr, die auf größeren Zuspruch stößt. Zumeist wurden die Texte der heutigen Bibel erst mal mündlich weitergegeben, bevor sie dann schriftlich fixiert wurden. Und dabei gab es aufgrund abweichender Erzähltraditionen auch mehrere unterschiedliche Aufzeichnungen, weil den einzelnen Elementen unterschiedliche Bedeutung beigemessen wurde.

Der heute bestehende biblische Kanon geht auf eine historische Entwicklung zurück, die sich in mehreren Etappen vollzogen hat. Nicht alle zur Zeit der Kanonisierung im 4. Jahrhundert vorliegenden Schriften wurden in die Bibel aufgenommen. Die damals verworfenen Texte nennt man Apokryphe Schriften. Dazu zählt beispielsweise das Thomasevangelium. Die bei der Auswahl gültigen Kriterien sind nicht durchgängig dokumentiert. Dabei ist die Auswahl der biblischen Schriften für die nachfolgende Auslegung keinesfalls irrelevant.

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Publizist Friedman für mehr Gleichberechtigung der Religionen

Der Publizist Michel Friedman fordert eine stärkere Gleichberechtigung der Religionen in Deutschland. Der Staat privilegiere nach wie vor das Christentum und auch das Judentum, sagte der Publizist jüdischen Glaubens am Sonntag in Bonn auf einer Podiumsdiskussion über Religionsfreiheit in Deutschland. Die Veranstaltung unter dem Titel „Freiheit.Glauben.Grundgesetz“ fand im Rahmen der „Bonner Tage der Demokratie“ statt.

evangelisch.de

Als Beispiele nannte Friedman den Einzug der Kirchensteuer durch den Staat, die Möglichkeit, die Religionsgemeinschaft als Körperschaft öffentlichen Rechts zu etablieren und die christlichen Feiertage. Gleichheit sei nicht quantifizierbar. Religionen sollten unabhängig von der Anzahl ihrer Mitglieder gleich behandelt werden. Solange der Staat Religionen „betreue“, sei von einer Neutralität nicht zu sprechen.

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Gender, Sex und Politik: Je mehr Liebe, desto mehr Revolution

Reicht es, die Sexualität zu befreien, um die Gesellschaft als ganze zu befreien? 1968 ging man davon aus. (Bild: Werner Bokelberg)
Wie lange wird Sexualität nun schon befreit? Wer Dagmar Herzogs Essays liest, kommt ins Grübeln.

Urs Hafner | Neue Zürcher Zeitung

Sex: Die Menschen machen ihn selber, aber nicht aus freien Stücken, sondern unter den vorgefundenen Umständen der Sexualität – frei nach Marx. Das heisst: Ihre Triebe pulsieren unter den Bedingungen von «gender» und Klasse, von Macht und «race». Das führt zu Kämpfen und Konfusionen. So kommt es, dass Transgender-Aktivisten, die sich im falschen Körper fühlen, konservative Positionen teilen, die auf die biologische Zweigeschlechtlichkeit mit je zwingend dazugehörenden Geschlechtsidentitäten pochen.

Weiblich empfinden

«Weiblich» kann nur empfinden, wer eine Vagina besitzt. Homosexuelle streben das Institut der Ehe an, das den religiös Konservativen als heilig gilt – und das diese durch die Homosexualität bedroht sehen. Um Schwangerschaftsabbruch und Präimplantationsdiagnostik zu verbieten, kooperieren Religiöse und Rechtsextreme mit Behindertenorganisationen, die vor einer postnazistischen Eugenik warnen, die zur Ausrottung nicht der «Normalität» entsprechender Menschen führe. Doch Rechtsextreme mögen in der Regel keine versehrten Menschen, und wenn diese die Dienste des Sexualtherapeuten in Anspruch nehmen, bekommen die Fundamentalisten rote Köpfe.

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„Rechtspopulisten inszenieren sich als die Verteidiger des Abendlandes“

Zwei Monate vor der Europawahl und gut ein halbes Jahr vor der Landtagswahl in Sachsen wird mit einem Erstarken rechtspopulistischer Parteien gerechnet. Gerade im Wahlkampf nehmen Rechtspopulisten die christliche Religion für ihre Zwecke in Anspruch und schaffen so eine religiös-nationalistische Identität. Das hat Dr. Alexander Yendell von der Universität Leipzig zusammen mit Dr. Oliver Hidalgo und Dr. Philipp Hildmann beobachtet. Für die Hanns-Seidel-Stiftung haben sie sechs Thesen zu „Religion und Rechtpopulismus“ formuliert. Sie basieren auf einer Fachveröffentlichung in der „Zeitschrift für Religion, Gesellschaft und Politik“.

Dipl.-Journ. Carsten Heckmann Stabsstelle Universitätskommunikation/Medienredaktion
Universität Leipzig

Warum die Diskussion, ob der „Islam zu Deutschland gehört“ den Rechtspopulisten in die Hände spielt und wo sich Konservative und Rechtspopulisten in der Religionsfrage unterscheiden, erzählt der Leipziger Soziologe im Interview.

Sie und ihre Co-Autoren behaupten in diesen sechs Thesen, dass in der politischen Auseinandersetzung mit dem Rechtspopulismus der Religion eine Schlüsselrolle zukommt. Wie kommen Sie zu dieser Schlussfolgerung?

Dr. Alexander Yendell: Die Religion ist vor allem deshalb für rechtspopulistische Bewegungen und Parteien bedeutend, weil die Identifikation mit dem Christentum – auch wenn sie größtenteils sehr diffus ist – mit einer Erhöhung der eigenen Kultur und mit einer Abwertung anderer Kulturen einhergeht. Die Abwertung bezieht sich zurzeit vor allem auf den Islam und die Muslime. Der Bezug zum Christentum ist positiv konnotiert, der zum Islam negativ. Die christliche Kultur wird mit Toleranz, Nächstenliebe und Aufklärung in Verbindung gebracht, der Islam mit Fanatismus, Gewaltbereitschaft und Unterdrückung der Frau gleichgesetzt.
Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt: Je erfolgreicher Rechtspopulisten in ganz Europa die christliche Religion für sich in Anspruch nehmen, desto mehr können sich Parteien wie die AfD, FPÖ und SVP, der Rassemblement National, die Lega Nord, Fidesz oder die polnische PiS als die „wahren“, im Zweifelsfall „einzigen“ Verteidiger des christlichen Abendlandes inszenieren.

Sie stellen in Ihrem Thesenpapier oftmals Konservative und Rechtspopulisten und ihre Ansichten zur Religion gegenüber. Wo ähneln und wo unterscheiden sich die beiden Gruppen?

Die Konfession spielt auch bei Wahlentscheidungen immer noch eine Rolle. Die AfD beispielweise weiß das und versucht mit Untergruppierungen wie den „Christen in der AfD“ zu kaschieren, dass viele Mitglieder und wichtige Funktionsträger keinen Religions- oder Kirchenbezug haben. Sie maßen es sich folglich nur an, im Namen von Religion und Christentum zu sprechen.
Rechtspopulisten und Konservative unterscheiden sich insbesondere hinsichtlich ihrer Politik der Religionsfreiheit. Während christliche Konservative die Fahne für die Demokratie und damit auch das Gebot der Religionsfreiheit hochhalten, wollen Rechtspopulisten im Grunde die Religionsfreiheit einschränken und damit vor allem die angebliche Unterwanderung durch den Islam unterbinden. Die Einschränkung der Religionsfreiheit ist natürlich mit den Grundsätzen der Demokratie nicht vereinbar.

Die Angst vor dem Verlust der westlichen Werte sei stärker einzuschätzen, als die Angst, Opfer eines Terroranschlags zu werden. Wie entstehen diese islam- und muslimfeindlichen Einstellungen?

Islam- und muslimfeindliche Einstellungen entstehen vor allem aus Ängsten und Gefühlen der Bedrohung. Während es Menschen gibt, die sich auf etwas Neues freuen und beispielweise eine zunehmende Pluralisierung sogar als etwas Bereicherung erleben, gibt es Menschen, die aus Angst lieber an Bewährtem festhalten und keine Veränderung wollen. Wir wissen aus der Analyse von Bevölkerungsumfragen, dass Menschen, die den Islam und die Muslime abwerten, eher Angst vor dem Verlust der eigenen Kultur und deren Werte als Angst vor einem Terroranschlag haben. Ein weiterer Grund für die Abwertung des Islam und der Muslime sind fehlende Kontakte vor allem im Osten Deutschlands. Wer Kontakte zu möglichst vielen Muslimen hat, baut Vorurteile in der Regel ab. Die Menschen kennen Muslime oftmals nur aus der negativen Berichterstattung über den islamistischen Terror. Das wirkt sich natürlich negativ auf die Haltungen gegenüber Muslimen aus.

Sie bezeichnen die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre, als eine „religionspolitische Fallgrube“ – ausgehoben von den Rechtspopulisten. Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung und wie sollten Politiker dieser Frage begegnen?

Zunächst einmal ist die Aussage zur Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit des Islam schon deshalb problematisch, weil es DEN Islam nicht gibt. Es gibt sehr viele verschiedene Religionsgemeinschaften, die dem Islam zuzurechnen sind, genauso wie das der Fall im Christentum oder auch anderen Religionen ist. Eine solche Heterogenität wird mit einer solchen Aussage verschleiert, das allein ist schon problematisch. Zudem wird mit der Debatte eigentlich der Grundsatz der Religionsfreiheit in Frage gestellt. Man bietet darüber hinaus den extremen Rechten die Möglichkeit zu definieren, was aus deren Sicht eine deutsche oder europäische Identität ist und was nicht. Damit wird das „Freund-Feind“-Denken der Rechtspopulisten und -extremisten beflügelt. Wie mein Kollege Oliver Hidalgo richtig festgestellt hat: Es entsteht der Eindruck, als stünde es überhaupt zur Debatte, dass Muslime in diesem Land nicht willkommen sind, und das, obwohl die Religionsfreiheit grundsätzlich für alle gilt. Politiker tappen dann in die Falle, weil sie unweigerlich das Freund-Feind und Schwarz-Weiß-Denken der Rechtspopulisten fortsetzen, sofern man nicht deutlich macht, dass allein schon die Frage falsch gestellt ist.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Alexander Yendell
Abteilung für Religions- und Kirchensoziologie
Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung
Telefon: +49 341 9735464
E-Mail: alexander.yendell@uni-leipzig.de

Starke Götter als Kitt der Hochkulturen

Religionen mit strengen Moralvorgaben und Gottheiten stärkten den Zusammenhalt in komplexen, multiethnischen Hochkulturen. (Bild: imagineGolf/ iStock)
Warum und wann haben sich Religionen mit starken Göttern und strengen Moralregeln entwickelt? Darauf haben Forscher nun eine überraschende Antwort gefunden. Denn entgegen gängiger Annahme waren solche Religionen nicht die Triebkraft für die Entwicklung komplexer Gesellschaften, sondern eher ihr Kitt: Sie entstanden erst nach den komplexen Großreichen, sorgten dann aber dafür, dass diese Sozialgebilde auf Dauer stabil blieben, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten.

scinexx

Ob Christentum, Islam, Judentum oder Buddhismus: In vielen großen Weltreligionen gibt es strenge moralische Gebote und starke Gottheiten, die ihren Gläubigen bestimmte Regeln auch im sozialen Umgang untereinander auferlegen. Das Auffallende daran: Religionen mit starken moralisierenden Gottheiten haben sich vor allem in Hochkulturen entwickelt, aber nur selten bei Naturvölkern. Schon länger vermuten Wissenschaftler deshalb einen engen Zusammenhang zwischen der Umwelt, der gesellschaftlichen Komplexität einer Kultur und der Art ihrer Religion.

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Dodo Müller zur Lage der Christen weltweit: „Es wird andauernd schlecht über Kirche berichtet“

Gerhard L. Müller links im Bild. Bild: bb
In vielen Ländern der Erde werden Christen weiterhin verfolgt. Aber auch in der westlichen Gesellschaft beobachtet Gerhard Kardinal Müller Diskriminierung gegen das Christentum. Es werde vielfach systematisch angeprangert, kritisiert er.

DOMRADIO.DE

f1rstlife (christliches Online-Jugendmagazin): Wir führen dieses Interview am Rande einer Veranstaltung von „Kirche in Not“ in Köln. Wie nehmen Sie das derzeitige Ausmaß der Christenverfolgung wahr?

Gerhard Müller: Es gibt Christenverfolgungen in islamisch geprägten Ländern durch Terrorgruppen und Zwangsmaßnahmen der Regierung, aber auch immer noch in kommunistisch geprägten Ländern und Diktaturen, die sich in ihrer absoluten Macht bedroht fühlen. Auch bei uns in Europa gibt es eine subtile Form von Christenverfolgung. Wenn man jemanden wegen seines Glaubens lächerlich macht, ist das eine Form des Angriffs auf die Religionsfreiheit. Viele Menschen rufen nach Toleranz, nutzen sie aber nur als Waffe gegen andere. Sie erwarten Toleranz für sich, sind aber nicht bereit anderen Ansichten ebenfalls Respekt zukommen zu lassen.

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Theologen orten Korrekturbedarf bei christlichem Jesusverständnis

Jüdische und christliche Theologen bei Podiumsdiskussion im ORF-RadioKulturhaus: Neue theologische Aufbrüche jenseits des Diktums einer „Theologie nach Auschwitz“ suchen. Bild: kathpress
Das Ringen um eine theologische Neubestimmung des Verhältnisses von Judentum und Christentum im Blick auf die Person und Bedeutung Jesu von Nazareth geht in eine neue Runde.

kathpress

So orteten katholische und evangelische Theologen sowie ein jüdischer Rabbiner bei einer Podiumsdiskussion am Dienstagabend im ORF-„RadioKulturhaus“ einen teils massiven Korrekturbedarf auf Seiten der christlichen Theologie. Jesus war Jude, doch habe sich diese Einsicht samt ihrer theologischen Folgen in der christlichen Theologie bislang zu wenig oder nur zu langsam niedergeschlagen, zeigten sich der Wiener Theologe Jan-Heiner Tück, sein evangelischer Wiener Kollege Christian Danz, der Freiburger Theologe Magnus Striet sowie der Potsdamer Rabbiner Walter Homolka einig.

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Streit um Kunstwerk im israelischen Haifa – Bischöfe empört Ronald McDonald am Kreuz, Religiotie

Bild: The Times of Israel

Im israelischen Haifa gibt es handfesten Streit um ein Kunstwerk mit einem gekreuzigten Ronald McDonald. Die katholischen Bischöfe des Heiligen Landes forderten die Stadt auf, die Christusdarstellung aus einer Kunstausstellung zu entfernen.

DOMRADIO.DE

Die Bischöfe betonten zwar am Freitagabend das Recht auf Meinungsfreiheit. Auch teile man das Ziel der Ausstellung, die Konsumgesellschaft zu kritisieren. Es sei aber nicht hinnehmbar, dazu „das bedeutendste Symbol der christlichen Religion“ zu missbrauchen, so die Bischöfe.

Das Kunstwerk „McJesus“ des finnischen Künstlers Jani Leinonen zeigt das gekreuzigte Maskottchen der Fastfoodkette McDonalds.

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«Luther fälschte sein Geburtsdatum – für ein besseres Horoskop»

Die Astrologie existiert seit 3000 Jahren – ihre Geschichte ist entsprechend bewegt: Einige Religionen haben sie bekämpft, bei anderen ist sie integraler Bestandteil der Tradition. Welches Verhältnis Religion und Astrologie haben, weiss Religionswissenschaftler Kocku von Stuckrad.

Interview Olivia Röllin |SRF

SRF: Astrologie ist für einige Leute auch eine Orientierungshilfe. Hat Astrologie religiöse Züge?

Kocku von Stuckrad: Seit ihrer Entstehung hat die Astrologie immer auch religiöse Züge gehabt. Im alten Babylonien waren es die Priester, die die Bewegungen der Sterne interpretieren mussten. Denn diese deuteten auf den Willen der Göttinnen und Götter hin, die sich in «ihren» Sternen manifestierten. Auch in Griechenland und Rom waren die Sterne mit der Götterwelt verbunden. Dies kann man an Namen wie Jupiter oder Venus erkennen.

Und wie ist das heute?

Heute sehen das die meisten Leute entspannter. Es gibt auch viele Christen, die Astrologie betreiben. Im gesamten Bereich von heutiger Spiritualität und psychologischer Astrologie könnte man sagen: Astrologie hat in dem Sinne religiöse Züge, dass sie den Menschen in einen grösseren, metaphysischen Gesamtzusammenhang einbindet.

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„Nicht nur Christen kennen eine Heilige Nacht“

© AFP, FR Christen in der Geburtskirche in Bethlehem.
Im Gespräch erzählt Theologe Karl-Josef Kuschel, dass die „Heilige Nacht“ kein Privileg der Christen ist.

Von Simon Berninger | Frankfurter Rundschau

Herr Kuschel, Sie beschreiben in Ihrem aktuellen Buch ein besonderes Erlebnis zwischen Alt-Kanzler Helmut Schmidt und Ägyptens ehemaligem Präsidenten Anwar as-Sadat. Worum ging es?
Der Bundeskanzler wurde anlässlich eines Staatsbesuchs im Dezember 1977 vom damaligen ägyptischen Staatspräsidenten Anwar as-Sadat zu einer Fahrt auf dem Nil von Luxor nach Assuan eingeladen. Sie dauerte einen Tag und eine Nacht. Und während die beiden in der Nacht die Sterne am Himmel über Ägypten betrachteten, erklärte Sadat dem ahnungslosen Deutschen, dass die drei großen monotheistischen Religionen, Judentum, Christentum und Islam, gemeinsame Wurzeln haben. Das Christentum kann nicht ohne das Judentum, und der Islam kann nicht ohne Judentum und Christentum verstanden werden. Davon hatte der Protestant Helmut Schmidt bis dahin keine Ahnung.

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„Häresie-App“ in Indonesien: „Gefährlicher Schritt zur Diskriminierung religiöser Minderheiten“

ADEK BERRY/AFP/Getty Images
Eine neue „Häresie-App“ der indonesischen Regierung stößt auf Kritik von Menschenrechtlern. „Es wird immer schlimmer. Das ist ein weiterer gefährlicher Schritt zur Diskriminierung religiöser Minderheiten in Indonesien“.

DOMRADIO.DE

Das sagte Andreas Harsono, Religionsexperte von Human Rights Watch in Jakarta, am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Die App „Smart Pakem“ wurde von der Staatsanwaltschaft in Jakarta entwickelt und kann von Android-Nutzern kostenlos bei Google Play heruntergeladen werden. Über „Smart Pakem“ können User den Behörden „unorthodoxe Interpretationen“ der offiziell anerkannten Religionen melden – Islam, Christentum, Hinduismus und Buddhismus. Darüber hinaus sind in der App auch religiöse Erlasse sowie Listen verbotener Glaubensgemeinschaften enthalten.

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Die Folgen der christlichen Sündenlehre

Julia, eine ehemals tiefgläubige Christin, erzählt ihre Geschichte.

Richard-Dawkins-Foundation

Sie ist Mitglied des Panels von „Faith to Faithless“, einer wachsenden britischen Organisation von Menschen, die aus allen ehemaligen Glaubensrichtungen kommen und die Religion hinter sich gelassen haben: Islam, Christentum, Judentum, Sekten, Esoterik etc.

http://faithtofaithless.com/

Gründer von Faith to Faithless sind zwei ehemalige Muslime: Imtiaz Shams und Aliyah Saleem.

Dieses Video entstand bei einer gemeinsamen Veranstaltung von Faith2Faithless und den Humanist Students UK.

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Innenministerium will nur mit Religionsgemeinschaften reden

Foto: pixabay.com / Public Domain https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Public-Domain-Bilderquellen
Innen- und Heimatminister Horst Seehofer will eine gesellschaftliche Debatte über Religion und Staat anstoßen. Der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) begrüßt diesen Vorstoß und fordert eine stärkere Berücksichtigung der Interessen nicht-religiöser Menschen in der politischen Entscheidungsfindung.

hpd.de

Durch das Grundgesetz ist die Bundesrepublik Deutschland als weltanschaulich neutraler Staat konstituiert. Artikel 140 schreibt die Gleichbehandlung von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften vor.

Die gesellschaftliche und politische Realität sieht hingegen anders aus: Vor allem die christliche Religion und die traditionellen Kirchen bleiben stark privilegiert. Religionsfreie Menschen und ihre Interessenvertretung werden in die politische Debatte viel zu wenig eingebunden.
Der Humanistische Verband Deutschlands als anerkannte Weltanschauungsgemeinschaft hat deshalb in einem Schreiben das Bundesinnenministerium dazu aufgefordert, bei den geplanten Gesprächen über die Kooperationsbeziehungen zwischen dem Staat und den Kirchen auch andere Weltanschauungsgemeinschaften als Vertreter der wachsenden Zahl nichtreligiöser Menschen in Deutschland einzubeziehen.

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Denken statt Glauben – Wissenschaftlerinnen empfehlen Großbritannien Religionsunterricht zu reformieren

Themenbild.

Der britische Religionsunterricht sollte grundsätzlich überholt werden. Dieser Meinung sind zumindest Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich zwei Jahre lang für eine Studie mit dem Thema beschäftigt haben.

Phil Göbel | bento

Die staatliche „Commission on religious Education“, die die Studie durchgeführt hat, empfiehlt sogar, das Fach umzubennen. Das berichtet der „Guardian„.

Was soll am Religionsunterricht geändert werden?

Wie die Kommission festgestellt hat, ist eine grundsätzliche Neuausrichtung des Religionsunterrichtes nötig, um die „stark angestiegene Diversität der Welt“ darzustellen. Deshalb sollte das Fach neben religiösen auch andere Schwerpunkte haben.

Folgende Themen sollen im Unterricht aufgenommen werden:

  • Atheismus (Das Nichtglauben an einen Gott)
  • Agnostizismus (Weltanschauung, bei der die Existenz eines Gottes nicht rational erklärt werden kann und deshalb weder bejaht, noch verneint werden kann.) (Duden)
  • Säkularismus (Weltanschauung, bei der Kirche und Staat voneinander getrennt sind)

Laut der Empfehlung sollte das Fach auch umbenannt werden. Die Autoren schlagen den Titel „Religion und Weltanschauungen“ vor. Ziel soll es sein, junge Menschen mit Respekt und Empathie für unterschiedliche Glaubensrichtungen und Standpunkte auszustatten, so die Autoren.

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Nationalismus kann religiös und antireligiös sein

Sinnbild für die Verbindung von neuem Nationalismus und Religion? „Pegida“-Anhänger demonstrieren mit einem schwarz-rot-gold angemalten Kreuz in Dresden. (dpa / Kay Nietfeld)
Ob Religion Nationalismus verstärkt oder sich ihm entgegen stellt, hängt von den Frontverläufen in einer Gesellschaft ab, sagt Hans Joas. Auch das Christentum laufe trotz seines „Menschheitsethos“ Gefahr, mit nationalen Interessen zu verschmelzen.

Hans Joas im Gespräch mit Anne Françoise Weber | Deutschlandfunk Kultur

Anne Françoise Weber: Schwarz-rot-golden angemalte Kreuze sind bisweilen bei Pegida-Demonstrationen zu sehen – sinnbildlicher kann man die Verbindung von neuem Nationalismus und Religion ja eigentlich kaum machen. Das Ganze ist kein rein deutsches Phänomen, hier noch zwei andere Beispiele: 2016 feierte der polnische Staatspräsident das 25-jährige Bestehen des privaten nationalkatholischen Senders Radio Maryja mit. Und der ungarische Ministerpräsident Victor Orbán, selbst Calvinist, will das „christliche Europa“ vor dem Islam retten, und dazu schließt er vorsorglich erst mal die Grenzen seines Landes.

Wie funktioniert dieses Zusammengehen von Religion und neuem Nationalismus? Ist das ein spezifisch europäisches Phänomen, eine Gegenreaktion auf die europäische Einigung? Mit solchen Fragen hat sich in den vergangenen Tagen eine Konferenz des Instituts für öffentliche Theologe der Berliner Humboldt-Universität befasst. Einer der Mitwirkenden war Hans Joas, Sozialphilosoph und Ernst-Troeltsch-Professor für Religionssoziologie eben an der Humboldt-Universität. Ich habe vor der Sendung mit ihm gesprochen und ihn gefragt: Herr Joas, bevor wir jetzt auf die neuen Nationalismen in Europa kommen, ein Schritt zurück – wie viel hat denn die Überwindung des Nationalismus, die europäische Einigung mit Religion zu tun? Es ist ja doch auffällig, dass die Protagonisten der Einigung – Adenauer, de Gaulle oder Robert Schuman – alles gläubige Katholiken waren.

Hans Joas: Also was diese Frühgeschichte der europäischen Einigung betrifft, gibt es ganz verschiedene Erzählungen, und das halte ich auch für ziemlich natürlich. Wenn etwas kontrovers ist, kämpft man auch um die Erzählungen der Entstehung dieses Phänomens. Die einen betonen sicher, wie Sie gerade, dass es eine Art Vision gab für eine künftige, friedliche Ordnung in Europa und dass die sehr stark mit Religion zusammenhing. Die anderen betonen eher, dass es strategische Motive waren, und legen den Akzent darauf, dass das ja nur eine Friedensordnung in Europa sein sollte, dass beispielsweise die Franzosen und die Briten in derselben Zeit sich um die Aufrechterhaltung ihrer Kolonialreiche mit allen Mitteln bemüht haben, auch mit brutalen, kriegerischen Mitteln …

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CDU-Politiker Hirte zur Abschiebung von Konvertiten: Ein Problem mit allen Schattierungen

In manchen Ländern droht ihnen Verfolgung und Todesstrafe: Trotzdem lehnt das BAMF reihenweise Asylanträge von zum Christentum übergetreten Geflüchteten ab. Wie kommt es zu solchen Entscheidungen?

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Wenn Gerichte über Autounfälle oder Tierquälerei zu entscheiden haben, dann ziehen sie Gutachter heran, Ingenieure oder Veterinäre. In Fragen der Religion entscheidet einzig ein Asylsachbearbeiter des BAMF. Wie kann das sein?

Heribert Hirte (CDU-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Stephanuskreises des Deutschen Bundestages): Zunächst mal müssen wir die Frage stellen, ob jemand zu einer Religion gehört oder nicht. Das ist eine Frage der persönlichen Überzeugung. Die Frage hingegen, ob jemand bei uns Asyl gewährt bekommt, ist eine staatliche Entscheidung. Die eine Frage hat natürlich mit der anderen Frage zu tun, aber es ist nicht so, als ob ein Gutachter die staatliche Entscheidung abschließend beurteilen könnte. Das darf auch so nicht sein, weil das letztlich zwei unterschiedliche Sphären sind.

DOMRADIO.DE: Glauben Sie denn, jemand würde seinen Glauben aufgeben und zum Christentum konvertieren, nur um einen Asylgrund zu schaffen, wenn er weiß, dass er damit gleichzeitig sein Todesurteil sprechen könnte?

Hirte: Das Problem ist, dass es, wie immer im Leben, alle Schattierungen gibt. Es gibt – so kriegen wir das berichtet – eine große Zahlen von Menschen, die sich aus großer Überzeugung vom Islam abkehren und zu anderen Religionen übertreten. Wir wissen aber auch, dass es Menschen gibt, die das aus taktischen Gründen tun. Und man kann noch nicht einmal sagen, dass das ein schlechter Grund ist. Denn wir wissen natürlich auch, dass in manchen Ländern der Welt gesagt wird: Das Christentum ist das, was die sogenannte westliche Welt ausmacht. Und wenn man diese westliche Welt als Lebensmodell für gut hält, dann bekennt man sich zum Christentum, um dorthin zu kommen. Aber diese Einzelüberlegungen voneinander abzugrenzen, ist außerordentlich schwierig.

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Die Ausbreitungsdynamik des Christentums

Kirche in Schwerin. Bild: ©bb

Eine Studie an 70 austronesischen Gesellschaften zeigt, dass das Christentum vornehmlich von den Herrschern auf das Volk übertragen wurde. Nicht in großen, sondern in überschaubaren und hierarchisch gegliederten Gesellschaften wurde es am schnellsten übernommen. Sozial schwache Schichten und höhere Geburtenraten scheinen eine untergeordnete Rolle in der Verbreitungsdynamik zu spielen.

Andreas E. Kilian | hpd.de

Wissenschaftler aus Australien, Neuseeland, Großbritannien und vom Max-Planck-Institut in Jena untersuchten mit Hilfe von Computersimulationen, wie sich politische Hierarchien, soziale Ungleichheit und Bevölkerungsgröße auf die Ausbreitung des Christentums in 70 austronesischen Gesellschaften ausgewirkt haben. Wie das Team um Dr. Joseph Watts in Fachjournal Nature Human Behaviour berichtet, eigneten sich die austronesischen Gesellschaften besonders gut, da sie sich über weite Teile der pazifischen Inselwelt von Ostafrika bis Südostasien bis in den Südpazifik ausgebreitet hatten, eine gemeinsame Sprache aufwiesen und relativ zeitgleich im 18. und 19. Jahrhundert missioniert wurden. Die Gesellschaftsstrukturen reichten von sehr kleinen, egalitären Familiengemeinschaften bis hin zu großen, politisch komplexen Gesellschaften, von denen einige das Christentum innerhalb eines Jahres, andere erst nach 200 Jahren übernommen hatten.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das Christentum am schnellsten übernommen wurde, wenn politische Führungsstrukturen vorhanden waren, die ihrerseits erfolgreich missioniert worden waren. Die neuen religiösen Überzeugungen wurden „Top-Down“ übertragen.

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Was geschieht mit den Christen in Israel?

Orthodoxe Christen warten in der Jerusalemer Grabeskirche auf das Wunder des Heiligen Feuers. (Bild: Abir Sultan / EPA)
Hunderttausende christliche Pilger aus aller Welt besuchen jährlich Jerusalem, Nazareth oder Bethlehem. Doch der Bevölkerungsanteil der in Israel lebenden Christen sinkt ständig. Gleichzeitig identifizieren sich viele von ihnen zunehmend mit dem jüdischen Staat. Da ist nur scheinbar ein Widerspruch.

Daniela Segenreich | Neue Zürcher Zeitung

Die christlichen Pilger gehen auf den Spuren Jesu die Via Dolorosa entlang, schreiten durch das grosse Tor der Grabeskirche in Jerusalem und sehen, wo Jesus auf dem Wasser des Sees Genezareth gewandelt ist. Christen haben in Israel Religionsfreiheit, und die Kirchen vieler christlicher Ausrichtungen besitzen und verwalten in Jerusalem und anderen Städten ihre Kirchen, Klöster und Patriarchate. Dennoch ist der Anteil der Christen im Land und in der Region verschwindend gering.

Im gesamten Nahen Osten, wo das Christentum tief verwurzelt ist, waren Anfang des letzten Jahrhunderts noch etwa ein Drittel der Bewohner Christen. Aufgrund von Kriegen und Verfolgung, nicht zuletzt auch wegen der jüngsten Konflikte im Irak und in Syrien, sind es heute weniger als ein Zehntel. «Christen erfahren einen physischen und spirituellen Genozid hier im Nahen Osten! Das betrifft nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre Kultur, ihre Sprache und ihre Tradition», wettert Shadi Khalloul, der in Israel vor einigen Jahren die ICAA, eine Organisation zur Erhaltung und Wiederbelebung des christlichen und insbesondere des aramäischen Glaubens und seiner Kultur, ins Leben gerufen hat.

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