Auf dem Weg zum künstlichen Leben

Hefepilze gehören ebenso wie der Mensch zu den eukaryontischen Lebewesen.Foto: Waltraud Grubitzsch/picture alliance/dpa
Forschern ist es gelungen, sechs der 16 Chromosomen der Bäckerhefe nachzubauen. Damit wollen sie testen, welche Bausteine der DNS verzichtbar sind – und so die Gentherapie verbessern.

Von Sascha Karberg | DER TAGESSPIEGEL

Mit Mycoplasma mycoides JCVI 1.0 ist es einem Team um Genomforscher Craig Venter schon 2010 gelungen: eine künstliche Variante eines Bakteriums im Labor zu konstruieren. Jetzt ist das „Synthetic Yeast Genome Project“, das„Synthetic Yeast Genome Project“, auf dem besten Weg, auch das Erbgut einer hoch entwickelten, komplexen Eukaryonten-Zelle zu synthetisieren – aus denen im Prinzip auch der Mensch zusammengesetzt ist.

Während Venter für seine erste künstliche Minizelle nur etwa eine Million DNS-Bausteine zusammenbasteln und in eine Mycoplasmazelle stecken musste, muss das Sc2.0-Konsortium insgesamt zwölf Millionen Bausteine rekonstruieren, die in 16 Chromosomen unterteilt sind. Das erste Chromosom der Bäckerhefe Saccharomyces cerevisiae wurde schon 2014 von Jef Boeke vom Institut für Systemgenetik der New York University synthetisiert.

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Leben 2.0 rückt näher

Mittlerweile haben Forscher schon sechs Chromosomen eines eukaryotischen Lebewesens komplett künstlich hergestellt. © koya79/ thinkstock
Erbgut aus dem Reagenzglas: Forscher haben sechs Chromosomen der Hefe im Labor nachgebaut und erfolgreich in lebenden Zellen getestet. Damit ist nun ein Drittel eines ersten höheren Lebewesens mit komplett synthetischer und stark veränderter DNA fertiggestellt. Schon in zwei Jahren wollen die Forscher die ersten Hefezellen mit komplett künstlichem Erbgut schaffen, wie die im Fachmagazin „Science“ berichten.

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Genforscher arbeiten schon lange daran, einen Organismus mit einem komplett im Labor konstruierten Erbgut zu erschaffen. Was manche eher an Frankenstein denken lässt, soll der Gentechnik neue Erkenntnisse über das Genom, aber auch ganz neue Möglichkeiten der Genmanipulation bringen.

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US-Forscher züchten Mäuse aus Erbgut von zwei Vätern

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AFP

US-Genforscher unter der Leitung von Dr. Richard R. Behringer vom M.D. Anderson Cancer Center in Texas haben die Stammzellen-Technologie dazu benutzt, um weibliche und männliche Mäuse aus zwei Vätern zu züchten.

Die Verwirklichung der Zwei-Väter-Nachkommen in einer Säugetierart könnte ein Schritt in Richtung Erhaltung bedrohter Tierarten, Verbesserung der Nutztierrassen und Förderung der menschlichen assistierten Reproduktion (künstliche Befruchtung) werden. Es öffnet auch die provokante Möglichkeit gleichgeschlechtlichen Paaren zu ihren eigenen genetischen Kindern zu verhelfen, bemerkten die Wissenschaftler.

In der am 8. Dezember veröffentlichten Arbeit, manipulierte das Behringer-Team Fibroblasten aus einem männlichen (XY-Chromosom) Mäusefötus um eine induzierte pluripotente Stammzellenlinie (iPS) zu produzieren. Etwa ein Prozent der iPS Zellkolonien, gewachsen aus dieser XY-Zelllinie verloren spontan das Y-Chromosom, was in XO-Zellen resultierte. Die XO-iPS-Zellen wurden in Blastozysten von weiblichen Spendermäusen injiziert. Die behandelten Blastozysten wurden dann in Leihmütter transplantiert, die weibliche XO/XX-Chimären mit einem X-Chromosom von Fibroblasten der ursprünglichen männlichen Maus gebaren.

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Vom Genom zum Organismus

Quelle: n24.de

Max-Planck-Forscher untersuchen den Einfluss von Proteinen auf die DNA

»In den Genen liegt unser Schicksal«, hieß es noch vor 20 Jahren: Denn egal ob sich jemand kriminell verhalte, ob er hetero- oder homosexuell sei oder stark dem Alkohol zuneige – all dies werde vorrangig von seinen Erbanlagen bestimmt. Eingedenk der enormen Vielfalt des Menschlichen fielen auch die Schätzungen über die Zahl der menschlichen Gene anfangs recht hoch aus. Von 100 000 war die Rede, dann von 60 000. Dass es deutlich weniger sein könnten, hielt seinerzeit kaum ein Biowissenschaftler für möglich.

Von Martin KochND

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