Neonicotinoide: EU verbietet bienenschädliche Pflanzenschutzmittel

Bienen können die Insektizide über Pollen und Nektar aufnehmen Quelle: Getty Images
Lange Zeit wurde darüber diskutiert und erforscht, ob bestimmte Insektenmittel verboten werden sollen. Sie rauben Bienen die Orientierung und schaden somit der Artenvielfalt. Eine Sorge aber bleibt.

DIE WELT

Eine gute Nachricht für Bienen: Die EU hat am Freitag beschlossen, dass Neonicotinoide nicht mehr auf Äckern ausgebracht werden dürfen. In dem zuständigen EU-Ausschus in Brüssel hatte sich eine Mehrheit gegen den Einsatz dieser Insektengifte ausgesprochen. Die Stoffe Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid dürfen nun nur noch in Gewächshäusern versprüht werden, wie die EU-Kommission mitteilte. „Die Gesundheit der Bienen bleibt für mich von größter Bedeutung, weil sie Artenvielfalt, Lebensmittelproduktion und Umwelt betrifft“, sagte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) freute sich über das Freilandverbot für die Stoffe Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid. „Heute ist ein guter Tag für den Schutz der Bienen in Deutschland und in Europa.“

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Honig ist mit Pestiziden kontaminiert

Honigbienen produzieren Honig aus belastetem Pollen und Nektar. Die Pestizide gelangen so auch in unsere Nahrungskette. © freeimages
Drei Viertel sind kontaminiert: 75 Prozent der Honige weltweit enthalten inzwischen Neonicotinoide – viele Proben waren sogar mit gleich mehreren dieser Pestizide versucht, wie eine Studie enthüllt. Die Pestizide gelangen über den von Bienen gesammelten Pollen und Nektar in den Honig. Zwar sind die gemessenen Konzentrationen für uns nicht akut gesundheitsschädlich, für die Honigbienen aber schon, wie die Forscher im Fachmagazin „Science“ betonen.

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Neonicotinoide sind die weltweit am häufigsten eingesetzten Insektenbekämpfungsmittel – ein Drittel der Äcker werden mit diesen Pestiziden behandelt. Inzwischen jedoch mehren sich die Hinweise darauf, dass Neonicotinoide für Honigbienen, Hummeln und weitere nützliche Bestäuberinsekten schädlich sind. Sie stören unter anderem deren Orientierungssinn, wirken wie eine Droge und machen Wespen geruchsblind. Die Neonicotinoide stehen daher seit einigen Jahren im Verdacht, mitschuld am weltweiten Bienensterben zu sein.

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Insektizide tragen zum Bienensterben bei

Über die Gefährlichkeit bestimmter Insektizide für Bienen streiten Hersteller, Agrarverbände, Naturschützer und Imker seit Jahren. (Foto: dpa)
  • Zwei Studien zeigen, dass bestimmte Insektenvernichtungsmittel Bienen gefährden.
  • Die Arbeiten unterstützen die Forderung nach einem Verbot der sogenannten Neonics.
  • Die Europäische Lebensmittelbehörde Efsa soll noch in diesem Jahr über ein Verbot dieser Mittel entscheiden.

Von Kathrin Zinkant | Süddeutsche.de

Es ist still geworden an den Feldrändern. Kaum ein Summen ist zu hören, wo früher dicke Hummeln und Bienen von Blüte zu Blüte flogen. Kaum ein Flattern, wo man mal Dutzende von Schmetterlingen sah. Woran es liegt, dass die Zahl der Insekten immer weiter abnimmt, fragen sich Wissenschaftler seit Jahren.

Wie zwei Studien im Wissenschaftsjournal Science jetzt darlegen, ist eine wichtige Gruppe von Tätern nun wohl dingfest gemacht: sogenannte Neonicotinoide, kurz Neonics genannt. Die Gifte werden als Insektenvernichter weltweit auf Äcker verbracht. Die Studienergebnisse sind nach Aussage zahlreicher unbeteiligter Experten eindeutig. Neonics wirken sich negativ auf die Fortpflanzung und das Überleben von Honigbienen und Hummeln aus.

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Neonicotinoide auf dem Prüfstand

Clothianidin von Takeda, Bayer (2002), der Wirkstoff in Poncho. Das Neonicotinoid der 2. Generation wird vor allem in der Saatgutbehandlung verwendet, bei Poncho Pro zum Beispiel 1.25 mg Wirkstoff pro Maiskorn. Bild: Bernd Schröder
Clothianidin von Takeda, Bayer (2002), der Wirkstoff in Poncho. Das Neonicotinoid der 2. Generation wird vor allem in der Saatgutbehandlung verwendet, bei Poncho Pro zum Beispiel 1.25 mg Wirkstoff pro Maiskorn. Bild: Bernd Schröder
US-Umweltbehörde EPA veröffentlicht Zwischenbericht zur Risikobewertung der umstrittenen Insektizide

Von Bernd Schröder | TELEPOLIS

Insektizide aus der Klasse der Neonicotinoide werden seit längerem verdächtigt, eine Rolle beim sogenannten Bienensterben zu spielen. Dieser Verdacht hat die US-Umweltbehörde EPA dazu veranlasst, eine Bestäuber-spezifische Risikobewertung für die wirtschaftlich wichtigen Vertreter Clothianidin, Thiamethoxam und Dinotefuran vorzunehmen, ebenso ein Update der Risikobewertung von Imidacloprid für aquatisch vorkommende Lebewesen.

Gleichzeitig machen die Dokumente ihre weit verbreitete Nutzung deutlich: Neonics, wie sie hier auch genannt werden, sind die am häufigsten genutzten Insektenbekämpfungsmittel unter US-amerikanischen Mais-, Soja-, Weizen-, Baumwoll- und Sorghumbauern. Auf den Feldern der USA werden jährlich rund 2000 Tonnen dieser hochwirksamen Insektizide ausgebracht. Die Bemühungen der EPA zur Überprüfung der Registrierung bereits zugelassener Vertreter dieser Substanzklasse werden von Industrie, Landwirten und Umweltschützern weltweit beobachtet. Denn der Patentschutz ist für die meisten Neonicotinoide bereits abgelaufen. Die Generika- Herstellung ist in anderen Teilen der Welt bereits in vollem Gange.

In den im Januar 2017 veröffentlichten Dokumenten unterrichtet die EPA über die Ergebnisse einer vorläufigen Risikobewertung zur Giftigkeit der Neonicotinoide Clothianidin, Thiamethoxam und Dinotefuran hinsichtlich bestäubender Insekten. Außerdem werden die Resultate einer vorläufigen Risikobewertung zur Toxizität von Imidacloprid gegenüber aquatischen Lebewesen ausgewertet und ein Update der bereits veröffentlichten Risikobewertung von Imidacloprid gegenüber bestäubenden Insekten aus dem Vorjahr vorgenommen. Eine endgültige Entscheidung über die weitere Zulassung der Chemikalien wird erst im Winter 2018/19 erwartet. Vorher wird es für Landwirte und Unternehmen vermutlich keine Änderungen für die Verwendung der Chemikalien geben.

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Risiko durch Pestizide für Bienen größer als angenommen

In Europa sind alleine 4000 Gemüsesorten von Bestäubungen der Biene abhängig. / Bild: APA/dpa/Silas Stein
In Europa sind alleine 4000 Gemüsesorten von Bestäubungen der Biene abhängig. / Bild: APA/dpa/Silas Stein
Neonicotioide gefährdeten Bienen und Hummeln und somit auch die Landwirtschaftsproduktion, zeigt eine Greenpeace-Studie. Die NGO fordert ein Komplettverbot.

Die Presse.com

Pestizide aus der Gruppe der Neonicotinoide bedrohen nicht nur Bienen, sondern auch andere Lebewesen ernsthaft. Das geht aus einer am Donnerstag von Greenpeace veröffentlichten Studie hervor. Unabhängige Wissenschafter der University of Sussex haben dafür die Ergebnisse von hunderten wissenschaftlichen Untersuchungen seit 2013 überprüft. Aufgrund der Ergebnisse forderte die NGO ein Totalverbot.

Laut der Studie sind Neonicotinoide in der Umwelt allgegenwärtig und kontaminieren Gewässer, Böden und Vegetation. Sogar Vögel könnten demnach unter den Auswirkungen leiden. Die drei untersuchten Stoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam unterliegen seit 2013 zwar einem EU-weiten Teilverbot, die negativen Auswirkungen sind aber nach wie vor erheblich, so die Umweltschutzorganisation. Greenpeace forderte daher ein Totalverbot der aus ihrer Sicht gefährlichen Pestizide, für das sich Umwelt- und Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) auf europäischer Ebene einsetzen sollte.

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Insektizid-Hersteller halten Erkenntnisse über Gefahren für Bienen unter Verschluss

Der Einsatz von Neonikotinoiden kann zu einer geringeren Fortpflanzungsrate bei Bienen führen. Foto: Holger Weber/Greenpeace
Der Einsatz von Neonikotinoiden kann zu einer geringeren Fortpflanzungsrate bei Bienen führen. Foto: Holger Weber/Greenpeace
Was unabhängige Wissenschaftler schon seit langem befürchten, haben nun auch bislang unveröffentlichte Studien der Chemikonzerne Bayer und Syngenta ergeben: Neonikotinoide schaden Honigbienen.

Von Joe Sandler Clarke, Matthias Lambrecht | greenpeace magazine

Nach Recherchen des britischen Investigativ-Rechercheteams von Greenpeace Energy Desk dienten die konzerninternen Untersuchungen dazu festzustellen, in welchen Konzentrationen die in Produkten der Unternehmen enthaltenen Neonikotinoide eine Gefahr für Bienen bedeuten. Bei der Gestaltung der Tests hatten sich die Unternehmen mit den Aufsichtsbehörden abgestimmt, die die Grenzwerte für Giftstoffe festlegen und den Herstellern derartige Untersuchungen vorschreiben. Produkte mit Neonikotinoiden von Bayer und Syngenta werden etwa zur Bekämpfung von Blattläusen oder Käfern in der Landwirtschaft eingesetzt.

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Glyphosat und andere Gifte

Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)
Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)

Schon wieder gab es keine benötige Mehrheit für die Neuzulassung des vielfach angewendeten Herbizides. Dabei gibt es noch viele andere Substanzen im Ackerbau, die hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit untersucht werden müssten. Überhaupt stellt sich die Frage, was Ertragssteigerungen mittels Pestizide nützen, wenn rund die Hälfte der Nahrungsmittel vom Acker schließlich in die Mülltonne wandern?

Von Susanne Aigner | TELEPOLIS

Bei der zweiten Abstimmung über Glyphosat am 6. Juni enthielten sich sieben von 28 Mitgliedstaaten. Allein Malta stimmte dagegen. Nun läuft die Glyphosat-Zulassung am 30. Juni 2016 aus. Bis dahin kann die EU-Kommission immer noch den Berufungsausschuss beanspruchen. Bringt dieser nicht das gewünschte Ergebnis, kann sie schließlich im Alleingang entscheiden.

Dabei steckt sie in folgender Zwickmühle: Befürwortet sie Glyphosat um weitere 18 Monate, muss sich die Kommission den Vorwurf gefallen lassen, Erfüllungsgehilfe von Monsanto und anderer Saatgutkonzerne zu sein. Lässt sie die Zulassung auslaufen, muss sie mit Klagen der Hersteller rechnen – glaubt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Zur Giftigkeit von Glyphosat liefern diverse Studien widersprüchliche Ergebnisse. Der Aussage der Internationalen Krebsforschungsagentur der WHO (IARC) vom März 2015, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend“ sei, stehen die Erkenntnisse des Sachverständigenausschusses für Pestizidrückstände (JMPR) der WHO gegenüber. Dieser hält es für „unwahrscheinlich“, dass Glyphosat-Rückstände in Lebensmitteln Krebs verursachten.

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