„Plötzlich ist der Kreationismus wieder da“

Bärbel Auffermann, Gert Kaiser, und Beate Schneider (v.l.) im Gespräch über das Spannungsfeld von Religion und Wissenschaft. Foto: Alexandra Rüttgen
Interview Bärbel Auffermann, Gert Kaiser und Beate Schneider über Religion und Wissenschaft.

WESTDEUTSCHE ZEITUNG

Frau Auffermann, Frau Schneider, Herr Kaiser, wann hat sich das Thema „Kreationismus“ erstmals bemerkbar gemacht?

Bärbel Auffermann: Das Thema bewegt uns seit 2009, dem Darwin-Jahr. Seitdem beobachten wir den so genannten Kreationismus.

Gert Kaiser: Und es gibt eine wachsende Tendenz. In den USA gibt es Erhebungen, dass weit mehr Menschen an Gottes Schöpfung glauben als an die Evolution. Diese extremen Glaubensrichtungen wachsen viel, viel schneller als die traditionellen Kirchen. Das ist eine neue Situation für uns hier.

Wie empfinden Sie diesen Zweifel an Wissenschaft?

Kaiser: Plötzlich ist es wieder da, dieses Spannungsverhältnis zwischen Religion und Wissenschaft. Wir meinen, dass man einen gewissen Respekt vor religiösen Gefühlen haben muss, aber dass man die wissenschaftliche Position nicht aufgeben darf.

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Kreationismusdebatte und der geteilte Darwin

Foto: picture alliance / Mary Evans Pi, aus DIE WELT

Edward O.Wilson:

Die Skeptiker fahren fort, den Glauben zu erhalten, dass die Wissenschaften und Bildung Religion vertreiben können, weil sie meinen, die Religion sei ein Papiertaschentuch an Illusionen.
Heute sind Wissenschaftler und Gelehrte in Gruppen organisiert, wie etwa die American Human Society oder das Institute on Religion, sie geben kleine Zeitungen und Magazine heraus, um Kampagnen zu organisieren, die den christlichen Fundamentalismus, Astrologie und Immanuel Velikowsky in Misskredit bringen sollen. Ihre knackigen, logischen Vorbehalte, einschließlich die gesamte Arroganz der Nobelpreisträger, durchdringen das Problem wie ein Stahlmantel-Geschoss einen Frosch.

Vor kurzem hatte ich ein Gespräch mit dem Journalisten Matthias Kamann zum Thema Kreationismus an deutschen Schulen, daraus resultierten Zitate (von mir freigegeben) in einem Artikel der letzten Freitag in DIE WELT, Berliner Morgenpost und Hamburger Morgenpost im politischen Teil der Zeitungen sowie zusätzlich als online-Version erschien, und für einigen Wirbel sorgt. Interessant sind auch die Internet-Reaktionen darauf, die – neben viel Zustimmung und „Teilen“ des Artikels auf verschiedensten Webseiten und in Facebook – auf typische Muster der Ablehnung weisen. Grund genug, eine kleine Doku als Blogeintrag zu verfassen.

Von Reinhold LeinfelderAch Du lieber Darwin!

Hier der Einstieg zum Artikel in DIE WELT (vom 11.4.2013):

Debatte um Kreationismus an Bekenntnisschulen (von Matthias Kamann)

Mehr als Philosophie? Der Verband evangelischer Bekenntnisschulen will die Naturwissenschaften für religiöse Deutungen öffnen. Wissenschaftler, evangelische Kirche und Schulministerien sind alarmiert.
Reinhold Leinfelder ist kein Gegner des Glaubens. Der Professor für Paläontologie und Geobiologie an der Freien Universität Berlin plädiert für konfessionellen Religionsunterricht. Und obwohl er in seiner Zeit als Generaldirektor des Berliner Naturkundemuseums (2006 bis 2010) viel mit bibeltreuen Gegnern der Evolutionstheorie stritt, sagt der 56-Jährige: „Gegen eine geeignete Behandlung der biblischen Schöpfungslehre im Schulunterricht ist nichts einzuwenden.“
Scharf aber kritisiert er eine „Stellungnahme“ zu „Evolution und Schöpfungslehre“, die auf der Homepage des Verbandes Evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS) steht. Hier würden „Schüler in grotesker Weise falsch über das Wesen der Wissenschaft unterrichtet“, sagte Leinfelder der „Welt“.“ … >> zum ganzen Artikel

Kommentar-Typus: Religion ist insgesamt Ausdruck von Blödheit:

User „Gesunder Menschenverstand“:  „Gegen eine geeignete Behandlung der biblischen Schöpfungslehre im Schulunterricht ist nichts einzuwenden.“
Ab da kann man eigentlich nur noch den Kopf schütteln. Religiöse Lehren haben in einem säkularisierten Land nichts, aber auch garnichts im öffentlichen Raum verloren. Sinnvoll wäre es anstatt von Religionsunterricht, verpflichtend für alle ein Fach gemischt aus Ethik und Philosophie einzuführen.

Kommentar-Typus: Evolution ist Religion:

User „Terms“: „Wenn die Evolutionstheorie als Theorie gelehrt würde, wäre das in Ordnung. Wird sie aber nicht. Die Evolution wird gewöhnlich als Tatsache dargestellt. Auch von Wissenschaftlern. Dieses Verhalten ist unwissenschaftlich und Folge von Eitelkeit oder einer Weltanschauung, die ohne „Evolution“ nicht auskommt. Wo ist dann der Unterschied zu „Glauben“?

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