Salafismus und die „Gier nach Reinheit“

Manchmal vermag es Glauben in den Wahn zu leiten: Salafismus gilt als eine ultrakonservative Strömung innerhalb des Islams. Im Bild: Gläubige bei einer Predigt im einer Moschee in Beirut. (Foto: dpa)
Jeans-Verbot, willkürliche Koran-Auslegung und die Lehre vom „wahren Islam“. Das Buch „Die Salafisten“ erläutert trittsicher ein religiöses Phänomen.

Von Simon Wolfgang Fuchs | Süddeutsche.de

Deutschland ist längst ein begriffliches Einwanderungsland. Arabisch-islamische Ausdrücke wie Dschihadist, Salafist oder Wahhabit haben sich erstaunlich mühelos in den Duden integriert. Die dahinterliegenden Konzepte zu benennen oder gar auseinanderzuhalten, fällt jedoch selbst Spezialisten schwer. Es ist daher ein Glück für die deutschsprachige Öffentlichkeit, dass sich Rüdiger Lohlker, Professor für Islamwissenschaften an der Universität Wien, in seinem neuen Buch „Die Salafisten“ als trittsicherer Erläuterer dieses religiösen Phänomens erweist. Mit seiner klaren Meinung hält der Autor dabei nie hinter dem Berg. Für ihn ist der Salafismus in all seinen Spielarten bedenklich, da er einem friedlichen Zusammenleben und respektvollen Miteinander entgegenwirkt.

Lohlker geht es darum, die salafistische Selbstsicht als einzig authentische Version des Islam konsequent zu hinterfragen. Er unterstreicht die Verwandtschaft des Salafismus mit anderen modernen religiösen Bewegungen wie dem Pietismus, die in ähnlicher Weise die Rolle der Gemeinschaft betonen und den direkten, unverstellten Zugang zu den Textquellen suchen.

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Unter Gaddafi war Libyen ein Einwanderungsland

Hafen in Libyen © Ben Sutherland @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Hafen in Libyen © Ben Sutherland @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Vor dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 war Libyen selbst Ziel arbeitssuchender Migranten aus anderen afrikanischen Staaten. Heute ist das Land nur eine Durchgangsstation auf dem Weg nach Europa.

MiGAZIN

Im vergangenen Jahr erreichten 180.000 Bootsflüchtlinge über die Fluchtroute über das zentrale Mittelmeer Europa. Etwa 90 Prozent dieser Flüchtlinge waren in Libyen gestartet. Trotz akuter Gefahr für Leib und Leben ist das Land nach wie vor ein wichtiges Transit- und Zielland für Migranten. Nach Schätzungen internationaler Organisationen halten sich zwischen 700.000 und einer Million Migranten in dem nordafrikanischen Bürgerkriegsland auf. Die meisten stammen aus Ägypten, dem Niger, Sudan, Nigeria, Bangladesch, Syrien und Mali.

Viele halten sich monatelang in Libyen auf und arbeiten etwa als Tagelöhner, um Geld für die Überfahrt zusammen zu bekommen. Sie bleiben zunächst in südlichen Regionen des Landes, da sie an der dichter besiedelten Küste befürchten, den Behörden oder Milizen in die Hände zu fallen.

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Deutsche Bischofskonferenz: Deutschland ist ein Einwanderungsland

Logo Deutsche Bischofskonferenz
Logo Deutsche Bischofskonferenz

Kardinal Marx präsentiert Ergebnisse der Bischofskonferenz-Versammlung: Neues Einwanderungsgesetz gefordert – Mehr Flüchtlingshilfe statt Aussiedler-Seelsorge – Dokument/Ehevorbereitung soll kommen – Religionsunterrichts-Kooperation mit Evangelischen

kath.net

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hat sich für ein neues, umfassendes Einwanderungsgesetz ausgesprochen. Eindeutig sei Deutschland ein Einwanderungsland, zumal mittlerweile rund ein Viertel der Bevölkerung Migrationshintergrund habe, sagte der DBK-Vorsitzende Kardinal Reinhard Marx am Donnerstag. Durch ein differenziertes Einwanderungsgesetz könnten die unterschiedlichen Motive und Wege der Migration geklärt werden, zumal derzeit viele Menschen, die eigentlich aus wirtschaftlichen Gründen einwandern wollten, über den Umweg des Asyl- oder Flüchtlingsrechts nach Deutschland kämen. Hier solle mehr Klarheit geschaffen werden.

Marx äußerte sich in einer Pressekonferenz zum Abschluss der viertägigen Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda. Migration und Flucht waren dabei ein bestimmendes Thema: Rückblickend hätten die 27 Diözesen des Landes in den ersten sieben Monaten des Jahres insgesamt mindestens 79,5 Millionen Euro an Flüchtlingshilfe aufgebracht, erklärte Marx. 52,2 Millionen Euro davon seien in Projekte in Deutschland und rund 27,3 Millionen Euro in Krisenregionen geflossen. Nicht eingerechnet seien hier das Engagement der Ordensgemeinschaften und Verbände, sowie nicht-finanzielle Hilfen wie die Unterkünfte für rund 28.000 Flüchtlinge in 1.381 Kirchengebäuden.

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Gauland: Fußball-Nationalteam kein Nationalsymbol mehr

Alexander Gauland / Bild: (c) imago/Christian Thiel (imago stock&people)
Der Vize-Chef der rechtspopulistischen Partei AfD lässt erneut mit Aussagen zum Thema Fußball aufhorchen.

Die Presse.com

Erst jüngst sorgte der Vize-Chef der rechtspopulistischen Partei AfD, Alexander Gauland, mit seiner Aussage, die Leute fänden den dunkelhäutigen Innenverteidiger Jérôme Boateng „als Fußballspieler gut, aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben“, für Aufregung.

Nun legt der Politiker nach. Die deutsche Fußballnationalmannschaft sei „schon lange nicht mehr“ deutsch, so Gauland gegenüber dem „Spiegel“. Für den AfD-Vizechef ist Fußball „keine Frage der nationalen Identität“ mehr, sondern „eine Geldfrage“. Weder die englische noch die deutsche Nationalmannschaft seien noch „deutsch oder englisch“.

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Herrenmensch: „Unsere Lebensregeln gelten für alle“

Heinz Buschkowsky war fast 15 Jahre lang Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln. (imago/Müller-Stauffenberg)
Der scheidende Bürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), kritisierte im Deutschlandfunk das Bundesverfassungsgericht, das ein pauschales Kopftuchverbot für Lehrerinnen untersagt hatte. Die Richter hätten keine Ahnung, wie es in vielen Stadtvierteln zugehe. Sie stützen die falsche Botschaft: Die Frau habe zu gehorchen, sie sei das Eigentum ihres Mannes.


Interview mit Christoph Heinemann|Deutschlandfunk

Christoph Heinemann: Herr Buschkowsky, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie in dieser Woche die Nachricht vom Absturz der Germanwings-Maschine hörten und auch die, über die mutmaßliche Ursache?

Heinz Buschkowsky: Ich glaube, im ersten Moment geht vielen Menschen überhaupt nichts durch den Kopf – mir auch nicht. Es entsteht eine gewisse Leere und man fragt sich: ‚Hast du das eben richtig verstanden?‘ Dann kommen die ersten schrecklichen Details: Eine Schulklasse ist an Bord gewesen, es wird mit Sicherheit überhaupt keine Überlebenden geben. Und später: Die Maschine ist quasi atomisiert worden, es wird schwer werden, überhaupt irgendwas zu identifizieren. Das sind so Dinge, die man sich ja nicht vorstellen kann. Ich glaube, das ist auch gut so – man will sie sich auch nicht vorstellen. Wenn man dann die Bilder sieht aus der Schule, wenn man dann die Bilder sieht der Angehörigen und dann heute zur Kenntnis nehmen muss, dass alle Anzeichen dafür sprechen, dass es sich um einen gezielten Suizid handelt, bei dem man huckepack nochmal 149 Menschen mit in den Tod reißt, dann bleibt eigentlich nur eine einzige Frage: Was war das denn? Und kann eigentlich das Denken eines Menschen sich so pervertieren, dass es ihm egal ist, dass er junge Menschen, die am Beginn ihres Lebens stehen, einfach in den Tod reißt. Also da muss eine solche Kurzschlusshandlung vorgefallen sein, die einem normalen Menschen völlig verschlossen ist. Also dieses minutenlange Schweigen, obwohl ja ihm klar war, was passiert, deutet darauf hin, dass der Mensch sich völlig aus der Realität verabschiedet hatte.

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Buschkowsky: „Islamismus auf dem Vormarsch“

In Neukölln tragen immer mehr Muslime traditionelle, verhüllende Kleidung, findet Buschkowsky Foto: Garry Knight / flickr | CC BY 2.0
Für den Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky ist Integration kein politisches Abstraktum, sondern tägliche Arbeit. Dass sich der traditionelle Islam immer mehr Anhänger erfreut und integrative Arbeit somit herausfordernder wird, erklärt er in einem Gespräch mit dem Magazin Stern.


pro Medienmagazin

Der Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ sei „sowas von falsch“, findet Buschkowsky. „Wenn der Satz einen Beitrag zur Entstehung der Werteordnung in unserem Land testieren soll, dann ist er Blödsinn. Der Beitrag des Islam zu Reformation, Aufklärung und zum Humanismus ist mir nicht präsent, sorry“, sagt er am Donnerstag im Stern.

Allein in Nord-Neukölln lebten 75 Prozent der Kinder von Hartz IV, erklärt der scheidende Bezirksbürgermeister. Einwandererkinder hätten meist von Hause aus nicht die Möglichkeit auf ein selbstbestimmtes Leben. Das liege unter anderem an den Eltern, am Umfeld und an tradierten Familienriten. „Bildungsferne wirkt da wie eine Seuche.“ Gute Jobaussichten seien nahezu nicht vorhanden.

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Dodo Nahles: Politik muss Verständnis für Religion fördern – Bullshistic

Andrea_NahlesOhne ein Verständnis für Religionen kann Integration in Deutschland nach Ansicht von Bundesarbeitsministerin Nahles nicht gelingen.


evangelisch.de

Die Politik muss nach den Worten von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) das Verständnis für Religion fördern. Viele Menschen seien vollständig säkularisiert und würden nicht verstehen, dass sich andere Menschen für den Glauben begeistern, sagte sie dem „Hamburger Abendblatt“ (Freitagausgabe). Ein Einwanderungsland wie Deutschland benötige aber ein Verständnis von Religion, „um gemeinsam Integration zu leisten“. Warnungen vor einer Islamisierung Deutschlands nannte Nahles „Unsinn“. Die Gefahr von Islamisten müsse ernst genommen werden, allerdings werde oft vergessen, dass auch die meisten Muslime Angst vor Terrorismus hätten.

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“Die Illusion eines ethnisch homogenen Nationalstaats ist einfach nicht mehr zeitgemäß“

Prof. Werner Schiffauer fordert neues Leitbild für Deutschland © MiG
Nach ansicht des Rates für Migration geht ein Riss durch die Gesellschaft: Jeder Zweite befürwortet die wachsende Vielfalt, aber jeder Dritte fordert mehr Mut zu einem stärkeren Nationalgefühl und schließt dabei Eingewanderte aus. Daher brauche Deutschland eine neue Leitbild-Kommission.


MiGAZIN

Vor dem Hintergrund islam- und fremdenfeindlicher Proteste in Deutschland haben führende Migrationswissenschaftler eine breite Debatte in Politik und Zivilgesellschaft angemahnt. “Wir benötigen ein neues Leitbild für Deutschland”, sagte der Vorsitzende des Rats für Migration, Werner Schiffauer, am Montag in Berlin. Der Kulturwissenschaftler regte dazu die Gründung einer Kommission unter Federführung der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Aydan Özoğuz (SPD), an.

“Die Illusion eines ethnisch homogenen Nationalstaats ist einfach nicht mehr zeitgemäß”, sagte Schiffauer. Deutschland sei ein Einwanderungsland. An vielen Orten, vor allem Großstädten, sei dies mehrheitlich akzeptiert. Es gebe aber auch andere Orte, die man nun einholen müsse, sagte Schiffauer.

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Evangelikale Sicht auf die Integration

Der Religionssoziologe Thomas Schirrmacher hat sich am Freitag mit Chancen und Risiken der multikulturellen Gesellschaft befasst. Foto: Bucer-Seminar

Über die Chancen und Gefahren einer „multikulturellen Gesellschaft“ hat der Religionssoziologe Thomas Schirrmacher bei einem Vortrag in Limburg am Freitag referiert. Um die Herausforderungen, Chancen und Risiken des Multikulturalismus zu verdeutlichen, sei eine sehr differenzierte Diskussion notwendig, so der Theologe.

pro Medienmagazin

Schirrmacher belegte statistisch, dass Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkrieges das führende Einwanderungsland in Europa sei. Selbst Roderich Egeler, der Präsident des Statistischen Bundesamtes, der sich ansonsten eher mit politischen Aussagen zurückhalte, habe davon gesprochen, dass Deutschland die Zuwanderer dringend benötige, wenn es nicht ausdünnen und vergreisen wolle: „Der Rückgang der Bevölkerung vollzieht sich ausschließlich bei den Deutschen ohne Migrationshintergrund.“
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