Schlagwort-Archive: Empathie

Alles so schön bunt hier

Schöne Märchen haben oft ein böses Ende. Ein solches droht auch dem zweiten deutschen Sommermärchen, denn die wirklich gefährlichen Bösewichte tarnen sich als Helldeutsche

Von Hans-Dieter Rieveler|TELEPOLIS

Ach, war es nicht schön, das „neue deutsche Sommermärchen?“ Frenetisch klatschende Empfangskomitees an den Bahnhöfen, die Bundeskanzlerin endlich einmal total empathisch und mit ihr Deutschlands Wirtschaftsbosse und Verbandsvertreter. Alle sind sie auf der Woge der „Willkommenskultur“ mitgesurft und haben ihr Herz für Flüchtlinge ganz weit geöffnet.

Auch die Medien schwammen routiniert im Mainstream mit, vorneweg die „Bild“, die bei der Gelegenheit den alten Antifa-Slogan „Refugees welcome“ für sich kaperte. Viel ist seitdem die Rede von dem „reichen Deutschland“, das so viele Flüchtlinge anzieht und mit dem schon deshalb alles in Ordnung sein muss. Endlich könne man wieder stolz sein auf unser Land, heißt es. Und wenn Angela Merkel sagt: „Wir schaffen das“, dann wird das schon stimmen. Der Legende nach ist es ja auch die schiere Willensanstrengung, die Deutschland stets beim Fußball siegen lässt. Oder sollte das etwa alles nur ein Märchen gewesen sein?

Wer Fragen stellt, gilt schnell als Spaßverderber und Schwarzseher

Die Erfahrung spricht dafür, denn von Empathie, Altruismus und Solidarität war in der Vergangenheit weder bei Angela Merkel noch bei Deutschlands Wirtschaftsbossen viel zu spüren. Daher könnte man fragen, ob es wirklich um die Flüchtlinge geht oder um Deutschland, wenn allenthalben von der Nützlichkeit jener Flüchtlinge fabuliert wird, die unser Rentensystem retten und den angeblich „drohenden Fachkräftemangel“ aufhalten sollen.

Man könnte weiter fragen, wer dieses „Deutschland“ eigentlich ist, das angeblich – zumindest langfristig – nur Vorteile aus der Zuwanderung zieht. Antworten auf diese Fragen sind gar nicht so schwer zu finden. Doch wer dies versucht, setzt sich leicht dem Verdacht aus, ein Spaßverderber oder gar ein „besorgter Bürger“ zu sein.

Wer nicht einfach daran glaubt, dass Merkel aus reinster Nächstenliebe die Tore für Flüchtlinge weit geöffnet hat, leide unter „Miserabilismus“, belehrte Isolde Charim jüngst die Leser der Taz. Linke seien dafür besonders anfällig, stets fahndeten sie nach bösen Hintergedanken und erwarteten immer nur das Schlechteste. Wo sich doch – was Charim allerdings nicht weiter ausführt – nun alles zum Guten wendet.

Die infolge der Hartz-Gesetze entzweite Gesellschaft wird endlich wieder solidarisch und kann die Neubürger daher problemlos integrieren. Jährlich werden hunderttausende Sozialwohnungen gebaut, so viele, dass sich auch die einheimischen Geringverdiener ein schönes Plätzchen aussuchen können. Und die Wirtschaft sorgt dafür, dass jeder einen Arbeitsplatz bekommt, von dem er leben kann.

Kurz gesagt, die Kanzlerin beerdigt den Neoliberalismus, Arbeitgeber verzichten auf mögliche Gewinne und die Immobilienbranche ebenso. Wer das nicht wahrhaben will, hat die alternative Taz-Logik nicht begriffen, die Anja Maier kürzlich in einem Kommentar unfreiwillig enthüllte: „Dabei zeigen die Missstände bei der Unterbringung der Flüchtlinge wieder einmal deutlich, was Fremdenfeinde so gern anzweifeln: Deutschland hat ein Fachkräfteproblem. Dieses wirtschaftlich starke Land fährt seine Verwaltungen seit Langem auf Verschleiß, das wird dieser Tage offenbar.“

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Emotionsgeladene Flüchtlingsdebatte: Nietzsche hatte recht

Die Fähigkeit zum Mitleiden ist fast zwangsläufig zur höchsten Norm geworden. picture alliance
Die Flüchtlingsdebatte ist ein Gefühlschaos. Empathie wird mit Mitgefühl verwechselt, Politik angeblich mit dem Herzen gemacht und Mitleid gilt als gestandene Ersatzreligion. Doch hinter all dem Lärm, steckt oft die reine Selbstgefälligkeit

Von Alexander Grau|Cicero

Es wird viel über Empathie geredet in diesen Tagen: über fehlende Empathie, über mangelnde Empathie oder auch über unzureichende Empathie. So richtig in Schwung kam der Empathie-Hype als Mitte Juli der bekannte Charakterdarsteller Til Schweiger die Verfasser dumpfer Kommentare auf seiner Facebook-Seite als „empathieloses Pack“ beschimpfte.

Damit gab der Großmime des öffentlich-rechtlichen Rundfunks den Ton vor. Plötzlich galten nicht nur ein paar ordinäre Dummköpfe als „empathielos“, sondern jeder, der der offiziell propagierten „Willkommenskultur“ skeptisch gegenübersteht und dafür plädiert, Politik nicht mit dem Herzen zu machen (oder was man dafür hält), sondern mit dem Verstand.

Doch in so emotional aufgeheizten Zeiten fehlt es nicht nur an Vernunft, auch mit dem begrifflichen Unterscheidungsvermögen geht es rasch bergab.

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Schon Dreijährige setzen sich für andere ein

Wie fair sind Kleinkinder? Helfen sie Opfern eines Diebstahls? © freeimages
Von wegen egoistisch: Schon dreijährige Kinder sind überraschend fürsorglich und fair. Sie geben Verlorenes dem Eigentümer zurück und hindern sogar andere daran, etwas zu klauen, wie ein Experiment nun belegt. Es wiederlegt damit bisherige Annahmen, nach denen Kinder dieses Alters noch zu unreif sind, um einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn zu entwickeln. Die Studie zeigt aber auch, dass Strafe bei Vorschulkindern weniger effektiv ist als an ihre Empathie zu appellieren.


scinexx

Wir Menschen besitzen einen ausgeprägten Sinn für Fairness und Gerechtigkeit – auch wenn wir nicht immer danach handeln. Wann sich dieser Gerechtigkeitssinn aber voll entwickelt, darüber gibt es bisher widersprüchliche Ergebnisse. So haben nach einigen Studien schon Fünfjährige einen Sinn für faires Teilen, vielleicht sogar schon Kleinkinder mit 15 Monaten. Andere Experimente deuten dagegen auf ein ein noch zu unreifes Gehirn für völlige Fairness hin.

Diebstahl unter Handpuppen

Katrin Riedl vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und ihre Kollegen haben nun einen speziellen Aspekt des Gerechtigkeitssinns bei Kindern untersucht: Wie sehr sich diese für ein Opfer unfairen Handelns einsetzen oder den Täter bestrafen wollen. „Die Sorge um andere scheint ein Hauptbestandteil des menschlichen Gerechtigkeitssinns zu sein“, erklärt Koautor Keith Jensen von der University of Manchester. „Die Gerechtigkeit Opfern gegenüber und die Bestrafung der Täter sind möglicherweise auch für das einzigartige Sozialverhalten des Menschen von zentraler Bedeutung.“

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„Hoffnung Mensch“: Das Hohelied vom Homo sapiens

Das Leben kommt uns kurz und ungerecht vor. Trost bietet vielen die Religion und der Glaube ans ewige Leben. Doch Glaube, Hoffnung, Liebe bietet auch der religionsfreie Humanismus, erklärt der Philosoph Michael Schmidt-Salomon in seinem neuen Buch.

Von Markus C. Schulte von DrachSüddeutsche.de

Mit dem kleinen Wort am Ende seines neuen Buches „Hoffnung Mensch“ hat Michael Schmidt-Salomon die Szene der Säkularen in Deutschland irritiert: „Amen“ steht dort unter einem Glaubensbekenntnis, das unter anderem lautet: „Ich glaube an den Menschen/Der die Hoffnung der Erde ist.“ Ist der bislang durch teils heftige Religionskritik aufgefallene Philosoph mit seinem neuen Buch „Hoffnung Mensch“ ins Lager der Religiösen gewechselt?

Nicht wenn es um die traditionellen Religionen geht. Aber was klingt, als würde es theistische Religionen durch eine humanistische ersetzen wollen, löst in der Szene Abwehrreaktionen aus. „Ein Autor, der sich innerlich gedrängt sieht, ein derartiges Glaubensbekenntnis öffentlich abzulegen, hat die Nabelschnur zur Religion seiner Herkunft noch nicht völlig durchtrennt“, schreibt etwa der Philosoph und Religionskritiker Joachim Kahl im Magazin diesseits.de.

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Verheerende Konsequenzen durch Islam-Unterricht?

Bild: pro
Es muss eine klare staatliche Aufsicht über den islamischen Religionsunterricht geben. Alles andere hätte sowohl für die Kinder als auch für die nachfolgenden Generationen verheerende Konsequenzen. Zu dieser Auffassung kommt der Berliner Psychologe Ahmad Mansour in einem Gastbeitrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

pro Medienmagazin

Ein solides Basiswissen über den eigenen Glauben sei für muslimische Kinder wichtig und notwendig, weil es sie weniger anfällig für radikale Tendenzen mache. Der Unterricht müsse sich an pädagogischen und rechtlichen Standards orientieren. Allerdings stünden die Kinder auch in einer Spannung zwischen staatlichen Schulen und einer Koranschule. In den Koranschulen würden drastische Regeln gelehrt, deren Nicht-Einhaltung bestraft werde.

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Holocaust-Überlebende: „Ich bezahle Steuern für diese Schweinehunde“ (NPD-Verbot)

Inge Deutschkron, Bild:BR
Publizistin Inge Deutschkron fordert Verbot der NPD

Von Gabi WuttkeDeutschlandradio Kultur

Die Deutschen zeigten heute wesentlich mehr Interesse und Empathie für das Schicksal der Juden als in früheren Generationen, meint Inge Deutschkron. Die Publizistin überlebte die Nazi-Zeit dank Otto Weidt, über den die ARD heute einen Film zeigt.

Gabi Wuttke: Was Oskar Schindler geleistet hat, das wurde durch einen Film weltweit bekannt. Das Erste Deutsche Fernsehen ist nicht Hollywood, aber heute Abend können Sie erfahren, wer Otto Weidt war, der in Berlin seit Anfang der 40er-Jahre eine Blindenwerkstatt betrieb und seine Angestellten vor den Nazis schützte, so gut er konnte.

Ohne die Hilfe von Inge Deutschkron wäre das Dokumentarspiel nicht, was es ist – schon Ende der 70er-Jahre schrieb sie über ihn, und um am authentischen Ort daran zu erinnern, was Otto Weidt auch für sie getan hat, gründete Inge Deutschkron den Verein „Blindes Vertrauen“.

Frau Deutschkron, schön, dass Sie da sind, herzlich Willkommen! 1941 waren Sie 19 Jahre alt. Als Jüdin war Ihnen Büroarbeit verboten, aber Sie saßen an Otto Weidts Telefon. Wie lernten Sie ihn kennen? Warum fanden Sie dort Unterschlupf?

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Neurobiologische Geschlechtsunterschiede: Das Geschlecht im Kopf

Bild: imago/Xinhua
Die psychologischen und hirnbiologischen Unterschiede sind kleiner als gedacht. Die Neurobiologie distanziert sich zunehmend von Rollenzuweisungen.

Von Kathrin Burgertaz

Wenn sich bei Frauen ein Babybäuchlein wölbt, ist gemeinhin die erste Frage: Junge oder Mädchen? Erst dann erkundigen sich die meisten Menschen nach der Gesundheit von Mutter oder Kind. Warum das so ist? „Das Geschlecht ist ein Werkzeug der sozialen Kategorisierung, stärker sogar als die Ethnie“, sagt Harry Reis, Psychologe der Universität Rochester. Die Menschen nutzten dieses Schubladendenken, um eine komplizierte Welt zu vereinfachen.

„So eine Kategorisierung ist aber nur dann sinnvoll, wenn sich Männer und Frauen tatsächlich fundamental unterscheiden. Das tun sie aber nicht“, fasst der Psychologe das Ergebnis einer aktuellen Meta-Analyse zum Thema Geschlechtsunterschiede (pdf) zusammen.

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Alternative Heilverfahren: Kritiker sind Extremisten

Bei der Akupunktur gibt es Hinweise auf Wirksamkeit. Deshalb sollte sie weiter erforscht werden, sagt Edzard Ernst. Für andere sogenannte alternative Heilverfahren wie Homöopathie sollte dagegen endlich Schluss sein. (© OBS)

Sogenannte alternative Heilverfahren sind auf dem Vormarsch. Doch für viele Methoden fehlen Belege für eine Wirksamkeit, andere widersprechen den Naturgesetzen. Wer darauf hinweist, muss sich derzeit auf ruppige Reaktionen aus der Szene gefasst machen. Besonders betroffen davon ist Edzard Ernst, einer der renommiertesten Kritiker der Paramedizin.

Interview: Markus C. Schulte von DrachSüddeutsche.de

Edzard Ernst ist einer der bekanntesten Wissenschaftler im Bereich der sogenannten alternativen Heilverfahren, die er an der University of Exeter in Großbritannien erforscht hat. Zugleich ist er einer der schärfsten Kritiker von Verfahren wie der Homöopathie oder der anthroposophischen Medizin. Das verschafft ihm wenig Freunde in der Szene. Und derzeit weht der Gegenwind besonders scharf.

SZ.de: Sie hätten heute in München einen Vortrag zum Thema Akupunktur halten sollen. Aber der Veranstalter, das Wissenschaftszentrum der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur, hat den Vortrag überraschend abgesagt. Warum?

Edzard Ernst: Ich bin vom Vorsitzenden mit einer äußerst seltsamen Begründung ausgeladen worden: Man wolle nicht den Eindruck erwecken, in ein laufendes Verfahren an der Universität Zürich einzugreifen. Dort wird zurzeit entschieden, wer den Lehrstuhl für Naturheilkunde übernehmen soll.

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Religiöse Menschen zeigen weniger Mitleid als Atheisten

Bild: urbandesire.de

Nach einer Studie von US-Sozialpsychologen lassen sich Atheisten und wenig Religiöse eher von Gefühlen, stark Religiöse eher von Prinzipien leiten

Von Florian RötzerTelepolis

Eigentlich sollte man ja annehmen, dass religiöse Menschen gegenüber ihren Mitmenschen großzügiger und mitfühlender sein sollten. Nach einer Studie von US-Sozialpsychologen könnte dies allerdings ein, vielleicht auch von Religiösen gerne gepflegtes Vorurteil sein. Ausgerechnet Atheisten und Agnostiker, die in den USA einen besonders schlechten Ruf haben, aber auch kaum religiöse Menschen scheinen nach Experimenten gegenüber ihren Mitmenschen großzügiger zu sein und mehr Mitleid oder Empathie für sie zu entwickeln als sehr religiöse Menschen.

Wie die Psychologen herausgefunden haben wollen, sind die stark Religiösen offenbar eher mit von Ideologie geleiteten Menschen vergleichbar.

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Studie

Kritik an Schlachthöfen, das ist Humanismus

Protest gegen Kastenstandhaltung von Schweinen: Martin Balluch 2011 auf Wiens Stephansplatz. Foto: reuters

Der Tierrechteaktivist Martin Balluch wird am Montag in Paris mit dem neu geschaffenen Myschkin-Preis ausgezeichnet – Thomas Macho würdigt in seiner Laudatio den Mut zur Grenzüberschreitung

derStandard.at

Raskolnikow träumt. Er träumt von einem Ereignis, das er als Junge erlebt hatte: Der Fuhrmann Mikolka erschlägt sein Pferd mit einer eisernen Brechstange, nachdem er es ausgepeitscht – auf die Augen, auf das Maul – und mit der Deichselstange drangsaliert hat. Die Menge johlt. „Aber der arme kleine Junge ist außer sich. Schreiend bahnt er sich einen Weg durch die Menge, läuft zu der Braunen hin, umarmt ihren leblosen, blutüberströmten Kopf und küsst sie auf die Augen und auf die Lippen. (…) ‚Ach, Papa! Wofür haben sie … das arme Pferdchen … erschlagen!‘ schluchzt er, aber sein Atem stockt, und die Worte entringen sich als Schrei seiner beklemmten Brust.“

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Muslimische Schläger und christlicher Missbrauch

 

Tacheles, screenshot Brightsblog

 

Schüren Medien mit ihrer Berichterstattung Islamfeindlichkeit? Wie fair ist die Berichterstattung über die Kirchen etwa in der aktuellen Missbrauchsdebatte? Darüber stritten der nordelbische evangelische Bischof Gerhard Ulrich, der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir, der Welt-Herausgeber Thomas Schmid, der Autor Kay Sokolowsky („Feindbild Moslem“) und die deutsch-türkische Schauspielerin Nursel Köse (aktuell zu sehen im Kinofilm „Die Fremde“).

tacheles -Talk am roten Tisch

Wie gefährlich ist der Islam, fragt der Stern. Ein „Mekka Deutschland“ prophezeit der Spiegel. In der Tageszeitung Die Welt ist die Rede von „muslimischen Schlägern“. Sind solche Schlagzeilen Ausdruck eines Feindbildes Moslem?

Kay Sokolowsky: Ja, genau damit zeigt sich islamfeindliche Berichterstattung. Zu viele Journalisten suchen die Pauschalisierung, und damit beginnt rassistische Hetze – ohne dass das unbedingt gewollt ist. Es gibt durchaus kritische Berichterstattung, die das Klischee vermeidet. Aber Menschen herabzuwürdigen wegen eines pauschalen Vorurteils gegen eine bestimmte kulturelle oder religiöse Tradition, das ist Rassismus.

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Darwin, Kreationismus und Creation


Keine andere wissenschaftliche Idee hat soviele unbegründete Anfeindungen zu ertragen wie die Evolutionstheorie und kein Wissenschaftler soviel unverdiente Verachtung wie Charles Darwin.

128 Jahre nach seinem Tod wird Darwins guter Name täglich von Kreationisten aller Art angegriffen, die Darwin für alles verantwortlich machen, vom Columbine Schulmassaker bis hin zum Holocaust.

Es ist dann richtig erfrischend wenn dieser Tage der Film Creation auf DVD erscheinen wird, soll heißen, wir können den Film endlich sehen. Der Film,  im letzten Jahr nur in einigen augesuchten Filmtheatern gezeigt, erzählt die Geschichte wie Darwin  sich quälte, bei der Entscheidung sein Buch On the Origin of Species zu veröffentlichen. Tatsächlich war es eine folgenschwere Entscheidung, deren Tragweite Darwin genau verstanden hatte, die Auseinandersetzung mit seinem Hauptwerk würde ihn für den Rest seines Lebens verfolgen, in der Tat, lange darüber hinaus.

Creation basiert auf einem Buch von Randal Keynes, Darwins Ur-Ur-Enkel.

Paul Bettany spielt Charles Darwin, und wirklich wiederholt er die Rolle des Naturalisten Stephen Maturin, welche er 2003 im Film Master and Commander: The Far Side of the World spielte.

Seine gefühlvolle schauspielerische Darstellung bringt Darwin zum Leben, als ein Mann, der getrieben von seiner Neugier versucht die natürliche Welt zu verstehen, leidenschaftlich für seine Familie eintritt und tief besorgt darüber ist, wie die Veröffentlichung seiner revolutionären wissenschaftlichen Ideen dies alles beeinflusst.

Dieser Blick auf Darwin als menschliches Wesen ist weit davon entfernt, wie er oftmals von Kreationisten portätiert wird.

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Die innere Mission des Bundespräsidenten

ENTSCHIEDEN: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Er braucht menschliche Zuwendung, Empathie. Gerade da liegt manches im Argen.“ Unten: Bundespräsident Horst Köhler und RM-Chefredakteur Michael Rutz. Fotos: Marc Darchinger

Rheinischer Merkur

Horst Köhler über die Notwendigkeit der Ökumene, die Missbrauchsfälle, einen gewaltfreien Islam und ein Burka-Verbot, über kirchliche Dogmen und seinen Wunsch nach einer Abendmahlsgemeinschaft der Christen.

Rheinischer Merkur: Der Ökumenische Kirchentag kann mit breiter politischer Beteiligung aufwarten, auch Sie werden dabei sein. Warum interessiert sich die Politik dafür?
Horst Köhler: Ich nehme teil, weil dort Christen zusammenkommen, die Fragen haben und die auf der Suche nach Antworten sind. Wir als Politiker sollten dort nicht für uns Öffentlichkeitsarbeit machen, sondern versuchen, diesen Suchprozess zu ermutigen. Da hilft manchmal schon gutes Zuhören. Ein Teil der Fragen wird der Politik gelten – dem müssen wir uns stellen.