Esoterik ist die neue Weltreligion – und sie verblendet die Massen

Der russische Esoteriker Alexander Kalen verkündet bei seinen Seminaren übersinnliche Obskuritäten.Bild: shutterstock.com/watson

Der russische Esoteriker Alexander Kalen ist ein Shootingstar der Szene. Er verbreitet Obskuritäten, die er als Wissenschaft verkauft.

Hugo Stamm | watson.ch

Esoterik der harten Sorte kann bedenkenlos als neue Weltreligion bezeichnet werden. Es ist zwar weder eine klar definierte Heilslehre noch eine geschlossene Glaubensgemeinschaft, doch die pseudospirituelle Lehre hat einen gemeinsamen Kern: Der Glaube an paranormale übersinnliche Phänomene, bei denen alles für wahr gehalten wird, was die Fantasie von überspannten Gurus und spirituellen Meistern ausspuckt.

Diese heterogene Bewegung ist jung, aber trotzdem schon weltumspannend. Selbst in Russland, einem einst marxistisch-atheistischen Grossstaat, wuchert der esoterische Aberglaube in den schillerndsten Farben.

Aushängeschild und exemplarisches Beispiel für das esoterische Phänomen ist Alexander Kalen oder Kalenjuk. Der Esoteriker lässt nichts aus und hat für alles eine esoterische Erklärung.

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Sektenbericht 2018: Mehr Beratungen, viele Staatsverweigerer-Anfragen in Österreich

Die Stelle beschäftigt sich mit Esoterik, Okkultismus und Satanismus.
Foto: Reuters

Die Themen reichen von Esoterik über Satanismus bis zu Verschwörungstheorien und Wunderheilungen

derStandard.at

Die Bundesstelle für Sektenfragen hat der Regierung am Mittwoch ihren Tätigkeitsbericht für 2018 präsentiert. Sie verzeichnete 429 Beratungsfälle, 2017 waren es 402. 95 Prozent der Anfragen betrafen weder gesetzlich anerkannte noch staatlich eingetragene Religions- oder Bekenntnisgemeinschaften. Die meisten Medienanfragen gab es zu Staatsverweigerern.

Im letzten Jahr wandten sich 1.649 Personen an die Bundesstelle. Im Rahmen der psychosozialen Beratung und Begleitung von 429 Beratungsfällen setzten sich 247 Frauen und 182 Männer mit der Einrichtung in Verbindung. Oft bemühten sich nicht die Betroffenen selbst um Hilfe, sondern deren Angehörige. Die meisten Anfragen kamen aus Wien. Insgesamt wurde die Sektenstelle zu 243 Gemeinschaften, Bewegungen, Organisationen, Bereichen und Themen angefragt.

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Anthroposophie – Rassismus und Esoterik

Rudolf Steiner (Bild: public domain)

Rudolf Steiner, den Begründer der Anthroposophie, in die Esoterik-Ecke stecken, wie es jüngst auf der Seite Drei geschah? Das geht nach Meinung seiner Anhänger, aber auch anderer Leserinnen und Leser gar nicht.

Süddeutsche Zeitung

Nun also die Esoterik-Ecke

Es ist in gewisser Weise einfach traurig, wie tendenziös ein meinungsbildendes Blatt wie die Süddeutsche sich immer nur dem Thema Rudolf Steiner nähert. Mal wird er in einem langen Artikel in die braune Ecke geschoben, diesmal gehört er zu den Esoterikern, die die Welt fliehen. Es mag daran liegen, dass es wirklich und wahrhaftig schwer zu fassen ist, dass ein Mensch in so vielen unterschiedlichen Bereichen nachhaltig fruchtbare Anregungen geben konnte wie Landwirtschaft, Pädagogik, Medizin, Religion, um nur einige Beispiele zu nennen. Leider sind seine Impulse der sozialen Dreigliederung am wenigsten verstanden und aufgegriffen worden. Darüber mit unbefangenem Blick zu schreiben, könnte angesichts der heutigen Weltlage ein lohnendes Thema sein.

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Zitat aus der Gedankenwelt des anthroposophischen Meisters:

Er hat, wie man sagt, ein starkes Triebleben, Instinktleben. Der Neger hat also ein starkes Triebleben. Und weil er eigentlich das Sonnige, Licht und Wärme, da an der Körperoberfläche in seiner Haut hat, geht sein ganzer Stoffwechsel so vor sich, wie wenn er in seinem Innern von der Sonne selber gekocht würde. Daher kommt sein Triebleben. Im Neger wird das drinnen fortwährend richtig gekocht und dasjenige, was dieses Feuer schürt, das ist das Hinterhirn. (…) Und wir Europäer, wir armen Europäer haben das Denkleben, das im Kopf sitzt. (…) Daher ist Europa immer der Ausgangspunkt für alles dasjenige gewesen, was nun das Menschliche so entwickelt, dass das zur gleichen Zeit mit der Aussenwelt in Beziehung kommt. (…) Wenn die Neger nach dem Westen auswandern, da können sie nicht mehr soviel Licht und Wärme aufnehmen wie in ihrem Afrika. (…) Daher werden sie Kupferrot, werden Indianer. Das kommt davon her, weil sie gezwungen sind, etwas von Licht und Wärme zurückzuwerfen.

Das glänzt dann kupferrot. Das können sie nicht aushalten. Daher sterben sie als Indianer im Westen aus, sind wiederum eine untergehende Rasse, sterben an ihrer eigenen Natur, die zuwenig Licht und Wärme bekommt, sterben an dem Irdischen. (…) Die Weissen sind eigentlich diejenigen, die das Menschliche in sich entwickeln. Daher sind sie auf sich selber angewiesen. Wenn sie auswandern, so nehmen sie die Eigentümlichkeiten der anderen Gegenden etwas an, doch sie gehen, nicht als Rasse, sondern mehr als einzelne Menschen zugrunde. (…) Die weisse Rasse ist die zukünftige, ist die am Geist schaffende Rasse.“
(Rudolf Steiner, Vortrag am 03.03.1923 in Dornach; siehe Thomas Höfer: Der Hammer kreist. Zur Bewertung problematischer Aussagen Rudolf Steiners. in: Flensburger Hefte 41, Juni 1993: Anthroposophie und Rassismus, S. 8f)

Die Folgen der christlichen Sündenlehre

Julia, eine ehemals tiefgläubige Christin, erzählt ihre Geschichte.

Richard-Dawkins-Foundation

Sie ist Mitglied des Panels von „Faith to Faithless“, einer wachsenden britischen Organisation von Menschen, die aus allen ehemaligen Glaubensrichtungen kommen und die Religion hinter sich gelassen haben: Islam, Christentum, Judentum, Sekten, Esoterik etc.

http://faithtofaithless.com/

Gründer von Faith to Faithless sind zwei ehemalige Muslime: Imtiaz Shams und Aliyah Saleem.

Dieses Video entstand bei einer gemeinsamen Veranstaltung von Faith2Faithless und den Humanist Students UK.

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Was Donald Trump mit der Haltung der US-Amerikaner zu Sekten zu tun hat

Nach dem Massensuizid der Jim-Jones-Sekte lagen die Leichen zu Hunderten auf dem Gelände. Bild: keystone

Die USA präsentieren sich dem Rest der Welt gern als Musterdemokratie mit unbegrenzten Möglichkeiten. Doch kratzt man an der glitzernden Fassade, ist der Lack rasch ab. Durchleuchtet man das politische Konzept oder die religiöse Landschaft, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Hugo Stamm | watson.ch

In diesem Blog geht es zwar primär um Glaubensfragen, doch ein kurzer Seitenblick auf das Politsystem verdeutlicht, wie die USA auch in Religionsfragen ticken. Erstens ist das Wahlsystem antiquiert und einer Demokratie nicht würdig. Zweitens sind die Bundesrichter auf Lebzeiten gewählt – ein Unding erster Güte. Und drittens kommt ihnen eine immense politische Macht zu, wie die bevorstehende Wahl von Brett Kavanaugh zeigt.

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Sie spannt mit Ganser zusammen: Der hellste Stern am Esoterik-Himmel kommt aus dem Toggenburg

Christina von Dreien und Daniele Ganser füllen bei Vorträgen jeweils Säle. Hinter von Dreiens Erfolg steckt ihre Mutter Bernadette Meier. (Illustration: Florian Raatz)

Christina von Dreien aus dem Toggenburg behauptet, mit Toten und Tieren sprechen zu können. Sie ist erst 17 und die erfolgreichste Esoterikerin im Land. Jetzt macht sie gemeinsame Sache mit dem umstrittenen Historiker Daniele Ganser.

Katharina Brenner | tagblatt.ch

Christina von Dreien sitzt im Schneidersitz auf einem Gartenstuhl, das blonde Haar engelsgleich gewellt. Gegenüber sitzt breitbeinig Norbert Brakenwagen. Er moderiert auf «Schweiz 5» die Sendung «Time to be», in der er Sektenvertretern und Scharlatanen eine Plattform gibt. Und Christina von Dreien. Das Video ist keinen Monat alt und wurde bereits über 110’000 mal aufgerufen – wie viele andere Videos der 17-jährigen Toggenburgerin. Warum?

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Die Verschwörungs-Nervensägen

Themenbild.

Als ich zur Uni ging, liefen sie in jeder Kiffer-WG. Die Rede ist von den „Zeitgeist“-Filmen. Wie Dan-Brown-Romane galoppieren die auf Dokumentation getrimmten YouTube-Videos durch die Weltgeschichte. Wir erfahren, wie eine kleine Elite seit den Anfängen der menschlichen Zivilisation die Geschicke der Welt lenkt. Nur der Übergang zu einer computergesteuerten „ressourcenbasierten Wirtschaft“ kann unser Schicksal (als mit Mikrochips versehene Sklaven einer neuen „Weltregierung“) noch abwenden.

Kolja Zydatiss | Achgut.com

Der erste der drei abendfüllenden Filme erschien 2007, der letzte 2011. In einer Welt, die von der globalen Finanzkrise verunsichert war, trafen die obskuren Machwerke des Amerikaners Peter Joseph Merola einen Nerv. Hunderte Millionen Menschen schauten sie sich im Netz an. Es entstand sogar eine „Zeitgeist-Bewegung“, die zeitweise über 400.000 Anhänger hatte.

Die „Zeitgeist“-Filme verbreiten Verschwörungstheorien. Die Definition dieses Begriffs ist nicht ganz einfach, denn selbstverständlich gibt es unzählige echte Verschwörungen und Komplotte, mit denen sich zum Beispiel der investigative Journalismus auseinandersetzt. Für den britischen Soziologen Frank Furedi unterscheiden sich Verschwörungstheorien von solcherlei legitimen Untersuchungen durch ihren umfassenden Versuch der Weltdeutung. Alles hängt demnach mit allem zusammen. Grundlegend für Verschwörungstheorien ist eine „Ideologie des Bösen“, die unerwartete Ereignisse und Unglücke als Produkt des Wirkens böswilliger Mächte präsentiert, die hinter den Kulissen des Sichtbaren die Fäden ziehen.

Conspirituality

Traditionelle Protestformen haben laut „Zeitgeist“-Macher Merola keinen Effekt auf die globale Elite. Anstatt das „System“ politisch zu bekämpfen, sollten sich seine Anhänger für Wissen, Frieden, Einheit und Mitgefühl einsetzen. Die Forderung eines „neuen Bewusstseins“ oder „spirituellen Erwachens“ ist ein zentraler Topos esoterischen Denkens. Sie weist die „Zeitgeist“-Filme als ein Beispiel von „Conspirituality“ aus.

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Esoterik zwischen Kräuterbauer und Rechtsaußen

Bei der Esoterikmesse in der Wiener Stadthalle präsentiert sich die Szene als heterogene Mischung aus alternativer Medizin und Lebensberatung. Aber auch Andockflächen für das verschwörungstheoretische Milieu werden geboten.

Vanessa Gaigg, Michael Luger | derStandard.at

„Ich bin ein Medium“, sagt Maria Elisabeth. „Jeder Mensch kann eines sein, wenn er möchte.“ Ungefähr neunzig Zuhörer sind gekommen, um den Vortrag von Maria Elisabeth auf der Esoterikmesse in der Wiener Stadthalle zu hören. Die Besucher sitzen im größten der vier Vortragssäle in mehreren Reihen hintereinander. Der Andrang ist groß. Manche lehnen an der Wand, weil keine Plätze mehr frei waren. Im Programm angekündigt wurden Jenseitskontakte inklusive Durchsagen der Verstorbenen.

Medium Maria Elisabeth hat die Augen geschlossen. Trotzdem sieht sie jemanden: eine Frau, zwischen 60 und 65 Jahre alt, mit grauen Haaren, sagt sie. „Sie steht ungefähr hier.“ Elisabeth deutet auf die vordere rechte Hälfte des Publikums. Die Leute recken die Köpfe, um gut sehen zu können. Manche müssen sich das Lachen verkneifen. Andere warten gespannt, was als nächstes passieren wird.

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Stichwort «Esoterik»

Wohin soll der Philosoph seinen Blick richten – nach oben oder nach unten? Und an wen wendet er sich mit seinen Schriften – an seine Schüler oder an die Allgemeinheit? (Bild: PD)

Das Mysterium der Esoterik verlangt nach behutsamer Annäherung. Das Wort zumindest stammt von einem, der für die Philosophen nur Spott übrig hatte.

Klaus Bartels | Neue Zürcher Zeitung

Esoterikkurse, Esoterikläden, Esoterikmessen: Esoterik ist «in», und mit diesem «in» sind wir der Sache und dem Wort unversehens schon ganz nahe. Aber eines nach dem anderen; das Mysterium der Esoterik verlangt eine gemächliche Annäherung. Fangen wir ganz aussen und ganz anfangs an, mit dem weniger gebräuchlichen Gegenbegriff des «Exoterischen». Die so nah aneinander anklingenden Wörter «Exoterik» und «Esoterik» sind prägefrisches altes Griechisch. Im «Exoterischen» hat sich das Adjektiv exoterikós erhalten; darin steckt an erster Stelle das Adverb éxo, «draussen», an zweiter Stelle ein -ter-, das im Griechischen eine Steigerung bezeichnet, und an dritter Stelle der Adjektiv-Ausgang -ikós, der sprachlich unserem «-isch» entspricht. Fügen wir die drei Teile zusammen, so verdolmetscht sich dieses «Exoterische» als das «weiter draussen Gelegene».

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Österreich: Gott statt Esoterik

Christen sollten sich an Jesus, nicht an der Esoterik orientieren, hieß es auf der Tagung (ANSA)

Bei einer Theologentagung über die vermeintliche „Selbsterlösung“ haben verschiedene Theologen die Heilswirkung des Christentums im Gegensatz zur Esoterik hervorgehoben.

Vatican News

Christen haben im Gegensatz zu Anhängern der Esoterik einen „Gott, der uns entgegengeht“. Das hat der emeritierte Kurienkardinal Paul Josef Cordes am Samstag bei der zweitägigen Tagung „Erlösung oder Selbsterlösung? Die Antwort des christlichen Glaubens auf Gnosis und Esoterik“ an der Hochschule Heiligenkreuz in Österreich dargelegt.

Cordes berichtete vor den über 200 Tagungsteilnehmern von Begegnungen mit Esoterik aus der eigenen Studienzeit, als an seiner Ausbildungsstätte „Yoga für Christen“ angeboten worden sei. Den Seminaristen sei Entspannung dadurch versprochen worden, ebenso wie heute vielerorts – darunter auch in kirchlichen Bildungshäusern – esoterische und fernöstliche Praktiken angeboten würden. „Heute merken wir aber, dass uns die vielen Meditationspraktiken nicht gesünder und entspannter gemacht haben“, sagte Cordes.

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Reichsbürger Schweiz: Staatsverweigerer halten geheimes Treffen in Buchs ab

In diesem Gebäude bei der Buchser KVA trafen sich die Staatsverweigerer. (Hanspeter Thurnherr)

Reichsbürger zwischen Verschwörung, Esoterik und Rechtsextremismus: „Reichsbürger“ und „Freemen“, ursprünglich aus Deutschland, gründen auch in der Schweiz Ableger. Gestern haben sie sich in Buchs SG getroffen.

TAGBLATT.ch

Im Industriegebiet der Stadt Buchs im Kanton St. Gallen ist es ruhig. Doch der Parkplatz vor der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) ist voll. Die Autonummern tragen Kennzeichen aus der ganzen Schweiz sowie aus Süddeutschland und Vorarlberg. Nicht ganz überraschend. Hier sollte am Samstag ein Treffen des «Global Common Law Court» (GCLC) stattfinden. Dieser «Gerichtshof auf Grundlage des Naturrechts» wurde in Deutschland 2016 gegründet und steht den «Reichsbürgern» nahe, die den Staat nicht anerkennen. Seit letztem Jahr gibt es auch in der Schweiz Ableger der Szene.

Im Obergeschoss des Gewerbehauses brennt Licht, jemand tritt aus der Tür und zündet sich eine Zigarette an. Weder Heino Fankhauser noch Bruno Moser seien hier, sagt er auf die Frage nach zwei Schweizer Exponenten der «Freemen», wie sich die Staatsverweigerer oft nennen. Reichsbürger sei er nicht. «Wir sind neokonservativ.»

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Philipp Lenards „Deutsche Physik“ gegen Albert Einsteins „Jüdische Physik“

The Man who stalked Einstein. How Nazi Scientist Philipp Lenard Changed the Course of History. Von Bruce J Hillman, Birgit Ertl-Wagner und Bernd C. Wagner. Guilford, Connecticut 2015, 212 Seiten. ISBN 978-1-4930-1001 (Hardcover) ISBN 978-1-4930-1569-6 (ebook)© WEKA Fachmedien

Wie sich Physik, Mathematik, gesunder Menschenverstand, Ideologie, Esoterik, Nationalismus und Politik zu einem tödlichen Mix verbinden: Die wahre Geschichte von Lenard und Einstein – so spannend wie ein Thriller.

Von Heinz Arnold | Markt&Technik

Experimentalphysiker gegen die Theoretiker: Die Frontlinie hatte sich schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausgebildet. Damals war noch nicht abzusehen, dass der Antagonismus sich zusätzlich noch national und schließlich nationalsozialistisch sowie antisemitisch aufladen sollte. Schon kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges stand plötzlich »Deutsche Physik« gegen »Jüdische Physik«.

Mit der abfällig gemeinten Bezeichnung »Jüdische Physik« bezeichneten »Deutsche Physiker« vor allem die Anhänger der Relativitätstheorie, aber auch alle, die mehr den abstrakten mathematischen Ableitungen vertrauten als dem »gesunden Menschenverstand«, den sie ebenfalls als etwas typisch deutsches klassifizierten.

Besonders schossen sie sich auf die Person Albert Einstein ein. Weil er Jude war, Pazifist und als Kosmopolit alles Nationale verachtete. Außerdem passte ihnen sein Humor, seine Ironie und vor allem die Fähigkeit, über sich selbst lachen zu können, ganz und gar nicht. Wer sich als Ideologe ernst nehmen will, der darf vor allem nicht über sich selber lachen können, geschweige denn die Welt mit Humor betrachten.

Ein ganz besonderes Exemplar dieser Gattung war der in doppeltem Sinne deutsche Physiker und Nobelpreisträger (1905) Philipp Lenard. Im Gegensatz zu den meisten seiner Genossen im Geiste war er sogar ein begabter Physiker. Er verrannte sich allerdings – angetrieben durch persönliche Schicksalsschläge, aber auch dem Gefühl, ständig im Leben zu kurz gekommen zu sein – dermaßen in seine Ideologie, dass die Gegnerschaft zur Relativitätstheorie in persönlichen Hass gegenüber ihrem Urheber und Helden umschlug. Lenard sah in Einstein die Personifikation all dessen, was er nicht nur für falsch hielt und ablehnte, sondern was er vom Antlitz der Erde vertilgen wollte.

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„Clash zwischen gefährlicher Pseudowissenschaft und Selbstbestimmung“

Globuli. Foto Hofapotheke St. Afra, Apotheker Tobias Müller. Lizenz: Public Domain.

Experten fordern, die Berufsbezeichnung Heilpraktiker entweder abzuschaffen oder umzudefinieren

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Im letzten Jahrhundert gingen manche Milieus in Deutschland den Weg vom wundergläubigen Katholizismus direkt in die Esoterik, ohne Umweg über die Aufklärung – vor allem im Gesundheitswesen, wo Menschen immer wieder vor der Situation stehen, dass es Krankheiten gibt, gegen die man bislang nichts ausrichten kann (vgl. Ist Religion ein Instinkt?).

Das führte dazu, dass sich eine „Parallelmedizin“ etablierte, die „Komplementäre und Alternative Medizin (KAM)“. Wer mit ihr Geld verdienen will, der muss nicht erfolgreich Medizin studieren, sondern bislang lediglich in einer vergleichbar unaufwendigen Prüfung glaubhaft machen, dass er die Gesundheit der Menschen, die ihn bezahlen, nicht gefährdet. Danach darf er dann das Prädikat „staatlich anerkannter“ Heilpraktiker führen, aus dem der irreführende Eindruck entstehen kann, hier würde es sich um Personen handeln, deren Heilfähigkeiten mit wissenschaftlichen Methoden nachgewiesen wurden.

Bettina Schöne-Seifert, eine Professorin für Medizinethik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), hat deshalb zusammen mit 16 hochkarätigen Medizinern, Juristen und anderen Experten den Münsteraner Kreis ins Leben gerufen, der jetzt im Deutschen Ärzteblatt ein Memorandum veröffentlichte, dem sich sowohl Institutionen als auch Einzelpersonen anschließen können, damit „Politiker motiviert werden, das Heilpraktikerwesen nicht nur kosmetisch, sondern grundlegend zu reformieren.“

Das Memorandum fordert, die Berufsbezeichnung „Heilpraktiker“ entweder abzuschaffen oder „durch die Einführung spezialisierter ‚Fach-Heilpraktiker‘ als Zusatzqualifikation für bestehende Gesundheitsfachberufe“ abzulösen – zum Beispiel für Ergotherapeuten, Logopäden oder Krankenpfleger. Das wäre nach Ansicht der 17 Experten ein „verantwortlicher Umgang“ mit dem Clash zwischen gefährlicher Pseudowissenschaft und Selbstbestimmung“ und würde ihren Erkenntnissen nach nicht nur „das Vertrauen in das deutsche Gesundheitswesen stärken“, sondern auch „die Versorgung verbessern“ und das Prädikat „’staatlich anerkannt‘ […] wieder [in] ein echtes Qualitätsmerkmal [verwandeln], an dem sich Patienten orientieren könnten.“

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Eine Welt voller Aberglauben

Das Sternschnuppen-Schauspiel am Himmel lockt jedes Jahr viele Neugierige an. Viele wünschen sich etwas, aber nicht alle glauben daran, dass der Wunsch in Erfüllung geht (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)

Aberglaube und Esoterik seien vor allem ein Riesengeschäft, sagt der Mediziner Theodor Much, der zahlreiche kritische Sachbücher zum Umgang mit diesem Phänomen verfasst hat. Auch an die Wunschkraft von Sternschnuppen glaubt er nicht.

Theodor Much im Gespräch mit Julius Stucke | Deutschlandfunk Kultur

Der jährlich wiederkehrende Sternschnuppenschwarm der Perseiden ist ein Höhepunkt des astronomischen Jahres. Diesmal jedoch werden wohl deutlich weniger Augustmeteore am nächtlichen Firmament zu sehen sein als in anderen Jahren: Wenn die Perseiden in der Nacht von Samstag auf Sonntag ihr Maximum erreichen, dürfte die Helligkeit des Mondes die Beobachtung empfindlich stören – außerdem könnten zahlreiche Wolken den Blick in den Himmel versperren. Der Glaube an Sternschnuppen ist dem Mediziner und Sachbuchautor Theodor Much, ebenso suspekt wie Esoterik und Homöopathie. Der langjährige Facharzt für Dermatologie ist Autor zahlreicher kritischer Bücher, in denen er sich um Aufklärung bemüht.

Engelsprays in Apotheken

„Es lohnt sich immer etwas zu wünschen, aber nicht unbedingt, wenn man Sternschnuppen erblickt“, sagte Much, im Deutschlandradio Kultur. „Da gibt es schon bessere Möglichkeiten.“ Wir lebten zwar alle im angeblich aufgeklärten 20. Jahrhundert, doch in Wirklichkeit sei die Welt voller Aberglauben, Vorurteilen und Esoterik. „Egal eigentlich im Prinzip, wo man hinschaut, ob in Apotheken, wo man Engelsprays verkauft oder Bachblüten, Homöopathie, Schüßlersalze  und in diversen Läden, wo man Edelsteine verkauft, in Buchhandlungen, wo es Hunderte von Büchern zu esoterischer Literatur gibt.“  Auch in TV-Sendungen würden Wunderheiler unkritisch präsentiert. „Die Welt ist eigentlich voll mit Esoterik.“

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Wo Esoterik und Reichsbürgerdenken sich begegnen

Bild: BR.de

Esoterik boomt – das haben inzwischen auch rechte Gruppierungen erkannt. Beim Freidenker-Stammtisch Nandlstadt vernetzt sich die Reichsbürger- mit der Esoterikszene. Veronika Wawatschek war vor Ort.

Von Veronika Wawatschek | BR.de

Ein Freitagabend auf dem Huberhof in Airischwand im nördlichen Landkreis Freising. Etwa 80 Leute sind in die Gastwirtschaft gekommen – um bei Radlerhalbe und Jägerschnitzel etwas über frühere Leben zu erfahren: durch die sogenannte Rückführungstherapie. Die gebürtige Slowenin Vesna Božič Mauko ist eigentlich Dolmetscherin. Vor elf Jahren hat sie sich vom Elektroingenieur Jan Erik Sigdell zur Rückführungstherapeutin ausbilden lassen. Sie sagt: Wer anderen Schlechtes antue, werde das in einem späteren Leben selbst erleben – also etwa der dunkelhäutige Schweizer, der unter seiner Hautfarbe litt.

„In der Rückführung hat sich herausgestellt, dass er in drei Leben vor dem heutigen, Menschen diskriminiert hat. Und deswegen muss er eben in diesem Leben als Schwarzer in der Schweiz leben“, lautet Božič Maukos Erklärung.

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«Tot und wieder lebendig»: Gläubige berichten von Wunderheilungen

Ein Pastor stirbt und wird von Jesus wieder zurück auf die Erde geschickt.

Von Hugo Stamm | Sektenblog-watson

Unsere technisch und wissenschaftlich geprägte Welt wird immer wunderlicher, denn trotz geistigem Fortschritt sind heute Wunder überall. Ganz nach dem Motto: Je mehr wir wissen, desto mehr glauben wir an Wunder. Ein Paradox, dachten wir doch immer, je mehr wir wissen, desto weniger müssen wir glauben.

Dieses Phänomen verdanken wir dem Glauben, der oft in den Aberglauben abdriftet. Verantwortlich dafür sind vor allem Esoterik, Alternativmedizin und frömmlerisches Christentum.

Wie sich Wunder bei den Christen freikirchlicher Couleur präsentieren oder anfühlen, dokumentiert die Internet-Plattform wunder-heute.tv. Der Titel einer Rubrik auf dem Portal ist Programm: «Tot und wieder lebendig».

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Potsdam: Religionen auf dem Rückzug

Der Potsdamer Religionswissenschaftler Johann Hafner. Foto: UP/Karla Fritze

Der Religionswissenschaftler Johann Hafner von der Universität Potsdam hat das Wirken religiöser Gemeinschaften in Potsdam untersucht. Das Seminarprojekt erstreckte sich auf alle Religionen sowie den Graubereich der Esoterik und Lebenshilfe.

Von Jan Kixmüller | Potsdamer Neueste Nachrichten

Religiöse Glaubensgruppen befinden sich gegenwärtig in der Stadt Potsdam auf einem Rückzug. Der Religionswissenschaftler Johann Ev. Hafner von der Universität Potsdam hat diese Tendenz zum Einigeln bei einer Untersuchung von Religionsgemeinschaften in der Stadt festgestellt. Die Zurückgezogenheit erklärt vor allem Hafner historisch. Bereits in Preußen hatten Katholiken und Alt-Lutheraner nur wenig Einfluss. Hinzu komme, dass im 19. Jahrhundert der Kirchgang in der Region seltener erfolgte als etwa in Bayern. Die Zeit des Nationalsozialismus und der folgende Sozialismus hätten ihr übrigens getan.

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Alchemie: Bis die Retorte platzt

© Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Vera Keil Alchemie
© Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Vera Keil Alchemie

Alchemie war angewandte Naturphilosophie, raunende Esoterik und zuweilen schlichter Betrug. Der nun ausgestellte Fund einer Laborausrüstung aus Wittenberg zeigt, was aus der „hermetischen Kunst“ um 1600 herum auch geworden war.

von Ulf von Rauchhaupt | Frankfurter Allgemeine

Gotisch wölbt sich die Decke. Zu dem spärlichen Licht, das durch die Spitzbögen sickert, gesellen sich Flammen, die aus tönernen Herdplatten schlagen. Dazwischen stehen mehrere Retorten sowie große, an längliche Kürbisse erinnernde Glaskolben. Was darinnen brodelt, ist nicht recht zu erkennen, denn die Gefäße sind bis oben hin mit Lehm ummantelt, nur Retortenhälse und die Schnäbel gläserner Destillierhelme schauen heraus. Aus ihren Enden tropfen ölige Essenzen in kleinere Kolben und verbreiten stechenden Schwefelgeruch oder das dumpfe Aroma von Stickoxiden, die sich mit dem Brandgeruch des Herdes mischen. Brennholz und Lehmbrocken liegen herum, eiserne Zangen und Unmengen weiterer Gefäße: Kolben, Becher, Tiegel.

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Justiz Albtraum

Alle erheben sich. Die Richterin, mit ihren Beisitzern, betritt den Verhandlungsaal. Ein kurzes Nicken in Richtung Publikum und das hohe Gericht nimmt Platz. Die Vorsitzende zupft an ihren Hidschab. Der Beisitzer zu ihrer Linken stellt einen kleinen, fetten, ewig grinsenden Buddha auf den Tisch. Der Andere einen tanzenden Shiva. Über allen thront das gewaltige Kreuz des Christentums. Die Autorität des christlichen Gottes ist scheinbar unbestritten, darunter hängt in goldenen Buchstaben auf schwarzen Samt, die Shahada. Während der Staatsanwalt beginnt den Verlauf der Verhandlung auszupendeln, legt der staatlich bestimmte Verteidiger seine Tarot-Karten. Die beiden anwesenden Justizbeamten channeln sich.

Der Angeklagte sitzt völlig verstört, die Augen weit aufgerissen auf seiner Bank. In jedweder Hinsicht ungläubig ahnt er, dass dies sein letztes Gericht ist.

Der strittige Sachverhalt, der Grund für die Gerichtsverhandlung ist belanglos. Sein Unglauben ist das Problem.

Kabbalistisch wird der zu bestimmende Paragraf im Strafgesetzbuch festgelegt. Verurteilt wird er zu ewiger Jugend, die er in einem religionspluralistisch geführten vatikanischen Männerpuff verbringen darf.

Zum Abschied drückt ihm sein Pflichtverteidiger eine Tarotkarte in die Hand, ein Bube.

 

Wie Homöopathie und Esoterik miteinander verbunden sind

foto: ap Mars wird in der Esoterik mit der Farbe Rot (Blut), Wildheit, Feuer, Angst und Unruhe assoziiert. Die dazu passende
foto: ap Mars wird in der Esoterik mit der Farbe Rot (Blut), Wildheit, Feuer, Angst und Unruhe assoziiert. Die dazu passende „Marspflanze“ ist Belladonna, die Tollkirsche.

In der Homöopathie wie in der gesamten Esoterik werden Analogien zwischen Planeten, Pflanzen und Mineralien hergestellt und Rückschlüsse vom Aussehen von Pflanzen auf die medizinische Wirksamkeit gezogen

Userkommentar Theodor Much, Krista Federspiel | derStandard.at

Unter Esoterik wird jede Disziplin verstanden, die weder empirisch noch rational überprüfbar ist und daher nicht mit wissenschaftlichen Erkenntnissen übereinstimmt, sondern ihnen vielmehr widerspricht, und die sich mit mythischen und spirituellen Themen befasst. Anhänger esoterischer Praktiken glauben an Phänomene, die auf alle Bereiche unseres Universums einwirken und auch den menschlichen Körper und dessen Gesundheit direkt betreffen: Sie glauben an einen in „Hierarchien“ von oben nach unten alles durchdringenden kosmischen Geist.

Göttlicher Ursprung

Die meisten der heute in Europa so populären esoterischen Heilpraktiken fußen auf dem Götterglauben sowohl der Antike als auch der Okkultismusbewegung des 19. Jahrhunderts und sind eng mit der Astrologie verwandt. Vielen der esoterischen Scheintherapien, wie etwa Astromedizin, Anthroposophie, Ayuverda, Geistheilen und vor allem Homöopathie, sind folgende Anschauungen gemeinsam. Der Glaube …

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