Handelspakt Ceta mit Kanada gilt ab September vorläufig

(Bild: Stefan Krempl), heise online
Das umstrittene Ceta-Handelsabkommen zwischen Kanada und Europa soll am 21. September 2017 vorläufig in Kraft treten.

heise online

Das lange umstrittene europäisch-kanadische Handelsabkommen Ceta geht am 21. September an den Start. Dann wird der Pakt in wesentlichen Teilen zunächst vorläufig angewendet, bis er in allen EU-Staaten ratifiziert ist.

Darauf habe er sich mit dem kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau geeinigt, teilte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Samstag über Twitter mit. Juncker lobte das Abkommen als neues Kapitel der beidseitigen Beziehungen und als Bekenntnis zu gemeinsamen Werten.

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Julian Nida-Rümelin: Statt offener Grenzen – ein Marshall-Plan für Afrika!

Rettungsaktion für Flüchtende auf dem Mittelmeer – der Philosoph Julian Nida-Rümelin fordert eine Bekämpfung von Fluchtursachen statt offener Grenzen (Imago | Rene Traut )
Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, Tausende sterben jedes Jahr beim Versuch, über das Mittelmeer nach Europa zu kommen. Ein politisches Großproblem, eine menschliche Tragödie, aber auch eine Herausforderung an das philosophische Denken.

Moderation: Susanne Führer | Deutschlandradio Kultur

Deutschlandfunk Kultur: Unser Thema in Tacheles heute sind Grenzen, und zwar die Grenzen zwischen Staaten, die verhindern sollen, dass Menschen aus dem Senegal oder aus Syrien einfach nach Deutschland oder Schweden zum Beispiel ziehen können in der Hoffnung auf Arbeit, auf Sicherheit und eine Zukunft. Es geht also um Migration und um Flüchtlinge und um die Frage, welche Verantwortung wir, die wir in Wohlstand und in Frieden leben, für diejenigen tragen, die dieses Glück nicht haben.

Damit tut sich ein Feld auf, das von der Politik bis zur Philosophie reicht, von Fragen nach Recht und Gesetz bis zu Fragen der Ethik. Und einer, der sich seit Jahren virtuos auf der Grenze von Philosophie und Politik bewegt, ist Julian Nida-Rümelin. Er ist Philosoph, lehrt auch als Universitätsprofessor in München und er war einmal Politiker, unter anderem Bundeskulturminister. Erstmal herzlich willkommen, Herr Nida-Rümelin.

Julian Nida-Rümelin: Guten Tag, Frau Führer.

Deutschlandfunk Kultur: Sie haben vor kurzem ein Buch veröffentlicht, „Über Grenzen denken“ heißt es, in dem Sie eine „Ethik der Migration“ entwerfen, so lautet also auch der Untertitel. Haben Sie eigentlich beim Schreiben dieses Buches jemals gedacht, Mensch, was habe ich für ein Glück, dass ich zu dieser Zeit in diesem Land geboren wurde und nicht im Irak, in Syrien oder Afghanistan?

Julian Nida-Rümelin: Also, nicht nur beim Schreiben dieses Buches, sondern ich habe mich vor Jahrzehnten schon engagiert für eine andere Weltpolitik, für gerechtere Verhältnisse. Das knüpft also da unmittelbar an, dieses Buch. Ich hatte den Eindruck, dass die gesamte Debatte entgleist ist.

Nachdem sich die Welt jahrzehntelang nicht mehr um das Elend und die Not gekümmert hat und stattdessen Welthandelsverträge beraten hat, glauben wir nun, mit offenen Grenzen das Weltelend mindern zu können. – Das ist eine völlige Fehleinschätzung auch der Größenordnung und der Herausforderung, vor der diese Welt steht.

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Wie arabische Staaten fundamentalistische Missionierung in Europa finanzieren

Salafisten beten 2012 in Bonn. (Foto: picture alliance / dpa)
  • Missionare von der Arabischen Halbinsel versuchen, in Europa Grundstücke für Moscheen und Schulungseinrichtungen zu kaufen – auch in Deutschland.
  • Hierzulande hat sich die Zahl radikaler Salafisten in den vergangenen fünf Jahren auf 10 000 verdoppelt.
  • Der Bundesnachrichtendienst ist überzeugt: Vor allem Saudi-Arabien, Kuwait und Katar sähen derzeit eine günstige Gelegenheit, ihren fundamentalistischen Islam in Europa zu verbreiten.

Von Ronen Steinke | Süddeutsche.de

Bei manchen Geschenken wird man eher misstrauisch, als dass man sich freut. Kürzlich hieß es: Das märchenhaft reiche Königshaus von Saudi-Arabien wolle seine Staatsschatulle öffnen und in Deutschland den Bau von 200 neuen Moscheen spendieren.

Schon wahr, Neubauten wären gut. Die deutschen Moscheen sind völlig überfüllt. Nicht nur im Ramadan spüren das die Betenden. Eine knappe Million Flüchtlinge sind seit Herbst 2015 gekommen, siebzig Prozent von ihnen sind muslimisch.

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Was der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen bedeutet

Image: NBCNews/YouTube
Er hat es getan: Am Donnerstag 15.30 Uhr Ortszeit verkündete US-Präsident Donald Trump in Washington eine historische Kehrtwende in der Klimaschutzpolitik. Die USA steigen aus dem Pariser Abkommen aus. Der Vertrag behandle sein Land „unfair“, er sei jedoch bereit für neue Verhandlungen zum Klimaschutz. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick. Wie reagiert die internationale Gemeinschaft auf den Politikwechsel in Washington?

Von Matthias Lambrecht, Bastian Henrichs, Frauke Ladleif | greenpeace magazin

Trumps Rechnung geht schon am Tag nach der Erklärung des Kurswechsels nicht auf: Niemand will mit den USA über neue Bedingungen und eine Überarbeitung des im November 2015 vereinbarten Pariser Abkommens verhandeln: „So geht das nicht“, stellte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker umissverständlich klar. Bundeskanzlerin Angela Merkel machte wie die Premierministerin Theresa May keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung. Frankreichs Präsident Emmanuel Marcon sagte: „Es gibt nichts zu verhandeln.“ Der französische Staatschef hatte schon vor der für ihn erfolgreichen Stichwahl frustrierte US-Klimaforscher aufgefordert, nach Frankreich zu kommen. In einer Rede nach der Bekanntgabe der Entscheidung in Washington wiederholte sein Angebot und schloss mit dem Satz: „Make our planet great again!“

In einer gemeinsamen Erklärung ließen Macron, Merkel und der italienische Regierungschef Paolo Gentiloni den Klimawandel-Leugner im Weißen Haus wissen: „Wir betrachten die im Dezember 2015 in Paris erzeugte Dynamik als unumkehrbar.“ Auch aus Peking kann der US-Präsident wenig Entgegenkommen erwarten. Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua bezeichnete Trumps Entscheidung als „Rückschlag für die Welt“. Trump habe „zum Bedauern fast aller“ entschieden, die USA von einer „historischen globalen Vereinbarung abzuschneiden, bei deren Entstehung sein Land einmal eine Schlüsselrolle spielte“.

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Frankreich: Verdeckte „gezielte Tötungen“ von IS-Mitgliedern im Irak

Mosul: Um sicherzustellen, dass so wenig IS-Kämpfer mit französischer Staatsangehörigkeit wie möglich zurückkehren, wurde angeblich eine „Jagdliste“ an irakische Truppen weitergegeben

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

US-Verteidigungsminister Matthis erklärte kürzlich, dass die USA eine härtere Linie im Kampf gegen den IS eingeschlagen hätten. Man habe den Kampf gegen den IS „beschleunigt“, wird er vom Guardian wiedergegeben. Dabei habe man von einer „Zermürbungstaktik“ auf „Vernichtung“ (Annihilation) umgeschaltet. Zivile Opfer seien ein Fakt in dieser Situation.

„Wir sind nicht die perfekten Typen, aber wir sind die guten. So tun wir, was wir können“, kommentiert er nonchalant die dazu gehörige Sichtweise in der US-Regierung, die sich bekanntlich der Menschenrechte als außenpolitische Hürden entledigt hat (siehe Abschied vom Menschenrechtsimperialismus). Nachrichten über eine Zunahme von zivilen Opfern bei Angriffen werden dann als „facts of life“ verbucht.

Beachtlich ist eine Begründung, die Mattis der Vernichtungstaktik gegen den IS beigab, laut Guardian unter dem Eindruck des Attentats in Manchester: „Unsere Absicht ist, dass die ausländischen Kämpfer (des IS, Einf.d.A.) den Kampf nicht überleben, um in ihre Länder zurückzukehren, nach Nordafrika, Europa, Amerika, Asien oder Afrika. Das werden wir ihnen nicht erlauben. Wir werden sie an Ort und Stelle stoppen und ihr Kalifat auseinandernehmen.“

Nach Informationen des Wall Street Journals setzt Frankreich auf diese Vorgehensweise bei IS-Kämpfern mit französischer Staatsangehörigkeit. Sie sollen an Ort und Stelle getötet werden, damit die IS-Dschihadisten nicht zurückkehren. Allerdings sind „gezielte Tötungen“ mit dem französischen Gesetz nur schwer oder gar nicht in Einklang zu bringen, zumal bei einigen bekannten Dschihadisten auch bereits ein Justizverfahren läuft.

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UN: Mehr als 70.000 Bootsflüchtlinge erreichten 2017 Europa

Mehr als 70.000 Flüchtlinge und Migranten sind in diesem Jahr laut den UN über das Mittelmeer nach Europa gelangt. Etwa 60.000 davon gingen in Italien an Land, wie das Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Dienstag in Genf mitteilte. Seit Januar starben 1.720 Männer, Frauen und Kinder bei den gefährlichen Überfahrten in kaum seetauglichen Schlepperbooten oder werden vermisst.

evangelisch.de

Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der Überfahrten 2017 stark zurück, die Zahl der Toten und Vermissten blieb jedoch hoch. Von Januar bis Mai 2016 erreichten laut einer UNHCR-Sprecherin mehr als 200.000 Menschen über das Mittelmeer Europa, die meisten davon Griechenland. In diesem Zeitraum starben gemäß der Sprecherin mehr als 2.000 Menschen bei der Passage oder gelten seither als unauffindbar.

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Soziologin: Konfessionslose sind oft nicht strikt atheistisch

Die meisten Konfessionslosen in Europa sind nach Ansicht der britischen Religionssoziologin Linda Woodhead nicht strikt atheistisch eingestellt. „Die Gruppe derjenigen, die keiner organisierten Religion angehören, wächst zwar in vielen europäischen Ländern“, sagte die Hans-Blumenberg-Gastprofessorin am Montagabend am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster. Damit gehe jedoch nicht eine genauso stark wachsende Ablehnung von Glauben und Spiritualität einher.

kathpress

So folgten nur 13 Prozent der Konfessionslosen in Großbritannien dem „Neuen Atheismus“ des Evolutionsbiologen Richard Dawkins, so die Professorin. Auch zeigten nur 42 Prozent der konfessionslosen Briten die Überzeugung, es gebe keinen Gott. Gut 16 Prozent von ihnen halten die Existenz Gottes oder einer höheren Macht sogar für sicher oder wahrscheinlich, sagte Woodhead.

„An die Stelle kirchlicher Bindung treten mehr und mehr individualistische und synkretistische Religionsformen“, erläuterte die Religionssoziologin. Rund ein Viertel der Konfessionslosen pflege im privaten Bereich eigene spirituelle Praktiken. „Wer sich heute in England oder Deutschland beerdigen lassen will, bekommt viele christlich-säkulare Mischformen geboten.“ Dies sei inzwischen „normal“.

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An Alien-Hunting Submarine Is Being Tested in Antarctica

ARTEMIS under Antarctic sea ice. Image copyright: Bill Stone/Stone Aerospace, Inc. Used with permission.
A look at the amazing photos and stunning science from the ARTEMIS mission in Antarctica.

By Daniel Oberhaus | MOTHERBOARD

When president Trump released his budget proposal earlier this year, space enthusiasts were dismayed to learn that it didn’t include funding for NASA’s mission to place a lander on Europa. Although it is just one of Jupiter’s 67 moons, Europa is unique in that it is thought to have an ocean of liquid water under the icy, red-veined crust that covers its surface, which makes it the best candidate in the solar system for hosting alien life.

But all hope is not lost for the subsurface exploration of Europa—just last week, NASA and the European Space Agency announced a joint mission proposal for a new Europa lander.

This is particularly good news for the folks at Stone Aerospace, who have spent the last few years developing ARTEMIS, an autonomous submarine that is pioneering the technology that they hope will one day be used to explore Europa’s ocean. In 2015, ARTEMIS was given its first field test off the coast of Antarctica and the results of these test runs were presented at NASA’s astrobiology conference last week. By all accounts, the mission was a huge success.

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„Es gibt bessere Orte in der Welt, nach der Sharia zu leben, als Europa“

Wolfgang Schäuble. – (c) APA/AFP/STEFFI LOOS
Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble übt heftige Kritik am türkischen Präsidenten Erdogan. Er wirft ihm vor, Konflikte aus der Türkei nach Deutschland getragen zu haben.

Die Presse.com

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vorgeworfen, Konflikte aus dessen Land nach Deutschland getragen zu haben. „Das ist schon ziemlich ärgerlich, was der Mann macht“, sagte der CDU-Politiker am Mittwochabend bei einer Veranstaltung von Deutschlandfunk und „Neuer Zürcher Zeitung“ in Berlin.

Grundsätzlich müsse man den Menschen aus muslimisch geprägten Ländern sagen, dass sie in Deutschland willkommen seien. Man müsse ihnen aber auch klarmachen, dass sie die Lebensweise und alle Grundwerte akzeptieren müssten. „Wenn Ihnen das nicht passt, (…) dann habt Ihr eine falsche Entscheidung getroffen“, sagte er an diese Menschen gerichtet. „Es gibt bessere Orte in der Welt, nach der Sharia zu leben, als Europa.“

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Saharastaub wirbelt Bakterien und Pilze nach Europa

Ein Wettersatellit zeigte den Saharastaub, der im Sommer 2014 bis nach Süddeutschland vorgedrungen ist Quelle: dpa
Im Jahr 2014 schaufelten Wüstenstürme über Nordafrika riesige Mengen Saharastaub nach Europa. Jetzt wurde die zentimeterbreite rote Staubschicht genau untersucht. Die Erkenntnisse sind unerfreulich.

DIE WELT

Auf Mallorca fiel Schlammregen. In Deutschland bangten viele Autofahrer um den Lack ihrer Fahrzeuge. Und für Menschen mit Stauballergie waren es böse Tage: Im Februar und April 2014 schaufelten Wüstenstürme Unmengen an Saharastaub über mehr als 2500 Kilometer bis nach Mitteleuropa.

Betroffen waren vor allem die Alpen, wo sich der Staub in besonders großer Konzentration in Höhen zwischen 2000 und 3000 Metern sammelte und den Schnee einfärbte. Allein Österreich wurde nach Schätzungen von Meteorologen mit zwei Millionen Tonnen Staub eingepudert.

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Bankgewinne durch Steuerflucht

Bild: heise.de/tp
Oxfam hat die Finanzflüsse von 20 europäischen Großbanken untersucht, die angeblich hohe Gewinne in europäischen Steueroasen machen

Von Ralf Streck | TELEPOLIS

Eigentlich ist es nicht mehr verwunderlich, wenn nach den großen Firmen wie Apple, Starbucks, Fiat und anderen, nun auch bekannt wurde, dass die Banken wohl die gleichen Steuerschlupflöcher nutzen, um Gewinne zu machen oder zu maximieren. Auch sie verschieben offenbar zur Steueroptimierung Gewinne im großen Stil in Steueroasen, um Steuern zu umgehen. Das legt jedenfalls eine Untersuchung der Entwicklungsorganisation Oxfam nahe. Luxemburg sticht in Europa besonders hervor, wo der Steuerdumper Jean-Claude Juncker für die Schaffung der Schlupflöcher mitverantwortlich war. So ist kaum verwunderlich, wenn Brüssel nur zaghaft versucht, die Steuerparadies in Europa zu beseitigen.

Die Entwicklungsorganisation hat gemeinsam mit dem von ihr ins Leben gerufene Netzwerk „Fair Finance Guide International“ einmal die Finanzflüsse von den 20 größten europäischen Banken unter die Lupe genommen. Die Studie hat den vielsagenden Titel „Opening the vaults“ (Die Tresore öffnen) soll aufzeigen, wie „die größten europäischen Banken die Steuerparadiese nutzen“.

Der Inhalt hat es in sich, obwohl nur die offiziellen Zahlen der Banken ausgewertet wurden. Dass die Banken ihre Zahlen nicht immer wahrheitsgemäß angeben oder weit auslegen, ist aus den letzten Jahren bekannt, wo es in einigen Ländern sogar Strafverfahren gibt, weil sich angebliche Gewinne bisweilen in Milliardenverluste verwandelt haben und diverse Banken zu Rettungsfällen wurden. Verlassen kann man sich oft auch nicht auf die Zahlen derer, die mit der Prüfung der Bilanzen betraut sind, hat sich auch sehr deutlich gezeigt (Das Geschäft mit Bankenrettungen.

Das sei vorangestellt, weil Oxfam nur Daten ausgewertet hat, die die großen „Banken nach den Transparenzregeln“ nun liefern müssen. „Zu der offiziellen länderbezogenen Berichterstattung sind sie nach der Finanzkrise verpflichtet worden“, erklärt der Oxfam-Sprecher Nikolai Link gegenüber Telepolis. Aus diesen Daten sei die „diese Studie destilliert“ worden, fügt er an. Die europäischen Banken müssen nun über Gewinne und Steuerzahlungen in allen Ländern Auskunft geben, in denen sie aktiv sind (Country-by-Country Reporting).

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Ist Europa erloschen?

An meinem fünfzehnten Geburtstag war es, im Sommer 2005 in Nord-Marokko, als ich zufällig an eine Reihe kurzer Online-Artikel über die europäische Aufklärung geriet.

 

Von Kacem El Ghazzali | Richard-Dawkins-Foundation

Was ich las, war ebenso fesselnd wie aufwühlend und markierte den Beginn einer radikalen Veränderung in meinem Leben.

Sehr eindrücklich war die Erkenntnis, dass Europa, heute ein entwickelter und freier Kontinent, bis zum 18. Jahrhundert auf denselben religiösen Pfeilern ruhte wie heute viele muslimische Länder, durchwirkt von religiösem Dogma, Sektierertum und Angriffen auf die Redefreiheit. Es war ermutigend, zu lesen, wie die Philosophen Europas an der vordersten Front des Kampfes für die Freiheit so viel erreicht hatten, obwohl sie, Verfechter von individueller Unabhängigkeit, intellektueller Offenheit und von Austilgung religiöser Unterdrückung, doch so wenige waren. Einsame Stimmen, ohne Unterstützung im Volk, unter Verfolgung leidend, im Exil lebend; verwandt vielen Säkularisten und Intellektuellen in der heutigen muslimischen Welt.

Dieses Europa mit seiner Literatur, seiner Philosophie, seinem revolutionären Erbe war ein Quell der Inspiration. Ich war ein junger Marokkaner mit einer komplizierten Geschichte der religiösen Erziehung, mit vierzehn Jahren genötigt, die Schule zu verlassen und eine salafistische Madrasa (Schule für islamische Wissenschaften) zu besuchen, aber die Werke der Intellektuellen der Aufklärung zu lesen wirkte als Katalysator meiner eigenen, persönlichen Aufklärung.

Die Ansichten Spinozas über Religion als organisiertes Dogma, der Mut Voltaires angesichts religiöser Verfolgung oder Diderots Glaube an die Bedeutung von Wissenschaft und Vernunft treffen speziell auf die gegenwärtigen Herausforderungen in der islamischen Welt zu.

Um eine solche Faszination innerhalb der islamischen Welt von der europäischen Aufklärung zu verstehen, sollten wir uns der historischen Kontexte beider Kulturen bewusst sein.

Heute kennt man in Frankreich, Deutschland und England keine religiöse Verfolgung mehr. Niemand, der seine Meinung äußert, seine Religion ausübt, wie er es für richtig hält oder der gar nicht erst einer Religion anhängt, muss ein Nachspiel befürchten.

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Erdogan: Türken in Europa sollen fünf Kinder kriegen

Bild: Magazin „The Economist“
Im eskalierenden Streit mit Europa hat der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan seine dort lebenden Landsleute aufgefordert, ihren Einfluss auszuweiten und mehr Kinder zu zeugen.

Frankfurter Rundschau

„Macht nicht drei, sondern fünf Kinder, denn Ihr seid die Zukunft Europas“, sagte Erdogan im westtürkischen Eskisehir. Innenminister Süleyman Soylu drohte der EU, Tausende Flüchtlinge über die Grenze zu schicken. Morgen jährt sich der Flüchtlingspakt der EU mit der Türkei zum ersten Mal. In knapp einem Monat stimmen die Türken über die Einführung des von Erdogan angestrebten Präsidialsystems ab.

Cavusoglu warnt vor „Religionskriegen“ in Europa

Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu glaubt an baldige „Religionskriege“ in Europa.Foto: Elyxandro Cegarra/AP/dpa
Nach der Wahl in den Niederlanden kündigt der türkische Außenminister weitere Schritte an. Europa werde schon lernen, wie man mit der Türkei umzugehen habe, droht er.

DER TAGESSPIEGEL

Nach den Parlamentswahlen in den Niederlanden hat der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu vor einem Glaubenskrieg in Europa gewarnt. „Ihr führt Europa einem Abgrund entgegen“, sagte Cavusoglu im südtürkischen Antalya nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu vom Donnerstag. „Bald könnten in Europa auch Religionskriege beginnen, und sie werden beginnen“.

Zu den Parlamentswahlen in den Niederlanden sagte er: „Zwischen den Sozialdemokraten und dem Faschisten (Geert) Wilders besteht überhaupt kein Unterschied, alle denken gleich.“ Cavusoglu kündigte zudem weitere Schritte gegen die Niederlande an und sagte: „Wir können uns mit denen nicht befassen, als wären wir Schmarotzer. Der Türke ist nirgendwo ein Schmarotzer.“ Die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU sind wegen der Absage von Wahlkampfauftritten türkischer Minister angespannt. Zum Eklat kam es vergangenes Wochenende, als die Niederlande einen Auftritt der türkischen Familienministerin Fatma Betül Sayan Kaya in Rotterdam verhinderte.

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Die Religion ist auf die Weltbühne zurückgekehrt

In Europa entfaltet der Glaube schon lange keine politische Kraft mehr. Der Kontinent hat aus dem Dreißigjährigen Krieg gelernt. Woanders aber herrschen noch Mord und Totschlag im Namen Gottes.

Von Michael Stürmer | DIE WELT

„Das 21. Jahrhundert wird religiös sein – oder es wird nicht sein.“ Als André Malraux, Schriftstellerphilosoph und Zeitgenosse des General de Gaulle, diesen Satz wagte, stand er quer zum Zeitgeist. Religion war späte Nachricht unaufgeklärter Zeiten – so der Konsensus.

Heute dagegen, von den Kreuzen und Zwiebeltürmen über den Dächern von Moskau bis zu den Gebetshäusern des amerikanischen „Bible Belt“, die jüngst erst – mehr als jedem erinnerlichen Vorgänger – Donald Trump zur Macht verholfen haben, handelt es sich um einen Gemeinplatz.

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Krise: Aufrufe zur Deeskalation prallen an Ankara ab

In der Krise um Wahlkampfauftritte türkischer Minister in Europa zeichnet sich nach dem Eklat in den Niederlanden keine Entspannung ab.

Frankfurter Rundschau

Die Europäische Union und die Nato appellierten an alle Seiten, den Streit nicht weiter anzuheizen – dennoch blieben die Fronten zwischen Ankara und Den Haag verhärtet. Kanzlerin Angela Merkel sicherte den Niederlanden ihre „volle Unterstützung und Solidarität“ zu. Das türkische Außenministerium bestellte zum dritten Mal in drei Tagen den niederländischen Gesandten in Ankara ein.

Radioaktivität: Beinaheunfall in Norwegen

Forschungsreaktor Halden. Bild: FinnWikiNo/ IFE/CC BY-SA-3.0
Die Ursache einer im Januar bekannt gewordenen radioaktiven Wolke über Europa scheint auf kein Interesse zu stoßen

Von Detlef zum Winkel | TELEPOLIS

Ende Januar wurde die Öffentlichkeit mit spärlichen Meldungen über eine radioaktive Wolke informiert. Sie enthalte Jod 131 in geringer Konzentration und verteile sich über ganz Europa, wie Strahlenmessungen in Finnland, dann in Frankreich, Spanien und schließlich auch in Deutschland gezeigt hätten.

Anmerkung Nr. 1: In Deutschland zuletzt.

Die Wolke sei ungefährlich, hieß es, und „mysteriös“, weil ihre Ursache unbekannt blieb. Immerhin schickte das US-Militär ein mit Messinstrumenten ausgestattetes Spezialflugzeug, um der Sache auf den Grund zu gehen. Verrieten die J131-Spuren vielleicht ein nukleares Experiment der Russen, möglicherweise sogar einen Atomtest?

Anmerkung Nr. 2: Die EU-Staaten unternahmen keine erkennbaren eigenen Anstrengungen, um die Ursache des Phänomens zu erkunden.

Am 3. März veröffentlichte die norwegische NGO Bellona einen Bericht über einen Störfall im Forschungsreaktor Halden nahe der Grenze zu Schweden. Er ereignete sich bereits am 24. Oktober 2016, wurde von einer Handvoll englischsprachiger Medien gemeldet und alsbald wieder vergessen.

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Der Aufstieg des Islam

Der Prophet Mohammed in einer historischen Darstellung. Für den Islamwissenschaftler Lutz Berger gibt es in der Islam-Debatte zu viele unhistorische Rückgriffe auf die Anfangszeit des Islam vor rund 1.400 Jahren. (imago/stock&people)
Der Prophet Mohammed in einer historischen Darstellung. Für den Islamwissenschaftler Lutz Berger gibt es in der Islam-Debatte zu viele unhistorische Rückgriffe auf die Anfangszeit des Islam vor rund 1.400 Jahren. (imago/stock&people)
Der Islam ist nicht das Fremde, sondern Teil der spätantiken Mittelmeerwelt, aus der auch das heutige Europa hervorgegangen ist, konstatiert der Kieler Islamwissenschaftler Lutz Berger in seinem Buch „Die Entstehung des Islam. Die ersten hundert Jahre“. Darin widerspricht er der These, der Islam sei per se eine kriegerische Religion. Stattdessen seien Muslime stark geworden, weil ihre Gegner schwach waren.

Von Jan Kuhlmann | Deutschlandfunk

Über den Islam wird in Deutschland und anderswo heftig diskutiert. Doch von der Art und Weise, wie das allzu oft geschieht, hält der Islamwissenschaftler Lutz Berger wenig. Für ihn gibt es zu viel Schwarz und Weiß in der Debatte – was bei ihm heißt: zu viele unhistorische Rückgriffe auf die Anfangszeit des Islam vor rund 1.400 Jahren.

„Viele sogenannte Islamkritiker meinen, dass alles Denken und Tun der Muslime bereits in einem wörtlich zu verstehenden Koran vorgezeichnet sei und sehen im Propheten Mohammed einen direkten Wegbereiter heutiger militanter Bewegungen. Konservativ-traditionalistische Muslime argumentieren ganz anders, aber oftmals genauso unhistorisch, und zeichnen von der Frühzeit des Islam das idealisierte Porträt eines Zeitalters der Glückseligkeit, von dessen Errungenschaften wir Heutigen alles lernen könnten, was wir brauchen, um die Probleme der Gegenwart zu lösen.“

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EU-Südstaaten-Gipfel: EU-Südstaaten fordern stärkeres Europa

François Hollande: Europa muss Trump antworten. Foto: dpa
François Hollande: Europa muss Trump antworten. Foto: dpa
In Lissabon werden „neue Visionen“ für die Zukunft Europas gesucht. Beim Gipfel der EU-Südstaaten spielt Trump eine Hauptrolle. Frankreichs Präsident Hollande spricht Klartext.

Frankfurter Rundschau

Die EU-Südstaaten haben vor dem Hintergrund von Krisen und Problemen weltweit ein «stärkeres und vereinteres Europa» gefordert. «In diesen Zeiten von so vielen Ungewissheiten weltweit ist es unerlässlich, dass wir eine stärkere und vereintere Europäische Union haben», sagte der gastgebende portugiesische Ministerpräsident António Costa am Samstag zum Abschluss des zweiten Gipfeltreffens der sieben Länder in Lissabon. Die EU müsse für die Werte der Demokratie und des freien Handels eintreten.

Rund viereinhalb Monate nach dem ersten Gipfel in Athen standen in Lissabon erneut die Themen Flüchtlinge, Sicherheit sowie Wirtschaft und Wachstum im Mittelpunkt der Gespräche. Die Regierungs- und Staatschefs aus Spanien, Frankreich, Portugal, Griechenland, Italien, Zypern und Malta wollten ihre Standpunkte untereinander abstimmen, «neue Visionen» und konkrete gemeinsame Vorschläge «für eine bessere Zukunft für Europa» erarbeiten.

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Kauder schließt EU-Strafzölle gegen USA nicht kategorisch aus

Volker Kauder: Nichts ist wichtiger als Religion (= Christentum)

Unions-Fraktionschef Volker Kauder findet Strafzölle „den falschen Weg“, kann sie sich für Produkte aus den USA aber vorstellen, falls Donald Trump seine Drohungen gegen europäische Autokonzerne wahrmachen sollte.

Von Robert Birnbaum | DER TAGESSPIEGEL

Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) schließt Strafzölle der Europäischen Union als letztes Mittel gegen US-Handelsbeschränkungen nicht aus: „Europa muss sich einig sein, Donald Trump davon abzubringen, den freien Welthandel einzuschränken“, sagte Kauder dem Tagesspiegel.

Er setze dabei auf ein ernsthaftes Gespräch mit dem US-Präsidenten, weil gegenseitige Drohungen in der Regel nicht weiterführten. „Wir werden unsere Gesprächspartner in den USA daran erinnern, dass Autos in Amerika nicht billiger, sondern teurer werden, wenn der US-Präsident die Zölle erhöht“, sagte Kauder. „Aber natürlich könnte theoretisch auch Europa höhere Zölle erheben. Das wäre aber der falsche Weg.“

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