Wie kann sich der Rechtsstaat auf IS-Kriegsheimkehrer vorbereiten?

Bild: nationalreview.com
Mit dem Ende des IS-Kalifats kommt auf Staaten weltweit eine grosse Verantwortung zu. Was lässt sich tun?

Neue Zürcher Zeitung

Aus aller Welt zogen radikalisierte Menschen in die IS-Gebiete, um für die Terrororganisation zu kämpfen. Jetzt, da die letzten Hochburgen gefallen und die letzten Regionen zurzeit befreit werden, stellt sich die Frage, was tun, mit jenen Kämpfern die sich ergeben oder die über verworrene Wege wieder in ihre Heimatländer zurückfinden?

«Das Absurde dabei ist, dass die gescheiterten Jihadisten nun ausgerechnet in jenen Gesellschaften auf den besten Schutz hoffen können, die sie so abgrundtief hassen: den westlichen Rechtsstaaten», analysiert Auslandredaktor Christian Weisflog die Lage. «Während sie im Irak oder in Syrien mit Folter oder Hinrichtung rechnen müssen, droht ihnen in Europa im schlimmsten Fall eine lange Haftstrafe.»

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François Jullien: „Es gibt keine kulturelle Identität“

François Jullien hält die Vorstellung von „Identität“ mit Blick auf Kulturen für einen grundsätzlichen Denkfehler. (imago/allOver; Suhrkamp)
Ist Europa christlich geprägt? Oder aber laizistisch? Beides! Sowohl Christentum als auch die Aufklärung seien europäische „Ressourcen“, sagt der französische Philosoph François Jullien. Mit seiner Denkfigur der „kulturellen Ressource“ wendet er sich gegen reaktionäre Fantasien.

Von Catherine Newmark | Deutschlandfunk Kultur

Von der Angst vor der Globalisierung als Triebkraft für den Aufstieg von Nationalismus und Rechtspopulismus in Europa und den USA ist in letzter Zeit viel die Rede gewesen. Von wirtschaftlichen Abstiegsängsten ebenso wie der Sorge, eigener kultureller Traditionen durch die Migrationsbewegungen verlustig zu gehen – als Motor für die immer lauter werdenden Forderungen nach einer Rückkehr zu geschlosseneren, homogeneren Gesellschaften, zu „unseren“ eigenen Traditionen und „Werten“ oder zu einer auf Abstammung beruhenden nationalen und kulturellen Identität.

Eine interessante Kritik am Kulturkampf hat nun der renommierte französische Philosoph und Sinologe François Jullien formuliert. „Es gibt keine kulturelle Identität“ stellt sein Essay bereits im Titel mit aller Deutlichkeit klar. Die philosophische Argumentation, mit der er diese Behauptung untermauert, ist begrifflich einigermaßen anspruchsvoll, aber sehr überzeugend.

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Der Atheismus gehört auch zu Deutschland

Die atheistische Bedrohung

„Der Atheismus gehört auch zu Deutschland“. Wie kommt man auf die Idee, einen derartigen Satz in die Welt zu setzen? Zwar weiß niemand genau, wie viele Menschen in Deutschland leben, die nicht an Gott glauben (Atheisten und Agnostiker). Aber mehr als Muslime sind es auf jeden Fall. Und der Islam gehört doch – jedenfalls laut Wolfgang Schäuble, Christian Wulff und Angela Merkel (und deren Trabanten) – auch zu Deutschland. Trotzdem habe ich den Satz bezüglich des Atheismus noch nie gehört oder gelesen. Das veranlasst mich zu der Frage, was es eigentlich bedeutet, dass dieses oder jenes „zu Deutschland gehört“?

Von Rainer Grell | Achgut.com

Sir Christopher Clark, der sympathische australische Professor, der perfekt Deutsch spricht und in Cambridge (UK) neuere europäische Geschichte lehrt, hat kürzlich in einem „Welt“- Interview gesagt: „Selbstverständlich gehört der Islam zu Europa! … Es ist eine unwiderlegbare historische Tatsache, dass der Islam Teil der europäischen Geschichte ist. … Man sieht es in der wunderschönen Hauptstadt Sarajewo mit ihren Hunderten Moscheen und Minaretten, dass der Islam bis heute zu Europa gehört.“

Ja, klar. In diesem Sinne gehören Hitler, Himmler, Goebbels und all die anderen Naziverbrecher auch zu Deutschland, denn sie haben die deutsche und europäische Geschichte bis heute geprägt, wie ein Blick auf die politische Landkarte zeigt. Ich zum Beispiel bin in Rummelsburg, einer Kreisstadt in Pommern geboren, die heute Miastko heißt und Sitz einer gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde im Powiat (Landkreis) Bytowski in der polnischen Woiwodschaft Pomorskie (einer der 16 obersten Verwaltungsbezirke) ist. Aufgewachsen bin ich im Dorf Treblin, der heutigen Landgemeinde Trzebielino.

In diesem Sinne gehört vieles zu Deutschland und Europa, ganz so wie Shakespeare es Hamlet formulieren lässt: “There are more things in heaven and earth, Horatio, than are dreamt of in your philosophy.“ (In der Übersetzung von August Wilhelm Schlegel: „Es gibt mehr Ding im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.“) Die Frage ist nur, was damit ausgesagt werden soll.

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Unfruchtbarer Papst beklagt dramatische Unfruchtbarkeit Europas

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Papst Franziskus hat die niedrige Geburtenrate in Europa angeprangert.

ZEIT ONLINE

Europa leide unter einer „dramatischen Unfruchtbarkeit“, sagte der Papst am Samstag im Vatikan bei einem von der Bischofskonferenz veranstalteten Diskussionsforum zur Zukunft Europas. In Europa würden „wenig Kinder gezeugt“, und es gebe zu viele Abtreibungen, beklagte er. Den Grund dafür sieht der Papst auch in um sich greifender Zukunftsangst.

Mit Geld für die Flüchtlingsaufnahme kann man globale Armut bekämpfen

Themenbild.Bild:connistefanski/FB
Der Philosoph Nida-Rümelin (SPD) hat sich kritisch zur europäischen Flüchtlingspolitik geäußert: Die „planlose Migrationspolitik“ der Europäer führe dazu, dass Regionen in Ostafrika und Europa durch die Abwanderung vieler junger Menschen verödeten.

kath.net

Der Philosoph Julian Nida-Rümelin (SPD) hat sich kritisch zur europäischen Flüchtlingspolitik geäußert. Dies berichtet idea. Nida-Rümelin meinte gegenüber der „Welt“, dass das Geld, das für die Flüchtlingsaufnahme nötig sei, man dafür nutzen könnte, um globale Armut zu bekämpfen. Laut dem Bericht sind weltweit 720 Millionen Menschen chronisch unterernährt. Die UN habe 2008 geschätzt, dass etwa 25 Milliarden Euro jährlich ausreichten, um den „Hunger auf der Welt auszurotten“.

Schätzungen ökonomischer Experten zufolge liegen die Kosten in Europa, um einen Flüchtling langfristig zu integrieren, bei etwa 250.000 Euro: „Bei einer Million Zugewanderten sind das 250 Milliarden. Mit 350 Milliarden könnte nach wissenschaftlichen Schätzungen sogar die extreme Armut weltweit abgeschafft werden.“

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Evolution : „Der Mensch als solcher wird zwangsläufig verschwinden“

Auch der Homo sapiens entwickelt sich weiter. © Mads Perch/Getty Images, Montage ZEIT ONLINE
Seit Jahrmillionen entwickelt sich Leben auf der Erde. Kreucht es andernorts auch? Ein Gespräch über irdische Evolution – und das Ende der Menschheit

Von Alina Schadwinkel | ZEIT ONLINE

Die Evolution kennt kein Halten. Seit mehr als vier Milliarden Jahren gibt es auf der Erde Leben und von der ersten Sekunde an hat es sich rasant entwickelt – darauf deuten Fossilienfunde bislang hin. Von plumpen Einzellern ging es über Bakterien und Viren zu größeren Organismen, zu Pflanzen und noch komplizierteren Lebewesen wie Tier und Mensch. Da stellen sich unseren Lesern die Fragen: Wieso kam es überhaupt zu dieser Entwicklung? Woher hat die Evolution ihre Motivation? Und wenn es auf der Erde möglich war, muss es dann nicht irgendwo anders im Universum weitere Lebensformen geben? Mit Forschern haben wir im Liveblog Antworten auf diese Fragen gesucht.

Die junge Erde – sie war völlig anders als der blaue Planet, den wir heute kennen. Es seien extreme Zeiten mit hohen Temperaturen gewesen, die die Entwicklung von Leben begünstigt hätten, erklärte die Biologin Anna Müllner. Sie ist eine von drei Bloggerinnen der Wissenschaftsplattform SciLogs, die sich am zweiten Tag unserer Serie Die großen Fragen an die Wissenschaft gestellt hat. Auch die Zoologin Bettina Wurche und die Planetenforscherin Ludmila Carone haben versucht, Antworten auf die Fragen unserer Leser zu finden.

Charles Darwins Theorien haben bis heute Bestand

Müllner führte zu Beginn der Diskussion weiter aus: „Die Teilchen, aus denen wir bestehen, sind sehr komplex und die Begebenheiten damals haben beschleunigt, dass diese Komplexität bestehen konnte – einfach weil alles so hoch herging“. Es sei ein bisschen, als wäre unsere Erde damals in der Pubertät gewesen. „Da sind ja auch Jugendliche gerne sehr kreativ.“

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Wie Europa die Eroberung der Welt gelang

Mit nur 3000 Soldaten, davon 800 Briten, besiegte Robert Clive 1757 bei Plassey das Heer des Nawabs von Bengalen Quelle: picture-alliance / Mary Evans Pi
Obwohl Europa um 1500 noch Entwicklungsland war, eroberte es die Welt. Der Grund dafür war seine „Schießpulvertechnologie“, sagt der Ökonom Philip Hoffman und legt eine verblüffende Gleichung vor.

Von Berthold Seewald | DIE WELT

Antworten auf die Frage, warum ausgerechnet die überschaubare, zerklüftete Halbinsel am westlichen Rand Eurasiens mit Namen Europa um 1900 herum gut vier Fünftel der Erde beherrschte, füllen ganze Bibliotheken. Skrupellosigkeit, Aggressivität, Entdeckermut, Sendungsbewusstsein, Gier, Technologie, irgendeine Form von Überlegenheit oder einfach Zufälle wurden ins Feld geführt. Mithilfe einer einfachen Formel legt der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Philip T. Hoffman in seinem neuen Buch „Wie Europa die Welt eroberte“ eine neue Lösung vor: Europa war militärisch einfach allen anderen Mächten überlegen.

Der Professor für Business Economics and History am California Institute of Technology hat dafür ein sogenanntes Turniermodell entwickelt. Das soll erklären, warum im Europa der Frühen Neuzeit, also ab etwa dem 15. Jahrhundert, im Grunde ein permanenter Kriegszustand herrschte. Historiker sprechen mittlerweile von einer Epoche der „Staatsgründungskriege“, dessen größter der Dreißigjährige Krieg war. Darin entstanden die Strukturen, die den modernen Staat formten.

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Warum eine Scharia-Scheidung in Europa gelten sollte

Vor dem Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg wird über die Anerkennung einer Scharia-Scheidung verhandelt.FOTO: DPA
Bisher wurden Scheidungen nach Scharia-Recht in Europa akzeptiert, wenn der Einzelfall das hergab. Dass sich das jetzt ändern soll, wäre falsch.

Von Jost Müller-Neuhof | DER TAGESSPIEGEL

Dass Frau und Mann dieselben Rechte haben sollten, hat sich, wie bekannt ist, leider noch nicht überall herumgesprochen. Jetzt sendet der Europäische Gerichtshof (EuGH) eine starke Botschaft. Scheidungen nach islamischem Recht sollen in EU-Ländern nicht mehr länger anerkannt werden. Die Scharia diskriminiere Frauen, schreibt der EuGH-Generalanwalt in seinem Votum für ein aus Deutschland stammendes Verfahren.

In den meisten Fällen folgen die Richter dem Urteilsvorschlag ihres Kollegen. Hier sollten sie es nicht tun. Das Votum ist ein Beispiel dafür, wie ein Gutmeinender das Gegenteil von dem schafft, was er im Sinn hat. Es wäre zu begrüßen, wenn sich der Rest der Welt das Eherecht des Bürgerlichen Gesetzbuchs zum Vorbild nähme. Aber die Realität sieht anders aus.

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Missbrauchsstudie: „Zölibat ein begünstigender Faktor“

Australische Wissenschaftler haben eine Studie über die Ursachen sexuellen Missbrauchs von Kindern in der katholischen Kirche veröffentlicht. Darin habe man umfassend untersucht, ob es Gründe für sexuellen Missbrauch gibt, die im Gesamtsystem der katholischen Kirche weltweit begründet sind – also „systemische Ursachen“, heißt es in der von der RMIT University in Melbourne veröffentlichten Mitteilung.

Radio Vatikan

Zwei Gründe für sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche sehen die beiden Autoren Peter Wilkinson und Desmond Cahil im Zölibat und der großen Zahl der von der Kirche betriebenen Waisenhäuser. „Kinder (…) in Bildungs- und Wohlfahrtseinrichtungen sind einem Risiko ausgesetzt, wenn psychosexuell unreife und/oder sexuell benachteiligte zölibatär Lebende, einschließlich Priester und Ordensleute, zu ihnen Zugang haben“, heißt es in dem Bericht. Zudem weisen die Autoren auf eine niedrigere Zahl von Missbrauchsfällen in den katholischen Ostkirchen hin, in denen Priester heiraten dürfen.

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IS-Einheit trainiert Terroristen für Anschläge in Europa

Bild: nationalreview.com
Ein in Syrien gefangener Kämpfer des Islamischen Staates hat berichtet, dass eine geheim operierende Einheit des IS Anschläge in Europa koordiniere. Die Ausbildung zum Attentäter dauere sieben Monate.

DIE WELT

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unterhält in Syrien eine Ausbildungseinheit für Attentäter, die Anschläge in Europa ausführen sollen. Das will die britische „Sunday Times“ unter Berufung auf einen in Syrien gefangenen IS-Kämpfer aus Europa erfahren haben. Gleichzeitig sei die Einheit für die Koordinierung von Anschlägen durch IS-Sympathisanten zuständig, die per Internet in Europa rekrutiert werden. Unter den Absolventen des Terrortrainings sollen auch IS-Kämpfer aus Deutschland sein.

Die geheim operierende Einheit soll demnach allen Ankömmlingen aus Europa im IS-Gebiet eine Ausbildung zum Attentäter anbieten. Das sieben Monate lange Training umfasse Bombenbau, extreme körperliche Belastungstests und ideologische Schulungen. Die Einheit sei noch immer aktiv. Noch im Februar 2017 sei eine Schleuserroute über die Türkei nach Europa offen gewesen.

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Europa ist überaltert und braucht Einwanderung

Demografie © Georgie Pauwels @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Nach Angaben des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung ist Europa überaltert und braucht Einwanderer. Deutschland steht hinsichtlich Demografie und Wirtschaft international gut da, besonders Berlin und Leipzig haben aufgeholt.

MiGAZIN

Deutschland hat die Krisen, denen Europa in den vergangenen Jahren ausgesetzt war, einer Studie zufolge recht gut gemeistert und steht demografisch und wirtschaftlich im internationalen Vergleich gut da. Wie aus der am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung zur demografischen Zukunft Europas weiter hervorgeht, ist die Überalterung der europäischen Bevölkerung eine der größten Herausforderungen des Kontinents. Dieser Zustand werde dazu führen, dass Sozialleistungen schwieriger zu finanzieren sein werden, warnen die Wissenschaftler. Eine Chance, dem entgegenzuwirken, bestehe in der Einwanderung aus Nicht-EU- und außereuropäischen Ländern.

Für die Studie „Europas demografische Zukunft. Wie sich die Regionen nach einem Jahrzehnt der Krise entwickeln“ haben die Wissenschaftler des Berlin-Instituts 290 europäische Regionen analysiert. Dabei zeigt sich den Angaben zufolge, dass der Kontinent demografisch gespalten ist: Im Zentrum, im Norden und im Westen Europas sorgten vergleichsweise hohe Kinderzahlen und Einwanderung auf absehbare Zeit für Bevölkerungswachstum. Vielen Regionen in Süd- und Osteuropa drohten hingegen Bevölkerungsverluste. Erfolgreich integrierte Einwanderer könnten in Zukunft dazu beitragen, die demografischen Herausforderungen abzumildern, betonte Studienautor Stephan Sievert.

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Handelspakt Ceta mit Kanada gilt ab September vorläufig

(Bild: Stefan Krempl), heise online
Das umstrittene Ceta-Handelsabkommen zwischen Kanada und Europa soll am 21. September 2017 vorläufig in Kraft treten.

heise online

Das lange umstrittene europäisch-kanadische Handelsabkommen Ceta geht am 21. September an den Start. Dann wird der Pakt in wesentlichen Teilen zunächst vorläufig angewendet, bis er in allen EU-Staaten ratifiziert ist.

Darauf habe er sich mit dem kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau geeinigt, teilte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Samstag über Twitter mit. Juncker lobte das Abkommen als neues Kapitel der beidseitigen Beziehungen und als Bekenntnis zu gemeinsamen Werten.

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Julian Nida-Rümelin: Statt offener Grenzen – ein Marshall-Plan für Afrika!

Rettungsaktion für Flüchtende auf dem Mittelmeer – der Philosoph Julian Nida-Rümelin fordert eine Bekämpfung von Fluchtursachen statt offener Grenzen (Imago | Rene Traut )
Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, Tausende sterben jedes Jahr beim Versuch, über das Mittelmeer nach Europa zu kommen. Ein politisches Großproblem, eine menschliche Tragödie, aber auch eine Herausforderung an das philosophische Denken.

Moderation: Susanne Führer | Deutschlandradio Kultur

Deutschlandfunk Kultur: Unser Thema in Tacheles heute sind Grenzen, und zwar die Grenzen zwischen Staaten, die verhindern sollen, dass Menschen aus dem Senegal oder aus Syrien einfach nach Deutschland oder Schweden zum Beispiel ziehen können in der Hoffnung auf Arbeit, auf Sicherheit und eine Zukunft. Es geht also um Migration und um Flüchtlinge und um die Frage, welche Verantwortung wir, die wir in Wohlstand und in Frieden leben, für diejenigen tragen, die dieses Glück nicht haben.

Damit tut sich ein Feld auf, das von der Politik bis zur Philosophie reicht, von Fragen nach Recht und Gesetz bis zu Fragen der Ethik. Und einer, der sich seit Jahren virtuos auf der Grenze von Philosophie und Politik bewegt, ist Julian Nida-Rümelin. Er ist Philosoph, lehrt auch als Universitätsprofessor in München und er war einmal Politiker, unter anderem Bundeskulturminister. Erstmal herzlich willkommen, Herr Nida-Rümelin.

Julian Nida-Rümelin: Guten Tag, Frau Führer.

Deutschlandfunk Kultur: Sie haben vor kurzem ein Buch veröffentlicht, „Über Grenzen denken“ heißt es, in dem Sie eine „Ethik der Migration“ entwerfen, so lautet also auch der Untertitel. Haben Sie eigentlich beim Schreiben dieses Buches jemals gedacht, Mensch, was habe ich für ein Glück, dass ich zu dieser Zeit in diesem Land geboren wurde und nicht im Irak, in Syrien oder Afghanistan?

Julian Nida-Rümelin: Also, nicht nur beim Schreiben dieses Buches, sondern ich habe mich vor Jahrzehnten schon engagiert für eine andere Weltpolitik, für gerechtere Verhältnisse. Das knüpft also da unmittelbar an, dieses Buch. Ich hatte den Eindruck, dass die gesamte Debatte entgleist ist.

Nachdem sich die Welt jahrzehntelang nicht mehr um das Elend und die Not gekümmert hat und stattdessen Welthandelsverträge beraten hat, glauben wir nun, mit offenen Grenzen das Weltelend mindern zu können. – Das ist eine völlige Fehleinschätzung auch der Größenordnung und der Herausforderung, vor der diese Welt steht.

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Wie arabische Staaten fundamentalistische Missionierung in Europa finanzieren

Salafisten beten 2012 in Bonn. (Foto: picture alliance / dpa)
  • Missionare von der Arabischen Halbinsel versuchen, in Europa Grundstücke für Moscheen und Schulungseinrichtungen zu kaufen – auch in Deutschland.
  • Hierzulande hat sich die Zahl radikaler Salafisten in den vergangenen fünf Jahren auf 10 000 verdoppelt.
  • Der Bundesnachrichtendienst ist überzeugt: Vor allem Saudi-Arabien, Kuwait und Katar sähen derzeit eine günstige Gelegenheit, ihren fundamentalistischen Islam in Europa zu verbreiten.

Von Ronen Steinke | Süddeutsche.de

Bei manchen Geschenken wird man eher misstrauisch, als dass man sich freut. Kürzlich hieß es: Das märchenhaft reiche Königshaus von Saudi-Arabien wolle seine Staatsschatulle öffnen und in Deutschland den Bau von 200 neuen Moscheen spendieren.

Schon wahr, Neubauten wären gut. Die deutschen Moscheen sind völlig überfüllt. Nicht nur im Ramadan spüren das die Betenden. Eine knappe Million Flüchtlinge sind seit Herbst 2015 gekommen, siebzig Prozent von ihnen sind muslimisch.

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Was der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen bedeutet

Image: NBCNews/YouTube
Er hat es getan: Am Donnerstag 15.30 Uhr Ortszeit verkündete US-Präsident Donald Trump in Washington eine historische Kehrtwende in der Klimaschutzpolitik. Die USA steigen aus dem Pariser Abkommen aus. Der Vertrag behandle sein Land „unfair“, er sei jedoch bereit für neue Verhandlungen zum Klimaschutz. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick. Wie reagiert die internationale Gemeinschaft auf den Politikwechsel in Washington?

Von Matthias Lambrecht, Bastian Henrichs, Frauke Ladleif | greenpeace magazin

Trumps Rechnung geht schon am Tag nach der Erklärung des Kurswechsels nicht auf: Niemand will mit den USA über neue Bedingungen und eine Überarbeitung des im November 2015 vereinbarten Pariser Abkommens verhandeln: „So geht das nicht“, stellte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker umissverständlich klar. Bundeskanzlerin Angela Merkel machte wie die Premierministerin Theresa May keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung. Frankreichs Präsident Emmanuel Marcon sagte: „Es gibt nichts zu verhandeln.“ Der französische Staatschef hatte schon vor der für ihn erfolgreichen Stichwahl frustrierte US-Klimaforscher aufgefordert, nach Frankreich zu kommen. In einer Rede nach der Bekanntgabe der Entscheidung in Washington wiederholte sein Angebot und schloss mit dem Satz: „Make our planet great again!“

In einer gemeinsamen Erklärung ließen Macron, Merkel und der italienische Regierungschef Paolo Gentiloni den Klimawandel-Leugner im Weißen Haus wissen: „Wir betrachten die im Dezember 2015 in Paris erzeugte Dynamik als unumkehrbar.“ Auch aus Peking kann der US-Präsident wenig Entgegenkommen erwarten. Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua bezeichnete Trumps Entscheidung als „Rückschlag für die Welt“. Trump habe „zum Bedauern fast aller“ entschieden, die USA von einer „historischen globalen Vereinbarung abzuschneiden, bei deren Entstehung sein Land einmal eine Schlüsselrolle spielte“.

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Frankreich: Verdeckte „gezielte Tötungen“ von IS-Mitgliedern im Irak

Mosul: Um sicherzustellen, dass so wenig IS-Kämpfer mit französischer Staatsangehörigkeit wie möglich zurückkehren, wurde angeblich eine „Jagdliste“ an irakische Truppen weitergegeben

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

US-Verteidigungsminister Matthis erklärte kürzlich, dass die USA eine härtere Linie im Kampf gegen den IS eingeschlagen hätten. Man habe den Kampf gegen den IS „beschleunigt“, wird er vom Guardian wiedergegeben. Dabei habe man von einer „Zermürbungstaktik“ auf „Vernichtung“ (Annihilation) umgeschaltet. Zivile Opfer seien ein Fakt in dieser Situation.

„Wir sind nicht die perfekten Typen, aber wir sind die guten. So tun wir, was wir können“, kommentiert er nonchalant die dazu gehörige Sichtweise in der US-Regierung, die sich bekanntlich der Menschenrechte als außenpolitische Hürden entledigt hat (siehe Abschied vom Menschenrechtsimperialismus). Nachrichten über eine Zunahme von zivilen Opfern bei Angriffen werden dann als „facts of life“ verbucht.

Beachtlich ist eine Begründung, die Mattis der Vernichtungstaktik gegen den IS beigab, laut Guardian unter dem Eindruck des Attentats in Manchester: „Unsere Absicht ist, dass die ausländischen Kämpfer (des IS, Einf.d.A.) den Kampf nicht überleben, um in ihre Länder zurückzukehren, nach Nordafrika, Europa, Amerika, Asien oder Afrika. Das werden wir ihnen nicht erlauben. Wir werden sie an Ort und Stelle stoppen und ihr Kalifat auseinandernehmen.“

Nach Informationen des Wall Street Journals setzt Frankreich auf diese Vorgehensweise bei IS-Kämpfern mit französischer Staatsangehörigkeit. Sie sollen an Ort und Stelle getötet werden, damit die IS-Dschihadisten nicht zurückkehren. Allerdings sind „gezielte Tötungen“ mit dem französischen Gesetz nur schwer oder gar nicht in Einklang zu bringen, zumal bei einigen bekannten Dschihadisten auch bereits ein Justizverfahren läuft.

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UN: Mehr als 70.000 Bootsflüchtlinge erreichten 2017 Europa

Mehr als 70.000 Flüchtlinge und Migranten sind in diesem Jahr laut den UN über das Mittelmeer nach Europa gelangt. Etwa 60.000 davon gingen in Italien an Land, wie das Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Dienstag in Genf mitteilte. Seit Januar starben 1.720 Männer, Frauen und Kinder bei den gefährlichen Überfahrten in kaum seetauglichen Schlepperbooten oder werden vermisst.

evangelisch.de

Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der Überfahrten 2017 stark zurück, die Zahl der Toten und Vermissten blieb jedoch hoch. Von Januar bis Mai 2016 erreichten laut einer UNHCR-Sprecherin mehr als 200.000 Menschen über das Mittelmeer Europa, die meisten davon Griechenland. In diesem Zeitraum starben gemäß der Sprecherin mehr als 2.000 Menschen bei der Passage oder gelten seither als unauffindbar.

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Soziologin: Konfessionslose sind oft nicht strikt atheistisch

Die meisten Konfessionslosen in Europa sind nach Ansicht der britischen Religionssoziologin Linda Woodhead nicht strikt atheistisch eingestellt. „Die Gruppe derjenigen, die keiner organisierten Religion angehören, wächst zwar in vielen europäischen Ländern“, sagte die Hans-Blumenberg-Gastprofessorin am Montagabend am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster. Damit gehe jedoch nicht eine genauso stark wachsende Ablehnung von Glauben und Spiritualität einher.

kathpress

So folgten nur 13 Prozent der Konfessionslosen in Großbritannien dem „Neuen Atheismus“ des Evolutionsbiologen Richard Dawkins, so die Professorin. Auch zeigten nur 42 Prozent der konfessionslosen Briten die Überzeugung, es gebe keinen Gott. Gut 16 Prozent von ihnen halten die Existenz Gottes oder einer höheren Macht sogar für sicher oder wahrscheinlich, sagte Woodhead.

„An die Stelle kirchlicher Bindung treten mehr und mehr individualistische und synkretistische Religionsformen“, erläuterte die Religionssoziologin. Rund ein Viertel der Konfessionslosen pflege im privaten Bereich eigene spirituelle Praktiken. „Wer sich heute in England oder Deutschland beerdigen lassen will, bekommt viele christlich-säkulare Mischformen geboten.“ Dies sei inzwischen „normal“.

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An Alien-Hunting Submarine Is Being Tested in Antarctica

ARTEMIS under Antarctic sea ice. Image copyright: Bill Stone/Stone Aerospace, Inc. Used with permission.
A look at the amazing photos and stunning science from the ARTEMIS mission in Antarctica.

By Daniel Oberhaus | MOTHERBOARD

When president Trump released his budget proposal earlier this year, space enthusiasts were dismayed to learn that it didn’t include funding for NASA’s mission to place a lander on Europa. Although it is just one of Jupiter’s 67 moons, Europa is unique in that it is thought to have an ocean of liquid water under the icy, red-veined crust that covers its surface, which makes it the best candidate in the solar system for hosting alien life.

But all hope is not lost for the subsurface exploration of Europa—just last week, NASA and the European Space Agency announced a joint mission proposal for a new Europa lander.

This is particularly good news for the folks at Stone Aerospace, who have spent the last few years developing ARTEMIS, an autonomous submarine that is pioneering the technology that they hope will one day be used to explore Europa’s ocean. In 2015, ARTEMIS was given its first field test off the coast of Antarctica and the results of these test runs were presented at NASA’s astrobiology conference last week. By all accounts, the mission was a huge success.

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„Es gibt bessere Orte in der Welt, nach der Sharia zu leben, als Europa“

Wolfgang Schäuble. – (c) APA/AFP/STEFFI LOOS
Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble übt heftige Kritik am türkischen Präsidenten Erdogan. Er wirft ihm vor, Konflikte aus der Türkei nach Deutschland getragen zu haben.

Die Presse.com

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vorgeworfen, Konflikte aus dessen Land nach Deutschland getragen zu haben. „Das ist schon ziemlich ärgerlich, was der Mann macht“, sagte der CDU-Politiker am Mittwochabend bei einer Veranstaltung von Deutschlandfunk und „Neuer Zürcher Zeitung“ in Berlin.

Grundsätzlich müsse man den Menschen aus muslimisch geprägten Ländern sagen, dass sie in Deutschland willkommen seien. Man müsse ihnen aber auch klarmachen, dass sie die Lebensweise und alle Grundwerte akzeptieren müssten. „Wenn Ihnen das nicht passt, (…) dann habt Ihr eine falsche Entscheidung getroffen“, sagte er an diese Menschen gerichtet. „Es gibt bessere Orte in der Welt, nach der Sharia zu leben, als Europa.“

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