Big-Brother-Awards rügen Überwachung und Spähsoftware

Diese Auszeichnung sind bei den „Preisträgern“ alles andere als begehrt. Mit den „Big-Brother-Awards“ hat die Datentschützer-Initiative Digitalcourage problematisches Datensammeln von Firmen und Behörden gerügt.

evangelisch.de

Die diesjährigen Big-Brother-Awards haben problematisches Datensammeln von Softwarefirmen und Behörden angeprangert. Die Datenschützer-Initiative Digitalcourage vergab am Samstagabend in Bielefeld die Negativauszeichnungen in fünf Kategorien. Gerügt wurden Programme, die für die Überwachung Polizeidaten mit Daten von Facebook und WhatsApp verknüpfen oder unbemerkt im Hintergrund Emotionen von Anrufern analysieren. Prominente „Preisträger“ waren der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) und das Internetportal „Zeit Online“.

Bei der Aachener Firma Precire wurde moniert, dass ihre Sprachanalyse-Software Emotionen von Anrufern analysiere. Digitalcourage forderte ein Verbot von Sprachanalyse und „künstlicher Intelligenz“ zur Charakter-, Emotions- und Motivationserkennung.

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re:publica: Steve Jobs und „Don’t be evil“ – Das Silicon Valley als Religion

(Bild: Bloomicon/Shutterstock.com)
Von der Mensch-Maschine bis zur Erschaffung eines neuen Gottes – der Soziologe Oliver Nachtwey sieht die Ideologie des Silicon Valley als Religion.

Von Torsten Kleinz | heise online

Konzerne wie Facebook, Google oder Apple werden nach Überzeugung von Oliver Nachtwey mit einem quasi-religiösen Anspruch auf Weltverbesserung geführt. Auf der re:publica in Berlin erläuterte der Soziologie-Professor der Universität Basel die Ursprünge dieser Ideologie und ihre Auswirkungen auf die heutige Kultur und künftige Entwicklungen.

Zur Analyse der Denkweise der Silicon Valley-Konzerne hatte Nachtwey mit seinem Team unter anderem Texte wie Reden von Unternehmensführern ausgewertet, aber auch Tiefen-Interviews mit einigen Akteuren geführt. Ein Ergebnis der Untersuchungen: Die Wortführer der Internetindustrie meinen es durchaus ernst, wenn sie von der Weltverbesserung reden oder Googles ersten Slogan „Don’t be evil“ zitieren.

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Europa-Wahl: Facebook, Google und Twitter gehen stärker gegen Desinformation vor

Die vier Teile des Aktionsplans der EU gegen Desinformation. (Bild: eeas.europa.eu)
Die EU-Kommission begrüßt die zunehmenden Anstrengungen von Facebook, Google und Twitter, im Vorfeld der Wahlen etwa politische Werbung kenntlich zu machen.

Stefan Krempl | heise online

Facebook, Google und Twitter gehen einen Monat vor der Europa-Wahl verschärft gegen falsche und irreführende Informationen vor. Dies zeigen die jüngsten einschlägigen Transparenzberichte der drei Online-Konzerne, die die EU-Kommission am Dienstag veröffentlicht hat. Die Plattformbetreiber machen demnach vor allem politische Werbung besser kenntlich. Die Brüsseler Regierungsinstitution mahnt aber insbesondere noch einen stärkeren „Informationsaustausch von Methoden und Daten zu gefälschten Konten an, um Forschern und Faktencheckern die Bewertung von Online-Desinformation zu erleichtern“.

Die drei US-Unternehmen hatten im September einen Verhaltenskodex zur Bekämpfung von Desinformation unterzeichnet und sich verpflichtet, monatlich über ihre Maßnahmen vor der EU-Wahl im Mai zu berichten. Sie verpflichteten sich etwa, enttarnte „Fake Accounts“ und Social Bots rasch dichtzumachen. Konten und Webseiten, die Desinformationen verbreiten, sollen die Werbeeinnahmen entzogen werden.

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Lauert im Web eine Gefahr für die Demokratie?

Grafik: TP
Die Verfassung der Öffentlichkeit begünstigt eine Politik, die anstehenden komplexen politischen Probleme kaum lösen kann

Johannes Clessienne | TELEPOLIS

Gefährdet die Online-Kommunikation, z.B. auf Social-Networking-Sites, die Demokratie? Vor ein paar Jahren hätte ich das vehement abgestritten. Damals war ich fasziniert von den neuen Möglichkeiten zur politischen Teilhabe durch das Internet.

Insbesondere ab 2011 engagierte ich mich dann auch v.a. über Facebook bei „Echte Demokratie Jetzt!“, dem Vorläufer von Occupy in Deutschland. Dabei erlebte ich, dass Kooperation und Mobilisierung mittels Kommunikation in sozialen Netzwerken spontan und einfach gelingen kann. Hierdurch ermutigt, bin ich im Herbst 2011 in die Piratenpartei eingetreten. Denn der Versuch einer Ausweitung politischer Mitwirkung durch die Anwendung digitaler Technologie schien mir viel versprechend.

In den folgenden rund fünf Jahren parteipolitischen Engagements habe ich verschiedenen Erfahrungen gemacht, teils positive, teils ernüchternde. Die größte Enttäuschung lag für mich darin, dass eine bessere Beteiligung von Parteibasis und Bürgern insbesondere an der Arbeit der Landtagsfraktionen nicht funktionierte. Die selbsternannte Mitmachpartei entpuppte sich, was die die politische Sacharbeit betraf, weitgehend als „Nichtsmachpartei“. Hierbei ist es auch mit Social Media und eignen Webtools zur Beteiligung nicht gelungen, einen nennenswerten politischen Austausch zu gestalten.

Deshalb sehe ich seitdem Social Media im Hinblick auf politische Diskussionen als zwiespältig an. Zwar kann zu Themen, die eine gewisse Schwelle der Aufmerksamkeit überschritten haben, wirksam mobilisiert werden. Aktuell zeigen dies #FridayforFuture und #savetheinternet. Andererseits hat das rege Twittern von Mitgliedern der Piratenpartei nicht nur keine nennenswerte Impulse für die Weiterentwicklung der inhaltlichen Positionen gebracht, aber dafür als beständige Quelle von Streit und Zwietracht zum rasanten Niedergang der Partei beigetragen.

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Troll-Abwehr: Chrome-Erweiterung filtert dumme Kommentare in sozialen Medien

In Stein gemeißelt: Trolle (Bild: Efraimstochter, gemeinfrei)
Die Alphabet-Tochter Jigsaw will mit einer Browsererweiterung ausfällige Online-Kommentare auf Wunsch ausblenden – abgestuft und derzeit noch experimentell.

Von Tilman Wittenhorst | heise online

Wer sich in den sozialen Medien umtut, stößt unvermeidlich auf rüpelhafte, verletzende und einfach nur dumme Kommentare, die einem so manche Diskussion verleiden. Neben den Äußerungen solcher sogenannter Trolle, die vermutlich vor allem provozieren wollen, gehen andere lesenswerte Debattenbeiträge unter. Eine Erweiterung für den Chrome-Browser will nun versuchen, derartige Kommentare auf großen Social-Media-Plattformen auszublenden – in einem vom Benutzer einstellbaren Ausmaß.

Die Chrome-Erweiterung Tune stammt vom Technologieunternehmen Jigsaw, das zu Googles Dachgesellschaft Alphabet gehört. Sie kann provokante Kommentare auf mehreren großen Plattformen herausfiltern, darunter YouTube, Facebook, Twitter, Reddit und Disqus. Das funktioniert abgestuft bei englischen Kommentaren: Mit einem an einen Lautstärkeregler angelehnten Drehknopf stellt der Benutzer das Filterniveau ein, vom kompletten Ausblenden aller Kommentare (dem „Zen-Modus“) über „mittel“, „laut“ und „plärrend“ bis hin zum Abschalten des Filters.

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Facebook: Vier Arten von Impfgegnern trollen

Bild: 4ever.eu
Wer Impfgegner auf Facebook über einen Kamm schert, wird kaum gegen sie ankommen. Das zeigt eine Studie der University of Pittsburgh, die einen Online-Troll-Angriff gegen eine örtliche Kinderklinik genauer unter die Lupe genommen hat.

pressetext

Demnach sind Impfgegner zwar meist Mütter, dennoch gibt es aber vier grundverschiedene Typen. Um deren Bedenken zu zerstreuen, wäre es sinnvoll, in der Kommunikation mit ihnen auch wirklich auf ihre jeweiligen Vorbehalte einzugehen.

Skeptiker verstehen

Impfgegner auf sozialen Medien sind Spinner, die man nicht ernst nehmen kann – so sehen das viele. „Wenn wir jeden, der eine andere Meinung hat, einfach abtun, geben wir die Chance auf, ihn zu verstehen und einen gemeinsamen Nenner zu finden“, warnt hingegen Brian Primarck, Leiter des Center for Research on Media, Technology, and Health https://crmth.pitt.edu . Daher hat sich ein Team am Zentrum eine Trollkampagne aus dem Jahr 2017 näher angesehen, bei der Impfgegner ein Facebook-Video der Klinik Kids Plus Pediatrics https://kidspluspgh.com zur HPV-Impfung mit tausenden impfkritischen Kommentaren bombardiert hatten.

Dabei hat das Team die Profile 197 zufällig ausgewählter Kommentatoren genauer analysiert. Obwohl es sich um eine Klinik handelt, die nur den Raum Pittsburgh bedient, haben die Forscher allein in dieser Auswahl User aus 36 US-Bundesstaaten sowie acht Ländern gefunden. Die Mehrheit der Imfgegner auf Facebook sind demnach Mütter. Soweit das Team politische Einstellungen ermitteln konnte, waren 56 Prozent der Kommentatoren Trump-Anhänger. An zweiter Stelle (elf Prozent) kamen jedoch Unterstützer des gerade für US-Verhältnisse weit links stehenden Bernie Sanders. Schon das legt nahe, dass Impfkritiker eine eher diverse Gruppe sind.

Mehr als nur Autismus

Auch die oft als ein Hauptargument von Impfgegnern dargestellte Sorge, Impfungen würden Erkrankungen wie Autismus auslösen, ist laut der Analyse nicht allgemein gültig. Vielmehr sind Personen, die Bedenken zur „Sicherheit“ von Impfungen haben, nur einer von vier wichtigen Subtypen. Anderen fehlt „Vertrauen“ – einerseits in die Wissenschaft und andererseits in persönliche Freiheiten oder sie bevorzugen „Alternativen“ wie Homöopathie. Letztlich gibt es noch die echten Verschwörungstheoretiker, die beispielsweise glauben, die Regierung würde verheimlichen, dass das Polio-Virus gar nicht existiert.

Es scheint also nicht sinnvoll, Impfgegner mit allgemeinen Botschaften zu begegnen, warnt Studien-Erstautorin Beth Hoffman. „Jemandem aus der ‚Vertrauen‘-Gruppe zu sagen, dass Impfungen keinen Autismus auslösen, könnte sie beispielsweise entfremden, da das gar nicht ihre Sorge ist“, erklärt sie. Um Impfgegnern auf sozialen Medien zu begegnen, wäre es sinnvoller, den Skeptiker-Gruppen mit jeweils auf sie zugeschnittenen Botschaften zu begegnen. Bei Personen, denen das Vertrauen mangelt, könnte es beispielsweise sinnvoll sein, auf die Sorge einzugehen, dass Pflichtimpfungen ihre Entscheidungsfreiheit bezüglich des Kindes einschränken.

Facebook speicherte Nutzer-Passwörter intern im Klartext

Die betroffenen Nutzer sollen «als Vorsichtsmassnahme» benachrichtigt werden, obwohl es laut Facebook keinen Hinweis auf einen Datenmissbrauch gibt. (Bild: Luong Thai Linh / EPA)
Facebook muss die nächste Datenpanne einräumen: Hunderte Millionen Passwörter wurden in internen Systemen im Klartext gespeichert. Es gebe keinen Hinweis auf einen Missbrauch, betont das Online-Netzwerk.

Neue Zürcher Zeitung

Passwörter von Hunderten Millionen Facebook-Nutzern sind für Mitarbeiter des Online-Netzwerks im Klartext zugänglich gewesen. «Wir gehen davon aus, dass wir Hunderte Millionen Nutzer von Facebook Lite, Dutzende Millionen weitere Facebook-Nutzer sowie Zehntausende Instagram-Nutzer benachrichtigen werden», erklärte das Unternehmen am Donnerstag. Facebook habe keine Hinweise darauf, dass jemand intern missbräuchlich darauf zugegriffen habe, hiess es weiter. Die Passwörter seien auch für niemanden ausserhalb des Unternehmens sichtbar gewesen.

Kein Hinweis auf Missbrauch

Die betroffenen Nutzer sollen dennoch «als Vorsichtsmassnahme» benachrichtigt werden, obwohl es keinen Hinweis auf einen Missbrauch der Daten gebe.

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Fake-Kampf gegen iranische „Fake-Accounts“

Grafik: GDJ
Facebook, Twitter und YouTube löschen tausende Accounts im Kampf gegen ein „iranisches Propagandanetzwerk“. Dann kommen Fragen auf

Fabian Goldmann | TELEPOLIS

In Zeiten von Fake News, Cyberangriffen und Meinungsmache mittels Bot-Netzen schien es endlich einmal eine positive Nachricht zu sein. Hunderte Accounts eines iranischen Netzwerkes habe man enttarnt und gelöscht, meldete Facebook im vergangenen Jahr.

Endlich, so der Tenor vieler Medien, schien der wegen seiner Tatenlosigkeit gegen Wahlbeeinflussung und rechte Meinungsmache kritisierte Tech-Gigant einmal Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. Und nicht nur er: Twitter und YouTube meldeten in den Wochen und Monaten darauf ähnliche Erfolge und machten mit im Kampf gegen das vermeintliche Riesenheer iranischer Fake-Accounts.

Einige Monate später nun mehren sich allerdings die Hinweise, dass es sich bei vielen der gelöschten Accounts nicht um Propaganda-Bots der iranischen Regierung, sondern um ganz reale Personen handelt. Und die Kritik nimmt zu, dass hinter der großen Social-Media-Löschaktion keine nüchterne Datenanalyse, sondern politische Motive stecken.

„Koordiniertes unauthentisches Verhalten mit Ursprung im Iran“

Die wohl einmalige und bis heute andauernde Aktion der großen Social-Media-Anbieter begann mit einem Post im Facebook-eigenen Newsroom. „Wir haben 652 Seiten, Gruppen und Accounts wegen koordinierten unauthentischem Verhalten mit Ursprung im Iran (…) entfernt“, schrieb Facebooks Cybersecurity-Chef Nathaniel Gleicher am 21. August vergangenen Jahres.

Am 31. Januar 2019 legte das Unternehmen noch einmal nach und verkündete die Löschung Hunderter weiterer „Fake-Accounts“. Auch YouTube-Betreiber Google und Twitter schlossen sich der Aktion an und löschten insgesamt Tausende Accounts eines vermeintlichen iranischen Propaganda-Netzwerkes von ihren Plattformen.

Einer, der der Darstellung früh widersprach, ist Sayed Mousavi. Wenige Tage nach Facebooks erster Mitteilung wandte sich der iranische Student und Twitter-Aktivist an die Öffentlichkeit: „Ich bin gestern aufgewacht und sah, dass meine Seite mit der Ankündigung von Twitter genommen wurde, sie hätten ein iranisches Desinformationsnetzwerk entschärft.“ Mousavi ist für Iran-Beobachter kein Unbekannter.

Unter dem Twitter-Namen @SayedMousavi7 berichtet er seit Jahren über das politische Geschehen im Land. Einen Namen machte er sich unter anderem durch die Analyse von Videos der Proteste zum Jahreswechsel 2017/ 2018 in seiner Heimat. Auch westliche Journalisten stützten sich in der Vergangenheit auf seine Expertise.

Mousavi sollte nicht der einzige Fall bleiben, der zeigt, dass die große Löschaktion sich nicht nur gegen Fake-Accounts richtete. Von Social-Media-Redakteuren iranischer Medien über TV-Moderatoren bis hin zu Bloggern meldeten sich in den vergangenen Wochen immer mehr Menschen zu Wort, die der Darstellung von Facebook und Co. widersprechen.

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Urheberrechtsreform der EU: Das Drama um Artikel 13

Bild: heise online
Mit der Urheberrechtsreform will die EU die Ansprüche des Urheberrechts an die heutige Zeit anpassen. Was genau steht in Artikel 13 und welche Folgen hat er?

Von Ulrike Kuhlmann | heise online

Seit Wochen demonstriert die Internet-Gemeinde gegen die anstehende Urheberrechtsreform. Mit ihr will die EU die Ansprüche des Urheberrechts an die heutige Zeit anpassen. Aus Sicht Jörg Heidrichs, Justiziar des Heise Verlags, wird die Reform allerdings keinen großen Ausgleich schaffen zwischen den Ansprüchen der Urheber und der Rechteinhaber auf der einen Seite und den Usern und online-Anbietern auf der anderen. Stattdessen fällt die aktuell geplante Regelung einseitig zugunsten der Rechteinhaber und vor allem der Urheber aus – Verwertungsgesellschaften wie die Gema profitieren besonders von ihr. Für die User wird dagegen nichts vereinfacht. Im Gegenteil.

Größter Zankapfel der Gesetzgebung ist Artikel 13: Hier geht es um User-generated Content, wie er tagtäglich beispielsweise auf YouTube hochgeladen wird. Social Media Plattformen wie Instagram, Facebook oder das heise-Forum wären davon ebenfalls betroffen. Zwar findet sich das Wort „Upload-Filter“ nicht explizit im Gesetzentwurf. Es ist bei genauer Betrachtung aber unbestritten, dass ein solcher Filter das Werkzeug wäre, um Artikel 13 umzusetzen, weiß Jörg Heidrich.

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Anschlag in Christchurch: Terrorforscher kritisiert Internetkonzerne

(Bild: pixabay.com)
Online-Plattformen hätten die Verantwortung, mit mehr Personal und Technik gegen die Verbreitung von Propaganda vorzugehen, sagt ein Terrorforscher.

heise online

Nach dem tödlichen Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch hat der Terrorismus-Experte Peter Neumann mehr Hilfe von Internetkonzernen im Anti-Terror-Kampf eingefordert. Zwar sei eine hundertprozentige Live-Überwachung von YouTube, Facebook und anderen Online-Plattformen zum Aufspüren blutrünstiger Terrorpropaganda unrealistisch, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstag).

Dennoch könnten die Unternehmen mehr tun als bislang, um etwa die Übertragung von Attentaten zu erschweren. „Gegen die rasante und massenhafte Verbreitung lässt sich nur mit mehr Einsatz von Personal und Technik vorgehen, mit deren Hilfe diese brutalen Videos gelöscht werden“, sagte Neumann, der am Londoner King’s College zu Extremismus und Radikalisierung forscht.

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Missing Link: KI – die Künstlichen Idioten des digitalen Kapitalismus

(Bild: whiteMocca / shutterstock.com)
Der digitale Kapitalismus hat einen neuen Gesellschaftsvertrag etabliert: Daten gegen Bequemlichkeit. KI spielt für dessen Zukunft eine zentrale Rolle.

Von Timo Daum | heise online

1947 wurde die Central Intelligence Agency, der Auslandsgeheimdienst der USA, gegründet, die mit „Zentrale Intelligenz-Agentur“ denkbar schlecht übersetzt wäre – deren vorrangige Aufgabe ist schließlich die (nachrichtendienstliche) Informationsbeschaffung und nicht etwa das Versammeln von Intelligenz. Bei Artificial Intelligence ist aber genau das passiert, die immer mitgemeinte Bedeutung von Intelligence als Informationserzeugung ging bei der Übersetzung ins Deutsche verloren. Übrig bleibt nur der Aspekt der KI, bei dem es um den Bau intelligenter bzw. mit menschlichen Denkfähigkeiten konkurrierender Maschinen geht.

Dies vorangestellt: Nun soll es um eben diesem vernachlässigten Aspekt von KI gehen, der zudem der Realität derzeitiger Anwendung von KI-Technologien viel eher entspricht als die von Hollywood dominierten Vorstellungen allgemeiner Künstlicher Intelligenz. Denn wenn heute von KI die Rede ist, dann eben meist von informationsverarbeitenden Maschinen, die ganz bestimmte Aufgaben lösen können. Widmen wir uns also diesen KIs, beschränkten künstlichen Informationsverbeitern, deren Akronym mit „Künstlichen Idioten“ vielleicht treffender aufgelöst wäre.

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Die Frohe Botschaft auf Facebook, Instagram und Co.

(Bild: geralt / gemeinfrei)
Social Media ist das Schlagwort der Stunde. Immer mehr Bistümer, Pfarreien und Verbände werden im Internet aktiv. Auf Facebook, Instagram und Twitter wollen sie die Frohe Botschaft verkünden. Nur: Gelingt das? Und wie kann das zeitgemäß aussehen? Drei katholische Blogger machen vor, wie es gehen kann.

Von Benedikt Bögle | katholisch.de

Josef Wagner bloggt als „derboivomseminar“. Der 20-Jährige ist Priesterseminarist in Augsburg, seit einem Jahr studiert er dort auch katholische Theologie. Für ihn war klar: Wenn er in das Seminar eintreten sollte, wollte er auch über seine Erfahrungen berichten. „Ich wollte Präsenz zeigen“, sagt Wagner. Er postet auf Instagram Bilder und Videos aus der Messfeier, zeigt sich beim Orgelspiel, stellt seinen Followern Fragen über ihren Glauben.

Besonders beliebt: Der „Gebets-Freitag“. Wagner fragt seine Follower dabei, für wen oder was sie beten möchten, die User können darauf antworten. Einige wollen schlicht „Für Max“ beten. Andere schreiben mehr, zum Beispiel: „Dass ich endlich wieder richtig gesund werde und meinen Alltag wieder antreten kann“. Wieder andere schließen Josef Wagner direkt in das Gebet ein: Für „Dich und dass es bei dir im Leben weiter gut voran geht mit Gott an deiner Seite“.

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Facebook Paid Teens $20 to Install ‚Research‘ App That Collects Private Data

Image: The Hacker News
If you are thinking that Facebook is sitting quietly after being forced to remove its Onavo VPN app from Apple’s App Store, then you are mistaken.

Swati Khandelwal | The Hacker News

It turns out that Facebook is paying teenagers around $20 a month to use its VPN app that aggressively monitors their smartphone and web activity and then sends it back to Facebook.

The social media giant was previously caught collecting some of this data through Onavo Protect, a Virtual Private Network (VPN) service that it acquired in 2013.

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Robert Habecks Kotau nach rechts

Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. Foto (September 2018): Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 DE
Nicht seine Äußerungen in den Videos waren falsch, sondern seine Distanzierung davon

Peter Nowak | TELEPOLIS

Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck wurde in den letzten Monaten als Siegertyp vermarktet, der seine Partei zum Erfolg führen wird. Nun steht Habeck im Mittelpunkt eines Streits, bei dem noch offen ist, ob es für ihn ein Erfolg wird.

Neigt sich die Erfolgskurve, könnte Habeck dafür verantwortlich gemacht werden. Nun wird jetzt manchmal heute schon so getan, als würde sich Habeck aus der Politik zurückziehen. Dabei hat er sich nur von Twitter und Facebook verabschiedet. Zudem verknüpft Habeck grünentypisch seinen Rückzug mit Zerknirschung und Selbstkritik.

Gestern Nachmittag hatte der Landesverband Thüringen ein kurzes Video hochgeladen, das vor Wochen auf dem Bundesparteitag im November aufgenommen wurde. Im Kern rufe ich in diesem Video dazu auf, die Thüringer Grünen im Wahlkampf zu unterstützen. Solche Videos, die über Twitter verbreitet werden und so in der digitalen Welt wirken sollen, hatte ich zuvor auch für die Brandenburger und Sächsischen Grünen gesprochen, jedes Mal mit drei bis sechs Anläufen, damit sie genug Material zur Auswahl hatten. Gesendet wurde jetzt ein Video, das so klang, als würde ich Thüringern absprechen, weltoffen und demokratisch zu sein. Was ich natürlich null tue. Ich war so oft in dem Land und habe so viele Reisen und Veranstaltungen gemacht, dass ich nicht den Hauch eines Zweifels daran lassen möchte, welch erfolgreichen Weg es eingeschlagen hat.
Robert Habeck

Habeck hat im Video nichts Falsches gesagt

Tatsächlich hat Habeck in dem Video nichts Falsches gesagt, allerdings sind seine Aussagen sicher nicht förderlich für eine Partei, die Volkspartei sein will.

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Wie man Facebook verlässt und warum das allein nicht reicht

foto: reuters Facebook fiel heuer fast nur mit Negativschlagzeilen auf.
Die Datenskandale der letzten Monate haben das Netzwerk in eine Vertrauenskrise gestürzt

DerSTANDARD.at

Netflix, Spotify und andere Anbieter sollen Zugriff auf private Nachrichten von Nutzern auf Facebook gehabt haben. Auch wenn alle genannten Parteien beteuern, dass niemals irgendwer bei Usern irgendwas mitgelesen habe, bleibt ein fahler Nachgeschmack. Nach der Causa Cambridge Analytica kommt das Netzwerk nicht zur Ruhe. Der Betreiber des weltgrößten Social Network kommt aus dem Schadensbegrenzungsmodus kaum heraus.

Viele Mitglieder haben als Reaktion auf diese Affären immer wieder damit gedroht, die Plattform zu verlassen. Ein verständliches Anliegen, das aber gar nicht so einfach umsetzbar ist. Wer sich von Facebook verabschieden will, muss sich gleich von mehreren Diensten trennen.

Schnellmaßnahme

Um zumindest keine neuen Daten an Facebook zu übermitteln, reicht es, sich von Facebook auszuloggen, im Browser die Cookies zu entfernen und auf Handy und Tablet die Apps für Facebook und den Facebook Messenger zu deinstallieren. Somit wird das Netzwerk nicht mehr mit neuen Browserinformationen, Logins und Standortangaben bespielt. Das Konto mitsamt den bereits vorhandenen Daten bleibt aber bestehen.

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Morozov: Künstliche Intelligenz sollte ein öffentliches Gut sein

ex-machina. Screengrab. BB
Der Publizist Evgeny Morozov fordert, die meist von den Nutzern gelieferten Trainingsdaten für Künstliche Intelligenz als öffentliche Ressource zu fassen.

Von Stefan Krempl | heise online

Künstliche Intelligenz (KI) ist weniger ein privates Wirtschaftskapital, als vielmehr ein öffentliches Gut und sollte entsprechend reguliert werden. Dies erklärte der Technikforscher Evgeny Morozov am Montag auf der Digital Society Conference der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin. „KI wird mit Daten produziert, die wir generiert haben“, begründete der Vordenker seine Forderung. Nötig seien daher „gerechte und faire Bedingungen“ für den Zugang zu diesen Basisinformationen, die staatlich durchgesetzt werden müssten.

Die derzeitige KI-Entwicklung sei besonders im Bereich Maschinenlernen und neuronale Netzwerke sehr ineffektiv und ineffizient, konstatierte Morozov. Amazon, Facebook, Google, Microsoft & Co. steckten sehr viel Geld in das Training für die gleichen Dienste. Mit „trivialen Datensets“ versuchten sie der Maschine beizubringen, wie Katzen von Hunden oder Fußgänger von Autos unterschieden werden können. Es sei aber mehr als fraglich, ob die sich als KI-Führer sehenden Konzerne jeweils Milliarden in die Entwicklung derselben Fähigkeiten ausgeben müssten.

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Das quasi-religiöse Facebook-Schaf als Datenscheisser

Facebook ist nicht nur vom Einfluss, sondern auch von der Zielsetzung her gesehen eine Art Religion. Es nutzen ist wie in die Kirche gehen. Doch aufgepasst: Facebook ist ein knallhartes Technologieunternehmen.

Eduard Kaeser | Neue Zürcher Zeitung

Der Herdeninstinkt greift um sich. Massen in Fussballstadien, Massen an Raves und Festivals, Massen an religiösen Veranstaltungen, Touristenmassen. Neu hinzu kommen Massen in den Social Media. Im Jahre 2015 beglückwünschte sich Facebook, das erste soziale Netzwerk mit einer Milliarde Nutzer pro Tag zu sein. Eine Dimension, die das Unternehmen in die Liga der Weltreligionen hebt: 2,2 Milliarden Christen, 1,6 Milliarden Muslime, 1 Milliarde Hindus.

Facebook ist nicht nur vom Einfluss, sondern auch von der Zielsetzung her gesehen eine Art Religion. Mark Zuckerberg spricht von der «Community». Diese Community hat eine Mission: jedem eine Stimme geben, das gegenseitige Verständnis fördern, Teilnahme aller an den Segnungen moderner Technologie. Facebook ist zumindest eine Religion im alten Sinne des Wortes «religio», des Zusammenkommens durch Rückbindung an Gott. Nur kennt Facebook keinen Gott. Oder vielmehr: Der Gott ist die Technologie, und die Religion bedeutet jetzt Vernetzen durch technische Mittel.

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Meinungsfreiheit und das „Hausrecht“ im Zeitalter des Internets

Grafik: TP
Was ein Stadionverbot und gelöschte Kommentare mit den Grundrechten zu tun haben

Stephan Schleim | TELEPOLIS

In der Geschichte der Demokratie war die griechische Agora – die uns heute noch im Fachbegriff für Platzangst begegnet: Agoraphobie -, das römische Forum oder schlicht der Marktplatz von besonderer Bedeutung. Hier trafen sich Bürger unter freiem Himmel zum Austausch über kulturelle und politische Ideen. Dabei vergessen wir nicht, dass „Bürger“ mitunter Arme, Frauen, Fremde oder Sklaven ausschloss.

In Grundrechten wie der Freiheit der Meinungsäußerung (Artikel 5, Absatz 1) oder der Versammlungsfreiheit (Artikel 8, Absatz 1 GG) ist dem Gedanken Rechnung getragen, dass das Sich-Treffen und der Austausch von Ideen für eine Demokratie von entscheidender Bedeutung sind. Mit der Entwicklung der Medien verlagerte sich der Meinungsaustausch aber auch ins Private: Die Tageszeitung liest man wahrscheinlich zuhause oder beim Pendeln im Zug. Ihre Pendants im Internet-Zeitalter und die sogenannten sozialen Netzwerke holt man sich in der Regel auf den eigenen Computer.

Die Bürger können sich zwar immer noch auf öffentlichen Plätzen treffen – und bei Kulturveranstaltungen oder Demonstrationen geschieht das ja auch. Doch ein großer Teil unserer Kommunikation findet inzwischen online statt und damit in einem privaten Kontext: Man muss sich erst bei einem allgemeinen Anbieter anmelden und dann auf dem Server von irgendjemandem „surfen“. Man kann nicht einfach so ins Internet gehen, wie man auf den Marktplatz geht.

Damit ist aber auch der rechtliche Rahmen ein anderer. Auf dem öffentlichen Platz regeln beispielsweise die genannten Grundrechte den Schutz vor staatlichen Eingriffen. Im privaten Zusammenhang gelten zwar auch Gesetze – gleichzeitig aber auch die ebenfalls aus den Grundrechten (Artikel 2, Absatz 1 GG) abgeleitete Vertragsfreiheit. Das heißt, dass die Bürger untereinander einen großen Spielraum dafür haben, wie sie ihr Miteinander regeln.

Solche Vereinbarungen können stillschweigend sein: Dass man etwa beim Bäcker für seine Brötchen bezahlen muss, weiß jeder. Dass dabei ein Kaufvertrag im juristischen Sinne geschlossen wird, daran denkt im Alltag wohl nur eine Minderheit der Nichtjuristen.

Die Vereinbarungen sind oft aber auch ausformuliert, beispielsweise in Form Allgemeiner Geschäftsbedingungen oder von Nutzungsbedingungen. Dass der Durchschnittsbürger und selbst Rechtsexperten diese seitenlangen Erklärungen in einem Sekundenbruchteil abnicken, ändert nichts an deren Geltung.

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Anonyme Facebook-Werbekampagne soll UK-Abgeordnete zu Brexit-Ablehnung nötigen

(Bild: dpa, Tobias Hase/Symbolbild)
Eine Facebook-Kampagne soll mit massenhaften E-Mails Einfluss auf Parlamentsabgeordnete genommen haben, damit diese die Brexit-Verhandlungen torpedieren.

Von Tilman Wittenhorst | heise online

In Großbritannien soll eine anonyme Werbekampagne auf Facebook Wähler dazu aufgefordert haben, dem für sie zuständigen Parlamentsabgeordneten eine vorformulierte E-Mail zu schicken, in der dieser dazu gedrängt wird, den von Premierministerin Theresa May ausgehandelten Brexit-Deal zu torpedieren. Die Online-Werbung sei auf die jeweiligen Wahlkreise zugeschnitten und habe nach Schätzungen womöglich bis zu 10 Millionen Menschen erreicht, berichtet der Guardian.

Diese auch als Micro-Targeting bekannte gezielte Werbung war von der Londoner Agentur 89up entdeckt worden. Der Link führe zu einer für den Wahlkreis des Besuchers individualisierten Webseite mit Namen und Bild des jeweiligen Abgeordneten. Ein weiterer Klick dort öffne das Mail-Programm mit einer vorformulierten E-Mail an den Politiker.

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Interview zu SWR-Beitrag: „Eine Überschrift wie ‚Wie wirkt Homöopathie?‘ hätten wir nicht senden sollen“

Bild: medwatch
Öffentlich-rechtliche Sender haben einen Bildungsauftrag, doch nicht immer kommen sie diesem nach. Aktuell steht der SWR in der Kritik: Mit einer Abstimmung zur Frage „Glaubt ihr an die Kraft der Homöopathie“ bewarb der Sender auf Facebook vorab einen Beitrag der Landesschau Baden-Württemberg

Von Hinnerk Feldwisch Drentrup | MedWatch

Es gebe keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass homöopathische Mittel wirken, erklärte der Sender erzürnten Kommentatoren – mehr Hintergrundinfos zur Homöopathie fänden sich in der am Mittwochabend ausgestrahlten Sendung.

Doch die am Anfang des Beitrags aufgestellte Frage „Humbug oder Heilmittel?“ ließ der SWR genauso unbeantwortet wie auch die Frage „Wir wirkt Homöopathie?“. Stattdessen stellte der Sender den Fall eines dreijährigen Mädchens vor, die mit einem Tumor im Bauchraum – wohl ein Neuroblastom – zur Welt gekommen ist.

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