Auswärtiges Amt will Kontakte zu Religionsvertretern ausbauen

84 Prozent der Weltbevölkerung gehören einer Religion an. Das Auswärtige Amt erkennt darin ein großes „Friedenspotenzial“, das diplomatisch genutzt werden soll. Deswegen will es bei einem Treffen die Beziehungen zu den Religionen ausbauen.

katholisch.de

Ein Jahr nach seiner Gründung will das im Auswärtigen Amt angesiedelte Referat „Religion und Außenpolitik“ die Kontakte zu Religionsvertretern vertiefen. Es gehe nicht um einen Dialog der Religionen, sondern darum, das „Friedenspotenzial“ der Religionen für die gesellschaftliche Entwicklung nutzbar zu machen, sagte Andreas Görgen, Leiter der Abteilung für Kultur und Kommunikation des Auswärtigen Amts, am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin. Religionen spielten eine wichtige Rolle „für die Erziehung von Menschen zum Frieden und zur Versöhnung“.

Das Referat „Religion und Außenpolitik“ wurde am 1. August 2018 eingerichtet. Angesiedelt ist es in der von Görgen geleiteten Abteilung.

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Michael Hesemann verteidigt Papst Pius XII. Der Vatikan und der Holocaust, eine groteske Verteidigung

Pius XII beim Konkordat 1933 (CC-by-sa/3.0 Germany by Bundesarchiv DE)

Die Rolle von Pius XII. während des Nationalsozialismus erhitzt seit Jahrzehnten die Gemüter. Nun legt Historiker Michael Hesemann eine groteske Verteidigungsschrift vor.

René Schlott | DER TAGESSPIEGEL

Vor 80 Jahren, im März 1939, wurde mit dem römischen Kardinal Eugenio Pacelli ein Mann zum Papst gewählt, der als Pius XII. wie kein anderes katholisches Kirchenoberhaupt des 20. Jahrhunderts das Interesse von Forschung und Öffentlichkeit erregt. Im Mittelpunkt steht dabei das Verhalten des römischen Pontifex gegenüber Nationalsozialismus und Holocaust. Im Jahrestakt erscheinen neue Bücher, die entweder das päpstliche Schweigen trotz detaillierter Kenntnis des Massenmordes verurteilen oder die Rettungsaktionen des Heiligen Stuhls für verfolgte Jüdinnen und Juden hervorheben.

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Glaubensfragen in Berlin Wie viel Kirche verträgt die Politik?

Bild: bb

In Deutschland darf jeder glauben, woran er möchte. Jeder hat die Freiheit, aus einer Religionsgemeinschaft auszutreten oder in eine andere überzuwechseln. So will es das Grundgesetz.

Von Tanja Brandes | Berliner Zeitung

Der Staat wiederum muss allen Glaubensrichtungen neutral und tolerant gegenüberstehen. Eine strikte Trennung von Staat und Religion aber besteht in Deutschland nicht. Und immer wieder beeinflusst die Religion auch politische Debatten.

Laut Statistischem Bundesamt leben in der Bundesrepublik rund 45 Millionen Christen und etwas weniger als 100.000 Juden. Hinzu kommen laut einer Studie des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge etwa 4,7 Millionen Muslime. Außerdem gibt es etliche weitere Religionsgemeinschaften.

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Bigotterie: Der saudische Prinz Nawaf Saud und der Burkini

Bild: Bernadette Lirakis/FB
Bild: Bernadette Lirakis/FB

Le prince saoudien Nawaf Al Saud demande aux musulmanes en France de porter burkini et burka : voici son yacht.

Übersetzung:
„Der saudische Prinz Nawaf Saud erwartet, dass Muslimas in Frankreich einen Burkini tragen. Hier sieht man ihn auf seiner Yacht.“

Von Bernadette Liraki/Facebook

„Mauerfall brachte nicht gewünschten religiösen Aufschwung“—heult doch

Prof. Dr. Thomas Großbölting Foto: Julia Holtkötter

Historiker: Hoffnung der Kirchen auf Renaissance der Religion im Osten wurde enttäuscht

Pressemitteilung des Exzellenzclusters vom 3. November 2014

Der Mauerfall vor 25 Jahren hat aus Historikersicht bei den christlichen Kirchen Hoffnungen auf einen religiösen Aufschwung im Osten geweckt, die aber bald enttäuscht wurden. Die friedliche Revolution vor 25 Jahren sei stark protestantisch geprägt gewesen – durch kirchliche Lieder, Debatten und Demos in Gotteshäusern und durch viele Engagierte aus dem kirchlichen Milieu –, weshalb die Kirchenleitungen damals mit einer „Renaissance“ der Religiosität gerechnet hätten, schreibt Zeithistoriker Prof. Dr. Thomas Großbölting vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster in einem Gastbeitrag für die November-Ausgabe der Zeitschrift „Herder Korrespondenz“ aus Freiburg. Schon bald sei aber klar geworden, dass die „kirchen- und religionsfeindliche Politik der SED-Diktatur“ die Religion „zum Absterben gebracht“ habe. Seit den 1950er Jahren habe sich in der DDR eine „Kultur der Konfessionslosigkeit“ durchgesetzt, an der sich auch nach der Wende bis heute in Ostdeutschland nichts geändert habe. 1989 sei nur „das letzte Aufbäumen früherer volkskirchlicher Strukturen“ gewesen.

Insbesondere die evangelische Kirche „konnte vom Zusammenbruch des SED- Regimes und der Wiedervereinigung nicht profitieren“, betont der Historiker. „Viele derjenigen, die sich vor 1989 von der Gemeinschaft Kirche als Gegenmodell zum sozialistischen Staat angezogen fühlten, distanzierten sich nach der Wiedervereinigung wieder.“ Das politische System der Bundesrepublik habe andere zivilgesellschaftliche Freiräume geboten, so dass die „kirchliche Ersatzöffentlichkeit“ an Relevanz verloren habe. Andere Menschen waren Prof. Großbölting zufolge von den Glaubensinhalten so weit entfremdet, dass sie nach der Wende „keinen Weg zum Glauben oder zur Kirche zu finden vermochten oder finden wollten“. Vor allem in Familien, die bereits in der zweiten Generation konfessionslos waren, fehlten dem Wissenschaftler zufolge jegliche christlich-religiösen Anknüpfungspunkte.

Für einen religiösen Aufschwung nach der Wende sei das „Nichtbekenntnis“ zu stark in der Lebenswelt der Ostdeutschen verankert gewesen, so der Zeithistoriker. Heute liege der Anteil der Konfessionslosen und Atheisten in Ostdeutschland bei drei Viertel der Bevölkerung. Dass die Kirchenleitungen zu Umbruchzeiten auf eine gegenteilige Entwicklung gehofft hätten, fuße auf einer Wahrnehmung der friedlichen Revolution als „protestantischer Revolution“, wie der Historiker darlegt. Viele Christen, aber auch die evangelische Kirche als Institution hätten in der friedlichen Revolution eine wichtige Rolle gespielt. Gotteshäuser wie die Leipziger Nicolaikirche wurden zu Symbolen des Protestes. Das nährte dem Beitrag zufolge die Hoffnung der Kirchenleitungen auf einen Aufschwung kirchlichen Lebens. Doch faktisch seien die Unzufriedenen der DDR vor der Wende vor allem aus Protest gegen die SED-Mächtigen unter Kirchendächern zusammengekommen, nicht aufgrund einer „persönlichen religiösen Haltung“. Das hätten kirchlich Verantwortliche missverstanden und fälschlicherweise auf eine religiöse Renaissance gehofft.

„Schon die Montagsdemos waren nicht im Kern Ausdruck des Glaubens“, vielmehr hätten die Protestler kirchliche Räume und Kommunikationsmöglichkeiten genutzt, schreibt der Zeithistoriker. Damit sei es gelungen, „eine zivilgesellschaftliche Öffentlichkeit zu erkämpfen, die die SED-Diktatur sonst nicht zuließ.“ Die protestantische Kirche habe für die Revolution insofern eine wichtige Rolle gespielt, als sie „die einzige intakte und leidlich unabhängig vom Staat agierende Institution in der DDR war“. Das hätten Bürgerrechtler und Massenprotestler für sich genutzt und sich zum Diskutieren und Demonstrieren, „nicht aber zum Beten“, in Kirchen getroffen.

Der Gastbeitrag trägt den Titel „Dem Glauben entwöhnt. Der Kirchenkampf der SED und seine Folgen bis heute“. Darin beschreibt der Historiker detailliert, wie die christlichen Kirchen in 40 Jahren DDR ihre gesellschaftliche Verankerung verloren. Spätestens seit der Auseinandersetzung um die Jugendweihe Mitte der 1950er Jahre, die die Konfirmation und Firmung als staatlicher Übergangsritus ablösen sollte, hätten die Kirchenleitungen den „Kampf um die Gefolgschaft der Bevölkerung“ verloren. „Die Kirchenaustrittszahlen stiegen in der DDR ebenso wie die Beteiligung am kirchlichen Leben sank.“ Aus diesem „Relevanzverlust“ der Kirchen und einer „forcierten Säkularität“ sei eine „religiöse Indifferenz“ entstanden, die die Wende nicht aufgehoben habe und die bis in die Gegenwart anhalte.

Der Autor ist Professor für Neuere und Neueste Geschichte am Historischen Seminar der Uni Münster. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte des religiösen Wandels im Nachkriegsdeutschland und Ausprägungen der DDR-Erinnerung im wiedervereinigten Deutschland. In der zweiten Förderphase des Exzellenzclusters leitet er das Projekt C2-8 Neue Soziale Bewegungen und religiöse Sozialformen in der Nachmoderne: ein deutsch-nordamerikanischer Vergleich. (ska/vvm)

Wahhabismus: Der tägliche Gotteswahn in Saudi-Arabien

„ALS Unit“ (Advanced Life Support) in Riad, Bild:AP

Ein Jahr lang arbeitete Stefan Bauer als Rettungsassistent für den Roten Halbmond in Saudi-Arabien. Viele der Geschichten, die der Deutsche über diese Zeit erzählt, sind kaum zu ertragen – und bieten einen seltenen Einblick in eine abgeschottete Gesellschaft.

Von Rainer LeursSpON

SPIEGEL ONLINE: Herr Bauer, Notärzte und Rettungsassistenten sind normalerweise einiges gewohnt, was blutige Szenen und menschliche Schicksale angeht. Sie haben ein Jahr als Paramedic in Riad gearbeitet; am Ende konnten sie nachts nicht mehr schlafen. Was war da los?

Bauer*: Zunächst mal habe ich in dem einen Jahr geschätzt 250 Verkehrstote gesehen. Das erleben Sie im deutschen Rettungsdienst in einem ganzen Berufsleben nicht.

SPIEGEL ONLINE: Warum war das so?

Bauer: Die Leute halten sich nicht an Verkehrsregeln, anschnallen braucht man sich nicht. Dicke Autos sind zudem oft das einzige Hobby der jungen Männer: Kinos, Bars oder Konzerte gibt es keine, und mit Frauen treffen kann man sich auch nicht wirklich. Was es gibt, ist die Ring Road, einen Highway, der um die Stadt Riad herumführt. Dort gehen diese Leute driften, und irgendwann überschlägt sich eben einer. Dann haben Sie fünf, sechs Tote auf dem Highway liegen. Gerade am Wochenende war klar: Die ganze Nacht müssen Sie zu schlimmen Verkehrsunfällen fahren.

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