Schlagwort-Archive: Gehirn

Enzym verbessert das Gedächtnis

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
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Heidelberger Wissenschaftler haben ein DNA-modifizierendes Enzym im Gehirn entdeckt, dessen Erhöhung die kognitive Leistung verbessern kann.

Von Ben Schwan|Technology Review

Die Leistungsfähigkeit des Gedächtnisses nimmt mit zunehmendem Alter ab – zudem gibt es verschiedene neurodegenerative Krankheiten, die die Speicherleistung des Denkapparats auch in jüngeren Jahren beeinträchtigen können.

Ein bestimmtes Enzym kann das Gedächtnis verbessern – zumindest bei Mäusen. Das haben Forscher um Hilmar Bading vom Interdisziplinären Zentrum für Neurowissenschaften der Universität Heidelberg nun demonstrieren können (doi: 10.1038/mp.2015.175, erschienen in “Molecular Psychiatry”). Dazu spritzen sie jungen Mäusen Viren, welche die Herstellung des Enzyms Dnmt3a2 beschleunigen.

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Auch unser Gehirn hat Jahreszeiten

Je nach Saison verlangen bestimmte Aufgaben unserem Gehirn mehr oder weniger Ressourcen ab. © thinkstock
Im Sommer aktiver: Nicht nur unsere Stimmung, auch die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns ist offenbar jahreszeitenabhängig. Je nach Saison verlangen bestimmte Aufgaben unserem Denkorgan mehr oder weniger Ressourcen ab, wie Forscher berichten. Im Test war das Gehirn bei einer Aufmerksamkeitsübung im Sommer zum Beispiel aktiver als im Winter. Bei anderen Aufgaben musste das Gehirn dagegen im Herbst mehr Aktivität investieren.

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Frühling, Sommer, Herbst und Winter: Nicht nur der natürliche 24-Stunden-Rhythmus bestimmt als interner Taktgeber unser Leben. Auch die Jahreszeiten haben einen Einfluss auf unseren Körper und unsere Psyche. Studien belegen zum Beispiel, dass im Winter mehr Linkshänder geboren werden, Maikinder besonders gesund sind und dass jahreszeitliche Stimmungsschwankungen weltweit sogar an Twitter-Meldungen ablesbar sind.

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Warum wir seufzen

Die beiden hellgrün markierten Areale im Hirnstamm lösen das Seufzen aus. © Stanford/ Krasnow lab
Forscher haben herausgefunden, wo im Gehirn unsere Seufzer ausgelöst werden. Diese tiefen Atemzüge kontrollieren wir nicht bewusst, sondern sie werden von zwei winzigen Arealen im Hirnstamm gesteuert. Seufzer sind für unsere Lungenfunktion lebenswichtig – warum wir allerdings aus Erleichterung oder Kummer besonders viel seufzen, bleibt vorerst rätselhaft, wie die Forscher im Fachmagazin “Nature” erklären.

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Wenn wir aus Kummer oder anderen emotionalen Gründen seufzen, fällt es uns dieser besonders tiefe Atemzug meist auf. Aber ohne es zu merken, seufzen wir sehr viel häufiger. Etwa alle fünf Minuten legen wir einen Seufzer ein. “Ein Seufzer ist ein unwillkürlicher, tiefer Atemzug”, erklärt Jack Feldman von der University of California in Los Angeles. “Es beginnt wie ein normales Luftholen, aber bevor wir ausatmen, atmen wir noch ein zweites Mal ein.”

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MRT-Kontrastmittel bleibt im Gehirn

Patient bei einer Untersuchung im Magnetresonanz-Tomografen (MRT) © Fuse/ thinkstock
Forscher warnen: Das in Kontrastmitteln enthaltene Metall Gadolinium kann nach einer Magnetresonanz-Tomografie (MRT) im Gehirn zurückbleiben. Offenbar löst sich das giftige Seltenerd-Metall von seiner Trägersubstanz und lagert sich dann im Hirngewebe ab, wie erste Berichte zeigen. Noch ist nicht bekannt, ob dies zu Gesundheitsschäden führt, Mediziner raten aber vor Mehrfach-Untersuchungen mit Kontrastmitteln ab.

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Das Seltenerd-Metall Gadolinium ist magnetisch und eignet sich deshalb gut als Kontrastmittel für Kernspin-Untersuchungen. Es wird in die Vene gespritzt, verteilt sich und macht dann im Körper sonst schwer erkennbare Organstrukturen und -funktionen sichtbar. Der Nachteil: Durch den starken Einsatz des Gadoliniums in der Medizin gelangt es in Gewässer wie den Rhein und reichert sich dort in Wasserorganismen an. Auch im Trinkwasser wurde es bereits nachgewiesen.

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Ist das Gehirn fremdgesteuert? Endlich befreit!

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
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Entscheidet unser Gehirn unbewusst, ist der freie Wille eine Illusion? Nach Jahrzehnten haben Berliner Hirnforscher die berühmte These mit einem raffinierten Spiel gegen den Computer widerlegt.

Von Joachim Müller-Jung|Frankfurter Allgemeine

Es war – und ist – eine der radikalsten Thesen, mit denen Hirnforscher die Öffentlichkeit konfrontierten: Lange bevor wir uns bewusst entscheiden, etwas zu tun, hat das Gehirn die Entscheidung unbewusst längst vorweggenommen. Der freie Wille des Menschen, bloß Einbildung? Die Versuche des amerikanischen Hirnphysiologen Benjamin Libet hatten das nahegelegt. Gut eine Sekunde, bevor Probanden sich bewusst entschlossen, ihre Hand zu bewegen, war in den Hirnstromkurven das „Bereitschaftspotential“ dafür schon zu finden. Dreieinhalb Jahrzehnte lang haben die einen, meist Hirnforscher, alles versucht, um Politik, Philosophie und die Architekten und Hüter des Rechtsstaates, die sich mit der Schuldfähigkeit von Straftätern auseinanderzusetzen haben, wachzurütteln und die Folgen dieser Erkenntnis zu bedenken. Alle anderen wehrten sich mit Händen und Füßen und noch mehr Worten dagegen, sich den Kopf waschen zu lassen mit wissenschaftlichem Material, das gegen den gesunden Menschenverstand und die eigene Erfahrung verstößt.

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Gehirn erkennt Zahlen doch mit beiden Hälften

Wo verarbeitet unser Gehirn Zahlen? © Wavebreakmedia/ thinkstock
Von wegen streng getrennt: Die Arbeitsteilung unseres Gehirns ist zumindest in Bezug auf Zahlen weniger ausgeprägt als gedacht. Denn entgegen bisherigen Annahmen verarbeitet unser Denkorgan gesehen Zahlen nicht nur in der rechten Hirnhälfte, sondern in beiden. Ein kleines, beidseitig vorhandenes Areal wird immer dann aktiv, wenn wir Zahlen sehen, wie die Forscher im “Journal of Neuroscience” berichten.

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Im menschlichen Gehirn herrscht Arbeitsteilung. Während Wörter und Sprache vorrangig in der linken Hemisphäre verarbeitet werden, ist für das Zahlenverständnis überwiegend unsere rechte Gehirnhälfte zuständig – so jedenfalls dachte man bisher. Darauf deuten auch Untersuchungen mit einigen Savants hin, die über ungewöhnliche Mathematik-Fähigkeiten verfügen. Allerdings: Einfache Rechenaufgaben und Mengenlehre erledigen wir zentral – mit dem Stirnhirn.

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Opas Essen macht unsere Darmflora arm

Ist unsere Darmflora verarmt, kann dies auch eine Folge faserarmer Ernährung unserer Eltern und Großeltern sein. © thinkstock
Geerbte Defizite: Ist unsere Darmflora verarmt, liegt dies vielleicht nicht nur an unserer eigenen Ernährung – wir könnten den Mangel von unseren Eltern und Großeltern geerbt haben. Darauf deutet eine Studie mit Mäusen hin. Das Fatale daran: Die Defizite in der für uns wichtigen Mikrobengemeinschaft sind teilweise irreversibel. Ballaststoffreich essen allein reicht dann nicht mehr aus, um dies auszugleichen, so die Forscher im Fachmagazin “Nature”.

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Unsere Darmflora ist für uns immens wichtig. Denn sie kontrolliert nicht nur unseren Appetit, sie schützt auch vor Asthma und Autoimmunerkrankungen und stärkt sogar die Immunabwehr unseres Gehirns.

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“Weihnachts-Netzwerk” im Gehirn entdeckt

Wenn wir in Weihnachtsstimmung sind, aktiviert dies ein Netzwerk aus fünf Arealen im Gehirn © Hougaard et al. /BMJ
Eine Mischung aus freudiger Erwartung und Nostalgie: Die typische Weihnachtsstimmung ist nicht nur ein Gefühl, man kann sie sogar sehen: im Gehirn. Forscher haben erstmals das typische Aktivitäts-Netzwerk dieses “Christmas Spirit” im Gehirn sichtbar gemacht. Fünf Areale in unserm Denkorgan sind dabei besonders aktiv. Und: Bei Weihnachtsmuffeln fehlt dieses Muster, wie die Forscher in der Weihnachtsausgabe des “British Medical Journal” berichten.

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Es ist allmählich soweit: Heiligabend naht und langsam weicht der Vorweihnachts-Stress dem freudigen Vorgefühl auf das Fest. Typischerweise empfinden wir dabei eine Mischung aus Freude und Nostalgie, Assoziationen an Geschenke, Weihnachtslieder, angenehme Düfte und leckeres Essen steigen in uns auf. Im Englischen wird dieses Gefühl auch als “Christmas Spirit” bezeichnet.

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Rätsel der gestrandeten Seelöwen gelöst

Ziemlich beduselt: Seelöwe Blarney in Behandlung nach seinem Stranden. © The Marine Mammal Center
Schleichender Hirnschaden: Eine giftige Meeresalge verursacht nicht nur akute Vergiftungen bei Mensch und Tier, sie nimmt Seelöwen auch ihre räumliche Orientierung. Denn das Gift löst bei den Meeressäugern bleibende Schäden im Gehirn aus, wie Forscher nachgewiesen haben. Das könnte erklären, warum auch dann Seelöwen an den Küsten stranden, wenn gerade keine Algenblüte herrscht, so die Forscher im Fachmagazin “Science”. Möglicherweise sei das Algengift auch an Strandungen anderer Meeressäuger schuld.

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Eigentlich besitzen Wale, Seelöwen und andere Meeressäuger einen inneren Kompass, der sie problemlos Wanderungen von hunderten oder sogar tausenden Kilometern absolvieren lässt. Manchmal jedoch scheint dieser Kompass zu versagen. Dann verirren sich die Meeressäuger ins flache Wasser und finden nicht mehr zurück in den Ozean – sie stranden. Warum dies geschieht, ist bisher unklar, theoretisch könnten Lärm, veränderte Strömungen oder Giftstoffe im Wasser die Orientierung der Meeressäuger stören.

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Warum uns Schlafmangel so reizbar macht

Schlafmangel macht uns reizbar. Warum, haben Forscher nun herausgefunden. © Jaykayl/ thinkstock
Aus Schlafmangel schlecht gelaunt? Forscher haben herausgefunden, warum uns zu wenig Schlaf so reizbar macht: Unser Gefühlszentrum im Gehirn kann dann nicht mehr zwischen unwichtigen neutralen und emotionalen Informationen unterscheiden. Wir reagieren dadurch selbst auf völlig neutrale Reize emotional. statt sie einfach zu ignorieren, berichten die Forscher im “Journal of Neurology”. Das macht uns dünnhäutig.

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Bekommen wir nicht genügend Schlaf, spüren wir dies ziemlich schnell: Wir fühlen uns abgeschlagen und haben Probleme, uns tagsüber zu konzentrieren. Denn dem Gehirn fehlt eine wichtige “Aufräum-Pause“, während der es das tagsüber Aufgenommene verarbeitet. Schlafmangel fördert daher nicht nur falsche Erinnerungen, er kann sogar Hirnzellen zerstören.

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Unsere Vorfahren schliefen nicht länger als wir

Wie viel Schlaf braucht der Mensch? © wavebreakmedia/ thinkstock
Aufbleiben bis spätabends, nur 6,5 Stunden Schlaf und kein Nickerchen zwischendurch: Was wie der Tagesablauf eines gestressten Managers klingt, war für unsere Vorfahren offenbar ganz normal, wie Beobachtungen bei drei Naturvölkern nahelegen. Der vermeintlich ursprüngliche “Paläo-Schlaf” von acht oder neun Stunden ist demnach ein Mythos, betonen Forscher im Fachmagazin “Current Biology”. Und auch das lange Aufbleiben ist keine Erfindung der neuzeitlichen Zivilisation.

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Schlaf ist für unsere Gesundheit unverzichtbar: Die Ruhepause gibt dem Gehirn Zeit, um Abfälle zu entsorgen und Erinnerungen abzuspeichern. Schichtarbeit oder konstanter Schlafmangel gelten daher als eher ungesund und sollen sogar Übergewicht fördern.

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Macht ein größeres Gehirn intelligenter?

Macht ein großes Gehirn schlauer? © pixologic studio/ thinkstock
Ein großes Gehirn macht noch lange keinen Einstein aus uns – oder doch? Ob Hirngröße und Intelligenz zusammenhängen, haben Forscher nun überprüft. Ihr Ergebnis: Es gibt tatsächlich einen Zusammenhang: Menschen mit einem größeren Gehirn haben im Durchschnitt einen höheren IQ. Aber: Diese Korrelation ist viel schwächer als bisher gedacht. Denn mehr als auf die Größe kommt es auf den Inhalt und die Verkabelung des Denkorgans an.

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Der Vergleich der Schädelgrößen unserer Vorfahren zeigt, dass mit fortlaufender Entwicklung die Gehirne der Vor- und Frühmenschen immer größer wurden. Aber auch heute gibt es individuelle Unterschiede. So haben Menschen in den höheren Breiten ein größeres Gehirn als Bewohner der Tropen und Männer haben mehr Hirnvolumen als Frauen. Aber was sagt dies über unsere Intelligenz aus? Bedeutet ein größeres Gehirn auch automatisch eine höhere Intelligenz?

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Wie Halluzinationen entstehen

Halluzinationen sind Trugbilder unseres Gehirns © Cranach/ thinkstock
Halluzinationen sind keineswegs die Folge eines “kaputten” Gehirns. Im Gegenteil: Wer solche Trugbilder sieht, bei dem arbeitet das Gehirn sogar zu gut. Es interpretiert mehr in das Gesehene hinein als drinsteckt, wie ein Experiment nun belegt. Das Spannende daran: Der Übergang zwischen dem normalen Ergänzen unvollständiger Seh-Informationen und der Halluzination ist fließend – und keineswegs eine Domäne psychisch kranker Menschen.

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Die Informationen, die unsere Augen oder anderen Sinnesorgane wahrnehmen, sind oft unvollständig. “Erst unser Gehirn lässt die Welt entstehen, die wir sehen”, erklärt Erstautor Christoph Teufel von der Cardiff University. “Es füllt die Lücken und ignoriert die Dinge, die nicht passen. Dadurch präsentiert es und ein Bild der Welt, das bereits bearbeitet ist und zu dem passt, was wir erwarten.” Diese selbstständige Ergänzung ist auch für optische Täuschungen oder das Funktionieren des Daumenkinos verantwortlich.

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Die Verrechnung der Moral

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
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Eine neue Studie beleuchtet, wie moralische Entscheidungen im Gehirn getroffen werden. Mit Hilfe von Magnetstimulation lässt sich das System aus dem Gleichgewicht bringen.

Von Bernhard Fleischer|Spektrum.de

Wenn ein Richter sein Urteil fällt, hat er viele Aspekte zu beachten: Wie verwerflich war die Tat? Wie hoch ist der angerichtete Schaden, ist der Angeklagte überhaupt zurechnungs- oder schuldfähig? Für das Gehirn ist die Abwägung all dieser Aspekte eine hochkomplexe Angelegenheit.

Verantwortlich für solche Entscheidungen ist eine direkt unter dem vorderen Schädeldach gelegene Hirnregion. Der sogenannte dorsolaterale präfrontale Kortex (DLPFC) ist offenbar die Struktur, in der moralische Einschätzungen mit anderen Informationen zusammengeführt und abgewogen werden. Das hat eine internationale Forschergruppe um Joshua W. Buckholtz von der Havard Universität nun experimentell nachgewiesen. Mit Hilfe transkranieller Magnetstimulation gelang es ihnen, einzelne Aspekte von Entscheidungen, die auf moralischen Bewertungen beruhen, selektiv zu hemmen und so die Fähigkeit zur Abwägung entscheidend zu stören.

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Genmanipulation macht Mäuse schlauer

Hemmt man das Enzym PDE4B im GEhirn solcher Mäuse, werden sie schlauer. © Bas van de Weil/ freeimage
Es ist fast ein wenig gruselig: Durch genetische Hemmung nur eines Enzyms im Gehirn haben Forscher Mäuse intelligenter gemacht. Die manipulierten Tiere besaßen ein besseres Gedächtnis, waren neugieriger und angstfreier als ihre normalen Artgenossen. Da es das gleiche Enzym auch beim Menschen gibt, hoffen die Forscher, durch eine solche Hemmung auch Menschen mit Demenz oder Angsterkrankungen helfen zu können.


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Das Enzym Phosphodiesterase-4B (PDE4B) gilt schon länger als wichtig für die geistige Gesundheit. Es kommt vor allem im Hippocampus des Gehirns von Säugetieren und auch von uns Menschen vor und damit sozusagen in der Gedächtniszentrale unseres Denkorgans. “Phosphodiesterasen (PDE) sind für fundamentale Aspekte der Gehirnfunktion verantwortlich, darunter Lernen, Gedächtnis und höhere kognitive Funktionen”, erklären Alexander McGirr von der University of British Columbia in Vancouver und seine Kollegen.

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Pubertät: Hyperaktiver Totalumbau im Gehirn

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
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Neurologe Uhlhaas: “Man kann nicht davon ausgehen, dass sich ein Jugendlicher in allen Kontexten adäquat verhält”


Von Walter Müller|derStandard.at

“Jetzt räum endlich deine Sachen weg, es müffelt ja schon in deinem Zimmer. Und außerdem: Solange du nicht Mathe lernst, kannst du dir die Party am Wochenende abschminken.” Die Appelle der Eltern sind deutlich – verfehlen aber das Ziel. Sie gehen beim einen Ohr hinein und, ohne irgendwo dazwischen in der grauen Masse hängenzubleiben, beim anderen wieder hinaus. Nach einigen Minuten der Stille meldet sich der sechszehnjährige Sprössling: “Was habt ihr gesagt?” Er war nicht da, irgendwo, aber nicht im Hier und Jetzt der Eltern.

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Das Gehirn als Geschichtenerzähler

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Wenn wir Entscheidungen treffen, scheint unser Gehirn den Augenblick der eigentlichen Entscheidung vom Moment der bewussten Rationalisierung zu trennen. Es ist, so als gäbe es uns doppelt: einmal als schnelle Entscheidungsinstanz, das andere Mal als langsames Bewusstsein unserer Taten. Die zeitliche Entkopplung zwischen beiden Prozessen kann manchmal überraschend sein. Bei Deutungskonflikten bastelt sich das Gehirn eine passende Rationalisierung zurecht.


Von Raúl Rojas|TELEPOLIS

Philosophen beschäftigen sich seit jeher damit, die Welt gedanklich auf Fundamentalprinzipien zurückzuführen, sogar wenn die Argumentation kontraintuitiv klingt. So behauptete der griechische Philosoph Parmenides, Bewegung gäbe es nicht, weil Bewegung der Übergang von Nicht-Sein in Sein ist. Da aber das Sein bereits ist, gibt es eben keine Bewegung. Mit Parmenides freundschaftlich verbunden erfand Zeno geistreiche Paradoxien, um die Unmöglichkeit der Bewegung theoretisch zu untermauern. Die Legende will, dass Diogenes dem Zyniker Zeno stumm widersprach, indem er einfach im Raum auf und ab ging.

So ist es auch mit dem freien Willen, der Frage aller Fragen in der westlichen Philosophie. Seit langem hört man aus der neurophilosophischen Ecke, den freien Willen gäbe es nicht, da unbewusste Prozesse unsere Handlungen im Voraus bestimmen. Wir wollen unbewusst etwas, bevor wir überhaupt wissen, dass wir es wollen. Als Antwort auf diese kühne These würde vielleicht Diogenes ein paar Runden um den Neurophilosophen drehen und ihn fragen, welcher unbewusste Prozess ihn zu einer solch merkwürdigen Handlung anstifte.

Der Satz: “Den freien Wille gibt es nicht” enthält jedoch ein Körnchen Wahrheit, wenn man versteht, was Neurophilosophen damit meinen. Dabei beziehen sie sich nicht auf eine deterministische Welt, in der ein Laplace’scher Dämon aktiv wäre, d.h. eine Intelligenz, die im Kenntnis aller Kräfte und Zustände aller Teilchen, die Welt im Voraus vollends berechnen könnte: “Nichts wäre für sie ungewiss, Zukunft und Vergangenheit lägen klar vor ihren Augen.”[1] Die Neurophilosophen reden vielmehr über das Zusammenspiel im Gehirn von bewussten und unbewussten Prozessen, eine Kombination, die manch frappierende kognitive Illusion hervorruft.

Metzingers Ego-Tunnel

Der Mainzer Philosoph Thomas Metzinger erläutert in seinem Buch “Der Ego-Tunnel” warum wir die Welt um uns nur als Schatten wahrnehmen.[2] Wir erfassen die Welt durch unsere Sinneseindrücke – dies bedeutet, dass alle “Messungen”, die wir über unsere sensorischen Organe erhalten, zur Deutung an das Gehirn weitergeleitet werden. Dort wird eine Art “virtuelle Realität” zusammengesetzt, die die Realität draußen widerspiegelt, ohne dass beide identisch wären. Es findet eine Dimensionsreduktion statt.

Ein bekanntes Beispiel sind Farben. Aus drei Netzhaut-Farbsignalen für grün, blau und rot wird in der neuronalen Verarbeitung eine breite Palette von mentalen Farben generiert, die wir alle problemlos “sehen” können, die aber keine triviale Entsprechung in der Welt haben (z.B. als eindeutige Wellenlängen von Licht). Auch wenn die Außenbelichtung umgestellt wird und die von den Objekten reflektierten Wellenlängen sich ändern, sehen wir durch die vom Gehirn erzeugte “Farbkonstanz” weiterhin dieselben subjektiven Farben. Es wäre doch sehr irritierend, wenn eine Frucht im Schatten eine andere Farbe als im Tageslicht hätte. Und obwohl Messgeräte zeigen können, dass das reflektierte Licht tatsächlich eine neue spektrale Zusammensetzung hat, sieht das Auge keinen Unterschied. Diese partielle “Blindheit” für die Szenenbeleuchtung (die Dimensionsreduktion) bringt den evolutiven Vorteil einer Weltkonstanz.

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Libet-Experimente: Die Wiederentdeckung des Willens

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
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Vor gut 30 Jahren entdeckte der Neurophysiologe Benjamin Libet, dass das Gehirn Bewegungen einleitet, bevor sich die Person bewusst dazu entschließt. Seitdem streiten Philosophen und Hirnforscher über die Tragweite dieser Erkenntnis. Neuere Experimente zeigen: Tiefe Zweifel an der Willensfreiheit waren verfrüht!


Von Amadeus Magrabi|Spektrum.de

Wenn es um den freien Willen geht, hört man fast nur extreme Ansichten. Da sind zum einen die Neurorevolutionäre, die unsere alltäglichen Vorstellungen über Verantwortung und Schuld als naturwissenschaftlich erwiesene Illusionen abtun. Ihnen gegenüber stehen die Traditionalisten, die von der Freiheit des Menschen überzeugt sind und nicht nachvollziehen können, was irgendwelche Laborexperimente daran ändern sollten. Und inzwischen gibt es noch eine dritte Gruppe, die “Genervten”, die die schier endlose Debatte darüber nicht mehr hören können. Doch es hat sich eine Menge getan: Neue empirische Ergebnisse scheinen den freien Willen zu rehabilitieren.

Ein guter Startpunkt für viele philosophische Diskussionen ist unsere intuitive Erfahrung. Was verstehen wir unter Willensfreiheit? Wir meinen damit eine bestimmte Art und Weise, Entscheidungen zu fällen. Wenn ich zum Beispiel meinen Urlaub plane, sichte ich meine Möglichkeiten: Wie viel Geld und Zeit stehen mir zur Verfügung? Will ich eher entspannen oder etwas erleben? Bin ich auf Strand, Natur oder Kultur aus? Von Willensfreiheit zu sprechen, ergibt offenbar nur dann Sinn, wenn wir in einer Situation mehrere Optionen haben und uns durch bewusstes Abwägen von Gründen für eine davon entscheiden können. Wenn der freie Wille existiert, sollte der innere Monolog, den wir dabei mit uns führen, unsere Entscheidungen bestimmen.

Dem gegenüber steht die Sorge, dass andere, unbewusste Prozesse unser Verhalten steuern und das Bewusstsein nur nachträglich Begründungen konstruiert. Die Frage nach der Willensfreiheit lautet also: Bestimmen bewusste Überlegungen unsere Entscheidungen, oder werden sie durch unbewusste Prozesse hervorgerufen?

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Computer und Gehirn: Der Mythos von der digitalen Demenz

Bild: BB
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Muss ich mir nicht merken, finde ich online! Macht uns das Internet immer dümmer? Eine Studie zeigt, dass unser Gehirn keinesfalls verkümmert, wenn es Wissen digital auslagert. Ganz im Gegenteil.


Von Nora Schultz|SpON

Für viele Fragen, die uns im Alltag begegnen, bemühen wir schon lange keine grauen Zellen mehr. Der Griff zu Smartphone, Tablet oder Laptop genügt, um Kontakte, Wegbeschreibungen, Schriftwechsel und das geballte Wikipedia-Wissen abzurufen. Solcher Komfort hat seinen Preis. Umgeben von allwissenden digitalen Helfern lernen wir, immer weniger selbst zu lernen.

Entscheidend scheint dabei der Glaube an die Zuverlässigkeit externer Speicher zu sein. Das zeigte Betsy Sparrow von der Universität Harvard schon 2011 in ihrer ursprünglichen Beschreibung dieses “Google-Effekts”. Vertraut das Gehirn demnach auf die sichere Ablage von Daten auf Festplatten und in der Cloud, vergisst es die Informationen ganz schnell wieder.

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Ist Religion nur ein Abfallprodukt?

Carlin_ReligionReligiöse Vorstellungen finden sich zu allen Zeiten in allen Kulturen. Wissenschaftler glauben, dass sich diese Tatsache mithilfe der Evolutionstheorie erklären lässt.

Von Rolf Maag20min Online

Religionen sind in vieler Hinsicht merkwürdige Phänomene. Sie erfordern den Glauben an übernatürliche Wesen wie Götter und Dämonen, für deren Existenz es keinerlei überzeugende Belege gibt. Ausserdem verlangen sie von ihren Anhängern, dass sie Rituale praktizieren, die scheinbar völlig sinnlos sind.

Dennoch sind bisher keine völlig religionslosen Kulturen bekannt. Kann es sein, dass sich in der Evolution des Menschen auch ein Sinn für Religiosität entwickelt hat? Genau das behaupten mehrere Theorien, die in den letzten beiden Jahrzehnten entstanden sind.

Anpassung oder Abfallprodukt?

Unter den Forschern haben sich zwei Lager herausgebildet: Die Adaptionisten sehen in der Religion eine Anpassung, die ihren Anhängern einen Vorteil im Kampf ums Überleben bietet. Ihre Gegner meinen, sie sei ein Abfallprodukt einer anderen Anpassungsleistung, das sich dann verselbständigt hat.

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