Schlagwort-Archive: Gehirn

Pubertät: Hyperaktiver Totalumbau im Gehirn

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
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Neurologe Uhlhaas: “Man kann nicht davon ausgehen, dass sich ein Jugendlicher in allen Kontexten adäquat verhält”


Von Walter Müller|derStandard.at

“Jetzt räum endlich deine Sachen weg, es müffelt ja schon in deinem Zimmer. Und außerdem: Solange du nicht Mathe lernst, kannst du dir die Party am Wochenende abschminken.” Die Appelle der Eltern sind deutlich – verfehlen aber das Ziel. Sie gehen beim einen Ohr hinein und, ohne irgendwo dazwischen in der grauen Masse hängenzubleiben, beim anderen wieder hinaus. Nach einigen Minuten der Stille meldet sich der sechszehnjährige Sprössling: “Was habt ihr gesagt?” Er war nicht da, irgendwo, aber nicht im Hier und Jetzt der Eltern.

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Das Gehirn als Geschichtenerzähler

brain

Wenn wir Entscheidungen treffen, scheint unser Gehirn den Augenblick der eigentlichen Entscheidung vom Moment der bewussten Rationalisierung zu trennen. Es ist, so als gäbe es uns doppelt: einmal als schnelle Entscheidungsinstanz, das andere Mal als langsames Bewusstsein unserer Taten. Die zeitliche Entkopplung zwischen beiden Prozessen kann manchmal überraschend sein. Bei Deutungskonflikten bastelt sich das Gehirn eine passende Rationalisierung zurecht.


Von Raúl Rojas|TELEPOLIS

Philosophen beschäftigen sich seit jeher damit, die Welt gedanklich auf Fundamentalprinzipien zurückzuführen, sogar wenn die Argumentation kontraintuitiv klingt. So behauptete der griechische Philosoph Parmenides, Bewegung gäbe es nicht, weil Bewegung der Übergang von Nicht-Sein in Sein ist. Da aber das Sein bereits ist, gibt es eben keine Bewegung. Mit Parmenides freundschaftlich verbunden erfand Zeno geistreiche Paradoxien, um die Unmöglichkeit der Bewegung theoretisch zu untermauern. Die Legende will, dass Diogenes dem Zyniker Zeno stumm widersprach, indem er einfach im Raum auf und ab ging.

So ist es auch mit dem freien Willen, der Frage aller Fragen in der westlichen Philosophie. Seit langem hört man aus der neurophilosophischen Ecke, den freien Willen gäbe es nicht, da unbewusste Prozesse unsere Handlungen im Voraus bestimmen. Wir wollen unbewusst etwas, bevor wir überhaupt wissen, dass wir es wollen. Als Antwort auf diese kühne These würde vielleicht Diogenes ein paar Runden um den Neurophilosophen drehen und ihn fragen, welcher unbewusste Prozess ihn zu einer solch merkwürdigen Handlung anstifte.

Der Satz: “Den freien Wille gibt es nicht” enthält jedoch ein Körnchen Wahrheit, wenn man versteht, was Neurophilosophen damit meinen. Dabei beziehen sie sich nicht auf eine deterministische Welt, in der ein Laplace’scher Dämon aktiv wäre, d.h. eine Intelligenz, die im Kenntnis aller Kräfte und Zustände aller Teilchen, die Welt im Voraus vollends berechnen könnte: “Nichts wäre für sie ungewiss, Zukunft und Vergangenheit lägen klar vor ihren Augen.”[1] Die Neurophilosophen reden vielmehr über das Zusammenspiel im Gehirn von bewussten und unbewussten Prozessen, eine Kombination, die manch frappierende kognitive Illusion hervorruft.

Metzingers Ego-Tunnel

Der Mainzer Philosoph Thomas Metzinger erläutert in seinem Buch “Der Ego-Tunnel” warum wir die Welt um uns nur als Schatten wahrnehmen.[2] Wir erfassen die Welt durch unsere Sinneseindrücke – dies bedeutet, dass alle “Messungen”, die wir über unsere sensorischen Organe erhalten, zur Deutung an das Gehirn weitergeleitet werden. Dort wird eine Art “virtuelle Realität” zusammengesetzt, die die Realität draußen widerspiegelt, ohne dass beide identisch wären. Es findet eine Dimensionsreduktion statt.

Ein bekanntes Beispiel sind Farben. Aus drei Netzhaut-Farbsignalen für grün, blau und rot wird in der neuronalen Verarbeitung eine breite Palette von mentalen Farben generiert, die wir alle problemlos “sehen” können, die aber keine triviale Entsprechung in der Welt haben (z.B. als eindeutige Wellenlängen von Licht). Auch wenn die Außenbelichtung umgestellt wird und die von den Objekten reflektierten Wellenlängen sich ändern, sehen wir durch die vom Gehirn erzeugte “Farbkonstanz” weiterhin dieselben subjektiven Farben. Es wäre doch sehr irritierend, wenn eine Frucht im Schatten eine andere Farbe als im Tageslicht hätte. Und obwohl Messgeräte zeigen können, dass das reflektierte Licht tatsächlich eine neue spektrale Zusammensetzung hat, sieht das Auge keinen Unterschied. Diese partielle “Blindheit” für die Szenenbeleuchtung (die Dimensionsreduktion) bringt den evolutiven Vorteil einer Weltkonstanz.

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Libet-Experimente: Die Wiederentdeckung des Willens

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
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Vor gut 30 Jahren entdeckte der Neurophysiologe Benjamin Libet, dass das Gehirn Bewegungen einleitet, bevor sich die Person bewusst dazu entschließt. Seitdem streiten Philosophen und Hirnforscher über die Tragweite dieser Erkenntnis. Neuere Experimente zeigen: Tiefe Zweifel an der Willensfreiheit waren verfrüht!


Von Amadeus Magrabi|Spektrum.de

Wenn es um den freien Willen geht, hört man fast nur extreme Ansichten. Da sind zum einen die Neurorevolutionäre, die unsere alltäglichen Vorstellungen über Verantwortung und Schuld als naturwissenschaftlich erwiesene Illusionen abtun. Ihnen gegenüber stehen die Traditionalisten, die von der Freiheit des Menschen überzeugt sind und nicht nachvollziehen können, was irgendwelche Laborexperimente daran ändern sollten. Und inzwischen gibt es noch eine dritte Gruppe, die “Genervten”, die die schier endlose Debatte darüber nicht mehr hören können. Doch es hat sich eine Menge getan: Neue empirische Ergebnisse scheinen den freien Willen zu rehabilitieren.

Ein guter Startpunkt für viele philosophische Diskussionen ist unsere intuitive Erfahrung. Was verstehen wir unter Willensfreiheit? Wir meinen damit eine bestimmte Art und Weise, Entscheidungen zu fällen. Wenn ich zum Beispiel meinen Urlaub plane, sichte ich meine Möglichkeiten: Wie viel Geld und Zeit stehen mir zur Verfügung? Will ich eher entspannen oder etwas erleben? Bin ich auf Strand, Natur oder Kultur aus? Von Willensfreiheit zu sprechen, ergibt offenbar nur dann Sinn, wenn wir in einer Situation mehrere Optionen haben und uns durch bewusstes Abwägen von Gründen für eine davon entscheiden können. Wenn der freie Wille existiert, sollte der innere Monolog, den wir dabei mit uns führen, unsere Entscheidungen bestimmen.

Dem gegenüber steht die Sorge, dass andere, unbewusste Prozesse unser Verhalten steuern und das Bewusstsein nur nachträglich Begründungen konstruiert. Die Frage nach der Willensfreiheit lautet also: Bestimmen bewusste Überlegungen unsere Entscheidungen, oder werden sie durch unbewusste Prozesse hervorgerufen?

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Computer und Gehirn: Der Mythos von der digitalen Demenz

Bild: BB
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Muss ich mir nicht merken, finde ich online! Macht uns das Internet immer dümmer? Eine Studie zeigt, dass unser Gehirn keinesfalls verkümmert, wenn es Wissen digital auslagert. Ganz im Gegenteil.


Von Nora Schultz|SpON

Für viele Fragen, die uns im Alltag begegnen, bemühen wir schon lange keine grauen Zellen mehr. Der Griff zu Smartphone, Tablet oder Laptop genügt, um Kontakte, Wegbeschreibungen, Schriftwechsel und das geballte Wikipedia-Wissen abzurufen. Solcher Komfort hat seinen Preis. Umgeben von allwissenden digitalen Helfern lernen wir, immer weniger selbst zu lernen.

Entscheidend scheint dabei der Glaube an die Zuverlässigkeit externer Speicher zu sein. Das zeigte Betsy Sparrow von der Universität Harvard schon 2011 in ihrer ursprünglichen Beschreibung dieses “Google-Effekts”. Vertraut das Gehirn demnach auf die sichere Ablage von Daten auf Festplatten und in der Cloud, vergisst es die Informationen ganz schnell wieder.

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Ist Religion nur ein Abfallprodukt?

Carlin_ReligionReligiöse Vorstellungen finden sich zu allen Zeiten in allen Kulturen. Wissenschaftler glauben, dass sich diese Tatsache mithilfe der Evolutionstheorie erklären lässt.

Von Rolf Maag20min Online

Religionen sind in vieler Hinsicht merkwürdige Phänomene. Sie erfordern den Glauben an übernatürliche Wesen wie Götter und Dämonen, für deren Existenz es keinerlei überzeugende Belege gibt. Ausserdem verlangen sie von ihren Anhängern, dass sie Rituale praktizieren, die scheinbar völlig sinnlos sind.

Dennoch sind bisher keine völlig religionslosen Kulturen bekannt. Kann es sein, dass sich in der Evolution des Menschen auch ein Sinn für Religiosität entwickelt hat? Genau das behaupten mehrere Theorien, die in den letzten beiden Jahrzehnten entstanden sind.

Anpassung oder Abfallprodukt?

Unter den Forschern haben sich zwei Lager herausgebildet: Die Adaptionisten sehen in der Religion eine Anpassung, die ihren Anhängern einen Vorteil im Kampf ums Überleben bietet. Ihre Gegner meinen, sie sei ein Abfallprodukt einer anderen Anpassungsleistung, das sich dann verselbständigt hat.

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Tut bei Kopfschmerzen das Gehirn weh?

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Themenbild.
Das Gehirn kann nicht weh tun. Was die fiesen Schmerzen erzeugt und welche Rolle das Gehirn dabei spielt, erklärt der Schmerzforscher Arne May.

Von Arne MaySpektrum.de

Ein Gehirn kann keinen Schmerz empfinden,denn es besitzt keine Schmerzrezeptoren. Dennoch leiden 70 Prozent der Deutschen unter Kopfschmerzen. Weh tun dabei jedoch lediglich Blutgefäße der Hirnhaut, die sich entzünden. Die Entzündung selbst ist harmlos. Jetzt wurde gezeigt, dass sie wahrscheinlich vom Gehirn gesteuert wird.

Schmerz hat viele Formen

Mediziner unterscheiden heute mehr als 240 Arten von Kopfschmerzen. Bei den allermeisten ist der Schmerz selbst die Erkrankung, etwa bei Migräne oder Clusterkopfschmerz. Sie werden primäre Kopfschmerzen genannt. Tritt der Schmerz als Symptom einer anderen Krankheit wie einer Grippe oder einer Kopfverletzung auf, spricht man von sekundären Kopfschmerzen.

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Verrückte Wissenschaft: Die 10 kuriosesten Experimente

Bild: spektrum.de
Manchmal muss die Wissenschaft an ihre Grenzen und darüber hinaus gehen – selbst wenn die Forscher in Selbstversuchen Hand an sich legen müssen. Das zeigen zehn Experimente, die auf den ersten Blick ziemlich schräg wirken.

Von Daniel LingenhöhlSpektrum.de

Das Suizidexperiment

Der rumänische Mediziner Nicolas Minovici wollte 1905 herausfinden, wie sich Erhängen anfühlt. Dazu studierte er nicht nur mehr als 170 Suizide. Er hängte sich tatsächlich selbst zu Testzwecken auf – zuerst “nur” mit einer Schlinge, die sich nicht zuzieht: Sechs bis sieben Mal probierte er dies maximal fünf Sekunden lang, um sich “daran zu gewöhnen”, so seine Aufzeichnungen. Schon hier empfand er den Schmerz unerträglich, der ihn noch zwei Wochen später plagte. Nichtsdestotrotz machte Minovici mit seinem Assistenten weiter – und ließ sich von diesem in einer echten Schlinge insgesamt zwölf Mal aufknüpfen. Wie durch ein Wunder überlebte er diese Prozedur bis auf die extremen Schmerzen im Halsbereich unbeschadet. Länger als ein paar Sekunden konnte er diese pro Versuch nicht durchstehen, wofür er sich in seinem Bericht mehrfach “entschuldigte”. Die Tests zeigten, dass der Tod beim Erhängen nicht durch Ersticken eintritt, sondern weil das Gehirn kein Blut mehr erhält.

Bewusstsein: Meine Welt und ich

Magnetresonanztomographieaufnahmen eines menschlichen Gehirns, Quelle. wikipedia
Wie erzeugt das Gehirn unser Bild von uns selbst? Der Physiker Christof Koch erforscht, wie Bewusstsein entsteht.

Von Stefan KleinZEIT ONLINE

Unser Gehirn besteht aus eineinhalb Kilo Wasser, Eiweiß und Fett. Wie erzeugt diese wabbelige Masse all unser Erleben? Vor der Frage schrecken selbst optimistische Denker zurück. Christof Koch allerdings behauptet, das Rätsel Bewusstsein sei lösbar. Aufsehen erregte der Biophysiker auch mit seinen Experimenten. So entdeckte er Hirnzellen, die auf die Erkennung von Hollywoodstars spezialisiert sind.

Seit zwei Jahren arbeitet er als wissenschaftlicher Direktor des Allen Institute for Brain Science in Seattle, das Hirnforschung im industriellen Stil betreibt. Der Gründer, Microsoft-Milliardär Paul Allen, stellt dafür eine halbe Milliarde Dollar bereit. Koch und ich trafen uns in einem Vollwert-Café am New Yorker Washington Square. Koch, der in Kansas City als Sohn deutscher Diplomaten geboren wurde und in Tübingen studiert hat, spricht Englisch mit deutschem Akzent. Nur wenn wir auf Persönliches kommen, wechselt er in unsere gemeinsame Muttersprache. Serviert werden Salate, denn Koch, der sogar Regenwürmern eine Spur von Bewusstsein zuerkennt, ist Vegetarier.

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Informatik-Professor: “Arterhaltung ist nicht der Sinn des Lebens”

Eckhard_Kruse-Der_Geist_in_der_Materie

Den Erkenntnissen der modernen Geistesforschung begegnen auch Naturwissenschaftler heute nicht mehr nur mit Ablehnung. Dem Heidelberger Eckhard Kruse – seit 2008 Professor für Angewandte Informatik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim – gelang in seinem Buch “Der Geist in der Materie” eine überzeugende Synthese von Wissenschaft und Spiritualität. Eine der Ideen: Das Gehirn ist nicht die zentrale Recheneinheit, sondern ein Internet-Browser. Und jenseits des Alltagsbewusstseins gebe es eine Fülle unterschiedlicher Bewusstseinszustände.

Rhein-Neckar-Zeitung

Herr Professor Kruse, was treibt einen Informatiker dazu, das Geistige zu suchen?

Es sind letztlich Erfahrungen, die ich gemacht habe, etwa bei Selbsterfahrungsseminaren wie der Familienaufstellung. Oder bei der Meditation. Da gibt es Phänomene, die nicht hineinpassen in die Weltsicht, die man als Schulwissenschaftler hat. Auch ein Gedankenübertragungserlebnis mit meiner Frau gehört dazu. Ich habe dann versucht, die Sache systematisch anzugehen. Es gibt eine Menge Bücher über Gedankenübertragung, Telepathie, Hellsehen. Selbst der amerikanische Geheimdienst hat da im Bereich Spionage geforscht. Nicht alles ist natürlich ernst zu nehmen.

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Hat Kriminalität biologische Wurzeln?

Bild: REUTERS
Kriminalität hat biologische Wurzeln. Diese These galt lange als unhaltbar. Adrian Raine weist nach: Sie stimmt doch – auch wenn Gene nicht alles bestimmen.

NewScientist

Wenn Sie voraussagen sollten, welcher Dreijährige aus einer Kindergruppe später Gewaltverbrecher wird – worauf würden Sie Ihr Urteil stützen? Die meisten Menschen werden vermutlich nach dem sozialen Umfeld fragen; ob ein Kind aus einem zerrütteten Elternhaus stammt oder ob es misshandelt wird. Es gibt aber einen viel simpleren Indikator, sagt Adrian Raine von der University of Pennsylvania in Philadelphia: den Ruhepuls. Die Studien des Kriminologen zeigen, dass ein langsamer Herzschlag ein eindeutigerer Vorbote für kriminelles Verhalten ist als das Rauchen für Lungenkrebs.

Messbare Hirnschäden

In seinem Buch zieht Raine Forschungsergebnisse aus den vergangenen Jahrzehnten heran – viele davon stammen von ihm selbst. Damit untermauert er die Theorie, dass sich Verbrecher rein biologisch vom Rest der Bevölkerung unterscheiden.

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Türkischer Soziologe:”Autismus ist eine Form des Atheismus”

Bild: Humanist News
Fehmi Kaya ist Soziologe und der Präsident eines Vereins in Adana (Türkei), der sich der Betreuung autistischer Kinder und Jugendlicher verschrieben hat.

Humanist News

Die türkische Presseagentur “IHA” zitierte Kaya mit den Worten: “in den Gehirnen autistischer Kinder ist die, für den Glauben an Allah zuständige Region nicht ausgebildet. Deswegen können sie nicht an Allah glauben und keine Empathie dafür empfinden, warum andere Menschen glauben. Autistische Kinder müssen verstehen lernen, dass es einen Schöpfer-Gott gibt, und dass andere Menschen sich diesem hingeben”.

Die fehlende ‘Allah Region’ im Gehirn

Weiters sagte Kaya, “Weil ihnen die ‘Allah Region’ im Gehirn fehlt, können sie nicht glauben und Empathie für andere Menschen empfinden.

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Religion auf dem Prüfstand

Eine Langzeitstudie hat ergeben, dass Mönche im Schnitt vier Jahre älter werden als Männer, die außerhalb von Klostermauern leben. Auch tibetanische Buddhisten (unten) wurden untersucht, und zwar auf neurologische Funktionen während der Meditation. Zweifelhaft sind beide Experimente . . . Foto: apa
Eine Langzeitstudie hat ergeben, dass Mönche im Schnitt vier Jahre älter werden als Männer, die außerhalb von Klostermauern leben. Auch tibetanische Buddhisten (unten) wurden untersucht, und zwar auf neurologische Funktionen während der Meditation. Zweifelhaft sind beide Experimente . . . Foto: apa

Sitzt Gott im Gehirn? Von der “Neurotheologie” bis zur Frage, ob Glaube gesünder macht, gibt es jede Menge wissenschaftliche Untersuchungen. Letzte Antworten kann keine davon geben.

Von Andreas Lorenz-MeyerWiener Zeitung.at

Der Neurologe Uffe Schjødt versammelte sehr unterschiedliche Menschen in einem Labor an der Aarhus Universität in Dänemark: 18 fromme Pfingstchristen und 18 nicht-religiöse Menschen. Die Probanden legten sich in einen Magnetresonanztomographen, eine High-Tech-Röhre, die neuronale Prozesse im Gehirn scannt, und lauschten dort Fürbittgebeten. Diese sprachen abwechselnd ein Nichtchrist, ein Christ und ein Christ mit der Gabe der Heilung – zumindest dachten die Probanden das. In Wirklichkeit handelte es sich bei allen drei Betern um normale Christen ohne heilerische Fähigkeiten.

Hinterher untersuchte Schjødt die Aufnahmen aus dem Inneren der Köpfe. Die neuronalen Reaktionen der Gläubigen unterschieden sich voneinander, je nachdem, wem sie gerade zugehört hatten. Sprach der “Nichtchrist”, ging es im präfrontalen Cortex, einem Teil des Stirnlappens, der für kritisches Denken zuständig ist, ganz rege zu – ein Zeichen von Skepsis oder Misstrauen. Betete dagegen der “Wunderheiler”, war in dem Hirnareal kaum “Betrieb”, es schien durch die Stimme der charismatischen Person wie abgeschaltet.

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Nocebo-Effekt: Krank vor Angst beim Arzt

Bild: onmeda

Die Furcht vor Risiken und Nebenwirkungen einer Behandlung behindert oft die Heilung. Ein falsches Wort vom Arzt kann Patienten sogar krank machen.

Von Susanne WächterOnmeda

“Ihr Rücken ist ein Trümmerfeld”, oder: “dann machen wir sie jetzt fertig”, solche Aussagen von Medizinern, können für Patienten fatale Folgen haben. Während Tabletten ohne jeglichen Wirkstoff heilen können, kann im Umkehrschluss eine bloße Erwartung bei der Einnahme von pharmazeutischen Mitteln oder einer ärztlichen Behandlung krank machen. Nocebo, was übersetzt so viel heißt wie “ich werde schaden”, gilt als das Gegenteil des bekannteren Placebo-Effektes.

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Die Evolution der Fledertiere aus Sicht von “Wort und Wissen”

Bild: ag-evolutionsbiologie.de

Was wissen wir über die Entstehung der Fledermausflügel?

Autoren: Hansjörg Hemminger, Martin Neukamm, Andreas BeyerAG Evolutionsbiologie

Die Fledertiere treten im Eozän fast ohne fossile Übergangsformen auf – für Kreationisten ein Argument gegen Evolution. Auch Reinhard Junker, Geschäftsführer von “Wort und Wissen”, macht seine Evolutionskritik an der Fluganpassung dieser Säugerordnung fest. Er stellt es so dar, als hätten alle Anpassungen an das Fliegen gleichzeitig stattfinden müssen, als sei der Bauplan der Fledertiere im Sinne eines “intelligenten Designs” nicht reduzierbar komplex. Weiterhin behauptet er, die Taxonomie der Fledermäuse mache die evolutionäre Entstehung ihrer Echoortung unwahrscheinlich. Seine Kritik enthält jedoch gravierende Fehler, und er verschweigt wichtige Informationen. Erstens ist die Evolution des Echoortungssystems nicht so unplausibel wie er es darstellt. Zweitens ist es gelungen, die entwicklungsgenetischen Mechanismen weitgehend aufzuklären, die aus den Vordergliedmaßen eines Säugetiers Flügel entstehen lassen: Sowohl die Bildung von Flughäuten als auch die funktionale Verlängerung der Fingerknochen kann durch relativ einfache Veränderungen der Genregulation hervorgerufen werden. Beteiligte Untermerkmale wie Muskeln, Nerven, Blutgefäße usw. können automatisch mitwachsen und sich reorganisieren. Weitreichende morphologische Veränderungen, die einen Gleitflug ermöglichen, könnten sich also vergleichsweise einfach und rasch vollzogen haben, was auch das Fehlen fossiler Übergangsformen erklären würde. Weitergehende Spezialisierungen (z.B. Erwerb der Echoortung, der leichten Knochen usw.) sind als das Ergebnis schrittweiser Optimierung der Funktion bestehender Strukturen interpretierbar.

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Religion: Der bloße Anblick des Denkens schwächt die Kraft des Glaubens

Bild: (c) AP (DAVID EULITT)

Das Gehirn arbeitet analytisch und intuitiv, Letzteres tut es gerne bei religiösen Menschen. Aber schon kleine unterschwellige Signale – „priming“ – können das ändern.

Von Jürgen LangenbachDie Presse

Wir sind nicht immer gleich, schon unterschwellige Umwelteinflüsse modulieren unser Empfinden und Denken. Wer sich sozial isoliert fühlt, weil ihm kalte Schultern gezeigt werden, der fröstelt auch am Körper, und wer eine Tasse warmen Kaffee in der Hand hat, dem rückt sich alles in ein warmes Licht. Diese Kraft des Subliminalen zeigt sich allerorten, auch dort, wo es gar nicht um Soziales geht: Allein der Anblick einer Kirche stimmt Menschen konservativ, Jordan Labouff (Baylor University) hat es im Vorjahr gezeigt, er hat Straßenpassanten um ihre politische Meinung zu verschiedenen Minderheiten gebeten, und die Antworten fielen neben Westminster Abbey in London anders aus als neben dem Rathaus von Maastricht (Int. J. Psych. Rel, 19. 1.).

Eine ähnliche Macht des Orts hatte man früher schon in Wahllokalen in den USA bemerkt: Wurde über die Erhöhung einer Steuer – und die Widmung des Betrags für Bildung – abgestimmt, war die Zustimmung in Schulen höher als in Kirchen.

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Turm der Sinne: Verantwortung als Illusion

Gespannt verfolgten die 500 Gäste die Vorträge | Foto: Kian Bernous, turmdersinne

Ein Bericht vom Symposium des turmdersinne 2011, bei dem es um Moral, Schuld, Strafe und das Menschenbild der Hirnforschung ging.

Von Inge Hüsgendiesseits.de

Wer ein Verbrechen begeht, hätte sich auch anders entscheiden können – oder? Intuitiv gehen wir davon aus, dass wir über einen freien Willen verfügen. Diese Annahme spiegelt sich auch im geltenden Strafrecht wider. Ein Familienvater mit pädophilem Verhalten gegenüber den eigenen Kindern muss demnach bestraft werden. Was aber, wenn sich herausstellt, dass seine Neigungen durch eine Veränderung im Gehirn – einen Tumor – ausgelöst wurden? Und wenn sie mit der Entfernung der Geschwulst verschwinden?

In solchen Fällen wird anders argumentiert: der Täter konnte zum Tatzeitpunkt keine freie Entscheidung treffen, gilt also als nicht verantwortlich für seine Handlung. Ihn trifft keine Schuld und niemand kann von ihm Sühne verlangen.

Aber warum nur dann, fragen viele Neurowissenschaftler und einige Juristen. Aktuelle Forschungsbefunde weisen darauf hin, dass sich unsere Entscheidungen gänzlich auf Gehirnaktivitäten zurückführen lassen. Sie sind damit im Prinzip physikalisch erklärbar und eingebunden in Ursachenzusammenhänge.

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Mensch-Tier-Kreuzungen im Labor

Großbritannien: Die geheimen Forschungen laufen bereits seit drei Jahren. Beispielsweise können tierische Eizellen mit menschlichen Spermium befruchtet werden; Menschenaffen werden menschliche Stammzellen in ihr Gehirn eingespritzt.

kath.net

Britische Laboratorien haben in den vergangenen Jahren bereits über 150 Mensch-Tier-Kreuzungen erzeugt. Diese Embryonen enthalten in ihrem Erbmaterial sowohl menschliche wie tierische DNA und wurden erzeugt, nachdem 2008 in Großbritannien das Gesetz über „Human Fertilisation and Embryology“ rechtskräftig wurde. Dies berichtete „MailOnline“.

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Hirnforschung und Philosophie

Quelle: http://www.heise.de

Während die Geisteswissenschaft den qualitativen Sprung in der Evolution, der sich mit der Entwicklung des menschlichen Gehirns vollzieht, eher phänomenologisch ableitet als wissenschaftlich begründet, verallgemeinern die Naturwissenschaftler die jeweils aktuellen Ergebnisse ihrer empirischen Forschung auf unzulässige Weise und unterschlagen dabei vor allem die kulturelle Entwicklungsfähigkeit als Folge menschlichen Bewusstseins. Mit seinem Buch Bewusstsein – der Abgrund zwischen Mensch und Tier versucht Alexander Braidt zwischen den Fronten zu vermitteln.

Von Reinhard Jellentp

Herr Braidt, Sie schreiben in ihrem Buch, dass Geistes- und Naturwissenschaften in Bezug auf das Bewusstsein konträre Positionen vertreten. Welche sind das?

Alexander Braidt: Verkürzt ließe sich antworten: Die Geisteswissenschaft sieht im Bewusstsein die Einzigartigkeit des Menschen begründet. Dagegen hat sich die Hirnforschung erst in ihrer jüngsten Geschichte an das Bewusstsein herangewagt und gefunden, dass es den Menschen nur graduell vom Tier unterscheide. Die Geisteswissenschaft erkennt einzigartige, kognitive Leistungen des Menschen, kann sie aber nicht neuronal erklären. Die Hirnforschung erkennt lediglich eine höhere Intelligenz des Menschen, kann aber damit das Entwicklungspotenzial seiner kognitiven Leistungen nicht überzeugend erklären. Bildlich gesprochen: Der Geisteswissenschaft stellt ihre Erdferne, der Naturwissenschaft ihre Erdnähe ein Bein.

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Gott ist zweifellos auch ein Hirngespinst

Ein typisches Neuron im Gehirn hat viele Tausende von Synapsen, d.h. Kontaktpunkte mit anderen Neuronen - hier gezeigt für ein Neuron als rote Punkte (links oben). Nur etwa ein Promille der anderen Neurone, zu denen es Kontakte hat, wird hier dargestellt. TU Graz/IGI, idw-online.de

Religiöse Gefühle lassen sich im Gehirn des Menschen nachweisen und messen. In den USA boomen Forschungsarbeiten, die zeigen, was in unseren Köpfen beim Beten passiert.

Von Katrin EigendorfWELT ONLINE

„Gott ist zweifellos auch ein Hirngespinst“ sagt Regina Oehler, „denn unsere religiösen Gefühle lassen sich im Gehirn messen – also letztendlich auch Gott.“ Die Wissenschaftsjournalistin beim Hessischen Rundfunk ist fasziniert von der Erforschung Gottes im Gehirn – der Neurotheologie.

So haben amerikanische Forscher Franziskaner-Nonnen und buddhistische Mönche im Labor beten und meditieren lassen und festgestellt: In ihren Gehirnen ließen sich nahzu identische Veränderungen messen.

Lässt Gott sich also im Großhirn nachweisen? Die Neurobiologie zeigt, dass religiöse Gefühle in unseren Köpfen Ordnung schaffen, während des Gebets schwingen sich weite Bereiche der Großhirnrinde aufeinander ein, der Kopf arbeitet synchroner. Der Frankfurter Hirnforscher Wolf Singer bezeichnet es als „Hirn-Hygiene“.

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Warum ein großes Gehirn

Schluckauf, Leistenbrüche und genetische Gemeinsamkeiten verraten, dass wir den Tieren näher stehen, als wir glauben. Die Abbildung zeigt ein menschliches Embryo im Mutterleib (l.) und einen Mäusefötus. AFP

Elefanten, Primaten, Wale und Menschen haben große Hirne: Forscher haben herausgefunden, welchen Preis Mensch und Tier dafür bezahlen.

WELT ONLINE

Die Größe des Gehirns ist bei Säugetieren eng mit der Länge der Tragedauer und Stillzeit verknüpft. Diesen Zusammenhang zeigen die Analysen zweier britischer Evolutionsbiologen zu den Daten verschiedener Säugetierarten inklusive dem Menschen.

Sie verglichen die Spezies bezüglich vieler körperlicher Faktoren und Verhaltensweisen. Dabei wurde eine eindeutige Verknüpfung deutlich: Je größer das Gehirn, desto mehr müssen Muttertiere in ihre Nachkommen investieren.

Offenbar ist der Nutzen einer starken Hirnleistung für den Erfolg einer Tierart den Aufwand wert, sagen die Forscher. Über ihre Ergebnisse berichten Robert A. Barton von der Durham University und Isabella Capellini von der University of Belfast im Wissenschaftsmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

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