Schlagwort-Archive: Genetik

Religiöser Wahn und induziertes Irrsein

jesus_guillotineWährend die Deutschen mit fliegenden Fahnen, hysterievollen Hosen und mit menschenverachtendem Eifer jubelnd dem Vierten Reich entgegenrennen, vollgepumpt mit dem Adrenalin des Hasses und der Dummheit, scheint es Wichtigeres zu geben als sich mit aberwitzigen Streitereien von dramatisch unterdurchschnittlich intelligenten Glaubensgemeinschaften wie den Evangelikalen unter Ulrich Parzany zu beschäftigen.

Von Wolfgang Brosche|DIE KOLUMNISTEN

Aber nein doch, sage ich – denn bei solchen Figuren und Gruppen liegt ein tonnenschwerer Grund für unsere politische Situation, die so sehr auf Dummheit und Angst gegründet ist.

Ein ewiger Feldzug wider der Vernunft

Es ist eine triste Tatsache, daß die Aufklärung längst ins Kriechen gekommen ist – denn die Religionsgemeinschaften jeder Couleur haben es geschafft, sie zu hintergehen und zu unterlaufen. Sie lassen sich die Verbreitung ihrer Dummheiten staatlich alimentieren. Ihr ewiger Feldzug gegen die Vernunft zeigt sich nicht nur in den mörderischen Ungeheuerlichkeiten, die der Islam und seine Vertreter veranstalten, sondern auch in der angeblich „abendländischen“ Gegnerschaft (siehe PEGIDA, PiS oder den Front National) mit den erbittertsten Barbarismen. Religionen sind noch immer – und können es auch nicht anders sein – die mächtigsten Gegner des Denkens, der Intelligenz, der Kritik, des Hinterfragens, der menschlichen Selbstbestimmung und (Lebens)-Lust und der Vernunft.

Wer sich auf ein höheres unbezweifelbares und nicht kritisierbares Wesen beruft, um sein Handeln und Leben zu begründen und zu rechtfertigen, der ist zu jeder Unmenschlichkeit fähig im Namen seines Gotteswahnes. Von wegen, daß unsere westlichen Gesellschaften säkularisiert seien – sie sind es nicht! Der gesamte Alltag ist religiösem Wahn unterworfen, die gesamte Ethik kriecht bei uns den christlichen Absurditäten und woanders denen des Islams nach. Unser Umgang mit Recht, Medizin, Sexualität und Politik ist jenen phantastischen Widersprüchen von Schuld und Sühne, Gottesbefehlen und Lebensfeindlichkeit unterworfen, wie sie nur die Religionen hervorbringen können.

Die tierprimitive Angst vor dem Tod, dem Blitz und dem eigenen Körper hat die Religionen hervorgebracht, die dann wiederum patriarchale penile Herrschaftsphantasien legitimieren sollten, Hierarchien der Unterdrückung und der Ignoranz.

Tierprimitive Angst vor Tod, Blitz und Körper

Obwohl die Religionen jeden menschlichen, wissenschaftlichen und politischen Fortschritt behindern, beteiligen wir Religionsvertreter in Ethikausschüssen, fragen Kardinal Marx wenn es um Genetik, Fortpflanzung und Menschenrechte geht – der dazu ebenso wenig Substanzielles beizutragen hat wie etwa ein evangelikaler Führer vom Schlage eines Ulrich Parzany.

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Jenaer Wissenschaftler: „Hitler hatte keine Ahnung von Genetik“

Prof. Dr. Uwe Hoßfeld ist Institutsdirektor Arbeitsgruppe Biologiedidaktik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Foto: Jürgen Scheere/Uni Jena
Der Jenaer Wissenschaftler Uwe Hoßfeld kommentierte den biologisch-humangenetischen Teil in der Neuauflage von „Mein Kampf“.

Von Tino Richter|Thüringer Allgemeine

Sie haben an der Neuausgabe mitgearbeitet. Was genau war Ihr Part?
Ich bin vor drei Jahren vom renommierten Institut zur Zeitgeschichte in München angefragt worden, ob ich den biologisch- humangenetischen Teil kommentiere und ob ich mir vorstellen könnte, mitzuarbeiten.
Was ist Ihnen dabei aufgefallen?
Es hat mich gewundert, dass es in „Mein Kampf“ nur zirka 30 Seiten zu diesem Thema gibt, obwohl die Rassenkunde eigentlich einen zentralen Teil in der NS-Ideologie einnimmt. Hitler hatte keine Ahnung von Biologie und Genetik. Seine Sprache ist überzogen und verklausuliert – das zieht sich durch das gesamte Werk, deshalb wird in der Neuausgabe die Bedeutung von Begriffen zur Entstehungszeit des Buches erklärt und um ihre heutige Bedeutung ergänzt. So konnte Satz für Satz seziert werden.

 

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Die verborgene Architektur des Lebens

Andreas Wagner Arrival of the Fittest Aus dem Englischen von Sebastian Vogel Verlag: S. Fischer, Frankfurt M. 2015 ISBN: 9783100024275 22,99 €
Andreas Wagner
Arrival of the Fittest
Aus dem Englischen von Sebastian Vogel
Verlag: S. Fischer, Frankfurt M. 2015
ISBN: 9783100024275
22,99 €

Ob die Entstehung des Neuen “das größte Rätsel der Evolution” ist, wie es im Untertitel des Buchs heißt, sei dahingestellt. Es gibt noch andere, ebenfalls nicht kleine Rätsel der Evolution, etwa die Entstehung der ersten Lebensformen, das Erscheinen des Bewusstseins oder die Menschwerdung. Das sind zwar ebenfalls Neuerungen, aber mit dem Unterschied, dass sie jeweils mit dem Auftauchen neuer Kategorien einhergingen. Dies zu erklären zieht der Autor Andreas Wagner, Evolutionsbiologe an der Universität Zürich, deshalb erst gar nicht in Erwägung.

Von Eckart Löhr|Spektrum.de

Die von Wagner untersuchten Innovationen betreffen ausschließlich den molekularen Bereich. Ein wenig übereifrig wirkt daher die Formulierung im Klappentext, der Autor würde “den letzten Baustein der Darwinschen Theorie” präsentieren. Schön wär’s, wird da wohl mancher Biologe denken! Davon unbenommen stellt die Wandlungsfähigkeit des Lebens, das seit Jahrmilliarden ständig neue Strukturen, Formen und Eigenschaften hervorbringt, tatsächlich ein großes Mysterium dar. Diesem widmet sich der Autor auf gut vierhundert nicht immer leicht zu lesenden Seiten.

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Fortpflanzungsbiologie: Man soll uns nicht mit Wühlmäusen vergleichen

© Picture-Alliance Das Tierreich kennt keinen Sündenfall, der Mensch hingegen schon – hier gemalt von Lucas Cranach d.Ä., 1533.
Ticken Frauen wirklich anders als Männer? Hormone sind bei uns Menschen nicht alles, was zählt – der Evolutionsbiologe Axel Meyer ignoriert das in seinem Buch geflissentlich.

Von Thomas Weber|Frankfurter Allgemeine

Axel Meyer, international anerkannter Evolutionsbiologe an der Universität Konstanz, möchte in seinem Buch auf naturwissenschaftlicher Grundlage zeigen, was Männer und Frauen so alles voneinander unterscheidet. Er beginnt dabei ganz sachlich. Ein großer Teil des Buches widmet sich Grundlagen der Evolutionsbiologie, der sexuellen Auslese, klassischen Genetik und Genomik. Alles in allem ist die Darstellung leicht nachvollziehbar und oft informativ, mit extremen Urteilen hält sich der Autor zurück. Und doch spiegelt das Buch eine Klarheit und Eindeutigkeit vor, die sich dem Umstand verdankt, dass abweichende Erkenntnisse oder Deutungen in ihm nicht vorkommen.

Das gilt für naturwissenschaftliche Argumente und erst recht für die oft völlig ignorierten Erkenntnisse aus anderen Disziplinen. Meyer sieht sich selbst mit Blick auf Geschlechterdebatten als Anwalt der naturwissenschaftlichen Vernunft. An vielen für seine Argumentation entscheidenden Stellen wird man ihm das aber nicht so einfach durchgehen lassen wollen.

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Wissenschaft, spannend wie ein Kriminalfall

DNA, image: Mirny et al/MIT
DNA, image: Mirny et al/MIT
Genetik. Er löst Rätsel, die sonst keiner lösen kann. Molekularbiologe Walther Parson nutzt neue Methoden der DNA-Technologie, um Verbrechen aufzuklären.

Von Alice Grancy|Die Presse

Walther Parson berät das FBI. Er half mit, die Opfer des Tsunamis zu identifizieren und untersuchte die sterblichen Überreste der russischen Zarenfamilie Romanow oder Wolfgang Amadeus Mozarts. Den spannendsten Fall gibt es für ihn aber nicht, sagt der forensische Molekularbiologe vom Institut für Gerichtliche Medizin der Med-Uni Innsbruck. Denn ihn interessiert die Wissenschaft hinter den Fällen.

Die für die Forschung schwierigste Aufgabe sei momentan aber die Analyse der Überreste der im Herbst 2014 ermordeten mexikanischen Studenten. Um den stark zerstörten Spuren nachzugehen, nutzt Parson erstmals die sogenannte Hochdurchsatzsequenzierung. Damit will man Fälle künftig schneller klären, die bisher überhaupt nicht mehr analysierbar waren. Mit dem neuen Verfahren stehe man vor einem Quantensprung in der DNA-Technologie: „Wir rücken in neue Sphären vor“, sagt Parson.

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Axel Meyer:”Adams Apfel und Evas Erbe” – weitreichende Schlüsse aus mageren Daten

Vorliebe für Blau bei den Jungs, Rosa bei den Mädchen – das soll die Natur so vorgesehen haben? – Fragen der Evolutionsbiologie (picture alliance / Zentralbild / Jens Kalaene)
Was ist typisch weiblich, was typisch männlich? Und warum? Auf diese Fragen liefert der Evolutionsbiologe und Genomforscher Axel Meyer Antworten aus Sicht des Naturwissenschaftlers: ein engagiertes Plädoyer gegen politisch korrekte Gleichmacherei.

Von Volkart Wildermuth|Deutschlandradio Kultur

“Naturwissenschaftler sollten sich mehr in gesellschaftliche Debatten einmischen”, schreibt Axel Meyer selbstbewusst gleich auf der ersten Seite und tut es auch: Wortgewaltig mischt sich der Evolutionsbiologe beim Thema Gendermainstreaming ein und argumentiert grundsätzlich aus einer naturwissenschaftlichen Perspektive. Die ersten 130 Seiten seines Buches lesen sich daher auch wie eine Einführung in die Grundlagen der Genetik und Evolution. Ein insgesamt etwas mühsamer Einstieg, garniert mit einigen interessanten Informationsschnipseln. Erst danach wendet er sich dem eigentlichen Thema zu: der Genetik von Mann und Frau und den sich daraus ergebenden Themen wie Inter- und Homosexualität, ehelicher Treue und Intelligenz.

Geschlecht ist kein kulturelles Konstrukt, das ist klar. Geisteswissenschaftler, die das behaupten, liegen schlicht falsch. Es gibt Männer, es gibt Frauen und es gibt – wenn auch selten – Menschen, die mit ihrem Erbgut dazwischen liegen. Allerdings ist ebenso klar: Biologie ist nicht alles und Kultur hat einen sehr großen Einfluss auf das, was aus dem biologischen Geschlecht wird. Axel Meyer schreibt selbst: “Es ist schwierig zu bestimmen, welche Unterschiede zwischen den Geschlechtern biologisch und welche kulturell bedingt sind.” Heißt aber auch: Es gibt sie, die Unterschiede.

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Gender: Das Biologische ist auch sozial – Ideologie in die Biologie

Bilden Fische wirklich einen „Harem“? Biologen sind nicht immer dagegen gefeit, unreflektiert Begriffe aus der Menschen- auf die Tierwelt zu übertragen – inklusive menschlicher… – Foto: picture alliance / Reinhard Dirscherl
Oft wird behauptet, Biologie stehe im krassen Widerspruch zur Genderforschung. Das ist falsch. Beide sollten zusammenarbeiten.
 

Von Kerstin Palm|DER TAGESSPIEGEL

„Was? Du bist Biologin und Genderprofessorin? Wie passt das denn zusammen?“ Solche und ähnliche Reaktionen begegnen mir immer wieder, wenn ich Auskunft gebe über meinen Beruf. Diese Bemerkungen zeigen zum einen, dass die Genderforschung eher in den Geistes- und Sozialwissenschaften als in den Naturwissenschaften verortet wird. Zum anderen aber glauben die meisten, wie daran anschließende Gespräche ergeben, dass zwischen Geschlechtertheorien der Biologie und der Genderforschung ein tiefgreifender Widerspruch besteht. Liefert die Biologie nicht objektive Fakten über feststehende biologische Geschlechterunterschiede, die von der Genderforschung vehement bestritten werden, weil sie alle Geschlechterdifferenzen als gesellschaftlich konstruiert ansieht?

Um solche Missverständnisse und Fehleinschätzungen zum Tätigkeitsbereich der Genderforschung zu überwinden, helfen Beispiele aus meinem Forschungsbereich und zunächst einmal grundlegende Einblicke in das umfassende interdisziplinäre Feld der Geschlechterforschung.

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Hamburg: „Evolution“ nicht mehr Thema im Abitur

evolvefishlogo.gifNeben Genetik und Ökologie stand bei den Hamburger Abitur-Prüfungen in Biologie bisher auch das Thema Evolution auf dem Prüfungsplan. Doch das ändert sich ab 2017. In einem Brief an einen renommierten Wissenschaftler kritisieren die Schüler das und bitten ihn um Unterstützung.


Von Sandra Schäfer|Hamburger Morgenpost

Aus Sicht der Schüler gehört die Thematik zum bildungspolitischen Auftrag der Schule. Insbesondere die Einflussnahme religiöser Fundamentalisten auf gesellschaftliche Diskussionen sehen sie als einen Grund, unbedingt am Prüfungsthema festzuhalten.

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Genetik: Der Genschatz der Isländer

Island. Bild: ©Alex Akesson.
Island. Bild: ©Alex Akesson.
Island ist eine wahre Fundgrube für Genetiker: Eine homogene Gruppe, lange von der Außenwelt abgeschottet. Die Entschlüsselung des isländischen Genoms soll helfen, Risiken früh zu erkennen und neue Heilmethoden zu finden.


Moderator Dominik Schottner|DRadio Wissen

Die Isländer sind ein überschaubares Volk. Auf einer Fläche so groß wie Bayern, leben rund 300.000 Menschen. Nicht mehr als in Bielefeld, Augsburg oder Chemnitz. Rund sechs Jahrhunderte lang blieben die Isländer unter sich. Das führte dazu, dass die Menschen nah miteinander verwandt sind und der Genpool recht homogen ist.

“Es gab ein riesiges Experiment von Inzucht auf der Insel. Das hatte keine schlimmen Folgen, aber vergleichsweise sind die Isländer viel enger miteinander verwandt als hier in Deutschland.”

Michael Lange, Wissenschaftsjournalist

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Sauberer Schnitt in die menschliche Evolution

DNA, image: Mirny et al/MIT
DNA, image: Mirny et al/MIT
Eine neue Genetik erlaubt präzise Eingriffe in das menschliche Erbgut. Befürworter hoffen auf das Ende von Krebs und Diabetes. Kritiker befürchten die Manipulation von Embryonen.


Von Kathrin Zinkant|Süddeutsche.de

Das Napa Valley ist zu Jahresbeginn kein schlechter Ort für eine kleine Reise. Während anderswo noch Tristesse herrscht, explodiert zwischen den Rebstöcken Kaliforniens das Leben. Die strahlend gelbe Senfblüte beginnt, und mit ihr strömen Erholungswillige, Hochzeitspaare, Weinliebhaber ins berühmte Tal. Bisweilen kommen aber auch Forscher hinzu, wie vor wenigen Wochen, als sich eine Gruppe namhafter Wissenschaftler ins idyllische Carneros zurückzog. Unter ihnen: der Nobelpreisträger Paul Berg und einer der Pioniere der Gentechnik, David Baltimore vom California Institute of Technology in Pasadena. Der Anlass des Treffens war ernst. Die Forscher mussten reden. Über ein recht junges, aber schon weit verbreitetes Verfahren, das sogenannte Genome Editing oder Genomic Engineering. Es gestattet mit nie da gewesener Präzision einen Eingriff ins Erbgut aller Lebewesen, auch in das des Menschen. Und – bislang theoretisch – auch in das Erbgut von menschlichen Keimzellen oder Embryonen, die durch künstliche Befruchtung entstehen. Ob das aber wirklich noch Theorie ist?

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Brauchen wir eine neue Evolutionstheorie?

Die Schöpfung
Die Schöpfung
Seit Charles Darwin hat sich in der Evolutionsbiologie und in den angrenzenden Fachgebieten viel getan. Ist die Evolutionstheorie damit inzwischen veraltet? Ein Pro und Contra.


Spektrum.de

Ja, unbedingt!

Ohne Ausweitung der Evolutionstheorie vernachlässigen wir wichtige Prozesse, meinen Kevin Laland und seine Kollegen.

Schon Charles Darwin sprach von Evolution durch natürliche Selektion – ohne überhaupt von der Existenz der Gene zu wissen. Die heute gängige Evolutionstheorie fokussiert fast ausschließlich auf genetische Vererbung und Prozesse, welche die Häufigkeit der Gene beeinflussen.

Diese begrenzte Sichtweise wird aber zunehmend von neuen Erkenntnissen aus benachbarten Forschungsgebieten geschwächt. So kristallisiert sich langsam ein anderes Bild der Evolution heraus, bei dem auch Wachstums- und Entwicklungsprozesse der Organismen als Ursachen der Evolution auftreten.

Vor sechs Jahren trafen sich einige von uns zum ersten Mal und diskutierten über neue Ansätze. Inzwischen befassen wir uns als interdisziplinäres Team sehr intensiv mit einem weiter gefassten Rahmenwerk, genannt “Erweiterte Synthese in der Evolutionstheorie” (extended evolutionary synthesis [1], EES). Hierfür wollen wir Struktur, Prämissen und Vorhersagen erarbeiten. In der EES sollen wichtige Evolutions-Driver, die nicht auf Gene zurückzuführen sind, in das dichte Geflecht der Evolutionstheorie integriert werden.

Damit wird die EES ganz neues Licht auf die Evolution werfen. Wir glauben, Organismen bilden sich während der Entwicklung erst langsam heraus und sind nicht einfach durch ihre Gene vorprogrammiert. Lebewesen entwickeln sich nicht dergestalt, dass sie in eine vorgefertigte Umgebung passen. Vielmehr entwickeln sie sich zusammen mit ihrer Umgebung, in einem Prozess, der auch die Struktur ganzer Ökosysteme beeinflussen kann.

Wir stehen für eine Revision der Evolutionsbiologie, damit sie von den Erkenntnissen aller Disziplinen profitieren kann

Inzwischen fordern immer mehr Biologen, das Konzept der Evolutionstheorie anzupassen. Rückenwind hierfür kommt aus den Nachbardisziplinen, vor allem der Entwicklungsbiologie, aber auch der Genetik, der Epigenetik, der Ökologie und den Sozialwissenschaften [1,2]. Wir stehen für eine Revision der Evolutionsbiologie, damit sie uneingeschränkt von den Erkenntnissen dieser Bereiche profitieren kann. Und immer mehr Forschungsergebnisse untermauern unsere Position.

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Gedankenkraft steuert Gene

Eine durch Hirnströme gesteuerte Nahinfrarot-LED aktiviert bei dieser Zellkultur bestimmte Gene © Fussenegger et al./ ETH Zurich
Kybernetik und Genetik verknüpft: Forscher haben ein System konstruiert, mit dem Probanden über ihre Hirnströme die Genaktivität in einer Maus kontrollieren können – und dies kabellos. Diese Technik könnte künftig genutzt werden, um chronische Schmerzen oder neurologischen Erkrankungen zu behandeln, so die Forscher im Fachmagazin “Nature Communications”.

scinexx.de

Schon länger erlauben raffinierte Mensch-Maschine-Schnittstellen die Steuerung von Computern, Prothesen, Hubschraubern, Flugzeugen und sogar die Kommunikation durch bloße Gedankenkraft. Und auch die Manipulation von Genen in lebenden Organismen ist nicht neu. So können Gene oder eingeschleuste Wirkstofffähren unter anderem mit Radiowellen, bestimmten Chemikalien aber auch mit Licht im Nahinfrarotbereich aktiviert werden. Dieses Licht ist besonders geeignet, weil es tief in Gewebe eindringen kann, ohne den Zellen und Stoffwechselprozessen zu schaden.

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Evolutionstheorie: Dieses Museum will zeigen, dass die Bibel recht hat

Schon beim Eingang wird die enge Verflechtung von "Creation Science" und einer streng wörtlicher Auslegung der Bibel ersichtlich. Kreationismus ist im Prinzip eine Art Theologie und verwendet naturwissenschaftliche Erkenntnisse nur dort, wo es ins Weltbild passt.( Themenbild.)
Schon beim Eingang wird die enge Verflechtung von “Creation Science” und einer streng wörtlicher Auslegung der Bibel ersichtlich. Kreationismus ist im Prinzip eine Art Theologie und verwendet naturwissenschaftliche Erkenntnisse nur dort, wo es ins Weltbild passt.( Themenbild.)
Die gottlosen Evolutionstheoretiker haben unrecht, demonstriert das Creation Museum in den USA. Zu sehen ist, wie der T-Rex Adam und Eva beim Baden beobachtet. Ach so, und die Dinos waren Vegetarier.

Von Hannes SteinDIE WELT

Das Creation Museum liegt in der Mitte von nirgendwo. Genauer gesagt, liegt es im Dreiländereck der amerikanischen Bundesstaaten Kentucky, Ohio und Indiana zwischen Feldern und Wiesen. Das Creation Museum hat eine Mission: Es will zeigen, dass die Bibel recht hat – dass Gott die Welt also buchstäblich (und nicht in irgendeinem übertragenen Sinn) vor 6000 Jahren in sechs Tagen von je 24 Stunden Dauer geschaffen hat.

Das Hauptargument, mit dessen Hilfe dies bewiesen werden soll, sind Dinosaurierskelette. Der Hauptgrund, warum Dinosaurier ausgestorben sind, ist nämlich – sonnenklar – die Sintflut. Zwar sind zwei von jeder Dinosaurierart an Bord der Arche mitgereist, aber nach der Sintflut haben die Menschen die armen Viecher gejagt, und darum gibt es sie heute nur noch im Kino.

Ein Skelett, das im Gehen die Bibel liest

Das Creation Museum ist zwar nicht ganz so groß wie das Museum of Natural History in New York, in dem die Weltsicht der Anhänger der gottlosen Evolutionstheorie dominiert, aber es ist immerhin so groß, dass man problemlos zwei Stunden mit Schlendern verbringen kann.

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“Gott oder Zufall?” – Metaphysik für den Nachttisch

Mit “Gott oder Zufall?” bietet der Biologe Robert James Berry einen Schnellkurs in Wissenschaft und Philosophie zugleich. Gemeinsam mit 25 anderen Autoren führt er die Leser von der Kosmologie bis zur Genetik – und beleuchtet das Verhältnis von Glauben und Wissen.

Von Dirk LorenzenDeutschlandradio Kultur

Sind wir Menschen ein Zufallsprodukt der Evolution – oder liegt hinter der Entstehung von Leben ein göttlicher Plan? Macht eine Weltformel, die das ganze Universum beschreibt, einen Schöpfer überflüssig? Sind Bewusstsein und Seele allein eine Folge chemischer Reaktionen im Hirn – oder gibt es etwas jenseits der Synapsen und Botenstoffe?

Das Buch “Gott oder Zufall?” führt seine Leser durch Kosmologie, Physik, Geowissenschaften, Evolutionsbiologie bis zu Medizin und Genetik und beleuchtet das Verhältnis von wissenschaftlicher Erkenntnis und christlichem Glauben. Robert James Berry, Biologe am University College London, hat gemeinsam mit 25 anderen Wissenschaftlern ein kurzweiliges und sehr informatives Buch geschrieben.

Es ist ein Schnellkurs zugleich in Wissenschaft und Philosophie. Die Autoren stellen zunächst den aktuellen Stand ihrer Forschungsgebiete vor – dann legen sie dar, wo auf metaphysischer Ebene die Konfliktpunkte liegen. Einst wähnten die Menschen in jedem Blitz ein göttliches Zeichen. Doch auch die moderne Wissenschaft lässt – sofern man denn Zugang zum Glauben hat – viel mehr zu als allein den “Lückenbüßergott”, der für das herhalten muss, was sich (noch) nicht erklären lässt.

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Genetik: Woher stammen die Aschkenasim? Aus Rom?

Bild: diepresse.com
Eine neue Analyse der mitochondrialen Gene – das sind die, die nur von den Müttern kommen – deutet darauf, dass die weiblichen und für das Judentum entscheidenden Ursprünge in Italien lagen.

Von J. Langenbach – Die Presse.com

Wenig ist in der Genealogie so umstritten – und mit Emotion beladen – wie die Herkunft der Aschkenasim, der Juden Mittel- und Osteuropas. Mit ihren acht Millionen Köpfen stellten sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts ungefähr 90 Prozent der Juden der Welt, und das bringt eine Hypothese für ihre Herkunft in Probleme, die vom Rheinland. Sie geht davon aus, dass im 7. Jahrhundert Juden aus dem Heiligen Land flohen, als es von Moslems überrannt wurde. Sie ließen sich am Rhein nieder, von dort zogen im 15. Jh. etwa 50.000 nach Osteuropa, sie waren willkommen, es gab damals dort keine Pogrome.

Das passt zum Selbstverständnis – ihm zufolge liegen die Ursprünge im Heiligen Land –, und es gibt Genanalysen, die diesen Glauben bestätigen: Doron Behar (Haifa) etwa fand bei den Aschkenasim – und den beiden anderen Hauptgruppen, den Sephardim und den orientalischen Juden – die gleichen genetischen Wurzeln, sie sprossen vor 3000 bis 4000 Jahren im Mittleren Osten (Nature, 422, S.328). Allerdings war die Datenbasis dünn, und um auf die acht Millionen zu kommen, hätten sich die Juden in Mittel-/Osteuropa zehnmal so rasch vermehren müssen wie ihre nicht jüdischen Nachbarn.

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Uralte Erbinformationen

Forscher haben den Knochenfund eines 700.000 Jahre alten Pferdes mit denen eines heute lebenden Przewalski-Pferdes verglichen. (Bild: picture alliance/dpa/ Claudia Feh/nature publishing group)
Dass in den Knochenfunden von Urzeit-Tieren Erbinformation stecken könnte, galt lange als ausgeschlossen. Doch mit dem Computer gelang es immer häufiger, Erbgut längst vergangener Lebewesen zu rekonstruieren. Wissenschaftler aus Kopenhagen haben dabei nun einen neuen Rekord aufgestellt.

Von Michael LangeDeutschlandfunk

Der Fund stammt aus dem Permafrostboden im Norden Kanadas und ist etwa 700.000 Jahre alt. Es handelt sich um einen Hinterhuf-Knochen eines Pferdes aus dem mittleren Pleistozän. Dass sich aus diesem Fund Erbmaterial gewinnen lässt, ist schon etwas Besonderes. Aber nun haben Forscher der Universität Kopenhagen nicht nur ein paar Erbgutschnipsel gefunden, sondern das ganze ursprüngliche Pferdeerbgut rekonstruiert.
Der Evolutionsbiologe David Lambert von der Griffith University in Nathan, Australien, sieht darin einen Riesenfortschritt für die Forschung mit alter DNA.

“Diese Veröffentlichung ist ein Meilenstein. Da besteht kein Zweifel. Der bisherige Rekord für die Entzifferung alter Genome lag bei knapp 80.000 Jahren, und nun wurde er fast um das Zehnfache übertroffen.”

Eingefroren im Erdboden, abgeschirmt von Wasser und Luft, hat die Erbsubstanz 700.000 Jahre gut überstanden. Natürlich ist sie in Millionen Einzelstücke zerfallen, jedes nur 25 bis 75 genetische Buchstaben lang. Für die Wissenschaftler um Ludovic Orlando am Zentrum für Geogenetik der Universität Kopenhagen ging es bei der Präparation darum, dass so wenig kostbare DNA wie möglich verloren geht.

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Globale Bewusstseinsindustrie: Der Kampf um das menschliche Ich

Bild: innovationwatch.com

Die globale Bewusstseinsindustrie entsteht: Was wird aus dem Menschen und seinem Selbstbild unter dem Einfluss von Neurotechnologie und Transhumanismus?

Von Roland BenedikterTELEPOLIS

Das Jahr 2013 steht, mehr noch als im Zeichen politischer Umwälzungen, wirtschaftlicher und Schuldenkrisen oder regionaler militärischer Konfrontationen, auf globaler Systemebene im Zeichen eines unaufhaltsam beginnenden “Jahrzehnts des Bewusstseins”. Dass diese Tatsache von ebensovielen Beobachtern als Drohung wie als Chance verstanden wird, ist angesichts der Ambivalenz der damit verbundenen Entwicklung kein Wunder. Roland Benedikter und Karim Fathi über die Entwicklung der globalen Bewusstseinsforschung zur Bewusstseinsindustrie – und die Perspektiven.

Entstehung eines “neuro-industriellen Komplexes”

2012 war nicht nur das Jahr, in dem die globalen militärisch-ökonomischen Komplexe auf Rekordniveau stagnierten und damit ihren Druck auf Regierungen zu konfrontativen Gesten erhöhten, wie etwa am deutlichsten die chinesische Militär- und Rüstungsindustrie auf die neue Regierung Chinas (deren Ausgaben allerdings neben denen Russlands am stärksten stiegen). Ähnlich wie bereits 2011 betrugen die Gesamtausgaben für militärische Zwecke laut Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI etwa 1,25 Billionen Euro, das sind 3,4 Milliarden Euro pro Tag. In den meisten entwickelten Ländern, etwa in Deutschland, sind die Rüstungsausgaben heute drittgrößter Ausgabenposten hinter dem Sozialen und dem Schuldendienst. Die Macht des militärisch-ökonomischen Komplexes und sein Einfluss auf die internationale Entwicklung ist also erheblich.

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Ohne den Tod wäre das Leben ein Horror

Sargträger bei einer Beerdigung: Mitten im Leben vom Tode umfangen zu sein, ist nichts Selbstverständliches mehr – der Gedanke, dass der Mensch sterben muss, wird ausgesperrt dpa

Es ist schwer, sich mit der Willkür des Todes abzufinden. Heutzutage wird er hinter einem Schleier der Diskretion verborgen. Und doch muss sich der Mensch mit der Sterblichkeit versöhnen.

Von Eckhard FuhrDIE WELT

Wir wissen, dass wir sterben müssen. Das macht uns zu Menschen. Im Lichte der Wissenschaft ist nicht viel übrig geblieben von den angeblich prinzipiellen Unterschieden zwischen Mensch und Tier.

Nach der zoologischen Systematik handelt es sich beim Homo sapiens um eine von drei derzeit auf der Erde existierenden Schimpansenarten. Je weiter wir die vielstimmige Schrift der Genetik entschlüsseln, desto fragwürdiger wird die von uns Menschen beanspruchte Sonderstellung in dem, was auch in aufgeklärten Zeiten von vielen trotzig noch “Schöpfung” genannt wird.

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Warum Stalin die Biologie ändern ließ, “proletarische Biologie”

Nikolai Wawilow, Bild: wikipedia/public domain

Vor 125 Jahren wurde der russisch-sowjetische Genetiker und Pflanzenforscher Nikolai I. Wawilow geboren

Von Martin KochND

In Pawlowsk, unweit von St. Petersburg, befindet sich ein wahrer Schatz der Wissenschaft: die älteste und inzwischen drittgrößte Genbank der Welt. Sie umfasst über 330 000 Kulturpflanzensorten sowie deren Vorformen und wildwachsende Verwandte aus allen Regionen der Erde: Kartoffeln aus Chile, Bohnen aus Nordamerika, Getreide aus Äthiopien. Sowohl für die Züchtung neuer als auch für den Erhalt traditioneller Kulturpflanzen ist das in Pawlowsk gesammelte Saatgut von unschätzbarem Wert, wie folgendes Beispiel zeigt: Als Mitte der 1980er Jahre ein Fadenwurm über große Teile der US-amerikanischen Sojafelder herfiel, ließen sich nirgendwo Sojapflanzen auftreiben, die gegen den Parasiten resistent waren. Allein in Pawlowsk lagerte eine solche Sorte, die sowjetische Forscher ihren Kollegen aus den USA kostenlos zur Verfügung stellten – und das zur Hochzeit des Kalten Krieges!

Den Grundstein für die erste Genbank der UdSSR legte 1926 der Botaniker Nikolai Iwanowitsch Wawilow, der vor 125 Jahren, am 13. (25.) November 1887, als Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers geboren wurde. Nachdem er von 1906 bis 1910 am Landwirtschaftlichen Institut seiner Heimatstadt Moskau studiert hatte, reiste er mehrmals ins westliche Ausland, um seine Kenntnisse auf dem Gebiet der Biologie zu vertiefen.

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Gerd Doeben-Henisch: Der informationelle Grenzgänger

Prof.Dr.phil Dipl.theol Gerd Döben-Henisch, Bild: homepage

Länger als zwei Jahrzehnte war Gerd Doeben-Henisch Mitglied des Jesuitenordens, bis er aus der Kirche austrat und sich der Informatik zuwandte. Die Wissenschaft bietet ihm nun neue Sichtweisen auf alten Fragen.

Von Gregor HonselTechnology Review

Wenn Gerd Doeben-Henisch sich Zeit nimmt, aus seinem Leben zu erzählen, landet das Gespräch rasch bei grundsätzlichen Dingen – beim menschlichen Bewusstsein, bei formaler Logik, bei Gott. Er spricht über philosophische Sackgassen, spirituelle Erlebnisse und Glaubenskrisen, über künstliche Intelligenz, Genetik und Evolution.

Dabei kann er aus der Erfahrung von zwei verschiedenen Leben schöpfen: Eines vor dem März 1990, eines danach. Damals trat der heute 63-Jährige aus der Kirche aus – nach 22 Jahren im Jesuitenorden, nach Theologiestudium und Priesterweihe. Seitdem beschäftigt er sich vor allem mit Informatik und künstlicher Intelligenz und ist heute Professor an der Fachhochschule Frankfurt. Wie passen diese beiden Leben zusammen? Sind Religion und Computer tatsächlich zwei Sphären von so unterschiedlicher Natur wie Eier und Äpfel? Oder kann Theologie die Informatik im Gegenteil sogar bereichern?

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