Die Genetik trennt keine Menschenrassen

Die Hautfarbe ist kein geeignetes Merkmal, um eine «Rasse» zu definieren. (Bild: Mauritius Images)
Menschen aus verschiedenen Weltgegenden sehen unterschiedlich aus. Dies liegt teilweise an den Genen. Dennoch lassen sich anhand der Genetik keine Rassen definieren.

Stephanie Lahrtz | Neue Zürcher Zeitung

Über 1,90 Meter gross, hellhäutig und rothaarig. Die zwei Europäer stechen in der U-Bahn in Peking in jeder Hinsicht heraus. Keine Frage, Menschen aus verschiedenen Weltregionen sehen unterschiedlich aus. Es liegt nahe, zu vermuten, dass die Genetik hierbei eine Rolle spielt, und so flammt auch die Diskussion über die Existenz verschiedener Menschenrassen regelmässig auf. Kürzlich hat der Genetiker David Reich von der Harvard University in einem Artikel in der «New York Times» die Debatte wieder losgetreten (siehe Kasten). Doch kann man eine «Rasse» wirklich über ihre Genetik definieren?

Das Problem beginnt damit, dass es keine eindeutige Definition von Rasse gibt. Während der deutsche Begriff primär für vom Menschen gezüchtete Haustiere verwendet wird, ist das englische «race» anders gefasst. Es werden damit auch Menschengruppen bezeichnet, die sich sozial oder physisch von anderen abgrenzen lassen. Eine genetische Abgrenzung ist laut den meisten Forschern dagegen nicht möglich.

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Glyphosat: „Das Beste, was wir haben“

Engagiert und gestenreich erklärte Professor Gerhard Wenzel den Moosener Gartlern Pflanzenzüchtung und -kunde im Schnelldurchlauf. © foto: lang
Wie gefährlich ist Glyphosat? Für Professor Gerhard Wenzel gibt es kein besseres Unkrautvernichtungsmittel. Brigitte Murla, Vorsitzende des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege, ist skeptisch. Sie empfiehlt Hobbygärtnern, lieber zu jäten.

Birgit Lang | Merkur.de

Der Moosener Gartenbauverein ist eine kleine, gemütliche Truppe mit einem Altersdurchschnitt von 67 Jahren. Man setzt sich aber auch gerne mit kritischen Themen auseinander – wie jüngst in der Jahreshauptversammlung.

Dort hielt kein Geringerer als Gerhard Wenzel, ehemaliger Dekan und Professor für Pflanzenzüchtung in Weihenstephan, einen Vortrag. Durchaus unterhaltsam vermittelte er den anwesenden Herrschaften in einer knappen Stunde das Wissen von vier Semestern Pflanzenzüchtung im Schnelldurchlauf.

„Ich bin ein alter Rentner und passe gut in den Kreis“, sagte Wenzel zum Einstieg und lobte die „muntere Mannschaft“. Dann ging es ans Eingemachte. Mechanisierung, Genetik und Düngung seien drei Möglichkeiten, den Ertrag von Pflanzen positiv zu entwickeln. Die Chemie sei ausgereizt. „Heute muss der Zuwachs vor allem über Genetik gehen“, sagte der Fachmann und erklärte, dass in einer menschlichen Zelle eine Bibliothek mit 2000 Büchern mit je 1000 Seiten sei – damit meinte er die DNA. Zum Vergleich: Im Weizen befänden sich sogar 16 000 Bücher in einer Zelle mit 1000 Seiten und 1000 Buchstaben darauf. Das heiße aber nicht, dass der Weizen besser sei als der Mensch. Denn in der DNA des Weizens „steht unglaublich viel Unbrauchbares drin“.

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Fake Space News: Nasa-Zwillingsstudie sorgt für genetische Konfusion

Die eineiigen Zwillinge und Ex-Astronauten Mark und Scott Kelly dienen als Testpersonen, um die gesundheitlichen Folgen von langen Aufenthalten im All zu untersuchen. Bild: Nasa
Die Nasa erforscht mithilfe der eineiigen Zwillinge Kelly, wie sich ein Aufenthalt im All auswirkt. Ein Tweet führte nun in die Irre

Klaus Taschwer | derStandard.de

Allem Anschein nach muss man als Astronaut wenig von Genetik und Molekularbiologie verstehen, um ins All geschickt zu werden. Anfang dieser Woche setzte Scott Kelly nämlich einen Tweet ab, der in den vergangenen Tagen vor allem in den Boulevardmedien für einige Missverständnisse und Falschmeldungen sorgte.

Scott Kelly verbrachte von März 2015 bis März 2016 340 Tage nonstop im Weltraum, in seiner gesamten Karriere kam er damit auf 520 Tage Aufenthalt im All. Sein eineiiger Zwillingsbruder Mark Kelly war zwischen 2001 und 2011 an vier Missionen beteiligt und genoss insgesamt 54 Tage in der Schwerelosigkeit.

Das Projekt und die Berichte

Vor, während und nach Scott Kellys letztem Aufenthalt im All gaben die beiden Männer mit den identischen Genomen Blut- und Stuhlproben ab, damit analysiert werden kann, wie sich aufgrund der unterschiedlich langen Dauer im All bestimmte biologische Marker der beiden verändert haben – von den Längen der Chromosomen über die sogenannte DNA-Methylierung bis zu den Mikrobiomen.

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Gencode der Farben: Die Maler der Natur

Das irisierende Blau des Morphofalters. Bild: Wiener Zeitung.at
Pfauenfedern, Schmetterlingsflügel und bunt schillernde Bakterien: Forscher gehen der Genetik der irisierenden Farben auf den Grund.

Von Eva Stanzl | Wiener Zeitung.at

Pfauenfedern leuchten in lebhaft schillernder Farbenpracht, ebenso wie die erfinderisch gemusterten Flügelpaare zahlreicher Schmetterlingsarten oder die dicken Panzer einiger Käfer. Doch wie die Natur ihren poppigen Schiller malt, ist weitgehend unbekannt. Wissenschafter der britischen Universität Cambridge haben den genetischen Code für die lebende Buntheit ein Stück weit entschlüsselt. Es sei die erste Studie zur Genetik der strukturellen Farbgebung, berichtet das Team in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS).

Villads Egede Johansen vom Institut für Chemie der Universität Cambridge und seine Kollegen haben bestimmte Bakterien aus dem Hafenbecken von Rotterdam untersucht. Es handelt sich dabei um Flavobakterien, die zu metallisch leuchtenden, gelben, grünen, roten, rosa-violetten oder blauen Flächen-Kolonien heranwachsen.

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Forscher bewahren genmodifizierte Mäuse vor Kokainsucht

Die Steigerung der Cathein-Abgabe führt zu weniger und nicht zu mehr Verlangen nach der Droge

derStandard.at

Ob man das Verlangen nach Drogen besiegen kann, hat womöglich auch etwas mit Willensstärke zu tun. Aus neurowissenschaftlicher Perspektive hat Drogensucht sehr viel mehr mit Genetik und Biochemie zu tun. Einen sehr anschaulichen Beweis dafür haben nun Forscher um Shernaz Bamji (University of British Columbia) im Fachmagazin „Nature Neuroscience“ vorgelegt – und zwar anders als ursprünglich gedacht.

Die Neurobiologen haben Mäuse genetisch so manipuliert, dass sie mehr Catheine produzierten, die Synapsen im Hirn stärken. Die Forscher gingen davon aus, dass sich auf diese Weise die neuronale Netze im Belohnungszentrum so verändern würden, dass die Nager noch anfälliger für Suchtverhalten werden würden.

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Idiocracy: Warum Intelligenz vom Aussterben bedroht ist

Quelle: Getty Images/Stone Sub
Quelle: Getty Images/Stone Sub
Eine geistig degenerierte Welt, in der sich die Intelligenz selbst ausrottet: Willkommen in der Science-Fiction-Dystopie „Idiocracy“. Doch könnte diese Fiktion womöglich bald zur Realität werden?

Von Julia Haase | DIE WELT

Unsere Intelligenz liegt uns in den Genen. Oder nicht? Diese Frage beschäftigt die Genetik und Psychologie, seit es die wissenschaftlichen Disziplinen gibt. Und sie ist bis heute nicht wirklich geklärt. Unsere kognitiven Fähigkeiten sind zwar genetisch gesteuert, doch sie stehen im Wechselspiel mit uns umgebenden Umwelteinflüssen.

Nun die schlechte Nachricht zuerst: Die Gene, die festlegen, ob wir ein höheres Bildungsniveau erreichen oder nicht, sind in den letzten 80 Jahren zurückgegangen. Wissenschaftler vermuten, dass sich diese Gene in einer natürlichen Auslese befinden.

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Der Europäer ist auch genetisch ein Potpourri

© Reuters Eine Menschheit, entstanden „Out of Africa“: In jedem von uns stecken die „afrikanischen“ Erbanlagen, auch wenn die Haut vieler Europäer nicht mehr schwarz ist.
© Reuters Eine Menschheit, entstanden „Out of Africa“: In jedem von uns stecken die „afrikanischen“ Erbanlagen, auch wenn die Haut vieler Europäer nicht mehr schwarz ist.
Dank moderner Genanalysen wissen wir heute, woher die Europäer eigentlich kommen. Sie waren alle Einwanderer. Unsere Völker sind das Ergebnis mehrerer Migrationen und ständiger Anpassung.

Von Johannes Krause Frankfurter Allgemeine

Die genetische Forschung hat im vergangenen Jahrzehnt eine wahre Revolution erlebt. Mit der Entwicklung hochmoderner DNA-Sequenziertechnologien ist es in nur wenigen Jahren möglich geworden, die Leistungsfähigkeit und Effizienz genomischer Untersuchungen um einen Faktor zehn Millionen zu vervielfachen. Heutzutage verfügen wir über Technologien, mit denen wir für wenige hundert Euro und innerhalb weniger Stunden ein ganzes menschliches Genom mit seinen Milliarden Basenpaaren entschlüsseln können. Wir leben aktuell in einem „Sequenzierzeitalter“, in dem bereits Zehntausende Genome von Menschen aus der ganzen Welt entschlüsselt worden sind – und täglich kommen neue hinzu.

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Itai Yanai/Martin Lercher: „Das geheime Leben im Menschen“ – Wettstreit der Gene

Bild: 4ever.eu
Bild: 4ever.eu
Die Gene konkurrieren miteinander wie Handwerker, schreiben Itai Yanai und Martin Lercher in „Das geheime Leben im Menschen“. Mit ihrem Sachbuch möchten die Wissenschaftler dem Leser das komplexe Thema „Gen-Gesellschaften“ näherbringen.

Von Michael Lange | Deutschlandradio Kultur

Gene bestimmen unser Leben. Wir erben sie von unseren Eltern und geben sie weiter an unsere Kinder. Sie sind Teil jedes Menschen und gleichzeitig führen sie in uns eine Art Eigenleben. Wer seine Gene verstehen will, sollte sie aber nicht als egoistische Einzelgänger betrachten, sondern als Gen-Gesellschaft. Sie bilden Gemeinschaften, sie arbeiten zusammen, sie wetteifern, und sie können einander austricksen.

Lebendig und detailreich beschreiben zwei führende Wissenschaftler eine abstrakte Welt. Sie erleichtern den Einstieg mit anschaulichen Beispielen und Metaphern, einfachen Grafiken und kleinen Geschichten. Ideal für vorgebildete Leserinnen und Leser, die den aktuellen Forschungsstand der molekularen Biologie aus erster Hand kennen lernen möchten. Aber die beiden Autoren wollen mehr bieten als ein neues Lehrbuch. Sie bringen Evolution und Genforschung zusammen, so wie es bereits vor 40 Jahren der englische Evolutionsbiologe Richard Dawkins vorgemacht hat. Wie ihr Vorbild beschreiben Yanai und Lercher die Gene als kleinste Einheiten der Evolution. Aber sie belassen es nicht dabei, sondern spinnen die Idee weiter. Sie sehen den Wettstreit der Gene eingebettet in einen größeren Zusammenhang. Das Zusammenwirken gibt Regeln vor und verhindert die ungebremste Vermehrung einzelner auf Kosten der Gemeinschaft.

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Religiöser Wahn und induziertes Irrsein

jesus_guillotineWährend die Deutschen mit fliegenden Fahnen, hysterievollen Hosen und mit menschenverachtendem Eifer jubelnd dem Vierten Reich entgegenrennen, vollgepumpt mit dem Adrenalin des Hasses und der Dummheit, scheint es Wichtigeres zu geben als sich mit aberwitzigen Streitereien von dramatisch unterdurchschnittlich intelligenten Glaubensgemeinschaften wie den Evangelikalen unter Ulrich Parzany zu beschäftigen.

Von Wolfgang Brosche|DIE KOLUMNISTEN

Aber nein doch, sage ich – denn bei solchen Figuren und Gruppen liegt ein tonnenschwerer Grund für unsere politische Situation, die so sehr auf Dummheit und Angst gegründet ist.

Ein ewiger Feldzug wider der Vernunft

Es ist eine triste Tatsache, daß die Aufklärung längst ins Kriechen gekommen ist – denn die Religionsgemeinschaften jeder Couleur haben es geschafft, sie zu hintergehen und zu unterlaufen. Sie lassen sich die Verbreitung ihrer Dummheiten staatlich alimentieren. Ihr ewiger Feldzug gegen die Vernunft zeigt sich nicht nur in den mörderischen Ungeheuerlichkeiten, die der Islam und seine Vertreter veranstalten, sondern auch in der angeblich „abendländischen“ Gegnerschaft (siehe PEGIDA, PiS oder den Front National) mit den erbittertsten Barbarismen. Religionen sind noch immer – und können es auch nicht anders sein – die mächtigsten Gegner des Denkens, der Intelligenz, der Kritik, des Hinterfragens, der menschlichen Selbstbestimmung und (Lebens)-Lust und der Vernunft.

Wer sich auf ein höheres unbezweifelbares und nicht kritisierbares Wesen beruft, um sein Handeln und Leben zu begründen und zu rechtfertigen, der ist zu jeder Unmenschlichkeit fähig im Namen seines Gotteswahnes. Von wegen, daß unsere westlichen Gesellschaften säkularisiert seien – sie sind es nicht! Der gesamte Alltag ist religiösem Wahn unterworfen, die gesamte Ethik kriecht bei uns den christlichen Absurditäten und woanders denen des Islams nach. Unser Umgang mit Recht, Medizin, Sexualität und Politik ist jenen phantastischen Widersprüchen von Schuld und Sühne, Gottesbefehlen und Lebensfeindlichkeit unterworfen, wie sie nur die Religionen hervorbringen können.

Die tierprimitive Angst vor dem Tod, dem Blitz und dem eigenen Körper hat die Religionen hervorgebracht, die dann wiederum patriarchale penile Herrschaftsphantasien legitimieren sollten, Hierarchien der Unterdrückung und der Ignoranz.

Tierprimitive Angst vor Tod, Blitz und Körper

Obwohl die Religionen jeden menschlichen, wissenschaftlichen und politischen Fortschritt behindern, beteiligen wir Religionsvertreter in Ethikausschüssen, fragen Kardinal Marx wenn es um Genetik, Fortpflanzung und Menschenrechte geht – der dazu ebenso wenig Substanzielles beizutragen hat wie etwa ein evangelikaler Führer vom Schlage eines Ulrich Parzany.

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Jenaer Wissenschaftler: „Hitler hatte keine Ahnung von Genetik“

Prof. Dr. Uwe Hoßfeld ist Institutsdirektor Arbeitsgruppe Biologiedidaktik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Foto: Jürgen Scheere/Uni Jena
Der Jenaer Wissenschaftler Uwe Hoßfeld kommentierte den biologisch-humangenetischen Teil in der Neuauflage von „Mein Kampf“.

Von Tino Richter|Thüringer Allgemeine

Sie haben an der Neuausgabe mitgearbeitet. Was genau war Ihr Part?
Ich bin vor drei Jahren vom renommierten Institut zur Zeitgeschichte in München angefragt worden, ob ich den biologisch- humangenetischen Teil kommentiere und ob ich mir vorstellen könnte, mitzuarbeiten.
Was ist Ihnen dabei aufgefallen?
Es hat mich gewundert, dass es in „Mein Kampf“ nur zirka 30 Seiten zu diesem Thema gibt, obwohl die Rassenkunde eigentlich einen zentralen Teil in der NS-Ideologie einnimmt. Hitler hatte keine Ahnung von Biologie und Genetik. Seine Sprache ist überzogen und verklausuliert – das zieht sich durch das gesamte Werk, deshalb wird in der Neuausgabe die Bedeutung von Begriffen zur Entstehungszeit des Buches erklärt und um ihre heutige Bedeutung ergänzt. So konnte Satz für Satz seziert werden.

 

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Die verborgene Architektur des Lebens

Andreas Wagner Arrival of the Fittest Aus dem Englischen von Sebastian Vogel Verlag: S. Fischer, Frankfurt M. 2015 ISBN: 9783100024275 22,99 €
Andreas Wagner
Arrival of the Fittest
Aus dem Englischen von Sebastian Vogel
Verlag: S. Fischer, Frankfurt M. 2015
ISBN: 9783100024275
22,99 €

Ob die Entstehung des Neuen „das größte Rätsel der Evolution“ ist, wie es im Untertitel des Buchs heißt, sei dahingestellt. Es gibt noch andere, ebenfalls nicht kleine Rätsel der Evolution, etwa die Entstehung der ersten Lebensformen, das Erscheinen des Bewusstseins oder die Menschwerdung. Das sind zwar ebenfalls Neuerungen, aber mit dem Unterschied, dass sie jeweils mit dem Auftauchen neuer Kategorien einhergingen. Dies zu erklären zieht der Autor Andreas Wagner, Evolutionsbiologe an der Universität Zürich, deshalb erst gar nicht in Erwägung.

Von Eckart Löhr|Spektrum.de

Die von Wagner untersuchten Innovationen betreffen ausschließlich den molekularen Bereich. Ein wenig übereifrig wirkt daher die Formulierung im Klappentext, der Autor würde „den letzten Baustein der Darwinschen Theorie“ präsentieren. Schön wär’s, wird da wohl mancher Biologe denken! Davon unbenommen stellt die Wandlungsfähigkeit des Lebens, das seit Jahrmilliarden ständig neue Strukturen, Formen und Eigenschaften hervorbringt, tatsächlich ein großes Mysterium dar. Diesem widmet sich der Autor auf gut vierhundert nicht immer leicht zu lesenden Seiten.

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Fortpflanzungsbiologie: Man soll uns nicht mit Wühlmäusen vergleichen

© Picture-Alliance Das Tierreich kennt keinen Sündenfall, der Mensch hingegen schon – hier gemalt von Lucas Cranach d.Ä., 1533.
Ticken Frauen wirklich anders als Männer? Hormone sind bei uns Menschen nicht alles, was zählt – der Evolutionsbiologe Axel Meyer ignoriert das in seinem Buch geflissentlich.

Von Thomas Weber|Frankfurter Allgemeine

Axel Meyer, international anerkannter Evolutionsbiologe an der Universität Konstanz, möchte in seinem Buch auf naturwissenschaftlicher Grundlage zeigen, was Männer und Frauen so alles voneinander unterscheidet. Er beginnt dabei ganz sachlich. Ein großer Teil des Buches widmet sich Grundlagen der Evolutionsbiologie, der sexuellen Auslese, klassischen Genetik und Genomik. Alles in allem ist die Darstellung leicht nachvollziehbar und oft informativ, mit extremen Urteilen hält sich der Autor zurück. Und doch spiegelt das Buch eine Klarheit und Eindeutigkeit vor, die sich dem Umstand verdankt, dass abweichende Erkenntnisse oder Deutungen in ihm nicht vorkommen.

Das gilt für naturwissenschaftliche Argumente und erst recht für die oft völlig ignorierten Erkenntnisse aus anderen Disziplinen. Meyer sieht sich selbst mit Blick auf Geschlechterdebatten als Anwalt der naturwissenschaftlichen Vernunft. An vielen für seine Argumentation entscheidenden Stellen wird man ihm das aber nicht so einfach durchgehen lassen wollen.

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Wissenschaft, spannend wie ein Kriminalfall

DNA, image: Mirny et al/MIT
DNA, image: Mirny et al/MIT
Genetik. Er löst Rätsel, die sonst keiner lösen kann. Molekularbiologe Walther Parson nutzt neue Methoden der DNA-Technologie, um Verbrechen aufzuklären.

Von Alice Grancy|Die Presse

Walther Parson berät das FBI. Er half mit, die Opfer des Tsunamis zu identifizieren und untersuchte die sterblichen Überreste der russischen Zarenfamilie Romanow oder Wolfgang Amadeus Mozarts. Den spannendsten Fall gibt es für ihn aber nicht, sagt der forensische Molekularbiologe vom Institut für Gerichtliche Medizin der Med-Uni Innsbruck. Denn ihn interessiert die Wissenschaft hinter den Fällen.

Die für die Forschung schwierigste Aufgabe sei momentan aber die Analyse der Überreste der im Herbst 2014 ermordeten mexikanischen Studenten. Um den stark zerstörten Spuren nachzugehen, nutzt Parson erstmals die sogenannte Hochdurchsatzsequenzierung. Damit will man Fälle künftig schneller klären, die bisher überhaupt nicht mehr analysierbar waren. Mit dem neuen Verfahren stehe man vor einem Quantensprung in der DNA-Technologie: „Wir rücken in neue Sphären vor“, sagt Parson.

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Axel Meyer:“Adams Apfel und Evas Erbe“ – weitreichende Schlüsse aus mageren Daten

Vorliebe für Blau bei den Jungs, Rosa bei den Mädchen – das soll die Natur so vorgesehen haben? – Fragen der Evolutionsbiologie (picture alliance / Zentralbild / Jens Kalaene)
Was ist typisch weiblich, was typisch männlich? Und warum? Auf diese Fragen liefert der Evolutionsbiologe und Genomforscher Axel Meyer Antworten aus Sicht des Naturwissenschaftlers: ein engagiertes Plädoyer gegen politisch korrekte Gleichmacherei.

Von Volkart Wildermuth|Deutschlandradio Kultur

„Naturwissenschaftler sollten sich mehr in gesellschaftliche Debatten einmischen“, schreibt Axel Meyer selbstbewusst gleich auf der ersten Seite und tut es auch: Wortgewaltig mischt sich der Evolutionsbiologe beim Thema Gendermainstreaming ein und argumentiert grundsätzlich aus einer naturwissenschaftlichen Perspektive. Die ersten 130 Seiten seines Buches lesen sich daher auch wie eine Einführung in die Grundlagen der Genetik und Evolution. Ein insgesamt etwas mühsamer Einstieg, garniert mit einigen interessanten Informationsschnipseln. Erst danach wendet er sich dem eigentlichen Thema zu: der Genetik von Mann und Frau und den sich daraus ergebenden Themen wie Inter- und Homosexualität, ehelicher Treue und Intelligenz.

Geschlecht ist kein kulturelles Konstrukt, das ist klar. Geisteswissenschaftler, die das behaupten, liegen schlicht falsch. Es gibt Männer, es gibt Frauen und es gibt – wenn auch selten – Menschen, die mit ihrem Erbgut dazwischen liegen. Allerdings ist ebenso klar: Biologie ist nicht alles und Kultur hat einen sehr großen Einfluss auf das, was aus dem biologischen Geschlecht wird. Axel Meyer schreibt selbst: „Es ist schwierig zu bestimmen, welche Unterschiede zwischen den Geschlechtern biologisch und welche kulturell bedingt sind.“ Heißt aber auch: Es gibt sie, die Unterschiede.

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Gender: Das Biologische ist auch sozial – Ideologie in die Biologie

Bilden Fische wirklich einen „Harem“? Biologen sind nicht immer dagegen gefeit, unreflektiert Begriffe aus der Menschen- auf die Tierwelt zu übertragen – inklusive menschlicher… – Foto: picture alliance / Reinhard Dirscherl
Oft wird behauptet, Biologie stehe im krassen Widerspruch zur Genderforschung. Das ist falsch. Beide sollten zusammenarbeiten.
 

Von Kerstin Palm|DER TAGESSPIEGEL

„Was? Du bist Biologin und Genderprofessorin? Wie passt das denn zusammen?“ Solche und ähnliche Reaktionen begegnen mir immer wieder, wenn ich Auskunft gebe über meinen Beruf. Diese Bemerkungen zeigen zum einen, dass die Genderforschung eher in den Geistes- und Sozialwissenschaften als in den Naturwissenschaften verortet wird. Zum anderen aber glauben die meisten, wie daran anschließende Gespräche ergeben, dass zwischen Geschlechtertheorien der Biologie und der Genderforschung ein tiefgreifender Widerspruch besteht. Liefert die Biologie nicht objektive Fakten über feststehende biologische Geschlechterunterschiede, die von der Genderforschung vehement bestritten werden, weil sie alle Geschlechterdifferenzen als gesellschaftlich konstruiert ansieht?

Um solche Missverständnisse und Fehleinschätzungen zum Tätigkeitsbereich der Genderforschung zu überwinden, helfen Beispiele aus meinem Forschungsbereich und zunächst einmal grundlegende Einblicke in das umfassende interdisziplinäre Feld der Geschlechterforschung.

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Hamburg: „Evolution“ nicht mehr Thema im Abitur

evolvefishlogo.gifNeben Genetik und Ökologie stand bei den Hamburger Abitur-Prüfungen in Biologie bisher auch das Thema Evolution auf dem Prüfungsplan. Doch das ändert sich ab 2017. In einem Brief an einen renommierten Wissenschaftler kritisieren die Schüler das und bitten ihn um Unterstützung.


Von Sandra Schäfer|Hamburger Morgenpost

Aus Sicht der Schüler gehört die Thematik zum bildungspolitischen Auftrag der Schule. Insbesondere die Einflussnahme religiöser Fundamentalisten auf gesellschaftliche Diskussionen sehen sie als einen Grund, unbedingt am Prüfungsthema festzuhalten.

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Genetik: Der Genschatz der Isländer

Island. Bild: ©Alex Akesson.
Island. Bild: ©Alex Akesson.
Island ist eine wahre Fundgrube für Genetiker: Eine homogene Gruppe, lange von der Außenwelt abgeschottet. Die Entschlüsselung des isländischen Genoms soll helfen, Risiken früh zu erkennen und neue Heilmethoden zu finden.


Moderator Dominik Schottner|DRadio Wissen

Die Isländer sind ein überschaubares Volk. Auf einer Fläche so groß wie Bayern, leben rund 300.000 Menschen. Nicht mehr als in Bielefeld, Augsburg oder Chemnitz. Rund sechs Jahrhunderte lang blieben die Isländer unter sich. Das führte dazu, dass die Menschen nah miteinander verwandt sind und der Genpool recht homogen ist.

„Es gab ein riesiges Experiment von Inzucht auf der Insel. Das hatte keine schlimmen Folgen, aber vergleichsweise sind die Isländer viel enger miteinander verwandt als hier in Deutschland.“

Michael Lange, Wissenschaftsjournalist

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Sauberer Schnitt in die menschliche Evolution

DNA, image: Mirny et al/MIT
DNA, image: Mirny et al/MIT
Eine neue Genetik erlaubt präzise Eingriffe in das menschliche Erbgut. Befürworter hoffen auf das Ende von Krebs und Diabetes. Kritiker befürchten die Manipulation von Embryonen.


Von Kathrin Zinkant|Süddeutsche.de

Das Napa Valley ist zu Jahresbeginn kein schlechter Ort für eine kleine Reise. Während anderswo noch Tristesse herrscht, explodiert zwischen den Rebstöcken Kaliforniens das Leben. Die strahlend gelbe Senfblüte beginnt, und mit ihr strömen Erholungswillige, Hochzeitspaare, Weinliebhaber ins berühmte Tal. Bisweilen kommen aber auch Forscher hinzu, wie vor wenigen Wochen, als sich eine Gruppe namhafter Wissenschaftler ins idyllische Carneros zurückzog. Unter ihnen: der Nobelpreisträger Paul Berg und einer der Pioniere der Gentechnik, David Baltimore vom California Institute of Technology in Pasadena. Der Anlass des Treffens war ernst. Die Forscher mussten reden. Über ein recht junges, aber schon weit verbreitetes Verfahren, das sogenannte Genome Editing oder Genomic Engineering. Es gestattet mit nie da gewesener Präzision einen Eingriff ins Erbgut aller Lebewesen, auch in das des Menschen. Und – bislang theoretisch – auch in das Erbgut von menschlichen Keimzellen oder Embryonen, die durch künstliche Befruchtung entstehen. Ob das aber wirklich noch Theorie ist?

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Brauchen wir eine neue Evolutionstheorie?

Die Schöpfung
Die Schöpfung
Seit Charles Darwin hat sich in der Evolutionsbiologie und in den angrenzenden Fachgebieten viel getan. Ist die Evolutionstheorie damit inzwischen veraltet? Ein Pro und Contra.


Spektrum.de

Ja, unbedingt!

Ohne Ausweitung der Evolutionstheorie vernachlässigen wir wichtige Prozesse, meinen Kevin Laland und seine Kollegen.

Schon Charles Darwin sprach von Evolution durch natürliche Selektion – ohne überhaupt von der Existenz der Gene zu wissen. Die heute gängige Evolutionstheorie fokussiert fast ausschließlich auf genetische Vererbung und Prozesse, welche die Häufigkeit der Gene beeinflussen.

Diese begrenzte Sichtweise wird aber zunehmend von neuen Erkenntnissen aus benachbarten Forschungsgebieten geschwächt. So kristallisiert sich langsam ein anderes Bild der Evolution heraus, bei dem auch Wachstums- und Entwicklungsprozesse der Organismen als Ursachen der Evolution auftreten.

Vor sechs Jahren trafen sich einige von uns zum ersten Mal und diskutierten über neue Ansätze. Inzwischen befassen wir uns als interdisziplinäres Team sehr intensiv mit einem weiter gefassten Rahmenwerk, genannt „Erweiterte Synthese in der Evolutionstheorie“ (extended evolutionary synthesis [1], EES). Hierfür wollen wir Struktur, Prämissen und Vorhersagen erarbeiten. In der EES sollen wichtige Evolutions-Driver, die nicht auf Gene zurückzuführen sind, in das dichte Geflecht der Evolutionstheorie integriert werden.

Damit wird die EES ganz neues Licht auf die Evolution werfen. Wir glauben, Organismen bilden sich während der Entwicklung erst langsam heraus und sind nicht einfach durch ihre Gene vorprogrammiert. Lebewesen entwickeln sich nicht dergestalt, dass sie in eine vorgefertigte Umgebung passen. Vielmehr entwickeln sie sich zusammen mit ihrer Umgebung, in einem Prozess, der auch die Struktur ganzer Ökosysteme beeinflussen kann.

Wir stehen für eine Revision der Evolutionsbiologie, damit sie von den Erkenntnissen aller Disziplinen profitieren kann

Inzwischen fordern immer mehr Biologen, das Konzept der Evolutionstheorie anzupassen. Rückenwind hierfür kommt aus den Nachbardisziplinen, vor allem der Entwicklungsbiologie, aber auch der Genetik, der Epigenetik, der Ökologie und den Sozialwissenschaften [1,2]. Wir stehen für eine Revision der Evolutionsbiologie, damit sie uneingeschränkt von den Erkenntnissen dieser Bereiche profitieren kann. Und immer mehr Forschungsergebnisse untermauern unsere Position.

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Gedankenkraft steuert Gene

Eine durch Hirnströme gesteuerte Nahinfrarot-LED aktiviert bei dieser Zellkultur bestimmte Gene © Fussenegger et al./ ETH Zurich
Kybernetik und Genetik verknüpft: Forscher haben ein System konstruiert, mit dem Probanden über ihre Hirnströme die Genaktivität in einer Maus kontrollieren können – und dies kabellos. Diese Technik könnte künftig genutzt werden, um chronische Schmerzen oder neurologischen Erkrankungen zu behandeln, so die Forscher im Fachmagazin „Nature Communications“.

scinexx.de

Schon länger erlauben raffinierte Mensch-Maschine-Schnittstellen die Steuerung von Computern, Prothesen, Hubschraubern, Flugzeugen und sogar die Kommunikation durch bloße Gedankenkraft. Und auch die Manipulation von Genen in lebenden Organismen ist nicht neu. So können Gene oder eingeschleuste Wirkstofffähren unter anderem mit Radiowellen, bestimmten Chemikalien aber auch mit Licht im Nahinfrarotbereich aktiviert werden. Dieses Licht ist besonders geeignet, weil es tief in Gewebe eindringen kann, ohne den Zellen und Stoffwechselprozessen zu schaden.

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