Schlagwort-Archive: Getreide

Hier: Kein Tier

Der Landwirt Franz Haslinger hat nichts gegen Kühe oder Schweine. Im Gegenteil. Er braucht sie allerdings nicht als „Produktionsmittel“. Sein Hof gehört zu einer wachsenden Zahl von Betrieben, die Tiere ganz aus der Landwirtschaft entlassen. Was würde passieren, wenn das alle machen würden?

Von Svenja Beller | greenpeace magazine

Würde man ein Bilderbuch aus Franz Haslingers Bauernhof machen, dann wäre das recht langweilig. Da wäre nicht viel, was man nachmachen kann: Kein lautes Kikerikiii am Morgen, kein träges Muuh von der Weide, kein gefräßiges Oink-Oink aus dem Stall. Nur die Felder, raschel raschel, und die Katze, immerhin, miau. Gut, und das mit dem Oink-Oink stimmt auch nicht ganz, denn der Nachbar hält Schweine. Eng an eng, ungefähr tausend Tiere in Intensivhaltung, schätzt Haslinger. Mit Bilderbuch hat das aber auch nichts zu tun.

Die Auswüchse der modernen Landwirtschaft sind für viele Veganer der Grund, ganz auf tierische Produkte zu verzichten. Und dazu gehört streng genommen auch das, was hinten aus den Tieren rauskommt: die Gülle. Normalerweise hilft sie auch vermeintlich veganem Gemüse und Getreide auf dem Feld beim Wachsen. An sich wäre dagegen nichts einzuwenden. Aber nur fürs, pardon, Fressen und Kacken wird kaum ein Tier gehalten, sondern für seine Milch, seine Eier, seine Wolle und letztlich auch seinen Körper. Alles andere wäre schlicht nicht wirtschaftlich.

Aus der Sicht von Tierrechtlern ist eine solche Nutzung ein inakzeptabler Zustand. Sie gehen noch weiter als die Tierschützer und sprechen den Tieren ähnliche Rechte wie den Menschen zu. „Sklavenhaltung“ passt da nicht rein, sei sie noch so bio und fair. „Wir lehnen die landwirtschaftliche ‚Tierproduktion‘ ab – ebenso ihre vor- und nachgelagerten Bereiche der Tierausbeutung, Schlachtung, Mist- und Güllewirtschaft“, schreibt das Biologisch-Vegane Netzwerk. Die Gruppe hat sich Ende der Neunzigerjahre gegründet, um die vegane Bewegung aus Großbritannien auch im deutschsprachigen Raum voranzubringen. Sie ist kompromisslos: „Der ökologische Landbau ist für uns keine Alternative, solange er sich nicht vom Dogma der Notwendigkeit der Tierhaltung als Düngerlieferant löst.“

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Essen ohne Kalorienaufnahme

Bild: heise.de
Vor der Abschaffung der Körper: Sex ohne Reproduktion folgt jetzt zunehmend folgenloses Essen

Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Während man früher versucht hat, möglichst viele Kalorien beim Essen einzunehmen, hat sich diese Strategie in den Zeiten von homo sedens zu einem riskanten Verhalten verkehrt. Im Zuge der Industrialisierung, Motorisierung und Automatisierung verbringen die Menschen immer mehr Zeit sitzend, gleichzeitig gibt es immer kalorienhaltigere Lebensmittel. Die Folge ist bekannt, die Menschen werden fett, das Risiko für Erkrankungen steigt, die Zeit, die für anstrengende körperliche Aktivität aufgewendet wird, sinkt, weil sie durch Maschinen ersetzt wird.

Die Notwendigkeit, sich zu bewegen und schwere körperliche Arbeit zu leisten, muss zunehmend durch Sport und andere kompensative Tätigkeiten ersetzt werden. Das schreibt auch die herrschende Ideologie vor, im Rahmen derer permanent neue Normen entworfen werden, was und wie viel man essen und trinken soll, wie viel man sich bewegen und anstrengen muss, welche Arbeit für die Sorge um den eigenen Körper (und die Psyche) zu leisten ist, um gesund zu bleiben und möglichst lange zu leben.

Inzwischen hat sich der Trend zum „gesunden Leben“, entstanden aus der Freisetzung von körperlicher Aktivität und durch mehr oder weniger gut begründetes medizinisches Wissen, zur Sucht in manchen sozialen Schichten entwickelt, ständig mit der Sorge um sich selbst beschäftigt zu sein und ein präventives Leben zu führen. Dürr zu sein, ist nicht unbedingt schön, aber ein für alle sichtbares Zeichen, richtig zu leben und sich kontrollieren zu können. Das Leben wird zur selbst verantworteten Fron, um sich mit allen möglichen Tricks und Verhaltensweisen gesund zu erhalten. Der Jungbrunnen, in den man sich legt und genießt, ist dem Teil der Arbeit gewichen, die aus dem Arbeitsleben für die meisten verschwunden ist. Die Freizeit wird in manchen Kreisen immer weniger Genuss, sondern zur Askese verklärt, während diejenigen, die sich gehen lassen, als unverantwortlich erscheinen.

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Der Schweinemord von 1915: Als die Wissenschaft eine Hungersnot provozierte

Hunger an der Heimatfront: Frauen und Kinder stehen 1917 in Berlin Schlange an einem Lebensmittelgeschäft. (picture alliance / dpa)
Mehr als fünf Millionen Schweine wurden im ersten Quartal 1915 im Deutschen Reich geschlachtet. Das hatte fatale Folgen für die Bevölkerung. Udo Pollmer erinnert daran, wie der Rat von Wissenschaftlern zu einer beispiellosen Fehlentscheidung im Kaiserreich führte.

Von Udo Pollmer|Deutschlandradio Kultur

Vor 100 Jahren befand sich das Deutsche Kaiserreich im Ersten Weltkrieg. Im Herbst 1915 verschlechterte sich die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung rasant. Das Militär hatte, bevor es in den Krieg eintrat, versäumt ausreichend Lebensmittelvorräte für magere Zeiten anzulegen. Zwar verfügte das Reich damals über doppelt so viel Ackerfläche wie die Bundesrepublik heute, es konnte sich aber nur zu 80 Prozent selbst ernähren. Nachdem die britische Seeblockade die Importe mit Nahrungsmitteln unterband, wurde der Mangel deutlich spürbar.

Zuvor war der grandiose Plan deutscher Ernährungsprofessoren, um die vorhandenen Ressourcen optimal zu nutzen, kläglich gescheitert. Das Kaiserliche Statistische Amt hatte nämlich bei den Bauern erfragt, was sie denn noch so an Getreide, Kartoffeln und Vieh besäßen. Aus dem Ergebnis glaubten die Professoren folgern zu können, dass die Futtermittel für die 25 Millionen Schweine nicht reichen würden. Also empfahlen sie die außerplanmäßige Schlachtung von 5 Millionen Borstentieren.

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Als alle Gotteskrieger aus Europa kamen

Bei Kreuzzügen denken wir ans Heilige Land. Aus muslimischer Sicht war die Invasion der Franken im Nahen Osten nur ein Nebenschauplatz. Paul M. Cobb erzählt, warum der Verlust der islamischen Herrschaft in Spanien und Sizilien für die Zeitgenossen viel schwerer wog


Von Hannes Stein|DIE WELT

Auf islamischen Landkarten aus dem Mittelalter steht die Welt kopf: Der Süden befindet sich oben, der Norden unten. Das liegt daran, dass es im Norden nach Meinung der muslimischen Kartografen eigentlich nichts Interessantes gab. Im Norden lagen die Länder der Christen, die von den Rechtgläubigen samt und sonders „Franken“ genannt wurden. Von diesen Ländern war bekannt, dass es dort nass und dunkel war. Außerdem wusste man, dass die Franken, auch die fränkischen Könige, einem diktatorischen Oberherrn gehorchten, der „il-baba“ hieß: dem Papst also. Ihre Kultur war beklagenswert rückständig. So berichteten Reisende, dass die Franken sich nur zwei Mal im Jahr wuschen. Sie waren also schmutzig – und dumm obendrein. Kein Wunder, dass sie zu religiösem Fanatismus neigten, wobei ihre Religion den Muslimen im Grunde eher lachhaft als gefährlich erschien: Sie war intellektuell dürftig, und es ließen sich kaum Regeln für das tägliche Leben aus den christlichen Schriften ableiten.

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Warum Stalin die Biologie ändern ließ, „proletarische Biologie“

Nikolai Wawilow, Bild: wikipedia/public domain

Vor 125 Jahren wurde der russisch-sowjetische Genetiker und Pflanzenforscher Nikolai I. Wawilow geboren

Von Martin KochND

In Pawlowsk, unweit von St. Petersburg, befindet sich ein wahrer Schatz der Wissenschaft: die älteste und inzwischen drittgrößte Genbank der Welt. Sie umfasst über 330 000 Kulturpflanzensorten sowie deren Vorformen und wildwachsende Verwandte aus allen Regionen der Erde: Kartoffeln aus Chile, Bohnen aus Nordamerika, Getreide aus Äthiopien. Sowohl für die Züchtung neuer als auch für den Erhalt traditioneller Kulturpflanzen ist das in Pawlowsk gesammelte Saatgut von unschätzbarem Wert, wie folgendes Beispiel zeigt: Als Mitte der 1980er Jahre ein Fadenwurm über große Teile der US-amerikanischen Sojafelder herfiel, ließen sich nirgendwo Sojapflanzen auftreiben, die gegen den Parasiten resistent waren. Allein in Pawlowsk lagerte eine solche Sorte, die sowjetische Forscher ihren Kollegen aus den USA kostenlos zur Verfügung stellten – und das zur Hochzeit des Kalten Krieges!

Den Grundstein für die erste Genbank der UdSSR legte 1926 der Botaniker Nikolai Iwanowitsch Wawilow, der vor 125 Jahren, am 13. (25.) November 1887, als Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers geboren wurde. Nachdem er von 1906 bis 1910 am Landwirtschaftlichen Institut seiner Heimatstadt Moskau studiert hatte, reiste er mehrmals ins westliche Ausland, um seine Kenntnisse auf dem Gebiet der Biologie zu vertiefen.

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Feinbilder: Rot-Grüne Kommunisten-Verschwörung

In dem in Bayern mit dem Fernsehpreis ausgezeichneten Film „Der Biospritskandal – Klimapolitik in der Sackgasse“ kümmert sich Bärbel Höhn um einen Schimpansen, der durch die Brandrohdung riesiger Urwaldflächen in Borneo seinen Lebensraum verloren hat.

Von Marie Luise SchellenDie Freie Welt

Was die Grünen hier nie beachtet haben ist,  dass für die Anlage von  Palmenplantagen zur Palmöl-Biospritgewinnung  dieser Urwald, der auf einer  bis zu 20 Metern dicken Torfschicht steht,  durch die  Brandrohdung  für alle Zeiten vernichtet ist.  Hinzu kommt,  dass die Torfschicht  Unmengen an Treibhausgasen freisetzt,  die um ein vielfaches der  CO 2 Einsparung gegenüberstehen.  Professor Florian Siegert hat in diesem Film diese Schändung der Natur sehr eindringlich und erhellend geschildert. In Guatemala werden  große Flächen Ackerland für Palmenplantagen den Einheimischen Menschen weggenommen. Sie können ihre Getreide, Mais, Reis und Gemüse nicht mehr anbauen.

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