„Staat diskriminiert die Haltung von Millionen Menschen“ – Stiftung will weniger Macht der Kirchen

Im Düsseldorfer Landgericht wurden die Kreuze bereits 2010 abgehängt. Michael Schmidt-Salomon von der Giordano-Bruno-Stiftung fordert eine klare Trennung von Staat und Kirche ©Udo Ungar, Martin Gerten / DPA Picture Alliance
Eine strikte Trennung von Staat und Kirche – das fordert die Giordano-Bruno-Stiftung. Im stern-Interview erklärt der Vorstandssprecher, warum er einen weltanschaulich neutralen Staat für unverzichtbar hält – für Gläubige wie Nichtgläubige.

Daniel Wüstenberg | stern.de

Michael Schmidt-Salomon ist in diesen Tagen viel auf der Autobahn unterwegs: Berlin, Rostock, Schwerin und Hannover hießen die bisherigen Stationen. Es folgen bis Ende Mai Bremen, Köln, Karlsruhe, München und rund 20 weitere Städte. Jetzt ist aber erst einmal Hamburg dran. Am Jungfernstieg im Zentrum der Hansestadt sitzt er nun im Oberdeck eines roten Doppeldeckers. „Kirchenstaat? Nein Danke“, steht in großen Buchstaben auf der Außenwand – das Gefährt ist ein Hingucker.

Die Giordano-Bruno-Stiftung, deren Vorstandssprecher der 51-jährige Autor und Philosoph ist, will Aufmerksamkeit. Sie tourt während ihrer „Sakulären Buskampagne 2019“ noch bis Ende Mai durch ganz Deutschland, um für ihre Ziele zu werben: „Die konsequente Trennung von Staat und Kirche sowie die strikte Beachtung des Verfassungsgebotes der weltanschaulichen Neutralität des Staates.“ (Hier geht’s zur Homepage der Kampagne mit den Terminen der Deutschland-Tour.)

stern: Herr Schmidt-Salomon, was haben Sie gegen die Kirche?

Michael Schmidt-Salomon: Unsere Kampagne richtet sich ausdrücklich nicht gegen die Kirche. Wir werben für einen weltanschaulich neutralen Staat. Dafür können auch gläubige Menschen eintreten. Aus unserer Sicht wird ein weltanschaulich neutraler Staat mit Blick auf die Zukunft immer wichtiger.

Was bringt Sie zu diesem Schluss?

Wir erleben eine Pluralisierung und eine Säkularisierung unserer Gesellschaft. In diesem Umfeld muss der Staat als unparteiischer Schiedsrichter auf dem Spielfeld der Religionen und Weltanschauungen auftreten. Denn nur dann kann er glaubwürdig Regeln, die für alle gelten, durchsetzen. Zurzeit werden zum Beispiel Muslimen Rechte verwehrt, die Protestanten und Katholiken gewährt werden. Das ist ein großes Problem.

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Schmidt-Salomon: „Der Staat braucht keine religiösen Dogmen“

Michael Schmidt-Salomon Quelle: Udo UngarDiplom-Designer
Die religionskritische Giordano-Bruno-Stiftung kämpft für eine strikte Trennung von Staat und Kirche. Finanziell seien diese noch immer eng verflochten, moniert ihr Sprecher Michael Schmidt-Salomon.

Von Simon Benne | Hannoversche Allgemeine

Herr Schmidt-Salomon, derzeit tingeln Sie mit einem Bus durch Deutschland, um im Rahmen einer großangelegten Kampagne Menschen zum Atheismus zu bekehren. Woher rührt der missionarische Eifer?

Es ist keine atheistische Kampagne. Wir sind nicht gegen Religion, sondern für einen weltanschaulich neutralen Staat. Dafür können sich auch gläubige Menschen einsetzen. Schon 1919 wurde in der Weimarer Reichsverfassung die Trennung von Staat und Kirche verankert. Doch bis heute sind beide finanziell eng verflochten. Der Staat zahlt zum Beispiel der Gehälter von Bischöfen. Hundert Jahre Verfassungsbruch sind genug!

Auch jemand, der selbst nie ins Schwimmbad geht, finanziert als Steuerzahler den Bau von Bädern mit. Was ist an der Bischofsbesoldung so schlimm?

Das ist eine ganz andere Frage. Laut Bundesverfassungsgericht kann nur ein Staat, der keine Religionsgemeinschaft privilegiert, Heimstatt aller Bürger sein.

Sie beklagen auf ihrer Website eine „verfassungswidrige Diskriminierung religionsfreier Menschen“. Welche dunklen Mächte diskriminieren Sie denn? Leben wir nicht in einem freien Land?

Unsere Gesetze sind von der Wiege bis zur Bahre von religiösen Normen mitbestimmt. Vom Embryonenschutz bis zum Friedhofszwang. Ein weltanschaulich neutraler Staat darf sich jedoch nicht von religiösen Dogmen leiten lassen. Doch es gibt Zwangsberatungen vor Abtreibungen, und Sterbehilferegelungen, die sich an kirchlichen Normen ausrichten.

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„Spaghettimonster-Kirche“ beschwert sich beim Gerichtshof für Menschenrechte

Schild der FSM an der Vietmannsdorfer Straße in Templin. (Bild: pastafari.eu)
Kritik an Religion und Dogmatismus ist integraler Teil der humanistischen Weltanschauung. Darum und noch anderes geht es den Pastafari in ihrer Beschwerde.

Von Andreas Wilkens | heise online

Die „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V.“ (FSM) hat beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg Beschwerde eingelegt. Sie werde in Deutschland diskriminiert, bringt sie mit Hilfe des Rechtsanwalts Winfried Rath vor. Unterstützt wird sie dabei von der Giordano Bruno Stiftung und dem Institut für Weltanschauungsrecht.

„Der Beschwerdeführer sieht sich selbst als Weltanschauungsgemeinschaft und möchte von seinem Recht auf Weltanschauungsfreiheit Gebrauch machen und seine weltanschaulichen Rituale praktizieren. Dieser Status wird ihm von deutschen Gerichten jedoch abgesprochen und die Ausübung seiner Weltanschauungsfreiheit in Teilen verweigert. Auch findet eine Diskriminierung gegenüber Religionsgemeinschaften im Bezug auf die Gewährung von Privilegien statt“, heißt es in einer Mitteilung der sich Pastafari nennenden Anhänger der Kirche.

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So viel zahlt der Staat für die Kirche

Bild: tilly
Die Stadt Trier zahlt noch heute Zinsen an die Kirche für einen 430 Jahre alten Schuldschein. Dabei geht es um eine vergleichsweise geringe Summe – betrachtet man mal genau, wo der Staat die Kirche überall unterstützt.

SWR Aktuell

Die Gesamtkosten für die staatlichen Leistungen an die Kirche beliefen sich auf etwa 520 Millionen Euro im vergangenen Jahr, wie eine Umfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur in allen 16 Bundesländern ergab.

2017 gingen an die katholische Kirche laut Deutscher Bischofskonferenz zirka 6,4 Milliarden Euro an Einnahmen aus der Kirchensteuer und an die Evangelische Kirche in Deutschland rund 5,7 Milliarden Euro. Der Prozentsatz, den die Länder für den Verwaltungsaufwand von der Kirchensteuer einbehalten, schwankt. Er liegt bei zirka 3 Prozent.

Kirche und Staat historisch eng verwoben

Für den Religionskritiker Michael Schmidt-Salomon von der Giordano-Bruno-Stiftung hat dieser Status quo mehrere Gründe: „Erst in den 1970er Jahren begann die Gesellschaft, sich mit der Säkularisierung, also der Trennung von Kirche und Staat, auseinanderzusetzen.“ Außerdem seien viele Politiker, zum Beispiel im Bundeskabinett, selbst Kirchenmitglieder.

Als ganz aktuelles Beispiel nennt Schmidt-Salomon die SPD: Die Sozialdemokraten weigerten sich, einen offiziellen Arbeitskreis, der die Staatsleistungen an Kirchen abschaffen will, zuzulassen.

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Ist die deutsche Politik in einer religiösen Filterblase gefangen? / Podiumsdiskussion und Vorstellung der „säkularen Buskampagne 2019“ am 6. April in Berlin

Die jüngsten Angriffe der SPD-Führung auf die „säkularen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten“ haben wieder einmal gezeigt, dass die Interessen konfessionsfreier Menschen in Deutschland sträflichst ignoriert werden.

DER TAGESSPIEGEL

Über die religiöse Filterblase der deutschen Politik wird am kommenden Samstag, dem 6. April, ein hochkarätig besetztes Podium im Meistersaal am Potsdamer Platz diskutieren. Mit von Partie ist die ehemalige SPD-Spitzenpolitikerin Ingrid Matthäus-Maier, eine der führenden Repräsentantinnen des säkularen Flügels der deutschen Sozialdemokratie.

Die Verurteilung der Ärztin Kristina Hänel hat viele Menschen dazu gebracht, auf die Straße zu gehen, um gegen die Gängelungen des § 219a StGB und für eine Stärkung der Selbstbestimmungsrechte ungewollt schwangerer Frauen zu demonstrieren. Doch § 219a ist kein Einzelfall: Es gibt in Deutschland unzählige Gesetze, welche die Freiheiten der Bürgerinnen und Bürger aufgrund von überkommenen religiösen Normen einschränken, obwohl dies gegen fundamentale Bestimmungen der Verfassung verstößt.

Die Podiumsdiskussion „Wem gehört der Staat?“ bildet den Auftakt für die Aktivitäten der Giordano-Bruno-Stiftung zum Schwerpunktthema 2019 „70 Jahre Grundgesetz – 100 Jahre Verfassungsbruch“. In diesem Zusammenhang wird es auch zu einer Neuauflage der „säkularen Buskampagne“ kommen, die 2009 unter dem Motto „Gottlos glücklich“ für Schlagzeilen sorgte. Motto und Konzept der diesjährigen Buskampagne sollen im Rahmen der Veranstaltung am 6. April erstmals vorgestellt werden.

Neben Ingrid Matthäus-Maier, die schon in den 1970er Jahren für eine Abschaffung der Kirchenprivilegien kämpfte, werden an der Podiumsdiskussion Experten mitwirken, die sich in besonderer Weise für den säkularen Verfassungsstaat eingesetzt haben, nämlich der Politikwissenschaftler Carsten Frerk, der den christlichen Lobbyismus und die Vermögensverhältnisse der Kirchen wie kein anderer deutscher Forscher aufgedeckt hat, die Juristin Jacqueline Neumann, die als Koordinatorin des Instituts für Weltanschauungsrecht (ifw) bundesweite Strafanzeigen gegen kirchliche Missbrauchstäter stellte, sowie der Philosoph Michael Schmidt-Salomon, der als Buchautor und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung entschieden für den weltanschaulich neutralen Staat eintritt. Moderiert wird die Diskussion von Bestsellerautor Philipp Möller, der vor zehn Jahren als Sprecher der säkularen Buskampagne 2009 erstmals öffentlich in Erscheinung trat.

Der Einlass zur Podiumsdiskussion im Meistersaal am Potsdamer Platz (Köthener Str. 38, 10963 Berlin) beginnt um 19.00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Unterstützt wird die Veranstaltung der Giordano-Bruno-Stiftung vom Institut für Weltanschauungsrecht (ifw), der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) sowie von den Evolutionären Humanisten Berlin-Brandenburg (ehbb). Alle Interessierten sind herzlich zur Debatte eingeladen!

Pressekontakt:
c/o Elke Held (gbs)
https://www.giordano-bruno-stiftung.de/content/pressekontakt

Original-Content von: Giordano Bruno Stiftung, übermittelt durch news aktuell

Presseportal-Newsroom: Giordano Bruno Stiftung

Dr. Michael Schmidt-Salomons Grußwort zur Eröffnung des „Evolutionsweges“

Bild: leimenblog.de
Ich freue mich sehr, ein Grußwort zur heutigen Eröffnung des Evolutionsweges in Leimen sprechen zu dürfen. Denn die Evolutionstheorie ist nicht nur der wichtigste Baustein des modernen Weltbildes, sie hilft uns auch zu begreifen, wer wir sind und woher wir stammen. Nicht zuletzt schärft sie unseren Blick für das, was wesentlich und was unwesentlich ist. Denn wer die Evolution wirklich verstanden hat, der begreift auch, dass Religionen, Nationen, Völker bloß vorrübergehende Konstrukte sind, die eine fundamentale Tatsache des Lebens tragischerweise oft verdecken, nämlich dass uns Menschen untereinander sehr viel mehr verbindet als trennt.

leimenblog.de

Zusammen mit allen anderen Lebensformen auf der Erde bilden wir eine einzigartige große Familie, deren Ursprünge in winzig kleinen Zellen liegen, welche vor Urzeiten auf der Erde entstanden sind. Und wer diese große Geschichte des Lebens erst einmal im Kopf hat, der wird sich von den kleinen hinterwäldlerischen Erzählungen religiöser Fundamentalisten oder chauvinistischer Nationalisten, die momentan leider weltweit auf dem Vormarsch sind, so schnell nicht mehr hinters Licht führen lassen.

Tatsächlich gibt es einen bemerkenswerten statistischen Zusammenhang zwischen der Evolutionsverleugnung auf der einen Seite und fundamentalistischen, nationalistischen, autoritären, antidemokratischen, patriarchalen Werten auf der anderen Seite. Vermutlich ist dies darauf zurückzuführen, dass diejenigen, die in ihrem Weltbild von festen, unverrückbaren, ewig gültigen Fundamenten ausgehen, sich mit der zentralen Aussage der Evolutionstheorie kaum anfreunden können, nämlich dass das einzig Beständige in dieser Welt der Wandel ist.

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Atheisten für den Islam

Als am vergangenen Sonntag in Berlin gegen Fremdenfeindlichkeit demonstriert wurde, war auch eine Organisation mit dabei, die sich bisher durch ihr Eintreten gegen den Einfluss jeglicher Religion in Staat und Gesellschaft auszeichnete.

Archi W. Bechlenberg | Achgut.com

Es ist die Giordano-Bruno-Stiftung, benannt nach dem 1600 von der Heiligen Inquisition auf dem Scheiterhaufen als Ketzer verbrannten italienischen Priester, Dichter, Philosophen und Astronomen gleichen Namens. Im Gegensatz zu Opfern des IS Terrors, so erklärte mir einmal ein katholischer Theologe, sei Bruno nicht etwa unrechtmäßig hingerichtet worden; es habe zuvor ein ordentliches Gerichtsverfahren gegeben.

Die GBS nennt sich „Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung“, sie tritt ein für eine „tragfähige humanistische, rationale und evidenzbasierte Alternative zu den traditionellen Religionen“ und möchte dieser „gesellschaftlich zum Durchbruch zu verhelfen.“

Ob der Stiftung ihr Mitdemonstrieren gegen Fremdenfeindlichkeit bei in Deutschland lebenden Japanern, Griechen, Italienern, Vietnamesen oder Luxemburgern positiv aufgefallen ist, ist zumindest fraglich.

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Antrag geplant? Linke will Legalisierung von Abtreibungen

© Bild: picture alliance/PhotoAlto/Frederic Cirou
Noch ist nicht einmal die Debatte um das Werbeverbot beendet, da will die Linke schon einen Schritt weitergehen: Abtreibungen haben im Strafgesetzbuch nichts zu suchen, sagt deren frauenpolitische Sprecherin.

katholisch.de

Die Linksfraktion will nach der Sommerpause offenbar einen Antrag in den Bundestag einbringen, der eine Legalisierung von Abtreibungen vorsieht. Die frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Cornelia Möhring, sagte der „Tageszeitung“ (Dienstag), langfristig müsse klar werden, dass das gesamte Thema Schwangerschaftsabbruch nichts im Strafgesetzbuch zu suchen habe. Auch Gesine Agena, die frauenpolitische Sprecherin der Grünen, sagte der Zeitung, der Paragraf 218 sei „frauenfeindlich“. Die Entscheidung über Schwangerschaftsabbrüche solle allein bei der Frau liegen: „Sie hat das Recht, über ihren Körper selbst zu entscheiden.“

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Dodo Lütz, Kotzschalen und fragwürdige Wissenschaft

Nachdem sich im Humanistischen Pressedienst bereits Prof. Dr. Rolf D. Herzberg sowie auch Dr. Josef Breinbauer über das aktuelle Buch von Manfred Lütz, „Der Skandal der Skandale“, geäußert haben, nimmt nun auch der Autor selbst dazu Stellung.

Manfred Lütz | hpd.de

Deutsche Atheisten geben sich gewöhnlich einen wissenschaftlichen Anstrich, berufen sich auf den kritischen Rationalismus, aber offenbar ist es dann im konkreten Fall damit nicht immer weit her.

Im Mittelalter war es bei den so genannten Disputationes üblich, dass man zuerst die Argumente der anderen Seiten so überzeugend wie möglich zusammenfassen musste und erst dann kam die Antwort: „respondeo …“. Die Reaktionen von Atheisten auf mein Buch „Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums“ liegen zumeist weit unter diesem Niveau. Wenn ich mal von primitiven atheistischen Hassmails absehe, so glänzt da die hessische Sektion der Giordano-Bruno-Stiftung mit einem Paket von 100 Kotzschalen aus Pappe, die man mir ins Krankenhaus schickte. Es scheint da eine atheistische Stammtischatmosphäre zu herrschen, wo man so etwas wahnsinnig witzig findet und sich auf die Schenkel schlägt. Ehrlich gesagt war ich eher traurig, wie tief das intellektuelle Niveau des Atheismus offenbar seit Friedrich Nietzsche gesunken ist. Ich habe daraufhin Herrn Schmidt-Salomon eine ernsthafte intellektuell redliche Diskussion mit vier Kritikern bei einer seiner Atheisten-Versammlungen vorgeschlagen, darauf aber noch keine definitive Antwort. An polemischen Schlagabtäuschen bin ich nicht interessiert.

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Nackter Luther: War der Protest gerechtfertigt?

Bild: Föderation des Determinismus
Aktivisten haben gegen den Reformationstag als gesetzlichen Feiertag protestiert. Die Religionswissenschaftlerin Gabriele Richter findet die Aktion legitim.

Milan Jaeger | buten un binnen

Die Empörung bei einigen Bremern war groß, als am Donnerstag plötzlich eine nackte Luther-Figur auf dem Marktplatz stand. Die Giordano-Bruno-Stiftung hatte die Figur aus Protest gegen die Pläne, den Reformationstag in Bremen als gesetzlichen Feiertag einzuführen, aufgestellt.

Auch auf Facebook wurde die Aktion kontrovers diskutiert. Ein Post von buten un binnen erreichte bis Freitagnachmittag mehr als 400.000 Nutzer. Wir haben mit der Religionswissenschaftlerin Gabriele Richter von der Universität Bremen über die Positionen von Martin Luther gesprochen.

Frau Richter, war Martin Luther ein Antisemit?
Er war ein Antijudaist. Er war sehr davon überzeugt, dass alle Juden, sobald er seine Übersetzung der Bibel ins Deutsche abgeschlossen hat, sich zum Christentum bekennen würden. Als das nicht eintrat, war er bitter enttäuscht und hat gegen Juden gehetzt. Aber nicht in der Art und Weise, wie es Antisemiten in späteren Zeiten taten, sondern auf Grundlage der Religion. Das soll Luthers Positionen aber nicht relativieren. Die waren trotzdem sehr problematisch.

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Nazi-Luther-Feiertag in Hamburg

Bild: Föderation des Determinismus
Noch-Bürgermeister Olaf Scholz hatte es bereits vor Monaten mit den Ministerpräsidenten von Niedersachsen und Schleswig-Holstein abgekaspert: Der Reformationstag muss Feiertag werden!

Föderation des Determinismus

Die Luther-Kritik der Giordano-Bruno-Stiftung mit den nackten Tatsachen Luthers und den Original-Zitaten aus Luthers (vgl. vorheriger Artikel) „Von den Juden und ihren Lügen“ verpufften wirkungslos – dass Hitler sich direkt auf Martin Luther berufen hatte, der empfohlen hatte, die Synagogen zu verbrennen und die Juden zur Zwangsarbeit zu verdammen und sie zu enteignen, störte die vermeintlich tolerante Bürgerschaft anscheinend weniger.

Ob jetzt Reformationstag oder „Tag der Reformation“, wie der Feiertag jetzt tatsächlich heißen soll, oder Nazi-Luther-Tag, ist Wortklauberei. Der NDR schreibt,: „Der Reformationstag erinnert an Martin Luthers Anschlag seiner 95 Thesen vor 500 Jahren am 31. Oktober 1517 an die Schlosskirche in Wittenberg (Sachsen-Anhalt). Dieser Tag gilt als Geburtsstunde der Reformation [Anm: Und Auslöser des 30-Jährigen Krieges wegen verschiedener Richtungen des Aberglaubens]. In den Thesen kritisierte Luther etwa den Ablasshandel zum Sündenerlass, mit dessen Einnahmen der Petersdom in Rom erneuert werden sollte. Luther kritisierte das als einen Missbrauch und rief zur Rückbesinnung auf die Bibel auf. “ (Anmerkungen von mir) Rückbesinnung auf die Bibel, d. h. tiefster Aberglaube.

Die Aussage des SPD-Fraktionsvorsitzenden „Es soll kein Luther-Gedenktag werden“ wirkt wie ein Witz: Was gedenkt die SPD, denn jetzt dagegen zu tun, wie will sie denn den Nazi-Luther-Tag jetzt noch umwandeln? Es solle ein „interreligiöser“ Feiertag werden, wünscht sich SPD-Mann Dressel: Also noch mehr und mehr Aberglauben! Die absolute Mehrheit der Hamburger ist aber konfessionslos – Tendenz rapide steigend – will die SPD, dass wir jetzt alle religiös feiern?

Der Staat ist aufgrund des Gleichheitsgrundsatzes zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet: Früher wurden Bevorzugungen einzelner Religionen immer mit Mehrheit oder Kultur begründet. Hier fehlt einfach jeder Sinn und Verstand. Es gab nämlich durchaus verschiedene Anträge, die ganz gezielt andere Akzente setzten sollten:
Kapitulation Hitler-Deutschlands 1945, der Internationale Frauentag am 8. März und der Tag des Grundgesetzes am 23. Mai.

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„Frauen dürfen hier nicht träumen“: Vorstellung der bewegenden Autobiographie von Rana Ahmad

Bild: Giordano-Bruno-Stiftung
Rana Ahmad verließ ihre Familie und ihr Heimatland Saudi-Arabien, weil sie nicht mehr an Gott glaubte, wohl aber an ein Leben als selbstbestimmte Frau. Ihre Erlebnisse als Atheistin im saudischen Gottesstaat sowie ihre Flucht nach Deutschland schildert sie in dem bewegenden Buch „Frauen dürfen hier nicht träumen – Mein Ausbruch aus Saudi-Arabien, mein Weg in die Freiheit“, das gerade bei btb (Random House) erschienen ist.

Pressemitteilung GBS

Nach der offiziellen Buchpremiere am vergangenen Sonntag am Sitz der Giordano-Bruno-Stiftung in Oberwesel wird Rana Ahmad ihr Buch am Freitag in der Urania Berlin vorstellen. Begleitet wird sie dabei von der Journalistin und Moderatorin Ute Soldierer, die Auszüge aus dem Werk lesen wird, sowie von Michael Schmidt-Salomon, der vor 10 Jahren an der Gründung der Bewegung der Ex-Muslime beteiligt war und nun mit Rana Ahmad über ihre Erfahrungen als Ex-Muslimin, ihre Flucht über die Mittelmeerroute und ihr neues Leben in Deutschland sprechen wird.

Richard Dawkins („Der Gotteswahn“, „Die Schöpfungslüge“) schrieb zu Ranas Lebensgeschichte: „Saudi-Arabien ist eine Schande für die Menschheit und, vor allem für Frauen, die Hölle auf Erden. Rana Ahmad ist eine der wenigen tapferen Frauen, die unter einem großen persönlichen Risiko dem Regime getrotzt haben und geflohen sind. Ihre bewegende Geschichte ist eine mutige und wichtige Kampfansage, ein Aufruf, Menschenrechte vor der Unterdrückung durch theokratische Regime zu schützen und zu verteidigen.“ Auch Michael Schmidt-Salomon („Hoffnung Mensch“, „Die Grenzen der Toleranz“) zeigte sich von dem Buch beeindruckt: „Rana Ahmad ist eine außergewöhnlich mutige, junge Frau, die sich von religiösen Fundamentalisten nicht einschüchtern ließ und die Hoffnung auf ein Leben in Freiheit niemals aufgegeben hat. Ihre Lebensgeschichte, die sie mit Unterstützung der Berliner Autorin Sarah Borufka verfasst hat, ist berührend, aufwühlend, engagiert und klug. Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der die Hoffnung auf eine bessere Welt noch nicht aufgegeben hat, denn es zeigt wie kaum ein anderes, was aufrechter Gang wirklich bedeutet.“

Die Veranstaltung am Freitag, dem 19. Januar 2018, in der Urania Berlin (Kleist-Saal, An der Urania 17, 10787 Berlin) beginnt um 19.30 Uhr. Es wird empfohlen, Tickets für die Veranstaltung, die von der Urania Berlin in Kooperation mit der Giordano-Bruno-Stiftung und der Verlagsgruppe Random House ausgerichtet wird, vorab zu kaufen oder zu reservieren.

Weitere Informationen: http://ots.de/fEKdL

Hilfe für säkulare Flüchtlinge

Bild: RDF
Ein neu gegründeter Verein unterstützt geflüchtete Ex-Muslime in Deutschland

GBS | Richard-Dawkins-Foundation

„Ich hatte das Gefühl, Saudi-Arabien nie verlassen zu haben!“ Mit diesen Worten charakterisierte die Ex-Muslimin Rana Ahmad die Situation in dem Kölner Flüchtlingslager, in dem man sie nach ihrer Flucht aus Saudi-Arabien untergebracht hatte. Die besonderen Probleme von Ex-Muslimen, die vor dem politischen Islam nach Deutschland geflüchtet sind und in Flüchtlingslagern mit streng gläubigen Muslimen zusammenleben müssen, werden noch immer sträflich ignoriert. Um diesen Missstand zu beheben, wurde in Köln der Verein „Säkulare Flüchtlingshilfe“ gegründet, der am 17. November 2017 beim internationalen Festakt „10 Jahre Ex-Muslime“ der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Mit Unterstützung des Zentralrats der Ex-Muslime und der Giordano-Bruno-Stiftung hat der Verein eine Broschüre herausgebracht, die die „Herausforderungen und Ziele der Säkularen Flüchtlingshilfe“ beschreibt (eine Onlineversion kann hier heruntergeladen werden). Die Broschüre zeigt die politischen Forderungen des Vereins auf, geht aber auch auf die Geschichte von Rana Ahmad ein, die in Köln feststellen musste, dass die Gefahr, vor der sie geflohen war, mit ihr gereist war, nämlich in Gestalt anderer Flüchtlinge. Rana wurde in Deutschland von streng gläubigen Muslimen bedroht – wie zuvor in Saudi-Arabien. Sie musste um ihr Leben fürchten – wie in Saudi-Arabien. In ihrer Verzweiflung nahm sie Kontakt zum Zentralrat der Ex-Muslime und zur gbs Köln auf und entschloss sich, mit ihrer Geschichte in die Öffentlichkeit zu gehen. Schon im Juni 2016 erschien ein erster großer Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, im September war sie gleich zwei Mal in der Sendung sternTV zu Gast.

Durch Ranas Engagement wurden weite Teile der deutschen Bevölkerung erstmals darauf aufmerksam, wie prekär die Lage für religionsfreie Flüchtlinge in Deutschland ist. Zudem war ihr Fall der letzte Anstoß dafür, ein Projekt in Angriff zu nehmen, über das in Kreisen der Ex-Muslime und der Giordano-Bruno-Stiftung schon lange diskutiert wurde, nämlich die Gründung einer Säkularen Flüchtlingshilfe.

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Ein neu gegründeter Verein unterstützt geflüchtete Ex-Muslime in Deutschland

Bild: hpd.de
„Ich hatte das Gefühl, Saudi-Arabien nie verlassen zu haben!“ Mit diesen Worten charakterisierte die Ex-Muslimin Rana Ahmad die Situation in dem Kölner Flüchtlingslager, in dem man sie nach ihrer Flucht aus Saudi-Arabien untergebracht hatte. Die besonderen Probleme von Ex-Muslimen, die vor dem politischen Islam nach Deutschland geflüchtet sind und in Flüchtlingslagern mit streng gläubigen Muslimen zusammenleben müssen, werden noch immer sträflich ignoriert. Um diesen Missstand zu beheben, wurde in Köln der Verein „Säkulare Flüchtlingshilfe“ gegründet, der am vergangenen Freitag beim internationalen Festakt „10 Jahre Ex-Muslime“ der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

hpd.de

Mit Unterstützung des Zentralrats der Ex-Muslime und der Giordano-Bruno-Stiftung hat der Verein eine Broschüre herausgebracht, die die „Herausforderungen und Ziele der Säkularen Flüchtlingshilfe“ (siehe Anlage) beschreibt. Die Broschüre zeigt die politischen Forderungen des Vereins auf, geht aber auch auf die Geschichte von Rana Ahmad ein, die in Köln feststellen musste, dass die Gefahr, vor der sie geflohen war, mit ihr gereist war, nämlich in Gestalt anderer Flüchtlinge. Rana wurde in Deutschland von streng gläubigen Muslimen bedroht – wie zuvor in Saudi-Arabien. Sie musste um ihr Leben fürchten – wie in Saudi-Arabien. In ihrer Verzweiflung nahm sie Kontakt zum Zentralrat der Ex-Muslime und zur gbs Köln auf und entschloss sich, mit ihrer Geschichte in die Öffentlichkeit zu gehen. Schon im Juni 2016 erschien ein erster großer Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, im September war sie gleich zwei Mal in der Sendung sternTV zu Gast.

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„Humanismus“ ist nur ein Wort

Bild: RDF
Michael Schmidt-Salomon hat die Bücher von Yuval Noah Harari scharf kritisiert

Von Harald Stücker | Richard-Dawkins-Foundation

Im Kern der Kritik steht dessen Charakterisierung des Nationalsozialismus als „evolutionärer Humanismus“. Damit provoziert Harari nicht nur den Widerspruch von Humanisten allgemein, sondern insbesondere den der Giordano Bruno Stiftung, die den „evolutionären Humanismus“ in einer völlig anderen Bedeutung zu ihrer Marke entwickelt hat. Allerdings scheint es hier vor allem um einen Streit um Worte und Etiketten zu gehen.

In etlichen Kommentaren dazu hieß es sinngemäß: Gut zu wissen, dann muss ich diesen Harari ja nicht mehr selbst lesen. Wahrscheinlich würde ich mich nur provoziert fühlen und aufregen. Dazu gebe ich zu bedenken, dass es lohnend sein kann, Bücher zu lesen, die dazu provozieren, die eigene Position zu überdenken. Yuval Noah Harari hat zwei bemerkenswert geistreiche, überaus lesenswerte Bücher geschrieben. Sapiens, deutsch Eine kurze Geschichte der Menschheit, erzählt diese Geschichte in groben Zügen, Homo Deus spinnt sie spekulativ zu einer prognostischen Geschichte der Zukunft weiter.

Die Begriffe „Religion“ und „Humanismus“ verwendet er auf idiosynkratische Weise. „Religion“ ist in seiner Lesart jeder Ideenkomplex, der eine Gesellschaft dadurch ordnet und ihr Richtung und Orientierung gibt, dass die meisten Mitglieder dieser Gesellschaft daran glauben. Ob darin ein oder mehrere Götter vorkommen, ist nebensächlich. Religion wird damit also zu einem wertfreien Begriff. Harari wählt bewusst den Begriff „Religion“ statt den der „Ideologie“, um deutlich zu machen, dass es sich nicht um einen wesentlichen Unterschied handelt, ob die herrschenden Werte generierenden Narrative von Göttern handeln oder nicht.

Mit dem Begriff „Humanismus“ verhält es sich ähnlich. Der Humanismus ist für Harari die herrschende Religion der Moderne. Das meint er ziemlich wörtlich: eine Religion, die ihre Wertvorstellungen nicht mehr aus und auf Gott, sondern aus dem und auf den Menschen bezieht. Bemerkenswert daran ist, dass für Harari die Geschichte der theistischen Religion als bestimmende Kraft abgeschlossen ist. Es führt kein Weg zurück zur Herrschaft der Religion.

„Mehr als ein Jahrhundert, nachdem Nietzsche verkündet hat, Gott sei tot, scheint der Allerhöchste ein Comeback zu erleben. Doch das ist ein Trugbild. Gott ist tot – es dauert nur eine Weile, den Leichnam loszuwerden.“ (Homo Deus, S. 364)

Das ist ein Schlüsselsatz für das Verständnis von Hararis Position. Wie nebenbei erklärt er hier seine überraschende Position, dass die großen nicht-humanistischen Weltreligionen keine aktive Rolle mehr spielen, nur noch eine reaktive. Die humanistisch-wissenschaftliche Kultur des Westens hat die Welt erobert, weil sie frühzeitig all ihre Ressourcen in den Dienst des Menschen gestellt hat, nicht mehr in den Dienst der Götter. Alle anderen Kulturen, die das nicht getan haben, spielen in Zukunft keine Rolle mehr, und wenn, dann höchstens als Problem. Der Islam ist für Harari nicht etwa eine Religion von gestern, sondern von vorgestern:

„Der radikale Islam stellt keine ernsthafte Bedrohung für das liberale Paket dar, denn bei aller religiösen Inbrunst begreifen seine Anhänger die Welt des 21. Jahrhunderts nicht wirklich.“ (Homo Deus, S. 364)

„Der Islam ist noch nicht einmal mit der industriellen Revolution zurande gekommen – kein Wunder, dass er wenig Relevantes über Gentechnik und künstliche Intelligenz zu sagen hat.“ (Homo Deus, S. 371)

Hier wird wieder deutlich, dass Harari aus höherer Warte auf die Welt schaut, aus der die Probleme der Tagespolitik kaum zu erkennen sind. Natürlich stellt der Islam aktuell eines der größten Probleme dar, aber intellektuell, perspektivisch, hat er nichts zu bieten. Es ist nicht etwa so, dass wir im Westen vor den großen, revolutionären islamischen Ideen Angst haben müssten, dass eine kommende Welle islamischer Innovationskraft droht, uns zu überrollen. Nein, es sind von uns entwickelte Innovationen – etwa in Landwirtschaft oder Medizin – die es islamischen Gesellschaften überhaupt erst ermöglichen, zu wachsen und zu gedeihen; und von uns entwickelte Massenvernichtungswaffen – mit denen sie uns bedrohen.

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Wir waren nie Darwinisten

Die Evolutionstheorie besagt nicht, dass wir vom Affen abstammen; es ist etwas komplizierter

Mit dem Hype im Darwin-Jahr 2009 entstand eine eigenartige neue Spezies: Darwinisten, die sich nicht für Biologie interessieren.

Von Thomas Junker | Richard-Dawkins-Foundation

Die eher harmlose Variante kommt erst gar nicht auf die Idee, dass die Evolution im Allgemeinen und speziell die evolutionäre Entstehung der Menschen irgendeine Bedeutung für unser Leben haben könnte. Am anderen Ende des Spektrums gibt es die regelrechten Biologiehasser: Sobald in einer Diskussion mögliche biologische Grundlagen menschlichen Verhaltens angesprochen werden, greifen sie reflexhaft zur Biologismus-Keule. Und dies, bevor überhaupt geklärt ist, ob es eine biologische Erklärung geben könnte und wie weit sie trägt.

Wer dies nicht glaubt, der mache ein einfaches Experiment: Fragen Sie Bekannte in ihrem Umfeld, an der Uni, in den Medien, ob die Erkenntnis, dass die Menschen in der Evolution entstanden sind, eine praktische Bedeutung hat. Ob sie beispielsweise etwas zur Klärung aktueller gesellschaftspolitischer Fragen – der Ehe für Alle, der Geschlechterthematik oder der Migrationsfrage usw. – beiträgt und beitragen sollte. Es würde mich nicht wundern, wenn Sie überwiegend auf Unverständnis und Ablehnung stoßen.

Kürzlich fiel mir das neue Buch von Andreas Altmann, „Gebrauchsanweisung für das Leben,“ in die Hände. Es liefert eine schöne Illustration für die oben genannte eher harmlose Variante. Gleich zu Beginn seines Vorwortes lässt Altmann keinen Zweifel an seiner Weltanschauung aufkommen: „Ich bin Darwinist, impertinent von seiner Idee der Evolution überzeugt. Dass der liebe Gott dahintersteckt, halte ich für eine Zumutung.“ Im Weiteren erfahren wir, dass es im Buch um Altmanns Suche nach dem Sinn des Lebens, nach einem Sinn für sein eigenes Lebens, geht. Bei C. G. Jung habe er schließlich eine Antwort gefunden, die zugleich „wunderbar irdisch und intelligent“ anmute. In Altmanns Worten: „Sinn macht, wenn ein Mensch das wird, was in ihm angelegt ist.“ Wenn er „wird, was er sein will. Nein: sein soll.“

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Zum Affen gemacht: Wie eine atheistische Stiftung Stimmung gegen Muslime macht

Themenbild.
Themenbild.

Die Mehrheit der zukünftigen Lehrer muslimischen Glaubens lehnt die Evolutionstheorie ab. Das zumindest behauptet die religionskritische Giordano-Bruno-Stiftung. Doch die Studie, die das beweisen soll, genügt selbst keinen wissenschaftlichen Standards.

Von Fabian Köhler | IslamiQ

Wächst an unseren Universitäten eine Generation muslimischer Kreationisten im Lehrergewand heran? Lehren muslimische Pädagogen demnächst, die Entstehung des Menschen durch Lehm und Rippe anstatt durch Mutation und Selektion? Lernen unsere Kinder im Biologieunterricht bald die koranische Schöpfungsgeschichte anstatt der Mendelschen Gesetze?

Diesen Eindruck kann bekommen, wer dieser Tage auf islamfeindlichen Seiten in Sozialen Netzwerken unterwegs ist. Auslöser ist eine Meldung der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung (GBS). „Mehrheit der muslimischen Lehramtsstudenten bestreitet die Evolution“, schrieb diese vergangene Woche auf ihrer Website und viele Medien schrieben ab. Einer Befragung unter Lehramtsstudenten zufolge sollen 60 Prozent der zukünftigen Lehrer muslimischen Glaubens bestreiten, dass der heutige Mensch aus affenartigen Vorfahren hervorgegangen ist“. Sogar 70 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten würden die  Evolutionstheorie gleich ganz ablehnen.

Von einer „bildungspolitischen Katastrophe“ spricht der Vorsitzende der GBS Michael Schmidt-Salomon auf der Website der Stiftung: Wer die Evolutionstheorie ablehne, habe „keinen universitären Abschluss verdient“, schreibt der Philosoph dort und fordert, muslimische Lehramtsstudenten nicht weiter „auf wehrlose Kinder loszulassen“. [https://www.giordano-bruno-stiftung.de/meldung/muslime-evolution].

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Religiotie: 70 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten lehnen Evolutionstheorie ab

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB
Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Nicht nur unter evangelikalen Christen sind Zweifel an der Evolutionstheorie verbreitet. Laut einer Studie der Giordano-Bruno-Stiftung wird sie auch von fast 70 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten in Deutschland abgelehnt.

stern.de

Rund 70 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten in Deutschland lehnen die Evolutionstheorie ab. Das hat eine Studie der Giordano-Bruno-Stiftung ergeben. Der Vorstandssprecher der religionskritischen Denkfabrik, Michael Schmidt-Salomon, nannte das Ergebnis eine „bildungspolitische Katastrophe“. Wer religiös so voreingenommen sei, dass er nicht einmal die „hunderttausendfach belegte Tatsache der Evolution“ akzeptieren könne, habe keinen universitären Abschluss verdient, kritisierte der Philosoph.

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„Wir müssen Saudi-Arabien unter Druck setzen!“


Dem saudischen Blogger Raif Badawi, Träger des Deschner-Preises der Giordano-Bruno-Stiftung, drohen nach Medienberichten weitere 50 Peitschenhiebe. gbs-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon, der in seinem Buch  „Die Grenzen der Toleranz“ ausführlich auf den Fall Badawi eingeht, fordert die deutsche Politik auf, „endlich klare Kante zu zeigen und Saudi-Arabien unter Druck zu setzen“.

Von Michael Schmidt-Salomon | Richard-Dawkins-Foundation

Als die Bilder von Raifs öffentlicher Auspeitschung im Internet auftauchten, ging ein Aufschrei der Empörung durch die Welt. Die massive Reaktion der globalen Zivilgesellschaft setzte Saudi-Arabien so sehr unter Druck, dass die Prügelstrafe ausgesetzt wurde. Auf dem Höhepunkt der Proteste, Ende Januar 2015, war der Druck sogar so stark, dass sich der saudische Botschafter in Berlin genötigt sah, eine frühzeitige Freilassung Badawis in Aussicht zu stellen.

Offenkundig rechnete Saudi-Arabien zu diesem Zeitpunkt noch mit ernsthaften außenpolitischen Konsequenzen. Jedoch: Zu wirklichen Konsequenzen oder auch nur zur Androhung solcher Konsequenzen ist es danach nicht gekommen – ein fataler Fehler der internationalen, insbesondere auch der deutschen Politik. Statt klare Kante zu zeigen, verfielen die führenden Politiker zurück in den alten Kurs der Kuscheldiplomatie und fädelten Milliarden-Geschäfte mit einem Land ein, das den sunnitisch-wahhabitischen Terror seit Jahren maßgeblich unterstützt. Die verheerenden Menschenrechtsverletzungen, die Saudi-Arabien Tag für Tag begeht, wurden – wenn überhaupt – nur in Nebensätzen erwähnt, was die Gegenseite souverän überhören konnte.

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Ist Intoleranz tolerant, wenn sie links ist?

Michael Schmidt-Salomon ist ein Genie. Ein PR-Genie. Kaum ein anderer öffentlicher „Intellektueller“ unserer Zeit hat ein so gutes Gespür dafür, was er schreiben muss, um von Mainstream-Medien hofiert zu werden. Er erkennt den Zeitgeist genau und passt seine Sprache und Meinung daran an. Schmidt-Salomon ist der vielleicht größte Anpasser des ganzen Landes.

Von feuerbringer Magazine

Als Philosoph schreibt er zwar nur Unsinn, aber man kann nicht auf allen Gebieten Überragendes leisten. Der neueste Essay des Vorstandssprechers der Giordano Bruno Stiftung befasst sich mit der Frage, ob und inwieweit wir als Gesellschaft Intoleranz tolerieren müssen.

Wie schon seine Streitschrift „Keine Macht den Doofen!“ (eine Auflistung von Beleidigungen von Konservativen) ist der Essay gegenüber Andersdenkenden atemberaubend intolerant. Er plädiert dabei jedoch, oberflächlich betrachtet, für mehr Toleranz. Das entspricht der Haltung der Social Justice Warrior, die für mehr Toleranz gegenüber Minderheiten wie Transgender und Muslimen eintreten, aber nur, sofern die Minderheiten genau ihrer politischen Meinung sind (was sie oft fälschlicherweise glauben).

„Heute hat der „Tages-Anzeiger“ (die meistabonnierte Tageszeitung der Schweiz) dem Buch zwei komplette Druckseiten gewidmet“, lässt MSS seine Leser auf Facebook wissen. Wie subtil er doch die Bedeutung der Publikation einfließen lässt, die seinen Essay veröffentlichte, mit dem er sein neues Buch über die Toleranz bewerben möchte. Und es sind natürlich „Druckseiten“ und sogar „komplette“ davon, keine schäbigen Online-Seiten (trotzdem ist der Essay online nachlesbar).

Die bösen Konservativen

Es ist immer schön, wenn sich Menschen selbst gut leiden können. Andererseits lässt der Essay einige Zweifel daran aufkommen. Die ans Tourette-Syndrom grenzenden ständigen herablassenden Äußerungen gegenüber dem offenbar einförmigen Kollektiv der Konservativen seitens MSS erwecken den Eindruck einer rituellen Beschwörungsformel. Wie ein Priester, der selbst nicht so recht an die Jungferngeburt glaubt und umso nachdrücklicher die Geschichte wiederholt, wie der Heilige Geist Maria schwängerte, muss MSS sich und uns unentwegt einreden, wie zurückgeblieben und verblödet seine politischen Gegner seien. Was sollte er auch sonst tun? Ihre Argumente lesen und inhaltlich darauf antworten, wie es ein, keine Ahnung, Philosoph tun würde? Aber da bestünde ja die Chance, dass sie ihn überzeugen.

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