Faktor Religion

Ein Schild mit der Aufschrift „Meinen Hass kriegt ihr nicht“ steht in der Altstadt von Ansbach.Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Der Psychologe Uslucan relativiert den Zusammenhang von Glauben und Gewalt. Die Religion werde überschätzt, argumentiert er.
 

Von Dagmar Dehmer | DER TAGESSPIEGEL

Vier Gewalttaten haben Deutschland zuletzt bewegt. Die Täter verbindet wenig. Nur eines scheint für alle klar zu sein: Der Axt-Attentäter von Würzburg, der Amokläufer in München, der Messerstecher von Reutlingen und der Attentäter von Ansbach haben alle einen Migrationshintergrund. Dass sich der Münchener Amokläufer als „Deutscher“ bezeichnet hat und sich als „Arier“ fühlte, spielt in der Diskussion über die Anschläge kaum eine Rolle. Deshalb wünscht sich der Vorsitzende des Sachverständigenrats deutscher Sitftungen für Integration und Migration, Professor Haci Halil Uslucan, eine „sachliche Debatte“ über Gewalttaten und die Zugehörigkeit möglicher Täter zu Migrantengruppen. Ein „nüchterner Diskurs“ wäre auch für die Prävention hilfreicher, sagte er dem Tagesspiegel.

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Als Muslim religiös versagt, werd ich eben Christ

Pastor Gottfried Martens von der Evangelisch-Lutherischen Dreieinigkeitskirche in Berlin-Steglitz bei der Taufe eines iranischen Kindes © Lukas Schulze/dpa
Was bewegt Flüchtlinge, Christen zu werden: Glaube? Schutz vor Abschiebung? Die Zahl der Muslime, die konvertieren, steigt. In mancher Gemeinde löst das Irritation aus.

Von Katharina Schuler | ZEIT ONLINE

Vor einigen Monaten bekam Pfarrer Weber ungewohnten Besuch. Fünf junge Afghanen drängten sich in seinem Sprechzimmer und hatten nur einen Wusch: Sie wollten getauft werden und das bitte so schnell wie möglich. Die Männer leben als minderjährige Flüchtlinge im Wohnheim einer saarländischen Stadt. Die katholische Pfarrkirche hatten sie sich ausgesucht, weil es die nächste war. Doch Weber musste sie enttäuschen: Christ wird man in der katholischen Kirche nicht von heute auf morgen.

Gesicherte Zahlen darüber, wie viele Muslime in den vergangenen Monaten zum Christentum konvertiert sind und ob ihre Zahl angesichts der gestiegenen Flüchtlingszahlen zugenommen hat, gibt es nicht. Doch auch wenn spektakuläre Fälle wie etwa die Massentaufe in einem Hamburger Schwimmbad eher die Ausnahme sein dürften, lässt sich punktuell in einigen Gemeinden durchaus ein deutlicher Anstieg von Neuchristen feststellen.

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Wieviel Religion verträgt Deutschland?

Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Der Jurist Hans Markus Heimann analysiert in seinem neuen Buch „Deutschland als multireligiöser Staat“ das Verhältnis zwischen Staat und Glauben in der Bundesrepublik. Auf Grundlage des Grundgesetzes stellt der Autor dabei die Gretchenfrage an die deutsche Verfassung.
 

Hamburger Abendblatt

Das Kruzifix an der Wand in öffentlichen Gebäuden oder das Kopftuch, getragen von einer Lehrerin: An religiösen Symbolen in der Öffentlichkeit entbrennen immer wieder gesellschaftliche Diskussionen.

Der Staats- und Verwaltungsrechtler Hans Markus Heimann erklärt in seinem Buch „Deutschland als multireligiöser Staat“, wie die rechtliche und gesetzliche Grundlage der Religionsfreiheit in Deutschland gestaltet ist und wie weit sie gehen kann.

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Rapid-Pfarrer: Jesus würde heute über Fußball reden – Blödsinn

Bild. Flyer Focke-Museum. Sreenshot:bb
Bild. Flyer Focke-Museum. Sreenshot:bb Themen-Bild.
Fußball-Seelsorger Pelczar zeigte sich beeindruckt von persönlichen Glaubensbezeugungen zahlreicher Top-Profis: „Viele bezeichnen Gott als ihre Kraftquelle und ihr Fundament.“

kath.net

Der Fußball beinhaltet laut dem Priester Christoph Pelczar eine „tiefe spirituelle Dimension“: Im Kampf um das runde Leder spielten zentrale Aspekte des Menschseins – und auch der Religion- eine Rolle, so der frühere Mentalcoach beim SK Rapid und Pfarrer von Weikendorf (NÖ) am Freitag im Interview mit „Kathpress“. Heute würde Jesus wohl über den Ball sprechen: „Für Jesus waren immer die einfachen Dinge wichtig und er nahm für seine Botschaften Bilder aus dem Leben der Menschen. Ganz sicher würde er heute Verbindungen zum Fußball schaffen“, so der Fußball-begeisterte Priester.
Das Geschehen am Trainingsplatz und erst recht im Stadion ist Pelczar zufolge eine verdichtete Abbildung des Lebens: „Mittellinie, eigene Hälfte, Corner, Strafraum und Torlinie haben viel mit dem Inneren des Menschen zu tun. Jeder steht auch im Alltag manchmal im Abseits oder drängt andere dorthin, ist nach einem Foul verletzt, rennt ohne Ball, bietet sich an, spielt sich frei oder feiert Feste wie ein Tor.“ Zu allen Emotionen, zu religiösen Inhalten wie Glaube, Hoffnung und Liebe und auch zu schlimmen Momenten, Versuchungen und Notlagen fänden sich direkte Entsprechungen im Fußball.

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Mehr Freisinn für Republik und Religionen!

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Die Republik irrlichtert gegenüber Religionen, insbesondere dem Islam. Ein klarer liberaler Kurs setzt nicht auf eine „christlich-jüdische Leitkultur“, sondern auf den Kompass eines liberal-republikanischen Ethos. Religionsfreiheit im Rechtsstaat und öffentliche Religionskritik gehören als zivilisatorische Errungenschaft zusammen.

Von Christopher Gohl | The European

Die Angst vor dem Islam erregt die Gemüter derer, die eine angeblich „christlich-jüdische Tradition“ verteidigen. Im Takt eines Kulturkampfes zündeln hitzköpfige Aufwiegler mit Ängsten vor „dem Islam“. Rastlose Groß-Rauner wie Peter Sloterdijk nutzen die Konfusion, um das Land intellektuell nach rechts zu ruckeln. Und die im Bundestag vertretenen Parteien reagieren hilflos. Ihnen fehlt der selbstbewusste Kompass der inneren Liberalität.

Während die Merkel-CDU im Durchhalte-Duktus verkündet, der Islam gehöre zu Deutschland, profiliert sich die zahnlose Seehofer-CSU gegen Merkel mit rechten Parolen statt besseren Argumenten. Der Koalitionskellner SPD sucht noch nach erkennbar sozialdemokratischen Antworten, die Grünen stecken im Reflex des unbedingten Toleranzgebots gegenüber Migranten fest. Und die Linke vermutet hinter dem Islamismus zuverlässig das Werk des neoliberalen Westens selbst. Alle starren sie zusammen mit fasziniertem Ekel auf die AfD. Deren grimmiges Programm der Verteidigung des Abendlandes kanalisiert und kapitalisiert die Ängste vor muslimischen Männern am erfolgreichsten.

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Trend 2050: Kirchlicher Glaube

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Die Zukunft der Kirchen: Leere Bänke beim Gottesdienst.
Foto: dpa
Wie wird die religiöse Landkarte Deutschlands aussehen? Welche Bedeutung werden Glaube und Unglaube haben? Kehren die Götter zurück oder siechen die Religionen dahin? Um diese und andere Fragen geht es in unserer 15-teiligen Serie „Religion und Glaube 2050“.

Von Markus Brauer | Stuttgarter Nachrichten

Stuttgart – Die Kirchenbindung in Deutschland wird bis 2050 stetig abnehmen. Im Jahr 2014 erreichten die Kirchenaustritte einen neuen Rekordstand: 217 716 Menschen verließen die Katholische Kirche – so viele wie noch nie in einem Jahr. Bei den Protestanten ist die Lage noch düsterer.

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Trend 2050: Säkularisierter Glaube

Straßenschild am Ulmer Münster: Religion und Glaube werden zur Dauerbaustelle. Foto: dpa
Wie wird die religiöse Landkarte Deutschlands aussehen? Welche Bedeutung werden Glaube und Unglaube haben? Kehren die Götter zurück oder siechen die Religionen dahin? Um diese und andere Fragen geht es in unserer 15-teiligen Serie „Religion und Glaube 2050“.

Von Markus Brauer|StN.de

Das Wort Säkularisierung leitet sich ab vom lateinischen Begriff „Saeculum“ – Zeit, Zeitalter. Säkularisierung meint die Verweltlichung der Welt, die Abkehr vom Glauben an ein Jenseits und Lockerung religiöser Bindungen. In Deutschland sind der soziale Bedeutungsverlust der Religion und die schleichende Entchristlichung und Entkirchlichung seit Mitte der 1960er Jahre unverkennbar.

Ist die beste Zeit der Kirchen vorbei?

Die christlichen Kirchen hatten ihre beste Zeit in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) und des Wiederaufbaus. Die Gotteshäuser waren voll, das Wort der Pfarrer hatte Gewicht, die Menschen erhofften sich von ihnen karitative Hilfe und geistige Orientierung. 1960 war mit durchschnittlich fast zwölf Millionen Katholiken, die Sonntags die Messe besuchten, statistisch gesehen der Höhepunkt erreicht (Protestanten gehen traditionell sehr viel seltener zum Gottesdienst). Danach ging es kontinuierlich bergab. 2014 waren es nur noch 2,6 Millionen katholische Gläubige, die die Sonntagsmesse feierten. Und es werden immer weniger. 2050 voraussichtlich zwischen einer und 1,5 Millionen – vorausgesetzt der Trend hält an.

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Gotteswahn II: Für Söder ist Gottesdienst alternativlos

DerverzweifelteJesusFinanzminister Söder (CSU): Christen sollten ansteckend und selbstbewusst von ihrem Glauben erzählen.

kath.net

Christen sollten ansteckend und selbstbewusst von ihrem Glauben erzählen. Dazu hat der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) aufgerufen. Er sprach in Hof bei der evangelisch-lutherischen Veranstaltungsreihe „Meine Kirche und ich“. „Wir dürfen sagen, dass wir den Glauben gut finden. Für ihn müssen wir uns nicht schämen“, so der Politiker.
Wie er weiter sagte, würde er sich „manchmal sehr allein fühlen ohne Glauben“. Er sei für ihn Kompass und Orientierung und helfe ihm, sich nicht zu überschätzen und Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.

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Strafender Gott als kulturelle Triebkraft?

Sorgte erst der Glaube an einen strengen Gott für Kooperation in den frühen Gesellschaften? © Darko Kuslan / freeimages
Religion als Sozialkitt? Der Glaube an eine allwissende, strafende Gottheit könnte unseren Vorfahren die Bildung erster Zivilisationen erleichtert haben. Denn diese religiöse Überzeugung fördert die Kooperation mit Unbekannten gleichen Glaubens, wie ein Experiment mit Menschen aus acht verschiedenen Kulturen belegt. Der Glaube könnte damit den Übergang von Familienclans zu großen, komplexen Gesellschaften gefördert haben, wie Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten.

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Glaube und Religion sind nicht nur Privatsache, sie beeinflussen auch, wie wir mit anderen umgehen und prägen damit unsere Gesellschaften. Gleichzeitig beeinflusst die Umwelt, welches Gottesbild in einer Kultur dominiert. Ob umgekehrt der Glaube vielleicht auch eine Triebkraft bei der Entstehung der ersten Zivilisationen war, darüber spekulieren Forscher schon seit längerem.

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Umfrage: Religion verliert für Deutsche an Bedeutung

jesus_love_noAn ein Leben nach dem Tod glaubt einer Umfrage zufolge nur eine Minderheit: Glaube und Religion spielen im Leben der Bundesbürger eine schwindende Rolle.

evangelisch.de

Nur knapp jeder zweite Deutsche (46,4 Prozent) schätzt sich als gläubig ein. Rund 57 Prozent pflegen keinerlei Glaubensrituale, wie aus einer am Montag veröffentlichten Erhebung des Magazins „Apotheken Umschau“ hervorgeht. Vor zehn Jahren waren es erst 45,8 Prozent. Für die Studie befragte die GfK Marktforschung Nürnberg 2.151 Frauen und Männer ab 14 Jahren.

Aktuell besuchen knapp neun Prozent der Deutschen regelmäßig, das heißt mindestens einmal pro Woche, einen Gottesdienst, wie sich aus der Erhebung ergibt. An ein Leben nach dem Tod glauben den Angaben zufolge rund 41 Prozent der Bundesbürger. Etwa genauso vielen Deutschen (40,9 Prozent) gebe der Glaube Halt und Sicherheit im Leben.

Botschaft eines US-Sheriffs: Politisch inkorrekt und stolz darauf

Schild vor Büro des Sheriffs: Nicht jeder dürfte sich willkommen fühlen. REUTERS/Harris County Sheriffs Department
Sheriff Mike Jolley aus Georgia hat eine Botschaft für all jene, die sich an „Gott segne Amerika“ stören: Verschwindet! Das passende Schild hat er vor seinem Dienstgebäude aufgestellt – im Namen der „schweigenden Mehrheit“.

SpON

Geschäfte wünschen nicht mehr „Frohe Weihnachten“, sondern nur noch „Schöne Feiertage“ – um nichtchristliche Kunden nicht zu verärgern. Polizisten und Soldaten werden eher angefeindet als gefeiert. Und wer „Gott segne Amerika“ oder „Wir vertrauen auf Gott“ sagt, wird belächelt.

All das hält Sheriff Mike Jolley aus dem Bezirk Harris im US-Bundesstaat Georgia für Auswüchse der politischen Korrektheit. Die geht ihm gewaltig auf den Keks.

Genug, dachte sich Jolley – und setzte ein Zeichen. Genauer gesagt stellte er ein Schild vor seinem Dienstgebäude auf, das dem Diktat der politisch Korrekten endlich etwas entgegensetzen soll.

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Kaiser, Kalif, Gott

Almut Höfert Kaisertum und Kalifat Verlag: Campus, Frankfurt M. 2015 ISBN: 9783593502830 56,00 €
Almut Höfert
Kaisertum und Kalifat
Verlag: Campus, Frankfurt M. 2015
ISBN: 9783593502830
56,00 €

„Ein Gott, ein Kaiser, ein Weltreich, ein Glaube.“ Diese einfache Formel beschreibt das spätantike römische Kaiserreich, in dem das Christentum zur Staatsreligion aufstieg.

Von Martin Schneider|Spektrum.de

Laut der Historikerin Almut Höfert entwickelte sich das Imperium dadurch zum irdischen Abbild des „himmlischen Reichs“, in dem der Kaiser quasi als Stellvertreter Gottes auf Erden fungierte – mit der Aufgabe, die Untertanen auf die Gottesherrschaft vorzubereiten. Monotheismus, also der Glaube an einen einzigen Gott, und imperiale Herrschaft waren somit eng verwoben und stützten sich gegenseitig. Soweit zumindest die Theorie.

Wie Höfert zeigt, war die praktische Umsetzung dieser Idee jedoch äußerst komplex und konfliktträchtig. Zwar konnte sich das oströmische Kaisertum nach der römischen Reichsteilung 395 noch mehr als tausend Jahre behaupten, bis 1453 nämlich, während Westrom im Zuge der Völkerwanderung kollabierte. Doch erhielt Ostrom durch die Kaiserkrönung Karls des Großen (747/748-814) im Jahr 800 eine unerwünschte Konkurrenz, die es erst Jahre später eher widerwillig anerkannte.

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Marx wirbt für Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion

Reinhard Marx, Chef der Deutschen Bischofskonferenz,
Reinhard Marx, Chef der Deutschen Bischofskonferenz,

In einem veröffentlichten Redebeitrag hat sich der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, dafür ausgesprochen, wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zuzulassen.

evangelisch.de

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, hat bei der vatikanischen Bischofssynode für die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion geworben. Diese könne dann erfolgen, „wenn das gemeinsame Leben in der kanonisch gültigen Ehe definitiv gescheitert ist und die Ehe nicht annulliert werden kann“, sagte Kardinal in seinem von der Bischofskonferenz am Freitag veröffentlichten Redebeitrag bei der Synode.

Kinder im Glauben erziehen

Als weitere Voraussetzungen nannte Marx Reue für die eigene Schuld am Scheitern der Ehe und den Willen, die zweite Zivilehe aus dem Glauben zu leben und die Kinder im Glauben zu erziehen. Wiederverheiratete Geschiedene könnten ihre Verpflichtung gegenüber Kindern aus einer neuen Verbindung nicht aufkündigen, ohne neue Schuld auf sich zu laden, mahnte der Münchener Erzbischof.

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Über Religion und Vernunft: Salman Rushdies neuer Roman

Bild: dw.com
„Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte“ heißt das neue Buch des Schriftstellers. In Deutschland ist es nun in die Buchläden gekommen. Und natürlich geht es auch in diesem Roman um das Thema Religion.

Von Jochen Kürten|Deutsche Welle

Kaum denkbar, dass Salman Rushdie ein neues Buch vorlegen würde, in dem Religion nicht behandelt wird. Zu sehr haben sich bei diesem Autor spätestens nach der gegen ihn verhängten Fatwa Literatur und Religion, Kunst und Lebenspraxis miteinander verzahnt. Und so ist auch der Roman „Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte“, den der Bertelsmann-Verlag jetzt auf Deutsch vorlegt, ein Buch über den Glauben, die Religion und ihre Kritiker.

Zwei Philosophen im Streit

In einer Mischung aus Märchen und Wirklichkeit erzählt Rushdie im Roman vom Philosophen Ibn Ruschd und dessen Auseinandersetzung mit dem islamischen Denker Ghazali. Geschildert wird ein Kampf zwischen Glauben und Vernunft. Zum Figurenarsenal des Buches gehören Menschen, Götter und Geister. Der Titel des Romans bezieht sich auf die morgenländische Erzählsammlung „Tausendundeine Nacht“: Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte ergeben 1001.

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Kermani: Außer in Westeuropa kein Rückzug der Religion

Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Die Religionen spielen nach Ansicht des deutsch-iranischen Orientalisten und Schriftstellers Navid Kermani weiter eine wichtige Rolle. Die Vorstellung, dass sie auf dem Rückzug seien, habe nur „für einen schmalen Streifen zwischen Skandinavien und Nordspanien“ gegolten, sagte Kermani in einem Interview für aktuelle Ausgabe der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“.


kathweb

Heute spüre der Mensch möglicherweise seltener, dass es Dinge gebe, auf die er keinen Einfluss habe, räumte der Schriftsteller ein. „Und doch gibt es sie, erlebt sie jeder von uns, dem ein Kind geboren wird oder der seinen Vater, seine Mutter sterben sieht.“

Eindringlich warb Kermani dafür, in aktuellen Debatten zwischen Glaube und Fundamentalismus zu unterscheiden. „Natürlich bringt es mich oft genug um den Verstand, was im Nahen Osten passiert.“ Gleichzeitig nannte der Autor es „lächerlich“ zu behaupten, dass Terror und Religion in diesen und anderen Fällen nichts miteinander zu tun hätten.

Es gelte jedoch zu differenzieren, betonte Kermani. So hätten auch die deutschen Emigranten nach 1933 angesichts der Barbarei durch die Nationalsozialisten die deutsche Kultur nicht pauschal abgeschrieben, aber parallel dazu eben dort nach den Wurzeln für Gewalt und Terror gesucht.

Die Auffassung, wonach Bildung allein vor Allmachtsphantasien schütze, wies Kermani zurück. Die Wortführer des Fundamentalismus seien stets die Studierten. „Die Elenden geben allenfalls den Mob, der aufgestachelt wird oder heute im Syrien und im Irak zum Kanonenfutter wird.“

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Lieber Fanatiker: Ist es gut, sich einer Religionsgemeinschaft anzuschließen?

Der Glaube kann gut tun. Weckt er Ängste und übt Druck aus, so wird es Zeit, sich von ihm zu befreien.


Von Markus Tiedemann|Frankfurter Rundschau

Lieber Fanatiker!

Nehmen wir einmal an, zwei Marsmännchen versuchten, für die Menschheit eine möglichst positive Zukunft zu planen. Die Beurteilung der Religion hinge wahrscheinlich von zwei komplizierten Fragen ab.

1.Tragen die Religionen dazu bei, dass die Menschen anständig miteinander umgehen?

2.Machen Religionsgemeinschaften glücklich?

Schon die erste Frage ist nicht leicht zu beantworten. Fast alle Religionen verbieten Mord, Raub und Grausamkeit. Sie können sich also positiv auf das Verhalten der Menschen auswirken. Andererseits werden Religionen immer wieder zur Rechtfertigung von Krieg und Gewalt herangezogen. Wahrscheinlich ließen unsere Marsmännchen nur Religionen zu, die zuvor ihre friedliche Natur bewiesen hätten.

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Lieber Fanatiker: Kann man gläubig sein ohne Religion?

Auch wenn Religionsgemeinschaften es meist nicht wahrhaben wollen: Glaube bedarf keiner Organisation.


Von Markus Tiedemann|Frankfurter Rundschau

Ist es überhaupt möglich, nicht zu glauben? Kann Glaube nur in einer Gemeinschaft gelebt werden? Wie wir bereits besprochen haben, gehen viele Erkenntnistheoretiker davon aus, dass unser Gehirn religiöse Annahmen gar nicht vermeiden kann. Irgendwann muss alles einmal angefangen haben und dieser allererste Anfang kam aus dem Nichts. Das ist und bleibt ein Wunder.

Wer sich keiner Religionsgemeinschaft anschließt, der wird oftmals beschuldigt, nicht „richtig“ zu glauben. Allerdings bewegt sich diese Anschuldigung auf ziemlich dünnem Eis. In den Heiligen Schriften wird immer wieder davon berichtet, dass sich Menschen in die Einsamkeit zurückzogen, um Gott nahe zu sein. Hatten Jesus oder Mohammed einen „falschen“ Glauben, bevor Sie Anhänger um sich scharrten und feste Rituale einführten? Wer andere beschuldigt, „falsch“ zu glauben, muss für sich in Anspruch nehmen, im Besitz der „wahren“ Religion zu sein und genau zu wissen, wie Gott verehrt werden will. Aber ist dies nicht eine Anmaßung?

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Mehr als die Eifel liebt Andrea Nahles nur Jesus

Die mächtigste Frau, die es je in der SPD gab, kämpft gegen ihr Image der regulierungswütigen Linken und erteilt auf ihrer Sommerreise Managern Lehreinheiten. Kraft gibt ihr die Heimat und der Glaube.


Von Uwe Schmitt|DIE WELT

Andrea_NahlesSturmwolken ziehen über Ludwigsburg, als die Manager von BorgWarner beginnen, nervös ihre Armbanduhren zu befragen. Als die Ministerin eine halbe Stunde zu spät bei dem Autozulieferer aus ihrem Dienst-Audi steigt, begegnen ihr die Herren mit der vorsichtigen Eilfertigkeit, die sich bei Erbtanten empfiehlt.

Man muss sie nicht lieben, aber auskommen muss man mit Andrea Nahles. Und gegen Beihilfen vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat man notfalls auch nichts einzuwenden.

Fröhlich stürmt Nahles an der Spitze ihrer Entourage und eines knappen Dutzends Presseleute in den Betrieb und entwaffnet Manager wie Arbeiter in der Fertigungshalle mit ihrem besten Trick: Sie wirkt so einig mit sich und ihrer Rolle, sie will sich und andere so offenkundig nicht langweilen mit Besichtigungsroutine, dass ihre Gastgeber sie bald wie eine Kundin umschwärmen.

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Vatikan-Astrologe äußert sich zu Leben auf neuem Planeten

Chefastronom Funes zu neu entdecktem Planeten Kepler 452b: Erst feststellen, ob dort Leben möglich ist, dann kann sich Theologie dazu äußern – kein Widerspruch zwischen Glaube und Wissenschaft


kathweb

Erde_CousinNach Einschätzung des vatikanischen Chefastronomen kann es noch Jahre dauern, bis zuverlässige Aussagen über mögliches Leben auf dem neu entdeckten Planeten Kepler 452b möglich sind. Die Wissenschaftler müssten erst prüfen, ob der Planet denselben Aufbau und dieselbe Dichte wie die Erde aufweise, sagte Jose Gabriel Funes am Samstag dem Sender „Radio Vatikan“. „Vielleicht brauchen wir noch zehn Jahre, um festzustellen, wie die Atmosphäre dort aussieht. Und erst danach können wir auch abwägen, ob Leben auf jenem Planeten überhaupt möglich ist?, so der Leiter der vatikanischen Sternwarte und argentinische Jesuitenpater. Erst dann könne sich die Theologie dazu äußern.

Die US-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA hatte jüngst die Entdeckung des erdähnlichen Planeten Kepler 452b in 1.400 Lichtjahren Entfernung bekanntgeben. Diese Entdeckung gilt als Sensation und beflügelte Spekulationen über außerirdisches Leben.

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Altkanzler Schmidt erwartet mehr Konflikte in islamischer Welt

Helmut Schmidt (2014), Bild: wikimedia.org/Kleinschmidt / MSC/CC BY 3.0 de
„Innerhalb der muslimischen Gesellschaften gibt es heftige, größtenteils blutige Kämpfe. Dort geht es weniger um den Glauben, auch nicht um Territorien – es geht um Macht. Und diese Machtkämpfe werden zunehmen und sich ausweiten“, sagte Schmidt der „Bild“-Zeitung (Samstagsausgabe).


evangelisch.de

Solche Konflikte könnten möglicherweise aus muslimischen oder schwarzafrikanischen Ländern auch nach Europa getragen werden, warnte der 96-jährige Schmidt.

„Heute gibt es auf der Welt etwa gleich viele Muslime wie Christen. Die muslimischen Gesellschaften werden sich jedoch bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts noch einmal deutlich vergrößert haben und die christlichen Nationen deutlich überragen“, erklärte der Altkanzler. Die Bedeutung Europas unter den Weltmächten werde bis 2050 weiter abnehmen: „Unser christlich geprägter Kontinent schrumpft zahlenmäßig seit Jahrzehnten“, konstatierte Schmidt.