US-Pfandfinder: 7.000 Täter, 12.000 Opfer, Konkurs droht

Anwalt Jeff Anderson spricht während einer Pressekonferenz in New York über die Opfer des Missbrauchs bei den Boy Scouts of America (23. April). (Bild: Brendan McDermid / Reuters)
In einem eigenen Register listen die Boy Scouts of America über 7000 Täter und 12 000 Opfer sexuellen Missbrauchs auf. Doch die Dunkelziffer unter den Millionen von Mitgliedern ist vermutlich erheblich.

Peter Winkler | Neue Zürcher Zeitung

Der Skandal um den sexuellen Missbrauch von jungen Pfadfindern durch erwachsene Freiwillige droht die Organisation Boy Scouts of America in den Konkurs zu stürzen. Verschiedene Gliedstaaten sind per Gesetz gegen die Verjährungsfrist für solche Verbrechen vorgegangen. In New York beispielsweise können Opfer ein Jahr lang klagen, auch wenn die Beschuldigungen Taten betreffen, die im Normalfall verjährt wären. Beobachter erwarten, dass damit die Schleusen für eine Flutwelle an Klagen geöffnet werden.

Aussetzung der Verjährung

Wie amerikanische Medien berichteten, haben Anwaltsbüros bereits ihre Anzeigenkampagne verstärkt, mit der sie Opfer ermutigen, sich zu melden. Dies könnte auch zu einer zahlenmässigen Ausweitung des Skandals führen. Einer der betroffenen Anwälte erklärte gegenüber der Agentur AP, von 186 neuen Klienten aus Dutzenden von Gliedstaaten in den letzten Wochen hätten 166 die Namen von Verdächtigen genannt, die noch nicht in der Datenbank der Pfadfinder eingetragen seien.

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Erzbischof von Minneapolis tritt wegen Vertuschung zurück

John Nienstedt , Bild: clickondetroit.com
Erzbischof John Nienstedt (68) ist von der Leitung der Erzdiözese Saint Paul und Minneapolis (USA) zurückgetreten. Der Schritt, den der Vatikan und die Diözesanleitung zeitgleich am Montag bekanntgaben, kam zehn Tage nach Vorwürfen der Staatsanwaltschaft, die Erzdiözese habe beim Schutz Minderjähriger vor sexuellem Missbrauch versagt. Mit Nienstedt gab auch Weihbischof Lee Piche (57) sein Amt ab. Er war mit der kircheninternen Aufarbeitung von Missbrauchsfällen beauftragt.


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Während der Vatikan wie üblich keine konkrete Gründe für den Amtsverzicht angab, teilte Nienstedt mit, er wolle der Erzdiözese „einen Neuanfang inmitten der vielen Herausforderungen“ ermöglichen. Die Kirche sei die Kirche Jesu Christi, aber „meine Leitung hat die Aufmerksamkeit leider von den guten Werken seiner Kirche abgelenkt und von denen, die sie vollbringen“, so Nienstedt.

Nienstedt, seit 2008 Erzbischof von Minneapolis, geriet 2013 in die Kritik, Anschuldigungen gegen einen übergriffigen Priester vertuscht zu haben. Der betreffende Geistliche, Curtis Wehmeyer, sitzt derzeit eine fünfjährige Haftstrafe wegen Sex mit Minderjährigen und Besitzes von kinderpornografischem Material ab. Gegen Nienstedt selbst wurde im Juli 2014 der Vorwurf sexueller Beziehungen mit anderen Klerikern und erwachsenen Priesteramtsanwärtern laut. Nienstedt bestritt dies. Die Erzdiözese beauftragte Weihbischof Piche mit internen Ermittlungen.

Nach zahlreichen Missbrauchsklagen hatte die Erzdiözese Minneapolis im Jänner Gläubigerschutz nach dem US-Insolvenzrecht beantragt. Die Bilanz für das Steuerjahr 2014 wies ein Minus von 9,1 Millionen Dollar aus. Zudem sah sich die Kirchenleitung mit möglichen weiteren Missbrauchsklagen konfrontiert. Erzbischof Nienstedt hatte sich nach eigenen Worten zum Konkurs entschlossen, um eine adäquate Entschädigung von Missbrauchsopfern sicherzustellen und teure Rechtsstreitigkeiten abzuwenden.

Ende Mai gab die Kirchenleitung bekannt, sie werde sich in Notverkäufen von mehreren Immobilien trennen, darunter der Residenz des Erzbischofs und der Kanzlei. Insgesamt hoffte die Kirchenleitung laut Medienberichten auf einen Erlös von 10,6 Millionen Dollar (9,7 Millionen Euro). Allein der Komplex von Bischofshaus und Kanzlei solle 6,3 Millionen Dollar erbringen.

Die Erzdiözese benötigt nach eigenen Angaben das Geld sowohl für Entschädigungszahlungen an Missbrauchsopfer als auch für laufende Ausgaben während des Insolvenzverfahrens. Finanzchef Tom Mertens betonte damals laut einer Zeitung, die Verkäufe erfolgten freiwillig und nicht auf gerichtliche Anordnung.

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Bei Weltbild zählt für die Kirche Geld mehr als Moral

Bild: inside-magazin.com
Die Kirche hat bei Weltbild wie normales Wirtschaftsunternehmen gehandelt. Damit verrät sie ihre eigenen Moralvorstellungen. Sie muss ihre Werten von Fürsorge und Mitgefühl auch in der Welt der Zahlen treu bleiben.

Von Dirk AndresFOCUS ONLINE

Nach der Insolvenz der Verlagsgruppe Weltbild ins über 6000 Arbeitsplätze in Gefahr. Da die Katholische Kirche als Gesellschafter keine Finanzmittel mehr für die weitere Sanierung des Unternehmens bereitgestellt hat, muss sie sich massiver öffentlicher Kritik stellen. Zu Recht?

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