„Plötzlich ist der Kreationismus wieder da“

Bärbel Auffermann, Gert Kaiser, und Beate Schneider (v.l.) im Gespräch über das Spannungsfeld von Religion und Wissenschaft. Foto: Alexandra Rüttgen
Interview Bärbel Auffermann, Gert Kaiser und Beate Schneider über Religion und Wissenschaft.

WESTDEUTSCHE ZEITUNG

Frau Auffermann, Frau Schneider, Herr Kaiser, wann hat sich das Thema „Kreationismus“ erstmals bemerkbar gemacht?

Bärbel Auffermann: Das Thema bewegt uns seit 2009, dem Darwin-Jahr. Seitdem beobachten wir den so genannten Kreationismus.

Gert Kaiser: Und es gibt eine wachsende Tendenz. In den USA gibt es Erhebungen, dass weit mehr Menschen an Gottes Schöpfung glauben als an die Evolution. Diese extremen Glaubensrichtungen wachsen viel, viel schneller als die traditionellen Kirchen. Das ist eine neue Situation für uns hier.

Wie empfinden Sie diesen Zweifel an Wissenschaft?

Kaiser: Plötzlich ist es wieder da, dieses Spannungsverhältnis zwischen Religion und Wissenschaft. Wir meinen, dass man einen gewissen Respekt vor religiösen Gefühlen haben muss, aber dass man die wissenschaftliche Position nicht aufgeben darf.

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Grüner Glaube

Nach dem Sturm: Ein Hurrikan hat dieses Haus in New Jersey zerfetzt. (Foto: Eric Thayer/Reuters)
Lange Zeit stand der Mensch für die großen Weltreligionen im Mittelpunkt. Doch seit einiger Zeit nimmt der Umweltschutz an Bedeutung zu.

Von Matthias Drobinski, Elisa Rheinheimer-Chabbi|Süddeutsche.de

Es war ein Paukenschlag, das Rundschreiben an alle Welt, das Papst Franziskus im Sommer veröffentlichte. Die Menschen beuten die Erde und andere Menschen aus, schrieb dort der Papst aus Argentinien. Sie veränderten mit ihrer Lebensweise vor allem in den reichen Ländern das Klima; sie lebten selbstmörderisch, wenn das so weitergehe. So deutlich hatte das noch nie ein Papst gesagt: Der Klimawandel ist menschengemacht. Und es ist nun die Aufgabe der Menschen, Gottes Schöpfung zu retten. Konservative Christen in den USA reagierten empört: Jetzt glaubt auch schon der Papst die Klima-Lüge! Die meisten Vertreter von Kirchen und Religionsgemeinschaften aber fanden die Enzyklika „Laudato si“, benannt nach dem Sonnengesang des Heiligen Franziskus, gut. Religion ist öko, das klingt heute selbstverständlich. Dabei ist das noch nicht lange so.

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Homo Naledi und der Protest der Nacktaffen

So könnte Homo naledi einst zu seinen Lebzeiten ausgesehen haben. Foto: dpa
Über die Einordnung des Frühmenschen Homo naledi ist eine kontroverse Debatte entbrannt. Sie reicht von absurden Verschwörungstheorien bis zu profunderen wissenschaftlichen Einwänden.
 

Von Johannes Dieterich|Frankfurter Rundschau

Das Echo auf die mit lauten Fanfaren angekündigte Entdeckung einer neuen Art des Frühmenschen in Südafrika droht den ursprünglich entfachten Medienwirbel noch in den Schatten zu stellen. Die seit Tagen sowohl in Südafrika wie in anderen Teilen der Welt geführten Debatten über Homo naledi, einen möglichen Vorfahr des heutigen Menschen, reichen von absurden Verschwörungstheorien bis zu profunderen wissenschaftlichen Einwänden.

Noch lange nach der Ende vergangenen Woche bekannt gegebenen Entdeckung der Knochenreste von 15 frühmenschlichen Individuen in einer Höhle außerhalb Johannesburgs laufen vor allem in Südafrika die sozialen Netzwerke heiß. Über Twitter meldet ein gewisser Alex Matimu Nkuna: „Weiße haben Schimpansen-Knochen in einer Höhle vergraben und behaupten nun, unsere Vorfahren gefunden zu haben. Das ist eine Beleidigung, purer Rassismus.“ Auch Mathole Motshekga, der einstige Ministerpräsident der fortschrittlichsten südafrikanischen Provinz Gauteng, bezeichnete die Funde als die Arbeit von „Pseudowissenschaftlern, die vom Nachweis besessen sind, dass Afrikaner von Pavianen abstammen“.

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Deutsche Sonderwege zur Bischofssynode

Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Im Vorfeld der Bischofssynode zur Familie kommen aus der Kirche Deutschlands wiederholt Initiativen in Richtung einer Abkehr von der katholischen Morallehre. Zufall oder kirchenpolitische Kampagne?

Von Johannes Graf|kath.net

Der Mainzer Moraltheologe Stephan Goertz hat in der Reihe „Katholizismus im Umbruch“ ein Buch mit dem Titel „Wer bin ich, ihn zu verurteilen“ herausgegeben. Wer schon vermutet, dass hier das Thema „Homosexualität und katholische Kirche“ behandelt wird, hat richtig geraten. So lautet der Untertitel des über 400 Seiten starken Sammelbandes.

Die im Eigentum der deutschen Bistümer stehende Nachrichtenagentur KNA gewährt ihm ein Interview, das auf dem von der Deutschen Bischofskonferenz initiierten katholisch-Portal veröffentlicht wird und in dem Satz gipfelt, der Professor für Moraltheologie sehe in der kirchlichen Segnung homosexueller Paare kein theologisches Problem. Das alles geschieht wenige Wochen vor Beginn der ordentlichen Bischofssynode zur Familie. Ein Schuft, wer Böses dabei denkt? Wohl nicht, wenn man sich einige Ereignisse der letzten Zeit in Erinnerung ruft, die in deutschen Landen im Zusammenhang mit der bevorstehenden Synode geschehen sind.

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Mittelalter-Forschung: Menschen brauchen Monster

Cyclopes, einäugige Riesen. Manchmal als Menschenfresser oder als Wildfleischfresser beschrieben. © Reproduktion Rudolf Simek
Rudolf Simek hat ein Buch über mittelalterliche Monster geschrieben. Die haben nichts mit Gruselgeschichten zu tun, sondern viel mit Moral. Ein Gespräch über Monster und darüber, was sich von ihnen lernen lässt.


Von Wibke Becker|Frankfurter Allgemeine

Professor Simek, Sie sind ein Experte für mittelalterliche Monster. Erklären Sie mal: Was ist ein Monster?

Ein Monster im Mittelalter war ein Mensch oder ein Volk von Menschen, das sich durch den Körper, die Ernährung oder das soziale Zusammenleben von den Europäern unterschied. Und zwar so, dass es als moralisches Beispiel verwendet werden konnte. Aber warten Sie, ich habe Ihnen ein Monster mitgebracht (greift neben sich in eine Plastiktüte.)

Echt? Zeigen Sie her!

Ich hab hier eins, ein echtes Monster (zieht ein Alf-Kuscheltier heraus)! Beschreiben Sie mal Alf.

Okay. Alf kann sprechen. Er hat einen ähnlichen Körperbau wie ein Mensch, obwohl die Nase viel größer ist. Und er hat einen ziemlich starken Haarwuchs.

Bis jetzt haben Sie mich beschrieben. Was ist an Alf anders?

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Evolution in der Grundschule? – Unbedingt!

Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Kinder hören in Grundschulen von Gottes Schöpfung, Evolution steht nicht in den Lehrplänen. Unser Autor hat den katholischen Theologen Michael Hauber gefragt: Sollte Evolution schon vor der fünften Klasse im Unterricht besprochen werden?

Von Markus C. Schulte von DrachSüddeutsche.de

SZ.de: Kinder bekommen im Religionsunterricht an Grundschulen die Schöpfungsgeschichte beigebracht. Das habe ich in einem Artikel behauptet und wurde dafür von einigen Theologinnen und Theologen kritisiert – unter anderem von Ihnen, Herr Hauber. Stimmt das denn nicht?

Michael Hauber: Es entsteht der Eindruck, es würde dort ausschließlich das sogenannte Sechs-Tage-Werk gelehrt. Schon in der Bibel gibt es aber eine zweite, etwas andere Schöpfungserzählung, die auf die Zeitangaben verzichtet. Selbst dort wird also nicht suggeriert, die Welt sei in sechs Tagen erschaffen worden. Und im Religionsunterricht geschieht das auch nicht.

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